kke. 362 ♦ 43.?ohky. Ausgabe H Nr. 186 Bezugspreis. WZchkntlich 70 Pfennig, monatlich 3,— Reichoni«! voraus zadldar. Unter Äreuzband für Deutlchlauo, Dnii�ia. Saar« und Mrnielaediet. Qeiterreich, Litauen. Luxcmdurz 4.50 Reichsmark, für da» übriae Ausland 5�0 Reichsmark pro Monat. Der»SorwZrts� mit der illustrier- ten Eonntagsbeilag«.Bolk und zeit' sowie den Beilagen»Unterhaltung und Wissen',»Aus der Filmwelt'. „Frauenstimme',»Der Kinder- freund'.„Iugend-VorwSrts' und »Blick in die Bücherwelt' erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegroinm-Adress«: 1 .SozialOetnokra« Uerfitr" Morgenausgabe Verlinev VolksblÄkk (10 pksnnig) Anzeigenpreise: Die«inspaltlge Nonpareille» zcile 80 Pfennig. Reklamezeil« d,— Reichsmark.»Kleine Anzeigen' das fettgedruckte Wort 25 Pfennig szulüsssg zwei fettgedruckte Wortes. jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Puch- staben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt steile 80 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten steile 40 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4'.h Uhr nachmittags im Kauptgefchäft, Berlin EW 88, Linden. ftraßeZ, abgegeben werden. Geäffnet von 8% Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zcntratorgan der Sozialdcmokratffcben partd Daitfchlands Neöaktion und Verlag: öerlin SW. 68, Lindenstraße Z Fernsprecher: Dönhoff 29'i—297. Vonvärts-Verlag G.m.b.H., öerlin EW. 68, Lindenstr.Z Postscheckkonto: Berlin 37 53»—«»»klont«!«»»k der Arbeiter, Angestelt«» und Beamten. Wallsrr.»5: Oi»koat,.Scfelsch»st.«cpostteniasse Lindenftr. 3. Umsieüwng erwerbsloser Bergarbeiter Entlastung des Ruhrreviers. Dem Amtlichen Preußischen Pressedienst wird aus dem Preußischen Wohlsahrtsministerium geschrieben: Die ungünstige Wirtschaftslage im Ruhrgebiet, die nicht als ein vorübergehender Zustand anzusehen ist, sondern voraussichtlich zu einer dauernden Verschlechterung des Arbeitsmarktes führen wird, niacht eine Entlastung dieses Gebietes durch Umsiedlung über- zähliger Bergarbeiterfamilicn in andere aufnähme- fähige Provinzen notwendig. Diese Umsiedlungen erfolgen nach be- stimmten Grundsätzen, die im Ministerium für D o l t s w o h l. fahrt im Benehmen mit den zuständigen Reichsrcssorts aufge- stellt sind. Die Auswahl der Siedler erfolgt durch eine zentrale Stelle im Ruhrgebiet nach einheitlichen Gesichtspunkten. In Betracht kommen nur erwerbslose, berufs überzählige Ruhr- arbciter, vor allem Bergarbeiter mit möglichst st a r t e.r L a m i l i e. Die Umsiedler sollen aus mehrere Provinzen und zahl- reiche Siedlungen verteilt werden, um eine größere Auswahl land- wirtschaftlicher und industrieller Arbeitsstellen und damit leichtere Arbeitsvermittlung und eine leichtere Angliederung(Kirche, Schulen usw.) an schon bestehende Gemeinden zu ermöglichen. Dabei wird angestrebt, daß die neuen Siedlungen möglichst nach mehreren Richtungen hin Arbeitsgelegenheit in Industrie und Land- Wirtschaft bieten und durch kurze Bahnfahrten mit naheliegenden Städten in Verbindung stehen. Durch die Umsiedlung sollen zugleich ausländische Arbeiter, die in Landwirtschost und Industrie beschäftigt sind, verdrängt werden. Für die Förderung und Finanzierung der Siedlungs- bauten werden aus Mitteln der produktiven Erwerbslofenfürforge niedrig verzinsliche Tilgungshypotheten von etwa-tSM M. für jede Wohnung, und zwar ausschließlich für Eigenheime, zur Der- fügung gestellt. Tilgung und Verzinsung dieser Förderungssumme sind den Bedingungen der Hauszinssteuerhypotheken angepaßt(zur- zeit 1 Proz. Verzinsung unter Aussetzung der Tilgung bis 31. März 1330). Außerdem werden Iprozentige Zusatzhypotheken gewährt, die auf die Dauer von 5 Iahren unkündbar sind. Die Restbaukosten werden durch Hypotheken des freien Markts, durch Beihilfen der Umsiedler aus dem Wege der S e l b st h zl f e und durch Barzuschüsse interessierter Arbeitgeber gedeckt. In jedem Falle muß die finanzielle Belastung, die der einzelne Siedler übernimmt, tragbar sein. Das erforderliche Gelände wird von den beteiligten Arbeit- gebern kostenlos zur Verfügung gestellt. Sie bringen in der Regel auch noch einen verlorenen Zuschuß von 2000 M. je Wohnung auf. Eine Bindung der Umsiedler an einen Arbeitgeber ist nicht zulässig. Die Siedlungen müssen deshalb so gelegen sein, daß Arbeitsgelegenheiten nach mehreren Richtungen hin vorhanden sind. Auf dieser Grundlage ist in letzter Zeit bereits eine größere Anzahl von Umsiedlungen in die Wege geleitet worden: so im Wurmrcvier 300 Wohnungen mit Arbeitsmöglichkeiten ini Steinkohlenbergbau: inderProvinzBrandenburg 400 Woh- nungen mit Arbeitsmöglichkeiten in der Industrie(Ziegeleien, Maschinenbau, Elektrizitätswerk u. a.) sowie in Forst- und Land- Wirtschaft: in der Provinz Westfalen 200 Wohnungen mit Arbeitsmöglichkeiten in der Bergbau-, Zement- und Tuchindustrie: in der Provinz Hannover(Nordharn) ISO Wohnungen mit Arbeitsmöglichkeiten in der Textilindustrie und Landwirtschast: in der Provinz Sachsen 285 Wohnungen mit Arbeitsmöglichkeiten in der Kunstseiden- und Farbindustrie. vor ollem üen Franken stabil! Darum Beschleunigung der Tchuldenregelung. Paris, 3. August.(Eigener Drahtbericht.) Poincarö hat den Präsidenten der Finanzkommissionen und Kommissionen für aus- wärtige Angelegenheiten von Kammer und Senat mitteilen lassen, daß er, entgegen seiner bisherigen Absicht, möglichst rasch den Kommissionen die Ansicht der Regierung über die Regelung der internationalen Schulden vortragen möchte. Es ist nicht ausgeschlossen, daß Poincare noch vor den Kammerserien mindestens das Londoner Schuldenabkommen Caillaux-Curchill ratifiziert sehen möchte. Die Ratifikation des Washingtoner Schulden- abkommens bleibt von einigen wesentlichen Abänderungen abhängig, über welche gegenwärtig verhandelt wird. Poincarö, der sich bisher bis zu den Parlamentsferien auf die Durchführung des ersten Teiles seines Programms, nämlich die Aus- balanzierung des Budgets und die Tilgungsregelung der schwebenden Schulden beschränken wollte, scheint also eingesehen zu haben, daß die Währungssanierung Hand in Hand mit der Ausführung seines fiskalischen Programms gehen muß und er neben dem zweiten Teil seines Programms die Stabilisierung der Währung nicht länger hinausschieben darf. Da nun die Regelung der auswärtigen Schulden eine der Grundlagen dieses zweiten Teiles der Sanierungsaktion bildet, dürfte sie nach Ansicht der Regierung nicht länger verschoben werden. Die Frage wird nun sein, ob es den Kammern rein materiell möglich sein wird, die Durchspräche und Ratifizierung derartig umfassender Probleme wie das Londoner Schuldcnabkommcn noch vor den Ferien vorzunehmen. « Der Senat hat nach einer Rede Poincares die Regierung?- vorlagen angenommen. Henry Simon lehnt eine Berufung durch Poincar6 ab. Paris, 3. August.(Eigener Drahtbericht.) Der radikalsoziale Abg. 5) c n r y Simon. Präsident der Finanzkommission der Kammer, hat das ihm von Poincare angsbotene Amt eines Präsi- deuten der Reparationskom mission abgelehnt mit dein Hinweis, er ziehe es vor, seiner parlamentarischen Tätigkeit treu zu bleiben. Wann wird die Besatzung verringert? Paris, 3. August.(Eigener Drahtbericht.) Der deutsche Bot- schafter v. Hoesch hat nochmals bei Briand im Beisein des General- sekretärs Bcrthelot wegen der Rheinlandbcsetzung vorgesprochen. Die üeutsch-britische Lustfahrt. Warum sich der Vertragsabschluß verzögert. London, 3. August.(WTB.) Der Staatssekretär für die Luft- fahrt Sir Samuel Hoare erklärte im Unterhaus, daß alle Be- mühungen unternommen würden, um den Abschluß des geplanten deutsch-englischen Luftabkommens zu beschleunigen. Gegen- wärtig werde es noch von den verschiedenen hierfür in Frage kom- Menden Regierungsstellen geprüft. Zur Erklärung der Der- zögerung führte Hoare weiter aus, daß die Verhandlungen über das Lufthandelsabkommen zwischen Deutschland und England bereits weit fortgeschritten waren, bevor der kürzlich abgeschlossene deutsch- französische Luftvertrag entworfen war. Als der Entwurf fertiggestellt war, wünschten die d e u t s ch e n Behörden, daß dieser und nicht der bereits vorliegende britische Entwurf als Grundlage für das deutsch-englische Abkommen benutzt werden sollte. Dies er- forderte neue Beratungen über einen Wortlaut des Abkommens. Kein volksentfcheiü in Mexiko. Sin klerikaler Attentatsplan gegen Calles? London. 3. August.(Eigener Drahtbericht.) Aus Mexiko wird gemeldet, daß Präsident Calles den Antrag der Erz- bischöfe aus Durchführung eines Volksentscheids über die Mahnahmen der Regierung abgelehnt hat. Die kirchlichen Würdenträger suchen trohdem weiter noch andere Mögsichkeiten, eine Verständigung zu ihren Gunsten herbeizuführen. Die Aussichten hierzu sollen sehr gering sein, nachdem ein umfangreiches kom- p l o t t gegen den Präsidenten Calles aufgedeckt worden und fest. gestellt ist. daß die kirchlichen Führer diesem Attentatsplan nicht fernstehen. Keine Wirkung des Boykotts. Mexiko, 3. August.(Reuter.) Der von der„Liga zur Ber- teidigung der religiösen Freiheit' angeordnete wirtschaftliche Boykott, der die Regierung zwingen soll, die Kirchcngesetze ab- zuändcrn, hat bisher in Mexiko noch keinerlei Wirkung aus- geübt. Nach den aus verschiedenen Teilen des Landes eingetroffenen Nachrichten tragen die Bewohner der kleinen Städte und Dörfer Trauer und haben vor ihren Häusern schwarze Drapierungen an- gebracht. Aus C o r d o b a wird gemeldet, daß Arbeiter, die im Zuge durch die Straßen marschierten, um f ü r die Regierungspolitik zu demonstrieren, als die Glocken zur Defper geläutet wurden, der alten Gewohnheit entsprechend ihre Hüte abnahmen und beteten, während gleichzeitig Rufe ertönten:„Es lebe Ealles!" Moskauer Militärspielerei. Eine„rote Fremdenlegion". Moskau. 3. August.(Eigener Bericht.) Wie der„Sozial- demokratische Pressedienst erfährt, ist in Moskau die 6. Brigade der „Roten Fremdenlegion' ausgestellt, der außer Ungarn und Tschechen vor allem Deutsche angehören sollen, die ein besonderes Bataillon bilden. Als Kommandeur wurde ein gewisser K o s s a bestellt, der früher österreichischer Oberst gewesen sein soll. Der deutsche„Rote Frontkämpferbund' soll zu dieser Brigade eine ganze Anzahl seiner Mitglieder nach Moskau abkommandiert haben, die eine besondere „Ausbildung für den Bürgerkrieg' genössen. » Wenn diese Nachricht stimmt, so dürfte es sich wohl nur darum handeln, daß die vor drohenden Prozessen usw. nach Rußland ge- flüchteten Kommunisten, die man dort erhalten muh, auch irgendwie zu beschäftigen, sei es auch nur in der leer mahlenden Mühle des (roten) Kommiß. In dem bißchen russischer Industrie ist ja sowieso nicht viel los und dafür hat man genug Inländer. öaperifthe Rechtspflege. Eine Liste von Ungeheuerlichkeiten. Bon Alwin Saenger. Der Reichstagsausschuß zur Untersuchung der Feme- morde hat schon bisher Material zutage gefördert, durch das die allgemeinen staatlichen und die besonderen rechtlichen Z u st ä n d e in dem Bayern der letzten Jahre �er Kritik unterstellt werden. Mit dem Fortgang der Ausschußardeiten und dem weiteren Zerfall der Kräfte, die das Land Bayern so lange beherrschten, ist zu erwarten, daß die Wahrheit vorwärts schreitet. Nur ein Politiker, der die letzten Jahre das frivole Be st reiten von Tatsachen durch baye- rischx Amtsstellen in allen Einzelheiten miterlebt hat, kann den JLeginn der Wandlung ermessen, der sich in dem Satze der'Bayerischen B o l k s p a r t e i- Presse ankündet: „Die Sonne bringt es an den Tag!' Dieses vielsagende Wort wird im Dialog mit der d e u t s ch n a t i o n a l e n Regie- rungspartei gebraucht! Die Sonne bringt es an den Tag! An einem besonders sinnfälligen Beispiel ist zunächst dieses Werden der Wahrheit nachzuweisen. Es ist heute einfach nicht mehr möglich, die illegale Fälschung von Pässen durch die Mün- chencr Polizeidirektion zu oertuschen. Es steht fest, daß aus politischen Gründen Beschuldigten falsche Pässe ausgefertigt wurden und daß dieses unter M i t w i s s e n und B i l l i- gung verantwortlicher höherer Beamter geschah. Die Justiz ist in Bayern seit Jahren auf diese Paß- fälschungen unter eingehender Mitteilung der Beweise hin- gewiesen worden. Die Tatsache, daß in der Münchener Polt- zeidirettion, die unter der verantwortlichen Leitung eines ehemaligen hohen bayerischen Richters(Pöhner) stand, der- artige Paßfälschungen oerübt wurden, ist ebenso katastrophal wie die andere, daß die bayerische Justiz bei der Aufdeckung dieser Amtsoerbrechen in unerhörtem Ausmaße v e r- sagt hat. Am 2. März 1921 wurde bei dem I.Staatsanwalt des Landgerichts München I eine Anzeige gegen den Polizei- Präsidenten wegen eines Verbrechens gemäß§ 346(Begünstig gung im Amte) eingereicht. Eingehende Beweise waren für die Tatsache angeführt, daß der Polizeipräsident den wegen Meineidsverbrechens gesuchten Ehrhardt be- günstige. Der in der Anzeige angeführte Zeuge Dr. v. K a h r hätte unter seinem Eird bestätigen müssen, daß zwischen ihm und dem Polizeipräsidenten die Frage besprochen wurde, ob es zulässig sei, daß die Polizeidirektion München im„Falle Ehrhardt' das Gesetz mißachte.(Richtvcrhaftung des steck- brieflich Verfolgten: Ausstellung eines falschen Passes an Ehrhardt,) Der Anzeige wurde natürlich nicht stattgegeben: der zuständige Staatsrat des bayerischen Justizministeriums aber erklärte auf Befragen im bayerischen Landtag kurz: Die Sache sei im Justizministerium vollkommen unbekannt! Diese Erklärung war wohl selbstverständlich in einem Lande, in dem der heutige oberste Verwaltungsrichter Dr. v. Kohr selbst mit dem von Reichsbebörden-wegen begangener Verbrechen gesuchten Kapitän Ehrhardt kon- spirierte. Der gegenwärtige Staatsminister der Justiz in Bayern hat sich nun endlich entschlossen, im Prozeßwege ein Urteil über Bayerns Rechtspflege zu erkämpfen. Bis jetzt hat die verantwortliche Stelle zu all den Protesten, die aus der Not des Rechtsgewissens gegen die Beugung des Rechtes im Lande Bayern erhoben wurden, geschwiegen, ohne auch nur den Versuch einer Verteidigung zu wagen. Es ist eine undiskutierbare Selbstverständlichkeit, daß in dem Prozeß des bayerischen Justizministers der ganze Kom- p l e x„Bayerns Rechtspflege" zur Diskussion steht: denn nur bei Erforschung der letzten Wahrheit über die Uebungen der bayerischen Justiz wird sich ja überhaupt er-' messen lassen, inwieweit der jetzt im Einzelfall herausgesuchte Angriff, der zur Klage fübrte, grundsätzlich und im speziellen berechtigt war. Der Freistaat Boyern wird es unter seiner staatlichen, anderen deutschen Ländern gegenüber um so vieles kraftvolleren Würde halten, zu versuchen, die aufzustellenden Beweissätze auch nur irgendwie zu beschneiden. Die ewigen Postulate von Recht und Unrecht, Gesetz und Willkür, um die hier gekämpft wird, sind zu groß, als daß eine kleine Leiden- schaft sich hemmend in den Weg der restlosen Wahrheit stellen könnte: und„die Sonne bringt es ja doch an den Tag'. Tat- fache wird nüchternen Sinns an Tatsache nach dein Jmpe- ratio der Gerechtigkeit gereiht werden und dann möge ein Urteil im Zusammenhang erstehen. Aus der Fülle der Tatsachen aber, über die sich die Der- antwortlichen im öffentlichen Gerichtssaal nicht ausschweigen können, seien in Ergänzung des so lebhaften bayerischen Justizprotestes der letzten Tage nur folgende für heute noch- matö unterstrichen: Die Ausübung der S t r a f j u st i z wurde jahrelang den bayerischen Voltsgerichten überlasten unter bewußtem Bruch der klaren Bestimmungen des Art. 1 des bayerischen Volksgerichtsgesetzes vom 12. Juli 1919. Dieser unbestreit- bare R e ch t s b r u ch ist vor allem von dem jetzigen bayerischen JusttMlnIster mit zu vertreten. Die bayerischen Ausnahme- gerichte, der einfacysten Rechtsgarantie entbehrend, wurden aus außerhalb des Gesetzes liegenden Zweckmäßigkeits- erwägungen rechtswidrig Jahre hindurch beibehalten. hierdurch entwickelten sich in der bayerischen Justiz Zustände, daß einer der angesehensten deutschen Staatsrechtslehrer nach dem Hitler-Putsch schreiben mußte: „Der Mann(Kohr) ober, der am 8. November feierlich seine Zustimmung gegeben hat, am anderen Tage allerdings diese Erklärung als nicht ernsthaft gemeint hingestellt hat, amtiert heule noch... als Inhaber der vollzlehenden Gewalt mit diktatorischen Befugnissen und erteilt den ihm unterstellten Staats- anwälten Weisungen zur Verfolgung seiner früheren Verbündeten." Dieser Recktsstandal ist von dem Iustizminister Dr. G ü r t n e r durchaus gebilligt worden! Der gleiche Staatsrechtslehrer hat der bayerischen Rechts- pflege diesen schweren Borwurf gemacht:„Hitler konnte am 1. Mai 1923 ein b e w a f f n e t e s L a g e r auf dem Exerzierplatz Oberwiesenfsld aufschlagen und u n g e st r a f t land- friedensbruchartige Handlungen vornehmen." Der ehemalige liberale Justizminister Müller hat im Landtag festgestellt daß die bayerische Justiz nicht gegen nationalistische Sturmtrupps einschreite, obwohl das quält- fizierte Vergehen des l> 128 RStGB. zweifellos vorliez«. Im Hitler-Prozeß selbst wurde das Recht mehrfach so g e b e u gt, daß ein angesehener deutscher Rechtslehrer in der „Deutschen Juristenzeitung" feststellte, in Bayern herrsche in der Anwendung des Gesetzes reine Willkür. Die am L. März 1922 erlassene bayerische Justizministerlalvorschrift über Anwendung der Bewährungsfrist ist in zahlreichen Fällen bewußt und planmäßig aus politischen Gründen von bayerischen Gerichten mißachtet worden. Die bayerische Justiz ist Nicht gegen die nationalistische Presse eingeschritten, die im März 1920 zum Anschluß an die Kapp-Regierung� aufforderte, obwohl nach der eindeutigen Rechtsprechung der obersten Gerichte Der- brechen des hochverräterischen Vorbereitens gemäß S 86 RStGB. vorlagen. Der deutschnationale Vorgänger Dr. Gürtnsrs hat ausdrücklich im bayerischen Landtag die Rechtsbeugung gebilligt, daß gegen einen Bürger- nieister der Rechtsparteien nicht«ingeschritten wurde, der gemäß 8 110 RStCB. zum Ungehorsam gegen Reichsgesetze aufgefordert hatte. Unter Vorlage zahlreicher originaler Presseerzeugnisse wird nachzuweisen sein, daß gegen nationa- listische Blätter nicht eingeschritten wurde, die zweifelsfrei strafbar zum Klassenhaß aufgereizt hatten 130 RStGB); hingegen wurde gegen sozialistisch« Blätter rück- sichtslos vorgegangen. Die bayerische Rechtspflege ist n i ch t eingeschritten gegen Staatsbeamte, die für eine Begünstigung der Erz- berger-Mörder eintraten. Die bayerische Justiz hat gegen die Personen nichts unternommen, die im März 1920 in Münchener Kasernen offen den gewaltsamen Sturz des Kabinette? Hoffmann verlangten; sie hat e» bewußt unterlassen, die in diesem Fall notwendigen Zeugen zu vernehmen. Unter Beugung des Rechts hat die bayerische Justiz es unterlassen, die verbrecherische M e u- t e r e i des Generals v. Lossow und seiner Mitschuldigen strafrechtlich zu verfolgen. � sieber diese und weitere Tatsachen für heute wollen wir die Liste der Beweisobjekte und»subjekte schließen— in-- Berlin gesprochen werden. Die bayerische Staatsgewalt wird wissen, wem die endliche, letzte E n t- h ü l l u n g der Tragödie des Rechts in Bayern zum Nutzen gereicht. verdachtige Fragen. München, Z. August,(ffig. Drahtbericht.) Di« deutschnotionol« „München-Awjsburger Abendzeitung" fordert in ihrer Dienstag- nummer den Genossen Paul Levl auf, ihre vor zlrka 8 Tagen an den„Vorwärts" gerichteten Fragen in der Feme-Angt- legenheit zu beantworten. Sie entrüstet stch darüber, daß der Ein �Sommernachstraum" in yeiöelberg. (Zu den Heidelberger Festspielen.) Hinweggewcht ist die rote sommerliche Glut des Juli. Stiller und herber ist schon die Lust und leer von dem Gesumm der Mücken, die sonst in der Abendsonne letzten Strahlen ihren Reigen schwirrten. Boll von dichtem schweren Laub und von Früchten behangen stehen die Bäume ain Wege— herbstbereit! Und über dem Neckar liegt der silberne Nebel einer frühen Abenddämmerung. Wie zur guten Nacht sind die grünen Berge de» Odenwaldes für den Blick des Wanderers näher an die Stadt gerückt, in der die ersten Lichter aufblitzen. Und oben im Dunkel birgt da» zerschossene Schloß die Wunder der kommenden Nacht. Hinter seinen Ruinen huscht es, und gedämpftes Raunsn klingt aus ihnen... es ist, als hätte ein loses Nachtwölkchen, der großen Schönheit de» Ortes kundig, sich in die leeren Mauern eingenistet. Da horch, eine leise Musik gleitet in den Schloßhof hinein, läßt die letzten Stimmen verstummen und überflutet die Menschen mit dem Frieden der ewigen Kunst. Verrauscht ist nun der laute Tag— der Traum hat setzt Raum, und der Zauberer Shakespeare schüttet ihn beglückend über Landschaft und Menschen, füllt mit ihm Nacht und Herzen. Sommernachtetrauml So, und nun kann da» Spiel vom Traum beginnen. Menschen warten, guten Willens, ihn mltzuträumen... Ein dumpfer Gong- schlag ertönt, Lichter flirren an die Treppen. Liebende, des Traums verwöhnteste Schutztinder, steigen, in licht«, blumenhaft zart« und schöne Nachtfarben gekleidet, aus des Schlosse» Räumen In den Garten, so sich anschmiegend an den Charakter der Landschaft und ohne viel künstliche Lichteffekt« voll tiefer Wirkung. Noch sind die Mauern, von Pechfackeln hell beleuchtet, der Szenerie günstig, aber dann oerschwinden auch sie bald in der dunklen Nacht, und übrig bleibt nur noch das grüne Moos, bereit für den Schwebetanz der zarten Nachtelfen. Immer mehr entrückt die Wirklichkeit. Kein Theaterzettel knittert. Namen interessieren erst wieder nach der Geisterstunde. Hier herrschen nur Oberon und Puck mit der Blum« des Wunder« und des Dichters, der ihre Zaubergestalten ersann.— Vergessen Ist' die Technik des Bühnenlheaters— der Traum ist vollkommen! Und Liebe, Schalk, Schrecken und süße Erfüllung wandeln aus Zauber- süßen durch den Wald, hierhin und dorthin huschend und lassen ihre Wunder über den Menschenkindern wallen. Puck und Oberon, wo seid ihr in anderen Nächten? Fliegt doch über die Städte und Dörfer auch sonst und träufelt aus eurer Wunderblume den heilsamen Saft aus die Ruh- und Friedlosen! Auch selbst den Eselskops dürft ihr manchem aufsetzen, der seine Grenzen nicht kennt! Bleibt, bleibt, verschwindet nicht.. Doch für diese Nacht habt ihr wohl eure Tat vollbracht— habt vier Menschen glücklich gemacht— nein, mehr, viel mehr! Seht auf die Menschen, die im Dunkel der Nacht aus eure Lichtgestallt» schauten, „vorwärts", anstatt die Fragen zu beantworten, ein« Reih« ihr offensichtlich sehr unbequemer Gegenfragen gestellt Hab«. Leoi müsse doch altes sehr genau au» denAkten wissen. Leoi» Angriffe auf den bayerischen Juftlzmlnsster will das Blatt solang« als „wider besseres Wissen geführt" bezeichnen, bis Leoi geantwortet habe. Besonders verärgert ist das deutschnational« Organ, weil auch demokratische Zeltungen außerhalb Bayerns die„Derleumdungs- tampagne gegen Gärtner" unterstützen. Zum Schluß ineint das Blatt, daß die bayerisch« Regierung zur Beantwortung der sozialdemotra- tischen Anfrage im bayerischen Landtag unbedingt die Akten benötig«. die sich in den Händen Levis befinden.•— Wir haben schon einmal auf die verdächtigen Fragen geantwortet, daß e, Sache des bayerischen Justizministeriums ist, sie«rschöpsend zu beantworten. das Zentrum und öie Republik. Geständnisse«nd Wünsche. Das Mitglied der Zentrumsfraltion des Reichstags. Abg. Andre-Stuttgart beschäftigt sich in der„Germania" mit der Stellung seiner Partei zum Reichsbanner. Er gibt zu, daß es ebenso wie des Reichsbanners so auch des Zen- trurns Aufgabe sei, die Anhänger im Geist der republika» nischen Verfassung zu erziehen. Dabei macht er für seine Partei eine interessante Einschränkung, die schon in einer Betrachtung der„Germania" zum zweiten Aufruf Wirth« zum Ausdruck kam: „Dabei oerlang, nwirnicht von jedem unserer Anhänger, daß er ein G e s i n n u n g» r e p u b l t k a n e r ist. Je mehr aber die politischen Derbältniss« konsolidiert werden, desto mehr wird auch die gesamte Zentrumswählerschaft sich mit der republikanischen Staatsform abfinden und das alte Daterland in seiner neuen Stoatssorm achten und lieben lernen." Vom Reichsbanner verlangt Abg. Andre, all da« zu unterlassen, was geeignet ist,„einen starken Gegensatz zwischen sich und der Zentrumspartei als der deutschen Ver- sassungspartei zu schaffen". Eine einseitige Festlegung wie in der F ü r st e n f r a g e müsse in Zukunft vermieden werden. Die soziale Einstellung des Zentrums dürfe nicht verdächtigt werden: „Das Zentrum hatte als verantwortliche Regierungspartei auch auf die Erhaltung und Leistungsfähigkeit der Wirtschaft Rück» ficht zu nehmen und konnte deshalb nicht einfach die vielen sozialdemokratischen Agitattonsanträge auf so- zialem Gebiet akzeptleren. Auch hierin zeigt es sich, wie ungesund die Entwicklung der letzten Jähre war; die Sozialdemokratie als stärkste Partei Im Reich stand außerhalb der Berant- wortung, sie suchte ihr« Partei zu stärken und überließ alles Unangenehme dem Zentrum und seinen Ministern." Auf religiösem Gebiete habe das Reichsbanner wahre Toleranz auf dem Boden voller Gleichberechtigung zu üben. Die Republik sei in dieser Hinsicht weitherziger ge- wesen als die Monarchie. Das Zentrum erstrebe nichts als Gleichberechtigung unter Ablehnung des konfessionellen Haders. Die gesamte Arbeiter- und Angestelltenschaft fühle sich zwar als Träger der neuen staatlichen Ordnung: „Wenn aber ein Mann wie Dr. Wirth lchwcre Gefahren heraufziehen steht In dem Sinne, daß«in ganz erheäcicher Teil der deutschen Arbeiterschaft wieder staatsfremd, ja staatsfeindlich eingestellt werden kann, so Ist es Aufgabe des Relchsban- ners, hierin nach dem„Rechten" zu sehen." Die Ausführungen des Abg. Andre ergeben kein« un- überbrückbaren Gegensätze zwischen Reichsbanner und Zen- trum. Wenn sie sich zum Teil in etwas gereizten Zuspitzungen gegen die Sozialdemokratische Partei und die Reichsbanner- führung verlieren, so wird man das nicht allzu tragisch zu nehmen brauchen. Dieser Unterton läßt deutlich erkennen, daß sich die Ermahnungen nicht so sehr an diese Instanzen wenden, als an die Unzufriedenen in der eigenen Partei. In der Tat ist es so gewesen, daß gerade ln den vom Abg. Andre angeführten Fällen ein großer Teil der Zentrumsanhänger links von der Politik der Zentrums- fraktion zu finden war. auf eure Worte lauschten. Hört in euren menschenstcheren Verstecken ihren Beifall und zürnt ihnen nicht, daß sie damit nach Menschenart die Weihe eures Spiel» nicht lang« genug ausklingen ließen. Wieder tauchen nun die Mauern de» Schlosses auf. Dunkel liegt der Rasenplatz, noch eben der Tummelbezirk der Geister, im Schatten der alten Riesenbäum«. Au» den Fensterkreuzen de» Schlosse» starrt Leer«— der letzte Ton der Mustt ist verhallt. Die Menschen drängen au» dem Hof. ihre Augen leuchten, ihre Lippen sprechen dankende Worte, und unten liegt, dem Auge wieder näher, in traumhafter Schönheit die Stadt, von der Höhe de» Schlohberges bis an den Neckar sich schlangelnd. Esther Wongenheim. Unser aeuer Roman. Was Läon Frapi» in seinem Poriser Dienstmädchenroman.Die Figurantln" gibt, ist in mancher Hinsicht«in Gegenstück zu Clara Viebigs Roman»Die Passion", den wir im vorigen Jahre brachten. Nur daß der französische Autor nicht einen Ausnahmefall, sondern ein mehr alltägliches Schicksal seiner Darstellung zugrunde legt. Und daß nicht deutsch«, sondern eben typisch Pariser Zustände Rahmen und Hintergrund der Erzählung bilden. Der mannigfaltig wechselnd« Ort der Geschehnisse gibt über- die» Gelegenheit, den Leser einen Blick in da» Familienleben zahl- reicher Pariser Bevölkerungsklassen und Berufsstände tun zu lassen und interessant« soziale Milieuschilderungen in zahlreichen packenden Bildern zu entrollen. Der»typische Verbrecher schädel". Wie Theorien durch über- spannt« und Irrlge Schlußfolgerungcn späterer Nachfolger in MIß- kredit gebracht werden können, hat die Lehr« Lombrosos, aus der Schädelform die Veranlagung zu einer bestimmten Art des Ver- brechens zu erschließen, erfahren müssen. Denn als einer seiner Schüler, Dr. Charles Goring, nach Messungen, die er an 800 Verbrechern vorgenommen hatte, glaubte, den vermeintlichen„typischen Verbrecherschädel" glücklich konstruiert zu haben, stellte sich bei den daraus an einem Bataillon der englischen Genieiruppe veranstalteten Schädelmessungen heraus, daß die hier festgestellten Abweichungen von jenem Typus durchaus mimmale waren. Die Verfechter der Lehre des Dr. Goring halten demnach in allen diesen Soldaten Ver- breche? sehen müssen. Ganz anderer Alt sind die Folgerungen, die. ebenfalls auf der Lehre Lombrosos basierend, der bekannte amerita- Nische Psychoanalytiker Dr. Adolph Monaeleser zleht. Dieser Ge- lehrte glaubt, mittels seiner Lehre aus dem Körperbau und der Em- Wicklung de» Gehini» bei einem jeden Menschen seststellen zu können, od bei ihm«in« verbrecherische Anlag« vorhanden ist, ja selbst bei Kindern von 10 und lä Jahren vorhersagen zu können, ob und nach welcher Richtung stch eine solche Veranlagung entwickeln wird. Dieser Theorie steht die aus der praktischen Erfahrung gewonnene Behaup. tung vom typischen»Auge de» Mörders" gegenüber, die von vielen Detektiven immer wieder aufgestellt wird. Freilich hat noch keiner von ihnen eine befriedigende Beschreibung zu geben vermocht, worin dieser Typus eigentlich besteht. Die erfahrensten Detektive begnügen gl) mit der Behaupiung, daß in diesem Auge«in unbeschreiblicher »»druck der Schuld und zugleich dt« Furcht vor der Entdeckung schlummere. Wenn Abg. Andre vom Reichsbanner verlanak, die Arbeiter- und Angestelltenschaft vor Staat»«ntfrem« d u n g zu bewahren, so sollte er an sein eigenes Geständnis denken, daß ein Teil der Zentrumsanhänger sich nur als Zwangsrepublikaner fühlt. Der Arbeiter und Angestellte bekennt sich zur Republik und das Reichsbanner hat es in dieser Frage nie an der notwendigen Offenheit fehlen lassen. Was aber oen Arbeiter und Angestellten b e f r« m d« t, das ist die Staatefremdheit und Staatsfeindschaft weiter Kreise der oberen Verwaltung s- und Justizbeamten und eines Teils der Wirtschaftsmagnaten. Vom Arbeiter ein« Staatsgesinnung und Staatsfreude zu ver- langen, die man von einem Teil der eigenen Anhängerschaft nicht verlangt, ist ungerecht. Erziehung zur Republik— sehr gut! Aber dann muß der Hebel dort angesetzt werden, wo es am notwendigsten ist. der dank für öie Milüe. Unerhörte Angriffe des Hannoverschen Radau- studenten Pöhlmann auf den Kultusminister. Bonn a. Rh.. 3. August.(Eigener Drahtbericht.) Auf der vierten Vollsitzung de» Etudententage»>n Bonn kam es zu einer Ausrollung des Falles Lessing-Hannooer, wozu einer der Haupthelden des da- maligen Studentenstandal», der Student Pöhlmann.«in Referat über diese Angelegenheit hielt. Er erging sich dabei in seinen un- snchllchen Ausführungen, die selbst rechtsstehende Kreis« als un- objektiv bezeichnen mußten, in den gröblichsten B e l e i d i- Hungen gegen den preußischen Kultusminister. Er nannte die Bei- legung des Konsliktes einen Kuhhandel, den die Regierung getrieben habe. Ueber den Minister Becker äußerte er sich wörtlich folgendermaßen: Der Herr Minlster hat die Studenten ln unberatener Hast an den Staatsanwalt denunziert. Unter der Staatsautorität stellen wir uns etwas andere» als den Kultusminister Becker vor. Er hat in Metternlchschem Seist gehandelt. Der Herr Minister hat die Autorität seines hohen Staatsamtes untergraben. Der Minister hat bewiesen, daß er kein Herz für die akademische Jugend hat. Der Herr Minister sieht die Studenten als Etaatsstipendialen an. Zum Schluß gebrauchte er den Vergleich, als ob der Minister durch Empfang seine» Gehalt» Träger einer geistigen Lnoa- l i d e n r« n t« geworden wäre. Di« Methoden des Kampfes ver- sucht» der Redner als harmlosen Bierulk hinzustellen. Zu einer Prügelei sei e» niemals gekommen, dle aber— wie er wörtlich sagt«— die geeignet st e Behandlung für«inen solchen Mann(wie Lessing) ist. Nach dem Referat stellt«»in Heidelberger Student einen Gegenantrag, worin der Auszug der Hannoverschen Studenten nach Braunschwelg und der Streikbeschluß im Sinne der Waffen- studenten al» unatademisch bezeichnet wird. Die Vertreter der bayerischen Studentenschaften stellten darauf einen Gegenantrag, der in den unverschämtesten Hetzworten den ganzen Fall Lessing noch einmal aufrollt und zu den Entschließungen des Kultusmtnisterium» im Falle Lessing in unerhörter Weise Stellung nimmt. Der letzte Antrag fand denn auch, wie nicht ander» zu er- warten war, Annahme.' Diese ganz» Angelegenheit sollt« dem Preußischen Ministerium für Kunst, Wissenschaft und Voltsbildung endlich Veranlassung geben, rücksichtslos durchzugreifen und den preußischen Hochschülern end- gültig oerbieten, einem völkischen Verband«, wie der Deutschen Studentenschaft, überhaupt anzugehören. - Kongreß der religiösen Soziafisien. Unter zahlreicher Beteiligung aus dem ganzen Reich trat am Montag die Arbeitsgemeinschaft der religiösen Sozialisten Deutschlands ln Meersburg(Bodensee) zu ihrem 3. Kongreß zusammen. Di« vlertägigen Verhandlungen beschäftigen sich mit dem Verhältnis des religiösen Sozialismus zum Protestann»- mus, Katholizismus, Freidentertum und zur sozialistischen Kultur- bewegung. Sin rvssisch-mongoltscher Fluavertrag, der Rußland dos Monopol sichert und es zur Ausbildung und Matertalversorgung mongolischer Flieger verpflichtet, ist abgeschlossen. China und Japan haben in Urgo dagegen protestiert. Wochenende. Wochenende! Ein« stark«, Merkantilismus und Idealismus mischende Strömung unserer Tage. Für den Schaffenden beinah««in« Notwendigkeit in einer Zelt, die mehr als je dazu drängt. sich wieder der Natur zu nähern, körperliche Ausspannung und geistig« Loslösung außerhalb der gewohnten Beschränkung zu suchen. Ein tiefes Aufatmen in leichterer Atmosphäre,«in Erlebnis im Glanz« köstlicher Erwartung und leichter Abenteuerlichkeit, da, da, Lebensgefühl an Glück gewinnen läßt. Zersetzend« Hast beruhigt sich zu verhaltener Still«. Dumpfes Gleichmaß löst sich in einem de- schwingenden Gefühl von Freizügigkeit. Lange«in« Oase für Be- vsrzugre und für dl« Masse nur die Lustspiegelung eines gelobten Landes. Heut« unter ökonomischem Zwang das Schlagwort des Berkehe». und Verzehrswesen,, da» der stadtmüden Sehnsucht reichlich spät entgegenkommt. Bei der kulturellen und sozialen Bedeutung diese« stark und hell fließenden Quell, der Erholung möge er durch rationelle Fassung sich stetig und unabhängig von wirtschaftlichen Augenblickstonjunkturen weiter entwickeln zu einem Gesundbrunnen für all« Schassenden. Zur intensiven Arbeit gehört ein Wochen- Vorrat an Gesehenem und Erlebtem. Klein« einzeln aufgefangen« Motto«, die sich zu einer Mustk vereinen, deren rem« Akkorde über den Dissonanzen de» Großstadtlärms und der Alltagssorgen schweben. R. Da» Hamburger helnrich-helne-Venkmat. Im Hamburger Stabtpark ist jetzt dos Heinrich-Heine-Denkmal von Hugo Lederer, das seit mehreren Iahren in der Kunsthall« aufbewahrt wurde, auf- gestellt worden. � Mitte August soll die feierliche Enthüllung im Beisein de» Schöpsers und des Oberbürgermeisters Petersen statt- finden. D!« ganz« Denkmalsonlage ist schon vor dem Krieg« von dem Architekten Schumacher entworfen worden. Auf einem altororttgett Ausbau erhebt sich das Denkmal, umgeben von einer doppelten Linden- reih«. Sechs Stufen führen auf beiden Selten empor. Ein Weiher erstreckt sich vor dem Denkmal. Professor Lederer, der vor«inigen Tagen in Hamburg weilte, äußert« sein« volle Zufriedenheit mit der Anlage. eivlngstones Baum. Im Tangonjika-Gebiet hat man kürzlich in Ujiji«in« Stätte eingeweiht, die dem Andenken de» großen Afrika. reisenden Livingstone gewidmet ist. An dieser Stelle war es. wo vor M Iahren Stanley den großen Forscher auffand, der nach fünf- iähriaen Reisen im Schwarzen Erdteil in einem Zustand tiefer Er- scböpsung bis hierher gelangt war. Livingstone war damals schon seit Monaten verschollen. Stanleys lakonische Begrüßung:„Dr. LI- vingstone, nehme ich an?", als er endlich den Gesuchten In der afrikanischen Einsamkeit Aug« in Auge gegenüberstand, ist historisch geworden. Die Begegnung fand statt unter einem Mangobaum. unter dem der erschöpfte Lioincmone ausruht«, und um diesen Baum haben die englischen Beamten de» Gebiete»«in Gehege errichtet, um die Erinnerung an das Ereignis wach zu halten. kaukasische Filme. Die staatlich« Fiimdirektion der georgischen Sowjetrepublik im Kaukasus wird zum Beginn der Winterspiclzclt 5 Filmdramen fertiggestellt haben. Eines davon ist nach der Novelle„Ein Held unserer Zeit" von Lermontow versaßt, deren Handlung bekanntlich im Kaukasus spielt. Di« Manuskript« der vier anderen Film« stammen von einheimischen georgischen Dichtern. Auch die Regisseure sind Georgier. Das Magöeb Neues Verfahren gegen Schröder.— D Magdeburg, Z. vugust.(Eigener Drahtbericht.) Dl» Verhaftung der Braut des Schröder in Köln ist Im Auftrage de» Ober- staat»anwalt» In Magdeburg erfolgt. Dieser Borgang ist um so überraschender, als die Staatsanwaltschaft den Berliner Koni- missaren erklärt hatte, der Untersuchungsrichter habe ihnen ausdrück- lich untersagt, irgendwelche Austräge an die Berliner Beamten zu erteilen. Die amtlichen Stellen in Magdeburg und auch die Gerichts- behörden verweigern jede Erklärung für das widerspruchsvolle Ver« halten der Slatsanwaltschaft. Augenscheinlich hängt das mit einer neuen Anzeige gegen Schröder-Götze zusammen, die neue Entschlüsse notwendig machte. Landgerichtsrat Kölling führt die Untersuchung gegen Schröder bi» heute noch immer nur wegen B c- truges.UrkundensälschungundDieb stahl. Durch eine neue Anzeige gegen Schröder-Götze wegen Mordes ist die Staatsanwaltschaft veranlaht,«in neue» Verfahren in Gang zu bringen und von sich au» die notwendigen Ermitt- lungen anstellen zu lassen. Jedenfalls arbeiten die Berliner Kriminal- beamten jetzt im Austrage de» Oberstaatsanwalts Rasmus, der. nach- dem er kürzlich au» dem Urlaub zurückkam, sich persönlich um die Bearbeitung der Mordsache Helling bemüht. Der Stahlhelmführer als Verteidiger Schröders. Magdeburg. Z. August.(Eigener Drohtberichk.) Da» neueste Ergebnis in der Magdeburger Mordaffäre ist die Bestellung des Magdeburger Rechtsanwalls Bocke zum Verteidiger de» Mörders Schröder. Dieser Rechtsanwalt ist einer der bekanntesten Führer de» Stahlhelms in Magdeburg. Seine Bestellung zum Verteidiger erfolgte, ohne daß Schröder selbst oder seine Angehörigen wissen, lu wessen Auftrag das geschehen ist und wer diesen Rechtsanwalt bezahlt. Da dem Verbrecher von Amts wegen ein Verteidiger nicht gestellt werden darf, solang« die Untersuchung schwebt, besteht die begründete Annahme, daß Vocke im Auftrage rechlsgerichleker Kreise die Rechtsverlretung de» Schröder übernommen hat. Kölling geht in Urlaub. Magdeburg, 3. August.(Eigener Drahtbericht.) Untersuchungs- richiec Kölling tritt. In den nächsten Tagen seinen planmäßigen Urlaub an. Er will vorher nur noch der Strafkammer die Unterlagen tiefem, damit diese über die H a ftb es ch werde de» Derteidigers von Rudolf Haas entscheiden kann. Einstweilen hat er in der Mordsache Helling seinen Rückzug angetreten. In einer neuen Information an seine getreue Rechts- presse behauptet Kölling zwar, er sei schon seit langem überzeugt. daß.Schröder verloreV fei; et habe. die Untersuchung in der begrenzten Weise— wegen Betrug, Diebstahl und Urkunden- fälschung—.nur au» taktischen Gründen" fortgeführt, weil er fürchtete, daß sonst Schröder keine weiteren Auesagen machen werde. Im übrigen habe er aber so schwere Derdachtsgründe dafür, daß ein Anstiftungsmord vorliege, und daß Haas der Mordanstifter ist. Welcher Art dieses neue Derdachtsmatertal ist, verrät Kölling aber auch seiner geliebten Rechtspresse nicht. Kölling im Zlegenstall. Einstweilen hat Kölling. da er die Unterstützung der Kriminalbeamten selbst zurückgewlZm hqt, ein«, persönliche Haussuchung unter Assistenz eines Gerichtsschreiber» vorgenommen. An der Berliner Ehaussee. weit vor der Stadt, wohnt die Witwe de» Pro» duktenhändler» Ohl« mit sechs unmündigen Kindern in einem Häuschen mit kleinem Ackerland. Nach Schröder« Angaben sollte die Leiche von dem.schwarzen Ehausfeur" bei einem solchen Hütt- chen abgeladen, von dem Eigentümer über den Zaun weg in Emp- fang genommen und drei Tage Im Keller verborgen sein. In einem Notizbuch von Haas fand Kölling mehrfach den Namen Ohl« und mehrstellige Ziffern dahinter. Au» dem Adreßbuch konnte er den Namen des Produktenhändlers Ohl« seststellen, der schon seit, fast einem Jahr verstorben ist, und weiter ermitteln, daß Ohle mit dem Ehauffeur Reuter bekannt sei. Darauf die Kombination: Ohle ist der Mann, der die Leiche bewahrt hat, und die Ziffern in Haas' Notizbuch sind die Summen der Schweigegelder, die er erhalten hat. Nun ist inzwischen zwar bekannt geworden, daß die Ziffern die von Telephonanschlüsten beim Breslau« Telephonamt Ohle sind, und daß Haas, der in Breslau ein« Filiale hat, diese Anschlußzlfsern sich notierte, um geschäftlich telephonieren zu können. Aber Kölling ist gründlich. Nachdem er den Chauffeur Reuter wieder hatte ver- haften lassen, ist et jetzt zur Haussuchung in det Hütte Ohle» geschritten. Er erklärte der Witwe, sie solle nur die Wahrheit sagen, ihr Mann sei ja tot. Die Leiche Hellinge, in eine Pferdedecke gehüllt, müsse in dem Keller gelegen haben. Die Frau konnte ober sofort nachweisen, daß gar kein Keller in dem Hause ist. Nur ein Z i e g e n st o l l ist vorhanden, und diesen hat sich Kölling sehr gründlich angesehen. Darin waren zur Zeit des Mordes außer Ziegen auch mehrer« Hühner. Zudem war ein scharfer Hofhund vorhanden. Wenn also ein« Leiche dort versteckt worden wäre, hätte doch der Leichengeruch den Hund veranlassen müssen/ Unruhe zu itgcr Dunkel. r Oberstaatsanwalt arbeitet selbständig. zeigen. Aber kein« der Familie hat etwa» bemerken können Zu allem Ueberfluh war der inzwischen an einem unheilbaren Zucker- leiden verstorbene Ohle damals schon so schwach, daß er nur noch M Pfund wog und faunt einen S t u h'l heben tonnte. Dieser kranke. Mensch soll nach Kölling? Annahme die Leiche eines jungen Menschen über den Zaun weg in Empfang genommen, sie versteckt und nach drei Tagen wieder über den Zaun weg hinausgegeben haben! Die stundenlang wahrend« Bernehmung der Witwe ist wahrscheinlich protokolliert worden. Daß Kölling mit ihr zufrieden ist, wagen wir zu bezweifeln. Verdächtige Thesen. Magdeburg. 3. August.(Eigener Drahtbericht.) Zu einer Dar» stellung, die der Untersuchungsrichter Kölling von dem Mord an Helling gibt, wird uns mitgeteilt: Bei der Obduktion der ausge- grabenen Leiche des Helling waren die Wunden nicht ver- b u n d e n. Auch das Tuch war nicht vorhanden, mit dem nach den Angaben Tenholts und Köllings der Kopf de» Ermordeten um- schlungen gewesen sein soll. Wo das Tuch sich befindet und ob e» überhaupt noch vorhanden ist. läßt sich zurzeit nicht fest- stellen. Nach Annahme der Kriminalbeamten ist Helling in der Woh- nung des Schröder in Rottmersleben erschossen worden und das Tuch wurde ihm umgebunden, damit so wenig wie möglich Blutspuren in der Wohnung selbst sichtbar werden. Eine andere Erklärung von Kriminalisten stützt sich auf Aussagen von Zeugen, nach denen sich Schröder viel mit hypnotischen Experimenten beschäf- tigt hat: es sei möglich, daß er Helling mit allerlei Experimenten unterhalten habe und ihn dabei veranloßte, sich die Augen verbinden zu lassen,, um ihn dann um so leichter von hinten erschießen zu können. Die wohl nicht mehr zu verhindernde Vernehmung des Schröder und der Götze durch kriminalistische Fachleute wird darüber vielleicht sehr bald Klarheit schassen. Weil an der. Leiche noch ein Ring vorgefunden wurde, folgert Kölling, daß ein Raubmord nicht in Frage komme. Dazu ist festzustellen: Ein Abschneiden de» Fingers. ohne das der Ring— nach Angabe des Untersuchungsrichter» selbst— nicht abzustreifen war, hätte sich nicht verlohnt, denn der Ring trug eingeschnitten die Initialen H. H.(Hermann Helling). Em Versuch, den Ring zu veräußern, hätte den Mörder in die Gefahr sofortiger Entdeckung gebracht. Auffälligerweise hat der Untersuchungsrichter vergesien anzugeben, daß der goldene Verlobungsring des Helling der Leiche geraubt war und auch bis heute noch nicht aufgefunden wurde. Die Namen der Zeugen, die Schröder mit Haas zusammen gesehen haben sollen, hat d« Untersuchungsrichter weder dem Der» teidiger Dr. Braun benannt, noch die Zeugen dem beschuldigten Rudolf Haas gegenüberstellt. Ob diese neuen Zeugen mehr wert sind als die Frauen, die Haas in Rottmersleben gesehen haben wollen, bleibt abzuwarten. Schröders Gespräche. Einem mzwischen entlassenen Mitgefangenen gegenüber soll Schräder eingestanden haben, er habe seine Verteidigung ganz darauf «ingerichtet, daß Schwarzweißrat gegen Schwarzrotgold steht! Er rechn« nur mit fünf Jahren wegen Beihilfe. �Jch dreh« da» Ding so, daß sie wegen Raubmord nicht ran können, sondern als ob«» sich um einen Fememord handelt. Ich schaff««s so weit. Ich habe ja auch die ganz« Rechtspresse für mich. Ich habe die Sache ja schon gedreht. Sieh mal, in der Rechtspresse sind die ganzen Richter drin. Di« werden ihn schon stürzen. Der kommt nicht Wied« raus, ober rede nicht drüber. Es handelt sich für mich um Tod und Leben." Auf die Frag«, wer denn fein« Verteidsger bezahl«, antwortet« Schröder, da» wisse er nicht, aber der Mitgefangene solle nicht darüber reden.„W«nn zwei sich streiten, lacht der Dritte." Und Schröder lachte... Auf die weitere Frage, wer noch Schröders Meinung gewinnen werde, antwortete Schröder: „Unbedingt Schwarzweißrot, denn die ganzen Richter sind schwarz- welßrot. Ich habe dt« ganze Rechtspresse für mich und Haas ist Jude. Sein Rechtsanwalt ist im Reichsbonner und da habe ich leichtes Spiel." Schröder« Verteidiger Ist Stahl- Helmführerl Richtersolidarität. Der Londgerichtsrat R e s ch k e hat in seiner Eigenschaft als stellvertretender Vorsitzender de» Bezirksverbandes Magdeburg des antirepublikantschen preußischen Richterverein» an den Reichstag und an die Reichsregierung eine Eingabe gerichtet, in welcher er unter Hinweis auf Artikel IS, 102 ff. der Reichs- Verfassung den Reichstag ersucht, zur Wahrung der ll.näb- hängigteit der Richter«inzugrelsen, weil einem Richter in Magdeburg bei der Führung einer Voruntersuchung von Ver- waltungsbchörden außerordentliche Schwierigkeiten bereitet würden. Dadurch entstehe die Gefahr, daß die Klärung der Angelegenheit unmöglich gemacht wird. Di« Klärung der Angelegenheit wäre längst erfolgt, wenn nicht gewiss« Richter in Verbindung mit der Rechtspresse au» einem Kriminalsall«ine Hetz« gegen republikanische Beamte gemacht hätten. Konflikt in üer Moskauer Internatkonale. Sinowjew— das Privzipicnloseste vom Prinzipienlosen. Di« Maßregelung S i n o w j e w z ruft Mckwirtungen in der Moskauer Internationale hervor. Die kommunistische „V o l t s w a ch t" schreibt: »Trotz de» Beschlusie» der Erweiterten Exekutive der Komintern über die NichtÜbertragung der Diskussion in die au»ländisch«n Bruderparteien dehnte die Opposition unter Führung de» Genossen T i n o w j e w ihr« a nt i» leninistische, spalterische Tätigkeit auch auf die an- deren Sektionen der Komintern aus. Es gelang ihr bedauerlicher- weise, den Apparat des EKKI für ihre Fraktionsarbeit sowohl in der Sowjetunion, als auch im internationalen Maßstabe zu mißbrauchen. Die Opposition oersuchte in den letzten Wochen in der Kommintern einen ähnlichen Block aller ultra. rechten und ultralinken Abweichungen zu schaf, sen, wie in der KP. d. SU. Genosse Sinowiew, einer der Führer der Kommunistischen Internationale, hat sich durch den Uebergang zum Trotzkismu» auch die internationale Plattform Trotztis und Rodels zu eigen gemacht. Der neue oppositionelle Block gegen den Leninismus ist, sowohl was seine geistig-politischen Grundlagen, als auch was seine praktische Tätigkeit betrifft, dieprinzipienlosestealler prinzipienlosen Gruppierungen. Sein Kampf richtet sich gegen die Einheit der llenint scheu Partei, gegen das Fundament der proletarischen Diktatur und gegen die Interessen der Kommunistischen WeUpartet. Genosse Sinowjew, auf dessen Dorschlog hin der fünfte Weltkongreß die Resolution des 13. Parteitage» der KP. d. SU. über den Trotzkismu» seinen eigenen Beschlüssen und seinem Protokoll einverleibte, hat durch den llebergang zur Plattform der trotzkistischen Opposition die Be- schlüsse der Kommuni st ischen Internation ole durchbrochen. Seine Halwng bedeutet den Versuch einer Llqui- dierung der Linie des fünften Wektkongresse» zugunsten der ver- urteilten Linie Trotzki» und Rodek». Die Abweichung des Genossen Sinowjew von den Beschlüssen der Kommunistischen Internationale, sein Versuch, die Fraktion»- arbeit auf die Parteien der Komintern zu übertragen, die von ihm unterstützte Tendenz zu einem Internationalen Block oller antileni» nistischen Elemente von Urbohns bis zu Souvarine stellen auch die Komintern vor sehr ernste Fragen, die auf dem nächsten Weltkongreß ihre Lösung finden müssen." E» geht in der Moskauer Internationale nicht ohne Krisen. Erst spricht Sinowjew den Bannfluch über die Ab- weichungen der KPD., jetzt wird über seine Abweichung der Bannfluch ausgesprochen. Gibt es überhaupt in den Komin- lern noch«inen Nichtoerfluchten? Sapern gegen Coburg. Die Sonderrechte sollen beschnitten werden. Die bayerisch« Regierung hat In einer Entschließung vom !.3. Mai den Stadtrat Coburg aufgefordert, die C o b u r- ger Sparkasse anzuweisen, ihr Geschäftsgebaren umzu- stellen, ihren Geschäftsbereich wie vor dem Kriege einzuhalten, die Filiale Nürnberg innerhalb zweier Monate aufzu- lösen und weitere Filialen außerhab des Coburger Bezirkes nicht mehr zu errichten. Diese Entschließung bedeutet einen glatten Bruch der vor ungefähr sechs Jahren den Coburgern«ingeräum- ien Sonderrechte. Es heißt nämlich in dem bayensch-cobur» gischen Anschlußvertrag:„Die Sparkassen des Freistaates Coburg werden in der bisherigen Art ihres Geschäfisbetriebes nicht be- ichräntt. Ohne ihr« Zustimmung können auf sie die bayerischen Grundbestimmungen über die Sparkassen nicht erstreckt werden." Ministerpräsident Dr. Held versicherte vor nicht gar langer Zeit Vertretern und Abgeordneten de» Loburger Bezirkes gegenüber aus- drücklich, daß die bayerische Regierung in gar keiner Weis« in die Recht« der Coburger Kasten eingreifen und den Staatsoertrag unter allen Umständen respektieren werde. Trotzdem kam der Erlaß der Staatsregierung, der da» ge» naue Gegenteil dessen will, wa» der Mini st er- Präsident versicherte und wa, im Anschlußvertrag zuge- sichert ist. Darüber herrscht im ganzen Coburg bei allen Parteien große Entrüstung. In Entschließungen des Stadtrat» und In Ber- sammlungskundgebungen wird einhellig gegen diesen Bruch de, Vertrage» Stellung genommen. Sozialdemokratische wie bürger- liche Stadtratsfraktionen haben in Resolutionen zum Ausdruck ge- bracht, daß das rechtlich und moralisch vollständig unhaltbare Vor- gehen der Staatsregierung nicht ohne politische Folgen bleiben und man sich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen das Ansinnen der Regierung wenden werde, daß einen Verstoß gegen den Sinn von Treu und Glauben, sowie gegen den Staatsvertrag selbst bedeute. Man darf gespannt sein, wie sich die Münchener Machthaber, die keine Gelegenheit versäumen, um über den Zentralismus in Berlin zu wettern, aus dieser heiklen Angelegenheit zurückziehen werden. Mieterschutz für firme! Soziale Reformen der neuen Mecklenburger Regierung. Schwerin, 3. August.(Eigener Drahtbericht.) Das mecklenbur- j,.sche Staatsminlsterinm erließ eine Verordnung zur Ausführung der Mietzins st euerverordnung, die eine wesentliche Derbesserung gegenüber der Mietzinssteuerverordnung der gestürzten Regierung bedeutet. Der Kreis der hilfsbedürftigen Per- sonen ist nunmehr fest umrissen, so daß den Wohlfahrteämtern die riesige Arbeit der Nachprüfung aller einzelnen Anträge erspart bleibt. Die Einkommensgrenze der Hilfsbedürftigen ist von 720 Mark auf 1000 Mark heraufgesetzt worden. Im allgemeinen sind als Hilfsbedürftige anzusehen: Sozialrentner, Klein- rcntner, Kriegsbeschädigte, Kriegerhinterbliebene, die eine öffentliche Unterstützung oder eine Zusatzrente erhalten, Erwerbslose oder an- der« bedürftige Personen und namentlich kinderreich« Familien, die die volle gesetzliche Miete(101 Proz. der Friedensmtet«) nicht zahlen können. Die Unterstützung beträgt ab 1. Juki 3S Proz. der Friedensmiete(bisher 26 Proz.). Die Wohlfahrtsämter sind angewiesen, dl« Unterstützungen so rechtzeitig zu zahlen, daß der Hilfsbedürftige die Beträge am Tage der Mietszahlung zur ver- fügung hat. Mit dieser Verordnung ist dem großen von der deutsch- nationalen Regierung geschaffenen und trotz aller Beschwerden auf- rechterhaltenen Uebelstand abgeholfen, daß die Aermsten der Armen die Mietzinssteuer zunächst von ihren kargen Unterstützungen zahlen mußten, um erst nach Monaten die Betröge zurückerstattet zu er- halten. Da» mecklenburgische Kultusministerium hat auch die rückschritt- lichen Bestimmungen der reaktionären Regierung Brandenstein betr. die äußere Hellighaltung der Sonn- und Festtage aufgehoben. Nach dieser Berordmmg sind künftig Bälle und ähnliche Lustbarkeiten an den Lor«bende» der Sonn- und Festtag« und an den Sonn, und Festtagen selbst allgemein bis 1 Uhr nacht, ge- staktet. Auf Antrag kann die Genehmigung durch die Polizeibehörde bi« 3 Uhr nacht, erfolgen. Oefs entliche Auszüge sind an den Borabenden vor den Sonn- und Festtagen nach den Bestim- mungen der Verfügung bi» 12 Uhr nachts ebenfalls zulässig; auch nach der Kirchzeit, die bis um 11� Uhr vormittags festgesetzt ist, dürfen Umzüge und musikalische Veranstaltungen abgehalten werden. Die Angehörigen des gesamten Gastwirts-Saalbetriebes und Musiker- beruses kämpften unter der alten Regierung vergeblich um die Be- seitigung dieser Verbote. Keine Gemeinschaft mit Muflolini! Ablehnung des Smpfangs italienischer Offiziere. Paris, Z. August.(Eigener Drahtbericht.) Wie der„Eorriere degli Italiani" berichtet, meldet dos faschistische Hauptorgan..Vcpolo d'Jtalia" mit Entrüstung, daß der Bürgermeister ver französischen Kriegzyafenstadt Brest eine wirkungsvolle DemonstnNiön gegen Mussolini veranstaltet hat. Als nämlich dieser Tag« zwei italienische Kreuzer den Hasen von Brest anliefen, machten die Ossiziere die üblichen Besuche bei den französischen Behörden. Sie wollten, gemäß der ständigen Uebung, auch dem Bürgermeister ihr« Auf» Wartung machen. Unser Genosse lehnte jedoch dtesen Besuch ab, da er die Vertreter eine» solchen Regime», wie es gegenwärtig über Italien ausgeübt wird, nicht, empfangen könne. Selbstverständlich richtete sich diese Kundgebung nicht gegen die Personen der Offiziere, noch gegen Italien, sondern nur gegen das Jaschistenregime Mussolinis und so wird sse auch vom„Popolo d'Jtalia" aufgefaßt und verstanden.— Der„Eorriere degli Italiani" beglückwünscht den sozialistischen Bürgermeister zu seiner Haltung im Namen oll derer. die am Recht und an der Zivilisation festhalten. Unü öem Marokkosultan ebenso! pari». 3. August.(Eigener Drahtbericht.) Der Sultan von Marokko hat am Dienstag mit seiner Begleitung Pari» verlassen, um über Bordeaux nach Marokko zurückzukehren. In Bordeaux sollte ein feierlicher Empfang stattfinden. Die sozialistische Stadtverwaltung hat sich aber geweigert, den Sultan offiziell zu empfangen. Da sie infolgedessen städtische Räumlich- keilen zum Empfang nicht zur Versügung stellte, wurde nur«in Bankett in einem Privathäuse abgehalten, das mehrere Großindustrielle, die an Geschäften in Marokko tnteresftert sind, zu Ehren de» Sullan» veranstalteten. Der polnische parlamentskonflikt. Senat gegen Sejmbeschliisse. kvarfchou, 3. August.(OE.) Zwischen Sejm und Senat ist ein Konflikt entstanden, weil der Sejm bei der Verfassungsänderung den Zusah de» Senat» zu Art. 44(über den Erlaß van Gesetz- detreten) a b g e le h n t hat; daraufhin erklärt der Senat den ganzen Artikel syr hinfällig. Diese Auslegung lehnt der Sejm ab. da seine Schlußabstimmung die Frage erledigt habe. Der Sejm ist in die Ferien gegangen, der Senat will am Donnerstag nochmals Stellung nehmen, Es wird erwartet, daß der S t a a t» p r ä s i d e n t durch Verkündigung der Gesetzesvorlagen über den Protest des Senat» hinweggehen wird. GeVseMastsbewesung CinzelhanSel, Umsatz unü Angestellte. Eine Statistik des Textileinzelhandels. Der Einzelhcindel bemühl sich bekanntlich nnt aller Energie, einen Abbau der Löhne und Gehälter seiner Angestellten zu erreichen. Gerade zur rechten Zeit kommt der Reichsbund desTextil- e i nz e l h a n d e l s mit einer Statistik, die auf Grund einer Umfrage zusamcngestellt ist. Der Wert der Statistik wird zwar da- durch erheblich geschmälert, daß nur eine verhältnismäßig g e- ringe Zahl von Betrieben die Umfrage beantwortet hat. Es handelt sich um Feststellung der Umsätze und der U n k o st e n. Nur 227 Firmen haben Angaben über Umsätze gemacht, nur 182 beantworten die Anfrage wegen der U n k o st e n. Trotzdem lassen sich gewisse Schlüsse schon aus diesen wenigen Zahlen ziehen. Die Statistik unterscheidet fünf Betriebsgrößen nach der Zahl der Angestellten<0 bis 5 Angestellte. 6 bis 20, 20 bis 80, 80 bis 400, über 400). Nur in den mittleren Geschäften ist gegenüber lölZ eine starke Vermehrung des Personalbestandes zu verzeichnen, in den aber mit über 400 Beschäftigten eine Verringerung. Um die richtigen Schlußfolgerungen aus diesen Zahlen ziehen zu können, wäre notwendig, festzustellen, wieviel von der erhöhten Angestelltenzahl auf die Leitung, d- h. auf die außerhalb des Tarifs stehenden Angestellten entfällt. Ueber das Verhältnis der Unkosten zum Umsatz unterrichtet die nachfolgende Zusammen- stellung: Betriebsart lZabl der Angestellten) 0-5 6—20 20—80 SO— 400 über 400 Unkosten in Prozenten des Umsatzes 1013 ,924 ,920 14,0 17.8 20.5 22,0 24.7 16.3 17,4 19.0 21,2 20.0 17.2 19.2 2l.S 24,0 28,0 Der Wert dieser Tabelle ist deshalb sehr gering, weil der Be- griff„U n k o st e n" nicht definiert ist. Aber eins steht trotzdem fest: daß der Anteil des einzelnen Angestellten an der Unkosten- quote gesunken ist, denn die Steigerung der Angcstellten.zahl bedeutet, daß der Zlnteil des einzelnen Angestellten an der Unkosten- quote sich verringert. Wenn der Einzelhandel über Unkostensteigening sich beschwert, so liegt das zum Teil an der nicht vollen Ausnutzung der U m s a tz m ö g I i ch k e i t e n� Der Einzelhandel ist zwar theoretisch von der Notwendigkeit der Stärkung des Inlandsmarktes überzeugt. Olber wenn er durch Stärkung der Kaufkraft init chilsc höherer Löhne, seine Theorien in die Praxis umsetzen soll, dann vcr- sagt er. Die höheren Löhne sollen die anderen zahlen, die höheren Umsätze aber will er erzielen. Do jeder Wirtschaftszweig dasselbe Lied singt, kommt natürlich die Disharmonie in der Wirt- jchaft heraus. Die Krise wird zur Dauerkrise. Zur üie erwerbslose �ugenü. Ihre Ausbildung und Unterstützung ist notwendig. Auf Veranlassung des Deutschen Städtetages fand am Man- tag eine Besprechung über die schon aus der ArbeitsbeschafsungZ- konserenz angeschn me wichtige Frage der Fort- und Aus- bildung der jugendlichen Erwerbslosen statt. An der Besprechung, die unter dem Vorsitz Dr. M e m e l s d o r s s vom Deutschen Städtetag erfolgte, nahmen von der Reichsregierung das' Reichsärbeitsministerium und die Rcichsarbcitsverwaltung, von der preußischen Regierung das Wohlfahrts- und Handelsministerium und von der sächsischen Regierung ebenfalls zwei Vertreter teil. Von den Städten waren vertreten: Berlin, Breslau, Dresden, Essen und Düsseldorf. Mit erschreckender Deutlichkeit wurde in der Aussprache der unhaltbare Zustand sichtbar, daß zurzeit in der Frage der Fort- und Ausbildung der jugendlichen Eriverbslojen ein völliges Durcheinander herrscht. In dieser für das Schicksal des deutschen Arbeiternachwuchses so überaus bedeutsamen Frage geht im Augenblick alles drunter und drüber. Da und dort wird herum- experimentiert: die meisten Kommunen tappen im dunkeln. Es fehlt überall die einheitliche Linie. Von ollen Seiten wurde in der Besprechung anerkannt, daß mit Beschleunigung in der Fort- und Ausbildung der jugendlichen Arbeitslosen klare Verhältnisse und solide finanzielle Grundlagen geschaffen werden müssen. Die allgemeine Ausfassung ging dahin, daß das Reich für die Fortbildung mehr Mittel zur Der- fügung stellen muß und die bisherigen Fortbildungsbestimmungen von Grund auf zu ändern sind. Vor allem sollen, wie auch vom Reichsärbeitsministerium anerkannt wurde, die jugendlichen Erwerbslosen im Alter von 14 bis 16 Jahren, d. h. die Schulent- lassenen, die keine Arbeit fanden, zur Fortbildung heran- gezogen werden. Bisher gab das Reich für die Fortbildung dieser Erwcrbslosenschicht keine Mittel. Darüber hinaus wurde vom Städtetag die Forderung befürwortet, den jugendlichen Erwerbs- losen im Alter von 14 bis 16 Jahren bei Teilnahme an der Fort- bildung, di» im wesentlichen in theoretischer Ausbildung, praktischer Arbeit auf den Wcrkplätzen und in Sportbetätigung bestehen soll, auch Erwcrbslosenuntcrstützung zukommen zu lassen. Vom Reichsärbeitsministerium wurden gegenüber dieser Forderung finanzielle Bedenken geltend gemacht. Soll aus der Fort- und Ausbildung der jugendlichen Erwerbs- losen etwas Vernünftiges werden, dann darf man nicht aus halbem Wege stehen bleiben. Wenn die jugendlichen Erwerbslosen von 14 bis 16 Jahren zu Notstandsarbeitcn herangezogen und tariflich entlohnt werden, warum sollen sie dann auf einmal, wenn sie arbeitslos werden und sich an der Fortbildung beteiligen, ihren Angehörigen auf dpr Tasche liegen? Man muß ihnen ein Entgelt geben. Gerade bei der Fort- und Ausbildung der pigendlichen Er- wetbslose» bringen die aufgewendeten Mittel in den meisten Fällen hundertsältige Frucht. Immer noch 41 700 arbeitslose Ruhrbergarbeitcr. Düsseldorf..8. August.(Mtb.) Ueber Arbcitsmarkt und Wirt- schastslage in der Rheinprovinz berichtet das Landesarbeitsamt: Mitte Juli wurden im Ruhrkohlenbergbau 41 700 arbeitsuchende Bergarbeiter gezählt, wovon 37 100 Erwerbslosenunterftützung be- zogen. Der Ruhrkohlenbergbau hat während des englischen Berg- crbeiterstreiks einige Absatzgebiete gewonnen, doch bleibt obzuwarren, wie er den nach Beendigung des Streiks zu erwartenden Gegen- angriff der englischen Kohle aushält. Arbcitercinstellungen im Ruhrbergbau? Essen. 3. August.(Eigener Drohtbericht.) Infolge des durch den verstärkten Abbruch bewirkten Sortemangels auf dem Ruhrkohlen- markt Hot jetzt auch die seit fast zwei Jahren geradezu unverkäuflich« Feinkohl« wieder Absatz gefunden. Die Abnehmer sind wegen der bekannten Verhältnisse auf dem Kohlenmarkt weniger wählerisch ge- worden, so daß, um der mit Beginn der vorgerückten Jahreszeit ein- gesetzten stärkeren Nachfrage zu genügen, zur Eindeckung des Winter- bedarfs jetzt auch mit weniger gangbaren Kohlensorten vorlieb ge- Nammen wird. Die Forderung km Ruhrkohlengebiet dürste nach den vorliegenden Aufträgen auch im laufenden Monat eine die Vor- jahresmenge erheblich übersteigende Ziffer erreichen. Ein« Reih« von Zechen wird in der nächsten Zeit wieder Arbeiterneuein- st e l l u n g e n vornehmen._ Für die rheinisch westsälischen Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke ist der vor kurzem gefällte Schiedsspruch vom Reichsarbeits- Ministerium mit der Begründung für verbindlich erklärt worden, daß die Austragung des Streits den Parteien nicht über- lassen bleiben dürfte, da der Fortgang gemeinnötiger Betriebe in Frage stehe. Der Streik der Hafenarbeiter von Libau ist durch eine Verein- barung beigelegt worden. Er hat sechs Wochen gedauert. z-gendsnisve des ZdA. Heute, Mittwoch, abends 7>4 Uhr, finden folgende Beranftaltungen statt: Lichtenberg: Jugendheim Schule(Sojjlctftr. 61, Mi>- aliederversaminlung.— Reukölln: Jugendheim Rogatste. 5Z, Vortrag:„Der der Gewerkschaften gegen den Aiieg".— Wcdding Tesundvruunen. Jugendheim Echönsicdtcr Sir. 1(Ledigenheim), 5 St., Gruppenbcsprechung.— Eharlaltenburg: Jugendheim Ronnenstr. 4, Gruppenbesprechung.... Freie Sewerkfchaftsjugend. Heul«, Mittwoch, den 4. August, abend» 7>4 Uhr. tagen die Gruppen: Reukölln I: Jugendheim Bergftr. US. Hof, Ann. kriegsabend.— Schöneberg: Jugendheim Rubensstrastc tEportpwll).— Südwesten: Jugendheim Biirwaldstr. 64, Heimb-sprechung.— Norden: Jugend. heim Gartenplah 4, Heimbcsprechunq. Antikriegsabend.— Rordring: Iuoen». heim ikberswolder Str. 16, Heimbefprcchung und Liederabend.— Shar.otten. bürg: Jugendheim Berliner Etr. 137(Dtfch. Kranlcnkasscnvcrb-nd), Seim. bcfprechung, Löns-Abend.— Die Gruppen Landsberger Plah. ,,:-ukfu-ter Alle« und Ritte treffen sich zum Spielen im Friedrichshain, Ma« 4.— Gruppe Lichtenberg spielt jeden Mittwoch im Treptower Park, Wiese l. Die Gruppen Wedding und Srsnndbrunnen spielen gemeinsam im Schillerpork, SchMerwiese. Deutsch« Industriewerke-nd Abteilung v, Kraftwerke. Alle SPD,.| j Genossen treffen sich am Donnerstag, den 5. August, nachmittags g 414 Uhr, im Kasino, Berliner chaussre. Wichtige Tagesordnung, Parteimitglicdsduch ist milzubringen. 3>»A.-B«,irk»»crlammluna«n am Donnerstag, den S. August. Lichtenberg, Fricdrichosclde, Stralau, Rummelsburq. Berlin v. 112: Restaurant„3um kleinen Heidelberger", Solteistr, 10, Ecke Wllhlischstrahe. Beginn 8 Uhr. ..Politisches— Unpolitisches." Vortragender Theo Mart.— Rotdoften: Union. Fektsäle. Grcifswaldrr Etr. 222. Beginn 8 Uhr...Der geistige Arbeiter und der Eewerlfchaftsoedoiite." Referent Äollcae Dr. Frih Pfirrmonn.— Echo»- h-nser Vorstadt: Schönhauser Festlüle. Schönhauser Alle- 129. Beginn 8 Uhr. ..Die Weber"»on(Serhart Hauptmann, Vortragender Pastor Franke.— Tempelhos. Raricndors, Warienfelde, Lichtenrade: Restaurant Ringler. Tempel- Hof. Berliner Str. t«0, Beginn 8 Uhr.„Streiwige durch Enatand, Frank- reich und Sovand," Referent Kollege Bruno Lache.— S.cgli*. Lankwih. Südende Lichterfelde, Zehlendors, Schlachtensce. Dahlem: Restaurant Albrecht». hol. Stcqlig. Albrechlstr. 1-, Beginn 8(4 Uhr.„50 Jahre Freud und Leib eine» Agitators," Refcrent Stadtverordneier Adolf Sofsmann,— Süden- Südwesten: Restaurant Göbrl, Tempelhofer Ufer 6. Beginn 8 Uhr...Arbeiter- dichtung." Vortragender Kollege Franz Lcpinsku.— Siidosten-Treptow: Grünauer Garten. Grünauer Str. 14. Beginn 8 Uhr. Lichtbildervortrag: „Eine Wanderung durch das Rieirngedirge." Referent Kollege Erich Bredow. — Tegel, Tegelort, Borfigwalde. Heiligensee: Restaurant Fechner. Tegel. Bahn- bofsir. 12, Ecke Berliner Strohe., Beginn 8 Uhr.„Humoriitisches ans AI,. Berlin." Vortragender Kollece Georg Seilbriinn.— Weddiag-Gefunb. brunnen: Geimama-Feftsgle. Chousteestr. 110, Beginn 8 Uhr.„Bon Glast. brrnner bis Wcinert." Vortragender Rodert Keller. Verband der Gemeinde, und Staatsarbeiter, Filiale Groh. Berlin. Frei. tag. den 6. August, abends 6 Uhr. im Saal 4 des Gewerlschgflehauscs. Engel- ufe? 24—25, ordentliche Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Bericht vom 2. Quartal 1926:»> Eelchäflsdericht. b) Kastenberich,, ,c) Bericht der Reniforrn. 2. Wabi von Angel, elllen. Z. Erfahwahl zur Ortsnerioaltung. 4. Berbands- onoeleaenheiteii. Bollzfihliges und pünktliches Erscheinen notwendig. Ohne Mitgliedsbuch und Delegiertenkarte kein Jutritt. Die Orisoerwoltung. Berkehrsbund, Abt. cl mheiidohner. Sonnabend, den 7. August. Dampfer- fahrt nach Ziegenhalo. Abfahrt 8 Uhr früh Waesenbrücke. Reederei Lang. iparth 11. Schmolle. Brei» 1,50 M. Kinder bis l4 Jahre frei. Korten sind noch erhültlich bei den Bertrauenslcuien und im Bureau, Engelufcr 24— 2Z, parterre. Zimmer 4 und 2 Treppen, Zimmer 42. Bcraniwortlich für Politik: Dr. Cur, Geyer; Wirtschaft:«rwr Satcrnu»: Eewcrtschastsbcwegung: I. Steiner: Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lokales und Sonstiges: Frih»arstädt: Anzeigen: Th. Glocke: sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts. Verlag G.m.b.H., Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerei und Bcrlagsanstalt Paul Singer u. Eo. Berlin EW 68. Lindcnstrahe 3. Hierzu 1 Beilage und„Unterhaltung und Wiste»". \ Hairxt Eine Veranstaltung im Erdgeschoss Wir bringen eine Riesenauswahl Waren alier Art zu vier Einheitspreisen, unserer Heuser nach neuartiger Verkaufsmethode. jeder Artikel ein Schlager. die derart billig sind, dass (uminimiMiiiiuiiiiiiiniHiiiiimmmiiiiuiiwniiniiiuiMiiimiiiiHiiii Hcngenabgabe vorbehalten luniuiiiiiuiiimiifiiHuiiiiMiiMiiiiiiiitiill lllllllllll iillill aus pestioiftem Zephir T räserhemden de\\lfhem.Hera. 95pf. 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I Tortenheber"r�"er� 1 90 U oö.lloasa.Uaüo imit.eg birge fahren, um hier ihren gesungen Körper noch gesünder zn ge< stalten. Die eigentlich Erholungsbedürstigen aber mußten daheim bleiben, denn sie hotten weder Verbindungen noch Mittel. Ihre Er- bolung bot sich auf staubigen, vom Verkehr durchrasten und von (Befahren umlauerten Straßen und auf engen Hinterhöfen. Fürsorge üer Staöt. Hier Milderung oder gar Abhilfe zu schassen, war von jeher Ausgabe aller jugendpflegerisch tätigen Kreise und insbesondere der Kommune. Auch die Stadt verlin hat seit öohren die Erholung». sürsorge eifrig gefördert. Verschickung von Kindern aus das Land oder in Kinderheime ergaben oft prächtige Resultate bei den Kindern. die hier sechs Wochen lang nur der Pslege ihres Körpers und ihres Geistes leben durften. Aber wie die Anschauung lehrt, ist diese jugendpflegerischc Arbeit längst noch nicht ausreichend genug, um allen Bedürftigen Hilfe zuteil werden zu, lassen. lZmmcr wieder kommt von den Proletarierbezirten Berlins die Mitteilung, daß van den nrehr als 25 Proz. dringend erholungsbedürftigen Kindern kaum ein Drittel bei der eigentlichen Erholüngsverschickung VerüSfichtigung finden kann. Den übrigen soll in anderer Weise geholfen werden. Zll» Ergänzung zur Verschickung hat die Stadt Verlin bereit» vor Jahren rund um den engeren Großstadtbezirk herum eine Reihe non Außenspiclplätzen angelegt, die während der�serienzeit den Kindern der Aermften zur Erholung dienen. Die Spielplätze sind zum Teil gut gelegen im Walde, wie Pferdebucht, Iungsernheide. Grüne» rvald und Plänterwald, oder mit Waldflächcn verbunden, wie Tegel, Buch, Wuhlheide und Wortenberg. Nicht alle aber genügen unbe- dmgt den�Anspriichen, die zur Erholung Vorbedingung sein müßten. So der Spielplatz Hohenschönhausen, der den Kindern im Sonnen- brand keinen«chütz bietet und so zu einem unerträglichen Ausenthalt wird. An guten Tagen sind die vorhandenen lZ Spielplätze in». gesamt von rund 22 000 Kindern besucht, die dort draußen unter Auf. ficht von ausgebildeteten Helfern 10 Stunden ihres Togeslaufs ver- bringen. vom Leben dort üraußen. Hier auf den Plätzen herrscht munteres Leben. Vorerst gibt es morgens noch Ankunft der einzelnen Trupps einen Frühtrunk bzw. eine Morgensuppe. Dann wird gespielt. Aus manchen Spielplätzen bietet sich jetzt auch die Gelegenheit, wie z. B. im neuen Bolkspark Wuhlheide, daß die �ruppen sich abwechselnd in den vorhandenen Planschbecken tummeln. Mittags wird ein kräftiges Mittagessen ver. abreicht, und nachmittags gibt es noch einmal Kafsee und Brötchen. In den Zwischenzeiten aber— sofern nicht für kurze Zeit ausdrück- lich absolute Ruhe vorgeschrieben ist— geht der Spielbetrieb un- unterbrochen fort. In einer Ecke finden wir für die ganz Zkleinen— denn bereits Vier- und Fünfjährige trifft man hier schon an— einen guten Buddelplatz. Der Sand braucht nicht dauernd aufgefüllt wer- den wie in der Stadt, er geht hier nie aus. Dort hat sich eine Helferin eine Schar kleiner Mädels gegriffen und übt mit ihnen Kreisspiele. Manch kleiner Junge steht sehnsüchtigen Herzens von fern«, ober seine— Jungenehre verbietet ihm hier dos Mitspielen. Die Größeren aber spielen mit Vorliebe Faust, oder Völkerball. Da» sind heutzutage die Universalspiele der älteren Groß-Verllner Jugend. Hier und dort findet man sogar kleine Gruppen bei gymnastischen Die Speisung der Kladerschar Hebungen. Auch das gehört.zum— diesmal guten— Zug der Zest. Selbst an Regentagen, die ja auch während dieser Ferien nicht selten sind, müssen es die Helfer verstehen, ihre Schützlinge zu be- schäftigen. Die Unentwegten lassen sich vom Wetter nicht abschrecken. Da setzt man sich eben im Schutz der Holle im kleinen Kreise zusammen und erzählt dies und das. Manches Gute kann man dabei aus Kindermund erfahren. Auch wird viel gesungen, und wenn gar ein Helser seine Laute mitgebracht hat. oergehen die Stunden viel zu schnell. Helferinnen und helser rekrutieren sich zumeist au» den Kreisen der Zunglehrerschast und der Jugendbewegung. Manchmal dürste dos jugendliche Moment noch mehr Berücksichtigung finden, dach sind in den letzten Iahren Beschwerden ständig zurückgegangen. Trotz der weiten Flächen, die hier zur Verfügung stehen, werden die Spielplätze noch längst nicht genügend ausgenutzt,«schuld daran mag teilweise die Wirtschaftslage der Eltern sein, die oft ihren Kin- der» nicht die geringen Beiträge mitgeben können. Sa sind denn auch in diesem Jahre schon etwa KS Vroz� der anwesenden Kinder von allen Zahlungen befreit. Daß diese Spiele noch dringend des Ausbaues bedürfen, beweist der Airsturm nach Freikarten, z. B. im Bezirk Friedrichshain. Die Karten waren hier viel zu schnell ver- grisfen. Das Jugendamt Friedrichshain sah sich deshalb gezwungen, aus eigenem heraus noch auf dem Spielplatz im Friedrichshain Innenspiele einzurichten, die im gleichen Sinne ihren Verlauf finden. Zwecke unü Ziele. lieber Zwck und Ziel der Außenspiele läßt sich manche» sagen. Geboren aus der Not der Großstadt, die die Kommune zur unbe- dingten Hilfeleistung verpflichtet, ist diese Tätigkeit eine qute Ergänzung zu der Candverschickung und der Erholungspslege. Gesund- heitiiche Werte durch den ständigen Aufenthalt in Sonne und frischer Luft lassen sich in vielfachem Maße seststellen. Daneben aber findet das rein gesundheitliche Moment noch treffliche Ergänzung durch die sportliche Durchblldung de» Körpers in der Hauptsache für die Aelteren. Da man es schließlich verstanden hat, eine gute Helfer- schar heranzuziehen, werden den Kindern aber auch gute geistige Werte mit auf den Weg gegeben. Denn die Einwirkung eines guten Lehrers oder einer guten Lehrerin kann oft für den Lcbenswea des Kindes entscheidend werden. Leider ist in dieser Hinsicht das Zusammensein zu kurz, um dauernde Früchte zu zeitigen. Aber auch das wenige, das bleibt, kann für die Zukunft wichtig sein. Immer wird man durch das tägliche Zusammenleben den keim zu einem guten Gemeinschaftssinn in die Kindesseele pflanzen, man muß nur selbst Gemeinschastsmensch sein wollen. Andere aber sollten sich fiir diese Arbeit nicht bereitsinden. * Es ist zu wünschen, daß die hier eingeleitete jugendpflcgerische Arbeit für die Zukunft einen weiteren Ausbau erfährt. Auch während Die Kigurantin. Roman eines Dienstmädchens von Leon 5rapie. Autorisiert« Uebersetzung aus dem Französischen von Kunde-Grazia. 1J 1. Auf dem Bahnhof Saint-Lozore wurde der Koffer Sulettes am Boden geschleift gestürzt, gegen die Estenpfeiler gestoßen; dann lud ihn ein Gepäckträger auf die Schulter, schritt bis aufs äußerste Trottoir und ließ ihn dort mit heftigem Ruck herab, bevor er ihn brutal in die Droschke schleuderte. Jede Erschütterung entlockte dem Koffer sozusagen ein lautes Stöhnen, das nicht ohne Eindruck auf Sulettc blieb. Als Dienstnyidchen nach Paris engagiert, kam sie direkt aus ihrer Heimat, und dieses Gepäck war alles, was an Teurem, Persönlichem, Familiärem sie begleitete. Ihre Herrin, Frau Coton, stieg vor ihr, nach Angabe der Adresse: Rue Soint-Denis, in die Droschke. Es war im Juni, ein schöner, sonniger Tag. Eben schlug's elf. Sofort zogen die weißen Schürzen, wodurch die Dienstmädchen im Farbengewirr der Straße erkenntlich. Su- lettes Blicke besonders auf sich. Die einen begleiteten mit Einkaufsnetzen ihre Herrinnen, andere näherten sich den Ge- schäften oder standen vor den Wagen der Grünwarenhändler. Auf der Rue Auber zeigte sich eine zum Skelett Abgemagerte. die mit Anstrengung eine Frau von riesigen Körpersormen führte. Der Arm der kolossalen Gebieterin, der das hagere Mädchen wie angeschraubt umschloß, schien der Schlauch zu sein, durch den der fleischige Körper so wacker gepumpt und den vegetierenden ausgesogen hatte. Der Portier trug den Koffer hinauf. Frau Coton wies Sulette an:„Hier ist Ihre Kammer." Die sogenannte Kammer war nur ein dunkles Gelaß, das Luft durch eine Oeffnung nach der Küche empfing: eiserne Bettstelle und weißer Holztisch auf der einen Seite bildeten die Möbel. Der Portier fügte den Reisekoffer hinzu, den er mit einem Fußstoß an die Wand drängte. Herr Coton und drei Kinder waren herbeigestürzt, das neue Mädchen anzusehen: sie inspizierten genau die magere Brünette mit ihren achtzehn Iahren. der gesunden Gesichts- färbe, dem schwarz und weiß gestreiften Kleid. Sulette hotte �.Guten Tag" gesagt: man erwiderte nichts, und sie blieb am Eingang festgewurzelt stehen, indem sie versuchte, das nicht gewürdigte Angebot ihrer Höflichkeit unbeholfen auszudehnen. Frau Coton hätte ihren Hut in ein Zimmer, dessen Ele- ganz ein Klavier erhöhte, geschafft. Sie kehrte zu Sulette zurück. „Gehen Sie in die Küche und verlieren Sie keine Zeit," fuhr sie dieselbe unfreundlich an..Rehmen Sie ein« blaue Schürze und machen Sie Feuer." Fünf Minuten später ein anderer Befehl:„Kommen Sie her und sehen Sie sich an, wo Bürsten und Besen ihren Ort haben." Die Familie Coton bewohnte im dritten Stock, nach dem Hofe, eine Wohnung für achthundert Franken: dieselbe ent- hielt: Speisesaal, Salon, zwei Schlafzimmer, einen schmalen Gang als Küche, schließlich den finsteren, Mädchenkammer ge- nannten Raum. Die Möbel der Schlafzimmer und des Speisesaales aus imitiertem Mahagoni verrieten fast Ar- mut. Der ganze Luxus dieser Einrichtung konzentrierte sich im Salon, wo das Piano der gnädigen Frau, von vier mit gelbdamastenem Atlas überzogenen Fauteuils und einem Kanapee flankiert, thronte. Herausfordernde Gardinen, Kon- salen, ein Tisch, protzerische Sessel, eine Menge kostspieliger Nippsachen bildeten ferner eine Zusammenstellung, die in einer Wohnung von mehreren tausend Franken nicht unpassend gewesen wäre. Herr Coton, ein Kahlkops von fünfunddreißig Jahren. trug eine Brille auf einer großen, verhungert und erfroren aussehenden Nase: am Kinn sproßte der Bart wie krankes Moos. Frau Coton hatte schöne Augen in ihrem langen und eingefallenen, nervösen Blondinengesicht. Die neun Jahre alte Germaine ähnelte mit dem mageren, blassen Aeußeren ihrer Mutter. Der fünfjährige Jacques schien sich trotz kläglicher Waden einer guten Gesundheit zu erfreuen. In Anbetracht seiner drei Jahre war der Kopf Friedrichs zu groß. Sulette erfuhr, daß sie um sechs aufzustehen und frühe- stens zehn Uhr abends schlafen zu gehen habe,„wenn die Ar- beit fertig wäre". Sie mußte alles besorgen. Dies„alles" bestand ohne Angabe von Einzelheiten, besonders in Sauber- halten der Wohnung, Kleider ausbürsten und Flecken besei- tigen, Schuhe putzen, Bereiten der Mahlzeiten, Aufwarten bei Tische. Kinder pflegen und spazieren führen, im Waschen und Ausbessern des Weißzeugs, Bohnern des Parketts, Einkäufe besorgen. Nach dem Frühstück am Tage der Ankunft führten der fjerr, die Frau und die drei Kinder Sulette von Zimmer zu Zimmer: alle zusammen gaben ihr um die Wette Arbeit an, zogen sie. hefteten sich an sie, und, um sicher zu sein, alle nur mögliche Dienstleistung aus dem Mädchen herauszupressen, suchte jedes von rechts und links einen Auftrag der ersten Aufzählung hinzuzufügen: in diesem Zimmer war noch Kupfergeschirr imstande zu erhalten, im Speisesaal war die Ampel, die viel Fürsorge verlangte, in jener Stube durften weder das Holzgetäfel, noch die Spiegel vergessen werden— und im Salon! Aufmerksamkeit im Salon! Schon der Name des Raumes muhte mit einem Akzent von besonderer Wich- tigkeit ausgesprochen werden:„der Salon"! Ferner gehörte das Dienstmädchen speziell dem Herrn für die Arbeit im Keller, der Frau für den Putztisch, Germaine für deren schon lange Zöpfe, dem Jacques für seine Hosen: Friedrich wies sein Nachtgeschirr. „Es klingelt!" rief plötzlich Frau Coton.„Schnell, binden Sie die weiße Spitzenschürze vor und öffnen Sie— lassen Sie in den Salon eintreten." Der Besucher war der Kassenbote eines Kreditkaufhauses. Frau Coton warf einen bedeutsamen Blick ihrem Gatten zu und sagte von oben herab: „Es ist ein Bote von der Bank da wegen deiner Börsen- operationen!" Dann wendete sie sich ungeduldig zu Sulette: „Aber beeilen Sie sich doch, diese Schürze abzubinden. Man muß mit der Wäsche sparen. Sie behalten die Schürze niemals um, nehmen sie nur beim Oeffnen und, wenn man Sie ruft, beim Hereinkommen in den Salon oder Speisesaal." Noch etwas Regelwidriges, zu Selbstsüchtiges verletzte sie: „Ach," brach sie beinahe heftig los,„Sie glauben doch nicht, daß man Sie Sulette nennen wird? Man wird Sie Marie rufen, so heißen alle Dienstmädchen!" Gegen sechs Uhr setzte die Gnädige ein« feierliche Miene auf:„Tragen Sie ein schickliches Benehmen zur Schau und holen Sie für zwei Sous Butter: nehmen Sie einen Korb." Sulette beeilte sich, den Erfolg ihres„schicklichen Be- nehmen»" in den Schaufenstern zu bewundern. Die Gemüsehändlerin rief mit erhobenen Armen aus: „Zwei Sous Butter! Ach. Sie sind also bei Frau Coton! In der ersten Stelle? Sie haben's gut getroffen!" Sie warf Papier auf die Wage und fuhr in bissigem Tone fort:„So steht die Sache: Frau Coton verdient als Klavier- lehrerin vielleicht sechshundert Franken jährlich, ihr Mann muß zweitausendvierhundert der Postbehärde abknöpfen: drei Kinder sind da, und man lebt auf großem Fuße. Madame würde sich in ihrer Ehre geschädigt vorkommen, wenn sie in der Wirtschaft zugriffe, und Sie haben Spitzen an der Schürze: auch schickt man für zwei Sous Dutter abschaben." (Fortsetzung folgt.) h« Schulzeit müßte es den Kindern gestattet sein, auf gleiche Ärf zusammen zu leben. Und wichtig ist, daß man zur Wertung dieser Arbeit nicht den bureaumähigen Verlauf und Erfolg ins Treffen führt, sondern einzig das frohe Lebensgefühl im Kinde zur Nicht- schnür nimmt, da, in unserer Zeit der Not und Entbehrung Immer wieder geweckt>md zu neuen Höhen geleitet werden muß. Opernhausumbau. Wer in der Zeitung etwas über den beabsichtigten Umbau der clten Staatsoper las, oder sich gar die Mühe nahm, den reichlich unklaren Kunststreit über das Vorhaben der Baubehörde zu verfolgen, der vermochte sich wohl nur'chwer«ine Vorstellung von den Aus- maßen dieses Projekts zu machen. Am wenigsten begriff man, wozu man für bloße Anbauten links und rechts— und davon war doch allein die Rede— die stattliche Summe von einer Million benötigte. Die Wirklichkeit ging rasch über jeden Einspruch hinweg, und was geschehen mußte, das vollzog sich mit Rücksicht auf die Rot- wendigtcit baldiger Wiedereröffnung mit bemerkenswerter Eile. Schon ist der Abbruch beendet und der Ausbau kann beginnen. Ja, die Wirtlichkeit übertraf nach mancher Hinsicht die Erwartung, nun weiß man, weshalb und wozu man die Million brauchte: es ist alles gefallen, was zwischen Zuschauerraum und den Räumen hinter der Bühne stand, wie ein Turmbau ragt die gewaltige Schnürboden- erhöhung enipor, tief unter sich den Ausschnitt der Bühne lassend und diese selbst dem Blick erschließend. Wären nicht aus der einen Seite schürende Bretter und aus der anderen der eiserne Vorhang, man könnte in den wunderschönen, von Rotokolust gesättigten Zu. schauerraum hineingucken. Es ist gefallen, was eine spätere Zeit im Stile des Alten rück- wärts anbaute— wobei man es nicht vergessen hatte, zu den ungefähr sechzig Figuren der näheren Umgebung noch neue zu gesellen— und auch diese lyra- und blumengeschmllckten mythologischen Gestalten mußten ihren Stand aus der kleinen Säulengalerie oerlassen. Zwischen Bühne und Hedwigskirche ist ein weiter Psatz, von dem noch der Schutt entfernt wird, und ein Anblick sesselt besonder»: die beiden Schriften, die übereinander die Aufenthaltsräume für Thor- längerinnen und Tänzerinnen bezeichneten, zwei verschiedenen Stock- werken angehörend. Man erschrickt fast, bemerkt man, wie nieder und eng diese Räume gewesen sein müssen, und man begreift die Notwendigkeit eines Neubaues, verfolgt man an den Ueberreften, den Verbindungen mit der stehen gebliebenen Mauer die gefahrvolle Kleinheit und Kleinlichkeit dieser Arbeitsstätten. Und wendet man sich rückwärts, dann fällt einem noch etwas auf: wie wenig die Fassade der Hedwigskirche auf dem freien Platz zu wirken weiß. Wir finden es aufs neue bestätigt, daß gerade feine Kunstwerke eines nicht allzuweiten Rahmens bedürfen. Wir verlassen den Platz, indem wir uns auf dos Reue freuen, wetl es arbeitenden, künstlerisch schafsenden Menschen Schutz und Recht gewähren wird. Und wo solch ein Bedürfnis vorhanden ist, ist e» auch immer einer Lösung leicht gemacht, zu befriedigen. der Kabelbranü im Zerafprechamt Steglitz. Aufnahme des Fernsprechverkehr» in beiden Richtungen. Die Störung im Groß-Berliner Fernsprechverkehr, die am gestrigen Dienstag vormittag durch einen Kabelbrand im Fernsprech- amt Steglitz entstand und durch die die Fernsprechleitungen von Potsdam und Zehlendors nach Berlin, sowie der Betrieb in«nt- gegitstgesetzter Richtung lahmgelegt wurde, konnte noch im Laufe desvgesttigen Nachmittags und des Abends beseitigt werden. Bereit» am Nachmittag war es durch Umschaltungen und Legung von Notleitungen gelungen, den Betrieb zwischen Zehlendorf und Groß- Berlin in beiden Richtungen wieder auszunehmen. Man hofft. daß es auch bis zur Nacht möglich sein wird, die Verbindung zwischen Potsdam und Groß-Berlin, die am empfindlichsten von der Störung betroffen worden ist, wieder herzustellen. Die Ursache de» Kabelbrandes, der im Umschalteraum des Steglitzer Fernsprechamtes, und zwar in dem sogenannten Hilfsamt ausbrach, das dl« Ler- binduna mit den Selbstanschlußämtern Zehlendors und Potsdam her- stellt, ist bisher noch nicht völlig aufgeklärt. Man nimmt an, daß die Isolationen der Leitungen schadhaft geworden sind und auf diese Weise Kurzschluß und den Brand der Kabeln verursacht haben. Königsgcburtstagsfeier der Universität. Die Berliner Universität hat gestern unter republikanischen Farben den Geburtstag ihres Stifters Friedrich Wilhelms III. festlich begangen. In der neuen Aula der Universität versammelten sich die Professoren, die Studentenverbindungen mit ihren Bannern und ehemalige Studenten. Die Aula war sehr schwach besetzt, ein Beweis, daß die größte Anzahl der Studenten von solchen Erinnerungsfesten nicht viel wissen will. Prof. Dr. P o in p e ck i feiert« natürlich in seiner Rede dos Geschlecht der Hohenzollern, die in der Universität eine geistige Kämpserschar heranbilden wollten. Natürlich tonnte Dr. Poinpecki es sich nicht versagen, die Studenten aufzufordern, im Sinne dieser großen Aufgabe, die„von unserem königlichen Stifter� gestellt wurde, weiterzuarbeiten. Der Redner erinnerte dann noch an die große Anstrengung de« Volkes vor 12 Jahren,„an den Kampf um Deutschlands Ehre".„Weil den Truppen der Sieg nicht wurde, müsien die geistigen Kräfte wachgerufen werden." Mit der Geburts- tagsfeier war auch die Verleihung der akademischen « Preise verbunden, wodurch auch die Studenten, die eigentlich nichts von dieser Geburtstagsfeier wissen wollen, gezwungen wurden, der Geschichte beizuwohnen. Keine Thphusepidemie in Döberitz. Gestern wurden Meldungen über den Ausbruch einer Typhus- «pidemie im Lager Döberitz, die ihren Ausgang in dem dort zurzeit untergebrachten Reiterregiment 11 genommen haben sollte, verbreitet. .Dazu erklärt der Kommandant des Truppenübungsplatze» Döberig, daß diese Nachricht in keiner Weise zutrifft. Im ganzen Lager, weder beim Reiterregiment 11 noch bei den anderen zurzeit dort befindlichen Truppenteilen ist kein Typhusfall, geschweige denn eine Epidemie zu verzeichnen. Tatsache ist lediglich, daß bei dem Reiter» regiment 11, al, es vor etwa einer Zd o ch e in der Gegend der Elbe und auf dem Truppenübungsplatz Altengrabow bei Magdeburg übte, einige Typhuserkrankungen sich ereigneten. Die betreffenden Soldaten wurden den nächsten Krankenhäufern zugeführt, und einer von ihnen ist in Burg gestorben. Von der Sanitätsinfpettion wurden sofort umfasiende Vorkehrungen getroffen, um weitere Aus- breitung der Typhusfälle zu verhindern, u. a. wurde auch über das Regiment die U r l a u b» f p« r r e verhängt. In der Nacht vom Freitag zum Sonnabend voriger Doch« traf dann da, Regiment auf dem Truppenübungsplatz Döderitz ein, wo zurzeit die ganze 2. Ka- valleriedivifion zu größeren Uebungen zusammengezogen ist. Auch im Lager hatte man zunächst die notwendigen sanitären Sicherheitsmaß- nahmen getroffen. Da sich jedoch keinerlei weiter« Erkran» kungen gezeigt haben, konnte mit dem gestrigen Dienstag die Urlaubssperre über da» Reiterregiment 11 wieder ausgehoben werden. Weiter aber werden hierzu noch folgende Einzelheiten gemeldet: Di« Typhuserkrankungen beim Reiterregiment 11 scheinen doch umfangreicher zu sein, als es von der Kommandantur de» Truppen- Übungsplatze« Döberig bisher zugegeben worden ist. Wie wir in Er- tänzung von der Nachrichtenstelle der Wehrmachtabteilung erfahren, hoben die Erkrankungen, die bei dem Reiterregiment 11 während der Uebungen in der Gegend der Elbe ausgetreten sind, noch ein zweite» Todesopfer gefordert. Am gestrigen Dienstag ist ein zweiter Reichswehrsoldat gestorben, und zwar in einem Ltzarett in Groß-Berlin. Insgesamt sind vier An- gehSrkge des Regiments am Typhus erkrankt, und zwar noch den Informationen der Nachrichtenstelle unterwegs und nicht im Truppenübungsplatz Döberig selbst. Es wird nochmals be- tont, daß sofort die notigen sanitären Schutzmaß. nahmen ergriffen worden seien und insbesondere das Reiter- regiment 1l von den übrigen im Döberitzer Lager befindlichen Truppen isoliert worden sei. Nach Ansicht des Divisionsarztes der 2. Kavalleriedioision, der für die sanitären Maßnahmen im Döberitzer Lager verantwortlich ist, soll mit einer weiteren Ausbrei- tung der Erkrankungen nicht mehr zu rechnen fein. Die Aufhebung der Urlaubssperre, die nach der Versicherung der Döberitzer Kommandantur bereits erfolgt fein soll, war der Nach- richtenstelle des Reichswehrministerium» noch nicht bekannt, und man hielt eine derartige Maßnahme für k a u m wahrscheinlich. Es ist Sache der Reichswehrbehörden, die Unstimmigkeiten zwischen den Informationen der Kommandantur Döberitz und der zuständigen Stelle des Reichswehrministeriums zu klären. Der Mann mit den Marmorplaiten. Ein raffiniertes Gaunerstück. -Ein raffiniert angelegter Diebstahl, der am 11. Juni im Westen der Stadt verübt wurde, ist von der Kriminalpolizei jetzt aufgeklärt worden. Die beiden Täter wurden festgenommen. An dem bezeichneten Tage klingelte an der Wohnung des rufst- fchen Professors A p a t o f f, der nicht daheim war, ein Mann, der Arbeitende Zugend heraus! Heute, Mittwoch, den 4. August 4926 Fackelzug Treffpunkt: t> Uhr Kleiner Tiergarten, Strom- Ecke Tunnstr. Kundgebung Uhr auf dem Friedrich. Karl- Platz in Eharloitenburg Redner: Felix Fechenbach Zu dieser Veranstaltung rufen auf Sozialist. Arbeiterjugend Groß-Berlin« Lungsozialistische Vereinigung SPD.» Vereinigung sozialdemokrat.Studenten sich der Hausangestellten gegenüber für einen Verwandten des Wohnungsinhabers ausgab, und erklärte, daß er für dielen aus Moskau Briefe mitgebracht habe, die er persönlich überreichen müsse. Auf seine Bitte führte ihn da» Mädchen an den Fern- sprecher, weil er sich angeblich zur Ueberreichung der Briefe sosort mit dem Professor in Verbindung setzen wollte. Die Unterhaltung, die er mit diesem führte, verstand das Mädchen nicht, da sie rufsisch geführt wurde. Roch während des Gespräches klingelte es wieder, und letzt meldete sich«in angeblicher Bote einer �irma, der mit- teilte, daß er für den Professor«in Paket mit Marmor- platten bringe. Er bat das Mädchen, ihm beim Hinausschaffen zu helfen, weil das Paket so schwer sei, daß er es allein nicht tragen könne. Beide Männer entfernten sich dann wieder, nachdem der erste mit dem Professor ein Zusammentreffen in einem Restaurant Unter den Linden oerabredet hatte. Hier wartete Apatoff vergeblich auf seinen„Moskauer Verwandten". Als er dann nach Hause kam, entdeckte er, daß der Besuch die Abwesenheit des Mädchens benutzt hatte, mehrere wertvolle Sachen heimlich einzustecken, darunter eine goldene Glashütter Uhr, ein kostbares von der Firma Lange u. Söhne besonder» hergestelltes Werk mit der Nummer 52 9!U, ein goldene» Zigarettenetui mit der Widmung in russischer Schrift„Er- innerung an Lianosoff 1904" und einen wertvollen Siegelring. Der Bote mit den„Marmorplatten" hatte dem„Verwandten" die Ge- legenheit verschafft, den Diebstahl auszuführen. Sein schweres Paket enchielt nur Ziegelsteine. Nach langen Bemühungen ist es fegt der Kriminalpolizei gelungen, die beiden Gauner hinter Schloß und Riegel zu bringen. Der Dieb ist ein 34 Jahre alter Baron von Kardetzki, der„Empfangschef" in einem Spiel- tlub war. Er wurde in einem Klub ermittelt und festgenommen. Sein Helfershelfer, ein ebenfalls 34 Jahre alter bisher unbescholtener russischer Kaufmann K., wurde noch im letzten Augenblick onf dem Bahnhof erwischt, als er im Begriff stand, nach Paris obzujahren. Beide leugneten erst bayinäckig, legten aber endlich ein Geständnis ab. Sic hatten sich in einem Spielklub kennen- gelernt und dort ihren Plan oerabredet. Die Ehefrau aus Verseheu erschaffen. Mit der Selbstbeschuldigung, seine Ehefrau am Montag nachmittag au» Versehen erschossen zu haben, �stellte sich am Dienstag mittag bei der Polizei in Halle a. S. der Fischer m ei st er Groß mann au» Sumt bei Mühlen- b e ck im Kreise Niederbarnim. Er gab an, daß er im Garten Spatzen schießen wollte und dabei versehentlich seine Frau getroiien habe. Sie sei s o f o r t t o t gewesen. In seiner Bestürzung sei er ratlos umhergeirrt und schließlich mit der Eisenbahn in Hall« angekommen, wo er sich der Behörde zur Verfügung stellte. Von Hall« au» wurde bei der Landeskriminalpolszet in Berlin angefragt, ob von dem Vorfall schon etwa» bekannt sei. Da man hier noch nicht» wußte, so setzte man sich mit der zuständigen Landjägerei in Smni in tfcrffin&ing. Die Rachforschmugen üer dortigen Beamtevt bestätigten die Angaben Großrnanns insofern, als die Frau tat- sächlich tot auf dem Sofa im Wohnzimmer liegend aufgefunden wurde. Im Ort selbst war noch nichts bemerkt worden, weil die Fischerei ziemlich«infam gelegen ist. Kommissar Kießling von der Landeskriminolpolizel begab sich mit mehreren Beamten und dem Lichtbilddienst nach Smnt, un, den Befund festzustellen. Hier- nach werden die Angaben eines Mannes einer Pn'isung unterzogen werden._ fluch ein»Vater*'. Er verkuppelt seine Tochter. Bor der ersten Ferienstraftammer des Landgerichts l hatte sich aus die Berufung des Staatsanwalts ein„Arbeiter" Julius Ickert zum zweiten Male unter der Anklage der Kuppelei und Zuhälterei zu verantworten. Diese Anklage war auf die An- zeig« seiner Ehefrau und seiner Tochter erhoben worden. In der Schössengerichtsverhandlung hatten beide Frauen jedoch ihre Aus- sage verweigert und Ickert mußte daher freigesprochen werden. Er hatte die Anzeige als einen Racheakt seiner Familienange- hörigen gedeutet. Di« neue Verhandlung gestaltete sich jedoch wesent- lich anders. Plötzlich hallen sich die Frauen eines besseren besonnen. wohl in der Furcht, daß ihr Peiniger sonst wieder auf sie losgelassen würde. Sie traten nun als Hauptbelastungszeugen gegen ihn auf, und ihre Aussagen entrollten ein Bild tiefster sittlicher Verkommen- heit. Die Tochter war mit 15 Jahren vom Vater, der das Kind los werden wollte, in Fürsorgeerziehung gebracht worden. Don dort war sie später entwichen und Halle in Hamburg einen Seemana ge- heiratet. Nach der Trennung von dem Manne kam sie nach Berlin zurück. Der Vater suchte nun aus seiner eigenen Tochter Kapital zu schlagen und wurde ihr Zuhälter. Sie erhielt ein Flurzimmer und wurde auf die Straße geschickt. Ihr Geld vertrank der Bater zum größten Teil. Halle sie nicht genügend Einnahmen, dann wurde sie auf das schwerste mißhandelt. Der schamlose Kuppler er- schien sogar häufig im Zimmer und kassiette das Geld gleich selbst ein. Da auch von Hausbewohnern das Treiben des Angeklagten in ähnlicher Weife geschildert wurde, kam die Strafkammer zu einer Aufhebung des Freispruchs der ersten Instanz und verurteilte Ickert zu zwei'Iahren Gefängnis und fünf Iahren Ehrverlust. Lebensversicherung nach dem Tode. Einen eigenartigen Schwindel betreibt im„Nebenberuf" ein 28 Jahre alter Agent Fritz M o l s t i. der dos Land bereist, um für eine Sportzeitung Abonnenten zu werben. Er liest die Zeitungen auf Todesanzeigen, besonders auch auf Unfälle mit tödlichem Aus- gang, durch und sucht dann die Angehörigen der Verstorbenen aus. Diesen macht er den Vorschlag, das verbliebene Familienmitglied nachträglich zu versichern. Die Einwendungen und Bedenken der Leute beseitigt er durch das Anerbieten, die A n m e l d u n g um soviel zurück zu datieren, daß sie vor dem Todestage liegt. Geht man daraus ein, so läßt sich Molski eine Lorschuß Prämie von zwei bis zehn Mark zahlen mit der Bedingung, daß er von der Versicherungssumme noch 10 Prozent bekomm«, sobald sie ausgezahlt werde. Die Versicherung zahlt aber natürlich nicht, ohne sich vorher von allen Umständen vergewissert zu haben.� Dabei kommt dann der Schwindel an den Tag. Molski läßt natürlich nichts mehrvon sich hören. Wie er zu den Anmelde- und Quittung?. formularen kommt, ist noch nicht festgestellt. Vielleicht hat er sie gestohlen, vielleicht auch irgendwo gefunden. Der Schwindler, auf den die Kriminalpolizei fahndet, ist mittelgroß und Hot blondes Haar und ein schmales Gesicht. Mitteilungen zu seiner Ergreifung an Kriminalkommissar Rasiow, Dienststelle D. 2 im Polizeipräsidium. Gegen die Errichtung einer BlutverwertungSanlage. Auf dem Grundstück in Reinickendorf. West, Schorn- weberstraße 101-104, früher Hortmonns Brauerei, will die Seccaton G. m. b. H., Bannen, ein« Blutverwertungsanlaae errichten. Es soll dort, soweit bekannt geworden, frisches Tierblut, das mit Kesselwagen aus den Schlachthäusern bezogen wird, zu Blutpulver oer- arbeitet werden. Das Bekanntwerden des Baues einer derartigen Anlage inmitten eines reinen Wohngebietes an der Grenz« der einzigen Erholungsstätte der Bewohner von Reinickendors-West, des Schießplatzes Tegel und des daran angrenzenden Dauerwaldes hat nicht nur bei den Bewohnern der Scharnweberftraße, sondern in ganz Reinickendors-West«inen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Diel« Beschwerden an die Baupolizei und in der Oefsentlichkeit waren die Folge. Di« Anwohner befürchten Belösttgungen durch schlechte Gerüche aller Art und das Entstehen einer Ungezieferplage durch Ratten und Mäuse, die sich, durch den Blutgeruch angezogen, in großen Mengen einnisten und naturgemäß nicht aus dem Grundstück bleiben werden, sondern auch die Nachbarhäuser straßenweit in Mit- leidenschaft ziehen werden. Das Bezirksamt Reinickendorf kann sich den Befürchtungen der Einwohnerschaft des in Frag« kommenden Ortsteils nicht verschließen und hat unterm 26. Juli«instimmig be- schlössen, gegen die Errichtung der Blutverwertungsanlag« Einspruch beim Polizeipräside nten uon Berlin zu erheben. Hochwasserschutz sür die untere Havel. Die großen Schäden, die das andauernde Hochwasser in diesem Jahre im Unterlauf der Havel angerichtet hat, haben auf Vor- stellung einer vom Reichsminister a. D. Schiele geführten Kam- Mission der betreffenden Gemeinden dem Reichsoerkehrsmlnisteriiim Veranlassung gegeben, die beschleunigte Ausarbeitung eines Entwurfs anzuregen, der folgendes vorsieht: 1. Verb esse- rung der Havel- Hochwasserabführung, 2. Schutz gegen das Hochwasser der Elbe. 3. Verbesserung der Fahrwasserverhältnisse auf der unteren Havel, wo alljährlich mit neuen Ablagerungen infolge Rückstauwassers der Elbe gerechnet werden muß. Der Entwurf wird in Anlehnung an«inen bereits in den neunziger Jahren aufgestellten Plan zur Verlegung der Haoelmünduntz um etwa 15 Kilometer elbabwärts vom Regie- rungsprälidenten in Potsdam ausgestellt. Da die Maßnahmen von großem Einfluß auch auf die Abslußoerhältnisse des Elbehochwassers sind, Hot die Elbstrombauverwaltung Anweisung erhalten, den Re- gierungspräsidenten in Potsdam bei der Aufstellung des Entwurfs zu unterstützen. Die geplanten Arbeiten werden auch zur B e s ch ä s- ti�ung zahlreicher jetzt erwerbsloser Arbeits- k r ä f t e dienen können und daher das Notstandsprogramm der Reichsregierung in einer der landwirtschaftlichen Produktion beson- der» förderlichen Weise ergänzen. Durchreise österreichischer Kinder. Heute früh 6.18 Uhr treffen am Anhalter Bahnhof 700 Kinder aus Oesterreich auf der Durchreise nach der Ostsee ein. Die Kinder werden am Anhalter Bahnhof von Regierungsverttetern begrüßt und fahren dann um 10,20 Uhr vom Stettiner Bahnhof weiter. Ein mißglückter Einbruch. In der vergangenen Nacht ver- suchten zwei Einbrecher in einem im Hause Lothringer Straße 57 belegenen Laden vom Keller au» einzudringen. Sie hatten bereits die Decke �angebohrt, al» sie von einem Beamten der Berliner Wach- und Schließ-Gesellschaft überrascht wurden, der sofort das Ueberfallkommanda alarmierte. Roch längerem Suchen gelang es, die Täter, die durch einen anderen Kellerausgang geflüchtet waren, auf dem Boden festzunehmen. Ein bei ihnen vorgefundener Koster mit ausgezeichnetem Einbruchswerkzeug wurde beschlagnahmt. Erdbeben In Japan. Ein ungewöhnlich schwerer Erdstoß wurde in Tokio am 2. August um 6.25 Uhr nachmittags oerspürt. Der Bevölkerung bemächtigte sich großer Schrecken. Soweit bis jetzt bekannt, wurde kein Schaden angerichtet. der Prozeß gegen ö!e Krankenschwester Ilessa. Belastende Zeugenaussagen. Der Mordprozeß gegen die Krankenschwester Flessa, der gegenwärtig in zweiter Instanz vor dem Frankfurter Schwurgericht oerhandelt wird, findet weit über das Gebiet der Stadt Frankfurt hinaus infolge der sensationellen Umstände, unter denen die Flessa den Frankfurter Arzt Dr. S e i tz erschossen hat, größte Beachtung. Pressetisch und Zuhörerraum sind täglich über- füllt. Am gestrigen ersten Verhandlungstage wurde die Angeklagte über ihre Beweggründe zur Tat vernommen. Als wichtigstes Ergebnis läßt sich aus ihren Aussagen anführen, daß sie im Gegensatz zu ihren Angaben im ersten Prozeß jetzt be- bauptet, sie habe die Tat begangen, weil Dr. Seitz, mit dem sie in intinien Beziehungen gestanden habe, sie nicht habe heiraten wollen. lieber ihre Beziehungen zu dem Arzt wurde sie gestern unter Aus- schluß der Oeffentlichkeit fast zwei vtunden lang oerhört. Am Ende der Vernehmung behauptete sie, keine Tötung des Dr. Seitz geplant, sondern nur den Willen gehabt zu haben, ihn durch eine unbedeutende Verwundung zu erschrecken. Im großen und ganzen hat sie sich bisher klug und geschickt verteidigt, wenn sie auch bin und wieder ein sehr erregtes Wesen zur Schau trug, durch das sie sich einmal sogar verleiten ließ, dem Staatsanwalt auf einen Vor- halt hin, den er ihr machte, zuzurufen:.Sie lügen 10!" Die Zeugenvernehmung, die nach Abschluß des Verhörs der Angeklagten am gestrigen Nachmittag begann und heute fortgesetzt wurde, ergab für die Angeklagte viel belastendes Material. Ein mit dem Ermordeten gut bekannter Arzt sagte aus, Dr. Seitz habe ihm schon sechs Monate vor der Tat erzählt, er werde van einer Kranken- schwester mit Liebesanträgen verfolgt, die von ihm ein Kind haben wolle. Sie habe ihn schön einmal auf der Promenade mit einem Nevoloer bedroht. Später habe ihm Dr. Seitz gesagt, er habe ihm die Angaben deshalb gemacht, damit Anhaltspunkte vorhanden seien, wenn man ihn eines'Tages tot auffinden werde. Die nächste Zeugin, eine Krankenschwester, äußerte sich dahin, daß Dr. Seitz sich ihr und den übrigen Schwestern gegenüber stets korrekt benommen habe. Eine große Anzahl weiterer Zeugen, hauptsächlich Freunde und Kollegen des ermordeten Arztes bestätigen die Aus- sagen des ersten Zeugen, daß Dr. Seitz monatelang vor der Tat davon gesprochen habe,' er fühle sich von einer Kranken- schwester bedroht, die ein Kind von ihm haben wolle und ihm immer wieder erklärte, sie verzichte ausdrücklich auf alle recht- lichsn Konsequenzen, die sie aus seiner Vaterschaft ziehen könnte. Während der Vernehmung der Zeugen gebürdete sich die Angeklagte oft sehr aufgeregt und machte ziemlich scharfe Zwischenrufe. Von der Verteidigung wurde an einen als Zeugen geladenen Rechtsanwalt aus Rödelheim die Frage gestellt, ob er nicht mehrfach in seiner Wohnung Gelage veranstaltet habe, an denen auch minderjährige Mädchen teilgenommen hätten und ob nicht auch Dr. Seitz an diesen Gelagen teilgenommen hätte. Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit wurde festgestellt, daß Dr. Seitz an diesen Dingen nicht beteiligt ge- wesen ist. Im übrigen oerweigert der Zeuge über die fraglichen Vorgänge die Aussage. Einem weiteren Zeugen, dem Dr. Seitz ebenfalls erklärt hatte, er werde oft in der Nacht von einer ihn mit Anträgen verfolgenden Kronkenschwester, die plötzlich hinter einem Gebüsch oder einem Baum hervortrete, bedroht, rief die Angeklagte erregt entgegen:.Das ist nicht wahr. Sie können ja durch eine Ver- nehmung m>�ner Hauswirtin feststellen, daß ich immer abends zu Hause gewesen bin. Im übrigen: Sie hatten ja zehn Monate sge- meint ist die Zeit seit dem Tage ihrer Verhaftung) Zeit dazu!"— Di« Angeklagt« befand sich hiernach in solcher Erregung, daß die Der- Handlungen unterbrochen werden mußten. Blitzschlag in eine louristengesevschast. Bei dem letzten schweren Unwetter im A l t v at e r g e b i r g e schlug nach einer Meldung aus Breslau der Blitz in eine au» 16 Personen bestehende Touristengesellschaft ein,- die sich auf dem Wege von der Hockschar nach dem Heidebründcl befand. Sämtliche Tou» risten wurden zu Boden gerissen und waren bewußt- los. Die Männer erholten sich schnell; zwei Frauen erlitten einen Neroenchock, eine Frau wurde in bewußtlosem Zustande in dos Georg-Schutzhaus auf der Hockschar zurückgetragen. Unfall eine« Ikosienischen Cenk-Custfchiffes. Das Lenkluftschiff Nr. Il, das dem Dampfer Bianca Mono den an Bord befindlichen Nordpolfahrern zu Ehren das Geleit gegeben hatte, mußt« nach einer Meldung aus Rom auf dem Rllckstug wegen eines unoorher- gesehenen Zwischenfalles rund 20 Kilometer von Gaeta niedergehen. Dabei fielen der Major F e r y und der technische Leiter R o s s i ins Meer und gingen unter. Die übrige Besatzung ist wohlauf. Das Luftschiff wurde von rasch herbeigeilten Kriegsschiffen abgeschleppt und wird wieder instand gesetzt werden. Krankheiten im Ueberschwemmung-gebiel. Wie aus L i e g n i tz gemeldet wird, liegen im Landkreis Liegnitz nicht weniger als etwa 800 Personen an Grippe, Scharlach, Typhus oder Sumpffieber danieder. In mehreren Fällen wurde Schlammfieber festgestellt. Eine Reihe von Landarbeiterinnen, die von Insekten gestochen wurden, mußten wegen Blutvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert werden._ Sport. Rennen zu Sarlshorst am Dienssag, den 3. August. 1. Rennen. 1. Majoran i«. Edler). 2. Letzter Ritter tstranzk»), S. Rücksicht kSauler). Toto: 259: w. Platz: 39. 20. IZ: lO. Ferner liefen: Onilon, Alhalberga, BenSberger Kadett, Verschwiegenheit, Fridjof, ges., Retlelbeck, Ausbau. 2. Rennen. 1. Erdferkel lHauser), 2. Fateider so. LewinZkl), 3. Sicht ?llberich(BiSmark). Toto: 49:10. Platz: 13. 15. 14: 10. Ferner liesen: Falter, Kornblume, Mirakel, Panter. Abendwind. Z. Nennen. 1. Eigensinn tW.Dhhrs, 2. Tasso 71(Häuser), 3. Tube- rote sK. Edler). Toto: 25: 10. Platz: 12, 12,-6: 10. Ferner liesen: Final, Malus, Silvo, ges.. Zingaresika. Alt-neffen, Ociavian. 4. R e n n e n. 1. Stattliche(Kränzlrin), 2. Wintcrweide(K. Edler), g. Eleazar(Hauser). Toto: 1t3: 10. Platz: 13. 1k, 13: 10. Ferner liefen: Quo vadis, Lemmel, Schirmherr, ges.. Peleda, ges. 5 Rennen, l. Marc Anton lStaudiiiger), 2. stauberflöte(Lt. Iah), 3 Maral so. Lewinski). Toto: 86: 10. Platz: 1k. IS. 17: 10. Ferner liefen: Missa, Fabiola, Diamant, Fechterin. Miß Pigolou«. S Rennen. 1. Foirnint(Häuser), 2. Aufklärung(Sl Edler), 3. Stern. b-ra(Wurst). Toto: 74:10. Platz: 18. 13, 18:10. gerner liefen: Habicht, Rubel Waldgeisi.«rigant. Rosen. 7. R« n n- n. 1. Schnecwrttchen(Hr.Schnitzer), 2. Malatesta(».Herder), 8 Ratibor(o. Keller). Toto: 54:10. Platz: 19, 18. 17: 10. Ferner liesen Sarazener, Heckenslrauch, Mäusewrm, Rinaldo, Avlater, Flamberg. Eldgaffeln._ wetterberlch« der öffentlichen weklerdienNstelle für Serlla.(Rachdr. derb.) vielfach heiler und Irocken, etwas wärmer, besonders In den Tagesstunden.— Fi« Deutschland: In Süd- und Ostdeulschland leichte Gewitterneigung, sonst meist heller, trocken und etwas wärmer. verbanöstag öer Metallarbeiter Zweiter verhaudlungstag. Bremen, 3. August.(Eigener Drahtbericht.) Di« Dienstags- Verhandlungen begannen mit der Fortsetzung der Geschäfts- berichte. D«r Hauptkassierer Schäfer legte dar. daß sich die Finanzen des Verbandes sehr gebessert haben. Besonders die Vermögen der Verwaltungsstellen haben sich stark ver- mehrt, es hat sogar den Anschein, als ob über das notwendige Maß hinaus Gelder in den Lokalkassen festgehalten werden. Die Zu- schüss«, die gelegentlich bis zu anderhalb Millionen Mark pro Monat ausmachten, haben aufgehört. Die Streikunterstützung ist erhöht und ein« Berbesierung der Erwerbslosenunter- st ü tz u n g wird erwogen. Ein Zusammenarbeiten mit der Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten sei notwendig. Mit einer Auf. forderung an die Lokalkassterer zu pünktlicher Abrechnung mit der Hauptkasse schloß Schäfer seinen Bericht. Den Bericht des Ausschusses gab Weissig- Frankfurt a. Main. Er beschäftigte sich mit internen Borgängen im Verbands- leben. Redakteur Kummer sprach für die S ch r i f t l e i t u n g der„M etallarbeiter-Zeitung". Er besprach«ingehend die Redaktionsfühvung, verteidigte sie gegenüber Angriffen von kam- munistischer Seit« und betonte dabei die Notwendigkeit, Vorwürfe wegen sogenannter„einseitiger Schreibweise" mit Beweis«, zu be- legen. Jedenfalls feien auf oll« diese Proteste, die immer den Stempel fabrikmäßiger Herstellung trugen, nie die von der Schriftleitung angeforderten Beweisstücke eingegangen. Kummer bestätigte noch einmal die Absicht der Re- doktion, alle Richtungen und Meinungen in der Zeitung zu Worte kommen zu lassen, wie es bisher geschah. Die vielen Wünsche nach einem Ausbau der technischen Beilage tonnten zum Bedauern der Schriftleiter nicht in vollem Umfang« befriedigt werden, weil der zur Verfügung stehende Raum nicht ausreicht. Ueberhaupt ist man sich im Vorstand darüber einig gewesen, daß der Umfang der Zeitung nicht vorzeitig vergrößert werden darf. Ein etwa not- wendig werdender Abbau würde nur um so unangenehmer« Folgen haben muffen. Der Redner erörtert« eingehend die Aufgaben der Redaktion in der Beurteilung der Problem« Amerika und Rußland und versprach auch in der Zukunft die„Metallarbeiter- Zeitung" als Weisem, im Kampfe der Kollegenschaft um ein beffeves Dasein zu führen. Nach den GeschSstsberichten begann die Diskussion. Di« Kommunisten schickten den Leiter ihrer Reichsgewerkschastszentrole, E n d e r l e, als Hauptredner vor. Er anerkannt« die objektiv« Be- urteilung der Lage in Rußland im Borstandsbericht und gab zu, daß bei der Unterstützung der streikenden englischen Bergarbeiter die Den Abend.im Volkston" ließ man sich gern gefallen. Statt kitschiger Familienblättchenoolkstümelei gab es diesmal wirklich Dolksliedhaftes neben echten Volksliedern. Am meisten Freude bereiteten die wohlgelungenen Darbietungen der.M ä r t i s ch e n S i n g s ch a r". Diese Sängervereinigung hat in der Pflege des Bolkesliedes mit Rea>t eine Kulturaufgabe der Jugend erkannt, mit der sie es trotz ihres srisch-fröhlichen Darauslossinaens sehr ernst nimmt. Doch auch Karl de Vogt mit seinen frechen Liedern zur Laute hat sicher viel Beifall gesunden. Käte Philippbaar sang da- gegen um eine Nuance zu affektiert. Sic betonte besonders in den beiteren Liedernsicts ein wenig ihr Darüberstehen. Die Volkslieder, die Bruno SsMMei:. Winkler gewiß geschickt, aber doch ihrem Charakter entfremdet, als Duette bearbeitet hat, lagen ihr merklich besser. Adolf Henke war ihr ein stimmlich befähigter Partner.— Rockus Schmidt»- Vortrag,«ine Afrikarundfahrt, hätte intereffant sein können, da der Redner wahrscheinlich über eine gründliche Kenntnis des Landes verfügt. Leider hielt er aber die Mitteilungen, wann er zum Lunch eingeladen wurde, oder wo er sich an eisgekühltem Sekt erlabt hatte, für so wichtig, daß er sie auf Kosten des eigentlichen Inhalts seinem Vortrage einverleibte. Völlig überflüssig war aber, daß Rochus Schmidt zum Schluß den General- major a. D. hervorkehrte und mit schönen Sätzen vom„stark be- kleckerten Waffenruhm" Englands und von Wiedergutmachung des an uns begangenen Unrechts die Funkhörer politisch erbaute. Johannes Müller, der über„Die Kämpfe in China und ihr« Ursachen" sprach, zeigte dagegen, daß man in politischen Vorträgen auch Zurückhaltung üben kann. Er vermied es zwar in dem Rück- blick auf die politische Vergangenheit des Landes etwa der deutschen Mißgriffe in Frage chinesischer Politik zu gedenken, blieb aber sachlich und erschloß so sicher vielen Funkhörern das Verständnis für das China der Gegenwart. vss kuncjfunkproxl-smm. Mittwoch, den 4. August Außer dem übliohan Tagesprogramm: S— 6 30 Uhr abends: Viertes Kinderfest Anschließend; Ratschläge fürs Haus, Theater- und Filmdienst. 7 Uhr abends; Dr. med. vet Th. Fleischhauer:.Die Entwicklung der Fleischbeschau vom Altertum an bis in die Neuzeit". 7.25 Uhr abends: Dr. Adolf Grabowsky:.Die Wirtschaftslage Frankreichs". 7.55 Uhr abends; Einführung zu dem Sendespiel.Der Vetter aus Dingsda" am 5. August. 8 30 Uhr abends: Wort und Lied. 5. Abend. Höricko. 1. Einleitende Worte: Dr. Hans Gerhardt Vaas. 2. Hugo Wolf: a) An eine Aeolsharfe, b) Verborgenheit o) Auf ein altes Bild (Hermann Sohey, Bariton). 3. Rezitation(Karl Ebert). 4. Hugo -Wolf: a) Er ist's, b) Erstes Liebeslied, c) Roh. Schumann: Die Soldatenbraut op. B4 Nr. 1(Florence Thieß-I-osey, Sopran). 5. Rezitation(Maria Fein). 6. Hugo Wolff: a) Nixe Binsefuß, b) Elfenlied(Florence Thieß-Losey, Sopran), cj�Der Feuarreiter (Hermann Sohey. Bariton). Am Flügel: Bruno Seidlei�Winkler. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnaoh- richten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachiichten, Theater- und Filmdienst KQnlgswusterhausen, Mittwoch, den 4. August. 1.10—1.40 Uhr nachm.: Lektor Grander u. Walinski: Französisch für Schüler, 3—3.80 Uhr nachm.: Stud.-Rat Friebel und Lektor Mann: Englisch für Anfänger. 3.30— 4 Uhr nachm.: Stud.-Rat Friebel und Lektor Mann: Englisch für Fortgeschrittene. 4 bis 4.30 Uhr nachm.: Oberstudienrat Dr. Brunner:.Die Staatengründungen im deutschen Osten". 4.30— 6 Uhr nachm.: Mit- teilungen des Zentralinstitates. 5— 5.30 Uhr nachm.: Anna von Gierke:.Die Mitarbeit der Hausfrau in den Berufsvereinen der Hausfrau". 8 Uhr abends: üebartragung aus Stuttgart eigenen wirffchaftkkchen Schwierigkesten ster Leuksch«,«rSesterschast zu berücksichtigen sei.(Zuruf: Na also!) Di« außerordentlich fad« Rede Enderles fand nicht viel Auf. merksamfeit bei den Delegierten. Seine Ausführungen waren der übliche Abriß kommunistischer Auffassung von Gewerkschaftsausgaben und Gewerkschaftspolitik nur mit dem Unterschied, daß sie von anderer Seite schon wirkungsvoller und interessanter vorgetragen wurden. Di« Gedankenarmm des kommunistischen Generalredners ersetzte seine Fraktion durch«ine erhebliche Herstellung von Anträgen; bei Abschluß der Rede Enderles lagen bereits deren acht dem Berbands- tag« vor. Genoffe M e tz- Frankfurt a. M. nahm sich die moskowitffch« Gewerkschaftspolitik gehörig vor. Durch die blöden Schimpfereien der kommunistischen Presse sei wirklich nichts erreicht worden, viel aber verdorben. Allerdings, wenn mit Druckerschwärz« die Kapitalisten klein zu kriegen wären, hätte sie die„Rote Fahne" längst mausetot gemocht. Zu den eingetretenen Verbefferungen haben die Komm(misten herzlich wenig beigetragen. Von keinem Redner der KPD. sei je gedanklich so wenig gesagt worden wie in Bremen von Enderl«. Metz beschäftigte sich dann eingehend mit dem Er- werbslosenproblem, wobei er neben einer Verbesserung im Unterstützungswesen eine herabsehung der Arbeikszeit forderte. Das Tempo der gegenwärtigen Arbeitsmethoden und die Notwendigkeit, das riesig« Arbeitslosenheer wieder dem Produktions- prozeß einzufügen, erheischen die Verkürzung der Arbeitszeit. Selbst- verständlich muß diese Arbeitszeitverkürzung ohne Lohn- k ü r z u n g erfolgen. Die Finanzpolitik des Deutschnotionalen Schlieben habe es oerstanden, das der Arbeiterschaft in Form von Steuern viel zu viel abgenommene Geld der Wirtschaft wieder zuzu- führen, wobei natürlich die Unternehmer und die Banken einseitig bevorzugt wurden. Der ZZerband muß sich bei seinen Kampfmaß- nahmen naturnotwendig an die wirtschaftlichen Voraussetzungen hallen. Daran können auch die Kommunisten nicht vorbeigehen. Die Kommunisten sollten sich doch endlich davon überzeugen, daß mit ihrer forgesetzten Beschimpfung des ADGB. gleichzeitig auch die deutsche Arbeiterschaft beleidigt wird. Die Taktik des Verbandes und feine« Vorstandes war und ist richtig, sie gibt genügend Unterlogen für di« Propaganda im Lande. Seit dem Verbandstog in Kastel fft unzweifelhaft ein« Gesundung im Verbandsleben eingetreten, es liegt nicht lln Intereffe des Ver- bandes, diesen Gesundungsprozeß zu unterbrechen. Wenn die kom- munistifche„Aufklärungsarbeit" nicht bessere Erfolge zeitigen kann als die Wahl der kommunistischen Delegation zum Derbands- tage, so geht es allerdings rapid« abwärts. Unser zukünftiger Weg muß die Konzentration aller Kräfte bringen.(Lebhaftes Bravo bei der Mehrheit der Delegierten.) In der Bormittagssitzung sprachen noch Niederkirchner» Berlin(KPD.) und Schäfer- Leipzig, der Borwürfe gegen den Vorstand wegen des Abschlusses eines Reichstarifs für die Heizungsrohrleger erhob. Genoffe Leipart vom ADGB. antwortete in längeren Aus- führungen auf di« Angriffe des Kommunisten Enderl« gegen den ADGB. Der Bundesvorstand hob« n i« den Gewerkschaften«ine Verlängerung der Arbeitszeit in den Tarifen angeraten, den Unter» nehmern ist gelegentlich gesagt worden, daß die Gewerkschaften niemals gegen Ueberstunden gewesen sind, sosern sie sich in gewissen Notfällen nicht umgehen ließen. Der Notfall müsse den Arbeitern dann aber auch nachgew lesen werden. Aehnlich ist es mit der Rationalisierung der Betrieb«. Der ADGB. hat von Anfang an betont, daß di« Rationalisierung nicht allein auf Kosten der Arbeiterschaft erfolgen dürfe. Es ist schlimm, daß diese Fest- stellung hier auf dem Verbandstage erst noch nötig fft. Es ist auch gesagt worden, die Arbeitsgemeinschaften seien zwar offiziell tot, aber im geheimen setze man sie fort. Leipart fragte, ob di« Kommu- nisten etwa verlangen, daß der Bundesvorstand die Unter- nehmer ängstlich meiden soll, um sie nur aus der Eni» fernung zu beschimpfen und dann abzurücken? Nein, wir gehen an den Feind heran und bekämpfen ihn in Verhanblungen genau so, wie es der Vorstand des DMV. auch tut. Wer allerdings nicht das Vertrauen zu sich hat, mit den Unternehmern fertig zu werden. der soll Berufeneren den Platz am Verhandlungstisch frei machen. Der Redner wies darauf hin, daß die Gewerlschaften stets auch die allgemeinen volkswirtschaftlichen Interessen beachtet hätten. Sonst dürften sie den Unternehmern nicht den Vorwurf einseitigen Profit- Interesses machen. Man hat uns„Reformisten" genannt. Die deuffchen Gewerkschaften haben mit ihrer„Reformarbeit" in den SO Jahren ihres Bestehens viel erreicht, mit ihrem wachsenden Ein- fluß haben sie auch größere Forderungen gestellt, so erst in Breslau nach der Wirtschaftsdemokratie. Der DMV. muß seinen Weg weitergehen wie bisher, notwendig ist aber, daß auch di« Mitglieder ihre Pflicht erfüllen.(Lebhafter Beifall.) E a e j k o w- Berlin(KPD.) erhob maßlose Angriffe gegen den Vorstand lvegen der Behandlung der Jugendfrage. Den Standpunkt des Vorstandes oertrat S ch l i« st e d t. Er betont«, daß doch schließlich di« Gesamtarbeit des Verbandes im Dienste an den Werdenden getan wird. Genosse U r i ch- Berlin teill zu den An- griffen Saefkows mit, daß sich dieser„ältere Jugendliche" erst seit einem halben Jahr mit Iugendfragen beschästig«, seitdem er nämlich in der Kommunistischen Partei dazu angestellt fft. Nicht die Taktik des Vorstandes treibt di« Arbeiter aus der Organisation her- aus, sondern die wechselnden Parolen der Kommu» nisten. So lange noch Organisationsvertreter als„Zuhäller des Kapitals" bezeichnet werden, ist an ein kollegiales Zusammenarbeiten nicht zu denken. Es wird dringend Zeit, daß dieser Abschnitt aus der Arbeiterbewegung verschwindet. Zur T o r i f s r a g« meint Urich, daß Enderle sowohl als auch Niederkirchner dl« Auswirkungen eines Tarifvertrages im einzelnen gar nicht mehr beurteilen könnten, da ihre Arbeitsstelle viel zu weit vom Betriebe ab- liegt. Die Genossen Haß-Osnabrück und Schulen bürg-Karls- ruhe rechneten dann mit den Kommunisten ab. Haß zeigt« dann. wie dort, wo die DMV-Kollegen um di« christlichen Arbeiter werben, di« Kommunisten mit ihrer blöden Radaupolitik dazwischen fahren und alles wieder kaputt machen. Saefkow hat die christliche Textil- arbeiterzeitung als Muster in der Jugendfürsorge hingestellt. Er vergaß dabei nur, daß der Metallarbeiterverband«in« eigene Jugend- zeitung hat. Das ist denn schließlich doch systematisch be- stellt« Opposition, die aus dem Verbandsleben ver- schwinden muß. Schulenburg sprach sich für«in« baldige Ver- bessemng der Erwerbslosenfürsorge aus. Am Mittwoch finden die Abstimmungen über den Vorstands- bericht statt. Ferner sprechen dann noch am Mittwoch Staatssekretär a. D. Prof. Hirsch und Regierungsbaumeffter Schäfer über Wirtschastsfragen. Hemmungen der /kbeitsbefthaffung. $Ötc?�otstaudsarbeiten beschleunigt werden können» Die Erwerbslosenziffer ist in Berlin immer noch beängstigend hoch, obgleich die Winterarbeitsruhe noch nicht sichtbar ist. Schon beginnt die Ungeduld der Erwerbslosen sichtbaren Ausdruck zu finden. Und wenn diese Ungeduld oft auch einer sehr primitiven Einsicht in das Wollen und Können unserer öffentlichen Organe entspringt, so ist sie doch auch für den tiefer Schauenden und Einsichtigen keineswegs unberechtigt. Zählen wir einmal einige Tatsachen auf: Der Ncichssinanz- minister behauptet, für öffentliche Arbeiten kein Geld zu haben. — für die uiiproduktio« C rwerbslosenunterstüyung stehen aber monatlich mehr als 100 Millionen Mark zur Derfiigung. Die pro- duktive Erwerbslofenfürsorge hat noch immer nicht die Formen erhalten, mit denen es auf f ch n e l l ft e m Wege möglich ist, den Arbeitslosen produktiv« Arbeit zu gewähren. Dos Reichswirtschastsminifterium hat zu Beginn dieses Jahres den Standpunkt vertreten, daß dem B a u m a r k t soviel Kapital zufließen werde, daß«in Mangel an Arbeitskräften auf dem Bau- markt eintreten müsse, und heute: die Zahl der erwerbslosen Bauarbeiter ocläust sich in einer Zeit, in der sonst höchste Konjunktur herrschte, auf 20 P r o z. Das Reich stellte dem Wohnungsbau einen Kredit von 200 Millionen Mark zur Deriugung. Mit der Bauwirtschait nicht oertraute Beamre umgeben diesen Kredit aber mit einem Drahtverhau von Paragraphen, der ihn für den Baumarkt wertlos macht und ihn in den Ressortkossen brochliegen läßt. Aus diesen und vielen anderen Tatsachen haben nun weder das Reich, noch die Länder und Gemeinden die Lehre gezogen, daß cm Heer von 2 Millionen Arbeitslosen mit P a l l i a t i v m i t t e ln nicht beschäftigt werden kann und daß die produttive Erwerbs- lofenfürforge denn doch etwas kühner angefaßt werden muß. Kuhner insofern, daß man allenthalben den Mut rnifbrrngen müßte, diese Fürsorge von dem schwerfälligen Instanzenzug unserer Behörden und Aemter unabhän- g i g e r zu machen und die Durchführung der Fürsorge in die Hand von Kommissaren zu legen, die mit weitgehendsten Dollmochten auszustatten wären. An Arbeitsgelegenheit fehlt es uns weder im Reich, noch in den Ländern und Gemeinden. Man kann aber auch behaupten, daß es in Deutschland nicht an Kopital fehlt, um gut ein« Million Erwerbslose zu produktiver Arbeit zu führen. Woran es uns fehlt, ist lediglich schnelles und bevollmächtigtes Handeln. Diese Behauptung will ich nur an einem kleinen Beispiel erläutern, das nicht nur für Berlin, sondern auch für andere Städte von Bedeutung ist. In Berlin steht das Kopital zum Bau von 10 000 bis 1? 0 00 Wohnungen zur Dersiigung. Dieses Kapital wird und muß auch in den nächsten Jahren zur Deriugung stehen. Wenn es nicht in schnellerem Tempo in die Bauwirtschaft hineinfließt, dann liegt dies lediglich daran, daß unsere Behörden nicht ent- schlußkräftig genug und unbureoukratisch arbeiten. Muß es denn sein, daß die Baumittel des Jahres 1926 in Berlin erst ,m Juni/Juli bewilligt und zum großen Teil(dank der umständlichen Behördenarbeit) erst im Jahre 1927 verbaut werden? Warum werden denn nickst nach einer fiinfsöhrigen Bauerfahrung die Herhondlungen über das Bauprögramm des Jahres 1927 schon heute geführt, damit im Februar/März mit dem Bau von Wohnungen begonnen werden kann? Und warum werden diese Bau- Programme nicht bereits heute aufgestellt? Wenn es feststeht, daß Berlin auch im Jahre 1927 aus Haus- zinssteuermitteln mehr als 7ö Millionen Mark für den Wohnungsbau erhält, warum werden diese Mittel für einen hoch st en Rot st and nicht schon heute flüssig gemacht? Gegen Der- Pfändung dieser sicheren Steuereinnahme lasten sich nicht nur von Banken, sondern auch von anderen geldgedenden Kreditinstituten, und wenn es sein muß, mit einem gewissen Druck der Obrigkeit. Kredite flüssig machen Solche Kredite lasten sich dann auf schnellstem Wege in produktive Arbeitswerte umwandeln, die Taufende von Erwerbslosen zu Arbeit und Brot bringen können. Hier ein kleiner Programmabschnitt: Die Wohnungsfürsorgegesellschaft als gemeind- licher Träger des Wohnungsbaues in Berlin wirft folgende Aufträge für rund 6000 Wohnungen auf den Markt: 1. die Herstellung von genormten Türen, Fenstern. Fußböden usw. zur Beschäftigung arbeitsloser Holzarbeiter: 2. die Herstellung von Beschlägen für Türen und Fenster, zur Herstellung von B a u e i s c n. wie: Träger, eiserne Turzargen, Klenipnrrmaterial usw. zur Beschäftigung arbeitsloser Metall- a r b e i t o r; 3. die Herstellung transportabler Oefen als Füll- arbeit für arbeitslase Töpfer im Winter und die Beichaifung des Eisenzeuges hierfür zur Beschäftigung arbeitsloser Metall- a r b eit c r sosarr: 4. die Herstellung von Badewannen. Bodeöfen. Klosettbecken mit deren Armaturen, die Herstellung von Zählern süc Gas, Wasser, elektrischen Strom u. a. m. Ein solches Programm könnte noch wesentlich erweitert werden. Durchführbar ist es für den, der es durchführen will, durchführen kann und die Macht dazu erhält, sich gegen sede Sabotage zu schuhen. Tie Stadt Berlin hat ihre wirt- schaftliche Macht auf dem Arbeits markt als Konsument und Austraggeber noch nicht ausgenutzt. Warum muß die Stadl Berlin, die 6000 Wohnungen zu 96 Proz. selbst finanziert, ihren machtvollen Einfluß auf den?lrbeitsmartt an 600 bis 700'Bouherren abgeben und dadurch zersplittern? Warum soll die Stadt Berlin durch die Konzentration der Aufträge nicht die günstigsten Preise aushandeln dürfen? Warum soll die Stadt Berlin nicht darüber wachen, daß ihr Kapital den Berliner Arbeitslosen Arbeit verschafft, anstatt daß es über 600 bis 700 unkontrollierte Bauherren und deren Unternehmer und Sublieferanten in alle Pro- vinzen des Reiches wandert? Hier liegt die Möglichkeit einer S e l b st h i l f e der Stadt Berlin vor, die noch nicht in Anspruch gc- nvmmcn worden ist. Ich will mit diesen Porschlägen keineswegs dem städtischen Regiebau das Wort reden. Ich kenne die Schwächen dieser Methode zur Genüge. Ich weiß aber auch, daß ein engeres Hand-in- Hand-Arbeiten mit einer städtischen, rein dirigierenden Stelle und leistungsfähigen gemeinnützigen Siedlungsunternehmungen als ausführende Träger eines großangelegten städtischen Aktianspro- gramms die Nachteil« des Regiebetriebes vermeid- bar machen. Im übrigen kommt es bei derartigen Aktionen nicht so sehr auf das System als auf die Köpfe an, die den besten Plan zur Ausführung zu bringen haben. Und sollte Berlin so arm an Köpfen sein? Dr.-Ing. Martin Wagner. die Finanzlage üer Reichspost. köQ- Millionen-Anleihe. In der letzten Berwaltungsratssitzung der Deutschen Reichspost wurden Mitteilungen über die Geschäftslage im Monat Juni gemach». Danach sind die Betriebseinnahmen wieder erheblich, um 26 Millionen, hinter dem Doranschlag zurückgeblieben. Die Finanzlage bleibt im Zusammenhang mit der schlechten Wirt- schaftslage weiterhin gespannt, auch mit Rücksicht auf den an sich geringeren Sommcrvcrkehr. Der Briefverkehr blieb aus der Maihöhe, der Paket-, Pastanweisungs- und Zahlkartenverkehr ging zurück: insbesondere sind die Guthaben auf Postscheckkonto u m 19 Millionen weiter zurückgegangen. Der Telegraphenverkehr blieb gegen Mai um 11 Proz.. die Zahl der Rundfunkteilnehmer uni 38 000(Ferien!) zurück. Die Reichspostoerwaltung führt die Rück- gänge hauptsächlich auf die besonderen Umstände des Sommerverkehrs zurück und erwartet vom zweiten Halbjahr einen Ausgleich durch die stärkere Winterbeanspruchung der Postdienste. Der Ausführung des für 192« vorgesehenen großen Bau- Programms dient die jetzt erfolgende Auflegung von 80 Millio- nen«'/iprozentiger Rcichsschatzanweisungen, des Restes der Gesamt- anleihe von 160 Millionen, von der 70 Millionen in diesem Früh- jähr bereits begeben worden find. Die Anleih« ist bereits 1930 zum Nennwert rückzahlbar und wird zu einem Zeichnungspreis von 99,5 Proz. ausgelegt. Der Kurs ist für die Post erheblich günstiger als der von 98 Proz., der für die ersten 70 Millionen einging und bringt der Reichspost einen Mehrerlös von 1,2 Millionen Mark. Mit einem Betrag von 20 Millionen greift die Reichspost neuerdings auch unmittelbar in die Arbeitsbeschaffung zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ein. 16 Millionen sollen allgemein Hochbauten der Post, 3 Millionen der Beschaffung von Wagenhallen und eine Million der Wohnungsfürsorge für Post- angestellte dienen. Der größte Teil dieser Beträge wird also dem Baumarkt zugute kommen, desien Stärkung für die Belebung der Industrie besonders wichtig ist. Die haaöelskammern zur Wirtschaftslage. Die Berichte der preußischen Handelskammer über die Wirtschaftslage im Monat Juli sind, obwohl eine Reih« von Befserunaserscheinungen verzeichnet werden, auf einen zu» rückhaltendsn Ton gestimmt. Eine durchgreifende Besserung in der Geamtlage der Wirtschast ist im Monat Juli nicht ein- getreten, doch setzte sich die Besserung im Bergbau fort und griff auf die Großindustrie über. Auch die Bekleidungsindustrie und das Derkehrsgewerbe konnten ein« Belebung des Geschäft» fest- stellen. Auf anderen Gebieten erweckt die in Aussicht genommene Schaffung von Arbeitsgelegenheiten durch Reichskredite gewiß« Hoffnungen. An der Börse veiminderten sich die rein spekulativen Umsätze, doch blieb die Grundstimmunq fest. Aus den Berichten über die einzetnen Gewerbezweige ist her- oorzuhebcn: die Kohle- und Eisenindustrie profitierten vom Stillstand im englischen Bergbau. Im Einzel- Handel trat eine leichte Belebung ein. In der chemischen Industrie befriedigten Austrogseingong bei Zwischenprodukten. Schwerchemikalien, pharmazeutischen und photogrophischen Ar- titeln. Unwesentlich verändert hat sich der Geschäftsgang in der elektrotechnischen Industrie. Die Kraftfahrzeugindustrie verzeichnet tine leichte Besserung, doch blieb die erhoffte Belebung au». 7>ie Saae des Baugewerbes muß noch immer als wenig be- lnedigend bezeichnet werden. Daher hielt die schlechte Beschäfti- gung in der� Industrie der Steine und Erden weiter an. Ebenso blieb der Schnittholzmarkt weiter flau. In der Gummiindustri« belebte sich das Reisengeschäft. In der Tuchindustrie, in der Baumwoll- und Samtindustrie sowie auch in der Leinenspinnerei trat eine gewisse Entspannung ein, die örtlich verschieden ist. Der Markt für Rohhäute und Felle brachte einen vollständigen Umschwung. Die Nachfrage nach Leder war sehr lebhast, auch die Schuhindustrie erhielt gute Aufträge. Der Mehlhandel war im ersten Monatsdrittel bei anziehenden Preisen lebhaft, ging aber angesichts des sonnigen Detters zurück. Die Nachfrage in der Margarineindustrie hat saisongemäß nochgelassen. Dos lang er- wartete wärmere Wetter brachte der Fleischwarenindustrie stärker« Nachsroge und besseren Absatz. Im Fischgroßhandel stiegen im letzten Monotsdrittel bei verringerten Zufuhren die Preise. Im Brau gewcrbe hat sich der Absatz gegenüber dem Vormonat ge- hoben, die Verbrauchszisser des Juni' wird übertroffen werden, obwohl das neueinsetzende Regenwetter einen Rückschlag brachte. Auch in der Tabakindustri« hat die im Vormonat festgestellt« Besse- rung langsame Fortschritte gemacht, so daß sich die Belebungen in den Nebenindustrien— Kisten, Kartonnagen, Packungen— fort- setzen konnte. Die Filmindustrie hat ihre Produktionstätigkeit noch nicht gesteigert, die Lichtspielcheater hotten sehr geringen Besuch. In der Klovierindustrie trat noch keine Besierung ein. Das Geschäft im Papiergroßhandel war etwas lebhafter, dagegen hat sich das Verlagsgewerbe nicht beleben können. Das Ausland». geschäft im Lokomotivenbou lag vorläufig noch danieder, während der Waggonbau eine gewiß« Besserung verzeichnet. ver �lrbeitsmarkt in üer letzten Joli-Woche. Bei der Mehrzahl der Landesarbeitsämter hat die leichte Besserung der Arbeitsmarktlage angehalten, besonders im Osten des Reichs, aber auch in Hannover, in der Provinz Sachsen und Thüringen, Auch in Berlin hat die Zahl der Arbeitsloien etwas abgenommen. Ein leichtes Steigen der Arbeitslosigkeit wird aus Hamburg, aus Württemberg und aus Ober- franken berichtet. Die stärkere Nochfrage nach Arbeitskräften geht ganz überwiegend von der Landwirtschaft aus. Die Belebung des Arbeitsmarktes, die in der Industrie einzelne Gruppen. der Industrie der Steine und Erden, teilweise das Textilgewerbe, vereinzelt die Industrie der Nahrung», und Genußmittel und dos Lekleidungs- gewerb«, mehrfach das Bau- und dos Gastwirtsgewerbe zeigen. wurde den allgemeinen Zugang an Erwerbslosen aus der Industrie und Gewerbe, insbesondere der Moschinenindustrie und der Holz- industrie, kaum ausgleichen können. Die Anforderungen der Außen. berufe wurden teilweis« durch Regen und Hochwasser eingeschränkt. die kaliinüuftrie droht. Welch« Ueberroschungen wir noch im Kampfe um die Kalipreis- erhöhung zu erwarten höben, deutete die Generalversammlung der Heldburg A.-G. für Bergbau, Hannover, an. Der bekannte Kam- merzienrat Hermann G u m p e l nahm Gelegenheit, sich«ingehend über die strittigen Fragen der Kalipreiserhöhung zu äußern. Dabei wies er auf die Möglichkeit hin, daß, selbst wenn im Reichskalirat. der augenblicklich durch eine Kommission die Unterlagen der Kali- industrie für eine Preiserhöhung untersucht, einer Erhöhung zu- gestimmt wird, der Wirtschaftsminister fein Veto einlegen könnte. In diesem Falle bliebe nur Selbsthilfe übrig: sie besteht nach den Ausführungen Gumpels im Fortfall der Rabatte und in einer weiteren Stillegung.(Für die Heldburg A.-G. kommen z. L. für eine solch« die bekannten Gewerkschaften Riedel und D e s d e- mono in Betracht.) Denn Werke in der Kaliindusttie für die Stillegung reif sind und wenn der Rattonalisierungsprozeß es erfordert, dann tonn man das Schicksal der Schächte auch nicht durch Preiserhöhungen, selbst wenn man sie in einem Ausmaß �von 19 Proz. fordert, aufhalten, Früher oder später wird dann die Stillegung erfolgen müssen. Stellt man sich aber, wie das Kommerzienrat Gumpcl tut, auf den Stand- Punkt, wenn die Preiserhöhung nicht bewilligt wird, muß die Stillegung erfolgen, so darf angenommen werden, daß hier Still- legungen als Druckmaß n ahmen gegen den Reichskali- rat und gegen das Reichswirtschaftsministerium geplant werden, die durchweg unbegründet sind. Wir haben in der letzten Zeit, besonders im Falle der westfälischen Zeche„Mar- garethe', gesehen, wie derartige Stillegungen vollzogen werden und sind überzeugt, daß eine Untersuchung, wie sie im Falle„Margareche" vorgenommen worden ist, zu ä h n l i ch e n Ergebnissen fuhren wird. Der Reichskalirat und das Ministerium sollten gegenüber Drohungen, wie sie auf der Generaloersammlung der Heldburq A.-G. laut geworden sind, nur ruhig Blut bewahren und die Kaliindusiriellen durchaus nicht darüber im unklaren laßen, daß man mit ähnlichen Mitteln wie im Fall der Zeche„Margarethe" vorgehen wird. Die Möglichkeit üer Reparationszahlungen. In dem eben erschienenen„Deutsch- Nordischen Jahr- buch 1 926" unterwirft der bekannte schwedische Profeßor und Finanzsachverständige Gustav Cassel den Dawes-Plan und den ersten Jahresbericht des Dawes-Agenten in Deutschland einer ein- gehenden Kritik und kommt zu dem Schluß, daß außergewöhn- liche Verhältnisse die Zahlungsfähigtest für die Reparations- schuld bisher ermöglicht haben, daß aber„die Aussichten für die Mög- lichkeit künftiger Reparationszahlungen nicht besonders gut find". Deutschland habe die Zahlungen dieses Jahres indirekt durch die Aufnahme ausländischer Kredit« geleistet, es„kann nicht in Ewigkeit damit fortfahren, neue Kredite im Auslande aufzu- nehmen, es muß sich im Gegenteil daraus vorbereiten, bedeutende Teil« der bereits erhaltenen Kredite in den nächsten Jahren zurück- zuzahlen". Künftige Zahlungen könnten nur bei einer pofi- tiven Handelsbilanz Deutschlands, und zwar durch Ver- größerung der deutschen Ausfuhr auf beinahe das Doppelte des Be- träges des ersten Raparationsjohres geleistet werden. Abschließend schreibt Prof. Cassel:„Auch wer eine besonders optimistische Auffassung von der kommenden Entwicklung der industriellen Produktionssähigkeit Deutschlands hat, muß sich angc- sichts dieser Tatsachen sagen, daß, bevor die Frage, wer diese Maße van deutschen Exportwaren empfangen soll, geklärt worden ist, die Möglichkeit von Reparationszahlungen im größeren Umfange sehr zweifelhaft ist." Zur italienischen Wirtschaftskrise. Mußolinis Leibblatt, der„P o p o l o d' I t a l i a", stellt sich diö Frage, ob es ein« Krise in Italien gebe, und beantwortet sodann diese Frag« mit Argumenten, die deren Nichtexistenz beweisen sollen. Erstens, so antwortet da, Blatt, gibt es kein« Arbeits� l o f i g k« i t. Weiterhin gibt es. so fährt e» fort/ ein« große Anzahl Leute, die täglich in's Gebirge oder an die See reisen. Im übrigen seien die Kinotheater immer überfüllt. Schließlich— und das ist das Hauptargument— feien die Dividenden der Aktiengesellschaften sehr hoch und die Börsenpapiere würfen reichliche Gewinn« ad. Der„Popolo d'Jtolia" vergibt bei diesem letzten Argument leider hinzuzufügen, daß die Industrie in Zeiten der Ärisis die Löhn« zu beschneiden und die Arbeitszeit herabzumindern pflegt, ehe sie die Dividenden der Aktionäre zu beeinträchtigen wogi. Di« unoer- dächtigst« Antwort auf seine Frage erhält der„Popolo d'Itolia" von dem„Wirtschaftlichen Nachrichtenblatt des faschistischen In- dustrievevbandes". Es schreibt: „Das Gefühl des Drucks und der Unsicherheit fährt fort, auch in den letzten Wochen das Wirtschaftsleben zu beherrschen. Die Uuzuoerläffigkeit des Wechselkurses macht fast jede Voraussicht auf den zukünftigen Markt unmöglich und zwingt Käufer und Ver- käufer, mit der äußersten Vorsicht zu handeln, und oerhindert damit den Abschluß von Geschäften. Andererseits erleiden die Rohstoff«, die wir aus dem Auslande einfiihren müssen, Preis- «rhöhungen. die sich in den Preisen der Waren unbedingt auswirken müssen. Diese als allgemein festzustellende Situation des Inland- Marktes kann auch die Schwierigkeiten für heut« bereits abge- schlössen« Verkäufe erhöhen. Di« industriellen Unternehmungen geben sich die größte Muhe, ihr« Aktivität aufrechtzuerhalten, aber sie haben nicht immer die Möglichkeit, die ihren Absichten zu diesem Zweck« entsprechen. Aus jeden Fall bleibt die Vorsorg« für die unmsttelbare Zukunft angesichts der ollgemeinen Lage des Inland- Marktes, der verschiedenen Auslandsmärkte und der Finanz- und Kreditfchwierigkeiten unsicher." Dos Nachrichtenblatt fügt hinzu, daß die schon verminderte Tätigkeit einzelner Industriezweige, namentlich der Textilindustrie, bereit» ihre Auswirtungen auf dem Arbeitsmorkt gezeigt haben. '_' D. C. Anhaltender Rückgang der Konkurse. Nach Mitteilung des Sta- tistifchen Neiä'somts wurden im Juli d. I. durch den„Reia.s- onzeiger" 701 neue Konkurse— ohne die wegen Maße- mangels abgelehnten Anträge auf Konkurserösfnung— und 366 angeordnete Geschäftsaussichten bekanntgegeben. Das sind gegenüber dem Juni 212 Konkurse und 112 Geschäftsaufsickten weniger.(Die entsprechenden Dormonatszahlen stellen sich auf 913 bzw. 477.) Die Sanierung der Slock-Motorpflug A.-G. Nachdem die Stock- Motorpflug A.-K. aus dem Kahn- Konzern losgelöst ist, blieb der Generaloersammlung nur übrig, den Schlußstrich unter diese Episode in der Geschichte der Gesellschaft zu machen, um ihr dadurch das Weiterarbeiten zu ermöglichen. Das geschah durch Zusammen- legung des Aktienkapitals im Verhältnis 2: 1 und Umwandlung der 100 000 M. Barzugsaktien in Stammaktien. Das Aktienkapital beträgt nunmehr 2.425 Mill. M. Dadurch wird der buchmäßige V« r"l u st von 2,686 Mill. M. getilgt. Ein weiterer Verlust von 1,44 Mill. M. ist auf Reorgonifationskonto verbucht. Für seine Til- gung werden die in der Berbuchung der Anlagewerte vorhandenen stillen Reserven in Anspruch genommen und es wird eine Höher- bewertung dieser Anlogen vorgenommen. Die Wiederaufnahme des Betriebs findet nach Mitteilung in der Generalversammlung Anfang August statt. Der Verkauf ihrer Fabrikate wird der Gesellschaft dadurch erleichtert, daß sie zu dem Kreis der Interessenten, der mit Reichsbeteiligung gegründeten Traktatorengesellschaft gehört, deren Ziel die Beschastung von Landmaschinen aus dem Wege des Kredtts ist. Die 6,370 Millionen Verbindlichkeiten drücken die Stock-Gelell- schaft nicht, da ihr hierfür weitgehende Stundungen und leichte Ab, Zahlungsbedingungen gewährt sind. Die Poloiiisierung der polvifch schlesifchen Glesche-Gesellschaft. worüber zwischen dem amerikanischen Harriman-Konzern und der polnischen Regierung Verhandlungen schwebten, ist jetzt, wie uns unser Breslauer Mitarbeiter meldet, Tatsache geworden. Die beiden deutschen Generaldirektoren des Konzerns wurden abberufen. An ihre Stelle tritt der bisherige stelloerttetende Direktor, der Ratio- nalpol« ist. Diesem Wechsel in der Leitung dürfte bald«in« weitere Anpassung der Personalpolitik des großen Konzerns folgen. Die Gieslbe-fiarriman-Gesellschast stallet damit ihren Dank an die polnische Negierung für den umsangreichen. ibr gewährten Steuer» nachlast ab. Die Besitzer der deutschen Giesche-GeseUschoft aber hoben auf Kosten des Deutschtums wenigstens ihre diesseits der Grenze gelegenen Betriebe sanieren können. Es handelt sich bei ihnen um„sehr nationale" Kreis« des schlesischen Adels und des Alldeutschen Verbandes. .er.- Unterhaltung unö A�issen Die unbegreifliche Erscheinung. Drei Grotesken aus dem Leben des modernen russischen Ls Dorfes von Panlelejmoa Romanow. Alle wußten, daß Afonjka noch keinen Kopeken gesehen hatte. lind als jemand zwei Wochen nach seinem Stellungsantritt seinen Hintern ins Licht rückte, so waren der Flick und die Löcher auf dem Platz. «Da hast du die ganze Abrechnung auf der Hand.* Die Besonderheit Afonjkas als Verwalter des Lades war die, daß er nie Schulden einkassierte. Es ist möglich, daß er dabei folgende Erwägungen hatte: «Sie sind der Inhaber, die Bude gehört ihnen, und falls fie nehmen, so werden sie schon wissen, wann sie zu bezahlen haben.' Aber vielleicht hatte er gar keine Erwägungen. «Gibt's Petroleum?' fragte irgendein Käufer drei Wochen noch Eröffnung dieser Bude. «Nein, aber Teer.' »Teer brauch« ich nicht. Ich laufe schon die zwekte Woche nach Petroleum.' »Nun, wirst die dritte auch noch laufen, was meinst du. ich soll deines Petroleums wegen in die Stadt fahren? Nimm da gegenüber im Laden.' Nach vier Wochen war die Kooperative leer. »Das sind aber Umsätze,' sagten die Bauern,»und wir fürchteten. keinen Umsatz zu haben.' »Eh, was schiäfft du denn, und schickst nicht nach Ware?' rief man Afonjka zu. »Kein Geld da.' »Die ganze Bude ist ausverkauft und kein Geld? vtan wird Revision machen müsien.' Die Revision kam. Da aber Afonjka keinen Kredit ange- schrieben hatte, so konnte die Revision nicht sesfftellen. wer so ge- wissenlos gegenüber dem Genosienschastseigentum war. »Wer nahm auf Rechnung?' fragte der Revisor. Alle standen herum und schauten zur Seite aufeinander. »So wird man von dir die Schulden eintreiben müsien,' sagte! der Revisor zu Afonjka. Und alle sahen, wie Afonjka sich herumdrehte und dem Revisor das zeigte, was er gewöhnlich jedem zeigte, der von Schuldem- treibung sprach. Der Revisor schaute ganz mechanisch auf diese Stelle, und sah da«, was alle schon gesehen hatten: den Flick und zwei Löcher. TL Sodann beschloß man, daß es bester wäre, mehr zu bezahlen, ober dafür einen richtigen Menschen hinzustellen, der den ganzen Tag hinter dem Ladentisch steht, nicht auf Tod und Teufel pumpt, und alles einschreibt. Man wählte Kubanoss, den früheren Aufsichtsrat, der auf Be- jehl aus der Stadt wegen Mißbrauch« der in seinen Händen liegen- den Macht abgesetzt worden war. Dieser Mann war zur Macht ge- boren, und hatte m seiner Auffichtsratstättgkeit, die er ein halbes Jahr ausgeübt hatte, seinen wahren Berus gefunden Er glaubte, daß das Hell jeder Sache in Streng« und Ordnung liege. Als man ihn damals absetzte, fühlle er sich aufs tiesste betroffen. Als man ihn nun zum Logerhalter wählte, sagte er nur: »So, so, ihr Schufte, habt ihr mich nun endlich ertanntk' Auf seinem neuen Posten bewies er, welch« Wunder bewußt« Machtentfaltung bewirken kann, selbst auf einem so winzigen Felde, wie ihm nun vergönnt war. Wenn die Leute fich dem Laden näherten, so begannen ihnen die Zähne zu klappern, als ob es zum Staatsanwalt ging«, der ihnen dt« Eingeweide nach außen kehven und auswaschen würde. Kubanoff sah immer hinter der Zeitung. Trippelte ein altes Mütterchen in den Laden, so ertönte es barsch hinter der Zeitung hervor: »Was nötig?' ?! »Was willst du hier?' »Ja, Väterchen, ich wollte, was wollte ich nun...' »Was?! Sprich schnell! Was trödefft du da! Ist dir die Zunge gelähmt? He!' »E' Nösel Petroleum wollt' ich!' .Wo nimmt dein Sohn da» Geld dazu her? Ich werde euch schon kommen. Alles werde ich an'» Tageslicht bringen! In die Kirche gehst du? Und der Pope kommt zu dir ins Haus? Was stotterst du da. sprich doch richtig! Host du auch die Steuern be- zahlt? Nein? Woher nimmst du denn da» Geld? Mir entgeht nichts! Wer fft auf die Sparkasie gegangen? Ich sehe von hier alles! Das wird alles gemeldet werden! Da hast du dein Nösell Nimms und laß dich nicht mehr sehn!' Ganz verstört huschte die Alte au» dem Loden, hastete fort und bekreuzte sich, so oft sie sich umschaute. Kubanoff wähnte, daß seinem Posten der Behuf innewohnte, in alle Lebensgeheimnisie seiner Mitbürger einzudringen, und be- nahm sich vor den Käufern, wie ein Chef zu seinen Angestellten. von denen er zunächst einmal alle Anzeichen der Furcht fordert«. Seine größte Wonne war, sie vor Angst zittern zu sehen und ge» wahr zu werden, wie chre Zunge von einem einzigen Anschnauzer am Gaumen festklebte. � Das Geschäft verachtete er im Grunde genau so, wie Asonjka. und schob es ganz hintenan. Zuvörderst kam bei ihm ein Regiment der Strenge und Ordnung. Die Bedürfnisi« der Käufer verachtete er und hielt ihre Wünsch« für Anmaßung. »Was gibst du mir da, ich bat ja um Teet' sagte irgendein junges Mädchen. »Nimm, was man dir gibt. Tee gibts nicht. Kram da nicht herum. Nimm es ja, sonst geht es dir schlecht! Und räsonier nicht, sonst werd ich's melden. Und du?' .Petroleum.' »Gegenüber!' Bei diesem Lagerhalter fand die Revision völlig« Ordnung in den Büchern, aber auch völligen Stillstand im Handel. Niemand wollte oder konnte mehr kaufen, obgleich die Verwaltung die Preise um 20 Prozent gegenüber Fonntscheff gesenkt hatte. »Fonütscheff, bist du noch am Leben?' fragte jemand. »Ganz leidlich', antwortete der Händler und lüftete die Mütze auf der Schwelle. »Wie geht denn'» Geschäft? Do drüben ist'» so» Prozent bWgerl' »Gott hilft schon.' helö primo. Offizielles öulletin: , Trotz der üroheuüea Lebensgefahr verlor der viktator nicht einen /lugenblick Sie Geifiesgegenwart." »Ein« Pest ist es mtt diesen Halsabschneider»! St« sind nicht tot zu kriegen! Der Teufel steckt dahinter!' dachte der Fragende. »Wie soll man dich denn unterkriegen. Fornttscheff?' »Da» müßt ihr bester wisienl' antwortete Fomftschefi. Als dann die Behörden den Sturmangriff auf den Privathandel eröffneten, war Fomitschesfs End« allen offenbar. _(Schluß folgt.) Eine neue biologische Theorie. Bon Dr. W. Wächter. Es gibt zwei Arten des Idealstaates, einen demokrattich-sozia- listischen und einen autokratischen. Im ersteoen denken wir uns jedes Individuum an semein richtigen Platz, er wird nach seinen Fähigkeiten und Neigungen für die Gesamtheit oerwendet, und jeder einzelne hat die Möglichkett, im Gemeinwesen an jede nur mögliche Stelle zu kommen. Jedermann trägt, wie der napoleonijche Soldat. den Marschallstab in seinem Tornister, und das gibt auch dem. besten Fähigkeiten nicht zum Feldmarschall ausreichen, das Bewußt- sein, nicht durch Rassenvorurteile, ökonomische oder sonstige äußere Bedingungen und ähnliches am Emporkommen behindert zu sein, und er erfüllt der Gesellschaft gegenüber darum seine Pflichten auch in. einer äußerlich weniger hervorragenden Stellung.— Im outo- kratischen Jdealstaat steht an der Spitze des Gemeinwesens ein König, ein Priester, oder eine klein« Gruppe von Aristokraten, und unter ihnen erfüllen die Angehörigen verschiedener Kasten ihr« Staatspflichten. Eine Vermischung der Kasten ist unmöglich, es gibt überall»gottgewollte Abhängigkeiten' und„wer Knecht ist, soll Knecht bleiben.' Jeder ist»von Natur' dazu verdammt, für sich und seine Kindeskinder mit dem zufrieden zu sein, was ihm selbst als..Schicksal' in die Wiege gelegt worden ist. Seit der Entdeckung der tierischen und pflanzlichen Zellen und seit der Aufftellung der Zellentheorie durch den Botaniker Schleiden und den Zoologen Schwann in der Mitte des vorigen Jahrhunderts fft es allmählich dahin gekommen, daß jedes Schulkind beutzutaae lernt: der Organismus besteht aus Zellen, jede Zelle hat einen Zellkern und Protoplasma und st« bildet die eigentliche physiologisch« Einheit; der Körper ist nichts wetter als eine Ansammlung von Zellen, die alle aus einer Eizelle hervorgegangen sind, und man be- zeichnet jeden Körper, sei er Tier oder Pflanze, wenn er mehrzellig ist, als Zellenstaat Die Beobachtung lehrt nun. daß nicht all« Zellen die gleiche Ausgabe haben, sondern daß wir e» mtt einer weit- gehenden Arbeitsteilung zu tun haben. Gewiste Zellen im Körper der höheren Pflanzen bleiben dauernd teilungsfähig: aus ihnen entstehen die neuen Knospen, die neuen Wurzeln, neue Gesäße für die Wasserleitung und den Nahrungstransport, die grünen Blätter. kurz alle Organe, die irgendein« Arbett zu leisten hoben und damit unter normalen Umständen dann die Fähigkeit weiterer Tei- lung verlleren. Nun weiß aber jeder Gärtner und jede Blumen- sreundin, daß man Stecklinge oder Ableger machen kann. d. b. wenn wir aus dem Gesamtverband einer Pflanze einen Teil heraus- lösen, so kann er sich zu einer neuen Pflanz« entwickeln, weil irgend- welche Zellen zu Wurzeln auswachscn, die nicht entstanden wären. wenn ein« Lostrennung des Stecklings nicht erfolgt wäre. Das wissenschaftliche Problem bestand nun darin, zu untersuchen, unter welchen Bedingungen derartige Regenerationen möglich sind. Man nahm dabei ganz stillschweigend an, daß theoretisch die Möglichkiat besteht, daß aus jeder Zelle unter den geeigneten Bedingungen eine neue Pflanze entstehen könne, weil ja alle Zellen von einer ein- zigen abstammen und somit bei der Zellteilung auch alle Bildungs- begabt sei, um au» ihrem Dauerzustände herauszukommen Man war viel eher geneigt, vergebliche Bemühungen einer nnvollkomme- nen Experimentiermethode zur Last zu legen. Nun kommt Professor Mi eh« in Berlin und bezweifelt die Möglichkeit der Regeneration einer Pflanze aus der Einzelzelle, wenn diese nicht von vornherein dafür bestimmt fft. Er meint, die theoretische Einstellung der Botaniker läge im Grund« genommen an nichts anderem, als daß man an dem Dogma der Zelleittheorfs.� festhalte. Es gibt ja groß« Meeresalgen, vi« einzellig sind und da- bei viel« Kerne haben, die nicht durch Zellwände voneinander-ge«. kennt sind. Diese Algen haben nie recht in da» Zellstaatenschema hineinlgepaßt, und man mußte allerlei gewundene Erklärung;)- oder Deutungsversuä)« machen, um die»Einzelligkeit' dieser Niejen- algen mit der Zellentheorie in Einklang zu bringen. Wenn man den ganzen Plasmaleib einer Pflanze als eine Einheit betrachtet— in der Tot besteht ja auch eine Verbindung des Plasmas durch die Zellhäute hindurch— und die Zellwände gewnsermaßen nur als Gerüst, dann wird man allerdings kaum auf den Gedanken kommen, aus irgendeinem kleinen Fetzen der Pflanze ein nenes Individuum zu machen. Da bisher nicht der Beweis dafür erbracht ist, daß aus jeder Zelle eine neue Pflanze entstehen kann, so hält sich Professor Wiehe für berechtigt, anzunehmen, daß alle Zellen, die befähigt sind, aus sich heraus Neubildungen entstehen zu lassen, als solche vorher bestimmt, wenn auch nicht immer gekennzeichnet sind. Er nimmt an, daß schon gleich bei der Entwicklung, bei der Zellteilung das Plasma ''sieden wird in solches, das zu Neubildungen befähigt und solches. neue Pflanze entstehen könne, weil ja alle Zellen von einer ei«) zigen abstammen und somit bei der Zellteilung auch alle Bildunas- stoffe von der Mutterzelle auf die Tochterzellen übergehen. Bis in die neueste Zeit hinein haben sich darum die Forscher bemüht, aus einer ffolierten Zelle oder einer kleinen Zellgruppe bei künft- licher Ernährung Zellteilungen und Wachstum zu veranlassen mit dem Hintergedanken, es auf diese Weise doch einmal zu einer ganz neuen Pflan.z« zu bringen. Besonders, seitdem der Botaniker Adolf Hansen in Gießen gezeigt hatte, daß ein Begoniablatffteckling aus einer einzigen Oberhautzelle hervorgeht, also au» einer ausae- sprochenen Dauerzell«, zweifelte eigentlich nsemand mehr an der Richtigkest der allgemein angenommenen Theorie von der Allmacht der Zell«. Die Botaniker hielten den Zellenstoat für«inen durch- au» demokratisch-sozialfftischen in dem oben angedeuteten Ginne, in dem also jeder Soldat seinen Marschollstab im Tornffter trägt und jeder Arbeiter die Amoarffchast auf einen Minffterposten hat. Die Stuf fast ung war fo sehr demokratisch, daß man kaum einmal Ein- schränk ungen dahin machte, daß vielleicht doch manche Zell« zu un- zu Dauerzcllen, also zu anderen Zwecken bestimmt ist. Das Plasma, das die zu Neubildungen nötigen Stoffe enthält, nennt Wiehe Archiplaema, und die Zellen, die dieses Plasma enthalten, Archonten. Die anderen Zellen, die kein Archiplasina enthalten, sind die Ergoplasten, die Arbeitszellen. Aus ihnen ein Ganzes zu ge- stalten, ist von vornherein eine vergebliche Liebesmühe. In Fällen, wie bei der Begonia, wo aus einer scheinbaren Dauerzelle ein neues Individuum entstehen kann, spricht Professor Miethe von Krypt- archonten, also von Zellen, die gewissermaßen im Verborgenen Archiplasma enthalten. Beweisen läßt sich die Miehesche Hypothese natürlich ebensowenig, wie die bisherige Annahme, aber Hypothesen und Theorien lasten sich niemal? restlos beweisen, und mir hoben uns schon längst daran gewöhnt, von..Slrbeitshyprthesen" zu sprechen. Wenn durch eine Theorie oder Hypothese erreicht wird, daß eine Sunime von Tatsachen einheitlicher erklärt werden kann als bisher, oder wenn eine Theorie Veranlassung zu neuen wistenichast- lichen Fragestellungen gibt, dann hat sie ihren Zweck erfüllt.— Was an der neuen Theorie allgemein interessant ist, das ist dos Zurückgehen auf frühere Anschauungen, wie wir es von Zeit zu Zeit in der Wissenschast immer wieder erleben. Auch in der Medizin ist man von der strengen Zelltheorie wieder abgekommen, und die Frage: Präformation oder Epigenese, Vorherbestimmung oder willkürliche Entwicklungsänderimg wird immer wieder ausgeworfen wie die Frage nach dem freien Willen oder der Prädestination, nach der Kulturbeherrschung oder dem Schicksal.— Unsere gegenwärtige Zeit ist aus allen Gebieten geneigt, wieder einmal dem Schicksal alles in die Schuhe zu schieben und der menschlichen Vernunft und dem freien Willen zu mißtrauen, also ist es nicht zu verwundern, wenn der Zeit- geist aiich in der theoretischen Naturwissenschaft zum Ausdruck kommt. Der Name Archiplasma kann zweierlei bedeuten: Urplasmo oder herrschendes Plasma. Da Wiehe die das Archiplasma enthaltenden Zellen Archonten nennt, so scheint ihm doch wohl eine gewisse Herr- ichaft dieser über die Arbeitszcllen vorzuschweben.— Die Slnbonten im alten Athen waren die Nechfolger der Könige, anfangs wurden sie aus den Reihen der Adelsgeschlechter gewählt, später konnte jeder Bürger aus der höchsten Steuerklasse zum Archonten gewühlt werden. bis schließlich Arsttides bewirkte, daß jeder athenische Bürger ohne Unterschied der Geburt und des Vermögens an die höchste Stelle gelangen konnte. Der Staat wurde also immer demokratischer, und vielleicht erleben wir es, daß zu einer anderen Zeit der Miehesche Archontenstaat wieder zum ehemaligen Volksstaat wird. Aber in der Wistenschaft darf der Wunsch nicht Dater des Gedankens fein, und es ist sicher dem Verfasser des geistvollen und außergewöhnlich gut ge- schriebenen Buches mcht in den Sinn gekommen, daß Politik und Botanik überhaupt Zusammenhänge haben können.— Wenn man ein Buch, wie das Miehesche�) lieft, bedauert man, daß» wetteren Kreisen wegen der mangelhaften naturwissenschaftlichen Bildung ver- fchlosien bleibt. Es müßte viermal s» dick sein und eine Meng« Ab- bildungen enthalten, wenn e« jedermann oe?steh»N soffst. •) Das Archiplasma. Betrachtungen über die vraanisatw» de» Pftanzenkörpers, von Dr. Hugo Mieh«, Professor an der Landwirtschaftlichen Hochschule zu Berlin. Jena, Gustav Fischer, Sozlallftische �rbelterjugenü Groff-öerttn. Trefspuakle zur„Rie-wieder.Srieg--Slladgebuag heute abead: Noicllthalei Vorstadt: 7 Uhr Abmorsch vom Rosenthalcr Plötz mit den SuitosDuMjIiilon.— SchSahavscr Vorstadt 1: Vi7 Uhr Bhs. Schiinhauser Aber.— Schöuhaolcr Vorstadt U: Nicht um 7 Uhr, souderu um W Uhr Daruiarr Strotz«. Eck« SchS-,l>auf«r Allee.— Baltevulatz: W Uhr ffitbctmlese.— Südost: ttzieicheaberft«! viertel): W Uhr Jugendheim.— Westen: V47 Uhr JUloflie- buratc Platz.— Eharlattenburg"" Itratz«.—«ried«n-a: V48 Uhr' witz: V47 Uhr Bhf. Lichterfeld«.. Steglitz l und ll:)H7 Uhr Bhf. Steglitz.— Trmuclhot»nd Mariendors! tzi? Uhr Kai serin-Augusto- Strohe und Bhf. Tempeihof.— Waunse«:\l Uhr Bhf. Wannsee.—!i«hlenl>ors:$7 Uhr Bhf. stehlendorf-Mitte.-» Italf'�nlen- weg: H7 Uhr Bhf. Baumschulenmeg.— Riederschön« weite: W Uhr Bhf. ~" thal: V47 Uhr Bhf. Johannisthal.— rreptowt »tenbeig. Mitte: 7 Uhr Bhf. Stralau-Nummels- Uhr am Schwargen Adler.— Ren-Lichtcnberq: «7'Uhr Bhf. Neu-Lichtenberg t«0 Pf. Fahrgeld).— Lichlenherg-W-st: 7 Uhr Bhf. Strolau-Rummelsburg. Werbebezirk Tiergarten: VkS Uhr kleiner Tier. garten.— Bedding:%1 Uhr Brunnenplatz.— Pnenzlaner Berg: W Uhr Danziger Strafte, Eck« Schönhauser Allee.— Serbedczirk Osten: W Uhr an der Webermies«.— Werbe beziii Srevzberg: 7 Uhr Hallisches Tor.— Müggel- fco und Oberspr«: VHS Uhr Bhs. Bellevue(Ausgang Brückenoll««). Einsendungen für dies« Rubrik find B«rlto SB«». Lindenstrafte 3, parteinachrichten für Groß-Serlin stet» an da» Beztrkosekretartat. Z. Hof, 2 Trep. recht», ,» richten. 7. kknei» Eharlottenbnrg. Die Genossen beteMgen ssch heut«, Mittwoch, abend an der Antikriegskundgebung der Arbeiteriugend auf dem ffriediich-karl. Platz. Der Fackelzug berührt die 52.. 53., 54., 65. und 51. Abt. 13. lkrei» Tempelhof, Mariendars, Marienseld«, Lichtenrade. Sonn- tag, den 8. August, W o I d f e st d«» kreise» in Lichtenrad«. Beginn nachmittags 3 Uhr. Mitwirkende: Iungsozialissen und Arbeitersuzend. ffahrgllegcnhett: Bis Bahnhof Lichtenrade, Hilbertstraft«. 1. Ouerstraft« recht», dann links einbiegen in di« Biktoriastraft«, dieselb« gerad«- au» bis zum Waldrand. Kaffee muft gekocht mitgebracht werden, da kein« Gelegenheit zum Kaffeekochen vorhanden ist. GSft« herzlichst willkommen. Ausgabe von Leiter und Braus». Heute. ZMllwoch, den 4. August: 55. Abt. Charlottenbnrs 3 Uhr bei Liersch. Kantftr.«2. wichtig« Funktionlir- sttzung. All« Kassttrer müsse» edenfal» zu dieser Sitzung unbedingt»r- scheinen. W. Abt. RenkZlln. Die vorfiandssstzung mit d«n Bezirksfllhrern findet abends 7)h Uhr bei Lvddeck«. statt. Sämtliche Genossen müssen vertrete» sein. 154. Abt. Niederschöll eweid«. T-h Uhr bei Thiele. Berliner Str. 33, wichtige jsunktionärsttzung. Morgen. Douaerskag. den S. August: ZI. Abt. 7sh Uhr bei Heiles wichtig« ssunktionärsttzuna. 78. Abt. Sehineberg. 8 Uhr bei König, Feurig-, Ecke Priitz-Georg-Straft«, Funktionärsstzung. 96. Abt. Neukölln. 7% Uhr im Lokal Lohann, ZSWver Str. 18—19, Funk- tionärsstzung. IN. Abt. Treptow. Vh Uhr in der Spedition vroetzstr. 50 Sitzung de» Ad- teilungsvorstandes mit den Bezirksführern. 47. Abt. Am Sonntag, den 8. August, nachmittags 3 Uhr(Einlaß 2 Uhr), findet bei Nitfchke, Biktoria-Garten, in Treptow unsere Bannerweihe statt. Deiherede: Bürgermeister Dr. Herz. Reichhaltiges Programm: Konzert, Sozialistische Arbeiterfugend. Ar- beitsaemeinfchaft der Kinderfreund«. Eintrittskarten 50 Pf. Kinder von s bis 14 Jahren 10 Pf. Die um Z Uhr beginnend« Demonstration geht nicht vom Marian nenplatz, sondern vom Lausttztr Platz au», ve- teiligung aller ist Pflicht. 9. Abt. Freiwg, den 0. August, abend« 7 Uhr, treffen stch die Vorstands- Mitglieder und um 3 Uhr di« Funktionär« bei Hübner, Äilsnackcr Str. 34. Sämtlich« Genossen müssen unbedingt erscheinen. 93. Abt. Neukölln. Freitag, den 1. August, 7)d Mir. bei Tormählen, Hertz- bergstr. 22. wichtig« Funktionärsttzung. Die Bezirksführer werden dringend ersucht, bestimmt dazu einzuladen. Frauenoeranstaltungen: 9. Krei» Bllmcrsdorf. Donnerstag, den 5. August, nachmittag» 4 Uhr. Kaffeekochen der Frauen und Kinderfreund« auf dem Turnplatz Württem- bergisch«. Ecke stähringer Straft«. Mit den Kindern wird getanzt und gespielt. Gäste herzlichst willkommen. 17. Krei, Lichtenderg. Freitag, den e. August, nachmlttag« i Uhr. treffen stch die Genossinnen zum Aaffceiochen im Restaurant Wiesengrund, auf dem Bahnhof Friedrichshagen. Gäste stnd herzlichst eingeladen. 119.«it. Lichtenberg. Zum«offeekochcn am Freitag, den I. August, treffen stch di« Genossinnen nachmittags 2 Uhr auf dem Bahnhof Frieirichshage». Freunde und Bekannte stnd herzlichst willkommen. ZungfozwNstea. heute. Mittwoch, den 4. August: Spielgeweinschaft: 71b Uhr im Zugendheim de« ZdA.. Belle-Allianee- 7 Uhr Sallesche, T-r.— Gruppe Norden> stratian und Kundgebung um W Uhr auf gebäude. Sterbetafel üer Groß-öerliner partet-Grgantsation 57. Adt. Eharlottenburg. Wie un» erst jetzt bekannt mlrd, ist unser lang- lilhriger Genosse Lothar Heller, Bankbeamter,«nesedcckstr. 77, am 18. Juni plötzlich van einem Schlaganfall dahingerasft worden. Wir werten sein Andenken in Ehre» halten. Vorträge, vereine unö Versammlungen. Reichsbanner.SchwarPRot-Gold". Geschäftsstelle: Berlin«14. Sebastianstr. 87/38. Hof 2 fr. Tiergarten: Kameratschaft Stephan Ml., d. 4., Bers. bei Hühn«:, Wilsnacker Strafte.— Eharlottenburg: Nürnberg-Fahrerl Meldung bis 5. August bei Kam. Behrendt, Kanalstr. 8. ffr., d. 8.. abend» 7)4 Uhr. bei Schlich� Spreestr. 21, Umzug mit Wustk. Pslichtveranflaltuna.— Köpenick: ffr., d. I., abends 8 Uhr. im kleinen Saal des Stadtiheater» Mitgl.-Berf.— Lichtenberg nebst Untergruppen: Do., d. 5., Antreten sömtlicher Kameraden Bhf. Lichtenberg-Friedrichsfelde zum Ummarsch 7>4 Uhr. ffr.. d. I.. abend, 7 Uhr. ssugsllhrersttzung bei S. Krüger, Tllrrschmidtstrafte, 8 Uhr Zuasttzungcn in den bekannten Lokalen. Mi., d. 4., abends 8 Uhr, Sitzung der Zug- und Lrtsgruppenstlhrer bei Krüger, Tllrrschmidtstrafte.— Reinickendorf(Kreio): Rürnberg-Fahier haben da» Fahrgeld b>» spätesten« 5. August abends an den d. 5., abends 8 Uhr, Bollvers, bei Lindner. So., d. 7.. Lokal Snauert. Fackelzug 8 Uhr. verfass ungsfeier im L-ndswannfchaft der echkeswig-S-kstrsaer. Donnerstag. 5. August, abend» 8 Uhr. im Bereinslokal Restaurant Zacab Esser, Köpenicker Str. 70», platt- deutscher Bartra« und Unterhaltungscdend. Vortrag über.Ludwig Frahm". Arbeiter-Samaeiter-Kolonve Berlin,«. B. Donnerstag.». August, 714 Uhr. Mitglied« rverfammlung der Abteilung Ih-rlottenburg im Jugendheim Rosinen. strafte 4. «rbcitsgemeivschaft entfchiedener Republikaner. Donnerstag, 5. Augnst. 8 Uhr, in der Dönhoff-Konditorei, kourmandantenstr. 84, öffentlich« Sitzung de» Arbeitsausschüsse». Entschieden« Republikaner aller Parteien willkommen. 95 3ANDORF WOCHE. 95 Bele-lDliiceSlnfte ♦ Gr. 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ToHasenheidJllO 8 Uhr: ati Gartim Eden HonuXUenbcns Tel-- Norden 6304 8 Uhr: Drei Midelvoa beute OpsreltiToa Hans May SCiäM Ttglleh 8 Uhr: Singers Midgets Revue o. «Toto" Komische Oper S1/« vir James Klein S1/, Dia große Revue Berlin ohne Bernd 1 Allabendlich 930 Uhr Die sensationelle Einlage; Satans Brantnacht! (Jeher 200 Mitvlrkende: faäerl Mittwoch, den 4. August nachmittags 3 Uhr lleinei Theater Donnerstag, 7,/1Ubr: Premiere Asta Nielsen Blla Cavallnl Casino-Theater Siederei JflnunB nach vollsUlndlger Renovierung Freitag, 18. Aug. 8 Uhr: ffai Mi fgrmag EUie-Sünger Kottbutet tu. 1 »i83iA.taflienhr. veriangenefl «-Ittniai berCrlglnol Mehdetiarüer EUle Sinter mit vkllig Rietenvrogr. I Bannnervretl». Deolsehes lOnsli.- Theater Tägl»I, Uhr: Oer lobelprels bni4li v.Hjil BaiSvjmn TL a-ftnifürstendaiiii Täglich 8 Uhr: Yvonne IhiI« v. UzkreiROitr Ihsikv. Hugo Hirsch Kose-7heater 8'/, Uhr: Olaf, Tragödie eines Sportlers Qartenbßhne: Si/jUhNKonxar« and Bonler Teil 8 U.- Fttnierchrlttl Zoolog Garten Tlgllch ab 4 Uhr Konzert Aqnariom geöifnet v.9— 8 U Tlerkonat» Auestellung Krause- Pianos zur Miete AntbacherStr. I, (dekirflntrutnl« la. Eldertettnse 9 Ptd. M frko Dampf kiselabrlk Rendabnrg. Nach erfolgter Renovation I MMUn WliM-WW! ' pnedeosprettel-M» Rauchen gesmttett Reicbshallen- Theater Allabendlich 8 Uhrt . Dönhofl-Brettlssuli BoU Varietä/ Konzert/ Tanz Anfang 8 Uhr, Sonnteg« r�Jühr Am 8. August d. Js. 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Nach kurzer schwerer Kranthell»er- schied beute Metlgg 2 Uhr. mein innig, geliebter, treusorgender Gatt«, unser iieder guter Bater. Schwiegervater, Groftpatee und Onkel, der Korrektor flermann Grobert im 7& Lebensi-Hr«. Zw Namen aller Hinterblled enrn Arnrna Srnbeet, gab. Sucker. Berlin, den 9. August 132» «reitestr. 8 3. Die Beisetzung findet am Donner«. tag. den 5. August, nachmlllag« 2 Uhr, von der Halle de« St. Petri-Kirchhose», Friedenstr. 8l. au» statt. GeltgenhrUI Vertiko U>�.«osd:. toilette Ii.—. Ruftdaum�chreibüsch 25.—. Küchen 24.—. Plüsch sofa 15.—. Möbelhaus Gottlieb, Rügenerstrofte drei. zehn,_ Mokettelsfa. neu, 70,—, Tbailelonaue. neu, 15�—. Möbelhau» Gottlieb. NU- aenerftrift« dreizehn.__• Herren, immer 290,—.«Indledersessel 85,—. ftahlungserletchterung. Kamer. ling. Koftanienallee 55.» vatrutmatratzeu..Primifstma�. Metall. brtten. Auflegematratzen, Chaiselongucs. Walter, Stargarderftrafte achtzehn. Spezialgeschäft.• Musikinstrumente Aia»»« preiswert. Link. 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