Menöausgabe Nr. 343 ♦ 43. Fahrgang Ausgabe B Nr. BcjufläBehtnaungtn und Anzeigenpreis« sind in der Morgenau-gobe angegeben STD. 6«. CinDenfltabe 3 Zernlprecher: DSahosf 292— 297 XcL'KticflcSojiaitemoscat Berlin ## omm Devlinev Volksbllatt sio pksnnig) Zreitag 23. Juli 7926 Verlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit bis 5 Uhr Serlegec: OonDdrls-Oerlag GmbH. Berlin Sw. 68, Clndenslrafze 3 Kemsprecher: vSnhaff 292— 297 Zcntralorgan der Sozialdcmokratirchen partd Deutfchlands Kabinett Poincare-Herriot-Orianö! Alle Gegner von gestern znr Rettung des Franken wieder vereint. Varl,. 23. 3 tili.(BIB.) Me havas mitteilt, sind auf Grund der bisherigen Verhandlungen PoincarSs folgende Portefeuilles endgültig besetzt worden: Vorsitz, Finanzen und Wiederaufbau: p o i n c a r i. Justiz und Elsaß-Lothringen: v a r t h o u. Auswärtige Angelegenheiten: vriand. warine: George Leygues. Inneres: Alberl Sarraut. Kolonien: Leon perrier. Handel: votanowski. Oeffeatliche Arbeiten: Tardleo. Pensionen: Louis Marin. wie außerdem bekannt wird, hat p a i u l e v e das Kriegs- Ministerium und h e r r i o t da» Unterrichtsministerium auf Wunsch poincari» übernommen. Der radikale Abgeordnete Oueuille wird von Herrlol zur Uebernahme des Ackerbauministeriums aufgefordert werden, so daß nur noch das Arbeitsministerium zu besetzen bleibt. poincart hat sich in» E l y s e e begeben, um dem Präsidenten der Republik die Zusammensetzung des neuen Kabinetts mitzuteilen. * Damit scheint es Poincars über alle Maßen gelungen zu fein, ein bürgerliches Burgfrieden-Kabinett zustande zu bringen: Die Rechte wird darin durch Tardieu, Marin und Bokanowski, die Mitte durch Leygues und Barchou und die Linke durch Briand, Painleos und sogar Herriot oertreten sein. Die Wirtschaft gegen die Parteistreitigkeite«. Paris, 23. Juli.(WTB.) Die Pariser Handelskammer hat eine Entschließung angenommen, die das Parlament auffordert, angesichts der Gefahr für das Wirtschaftsleben des Landes olle Partei- streitigkeiten ruhen zu lassen und von der Regierung die umgehende Verwirklichung eines Programms des finanziellen Wiederaufbaues oerlangt, durch dos da« Vertrauen ge- fördert und die Ruhe im Lande wiederhergestellt werde. Englisth-amerikanische vorwürfe. Churchill läßt erklären, die Amerikaner hätte« früher in den Krieg eintreten sollen. London. 23. Juli. lTU.) Die englisch-amerikonische Schulden- kontrovers« dauert an. Das englische Schatzamt oeröffent- licht die Antwort aus die vor einigen Tagen in Washington heraus- gegebene Schuldenbilanz, in der ausdrücklich betont wurde, daß man einen großen Unterschied machen müsse zwischen eng- tischen Anleihen, die ausschließlich für kommerzielle Zwecke, und solchen, die für militärische Zwecke aufgenommen worden seien. Das wird in der Antwort Churchills entschieden in Abrede gestellt. Nur eine falsche Auslegung der Tatsachen könne zu einem solchen Schluß führen. Wenn die Vereinigten Staaten rechtzeitig militärisch in Europa e i n g e- griffen hätten, dann würde es Amerika auch nicht nötig gehabt haben, seinen europäischen Verbündeten so große Summen Geldes zu leihen, und Großbritannien würde dann in der Lag« gewesen sein, die Erfordernisse der Verbündeten, die durch das Eingreifen der amerikanischen Armee entlastet worden wären, au» seinen eigenen Hilfsmitteln zu decken. Aller menschlichen Voraussicht nach würde dann Großbritannien niemals bei den Vereinigten Staaten Schulden gemacht haben. Amerika fühlt sich von den Alliierte« bei Kriegsende betrogen. Rem park. 23. Juli.(WTB.) In Erwiderung der englischen Presseangriffe, daß Amerika jetzt die Ausgaben für den Krieg ein- treibe, den es früher seinen eigenenKrieg genannt hat, schreibt .World", daß Amerika den Krieg nicht mehr als eine heilige und gemeinsame Sache betrachte, weil die europäischen Al- liieren bei Kriegsende gezeigt hätten, daß sie den Waffenstillstand zur Teilung der Beute mißbrauchten. Als die Alliierten Deutsch- land die Kolonien nahmen und ihm ein unmögliches und tö- richtes System von Wiedergutmachungen auferlegten, war es für Amerika mit dem Gedanken der heiligen Allianz vorbei. Es fei Amerikas Ueberzeugung, daß es die europäischen Alliierten zum besten hielten. Die.New Park Times" meint, die englische Presse fühle es, daß es mit der britischen Würde unver- träglich sei, wie ein Fischweib zu sch impfen. Die Schuldentilgungsverträge seien ein abgeschlossenes Ge- schüft und die gegenseitigen Beschuldigungen könnten nicht die Siegel von den Verträgen reißen. Irankenbessiervng. Wider Erwarten gestattete sich die Tendenz der heutigen Börse freundlich bei allerdings kleinem Geschäft. Die gerüchtweise verlautete Herabsetzung der Produktionseinschränkung der Rohstahlgemeinschast um fünf Prozent wirkte anregend auf die Eisenwerte. Farben liegen noch immer unter einem gewissen Druck. Allgemeines Interesse haben Bankaktien unter Führung von Danat. Die großen Mengen täglichen Geldes sind kaum unterzubringen, Monatsgeld wird kaum gefragt. Am Devisenmarkt hält die Besserung des französischen Franken vorläufig an, London-Paris 209, London-Brüssel 207, London-Malland ISv. Die Revolution kommt... Tagt der Stahlhelm. Im.Stahlhelm", dem amtlichen Organ des Stahlhelm- Bundes, wird der Sammelaufruf von Gayt und I a r r e s zerpflückt. Dabei finden sich folgende, nicht un- interessante Sätze: .Wozu auch sollten sich die Parteien finden? Haben sie ein großes Ziel? Gehen sie im Ernst daran, sich zu verjüngen oder dem Grund aller Zerrissenheit, der Weimarer versafsung. ans Leder zu gehen?... Nein, die Rettung Deutschlands wird durch keine wie auch immer geartete parlamentarische Gemeinschaft erfolgen. Die Parteien haben sich von ihren Ausgaben entfernt und müssen erst von der außerparlamentarischen Macht der Kampsbünde wieder in ihre Schranken gewiesen werden... Der Parteienüberdruß im deutschen Volke ist ungeheuer. Die Wahlmüdigkeit wurzelt im Herzen gerade der b e st e n Kampfbundmannschast. Diese hat es satt, in Zukunft für nichts und wieder nichts politische Rot- und Saalschuhpolizel zu stellen.... Was sind die Parteien anders als eine Organi- sationsleiftung van 3000 Sekretären und was bleiben sie. wenn wir diese beim nächsten wahlgang sich selbst überlassen, samt allen werbeversammlungen und Wahllokalen? Die Revolution sei die Folge?! Sie kommt auch mit der Partei und durch die Partei. Wir Frontsoldaten fürchten sie nicht. Wir werden immer noch was aus ihr zu machen wissen!" Was der Stahlhelm aus der.kommenden Revolution" zu machen gedenkt, sagt er vorsichtigerweise nicht. Wahrschein- lich will er die Leitung der Maßnahmen dem in solchen Dingen nicht ganz unerfahrenen Uhlenhaut aus Braunschweig übettragen. Vorläufig aber beschränkt er sich darauf, Anordnungen des Ministeriums in den Wind zu schlagen. Bekanntlich ist bei Demonstrationen von geschlossenen Verbänden aus naheliegenden Gründen die Mitführung von Knüp- peln und Stöcken verboten worden. Auf diese An- ordnung pfeift der Stahlhelm. Sein Gau Magdeburg hat den Mitgliedern zur Pflicht gemacht, wieder die gewöhnlichen Spazierstöcke zu tragen, um von ihnen„zur Verteidigung Ge- brauch zu machen". Das amtliche Organ, der„Stahlhelm", erklärt diese Aufforderung zur Richtbefolgung von behörd- lichen Anordnungen mit dem Satze:„Ma nnesrecht steht auf gegen Strolch tum!" Ab» die.Rote Fahne" wird oabeiml.., Das Kapitol von üen Gänsen gerettet! Chamberlaias„Nein"— ei«„Ja". Verständnis für„nationale Belange" ist bekanntlich nur bei der nationalen Presse zu finden. So ließ sie denn, wieder einmal, Sturm läuten. Das Vaterland schien in Gefahr. Die Bot- schafterkonferenz sollte eine neue Kontrollnote nach Berlin geschickt haben. Unerhörte Ansinnen waren gestellt. Die Ehre und die Lebensinteressen der Nation in Gefahr. Die Hüter der Ordnung schienen sträflich zu schlafen. Und die Gänse schnatterten mäch- tig, das Kapital zu erretten. Schließlich ergab sich, daß die Botschafterkonferenz keine Note, und daß die Kontrollkommission keine besonders wlchttgen Noten gesandt hatte. Es war nur der üblich« Briefwechsel über die längst bekannten schwebenden paar Fragen gewesen. Die regierenden Hüter des Staatswohles traten zusammen und beschlossen, wie sie ernsthaft erklärten, die Angelegenheit weiter im Auge zu behalten. Das Vaterland war nicht in Gefahr gewesen. Umsonst hatten die Gänse geschnattert. Doch nein. In London wurde man aufgeweckt.' Wo Geschnatter ist, da muß doch Gefahr fein. Und Chamberlain erklärte, in der Tat sei der Stand der deutschen Entwaffnung nicht befriedigend. Das gab nun große Aufregung. Bisher hatte er stets das Gegenteil davon erklärt. Was war in Deutschland vor sich gegangen? Neue Schwarze Reichswehr? Heimlicher Bau von Festungen oder Geschützen? Schon horchte man in Paris auf. Da bekam es London mit der Angst. Es erttärte, das„Nein" Chamberlains fei nur im Drang der kleinen Anfragen so kurz ausgefallen. Er hätte das „Nein" nur im technischen Sinne gemeint, er hätte eben nur die Kleinigkeiten im Auge gehabt. Das„Nein" in den Einzelheiten sei als ein„Ja" im ganzen zu verstehen. Hoffentlich ist man in Europa nun wieder beruhigt. Deutschland hat Glück gehabt. Das Geschnatter der nationalen Gänse hat dem Vaterland nicht geschadet. Deutlich aber sieht jeder, was die nationale Presse für einen nationalen Wert hat. Eine Völkerbundskonferenz in Deusschland. Vom 25. bis 29. Juli tagt der vom Verkehrsausschuß des Völlerbundes eingesetzt« Sachverständigenausschuß für die Vereinheitlichung des Privat- rechtes der Binnenschiffahrt in Hamburg. Dem Sachverständigen- ausschuß gehört als deutsches Mitglied der Präsident des hanfeatifchen Oberlandesgerichts Prof. Dr. Michelstein an. Es ist das erste Mal, daß eine Verroalmngsstelle des Völkerbundes auf deutschem Boden tagt. Die Drachme, die griechische Währungseinheit, muß auch gestützt werden. Die griechische Regierung mit alle» Mitteln gegen die ung gi verkündet, sie sei entschlossen, iche Spekulation vorzugehen. Fort mit öen Aollmauern. Für die Vereinigte« Staaten von Europa. Der Gedanke der europäischen Zollunion zieht immer weitere Kreise. Die Vertretung der deutschen Arbeitgeber, der Reichsverband der deutschen Industrie, hat sich vor einem halben Jahre für die Niederlegung der europäischen Zoll- schranken eingesetzt, und sogar der Präsident der Preußischen Hauptlandwirtschaftskammer hat wiederholt auch für die Landwirtschaft auf den Vorteil einer solchen Vereinigung Europas hingewiesen. In zahlreichen Konferenzen haben die gewerkschaftlichen und politischen Vertretungen der deutschen Arbeitnehmerschaft sich für die europäische Zollunion ausge- sprochen. Während aber für das Unternehmertum in In- duftrie und Landwirtschaft die europäische Zollunion als ein Ausweg aus einer Krise des Augenblicks erscheint, spielt sie im Rahmen des sozialistischen Wirtschaftsprogramms eine andere Rolle. Seit Jahrzehnten schon ist die deutsche Sozial- demokratie stets für den Abbau der Zollmauern eingetreten, und für sie bedeutet die Parole der zollpolitischen Einigung Europas eine Etappe auf diesem Wege. In diesem Sinne hat Genosse W o y t i n s k y, einer der angesehensten lebenden Statistiker, soeben das Programm der europäischen Zollunion behandelt.") Ausführlich zeigt Woytinfky, wohin Krieg und Rachkriegswirren die europäische Wirtschaft geführt haben. Während die Vorkriegszeit einen ständigen Aufschwung der europäischen Wirtschaft sah, sind wir jetzt froh, wenn wir an irgendeiner Stelle sehen, daß wir den Vorkriegsstand erreichten, und wenn dies für Deutsch- land im ganzen schon der Fall sein dürfte, so liegt es viel ungünstiger in den meisten übrigen Ländern Europas. Vor allem Rußland ist in seiner Entwicklung noch immer um Jahrzehnte zurückgeworfen, und England steht mitten in einer schweren Krise, in der unsere englischen Genossen sich dagegen sträuben, daß das Unternehmertum sich auf Kosten der Berg- arbeiterlöhne saniert. Von jeher war die europäische Zoll- Politik ein Hemmnis des wirtschaftlichen Aufschwungs, ein Hemmnis insbesondere für die Steigerung des Einkommens der Arbeiterklasse. Schon Jahre vor dem Kriege schätzte ein englischer Nationalökonom die Einbuße, die der deutsche Ar- beiter durch die deutsche Schutzzollpolitik erlitt, auf ein Drittel dessen, was er ohne sie hätte erlangen können. Inzwischen haben sich die Zollgrenzen vermehrt, und wenn im Kriege oftmals auf die Gefahr hingewiesen wurde, die Schützengrabenlinien würden für lange Zeit prohibitive Zollmauern werden, so müssen wir heute feststellen, daß die neuen Zollgrenzen, die die Friedensschlüsse von 1919 den alten hinzugefügt haben, ebensolang geworden sind, wie es die deutsche Kampffront 1918 war. Die Befürchtung ist in-' haltlich voll in Erfüllung gegangen, und die Zölle, die man an diesen neuen Zollgrenzen erhebt, sind kräftig gestiegen und weisen ständig steigende Tendenz auf. Auch die Handelsverträge waren bisher kaum imstande, wirksam die Zollmauern herabzudrücken, und das System der europäischen Handelspolitik gleicht einer Hydra, der stets ein neuer Zoll oder eine neue Zollerhöhung zuwächst, wenn ein alter Zoll beseittgt oder ermäßigt wurde. In allen Ländern sind es die Arbeiterklasse und das Bauern- tum, die die Kosten dieser Zollpolitik vorwiegend zu tragen haben. Während in Deutschland die Arbeiterklasse unter den Nahrungsmittelzöllen und den Zöllen auf Gegenstände des täglichen Bedarfs leidet, werden dem Bauerntum seine Pro- duktionsmittel und Bedarfsgegenstände ebenfalls übermäßig verteuert. Für die Bauern ist die Bilanz der deutschen Zoll- Politik viel ungünstiger als für die wenigen tausend Groß- grundbesitzer, in deren Betrieben die Zollast wesentlich aus den Schultern der miserabel entlohnten Landarbeiter liegt. In anderen Ländern bedeutet der industrielle Protektionis- mus vor allem eine schamlose Ausbeutung der Bauernschaft, wie etwa in Polen, Rumänien, Ungarn und Rußland. Hier bietet die europäische Zollunion wenigstens vorläufig die Möglichkeit einer Verbesserung des bestehenden Zustandes. Sie bedeutet eine Etappe auf dem Wege zum Abbau der Zollmauern, wenngleich nicht übersehen werden soll, daß manche Gefahren in der Art �dieses Weges liegen. Genosse Woytinfky setzt sich mit berechtigtem Nachdruck für eine europäische Zollunion ein, die Rußland und Eng- land in sich schließt. Zahlreiche bürgerliche Politiker sind in diesem Punkte anderer Meinung.(Wertvolle Beiträge zu der Frage enthält das von Hanns H e i m a n n herausge- gebene Buch„Europäische Zollunion", Berlin 1926, Verlag von Reimar Hobbing.) Für uns, die wir die europäische Zollunion darum wollen, weil wir den Abbau der Zollmauern wollen, und denen daran gelegen ist, das Freihandelsgebiet so groß wie möglich zu machen, ist diese Frage der Ab- grenzung der europäischen Zollunion von besonderer Be- deutung. Während Europa mit England und Rußland fast drei Viertel der deutschen Ausfuhr aufnimmt, entfallen auf Europa ohne England und Rußland nur knapp 60 Proz., und da man beinahe als gewiß unterstellen kann, daß die Niederlande sich nur einer Zollunion anschließen würden, der auch England angehört, so würde sich mit dem Ausschluß von England und Rußland ergeben, daß durch die Bildung der kleinen europäischen Zollunion noch nicht für die Hälfte der deutschen Ausfuhr sich Zollausland in Zollinland ver- wandeln würde. *) Wl. W o y t i n s t Berlin 1925, I. H. W. Die Vereinigten Staaten von Europa", Rachf. Zahlreich sind die Versuche, die europäische Zollunion zu einem schutzzöllnerischen Gebilde zu machen. Viele wollen das handelspolitisch geeinte Europa mit hohen Zöllen auf Lebensmittel. Rohstoffe und Jndustrieprodukte umgeben. Demgegenüber oertritt mit Recht Woytinsky den Standpunkt. daß die europäische Zollunion im wesentlichen dem Abbau der Zollgrenzen dienen müßte. In diesem Sinne fordert die deutsche Arbeiterschaft die europäische Zollunion. Das ganze Europa muß es sein, und es darf kein schutzzöllnerisches Europa sein. Europäischer Aollvereia. Ein vorbereitendes Komitee eines„Europäischen Zoll- Vereins" veröffentlicht einen Aufruf an alle Europäer, in dem es heißt: „Der„Europäische Zollverein" bezweckt die Befriedigung d erzwischen st aatlichenWirtschaftsbeziehungenin Europa. Der erste Schritt zu diesem Zweck ist die Sammlung und Organisation aller Bestrebungen, die auf eine B e r e i n h e i t- lichung der europäischen Wirtschaft und auf«ine Er- Weiterung seiner wirtschaftlichen Einzelgebiete gerichtet sind. In allen Ländern sind, bereits Bestrebungen vorhanden, die mit unseren Grundsätzen iibereinstimmen. Doch ihre Isoliertheit verspricht ihnen nur wenig Aussicht auf praktischen Erfolg. Denn die protektio- nifhsche Wirtschaftsanarchie der Cinzelftaaten ist«in internationales Problem, das sich nur mit gegenseitigen internationalen Ab- machungen lösen läßt. Und in der Erkenntnis der Notwendigkeit dieser internationalen Zusammenarbeit richtet der„Europäische Zoll- verein" an alle bereits bestehenden Bereinigungen und an alle Einzelpersonen ohne Unterschied der Nationalität, der sonstigen politischen Stellungnahme. Religion usw. die Ausforderung, mit vereinten Kräften den Kampf gegen das gemeinsame Elend, gegen die internationale Wirtfchafts» a n a rch i e aufzunehmen. Als von jeder Politik freies, auf rein wirtschaftlicher Grund- läge aufgebautes Sammelbecken aller Bestrebungen, die auf die Er>. Weiterung und Vereinheitlichung der wirtschaftlichen Einzelgebiete von Europa gerichtet sind, vertraut der„Europäische Zoll- verein" auf die Mitarbeit aller Gleichgesinnten." Als Mitglieder des vorbereitenden Komitees unter- zeichnen: Prof. Charles Gide. College de France. Paris: Prof. Irving Fisher, Yale-Unioersity, New Häven: Prof. Dr. Eduard M i l l e t. Bern: Norman An gell, London: Dr. EleiN(?r H a n t o s, Staatssekretär a. D., Budapest: Dr. Edgar Stern- Rubarth, Berlin-Zehlendorf: Dr. Moritz Elsas, Frankfurt a. M.; Prof. Dr. Ludwig Stein. Berlin: Ernö Blei er, Budapest: Dr. Anton van Gijn, Finanz- Minister a. D., Haag._ Das verspätete Nechtsbewußtsein. Betrachtungen eines Deutschnationalen. Der alte Graf Posadowsky beschäftigt sich In einem Aufsatz, den völkische Blätter bringen, in sehr bemerkensverter Farm mit dem Volksentscheid zur Fürsten- enteignung und besonders mit den heuchlerischen Gründen, die zu seiner Bekämpfung ins Feld geführt wurden. Er selbst ist, wie nach seiner ganzen Ueberlieferung nicht anders zu erwarten war, G e g n e r der entfchädigungs- losen Enteignung gewesen, wie er Gegner jeglicher Enteignung ist. Er weist aber darauf hin, daß das Reich mit entfchädi- gungsloser Enteignung ganzer Gefellschaftsschichten dem Volksentscheid bereits vorangegangen war: „Unzweifelhaft hat zu der überraschenden Stimmenzohl jenes Volksbegehrens auch der Borgang beigetragen, welcher sich in der Enteignung der bürgerlichen Gläubiger durch dei Aufwertungsgesetz. gebung abgespielt hat, ein Verfahren, welches sich mit einer enl- schädigungslojen Enteignung ganzer Gesellschaflsschichlen fast mathematisch deckt. Was ist es anderes wie eine entschädigungslose Enteignung, wenn für Pfandbriefe und Rentenbriefe ein fester Prozentsatz für die Abtragung der Schuld überhaupt nicht festgestellt ist und die Pfandbrief, und Renten s ch u l d n e r hierzu nicht herangezogen werden? Wenn die Anleihen von Gemeinden mit 272 Proz. des Geldwertes abgelöst werden, wenn für alle diese Schuldtitel seit Jahren auch nichtderbescheidensteTeilder schuldigen Zinsen gezahlt ist, obgleich die Schuldner selbst in- folge der Inflation Jahre hindurch vielfach glänzende Geschäfte ge- macht und ihre wirtschaftliche Lage erheblich verbessert haben?" Mit berechtigtem Zorn sieht Posadowsky besonders bei den Deutschnationalen, deren Partei er gründen half, daß i h r.Rechtsbewußtsein" erst bei dem Volksentscheid erwachte. Er zitiert die Wamungen der deutschnationalen Fraktion vor den„Angriffen auf die Eigentumsordnung, die Grundlage unseres Staates", und verweist auf ähnliche Erklärungen des Industrie» und Handelstages, kirchlicher und anderer Körper- schasten— er hätte auch auf Hindenburgs Brief hinweifen können— und fährt dann fort: .Eine einseitige Enteignung des Gläubigers zugunsten des Schuldners ist eine Verletzung des bürgerlichen Rechts und damit der Grundlagen des Staates. Zu der als Entschuldigung der Aufwertungsgesetzgebung stets betonten„Wirtschaft" gehört der Gläubiger mit seinem Vermögen ebenso wie der Schuldner, welcher in seinem wirtschaftlichen Geschäfts- gebiet die gleichen wirtschaftlichen Verpflichtungen zu erfüllen hat. Fürsteneigenlum und Eigentum der privalleule stehen unter dem Schuh derselben bürgerlichen Gesetze." Die W a r n u n g des Grafen W e st a r p, daß„der Kom- munismus vor den Rechten der Kapitalgläubi- ger nicht Halt machen" würde, tut Posadowsky mit den Worten ab: „Diese Prophezeiung ist leider eine rückwärts gewendete Prophetie, da schon die Aufwertungsgesetzgebung. für welche die deutschnalionale Fraktion gestimmt hat. vor den Rechten der Gläubiger nicht hall gemacht hat. Nach den grundsätzlichen Erklä- rungen der Regierung, der bürgerlichen Parteien und zahlreicher Verbände und Körperschaften wäre die Aufrcchterhaltung des Auf- wertungsgesetzes eine rechtliche und sittliche Unmöglich- k e i t sowie ein schneidender Widerspruch gegen die jetzt abgegebenen Erklärungen." Aus seiner langen Praxis wird Graf Posadowsky wisien, daß die Erklärungen der Deutschnationalen, wie die ihrer Vorläufer, immer nur Zweckerklärunaen gewesen sind. Von jeher haben sie vor Wahlen und Abstimmungen das Blaue vom Himmel herunter versprochen, die Ver- sprechungen aber immer nur insoweit gehalten, als ihre eigenen Interessen dabei in Frage kamen. Deswegen wirb der alte Graf sie auch jetzt nicht bewegen, ihre Theorien vom„Einbruch in den Rechtsstaat" auf ihr eigenes Auf- wertungsgesetz anzuwenden. Das„Rechtsgefühl" kommt bei den Deutschnationalen immer verspätet und wird dann recht bald wieder vergessen." Personalpolitik. Nur keine Demokratisierung der Verwaltung! Der Reichsinnenminister Dr. Külz hat einen Demo- kraten in das Ministerium des Innern berufen. Der Neu- berufene soll«zur Erledigung von Spezialaufträgen" ver- wendet werden. Ein einziger Demokrat in das Reichsinnen- Ministerium berufen— das gibt der„Täglichen Rund- schau" Anlaß zu folgender sanfter Kritik: „Es wäre interessant zu erfahren, wie die Schaffung dieses „Speziolpöstens"«tatrechtlich begründet wird." Das Versteckspiel der„Täglichen Rundschau" hinter dem Etatrecht verbirgt nur schlecht die politische Kritik. Die ,.Täc>- liche Rundschau" ist Organ einer Regierungspartei. Sie sieht mit Mißbehagen, daß ein Minister einen Vertrauens- mann aus seiner Partei, ebenfalls einer Regierungspartei, beruft; denn die Verwaltung ist nach der Ansicht der Volks- Partei reserviert für Volksparteiler, Deutsch- nationale und Völkische. Ein Demokrat mehr ist schon zuviel— er könnte die Betätizungsmögttchkeit der Müh leisen einengen. Das kurze Sätzchen der„Täglichen Rundschau" spricht Bände. Nur keine Demokratisierung der Verwaltung! Um so entschiedener muß für die Demokratisierung der Verwal- wng gesorgt werden._\ Münchener Untersuchung. Die Methode wie mau nichts entdeckt. Di« Untersuchung gegen Schweikart nimmt ihren Fort- gang. Beweismittel stehen der untersuchenden Behörde zur Genüge zur Verfügung. Es gibt jedoch Methoden, um selbst bei er- drückendem Beweismaterial nicht zur Feststellung von Schuldigen zu gelangen. Diese Methoden hat die Münchener Polizei angewandt, als sie nach dem Morde an G a r e i s den Täter ausfindig machen sollte. Sie hat den Gareis-Mörder nicht festgestellt. Damit die Beweis- mittel, die zu jener Zeit schon in den Akten waren, und die erst jetzt ans Licht gebracht wurden, damals nicht zur Feststellung des Mör- ders führen konnten, wurde auf folgende Weife verfahren: Man ließ die Morde an dem Dienstmädchen Sandmeyer und an dem Abgeordneten Gareis nicht durch die gleichen Beamten untersuchen. Dies geschah, obwohl 1921 schon feststand, daß die beiden Mordtaten in engstem Zusammenhang miteinander stehen. Es wurden verschiedene Personen mit der Unter- suchung der beiden Morde beaustragt, und zwar so, daß sie nicht in der Lage waren, in die zusammengehörigen Akten Ein- blick zu nehmen und die Zusammenhänge festzustellen. Auf diese Weise erreichte man, daß die Untersuchung ergebnislos verlief, und daß der schwer belastende Janusbrief des Leutnants Schwei- kart unberücksichtigt blieb. Inwieweit die Akten, als sie den unter- suchenden Beamten übergeben wurden, noch vollständig waren, muß einer besonderen Untersuchung vorbehalten bleiben. Diese Methode war natürlich nur möglich, wenn eine geschickte Regieführung in den oberen Dienststellen dafür Sorge trug, daß die untersuchenden Beamten nicht in Berührung miteinander kamen. Diese Regieführung setzte von vornherein Kenntnis der Zu- sammenhänge voraus, die nicht bekannt werden sollten, eine Kenntnis, die nur durch Mitschuld erworben werden konnte. Gibt es in der Untersuchung gegen Schweikart, die nach der Haftentlassung fortgeht, ebenfalls eine Regieführung? Ist der derzeitige Ausenthalt Schweikarts den Behörden bekannt? Serufungsverhanülung Kußmann-Knoll. Drei Tage vorgesehen. Gegen da« freisprechende Urteil im Prozeß gegen den früheren Staatsanwalt K u ß m a n n und den Hauptmann a. D. K n o l l wegen Beiseiteschaffung von Aktenstücken hatte die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt, die nunmehr vor der Großen Strafkammer des Landgerichts I zur Verhandlung kommen soll. Während der Prozeß in erster Instanz nur einen Tag dauerte, sind für die Berusungsoerhandlung bisher drei Tage vor- gesehen, und zwar der 2 7. und 29. September und der 1. Oktober. Der größere Umfang dieses zweiten Prozesses Kuß- mann- Knoll erklärt sich durch die vorgesehene Erweiterung der Beweisaufnahm«, und zwar sind bisher schon SO Zeugen geladen, darunter alle Beamten de» früheren Barmat-Dezernates der Staats- anwaltschaft I, sowie mehrere Abgeordnete und Journalisten. Die Anklage wird von Oberstaatsanwalt T e tz l a v oertreten, während die Angeklagten wieder durch die Rechtsanwälte Dr. Luetgebrune (Göttingen) und Roetter(Berlin) verteidigt werden. wegen der Vorfälle in Germershcim Hot Botschafter von Hoesch den Generalsekretär des französischen Auswärtigen Amtes ausgesucht. Magdeburger Zwiegespräch. Ben Hans Bauer. „Fabelhast, unsere Polizei-- da muß man doch schon sagen, daß sie eine Rase hat wie ein Bernhardiner Hund." „Sie meinen die Sache mit Haas? Ja, hier ist prompte Arbeit geleistet worden." „Prompte Arbeit nennen Sie das? Ich danke schön! Wenn es das bloß wäre! Aber es ist ja doch viel mehr als das. Eine Meister- leistung kriminalistischen Scharssinns ist vollbracht worden. Bedenken Sie, wie minimal die Anhaltspunkte waren...." „Das schon. Vieles sprach gegen die Annahme, daß Haas der Anstifter ist. Leicht hat er's der Polizei nicht gemacht." «Nicht leicht, ist gut gesagt. Ueberlegen Sie sich, was dazu ge- hört, um den Verdacht einer Mordanstiftung aussprechen zu können. Denken Sie beispielsweise an Bayern. Wieviel Indizien hat man dort gegen soundsoviel«, daß sie jemanden um die Eck« gebracht haben. Aber man will nicht recht zupacken. Man kann nicht so heran an sie. Da» Material reicht eben doch nicht aus--- und dabei könnte man fast sprechen, daß sie photographiert worden sind, als sie den Revolver abdrückten oder mit der Spitzhocke losschlugen. Ein Mord will eben bewiesen sein, das ist keine Kleinigkeit. Nun ver- gleichen Sie damit unseren Untersuchungsrichter. Keine einzige Blöße gegeben hat er sich, der Haas. Der gesunde Menschenverstand, über- Haupt alles sprach dagegen, daß er beteiligt gewesen ist. Aber die Untcrfuchungsbchörde hat es doch ausgeknobelt. Da läßt sich halt nichts machen. Ein kriminalistisches Genie bleibt eben«In krimlnali- stifches Genie." „Zugegeben, daß die Stellung und der Beruf des Haas schützend vor ihm gestanden haben, indessen...." „Weiß schon. Weiß schon. Jetzt werden Sie kommen und sagen" Aber der Schröderl Bitt' schön, damit können Sie den Spür- sinn unserer Polizei nicht verkleinern. Damit nicht. Wer ist Schrö- der? Wieso soll er im geringsten glaubwürdig sein? Und dann wird er sich nicht haben einfallen lassen, von sich aus den Haas zu ver- dächtigen. Nein, die Untersuchungsbehörde wird ihn darauf gebracht haben. Man kann also schon sagen: Au, dem Nichts, au, dem ab- soluten Nichts heraus hat sie den Haas gestellt. Bloß die Witterung hat sie gehabt. Das heiß' ich tüchtig sein. Da gehört wa« dazu." „Alles richtig, aber das habe ich nicht gemeint. Jndesien. so wollt« ich vorhin sagen, es heißt, daß der Haa, dem Reichsbanner nahegestanden hat." „Wollen Sie damit sagen, daß die Leistung des Untersuchung»- richters nicht dennoch staunenerregend wäre--«inen Anhaltspunkt hat er ja schließlich doch haben müssen." va, Rodiu-Museum In pari» hat einen Abguß der neuen Si u r m i- Statuette von Rens Sinteni» angekauft: der erst« Ankauf«rsolgte vor ewiger Zeit durch das Museum in tzetswgsorS. Srückenbau. Gurgelnd wälzen sich die Fluten der Elb« durch das Land. Weit- hin ist noch alles überschwemmt. Bon Sträuchern sind nur die Spitzen zu sehen; Di« Bäume stehen noch bis zu den Kronen im Wasser. Das Rattern hydraulischen Nietens, untermischt von schweren Hammerschlägen, dringt an mein Ohr. In ungeheurer Länge spannt sich die Brücke der Eisenbahn Berlin— Hannooer hinter Schönhausen über den Strom und sein« Niederung, die jetzt noch in ihrer ganzen Breite, von Deich zu Deich, überflutet ist. Di« alte Brück« ist dem Verkehr nicht mehr gewachsen. Ihr« Pfeiler stehen zu dicht und bilden tückische Gefahren für die Schiffer, besonders jetzt, da das Hochwasser noch immer die Gegend beherrscht. So ist man jetzt dabei, eine nue Brücke zu errichten. Ein gigantisches Bild menschlichen Schaffens entrollt sich da. Der eigentlich« Strombogen von 10S Meter Spannung ist in der Mitte noch nicht ganz geschlossen. Riesig« Krantürme ragen in die Luft, mit deren Hilf« das schwierige Wert vollendet wird. Ungeheure Kräfte sind dabei, den Brückenbogen über die Oeffnung zu ziehen, um die Berbindung beider Ufer herzustellen. In schwindelnder Höh« stehen die Männer der Arbeit auf dem Gerüst. Ich sah sie im strö» Menden Regen, als alles in tiefe» Grau gekleidet war: ich sah sie im glühenden Scmnenglanz, niemals müde, immer mit kräftigen Armen den Hammer führend. Der Tod hält immerzu die Hand ausgestreckt, um jeden, der die Sinn« nicht fortwährend straff zufammenhält, an sich zu reihen. Mehr als einen dieser Tapseren soll er sich schon geholt haben. Borbei fahren die Eisenbahnzüge, Güterzüge mit den schwarzen Diamanten de» Ruhrreviers, die Personenzüge und die v- und Luxuszüge. Aus den Fenstern sehen dann wohl die Reisenden im flüchtigen Vorbeifahren das Werk entstehen, sie sehen aber nicht die Gefahren und kennen nicht die Opfer, nnter denen es vollendet wird. Sie fühlen sich sicher über den gurgelnden Fluten de« Strome». Karl Suckert. Wettbewerb für da» völterbundhau». Für das„Haus der Nationen" in Genf ist jetzt die Jury und das Bauprogramm fest- gelegt worden. Das Bölkcrbundhaus wird sich auf einem Gelände am Ende der Stadt Genf, mit altem Baumbestand, mit weiten Durch- blicken auf See und Gebirge, erheben. Die Grundstückkosten be- tragen 2sb Millionen Franken, die Baukosten für das Völkerbund- Versammlunashaus allein find mit 8 Millionen Franken in Rechnung gestellt. Außer Deutschland haben M Staaten da» Recht der Beteiii. gung, als Preise sind 165 000 Franken ausgeworfen. Da» Preis- gericht enthält zwei Architekten deutschen Stammes, den Wiener Joses Hoffmann und den Züricher Karl Moser. Der Bahnbrecher der hol- ländischen Baukunst H. P. Berlage, ist aber außer ihnen der einzige im Preisgericht, dessen Rame unbedingt im Sinne einer fortschritt- lichen Lösung ins Gewicht fällt: der Belgier V. Horta Ist, nach dem belgischen Pavillon auf der vorjährigen Pariser Weltausstellung zu schließen, allzusehr bei der Weise seiner Frühperiode, dem Jugendstil der neunziger Jahre stehengeblieben. Wie der„Cicerone" schreibt, amtieren in dem Preisgericht neben dem Engländer I. Burnett. dessen klassizistische Baugesinnung seinem kühl-praktischen Sinn nicht entgegensteht, noch der Italiener A. Muggia, der Franzose Levas- ouier, Stilqrchitekten im Sinne des 19. Jahrhunderts, serner der Schwede Tangboom, der sich in allen Stilen versucht. Da» Prcls- gericht formuliert die Ausgabe, daß die Architekten in neuem und prak- tischem Sinne die verschiedenen Probleme lösen und vor allem durch die Reinheit des Stiles und die Harmonie der Linien die hohe Be- ftimmung des Gebäudes symbolisieren sollen. So erfreulich diese Forderung ist, so kann ihre Verwirklichung doch jn sehr verschiedenem Sinne oerstanden werden. Dos Ergebnis wird davon abhängen, welche Mitglieder der Jury die Oberhand bekommen. Die Zusammen- setzung ist immerhin so, daß sortfchrittliche Lösungen durchaus nicht von vornherein unter den Tisch fallen müssen. Was die Watrosen lesen. Das englische Marineministerium hat ein« Untersuchung darüber angestellt, was von den Seeleuten an Bord der Kriegs- und Handelsschiff« am meisten gelesen wird. Dies« Untersuchung hat interessant« Ergebnisse gehabt, denn es stellt« sich heraus, daß die Matrosen am liebsten populäre Darstellungen von wissenschaftlichen Dingen lesen, besonders von astronomischen und physikalischen Vorgängen. Aber auch ander« Bücher, die sich mit der Fortbildung der Menschen befassen, werden vielfach versangt, so z. B. Bücher über Parteiwirtschaft, über Tiere und über den menschlichen Körper. Gar nicht oerlangt werden z. B. Reisebefchreibungen. Das kann man verstehen, denn dl« Matrofen haben selbst meist in ihren langjährigen Diensten Gelegenheit gehabt, sremde Länder kennen zu lernen, viele Reisen zu unternehmen, so daß sie nicht darauf an- gewiesen sind, sich mit fremden Erlebnissen zu unterhalten. Ihr Leben ist eben ein Leben des ständigen Wechsels, so daß gerade die- jenigen Bücher, die, wie die wissenschaftlichen, eine gewiss« Festigkeit des Leben» im ständigen Wandel darstellen, am meisten reizen. Sehr wenig oerlangt lverden auch Dichtwerk«: dagegen werden Unter- Haltungsroman« sehr viel gelesen. Ein« ähnlich« Untersuchung hat auch da» amerikanische Flottenministerium— und zwar zur selben Zeit— veranstaltet. Es stellte sich heraus, daß auch die omerika- nifchen Seeleute— ähnlich wie die englischen— Roman« gern« lesen und viel benutzen. Bei den amerikanischen werden hauptsächlich diejenigen Roman« oerlangt, die sich mit den Erlebnissen der Cowboys besassen. während die englischen Seeleute hauptsächlich die Romane lieben, die von Goldgräbern, Pelzsägern und ähnlichen Abenteurern handeln. Bei beiden ist jedenfalls die Sehnsucht nach Wild und tapferen Menschen groß, deren Schicksale sie innig mitempfinden. Auch die amerikanischen Matrosen lieben Tiergeschichten ähnlich wie die englischen und merkwürdigerweis« wurden am meisten Bücher über Hühnerzucht und über Schlangenfarmen verlangt. Dagegen hat der amerikanische Matrose nur sehr geringes Interesse für auf- klärende und fortbildend« Bücher wissenschaftlichen Inhalts. Drncksehler-Berichttgung. Jn der Notiz„Australiens neue Haupt- ftadt"(heutige Morgen-Nummer) wirb mitgeteilt, die Jnbstrieb- nahm« der Hauptstadt Canberra fei auf den 9. Mai 1926 festgesetzt worden. Es handelt sich um den 9. Mai 1927. Ein Arelsansschrelbe« hts verein» Vevtscher Essenbahnverweltung« setzt für Sisindungen. Lerbesscrungen und schriftstellerisch« Arbeiten aus den: Gebiete des Eisenbahnwesen», die vom 1. April IftLZ btt 31. März 197! erschienen find, Preise vv» zusammen 30 000 M. und Einzelpreisc oo» 1500 bi« 7500 M. au». Vle Krönung" Mühleifens. Was ihm erlaubt erscheint... An dem Verbot des Potemkinfilms durch die Filmr.berprüfstelle hat cherr Oberegierungsrat M ü h l ei s e n vom Reichskommissariat für öfsentiiche Ordnung und Sicherheit hervorragend mitgewirkt. Er hat die These vertreten, daß dieser künstlerisch wertvolle Film, der die Auflehnung russischer Matrosen gegen eine menschenunwürdige Behandlung zeigt, in der d e u t s ch e u Republik die.Sicherheit des Staates' gefährdet, und die Oberfilmprüfftelle hat seinem Gutachten durch ein gesetzlich inhalt- loses Verbot Rechnung getragen. Herr Mühleisen ist aber nicht immer so besorgt um die Sicherheit des Staates wie in diesem Fall. Er findet es zwar höchst gefährlich für die öffentliche Ordnung, wenn dem deutschen Publikum ein russischer Matrosenaufstand vorgeführt wird, aber er hat gar keine Bedenken gegen Filme, die den Aufmarsch er- bitterter Feinde der deutschen Republik verHerr- lichen. Dafür ein Beispiel: Kürzlich lag der Filmprüfstelle Berlin ein Film vom.Deutschen Tag' in Halle, der im August 1923 stattfand, zur Prüfung vor. Dieser.Deutsche Tag', aus Anlaß der Einweihung eines Denkmals von den Rechtsverbänden veranstaltet, war vom preußischen Innen- Ministerium nur mit erheblichen Einschränkungen gestattet worden. Die Leitung der Veranstaltung mußte sich verpflichten, ge- schlössen« Aufmärsche in der Stadt zu unterbinden. Es war verboten worden, die Fahnen der Organisationen entrollt zu tragen und vor allem sollle bei der Einweihung des Denkmals jeder militärisch formierte Aufmarsch unterbleiben. Diese Anordnungen wurden aber von den Veranstaltern nicht inne- gehalten, sondern es fanden große Umzüge statt, die Fahnen aller Rechtsverbänd« wurden entrollt in den Zügen getragen oder mit Lastautos durch die Stadt gefahren. Lei der Einweihung des Denk- mals hielt der sattsam bekannte Führer des Stahlhelms, D u e st e r- b e r g, eine Ansprache, in der er die Wiedererrichtung des Kaiserreichs als Ziel proklamierte. Vor der Stadt erfolgte ein„Vorbeimarsch' der nationalistischen Kampfverbände vor dem Hochverräter Ludendorsf, der im vollen Glänze seiner alten Uniform erschienen war. Zu allem Ueberfluß beteiligten sich Abordnun- gen der Reichswehr an dieser monarchistischen Kund- gebung. Das Ganze bot das Bild eines organisierten Aufmarsches der deutschen Gegenrevolution. Die offensichtlich« Durchbrechung der Anordnungen des preußischen Innenministers und das provokatorische Auftreten der Teilnehmer lösten im ganzen Lande eine ungeheure Erregung unter der repu- blikanischen Bevölkerung aus. Von diesem Deutschen Tag der Gegenrevolution wurde ein Film hergestellt, besten Vorführung aber damals auf das Gut- achten der beteiligten Ministerien hin nicht zugelassen wurde. Jetzt war nun der Film neuerdings zpr Prüfung vorgelegt worden. Die Kammer körte vor der Entscheidung da» Gutachten de» Herrn M ü h l« i s e u sowie der Vertreter des Auswärtigen Amtes und de« preußischen Innenministerium». Während die beiden letzteren abermals für die Nichtzulassung des Films ein- traten, da er die öffentliche Ruhe und Sicherheit sowie die Be- Ziehungen Deutschlands zu auswärtigen Staaten gefährde, erklärt« Herr Müh leisen, daß er seine frühere Auffassung korrigieren müsse, da er heute keine Bedenken mehr gegen die Vorführung des nationalistischen Hetzsilms habe! Man könne ja schließlich das Datum der Veranstaltung v e r- schwinden lassen, damit nicht ohne weiteres ersichtlich ist, daß es sich um eine Tagung au» dem Jahre 1923 handele. Die Kammer war sichtbar erstaunt über dieses Gutachten des Vertreters des Reichskommissariats für„öffentliche Ordnung und Sicherheit' im republikanischen Reichsministerium des Innern. Die Beisitzer fragten den Herrn Regierungsrat, ob es ihm nicht bekannt sei, daß der R e i ch s w e h r m i n i st« r im Reichstag die Erklärung abgegeben hat. daß Reichswehrabordnungen nicht mehr an Denkmalsweihen privater Organisationen teilnehmen dürfen, um ihren ZNIßbrauch zu nakionalisllschen Kundgebungen für dl« Zukunft zu oerhüten, und ob er nicht der Meinung wäre, daß eine Untergrabung der Staatsautorität zu be- fürchten ist. wenn im Film gezeigt werde, wie lroh dieser Erklärung des lu'ichswehrministeriums Abordnungen der Reichswehr an monarchistischen Kundgebungen teilnehmen. Man fragte weiter, ob es nicht zur Gefährdung der Staatssicherheit führen müsse, wenn in einem Film Formotionen gezeigt werden, die in weiten Teilen de» Reich» heute noch wegen ihrer republikfeindlichen Haltung verboten sind. Schließlich wurde Mühleifen gefragt, ob es nicht die Aufgabe des Reichskommissariat» fei, zu verhindern, daß Film« gezeigt werden, die die Empfindungen der verfassungstreuen repu- blikanischen Bevölkerung aufs tiefste verletzen und so zur Störung der öffentlichen Ruhe und Sicherheit führen müssen. Derselbe Oberregierungsrat Mühlersen, der die Hetze gegen den Potemkin-Film betrieb, hatte auf all dies« Fragen nur die Antwort, daß er seinen Ausführungen nichts hinzuzufügen habe. So bot sich das ergötzlich« Bild, daß, obwohl die Vertreter des preußischen Jnnenennristeriums und des Auswärtigen Amtes für die Nicht- Zulassung des Filmes eintraten, der Vertreter des doch wohl zum Schutz der Republik geschaffenen Reichskommifsa- riat» für öffentlich« Ordnung und Sicherheit ohne Bedenken für die Zulassung de» ausgesprochen republikfeindlichen. geradezu zum Hochverrat auffordernden Filmes eintrat. Allerdings bewies die Kammer mehr Einsicht als Herr Mühleifen, indem sie die Vorführungsgenehmigung des Filme« auch fernerhin versagt«. Die Kleintalibrigen in Saüen. Verdächtige Führer. Karlsruhe, 23. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Innenminister R e m m e l e kam am Donnerstag bei der Beratung des Polizeietats auf die im französischen Senat aufgestellte Behauptung zu sprechen, daß Baden eine Polizeibrigade von zwei Regimen- tern besitze. Er betont« demgegenüber, daß die badische Polizei lediglich zur Erfüllung polizeilicher Ausgaben bestimmt und im Rahmen des Polizeigesetzes organisiert fei. Im Laufe der weiteren Aussprache wie» Genosse M a r tz l o f f aus die Gefahren der bestehenden Rechtsorganisationen und ihrer Umtriebe hin. Er verwies vor allem auf die Kleinkaliberschützen- vereint, die besonders an der badifch-württembergischen Grenze in Blüte ständen und sogar vielfach Felddienstübungen abhielten. Der Innenminister bestätigte den Unfug dieser Kleinkaliberfchützen- vereine. Die Regierung widmet ihnen ein aufmerksames Augen- merk, zumal in ihren Kreisen immer wieder Persönlichkeiten austauchten, die früher an der Spitze verbotener Organi» s a t i o n e n gestanden haben._ Internationales Eisenkartell. Essen. 23. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Die„Rheinifch-West- sälische Zeitung' will von gut unterrichteter Seite erfahren haben. daß in der am Freitag vormittag stattgefundenen Versammlung der internationalen Eisenproduzenten die Unter- zeichnung de» Vertrages über das Internationale Elfen- kartell mit ziemlicher Bestimmtheit zu erwarten fei. Die Zu- ftimmung der Reichsregierung sowie de« Reichsoerbandes der deut- schen Industrie und der eisenverarbeitenden Industrie zum Ab- kommen sei gesichert. Die berliner Wohnungswirtschast- Ständig vermehrter Zuzug. Das Nachrichtenamt des Magistrats teilt aus einem Bericht der Deputation für das Siedl ungs- und Wohnungswesen für die Zeit vom 1. Januar bis 31. Dezember 192S folgendes mit: In der Berichtsperiode wurden 23 843 Wohnungen abgegeben. Infolge vermehrten Zuzuges hat sich die Zahl der ausgestellten Wol/nberechtigungsfcheine gegenüber dem Vor- fahre um 74,5 Proz. vermehrt, was bei der gegenwärtigen Regelung der Freizügigkeit leider hingenommen werden muß. Die Unterbrin- gung der Rhein- und Ruhrvertriebenen sowie der Lagerflüchtlmge ist im allgemeinen durchgeführt. 2596 Wohnungen, die durch die Errichtung von Hauszins st euerneubauten frei wurden, tonnten Wohnungsuchenden bzw. Barackenbewohnern aus unbewohnbar gewordenen Baracken zugewiesen werden. Nach- teilig wirkt« auf den Wohnungsmarkt der§ 36 Mieterschutzgesetzes, der die beschleunigte Zuweisung eines Ersatzroumes von der Ge- meindebehörde oerlangt, falls im Urteil die Zwangsvollstreckung hiervon abhängig gemacht wird. Den eingetragenen Wohnungs- suchenden geht hierdurch eine große Anzahl von Wohnungen verloren. Der Zustand der Wohnungen hat sich gegenüber dem Vorjahre weiterhin etwa» gebessert. Wesentlich hierzu beige- tragen haben auch die von der Stadt notleidenden Hausbesitzern zur Instandsetzung der Häuser gegebenen Darlehen in Gesamt- höhe von 2 Millionen Reichsmart. Wohnungen von fünf und mehr Zimmern können feit Beginn der Be- richtsperiod« an solche Wohnungsuchenden frei vermietet werden, die über eine vom Wohnungsamt ausgestellt« Ausweistarte verfügen. Während nun die systematische Wohnungsoufsicht und -pflege sowie die Schlafstelleickontroll« infolg« des durch die Abbau- bestreb ungen verschästen Personalmangels nicht durchgeführt werden konnte, gelang es, bei der Unterbringung kinderreicher Familien, der Bekämpfung ansteckender Krankheiten und der Säuglingssterblichkeit gut« Erfolge zu erringen. Aus eigenen Mitteln der Wohnungsämter wurden 938 Wohnungen gewonnen durch Herrichtung vervxchrlosten Wohnraumes sowie durch Abtren- nungen und Neubauten, denen 251 durch Verfall und Brandschäden verlorene Wohnungen gegenüberstanden. Das Mieteinigung»- amt fällte 40 000 Entscheidungen und veranlaßt« in einer bedeutenden Zahl anderer Fäll« die Antragsteller durch fachgemäße Auskünfte, ihre Anträge zurückzuziehen. Die private Bau- tätigkeit war sehr gering. Der Wohnungsbau war in- folge der herrschenden Geldknappheit nur durch die Unterstützung mit öfsentlichen Mitteln möglich. Der aus Berlin entfallend« Anteil an der Hauszinssteuer wurde in der Berichtszeit nicht ver- ändert. Mit den so verfügbaren 66 Millionen Reichsmark wurden Bauten mit 7685 Wohnungen im Hochbau und 18 4 7 Wohnungen im Flachbau durfchnittlich mit j« 6 6 00 Reichsmart beliehen. Die durch Hauszmsfteuerhypotheken nicht finanzierten Bauten mußten im allgemeinen durch Aufnahm« von im freien Geldmarkt beschafften Hnpo:heken. durch«igen« Mittel der Bauluftigen und auch durch Bautöftenzuschüsf« der Bewerber um die Attwohrnrngen errichtet werden. Letzter« mußten 600 bi» 1000 Mark je Zimmer als Baukostenzuschuß zahlen. Für Minderbemittelte stellte die Stadt 10 Millionen Reichsmark(gegen 5 Millionen Reichsmart im Vorjahr«) als Zusatzhppotheken zur Ver- fügung. Hiermit wurde der Bau von 3700 Wohnungen mit 1 bis 3 Zimmern finanziert. Verhandlungen mit der Landes- pfandbriefanstolt und der Reichsversicherungsanstalt wegen Beleihung verliefen günstig. Durch eigene Bautätigkeit der Be- zirt« wurden 897 Wohnungen gewonnen. Ferner haben Reich, �Staat und Stadt Mittel zur Verfügung gestellt, um die Herstellung von Beamten, und Arbeiterwohnungen zu ermöglichen. Das Inkrafttreten der neuen Bauordnung in Verbindung mit dem neuen Bauzonenplan gewährt die Sicherheit, daß in Zukunft nur noch gesundheitlich einwandfreie Wohnungen erbaut werden können. Die endgültige Regelung des Kleingartenwesens durch Hergab» von Land für Dauerkleingärten ist ihrem Ziele näher gerückt worden._ Drei Lrauen überfahren. Durch einen rücksichtslosen Aulochauffenr. Ein schwerer Straßenunfall, der durch da» rücksichtslos« FahreneinesDroschkenchauffeur» herbeigeführt wurde, bei dem drei Frauen schwere Verletzungen erlitten, ereignete sich heute vormittag gegen 10 Uhr vor dem Hause Friedrich. st r a ß e 107. Wir erfahren hierzu folgende Einzelheilen: Ein AutobusderLinie25. der vom Bahnhof Friedrich- straße kam, wollte an der Haltestelle vor dem Hause griedrich- stratze 107, wo das Finanzamt untergebracht ist, halten. Um zu oerhüten, daß der schwere Wagen infolge de» schlüpfrigen Pflaster» beim Bremsen gegen den Dürgersteig schleuderte, hielt der Führer etwa drei Meter vom Bürgersteig entfernt. Im selben Augenblick nahte eine Kraftdroschke. Der Führer der Droschke Donath au, der Urbanstraße 52 wollte die Possage zwischen Autobus und Bürger- steig verkehrswidrig benutzen, um vorbeizukommen, hierbei über- fuhr er drei Frauen, die den Autobus gerade besteigen wollten. Sie wurden in schwerverletztem Zustand in die Unfallklinik Zie- gelstraße überführt. Die Namen der Verunglückten sind: die 21jährige Ehefrau Emmy T h r i st i n i ck aus der Rügener Straße 11, die Beinbrüche und innere Verletzungen erlitt: die 37jShrige Ehefrau Marie Liefert aus Katzig, Kreis Soldin, die bei Verwandten in Friedenau besuchsweise weilt, sowie die 23jährige Studentin Mari« Blumenthal aus der Luitpoldstraß» 35, die sich Unterschenkel- brüch« und Quetschungen zuzogen. Zlsamilientragödie i« der Laubenkolonie. Eine Famtlientrogödie spielte sich gestern nacht in der Lauben- kolonie.Biene' in Daumschulenweg ab. In der Laube 5 wohnt dort eine Familie E x e n e r. Als der Sohn kurz nach 1 Uhr nacht, nach Haufe kam. fand er feine Mutter tot auf dem Bett ll«. g e n d. Sie hatte sich mit Sublimat oergiftet. Ein sofort herbeigerufener Arzt konnte die Unglückliche nicht mehr in» Leben zurückrufen. Man nimmt an. daß Familienzwistigkeiten die Ursache des Selbstmordes find. Der Ehemann, den man sofort benachrichtigt«, wurde durch die Meldung derart erschüttert, daß er sich zwei Kugeln in die Brust und in die Schläfe schoß. Er war s o f o r t t o t. Die Leichen wurden nach dem Krematorium Baumschulenweg überführt. Charlottenburger ikleingärtner-Wettbewerb! Auch dieses Jahr veranstaltet da» Kleingartenamt im Einver- nehmen mit den gemeinnützigen Kleingartenverbänden, dem Bezirks- verband der Kleingartcnocreine von Eharlottenburg und Tiergarten und dem Vaterländischen Frauenverein innerhalb der 10 000 Char- lottenburger Klcinaarten einen Wettbewerb. In diesem Jahre sind außerdem die Kleingärten in der Iungfernheide westlich des Tegeler Weges bis nach Siemensstadt und die Gärten von Westend zum Wettbewerb zugelassen. Der Gedanke der Ver- anstaltung ist vom wirtschaftliche» wie vom ethischen Standpunkt aus herzlichst zu begrüßen. Durch zweckmäßige Einteilung und Be- Pflanzung wird der Ettrag gefördert, durch das gesteigerte Interesse erhöht sich die Freude am Besitz. Der ruhende Pol in der Erelgnijse Flucht ist einzig und allein im eigenen Heim und im Selbst- geschaffenen zu finden. Für all die vielen, die Tag für Tag in mit schlechter Luft gefüllten Arbeitsräumen schaffen müssen, bedeutet es eine wahre Erlösung, wenn fie nach Feierabend und hauptsächlich am Sonntag in guter, reiner Luft ihr Gärtchen bestellen. Jede neue Blume, jeder frische Kohlkopf wird mit Freuden begrüßt, und selbst- gezogenes Gemüse und Obst schmecken bekanntlich tausendmal besser al» gekauftes. Die baulichen Einrichtungen der Gärten lallen eine bedeutende Verbesserung erfahren, so daß mit der Zeit aus den sommerlichen Kleingärten Dauerkleingärten entstehen. Bisher liegen. etwa 1000 Anmeldungen zum Wettbewerb vor. Die Preisrichter- abteilungcn, bestehend aus einem Gartenfachmann und zwei Klein- gärtnern, werden die Bewertung der Gärten vornehmen, und auf Grund dieser Bewertung erfolgt dann die Preisverteilung. Die Wiener Tppographia in Serlin. Di« Wiener T y p o g r a p h i a ist mit 220 Sängern und Sän- gerinnen in Berlin eingetroffen. Pünklich 12"' fuhr der Zug in die Halle des Anhalter Bahnhofs ein. Im Auftrag« des Oefterreichifch- Deutschen Volksbundes begrüßt« deren Vorsitzenden Dr. M i n k l e r die Sänger. Er erinnerte an die Bruderbefuche die erst in den letzten Tagen vom Berliner Reichsbanner stattgefunden hotten. Di« Ver- liner Typographia begrüßt« ihre Wiener Kollegen durch ihren Vor- sitzenden Reinsdorf. Die Wiener ließen durch ihren Kollegen Epter für den herzlichen Empfang danken. Wir find gern nach Berlin gekommen, uns haben die Gäft« des Vorjahres, der Schutzbund, erzählt, wie herzlich sie aufgenommen worden sind. Wir freuen uns, mit unseren Berliner Kollegen zusammen singen zu können. Leider oerbot die Polizei das Singen eines Begrüßungsliedes. Zu der Be- grüßung hatten sich auch sehr viele Kameraden des Reichsbanners, Mitglieder des österreichischen und deutschen Volksbundes und der Berliner Typographia eingefunden. Der öasöorfer Sieülungsskanöal. Unsere Leser werden sich des Siedlungsskandals erinnern, der zu Beginn des Jahres 1926 in der Presse ausführlich erörtert wurde. In Basdorf hatten eine Anzahl Arbeiter sowie auch kleinere Ge- schäftsleute von der Basdorfer Baugesellschaft Marx u. Reiß Siedlungsland auf Grund notarieller Kaufverträge erworben. Die Verpslichtungen aus den Verträgen sind sämtlich er- füllt worden. Im Grundbuch waren jedoch die Käufer unglaublicher- weise nicht als Eigentümer eingetragen worden. Do rechtlich nur der als Grundstückseigentümer gilt, dessen Name als Eigentümer im Grundbuch eingetragen ist, war es den Gläubigern von Marx und Reiß möglich, auf die Grundstücke der Siedler eine Hypothek v o n 2 5 0 0 0 0 M. ins Grundbuch eintragen zu lassen. Die Siedler riskieren, ohne jede Entschädigung von ihrem Eigentum verjagt zu werden, wenn nicht der Nachweis gelingt, daß die nachträglichen Be° lostungen der Grundstücke auf betrügerische Manipulationen zurück- zuführen sind. Bekanntlich ruht zurzeit die Zwangsversteigerung, da die Staatsanwaltschaft die Affäre bearbeitet. Uns geht nun eine längere Eingabe des Kaufmanns Prahl, Berlin-Lichterfelde. Kam- mandantenstraße 99, stiller Teilhaber der Firma Marx u. Reiß, zu, in der er gegen einen Rechtsanwalt B. in der Basdorfer Grund- stücksfach« schwere Vorwürfe erhebt. Er selbst will als früherer Besitzer der Basdorfer Grundstücke von B. schwer geschädigt und seines Vermögen» beraubt worden sein. Wir können dazu nicht Stellung nehmen. B. soll übrigens in der völkischen Bewegung eine nicht unerhebliche Rolle spielen. Im übrigen hoffen wir� daß die gerichtliche Aufklärung der Basdorfer Siedlungsaffäre im Interesse der zahlreich geschädigten Arbeiter und Angestellten baldigst erfolgt. Arbeitgeberspitzel im GerichtSfaal. Ck„Vossische Ztg.' macht auf«ine sehr merkwürdige Erscheinung aufmerksam, die oft in den Moabiter Gerichtssälen die Aufmerksam. keit aus sich zieht. Zu gewissen Verhandlungen erscheint ein Mann. der sich zwar sehr genau Aufzeichnungen macht, dessen Be- richte jedoch niemals in der Press« erscheinen. Dieser Herr ist honorierter Spitzel der Arbeitgeberverbänd«, irt deren Auftrog er in den Moabiter Gerichten die sch-varze List« des Unternehmertums führt. Ist dieses Handwerk an sich schon äußerst schmutzig und skandalös und die Duldung eines solchen Individuums Im Gerichtssaal sehr eigentümlich, so war die Sache zu einer mehr als peinlichen Affäre, wenn das Blatt feststellt, daß dem Boykottmann der Arbeitgeber von den Präsidien der Berliner Landgerichte Presseausweis« und-legitimationen für sämtliche Säle zur Verfügung gestellt worden sind. Ein unglaublicher Miß- brauch der Presse und de» Gerichtssoal», gegen den man aufs Schärfste protestieren muß. Grohfeuer in Potsdam. Auf dem Fabrikgeländ« der Berliner Dextrin fabrik von Otto K u tz n e r auf dem Kiewitt 20 in Potsdam brach nach 9 Uhr heute früh ein Großfeuer aus, das auf eine Mehlstaub- explosion zurückzuführen ist. Ein Teil des Fabrikgebäudes ist«in- geäschert und ein großer Vorrat von Waren vernichtet worden. Personen sind nicht zuschoben gekommen. Die Potsdamer Wehr hatte über eineinhalb Stunden mit den Löscharbeiten zu tun. Ein Abend in der Hemdbluse. Die Firma Baer u. Sohn ver- anstallete im Faun des Westens, Tauentzienftraße 19, im Rahmen eines Tanzabends und Charleston-Wettbewerbes, eine Herrenmodeschau. Die flotten Neger-Iazzbandler. die Gast- geber, ein Teil des Publikums und sämtliche Ober— olles„mit ohne Jackett und Weste'. Es besteht bekanntlich die Absicht, die Hemd- blus« straßenfähig zu machen. Sie soll nicht nur aus der Straße, son- dein auch iki der Gesellschaft offiziell zugelassen werden. Bei Aus- führung des neuen Modetanzes Charleston ist dies allerdings fast ein Gebot der Notwendigkeit. Eigentlich müßte man sogar ein Reseroehemd mit sich führen. Denn solchen Gliederverrenkungen im schnellsten und dabei fortwährend wechselnden Rhythmus hält der kühlste Gent in normaler Bedeckung nicht stand. Die Chocolatc- Kiddies führten die Sache bravourös vor und eine sang dazu, doch auch im Publikum befanden sich einige recht talentvolle Tanzgrößen. Die Musik ist noch wilder und ungebärdiger geworden, das faucht und quietscht und surrt und vfeift, dazu fliegen im Takt sämtliche Gliedmaßen der Tänzer nur so in der Luft herum. Wenn das so weitergeht in dem Tempo, wird wohl die Abendkleidung der Zukunst der Lendenschurz! Die Lundesleilung de»»Stahlhelm' in Magdeburg ersucht uns mitzuleilen, daß Kriminalkommissar Tenholt- Magdeburg nie- mals dem Stahlhelm angehört und auch nie Beziehungen zum Stahlhelm gepflogen hat. »Volk und Zelk', unsere illustrierte Wochenschrift, und »Der kinderfreuno' liegen der heutigen Postauflage bei. Großfeuer in üen Neicharüt-werken. 3n der vergangenen Nacht gegen 1U Ahr geriet in Wandsbek bei Hamburg auf dem Gelände der Reichardt- Werke der rechte Flügel eines großen vierstöckigen mit einer Kuppel versehenen Gebäude» in vrand. 3» diesem Gebäude befindet sich eine Vahr. miltelfabrlk, welche zurzeit jedoch stillag. Die Bekämpfung des Feuer» wurde durch wojjermangel außerordentlich erschwert. Die vadebassin» der Kakaowerke Reichardl wurden lcergepumpt. Zu diesem Zwecke mußten über die vahngleise hinweg weit über Hunderl Meter Schläuche gelegt werden. Der wind jagte ungeheuren Funkeiislug über da» Gelände und bedrohte die übrigen Gebäude. Inebc- sondere die Stallungen, in gesährlichem Maße.'Es gelang schließlich. den vrand In der Hauptsache aus den rechten Flügel de» Gebäudes zu beschränken, vis in die frühen Morgenstunden hinein waren die wehren tälig. Da» Feuer selbst war weithin sichtbar und wohl eines der größten der letzten 3ahre in Hamburg und Umgebung. Der Vahnverkehr auf der Lübecker Strecke erlitt so gut wie keine Störung._ Tödlicher Unglücksfall bei Erdarbeiten. Ein schwerer Unglücks- fall ereignete sich in Braun schweig. Zwei ältere städtische Arbeiter waren in einer Sandgrube an der Salzdahlumer Straße mit dem Aufladen von Erde aus einen Wagen beschästiat, als sich plötzlich eine starke Erdwand In der Grube löste und die beiden Arbeiter verschüttete. Der eine, dem ein Schaufelstiel in den Leib gedrungen war, konnte nur als Leiche geborgen werden, der andere starb kurz nach der Einlieferung in das Krankenhaus. OewerMastsbewegung Das Kasino in Vilöao. „Ruhe" ist die erste Bürgerpflicht. Ay, Mittwoch, dem 21. Juli, befahte sich die Wildauer Arbeiter- schoft mit den Soolverhältnisien am Orte. Die Berliner M a s ch i n e n b a u- A t t i e n g e s e l l s ch a f t hat hie vorhandenen zwei Säle a u f g e ka u s t, und verweigert nun seit etwa einem halben Jahre die Hergäbe ihres Kasinosaals zur Abhaltung öffentlicher Bersammlungen. Berhand- lungen mit dem Kasinowirt, dem Gemeinde- und Amtsvorsteher so- wie mit dem Betriebsrat der Gesellschaft, scheiterten an dem Verholten der Direktion, die sich anscheinend berufen fühlt, Vorsehung zu spielen. Das Kasino soll nach ihren Angaben lediglich der Erholung dienen. Zu Vergnügungen steht der Saal allen Parteien zur V e r- f ü g u n g. Den Streit der Parteien aber, der sich bei der Ab- Haltung öffentlicher Versammlungen bemerkbar machen könnte, will die Direktion ihrem Hause fernhalten, und sich in ihren Räumen nicht beschimpsen lassen, was übrigens nicht vor- gekommen ist. Die Einwohnerschaft werde durch die Parteien nur verhetzt. �Dic Direktion hat hinsichtlich der Behandlung u>«d Bezahlung ihrer Arbeiter und Angestellten wahrscheinlich die Kritik zu fürchten, da sonst chr Verhalten nicht recht zu erklären wäre. Die Saal- sperre für öffentliche Versammlungen ist nicht das rechte Mittel, die Kritik verstummen zu lassen. Es ist töricht, das Ventil der Aussprache über M i ß st ä n d e verstopfen zu wollen, die nun einmal auf den verschiedensten Gebieten vorhanden sind, auch wenn die Direktion der BMAG. sie nicht sieht oder sie nicht sehen will. Nach der Aussprache der Vertreter der Gewerkschaften, der Parteien und der 20 Vereine am Orte, von denen nur die Vertreter von drei Vereinen sich der Stimme enthielten, beschloß die Ver- sammlung, gegen die Entziehung des Kasinosaals, die einer politischen Mundtotmachung gleichkomme, zu protestieren und den Boykott gegen den Kasinosaal zu erklären. Die Versammlung fordert die Einwohnerschaft aus, sie bei der Durchführung des Boykotts zu unterstützen und den Kasinosaal auch bei ,K inooor st ellungen nicht zu besuchen, so- lange die Möglichkeit der sreien Meinungsäußerung�versagt ist. Nachprüfung ües fi?korüp?eifes. Ein Passus im Tarif für die Metallindustrie besagt, daß in Fällen, wo Streit darüber entsteht, ob der Akkord- preis richtig kalkuliert ist. aus Verlangen der betreffenden Arbeiter eine Werkstattkommission einzusetzen ist, die in Verbindung nnt eiiiem Vertreter des Arbeitgebers den Akkord- preis nachzuprüfen und eventuell anders festzusetzen hat, und daß dem Arbeiter bis zur Entscheidung- der Kommission sein bis- heriger Durchschnittsoerdienst zu zahlen ist. Auf diese Bestimmung des Tarifs beriefen sich mehrere Arbeiter der AEG.(Abteilung B r u n n e n st r a ß e), die im Akkord zu wenig oerdient hatten, weil an dem betreffenden Arbeits- stiick mehr Arbeit zu verrichten war, als früher bei Festsetzung des Atkordpreises verrichtet wurde. Die Arbeiter hatten die Nach- Prüfung durch die Werkstattkommission beantragt, die Be- triebsleitung aber hatte das abgelehnt mit dem Be- merken, wer die Arbeit für den von ihr fest gesetzten Preis nicht machen könne, für den sei keine Be- schäftigung vorhanden. Die Arbeiter, vertreten durch den Vorsitzenden des Arbeiterrats. klagten beim Gewerbegericht. Sie beantragten, das Gericht möge feststellen, daß die beklagte Firma, wenn der bisherig« Akkord- preis aus irgendwelchen Gründen nicht mehr als angemessen erachtet wird, verpflichtet ist. denselben durch die tarifmäyige Werkstatt» kommission nachprüfen zu lassen. Ferner forderten die Kläger, weil die Beklagte diese Verpflichtung nicht erfüllt habe, die Nachzahlung der Differenz zwischen ihrem b i s h« r i g en Durchschnittsoerdienst und dem erzielten Akkord- v e r d i e n st. Der Vertreter der Firma meinte, in diesem Falle könne er eine Verpflichtung zur Nachprüfung des Akkordpreises nicht anerkennen, weil die von den Klägern hergestellte Arbeit schon öfter ausgeführt, und der dafür festgesetzte Akkordpreis nicht be- mängelt worden fei.— Di« Kläger beriefen sich darauf, daß der Preis jetzt nicht mehr ausreichend sei, weil gegen früher eine erhebliche Mehrarbeit geleistet werden müsse. Das Gericht unter Vorsitz des Magistratsrats Schulz fällte folgendes Teilurteil:.Es wird festgestellt, daß die beklagt« Firma verpflichtet ist, aus Verlangen eine Werkstatt- kommission zu beschicken, falls bei einer neuen Akkord» arbeit ein« Einigung über den Akkordpreis nicht zustand« kommt. oder falls bei einer Akkordarbeit der bisherige Akkordpreis aus irgendwelchen blonderen Gründe«, z. N. wenn die neue Arbeit be- sondere Erschwerungen aufweist, nicht mehr zutrifft." In der Urteilsbegründung sagte der Vorsitzende, die Firma würde mit Recht die Kommission verweigern dürfen, wenn es sich um eine Arbeit handelt, die schon oft gemacht ist und für die der Preis feststeht. Wenn sich aber der Arbeiter darauf beruft, daß in seinem Falle Besonderheiten vorliegen, die eine E r s ch w e- rung der Arbeit mit sich bringen, dann darf die Kommission nicht verweigert werden. Ob dies im vorliegenden Falle zutrifft, und ob deshalb die Forderung der Kläger auf Nochzahlung von 3,75 M. berechtigt ist, das soll durch Sachverständige, je einem von jeder Partei, festgestellt werden. Arbeitsrechtlicher Jnformationskursus. Die Wissenschaftliche Arbeitsstelle der Volkshochschule Leipzig veranstaltet vom 16. bis 18. September in Düsseldorf einen arbeitsrechtlichen Jnformationskursus für die Lehrer an Arbeiterbildungsanstallen und alle diejenioen, die. sich be- rufsmäßig mit Arbeitsrecht befassen müssen. Als Referenten sind gewonnen die Professoren Dr. Sinzheimer- Frankfurt, Dr. P o t t h o s s- Müncben, Dr Lutz-Richter- Leipzig, Ministerialrat Georg F lo t o w- Berlin und Elemens Nö rp el- Berlin. Die Teilnahme an dem Kursus ist allen Interessenten zu- gänglich. Alles Nähere ist bei der Wissenschaftlichen Arbeitsstelle der Volkshochschule Leipzig, Leipzig S. III, Bornaische Str. 103, zu er- fragen._ Die Lrantenwähruoa im Saargebiet. Der Ruf nach werkbefiändigen Löhnen. Saarbrücken, 22. Juli.(Mtb.) Angesichts der zunehmenden Verelendung der saarländischen Arbeiterschaft infolg« der kotastro- phalen Frankenentwertung setzen sich die freien G« w« r t- s ch a f t« n des Saargebiets nachdrücklichst für die Einführung wertbeständiger Löhne ein. Die Festsetzung des Wert- beständigkeitsschlüssels soll dem taktischen Vorgehen der einzel- nen Gewerkschaften überlassen bleiben, da die Wirt- schastslage der einzelnen Unternehmungen verschieden ist. Von der Regierungskommifsion wird erneut die Errichtung eines mit aus- reichenden Vollmachten ausgestatteten Schlichtungsausschus- s e s gefordert. Dieser Ausschuß arbeitet bekanntlich immer noch nach dem schwerfälligen Hilfsdienstgesetz vom Jahre 1917, das kein« zwingenden Schiedssprüche fällen kann. Die vergarbeitertagung in Paris. Paris, 22. Juli.(WTB.) Das Internationale Komitee des Bergarbeiterverbandes setzte heute seine Arbeiten fort. Es be- faßte sich insbesondere mit der Prüfung der Berichte der per- schiedenen Länder. Obwohl das Komitee keine Mitteilung über die heu- tigen Beratungen gemacht hat, glaubt Havas mitteilen zu können, daß es feine früheren Entschließungen über den Boykott der Kohleneinfuhr nach Englontz bestätigt habe. Don anderer Seite verlautet, daß bei den heutigen Beratungen M e i- nungsverschiedenheiten über diese Frage hervorgetreten seien, die zu scharfen Auseinandersetzungen zwischen den englischen und de« mnerikamschen Delegierten etnersett» und de» Delegierten der kontinentalen europäischen Länder andererseits geführt hätten.— Es ist begreiflich, daß die Bergarbeitervertreter die Austragung der über die Unterstützung des englischen Streikes und die Taktik der Streikleitung entstandenen Differenzen innerhalb der Berg- arbeiterinternationale unter sich erledigen. Wenn über die De- ratungen am zweiten Verhandlungstage in geschlossener Sitzung kein Bericht ausgegeben wurde, so offenbar deshalb, weil die Debatten noch nicht zu Ende geführt wurden. Ueber das Ergebnis der Tagung bzw. die gefaßten Beschlüsse wird zweifellos berichtet werden. Bis dahin werden sich auch alle die Streikspekulanten im Unter- nehmerlager gedulden müssen. Erklärung ües englischen Eisenbahnerverbanües. Zurückweisung der Angriffe Cooks gegen Thomas. London, 23. Juli.(WTB.) Das offizielle Organ des englischen Eisenbahnerverbandes betont in einem Aufsatz in Erwiderung auf die Angriffe des Sekretärs des Bergarbeiterverbandes Cook gegen den Eisenbahnerführer Thomas, daß der Beschluß, die Beförderung von kohlen auf den englischen Eisenbahnen nicht zu verweigern, von den Eisenbahnern und nicht von Thomas gefaßt worden sei, und daß Thomas nur seine Pflicht tue, wenn er dieser Entscheidung gemäß handele. Das Hai er verdient. London, 23. Juli.(TU.) Einer Meldung aus Moskau zufolg« ist der Generalsekretär der enalsschen Bergarbeitergewerkschaft Cook zum Mitglied des Präsidiums der russischen Berg- arbeitergewertschaft gewählt worden. Derartig« Auszeichnungen sind zwar nach unseren gewertschast- lichen Begriffen lächillich, doch oerkennen wir nicht die Moskauer Methode.. Die Unternehmer denken an Reformen. London. 23. Juli. Der Sekretär für Bergbau gibt die Namen der Mitglieder des Ausschusses bekannt, der die Möglichkeit der Ent- Wicklung korporativen Verkaufs von Kohle untersuchen soll. U. a. gehört ihm Sir Alfred Mond an, der schon seit längerer Zeit für den Gedanken des korporativen Verkaufs der britischen Kohle nach beut- schem Vorbild eintritt._ ver Streik der Diamantarbeiter in Hanau a. TN. ist nunmehr beendet. Di« Arbeiter, von denen zuletzt noch IIS im Streit waren, haben die Arbeit bedingungslos wieder aufgenommen. Der Abbruch des Streikes dürfte auf das weitere Sinken des belgischen Franken zurückzuführen sein. Die Führer der Rem Parker Untergrundbahner haben den streikenden Angestellten— einer WTB.-Meldung zufolge— den Rat gegeben, die Arbeit wieder aufzunehmen. Berantworllich für Dolilik: Ernst SorKt: BirtsckxNt: Brtur Eewerischaftzdlweaung: gz. Silatt; Feuilleton: Dr. z»t» Schit»«»ki: Lokole» und Sonstiaes Frj»«orslädt: Zlrueioen: Zl>. Slo" önle Kapilfin- KaniabaK�sr C. ROcker, Berlin' .Lichtenberger Straße 22, KgsL 3861 HJil1- >t flr Isdüas b Bim. Cell nd Mi. nie inti.lBtietilH Ii IS Tut« liid utn, Füll bcultljl nrdo. Dindstban Urkrftlgi iKtäligaBc cid Rrlimni. irzai. emptoblen. hnlitnvnh II».»-II M. Smirtji HI-Ii Itoty Pianos zur Miete Ansbacher Str. I, Etilirfintntnb Mol- u. Zeichen- Bedarf L-]uergens Alcxandcrplatx Gardinen! Gelepbeitsklife in Künstler- J nn Gardinen..{.SU «ad ras- 1_ Gardinen.. 1. Bettdecken 1 l bettig.. H. Bettdecken 0 tbettlg... 0. SiQ.-Giriiniii«nht. Neukölln, Berg str. 67 am Rinsbahnhof Kein Laden I Wirkaam sind die DCsUUUCra Kleinen Anzeigen in der Oeaantt» Anklage H,»Ill«»-t de* Vorwärts und trotzdem S-iSSej»* •>. Rheumafiswas tu Seiden denn dafOr gibt an den aelt SO J eh ran erprobten und bewährten Apoth F. Grnndmenas entirheunietieehon Der Tee wird als wunderrollee Hena. mittel bei Nelgnng an SSIteTerderh. nie. Flechten, Hantanaechlkgen, Arterienrerk&lknng. Gicht und Rheametiemne, Bleien- n. Nierenleiden eowie Blntendreng nach dem Kopf mit gl&nxendem Erlolg angewendet nnd darf demnach in keine* gewendt Familie fehlen. Verkauisstellen: C: Simons/ nsApoth, Spandauer Str. If:«: Apoth. x. gekr. Adler, Auguststr. 60; W; Kurtilrsten-Apoth, Genthiner Str. 20; Dr. Voßwinkel'* Apoth, 'sApotn.PotsdamerStr. 84 a; SW: Apoth z. weiß. Adler, Kuriürstenstr. 164; Witte'* Apotn. Potsdamer Str. 84 a; SW: Apoth z. weiß. Adler, Frledrichstr. 206; Apoth. r gold Hirsch. Lindenstr 74; S: Viktoria Apoth, Frie- —...._..-......„|d Aj|er Alexan- ScbBneberg: J__|___________________. JHPHohen'Ollem- ilatz I; Ringbahn Apoth.. Bergstr. 99; Storch-Apoth, Ganahoterstr. 1; Cbpenlck. Uhnhol-Apoth, Bahnhoistr. 10; Schloß-Apoth, Berliner Str. 1; Stadt-Apotb und alle übrigen Apotheken in Groß Berlin. drichstr. 19; Johanniter-Apoth, Planuler 11; Apoth. r gold. Adl drinenstr. 41; Charlottenburg: Westend-Apoth, Spandauer Berg 10;: Borussia-Apoth, Haupts tr. 151: Neuk&lln. Hohenzollern-Apoth, Hc PAM I Metaasirar'ijJ fi\ Dumper? VoUwoUc, 0%QK M QK mit SSameben. Jabot nnd Bin- sitzen, mit langen Aermeln... Dumper selde), mit kurzen Aermeln.... imrusr HemOlorm. mit lan- */UIII|/d gen Aermeln. ans ge- mnsterten baumwollenen Mneeelln- Stoffen................... OrOeee 42-54 Pullover s�.t 44754 m 75 seid*, mit langen Aermeln.TT I in aparter Anambrang.....|| Sedemam mimuinniimmmiiimi miimimmimniim» rniin()l/n(fOF Hartptatte. mit Deckelsehlenen. LUU['c.".UIIKr 2 Bprnngschlbss., beweg l.Metallgrlff 290 390 490 590 690 7 90 Rindleder-Reisetosclien*.1x0��,1 9 75 II75 IV5 i�75 45 cm II 50 cm 1 4� 55 cm I J 40 cm Rucksacke ää�I65 390 5" ffilspai 45„ BodeloKen ,'3 MWWk fr. « Ii 'doxiecß*® Kleider starke Damen........................."T S90?7�75 117512M J Kleider... Q" 1950 M VoUToUe,BInmenmu8t. Kleider Stoffe, In rielen AuofOh- 1 rangen, lür stark. Damen e Kleider; seidoRen t Boi in allen(Frössen.. Bast, mit aparter Bordftie, Grf— - W»1'_ -tSSgS1 «oUaaae oder KICIUCI Crepe de Chine, In rielen Farben, aparte ßarnlernnit te�osen 8�2" .Ä»n«fge VeSo/ ÄMkkon 6 9", A9SC7S S �Zl�KOS ifflRHANNTIIf FRANKFURTER ALLEE