Nr. 342 ♦ 43. �ahrg. Ausgabe tk Nr. 176 Bezugspreis. Wi>ch«ntlich 70 Pfennig, monatlich B,— Reichsmark voraus»ab Idar. Unter itreuzdand für Deutschlaad. Danzig, Saar- und Memelgebiet, Oesterreich. Litauen. Lurembur» 4,30 Reichsmark, für das übrig« Ausland 3,30 Reichsmark pro Monat. Der.Vorwärts� mit der Sonntags- Beilage»Volk und Reit" mit»Siedlung und Kleingarten" sowie der Beilage»Untcrholtuna und Wissen" und Krauenbcilagc„Frauenstimme" erscheint wochentäglich zweimal. Sonntags und Montags«inmal. Telegromm-Adrelsei .Sozialdemokrat Verlin" Morgenausgabe Derliner Volksvlatt (lO Pfennig) Anzeigenpreise: Die einspaltige RonvareiNc- »eile 80 Pfennig. Rcllamczeile 5.— Reichsmark.»Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 23 Pfennig tzuläfstg zwei fettgcdruckie Wort«), iedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 13 Psennig. icdcs weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 13 Buch- stoben zädlcn für zwei Wort,. Arbeitsmarkt Keile 60 Pfennig. ssamilienanzeigen für Abonnenten Keile<0 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis Wj Udr nachmittags im Kauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden. st raste Z, abgegeben werden. Geöffnet von 8!, Udr srüb bis 3 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdcrnolkrati fchen parte» Deutfchtands Neüaktion und Verlag: öerlin SW. 6$, Andenstraße 3 Fernsprecher: Tönhoff 292—297. poincares Schwierigkeiten. Trotz Zugeständnissen nach links Widerstände bei den Radikalen. Paris, 22. Juli.(Eigener Drahiberichl.) p o i n c a re. der noch in der Ilachi zum Donnerstag unmittelbar nach seiner Be- trauung durch Doumergue seine Besprechungen mit führenden Politikern aus allen Parteien ausgenommen und während des ganzen Donnerstag fortgesetzt hat, begegnet bei der Bildung des Kabinetts unverkennbaren Schwierigkeiten. Er bemüht sich um die Bildung eines..nationalen Ministeriums" und hat sich dabei sowohl an Männer des Nationalen Blocks wie T a r d i e u und Bokanowsky als auch an Männer der Linken wie B r i a n d und sogar Herriol gewandt. Er ist sich ossenkundig der paradoxen Lage bcwuht, die durch seine Rückkehr zur Macht unter der gegenwärtigen am lt. Mai 1924 gewählten Kammer geschassen werden würde. Daher bemüht er sich mit ausfallendem Eifer, die Bedenken zu zerstreuen, die bei den Linksparteien gegen seine Person herrschen und versichert immer wieder, dah er nicht daran denke, eine Politik der Revanche für seine Riederloge bei den ollgemeinen Wahlen zu betreiben, sondern lediglich die Rettung der finanziellen Lage Frankreichs im Auge habe. Das hat er insbesondere gegenüber Abgeordneten der radikalen Partei geäußert, die an ihm das Ersuchen gerichtet halten, wohl das Jinanzminisle- rium, aber nicht das Ministerprösidium zu übernehmen. Poincare stellt sich aus den Standpunkt, dah er die nötige Autorität zur Sanierung der Finanzen nur dann besitzen würde, wenn er auch an der Spihe des Kabinetts stünde. Die Schwierigkeiten Poincare« werden auch von den ihm nahestehenden Blättern, wie das„Journal des Debats" und der„Zalran- slgeont", bestätigt, die daraus die abermalige Verschlechterung des französischen Franken zurückführen, die nachbörslich am heutigen Rachmittag eingetreten ist: das Pfund stieg von 20b auf 214. Troh dieser Hindernisse, die jedenfalls so stark sind, dah Poincare selbst erklärt hat, dah er erst im Laufe des Freitag an die Pcrsonenfrage würde herantreten können, glaubt man nach wie wir an seinen Erfolg. Er wird seine endgültige Entscheidung am Freitag vormittag Doumergue bekanntgeben. Befürchtungen in England. London, L2. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Die Meldung von der Kabinettsbildung in Frankreich durch Poincare ist in London mit sehr gemischten Gefühlen aufgenommen worden. England betrachtet gegenwärtig jeden französischen Ministerwcchsel unter dem Gesichtspunkte, welche Aussichten er für eine Ratifizierung des ob- geschlossenen Schuldenabkommens und für die künftige Schuldenzahlung durch Frankreich gewährt. In tonfcroativen Kreisen ist man bereit, jedem französischen Ministerpräsidenten, der die Voraussetzung für jedc Schuldenzahlung an England, die Stabili- sierung des Franken, ernstlich versucht, zunächst mit freundlicher Neutralität entgegenzunehmen. In liberalen Kreisen wird die Befürchtung ausgesprochen, dah das System Poincare eine Stabilisierung des sranzösischen Franken auf Kosten Deutsch- 1 a n d s oder, wenn dies nicht gelingen sollte, auf Kosten Englands und Amerikas vorzunehmen versuche» wird. Bei der Arbeiter- partei werden den Bedenken der Liberalen noch a u h e n p o l i- tische Befürchtungen hinzugefügt. Vor allem befürchtet man van einem Ministerium Poincarö eine ernste Gefährdung für den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund. Zur Vorgeschichte ües Sturzes tzerriots. Wie der Nationale Block die Linke hineinlegte. Eine sehr eigenartige Rolle hat in den letzten Tagen ein Teil des Nationalen Blocks, die sogenannte„Demo- kratisch-Republikanische Union" unter Führung des Abg. Louis Marin gespielt. Dieser hat nämlich gemein- sammenmitHerriotundBlum gegen die Erteilung von Vollmachten für die Regierung Briand-Caillaux gekämpft. Der Sturz Briands war nur möglich durch das Zusammen- wirken der Sozialisten, der Kommunisten, des linken Flügels der Radikalen und der 60 Abgeordneten vom Nationalen Block, die Marin gefolgt waren. Nach der Bildung der Regierung Herriot haben jedoch Marin und feine Freunde geschlossen gegen das neue Kabinett gestimmt. Es scheint, daß es sich hierbei um ein ganz r a f f i- viertes Manöver der Reaktion handelte, die ihre Hand dazu hergab, nacheinander Briand und Herriot zu stürzen, um die Rückkehr Poincarcss zu ermög- lichen. Unverständlich bleibt nur, daß so erfahrene Poli- titer wie Herriot und Blum dieses Manöver nicht durchschaut haben. Sie hätten ja wissen müssen, daß es s i n n l o s ist, sich vorübergehend mit Kommunisten und Reaktionären zum Sturz einer anderen Regierung zu verbünden, wenn man die(Be- wißheit hat, daß man die gleichen kommunistischen und reaktionären Stimmen gegen sich vorfinden wird, wenn man selbst die Regierung bildet. Wenn wir unserer Ueberzeugung Ausdruck geben, daß auch unsere Genossen taktisch unglücklich operiert haben, so soll doch nicht vergessen werden, daß sich die f r a n z ö s i- sch e n Kommunisten wie immer und wie überall als be- wußte Steigbügelhalter der Reaktion bewährt haben. Ihre 30 Stimmen haben den Ausschlag für den Sturz Herriots und für die dadurch ermöglichte Rückkehr Poincar�s gegeben. Ohne die kommunistische Hilfe wären die Gegner Herriots in der Minderheit geblieben. Die„Rote Fahne" hat mit bewundernswertem Scharfsinn die gesamte politische Situation nach dem Sturz Herriots sofort erfaßt und die richtige Parole ausgegeben. Ihr einziger Kommentar besteht in der Ueberschrift:„Für die Ar- beiter- und Bauernregierung!" Auf die Ausrufung der Sowjet-Republit wartet in der Tat ganz Frankreich mit fieberhafter Ungeduld. Es ist gerade- zu unverständlich, daß sie nicht schon seit gestern nacht durch Cachin unter brausendem Beifall der Menge ausgerufen wurde und daß statt dessen Poincare mit der Bildung des Kabinetts betraut worden ist. Die Parteien bei der entscheidenden Abstimmung. Paris, 22. Juli.(MTB.) Für die Vertrauenstagesordnung Cazals, die die Regierung angenommen hatte, stimmten gestern abend 237 Abgeordnete, nämlich 95 Sozialiften, 29 Sozial- republikaner(Gruppe Painkeve-Briand), 195 Radikale(also haben sich doch fast vier Fünftel der radikalen Abgeordnelen hinter herriot gestellt. Red. d.„B."). 1 Abgeordneter der Unabhängigen Linken(Gruppe Le Trocquer), 1 Linksrepublikaner, 2 keiner Partei angehörende Abgeordnete und 13 Radikals Linke(Loucheur-Gruppe). Der Stimme enthielten sich 24, darunter vriand: beurlaubt waren 15: gegen die Tagesordnung stimmten die übrigen 299 Ab- geordneten. psret zum KammerpräsiAenten gewählt. (?in neuer Erfolg der Rechten. Paris, 22. Juli.(Eigener Drohkbericht.) Durch die wenn auch nur eintägige Uebernahme des TMnislerpräfidiums durch Herriol war die Wahl eines neuen Kammerpräsidenten notwendig geworden. Diese hat heule nachmittag stattgefunden. h e r r i o l selbst war von einer Abordnung seiner Partei dringend ersucht worden zu kandidieren und er wäre auch höchstwahrscheinlich mit fast allen Stimmen der Linken wiedergewählt worden. Er lehnte jedoch diese Anregung entschieden ab. So entstand ein scharfer Kamps zwischen der Rechten, die sich g'eich im ersten Wahlgang aus den früheren Kammerpräsidenten Raout P e r c t. den kürzlich zurückgetretenen Finanzminister im vorlehlen Kabinett Briand. vereinigt hatte und den Linksparteien, die zunächst g e- trennt vorgingen. Im ersten wahlgang erhielt P e r e l 197 Stimmen, der bisherige Vizepräsident Genosse Ferdinand B o u i s s o n 1ZZ und der andere bisherige Vizepräsident, der Radikale L o u y s s o u 113 Stimmen. Zersplittert waren 40 Stimmen.. «Da keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erzielte, wurde ein zweiter wahlgang notwendig, in dem die Linksparteien sich auf die Kandidatur des Genossen Bouisfon einigten. Irohdem erhielt, dank dem am Dienstag wiederhergestellten geheimen wahl- verfahren, Raoul Peret 227 und Bouisfon nur 215 Stimmen. Dieses Ergebnis, das nur dadurch ermöglicht wurde, dah einige Radikale gemeinsam mit der Rechten für Peret stimmten, bedeutet eine neue R l e d e r l o g e für da» Kartell der Linken. Margaret Sonüfielü wieder im Unterhaus. Großer Stimmenzuwachs der Labour Party bei einer Nachwahl. L o n d o n. 22. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Die A r b e i l e r- Partei hat bei der Rachwahl in Wallsend einen E r so l g zu verzeichnen. dem in seiner auherordentlichen Gröhe eine ganz besondere Bedeutung als Stimmungsmeffer zukommt. Die Kandidatin der Arbeiterpartei Margaret Bondfield, die im Kabinett Macdonald einen MinistersiH innehatte und bei der letzten Wahl ihren Parlamentssitz verlor, ist in einem„dreieckigen" wahlkampf mit einer absoluten Mehrheil von annähernd 5909 Stimmen über die beiden bürgerlichen Gegenkandidaten gewählt worden. Während sie 1 S 8 b v Stimmen erhielt, brachten es der Konservative aus 9839, der Liberale aus rund 4999 Stimmen, während der konservative Kandidat in diesem Wahlkreis, der bisher durch den Arbeiterparteiler Polrick Hostings vertreten war, bei der letzten Rachwahl annähernd 15 999 Stimmen erhallen Halle, kam er also diesmal nicht einmal aus 19 999. Die gegen die Regierung Baldwin abgegebenen Stimmen betragen sogar insgesamt 23 999. In einem Kommentar des wahlergebnisies stellt R a m s a y M a c d o n a l d fest, es zeige sich, dah die jetzige Regierung, die niemals eine Mehrheit der Stimmen hinler sich gehabt habe, das Vertrauen de» Landes völlig verloren habe. Das Wahlergebnis sei die Ouitlung der Wählerschaft für die Haltung der Regierung in der vergbaukrise. Vorwärts-Verlag G.m.b.tz., öerlin SW.bS, Andenstr.3 «oflldicilonto:»erlin 31331—«-»Nouto:»an! der Arbeiter.«Nfteftellten und Beamten. Wallstr. 65; Dlslonto-Seicllibast. Denolitenkasse Lindenstr. 3. pleite in öraunschweig. Ein Anschauungsunterricht zum Kapitel„nationale Reinigung". Bon O. G r o t e w o h l, M. d. R. Mit allen Mitteln der Verleumdung und Gemeinheit wurde 1924 durch die Rechtsparteien im Lande Braunschweig der Landtagswahlkampf mit dem Ziele der Beseitigung der sozialistisch-demokratischen Regierung geführt. Seit Jahr und Tag durch maßlose Hetze aufgepeitscht, entwickelte sich im „Stahlhelm" des Landes Braunschweig eine Schutzgarde, hinter deren Phalanx die bürgerlichen Parteien ihre Giftpfeile offen und versteckt hervorschleuderten. Mit brutalem Terror, persönlicher Infamierung, Lug und Trug und nicht zuletzt mit erheblichen Geldmitteln der Industrie gelang es ihnen, allein durch die Hilfe des„Stahlhelm", unter den Parolen: Beseiti- gung der roten Mißwirtschaft, Reinigung des öffentlichen Lebens durch ein Ministerium von Fachministern, einen Sieg zu erringen. Der Landtag fetzt sich aus 48 Mitgliedern zu- sammen, von denen 25 Abgeordnete der Deutschnationalen, der Deutschen Volkspartei und des Wirtschaftsverbandes mit Hilfe des einzigen Nationalsozialisten, den man dafür zur Belohnung zum Oberlehrer machte, eine Mehrheit bilden. Diese knappe Mehrheit ist in einer Parlamentarischen Arbeitsgemeinschaft zusammengefaßt. Wenngleich sie auch aus den widerstrebendsten Elementen besteht, die jede Regie- rungshandlung und die gesamte Gesetzgebung des Landtags zum widerlichen Schachergeschäft herabwürdigen, so bindet ihr Haß gegen Republik und Sozialdemokratie sie doch immer wieder zusammen. Die Folgen dieser Politik beginnen jetzt sich für das Land geradezu katastrophal auszuwirken. Was ist aus der angeblich so nötigen Reinigung des öffentlichen Lebens geworden? Mit Hintorlist und Tücke hat eine widerliche Gefin n ung s s ch n ü f f e l e i die Moral weiter Teile der Beamtenschaft erschüttert und unter Billigung und Förderung der„Fachministerregierung" zu niedrigster Gesinnungslumperei geführt. Die wenigen republikanischen Beamten aber, die sich diesem Treiben gegenüber dennoch behaupten, haben unter Schikanen und Drangfalierungen unausgesetzt zu leiden und müssen einseitigste Bevorrechtung der Regierungspaladine über sich ergehen lassen. Dabei zeigt die Regierung keineswegs einmal eine glück- liche Hand. Der Landesvorsitzende der D e u t f ch n a t i o- n a l e n, eines der prominentesten Mitglieder der Parlamen- tarischen Arbeitsgemeinschaft im Landtage, ein Regierungs- rat a. D., der unter der früheren Regierung auf eigenen Wunsch aus dem Staatsdienst schied, mußte„rehabilitiert" werden und wurde zum Oberregierungsrat ernannt. Nach wenigen Wochen mußte dieser hehre Vorkämpfer für„vater- ländische und christliche Ideale" wegen schwerer s i t t- l i ch e r Belastung aus dem Landtage, aus der Partei- leitung und aus dem eben erhaltenen Amt beseitigt werden. Bei der Ersatzwahl für einen in wenigen Monaten oer- brauchten Finanzminister zeigte sich dem braunschweigischen Volke eine Cliquenwirtschaft und politische Schiebung, wie sie nur selten in der kurzen parlamentari- schen Geschichte Deutschlands zu finden sein wird. Ein gewiß nicht unbefähigter Privatdozent, der Vorsitzende der bürger- lichen Landtagsfraktion, wurde dabei aus persönlichen und politischen Gründen übergangen. Als er verärgert die Führung der Landtag sfraktion niederlegte, machte man ihn zum außerordentlichen Professor an der Technischen Hochschule! Einer der Antipoden des sozialistischen Landesschulrats Dr. Stölzel wurde vom Studienrat zum Ober» studiendirektor befördert, weil er als eifrigerAgitalor der Deutschnationalen bei der Neubesetzung der Stelle des Landesschulrats nicht berücksichtigt werden konnte. Diese wenigen Beispiele mögen zur Jllustrierung des Dranges zur„Futterkrippe" be! den schwarzweißroten Partei- gängern genügen. Auch das Telegramm des Reichstags- abgeordneten und Senatspräsidenten H a m p e, das dieser vor der Verabschiedung des Herzogsvergleichs, der dem ehemaligen Herzog die Auslieferung von über 50 000 Morgen Land sicherte, angeblich im Auftrage der bürgerlichen Land- tagsfraktion an den Cumberländer sandte und in dem er dazu aufforderte, den unsicheren 25. Mann der bürgerlichen Fraktion, einen Nationalsozialisten, der zu Verhandlungen auf der Reise zum Herzog war, mit dem schäbigen Mittel des Veftechungsversuchs für den Vergleich gefügig zu machen, gehört in das Kapitel von der„Reinigung des öffentlichen Lebens". Besonders zu beachten sind in diesem Zusammenhange aber auch die Vorgänge im Braunschweiger„Stahlhelm". denn der„Stahlhelm" ist der eigentliche' wahre Geburtshelfer dieser Regierung. Ohne die umfangreiche und brutale Wahl- arbeit des„Stahlhelms" wäre in Braunschweig überhaupt keine bürgerliche Regierung zustande gekommen. Für die Wahl- und Propagandamöglichkeiten der bürgerlichen Par- teien war der„Stahlhelm" die letzte feste Säule. Doch„auch diese schon geborsten, wird stürzen über Nacht". Durch un- ehrliche geschäftliche und unmoralische Manipulationen hat es der Landesoerbandsführer Uhlenhaut im„Stahlhelm" fertig- gebracht, ein unübersehbares Tohuwabohu anzurichten, in dem Alle gegen Alle kämpfen, und dessen Ende, besonders angesichts des Wachstums des Reichsbanners, die Ausschal- tung des„Dahlheims" aus politischen Kämpfen unwider- ruflich sein wird. So sind nun die„Reiniger des öffentlichen Lebens" dabei angelangt, sich zunächst einmal zu reinigen. Wie steht es nun mit der„Beseitigung der sozialistisch- demokratischen Mißwirtschaft"? Durch eine unverantwortilche Liebesgabenpolitik hat man dem Herzog, der Kirche und dem Großgrundbesitz erhebliche Mittel zu- geschanzt. Der Steuerscheu der Besitzenden ist durch um- fangreiche Steuermilderungen und Erlasse ein« Konzession nach der anderen gemacht worden. Allein im Jahre 1925 wurde die Landwirtschaft von derZahlungvon50Proz. der Grund st euer im dritten und vierten Vierteljahr befreit Den Besitzlosen dagegen schuf man neue Belastun- gen. Durch eine kluge, soziale Steuergesetzgebung der früheren sozialistisch-demokratischen Landtagsmehrheit waren kleine Wohnungen von der Zahlung der Hauszinssteuer befreit. Heute sind diese Vergünstigungen der Minderbemittelten nicht nur beseitigt, sondern im Lande Braunschweig wird jetzt der höchste Mietsatz des ganzen Reiches erhoben. Unter dieser völlig einseitigen Steuerpolitik leiden die Auf- gaben der Wohlfahrtspflege, des Gesundheitswesens, der Schule und der Fürsorge. Fast alle Gemeinden des Landes befinden sich in großen finanziellen Schwierigkeiten und das Land sieht sich einer wachsenden Verschuldung gegenüber. In den Iahren der Linksregierung befanden sich die Finanzen in geordnetem Zustande, ja, es wurden sogar, trotz der Inflation wesentliche Ueberschüsse erzielt. Die Ueberschüsse betrugen: 1919/20..... 2.8 Mill. Goldmark 1920/21..... 41 000 Goldmark 1921/22..... 2,7 Mill. Soldmark l 922/28..... g 728 749 929.84 Vapiermark(Jnflat.) 1923/24..... rund 1 Mill. Goldmark Trotz erheblicher Steigerung der Aufgaben gegenüber der Vorkriegszeit auf den Gebieten der Ernährungswirtschaft, des Wohlfahrts- und Fürsorgewesens, der Polizei, der Schule, der Siedlung, des Wohnungsbaus usw. balancierte der letzte Haushaltsvoranschlag der Linksregierung mit fünf Millionen weniger als der Voranschlag der früheren herzoglichen Regie- rung aus dem Jahre 1914. Seit dem Regierungsantritt der Rechtsregierung hat sich die Finanzlage dauernd bedenklich verschlechtert. Bereits die ersten Haus- Haltspläne des Jahres 1925 wiesen mit ihrem Nachtrage einen voranfchlagsmäßigen Fehlbetrag von rund 2,7 Millionen auf, der sich um den Betrag von 2,6 Millionen einer noch nicht aufgewerteten Eisenbahnrente, die als Einnahme eingesetzt war, auf 5,3 Millionen erhöhte. Ob der Vollzug sich nicht noch ungünstiger gestalten wird, steht dahin. Für das laufende Jahr ist schon jetzt ein Defizit von rundöMillionen erkennbar. Die Bedeutung dieses Fehlbetrags in seiner Wirkung auf das Land wird erst er- kennbar, wenn man bedenkt, daß der gesamte Ausgabenetat des Landes nur 55 Millionen beträgt. Das Ergebnis der eineinhalbjährigen Tätigkeit der braun- schweigischen F a ch Ministerregierung ist für das Bürgertum eine völlige Pleite. Die Trümmer sind: zerstörte poli- tische Organisationen, unerfüllte Versprechungen und eine Schuldenlast von 12 Millionen Mark. Nach den Landtagswahlen Ende 1927 wird dieser Regierung als AMabe nur die Entgegennahme des Volksauftrags bleiben: „Abtreten!" Beisetzung Vschershinskls. Die feierliche Beisetzung des Volts- kommissors Dschcrshinsti fand auf dem Roten Platz an der Kreml- mauer hinter dem Lenin-Mausoleum statt. Als der Sarg in die Gruft versenkt wurde, wurden in Moskau und in allen Städten der Sowjetunion Salutschüsse abgegeben, während gleichzeitig die Fabriksirenen ertönten. Do» englische Parlament wir? am 6. August in vi« Ferien gehen. Preußen und üie Addern. Brauns Antwort an Herrn von Berg. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der preußische Ministerpräsident Braun an den General- bevollmächtigten des vormaligen Königshauses unter dem 21. Juli 1926 folgendes Schreiben gerichtet: „Das Schreiben Eurer Exzellenz vom 4. d. M. habe ich er- halten: über seinen InHall war ich bereits durch seine V e r ö s f e n t- lichung in der Tagespresse unterrichtet. Die Preußische Staatsregierung vermag nicht anzuerkennen, daß die Vertretung des vormaligen Königshauses in den letzten Iahren unablässig bestrebt gewesen sei, die Vcrmögensauseinander- setzung auch unter weitgehenden Verzichten im Wege einer Der- ständigung durchzuführen: sie ist der Auffassung, daß ein r e ch t- zeitiges Eingehen des vormaligen Königshauses auf V e r- gleichsvorschläge, wie sie vom Staate früher wiederholt gemacht worden sind— so noch im Jahre 1924 von dem damaligen Finanzminister Dr. von Richter— längst den Gegenstand der Beunruhigung unseres öffentlichen Lebens, von dem das dortige Schreiben spricht, aus der Welt geschafft haben würde. Bei der dritten Beratung des Staatshaushaltsplanes für das Rechnungsjahr 1926 im Preußischen Landtage(197. Sitzung vom S. d. M.) habe ich auf die Ausführungen des Abgeordneten Dr. von Campe über den Entschließungsantrag der Fraktion der Deutschen Volkspartei betr. die Vermögensauseinandersetzung zwischen dem Preußischen Staat und den Hohenzollern(Drucksache Nr. 3985) folgendes erwidert: „Auch die Staatsregierung hat ein Interesse daran, daß die von dem Herrn Abg. von Campe soeben besprochene Angelegen- hell mit aller Beschleunigung so geregelt wird, wie sie im Interesse des Staates liegt." Hieran hält die Preußische Staatsregierung fest. Wenn bei den dortseits angeregten Verhandlungen ein Ergebnis erzielt werden soll, wird man freilich nicht auf den Vertrag vom 12. O k to b e r 1925 zurückgreifen dürfen, um so weniger, als er die mit sehr umfangreichem Grundbesitz ausgestattete Karl- linie des vormaligen Königshauses nicht einbezieht. Die dortige Bemerkung, daß die Verzichte des vormaligen Königshauses vis zur Preisgabe von S3 Proz. der Vermögensmasse gegangen seien, läßt außer Acht, 1. daß die Vermögensmasse erhebliche Werte einschließt, die Staatseigentum sind, 2. daß die kapitalisierte Kronfideikommißrente (187,5 Millionen) aus der Berechnung ausscheiden muh, 3. daß die Vermögensmasse sehr große Werte enthält, die der Staat aus öffentlichen Gründen in Anspruch nehmen muß, deren Unterhaltung ihm aber bereits erhebliche Kosten verursacht hat und weiter verursachen wird, 4. daß dem vormaligen Königshause berells erhebliche Kapitalzahlungen zugeflossen sind, 5. daß den Nebenlinien beträchtliche Vermögenswerte zu- gefallen fein würden. Nur Verhandlungen, die an das Ergebnis der Beratungen des Reichstages über den Entwurf eines Reichsgesetzes über die vermögensrechtliche Auseinandersetzung zwischen den Ländern und den vormals regierenden Fürstenhäusern anknüpfen, können nach Lage der Verhältnisse jetzt noch in Frage kommen. Zu solchen Ver- Handlungen ist die Preußische Staatsregierung bereit." Der generalbevollmächtigte Adelsmarschall wird mit der Antwort der preußischen Regierung hoffentlich zufrieden sein. Sie ist jedenfalls durchaus nicht mißzuverstehen. Denn wenn die Hohenzollern gegen den Volksentscheid überall den Schwindel verbreiten ließen, sie hätten bereits auf 83 Prozent ihres Vermögens verzichtet, so werden sie nach dem Brief des preußischen Ministerpräsidenten schon etwas Neues aus- tifteln müssen. Wenn die Familie Hohenzollern wirklich ernsthaft ver- handeln will, so wird sie Gelegenheit dazu haben. Aber selbst wenn sie noch sehr weitgehende„Verzichte" ausspricht, dürfte sie immer noch das Vielfache von dem bekommen, was zur„standesgemäßen" Lebenshaltung prinzlicher Nichtstuer notwendig ist. Mittag im Gebirge. Von Alfred Fritzsche. Das ist der Mttag in den Bergen: Die Grillen zirpen im hohen Gras, die Sonne brennt aus dem Blau des Himmels mll goldenen Feuern hernieder» der Schnee leuchtet auf den Kämmen, blauum- haucht sind die dunkelgrünen Wälder auf den Abhängen, Wolken segeln weiß und stumm darüber, ein kühler Wind weht durch das Tal. der Fluß rauscht, eine Quelle plätschert, und durch die Stille läutet das silberne„Ave" eines Kirchenglöckchens. Der voll- hchongene Apfelbaum im Garten steht wie ein blühender Rosen- strauch aus: die weihe Wäsche flattert auf den Leinen und Rests roter Unterrock weht wie eine Fahne im Winde. Die Kati trägt, ein Liedchen summend, das kleine Schwesterchen auf dem Arm im Sonnenlicht hin und her. Ein Hähnchen kräht. Susi, die braune Ziege, scheuert ihr Fell an einem Pfosten. Zwei Kätzchen spielen schnurrend miteinander. Die scheckige Kuh schreitet, mit der Glocke bimmelnd, langsam über die Wiese. Ein Schmetterling fliegt taumelnd herum. Und drüben, am jenseitigen AbHange, pflügt ein Bauer sein Feld: die Pflugklinge blinkt und blitzt aus den braunen Erdschollen herüber. Schwarze Bergraben fliegen lautlos durch Sie Lust.... Ich liege tiefatmend im Grase und rieche den betäubenden Duft, der aus dem nahen Walde weht. Ich träume von seinem grünen Moose, in dem sich die kleinen Alpenveilchen verstecken, von denj blauen Glocken der Enziane, von einer huschenden Eidechse, und— ganz plötzlich— von dem schönen Königssee, der nicht weit vzn hier ist. Träume von seinem klaren grünen Wasser, vom weihen Kloster St. Bartholomä an seinom User, vom Echo, das melodisch hinter den Bergwänden, die den See umgeben, aufsteigt: vom einsamen Obersee, der in seiner Näh« liegt, und von den ragenden Teufels- hörnern. Träume von der kleinen Kirche in Maria Gern, von der roten Glut der blühenden Geranien unter ihrem Marienbilde, von den kleinen Bauernhäusern, vom dunklen Abendhimmel, der mit leuchtenden Sternen überschüttet ist, von der großen Stille der Nacht, die nur aus der Fern« von einem langgezogenen ,/Iuch— hu— hu— hui* eines Bauernburschen, der aufs„Fensterln" ausgeht, unter- brachen wird. Träume von meinem Warten in dem biaukarierten Bauernbett, von den weihen Nebeln, die am Morgen von den Wiesen emporsteigen, und vom Postboten, der mit langen Schritten durch die Frühe kommt und einen Brief in der Hand hält. Einen Brief von der Geliebten, die vor nicht langer Zeit neben mir im Grase lag und mitträumte den schönen Traum der Wirklichkeit. Und sich schon ein wenig fürchtete vor der großen Stadt, in die sie wieder hineinmußte. Der Stadt, in der wir geboren sind und die uns immer wieder holt. Auch ich muh zu ih» zurück... Noch aber liege ich hier im Grase der Wiese! Die Augen sehen blinzelnd zu den Berggipfeln hinauf und die Brust atmet tief und mächtig. Der Himmel ist blau, die Sonne brennt mit goldenen Feuern, die Wiesen sind so grün, so grün,— die Wälder dunkel— der Fluß rauscht— die Mittagsstunde ist noch nicht vorüber— die Mittagsstunde meines Glückes! Wer besucht üie höheren Schulen? Als vor kurzem die preußische Regierung das Schulgeld für die höheren Schulen mit einem Schlage auf 200 M. erhöhte, ging«in einmütiger Protest durch die Zeitungen, der immer noch nicht ver- stummen will. Es wurde geltend gemacht, daß die überwiegende Zahl der höheren Schüler aus dem Mittelstande komme, der heute noch weniger als früher die hohen Lasten tragen könne. So müsse die Erhöhung zu einer Bildungssperre für die begabten Kinder Minderbemittelter führen. Wie recht die Warner hatten, zeigt ein Aufsatz des Regierungsrates Dr. Keller vom Preußischen Statistischen Landesamt, der soeben in der„Zeitschrift des Preu- ßischen Stattstischen Landesamts" erscheint. Zu diesem Aussatz, der dankenswerterweise auch als Sonderdruck beim Landesamt. Berlin SW. 68. Lindenstraße 28. für 80 Pf., bei Sammelbe- ftellung 60 Pf., zu haben ist, verarbeitet Dr. Keller die Ergebnisse der Schulstatistik in Preußen vom November 1921. Schon die Ein- leitung, die frühere Erhebungen in einzelnen Städten kurz bespricht, bietet lehrreiche Daten. Die einzelnen Zahlen möge man selbst nachlesen. Hier nur einige Zitate. Barmen 1905:„Ungewöhnlich großer Anteil der Kindr von mittleren Beamten". Neukölln 1910: „Auffällig stark war... der Anteil der mittleren Beamten und der Lehrer(39 Proz.)",„erheblich war auch überall der Anteil der kaufmännischen und technischen Angestellten". In einer Zählung in Hannooer ist besonders bezeichnend, daß von 1912 b i s 1920 der Prozentsatz der Arbeiterkinder sich z. T. verdoppelt hat. Er erhöhte sich auf den Gymnasien von 3 Proz. auf 6,6 Proz., auf der Oberrealschule von 15,3 Proz. auf 22,5 Proz. Dagegen ist der Anteil der„Selbständigen Gewerbe- treibenden" überall stark zurückgegangen, was der allgemeinen Eni- wicklung nach dem Kriege entspricht. Auch die Erhebung des Deut- schcn Philologenoerbandes vom Jahre 1920 zeiyt ein„starkes Her- vortreten der mittleren Beamten. Ein« Fülle interessantesten Materials bieten die Ergebnisse der Schulzählung des Preußischen Statistischen Landesamts vom Jahre 1921. Da zeigt sich z. B., daß bestimmte Berufe eine bestimmte Schulart(Gymnasium, Real- gymnastum, Oberrealschule usw.) bevorzugen, da wird ein deut-. licher Unterschied festgestellt in der Zugehörigkeit der drei Haupt- konfessionen(Protestant. Katholik. Juden) zu den Besttztlassen: was ober für unsere Frage die Hauptsache ist, das ist der Nachweis der Verteilung der Schüler auf die einzelnen Stände. Und da wird nur bestätigt, was auch die kleineren Untersuchungen schon ergaben:. Der Großteil der höheren Schüler stammt aus den mittleren Schichten, 67,99 Proz.: aber auch aus dem Arbetterftande kommt eine erhebliche Zahl: 15 450 Arbeiter- linder besuchten 1921 die höheren Schulen Preu- ß e n s. Daß diese Zahl im Steigen ist, zeigt die vorhin erwähnte Untersuchung in Hannover. Man darf daher gespannt sein auf die Zählung, die in diesem Herbst wieder vorgenommen wird. Hoffent- lich dauert die Verarbeitung der Ergebnisse nicht so lange. Schafft Arbeit! Wie steht es mit den Angestellten? Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit unter den Angestellten, die unter der Krise am meisten leiden, ist in dem Arbeitsbeschaffungs- Programm nur durch indirekt und nur ganz allmählich sich aus- wirkende Hilfe berücksichtigt. Eigentlich ist es nur der Baumarkt, auf dem die Belebung den Angestellten(Technikern, Ingenieuren usw.) etwas mehr Arbeit bringt. Ueberall dort, wo es sich in Industrie, Handel und Gewerbe um Verwaltungsarbeit handelt, geht der Abbau der Angestellten weiter: denn eines der Hauptziele der Rationalisierung ist die Verringerung der Spesen de» Derwal- tungsapparates. Trotz dieser Schwierigkeiten, die der Beschaffung von Arbeit für die Angestellten entgegenstehen, liegen die Dinge für die Angestellten- schaft nicht hoffnungslos. Die maßgebenden Stellen sollten sich nur einmal aufraffen, wenigstens dort etwas zuzufassen, wo ein sozialer Ausgleich in der Arbeitsbeschaffung möglich ist. So könnten bei den Be h ö r d e n, vor allem für die statistischen Arbeiten, sehr wohl eine Reihe bedürftiger, erwerbsloser Angestellten beschäftigt werden» wenn bei der Anstellung mit etwas mehr sozialem Verständnis vor- gegangen würde. Leider zeigt die Erfahrung, daß bei ihnen in erster Linie die Angehörigen der höheren Beamten bevorzugt und be- schäftigt werden. Bei der Arbeitsvermittlung für die Volks- zählungsarbeiten ist das besonders kraß in die Erscheinung getreten, und erst dieser Tage wurde dem Zentralverband der Ange- stellten aus München gemeldet, daß dort ganze Scharen von Töchtern höherer Beamten und von Angestellten, die über gute Be- Ziehungen verfügen, bei den Behörden Arbeit erhalten haben. während die Angestellten, die auf sich allein angewiesen und erwerbs- lo» sind, unberücksichtigt bleiben. Der Zustand, daß man dem einen, der nichts hat, Verdienst und Brot wegnimmt und dem anderen gibt, der zu Hause einen gedeckten Tisch findet, wird nur dann ein Ende haben, wenn die Behörden gezwungen werden, sich ihr« Arbeitskräfte über den ö f f e n t- lichen Arbeitsnachweis zu beschaffen. Wir könnten in dieser Hinsicht schon längst ein Stück weiter sein, wenn die Vorstöße des A s A- B u n d e s zur Sicherung der Arbeitsvermittlung über den öffentlichen Arbeitsnachweis von den bürgerlichen Angestellten- organisationen unterstützt worden wären. Aus Angst, der öffentliche Arbeitsnachweis könne eine Monopolstellung erhalten, ließ man die Dinge einfach weitertreiben: den Schaden hat das Angestellten- Proletariat._ flenüerungen in öer Verwaltung. Ernennungen und Berufungen. Infolge der Ernennung des Ministerialdirektors Pünder zum Staatssekretär der Reichskanzlei ist die Stelle des M i n i st« r i a l- direktors in der Reichskanzlei freigeworden. Dem Ver- nehmen nach kommt für diesen Posten der bisherig« Ministerialrat der Reichskanzlei Offermann in Frag«. Der Vorsitzende des Beamtenausschusses der Deutschen Demokratischen Partei, Gerhard Vogt, wurde vom Reichsminister des Innern Dr. Külz in das Ministerium des Innern berufen. Wie der Reichsdienst deutscher Press« erfährt, wird der Reichsminister des Innern Gerhard Vogt ins- besondere zur Erledigung von Spezialaufträgen ver- wenden._ Das deutsch-französische Studienkomilee. Das Pfingsten unter Vorsitz des Luxemburger Großindustriellen Mayrisch gegründete Komitee, an dem auf deutscher Seite Fritz Thyssen, Bücher, Louis,., Hagen, E. v. Stauß, Reichsgerichtspräsident Simons u. a. angehören, hat seine Vertrauensleute für Paris und Berlin bestimmt. Di�„ Leitung des Bureaus in Berlin übernimmt der französische Schrift»- steller Pierre Bienot, der in der„Germania" die deutsch-sranzösischen Beziehungen seit längerer Zeit behandelt: von deutscher Seite wird Dr. G. Kruckenberg nach Paris entsandt, der als Sekretär des Außen- Ministers Dr. Simons im Auswärtigen Amt tätig war. Die Untersuchung gegen General Gayda. den tschechischen Generalstabsches, endete ergebnislos. Die Untcrsuchungskommission hat das Ergebnis ihrer Untersuchungen dem Militärkommando über- geben. General Gayda erhält die Genehmigung, seine Kläger zur Rechenschaft zu ziehen. „IRarcia Reale"(„Königsmarsch") nennt Andrea» Latzko seine Novelle, mit deren Veröffentlichung wir heute beginnen. Eine Erzählung in pazifistischem, antimilitaristischem Geist, und doch keine eigentliche Tendenzdichtung, sondern ein tiefes und feines psychologi- sches Gemälde, das in den zwei Hauptpersonen charakteristische Typen des Nord- und Südeuropäers einander gegenüberstellt und durch den Gang der Handlung zeigt, wie nicht zwingende innere Notwendigkeiten, sondern willkürliche Machenschaften die natio- nalistischen Gegensätze hervorrufen und zum tragischen Konflikt treiben. Die„Marcia Reale" ist in sämtlichen europäischen Ländern veröffentlicht worden, nur in Deutschland bisher nicht. Das kommende Reichsbühnengeseh. Das Reichsministerium hat sich zur Vorbereitung eines Relchsbühnengefetzes bereits mit der Volksbühne und anderen Organisationen in Verbindung ge- setzt, um deren Wünsche und Forderungen zu erfahren. Auch eine Vertretung der deutschen Prooinztheater ist inzwischen bei der zu- ständigen Instanz des Reichsinnenministeriums vorstellig geworden. Ihre Besprechungen hatten hauptsächlich den Zweck, die amtlichen Stellen über die Lage der reisenden Theatergesellschaf- t e n zu informieren. Australiens neue hauplstadl. Der Termin für die feierliche Inbetriebnahme der neuen Hauptstadt Canberra ist jetzt auf den 9. Mai 1926 festgesetzt worden. Der Bau der Bundeshauptstadt ist 1910 begonnen worden: drei Jahre später waren die hauptsächlichsten Regierungsgebäude bereits fertiggestellt. Der Krieg hat die Vollendung aufgeschoben, und erst seit 1920 wurde an dem Ausbau der Haupt- sladt weitergearbeitet. Das Parlamentsgebäude ist schon seit 1924 fertig. Die neue Hauptstadt bedeckt als eigenes Territorium ein Gebiet von 9)2 Quadratmeilen. Kaleuderreform de» Völkerbünde». Die Verkehr?- und Transitlommisfion de« Völkerbundes hat die Arbeilcn über die stelilegung des Dalums des Osterfestes beendet. Die Kommission bat beschlosien. der Völkerbunds. Versammlung nahe ,u legen, mit dem Wunsche um Festlegung des Oster. festes an die zuständigen Landesbehörden hcranzrürelen. Kloo Im D-Zug. In den O-Zügen der tschechoslowakischen Staats- bahnen wird i-tzt regelmäßig ein Kinowagen eingestellt. lkin Sxperimenlierlheaier In Jim gor». Da» Irving- Theater in New Jork, das gegenwärtig an der Kreuzung der 8. Avenue und der 50. Straße erbaut wird, beabsichtigt, sich wäbrend seiner ersten Saison dadurch bekannt zu machen, daß es ausschließlich Stück- unbekannter Autoren zur Urans- sühruyg bringt. Die Direktion des TbeaterS hat jetzt durch Rundschreiben und öffentliche Bekanntmachungen die unbekannten Dichter ausgcsordert, ihre Stück- einzureichen. Sommunislisch« Briefmarken an» dem vorigen Jahrhundert. Das Museum sür Verkehrswesen in Leningrad bat eine Sammlung seltener und einzig- artiger Briefmarken erworben. Es Handel« sich um die Marken, welche die Regierung der Pariser Kommuue währen» ihrer kurzen Dauer im Jahre t871 herausgegeben hat. _®l« neuer Roman von Rlaxim Borkt. Maxim Gorki, der gegenwärtig in«orrent lebt, schreibt an einem großen Roman, der in Form einer Chronik die Zeit von den achtziger Jahren deS vorigen Jahrhunderts bis zur Aigenwart schildern wird. Der Roman wird voraussichtlich unter dem Titel»vierzig Jahre- erscheinen. Im kommenden Winter wird das' Drama SorkiS»Falschgeld- von Max Reinhardt tn Berlin zur Ausführuag gebracht werden.• Sonöerfürsorge für Ausgesteuerte. Das Reich will»0 Proz. der Aufwendungen erstatten. Die Vorlage zur Schaffung einer Sonderfürsorge für die Ausgesteuerten, über die am Mittwoch im Verwaltungsrat der Reichsarbeitsverwal- t u n g verhandelt worden ist, will den Kommunen, in welchen 5 Proz. der Bevölkerung arbeitslos und 5 vom Tau- send der unterstützten Erwerbslosen ausgesteuert sind, vom Reich SV Proz der Aufwendungen aus dem Wohl- fahrtsetat für die Ausgesteuerten vergüten lassen. Die G e werkschaften können sich für die Vorlage nicht er- wärmen. Sie forderten deshalb an Stelle der Sonderfürsorge Verlängerung der Unter st ützungsdauer der Erwerbslosen. Gegen diesen Vorschlag machte das Reichs- arbeitsmini st erium geltend, daß der Reichstag jetzt nicht beisammen und infolgedessen die Erfüllung der For- derungen der Gewerkschaften mit Schwierigkeiten verbunden sei. Daraufhin stellten die Gewerkschaften den Antrag, daß die Reichsbeihilfe von Sv Proz. zu dem Wohlfahrtsetat der Gemeinden nicht unter den von der Vorlage gestellten Be- dingungen, sondern generell allen Kommunen, die Ausgesteuerte haben, gegeben werde. Dieser Antrag wurde angenommen. Wenn also z. B. in einer Gemeinde für Ivv Ausgesteuerte von der allgemeinen Wohlfahrtspflege pro Monat 650V Mark ausgegeben werden, dann werden der Gemeinde 325V Mark zurückerstattet. Da die Zahl der Ausgesteuerten bis zum Winter wachsen wird, wächst auch der finanzielle Druck im Wohlfahrtsetat der Gemeinden, daran ändert die Beihilfe von SV Proz. nicht viel. Es überrascht daher nicht, wenn die Gemeinden von einer F e st l e g u n g der Sätze für die Ausgesteuerten nichts wissen wollen. Bisher gab es für die Unterstützung aus der Wohlfahrtspflege nur allgemeine Richtsätze. Die Ge- meinden wollen keine Bindung: ihr dahingehender Antrag wurde angenommen. Die Sonderfürsorge über den Wohlfahrtsetat der Ge- meinden ist nur ein Notbehelf. Sie bleibt entweder un- genügend oder führt zu Komplikationen in der Fürsorge. Der Weg der Verlängerung der Unterstützungsdauer ist eher ein Ausweg. Warum die Vertagung des Reichstages ein unüber- steigbares Hindernis sein soll, wenn es gilt, eine sozialpolitisch notwendige Maßnahme in Kraft zu setzen— es sind doch auch schon andere und weniger notwendige Dinge, z. B. der Flaggenerlaß, ohne den Reichstag gemacht worden— ist das Geheimnis des Reichsarbeitsministeriums. * Es gehört jetzt zu den anerkannten Wahrheiten, daß wir auf lange Zeit mit einer größeren Arbeitslosigkeit zu rechnen haben. Das ist wiederholt auch vom Reichsarbeitsminister Dr. Brauns im Reichstag ausgesprochen worden. Wir haben bereits darauf hingewiesen, daß im engsten Zu- sammenhange damit das Schicksal der ausgesteuerten Erwerbslose« steht. Man mag darüber streiten, ob die Zahl der Ausgesteuerten gegenwärtig schon erheblich oder unerheblich ist— nach unserer Aussassung ist bereits eine große Zahl von ausgesteuerten Erwerbs- losen vorhanden—, unbestrellbar ist, daß die Zahl von Woche zu Woche wächst. Wir rufen noch einmal die amtlichen Zahlen der unterstützenden Erwerbslosenfürsorge nach dem Stand« vom 15. Juni dieses Jahres in die Erinnerung. Danach waren bereits vorhanden: 856 131 Erwerbslose mit längerer Unlerstühungsdauer als 13 Wochen, davon 276 470 Erwerbslose mit längerer Unterstühungsdauer als 26 Wochen. Die von uns gezeigte Entwicklung des deutschen Arbeitsmarttes spricht dafür, daß von den 276 470 Erwerbslosen viele schon jetzt von Woche zu Woche wegen Fristablaufs der 52wöchigen Unter- stützungsdauer aus der Erwerbslosenfürsorge ausscheiden. Bis spätestens Ende des Jahres müssen sie alle ausgeschieden sein, es sei denn, sie sind in reguläre Arbeit oder bei Notstandsarbeiten unter- gebracht. Für Ende des Jahres ist aber auch schon mit einem Zu- ström von den 856 131 Erwerbslosen in da» Heer der Ausgesteuerten zu rechnen. Das Reichsarbeitsministerium hat kürzlich den Ernst dieser Lage mit dem Hinweis abzuschwächen versucht, daß eine starke Fluktuation vorhanden ist, viele Erwerbslose also in reguläre Ar- beit oder bei Notstandsarbeiten untergebracht werden. So not- wendig es ist, das mit in Rechnung zu setzen, so verhängnisvoll wäre es, diese Fluktuation zu überschätzen. Es darf nicht dazu führen, die notwendige Vorsorge für die Ausgesteuerten aus die lange Bank zu schieben. Was soll nun geschehen? Der Weg, die ausgesteuerten Erwerbslosen in die Wohlsahrts- pflege zu übernehmen, ist keine sozial befriedigende Lösung. Sie würde dazu führen, das ganze Gebäude der allgemeinen Wohl- fahrtspslege auf das stärkste zu erschüttern. In der„Sozialen Praxis" hat kürzlich ein hervorragender Sachkenner aus diesem Gebiete, Dr. W. Polligkeit, Frankfurt a. M.. bereits daraus aufmerksam gemacht, welche gefährlichen Rückwirkungen auf die allgemeine Fürsorge es haben muß, wenn eine Aenderung des Unterstlltzungssystems in der Erwerbslosenfürsorge zu einer Herab- drückung der unteren Unterstützungssätze führt. Dadurch würde automatisch ein verstärktes Einströmen von Erwerbslosen in die allgemeine Fürsorge erfolgen, weil die Notwendigkeit ergänzender Unterstützung unabweisbar ist. Als eine Folge davon weist Pollig- keit aus die nicht zu unterschätzende Gefahr hin, daß Fürsorgever- bände versuchen werden, die Richtsätze ihrer allge- meinen Fürsorge herabzusetzen. Diese Geiahr besteht in weit stär?crem Umfange, wenn große Massen von ausgesteuerten Erwerbslosen aus Wohlfahrtsmitteln unterstützt werden müssen, auch dann, wenn ein Teil dieser Kosten aus Reichsmittcln zurück- erstattet wird. Eine solche Regelung für die ausgesteuerten Erwerbslosen würde aber nicht nur die Gefahr eines Abbaus der Unterstützungs- richtsätze in der allgemeinen Fürsorge herausbeschwören: sie würde auch die ergänzende Unterstützung der Erwerbslosen für besondere Notfälle aus der allgemeinen Fürsorge gefährden. Den furchtbaren Ernst solcher Rückwirkungen beleuchtet ein Aussatz des Stadtrats Dr. Sperling, Wiesbaden, über „Die Krise der össenllichen Wohlfahrtspslegc" im Aprilheft der„Deutschen Zeitschrift für Wohlfahrtspflege". Zu- nächst zeigt der Aufsatz, daß schon heute die allgemeine Fürsorge sowohl ergänzend bei unterstützten Erwerbslosen wie auch für Aus- gesteuerte in erheblichem Umfange eintreten muh. Sperling schreibt: „Auch bei den übrigen Erwerbslosen mußten vielfach die Fürsorgeoerbände im Hinblick auf die geringen Sätze der Er- werbslosenunterstützung und die Dauer der Erwerbslosigkeit mit einmaligen Beihilfen für Miete, Kleider, Wäsche usw. einspringen. Die Zahl der von den Arbeitsämtern nicht unterstützten Erwerbs- losen wird vielfach unterschätzt: um ein Beispiel zu geben, hatte die Stadt Wiesbaden am 31. Dezember 1925 neben 2225 Partien, die Erwerbslosenunterstützung bezogen, etwa 800 Partien nicht- bezugberechtigter Erwerbsloser, die im Wege der allgemeinen Fürsorge vom Wohlfahrtsamt betreut und aus Gemeindemitteln unterstützt wurden. In vielen anderen Städten werden die Ver- Hältnisse ähnlich liegen." Die von Sperling weiterhin angegebenen Zahlen über die Wohlfahrtsausgaben reden eine deutliche Sprache. Nach den Fest- stellungen des Deutschen Städtetages sind diese im Durchschnitt der Großstädte von 5,60 im Jahre 1913 auf 27,40 im Jahre 1925 pro Kopf der Bevölkerung angewachsen. Angesichts dieser Entwicklung fürchtet Sperling schon jetzt das Herabsinken der Wohlfahrtspflege auf das Niveau der früheren Armenpflege. Bedarf es noch weiterer Beweise, daß die ausgesteuerten Er- werbslosen der Wohlfahrtspslege nicht überantwortet werden dürfen? Schon heute läßt die Durchführung der Fürsorgepflicht-Derordnung, wie wir das an Hand einer Erhebung des Zentralverbandes der A r b e i t s i n v a l i d e n in Nr. 53 des„Vorwärts" vom 4. Februar h. I. gezeigt haben, sehr viel zu wünschen übrig. Dieser Zustand würde durch Uebeknahme der ausgesteuerten Erwerbslosen in dt« Wohsfahrtspflege noch verschlimmert werden. Die ausgesteuerten Erwerbslosen haben nach der Deutschen Rcichsverfassung ein Recht darauf, weiterhin in der Erwerbslosen- fürsorge zu bleiben. Jedem Deutschen soll die Möglichkeit gegeben werden, durch wirtschaftliche Arbeit seinen Unterhalt zu erwerben. Soweit ihm angemessene Arbeitsgelegenheit nicht ange- wiesen werden kann, wird für seinen notwendigen Unterhalt gesorgt. So steht es geschrieben im Artikel 163 der Reichsversassung. Es ist Pflicht des Reichsarbeitsministeriums und der Reichsregierung, da- nach zu handeln. Die Möglichkeit dazu bietet 8 18 Absatz 2 der Verordnung über Erwerbslosenfürsorge. Der Reichsarbeitsminister kann danach die Unterstlltzungsdauer für Angehörige von Berufen, die einen besonders ungünstigen Arbeitsmarkt ausweisen, über 26 Wochen hinaus ausdehnen. Eine Begrenzung dieser Fristerlängerung nach oben ist nicht vorgesehen. Mit Recht sagt deshalb der Ober- regierungsrat im sächsischen Arbeits- und Wohlfahrtsministe- riums, Dr. Martin Zfchucke, in seinem Kommentar, daß der Reichsarbeitsmini st er für seine Festsetzungen an keiner Frist gebunden ist, die Unterstützung also aus Jahre hinaus zulassen kann. Gegenwärtig hat der Reichsarbeitsminister die Frist auf 34 Wochen ausgedehnt, darüber hinaus kann der öffentliche Arbeitsnachweis für weitere 13 Wochen Unterstützung gewähren. Diese Regelung genügt nicht mehr. Wir erwarten deshalb, daß der Reichsarbeitsminister von seinemRecht, dieUnter st ützungsdauernoch weiter zu verlängern. Gebrauch macht. der Zoll Schweikart. Notwendige Fragen an bayerische Behörden. Die bayerischen amllichen Stellen hüllen sich in Schweigen. Der Mörder von Gareis ist aus der Haft entlassen worden. Die Oeffentlichkeit erfährt nach drei Tagen davon. Ueber die Begründung der Haftentlassung erfährt sie kein Wort. Alles, was den amtlichen Stellen abgerungen werden kann, ist: Das Landgericht München hat auf die Beschwerde seines Verteidigers hin den Haftbefehl aufgehoben. Die Untersuchung jedoch nimmt ihren Fort- gang. Die Untersuchung nimmt also ihren Fortgäng. Wenn nur S ch w e i k a r t nicht seinen Fortgang genommen, jedesmal versehen mit einem f a l s ch e n P a s s e.' Für das Landgericht München ist das kein Grund, Fluchtverdacht an- zunehmen. Auch Verdunkelungsgefahr wird nicht be- fürchtet. S ch w e i k a r t hat alte Beziehungen zu Beamten, die beschuldigt werden, im Einverständnis mit ihm gehandelt zu haben— aber Verdunkelungsgefahr? Das Landgericht München hat keine Besorgnis. Sch w e i k a r t und Kriminal- kommiffar Glaser können jetzt ungestört Erinnerungen aus- tauschen und Abreden treffen— das verschlägt nichts; denn die Untersuchung nimmt ihren Fortgang. Die Oeffentlichkeit hat über diese Untersuchung noch kein Sterbenswort erfahren. Sie hat ein Recht, unterrichtet zu werden! Sie muß wissen, wer die Richter waren, die den Beschluß gefaßt haben, den Mörder von Gareis aus der Haft zu entlassen. Waren es dieselben Richter, die schon in der Sache Sand- meyer den Einstellungsbeschluß gefaßt haben? Wird in der Untersuchung, die„ihren Fortgang nimmt", der ganze Komplex der Schweikartschen Verbrechen mit allen Zusammenhängen behandelt, oder wird wieder das beliebte Verfahren angewandt, nur Teilausschnitte zu prüfen, damit die Untersuchung ja zu keinem Resultat gelangt? Liegt eine Einwirkung des Iustizminifters vor? Hat der Untersuchungsrichter sich bemüht, festzustellen, wo der falsche Paß des Schweikart fabriziert worden ist? Wenn er es nicht festgestellt hat, warum erkundigt er sich nicht bei den Stellen, von denen er die zweckmäßigsten Aus- künfte darüber erhalten kann? Schweikart selber weiß ja sehr viel— weiß er gewissen bayerischen Behörden zuviel? Soll er seinen Fortgang nehmen? Er hat schon Uebung darin, mit behörd- licher Hilfe seinen Fortgang zu nehmen! Der„Bayerische Kurier" hat kürzlich die Worte geschrieben:„Die Sonne bringt es an den Tag!" Im September wird der Untersuchungsausschuß des Reichs- tags den ganzen Komplex der bayerischen Fememorde prüfen, und die bayerischen Behörden dürfen sich darauf ver- lassen, daß schonungslos alle Täter und alle M i t f ch u l d i» gen festgestellt werden— auch wenn jetzt die Untersuchung gegen den Mörder von Gareis ihren Fortgang nimmt. Dieser Untersuchungsausschuß ist nicht so leicht zu sprengen! „Die Sonne bringt es an den Tag!" Erfolgt aber die Fest- stellung im Reichstagsausschuß, nachdem bayerische Behörden vorher die Aufklärung verhindert haben, so wird sie ein ver- nichtendes moralisches Urtell über das gegenwärtige Regime in Bayern in sich schließen._ Der verbotene �Knüppel". Ein Schildbürgerstreich des Staatsgerichtshofs. Die kommunistische Zeitschrist„Der Knüppel" unid die Ber- liner„Rote Fahne" hatten kürzlich ein Gedicht unter der Auf- schrift„Cave canem"(Nimm dich vor dem Hund in acht!) verösient- licht, in dem es hieß, Hindenburg, der„Hund der Monarchen", habe feine Leine, nämlich die Reichsverfafsung. zerbissen.„Eine lange Leine", hieß es weiter,„aus bestem Gummi, die noch keine Hunde- seele geniert habe". Der Reichsinnenminffter Dr. Külz ersuchte das preußische Innenministerium, den.Knüppel" auf drei Monate und die„Rote Fahne" wegen Nachdrucks auf zwei Wochen zu verbieten. Das preußische Innenministerium nahm jedoch den Standpunkt ein, daß eine Herabwürdigung der republikanifchen Staatsform im Sinne des Republitfchutzgesetzes nicht vorliege. Dem Reichspräsidenten wurde anheimgestellt, wegen der geschmacklasen Beleidigung seiner Person von sich aus Etrafantrag zu stellen. Der Staatsgerichtshof zum Schutze der Repu- b l i k, der bekanntlich sehr empfindlich ist, wenn es sich um Kdmniu- nisten handelt, hat nunmehr gegen das preußische Innen- Ministerium entschieden: Der Tatbestand entsprechend der Bestimmung des Republikschutzgesetzes sei unzweideutig gegeben und ein Verbot der beiden Druckschriften gerechtfertigt. So wird auch noch da» Käseblättchen„Der Knüppel'„berühmt" gemacht. Das fehlte ihm gerade. Verbot der„Roten Fahne". Wolfsbureau teilt mit: Die„Rote Fahne" ist wegen Abdrucks eine» den Reichspräsidenten beleidigenden Gedichtes auf v' k r- zehn Tag« verboten worden. Die kommunistische Zeitschrist „Der Knüppel", aus der die„Rote Fahne" das Gedicht über- r.ommen hatte, wurde auf drei Monate oerboten. Doletschals ßahrt zu üen Faschisten. Tet Prager„Sozialdemokrat" z« der Affäre des roten Ehefrcdakteurs. Die gestrige Ausgabe unseres deutschen Prager Bruderblattes enthält neue Einzelheiten über den Uebergang des tschechischen Redakteurs Doletfchal(nicht Delegal, wie es infolge eines Hör- sehlers gestern hieß). Danach handelt es sich um den Chefredakteur des Brünner kommunistischen Organs„Roonost". der laut einer Mitteilung des Drünner Faschistenblattes„Morawska Orlice" in dessen Redaktion eintrat. Dieser Stellungswechsel hat folgende Vorgeschichte:„Chefredakteur Doletschal. her sich in der letzten Zeit nicht mehr der vollen Gunst der übrigen kommunistischen Führerschaft erfreut hatte, sollte aus Moskaus Geheiß Brünn und feinen bisherigen Wirkungsskrei» verlassen und noch Berlin in die Redaktion der„Roten Fahne" gehen. Doletschal, der die deutsch« Sprache nur unzureichend, auf keinen Fall so beherrscht, daß er die Eignung zum Redakteur eines deutschgeschriebenen Blattes besäße, setzte dieser Versehungsabsicht Widerstand entgegen, worauf ihm mit dem 1. Juli das Gehalt eingestellt wurde. Bald darauf munkelte man in Brunn bereits, daß Doletschal Ge- neralsetretär der tschechischen Faschisten in Mähren werden sollte. Die oben zitierte Meldung des Faschistenblatte» gibt nun der Affäre Doletschal ihren vorläusigeir Abschluß." Ueber die ehrenwert« Persönlichkeit Doletschals gibt der„Sozial- demokrat" folgende» aus:„Doletschal war in der Partei k e i n x- B e- liebiger. Er schien in der vordersten Führerschaft immer als ganz besonderen Aufgaben gewachsen und als geeignet, bei schwie- rigsten und heikelsten Situationen sich in die Bresche zu werfen. Beispielsweise war es Doletschal, den man an das Ende der Smeral- Liquidation in den„Rüde P r a v o" stellte, dessen Leitung er dann eine Zeitlang innehatte. Und als der Krach in die Brünner kommunistische Partei fuhr, war es wieder Doletschal, der die Chef- redaktion der„Roonost" übernahm. Sowie man sich in der kom- munistischen Partei irgendwo nicht zu Helsen wußte, mußte Doletschal als N o t h e l f e r fungieren. Etwa wie die österreichischen Staats- lenker auf Taaffe oder Gautsch zurückzugreifen pflegten und die tschechischen Regierer immer den Cerny aus dem sicheren Versteck hervorholen, wenn alle anderen Auskünfte versagen." Wir Berliner haben, wie man sieht, in der Tat alle Ursache, darüber zu trauern, daß der wackere revolutionäre Kämpe in Brünn zu den Faschisten übergegangen ist. Schade, daß er sich nicht erst in der Berliner„Roten Fahne" um die Aufklärung des hiesigen Proletariats bemühte. Aber auch so erteilt er einen trefflichen Anschauungsunterricht: über den Kommunismus als Vor- stufe de» Faschismus! Der polnische verfastungstampf beendet. Stärkung der Rechte von Präsident und Regierung. Warschau,"22. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Der Sejm nahm am Donnerstag dos Gesetz über die Verfassungsänderung in dritter Lesung mit 246 gegen 95 Stimmen der Linken und der Minderheiten an. Annahme fand damit auch die wichtigste Be- stimmung, der Artikel, der dem Präsidenten da» Recht gibt, in der Zeil zwischen Auslösung und Reuwahl von Sejm und Senat Dekrete mit Gesehestrast zu erlassen. Diese Dekrete dürfen sich allerdings nicht auf eine Aenderung der Wahlordnung und der Verfassung beziehen. Die Abstimmung über das Vollmachtsgesetz, die darauf vorgenommen wurde, ergab eine Reihe von Uebcrraschungcn. Die am Mittwoch von der Linken erkämpften Verbesserungen sind infolge einer Stärkung der Rechten unter ungeheurem Tumult der Linken und der Minderheiten sämtlich wieder rückgängig gemacht worden. Die Vollmachten für die Regierung werden in- solgedessen auch das Abänderungsrechl für die Arbeits- und Sozialgesetzgebung umfassen: ausgeschlossen werden von einer Vollmachts- änderung das Eherecht, das Schulwesen und.die Sprachengesetze. Massenverhaftungen wegen Spionage. Warschau. 22. Juli.(Eigener Drahtbericht) In der Nacht zum Donnerstag sind in mehreren Städten Polens, so in Lemberg. Przemysl, Stanislau und Krakau über hundert Ziivl- und Militär- Personen, darunter zahlreiche Unteroffiziere, verhastet worden; auch in Warschau sind etliche Verhaftungen erfolgt. Die Festgenommenen, die zum großen Teil der ruthenischen Studentenschaft angehören, werden beschuldigt, Spionage zugunsten Deutschlands Knd Rußlands getrieben zu haben. Die Militärspionage soll be- sonders stark im Posener Gebiet betrieben worden sein. Die Nachrichten waren, wie behauptet wird, für den deutschen General- stab bestimmt. Es sei festgestellt worden, daß zahlreiche deutsche Osfiziere im Laufe der Zeit nach Przemysl gekommen sind, um Fühlung mit der Spionageorganisation zu nehmen. In O b e r s ch l« s i e n sind wegen der Attentate der letzten Tage ebenfalls Verhaftungen vorgenommen worden. Die Atten- täter gehörten zum Teil der politischen Polizei an.(!) Der warschauer Senat hat sich ebenfalls mit der polnischen Außenpolitik beschäftigt. Zalewsky hielt ungefähr dieselbe Rede wie im Auswärtigen Ausschuß des Sejms. GewerMastsbewegung NeunfiunSentag und Internationales Arbeitsamt. Der Beschluß des italienischen Ministerrats in seinem letzten wirtschaftlichen Sanierungsprogramm, die Arbeitgeber zu ermäch- tigen, die tägliche Arbeitszeit ohne Lohnzuschlag v o n 8 a u f g Stundenzu erhöhen, hat begreiflicherweise im internationalen Arbeitsamt nicht geringe Ueberraschung hervorgerufen- Italien hat bekanntlich die Washingtoner Arbeitszeithmoention bereits im Jahre 1923 ratifiziert, jedoch unter der Bedingung, daß die Ratifikation erst dann in Kraft treten sollte, wenn England, Frankreich, Belgien, Deutschland, dile Schweiz und Oesterreich die Kon- vention ebenfalls ratifiziert haben werden. Bon diesen Ländern hat Oesterreich die Konvention ebenfalls bedingt ratifiziert, während die Schweiz vor der Ratifikation noch ein Arbeitszeitgesetz für das Ge- werbe schassen muß. Doch erklärten zuständige italienische Vertreter noch unlängst, daß die Schweiz allein sur Italien keinen Grund mehr bilden würde, an der Bedingtheit seiner Ratifikation länger fest- zuhalten. Nach der Londoner Ministerkonferenz und den wiederholten Erklärungen der Vertreter Deutschlands, Frankreichs, Belgiens und Englands im Vcrwaltungsrab des Internationalen Arbeitsamts und an der erst kürzlich geschlossenen Arbeitskonferenz glaubte man nunmehr, daß die R a t i- f i k a t i o n der Konvention in den genannten Ländern und damit in allen hauptsächlichen Industrieländern Europas wirklich i n n ä ch st e r Zeit erfolgen werde. In dieser Situation be- fürchtet man nun sehr— und vielleicht leider nicht mit Unrecht—, daß der Beschluß der italienischen Regierung eine neue und sehr unan- genehme Verzögerung der Ratifikation der Konvention zur Folge haben könnte. Wohl heißt es von der italienischen Arbeits- zeitverlangerung, daß sie nur eine„provisorische" sein und in den Ausführungsbestimmungen auch nur auf diejenigen Industrien beschränkt werden solle, welche stark unter der ausländischen Kontur- renz zu leiden haben. Was alles darunter verstanden sein kann, weiß man jedoch aus anderen Fällen! Zudem kommt ferner, daß man der gegenwärtigen franzö- s i s ch e n Regierung auchdieAbsicht zuschreibt, dieArbeits- zeit generell auf 9 Stunden verlängern zu wollen, und diese Tendenz könnte durch den Beschluß der italienischen Regie- rung eine nicht unwesentliche Unterstützung finden. Sollte aber wirk- lich' der Achtstundentag auch in Frankreich, selbstverständlich ebenfalls„nur vorübergehend", preisgegeben werden, so würde es dann leider nur zu wahrscheinlich sein, daß damit auch die endgültigen Ratifikationsvorbereitungen in Deutschland, Belgien und England eine neue Störung, wenn nicht zeitweilige Stockung er- fahren würden. Hält man sich dabei gleichzeitig vor Augen, daß dieArbeiter, g r u p p e auf der 8. Arbeitskonferenz mit aller Deutlichkeit erklären ließ, daß die organisierte Arbeiterschaft ge- radezu ihr bisheriges Interesse am Internationalen Arbeitsamt davon abhängig mache, daß die A r b e i t s- zeitkonvention endlich in den hauptsächlichsten Industrie- ländern ratifiziert werde, ansonst sie vorziehe, zu ihrer früheren Unabhängigkeit und ihren früheren Kampsmethoden zurückzukehren, so kann man ermessen, daß der Beschluß des italienischen Ministeriums für die internationale Arbeiterorganisation eine Krise von größter Tragweite zur Folge haben kann. Eine Abwendung von dieser Entwicklung scheint nur da- von erwartet werden zu können, daß die Arbeiterorganisationen Frankreichs, Englands, Belgiens und Deutschlands in möglichst naher Zeit durchzusetzen vermögen, daß die Washingtoner Kon- vention in ihren Ländern ratifiziert wird, was dann auch in Italien die Wiederaushebung der Arbeitszeit- Verlängerung zur Folge hätte, ansonst Italien seine bedingte Ratifizierung der Konvention wieder zurückziehen müßte, vor Welcher Maßnahme es jedoch aus verschiedenen. Gründen wohl Mrückschrecken würde. id- jot.- Oer Gehaltsabbau im Einzelhandel. Stellungnahme der Aunktionäre des ZdA. Der am 19. Juli gefällte Schiedsspruch über die Gehälter der kaufmännischen Angestellten hat berechtigterweise zu einer leb- haften Empörung der Angestelltenschaft geführt. Die Hauptsunktionäre der Fachgruppe Einzelhandel des Zentral- Verbandes der Angestellten werden zu der durch den Schiedsspruch geschaffenen Situation heute abend Stellung nehmen. Es steht noch nicht fest, zu welchem Ergebnis die Stellungnahme zum Schiedsspruch führen wird. Bei den weitgehenden Abbauwünichen der Arbeitgeber erscheint es nicht unwahrscheinlich, daß ein« A b» l e h n u n g des Schiedsspruches beschlossen wird. „Rascher Gcschäftsverkauf." In Nr. 332 des„Vorwärts" wurde die Radikalkur geschildert, durch die das Wäscheverleihgeschäst G e r st n e r u. C o. den Be- schwerden seines Personals abgeholfen hat. Obwohl wir es lediglich mit dieser nunmehr verflossenen Firma zu tun hatten, läßt uns die Wäscheoerleihgesellschaft M. Loewy, Eichendorffstr. 20, die die Gerstner u. Co. ausgekauft hat, durch ihren Rechtsanwalt eine Z-11- Berichtigung zugehen. Wir entnehmen derselben, daß dasgekündigte P e r s o n a l der Gerstnerkompagnie aufgefordert wurde, die Zeit bis zum Arbeiter! Angestellte! Besucht am Sonntag, den 25. Zuli, mittags 12 Uhr. im Lustgarten die Kunilgelroiig Des SeslenellM-MWev MsDanöes Allgem. Deutscher Gewertlchastsbuud. Allgem. steler Angestelltenband. Ortsausschuß Berlin. Ortstortell Berlin. Ende der Kündigungsfrist bei der neuen Firma weiter zuarbei- t e n. Ucber die Auszahlung des Lohnes sei„erst am übernächsten Tage gesprochen worden, an welchem die Angestellten ohne Erklärung die Arbeit niederlegten und ihren Lohn verlangten". Sie seien daraufhin auf den Lohntag, den Freitag, verwiesen war- den.„An diesem Freitag ist tatsächlich der Lohn für die vergangene Woche gezahlt worden"— was im Vorwärtsbericht auch gesagt ist. Der Lohn für die weitere Woche, der erst am nächsten Freitag fällig war, ist am Montag, dem 19. Juli 1928 ausgezahlt worden." Das konnten wir am 1k. Juli noch nicht wissen. Wäre dem Personal klipp und tlar gesagt worden, daß es nichts mehr mit G. u. Co., sondern es mit der Firma Loewy zu tun habe, dann wäre es offenbar weder zur Arbeitsniederlegung noch zu dem Zweifel be- züglich der Zahlung des Restlohnes gekommen. Oer Solinger Industriearbeiterverband. Sein Uebertritt zum Metallarbeiterverband. In Solingen hat sich die Lokalorganisation der in der Stahl- und Schneidwarenindustrie beschäftigten Arbeiter am längsten er- halten. Die Anfänge der gewerkschaftlichen Organisation Solingens gehen auf die siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts zurück. Schon 1871 und'1872 wurden die Fachvereine der Messer-, Gabel- und Scherenschleifer gegründet, denen später eine Reihe anderer Fachvereine folgte. Die Eigenart der Solinger Industrie— schreibt die„Metallarbeiter-Zeitung"— brachte es mit sich, daß diese Fachvereine Jahrzehnte hindurch die ausschließliche Organi- s a t i o n s s o r m der Solinger Metallarbeiter bildeten. In den 1890er Jahren kam zu ihnen der Deutsche Metallarbcitervcrband, dem es im Laufe eines Jahrzehnts gelang, sich eine achtunggebietende Stellung zu verschassen. Eine Anzahl der örtlichen Fachvcrcine vollzog den Uebertritt zum DMV. Dann folgte eine Umbildung insofern, als im Jahre 1906 die einzelnen Fachvereine einen Z u- sammenschluß vollzogen im Industriearbeiterver- band Solingen, der mit etwa 3300 Mitgliedern ins Leben trat." Erbitterte organisatorische Kämpfe wurden zwischen den Loka- listen und Zentralisten geführt, da ein großer Teil der in den Fach- vereinen organisierten Solinger Arbeiter zähe an seiner Organisation festhielt. Nach 20jährigein Bestehen des Solinger Industriearbeiter- Verbandes ist es nunmehr zu einer Einigung gekommen. In einer Urabstimmung der Mitglieder des zurzeit 5000 Mitglieder zählenden lokalen Verbandes am 10. Juli wurde mit 1827 gegen 974 der Uebertritt zum Deutschen Metallarbeiter- oerband beschlossen. Der Christliche Metallorbeitcrverband sucht nun im trüben z» fischen und einen Teil der Mitglieder des Solinger Verbandes für sich zu angeln. Bei dieser Agitation ist er jedoch ziemlich daneben getreten. In einem Rundschreiben sagt er: „Die Führer des Industriearbeiterverbandes, welch« mit in den Metallarbeiterverband übernommen werden, versuchen natürlich, sämtliche Mitglieder mit herüberzuziehen. Sie sagen den Heim- arbeitern, die Branchen müßten geschlossen bleiben und daher auch geschlossen übertreten. Das ist natürlich Unsinn." Die Heimarbeiter werden durch ihren geschlossenen Uebertritt zum Deutschen Metallarbeiteroerband die treffende Antwort geben._ Endlich fängt man an— zu beraten. Die höchste Zeit, die Rat steigt! München-Gladbach, 22. Juli.(Eigener Drahtbericht.) In München-Gladbach fand eine Besprechung zwischen Vertretern der Regierung, der Stadtverwaltungen von Aachen, Neuß, München- Gladbach. Rheydt sowie Delegierten der Wirtschaft über das Kanal- Projekt Aachen-Neuß statt. Für den Kanal, der das Aachener Indu st riegebiet mit dem Rhein verbinden soll, sind Baukosten in Höhe von 180 Millionen Mark vorgesehen, die größten- teils auf dem Anl�iheweg beschafft werden sollen. Zinsen und Amor- tisationen erfordern jährlich 10 Millionen Mark. Durch den Kanal- bau könnten mittelbar und unmittelbar 30 000 Arbeiter Be- schäftigung finden. Der erste Teil der Kosten soll aus Mitteln für die produktive Erwerbslosenfürsorge gedeckt werden. Nach Mit- teilungen des Regierungspräsidenten steht die Reichsregierung dem Kanalprojekt sympathisch gegenüber. Wiederaufnahme des Getriebes. Auf wie lange? Hörde. 22. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Die Verwaltung der Vereinigten Stahiwerke hat die Wiederinbetriebnal, ne des T h o m o s w c r t c s, des B l o ck w e r t e s und eines 7 0 0- Tonnen-Hochofens des Härder Vereins der Phönix-A.-G. angeordnet. Die Wicderinbetriebnahme der seit Wochen still- liegenden Werke erfolgt wegen besseren Einganges von Aufträgen infolge des englischen Bergarbeiter st reiks. Für die Geschäftslage der Vereinigten Stahlwerke A.-G. teilt die Haupt- Verwaltung mit, däß die Belebung infolge der Auswirkungen des englischen Bergarbeiterstreiks anhält. Auch in der letzten Zeit sind wiederum den Vereinigten Stahlwerken A.-G. einige ursprünglich für England bestimmte Austräge zugesallen. Oer britische Gewerkjchafisbund. Die Machtbefugnis des Generalrals. (IGB.) Der britische Gewerkschaftsbund hat kürzlich die provi- sorische Tagesordnung für den am 8.»eptember in B o u r n e- mouth stattfindenden Kongreß verösfcntlicht. Nicht weniaer als neun Resolutionen beschäftigen sich bezeichnenderweise mit der Frage der Befugnisse des Generalrates, von denen nur eine einzige für eine Einschränkung eintritt. Diese Resolution geht vom Verband der Pflasterer aus und schlägt vor, daß vor jedem Generalstreik eine Abstimmung der angeschlosse- nen Organisationen stattfinden muß. Alle übrigen acht Eni- schließungen sind dafür, de nGeneralratsürzukünftige K o n s l i k t s s ä l l e mit größerer M a ch t o o l l t o m me n- heit auszustatten. Der Verband der Maschinisten z. B. fordert, daß der Generalrat Befugnis erhält, zum Zwecke einer t e i l w e i s e n oder völligen Arbeitsniederlegung einige oder sämt- liche angeschlossene Organisationen aufzurufen. Wie man sieht, sind die Organisationen daraus bedacht, sich für ihren Kampf in der nächsten Zeit noch besser zu rüsten. Mittlerweile sind die Reaktionäre ihrerseits fleißig an der Arbeit,»m ihre Propa- ganda für die Einschnürung der gewerkschaftlichen Rechte und Frei- heiten fortzusetzen._ isrei,««werkschast-iugend. Leute, ltreitag, oien« Ubr tagen die Gruppen: S-rmannplad: Jugendheim Eandcrstr. 11, Ecke Hobrechtstraßc. Rechenvereinfachung und Rechenkniffe. Wedding: Zugendheim Gerichtstr. KS— 69. Bolkstanzabend im Freien. Treffpunkt 1 Uhr Amrumcr. Ecke Afrikanische Straße. Oberschineweide: Jugendheim Laufener Str. 2(Roter Saal). Dis- kuslionvabend:„Unser Wandern�. Zugendgruppe de» ZdA. Heut«, F'r ei tag, abend 71, Uhr Reralk- staltungen folgender Abteilungen: Osten: Jugendheim Große Frankfurter Sir. jp (Zimmer k). Ausspracheabend:„Sitten der Wilker". Südost: Iugendheiyr Reichenberger Str. 66. �«seabend. Siidweft: Jugendheim Bellc-Alliance. Straße 1—10. Bortrog:„Wirtschaftsdemokratie". Spandau: Jugendheim Lindcnufer 1. Vortrag:„Die wirtschaftspolitische Lage". Achtung, Zimmererl Alle Iungkameradcn treffen sich morgen. Sonnabend. abend S".� Uhr an der Normaluhr Etettincr Bahnhof zum gemeinsamen Aus- ffug. Kosten etwa 1,Z0 M. Iugendlcitung des Zimmercrverbandes. Verantwortlich für Politik: Ernst Reuter: Wirtschaft: Artur Saternu»: Gewerkschaftsbewegung: Fr. Eßkorn: Feuilleton: Dr. John Schikomoki: Lokale, und Eonstiaes: Fri« Karstadt: Anzeigen: Tb. Sloch«: sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Berlaa G. m. b. L.. Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerei und Bcrlaasanstalt Paul Einaer u. Co.. Verlin SW 69 Lindenstraße Z. Lierzu 2 Beilagen und„Unterhaltung und Willen". A. WERTHEIM Leipziger Platz KÖnlgstraBe Rosenthaier StraOe. Moritzplatz Wurstwaren Pfund|.|0 Mettwurst 1.50 Boa-Lie � Zitronen- . Gärungsgetränk Vtrkauf: Drogtn- Abt«ilung Ausschank: Erfrischungsraum ßebensmittel Soweit Vorrat. Leicht verderbl. Artikel können nicht zugesandt werden Landleberwurst Rotwurst..... Pfund l.io Feine Leberwurst Pfund|.60 Grobe Mettwurst Pfund 1,35 Fleischwurst... Pfund|.60 Schi nkenwurst Pfund 1,35 Zervelat u. Salami Pfund 1.80 Speck fett o. maacr, prd. M5 Schinkenspeck.. Pfund 1.95 Jagdwurst..... Pfund 1.50 Nußschinken sdiwer.'prd. 2.00 Roienihaler Sir., Ktalgiir u. Morllxplaiz Dampf- u. Speckwurst Pf«. 1.10 Bier- u. Teewurst Pfund 1.75 eigene Röster ci Konsum-Mischung Pfund 2.40 Raushalt Misch..Pfund 2.60 Globus-Mischung Pfund 3.80 Sonder-Mischung Pfund 3.00 Residenz-Misch.. Pfund 4.20 Olympia-Mischung pw. 3.40 Elite-Mischung. Pfund 4.60 Gebrannter Kaffee Geflügel Junge Tauben........ vo» 80» Junge Enten....-.--'°° 05« Junge Ganse f«'««1 p pu. 1 30»»> Junge Brathähnchen las Iso Frisches Fleisch Schmorfleisch 80«• Kalbskamm u.-Brust..»-<> 65 p Kalbsrücken............»<"><> 68» Kalbskeule»»a««<«>»....Pfand 80» Hammelvorderfleisch° 80» Schweinebauch u. Blatt m BÄ SO» Schweinekamm---.p-«.»<«• 1 20 Starke Liesen............ Pfand 80» Kaßler ohne Knochen»«'- I20 Gehacktes Fleisch-......»°°- 75» Fettes Gefrierfleisch...»»»> 50» Fische Kabeljau SpW.O-IO 0.18 Rotbars �"��0.18 Schellfische....»-f. 0.18 Leb. Schleie... Pfund|.20 Leb. Aale..Pfand von 1.60 an Konserven Dflo.ima« ohnen oo"" nVe: Tafelöl Pi-nct.« 0.55 0.85 Pflaumen Siein 0.92 Stein 0.75 nplsarriinfin Senfgurken 8 2.75 � do" 0.30 0.48 0.55 Haimr.eSfleisch Weißkohl 0.65 Brislinge"d™»«* 0.28 0.48 Gulasch'"Dose 0.60'/> 1.20 Heringe amerik., I. Tomaten 1,20 Knnfiflir�n 5 StRdkelbeerc«, 4 Aprikosen, Htm« lYOnniUrCn Elmer Johann tsbeeren■ � beeren. Orangen■*5 Kolonialwaren Kartoffelmehl...»und 0. 19 Hartgrieß.... Tafelreis...... Pfund 0 22 Sago........ Schnitt-Nudeln mit Eizusa», Pfand 0.45 , Pfund 0.30 Pfund 0.34 Am Freitag und Sonnabend in den ErtristhunguSumen r 1 Portion Speise-Eis JÄ, 20 p/. Für die Kleinen: 1 Tasse Sclfoko/acfel Ol* 1 Windbeutel 5d 12 p,. Wirsingkohl ptd. 5 p/. Weinbirnen»d. 15 p/. Möhren eew"d,"m,d 5 pu Pflaumen f!ud23pt Bohnen 2 p/d. 15 p/. SlrudeläpffelKi23pi Gurken frd> bevor es völlig frei fchwiinmen kann, ist der kritischste Äugenblick des ganzen Vorganges. Ein Nachlösten der Geschwindigkeit in diesem Zwischenraum, irgendwelche unvorhergesehenen Hemmungen können das Schiff zmn Kenlern bringen. Augenblicke können dann die Arbeit von Monaten vernichten. Die Geschichte des Schisssbaves weist von solchen mistglückten Stapclläusen, von solchen Katastrophen zu be- richten. Wenn nun das Schiff glücklich im Ausirüstungshasen schwimmt, dann beginnt die inner« Ausrüstung des Riesenbaues. Schwere, himmelragcnde Porlalkräne heben die fertigen Kessel oder Maschinen wie Spielzeuge und lassen sie im Schifssiimern verfchwjn- den. Ungezählte Eisenlonstruttionsteile wandern immer wieder den gleichen Weg, unzählige Male heben und senken sich die Arme, un- iahlich erscheint die Menge oll der Dinge, die ein Riesenschisf ver- schlingen kann, bevor man mit Fug und Recht sagen kann, dah es fertig fei. Endlich tun die Moler und Tischler und Dekorateure ihr Wer?. Die zartesten Farbentön« und Stoffe, Gemälde und Möbel halten fröhlichsten Einzug in die Kabinen und nach geraumer Zeit ist der eiserne Rohbau im Innern von Holz und Marmor und Farbe überdeckt. Niemand ahnt mehr, wie schmutzig und verrostet noch das Ganze auf dem Helgen aussah. » Di« letzten Handwerker haben noch nicht ihr« Licheit vollendet, dann beginnen schon die Probefahrten, die bei wertvollen Schiffen sehr viel Zeit erfordern. Genau werden die Leistungen der Haupt- und Nebenmaschinen gemessen, der Kohlen, bzw. Brennstoffverbrauch für «in« Reihe von Geschwindigkeiten festgestellt, alle Hilfsmaschinen, die Kühl-, Lentilations- und Heizvorrichtungen weoden sorgfältig ge- prüft, die Steuerfähigkeit wird untersucht, die Schiffs- und Moschinen- schwingungen werden gemesten und vieles anders mehr. Erst wenn ein« grast« Zahl solcher Versuche bewiesen hat, daß die von der Reederei gestellten und von der Werst garantierten Forderungen er- füllt sind, wird das Schiff abgenommen. Dann erst kann es den Weg zum Heimatshafen antreten und seinen Alltagsdienst beginnen. Zreie Sahn dem ZlegeU Es ist nicht immer angenehm, Ordnungsperson zu sein. Was soll der gute Strastenbahnschaffner machen, der auf dem Ost-Dest- ring fährt und in den Spätabendstunden mit einem aus forsch frisierten Herrn fast tätlich aneinandergerät? Der Ringwagen fährt die Lügowstraste hinauf in Richtung Lützowplatz. In der Nähe des Magdeburger Plages gibt es ein mächtiges Hallo—„Stehenbleiben, zum Donnerwetter stehenbleiben/ kreischt eine Stimme, die sich iv wilder Erregung überschlägt. Und drei kernig« Flüche schmettern hinter dem Wagen her. Der Schaffner, ein älterer, schon weiß- haariger Mann, schüttelt den Kopf.—„Hier ist keine Haltestelle", ruft er zurück.„Weiter oben müssen sie einsteigen."— Hätte der Einlast Begehrende den Schaffner etwas höflicher angeredet, so würde er sicherlich den Wagen angehalten haben. Nun bricht der Sturm los. In virtuosen Galoppsprüngen fegt da» menschliche Ge- witter der Strastenbohn nach, mit einem Satz springt der Unge- bärdige aus das Trittbrett, stößt den verdutzten Schaffner brutal zur Seite und gibt das Haltssignal. Jählings wendet er sich zur Seite und überschüttet den Straßenbahner mit einer Flut von beleidigen- den Ausdrücken. Der Eindringling ist ein sehr gut und modisch an» gezogener Mann mit einem koketten Spazierstöckchen, und einem knochigen, unruhigen Gesicht. Alles an ihm zeigt verlogene Eleganz und Energie. Jetzt wird der Wagen rebellisch. Di« empörten Gäste wenden sich gegen den Störenfried. Der Schaffner zuckt die Achseln. „Der kann mich nicht beleidigen." Er läßt ihn oben auf dem Perron. bis dem Talmi-Energischen die Situation zu ungemütlich und die Mienen des Publikums zu bedrohlich werden. Noch vier Stationen steigt er au». Vermutlich, um auf die nächste Straßenbahn zu warten. Wozu also die Ausregung?— Nerven?— Sagen wirf lieber Flegeleien, das klingt weit ehrlicher. Zum Einsturz des Junkmostes. Weil ein haltefeil durchgerostet war. Bei dem Lokaltermin, der gestern mittag am Magdeburger Platz zur Feststellung der Ursache des F u n k m a st e i n ft u r z« s unter der Leitung von Oberbaurat Mahlt« von der Baupolizei des Dezirksamtes Tiergarten stattfand, wurde aus Grund ein- gehender Prsifung ermittelt, daß. der Einsturz de» hölzernen Funkmastes aus ein Durchrosten eines der Drahtseile zurück- zuführen ist. Eins der vier Halteseile war in unmittelbarer Nähe der Veronterung nnt den anderen drei Drahtseilen von dem Rost so stark angegriffen, daß es bei dem herrschenden Winde dem Druck nicht mehr standhielt und zerrih. Wie wir hören, hat Oberbaurat Mahlke angeordnet, daß aus Sicherheitsgründen auch die vier Seile, mit denen der kleinere Funkmast befestigt ist, aus- gewechselt und gegen neu« Drahtseile allsgetauscht werden. Bis zur Fertigstellung der neuen Drahtseile sollen die Funkmast« behelfsmäßig mit dicken Hanftauen festgemacht werden. Die neuen Drahtseile sollen derart eingerichtet werden, daß man sie zwecks Nachprüfung ihrer Haltbarkeit und Beschaffenheit alljährlich abnehmen und aus ebener Erde nachsehen kann. Wie wir hören. läßt sich von einer«ochuldfrage oder Fahrlässigkeit der ausführenden Firma keineswegs sprechen, da die An- läge bisher nur sehr schwer überholt werden konnte. Don der städtischen Laupolizei werden alle Maßnahmen ergriffen, um die Sicherheit derartiger Anlagen zu gewährleisten, die unter Umständen für die Bevölkerung eine große Gefahr bilden können. Ein Empfang. Der seinerzeit im Tschekoprozeß zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilte Kraftwagenführer AdolfMörsner, ist gestern, nachdem er seine Strafe voll verbüßt hotte, aus dem Zuchthaus zu Brandenburg entlasten worden. Er wurde von seinen Angehörigen auf dem Potsdamer Bahnhof empfangen und nach dem Blücherplatz begleitet, wo eine Abteilung des roten Frontkämpferbundes mit Fahnen und Musik, ihn einen feier- lichen Empfang bereitete. fürstlicher Hochstapler. Das sichere Spielsystem. Vor dem Schöffengericht Charlottcnburg begann gestern ein umfangreicher Betrugsprozeß gegen den russischen F ü r st e n Nikolai von M o s s a l e k y. Er wurde beschuldigt, in einer Reihe von Städten Hotels und Pensionen durch Ausgabe u n- gedeckter Schecks geschädigt zu haben. Außerdem hatte er eine Reihe von zweifelhaften Geschäftsgründungen unter- nominen, bei denen � zahlreiche Personen hineingelegt haben soll. Einem Kaufmann in München hatte er die Geschäftsbeteiligung an einem neuen Unternehmen in Aussicht gestellt und zunächst 4500 M. in Wechseln, dann noch einmal 7000 M. erhalten. Der Münchener hat sein Geld verloren. Dieser Münchener Fall mußte jedoch abgetrennt werden, da wichtige Zeugen fehlten. Bei seinen„Kreditaufnahmen" hatte der Angeklagte vielfach auf seinen angebsichen Familienschmuck und seine Güter in Rußland verwiesen. Nach dem Gutachten des Gefängnisarztes, der den Fürsten während der 14monatigen Untersuchungshaft häufig untersucht hatte, ist v. M. K o k a i n i st und Psychopath. aber voll verantwortlich. Hervorstechend ist sein übergroßer Optimismus. Im Gefängnis sprach er stets davon, daß er mit größter Leichtigkeit allen Schaden sofort gut.machen könnte, denn er habe nach der Wahrscheinlichkeitsberechnung ein tot- sicheres Svielsyst-m gefunden, mit besten Hilfe er die Spiel- danken von Zoppot und Monte Carlo sprengen könnte. Seit einiger Zeit ist der Angeklagte aus der Haft entlosten, scheint aber noch niemand gefunden zu haben, der Lust hat, sein Spielsystem zu finanzieren. Er beschäftigt sich jetzt nach seinen Angaben mit der Vertretung seiner Landsleute beim Amtsgericht und mit der Abfassung von Aufsätzen über nissisch« Berhältniste. Mit dem Monatsoerdienst von 300 M. will er nun beginnen, die Schulden langsam abzuzahlen. Die ErHrniste des An- geklagten in Rußland und Deutschland gaben das typische Bild eines Emigrantenschicksals. Er entstammt einer der ä l t e st e n russischen Adelsfamilicn. Sein Bater war im kaiser- lichen Rußland General der Artillerie. Der Angeklagte selbst ist 4896 geboren und hat auf der Petersburger Adelsschule seine Er- Ziehung genosten. Als Freiwilliger nahm er am Kriege teil und wurde Offizier. Infolge mehrfacher Berwundungen mußte er aus dem Militärdienst ausscheiden und vollendete seine juristischen Studien, machte auch das Doktorexamen in Petersburg. Nach dem Umsturz beteiligte er sich an den weißgardistifchen Unter. nehmungen gegen die russische Republik und wurde in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Es gelang ihm aber, sich einige Zeit in Petersburg verborgen zu halten und schließlich nach Finnland z» fliehen. Bon dort gelangte er über Dänemark nach Deutschland. Hier lebte er zunächst von seinen Ersparnissen und von dem Ber- kauf von Schmucksachen. Als die Mittel zu Ende waren, versuchte er es nnt Versicherungen und war auch eine Zeitlang politischer Agent der russischen monarchistischen Partei in Deutschland, bi» er sich mit dieser wegen der Thronfolgersrage über- warf. In dieser Zeit will er auch mit vielen führenden Persönlich- keilen der monarchistischen Bewegung in Deutschland in Beziehungen oekommen sein. Er überreichte dem Gericht ein Schreiben des Kronprinzen Rupprecht von Boyern. Im Jahre 1923 wurde er aus Bayern ausgewiesen und über die Grenze gebracht. Dann begann er mit seinen Geschäftsgründungen. Die ungedeckten Schecks will er nur in der Erwartung auf größere Eingänge in Zahluna gegeben haben.?lm späten Nachmittag begonnen die ersten Zeugenvernehmungen._ Noch einmal eine Kleinigkeit. Alte Gebräuche hatten sich mtt der Starrsinnigkett junger Dackel. Nein, nur nichts ändern. Wie schön waren nur die alten Zeiten! Wonach klingt denn„Platz der Republik"? Man denkt an Robespierre. St. Just, Guillotine. Wie anders dagegen„K ö n i g s p l a tz". Der brave Bürger zieht sofort demütig den Hut und verfällt in tiefe Bücklinge, ja. er denkt an die Galaoper, die ihm der letzte Hohenzoller oorspiette. Also warum denn Schilde ändern, die die liebe Tradition wahren? Auf dem Kurfürstenplag steht deshalb noch immer eine Tafel mit der ehrwürdigen Aufschrift„Zur K r o l l o pe r am K ö n i g» p l a tz". Wenn auch die Zkrolloper republikanisch geworden ist, der„Königsplotz" dahinter spricht von der ruhmreichen Ver- gangenheit. Wird man sich doch einmal entschließen können, hinter Krolloper die Wort« am„Platz der R« p u b l i k" zu setzen, Zeit wäre«» endlich. Aber alles, was auf die Republik Bezug nimmt. hat ja Zeit, und die lieben Meinen möchten so ungern von ihrem Spielzeug lasten._ Die Aufbewcihrungsgebührcn bei ber Eisenbahn. Dom 1. August werden die Gebühren für Auf- bewahrung von Fohrrädern, Kinderwagen und der- gleichen bei der Eisenbahn um 100 P r o z., d. h. von 20 auf 4 0 P s. erhöht. Diese Maßnahm« trifft vor allem die kleineren Leute, die außerhalb Berlins Lauben besitzen, und am Abend oder am Sonntag dorthin fahren. Man sollte in einer Zeit der Arbeitslosigkeit und der sinkenden Löhne von diesen Experimenten Abstand nehmen und endlich einmal auch die vom Glück stief- mütterlich Behandelten berücksichtigen. Es wäre wünschen». wert, daß die beabsichttgte Erhöhung nicht in die Wirklich- keit umgesetzt wird._ So wird darausloS gefordert! Daß Dissidenten oft noch mit unberechtigte» Kirchen st«uersorderungen belästigt werden, ist im .Vorwärts" schon an vielen Beispielen gezeigt worden, daß es nun wirklich bald genug sein könnte. Aber die Kirche, die auf ein« Buch- sührung über ihren Mitgliederbestand verzichten darf, und die Finanzämter, die den nicht kirchenfteuerpslichtigen Dissidenten die irrtümlichen Kirchensteuerveranlagungen ins Haus schicken, sorgen immer wieder dafür, daß an neuen Beispielen kein Mangel ist. Stärkste Erregung ruft der ganz unverständliche Mißgriff hervor, daß manchmal ein Dissident sogar süreineKirchengemeinschast, zu der er nie in seinem Leben gehört hat, zur Kirchen st euer herangezogen werden soll. Einen Fall dieser Art meldet uns jetzt eben wieder aus Lichtenberg ein Genoste, der vor sieben Iahren au» der katholischen Kirche austrat und vor jetzt dreiundeinhalb Jahren auch feine Frau zu diesem Schritt zu bewegen vermochte. Er ist höchst überrascht, daß ihm jetzt im Jahre 1926 vom Finanzamt Lichtenberg eine Deren- lagung zur Kirchensteuer sür die evangelische Kirche übersandt wird, obwohl beide Eheleute niemals evangelisch gewesen sind. Bei den alljährlich im Herbst stattfindenden Personenstands- aufnahmen zum Zwecke der Steuerveranlagung hat dieser Dissident � versichert er uns— stets und auch im letzten Herbst wieder sich und seine Frau als Dissidenten bezeichnet, aber das hat ihn nicht ge- schützt. Der mit dieser Kirchensteuerveraniagnng belästigte Dissident soll jetzt bei dem Gemeindekirchenrat der evangelischen Glaubens- kirchcngemeinde den Beweis führen, daß er der evangelischen Kirche nichts schuldig ist. Die Kirche genießt die ihr durch Gesetz zugebilligte Bevorzugung, daß bei einer irrtümlichen Steuer- sorderung nicht ihr der Beweis einer Steucrpslicht des Veranlagten, sondern dem irrtümlich Veranlagten der Beweis der Nichtverpslichtung zugeschoben wird. Will nicht die Kirche aus dem weitgehenden Recht, das ihr da eingeräumt ist, die Folgerung ziehen, daß s i e es auch als Pflicht empfinden sollte, zur Bcrhütuno non Mißgriffen alles zu tun, was ihr möglich ist? Will sie nicht endlich sich dazu herbeilassen, durch sorgfältige Buch- sührung über ihren Mitgliederbestand die Grund- lagen zu schassen, auf denen eine von Irrtümern freie Kirchensteuer- Veranlagung durchgeführt werden könnte? Das'Ende der Rciscausweise. Aus einem Rundcrlaß des Preußischen Ministers des Innern geht hervor, daß nach den auf Grund eines früheren Runderlasses erstatteten Berichten im allgemeinen kein Bedürfnis für die weitere Beibehaltung der Reiseousweise besteht. Ein Neudruck des Formulars wird daher nicht mehr stattfinden. Soweit bei den Polizei- behördcn Vordrucke sür Reiseousweise noch vorhanden sind, können sie bei Bedarf ausgebraucht werden. Andernfalls werden die Polizei- behörden in Zukunft für Inländer, die der polizeilichen Aus- merksamkcit und Unterstützung auf einem bestimmten Reisewege empfohlen werden sollen, zweckdienlich Ausweise ohne besondere Muster ausstellen, für Ausländer wird in geeigneten Fällen der Zwangspaß oerwendet werden. vie Magöeburger Morüe. Der Doppelgänger von Rudolf Haas gefunden. Magdeburg. 22. Juli. fEigener Drahtbericht.) In der Unter« suchung der Magdeburger Mordaffäre ist man am Donnerstag in- sofern einen Schritt vorwärts gekommen, als es dem Kriminal- konunistar Büsdorf gelungen ist, den Doppelgänger von Rudolf Haas zu finden, auf den Schröder vor«inigen Togen, als er Haas gegenübergestellt wurde, hingewiesen hat. Der Doppelgänger ist der Mogbetmrger Direktionsvertreter der Berlin- Stuttgarter Versicherungsgesellschaft T h i e s. Er war am 23. Fe- bruar mit seinem Auto in Groß-Rottmersleben, wo er Schröder be- suchte, weil dieser sich be! der Gesellschaft um einen Posten beworben hatte. Der Direktor sieht Rudolf Haas sprechend ähnlich. Nach der Feststellung des Doppelgängers rechnet man damit, daß Rudolf Haas im Lauf« der nächsten Tage fr« ige- lassen werden wird. Schröder hotte sich bei seiner Bewerbung um«inen Posten bei der Versicherungsgesellschaft Dr. Schröder ge- naimt. Als Thies in Groß-Rottmersleben nach Dr. Schröder fragte. antwortete man ihm, er meine wohl den ehemaligen Schmiede- gesellen Schröder. Schröder Hot seine früheren Angaben nochmals widerrufen und ein neues Geständnis abgelegt, das sehr merkwürdig Ningt. Er erklärt jetzt, er sei von einem schwarzfahrenden Chauffeur aus Groß-Rottersleben abgeholt und zum tschechoslowakischen Kon- sulat in Magdeburg gefahren worden. Hier sei in seinem Teii'ein von dem tschechischen Konsulatssekretär, von dem Chauffeur und von „Adolf" der Movdplan gegen Helling ausgeheckt worden. Der Chauffeur habe Helling in einem Keller in Anwesenheit Schröders erschossen. Dann habe man die Leiche vergraben, bald aber wieder ausgescharrt und in einem Wäldchen in der Näht Magdeburgs vergraben. Schließlich habe man die Leiche auch von dort' wieder ob- geholt und in Schröders Keller oerscharrt. Kriminalkommissar Busdorf ist nach den neuen Feststellun- gen mehr denn je der Meinung, daß es sich um einen gewöhn» lichen Raubmord Handel«, den Schröder an Helling beging. Vielleicht habe Schröder auch noch andere Mord« auf dem Gewissen, Unwetterkatastrophe in Serbken. Heber 100 Personen umgekommen. Belgrad. 22. Juli.(TU.) Di« Gegend von Ipek wurde neuer- dings von einer furchtbaren WeUerkmastrophe infolg« eines Wolken- bruches heimgesucht, der die altserbische Stadt Rugmvo bei Ipek innerhalb weniger Minuten vollkommen unter Wasier setzte. Zahl- reiche Bewohner wurden von den Wassermaßen in ihren Häusern überrascht, konnten sich nicht mehr retten und wurden unter den einstürzenden Häusern begraben. Nach privaten Meldungen der Belgrader Blätter sollen mehr als 100 Personen ums Leben ge- kommen fein. Bisher wurden 40 Leichen geborgen. Abbruch des russischen Wefteuropaflugrs. Das Flugzeug de» russischen Fliegers Schepanoff, der gestern nachmittag auf dem Flug von Berlin nach Köln in der Röhe von Dortmund zur Notlalümng gezwungen wurde, wurde bei dem Auf- prall auf den Boden derart beschädigt, dah der Flug nach Köln und Paris aufgegeben werden mußte. Die Landung erfolgle auf einer Wiese zwischen Dorhelm und Neubeckum. Hierbei wurden Telephon drähte und die Einzäunung einer Wiese zerstört. Glück- licherweif« kamen die drei Jnsasien des Fttigzeuges ohne Verletzung davon. Der Doppeldecker wird nunmehr abmontiert und per Bohn nach Moskau zurückgeschafft._ vie Entscheidung über da» Eisenbahnunglück Im polnischen Korridor. Das Korridorschiedsgericht hat gestern mittag über?>e Eisenbahnkatastrophe bei Stargard die Entschei, d u n g gefällt. Der deutsche Antrag, der das Unglück auf die schlechte Beschaffenheit der Eisenbahnstrecke Dirschan— Firchau zurück- führte, wurde abgelehnt. In dem Urteil wurde seftgestellt, daß das Unglück aus ein Attentat zurückzuführen ist. PimIäShs-HUgtoSi«? bis Donnerslaq, den 2Q. JuH Relshc&3t9s Glualit�-ts- Rudcflfing& RaJcet IS Rf». Schokolade/ Mandel s Vanille/ Mimbeer/ Zitronen Wer �Pakete kauft, erHält 3 Pakete • 6,, 9. .«..'S. Ul? GoechAfle Egone PudcfioQfobrfc krebs und soziale Hygiene. Der Krebskrankheit erliegen in Deutschland alljährlich mehr als 50 000 Menschen. Diese Zahl wächst ständig. In manchen Städten sterben ebensoviel Menschen an Krebs wie an Lungen- tuberkulöse-, dies bedeutet: jeder zehnte Mensch fällt dort dem Krebs zum Opfer. Die Behandlung von Krebskrankheiten, insbesondere die ä-.irurische und die Strahlenbehandlung, haben in letzter Zeit iroße Fortschritte gemacht. Mit ihrer chilie bringt man zahlreichen Krebskranken Rettung, die sonst sehr bald dem Tode versallen wiir- den. Sicherlich hätten die Behandltingsmostnahmen noch in ganz anderer Weise, als dies bisher geschehen ist, ausgebildet werden können, wenn die medizinische Wissenschaft eines der großen� Pro- bleme gelöst hätte, das heute nach mehr oder weniger ein Rätsel ist: die Entstehung der Krebskrankheit. Zwar find in den letzten Jahren einige wichtige Entdeckungen ver- schiedener Parasiten gelungen, die wohl sicherlich in einer bestimmten Beziehung zur Bildung von menschlichen Krebsgeschwülsten stehen. Die hervorragendsten KreKsforschcr stimmen auch darin überein, dast< vermutlich mehrere Ursachen— Reize verschiedener Art— I zusammenwirken, die die Entstehung und das Wachstum von Krebsen lieroorrusen. Aber wie dem auch fei, die Frage der Entstehung der Krebsgeschwülste ist noch längst nicht geklärt. Um zu einer Lösung des Kredsprobl e m s zu gelangen, ist es nicht nur notwendig, immer wieder und wieder L a b o r a- toriumsvcrsuche anzustellen und Krebskranke zu beobachten. Dies genügt nicht. Rehr, auch die sozialhygienischen Be- obachtungen und Auswirkungen, die die Krcvskrankheit be- reffen, mästen bei der Erforschung der Entstebung, Ausbreitung und Bekämpfung des Krebses mit in Rechnung gestellt werden. Es ist deshalb besonders verdienslvvll, wenn Proieisor Karl Lew in vom Krebssorschungsinstitutder Chorite,' e:n Arzt, der seck vielen Iahren namentlich auf dem Gebiete der erpcrimentellcn Krebsforschung arbeitet, sich über die sozial- IiHgienischen Aufgaben der K r e b s b e k ä m ps u n g äußert. Er tut dies in der„Zeitschrift für EchulgesundHeitspslege und soziale chngiene"(1920, Rr. 61. Der Krebs ist überwiegend eine Erkrankung des höhe« ren Alters. Die größte Zahl van Krebserkrankungen treffen wir erst im Alter von über 60 Iahren. Beim weiblichen Geschlecht tritt er erheblich häufi-gcr aus als bei Männern. Der Grund hierfür liegt darin, daß Brustkrebs und Gebörmulterkrebs sehr häusige Formen der Krebserkrankung sind. Bei Männern überwiegen Magen- und Donnkrebfe.* Großen Einfluß auf die Entstehung der Krebskrankhcit bst die wirtschaftliche Lage. Menschen, die in schlechten Wohnungen Hausen, leiden gesundheitlich schaden. Ein ge- schwächter Körper vermag der Krebskrankheit weniger zu widerstehen als ein gesunder. Ein recht bedeutsamer sozialer Faktor ist die Ernährung. Eine langandauernd« Unterernährung schwächt ■ die Widerstandskräfte des Körpers und leistet so dem Ausbruch des " Leidens Borschub. Ausreichende Ernährung dagegen gibt, wie�gegcn '�olle Krankheiten, so auch gegen den Kreb», einen natürlichen Schutz. Als sehr ernst wird von vielen hervorragenden Krebssorschern die Bedeutung des Tabaks und des Alkohols bei der Entstehung des Krebses eingeschätzt. Das Pseifenrauchen fördert die Bildung von Krebs an den Lippen. Besonders schädlich ist die Tabaksbeize, die bei Tabakarbeitern recht oft Lungen- und Lippen. krebs hervorruft. Der Alkohol spielt eine wesentliche Rolle bei der Entstehung des Krebses der Verdauungsorgane. Wein- und Schnaps- g-nuß fördern besonders die Entstehung des Speiseröhrenkrebses. Reben Wohnungs- und Ernabrimgseiuflülsen ist die Art der Berufsarbeit für die Entstehung und die Verhütung von �rebskrankheiten von außerordentlich großer Bedeutung. Es können im Anschluß an Unfälle und äußere Verletzungen Krebse sich b-manbilden. Dies ist auch in der Unsallrechlsprechung anerkannt. Gar nicht selten ist der Krebs als richtige Berufskrankheit auszusassen. Es find auch mehrere krebsig« Erkrankungen als ge- werbliche meldepilichtige Krankheitszustände(nach der Verordnung des Reichsarbeitsministers vom 12. Mai 1925) ausdrücklich anerkannt worden. In Frage kämmen hier die Schädigungen durch Röntgen, Radium und Licht, welche.zur Krebskildung führen, der Lungen- krebs der Schneelierger Bergleute, der Krebs der�Anilinarbeiter, so- wie die bösartigen Geschwülste als Folge von Schädigungen durch . Teer, Ruß, Paraffin, Pech und Arsen. Häufig sind Krebserkrankungen der Blase und der charnweg«. die sich bei A n i l i n a r b c i t e r n als typische Berufskrankheit eistzustellen pflegen. Als Ursache der Geschwulstbildung wird die Einatmung der Anilindämpfe angesehen. Dieser in den Beirieben >"ztaegenzuwirken, ist eine der wichtigsten Ausgaden der gewerblichen D'ig'ene. Außerordentlich bedeutsam sind die Geschwulstbildunoen, die bei Arbeitern der Tecrindustrie und verwandter Be- triebe durch Berufsschädigungen hervorgerufen werden. Man spricht von Teerkrebsen. Oft sind dies Hautkrebse. Bei Schornstein- iegern findet man häusig Hodenkrebje. Besonders gefährdet find dr Arbeiter, die bei der S t e i n k o h l e n de st i ll a t i o n be- schäftigt sind, namentlich auch die Brikettarbeitcr. Die soziale Hygiene hat die Pflicht, hier nach Möglichkeit vorbeugend zu wirken. Die Bekleidung muß ein« zweckmäßige lein, damit nicht durch ein Scheuern der Haut Entzündungen ent- stehen, auf deren Grund sich bei den Arbeitern dieser Betrieb« Krebse entwickeln, was sehr leicht vorkaminen kann. Auch aus die Körper- ,'liege muß besonderer Wert gelegt werden. Jede Hautverletzung und Entzündung gilt es sorgfältig zu beobachten und frühzeitig und sachgemäß zu behandeln. Hier vermag die Errichtung von Polikliniken und Beratungsstellen für Geschwul st kranke, wie sie Ge- nasse Professor Grotjahn für alle großen Städte und die Industriegebiete gefordert hat, wichtige, lebensrettendc Arbeit zu leisten. Für den Berufskrebs ist die Kontrolle der Betriebe durch die Fabrik- undGewerbeärzte von größter Wichtigkeit. Sie können, was Professor L e w i n besonders betont, durch Beobachtung der ersten Stadien von Berufsschädigungen zur Herabminderung der Zahl der Krebsgefährdeten wesentlich beitragen und ost durch noch rechtzeitige Beranlassung eines Berufswechsels der Krebserkrankten Siechtum und frühen Tod verhindern. Will man die Krebskranken und vom Krebse bedrohten Men- Ichen so früh und so zahlreich wie möglich ersaisen und betreuen, so ist es aber auch notwendig, den breiten Masten der Bevölkerung das erforderliche Wissen von den ersten Anzeichen- der Ent- stehung des Krebses zu vermitteln. Rur dann kann die Erfastung eine frühzeitige und einigermaßen vollständige sein. Es gilt also, ebenso wie bei der Bekämpfung der anderen großen Lolkskrank- heiten, so auch im Kamps« gegen den Krebs die hygienische Voltsbelehrung in weitem Ausmaße in de» Dienst der guten Sache, in den„D i d n st am Volke"' zu stellen. Stadtorzt Dr. Alfred K o r a ch. dieuft am Volk. Erholungsstätten in Neukölln. Das Tcmpelhofer Feld, neben dem Volkspart, eine beliebte Erholungsstätte der Neuköllner Bevölkerung, ist feit«inigen Monaten an verschiedenen Stellen gesperrt, weil dos Bezirksamt umfangreiche Arbeiten ausführt. Diese Absperrung des Feldes hat sehr viel böses Blut erregt, aber es ließen sich diese Arbeiten nicht anders durchführen. Um die Bewohner Neuköllns über das. was dort geplant ist, aufzuklären, hatte das Bezirksjugendamt Vertreter der Jugend- und Sportorganisationen und die Preffe zu einer Besichtigung des Geländes geladen. Stadirät Genosse Schneider gab zunächst einen geschichtlichen Ueberblick über die seit Jahren mit dem Mililärsistus geführten Verhandlungen, die mehrmals im Sande verliefen. Nachdem durch Schafsung des Flughofens alle anderen Pläne, Eisenbahnzentral- bahnhof usw., sich zerschlagen hatten, wurde endlich die Zustimmung erteilt. Es handelt sich um einen Streifen in der Größe von 46 Hektar, der in einer Breite von je 150 Meter beiderseits des bereits bestehenden Grünstreisens, der sogenannten„Banancnallee", von der Ringbahn, im Zuge der Oderstraßc bis an die Polizei- schießstände geht. Das Gelände wird in drei Bauabschnitten fertig- gestellt. Im ersten Abschnitt, Ringbahn— Grüner Weg, ist ein Stadion, dos 20 000 Zuschauer ausnehmen kann, bereits im Bau. Eine Laufbahn von 1500 Meter wird erstehen. Der Auf- marschplatz zum Stadion ist ziemlich iertiggestellt. Im zweiten Abschnitt, Grüner Weg— Herrsurthstrahe, sind vier Fußbollspiel- Plätze, wovon zwei bereits in vier Wochen fertig fein fallen, vor- gesehen. Der dritte Bauabschnitt, der von der Herfurthstraße bis an die Polizeifchießftände geht, wird ein Luft- und Sandbad, später vielleicht noch ein Schwimmbad, erhalten. An der Mauer, östlich der Parkanlagen im Zuge der Oder- straße sollen Rosengärten, zwei Buddelplätze für Kinder und Spielplätze für die ältere Jugend angelegt werden. Sämtliche Sportplätze liegen hinter den Parkanlagen, damit bei Vcreinsveranstaltungen keine„Zaungäste" die Spiele beobachten können. Bisher Hot die Stadt Berlin zirka 3,50 000 Mark hergegeben und es ist bei der weiter ansteigenden Arbeitslosigkeit zu hoffen, daß sie weitere Mittel zur Verfügung stellt. Ja, es wäre sogar notwendig, noch mehr Erwerbslose ein- z u st e l l e n, jetzt sind 500 Notstandsarbeiter beschäftigt. um die entsetzliche Arbeitslosigkeit wenigstens etwas einzudämmen. In diesem Falle ist das Geld wirklich zinsbringend angelegt, denn Licht und Luft braucht eine Großstadtbevölkerung, die zum über- großen Teil ihre Tagesstunden in dumpfen Fabrikgebäuden ver- bringen muh. Je eher dieses große Projekt fertiggestellt wird, desto besser für die Bevölkerung, weil das„Temscher" der Lieblingsort der Neuköllner geworden ist. Bei dieser Gelegenheit eine Frage an das Kommando der Schutzpolizei. Müssen die Schießstände in der Hasenheide immer noch benutzt werden, nachdem dieser Stadtteil immer mehr zum Wohnbezirk geworden ist? Heute, in? Zeichen des Verkehrs, kann es doch nicht schwer fallen, die Mannschaften mit Kraftwagen auf Plätze außerhalb Berlins zu bringen. Und endlich noch ein Wort über die Unsicherheit auf dem Tempelhofer Felde. Hier erleben wir wieder den herrlichsten Kompetenzstreit. Die Anlagen auf der Neuköllner Seite gehören zum Polizeibczirk Tempclhof. Die Neuköllner Polizei darf jiur einschreiten, wenn sie gerufen wird, aber da ist es bereits immer zu spät. Warum können die Anlagen nicht der Neuköllner Polizei übertragen werden? Geht da der Polizeioberhoheit TerrpcN)of wirklich etwas verloren? Die Unsicherheit wäre mit einem Schlage behoben. Ueber dies« Frage sollen ja nun Verhandlungen stattfinden. Hoffentlich dauern sie nicht ollzulange. Im Interesse der Bevölkerung wäre ihr baldiger Abschluß dringend erwünscht._ Das neue INieterschuhgesetz Nachdem der Reichstag in seiner Sitzung vom 26. Juni das Mieterschutzgesetz in einer ganz neuen Fassung beschlossen hat und dieses Gesetz unterm 20. Juni veröffentlicht wurde, wird es die Mieter zweifellas interessieren, mit den Einzelheiten des Gesetzes oertraut zu werden und insbesondere schnell überblicken zu können, was sich an dem alten Gesetze ge- ändert hat. Der Verlag des Reichsbundes Deutscher Mieter in Berlin W. 35, Potsdamer Str. 56, hat nun in Anbetracht der Wich» tigkeit dieses Gesetzes eine reine Textausgabe herausgegeben, die in Fettdruck alles dos hervorhebt, was gegen das seitherige Gesetz abgeändert worden ist. Diese Ausgabe ist soeben in Draht. beftung zwecks Massenvertrieb zu einen, außerordentlich billigen Preise erschienen und kann von allen Buchhandlungen und Mieter. vereinen und direkt von dem genannten Verlage zum Preise von 20 Pf. für das einzeln« Stück bezogen werden. 50 Exemplare kosten insgesamt 8 M.. 100 Exemplare 15 M. Bei der Wich- tigkeit der Kündigungsdauer bei Mieterückftond und der Ersatz- rairmfrage kann der Bezug dieser Textausgabe nur dringend ange- raten werden. ZUM Schutz öes Nachwuchses. In Berlin begann eine planvolle Säuglingssürsorge der Stadt erst mit der Einrichtung der Säuglrngsfürsorge st eilen. Der vorwärtstreibenden Arbeit unserer Genossen im Rathaus war es zu danken, daß die Gemeindebehörden eine Lösung dieser Auf- gäbe versuchten. Im Januar 1901 stimmte die Stadtverord- netenversammlung einem von der sozialdemolra- tischen Fraktion eingebrachten Antrag zu, der vorschlug, zu- sammen mit dem Magistrat in einer gemischten Deputation über Maßregeln zur Herabminderung der Säuglings- sterblichkeit zu beraten. Nach Prüfung dieses Vorschlages durch die Waisenverwaltung willigte der Mogistrat erst im November 1903 ein, und die danach endlich zusammentretende gemischte Depu- tation erklärte sich in ihren Beratungen für eine Reihe von Maß- regeln des Säuglings- und Mutterschutzes. Einen Teil davon wollte der Magistrat durchführen, und im November 1904 legte er den Stadtverordneten einen Plan vor, desiev Hauptstück die Säuglings- fürsorgestsllen waren. Die Stadtverordnetenversammlung stimmte im März 1905 mit einigen Aenderuygen zu, worauf am 1. Mai 1905 zunächst vier über Berlin verteilte Säuglingssürsorgestellcn eröffnet wurden. Seit jenem durch die Sozialdemokratie veranlaßten und er- reichten Stadtoerordnotenbeschluß von 1901 ist ein Bierteljahrbun- dert vergangen, und die Säuglingsfürsorge st ellen blicken jetzt ous'ein- Arbeit von über zwei Jahrzehnten zurück. Welche Bedeutung sie in den zwanzig Jahren erlangt haben, zeigt eine Statistik ihrer Tätigkeit im Jahre 192 5. Gegenübr den vier Säuglingssürsorgestellen von 1903, mit denen die Zwei- Millionenstadt"begann, hotte in 1925 die inzwischen durch Eingemcin- dung zusammengefaßte Viermillionenstadt 71 Säuglingsfür- sorge st ellen mit 81 Aerzten und 169 Schwestern. Die Zahl der Sprechstunden, in denen die Mütter ihre Säuglinge oder Kleinkinder zu den Fürsoraestellen brachten und Rat für s.e suchten, bclies sich iür alle Sävgnnassührsorgestellen zusammen aus 297 pro Woche. Rat wurde den Müttern erteilt in 314 324 Fällen für Säuglinge(bis ein Jabr alt), in 243 179 Fällen für Kleinkinder (über ein Jabr alt), das sind zusamipen weit über eine halbe Million Ratcrteilungcn im Jahre 192 5. Die Zahl der Kinder, denen die Fürsorge zuteil wurde, ist natürlich geringer. Die meisten Mütter kommen ja nicht mir einmal, sondern nehmen ver- ständigerweise die Fürsorgestellen längere Zeit hindurch in Anspruch. Das ist auch der Zweck der Fllrjargestellen, und so wird es ge- wünscht, daß sie nicht erst mit den erkrankten Kindern aufgesucht werden, sondern schon in gesunden Tagen die Kinder und ihre Mütter als„Stammgäste" begrüßen dürscn. Erstmalig dingsbrachte Kinder wurden 46 479 gezahlt, darunter 29 056 Säuglinge und 17 423 Kleinkinder. Im Durchschnitt entsielen auf jeden-säug- ling etwa 11 Raterteilungen, auf jedes Kleinkind etwa 14 Rat- erteilungen, aber im einzelnen wird die Zabl der Raterteilungen sehr ungleich gewesen sein. Unter den 29 056 Säuglingen waren 15:126, die bei der ersten Zuführung zur Säuglingssiirsorg«skP.'c noch nicht den ersten Lebensmonat.vollendet hatten. Jeden Sä�t6»ng möglichst zeitig den Fürsorgestellen zuzuführoa:, kann den Müttern nicht dringend genug angeraten werden. In 1925 waren die im ersten Lebensmanat zu den Fürsorge- stellen gebrachten Säuglinge über die Hälfte aller in dem Jahre dorthin gebrachten Säuglinge und fast ein Drittel oller in d�m Jahre lebend aeborenen Kinder Berlins. Diese Ergebnisie bedürfen nach sehr der Steigerung, aber sie zeigen doch, daß erfreulicherweise das Verständnis für den Segen der Säuglingsfürsargeftellen nicht wenig verbreitet ist. Sehr oft wird freilich der Entschluß, tr.ie Säuglingssürsorgestelle auszusuchen, durch die Not diktiert. In dieser Hinsicht ist es lehrreich, zu sehen, wie ungleich die Jnan- spruchnahme der Säuglingssürsorgestellen in tv: einzelnen Verwaltungsbezirken ist. Der Bezirk W e d d i n g batte mit 114151 Raterteilungen in 53 900 Süuglinasiällen und 60 254 Kleinkinds- fällen die Höchstziffern. Das Gegenstück ist der Bezirk Zeh!-"- darf, der im ganzen Jahr nur 433 Raterteilungen in 320 Sa■= lingsfällen und 113 Kleinkindsfällcn zu oerzeichnen hatte. In solchen Zahlen drückt sich ein Stück des Klassengegensatzes aus. Der Bezirk Wedding gehört zu den vorwiegend von der Ar- beiterbevölkerung bewolutten, die dichtbevölkert und kinderreich sind. Der Bezirk Zehlendorf ist einer van denjenigen, deren Brwohuer in der Regel weniger mit Kindern gesegnet sind und es meist auch nicht nötich haben, eine Säiialingssürforgestelle in Anspruch zu nehmen. Die Früchte der Arbeit, die von den Säuglingsfürsa-ee. stellen Berlins seit zwanzig Iahren geleistet worden ist, sind langst in oller Deutlichkeit zu erkennen. Gewiß wären zu einer wirk- sameren Vekämpsung der Säuglingssterblichkeit noch ganz andere Maßnahmen nötig als das, was die Säuglingssürsorgestelle.-u bieten vermag, durchgreifende Maßnahmen wirlschaftlicher Art. die dex werktätigen Bevölkerung eine Hebung ihrer Lebenslage bringen könnten. Aber es dürste mit auf die?lrbett der Säuglingssürsrrg-- stellen, auf die ständige Belehrung der Mütter« aus ihr wachsendes Verständnis für Hygiene zurückzuführen sein, daß in neuerer Zeit die Säuglingssterblichkeit, gemessen an der jeweiligen Geburtenhäufigkeit, doch merklich nachgelassen hat. S a manche Mutter hat es der Säuglingssürsorge- stelle zu verdanken, daß ihr Liebling vor Krark- h e i t und frühem Tod bewahrt geblieben ist. Die ersten Kinder, die einst den Säuglingssürsorgestellen zugeführt wurden, sind heute Erwachsene im Alter von mehr als 20 Jahren. Zu jenen ersten Schützlingen der Säuglingsfürsogestellen kann manch« der Mütter gehören, die heut« selber ihre Kinder zu den Säuglingssürsorgestellen bringen. MAS 8 Amt � 1■ 1 fr vollem Format für 3 Pfennig im SUbeakteldt, Vorträge, vereine und Versammlungen. Deatschn Cfonnts-Susi, Cstimravpt Balis, ffaitoj. bis JS. Zllli, 8 Uhr. ftanbitaici Dobrin. Hackcschcr Markt, llebungsabrnh. Säst« Willkomm««. T»srlft«u»«r«is„Dir Ratsrfresud«�. Abt. ttsrlattestsrHr Freitag. 23. Juli. MiS Uhr, hn Heim Haeselerstr. 16b, Diskusstonsob«»».— Abi. Rriebeium: ffreitag. 23. Juli. HS Uhr, im Heim Olf-noachir Str. 5», Hwnort. fiij�r Abend.— Abt. Sesssbicasiun: Freitag. 28. Zull, Mt m*.— Abt. ill. 8 Uhr, im Hrim Hrhierkestr.+4 i'ft. 1). Erst« Hilf« H«!M Danbern imb Baden, 1. Teil. Iuzenbgrupp« im selben Saum V47— 8 Uhr,..Au» Bebel» Leben". 24. Juli, 7 Uhr, Spielen Treptow, Wies« 4.— Abt. TempeDhof: Fiel» tag. 23. Sult.'At Uhr. in Mariendorf. Jugendheim Dorfstrahe. Montag, 26. Juli. tN Lichtenrade.«aiser-Wilhelm-Str. 73.— Abt. Treptow: Tressen UM 7 Uhr Bhf. Treptow.— Ortsgruppe Berlin: Für cii.mtag, 25. Juli. werben noch Arbeitskräfte fttr die LuchhIUt« in Tremmen gebraucht.— Statu?» wisfenschafilich« Abt.: Montag. 26. Juli. 8 Uhr, im Heim Stralauer Str. 55. Geschäftliches.— Bhoto-Semelnsämst: Montag. 26. Juli. H8 Uhr. im Heim Stertostr. 12, Dr. Anbresen spricht über.Orthochromasie und Lichthosfreiheit". � Werhebezirk Ztorden: Sonnabend. 24. IuN. Bezirkz-Nachtrsanderung Bernau— Buckowsee. Gemeinsame Abfahrt'all er Teilnehmer abend» 11.46 Uhr Bhs. Se- sünbörunnen. Musikinstrumente mitdiingen.— Ahr. Dedding! Freitag, 23. Juli, Seideabend. Treffpunkt W! Uhr See-, Ecke Lütticher Strohe. Die Arbeit»gemeinschnft sür Forsts chng und Naturkunde, e. B.. Berlin- Friedrich»hagen,»eranstolket am Sonnabend, den 24. Juli,«in« Wanderung durch da» Bunfsandsteingebiet Kalkberg« unter sachversiZndiger Führung. Sammelpunkt Restaurant„Told-ne Traube" tu Talkberg«. Abmarsch t?« Uhr. Fahtgelegenheit vom Bhf. ssriedrichshagen mit her Schdneicher— Talkberger Strasienbahn 3ll8. 8.43, 4.13 Uhr. An dem Zuge 4.13 Uhr befindet sich für die Wanderungoteilnehmer«In Sondermagen, bei dessen Benutzung Fahrprei»- ermäsiigung eintritt. Sin Turfa,„Türperübnngen sür Knaben" sgpmnastische und leichtathletische Uebungenl beginnt an da Deutschen Hochschule für Leide»Übungen—Abt. Nolksbochschulkurse— am Mittwoch, den 28. Juli, nachmittag, 4 Uhr. im Dculschen Stadion Grunewald. Belbindung: Untergrundbahnhok Stadion, Stadtbahn Siennbahnhof. Auskunft erteilt da» Sekretariat, B. 35. Turfstrsten. siraß« 43, Turfürsi 1309.__ Arbeitersport. Um die verklner Fuhballmeificrschost. Am Sonntag beginnen nun endlich die Spiele um die Berliner Meifterichaft. In Luckenwald« stehen sich aus dem Sportplatz der Freien Turnerschaft In da Setzheide die Meister de» Rord- und Südwest- bezirk» gegenüber. Alemannia, der Meister de» Norden», steht nun schon zum drittenmal in der Endrunde. Zweimal, in den Jahren 1323 und 1324, oelong e» ihnen, die Baliner Meisterkanifl zu erringen. Luckenwalde, der Gegner, stand in den Borjahren immer in der Mitte da Tabelle, und ist es ihm erst in diesem Jahre geglückt, allerdings überzeugend, di» Abteilungs- Meisterschaft zu erlangen. Ob es ihnen aba möglich sein wird, die Alemannen zu schlagen, Ist sehr fraglich. Beginn des Spiels abends 6'/» Uhr. Stralaukurnier. Im Turnier des Sportverein» Stralau standen stch am Mitt- wach her Beranstalta Stralau und Eintracht. Reukölln gegenüber. Da, Spiel wurde durch den glatten Boden sehr beeintröchtigt. Stlalau gelang eo, burch scharfen Schutz des Linksautzen da» erste Tar zu erringen. Doch nicht lang« lietz Eintracht auf den Ausgleich warliN. Der Torwart Stralaus lief dem Ball entgegen, verfehlte ihn. und Eintracht konnte den Ball tn« leere Tor senden. Raa, guter Tombination des Stralou-Sturm» und schöner Flank« de« Linksautzen köpsie der Mittelstürmer den Ball in» Tor. Prompt erwidate Eintracht. Ein longa Schutz ging dem Torwart zwischen die Beine und da Ausgleich war wiederhergestellt. Nach der Paule wurde Stralau in feine Hälfte eingeschnürt. Doch mit vielem Glück konnten Erfolge für Eintracht vermieden werden. Als Stralau dann,«eoen den Bind spielend, das dritte Tor er- zwlen konnte, war Eintracht« Schicksal besiegelt. Kurz vor Echlutz kannte Stralau dann noch de» vierten Treffer buchen.— Am heutigen Frei- tag findet da» Wiederholungsspiel zwischen F r> s ch- F r e t und Britannia- Lichtenberg statt, da bo» Spiel am Sonntag unentschieden Beginn 6'ch Uhr.— Am Sonntag nachmittag 4 Uhr steigt .. ischenrunda. E« stehen stch hier di« Sieger au» der Borrunde Hertha 22 und Treptower Ballspiel- Elph gogesüber. Da« zweit» Spiel führt dann Stralau und den Sieger vom häutigen Spiel zu- scmmen. Weitere Spiele. In Pankow. Marimilianstratze. tressen stch Pankow 08 und Ren- kölln- Britz. Neuköllner Ba 1 1 s tz i e l. Ein h spielt auf dem Tempslhofer Feld gegen Neuenhagen. Eintracht 25 hat in Britz dl» Neuköllner B e r o l i n a al« Gast. Bolterstzarf fahrt nach Sachsenhause». In Mahlsdorf stehe» stck S h l o r und Richter». w a l d« gegenüber. In Steglitz treffe» sich bie Feele Sportver- e i n> g u n q Berlin All und Futzhallring. Arbeiter-Nadfahrerperei» Grotz-Serlin. Sonntag, den 25. Just, früh 5 Uhr und mittags 12 Uhr, Babetou; nach Sumt. Start Dalbemarstvaße, Ecke Mgtiannenplatz. Gaste willkomr.ien. Kk-btefu tzballkawps. Am Mittwoch abend fand in Altona eis Städte- futzdalltamps der Arbeitersportler von Pari» gegen Hamburg statt, der mit einer Begrützungsansprache des Altonaer Bürgermeisters eingeleitet wurde. Da« Spiel stand während der ganzen geit unter starker lleberlegenheit der Hamburger Elf. die ein planmäßige», engmalchiae« Stellungsspiel zeigte». Während die Franzosen vor Halbzeit noch besser in der Ballabgabe al» die Deutschen waren, unterlagen sie In der zweiten SpielhAlft, glatt dem Tempo der Hamburger. Mit 3:0 di» Halbzeit und 9: 0 in Endergebnis gewannen die Hamburger da» Spiel, dem 6000 bis 7000 Personen beiwohnten. Di« Pariser hatten unter dem ihnen ungewohnte» Sandplatz zu leiden. TIE. Viktoria 1911, Tempelhos. Am Sonntag, den 25. Juli, nachmittag» 4 Uhr, findet ein grotze» Arbelter-Fußballwettspiel zwischen Turn- und Sport- Übergibt man nur dem Aiachwei» de« Deutsch. Mufikerverbandetz, Berlin 027, Andrentzftr. 21 sKSnigitadt 4310, 4048). Keichäfttzzeit 98165.«Sonntags 10 bis 2 Ubr. Aus Lmisch Bertrrterbeiuch nerein Twenkau 1 s Sachsen) und Viktoria l statt. Borher Viktoria U— Fortuna- Lichterfeld« l,»iktoria lll— Fortuna ll. Unterstützt die A-beit«rsportvera». stältung durch regen Besuchs Bezirk str atz e� 2� �llhi'�Dem onst rat io n durch die Stratzen de, Gesundbrunnens zum Abler-lI-Platz. Dortselbst ab 3 Uhr lelchtathl-tlsch- Bettkämpf« und Spiel« all« Art. Etwa 500 Teilnehmer. Sintriltprei, 40 Pf. für Erwachsene. 20 Pf. sür Jugendliche und 10 Pf. für Schüler._, Di« Sportlich« Bereinigung Lichtenberg- Friedrich»selde 1904.«. Mitgl. d.««BD.. veranstaltet am Sonntag, den 25. Juli, im Restaurant Reu�eeland sfrllher Schonertl. Rummelsburg. Tynoslstr. 19. am Bhf. Stralau-Rummel» bürg, ein grotze» Werbesportfeft. unter Mitwirkung de» Sportklub» Sparta 1311, Lichtenbera, Rtlgl. d. A.-T.. u. Sp.-I.. mit Ihrer Schalmeienkapelle. D« gesamte Reingewinn wirb zur Anschaffung van Sportgeiaten für die Schlll«- und Iugendabteilungen perwendet. Billett, sind schon letzt beim Tassterer Barl Ruth. Friedrichofeld«. Walderseestr. 36. und in der Turnhalle Lichtender«, Bllrgerheimstratze. Dienstag und Freitag zu haben. Der Eintrittspreis detritgt 50 Vf.. für Binder 25 Pf. Teutonia-Westen. Freiluftkämpfe. Di« dritte ihrer Sommerveranstattun» gen wieder auf dem Svortpla« Friedrichshai» veranstalten di« Teutonen am Sonntag, den 1. August. Alz Ritveranstalter figuriert diesmal der Boisgert- klud Westen. Als bedeutsamste Tämpfe seien erwährrt: Wegener-Pnnne, Thill- Rochow, Peoestorf-Otten«, Arnhold-Madalinski, Kundertmark-Nalter. Beginn der Beranstaltung ist 4 Uhr. Eintrittspreis 50 Pf. Am Allfang des Jahrhunderts tanzte man Walzer, Rheinländer und Polka, dazu einen Galopp, einen Ländler oder bei stark«nt- wickeltem Temperament sogar eine Mazurka und einen Krakowiak. heute lacht man darüber, Blues. Charleston und Shimmy sind letzter Schrei. Der Rundfunk stellt di« Mode von vorgestern der modernen gegenüber. Das Bruiniertrio spiest Walzer, die Wein» traubs Syncopators machen in Jazzband, Saxophone quäken, die Melodie ertrinkt, nur der Rhythmus entscheidet, fiebert» zuckt nervös, und bei den Komponisten ist festzustellen, dah sie sich meistens mit einer Melodie von ein paar Takten begnügen, die sie durch alle möglichen Tonarten Hetzen, selbst ein aller Marsch von Sousa oder der Cstudiantina-Walzer Waldteusels spricht dagegen von melodiösen Einfällen. Und doch hat die Zeit um viese blühend« Melodik Patina gelegt, ganz leise klingt sie veraltet. Jedenkalls verfügte man früher über mehr Zell, selbst lSlil war das Polt- kutfchentempo noch nicht völlig überwunden. Und wer behält recht? — Vorher sprach Ernst P r ö ck l Gedichte und Prosa Detlev von Liliencrons; wenig ist veraltet. Wieviel Rhythmus lebt In dem Gedicht„Die Musik kommt" und„Her Blitzzug". Tron mancher artistischer Spielerei gehört Liliencron noch ganz zu den Lebenden. Im ganzen ein gut zusammengestelltes, amüsantes Abendprogramm. Dss Rundfunkprogramin. Freitag, den 23. Juli. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4.10 Uhr nachm.: Zehn Minuten für die Frau. Dorothea Goebeler: Tom Müssen und vom WoUen. 5—680 Uhr naahm.: N'achmittagslronsert der Berliner Funkkapell«.(Leitung: Konzart- meister Franz v. Szpanowski). Ansehließend: Rataehl&ge fürs Hans, Theater- nnd Filmdienst. 7 Uhr abends: Paul Markwald- Caro; Warum ist eine Aufwertung der alten Reichsbanknoten unmöglich? 7.26 Uhr abend*: Dr. Albert Hofaeker:„Ptreifsüga durch Dänemark". 7.85 Uhr abends: Professor Pandit Taraoband Roy, Labore: Der Buddhismns. 8.30 Uhr abends; Wort nnd Lied. Eichendorff. Mitwirkende: Franz Koepnan: Fred Drissen, Bai' Hans Brauzewefctef. Bezitationen; Mary wurm- Meisenberg, 801 Eichendorff. Mitwirkende: Franz 1 Hans Brause wetter. Rezitationen; l-.-.j.., am Flügel: Ben Geysei. 1. Einleitende Worte. 2. Robert Schumann: a) Frühlingaf&hrt, b) In der Fremde II, o) Der Schatzgräber. d) Ueberm Garten durch die Lüfte. 8. Rezitationen. 4. Sokumann: Aus dem Liederkreis, op. 39: a) In der Fremde I, b) Stille, o) Mondnacht, d) Schöne Fremde. 5, Rezitationen. 6. Hugo Wolf: a) Nachteauber, b) Die Zigeunerin, e) Unfall, d) Das Waldm&dchen. 7. Pätzner: a) Zum Abschied meiner Töchter, b) Der Girtner 8. Hugo Wolf: a) Der Freund, b) Ter- schwiegene Liebe, oi Der Musikant Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tsgeanaebrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportneohjiehten. Theater- und Filmdienst KOnlgswusterhausen, Freitag, den 23. Juli. 1. 10— 1.40 Uhr nachm.: Karl Graef; Die Kunst des Sprsehsns für Schüler. 8— 3.80 Uhr nachm.: 0. M. Alflen und Frtnleln v. Eyseren: Spanisch für Anfänger. 8 80—4 Uhr nachm.: Prof. Dr. Armbruster: Bienenzucht und Volkskunde. 4.80— 6 Ubr nachm.: Franziska Bruck: Kranz nnd Ranke. 7.80— 8.20 Uhr abends: Fortbildung» vortrage für Asrzte(Themen und Namen der Dozenten werden in den Ärztlichen Fachzeitschriften bekanntgegeben), 8.80 Uhr abends: Uebertragung ans Berlin. abend» 8 liSr.«rrbetTltSie Straße 42. Hellen, und Pllatztrainrng fällt au». Pünktlich», Erscheinen Pflicht Sport. Revue« zu Hoppegarten am Donnerskag. den 22. JsutL 1. Rennen X. JHectin(Hahnes). 2. Hernbori(®. Satta«), 3. Pom- pesu»(Kohl). Sole: 22: 10. Platz: 18, 18, 21: 10. gerner liefen: Corax violafteta. Xtrano, ßipBtjo, Turpa. 2. Rennen. 1.«riemhilb(L. SSargo), 2. Die tlsnfanenn(Jentsch). 8. VSmmerflunde(Hahnes). Toto: 73:10. Platz: 19. SS. 14: 10. genier liefen: Hannes. Dtfa, Karala. Ex est. Praxedis. Mission. 8. R e n n e n. 1. Marienburgen: »ralsntter. Serber. Williger. Hochstapler, Alexander der Ärotze. Manitou, Fit» and Starts. Borussia. 0. Rennen. 1. Fockenbach(». Tarras). 2. Athanafie IO. Schmidt). 8. Intrigant(Hayn«»). Toto: 17: 10. Platz: 18, 16: 10. Ferner Uesen: Hello», Heigoländer, Loiie.„ 7. Rennen. 1. Abteilung: 1. Heckenstranch(Hauser), 2. Stafima (Hahne«), 3. Martins i«. Schmidt). Toto: 52: 10. Platz: 20. 17. 167: 10. Ferner Uesen: Blauselchr. Kriegsgewinnler. Doremi, Eichwald, Stammberr. Nwa. Veleda, Ad doc.— 2. Abteilung: 1. Primadonna(Krabsch), 2. Rinaldo(F. Bäsch). 3. verhehen lRarr). Toto: 67: 10. Platz: 25.53. 34: 10. Ferner Uesen: ßioonia. Alarid, Melanth«, Hohe Sonne, Firn, Ivane. Komödie, Wethe Dame. Staffelet. Briefkasten der Redaktion. CL», «aal sicher. wellerberichl der iffeawchen wrtlerdienststell« für SerNa.(Siachdr. verb Zunächst beller. späterhin wieder Eintrübung und Regensälle; weiterhin kül Für veulschland: Bon West nach Osten nochmals sortschreitende Eintrübung Und Regensälle. Ueberall kühl. 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Wenn man In Zukunft von der deutschen chemischen Industrie spricht, wird man noch viel stärker, als das bisher nötig war, einen Trennungsstrich ziehen müssen zwischen der G r o h i n d u st r i e, für die eigentlich nur noch der Chemietrust in Frage kommt, und der übrigen chemischen Industrie. Noch wichtiger aber ist, daß man beide Gruppen unter verschiedenen wirtschaftlichen Gesichts- punkten wird betrachten müssen: denn sie stehen unter den Aus- Wirkungen verschiedener ökonomischer Gesetze. Dabei ist die über- wältigende Kapitalkraft des Chemietrusts, die spielend jeden Konkurrcnzversuch der übrigen deutschen Industrie niederschlagen kann, noch nicht einnial das direkt entscheidende: überhaupt ist es nicht die Konkurrenzfrage, wenn diese auch sehr schwer auf der Gruppe der Mittel- und Kleinwerte lastet. Viel schwerer wiegt die Unfähigkeit der Klein- und Mittelindustrie, sich ähnlich wie die I. G. Farbenindustrie etwa auf synthetische Oelerzeugung und Kunstseide werfen zu können, weil zu irgendwie erfolgreicher Konkurrenz ihre Kapitalkraft schlechthin zu klein ist. Hinzu kommt, daß die Mittel- und Kleinindustrie in Krieg und Inflation ebenfalls eine übergroße Leistungs- f ä h i g k e i t entfaltet hat und daß sie bei ihrem Export stärker als die Großindustrie auf die ebenfalls im Krieg hochgekommene Auslandsindustrie stößt, der sie nicht wie der Chemietrust durch massiertes und differenziertes Angebot ausgleichend begegnen kann. Es ist ihr auch versagt, anders wie bei den großen Erdöl- und Montanunternehmungen Mitteldeutschlands, die große chemische Produktionen außerdem betreiben, durch gegenseitige Verschwel- zung und internationale Kapitalverflechtung, Gefährdungen ihrer chemischen durch Ausbau ihrer O c l interessen wettzumachen, wie es im vorigen Jahre zwischen Rütgers, Deutsche Erdöl, Deutsche Petroleum einerseits und Anglo-Persian(Olexbeteiligung) anderer- seits geschehen ist. Abschlüsse der mittleren Chemieindustrie. So ist es nicht sehr verwunderlich, daß auch für 1925 bei der mittleren Chemieindustrie kaum eine Erholung zu verzeichnen ist. Charakterischerweise zunächst noch eher bei den Produktions- und Absatz mengen, nicht aber in der Rentabilität. In sieben Ge- schäftsberichtcn größerer und überwiegend reiner Chemiewerke, die uns vorliegen, sind die Gewinne sehr gering, die Verschuldung er- höht und die Dividenden verkleinert oder ganz ausgefallen: ganz im Gegensatz zur I. G. Farbenindustrie, die nach hoher Reservenbil- dung, vermehrten Abschreibungen einen von 54,8 auf 68,0 Millionen gestiegenen Reingewinn auswies und eine von 8 auf 10 Proz. er- höhte Dividende. Die Rhcnania-K unHeim, Verein chemischer Fabriken, A.-G., Berlin verzeichnet trotz der kostensparenden Vollfuston der beiden früher getrennten Werke einen Reingewinn von nur 0,85 Millionen gegen 0,l8 Millionen im Vor- jähr"und bleibt ohne Dividende. Die Chemische Fabrik von Heyden A.-G., Radebeul-Dresden, spricht in ihrem Ge- schästsbericht von Unterbeschäftigung infolge Ueberproduktion im In- land und ist eine der wenigen, die mit immerhin 3 Proz. Dividende (ohne Dividende im Vorjahr) bei 0,49 Mill. M. Gewinn noch besser abschneidet. Die Byk-Kulden werte, A.-G., Berlin, ver- Zeichnen einen Gewinn von nur 63 000 gegen 136 000 M. im Vor- jähr und bleibt wieder dividendenlos. Ganz ähnlich liegt es bei der dreimal so großen I. D. Riedel A.-G., Berlin, init 200 000 gegen 280 000 Gewinn im Vorjahr, wo die Dividende ebenfalls ausfällt. Der Verein Chqmischer Fabriken A.-G. in Zeitz, eine Gesellschaft mit 13 Millionen Aktienkapital, hat ihren Vorjahrs- vertust von 1,83 Mill. auf über 9 Millionen verfünffacht und verliert mit Sicherheit das Aktienkapital fast ganz, sie wird liquidiert und ihre Phosphat, und Schwefelsäureanlagen gehen auf die Saccharin- sabrik vorm. Fahlberg, List u. Cie. über. Diese Gesellschaft hat gut abgeschlossen: sie darf(neben Schering) heute als eine der vollgesunden größeren Chemieunternehmungen angesprochen werden, wofür auch die Verdoppelung der Dividende von 4 auf 8 Proz. Fabrik auf Aktien vorm. E. Schering, Berlin, von denen die erstere durch Kohlen- und Koksinteressen schon stark von der Montanindustrie abhängt. Mit zusammen 70 Millionen divi- dendenberechtigtem Kapital sind sie die kapitalstärkste Kombination der Mittelindustrie. Dennoch sind die Kokswerke A.-G. mit 1,76 gegen 3,70 Mill. M. Gewinn ohne Dividende geblieben(6 Proz. im Vorjahr), während Schering zwar mit 1,21 Mill. M. gute Gewinne aufweist, aber durch Dioidendenbindung mit den Kokswerken auf die Verteilung verzichlet. Die T h. G o l d s ch m i d t- E s s e n endlich, auch eine der größeren Gesellschaften mit 29 Mill. Kapital(9 Mill. Vorratsaktien darunter), hat durch Abschreibungen(600 000 M.) auf ihre Beteiligungsanteile an der Neuseld u. Kuhnke Komm.-Ges.-Kiel ihren erhöhten Reingewinn aus 0,45 Millionen vermindern müssen. Mit Ausnahme der Byk-Guldenwerke haben vorstehende Ge- sellschasten noch olle über 10 Millionen Aktienkapital. Bei etwa drei Dutzend Gesellschaften mit niedrigerem Aktienkapital steht nach den bisherigen Abschlüssen mit wenigen Ausnahmen die Sache eher ungünstiger als besser. Rükgers— Deutsche Erdöl— Deutsche Petroleum. Wie sich das Verhältnis der mitteldeutschen Montanindustrie mit ihren starken chemie- und Oelinteressen zum Chemietruft gestalten wird, das kann man heute höchstens vermuten. Hier liegt der Konfliktspunkt weniger bei den chemischen Produkten, als bei Ocl und Benzin. Jedenfalls hat sich die I. G, Farbenindustric durch ihre Festsetzung bei den Riebeck Montanwerken in der B r a u n- kohlenindüstrie und durch die Deutsche Gasolin-A.-G.(ehe- maliger Etinnes-Riebeck-Oelhandel) im O e l a b s a tz eine starke Stellung verschafst und tritt von hier aus in Konkurrenz mit Rüt- gerswerke, Deutsche Erdöl und Deutsche Petroleum. Die Rütgers- werke und die Deutsche Erdöl-A.-G. ihrerseits haben sich scharf auf ihre Kohle- und Chenneinteressen spezialisiert, ihre gesamten Oelinteressen aber in ihrer zu gleichen Teilen beherrschten Deutschen Petroleum-A.-G. vereinigt und durch Vertrag mit der Anglo-Persian die sehr starke Stellung der Olej;(Deutsche Petroleum) im deutschen Oel- und Triebstoffmarkt noch finanziell ausgebaut. Es ist zu vcr- muten, daß zwischen der Rütgers-Deag-Olex-Kombination und der Riebeck-Cheinietrust-Deutsche Gasolin-Kombination es zu einem scharfen Kampf um den deutschen und mitteleuropäischen Oel- und Betriebsstosfmarkt kommen wird, der offen und scharf sein, aber auch die Form vertraglicher Interessen t e i l u n g annehmen kann. Chemielrusl— Standard Oil und Reoyal Shell. Diese Vermutung wird gestützt durch die Verhandlungen, die der deutsche Chemietrust mit der amerikanischen Standard Oil Co. und der englisch-holländischen Royal Shell, den beiden größten internationalen Oel- und Betriebsstoffproduzenten geführt hat. Mit der künstlichen Betriebsstoffherstellung, besonders von Benzin, in großen Massen durch den Chemietrust ist es nämlich ernst geworden. Nach kürzlich bekannt gewordenen Unterlagen für die Verflüssigung der Kohle kann die Ä G. Farbenindustrie nach dem Berginversahrcn aus IM Kilogramm Steinkohle 51 Kilogramm verschiedene Oele her- stellen, darunter 15 Kilogramm Moiorbetriebsstosf und 20 Kilogramm Diesel- und Jmprägnieröl und hat nach ihren Gestehungskosten für die Konkurrenz mit den natürlichen Betriebsstoffen eine Spanne von 40 bis 60 Proz. Das bedeutet für die Produzenten natürlicher Betriebsstofse eine große Gefahr(Deutschland allein führte 435 0M Tonnen Benzin im Jahre 1925 ein). Für den Chemie- trust bringt die Produktion im großen beträchtliche Anlagckosten, deren Reatabilisierung gerade ini Anfangsstadium durch entschlossene Preisunterbietungen der vieleMilliardenstarkeStandardOil und Royal Shell gefährdet werden könnte. Die zwischen den beiden Gruppen geführten Unterhandlungen, deren äußeres Ergebnis eine ins- gesamt 50prozentige Beteiligung von Standard Oil und Royal Shell an der Deutschen Gasolin-A.-G. ist, können nun leicht damit enden, dem Kampf zwischen den natürlichen und künstlichen Betriebsstoffen durch internationale Begrenzung und Aufteilung der Absatzgebiete sowie durch Preisbindung und Produktionsrege- lung die Spitze abzurechen. Ob es heute schon so weit ist, kann man nicht sagen: aber die Gefahr besteht, und es ist wichtig auf sie hinzuweisen. Es könnte sehr leicht sein, daß die Verbilligung der Kraftstofsoersörgung, letzlich das Wichtigste bei der Kohlenver- flüssignng, unterbleiben würde. Wäre die Konkurrenz der Gruppe Anglo-Persian-Olex-Deutsche Petroleum stark genug, so würde das immerhin sür den deutschen Markt ein Gegengewicht bedeuten. Aber auch dann wäre es bedauerlich, wenn gerade die so kapitalstarke I. G. Farbenindustrie, der die selbständige Finanzierung der Kohle- Verflüssigung ein leichtes sein muß, der volkswirtschaftlich wirk- samsten' Verwertung des Berginocrfahrens Hemmnisse bereiten würde. Natürlich wird auch das Tempo, in dem durch die steigende Kohlenverslüssigung die Krisis des Steinkohlenberg-- b a u e s gemildert werden könnte, durch inteniationale Bindung der I. G. Farbenindustrie gehemmt. Auch die Entlastung der deutschen Handelsbilanz von der Kroststoffeinfuhr wird in Frage gestellt. Die Reichs- und die preußische Regierung hat doch eben im vorigen Jahr, als es zur st a a t l i ch e n Einflußnahme auf die Verwertung des Berginverfohrens noch Zeit war, eine große Unterlassungssünde begangen, die sich heute leider gegen die volkswirtschaftlichen Ge- samtinteressen auszuwirken droht. * Im Zusammenhang mit der Angliederung des Köln-Rottweiler- Konzerns plant der Chemietrust(I. G. Farbenindustrie) eine K a- pitalerhöhung, deren Ausmaß noch nicht feststeht. llaßt enülich Taten sehen! Zur Frage der Arbeitsbeschaffung. Das Problem der A r b e l t s b e s ch a f f u n g ist nunmehr endlich allerseits als der Angelpunkt der deutschen Wirtschaft an- erkannt worden, nachdem bereits seit Monaten die sozialdemokratische Reichstagsfraktion und die Gewerkschaften unermüdlich darauf hin- gewiesen haben. Auf der Bundesausschußsitzung des ADGB. in Düsseldorf hat der.Reichswirtschaftsminister sich in gleichem Sinne geäußert. Damit ist es aber noch nicht getan. Der schwerste Teil der Aufgabe steht noch bevor: die Umsetzung all der schönen Pläne in greifbare Taten. Was nützt es auch dem Arbeitsuchenden, daß man endlich seine Notlage bereitwillig anerkennt? Hilfe braucht er, und das möglichst schnell. Es geht nicht an, erst in langen Sitzungen und Beratungen zwischen Reich und Ländern die gegen- seitigen Befugnisse abzugrenzen, derweilen das Volk hungert und Arbeitsmöglichkeiten nicht ausgenutzt werden. Aus oldenburgischen Gewerkschaftskreisen haben wir bittere Klagen über die katastrophale Lage der dortigen Kleinwerften erhalten. Die Zahl der aus den Kleinwerften beschäftigten Arbeiter ist im Verlaufe von nicht einem halben Jahr von rund 1000 auf etwa 300 zurückgegangen und es wird nicht lange dauern, bis auch diese Zahl zusammengeschrumpft ist. Damit würde eine altein- gesessene Industrie und ein Stamm hervorragender Facharbeiter verschwinden, die durch Generationen hindurch auf ihren Beruf eingespielt sind. Und hier ist schnelle Abhilfe durchaus möglich. Noch sind die Mittel des Seeschifferneuerungsfonds nicht vollständig verausgabt, noch kann der Reichsoerkehrsminister es sich überlegen, ob er die restlichen 2 Millionen den großen Reedereien und damit den Großwersten bewilligen will oder den Bau kleinerer— und dringend benötigter— Schiffe stützen soll. Die großen Reedereien wie Hapag und Norddeutscher Lloyd können sich die Baukapitalien auf dem Geldmarkt mühelos beschaffen. Erst kürzlich hat ja die Hapag, wie im„Vorwärts" berichtet wurde, 3 Schisse von den Vereinigten Staaten von Amerika zurückgekauft. Dort sind also die nötigen Geldmittel vorhanden, zudem spielen die Restsummen des Seeschifserneuerungsfonds bei diesen Riesenunternehmungen wirklich keine ausschlaggebende Rolle. Völlig unbegreiflich aber ist es, wenn deutsche Schisssbauten günstigerer Bedingungen wegen ins Ausland abwandern müssen. Von 640 Küstenfahrzeugen, die bis zum Jahre 1919 erbaut worden sind, wurden hergestellt: 217 in Deutschland.. 401. Holland... 22 im übrigen Ausland mit rund 17 300 Br.-Reg.-To. .. 31800... . 2 600.... Neuere Zahlen liegen nicht vor. Aber es wird uns versichert, daß die Verhältnisse sich eher verschlimmert haben. Jetzt sollen ungefähr 16 oldenburgische Segelschiffe in Motorschiffe umgebaut werden, und es besteht die Gefahr, daß die Aufträge nach Dänemark oder nach Holland verlegt werden. Ferner sollen rund 20 Küsten- fahrzeuge gebaut werden, und man befürchtet, daß die olden- burgischen Besteller die Neubauten nach Holland vergeben werden. Woran liegt das? In Holland bestehen seit Jahrhunderten schon Schiffshypothekenbanken, die dem Bauherrn einen Teil der benötigten Summen zu verhältnismäßig billigem Zinsfuß vor- strecken, indem sie das zu erbauende Schiff beleihen. In Deutschland entschloß man sich zur Errichtung derartiger Spezialbanken.eist 1918. Aber diese Banken konnten nicht wirksam werden, weil die Inflation ihre Kapitalien entwertete. Hier ist der Regierung Gelegenheit gegeben, erfolgreich einzugreifen, um den Bau dieser Schisse für Deutschland zu erhalten. Aber schnelle und entschlossene Hilse tut not. Aehnlich wie in Oldenburg steht es in Preußen. Was die oldenburgischen Gewerkschafter wünschen, ist nur ein ganz kleiner Ausschnitt aus einem umfangreichen Arbeitsbeschas- sungsplan, ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber es hat den Porzug, daß die Aufträge vorhanden sind, daß das Werkzeug bereit liegt. Nur die Verbindung zwischen beiden fehlt noch. Und, was die Hauptsache ist: hier ist die Gelegenheit, aus dem Zustand der Beratungen herauszukommen, und dem wartenden Volke zu zeigen, daß man zu Taten kommen will. kapilalerhöhungen infolge Zrankeninflakion. Aehnlich wie seiner- zeit in Deutschland muß jetzt in Frankreich die Industrie dazu übergehen, ihr Aktienkapital der Geldentwertung anzupassen. In letzter Zeit erhöht eine große Zahl französischer Aktiengesellschaften ihr Kapital, z. T. auf das Doppelte und mehr. Zur Stillegung öer Deutschen Krastfahrzeugwerke /t.-G. Uns wird geschrieben: Die Deutschen Kraftfahrzeugwerke in Spandau begannen im Jahre 1922/23 die Fabrikation des Z w e i- Z y l i n- der-Rades, daß für die damaligen Verhällnisse der deutschen Mortorradindustrie ein vorteilhaftes Modell war. Die schnelle Ent- Wicklung dieses jungen Industriezweiges veranlaßten die Deutschen Kraftsahrzeugwerte A.-G. ein neues Modell herauszubringen. (Mod. R. C. 4 1 Zylinder 500 cbm.) Dieses Modell wurde infolge seiner gediegenen Konstruktion, der guten Leistungsfähigkeit ebenso des billigen Preises wegen sehr leicht in den Markt eingeführt. 32fr niedrige Preis war allerdings nur möglich durch Serienfabri- k a t i o n in großen Mengen. Selbstverständlich mußte die Serien- fa&k Schilf Badepunfoffel für Hamen...................' Sämisch-> Lcder- Spangenschuhe or.22 75. 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St&ublasche, mit Doppelsohle Zhu gföxsU SduxhzSatzialhaus mit der grössien Auswahl Berlins fertfgung nach den modernsten und rationellsten Arbeitsmethoden durchgeführt werden. Durch Band-, Flieh- und Gruppenakkordfystcin schaffte man einen Produktionsgang für dieses Modell, der auf die Preisbildung einen entscheidenden Einfluh hatte. Auch die Arbeiterschaft hatte durch Uebernahm« der modernen Arbeits- Methoden einen großen Teil dazu beigetragen, das Fabrikat zu ver- billigen. Das geschah natürlich in der Voraussetzung, dah man glaubte, bestimmt hier ein lebensfähiges Wert zu schaffen. Das Verkaufsgefchaft des Vorjahres berechtigte zu den besten Hoffnungen Bis Ende des vorjährigen Frühjahres konnte der Bedarf an Rädern selbst durch forcierte Fabrikation nicht ge- deckt werden Auch das Sommcrgefchäft 1SZS war noch ausge- zeichnet. Die im Herbst einsetzende Wirtschaftskrise machte sich leider sofort bemerkbar. Die Produktion ist bis zum Oktober 1925 im vollen Umfang weitergeführt worden, so dah infolge der Absatz- stockung eine starke Vergrößerung des Lagerbestandes die Folge war. Dieser Moment war für die Direktion des Werkes die Beranlaffung, den gesamten Betrieb in der Zeit von Ende Dezember bis Ende März zu schließen. Bei Wiederaufnahme der Fabrikation stellte man sich auf die Konjunktur um und reduzierte die Belegschaft. Da trotzdem eine Abnahme des Lagerbestandes in dem erforderlichen Ausmaß nicht vorliegt, glaubte man den Betrieb vollständig schließen zu müssen. Gegen die Fabrikation des kleinen L)- W a g e n s hat die Privatindustrie eine» leider erfolgreichen Kampf geführt Schon im Herbst des vorigen Jahres wurde unter dem Druck der kapitali- ftifchen Konkurrenz, die ihre Preise bedroht sah, beschlosseil, die Serienfertigung für den D-Wagen nicht aufzunehmen, sondern nur die in Bestellung gegebenen Materialieii zu verarbeiten. Nach Erklärungen der maßgebenden Stellen dcnke man durchaus nicht daran, die Fabrikation des O-Rades für immer stillzulegen, sondern sofort wieder mit der Fertigung zu beginnen, wenn der L a g e r b e st a n d sich bis zu einem bestimmten Quantum ver- ringert hat. Maßgebend fei dafür allerdings auch die Aenderung der Wirtschaftsloge. Wir haben alle Ursache, diese Erklärung vor- sichtig aufzunehmen. Natürlich kann eine volle Fabrikation bei dem großen Bestand nicht durchgeführt werden, aber unter allen Um- ständen bestand die Möglichkeit, einer langgestreckten Verarbei- tung der lagernden Teile, wie es ja auch vor nicht allzu- langer Zeit beschlossen war. Dieser plötzliche Kurswechsel zwingt zum Denken. Bei der ernsten Absicht der späteren Wciterfabrikation ist zumindest ersorder- lich, einen Stamm von Spezialarbeitern zu halten. Gleichzeitig erscheint notwendig zu erwögen, in welche» Art die sogenanntsn Verbesserungsarbciten, die für die spätere Fabrikation unbedingt eriorderlich sind, zur Erledigung kommen sollen. Welchen Ersatz will man tür die endgültig stillgelegte Wagensabri- kation aufnehmen? Alle diese Tatsachen und Fragen sind von einschneidender Bedeutung für die Arbeiter- und Angestelltenschast, die zum großen Teil schon entlassen ist oder kurz vor der Entlassung steht, aber genau so wichtig auch für die übrige Arbeiter- und An- gestelltenschaft, die ja die Kosten dieser Wirtschaftskrise zahlt. Be- triebseinschränkungen und Stillegungen allerorts. Sollte nlcht gerade dos Reich, daß doch der Gsldgeb'er der Deutschen Kraft- sahrzeugwerke ist, vorsichtiger sein Und nicht der Privatindustrie mit Stillegungen als Neuster vorangehen? Umfang und Mrksamkeik des europäischen Röhrensyndikats. Nach den vorliegenden Meldungen wird man die europäische Kartellierung der Röhrenproduktion als abgeschlossen betrachten dürfen. Di« lang- wierigen Verhandlungen mit den französischen und b e l g i- s ch e n Produzenten sind mit dem Erfolg abgeschloffen worden, daß Frankreich und Belgien dem deulsch-österreichisch-tschcchisch-polnischen Block beigetreten sind. Damit ist für den eurcpöischen Kontinent (bis auf wenig« polnische Einzelwerke, mit denen noch verhandelt wird) das internationale Röhrenfyndikat komplett. Außerhalb des Syndikats, also im Konkurrenzverhältnis, stehen England, die Vereinigten Staaten, Kanada. Der Preisbildung in Europa ist damit, abgesehen von der Wirkung der Zollschranken, immerhin ' eiH gew isser Rahmen gegeben. Die Grenze nach oben ist durch die Frachten gezogen, die die englische und überseeische Konkurrenz auf- zuwenden hat. Unter den einzelnen Ländern sind feste prozentuale Quoten vereiribart, dann ist eine preismäßige Durchcinanderrechnung der Exporterlös« und eine Garantie für genaue Beobachtung der Vereinbarungen vorgesehen. Die Abkommen gelten fest für einige Jahre. Die Auhenseiterstellung der Engländer und Amerikaner werden sich insbesondere die deutschen Kommunen und Kommunalverbände zu merken haben, die ja die Haupt- abnehmer der Röhrenindustrie sind. Sie worden bei ihren Be- stellungen Angebote der Auslandskonkurrenz einzuholen und nötigen- falls den gegenüber den Syndikatsbedingungen erforderlichen Druck auszuüben hab�r, da der Selbstschutz der Besteller volks- wirtschaftlich das einzig« Regulativ gegen die beabsichtigte Markt- beherrschung darstellt. Durch Zusammenfassung der Bestellungen kann der Druck natürlich zweckmäßig oerstärkt werden, wobei selbst die Grenzen der Länder kein unüberstcigbqres Hindernis zu sein brauchen. Aufwertung der Sparkassengulhaben in verlin. Die Berliner städtische Sparkasse hat jetzt mit der Aufwertung der Sparkassen- guthaben begonnen. Es sind ungefähr 1 800 000 Konten zu bearbeiten, zu deren Bewältigung 100 Hilfskräfte eingestellt werden, die monatlich ungefähr 80 000 Konten bearbeiten. Man hofft, in 1 bis IM Jahren die Arbeit zu Ende zu führen. Augenblicklich werden täglich an etwa 150 Antragsteller Vorschüsse in Höhe von 10 000 M geleistet Die Verzinsung der mit 12Vj Proz. aufzuwertenden Beträge steht noch nicht fest. Elnfoidttitgen für dies« Rubrik sind Berti» SA 68, Lindeastraöe 3, parteinachrichten für Groß-Serlin slet» an das Bei>trk»>ekrrtartat. ■2. Hai, 2 Step, recht», ju richten. Erweiterter Sezirksvorstanü. Sitzung am Sonnabend, den 24. Zuli, abends pünktlich ö Uhr. im Sitzungssaal der„Dorwärls'-Redaktion. Lindenstr. Z. 4. Hof. 4 Treppen. * 7. Kreis Charlottcnbnrg. Sonntag, den 25. Juli, So mm erfest der Sozialifti» schen Arbcilerjiiacnd und der Iungsozialiftcn fOrtsgruppcn Charlotten» bürgt aus den Mäckcritzmicscn cm VoUspark Iungfcl»beide. Treffpunkte: 10 Uhr vormittags Luifenpiah:! Uhr nachmittags am Bahnhof Jungfern- Heide. Negc Beteiligung der Eenosscn nebst ffamilien erwünscht. U. Abt. Sämtliche Genossinnen und CenofTen treffen sich am Sonntag, den 25. Juli, vormittags 9 Uhr, an der Endstaltestelle der LinieUhr beabsichtigen, wird gewiß die meisten Menschen zum ersten Male in ihrem Leben zum Nachdenken über diese vermeintliche Selbstver- ständlichteit angeregt haben. Denn wenn die kleinen Kinder, lange bevor sie überhaupt«inen Buchstaben lesen können, von Bater oder Mutter„die Uhr gelernt haben", so pflegt damit die geistige Be- schästigung aus diesem in Wahrheit ungemein bedeutsamen Gebiet für das ganze ferner« Leben des Menschen erledigt zu sein. Bon Kindesbeinen bis ins höchste Greisenalter„sieht der Mensch auf die Uhr", ein Borgang, der ihm so in Fleisch und Blut übergeht wie die Notwendigkeit des Ssiens und Trinkens, und von Hunderttausenden kommt gewiß nie in seinem ganzen Leben auch nur«in Mensch aus den Gedanken, sich die Frage vorzulegen, warum denn nun eigentlich der Tag in 24 Stunden und die Stund« ausgerechnet in S0 Minuten eingeteilt ist. Auf dies« Frage werden die meisten mathematisch und physikalisch nicht vorgebildeten Menschen gewiß antworten: Nun, weil sich die Erde in einem Tage'einmal um ihr« Achs« dreht. Das ist aber keineswegs ein« Beantwortung der Frage, warum dieser Zeitraum gerade in 24 Teile eingeteilt ist. Würde der also Befragt« ungeniert ant- warten: Ich weiß es nicht!, so würde er sich durchaus keine Blöße geben: denn die größten Gelehrten wissen es auch nicht bestimmt. Auch sie haben nur Vermutungen über den Ursprung unserer Tages- einteilung: denn die geht bis in die allerfernst« Vergangenheit zurück. in eine Zeit, der gegenüber das sogenannte grau« Altertum ver- gleichsweife jungen Datums ist. Denn wahrscheinlich haben düese Einteilungen— die sich übrigens während der Jahrtausende keines- wegs gleichgeblieben find— schon zu einer Zeit bestanden, aus der -vir keinerlei Kenntnis mehr haben, aus der es nicht einmal mehr die bescheidensten Funde gibt. Gewiß hat aber der Mensch schon vor Zehntausenden von Jahren, geologisch gesprochen im Paläolithitum, der älteren Steinzeit, irgendeine Tageseinteilung gekannt: wann zum ersten Mal« die Einteilung in zwölf Tages- und«bensoviele Nacht- stunden vorgenommen worden ist, weiß man nicht: man vennutet, daß die Chaldäer die ersten gewesen sind, die den Sonnenlauf in Stunden eingeteilt haben. Bemerkenswert ist jedenfalls der Umstand, daß sich in der Bibel ein hebräisches Wort für Stund«(schaah) erst im Buche Daniel findet, also zu einer Zeit, die stark unter dem Einfluß der babylonischen Kultur stand. Immerhin scheint aber schon vorher eine Unterteilung des Tages im alten Israel gebräuchlich ge- wesen zu sein. Man weiß aber nicht, ob dieser Tageseinteilung die gleiche Anzahl von Stunden zugrunde gelegen hat, wie sie in der späteren jüdischen Zeitrechnung gebräuchlich geworden ist, und wie sie etwa gleichzeitig auch bei den Babyloniern üblich war. Di« Wahrscheinlichkeit spricht allerdings sehr dafür: allgemein ange- nommen in der Kulturwelt des Altertums kann der 24-S!und«n-Tag erst sehr spät sein: Griechen und Römer werden ihn aus Vorderasien übernommen haben, und sein« wissenschaftliche Grundlage lzat ihm erst Ptolemäus, der große alexandrin ische Astronom, gegeben. Die alt« babylonische Stunde zerfiel aber keineswegs wi� in der Neuzeit in kl) Minuten. Die Chaldäer zerlegten sie in dreißig Unter- teile. In der späteren jüdischen Zeitrechnung dagegen wurde die Stunde in 108» Teile gegliedert, eine Eigentümlichkeit, die sich bei keinem anderen Volke mehr findet. Es ist möglich, daß die chaldäische Einteilung der Stunde in 30 Unterteile den Ursprung unserer Minute bildet, insofern, als bei der Verfertigung der ältesten Uhren durch den Nürnberger Peter Henle um das Jahr ISlll) dieser Unterteil der Stunde noch einmal halbiert worden sein mag, entsprechend dem mechanischen Rhythmus des Federwerks, das die ältesten Uhren, die sogenannten Nürnberger Eier, trieb. Denn hier erwies sich eine weitere Unterteilung der Minute als erforderlich, und so wurde dies« nochmals in 60 Sekunden zerlegt. Man sieht: unsere Zeiteinteilung geht in ihren Anfängen zwar bis in die grauest« Borzeit zurück, aber in ihrer gegenwärtigen Abmessung ist sie kaum älter als 400 Jahre. Wenn Deutschland jetzt nach dem Vorbild« Italiens, Belgiens und Frankreichs, dem sich seither auch noch ander« Länder Europas ange- schlosien haben, zunächst im Verkehrswesen den 24-Stunden.Tag ein- führt, so geschieht das lediglich aus praktischen Gründen. Der allge- meine Brauch. Tag und Nacht in je 12 Stunden zu zerlegen, wird gewiß noch lange vorherrschend bleiben: denn erfahrungsgemäß ge- wöhnen sich die Menschen nur sehr schwer an Aenderungcn, die eine Umwertung olteingewutzelter Begriff« im Gefolge haben. Fortschritte im Rönigenversahrcn. Bekanntlich kann man den menschlichen Körper mit Röntgenlicht durchleuchten. Die Technik macht in dieser Hinsicht ständig Fortschritte. Die Strahlen durch- dringen oft gerade diejenigen Organe, die wir zu sehen wünschen, und es war daher feit Jahren eine wesentliche Ausgabe, durch Ein- geben von„Kontraststosfen" das Sichtbarwerden einzelner Organe herbeizuführen. So verwendet man einen Wismutbrei, den der Patient essen muß, zur Darstellung der Bewegungen und des Zu- standes im Magen und Darm. In neuester Zeit ist man nun zur Anwendung von Iodölen bei der Untersuchung der Lungen sowie des B r u st f e l l r a u m e s und anderer Körperhöhlen über- gegangen. Klapperschlangen gegen Epilepsie. Während der Biß der Klapperschlangen im allgemeinen tödlich ist, sollen kleine Mengen ihres Giftes gegen Epilepsie wirksam sein! Das verwendete Prä- parat heißt Crotalin, nacy dem wissenschaftlichen Namen der Klapper. schlänge Crotalus. Die ersten günstigen Resultate wurden aus Amerika berichtet: in Deutschland konnten sie bisher nicht bestätigt werden. ■s&m. Zervelatwurst im Fettdarm w' k.'■■< __ biuice LEBENSMITTEL .a; 1 Pfd. 8 70 Mettwurjt na:!i Braun- schwslger Art 1 Pfd. I 10 Pia. Verkauf soweit Vorrat Kolonialwaren Wurstwaran Kaffee�fÄÄßSpi. Sülzwurst....v,aDi 85pf. Kaffee lrisc" 2� Grobe Mettw. pwwi 95pi. Hausm.-Leberw.pid 86pf. Knoblauch wurstpfd. I30 Dtsch. Speck�-p�,!40 Schinken wurst Pfund l45 Teewurst...... Pfund l70 Holsteiner �irM,l7» Piuud von ä nn Weizenmehl pfnad 28pf. Auszugmehl Pfand 27pf. Maispuder.... piund 22 p- Hartgriess... Pfand 29?:. Weizengriess Pfund 27pi. Schokol.-Pulv. pfd 68pi. SCäsa u. Fette □ Käse...... p.und 24 P' Kümmelkäse nuf*' 28p:. Ailj. Slnnfieakäse p«. 44?.. Dän. Gouda.. p.und 6Spt. Edamer voiifottjfand 88?.. Dän. Schweizer pid 98pi. Tilsiter voUlet(,Plnnd 98 Pf Dän.Butter';1.pfd.-st93pt. Gemüse Salat............. Kcpi4pi. Weisskohl...... piand4pi. Wirsingkohl... Pfand Irt Rotkohl........ Pfand 12pf. Möhren gnwsseb„Pfuad Gpi. Neue Zwiebeln Pfd. 10?t. Schmorgurken Pfand 5pt. SchiaBgenäcrkcnvon l0pf.-n Frisches Fleisch Kalbskamm........................ Pfund 80pf. Kalbsrücken und-brüst.... Pfand 85pt. Kalbskeulen..................... pinnd 90pf. Hammel(Dicke Rippe)........ Pfand SSpf. Hammeirüeken.................. ptnnd 95pf. Hammelkeulen.................. 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Etwaige Einwendungen gegen diese An läge sind de! dem unlerzeichneten Etadf» ausschutz dinnen 14 Tage, vom Tage der Beröffentiichung ad gerechnet, schriitiich in 2 Ausserliaungen oder zu Profololl anzn» dringen Äach Adians dieser Frist fllnnen Einwendungen nicht mehr erhoden werden. Beschreibung und Zeichnung der Anlage hegen im Bureau der Bau» und Wobnungsdevutation— Adfeifung S-och» bau— Marlusstraße 49. Fimmer 8. an den Ge chäslstagen non S— 10 Udr während der oben bezeichneten Frist zur Einsicht aus Für mündlichen Erörterung der recht» zeitig erhobenen Einwendungen wird vor unserem Kommissar Herrn Stadirai Schmidtgaii aus Sonnabend, den 7. August 192» vormittags 1» Uhr Potsdam, Sladtschioft, Aufgang C, 2 Trepp, Zimmer t), ein Termin anberaumt, zu dem der Unternehmer sowie die Wider» 'prechenden unter der Eröffnung gelade» werden, daß auch bei ihrem Andbleibcn mit der Erörterung der Einwendungen norgegangen werden wird. Potsdam, den 1» Juli 1926. Slabtansschost. 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