Nr. 340 ♦ 43. �aheg. Ausgabe H Nr. 175 Bezugspreis. Wöchentlich 10 Pfennig, monatlich 8,— Reichsmark voraus»ahlbar. Anter Kreuzband für Deutschland, Donzig, Saar- und Memelgebiet, Oeslerrcich. Litauen. Luxemburg .4,50 Reichsmark, für das übrig« Ausland 5,50 Reichsmark pro Monat. Der„Dortoärls* mit der Sonntagsbeilage»Volk und Zeit* mit»Siedlung und Kleingarten" sowie der Pcilage»Unterhaltung und Wilsen" und Fraucnbcilage»lsraucnstimmc* erscheint wochcntäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegromm-Adresse: .Sozialdemokrat Berlin" Morgenansgabe Derltnev Volksbl�tt (10 Pfennig] Anzeigenpreise: Die« i n s v a l t I g c Ronvateille- zcile 80 Pfennig. Rcklamezeilc 5,— Reichsmark.„Kleine Anzeigen" dos fettgedruckte Wort 25 Pscnnig szuiäsfi« zwei fettgedruckte Worte), irdes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch- stoben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Keils ea Pfennig. 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Regierungserklärung und Sitzungsverlauf. Paris, 21. Juli.((Eigener Drahlbericht.) Um 5 Uhr wurde die kammersihung in einer schwülen Gewitteralmo- s p h ä r e erössnet. Die eisernen Torgitter des Patais vourbon waren geschlossen worden, da sich hunderte von Menschen vor dem Gebäude angesammelt halten und man Demonstrationen verhindern wollte. Die Abgeordneten und Journalisten wurden nur gegen strenge Vorweisung ihrer karten eingelassen. Als die neue Re- gierung im Sitzungssaal erschien, wurde sie ohne jede Kundgebung mit eisigem Schweigen empfange«». Sofort bestieg Herriot die Tribüne zur Verlesung der Regierungserklärung. Sie war Ziemlich kurz. Der Minislerpräsident betonte, dah da» Ziel der Zinanzpolitik der Regierung die Stabilisierung sei, die jedoch nicht ausschließlich aus ausländische Kredite ausge- baut werden könne. Die Regierung werde unter keinen Umständen eine Erhöhung des Rotenumlaufs zulassen. Als Ausgleich für die Ver- luste. die die Inhaber von Staalspapieren erlitten hätten, plane dos Kabinelt eine A u s g l e i ch st e u e r aus alle anderen Vermögens- werte, die nicht dem Staalskredit zugute gekommen sind. Als die dringlichste Ausgabe betrachtet die Regierung die Rückführung der ins Ausland geflüchteten vermögen. Sie werde deshalb eine neue Amnestie erlassen, aber mit strengsten Strafen gegen diejenigen vorgehen, die trotzdem ihr Kapital ins Ausland leiteten. Die Erklärung schloß mit der Aufforderung an die Kammer. sich sofort für oder gegen das Kabine" auszusprechen. Beifall fand die Regierungserklärung nur bei den So- ztalistenund einem Teil d e r R a d i k a l e n. Alle anderen Parteien verhielten sich zurückhaltend. Gleichzeitig verlas im Senat der Zustizminister E o l r a t die Regierungserklärung. Dort kam es zu heftigen anti-herriotistischen Kundgebungen. Die Senatoren unter. brachen den Redner mit lauten Rufen:„Rieder mit herrioti Demission!" Zm Anschluß an die Verlesung der Regierungserklärung sprach zuerst der Kommunist E a ch i n, dann Boret und der sozialistische Republikaner A u b r i o l. Dann bestieg der Finanzministcr dc Monzie die Tribüne. Er entwarf ein, wie er betonte, wahrheitsgetreues, aber in finstersten Farben gehaltenes Bild der Finanzlage und speziell des französischen Staotskassenbestandes. Unter lebhafter Bewegung der Versammlung erklärte er. daß gegenwärtig kein Centime sich mehr in der Staatskasse befinde, hier unterbrach ihn B r i a n d und erklärte unter stürmischem Beifall der ZNehrheit in heftigen Worten, daß für diden trostlosen Stand der Dinge nicht die Vorgänger von de Monzie verantwortlich gemacht werden könnten. Die Lage habe sich in den letzten 48 Stunden erst dartig zugespitzt, indem ein ungeheurer Andrang auf die Sparkassen eingesetzt habe und eine Unmasse von Rationalbonds und Schatzscheinen zur Rückzahlung bei sämtlichen Kassen in Paris und in der Provinz vorgelegt worden seien. Räch dieser Intervention Briands, die aus die Versammlung einen tiefen Eindruck machte, wurde die Sitzung unterbrochen. Zu einer neuen Sitzung sehte de Monzie seine Rede fort. Nach Wiederaufnahme der Sitzung um 7 Uhr 15 hatte zunächst de Monzie seine Ausführungen fortgesetzt und zwar in ebenso u n- w i r s ch e m Ton wie zuvor, der der Kammer wenig imponierte. Er stellte fest, daß in den Staatskassen heute 150 Millionen Franken lägen und nicht nur 00 Millionen, wie behauptet» worden sei. Er erklärte ferner. Frankreich könne aus eigener Kraft stabilisie- ren. Zu diesem Zweck könnte zum Beispiel mit ausländischer Hilfe die Kali- und Stick st offproduktion bedeutend entwickelt werden. Man müsse sich die Schuld an der Finanznol nicht immer gegenseitig vorwerfen. Daran seien die E r e i g n i s s e Schuld, die stärker als die Menschen seien und vor allem das Moratorium, das zu Kriegsbeginn dekretiert wurde. De Monzie kündigte ferner an, daß er in 48 Stunden sein Finanzprojekt der Kammer vorlegen könne, hier- auf ergriff herriot das Wort. Er verteidigte sich zunächst gegen den Vorwurf, das Kabinett Briand meuchlings erdolcht zu haben. Seine Intervention fei prinzipiellen Gründen ent- sprungen. Das Land wollte nichts von Vollmachten wissen und ebensowenig von äußeren Anleihen. Er wolle auch nicht die Stabilisierung von der Ratifizierung der Kriegsschuldenabkommen abhängig machen. Frankreich sei kräftig genug, um aus eigenen Mitteln zu stabilisieren. Auf die indirekten Steuern könne man nicht verzichten. Das Land müsse erkennen, daß im gegenwärtigen Augen- blick Opfer notwendig seien. Franklin-Bouillon erklärte darauf, daß er g e g e n die Re- gierung stimmen werde, weil Herriot sich bei seinem Angriff auf das Kabinett Briand einer schamlosen Handlung schuldig gemacht habe. Darauf erfolgte in großer Aufregung die Abstimmung. Vilöe Kundgebungen vor der Kammer. Paris, 21. Juli.(EP.) Die Regierung hat sich unverzüglich nach dem Elysee begeben, um dem Präsidenten der Republik die Demission zu überreichen. Es ist jetzt allgemein die Rede von einer Regierung der nationalen Einigung mit poincare als ZNinister- Präsident und Finanzminister an der Spitze. Außerdem dürften der Regierung B a r t h o u als Innenminister, Briand als Außenminffter und S a r r a u t als Kolonialminister angehören. Noch vor der Abstimmung hatten sich v«r der Kammer etwa 5000 Personen eingesunden, die stürmisch den Rücktritt herriots forderten. Es wurden die w i l d e st e n R u f e laut. In der Kammer war man außerordentlich beängstigt darüber, wie Herriot nach dem Elysee gelangen werde, denn man befürchtete, daß die wütende Volksmenge ihn lynchen würde, falls er ihr in die Hände fallen sollte. Die Menge versuchte, mit Gewalt in die Kammer einzudringen. Nur mit Hilfe eines großen Aufgebots der Republi- konischen Garde war es möglich, die Manifestanten zurückzudrängen. Mehrere äon diesen zogen darauf nach dem Elysee, während die Zahl der Menge vor der Kammer rasch auf 10 000 anstieg. In der Kammer entstand eine wilde Panik unter den Abgeordneten. Zahlreiche von ihnen oerließen durch eine H i n t e r tü r das Ge- bäude.(!) Vor Aushebung der Sitzung hat der Kammerpräsident für heute abend sl-12 Uhr eine Sitzung zusammenberusen, in der über die Vorlage abgestimmt werden soll, wonach der Rest des Morgan-Fonds verbraucht werden soll, um zu verhindern, daß die Schalter der Bank von Frankreich morgen geschlossen werden müssen. Man zweifelt ober daran, daß viele Abgeordnete den Mut finden werden, durch die auf- geregte Volksmenge hindurch nach der Kammer zu kommen. Gegen �10 Uhr zogen G e g e n m a n i f e st a n t e n vor der Kammer auf und schrien:„E s lebe Herriot!" Es kam zu wilden Schlägercien, bei denen es eine Anzahl Verletzte gab. Die Polizei nähme eine Anzahl Verhaftungen vor. Es ist noch nicht abzusehen, welche Entwicklung diese Kundgebungen im Verlaufe der Nacht nehmen werden. Mittlerweile verlautete, daß Präsident Doumergue sich bereits mit P o i n e a r 6 in Verbindung gefetzt hat, um ihn spätestens zu morgen vormittag ins Elysee zu laden. Poincarc hat erklärt, daß er eine Regierung von nur sieben Mitgliedern bilden werde,(havas bestätigt die Berufung poincares. Red. d.„V.") • Die pessimistischen Voraussagen der letzten zwei Tage haben sich also in vollem Maße erfüllt! Herriot ist gestürzt worden, und zwar nicht zuletzt durch eine in den Wandel- gängen des Parlaments und in den Sälen der Börse k u n st- l ich erzeugte Panik, die von der großen Boulevard- Presse nach Kräften geschürt wurde. Er ist gestürzt worden, weil das Programm seiner Regierung zwar nicht eine aus- gesprochene Kapitalsabgabe, jedoch eine stärkere Heran- ziehung des Besitzes vorsah, während die Regierung Briand-Caillaux den Besitz schonen und die Sanierung der Finanzen durch die Gewinnung ausländischer Kredite er- reichen wollte. Das ist, von allem parlamentarischen Beiwerk entkleidet, der wahre Sinn dieser neuen Regierungskrise. Das französische Finanzkapital hat den jüngsten katastrophalen Frankensturz b e w u ßt hervorgerufen, um die ihm gefährlich erscheinende Linksregierung, die sich auf die Sozialisten stützen wollte und deren Finanzprogramm den sozialistischen Borschlägen stark entgegenkam, gleich am ersten Tage zu stürzen. Aber mit dieser Feststellung des tieferen klassenmäßigen Sinnes der gestrigen Abstimmung ist die Frage, wie es dazu kommen konnte, daß eine Regierung mit so hervorragenden Männern wie Herriot, de Monzie, PainleoS und Loucheur gleich am ersten Tage gestürzt werden konnte, noch nicht er- schöpft. Und da muß gesagt werden, daß Herriot zum Teil auch als Opfer eigener Fehler gefallen ist. Wir lassen die Frage unerörtert, ob tatsächlich p e r s ö n- liche Intrigen ehrgeiziger Gegner bei dem Sturz des Kabinetts Briand-Caillaux eine Rolle gespielt haben. Bon Briand ist das mit einer geradezu wegwerfenden Deutlich- keit behauptet worden und das mag bis zu einem gewissen Grade z. B. auf de Monzie zutreffen, der seit Monaten eine erbitterte Fehde gegen Caillaux führt, hinter der zwei führende Großbanken stehen sollen. Auf Herriot trifft diese Verdächtigung jedenfalls nicht zu. Als er zur Abgeordnetentribüne herunterstieg, um gegen die Gewährung außergewöhnlicher Vollmachten an das Kabinett Briand- Caillaux zu protestieren und die verfassungsmäßigen Rechte der Kammer zu verteidigen, da folgte er offensichtlich dem kategorischen Imperativ seines republikanischen Gewissens. Ob er aber dabei sachlich vollkommen im Recht war,' ist eine andere Frage, die wir bisher absichtlich nicht auf- geworfen hatten, zu der wir jedoch glauben, uns nunmehr mit aller Offenheit äußern zu müssen. Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen- Eine Verfassung wird nicht für außergewöhnlich, sondern für normale Zeiten. ausgearbeitet. Es muß dem Parlament als Vertreter der Bolkssouveränität die Möglichkeit gegeben werden, sich außer- gewöhnlichen Zuständen anzupassen pnd in einem bestimmten Fall eine Abweichung von den starren Vorschriften der Verfassung selbst zu beschließen. Diese Möglichkeit hat die Weimarer Verfassung ausdrücklich vorgesehen, die nicht nur in diesem Punkt erheblich besser ist als die von reaktiv- närem Geist inspirierte und überhaupt stark veraltete fron- zösische Verfassung von 1875. Bei uns kennt man den Unter- schied zwischen Verfassungsänderung und Verfassungsver- letzung. In Frankreich dagegen ist die Möglichkeit zu einer Verfassungsänderung nicht ausdrücklich vorgesehen und des- halb neigt man drüben dazu, jede Verfasfungs ändern ng, auch wenn sie von der Mehrheit des Parlaments beschlossen werden sollte, für Verfasfungs b r u ch zu erklären. Es mag ruhig zugegeben werden, daß man in den letzten Iahren bei uns in Deutschland von der Möglichkeit der Verfasfungs- änderungen einen vielleicht allzu freigebigen Gebrauch gemacht hat. Aber es scheint, daß man auf französischer Seite gar zu sehr den entgegengesetzten Fehler begeht, indem man die Verfassung von 1875, die wahrhaftig verbesserungs- bedürftig wäre, für t n du zu erklären, auch wenn eine Aenoe- rung im Interesse des Volksganzen dringend geboten erscheint. Und so seyr wir es bedauern, der Auffassung unserer französischen Genossen entgegentreten zu müssen, so fühlen wir uns verpflichtet, hier zu"erklären, daß in diesem Falle Briand und Caillaux sachlich im Rechte waren, als sie erklärten, der parlamentarische Me- chanismus fei zu kompliziert, um in der Ueber- gangszeit der Stabilisierung die notwendigen Steuerbestim- mungen, insbesondere die Festsetzung der unzähligen Steuer- sätze auf die übliche Art zu beraten und zu beschließen. Schließlich haben wir deutschen Sozialdemokraten auf dem Gebiete der Inflation und der Stabilisierung leider einige Erfahrung gewonnen. Und da können wir nur aus innerster Ueberzeugung unseren französischen Genossen zu- rufen: Ohne Regierungsooll machten läßt sich eine so fortgeschrittene Inflation nicht überwinden. Niemals wäre es in Deutsch- land gelungen, die Rentenmark zu stabili- sieren, wenn nicht der deutsche Reichstag mit den sozialdemokratischen Stimmen im Herb st 1923 die Ermächtigungsgesetze an- genommen hätte. Daß diese Gesetze zu anderen Dingen als den unbedingt notwendigen finanzpolitischen Maßnahmen mißbraucht worden sind, ist eine andere Frage— aber heute können wir mit ruhigem Gewissen sagen, daß die Ermächti- gungsgesetze die deutsche Wirtschaft vor dem vollständigen Chaos gerettet haben. Etwas anderes wäre es gewesen, wenn Herriot und Blum erklärt hätten: Nicht gegen das Prinzip der Ermächtigungsgesetze protestieren wir, sondern wir lehnen die geforderten Vollmachten ab, weil wir die gesamte kapital- freundliche, antisoziale Tendenz des Caillauxschen Finanz- programmes bekämpfen, weil uns insbesondere C a i l l a u x persönlich nicht die nötigen Garantien von seelischem Gleichgewicht bietet, zumal er bereits während des Krieges mit Staatsstreichplänen gespielt hat und weil die Möglichkeit der Ausübung einer Diktatur gerade durch diesen Mann ein zu großes Risiko für die Republik und für die De- mokratie enthält. Eine solche Begründung hätte sich eher hören lassen, und vielleicht war sie sogar das eigentliche Motiv des Hcrriotschen Vorgehens. Aber da sie nicht ausgesprochen, da vielmehr grundsätzlich gegen jede Art von Voll- machten von vornherein Stellung genommen wurde, verbaute sich Herriot selbst den Weg, den er sehr bald hätte einschlagen müssen, um den Franken zu stabilisieren, wenn er nicht schon gestern gestürzt worden wäre. Deshalb bedauern wir es, daß die französischen Sozia- listen nicht die gleiche Erkenntnis gehabt haben wie der Generalrat der belgischen Sozialdemokra» tischen Partei. Dieser hat mit erdrückender Mehrheit die Gewährung von weitgehenden Vollmachten beschlossen. Allerdings sitzen unser« belgischen Genossen i n d e r R e- gierung. Und das ist in der Tat ein großer Unter- schied mit der Lage in Frankreich. Wir fürchten, daß die künftig« Entwicklung beweisen wird, daß die Politik der belgi- schen Sozialdemokratie klüger war als die rem negative Politik, die die Mehrheit der französischen Partei in der Frage der Koalitionspolitik seit zwei Jahren getrieben hat. Was jetzt kommen wird, ist nicht gerade erfreulich für � die französische und für die europäische Demokratie. P o i n- c a r als Retter— selbst gemildert durch Briand als Außen- minister— das ist ein trüber Abschluß zweijähriger Politik des Linkskartells! Mögen sich unsere französischen Genossen die Frage vorlegen, ob sie wirklich diese Entwicklung nicht hätten verhindern können. Einstweilen herrscht ein wirres Durcheinander und die gestrigen wilden Kundgebun- gen vor der Kammer könnten sogar gedeutet werden wie das Wetterleuchten des Faschismus, der überall dort und immer nur dann fein Haupt erhebt, wenn die Demokratie versagt! Die neue Klaffenfront. S Der Szenenwechsel in der Tschechoslowakei. Von Josef Stioin- Prag. Die tschechoslowakischen Wahlen vom November 1025 hoben eine gründliche Veränderung in den innerpolitischen Zuständen des Staates herbeigeführt. Der Schlüssel zu dieser Veränderung liegt in den Wahlziffern. Bei 7.1 Millionen Wahlberechtigten hat die t s ch e ch o s l o w a k i s ch e S o z i a l- d e m o k r a t i e 960 000 Stimmen verloren und die deutsche Sozialdemokratie 280000, während die ungarisch-deutsche Sozialdemokratie, die bei diesen Wahlen nicht mehr kandidierte, bei den Wahlen im Jahre 1920 über 100 000 Stimmen eingebracht hatte. Damals, im Jahre 1920, existierte die K o m m u n i st i s ch e Partei noch nicht, bei den Wahlen nn November 1925 hat sie 930 000 Stimmen aufge- 5'c sozialistischen Parteien haben also über 400 000 Stimmen verloren, trotzdem die Gesamtzahl der Wahler diesmal um 907 000 größer war. Es wurde nämlich in einigen Bezirken gewählt, in denen im Jahre 1920 Wahlen nicht ausgeschrieben worden waren. Die arbeiterfein d- l i ch e n Parteien haben 1,25 Millionen Stimmen g e- wonnen. Dieser Wahlausgang war ein Zeichen für die bürger» lichen und katholischen Parteien, eine Offensive gegen I r b e l t e r s ch a f t zu eröffnen. Die alte..allnationale" K o a l. i t i o n wurde zerschlagen, die tschechoslowakische Sozialdemokratie ging in die Opposi- t l o n. Sie war die einzige Partei der Internationale, die beinahe in der ganzen Zeit vom Kriegsende bis zu dieser „Sunö für Männerrechte/ Von Dr. Constanze Glaser. Wien. * Wie der Titel einer Komödie von Thoma liest sich diese Ueber» schrist. Es handelt sich aber keineswegs um Spiel, sondern um Wirklichkeit, um einen. wirklichen Berein, der sich vor einigen Wochen in Wien gebildet hat mit der Bestimmung, den„Auswüchsen der Frauenemanzipation" entgegenzutreten, den Nachkommen wieder „brave Frauen und Mütter" zu geben.— Nun bliebe dies bei aller Komik schließlich doch eine Privatange- legenheit, wenn sich einige wohl nicht sehr beschäftigte Personen— pensionierte Beamte und Offiziere— aus Grund gemeinsamer schlech- ter Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht— zu einem Verein zusammenschließen, ähnlich wie sich die Anhänger von Heuschnupfen, Verzeihung, die an solchem Leidenden, zu einem Heuschnupfenver- , band organisieren, um ihre Erfahrungen in angeregter Wechselrede untereinander auszutauschen. Die Oeffentlichkeit hätte keinen Grund, sich mit den durch„schlechte Weiber" herbeigeführten Familientragö- 'dien einzelner zu befassen, auch nicht mit solchen, die in Vereins- . debatten bespiegelt werden, würde der Bund für Männerrechte sich damit begnügen, tm verborgenen zu blühen und zu schimpfen. Da er aber Im Parlament eine Reihe von Forderungen offiziell überreicht hat, scheint es geboten, diese ein wenig näher zu betrachten. Wenn nach dem französischen Sprichwort„Lbercker la lemme" die Frau der verborgene Beweggrund aller Handlungen ist, so müßte dieses Wort den Zeitverhältmssen entsprechender in„Chcrcbez l'argent" umgewandelt werden. Auch hinter den Forderungen dieser„Idealisten", dieser Kämpfer für edles Frauen- und Mutter- tum steht das Geld, der Urmetor des Geschehens. Propaganda gegen das Alimentationsgefetz Ist die erste Fordenmg der Männerrechtler, mit der allerdings— soweit es sich um Alimentterung geschiedener Frauen handelt— fortschrittliche Frauen einverstanden sind, da sie in der Ehe, noch dazu in der nicht mehr bestehenden, nicht eine lebenslängliche Rentenbezugsquelle erblicken wollen. Co deckt sich auch der von den Nationalrätinnen eingebrachte Ehereformantrag in dieser Hinsicht mit den Forderungen der Männerbündler, was ihnen aber nicht bekannt zu sein scheint. Karin Michaelis hat in einem Vortrag„Che und Scheidung, den sie vor kurzem in Wien hielt, den Borschlag gemacht, eigene Versicherungsgesellschaften zu gründen, bei denen der Dater sein« Töchter, der Gatte seine Frauen gegen Scheidung versichern könnte. Ein amüsanter Vorschlag, der aber von einem höheren Standpunkt aus zu verwerfen ist, da Ehe- losigkeit— auch der Frau— nur in sehr bedingtem Grade in eine Kategorie mit Krankheit, Unfall, Feuer, Einbruch usw. zu setzen, als feindliches, Leben oder Eigentum gefährdendes Element auszusasjen ist.— Anders steht es mit der Frage der Versorgung der Kinder. Die Männerbündler kämpfen gegen Gleichstellung der unehelichen Kinder mit den ehelichen in materieller Beziehung, sie treten gegen die oft ungerechte Verurteilung zur Vaterschaft aus und empfehlen die Blutprobe als geeignetes Mittel gegen Fehlurteile. Nun wurde diese zwar vor einiger Zeit als Beweismittel in einem Prozeß zu- gelassen: nach dem heutigen Stand der Wissenschost aber kommt Ihr bindende Bedeutung nur in negativem Sinne zu. d. h. auf Grund der Zusammensetzung des Blutes kann in bestimmten Fällen die Vaterschaft als ausgeschlossen angesehen werden, m den viel häusi- Zeit an der Koalition mit den Bürgerlichen teilgenommen hatte. Die Niederlage der sozialistischen Parteien im No- vember 1925 ist ein trauriger Erfolg der Kommunisten, die im Arbeiterlager einen brudermörderischen Kampf entfaltet und dadurch Hunderttausende von Arbeitern h i n a u s g e- ekelt haben. Die katholischen Parteien haben um 580 000 Stimmen zugenommen, und zwar fast ausnähme- weise in d e n Gegenden, die vor Jahren am meisten vom Kommunismus verseucht waren. Nachdem die alte Koalition verschwunden war, entstand nun die Frage, was weiter kommen sollte. Und es folgte eine große Ueberraschung für diejenigen, welche die treibende Kraft der Klasieninteressen unterschätzen. Es hat sich sogleich eine Mehrheit aus den tschechischen und deut» schen Agrariern, aus den tschechischen, s l o w i k i» schen, deutschen und ungarischen Katholiken gebildet. Anfangs hieß es, daß diese Gruppierung nur für die Einführung der Agrarzölle gebildet worden sei: da- bei erhielten die Katholiken für ihre Stimmen bei der Rege- lung der Zollfrage ein Trinkgeld in der Form einer Regelung der staatlichen Zuschüsse zu den Priesterbezllgen. Aber im Laufe der letzten Zeit haben die deutschen und ungarischen Stimmen einigemal die Beamtenregierung, die nach der Koalitionsregierung die Ge- schäfte übernahm, gerettet und wurden auch bei der Abstim- mung über die neuen Steuern zur Verfügung gestellt. Die deutschen und ungarischen bürgerlichen Abgeordneten haben sich auch bei der scharfen Opposition der früheren sozialistischen Koalitionsparteien und beim rücksichtslosen Gebrauche der Geschäftsordnung als feste Stützen der Mehrheit bewäbrt. Und es ist heute schon ausgemacht, daß diese Mehrheit in der Herbstsession auch für den Etat stimmen wird. Die bürgerlichen Parteien der nationalen Minderheiten sind also heute sozusagen die Regie» r u n g s p a r t e i e n. Es hat sich eine reaktionäre Front ge- gebildet» die ihre starken Klasseninstinkte offen zur Schau trägt. In nationalpolitischer Hinsicht ist dies in der Tschechoslowakei ein Fortschritt, sozial- politisch ist es ein Rückschlag. Die frühere„all- nationale" Koalition war dagegen sozialpolitisch fördernd, aber ihre Existenz hat sehr viel zur Zuspitzung der nationalen Gegensätze beigesteuert. Die Teilnahme der bürgerlichen Minderheitsparteien an der parlamentarischen Koalition ist auch ein Beweis dafür, daß ihre Wähler auch eine sogenannte „reale" Politik vertragen, was bisher unter dem Vorwand verleugnet wurde, daß für die nationalen Minderheiten in der Tschechoslowakei nur eine rücksichtslose nationale Oppo- sition in Betracht käme. Leider sind die Zustände im Lager der Arbeiterklasse noch nicht so weit, daß man damit rechnen könnte, der Bourgeoisie eine geschlossene Klassenfront der Arbeiterschaft gegenüberstellen zu können. Die von K o m m u n i st e n be- setzten Bänke im Parlament— sie sind heute die stärkste Arbeiterfraktion— sind eine tote Insel, weil diese Herren das Parlament nur für eine Agitationstribüne halten und zur parlamentarischen Arbeit total unfähig sind. Man er- wartet einen Ansturm der bürgerlichen Koalition gegen das eben in Kraft getretene Gesetz über die Sozialversiche- rung, aber die Kommunisten predigen unablässig der Ar- beiterschaft. daß das Gesetz keinen Wert habe, daß es ein Betrug sei und daß die Arbeiter dieses Gesetz„verdammen" müßten. Dann kann die Bourgeoisie bei ihrem Ansturm sehr leichte Arbeit haben. Und dasselbe gilt für die übrigen An- griffsobjekte der Klassenfront der Bourgeoisie. Wir stehen also in der Tschechoslowakei schweren Kämpfen gegenüber. Vor uns eine geschlossene Front der Bourgeoisie, hinter uns die kommunistischen Deserteure. Trotzdem geht die Sozialdemokratie selbstbewußt in den Kampf. Die Organisationen wachsen, die Ver- breitung der Presse macht große Fortschritte, die Reihen der Arbeiterschaft sind kampflustig, das Proletariat ist durch diese Politik der Bourgeoisie über den Klassenkampf auf dem politischen Boden wieder einmal gründlich belehrt! geren aber Ist sie als möglich, wenn auch nicht als erweisbar zu be- trachten. Bis auf weiteres behält da wohl der alte lateinische Satz „pater Semper incertus*(der Vater' ist immer unbestimmt) sowohl für eheliche wie für uneheliche Kinder Gültigkeit. Die unehelichen Kinder aber den ehelichen gegenüber zu benachteiligen, entspricht der heutigen Zeit, nach Ellen Key'? Wort: dem„Jahrhundert des Kindes", nicht mehr. Noch deutlicher offenbart sich aber der mammonistifche Geist dieser Idealisten in ihrem Kampf gegen„die schädliche Konkurrenz" der Frauen. Rur dort, wo diese Ausgezeichnetes leisten, sollen sie zu Aemtern und Berufen zugelassen werden, die Durchschnitts- und llnterdurchschnittsleiftungen sprächen aber gegen das Eindringen der Frauen in das öffentliche Leben.— Die Argumente für und wider wurden seit dem Auftauchen der Frauenfrage, die längst über eine Bewegung hinaus zu einer wirtschaftlichen und sozialen Notwendig- keit geworden ist, so oft diskutiert, daß jedes weitere Wort über- flüssig und durch die Tatsachen überholt erscheint. Ebenso lächerlich klingt es, daß„das Ueberhandnehmen der Scheidungen seine Ursache in den extremen Frauenemanzipationsideen" habe, wenn es auch sicher richtig ist, daß ein großer Teil der Scheidungen darauf zurück- zuführen ist, daß sich die Frauen von ihrem Nurfrauendasein befreit haben und dort, wo alle inneren Bedingungen der Ehe fort- gefallen sind, diele nicht mehr wie früher um jeden Preis äußerlich aufrecht zu erhalten suchen.—(Ein Abgeordneter(Großdeutsch) versprach eine Interpellation bezüglich des Alimentationsgesetzes ein- zubringen, um den Männern gegenüber den sozialen Gesetzen, die einen„allzu stark femininen Zug tragen, durch den diese benachteiligt werden", zu Hilfe zu kommen. Das EnSe See ersten Seutfchen Eisenbahn. Die erste deutsche Eisenbahn, die am 7. Dezember 1835 zwischen Nürnberg und Fürth eröffnet wurde, ist jetzt im Alter von S5 Jahren sanft entschlafen. Die Todesanzeige fand man in diesen Tagen in den Anzeigenteilen einiger großer Blätter. Die Direktion der Ludwigseisenbahn teilt mit. küß die gesamten Eisenbahnschienen in gutem Zustand in einer durchschnittlichen Länge von S Metern, sowie die Weichen und Schwellen zu verkaufen seien. Damit gehört nun die erste deutsch« Eisenbahn der Geschichte an. Wie unendlich viel Mühe hat es gemacht, um dies« Bahn in Deutsch.. land schassen zu könnenl Selbst nachdem in England der Widerstand der konservativen Hirn« überwunden war, brachten die deutschen Reaktionär« immer wieder die gleichen Bedenken gegen das neue Verkehrsmittel hervor, als Männer wie Harkort und List mit Energie für den Bau von Essenbahnen eintraten. Auch der Hinweis auf die Möglichkeit, Elsenbahnen für Heereszwecke ausnutzen zu können, die den Staat sonst immer geneigt zu machen pflegte, verfehlte zunächst auf die leitenden Staatsmänner jeden Eindruck. Wäre die Regierung damals den Borschlägen Harkorts gefolgt, so wäre die erste deutsche Eisenbahn fast«in Menschenalter früher in Westfalen gebaut worden. Mit Ach und Krach kam dann die nur sechs Kilometer lange Streck« Nürnberg— Fürth zustande. Bereit» 1814 hatte der Bergrat Ritter Joses von Baader aus diese Streck« hingewiesen. Aber erst 1833 gelang es dem Nürnberger Johannes Scharrer, die für die Verwirk- lichung des Planes notwendigen Kräfte zu mobilisieren. Man stellte k Eine öeutschnationale Ente. y Tic Witwenpcnsion der Frau Haußmann. Der Demokratische Zeitungsdienst sieht sich(jenotitzt, wieder einmal einer„nationalen" Verleumdung die Spitze ab- zubrechen. Cr schreibt: „Die völkische„Deutsche Zeitung" brachte in großer Aufmachung und mit sensationellen Ueberschriften die Nachricht, die Witwe Conrad Haußmanns habe sich mit Rücksicht darauf, daß ihr Gatte kurz nach der Revolution das Amt eines Staatssekretärs ve» waltet habe, beim Reichssinanzministerium um eine Witwen- Pension beworben, und diese sei ihr ausnahmsweise be- willigt worden. Daran knüpfte die„Deutsche Zeitung" häßliche Bemerkungen über demokratische Führer als Vermittler und Be- williger dieses Witwengeldes. In Wahrheit verhält sich die Sache ganz anders. Conrad Hauß- mann, der fünfunddreißig Jahre Im öffentlichen Leben gestanden und infolgedessen auch keine Möglichkeit gehabt hat, sich Reichtümer zu sammeln, hat seinerzeit auf eine Pensson vom Reich ver- z i ch t c t, obwohl er auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen das Recht gehabt hätte, sie zu beanspruchen als langjähriger Notar, so wie sie beispielsweise der frühere Reichskanzler Fehrenbach bezogen hat. Als nun infolge der Inflation seine geringe Hinterlassenschast völlig zusammengeschmolzen war, richtete seine Witwe, die aus die Unterstützung durch ihre Kinder angewiesen war, in Unkenntnis der gesetzlichen Bestimmungen an die Reichsfinanzverwaltung das Gesuch um ein Witwengeld. Der R e i ch s s i n a n z mt n i st e r. der sich streng an die gesetzlichen Vorschriften hielt, lehnte dies Ge- such ab im Hinblick darauf, daß Haußmann selbst auf die Pension verzichtet hat. Die Gewährung eines Witwengeldes wäre nur im Gnadenwege möglich gewesen. Diesen zu beschreiten, versagte sich Frau Haußmann." Die Gewährsmänner der„Deutschen Zeitung", die offenbar im Reichsfinanzministerium sitzen, und denen der ablehnende Bescheid des Ministers Dr. Reinhold u n- bekannt geblieben war, haben ohne weiteres an- genommen, das Gesuch von Frau Haußmann würde ohne die erforderlichen gesetzlichen Unterlagen bewilligt werden und haben daraufhin das Dlatt der Claß und Sodenstern, der Hüter germanischer Moral, alarmiert. Der Schwindel ist zwar bald aufgedeckt, aber im Zitatenlexikon der„Sater- ländischen" lebt er trotzdem weiter wie unzählige seiner Ahnen.__ Internationaler VoAenreformerkongreß. Eröffnungssitzung in Kopenhagen. Kopenhagen. 21. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Der 3. I n t e r- nationale Kongreß für Bodenreform und Freihandel wurde am Dienstag im Kopenhagener Reichstagsgebäude in Anwesenheit von rund 3lX1 Delegierten au» 20 Ländern erösfnet. Die Zusammensetzung des Kongresses ist sehr bunt: anwesend sind sowohl Vertreter der verschiedensten Bodenreformbünde wie einzelne Mitglieder aus den Kreisen der Bodenreform- und Freihandelsbewe- gung. Aus Deutschland sind u. a. die Genossen P e u s und A l b r e ch t zur Stelle. Unter den Wortführern der verschiedenen Länder sprach an Stelle des wegen Krankheit nicht erschienenen Genossen Dr. Krüger Dr. Valetta- Berlin. Er gab einen kurzen Ueberblick über die deutsche Bodenreform, und Heimstättenbewegung seit Be- stehen der Weimarer Verfassung und fand außergewöhnlich starke� Beifall. Am Nachmittag sprachen ein dänischer Hochschulrektor über die Befreiung der dänischen Bauern, ein englischer Delegierter wie»: auf die Zusammenhänge zwischen Bodenvetteilung und Arbeit». losigkeit in England hin._ Der tandlag von Schaumburg-Lipp« befaßte sich am Mittwoch mit der Abfassung der Antwort an Preußen, wonach sich der Landtag auf Grund des Ergebnisses der Volksabstimmung nicht in der Lage. sieht, den beabsichtigten Staatsoertrag über den Anschluß an Preußen durchzuführen. Zeugenverhör In Germersheim. Der französische Kommandierende der Pfalz hat in Germersheim deutsche Zeugen über die Vorfälle vom 14. Juli vernommen. durch«ine fast l'A Monate fortgesetzte Zählung fest, daß im Durch- schnitt 1720 Personen täglich zwischen Nürnberg und Fürth ver- kehrten, und errechnete daraus ein günsttaee Betriebseraebnis für die zu bauend« Bahn. Als dann am 14. Mai 1833 zur Zeichnung des Aktienkapttals ausgesordert wurde, dauert« es Monate, bevor die Mittel'zusammengekommen waren. Der bayerische Staat war sehr zurückhaltend. Erst al» das Geld ausgebracht war, gestattete König Ludwig huldvollst, daß die Eisenbahn, deren Förderer er nicht war. seinen Namen führen durste. Viel Mühe machte»». einen geeigneten Eisenbahnbauer zu finden. Man hatte sich schon an Stephmson in New Castle gewandt, als man durch Zufall den bayerischen Ingenieur Paul Denis entdeckt«, der bei seinen Auslandsreisen den Eisenbahn- bau kennen gelernt hatte. Er führt« den Bau der Bahn zur allge- meinen Zufriedenheit durch. Der Betrieb wurde anfänglich nur von einer Lokomotive und 11 Pferden bewältigt. Diel« Lokomotive war von Stephenson erbaut und unter unsäglichen Mühen nach Süd- deutschland geschafft worden. Sie hatte 24 000 Mark gekostet. Als Kuriosum möge erwähnt werden, daß der erst« Lokomotivführer, den man sich ebenfalls aus England oerschreiben mußt«, ein Gehalt von 2250 Mark jährlich bezog, 890 Mark mehr al» der erst« Direktor der Bahn. Schon nach einem Jahre konnte die Bahnleitung mitteilen, daß 450 000 Personen befördert worden seien und daß sie 102 000 M. eingenommen hätte. Heut« nun, nach fast lOOjährigem Betrieb, ist die Bahn ein Opfer der wirsschastlichen Schwierigkeiten geworden. Auch ihre Geschichte zeigt, daß nichts beständiger sst als der Wechsel. __ W. M. Petersburger Nachtasyle. In dem offiziellen Bericht des Peters- burger Gesundheitsamt, wird angeführt, daß sämtlich« Nachtasyle überfüllt sind, so daß auf jeden Besucher weniger als ein halbes Quadratmeter Raum fällt. Di« Mehrzahl der Asylbesucher sind ständige Gäste. Es gibt unter ihnen Leute, die schon seit 1913 jeden Abend erscheinen. Die Hälft« aller Frauen in den Nachtasylen sind Dirnen und etwa 12 Proz. Bettlerinnen. Trotz der Ramnbeengung und geradezu ungeheuerlichen BeHaftung mit Ungeziefer stellen sich Epidemien in den Asylen verhältnismäßig selten ein. Der Leiter der Desinsektionsabteilung Dr. Pajanowsky berichtet, daß Ungeziefer, besonders Kleiderläuse, in solchen Massen in die Nachtasyle geschleppt werden, daß nach jeder Desinfektion der Prisschen die Läufe. Wanzen und Flöh« buchstäblich herausgeschauselt werden müssen. U. a. wird ein Fall ge- »annt, daß an einem Menschen 2H! Pfund Kleiderläuse, sogenannte .Kreuzritter" abgetötet wurden. Der Pelz und da» Hemd des Be- treffenden sind als einzig dastehendes Muster an Verlausung dem Pasteurmuseum einverleibt worden. Der Bericht schließt damit, daß der sanitär« Zustand der Nachtasyl« alles zu wünschen übrig läßt, und daß sofort Maßregeln getroffen werden müßten, um die Nacht- asyle nicht zu Epidemieherden werden zu lassen. Zn der volksbShae. Theater am valowplah, findet Freitag die 25. Ausführung von„Darüber läßt sich reden» ltolt.— Di« Rolle de« Triller hat Herr Ferdinand Werner übernommen, im übrigen iptelt die gesamte Premierenbcsehung. «enrralmofikdlrektor Wagner gestorben. In München starb der General- Musikdirektor deS badifchcn LandeStbeater» in Karlsruhe, Ferdinand Wagner, nach einer Blinddarmoperation an Herzschwäche. die Schulüigen. Ein Dolchstoß für die Dolchstoßlegende. Der jetzt erschienene dritte und vierte Band des vom Reichsarchiv herausgegebenen Kriegswerks behandelt vor allem die M a r n e s ch l a ch t. Ein Major a. D. H. W. Fell, selbst Redakteur des„L o k a l- A n z e i g e r s, widmet der Publikation in seinem Blatt eine ausführliche Besprechung und kommt zu folgendem Schluß: „Mit tiefer Bewegung legt man die meisterhafte Darstellung des Reichsarchivs aus der Hand. Die Glückwende an der INarne sührl zurück auf die gleichen Ursachen, die den Verlust des ganzen Krieges im liessten bedingen, den Mangel an Männern großen Aus- maße» in den ausschlaggebenden Allhrerstellen des Heeres wie des Staates. Als das Zweigestirn Hindenburg-Ludendorsf an die Spitze des Heere» trat, wäre es noch nicht zu spät gewesen, wenn— auch in der politischen Leitung eine gleich starte Hand das Steuer er- grifsen hätte. Es geschah nicht, und wir verloren nicht nur einen Feldzug. sondern den Krieg. Männer machen die Geschichlel" So steht es wörtlich zu lesen in demselben Blatt, das sich sonst die Verbreitung der D o l ch st o ß l e g e n d e zur beson- deren Aufgabe gemacht hat! Aehnlich hieß es schon einmal am Jahrestag der Marneschlacht in Gedenkartikeln füh- render deutschnationaler Bl.ätter, was aller- dings nicht verhinderte, daß kurze Zeit daraus die Dolchstoß- Hetze von derselben Presse mit großem Schneid wieder auf- genommen wurde. Anders wird es voraussichtlich auch dies- mal nicht sein. Das Nicolaische System, das mit zur Kata- strophe geführt hat, gehört nun einmal zum Handwerkszeug dieser„staatserhaltenden" Parteien.„Männer machen die Geschichte!" Aber die Geschichte ist noch jedesmal schief gegan» gen, wenn sie von dieser Art von Männern gemacht wurde. das Zeugnis ües Heneralstabs. In dem vom Reichsarchiv bearbeiteten Werke„Der Welt- krieg 1914,18" heißt es im vierten Band, der die Marneschlacht behandelt, auf S. 525 wörtlich: „Die Initiative der deutschen Armeeführer und Kommandieren- den Generale, die Tatkraft der Truppenführung bis herunter zum Zug- und Gruppenführer und die Tapferkeit der Truppen erwiesen sich von so überlegener Kraft, daß die Schlacht im Westen an den entscheidenden Stellen mit dem Siege der deutschen Waffen endete. Ihr alleiniges Verdienst war der Sieg an der Marne, der die Möglichkeit bot, das große Ziel des deutschen Operationsplans trotz aller Irrungen und Wirrungen im letzten Augenblick doch noch zu erreichen. Da trat, völlig unerwartet, die Oberste Heeresleitung aus Ihrer bisherigen Zurückhaltung heraus und griff in verhängnisvoller weife in die Schlacht ein!" Und auf S. 529 heißt es weiter: „Das Unbegreiflich« wurde Ereignis: Das West- Heer wurde aus dem unter blutigen Opfern errungenen Siege durch den Mund des Vertreters der Obersten Heeresleitung in dem Augenblick zurückgerufen, als es im Begriff stand, die Früchte der vorangegangenen Kämpfe zu ernten!" Also auch die ehemaligen Generalstabsoffiziere, die im Reichsarchiv die Kriegsgeschichte bearbeiten, müssen zugeben, daß die entscheidende Schlacht des Krieges durch das Versagen der von Wilhelm selbst berufenen Obersten Heeresleitung verloren ging, während Mannschaften und Leitung der einzelnen Armeegruppen mehr als ihre Pflicht taten. Der Verlust der Marneschlacht bedeutete die Einleitung des Stellungkrieges und damit den Beginn des Kriegsoerlustes. Trotzdem das Reichsarchio und die dafür arbeitenden ehe- maligen Generalstabsoffiziere jetzt ganz offen die V e r o n t- w o r t u n g für den Marneverlust aufWilhelmsOberste Heeresleitung schieben, wird die Dolchstoß- legende noch lange nicht aus der Welt geschafft sein. Denn das Versagen der einen Obersten Heeresleitung(Mciltte) hatte so viele spätere Versager zur Folge, daß ein ganzes Heer Mitverantwortlicher daran interessiert ist, die eigene Der- antwortung für den Kriegsoerlust auf die Schultern des geplagten, hungernden und gepeinigten Voltes abzuwälzen. Aber gerade deshalb sind diese amtlichen Geständnisse im Kriegsbuch über 1914 so reizend und wertvoll. Der Stahlhelmkrach in Srounschweig. Was sagt die Braunschweigcr Ttahlhelmjustiz dazu? Braunfchweig, 21. Juli.(Eigener Drohtbericht.) Am Dienstag hat in Braunschweig eine stark besuchte öffentliche Versammlung des Frontkriegerbundes stattgefunden, in der der Mitarbeiter Luden- dorsfs, der völkische Oberstleutnant A h l e m a n n über„Seldte, Uhlenhaut und der Stahlhelm" sprach. Ahlemann versuchte, die ausgeschlossenen 1600 Stahlhelmer zu sich herüberzuziehen. Die Ver- sammlung oerlief sehr lebhast und artete zeitweise in wüsten Tumult aus. Zwifchenrufer bezeichneten Seldte als Lumpen. Auch der FührerdesHindenburg-Bundes aus Hannover, Major von Waldow, lockte die Stahlhelmer zu sich herüber. Er sagte u. a., daß der Verband hlndenburg während der Vierkellerrevo- lution am». Kovember 1923 fiebernd den Ruf aus München er- wartet habe, um die Schmach von 1918 zu rächen, aber der Ruf fei nicht gekommen. Von Diskusstonsrednern wurde behauptet, daß Seldte bis jetzt jeder Auseinandersetzung aus dem Wege gegangen und daß er feige fei. Auch zu dieser Versammlung war der Bundes- führer Seldte und der Landesverbandsführer Uhlenhaut öffentlich eingeladen. Aber beide waren nicht erschienen. Seldte und sihlen- haut wurden von keinem der anwesenden 2000 Dersammlungsteil- nehmer verteidigt. In Braunschweig herrscht stärkste Verwunderung darüber, daß Seldte nicht den Mut gefunden hat, zu erscheinen, zumal er noch vor einigen Monaten in einer Riesenoersammlung in Braup- schweig geäußert hat, daß die Minister der meisten deutschen Länder „Nappsülzen" seien und die Abgeordneten in den deutschen Parla- menten als„nasse Unterhosen" bezeichnete. Die Stimmung ist jetzt vollkommen umgeschlagen, und man beginnt auch in den Rechts- kreisen einzusehen, daß der verantwortliche Redakteur Thiele- mann vom„Voltsfreund" in Braunschweig, der drei- mal wegen Beleidigung des Stahlhelmführers Uhlenhaut mit 200, mit 700 bzw. mit 350 M. verurteilt wurde, zu Unrecht bestraft worden sst. Die Verurteilung sst für den Justiz- minister und die Richter um so peinlicher, als der Amts- gerichtsrat(Biesecke an die Verurteilung in erster Instanz «ine schwere Beleidigung der sämtlichen„Doltsfreund'-Redakteure knüpfte, indem er in der Urteilsbegründung aussprach, daß„Volks- freund"-Redakteure als ihre HauptHufgabe betrachteten, vaterländisch gesinnte Männer durch den Dreck zu ziehen. Jetzt haben sich die Vorwürfe, die seinerzeit vom„Volksfreund" erhoben wurden, die 1600 Stohlhelmer mit neuem wichtigen Material zu«igen gemacht. Thielemann wird wahrscheinlich jetzt zum zweitenmal ein Wieh�aujaahmever�a�rell anstrengen, Jortbilöung öer �ugenölichen. Eine wichtige Aufgabe produktiver Erwerbslosenfürsorge. Das Programm der Reichsregierung zur Verminderung der Arbeitslosigkeit, das am Donnerstag und Freitag in den Besprechun- gen zwischen Reich und Ländern durchgeprüft wird, hat eine empfind- liche Lücke, auf die wir vor der entscheidenden Beratung hinweisen möchten. Das Programm der Reichsregierung sagt kein Wort über die Fortbildung der arbeitslosen Jugendlichen. Der größte Teil der arbeitslosen Jugendlichen besteht aus nngelern- ten oder halbgelernten Arbeitskräften. Di« mangelhaft« Schulbildung während der Kriegszeit und die stark« Nachfrage nach jugendlichen Arbeitskräften aller Art in der Inflationszeit sind schuld daran, daß die erwerbstätige Jugend in ihrer Berussausbildung vielfach recht be- denkliche Lücken aufweist. Run müssen wir damit rechnen, daß in einigen Iahren, wenn sich der Geburtenausfall während des Krieges auf dem Arbeitsmorkt auswirkt, neuerdings die Nachfrag« nach den ungelernten jüngeren Arbeitskrästen steigt und damit endgültig die Gelegenheit vorüber ist, der Masse der ungelernten jugendlichen Ar- besser und Arbeiterinnen, soweit sie sich zur Qualifizierung eignet, eine bessere Berufsausbildung zu geben. Jetzt, zurzeit der Arbeits- losigkeit ist die beste Gelegenheit, um das wieder gut- zumachen, was während der Kriegs- und Inflationszeit an der Heranwachsenben Arbeitergeneration gesündigt worden ist. Die Reichsregierung hat deshalb die Pflicht, im Rahmen ihres Arbeits- befchastungsprogramms eine großzügige.und systematische Fortsüh- rung der Berufsausbilbung der Jugendlichen während der Dauer ihrer Arbeitslosigkeit zu sichern. Wir brauchen«in« systematisch« Berufsausbildung der erwerbs- tätigen Jugend vor allem auf drei Gebieten: 1. Handwerklich« und fabrikmäßige Ausbildung, d. h. Ausbildung für Schlosser, Tischler, Mechaniker, Elektrotech- niker usw. 2. Ausbildung für kaufmännische Angestellt« in Buchführung, Rechnen, Sprachen, Stenographie und dergleichen. 3. Ausbildung im Haushalt(Küche und Näharbeit). Selbstverständlich handelt es sich dabei nicht um volle Beruf»- ausbildung. Dazu reicht die Zeit nicht. Allein die Grundelement« der verschiedenen Berufe können in der Fortbildung sehr wirksam zur Entfaltung gebracht werden. Aus den Handelsschulen gehen ohnehin nur wenig wirklich durchgebildete Kräfte hervor. Die Lehrer für die Fortbildung können aus den erwerbs- losen Lehrkräften und aus einer Reihe von Erwerbslosen, die sich dafür eignen, genommen werden. Räum« stehen in den Berussschulen genügend zur Verfügung. Für die Fortbildung kommt zunächst natürlich nur der Kreis der unterstützungsberechtigten Jugendlichen und jüngeren Erwerbslosen in Betracht; er muß jedoch unbedingt auch auf die arbeitslose schulentlassene Jugend ausgedehnt werden. Hier muß ein« Ausnahme gemacht werden. Alles hängt bei dieser Frage von der Initiative der Gemeinden ab. Die Länder sind bereit, mit finanzieller Unter- stützung die Fortbildung zu fördern. Uebrigens zeigen die glänzen- den Erfahrungen, die man in Düsseldorf und Im sozialdemokra- tisch oerwalteten Wien mit der Berufsausbildung der arbeitslosen Jugendlichen gemacht hat, daß die Berufsausbildungsarbeit sich sehr gut bezahlt macht. Der größte Teil der Fortbildungs- arbeiten(Reparaturen, Umwandlung von Wüsteneien in blühende Gärten, Errichtung von Freilichtbühnen, Kantinen, aus denen Re- staurants geworden sind) machen sich bezahlt. Auch die Werkzeuge werden ja zum Teil durch die eigene Arbeit der Berufsausbildungs- schüler hergestellt. Die Fortbildung ist also unmittelbar pro- duktiv. Daß sie mittelbar produktiv ist, das zeigt die Nachfrage nach qualifizierten Kräften jetzt mitten in der Arbeitslosigkeit. Auf alle Fälle ist diese Fortbildungsarbeit ebenso produktiv wie die Not- standsarbeiten, sicherlich produktiver wie gewisse Notstandsarbeiten, die von manchen Gemeinden lediglich als Notbehelf vorgenommen wurden. Zentrum unü Reichsbanner. Durchsichtige Hetze der Rechten und eine Antwort der Windthorstbünde. Seit Wochen betreibt die Rechtspresse— gestützt auf Aeußerungen schwerindustrieller Zentrumsblätter�— eine ebenso systematische wie zügellose Hetze gegen das Reichsbanner. Der Zweck der Uebung ist es, auf der einen Seite die Aufmerk- samkeit der eigenen Anhänger von den Korruptionserscheinun- gen in der Stahlhelmführung abzulenken, und auf der anderen Seite das Zentrum kopfscheu zu machen. Um so betroffener ist man im„vaterländischen" Lager, daß eine der größten Jugendorganisationen des Zentrums, die Wi n d t- hör st-B ü n d e des Gaues Köln, diese Bemühungen auf ihrer Siegburger Tagung mit einer Entschließung liquidiert hat, die nach der„Köln. Volkszeitung" besagt: „D«n Windthorst-Bündlern wird der E i n t r i t t in die so- genannten vaterländischen Verbände verboten. dagegen ihnen freigestellt, dem Reichsbanner Schwarz- Rot-Gold beizutreten." Obwohl dieser Beschluß selbstverständlich ist und durchaus der republikanischen Haltung des Iungzentrums entspricht, erheben Rechtsblätter, wie die„Tägliche Rundschau" darüber ein großes Wehgeschrei. Sie sehen damit„die nach rechts führende Tür verrammelt". Stellt man sich auf der Rechten nur so dumm oder hat man dort allen Ernstes erwartet, das Zentrum werde der Schutztruppe der Republik den Rücken kehren, um mit fliegenden--schwarzrotgoldenen Fahnen zu den s ch w a r z- weißroten Monarchistenverbänden überzu- gehen? Das wäre«ine merkwürdige Folgerung aus der beim Volksentscheid vom Zentrum betriebenen Politik. Der behörüenkonflitt in Nagüeburg. Amtlich„beigelegt". Der„Aniiliche Preußische Pressedienst" meldet: Die B e- sprechung in der Mordangelegenheit Helling, die auf Veranlassung des preußischen Ministers des Innern am Mitt- woch, den 21. Juli, zwischen Vertretern Berliner und Magdeburger Behörden unter dem Vorsitz des Oberpräsidenten Hör- sing in Magdeburg stattfand, hat zu vollem Einvernehmen über die Art der strafrechtlichen Weiterversolgung der Mordtat ge- führt. Die Kriminalkommissare B u ß d o r s aus Berlin und Tenholt in Magdeburg werden ihre Ermittlungen nach ein- heitlichen Gesichtspunkten unter Leitung des Unter- suchungsrichters fortzusetzen. Wie der Untersuchungsrichter erklärt, hofft er bis zum kommenden Sonnabend die Straftat restlos aufklären zu können. Die von einem Teil der Presse gegen die bisherige Tätig- keit des Kriminalkommissars Bußdorf erhobenen und d e m M a g d e- burger Untersuchungsrichter in den Mund gelegten (wirtlich bloß„in den Mund gelegt"? Red.„V.") Vorwürfe sind unbegründet. Keineswegs hat der Untersuchungsrichter «in Zusammenarbeiten mit Bußdorf, dessen große Verdien st e bei der Aufklärung früherer Straftaten der Magdeburger Land- gerichtspräsident besonders rühmend hervorgehoben hat, abgelehnt._ Die öraunfchweiger Zürftenfreunüe. Die Folgen des Telcgrammcs an die Hofverwaltung. Der Senatspräsident beim Oberlandesgericht Braunschweig, Reichstagsabgeordneter H a m p e, hatte, wie erinnerlich, vor der Ab- ftimmung über den Vergleich mit dem ehemaligen Herzog von Braunschweig an die Hofverwaltung in Gmunden ein Telegramm gerichtet, in dem er den Besuch des nationalsozialistischen Landtagsabgeordneten Ries« ankündigte und den Herzog von Braunschweig austorderte, den einzigen Nationalsoziali st en des braunschweigischen Landtags möglichst zur Tafel einzuladen und ihn dadurch umzustimmen. Von der Riese'schen Stimmung hing die Annahme des Vergleichs- Vorschlags ab. Stimmte Riese gegen den Vergleich, wie das seine Parteifreunde von Ihm verlangten, so sei die Ablehnung des Ver- gleichs und der Rücktritt der deutschnationalen braunschweigischen Regierung sicher. Riese wurde tatsächlich umgestimmt. Dadurch verlor da» Land Braunschweig allein über 52 000 Morgen besten braunschweigischen Bodens. Nach Monaten veröffentlichte die„Wiener Arbeiterzeitung" dieses Hampe- Telegramm. Die Veröffentlichung war für die Welfenpartei und für die braunschweigische Regierung derart peinlich, daß setzt jeiq Amt als Partetoorjitzeader Hey Braun- schweig-Niedersächsischen Partei niederlegen muhte. Ob Hampe sein Reichs.tagsmandat niederlegt, steht noch nicht fest, aber auch das ist zu erwarten. Die polnische IrieÜenspolitik. Zalcwskis Erklärungen.— Abschaffung der Militar- attachces.— Die deutsch-Polnischen Beziehungen. Warschau, 21. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Im Auswärtigen Ausschuß des Sejm gab Außenminister Zalewski am Mittwoch in einstündiger Rede einen Ueberblick über die außenpolitische Lage Polens. Die in letzter Zeit aufgetauchten Gerüchte über eine angebliche A e n d er u n g der bisherigen Linie der polnischen Außen- Politik bezeichnete der Minister als falsch. Polen, das in seinem Wiederausbau nicht nur die Schäden des Krieges, sondern auch dle Folgen einer hundertjährigen Unterdrückung und Zerrissenheit zu überwinden habe, bedürfe des Friedens mehr als irgend ein anderes Land. Für Polen, das keine Handbreit fremden Bodens zu ver- langen habe, allerdings auch keine Handbreit eigenen Landes ab- zugeben gedenke, bestehe kein Anlaß. Krieg zu führen. An der internationalen Zusammenarbeit wünsche Polen lebhaft teil- zunehmen, es werde an erster Stelle unter den Ländern stehen, die sich der internationalen Befriedung widmen. Polen werde zur Bekräftigung des Friedenswillens demnächst die Stellen der Militärattachös bei dem größten Teil seiner Auslandsoer- tretungen aufheben. Mit großer Unruhe verfolge Polen die Möglichkeit einer Krise im Völkerbund: es hoffe, daß nichts unter- lassen werde, um eine ernste Krise zu vermeiden. Die Möglichkeit, seine Aufgaben voll zu erfüllen, werde der Völkerbund nur er- langen durch Zusicherung einer tätigen Mitarbeit Polens. Di« polnischen Bündnisse seien der Ausdruck seiner Friedensgeflnnung, das beziehe sich besonders auf das Abkommen mit Frankreich, das gegen niemanden gerichtet sei. Ucber das deutsch-polnische Verhältnis erklärte der Minister:„Die Verbundenheit der Interessen zwischen Deutschland und Polen verlangt sowohl im Interesse beider Länder als auch der internationalen Lage eine dauerhaft« friedliche Zusammenarbeit. Polen wünscht seinerseits die deutsch- polnischen Beziehungen auf realer Grundlage in nachbar- lichem Sinne unter völliger Ausschließung gegenseitiger Animosität zu fördern. Falls Deutschland das gleiche Verständnis für dieses Programm und für die Ebenbürtigkeit unserer Interessen zeigen wird, so sürften die polnisch-deutschen Beziehungen geeignet sein, die Entspannung der internationalen Lage herb«izuführen. Ein« günstige Etappe auf diesem Wege ist die Regelung der Wirtschaft- lichen Beziehungen durch positive Inangriffnahme der Handel»- vertrag»Verhandlungen." Was die Beziehungen Polens zu Sowjetrußland beträfen, so nähmen sie immer mehr den Charak- ter nachbarlicher Zusammenarbeit an. Am Schluß erklärte der Minister:„Angesichts der allgemeinen Wirtschaftskrise Europas kann Polen seine Lage nicht als besonder» ungünstig bezeichnen und ist daher in der Lage, einen Auslandskredit nicht mit politischen Konzessionen verbinden zu müssen. Für Polens ständigen RatSsitz. Warschau. 21. Juli.(WTB.) Ueber das Verhältnis Polens zum Völkerbund erklärte Zalewski: Am Völkerbund, den ich für eine der größten Institutionen ansehe, die in hervor- ragendster Weise auf den Grundsätzen des Rechts und der Gerechtig- keit gegründet ist, haben wir bisher im Geiste de» Friedens mit- gearbeitet und wir werden diese Arbeit fortsetzen. Die Festigung des Einflusses und der Aukoritäk des Völkerbundes muh immer das Ziel der polnischen Politik bleiben. Mit um so größerer Beunruhi- gung beobachtet Polen die Möglichkeiten einer Krise imVölter- b u n d im Zusammenhang mit dem angekündigten Austritt Bra- siliens und mit einem eventuellen ähnlichen Schritt Spaniens. Von diesen allgemeinen Gesichtspunkten aus betrachtet, nimmt Polen für sich die Notwendigkeit in Anspruch Garankien zu ständiger Mikarbeik im Völkerbund zu erreichen. Garantien, die ihre Berechtigung finden vor allem in der bedeutsamen R o l l e. d i e P o l e n in der gesamten pazifistischen und organisatorischen Tätigkeit des Völkerbundes spielt. Die geographische Lage Polens, das Gebiet, das es einnimmt, und sein Gewicht in den gesamte» europäischen wirtschaftlichen Verhältnissen. weisen Polen diese wichtige Rolle in der Weltpolitik zu. wie man überhaupt die Möglichkeit einer Lösung des Problems der Welt- befriedung ohne eine tatige und ständige Anteilnahme Polens sich nicht vorstellen kann. Durch die Sicherung einer ständigen Mitarbeit Polens im Völkcrbundsrat wird es dem Völkerbund ermöglicht, nach Gebühr und vollständig die Aufgabe zu erfüllen, zu welcher er im Sinn« der lessenden Grundsätze des Statuts berujen ist. Gewerkschaftsbewegung Industrieverband der Lebensmittelarbeiter. Legitimation zur Führung" durch Betanntgabe ihrer mit gliederzahlen zu erbringen. Trotzdem will das Unkraut auf dem Gewerkschaftsboden als tariffähig anerkannt, zum endgültigen Reichswirtschaftsrat, zu den Arbeitnehmervertretungen nach dem Reichsknappschaftsgesetz und als Beisiger zu den Der Einheitsverband beschlossen! ftigen Arbeitsgerichten zugelassen werden. Das übervolle Herz um das Wohl der zwei Drittel rechtloser" deutscher ArbeitDie beteiligten drei Verbände hatten sich auf folgende Ab- nehmer besorgter Arbeitervertreter" läuft aber doch nicht bis zur Neige aus. Sie verschweigen nämlich, daß sie nur deshalb als wirtmachung geeinigt: und auch nicht anerkannt werden können, weil sie von den Unterschaftliche Vereinigungen der Arbeitnehmer nicht anerkannt wurden nehmern weder ideell noch materiell unabhängig find. Und das ist des Pudels Kern. Wenn auch kein Zweifel besteht, daß die Hinter männer der Gelben auch diesmal mit ihrem Liebeswerben abfallen müssen, so wird es doch nicht überflüssig sein, der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten, an all den Stellen, in die sie eindringen „ Ergibt die Abstimmung eine tragfähige Mehrheit für die Schaffung eines neuen Verbandes, so vereinigen sich die drei Einzelverbände zu einem Verband..." " Nach der erfolgten Abstimmung hatten die einzelnen Berbände zu prüfen, ob sich eine tragfähige Mehrheit nach ihrer Auffassung ergeben habe. In Nr. 319 des Vorwärts" fonnten wir berichten, daß der Deutsche Nahrungs- und Genußmittelarbeiterverband in Hamburg sich in seiner Beiratsfizung am 28. Juni mit 32 gegen 9 Stimmen dahin entschieden hat, daß die Trag= fähigteit gegeben sei. cute Erst jetzt erfahren wir aus der Verbandszeitung des Verbandes der Lebensmittel- und Getränkearbeiter Deutschlands, daß auch dessen Verbandsbeirat in seiner Sitzung am 8. Juli die Tragfähigkeit des Abstimmungsergebnisses ebenfalls, und zwar mit 25 gegen 7 Stimmen bejaht hat. Der Zentralverband der Fleischer und Berufsgenossen Deutschlands, dessen Hauptvorstand die Frage zu entscheiden hatte, hat sich ebenfalls dahin entschieden, die Tragfähigkeit als gegeben zu betrachten. Damit ist beschlossen, daß diese drei Verbände sich zu einem Verband vereinigen werden. Den Mitgliedern der Verbände wird die Mitgliedschaft und die Beitragsleistung in ihrem jezigen Verbande nach den Sagungen des neuen Verbandes angerechnet werden. ollo Der neue Industrieverband wird nach Erledigung der notwendigen Vorarbeiten mit über 130 000 Mitgliedern ins Leben treten. Er umfaßt die Brauereiarbeiter, samt den Arbeitern der übrigen Getränkeindustrie, die Mühlen Arbeiter der Süßwarenindustrie, sowie die Fleischer samt den Arbeitern der Fleischwarenindustrie. nad Die vielumstrittene Frage der Industrie organisation, die sich weit mehr um das wie als um das ob dreht, ist damit, mie auch durch den Zusammenschluß in der keramischen Industrie, einen großen Schritt weitergefommen. Die ganze Entwicklung der Dinge führt zwangsläufig zu stärkerer Konzentration. Diese Entwicklung läßt sich wohl beeinflussen, feineswegs aber erzwingen. Nur der Zwang ist wirksam, der sich aus den Verhältnissen herausbildet. Vom Treiben der Schmaroherpflanzen. Die Gelben wollen anerkannt sein. Die Gewerkschaften aller drei Richtungen in Deutschland, insbefondere aber die freien Gewerkschaften, die durch das Fegefeuer des Sozialistengesetzes hindurch mußten, haben sich ihre heutige Anerkennung nicht erbettelt oder erlistet, sondern in unermüdlichem, zähem und opferreichem Kampfe er stritten. Die Gelben aber, deren 3wed es ist, den Gewerkschaften in den Rücken zu fallen, die Kräfte der Gewerkschaften zu zersplittern, die vom Unternehmertum direkt oder indirekt ins Leben gerufen werden, mindestens aber von der Spekulation auf das Wohlwollen der Unternehmer durch Wohlverhalten" vegetieren, versuchen, sich diese Anerkennung zu erschleichen, sich einen Einfluß zu verschaffen, der ihnen weder der Zahl nach noch gar ihrem unfittlichen Charakter nach nicht zusteht. Die gelben Werkvereine sind teine Gemertschaften, sondern das Gegenteil davon. Sie wollen ihre Schmarozervereinigungen, die sie als ,, paterländisch" drapieren, als Gewerkschaften gewertet wissen, damit sie größeren Einfluß bekommen, um den Gewerkschaften zu schaden. Erst vor kurzem wieder haben die Zentralen der Gelben, der ,, Reichsbund vaterländischer Arbeiter- und Werkvereine"( Rp2.) und der Reichsbund Deutscher Angestellten- Berufsverbände"( RDA.) an die Behörden und Parlamente eine Eingabe gerichtet, in der über ,, bie fortgesette Rechtlosmachung von mehr als zwei Drittel der deutschen Arbeitnehmerschaft durch die Arbeitsgefeßgebung zugunsten der Erhaltung eines verfassungswidrigen Monopols der Gemert schaften" Klage geführt wird und die Behörden und Barlamente aufgefordert werden, solchen skandalösen Zuständen" ein Ende zu machen. Wenn hier von einem Skandal die Rede ist, dann ist es die Dreistigkeit der Gelben, zu behaupten, infolge ihrer Nichtanerkennung feien zwei Drittel aller deutschen Arbeitnehmer ,, red tlos" gemacht. Diese Streifbrechervereine berufen sich auf die Mitgliederziffern der den drei Gewerkschaftsrichtungen angeschlossenen Verbände vom Jahre 1924 und behaupten, daß zurzeit nur ein Drittel der deutschen Arbeitnehmer in den Gewerkschaften organisiert sei. Für die übrigen zwei Drittel aber seien sie die rechtmäßigen Vertreter. wollen. Krankheit und Arbeitslosigkeit. Der Kapitalismus begnügt sich nicht mit der weitestgehender Ausbeutung der Arbeitnehmerschaft, er ist außerdem redlich bemüht, die Arbeitnehmerschaft durch die ihnen verfügbare Presse in der öffentlichen Meinung herabzusetzen. In sozialer Beziehung gilt ihm jeder Arbeitnehmer als Simulant. Der Arbeiter ist nach der Darstellung der Unternehmersöldlinge entweder Gesundheitsfimulant, der darauf ausgeht, eine stärkere Arbeitskraft vorzutäuschen, als er sie in sich verkörpert, in Krisenzeiten ist er ranfheitsfimulant, und wenn er sich im Betriebe die Knochen gebrochen hat, ist er- Unfallfimuiant. Gegen die Gesundheitssimulanten" weiß sich das bedrohte Unternehmertum bei der Einstellung durch seine Altersgrenze und vertrauensärztlichen Untersuchungen zu schützen". Und die Kontrolle durch die Betriebkrankenkassen sorgt dafür, daß auch die bei der Einstellungssiebung etwa durchgeschlüpften Gesundheitsfimulanten noch nachträglich erfaßt werden und eine Belastung der Betriebskrankenkasse durch sie verhütet wird. " Doch sind die Gesundheitssimulanten" so raffiniert", daß sie sich meist mit der Beitragsleistung zur Betriebskrankenkasse begnügen und es geschickt" vermeiden, mit ihr als Kranke in Berührung zu fommen. Das hat wenigstens den Vorteil für die notleidende Wirtschaft", daß aus den Ziffern der Betriebsfranfenfaffen sich einmal eine verschwindend geringe gesundheitliche Beeinträchtigung der Arbeitnehmer durch die Dauer der Arbeitszeit samt Ueberstunden und die Arbeitsmethode nachweisen läßt, zum anderen aber eine größere Wirtschaftlichkeit" der Betriebskrankenfaffen gegen über den Ortsfranfenfajjen. arbeitet das Rüchenpersonal dieses Großbetriebes bei 50 und mehr Grad Hize und in Schwefeldünsten von der Eismaschine. Am 14. Mai wurde die Firma durch das Gewerbeaufsichtsamt aufgefordert, unverzüglich für ausreichende Entlüftung des Küchenraumes entsprechend dem Schreiben vom 11. Februar zu sorgen. Widrigenfalls wurden auf Grund der Gewerbeordnuna 3mangsmaßnahmen angedroht. Bis heute ist nichts geschehen Am 8. Juli hat das Gewerbeaufsichtsamt meiter gefordert: A. 1. Für jede Person ist ein zum Aufbewahren der Kleider geeigneter verschließbarer Schrank zur Verfügung zu stellen. 2. Die Höchstzahl der gleichzeitig in einem Umkleideraum der Kellner befindlichen Personen ist so hoch zu bemessen, daß auf den Kopf etwa 7 Rubikmeter Luft entfallen. 3. Die Fenster sind wasserdicht einzurichten. 4. Die Lüftungsflappen müffen sich stets schließen lassen. dicht 5. Es ist nachzuweisen, daß die Heizung ausreicht. 6. Die Fußböden find gegen Fußbodenfälte zu i folieren. 7. Für je fünf Personen ist ein Zapfhahn mit fließendem Wasser als Waschgelegenheit einzurichten. B. Die Entlüftung der Küche war am 3. Juni d. I. nicht wirksam. D. In den Hausdienerräumen dürfen sich nach§ 120b Abs. 2 und 3 der Gewerbeordnung feine weiblichen Perjonen, zum Beispiel Zimmermädchen, umkleiden. E. Dasselbe gilt für das gemeinsame Umkleiden im Rellerflur. F. Da die Dämpfe der schweflichen Säure, mit der ihre Kältemaschine betrieben wird, schwerer als die Luft sind, so muß die mechanische Entlüftung des Maschinenraumes bis auf den Fußboden reichen. Das ist zurzeit nicht ganz der Fall. Bis zum heutigen Tage ist von der Direktion dieses erstklassigen Berliner Hotels noch so gut wie nichts geschehen, um die nötigep Einrichtungen für das Personal zu treffen. Wir erwarten vom G werbeaufsichtsamt, daß es seinen Auflagen den gehörigen Nachdruck verleiht, damit sie endlich Beachtung finden. 100 Die Arbeitszeitfrage im oberschlesischen Bergbau. Soll die 8%-Stunden- Schicht verewigt werden? Gleiwih, 21. Juli.( WTB.) Am Freitag beginnen im Reichsarbeitsministerium die Berhandlungen über die Arbeitszeitfrage im oberschlesischen Bergbau unter Tage. Schlichter ist Professor Dr. Brahn. Zunächst wird es sich um eine Verständigung über die Forderung der Arbeitnehmer auf Verkürzung der Arbeitszeit unter Tage auf acht Stunden und die Forderung der Arbeitgeber auf Beibehal= Der Betrug" der Gesundheitsfimulanten muß jedem offenfundig werden, sobald sie abgebaut sind. Sie werden dann zu Krankheitsfimulanten". Es soll hier feineswegs bestritten merden, daß mancher ältere Arbeiter aus Furcht vor seiner Entlassung bei wiederholter Kranfmeldung fich mühsam aufrecht erhält und nachtung der 8% stündigen Arbeitszeit handeln. m seiner Entlassung zusammenbricht. Wie wenig berechtigt es jedoch ist, diese Erscheinungen zu verallgemeinern, zeigt die Statistik des Hauptverbandes Deutscher Krankenkassen über die 3ahl der erwerbsunfähig erfranften Mitglieder in Verbindung mit der Zahl der Pflichtversicherten und der Hauptunterſtügungsempfänger der Erwerbslosenfürsorge dem Zeitraum vom 1. Mai 1924 bis zum 1. Juni 1926. Wir müssen uns hier darauf beschränken, die Ziffern aufzuführen, die die stärksten Veränderungen aufzeigen: ind Zeit Zahl der Pflichtversicherten ( It Reichsarbeitsblatt) in Hauptunter Arbeitsunfähige ftügungsempfänger( It. Krantentaffen( It. Wirtschaft und statistik des Statistik) Hauptverbandes) 571783 319 656 3,68 Proz. 3,89 1. Mai 1924 11 862 000 1. Mai 1925 15 190 000 1. Jan. 1926 12 303 000 485 931 5,08 1. Febr. 1926 11 919 813 2030 792 4,69 1. März 1926 12 284 000 2055 928 4,21 1. April 1926 12 560 000 1942 048 3,67 13 231 746 3,36 13 078 045 1. Mai 1926 1. Juni 1926 1 781 200 1420 586 3,14 am Die Prozentziffer der erwerbsunfähig Erfrankten war niedrigsten mit 3,36 am 1. Mai 1926 bei 13,23 Millionen Versicherten und 1,78 Millionen Unterstützungsempfängern und am höchsten mit 5,08 bei 12,30 Millionen Versicherten und 1,48 Millionen Unterſtüßern. Der Stichtag der Höchst zahl der Hauptunterstügungsempfänger, der 1. März 1926, mit 2,05 Millionen, weist 4, 21 Proz. erwerbsunfähig Ertrantfer auf. Die Schwankungen der Krankenkassenstatistik sind relativ gering, zeigen aber mit aller Deutlichkeit, daß von einer Wechselwirkung zwischen Erwerbslosigkeit und Krankheit teine Rede sein tann. bada Das Hotel„ Der Kaiserhof". Für die Angestellten ist da nichts übrig. Am 11. Februar 1926 hat das Gewerbeaufsichtsamt Mitte der Direktion des Kaiserhof" folgende Auflagen gemacht: Der Wirkungsgrad der künstlichen Ventilation des Küchenraumes ist unzureichend. Er ist durch geeignete Maßnahnien, erforderlichenfalls durch Einbau eines stärkeren Ventilators, so zu erhöhen, daß eine vollständige und schnelle Abführung In der Eingabe heißt es wörtlich: Inmitten dieses mehr als zwei Drittel starken Teiles der deutschen Arbeitnehmerschaft stehen RvA. und RDA. als die führenden, nicht auf den gewerkschaft lichen Klassenkampfgedanken eingestellten, wirtschaftlichen Orgader Dünste herbeigeführt wird. nisationen." Die Herrschaften hüten sich aber wohlweislich, ihre C Spittelmarkt Ecke Wallstraße Alexanderplatz nahe Aschinger König- Str. 55 gegenüber Rathaus W Friedrich- Str. 193a Ecke Leipziger Straße Friedrich- Str. 150 Leipziger Str. 113 Ecke Mauerstraße Link- Str. 1 Ecke Potsdamer Straße N Schönhauser Allee 81 am Bahnhof Nordring Friedrich- Str. 106 Ecke Ziegelstraße Invaliden- Str. 164 Ecke Brunnenstraße Invaliden- Str. 117 am Stettiner Bahnhof Chaussee- Str. 72 nahe Müllerstraße Frankfurter Allee 14 nabe Tietz Bis heute ist noch nichts geschehen. Auch heute noch Tagung der Bergarbeiterinternationale. = Paris, 21. Juli.( WTB.) Heute vormittag wurde hier unter dem Vorsitz von Smith der Kongreß der Bergarbeiterinternationale eröffnet. An dem Kongreß nehmen Vertreter aus Amerika, England, Deutschland, Belgien, Tschechoslowa tei und Frankreich teil. Deutschland ist durch Husemann, Berger und Limberg vertreten. In der heutigen Vormittagsfizung haben die Delegierten die Frage der finanziellen Unterstützung der streifenden englischen Bergarbeiter, sowie die Frage der Einfuhr von Kohle aus dem Kontinent nach England geprüft. borative grop wom 900 allo 19 Achtung Bauarbeifer! Die Differenzen der Affordmaurer auf dem Großkraftwerf Rummelsburg bei der Firma Held u. Frante sind beigelegt. Deutscher Baugewerksbund, Baugewerkschaft Berlin. Verband der Akkordmaurer Groß- Berlins. Der Streit auf den New Yorker Untergrundbahnen, der jekt drei Wochen dauert, hält noch immer an. Eine neue Entwicklung ist nicht eingetreten. Der Dienst funktioniert leidlich und verbessert sich allmählich. Der Bürgermeister hat einer Abordnung von Zugführern mitgeteilt, er sei bereit, als Ber. mittler aufzutreten. Freie Gewerkschaftsjugend. Seute, Donnerstag, abend 7 Uhr tagen die Gruppen: Mitte: Jugendheim Neue Königstr. 21. Lieder- und Tanzabend. Lichtenberg: Jugendheim Partaue 10. Heiterer Abend mit buntem Programm. Köpenid: Jugendheim Grünauer Str. 5. Diskussionsvortrag: ,, Bub und Mädel". Tempelhof: Jugendheim Germaniastr. 4-6. Bortrag: Proletariat und Lebensreform". Südoften: Jugendheim Reichenberger Str. 66. Seiteres und Ernstes von der Walze. Gesundbrunnen: Jugendheim Gothen burger Str. 2. Heimatgeschichte des Wedding. Spandau: Jugendheim Lindenufer 1. Sumor und Stimmung. Moabit: Jugendheim Bremer, Ecke Wiclef. straße. Bortrag: ,, Warum bin ich im Verband?" Außenspiele ab 27 Uhr. Es spielen: Oberschöneweide auf dem Sportplatz der Metallarbeiter, an der Oberspree; Neukölln im Boltspark Hasenheide; Nordring auf dem Plag an der einsamen Pappel; Treptow im Treptower Park, Wiese 8. Jugendgruppe des RDA. Heute, Donnerstag, abend 7% Uhr die Abteilungen Treptow: Jugendheim Wildenbruchstr. 54( Rinderhort). Bille.Abend. Hermannplay: Jugendheim Hobrechtstr. 34( Ede Sanderstraße). Diskussionsabend. Berantwortlich für Bolitik: Ernst Reuter: Wirtschaft: Artur Saternus: Gewerkschaftsbewegung: Fr. Ektorn; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lokales und Sonstiges: Frik Rarstädt: Anzeigen: Th. Glode: fämtlich in Berlin. Berlag: Vorwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Druck: Vorwärts- Buchdruckeret und Berlaasanstalt Baul Ginger u. Co. Berlin SW 68. Lindenstraße 3. Sierzu 2 Beilagen ,,, Unterhaltung und Wissen" und Frauenstimme". Für Sport und und Reise Die Schutzbrille- Das Reiseglas Diese moderne Schutzbrille mit Gläsern in hellem oder dunklem Horn M. 2.50, 3., 5.50, C.Sportbrille mit Double- Einlage m. 9.- 12.in echtem Schildpatt M. 22-33Farbige Gläser in grau, blau, grün, gelb und auch fait farblos in allen Schärfen von M. 1.50 an pro Paar ständig am Lager. Kostenlos prüfen wir Augen und Sehkraft mit Sorgfalt nach unserer bewährten Methode. Reparaturen werden sofort erledigt. dun sipidni mapianis Optiker Ruhnke's Prismen- Binokel Televist: für Reise, Jagd u. 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Bereits um 2 Uhr früh beginnt die Entladung der ankommenden Wagen in den Außenbahnhöfen. Am Lehrter Bahn- Hof. as Schlefifchen Bahnhof und am Potsdamer Güterbahnhof. Rur der kleinste Teil dessen, was in Berlin an Obst und Gemüse hereinkommt und was per Eisenbahn transportiert wird, kommt direkt in den Markthallenbahnhof. Das meist« wird nach den er- wähnten Außenbohnhöfen verladen und van dort mit Fahrzeug oder per Auto nach der Markthalle gebracht. Veraltet wie sie ist, kann sie nur«inen geringen Bruchteil von dem fassen, was die Kleinhändler und die Straßenhändier zum direkten Bertrieb an die Konsumenten brauchen. Vas öerlln an Gbst und Gemüse verbraucht. Man kann sich über die Mengen einen Begriff inachen, wenn man sich vergegenwärtiot, daß eine einzige Firma im Juni!ö4 Waggons Gemüse und Obst abgesetzt hat. Es handelt sich dabei in erster Linie um Ware, die aus Italien kommt, und zwar Kartoffeln, Tomaten. Pfirsiche, Blumenkohl, Aprikosen und Kirschen. Wir sind auf die Bezüge aus dem Ausland« angewiesen, und zwar sind Italien uno Holland die Lieferanten für die deutsche Obst- und Gemüsever- sorgung. Von April bis August rollen pro Tag durchschnittlich 15 Waggons in Berlin an. Rechnet man den Waggon zu 200 Zentnern, dann erhält man 3000 Zentner oder 300 000 Pfund, hinzu kommt die Ware, die auf dem Wasserwege die Stadt erreicht, und die etwa ein Viertel der obigen Menge beträgt: außerdem bringen Fuhrwerke aus der näheren Umgebung"Berlins täg- lich 100 Zentner nach Berlin. Alles zusammen ergibt die statt- liche Summe von 400 000 Psund oder 20 Waggons. Das bedeutet einen Monatsoerbrauch von 600 Waggons und eine Zahres- meuge von 7200 Waggons. Unzureichende Verkaufsräume. Man kann es begreifen, daß die Unterbringung einer Tagesmenge in den augenblicklich zur Verfügung stehenden Räumen der Markthalle sehr große Schwierigkeiten bereitet, denn die Martchalle ist in den siebziger Jahren gebaut worden, als die Bevölkerungsziffer noch lange nicht die erste Million.. erreicht hatte. Es ist infolgedessen verständlich, daß das Geschäft in Obst und Ge- njüsc sich nicht nur in der Großmarkthalle selbst abwickelt, sondern in Läden, die die Großhändler und Importeure in den Straßen vor Umgegend der Großmarkthalle gemietet haben. Ader auch diese reichen nicht au». In den frühen Morgenstunden von 4 bis 10 Uhr kann man in den Zufuhrstraßen zur Markthalle, in der Kaiser- WUHelm-Straße, der Neuen Friedrich, und in der Münzstraße Wagenburgen sehen, beladen mit Obst und Gemüse. Mancher Fuß- gänqer hat in diesen Stunden große Mühe, ohne Püffe und Stöße an den Wagenburgen vorbeizukommen, und aus derbe Zurufe muß er gefaßt sein. Da es sich um leichtverderbliche Ware handelt, kommt es natürlich darauf an. den Absatz so schnell wie möglich zu vollziehen. In den Morgenftnnden, etwa bis 7 Uhr, erscheinen die Grünkramhändlcr und diejenigen, die in den Läden mit Obst und Gemüse handeln. Sie suchen sich die Waren heraus, die sie brauchen, und müssen diese selbstverständlich entsprechend teuer bezahlen. Was dann noch übrig bleibt, und was nicht immer mehr ganz einwandfrei ist, das wandert in die Hände des Stroßenhandels, der natürlich aus der zu einheit- lichen Preisen gekauften Ware Sortierungen nach der Preislage vor- nimmt. Wenn wir verhältnismäßig niedrige Obst, und Gemüseprelse haben, so ist dies in erster Linie dem Slrahenhandel zu danken, der überhaupt den Umsatz der erwähnten Riefenmengen in ganz kurzer Zeit möglich macht. Geschäft auf Spekulation. In diesem Jahre hatten Obst und Gemüse allerdings erheblich unter Witterungseinflüssen gelitten. Mancher mußte Waren, die vollkommen verdorben waren, und infolgedessen nicht verkaust wur- den, wegwerfen. Diese Kirsch-nhändler kaufen meisten» schon im Winter von den Kreisen, Kommunen oder privaten Eigentümern ganze Kirschenalleen zu allerdings ganz niedrigen Preisen auf, und erzielen trotz Pflückerlohn und Transporttosten in normalen Jahren, d. h. bei guten Ernten Riesengewinne. Aber in einem Jahr wie in diesem, in dem die Ernte unter den Witterungseinflüssen schon an den Bäumen in Fäulnis übergeht, müssen sie auch mit Verlusten rechnen. Das Aufkaufen von Obst ist eben ein reine» Spekulatlonsgeschäst. Gerade in diesem Jahr« wäre es notwendig, daß die Eisenbahn auf dem schnellsten Wege die zu transportierende Ware an ihren Bestimmungsort befördert. Di« Händler klagen aber, daß in dieser Beziehung die Derhästnisse viel zu wünschen übrig lassen. Wenn ein Waggon nicht so recht. zeitig eintrisst, daß er sofort entladen werden kann, so daß die Ware noch am Ankunftstage zum Verkauf gelangt, dann ist sie für den nächsten Tag gewöhnlich nicht mehr zu gebrauchen. Ebenso lcbhasle Klagen wie über die Unpünktlichkeit der Trans- portverhältniss« werden über die ZoUadiertigungzvcrhältuisse geführt. Der Dienst in den Zollstellen beginnt erst frühmorgens um 8 Uhr. und wenn ein Waggon während der Nacht hereingekommen ist, dann wird er erst nach 10 Uhr von den Zollbeamten abgefertigt. Die Ware kann dann frühesten» am folgenden Tage zum Verkauf gelangen. Natürlich ist sie dadurch der Gefahr de» Verderbea» aus- gefetzt. Verhandlungen mit den önlichen Zollstellen, die Abfertigung während der Nacht vorzunehmen, sind bisher gefchettect. Wir sollten meinen, daß in dieser Zeit der Arbeitslosigkeit das genügende Per- sonal für diese Zwecke vorhanden sein mühte. Eine derartige nächt- liche, im Interesse der Ernährung liegende Zollabsertigung wird in anderen Großstädten schon vorgenomnien. warum sollte sie nicht in Berlin möglich sein? Die Rampeiicinrichlungen der Markthalle sind ebenfalls vollkommen unzulänglich, sowohl zum Abladen wie zum Zlufladen sind noch vorsintslutliche Einrichtungen vorhanden, die im heutigen Zeitalter der Rationalisierung zum �altcn Eisen geworfen werden müßten. Allerdings, wie weit die Stadt Berlin bei der augenblicklichen Finanzlage hier wird für Besserung sorgen können, das bedarf der allergenauesten Ueberlegung. Und die Arbeiter. Wenn wir die Aersorgung Berlins mit Gemüse und Obst be- >)andeln, dann dürfen wir auch der H a l l e n a r b e i t e r nicht ver- gessen. Es gehört eine ziemliche Rerventraft, eine große Gewandtheit und eine erhebliche Kiirperkrast dazu, wenn ein Arbeiter tagaus, tagein in der Halle ssinen Dienst sach- und sachgemäß verrichten kann. Gewiß, die Arbeiter der Halle verdienen mehr als der Durchschnitt. Ihr Lohn betrögt gewöhnlich 50 W die Woche. Dazu kommen Be- ' Zahlungen für Ueberstunden und ansehnliche Trinkgelder, wenn die Ware vom Stand des Großhändlers zu den. Gejährt des Klein- Händlers gebracht wird. Aber dafür arbeiten sie auch manchmal täglich zrväls bis dreizehn Stunden, und dann zehrt diese Arbeit an der Gesundheit des Menschen, so daß feine Bezahlung eine Entschädigung für diese Arbeit bedeutet. Die meisten Arbeiter sind Gelegen- heitsarbeiler Aber auch hier handelt es sich um solche, die schon jahraus, jahrein in der Halle, dort wo sie gebraucht werden, beim Abladen, beim Ausladen ihren Dienst verrichten. Ihre Bezahlung erfolgt stnndenweiie, und zwar erhaline sie 1 M bis 1,25 M pro Stunde. Und da sie gewöhnlich 4 bis 5 Stunden zu tun haben, ist der tägliche Durchschnittsverdienst eines solchen Gelegenheitsarbeiters 5 bis 6 Wart. » Aielleicht werden sich die Verhältnisse, wie wir sie geschildert hoben, ändern, wenn die jetzt vom Magistrat der Stadt Berlin an- geregten Projekte des Baues einer Fruchtgrohhalle zur Wirklichkeit werden. Sonntagssonderzug nach Swinemünde— Hcringsdors. Wie die Reichsbahndirektion Berlin mitteilt, wird bei g e- nügender Beteiligung am kommenden Sonntag, den 2 5. Juli, ein Sonntags-Sonderzug 4. Klaije zu ermäßigten Fahr- preisen nach Heringsdorf verkehren. Der Zug verlaßt Berlin, Stettiner Bahichof 6.30 vorm., und ist in Swinemünde 10.05, Ahlbeck 10,24, Heringsdorf 10,30. Die Rückjahrt erfolgt ab Heringsdorf 7.50, ab Ahlbeck 7.57, ab Swinemünde 8.20, an Stettiner Bahnhof 12.00 nachts. Die Fahrpreise betragen nach Swinemünde 9.— M, nach Ahlbeck und Heringsdors 9.20 M. Der Fahrkartenverkauf beginnt am Dienstag, den 20. Juli, bei der Fahrkartenaus- gäbe des Stettiner Bahnhofs und den folgenden vier Ausgabestellen des Mitteleuropäischen Reisebureaus: Potsdamer Bahnhof, Bahnhof Friedrichstraße, Kaufhaus des Westens und Reisebureau Unter den Linden 57-58.— Der am letzte» Sonntag nach Miedroy gefahrene Sonderzug wurde von rund 500 Personen bemitzt. Die bereits bei einein früheren Sonderzna versuchte Neuerung, jedem Reisenden für die Rückfahrt denselben Platz, den er auf der Hinfahrt inne hatte, zu veischaffen, wurde bei diesem Zuge mit vollem Erfolg wieder durchgeführt und fand beim Publikum lebhaften Beifall. Der lvobblq. 381! B. Traven. Oopjrifht bj Buchiueister-Perlag. Setlitt und Leipzig. ' ,i(Schluß.) „3a, das ist es," meinte Mr. Pratt,„Glück muß man, haben. Ueberall. Ob man Vieh züchtet, oder ob man sich eine Frau nimmt."_ Er lachte laut auf und sagte:„Sie. hören Sie einmal, Junge. Wae haben Sie denn mit meiner Frau gemacht?" „Ich? Mit Ihrer Frau?" Mir blieb der Bissen im Munde stecken, und ich bin sicher, ich wurde etwas blaß. Frauen können so wundervoll unkontrollierbar sich benehmen. Sie kriegen zuweilen Einfälle und manchmal Anfälle. Fallen sogar ganz aus heiler Haut heraus in die Beichtwut. Die Frau wird ihm doch nicht etwa was geläutet haben? Sie sah gar nicht so aus, als ob sie alle ihre Geheimnisse an die Glocke hinge. „Als Ihr Telegramm ankam, da war sie wie toll und rief: Da siehst du wieder einmal, was du für ein Nichtstuer bist, und was du für ein überflüssiges Wertzeug bist. Da bringt dieser Junge die Herde rüber, als ob er sie in seiner Basttasche habe, und als ob sie ihm am Satteltnovf hinge. Das ist ein anderer Bursche, dieser r'-ivx:»on of Kitast!" „Um des Himmels willen. Mr. Pratt, Sie werden sich doch nicht etwa scheiden lassen!" „Scheiden lasten? Ich? Warum denn? Wegen so eine? Kleinigkeit?" Er lächelte wieder so eigentümlich. Wenn ich doch nur wüßte, wie er das meint.Kleinigkeit"? Das kann heißen. daß er alles weiß, und das kann auch ebensogut heißen, daß er überhaupt nichts weiß. „Nein," fuhr er fort.„Warum soll ich mich denn scheiden lasten? Haben Sie Angst, daß ich mich scheiden laste?" „Ja." gestand ich. „Warum denn aber? „Weil mich Ihre Frau dann doch heiraten würde. Sie hat es doch ganz offen erklärt." .Llch so. ja. Ich erinnere mich, das hat sie gesagt. Und wenn meine Frau so was sagt, dann tut sie es auch. Da kommen Sie nicht los davon. Junge." Mir wurde ungemütlich zu Mute. Mr. Pratt merkte es, und er fragte:„Warum haben Sie denn da eine solche Angst? Gefällt Ihnen denn ineine Frau nicht? Ich denke doch, daß—" Ich ließ ihn nicht zu Ende reden, denn vielleicht kam jetzt das heraus, was er wußte. Und ich hielt es für bester, diese Angelegenheit in der Schwebe und unentschieden zu lasten. „Freilich. Ihre Frau gefällt mir sogar sehr gut." ge- stand ich. „Kann ich mir denken," sagte Mr. Pratt. Das war nun wieder so. daß es alles und nichts bedeuten konnte. .Sehen Sie, Mr. Pratt," sagte ich nun.„es ist so eine dumme Sache. Ihre Frau gefällt mir sogar sehr. Aber, bitte, lassen Sie sich doch nicht scheiden. Sie vertragen sich dock) so gut. Ich müßte sie ja dann heiraten. Es wäre ja vielleicht so übel nicht. Aber ich weiß doch garnicht, was ich mit meiner Frau, entschuldigen Sie. bitte, was ich mit Ihrer Frau machen sollte." „Na, was man mit jeder Frau macht. Ihr die Freude machen, die sie gern hat." „Das ist es nicht. Es ist etwas anderes. Ich weiß nicht, wie ich mit der Ehe fertig werde." Ich versuchte es ihm klarzulegen.„Ich weiß nicht, wie ich mich da benehmen soll. Ich halte das einfach nicht aus. Ich kann nicht stillhalten. Ich kann nicht stillsitzen, verstehen Sie. Ich muß vagabondieren. Da kann ich doch meine Frau nicht mitschleisen. Ich würde ausrücken, weil ich das nicht vertrage, den ganzen Tag und jeden Tag vor einem ordentlichen Tisch zu sitzen und jeden Tag ein richtiges Frühstück und Mittagesten zu bekommen. Das verträgt auch schon mein Magen nicht. Wenn Sie mir einen Gefallen tun wollen—" „Jeden. Schon erfüllt," sagte Mr. Pratt gut gelaunt. „Lassen Sie sich nicht scheiden, eine so kluge Frau, eine so tapfere Frau. So eine kriegen Sie nie wieder, Mr. Pratt." „Das weiß ich. Deshalb laste ich mich ja auch nicht scheiden. Ich habe nie daran gedacht. Ich weiß überhaupt nicht, wie Sie aus solchen Cabbage kommen. Hopp auf, wir gehen jetzt die Ablösung vom Kontrakt einweichen." Wir zogen ab. Was ist denn da los? So viele Indianerweiber mit ihren Körben habe ich ja nie gesehen. So viele Tortillas zu ver- kaufen? „Was ist denn eigentlich los hier?" fragte ich Mr. Pratt. „Man sieht ja nichts weiter als Tortillas und Tortillas und Tortillas." „Die Bäcker streiken. Die Leute haben kein Brot und müssen Tortillas esten," erklärte mir Mr. Pratt. „He, Mr. Pratt," rief ich da laut, mitten auf der Straße stehen bleibend,„da sehen Sie gleich an diesem Beispiel, wie bitter unrecht Sie und Mr. Shine mir getan haben." „Mr. Shine und ich? Inwiefern?" „Sie haben doch beide behauptet, daß ich mich immer nur um Streiksachen kümmere, und daß überall, wo ich arbeit«, ein Streik losgeht. Hier an dem Bäckerstreit bin ich doch ganz und gar unschuldig. Ich war doch wochenlang gar nicht hier. Wie kann ich denn da etwas mit dem Bäckerstreik zu tun haben?" ,I>as sagen Sie, Gale. Aber nun gehen Sie einmal in die La-Aurora-Böckerei und hören Sie, was Senor und Senora Doux den Leuten erzählen." „Was können denn die Leute von mir erzählen?" fragte ich. „Die behaupten und erzählen es jedem Gast, daß Sie den Streit angezettelt haben. „Das sind nichtswürdige Verleumder, diese Douxens. Ick) habe mit dem Streik gar nichts zu tun. Ich habe für Sie einen Transport gebracht und weiß gar nichts von einem Bäckcrstreit." „Die Douxens aber behaupten, seit Sie dort gearbeitet haben, sind die Arbeiter in der Bäckerei mit nichts mehr zufrieden, nicht mehr mit dem Esten, nicht mehr mit dem Schlafen, nicht mehr mit dem Lohn und nicht mehr mit der langen Arbeitszeit. Und kaum waren Sie fort, ging es los. Zuerst in der La Aurora und dann am folgenden Tage in sämtlichen Bäckereien. Die wollen zwei Pesos Mindestlohn, luftige Schlafräume und achtstündige Arbeitszeit." „Nun will ich Ihnen aber doch die Wahrheit sagen, Mr. Pratt," sagte ich darauf.„Mit dem Streik habe ich wirklich nichts zu tun. Ich habe Ihnen ja schon damals gesagt. als wir uns zum ersten Male trafen und Sie mir das mit- teilten, was Mr. Shine über mich erzählt hat, daß rein zufällig immer da. wo ich arbeite oder wo ich gearbeitet habe, gestreikt wird, sobald ich mich da auch nur umgeseben habe. Dafür kann ich doch aber nicht. Das ist doch nicht meine Schuld, wenn es den Leuten nicht mehr gefällt und sie es bester höben wollen. Ich sage nie etwas. Ich bin immer ganz ruhig und laste immer die andern reden. Aber weiß der Kuckuck, überall, wohin ich komme, behaupten die Leute, ich fei ein Wobbly, und ich versichere Sie, Mr. Pratt, das ist—" die reine und unverfälschte Wahrheit," beendete Mr. Pratt meinen Satz, den ich ganz anders zu beenden gedachte. Aber so geht das immer, wenn einiem die Leute die Worte aus dem Munde nehmen und dann gar noch herum- drehen. Da braucht man sich wahrhaftig nicht zu verwundern, wenn sich die Menschen falsche Meinungen bilden. Sie sollen einen andern auch mal reden lassen. Aber stets und innner müsten sie sich In die Ansichten, die anderen Leuten gehören, hineinmischen. Kein Wunder, daß dann lauter Unsinn heraus» kommt, vor Tag. Eins Straßeiibahnstrccke, auf der zu geryjffen Stunden fa� nur»besseres" Publikum fährt: mit der 75 über Kaiserdamm, Ehar lottenburger Chaussee zum Brandenburger Tor. Jetzt sind die Fahr gaste ausnahmslos Arbeiter und Arbeiterinnen, die Männer mit Schillerkragen oder buntem Vorhemdchsn, den sogenannten„Cheml fettes", die älteren Frauen mit Küchenschürzcn und Umschlagtüchern� die jüngeren in billigen Sommerfähnchcn. Beinah« alle ohne Hut. Dann und wann steigen neue Fahrgäste ein: ehe sie sich ihren Pla suchen, Wünschen sie»Guten Morgen": Stimmen antworten, Köpfe nicken. Wem galt wohl der Gruß? Man sieht sich um: sind das alles Angehörige einer Fabrik? Aber an dieser Haltestelle verläßt eine Frau, an jener ein Mann den Wagen, am Charlottenburger Ufer steigt gleich eine ganze Schar aUd, und wieder klingt der Morgen- grüß hin und her. Und da begreift man und schämt sich. Wir sind uns ja alle so fremd geworden, daß wir immer wieder vergessen� daß wir eine Gemeinde, Kameraden sind, Gefährten nicht nur bis- weilen auf einer kurzen, heiteren Straßenbahnsahrt, sondern ein ganzes hartes, dunkles Leben hindurch. Hier weiß man das noch. Man kennt sich nicht und kennt sich doch, weiß nichts von- einander und doch so viel. Denn ein Schicksal ist hier wie das ander«. Und diese knappe Viertelstunde am Morgen mag manchen dieser Menschen Mut geben für einen langen, mühevollen Tag: er ist nicht ollein. Ueberhaupt scheint es, als habe diese frühe Morgenstunde die Menschen und Dinge einander nähergerückt, die Isolierschicht entfernt, die sonst eins vom andern trennt. Eine lange Reihe Heu- wagen, die die„Linden" herunterkommt, ein Milchwagen mit klappern- den Kannen, der selbst auf diesem spiegelblanken Asphast noch erhebliches Geräusch hervorbringt, scheinen in diesem Augenblick keine Ausnahmeerschcinung in dieser exklusiven Straße. Und selbst den Schupomann hat diese Morgenstunde verändert: sonst Herr über das Heer der eleganten Autos, die auf seinem Wink halten müssen und weiterfahren dürfen, Herr dann und doch Maschine, steht er jetzt an dem Erdloch, aus dem die Kanalisationsarbeiter kaum noch st, st den Köpfen herausgucken, und unterhält sich lebhaft und interessiert über technische Fragen. Die Frau, die gerade mit einem Handwagen, auf dem in einen Käfig wahrhaftig Gänse schnattern, in die Wilhelm- straße einbiegt, ist ja auch auf dem morgendlischen Asphall noch völlig sicher. Doch dann, am Palais des Reichspräsidenten, beginnt der Tag. Vor der geöfjeten Gartenpforte stehen zwei Schutzleute, rechts einer und links einer, stehen und sehen gradeaus. Und neben dem Haustor steht rechts ein Soldat und links ein Soldat, eine Hand am Gewehr, die andere straff an der Hosennaht, starr und stumm. Vom Feldgrau ihrer Uniform und dem Feldgrau ihres Stahlhelms leuchtet spukhast lebendig das Rot der Gesichter und Hände. Arbeitsnachweis unö Arbeitsbeschaffung. , Beschlüsse der gestrigen ZNagislralssihung. Die Vorgänge im Arbeitsnachweis Gormann straße .waren Gegenstand der Beratung des Magistrats. Man erkannte die Notwendigkeit der Verbesserung der räumlichen Zustände in den �Arbeitsnachweisen an und beschloß, die Reparaturen schleunigst durchzuführen. Es wurde ferner erwogen, den Nachweis für Textil- axbeiterinnen in das zweite Stockwerk des Nachweises Gormann- straße zu verlegen. Ein Projekt hierfür wird vom Ländesarbeits- amt innerhalb 8 Tagen vorzulegen sein. Zur Durchführung gründ- licher Verbesserungen genügen aber die alten Räume nicht. Daher soll das Landesarbeitsamt und die Rathausverwaltung innerhalb 8 Tagen Vorlage über kurzfristige Anmietung von Räumen zur Vergrößerung der Nachweise machen. Die seit Monaten im Gange befindlichen Verhandlungen wegen Ankaufs eines eigenen Verwaltungsgebäudes für das Landesarbeitsamt sollen dringend fortgeführt werden.— Der Magistrat beschäftigt sich serner mit der Frage der Arbeitsbeschaffung zur Bekämpfung der Erwerbslosigkeit. Er nahm den vorläufigen Bericht des für die Bearbeitung dieser Fragen bereits vor drei Wochen eingesetzten Magistratsausschusses entgegen. Dieser plant Vorschläge für umfang- -reiche Tiefbauarbeiten, größere Arbeiten in der Stadt- e n t w a s s e r u n g. Durchführung des Prograjpms für neue Wohnbauten, Meliorationsarbeiten, sowie Arbeiten zur Erweiterung der Sportplätze und der Friedhöfe. Die Beschleunigung der Bauten an der Hoch- und Untergrundbahn soll eintreten, sobald die Frage einer hierfür auszunehmende» Anleihe geklärt ist. Die im Haushalt vorge- sehenen Mittel für größere Arbeiten sind bereits freigegeben, soweit Projekte vorliegen. Die Verwaltungen, welche endgültige Projekte noch nicht vorgelegt haben, sind zur schleunigen Vorlage ousge- fordert worden. Die für Schul-Um- und Neubau vorgesehenen Mittel sollen im Einverständnis mit der zentralen Hochbau- und Schulverwaltung sofort freigegeben werden. Die endgültigen Beschlüsse des Ausschusses sollen am Freitag vormittag festgelegt und am Freitag nachmittag in einer außerordentlichen Magistrats- sttzung genehmigt werden. Rücksichtslose Zahlungseintreibung. Man schreibt uns aus Leserkreisen: Bald nach Einführung der Festmark ging auch die Nähmaschinen- strma Singer u. Co. dazu über, wieder, wie in der Vorkriegszeit. Nähmaschinen aus Teilzahlung a» die minderbemitteste Bevölkerung abzugeben. Es wurde ausdrllckkich durch die Filialleiter erklärt, daß be«. Erwerbslosigkeit und Krankheit die größte �uck st cht geübt werden würde. Um so mehr muß es in der Oeffentlichkeit bekannt werden, daß die Firma sich jetzt nicht scheut. trotz der Dauererwerbslosigkeit von Hunderttausenden mit aller Strenge gerichtlich gegen'diese Aermsten der Armen vorzugehen. Wie aus einer Aufstellung hervorgeht, hat ein Käufer einer Singer- nahmaschme bis zu seiner Erwerbslosigkeit pünktlich die ver- einbarte Rate geleistet und auch bis Erhalt des Zahlungsbefehls led«n Monat von seiner Erwerbslosenunterstützunq noch Teil- l-n 112®" entrichtet. In diesem Fall betrug der Kaufpreis 380 M. 310 M. waren bereits bezahlt. Trotzdem wurden laut Zahlungsbefehl noch 46 M. als R e st s ch u l d eingeklagt, wenn auch der Vertreter der Singer Co. beim Amtsgericht Berlin-Mitte in dem angesetzten Termin dann seine Forderung auf die wirkliche Schuld von 20 M. ermäßigte. Cs scheint angebracht, zu empfehlen, beim ,?uf von Singernähmaschinen sich vorher schriftlich bestätigen zu lassen, daß bei unverschuldeter Notlage auch wirklich Rücksicht geübt wird, um später nicht bitter enttäuscht zu werden und obendrein noch Genchtskostcn zahlen zu müssen. «»ahnenweihc in OsthavellanL. Am letzten Sonntag fand in B ö tz o w(Osthavelland) die�Fahnen- roeche der dortigen Ortsgruppe des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold statt, zu der sich mehrere tausend Republikaner einqe- funden hatten. Im Namen des Kreises Osthaoelland sprach der Landrat des Kreises, Staatsminister a. D. Genosse Siering, warmherzige Begrüßungsworte. Die Festrede hiest Genosse Robert ,™ 11® r- Das Reichsbanner, führte er u. a. aus, ist eine lebende Mauer, die schützend die freihettlich« Republik um- gibt. Jede Ortsgruppe in dieser Mauer ist ein Turm, von dem dos Warnungssignal tönt, wenn es irgendwo im Lande die Reaktion ver- suchen würde, diese Mauer zu durchbrechen. Die Fahnenweihe nahm Kamerad, S chn e i d e r vom Gauvorstand vor. Me Farben des großdeutschen Bonners schwarzrotgold sind für uns mchr als ein bloßes Symbol. Sie bilden für uns dieZusammenfassung all dessen, was uns in, Kamps um die Republik beseelt. Gleichzeitig gedachte er de-- Toten der Republik. Mit finan grotzeu Umzug jand die Feier ihren Abschluß, Ilmtturm-Einftmz am Nagöeburger Platz. Keine Personen verletzt. Einer der beiden Funktürme des Versiner Rundsunksenders aus den Häusern der Rütgers-Werke, Lühowstrohe 33/36, ist gestern nachmittag durch einen starken Windstoß aus seiner Verankerung gerissen worden und e i n g e st ü r z t. Die Trümmer des etwa 20 weter hohen Turmes fielen aus die in dieser Zeit ziemlich belebte Straße, ohne einen der Passanten zu verletzen. Es dauerte längere Zeit, bevor es der Feuerwehr gelang, die schräg an die Hausmauer gelehnten Reste des Turmes aus ihrer für den Verkehr so gefährlichen Lage zu entfernen, wir erfahren über den Unfall folgende Einzelheiten: Auf dem Dach des Hauses Lützowstraße 33/36, das den Rütgers-Werken gehört, und dem des Nebenhauses, Lützow- straße 32, befinden sich zwei etwa 20 Meter hohe Gittertürme, zwischen denen die Sendeantenne gespannt ist. Gegen 2 Uhr nachmittags wurde vermutlich durch den zeitweise einsetzenden Sturm der eine der Türme so stark erschüttert, daß ein haltedraht- seil, das mehrfach verankert war. plötzlich riß. Der 23 Meter hohe Holzmast verlor das Gleichgewicht, senkte sich langsam über und stürzte, die anderen Halteseile mit sich reißend, aus die Straße. Der Turm durchschlug das Dach des Hauses und prallte mit dem einen Ende gegen das Mauerwerk des dritten Stockwerkes, in dem sich die Bureaus der Gaskoks-Ausfuhr-Dsrwertungsgesellschast und der Wirtschaftlichen Vereinigung deutscher Gaswerke befinden. Ein Teil des Daches wurde vollständig eingedrückt und wie durch ein Wunder blieb eine große Anzahl von Arbeitern, die in den Dach- geschoßräumen Umbauarbeiten vornahmen, unverletzt. Im Stürzen schlug der Hinterteil des Mastes gegen einen vorspringenden Mauerteil des dritten Stockwerkes. Hierbei wurden die Fenster- kreuze, ein Teil des Mauerwerkes und die Glasscheiben in das Innere des Raumes geschleudert. Das Mauerwerk zeigt an zahl- reichen Stellen erhebliche Risse. Glücklicherweise war in dem Zimmer, wo sonst zwei Stenotypistinnen arbeiten, niemand anwesend. Wenige Sekunden vorher hatten die Mädchen den Raum verlassen. Von einer Ange st eilten wird uns folgendes geschildert: Es war kurz nach 2 Uhr, als ein donnerartiges Gepolter ertönte. Alles nahm zuerst an. daß ein Blitzschlag das Haus getrosfen habe. Die Mauern erbebten in ihren Grundsesten, es gab ein Klirren, als ob eine Explosion stattgefunden hätte. Gleichzeitig schlugen aus der elektrischen Leitung Stichflammen. Allen in den Räumen Be- schöftigten bemächtigte sich eine Panik. Man glaubte zuerst an einen Blifcschlag, da aus der elektrischen Leitung größere Stich- flammen schlugen. Erst als sich die Erregung etwas gelegt hatte, erfuhr man, daß der auf dem Dach des Hauses befindliche Funk- mast in die Tiefe gestürzt war. Ein auf dem Dach befindlicher Schornstein wurde in die Tiefe gerissen. Die Feuerwehr wurde sofort alarmiert und erschien mit mehreren Zügen unter Leitung des Baurats Noock an der Unfall- stelle. Gleichfalls wurde ein größeres Aufgebot von Schutzpolizei- beamten alarmiert, die Absperrungen vornahmen. Zunächst wurden die zerrissenen Drähte des Mastes, die sich über die Oberleitung der Straßenbahn gelegt hatten, heruntergeholt. Mit einer mecha- nischen Leiter wurden an dem einen Ende des abgestürzten Mastes Seil? befestigt, und mit Hilfe eines Flaschenzuges wurde der Mast, der schräg gegen das Haus gelehnt war, herabgezogen. Das Ende des Mastes in einer Länge von etwa fünf Metern und einem Durchmesser von etwa einen Ouadratmeter war total zersplittert. Ein Radfahrer, der im Augenblick der Katastrophe die Stelle passierte, kam unversehrt davon. Auch ein Arbeiter, der sich mit seinem Handwagen hier befand, konnte sich rechtzeitig in Sicherheit bringen. Erkt vor sechs Wochen soll eine Kontrolle der Masten und der Drähte stattgefunden haben. Die Prüfung wurde von der Firma vorgenommen, die den Mast seinerzeit errichtet hatte. Weit schlimmer wäre das Unglück unzweiiÄhost verlaufen. wenn der eiserne F u n k m a st, der sich aus dem Doch des Hauses Lützowstraße 32 befindet, umgestürzt wäre. Die Bau- polizei erschien an der Unfallstelle und nahm ein« eingehende Untersuchung vor, die'bis zur Stunde noch nicht abgeschlossen ist. Die Bauarbeiter, die im fünften Stockwerk beschäftigt waren. erzählen, daß ihnen während des ganzen Vormittags starke Er- schütteningen der Turmkonstruktion aufgefallen wären. Sie gingen der Ursache aber nicht weiter nach, bis dann gegen 2 Uhr der Mast unter einem donncrartigen Getöse einstürzte. Der Rundfunkbetrieb wird durch diesen Unfall nicht gestört, da die Darbietungen bis zur Wiederherstellung dieses Senders über Witzleben auf Welle 504 verbreitet werden. Möglicherweise werden nur die Rundfunkhörer, die in der Nähe des Magdeburger Platzes wohnen, einen etwas schlechteren Emp- fang als sonst zu verzeichnen haben. * Ein drohender Gerüsteinsturz beschäftigte die Feuerwehr ferne? in der C h a u s s e e st r a ß e. Die Türme auf dem Dache des Kauf- Hauses W. Stein sollten dort ausgebessert werden. Zu diesem Zwecke waren zwei große Gerüste aufgestellt worden. Bei dem Sturm, der gestern nachmittag herrschte, drohten die Gerüste auf die Straße zu stürzen. Die Feuerwehr wurde alarmiert und baute die Gerüste ob. Die Polizei sperrte die Straße für jeden Verkehr. Schnelljustiz und soziale Gerichtshilfe. Ein notwendiger Vorschlag. An dieser Stelle ist immer und immer wieder betont worden, daß es so, wie der Einzelrichter der Schnelljustiz am Polizeipräsidium seine Tätigkeit ausübt, nicht weiter gehen kann. Hier wird Vernunft nicht selten Unsinn, Wohltat Plage. Die Vorteile der schnellen Aburteilung sind oft genug hervorgehoben wor- den, sie sollen auch im Augenblick nicht verkannt werden. Das Bestreben, menschlich zu urteilen, das in vielen Fällen besteht, ist auch oft genug unterstrichen worden. Und trotzdem: so darf es nicht weitergehen. Die Schnelljustiz verlockt zu unvertretbaren Urteilen: die Unvollkommenheit des Ermitt- lungsapparates hindert den Richter, in seinen Urteilen der Persönlichkeit des Angeklagten und dessen Verhältnissen Rechnung zu tragen. So entstehen zwei Forderungen: Einmol muß die gesetzliche Möglichkeit gegeben werden, nach der ersten richterlichen Vorführung die Sache, falls nötig, für einige Tage auszusetzen, damit die Ermittlungen über die Persönlichkeit des Angeklagten gemacht werden könnten: zum anderen muß dafür gesorgt werden, daß Für- orgeorgane die Recherchen über die Persönlichkett des An- geklagten übernehmen und sich des Angeklagten, wenn nötig, auch nach der Verhandlung annehmen. Das, was das Jugendamt hin- 'ichtlich der jugendlichen Angeklagten, und die Frauenhtlssstelle hin- ichtlich der angeklagten gefährdeten jungen Mädchen leistet, müßte Aufgabe der sozialen Gerichtshilfe in all den Fällen werden, wo Ermittlungen und Hilfe notwendig sind. Augenblicklich ist es ober o, daß selbst das Jugendamt wegen der Kürze der Zeit, die ihm zwischen Einliefening des Rechtsbrechers ins Polizeipräsidium und einer Aburteilung zur Verfügung steht, nicht in die Lage kommt, die nötigen Recherchen zu machen. Vielleicht wäre es aber möglich, daß ein sozialer Beamter, auf Grund von Vereinbarungen zwischen Jugendamt, Wohlsahrtsstelle am Polizeipräsidium, Frauen- hilssstelle und sozialer Gerichtshilfe, die ihren Sitz in Moabit hat, alle diese Organe in seiner Person vertritt und einerseits die nötigen Ermittlungen vor der Verhandlung vornimmt, andererseits der Gerichtsverhandluna von Anfang bis zu Ende beiwohnt, damit in allen Fällen, wo Hilfe im Interesse des Angeklagten und der Ge- ellschaft notwendig wird, eingegriffen werden kann. Es genügt schon an einem Tage, etwa 10 Gerichtssachen über sich ergehen zu lassen, um sich davon zu überzeugen, daß nicht selten geHolsen werden könnte, und daß den Angeklagten durch das bloße Verurteilen ohne Rücksicht auf die Folgen der Strafe immer wieder Unrecht geschieht. Ganz anders könnte aber der Richter urteilen, wenn er aus Grund vorhergegangener Recherchen über die Persönlichkeit der Angeklagten mehr wüßte und deren Angaben richtig einzuschätzen in die Lage kgme. Das geben Staatsanwälte und Richter auch elbst zu. Es wäre notwendig, daß der soziale Beamte seinen Sitz am Polizeipräsidium selbst hätte, die Akte» sofort nach der Ver- nehmung der Eingelieferten zur Bearbeitung bekäme und in allen Fällen, wo es irgendwie von Vorteil erscheint, die Ermittlungen über die Persönlichkeit des Angeklagten übernehme. Dies könnte durch telephonische Anfrage an die Polizeireviere oder Bezirksämter ge- chehen, die die Resultate ihrer Recherchen entweder am selben Tage je nachdem, schriftlich oder telephonisch, mitzuteilen hätten. So wäre der soziale Beamte imstande, bereits am nächsten Tage dem Gericht über die Persönlichkeit des Angeklagten Auskunst zu erteilen. Schwieriger würde sich die Lage in den Fällen gestalten, wo es sich um Auswärtige handelt. Natürlich müßte der soziale Beamte auch Sprecherlaubnis mit dem Eingelieferten haben. Die soziale Gerichtshilfe oder wie sie sich nennt, Ge- richtshilfe für Erwachsene, ist erst im Entstehen begriffen. Beim Schnellgericht erwächst ihr aber eine äußer st dankbare Tätigkeit, deren Inangriffnahme ohne weiteres möglich wäre. Der neueste Erlaß des preußischen Justizministers, der von den Staatsanwätten und Richtern peinlichste Berücksichtigung der per- önlicheu Verhältnisse des Angeklagten fordert, muß beim Richter >er Schnelljustiz, so wie er heute ist, allzu oft ein bedeutungsloses Blatt Papier bleiben. Daß er aber verwirklicht werde, dafür könnte die soziale Gerichtshilfe sorgen. Das Rosc-Theater hat sich seit langen Iahren wacker behauptet. Man erfreute sich gerade im letzten Winter an der zwar literarisch nicht sehr anspruchsvollen, aber doch mtt wenigen Ausnahmen ge- unden geistigen Kost, die hier geboten wurde. Nun aber scheint >ie Gartenbühne andere Bohnen einschlagen zu wollen. Edmund Binder, der hier für die Regie verantwortlich zeichnet, bevor- zugt ausgesprochenen Kitsch. Die„F ö rst er- C h r i st l", deren entimentale Melodien in einer orden- und uniformseligen Zeit immerhin noch ihr Publikum fanden, wirkt hier in der Berliner Arbeitergegend nicht nur geschmacklos, sondern geradezu wie ein offener Hohn, Das Rofe-Theater sollte es sich wahrssch restlich über- leöey» ehe es jeujen bisher löblichen Kurs.ändert,«Der Kaiser Kill mit mir tanzen— der Kaiser: ein höheres Glück gibt es nicht mehr" — es ist ein Wunder, daß bei solchen Sätzen, die stellenweise den ganzen Dialog überhaupt ausmachen, den Schauspielern nicht bereits bei der Leseprobe schlecht wurde. Der erfolgreiche Heiratsschwindler. Er findet immer wieder Gläubige! Vor dem Schöffengericht erschienen gestern in großer Zahl Frauen und Mädchen als Zeuginnen gegen den an- geblichen Opernsänger Julius Mendel. Sie waren sämtlich die Opfer dieses gewerbsmäßigen Heiratsschwindlers, der fein Ge- werbe schon seit Iahren betreibt und immer wieder dafür ins Ge- fängnis, zuletzt sogar ins Zuchthaus gekommen war. Ob Mendel wirklich, wie er angab, Opernsänger von Beruf ist, tonnte das Ge- richt nicht feststellen: er behauptete, daß er seit langem beschäfti- gungslossei. Daer auch mit nur ganz kurzen Unterbrechungen feit vielen Jahren. ständig hinter Eisengsttern zugebracht hat. muß es auch schon sehr lange her sein, daß er seine Gesangskünst« öfsentlick) gezeigt hat. Die Aussicht, Gattin eines Tenors an der Staatsoper zu werden, lockte aber eine ganze Anzahl von Frauen und Mädchen. Unter allen möglichen Vorspiegelungen oerstand es der Operntenor, von seinen„Bräuten" Geld zu erschwindeln, um sich aus „augenblicklicher Verlegenheit" aushelfen zu lassen. Eine jung« Schneiderin wurde von ihm völlig ausgeplündert. Ihr gegenüber hatte er sich zur Abwechslung als Oberingenieur bei einer Elektrizi- tätssirma mit 1500 Mark Monatsgehalt ausgegeben. Nachdem er ihr schon beträchttiche Summen abgenommen hatte, erzählt« er, daß er von seiner Firma nach Spanien versetzt worden sei und sie nun schnell heiraten wolle, damit sie chn als fein« jung« Frau nach dem sonnigen Süden begleiten könne. An dem Tage hatte er gerode wieder nicht zur Bank gehen können und war daher ohne Geld. Das betörte junge Mädchen gab ihm noch das letzte Geld, das sie für Geschäftseinkäufe zurückgelegt hatte. Dann hörte sie nichts mehr von ihrem Zukünftigen. Der Angeklagte sucht« sich damit zu verteidigen, daß er für seine alte Mutter und für seine gelähmt« Schwester hält« sorgen müssen und daher nur aus Not gehandelt habe. Seine letzte„Braut" belehrte aber das Gericht, daß auch das Schwindel fei. Gerade seiner armen Schwester hätte er die letzten Sachen aus dem Spind gestohlen und zu Geld gemacht. Das Schöffengericht Mitte erkannt« gegen ihn auf drei Jahr« Zuchthaus und fünf Jahre Ehroerltsst. sowie 600 Mark Geldstrafe, wofür ein weiterer Monat Zuchthaus bei Nicht- zahlung in Kraft treten soll._____ Autorennen und Autoindustrie. Vom Reichsverband der Automobilindustrie E. V. Berlin er- halten wir eine Zuschrift zu dem in der Morgenausgabe vom Diens- -tag, den 13. Juli, erschienenen Artikel„Fort mit d e r A v u s- Bahn!", in dem u. a. auch die Stellungnahme eines Arbeit- nehmers aus der Automobil- und Motoren-Induftrie über die Auto- rennen wiedergegeben war. In der Zuschrift heißt es:„Ohne zu dem übrigen Inhalt dieser Aeußerung, die sich in vielem mit unseren Ansichten deckt, Stellung zu nehmen, müssen wir jedoch aufs ent- schiedenste Verwahrung gegen den Vorwurf einlegen, daß die privat- wirtschaftliche Automobilindustrie aus Reklamegründen, die sie mit jedem Preis, auch mit Menschenleben bezahlt, das Rennen auf der Avus-Bahn veranstaltet hat. Die deutsche Automobilindustrie, die im übrigen mit der Veranstaltung des Rennens gar nichts zu tun hatte, hat sich lange gegen jegliche Beteiligung an Automobilrennen geweigert. Erst die immer dringlicher werdenden Stimmen von allen Seiten und der Presse haben die deutsche Automobilindustrie veran- laßt, ihre strikte Ablehnung der Automobilrennen auszugeben." Tödlicher Betriebsunsall bei Siemens. triebsunfall ereignete sich vor einigen Siemenswerken in Siemensstadt. In Ein schwerer Be- Tagen in den einer Montagehalle l.euie. die Coffein nicht vertragen, aber den Genuß von Kaffee nicht entbehren mögen, sind In der glücklichen Lage, im Kaffee Hag einen wertvollen Ersatz zu haben. Der Kaffee Hag Ist ein Kaffee vorzüglicher Qualität, dem das Coffein, also der Giftstoff, bis auf Souren entzogen ist. ohne daß der Geschmack dadurch im mindesten leidet serhihte der 27jährige Kranführer Artur Geyer aus der Binzftraße 51 zu Berlin den fahrenden Kran zu über. flettern. Hierbei geriet er mit dem Kopf zwischen zwei Eisenträger und wurde so schwer verletzt, daß der Tod auf der Stelle eintrat. „ Verbrecherjagd!" Attentat eines Wachtmeisters auf einen Geschäftsreisenden. Wachtmeister Haase ist ein untersetzter Mann mit gutbeschnittenem Zwirbelbart, der aussieht wie einer, der es zu seinem größten Kummer nicht bis zum Vizefeldwebel gebracht hat. Er ist die fleisch gewordene Ordnungszelle. Aber auch Ordnung vermag fürchterlich zu werden, wenn sie in Buckow zur Jagd auf Geflügeldiebe stationiert ist. Polizeihauptwachtmeister Haase stand vor der 2. Ferienstraffammer des Landgerichts II unter der Anklage der Mißhandlung im Amt. Die Verhandlung begann mit einer symbo. lischen Ouverture: der Vorsitzende ersuchte den Vertreter des„ Bormärts", sich in den Zuschauerraum zu begeben und verwehrte ihm seinen Platz am Bressetisch. Diese Schikane suchte man mit der Ausrede zu motivieren, daß am Landgericht II besondere Karten für die Presse ausgegeben würden. Am 23. Dezember 1924 tam der Raufmann Erich Krautter abends gegen 7 Uhr mit seinem Motorrad von Zerbst auf der Fahrt nach Berlin durch Buckow. Auf der dunklen Chaussee schrie ihm jemand" halt" zu, gleichzeitig sprang Krautter ein auf den Mann dressierter Hund an. Krautter dachte zuerst an einen Ueberfall, fah aber dann den Polizeibeamten Haase, der ihn mit den Worten: Da haben wir ja den Verbrecher. Romm mit!" den Revolver an die Schläfe setzte und für verhaftet erklärte. Der Beamte führte Krautter auf ein Gehöft, wo er ihn unter den ermunternden Worten:„ Hier bleibst du stehen, feinen Schritt weiter oder nochmals mit dem Revolver drohte. In der Stube hantierte der tüchtige Beamte munter weiter mit dem Schießinstrument, versuchte Krautter zu backpfeifen und begann ihn zu vifitieren. Im Laufe dieser merkwürdigen Visitation befahl er dem Kr. die Stiefel auszuziehen, angeblich, weil in fie eine Geheimsprache eingerigt sei. Nach dieser Feststellung wurde Haase immer aggressiver, beteuerte erregt, den Verbrecher Bucows gefaßt zu haben und fchlug schließlich dem ihm wehrlos Ausgelieferten mit dem Revolverlauf in die Zähne. Krautter sollte dem Haase unbedingt seine„ Komplicen verraten". Auch mit dem Stiefelabsatz hat H. den jekt als 3augen auftretenden Krautter mißhandelt. Auf der Wache flärte sich der Mißgriff des Haase im Handumdrehen auf, ein Anruf bei dem Chef des R. genügte, um den Schwerverbrecher" zu rehabilitieren. Kr. stellte gegen den Haase nunmehr Strafantrag. Das Grotesfe an Haases Heldenattacke auf harmlose Bürger war jedoch, daß gegen den überfallenen Kr. Strafantrag wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt gestellt murde, ein Verfahren, das eingestellt werden mußte. In erster Instanz wurde daraufhin der in Anklagezustand versetzte Polizeibeamte zu 100 m. GeldStrafe verurteilt. Zur Berufungsverhandlung hatte man viele Zeugen und zwei Gutachter aufgeboten. Um 9 Uhr begann die Verhandlung und endigte erst in den Nachmittagsstunden. Krautter als Zeuge betonte, daß er den H. für schwer betrunten gehalten habe. Er sei unsicher auf den Beinen gewesen und habe gelallt. Im übrigen fei er an dem Unglücsabend ständig in höchster Lebensgefahr ge mesen. In seinem alkoholisierten, erregten Zustand wäre Haase nicht Herr feiner Sinne gewesen. Es folgte eine gedehnte Beweis auf nahme, in der u. a. die dienstlichen Vorgesetzten des Haase den ,, alten Soldaten" und pflichttreuen Beamten" lobten. Der Staatsanwalt beantragte schließlich Verwerfung der Berufung, einen Monat Gefängnis sowie Aberkennung der Fähigkeit zur Bekleidung öffent: licher Aemter auf drei Jahre. Das Gericht sprach höchst verwunder licherweise den Haase mangels genügender Beweise" frei und fam fehr gemunden darauf hinaus, dem Zeugen Krautter erhebliche Er. regung zu attestieren. Das Urteil erscheint äußerst anfechtbar. Der Pflanzerverein„ Scherbenede" E. B., Berlin- Reinickendorf. " Oft, Provinzstraße Ede Rühnemannstraße, hatte am Sonntag, den 11. Juli 1926 fein Sommerfest verbunden mit Bannerweihe. Zu diesem Fest waren von dem Vorstand des Vereins aus den Kreisen armer bzw. arbeitsloser Familien 150 Rinder geladen, welche von den einzelnen Kolonisten auf das denkbar Beste verpflegt und bewirtet wurden. Fast jedes der Kinder erhielt zum Abschied ein fleines Geschent. Als nachahmenswert sehr den Pflanzervereinen zu empfehlen. Das Wohlfahrtsamt Reinickendorf sandte zu dieſem Fest einige Bertreter der Arbeiterparteien. Bolfsvorstellungen für Minderbemittelte in der Städfifchen Oper. Bie bereits mitgeteilt, ist die Städtische Oper verpflichtet worden, eine weitere Reihe von Wolfsvorstellungen in der Beit vom 21. Auguft bis 3. Sep. tember 1926 täglich zu veranstalten. Der Spielplan für dieje Bor stellungsreihe wird nachstehend befanntgegeben: Sonnabend, 21. Auguft, Rauberflöte". Sonntag, 22. August, Hoffmanns Erzählungen". Montag, 23. August, Bar und Zimmermann". Dienstag, 24. August," Carmen". Mittwoch, 25. August, Der fliegende Holländer". Donnerstag, 26. Auguft, Hoffmanns Erzählungen". Freitag, 27. Auguft, Bar und Zimmermann". Sonnabend, 28. Auguft, Der fliegende Holländer". Sonntag, 29. Auguſt, Carmen. Montag, 30. August, Bohème". Dienstag, 31. Auguft, Sauber fote. Mittwoch, 1. September, Hoffmanns Erzählungen". Donnerstag, 2. September, Fledermaus". Freitag, 3. September, Freischüt". Be ginn 7, Uhr abends. Berechtigungskarten für diese Vorstellungen zum Preise von 1,50 M. für alle läge einschließlich Garderobe und Zettel sind elia von Mitte Juli ab bei den Bezirksvolksbildungsämtern und deren Berkaufsstellen zu haben. Borbestellungen werden schon jest entgegen. genommen. Die Blazfarten werden am Vorstellungsabend in der Dper berloft. Das Arbeiferfulfur- Kartell Groß- Berlin veranstaltet im Winter 1926-27 vier große Sinfonietonzerte im großen Saal der Philharmonie, Bernburger Str. 22. Das Programm lautet wie folgt: 1. Konzert: Sonnabend, den 9. Dftober 1926, abends 7, Uhr. Stra minsti: Gejang der Bolgajchiffer. Für Blasorchester( Erstaufführung). Beethoven: Klavier- Stonzert Es- Dur. Mahler: Erfte Sinfonie. 2. Nonzert: Montag, den 27. Dezember( dritter Weihnachtstag) abends 71, Uhr. Rob. Seb. Bach: Brandenburgisches Konzert Nr. 3. Mozart: Sinfonie D- Dur( Jupiter). Honegger: Pacific 231. Richard Strauß: Till Eulenspiegels luftige Streiche. 3. Konzert; Sonntag, den 27. Februar 1927, nachmittags 31, Uhr. Cherubini: Ouvertüre zu„ Der Wasserträger Echönberg: Berflärte Nacht( für Streich orchester). Schubert: Sinfonie C- Dur. 4. Konzert: Sonnabend, den 19. März 1927, abends 7, Uhr. Beethoven: Duvertüre an Coriolan". Brahms: Biolinkonzert. Beethoven: Sinfonie Nr. 3( Eroica). Mufitalische Leitung: Kapellmeister Jascha Horenstein. Solisten: Prof. Arthur Schnabel, Klavier. Prof. Gustav Havemann, Bioline. Das Philharmonische Drchester. Die vier Konzerte toften im Abonnement 5 M. Abonnementslisten liegen aus in allen Gewerkschaftsbureaus, im Bureau des Bezirksbildungsausschusses, bei den Funktionären der Bewerkschaften, den Dbleuten der Kreisbildungsausschüsse, Bigarrengeschäft Horsch, Engelufer 25-26, Tabakvertrieb der G.E.G., Insel firage 6 und in der Vorwärts Filialen. F S Z " " Das Ende der Schildbürgerei. Am Plaz der Republik", dem früheren Königsplay", sind nun auch die Straßennamenschilder Straße am Königs play" verschwunden. Nachdem vor jetzt vier Wochen die Platznamenschilder mit der neuen Bezeichnung Plaz der Republik" endlich aufgestellt worden waren, ließ man an der Nordseite des Plazes straße fäumenden Namenschilder Straße am Königsplay" unverdie dort den Fahrdamm von der Herwarthstraße bis zur Hinderfin ändert. Im Bezirksamt des Verwaltungsbezirkes Tiergarten", zu dem der Blaz der Republik" gehört, schien man sich zunächst wenig dadurch gestört zu fühlen, daß über den Schildbürgerstreich, behalten, jich in Berlin ein allgemeines Gelächter er am Plaz der Republik" noch eine„ Straße am Königsplay" beizuhob. Aber inzwischen haben wohl die verantwortlichen Personen, veranlaßt durch die Feststellungen des„ Borwärts", fich aus den Aften überzeugt, daß es von Rechts wegen niemals eine Straße am Königsplay" gegeben hat. Diese Bezeich mung, für die niemals die vorgeschriebene Genehmi. gung nachgesucht oder gegeben worden ist, hätte schon vor der Revolution ohne weiteres beseitigt werden können. Die Bezeichnung ist infolge eines Irrtums für eine amtlich genehmigte gehalten worden, und irrtümlich sind die Namenschilder an dem Fahrdamm aufgestellt worden, der gar nicht mal eine wirkliche Straße, sondern ein Teil des Blazes ist. Im übrigen war es selbstverständlich, daß ständen noch eine„ Straße am Königsplay" geben fonnte, was man es an dem neubenannten Platz der Republit" unter feinen Um freilich im Bezirksamt Tiergarten nur langsam eingesehen hat. Jetzt ist der Straßennamen überhaupt beseitigt und da für überall der Playname Play der Republit" eingeſetzt worden. Der schwarzweißrote Bürgermeister vom Bezirk Tier Schilda" auf die Nachwelt zu kommen. garten war nahe daran, mit dem Titel eines Bügermeisters von " " Bom Hochspannungsmaft gestürzt. Gestern nachmittag wurde die Feuerwehr nach der Landsberger Chauffee Ecke Weißenseer Weg gerufen, wo in etwa 20 Meter Höhe ein Mann am Mast in auf FUNK WINKEL 0 Gerhard Pohl leitete die Knut Hamsun Feier mit einem feinsinnigen Vortrag ein. Ohne den Ehrgeiz, Undeutbares deuten zu wollen, führte er die große Funkhörerschar zu dem norwegischen Träumer hin. An biographischen Ausschnitten zeigte Erleben und Traum, die die Bunderwelt seiner Werte erfüllt und er die Parallelität, die Einheit zwischen Leben und Schaffen, zwischen fie aus dem engen Rahmen des Wortes, des Buches herauswachsen läßt, in eine phantastische Wirklichkeit. Maria Fein las dann Abschnitte aus Hamsuns Werken„ Das Wunder des Lebens" und ,, Das Wunder der Liebe", wie sie Hamsun begriff, die dunkle Berträumtheit des Dichters und doch seine tiefe Kenntnis des Menschen herzens wurden in der guten Auswahl lebendig, die Maria Fein geschmackvoll in disziplinierter Sprache und ohne allzu stark betonte Empfindung übermittelte. In der letzten halben Stunde des Abends brachte das Funforchester unter Wilhelm Buschfötters Leitung Raffs große Sinfonie im Walde". Die stimmungsvolle Aufführung des Werkes, das vor kaum einem Menschenalter in der musikalischen Welt Aufsehen erregte und heute fast vergessen ist, war ein guter Abschluß der Darbietungen. Aus der Reihe der Vorträge des Tages sei besonders die Rundschau für Blumen- und Gartenfreunde von Gartendirettor Ludwig Lesser erwähnt, die durch die anregende und anschauliche Art des Vortragenden sicher ſelbſt vielen Hörern Freude bereitet hat, die aus Mangel an eigenem Grund und Boden praktischen Nutzen daraus nicht ziehen konnten. Das Rundfunkprogramm. Donnerstag, den 22. Juli. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 12 Uhr mittags: Die Viertelstunde für den Landwirt. 4.30 Uhr nachm.: G. Bamberger: Schnurren aus dem Volksleben"( In Berliner MundLeitung: Konzertmeister Franz v. Szpanowski. Anschließend: Ratschläge fürs Haus, Theater- und Filmdienst. 7 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung Technik. Prof. H. Großmann: Feuergefährliche Flüssigkeiten und ihre Handhabung". 7.25 Uhr abends: Martin Reepel, Stettin:„ Vom Königsstuhl auf Rügen bis zu den Wanderdünen Ostpommerns". 7.55 Uhr abends: Regierungsrat Koch:„ Die Vereinheitlichung des deutschen Luftverkehrs". 8.30 Uhr abends: Detlev v. Liliencron( Ernst Pröckel, Rezitation). 9 Uhr abends: 1901-1926. Altes und Neues. Für den Rundfunk bearbeitet und textiert von Franz S. Bruinier und Stefan Weintraub. Mitwirkende: Käte Liebau und Henry Peters- Arnolds; August H. Bruinier; Franz S. Bruinier; Julius A. Bruinier und Weintraubs Syncopators. 1. Walzer- Boston: a) Meyer- Helmund: Ballgeflüster, b) Chas. Rosoff: When you and I where seventeen. 2. Rheinländer- Foxtrott: a) Maas: Ach, mir ist so Juisi, quasi, b) D. Ringle: Susquehana home. 3. LändlerBlues: a) Oberbayerischer Bauerntanz, b) Murphy u. Gorney: He's the hottest man in town. 4. Polka- Shimmy: a) Philipp: Molly, mein kleiner Nigger, b) Walter Donaldson: Yes, Sir, that's my baby. 5. Zwei Duette, einst und jetzt: a) Viktor Holländer: Willst du mein Cousinchen sein? b) Lorenzo und Whiting: Nur Unter dem Sternenbanner, b) Herscher u. Berk: Down homedu und ich( Marcoll u. Schiffer). 6. Marsch- Blues: a) Sousa: Blues. 7. Spanischer Walzer Spanischer Foxtrott: a) Wald-| teufel: Estudiantina, b) José Padilla: Valencia. 8. Polka- Mazurka Tango: a) Louis Ganne: Schön- Japan, b) Isham Jones: Spain. 9. Galopp- Charleston: a) Eberle: Sekt- Galopp, b) Mack u. JohnLockhart u. Seitz: Die Welt in Erwartung des Sonnenaufgangs son: Original Charleston. 10. Gesang und Tanz, einst und jetzt: ( Nach dem Amerikanischen, The world ist waiting for the sunrise"). Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten. Theater- und Leitung: Kapellmeister Otto Kermbach). Filmdienst. 10.30-12 Uhr abends: Tanzmusik( Kapelle Kermbach. Königswusterhausen, Donnerstag, den 22. Juli. art). 5-6.30 Uhr nachm.: Nachmittagskonzert der Berl. Funkkapelle. 3-3.30 Uhr nachm.: Professor Dr. Amsel u. Oberschullehrer Westermann: Einheitskurzschrift. 3.30-4 Uhr nachm.: Ministerialrat Dr. Richter: Vom Ausgang und Sinn der Jugendbewegung. 4-4.30 Uhr nachm.: Direktor Picht: Blindenberuf und Blindenfürsorge. 4.30-5 Uhr nachm.: Mitteilungen des Zentralinstitutes. 5-5.30 Uhr nachm.: Mizzi Donner: Gardinen und Vorhänge und deren Herstellung für Stadt- und Landwohnungen. 8.30 Uhr abends: Uebertragung aus Frankfurt a. M. fälliger Weise herumfletterte. Beim Erscheinen der Feuerwehr stürzte er sich plötzlich vom Mast herab und blieb mit einem Schädelbruch schwer verletzt liegen. Er murde nach dem Sankt- Hubertus- Krankenhaus geschafft, wo er furz nach der Einlieferung verstarb. Der Tote wurde als der 33jährige Arbeiter Friz Mohrenberg aus der Carmen- Sylva- Str. 60 zu Berlin festgestellt. Die bisherigen Ermittlungen haben ergeben, daß N. rühren der Starkstromleitung den Tod fuchen wollte. Die Leiche wahrscheinlich in selbstmörderischer Absicht durch Bewurde beschlagnahmt. Empfang der Freien Typographia Wien am Anhalter Bahnhof. Freien Typographia" aus nach neuerlichen Mitteilungen trifft der Sonderzug der Wien am Freitag vor= mittag bereits um 11 Uhr 22 min. am Anhalter Bahn. hof ein. Um rege Beteiligung an dem Empfang wird dringend ersucht. Das verhängnisvolle„ Scheinbegräbnis". Man schreibt uns aus Nordböhmen: In der Grenzstadt reibig hat sich anläßlich eines Schützenfestes ein schauerliches Ereignis abgespielt, das die Bevölkerung in Aufregung erhält. Der 25jährige Artist Josef Rusitschta aus Schönlinde, ein Bruder der Schaubudenbesitzerin Lunatsch, ließ sich vor einer großen Zuschauermenge allabendlich lebendig begraben. Sein Partner Franz Schweseta leitete das ganze Begräbnis". Der Mann wurde in ein 1 Meter tiefes, 80 Zentimeter breites und 170 Zentimeter langes Grab gelegt, das dann mit Erde zugeworfen wurde. Der Kopf lag gegen den Erdboden und war in Holzwolle und die Jade gewickelt. Früher hatte man dann noch ein Brett über den Kopf gegeben, am fritischen Abend wurde davon abgesehen, was zum Verhängnis merden sollte. Aus dem Grabe ragte eine Hand empor bzw. ein Strick, den der Begräbnisleiter beobachtete. Der Scheintote follte 50 Minuten begraben bleiben und dann auferstehen. Die aufgeregten Zuschauer riefen dem Begräbnisleiter zu, er möchte nach 15 Minuten den Toten ausgraben. Die Hand habe 3eichen gegeben. Schweseta aber lachte und sagte, das feien nur nervöse 3udungen. Erst nach 25 Minuten wurde unter größter Aufregung der Zuschauer der Tote ausgegraben. Zum Entfezen aller fand man eine wirkliche Leiche. Nach amtlicher Untersuchung ist Rusitschka erst i dt. Alle Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. Der Begräbnisleiter" mußte flüchten, fehrte nachts zur Leiche zurüd, wurde vom Publikum festgehalten, entfam aber abermals, als die Gendarmerie ihn verhaften wollte. Verurteilung eines Sittlichkeitsverbrechers. Der frühere Landtagsabgeordnete und Amtsvorsteher Georg Sromig in Klettendorf bei Breslau murde vom großen erweiterten Schöffengericht zu Breslau megen Sittlichkeitsverbrechen laut§ 176 des Strafgesetzbuchs zu 1 Jahr Gefäng nis und 2 Jahren Ehrverlust verurteilt. In zwei anderen Fällen, Growig hatte seine Ehrenamter nach Bekanntwerden der gegen in denen er gleichfalls angeflagt war, wurde er freigesprochen. ihn erhobenen Vorwürfe sofort niedergelegt. Ihm warden mildernde Umstände zugebilligt, da das Mädchen, an dem er fich vergangen hat, keinen Schaden davontrug. Der Prozeß wird trotz des sofortigen Ausscheidens des jetzt Berurteilten aus allen seinen öffentlichen Bosten von den rechtsstehenden Parteien sehr stark gegen die Sozialdemokratie ausgenußt, der Growig bis zu seiner Entgleifung gute Dienste leistete, wie auch von bürgerlicher amtlicher Seite seine Leistungen als Beamter im übrigen sehr hoch anerkannt wurden. Ausbrecher im Zuchthaus Naugard. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag sind aus dem Zuchthaus in Naugard sieben Insassen ausgebrochen. An Seilen, die sie aus starten Bindfäden und Bettlaken herstellten, ließen sie sich aus dem Fenster herab, nachdem sie vorher die Eisenstäbe entfernt hatten. Es gelang alsbald, fünf wieder einzufangen. Alle Ausbrecher waren nur mit Hemd und Unterhose bekleidet. Unmittelbare Funkverbindung Deutschland- Brafilien. Nachdem die Großfunkstation in der Nähe von Rio de Janiero, mit deren Bau unter Mitwirkung der deutschen Telefunkengesellschaft Ende 1923 begonnen wurde, vor kurzem fertiggestellt worden ist, Dieser hat so günstige Ergebnisse gehabt, daß die Transradio A.-G. findet zwischen dieser Station und Nauen ein Probeverkehr statt. für drahtlosen Ueberseeverkehr die unmittelbare Funkverbindung Deutschland- Brasilien voraussichtlich Ende Juli oder anfangs August für den allgemeinen öffentlichen Verkehr in beiden Richtungen in Betrieb nehmen wird. Damit wird das Netz der Funklinien mit Uebersee, das von der Transradio A.-B. betrieben wird und zurzeit Berbindungen mit Nordamerika, Argentinien, Niederländisch- Indien, Aegypten, China ( Mandschurei) und Japan umfaßt, eine wesentliche Ergänzung er halten, und der starke Telegrammverkehr zwischen Deutschland und Brasilien eine erhebliche Verbesserung erfahren. Während die Telegramme jegt zum größten Teil über London und von da über die Kabel der Eastern Telegraph Co. oder der nordamerikanischen Kabelgesellschaften, zum Teil über die Funkverbindung DeutschlandNordamerika laufen, bietet sich fünftig die Möglichkeit, sie direkt aus zutauschen. Den genaueren Zeitpunkt für die Eröffnung der neuen Linie wird die Reichspost noch bekanntgeben. * Einführung neuer Wellenlängen im internationalen Rundfunt. In einer Rede in London sagte fürzlich Kapitän Edersley, der Chefingenieur der britischen Rundfunkgesellschaft, bei der letzten Zufammenkunft in Paris über die Frage der Wellenlängen sei beschlossen worden, daß während der zweiten Hälfte des September der neue Plan über Wellenlängen, auf den sich 90 Proz. der Nationen Europas geeinigt hätten, in Kraft treten werde. sche Flugzeug, das auf seinem Rundflug Moskau- Berlin- KölnNoflandung des russischen Flugzeuges in Dortmund. Das ruffis Paris- Moskau heute früh 7,15 Uhr in Berlin aufgestiegen ist und in den ersten Nachmittagsstunden in Köln landen sollte, hat in Dortmund um die Mittagszeit notlanden müſſen. Bis 6 Uhr abends war das Flugzeug in Köln noch nicht eingetroffen. Lebendig begraben, Ein schweres Unglüd ereignete sich gestern abend im Grenzstädtchen Kreibig. Dafelbst befindet sich am Markt eine Akrobatenbude, in der ein Herkules auftrat. Diefer Mann wurde nun jeden Abend vor einer Zuschauermenge 2 Meter tief in die Erde vergraben und mußte eine halbe Stunde aus= hatten. Als man aber gestern abend den Mann wieder ausgrub, war er tot. Ein Herzschlag hatte seinem Leben ein Ziel gesetzt. Die Untersuchungskommission ist unterwegs. FRITZI MASSARY A A UN E G C C ohne Mundstück in vollem, rundem Format zu 3 Pfennig, erscheint im Silberkleide und in ihrer überragenden Güte ist sie sozusagen E Gold wert! Lanöwirtsthastliche Alns- unö Kreöitfragen. Was ist mit öen Hochwasserschäden? Die bevorstehende Erntebergung, die Bevorschussung der Ernte sus Reichsbantmitteln, die im Winter fälligen Rückzahlungen der Rentenbanlkredite und auch die beabsichtigte Regulierung der Hoch- Wasserschaden rücken die landwirtschaftlichen Zins- und Kreditfragen wieder in den Vordergrund des öffentlichen Interesses. Wir haben es immer für die Landwirtschaft als gefährlich bezeichnet, daß die Kredite und mit ihnen die laufenden Zinslasten gehäuft wurden, ohne daß gleichzeitig ausreichend Vorsorg« ge- troffen werden konnte, daß die laufenden Schulden in langfristigen Rcalkredit umgewandelt wurden. Wir können heute mit Genugtuung feststellen, daß insbesondere die landwirtschaftlichen Genossen- s ch a f t e n die Gefahr dieser Kredit- und Zinslastenhäufung er- kannt haben und sich dagegen zur Wehr setzen, wie auf der Rostocker und Hamburger Tagung deutlich geworden ist. Eine befremdliche Kundgebung. Aber eine Zuschrift aus Kreisen der landwirtschaftlichen Kredit- g« n o s s« n s ch a f t e n, die sich im Anschluß an die Zinsenquete der Reichsbank mit der Zinspolitik und dem Problem der Zinsspanne befaßt, erregt doch lebhafie Bedenken. Mit Recht wird da gesagt, daß das richtige Verhältnis zwischen Soll- und Habenzinssuß der Kernpunkt der genosienschaftlichen Zinspolitik ist. Wenn man aber erwarten würde, daß sich die Zuschrift grundsätzlich für eine möglichst niedrig« Zinsspann« ausspricht, um den Dienst der Genossenschaften für ihr« Mitglieder möglichst billig und vor allem nachhaltig und intensiv zu gestalten, so irrt man sich leider. Nicht dieser Gesichtspunkt ist in den Vordergrund gestellt, sondern der der Bildung von Eigenkapital, der Ver- waltungskosten und der Kreditrisiken. Man muß das um so mehr be- dauern, als genau das auch der Standpunkt der privatkapita- l i st i s ch e n Banken ist, die ebenfalls erst von ihren Kosten und Risiken ausgehen, daneben natürlich auch von der gewünschten Divi- dende und dann erst sich ihrer volkswirtschaftlichen Aufgaben er- innern. Nun sind wir weit entfernt, die landwirtschaftlichen Kreditgenossenschaften den Privatbanken in ihrem Verhalten irgendwie gleichzustellen. Aber es ist doch bekannt, daß die Verwaltungs- k o st e n bei sehr vielen landwirtschaftlichen Kreditorganisationen noch zu hoch und durch Rationalisierung noch stark abbaufähig sind, trotz der vielfach unproduktiveu Mehrbelastung, die die zahlreichen Sonderkredite gebracht haben. Angesichts dieser Tatfache ist es gefährlich und auch dem Ansehen der landwirtschaftlichen Kreditgenossenschaften abträglich, wenn diese in den Augen der Oeffentlich- kest in dasselbe Horn stoßen wie die Privatbanken. Außerdem wäre es oolks- und privatwirtschaftlich durchaus abwegig, wenn die ge- nosienfchaftlichen Kreditanstalten glauben würden, etwa durch Weit- Haltung der Zinsfpanne die Bildung von Eigenkapital bei den Ge- nossenschaften fördern und damit chre Leistungsfähigkeit st e i g e r n zu können. Dieses neu« Eigenkapital zahlt so oder so der Landwirt: für diesen aber wäre es viel nützlicher, wenn es von vornherein seinen Betriebsmitteln nicht entzogen würde, weil er es nur durch di« Derwaltungskosten der Kassen verteuert wieder erhalten kann. Der iluswer Nun weiß man sehr wohl, wo die landwirtschaftlichen Kredit- genossenschaflen der Schuh drückt. Einmal fehlt ihnen tatsächlich weitgehend die Einlage b afis der Mitglieder, von der aus sie früher selbständig ihre Hauptgeschäfte betreiben konnten. Zum großen Teil sind sie wie ihr« Mitglieder auf die Kredite angewiesen, die ihnen von oben zugeleitet werden: Staat, Golddiskont- und Reichsbank, Rentenbankkreditanstalt und Preußenkasse. Sie haben auch, im Gegensatz zu den Privatbanken, nichts anderes als dieses heute sehr gedrossell« Kreditgeschäft, die profitablen Börsenge- schäste von heute sind ihnen mit Recht verschlosien, und die Haben- zinse'n, die sie auf die dürftigen Einlagen gewähren, sind um so mehr der einzige Rückhalt, als ihnen in vielen Fällen die Kreditzinssätze nach oben vorgeschrieben sind. Es ist auch nicht zu verkennen, daß die verkehrte Politik der offiziellen Kcedithäufung die Verlustgefahr nicht geringer macht und daß die Bildung von entsprechenden Verlust- reseroen notwendig ist. So ist die Größe der Zinsspanne gewiß sehr wichtig. Ausgeschlossen aber muß fein, daß die Zins- spanne deshalb weitgehalten wird, um Eigen kapital bei den Organisationen zu bilden. Wenn heut« bei den Rentenbank- trediten«in letzter Satz von 8?L Proz. gilt und für Zentralkasse und Genossenschaft eine Zinsspanne von 2 Vi Proz. besteht, so mag das für zwei Vermittlungsstellen wenig sein. Das erste aber, was dann gefordert werden muß, ist der weitestgehende Abbau der eige- n« n Kosten, die Verbilligung des Gesamtapparats und darüber hinaus die Bekämpfung von Krediten, die nur neue Lasten und Kosten bringen, ohne dem Landwirt zu nutzen. Hier liegen große Möglichkeiten, die leider auch aus polltischen Gründen vielfach versäumt werden, weil gewiss« Kreise noch immer mit Kredltver- sprechungen die Landwirte politisch zu ködern suchen. Endlich aber mögen Wege gesucht werden, ohne Benachteiligung der Kreditnehmer, die Zinsfrage in den Einzelfällen so«lastisch zu gestalten, so daß auch die Genosienschaften auf ihre(notwendigsten) Kosten kommen. Jedenfalls würde aber d«r Schaden notwendig vergrößert werden, wenn ausschließlich auf die Kosten geachtet würde, die tausend Wege zur produktiveren Anwendung der ge- borgten Kredite aber unausgenützt blieben. * Politische Momente scheinen auch schon in die Reguli erun-g der Hochwasserschäden hineinzuspielen. Eine große Anzahl von Verbänden, welche dem Rcichsverband landwirtschaftlicher Klein- und Mittelbetriebe angcschlosien sind, haben sich an Be- sichtigungen von Hochwasierschäden beteiligt: sie haben einst im- m i g erklärt, daß die von den Finanzämtern vorgenommenen Schadensfeststellungen durchaus nicht ausreichend sind und sehr flüchtig vorgenommen werden. Diese Einstimmigkeit in sachver- ständigen Kreisen sollte zu denken geben. Dabei scheint es sich aber nicht nur um eine gewisse Fm h r l ä s s i g k e i t zu handeln. Der Kreisbauernbund Hirschberg-Löwenberg erklärt in einer Bekanntmachung an seine Mitglieder: „Es besteht die Befürchtung, daß befangene Ab- schätzungskommissionen sich betätigen werden. Wir bitten, falls irgendein Bauernbündler sick> durch zu niedrige Ab- Ichätzung beschwert fühlt, dies unverzüglich an die Geschäftsstelle zu melden.* Daraug geht hervor, daß dies«„Befangenheit* sich gegen die kleinen und mittleren Bauern äußert, daß sie aber nicht vorhanden ist, wenn es sich um großagrarische Landbündler handelt. Diese Gefahr wird erhöht durch die Bestimmung, daß im all- gemeinen nur Schäden zu berücksichtigen sind, die mehr als 30 Pro z. der gesamten Anbaufläche umfassen Durch diese Regu- lierung wird der Großgrundbesitz immer profitieren, wenn auch die prozentual« Entschädigung niit der Größe des Gesamtbesitzes ob- nimmt, zumal da der kleinere Grundbesitz infolge der Zerstückelung unter Umständen nicht die 30prozentige Beschädigung erreicht Da- bei kann der mit 29 Proz. der Anbaufläche geschädigte Klein- bauer schwerer betroffen sein, wie der mit 30 Proz. der Anbaufläche geschädigte Großgrundbesitzer, der 40 Proz. des Schodens erhält. Also auch in dem Falle scheinalischer Bureau- kratismus, wo besonders individuelle und sozial« Behandlung not- wendig ist. Trotz dieser schematischen Behandlung liegt bis heute noch kein stichhaltiges Materiol übH: die Auswirkung und Verteilung der Hochwasserschäden vor. Es wäre dringend zu wünschen, daß dieses auf dem schleunigsten Wege zusammengestellt wird, damit sich die Oeffentlichkest ein Bild über die Ausdehnung des Schadens machen kann. Es ist von sachverständiger Seite zweifelsfrei festgestellt, daß in verschiedenen Gegenden, besonders in solchen mit leichterem Boden, die Ernteau-sichten wesent- lich günstiger sind als in anderen Jahren, so daß ein gewisier Ausgleich für die Ernteausfälle in den Hochwafsergegend-n entsteht. lind daraus kommt es letzten Endes an. Wie die Dinge aber j liegen, besteht die große Gefahr, daß dem Großgrundbesitz wieder Millionen von Entschädigungen in die Tasche fließen, zu denen„och Steuererleichterungen kommen, Steuererleickterungen, die ohnehin schon in ausreichendem Maße vorhanden sind, da die Steuer noch dem Ertrage fehlt. Das führt zu geradezu grotesken Er scheinungen. Nach einem vorliegenden Protokoll über einen Sied- lungstermin, der am 3. April 1925 in Herzogswalde in Schlesien stattgefunden hat, beträgt dort der Wehrbeitragswert der G u t s f l ä ch e n pro Hektar 1800 M. Der Rittergutsbesitzer Neu gebauer forderte gber für den Hektar Ansiedlungsland 2700-M., das ist eine Differenz von 960 M. pro Hektar Da das Rittergut Herzogswald 360 Hektar umfaßt, ergibt das eine Diffe- renz von 345 660 M., um die sich das Finanzamt„geirrt* haben mußte. Und das nur in ei n e m Falle, bei einem nicht übermäßig großen Bcfitzl Der Gedanke mag nahe liegen, diesen Fragenkomplex in Zu sammenhang zu bringen mit den landwirtschaftlichen Krediten dergestalt, daß die weniger Betroffenen, vor allem die Landwirte mit guten Ernten, zur Zurückzahlung der Kredite angehalten werden sollen, und daß die so freiwerdenden Kredite anderweitige Verwendung finden können. Angesichts der ganzen Verteilung der Kredite In die Landwirtschaft besteht die Befürchtung, daß die bisher gewährten Kredite nicht allerwege und nicht in dem notwendigen Umfange produktive Ver wendung gefunden haben, und daß man sich den sonst nicht gerade beliebten Staat als Kreditgeber gerne gefallen läßt, ohne daran zu denken, daß dieser Kredit im Dienste der Allgemeinheit doppelt verpflichtet. Da dos Hochwasser abgeebbt ist, muß von diesen Dingen deutlicher gesprochen werden, schon im Interesse der notwendigen Klarheit und Durchsichtigkeit. Reich und Länder müssen diese Klar heit fordern, sie müssen wissen, wohin die Gelder kommen und wie sie Verwendung finden. Das erfordert auch das Interesse der kleineren und mittleren Landwirte, erfordert die Sorge um das Wohl der Allgemeinheit. ver �rbeitsmarkt in üer dritten Juliwoche. Nach den Berichten der Landesarbeitsämter für die dritte Juli- woche sind im Osten Deutschlands leichte Besserungen der Arbeitsmarktlige zu verzeichnen, während die Berichte aus Mittel- und Westdeutschland, insbesondere aus Berlin und Rbeinland-Weftfalen, weiterhin ein zum Teil recht u n g ü n st i- g e s Bild zeigen. Das allgemeine Kennzeichen ist schwankende Beschäftigungsmöglichkeit und im.Zusammenhang damit starte Fluktuation der Arbeitskräfte. Die Landwirtschaft zeigte gute Auf- nahmefähigkeit, auch für das Baugewerbe lauten die Meldungen etwas günstiger. Die Besserung im Bergbau hielt an. dagegen neigt die Lage der Metallindustrie, mit Ausnahme von Hannover, überall zur Verschlechterung. Unbefriedigend ist der Beschäftigungsgrad weiterhin im Beroielfältigungsgcwerb«, der Holz- und Bekleidungsindustrie. der üeutsthe Außenhandel im Juni. Die deutsche Außenhandelsbilanz ist, wie wir bereit» meldeten, im Juni zum ersten Male in diesem Jahre passiv. Der Einfuhr- Überschuß im Juni beträgt insgesamt 35 Millionen Reichsmart, im reinen Warenverkehr 33 Millwncn Reichsmark, während der Mai einen Ausfuhrüberschuß von 27 Millionen Reichsmark, der Aprll von 56 Millionen Reichsmark aufwies. Einfuhr«u«fuhr Lebende Tiere.. SebenSm.».Getränke Rohstoffe und halb- fertige Waren Fertige Waren�_._ Rein. Warestverlehr Gold und Silber. Sunt 10,0 292,9 880,8 102,3 Mai in 8,3 282,2 324,4 87,8 Jan /Juni Zun! Millionin 3 44,9 1,1 1514,2 27,0 2106.0 562,6 179,6 551. 0 Mai Ott 0,0 25,5 154,5 547,9 Iaiu/Zuni 6.0 242,6 1004,8 8316.0 791,9 4,0 702,9 8.8 4223,6 140.7 758,7 1.8 733,8 1,9 4763,3 21.8 Zusammen 795,9 706,7 4389,3 780,5 780.7 4790,1 Der Menge nach betrug die Einfuhr Ausfuhr Juni Mai Jan /Inn! Zuni Mai Zan/Zuui Mengen in 1000 Doppelzentnern Lebende Tiere. 100,1 88,0 430,1 4.1 8.7 15,4 Lebensmittel u. Getränke.. 7437.3 7175.1 85209.4 1598.4 1229,6 11044,0 Rohstoffen halbfertige Waren 25265,4 23555,8 145228,9 42129,0 83908 2 184895,5 Fertige Waren 040,2 849,5 4716,8 5828.8 6642.2 86045.5 Waren aller Art 83733.0 31663,4 185584,9 49560,3 40781,7 232901,0 Gold und Silber 0.8 0 4 3,0 0,1 0,1 1,8 Zusammen 33733.3 31668.8 185537,9 49660,4 40781,8 282902,8 Im einzelnen ist zu den von un» bereits mitgeteilten Ergebnissen folgendes zu berichten: Die Einfuhr an Lebensmitteln und Getränken zeigt gegenüber dem Vormonat eine Zunahme um 10,7 Mlll. RM. Einsuhrsteigerungen sind festzustellen hauptsächlich bei Kartoffeln, pflanzlichen Oelen und Fetten. Äüchengewächsen und Schmalz. Zu- rückgegangen ist dagegen die Einsuhr an Weizen(um 10,9 Will. RM.) und an Südfrüchten. Die Einfuhr an Rohstoffen und halbfertigen Waren weist gegenüber dem Vormonat eine Zunahme um 62,4 Mill. RM. aus. Daran sind die Tertilrohstvosfe mit 2l.6 Mill. RM.(darunter Wolle mit 17,8 Mill. RÄi.) beteiligt. Beträchtlichere Steigerungen zeigen serner Felle zu Pelzwerk. Kupfer, Tierfett und Kalbfell« und Rindshäute. Die Fertigwaren einfuhr zeigt«irn�Zunahme um 14,4 Mill. Reichsmark. Davon entfallen" (Garn), 1,4 Mill. RM. auf! Die Ausfuhr an Lebensmitteln JL„ über dem Vormonat eine geringfügige Zunahme(um 1,5 Mill. RM) auf. Die Ausfuhr an R o h st o f f e n und halbfertigenWaron zeigt eine Steigerung um 25 Mill. RM. Daran sind hauptsächlich beteiligt: Steinkohlen(mit 13,2 Mill. RM., auch ein« Wirkung des englischen Kohlenstreiks) und schwefelsaures Ammeniak. Di« Aus- fuhr an Textilrohstoffen ist nahezu unverändert geblieben. Bei der Ausfuhr an F e r t i g w a r e n ist nur ein« unbedeutende Steigerung(um 3,1 Mill. RM.) festzustellen. Die Textilferttgwaren erzielten gegenüber dem Vormonat eine unbedeutende Zunahm»(um IL Mill. RM.): ebenso ist die Zunahme bei den Walzwerk»« erzeugnissen und Eisenwaren geringfügig(2.2 Mill. RM.). Ab- nahmen«eisen aus: Farben, Firnisse und Locke(um 3,7 Mill. RM.) und Maschinen(um 1,1 Mill. RM.). Ho»elbe ch e B e t r i e b s g e> e l l s ch a f t m, b. H. (Gabege) niitzuteilcn. daß der Restaurationsbetrieb im Reichs» t a g seit 1921 nicht mehr durch die Hotelbetriebo-A-G-, sondern durch die Gabege bewirtschaftet wird, die dem Zentralverband der Hotel-, Restaurant- und Cafeangestellten nahesteht. Zwei Seelen ln einer örust. Der BerlinerEinzelhandelhot mit seinen aus A b b a u der Angestelltengehälter zielenden Bestrebungen einen vollen Erfolg gehabt. Das beweist der Schiedsspruch des Schlich- tungsausschuffes, den wir früher gekennzeichnet haben. Es ist nicht uninteressant, darauf hinzuweisen, daß die Lohnabbaupolitik des Einzelhandels sich völlig im Widerspruch zu den theoretischen Grund- gedanken befindet, die die amtliche Organisation des Einzelhandels vertritt. Die Rr. 28 der„Textil-Woche*. des Organs des Reichsbundcs des TeMeinzelhandels. enthält einen Leitartikel mit der Ueberschrist „Ist das Arbeitslosenproblem unlösbar?* In die- sem Aufsatz wird die Lösung abhängig gemacht von einer grund- legenden Aenderung der Wirtschaftspolitik. Abbau der Zölle. Abbau der Kartelle, die den notwendigen Preisabbau hemmen, sind die Forderungen. Wörtlich heißt es da: „Ein großer Teil der Arbeitslosen könnte mühelos beschöstigt werden, wenn nur die Preise im richtigen Verhältnis zur Kaufkraft der Konsumenten stünden.* Da» ist unsere Ansicht. Aber wie sorgt der Einzel- Handel für die praktische Durchführung dieser richtigen Theorie? Dadurch, daß er die Kaufkraft durch Lohndrückerei abbaut und dem Markt noch mehr Konsumenten als bisher entzieht. Hohe Löhne— fordern sie für die Arbeiter. Rur zahlen sollen sie die anderem So macht es jeder Teil der Wirtschaft, bis der oll- gemeine Lohnabbau herauskommt. Und das ganze heißt„plan- mäßige Wirtschaftsführung* im Lichte kapitalistischer Interessen- Politik. der englische Muminiumtrust. Unser norwegischer Mitarbeiter schreibt uns: Der norwegische Staat hat die Wasserkräfte des Glomfjords an die englisch« Aluminium Corporation Ltd. verpachtet. Der Pachtvertrag läuft bis zum Jahre 1982. Der norwegisch« Staat selbst erwarb das Objekt mitsamt den ersten, damals dort bestehenden Kraftwerken, an denen deutsches Kapital stark beteiligt war, im Jahre 19�6. Di« Bedingungen, unter denen der Pachtvertrag zwischen der englischen Firma und dem norwegischen Staat abgeschlossen worden ist, kennzeichnen die Wasserkrastpolitik, die man in Norwegen jetzt betreibt. Darüber hinaus gewährt der Vertrag«inen mieressarnen Einblick in die englische Wirtschaftsexpansion der Nachkriegszeit. Es prägt sich hier der in letzter Zeit viel erörtert- „friedliche Imperialismus aus. Di« Aluminium Corporation Ltd. ist die H a n p t g e f e l l f ch a f t eines englischen Aluminiumtrusts, zu dem in erster Linie 6, zum größten Teil in Wales beheimatete Werke gehören. Der Trust arbeitet mit einem Aktienkapital von über 5 Millionen Pfund(100 Millionen Goldmark!), besitzt ein« Tochtergesellschast in Frankreich und setzt seine Produkte vorzugsweise in Japan. Australien und Indien ab. Jetzt hat er sich durch den Pachtvertrag mit dem norwegischen Staat verpflichtet, binnen drei Monaten eine Firma mit dem Sitz in Norwegen und unter dem norwegischen Namen A. S. H a u g e w i k S m e l t e o a« r k zu errichten. Dieses neue Werk ist auch im abgeschlossenen Vertrag formell Inhaberin der Pacht. Von englischer Seite ist ein Aktienkapital in Höhe von 3 Millionen Kronen zu beschaffen, wahrend der Aus- sichtsrat zum größten Teil aus in Norwegen ansässigen norwegischen Staatsbürgern bestehen soll. Im Jahre 1930 und 1932 sind Er- höhungen des Aktienkapital» vorgesehen. Von den bis jetzt vor- bandenen Werken übernimmt die neu« Gesellschaft zwei, die äugen- blicklich zusammen 36 000 Kilowatt liefern können. Weiter ist sie vertraglich osrpflichtet, sofort mit der Einrichtung einer Aluminium- raffineri« und-schmelze zu beginnen. Das Roher; liefert die englisch: Hauptfirma, der auch die Lieferung von Elektroden obliegt: das fertige Aluminium geht an die englischen Fabriken zurück. Hinsichtlich der ewzustellenden Arbrker be-, stimmt der Pachtvertrag, daß diese, bis auf die Spezialisten, Rprw«- ger sein müssen Man gedenkt für» erst« 50 Arbester beschäftigen zu können. Die Zahl soll dann, wenn der normal« Dollbetricb im Dana« ist. auf 600 gesteigert werden. Finanziell gesehen bedeutet der Pachtvertrag ein« gut« Ein- nähme für den norwegischen Staat, denn die Pachtsumm« be- trögt bis 1930 jährlich rund 600 000 Kronen und von da ob pro Jahr 2 Millionen Kronen. Außerdem bezahlt die Gesellschaft jährlich 3 Kronen für jeden Kilowalt Stromverbrauch. Aber auch di« englische Gesellschaft wird aus ihre Kosten kommen. Der wirklich« Lorteil für sie liegt in der durch dien Pachtvertrag vollzogenen E r- wetterung der Machtsphär« des englischen Trusts. Di« Annohm« de» Pachtvertrages im norwegischen Parlament ist so gut wie sicher. Di« englische Gesellschaft war übrigens nicht der einzig« Liebhaber für die Glommenkräfte. So hatte u. a. die deutsch« Rhetn-Elbe-Union(Ruhrtrisst) sich um«inen Pacht- vertrag bemüht. Sie hat aber davon Abstand genommen, da sie die günstigen Bedingungen, die die Engländer gewährt haben, nicht annehmen konnte oder wollte. Zur Veschaffung von tondmoschinen wurde bekanntlich vor Monaten ein« Kreditaktion eingeleitet, die auf eine Gewährung bzw. Finanzierung von Krediten bei dem Bezug von landwirtfchasUichcn Kraftmaschinen hinzielt. Jetzt wurde ein Aufsichtsrat für die Durch- führung der Krebst« eingesetzt. Dieser besteht au« 17 Mitgliedern, von denen je 7 den von der deutschen Rentenbonkkreditanstast unter. stehenden Organisationen und den privaten und öffentlichen Bank- anstauen angehöten. Das Reichesinanzministerium und das Reichs- ernährungsministerium ist durch je ein Mitglied vertreten. Vor- sitzender des Aufsichtsrats ist der bekonnte ehemalige Staats- letretär Dr. Hagedorn, der vor kurzem aus dem Er- nährungsmintsterium ausgeschieden ist und bei der Errichtung der Getrcidehandels G. m. b. H. eine Rolle gespielt hat.— Die Zahlungsbedingungen bei dem Bezug von Iraktprei, sind so geregelt, daß zunächst aus den Kaufpreis 20 Proz. an. zuzahlen sind. Die weiteren Zahlungstermine sind durch den Abnehmer festzusetzen, aber so. daß die Hälfte der verbleibenden Schuld des ersten Jahre» und die andere Hälfte nach Ablauf des zweiten Jahres getilgt wird. Das Reich übernimmt bei dem Ge- fchäft«ine A u e f a l l g a r a n t i e in Höhe von 20 Proz. bis zur Höhe von 15 Millionen Mark. Den einzelnen Traktorenfabriken wird außerdem ein Betrag zur.Finanzierung des Absatzes* ge- währt. lypisteruag de» Modeschuh». Der Luxusschuh macht im Echtch- oerbrauch den kleinsten Teil des Umsatzes aus und erfordert doch die größten Aufwendungen, nicht nur deshalb, weil die Modedamen. die ihn tragen, die Bedienung viel stärker in Anspruch nehmen a!» der Käufer von Gcbrauchsschuhen, der sich fast selbst bedient. Mehr noch fällt ins Gewicht, daß die Derschledenartigkeit der Muster, die in Lusiisschuhen auf den Markt kommen, dazu die ständig wechselnde Mode di« Unterhostung eine» umfangreichen Lagers ersordern und damit erheblich« Geldmittel binden, und weil der ständige Wechsel auch«in erhebliches Risiko in sich birgt. Eine Mode, die heute neu ist. ist morgen durch eine andere überholt. Es ist nicht uninteressant, daß der Schuheinzelhandel durch Errichtung eines M o d e a in t s glaubt, hier Wandel schaffen zu können. Da« Modeami soll nicht etwa di« Aufgabe haben, die Mode zu beseitigen, vielmehr soll da- Amt bestrebt sein, die U e b e r t r« i b u n g e n der Mode au» der Welt zu schaffen. Für jede Saison(also viermal im Jahr) sollen die«chuhsormen. die Schuhstofse und die Schuhfarben de, Luxus- chuhs festgelegt werden. Dos sind Bestrebungeii, wie sie ja auch auf anderen, mit der Mode in Berührung stehenden und von ihr ob- hängigen Wirtschaftszweigen zu beobachten sind. Unter dein Ge- sichtspunkte der Wirtfchastsrationollsierung verdienen sie die größte Donnerstag 22. MU92H Unterhaltung unö tssen Vellage öes vorwärts q Ein ungleiches Gespann. Von Gabriele Prcijjova. Autorisierte Uebersetzung aus dem Tschechischen von A. B e r ch t o l d. Der Hoffnung auf ein eigenes Pferd wegen versprach Tobias, daß er sich als Aktordarbeiter verdingen wolle. Man bauie unweit ein Förstcrhaus und der Baumeister suchte Handlanger.„Wenn der Mensch will, so führt er es aus," wiederholte er feierlich das Sprichwort seiner Frau, als wenn er es erst in diesem Augenblicke recht begriffen hätte.„Und auch des Abends kann man noch das Holz einsammeln, die Tage wachsen, man braucht nicht so zeitlich schlafen zu gehen." Und so Verschiedenes, Außergewöhnliches versprach Tobias und die Reden quollen ihm förnilich aus der Brust i die Frau mußte ihn mit Bewunderung anblicken. Ach daß sie sich aufschwingen könnten zum Ansehen, beneidet von anderen, sie und ihr geliebter Franzi! Dann fingen ste beide an fleißig zu arbeiten und zu sparen. Vor allem stellten sie sich einen kleinen grünen Leiterwagen zu, sammen, weiter ein Pferdegeschirr und schließlich suchten sie weit und breit in der Umgebung ein Pferd, welches nicht mehr als fünhundert Kronen kosten durfte und fanden auch einen kleinen mageren Walachen, welcher nach Angabe des Besitzers elf Jahre alt war. Sie tauften ihn auf den Namen„Ferda". Tobias wusch das Pferd sofort mit warmem Wasser sorgsältig und setzte ihm zum Willkommengruß eine volle Schwinge mit Hafer vor. den sich seine Frau von einer Bäuerin als Entgelt für ihr kunstfertiges Massieren erbeten hatte. „Aber du solltest ihn mit dem guten Hafer nicht gleich anfangs so viel anstopfen," meinte Frau Agnes unzufrieden,„er hat hier genug Gras und Häckerling vorbereitet, und jetzt wollen wir den Ferda gleich einspannen und durchs Dorf fahren," fügte ste noch mit Stolz hinzu. Tobias aber streichelte zärtlich den Gaul über Hals und Rücken.„Heute läßt du ihn in Ruh, er muß sich ausrasten," stieß er mit Entschiedenheit hervor.„Von Pferden verstehst du nicht so viel wie ich!" » Und nun begannen die wehmütigen Sorgen der Frau Tobias. Sie schlug sich schon acht Jahre durch ihren Ehestand und ihre schütteren dunkelbraunen Haare fingen an stark zu ergrauen, ihre Stirne und die Wangen waren von Runzeln durchfurcht, wogegen Franzi mit seinem glatten Gesichte und dem gewohnten Lächeln, wobei er seine gesunden kleinen Zähne zeigte, aussah wie ein über- mlltiger Bursche. Die Frau bemerkte mit steigender Eifersucht, wie sorgsam und zart Franzi-das Pscrd behandelte. Sie selbst blickte er niemals so liebevoll an! Sein glücklichster Augenblick schien offenbar jener zu sein, wenn er mit dem eingespannten Walachcn stolz vom Hause wegfuhr. Der Schimmel stimmte wunderbar zu dem Häuschen der Eheleute, er war ebenso schlotterig und sein stellenweise haarloses Fell spielte alle Farben. Der greisenhafte Kops war ganz weiß, wogegen sich über den Rücken bis zum Schweife ein dunkler Aalstrich zog und der übrige Körper mit braunen Flecken bedeckt war. Die zitterigen un» sicheren Beine konnten aber immer noch eine Weile lebhast traben, wenn Tobias mit schmeichelnden Worten und einem leichten Peit- schenhicb den Gaul antrieb. Natürlich lange konnte das Feuer nicht anhalten, es genügte nur zum raschen Durcheilen des Dorfes. So oft sich Gelegenheit bot, prahlte Tobias mit seinem Pferde. In seinen Augen schien es schön, vollkommen, bewunderungswürdig und vor allem galt es ihm als bester Kamerad! Die Leute, besonders die im Dorfe, wollten dies nicht aner. kennen, sie hießen den Gaul eine Katze oder einen Wurstl. Auch Agnes wiederholte derartige Spottreden manchmal im Hause, aber das bekümmerte Tobias gar wenig! Er zuckte nur mit den Achseln mitleidig und verächtlich und meinte, daß er von den Menschen bc- neidet würde. Er fühlte mit Stolz, daß ihn der Schimmel über sein früheres armseliges Leben hoch emporgehoben habe. Borher war er gezwungen gewesen, den beladenen Karren selber über die unendliche Straße zu ziehen, nun aber legte er die weiten Wege zurück wie in einem fröhlichen Traume. Wech ein wonniges Gefühl, wenn er jetzt in der reinen Luft am Bocke sitzend seine Peitsche schwingen konnte, dabei mit der Zunge schnalzend und seinem vierbeinigen Kameraden zurufend:„Na, alter Hase, strecke deine Läufe!" Die Frau hörte derartige Zärtlichkeiten mit wachsendem lln- mute. Ob der Mann für sie jemals derartig hübsche Worte gefunden hätte, ob er manchmal treffen würde, sie streichelnd mit einem Kose- namen zu benennen! Das Aergste war, daß sie diese vermeintliche Ungerechtigkeit ihrem Manne nicht vorwerfen konnte, diese traurigen Gefühle ließen sich kaum in Worten ausdrücken, darum suchte sie einen anderen Vorwand, un> seine kindlichen und spielerischen Eigenschaften zu geißeln. Sie warf ihm vor, daß er ein geborener Faullenzer sei, und als sie ihn in ihre Hand bekam, es schon zu spät gewesen wäre, ihm etwas Ordentliches beizubringen, daß sie ihn jetzt als recht- schasfene Frau bis zu ihrem Lebensende am Halse behalten müsse und er ohne ihr zugrunde gehen würde, wie eine aus dem Bienen- stock oerjagte Drohne. Und schließlich ihr Gesicht in die Schürze verbergend, klagte sie:„Ach, ich habe nichts Gutes aus dieser Gottes- weit!" Ganz verwundert blickte sie Tobias an, sie schien ihm plötzlich ganz ähnlich geworden seiner Tante vom Ringelspiel, die ihn auch immer ungerecht verfolgt hatte. Er traf es wohl nicht, seinem Weibe zu widersprechen, sondern zog es vor, ihr ans dem Wege zu gehen. Frau Agnes fand ihn einmal im Stalle neben dem Schimmel stehend, die Arme um seinen Hals geschlungen und den Kops daraus gelehnt, als wollte er ihn küssen und etwas Zärtliches zuslüftern. Und wieder gab es ihr einen Stich, daß er sie. sein eigenes Weib. niemals so umschlungen hatte! „Der Gaul wird verkauft," schrie sie ihn mit eifersüchtigem Neide an.„Du führst ihn aus den Markt nach„Brod", wir brauchen Geld zur Verrichtung des Hauses, ich will nicht länger zusehen, wie mein Eigentum zugrunde geht. Ich habe es von den Meinigen geerbt. die immer getrachtet haben, das Haus m Ordnung zu halten und diese Ordnung will ich jetzt in erster Linie haben. Mit deinem Liebling ist kein Segen in mein Haus gekommen. Der Gaul frißt weit mehr als er oerdient. Solange du das Holz selbst mit dem Karren zogst, blieben uns doch ein paar Kronen im Hause. Jetzt könnte ich ihn noch über den Winter füttern, diesen häßlichen zottigen Klepper!" Da mußte aber die Frau einhalten, der Franzi hob seinen Kopf so hastig vom Hals des Schimmels empor mit einem so wilden Aus- druck im Gesichte, daß ihr der Atem stockte und sie es vorzog, sich Meunigst aus dem Stalle zu entfernen._ � Magdeburger Kriminalistik. (V „Mein kriminalistischer Scharfblick sagt mir. dah diesen Menschen natürlich nicht der Werwolf gelötet hat. sondern der— h a a s! Sie erwähnte an diesem Tage nichts mehr von dem Pferde, nur des Abends sagte sie ganz ruhig:„Ich muß deine Stiefel zuni Schuster tragen, damit du sie zum Broder Markt in Ordnung hast." Tobias schlief diesen Abend ein mit beklommener Brust, als wenn ihn ein Alp drückte und beständig verfolgte ihn im Traume eine Frauengestalt, die abwechselnd seiner Frau und der Ringelspiel- tante zu gleichen schien. Und nichts Liebes und Freundliches er- innerte ihn in diesem Traume an jene Frau, die ihn damals, dem Hungrigen, die Milchkanne reichte, ihm verteidigend zur Seite ge- standen war und ihn schließlich zu ihrem rechtmäßigen Manne ge- macht hatte. Das alles war verblaßt. Sie war ihm fremd geworden und hatte seine Hand ergriffen nur um ihn zu beherrschen und ihn zu verfolgen, gleich seiner bösen Tante.- Darauf folgte«in schönerer Traum. Er sah auf einer großen Wiese eine Herde von Pferden, unter ihnen seine Ferda weiden und auch die Pferdchen seines früheren Ringelspieles schmiegten sich vertraulich aneinander. Er selbst legte sich zu ihnen in das hohe weiche Gras und betrachtete sie mit Vergnügen. Sic glänzten in der Sonne wie frisch lackiert, gerade wie damals, als er sie auf Geheiß seiner Tante mit Lack überstreichen mußte. Das Pferdchcn Mohr hatte den Zaum zerrissen, er mußte das Leder zusammennähen. Unweit davon weidete seine„Ferda" und blickte seinen Herrn mit hingebender Dankbarkeit anl „Er hat sünfhundert Kronen gekostet," erklärte Franzi mit Stolz seinem alten Freunde Mohr und schnalzte dabei mit der Zunge, in- dem cr ausrief:„Strecke deine Beine mein Häschen!" „Um Gotteswillen, er spricht schon wieder aus dem Schlafe mit dem alten Klepper, wie ein halber Narr!" unterbrach Frau Tobias den schönen Traum ihres Mannes und stieß ihm den Ell- bogen in die Brust.„Dieser Kranipen wird mir nicht mehr lange mein Blut aussaugen, du bringst mir ihn nicht mehr vom Bich- markt zurück!" Er wachte erschrocken mit einem Seufzer auf und drehte sich wortlos auf die andere Seite. Im neu beginnenden Halbtraume sah er vor sich nur mehr die große grüne Wiese, die Pferde waren oerscheucht und das Weib lies ihm entgegen, mit drohend gehobenen Armen schreiend:„Faulpelz verrückter! Die Menschen lachen dich nur aus! Dein Pferd muß fort!" Wieder erwachte er ganz niedergedrückt. Die Frau machte beim Herd das Feuer an, das brennende Zündholz beleuchtete grell ihr Gesicht, welches aus der Umrahmung des gelben Kopftuches heraus- guckte wie eine brütende Henne aus dem Korbe. Nein, er hatte sie nicht lieb— in diesem Augenblicke war es ihm klar geworden— cr hatte sie eigentlich niemals gern gehabt wie eine Geliebte!(Schluß folgt.) Unbefugte Erfinder. Von Hermann B. N ü h r. Große Erfindungen bezeichnen den Weg der Kulturentwicklung. Ueber die Urheber der größten und wichtigsten Erfindungen jedoch sind wir so zuverlässig informiert, wie über den Verfasser des Nibe- lungenliedes. Niemand weiß den Namen des Menschen, der zuerst Brot buk oder ein Stück Fleisch am Spieße briet. Vielleicht war hier ein Zufall im Spiel, aber ohne einen Menschen, der die Absichten des Zufalls zu durchschauen imstande war, waren alle zufälligen Er- findungen wertlos. Mag der Zufall bei vielen Erfindungen und Entdeckungen eine noch so wichtige Rolle spielen— letzten Endes ist es immer der Mensch, der erfindet und entdeckt. Die merkwürdige Tatsache, daß wir manche hochbedeutsame Er- findung Menschen zu oerdanken haben, die weder ihrem Beruf noch ihren Kenntnissen nach zu dieser Erfindung berechtigt waren, veran- laßt uns. hier von„unbefugten" Erfindern zu sprechen. Die Zahl dieser Kulturpioniere ohne Lizenz ist erstaunlich groß, und den Aus- spruch Lichtenbergs, daß es nicht immer die Gelehrten sind, die die neuesten Ideen haben, wird man in der Geschichte der Erjindungen oft bestätigt finden. Das Holzpapier, ohne daß es keine billige Zeitung und kein wohlfeiles Buch gäbe, wurde 1843 von dem Webermeister Fr. G. Keller erfunden. Bei Betrachtung eines Wespennestes, dessen Wände ein dem Papier ähnliches Aussehen haben, kam Keller der Gedanke, daß das aus Holzspänchen gebildete Gehäuse der Ersatz- stoss für Papier sein könnte Er schliff aus einem Schleisstein kleine Holzstücke klar, wobei das Wasser im Schleistrog milchig wurde und sich am Boden eine dicke Masse absetzte, die Keller nach verschiedenen ergebnislosen Experimenten endlich kochte, Beim Kochen kam ein Spritzer aufs Tischtuch und hinterließ ein markstückgroßes Blättchen, m dem Keller den längst gesuchten Ersatzstoff für Papier erkannte. Wie viele Erfinder zog Keller keinen Nutzen aus seiner wichtigen Erfindung. Er geriet gegen Ende seines Lebens sogar in schwere materielle Bedrängnis. Doch dann erinnerten die deutschen Papier- fabrikanten sich seiner. Es wurde eine Sammlung veranstaltet, die Keller gestattete, die letzten Tage seines Lebens sorgenfrei zu oer- leben. Dunkel ist das Ersinderschicksal eines anderes Webers, James Hargreaves', der ein armer und mit wenigen Kenntnissen ausgestatte- tcr Handwerker war und doch die erste brauchbare Spinnmaschine erfand, deren Grundgedanke noch in der heutigen Spinnmaschine lebt. Nach langen, mühevollen Versuchen war es ihm gelungen, seine Spinnmaschine fertigzustellen. Doch die ijandspinirer von Standhill meinten, um Lohn und Brot zu kommen, wenn ihre Ar- beit von einer Maschine billiger und schneller ausgeführt würde, als es einer Menschenhand möglich war. Sie stürmten das Haus Hargreaves' und zerstörten seine sämtlichen Maschinen und Gerät- schastcn. Hargreaves floh nach Nottingham und baute neue Masch!» neu. Aber auch hier erhob sich das Volk wider ihn. Er wurde verfolgt und blieb selbst vor Tätlichkeiten nicht oerschont. Arm und elend fand er schließlich Aufnahme im Armenhause zu Nottingham, wo er in großer Dürsfigkeit zu einer Zeir starb, in der andere Leute bereits große Reichtümer mit der von ihm erfundenen Spinnmaschine erwarben. Freundlicher in seinem Ausgang ist das Schicksal eines anderen Spinnmoschinen-Erfinders. Noch bei Lebzeiten Hargreaves' tauchte Richard Arkwright als sein gefährlicher Konkurrent auf. Arkwright, der keinen Schulunterricht genossen hatte, lernte, um seinen Lebens- unterhalt zu bestreiten, das Rasieren und etablierte sich als Barbier in einem feuchten Keller zu Bolton, wo er jeden Bart für einen Penny schabte. Durch einen befreundeten Uhrmacher, der an der Verbesserung der Hargrcaveschen Spinnmaschine arbeitete, kam Ark- wright zuerst mit der Welt der Maschinen in Berührung. Er fand Gefallen an den mechanischen Versuchen und vernachlässigte dadurch sein Geschäft, so daß Not und Elend bei ihm einzogen. Seine Klei- dung war schließlich so abgetragen, �>aß er seine Wohnung nur in der Dunkelheit zu verlassen wagte. Seine Familie war den größten Entbehrungen ausgesetzt, und seine Frau zertrümmerte in einem Ansall von Verzweiflung das Modell einer Spinnmaschine, an der Arkwright unablässig arbeitete. Der Gedanke an seine Erfindung forderte hohe Einsätze von ihm. Er hatte seinen Beruf aufgegeben und sämtliche Ersparnisse-auf seine Erfindung verwandt. In der Zeit der größten Not verließen ihn Frau und Kind, da sie das Hungerleben an feiner Seite nicht mehr zu ertragen vermochten. Die Fertigstellung seiner Maschine war infolge Mangels jeglicher Geldmittel eine Unmöglichkeit geworden. Endlich erbarmte sich ein vermögender Geschäftsmann in Liverpool des heruntergekommenen Arkwright, so daß seine Spinnmaschine fertiggestellt werden konnte. Zwar hatte cr noch manche Widerstände zu überwinden, ehe seine Lage sich besserte. Wiederholt drohte ihm das Schicksal Hargreaves'. Aber schließlich trat seine Spinnmaschine ihren Siegeszug an und brachte ihrem Erfinder Ehren und Reichtümer ein. Dem ehemaligen Barbier wurde sogar die Baronetwürde verliehen. Arkwright starb im Jahre 1792 und hinterließ ein Vermögen von über 10 Millionen Mark. Um die Erfindung der Nähmaschine haben sich, was nicht ver» wunderlich ist, vornehmlich die Schneider verdient gemacht, und man könnte in diesem Falle nicht von unbefugten Erfindern sprechen, wenn der Grad technischer Kenntnisse, den die Konstruktion der ersten Nähmaschine vorausfetzte, ohne weiteres. als ein Attribut des Schnei» dergewerbcs anzusehen wäre." Der Erfinder des heutigen Nähmaschinentqps ist der Schneider- meister Barthelemy Thimonnier zu St. Etienne in Frankreich zwar nicht: aber ihm gebührt der Ruhm, die erste brauchbare Nähmaschine gebaut zu haben. Thimonnier, der seinem Geschäft nur wenig Auf. inerksamkcit widmete, besah nicht den Ehrgeiz, für einen tüchtigen Schneider zu gelten, sondern den, eine Maschine zu erfinden, die besser und schneller als die geschickteste Hand nähte. Vier Jahre arbeitete er an seiner ersten Maschine, die ganz aus Holz hergestellt war und sicher funktionierte. Er ging nach Paris und baute dort achtzig Nähmaschinen, mit denen er Unisormen fürs Militär her- stelltet Aber das junge im Ausblühen begriffene Geschäft fand ein unerwartetes Ende. Die Pariser Schneidergesellen glaubten, nicht hinter den englischen Handspinnern, die die ersten Maschinen Har- greaves' demolierten, zurückbleiben zu dürfen: sie rotteten sich zu- sammen und stürmten das Haus Thimonniers, wobei sämtliche Maschinen vernichtet wurden. Das geschah im Jahre 1831. Thimon- nier sloh. Drei Jahre später kehrte er mit einer verbesserten Maschine zurück: aber niemand getraute sich, ihm zu helfen. Erst nach zehn in Not und Sorge verbrachten Jahren sand er einen Kompagnon, der Geld zur Errichtung einer Nähmaschinenfabrik her- gab. Doch kaum war die Fabrik in Beirieb, als die Febrnarreoolu- iion(1848) ausbrach und alle ihre Hoffnungen zerstörte. Die Not zog wieder ein bei Thimonnier, der schließlich sein Patent für einen geringen Beirag an eine englische Gesellschast verkaufte. Der ein- zige Sonnenstrahl seines freudlosen Alters war die Medaille erster Klasse, die er 1833 auf der Pariser Weltausstellung erhielt. Peku. niäre Vorteile konnte ihm seine Erfindung nicht mehr bringen, da inzwischen die Howeschc Nähmaschine die seine überholt hatte. Alle Sorgen, Mühen und Entbehrungen seines Lebens ivaren umsonst gewesen. Arm und gebrochen zog Thimonnier in seine Heimat, wo er, 64 Jahre alt, im Arnienhause starb. Eine Löwensarm. Die einzige Löwensarm der Welt, in der Löwen gezüchtet werden, findet man in Südkalifornien. Sie hat einen Umfang von etwa einem Hektar und ist durch einen hohen, starkverwahrten Zaun zu einem Gehege abgeschlossen, in dem ständig 74 Löwen hausen. Jede Löwin wird zweimal im Jahre trächtig und wirft drei bis vier Junge. Wenn man bedenkt, daß ein Löwen- säugling bereits etwa 1000 Goldmark und ein ausgewachsener männlicher Löwe an die 200 000 Goldmark wert ist. so wird man be- greifen, daß diese Zucht ein einträgliches Geschäft ist. zumal ja auch die Tiere in der Zwischenzeit noch für Filmvorstellungen aus- geliehen werden. Auch dieses Leihgeschäft ist recht lukrativ; zahlt« man doch erst kürzlich für eine in einem Jagdstück verwandle Löwin für ihre Mitwirkung 8000 Goldmark. Die Pflege und Zucht der Tiere ist freilich nicht leicht. Vor allem bedarf der kleine Löwe großer Aufmerksamkeit und sorgfältiger Vilege. In den ersten sechs Wochen ihres Lebens werden sie mit der Flasche ernährt, und Milch bleibt ihr ausschließliches Nahrungsmittel, bis sie so weit sind, um an der Fütterung mit Pferdefleisch teilzunehmen. Die Pfleglinge der Farm verbrauchen täglich ein Pserd, nur mit Ausnahme des Mon- tags, an dem sie zum Fasten verurteilt sind, um sich gegen Ver- dauungsstörungcn zu schützen, die in der Gesangenschast leicht vor- kommen. Altohol und Geschicklichkeit. Als eine sehr gleichförmige und gut vergleichbare Geschicklichkcitsprobe wurde in besonderen Versuchen über den Einfluß des Alkohols das Einfädeln von Nadeln verwendet. Die Abnahme der Geschwindigkeit dieses fortlaufenden Einsädelns erwies sich als ein sehr feines Symptom für den schädigenden Einfluß des Alkohols. Aehnliches gilt für die Ausgabe, möglichst schnell Perlen auf einen Faden aufzureihen. Neuerdinas benutzt man hier- für meist die von Kraepelin erdachte„Stichtasel", in deren feine Durchlochungen reihenweise bereitgestellte Stecknadeln möglichst ein- zustecken sind. Bei enthaltsamen Menschen setzt die Ausnahnie von nur 1ö Kubikzentimeter Alkohol die Geschicklichkeitsleistung herab, und zwar betrug die Wirkung nach 26 Minuten 5,6 Proz., und steigerte sich nach 50 Minuten aus 8,3 Proz. Aus der Partei. Reichswerbewoche für Parteiorganisation und Presse. Der Parteivorstand hat beschlossen, die Bezirkssekretariate und damit die gesamten Parteiorganisationen anzuweisen, im Herbst. innerhalb einer bestimmten Frist, eine erhöhte Werbetätig teit für die Parteiorganisation und für die Parteipreffe zu entfalten. Im Frühjahr 1914 hatte die Partei schon einmal eine solche Werbewoche veranstaltet, in der Zeit vom 8. bis 15. März. Veranlassung dazu gab der nichtbefriedigende Mitgliederzumachs im Jahre 1913. Während die Mitgliederzahl 1910 um 13,6 Broz, 1911 um 16,1 Bro3. und 1912 um 15,9 Proz. stieg, erhöbte fie fich 1913 nur um 1,3 Broz. Der Erfolg der Roten Woche", über die die Gegner viel spotteten, war ein sehr guter. 148 109 Neuaufnahmen für die Provinzorganisationen waren zu verzeichnen und 83 784 neue Leser für die Parteipresse wurden gewonnen. Der wirkliche Zuwachs an Mitgliedern bezifferte sich dank dieser besonderen Agitation für das Geschäftsjahr 1913/14 auf 103 055 Mitglieder. Mit der Zahl von 1085 905 wurde zum erstenmal die Million der sozialdemokratisch organisierten Männer und Frauen überschritten. Die guten Ergebnisse beim Boltsentscheid, auch bei den letzten Wahlen zeigten den starken Anhang der Sozialdemokratie in den Wählermassen. Diese großen Wahlziffern stehen jedoch wie immer in feinem Berhältnis zu den tatsächlich in der Partei Organisierten und zu der Zahl der sozialdemokratischen Zeitungsleser; sie zueinander in Einklang zu bringen, muß das Ziel und die Aufgabe dieser Werbealtion sein. Der Parteivorstand wird diese besondere Agitation durch die Herausgabe von Material wirksam unterstützen. Der Beschluß des Parteioorstandes wird der nächsten Sigung des Parteiausschusses zur endgültigen Ausführung und zur Festsetzung des Termins unterbreitet werden. Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik sind Berlin SW 68, Lindenstraße 3. bis heute noch nicht abgerechnet.- Die zuständigen Kreisleifer werden dringend gebeten, hier Ordnung zu schaffen. * 3. A.: Alex Bagels. 15. Ateis Treptow. Freitag. den 23. Juli, abends 8 Uhr, in Niederschöne weide, Berliner, Ede Fennstraße. Rreisvorstandssitung mit den Abteilungsleitern. Heute, Donnerstag, den 22. Juli: 47. Abt. 7% Uhr bei Rrause, Mariannenplak 22, furze Besprechung mit den Funktionären und Abholung der Karten für die am 8. Auguſt ſtattfindende Bannerweihe. Morgen, Freitag, den 23. Juli: 108. bt. Röpenid. Bezirk Köllnische Borstadt: 8 Uhr bei Stippekohl, Schöner. linder Str. 5, Funktionärsizung. Erscheinen dringend erforderlich. * 14. bt. Sonntag, den 25. Juli, Ausflug nach Seiligensee. Treffpunkt End. haltestelle der Linie 41 Tegel, Humboldt- Mühle, morgens 9 Uhr. Frauenveranstaltungen: 17. Kreis Lichtenberg. Freitag, den 23. Juli, abends 7½ Uhr bei Morr, Neue Bahnhofstr. 28 Funktionärinnenzusammenkunft. Alle Frauenleiterinnen haben zu erscheinen. 136. Abt. Reinidendorf- Dft. Heute, Donnerstag, den 22. Juli, abends 7½ Uhr, im Seebab, Residensstraße, Funktionärinnentonferenz. Jungfozialisten. Heute, Donnerstag, den 22. Juli: fierung", eine aufammenfassende Aussprache. Gruppe Charlottenburg: 7% Uhr im Jugendheim Rofinenftr. 4, Soziali. Gruppe Prenzlauer Berg: 8 Uhr im Jugendheim Danziger Str. 62 Disfuffionsabend. Gruppe Neutölln I und II: 8 Uhr im Jugendheim Schierke, Ede Jifestraße, Diskussion über Sozialdemokratie und Pazifismus". Gruppe Norben: Morgen. Freitag, 28 Uhr, im Jugendheim im Lebigenheim am Brunnenplag, Eingang Orthstraße, Bortrag: Sozialistische Erziehung und Reichsbanner". Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 38. Abt. Unfer Genoffe Rudolf FIed, Georgenkirchstr. 63, ist verstorben. Beerdigung heute, Donnerstag, den 22. Juli, nachmittags 5 Uhr, auf dem Bartholomäus- Friedhof, Weißensee, Faltenberger Weg. Wir bitten um zahlreiche Beteiligung. 83. Unsere langjährige Genoffin Lina Müller. äfcherung Freitag, den 23. Juli, mittaas 12 Uhr, im Krematorium Wilmers borf. Wir bitten um recht rege Beteiligung. für Groß- Berlin sinbenburadamm 91, ift am 17. Juli im Alter von 41 Jahren verstorben. Ein ftets an das Bezirkssekretariat. 2. Hof, 2 Trep. rechts, zu richten. Bezirksvorstand. Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin. Genoffen und Genoffinnen, beteiligt euch jeden Dienstag und Freitag an Sigung am Sonnabend, dem 24. Juli, abends pünktlich 6 Uhr ben Broben unferes Sprechchors im Jugendheim Lindenſtr. 31 Beginn abends im Sihungsfaal der„ Borwärts"-Redaktion, Lindenstraße 3, 4. Hof, 8 Uhr. 4 Treppen. Achtung, Abteilungsleiter! Liefert die Anmeldungen für das Sommertreffen ab. Ferienfahrt Office! Teilnehmer werden gesucht. Fehrt vom 1. bis 8. Auguft. Die Abteilungen 22 in Berlin und 74 in Zehlendorf haben auch Anmeldungen beim Genossen Werner Reibel, Berlin N. 113, Malmöer Str. 25. Mieten Sie von uns Staub Sid. Jauger Schranke Wasche Rollen Orion Vampyr Waschmaschinen in 635 6 Monaten Jhr Eigentum Man verlange Jonder Prospekt! Beleuch- tungs Gaskocher Gasherde Körper jeder Art Bratu Backofen PRADDATZ& Co Berlin W.66. Leipzigerstr. 122-123 Theater, Lichtspiele usw. Volksbühne Lessing- Th. Theater am Bülowplatz 8 Uhr: Darüber läßt sich reden Berliner Bilderbogen in 3 Akten Morgen Uhr: Paul Henckels zum 535, Male: Schneider Wibbel Berber, Grodiczinsky Sommerpr. 1-8 M. Darüber läßt sich reden Mitgl.d Volksbüh., Gewerk Ausweis rate Plätze 1.50. Deutsches Theater Norden 10334-38 Gastspieldirektion Ruhnert 84 Unr Max Adalbert in Das& ke! Die Komödie schaft, Reichsbanner gegen 8. auch an Angehörige KleinesTh. Leckerbissen Vorz. dieses zahlt 50% d Kass npr Rose- Theater 8 Uhr: Bismarck 2414, 7516 Olaf, Tragödie Komische Oper 8% Dir. James Klein 814 Die große Revue Berlin ohne Hemd! Allabendlich 9:30 Uhr Die sensationelle Einlage: Satans Brautnacht! Ueber 200 Mitwirkende! Th. am Kurfürstendamm 8. U.: Kavalier Jack Operette v. Carita v. Horst Reichshallen- Theater Die neue Hemdbluse für den Herrn von M. 7.50 an Baer Sohn A. G. Berlin N4, Chausseestr. 29-30 Untergrundbahn Stettiner Bahnhof Eigenheim m. Garten u. Stall von 50,- Mt. monatl. an, in befter Gegd, 20 km nöt bl. v Stabt entr. Rauf b gering. Anzahlg. Aust. b. Schliens, S., Luisenufer 32( im Laben). Dr.Scholls Zino Pads Gastspiel der berühmten Das Kühneraugenmittel Dresdner Viktoria- Sänger Anfang 8 Uhr 1.8.: Wiederauftreten der Stettiner Sänger 812 Uhr: eines Sportlers Dönhoff- Brettl( Saal und Garten): Dyckerpotts Erben Gartenbühne: 54 Uhr: Konzert mit Max Gülstorff und Bunter Teil 8 U.: Försterchristl Beutsches Künstl.- Theater Tägi 8 Uhr Der fröhliche Weinbers Residenz- Theat. 814 Uhr: Der Mustergatte M. Neukirchen, W. Storm Barnowsky- Bohnen Sommerpreise Theater Schiller- Th. Operettenspielzelt. 8 Uhr: Die Leichte Isabell Gr. Variete Honzert Tanz Rennen zu Hoppegarten des Facharztes! ist u. a. bestimmt zu haben: C. SchweizerAp., Friedrichst. Kronen- Ap., Friedrichst. Lucaes Ap., U.d Lind. Engel- Ap..Kanonierstr. Simons Ap., Spandauer St. W. Hobenzoll.-Ap., Kön Augustastr 50, Westend- Ap, Kurfürst 80 Tauentzien- Ap., Tauentz. Kurfürsten- Ap. Genth.20. Wittes Ap.. Potsd.87 Bellevue- Ap.. Potsd. Pl. SW. Askan. Ap., Bernb. St Kreuzb.- Ap., B- Alliancestr. 75 Lowenap., Jerusal. St. Elefantenap., Dönhoffpl. SO. Elisab.- Ap, Reichenbg_St Neander- Ap, Neanderstr. O. Ap. z. Bär, GrünerWeg. Stern- Ap., Posener Str. NO. Donnerstag, den 22. Juli Sonnen- Apr Frankt. St. Nordest- Ap nachmittags 3 Uhr Berliner Prater Trauerfpenden Heute: jeber Art KrauseGroßer Volkstag Paul Golletz. Pianos Königgrätz.Str. Eintritt auf all. Platz au&.Loge Dormals Robert Meyer Mariannenstr.3. T: Hasenheid.2116 50 Pig. Amt Morigpl. 10309 8 Uhr: Der Garten Eden Homödienhaus Tel.: Norden 6304 8 Uhr: Drei Mädel von heute Berliner Theater Uhr: Donnerwetter, ganz famos Elite- Sänger Zag 8 hr: Gakipiel derOriginal Kaffeekochen. Tanz. HUNDE Katzen, Papageien und alle Haustiere werden behandelt. 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Allen Freunden und Bekannten die iteftraurige Nachricht, daß mein einaiger Sohn Richard Krieg am 16. Juli in der Sommerfrische beim Baden ertrunken ist. In tiefer Traner Marie Krieg, Ww. Waldftr. 59. Einäscherung am Freitag, d. 23. Juli, abends 8 Uhr, Krematorium Gericht ftraße 37/38. Am Montag, den 19. b m. entfchlief fanft nach kurzem. aber schwerem Rampf mein inniggeliebter Mann, unfer herzensguter Bater. Schwiegerpater und Großvater, der Schloffer Paul Schmidt im Alter von 54 Jahren In tiefer Trauer Berta Schmidt, geb Röschert, nebft Rindern und Enkelfindern. Berlin S. 59, Gräfeſtr. 75. Die Einäfcherung findet am Sonnabend, den 24 Juli, nachm 2 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. Allen Freunden und Befannten aur Nachricht, daß unfere liebe Mutter Henriette Hahn am 16. Juli plöglich verstorben ist Die trauernden Hinterbliebenen Einäscherung am 22. Juli, 1%, Uhr nachm., im Krematorium Gerichtstraße 3 litt felt einem Jahr an flammer Pispal Suife, Suifungsilmar omgu Gualde Buvorzügt, Sammalt die Gutscheine! und Mitesser Heute, Donnerstag, abends 7% Uhr: Ach'ung, B.- B.- Mitglieder! Heute abend pünktlich 7½ Uhr Sigung. Norden: Schule Butbuffer Str. 3. Bortrag: Unser Wandern". Schön hauser Vorstadt II: Schule Eberswalder Str. 10. Rezitationsabend. Often ( 2.-B.): Jugendheim Ebertnftr. 12. Vortrag: Unser Wandern". Südwest: Gruppenabend im Freien, Treffpunkt 18 Uhr Lindenstr. 3. Vortrag: ,, Die Kirche im Dienste der Reaktion". Lankwig: Gemeindeschule Schulstraße. Vortrag: Soziale Frage". Lichterfelde: Jugendheim Albrechtstr. 14a. Vors trag: Sexuelle Fragen". Ertner: Jugendheim an der Rundsiedlung. Vortrag: Wie foll man wandern?" Friedenau: Jugendheim Offenbacher Str. 5a. Bortrag: Jugend rechts und links von uns". Schönhauser Borstadt I: Schule Driesener Str. 22. Gitten und Gebräuche der Völker. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin G. 14. Sebaftianftr. 37 38. Sof 2 Tr. Webbing: Sonntag, d. 25., aur Fahnenweihe nach Wandlik, Abf. per Auto morgens 8 Uhr von Müller, Uferstr. 12. Meldungen zu dieser Fahrt müssen bis Do. abend bei Müller erfolgt sein. Fahreeld 1 M. Kreuzberg: Rameraden, die fich an der Fahrt nach Saßnig. 31. Juli bis 2. Auguft( Fahrgeld etwa 13,80 M.), bzw. an der Fahrt nach Nürnberg, 13. bis 17. Auguft( Fahrgeld 25 M.) beteiligen wollen, melden sich umgehend bei den Abteilungs und Jungmannschaftsführern unter Hinterlegung des Fahrgeldes. Steglip- Lankwig- Lichterfelde: Nürnberg- Fahrer melden sich zweds Auskunft bei ihren Rameradschaftsführern bis 1. Auguſt. Treptow: Kameraden, die zur Verfaffungsfeier nach Nürnberg fahren, müssen sich bis Sonntag, d. 25., beim Ram. Adryan, Graegstr. 50, melden. Kreis Niederbarnim- Norb: Sonn tag, d. 25., Pflichtveranstaltung in Wandlth. Eintreffen spätestens 1 Uhr Hotel Rünger. Reffen: Am 1. August Bannerweihe. Rossen ist auf stärksten Befuch eingerichtet. Für Reichsbannertameraden ist es Pflicht, nach Boffen zu tommen! Republikaner benuken den 1. Auguft zu einem Familienausflug nach Roffen. Abf. Potsd. Ringbhf. alle halbe Stunde. Festredner: Minister a. D. Wendorff und Stelling sowie Gauvorsigender Frizz Koch. Geschäftliche Mitteilungen. Gerade bie heutige Zeit zwingt einen zur Sparfamkeit, darum ist es ange bracht, Ihre Schönheitspflege mit einem Mittel zu verbinden, welches auch Schönheitsfehler beseitigt und das außerdem als hochfeine Toilettenfeife anzusprechen ist. Die von ärztlichen Autoritäten glänzend begutach ete ,, Obermeyers Serba- Seife" ist ein ausgezeichnetes Heilmittel bei Hauterkrankungen, Hautausschlägen, Flechten u. dgl., ferner hervorragend bei Hautübel( Bidel. Siteffer u. w. m.), sonst aur Erzielung und Erhaltung einer weichen, zarten Haut vorzüglich geeignet. Darum verlangen Sie in den Apotheken, Drogerien, Barfümerien stets Obermeyers Herba- Geife". Welterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle für Berlin.( Nachdr. verb.). Runächst trübe und Regenfälle, später wechselnd bewö.ft, weiterhin fühl. fälle, Temperaturen wenig verändert. Für Deutschland: Von Weſt nach Dft fortschreitende Eintrübnng und RegenZÄHNE ohne Gaumen von 3 Mark an, mit Kantschukplatte 1 u. 2 Mark.- Teilzahlung gestattet. 3 Jahre weitgehende Garantie. Zahnziehen bei Bestellung gratis. Hatvani Dar. 27 Charlbg., Schlüterstr. 37 Danziger Straße 1 Zimmerstraße 86 Ausnahme- Angebote nur gültig bis 15. August 1926. Hunderttausende von Litern erstklass.ger Weine gelangen zum Verkauf. Ausschank vom Faß Kostproben gratis. * Feinster Fruch wein, süß Liter nur 63 Pf. Feinster Weißwein. Flasche nur 60 Pt. Feins er Speziallikör ca. 35 Fl. nur 2.75 M. . Mein Krankenwein,.Sanato" Mach mich gesund Erstklassiger Apfelwein, säß, ca. 14% Erstklass. Johannisbeer- u. Kirschwein, ca.14% Prima Bockenh. Sonnenberg Echter Tarragona, suss, ca. 18 Echter Malaga, saa, unverschnitten... 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