Abendausgabe Nr. 359 43. Jahrgang Ausgabe B Nr. 177 10 Pfennig Montag 2. August 1926 Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 8½ bis 5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297 = Vorwärts Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise find in der Morgenausgabe angegeben Rebattion: SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Tel- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Berliner Dolksblatt Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Anti- kirchliche Demonstration in Mexiko Ruhiger Verlauf des Sonntags. New York, 2. Auguft.( TU.) Die Gewerkschaftsdemonstrationen| Außenamt wegen der Christ Church Rathedrale erhoben, find überall ruhig verlaufen. Nur in einem Provinzstädtchen kam es die der Andachtsort der britischen Kolonie in Merito ist. Er hat da zu einem Zusammenstoß mit Soldaten, wobei zwölf Ziviliften ge- bei hervorgehoben, daß diese Kirche fein Kirchengut darstelle, tötet wurden. In Merito City dauerte die Demonstration, an sondern daß sie das Privateigentum dreier britischen Kurader etwa 60 000 Menschen teilnahmen, gegen drei Stunden. Präfident toren sei. Eine Beschlagnahme dieser Kirche durch den merikanischen Calles beobachtete mit dem gesamten Rabinett vom Balkon des Rat- Staat tönne daher nicht in Betracht kommen. hauses aus den Borbeimarsch der Demonstration. Die Demonstranten trugen Plafate mit sich, die antichristliche Inschriften trugen. In allen Straßen hielten Gewerkschaftsredner Ansprachen gegen die Kirche. Die„ American Protestant Episcopat Church" wurde von meri. fanischen Soldaten befeßt, was in New York und in der ameri. tanischen Rolonie Meritos große Erregung hervorgerufen hat. In der Kirche der Madonna von Guadeloupe wurde das berühmte gleichnamige Altarstandbild auf Anordnung der Regierung entfernt. Der Wert des Kirchenvermögens. New York, 2. August.( EP.) Der Wert der Kirchengüter, die in den Besitz des Staates übergingen, wird mit 2½ Milliarden Dollar angegeben. Die Bischöfe wenden sich in einem Manifeft gegen den Vorwurf der Regierung, och verrat begangen zu haben; ihre Aktion halte sich strengstens auf religiösem Boden. Diplomatische Vorstellungen Englands. London, 2. Auguft.( WIB.) Der britische Gesandte in Merito hat persönlich formelle Borstellungen beim merikanischen Gedächtnisfeier für Jaurès. Paul Boncour über den Pazifismus. Paris, 2. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Unter dem Vorsitz des sozialistischen Deputierten Paul Boncour wurde am Sonntag der 12. Jahrestag des Todes von Jaurès feierlich begangen. Vor über 5000 Personen hielt Paul Boncour eine große Rede über den großen pazififtischen Gedanken Jaurès. Die Bersammlung nahm auf Borschlag Paul Boncours eine Refolufion an, in der sie den festen willen bekundete, für die endgültige Befreiung der Arbeitertlaffe und den internationalen Frieden zu arbelien. In der Refolufion wurden Jouhain und Paul Boncour zu ihrer Arbeit in Genf der Dank der arbeitenden klasse Frantreichs zum Ausdrud gebracht. Der Fall Kölling. Ministerkonferenz noch im Gange. Die Ministerkonferenz, die heute morgen zusammengetreten ist, um die gegen den Untersuchungsrichter Rölling in Magdeburg zu ergreifenden Maßnahmen zu besprechen, war bei Redaktionsschluß noch nicht beendet. An der Besprechung zwischen den Ministern Am Zehnhoff und Severing hat, wie wir erfahren, auch Ministerpräfident Braun teilgenommen. Es wird weiter verhaftet. Magdeburg, 2. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) In Magdeburg ift eine neue Verhaftung erfolgt, und zwar handelt es sich um den früher bei Haas beschäftigt gemefenen Chauffeur Reuter, der auf Angabe von Schröder die Leiche des ermordeten Helling in den Keller eines Produftenhändlers Ohle gefahren haben soll. Die Entdeckung des inzwischen verstorbenen Bro buttenhändlers Ohle ist ein Rapitel für sich. Sein Zusammenhang mit der Mordfache entstand nämlich durch Notizen von Haas, die den Namen Ohle mit dahinterstehenden Zahlen aufwiesen. Schließlich stellte sich heraus, daß Ohle ein Fernspre chamt in Breslau ist. Reuter wurde schon einmal vernommen, aber sofort wieder freigelassen. Womit die neue Verhaftung begründet wird, läßt sich nicht ermitteln, aber soviel ist jetzt schon klar: Auch diese Berhaftung wird sich als Fehlgriff erweisen. Schröder beschrieb seinerzeit das von Reuter angeblich geführte Auto. Man ermittelte aber, daß dieses Auto in der fraglichen Zeit drei Monate lang zur Reparatur in Bremen mar. Er beschrieb ferner die angebliche Kleidung Reuters, und es wurde festgestellt, daß der jetzige Chauffeur von Haas diese Kleidung trägt, Reuter aber eine andere Livre hatte. Potemkin. Calles für die Achtung der Verfassung. New York, 2. August.( WTB.)„ Evening Post" veröffentlicht eine Mitteilung des Präsidenten Calles, in der der Standpunkt Meritos im Kirchenstreit dargelegt wird. Darin heißt es, daß die Regierung niemals den Versuch gemacht habe, die Kirchen zu schließen, und daß sie auch keine derartige Absicht habe. Wenn die katholischen Priester die Kirchen verlassen würden, so würden diese unter dem Schutz von kommunalen Ausschüssen offen bleiben. Wenn die Priester sich nur weigerten, zu predigen, ohne die Gesetze zu verlegen, würden sie unbelästigt bleiben. Die Regierung habe weber den Ratholiten noch irgendeiner anderen Religionsgemeinschaft das Recht abgesprochen, eine Abänderung der Berfassung von 1917 zu fordern. Die Regierung verlange aber Achtung vor den Gesetzen und ihre Erfüllung, solange diese bestünden. Die Kirche für einen Volksentscheid. New York, 2. Auguft.( TU.) Die merikanischen Bischöfe haben in einem Schreiben an die Regierung vorgeschlagen, den Kultur. tampf durch eine Boltsabstimmung über die antifirchlichen Gesetze zu beenden. Attentatsversuch auf de Rivera. Mit dem Dolch gegen den Diktator. London, 2. Auguft.( EP.) Primo de Rivera hat nach seiner Ankunft in Madrid bestätigt, daß in Barcelona ein Attentat gegen ihn versucht wurde.„ Es handele sich um die Tat eines Fanatikers, der dem Gefühl der Zuneigung der großen Mehrheit des spanischen Boltes ihm gegenüber feinen Abbruch tue." Paris, 2. Auguft.( EP.) Reisende aus Barcelona berichten von einem Attentat, das auf Primo de Rivera verübt worben ist. Der Diftator begab fich im Auto nach dem Bahnhof, um nach Madrid zurückzukehren. 300 Meter entfernt vom Bahnhof stürzte ein Mann mit einem langen Dolch auf das Auto zu. Da er aber wegen der schnellen Fahrt des Autos nicht mehr ganz herankam, warf er den Dolch. Das Meffer prallte jedoch an der Außenwand des Wagens ab und fiel zu Boden, während der Attentäter selbst von dem Auto, indem sich das Gefolge Primo de Riveras befand, zu Boden geriffen wurde. Er wurde ins Krankenhaus gebracht. Die polizeilichen Festwurde. Er wurde ins Krankenhaus gebracht. Die polizeilichen Festftellungen haben ergeben, daß es sich um einen Anarchisten Torrente handelt, der bereits wegen eines Verbrechens wider die Staatsgewalt eine mehrjährige Gefängnisstrafe verbüßt hat. Zwangskonsolidierung in Belgien. Umtausch der schwebenden Schuld gegen Eisenbahnaktien. Brüssel, 2. Auguft.( Eigener Drahlbericht.) Als am Sonnabend alle Börsen und Banken gefchloffen waren, brachte das Amtsblatt auf Grund des Ermächtigungsgesetzes zwei fönigliche Erlasse Der erste Erlaß war erwartet, er regelt die Ausgabe der VorNationalistisches Ballspiel. Die Völkerverföhnung in der französischen Schule. Von Josef Diner Dénes( Paris). " Seit einiger Zeit gefällt sich die deutsche nationalistische Presse darin, in diesen Blättern durch allerlei 3itate aus französischen Schulbüchern" den Beweis" dafür zu erbringen, daß alle pazifistischen Reden und Bestrebungen französischer Politiker und Staatsmänner eitel Humbug sei, weil die französischen Kinder nach wie vor nur zum Haß gegen die ,, Bosches" erzogen werden. Gegenüber diesen Behauptungen der nationalistischen Presse ist eine Untersuchung darüber sehr zweckmäßig, wie es in den französischen Schulbüchern mit der Frage der Völkerversöhnung und der Völkerverheßung überhaupt steht, und, was ebenso wichtig ist, welchen Standpunkt in diesen Fragen die Erzieher bes französischen Volkes, vom Volksschullehrer bis zum Universitätsprofessor, einnehmen. rerinnen. Von diesen sind rund 80 000 in dem Syndicat Frankreich zählt etwa 120 000 Bolfsschullehrer und LehNational" organisiert. Diese Gewerkschaft hat sich im Vorjahre mit faft Stimmeneinheit dem allgemeinen franzöfifchen Gewerkschaftsbunde, der sogenannten CGT.( Conféderation générale du Travail) angeschlossen und gehört also damit zur Amsterdamer Internationale. Ein viel, viel fleinerer Teil der Lehrerschaft ist in der Féderation des Syndicats de l'Enseignement"( Bund der Unterrichtsgewerkschaften) organisiert. Diese Lehrer und Lehrerinnen find der Moskauer Gewerkschaftszentrale angeschlossen. Wie bei allen kommunistischen Gewerkschaften, ist auch bei dieser über die tatsächliche Mitgliederzahl Bestimmtes nicht zu erfahren. Nach Meinung kompetenter Leute dürfte sie faum mehr als 3000 bis 4000 betragen. Die letzten Wahlen zum Lehrerrat zeigten, wie überwiegend der Einfluß der Amsterdamer Gewerkschaft in der gesamten französischen Lehrerschaft ist. Dieser Rat, der sich aus den Delegierten der verschiedenen Departements refrutiert und 370 Mitglieder zählt, wurde im April erneuert. Bei der Wahl waren 117 000 Lehrer und Lehrerinnen stimmberechtigt. Gewählt wurden nun 337 Kandidaten des ,, Syndicat National", 24 Rommunisten und 6 Kandidaten der Rechten. Das Syndicat National" arbeitet neben der Bertretung der materiellen und forporativen Interessen der Lehrerschaft mit größtem Eifer daran, den ganzen franzö= fischen Bolksschulunterricht von innen heraus in neue lichen Bölferverföhnung zu stellen. moderne Bahnen zu leiten und in den Dienst der wirtNichts ist bezeichnender hierfür, als die Art, wie laut Beschluß des Syndicat National" dieses Jahr der 1. Mai in den französischen staatlichen Volksschulen gefeiert wurde. Aus dem Rundschreiben, das die Lehrergemeinschaft an die Sekretäre der einzelnen Sektionen versandte, sei folgendes hervorgehoben: Staatsbeamten beschloß das„ Syndicat National", das Fest der In Uebereinstimmung mit der CGT. und der Federation der Arbeit mit den wirksamsten Mitteln, die ihm zur Verfügung stehen, zu feiern. Alle organisierten Lehrerinnen und Lehrer erhalten dieserhalb folgende Beisung: Am 1. Mai werden Sie in Ihren Klassen die Schulübungen zur Berherrlichung der Arbeit benügen, um so Ihre Schüler der Demonstration der Arbeiter anzuschließen. Sie werden das Bewußtsein der Kinder zu jener einfachen und einleuchtenden Lehre emporheben, die sich aus dieser universellen Bewegung der Menschen ergibt, die auf allen Punkten der Erde im. gleichen Gedanken vereinigt sind. Sie werden nicht verabsäumen, laut, fräftig, ja leidenschaftlich die überragende Macht der befreiender Arbeit zu preisen." Die gesamte reaktionäre Bresse in Frankreich schlug ob dieser Weisung, die von den Syndikatsmitgliedern getreulich befolgt wurde, großen Lärm, aber ohne Ergebnis. 3ugsanteile der neuen Eisenbahngesellschaft. Der zweite Erlaß ftellt eine große Ueberraschung dar. Er verordnet Neben solchen und ähnlichen Befundungen des neuen, nichts mehr und nichts weniger als die zwangsweise konfolidierung der gesamten furzfristigen inneren schwe- friedlichen Geistes gelten aber die Hauptbemühungen des Syndicat National" einer 3 medbewußten Umge= benden Schuld im Betrage von 7 Milliarden Franken. Die In- ft a Itung der Unterrichtsmittel Sie bemühen haber der kurzfristigen Schahscheine werden aufgefordert, ihre Schah- fich, die Unterrichtsweise zu reformieren, indem sie den bisscheine gegen Borzugsanteile der Eisenbahngesellschaft einzutau- herigen Unterricht der bloßen Worte in einen reinen Anfchen. Tun sie das nicht, dann müssen sie die Schahscheine ab- schauungsunterricht umwandeln und hierfür aus lempeln laffen und sie werden später durch andere Schahscheine eigener Kraft die Lehrmittel schaffen, wodurch ohne bestimmte Ablaufsfrift, also ohne jede Garantie dafür, wann es ihnen gegeben ist, sie gleich in ihrem Sinne zu gestalten. die Einlösung der Scheine erfolgt, ersetzt. Sie gehen sogar noch weiter. In zwei Zeitschriften, der Wochenschrift ,, Revue des Elementarunterrichts" und in einer Monatsschrift wird mit viel Umsicht und Wissen die pädagogische und politische Erziehung der Lehrerschaft gefördert. Die wertvolle Arbeit der französischen Lehrerschaft im Interesse der Völkerversöhnung und der Völkersolidarität sollte überall Anerkennung finden, zumal in jenen Kreisen, die fich fortwährend über die ,, Angriffs luft" der Franzosen beklagen. Bei den deutschen Nationaliften ist aber das Gegenteil der Fall. Bis in die Deutsche Volkspartei Stresemanns hinein geht das System der hetzerischen Ausschlachtung sogenannter Schulbücher". Was es mit diesen auf sich hat, darüber wird noch gelegentlich zu fprechen fein. Die Großzügigkeit dieser Operation ist unleugbar. Hätte sie der Sozialdemokrat Janffen unter der früheren Regierung Boullet gewagt, dann hätte sie die Revolte der tapitalistischen Intereffenten nach fich gezogen und der Franken wäre weiter gestürzt. Aber mit Francqui, dem vom Großfapital selbst aufgerufenen Retter, darf es immerhin gewagt werden. Praktisch bedeutet die Maßnahme nichts anderes, als daß einer klaffe inländischer Gläubiger gegenüber die übernommenen Berpflichtungen nicht innegehalten werden. Allerdings geschieht das auf eine Weise, wobei die Besitzer der Schatzscheine recht gut auf ihre Rechnung fommen. Die furzfristigen Schahscheine tragen 6 Proz. Zinsen in Papierfranken Dafür bekommen nun die Besitzer der Borzugsanteile, die ebenfalls mit 6 Proz. verzinslich sind, das Recht auf die Hälfte des Gefamtgewinnes der Eisenbahn, was auf weitere 2,7 Pro3. beRonferenz der reaktionären Regierungen. Stuffgart, 2. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Heute hat in Stuttgart eine Besprechung von Bertretern der Regierungen von Bayern, Württemberg, Hessen und Thüringen stattgefunden. Den Aniaß dazu hat die Tatsache gegeben, daß heute in Stuttgart der freigegebene Botemfin- Film aufgeführt merden soll. Die Bertreter der reaktionären Regierungen haben beschlossen, gegen die Entscheidung der Filmprüfstelle Einspruch zu erheben. Die Oberprüfstelle wird sich also von neuem mit dem Botemtin- Film zu beschäftigen haben. Die Realtion fetzt ihren aus gepreßtem monarchistischem Herzen tommenden rechnet wird. Gelingt diese Zwangskonsolidierung, dann ist der entfcheidende Schritt zur Stabilisierung getan. Sampf gegen bas freiheitliche Stuntment fort. fprung hat und welchem 3mede sie dient. Die Spuren deuten Die Frage ist aber, wo die neuerliche Hehe ihren Urfprung hat und welchem 3mede fie dient. Die Spuren deuten So erschien noch im Vorjahre eine bösartige Hetzschrift Locarno das Ende der Schmach am Rhein?" Sie trägt wieder nach München. den Untertitel Sonderveröffentlichung des Deutschen Notbundes gegen die schwarze Schmach und die Bedrückung der besetzten Gebiete( e. B.)" und gibt sich als periodische Drudschrift, da sie den Bermert hat: 5. Jahrgang, Nr. 2, November 1925. Als verantwortlicher Schriftleiter zeichnet Gerhard Freiherr v. Branca, München. Der Berlag hat zwei Geschäftsstellen: München, Finkenstr. 2, und Berlin- Schlachtenfee, Viktoriaftr. 45. sich um jede Angabe über 3 med und Inhalt dieser Besprechung herum und sagt nur, die Behauptungen Levis über einen Zusammenhang zwischen diesem Besuch und der Aufhebung der Haftbefehle gegen die der Ermordung des Kellners Hartung verdächtigen Personen feien wider besseres Wissen gemacht, seien Schwindel... Es werden dem Abgeordneten Dr. Levi folgende Fragen vorgelegt: ,, Was steht in den Protokollen über die Vernehmung der beiden Staatsanwälte? Was haben sie insbesondere über ihren Besuch bei Gürtner ausgefagt? Wagt Herr Levi, Vorwürfe auch gegen den Untersuchungsrichter zu erheben? Warum hat Herr Levi in seinen sehr ausführlichen Informationen an den ,, Borwärts" diesen Komplex vollständig unterschlagen?" Itens, wie ihn biefe Kreise verstehen. Mit diesen Schichten ist eine Verständigung möglich. Auch der Republikaner kann ihnen die Hand reichen. Deshalb ist mit dem Kampfruf gegen die Monarchie allein nicht viel anzufangen. Für die Republik arbeiten heißt nicht, das deutsche Bolt in zwei Parteien spalten und sie mit dem Stichwort republikanisch und monarchistisch versehen. Das Zentrum hat fich ja auch immer gegen die Bürgerblodpolitik gewandt, weil diese Politik allzu leicht In dieser ,, Sonderveröffentlichung heißt es u. a.: diese Spaltung herbeiführen fann. Es hat auch immer die Auf" Bor uns liegen vier französische Kinder- und Schulbücher. Es faffung des Grafen Westarp bekämpft, daß nur gegen die fei gleich gesagt: nicht aus der Kriegs- oder unmittelbaren Nach- Sozialdemokratie regiert werden könne. Ebenso falsch friegszeit, sondern aus den allerletzten Jahren. Es sei auch hier wäre es aber, den Grundsatz aufzustellen, daß nur mit der gleich festgestellt: nicht gelegentliche Entgleisungen chauvinistischer Linken und immer gegen die Rechte regiert werden müsse. Auch Besessenheit, sondern von einem Volksschuldirektor verfaßte, vom diefer Kampfruf fann sich schließlich in den Gegensatz: Hier SozialDurchaus mit Recht sagt die München- Augsburger AbendUnterrichtsminister hören Sie, Herr de Monzie gutgeheißene, bemotratie mit ihrem Anhang, hier Bürgertum! auflösen. Besonders in vielen Hunderttausenden von Exemplaren verbreitete Jugend- das Zentrum würde in einem Kampfe mit dieser Frontstellung zer- zeitung", daß an der Beantwortung dieser Fragen auch die literatur. Und das trotz der Entschließung, die im Jahre 1923 auf rieben werden und damit der Weg freigeben zum Zusammenprall bayerische Staatsregierung intereffiert ist. Aber dem Kongreß der 70 000 Mitglieder umfassenden Hauptgewerf. der Rechten mit der Linken. Diese Situation schreibt aber dem es ist eine sehr durchsichtige Finte, daß die Wahrung dieses Interesses schaft der französischen Lehrer( Syndicat National) bie 2 b 3entrum gebieterisch die Notwendigkeit vor, feine Mittel bem Willen des angeblich schwindelnden Anklägers überlassen wird. schaffung des den Weltkrieg behandelnden Geschichtsunter- ftellung unter allen Umständen beizubehalten und Die bayerische Justizverwaltung muß ihr Interbei Wahrung seiner grundsäglichen Haltung fich die taftische Beeffe selbst wahren und sie ist doch in der Lage, das zu tun. wegungsfreiheit nicht nehmen zu lassen. Es kann weder eine Rechts- Warum gibt sie nicht die von ihr so heiß ersehnte vollständige Aufflärung? Bedenken gegen die Publikation der Aften fann doch die partei, noch eine Linkspartei werden." Berteidigung des Juffizminifters nicht geltend machen, wenn sie selbst eine folche von Dr. Levi fordert. Das Bewußtsein, daß etwasund nicht wenig zu verbergen ist, fürchtet eine Bloßftellung der bayerischen Rechtspflege", und deshalb will man den Gegner zu einer Bloßstellung verloden und fragt." richtes forderte." - Ich bin nun diesen Behauptungen der Münchener Hetzer nachgegangen und habe die erwähnten Schulbücher" mir angesehen. Das gleiche tat auch die Leitung des Syndicat National". Es ergab sich, daß die Münchener Bortämpfer für Völkerverföhnung" einen Tropfen Wahrheit mit einer Reihe von böswilligen Berdrehungen vermengt haben, um das lobenswerte Wirken des" Syndicat National" in sein Gegenteil zu verdrehen. Für Wirth ist die Republik eine Idee, für das Zentrum also nur die Anerkennung einer verfassungsmäßigen TatSache. Wirth ist grundsäglich Republikaner, das Zentrum aber trotz des Bekenntnisses seines letzten Parteiausschusses und der„ Germania" nicht, weil der Riß zwischen Re publikanern und Monarchisten mitten durch das Zentrum Dieser planmäßigen Vergiftung der deutschen öffent- hindurchgeht. lichen Meinung muß entgegengetreten werden, damit nicht den Poincaristen das Spiel erleichtert wird. Nationalistische Haßgefänge sind zu verurteilen, ganz gleich, ob sie in Frant reich oder in Deutschland angestimmt werden. Besonders aber gehören sie nicht in die Schule. Daß in Frankreich die Lehrergewerkschaft selbst dagegen fämpft, hat der ,, Notbund" durch Bezugnahme auf ihre Entschließung selbst zugegeben. Er sollte deshalb sein Augenmert auf deutsche Schulbücher lenken. Dort wird er wahrscheinlich auch noch manches finden, was seinem zarten Empfinden für Völker versöhnung nicht ganz gerecht wird. Der unbequeme Wirth. Bedenken des republikanischen Opportunismus. Der zweite Sammelruf Births hat sofort eine Wirkung hervorgerufen. Er hat gezeigt, daß die Dinge im Zentrum nicht so einfach liegen, wie sie Birth sieht. Die ,, Germania" hat sofort zu dem zweiten Auffaz Wirths Stellung genommen, zurückhaltend, bedenklich, auslegend. Sie schreibt: ,, Und so sehr man jede Strömung begrüßen fann, die auf cine Stärkung des republikanischen und sozialen Gedankens hinausläuft, darf man doch die Augen nicht vor den Gefahren verschließen, die eine republikanische Einigungs: bewegung für die Selbständigkeit der Partei haben tann. Das ist die Bedenklichkeit. In einem wesentlichen Buntte aber unterscheidet sie sich von Wirth, wenn sie schreibt: " Der Schlachtruf: Hier Republit, hier Monarchie! bezeichnet nicht allein die politische Scheidegrenze. Denn die Linie, die diese Gebiete abgrenzt, läuft nicht zwischen, sondern mitten durch fast alle bürgerlichen Parteien. Es gibt Kreise, die die Monarchie wieder erstreben, nicht um der Idee willen, sondern weil fie fie nötig haben zur Erreichung rein wirtschaftlicher oder Standes intereffen oder gesellschaftlicher Borteile. Mit ihnen wird sich der Republikaner schlecht verständigen fönnen. Daneben lebt aber auch der monarchische Gedanke in weiten sonst demokratisch und fozial denkenden Schichten gefühlsmäßig fort, als ein ideales 31 el, als die Vertorperung des nationalen Gedan Der Nobelpreis. Hjalmar Bergmanns Komödie im Künstlertheater. Für die Saltenburg- Bühne ein großer Erfolg. Dant Eugen Klöpfers schöpferischer Gestaltungskraft, mit der der Schwede Hjalmar Bergmann, der Verfasser, weniger begnadet ist. euilletonist und Romancier mit einem leichten Formtalent, das Jeine Neigung zum Hergebrachten liebenswürdig verhüllt, versucht er im Nobelpreis" eine Charafterfomödie zu geben, etwa in der Art des„ Kollege Crampton", heraus fommt aber nur eine Bombenrolle, Rohstoff in der Hand eines genialen Schauspielers. Nach dem zweiten Aft versandet die Komödie in Rolportage, Rührung und dergleichen. Die eigentliche Handlung ist hier zu Ende. Der Ingenieur Swedenhielm, Erfinder mit Sonne im Herzen, ein großes Kind, das sich lachend über materielle Schwierigkeiten hinweg setzt, erhält endlich für eine Erfindung, die er mit seinem ältesten Sohn gemeinsam gemacht hat, den Nobelpreis. Nun tönnte die Komödie schließen. Es fommt aber anders. Bergmann verfleistert damit eine zweite Handlung, nur um Swedenhielm in einer anderen Situation zu zeigen. Es erscheint der Wucherer Eriksen mit fälligen Wechseln der Söhne. Swedenhielm honoriert fie umgehend. Aber zwei sind, gefälscht. Wer tat es? Der sonnig- leichtsinnige Erfinder, der nebenbei ein Fetischist des Ehrbegriffs ist, erleidet einen 3u fammenbruch und benimmt sich fortan start melodramisch, er würgt einen seiner Söhne, will nichts effen und hantiert verdächtig mit dem Rafiermesser herum, bis seine Schwägerin und Haushälterin ihm schließlich erklärt, fie habe die Wechsel gefälscht, um Wirtschaftsgeld zu erlangen. Die Sonne lacht von neuem, alles endet in Harmonie. Aber für den Zusammenbruch reicht Bergmanns Gestaltungsfraft nicht aus. Hier ist Swedenhielm zu summarisch behandelt, die Komödie wird zum bloßen Regiebuch für den Schauspieler, es bleibt bei Anfäßen und Andeutungen, jede tiefere psychologische Ausdeutung fehlt. Das steht im Widerspruch zu dem ersten Teil der Komödie. Und dann dies: Swedenhielm ist der einzige. deffen Bild ein gehender entworfen worden ist, um ihn wimmelt es von Feuilletons, Staffagen und Dagewesenheiten. Die anderen Menschen entfernen sich nicht von den durchschnittlichen Lustspieltypen. Ein Reporter geistert durch das Stück, bei dem Bernard Shaw Bate gestanden hat, und ein Geldverleiher mit der bösen Kindheit und dem guten Herzen stammt aus dem Atelier Strindberg, und auch die sonnige Familie Swedenhielms entwickelt feine besonders individuellen Züge. | Das grundsätzliche Bekenntnis zur demokratischen Re publif ist nicht zu trennen von einer wahrhaft demofratischen Gesinnung in sozialen Fragen. In diesem Punkte aber geht ebenfalls ein Riß durchs 3entrum: die großen Gegensäge zwischen Arbeitern, Angestellten, Unternehmern, Großlandwirten sind in dieser Partei nicht etwa ausgeglichen, sondern in aller Schärfe vorhanden. Grundfäßliches Bekenntnis zur demokratischen Republik, entschiedene Festlegung des politischen Kurses unter diesem Gefichtspunkt erheischt auch die Bestimmung eines festen Kurses in sozialen Fragen. " Die von der Germania" unterstrichene Politik der Festhaltung der Mittelstellung des Zentrums um jeden Preis ist nur der Ausdruck der inneren Unmöglichkeit, die sozialen Gegenfäße im Zentrum auszugleichen und zu vereinen. Weil aber der feste Kurs in sozialen Fragen fehlt, so fehlt auch der fefte Kurs in den rein politischen Fragen, und fo ruft das grundsäßliche Bekenntnis Births zur Republik die Bedenken des republikanischen Opportunismus im Zentrum hervor. Gürtner. Die Taktik der Verschleierung. Die Frankfurter 3eitung" schreibt zu der Berteidi-= gungsmethode des bayerischen Justizministeriums: ,, Der banerische Justizminister Gürtner, der lediglich mit einem sehr dürftigen, nach dem üblichen bureaukratischen Schema geformten Dementi den Anklagen des sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten Dr. Levi entgegengetreten ist, überläßt seine weitere Verteidigung der deutsch nationalen Breffe. Was diese aber zu fagen weiß, verrät die nämliche Tattit des Ausweichens und der Verschleierung, die auch gegenüber dem justizministeriellen Dementi die Deffentlichkeit stußig und mißtrauisch machen muß. So deutet heute die München- Augsburger Abend zeitung" an, daß eine Offizialantlage gegen den Reichstags abgeordneten Levi erhoben werde, aber sogar das geschieht statt einer offenen Ankündigung lediglich mit einer Schilderung der Schwierigkeiten, die Genehmigung zur Strafverfolgung vom Reichstag zu erhalten. Den Besuch der beiden Staatsanwälte Rr aus und Arid im Justizministerium gibt das Blatt zu, aber es drüdt Der Erfolg des Abends gebührt Eugen Klöpfer, der aus dem Erfinder Swedenhielm das machte, was vielleicht Hjalmar Bergmann corschwebte: einen großen Menschen. Klöpfer gibt diesem findlichleichtfinnigen Sonnenmenschen wahre Größe, hinter den Kindlich. feiten steht der wahre Erfinder, der von Tragit umgeben ist. Neben ihm allein noch Hedwig angel als Haushälterin, lebensprühend und erdverbunden, und der Eriksen Hans Sternbergs in der Maste des Konsuls Bernit, talt und überlegen. Die anderen machen gutes Schauspiel, und die Regie stört nirgends. Felig Scherret. Jsrael Zangwill gestorben. Der bekannte jüdische Schriftsteller Israel Zangwill ist, wie aus London gemeldet wird, an einem nervösen Zusammenbruch im Alter von 62 Jahren gestorben. 3. war als Sohn einer armen jüdischen Handelsfamilie, die vor den großen Judenverfolgungen in Rußland geflohen war, in London geboren. Er machte das Elend der armen jüdischen Einwanderer am eigenen Leibe durch, ver. mochte sich aber dant feiner Begabung mit eisernem Fleiß herauf quarbeiten. Er wurde Lehrer und dann Journalist. Auf allen Gebieten der Literatur hat er sich versucht; besonderen Erfolg hatten feine Erzählungen und Theaterstücke aus dem jüdischen Volksleben. 3angwill ist ein Meister der Milieuschilderung, der das Leben der armen Londoner Juden mit prächtiger Sachkenntnis und einem aus Mitleid geborenen Humor äußerst lebendig darzustellen wußte. Sozial betrachtet, gehört er noch der älteren Schule an, denn er appelliert an das Mitleid und den Geldbeutel der reichen Glaubens genossen, die ihren armen Stammesbrüdern helfen sollen. Bon ben vielen Romanen Zangwills find eine ganze Reihe auch ins Deutsche überfest, vor allem„ Die Kinder des Ghettos". die ihn 1892 fofort berühmt machten. Bangwill fam in den neunziger Jahren in Fühlung mit den Führern des damals sich entwickelnden Zionismus und hielt in vielen Städten Europas Propagandavorlesungen für den Rionis mus. Er trennte sich aber von seinen Genossen, als 1905 die von ihm befürworteten Siedlungspläne für Ostafrita abgelehnt wurden und gründete eine eigene Organisation, die jüdische Ansiedlung außerhalb Palästinas( übrigens ohne Erfolg) betrieb. Während des Krieges trat Bangwill zunächst gegen den Krieg auf, weil er die Unterstügung des reaktionären Rußlands durch England mit seinen humanitären Ideen nicht für vereinbar hielt. Als ihm aber Hoffnung auf Palästina gemacht wurde, trat er auf die Seite der Kriegsfreunde. " Aus dem Königreich Bayern. Die Amtliche Fremdenliste für Berchtesgaden und Umgebung" vom 3. Juli 1926 sieht ohne jebe faßtechnische Aenderung so aus: Gemeinde Berchtesgaden. Ihre Majestät Kaijerin und Königin Hermine, Doorn Ihre Durchlaucht Prinzessin Henriette von Schönaich- Carolath, Doorn Frau Baronin von Gemmingen, Baden- Baden Fräulein Annemarie von Bahl, Berlin Herr Geheimrat Niz, Berlin Fräulein Attenfeld Fräulein Erica Tornow, Doorn Herr Gustav Schilling, Doorn Herr Frig Junge, Sabor Kaiserin Auguste Viktoria Kurhaus und Grand Hotel. fehr beglückt sein wird, ist die Frage. Man sagt ihm selbst faiserliche Ob Rupprecht von Wittelsbach von dieser faiserlichen Invasion Aspirationen nach. Kriegervereinsterror. Ein Rüffel des Kyffhäuserbundes. Die Prefeabteilung des Deutschen Reichstriegerbundes Kyffhäufer" veröffentlicht folgende Erklärung: ,, Linksblätter berichten, daß eine Reihe von Mitgliedern von Kriegervereinen, die beim Boltsentscheid mit„ Ja“ stimmten, deswegen aus ihren Vereinen ausgeschlossen wor den seien. Der Preußische Landeskriegerverband erklärt demgegenüber, daß fein Mitglied in der Ausübung seines verfassungsmäßigen Rechtes gehindert oder zur Verantwortung gezogen werden dürfe; mithin ist also ein Ausschluß aus dem genannten Grunde un statthaft." Das auffälligste an dieser offiziellen Rundgebung ist, daß sie fo spät erfolgt. Nach der bisherigen Haltung des Kyffhäuserbundes mußte man annehmen, daß er den Terror der Untervereine durchaus billigte und beeinflußte. Sollten Schadenersagtlagen ein zelner wegen Teilnahme am Boltsentscheid ausgeschlossener Mitglieder zu einer Revision der Auffassung geführt haben? Wo die Sorge um den eigenen Geldbeutel anfängt, hört bekanntlich die Begeisterung für die Fürsten meistens auf. " " " 1 Yvonne". Saltenburgs Theater am Kurfürstendamm" tommt uns diesmal mild sommerlich franzöfelnd. August Neidhardt und Artur Rebner schrieben den Tert, Hugo Hirsch die Musik zu dem Baudeville Yvonne". Weil nun schon mal ausnahmsweise nichts original Französisches da war, und weil außerdem das Coin- Parfüm na, schweigen wir darüber. Jedenfalls sollte das Kurfürstenbamm- Theaterchen wenigstens in den Pausen hinreichend gelüftet werden, wenn man den Zuschauern schon so reichliche Duftproben Coty zumutet. Und davon wird man wohl auch in den fünftigen Aufführungen nicht abgehen, denn Yvonne" ist ein Theaterstück mit sozusagen sentimentalem Cotyeinschlag. Ohne Coty wäre das ganze Stüd nicht dentbar, und man kann an der Bedeutung der Cotyparfümerie, Paris, etwa die Bedeutung des Wertes" ermessen. Aber fezern mir nicht, einige flotte, wenn auch nicht übertrieben originelle Schlagermelodien Hugo Hirschs haften im Ohr, einige Mufitterte haben Schwung, und der Einfall des Werkes ist ganz erheiternd. Und wenn das alles zusammen schon nicht viel ist, so forgen die geschickte Regie Reinhard Bruds und Ernst Römers ge wandter Dirigentenstab dafür, daß dem Publikum trop vierstündiger Premierendauer nicht die Laune und dem Werke das Tempo nicht ausgeht. Außerdem hatte man eine ganze Reihe bewährter Operettenfräfte aufgeboten, von denen Eduard Lichtenstein und Emmy Sturm sogar singen können. Zes. Moderne oder Stradivarius- Geigen? Ein interessanter Bettstreit soll demnächst in London stattfinden. Es wird die Frage erörtert, ob die alten italienischen Geigen tatsächlich beffer find als die modernen englischen. Man versichert nämlich seit einiger Zeit, daß die hohe Verehrung für die Geigen von Stradivarius, Guarnerius usw. größtenteils auf Suggestion beruhe. Ein englischer Biolinist wird nun, hinter einer Mauer verborgen, einige Stüde auf einer Stradivarius und auf einer modernen Geige spielen; und Sachver ständige sollen dann urteilen, welches Instrument am besten flingt. Ein ähnlicher Wettstreit, der vor einigen Jahren in Paris stattfand, entschied zugunsten der modernen Geige. Die Anhänger der alten italienischen Geigen behaupten jedoch, daß die neuen Geigen nur dann schön flingen, wenn sie noch wenig gebraucht sind. Ein neues Riefenwerk von H. G. Wells. Von dem berühmten englischen Romandichter H. G. Wells wird ein neues Werk angefündigt, das nicht weniger als fünf große Bände umfassen und ein Rompendium philosophischer Gedanken fein soll. Der Dichter lebt schon seit mehreren Jahren an der Küste des Mittelmeers in einer blühenden Einsiedelet, und hier hat er das neue Wert geschaffen, das nach den Angaben englischer Zeitschriften eine Fülle neuartiger Gedanken enthalten soll. Jm Kupferffitabinett der Staatlichen Museen ist eine Ausstellung der Holzschnitte, Kupferstiche und Zeichnungen von Lucas Cranach eröffnet worden. Bergmann wollte mehr geben, als er fann. Er hat Fingerspitzengefühl für theatralische Wirkung. Doch für eine große Komödie fehlt ihm der Atem. Als Mensch von Kultur vermeidet er Geschmack. Bruchstücke im Kunsthandel vorhanden waren. Diese sind nun durch hundertjährigen Bestebens. Aus diesem Anlaß spendete das Institut die fofigkeiten. Das Ganze bleibt aber unbefriedigend, gerade wegen feiner unausgesprochenen Haltung. Es ist noch femne Komödie, und es ist mehr als ein gewöhnliches Lustspiel, Bervollständigung der„ Thronenden Göttin". Neue Bruchstüde der Berliner ,, Thronenden Göttin" fonnten jezt dem im Kriege nach Berlin gekommenen Marmorbildwerk des Alten Museums angefügt werden. Als die herrliche Figur seinerzeit aus dem Ausiande erworben wurde, war es bekannt, daß zu threm Throne noc; acht eine großherzige Schenkung dem Berliner Museum zugeführt worden. Fünf der Bruchstücke gehören zu den vorderen Thronbeinen und stellen die feine Tischlerarbeit der zugrundeliegenden Thronform dar, die sorgfältig in Marmor nachgebildet wurde. Das Bibliographische Institut zu Leipzig beping Sonntag die eier seine Summe von 210 000 Mart für Wohlfahrtszwede. Die 700- Jahrfeier für Franziskus von Affifi fand in seiner festlich ge schmückten Stadt von Sonnabend bis Montag unter großer Teilnahme stat Rotfront gegen Reichsbanner. Blutiger Zusammenstoß in Werneuchen. Zu einem schweren Zusammenstoß zwischen Reichsbannerleuten und Roten Frontkämpfern kam es am gestrigen Sonntag in Wer- n e u ch e n an der Wriezener Bahn. In Werneuchen wurde die Reugründong einer Gruppe des Reichsbanner» Schwarz-Rol-Gold vorgenommen. Abends gegen 7 Uhr durchfuhren Rote Front- kämpfer. die sich auf der Rückfahrt von Freienwalde nach Berlin-Wilmersdorf befanden, den Ort. Eine Gruppe Reichsbanner- leuten, die des Weges kam, wurde vou den Roten Frontkämpfern überfallen. Drei Reichsbannerleute, deren Personalien noch nicht genau feststehen, wurden durch Stockschläge und Messerstiche so übel zugerichtet, daß sie in das Kreiskrankenhaus Alt-Landsberg geschafft werden mußten. Auch von den Roten Frontkämpfern zogen sich zwei in dem Handgemenge Verletzungen zu. Der Arbeiter Franz T u t t l i tz aus der Meyer-Otto-Str. 4 zu Wilmersdorf erhielt einen L u n g e n st i ch, der ihm von einem seiner eigenen Kameraden aus Unvorsichtigkeit beigebracht worden war. Ein zweiter Verletzter, Hans Weiß aus Wilmersdorf, erhielt einen Schlag über den Kopf. Beide wurden durch einen Wagen des Rettungsamtes nach Berlin in die Charit- gebracht. Während W. wieder entlasten werden konnte, mußte T. dort verbleiben. Zu der Angelegenheit erfahren wir noch folgende Einzelheiten: Die Gründungsversammlung des Reichsbanners und ein Um- zug durch den Ort verlief zunächst ohne Störung. In den Nach- Mittagsstunden kam es dann dadurch zu einem Zwischenfall, daß ein anscheinend betrunkener Schnitter aus dem Orte die Reichsbannerleute hänselte und beleidigte, so daß er schließlich von einem Mitglied« der Organisation eine Ohrfeige er- hielt. Nach der Darstellung der Werneuchener Bürgermeisterei sollen darauf die Roten Frontkämpfer den Geschlagenen in Schutz genommen haben und ihrerseits zum Angriff gegen die Reichsbannerleute vorgegangen fein. Es kam zu einem Handgemenge, in dessen Verlauf drei Mitglieder de» Reichsbanners durch Hiebe und Mesterstiche so schwer oerletzt wurden, daß sie in da» Kreiskronkenhaus in Alt-Landsberg gebracht werden mußten. Auf Seiten der Kommunstten gab es ebenfalls mehrere Schwerverletzte, und der Führer der Abteilung, Franz T ü t t l I s aus Berlin-Wilmersdorf, Meyer-Otto-Straße 4, erhielt einen etwa 1» Zentimeter tiefen Stich in den Rücken. Tüttlis, der angeblich aus Versehen von einem seiner eigenen Genosten ver- mundet worden ist, wurde in einem Wagen des Berliner Rettunas- amtes nach der Charit- transportiert, wo er sehr schwer danieder- liegt. Das Gerücht, daß es bei der schweren Schlägerei, bei der insgesamt etwa acht Personen verletzt wurden, auch ein Todesopfer gegeben haben soll, trifft nicht zu. Wie wir erfahren, handelt es sich bei dem in da» Krankenhaus Alt-Landsberg gebrachten Reichs- bannermann um einen Herbert Kleiber aus der Kantstraße 4 in Lichtenberg, und zwar hat dieser einen Lungenschuß davongetragen. Di« Verletzungen der übrigen erwiesen sich als geringfügiger, so daß sie, wie da» Mitglied de» Reichsbanner«, Paul Schlauske aus der Frankfurter Aller 32, der eine Kopfverletzung erlitten hatte, nach einem Notverbond wieder entlasten werden konnten. Der genaue Sachverhalt des Zusammenstoßes wird noch von der Werneuchener Behörde geprüft, und es ist zu erwarten, daß gegen die Angreifer Anklage erhoben wird. Wasserrohrbruch i» der Brunnenstrahe. Vor dem Hause Brunnen st raße 171, wo augenblicklich für die im Bau begriffene AEG.-Schnellbahn schwere Eisenträger eingerammt werden, wurde heute vormittag ein Hauptwasser- r o b r von einem Eisenträger, der durch eine große Dampframme in das Erdreich getrieben wurde, zertrümmert. Ein riesiger Wasser st rahl schoß an die Oberfläche und drohte die viele Zentner schwere Ramme zu unterspülen und zum Umstürzen zu bringen. Ee gelang aber, das Rohr nach einiger Zeit abzustellen. Die Bewohner der Brunnenstraße zwischen Anklamer und Invaliden- straße sind ohne Wasser. Es soll oersucht werden, noch im Laufe des heutigen Tages den Schaden zu beheben. Mittelfener in Zehlendorf. Ein größerer Brand beschäftigte am Sonntag abend mehrere Stunden lang die Feuerwehren von Zehlendorf, Lichter- felde, Dahlem und Wilmersdorf in der König st raße zu Zehlendorf. In' einem Schuppenkomplex der Pump- st a t i o n war aus bisher noch unbekannter Ursache Feuer ausge- brachen, das an Teerprodukten und geteerten Materialien reiche Nahrung fand und sich sehr schnell ausbreitete. Das Feuer griff auf den D a ch st u h l des Gerätehauses über und zerstörte diesen vollständig. Nach längerem Wassergeben gelang e», das Feuer niederzukämvfen. Die Mannschaften hatten unter starker Oualmentwicklung zu leiden. Die rote Tchleife erregt AergerniS. Beim Tod« eine» Kollegen hat die Belegschaft einer größeren Fabrik für elektrische Maschinen im Norden Ber- lins Spenden für einen Kranz gesammelt. Der Kranz wird mit einer großen roten Schleife geschmückt und zur allgemeinen Ansicht im Werkhof ausgestellt. Die Betriebsleitung ordnet jedoch an, daß der Kranz nur in der Mittagspause gezeigt werden solle, da sonst die Arbeiter von ihrer Arbeit abgehalten werden könnten. Man kommt dem Verlangen nach. Als aber um 12 Uhr der Ar- beiterrat den Kranz von neuem anbringen will, muß er feststellen, daß die rote Schleife fehlt. Die Direktion bedauert den Vorfall. Sonst ergeben die Recherchen nichts. Der Portier, der gewöhnlich olles sieht, weiß von nichts, aber kurz vorher hat er sich Lehrlingen gegenüber geäußert, die rote Schleife müsse verschwinden. Er nehm« daran Anstoß, sie ärgere ihn. Mitgliedern des„Vaterländischen Werkoereiiis" sind die schwarzweißroten Farben lieber. Einen Kranz mit einer solchen Schleif« hätte vielleicht sogar der Portier bewacht. Aber welche Gesinnung müssen diese Leute haben, wenn sie sogar Schleifen, die sie ärgern, von Trauerkränzen ab- reißen._ Woltersdorfer Sportsonntag. So viele Menschen hat das klein«, idyllisch gelegene Woltersdorf, das zu so unseliger Berüdmtheit in diesem Sommer gelangt ist, wohl selten oder noch� nie gesehen. Sämtliche Kasfeegärten, Veranden, Landungsstege, überhaupt alle Wege und Stege an der Wolters- dorfer Schleuse selbst, dann ringsum die gegenüberliegenden Ufer waren voll Schaulustiger. Alle Vehikel zu Wasser und zu Lande waren mobil gemacht. Ein Wagenpark von Autos, Motor- und Fahr- rädern, auf dem Wasser eine Uebersülle von Paddel-, Ruder- und Motorbooten. Für S Uhr nachmittags war der Fallschirm- absprung vom Flugzeug in den Flakensee durch den bekannten Flieger und Konstrukteur Otto Heinicke angesagt. Leider hatte das üblich« schlechte Sonntogswetter mit starkem Windgang und Regen eine mehr als zweistündige Verzögerung im Gefolge. Gegen 6 Uhr setzt« nun ein derart heftiger Regen ein, daß die vielen im Freien stehenden Menschen den auf 7 Uhr verlegten Absprung nicht mehr abwarten tonnten. Schließlich wurden auch die Ueberdachten unge- duldig uro verließen zum Teil den Platz. Nur wenige ganz Wetter- feste harrten tro», alledem im strömenden Regen aus Harras den kühnen Springer Endlich, gegen 7K Uhr, ertönte ein vielstimmiges .Er kommt. Im Nu strönite alles ins Freie— auch der Regen hatte sich beruhig,— und bald surrte das langersehnte Flugzeug in ein paar Runden über den See: da löste sich oben eine Gcstaft und der Absprung ging glatt vor sich. Leider nicht— wie geplant— in her Mitte des See»,' sondern recht« in einer Einbuchtung, so daß die meisten bloß den Ablprung, aber nicht die Ankunft im Wasser beob- achten konnten. Des Aihne Experiment— in Verbindung mit einer von der Wolterderfe? Feuerwehr inszenierten Wohltätigteits. Veranstaltung— dient dem Zweck der Anschaffung von Jür Jrieöen und Sozialismus. Antikriegstreffen der Arbeiterjugend. Zum 12. Male jährt sich der Tag, an dem die groß««uro- päische Blutkrise von 1S14 bis 1918 ihren Anfang nahm. Zum Gedenken der unzähligen Verstümmelten, der Millionen Toten des Weltkrieges veranstaltet« die Arbeiterjugend, Bezirk Brandenburg-Grenzmark, am Sonnabend und Sonntag ein« Antikriegskundgebung in Hennigsdorf im Osthavelland Die Veranstaltungen dieses antimilitaristischen Treffens waren eine eindrucksvoll« Mahnung der Jugend, die in den Schreckensjahren der Hungerblockade aufwuchs:„Nie wieder Krieg und Massenmord!" Unter sehr starker Beteiligung der Hennigsdorfer Bevölkerung fand am Sonabend abend ein Fackelzug vieler Hunderter Jugend- licher mit zahlreichen roten und schwarzrotgoldenen Fahnen statt, der vom Restaurant Bros« zum Marktplatz ging. Dort sprach Genosse Kuttner zu der Menge. Der Redner betont« eingangs, daß er zum erstenmal vor Menschen spreche, die den Krieg nicht bewußt er- lebt hätten. Di« Not der Frauen und Kinder, die eine der vielen Sünden des Krieges war, müßte auch der Jugend die sinnlose Brutalität der niederreißenden Kriegsmaschinerie klar aufzeigen. Di« «inlullende Phrase der militaristischen Spießerseelen:„Kriege habe es immer gegeben", ist ein trauriger Schwindel, den man kaum zu wider- legen braucht. Arbeit für den Frieden ist Arbeit für die Kultur. Der Arbeitergesangverein Hennigsdorf fang„Twrd Folefon" und„Empor zum Licht". Unter dem Gesang der I n t« r- nationale fand die impoiaule Kundgebung ihren Abschluß. Nach Spielen der Jugend auf dem Sportplatz fand um 11 Uhr vor- mittags die Gedenkfeier für Jean Iaures und Ludwig Frank statt, zu der Genosse Rudolf Wissel! sprach. Nach Musik- und Liedervorträgen begann der Redner mit einer Erinnerung an den Tag des Schreckens, der mit der feigen Mordtat an dem großen Arbeiterführer Iour-s zugleich der Beginn des furchtbaren Krieges war. Abends 20 Minuten vor 10 Uhr trafen die zwei Schüsse des Meuchlers den Mann, der mit feinem glühenden Her.zen und seiner unettittlichen Logik ein Opfer seiner flammenden Lieb« zur Mensch- heit geworden ist.„Wenn Sie, so hat Iaures einmal gesagt, „ihren Vertrag mit Rußland anrufen, so rufen wir unseren größeren Vertrag mit der Menschheit an." Einer von denen, die mit glühendem Enthusiasmus sich selbst für eine Sache zum Opfer brachten, war der Genosse Ludwig Frank.„Wo die andern kämpfen und fallen, dort darf ich nicht zurückstehen." So verstehen wir Franks Hingabe. Und in diesem Sinn« wahren wir tiefe Treu« dem unersetzlichen Genossen. Nach der Ausführung de» Schönlant-Sprechchors„Er- lösung" durch die Iugend schloß die Kundgebung mit dem Gesang der International«. Am Nachmittag zog alle» hinaus zum Sportplatz, wo um 4 Uhr die Schlußtundgebung stattfand. Auch hier sprach Genosse Wissels. Di« furchtbaren Erfahrungen von 1914 bis 1918 haben die Arbeiter gelehrt, daß sie die Opfer der internationalen Konflikte und allen Elends sind, das sie im Gefolge haben. Sie sind es, die für die Ruinen der Desorganisation in der ganzen Welt zu büßen haben. Der Friedensgedanke soll kein schöner Traum bleiben sondern mit der Tat wollen wir für ihn arbeiten. Gegen Uhr begann der Abmarsch. Während und nach der Rede Wissells kam es zu Störungsversuchen der Kommuni st en, die jedoch durch das Eingreifen des Lorsitzenden der Hennigsdorfer Ortsgruppe nicht zu ernstlichen Reibereien führten. «- Auch die Arbeiterjugend Groß-Berlin hatte gestern auf dem Iugendgelände in der Näh« der Siedlung Brieselang «in Sommertreffen, das mit einer Antikriegskundgebung verbunden war. Die Beteiligung der Groß-Berliner Iugend war eine überaus stark«. Der Vormittag gehörte Tanz und Spiel. Am Nachmittag fand eine imposant« Kundgebung statt, deren Höhepunkt die Ueber- gab« der neuen Groß-Berliner Fahne an die Iugend war. Mit dem Gelöbnis„Nie wieder Krieg!" ging die Iugend in den ersten Abendstunden auseinander. Sprechchöre, Ansprachen und Rezito- tionen umrahmten die Feier._ Reichsbannerlag in Zossen. Die Zossener Kameradschaft des Reichsbanners Schwarz-Rot- Gold beging gestern mit Unterstützung der umliegenden und Ber- liner Kreisoerein« des Reichsbanners sein« Bannerweihe. Das kleine Städtchen war reich geschmückt mit Girlanden und Fahnen in den R e i ch» s a r b e n. Vom Rothau» wehten die Reichssarben als Gruß der Stadt den Kameraden entgegen. Am Sonnabend veranstalteten die Kindersreund« einen Umzug mit Fackeln. In den Vormittagsstunden des Sonntags spielten in meh- reren Lokalen die Reichsbannerkapellen, bis sich der Zug formierte. Nach einem Umzüge durch die Stadt sprach auf dem Marktplatz nach einer Begrüßung durch einen Vertreter der Stadt der Gauvorsitzende Fritz Koch. In seinen Ausführungen gedachte der Redner der Toten des Weltkrieges. Dann fiel die Hülle de» neuen Banners, da» die Symbole des neuen Staates zeigt. Bei dem Marsch zum Schützenhaus, wo die eigentliche Feier stattfinden sollte, zogen auf einem viel zu langen, ermüdenden Umweg die Züge am Gedenkstein der Toten des Weltkrieges vorbei, um im Gedenken der Toten des Weltkrieges die Fahnen zu senken. Auf dem Schützenplotz sprachen Landtagsabgeordneter Dr. W e n n d o r f und Reichstagsabgeordne- ter S t e l l i n g. Die Kundgebung schloß mit einem Frei Heil auf die Republik. Rettungsmaterial. um einen selbständigen, festen Rettungsdienst für die Sonn- und Feiertage einzurichten. Bekannt- ltch lieg« in den kleinen Vororten der gesamte Sanitätsdienst in den Händen der Feuerwehr, der es natürlich unmöglich ist, bei Unfällen sofort zur Stelle zu sein und ausreichende Hilfe zu leisten. Was also an menschlicher Tutkraft zur Verhütung und Linderung von Unglücks- fällen nötig ist, wird hier nach besten Kräften angestrebt. Der geheimnisvolle König öonöongulo. Zwei Reger-Geldfälscher in Verlin festgenommen. Zwei Neger, die angeblich im Auftrage ihres Königs B o.- dongulo von Accra in Britisch-Westafrika Bestellungen auf Drucksachen machten, konnten jetzt als G e l d s ä l s ch e r entlarvt und se st genommen werden. Beide sind von Beruf Artisten und l)aben sich zuletzt beim Film betätigt. Bei verschiedenen Berliner Druckereien und graphischen Anstalten sprachen in den letzten Wochen zwei sehr elegant gekleidete Neger vor. die als Emissäre des Königs Bondongulo von Äccra Bestellungen machten. Eine Firma sollte Briefbogen anfertigen, die als Kopf den Nomen des Fürsten tragen sollten, andere sollten Klubkarten für den„Bank of England- Klub" in Fernando Po herstellen, eine dritte Klischees für die Staatsdruckerei des Negerkömgs. der angeblich eine großzügige Propaganda für die in seinem Territorium domizilierenden eng- tischen Banken in die Wege leiten wollte. Ein Klischee sollte das Kopsbild des Königs von Accra tragen, ein anderes einen zum Himmel emporragenden Turm. Bis hierher schien alles glaublich und einwandfrei. Erst die Bestellung eine« großen Posten« Wasser- zeichenpapier mit der Aufschrift„Bank of England" und„5" erweckten den Verdacht des Druckereibesitzer». Er machte An- zeige bei der Reicheöankfalschgeldabteilung.— Ein aufmerksamer Beamter einer Wechselstube am Bahnhof Friedrichstraße hatte«inen Neger festnehmen lassen, der ein« falsche englische gttnspfundnote wechseln wollte. Da der schwarze Gentleman Wilhelm M u n u m e einen unverdächtigen Eindruck machte und keine anderen Falsch- scheine bei sich hatte, mußte er wieber entlassen werben. Inzwischen hatten aber Kriminalkommissar von Liebermann und seine Beamten ermittelt, daß ein König Bondongulo von Accra gar nicht existierte und daß offenbar eine Täuschung beabsichtigt war. Munume hatte einen guten Freund und Landsmann, Peter M a c e m b o. Nach- dem Munume und Macembo auf Grund der Personalbeschreibung als die angeblichen Emissäre erkannt waren, wurde überraschend eine Durchsuchung ihrer Räume vorgenommen. Man sand bei ihnen noch mehrere falsche englische Fünspsundnoten und in einem Koffer unter alten Wintermänteln ein Klischee, das zur Her- stellung der Falschscheine gedient hatte. Die beiden Neger waren mit verschiedenen falschen Pässen ausgerüstet, aus denen sie bald als Reichsdeutsche, bald als britische, bald als französische Staatsangehörige bezeichnet waren. Die Kriminalpolizei ist jetzt damit beschäftigt, olle Verbindungen der beiden Neger auszudecken die diese mit gutgläubigen Inhabern graphischer Anstalten angeknüpft haben. Im Interesse der Aufklärung wäre es erwünscht, wenn sich die Geschäftsleute, bei denen die„Abgesandten des Königs" auf- traten, bei Kriminalkommissar von Liebermann, Alte Leipziger Straße 1«. Anruf Merkur 3789, meldete». Hier werden auch alle anderen Mitteilungen über das Tun und Treiben der Neger, die ver- hastet wurden, entgegengenommen. Keine Spur des Binzer Räubers. Von dem Binzer Iuwelendieb Otto Frank, der nach zahl- reichen Meldungen in Berlin gesehen worden sein sollt«, ist immer noch keine bestimmt« Spur gesunden. Die Streif- beamtenschast der Berliner Kriminalpolizei ist ollen Mitteilungen nachgegangen. Trotz gründlichster Nachforschungen hat sich jedoch kein Erfolg erzielen lassen. E» ist wohl auch immer noch Zweifel- hast, ob sich die Leute, die Frank gesehen haben wollen, nicht doch geirrt haben. Alle Spuren werden noch weiterhin oerfolgt. Frank, aus dessen Ergreifung eine Belohnung von 300 M. ausgesetzt ist, ist 1,39 Meter groß, also ein kleiner Mann, und schlank. Er hotte dunkelblondes Haar, braune Augen und lückenhafte Zähne. Beide Arme tragen Tätowierungen, der link« einen Matrosenkops mit Fahnen, der rechte einen Leuchtturm mit Fahnen. Mitteilungen über sein Auftauchen nehmen Kriminaloberinspektor Schlosser und die Streifbeomtenschast der Kriminalpolizei entgegen. Arbeit», emelaschaft ber Siadersreuade.»reis Ali»-. Heute Monlaq, den 2. Auoult, abends 8 Uhr im Heim Blumenktr. 77: baherisch-volllisch- iatdrischcr Nbend. Leiter Genosse Jeckenbach. Interessierte Genossen und Freunde unserer Bewegung find herzlich eingeladen. Schweres Unglück beim Schauflug. Fünf Personen gelötet. Stuttgart. 2. August.(TU.) Die Flugveranstoltungen de» Luftsohroerbandes für Württemberg, die eine große Menschenmenge au» Stadt und Land auf das Gelände des VfR.-Platze» in Heidenheim und zu beiden Seiten der Stein- heimer Straße geführt hatte, endete kurz nach Beginn der Ver- anstaltung mit einem furchtbaren Unglück. Bei den Staffelflügen kam das Heinkcl-Flugzeug v 722 mit dem Iungflieger Drechsler beim Landen zu kurz an den Platz. Der Versuch, erneut durch Antrieb des Motors zu steigen, mißlang, da das Flugzeug absackte. Da» Flugzeug streifte dabei die äußere Bretterwand de» Platze», riß sie am und drängte die dahinter stehenden Zuschauer gegen die vordere Barriere, die ebenfalls eingedrückt wurde. Durch den Pro- peller, die einstürzenden Planken und da» Fahrgestell des Flug- zeuge, wurden sünf Personen auf der Stelle getötet und mehrere andere verletzt. Das Flugzeug überschlug sich und zerschellte. Der Flieger wurde leicht verletzt. Die anwesenden Aerzte der Polizei, die Polizeiwehr und die Sanitätsmannschaften leisteten die erste Hilfe. Die Verletzten wurden mit Autos ins Bezirkskrankenhaus geschafft. Die Flugveranstaltung wurde sofort abgebrochen. Von den Toten konnten bisher zwei identifiziert werden. Raubmord in Reichenberg. Reich enberg. 1. August. Die Zahl der Raubmord« und Kapftal- verbrechen nimmt in Nordböhmen täglich in besorgniserregender Weise zu. Am Sonnabend spät nachmittag wurde in der Birgstein- gass« 18 in Reichenberg ein Raubmord entdeckt, der wohl schon in der Donnerstagnacht verübt worden sein dürfte. Da die 60jShrioe rüstige Witwe, die Schnittwarenhändlerin Josefa H ü b n« r, die auch das Kirchenblatt austrägt, nicht zum Abholen erschien, sandte die Dechantei den Kirchendiener in die Wohnung, die man wie das ganze Haus versperrt fand. Die Polizei drang später durch ein Fenster ein. In der Stube der Hübner lag olles durcheinander. Kästen und Schränke waren erbrochen, der Inhalt herausgeworfen, olles Bargeld fehlte. Auch im Laden der Hübner war die Geldkafse gesprengt und beraubt. Es dürsten den Mördern große Beträge in die Hände gefallen sein. Im Bette fand man zugedeckt die Leiche der Frau Hübner. Hände und Füße waren doppelt gefesselt. Im Munde steckte«in großer Knebel. wozu man die Unterhosen verwendet hatte. Die Frau war daran erstickt, trotzdem hatten die Mörder aber noch extra mit einem Reooloerschusse das Herz durchbohrt. Die Polizei hat alle nur möglichen Schritte zur Ermittlung der Mörder ausgenommen. die ortsvrrtrauk waren und einen ziemlichen Vorsprung habe» dürsten. Reuerlich« Einstellung der Elbeschisfahrt. In der vorigen Woche wurde die regelmäßige Schiffahrt aus der Elbe und der Moldau wieder eröffnet. Das Regenwetter der letzten Tage hat jedoch erneut einen so hohen Wasser st and verursacht, daß die er- höhten Wehre wieder niedergelegt und die Schiffahrt eingestellt werden mußte._ Kinderfest in Köpenick. Das Landesjugendamt Berlin und das Jugendamt Köpenick veranstalteten am Sonnabend auf dem Platz der P f« r d e b u ch t In Köpenick ein Kinderfest, das einen anregen- den Verlauf nahm. Am Morgen fand vom Schloßplatz Köpenick aus ein Propagandaumzug der etwa 300 Kinder statt. In amü- santen symbolischen Verkleidungen stellten die Kleinen gewisse Funk- tionen dar:„Was essen wir? Was lesen wir?" Der Nachmittag gehörte dem Vergnügen: kleine Theaterstücke wurden ausgeführt, getanzt, gesungen, gespielt und Kaffee getrunken. Den Abschluß des gelungenen Feste« bildete ein Fackelzug gegen 8 Uhr abend». Jedes Kind trug eine Fackel, so daß eine Schlang« von 300 kleinen Fackelträgern durch die Straßen zog. Zesgea gesucht! Personen, die gesehen haben, wie am Montag, den 2«. Juli 1026, nachmittags st.S Uhr, an der Ltranenkreuzung Blumen- und Ztrautstrahe ein Radfahrer von einem Auto überjabrcn und in schwer« verletztem Zustande nach dem Krankenhaus gebracht wurde, werden gebeten, ihre Adresse bei dem Vater de, Berungtückten, Wilhelm Kunert, Berlin NO. 53, WinSstratze 23 1», gegen Erstattung der Unkosten abzugeben. Gewerkschaftsbewegung Verbandstag der Metallarbeiter. Bremen, 2. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Der am heutigen Montag in Bremen beginnende 17. ordentliche Verbandstag des Deutschen Metallarbeiterverbandes fand am Sonntag in einem Empfangsabend in den Zentralhallen seinen Auftakt. Der große Gaal war von den Delegierten zum Verbandstag und von Bremer Metallarbeitern überfüllt. Ein umfangreiches Programm hielt die Teilnehmer bis in die Nacht hinein zusammen. : Im Mittelpunkt des Abends stand eine Rede des Genossen Ilg Bern, Sefretär der Metallarbeiterinternationale. Er überbrachte die herzlichsten Grüße der aus allen europäischen Ländern anwesenden Delegierten und deren Organisationen. Die Internatio nale, so führte er aus, fönne zurzeit nichts Großes und Schönes berichten. Denn überall suche die Bourgeoisie der Arbeiterschaft die von ihr crfämpften Errungenschaften wieder streitig zu machen. Mit Stolz aber sähe die internationale Metallarbeiterschaft, daß sich der Deutsche Metallarbeiterverband trok aller Stürme gehalten und entwickelt habe. Es sei für die ausländischen Delegierten erfreulich, in Deutsch fand in dieser Zeit eine geeinigte gewerkschaftlich organisierte Metallarbeiterschaft vorzufinden. Das Schlagwort der Unternehmerschaft sei heute Rationali. sierung, und deren Folge für die Arbeiter sei einstweilen für tausende und hunderttausende Proletarier die Arbeitslosigkeit. Die Arbeiterschaft ist die leßte, die sich den technischen Fortschritten entgegenstellt. Aber alle Entwicklung der Technit diene heute noch der Unternehmergruppe, wenn sich die Fortentwicklung auch schließ lich zugunsten der Arbeiterschaft auswirkte. Die einzige Waffe für die Arbeiterschaft sei die Organisation. Ohne die Organisation würde die Arbeiterschaft direkt ins Sklaventum zurückgestoßen werden, wie uns Italien beweist, wo die proletarischen Organi: sationen erschlagen am Boden liegen. Wo teine Organisation vorhanden sei, habe der Arbeiter feinerlei Möglichkeit, seine Rechte zu verteidigen. Die Organisation habe auf materiellem und ideellem Gebiet das menschenmöglichste geleistet. An der Arbeiterschaft sei es, ihren Organisationen die unbedingte Treue zu halten, auch in den Zeiten, wo sie nicht Sieg auf Sieg erringen fann. Die Gewerkschaft fann auf internationalem Gebiet noch vieles leisten. Alle Arbeiter Europas und der ganzen Welt er fenren immer mehr, daß der Kampf der Arbeiter in England oder etwa in Deutschland, Frankreich usw. auch gleichzeitig der Kampf der Arbeiter aller anderen Länder ist. Gerade heute muß die Arbeiterschaft wissen, daß der Fortschritt nicht im einzelnen Lande, sondern nur im internationalen Maßstabe In Aussicht genommen. Die Einigkeit", bas Organ bes Nahrungs-| Hafen hatten zwet Meinere Unternehmer im Frühjahr einen Bertrag und Genußmittelarbeiterverbandes, schreibt dazu: Der Reichstarif wird also am 31. Auguſt wahrscheinlich erlebigt sein. Es muß nur noch abgewartet werden, ob in den Kreisen der Industrie sich Störungen bemerkbar machen, die er fennen laffen, ob man allgemein oder in überwiegendem Maße auf der Seite der Scharfmacher des Dabu steht oder ob man vernünftigeren Erwägungen Raum gibt und Mittel und Bege suchen hilft, um geregelte Arbeitsverhältnisse auch über den 31. Auguſt hinaus aufrechterhalten zu können. Diese Möglichkeit liegt natür lich nur vor, wenn endlich einmal das frankhafte Gelüfte nach fortwährendem Abbau der wichtigsten Tarifbestandteile auf jener Seite unterdrückt wird. Ueber die sonstigen Maßnahmen, die angesichts der Sachlage nunmehr umgehend getroffen werden müffen, wird die Kollegenschaft in ihren 3ahlsteller von den Funktionären unterrichtet werden. 13.- 18.Sept.: Jnternationale gewertschaftl. Agitationswoche 19. September: Bierteljahrhundertfeier der internation.Gewerkschaftsbewegung Eigenmächtigkeiten im bevorstehenden Kampfe gibt es nicht! Jeder einzelne hat sich aber jetzt in ständiger Bereitschaft zum Dienste für die Organisation zu halten und muß wissen, daß sehr ernste Zeiten tommen fönnen. Jeder stehe auf seinem Bosten! Wir befinden uns in der Verteidigung unserer gegenwärtigen Stellung. Zur Tarifkündigung im Ruhrbergbau. Die neuen Lohnforderungen noch nicht beschloffen. Lohnordnung im rheinisch- westfälischen Bergbau mit der Absicht der Die Frankfurter Zeitung" begründete die Kündigung der Berbände, eine fünfzehnprozentige Lohnerhöhung zu fordern. Diese Meldung beruht auf Kombinationen. Die Bergarbeiter. verbände betonen ausdrücklich, daß fonkrete Lohnforderungen erft furz vor Beginn der neuen Lohnverhandlungen, die vor Mitte August nicht stattfinden dürften, beraten werden sollen. Hilfe für die englischen Bergarbeiter. Der Deutsche Bergarbeiterverband fchidt 150 000 Mart. Bochum, 2. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) In einem Schreiben Don Cook und Richardson an den Deutschen Bergarbeiterverband wird der Empfang von 7500 Pfund Sterling als Unterstützung für zu erreichen ist. Die internationale Arbeiterbewegung, an ihrer die streikenden britischen Bergarbeiter bestätigt. In dem Schreiben Spitze der Deutsche Metallarbeiterverband, sei zu den besten Hoff- heißt es: Den Krieg gegen die britischen Bergwerfsunternehmer nungen berechtigt. Mit den besten Wünschen für das Gelingen des und gegen die Regierung, die die äußersten Anstrengungen machen, Verbandstages und für recht große wirtschaftliche und politische um den Achtstundentag im britischen Bergbau durchzudrücken, halten Erfolge der Bremer Arbeiterschaft schloß der Redner. wir noch immer aus. Aber es ist unbedingt notwendia. daß wir weitgehende finanzielle Unterstüßung erhalten, um unser Bert fortzusetzen. Nur größtmöglichste Hilfe fann erreichen, daß der jezige Kampf in seiner Auswirkung international iſt. An die Berliner Einzelhandelsgemeinschaft. Kein Lohnabbau im Kolonialwaren- Einzelhandel. Die Arbeitgebergemeinschaft des Vereins Berliner Kaufleute der Kolonialwarenbranche schreibt uns: „ Sie berichten wiederholt über die Lohn- und Tarifftreitig. feiten im Einzelhandel. Wir bitten Sie, in Zukunft doch freund lichst darauf hinzuweisen, daß der Berliner Kolonialwaren und Lebensmittel- Einzelhandel besondere Tarife mit den Handlungsgehilfen- Berbänden abgeschlossen hat. Diese Tarife find nicht gekündigt worden und laufen bereits seit Herbst vorigen Jahres unverändert weiter." Um den Reichstarif für die Süßwarenarbeiter. Die Unternehmer wollen den Neunstundentag. Ablehnung des Vermittlungsvorschlags durch die Bergarbeiter. London, 2. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Die erſten vorliegenden Meldungen über die Urabstimmung der Bergarbeiter sind ablehnender Art. Die Bergarbeiter des Reviers Forest Osdean lehnten z. B. die Vorschläge der Bischöfe als Basis zur Beendigung des Bergarbeiterfonflities trop der Empfehlung der Ere. futive und ihres engeren Bezirksvorstandes geschlossen ab. Arbeitskonflikt in Finnland. Selbstverständlich ist uns und den intereffierten Lesertreisen befannt, daß für die Lebensmittel- und Kolonialwarenbranche be= sondere Tarife bestehen. Wenn die Arbeitgeber- Gemeinschaft ausAnfang Juli brach in den Sägereien von Kemi( Nord- Finnland) drücklich darauf hinweist, daß von ihr fein Lohnabbau ein Streit aus, da die Unternehmer eine schon im Frühjahr gestellte versucht wurde oder beabsichtigt ist, so richtet sich diese Feststellung Forderung auf Erhöhung der Löhne um 5-10 Pro3., die durch die wohl in der Hauptfache an die Adresse der Einzelhandelsgemeinschlagen haben. Dieser Streit, an dem fich 1500 Arbeiter beteiligten, eingetretene Teuerung mehr als gerechtfertigt war, fategorisch abge-| schaft. griff schon zwei Tage später auf die Hafenarbeiter über, da diese sich weigerten, von Streifbrechern behandelte Waren zu verladen. Wie schon bei früheren großen Streits griff nämlich unmittelbar nach dem Streifausbruch in den Holzfägereien die Streifbrecher- Organisation ein. Sowohl vom Finnischen Holzarbeiterverband als vom Trans. portverband wie auch vom finnischen Gewerkschaftsbund wurde versucht, die Unternehmerorganisation zu Berhandlungen zu bewegen, dod) ist dies abgewiesen worden, da die Unternehmer sich der Einduelle Dienstverträge abschließen wollen. Seitens der Transportarbeiter sind etwa 1000 Personen an dem Streif beteiligt. Auch sie erheben die Forderung auf eine 10prozentige Lohnerhöhung, was im Hinblick auf die allgemein in Nord- Finnland herrschende Teuerung seitens des Transportarbeiterverbandes und seitens des Finnischen Gewertschaftsbundes als sehr bescheiden betrachtet wird. Im Laufe des Monats Juli griff der Streit auch auf Vrpila über. In diesem Am 31. Auguft läuft der Reichstarifvertrag für die Süßwaren arbeiter ab. Die Verhandlungen, die in Dresden über die Erneuerung des Tarifes geführt wurden, verliefen ergebnislos. Die Unternehmer verlangten eine mesentliche Kürzung des Urführung von Tarifverträgen noch immer widersetzen und nur indiviLaubs, den Fortfall der Feiertagsbezahlung, die Herablegung der Kündigungsfristen und die Einführung der 54stündigen wöchentlichen Arbeitszeit. Rudem verlangten sie, daß bei Streits oder Aussperrungen die im Arbeitsvertrag vorgesehenen Kündigungsfristen ganz in Wegfall fommen. Dieses Berlangen ist von den Arbeitervertretern ab. gelehnt worden. Neue Verhandlungen find für Mitte August MM mit dem Transportarbeiterverband abgeschlossen, aber der Verband der Hafenunternehmer hat diese mit der Drohung des Ausschlusses gezwungen, das Abkommen zu widerrufen. Ende Juli war der Streit noch an beiden Orten im Gange. Die Unternehmer sind wohl zu Verhandlungen bereit, wollen aber die Gewerkschaften dabei umgehen. Die amerikanischen Bergarbeiterdelegierten in Berlin. Bochum, 2. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Die im Ruhrgebiet weilenden amerikanischen Bergarbeiterführer Tetlow und Golden werden sich am 3. August nach Berlin begeben, um den dortigen Spizengewertschaften ihren Besuch abzustatten. Die beiden Präsidenten der United Mine Workers of America reifen von Berlin aus nach England. Sport. Koch- Miethe Sieger der 100 kilometer. " = er= Am gestrigen Sonntag war es der Rütt- Arena nun endlich beschieden, das zweimal dem Regen zum Opfer gefallene 100Rilometer Mannschaftsfahren zum Austrag zu brin gen. Tribünen und Innenraum wiesen glänzenden Besuch auf. Elf Mannschaften waren am Start zum Hauptrennen des Tages, dem MacFarland- Moran Preis", Schienen. Schon bald merkte man das tätigste Paar heraus: KochMiethe! Den ersten Kampf gab es nach der 20- Kim.- Wertung. Bravourös zogen die beiden Straßenfahrer los, um immer mehr aufzurücken, doch reichte der Vorstoß noch nicht aus, das Feld zu überrunden. Nicht allein das untätige Feld war es, das den nächsten Borstoß der Koch- Miethe mit Erfolg krönte, sondern wieder die zähe Fahrweise der beiden. Bei der 70- Klm.- Wertung hatten fie dann auch das Feld überrundet. Interessante Momente brachte noch das Paar Behrendt Longardt, die vor Schluß des Rennens dem Felde ebenfalls eine Runde abnahmen. Als Sieger ging die Mannschaft Koch Miethe( 26) in 2 Stun den 30 min. 31 Set. hervor. 3weite Mannschaft wurde Behrendt- Longardt( 18). 1 Runde zurück: 3. Buysse- Hahn( 37), 4. Fride- Mühlbach( 36), 5. Rizetto- Michael( 33 Puntte).- Im Gesamtergebnis des 40- Runden Punttefahrens siegte der flinke Neinas. Linart- Belgien Steherweltmeister. Der Kampf um die Radweltmeisterschaften hat nun sein Ende erreicht. Den Sieg in der Steherweltmeisterschaft errang Linart Belgien in 1 Stunde 24 Min. 17 Sef. vor Ganan- Frankreich 1 Stunde 24 Min. 35 Set., Suter- Schweiz 1 Stunde 25 min. 10 Get., Bréau- Frankreich 1 Stunde 25 min. 51,4 Sef. und Schleebaum- Holland( aufgegeben). Um die Preußen- Meisterschaften der Amateure. Die gestern im Grunewald- Stadion zur Entscheidung gelangenden Preußenmeisterschaften des Bundes Deutscher Radfahrer brachten in der Kurzftreden meisterschaft den Sieg des BRC.- Fahrers Graue vor Mar( Krampe), Rütt( BRC. v. 89) und Ehmer( Concordia). In der Langstreden meisterfchaft fiegte Otto Blant( BRC. v. 89) vor W. Backebusch( Concordia), Dähne( Germania) und Streubühr( Tempo). # Rennen zu Strausberg am Sonntag, den 1. Auguft. 1. Rennen. 1. Ezzel( S. Thiel), 2. Fastnacht( Schuller), 3. Dfiris ( Einfinger). Toto: 44:10. Plak: 12, 11, 15: 10. Ferner liefen: Carissima, Balid, Quednau, Rüdfahrt, Hage, Artige Fee, Nase. 2. Rennen, 1. Abt.: 1. Staffelei( H. Teichmann), 2. Proflamation Toto: 26:10. Plaz: 15, 20, 45:10. ( Saager), 3. Amneris( R. Torte). Ferner liefen: Fescher Teufel, Fadda, Neptun, Landrat, Volksrache. Laganburg( Mannchen). Toto: 49: 10. Plat: 12, 11, 12: 10. Ferner liefen: 2. Abt.: 1. Glashäger( Hauser). 2. Alarid( Jentsch), 3. Trajan( R. Derfchug), Japs, Gustava, Eiccola, Baffano. 3. Rennen: 1. Raubritter( Lt. Jay), 2. Luna( K. Schullor), 3. Almeido ( b. Borte). Toto: 19:10. Blaz: 12, 16:10. Ferner liefen: Escorial, Bolaca. 4. Rennen: 1. Chronos( M. Jentsch), 2 Gaudium( Pezelf), 3. Torquato( Huguenin). Toto: 22:10. Blaz: 12, 15, 16:10. Gerner liefen: Antiope, Paladin, Trianon, Heliotrop, Marquis. 5. Rennen: 1. Ledine( Hauser), 2. Gustel( F. Lüder), 3. Dberjäger ( Weidner). Toto: 15:10. Play: 12, 15, 16:10. Ferner liefen: Baladin, Biabe( M. Jengich). Toto: 54:10. Blak: 15, 14, 16: 10. Ferner liefen: Bilbrafir, Möros, Haarschleife, Irrlehre, Duselkop, Nettar. 6. Rennen: 1. Moving( Bachmeier), 2. Messina( P. Ludwig), 3. La Bia, Baradur, Regina, Bandora, Jos. 7. Rennen: 1. Dormanns( St. Thiel), 2. Myron( Hauser), 3. Fechterin ( R. Edler). Toto: 22:10. Plat: 12, 23, 12:10. Ferner liefen: Ulster, Benus IV, Juanita III, Trumpf, Riz me quid, Artemmesia, Burgunder, Hochländer. Berantwortlich für Politik: Dr. Curt Geyer; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Eteiner; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lokales und Sonstiges: Frik Karstäbt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet und Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Flammeris, Maizena für Puddings das Kraftmehl und Gebäck Milde Mal- Kah MM 4 rote Packung 3P. MM Privat 5 Pf. 3pf. 4Pf. MM5 blaue Packung Pf. MM Auslese 6 Pf. Das Kennzeichen der neuen, wunderfeinen, Milden Mal- Kah' Zigaretten Deutsches Theater Elite- Sänger Norden 10334-38 Kottbuser Str. 6. Gastspieldirektion Kuhnert Bi631.8., tögl 8 Uhr. 84 Unr Max Adalbert in Das Ekel Die Komödie Bismarck 2414, 7516 8 Uhr Zum 50. Male: perlangeries Gastspiel berDriginal Magdeburger Elite- Sänger tit völlig nenem Reichshallen- Theater Heute, Sonntag, 1. August: Wiederauftreten der Stettiner Sänger ( nach ihrem Urlaub) Anfang 8 Uhr Dönhoff- Brettl( Saal und Garten): Riefenprogr.vartete/ Honzert/ Tanz, Auf. 5% Uhr Sommerpretfe. Die fleißige Leserin Zoolog. Magazinrevue Schiller- Th. Operettenspielzelt. 8 Uhr: Die leichte Isabell Garten Täglich ab 4 Uhr Konzert Aquarium geöffnet v.9-8 U. Tierkunst Ausstellung Komische Oper 8 Dir. James Klein 814 Die große Revue Berlin ohne Hemd! Allabendlich 9.30 Uhr Die sensationelle Einlage: Satans Brautnacht! Ueber 200 Mitwirkende: Verkauf von M. 50000000 7. Deutsche Kommunal- Goldanleile von 1926 ( 1 Mark 1/2790 kg Feingold) Pumpen Filter, Ersatzteile, Preisliste gratis. Koblank... Pumpenfabrik, Berlin N 65, Reinickendorfer Straße 95. Die unterzeichneten Banken stellen von der vorstehenden Anleihe einen ersten Teilbetrag von M. 25 000 000 zum freihändigen Verkauf. Für die Sicherheit der Schuldverschreibungen haftet der Deutsche Sparkassen- und Giroverband mit seiner Bankanstalt, der Deutschen Girozentrale- Deutschen Kommunalbank, sowie die Gewährs- ich mich als träger des Verbandes, zu denen die weit überwiegende Mehrzahl der deutschen Kommunalverbände gehört. Der Verkaufspreis beträgt bis auf weiteres 92% vom Nennwert zuzüglich Stückzinsen vom 1. April 1926 bis zum Zahlungstage unter Abzug der Kapital- Ertagssteuer. Kaufaufträge nehmen die unterzeichneten Banken, sowie sämtliche deutschen Girozentralen und Sparkassen entgegen. Nähere Auskunft erteilen die Verkaufsstellen. Berlin, im August 1926. Preußische Staatsbank ( Seehandlung) Deutsche Girozentrale ( Deutsche Kommunalbank) Gustav Neumann Ww. BERLIN C, Wallstr. 80-81. E. N. Roßstr.( Untergr.- Bhf. Inselbrücke) Rot- und Grünfeuer Kilo 1.2) Feuerwerkskörper in Sortimenten sowie auch alles einzeln, ferner Fackeln, Lampions. Engrospreise. Nach langjähriger Ausbildung habe Fadharzt f. Haut- u. Harnleiden einschließlich Röntgen- u. Lichtbehandlung niedergelaffen. Verkäufe Möbel Botentmatragen Brimissima", MetallHermannstraße 257, betten, Auflegematragen, Chaiselongues. Balter, Stargarderstraße achtzehn, am Hermannplatz( Rollkrughaus) Spezialgefchäft. Zu sämtlichen Kassen zugelassen. Sprechst.: Wochentags( außer Sonnabends): Don 8-10 und 4-7 Uhr, Sonntags von 9 11 Uhr. Ferafpr.: Neukölln 74 15 Außer der Sprechstunde: Pfalzburg 20565. Dr. med. Max Michael. Musikinstrumente Bianos preiswert. Klaviermacher Lint. Brunnenitrake 35. Kaufgesuche Fahrräder kauft Linienftraße 19.