Kr. 34S ♦ 4Z.�ahrg. Ausgabe A Hr. 179 Bezugspreis. Wöchentlich 70 Pfennig, monatlich 3,— Reichsmark voraus zahlbar. Unter Areuzband für Deutschland, Drnziq, Saar- und Memeloebiet. Leslerreich, Litauen, Luxembura 4.50 Reichsmark, für das übriae Ausland 5,50 Reichsmari pro Monat. Der„Vorwärts" mit der illuslrier. tcn Sonntagsbeilag«„Volk und Zeit" sowie den Beilogen„Unterhaltuna und Wissen",„Aus der Filmwclt", „Frauenstimme",„Der Kinder- freund",„Iugend-Vorwörts" und „Vliek in die Vllcherwelt" erscheint wochentäalich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Morgenausgabe Telegnamm-Adresse- �Sozialdemokrat Berlin" Derlinev VolksblÄtl (10 pksnnig) Anzeigenpreise: Die einspaltige Nonpareille- zeile 80 Psennig. RcNamczeile 5,— Reichsmark..Kleine Anzeigen� das fettacdruekte Wort 25 Psennig lzulässtg zwei fcltaedruekte Worte). jedes weitere Wort 12 Pseirmg. Etellenaekuch« das erste Wort 15 Pfennig. Icdcs weitere Wort 10 Pfennig. Worte Uber 15 Buch- stabcn zählen für zwei Worte. Ardcilsmarkt Zeile 80 Pfennig. Fomilicnanzcigen sllr Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin EW 88, Linden- ftrasje 3, abgegeben werden. Geöffnet von 8!h Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratsfcben parte» Deutfchlands Neöaktion und Verlag: öerlin SW. öS, Linöenstraße 3 Fernsprecher: Tönhoff 292—297. Dienstag, den S7. Jnli 192« Vorwärts-Verlag G.m.b.H.» öerlin SA). öS, Linöenstr.Z Vostsihcckkoato: Berlin 37 531— Bankkonto: Bank der Arbeiter. Angestellten und Beamten. Wallftr. 65: Diskonta-Gesellschaft. Deposttcnkaste Lindenstr. 3. Saperische Justizverwaltung. Schwere Anklagen gegen den Justizminister.- Verteidigung der Haftentlassung Schweikarrs. In der„M ünchen-Augsburger Abendzei- tun g", dem dcutschnationalen bayerischen Organ, hat der deutschnationale Reichstagsabgeordnete Dr. S ch a e f f e r, Mit- berichterstatter des Femeausschusses des Reichstags, einen Bei- trag zur Hetze gegen den Femeausschuß, besonders gegen den Berichterstatter des Ausschusses, Genossen Dr. L e v i, geliefert. Dr. S ch a e f f e r wirft dem Genossen L e v i vor, er habe ohne Auftrag und Kenntnis des Femeausschusses Anzeige gegen S ch w e i k a r t erstattet. Zu diesem Angriff von einem Mitglied des Fcmeaus- schusses gibt uns Reichstagsabgeordneter Genosse Dr. Paul L e v i die folgende Darstellung: „Der Reichstagsabgeordnetc, Staatsanwaltschaftsrat Dr. S ch a e s- f e r, hat seine Anwesenheit in München zum Zweck des Studiums der Akten dazu benutzt, in der Oesfentlichkeit sich mit mir zu bcschäf- tigen. Ich tonnte erwarten, dah er, der die Dinge kennt, der o e r- logenen Hetze entgegentreten werde, die in einem Teil der bayerischen Presse gegen mich eingesetzt hat. Er tut das Gegenteil und zwingt daher, er, der Mitberichterstatter, mich, den Bericht- erstatter, in der Oesfentlichkeit die Dinge auf den entscheiden- den Punkt zurückzuführen. Bei Durchsicht erst der Akten Sand meyer, dann der Akten G a r e i s ergab sich, daß in diesen letzten Akten sich ein p s e u d 0- nymcr Brief befand, den die Polizei seinerzeit völlig unbeachtet zu den Akten genommen hatte und den ich als von der Hand Schwei- korts herrührend, an der Handschrift, wie an dem gewählten Pseu- donym erkannte. Dieser Brief, in dein sich der Schreiber als Täter bekannte, und die Polizei auf eine falsche Fährte— nach der kommunistischen Seite hin— zu locken versuchte, ergab zweierlei: Wenn nicht die Täterschaft unmittelbar, so doch mindestens das persönliche Interesse des Schreibers an der Bcrwischung der Spuren einesteils, andernteils den bestimmten Nachweis, daß der Schreiber— Schwei- kort— in den Tagen der Ermordung von Gareis in München ge- wcsen ist, was er bisher selbst unter Anerbieten von Zeugnissen be- stritten hatte. Mir blieben angesichts dieser Erkenntnis zwei Möglichkeiten. Die eine: diese Dinge im Ausschuß vorzutragen, sie durch das Telegraphen- bureau verbreiten zu lassen, den Beschuldigten entfliehen und mir dann von den Münchener Behörden sagen zu lassen: Hättet ihr uns das Material rechtzeitig gegeben, so würden wir den Beschuldigten gefaßt haben. Die andere Möglichkeit, die ich gewählt habe: den zuständigen bayerischen Behörden meine Beobachtungen als Privatmann mitzu- teilen und ihnen die Entschließungen zu überlassen, die ihnen und nur ihnen zustehen und obliegen. Ich konnte und mußte diesen Weg um so eher wählen, als der Reichstagsausschuß andere Aufgaben hat als die, Strafverfolgungen durchzuführen und somit seine Aufgaben mit denen der bayerischen Behörden gar nicht in Kollision gerat?n konnten. Ich habe übrigens diesen Schritt nicht etwa hinter dem Rücken des Ausschusses getan, sondern nach Unterredung mit seinem Vorsitzenden, der mir auch gestattete, die erforderlichen Akten der Staatsanwalt- schost in München zu überlasse». Daß niein beabsichtigter Schritt nicht vom Ausschuß zuvor gebilligt wurvr, geschah aus zwei Grün- den. Der erste: siehe oben. Der zweite: mir würde eine Stras- Verfolgung aus Beschluß des Ausschusses als ein für gewisse bayerische Empfindlichkeiten viel schwerer erträglicher Schritt erschienen sein. So habe ich meinen Vortrag dem Staatsanwalt in München persönlich und als Privatperson erstattet: im Gegensatz zu meinem staatsanwaltschaftlichen Mitberichterstatter bin ich der Meinung, daß jedermann, auch ein Reichstagsabgeordneter, das Recht hat, Beobachtungen über strafbare Handlungen, die er macht, der zuständigen Behörde, dies ist der Staatsanwalt in München, vorzutragen, auch als.Privatperson". Es kommt auf die zugrundeliegenden Tatsachen an, nicht darauf, ob der Anzeigende sich zuvor ein amtliches Siegel hat auf den Podex drücken lassen, was der Staatsanwalt Dr. Schaesfer für das entscheidende zu halten scheint. Ich habe diese Anzeige erstattet ohne alle Illu- sion über den Ausgang des Verfahrens. Ich glaube auf Grund meiner ziemlich genauen Kenntnis der Akten sagen zu können: die unteren Organe, auch bei der Polizei, haben im all- gemeinen gut und willig gearbeitet. Man soll sich überhaupt nicht vorstellen, daß das Bayern von»921 ein einheitlicher Sumpf der Korruption gewesen sei. Dah keine der Mordtaten zur Sühne ge- langte, lag an oberen Stellen und an dem Einfluß eines Kreise» von höchsten, zwanzig Leuten, die die Mörder deckten. Leider ist der gegenwärtige bayerische Justiz minister Dr. Gärtner dem Einfluß dieser Leute unterlegen. Er. in seiner damaligen Eigenschas« als Oberregierungsra» im Justizministerium. ist am»4. März»92» dem Staatsanwalt luden Armgesallen: er hat bewirkt, daß die Mörder de» Kellner, Härtung-— zum Teil identisch mit denen der Sand» meyer— nicht der verdienten Strafe zugeführt werden konnten. Es gibt in München Beamte genug, die in jenen schreck- vchen Jahnen sich Ehre und Anstand genug gewahrt haben, um das Gürtnerische Vorgehen In seiner ganzen Bedeutung bc- griffen zu haben. Ich kann der bayerischen Regierung die Namen nennen: sie sind übrigens aus den Akten ersichtlich. Dieser Justizminister befindet sich seitdem in der Hand der Mörder, bzw. ihrer Hintermänner. Sie sind jederzeit in der Lage, das Zustandekommen der damaligen..I n t c r v e n t i o- n e n" des Oberregierungsrats Gärtner zu enthüllen, de» von dem gegenwärtigen Iustizminister geleisteten Eid durch ihr Zeugnis wirk- sam zu ergänzen und damit den gegenwärtigen Iustizminister wegen schwerster Verbrechen mit auf die Anklagebank zu bringen. Nur unter diesem Gesichtspunkt ist für inich der Erlaß des bayerischen Iustizministers v o in 11. Juni d. I. von Interesse. Er oerstößt gegen Artikel 34 der Reichsverfassung und ist nicht erlassen, um gegen die Reichsversassung zu verstoßen, sondern uin ganz allgemein den bayerischen Justizbehörden den Wink zu geben, wie die„Berliner" Schritte zu beurteilen sind. Er schließt sich zeitlich an meinen Vortrag beim Mllnchcncr Staatsanwalt am 16. Mai an. Er ist die versteckte Intervention im Verfahren gegen Schweikart: ob es daneben noch verdeckte gibt, weih ich nicht. Ein Resultat ist jedenfalls erreicht: die Freilassung des Schweikart. Die kriminalistische Erledigung der in Bayern bc- gangenen Morde ist wie gesagt allein die Aufgabe der bayerischen Behörden, die ihnen niemand verkümmern will, und um die sie selbst niemand beneidet. Der Beginn aber jeder kriminalistischen Erledigung wird immer sein müssen, den gegenwärtigen bayerischen Iustizminister wegen seiner am 14. März 1921 begangenen Zntervenlion zugunsten der Beurer, Beunzert. Bcrchhold, Dolly, d. h. der Mörder de, Härtung neben den Mördern auf die Anklagebank zu bringen, sei e« nach ß Z4S StGL.. sei es wegen schwererer Delikte." Ceine Erklärung Gürtners. München. 26. Juli.(WTB.) Di« Korrespondenz Hoffmann meldet halbamtlich: Die Nachricht von der Entlassung Schweikarts aus der Untersuchungshast nimnit ein Teil der Presie zum Anlaß, die bayerische Justiz maßlos anzu- greisen. Das war vorauszusehen. Denn dieser Teil der Presse hat von Ansang an den Sachverhalt entstellt, Tatsachen als fest- stehend bezeichnet, die keineswegs festgestellt waren, und eine Be- richtigung von amtlicher Seite unbeachtet gelassen oder mit hä- mischen Bemerkungen versehen. Aus den eingehende» Erörterungen des Falles in der Presie ist bekannt, daß der Verdacht gegen Schweikurt ausschließlich auf Indizien beruht. Welche Vorwürfe werden gegen die Justiz erhoben, wenn ausnahin-weise einmal ein Urteil, das in der gründlichsten und sorgfältigsten Weise aus einem Indizienbeweis ausgebaut war, sich nachträglich als Fehlurteil erweist? Der größte Widerspruch ist es auch, wenn ein richterlicher Spruch, der einen Haftbefehl aushebt, weil die Voraussctzun- gen dafür nach dem geltenden Recht nicht in ehr vorliegen, von der gleichen Seite angegriffen wird, die immer und immer wieder den Gerichten vorwirst, sie nmche von der Unter- suchungshaft zu viel Gebrauch, und die Einschränkung der Unter- suchungshast für eine so dringliche Ausgabe betrachtet, daß in> Reichs- tage ein Initiativantrag zur Abänderung vor der allgemeinen Re- form des Strafrechts eingebracht wurde. Mit der Ausklärung des Mordes an dem Abge- ordneten Gareis ist der Femeausschuß des Reichs- t a g e s befaßt. Als die Verhaftung Schweikarts bekannt wurde, wurde sie als ein Erfolg dieses Ausschusses gebucht. Letzt wird die Entlassung Schweikarts aus der Untersuchungshost als ein Streich gegen den Femeausschuß gedeutet und mit der Nachprüfung durch den Femeausschuß gedroht. Die bayerische» Gerichte ar- beiten weder für noch gegen den Femeausschuß. Sie hoben aber auch dessen Untersuchungstätigkeit nicht zu fürchten. Gerade die Möglichkeit, daß nach Abschluß des ge- richtlichen Verfahrens gegen Schweikart der Femeausschuß d i e Akten über das Versahren einsehen kann, müßte die objektiven Beurteiler davon abhalten, voreilig zu der BeHand- lung des Falles durch die Justizbehörden Stellung zu nehmen. Statt der parteimäßigen dürftigen Polemik hätte sich das bayerische Justizministerium darauf beschränken können, die Gründe für die Haftentlassung Schweikarts mitzuteilen. In diesem Punkte begnügt es sich mit dem for- malen Satz, daß nach dem geltenden Recht die Voraus- s e tz u n g e n für die Aufrechterhaltung des Haftbefehls nicht mehr vorliegen. Die Untersuchung aber wird laut amtlicher Erklärung fortgesetzt. Die Untersuchung: gegen Schwei kart? Oder hat man gegen Schweikart das Verfahren e i n g e st e l l t und untersucht gegen Unbekannt? Wird sie gegen Schweikart weitergeführt, warum sind dann die Voraussetzungen für die Aufrechterhaltung des Haft- befehls nicht mehr gegeben? Besteht kein Fluchtverdacht mehr, keine Verduullungsgefahr mehr?. Die lange Dauer und der große Umfang der Erwerbs- losigkeit haben den Ertrag der Lohnsteuer stark geschmälert. Die Lohnsteuer erreichte während der Krise im Monat Oktober 1925 mit 121,2 Millionen Mark ihren höchsten Ertrag, mit 78,6 Millionen Mark im Monat März 1926 ihren bisher niedrigsten Ertrag. In den ersten sechs Mo- naten des Kalenderjahres 1926 hat die Reichskasse an Lohn- steuer den Betrag von 516,5 Millionen Mark vereinnahmt. Davon entfielen auf den Januar 195,4 Millionen, auf den Februar 81,4, auf den März 78,6, auf den April 79,4, auf den Mai 82,5 und auf den Juni 88,8 Millionen Mark. Gegen- über der Vorausschätzung im Reichsetat ist das ein Rückgang von 83,5 Millionen Mark. Gegenüber den t a t- s ä ch l i ch e n- Ei n n a h m e n in der entsprechenden Zeit des Vorjahres sogar ein Rückgang von 255 Millionen Mark, der allerdings zum Teil durch die Erhöhung der Freigrenze auf 199 Mark monatlich verursacht ist. Das ist das Bild bei der Betrachtung des Rein ertrags der Lohnsteuer. Der Reinertrag aber ist geringer als der Rohertrag. In Wirklichkeit ist nämlich der Ertrag der Lohnsteuer im ersten Halbjahr 1926 um 43,3 Mil- lionen höher gewesen als oben angegeben Dieser Betrag ist nämlich seit dem 1. Januar 1926 an zuviel gezahlter L o h n st e u e r für die Erstattungsansprllche aus dem Jahre 1925 zurückgezahlt worden Infolgedessen waren die tatsächlichen Einnahmen aus der lausenden Lohnsteuer um diese Summe höher. Aber selbst, wenn man diesen besondevn Ausfall berücksichtigt, bleibt der Rückgang des Ertrags der Lohnsteuer infolge der Arbeitslosigkeit recht erheblich. Im Rechnungsjahr 1925, für das auch der Ertrag der Lohnsteuer auf 1299 Millionen geschätzt war, hat die Lohn- steuer 1367 Millionen Mark gebracht. Wie wird sich das voraussichtliche Ergebnis des Rech- nungsjahres 1926 g e st a l t e n? Die Wirtschaftskrise wirkt in zweifacher Weise auf den Ertrag der Lohnsteuer ein. Erstens nämlich durch den direkten Minderertrag. der laufend Monat für Monat feststellbar ist und der aus der Erwerbslosigkeit, der Kurzarbeit und der Senkung der Löhne beruht. Zweitens aber durch die nachträglichen Erstattungen von zuviel gezahlter Lohnsteuer infolge Berdienstausfall durch Erwerbslosigkeit, Krankheit usw. Der Ausfall aus diesem letzteren Grunde tritt erst mit dem 1. Januar 1927 in Erscheinung, da die Erstattungsansprüche erst nach Zlblauf des Kalenderjahres gestellt werden können. Wie hoch dieser Ausfall sein wird, läßt sich gegenwärtig nur schätzen. Wahrscheinlich aber wird er wesentlich höher sein, als die Ncichsfinanzverwaltung bisher angenommen hat. Sie hat auch die Erstattungen für das Jahr 1925, die endgültig etwa 69 Millionen Mark betragen werden, wesentlich niedriger eingeschätzt, weil sie die Zahl der Erstattungsansprüche nur auf einige Hunderttausend schätzte, während allein die geltend gemachten Erstattungs- anspräche zwischen drei und vier Millionen betragen haben. Entscheidend ist deshalb auch für das Jahr 1926 die Frage: Wieviel Lohn- und Gehaltsempfänger haben Lohn- steuer entrichtet, obwohl ihr Jahreseinkommen niedriger ist als die Freigrenze, die für den Ledigen 1299 M., für den Verheirateten ohne llinder 1329 M., für den Verheirateten mit einem Kind 1449 M., für den Verheirateten mit zwei Kindern 1689 M. beträgt, usw.? Einen wichtigen Anhaltspunkt für die Zahl der Erstattungsfälle bieten die Ziffern der Erwerbslosen und Kurzarbeiter. Da die Erwerbslosigkeit nicht in jedem Fall ein volles Jahr dauert oder die Kurzarbeit nicht das ganze Jahr hindurch dazu führt» daß der Lohn unter die steuerfreie Grenze sinkt, so zahlen bei dem gegenwärtigen Lohnsteuersystem die vorübergehend Er- werbslosen oder Kurzarbeiter Lohnsteuer, sobald sie wieder in Arbeit getreten sind. Ueber die Größe der Fluktuation auf dem A r b e i t s m a r k t hat der Reichsarbeitsminister Dr. Brauns am 28. Juni im Reichstag bemerkenswerte An- gaben gemacht. Danach waren von den 473 999 Arbeitslosen am 15. November 1925 sechs Monate später, also am 15. Mai 1926 noch 186 999 in der Erwerbslosenunterstützung, d. h. nicht ganz 49 Proz. Noch größer war die Fluktuation in der neueren Zeit. Bon den 1 062 000 Hauptunterstü�ungs- empfängern. die am 15. Dezember gezählt wurden, waren ein halbes Jahr später, am 15. Juni, nur noch 276 999 in der Unterstützung, also nur noch etwas mehr als 25 Proz. Aus diesen und aus anderen Zahlen der Reichsarbeitsverwaltung kann man folgern, daß innerhalb eines halben Jahres minde- stens die Hälfte der Erwerbslosen ausgeschieden und durch andere Erwerbslose ersetzt sind. Im allgemeinen dürfte das auch bei den Kurzarbeitern der Fall sein. Legt man diese Anhaltspunkte zugrunde, so dürfte man ziemlich richtig greifen, wenn man die Zahl der Er- stattungsfälle aus etwa das Dreifache der Durchschnittszahl der Erwerbslosen und Kurzarbeiter schätzt. Dazu kommen dann noch die Erstattungsansprüche infolge Berdienstausfall wegen Krank- h e i t, Streit und ähnlichen Gründen. Insgesamt muß man init mindestens der doppelten Zahl von Erstattungsfällen rechnen als im Jahre 1925, also mit sechs bis acht Millionen. Die' von diesen Steuerpflichtigen im Laufe des Jahres zuviel gezahlte Lohnsteuer dürfte etwa Ivb bis 120 Millionen Mark betragen. Für die Reichsfinanzen bedeutet das, daß der auf 1299 Millionen Mark geschätzte Ertrag der Lohnsteuer auf keinen Fall erreicht wird, sondern mindestens mit 299 bis 2.�9 Millilnen hinter dieser Summ? zurückbleibt. Für die Lohnsteuerpslichtigen offenbart sich in den Erstat- tungsansprüchen aufs neue der Charakter der Lohnsteuer als einer Z w a n g s f p a r k a s s e. Es ist gewiß unangenehm, daß das heutige System der Lohnsteuer Ucberzahlungen der Lohnsteuer zuläßt. Nachdem aber die Rückzahlung der zuviel gezahlten Beträge gesichert ist und durch ein einfaches Verfahren dem einzelnen so leicht als möglich gemacht wild, ist damit lein dauernder Nachteil verbunden. Manchmal wird vielleicht sogar dieser Sparzwang angenebm empfunden werden. Für diese Rückerstattung aber kommen naturgemäß in erster Linie nur diejenigen Erwerbslosen in Frage, die vor- überqeheno erwerbslos'waren. Die langfristig Erwerbslofen haben, wenn sie das ganze Jahr 1926 erwcrblos waren, keinerlei Anspruch, da sie ja auch keine Lohnsteuer gezahlt haben. Die von dem Reichsarbeitsminister Dr. Brauns in Aussicht gestellte besondere Fürsorge für die aus- gesteuerten Erwerbslosen wird dadurch also nur noch dringlicher. <>ungerzeiten- eine Gefahr! Die Bczugsdauer für Erwerbslose muß verlängert werden. Auf dem soeben zu Ende gegangenen 39. Deutschen K r a n k e n k a s s e n t a g in Düsseldorf berichtete der ge- schäftsführende Vorsitzende Helmut Lehmann vom Hauptver- band deutscher Krankenkassen, dem über 19 Millionen Ver- sicherte angehören, daß die schweren Hungerzeit cn, zu denen Millionen Arbeitsloser seit Monaten verurteil sind, olle Bemühungen, den Gesundheitszustand des Volkes zu heben, zunichte machen. Nur unter Anwendung schärfster Kontrolleinrichtungen haben die Krankenkassen den Kranken- stand künstlich zurückschrauben und sich dadurch vor dem finanziellen Zusammenbruch retten können. Die Absicht des Reichsarbeitsministeriums, die Sorge für die ausgesteuerten Erwerbslosen der SL o h l f a h r t s- p i i e g e zu überlassen, kommt dem vorerwähnten ungeheuer- lichen Zwange gleich. Wir haben bereits wiederholt darauf aufmerksam gemacht, daß eine solche Regelung zu einer Er- schütterung� des ganzen Systems der allgemeinen Fürsorge sichren muß. Bei der allgemeinen finanziellen Anspannung des Wohlfahrtsetats der Gemeinden ist die unausbleibliche Folge eine verschärfte Prüfung der Bedürftigkeit, die Herab- drückung der Richtsätze für die Unterstützung und das noch stärkere Versagen der allgemeinen Fürsorge, in den Fällen er- höhter Not mit besonderen Beihilfen die Erwerbslosen zu unterstützen. Man wird nichts unversucht lassen, chie Aus- gaben künstlich herabzudrücken. Was das bedeutet, ist erst -voll zu ermessen, wenn man berücksichtigt, daß in Hunderten ifion großen Gemeinden die Unterstützungsrichtsätze für ein Ehepaar 25 bis 59 M. im Monat betragen. Diese Gefahr wird nicht beseitigt, wenn nach der Absicht des Arbeitsministeriums den Gemeinden, in welchen 5 Proz. der Bevölkerung erwerbslos und 5 vom Tausend der unter- stützten ausgesteuert smd, die Hälfte der Aufwen- düngen für die Unterstützung der ausgesteuerten Erwerbs- losen vom Reich erstattet werden. Der Verwaltungsrat der Reichsarbeitsvcrwaltung hat sich dafür ausgesprochen, daß die Rückerstattung allen Gemeinden, die aus Wohlfahrtsmitieln die ausgesteuerten Erwerbslosen unterstützen, gewährt yoird. Aber aus den dargelegten Gründen ist auch das nur eine unbefriedigende Lösung. Die langfristig Erwerbslosen haben ein Recht darauf, in der Erwerbslosenfürsorge zu blejben. Es ist nicht ihre Schuld, daß sie immer noch ar- b e i t s l o s sind. Deshalb muß mit allem Nachdruck verlangt werden, daß der eizig befriedigende Ausweg beschritten wird, die Bezugsdauer auf Grund des 8 18 Absatz 2 der Verordnung über Erwerbslosenfürsorge zu verlängern. Der Reichsarbeits- minister muß von diesem Recht unverzüglich Gebrauch machen. die Zlucht nach Uebersee. Wachsende Auswanderung aus Schlesien. Im Liegnitzer„Lanboten"(Nr. 29) finden wir bedrohlich stimmende Mitteilungen über die wachsende Auswan- derung aus Schlesien, wie sie sich in folgenden Zahlen- bildern widerspiegelt. Es wanderten nach Uebersee aus: an* Nieder- Proz d. an* Ober- Pro,.d. Ichlesien Vevölt. ichlesicn Bevölt. VicrteljahreSdurchschnitt J924 262 Pers. 1,7 79 Pers. 0,6 1926 311. 1.9 82. 0.5 im ersten Vierteljahr 1920 366. 2 2 III, 0,7 Während aus ganzSchlesienim Vierteljahresdurchschnitt 1924 2,2 Proz. nach Uebersee auswanderten, ist dieser Bevölkerungsanteil im ersten Vierteljahr 1926 bereits auf 2,9 Proz. gestiegen. Leider fehlt die Angabe über die Berufe» aus denen sich die schlesischen Auswanderer rekrutieren. Aus ihr würde sich bestimmt entnehmen lassen, daß der l a n d w i r t s ch a k t- l i ch e Beruf mit an erster Stelle marschiert. Das ist ver- ständlich, wenn man bedenkt, daß in diesem Berufe die empörendsten Löhne gezahlt werden und er die. Arbeiter mit Unternehmern zusammenführt, denen gegenüber den Arbeitern keine Rücksichtslosigkeit groß genug sein kann. Stahlhelmer dürfen rehimpfen. Sogar vor Gericht und der Richter schweigt. In einem Prozeß des Regierungspräsidenten in Merseburg G r ü tz n e r, gegen den Stahlhelmführer Oberstleutnant D ü st e r- b e r g hatte dieser in mündlicher Verhandlung sich herausgenommen, den K l ä g e r als R e n e g a t e n zu bezeichnen. Der Vorsigende, Landgerichtsdircktor T h o r w e st, ließ diesen Ausdruck ungerügt und lehnte es auch, als Genosse Grützner einen dahingehenden An- trag stellte, ab. Düsterberg wegen dieses Ausdrucks eine Rüge zu erteilen. Ebenso blieb ungerügt, als dann der Verteidiger Düster- bergs den gleichen Ausdruck wiederholte. Grützner wandte sich beschwer desührend an den Land- gcrichlspräsidenten in Halle, dieser hat aber jetzt nach fast drei Monaten die Beschwerde zurückgewiesen. Nicht nur diese unglaubliche Entscheidung, die vollkommen außer acht läßt, daß es sich bei dem Ausdruck Renegat um eine formele und deshalb zu rügende Aeuhcrung handelt, noch mehr die Begründung der Entscheidung des Land- gerichtspräsidenten fordert zur s ch ei r s st e n Kritik heraus. Der Landgerichtspräsident erklärt in seinem Bescheid, daß die Behauptung des Gerichtsvorsitzenden, mit dem Ausdruck Rencgat durchaus nichts Unanständiges oder Unlauteres erblickt zu haben, durchaus zutreffend sei. Dabei muh jeder Unbesangene ohne weiteres zugeben, daß das Wort. V e n c g a i eben deshalb eine formelle Beleidigung darstellt, weil mit ihm etwas zum Ausdruck gebracht werden soll, was geeignet ist, den so Be- zeichneten in der öffentlichen Meinung hcrabzu- setzen. Damit aber ist bereits der Tatbestand der Beleidigung nach dem deutschen Strafgesetzbuch erfüllt, und es hätte deshalb ohne weiteres eine scharfe Rüge ausgesprochen werden müssen. Grützner hotte in seiner Beschwerde auch zum Ausdruck georackt, daß es Sache des Landgerichtspräsidenten sei, die Frage zu prüfen, ob ein Land�crichtsdirektor, der solche Ausdrücke ungerügt lasse, weiter den Vorsitz in einer Strafkammer behalten könne. Aas dielen Teil der Beschwerde erklärt der Landgerichtspräsident, daß er diese Ausführungen als einen Eingriff in seinen Geschäftsbereich empfände und er darauf hinweisen müsse, daß das Präsidium des Landgerichts, welches die Gesiychtsverteiliing regele, keineswegs das Werkzeug Mti dieser Entscheidung des Halleschen Landgerichtspräsidentcn kann die Sache natürlich nicht erledigt sein. Wir erwarten rem preußischen Justizmini st er, daß er Abhilfe schafft, nach- dem wir ihn schon in unserer Ausgabe vom 1. Mai sehr dringend an seine Pflicht gemahnt haben. Liquidation in Magdeburg. Disziplinarverfahren gegen Tenholt.— Und was weiter? Magdeburg, 26. Juli(MTV.) Gegen den bisher in der Morduntersuchung Helling beschäfliglen Kriminalkommissar Ten- holt ist ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden. Ihm wurde die Ausübung der Amtsverrichtungen vorläufig untersagt. Kriminalkommissar Tenholt hat sich unter Vorlage eines ärztlichen Attestes, das feine Dienst unfähig- k e i t bescheinigt, krank gemeldet. Die Abberufung des Kriminalkommissars Tenholt und dis Eröffnung des Disziplinarverfahrens gegen ihn sind äugen- scheinlich auf die letzte Ungehörigkeit zurückzuführen, nämlich auf den„Besuch" beim Konsul der Tschechoslowakischen Re- publik. Vielleicht war das auch nur der berühmte Tropfen» der das Faß zum Ueberlaufen brachte. Ob freilich die Kaltstellung des Tenholt auch die des Untersuchungsrichters bedeutet, müssen wir abwarten. Die deutschen Richter sind ja„unabsetzbar" und auch von ihrem Ge- schäftsbetrieb normalerweise nicht zu entfernen. Daß r e- publikanische Richter auch mitten im Jahre auf einen ganz anderen Posten am gleichen Gericht versetzt werden können, hat uns erst vor kurzem das Amtsgericht Mitte-Berlin gelehrt. Aber in Magdeburg, wo Bewersdorff noch immer amtiert, kommt das wohl kaum in Frage. Immerhin kann die Beseitigung Tenholts möglicherweise auch auf Kölling eine Wirkung üben._ Serufsausbildung Erwerbsloser. Besprechungen mit Reich und Ländern. Auf der Arbeitsbeschoffungskonferenz ist von den Vertretern des Reichsarbeitsministeriums und des Städtetages auch die überaus wichtig« Frage der Berufsfortbildung der jugend- lichen Erwerbslosen gestreift worden. Zur genaueren Er» örterung dieses für den Arbeiternachwuchs höchst bedeutsamen Pro- blems findet in etwa acht Togen ein« Besprechung statt, die vom Städtstag aus veranstaltet wird. Di« Anregung zu dieser Aeran- staltung geht Hauptsächlich von den Städten aus, die sich bisher schon für die Berufsausbildung jugendlicher Erwerbsloser«ingesetzt haben. Reich und Länder werden zu der Besprechung eingeladen. Korfantp, der»böse Heist Gberschlefiens'". Der Urheber der Bombenattentate? kaffowlh, 26. Juli.(WTB.) Hier erschien ein von den Ausständischen-Verbänden herausgegebenes umfangreiches Flugblatt, in dem die Aufständischen dem Abgeordneten Korfanty vorwerfen, daß er die Bombenattentate der letzten Tage. veranlaßt habe, um so sein« Widersacher un- schädlich zu machen und P r o p a g a n d ä m a t« r i a l für die kommenden Gemeindewahlen in die Hand zu bekommen. In dem Flugblatt wird Korfanty als der„böse Geist Schlesiens" bezeichnet, und fein« Entfernung aus Ostoberschlesien gefordert. Obcrregierungsrat Mühleisen in Urlaub. Wie der Reichsdienst der deutschen Presse hört, tritt Oberregierungsrot Mühleisen vom Reichskommiffariat für Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung am kommenden Sonnabend einen längeten Urlaub an. Der gegenwärtig beurlaubte Reichskommissar Oberst a. D. Kuenzer wird am 9. August sein« Tätigkeit wieder aufnehmen. öewersburg. Im Amtszimmer br« Untersuchungsrichters. Prrsonrn: Der unters» chnngsrichter, der Ariminalkommifsar, der An» geschuldiqte. Der Kriminalkommissar wird von dem Angeschuldigten hrreingefithrt: Kriminalkommissar: Lieber Freund, Sie brauchen inich wirklich nicht so fest am Arn, zu halten. Ich folge Ihnen schon: ich laufe Ihnen wirklich nicht davon. Angesch lildigter: Man kann nie wissen. Und was sollte dann aus mir werden! Richter: Herr Doktor, ich muß Ihnen leider eine betrübliche Mitteilung machen! Angeschuldigter: Was?! Werden Sie etwa ersetzt? Richter: I wo! Was denken Sie eigentlich, wir leben ja in Deutschland! Angeschuldigter: In dieser Iudenrepubllk ist alles möglich. Richter: Alles, nur das nicht! Ich wollte Ihnen nur sagen, daß Ihre gestrigen Angaben sich als abwegig herausgestellt haben. Wir haben den Chauffeur, den Sie uns gestern als Täter bezeichnet hatten, verhaftet, aber leider nach zwei Stunden wieder freilassen müssen, weil er beweisen tonnte, daß er zur Zeit des Mordes in Argentinien war. Es ist zwar immerhin denkbar, daß er die Leiche zunächst nach Argentinien gebracht und dann nach Bewersburg zurückgeschafft hat... Kommissar: Dürchaus denkbar! Herr Doktor, überlegen Sie es sich genau. Nicht wahr, so dürfte es gewesen sein? Ich werde gleich den Mann wieder verhaften... Angeschuldigter: Tun Sie, was Sie wollen. Ich wasche meine 5)ändc tn Unschuld. Richter(beschwichtigend): Aber Herr Doktor, warum so fein- sühlig? Wer hat hier jemals von Ihrer Schuld gesprochen? Angeschuldigter: Das wäre ja auch noch schöner! Richter: Und nun frage ich Sie. Herr Doktor, sollen wir die gestrige Spur also doch weiter verfolgen? Ich zweifle aber etwas an dem Erfolg. Prüfen Sie bitte Ihr Gedächtnis. Angeschuldigter:„Drum prüfe, wer sich ewig bindet, der Wahn ist kurz, die Reu' ist lang..." Richter: Cr zitiert Schiller! Kominissar: Kann das ein Mördersein?!! Richter: Sie sprachen soeben von„sich biiiden", Herr Doktor. Davon kann keine Rede sein. Alle Ihre Mitteilungen sind natürlich durchaus unverbliidllch. Wir führen doch gar kein Protokoll. Sie brauchen nichts zu bereuen. W-nn wir jemand festnehmen, so ist das doch nicht Ihr Schaden. Angeschuldigter(nach einer Pause. In der er seine beiden Partzier scharf fixiert: diese verfallen daraufhin sofort in einen Zu- stand der Hypnose): Meine Herren! Bisher habe ich Sie in der Tat, im Interesse der Untersuchung, auf falsche Spuren gelenkt, um die wahren Täter in Sicherheit zu wiegen. Das sind strategische Kniffe. Jetzt aber ist der Zeitpunkt gekommen, den entscheidenden Schlag zu führen. Heute erfahren Sie die ganze Wahrheit. Binnen 48 Stunden ist der Mord restlos aufgeklärt. Kommissar(in hypnotischer Aufregung): Einen Augenblick, »och nicht!(Nimmt den Telephonhörer.) Bitte den„Zentral- anzeiger". Allo! Redaktion des„Zentralanzeigers?" Hier Kriminal- kommissar! Große Sinfation! Neue entscheidende Spur... Weiter« Verhaftungen unmittelbar bevorstehend... Aufklärung binnen 48 Stunden... dank den großartigen Fähigkeiten der Polizei... nicht wahr? Sie wissen schon! Wie bitte?... Nein, das kann ich beim besten Willen noch nicht. Nur ein Stichwort? Augenblick bitte! 5ierr Doktor, können Sie mir wenigstens schon jetzt ein Stichwort geben? Angeschuldigter(mit scharfem Blick): Oberpräsi. d i u m!! I Kommissar(ins Telephon): Stichwort: Oberpräsidium! Jawohl!! Wenn ich es Ihnen sage!!! Oberpräsidium!!!! Na, und ob dos eine Sensation geben wird! Gar nicht auszudenken... Aber jetzt habe ich keine Zeit mehr. Vergessen Sie nicht, den Bericht- erstatter der Hugenbergpresse zu informieren! Auf Wiedersehen! (Hängt an). Richter(feierlich): Wir befinden uns an einem Wendepunkt der deutschen Geschichte. �sviculus. Die öarbarei öer Stiergefechte. Die spanische Regierung hat einen Sonderausschuß eingesetzt, der die Frage prüfen sollte, ob die Stiergesechte tatsächlich so barbarisch seien, wie die ,, Ausländer" es darstellen, und um festzustellen, ob es möglich sei, die Stiergefechte weniger abstoßend darzustellen und durchzuführen. Das Komitee hat nun seine Untersuchung abge- schlössen, die es eigentlich hätte gar nicht anzufangen brauchen, da die Barbarei der Stiergesechte osientundig ist. Seltsam ist aber die Tatsache, daß der Bericht des Komitees durchaus nicht im Sinne unserer Auffassung von Stiergefechten Ist. Bekanntlich richten sich die Vorwürfe hauptsächlich gegen die Mißhandlung der alten Pferde, die von den sogenannten Piccadores geritten werden. Sehr oft wird diesen armen Tieren von den Stieren der Bauch aufgeschlitzt, bis sie in der Arena zusammenbrechen. Ja, nicht selten werden die Tiere schnell aus der Arena herausgeführt, der verwundete Leib wird notdürftig zusamniengenäht, oder— was häufig vorkommen soll— mit Siroh ausgestopft, damit das Tier wieder sähig ist, noch einmal in die Arena zu kommen und seinen Piccador gegen den Stier zu tragen. Die Spanier haben diese bar- barische Gewohnheit darum angenommen, weil sie die großen Un- kosten für die Anschafsung stets neuer Pferde scheuen und darum den Tieren zumuten, die fürchterlichsten Qualen in der Stierkamvfarena auszustehen. Ueber dieses wichtige Gebiet des Stierkampfes hat nun die Kommission solgenden herrlichen Entschluß gefaßt und in dem Bericht niedergelegt:„Die Pferde können unter keinen Umständen ganz au» der Areiia entfernt werden, wenn auch der Angriff eines Stiers aus ein Pserd oft zu Verwundungen der Tiere führt, von denen zugegeben werden soll, daß sie manchmal nicht ganz sanfter Art sind: aber wenn die Piccodore nicht aus den Pferden gegen den Stier reiten würden, dann würden die Kräfte des Stieres nicht genügend erschöpft werde», um es dem Matador zu ermöglichen, zur richtigen Zeit de» Todesstoß zu führen. Nur auf diese Weise wird der Stier so erschöpft, daß der Matador möglichst ungefährdet seine schwierige Kunst dem Volke zeigen kann." Diese Mitteilung des Sonderausschusses der spanischen Regierung ist immerhin ein eigentümliches Bekenntnis. Also erst, wenn der Stier genügend erschöpft ist, dadurch, daß er mehreren Pferden den Garaus gemacht, sie aus seine Hörner gespießt, ihnen den Leib aus- gerissen und sie in die Lust geschleudert hat, kann der Held der Stierkämpfe, der vielgefeierte und bejubelte Matador, seine Kunst ausüben. Verkäufe der Deutschen Sunstgemelnde im Schloß. Die zweite Ausstellung der Deutschen Kunstgemeinde im Schloß, die am 4. Juli eröffnet wurde, hat bis heute ungefähr 40 Verkäufe zu verzeichnen. Es ist anzunehmen, daß die jetzige Ausstellung einen noch höheren prozentualen Verkausssatz erzielen wird als die vorige, die mit 10 000 M. ungefähr 15 Proz. der ausgestellten Bilder verkaust hatte. Es sind Bilder verkauft von Dettmann, Klemm. Wolss, Baluschek, Albert Hennig, Fändrich, Hinzpeter, Siebert, Enke, Wa-ke, Wall- heim. Honigberger, Metzner. Schmidt-Casella. Völker, Erik Richter, Paul Grunwold, Knron, Zille. Zeller u. a. Fast ausschließlich sind in dieser Ausstellung Oelbilder verkauft, während die Nachfrage nach Aquarellen und Graphik fast ganz ausblieb. Beschlüsse der Genfer Unlerkommission für Llleralur und Kunst. Die von der Völkerbundskommission für geistige Zusammenarbeit bestellte Unterkommission für Literatur und Kunst hat ihre Tagung abgeschlossen. Unter den von ihr getroffenen Entscheidungen sind zu erwähnen: Bildung eines beratenden Sachverständigenausschusses zur Prüfung der Frage, wie die geistige Zusammenarbeit auf dem Ge- biete der Literatur gefördert werden kann, serner Schaffung eine» Entwurfs für eine internationale Konoention über die Frage des Urheberrecht» durch dos Pariser Institut für geistige Zusammenarbeit, weiter Schaffung eines internationalen Amtes für Musik und schließ- lich Prüfung der Frage eines Konzertprogrammanstausches. Niemand darf in» Aurland. Der Wunsch der italienischen Reisen- den, ihre Ferien In der Schweiz zu verbringen, wird zum Aerger der Betroffenen durch neue wirtschaftliche Maßregeln beeinträchtigt, die die italienische Regierung einzuführen für gut befunden hat. An den Grenzstationen wird den ausreisenden Italienern das Paß- oisum rundweg verweigert, mit der Erklärung, daß die Reisenden in Zukunft ihr Geld in Italien ausgeben sollen, um dadurch die Regierung In ihrem Bemühen, den Lira-Kurs zu stabilisieren, zu unterstützen. Der neue Eingriss Mussolinis in die persönliche Frei- heit der Italiener hat überall ledhafte Entrüstung auegelöst. va» Ondzner Znstilule os Illetal» Hält(eine Heibstversammlung vom 1. bis 4. Seplkmber iii Lullich ab Di« en.ililchc«Kclellichast will dadurch alte Beziehungen mit dem europäischen Feitlanbe wieder anknüpfen: auch eine Nnzabl deutscher belehrter und Prakliter der Metallkunde wird an der Lütticher Tagung leilnehmen. Veutsiher Krankenkassentag. Düsseldorf, 26. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Auf dem 3 0.� Deutscheu Krankenkassentag des H a u p t v e r- b a n d e s, der am Sonntag in Düsseldorf eröffnet wurde, waren 52! Arbeitgeberoertreter, 893 Vertreter der Versicherten, 641 An- gestellte des Hauptverbandes und der Krankenkassen und 197 Ehren- gaste, im ganzen 2555 Teilnehmer anwesend. In seiner Erössnungs- ansprach« erinnerte der 1. Vorsigende des Hauptverbandes, Stadtrat A h r e n s- Berlin, daran, daß der Verband eine außerordent» lich günstige Entwicklung hinter sich habe. Bei der 13. Jahresversammlung, die ebenfalls in Düsseldorf stattfand, waren nur 155 Kasien mit 320 Teilnehmern anwesend. In Zukunft wird die zahlenmäßige Entwicklung wohl nicht mehr so stürmisch weiter- gehen. Aber viele Aufgaben drängten sich vor, die der Lösung harr- ten. Die Reichsgesundheitswoche sei auf Anregung des Hauptver- bandes veranstaltet worden. Ein schweres Problem für die Kassen sei die Zunahme der Durchschnittskrankheitsdauer, die eine Folge des Krieges und der Arbeitslosigkeit sei, wodurch eine Steigerung der Ausgaben der Kassen erfolgt. Leider habe der Gesetzgeber bisher den Krankenkassen nicht das gegeben, was sie fordern müßten. Eine Herabsetzung der Kassenbeiträge sei un- möglich. Unmöglich sei aber auch ein Abbau der Sozial- Versicherung, wie er in einer Denkschrift des Reichsoerbandes der Deutschen Industrie gefordert werde. Der geschäftsführende Vorsitzende Lehmann, der nach den Begrüßungsansprachen, an denen sich Dr. Moses für die sozial- demokratisch« Reichstagsfraktion beteiligt«, alsdann, das Wort zum Geschäftsbericht erhielt, wies besonders daraus hin, daß von 11,6 Millionen Versicherten 19,25 Mi llionen im Hauptoer- band zusammengeschlossen sind. Auf dem Gebiete der Gesundheits- fürsorge habe der Hauptverband Hervorragendes geleistet. Der Be- richterstatter betonte, daß der Kampf mlk den Aerzken, die unter sich einen Konkurrenzkampf auf Leben und Tod führten, weiter gehe. 1885 gab es in Deutschland 59 999 Aerzt«. Heute sind es 145 999, von denen nur ein kleiner Bruchteil außerhalb der Kassen tätig sei. Der Beschluß des Preußischen Landtages, den 29prozentigen Rabattabschlag von der Aerztegebührenordnung auszuheben, bringe den Kassen eine 2öprozentig« Erhöhung ihrer Ausgaben oder im.Jahr etwa 55 Millionen Mehrausgaben. Di« Ausgestaltung der Wochen- hilf« bedeute eine Belastung, die aber von den Kasien im Interesse der Voltsgesundheit hingenommen werden muß.— Der Bericht wurde ohne Aussprache entgegengenommen und dem Vorstand Entlastung erteilt. Ueber das Thema„Gesundheitsfürsorge durch Ar- beitsgemeinschaft der Sozialversicherungsträ- g e r* sprach Oberregierungsrat U n g er- Berlin. Er unterstrich die Notwendigkeit der Zusammenarbeit' der verschiedenen Träger der Sozialoersicherung. Die aus dieser Erkenntnis heraus bei vielen Ver- sicherungsanstalten entstandenen Arbeitsgemeinschaften zwischen den Organisationen der Kranken-, Unfall-, Invaliden-, Angestellten- und Knappschaftsversicherungen haben praktische Erfolge gehabt. Auch die zwischen den einzelnen Sozialoersicherungsträgern getätigten Ab- kommen ermöglichten ein reibungsloses Arbeiten, was im Interesse der Versicherten nur zu begrüßen sei. Prof. Klein-Jena sprach über das Raturheilverfah- ren im Dien st e der Krankenversicherung. Wenn auch die Behandlung der Versicherten nur durch das Naturheilverfahren nicht zu erreichen sei, so müsie doch gefordert werden, daß auch den Naturärzten die Zulasiung zur Kassenpraxis ermöglicht werde. Bis heute hätten es die Organisationen der Aerzte fertiggebracht, die Naturärzte von der Behandlung der Krankenkassenmitgliedcr fern- zuhalten und ihnen dadurch die Möglichkeit genommen, die Vorteile der Naturheilweise in der Krankenversicherung unter Beweis zu stellen.•. " Ueber das Frühst eilverfahrcn in der Unfall-ver- s iche ru ng sprach Verwaltungsdirektor K o h n- Berlin. Durch das Gesetz über Aenderungen in der Unfallversicherung vom 14. Juni 1925 ist dem Frühheiloersahren eine größere Bedeutung als früher eingeräumt. Die Zuständigkeit der Berufsgenossenschoften und der Krankenkassen greifen hier ineinander und ist durch gegenseitige Ab- lomnien abgegrenzt und festgelegt. Am Montag wies Ministerialdirektor Grieser vom Reichsarbeitsministerium in seinem Referat über die .Znlernalionale Sozialversicherung" auf die große Bedeutung des Internationalen Arbeitsamtes hin. Auf der letzten Arbeitskonferenz Hobe man sich entschieden, bei der Beurteilung von Berufskrankheiten den Kreis der Betriebe weiter- zuziehen. Ueber die Grundprobleme der internationalen Sozialver- ficherung seien sich alle Mitglieder einig gewesen. Di« soziale Lage habe sich in der ganzen Welt verschärft. Wenn die Weltwirtschaft wieder in geordneten Bahnen lausen solle, dann müsse erst die soziale Lage der Arbeiterschaft gebessert werden und wenn im nächsten Jahre auf der Arbeitskonserenz über die Arbeiterversiche- rung verhandelt werde, dann müßte die Arbeiterschaft der ganzen Welt vertreten sein. Als Vertreter des Internationale« Arbeitsamtes machte Dr. Schneider zu diesem mit großem Beifall aufgenommenen Referat noch Ergänzungen. ,v... Dann sprach Prof. Dr. S ch l o ß m a n n- Dusieldorf über „Kinderfürsorge unter Mithilfe der Kranken- kassen". Eine solche Fürsorge müsse gesetzlich geregelt s«n. Mit der Kinderfürsorge eng verbunden seien Wöchnerinnen- und Familien- fürsorge. Auch die Kinder der Mitglieder hätten Anspruch auf Krankenhausl�handlung. Dafür zu sorgen sei Sache der Gemeinden. Der Redner nabm dann Stellung gegen die Stadt Düsseldorf, die für Krantenhausaufenthalt nicht nur von einem Erwachsenen, sondern auch von einem Kinde 5 Mark pro Tag oerlange. Das sei ein skanda- löser Zustand, der nicht länger geduldet werden dürste. Die Kranken- kassen hätten die Pflicht, dagegen anzukämpfen. Der Redner wies dann noch darauf hin, daß dos Wohnungselend keine Folge der Vorkriegszeit sei, sondern auf die öffentliche Indifferenz in der Vor- kriegszeit zurückzusühren sei. Wer das Segenteil behaupte, täusche die Ocffentlichkeit. Ueber die„Organisation der Kinderfürsorge" sprach Verwaltungsdirektor S t r o e b i g- Hamburg, der verlangte, daß man sich frühzeitig genug für die Jugendlichen einsetzen müßte. Vorbeugende Tätigkeit sei das wichtigste. Dagegen wendet sich aber der Arbeitgeber. Es scheine der Geist der Vorkriegszeit wieder zu spuken. Man müsie sofort zugreifen mit der Kinderfürsorge, bevor es zu spät ist. Von 229 909 Kindern befinden sich 0000 in ärztlicher Behandlung. Vor allen Dingen müsien mit staatlichen und tommu- nalen Behörden Arbeitsgemeinschaften gebildet werden, die die Pflicht hätten, die Kindersürsorge zur Durchführung zu bringen. poincorSs Zinanzprogramm. .>ional genug gebildet sind oder sich dafür halten. einem Vortrag auf englisch zu folgen. Ueber den Vortragenden, der wie ein Geistlicher seines Landes aussieht, erwähnte der den Abend leitende Neuphilologe, daß er, als er an das Studium der Kriegsschuldfrage heranging, in national- bedingten Vorstellungen befangen gewesen sei, nun aber sich zu einem internationalen Standpunkt durchgerungen habe. Gouverneur Schnee, der Vorsitzende des Arbeitsausschusses bezeichnete Barnes als einen Mann, der der Wahrheit und Gerechtigkeit diene, die allein eine Verständigung ermöglichen. Prof. Barnes erklärte: Aus der Erkenntnis der Ursachen des Weltkrieges köpne man Kriege überhaupt erkennen und dann vermeiden. Die Kriegsschuldfrage sei durchaus nicht etwa eine deutsche, sondern eine Weltsrage erster Ordnung. Barnes unterschied in seinem Vortrag allgemeine Verantwort- lichkeit und besondere Verantwortglichteiten. Was die allgemeinen Ursachen angehl, so sind alle Großmäche schuldig. Sie sind durchweg mitschuldig an dem System des Weit- rüstcns, der Geheimdiplomati«, der Bündnis- Politik, der ständigen Drohung mit Krieg. Deutschland sei in dieser Hinsicht nur ein Teil des europäischen Systems, es hat als solches ebenfalls zum Kriege beigetragen. Was die besondere Kriegsschuld, die Schuld an dem Ausbruch des Weltkrieges anlangt, so könnte man eine Skala der Kriegsschuld aufstellen. Nach Profesior Barnes' Auffasiung fällt durchaus die einzige direkte und unmittelbare Verantwortung für den Weltkrieg auf Frankreich und Rußland, und zwar mit der Schuld ungefähr gleich verteilt. Weit hinter Frankreich und Rußland käme Oesterreich. An dessen Kriegsprogramm sei kein Zweifel. Nur bestehe im Vergleich zu Frankreich und Ruß- land insofern ein grundlegender Unterschied, als Oesterreich einen lokalen Krieg zur Bestrafung Serbiens führen wollte, während die Pläne der russischen und französischen Machthaber ein- deutig auf einen allgemeinen europäischen Konflikt hinausgingen. An die letzte Stelle auf der Skala der Kriegsschuld käme Deutsch- land und England, die beide einem Krieg in der Krisi» von 1914 entgegen waren, aber unfähig, ihn zu verhindern. Immerhin ist die öffentliche Meinung in Deutschland militaristischer gewesen als die englische. Jedoch habe die deutsche Diplomatie sich mehr als Sir Edward Grey für die Erhaltung des Friedens eingesetzt. Profesior Barnes begründete feine Einschätzung der speziellen russischen und französischen Kriegsschuld mit den bekannten Tat- fachen: Poincarö und Jswolski arbeiteten seit 1912 Hand in Hand, wenn nicht, um den Weltkrieg herbeizuführen, so doch um ihn vorzubereiten. Die österreichische allgemein« Mobil- machung fand 24 Stunden vor der russischen, 48 Stunden vor der deutschen Mobilmachung statt. Die voreilige Meldung des„Lokal- Anzeigers" von der deutschen Mobilmachung ist erst sieben Stunden nach der Anordnung der russischen Mobilmachung in Petersburg bekannt gewesen. Nach dem Mobilmachungserlaß des Zaren ist der russische Kriegsmini st er 24 Stunden von nie- mand zu erreichen gewesen, um eine Rücknahme der Order durch den Zaren zu verhindern. Die französische Regierung wurde Schritt für Schritt von den russischen militärischen Vorbe- reitungen i n f o r m e r t, hat ober keinen Finger gerührt, um die russischen Machthaber zurückzuhalten. In der Nacht des 31. Juli entschied sich das französische Kabinett für den Krieg. Jswolski erfuhr diesen Entschluß um Mitternacht. Frankreich war das erste Land, das sich in der europäischen Krisis von 1914 offen für den Krieg aussprach. A Prof. Barnes sprach als Freund nicht Deutschlands, sondern derWahrhcit. In dem Kampfe um eine gerechte Verteilung der Kriegsschuld, den er gegen die in seinem Lande noch verbreiteten Propagandalügen führt, schießt er offensichtlich über das Ziel hinaus. Ilm so schlimmer ist es, daß sein ehrlicher Idealismus zu politischen Zwecken mißbraucht wird. Zur Bequemlichkeit des Publikums wurde nämlich ein Auszug lies Vortrags in deutscher Sprache verlesen. Dieser, auch der Presse übergeben« Auszug wurde vom„natio- nalen Standpunkt" aus verwertet. Professor Barnes erklärte:„Wenn wir die große Lektion lernen, die in einer klaren Erkenntnis der Kriegsschuldfrage ent- halten ist, werden wir ein mächtiges Argument denen gegen- über haben, die uns die Notwendigkeit und den Idealismus des nächsten Krieges ankündigen wollen." Aus der pazifistischen Begründung seiner A''"jt wurde die nationalistische gemacht:„werden wir ein mächtiges Ar- gument für uns haben."(!) der einzelnen Einkommensteuer säße vor. Die Ausarbeitung der neuen direkten Steuern wird dem Handelsminister B o k a n o w s k i übertragen. Die ins Auge gefaßten indirekten Steuern umfassen in erster Linie eine Vereinheitlichung der Warenumsatz- st e u e r auf 2 Proz., eine allgemeine Erhöhung der Taxe auf Kalo- nialwaren, eine Erhöhung der Zollkoefsizienten und, noch Einholung des Einverständnisses des obersten Eisenbahnrates, eine Erhöhung der Eisenbahntarife um 15 Proz. Außerdem plant die Regierung einschneidende Sparmaßnah- m e n in der Verwaltung in Anlehnung an einen Bericht, den darüber seinerzeit der jetzige Minister Marin ausgearbeitet hat. Poincarö wird außerdem von der Kammer das Recht verlangen, diese Spar- maßnahmen auf dem Wege von Dekreten vorzunehmen. Dieses außerordentlich phantasielose und schema- tische PoinrarSsthe Finanzprogramm hält sich also, wie man sieht, sehr eng an die reaktionären, von seinem jetzigen Mitarbeiter Botanowski so und so oft auf der Kammertribün« entwickelten finanzpolitischen Rezepte mit starkem i n f l a t i o n i st i s ch e n Einschlag. Zweifellos werden die neuen fiskalischen Lasten, die Poincare dem Lande abverlangt und die die Finanztommission mehreren seiner Vorgänger hartnäckig verweigert hat, in der Kom- Mission aus starken Widerstand besonders bei den sozialistischen Mitgliedern stoßen. Poincari wird diesen Widerstand dadurch zu paralysieren suchen, daß er am Dienstag in der Kammer für sein Finanzprogramm das gegelentlich der jüngst von der Kammer vor- genommenen Reform ihrer Geschäftsordnung eingeführt« sogenannte Dringlichkeitsverfahren beantragen wird. Falls die Kammer mit Zweidrittelmehrheit ihm zustimmt, wird die Finanz- kommisiion nur höchstens drei Tage zur Prüfung der Vor- läge erhalten. Die Diskussion im Plenum hat dann 24 Stunden nach Beendigung dieser Prüfung zu erfolgen. Für die Debatte im Plenum sieht das neue verfahren ebenfalls eine Reihe von Ein- schränkungen, wie die Beschränkung der Redezeit auf 15 Minuten, vor, so daß, da die geschlossene Opposition in der Kammer auf Sozialisten und Kommunisten beschränkt bleibt, die Finanz. vorläge aller Voraussicht noch entsprechend dem Wunsch Poincares in höchstens einer Woche verabschiedet sein dürfte. Die Erholung des Franken. Die Erholung des Franken hat am Montag angedauert. Das englische Pfund notierte offiziell 188,75, der Dollar 38,83, die Reichsmark 10,15. An der Nachbörfe zogen aber die ausländischen Devisen wieder leicht an. Die Regierung läßt das Gerücht, wonach diese Frantenhausse auf eine Intervention der Bank von Frankreich unter Verwendung eines Teiles des Restbestandes des Morgan- Fonds zurückzuführen sei, energisch dementieren und erklären, daß die Hausse einzig und allein durch die gute Aufnahme, die das Ministerium Poincarö im In- und Auslande gefunden habe, zu erklären ist. Zrauzösifche tzeeresreform. Geringere Friedensstärke— höhere Kriegsstärke. Pari», 26. Juli.(WTB.) Auf einem Bankett anläßlich des Kongresses der französischen Reserveoffiziere in Lille hat Marschall Fach eine Rede über die Organisation der künftigen französischen Armee gehalten und darin folgende Grund- sätze aufgestellt: 1. das Friedensheer wird viel kleinere Effektivbe stand besitzen als 1914, die Zahl der Armeekorps wird verringert werden, größte Sparsamkeit soll Platz greifen. 2. Das Kriegsheer wird sämtlich« H i l f s q u« l l« n der Nation einsetzen und dadurch an Bedeutung gewinnen. 3. Sowohl das Kriegs, wie das Friedensheer werden eine den militärischen Be- dingungen immer mehr und besser angepaßte vervollkomm- net« Waffe besitzen. Das Kriegsheer wird seinen Hauptwert durch die Reserve, ihre Oucmtstgt und ihr« Qualität erreichen. Die Mißstimmung in Elsaß�othringen. Umbenennung von franzosenfreundlichcn Straßennamen. Paris, 26. Juli.(WTB.) Wie aus Straßburg gemeldet wird, hat der Gemeinderat von S ch l« t i st a d t auf Vorschlag des Bei- geordneten beim Bürgenneisteramt beschlossen, die Straßen der Stadt, die die Namen Turenn«, Ioffre, Fach, General Castelnau, Gouraud, Gallien! tragen, umzubenennen. Gleichzeitig werden verschiedene Benennungen wie Rue du 17. Novembre(Einzug der französischen Truppen in Schlettstadt) Rue de Verdun, Thiers, Gam- betta und D�rouläd« verschwindest. An ihre Stelle sollen neutrale Bezeichnungen treten, die nicht an den letzten Kriegs «rinnern. Das Manifest des Heimatbundes. Pari», 26. Juli.(WTB.) In dem Manifest, das der Heimat- b u n d für Elfaß-Lothringen verteilen läßt, heißt es u. a.: Elsaß- Lothringen den Elsässern und Lothringern! Andernfalls würden wir nur noch als Fremde in unserem eigenen Lande be- trachtet werden. Unsere Sprach«, unser Geist, unsere Gewohn- hellen und selbst unsere Architektur beweisen die große Ver- s ch i e d e n h« i t zwischen dem französischen �und dem elsaß- lothringischen Volk«. derSergbaukonfliktimenglischenparlament Baldwin will nichts tun. London. 26. Juli.(WTB.) Beide Häuser des Parlaments er- örterten heute die Lage in der Kohlenindustrie. Im Unterhause erklärte Lloyd George: Gegenwärtig verliert das Land wöchent- lich 15 bis 20 Millionen Pfund. Eine Erneuerung der staatlichen Unterstützungen würde nicht einmal soviel ausmachen, wie während einer Woche verloren geht. Baldwin lehnte den Gedanken einer Erneuerung der Unterstützung ab und trat für schiedsgerichtliche Entscheidung ein. Er fügte hinzu: Wenn die Parteien zusammen- kämen, um zu verhandeln oder einen Schiedsspruch herbeizuführen, dann würde die Regierung alles tun, was in ihrer Macht steht. Sie kann aber nicht auf gesetzgeberischem Wege eine Regelung er- zwingen. Der Führer der Arbeiterpartei, Macdonald, bezeichnete Baldwins Rede als durchaus unbefriedigend und sagte, Baldwin müsse wissen, daß sowohl die Arbeitgeber als auch die Bergleute es ablehnten, einen Schiedsspruch anzuehmen. Wie hebt man üen Lira-Kurs? Durch Löwenjagd im Zubaland. Ein neues Mittel für den italienischen Tatendrang empfiehlt nunmehr das offiziöse Organ„L'Jmpero": die I a g d a u f L ö w e n! Dieser Gedanke ist vor kurzem schon einmal durch eine römische Agentur aufgegriffen worden, die empfahl, zur Veseiligung des Desi- zil» in der Handelsbilanz wilde Tiere in den ilalienischen Kolonien zu jagen und zu einem Haudelsgegenstand zu machen. Der„Impero" schreibt, nachdem ihm die Nachricht bekannt geworden ist, wonach der Gouverneur der neuen italienischen Kolonie Zubaland, Corrado Zoli, umfassen de Jagden aus wilde Tiere in jener Ge- gend veranstaltet, mit großem Pathos:„Der Zuba ist also nicht etwa ein literarischer Fluß, der lediglich in der Phantasie Gabriele d'An- nunzios existiert. Er ist vielmehr ein authentischer Fluß, an dessen Ufern sich Löwen. Tiger. Panther Elefanten. Rhinozerosse, Strauße, Hyänen(Kamele nicht? Red. d.„V.") und alle anderen verschiedenen Vertreter der tropischen Tierwelt drängen. Nun wohl, was machen die Italiener? Was soll den ungeduldigen Tatendrang unserer faschistischen Freunde— die beunruhigt und unbefriedigt sind, nichts mehr für ihre Fäuste zu tun zu haben— aushalten, um sich auf dieses glänzende und ruhmreiche Feld der Betätigung zu werfen?" Das von Mussolini inspirierte Organ fügt hinzu, daß die private Initiative, der Handel, die In- dustrie, die Jagd im großen Stile von den zentralea und lokalen Behörden noch viel mehr ermutigt und unterstützt werden müsse, als es heute der Fall sei. GeVeeMaftsbewegung Arbeitszeit und Wochenfrühfchluß. schluß der Regierung, unter der Kohlenkrise als Wahlparole Neu- wählen des Parlaments durchzuführen. Im Bezirk Warwickshire war uiiter dem Druck der Not und allerhand Repressalien etwa ein Sechstel der Bergarbeiter zur Arbeit zurückgekehrt. Die Exekutive des Bergorbeiterverbandes hatte des- halb in der vergangenen Woche eine Reihe von Versammlungen an Ort und Stelle abgehalten und den Arbeitern die Gefahr ihres Verhaltens für die gesamten Bergarbeiter dargelegt. Die Lage war um so schwieriger, weil die Unternehmer eine Anzahl nicht organi- sierter Arbeiter eingestellt hatten. Trotzdem blieb der Erfolg der Ausklärungstätigkeit des Bergarbeiterverbandes nicht aus. Die Bergarbeiter von fünf Zechen faßten den Beschluß, die Arbeit wieder niederzulegen. flrbeiterlchuh auf öauten. Zusammenarbeit mit den Betriebsräten. Verschiedene erheblichere Bauunsälle in der letzten Zeit veran- lassen den preußischen Minister für Volkswohlsahrt, in einem Rund- erlaß erneut die Polizeibehörden auf die Notwendigkeit hinzuweisen, dem Schutz der Bauarbeiter ihr besonderes Augenmerk zu- zuwenden. Wie der Amtliche Preußische Presiedienst hierzu mitteilt, wird zunächst aus den Erlaß vom 14. November v. I. verwiesen, in dem die Baupolizeibehörden angewiesen wurden, sich namentlich durch Nachprüfung an Ort und Stellge noch besonders da- von zu überzeugen, daß die vorgeschriebenen Sicherheit? vor- r i ch t u n g e n auch wirklich vorhanden sind. Um weiteren Unfällen Nach§ 66 Nr. 8.§ 78 Nr. 6 und§ 92 b es Betriebsräte- g e s e tz c s vom 4. Februar 1920 ist es Pflicht der Betriebs- Vertretungen, die Baupolizei- und Gewerbeaufsichtsbeamten in der Bekämpfung der Gesundheit?- und Unfallgesahren zu unterstützen. Der Minister betont ausdrücklich die Zweckmäßigkeit bei größeren Betrieben, daß die Baupolizei auch von sich aus mit den Betriebsvertretungen Fühlung nimmt. Im Erlaß vom 5. November 1919 war die Herausgabe besonderer Polizeiverordnungen über Schutzvorrichtungen bei Bauten angeregt worden. Sowelt daraufhin solche Verordnungen erlassen worden sind, sollen die Polizeibehörden ihr Augenmerk aus die Jnne- Haltung dieser Vorschriften besonders richten: in Bezirken, für die derartige Bestimmungen noch nicht bestehen, sollen wegen ihres Er- lasses die notwendigen Schritte unternommen werden. Eine»vaterländische" Berichtigung. Von dem Generalsekretär des Reichsbundes der Deutschen Angc- stellten-Berussverbände, wie sich dieses gelbe Pflänzchen großspurig nennt, Dr. Erich Schmidt, erhalten wir folgende Berichtigung: „Die in der Nr. 340 des„Vorwärts" aufgestellte Behauptung. der R-ichsbund Deutscher Angestcllten-Berussverbände je, �„von den Unternehmern weder ideell, noch materiell unabhängig", ist unwahr. Wahr ist vielmehr, daß der Reichsbund Deutscher Ange- stellten-Berussverbände sowohl ideell wie materiell nach jeder Rich- tung hin unabhängig ist." Es ist überflüssig, diese Berichtigung näher durch das leider allzu reiche Material zu beleuchten, das über das Abhängigkeitsverhältnis der Gelben von den Unternehmern vorliegt. Es genügt vollständig, wenn wir zur Charakterisierung der Berichtigung und des Dr. Erich Schmidt, nachstehenden Bericht folgen lassen. Ein Zehlurteil des Hewerbegerichts. Provokation und Denunziation durch Gelbe. Die Firma Siemen s-Schuckert hatte beim Gewerbe- gericht beantragt, die Zustimmung zur Kündigung des Bc- triebsratsmitgliedes, Diplomingenieur R., zu erteilen, eventuell dessen Amtsenthebung zu beschließen. Die Firma begründete ihren Antrag mit der Behauptung, R. habe gesagt, die Unternehmer hätten Verbrechen über Verbrechen begangen, auch die Firma Siemens habe nicht anders gehandelt.— Diese Acnßcrung soll R. getan haben in einer Versammlung des„Vaterländischen" Vereins der Siemens-Angestellten. Wenigstens wird das be- hauptet in einem Versammlungsbericht in der Zeitung des Vater- ländischen Vereins, die in den Siemens-Betrieben verbreitet und der Firma in die Hände gespielt wurde, die daraufhin gegen das Betriebsratsmitglied R. vorging. Die Kammer 7 des Gewerbegerichts hat in einem mehrstündigen Zeugenverhör Beweis darüber erhoben, ob und in welchem Zu- lammenhang R. die angeführten Aeußerungen gemacht hat. Die Beweisaufnahme ergab solgendes Bild: Der„Vaterländische" Verein der Siemens-Angestellten hielt eine Versammlung ab, die auch von zahlreichen Mitgliedern der freien Gewerkschaft, darunter R.. besucht war. Der Vorsitzende des Bundes vaterländischer Angestelltenverestie. Dr. Erich Schmidt, hielt ein Referat, worin er die unternchmersreundlichen Tendenzen seiner Organisation verherrlichte. R. trat als Diskussionsredner dem Referenten entgegen und gebrauchte im Laufe einer längeren Rede einen Satz, der dem Sinne nach besagt, in der Inflationszeit hätten die Unternehmer geradezu verbrecherisch gehandelt(oder wie ein Zeuge sagte, an Derbrechen grenzende Handlungen begangen), indem sie nur auf Kürzung der Löhne und Verlängerung der Ar- beitszeit bedacht waren, anstatt die Betriebe den Verhältnissen ent- sprechend umzustellen. Zu dieser Aeußerung machte Dr. Schmidt den Zwischenruf: „Also sind alle Unternehmer Verbrecher, auch Herr v. Siemens?" Darauf antwortete R.:„Können oder wollen Sie mich nicht ocr- stehen? Ich erkläre, daß es auch anständige Unternehmer gibt und daß Herr o. Siemens, mit dem ich öfter verhandelte, ein Hochacht- barer Mann ist. Allerdings kann er sich den treibenden Wirtschaft- lichen Mächten nicht ganz entziehen." Nach längerer Beratung verkündete der Vorsitzende, Ober- magistratsrat Schulz, daß das Gericht in seiner Mehrheit zu dem Beschluß gekommen ist: Die Mitgliedschaft R.s im Betriebsrat, Angestelltenrat und Ge- samtbetriebsrat wird als erloschen erklärt, der weitergehende Antrag auf Kündigung seines Arbeitsverhältnisses wird zurückgewiesen. Zur Begründung des Beschlusses führte der Vorsitzende aus, R. habe sich wohl, provoziert durch Dr. Schmidt, in einer gewissen Erregung befunden, aber er sei mit seiner Aeußerung zu weit ge- gangen. Allerdinas habe er nicht von Verbrechen im kriminalistischen, sondern im wirtschaftlichen Sinne gesprochen. Ein solcher, den Ar- beitgebern gemachter Vorwurf sei beleidigend. Dadurch habe R., der seine Worte wohl abzuwägen verstehe, seine Pflichten als Mit- glied der Betriebsvertretung gröblich verletzt. Zwar habe R. Herrn o. Siemens persönlich von der Anschuldigung ausgenommen, aber er habe doch gesagt, die Verwaltung der Sicmens-Werke könne sich den wirtschaftlichen Einflüssen nicht entziehen. Das heiße doch, sie sei nicht besser wie die anderen. Es sei R. zugute gehalten, daß eine gewisse Provokation vorlag, daß die Versammlung erregt war und daß er einer anderen Richtung gegenüber seinen marxistischen Standpunkt vertreten habe. Aber er sei dabei zu weit gegangen. ★ Nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme hätte man erwarten können, daß das Gericht auch den Antrag auf Amtsenthebung a b- lehnen würde. Seinen Arbeitgeber hat R. nicht nur n ich t be- leidigt, sondern ihm eine ausdrückliche Ehrenerklärung gegeben. Wenn R. das volksschädigende Treiben des Unternehmer- tums während der Inflationszeit im allgemeinen und ohne Bezug- nähme auf einen einzelnen mit einem zwar scharfen, aber sachlich nicht unzutreffenden Ausdruck bezeichnete, so kann er doch dadurch nicht seine Pflicht als Betriebsratsmitglied gröblich verletzt haben. Es handelt sich lediglich um eine Meinungsäußerung, die mit der Tätigkeit des Betriebsrates in keinem Zusammenhang steht. Von einer gröblichen Pflichtverletztung kann also gar keine Rede sein. Vas Awangsphotographieren macht Schule. Legt die Zinna Siemens schwarze Listen an? Die Maßnahme der Firma Lautenschläger, Charlotten- bürg, über die wir seinerzeit berichteten, macht jetzt Schule. Auch die Siemensfirmen haben eine Verfügung erlassen, nach der die Angestellten verpflichtet sind, der Personalabteilung zwei Paß- bilder einzureichen: auf der Rückseite eines jeden Lichtbildes hat der Angestellte deutlich seinen Vor- und Zunamen sowie die Dienststelle zu oermerken. In dem Rundschreiben, das die Siemens- firmen herausgegeben haben, ist ausdrücklich vermerkt, daß das eine Paßbild für die A u s w e i s k a r t e und das andere für die Per- s o n a l a k t e n des Angestellten bestimmt ist. Diese Persügung der Direktion ist eigenmächtig erlassen worden. Nach 8 73 BRG. ist der Arbeitgeber verpflichtet, wenn Aenderungen an den Dienstvorschriften der Arbeiter sowie der Angestellten� vor- genommen werden, soweit diese nicht auf Bestimmungen des Tarif- Vertrages beruhen, einen Entwurf der Betriebs Vertretung vor zu legen. Kommt eine Einigung zwischen beiden Parteien nicht zustande, so ist der S ch l i ch t u n g s a u s s ch u ß anzurufen. Wir stellen zunächst einmal die gesetzlichen Bestimmungen sest. Der VBMJ sowie seine Mitgliedsfirmen haben des öfteren bewiesen, daß sie schwarze Listen führen, um Angestellten und Arbeitern, die sich bei irgendeiner Gelegenheit unliebsam bemerkbar gemacht habe», in Zukunft jeder Arbeitsmöglichkeit zu berauben, und das auch ohne Paßbilder. Von den Betriebsvertretungen der Sieinens- firmen erwarten wir jedenfalls, daß sie alles aufbieten, um dieses schamlose Ansinnen der Firma Siemens zurückzuweisen. Von den Angestellten aber wird erwartet, daß sie der Aussorderung der Firma nicht nachkommen, sondern daß sie sich in dieser Angelegenheit an ihre Bctriebsvertretung und an ihre Gewerkschaften wenden. Es ist aber bezeichnend für den militaristisch- bureaukratischcn Geist, der in den oberen Regionen der Siemensbetriebe herrscht, daß man die Produktion mit ganz unnützen Verwallungskosten belastet. weil die ehemaligen aktiven und Reserveoffiziere in den Direktionen sich Regimentsakten anlegen wollen. Wenn die Unternehmer, die sonst nicht genug über die hohen Produktionskosten jammern können, die Herren Offiziere in den Direktionsburcaus schalten und ivalten lassen, so ist es Sache der Arbeiter und Angestellten, sich gegen diese Bureaukratisierung zu wehren.__ Scharfer Konflikt im oberflhleflschen Bergbau Um den Achtstundentag. Breslau, 26. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Eine Bergarbeiter- tonfercnz in Hindenburg-Zaborz« beschloß einstimmig die Ablehnung eines Schiedsspruches für den deuttch-oberschlesischen Kohlenbergbau. der in der Arbeitszeit den 8)H-Stu»den-Tag aufrechterhält und in der Lohnfrage nur geringfügiges Entgegenkommen zeigt. Für den Fall der Verbindlichkeitserklärung durch das Reichsarbeitsmini- sterium beschloß die Gewerkschaftskonferenz die Vorbereitung von Ka in pf m abnahmen. Einheitsfront in Bulgarien. Uyler dem Banner Amsterdams. Sofia. 26. Juli.(Eigener Bericht.) In einer dichtgedrängten imposanten Arbeitcroersammlung in Sofia wurde dieser Tage der Zusanimenschluß der bisher getrennt marschierenden und getrennt kämpfenden Gewerkschaftsgruppen„Freie Gewerkschaft"(Amsterdam) und„Unabhängige Gewerkschaft"(früher Moskau) in die„Gceinigte Gewerkschaft Bulgariens"(Amsterdam) proklamiert. Eine ent- sprechende Entschließung wurde von den Versammlungsteilnehmern mit ungeheurem Beifall aufgenommen. Die Verständigungsoerhand- lungen, die seit einigen Monaten stattfanden, konnten schneller als erwartet zum guten Abschluß gebracht werden, da beide Seiten davon überzeugt waren, daß nur ein gemeinsamer Kamps die bulgarische Arbeiterbewegung ihren Zielen näherbringen kann. Die „Geeinigte Gewerkschaft" wird ein neues Gewcrkschafts- haus errichten und eine eigene Zeitung herausgeben. finit Se>»»nchaft»iuacnl>. L?ii>r. Dicnstog. Vi Ilbr. taaen ble Kruppen: Sonb-bemcr Platz: Jugendheim Dieslelincncrstr. S. Vorirag:„Russische Rc» vowlion 191'".— geanksurter Allee: Jugendheim Tilsster Sir. 4 5, 1 Treppe. Vorirag:„Der I<. Juli l7fl!t�.— Lichtenberg: Jugendheim Dossestr. 22. Dis- kussion:„Zenlralismus— Föderalismus".— Treptow: Jugendheim Wildcn- bruchstr. SS s<.„Kosemann", Lichlbildcrvortrag. � Spandau: Jugendheim Lindenufer 1. Sviciabcnd.— Es spielen im sireicn: Oberschöneweidc und Köpenick auf dem Mctallarbeitersporwlatz an der Obersprce.— Rordkieis: Baden jeden Dienstag in PlStzensee. Trcsfpuntt WI Uhr Amrumcr Ecke Afrikanische Straße. Heimauswcis« mitbringen. Verantwortlich fijr Politik: Dr. Enet»eger: Wirtschaft: Artne Saternns: Gewerkschoftsbcweguna: 3. Steiner: Feuilleton: Dr. John Echikowski: Lokales und Sonstiges: Fritz Zlarftädt: AnZcioen: Th. slockc: samtlich in Berlin. Verlar Vorwärts-Verlag Ä. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwarts-Buchdrnckerei und Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., Verlin SW 68. Lindenstrahe 3. Sicrzu 2 Beilagen und„Unterhaltung und«issen". ütatoll FRIEDENSCtUAUTAT& STARKES FORMAT % Nr. 348 �»Z.�ahrgakg Dienstag, 27. 7uli 1�26 p.�z!~0 Die zahlreichen Niederschläge und Unwetter und die darauf ein. setzende Hitzewelle waren, namentlich in den großen Ueberfchwem- mungsgebieten, der Entwicklung und Vermehrung jener kleinen aber sehr lästigen und unangenehmen Plagegeister des Menschen, der Mucken, außerordentlich günstig. Aus allen Teilen Deutschlands, vornehmlich aus den von der Ueberschwemmung betreffenden Gebieten kommen Nachrichten von dem Austreten ungeheurer Mücken- schwärme, welche neben den schon durch die Wassermengen onge- richteten Schäden dem Menschen das Leben recht unangenehm machen und ihn selbst des Nachts nicht zur Ruhe kommen lassen, ja sogar dem Gesundheitszustande Schaden zufügen, indem sie in einigen Gegenden eine fieberartige Krankheit verbreiten sollen, über deren Urheber anscheinend noch keine Klarheit herrscht. Wohl bekannt sind die entsetzlichen Mückenplogen, die in den tropischen und subtropischen Sumpfgebieten austreten. Di« Moskitos mächen dort den Reisenden und Ansiedlern das Leben fast zur Unmöglichkeit. Sie sind die Ueber» träger verschiedener sieberartiger Krankheiten, deren Bekämpfung häufig große Schwierigkeiten bereitet. Verbreitung über die ganze - endlich lange Zug, der aus Wagen der 4. Klaffe gebildet ist, auf alle � die Vergnügung»- und erholungsfllchtigen Großstädter wartet, die er hinausbringen soll an den Ostseestrand. Eine Musikkapelle spielt zum Abschied, Tücher winken, die Räder drehen sich. Bier Stunden später ist man in Swinemünde. Der Zug fährt durch wie ein O.Zug. Nur in Pasewalt gibt es einen größeren Aufenthalt, und der kommt dem Gastwirt zugute, der ganze Batterien von Gläsern , und Tassen aufgefahren hat, die mit Limonade oder Kaffee gefüllt sind, und der kaum imstande ist, all die Würstchen für die scheinbar ewig hungrigen Reifenden zu liefern. Wenn das Wetter schön ist, lohnt sich solch eine Fahrt von vier. Stunden an die Ostsee. Dann ist ein Ausslug im Sonderzug wirklich ein Vergnügen. Dann kann man in dem von der Glut der Sonne erwärmten Sande liegen, aus- ruhen, schlafen oder sich dem Farbenspiel des Himmels und des Meere» hingeben, man kann den Kurkapellen lauschen, die dort vor einer ewig unruhig promenierenden Menge ihre Weisen zum besten geben. Man kann tausend andere Dinge tun, ganz nach Geschmack und Belieben. Und dann wenn inan sich so wirklich erholt hat, wenn nian das Meer und seine Weite genossen hat, dann kann man sicher sein, wieder einen bequemen Platz im Zuge zu erhalten und in angenehmer Fahrt nach Berlin.zinmkzukchren. Und das ist vielleicht noch das Beste an solch«i»em Sonntagsausflug an die Ostsee. Wer in die näheren Vororte Berlins fährt, der kann an schönen Tagen sicher sein, daß er in der drückenden Enge des Abteils, in dem die Menschen wie die Heringe in der Tonne zusammen- gepreßt sind, vergißt, draußen am Wässer in Feld und Wold ge- wcsen zu sein. Hier aber bleibt die Erinnerung ungetrübt. Wenn ober das Wetter wie am letzten Sonntag so ist, daß es„Schnürt regnet", wenn ein Gewitter das andere jagt und sich immer neue dunkle Wolken am Horizont bilden, dann allerdings kann auch dem heitersten Berliner die sprichwörtlich geworden« gute Laune ver- darben werden. Bei aller Anerkennung, die solche Sonderfahrten verdienen, muß man es doch bedauern, daß die Reichsbahn mit dem Äettergott keine bindenden Verträge abgeschlossen hat. Hier sollte sie für die Zukunft Vorsorgen. Erst dann, aber nur dann, wird sie sich die ungeteilte Gunst aller derer erwerben, die nur einen einzigen Tag in der Woche für sich selbst erübrigen können. * Wie die Reichsbahndirektion Berlin mitteilt, wird am nächsten Sonntag, den 1. August, bei ausreichender Beteiligung ein Sonntags- senderzug 4. Klasse zu ermäßigten Fahrpreisen nach den, Ostsecbad Warnemünde verkehren. Der Zug verläßt Berlin, Stettiner Bahnhofs um 6,12 vorm., Gesundbrunnen um 6,19 und trifft in Warnemünde um 19,11 vorm. ein. Die Rückfahrt erfolgt ab Warne- münde 7,49 nachm.. Ankunft In Perlin, Stettiner Bahnhof, 12,94 nachts. Der Fahrpreis für die Hin- und Rückfahrt beträgt 19,29 Mark. In Warnemünde ist Gelegenheit zu einer See- fahrt mit dem Fährschiff na» Gjedser(Dänemark) gegeben. Auch für dies« Fahrt ist der Fahrpreis ermäßigt, und zwar für die Hin- und Rücksahrt aus 6 W.. Für die Reisendem die an- der lMkahr�teilneh, pei�rvit«!»».>,»tvLösuna-d«!->F«hrtnrt'«ir e&'-.Beft«. .ÄÄKMMaebep..-BvrAigung.in,- Worpamünde---dse �.chisfsrarten ausgehändigt werden. Die Teilnahme an-der Seefahrt" fft bis spätestens Sonnabend anzumelden. Der Fahrkartenoerkguf beginnt am Dienstag, den 27. Juli, bei den Fahrkartenausgaben otettiner Bahnhof und Bahnhof Gesundbrunnen, sowie bei den vier Ausgabestellen des MER.-BureaiiSi Potsdamer Bahnhof. Bahnhof '.mcdrichstraße, Kaufhaus des Westens und Reisebureau Unter den Linden 57/58. /ibjchteS öer»wiener Tppogrophia'. Fohrk nach Leipzig.' > Mit dem„Wiener Abend" am Sonntag war das offizielle Pro« gramm der„Wiener Typographin" zu Ende. Den gestrigen Vor- mittag benutzten die Sänger zu einer Besichtigung Berlins... Um 1 Uhr 57 Min. sollte die Abfahrt nach Leipzig erfolgen. Mit ihren Ouartiergebern, die es sich nicht nehmen ließen, ihre Gäste zuin Zuge Z» geleiten, trafen die Wiener auf dem Bahnsteig ein. Ein Sonder- zug stand bereit, der bald mit kleinen rotweißroten Fähnchen ge- schmückt war. Die Berliner Typographia sang zum Abschied. Ihr Chorführer dankte mit herzlichen Worten den Wiener Sängern für chren Besuch und ihre Darbietungen. Der österreichisch-deutsch« Vollsbund war durch den Geschäftsführer Dr. M i s ch l e r vertreten. Vom Zuge aus dankte der Wiener Gen. 0 e t t l e r für die Gastlich- kcit, die Berlin gewährte. Dann verließ der Zug die Halle zu der Fahrt nach Leipzig, während auf dem Bahnsteig das Lied: �Empor zum Licht" erklang. In Q e i p z i g bleiben die Wiener Sänger z w e t T a g e, dann geht es nach Nürnberg und M ü n- ch e n und am Sonntag nach Wien zurück. Rcichsbannerfahnenweihe in Wandlitz. Die Ortsgruppe Wandlitz des Reichsbanners Schwarz-Rot- Gold veranstaltete am Sonntag eine Fahnenweihe, zu der die Orts- gruppen.des Kreises Niederbarnim sowie die Gruppen Reinickendorf und Wedding erschienen waren. Nach einem Umzug durch den in den republikanischen Farben reich geschmückten Ort fand in der Dorf- oüe die Fahnenweihe statt, nachdem die Arbeitersänger ein Weihe- lied zum Vortrag gebracht hatten. Der Vorsitzende der Wandlitzer Ortsgruppe unserer Partei sprach nach einigen Begrüßungsworten einen wirkungsvollen Prolog. Redakteur N o w a ck- Berlin hiell die Festrede. Cr wies auf die gesteigerte Miniertätigteit der rechts- putschistischen Verbände hin und betonte, daß das Reichsbanner jederzeit auf der Wacht sein müsse, um die Republik gegen die offenen und versteckten Angriffe der Monarchisten ge- gebenenfalls mit allen Mitteln zu verteidigen. Nach der Fahncncnthüllung stifteten die Frauen der Wandlitzer Part� ein Fahnenband und Dr. Landau, der Vorsitzende der Ortsorgani- sation, überreichte den Fahnennagel. Am Kriegerdenkmal wurde ein Kranz in den schwarzrotgoldenen Farben niedergelegt. In zwei Festlokalen kam dann der gemütliche Teil der Veranstaltung bis in die späten Nachtstunden zu seinem Recht. Warnung an wilde Radfahrer. Der Berliner Polizeipräsident teilt mit: In letzter Zkn mehren sich die Meldungen, daß auf den Straßen die Rad- fahrer durch unrichtiges und übermäßig schnelles Fahren erhebliche Störungen in den Fährverkehr hineinbringen und dadurch eine ständige Gefahrenquelle bilden. Zahlreiche Bs- schwerden kennzeichnen den Unmut, der dadurch in den verschie, densten Kreisen der Bevölkerung entstanden ist. Es wird darauf hingewiesen, daß die Unsitte mancher Radfahrer, sich an Fuhr- werke anzuhängen, stark in der Zunahme begriffen ist. Es kann auch nicht bezweifelt werden, daß zahlreiche Unglücksfälle, in denen Fußgänger anscheinend durch eigene? Verfchulden von Fuhrwerken übekfahren wurden, darauf zurückzuführen sind, � daß sie� durch u n- vorsichtiges Verhalten von Radfahrern in- Derwir» rung gesetzt worden waren. Die Radfahrerorganisationen sind unter Hinweis hierauf gehalten worden, auf ihre Mitglieder war- nend und belehrend hinzuwirken. Wenn nicht eine gründliche Aen- derung eintritt, wird sich der Polizeipräsident den wiederholten Anregungen nicht entziehen können, in den belebten Straßen, ins- besondere in der inneren Stadt, den Radfahrverkehr überhaupt zu verbieten. /llles aus Liebe... Der Roman einer Brasilianerin. Seine Einmischung in einen Rechtsstreit hat für den Tanz- künsller Leonhard, der im bürgerlichen Leben Benno Kroner heißt, sehr böse Folgen gehabt. Der Staatsanwalt hat ihm dafür eine Rechnung in Gestalt einer Anklage wegen Anstiftung zur Ab- gäbe einer wissentlich falschen eidesstattlichen Versicherung, wegen Urkundenfälschung und Amtsanmaßung aufgemacht. Nach acht- monatiger Untersuchungshaft wurde Kroner dem er- wetterten Schöffengericht Charlottenburg vorgeführt, um sich wegen dieser Anklage zu verantworten. Die Strafhandlungen hatte er im Interesse seiner Freundin unternommen, einer mit einem hiesigen praktischen Arzt Dr. Sch. verheirateten Brasilianerin. Sie war mit ihrer Mutter gerade in Berlin, als im Jahre 1917 die Kriegserklärung ihres Heimatlandes an Deutschland erfolgte, und beide Frauen waren dadurch an der Heimreise gehindert. Die reichen Geldmittel, über die sie verfügten, gestatteten es ihnen aber, sich eine Zehnzimmerwohnung am Kurfürstendamm zu beschaffen. Die Tochter halle dann den Berliner Arzt geheiratet, später war die Ehe unglücklich ge- worden, und der Ehemann hatte die Scheidungsklage eingereicht. Im Verlaufe dieses Ehestreits hatte Dr. Sch. auch beim Landgericht ein obsiegendes Urteil erwirkt, daß ihm schon während des schweben- den Ehescheidungsvcrsahrens die Sorge für die drei Kinder aus der Ehe übertragen wurde. Gerade um diese Kinder war aber zwischen den Eheleuten ein heftiger Kampf entstanden, hatte doch der Millionen- reiche Großvater in Brasilien für jedes Kind einen Erziehungsbeitrag von monatlich 1999 Dollar ausgesetzt. Die 3999 Dollar trafen auch pünktlich jeden Monat ein. Inzwischen hatte Frau Dr. Sch. den Tänzer Leonhard kennengelernt, als dieser In Heringsdorf ein Tanzinstitut leitete. Zwischen den, interessanten Tänzer und der reichen Brasilianerin war es zu näheren Beziehungen gekommen, und Leonhard wollte sich nun der Interessen seiner Dame annehmen. Der Weg, den er dabei einschlug, war höchst bedenklich. Beim Vor- mundschaftsrichter hatte die Ehefrau den Antrag gestellt, ihr die Kinder wieder zuzusprechen. Dem Antrage war zur Begründung eine eidesstattliche Versicherung beigefügt worden, die von einer Kontoristin Gertrud S. abgegeben worden'war und die dahin ging, daß Dr. Sch. die Kinder ins Ausland schaffen wolle. Jedoch schon zwei Tage nach Einreichung dieser Erklärung hatte die Kontoristin sie widerrufen. Leonhard wurde wegen Anstiftung zur Abgab« einer falschen eidesstattlichen Versicherung zu einem Jahr Gefängni» verurteilt.' Es wurden ihm zwar 6 Monate auf die Untersuchungs- Haft angerechnet, aber seinen Antrag auf Haftentlassung lehnte das Gericht mit der Begründung ab, daß er sich bereits dem Haftbefehl unter falschem Namen und durch Fluchtversuch habe entziehen wollen. Die Kontoristin S. kam mit 3 Monaten Gefängnis unter Zubilligung einer dreijährigen Bewährungsfrist davon. Iv dem Sonntag abendprogrämm,„T ä n z e", bewies Dr. Wilhelm Buschkötter, daß es durchaus möglich ist, ein gutes, unterhallendes und im gemissen Sinne sogar populäres Pro- gramm zu bringen, ohne dabei gefchmack- und stillos zu werden. Buschkötter bleibt ja überhaupt immer noch der Dirigent des Funk- orchefters. Man freute sich der fein durchgearbeiteten Musik und de» mit künstlerischem Verständnis ausgebauten Programms. Schon der erste Teil in der Aufeinanderfolge von Liszt, Alexander Ritter. Wein- gartner und Brahms mit zwei ungarischen Tänzen war geradezu ein musikästhetisches Pflaster für sunkgeschundene Hörernerven: dann ging es über Strauß, Klenau, Hindemith zu Dvorak — man atmet erleichtert auf, daß gewiß und wahrhaftig kein aller- neuester Fortrott oder Charleston als Einlage— Franz von Spa- nowski ergötzte. Die übrige Unterhaltungsmusik des Tages wird ihn dafür um so mehr gefreut haben.— Die Sonntagsvorträge waren von wenig anfechtbarem Mittelmaß, am hörenswertesten noch die Ausführungen Otto Wulffs über„Die Totenbestattung der un- kultivierten Völker"— Der Montag- Abend galt Bernhard Shaw, der an diesem Tage seinen 79. Geburtstag beging. Maximilian Horden versuchte In einem geistvollen Vortrage das Wesen des interessanten Iren zu zeichnen, der sich weder künst- lerisch noch menschlich aus eine feste Formel bringen läßt, der sein eigener Widerspruch ist, obschon er den Widersprüchen des inensch- lichen Lebens und Handelns so energisch zu Leibe zu gehen scheint. Das Verbot Shaws, aus seinen dramatischen Werken im Rundfunk Bruchstücke vorzulesen, trug dazu bei, seine Berliner Funkgeburts- tagsfeier glücklich zu gestalten. Die witzige und doch charakteristische Selbstbiographie, der Aussatz„Was ich der deutschen Kultur ver- danke", der ein begeistertes Bekenntnis zur Musik darstellt, gaben ge- miß mehr, als zusammenhanglose Szenen aus für die Bühne be- stimmten Werken vermocht hätten. Die Feier durch Mozarts Violin-Sonate in B-Dur besckließen zu lassen, war gewiß im Sinne Shaws, zumal Erna Klein und Alfred Wittenberg eine ausgezeichnete Aufführung des Werkes boten.— Ein unterhaltsames Funkbilderbuch durchblätterte Reqierungsbaurat Dr.-Ing. T e u b« r t. Die Eindrücke von einer Welt-Studienreise glitten vorüber wie die Ausschnitte einer Filmschau, ohne starte Wirkung: ober man folgte trotzdem gern den abwechslungsreichen Hörbildern. vss KiindfuriKproxi-anim. Dienstag, den 27. Juli. AaD«r dem üblichen Tagesprogramm: 12 Uhr mittags: vis Viertelstunde für den LandTrirt. S.4S Uhr naohra.: Stunde mit Büchern. 1. Oeoffray Moll:„Oefeat". 2. John Galsworthy:„Die dnntle Blume". S! Svend Fleuron:„Die Schw&no vom Wildsce1'. 6—6.30 Uhr abends: Xachmittagskonrert der Berliner FunkVapelle. Leitung: Konzertmeister Franz v. Szna- nowski. AnsohlieDend: KatsrhlSge fürs Haus, Theater- und Filmdienst. 7 Uhr abends; Hans-Bredow-Schnle(HoohschulkurseX Abteilung Versieherungslehre. Prof. Dr. Alfred Manes:„Streik- züge in die Versicherungswisseusohaft(Internationale Versiehe- rungsprobleme). 7.25 Uhr abends: Heinrich Zimmermann:„Da» Tier im Aberglauben". 7.58 Uhr abends: Direktor Otto Behrens: „Der Bernstein". 0 30 Uhr abends: Filmmannskripte. 1. Ein. leitende Worte(Leo Hirsch). 2. Aus Filmmanuskripten: Asta Kielsen, Werner Krauß. Berliner Funkorohestor. Dirigent: Dr. Wilhelm Buschkötter. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten,. Zeitansage, Wetterdienst, Sportnach- lichten, Theater- und Filmdienst KOnigswusterhausen, Dienstag, den 27. Juli. 3— 3 30 Uhr nachm.: Q. M. v. Eyseren und 0. M. Alfleri: Spanisch. 3.30—« Uhr nachm.: Carola Lohde; Scharf, unscharf, hart, weich. 4— 4 30 Uhr nachm.: Mari« Kundt: Tm eigenen Heim — bitte recht freundlich. 4.30—5 Uhr nachm.: Mitteilungen des Zentralinstitutes. 8—5.30 Uhr nachm.: MSrchen von Tlerea(Anni Macke).&S0 Uhr abends: Uebertragnng aus Berlin. Großer dachstuhlbranö in Köpenick. Mehrere Wohnungen ausgebrannt. Ein größerer Dachstuhlbrand beschäftigte gestern nachmittag gegen>42 Uhr die Feuerwehren von Köpenick und Niederschöne- weide in der Pestalozzistr. 12 zu Köpenick, wo in dem Dachstuhl eines dreistöckigen Wohnhauses Feuer ausgebrochen war. Heber eine mechanische Leiter und vom Treppenhaus wurde mit 3 O Rohren über«ine Stunde lang Wasser gegeben. Bedauerlicher- weise sind einige Wohnungen, die unmittelbar unter dem Dachstuhl lagen, ein Raub der Flammen geworden. Die Bewohner waren auf ihren Arbeitsstellen, so daß die Feuerwehr die verschloffenen Türen gewaltsam öffnen mußte. Die Mieter werden von dem Schaden besonders hart getroffen, da sie sämtlich unversichert sind. Die Ausräumungsarbeiten zogen sich bis in die Abend- stunden hin. Die Entstehungsursache ist noch unbekannt. In Mahlsdorf brannte in den Nachmittagsstunden eine größere Wohnlaube nieder. Trotz sofortiger Löschmaßnahmen ge- lang es nicht, das Holzgebäud« zu retten.— Gestern abend gegen 1�8 Uhr wurde die Feuerwehr nach der P a l i s a d e n st r. 4 7 ge- rufen, wo eine Tischlerei in Flammen stand. Das Feuer fand an Holzoorräten und Werkzeugbänken reiche Nahrung und konnte erst nach längerer Zeit gelöscht werden. Um 10 Pfennige Steuerrest... Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde..... Bekommt da am 5. Juli 1929 Herr R.. Goldaper Str. 2. ein sechsseitiges be- druckte? und beschriebenes Formular des Finanzamtes Greifswalder Straße mit dem dringenden Ersuchen zugeschickt, den seit rund 2 Iahren fälligen Rest von 19(zehn) Pfennigen Ein- kommensteuer baldigst zu zahlm. Die Bureaukratie ist von einer geradezu grotesken Umständlichkeit: aber sie ist auch uner- bittlich, wenn es die Sanierung des Staatsbudgets mit den zehn Pfennigen des Herrn R. gilt. .Werden die", so heißt es in dem gewaltigen finanzamtlichen Ukas,.in diesem Bescheid angesorderten Steuerbeträge(I) nicht innerhalb der vorgeschriebenen Fristen gezahlt, so ist für jeden auf den Zeitpunkt der Fälligkeit folgenden angefangenen halben Monat ein Zuschlag von 9,75 Prozent vom Hundert des Rückstandes zu zahlen." Was hier 7K Pfennige Strafspesen ausmachen würden. .Außerdem fallen dem Steuerpslichtigen die entstehenden Mahn- gebühren und Zwangsvollstreckungskosten zur Last."(II) Dieser Wirbel um eine lächerlich- Bagatelle erfordert die Be- mühung der Arbeitskrast eines Beamten mindestens für eine Viertelstunde, zeitraubende Recherchen in vergilbten Steuerbuchern. den Derbrauch eines Formulars, Poststempel und da- Treppen. steigen eines Postbeamten. Wenn solche Zopfigkeiten die Ergebniffc rationeller Wirtschaft bei den Behörden sind, mag man sich mit Fug und Recht dafür bedanken. Der-.harmlose" Fassadenkletterer. Eine starke Zumutung an die Leichtgläubigkeit des Gerichts stellte der Arbeiter Paul Bielawski. der sich wegen versuchten Einbruchdiebstahls vor dem Schöffengericht Schöneberg zu ver- antworten hatte. Er war eines Nachts um 2 Uhr am Schoneoerger Ufer durch das osfenstehend« Fenster in«in Zimmer des ersten Stockwerkes geklettert. Durch das Geräusch war der Bewohner des Zimmers aufgewacht, hatte das Licht angedreht und den Eindringling mit vorgehaltenem Revolver so lange in Schach gehalten, bis das von ihm benachrichtigte Ueberfallkommando zur Stelle war. In dem Festgenommenen wurde ein schon mehrfach v o r b e st r a f- ter Einbrecher ermittelt, bei dem man überdies auch die modernsten Einbr«ch«rwerkzeuge� fand. Der Angeklagte versuchte dem Gericht einzureden, daß er überhaupt nicht an einen Einbruch gedacht habe. Er sei ohne Wohnung gewesen und nachts durch die Straßen gewandert. Als er am Schöneberger User vorbei- gekommen sei und das offene Fenster gesehen habe, wäre ihm der Gedanke gekemmetr. daß er in der stillen Straße dort oben sehr schön schlafen könnte. NachdeM'ür riMMil Oben gewesen sek, habe er �neb�nbei sich auch noch umsehen wollen, ob nicht etwas zu effen da fei. Der Herr habe eben' seine friedlich'«« Absichten vollkommen verkannt und ihn für einen Einbrecher gehalten. Nach seinen früheren Vorstrafen habe er ober gar nicht mehr daran gedacht, wieder zu stehlen. Der Staatsanwalt und das Gericht faßten die Sache weniger harmlos auf. Er erhielt zehn Monate Gefängnis und drei Jahre Ehrverlust._ 2 Millionen Zigaretten für die Erwerbslosen. Einen hübschen Gedanken setzt die Maffary-Zigarettenfabrik im Laufe dieser Woche in die Tat um: si« läßt an alle erwerbslosen männlichen Unter- stützungsempsänger einPäckchenmit19Zigarettengr a t i s verteilen. Um eine reibungslose und gereäste Abgabe� zu gewahr- leisten, haben die Bezirksarbeitsämter der Stadt Berlin die Vertellung der Spende übernommen. Protestkundgebungen der Kommunisten. Die Kommunisten ver- anstalteten am Montag abend zirka 29 Kundgebungen auf Straßen und Plätzen Groß-Berlin». um gegen das Verbot der„Roten Fahne" zu protestieren. Die Veranstaltungen wiesen die üblichen Merkmale der kommunistischen Aufmärsche aus: Rote Frontkämpfer, der Rote Frauen- und Mädchenbnnd, Trans- parente und Fahnen. Im großen und ganzen sind die Demon- strationen ruhig verlaufen, nur an zwei Stellen ist es zu Zu- sammenstößen gekommen. Am Koppenplatz kam es zwischen einem Zug Kommunisten und Polizeibeamten, die ihn begleiteten, zu Disse- renzen. Als die Demonstranten tätlich wurden, nahm die Polizet zwei Sistierungen vor. Ein Mann wurde ins Polizeigefängnis ein- geliefert. Die Beamten zerstreuten sodann die Ansammlung. An der Ecke Linien- Gormannstraße wurde ebenfalls ein Beamter be- drängt und angegriffen. Hier erfolgte eine Festnahme. Eine Molorzille auf dem Müggelsee gesunken. Auf dem Müggelsee unweit von Rahnsdorf sank gestern nachmittag infolge des stürmischen Wetters eine mit Sand brladene Motorzille der„Märkischen Sandwerke A.-G.". Die ZGe, die einen ziemlichen Tiesgang aufzuweisen hatte, schlug voll Wasser und verschwand in kurzer Zeit unter der Wasseroberfläche. Von der Rettungsstation war der Vorsall bemerkt worden, die sofort «in Boot zu Hilje sandte, das die Ma n n s ch a f t im letzten Augenblick rettete. Die Unglücksstelle wurde mit Warnungszeichen ver- sehen, um zu verhindern, daß tiefgehende Waffersahrzeuge leck geben. In den nächsten Taen wird versucht werden, die Zille zu Heven. Zu der ttofiz„Ein merkwürdiges Adreßbuch" wird uns ge- schrieben:.Dem Einsender des Artikels aus Nr. 339 scheint völlig entgangen zu sein, daß das„Tcltower Kreisblatt" nicht im Privat- betrieb ist, sondern daß derKreisEigentümerderDrucke- rei unddes Verlages ist. Ein Adreßbuch fehlte leider bisher im Kreis Teltow, so daß unsere Genossen dafür eintraten, ein solches zu schaffen, da ein Teil der Arbeitslosen damit beschäftigt werden konnte. Woher der Einsender weiß, daß da» in Arbeit befindliche Adreßbuch das schlechteste seiner Art werden wird, ist unbekannt, da die ganze Arbeit, an der unsere Genoffen auch mitarbeiten, noch in den Ansängen-steckt." Sport. Alühlbackis erstet Zlart als Berufsiehret beim 100«ftin.-Sennen ans her Sflll- i«na wird am lommcnben M i I t w c ch tot sich geben. Der neue AeiuISsahrer wird den vovulären Italiener R t j e t t o»um Partner haben. Müblbach. der be! Rizetto sicherlich gute Unterliuhung finden dürfte, wird alle« tun, um feintn ÜandSIeuten zu zeigen, da« er auch als Beruftfahrer ielbst die Velten nicht zu fürchten braucht, und sc tann man damit rechnen, daß die Mannschalt den lech« überragenden Team« Pershn-Ber» f ch elden, Marcel 8 u h s s«. H a h n. LtkarT i etz-Bulchenhaaen, Ncch-Mlethe, Tpear», Torrn und Rauch-Hürtgen tüchtig emheizen wird, iluch der unoerwüüliche SUImelster Qenry A a n e r wird tm Felde mit dem schnellen BreSlauer B o ht zu finden sein. T ch r a g e fährt mit T t c Iz.« m a t e u r r e« n e n. u. a. dt« 4..Deutsche Meile" umrahmen bat Programm. Dienstag 27. �nif 1926 Unterhaltung unö AAssen Seilage öes vorwärts Mlbert, springe mal! von Karl Hermann Franz. Wenn ihr Dienstags ober Sonnabends in der Nachmittagsstunde durch den Stodtpark bummelt, versäumt nicht, den Weg am Wall hinter den Kasernen aufzusuchen. Tort bietet sich ein Schauspiel, das euer Herz erschüttert, das eindringlicher zu euch spricht als jene« „Xlemento mori* weltabgeschiedener Mönche. Zwischen Busch und Baum vordringend bereitet sich die Front der militärischen Gebäude, jauchzende Kinderstimmen klingen her- über und ihr unterscheidet deutlich den sich wiederholenden Ruf: Mbert, springe mal! Albert, springe mal!" Kommt ihr näher, könnt ihr sehen, wie auf dempnbewaldetcn Streifen an der Kasernenmauer ein alter Kerl in Lumpen— auf grauem Kopfe trägt er eine rote Husarenmütze— den Popanz einer Gemeinde spielt, die in respektvoller Entfernung herumsteht und ihn mit gellenden Zurufen zu immer neuen Kapriolen anfeuert. Der Stromer bewegt sich schwerfällig wie ein dressierter Bär im Tanzschritt über die Erde, wackelt mit dem Kopfe, hebt und senkt die Arme, läßt sich nieder und kriecht auf allen Bieren. Nicht nur Dutzende von Kindern und Erwachsenen sehen seinem närrischen Treiben zu, auch in der Kaserne sind alle Fenster geöffnet und Sol- daten mit lachenden Gesichtern schauen aus den Stockwerken, neben sich auf dem Fensterbord ganze Stapel Ülter Kommißbrotreste. Wenn der Krei» der Zuschauer.Albert, springe mall" jubelt, dann schnellt sich der Alte mit ungelenken Gliedmaßen mühsam ein Stück vorwärts, im gleichen Augenblick setzt aus allen Fenstern ein Bombardement auf ihn ein, halbe und viertel Kommißbrote sausen aus der Höhe herunter und schlagen polternd um den Stromer zu Boden. Der Sinn des Spieles geht dahin, dem Kerl die rote Mütze vom Kopfe zu werfen! Das ist nicht einfach, obgleich ihn da oder dort ein Geschoß trifft. Dann riesel langsam Blut aus einer Schramme an der Stirn, auch das Ohr schwillt unförmig auf. Aber die Mütze sitzt fest und wartet auf den Königstreffer. In den Pausen sammelt der All« da» herobgeworfen« Brot in einem großen, braunen Sacke, er geht dabei sehr sorgsam vor, denn manch« Stück« sind well vom Ziel eingeschlagen und über die Erde gerollt, da muß er den ganzen Umkreis absuchen. Zuweilen bleibt er stehen, klaubt aus seinem zerrissenen Rocke«in schmutziges Tuch und wischt sich da, Blut ab. Mitunter zieht er auch eine Flasche aus der Hosentasche, hält sie gegen das Licht, eine gelbe Flüssigkell leuchtet in ihr. Wenn er von dem Fusel einen guten Schluck hinter die Binde gegossen hat, nimmt er mit oerdoppeltem Eifer seine Tätigkeit wieder auf. Dabei mag er an den Fuhrhaller denken, der für den gefüllten Brotsack zwei Mark gibt. Da» bedeutet für ihn fünf volle Floschenl Bald beginnt da» Spiel von neuem, der Sack ist noch halbleer und der Abnehmer häll auf Maß und Gewicht. Wieder bewegt sich der Stromer gravitätisch wie«in Tanzbär, läßt sich wie ein Äer necken, und hell erklingt der Zuruf der Kinder:.Albert, springe mal!" Aus der Höhe fahren in rasendem Schwünge die harten Brotrefte, schlagen dumpf polternd auf, rollen weiter und bleiben liegen. Wenn ober ein Wurf den Allen in dl« Kniekehlen trifft, dann nimmt der Jubel kein Ende, der Stromer knickt zusammen, die Mütze rutscht ihm vom Kopfe und der Kerl liegt da. Oben in den Fenstern biegen sich die Soldaten vor Der- gnügen, der Königsschütze bläht sich wie ein Hahn, unten tanzen die Kinder vor Lust, und die Großen lachen aus vollem Halse! Jauchzend schallt da» Geschrei empor:.Albert, springe mal! Albert, springe mal!" Mühsam erhebt sich der Alte, humpelt hin und her. sucht die Brotreste zusammen, nimmt den prallen Sack über die Schuller, reibt sich mit einer verzerrten Grimasse das getroffene Bein und hinkt davon. Könnt ihr euch vorstellen, daß dieser grauhaarige, verkommene Kerl einmal ein schmaler, blasser Junge gewesen ist? Was sein Leben auf eine schiefe Ebene gedrängt hat. will ich erzählen, er- wartet aber nicht große Ereignisse, dann würdet ihr enttäuscht. Ich kann nur von fast belanglosen Borsällen berichten, von!>«nen man nicht viel Aufhebens macht. Dielleicht war er zu empfindlich, besaß nicht die notwendige Widerstandskraft gegen seine Umwelt und ging darum zugrunde. Seine Mutter starb bald nach seiner Geburt. Sein Dater. ein kleiner schmächtiger Postschaffner, trug Jahre schwer an dem Verlust, aber die Kinder machten eine neue Heirat zur Notwendigkeit. So nahm er eine zweite Frau, ein großes, breithüftiges, willensstarkes Frauenzimmer, da» den Mann unterjochte und den Kindern Furcht und Schrecken einjagte. Albert war ein Jung« von vierzehn Iahren geworden, seine Lehrer hatten den Vater bestürmt, den begabten Knaben auf eine höhere Schul« zu bringen, und der ehrgeizige Postschaffner hatte dem Drängen nachgegeben. Der Sohn sah schon das Ziel seiner Wünsche ,n greifbarer Nähe, er besuchte die Tertia des städtischen Gymna- siums. Leicht wurde es ihm nicht, denn die Mitschüler höhnten über seine abgetragenen Kleidungsstücke und zu Hause hörte er da» Klagen und Keifen seiner Mutter über das hohe Schulgeld. In dieser Zeit war es, als ein unbegreifliches Schicksal den Jungen aus dem Gleis warf. Die Familie saß bei Tisch, die Suppe dampfte in den Tellern. Da geriet der Postschaffner mit seiner Frau zusammen, der Streit wurde heftiger und plötzlich schlug da« Weib den Mann heftig in das Gesicht. Der Bater fuhr nicht empor, er blieb zitternd sitzen, sagte kein Wort, verteidigte sich nicht, nur sein Gesicht war weiß und blutleer. Albert hatte atemlos den Vorfall beobachtet, er hörte wie au» weiter Ferne, daß seine kleineren Geschwister zu weinen begannen, aber der Dater rührte sich nicht, nahm den Schlag hin. Da sprang der Junge auf, griff nach dem Teller, schüttete in sinnloser Erregung die heiße Suppe dem hochausgerichtet dastehenden Weibe in da» Gesicht und schlug mit beiden Fäusten los. Mit einem einzigen brutalen Stoße wehrte die Angegriffene den schwächlichen Knaben ab, schwer fiel er auf die Dielen. Dann war der Bater über ihm, mit verzerrtem Munde stieß er zwischen den Zähnen hervor:„Dich will ich lehren, dein« Mutter zu schlagen!" Und dann hieb er auf den am Boden Liegenden ein, ließ an dem Wehrlosen seine ganze unterdrückte Wut aus und fand mit seinen Mißhandlungen kein Ende. Von der Stund« an war der aufgeweckt« Jung« nicht wieder- zuerkennen, auf der Schule versagt« er vollständig, tagelang saß er untätig und sann vor sich hin und begriff nicht». Seine Vor- stellungen von Recht und Unrecht waren wie Glas zersplittert. Nie- wand hals ihm, sich in der harten Welt der Wirklichkeit zurechtzu- finden. Auf Drängen der Frau nahm ihn der Vater von der Schul?, die Kosten für einen Nichtstuer wollte er sich ersparen. das Monstrum. 3n Frankreich ist es geluugeu, drei köpfe auf einen Rumpf aufzusetzen. Aber wird dieses Monstrum lebensfähig fein? Man gab Albert zu einer kleinen Maschinenfabrik in die Lehre. Der schweren Arbeit waren seine körperlichen Kräfte nicht gewachsen, er litt maßlos, aber keiner hatte ein Wort des Bedauerns. Den anderen war es eine Freude, ihn da anzustellen, wo er unter dem Drucke schwerer Lasten zusammenbrechen mußte. Stemmte er mit zitternden Knien und berstenden Muskeln ein eisernes Gelenkstück, bis seine Arme erlahmten und ein Stärkerer zufassen mußte, setzte e« � Scheltworte und Püffe, und der Meister drohte, den faulen Burschen davonzujagen. Es wäre noch alles gut geworden, wenn die Gesellen den Jungen nicht zu Botengängen gebraucht hätten. Er mußte in seinem be- schmierten Arbeitszeug über die Straße, bepackt wie ein Lastesel kam er mit Bierflaschen, Brötchen, Knobländern, Mostrich und Zigarren wieder. Dabei waren ihm einige seiner früheren Schul- kameraden begegnet und hatten sich über den Schlosserjungen lustig gemacht. Wie ein gehetztes Wild war Albert davongestürmt, aber die Zurufe hatten ihn doch erreicht und ihm vor Scham das Blut in die Wangen getrieben. Am nächsten Tage weigerte er sich, die Gänge zu übernehmen, man drohte, man schimpfte, man prügelt« ihn, da erst war er willig. Er trollte sich davon, aber kam nie mehr in die Fabrik zurück. Eine halbe Stunde später fand er sich bei seinem Bater auf dem Postamt ein: der hörte ohne Verständnis die Klagen de» jungen Menschen an. Was au» ihm werden solle, fragte der Postschaffner, wenn er die Lehre nicht durchmache? Er wäre kein reicher Mann, der seinem Sohne«in Rittergut hinterlassen könne. Er solle sich wieder an seine Arbeitsstätte scheren und seine Pflicht erfüllen. Da ging der Junge, aber nicht in sein'Ioch, sondern hinaus in die Freiheit der Landstraße. Menschen am Meer. Von Alfred Hein. Die alte Lehrerin. Liebe und Leben sind fast verwelkt. Nur ihre Augen flammen noch einmal jungseltg, da sie auf ihre absteigenden Tag«, die Schul- klassenluft grau unter der Haut, sich die paar Groschen zusammen- gespart und weither aus dem verrauchten Industriegebiet im Binnen- lande in die reine klare Atmosphäre des gewaltigen Meeres gefahren war.„Ich habe diesen schönen Abend erlebt, nun könnte ich sterben", denkt sie. Und lächelt mit ihrem häßlichen Gesicht, da» sich langsam rötet. Oder trifft sie nur die rorc Sonne mit mitleidigem Schein? Der 2azz-Tänzer. Kurz vor der Reunion steht er sich auch einmal da» abend- sonnig« Meer an. Um davon mit seiner Dame sprechen zu können. Aber er schaut doch nicht hinaus, sondern betrachtet die weiblichen Wesen und sucht sich die Schönste au«, eine schlanke Blondin«. Als wollte er besonders ein erschütterndes Moment des Unterganges der Sonne umträumen. rückt er wie von ungefähr am Geländer des Seestegcs näher und näher. Schaut fast durch das Goldgelock der Dame. Fühlt schon seine Hände sich um den ranken Leib schmiegen. Da sieht er den Ehering an ihrem Finger. Enttäuscht sucht er weiter die oerschwärmten Frauengesichter auf und ab. Eine lächelt ihm zu.„Ich bin doch hübscher als so'n Sonnenuntergang," denkt er eitel und schaut die tadellose Bügelfalte herunter und rückt den Schlips zurecht. Die Stenotypistin. Sie hat nur ein Ausflugsbillett und muß mit dein letzten Zuge. der kn die große dunkle Hafenstadt zurückgeht, wieder heim. Heim? Da» Bureau mit den schwarzen Klappermaschinen, ein möblierte» Zimmer mit einer klatschigen Wirtin wartet. Die Wirtin wird fragen:„Na, sooo lange waren Sie? Und gaanz allein?" Ja. Allein. Der Schatz hat sie verlassen. Sie betet zur Sonne und zum Meer um das Glück: Ein Haus, einen lieben Mann, zwei hübsche Kinder. Bloß bißchen Geld. Aber immer wieder kehrt die kleine Schüchterne mit den schwarzen Augen und den müden Falten um den jungen, aber schon wellenden Mund, an d>e Maschine mtt den sechzig Zeichen zurück und tippt trockene Zahlen und„Auf Ihr Geehrtes vom 13. d. M. teilen wir mit"... Langsam wendet sie den Blick von der schönen Sonn«, vom friedlichen Wiegen de» sommerlichen Meeres und geht so allein und so schwer das leere Leben tragend, zum Bahnhof, ohne Tränen, in sich schluchzend, daß das Herz fast zerspringt. An den feinen Damen vorbei, an den eleganten Herren. Mancher schaut ihr nach. Sie weiß aber, daß keiner sie erlöst in ein Hausmütterchen-Idyll hinein. Ein Kind läßt vor ihr ein« Blmne fallen. Sie nimmt sie nach Haus und wird dies« Nacht mit der Blume schlafen, als hätte sie ein Kindlein im Arm. Drei Musikanten. Das Konzert im Kurpark ist zu Ende. Der Posaunenbläser. der Paukenschläger und der Mann mit der Oboe stehen, bepackt mit ihren Instrumenten, am Seesteg. Scheu. Nur einen Blick aus das goldblaue Meer vor Abgang des Hafenstadtzuges, woher sie für ein paar Pfennige kamen, werfend, nachdem sie den ganzen Nachmittag geblasen und die Pauke geschlagen haben, indes die feinen Leute acht- los an ihnen vorüberwandelten, nur ihre Musik gerade noch so hinnehmend. Jetzt trifft sie manch vrüfender Blick der Vorüber- gehenden: Was wollen die hier? Sie ober wollen auch zu Haus beim Käsebrot und Flaschenbier erzählen, wie herrlich es an der See sei und wie alle» eine Musik von Farben war bis in die Unendlich- keit hinein. Und ihre blassen Kinder werden sagen:„Dater. nimm mich doch mit!" Da wird die Mutter dazwischenfahren:„Ihr seid verrückt! Wir haben doch kein Geld!" Der Mann mit der Oboe hat vom vielen Blasen einen ganz spitzen Mund. Er sieht abstoßend häßlich au». Das Meer erglänzt majestätisch. Die elganten Menschen wandeln an ihm, unangenehm berührt, vorüber. Eine schöne Frau lacht über seinen komischen Mund. Der Dichter. Er dichtet natürllch immer. Er schaut letzte Dinge sozusagen. Er spricht laut sehr gewählte Worte über das Meer, Hamlet, jüngste« Gericht, Sonnenprotuberanzen und Goethes Lied an den Mond, das er sich wünsche, eines Tages zu übertreffen. Er zitiert eine Stelle au« seinem demnächst zur Uraufführung gelangenden Drama. Er ist ganz Seele, die er zur Schau trägt auf dem Trapez spitzmündig �cionrner Worte. Zwei junge Mädchen lauschen ihm andächtig zu. Nicht sie, nur ihre Andacht und Bewunderung liebt er. Nicht das Meer, die Sonne und den Himmel, nur daß er so herrlich sie zu bedichten versteht, macht ihm diesen abendlichen Augenblick wertvoll. Er zeigt hinaus auf ein Segelboot und empfindet selbstbewußt die Grazie der Situation. Sein Name wird von Dorbeipromenierenden geflüstert. Noch nke war er so glücklich wie an diesem Abend. Die verliebten Mädchen zur Seite, aus dem Wege zum Ruhm. Die Sonn« windet eine goldene Gloriole um seine Lockenmähne, das Meer brestet sich zu seinen Füßen, winzig vor der unendlichen Macht seiner erhabenen Gedanken. Er durchschaut und weiß olle». Nur daß er ein ganz großes kaltherziges Ekel ist, das weiß er nicht. Der Einsame. Fernab vom Seesteg auf einer verlassenen Düne hockt er seit Stunden. Meerwind ist längst bis ins Blut gedrungen, die Sonn« ergießt sich in sein wie ein Blumenkelch geöffnetes Herz. Er ist maßlos oerwundert über die Pracht dieser Erde und dieser Stunde. Cr lächelt dankbar der unbekannten Macht zu, die ihn dies Einzige erleben läßt. Er atmet langsam im Rhythmus des Wellenschlages. Er sühlt, wie sein Körper Wurzeln schlägt im Meeressand. Er dringt in die Tiefen der wallenden Waiser mit fernem Blick und findet versunkene Jahrtausende in einer Minute. Die Sterne stehen in ihm auf und trogen seine stille kleine Seele ins All hinaus. Er weint vor Demut, daß er so groß sein darf in seiner Winzigkeit, um die gigantischen Myriaden de» Himmels zu ahnen. O wäre sein Aug« wenigsten» so groß wie das Meer, um den Glanz ewiger Welten spiegeln zu dürfen. Er möchte ganz sein unmenschliches Ich, da» einem mühseligen Gehaltsempfänger im Bureaudienst gehört. eintauschen gegen die Namenlosigkeit des Meeres. Wenn sein Auge so still da läge, und das Gold und Blau dieses seligen Himniels spiegelte. Einsim. Voller Friede. Im Dom der Reinheit dieses Firmaments der Opferaltar sein, der heilige Spiegel nur der ewigen Wahrheit. Voll Rausch wankt er endlich zum Zug, der gerade zum Bahnhof hinausfährt. Er ist so voll de» Glücks, daß er dem Miß- geschick nicht zürnt. Eine Nacht ist ihm wie das Rinnen eines Sand- kornes durch seine Hand, die längst wieder auf der Düne verträumt spielen darf, indes dos weite aufgetane Auge von ferne letzte aus- laufende Scheine des Nordlichte» leuchten und nächtige Vögel kreisen sieht, die in den sturmgezackten Kiefern der Dünen nisten. Der Sommernochtwind singt. Die Wogen orgeln. vor kühle haustrunk. Man kann einen Trunk selbst im heißesten Sommer kühlen und kühl halten, ohne daß man dazu Eis braucht. Ganz ausge- zeichnet sind die Leute in sehr heißen Ländern auf die Bereitstellung erfrischender Getränke eingerichtet. In Westindien, Spanien, Portu- §al und Aegypten gibt es seit alter Zeit besondere Gefäße, in denen ilüssigkeiten stets kühl bleiben. Sie sind aus Ton hergestellt, aber nur so schwach gebrannt, daß sie etwas Flüssigkeit durchlassen und daher auf der Außenseite beständig„schwitzen". Nun verdunstet natürlich diese ausgedrungene Feuchtigkeit, und zwar um so kräftiger, je heißer e» ist, und besonders, wenn etwas Zug herrscht. Ver- dunstung erzeugt aber bekanntlich, wie man kurz sagt, Kälte, und so hält sich der Inhalt dieser Krüge stet» frisch. Warum gebrauchen wir solche„Alcarrazas", wie sie der Spanier nennt, nicht auch? Man kann aber«inen Ersatz schaffen. Man umhülle«in Gefäß, in dem sich Milch, Limonade und dergleichen befindet, mit einem leinenen Tuch, da» man anfeuchtet, und da» feucht bleiben muß. Um sich eine Wartung des Tuches zu ersparen, stellt man das Ge- faß in«inen Suppenteller, den man genügend mit Wasser füllt. Dieses saugt sich dann ganz von selbst in den feinen Zellen des Gewebes empor, und versorgt es stet« wieder mit Feuchtigkeit, wenn durch Verdunstung ein Abgang stattgefunden hat. Man sorge nur möglichst dafür, daß Krug oder Glas etwas von bewegter Luft umspült werden. Sie mögen ihren Platz am offenen Fenster finden, und es schadet nichts, wenn die Sonne ein wenig darauf brennt. Vorzüglich« Wirkungen kann man auch durch sogenannte Kälte- Mischungen erzielen. Wenn man zum Beispiel gewöhnliches Kochsalz reichlich in Wasser schüttet, so wird dessen Temperatur um einige Grade herabgedrückt. Da» Salz schmilzt bekanntlich im Wasser, und dabei wird Wärme verbraucht, die der Lösung entzogen wird. Als„Salz" benutzt man aber hesser salpeiersaure» Ammoniak, das sich im Handel für wenig Geld erstehen läßt. Man stellt bei seinem Gebrauch da» zu kühlend« Gesäß in ein größeres, gießt in da» letztere Wasser, und schüttet in dieses da« Ammoniak, das aber zuvor recht fein zerkleinert werden muß, damit es vielseitig von Wasser umspült werden kann. Es genügen zum Abkühlen eine» Getränke» schon 200 Gramm Solz aus ein Liter Wasser. Nimmt man mehr Ammoniak, so kann da» äußer» Wasser eine Temperatur bis zu 17 Grad Kälte erreichen, wobei es jedoch nicht gefriert, weil es salzhalttg ist. HansBourguiu. Sportplätze statt Krankenhäuser. Wenn man sieht, wie lausende in den Mauern der Großstadt verkümmern, andere Tausende in Gebirgs- und Jndustriegegendcn insosge von Fabritarbeit und Heimindustrie zu einem kranken Gc- schlecht heranwachsen, wie die Kinder der armen Landbevölkerung bei schwerer Feldarbeit nahezu jeder körperlichen Pflege entbehren, müßte unser Ruf um so lauter ertönen:„Treibt Sport! Nur in einem gesunden Körper kann ein gesunder Geist wohnen!* Skbcr leider gibt es noch sehr viele, die, wenn man von Sport redet, sich verächtlich abwenden. Dabei ist der Sport heute unbedingt als K u l t u r f a t t o r zu werten. Er hat in die Unkultur vergangener Zeiten bereits eine breite Bresche geschlagen. Er bricht mit alten, morschen An- schauungen, er schafft eine soziale Umwälzung, die bitter nötig ist. Die abgestumpften Arbeitsmenschen sollen nicht zuletzt auch durch sportliche Betätigung in ein höheres Kullurleben eingeführt werden. Nicht mehr krumme, arbeitsgcbeugte Rücken schon in frühen Jahren, eingedrückte Brustkästen als Nährboden für Tuberkulose und andere Krankheiten, nicht mehr motte, glanzlose Augen und taube Sinne wollen wir im werktätigen Volke sehen. Harmonische Aus- bildung von Körper und Geist, richtig verstandener Sport, macht Tausende von Krankenbetten unnötig, macht Unsummen, die sonst für Heilstätten zur Krankheitsbckämpfung ausgegeben werden, frei zur Krankheitsoerhütung, zur gesunden Erziehung in Licht und Luft, außerhalb des Häusermeeres, auf Sportplätzen. Haben wir aber genügend solcher Plätze, wo sich jung und alt Zur Stählung der Gesundheit nach Herzenslust tummeln kann? Leider nein! Gerade die Arbeitersportler hoben schwer unter dem Mangel geeigneter Sportplätze zu leiden. Darum muß an Staat und Gemeinden der Ruf ergehen: wir, gerade wir Arbeiter brauchen Spiel- und Sportplätze! In jeder Stadt, in jedem Dorf ist ein Platz aufzutreiben, der sich als Spiel- und Sportplatz eignet oder verhältnismäßig leicht dazu herrichten läßt. Wie die Geistesbildung nicht ahne Schulgebäude. Lehrzimmer und Lehrmittel denkbar ist, so gibt es auch keine Leibcsbildung ohne Spiel- und Sportplätze. Während man schon längst eingesehen hat, daß für eine moderne Geistesbildung die besten Schulgebäude mit der vorzüglichsten Aus- stattung für unsere Schuljugend gerade gut genug sind, glauben immer noch weite Kreise in Entrüstung machen zu müssen, wenn Forderungen für die Schaffung von Spiel- und Sportplätzen er- hoben werden. Allzuviele großzügige Pläne sind an dieser mangeln- den Einsicht schon gescheitert. Solange aber nicht die Alten die nötige Einsicht hoben und die Gemeinden nicht tatkräftig mithelfen, unserer Jugend für Spiel und Sport Pläge zu schenken, dürfen wir uns nicht wundern, wenn diese zur Selbsthilfe greift und Straßen und �Pcrkehrsplätze als Sportgelände in Anspruch nimmt. Daß dem nicht so wird, muß Unablässiges Ziel der Arbeitersportler sein. Schafft Spiel- und Sportplätze für die Zukunft unserer Jugend, für die Zukunft unseres Volkes! 7v. Sunöestag üer /lrbeiterraüfahre? in Karlsruhe. r. In der Sonntagnachmittogstagung begann die Aussprache über die Geschäftsberichte des Bundesvorstandes. Der Einsetzung von Jugendleiteni stimmten alle Redner mit mehr oder weniger Vor- behalten hinsichtlich der endgültigen Durchführung des Planes zu. Am conntagmiltog wurde ein F e st z u g durch die Stadt veran- staltet, der sehr eindrucksvoll verlief. In den Nachmittagsstunden trafen dann die Stafetten ein, als erste um 2 Uhr die von Königsberg. Stettin. Lübeck, Bremen, Berlin. Magdeburg, Flensburg. Hannover. Rüsselsheim. Mannheim, die eine Strecke von 14.?.? Kilometer durchfahren mußte. Sie brauchte b8 Stunden 43 Minuten. Alle Stafetten uberbrachten Glückwünsche für den Bundestag.— Zur Ehrung des Lausraderstnders, v. Drais, legte eine Abordnung an dessen Denk- mal einen Kranz nieder. Am Sonntagabend veranstaltete die Sladtverwaltung zu Ehren der Gäste ein Feuerwerk im Stadtgarten. Ain Montag wurden die Schlußworte der Vorstandsmitglieder entgegen genommen. Vorsitzender Genosse Niemann ging auf die Kritik des 9. Gaues ausführlich ein und verteidigte die Haltung des Vorstandes bei den Erweiterungsbauten in Offcnbach. Der Propa- gauda soll größte Aufmerksamkeit zugewendet werden. Gegen zwei Stimmen wird schließlich dem Bundesvorstand und der Geschäfts- leitung Entlastung erteilt. Es folgt die Beratung der Antröge zum Statutenentwurf. 133 Anträge liegen hierzu vor. Größeres Interesse haben folgende angenommene Anträge: Der Bundesbeilrag wird auf 1,10 M. fest- gesetzt, die Radunfallunterstützung und die Todesfallunterstützung werden neuzeitlich ausgestaltet. Eine Anstellung der Gauleiter wird abgelehnt und die persönliche Entschädigung der Gau- und Gausport- leitet neu geregelt. Am Dienstag wurde In der Beratung der Anträge fortgefahren. Zur Frag« der Jugendpflege wurde vorläufig bestimmt, daß ein unbesoldeter Bundesjuaendleiter gewählt wird. In namentlicher Abstimmung wurden die Anträge, hie die Abschaffung der Rennen forderten, mit 49 gegen 29 Stimmen abgelehnt, und de»Antrag, wonach das SO Kilomcter-Rennen beizubehalten ist, ange- nommen. Unter.sonstige Anträge* wurde ein Antrag angenommen. wonach Arbeiter und Angestellte des Bundes sowie die Ortsgruppen- funttionöre politisch und freigewerkschaftlich organisiert sein müssen. Gleichzeitig wurde einer Resolution zugestimmt, worin die Bundes- leitung ersucht wird, alle möglichen Schritte zu unternehmen, um mitzuwirken, daß der Achtstundentag wieder zur Gel, tu na kommt und alle Kräfte einzusetzen, daß die entschädigungs- lose �ürstenenteignung durchgefochten wird, um dadurch Mittel für kulturelle und sportliche Zwecke des Volkes flüssig zu machen. Hier- auf wurde die Wahl des Bundesvorstandes vorgenommen und der bisherige Vorstand wiedergewählt. Im Schlußwort dankte Genosse Jsele-Schweiz für die Ein- ladungen zur Tagung und wünschte dem Bund weiteren Aufstieg. Mit einem kräftigen.Frisch aus*, in das die Delegierten be- geistert einftiminten, und unter Absingung des Bundesliedes schloß der Vorsitzende kurz vor 1 Uhr den 16.' Bundestag des Arbeiter-Rad- fahrerbundes.Solidarität"._ Arbeilerfportler gegen den Krieg. Der Kongreß des Internationalen sozialistischen Verbandes für Arbeitersport und Korperkultur 'JSJ.) nahm auf seiner Tagung vom 31. Oktober bis 2. November I92S in Parip eine Resolution an, deren Schlußsatz lautet: Der Kongreß fordert alle Arbeitersportler sowie die gesamte arbeitende Bevölkerung der ganzen Welt auf, eine einige Front gegen die Machenschaften des Kapitals und seines Mili» tarismus zu bilden. Er beauftragt insbesondere die Delegierten aller angeschlossenen Länder, unter den Massen ihres Landes finver- züglich in diesem Sinne zu wirken. Daraus ergibt sich, daß jedes Mitglied unserer Vereine sich restlos in den Dienst dieser Sache zu stellen hat Von den Arbeiterparteien wird zu Veran st al. tunqen und Demonstrationen gegen den Krieg aufgerufen Das Kartell begeht keine eigenen Veranstaltungen und De- monstratiopen. Es verlangt aber von seinen Mitgliedern, daß sie sich an den Veranstaltungen und Demonstrationen der Arbeiterparteien je nach Neigung und politischer Einstellung beteiligen. Weiter sind alle Kartcllvereine gehalten, bei ihren Veranstaltungen durch In- schriften auf Transparenten, Fahnen usw., durch Ansprachen und Handzettel auf unsere Bestrebungen hinzuweisen. Unsere Parole muß sein: Krieg dem Kriege! Einigung des internatio- nalen Proletariats! Um Sie öerliner Ioßball-Melstersihast. In Luckenwalde standen sich im Spiel um die Meister- schaft Alemannia und Luckenwalde I gegenüber. Schon in der 1. Minute erringt Alemannia die erste Ecke, die aber nichts ein- bringt. Alemannia kann sich auf dem schweren Boden nicht zurecht- finden. Daher kommt es auch, daß sie vor dem Tor zu unentschlossen sind. Bei Luckenwaide ist e» dagegen anders. Sobald sie in Tornäh« sind, setzt auch schon der Schuß auf das Tor. Allerdings kommen sie nicht so oft dazu. Eine glänzend« Gelegenheit zum ersten Erfolg cerpaßt die Mitte, indem sie den Ball nicht einmal ins leer« Tor befördern kann. Langsam gewöhnt sich Alemannia an den Boden und statten sie dem Tore der Luckenwalder einige gefährliche Besuche ob. Doch hält der Torwart gut. Durch gut« Kombination gelangt Luckenwalde in der 21. Minute zum ersten Tor. Gleich darauf ist Luckenwolde wieder vor. Der scharf aufs Tor gegeben« Ball geht aber gegen die Latte. Jetzt ist das Spiel vollkommen offen. Nur selten kommen die Tore in Gefahr, dafür sorgen schon Verteidigung und Läufer. In der 37. Minute ein schneller Lauf des Rechtsaußen, der Ball kommt zur Mitte und scharf getreten fitzt der Ausgleich im Netz. Bei Alemannia macht sich die größere Spielerfahrung bemerkbar. Hauptsächlich ist es das gute Stellungsspiel der Stürmer. Mit dem Halbzeitpfiff zugleich sendet Alemannia dann auch zum zweitenmal den Ball ins Tor. Nach der Pause ist Alemannia weiter im Vorteil. Wenn sie diesen nicht durch Tor« zum Ausdruck bringen können, so liegt es an dem sicheren Torwart. Aber auch Luckenwaldes Sturm stattet dem Alemannen-Tor des österen seinen Besuch ab. Bei einer Eck« können sie sogar den Ausgleich erzielen. Das Spiel wird dadurch reichlich aufgeregt und muß der Schieds- richter des öfteren strafend eingreifen. In der 60. Minute erringt Alemannia durch gute Kombination den dritten Erfolg. Nach Wieder- anstoß ist A. gleich wieder vorn. Scharf fegt der Ball aufs Tor, doch hält der Torwart gut. In der 66. Minute«in hoher Schuß auf das Tor Alemannias und der Ausgleich ist da. Luckenwald« läßt jetzt merklich nach. Nur die Verteidigung arbeitet unermüdlich wetter. In der 73. Minute sendet Alemannia zum vierten und siegbringenden Tor ein. Die letzten Minuten gehören ganz Alemannia. Aber trotz- dem gelingt es ihnen nicht, noch einmal erfolgreich zu fem.— Lücken- wolde ist ein flink« Mannschaft, bei der man aber jede Technik ver- mißt. Bei Alemannia vermißt« man die sonst gewohnt« Ruhe und dos gute Abspielen. Erst in der letzten Viertelstunde zeigten sie, wie man in Berlin Fußball spielt. vom Turnier in Stralau. Das letzte Vorrundenspiel sah am Freitag Frisch- Frei und Britannia in der Wiederholung. Während vor der Paus««m vollkommen ausgeglichenes Spiel gezeigt wurde(1: 2), macht« sich nach derselben«in« leicht« Ueberlegenheit Britannias lvmerkbar. An der sicher arbeitenden Verteidigung der Niederschöneweider scheiterten ober all« Angriste. Zehn Minuten vor Schluß dreht Frstch-Frei Dampf auf und sieht es aus, als sollte ihnen der Ausgleich noch gelingen. Doch vor dem Tor sind die Stürmer machttos. Anders dagegen Britannia. Ein« Minute vor Schluß ein weiter Schuß von .Halbrechts und mit dem dritten Tor ist der Sig sichergestellt.— Die Zwischenrundenfpiele, die am Sonntag zum Austrag kommen sollten, mußten wegen Regen abgesagt werden. Es treffen sich deshalb am heutigen Dienstag Britannia und der Veranstalter Stralau. weitere Resultate. Adler 08 hatte am Sonntag die S t« t t i n e r als Gast. Mit 7: 3 geschlagen mußten die Stettiner die gastlichen Gefilde Berlins verlassen. Neuköllner B o lls p i e l- C l u b und Neuen- Hägen trennten sich mit dem Unenstchieden-Resultat 4• 4. Brilannia-Neukölln gegen Freiheit-Zossen 9: 2. Viktoria-Tempelhof gegen Zwenkau 6: 4. Helvetia gegen Wilmersdorf 1: 11. Pankow 06 gegen Reukölln-Britz 4: 3. Biktoria-Eberswalde gegen Rüstig- Vorwärts 3: 4. Johannisthal gegen Lustig-Fidel 2: 4. Freie Schwimmer Reukölln iu Lübeck erfolgreich. Einer Einlodiin» iwlol«- weilten dir Rrukiillner als Säst« d-r Freien Wasserinort- Bereinig int« in Lübeck. Wie immer hatten«, die Lübecker ptu standen,«in sportgerechtes Brogramm»usommenzuitollen. um fich dadurch«ine» autrn Besuch ihres«. Sckuvimmfeste» ,u Schern. Di« Wetttämpse. welch- stch aal der«inwandfreien l(«.M-!cr.Bön Häuser Allee Lehrstundcn der L.-P. statt. Gelehrt wi�d das Training und Laufen der Mittelstrecken. Leitung: Schönhauser Allee: Lichtenberg Fichte- Baumschulenmeg: Südost und ASS. Fabrverbindung: Schönhauser Allee bis Ringbahnhof Schönhauser Alle« oder Hochbahn. ssichte-Platz bis Baumschulen» weg oder Straßenbahn, zwei Stationen hinter Rathaus Treptow. Rord-tveft-klubwetikämpfe. Di» Wettkampfe um die stlubmeisterschaften der Berliner Sportvereinigung ..Nord-Bcst 87" haben im Heben sowohl wie im Ringen zu horten und scharfen »Smpfen o-führt und ouch manch« Ueberrafchuna gebracht, hoben doch einig« der Fonoriien gänzlich ncrfogt. Besonder» dos Ringen im Seichtgowicht hat zu schöne» Kämpfen geführt, ou» dem schliehlich der llolleg« Fncher als Sieger dervorginq. Resultate im Ringen: 5. Klasse: 1. Forin, 2._ Blume»scheid. 4.«lasse: L Engelhardt. 3.«lasse: 1. Fischer. 2. B-»p«rmann, 3. Ovverm-nn. 2«lasse: 1. Winkel. 2. Lander, l.«lasse: 1. Höhn«. Resultate rm Heden: 3. jvasse: 1. Belli»». 2. Lühs. 2.«lasse: 1. A. Eh:hordt, 2. Iankowski. l Klasse: l. Unzelmonn. Ausserdem weilten einig« Kollegen zum Wettstreit in Zahna und konnten folgende I. Preise erringen: E. Ehrdardt, H-f-ring und Unzelmann im Heben: der Kolleg« Höhne im Rillgen. Besonderen Ansporn hatte Unzelmann. indem er auf seine» alten Segner Lagenpusch-Berlin ftirss und ihn sicher«bfertigen konnte. Somit hat er sein« Reoonch« für fein« Riederlaa« beim Kreiswctt streit erhalten: aber ouch der Einheimisch« Höhne befand sich in grosser Form und konnte feinen Landoleuten deweifen, dass er in Berlin von s-in-m Können noch nichts«ingebüsst hat. Sportklub..Surick K' i» Stettin. Am lessten Sonntag weilte«in« komdi. nierte Rlnoermoursckott des Sporttluhz„Lurick 02" in Stettin und trat gegen den doriigrn Sportverein..öilfiio 87" an. Die Kämpfe stände Ii sportlich auf hoher Stufr. Die Mchrkraft der Steltiner wurde durch die bessere Technik der Berliner wettgeinacht. die lchliessiich«in Plus für sick hatten und de«»auvt mit lg: 12 Punkten goroanne». Für Stettin siegte im Leichtmittelgewicht Lutz»«iuuull über Saft und im Schwermittelgewicht Kobliss zweimal wer Bkttcher. Für Berlin errang im Fliegengewicht Sa» Schächier zwei Stege über Merten» und im teichlgewicht sie? mehrfach« Kreismeister Meier ebenfalls zwei Siege über den technifch guten Müller. All« übrigen Kämpf« endeten un- entschieden. Lire ich. Barabend.„Meisterklasse des AABD. im Ring" betitelt sich der nächsl« Bortamviabend de» Sportklub»„Lurich 02". Es startet die gesamte Kampfmannschaft de» B-rein» mit Kraft, Jahn, Wickert. Cheika, Kloth, Dill und Radtke. Ihr treten oute Gegner aus den B-reincn„Süd-Ost",„Nard-Dii". .Jegel" und„Rowawes" gegenüber. Namen wie Blank, Hermann. Sukel. Wolf. Werner, Schulz. Christoph, Hertel, Diss bieten Gewähr für harten, inter- rssanten Sport. Die Kampsstätie beftndct sich im Böhmischen Brauhau». Land»- berger Allee ll/l3. Kampfabend ist am Freitag. 30. Juli, 8 Uhr. Prspaganda-Wosierdallspiel« im Plöss-nsee. Um die Borzüqe des Schwim- mens der Arbeiterschaft vor Augen zu sühren, veranstaltct der SB...Borwärt»* Berlin 1827 E.B. ab Freitag, 30. Juli, vor der Terrasse am Plössensce Wasser- ballspiele und Rciqeilschwimmen. Die Borführungen sollen in allererster Linie den Zweck haben, dem Prpleiariat die Borzüge der Leibesübiingen. vor allem des Schwimme»», klar vor Augen zu führen. Di« Berliner Arbeiterschaft laden wir«in. unser« Propagandasviel« zu besuchen und somit selber Zeuge zu sein, welch« grosse Arbeit in den Schwimmvereincn de» Arbeiter-Turn» und Sport- dundes geleistet wird. In allen Spielen werden sich sportlich gute Mann- schaften gegenüberstehen und ist deswegen guter Sport bestimint zu erwarten. Di« einzelnen Spieltag« sind folgend«: Freitag, 30. Juli: Dienstag, 3. August: Freitag. 6. August: Dienstag. 10. Augusts. Alle Spiele beginnen pünktlich 7 Übt. Eintrittsgeld wird nicht erhoben. Mi Sonnabend, 14. August. 6 Uhr, grosses Douerschwimmei, im Piotzensee. Wir erwarten starken Besuch der Berliner Arbeiterschaft. louriftenverein„Die Rnturfreilnhe*(Zentrale Sie»), Att. Friedrichsbai»: Dienstag. 27. Juli,>43 Ubr, Zugendheim Ebertustr. 12. Geschäftliches.— Abt. Fried«»«,: Dienstag. 27. Juli,>42 Uhr. Jugendheim Offendach-r Str. 5». Fahrtbesprechung. Borher Spielen auf dem Schulsportplass H8—>49 Uhr.— Abt. Rorde»: Dienstag, 27. Juli.>43 Uhr. Heim Sonnenburger Str. 20, Zimmer 5. Borlesungen und Fahrtenderichte— Abt. Tiergarfrv: Dienstag, 27. Juli,>48 Uhr. Heim Wiclefttr. 5, Zimmer 6. Aussprach« über Begetaiismu». — Abt. Treptow: Dienstag. 27. Juli, 7 Uhr. Bahnhof Treptow. Heim Elfen. ftrasse 3 aefchlossen.— Abt. W« Wring: Dienstag. 27. Juli.>48 Uhr, Heim Llltticher Str. 47/48. Liederabend.— ISufikgemeinfchaft: Mittwoch. 28. Juli. >48 Uhr. bei Lehmann, Gaudystr. 21.— Abt. Prenzlauer Berg: Donnerstog, 22. Juli, 8 Uhr. Seim Danzige: Str. 23. Bortra» Dr. Schütte, säst« will- kommen.— Abt. Lichtenberg: Donnerstag, 20. Juli. 8 Uhr, Heim Parkaue 10. Lieberabend.— Abt. Südwest: Donnerstag. 22. Juli. 7 Ubr, Bolkspark Tempel- Hafer Feld.— Ortogrupp« Berli»: Der„Fahrtgenpsse* ist bis»um 4. August von Hamp« abzudolen. Leick:nchiei,t.?erei»ig»ug. Di« nächste Eissung de« engeren Spartausschuss«, der L.-B. findet am Montag. 2. August, i» der Idealklause Märeschstrohe, nah« Bahnhof Koiser'ffriedrich.Skrasse, statt. atüseubuüge» für dies« Rubrik find Berit» SW 88. Liudeostraß« 3, Partemachrichten für Groß-Serlin stet, a» da»«ezirkssekretariat, 2. Haf, 2 Trep. rechte, ,» richte». t, Krei» Wilmersdorf. Mittwoch, 28. Iulr. 8 Uhr, Sitzung de» engere» Kreisvvrftandes mit den Abteilungsleitern bei Kooih». Holsteinisch« Str. 60. VUlgliedcrversammlungen und Zahlabende Rlitlivoch: ». Abt. 7% Uhr Zahlabend in den bekannten Lokalen. Di« Bezirk» führ« Halen die Bücher oo» Dodrohlaw. Swinemünber Str. ll, ab. I Abt. 7% Uhr Zahlabende bei Kub«. Strelitzer Str. 5»; Döll. Bergto. 71: Dam». Schlegelstr. 2: Seitau, Pftugstr. 1; Dirk«. Bonenstr. 19. t. Abt. 7% Uhr Zahlabend und Diskutierabeud bei Hufendach, Perlederger Strasse 84. Di« Bezirksfllhrer rechnen alles ab und dringen Bücher und Marken dazu mit. Ib. Abt. Di« Mitgliederversammlung fällt aus. 18. Abt. 7% Uhr bei Müller, Uf«rstr. 12. Vortrag de,«enassen Robert Breuer. Alle Mitglieder müssen unbedingt erschc::»'0. 21. Abt. 7% Uhr im Schoo dcrhau». Malplaauetstr. 14/18, Bartrag:„Das rot« Wie»*. Referent: Franz von Putkamer. Säfte willkommen. 22. und 23. Abt. 7% Uhr in den Pharussälen, Müller sto 142, Bortrag de» Senossen Stadtverordneten Ado? Hosftnann. Eilinpathisierend« und Säst« herzlichst urillkommen. 24. Abt. 7% Uhr ftn Altersheim Danziger Str. 82 Vortrag des Genossen Regierungsrat Richard Joachim über:„Do» Arbeitsbeschaftungsproaiamm*. All« Mitglieder müssen erscheinen. Di« Bezirk» führer laden durch Hand» ßtel«in. t. 7% Uhr im Saalbon Friedrichsbain(kleiner SaoN Vortrag: „Bayern, da, Paradies der Mörder". Referent: Felix Fechenbach. Söst« und„Borwärts". Leser sind eingeladen. 21. Abt. 7% Uhr Zahlabend- bei Eoldschmidt, Stolpisch« Str. 38: Meissner. Schivelbeiner Str. 32: Ritz, Schiveldeiner Str. 22. 22. Abt. Di« Mitglieberuerfammlunq fällt au». Am Montag. 2. Ausust. Konferenz aller ÄbteilungsfunktiOnSr«. Nähere Angaben am Sonntag. M. Abt. Achtung. Bezirkskassierer! Aksntazahlungen am Mittwoch. 28. Juli. beim Abteilungskassierer W. Fischer. Gubener Str. 22. 38. Abt. Die Mitgliederverfammlung fällt au». »8. Abt. Di« Mitgliederoersainmlunq fällt in biefem Monat aus. 45. Abt. Di« Mitnlieberoersammlunq fällt au». Die Bücherkreismitglied«:, bolen sich bitte beim Genosse» Schutz. Reichenberger Str. 82, die Rei», bücker ab.- 48. Abt. 7% Uhr Zahlabend«. Stadtbezirke 108, 107* und 107b bei Eichbolz. Cumnstr. 23. Stadtbezirk« 108-, 108b und 106 bei Waientyn, GSrlitzer Strasse 72. Wichtige Angelegenheiten. All« Mitglieber müssen unbedingt erlcheinen. 47. Abt. 714 Uhr bei Roock, Manteuffelstr. 9, Vortrag:„Wir und die Ber» fassung". Referent: Waldemar von Pultkamer. Säst« sind eingeladen. «haelattenburg. 53. Abt. 714 Uhr bei Triller. Berlichingenstr. 7. Bortrag: „Da, amerikanisch« Wirtschaftswunder und die Bereinigte» Staaten van Eurapa*. Referent: Wilhelm Lauda. All« Mitglieder müssen erscheinen. Gäste und„Barwärts".Lcser find herzlichst willkommen.—»7.«dt. 7% Uhr bei Thunack. Wielandstr. 4, Vortrag:„Die Lage in der Metallindustrie*. Referent: Max Urich. SÄste und Svinpatbisierende find«ingeladen. 74. Abt. Zrhlenbarf. 8 Uhr im Parteilokal Micklev erweitert« Barstand»» sissung. Der Hauptkassierer hak seinen Pasten niedergelegt. Di- Stellung- »ahme hierzu erfordert, dass der erweitert« Borstand sofort jufonimenfritl. 81. Abt. Friedenau. 7>4 Uhr im Sesellschaftszimmer de» Rathause», Am Lauterplatz. Bortrag:„Die aussenpolilisch« Lage". Referent: Wolfgang Schwarz. Gäste sind eingeladen. Ncuwabl de» Abteilungsoovsitzenden. Erscheinen aller Mitglieder ist dringend erforderlich. 134. Abt. Buch. 8 Uhr im Lokal SSpfert. am Bahnhof, Mitgliederverfammlung. Arauenveranfialtuagea: 7. Kreis Chorlottevbnrg. Ausflug und Sommerfest heute, Dienstag. 27. Juli. ab nachmittag« 3 Uhr. Im Stadtpark-Restaurant Spandau(Strassendahu 154) Kaffee kochen. Ab 8 Uhr Sesangsvortriige de» Frauenchor»„Frohsinn*. Die Genossen werden gebeten, sich zahlreich an der Bcranstaktung zu be- t-iligen.(Eventuell nachkainmen.) Fahn-n milbringen. 24. Abt. Mittwoch. 2«. Juli. Ausflug der Genossinnen nach der Jungfer». Heide. Bolkspark. Dort Vortrag der Senossin Albrecht Uber Körperkultur. Treffpunkt morgens 2 Uhr am Bahnhof Weissenfee. Säst« herzlichst will- kommen.» 44. Abt.' Mittwoch. 28. Juli, Kaffeeiochen im Kaffeeheim Kasenheide. Eck« Fichte strass«. Treffpunkt nachmittag, 3 Uhr Admiraldrück«.»äste willkommen. Jungsozialifien. Heute, Dienstag. 27. Juli: »rupp« Süb«»: 8 Uhr in der Juristischen Sprech stund«. Lindenftr. 3. Di» kussionsadend. Söst« willkommen. Sozialiftische �rbeiterjugenS Groß-Serlin. Heute. Dienstag. 27. Juli, abeuds 7% Uhr: «efnnbbmiiimi: Schusse Sotenburger Str. 2. Zehn-Minuten-Referate.— Beddiirg Rord: schule Müllerstr. 48. Barträg:„Reuzeitlich« Bauweise*.— R»>choft l» Jugendheim Neu««änigstr. 21. Zehn.Minuten.Referat-— Rafe». thaler«orftadt: Schul« Elisabethkrrchftr. 12. August Bebel.—«enefelher. «i-rtel: Schul« Eberswaldcr Str. 10. Bartvag:.�lörpenpftege— Nacktkultur*. — Steglitz l: Iiiaendl�im«Ibrechtfrr. 47 lStadipark). Vortrag:„Nie wieder Krieg".—«eukäll» X: Heim Rvgatstr. 53. Heiterer Abend.— Rei-ickeadarf. Oft;„Seebad", Residenzftr. 46. Vortrag:„Warum wir Jugendlichen un» argantsieren?*— Riet»«rfchö»ha»fe»: Lakai von Reib«. Bortrag:„Wie unfer« Arbeiters»«ndbeioegunq entstand*. «erbebezirt Tiergarten: Aeltereu-Srupp« hei Silbner. Wilsnocker Str. 84. Iunafozialiftrn sind dazu«ingeladen. * «ckituog.»«rzfocheer! Di« Teilnehmer a» ber Harzfahrt treffe» sich Ritt. woch, 8 Uhr, im Iugendbrim Lindenftr. 3 zur Besprechung. Nachdem Licht. dildervortrag:„Der Harz*. Interessiert« G«noss-n find«ingeladen. lUctterberichl der Sffenllichen wetlerdienstflelle für Berlin.(Nachdr. derb.) Wechselnd zettlveise stärker bewölkt. Einzelne leicht« R-gensälle. Kühl.— Jür Veuischland: In Norddeulschland vielfach beiler, w Sübdeulschland zeit- weise trübe und leicht« Regeniälle. U eberall kühl. HÄG Ich verordne seit vielen Janren. besonders bei dp n nach dem Kriege häufig auftretenden nervösen Herzstörungen mit sehr gutem Erfolg den Coffein* freien Kaffee Hag. Die Patienten, die anfangs mit großem nißtrauen dem Kaffee Hag begegnen. sind von der beruhigenden Wirkung beglückt .,|( r Nr.Z4«»4Z.?ahrga!>g 2» �Clld�C dCd t�DftDdftS Mctuttg,«7.?al! 142« Mbeitsbefthaffung durch Sachleistungen. Unerschlossene Möglichkeiten. In dem Arbeitsprogramm, das vom Reichstag zur B t• k äm pfun g der Erwerbslosigkeit angenommen wurde, befindet sich«in Absatz, der die Sachlieferungen für Repara- i.onszwecke zur Bekämpfung der Krise nutzbar machen will Die Regierung wird darin aufgefordert, auf die Gewinnung langfristiger Sachlieferungen im Rohmen des als möglich erachteten Transfer hinzuwirken. Die bisherig« Entwicklung der Sachleistungen zeigt«, daß aus diesem Gebiete noch groß« Möglichkeiten für die Beschästigung der Industrie vorhanden sind. Seit April d. I. hat nämlich der Sachlieferungsverkehr über Repnrationskonto ein« weitere bedeutende Zunahme er- fahren. Und die Erfahrungen, die am Sachlieferungsgefchäft inter- risierte Industriegruppen im Laufe der Zeit gemacht haben, lieferten den Beweis für die Richtigkeit der Auffassung, die hervorragende Fachleute schon immer über die Auswirkung der Reparations- lieferungen vertreten haben. Bekanntlich äußerte sich bereits das Dawes-Komite« folgendermaßen: „Sachlieserungen regen, wenn sie sich in vernünftigen Grenzen ' halten, die deutsch« Erzeugung an und wirken als«in Stimulus für größeren Ausfuhrüberschuß." Ein Wirtschaftskenner und Reparationspolitiker wie der ehe- malige Staatssekretär Bergmann schreibt in seinem Buche ..Der Weg der Reparation": .Letzt hat Deutschland bis zur vollständigen Ordnung der Weltmärkte und seiner eigenen Wirtschaft«in lebhaftes Interesse daran, auf Reparationskonto Waren zu liefern, deren Absatz auf den Weltmärkten stockt." Tatsache ist, daß die Lieserungen den verschiedenen Industrie- gruppen die gerade heute so dringend notwendigen Aus träge bringen, und daß damit«in weiterer Teil der deutschen Arbeiter- schaft vor der drohenden Arbeitslosigkeit bewahrt wird. Denn: wer bei der heutigen Schutzzollpolitik vieler Fremdstaaten möchte die Ga- ranti« dafür geben, daß dieselben Aufträg« auch sonst im freien Handel zustand« gekommen wären! Unter diesen augenblicklichen Verhältnissen sind also die Sachlieferungen über Reparationstonto durchaus nützlich und geeignet, die deutsche Wirtschast und mit ihr die Arbeiterschaft vor schweren Schädigungen zu bewcchren.— Bis zu welchem Umfange bisher Lieserungsoerträge abgeschlossen worden sind, geht aus nachstehender Uebersicht hervor: Sachlieferungen an Frankreich und Belgien vom l. September 1SZ4 bis 1. Juli 192« Landwirtschaftliche Erzeugnisse,. Tabak. Zigarren....... Zucker........... Eisenbahnschwellen, Telegraphen« ->• jtangen. Schnittholz..... Landwirtschaftliche Nutztiere... Steine und Erden....... Kohlennebenprodukie...... Lhemikalten und Alkohol.... Synrhetischer Stickstoff und künstlicher Stickstoffdünger....... Pharmazeutisch« Produkte.... Zellstoff. Zeitungspapier..... Unedle Metalle und Waren daraus. Maschinen einschließlich Reparatur von Lokomotiven........ Elektrotechnische Erzeugniffe... Land- und Wafferfahrzeuge einschl. Reparatur von EiseobahnwaggonS Vermischtes.......•■ Summe Farbstoffe(Bis Ende Mai) Frankreich Belgien Zahl I Wert Zahl> Wert der Verträge lWert in 10003K.) 14 1 6 320 624 18 34 22 80 2 202 277 766 42 87 87 1082 6104 13 476 27 301 18 775 673 4 502 16066 59 464 49 37 595 16 942 23168 705 46 712 6 744| 2 480 193 t 278 258 2165 8 46 97 6 10 197 306 191 61 131 9 785 1 162 2 672 18199 2 992 666 4 697 6 867 8202 4 660 BISO 1866 1087 1309 t 61777 4 499 Was die einzelnen Gruppen betrifft, so haben nament- lich die Gruppen Eisenbahnschwellen Usw., ferner landwirt- schastliche Nutztiere, Kohlennebenprodukte, Chemi- kalten, Zellstoff und el« k t r ot e ch»/is ch« Erzeug- nisse, also gerade Fertigfabrikate,«ine standige erheblich« Zunahm« erfahren. Auch einig« bedeutende Lieferungsverträg« auf Zucker sind zu erwähnen. Zu den oben angegebenen kommen dann noch die Lieferungsverträge noch den sonstigen reparations- berechtigten Ländern, worunter besonders zu erwähnen sind: 10 Der- träge über Maschinen noch Italien, Wert 5 253000 Mark-, 2 Verträge über Land- und Wasserfahrzeug« nach Japan, Wert 606 000 Mark. Insgesamt sind mit den reparations- berechtigten Ländern bis zum 30. Juni d. I. 3634 Derträg« im Werte von 385 325 000 Mark abgeschlossen worden. Ferner hat Italien 300 Tonnen Farbstoffe im Wert« von 3 305 000 Mark er- hallen, so daß sich die gesamten Farhstofflieserungen aus 1802 Tonnen im Werte von 9 969 000 Mark beziffern. Die Berpslichtung Deutsch- lands zu Farbstofslieferungen nimmt bekanntlich am 15. August 1328 ein End«. Di« weiter« Gestaltung de» Sachlieferung svertehrs wirb vor allem von der Kauftraft der interessierten In- dustrien der reparationsberechtigten Länder abhängen, dann aber auch von der Art und Weise, wie diese Länder in Zukunft zur Erleichterung des Lieferungsgeschäste« beitragen werden. Aus den vorliegenden Statistiken geht ja ohnehin hervor, daß ein« Schädigung einzelner Jndustriegruppen in jenen Ländern um so weniger in Frag« kommt, als sich das Sa chlieferungsg eschäst immer mehr auf die spezifisch deutschen Industriewaren ausdehnt. Da» ist ein Grund mehr, die Sachli eferungen auszubauen und jene Spezialfabrikate dem Ausland anzubieten, die infolge der hohen Zoll- mauern vorerst nicht leicht auf den Auslandsmarkt gelangen würden, so aber ohne Schaden für die beteiligten fremden Industrien diesen die Leistungsfähigkeit deutscher Fabrikate immer wieder vor Augen führen. E. C. Geringe Erfolge de» Tiefbaugewerbes. Im Tiesbaugewerbe haben bekanntlich vor einiger Zell Der- Handlungen stattgefunden, die eine stärkere Beteiligung der deutschen Industrie an den S a ch l« i st u n g e n mit Z u st im- mung der französischen Schwesterindustrie bezweck- ton. Vorerst ist das Ergebnis jener Verständigung gering. An Reparationsaufträgen für dos deutsche Tiefbauge- werbe liegt nämlich bisher nur ein Auftrog vor, der an die Firma Dyckerhoff u. Widmann A.-G. vergeben wurde. Die Höhe des Austroges soll sich zwischen 0,7 und 0$ Millionen Reichsmark bewegen. Es handelt sich um Flußbaggerarbeiten an der Seine. Ueber die Unterbringung einer weiteren Ausschreibung, wegen der man lange verhandelle, ist bisher nichts bekannt geworden. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, daß der Abschluß dieser Tage zustande- gekommen ist. Hierbei soll es sich um B a g g e r a r b e i t« n an der französischen Küste handeln. Selbst wenn dieser Austrag unter- gebracht ist. kann man demnach nicht von einer wesent- lichen Förderung der Reparationsaufträge für da« deuffch« Tiefbaugewerbe sprechen. B 5. W> fortlaufend verhandell z. B. wegen Schleusenarbeiten an der Sein« und dergleichen. Die zweite Serie der ReichsbahwmstrSge. Das Reich hat bekanntlich der Reichsbahn im März 100 Mil- lionen und nachträglich noch 20 Millionen in Form von Krediten zur Austrogsvergebung zur Verfügung gestellt. Sie fanden Ver- Wendung sür die Erneuerung des Oberbaus, für neue Zug« und Stoßoorrichwngen und für Fahrzeug« und Fahrzeugverbesserungen. darunter auch die kürzliche Bestellung von 12? Lokomotiven. Im Rahmen de» Arbeitsbeschossungsprogramm» der Reichsregierung werden nun der Reichsbahn von Neuem 100 Millionen Mark zur Verfügung gestellt. Daraus sollen neben Brückenbauten in erster Linie für ein« Erweiterung der Gleisbauten, die Inangriffnahme von Großbauten,(Bahnhöfe, Werkstätten, Dohnbauten), weitere Be« schassung von Werkstoffen und Ergänzung und Verbesserung de» Fahrzeugpark» Destellimgen erfolgen. Beachtenswert fft dabei, daß auch dem Baumarkt neben der Essen«. Stein, und Holzindustrie diesmal Austräge zuwachsen werden. Die Umstellung der Berliner Stadt- und Ringbahn aus elektrischen Betrieb, deren Kosten aus 40 Millionen veranschlagt werden, find in diesem Betrog nicht enthalten. Die Berliner Arbeitslosen and die Reichsbahn. Aus der Elektroindustrie erhalten wir folgende Znschrist: Durch die geringe Beschäftigung der Berliner Metallindustrie, zu der auch die Elektroindustrie gerechnet wird, fft die Arbeitslosigkeit in Berlin in den letzten Woche wieder außerordentlich angestiegen. Es ilt daher sehr zu begrüßen, daß die Reichsbahn fich«nt- schlössen hat, die Elektrisierungder Berliner Stadt- bahn vorzunehmen und zu diesem Entschluß auch die Erwägung beigetragen hat. daß die Beschästigung der Jndiiitrie die Borbedingung für die Steigerung des Güterverkehrs der Reichsbahn ist. E« wäre ober außerordentlich wünschenswert, daß die Reich». bahn all« aus der Elektrisierung der Berliner Stadtbahn sich er- gebenden Austräge soweit irgend nur möglich der Der- liner Industrie zuführte. Denn einmal ist die Arbeitslosigkeit in Berlin im Vergleich zum Reichsdurchschnitt unoerhöllnismäßig groß und zum andern ist es ja gerade das Berliner Publikum, das fast ausschließlich die Verzinsung und Amortisation der Mittel aus. bringen muß, die sür die Elektrisierung der Stadtbahn benötigt werden._ Die Elowlrkvag des englischen Streik»«ff de» deutschen Kohlen- markt tritt im Monat Juni durch den Kohlenumschlag im Duisburg»Ruhrorter Hafen außerordentlich stark in Er» scheinung. Die soeben erschienene Statistik ergibt, daß im Juni 1926 — 2 44 9 766 Tonnen Kohlen per Schiff verfrachtet worden sind. Der Juni 1325 wies nur«ine Bersrachiung von 1 300 947 Tonnen auf. Mithin ergibt sich für den Juni 1926 ein Mehr von 1 148 819 Tonnen. Interessant ist die Zusammstellung über den Bestimmung»- ort der Kohle. Rheinoufwärt». über Koblenz hinaus, sind im Juni 1926 321 746 Tonnen verfrachtet. Das bedeutet gegen- über dem Juni 1925 einen Rückgang von ungefähr 80006 Tonnen Nach Holland gingen dagegen im Juni 1926— 1811017 Tonnen, im Monat Juni 1925 dagegen nur 722 507 Tonnen. Der Mehrabgang beträgt also 1118 510 Tonnen. Der Export nach Belgien betrug im Juni 1926 227 343 Tonnen, im Juni 1925 dagegen nur 176 523 Tonnen. Mehr«rportiert wurden im Juni 1926 also 96 420 Tonnen. Nach Frankreich ginge« im Juni lg25 dagegen nur 176 523 Tonnen. Mehr exporti etrt wnrden gesamten ersten Halbjahr 1926 wurden per Bahn 2752 786 Tonnen und per Schiff 2 898 035 Tonnen Kohle mehr verfrachtet als im ersten Halbjahr 1925. warum nicht gleich so! Der Verein für die Interessen der Rheinischen Braunkohlenindustri« in Köln hat einen ausführlichen Bericht für da» Geschäftsjahr 1926 erstattet. Er«nthäll manche» Bekenntnis, da» recht vorteilhast von den Berichten anderer Unter- nehmerverbände absticht und wert ist, einer größeren Oessentlichkeit mitgeteilt zu werden. Die wirtschaftlich« Bedeutung der rheinischen Braunkohlenindustrie ist au» folgenden Zahlen ersichtlich. In 1925 hat die gesamte deutsche Braunkohlengewinnung 139,79 Millionen Tonnen betragen. Davon wurden im rheinischen Braunkohlen- bergbau 39,53 Millionen Tonnen— 28,3 Proz. gewonnen. Di« Produktion in diesem jüngsten deutschen Bergbaugebiet hat sich in unaufhaltsamem Ans stieg bewegt, der nur 1323 durch die Ruhrbesetzung unterbrochen wurde. In einem allgemeinen Rückblick wird Stellung zur Wirtschasts- krise genommen und dazu ausgeführt: »vi« Ursachen dieser Krise liegen zum Teil aus außenpolitischem Gebiet« und können von Deuffchland allein nicht beseitigt werden. Dazu kann e» nur kommen durch«ine, politische In- tentionen zurückstellende ehrlich« wirtschaftliche Ver- ständigung der Nationen untereinander, die aus der sich immer mehr Bahn brechenden Erkenntnis beruht, daß unter den am Welthandel beteiligten Völkern, besonders den europäischen, eine Art winjchafüiche S ch i ck s a l s g e m e i n- schaft besteht, welch« die nationale Wirtschaft des einzelnen Volkes mit der anderer Länder auf Gedeih und Verderb verbindet." Diese Erkenntnis lehnt Haßgesäng« ob. Darum wird auch die von Deuffchland in den letzten drei Iahren durchgeführte Be- sriedungspolitik wie folgt gepriesen: „Um die im Interesse de» europäischen Wiederausbaue» unbedingt erforderlich« Zu- sammenarbeit der Völker wieder wachzurufen. s i e z u p s l e g« n u n d z u f ö r d« r n, hat Deuffchland in London (1924) und Locarno(1925) außerordentlich schwere international« Verpflichtungen sowie bittere national« Opfer und Verzicht« auf sich genommen, wodurch da» deutsche Volk sein« ehr- lich« Absicht auf Verständigung mit allen, die ?ut«» Willen» sind, der Welt»an neuem be- u n d e t hat." Diese Beurteilung kann von allen, die bestrebt sind, eine inter- nationale Verständigung der Völker zu suchen, gutgeheißen werden. Angesichts der durchaus richtigen Beurteilung der internationalen Notwendigkeiten wäre es interessant zu erfahren, ob der Derein für die Interessen der Rheinischen Braunkohlenindustri« oder einzelne seiner Mitglieder Parteien nnd Bereinigungen unter- stützen, die bereit sind, jede internationale Lerständi- gung zu hintertreiben. Man sollte es kaum glauben, denn deren Bestrebungen werden in dem offiziellen Lereinsbericht, wie au» den Auszügen ersichtlich, ohne Umschweife abgelehnt. Eine Auslassung über diesen Punkt wäre aber unzweifelhaft begrüßen;- wert. natürlich enthält der Bericht auch Auslassnngen. die zum Widerspruch herausfordern. Da» ist von einem Unternehmerbericht eben nicht ander, zu erwarte». Aber auch da sticht er lobenswm von anderen Berichten gleicher Art ab.«eil stet» größte Sachlichkeit obwaltet. Selbst Bekenntniff«. daß man fich früher geirrt hat. sind in ihm enthalten. So bezüglich der«rbeittzeit. Am 8. Januar 1924 wurde für den rheinischen Braunkohlenbergbau ein Schieds- spruch gefällt, der di« Arbeit-dauer der Borkriegszeit wieder«in- führte. In der domallgen Zeit fanden sich di« Arbeiter notge- drungeu damit ab. Di« Organisationen unterließen aber nicht», um wieder«in« Verkürzung der Arbeitszeit zu erreichen. Darüber am 16. Februar 1925 mit dem Arbeitgeberverband geführt« Berhand- lungen oertiefen«rgebni»lo,. Der Schlichter für Westfalen. Genosse Mehlich. fällte dann einen Schi«d»spruch, nach welchem ab 15. April 1925 die Arbeitszeit um ein« Stunde verkürzt werden sollte Auch dieser Schiedsspruch wurde vom Arbeitgeberverbood abgelehnt. Da, Arbeitsministerium erklärte ihn dann auf Antrag der Gewerkschaften für verbindlich. Und fleh« da.«, ist recht gut gegangen, wie ousdrücklich im Bericht mit folgendem Satz anerkannt wird: „Im allgemeinen kann, nachdem di« neue Arbeitszeitregelung auf unseren Werken länger« Zeit praktisch durchgeführt worden fftz�gesogt. werden, daß sich dies« nach Ueberwmdung anfänglicher h« ut e Schwierigkeiten gut bewährt hat und sich heute rei- bungslo, vollzieht." Die verkürzte Lrbeitszeft hat sich gut bewährt und vollzieht sich mm reibungslos. Diese» offen« vekenntni» eine« Unternehmer- berichts fft wert, daß man es sich merkt. Es zeigt auch, daß man bei der früheren Ablehnung der gewerffchaftlichen Forderung den Arbeitern bitteres Unrecht tat. Hoffentlich lernen nicht mir die Arbeitgeber des Braunkohlenbergbaues daraus für di« Zukunft. vi« Verftüffigvn, der Kohle. Wie holländische Blätter melden. erwartet man. daß bereit» im Laus« der nächsten zwei Jahr« ausreichend Fabriken her gestellt sein werben, um die Her- stellung von Oel au» Kohl« in großem Umfang« ausnehmen zu können. Man hofft so, ganz Deurschlond mit Petroleumerzeugnissen versorgen zu können.— Di« holländische Meldung verdient um so mehr verzeichnet zu werden, als die deutscheu Interessenten sich über das Problem der Kohleverflüssigung überhaupt nicht äußern. Ergiebige Oessund« in llkbanie». in Albanien ist die dort arbeitende engl reichliche Petroleumlager gestoßen. einer Tiefe von 800 guter Qualität. Durazzo and Berat «troleumaesellschaft auf . leumlager sind in angebohrt worden und liefern ein Oel mx*'MA8SJuty m'El 881 jefzf auch ohne Mundstück in rundem, vollem Format für 3 Pfennig im SUbetk/eide ITWnclqsfc�fl Ddhelönte, üWc nchmen�ShjvkampSalzl und fflbltn sich geiund wich und lugendlich. Nid NU Such et» Beiwiel an„LnM Sluvlam?" 6cm ewig inngcn. 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KL> KartenTcrfcauf durch Reederei Viktor Schuppe, Berlin NW 7 Oorotheenstr. 30/ TeL: Zentr. 9755-9759 and an Bord»owelt Platz Am 28. b. 381«. verschied nach langem, schwerem, mit großer Geduld er» fragenem Leiden unser langjähriger Dirigent Heir Hermann Kleber im 63. Lebensjahr. In säst 2Q jähriger, mühevoller Tätiakit hat er stet» sein ganze« Kännen für uniere Sache eingesetzt. Wir wollen sein Andenken stets in Ehren halten Musikkorp» d«r Freien luraer- schas» AeutäUn-Sritz Die Einäscherung findet am Mitt- woch, den Z« Juli. 6 Uhr, in Baum- sifmienweg statt,__ Allen Freunde» und BeiunntiN die sehr traurige Nachricht, daß mein geiledter Mann, der srühere Gastwirt Franz Schleifer nach langem Leiden im Huderius- siranlenhau» entsch äsen ist. Im Namen der Hinterbliebenen: Chan, Schferter, geb. Szamelut Markgrajendamm 8 Einäscherung: Mittwoch, nadimtlt. I Uhr, im Kreinaf B'umfchulenwiig. Am 23 Infi verschied nach längerem Leiden unser, lieber ttouege, der Maschinenmeister August Rlttersbans Wir verlieren in dem Berstorbenen einen allseilig beliebien Kollegen und werden sein Andenken stet, in Ehren halten. Di« Kollegen der Abt. Druckerei Woche t. H. A. Scherl. Die Beerdigung findet heute. Dien,- tag, den 27. Juli, nachmifiag« 4 Uhr. von der Leichenhalle de» Et Michael. Fliedhofe», Neukölln, Hermann- straße lLI— ISb. au, statt. Dante-»»>ru»x- Für die herzliche Teilnahme beim Heim- gange unsere, liehen Vater, und Bruder» Gn«tav Jtaom sagen wir hiermit allen Virwandten, Freunden und Bekannten herzlichen Dan!. Gustav Baum. BUheim Bau». Gharlottenblyg, 26. Juli ISA_ Für die vielen Beweis« herzlicher Teilnahme bei der Einäscherung meiner lieben Fra», unserer guten Muller, sagen wir allen Kollegen, Freunden und Bekannten, sowie den Genossinnen und Genoffen der LS. Ableitung unseren innigsten Dank. Otto Werner und Töchter. Berlin, Hochmeisterstr. 14. ZoHteUgekeliri Dr. Adoll Glaset KottbuiiHer Domm 5. Der gule Kapifän- KanlabaB4 SÄT 1 C. R Sek er, Berlin Lichtenberger Strohe 22. Kgst. 3861 Tiiutu in Bfilovplih Nor bU 81. Juli 8 Uhr: DarMBtsidi reden veM« Theater Norden 10334—38 ItschilililirütiH KshHTf 8'/, Unr Max Adalbert Pas 6Uel Die Komödie BismardK 2414, 7516 81/- Uhr Dydurrpom Erhen mit Max UüUtorif Ab Sonntag. 1. Aug. 8>i, Uhr DlefieiBigeLeierin Elite-sanger f Tägi.» Uhr: Gaflspfet berCnginal MefidebBiiBr Ein«-Müder. Biesen- Prairamm! �Lesslng-Ib. Paul Heockels zum 54a Male. Schneider Wibbel Berte. CnllaiBki Sommerpr. 1-8 M. litll.l VoIiibBli.,Cmri iduff, Brldubiantr c�n leioeft pm Plita 1 1 JO. eidi«i leeeMrlje �KlelnesTh. Wstliisüo i/orz. dieses zahlt Söo/j���asaenpr «>/« Uhr: Donnerwetter, ganz famos amofikj-BOhnei Sommerpreise THenlrr HOiusärati.str. 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