HbenSausgabe Nr. 367 ♦ 43. Jahrgang Ausgabe B Nr. 1$1 StjufisbtMneungtn lind anjtiaendttife lind in der SBotfienausgobe onfleartien Hedattion: Sw. 0«. Cindcujlcage 3 Aerosprecher: VSnhoff 292— 297 XeL'V&reffe.-Sosialdcinofcaf Bctlln Devlinev VoMsblstt (�10 Pfennig� O Ireitag b. fluguft 792H Verla« und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit Sib bis S Uhr Verleger: vorwilrts-verlag Sn>dH. Berlin Sw. S». Llndenslrahe 3 Zernsprecher: Dönhoff 292— 297 SW Zentralorgan der Sozialdemokratifcben Partei Deutfcblands Schröders letzte Hoffnung. Er widerruft vor— Kölling. Der Raubmörder Schröder hat vor dem Unter- suchungsrichter Kölling sein Geständnis widerrufen. Das war vorauszusehen. Er kämpft um seinen Kops— man kann auch sagen, um jeden Tag. Interessant ist nur, wie sich die Stellung des Untersuchungsrichters im Behördenkonflikt im Kopfe des Raubmörders malt. Eine Bedeutung für den Beweis gegen Schröder bai dieser Widerruf nicht. Es bleibt das Geständnis der Äöge, es bleibt der Indizienbeweis, es bleibt das Geständnis Schröders selbst, das mit diesem Widerruf als Beweismittel Nicht aus der Welt geschafft ist. Es hat höchstens eine Bedeutung für Kölling. Während heute morgen die gesamte Rechtspresse'hre nieder- trächtige Hetze gegen die preußische Regierung abbrechen mußte, hat die„Deutsche Zeitung noch eine leiste Hoffnung aus Kölling und auf Schröder gesetzt. Sie schrieb: „Nach allem, wa» man bisher erlebt hat, wird man erst Magdeburger Nachrichten abwarten müssse n. um die Bedeutung der obigen Berliner amtlichen Erklärung erkennen zu können." Kölling hilf! Nun, die Hoffnung auf Magdeburg ist nicht enttäuscht worden. Schröder hat sein Geständnis wider- rufen, und Kölling hat den Widerruf der Presse mitge- teilt. Eine letzte Chance, die Hetze noch einen halben Tag fang fortzusetzen. Aber was für ein« Chance! Wird nun endlich das Justizministerium gegen Kölling vorgehen? Eine Ueberraschung, die keine ist. Magdeburg. 6. August.(Eigener Drahtbericht.) Schröder ist wieber in das Untersuchungsgefängnis übergeführt worden und soll dort nach Angaben von Berichterstattern, die ihre Informationen von K ö i t i n g beziehen, fem Geständnis, daß er der alleinige Mörder Hellmgs war und aus eigenem Antrieb« den Mord aus- geführt hat, widerrufen haben. Wenn auch dieser Widerruf kein« Bedeutung für die Klärung des Sachoerhalles hat— denn Schröder gestand unter der Last des urkundlichen Beweismaterials der Bertiner Kriminalisten— so läßt doch der unmittelbare Widerruf nach der Einlieferung in das Unter- suchung«g«fängnis sehr bedeutungsvolle Rucksthlüss« zu. Unmittelbar nach der amtlichen Bestätigung des Geftändnifles Schröders wurde angenommen, daß Haas, Fischer und Reuter sofort von Kölling auf freien Fuß gesetzt werden. Nachdem das am Freitag vormittag noch nicht geschehen ist, hat der Verteidiger von Haas bei der Beschwerdekammer einen beschleunigten An- trag auf Haftentlassung eingebracht, in dem er bittet, nicht mehr durch Nachprüfung seines umfassenden Entlastungsmaterials die Freilassung zu verzögern, denn durch das Geständnis Schröders erübrig« sich alles andere. Es ist anzunehmen, daß Haas noch heute oder spätestens morgen entlasten werden wird. Kölling, der Schröder nur nach schwerem Zögern aus seinem Machtbereich, dem Untersuchungsgefängnis, in das Polizeigsfüngnis überführen ließ, beharrte auf sofortiger Zurück. e r st a t t u n g Schröders. Dieser selbst hatte wenig Neigung, wieder zu Kölling zurückzukehren. Er genierte sich etwas und hatte vor allen Dingen nach seinen eigenen Angaben Angst, von neuem in die Zerre genommen zu werden. Nach seinem Geständnis war er in bester Laune und sagte zu Kriminalkommissar Dr. Riemann.'„W i r beide sind jetzt die berühmte st en Leute in Deutsch- land!" Diese Befriedigung seiner Ruhmgier(man denke an die künstlichen Schmisse, an den falschen Doktor usw.) stimmte ihn sogar fröhlich. Es ist falsch, anzunehmen, Schröder sei ein raffinierter, systematisch sich entlastender Gauner. Irgendwo steckt ein Kern(viel- leicht ist auch das nur Eitelkeit) Wahrhaftigkeit in ihm. Er sträubte sich bei allen Gegenüberstellungen dagegen, Haas, Reuter oder Fischer direkt ins Gesicht zu sagen, was er vorher von ihnen behauptet hatte. Als Haas in seiner Gegenwart gegen die Annahme protestierte, daß er In Rottmersleben gewesen sei, wich Schröder aus und sagte: „Dann müssen Sie einen Doppelgänger haben." Als Reuter ihn sehr energisch anging und bemerkte, wie Schröder zu der Dehaup- tung komme, er, Reuter, habe die Leiche transportiert, drehte sich Schi öder um und oerweigerte die Aussage mit dem Bemerken:„Ich habe ja schon alles gesagt." Ob es wahr stt, daß Schröder sich bei dem Verhör, das mit seinem Geständnis endete, nachher auf die Frag«:„Wie find Sie denn eigentlich auf Haas verfallen?" sagte,„Unter- suchungsrichter Kölling habe ihm Haas, den er vorher nie gesehen hatte, als Mann mit roten Backen und schwarzem Haar beschrieben', konnten wir nicht nachprüfen. Die amtlichen Stellen verweigern darüber jede Auskunft. Sowohl der Polizei- Präsident wie die Regierung schließen sich schon seit Tagen hermetisch von der Oeffentlichkeit ab. Internationale unü fibrüftung. Denkschrift der JLP. an die Internationale. London. 6. August.(WTB.) Die Unabhängige Arbeiterpartei hat dem Vollzugsausschuß der Sozialistischen Arbeiterinternationale eine Denkschrift über ihre Politik in der Abrüstungsfrage unterbreitet. Es heißt darin u. a.. die geplante, vom Völkerbund einberufene internationale Abrüstungskonferenz bezwecke die Herbeiführung nicht der gesamten Abrüstung, sondern der„Verminderung und Beschränkung der Rüstungen". Nach Ansicht der Unab- hängigen Arbeiterpartei könne sie daher von wenig Nutzen für die Beseitigung der Kriegsgefahr fein. Die vorbereitende Kom- mistion für die Abrüstungskonferenz erkenne anscheinend die Z w e ck- lostgkeit ihrer Tätigkeit als Mittel zur Verhinderung des Krieges an. Die Politik der daran teilnehmenden Regierungen be- weise, daß sie nicht a u s r i ch t i g seien. Die britische Regierung fahre zum Beispiel fort, Singapore auszubauen, halte ihre militärische Besegung Indiens und Aegyptens ausrecht, habe die Besetzung des Irak ausgedehnt, halte weiter die Vertragshäfen von China besetzt, beharre auf ihrer Kontrolle Gibraltars und des Suezkanals und lehne es ab, die Anwendung einer Seeblockade aufzugeben oder ihre Haltung gegenüber der„Freiheit der Meere" abzuändern. Dies« Handlungen, die auf Grund der Aufrechterhaltung der militärifchen und der Flottenmacht begangen würden, zeigten, daß die britische Regierung nicht den ausrichtigen Wunsch habe, die Abrüstung herbeizuführen. Solang« die Regierung«in« derartige i m p« r i a- listischc Politik fortsetze, bestehe keine Aussicht auf Ab- rüstimg oder Sicherheit für den Frieden. Es fei die Gefahr vor- honden, daß jede Vereinbarung zwifchen derartigen Regierungen über Herabsetzung oder Beschränkung der Rüstungen nur dazu dienen könnte, ein falsches Sicherheitsgefühl unter den Ar- b e i t e r n zu erzeugen, indem es ihre Aufmerksamkeit von der falschen und gefährlichen Politik, die verfolgt wird, ablenk«. Es sei die Pflicht der sozialistischen Bewegung, dies durch ein« beharr- lich« Bloßstellung der imperialistischen Politik, die kriegs- fördernd sei, zu verhindern. Die Zeit sei für die internationalen Sozialisten gekommen, um einen unnachgiebigen Standpunkt gegen den Krieg ein- zunehmen durch eine vereinte Weltkampagne für eine allgemeine Abrüstung, durch gegenseitige Vereinbarungen und durch die Or- ganisation des Wider st andes der Arbeiterklosse gegen jede Kriegsdrohung, einschließlich die Einstellung der Ar-- beit in den Schlüsselindustrien und die Weigerung, Kriegsdienste zu tun und Munition anzufertigen. Ferner sei kein wichtiger Schritt in Richtung'auf ein« Rüstungsbefchränkung wahrscheinlich, wenn die russische Mitarbeit nicht gesichert werde. Die Unab- hängige Arbeilerpartci fordere daher, daß neue Anstrengungen gemacht werden, um die Unstimmigkeiten zu beheben, die bisher eine Beteiligung Rußlands oerhindert haben. Spanien rollt Sie Ratskrise auf. Antrag, dey Studienausschuh einzuberufen. Genf, S. August.(Schweizerische Depeschenogenlur.) Der Vertreter Spaniens in der Kommission für das Studium der Zusammensetzung des Völkerbundsrates de Palafios richtete an den Präsidenten dieser Kommission, Bundesrat Motto, ein Schreiben, in welchem er ersucht, das Datum der zweiten Session der Kommission fest zu sehen. England und Frankreich bemühe« fich um Spanien und Brasilien. London, 6. August.(WTB.) Nach dem diplomatischen Korre- spondenten der„Morning Post" bemühen sich Frankreich und Großbritannien weiterhin, Brasilien und Spanien zu einer Nachprüfung ihrer Haltung gegenüber dem Völkerbund zu bringen. Es werde daraus hingewiesen, daß die Ab- ficht dieser beiden Staaten, ihre Verbindung mit dem Völkerbund zu lösen, wenn sie nicht ständige Sitze im Rat« erhalten, die Tä- tigteit des Bundes in Europa nicht behindern werde, obwohl sie eine fruchtbringende Arbeit des Bundes, was Südamerika betreffe, verringern könnte. Von vielen Seiten werde jedoch die Hoffnung ausgedrückt, daß beide Länder sich belehren lasten würden. poincars regiert Sie Kammer. Große Mehrheiten für feine Entwürfe. Pari», 6. August.(Eigener Drahtbericht.) Am Donnerstag nachmittag wurden von der Kammer im Verlauf einer einzigen Sitzung die beiden Entwürfe der Regierung über die Schaffung einer Amortisationskasse und die Erteilung der Crmächti- gung an die Bant von Frankreich zum Ankauf ausländischer Devisen und als Gegenwert neue Noten zu drucken, an- genommen. Die Diskussion verlief ziemlich inhaltlos. Widerstände traten, außer bei den S o z i a l i st e n, nicht aus. Der Sozialist Bedouce erhob allein gegen die beiden Entwürfe formellen Ein- spruch. Er betonte wiederum, daß besonders der zweite Entwurf eine verhüllte Inflation darstelle. Poincare hat aber. gegen die sozialistischen Bedenken ohne weiteres trium- p h i e r t. Beide Entwürfe wurden mit großer Mehrheit angenom- men. Der erste mit 42l) gegen 140, der zweite mit 365 gegen 181 Stimmen.— Das„Oeuvre" schreibt deshalb heute morgen, daß die Kammer auf den Punkt gelangt fei, daß Poincare mit Vor- schlügen kommen kann wie er will, sie nimmt ohne weiteres an. Cr habe nicht einmal mehr nötig, das Dringlichkeitsvcrfahren anzuwenden. Die ganze Debatte spiele sich so ab, als ob das Dring- lichkcirsverfahren in Kraft wäre. Die Kammer gibt sich nicht ein- mal die Mühe, den Schein zu wahren. öaperische Dunkelheiten. Der Boden der Fememorde. Aus Bayern wird uns geschrieben: Ein typischer Fall, dessen forensische Aufrollung vielleicht Licht in Zusammenhänge wirft, welche für die bayerischen Zustände bezeichnend, ja von historischer Bedeutung sind. Gleich vielen anderen war auch der junge Studienlehrer G a r e i s aus innerster Ueberzeugung zu der Sozialdemo- kratie gekommen. Das war etwas Unerhörtes an dem „katholischen" Gymnasium Aschaffenburg, und den Kenner der bayerischen Verhältnisse kann es nicht über- raschen, daß alle Hebel in Bewegung gesetzt wurden, um den Mißliebigen zu entfernen. So verfuhr man nach dem bei br Marine üblichen Rezepte, nach dem tüchtige Offiziere, die etk offenes Wort der Kritik nicht scheuten, in den Admiralstab versetzt wurden, um sie mundtot zu machen: Gareis wurde — ausgerechnet nach München versetzt. Daß ihn die besten„Empfehlungen" dahin begleiteten, braucht nicht ge- sagt zu werden. Es �wäre aber lehrreich, wenn in dem zu erwartenden Verfahren auch diese Zusammenhänge aufge- deckt würden, welche durch gewisse Begleitumstände noch an Interesse gewinnen. Aschaffenburg, der Wirkungort des ermordeten Gareis, war nämlich dazu ausersehen, die ersten„Exempel" in der Ordnungszelle Bayern zu statuieren. Der damalige erste Staatsanwalt hatte die ersten Anklagen gegen die„Räte- führer" zu vertreten, und er hatte für diesen Fall hinsichtlich des Strafmaßes gewisse Direktiven aus München erhalten. So kamen zuerst der Lehrer Hartig, der sich später den baye- rischen Staub von den Füßen schüttelte, und der Buchdrucker Stock vor das Volksgericht-, ihnen folgten die„Rädelsführer" aus Lohr. Der Erste Staatsanwalt hatte seine Sache so gut gemacht, daß er— nach München befördert wurde. In- zwischen wurde die Orgesch rührig organisiert: das Aschaffen- burger Schloß wurde mit Waffen gefüllt. Die Verbindung nach München riß um so weniger ab, als der Oberbürger- meister von Aschaffenburg in München seinen Bruder, den nachmaligen Kultusminister Dr. Matt, sitzen hatte. Beson- ders rührig arbeitete aber daselbst zugleich der Vertrauens- mann des Herrn von Soden, der eifrig überall durch Spitzel in den Versammlungen vertreten war. Dieser Vertrauens- mann war der beim Oberbürgermeister beliebteste Beamte der Kriminalpolizei in Aschaffenburg. Er lieferte seine Ge- heimberichte an Herrn von Soden, und es gehört kein be- sonderer Scharfsinn dazu, um zu ermessen, welche Fäden auf diese Weise gesponnen wurden, für den Fernstehenden un- erkennbar. Daneben war ein weiteres Spitzelsystem organisiert, das im wesentlichen von der Großindustrie, vor allem von der Maschinenfabrik Augsburg-Mllnchen subventioniert wurde, deren Haupt bekanntlich der monarchistisch-partikularistische Frhr. von Kramer-Klett ist. Die„Geschäftsführer" dieser Zentralen waren Ofiziere der Brigade Ehrhardt, vor allem in Würzburg ein gewisser Otto, der sein politisches Gewerbe unter dem Deckmantel einer Papiergroßhandlung betrieb. Da- bei wäre dieser Papiergroßhändler in die größte Verlegen- heit gekommen, wenn er ein Ries Papier oder 100 Briefumschläge hätte liesern sollen. Diese Kreise standen in engster Führung mit der Münchener Polizeidirektion, wo die Führer ungehindert ein- und ausgingen. Hilfsagenten wurden da- durch legitimiert, daß ein Stück Papier ungleich durchrissen wurde: das eine Ende wurde eingeschickt, das andere Ende erhielt der Agent als Legitimation. Die Zentrale außerhalb des Münchener Polizeipräsi- diums befand sich im R i n g h o t e l am Sendlingertorplatz in München. Ringhotel und Polizeidirektion arbeiteten aufs engste zusammen— Ordnungsblock und Ordnungszelle. Die Akten des Ringhotels würden einen tiefen Einblick in gewisse Vorgänge und Zusammenhänge gewinnen lassen, wenn sie nicht vernichtet oder doch beiseite geschafft worden wären, Einblicke in das monarchistische und separatistische Treiben in München und in Bayern überhaupt. Es wird viel darauf ankommen, in diese Zustände hineinzuleuchten und diese Kreise endlich unter Eid zum Reden zu bringen, die so lange ungestört ihr Treiben fortsetzen konnten, bis selbst der MAR. und deren für diese Dinge verantwortlichen Syndikus Dr. Glaser der Atem ausging. Für die Herren vom Ord- nungsblock im Ringhotel war die Polizeidirettion stets die auskunft- und dienstbereite Filiale. Ein letztes kommt dazu. Es ist aktenmäßig nachzu- weisen, daß bei Ausstellung der Reichswehr in Bayern nur streng„nationale" Kreise Berücksichrigung fanden. Welche verheerende Gesinnung in diesen Kreisen'herrschte— dafür zwei besonders charakteristische Beispiele! Als die Franzosen Frankfurt a. M. besetzt hatten und ihre Vorposten vorschoben. erging ein Geheim befehl der Brigade Würzburg, in dem die Tatsachen zunächst registriert wurden. Dann hieß es weiter:„Sollten französische Vorposten weiter vorgeschoben werden, dann ist an der bayerischen Grenze bewaffneter Wider st and zu leisten. Die Truppen ziehen sich kämpfend zurück." In dem Dreieck Aschaffenburg. Hammelburg, Würz- bürg sollte allen Ernstes ein Gefecht geliefert werden. Welch unermeßliches Unheil hat damals Deutschland bedroht! Ein zweites! Zur Sicherheit des Reichspräsidenten sollte ein? eigene Trupps aus ollen Londesteilen zusammen- und an gestellt werden. Bayern suchte zu dem Zwecke die'/">? lässigsten, rabiatesten und monarchistischsten unter den zieren und Mannschaften aus. Das war der Boden für alle dunklen Treibereien. Wenn| man noch in Betracht zieht, daß in der genannten Stelle im Ringhotel eine förmliche Stellenvermittlung" nach Ungarn eingerichtet war, welche zugleich die nötigen Pässe mit Hilfe der Polizeidirektion beschaffte, dann braucht man sich über nichts mehr zu wundern. Es wird notwendig sein, daß der Femeausschuß des Reichstags auch in diese Zusammenhänge leuchtet! Studentenfronde. Bonner Studententag und Fall Leffing. Der Bonner Studentag hat auf einen Krebsschaden der Republik hingewiesen. In den Kreisen der völkischen Radaustudenten, deren Rüpeltum in Bonn Exzesse gefeiert hat, ist ein Hort der Reaktion. Die völkischen Radauftudenten terrorifieren die Universitäten. Sie sind die Hoffnung der Reaktion in Verwaltung und Justiz. Das preußische Kultusministerium hat sich diesen Kreisen gegenüber schwach gezeigt. Es hat den Flegeln der Hochschule in Hannover im Falle Lessing nicht die starke Fauft gezeigt, sondern hat einen faulen Kompromiß mit ihnen geschlossen. Die Folge ist, daß die Skandalmacher von Hannover in Bonn sich ihrer Taten gegen Lessing gebrüstet und das preußische Kultusministerium verhöhnt haben. Der Kultusminister Be der muß schamrot werden, wenn er in der Frankfurter Zeitung" lieft, wie der Haupträdelsführer in Hannover ihm seine Nachsicht gelohnt hat: Riel hat den guten Geschmad besessen, die Bersammlung der pölfischen Radaustudenten zu einem neuen Angriff gegen Profeffor Lessing zu benutzen. Professor Scheel hat Lessing vorgeworfen, er habe gegen die akademische Ethik verstoßen und sei deshalb seines Lehramtes unwürdig geworden. Das sagt ein Hochschullehrer vor einer Versammlung, die durch Studiosus Poehlmann ihr Berhältnis zur afademischen Ethik darlegen ließ. Für diesen Hochschullehrer| entspricht Poehlmann mit seinen Flegeleien der afademischen Ethit, Professor Lessing aber nicht. Nun weiß man doch, wie die ,, akademische Ethit" in den Augen solcher Leute aussieht! Behr gesetzt. Er hat an ihn geschrieben: Professor Lessing hat sich gegen Scheel selbst zur " Bon Freunden wird mir der Inhalt Ihrer Rede auf dem Studentag in Bonn mitgeteilt. Daraufhin tönnte ich Ihnen mit. teilen, daß ich der Bitte um eine tolle gicle Beilegung des an meine Berson geknüpften Hochschulstreites im Juli dieses Jahres stattgab nur unter der Vorausseßung, daß Ihr Verhalten bei unserer mündlichen Verhandlung Ihrer Gesinnung entsprach, alfo nachträgliche Angriffe gegen meine Person ausschlossen. Hätte ich Ihr jetziges Verhalten voraussetzen fönnen, so hätte ich jedes Berhandeln mit Ihnen ab gelehnt." Das Verhalten von Scheel in unfair. Es ist würdelos. Es entspricht nicht den Voraussetzungen, unter denen sich das Kultusministerium um eine Einigung in Hannover bemüht hat. Das Kultusministerium wird jetzt die Folgen feines Fehlers erkennen. Es hat durch sein Nachgeben die studentische Fronde gestärkt. Die Bonner Tagung war eine einzige Fronde gegen den Staat. Die Reichsfarben sind beschimpft worden, das reaktionäre Rüpeltum hat Erzesse gefeiert. und Berwaltungsbeamten der Republif her Aus diesen Kreisen aber sollen die künftigen Richter porgehen! Es ist die Aufgabe des Kultusministeriums, mit harter and an den Hochschulen Ordnung zu schaffen. Die Boehlmänner haben dort nichts zu suchen. Aufgabe der republikanischen Regierungen aber ist es, durch ihre Bersonalpolitik dem reaktionären Rüpeltum erkennen zu lassen, daß republikanische Beamte diesen Kreisen nicht entnommen werden fönnen. Die Bonner Studentenfrechheit. „ Studiofus Poehlmann hält sich für den Held des Tages. Ganz bewußt haben wir den 3 wischenfall beim ersten Kolleg Lessings in Form eines regelrechten Bierults aufgezogen." Das Heldentum in Form des regelrechten Bier. ults"! Was ist der Studiofus Poehlmann für ein Rerl! Dabei hat er es, in äußerlichen Dingen, wohlerzogen wie er iſt, vermieden, es zu„ Körperverlegung, Nötigung und Widerstand gegen die Staatsgewalt" fommen zu lassen. Für diese Taten müßte Staatsgewalt" fommen zu lassen. Für diese Taten müßte man ja einstehen. Vor dem Studentag ist es aber ungefähr. lich, unter dem rauschenden Beifall der Bierullkameraben und übrigen Hochschulringler zu verkünden, daß das wohl die geeignetste Behandlungsform für einen Mann wie Lessing" gewesen wäre. Man wird sich in weiten Kreisen über die geeignetste Behandlungsform für einen Mann wie den Studiofus Boehlmann einig sein. Besonders, wenn man hört, daß er mit seinen Freunden einen höllenlärm veranstaltete, daß die Hochschule wackelte," und wenn man hört, wie er mit Farben hat sich die Mehrheit des Studentags in Bonn auch noch Neben den verschiedenen Beschimpfungen der Republik und ihrer den Erfolgen dieser stilechten Schulbubenmethoden prahlt. Vor den den Beschluß geleistet, den 3wangsbeitrag, den alle HochHochschullehrern hat er einen merkwürdigen Refpeft; in Anschüler für die unter völfischer Leitung stehenden Einrichtungen zu wesenheit der Ehrengäste vom Hochschulverband erklärte er, daß zahlen haben, auf 75 Pf. zu erhöhen. Das war noch einmal Rektor und Senat beim ersten Eingreifen von Minister Becker eine bewußte Demonstration gegen den preußischen 3usammengefnidt" seien, daß sie aber später der Ge Unterrichtsminister, der sich erst vor turzem für eine walt" seines Kampftrupps gewichen seien. Auch den Herabsetzung dieses Zwangsbeitrages ausgesprochen hat. Zu der Minister hat er klein gefriegt:" Wir haben bewußt diese Durchführung der Erhöhung bedarf es aber noch der staatlichen Zustände herbeigeführt, um das Ministerium 3uftimmung, und darauf werden die hakenkreuzlerischen Hochzum Einlenten zu veranlassen." Becker hat nach einer schulbuben lange warten können. Einigung gesucht, da er glaubte, daß hinter der Fronde Poehlmann doch eine Spur Ernsthaftigkeit und Recht stecke. Nun wird ihm der Dant des Hochschulringlers:„ Eine Person wie Herr Beder ist für uns nicht die Staatsautorität. Der Minister hat die Auto. rität seines hohen Amtes untergraben. Die Stu denten sieht er als Staatsstipendiaten an. Ein absurder Gedanke! Wie wenn man behauptet, der Minister ist der Träger einer geistigen Invalidenversicherung." Das Handelsprovisorium mit Frankreich. Als Zeichen der Annäherung begrüßt. Paris, 6. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Der Abschluß des deutsch- franzöfifchen Abkommens wird von der französischen Bresse als ein bedeutender Fortschritt auf dem Wege der deutschfranzöfifchen Annäherung begrüßt. Die Blätter betonen es weiterbin als einen Schritt in der wirtschaftlichen Befriedung, die in Europa um sich greift und sehen in dem Abkommen den Anfang eines großen wirtschaftlichen Bundes, den man über die europäischen Länder spannen tönnte. Wenn das vorläufige Abkommen, so schreibt das den Industriefreisen nahestehende Journée de industrielle" auch vorläufig nur ein Anlauf der deutsch- franzöfifchen Wirtschaftstreife ist, so sei es doch als ein Anfang zu einer weiteren deutsch- französischen wirtschaftlichen und vielleicht auch poliMit diesen Poehlmanns hat der Kultusminister Nachsicht geübt und hat um ihretwillen einen Wissenschaftler von Ruf und Bedeutung aus dem Lehramt gehen lassen! Diese Boehlmänner würden sich weniger frech benehmen, wenn sie nicht Rückhalt an Hochschullehrern hätten, mit denen fie die reaktionäre Gesinnung und die Feindschaft gegen den neuen Staat gemeinsam haben. Hochschullehrer haben es nicht abgelehnt, nach dem Bekenntnis der Boehlmannschen Rüpelhaftigkeit in Bonn zu sprechen, und Professor Scheeltischen Zusammenarbeit zu begrüßen. Asta Nielsen spielt im Sprechtheater. Mit beträchtlicher Neugier erwartete man, daß Asta Nielsen einmal auf der Sprechbühne erscheine. Sie selber sehnte sich da nach. Sie gestand es mir schon vor Jahresfrist, als wir einmal im fleinen Kreise mit dem alten Georg Brandes zusammen faßen. Sie wollte nicht nur das Leben wecken, das dem Auge zugeführt wird, sie wollte auch durch das Wort und den Herzenstlang der Stimme das Gefühl und die Phantasie aufregen. Bisher hatte aus dem Körper dieser Frau eine Seele geredet, deren Schwermut ficht bar wurde. Asta Nielsen war die Frau mit dem seltsamen Eskimogesicht, mit den unvergeßlichen, unendlich tiefen Augen und mit der fast barbarisch wirkenden Stirn, die von sphingartigen, blauschwarzen, im ägyptischen Schnitt gefantelten Haaren überdacht wurde. Das Wilde, gezähmt durch überschwengliche Traurigkeit, das hielt man für den vernehmlichsten Charakterzug an ihr. Und dazu die Geschmeidigkeit dieses Körpers, dessen gefährliche Kazen artigkeit nicht leicht verborgen werden konnte. Unter dem Licht der Jupiterlampe konnten diese blendenden Eigenschaften auch dann wirfen, wenn sie nur angedeutet wurden. Im bescheidenen und schwächeren Rampenlicht ist die Optit nicht so bligartig. Es tönnen nur die langsamen Fortschritte der Geste wiedergegeben werden. Aber es kommt zu der Gefte und Mimik auf der Bühne noch das Wort hinzu. Dieses Wort, nach dessen Bewältigung Afta Nielsen sich sehnte, ist nun ein schweres und zähes Kunstmittel. Der Schauspieler fann dieses Wort nur mit größter Mühe mächtig werden. Das Wort ringt sich nicht so hurtig aus dem Munde, wie der Blick aus dem Auge blizt. Das Bild, das der Filmschauspieler schenkt, blinkt und blendet, das Wort aber rauscht oder zittert nach, das heißt, die Dauer des Eindrucks ist bedeutend verlängert. Das Wort, das der Schauspieler spricht, prägt sich dem Gedächtnis der Leute im Theater riel tiefer ein, als die Bilder, die der Schauspieler durch Mimit und Bewegung erschafft. Asta Nielsen hätte ihre Sehnsucht nach dem Theater der Werte mit irgendeinem alten, guten, großen Theaterstück befriedigen fönnen, etwa mit Hilfe irgendeiner„ Kameliendame" oder„ Nora". Daß sie Dänin ist und gelegentlich das Deutsche fremdartig aus. spricht, hätte man ihr dann gern nachgesehen. Aber die Filmtra gödin wählte eines von jenen unbehaglichen Effektstücken, die bei den vagabundierenden Virtuofinnen beliebt sind. Das Schauspiel heißt Rita Cavallini". Die italienische Operndiva, die in New York gastiert, verliebt sich in einen jungen Geistlichen und als die Silvesterglocken läuten, ist diese Liebe zu Ende und Rita finkt chmächtig und verzweifelt vom Diwan auf den Boden. Alle Erwartung, daß Asta Nielsen die Leere des Stückes durch beseeltes Menschentum ausfüllen würde, blieb unerfüllt. Stets hielt sich die Schauspielerin in einem Virtuojentum, das kaum durch Seele geadelt wurde. Dieser Frau wird das Sprechen viel zu schwer. Der Versuch ist lang. Er scheiterte so sehr, daß auch die Filmmittel Asta Nielsens versagten. Aber die Künstlerin häit ihre Leute fest durch die Suggestion, die ihr Name ausstrahlt. Sie wurde gefeiert, als sie noch nicht den Mund geöffnet hatte. Und vor dem kleinen Theater", dem Schauplah dieses mißiungenen Filmfestes, warteten Leute, um ihre abgeschminkte Asta Nielsen auf den Händen zum Auto zu tragen. Die Getreuen wußten nicht, daß das„ Kleine Theater". Unter den Linden, wie jedes gute Gefängnis auch, einen zweiten Ausgang hat, durch den der Künstler in die Einsamkeit entschlüpfen kann. Mar Hochdorf. junger französischer Mechaniter Leblanc eine Erfindung gemacht, die Das fliegende Fahrrad". In einer Fabrit in Dijon hat ein für die Entwicklung der Luftfahrt von Bedeutung sein fann. Man vermißt im allgemeinen noch das billige Flugzeug, wie man es bereits in den Automobilen, Fahrrädern und anderen Beförderungsmitteln befißt. Alle Flugzeuge sind noch so teuer und fompliziert, daß nur eine Gesellschaft oder ein vermögender Mann sich ein solches leisten kann. Das Ideal zur weiten Verbreitung des Flugzeugs be steht aber darin, ein Flugzeug zu erbauen, das mit einfachen Mitteln französische Mechaniker hat nun eine Kombination zwischen Fahrrad und geringen Rosten hergestellt und bedient werden kann. Der junge und Flugzeug hergestellt, die darin besteht, daß ein gewöhnliches Fahrrad in kurzer Zeit in einen kleinen Eindecker verwandelt werden fann, der mit Hilfe der Bedale bedient wird und ungefähr 150 Fuß hoch fliegt. Auf dem Flugfeld von Dijon wurden mit dem Versuchs apparat bereits die ersten Flüge unternommen, die tatsächlich geglückt sind, denn es gelang dem Mechaniker das Flugfeld mehrere Male 3 umtreifen und ohne Unfall zu landen. Das„ fliegende Fahrrad" hat noch den Vorzug, daß ein kleiner Motor eingebaut werden kann, Natürlich ist dieses Flugzeug nicht geeignet, große Flüge über den so daß Menschenkräfte durch Maschinenkräfte unterstüßt werden. Erdteil zu unternehmen, obwohl der Erfinder sich bereit erklärt hat, mit diesem Flugzeug einen Europaflug zu machen, um darzutun, daß mit diesem Flugzeug einen Europaflug zu machen, um darzutun, daß dieser kleine Typ durchaus lebensfähig ist. Im allgemeinen wird es aber hauptsächlich dazu dienen, den Berkehr innerhalb einer Stadt oder zwischen einer Stadt und den Vororten zu erleichtern und zu beschleunigen. Der Erfinder beabsichtigt, seine Erfindung im nächsten Monat auf den Markt zu bringen. blutige Sonntag" vorgeführt. Er stellt jenes Petersburger Drama Arbelt für Mühleifen. In Wien wird ein russischer Film ,, Der vom 22. Januar 1905 dar, als die Volksmenge, die voll Vertrauen zum Bäterchen" ziehen wollte, ihn um die Einführung einer Bolts vertretung zu bitten, vor dem Winterpalast zusammengeschossen wurde. So etwas fann, vielleicht in Deutschösterreich dargestellt werden, wo man die Verfassungsbestimmung der Zensurlosigkeit noch beweisen, daß die Reichsverfassung Papier und die deutsche Republik achtet. Auf, Ihr Filmprüfer in Deutschland! Es gilt abermals zu dazu da ist, das Andenken des Zarismus rein und ungetrübt zu erhalten! Seldte klagt. Die Affäre Uhlenhaut vor Gericht. Die Affäre Uhlenhaut wird in einem Beleidigungsprozeß, den der Bundesführer Seldte des Stahlhelms gegen den verantwortlichen Redakteur Paul Steinborn des„ Berliner Tageblatts" beim Schöffengericht Berlin- Mitte anhängig gemacht hat, eingehend zur Erörterung fommen. Seldte stüßt seine Klage auf drei Artikel des„ Berliner Tageblatts" vom 18., 19. und 21. Juli, in denen ihm vorgeworfen wird, daß er an dem Unter nehmen Uhlenhauts finanziell beteiligt gewesen sei und auch sonst mit diesem gemeinsame finanzielle Interessen gehabt habe. Außerdem hätte er als Bundesführer des Stahlhelms und gleichzeitiger Hauptgläubiger Uhlenhauts bei der vom Stahlhelm eingeleiteten Untersuchung dieser Angelegenheit das betreffende Bundesmitglied, einem Amtsgerichtsrat, falsch informiert. Der Sprengstoffanschlag in Füssen. Prozeß gegen bayerische Kommunisten. Leipzig, 6. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Vor dem Ferienstraffenat des Reichsgerichts begann am Donnerstag ein größerer hochverratsprozeß gegen bayerische Kommuni ften. Es haben sich wegen Borbereitung zum Hochverrat und Sprengstoffverbrechens der Eisendreher Karl Rothermel und sieben Genossen aus Füssen im Allgäu zu verantworten. Die Angeklagten sollen am 22. November 1923 einen Sprengstoffanschlag auf das Bezirksamtsgebäude in Füssen verübt haben. In den Abendstunden des betreffenden Tages explodierte in den Kellerräumen des Bezirksamtsgebäudes eine Bombe, die größeren Schaden verursachte und eine Frau und ein Schulmädchen erheblich verlegte. Den Angeklagten wird weiter zur Last gelegt, daß sie schon sturzpläne und gewaltsame Anschläge besprochen längere Zeit vor dem Attentat in geheimen Versammlungen Um hätten. Die Angeklagten bestreiten die Beschuldigung und wollen nur die Opfer von Lockspikeln und Denunzianten geworden sein. Wohl hätten sie im November 1923 wiederholt fommunistische Berfammlungen abgehalten, jedoch wären niemals solche Pläne besprochen worden. Die Mehrzahl der Angeklagten befindet sich schon feit vielen Monaten in Untersuchungshaft. Einige von ihnen sind wegen geringfügiger politischer Bergehen bereits vorbestraft. Der Prozeß wird mehrere Tage dauern. Hilfe für bedürftige Sparer. Freiwillige Sozialausschüttungen der Sparkassen an bedürftige Aufwertungsspargläubiger. findlichen Inhabern aufgewerteter Sparguthaben entgegenzukommen, Wolffbureau teilt mit: Um den in bedürftiger Lage bc= hat der Deutsche Städtetag im Einvernehmen mit dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband den städtischen Sparkassen nahegelegt, daß sie schon vor Eintritt der gefeßlichen Fälligkeit der aufgemerteten Sparbeträge freiwillig auf diese innerhalb gewisser Grenzen vorzeitige Ausschüttungen an bedürftige Sparer vornehmen. In Aussicht genommen sind Auszahlungen der Aufwertungsguthaben im Einzelfalle bis zum Betrage von 100 Mart, die, nach den finanziellen Möglichkeiten, in einer Summe oder in einigen Jahresraten tigen sollen alle Personen im Alter von mehr als 65 Jahren bei der ouf Antrag vorzunehmen wären. Außer allen nachweisbar Bedürf Auszahlung Berücksichtigung finden. alleinige Organisationsform der Baneuropabewegung bildet, und daß Die Paneuropäische Union stellt fest, daß sie seit drei Jahren die fie in keinerlei Zusammenhang mit dem neugegründeten Bund für europäische Berständigung" steht. das polnische Kabinett eine Dienstzulage für Militärpersonen. Der Polen hat Geld für die Soldaten. Auf Antrag Pilsudskis beschloß Posten eines Generalinspektors der Armee wurde neugeschaffen. Porträtähnlichkeit vor dem Gericht. Die immer wieder streitige Frage der Porträtähnlichkeit ist fürzlich vom Berliner Landgericht III in einem Sinne entschieden worden, der grundsägliche Bedeutung hatte auf Bestellung das Porträt einer Dame in einer Radierung als für diese Frage haben kann. Ein bekannter Berliner Künstler Geschenk für ihren Gatten angefertigt. Als über die Bezahlung der Arbeit Streit entstand, hat die Schußstelle des Reichswirtschaftsverbandes durch Rechtsanwalt Kodlin den Prozeß durchgeführt. Der Ehemann wandte u. a. ein, die Radierung gebe seine Frau nicht porträtähnlich wieder. Sie sei jugendlich und anmutig, das komme bei dem Porträt nicht heraus. Das Landgericht verhandelte eingehend, nahm Borträt und Porträtierte in Augenschein und entschied, daß der beklagte Ehemann den vom Künstler verlangten Preis zu zahlen habe. Die Begründung führt aus: Derjenige, der einem Rünstler einen Borträtauftrag gebe, fönne nur beanspruchen, daß der Künstler bei Ausführung des Auftrages sein Bestes hergebe. Für die Frage der Auffassung eines Kunstwertes, besonders auch der Auffassung der Porträtähnlichkeit und des Charakters des Darzuſtellenden sei in erster Linie der Standpunkt des Künstlers entscheidend. Das gelte besonders dann, wenn dem Künstler eine im allgemeinen bekannte Handschrift eigen sei. Ein Land mit einer einzigen Zeitung. Ein Land, das nur eine einzige Zeitung, und noch dazu eine sehr merkwürdige hat, ist das Raijerreich Abessinien. Üleber dieses einzigartige Organ macht Essad Ben in der„ Literarischen Welt" einige Mitteilungen. Die Zeitung heißt ,, Berbanena Salam", was Licht und Frieden bedeutet, und sie erscheint seit drei Jahren wöchentlich in Addis- Abeba. Die Schrift ist die uralte äthiopische. Den Hauptinhalt bilden neben der Standalchronik endlose Beschreibungen der Hof- und Kirchenfeierlich keiten, für die die heimischen Redakteure bei 150 Feiertagen im Jahr ja auch genügend Stoff haben; außerdem werden noch die Befehle und Reftripte des Raisers sowie Mitteilungen aus den einzelnen abeffinischen Provinzen veröffentlicht. Da die Zeitung nur vier nier mögen auch nicht allzuviel Intereffe dafür haben, da sämtliche Seiten hat, bleibt für die Welt draußen nicht viel übrig. Die AbcffiMeldungen aus Europa durch die Kontrolle der italienischen Gesandtfchaft gehen, die in Addis- Abeba den einzigen Radioempfänger befißt. Eine Ausstellung von Kunstfälschungen. In der Polizei- Ausstellung, die im September und Oktober in Berlin stattfinden wird, soll auch, wie der „ Kunstwanderer" erfährt, eine Unterabteilung„ Kunst und Polizei" enthalten sein, in der die Kunstfälschungen behandelt werden. 360 000 kronen von einem Amsterdamer Stunsthändler einen Tizian er. Ein neuer Tizian im Kopenhagener Kunstmuseum. Dänemart hat für zianifchen Granden dar. Die aufrechte Figur in dunklem Samtwams mit worben, der bisher völlig unbekannt ist. Das Bild stellt einen alten vene. ergrauendem Bollbart und furzgeschnittenen schwarzem Hauptbaar ist in der Tat ein Meisterwert, wenn auch in der Pinselführung das Alter Tizians unverkennbar ist. Handelsamtes teilte in Beantwortung einer Anfrage mit, fobiel wie er Der amerikanische Film in England. Der Präsident des Londoner wiffe, feien etwa 3 bis 5 Proz. der in England gezeigten Filme britischer Herkunft und 95 Proz. der übrigen Filme amerikanischer Herkunft. Das tägliche Quantum. In ein verräuchertes Bierlokal im Norden der Stadt kommt nachts gegen 21 Uhr ein seltsames Mütterchen. Uralt, so scheint es, mit einer Stirn, in die das Leben tausendfach Falten und Fältchen geschlagen hat. Ihr Kleid, von einer spedig verschliffenen Eleganz, stammt aus den 80er Jahren, und ist jetzt völlig verfleckt und geflickt, die Schuhe, an den Sohlen aufgerissen, schlappen bei jedem Schritt, ein Hut fehlt, die spärlichen Haare hängen der Greisin mirr ins Gesicht. Sie scheint im Laden vertraut zu sein. Mit schlürfendem Schritt geht die Alte an den Schanktisch heran, zählt 95 Pfennige auf die Holzplatte und verlangt ihr halbes Fläschchen Kognat. Der Wirt, ein mißtrauischer alter Kerl, zählt das Geld nach und scheint feineswegs befriedigt. Zwischen ihm und der Kundin entspinnt sich eine Unterhaltung, die zuletzt sehr erregt wird. Fünfzehn Pfennige fehlen an der Preissumme. Die Alte gestikuliert wütend, und nach einigen grimmigen Attaden hat sie den Argwohn des Inhabers niedergeredet. Das wär' ja noch schöner, wenn ich feinen Kredit hätte, ich, als alte Rundin," fagt sie herausfordernd, nimmt ihr Fläschchen in Empfang und zieht mit einem Siegeslächeln um den welken Mund ab. Ja, ja, das ist eine," murmelt der Wirt topfschüttelnd und sieht der Alten nach, bis sie um die Ece tapft.„ Die tommt jeden Abend. Nichts zu fnabbern und zu beißen: Aber faufen muß sie. Manchmal holt sie sogar zwei Flaschen. Nur mit dem Zahlen haperts öfters... Die foll übrigens früher mal bessere Tage gesehen haben. Rentnerin und so Das flingt noch nach, wenn man schon draußen in der Nachttühle steht und die verräucherte Bierstube hinter sich hat. Gewiß, sie litt hunger. Man sah es ihr am ausgemergelten Geficht, an den durchlittenen Zügen an, die von Not und Qual zu erzählen wußten! Sie vertrinkt ihr paar, vielleicht erbettelten Groschen, trinkt, um im Anreiz des Fusels einige Stunden Bergessen zu finden. Es muß schon ein starkes Stück Elend sein, das man so verzweifelt zu überwinden sucht. " Die Tragödie eines Vaters. Schüffe auf den geiftestranten Sohn und Selbstmord. Die Tragödie eines alten Baters spielte sich gestern in dem Hause Enzianstraße 1 zu Berlin- Lichterfelde ab. Hier wohnte mit jeinem 28 Jahre alten Sohne Gerhard zusammen ein Bantdirektor Johannes Groß, ein Mann von 70 Jahren. Den an deren Teil der Wohnung hat ein Schwiegerjohn des alten Herrn mit feiner Frau inne. Gerhard Groß ist geist es schwach und infolge dessen die ständige Sorge seiner Familie. Er neigt sehr dazu, fich planlos herumzutreiben und war schon wiederholt vermißt. Obwohl der alte Bater nach Möglichkeit auf ihn aufpaßte, entfernte er sich am vergangenen Dienstag wieder heimlich aus der Wohnung und fant nicht wieder. Sein Schwager suchte ihn, fand ihn in einer Laube und brachte ihn nach Hause zurüd. Das Mißgeschick mit seinem Sohne und die Sorge um ihn nahmen den alten Herrn seelisch so mit, daß er beschloß, aus dem Leben zu scheiden und seinen Sohn in den Tod mitzunehmen. Als gestern der Sohn teilnahmslos dalag, schrieb der alte Bater einen langen Brief, in dem er die ganzen Verhältnisse flarlegte und erklärte, daß er den Sohn und sich selbst erschießen werde. Dann schoß er dem Sohne eine Kugel in die Brust. Der Getroffene sprang auf, erhielt noch zwei Steckschüsse in den Kopf und lief jetzt durch mehrere Zimmer hindurch zu seinem Schwager. Bevor dieser hinübereilen fonnte, um weiteres Unheil zu verhüten, brachte sich der alte Herr ebenfalls einen Schuß bei, der sofort zum Tode führte. Die Kriminalpolizei nahm den Befund auf und beschlagnahmte die Leiche. Der verlegte Sohn wurde nach dem Kreiskrankenhaus gebracht. Sein Zustand ist nicht lebensgefährlich. Unter der Anklage des Aufruhrs. Der Zusammenffoß in der Bergstraße in Neukölln vor Gericht. Am dritten Pfingstfeiertag veranstaltete der Stahlhelm eine Trauerfeier auf dem Kirchhof in Brig. Der Zug der uniformierten Stahlhelmer versammelte sich in dem Verkehrslokal des Stahlhelms, dem Deutschen Wirtshaus". Als der Zug abmarschierte, sammelte fich eine Menge, die den Zug auch begleitete. Unter den Passanten, die mit dem Zug mitmarschierten, befanden sich auch Angehörige des Roten Fronttämpferbundes, die vom Reichstreffen noch in Neukölln einquartiert waren. Die Polizei zerstreute diese Anfammlungen, doch als die Stahlhelmer zurückamen, sammelten sich wieber, diesmal eine größere Menge, vor dem Lokal an. Die Leitung des Roten Fronttämpferbundes 30g ihre Leute aus der Menge und marschierte mit ihnen ab. Die Schupo fäuberte mehrmals den Platz, wobei es zu schweren Zusammenstößen einzelner Schupos mit Baffanten fam. Von den zahlreichen Festgestellten wurden acht Personen angeflagt, vier davon, die Arbeiter Seidlig, Schurig, Freyhof und Auer figen seit den Zusammenstößen in Untersuchungshaft. Die anderen waren nach den Feststellungen wieder entlassen. Seidlig und Schurig find wegen Gewalttätigkeiten, die anderen wegen Beleidigung, Aufruhr und Rädelsführerschaft angeklagt. Der Prozeß begann heute vormittag vor dem Amts= gericht Neukölln. Es waren insgesamt 40 Passanten und 60 Schupobeamte als Zeugen geladen. Giftmord oder Freitod? Unter dem Berdacht, seine Wirtschafterin vergiftet zu haben, ist ein Apotheker St. in der Friedbergstraße zu Charlottenburg festgenommen worden. St. wohnte seit Jahren mit einer früheren Telephonistin Alma Timm zusammen, die ihm die Wirtschaft führte. In der letzten Zeit hatten sich die Beziehungen zwischen den beiden start getrübt. Hausgenossen hörten wiederholt Bank und Streit in der Wohnung. In der vergangenen Nacht gegen 1 Uhr vernahmen fie vom Balkon herab Hilferufe. Gleich darauf stürzte die Wirtschafterin auf die Straße und schrie von Vergiftung. Ob fie rief, daß sie vergiftet worden sei oder sich vergiftet habe, darüber gegen die Angaben auseinander. Sie lief gleich wieder in das Haus hinein zu den Nachbarsleuten des Apothekers. Hier brach sie zusammen. Die Polizei, die dazu fam, brachte sie nach der Rettungsstelle. Die Schwerkranke starb bereits unter den Händen der Aerzte, ohne die Besinnung wiedererlangt zu haben. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. St. bestreitet jede Schuld. Die Charlottenburger Kriminalpolizei unterjucht unter der Leitung des Kriminalkommissars Naud den noch ungeflärten Todesfall weiter. Sommerfest der Gelbsterne. Unter dem Protektorat des Berliner Messeamtes veranstaltet der Reichsverband der Vorführdamen am 21. August im Funkhaus am Kaiserdamm ein Fest zugunsten ihrer Unterstzungstaffe. Als Hauptattraktion ist ein Wettbewerb der Berliner Gelbfterne vorgesehen, aus dem das anerkannt beste Modell mit einem Goldenen Stern" deforiert hervorgehen wird. Diese Auszeichnung foll als Dauereinrichtung jedes Jahr an die jeweilige Beauté verliehen werden. Außerdem gibt es auf dem Fest eine Moden- Revue, von Anno 2000 v. Chr. bis heute, in vollkommen stilechten Kostümen aus dem Atelier Verch, vorgeführt von 200 der schönsten Mannequins. Aljo jedenfalls ein Riesenaufgebot an mehr oder minder bedeckter Weiblichkeit. Die Organisation zählt heute bereits 300 Mitglieder und hat durch ihren fostenlosen Stellennachweis schon gegen 200 Stellen befeßt. Es gibt natürlich noch allerhand Uebelstände und Mißhelligkeiten. So der Kampf gegen die Mannequinschulen, die in der Schülerinnenzahl wohl ziemlich großzügig sind und viele total unbrauchbare Anwärterinnen dieses Metiers liefern, vor allem aber die ziemlich schwierige Art der Organisierung dieses bisher freien Berufs, überhaupt die tarifliche Fixierung des Mindestgehalts usw. Aehnlich wie in der Filmbranche, werden Vorführdamen oft auf ganz unregelmäßige Zeitdauer engagiert. So z. B. bei Modeschauen auf einen Tag oder mehrere Tage, wodurch sich schwer eine bestimmte Berdienstziffer feststellen läßt. Jedenfalls aber ist die Leitung bestrebt, Das städtische Notstandsprogramm. Die Durchführung eines Teils der Arbeiten beschlossen. Heute vormittag um 11 Uhr trat der Haushaltsausschuß machen, durch die auch die Frage der Deckung geklärt werden soll. der Stadtverordnetenversammlung zu einer Sigung Wie wir hören, fommt für die Deckung der hierfür nötigen zusammen, in der er sich mit den von dem Plenum gefaßten Be Summen entweder ein Darlehen der Straßenbahngesellschaft oder schlüssen über die städtischen Notstandsmaßnahmen zur Bekämpfung vorgeschossene städtische Mittel in Frage. der Arbeitslosigkeit beschäftigte und vor allem eingehend zu der Finanzierung dieser Aktion Stellung nahm. Die Stadtverordneten versammlung hatte bekanntlich in ihrer Feriensitzung beschlossen, daß vor der Inangriffnahme der Arbeit für jedes einzelne Projekt ein Freigabebeschluß des Haushaltsausschusses herbeizuführen sei, der außerdem ermächtigt wurde, einzelne Projekte zu ändern und untereinander zu vertauschen. Ueber den Verlauf der Sizung erfahren wir folgendes: Der Haushaltsausschuß beschäftigte sich zunächst mit den ein zelnen Teilen des städtischen Notstandsprogramms und beschloß, den in der Magistratsvorlage vorgesehenen Notstandsarbeiten für Straßenbauten zuzustimmen und die dafür nötigen Mittel Don 13 020 000 Mart zu bewilligen. Ebenso wurden die Mittel für die Entwässerungsarbeiten in Höhe von 10 146 Mil lionen Mark sowie der Betrag von 1 Million Mark für Meliorationsarbeiten freigegeben, mit der Maßgabe, daß der letztere Betrag durch ein staatliches Darlehen gedeckt werden soll. Eingehend wurde sodann vor dem Haushaltsausschuß die Erweiferung des Groß- Berliner Straßenbahnnehes erörtert, die eben falls im Rahmen des Notstandsprogramms durchgeführt werden soll. Der Ausschuß beschloß, den Aufsichtsrat der StraßenbahnG. m. b. 5. durch den Magistrat ersuchen zu lassen, Borschläge zu eine gewisse Ordnung einzuführen und nur den wirklich Befähigten Berdienstmöglichkeit zu verschaffen, wodurch am besten das Prestige dem Arbeitgeber gegenüber gewahrt wird. chill Von Notstandsarbeiten ausgeschlossen. Das Elend eines vorbestraften Erwerbslosen. Klempner H., 25 Jahre alt, ist seit drei Jahren verheiratet, hat ein zweijähriges Kind und erwartet in Kürze ein zweites. H., der an Epilepsie leidet, ist wegen Diebstahls mit insgesamt 1 Jahr vier Monaten Gefängnis vorbestraft; die Strafen sind ihm jedoch auf dem Gnadenwege erlaffen worden. Seit mehreren Jahren hat sich H. nichts mehr zufchulden fommen lassen und zeigte, insbesondere nach seiner Heirat den besten Willen zu ehrlicher Arbeit. Zwei Jahre war er selbständiger Klempner. Seit dem 21. September 1925 ist H. jedoch erwerbslos. Da H. feine Beiträge zur Erwerbslosenfürsorge bezahlt hat, betam er nicht die übliche Erwerbslosenunterstüßung, sondern erhielt vom 4. Dezember 1925 ab Beiträge aus der Notstandsaktion der städtischen Erwerbs losenfürsorge( Wohlfahrt). Diese Unterſtügung, die mit 16,35 M. wöchentlich den Säßen der Erwerbslosenfürsorge gleichkommt( H. hat daneben noch verschiedene außerordentliche Unterstügungen aus der Notstandsaktion erhalten), hat jedoch einen großen Haten: Die aus der Notstandsaktion Unterstützten werden nicht mit Notstands= arbeiten beschäftigt. Wie uns von zuständiger Stelle mit geteilt wird, besteht zwar theoretisch die Möglichkeit, daß auch die Wohlfahrtsunterstüßten Rotstandsarbeit erhalten, praktisch tritt je doch der Fall nie oder faft nie ein. Bevorzugt werden die ungelernten Arbeiter. Die Vermittlung geschieht der Reihe nach; ein Antrag fann nicht gestellt werden. Bei anderen mag das noch hingehen, für H., den Vorbestraften, bedeutet diese Praris den Berlust jeglicher Arbeitsmöglich feit. Ueberall ist er gewesen und überall hat man ihn bei den privaten Arbeitgebern mit Bedauern abgewiesen, weil er feine Zeugnisse aufweisen kann. 5. befindet sich nun in sehr großer Not. Beim Bäder, Schuster usw. hat er schon fleinere Schuldbestände, insgesamt 36 M., die er von seiner Wochenunterstüßung 16,35 m. abtragen muß. Hier scheint eine sehr unbillige, sehr unsoziale Härte vorzuliegen. Der Zwed der Motstandsaktion ist verfehlt, wenn er, wie in diesem besonderen Falle, dem Unterstützten die Möglichkeit der Arbeit raubt. Berfaffungsfeiern des Reichsbanners. Bereits am fommenden Sonntag veranstalten drei Kreisoereine des Berliner Reichsbanners ihre Verfassungsfeier. Der Kreisverein Tiergarten wird das Volksfest, das im vorigen Jahre Zehntaufende im Ulap vereinigte, auch in diesem Jahre an derselben Stelle wiederholen. Die Veranstaltung beginnt nachmittag um 2% Uhr mit einem Abmarsch vom Kleinen Tiergarten nach dem Ulap. Neben den Bertretern der republikanischen Parteien wird der Landtagsabgeord Der Kreisverein nete Otto Nuschte die Festrede halten. Charlottenburg wird am Sonntag auf dem Friedrich- KarlBlag eine öffentliche Verfaffungsfeier um 3 Uhr nachmittag veran ſtalten, wo der Polizeioberst a. D. Schüßinger und der Redakteur W. Now ad sprechen werden. Nach der Feier, die von Mufif- und Gesangsvorträgen umrahmt ist, erfolgt der Abmarsch nach dem Lokal Spandauer Bod und Spandauer Berg, wo Musik und Tanz die Ge sinnungsfreunde gesellig beisammenhält. staltet der Kreisverein Treptow in der Wuhlheide in Oberschöne weide und im Wasserrestaurant Sadowa. Auch hier sprechen die Bertreter aller Parteien, während die Feftrede von dem Gauvor figenden Frizz Koch gehalten wird. Konzert, Gefang, Kinderbeluftigungen und viele andere Unterhaltungen sind vorgesehen Die britte Feier veran Tumulte um die Heilsarmee. Am Donnerstag abend zwifchen 7 und 8 Uhr fam es am Helmholzplatz zu Tumulten geringfügiger Art, die zur nament lichen Feststellung eines Mannes führten. Ein Zug der Heilsarmee, ber 30 Frauen ftart, auf dem Plaße eine Versammlung abhielt, murde von mehreren jugendlichen Beuten belästigt, die versuchten, durch Zwischenrufe die Vorträge zu stören. Als eine Streife der Schutz polizei gegen die Störer vorging, wandte sich die Menge, die sich inzwischen schnell angesammelt hatte, gegen die Beamten, die von ihrem Gummifnüppel Gebrauch machten und den Platz räumten. Die Versammlung der Heilsarmee fonnte daraufhin fortgesetzt werden. Die Meldung eines Rechtsblattes, als ob die Menge einen Arrestanten gewaltsam aus den Händen der Beamten befreit habe, ist unrichtig. ,, Parteipolitische Neutralität!" " " Man schreibt uns: Unser Verein ist parteipolitisch neutral." So lautet ein Paragraph der Sagung eines Groß- Berliner Westpreußenvereins. Ein günstiger Wind weht mir ein Brogramm zu der demnächst stattfindenden Fahnenweihe auf den Tisch, aus dem die Wahrung der Neutralität" zu ersehen ist.„ Einholung des Banners durch Kriegervereine, Kyffhäuserbund, SchüzenFridericus- Rer- Marsch, Weiherede des vereine, Rotes Kreuz. Pfarrers. Wir treten zum Beten." Festansprache eines Reichstagsabgeordneten( Deutsche Volkspartei). Ansprachen Ansprachen Parade Ehrenjungfrauen. Umzug durch die Stadt Militärmusit. Vielleicht moderne Auflage? Sie sollen ihn nicht haben... Siegreich woll'n wir... Hurra! Hurra! Den eingeladenen Vereinen ist bekanntgegeben einen ist bekanntgegeben..... für polizeilichen Schuß ist gesorgt". Die republikanischen Frontkämpfer find nicht eingeladen. Wieder ein Beweis für die vielgerühmte Neutralität" der Landsmannvereine. Zur Annahme gelangte auch ein Antrag, demzufolge der Magiftrat 52 000 m. für die Errichtung eines Heimes für rachitische Kinder im Friedrichshain zur Verfügung stellen soll. Des weiteren ist interessant, daß im Haushaltsausschuß zur Sprache gebracht wurde, daß ein Teil der Häuser, die mit städtischen Mitteln errichtet worden find, noch nicht bezogen werden konnten, da die Eigentumsverhältnisse über den Grund und Boden dieser Bauten noch nicht völlig geklärt find. Stadtrat Wuzky beabsichtigt, wie wir hören, diese Gebäude an die Gemeinnützige Wohnungsfürsorgegesellschaft zu verkaufen, da nach den Abmachungen, die mit dem amerikanischen Anleihegeber getroffen worden sind, eine Belastung der Grundstücke auf hypothe farischem Wege nicht möglich ist. Größeren Raum nahmen in der Sigung auch die Debatten über die Vorkommniffe in dem Arbeitsnachweis in der Gormannstraße ein, und der Ausschuß beschäftigte sich hauptsächlich mit der Frage, wie den dortigen Mißständen Abhilfe geschaffen werden könne. Es wurde beschlossen, in der Beuthstraße in der Nähe des Spittelmarktes Räume zu mieten, in die der Arbeitsnachweis für die Arbeitnehmerinnen der Tegtil- und Bekleidungsbranche verlegt werden soll. Dieser Nachweis, durch den die Räume in der Gormannstraße etwas entlastet werden, dürfte in vier bis fünf Wochen bezogen werden können. Mißwirtschaft in Frankfurt a. M. 300 000 Mart Berlust bei der Arbeitszentrale. Frankfurt a. M., 6. August.( WTB.) Der Rat hat den Aeltestenaus schuß der Stadtverordnetenversammlung gestern eine umfassende Darstellung der Lage der hiesigen Arbeitszentrale gegeben, in deren Betrieb Verluste von mehr als 300 000 Mart festgestellt wurden. Daneben bestehen bei der Stadthauptkasse rund 1½ Millionen Mart Schulden. Die bei der Zentrale tätigen Angestellten Tropp und Roß haben sich schwere Berfehlungen zufchulden kommen lassen. Es sind für die Wirtschaftszentrale Solz bestellungen gemacht worden, die sowohl im Ausmaß wie in Anbetracht der Qualität der Ware nicht zu rechtfertigen sind. Der Aeltestenausschuß hat fristlose Entlassung aller Schuldigen und Verfolgung der Angelegenheit durch die Staatsanwaltschaft verlangt. Außerdem soll ein Unterfuchungsausschuß die verwaltungstechnischen Verfehlungen feststellen. " Sechs Herbstausstellungen am Kaiserdamm! Nachdem das Frühjahr 1926 insgesamt sechs Veranstaltungen, nämlich die Bekleidungsmesse, Grüne Woche Berlin, Reichs- Gast wirtsmesse, Hygienemeffe, Alpenländische Sommerschau und Hundeausstellung, unter Mitwirkung des Berliner Meffeamtes in den drei Ausstellungshallen am Kaiserdamm gebracht hat, wird auch der Herbft 1926 am Raiserdamm sechs Ausstellungen mannigfacher Art sehen. Es finden statt: Bom 3.- 12. September die Große Deutsche Funtausstellung 1926", vom 9. bis 13. September die Reichs- Gastwirtsmesse", vom 25. September bis 17. Oftober die Große Polizeiausstellung Berlin 1926", vom 28. Oftober bis 7. November die Große Berliner Herbstblumenschau", vom 29. Oftober bis 7. November die Deutsche Automobilausstellung Berlin 1926"( veranstaltet vom Reichsverband der Automobil- Industrie), vom 13. bis 15. Rovember die„ Allgemeine 3. Junggeflügelschau". Der Besuch des Ausstellungsgeländes während der fommenden Herbftausstellungsmonate erhält durch die anläßlich der Funtausstellung vorgesehene Eröffnung der Fahrstuhlanlage im Funkturm und des bis dahin fertiggeftellten Funtturmrestaurants besonderen Anreiz. Weiter findet mit der Polizeiausstellung Berlin 1926 die erste große internationale Ausstellung der Nachkriegszeit in Berlin statt. Auch die Jubiläumsausstellung des Reichsver bandes der Automobilindustrie verspricht ein besonderes Ereignis zu werden. Die Reichs Gastwirtsmesse schließlich ist die erste Gesamtveranstaltung des Gewerbes nach der durch geführten Bereinigung der beiden bisher getrennt durchgeführten Berliner Gastwirtsmeffen. # 3m Stadtbahnzug verstorben. Auf dem Bahnhof Charlottenburg wurden Fahrgäste auf einen älteren Herrn aufmertfam, der in einem Abteil in sich zusammengefunken dajaß. Ein hinsugerufener Arzt stellte den Tod infolge er zichlags fest. Der Berstorbene, Sanitätsrat Dr. Martin Köhler aus der Calwinstr. 15, befand sich von Beelitz auf der Rückfahrt nach Berlin. Das Gnadengefuch der Gräfin Bofhmer abgelehnt. Das Gnadengesuch der Gräfin Bothmer, in dem sie für die ihr auferlegte Gefängnisstrafe um Bubilligung von Bewährungsfrist bittet, ist nunmehr endgültig vom Gnadenbeauftragten des Justizministers abgelehnt worden. Ob die Gräfin noch weitere Schritte unternehmen wird, um den Antritt ihrer Strafe hinauszuschieben, ist noch nicht bekannt. " Berfaffungsfeier des Bundes". Die Vereinigung freiheitlicher Alademiker Der Bund veranstaltet am Sonntag im Meisterfaal in der Stöthener Straße ihre Berfassungsfeier. Beginn 11 Uhr vormittags. Die Festrede hält Prof. Dr. Georg Klemperer. Für das bedrängte Sudetendeutschtum! Zum Besten des entrechteten Deutschtums veranstaltet der Landesverband Berlin des„ Sudetendeutschen Heimatbundes" am 15. August in den Gesamträumen des Saalbaues Friedrichshain, Berlin RD 43, Am Friedrichshain 16-23, ein großes Heimatfest. Das reichhaltige Programm, bestehend ans Gartenlonzert, Besangsvorträgen, Tombola, großen Kinderbeluftignngen( Ontel Belle) und der ab 6 Uhr abends stattfindende Festball, bürgt für beste Unterhaltung. 3m Intereffe des gemeinnügigen Zwedes wird um recht zahlreichen Besuch gebeten. Borverkaufstarten zum Preise von 1 M. find an den Theateraffen A. Wertheim, Leipziger Straße, Bote u. Bod, Leipziger Straße, und Invalidendant, Unter den Linden, zu haben. Mo Explosion einer amerikanischen Feuerwerkfabril. In dem Be trieb der Weigand Fireworks Company ist nach einer Meldung aus Chikago aus unbekannter Ursache Feuer ausgebrochen, wobei der größte Teil der Anlagen durch eine Pilometerweit hörbare Explosion zerstört wurde. Ein Arbeiter wurde getötet, mehrere schwer verlegt. Groß- Berliner Parteinachrichten. 99. Abt., Brig- Budow. Heute, Freitag, abends 18 Uhr, Funktionärsigung bei Bachmann, Rudower Straße 90. Sport. Die Treptower Radrennen mußten der ungünstigen Bitterung wegen abgefagt und auf heute abend 8 Uhr verlegt werden. Gewer�schastsboweg u ng �veutfihe flrbeiteröelegation� in Rußland. was die„Rote Fahne" darüber zu berichten weih. Die„Rote?ah»e" veröffentlicht in ihrer heutigen Ausgabe eine Juihe von Interviews mit Mitgliedern der sogenannten„zweiten i'.'utfchen Arbeiterdelegation". Unter diesen befindet sich auch der iMrsitzende des Ortsausschusses Berlin des Allgemeinen Deutschen .'annenbundez, Fritz K ö r b e r. Dieser soll noch der„Roten Fahne" unter anderem folgendes gesagt haben: „Ich wünschte, daß die führenden Genossen der Partei-- und der Gewcrksihostsbewegung noch Rußland fahren, um dort zu lernen, wie man die Interessen der Arbeiter, Angestellten und Bc- amten zu vertreten hat. 50 Jahre hat die Partei theoretisch dem deutschen Proletariat vom Sozialismus gepredigt. Als die Zeit kam, als Gelegenheiten sich boten, Theorie in die Praxis unizusetzen, hat man leider den Mut nicht gefunden, die Konsequen-.en zu ziehen, eine Tat folgen zu lassen. Ich bedoure unendlich, daß deinsche Sozialisten diejenigen schmähen, die— wie ich beobachten konnte— dabei sind, den Marxismus in die Tat umzusetzen." Ob die Ausführungen Körbers richtig wiedergegeben find, wissen rir nicht. Wir stellen dazu nur folgendes fest: Körbcr ist Mitglied der Sozialdemokratischen Partei. Er weih, doh Sozialdemokraten in Rußland, wenn sie sich als solche betätigen, ins Gefängnis oder nach S i b i r i c n-kommen. Er weiß, daß in Rußland eine andere als die bolschewistische Presse mcht geduldet wird. Er weiß, d atz selbst führende Bolschewisten, wenn sie eine andere Meinung als die ossiziell zugelassene äußern, abgesägt und in die Äerbannung geschickt werden. Er weiß, daß nach den Mit- teilungen der offiziellen Sowjetpresse die russischen Arbeiter heute itoch nicht einmal den Elendslohn erreicht haben, den sie unter deni zaristischen Regime hatten. Er weiß, daß nach den Mitteilungen der offiziellen Sawjetpresse in Rußland eine riesige Arbeitslosigkeit, gleichzeitig ober das U e b e r st u n d e n- wesen herrschen. Er weiß, daß nach den offiziellen Mitteilungen her Sowjetpresle die W o h n» n g s o e r h ä l t n i s s e der russischen Arbeiter zum Teil schauderhafte sind. Wenn er trotzdem gesagt haben sollte, was ihn der Berichterstatter der„Roten Fahne" in den Mund legt, so würde er sich damit b e- wüßt in den Dienst der bolschewistischen Lügen- Propaganda gestellt haben, die darauf ausgeht, die inter- nationale Arbeiterbewegung zu spalten und die russische Arbeiter- schaft in den Wohn zu erhalten, es ginge ihr besser als der Arbeiter- schast der westeuropäischen Länder. Denn wenn es in Deutschland nur eine offiziell geduldete Presse deutschnationalen Kalibers gäbe, dann würde es nicht schwer sein, allen Fremden, die der deutschen Sprache ebensowenig mächtig sind, wie die sogenannten deutschen Arbeiterdelegierten der russischen, zu beweisen, datz in Deutschland ideale Zustände herrschen. Allerdings müßte dabei noch die Einschränkung gemacht werden, datz die Arbeits- und Lebensverhältnisse der deutschen Arbeiterschaft ganz wesentlich bessere sind als die der russischen. Soviel für heute zu der ron der Sowjetregierung ausgezogenen„deutschen Arbeiterdelegation". Wozu Sie Reichsbahn GelS hat. Ztalionalistische Treibereien bei der Reichsbahn. An dieser Stelle haben wir schon oftmals sestgestellt, daß im Derwaltungsapparat der Reichsbahn nationalistischen Tendenzen einer gewissen Beamtenschast mehr als nötig Spielraum gelassen wird. In diesem Zusammenhange sei nur an die Technische Nothilfe und noch vielmehr an dni sogenannten B a h n s ch u tz erinnert, der eine schwer bewasfttete Organisation darstellt, die sich in ihrer Führer. schast säst restlos zu den Grundsätzen des Stahlhelms bekennt. Da die Aufrechterhaliung von Ruhe, Ordnung und Sicherheit durch die Staatsgewalt ui.ter allen Umständen gesichert ist, hat der sogenannte Bahnjchutz überhaupt keine Aufgabe mehr; er ist nichts weiter als ein vorzuglich bewaffneter und leicht beweglicher Stoßtrupp p u t j ch i st i s ch e r Kräfte, die in überreichem Maße mit Geld und Wofsen ausgerüstet sind. Bei verschiedenen Bahnmeistereien der Reichsbahn werden an sämtliche bei d,-r Dahuunterhaltung beschäftigten Arbeiter Zettel mit folgenden Fragen verteilt: a) sämtliche Vornamen, Glaubensbekenntnis: b) Name, Geburtstag und Mädchenname der �Ehefrau, Name und Geburtstag der Kinder: e) Militärpflicht genügt; Strafen: Wann? Tnippentkil Derartige Zettel sind z. B. ganz kürzlich auf der Station D o b e- ran ii: Meckleulurg an alle Arbeiter verteilt worden und waren am nächsten Tage ausgefüllt zurückzugeben. Diese Fragen dienen lediglich zur Einreihung der Arbeiter in die Listen des sogenannten Bahn- f ch u tz e s, der, wie durch die Personen, die hierbei führend tätig sind, bewiesen wird, weiter nichts ist als eine verkappte rechtsradikale Organii'otion. Seitdem fierr von S i e m e n s der Vorsitzende des Verwaltungs- rats der Reichsbahn ist, werden rechtsradikale Tendenzen des Per- lonals sehr gern gesehen und mit Beförderungen, Leistungszulagen und anderen schönen Dingen belohnt. Es ist ja bekannt, daß der Siemer.s-Konzern eine Hochburg rechtsradikaler und putjchi- ltischer Elemente darstellt. War dieser Zustand bisher hauptsächlich in den Siemens-Betrieben zu finden, so ist er dank Herrn von Sie- mens Gesinnung jetzt auch vollkommen beim Personal der Reichsbahn eingebürgert. Vielleicht intevssiert sich der Reichskommissar für öffentliche Sicherheit für den Zweck nicht nur der oben mitgeteilten Fragen, sondern des sogenannten Bahnschutzes überhaupt. � Allerdings dürste er sich be> seincu Rachsorschmigen nicht mit der bloßen Beantwortung von Fragen durch einige aalglatte Persönlichkeiten genügen lassen, sondern insbesondere über die Höhe ausgegebener Gelder. die Rekrutierung des Bahnschutzes und seine B e w a s s. n u n g eingehende Untersuchungen anstellen. Eine ungültige Krbeitsorünung. weil nicht ausgehängt. Ein Koch, der im„Rheingold"(Firma Aschinger) beschäftigt war, wurde entlassen, weil er sich geweigert hatte, eine Betriebsvisi- tation an sich vornehmen zu lassen. Als er beim Gewerbegericht seine Entlassung anfocht, behauptete die Firma, in ihrem Betriebe bestehe eine Arbeitsordnung, die bestimme, datz jeder Arbeitnehmer verpflich- tet sei. sich auf Verlangen körperlich daraufhin untersuchen zu lassen, ob er Waren aus dem Geschäft mitnehme und daß Zu- widerHandlungen gegen diese Bestimmung die Entlassung zur Folge hätten. Diese Arbeitsordnung war dem Kläger nicht bekannt. Es wurde festgestellt, datz eine Arbeitsordnung, die die angeführte Bestimmung enthält, vor Iahren von der Firma erlassen, vom damaligen Vorsitzenden des Betriebsrats gegengezeichnet und vom zuständigen Gewerberat genehmigt ist, besteht. Aber im Betrieb« ist diese Arbeits- ordnung nicht bekannt, denn sie hat niemals ausgehan- gen. Dem gegenwärtigen Betriebsrat ist eine Abschrift der Arbeits- ordnung zugegangen, aber er hält sie nicht für zeitgemätz und be- müht sich seit längerer Zeit vergebens, die alte Arbeitsordnung im Verhandlungswege umzugestallen.— Aus diesen Gründen bestritt der Kläger die Gültigkeit der Arbeitsordnung. Das Gericht entschied: Die Arbeitsordnung bedarf nicht der An- «rtennung durch den jetzigen Betriebsrat. Sie ist vom alten Be- triebsrat gegengezeichnet und in dieser Hinsicht in Ordnung. Aber sie ist nicht gültig, weil sie nicht ausgehängt, denn nach dem Gesetz erfolgt die Bekanntmachung der Arbeitsordnung durch Aushang. Da diese Voraussetzung fehlt, kann sich die Beklagte nicht auf die Arbeitsordnung berufen. Die Firma wurde verurteilt, den Kläger wieder einzustellen oder ihm eine Entschädigung von 217 M. zu zahlen.__ Das Wurstkomplott. Aus dem Kühlraum des Pschorrausschanks in der Potsdamer Straße wurden Bockwürste an die Verkäuferin im Braustübcl des Lokals geliefert. Es stellle sich heraus, daß die Verkäuferin 36 Würste mehr erhalten hatte, als der Magazinoerwalter im Kühlraum seiner Meinung nach ausgezählt hatte. Irren ist menschlich. Der Magazinverwalter wird sich verzählt haben. An diese naheliegende Erklärung dachte die Gejchäftsleitung nicht. Sic mutmaßte vielmehr eine unlautere Manipu- l a t i o n und hielt diese Annahme durch einen„Indizienbeweis" für bestätigt. Zur fraglichen Zeit hatte nun jemand von der Geschäfts- leitung den Fleischer im Gespräch mit der Wurstverkäuserin gesehen und bei seinem Rahen waren beide auseinandergegangen. Die Geschäftsleitung legt nun diesen Vorgang so aus: Weil die beiden schleunigst auseinandergingen, als man sie im Gespräch sah, haben sie ein„Komplott über Wurstdiebstahl" geschmiedet. Auf Grund dieses„Beweismaterials" wurden der Fleischer und die Verkäuferin entlassen. Als sie beim Gewerbegericht gegen ihre Entlassung klagten und der Vertreter der Firma sich auf das Zwiegespräch und das schleunige Auseinandergehen der Entlassenen berief, entgegnete ihm der Vor- sitzende: Das beweist doch nichts gegen die Kläger. Sie können sich ja darüber unterhalten haben, ob sie am Sonntag einen Tanzpalast besuchen wollen. Die beklagte Firma fand mit ihren„Indizienbeweisen" kein Verständnis beim Gericht. Sic wurde verurteilt, die Kläger wieder einzustellen oder der Verkäuferin 103 M., dem Fleischer 407 M. Entschädigung zu zahlen. Die Abstimmung der englischen Bergarbeiter. Laldwin will ihre Unlerstühung verhindern. London. 6. August.(EP.) Die Bergarbeiier in Northumber» land haben die Vermittlungsoorschläge der Kirche als Basis für weitere Verhandlungen angenommen. In Lancashire und Cumberland wurden sie abgelehnt. Aus den übrigen Gruben- gebieten liegen noch keine endgültigen Nachrichten vor. Die Ergeb- niste werden jedoch spätestens am Montag in London erwartet.— Cook gab bekannt, datz B a l d w i n durch eine amerikanische Nach- richtenagentur ein Telegramm nach Amerika hat senden lasten, in dem die Regierung die Behauptung, daß die Bergarbeiter Hunger leiden, als unzutreffend bezeichnet. Dieser Schritt wird von Cook als ein Gegenzug gegen die nach Amerika entsandten Arbeiterdele- gierten angesehen, die dort weitere finanzielle Unterstützung suchen sollen. Eine Zusammenkunft des Vollzugsausschusses der Bergarbeiter ist für nächsten Dienstag nach London einberufen worden, um die Ergebnisse der Bezirksabstimmungen zu erwägen. Hefthästliche Mitteilungen. Di« Firma Wilhelm Joseph, Schineberg. Sanptstr. 1S3, hat einen großen Serienoerlauf nach dem Muster der amerikanischen Einheitspreise veranstaltet. Wir raten Ihnen, falls Sie noch nicht zu den llunden gehören, diese Ver- kaufstage auch einmal auszunuhen, damit Ei« sich selbst von unserer Einp» fehlung überzeugen können. Siehe auch das Inserat in der vorliegenden Ausgabe. Verantwortlich für Politik: Dr. Snrt Seyer; Wirtschaft: Art»r Saternn«: Gewerkschaftsbewegung: Z. Steiner: Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lokale» und Sonstiges: Frih starstädt: Anzeigen: Th. Gloeke; sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Berlag G.m.b.H.. Berlin. Druck: Vorwörts-Buchdruckerei und Berlagsanftalt Paul Singer u. Co.. Verlin SW 68, Lindenstrahe 3. Mitglied der Berliner Wirtschafts- Vereinigung Wilhelm Toseph BERUM, Großgörschenstr, 1. Schöneberg, Hauotstr. 163 Prüfen Sie die Angebote meiner Schaufenster- Auslagen