Abendausgabe � �(10 Pfennig) _�..- Montag• fluegatt B«t. 165 MM II I I| I II| y 1) 1«. lull 102t. W U W WM�M> M T»•",rr.Ä,n'«:,.,-! B«»afllOB: Sffl. M. Cln»eB(lcnö« 3 �►V S-rl-gar- vorwar, s verlog GmbH ?«Bsp-.ch-.- V-BH.N 292-2®t � �.__ � � V Saclla Sffi. 69, Clnöcnfttabc 3 -.�«dr�«».„Bid«B.r.B, V«-NB f r-fTp�y BDlj! JtöJl'Tö'f t �.-n.spr.ch« VS°H°N 202-297 Zcntralorgan der Sozialdemokrat! fd�cn Partei Deutfcblands herriot bilöet öie Auf der Grundlage' Varl«. tS. 3utL(fflIB.) haoa» zufolge bestätigt es sich, dah im Laufe des Abend» Herriol ein Kabinett auf der Grund- tage der Vereinigung der Linken gebildet haben wird. Nach den umlaufenden Gerüchten ist etwa mit folgender Verteilung der Portefeuilles zu rechnen: h e r r i o t Ministerpräsidium und Außenministerium, de M o n z i e Jinanzminister, Rene R e- noult Zustizmiulsler, Thäutemps Inneres, Daladier Unter- richlsmiaisterium oder KriegStniniflerium, vumesnil Marine und vielleicht Oueuille Ackerbau. Außerdem wollen in das Kabinelt eintreten Painleve, der das Kriegsministerium oder Unterrichtsministerium übernehmen wird. Andre Hesse als Kolonialmlnifter, Loucheur als Handelsminister und le Iroc- quer als Minister für öffentliche Arbeiten. Herriol soll außerdem beabsichtigen, I o o r d a i n als Pensionsministcr beizubehalten. Es wird behauptet, daß der Senator Henry Eheron als Budget- minister iu Ausficht genommen ist. * Danach wäre die neue Regierung so gut wie perfekt. Allerdings war schon bei der letzten Regierungskrise zu Be- ginn dieses Monats ein Ministerium cherriot bereits fertig, jedoch in der letzten Minute noch gescheitert. Man mutz daher auch im vorliegenden Falle noch mit der Mög- lichkeit eines Mißerfolges rechnen. Die vorliegende Ministerliste erinnert außerordentlich stark an das erste Kabinett cherriot nach den Mai- mahlen 1924. Er hat eine ganze Anzahl seiner damaligen Mitarbeiter wieder berufen, dazu noch einige fuhrende Po- litiker der gemäßigten Linken, wie Loucheur, de Monzie, Jourdain und vielleicht auch den ehemaligen Mitarbeiter Poincar�s Chöron, die ihm die Verbreiterung seiner Mehr- heit nach der Mitte zu sichern dürften. Trotzdem ist der Grundzug dieses Ministeriums ein kräftiger Rucknach links, man könnte fast sagen» daß das neue Kabinett eine KampfregierungdcrLinten fein wird. Unter diesen Umständen ist jes wahrscheinlich, daß die von L�ön Blum in seinem Brief an Herriot in Aussicht gestellte Unter st ützungspolitik durch die Sozia- listen Wirklichkeit werden wird. Allerdings machen die Sozialisten diese Unterstützung von der Einführung der Kapitalsabgabe abhängig. Ob sich nun die neuen Minister auf diese Formel ohne weiteres einigen werden, ist jedoch noch keineswegs sicher, so daß man hinsichtlich der künstigen Haltung der sozialistischen Fraktion gegenüber der neuen Regierung noch auf Ueberraschungen gefaßt sein muß. Neuer Zrankensturz. Der franzöfiche Aranken steht schlechter als der belgische. Der franzöflsche Franc war heute vormittag an der Berliner Börse der Spielball wilder Spekulation. Die Kurse schwankten fol- grndermaßen: Für l Pfund Sterling(20 Goldmark) wurden noch einander gezahlt 2lS. ZZ0. 2ZS. 224. 22S französische Franc». Im Durch- schnitt erhielt man also nach den Kursen de» Freioerkehrs für t Mark l l,25 Francs, etwa l,20 Fr. mehr als am Sonnabend. Wie sehr die Spekulation sich aus die politischen Vorgänge in Frankreich stützt, geht aus einem vergleich mit dem belgischen Franc hervor, der mit 215 Fr. je Pfund ziemlich stabil blieb. ch Die unvermeidliche Folge des Sturzes der Regierung Driand-Caillaux ist eingetreten': mit rasender Ge- s ch w i n di g k e i t saust der französische Frank a b w ä r tz. Die französische Hochfinanz und mit ihr die internationalen Valutahyänen können mit dem Franken bequem spekulieren, ist ihnen doch durch das Scheitern aller Sanierungsversuche zunächst einmal die Bahn gänzlich frei gegeben. Die Stabilisierung des Franken ist auf unbestimmte Zeit ver- tagt. Sie kann erst wieder in Angriff genommen werden, wenn eine arbeitsfähige Regierung vorhanden ist. Nachdem bereits in der letzten Zeit zwei Kabinette über den Versuch einer Sanierung gestürzt sind, wird man der Baissespekulation gar nicht so unrecht geben können, wenn sie daran zweifelt, daß überhaupt in absehbarer Zeit eine Einigung in dieser lebenswichtigen Frage zustande kommt. Auch" die Markspekulation hat vor Jahren aus derartigen Kabinettskrisen immer ihre stärksten Angrifssmomente gegen die Papiermark geschöpft. Noch vor wenigen Tagen stritt man darum, ob das Kapital oder der Verbrauch die Mehrleistung aufbringen sollten, die zur Sanierung der französischen Staatsfinanzen notwendig ist. Seit Sonnabend ist der franzö- fische Frank um 12 Prozent gesunken. Ebenso hoch ist die radikale und unsozialste Steuer gestiegen, die es in der ganzen Finanzpolitik gibt, die Jnflationssteuer. Französische Bauern, Rentner und Arbeiter zahlen diese Steuer. Das Kapital aber flüch t e t aus der Währung. Die Entwicklung der französischen Währung kann die deutsche Arbeiterschaft nur mit größter Sorge erfüllen. Schon haben Schwerindustrie und Landwirtschaft bei der Reichsregierung ihre Forderungen dahin�angemeldet, daß gegen das Dumping untcrvalutarischcr Staaten e r- höhte Einfuhrzölle geschaffen werden sollen. Die Arbeiterschaft kämpft gegen diese neuen Zollmauern mit neue Regierung. er vereinigten Linken. oller Kraft. Jeder neue Frankensturz aber ist unseren Hoch- schutzzöllnern, den Reaktionären und Feinden einer deutsch- franzosischen Verständigung eine willkommene Unterstützung. Selbst wenn die Reaktionäre mit ihren Forderungen nicht durchdringen, wird die deutsche Arbeiterschaft einen erheb- lichen Teil der Frankeninflation aus ihrer Tasche bezahlen. Die Schleuderaussuhr Frank- r e i ch s, die durch jede Währungsverschlechterung begünstigt wird, beraubt nämlick die deutsche Industrie an vielen Stellen des In- und Auslandsmarktes ihrer A b s a tz m ö g- l i ch k e i t e n. So muß die Arbeitslosigkeit in den betroffe- nen deutschen Gewerbezweigen zunehmenn. Auf diese Weise wird ein nicht unbeträchtlicher Teil der deutschen Ar- beiterschaft die Valutagewinne der intern atio- nalen Spekulation mit bezahlen helfen, ob er will oder nicht. Dem französischen Arbeiter aber entzieht jeder Frantensturz einen Teil der Kaufkraft seines Lohnes. herriot mit üer kabinettsbilüung beauftragt. Pari», 18. Juli.(Eigener DrahtbenchL) Der für die Oeffent- lichkeit etwas überraschende Stikrz des Ministeriums Briand-Eailloux wird am Sonntag in der gesamten Linkspresse Frankreichs als ein ausgesprochener Sieg de» republikanischen Gedanken» über die Diklalurgelüste de» Finanzministers Eaillaux gefeiert. Alle Blätter betonen, daß jetzt, wo die Bahn für die demo- kratifchen Parteien frei sei, der Präsident Doumergue schnell die Krise lösen und einen Mann mit der Kabinettbildung beauftragen müsse. Dieses Kabinett müsse, so wird weiterhin besonders in der radikalen-sozialistischcn und bürgerlichen Linkspresse betont, möglichst ein Ministerium der„nationalen Einheit" sein. Im übrigen scheinen ober die Blätter sich über die Schwierigkeiten dieser Kom- bination wenig Rechenschaft abzulegen. Sie scheinen vor allem zu vergessen, daß die Bildung dieses Kabinetts der nationalen Einheit von mehreren Vorgängern Briands vergeblich versucht worden ist. Doumergue schein! entschlossen zu sein, angechts der Gefährlich- keit der politischen und der Währungskrise eine möglichst rasche Lösung herbeizuführen. Er hat deshalb im Laufe des Sonntag- morgen H e r r i o t neben zahlreichen anderen Persönlichkeiten empfangen und ihn mit der Kabinettsbildung betraut, ch e r r i o t hat diese übernommen. Im übrigen kam es, als Herriot vor dem Elysee, dem Palais des Präsidenten der Republik, vorfuhr, zu einer bezeichnenden feindlichen Kundgebung des Publikums. Bor den Toren des Elysees hatte sich eine Menschenmenge eingefunden, die neu- gierig auf die Ereignisse wartete. Als dos Automobil des Kammer- Präsidenten Herriot oorfuhr, erscholl aus der Menge ein wüste» Johlen und Pfeifen. gemischt mit Rufen:„Nieder mit Herriot!" Starke Polizei- kräfte griffen fosort ein. Es kam zu unblutigen Zusammenstößen. Die Zugänge des Elyföe werden seither von Neugierigen freigehalten. Diese Kundgebung ist für die in Paris deutlich fühlbare Sorge bezeichnend, die in weitesten Kreisen der französischen Bevölkerung angesichts dieser plötzlich hereinbrechenden Krise herrscht, von der man eine Berschärsung der Frankkrise befürchtet. Herriot hat sofort seine Besprechungen ausgenommen. Erklärungen hecriots über Sie Lage. Paris, 19. Juli.(WTB.) Gestern abend erklärte Kammer- Präsident Herriot nach Verlassen des Elysees, wo er dem Präsidenten der Republik über seine Verhandlungen berichtet hatte, Vertretern der Presse, über seine Eindrücke und Absichten befragt: „Aus den letzten Kammerdebatten hat sich die Wahrnehmung er- geben, daß zwei Methoden einander gegenüberstehen, nämlich die Methode der auswärtigen Anleihe und. die Methode der allgemeinen Anstrengung, zwischen denen die Wahl getroffen werden muß, des weiteren, daß die Mehr- heit der Kainmer dem Versuch geneigt sei, eine Lösung mit i n n e r e n Mitteln zu sichern. Diese letztere habe ich im Verlause meiner Besprechungen genauer zu umschreiben gesucht und mich dabei be- müht, ihr jeden inquisitorischen und selbst politischen Charakter zu nehmen. Ich bemühe mich, nutzbringende Arbeit zu leisten, und suche die Finanz- und Wöhrungslage zu bessern. Unter diesen Bedingungen habe ich meine Besprechungen fortgesetzt. IchsucheeineFormel, um diese Bemühungen wirksam zu machen. Ich bin überzeugt, daß die Herabsetzung der schwebenden Schuld durch eine nationale Anstrengung geschehen nmß. Um hierfür di« nötige Stimmung herzustellen, muß man die Bemühung als einen Schritt zur Rettung des Vaterlandes erkennbar machen, man muß dieses Wort gebrauchen, genau so wie zur Zeit des Krieges. Das liegt im Interesi« jedes einzelnen wie im Interefi« oller. Was ich mit bestem Gewissen suche, ist die Formel, die es gestatten wird, dies« Be- mühung zu verwirklichen. Morgen vormittag werde ich mit einigen Persönlichkeiten, mit denen ich heute noch nicht habe Fühlung nehmen können, verhandeln und alsdann mit der Bildung des Kabinett» be- ginnen. Gegen 1 Uhr 30 werde ich mich zum Präsidenten der Re- publik begeben, um ihn über den Fortgong der Bildung meine» Kabinetts in Kenntnis zu setzen." „Agence Havas" glaubt, daß die Formel, für die sich Herriot entschieden habe, eme Politik der Bereinigung der Linken sei. Nach örianös Sturz. Die Haltung der französischen Sozialisten. (Von unserem französischen Mitarbeiter.) Paris, 18. Juli.(Eigener Drahtbericht.) durch eine Mehrheit aus Sozialisten, Kommunisten, Radikal- sozialisten, Blocknationalisten und Vertretern der alleräußersten Rechten gestürzt war, wurde in den Wandelgängen der Kammer keine Frage eifriger erörtert, als die des Ein- tritts der Soziali st en in die neu zu bildende Regie- rung. Die Rolle, welche die sozialistische Fraktion in der Finanzdebatte gespielt hat, war so groß, der Eindruck, den das mehrfache Eingreifen Blums hinterlassen hat, so tief, daß man es diesmal für unvermeidlich hielt, daß die Sozialisten eine bejahende Antwort geben müßten, wenn Herriot, mit dessen Beauftragung zur Bildung des Mi- nifteriums von vornherein auf allen Seiten gerechnet wurde, eine unzweideutige Aufforderung an sie richten würde. Die Antwort auf diese Frage ist rasch erfolgt und unter lim- ständen, die innerhalb und außerhalb der Partei zu äußerst lebhaften Auseinandersetzungen Anlaß geben werden. Ein Zufall wollte es, daß am Sonntag der erweiterte Parteivorstand, wie er auf Grund der Beschlüsse von Cler- mont-Ferrond gebildet worden ist, seine erste Vollsitzung in Paris abhielt; eigentlich, um andere Fragen, unter anderem die der Tätigkeit Paul Boncours als Delegierter Frankreichs für den Völkerbund zu erörtern. Durch die am Samstag abend ausgebrochene Krise wurde eine Aenderung der Tages- ordnung erzwungen und eine gemeinsame Tagung des" er- wetterten Parteivorstandes mit der Parlamentsgrüppe her- beigeführt. Nun find aber seit Clermont-Fcrrand die Ver- treter der Minderheit, die sich seit Jahr und Tag i m P r i n- zip für die Beteiligung an einem von Radikal'sozialisten gc- bildeten Ministerium ausgesprochen haben, freiwillig der.« neuen Parteivorstand ferngeblieben, so daß lediglich die jeder Beteiligung feindlich gesinnte Strömung im erweiterten Parteivorstand vertreten war. Andererseits hatten es die Umstände mit sich gebracht, daß der größte Teil der sozia- listischen Abgeordneten schon am Freitag zur Propaganda in die Provinz abgereist war, so daß der Sitzung der Fraktion am Sonntag sage und schreibe von 97 Mitgliedern nur 13 beiwohnten. Als die Fraktion und der Parteivorstand zu- sammentraten, traf ein Schreiben von Herriot ein» der die sozialistische Partei offiziell zur Mitarbeit aufforderte. Z y r o m s k i wollte sofort einen Antrag zur Annahme bringen, der ohne jede weitere Diskussion das Angebot Herriots ablehnte und ausdrücklich betonte, daß die Mit- arbeit der Sozialisten Herriot weniger als irgendeinem anderen Politiker gewährt werden könne(?), und zum Schluß erklärte, daß die Partei nur eine eigene Regierung ins Auge fassen könne. Im Verlauf einer heftigen Debatte kam es sogar zu persönlichen, tätlichen Zusammen- st ö ß e n zwischen dem Abgeordneten P a y r a, der den Vor- sitz führte, und Z y r o m s t i. Schließlich wurde der von Blum und Renaudcl bekämpfte Antrag abgelehnt und die Entsendung einer aus Blum, Auriol und Renaudcl bestehen- den Abordnung zu Herriot beschlossen. Ihnen er- klärte Herriot, er sei bereit, den Sozialisten etwa die Hälfte der Ministerposten zu überlassen und sich i n großen Linien das von Blum vertretene Finanz- Programm zu eigen zu machen, wenn die Partei in die Re- gieruna einträte. Er sei natürlich gezwungen, die Grund- lagen seines Kabinetts nach rechts zu erweitern, wenn die Sozialisten auch diesmal nicht eintreten wollen. Die Ab- ordnung erstattte dann in der gemeinsamen Sitzung des er- wetterten Parteivorstandes und der 13 Abgeordneten Be- richt �über die Unterredung mit dem bisherigen Kammer- Präsidenten. Nach vier Stunden leidenschaftlicher Diskussion, in deren Verlauf sich L 6 o n Blum, wie schon früher, gegen den Eintritt in ein Kadinett Herriot aussprach, während Renaudel und Auriol für die Beteili- g u n g eintraten, wurde beschlossen, die Einladung zum Eintritt in die Regierung auch diesmal abzulehnen, Herriot jedoch wieder die U n t e r st ü tz u n g der Sozialisten in Aussicht zu stellen. In einem kurzen Antrag des Parteivorstandes und einem Schreiben an Herriot wurde diese Ablehnung so zum Ausdruck gebracht, daß die Fraktion Herriot für sein Angebot dankt, jedoch die Versicherung hin- zufügt, daß sie seine Stellung als Ministerpräsidenten durch ihren Nichtcintritt eher zu b e f e st i g c n als zu schwächen hoffe und wünsche. Renaudel, Auriol und andere erklärten, mit dieser Ablehnung nicht einverstanden zu sein. R c- n a u d e l kündigte sogar an, daß er durch einen Offenen Brief sein Nichteinverständnis vor der öffentlichen Mci- nung des Landes zum Ausdruck bringen wolle, auf Drängen Auriols beschränkte er sich schließlich auf die Erklärung, daß diese, neuerliche Ablehnung der Beteiligung an der Regie- rung in Frankreich bis tief in die Arbeiterkreise hinein ein Auf- sehen erregen wird, dessen Folgen nicht abzusehen sind. Zwar ist Herriot entschlossen, diesmal unter allen Umständen ein Kabinett zu bilden und sich auch mit der Unter st ützung durch die Sozialisten zufrieden zu geben. Aber ob das neue Kabinett, in das Herriot zwar weder Ver- treter des Nationalen Blocks von Louis Marin noch der Fraktion Bokanowski, jedoch Vertreter der vom Nationalen Block losgelösten Le-Trocquer-Gruppe berufen will, von Dauer sein wird, erscheint allgemein als zweifelhast. Jungöo-Kleinkoliberschießen. Und seine folgen.— Ein Mord. Wir erhalten folgende Zuschrift: Nach Bericht der Berwaltungsstelle des Metallarbeiterverbandes in Elbing— Sekretär Fischer— hat sich dort folgende Mord- tat durch den„Iungdo", unter folgenden Begleitumständen abgespielt: Am 2. Jul! 1926 stand in der„E l b i n g e r Zeitung" folgende Bekanntmachung: Bekanntmachung. Der Iungdeutsche Orden Ellerwald hält am Sonntag, den 4. Juli 1926, morgens 6 Uhr, auf dem Gelände des Herrn Dölfs-Ellerwald III ein Scheiben- schießen ab. Schußlinie Norden— Süden. Bor dem Betreten der Schußlinie wird gewarnt. Ellerwald III, den 2. Juli 1926. Der A in t s v o r st e h e r. Am Dienstag abend ist nun die Tochter des Kriegs- invaliden Kuhn in Kraftsohlsdorf, Landkreis Elbing, auf dem Wege zur elterlichen Wohnung von dem Mitglied des Iungdeutschen Ordens Otto G u n w a l d erschossen worden. An diesem Dienstag abend fand in Ellerwald ebenfalls wieder eine solche Schießerei statt, an der der Mörder teilgenommen bat. Leiter der Bewegung und des Schießens find ein Landjäger D o m d e y und ein Lehrer R e b ü f ch k e. Wir hoffen, daß die beteiligten Beamten sofort ihres Amtes enthoben und der Mörder wie alle Mitschuldigen der gerichtlichen Bestrafung zugeführt werden. » Gießen, 19. Juni,(srk.) Der„Reichsbannerzeitung" zufolge hat der Gießcncr Stahlhelm auf den der Reichswehr gehörigen Schießständen verschiedentlich Kleinkaliber- schießen veranstaltet. Als das Reichsbanner Schwarz-Rot- Gold mit einem gleichartigen Antrag an das Infanterieregiment Nummer 15 herantrat, erhielt es durch das Bataillon eine a b- lehnende Antwort. Krankenkassen unö Gesolei. Die Bedeutung des Hauptverbandcs deutscher Ltranrenkassen. Zum ersten Male haben sich auch die Krankenkassen in zu- sammenfassender Weise an einer Ausstellung beteiligt. Es wäre auch kauin möglich gewesen, eine umfassende Ausstellung für Ge- sundheitspslege, soziale Fürsorge und Leibesübungen ohne die eigentlichen Grundpfeiler der Boltsgesundheitspflege, die Krankenkassen, zu veranstalten. So verdient die Beteiligung des Hauptverbandes deutscher Krankenkassen in Ber- lin-Eharlottenburg volle Anerkennung sür das Bestreben, den Mil- lioiieii Besuchern der Gcsolei das Wirken der Krankenkassen im Dienste der Bolksgesundheitspflege in eindringlicher Weise vor Augen zu führen. Unter Zurückstellung all der vielen Einzelleistungen einer einzelnen Kasse ist in übersichtlicher, teils ernster, teils Humor. voller, aber eindringlicher Weise, ein Bild von der Entwicklung und den Leistungen der Krankenversicherung gegeben. Die gewaltige Steigerung der Auswendungen der Krankenkassen auf allen Gebieten ihrer Tätigkeit wird tressend gezeigt, wenn wir die Entwicklung der Ausgaben betrachten. Jni Jahre 1868 waren es 68 Millionen. 1894 bereits 128 Millionen. 1994 stieg die Summe aus 272 Millionen, 1914 auf 659 Millionen und erreichte 1924 die Summ« von 1038 Millionen. Allerdings ist auch gleichzeitig ein Anwachsen der Der- sichertenzahlen zu verzeichnen. Immer mehr Dolkstreise müssen, bedingt durch die wirtschaftliche Entwicklung, dem Kronkenversiche- rungsschulz unterstellt werden. Trotzdem ist infolge der Beoölke- lungszunohme der außerhalb des Krankenversicherungsschutzes stehende Teil im Jahre 1924 um 3 Millionen größer als im Jahre 1888. Damals standen 42 Millionen außerhalb des Schutzes, heute find es 45 Millionen. Die Keantenversicherung hat unter einer erheblichen Z e r- splitterung zu leiden. Im Jahr« 1885 gab es für 4 200 000 Der- sicherte 18 900 Bcisicherungsträger. Obwohl 1924 bei 17 300 000 Versicherten nur noch 7700 Träger vorhanden waren, ist diese Zahl unverhältniemäßig groß. Diele kleine Zwergkassen verhindern die Bildung wirksamer, leistungsfähiger Versicherungsträger. Die Durch- schnittsmitgliederzatzl der einzelnen Kassenarten beträgt bei den Orts- krankenkasfen 4S00, Landkrankenkaffen 4400, Betriebskrankenkassen 883 und Jnnungskrankenkasscn 436. So ist die Gruppe„Krankenversicherung" eine Fundgrube für die vielen Mitarbeiter in der'ozialcn Aersicherung. Auch die Dar- stellung des spröden Zahlenstosfes in teils plastischer, teils bildlicher Form und auch die Darstellung der Reliefs ist äußerst wirkungs- voll.„Die Krankenversicherung schützt die deutsche Arbeitstrast." Dieses Leitmotiv der Ausstellung wird in vollstem Sinne in einem Rundgang durch die Ausstellung bestätigt. Benachteiligung üer Landarbeiter. Unzulängliche Rentcnbercchnung in der Unfall- Versicherung. Die Rcichsoersicherungsordnung schreibt vor, daß zur Bercch- nung der Unsallrenten iür Landarbeiter durchschnittliche Jahres- arbeitsverdienstsätze festgesetzt werden müssen. Die Festsetzung erfolgt durch einen Zlusschuß, der aus je vier Vertreten: der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer und einem vom Oberversicherungsamt de- stellten Vorsitzenden besteht. Diese Bestimmungen der Reichsversicherungsordnung werden vom Deutschen Landarbeiteroerband bekämpft, weil es sich bei vielen der bisher festgesetzten durchschnittlichen Jahresarbeitsoerdienstsätze gezeigt hat, daß sie wesentlich hinter den wirtlich ver- dienten Lohnsätzen zurückbleiben und dem Landarbeiter deshalb«ine Rente gezahlt wird, die keineswegs gerecht ist. Wie groß da» hier vorliegende Unrecht ist, wird durch eine Tabelle ver- anschaulicht, die der Verband in Nummer 11 seines Verbandsorgans „Der Landarbeiter" veröffentlicht. Wir entnehmen der Tabelle fol- gende Angaben: veputalarbeiler. Ostpreußen. Kr. Königsberg. Pommern, Kr. Randow.... Schleswig-Holstein....... Provinz Sachsen, Bez. Börde Freist.Anholt. Bez. Tessau-Zerbsl Freist. Sachsen, Bez. Dresden Westfalen, Kr. Bielefeld... Württemberg.......... Bayern, Kr. Oberbohern... BomAusIchug festgesetzter Jahresarbeit»- verdienft für De- putant. Uber 2t I. M. für De- patant. von 18-21 6 M 600 720 930 810 810 900 780 990 840 480 540 750 645 645 660 585 810 660 Deputat nach Markt. preisen berechn. M. Wirklicher Iahre»verdienst eine» Deputanten Gesamt- «arwhn pro Jahr M. 673.38 666.86 656.33 316.40 302,90 311,58 564,- 217,45 182, 355.56! 339,96 687,50 602,— 680,25 688,75 1232,50 757,48; Zahre«» arbeit»- ver- dirnst M. 855,93 1021.92 996,29 1003,90 904,90 991,83 1232.75 1282.75 974,93 Differenz zwischen wirklichem und sestgesehtem Verdienst in INark. Bei Deputanten Bel Deputanten Uder Zt Jahre von IS— 2t I. Ostpreußen, KreiS Königsberg... 255,93 375.98 Pommern, Kreis Randow.... 301,92 481,92 SchleZwig-Holstei»....... 66,29 246,29 Provinz Sachsen, Bez. Börde... 193,90 358,90 Freistaat Anhalt, Bez. Dessou-Zerbst 94,90 259.90 Freistaat Sachsen, Bez. Dresden., 91,83 331.83 Westfalen. Kreis Bielefeld.... 452.75 647.75 Württemberg......... 242,75 422.76 Bayern, Kreis Oberbohern.... 134.93 314,93 Bei den Freiarbeitern sieht da? Verhältnis nicht viel anders an». Wenn man die über Lljährigen Freiarbeiter berücksichtigt, ergibt sich«in Dissereuzbetrag für Ostpreußen von 317,82 M., für Pommern von 301,92 M., sür Schleswig-Holstein von 61,55 M., für die Pro- vinz Sachsen von 193,40 M., für den Freistaat Anhalt von 94,90 M. und sür Westfalen sogar von 557,50 M. Die Bedeutung der Disserenz zwischen dem wirklichen Lohnsatz und den festgesetzten durchschnittlichen Iahresarbeitevcrdienstsätzen zeigt sich am besten an folgendem Beispiel: Ein 20- bis 21jähriger Arbeiter in der Provinz Sachsen erleidet einen Unfall, durch den er vollständig arbeitsunfähig wird. Seine Rente würde 66Z4 Proz. von dem sich auf 645,00 M. beziffernden durchschnittlichen Jahres- arbeitsverdienstfotz, also 430,00 M. pro Jahr betragen. Der wirkliche Berdienst macht ober nicht 645,00 M.. sondern 1003,00 M. aus. Würden hiervon, wie es richtig ist, 66 K Proz. berechnet werden, käme eine Dollrente von 668,66 M.. oder eine Summe heraus, die um 238,66 M. höher ist, als die erstgenannte. Bei solchen Feststellungen dürfen die Landarbeiter nicht eher nchen, bis auch sie ebenso behandelt werden, wie die übrige Arbeiter- schaft. E» ist zu fordern: Der volle Dcrdtenst einschließ- lich aller Nebenbezüge(Akkordoerdienste usw.> niuß als Grundlage zur Berechnung einer Rente gelten. Wir wissen, daß man den Landarbeitern bei dieser'Forderung mit dem Einwand kommen wird, die Landarbeiterlöhne ließen sich nicht für jeden einzelnen Fall berechnen, oder die Berufsgenosscn- schasten müßten ihren Beamtenstab vergrößern. Dazu sei folgendes gesagt: Was in den gewerblichen Bcrufsgcnossenschaften möglich ist, muß nach unserer Ansicht auch bei den landwirischaftlichcn Berufs- genossenschaften erreichbar sein. Der Deutsche Landarbeitcrverband bearbeitet seit einigen Iahren an Hand der gclteiiden Tarifverträge eine Lohnstatiftik sür die Landarbeiter ganz Deutschlands. An einem bestimmten Stichtag(15. Juli) werden die Löhne aller in der Land- Wirtschaft vorhandenen Gruppen so errechnet, daß beispielsweise das Statistische Reichsamt die Ausrechnungen für durchaus brauchbar be- zeichnet. Ist es den landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften unmöglich, dasselbe zu tun, liegt nichts näher als der Gedanke, sich ein- fach mit dem Deutschen Landarbeiterverband in Verbindung zu setzen und sich von doli das notwendige Material zu verschaffen. Das Schicksal üer �Lebenslänglichen". Ziffern aus einem Zuchthaus. Die„Blätter für Gefängniskunde" verösfenilichen einen Vortrag des Medizinolrat- Dr. L u m p p in Heidelberg, der in«rschreckendem Maße die Notwendigkeit einer Reform des Strafvoll- z u g e» und die Problematik der lebenslänglichen Zuchthausstrafe beweist. Die meisten Kapitalverbrechcr stehen im jugendlichen Alter. Don 50 Lebenslänglichen in einem deutschen Zuchthause standen bei Begehung der Tat: 17 im Alter von 20—25 Jahren .. 26-30. 8,»» 81— 35 m 6.., 86-40 4... 41-50. Nach einer Beobachtungszeit von 47 Jahren war das Schicksal der 50 Verurteilten folgendes: 16 befand«» sich noch im Zuchthaus, ge starben waren 13(darunter 2 durch Selbst» mord), unheilbar geisteskrank 6, begnadigt 12. Unter diesen befand sich ein Schwachsinniger und einer, der verblödete. 10 hielten sich gut und genossen die Achtung ihrer Mitmenschen. 2 davon verübten mehrere Jahre nach der Entlassung Selbstmord, wiederbe st raft wurde einer. Die sozialen Verhältnisse der 50 Verurteillen gibt folgende Tabelle an: Im Armenhaus erzogen 6, s ch l e ch t e h'ä u s l i ch e Erziehung 17, unehelich waren 10, vorbestraft mit großen Strafen 21, vorbestraft mit kleinen Strafen 13, Trunksucht der Ellern 11, Geisteskrankheit bei Eltern 2, Kriminal ität der Eltern bei 8. Aus dem weiteren Zahlenmaterial geht hervor, daß unter den Eingelieferten die Geisteskranken einen erheblichen Prozentsatz stellen. Die Strafhaft selbst wirkt natürlich keineswegs verbessernd aus den Geisteszustand der Sträflinge ein. Im Gegenteil, die Strafhaft er» zeugt eine geistige Niedergeschlagenheit, und nur wenig« Hästlinge entrinnen ohne Gefährdung ihres Geisteszustandes dem Zuchthaus. Es sind ausgesprochene g'«istige Störungen, die den Häftling befallen, die man als Hastpsychose, Derbrecherwahn, usw. bezeichnet und in ihrer Gesamtheit Hastsymptome genannt werden. Unterernährung, Fehlbitten, Heimweh, alle» das sind Momente, die zerrüttend auf die Gesundheit einwirken und zu Geisteskrankheiten führen. Ein großer Teil der lebenslänglich Verurteilten geht frühe? oder später an den Folgen der Haft im Zuchthause zugrunde. wieder ein Schwindel verpufft. Die Bruhnsche„Wahrheit" hatte in einem Leitartikel ihrer Nummer 27, der die Ueberschrift „Eine geheimnisvolle Generalversammlung" trug, behauptet,„daß der bekannte Borsitzende der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion, Herr Hermann Müller-Franken, in den Aussichtsrat der Skaller A.-G. gewählt worden sei". In ihrer Nuipmer 28 muß das Blatt nun berichtigend mitteilen, daß Genosse Hermann Müller-Franken mit derSkaller A.-G. niemals etwas zu tun ge- habt hat und so auch n i ch t in den Aufsichtsrat gewählt worden sei. Ich lese Roöio. Bon Erich G r i s a r. Wochen und Monate der Spannung. Wird man sich ent- schließen können, das in meinem Hirn geboren«, von meinem Ge- fühl geformte Wort in den Raum zu strahlen, mein« Stimm« mit millionenfacher Kraft zu begaben, daß sie gehört wird Meilen und Meilen entfernt von dem Orte, an dem sie ertönt? Bedenken waren zu zerstreuen. Reu« Bedenken stiegen auf. Aber schließlich kam der Tag. Die Stunde war bestimmt. Die Programm« verkündeten meinen Namen. Vielleicht hatten ihn, als ich ihn zuerst sah. schon Tausende gelesen und sich die Stunde ge- merkt, der ich mit pochendem Herzen entgegensah. Warteten darauf. mich sprechen zu hören. Oder waren es nur Hunderte? Ein Dutzend nur? Weiß denn der Mensch, ob er Freunde hat? Weiß er, ob er sür die andern mehr ist als ein Hauch? Sehen den Falken, der sich auswärt» in den hellen Himmel schwang, di« Tausende, die er sieht, wenn er au» luftiger Höh« herabblickt? Die Stunde kam, in der Wirklichkeit werden fallt«, wo« so lang« nur Sehnsucht war. Man führt« mich in einen dunklen Raum, den eine kleine Lampe nur schwach erhellte. Ein Pult, wie das Andachtspult einer Sakristei stand da. Ich legte mein« Bücher darauf und setzte mich davor. Stossüberzogene Wände schloffen mich ab vom Außen der Ding«. Einsam in einer Ecke ein« Windmaschin«. Ein Gestell aus ungestrichenen Holzlatt«n. Ein« Achse und ein rauh«r L«inenlopp«n. Ich dreht« diesen einfachen Apparat. Ein leises, durchdringendes Heulen rauscht« auf. Das also ist das Geheimnis. So macht man den Wind, die Stimm« der Natur nach. Ich mußte lächeln über die Kinder und Großen, die vor dieser Stimm« sich ducken, die daran glauben. An diesen Radiowind. Dann dachte ich wieder an mich. War ich vielleicht auch nur eine rasselnde Windmaschin«, di« irgend ein Unsichtbarer dreht? Ich erschrak und wollt« gehen. Da sah ich meine Uhr. Ihr Zeiger rückt« ungestüm vor. Die erste Minute der Stund«, die mir gegeben war, begann. Durch die Tür trat der Sprecher des Senders. Ein Gong- schlag. Rotes Herz flammte eine Lampe auf. Da» Zeichen, daß di« Einsamkeit diese» Raumes sich geweitet hat zur Unendlichkeit. Di« Worte, die jetzt di« hauchdünne Membran« des weißen Kristall- blocks vor meinem Munde erzittern machen, ertönen wieder in den Ohren Tausender. Es wird feierlich still in mir. Wi« au» einer fremden Welt hör« ich die Stimm« dessen, der mich ankündigt. Dann bin ich allein. Die rote Lampe versinkt. Das Wissen um die Menschen da draußen an den Apparaten oerläbt mich. Kaum nach weiß ich von den Buchstaben, die au; den Büchern und Bogen. die mein« Hand befchrieb, auftauchen, aufschreien, in mein Herz sich drängen, um Stimme geworden, wieder heraus zu drängen aus meinem Körper. Es lockt mich, diese» Pult zu erheben zum Betpult, diesen dunklen Raum mit seiner Still« zu machen zum feierlichen Mittelpunkt der Welt. Beter sein! Einsamer Beter und doch mit- reißen die Herzen der Tausende, die in dieser Stunde, gleichen Herzschlag» mit mir, meinen Worten lauschen. Doch ich darf die Augen nicht schließen. Festgelegt sind mein« Worte. Festgelegt, was ich sprechen darf. Festgelegt, was ich sprechen will. Die Einsamkeit dieser Stunde darf mich nicht ver- gessen lassen, daß di« Tausendfältigkeit, die da draußen in den Raum horcht, tausendfältiges Ohr einer unendlich empfindlichen Seele ist. Ich darf nicht vergessen, daß im Nebenraum jemand sitzt, der Macht hat, den Strom, der mich mit den Tausenden verbindet, abzu- schneiden, wenn ich hinausgeh« über die Grenzen, dl« man mir steckte, wenn ich hinaustrete aus dem Innern meiner Herzkammer, wenn ich versuchen sollt«, statt Windmaschine selber Wind zu sein, der die Herzen emporreißt, wi« der Sturm die grünen Blätter reißt und zerrt, daß sie ihm sich geben und den Zweig oerlassen, an dem sie gut im Safte saßen, um sich emporheben zu lassen von seiner Kraft ins hell« Licht. Einmal hör« ich meine Stimme nicht mehr. Ich vergaß, ein begonnenes Gedicht zu beenden, stockte. Vielleicht scheut« ich mich, den symphonischen Schlußsatz, dieses tiefe Bekenntnis auszusprechen vor soviel Unsichtbaren. Doch dann fahr« ich fort und wi« Hammer- schlägt fallen meine Worte schwer und einzeln in den Raum: Wir schuftn dies Werkt Wir leben in ihm! Und wehe den Menschen, die es vevgessen: Denn k«in einzelner lebt ohne das Ganze! Das Ganz« ersteht nur durch der Hände Verein. Der Hände Verein segnet die Menschheit! Unwillkürlich blick« ich hoch. Das rote Herz flammt noch. Ich Hab« noch Bindung mit den Menschen. Man hat nicht gefürchtet, daß diese» Wir, dieses Wehe, di« Ordnung stört, an der wir leiden. Man ahnt vielleicht nicht einmal, daß das Wissen um diesen Satz die Welt aus den Angeln heben könnte, wenn alle ihn hörten, wenn olle ihn lebten. Oder weiß man, daß auch die, die hören, nicht hören? Langsam, mit schweren, lastenden Worten, lese ich weiter. Der- gessen ist wieder die Umwelt. Ich begeistere mich an den eigenen Worten, st«ig«r« mich an mir s«lbst empor und bin erstaunt, al» di« Uhr mich erinnert an dl« Zeit. Da» letzt« Wort aus meinem Munde. Di« rot« Flamme ver- löscht. Geheimnis bleibt wieder das Wort, das dieser Raum hört. Aber ich Hab« nicht niehr das Bedürfnis zu sprechen. Schweizend gehe ich fort. Meine Aufgab- ist erfüllt, niemand hält mich, niemand sehnt sich nach meiner Summe. Ein Mädchen begegnet mir. Viel- leicht hat sie eben meinen Worten gelauscht, vielleicht«in Zu- sammcntreffen verzögert, um mich bis zum Ende hören zu können. Fremd geht sie jetzt an mir vorüber zu ihrem Geliebten. Ich weiß nichts von ihr. Will nicht» von ihr wissen. Eben noch war ich Mittelpunkt Taufender, jetzt trete ich still und schweigsam in den Kreis zurück. Unbeachtet wie die Programm«, die meinen Namen tragen, nun im Papierkorb ruhn; denn vorüber ist. was sie an- kündeten. Vorüber bin ich. Verweht ist meine Stimm«. Internationale Ausstellung In der Nalionolgalerie. Ende dieser Woche eröffnet die Berliner Nationalgalerle im Kronprinzen-Palais eine kleine Vier-Rationen-Ausstellung. Mrs. Harriman, die Gattin des amerikanischen Eisenbahnkönigs, hat eine alljährliche Wander- ausstellung von Kunstwerken organisiert, an der in den letzten zwei Jahren nordamerikanische, englische und französische Künstler be- teiligt waren. In diesem Jahre sind zum erstenmal Deutsche aus- gefordert worden. Jede Ausstellung zeigt 30—40 Kunstwerke der beteiligten Länder: Gemälde und Zeichnungen von Bildhauern. Geh. Rot Ludwig Justi hat das Kronprinzen-Palais mit Genehmi- gung der entsprechenden Behörden sür diese Deranstaltung zur Ver- fügung gestellt. Die Ausstellung beschränkt sich in diesem Jahre nur auf jüngere Künstler. Der über europäische Dinge ausgezeichnet unterrichtete Amerikaner de Zayas, der Verwalter der Ausstellung, hat die Liste der einzuladenden deutschen Künstler ausgestellt, die Nationalgalerie hat es übernommen, deutsche Kunstwerke herbeizu- schassen. Die Auswahl der deutschen Gemälde wurde von Dr. Thor- maehlen und de Zayas mit den Künstlern im einzelnen getroffen. kriminalistisches Seminar in der Gesangenenanstalt. Auf An- regung de» Kriminalisten Professor Exner hat die Universität Leipzig eine bemerkenswerte Neuerung eingerichtet, wie sie bis jetzt in ahn- licher Weise an deutschen Hochschulen nur noch in Graz zur Ver- wirklichung gelangt ist. Unter Leitung Exners und unter Mitwirkung des Gerichtsarztes Medizinalrats Schütz finden regelmäßig in der Leipziger Gesangenenanstalt in der Beethooenstraße Sitzungen des kriminalistischen Seminars stall, bei denen unter Heranziehung der betreffenden Gefangenen zur Auskunfterteilung konkrete Einzel- fälle nach allen Richtungen durchgesprochen werden. Namen werden weggelassen: die Beteiligung des Gefangenen erfolgt natürlich nach dessen freiem Willen, in der Regel nach Aufklärung über den Zweck des Ganzen. Das Bedürfnis der meisten Kriminellen, über ihren Fall zu sprechen, trägt viel zu dieser Bereitwilligkeit bei: in einem Fall hat es sich sogar ereignet, daß ein bereits entlassener Gesänge- ner sich aus freien Stücken zur.Besprechung seiner Sache in der Sitzung einfand. Als Vertreter des Ministeriums hat kürzlich Ministerialdirektor Dr. Wulfsen dem Seminar beigewohnt und dabei die hervorragende Bedeutung diese» praktischen Unterrichts ge- würdigt._ KeNo, wähl«n der Berliner UnwersitSt. Am 1. August wird der wei- im Eenet der Berliner llnweisilät zuinnimenlreten, um de» Aektor iür da» Hahr 1826/27, den Aachjolger teJ zurzeit nmticrendeii Vroi. Dr. Joses Pompeckj zu wählen. Nach dem bisher üblichen TuruuS ist diesmal die juristische Falultät an der Reihe, den Rektor der Hochschule zu steücu. «eneraltonsul Aeiderhan aus Breslau wurde zum Generaldirektor ber österreichischen Bundcstheater ernannt. Zur vier Millionen Mien gefäljrht. Der Fälscher verhaftet. Großes Aufsehen erregte ini Oktober 1324 die Ausdeckung eines Aktienschwindels, on dem ein ganzes Konsortium von Männern beteiligt war. Seinerzeit wurden für viele Millionen Aktien aller möglichen Industrieunternehmen gefälscht und teilweise in den Verkehr gebracht. Die Hauptbeteiligten, ein Dr. Lud- wig B o e ck, ein Baron Rösner von B l u m e n t h a l und zwei Gebrüder Jakobi, wurden festgenommen und im Frühjahr dieses Jahres abgeurteilt, bis auf Günther Jakobi, der freigesprochen wurde, weil er sich als ein Opfer des Dr. Boeck hinzustellen wußte. Vor einiger Zeit fragten nun zwei große Mo n t a n w e r k e bei der hiesigen Kriminalpolizei vertraulich an, ob der Behörde von Fälschungen ihrer Aktien etwas bekannt geworden fei. Die darauf- hin von Kriminalkommissar Seifert und seinen Beamten angestellten langwierigen Ermittlungen führten dazu, daß Günther Jakobi der Fälschung überführt und wiederum verhaftet wurde. Nachdem er das freisprechende Urteil erzielt hatte, erössnete er in Berlin am Grünen Weg eine kleine Konditorei, um deren Betrieb er sich aber wenig kümmerte. Sein« Privatwohnung war in der Blumenstr. 88. Die Nachforschungen nach Personen, die mit ihm in Verkehr standen, waren um so schwieriger, als jeder ihn unter einem anderen Namen kannte. Schließlich konnte man aber doch feststellen, daß er größere Mengen Papier aufgekauft hatte, das, durch fünf verschiedene Hände gehend, endlich an eine mittlere Druckerei in Saalfeld in Thüringen geliefert wurde. Hier erschien eines Tages ein.Vertreter und Generalbevollmächtigter der Mon- tanwerke*, der sich.Freiherr von Roy' nannte. Er bestellte den Druck von 2000 Stück Aktien zu je 200 Talern und die gleiche Menge zu je 1000 Talern. Der Auftrag wurde in allen Einzelheiten be- sprachen, man einigte sich über die Geheimzeichen, die Klischees, die Stempel und die Faksimileunterfchriften Heber alles wußte der „Freiherr" genau Bescheid und brachte auch die erforderlichen Unter- lagen bei. Dem Druckereibesitzer, der den Auftrag zuerst im guten Glauben entgegengenonimen hatte, kamen nach einiger Zeit doch be- denken, die durch ein kleines Versehen des.Freiherrn" noch bestärkt wurden. Er setzte sich mit den Montanwerken in Verbindung und hörte nun, daß der angebliche„Generalbevollmächtigte" ein Fälscher sein mußte. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei ließen den Ge- danken auftauchen, daß von Roy identisch sei mit Günther Jakobi. „von Roy" wurde, als er wieder in Saalfeld auftauchte, von den dortigen Behörden f e ft ge n o m m e n. Seine Pcrfonenbeschreibung bestätigte den gehegten Verdacht. Der Verhaftete hatte sich sofort auf einen Herrn Seifert aus Berlin berufen. Damit meinte er keinen anderen als den Berliner Kriminalkommiffor Seifert, der ihn schon 1324 festgenommen hatte. Offenbar glaubte er, daß die Bearbeitung der Fälscherangelegenheit jetzt in anderen Händen liege und wollte den Beamten in eine schiefe Lage bringen. Das miß- glückte freilich,.von Roy"-Jacobi wurde nach Berlin gebracht und am Sonnabend abend gelang es, auch die letzten Personen, deren Verbindung mit ihm bekannt war, heranzuholen. Um einer Verdunkelungsgesahr vorzubeugen, wurden alle vorläufig in Haft behalten. Bei der großen.Geschäftstüchtigkeit" Jokobis ist kaum anzunehmen, daß er seine Fälschungen auf die beiden be- kannten Montanwerke beschränkt hat. Wahrscheinlich hat er noch bei anderen Druckereien in Berlin und der Provinz Aufträge auf Akticndruck erteilt, die bisher noch nicht zur Kenntnis der Behörde gelangt find. Mitteilungen von Personen, die gutgläubig mit Günther Jakobi in Geschäftsverbindung getreten sind, werden von der Dienststelle R7 der Kriminalpolizei in der Georgenkirchstr. 30a entgegengenommen. Rückkehr öes Reichsbanners aus Wien. Gestern abend 10 Uhr war der Bahnsteig auf dem Anhalter Bahnhof, an dem der Extrazug aus W i« n mit den Mann- fchaften des Reichsbanners einlaufen sollt«, gedrängt voll Men- fchen, di« ihr« Angehörigen erwarteten. Viel« hatten Blumen. R«ichs- bann«rl«ute sorgten dafür, daß die Passagiere des Münchener Schnell- zuges, der an demselben Bahnsteig einlief, ungehindert den Ausgang gewinnen tonnten. Pünktlich um 10 Uhr IS Minuten lief der E x t r a- z u g ein, stürmisch begrüßt von den Wartenden. Durch den Ausgang zur Möckernftrahe verlieben die Reichsbannerleut« den Bahnhof, meisten» zu zweien. Die Leitung des Reichsbonners hatte von einem geschlossenen Abmarsch abgesehen, denn die meisten Käme- raden trugen Wiener Bergstöcke, was der Polizeioerordnung bei ge- schlössen«» Aufzügen widerspricht. In der M ö ck e r n st r a ß e wartete eine größere Menschenmenge auf di« Ankommenden, di« sie mit„Frei- Heil".Rufen willkommen hieß. Später, ungefähr um?U1, kam es d.'nnoch zu einem Zwischenfall in der Möckernstraße, dicht am Askanisthen Platz. Einigen Kameraden, die hormlos zusammen- standen und sich verabschiedeten, wurden von der Polizei d i« Berg- stöcke fortgenommen. Dieses Vorgehen muß sonderbar und kleinlich berühren, wenn man bedenkt, daß das Reichsbanner von einer im besten Sinne deutschen Kundgebung kam. Oer Toü im öaüe. Bisher zehn Todesfälle festgestellt. Der gestrige Sonntag hat eine geradezu erschreckend« Zahl von O p s e rn gefordert. I n G r ü n a u, an der sogenannten Bammelecke, ertrank der Ibjöhrige Kausmannslehrling Otto H a u p t st o ck aus der Prinz-Georg-Str. 8 zu Berlin. I m Teltowkanal(Stichkanal) an der großen Eisenbahnbrücke der 17jährige Arbeiter Erich P r e u ß aus der Büschingstr. 2V. Im Freibad Grünau der Arbeiter Albert W i e r i s ch aus der Cotheniusstr. 19. In der G r o ß e n K r u m p e bei Schmöckwitz der Kaufmann Walter G a st aus der Virchomstr. 10 zu Berlin. Im L r o s s i n I e e bei Schmöckwitz in der Nähe des Jagens 13 der Arbeiter Erwin F i s ch e r aus der Prinz-Handjery-Str. 39. An der Bürgerablage bei Papenberge der Arbeiter Arnd Krause aus der Birkenstr. 23, der zusammen mit seinem Sohne hinaus- gefahren war, um zu baden. Der Sohn vermißte den Vater seit 10 Uhr vormittags und benachrichtigte den Reichswassereschutz, der die Leiche dann gegen 2 Uhr nachmittags dicht an der betreffenden Badestelle aus dem Wasser herausholen tonnte. In T e g e l o r t ging der 21jährige Student Alfred Ralow unter. Im Freibad I ö r s f e l d e ertrank ein 12jähriger Schüler. Im T e- geler See der Kaufmann Bernhard Krüger aus der Island- straße 17. Auch heute früh ereigneten sich in den Gewässern der Oberspree einige Badeunsälle. Bei dem im Bau befindlichen Elek- trizitätswerk Rummelsburg wurde eine männliche, nur mit Badehose betkeidete Leiche geborgen. Fast bei allen �Unfällen wird immer wieder das selbstlose Verhalten der A r b e i t e r s a m a r i t e r gelobt. Uebcrall konnte man Mitglieder dieser Organisation sehen, und überall wurden Fälle bekannt, wo sie in Ertrinkungsgesahr Schwebende retten und wiederbeleben konnten. Schweres /tutomobttunglück bei Oranienburg. Fünf Perjonen verletzt. Am gestrigen Sonntag vormittag ereignete sich aus der Chaussee zwischen Nassenheide und T e s ch e n d o r s. in der Nähe von Oranienburg,«in schweres Automobilunglück. Ein von dem Kaufmann Willi Seehaus aus Berlin-Rosenthal, Kastanien- Allee 23 gesteuerter Krastwagen. der sich in ziemlich schnellem Tempo befand, erlitt plötzlich«inen Reifenschaden, durch den der Wagen ins Schleudern geriet und mit so starker Heftigkeit gegen «inen C Hausieebaum stürzte, daß sämtliche Insassen, insgesamt 5 Personen, aus dem Wagen geschleudert wurden und schwer« Ver- letzungen davontrugen. Der Kaufmann Seehaus, der erst seit «inigen Tagen im Besitz« eines Führerscheins war. wurde durch di« Windschutzscheibe aus den Boden qeschleudert, daß er«ine schwere Gehirnerschütterung und mehrere Verletzungen durch Glossplitter am Kcpf und Händen davontrug. Der neben ihm sitzende Chauffeur erlitt«inen Armbruch, konnte sich jedoch wieder nach Berlin begeben, von wo aus sich das Auto auf einer Fahrt nach Heringsdors befand. Schwer verletzt wurden auch die Mutter und Ehefrau Seehaus', sowie die Schwiegermutter des Verunglückten. Frau Schütte. Diese Per- sonen wurden mit Schädelbrüchen und schweren Gehirnerschütterun- gen mit einem telephonisch herbeigerufenen Krankenauto nach dem Kreis-Krankenhaus Niederbarnim in Oranienburg transportiert, wo auch der Kaufmann Seehaus Aufnahme fand. Der Anprall des Wagens war so stark, daß die Chausie« an der Unglücksstell« tief aufgewühlt worden ist. Wie wir hören, hat sich seit gestern früh das Befinden von Seehous etwas gebessert, während der Zustand der drei verunglückten Frau«» immer noch sehr bedenklich ist. wieder ein Todessturz auf der Avus. Ein schweres Motorradunglück«reignete sich Sonntag nacht gegen 10 Uhr auf der A v u s i m G r u n« w a l d. Der Kauf- mann Heinrich v. Heydt. Tcmpelhoser Weg 125 zu Schöneberg, befand sich mit einem Fräulein Ge nschk« aus der Wartburgstr. 26 auf dem Heimweg. In der Nordschleif« wurde Heydt von den Schein- werfern eines entgegenkommenden Kraftwagens geblendet und fuhr die Böschung hinauf. Hierbei kippt« das Motorrad um und Fräulein G. stürzte so unglücklich, daß sie an den Folgen einer schweren Schädelverletzung kurz« Zeit darauf o e r st a r b. K. blieb unverletzt._ Die russischen Ilieger in Serlln. Feierliche Begrüßung auf dem Tempelhoser Feld. Der rusiische Flieger Schebanosf ist heute vormittag kurz nach 11 Uhr, von Schwedt kommend, im Zentralflughafen Tempelhoser Feld gelandet. Die rusiische Maschine war bekanntlich am Sonntag vormittag von D a n z i g zum Weiterfluge nach Berlin gestartet, mußte aber wegen erneuten Defektes an der Kühlung in Schwedt a. d. Oder eine Zwischenlandung vornehmen, wo nüt Hilfe mehrerer von der Lusthansa entsandter Monteur« die Maschine repariert wurde. Heute vormittag um 10 Uhr erfolgte aufs neue der Start nach Berlin. Im Zentralflughafen hatten sich zahl- reiche offizielle Persönlichkeiten zur Begrüßung eingefunden. Er- schienen waren u. a. der russische Botschafter Krestinski in Begleitung des Militärattaches Luneff, ferner Vertreter des Reichsverkehrs- Ministeriums, des Direktoriums der Deutschen Lufthansa, sowie der Deruluft, zahlreiche Angehörige der russischen Kolonie in Berlin, Abordnungen des Roten Frontkämpferbundes u. a. m. Kurz nach 11 Uhr gab die Eirene das Zeichen, daß der Flieger in Sicht sei. Bald darauf erschien das Flugzeug, ein Metalldoppeldecker mit weit überstehenden oberen Tragflächen, über dem Platz und landete nach einer Runde glatt. Unter Rotfront-Rufen der Delegation der Roten Frontkämpfer und der an den Flugplatzneubautsn beschäftigten Bauarbeiter, die in Scharen über den Plag eilten, rollte die Maschine vor die Halle der Luslhansa, wo die erste ossizielle Begrüßung statt- fand. Als erster entstieg der Kabine der Inspekteur der russischen Zioilluftflotte Wischneff: dann verließen auch der Pilot Schebanosf und der Monteur Barabzoff ihre Sitze, und Botschafter Krestinski richtete an die drei Gäste eine längere Ansprache, in der er sie zur Zurücklegung der ersten großen Etappe der von der Sowjetregierung nach Westeuropa unternommenen Flugexpedition beglückwünschte. Seine Rede schloß mit einem dreifachen Hoch, worauf die anwesenden deutschen Kommunisten die„J n t e r n a t i o- n a l e" anstimmten. Der Inspektor der Zivillustslotte, Wischneff, dankte in kurzen Worten für die Begrüßung. Dann be- gaben sich die Gäste zu der Halle der Lufthansa, von deren Anlagen zu Ehren der Russen die Sowjetfahne und die Farben des Reiches wehten. Hier wurden die russischen Flieger namens der Reichsregierung von Geheimrat Fisch vom Reichsluft- amt, sowie namens der Deutschen Lufthansa von den Direktoren Merkel und Milch begrüßt. Die Maschine ist bekanntlich eine russische Konstruktion und trägt die Bezeichnung L. dl. l. Sie ist mit einem 260.?d.-Maybach-Motor ausgerüstet. Das Flugzeug ist eine reine Lerkehrsmaschine mit ge- räumiger Kabine._ Gpfer Ses Schwermuts. Großmutter und Enkel mit Gas vergiftet. Die furchtbare und unnatürliche Tat einer Großmutter, die ihren öjährigen Enkel und sich selbst mit Gas vergiftete, wurde gestern im Hause W i ß m a n n st r. 11 ausgedeckt. Der 54 Jahre alten Frau Elise Bönicke, geb. Schmidt, war vor einiger Zeit die Schwiegertochter gestorben. Die Frau war daraus zu ihrem Sohne nach der Wißmannstr. 11 gezogen, um ihm die Wirtschaft zu führen. Gestern mittag wollte eine Schwester der Frau Bönicke sie besuchen, fand aber keinen Einlaß. Sie benach- richtigte die Polizei des 213. Reviers, die mit Gewalt öffnete. Man fand"die Großmutter und ihren Enkel tot in der Küche auf. Die Frau, die in letzter Zeit Anwandlungen von Schwermut gezeigt hatte, hatte die Gashähne geöffnet. Wieder- belebungsoeriuche der Samariter der Feuerwehr blieben erfolglos. Wettkonzern Keil geschloffen. Der„Wettkonzern" des Herrn Arthur Keil ist heule früh polizeilich geschlossen worden. Bereits am Freitag waren sämtliche Geschäftsbücher auf Weisung des Polizeipräsidiums durch den Kriminalkommissar Köppen beschlagnahmt worden. Am Sonn- abendvormittag wurde Keil selbst durch die Staatsanwaltschaft ver- haftet. Heute früh hat nun die Finna ihren Betrieb vollständig eingestellt. Da der größte Teil der»och im Besitz der Firma be- sindlichen Werte und Jnoentarstücke bereits seit etwa acht Tagen e p f ä n d e t war und bevorrechtigte Forderungen der Post, der inanzämter und der Krankenkassen in erheblicher Höhe vorliegen, ist nicht damit zu rechnen, daß die Einzahler ihre Einlagen und die etwa 160 Angestellten auch nur einen Bruchteil ihrer vielfach bereits seit Mal rückständigen Gehälter herausbekommen werden. Maskierte Wohnungsräuber. Einen schweren Ueberfall verübten gestern abend zwei maskierte Männer in dem Hause Misdroyer Straße 4 4. Hier wohnt im ersten Stock des Gartenhauses die 53 Jahre alte Frau Anna B o r ch a r d t für sich allein. Am Sonntag abend kurz nach 10 Uhr klingelte es an ihrer Flurtür. Frau Borchardt wundert« sich zwar, daß so spät noch Besuch komme, nahm aber an, daß es eine Nach- barin wäre und össnet« ahnungslos. Vor ihr standen zwei Männer, die schwarze Masken trugen, und von denen einer ihr einen Revolver entgegenhielt. Die Unheim- lichen drängten die entsetzte Frau in den Korridor und schlössen die Tür hinter sich. Dann forderten sie Geld. Während der eine als Horchposten an der Tür zurückblieb, begleitete der Maskierte mit dem Revolver die Frau in das Zimmer, wo'si« aus einer Kommode> 800 Mark nehmen und ihm aushändigen mußte. Beide drohten. sie zu erschießen, wenn sie einen Laut von sich gäbe. Erst nach einer ganzen Weile hatte Frau B. sich soweit erholt, daß sie um Hilfe rufen konnte. Hausbewohner alarnnerten die Polizei des 153. Re- viers, doch blieb alles Suchen nach den Räubern vergeblich. Ein amerikanischer Sausmann um S0 000 Mark bestohlen. Um 80 000 Mark wurde der amerikanische Kaufmann Haymon Direetor bestohlen, der von New Port herübergekommen war, um seine Mutter in Polen zu besuchen. In Bremerhafcn machte er die Bekanntschast eines gewissen N. R. W a l l a c e, der sich dem Landsmann anschloß. Vor der Weiterfahrt nach Polen wollte man drei oder vier Tage in Berlin verbringen. Auf Veranlassung des Wallace erhob Direetor am Sonnabend auf der Deutschen Bank 80 000 Mark, um Montag früh gleich einen Ausslug unternehmen zu können. Man besuchte am Nachmittag mehrere Caföhäuser, nachdem unterwegs noch ein Mr. O'Bryn sich angeschlossen hatte. Gegen 2 Uhr saß die Gesell- schast in heiterster Stimmung in einem C a f 6 am Zoo. Direetor, der in seiner Briestasche etwas nachsehen wollte, zog sie heraus und blätterte darin. Plötzlich griff Wallace, anscheinend„im Scher z". nach der Tasche, nahm sie dem Landsmann weg und lief hinaus. Zuerst glaubten alle an«inen„practicgl jolcc", als er aber gar nicht wiederkam, schöpfte man Verdacht und rief sein Hotel Unter den Linden durch den Fernsprecher an. Jetzt stellte es sich heraus, daß der tüchtige Landsmann seine Zeche bezahlt und mit seinem Gepäck verschwunden war. Selbstmord eines Reichsbankrats. Der 50jährige Reichsbankrat Eugen S ch o ch o w wurde heute morgen in einem Nebenraum im Reichsbankgebäude in der Kurstrohe mit Gas vergiftet, leblos aufgefunden. Ein hinzugerusener Arzt konnte nur den Tod fest- ft e l l e n. Sch. Hot die Tat wahrscheinlich bereits am Sonnabend nach Dienstschluß begangen. Der Grund zu der Tat ist bisher noch nicht bekannt. „An der schönen Donau." In Kislichs Sommer- t h e a t e r, Hasenheide, muß die gute alte Donau, die liebe Weana Musi und der Herr k. u. k. Gendarmerietrottel wieder mal herhalten. Die Wiener sind ja gutmütig, aber die Berliner— noch viel mehr. Denn sie haben sogar feste gelacht, wenn der dicke Komiker immer wieder seine Hose rutschen ließ, oder der kesse Spreeathener den Wiener auf die Berne brachte. Gott erhalte ihnen ihren naiven Humor. Schließlich ist's ja Sommer, man sitzt schön im Garten, hat die Kinder dabei und hört ein bisse! Musik. Also: Der Geiger Franzi liebt seine Chefin, die Wirtin Frau Annamirl in Günzing. Ein Berliner Agent entdeckt ihn, entführt ihn in die große Welt, aber nichts kann den Franzi verlocken, seiner Dulcinea untreu zu werden. Ja, gibt's denn sowas a? sagt man in Bayern. Sie triegen sich— sogar ohne alle Komplikationen— und das Publi- tum freut sich darüber mordsmäßig. Es gab stürmischen Applaus, Blumen, Alkohol und andere nützliche Geschenks. Das Ganze war unbeschwert. Jeder spielte, wie's ihm ums Herze war und die Musik begleitete g'etrculich. Man sieht, es geht aber auch so. ver Aläanergesovgverrin.Berliner Llederftennde E. D.", Mitgl. tts DASB., veranstaltet am Mittwoch, 21. Juli, 8 Uhr, im Lichtenberge Stadtpart ein Konzert. Ter„Hansestadt Tanzig" erste Zsfahrt. Das Motorschiff Hansestadt Danzig, durch dessen erste Fahrt di« Verbindung zwischen Stettin und Königsberg über Danzig wieder aufgenommen wird, traf gestern vormittag gegen 9 Uhr in Zoppot ein. Eine große Menschenmenge lzatte den Secsteg schon früh- zeitig besetzt. Unter den Gästen, die zur Begrüßung erschienen waren, befanden sich Senatspräsident Dr. S a h m und Oberbürgermeister Dr. La u e- Zo p p o t. Die Ehrengäste begaben sich an Bord des. Schiffes, das um 10 Uhr seine Fahrt nach Pill au fortsetzte. Dort traf es um 1 Uhr ein, begrüßt von den Behörden Königsbergs. *'■ Schatten des Schlachtfeldes. In der Nähe von Lille ist auf einem Dampfer eine 13-Zentimetcr-Granate explodiert. Die Granate war von einer Gesellschaft, die die Kanäle nach Kriegs- geschossen absuchte, aufgefischt worden. Durch die Explosion wurde ein Matrose getötet und sechs schwer verletzt. Groß-berliner parteinachrichten. 0. Abt. Da» gemütliche Beisammensein der Genossinnen findet nicht heut», sondern am Montag, den LS. Juli im Arlus-Hof, Pericderger Str. 29 statt. Wir bitten die Genossinnen und Genossen, sich den 26 Juli Ireizuhalten. Sport. Blaronnier Sieger im Sieher-verby. Die große Hitze des gestrige» Tages wirkte auf den Besuch der Olympiabahn. Das 10- Kilometer- Dauerren neu wurde von F e j a in 8 Min. 17,3 Sek. vor Parisvt(30), Wittig(180), Maronnier(300), Möller(350) und Sawall(440 Meter zurück) ge- wonnen, während Möller als Sieger im„T h e i l e> E r i n- nerungsrennen" über 40 Kilometer in 32 Min. 02 Sek. hervorging. Auch hier wurde Parisot(950) zweiter Mann vor Sawall (1980), Wittig(2100), Maronnier(2610) und Feja(2870 Meter zurück.)— Das eigentliche Hauptrennen des Tages um den Preis des„Großen S t e h e r- D e r b y" über 50 Kilometer brachte den Sieg des Franzosen Maronnier, der den Laus in 42 Min. 16,1 Sek. fuhr. 40 Meter zurück ging Wittig als Zweiter durchs Ziel. Dritter wurde Feja(980) vor Parisot(1780), Möller(1830) und Sawall(2770 Meter zurück). Bei den Fliegern siegte im Endlaus des Hauptfahrens der holländische Meister L e e n e vor Wailliecz, Fricke und Schwab. Das Punktefahren holte sich Fricke, während das Aus- scheidungsfahren Kuhn gewann. Rennen zu hoppegarlen am Sonnlag. den IL. Juli. I.Rennen. 1. Tullh(Vinzenz), 2. Maifahrt(Bleuler). 3. Leleis lHuguenin). Toto: 199: 10 Platz: 53,49,33:10. Ferner liefen: Geiien- heim. Ich dien, PomvcjuS, Ekanicrellg, Periobria, Rosenkelch, Joda, Rita. 2. Rennen. 1. Franeninicl(Vinzenz), 2. Perlephonc(O. Schmidt), 3. Petroniu»(Wenzel). Toto: 64:10. Platz: 24. 16,20:10. Ferner liefen: Casianova, Formosa. BalioS, MutatiS mutandi«, Prospers, Amo- nophiS, Rücksicht, Romeo. 3. Rennen. I. Verona II(Bleuler), L. Märker(Malho) 3. SorapiS (Krüger). Toto: 190:10. Platz: 32, 26, 20: 10. Ferner Uesen: Milon, Tarnholm. Kapuziner, Rosenwange. 4. Rennen. 1. Maiduck(WllliamS). Tbeokrit(HahnoZ). Toto: 16:10. Platz: 11, 14:10. Ferner tiefen: Stiyphuz, Favor. 5. Rennen. 1. Tibta(Hahne«), 2. Odalistc(O Schmidt). Toto: 17:10. Platz: 11,11:10. Ferner Uesen: Marienburg. Kamtschatka, OScula. 6. R e n n e n. 1. 2l b t e i I u n g: 1. Patriotin(O. Schmidt). 2. Dom- plasi(Kosina), 3. Waldrada(Jentzlch). Toto: 18:10. Platz: 13, 49, 14:10. Ferner Uesen: Isländer, Luca». Arndt, Tuor. Metropolis, Amorelte. 2. Abteilung: 1. Fcenlönigin(HayneS), 2. Oberwlnier Mannschaftsfahren, das leider einen schweren Sturz zu ver- zeichnen hatte. Der Fahrer E w ej* t wurde am schwersten verlegt und mußte das Rennen, das den Sieg der Mannschaft C h m e r- G r a s s u n d c r(Einzeisahrer-Astoria) brachte, aufgeben. Die Sieger fuhren 82,250 Kilometer. Das H a u p t f a h r« n wurde ebnisatls von E h m e r gewonnen. Im Jugend-Malfahren siegte der Minervamann W. P r c u ß. Das Prämienrennen über >' 15 Runden holte sich E l s h o l z(Westen). GewerMastsbewegung Das Jahrbuch ües 3GS. Dos soebün in dculschrr, fronzösischi>r und englischer Sprache erschienene vierte Jahrbuch des Internationalen Gcwerl- schastsbundes enthält auf etwa 686 Seiten ein Zahlen- und Adrcssenrnaterial, dem sich in gleicher Reichhaltigkeit und Sorgfalt der Zusammenstellung kaum ein anderes Jahrbuch der modernen Arbeiterbewegung vergleichen kann. Noch diesen neusten Ausstellungen waren dem Internationalen Gewerkschostsbund am 3l. Dezember 1924, dem letzten Datum, bis zu dem überall abgeschlossenes Zahlenmaterial vorliegt, lZ.l Millionen organisierte Arbeiter angeschlossen. wovon u. a. 4,3 Millionen aus Großbritannien, 3,9 Millionen aus Deutschland, 828000 auf Deutschö st erreich, 376 000 aus Belgien und 553 000 aus Frankreich entfielen. In dieser Zusammenstellung fällt besonders der im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung hohe Mitgliederstand in Oesterreich auf, der geradezu vorbildlich genannt werden muß. Aehnlich liegen die Verhältnisse hinsichtlich der der Sozia- listischen Arb ei terinter nationale angeschlossenen Par- tcien, wobei allerdings hinsichtlich Belgiens und Englands insofern eine Aussonderung gemacht werden muß, als die Arbeiter- Parteien dieser Länder auch die Gewerkschaften mit umschließen, so daß ihre Statistik kein klares Bild ergibt. So er» scheint in der Statistik der sozialistischen Parteien Belgien mst 62l 000 und Großbritannien mit 3 Millionen Mitgliedern. Von diesen Ländern abgesehen, ergeben die Ziffern vom 31. Dezember 1924, die in vielen Ländern, z. B. in Deutschland, inzwischen erfreulicher- weise bereits überholt sind, aber hier auf ein Datum mit allgemein vorliegenden Statistiken.bezogen werden muhten, ein durchaus klares Bild. Zu diesem Zeitpunkt zählte die deutsche Sozialdemokratie 863 000. die österreichische Part ei 566 000, die französische Partei 99 000, die dänische Partei 143 000 und die Sozialistische Partei der Vereinigten Staaten 15 OK) Mitglieder. Auch hier zeigt sich also das gleiche Bild wie auf dem gewerkschaftlichen Gebiete, ooß verhält- nismäßig kleine Länder die besten und sestgefügtesten Parteien auf- weisen. Auch des Mittels der graphisckien Darstellung im Mehrfarbendruck ha« man sich mit Erfolg bedient, um das Stärkeoerhältnis gegenüber den Gewcrlschoiten anderer Richtungen anschaulich hervortreten zu lassen. Diese Darstellungen lassen überaus anschaulich erkennen, daß sc�on am 31. Dezember 1924 die Periode des zeitweiligen Rückganges wieder überwunden war und ein neuer Ausstieg einsetzte. Do? Jahrbuch, dos in der Amsterdamer Parteidruckerei „Vooruitgang''hergestelll wurde, ist auch in seiner drucktechnischen Ausmachung des auf seinen Inhalt verwandten Fleißes würdig.' Es sollte in keiner Gcwerkschosts- oder Parteibucherei fehlen, da ein zuverlässigerer Führer durch das ganze westausgedehnte Gebiet der modernen Arbeiterbewegung alz dieses Werk gar nicht gedacht werden kann. Fraoe ist egschast des Was geht im Zeugamt Spandau vor? Dom Derkehrsbund wird uns geschrieben: Diese schon einmal gestellt worden, jedoch vergeblich. Die Belegs Zeuggmtes befaßte sich in einer Betriebsversammlung am 15. Juli mit den Dingen. Zunächst wurde festgestellt, daß die Leistungen der Betriebskran kenkassc des Reichs bedeutend hinter den Leistungen der Allgemeinen Orts- krantenkafse zurückstehen. Um dieses Hebel abzustellen, wurden die Ausschußmitglieder beauitragt, stir eine Erhöhung der Beiträge einzutreten, um dadurch die Leistungen der Kasse zu erhöhen. -- V. �. »Iii Pti fzTöCTc DCT ff 1 1 ifii iu IM? amtes zur Sprach«. Vom Bertreter des Derkehrsbundes Dal t h i n. welcher«ingehend über den Gang der Verhandlung be- richtete, wurde darauf hingewiesen, daß es für künftige Verband« lungen vor allem notwendig ist, die Organisation zu st ä r k e n. Einige Redner der„vaterländischen" Gewerkoereine er- klärten, daß auch sie gewillt seien, für Erringung besserer Lohn- und Arbeitsbedingungen einzutreten. Der Vertreter der freien Gewerkschaften sagte diesen Herren jedoch auf den Kops zu. daß es ihnen gar nicht ernst fei, für die Arbeiterschaft einzutreten, ihr Bestreben gehe vielmehr dahin, gemeinsam mit der Leitung Zeugamtes die Arbeiterschaft niederzuhalten. Hierauf wurde die Frage aufgeworfen, ob die Leitung Zeugamtes berechtigt sei, durch Zeugamtsbefehl von Belegschaft zu verlangen, sich einer Schutzpocken- impsung zu unterziehen. Es wurde festgestellt, daß der Vorsitzende des Betriebsrots, Richter, von dieser Impfung schon einen Tag früher unterrichtet war. es aber nicht für nötig hielt, den anderen Betriebsrotsmitgliedern davon Kenntnis zu geben. Als der Anschlag erfolgte, wurde der Leitung des Vcrkehrsbundes sofort Mitteilung gemacht. Die Organisation setzte sich darauf telephonisch mit dem Reichswehrministerium in Verbindung, und der Vertreter desselben, Rechnungsrot Schönfelder, war der An- ficht, daß die Verordnung des Wehrmini st eriums auf die Belegschaft des Zeugamts Spandau nicht an- gewendet werden kann. Es wurde versprochen, dafür zu sorgen, daß die Impsung unterbleibe. Trotzdem wurde die Belegschaft am 14. Juli zur Impfung kommandiert. Als sich nun einige Arbeiter weigerten, sich der Jlnpstrng zu unterziehen, wurden sie von dem stellvertretenden Major, Hauptmann N. N., mit sofortiger Entlassung bedroht. Wenn solche Impfungen vorgenommen werden sollen, so ist die Genehmigung des Reichsgesundheitsamtes sowie die Einwilliguna des Reichsministeriums des Innern einzu- holen, was jedoch nicht geschehen ist. Der Verkehrsbund hat am Tage der Impfung dem Reichswehrministerium davon Mitteilung gemacht. Um nun zu erfahren, welche Stelle sich diese Eigenmächtig- keit herausgenommen hat, ist ein diesbezügliches Schreiben an dos Reichswehrministerium gerichtet worden. In der Aussprache entstand durch die Ausführungen eines ge- wissen B e y, früher Kommunist und Syndikalist, heute Deutsch- nationaler, eine solche Unruhe, daß der Versammlungsleiter die Betriebsversammlung schließen muhte. Der Verkehrsbund wird nun eine Betriebsversammlung ein-' berufen. „Die Räder" der Teno. Zu dem Artikel in Nummer 317 des.Vorwärts":„Wozu noch Technische Nothilfe?" übermittelt uns der Vorstand der Teno fol- gcnöe Richtigstellung bezüglich der„Räder": „Der Rädcr-Verlag als solcher ist laut Gesellschaftsvertrag ein rein gemeinnütziges Unternehmen: Gewinne werden an die Gesellschafter nicht verteilt. Die Ertröge werden zur verbilligten W- gäbe der Zeitschrift an die Nothelfer verwendet Die Hauptstelle be- zieht vom Roder-Veriag nur eine beschränkte Anzahl von Heften zur Abgabe an die Dienststellen im Reiche. Es steht ihr frei, oll« von ihr gewünscbten Abhandluiwcn sowie Mitteilungen und Bekannt- machungen, die sie an die Nothelfer gelangen lassen will, kostenlos durch die Zeitschrift zur Veröffenllichung zu bringen. Die Auflage der Zeitschrift setzt sich außer der be- schränkten von der Teno für ihre Dienststellen bezogenen Anzahl aus Einzelbeziehern und Stiftungsabounements zusammen. Solche S t i f- tungsabonnemcnt? sind von den verschiedensten Kreisen ge- tätigt worden, insbesondere von Betrieben, namentlich lcbenswich- tigen Betrieben, von öffentlichen Körperschaften, kom- munalen Verbänden und Behörden, die die Wichtigkeit des Zusammenhaltens der Notbelferschaft anerkannt haben und hierzu innerhalb ihres örtlichen Bereiches beizutragen willens find. Damit ist erreicht, daß eine große Anzahl wichtiger Nothelfer, die nicht in der Lage sind, selbst die Zeitschrift zu halten, durch die Zeit- ka« de? Anschlag de» Zrng- "* llen- des des der tu tatfatar gwWichmg mit bar Sa» ehaupmng, da» 16000 Exemplare der an die SU Ind» Zei�rist� striellen verteilt worden wären, mit dem Ersuchen, Stiftung- ex em- plare zu abonnieren, ist aus der Luft gegriffen und entbehrt jeder tatsächlichen Grundlage, Die Stiftungen werden, was nochmals ausdrücklichst betont sei, demnach lediglich zum Zwecke der kostenlosen Belieferung von Not- Helfern mit den„Rädern" verwendet. Die Technische Slothilfe als solche wird einzig und allein aus Rcichsmitteln unterhalten. Der Vorwurf einer„klingenden Verbindung" zwischen Teno und Unter- nehmerorganisationeN ist demnach völlig ungerechtfertigt und falsch. Die Hauplstelle hat sich lediglich aus die„Rädcr"-Zeitschrist als Organ der Bestrebungen der Teno einen bestimmten Einfluß dadurch gesichert, daß einige ihrer Herren ehrenamtlich mitarbeiten. G e- s ch ä f t l i ch ist der Verlag vollkommen von der Teno getrennt und selbständig: er befindet sich auch nicht, wie angegeben, am Sitze der Hauptstelle, sondern in der Potsdamer Straße 83c." Zum englischen Bergbaukonflikt. London, 18. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Am Sonnabend nachmittag wurde eine Reihe wichtiger Dokumente, welche mit der jüngsten Aktion der Kirche zwecks Herbeiführung eines Friedens im Kohlenbergbau im Zusammenhang stehen, der Oesfentlichkeit über- geben, welche deutlich zeigen, daß es nicht die Schuld der Bergarbeiter sein wird, wenn die Aktion der Bischöfe zum Scheuern verurteilt sein sollte. Die Veröffentlichung besteht aus einem Briefwechsel zwischen dem Ministerpräsidenten und dem Bischof von Liechfield, einem Brief der Bergarbeiter» Exekutive an den Bischof und dem Wortlaut des zwischen den Kirchenvertretern und den Bergarbeitern gemeinsam ausgear. betteten Memorandums. In dem Briefe an Baldwin betont der Bischof, daß die Unternehmer in ihrer Unterredung mtt den Kirchenoertretern ihre Meinung dahin ausgedrückt haben, daß der KohlenberichtkeincLösung darstelle, während d i e B e r g- orbeiter eine Haltung eingenommen hätten, welche einen entschiedenen Fortschritt darstellte. Diesem Briefe sind das Memorandum der Kirchenvereinigung sowie ein Brief der Bergarbetter-Exekuttoe beigeschlossen, welch' letztere eine formelle Annahme der bereits vor einigen Tagen übermittelten Vor- schlüge der Kirchenoerelnigung enthält und in dem die Berg» a r b e i t e r mit größtem Nachdruck betonen, daß sie bereit sind, bei der Durchführung der Reorganisation des Kohlenbergbaues alle nur mögliche �ilie zu leisten. Das einzige wirklich neue Licht, das durch die Verösfentlichung des Me» morandums und die Antwort der Bergorbeiter auf die Situation ge- warfen wird, besteht darin, daß sich die Bergarbeiter in aller Form bereit erklärt haben, den Schiedsspruch des zu ernennenden neutralen� Schiedsrichters als verbindlich anzuerkennen, welcher«Schiedsrichter nach dem Dorschlag der Bischöse für den Fall von beiden Parteien gewähll werden soll, daß während des angeregten viermonatigen Waffenstillstandes keine Vereinbarung zwischen Unternehmern und Arbeitern stattgefunden hoben sollte. In seiner Antwort an den Bischof betont der Minister- Präsident, daß eine Gewähruno von Subsidien„angesichts der katastrophalen Konsequenzen des Arbettskampfes im Bergbau auf die Staatseinnahmen" außer jeglicher Diskussion steht. Der Minister- Präsident erklärt sich jedoch bereit, die Deputatton der Bischöfe am Montag um 6 Uhr abends Im Unterhaus zu empfangen. Berant«ortlitlantermach«r endlich kür 3,— Mark Wochenrate ein Markenfahtrad im gahrradhaus Bean- denduraltrate 4 Nähe Sitschjncrftrate.' Zatttader kauft Linienstratc IS. Zubiläums- C- üartendau-Ausstellung 23. �PKll. Bl'5 GKIGflsik 19 26