Nr. 33843. Jahrg. Ausgabe A nr. 174 Bezugspreis. öchentlich 70 Pfennig, monatlich 8, Reichsmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Lugemburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der„ Borwärts" mit der Sonntagsbeilage Bolt und Reit" mit„ Sied Yung und Kleingarten" fowie der Beilage Unterhaltung und Wissen" und Frauenbeilage Frauenstimme" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal, Telegramm- Adresse: „ Sozialdemokrat Berlin" Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonparsille. zeile 80 Pfennig. Reklamezeile 5, Reichsmart. Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 25 Pfennig ( auläffig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erfte Wort 15 Pfennig. jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch staben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Reile 60 Pfennig. 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Man bestätigt zunächst, daß tatsächlich de Monzie feinen Rüdfritt angeboten hatte, und zwar zur Hauptsachenaudel mit, daß 23 sozialistische Abgeordnete für die Beteiligung infolge einer Unterredung mit dem Gouverneur der Bank von Frankreich Moreau und mit Caillaux, welch letterer ihm erklärte, daß die Staatskaffen leer feien und daß er ge3wungen fein werde, die 3 ahlungen einzustellen, wenn nicht zu einer neuen massiven Inflation geschritten werde. Darauf gestüht forderte de Monzie von dem Ministerrat Vollmachten für die Lösung des Finanzproblems, ähnlich wie schon Caillaug, und außerdem Gewährung eines Moratoriums für den Staat. Dieser würde insbesondere ermächtigt werden, die Rückzahlung der Verteidigungsscheine und der Schahzscheine bis auf weiteres zu verweigern, was einem vertappten Bankrott gleich fäme. De Monzie erklärte im Ministerrat, er werde zurüdfreten, wenn das Kabinett feine Forderungen nicht in vollem Umfange vor der Kammer unterstütze. Herriot hatte darauf eine angekündigte Unterredung mit Doumergue. Nach Wiederaufnahme der Sigung des Ministerrats gelang es de Monzie, feine Kollegen von dem Ernst der Lage zu überzeugen und die gewünschten Bollmachten zu erlangen. Es wurde außerdem beschlossen, daß das Kabinett fich nicht erst am Donnerstag, sondern bereits Mittwoch nach mittag um 5 Uhr vor der Kammer vorstellen werde, da, wie Herriot erklärte, die Regierung fo rasch als möglich wiffen wolle, ob sie das Vertrauen des Parlaments besige oder nicht, da sonst der Frankenfurs noch weiter fallen fönne. Jmmer schlechtere Aussichten für Herriot. Konflikt bei den Radikalen.- Die Mitte drückt sich.Die Sozialisten warten ab. Paris, 20. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Das neue Kabinett Kerriot wird fich am Donnerstag Kammer und Senat vorstellen. Seine Aussichten auf eine Mehrheit sind im Laufe des Tages bedeutend 3 ufammengeschrumpft, und die Ueberzeugung, daß das Kabinett nicht lebensfähig sein wird, hat sich in parlamentarischen Kreisen nach mehreren Fraktionssitzungen des Dienstags verschärft. In der Fraktionssihung der Radikalen Partei, die den Grundpfeiler der parlamentarischen Mehrheit des neuen Kabinetts bilden soll, ift der 3 wiespalt zwischen den Herriotisten und den Antiherriofiffen um Franflin- Bouillon, der bereits mehrfach die Partei bei entscheidenden Abstimmungen in zwei Lager gespalten hat, schärfer denn je zutage getreten. Troh mehrstündiger lärmender Disfuffion ist die. Partei zu feinem einheitlichen Beschluß über ihre Haltung dem neuen Kabinett gegenüber gelangt. Es scheint sicher, daß ein Teil der eigenen Partei Herriots gegen ihn Stellung nehmen wird. Die Marin- Gruppe, der Die Gegensätze im sozialistischen Lager. Paris, 20. Juli.( EB.) In der Zeitschrift ,, Bie sozialiste" teilt Re= der Sozialisten am Kabinett Herriot in der Fraktionssigung gestimmt hätten. Renaudel zieht daraus den Schluß, daß mit einer Spal: tung innerhalb der sozialistischen Partei gerechnet werden müsse.(?) Fortsetzung der Frankenbaisse. Aus London wurde gestern ein Börsenschlußkurs von 237,50 französische Franken für ein Pfund Sterling gemeldet( Montag 224). Devise Brüssel notierte 219( Montag 210,50). New York, 20. Juli.( WTB.) Die heutige Fondsbörse nahm offenbar unter dem Eindruck des weiteren Rückgangs der französischen Währung einen überwiegend schwachen Verlauf. Der französische Franken ging zeitweise auf den Tiefstand von zwei Cents( 8,5 Pfg.) zurüd. Auch am Fondsmarkte lagen die französischen Werte gedrückt. Andererseits wurden ausgedehnte Kapitalfluchtfäufe in amerikanischen Effekten für französische Rechnung vorgenommen. Preissteigerungen. Zusammenstöße mit Ausländern. = Paris, 20. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Die im Anschluß an die plögliche Frankenbaisse der letzten Tage eingetretene Ueber flutung von Baris durch Ausländer hat ein startes, zum Teil unverhältnismäßig hohes Anziehen der Preise nach sich gezogen. Gleichzeitig greift eine gefährliche feindselige Stim mung gegen die Ausländer um sich. Es ist in den letzten Tagen bereits mehrfach zu Zusammenstößen oder peinlichen Zwischenfällen in Kaffeehäusern und Ladengeschäften getom men. Die starten Devisenschwankungen haben die Syndikatskammer für den Zuckerhandel veranlaßt, bis auf weiteres auf dem Terminmarkt die Notierung höherer Kurse als der Schlußkurse vom 16. Juli zu verbieten. Die Bankhäuser endlich haben am Dienstag ein Zirkular erlaffen, nach dem die Reportgeschäfte von Ende dieses Monats an bis auf weiteres aufgehoben sind. Erste Ermächtigungsdelikte in Belgien. Brüssel, 20. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Die ersten Er lasse, die am Dienstag auf Grund des Ermächtigungsgesetzes erschienen, sind von sämtlichen Ministern gegengezeichnet. Der erste Erlaß bedroht die Verbreitung wissentlich falscher Nachrichten, die geeignet sind, den Staatskredit zu erschüttern, mit Gefängnis bis zu fünf Jahren. Politische und Pressedelitte sind ausdrücklich ausgenommen. 3wei weitere Erlasse regeln die Ein- und Ausfuhr von Getreide und Mehl sowie das Backen des Einheitsgraubrotes und den Verkauf von Mehl und anderen Nahrungsmitteln. frühere Nationale Blod, wird gefchloffen gegen das Kabinett Vor der Neuwahl des Kammerpräsidenten. Stellung nehmen, wie natürlich alle anderen Parteien, die noch weiter rechts fizzen. Was die Mittelparteien und die Parteien des linfen Zentrums, denen die beiden Minister Colrat und Dariac entnommen find, anbetrifft, so ift bezeichnend für ihre Stimmung, daß die beiden Minister erklärt haben, sie hätten ihre Portefeuilles auf eigene Berantwortung und ohne ihre Fraffion zu engagieren übernommen. Die fozialistische Partei endlich, auf deren Unterstützung Herriot zählt, hat am Dienstag in einer Fraffionssihung befchloffen, die Haltung dem Kabinett gegenüber von dem Inhalt der Regierungsertiärung und speziell ihrem finanziellen Teil a bhängig zu machen. Paris, 20. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Der Ministerpräsident Herriot hat verfassungsgemäß am Dienstag dem ersten Bizepräsidenten der Kammer seine Demission als kammerpräsident zugehen lassen. Mehrere Kandidaturen für den Posten Dscherschinski gestorben. Der Leiter der russischen Tscheka. ostau, 20. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Das Mitglied des höchsten Wirtschaftsrats und Borsitzender der GPO.( Tscheka), Dscherschinski ist im Alter von 49 Jahren gestorben. * Alles in allem hat der Dienstag die Aussichten der Kabinetts verringert. Falls es die erste Abstimmung über die Regierungs- Mit Dscherschinski verlieren die Bolschewifi einen erklärung entgegen aller Wahrscheinlichkeit überleben sollte, rechnet ihrer ältesten Mitarbeiter von der alten bolfchemistischen man mit seinem baldigen Sturz über das de Monziejche Finanz- Garde. Wie viele maßgebende Führer der russischen Kommuprogramm, um so mehr, als diefer beabsichtigt, von der Kammer nistischen Partei, ist Dscherschinski aus der früheren polni Bollmachten zu verlangen, die Caillaug auf Intervention fchen Bewegung hervorgegangen. Der äußerlich unscheinHerriots verweigert wurden. In parlamentarischen Kreisen ver- bare Mann galt als einer ihrer hervorragendsten Organisalautet am Dienstag abend, daß diese Bollmachtsforderung de Monzies toren. Seine Partei hat ihn stets auf die gefährdetsten Posten zu scharfen Differenzen zwischen ihm und Herriot geführt gestellt. So ist er der gehaßte und gefürchtete habe. Leiter der russischen Tscheta gewesen und hat als solcher vor nichts haltgemacht, wenn es nach seiner Ueberzeugung galt, die russische Revolution vor Gefahren zu verteidigen. Ihm hat man später auch die Reorganisation der gänzlich verwahrlosten Eisenbahn anvertraut und auch diese Aufgabe hat der afzetische, von fast mönchischer Strenge gegen sich selbst erfüllte Mann mit derselben Rücksichtslosigkeit und auch mit Erfolg in Angriff genommen. Dscherschinskis Tod reißt eine Lüde in die Reihen der alten Bolfchemiti, die durch niemand wird ausgefüllt werden können. Einberufung der Exekutive der Radikalen? Paris, 20. Juli.( WTB.) Wie in parlamentarischen Kreisen bekannt wird, hat eine Anzahl von Mitgliedern des Eretutiokomitees der radikalen Partei an den Parteivorsitzenden Herriot die Aufforderung gerichtet, umgehend eine vollverjammlung des Eretutiskomitees der Partei einzuberufen, um alle erforderlichen Maßnahmen zur Wahrung der wichtigsten Intereffen per Partei zu treffen. find bereits aufgestellt. Die Radikale Partei hat den Vizepräsidenten Leon Bouyssou zu ihrem Kandidaten ausersehen, die Mittelparteien schlagen den früheren Kammerpräsidenten des Nationalen Blods, Raoul Peret, vor, die sozialistische Partei empfiehlt den bisherigen zweiten Bizepräsidenten Genoffen Ferdinand Bouisson. Die Kammer hat am Dienstag das Datum der Neuwahl ihrer Präsidenten auf Donnerstag vor der Regierungserklärung festgefeht. Sie hat gleichzeitig mit 274 gegen 233 Stimmen der Kartellparteien die Aufhebung der geheimen Abftimmung bei der Präsidentenwahl beschlossen. Die andere Weise". Gefährdung der Staatssicherheit durch Zensoren. Von Otto Meier. Die Sicherheit des Staates kann auch in anderer Weise als durch augenblickliche Unruhen gefährdet werden. ( Aus der amtlichen Begründung des Potemkinverbots). Das Verbot des Potemkinfilms unter dem Vorsiz des Beheimrats Seeger und unter freundlicher Mitwirkung des Geheimrats Mühleisen aus dem Reichsinnenministerium des demokratischen Herrn Külz hat eine starke und erfreuliche Protest bewegung des geistigen Deutschland hervor gerufen. Es ist so nachdrücklich von allen Seiten unter mertlicher Bezugnahme auf das im Hintergrund stehende Reichswehrministerium des Herrn Geßler protestiert worden, daß zu protestieren faum noch etwas übrig bleibt. Höchstens fönnte man den Herren dankerfüllt dazu gratulieren, daß sie damit so etwas wie eine Einheitsfront des neuen Deutschland geschaffen haben. Ein einziger Saß aber der famosen Verbotsbegründung - der diesen Ausführungen als Motto vorangestellte- lohnt ein nochmaliges Eingehen auf die Angelegenheit. Dieser Sazz, der von der Sicherheit des Staates handelt, hat es, wie man so zu sagen pflegt, in sich. Man kann der Versuchung nicht widerstehen, ihn über das Potemkinverbot hinaus auf unser ganzes öffentlich- politisches Leben in Anwendung zu bringen. In bezug auf leider ganz allgemein gewordene Erscheinungen unseres öffentlichen Lebens ist er nämlich absolut richtig. Wir bestreiten mit aller Entschiedenheit seine Berechtigung beim Potemkinfilm. Aber wir gehen über das deutungsfähige Börtchen kann" hinaus und erweitern ihn durch präzisere Fassung: Die Sicherheit des Staates wird auch in anderer Weise als durch augenblickliche Unruhen gefährdet! Weil die Herren, die die Verantwortung für das Filmverbot und seine tiefsinnige Begründung tragen, diese Allgemeinerscheinungen, die natürlich außerhalb ihres DienstDiese Gefahren- quelle, d. h. die gefährdete Sicherheit bereiches liegen, nicht zu kennen brauchen, wollen wir auf des Staates, worunter wir die Republik verstehen, mit allem Nachdruck hinweisen. Die Gefahr eigentlicher Unruhen ist troß des Potemkinfilms nicht afut. Eine weit größere Gefahr liegt in der Wirtschaftsfrise mit ihrer ständig zu= nehmenden Arbeitslosigkeit. 277 000 Arbeitslofe allein in Berlin das sind weit mehr als die Hälfte des Friedenskontingents des stehenden Heeres der Kaiserzeit fönnten zu einer Gefahr werden, wenn sie in ihrer verzweifelten Lage am neuen Staat irre werden. Sie in ihrer verzweifelten Lage aber zu Unbesonnenheiten zu reizen, ist die würdige Aufgabe jener politischen Hochstapler um Herrn Claß, die so die Herrschaft aufrichten zu können glaubten. Die Sicherheit des Staates wird ohne augenblickliche Unruhengefährdet, wenn diese hochverräterischen Pläne gewollt oder ungewollt ihre Stüße, zumindest aber eine wohlwollende Duldung in jenen Fat. toren finden, die verfassungsmäßig für die Sicherheit des Staates verantwortlich sind. Die zwar immer bestrittene, dann aber nicht mehr abzuleugnende und schließlich von Herrn Geßler in aller Deffentlichheit zugegebene Zusammenarbeit der Reichswehr mit den illegalen, monarchistischen Verbänden hat die Sicherheit des Staates bereits bedenklich unterminiert. Noch vergeht beinahe kein Tag, an dem die republikanische Presse nicht Fälle empörender Uebergriffe oder Verächtlichmachung der republikanischen Reichsfarben durch monarchistischeOffiziere oder offiziell auftretende Truppenteile. notiert. Der aufsehenerregende Fall des Kreuzers hamburg" scheint vom Wehrministerium durch intensives Stillschweigen erledigt zu werden. Gegenüber diesen Dingen wird tatsächlich das schleichende Gift der Abstumpfung" zu einer Gefahr für die Staatssicherheit. Hier genügen keine papiernen Proteste und Fragen an den Herrn Reichswehr- minister Geßler mehr. Im parlamentarischen Staat stehen andere Druckmittel zur Verfügung. Den Republikanern darf diese sonderbare Reichswehr mitsamt ihrem Minister künstig kein Blümchen Rührmichnichtan sein. Wie sehr die Staatssicherheit— ohne augenblickliche Unruhen— gefährdet ist. beweisen die unaufhörlichen Waffenfunde, zuletzt erst wieder in Gießen. Man hat im Laufe der Jahre tausende solcher Waffenlager in reattio- nären Händen entdeckt; bis jetzt ist noch keiner der schwarz- weißroten„Lagerhalter" bestraft worden. Welche dunklen Zusammenhänge bestehen hier, welches geheime Kräftespiel unterbindet hier jedesmal erfolgreich die Strafverfolgungen? Die Behörden schweigen. Die Republikaner aber haben nun- mehr die verdammte Pflicht, unter Ausnützung der ihnen verfassungsmäßig zustehenden Mittel, hier endlich auf Klar- stellung und Abhilfe zu dringen. Die Staatssicherheit— ohne augenblickliche Unruhen— �ist gefährdet durch das Femesystem völkischer Ver- bände. Der preußische Untersuchungsausschuß hat in Sachen Wulle, Kube, Grütte-Lehder aufsehenerregendes Ma- terial zutage gefördert. Attentatspläne gegen Severing wur- den festgestellt: Erzberger und Bathenau fielen bereits durch geheim arbeitende Fememordbuben. Friedrich Ebert fand durch die systematische Verleumdungshetze ein zu frühes Grab Und ahne augenblickliche Unruhen ist die Staatssicherheit ge- sährdet durch die offene Sabotage der„königlich r e p u- bltkanischen" Bayernrcgierung gegenüber dem in Sachen des ermordeten Genossen Gareis arbeitenden Untersuchungsausschuß. Und die I u st i z? Nun, die Staatssicherheit wird— ohne augenblickliche Unruhen— in demselben Verhältnis ge- fährdet, als das Vertrauen zur Rechtsprechung im Volte schwindet. Diese Feststellung mag genügen; es ist kein Raum, an alle skandalösen Einzelfalle einer offen zutage tretenden politischen Justiz zu erinnern. Bleibt die Beamtenschaft! Nur ein Beispiel statt vieler: Von den dem preußischen Minister des Innern un- mittelbar unterstellten höchsten Beamten(ein Staatssekretär und drei Ministerialdirektoren) ist keiner Sozialdemo- trat und nur einer Demokrat! Alle anderen stehen �rechts". Von 14 Ministerialräten sind zwei Sozialdemokrate« und zwei Zentrumsleute. Die anderen stehen„rechts". Von 23 Oberregierungs- raten ist einer Sozialdemokrat, einer Zentrums- mann, zwei sind Demokraten. Alle anderen stehen„rechts". Ungefähr dasselbe Verhältnis besteht bei den Regierung?- räten, bei den Hilfsarbeitern und bei den Bureaubeamten. So und noch schlimmer sieht es bei allen Behörden aus. Wahrhaftig, eine treffliche Jlluftrierung des Satzes„Die Sicherheit des Staates kann auch in anderer Weise als durch augenblickliche Unruhen gefährdet werden." Wir wollten damit den„Mühleisen" in allen Behörden andeuten, daß für uns die Berufung auf verbriefte Beamten- rechte kein Freibrief sein darf für noch so versteckte Tolerie- rung reaktionärer Einflüsse. Das Beispiel des hessischen Mini st erpräsidenten, Genossen Ulrich, dessen Energie den republikanischen Farben Achtung verschaffte, ver- dient nach jeder Richtung hin Nachahmung. Es wird die höchste Zeit! Die Reaktionäre aller Schattie- rungen, innerhalb und außerhalb der republikanischen Be- Hörden, haben das lebhafteste Interesse daran, die Sicher» h e i t des Staates, d. h. der Republik, auch ohne augenblickliche Unruhen zu unterhöhlen. Was sie dem Potemkinfilm unterschieben, wollen sie selber. Was sie nicht durch Unruhen vermögen» oersuchen sie auf kaltem Wege. Das ist die größte Gefahr für den neuen Staat. Auf keinen Fall dürfen wir diese politischen Unwägbarkeiten aus lauter Rücksicht auf das Beamtendienstalter außer acht lasten. Eine sozialöemokratische Anfrage. Von Mitgliedern der sozialdemokratischen Fraktion wurde im Reichstag folgende Anfrage ein gebracht: Die Filmoberprüfstelle hat den Film„Panzerkreuzer P o t e m k i n". dessen Ausführung sie selbst wenige Wochen zuvor erlaubt hatte, im Widerrufsversahren verboten. Das Verbot ist erfolgt wegen„Gefährdung der Sicherheit des Reiches", die nach der von der Filmoberprüfstelle erfolgten Freigabe des Films sich heraus gestellt habe. Dabei lautete das Gutachten des Vertreters des größten Landes, Preußen, dahin, daß in Zehntausenden von Ausführungen vor wohl mehr als einer Million Menschen nirgendwo eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit eingetreten ist. Danach charakterisiert sich das Verbot der Filmoberprüfstelle als eine Willkür liehe politische Tendenzmahnahme zugunsten reaktionärer und man- archistischer Kreise, die nach einem offenbar einheitlichen Plane sofort nach der Freigabe das Verbot des Films forderten. Wir fragen daher die Reichsregierung: Ist ihr bekannt, ob an diesen Treibereien Beamte des Reichs» Ministeriums des Innern, insbesondere des Reichskommissa- riats für öffentliche Ordnung sich beteiligt haben? Ist ihr bekannt, daß Beamte des Reichsministeriums des Innern und des Reichswehrministeriums in dieser Sache Gutachten abgegeben geben, die in ihrer Wirkung auf eine Verletzung des Reichslichtspielgesetzes, nämlich der Bestimmung hinauslausen, daß kein Film seiner politischen Tendenz wegen verboten werden darf? Billigt und deckt die Reichsregierung diese Haltung der Beamten? Ist die Reichsregierung bereit, bei der Auswahl der mit der Filmprüfung Beauftragten darauf zu achten, daß nur Personen betraut werden, die die Gewähr für eine unparteiische, dem Geist der demokrattscheu Republik entsprechende Tätigkeit bieten? Ist die Reichsregierung bereit, die Begutachtung von Filmstücken Personen zu übertragen, die neben anderen Qualifikationen auch die Gewähr bieten, daß sie ihr Gutachten nicht nach Parteirücksichten und aus republikfeindlichen Bestrebungen heraus abgeben, sondern ent- sprechend dem Sinn und Wortlaut der bestehenden Verfassung und Gesetze? Wir erwarten, daß der zuständige Reichsminister des Innern diese Anfrage umgehend beantwortet. Die Reichs- regierung sollte sich ledenfalls nicht der Täuschung hingeben, daß mit dem Verbot die Angelegenheit ein- für allemal er- ledigt ist.__ öas wahr? Stresemanns Blatt beschuldigt die demokratischen Minister. Auf unsere Frage, welche Maßnahmen der demokratische Reichsinnenminister Dr. Külz getroffen habe, um die ein- seitige Stellungnahme seines Amtes zugunsten der reaktionären Hetze gegen den P o t e m t i n- F i l m zu unterbinden, hat der„Demokratische Zeitungsdienst entschul- digend darauf hingewiesen, die Entscheidung der Filmober- prüfstelle sei die einer Spruchkammer und der Minister habe keine Möglichkeit gehabt, in ein schwebendes Ver» fahren einzugreifen. Wir haben diese entschuldigende Ausrede schon durch den Hinweis abgetan, daß der„Sachverständige" M ü h l e i s« n nicht zu dem Filmgeeicht gehört, s'« i n e Treibereien aber die eines Beamten sind, vitr den Weisungen des Ministers direkt untersteht. Nun aber kommt die„Tägliche Rundschau", die wenigstens zu 30 Prozent als Organ Stresemanns gilt, mit interessanten Ausplaudereien aus den Berhand- lungen des Reichskabinetts. Sie sagt gegen den �Demokratischen Zeitungsdienst": „Diese Entschuldigung rückt die Haltung des Reichsinnen- Ministers keineswegs in volles Licht. Es muß deshalb einmal fest- gestellt werden, daß das Reichskabinett, noch bevor der Potemkin-Film zum ersten Male aufgeführt wurde, einmütig be- schlössen hat, bei der p r e u ß i s ch e n Regierung gegen dle Ge. nehmigung dieses Filmes vorstellig zu werden. Dabei hat sie damals bereits auf die aufreizende Wirkung dieses Filme» hingewiesen. Die preußische Regierung hat diesem Ersuchen der Reichsregierung nicht entsprochen. Al» dann die Vorführung de» Filmes die erwartete Wirkung ausübte, hat das Reichskabinett ein zweites Mal zu dieser Frage Stellung genommen, wiederum einmütig und wiederum in demselben Sinne. Alle demvokrotischea Minister haben dieser Stellungnahme des Reichskabinetts z u g e» stimmt. Der Reichsinnenminister Dr. Külz inebesendere hat sich nicht etwa, wie der Demokratische Zeitungsdienst glauben machen möchte, aus Rücksicht auf die Spruchtätigkeit der Prüfstelle zurückgehalten, sondern er hat sich Im Kabinett genau so wie Dr. Geßler und Dr. Relnhold für ein verbot de» Filme» eingesetzt und den erwähnten Schritt bei der preußischen Regierung mit unter- stützt. Wenn also die Linkspresse bei dem Verbot des Filmes von dem„Sieg reaktionärer Tendenzen" spricht, so muß sie schon die Freundlichkeit haben, die demokratischen Reichsminister mit zu den Reaktionären zu rechnen." Es ist nicht das erstemal, daß aus dem Lager Strese» manns oersucht wird, gewisse Einzelheiten aus den ver» traulichen Verhandlungen des Reichskabinetts der Ocffentlichkeit preiszugeben. Als das geschah zu einer Zeit, da noch Herr Schiele Minister des Innern war, haben die Deutsch nationalen begreiflicher Weise in der heftigsten Form gegen Stresemann selbst Sturm gelaufen. Ob sich die Demokratische Partei ebenso energisch gegen die Verletzung der Vertraulichkeit zur Wehr setzen wird, müssen wir ihr überlassen. Aber vorausgesetzt, daß die Angaben des Stresemann- organs richtig sind, so fragen wir die demokratischen Reichsminister, ob sie es mit ihrer Ueberzeugung und mit der Tradition ihrer Partei verein- boren können, ihre Zustimmung zu einem Beschlüsse zu geben, der an die bösartigsten Zensur st ücke der Vormärzzeit erinnert. Dielleicht haben sie die Freund- lichkeit, mitzuteilen, was an den Indiskretionen des S:rese- mannblattes richtig ist, damit sich dann ein jeder sein Urteil bilden kann._ Zentrum, Republik unü Reichsbanner. Tagung der rheinischen Windthorstbünd«. Köln, 20. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Die rheinischen Windt- Horstbünde hielten dieser Tage in Duisburg Ihren ersten Gautag ab. Sie beschäftigten sich u. o. eingehend mit staatspolitischen Fragen. Reichstagsabgeordneter Ioos-München-Glodbach legte ein eindrucksvolles Bekenntnis zum republikanisch-demokratischen, schwarzrotgoldenen Grohdeutschland ab. Die Republik habe die Aus- gäbe, den wirklichen Volksstaat erst zu schaffen. Di« Flagge Schwarz- rotgold sei das Symbol dieser Republik. Die Aussprache zeigte, daß im rheinischen Iungzentrum, das sich bisher zu der Frage der Staatsform stets sehr zurückhaltend zeigte. der republikanisch-demokratische Gedanke in letzter Zeit starke Fort- schritte gemacht hat. Gegner der Joosschen Auffassung machten sich auf der Tagung überhaupt nicht bemerkbar. Dagegen wurde von einer Anzahl Redner, darunter auch katholischen Akademikern, drin- gend die stärkste Unter st ützung der Reichsbanner- bewegung gefordert. Eine Entlchließung fand Annahme, die den Mitgliedern den Eintritt in die sogenannten vaterländischen Ver- bände verbietet, dagegen die stärkste Unterstützung de» Reichsbanner» Schwarz-Rot-Gold empfiehlt. ver Fall pannler lm Feme-Ausschuh. Nachdem das Reichs- geeicht die Reoisiion der im Fememord- Prozeß Pann i er zum Tode oerurteilten Angeklagten verworfen hat. ist der demokra- tische Abgeordnete Riedel(Charlottenburg) beim preußischen Mi- nisteroräsidentcn und bei dem Vorsitzenden des F« m e- A u s- s ch u s s e s vorstellig geworden, um nunmehr eine alsbaldige Be- Handlung dieses Falles im preußischen Feme-Ausschuß herbeizu- führen. Die Rakiflkallonsurtunden des dänlsch-schwedischea Schiedsvertrages sind— wie uns au» Kopenhagen gemeldet wird— am Dienstag ausgetauscht worden. Damit ist dieser Vertrag in Kkast getreten. Zapfenstreich. j von Hermann Schützinger, '■ Seit Wallenstein. Pikkolomini, Prinz Eugen, Friderikus Rex Und Napoleon Bonaparte verfügt das Militär als wirksamste« Requisit für junge und alte Esel über den.Zapfenstreich", eine Mischung zwischen Mondscheinserenade und nächtlichem Parade- .marsch. In Preußen-Deutschlond pflegt das Ding mit allerhand Pomp und Pathos vor sich zu gehen: In der Mitte auf hohem Roß, wie in Erz gehauen, der in pennanentem Stillgestanden verharrende Regimentsadjutant, um ihn herum die vom Fackellicht erleuchtete ' Regimentsmusik und als Rahmen um das ganze Bild die Bajonette der Begleitkompagnie. Der eigentliche„Zapfenstreich" aber rollt sich nach dem„Locken" und„Wecken" der Spielleute und nach dem obligaten Königsgebet aus Lohengrin ab im Stil eines in dröhnende Marschmusik umgesetzten Oratoriums, einer Mischung von Parade- schritt und Feldgottesdienst. Ganz anders der französische„Zapfenstreich". Er pflegt am Dorabend des Nationalfeiertages, des 14. Juli, Uber die Bühne der mehr oder minder freiwilligen französischen Garnisonstädte zu rollen. Wie überall muß der Zapfenstreich von irgendwem, einem General oder Obersten oder gar einem Reichspräsidenten„abge- nommen" werden, jo in Kaiserslautern, der militärischen Haupt- stadt der bayerischen Pfalz, vom Kommandierenden General de» 32. Korps. Ein Kommandierender General pflegt feit Menschengedenken, al» feiner Mann, in einer vornehmen Villa zu wohnen, und wenn sie ihm der Staat durch einen erhöhten Wohnungszuschuß allein nicht verschaffen kann, wie im besetzten Gebiet, so nimmt man sie sich von der in Frage kommenden«tadt. In Kaiserslautern hat man dem Kommandierenden das Schloß des in Frage kommenden Direktors der mech. Spinnerei und Weberei in der Lauterstraße gegeben, da- mit er den Troß seiner Automobile, Reitvferde, Adjutanten und . Pferdeburschen sachgemäß unterzubringen m der Lage ist. Dieses zwangsbewirtschaftete Schloß des Herrn Fabritdirektors glüht seit Einbruch der Dämmerung unter den farbigen Lichterketten an den Wohnhäusern und an der Partmauer, und neugierig staut sich die Menge vor dem durch Doppelposten abgesperrten Portal. Endlich ist es soweit. Die armen Teufel vom. Korren", von der Mühlstraße und der Bierstraße, die sich vor der Generalsvilla ver- sammelt haben, um nach dem öden Einerlei ihres Tagewerk» tosten- los da» in Aussicht stehende Theaterstück mit Tschimbum, Trara, Musik und Feuerwerk zu genießen, heben die Köpfe hoch. Ein Spaßvogel brüllt:„Achtung, die Feuerwehr! Di« Feuer- wehr!" Im Nu ist der Zug vom.Fackelrondell" in die Menschenmenge vorgestoßen und hat sich mit seinen hellen Trompeten und dem zuckenden Rataplan seiner Trommeln wie im Laufschritt Bahn gebrochen— voraus ein baumlanger, kohlschwarzer Riese, der Tam- bourmajor eines anamitischen Regiments, den Stecken meist verkehrt in der Luft, zwei gespenstige Augen unter dem Fez— hinter ihm die Regimentstapelle, mit blauen, roten und weißen Laternen flankiert— und dann ein bunter Troß von Lampions, ein nächt- licher Spuk ganz eigener Art: Ein flammendes Schild kündigt die für den militärischen Kar- neval verantwortliche Truppe an:„32. Korps— Tie Division— Ties Regiment, Itc Kompagnie." Hinter dem leuchtenden Plakat ein Riesenkerl mit einem mächtigen Wasserkopf aus Papiermafchee: er hat eine ellenlange Pfauenfeder in der Hand und neckt damit einen gewaltigen Drachen, der sich bald ausbäumt und sein leuchtend rotes'Maul zum Himmel streckt, bald zur Seite springt oder sich vorn zusammenduckt und sein riesiges Hinterteil in die Höhe hebt. Ge» tragen wird das Gerippe des schaurigen Untiers von 6 kupferbraunen Anamiten, die bis auf eine rote Badehose ausgezogen sind und ledig- lich— 0 heilige Einfalt— ein schmale« blau-weib»rotes Studenten- band um den muskulösen Brustkasten gewunden haben. Diese sonder- bare Kreuzung zwischen Fakir und Soldat, zwischen Exzentrik-Clown und Kouleurstudent schnauft und spuckt und scharrt und brüllt und schmeißt die Arme, bezw. den Buckel des farbigen Drachen nach den Kommando» eines braunen Unteroffiziers, daß ihnen der Schweiß vom Körper trieft. Dahinter ein Wald von Lampions: fabelhafte Getier«, Pelikan«. Störche, Kamele, Elefanten, hohe(tzebetsimihlen mit anamitischen Buchstaben verziert, Schifssmodelle, Dampfschiffe, Dschunken— ganz zuletzt ein sonderbares Wägelchen: Eine Kompagnie französischer Zinnsoldaten, wie die Figuren eines Glockenspieles an die Räder des Wagens montiert. Ihre Gewehrläufe richten sich drohend auf einen hohen Kletterbaum, auf dem ein kühner Athlet die Trikolore schwingt. An den vier Ecken des Wagens leuchten vier Azethylenlampen auf und erhellen da» neckisch« Spiel. Sehr nett. Die Arbeiter der Firma Pfaff und Kayser lachen über den nächtlichen Spuk und die kaffeebraunen Kolonialsoldaten grinsen ihnen festesfroh in die verhärmten Arbeitergesichter. Sehr nett. Nur der Kommandierende General unter dem Villentor des Fabrikanten gefiel mir nicht recht. Seine fanatischen, hohlen Augen leuchten voller Gier noch dem nächsten Krieg und ängstlich stecken die Frauen die Köpfe zusammen: Hinter dem Karneval de, 32. Korps stampft die Bcglcit-Kompagnie der Garnison, den Stahlhelm am Kopf, den Karabiner hoch geschultert in die Nacht hinein— wie der Totentanz der nächsten Generation. welche Plakatfarben wirken auf da» Auge am stärksten? Eine englisch« Plakatsirma hat eingehend« Untersuchungen darüber ange- stellt, welche Farbenzusammenstellungen bei Plakaten am deutlichsten ins Auge fallen. Die Versuche wurden in der Weise vorgenommen. daß man auf einem weiten Feld eine große Holztafel so ausrichtete, daß sie gut von der Sonne beleuchtet war. Aus der Tafel wurden sodann Plakate in den verschiedensten Papier- und Druckfarben be- festigt und nun nacheinander auf ihre Lesbarkeit hin geprüft. Da für die Wirkung eines Plakat» außer den Farben jedoch auch die , Formen der Druckschrift entscheidend sind, hotte man auf jedes der Derfuchsplakate je zwei Wortreihen aus verschiedenen, einfachen und undeutlicher erkennbaren, Buchstaben drucken lassen. Di« Prüfung ergab nun folgendes: Am deutlichsten erkennbar war schwarzer Druck aus gelbem Papier und grüner Druck auf weißem Papier. Hieraus folgten die Plakate mit rotem Druck auf Weiß, blauem Druck auf Weiß sowie weißem Druck auf Blau. Diesen Plakaten reihten sich dann erst der gewöhnliche schwarz« Druck aus weißem Papier an, so daß sich also merkwürdigerweise der Weißdruck auf blauem Papier al» deutlicher erwies, al« der gewohnte Schwarzweißdruck. Nach diesen Farbenzusammenstellungen kamen dann noch die Plakate mit gelbem Druck aus schwarzem Grund, weißem Druck aus Rot und weißem Druck auf schwarzem Papier. Am undeutlichsten waren die Plakate mit rotem Druck auf gelbem Papier. Die Bedeutung dieser Ergebnisse ist übrigens durchaus nicht zu unterschätzen, da das im Hinblick auf das durch die verschiedensten Farben- und Lichteindrücke ohnehin schon reichlich angestrengte Auge de, modernen Großstadt- menschen jedenfalls mehr Lust verspüren wird, ein seinen Nerven wohltuendes Plakat zu lesen, al»«in«», da» nur durch grell« Farben wirkt, dem Auge aber wehtut. Neuregelung des Rundfunkwesen» ln England. Die englische Regierung beabsichtigt, im Herbst dem Unterhaus einen Gesetzentwurf über die Neuregelung des Rundfunkwesens vorzulegen. Bei Ge- legenheit dieser Ankündigung teilt« der Postminister mit, daß die Zahl der Härlizenzen zurzeit etwa 2 Millionen beträgt, gegenüber 1 387 000 Mitte d«, vorigen Jahre»; allein im Juni sind über 57 000 neue Hörer angemeldet worden. Der"Funkdienst soll künftig durch«ine Körperschaft öffentlichen Recht» durchgeführt werden, die al» Treuhänder den allgemeinen Interessen dient und die ein Monopol für mindestens zehn Jahre bekommen soll. Die bestehende British Brondcosting Co. soll zum 1. Januar 1927 auf die neue Monopol-Gesellschast übertragen werden. Der Nlagara-Fall ln Gefahr? Im Oberlauf de» Niagara» Stromes haben sich im Laufe der letzten Jahre geologische Ver» änderungen bemerkbar gemacht, von denen man ein« Gefährdung der großen Wasserfälle befürchtet. Schon im Lauf« de» vergangenen Jahrhunderts hat eine Verschiebung der Fälle von der amerikani» schen nach der kanadischen Seite stattgefunden. Ein« Kommission von amerikanischen und kanadischen Ingenieuren ist fetzt mit einer Untersuchung über die Zusammenhänge und mit der Feststellung von Abhilssmaßrcgeln beauftragt worden. Eine elgenarklge Geldstrafe. Di« Regierung von Kanton hat verfügt, daß bei den Gerichten eine neu« Form der Geldstrafe ein» geführt wird. Sie hat für Staatsbedarf eine Anleih« in Höhe von 500 000 Pfund Sterling ausgelegt, die offenbar niemand haben will. Daher sollen die Geldstrafen künstig in der Form eingezogen werden. daß der Verurteilte gezwungen ist. ein« entsprechende Anzahl An» leihestücke zum vollen Wert zu kaufen. Der Apostel paulu» und der Tanz. Lei einem Methodisten- kongreß, der dieser Tage in York stattfand, hielt einer der anwesenden Geistlichen eine Rede zugunsten des Tanzes. Die ganze Haltung der Kirche gegenüber dem Tanz und allen welllichen Vergnügungen sei bisher falsch gewesen. Diese Dinge seien ein wesenhafter Bestand- teil des Lebens, und kein Geistlicher braucht sich über Vergnügungen zu ereifern, gegen die der Apostel Paulu« nicht»«inzuwenden ge» habt hätte. Zu der SowSdle beginnen dl- Dorllellungen von»Dhckerbott« Erben" ab Mittwoch um 8'/, Uhr abend». ...®t'fon-®e',''»ol'» Prag. Der Prager Stadtrat bat beschlossen Jflt tU,,9.t'neä Wilson-Denkmatt einen Platz im Silldl�art vor dem «ilson-vahnhof zu reservlere». tDiü Marx verzichten? Nicht auf sei» Amt» sondern auf die Amtsführung? Wie es heißt, will Reichskanzler M a r x in den nächsten Tagen einen mehrwöchigen Urlaub antreten. Voryer aber wird wahrscheinlich eine Neubesetzung des Staatssetretariats in der Reichskanzlei vorgenom- men werden. Der bisherige, aus der Lutherischen Zeit stam- mende Staatssekretär Dr. K e m p n e r soll von seinem Urlaub nicht erst zurückkehren, sondern im diplomatischen Außendienst verwendet werden. Kempner gehörte zu jenen„unpolitischen" Beamten, die das Ideal Luthers darstellten und die in Wirtlichkeit mit ihrer ganzen Neigung nach rechts Ellenbogenfühlung halten. Das Amt des Staatssekretärs in der Reichskanzlei ist aber i n hoch st em Maße ein politisches Amt, und eine republikanische Regierung sollte darauf halten, das wenigstens dieses politische Amt mit einem z u v e r l ä s s i» gen republikanischen Politiker besetzt wird, um so mehr, als er berufen und in der Lage ist, die politischen und verwaltungstechnischen Entschlüsse und Entscheidungen des Kanzlers in erster Linie zu beeinflussen. Der Republikaner Marx aber steht im besten Be- griff, auf«inen sehr wesentlichen Einfluß zu verzichten. Angeblich soll der ebenfalls unvolitische Ministerialdirektor P ü n d e r an die Stelle von Kempner treten. Pünder ist zwar katholisch und wird ein korrekter Be- amter im besten Sinne des Wortes fein, aber von dem poli- tischen Fingerspitzengefühl, das gerade für das Staatssekre- tariat in der Reichskanzlei im republikanischen Interesse not» wendig ist. hat er bisher noch keinen Beweis ablegen können. Dafür soll er aber besonders vom Reichsarbeitsminister Brauns und von Stresemann begönnert werden. Wenn das Tatsach« ist, so hätte sich der Kanzler zum Ge- fangenen derjenigen Kräfte machen lassen, deren Drang nach rechts in keinem Augenblick verleugnet worden ist. Herr Marx hat sich oft und klar als Republikaner be- zeichnet im Gegensatz zu Herrn Stresemann, der die schwarz- weißrote Fahne der Monarchie noch immer hochzu- balten pflegt. Der Kanzler soll nach der Verfassung die Richt- linien der Politik bestimmen. Es gewinnt aber immer mehr den Anschein, als ob diese Richtlinien dem Kanzler Marx von anderer Seite bestimmt werden und er schließlich nur zu allem Ja und Amen sagt. Er hat zwar das Amt, aber die politische Meinung besorgen andere Kräfte. Auf die Dauer ist das ein unhaltbarer Z u st a n d, denn es leidet darunter nicht nur das politische Ansehen des Herrn Marx selber, sandern auch das der Republik. Kempner Geschäftsträger in Tüdamerika? Die großen Veränderungen Im diplomatischen D> e n st. die schon seit längerer Zeit angekündigt waren, werden in etwa lt Tagen erfolgen. Man will einige Geschäftsträger- posten in südamerikanischen Staaten, wie Chile, Bolivien und Venezuela, neu besetzen. Die Verzögerung der Veränderungen bängt allem Anschein nach auch damit zusammen, daß der bisherige Staatssekretär der Reichstanzlei Kempner auf irgendeinem der südamerikanischen diplomatischen Posten in Erscheinung treten soll. Vlrths Sammelruf. Beklemmungen der Rechtspresse. Während das Blatt des Zentrums, die„Germania", es sich vorbehält, zum Sammelruf Wirths je nach dem Verlauf der Debatte Stellung zu nehmen, versucht die Rechts- presse da« Zentrum von vornherein festzulegen. Sie bemängelt, daß in den Ausführungen Wirths die Wörter „christlich" und„national" nicht vorkommen, bezeichnet das Reichsbanner als eine Organisation, die lediglich der Sozial- demokratie Dorspanndienste leiste, und erhebt gegen die Sozialdemokratie die gerade von dieser Seite sehr über- zeugend klingende Anklage, sie habe durch ihr Fernbleiben von der Koalitionspolitik in den letzten Monaten bewiesen, daß mit ihr eine Koalitionspolitik überhaupt nicht zu machen sei. Aus diesen Gründen werde es sich das Zentrum versagen müsien, dem Ruf Wirths zu folgen. Der Wunsch ist hier der Dater des Gedankens. Tatsächlich ist den Rechtsparteien bei der Aussicht auf eine größere Akti- vierung der republikanischen Parteien nicht sehr wohl zumute. Das tritt deutlich in der„Deutschen Tageszeitung" zu Tag«, die zur Vorsicht mahnt: .Das Staatsbürgertum muß angesichts der sich regenden Kräfte auf der Linken doppelt auf seiner Hut sein, mit v e r- doppeltem Eifer alle Möglichkeiten zur Verwirklichung des Iarres-Gaylschen Sammlur. gsprogramms ausschöpfen. Der republikanischen Klasienkampfaktion im weitesten Sinne, die die Wirthsche Idee darstellt, muß der Kampf aller staatserhaltendsn Kräfte um Volk und Reich entgegen- gesetzt werden." Auch die„Kr e uz z e i tu n g" versucht den Rechtsblock gegen den Linksblock auszuspielen und glaubt voraussehen zu können, daß das Zentrum im Herbst zwischen einer dieser beiden Gruppierungen zu entscheiden haben werde. Prin- zipiell erklärt sie zu der Frage: .Wir befinden uns also anscheinend, abgesehen von den Kommu- nisten, auf dem Wege zu einem Zwelgruppensystem. Da der deutsch« Parlamentarismus nach seiner ganzen Strucktur die Mannigfaltigkeit der Parteien nicht ausschalten kann, ist er drauf und dran, sich zu Gemeinschaften zusammenzuschließen und so für die Hauptfragen im politischen Machtkamps Konzentrationen zu schassen, an denen sich alle Sonderwünsche orientieren und vor denen alle Sonderbestrebungen zurückzutreten haben. Die gemeinsamen Ziel« gleicher oder ähnlich gerichteter Gruppen treten Immer stärker in den Vordergrund, während die Unterscheidungen zwischen ihnen Immer geringer werden und die Auseinandersetzungen über Spezialfragen auf«Inen späteren Zeitpunkt oertagt werden sollen. Sine solche Entwicklung wäre zweifellos im Snteresie der Klärung unserer politischen Verhältniffe dringend zu wünschen." Wenn das Blatt der Altkonservativen dabei die Aus- sichten des Rechtsblocks für die größeren hält, so ist das vom deutschnationalen Parteistandpunkt aus begreiflich! ob es stimmt, ist allerdings eine andere Frage. die Seschränkung ües Artikels 48. Strenge Abgrenzung der Reichswehrbefugnisse. Der Reichsdtenst meldet: Die Loaarbeiten zum Ausführungsgesetz betreffend Artikel 48 der Reichsversossung sind, wie wir Höhren, in der letzten Zeit soweit gefördert worden, daß man hofft, den Gesetz- entwurf im Herbst dem Reichtag zuleiten zu können. Durch das Gesetz in der mmmetzr gexlanten Fassung jollen Uebergrijfe einzelner Stellen, die vor dem Bestehen genauer Bestim- mungen möglich waren, verhindert werden. Es wird eine ein- deutige Festlegung der Reichs- und der Länderrechte durchgeführt, so daß in Zukunft keinerlei Kompetenzstrcitigkeiten bei der Exeku- tive entstehen können. Besonders soll die Rolle der Polizei und die der Reichswehr, die in früheren Fällen zu gewissen Aus- einandersstzungen Anlaß gab, völlig klargestellt werden. Danach besitzt lediglich die Schutzpolizei polizeiliche Rechte, während die Reichswehr nur in bestimmten Fällen eingesetzt werden darf» und möglichst schnell nach Erledigung ihrer besonderen Auf- gaben zugunsten der Polizei zurückzuziehen ist. Auch die Frage der Nothilfe und der Heranziehung von Verbänden zur Sicherung lebensnotwendiger Arbeiten usw. wird durch das Gesetz geregelt. Der Nehlzoll nach üem 1. August. Die fehlende Neuregelung. Bei der Erhöhung der Eetreidezölle, für die in Der- bindung mit dem deutsch-schwedischen Handelsvertrag eine Linie festgelegt wurde, die über den bisher gültigen Sätzen, aber unter den Sätzen des autonomen Zolltarifs liegt, blieb der Mehlzoll ungeregelt. Gerade der Mehlzoll hat für die Beeinflussung des Brotpreises entschei- dende Bedeutung. Bis zum 1. August beträgt der Mehlzoll 8 M.; das bedeutet gegenüber den bis dahin gültigen Getreide- zöllen die Einschaltung einer besonderen Schutzspanne für das deutsche Mühlengewerbe. Wir halten diese Schutzspanne für nicht gerechtfertigt und würden es deshalb für angebracht halten, wenn auch bei den veränderten Getreidezollsätzen der bisherige Mehlzollsatz von 8 M. aufrechterhalten würde, ein« Regelung. die die Schutzspanne für das Mühlengewerbe noch nicht ganz beseitigen, aber doch wesentlich vermindern würde. Die Regierung und die Mehrheitsparteien des Reichstags, die nicht die Absicht haben, die Schutzspanne für das Mühlengewerbe zu verringern, wollen, ungefähr entsprechend der Erhöhung der Getreidezölle, auch den Mehlzoll auf 10 M. erhöhen. Diese Neufestsetzung auf 10 M. muß aber ausdrücklich er- folgen, da andernfalls der gar nicht diskutable Mehlzollsatz von 18,75 M. des autonomen Tarifs in Kraft treten würde. Bei den Zollverhandlungen im Reichstag hatte die Regie- rung in Aussicht gestellt, daß der Mehlzollsatz von 10 M. durch ein deutsch-franzöfisches Handelsprovifo- r i u m Geltung gewinnen würde. Für den leider eingetrete- nen Fall des Richtzuftandekommens dieses Handelsprovifo- riums wurde die selbständige Herabsetzung des autonomen Zollsatzes für Mehl auf 10 M. zugesichert. Das Recht zu einer solchen Herabsetzung hat die Reichsregierung auf Grund de, Zolltarifgesetzes unter Zustimmung des Reichsrats und eines Reichstagsausschusses. Run trennen uns von dem kriti- schen 1. August nur noch wenige Tage. Wir müssen deshalb mit allem Nachdruck die Frage an die Reichsregierung richten: Was g e f ch i e h t, um vor dem 1. August die Mindestforde- rung nach Herabsetzung des autonomen Mehlzollsatzes auf 10 M. zu erfüllen und die Gefahr einer ungebührlichen Verteuerung des Brotes wenigstens einzuschränken? Saumarkt unü Erwerbslosenhllfe. Aussichten der Ncubauaktion. Ungefähr seit 14 Tagen zeigt sich Infolge der Derbesierungen der Bedingungen für den Zwischenkredit eine leichte Verstärkung des Tempo, � im Kleüiwohnungsbau. Don der ersten Rate des LtV-Millionen-Kredits in Höhe von 40 Millionen waren Ende Juni noch nicht S Millionen abgehoben worden. Seit zwei Wochen dagegen sind nicht nur diese 40 Millionen, sondern auch Kreditbeträge weit darüber hinaus angefordert worden. Trotzdem wäre es eine Illusion, zu glauben, daß wir nun im Laufe des Sommer, doch noch zu einer vollen Belebung des Baumarktes kommen. Wir stehen bereits mitten im Juli; es hat keinen Zweck, sich für die diesjährige Wohnungsbausaison noch große Hoffnungen zu machen. Es gilt jetzt, au« den begangenen Fehlern zu lernen und die nötigen Konsequenzen zu ziehen. Bis jetzt war es immer so, daß die Parteien sich ein halbes Jahr lang nur über die Mittel für den Wohnungsbau herum- gestritten haben. In Preußen ist in diesem Jahr infolge der Obstruktion der Rechtsparteien schon glücklich Ende Juni die Hauszinssteuer unter Dach und Fach gebracht worden. Waren die Mittel bewilligt, dann waren die Bauherren noch immer lange Zeit im Ungewissen. Infolgedessen all die Jahre her ein un- gesundes, stoßweises Auf und Ab auf dem Baumarkt. Was wir brauchen, ist Ordnung� und Stetigkeit in der Bauproduktion, und deshalb muß die Reichsregierung sich, koste es, was es wolle, dazu ausroffen, das von der sozialdemokratischen Reichstagssraktion in den Grundzügen bereits skizzierte Bauprogramm auf weite Sicht im Rahmen der Arbeitsbeschaffung durchzuführen. Ee sind in den nächsten sieben Iahren jedes Jahr 200 000 Wohnun- gen zu bauen. Mit den Mittel» der Hauszinssteuer ist das nicht zu schaffen, selbst dann nicht, wenn sie zu einer reinen Wohnungs- bousteuer gemacht würde. Ruhiges und stetiges Arbelten im Wohnungsbau schafft auch die einzige Möglichkeit, dem Baustoffwucher schärfer zu Leibe zu rücken. Die Derteilung der Arbeit aus das ganze Jahr liegt so- wohl im Interesse der Bauarbeiter und Bauhandwerier wie im Interesse der großen Menge von Produzenlen und Konsumenten, die von der Belebung des Baumarktes abhängen und leben. Bisher war der Bauarbeiter fast immer nur eine Art Gelegenheit»« a r b e i t e r. Seine Beschäftigung durch das ganze Jahr wird, weit über den Baumartt hinausgreifend, einer ganzen Reihe von In- dustrie- und Gewerbezweigen Beschäftigung bringen und Hundert- taufenden jetzt erwerbslosen Arbeitern Brot bringen. paritätisch oüer konfePonell? Elternabstimmung in Essen.— Erfolg der Anhänger weltlicher Schulen. Aus Essen wird uns geschrieben: Eine schwere Niedert läge erlitt am vergangenen Sonntag in Essen die Zentrums» Partei. Die Zentrumsfraktion des Essener Stadtverordneten- kollegiums hatte beantragt, die paritätischen Mittel- schulen in konfessionelle umzuwandeln, wobei man auch eine weltliche Mittelschule zugestehen wollte. Um eine Unterlage für einen Beschluß zu haben, einigte man sich schließlich darauf, eine Abstimmung der Eltern stattfinden zu lassen. Die Wahl fand am vergangenen Sonntag statt und endete mit einem vollen Erfolg der Anhänger der paritätischen Mittel- schul«. Ueber 600 Elten: stimmten mehr für die Erhaltung der paritätischen Mittelschule, als die Freunde der konfessionellen Mittel- schule. Erfreulicherweise hatten sich auch die evangelischen Eltern für die Beibehaltung des bisherigen Systems ausgesprochen. Die Wohl ist insofern von Bedeutung, als von katholischer Seite offen aus- gesprochen wurde, daß im Falle eines Erfolges die Konfesfivnalisie- rung der Mittelschulen über ganz Preußen in gleicher Weise durchgeführt werden müsse. »Die Sonne bringt es an öen Tag../ Eine späte Erfahrun«, in Bayern. Nachdem der Femeuntersuchungsausschuß des Reichstags den Geheimnissen bayerischer Poli�eiwirt- schaft einigermaßen auf die Spur gekommen ist, beginnt auch in Bayern die Erkenntnis Platz zu greifen, daß das Vertuschen der bösartigen Dinge auf die Dauer nicht haltbar ist. In der Bayerischen Volkspartei wenigstens scheint man sich über die Folgewirkungen der Verheimlichung klar geworden zu sein. Ihr h auptsächliches Organ, der „Bayerische Kurier", schreibt die folgende Binsenwahrheit mit deutlichem Bezug auf den Erlaß des Justizministers Gürtner, der die Auslieferung von Akten an den Femeausschuß erst „genehmigen" will: „Vertuschungsversuche wären ein durchaus ongkeignetes Mittel. dem moralischen Ansehen Bayerns zu dienen. Wenn wirklich Dinge geschehen sein sollten, die die Inhaber gewisser staatlicher Stellen in Bayern b e l a st e n, so fordert gerade das staatliche Interesse Bayerns nur dies, daß die Schuldigen f e st g e st e l l t werden und dadurch die Scheidelinie zwischen dem bayerischen Staat als solchem und unwürdigen Inhabern staat- licher Stellen eindeutig und scharf mit allen Folgerun- gen gezogen wird. Jede andere Politik wäre nicht nur unsittlich, sondern auch kurzsichtig, denn von allen Vertuschungen gilt, was von den Lügen gilt, daß sie nämlich kurze Beins haben, und daß die Sonne alles einmal an den Tag'bnngen wird." Die Erkenntnis, daß die„Sonne alles an den Tag" bringt, kommt zwar spät, aber hoffentlich rechtzeitig genug, um wenigstens zu Lebzeiten unserer Generation noch die Schandflecken abzuwaschen, die durch Begünstigung von Mördern und Mordorganisationen durch gewisse bayerische Amtsstellen hervorgerufen worden sind. Sollte die Bayerische Volkspartei wirklich die Energie aufbringen wollen, durch- zugreifen, so wäre sie wohl dazu imstande. Sie hat Kahr geduldet und beseitigt. Sie könnte auch das V e r- tuschungsfystem aufheben, wenn sie will. Also warten wir ihre Taten ab! Noch ein Stahlhelmskavüal? Nach Braunschwcig Magdeburg. Aus Magdeburg wird uns geschrieben: Der Bundesleiter des Stahlhelms, Seldte, hat allem Anschein nach im Zusammenhang mit dem Braunschweiger Skandal seinen Haushalt in Magdeburg aufgelöst, um für eine längere Zeit in eine süddeutsche Stadt über- zusiedeln. Es ist überhaupt anzunehmen, daß der Braunschweiger Skandal nur das Signal zur Aufklärung weiterer unmoralischer Voifälle im Stahlhelm sein wird. In Magdeburg fand z. B. in der Woche nach dem Volksentscheid in der„Wilhelma" unter Leitung des Rechtsanwalts Backe unter streng st em Ausschluß der Oefsentlichteit«ine Versammlung statt, in der man sich sehr eingehend über die ungeheure Verschuldling der Magdeburger Orts- gruppe des Stahlhelms unterhielt. Diese Verschuldung ist hauptsäch- lich durch den Umbau des vom Stahlhelm erworbenen Forts am Schöppensteg hervorgerufen worden. Der in Braunschweig von seinen einstigen Kameraden würdig charakterisierte Landesverbandsvor- sitzende Uhlenhaut soll an diesem Zustand mitschuldig sein. Gefängnis für einen LanSesleiter ües Stahlhelms. Karlsruhe, 20. Juli.(WTB.) Das Schwurgericht verhandelte heute gegen den Kaufmann Walter Weiß, Leiter der Stahl- Helmorganisation Baden, und den Redakteur Wil- Helm Roth aus Karlsruhe, die schwerer öffentlicher B e l e i d i> gung der badischen Staatsregierung, begongen durch einen im Februar d. I. in der„Badischen Zeitung" erschienenen Artikel„Nachklänge zur Reichsgründungsfeier", beschuldigt waren. Das Schwurgericht oerurteilte Weiß zu fünf und Roth zu zwei Monaten Gefängnis und zur Tragung der Kosten des Ber- fahren, sowie zur Veröffentlichung des Urteils in der„Karlsruher Zeitung" und in der„Badischen Zeitung". Der Jall Soncour. Beschlüsse des französischen Parteiausschusses. Der erweiterte Vorstand der sozialistischen Partei Frank- reich? befaßte sich auf seiner jüngsten Tagung u. a. mit der Ueber» nahm« der Vertretung Frankreich» beini Völker. b u n d durch Paul Boncour. B o n e o u r legte seine Hol- tung dar. Ein Antrag Leon Blums, der verlangt, daß die Uebernahm« einer Vertretung beim Völkerbund durch Sozialisten von der Exekutive der Internationale geregelt werden sollte, erhielt 21 Stimmen: ein Antrag Zyromsti, welcher die Auf» Hebung der Paul Boncour im Jahre 1925 erteilten Genehmigung verlangt«, erhielt a ch t Stimmen. Es wurden von Bracke und Gaillard zwei Abänderungsanträge zu der Entschließung Blums vor- getragen. Der Antrag Gaillards forderte, daß ein Sozialist keine Vertretung beim Völkerbund für eine Regierung übernehmen dürfe, die seine Pärtei bekämpfen werde. Der Antrag Bracke, welcher dagegen fordert, daß ei» Sozialist jede Vertretung, gleichgültig welche bürgerliche Regierung sie ihm anbiete, ablehnen müsse, wurde mit großer Mehrheit angenommen. * Daß die vom sozialistischen Standpunkt keineswegs ein- w a n d f r e i e Haltung Boneours im Völkerbundrat, namentlich In der Abrüstungsfrage, eine Stellungnahme des fron- zösischen Parteivorstandes oeranlaßte, ist zu begrüßen. Unklar und widerspruchsvoll sind aber die von ihm gefaßten Beschlüsse. Ob eine generelle Regelung des Problems der Beteiligung von Sozialisten am Völkerbundrat durch die Exekutive der Internatio- nale, wie sie der Antrag Blum vorsieht, angängig ist, möchten wir vorläufig bezweifeln. Man kann doch nicht die anderen sozio- listischen Parteien zu einer rein negativen Haltung gegenüber etwaigen Wirkungsmöglichketten jm Völkerbund zwingen, nur weil der eine, Boncour, sich in Gegensatz zu der Politik seiner Partei und zu den Beschlüssen der Internationale gestellt hat. Belgische Genossen wie Brouckere und Dandcrvelde haben eine für die internationale Verständigung sehr wertvolle Tätigkeit»n Völker. bundrat'ausgeübt, ohne dort eine rein sozinlistische Regierung zu vertreten. Dasselbe gilt für den verstorbenen Genossen B r a n t i n g. der Schweden in Genf auch in Zeiten vertrat, in denen die Konser- vativen am Ruder waren. Hoffentlich wird Genosse Undän das Angebot, das die jetzige bürgerliche Regierung Schwedens an ihn gerichtet hat, annehmen. Für die deutsche Partei ist die Frage bisher noch nicht aktuell gewesen, aber für sie kann das Der- halten Boneours unmöglich maßgebend sein. Die Kommunistin Schlosser ist iü München wegen Beihilfe zu einem Fluchtversuch, der im Vorjahre von den Abgeordneten Schlaffer und Götz und einem anderen Kommunisten aus dem Gefängnis unternommen wurde, zu zwei Monaten Gefängnis veuirteilt woroen. Der Haftentlassimgsantrog wurde mit der Begründunq abgelehnt, daß Frau Schlaffer oersucht habe, sich einen Paß nach Oesterreich zu perschassen.. Gewerkschaftsbewegung Baukontrolleure aus Arbeiterkreisen. Ein Erfolg der Berliner Bauarbeiter. Umsicht und gehörigen Energie im Interesse des Bau| die Arbeitgeber auch über eine 2ohnerhöhung nichi arbeiterschutzes ausüben werden. mit sich reden lassen wollen. Die Berliner baugewerblichen Arbeiter aber haben durch die Einstellung der Baufontrolleure nach jahrelangem zähen Kampfe für die Ausgestaltung des Bauarbeiterschuhes einen großen Erfelg zu buchen. Abzüge in der AEG. Fabrik für elektrische Meßinstrumente. Für die Ausgestaltung des Bauarbeiterschutzes führen die Ber liner baugewerblichen Arbeiter seit 1897 einen steten Kampf. Mancherlei haben sie für den Schutz ihres Lebens und ihrer Gesundheit erreicht. Indessen die Hauptforderung, die der erste Berliner Bauarbeiterschußkongreß im Jahre 1899 aufstellte, und die von den folIn einer gut besuchten Versammlung am 16. Juli in der Schulgenden Kongressen( Berlin 1903 und Leipzig 1913) wieder erhoben Koloniestraße und Drontheimer Straße zu den von aula Grünthaler Straße nahm die Belegschaft der AEG., Werk wurde, die Einstellung von Bautontrolleuren aus den Kreisen der baugewerblichen Arbeiter der Direktion angeordneten Abzügen Stellung. Der leberwachung bzw. Kontrolle der Unfallverhütung auf den Bau- Vorsitzende des Betriebsrats berichtete über die vom Betriebsrat stellen", war nicht möglich durchzusetzen. Während eine ganze Reihe fiche Direktion sei an diesen Maßnahmen weniger schuld als die geführten Verhandlungen, die leider ohne Erfolg waren. Die örtvon Städten, insbesondere München dieser Forderung als berechtigt Fabrikenoberleitung und der BBMI. anerkannten und durch die Einstellung von Baukontrolleuren wesentlich zur Senkung der Unfallziffern beigetragen haben, fennte in Berlin nichts geschehen. Nicht nur daß gewisse UnternehmerPreise sich gegen die Anstellung von Baukontrolleuren aus dem Arbeiterstande mit den törichtsten Gründen einsetzen, auch beim Magistrat bzw. der Baupolizei war kein Verständnis für diese die 2ebensmittelzölle in Kraft treten, wo noch Forderung zu finden. Nach dem Kriege, als trotz der geringeren Bautätigkeit die Unfallziffern in erschreckender Weise in die Höhe schnell ten, fonnte man sich der Anstellung von Baukontrolleuren nicht mehr verschließen. Im Mai 1924 erhielt Berlin zunächst zwei Bautenfontrolleure, die wirklich Fachleute- 1 Maurer- und ein Zimmererpolier waren. Wohl waren noch einige Baukontrolleure vor. handen, Polizeiassistenten, abgehalfferte Rommunalbeamte, auch Leute, die vom Bauwesen keine Ahnung haben, die einige Monate im Baufach ausgebildet" waren, wirkten bescheiden wie ein Mauerblümchen im Verborgenen als Baufontrolleure". Man sah und hörte nichts von ihrer Tätigkeit. " 1 Die ständig steigende Unfallziffer unter den Bauarbeitern hatte auf eine Anregung beim Preußischen Minister für Volkswohlfahrt zur Folge, daß er in seinem Rundschreiben vem 14. November 1925 die behördlichen Organe auf ihre Pflichten hinwies. In diesem Schreiben heißt es unter cnderem: ,, Bei dieser Ueberwachung hat sich nach den in vielen, Orten gesammelten Erfahrungen die Hinzuziehung von Baukontrolleuren aus dem Arbeiterstande bewährt. Unter Hinweis auf den Erlaß des Herrn Staatsfommissars für das Wohnungswesen vom 13. Dezem ber 1918 ersuche ich deshalb, erneut dafür einzutreten, daß namentlich in den Orten, in denen bereits amtlich bestelltes Baupersonal vorhanden ist, auch Personen herangezogen werden, die aus dem Bauarbeiterstande hervorgegangen find. Eine Forderung an den Magistrat der Stadt Berlin um weitere Einstellung von Baufontrolleuren wurde abgelehnt mit der Motivierung:„ daß die Bautätigkeit sich noch nicht so gehoben habe, daß sich die Vermehrung der Baukontrolleure nötig macht." Erst ein Beschluß der Berliner Stadtverordnetenversammlung vom 17. Februar 1926, für jedes Bezirksamt einen Bauton= trolleur anzustellen, brachte den Stein ins Rollen. Die Stellung des Magistrats blieb offen. Es mußten erst ungeheure Opfer an Menschenleben und Gesundheit auf dem Großfraftwert Rummelsburg gebracht werden, erst die entsetzliche Bernichtung von Menschen- und Familienglück auf dieser Baustelle, die eine Menschenfalle schlimmster Art war, bevor der Magistrat aus feiner Passivität herausging. Die Rolle, die der Verband Berliner Baugeschäfte spielte, um die ihm begreiflicher Weise keineswegs erwünschte Anstellung von Arbeiterbaufontrolleuren und eine strengere Kontrolle zu hintertreiben, wurde kürzlich im Vorwärts" beleuchtet. Das Treiben war jedoch Diesmal erfolglos. Der Magistrat hat zunächst 13 Bautontrolleure, Don denen 10 den freigemertfchaftlichen und einer dem christ. lichen Bauarbeiterverband angehört, eingestellt. Mitte Juni haben fie ihre Tätigkeit aufgenommen. Wir möchten nun besonders darauf hinweisen, daß die Baufontrolleure bei der Revidierung der Arbeitsstellen sich mit der Betriebsvertretung der Arbeiter den Baudeligierten, Betriebsrat, Vertrauensmann in Verbindung zu setzen haben. Indes auch unsere Betriebsräte, Baudelegierten alfo die Betriebsvertretung,- haben nach§ 66 Nr. 8,§ 78 Nr. 6 und § 92 des BRG. vom 4. Februar 1920 die Pflicht, die Baufontrolleure und Gewerbeaufsichtsbemten bei der Bekämpfung der Gesundheits- und Unfallgefahren zu unterstügen. Das wird in der Beantwortung des Herrn Wohlfahrtsministers für Preußen, die er auf die Anfrage der sozialdemokratischen Landtagsfraktion bezüglich der Bauunfälle, Großfraftwerk Rummelsburg, gegeben hat, ausdrücklich unter Ziffer 4 des Antwortschreibens hervorgehoben. Der Herr Minister betont, daß es einer besondern Anweisung an diese Behörden, sich der Betriebsvertretung zu bedienen, nicht bedarf. Er wird indessen noch ausdrücklich daraufhin weisen, daß es zumal in größeren Betrieben- zweckmäßig ist, daß die Baupolizei auch von sich aus mit den Betriebsvertretungen Fühlung nimmt. Bon den Bautontrolleuren erwarten wir, daß sie ihr schweres, undankbares Amt mit dem nötigen Taft, der erforderlichen In der lebhaften Aussprache, die auf den Bericht folgte, fam zum Ausdruck, daß der Unwille über diese Maßnahme sehr groß ist, der sich oft sehr drastisch bemerkbar machte. Die Belegschaft kann es nicht verstehen, daß in der heutigen Zeit, wo die Mieten er überall kurz gearbeitet wird und ein oder mehrere Erwerbslose fast in jeder Familie sind, die von der unzureichenden Unterstützung nicht leben können und deshalb von den noch arbeitenden Familienmitgliedern miterhalten werden müssen, noch Abzüge vom Verdienst gemacht werden. Nunmehr will die Reichsregierung eingreifen. Ein von ihr beauftragter Beamter soll am Mittwoch oder Donnerstag in Breslau erscheinen, um zwischen dem Standpunkt beider Parteien zu entscheiden. Möge dieser letzte Einigungsversuch zu einem Erfolg führen und damit die drohende Gefahr eines schweren Wirtschaftskampfes in der schlesischen Landwirtschaft beseitigt werden. Sauregurkenzeit. Die von mehreren Korrespondenzbureaus berichtete und in einem Teil der bürgerlichen Presse verbreitete Entschließung des Vorstandes des Bergarbeiterverbandes, in der der zusammenschluß aller im Bergbau und seinen Nebenbetrieben begefordert wird, ist in der Schlußsizung der 25. Generalver= schäftigten Arbeiter zu einem Bergbau Industrieverband sammlung des Verbandes der Bergarbeiter Deutschlands in Saarbrücken gefaßt worden. Die Meldungen, daß es sich um eine am Dienstag in Dortmund gefaßte Entschließung handelt, ist nicht zutreffend. Tagung des Internationalen Bergarbeiterausschusses Paris, 20. Juli.( WTB.) Der Internationale Bergarbeiterausschuß ist heute in Paris zusammengetreten, um die internationale Lage im Bergbau zu prüfen. Zur Begründung der Abzüge heißt es, daß die hergestellten Die faschistische Sabotage des Achtstundentages. Waren billiger werden müssen. In der Versammlung war aber die Meinung vertreten, daß die Ware deshalb nicht Die„ Begeisterung" in den faschistischen Gewerkschaften. billiger wird, wenn man nicht versucht, die VerwaltungsMailand, 21. Juli.( Eigener Bericht.) Mit der Einführung der untosten zu verringern. Man baut zwar Arbeiter, Arbeiterinnen neunten Arbeitsstunde in der italienischen Industrie versett Italien und untere Angestellte ab, doch die nicht tarifmäßig eingestellten Be- nicht nur dem Abkommen von Washington einen Schlag, das zu amten, die durch ihre hohen Gehälter die Unkosten wesentlich steigern, halten es auf der Londoner Arbeitsministerkonferenz durch den Mund entläßt man nicht, sondern stellt selbst noch welche ein. Auch die feines Delegierten, des früheren Anarchisten de Michelis, ver Arbeitsmethode fönnte eine andere sein, troß der Rolltische.prochen hatte, sondern eröffnet damit auch den Kampf gegen Sämtliche Redner forderten die Belegschaft auf, sich fester in jeden Versuch, die sozialen Abmachungen des Internationalen Arbeitsder Organisation zusammenzuschließen. Der Betriebsrat amtes in Genf in Anwendung zu bringen. Was aber noch absteßenwurde beauftragt, alle Mittel anzuwenden, um die Abzüge ab der ist, ist das Bestreben des faschistischen Regimes, das Ausland zuwehren. Der Organisationsvertreter Bogeler teilte mit. glauben zu machen, daß die italienischen Arbeiterdaß am Dienstag eine Verhandlung mit dem BBMJ. stattfindet. Bu organisationen diesen Maßnahmen der Regierung ihre„ be. diesem Resultat soll eine spätere Versammlung Stellung nehmen. geisterte Zustimmung" geben. So hat in der Tat Musso= lini in einer Unterredung mit dem Vertreter der„ Daily Mail" ge= sagt, die Verhandlungen zwischen den Organisationen der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer hätten feinerlei Schwierigkeiten Die Metallarbeiter in Kiel feierten am 17. und 18. Juli ein ergeben, da„ alle diese Organisationen faschistisch" seien. Fest von besonderem Gepräge. Der 17. Juli galt den Jubilaren, die Wir sind jedoch in der Lage, Herrn Mussolini Lügen zu in diesem Jahren dem Deutschen Metallarbeiterverband 25 Jahre strafen. Im selben Augenblicke nämlich, als die Verordnung der und mehr angehören. Am 18. Juli waren 50 Jahre ver= Regierung bekannt wurde, in der der tägliche Umfang der Zeitungen floffen, seitdem sich die damalige Metallarbeiterge auf 6 Seiten beschränkt und der Arbeit tag mit neun Stunden festwertschaftsgenossenschaft eine Fahne gab und 35 Jahre gesetzt wurde, hat die faschistische Buchdruckergewerfvergangen, seit die Berwaltungsstelle Kiel des Deutschen Metall- chaft ein Rundschreiben an die Gruppensekretäre gerichtet, in arbeiterbandes gegründet worden ist. Grund genug, um ein Fest dem, nachdem auf die schwere Schädigung des sowieso schon der Erinnerung an ein Menschenalter des großen Befreiungskampfes unter Arbeitslosigkeit leidenden Buchdruckerge. der Arbeiterschaft zu feiern. werbes" durch die Beschränkung auf 6 Seiten hingewiesen worden ist, folgende Ausführungen gegen den Neunstundentag zu lesen find: Jubiläum der Kieler Metallarbeiter. Der Konflikt in der schlesischen Landwirtschaft. Weder Ernte- noch Lohnzulage. Vom Verbandsvorstand des Deutschen Landarbeiterverbandes wird uns geschrieben: Die Deffentlichkeit wurde vor einigen Tagen davon unterrichtet, daß in der schlesischen Landwirtschaft einige Betriebsstreits ausgebrochen sind. Die tiefere Ursache dieser Streits liegt in der Tatsache, daß seit dem 1. Januar 1926 fein Tarifvertrag mehr besteht und seit mehr als Jahresfrist keine Lohnerhöhungen erfolgt sind. Die Landarbeiter empfinden das augenblicklich besonders start, weil überall die Erntearbeit einsetzt und damit die Zeit der größten Inanspruchnahme menschlicher Arbeitskraft gekommen ist. Man darf bis zur Einführung neuer Dispositionen keine Erhöhung der Arbeitszeit vornehmen, ohne einen regelrechten Vertrag festzusehen, der eine Entschädigung für die ent= stehenden Ueberstunden gewährleistet." Das ist wohl die beste Antwort an Mussolini! Achtung, Bauarbeiter! Bei der Firma Held& Frante, außer dem Großkraftwerk Rummelsburg, bestehen zwischen den Affordmauerern und der Firma Differenzen. Deutscher Baugewerksbund, Baugewerkschaft Berlin.. Berband der Akkordmaurer Berlins. Freie Gewerkschaftsjugend. Seute, Mittwoch, abend 7½ Uhr tagen die Gruppen: Neukölln I: Jugendheim Bergstr. 29, Hof. Ein Gruppenabend im Freien( Treffpunkt 47 Uhr). Schöneberg: Jugendheim Rubensstraße( Sportplak). Welche Aufgaben hat unsere Mädchenkommission? Südwesten: Jugendheim Bärwaldstr. 64. Diskussion: Gewerkschaftliche Fragen". Norden: Jugendheim Gartenplag 4. Mufit- und Liederabend. Nordring: Jugendheim Eberswalder Str. 10. Nordring macht Bisite( Besuch der Gruppe Wedding). Char lottenburg: Jugendheim Berliner Str. 137, Dtsch. Krankenkassenverband. Bor trag: Die Entwicklung der Familie". Bum Spielen im Freien treffen fich furter Allee und Mitte; im Treptower Bart, Spielwiese 1, Lichtenberg; im Schillerpark, Schülerwiese, Gesundbrunnen und Wedding. Die Situation führte dazu, daß Ende der vorigen Woche Verhandlungen vor dem Schlichter stattfanden. Von den Vertretern des Deutschen Landarbeiterverbandes und des Zentralverbandes der Landarbeiter wurde hierbei zunächst der Antrag gestellt, über die Gewährung einer Erntezulage zu verhandeln. Das lehnten die Arbeitgeber ab mit der Erflärung, zur Zahlung irgendwelcher Erntezulagen in diesem auf dem Spielplak 4 im Friedrichshain die Gruppen Landsberger Blah, FrankJahre nicht imstande zu sein. Bei dieser Ablehnung bleibt nur der Weg eines betriebsweisen Borgehens. Auf diesem Wege werden die organisierten Landarbeiter von ihrer in den einzelnen Betrieben erzielten Machtstellung Gebrauch machen und dabei nach den Erfahrungen des Vorjahres mehr herausholen können, als es am Ver- heim, 5 Tr.). Heimabend. Charlottenburg: Jugendheim Rosinenstr. 4. Heiterer handlungstisch möglich ist. Nach Erledigung der Aussprache über die Gewährung der Erntezulage verhandelten die Parteien nochmals über den Abschluß eines Landarbeitertarifes für 1926. Auch diese Verhandlungen scheiterten, weil Jugendgruppe des RDA. Heute, Mittwoch, abend 7% Uhr für folgende Abteilungen: Lichtenberg: Jugendheim Schule Goßlerstr. 61. Güddeutscher Abend. Reukölln: Jugendheim Nogatstr. 53. Tagesordnung in der Beranstaltung. Wedding- Gesundbrunnen: Jugendheim Schönstedtstr. 1( LedigenAbend. Berantwortlich für Politik: Ernst Reuter: Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Ekkorn; Feuilleton: Dr. John Schitowski; Lokales und Sonstiges: Frik Rarstadt: Anzeigen: Tb. Glode: fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlaa G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerel und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co.. Berlin SW 68. Lindenstraße 3. Sierzu 1 Beilage und Unterhaltung und Wissen". Heute Schlusstag unseres Saison- Ausverkaufs 173 HERMANN TIETZ Nr. 33S ♦ 43.Fahrgaag 1. Seilage ües vorwärts Mittwoch, 21. Ml 1�26 �\rT oj /V Die Zahl der Erwerbslosen steigt von Woche zu Woche. Immer neue Existenzen werden in diesen Mahlstrom des Unglück» hinein- gerissen. Und wer heute seinen Platz im Betrieb verliert, der geht mit zusammengebissenen Zähnen pflichtgemäß auf den Arbeits- Nachweis, geht auch hier und dort nach Arbeit fragen, steht um den„Arbeitsmartt" nachmittags an--- aber keiner hat viel Vertrauen in sich. Arbeit? Ausgerechnet er wird Arbeit kriegen, wo so viele auf dem Pslaster liegen, wo so viel Hände noch Arbeit greifen!— Und Woche um Woche wächst in ihm diese böse, stumpfe Resignation. Scheu schleichen sie zu Hause um den Vater herum, der keine Arbeit hat,— es fragt ihn schon niemand mehr, wenn ar nach Hause kommt, nach dem Ergebnis seiner Bemühungen. Und' eines Tages heißt es:„Ausgesteuert!"— Was nun?— Die Frau verdient wohl hier und da einige Groschen, hat endlich eine„Auf- Wartung" und eine„Reinemachestelle" gefunden, Vater bringt von irgendeiner Gelegenheilsarbeit auch ein paar Groschen nach Hause — aber da sind noch mehr Mäuler. Gut, wenn„die Großen" Arbeit haben— ihr Kostgeld hilft durchhalten. Aber nicht überall sind hUfreiche„Große" da— manchmal haben auch sie keinen Der- dienst. Und dann müssen die Kleinen heran, die jüngsten und kleinsten Verdiener. Freilich, der Kinderarbeit in der Industrie sind durch das Arbeiterschutzgesetz einige Schranken gezogen, und so schlimm wie in den ersten Zeiten des Fabriksystems, als Kinder an den Spinnmaschinen standen und Fünf-, Sechs-, Siebenjährige schon in die Fabrikfron mußten— so schlimm ist es heute nicht mehr. Aber noch sind allerlei Lücken in diesen Zäunen, die das Gesetz errichtet, und die Kinderarbeit in der Landwirtschaft ist ein döses Kapitel: doch auch in der Großstadt gibt es manche Gelegen- heit für kleine Hände, einige Groschen zu verdienen. Die Not überwindet Daters Widerstreben. Auch die paar Groschen, die der Junge, das Mädel noch Hauje bringt, rechnen. Die kleinen Ver- diener, täglich laufen sie an uns vorbei, wir sehen meist über sie hin. Aber jeder ist ein kleiner Mensch, und an jedem formt das Leben jetzt schon mit harten Griffen. Wie sieht ihre Jugend aus? portierkinöer. Bater ist Klempner, Mutter hat die Portierstelle. Zwei kleine Stuben und ein fensterloses Loct� die„Küche, sind die„freie Wohnung", die die ganze Entschädigung für die Portierorbeit ist. Vier Kinder! Ein Glücksfall, daß sich überhaupt ein Hauswirt fand, der die Familie aufnahm. Vier Kinder aufziehen— das ist schon ein Problem, und solange kems verdient, ist bei einem Durch- schnittslohn immer Schmalhans Küchenmeister. Und kaum ist die Größte 12 Jahre alt, da muß sie mithelfen. Wenn Vater Arbeit hat, wird ihr das Geld, dos sie als kleines Kindermädchen und für cndere häusliche Hilfe bei den Mietern»erdient, aufgehoben: das gibt immer schon die Kleidung. Elli verdient: sie ist da» Aschen- putlel all der INsttelslandsdamen. bei denen es längst nicht mehr zu einer ständigen, regulär bezahlten Haushilse long«. Sie muß die Küche der jungen Frau I, die alle Tage umschichtig Blumenkohl oder Koteletts„kocht" und dafür alle Töpfe braucht, in Ordnung u E �0« bringen, muß m't P's verzogener Göre spazieren gehen und bei zweh drei Parteien immer die Mülleimer abholen. Die Schul- arbeiten leiden doneben elend Not, Elli verbricht ein fürchterliches Deutsch, und als sie endlich mit IS Iahren in eine Kontorlehrstelle gebracht wird, da bringen ihr die vielen jung oerdienten Groschen manchen„Anschnauzer" wegen ihrer mehr originellen als einwand- freien Orthographie ein.— Paul und Frieda füllen nun ihre Stelle aus: Paul, der so gerne Tischler werden wollte, wächst als Lauf- junge der Bäckerslcute in die Karriere eines Bäckerlehrling» hinein: Frieda wird bei den Hausbewohnern die Nachfolgerin ihrer Schwester. Kaum aber sind die beiden aus der Schule, da finden sie Anschluß an die Arbeiterjugend, und ein neuer Geist zieht mit ihnen in das Haus. Zllle Abend pfeifen die Iugendgenossen vor dem Haus das Signal„Nicht zählen wir den Feind", aus dem Parterre- fenster der Portierwohnung klingen die Lieder unserer Jugend. Di« wenigen Sozialisten im Haus freuen sich der frischen Jugend. Aber sie sind gerade nicht die„Herrschaften", und Paul und Friedas Beliebthest bei den anderen Mietern hat erheblich gelitten, sie werden nicht mehr gern in Anspruch genommen.— Die Elli, die ihre Kinderjahre an anderer Leute Abwaschtischen hinbrachte, die Frieda und der Paul— drei Kinder aus gleichen häuslichen Ver- Hältnissen: aber wenn man die drei heute nebeneinander sieht, dann weiß man, wie teuer Elli die früh verdienten Groschen be- zahlt hat--- Lotte. Ich sitze vor dem kleinen Wiener Kaffee am obersten Ende der Friedrichstadt. Da piept ein dünnes Stimmchen neben mir:„Streichhölzer? und eine magere Kinderhand schiebt eine Schachtel aus die Marmorplatte. Wie eine kleine graue Maus huscht das dürftige Persönchen von einem Tisch zum anderen, und an drei, fünf, sechs Tischen nimmt man der kleinen Händlerin auch ihre Ware ab. Als sie das Lokal oerlassen will, rufe ich sie an. Sie gibt bereit- willig Auskunst:„Vater ist Tapezierer, aber er kriegt keine Arbeit mehr— nu schon so lange. Meine große Schwester und mein Bruder sind weg von uns: Mutter handelt auch. Ich bringe oste fünf Mark nach Hause, Mutter meistens auch, ich jeh' alle Tage—." Das altkluge kleine Gesichtchen der Neunjährigen erzählt wichtig weiter:„Wo Portiers sind, darf man nicht rein: am nettesten sind die„.�rolleins", die geben mir das Ield manchmal so, eine spendiert mir immer ein)las Milch."— Mir krampst sich das Herz zu- sammen. Kleine Lotte, was wird aus dir werden? Heute noch freust du dich nur der Milch, die dir das„Frollein" in ihrem„Ver- kehrslokal" immer„spendiert"— in ein paar Jahren Hot sich dein dürftiger Kinderkörper gestreckt, dann spendiert dir vielleicht eher der Kavalier dep„Frolleins" mal einen süßen Likör, eines Tages wirst du finden, daß deine schlanken Beinchen doch in elend»er- tragenen Schüben stecken.— Von eins bis sieben klappern Lotte und ihre Mutter die Friedrichstadt ab. Dann bleibt ihnen ein Rein- verdienst von 5 bis 6 Mark, beiden zusammen, denn die Schachtel Streichhölzer, die Lotte mit 5 Pfennig verkaust, bezahlt Mutter mit 2,1 bis 2,3 Pfennig, denn zum Einkauf von größeren Mengen langt ja das Betriebskapital nicht, man kauft täglich ein.— Und die graue Rot zu Hause srißt Lottes verdienst und ihre Zugend. Und plötzlich ist mir, als grinse mich schon aus dem freudlosen, altklugen Kindergesichtchen die geschminkte Fratze einer herunter- gekommenen Dirne an———# Zritze. Der Hochbahnwagen leert sich endlich. Neben mir findet der stämmige braune Junge endlich einen Sitzplatz. Er greift in die Hosentasche und zieht eine ganze Menge Kleingeld heraus, um es zu überzählen. Er meint vergnügt:„Heute is's jenuch!"—„Mcnjchens- kind, wo hast du bloß das viele Geld her?" versuche ich ein Juter- view.„Na ick bin doch Tennisboy! So lange Ferien sind, nehme ick det immer ordentlich wahr, da fahre ick schon morjens hin un nehme mir Stullen mit. Die Stunde jibt's fufzig Pfennje, un noch manch- mal Trinkjeld!"—„Junge, dann oerdienst du ja ein Vermögen! Oer lvobblq. 371 von B. Traven. Copyright by Buchmeister-Dtrlag. Sttlin und Leipzig. Die Nächte in den Tropen haben für den Menschen, der, so lange wir ihn kennen, ein Taggeschöps ist, etwas unsagbar Unheimliches an sich. Viel unheimlicher noch sind die tropischen Nächte für die Tagtiere. Kleine Herden kommen des Abends zum Ranchohaus, um in der Nähe der Menschen zu sein. Sie wissen es ganz genau, daß der Mensch sie beschützt. In den Wochen nach der Regenzeit, in denen die Moskitos und die Beißfliegen in der Luft schwirren, dick wie aufgewirbelter Staub, kommen die Rinder selbst an Tage von den Prärien heim und drängen sich um das Ranchohaus, wo sie auf Hilfe hoffen. Man kann ihnen keine Hilfe gewähren, weil man selbst Kopf, Gesicht und Hände mit Tüchern umwickelt hat, um sich gegen die Geister der tropischen Hölle zu schützen. Aber selbst die Riesenherden' fangen an, unruhig zu werden, sobald die Sonne untergegangen ist. Sie umzirkeln die Hütten der Herdenaufseher und lagern sich rund herum. Die Wachleute umreiten die Herden während der ganzen Nacht. Abends, nach Sonnenuntergang ziehen alle Männer herum und singen die Herde in den Schlaf. Dann erst beginnen die Tiere sich zu legen. Manche großen Viehzüchter überlassen es den Herdenmännern, den Cowboys, ob sie singen wollen oder nicht: sie halten es für überflüssig, für alten Kohl. Aber Vieh, das nicht eingesungen wird, ist nicht so gut wie anderes, das in den Schlaf gesungen wird. Das Vieh bleibt die ganze Nacht hindurch unruhig, legt sich für zehn Minuten und springt wieder auf, um umherzuwandern und anderes Vieh zu streifen und die Kameradschaft zu fühlen. Dieses Vieh ist am Morgen schläfrig, und weil es am Tage den verlorenen Schlaf nachholen muß, frißt es nicht so gut. wie das gesungene. Es kommt infolgedessen viel langsamer in Form. Aus Trans- Porten muß man erst recht singen, denn hier ist das Vieh viel unruhiger, weil es ja auf ungewohnten Prärien lagert. Würde man die Herde hier nicht in den Schlaf singen, hätte man es an der Marschzeit schwer zu büßen, weil die Herde dann am Tage mehr ruht, als es für den Marsch gut ist. Ich jedenfalls ließ jeden Abend singen, und die Männer taten es mit Vergnügen. Sie ritten langsam und gemütlich, steckten sich zuweilen eine Zigarette an. und dann sangen sie wieder. Und bei dem Singen legten sich die Rinder in dem Bewußtsein absoluter Geborgenheit hin und ruhten. Schläfrig sahen sie dem reitenden Manne nach, brummten und begannen zu schlafen. Wird auch des Nachts ab und zu gesungen, so ist das den Tieren nur um so lieber Sie wissen, daß ihnen dann nichts geschehen kann, denn der Mensch ist in der Nähe und beschützt sie gegen die Schrecknisse der Nacht. In der Tot verscheucht das Singen der Männer die Jaguare und Berglöwen. Daß dieses Singen der Kuhmänner auch alle Menschen verscheucht, die sich unter Singen eben Singen vorstellen, erwähne ich nicht. Man braucht mich nur singen zu hören, dann weiß man die letzten Geheimnisse der Welt. Ich hatte die Kopswache, die der Vormann hielt, auch hierher genommen, damit wir die letzten paar Abende noch alle zusammen sein konnten. Die Vorwachc war überflüssig geworden, weil drüben der Fluß lag, der sich bis zur Stadt hinstreckte. Die Flanken konnten leicht gehalten werden von den beiden Wachen. Während die Leute rauchten und schwatzten, spttelte ich noch einmal aus und ritt die Herde ab, singend, pfeifend, summend und den Tieren zurufend. Klar, wie nur der Nachthimmel in den Tropen sein kann, lag die schwarzblaue Wölbung über der singenden Prärie. Wie kleine goldene Sonnen standen die strahlenden Sterne in der satten Nacht. Und Sterne flogen umher, hunderte, tausende, als wären sie heruntergekommen von dem hohen Dom der Welt, um Liebe zu suchen und Liebe zu spenden und dann wieder zurückzukehren in die stille einsame Höhe, wo keine Brücke führt von dem einen zum andern. Die Glüh- käferchen waren das einzige sichtbare Leben hier unten. Aber das Unsichtbare fang mit Milliarden Stimmen und Stimm- chen, musizierte mit Geigen und Flöten und Harfen, mit Zimbeln und Glöckchen. Und da lag meine Herde. Ein schwarzer, dunkler Brocken neben dem andern. Brummend, atmend und einen warmen, vollen, schweren lastenden Hauch erdischer Gesundheit verbreitend, der so reich war in sich, in seinem Unbewußtsein, der so wohl tat und so unendlich zu- frieden machte. Mein Herr! Mein stolzes Heer, dos ich über Flüsse führte und über Felsengebirge, das ich beschützte und behütete, dem ich Nahrung brachte und erfrischendes Wasser, dessen Streitig- leiten ich schlichtete und dessen mütterliche und eheliche Liebes- wünsche ich erfüllte, dessen Krankheiten ich heilte, und das ich Abend um Abend in den Schlaf sang, um das ich mich sorgte und härmte, um das ich zitterte, und das meinen Schlaf beunruhigte, um das ich weinte, wenn eines mir verloren ging, und das ich liebte und liebte, ach, so sehr liebte, als wäre es mein Fleisch und Blut! O, du, der du ein Kriegsheer über die Alpen führtest, um in friedliche Länder den Mord und den Brand zu tragen, was weißt du von der vollkommenen Glückseligkeit, ein Heerführer zu sein! 24. Am nächsten Morgen kam der Salztransport heraus, und ich salzte die Tiere. Ich hatte ihnen nur einmal Salz gegeben während dss ganzen Marsches. Man kann sich darauf nicht gut einlassen, wenn man nicht ganz genau weiß, daß man viel Wasser noch am selben Tage erreichen wird. Jetzt aber war das Salz von großem Wert. Sie konnten sich tüchtig danach volltrinken und kamen in Glanz und Pracht, als hätten sie neue Uniformen erhalten. Ihre Felle fchimmer- ten, als wären sie mit Bronzelack Übergossen worden. Ich konnte mich mit meinem Transport sehen lassen. Drei Tage später kam Mr. Prott mit dem Kommissionär, der den Verkauf übernommen hatte. „Donnerwetter! Donnerwetter noch mal!" sagte er immer wieder.„Das ist Vieh. Das geht wie warme Butter fort." Mr. Pratt schüttelte mir die Hand und sagte:„Mensch, Gale, wie haben Sie denn das nur fertig gebrocht? Ich habe Sie nicht vor Ende nächster Woche erwartet. Vierhundert habe ich schon verkauft. Dadurch, daß Sie so früh hier sind, rechne ich, daß wir innerhalb einer Woche das letzte Paar Hörner los sind. Es ist noch ein zweiter Transport von einem anderen Züchter unterwegs. Und wenn Sie später gekom- men wären, hätte das auf den Preis gedrückt, zweitausend Kopf in derselben Woche kann der Markt nicht tragen, ohne erheblich zu pressen. Kommen Sie nur mit zur Stadt gefahren, der Vormann kann den Rest jetzt allein schaffen." Die beiden Herren waren mit dem Autp herausgekommen. und wir waren am frühen Nachmittag schon in der Stadt zurück. Wir rechneten ab. und ich bekam ein recht nettes Sümmchen. Zwei Kälbchen waren noch dazu geboren worden» und so hatte ich im ganzen fünf, die mir als volle Köpfe an- gerechnet wurden, wodurch meine Verluste sich um diese fünf Köpfe verringerten. „Mache ich einen guten Preis." sagte Mr. Pratt.„dann gebe ich Ihnen noch einen Hunderter zur Belohnung. Sie haben ihn verdient. Mit den Banditen sind�Sie ja billig los- gekommen." „Kein Wunder," sagte ich,„den einen kannte ich gut, ein gewisser Antonio. Ich habe einmal Baumwolle mit ihm gepflückt, und wir waren gute Freunde. Er sorgte dafür, dag es billig wurde,*(Schluß folgt.) 5Bas sängst Du VIDI mit all d-m vielen ÄetD an?'— stch watl Mittags spielen die Leute jetzt nich, bei die Bullenhitze is bloß morjens un abends wat zu machen, aber et war' schon jenuch, wenn et allen? meins wäre! Zwee Mark jede ick ab, weil Vater keeue Arbeit hat. siebzig Pfennje nehme ick sier Zehrjeld un Aahrseld. un det andere spart Mutter für een Minteranzuch: un wenn't Wetter nischt taucht denn ist't mit die janze Bransche Essich. Un denn hat man jetzt ooch die Konkurrenz von die Arbeitslosen, wat junge Mäiiner sind. Aber die meisten Herrschaften nehmen ja lieber 'n Jungen, und wenn man slink un propper is, nehmen sc een immer wieder. Mutter wascht mein Hemde alle Abend: ick bin schon vorjes Jahr uff denselben Platz jewesen!"—„Na. und was wirst du, wenn du aus der Schule kommst?"—„Ick wer Schlosser un lerne Englisch:»in denn jeh ick weg von hier- hier is et mit die Arbeet einfach belämmert!" Am Schlefischen Tor steigt Fritze aus: jeder Zoll ein Neiner Busineßman, der seine Chance schon finden wird--- vielleicht ist er einer der wenigen, denen es gelingt, die Schranken der Kaste zu durchbrechen. Der Junge hat das Zeug dazu: freie Bahn dem Tüchtigen. Und dann wird er, wie die anderen auch, vergessen, wo er her stammt und wo er hin gehört. Denn es ist das gesell- schaftliche Sein, das das Bewußtsein bestimmt--- ♦ Kleine Verdiener: sie gehen neben uns, wir sehen über sie hin. und doch entscheidet stch in diesen Jahren der ersten oerdienten Groschen oft ihr Schicksal, und von mancher Tragödie spielt hier der erste Akt--- Der zusammengebrochene Keil-Schwinüel. Unzählige Betrogene.— Unbeachtete Warnungen. Das Wettunternehmen des Herrn A r t h u r K e i l ist zusammen- gebrochen, die Angestellten und Hunderte kleiner Einzahler sind schmählich um ihr Geld geprellt, der Macher des skrupellosen Betruges selbst ist verhastet, die Bureaus geschlossen worden. Mit noch nicht 100 Mark„Stammkapital" hatte Arthur Keil sein Unternehmen begründet, jetzt erwartet die deutsche Justiz ein Monstreprozeß mit Hunderten von Geschädigten und ungefähr 4— 500 Zeugen. Die gestrigen Spätabendblätter sind dabei, die„Sensation" des gemein- gefährlichen Gauners mit Photographie und allem zeitungs- technischen Komfort aufzuziehen. Als der„Vorwärts" vor vier oder fünf Wochen wohl als erstes Blatt auf den neuen Trick des berüchstgten Keil bin- gewiesen und das Einschreiten der Behörden verlangt hatte, �fanden wir bedauerlicherweise nicht die notwendige Unterstützung der übrigen Blätter. So konnte sich das schamlose Betrugsunternehmen, das vor allem in den Arbeitervierteln mit den törichsten Vorspiegelungen seine Opfer fing, fast ungestört entwickeln. Immerhin haben unsere mehrfachen Publikationen den Erfolg gehabt, daß die Staatsanwalt- schaft auf das seltsame„Geschäft" des„Keil-Konzerns" aufmerksam wurde. Zu scharfer Kritik fordert auch die Lässigkeit der Be- Hörden heraus. War es wirklich nicht zu oermeiden, daß Keil wiederum Unzählige mit seinen Tips betrog, bestand keine Möglich- kett, das Uebel zu Beginn energisch zu ersticken? Hätte�man an kompetenter Stelle die erste Keil-Publikation des„Vorwärts" be- achtet, so wäre es sicherlich um manches nunmehr gestohlene Klein- leutevermögen besser gewesen. Ueber Keils Methoden werden weitere interessante Einzelheiten bekannt: Keil besaß zuletzt 18 Filialen in allen Stadtteilen Berlins, die sämtlich gewaltigen Zulauf hatten. Das Hauptgeschäft befand stch in einer lö-Zimmerwohnung in der Friedrichstraße, wo, wie schon berichtet, auch kein einziges Mal die Miete bezahlt wurde. Keil operierte bei seinen Machinationen sehr geschickt mit der unwahren Behauptung, die Staatsanwaltschaft habe sein System geprüft und gebilligt. Die Angestellten, die ihr Gehalt nie ausbezahlt erhielten, beruhigte Keil, indem er ihnen „Geschäftsbeteiligung" in Aussicht stellte. Die Angestellten mußten ihre Ersparnisse dazu hergeben, um Anteile des Schwindelunter- nehmen? zu kaufen. Für- Juni und Juli sind überhaupt teine-Be- hälter bezahlt worden. Keil war skrupellos genug, zahlreiche An- gestellte zu entlassen und— neue einzustellen, die wiederum Dar- lehen gaben. Die„Anteil"geldcr der Angestellten sind restlos ver- loren. Die Darlehenssumme, die Keil stch auf diese schändliche Weise von seinen Angestellten ergaunert hat, soll 60 000 Mark übersteigen. Neben einem Blatt, das sich„Die Freiheit" nannte, gab der Keil- Konzern eine Bilderschmutzserie heraus, die er„Berliner Groß- stadtbilder" firmierte. Besonders in der ländlichen Provinz hatten diese Sudelblätter einen äußerst starken Absatz. Sie betrafen Kokain- höhlen, Kaschemmen, Weinlokale, angebliche Kinderbordelle, Massage- falons, Spielerpaläste und ähnliches. Die Lieferung der Serien- bilder geschah so, daß die Neugier des lüsternen Provinzonkels gleich- fam nur stück weis« befriedigt wurde. Zu Weihnachten ungefähr wären die Abonnenten im Besitz der„Geheimnisse von Berlin" ge- wesen. In Verbindung mit Keil, der äußerst luxuriös auf Kosten seiner Einzahler lebte, stand auch eine gewisse Treuhandgesellschaft für Handel, Industrie und Gewerbe m. b. H., für die ein. Herr Rösch, Berlin W8, Friedrichstr. 78, verantwortlich zeichnete. Zurzeit beschästigen sich die Staatsanwaltschaften l und III mit den Keil-Affären. Der russische Lufiverkehr. � heule früh Weilerflug der russischen Flieger nach Paris. W i s ch n e f f, der Leiter der russischen Zivil-Luftflotte, sprach gestern bei einem Presseempfang in den Räumen der russischen Botschaft über den russischen Luftverkehr. Die Gesellschaft „A o i n ch i m" ist gegründet worden, um durch Fernflüge eine enge Verbindung mit dem Flugwesen der anderen Staaten zu schassen. Wir wissen, daß uns die westlichen Länder im Flugwesen überlegen sind, wir kommen darum auf unseren Flügen in andere Länder, um Erfahrungen auszutauschen, um eine enge Verbindung -zur Hebung des Interesses am Flugwesen zu schassen. Für Rußland mit seinen weiten Länderstrecken und seinem schlechten Ver- ■ kehrsnetz ist der Flugdienst sehr wichtig. Im Jahre 1926 hat der „Aviachim" den bekannten Peking— Tokio-Flug mit gutem Ersolg organisiert. Es sind seinerzeit 5 Flugzeuge gestartet, welche alle .bis auf eines, das in der tztähe von Peking zwischenlanden mußte, glatt am Bestimmungsort und in Moskau eintrafen. Der Verband„Aviachim" hat für das Jahr 1926 vier Werbe- und Weltflüge vorgesehen: der erste— nach Teheran, unter Führung des Piloten Moissejeff: der Start erfolgt« in der Nacht zum 11. Juli mit dem russischen Flugzeug„Jskra" und führt über Rostow— Mineralnije Modi— Baku»ach Teheran und auf dem gleichen Wege zurück: der zweite— Moskau— Königsberg— Berlin— Frankfurt— Paris und zurück, unter Führung des Piloten Scheda- noss: der dritte— Moskau— Charkow—�Sewastopol— Angora und zurück über Batum— Tiflis— Mineralnije Modi— Rostow— Moskau, unter Führung des Piloten Mefheraup, mit dem russischen Flugzeug „Roter Stern", Type Ii I mit 400 LL-Motor. Der Flug wird von Sewastopol ohne Landung über das Schwarze Meer, unter Ein- beziehung des Schutzes der Schwarz-Meer-Flotte. durchgeführt: der vierte— Moskau— Berlin— Paris— Rom— Wien— Prag Warschau— Moskau unter Führung des russischen Flugzeugführers Gromow.— Unsere Flugstrecken weisen meist«ine Beteiligungs- zisfer von 100 pro Mille auf. Eine Ziffer, die in Westeuropa nicht erreicht wird, weil die Konkurrenz der Eisenbahn ein weit ausge- dehnteres Netz hat. Unsere Flugstrecken sind 5 600 Kilo- meter lang und führen nach Asien, der Mongolei, nach Baku und Tislis. Unsere Flugzeuge werden zur Bekämpfung der Heuschrecken plage herangezogen. In einer Flugstunde wird ein Gebiet von 120 Hektar von den Hcuschreckenschwärmen gesäubert. Ueber den Verlaus der durch Notlandungen unterbrocheircn Fahrt von Königsberg nach Berlin berichtete Wischneff, daß alle Not- londungen glatt abgelausen sind, obgleich die Flieger nicht immer günstiges Gelände fanden. Heute nach' um 3 Uhr fliegt, das russisch? Fli-g.-eug weiter über Frankfurt nach Poris. Ein ftäötifthes Notftanüsprogramm. Eine Aktion der sozialdemokratischen Stadtverordnetensraktion. Die Verhältnisse auf dem Berliner Arbeitsmarkt sind in den letzten Wochen immer katastrophaler geworden. Es muh angesichts dieser Entwicklung von der Stadt Berlin unbedingt erwartet werden, daß sie von sich aus das Menschenmögliche tut, um dieser Not wenigstens etwas zu steuern. Da die Stadtverordneten- Versammlung sich augenblicklich in Ferien befindet, hat die Sozialdemokratische Skadtverordnetenfraktion es für richtig gehalten, durch eine besondere Aktion beim Berliner Magistrat dahin zu wirken, daß inzwischen alle Vorarbeiten getroffen werden, damit beim Zusammentritt der Stadt- verordnetenoersammlung keine Zett mehr verloren zu werden braucht und weitere Arbeiten unverzüglich in An- griff genommen werden können. Sie hat deshalb an den Magistrat folgendes Schreiben gerichtet: Berlin, den 16. Juli 1926. An den Magistrat Berlin z. Hd. des Herrn Bürgermeister Scholtz, Berlin C. 2. Rathaus. Die Veröffentlichung des Londesarbeitsanttes Berlin zeigt, daß die Ziffern der Erwerbslosigkeit entgegen allen Erwartungen in Berlin Woche für Woche ansteigen. Für die städtischen Körperschaften ergibt sich aus dieser Tatsache die Notwendigkeit, nach Maßgabe ihrer Kräfte alles zu tun, um dieser Erwerbslosigkeit zu steueru und die damit verbundenen schweren sozialen Nöte zu mildern. Unsere Fraktton hält es deswegen für nötig, dem Magistrat zur Berücksichtigung folgendes zu unterbreiten: Da die Stadtverordneten- Versammlung sich augenblicklich in Ferien befindet, so wird es not- wendig sein, alle Vorbereitungen zu treffen, damit die von uns vor- gesehenen Beschlüsse möglichst in der ersten Sitzung der Stadtoer- ordnetenversammlung erledigt werden können. Es erscheint deshalb zweckmäßig, daß der Magistrat von stch aus alle diesbezüglichen Vor- lagen nicht nur nach der finanziellen, sondern auch nach der technischen Seite hin so durcharbeiten läßt, daß die Arbeiten evtl. sofort ausgenommen werden können. Wir erinnern in diesem Zusammenhang an die peinliche Verzögerung, die im vergangenen Winter während der Weihnachtsferien entstanden war und nehmen an, daß der Magistrat in dftssem Falle dafür Sorge trogen wird. daß ähnliche Vorgänge sich nicht wiederholen. Zur Sache selbst schlagen wir vor, daß der Magsstrat ein umfassendes Programm für städtische Rotstandsarbeiten entwirft und eine entsprechende Vorlage der Stadtverodetenver- sammlung so rechtzeitig zuleitet, daß sie evtl. noch vor der ersten Sitzung im Haus haltsau sschuß beraten werden kann. Nachdem durch die Beschlüsse der städtischen Körperschaften der Etat der Stadt verabschiedet worden ist, stehen die V o r b e- haltsmitiel voll zur Verfügung. Auch kann damit gerechnet werden, daß die im Etat vorgesehenen Steuereingänge ein- kommen werden. Falls eine weitere Deckung notwendig sein sollte, müßte der Magistrat gleichzeitig eine besondere Deckungsvorlage «inreichen. Wir werden mit Rücksicht auf die ungeheure Erwerbs- losigkeit von uns au» alles tun, um die uolwendigen Wittel zur Verfügung zu stellen. Wir schlagen ferner vor, daß der Magistrat bei Reich und Staat auf die Tatsache hinweist, daß in Berlin die Erwerbslosigkeit weit über dem Durchschnitt des Reiches steht und daß infolgedessen die vom Reich und vom Staate beabsichtigten Aktionen der Durchführung eines Arbeitsbeschasfungsprogramms auch Berlin zugute kommen mühten. Wir ersuchen den Magistrat, der Stadtoerornetenversämmlüng in einer besonderen Vorlage zur Kennt- nisnahme Mitteilung über den Erfolg solcher Schritte zu machen. Nachdem auch die Generaloersammlung der Hochbahn dem Vertrag mit der Stadt Berlin zugestimmt hat, ist die Bahn frei für die Durchführung der bei dieser Transaktion in Aussicht genommenen Maßnahmen. Wir schlagen deshalb vor, die Verhandlungen über die Aufnahme einer Auslandsanleihe möglichst zu beschleunigen. Es würde dann möglich sein, nicht nur dieBollendungderAEG- Bahn in schleunigerem Tempo durchzuführen, nachdem über die Linienführung dieser Bahn keinerlei Streitpunkte mehr bestehen und inzwischen auch alle technischen Vorbereitungen für die Jnangriff- nähme der Arbeiten an allen Punkten getroffen sind. Es würde ferner möglich fein, unbeschadet einer sorgfältigen Durchprüfung eines größeren Bauprogrammes sofort diejenigen Verstärkungs- linien in Angriff zu nehmen, über deren Durchführung Meinung?- Verschiedenheiten nicht bestehen. Wir denken dabei insbesondere an die Herstellung der Anschluhstrecken der Rord-Süd-Vahn. an den vollring in Tempelhos und Reukölln, sowie an die neue Zubringer- Linie Lichtenberg-Alcranderplah. Wenn der Magistrat die Ver, Handlungen über die Anleihe beschleunigt durchführt, würde es nötig sein, entsprechende Beschlüsse der städtischen Körperschaften noch im September herbeizuführen und die Bauarbeiten auf diesen Strecken sofort zu beginnen. Es könnte weiter die Straßenbahn von der ihr auferlegten Verpflichtung, den Bau der AEG.-Bahn mit 20 Millionen Mark zu finanzieren, etwas entlastet werden. Es würde dann möglich sein, die dringendsten neuen Strecken der Straßenbahn sofort in Angriff zu nehmen. Wir denken dabei in erster Linie an die Verlängerung der Straßenbahn vom Bahnhof Heerstraße nach Spandau. Ferner wird es notwendig sein, daß der Magistrat sür die Durchführung einer gesunden Wohnungsncubau Politik in Berlin ein über mehrere Jahre sich erstreckendes Bauprogramm aufstellt, damit wir nicht, wie in diesem Jahre, gezwungen sind, Entschließungen er st in letzter Stunde zu fassen. Eine solche Vorarbeit würde den ungehinderten Fortgang der Bauarbeiten wesentlich erleichtern und jetzt schon allen beteiligten Industrien und dem Gewerbe sehr zugute kommen. Insbesondere ersuchen wir den Magistrat, bei der preu- ßischen Regierung dahingehend vorstellig zu werden, daß das der Stadt Berlin bei der Verteilung der Hauszins st euermittel zugefügte Unrecht endlich durch eine entsprechende Zuteilung aus dem staatlichen Ausgleichsfonds wenigstens etwas wieder gutgemacht wird. Wir weisen insbesondere auf den steigenden Wanderungsgewinn der Berliner Bevölkerung, der jede Aussicht auf Beilegung der Wohnungsnot illusorisch macht, wenn Berlin weiter wie bisher benachteiligt wird. Wir glauben nicht, daß es im einzelnen notwendig ist, nachzu- weisen, welche große politische Bedeutung einer verstärkten Tätigkeit des Magistrats auf dem Gebiete der Arbeitsbeschaffung zukommt. Wir sind von uns aus bereit, den Magistrat in jeder Beziehung zu unterstützen, wenn er auf diesem Gebiete Maßnahmen trifft, die geeignet sind, der ungeheuren Not in Berlin wenigstens etwas zu steuern. Wir halten uns aber verpflichtet, auf diese Auf- gäbe besonders hinzuweisen und erwanen möglichst bald einen Be- scheid des Magistrats, daß und in welchem Umfange er in unserem Sinne tätig ist. Mit vorzüglicher Hochachtung Sozialdemokratische Stadtverordnetensraktion� i.A.: K rille. Im Anschluß an dieses Schreiben hatten Vertreter des L o r st a n d e s der Stadtverordnetenfraktton gestern eine Unter- redung mit Bürgermeister Scholz, dem Vertreter de» in Urlaub befindlichen Oberbürgermeisters. In dieser Unterredung kamen auch dieVorgängeimArbeitsnachweisinderGormann- st r a ß e zum Ausdruck. Bürgermeister Scholz gab zu, daß die Ver- Hältnisse im Arbeitsnachweis in der Gormannstraße unzulänglich seien, und daß beschleunigt für Abhilfe gesorgt werden müsse. Außer einer provisorischen Lösung für eine Uebergangszeit wird sich die Einrichtung eines neuen Arbeitsnachweis- gebäudes nicht umgehen lassen. Für die übrigen Forderungen der sozialdemokratischen Fraktion sicherte Bürgermeister Scholz zu, daß der Magistrat im Sinne des an ihn gerichteten Schreibens alles tun werde, um die Durchführung weiterer Rotstandsarbelte« so vorzubereiten, daß keine Verzögerung enssteht. Allerdings müsse damit gerechnet werden, daß sowohl für die Notstandsarbeiten wie auch für die W o h l s ah r t s a u« g« b e n weitere Geldmittel von der Stadtverordnetenversammlung bewilligt werden müßten. Allein die Ausgaben für Wohlfahrtszwecke werden sich um mwdcftens 12 Millionen Mark erhöhen. Ein Notstandsprogramm der zentralen Tiefbauoerwaltung sieht weitere Arbeit in der H ö h e v o n 12Millionen Mark vor. Die Bezirke und städtischen Dienst- stellen sind vom Mogistrat aufgefordert bis zum 20. Juli alle Pro- jekte einzureichen, die für weitere Notstandsarbeiten in Betrocht kommen. Die Verhandlungen für die H o ch b a h n a n l e i h e sollen beschleunigt werden. Aber auch die Stadt wird ohne die Auf- nähme von Anleihemittel kaum auskommen können. Hoffentlich werden ihr dabei nicht von den Aufsichtsbehörden die üb- lichen Schwierigkeiten gemacht, unter denen sie bisher hat leiden müssen. Nach dem Ergebnis dieser Besprechung wird man Hassent- lich damit rechnen können, daß der Magistrat und alle städtischen Bureaus sich ihrer Verantwortung voll bewußt sind und jede Verzögerung der Arbeiten unterbleibt. vasaren an diesen beiden Togen 149 bzw. 264 Millionen bei ösfent- lichen Stellen begebene Rcichsbankwechsel hinzuzuzählen, so daß das Gesamtporteseuille der Reichsbank an diesen Tagen doch erheblich höher lag als am 15. Juli. Heute fehlen weiterbegebene Wechsel im Ausweis der Rcichsbank ganz. Zum mindesten ist des- halb festzustellen, daß die Inanspruchnahme der Reichsbank auch durch die vierte diesjährige Diskontherabsetzung noch nicht gestiegen ist.— Die Lombardbestände der Reichsbank sind um 5,2 auf 12,9 Mst. lionen gewachsen, so daß der Rückgang der Wechjelbestände sich nicht voll in der Kapitalanlage auswirkte, sondern nur mit 75.4 Mit- lionen Mark. Zum e r st e n m a l erscheint ein Vermerk über lmn- bordierte Reichsschatzwechsel. Geschäfte in Reich»schaß- w« ch s e l n noch dem Gesetz vom 8. Juli 1926 sind in dieser Woche noch nicht vorgenommen worden. Im Ausweis selbst werden die Reichsschatzwechsel an zwei Stellen aufgeführt: einmal neben den Wechseln und Schecks als„Bestand an Reichsschatzwechseln", dann unter den Lombardforderungen als„Darlehen auf Reichsschah. Wechsel". Die Guthaben der Reichsbankkunden sind um 126,1 aus 705,6 Mill. erhöht, die Bestände an deckungsfähigen Devisen um 8,9 Mill auf 335,4 Mill. gesenkt. Die Veränderungen kommen im Umlauf der Reichsbanknoten und Rentenbankscheine zum Ausdruck: Der Umlauf ging insgesamt um 191,2 auf 4020,3 Mill. zurück, davon 2738,1 Mill. Reichsbanknoten und 1282,2 Mill. Renten- bankscheine. Die Goldbestände sind mit 1492,3 Mill. fast unver- ändert: die Deckung der Reichsbanknoten durch Gold und Devisen stieg von 63,5 aus 66,8 Proz. Ruhrgebiel und englischer Lergarbeiterslrelk. In der Entwick- lung des Absatzes von Ruhrkohlen werden die Wirkungen des eng- tischen Bergarbeiterstreiks deutlich erkennbar. Die L a g e r b e- stände an Kohlen beliefen sich aus 8 160 000 Tonnen gegen » ivv uuu xonnen rm ukqj und 9,ö iuciu. xonnen am x. iitai. oeu Beginn des Bergarbeiterstreiks in England haben die Gesamt- bestände um 1,4 Mill. Tonnen abgenommen. Die Koksbestände haben in derselben Zeit etwas zugenommen. INuratti- Dividende wieder 21 Proz. Die Berliner Zigaretten- Muratti-A.-G. oerteilt auch für dieses Jahr wieder ihre Vorjahrs- dividende von 21 Proz. Die Bilanz ist mehr als glänzend. Kasse und Bankguthaben sind mit 1,04 Mill. über doppelt so hoch als das Aktienkapital(500000 M.). Sie sind gegen das Vor- jähr(0,66 Mill.) auch um rund 40 Proz. gestiegen. Die Waren- bestände sind mit 1,64 gegen 0,91 Mill. um mehr als 7 0 Pro z. erhöht. Dogegen sind die Lieferantenschulden nur von 0,53 auf 0,74 Mill. und die Forderungen aus dem laufenden Geschäft von 0,65 auf 0,74 Mill. erhöht. Die Vermehrung der Bankguthaben und Bestände ist also fast ausschließlich aus dem M e h r v e r di e n st geflossen, so daß die Vermehrung des Vermögens und die Erweite- rung der Produktion aus der Steig e r u n g de» Absatzes zu erklären sind. Tatsächlich meldet der Geschäftsbericht eine ver- st ä r k t e Zunahme des Absatzes auch im letzten Jahr. Dasselbe läßt die Erhöhung des Fabrikationsgeroirmes von 1,92 auf 2,35 Mill' erkennen. Der ausgewiesene Reingewinn von 107 000 M. wurde künstlich niedrig gehalten, wie sich aus der Erhöhung der Abschreibungen um 50 Proz.(0,24 gegen 0,16 Mill.) und aus der„über Betrieb" erfolgten Errichtung neuer Fabrikläger und dem Ausbau der alten ergibt. Natürlich ist der glänzende Abschluß nicht dem Ruf der Muratli-Marken allein zu danken. Man wird an- nehmen dürfen, daß das außerordentlich niedrige Aktienkapital(weniger als die Hälfte der Dankguthaben und als ein Drittel der fertigen Waren!) außerordentlich zu dem finan- ziellen Erfolg« beigetragen hat. Mßerdem stellt die Steuer- stundung des Staates mit nicht weniger als 1,82 Mill.(Vorjahr nur 0,86 Mill.) ein mächtiges Betriebskapital fast kostenlos zur Verfügung, wovon die glänzend absetzende Muratti-A.-G. im Gegen- satz zu anderen Firmen natürlich besonders stark prosittert. Fusion in der Klovierindustrie. Die deutsche Klavier- und Pianosorteindustrie ist in dey letzten Monaten ähnlich wie die optisch« und Teile der Maschinenj�dustrie duxch Bemühungen hervor. getreten, durch Verkaufs- und Fitzanzierungsgemeinschaften ihre Lage zu erleichtern. Man wird die Fusion zwischen der Pianofortesabrik Gebr. Zimmermann A.-G. Leipzig und der L. Hup- seld A.-G. Leipzig als erste bedeutsame Frucht dieser Annähe- rungen verbuchen dürfen. Die Hupfeld A.-G. geht in der Zimmer. mann A.-G. auf. Diese erhöht zu diesem Zweck ihr Aktienkapital um 1,3 Mill. Mark: auf 4 Hupfeldaktien wird eine Zimmermann- aktie gegeben. Bei der Zimmermann A.-G. wird für 1925/26«hiq Dividend« von 10 Proz. erwartet. Die Gesamtfirma wird künftig heißen:„Leipziger Pianoforte- und Phonola-Fabriken Hupfeld- Gebr. Zimmermann U.-GT'.. sticht Fürsten und Adel— die ZIlaste tut es! Da» mußt«, wenn auch spät, auch die �irma F. W. Borchardt in der Französischen Straße begreifen, die jetzt Geschäftsaufficht beantragt hat. Di« jeit über 70 Iahren bestehende Firma, die früher fast ausschließlich Hos-, Adels- und Großagrarierkreise beliefert hat, hat dem Boden der neuen wirtschaftlichen Tatsachen, auf dessen Ausnutzung sich ihre Kunden viel besser verstehen, allzuwenig vertraut. Noch jetzt liefert sie jährlich wohl für ein Drittel Millionen Mark an die feudalen Kreis«: aber diese zahlen entweder überhaupt nicht, oder sehr spät. Die Wirtschaftskrise geht natürlich auch nicht spurlos an Firmen vorüber, zu denen sich«in Arbeiter oder kleiner Angestellter kaum verirren dürste. So sitzt die Firma Borchardt, die kürzlich noch Preislisten mit 13 Wappen von„hohen und höchsten Herrschaften" versandte, heute fest. Sie hat Bank-, Lieseranten- und Steuerschul. den für 800 000 M. Sie hat zwar werwolle Grundstücke, Häuser und Lagerbeftände, aber damit kann man drängende Lieferan- ten nicht bezahlen. Ein« Erleichterung der Situation wurde schon oersucht: es wurde eine erst« Hypothek von 1,8 Millionen vor einigen Monaten aufgenommen und aus dem Erlös die höher verzinslich: Bankschuld abgedeckt. Den Gläubigern wird valle Befriedigung zu- gesichert, wenn sie auf eine langfristig« Rückzahlung«in- gehen, zu deren Sicherstellung«in« zw«it« Grundstückshypothek ange- boten wird. Die Hauptgläubiger sollen, wie wir erfahren, schon zu- gestimmt haben. Der erfolgreichen Reorganisation dürften manche Wege offenstehen, da der Betrieb, der immerhin 260 Angestellte be- schäftigt, sehr altväterlich geführt worden ist. Beabsichtigt ist insbe- sondere der Ausbau zum F i l i a l f y st« m, um zu größeren kaufenden Einnahmen zu kommen. Der Betrieb läuft weiter. Der Fall Borchardt ist charakteristisch dafür, in wie gefährlicher Wesse g e- s« llscha ft l i ch e und politisch« Voreingenommen- heit den Blick für wirsschoftliche Realitäten trüben kann. Das macht den Fall Borchardt der öffentlichen Beachtung wert. Ein englisches Baumwollgarn-Sartell. Dreißig der bedeutendsten Lancafhire Baumwollfabrikeu haben soeben eine Gesellschaft ge- gründet, die den Zweck hat, sämtliche au» amerikanischer Baumwolle hergestellten Garne zu kontrollieren. Die finanzielle Macht der zusammengeschlossenen Fabriken beläuft sich auf zirka 5 5 M i l l i o- n e n Pfund Sterling. Die Gesellschaft wird Minimal- preise für solche Garne festsetzen. Zu diesem Zweck wird ein aus 20 Fabrikanten bestehendes Direktorium gebildet, welches von Zeit zu Zeit die Minimalpreise für die Standardgarne festsetzt, wodurch ein gewisses Mindestverdienst für di« Fabriken gesichert werden soll. Auch ist ein K a m p f f o n d s gegen solche Spinnereien geschossen, die dieser Gesellschaft nicht beitreten: gleichzeitig will die Gesellschofl, falls zu starkes Angebot am Markte ist, ihrerseits die überschießenden Garnmengen aufnehmen. Man tanzte Man sin Die Fox v.Hugo Hitich* Textv.KAlfredif+vonKaRMITRI auserwählie SVKS ligareüe HM Mittwoch 21. �u« 1926 Unterhaltung unö Wissen Settage Ses vorwärts -i Ein ungleiches Gespann. Autorisierte Uebersetzung aus dem Tschechischen von A. B e r ch t o l d. Seit diesem Augenblick gehorchte er ihr willig auss Wort, als wenn es sich so von selbst verstände. Er sand in ihr Mutter und Schwester und vor allem ein ordentliches Frauenzimmer, welches sich seiner nicht schämte. Solange er mit dem Ringelspiel herum. zog, wollte kein Mädchen mit ihm Freundschast schließen, er durste sie nur von weiten anschwärmen, auch andere Menschen ließen ihn siihlen, daß sie mit solchem Zigeunerpack keinen vertrauten Um- gang pflegen wollen. Agnes ober, seit dem Tage, als sie ihm vcr- sprach, für ihn zu sorgen, verkehrte zutraulich mit ihm und war augenscheinlich stolz darauf, daß es ihr gelungen war, etwas aus ihm zu machen. Er wurde vorerst Feldarbeiter um billigen Lohn, schließlich brachte er es auf mühseliges Betreiben der Agnes zum Fuhrmann, der mit einem Pferde für den Wirt die Bierfäsier vom und zum Brauhause beförderte. Zlber dies« schöne Stellung dauerte nur die drei Wintermonate hindurch. Einmal fügte�der Franzi dem Wirt durch seine einge- borene Unbedachtsamkeit einen Schaden zu, worauf ihn der Wirt auf der Stelle entließ und ihm schreiend vorwarf, daß er sich von den Zigeunern nur durch seinen strohgelben Kopf und die ausge- legt« Dummheit unterscheide. So stand also der Franzi wieder erniedrigt und klagend im Winkel bei der Stalltür und Agnes half ihm diesmal auf wunderlich entschlossene Art. „Weine nicht/ sagte sie in beinahe befehlendem Tone, ihn fest bei der chand packend.„Du gehst nicht allein von hier, ich gehe mit dir/ Er konnte nicht gleich begreifen. Ihr gegenseitiges Verhältnis mar so eigentümlich, er wußte wohl, daß sie ihn immer beschützt hotte, aber von irgendeiner möglichen Vereinigung hatte sie nie- mals gesprochen und ihm war sie nie in den Sinn gekommen. „Wohin denn?' flüsterte er verwirrt,'sie so ergeben anblickend wie ein Kind seine treue Mutter. „Wir gehen zu meiner Mutter in unser Häuschen/ sagte sie mit etwas befangener Stimme,„wir werden schnell alles erledigen, da» mit wir baldigst verkündet und getraut werden und denn so Gott will werden wir uns schon auf irgendeine Weise ernähren. Der Mensch muß einen Mut haben und darf sich nicht von-jedermann unter die Füße treten lassen!' „Wird mich deine Mutter nicht schlecht aufnehmen?' stammelte Franzi, in diesem ernsten Augenblick ängstlich. „Warum sollte sie uns schlecht aufnehmen?' fragte Agnes ruhig. „Ich habe mich zu ihr immer wie eine brave Tochter benommen, jede verdiente Krone, die mir übrig blieb, ihr überlassen und jetzt, wenn ich im Tagelohn arbeiten werde, will ich sie auch nicht im Stiche lassen und du wirft ihr auch in keiner Weise nahctreten, nicht wahr?' „Gott behüte/ versprach der Franzi und beiden schien es, als ob sie von diesem Augenblicke an miteinander vereint der Welt Trotz bieten könnten. Es bedrückte sie nur die einzige Sorge, von wo '"Vanzi seinen Taufschein und die anderen nötigen Papiere herbei- chasfen solle, ober es gelang ihm mit Hilfe der Agnes, auch diese Schwierigkeit zu überwinden. » Die weiten fürstlichen Felder ernährten die Eheleute Tobias samt der Mutter, solange diese am Leben war. Im Sommer suchten alle drei Schwämme und Waldbeeren, im Frühling kauften sie vom Heger trocken gewordene Bäume, fällten sie, und arbeiteten daran das ganze Jahr. Manchmal vor Morgendämmerung oder zur Mittagszeit, wenn sie fast sicher waren, keinem Heger zu begegnen, sollten sie auch leichten Gewissens einen im Dickicht verborgenen ganz gesunden Baum, in der Meinung, dem Fürsten dadurch nicht viel Unrecht zu tun. Das Holz führte Franzi immer auf einem Karren in eines der nächsten Städtchen, um es dort zu verkaufen. Außer der einen guten Melkziege hielt sich das Ehepaar Kaninchen, Hühner und Tauben„zu ihrem Vergnügen', wie Frau Tobias sagte, da ihr das Schicksal Kindersegen oersagt hatte, denn etwas Luftiges müsse im Hause sein. Ueber ihren Franzi, mit dem sie die Leute manchmal in der ersten Zeit etwas neckten, weil er mit seinem bartlosen Kinne eher den Eindruck ihres Sohnes machte, hatte sich die Frau kaum zu beklagen. Sie erkannte wohl einige seiner Fehler, bemühte sich jedoch, diese möglichst zu verheimlichen. Tobias liebte es nämlich gar zu gern, sich im Walde wie ein Schulknabe unter einen Baum zu legen und hinaufblickend den Vöglein aus den Aesten nachzuahmen. Er verstand es auch trefflich, die Stimmen anderer Tiere wieder- zugeben. Er miaute wie eine Katze, pfiff wie eine Maus, ahmte ein Froschkonzert nach und zwitscherte wie irgendein Vogel. Kaum er sich aus die Bank in der Stube setzte, ergriff er auch schon die Harmonika, welche ihm seine Frau bald nach der Hochzeit von ihren Ersparnissen gekaust hatte. Auch verschiedene Märchen und Anek- doten konnte Tobias zum Vergnügen seiner Zuhörer erzählen. Auf diese Art mußte Frau Tobias fast die ganze Last der Arbeit auf ihre eigenen Schultern nehmen, sie stand jahraus jahrein vor Tagesanbruch auf, ihre Hände waren schwielig und rauh geworden durch das Holzhacken, denn ihr Mann liebte es nicht, die Axt in die Hand zu nehmen, höchstens daß er ein bißchen mit der Säge hantierte! Die Agnes ermahnte ihn fast immer vergeblich, schroff konnte sie ihm wohl nie begegnen, wenn er seine blauen ireuherzigen Augen aus sie richtete. Schließlich war auch Frau Tobias fest überzeugt, daß ihr Mann gegen die anderen bartstoppeligen und runzeligen Männer geradezu eine Schönheit sei, trotzdem es andere Menschen Das ßranken-problem. Die erste Sitzung des Kabinetts hcrriot war eine spirilistische. Man bemühte sich, für die Rettung des Franken den Geist des vor kurzem abgeschiedenen Eoue zu zitieren. nicht anerkennen wollten. Er war ihr auch treu, kein Kartenspieier und Wirtshausgänger, im Traume wäre es ihm nicht eingefallen, sie zu schlagen, worum hätte sie ihn also nicht schätzen sollen? Und dann hatte Frau Tobias beim Altar schon als alternde Braut den ernsten heiligen Vorsatz gefaßt, alles Gute und auch alles Böse mit ihrem Manne geduldig zu tragen. Sie hätte es verstanden, gegen jedes andere unzufriedene Weib diesen Grundsatz zu verteidigen! Wenn der Frau Tobias etwas Schönes träumte, war in diesem Traume stets ihr glattwangiger gelockter Mann und deshalb sing es an sie zu kränken, wenn er ihr manchmal mit glücklichem Gesichte erzählte, daß es ihm vom Ringelspiel und den Holzpserdchen ge- träumt hätte, denn sie fühlte in dieser seiner Erinnerung etwas Er- niedrigcndcs im Vergleiche zu seinem jetzigen besseren Lose! Trotz der Besserung in seinen Verhältnissen, die er dankbar anerkannte, war in Franzis Seele doch ein gutes Stück Liebe für seine frühere Tätigkeit hängen geblieben. Die erste Arbeit, zu welcher ihn sein Onkel angehalten hatte, war das Antreiben des Ringelspieles, wenn man mit den Heller. Passagieren nach Paris reiten sollte. Sobald der Onkel in dem tönernen Topse am Leierkosten mehr als zwanzig Heller einge- sammelt hatte, spuckte er sich in die Hände, tätschelte dem nächsten Pferdchen auf den Hals, dann stieß es von rückwärts mit aller Kraft aiif den Balken und lief eine Weile mit. Franzi machte es ihm tapfer nach und seine Brust erfüllte das Bewußtsein einer freudigen männlichen Tat. Die Pferde hatten nicht nur ihre eigenen Namen wie zum Beispiel: Hansi, Schimmel, Mohr, Lukas, sondern sie hatten auch nach Franzis Meinung Seelen. In manchen seiner Träume sprachen sie gleich Menschen und erzählten viele interessante, unvergeßliche Dinge. Eines Morgens wußte Tobias seiner Frau zu erzählen, wie es ihm geträumt habe, daß sein Pferdchcn„Fcrda' ihm geholfen hätte, seine Holzbündel mit dem Karren in die Stadt zu ziehen. Aus dem Wege dahin hatten sie sich verschiedenes erzählt.„Es tat mir leid als ich aufwachte, daß es nur ein Traum war/ endete Tobias mit einem Seufzer seine Erzählung. „Aber geh, alter Träumer! Besser wär's freilich, wenn wir ein wirtliches Pferd hätten, um uns das Holz bis nach Prag zu ziehen, wo man mehr Geld dafür bekäme/ meinte Frau Tobias, während sie den Frühstückskaffee in zwei Töpfchen goß. In einer solchen Morgenstunde, wo das duftende Frühstück auf dem Tische stand, fühlte Franzi am besten die wohltuende bürgerliche Ordnung, an welche ihn seine Frau so gern gewöhnt hatte. Die letzten Worte der Frou hatten ihn freudig überrascht, seine Wangen wurden slammig rot und er sprang schnell wie ein Hirsch von seinem Lager auf, ohne der gewohnten süßen Trägheit und ohne oorläusig den Kaffee zu kosten. Di« freudige Erkenntnis, daß seine Frou etwas aussprach, was er längst ersehnt hatte, ohne seinen Wunsch in Worte kleiden zu können, erweckte in ihm ungewöhnliche Begeisterung. „Ja, ja, ein Pferd haben, so einen lebendigen Ferdo/ rief er aus,„das wär ein andere» Leben! Dein Bürgermeister käme mir dann gleich!' Durch seine große Freude riß er auch sein Weib mit. Sie begann nochzudenken, daß sie die fünfhundert Kronen, welch« sie zur Mästung eines Schweines ausgespart hatte, zum Ankauf eine» Pferdes verwenden könnte. Der Frühling stand vor der Tür, er wies dem Menschen den Weg zu kühnen Taten!, _(Fortsetzung solgt.), Bismarck unö die Republik. Don Dr. Karl Walter. Es entbehrt nicht eines gewissen Humors, wenn wir sehen, vre nicht nur der alte Fritz, sondern auch Bismarck von den monarchifti- schen Rechtsparteien zu Propagandazweckcn auf den Schild gehoben wird. Am letzten Geburtstage des„Altreichskanzlers" zogen die vaterländischen Wehrverbände in Homburg mit Fackeln zum Bismarckdenkmal auf die Elbhöhe, der„Stahlhelm", der„Wehr- wolf", die„Olympia", ferner der„Kyffhäuserbund", der„Deutsche Offizierbund", die Deutschvölkischen, die Deutschnationalcn und auch die Deutsche Bolkspartei. Hat sich Friedrich II. als geborener König oft verächtlich gegen die Fürsten und sympathisch für die Republik ausgesprochen, so tat dos auch Bismarck, jedoch als„Diener" vorsichtiger. Aber er war der glänzende„Opportunist", wie er oft genannt wurde, der rücksichtslose Realpolitiker, der es oerstanden haben würde, sich auf die neue ..Herrschaft' umzustellen. Sehen wir uns in diesem Sinne in seinen Schriften um! In den letzten Jahren seit der Veröffentlichung des dniint Bandes von Bismarcks„Erinnerungen"(1919) ist über seine im Gninde republikanisch« Gesinnung sehr viel durchgesickert. An der Spitze des ersten Bandes der„Erinnerungen" steht das GSsiändms, daß er die Schule verließ,„wenn nicht als Republikaner, so doch mit der Ueberzeugung, daß die Republik die vernünftigste Staats- form fei und mit Nachdenken über die Ursachen, welche Millionen von Menschen dazu bestimmen könnten. Einem dauernd zu ge- horchen, während ich von Erwachsenen manche bittere oder gering» schätzige Kritik über die Herrscher hören konnte." Dann machle Bismarck bei drei Kaisern, besonders bei dem letzten seine Ersahrungen, und er bereute fast, wie er im letzicn Bande seiner„Erinnerungen" sagt, daß er die Monorchie(ob von Gottes Gnaden oder nicht) in den Sattel gesetzt habe. Schon den Kaisern Wilhelm I. und Friedrich III., deren Thron er gezimmert hatte, sagte er„gelegentliche Abweichungen von der landläufigen Einschätzung der praktischen Wirkung königlicher Geburt und Salbung" nach. Weiter heißt es:„Volksvertretungen habe ich seit vierzig Jahren viele kommen und gehen schen und hielt sie für weniger schädlich für unsere Gesamtentwicklung, als monarchische Irrtümer es werden konnten". Auch sonst bringt der dritte Band noch viele vernichtende Anklagen gegen den Grundsatz der erblichen Monarchie. Wie hoch Bismarck mit verächtlichem Achselzucken über der Monarchie stand, erfuhren wir ein Iabr nach der.Herausgabe der „Erinnerungen" auch aus einem englischen Buch. Danach hat sich Bismarck am 17. Juni 1878, zwei Wochen nach Nobilinqs Attentat auf Wilhelm I., um dessentwillen er den Reichstag auflöste und dos Sozialistengesetz durchdrückte, sehr abfällig über seinen geliebten Kaiser geäußert und zwar zu dem Ministerpräsidenten einer fremden Großmacht, zu Lord Beaconssield(Disracli) als Vertreter Englands auf dem Berliner Kongreß(1878). Wir lesen das in der Biographie des großen englischen Staatsmannes Disraeli von Monypenny und Buckle, deren letzter Band im Jahre 1929 erschienen ist. Beaconssield, ein getaufter, als Staatsmann von Bismarck sehr bewunderter Jude, der zugleich als Romandichtcr glänzte, nahm an einem offiziellen Diner bei Bismarck teil und schrieb darüber seiner Königin:„Ich saß zur Rechten Bismarcks und konnte seinen Rabelais'schen Monologen lauschen. Endlose Enthüllungen über Dinge, die er nicht erwähnen sollte. Er warnte mich eindringlich, niemals Fürsten oder Höflingen zu trauen, seine Krankheit wäre nicht, wie das Volt glaubt, auf den französischen Krieg zurijckzu» führen, sondern auf das entsetzliche Tetragen seines Souveräns usw.... In den Archiven seiner Fanrilie lägen die Dokimrente, die königlichen Briese, die ihn nach all den Dieirsten die er geleistet, anklagten, ein Verräter zu sein...' Wer diesen Angaben nicht traut, der höre, was der bekann!« russische Stantsmann Schuwalow dem Erzherzog Albrecht, dein Sieger van Eustozza, im Jahre 1873 im Gespräche mitgeteilt hat. Der Geheimbericht darüber an seinen Vetter, den letzten österreichi- schen Kaiser Franz Joseph schlummerte bisher im Archiv und wurde am 1. März 1925 von der„Voss. Ztg." verösfcntlicht. Schuwalow war Bismarcks Tischgast gewesen. Da heißt es u. a.:„Bismarck schimpfte über den König, sagte, daß mit dem alten Preußen nicht, anzufangen, daß er deshalb nicht habe bleiben wollen usw. Endlich tat er die Aeußerung:„Toi oonäuit im dötiment avec trop de volles et trop peu de lest, i! laut ditninuer les volles et avigwentrr le lest. Schuwalow bat um Auftlärung und erhielt sie: die volles waren die Fürsten, le lest die liberalen Institutionen. Schuwalow glaubte, daß Bismarck am Größenusahnsinn laboriere, und— geschmeichelt von radikalen Speichelleckern— bis zur Republik zu bringen wäre. Er machte ihm die Aeußerung: Dem Alten diene ich noch. Schuwalow glaubte, daß er den Nachsolger für ganz andere Zwecke— Erhebung der deutschen Nation und Zerstörung Preußens— ausnützen werde. Darüber seien olle Altpreußen, alle dortigen Konservativen einig. In Ems sprach die Umgebung Kaiser Wilhelms m't größter Besorgnis von dessen Tode und dem, was nachfolgen würde. Unter ihnen herrschte eine wahre Panik...' Zu Alexander Meyer, dem fortschrittlichen Führer, äußerte sich Bismarck im Jahre 1889 in Kissingen sehr abfällig über den jungen Kaiser Wilhelm II. und fuhr dann sort, er habe den Freisinn wegen seiner republikanischen Tendenzen immer bekämpft, stehe aber jetzt zur Republik anders wie früher.„Ein deutscher Monarch, der aus MAS 8 Alty jefzf auch ohne Mundstück?n rundem, vollem Format für 3 Pfennig erobert sofort. das ßaucherh erz. sie M K i-i*. v-'' V1/ �- fe m m � M Ä/\ •/ v.'' � u. /**•. aov �...■;.* L- dem Wege sei, Deutschland zu ruinieren, ftelle ein so großes llebel dar, daß selbst alte Royalisten die Berechtigung der Republit nicht ferner in Zweifel ziehen fönnten." Den Republikaner Karl Schurz, der sich an der Revolution 1848 beteiligt hat, der dann 1852 nach Amerita geflohen war, wo er zu hohen Ehren fam, General und Minister wurde, hat Bismard, wie man schon oft las, sehr geschätzt. Bismard bedauerte immer, daß folche Talente Deutschland verloren gingen. Zu diesem Karl Schurz, der, als er nicht mehr geächtet war, fein Heimatland noch einmal besuchen durfte, soll sich Bismard um dieselbe Zeit( 1889) in Berlin über die Stellung des Präsidenten in Amerika geäußert haben, wie wir den Mitteilungen Baul Nathans, des früheren mit. herausgebers der Nation", im Vorwärts"( 8. Januar 1922) ent nehmen:„ Das ist eine Monarchie auf Zeit, oder beinahe eine moderne Monarchie auf 3eit, und die hat ganz außerordentlich viel für sich. Dann fann man doch einen solchen Monarchen wieder los merden, bevor er den Staatsgaul zum Niederbrechen gebracht hat Mit meiner Vergangenheit und meinem Alter fann ich bie Art nicht nochmals in die Hand nehmen, um statt eines Kaiserstuhls einen foliden Präsidentensiz zu zimmern." . Sehen wir uns einmal die„ Lebenserinnerungen" pon Karl Schurz selbst an. Man fann verstehen, daß damals 1867 bei einem früheren Besuche von Karl Schurz bei Bismard, dieser in Berlin fagte:" Ich bin fein Demokrat und tann es nicht sein. Ich bin als Aristokrat geboren und erzogen". Dann berichtet aber Schurz: In unserem Gespräch nannte Bismard den König fortwährend den alten Herrn". Einen Augenblick sprach er vom alten Herrn mit fast zärtlicher Liebe und dann wieder im vertraulichen, ja ungenierten Ton, der wenig Achtung und Ehrfurcht verriet. Er erzählte mir Anekdoten vom König, die mich in höchstes Erstaunen versezten, be. fonders bei dem Gedanken, daß ich den Premierminister des Königs vor mir hatte, dem ich ein vollkommen Fremder war, und der nichts von meiner Diskretion und meinem Gefühl von Verantwort lichkeit wußte." Aehnlich spricht Schurz von einem Briefe am 3. Februar 1868 aus Wiesbaden an Heinrich Meyer in Rüder innerung an seinen Aufenthalt bei Bismard in Berlin. Eine in diesem Zusammenhange wohl faum noch beachtete Bemertung( am 28. September 1870) zu Morig Busch, dem sächsischen Bublizisten, der, in das Pressebureau des Auswärtigen Amtes berufen, Bismard in den Krieg begleitete, verdient besondere Erwähnung. Es heißt da in den Tagebuchblättern" 1899 so seltsam, wie der ehrliche Freigeist Friedrich, der die Unsterblichkeit der Seele leugnete, nie mals sich geäußert hätte:„ Wenn ich nicht an eine göttliche Ordnung TORO | Die Riefen Bluterdbeere Hanfa" hat burch ihre ungeheure Tragbarkeit alle Belt verblüfft. Man zählt an einem Pflanaftod 25 bis 30 mit tiefenfrlichten beladené Frucht ftengel. Einen Fruchtansah von 800 bis 500 Stüd an einem Stod tann man oft zählen. Um gepflegte Pflanzen liegen die Früchte der maken bicht, baß fie fich haufenweise überein anderdrängen müssen, um überhaupt Blah zu finden. Man hat denEindruck desAußergewöhn lichen, unerwarteten, noch Niedagewesenen. Die riesige Größe der zuckersüßen, aromatischen, ananasartigen gewürzten Früchte, bie in Erstaunen feßen, das troß großer Saftfülle fefte Fleisch der bunkelblutroten, babet prachtooll glänzenden Beere, die ungeheure Fruchtbar feit wird ber Bluterdbeere die gutunft als Tafel- und Schaufrucht 1. Ranges sichern. Dieses Kleinod gebe ich au nachstehenden Breifen ab: 25 träftige Pflanzen 2- t., 50 Stück 8,50 mt, 100 Stüd 6.50 mt, 250 Std 15,- ML, 500 Stüd 25-22, 1000 Stiid 40,- Mt Die Pflanzen fommen ichnellftens in guter Moospadung, bie eine gute Ankunft gewährleistet, zum Versand Nur meinen Genbungen liegt meine Rulturanweisung bet, beren Befolgung fichere Ernteerträge ergibt. Berlandgärtnerei Höltge( weltbe! Firma) Ragebuhe 184 Deutscher Metallarbeiter- Verband Achtung! Achtung! Freitag, den 23. Jull, abbs. 6, Uhr, im großen Saale des Betbandshauses, Linienste. 83/85: Allgemeine Branchenversammlung ber Draht, Blech und Bandwalzer, Drahtzieher, Emaillier Drahtarbeiter, Stangen, Rohr- und Brofilzieher in Elfen und Metall; ferner Metallstangenprefer, Blei und Drahttabelarbeiter, Spule rinnen und Spinnerinnen, sowie Bapter rohrarbeiter und Arbeiterinnen. Tagesordnung: Stellungnahme ber Branche zu den Abzügen in ben Be trieben. Sutritt haben alle in ber Branche be fchätigten Kollegen und Kolleginnen. In Anbetracht der wichtigen Tagesord nung ist es Pflicht zu erscheinen. Mitgliebsbuch legitimiert Die Ortsverwaltung. Theater, Lichtspiele usw. Lessing- Tb. Volksbühne Theater am Bülowplatz 8 Uhr: Daruber läßt sich reden Berliner Bilderbogen in 3 Akten Morgen Uhr: Komische Oper 8% Dir. James Klein 8 Die große Revue Berlin ohne Hemd! Allabendlich 930 Uhr Die sensationelle Einlage: Satans Brautnacht! Ueber 200 Mitwirkende! Th.am Kurfürstendamm 84% U.: Kavalier Jack Operette v. Carita v. Horst Reichshallen- Theater Gastspiel der berühmten Dresdner Viktoria- Sänger Anfang 8 Uhr 1.8.: Wiederauftreten der Stettiner Sänger Dönhoff- Brettl( Saal und Garten): Gr. Varieté Rose- Theater 8 Uhr: Paul Henckels Olaf, Tragödie zum 534. Male: eines Sportlers Schneider Wibbel Berber, Grodiczinsky Sommerpr. 1-8 M. Darüber läßt sich reden Mitgl.d. Volksbth., Gewerk schaft, Reichsbanner gegen Deutsches Theater Ausweis gute Plätze 1.50. Norden 10334-38 Gastspleidirektion Kubnert 8% Uhr such an Angehörige Kleines Th. Max Adalbert Leckerbissen in Vorz. dieses zahit Das& kel 50% d. Kassenpr Berliner Theater Die Komödie Uhr: DonnerBismarck 2414, 7516 Wetter, ganz famos 81 Uhr: Barnowsky- Bühnen Dyckerpotts Erben Sommerpreise Regie: John Gottowt Deutsches Künstl.- Theater Tagl 8 Uhr Der fröhliche Weinberg Residenz Theat. 8 Uhr: Gartenbühne: 51 Uhr: Konzert und Bunter Teil Konzert Tanz Zoolog. Garten Täglich ab 4 Uhr Konzert BU: Forsterchristi Aquarium Schiller- Th. Operettenspleizeit. 8 Uhr: Die leichte Isabell Elite- Sänger Zagl 8 uhr: geoifnet v.9-70 Tierkunst Ausstellung 10 PF SPARKASSE Alandkreises OSNABRUCK 100 ARS MARK Baitfpiel Qulttungs-, RabattberDriginal u.Reklamemarken Magdeburger Elite- Sänger. gegen Nachahmung gesetzl. gesch. Riesen fertigt seit 45 Jahr. Programm! als Spezialität Theater Königgrätz.Str. Rontor T: Hasenheid.2110 8 Uhr: bedarf Der Garten Eden 9 Komödienhaus Tel.: Nordén 6304 8 Uhr: Der Mustergatte Drei Mädel von heute M. Neukirchen, O. Schlüter JUERGENS Alexanderplatz Dr. Bernard's Buchenfeerwein gesetzlich geschützt. Seit länger als 60 Jahren als Vorbeugungsmittel erprobt und bewährt bei: Tuberkulose.Helserkelt.Bronchialkafarrh Husten, Asthma. Masen- und Darmerkrankungen Erstaunliche Hebung des Appetits und des Körper gewichts! Besserung des Allgemeinbefindens. Abnahme des Hustens. Originalflasche M. 2.50 Fünf Flaschen( eine Kur) M. 12.50. Porto und Verpackung frei. 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Der entschlossene Glaube an ein Leben 20, in 4000 Meter Höhe nur noch 16,5 Pferdestärken, also weniger nach dem Tode deshalb bin ich Royalist, sonst wäre ich von als die Hälfte. Natur Republikaner Ja, ich bin Republikaner im höchsten Grade, und ich habe bie Standhaftigkeit, die ich zehn Jahre lang an den Tag gelegt habe gegen alle möglichen Absurditäten, nur aus meinem entschlossenen Glauben. Wenn heute die Stimme Bismards aus dem Grabe ertönen fönnte, wie sie prophetisch mit zitternder Angst für Deutschlands Bestand aus dem dritten Bande der Erinnerungen" über Wilhelm II. ertönte- tam man daran zweifeln, daß fich Bismard heute nur für die Republik einsetzen, mindestens fie nicht befämpfen würde? Neue Forschungen über den Ameisenstaat. Ein südafrikanischer Gelehrter, Direttor Figfimons, vom naturwissenschaftlichen Museum in Port Elizabeth, hat in einem in Johannesburg gehaltenen Bortrag die Ergebnisse seiner langjährigen Forschungen über das Leben der Ameisen dargelegt. Besonders bemerkenswert sind Beobachtungen über die technischen Fähigkeiten der Ameisen, die zum Beispiel den Ausbau eines Nachrichtendienstes ermöglicht haben, der die Annäherung eines Feindes im gleichen Augenblick über eine Entfernung Don 20 Meilen signalisiert. Ferner hat er beobachtet, daß es be= fondere Pflegerinnen gibt, die die Aufgabe haben, eine von ihrer Tätigkeit erschöpfte Arbeiterin durch Massage wieder arbeitsfähig zu machen. Auch fand er im Ameisenbau besonders gewärmte Bellen, Die didste Haut irgendeines Geschöpfes besitzt das ostindische in denen die von der Königin gelegten Eier von Wärterinnen ge. Rhinozeros. hütet wurden. Man lernt nie aus. Bel den japanischen Hochzeitsfesten werden die Buppen, mit denen die Braut gespielt hat, in feierlicher Zeremonie verbrannt. Die albanische Sprache gehört zu den ältesten, also den Ur sprachen der Menschheit. Mescal, ein Rauschgift der Baqui- Indianer. Mescal ist das Gegen 190 Pflanzenarten und Bäume usw. enthalten in ihrem eigentümlich wirtenbe Gift verschiedener merikanischer Bilanzen. Safte auch größere Mengen von Suder. arten( nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Agavenschnaps). Der Genießende verfällt nach furzer Uebelfeit in einen dem hypnotischen ähnlichen Halbschlaf, in dem er eine außerordentliche Mert. fähigkeit befigt, sehr leicht suggeftibel ist und infolgedessen zu staunenswerten Leistungen befähigt erscheint. Die Kundigen wissen einen Trant zu brauen, bei dem der unangenehme Kater zu Anfang fortfällt, so daß einer weiten Verbreitung dieses angenehmen Rausch giftes nichts im Wege gestanden hätte, wenn nicht schon seit Jahr Die Herstellung des Lumpenpapiers ift eine chinesische Erfin hunderten brafonische Gesetze dem entgegengetreten wären. Noch bung; fie stammt aus dem Jahre 100 nach Chrifti. heute suchen Kinder Berauschte zu steinigen, wenn fie fich fehen laffen, und Erwachsene schießen auf fie. Die Folge davon ist, daß abmachen, während der Schnapsfäufer ungeniert auf der Straße herumtaumelt. Die Beliebtheit des Mescals zeigt sich darin, daß sich vor der Taufe zur Belohnung berauschen, der Gefangene als bas Berbet in gewissen Fällen aufgehoben wurde. Der Heide durfte Henfersmahlzeit ver der Hinrichtung, und das ungerecht verprügelte Mädchen als Troft eine hinreichende Menge Mescal zu sich nehmen. Beobachtungen über das Gift liegen aus neuerer Zeit nur sehr wenige vor, fo von dem Meritoreisenden Lumbholz und dem Profeffor Reto in Merito. rechnet, fast fiebenmal mehr Gas als in Deutschland. In England braucht man, auf den Kopf der Bevölkerung be- bie escalfäufer ihren Rausch unter Ausschluß der Deffentlichkeit Die größte Kaffeeplantage der Welt befindet sich im Staate Sao Paulo in Brasilien. Sie ist 135 000 Hektar groß und mit über 8 Millionen Raffeebäumen bepflanzt. Menig bekannt ist die Eigenschaft jedes Explosionsmotors, daß er mit der Erhöhung über dem Erdboden entsprechend an LeistungsAbgehetzt& u. abgespannt? Wer von uns Großftabtmenschen ist es nicht? Wir, die wir täglich im Strubel bes Berlehrs hin. u.hergewor fen werden, die wir das Baffen u3agen im Geschäftsleben mitzu. machen gezwungen find, wir alle haben feiber erfahren müffen, was Nerven sind. Abgehetzt u. abgespannt legen wir uns bes Abends zur Ruhe, um am nächsten Morgen wieder in bas ewige Einerlei einzugreifen. Das muß zur Erschlaffung führen, förperlich u. feelisch. Und gibt es tein Rettungsmittel?- Doch! Machen Sie eine vierwöchige Kur mit Bolle Joghurt, über beffen wundervolle Wirkung Sie er. ftaunt fein werden! Werden Sie gefund u verdie nen Siem 500 durch Bolle- Yoghurt! Das Nähe rebarüber erfahren Sie aus den Bedingungen, die Sie an jebem Bollewagen und in jeber Bolle Filiale erhalten tönnen. 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