flt.36S ♦ 4Z.?ahrg. Ausgabe A Nr. 189 Bezugspreis. Wöchentlich TO Pfennia, monatlich S,— Reichsmorl voraus»ahlbar. Unter Kreuzband filr Deutschland, Donöiq. Saar» und Menielaebiet. Oesterreich, Litauen, Luremburz «,S0 Reichsmark, filr da» übrige Ausland 5,50 Reichsmark pro Monat. Der.Ronoätts* mit der illustrierten Sonntagsbeilage»Volk und Zeit* fowie den Keilagen.Unterhaltung und Wissen",„Au» der Filmioelt", »Frauenstimme",„Der Rinder- freund",.Lugend-Vorwärts" und »Blick in die BilcherweU" erscheint Wochen täglich zweimal. Sonntag, und Montags einmal, Telegvamm-Adrest«: »Sozialdernolral verlin» Morgenausgabe (w ) Nevliner VolkslklÄkk Anzeigenpreise: Die einspaltige Nonpareille» teile LS Pscnnig. Rcklamizeile 5,— Reichsmark.„Kleine Anzeigen" das fctiacdrucktc Wort 25 Psenni» fzulässtg zwei fettgedruckte Wortes, jedes weitere Wort 12 Kfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, iedcs weitere Wort IS Pfennig. Worte über 15 Buch- stabcn zählen sur zwei Worte. Arbcitsmarlt lleile SS Pfennig. ssamilienan, eigen iiir Abonnenten Zscilc 40 Pfcnnia. Anzeigen iiir die nächste Nummer müssen bis 4?s, Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin CWW.Lindc»- ftraste Z, abgegeben werden. Ecösfnet von Slh Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zcntralorgan der öozialdemokratifchen parte» Deutfchlands Neüaktion und Verlag: Serlin SW. öS, Linüenstraße Z Fernsprecher: Tönhoff 292—297. Sonnabend, den 7, August 19�6 Vorwärts-Verlag G.m.b.H.» Serlin SM. öS, Linöenstr.Z Postscheckkonto: Berlin ST 5ZI— Bankkonto! Bank der Arbeiter. Angestellten und Beamlen. Wallstr. SSt Diskonto-Selellschaft, Denosttenkast« iindenstr. Z. Die Zahl öer Notftanösarbeiter. Wo bleibt die Durchführung des Arbeitsbeschaffungsprogramms. An Kundgebungen der Reichsrcgierung über die Notwendigkeit vermehrter Arbeitsbeschafung durch die öffentlichen Körperschaften fehlt es nicht. In der neuesten Nummer des Reichsarbeitsblattes gibt Geheimrat Weigert vom Reichsarbeitsministerium in einem Auf- satz:„Arbeitsbeschaffung und Rcichsregierung" einen Ueberblick über den gegenwärtigen Stand der Dinge. Wenn man's so hört, dann möcht' es leidlich scheinen. Es fehlt nicht die Feststellung, daß die Absichten der Reichsregierung noch im Lause des Juli zu einem wesentlichen Teil in die Tat um- gesetzt werden konnten. Die Reichsregierung ist überhaupt immer aus der Höhe gewesen. Nach der Meinung des Ministerialrats Weigert weiß jeder, der sich mit den Dingen genauer beschäftigt hat, daß die Frage einer produktiven Erwerbslosenfür- sorge die verantwortlichen Instanzen des Inlandes und des Aus- landes seit Iahren aus das eingehendste beschäftigte, und daß gerade Deutschland in seinen Bemühungen auf diesem Gebiet vielfach die Aufmerksamkeit und die Nachahmung anderer ähnlich betroffenen europäischen Länder gefunden hat. Danach müßte also alles in schönster Ordnung sein. Seit Iahren beschäftigt sich die Negierung auf das eingehendste mit den Fragen der produktiven Erwerbslosensürsorge. Man sollte annehmen: un- unterbrochene Fortschritte auf der ganzen Linie. Was besagen demgegenüber die amtlichen Beröffent- l i ch u n g e n über die unterstützten Erwerbslosen im Deutschen Reich? Vergleicht man die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger mit der Zahl der bei großen und kleinen Notstandsarbeiten Beschäftigten, so wird man feststellen, daß im Jahre 192S ein leidliches Verhält- nis vorhanden war. Teilweise wurden über 20 Proz. der Erwerbs- losen bei Notstandsarbeiten beschäftigt. Im März sind es 82S00 bei 514 911 Unterstützungsempfängern, im Mai 63 500 bei 274 091 Unter- stützungsempsängern. Das war, wie Weigert im Reichsarbeitsblatt sagt, nach Ansicht der deutschen Konjunkturtheoretikcr das Jahr der Hochkonjunktur. Im Dezember steigt die Arbeitslosenziffer auf über 1 Million; im Februar 1926 sind es über 2 Millionen Arbeitslose. Dennoch kommen die Notstandsarbeiten nur schwer in Gang. Im Januar sind es 40 781, im Februar 87 014 N o t st a n d s a r b e i t e r. Soviel wurden im März 1925 beim vierten Teil von Hauptunterftützungsempfängern beschäftigt. Im März dieses Jahres steigt dann die Zahl der Notstandsarbeiter auf 133 334, im April auf 163 219, im Mai auf 170 105. Diese Zahl sollte erheblich gesteigert werden durch verstärkte Arbeitsbeschaffung. In Wirklichkeit ist ein Rückgang der beschäftigten Not- stgndsarbeiter eingetreten. Im Juni sank die Zahl auf 154 228, im I u l i auf 143 695. In seiner Reichstagsrede erklärte der Reichsarbeitsminister Dr. B r a u n s am 23. Juni, daß es die Reichsregierung an dem nötigen Ernst, an der notwendigen Tatkraft und Beschleunigung bei ihren Maßnahmen nicht fehlen lassen wird. An feierlichen Erklärungen fehlt es nicht. Was wir gebrauchen, sind Maßnahmen, die ihren sinnfälligen Ausdruck in einer starten Vermehrung der Notstandsarbeiter finden. Ein Uriasbrief Salüwins. Gegen die Bergarbcitcrabordnung nach Amerika. London, 6. August.(Eigener Drahtberichl.) Der in ameri- konischen Zeitungen publizierte Brief Baldwins, in dem sich Daldwin gegen die Berichte von der Rot unter den ausgesperrten Bergarbeitern wendet, hat in der Labour-Parlii und den Gewerkschaften die größte Erbitterung hervorgerufen: es wird darauf hingewiesen, daß die Bublikation des Brieses in Amerika mit der Ankunft der britischen Bergarbeiterdelcgalion zusammenfällt.„Daily herald" nennt den Brief Baldwins niedrig und unwahr und erinnert daran, daß Baidwin erst unlängst durch den Versuch einer herabsehung der Armenunter st ühung in den Bergbaurevieren bewiesen habe, daß die Regierung die Bergarbeiter durch Rot zur Nachgiebigkeit zwingen will. Die Minifteranklage in Wien. Mindcrhcitsvotum der Sozialdemokraten. Wien, 6. August.(Eigener Drahtbericht.) 2lm Freitag wurde im Parlament der Bericht des Bersasfungsausschusses über den sozialdemokratischen Antrag auf Erhebung der Anklage gegen die Regierung vorgelegt. Während der Bericht der Ausschußmehr- heit sehr kurz ist, gibt der Minderheits bericht, den Abg. A u st e r l i tz(Soz.) erstattet hat, eine ausführliche Darlegung der Gesetzesverletzungen. Die Regierung könne sich nicht auf Gefahr im Verzug berufen und sie habe die Gesetzesverletzungen vorsätzlich begangen. Ihr falle also eine Rechtsverletzung zur Last und deshalb beantragt die sozialdemokratische Ausschuß-Minderheit, daß gegen den Bundeskanzler und gegen die übrigen Minister Anklage vor dem Verfassungsgerichtshof erhoben werde. Das polnische �luslänüergesetz. Anscheinend ziemlich annehmbar. Warschau, 6. August.(WTB.) Wie einer— wahrscheinlich halbamtlichen— Notiz zu entnehmen ist, soll nach dem neuen Ausländer- gesetz jeder nach Polen einreisende Fremde einen Paß besitzen und sich innerhalb eines bestimmten Zeitraumes bei der Polizei zu melden sowie jeden Wohnungswechsel bekanntzugeben haben. Staats- feindliche Fremde werden ausgewiesen, wobei sie jedoch bei den Behörden zweiter Instanz Berufung einlegen können. Das Dekret enthält keine Bestimmungen über den Kauf und Verkauf von Immobilien durch Ausländer, ebensowenig über fremde Hand- werter. Kaufleute und Handelsagenten, da dies in besonderen Gesetzen und in Verträgen mit den fremden Staaten geregelt werden soll. Wiederbeginn der dcutsch-polnischen Verhandlungen. Die deutsch-polnischen Verhandlungen über das Nieder- lassungsrecht sind am Freitag wieder aufgenommen worden. Die polnischen Unterhändler haben den Text des neuen polnischen Aus- lär.dergesetzes in den Grundzügen vorgelegt. Das Gesetz enthält gegenüber dem bisherigen Zustand gewisse Verbesserungen. Verschieden« Bestimmungen sind nach dem Muster der deutschen und schweizerischen Ausländergesetzgelui'ng formuliert. Für die end- gültige Beurteilung des Ausländergesetzes kommt es jedoch sehr wesentlich auf die A u s f ü h r u n g s b e st i m m u n g e n an, die noch nicht fertiggestellt sind. Das Gesetz soll am 1. März 1927 in Kraft treten. Die Verhandlungen über die Niedcrlassungsfrage werden jetzt weiter geführt. Ende der nächsten Woche tritt wieder eine Verhandlungspause bis zum September ein. Der Kirchenkampf in Mexiko. Nordamerikanische Berichte. New Zork. 6. August.(WTB.) Der amerikanische Handels- attachc in Mexiko hat nach Washington mitgeteilt, daß die Boy. k o t t bestrebungen in Mexiko sich in allen Geschäftszweigen fühl- bar machen, wobei Luxuswaren mehr betroffen sind als industrielle Erzeugnisse. Dagegen erklärt der mexikanische Finanzagent in New Bork, daß die Wirtschaftslage von dem Boykott nicht in Mitleidenschast gezogen sei. Der Erzbischos von Mexiko hat neuerdings erklärt, er sei zu einer billigen Verständigung, die nicht im Widerspruch zu seinen Pflichten stehe, bereit. »Tribüne" berichtet, daß bei den Zusammenstößen in Mexiko 20 Tote und 30 Verletzte zu verzeichnen seien: die Spannung nehme ab, da in der Stadt Mexiko die Truppen aus den Kirchen zurück- gezogen worden seien. Acußerung der nordamcrikanischcn Gewerkschaften. Baltimore, 6. August.(WTB.) Auf eine Anfrage der Zeit- schrift»Catholic Review" erklärt der Präsident der amerikanischen Federation os Labour, Green, er beklage die. Ereignisse in Mexiko und hoffe auf eine baldige Verständigung. Im übrigen hebt er hervor, daß die Federation of Labour nur an wirt- schastlichen und sozialen Vorgängen in Mexiko Interesse nehme, nicht aber an politischen und religiösen Vorgängen. Nur kein Konflikt mit Nordamerika! Rlexiko, 6. August.(WTB.) Die Regierung hat die an, 2. August verfügte Beschlagnahme der amerikanischen Kirche San Jose de Gracia aufgehoben und ihren Leiter, einen amerikanischen Priester, in seine Rechte wieder eingesetzt. Kolonialer(Dffiziersaufsianü. In Portugiesifch-Jndicn. Paris, 6. Zlugust.(WTB.) Noch einer vom„Temps" wieder- gegebenen Meldung aus Lissabon teilt die portugiesische Regierung mit, daß einige portugiesische Offiziere in Portugiesisch-Indien, um ihre Unzufriedenheit mit dem Beschluß der Regierung, die Militärpensionen herabzusetzen, zu bekunden, den Gouverneur der Kolonie abgesetzt und ein aus zwei Obersten und einem Major gebildetes Triumvirat eingesetzt hotten. Die Regierung habe sich geweigert, die Absetzung des Gouverneurs anzu erkennen und habe die Mitglieder des Triumvirats nach Lissabon berufen. Staat und Richter. Die Rechtslage im Magdeburger Bchördenkonfliki. Von Iusttzrat Dr. Johannes Werthauer(Berlin). Aus Anlaß des Magdeburger Konflikts treibt im Publi- tum wieder der Köhlerglaube Wurzel, daß wegen der Unabsctzbarkeit des Richters die deutsche Einzelperson dem Untersuchungsrichter gegenüber schutzlos preisgegeben sei.. Das ist unrichtig. Der Richter ist im weiteren Sinne Beamter. Der Untersuchungsrichter Kalling hebt in seinem Briefe selbst hervor, daß er seiner„vorgesetzten Behörde" berichtet habe. Der Richter unterliegt deshalb dem richter- lichen Disziplinargesetz. Dies bestraft den Richter, der außer- halb seines Amts sich Verfehlungen zuschulden kommen läßt, vor allem aber auch, wenn er innerhalb seines Amtes dasselbe so führt, daß er sich des Ansehens, das für den Beamten erforderlich ist, unwürdig gezeigt hat. Dabei kommen sowohl unrechte Handlungen in Frage, die in der eigentlichen Ausübung des Amtes selbst vorkommen, als solche, die gelegentlich aus Anlaß der Amtshandlung in Betracht kommen können. Die folgenden Gesichtspunkte dürften für die allgemeine Diskussion von Interesse sein. Der Untersuchungsrichter soll die Voruntersuchung selbständig führen. In den Motiven zum Gesetzbuch ist gesagt, daß der Untersuchungsrichter unabhängig von jedermann p e r f ö n li ch den Plan der Untersuchung im Hinblick auf die ihm unterbreitete Anklage gegen eine bestimmte Person fassen und durchführen soll. Der Unter- suchungsrichter muß dies f e l b st erledigen und darf diese Pflicht keinem anderen ganz oder teilweise übertragen, insbesondere auch nicht einem Polizeibeamten. Der Untersuchungsrichter darf an den Polizeibeamten nur zur Ausführung einzelner Maßregeln oder zur Vornahme von bestimmten Ermittlungen Aufträge erteilen:§ 187 der Strafprozeßordnung. Das Gerichtsverfassungsgesetz hat es abgelehnt, das von ihm im Prinzip aufgenommene Institut der„g e r i ch t li ch e n Polizei" selbst zu organisieren. sondern dies den Landesbehörden überlassen. Durch landes- rechtliche Vorschriften weriZen deshalb bestimmte Polizeibeamte zu Hilfsbeamten der Staatsanwaltschaft bestellt. Dem Richter, insbesondere dem Untersuchungsrichter, fehlt jede Legitimation und Qualifikation, auch nur eine Silbe darüber mitzusprechen, wen die Landesbehörde zum Polizeibeamten bestellt. Wenn das Ersuchen des Untersuchungsrichters einläuft, so wird es von dem Polizeibeamtcn erledigt, welchen die Landesver- waltung bestellt hat. Es ist unerheblich, ob dieser oder jener Polizeibeamter das Ersuchen erledigt, denn der„H e rr der S a ch e", der Untersuchungsrichter, muß seine Sache so beherrschen, daß er in jedem Augenblick etwaige Instruktionen jedem beliebigen Polizeibeamten geben kann. Di? Erörte- rungen über die einzelnen Polizeibeamten seitens eines Untersuchungsrichters sind deshalb angesichts unseres Staats- rechts völlig gegenstandslos. Der Richter als Beamter hat die absolute Verpflichtung zur Amtsverschwiegenheit. Er hat nicht die Be- rechtigung, auch nur ein Wort einer Presse zu übergeben, das ihm aus der Führung der Sache bekannt geworden ist. Diese Pflicht der Amtsverschwiegenheit ist so selbstverständlich, daß sie in den Prozeßordnungen nicht einmal erwähnt wird: sie ist im Staatsrecht der einzelnen Länder überall verankert: vgl. daher z. V.§ 200 des Gerichtsverfassungsgesetzes. Der Untersuchungsrichter darf als Teil der Unter- fuchungshandlung z. B. eine Handschrift durch die Presse publizieren lassen, um dadurch den Schreiber zu ermitteln. Die Auswahl der Zeitung darf nur aus dem Zweck der Ermittlung sich ergeben: niemals darf ein Richter Amtsverrat treiben zugunsten einer sensationellen oder hochverräterischen Presse. Auch neben der Voruntersuchung hat die Staats- anwaltschaft und die Polizei das Recht, ihr erforderliche Ermittlungen anzustellen; die Polizei muß dies tun, wenn nach ihrer Ansicht Gefahr im Verzuge ist: vgl. Löwe, Straf» Prozeßordnung,§ 182, Anm. 4. Der Untersuchungsrichter muß auch d i e Ermittlungs- Handlungen vornehmen, die der Verteidiger oder Beschuldigte sachlich berechtigt verlangt. Weigert sich der Untersuchungs- richter, weil dies nicht„in seinen Plan pass e","der weil er zu unfähig ist, um den Zusammenhang zu oerstehen, so besteht hiergegen zwar das Beschwerderecht, daneben aber auch die Möglichkeit disziplinarer Ahndung. Denn von einem Richter, dem die Rez.erung durch seine Ernennung die ungeheure Gewalt gibt, über die Interessen seines nächsten Mitmenschen zu verfügen, muß die Regierung verlangen dürfen, daß er diese Gewalt aucy den strengsten Anforderungen seiner richterlichen Kunst cnt-» sprechend ausübt. Ein Verstoß gegen die anerkannten Grund- sätze der richterlichen Kunst ist, wenn es sich nicht um Urteile handelt, ein Disziplinarunrecht. Häufig nimmt die Behörde von Diszipliizcruntersuchun- gen Abstand, weil bei dem Bestreiten des richterlichen Beamten, da es sich oft um innerliche Vorgänge handelt, die Tatbestandsfeststellung schwierig ist und die Erhaltung der Autorität möglichst gegen ein Einschreiten spricht. Dadurch mag der oben erwähnte unrichtige Glauben-ier mangelnden DisZiplinierungsmöglichkoit genährt sein, es ist aber selbst- verständlich, daß dies die Regierung nicht hndern darf, in Fällen, in denen ein Einschreiten nötig ist, mit der ocnkbar größten Schärfe vorzugehen. Sobald gar monarchi- itische, also hochverräterische Zeitungen solche Sachen aus- schlachten wollen, um an die Grundlage des Staates zu rühren, wird die Regierung im Interesse der Erhalmng des Staates vor keinem Hindernis zurückschrecken dürsen, um unter allen Umständen das Vertrauen zur Rechtspflege ;u stärken. Sie wird dabei an ihrer Seite alle die finden, welche so klug sind, zu erkennen, daß die Anwendung des Rechts auch gegebenenfalls gegen die Ri ch t e r in cinsm Rechtsstreit notwendig ist. Sie darf nicht haltmachen vor einer Richterkaste, die von manchen Fachzeitschriften hoch- ;uzüchten gewünscht wird. Die anständigen Richtercharaktere in Deutschland werden der Regierung nur Dank wissen lönnen, wenn sie, falls es nottun sollte, vor Auguren das deutsche Volk bewahrt. der 5aU Kölling vor üem Landtag. Die so�ialdeni akratische Fraktion hat im Preu- wichen V a n d ta g folgende„Große Anfrage" einge- >racht: Der Mord an dem Magdeburger Buchhalter Helling ist durch iie Geständnisse des Täters Schröders und seiner Geliebten Goß m wesentlichen aufgeklärt. Die Aufklärung ist erfolgt g eg e n den 'cftigen, sogar erbitterten Widerstand des Untersuchungsrichters ! ö l l i n g. K ö l l i n g und der ihm unterstellte Kriminalkommissar Ten- s o l d haben, obwohl Schröder durch den Besitz von Effekten »es Ermordeten vor vornherein schwer belastet war, monatelang lartnäckig die Berfolgung aller Spuren unter- lassen und abgelehnt, die zur Ueberführung des 5 chr ö d e r führen konnten. Sie haben dagegen mit aller Kraft versucht, den völlig un- schuldigen Fabrikanten Haas der Anstiftung zum Morde zu über- ühren. Zu diesem Zweck ist T e n h o l d nicht davor zurück- leschreckt, dem Schröder die Kenntnis der Schröder unbekannten Personen und Oertlichleiten zu vermitteln, von deren vorheriger Kenntnis die Glaubwürdigkeit der Aussagen Schröders wesentlich ibhing. Es besteht sogar der dringende Verdacht, daß Ten- wld dem Schröder erst die Bezichtigung der Mordanstistung gegen laas suggeriert hat. Kalling hat Tenhold bei seinem Treiben in jeder Weise «edeckt. Dagegen hat er dein Kriminalkommissar Büsdorf, der 'ereits im Begriff war, den wahren Sachverhalt zu klären, die Veiterversolgung der Spuren unmöglich gemacht, ebenso haben die Kriminalkommissare Dr. R I e m a n n und Braschwitz nur legen den aktiven und passiven Widerstand Köllings die Ueberführung des Schröders herbeiführen können. Kölling seinerseits ist nicht davor zurückgeschreckt, >ie pflichttreuen Beamten, die den Mord aufklärten, in inem ihm von dritter Seite diktierten und von ihm vorzeitig ver- lfsentlichten Brief an den Magdeburger Polizeipräsidenten der Zegünstigung des Mordes zu bezichtigen, während atsächlich er selber durch seine eigentümliche Untersuchungs- iihrung mindestens objektiv den Mörder Schröder begünstigt hat. )at doch Kölling es auch dann noch nicht einmal über sich vermocht. I-gen Schröder die Untersuchung auf Mord zu eröffnen, als fest- lestellt wurde, daß in Schröders Keller die Leiche des Ermordeten »ergraben lag. Kölling hat weiter, wozu er monatelang Zeit «atte, es unterlassen, bei Schröder Haussuchung zu »alten, die von Schröder beiseite geschaffenen blutbefleckten Ein- ichiungsstücke des Mordzimmers herbeizuschasfen, die im Körper Dellings gefundenen Geschosse durch einen Sachverständigen prüfen v lassen und die zur Zeit des Mordes bei Schröder wohnende Ge- iebte Schröders zu vernehmen, durch deren Inhaftnahme die kriminalkomissare Dr. Riemann und Braschwitz den Mord binnen !4 Stunden aufgeklärt haben. Im Gegenteil hat sich Kölling noch üeser Inhaftierung widersetzt. Der vagabunö. Bon Walter Appel i. � Der Bagabund zahlt« in der Schenke sein Bier wie die Ein- heimischen, nur mit dem Unterschied, daß die Magd so, wie sie ihm Krug und Krug reichte, das Geld dafür einstreichen mußt«. Der Wirt hott« fein« Erfahrungen mit solchem ortsfremden Gelichter. Uber so lang« alles in Ordnung war, hatte er natürlich auch keinen Grund, irgend wem den Aufenthalt in seiner Gaststätte zu verwehren. Und wenn er noch viel zerlumpter gewesen wäre als der, den ein Zufall heute von sonstwoher gebracht hatte,— der morgen sonst- wohin verschwinden würde. Er hatte, anfangs mißtrauisch und argwöhnisch betrachtet, dann aber doch zuweilen nebenher ins Gespräch gezogen, fesselnd zu erzählen gewußt. Bon seinen Fahrten durch die Lande, bis jenseits des großen Gebirges, bis hinauf an die Küsten... Und als einer die Karten zum Spiel aus der Tasche bracht«, hatte man auch ihn auf- gefordert, mitzutun. Und der Vagabund gewann. Vielleicht, weil er nicht mehr ver- lieren konnte als feine lumpigen paar zusammengebettelten Groschen und deshalb viel ruhiger spielt« als die Bauern, die schon nach den ersten Runden die Leidenschaft packt«. Bielleicht aus einem andern, vielleicht mis gar keinem Grunde. Jedenfalls mehrt« und mehrte sich das Häuflein blanken Geldes, da« er offen neben seinem Bier- trug aus dem Tische liegen ließ. Die haßerfüllten Blick«, die die Einheimischen mit«inander lauschten, dann auf ihn und seinen Gewinn richteten, sah der Dago- bund nicht. Besonnen blickte er in seine Karten, wägte und bedachte kaltblütig jeden Zug— und gewann weiter. „Er spielt falsch!" rief plötzlich einer der Hauptverlierer. Der Ruf wirkte wie ein schmetterndes Alarmsignal, das die Erhitzten mit hochroten Köpfen aufspringen ließ. Aber der Bagabund besänftigte den Sturm, der sich zu ihm hindrängen wollte, noch ehe er recht aus- brechen tonnte. Mit einer herablassenden Größe, wie sie nur die höchste Ueber- legenheit, das völlig« Sichfin-den in den Mangel realen Besitzes geben kann, schob er alles Gewonnen«, und seine Einsatzgroschen dazu, nach der Mitte des Tssches. Und sagte mit einer Festigkeit, die selbst den halb Berauschten imponieren mußt«: „Hier! Nehmt euch jeder, was ihr an mich verloren, zurück!" „Das ist anständig," sagte der Wirt, der sich für die schließlich« Abrechnung einen halbwegs klaren Kopf bewahren mußte. „Ein Schuldbekenntnis ist esl" schrie einer der Spieler. Und«in anderer glaubte sich wichtig machen zu können, indem er großartig die Weisheit von sich gab: „Falschspieler sind, wenn sie erwischt werden, immer feig« Hunde." Kölling ist in seinem Verhalten bestärkt worden durch M a g d e- burger Rcchtskreise und die Rechtspresse, durch das Magdeburger Richtertollegium und durch die Magdeburger Ortsgruppe des Preußischen Richteroereins. Wäre es nach Kölling und seinen Hinter- männern gegangen, so hätte ein Unschuldiger den Mord büßen müssen und der wahre Täter wäre frei ausgegangen. Was gedenkt das Staatsministcrium angesichts dieser skanda- lösen Vergänge zu tun? Wird das Staatsministerium gegen Kölling und Tenhold nicht nur die disziplinare, sondern auch die strafrechtliche Untersuchung wegen Amtsverbrechens einleiten? Gedenkt das Staatsministerium noch weiter den Preußischen Richterverein als Standesorganisation anzuerkennen, der zwar einen aufrichtigen und untadeligen Republikaner, wie den Senatspräsidenten Großmann, ausgeschlossen, aber den Unter- suchungsrichter Kölling mit aller Kraft gedeckt hat? Der Oberstaatsanwalt beantragt die Haftentlassung von Haas. Magdeburg, 6. August.(WTB.) Nachdem der Untersuchungs- richter die Geliebte Schröders, Hildegard Götze, nicht als Ange- schuldigte, sondern nur als Zeugin vernommen hat, wurde sie von der Kriminalpolizei wieder auf freien Fuß gesetz. Hildegard Götze hatte bekanntlich am Mittwoch ein um- fassendes Geständnis abgelegt, aus dem hervorging, daß sie mindestens der Mitwisserschaft verdächtig war. Der Oberstaatsanwalt hat beim Untersuchungsrichter die Haftentlassung von Haas, Reuter und Fischer beantragt. Sollte der Untersuchungsrichter diesem Antrag« nicht stattgeben, sollen die Akten zur beschleunigten Erledigung der Strafkammer überwiesen merden. * Die Haftentlassung der Hildegard Götze zeigt, daß der Untersuchungsrichter Kölling nach wie vor sich weigert, die Untersuchung gegen Schröder ernsthaft zu führen. Dieser neueste Fall Kölling ist so kraß, daß man— immer wieder!— laut fragen muß: warum schreitet das Justizministerium nicht ein? hugenbergpresse. Die Hugenberg-Presse hat genug von Magdeburg. Sie will davon nichts mehr hören. Iii der„Nachtausgabe" des„Tag" liest man: „An sich machen die Magdeburger Wirrnisse einen recht u n- erfreulichen Eindruck in der Oeffentlichkeit. Es wäre zu wünschen, daß endlich einmal mit diesem Hin und Her Schluß gemacht werden könnte, damit das Ansehen der deutschen Justiz nicht noch mehr zu Schaden kommt." Es soll Schluß gemacht werden, weil die von der Hugen- berg-Presse aufgezogene Hetze kläglich zusammengebrochen ist. Es soll endlich einmal Schluß gemacht werden— nachdem die Hugenberg-Presse Herrn Job Zimmermann und Herrn Dr. Kriegt nach Magdeburg gesandt hatte, um eine neue Pressehetze wie während des Ebert-Prozesses aufzuziehen. Es soll endlich einmal Schluß gemacht werden, damit die Komplizität der Hugenberg-Presse mit den reaktionären Ele- menten der Magdeburger Justiz nicht ans Tageslicht kommt. Die ertappten Hetzer, deren Plan so schmählich zusammen- gekracht ist, fürchten die öffentliche Stäupung, wenn der Fall Kölling und der Fall Hugenberg-Presse öffentlich behandelt werden. Sie haben jetzt schon genug. Der§laggenskanüal von Sonn. Die republikanischen Studenten stehen zu ihrem Borsttzcndcn. Bonn, S. August.(Eigener Drahtbericht.) Die Bonner Studenten hallen zu Freitag eine außerordentliche Kammer- s i tz u n g einberufen, um'zu dem Flaggenzwischenfall ihrerseits Stellung zu nehmen. Der wegen seiner republikanischen Gesinnung und in dieser Angelegenheit stark angegriffene Vorsitzende der „Und Vagabunden", sagte«in anderer ebenso,„sind immer Falschspieler. Wir hätten es vorher wissen können." Aber das allgemeine Augenmerk und Interesse wurde im gleichen Augenblick jäh von dem Vagabunden und seinem angeblichen Falsch- spiel abgelenkt, indem«iner sich anschickte, seinen Anteil von dessen Gewin» zurückzunehmen. Sosort langten zehn Hände nach dem Gelde, es gab erst aufgeregt« Worte, Streit und Widerstreit, dann Beleidigungen und schließlich— um das Geld, das ihnen der Vaga- bund in ehrlichem Spiel abgenommen hatte— die erbittertste Prügelei. Rechnet« man zusammen, was die Bauern insgesamt an den Vagabunden verloren haben wollten, so kam wohl eine größere Summe heraus, als sie alle miteinander beim Beginn des Spiels in der Tasche gehabt hatten. Den Vagabunden widerte es im tiefsten Innern an, was er sehen mußt«. Er wandte sich zum Gehen, ohne das einer der noch immer Handgreiflichen darauf geachtet oder ein Wort dazu gesagt hätte. Der Wirt bot ihm in einer Anwandlung, die viel mehr der Bewunderung als etwa dem Mitleid entsprang, ein Lager für die Nacht. Der Vagabund schlug es aus. Die Nacht ist wustisch und mondhell, sagte er, da wandert sich's gut. Und denkt sich's gut nach über den Unterschied zwischen einem dreckigen, zerlumpten Vagabunden und manchem andern, der sich hoch über ihn erhaben glaubt... „Uebrigens..." sagte der Vagabund noch und suchte in seinen Taschen die letzten Nickel zusammen,„während des Spiels hat mir einer ein Bier bezahlt. Gebt ihm morgen fein Geld wieder!" Der Wirt wagt« nicht zu widersprechen. Der Vagabund aber ging hinaus. Und kaum hatte er die Land- straße in ihrer herrlichen Freiheit und mit ihren taufenden Zielen und Möglichkeiten vor sich, als er auch schon alles von sich abfallen fühlt«, was ihn anfangs hemmen wollte, frei und hingebend auszuschreiten. Noch weithin hörte er das Sttmmengewirr aus der Schenke an sein Ohr klingen. Und wußte nicht, ob er laut auflachen sollte— oder schweigen. Ernst und nachdenklich schweigen. Die Norweger als Entdecker Amerikas. Bor kurzem wurde ge- meldet, daß man in Amerika einen Runenstein gesunden habe, dessen Inschrift den cndgültigen Beweis liesern sollte, daß schon lange vor Kolumbus die Norweger Amerika entdeckt und dort Kämpfe mit Indianern bestanden haben. Wie sich jetzt herausstellt, ist das eine alte, wieder aufgewärmte Ente. Dieser Runenstein ist schon vor mehreren Jahren in Amerika gefunden worden. Man unterwarf Ihn und seine Inschrift einer genauen sprachlichen und historischen Untersuchung und stellte fest, daß das Ganze nichts weiter als Hum- bug war. Die Inschrift war um l80y fabriziert und enthielt eine Anzahl recht komischer englischer Sprachsormen statt der nordischen. Der Inhalt der Inschrift bot eine ganze Menge Bemerkenswertes, allerdings nur für Humoristen. So hieß es u. a., daß die erwähnten Bitinge, 25 Norweger und zwei Dänen, sich„auf Entdeckungssahrt" begeben hätten, Bonner Studentenschaft, Mager, rechtfertigte sein Vorgehen, wobel besonders klar zum Ausdruck kam, daß die Bonner Studentenschaft in der Flaggenfragc von der völkischen Mehrheit in ehr- mals hintergangen worden ist. Von allen Seiten des Reiches sind Herrn Mager Glückwunschschreiben zugegangen. Die Ver- treter der Rechten erklärten, zu den Vorgängen keine Stellung; nehmen zu können, bis man nicht die deutsche Studentei.schait noch einmal gehört hätte. Die Mehrheit der Kammer sprach sodann ihrem bisherigen Vorsitzenden Vertrauen und Dank für sein charakterfestes Verhalten aus und wählte ihn mit elf gegen eine Stimme abermals zu ihrem Vorsitzenden, wo- durch die Bonner Studentenschast von neuem ihre republikanische Gesinnung bekundet hat der reaktionären Studentenschaft des Reiches zum Trotz._ Urteil im Volksopferprozeß. Strafmilderung! Dresden, tz. August.(Eigener Drahtbericht.) Im Volk s• opferprozeß wurde am Freitag nachmittag solgendes Urteil verkündet: Das Urteil des Schöffengerichts vom 7. April 1926 wird aufgehoben. Es werden verurteilt: Der Angeklagte Meißner wegen fortgesetzter Untreue und Unterschlagung zu vier Jahren G e f ä n g n i s und drei I a h r e n E h r o e r l» st. Der Ange- klagte L ö f f l e r wegen Beihilfe zur Untreue und Unterschlagung zu ein Jahr drei Monaten Gefängnis und ein Jahr Ehrverlust. Gründe! wegen Bcihilse und Anstiftung zu drei Monaten Gefängnis. Auf die erkannten Strafen werden im Fall Meißner und Lösfler je 10 Monate der Untersuchungshaft angerechnet. Das Urteil der ersten Instanz lautete für Meißner auf v>er Jahre Gefängnis und fünf Jahre Ehrverlust, sür Lösfler auf zwei Jahre Gefängnis und drei Jahre Ehrverlust und für Gründe! auf acht Monate Gefängnis. « Di« Berufsverhandtung ergab ein noch schlimmeres Bild von dem verwerflichen Treiben der Beklagten, die unter dem Deckmantel der„Vaterlandsliebe" die für die Armen des Volk» ge- sammelten Gelder vergeudeten. Trotzdem Strasmilderung? Zwei Gründe scheinen die Urteilssindung maßgebend beeinflußt haben. Don Meißner heißt es in der Begründung, an sich be- trachtet, könnte man aus seiner„Vaterlandsliebe" heraus die Straftat milder auffassen, aber man müsse die Vegleit- umstände berücksichtigten. Und dann folgt das Register seiner Schmutzereien. Von Lösfler wird gesagt, er habe„als Ofsi- zier" die Verwerflichkeit seiner Tat gekannt. Die Verbrechen, die beide begangen haben, sind rein krimineller Natur. In der Begründung des ersten Urteils wurde ausdrücklich hervorgehoben, daß sie um so schwerer zu beurteilen seien, als eine niedrige Ge- sinnung, die selbst vor den Geldern der Aermsten nicht halt- mache, nur ganz selten vorkomme. Sodann die zweite Instanz, bei dem einen die Gesinnung, bei dem andern den Ofsiziersstand mit in die Erwägung einbezieht, führt sie das nur zu bekannte Moment der Standes- und Klajsenrücksichten in die Rechtssindung em. Trotzdem wäre die Strafmilderung wahrscheinlich nicht erfolgt, wenn nicht die Verhandlung im Gegensatz zur ersten klar erwiesen hätte, daß auch General Müller erhebliche Summen des Volksopfers zu dunklen Zwecken der Reichswehr mißbraucht hat. Das Urteil, das Meißner und Lösfler in das Gefängnis schickt, trist auch den verstorbenen Reichswehr- general Müller. Sollte das schlechte Beispiel dieses hohen Offiziers die Richter oeranlaßt haben, die Strafen für die Meißner und Lösfler herabzusetzen, so wäre das für die Reichswehr um so peinlicher. Löffler aus üer Host entlasten! Dresden, 6. August.(Eigener Drohtbericht.) Der im Volt-opser- prozeß von der Berusungsinstanz zu 1 Jahr 3 Monaten Gefängnis verurteilte Rittmeister L ö f s l e r wurde auf Gerichtsbeschluß am Freitag aus der Haft entlassen. Dieser unverständliche Be- jchluß erfolgte mit der Begründung, daß Lösfler bereits 10 Monate, also zwei Drittel der gegen ihn verhängten Strafe verbüßt hat. Schwarzrotgolü an üer Ostsee. Ein Leser unseres Blattes schreibt uns von einer Rügenreise folgende Eindrücke: Im Juli— wohlgemerkt im Jahre 1926— oerließ ich mit meiner Gattin auf etliche Wochen Berlin, um an dem schönen Ostseestrand meine Ferien zu verleben. Mein Ziel war Baabe auf Rügen. Ich war mit dem Gedanken auf Sommerfrische ge- fahren, um das Großstadtleben auf einige Zeit zu vergessen und die frische Seelust zu genießen, nicht aber, um am Strand Politik zu treiben oder meine politische Gesinnung zu zeigen. Aber weit gefehlt! Die Deurschnationalen oder die Herren von der Rechten zeigen eben überall ihre politische Gesinnung— selbst der Strandkorb muß herhalten. So siel mir auf, daß die überwiegende Anzahl der Fahnen, die an den Strandkörben wehten,.Schwarzweißrot" und die„Kriegsflagge" zeigten, und zwar Flaggen größten Formats. so daß der gan,e Strand den Eindruck machte, als lebten wir noch im„herrlichen Kaiserreich". In Baabe zählte ich zwei schwarzrot- goldene Fahnen während der ganzen Zelt meines Ferienaufenthalts am Strand trotz mehrfachen Wechsels des Publikums in den Strand- körben! Ein großer Teil der Strandkörbe war gar nicht beflaggt oder ober mit einer Stadtflagge geschmückt. Nach meinen Studien, die ich daraus hin gründlich machte, waren die Strandkorbbesitzer, die gar nicht geflaggt hatten oder die Stadtflagge zeigten, durch- schnitllicb Republikaner oder sozialistisch gesinnt. Man sieht also an diesen! Beispiel, daß der Republikaner wieder einmal zurückhaltender auftritt— leider— als die Herren von rechts. Darum Republi- kaner und Sozialisten: Heraus mit der Flagge Schwarzrotgold ani Ostseestrand, zeigt diesen Herren, daß ihnen nichi allein der Strand gehört. Aber hiermit noch nicht genug. Als ich den Fahrplan auf dem Bahnhof Baabe auf Rügen studierte, sah ich mir auch zufällig die Drucksirma an. Mir blieb in dem Augenblick der Verstand stehen, als ich las:„Kreifswalder Kleinbahnen(Fahrplan vom 15. Mai 1926)— Druck: Königliche Regierung?- Buchdruckcrei in Stralsund." Der andere Fahrplan:„Reichsbahndircktion Schwerin (Fahrplan vom 15. Mai 1926)— Druck:„Sandmeyersche Hof- buchdruckerei." Man müßte hiernach glauben, daß Rügen die Revo- lution nicht miterlebt hat. Ist es wirklich möglich, daß solche Be- Zeichnungen heute noch geduldet werden? Bei meinen Fußwanderungen, welche ich u. a. nach Göhren, Sellin und Binz unternahm, waren die Eindrücke nahezu die gleichen. Ilcberall dasselbe Bild und überall dasselbe Treiben. Wann wird der Republikaner endlich erwachen? P. G. Eröffnung der Sloalsopn-. Die StaatSover eröffnet die neue Spielzeit am Sonntaa, den t5. Augil't, mit einer Ailffübiunz der.Aida'. Vor« verkauf im Opernhaus am Platz der Republi! beginnt Donnerstag, den >2. August. Eine veelhooenleier in Mailand. Der tlXZjäbrige Todestag BeetbovcnS soll in Vlastaiid feierlich begangen werden. Wie dlc.Tlibuna' dazu milteill, joll in der Mailänder Scala wahrscheinlich die Oper„Pdelio" zur Äuf- sührung gelangen, fterner tollen vier Konzerte statlfindcn, bei denen zum ersten Mal« m Italien jämUiche neu» Sinjomen unter der Leitung TojcantniS gespielt werden. Das neue�anüelsprovisorium mitZrankreich Der deutsche Export wird den Wcinintcressentcn geopfert. Die Einzelheiten, die über das neue deutsch-französische Handelsabkommen veröffentlicht werden, rechtfertigen alle Befürchtungen, die wir bereits während der Vorhand- lungen zur Sprache gebracht haben. Zweimal schon haben die Verhandlungen mit einem halben Ergebnis geendet, mit einem befristeten Provisorium, das die notwendige Dauerregelung der deutsch-französischen Beziehungen zunächst hinausschob. Auch diesmal ist es nicht anders, nur daß das Provisorium, anstatt der bisher üblichen drei Monate auf ganze sechs Monate bemessen ist. Schon dieser Umstand kennzeichnet das Unzulängliche der ganzen Regelung. Der Vertrag soll erst am Montag veröffentlicht werden, und wir müssen uns daher vorbehalten, zu seinen wirtschaftlichen Konsequenzen in den Einzelheiten noch Stel- lung zu nehmen. Das gilt insbesondere für die gegenseitigen Zollzugeständnisse deren Tragweite nach den bisherigen Mit- teilungen nur teilweise zu übersehen ist. Was jedoch schon jetzt feststeht, ist die Tatsache, daß man dem deutsch-französischen Handelsabkommen die Arbeits- Möglichkeit von Zehntausenden von Indu- striearbeitern jener gewissenlosen Land- bunddemagogie geopfert hat, die schon bisher eine Gesundung unserer Außenhandelsbeziehungen so empfindlich schädigte, dank der Dienstwilligkeit, die das Reichsernährungs- Ministerium bisher gegenüber dem Reichslandbund gezeigt hat. Offiziös wird rundweg zugegeben, daß„bei dem starken Ausfuhrinteresse Frankreichs an den Erzeugnissen seines Weinbaues der Verzicht auf eine Herabsetzung der deutschen Weinzölle nur mit dem deutschen Verzicht auf die Erlangung von Konzessi onen f ü r Gegenstände des deutschen Ausfuhrinteresses zu erhalten war". Das etwa die Worte der dem Auswärtigen Amt nahestehenden „Deutschen diplomatischen Korrespondenz". Um die Stimmen der Winzer zu erhalten, hat man eben darauf verzichtet, für eine Reihe von Maschinen und Fabrikaten der Elektrizitäts- industrie, sowie für die chemische Industrie Erleichterungen beim Export nach Frankreich zu schaffen. Das bedeutet Arbeitslosigkeit für Zehntausende! So sieht die Arbeitsbeschaffung der Reichsregierung aus, wenn es sich darum handelt, aus dem Wege der Handelspolitik die Wirt- fchaftskrise zu bekämpfen. Unter diesen Umständen ist es kein Wunder, daß in dem Abkommen mit Frankreich bisher überhaupt nur die Hälfte de r Fragen geregelt ist, die in den fast zweijährigen Verhandlungen zur Sprache kam. Wenn trotzdem gewisse Fortschritte gegenüber dem bisherigen Zustande zu verzeichnen sind, so lediglich deshalb, weil vorher eben noch weniger erreicht worden war. Wichtig ist, daß jetzt die Nieder- l a s s u n g von Kaufleutcn, Erwerbsgesellschaften und Einzel- Persönlichkeiten, sowie die Fragen des R«ssverkehrs im Sinne gegenseitiger Meistbegünstigung geregelt werden; für die französischen Kolonien ist dabei allerdings keine bin- dende Verpflichtung erfolgt, sondern nur ein wohlwollendes Versprechen. Das Handelsabkommen soll am 20. August in Kraft treten. Die Eisenfragen sind in dem Abkommen nicht geregelt, da man in den ersten Wochen des August mit dem Abschluß des deutsch-französischen Eisenpaktes rechnet, der eine zollpolitische Auseinandersetzung bis zu einem gewissen Grade überflüssig macht. Dagegen sind in einem besonderen Saarabtommen die Fragen des Wirtschaftsverkehrs zwischen Deutschland und dem Saargebiet wenigstens teilweise einer vertraglichen Regelung unterzogen worden. Man wird fordern müssen, daß die inzwischen fortzu- setzenden Verhandlungen über einen endgültigen Han- delsvertrag mit Frankreich unter wesentlicher stärkerer Wahrung deutscher W i r t sch a f t s i n t e r e s s e n erfolgen, als es bisher geschehen ist. $üt ökonomisihe Vereinigung unö Agrarreform Beschlüsse der Sozialistcnkonferenz der lmltischen Staaten. Strafantrag im Kommunistenprozeß. Leipzig. 6. August.(Eigener Drahtbericht.) Im bayerischen Kommuni st enprozeß wurde am zweiten Derhandlungstag in die Zeugenvernehmung eingetreten. Mehrere Zeugen belasten die Angeklagten aufs schwerste. Schon mehrere Wochen hätten die Kommunisten in Füssen Pläne geschmiedet, um das dortig« Bezirks» amtsgebäude in die Luft zu sprengen. Der Reichsanwalt bc- antragt die Bestrafung sämtlicher Angeklagten, da der Spreng. stoffanschlag zur Ausführung gekommen wäre und durch das Bombenattentat erheblicher Sachschaden angerichtet wurde, desgleichen auch zwei Menschen verletzt worden sind. Er beantragte folgende Strafen: für Rothermel, Frank, Köpf und Klebsch je 8 Jahre Zuchthaus, für Kuprian 7 Jahre Zuchthaus, für Steindl und Thaler je S Jahre Zuchthaus und für Röger 10 Jahre Z u ch t h a u». Das Urteil wird am Sonnabend gefällt werden. Der serbistb-bulgarifche Konflikt. Südslawien droht. Belgrad, 8. August.(Eigener Drahtbericht.) Der Konflikt mit Sofia wird sehr ernst beurteilt. Am Donnerstag in vorgerückter Abendstunde Hot die Regierung dieser Stimmuqg in einem Kom» munique Ausdruck gegrben. In dem zunächst die einzelnen Grenz» Zwischenfälle aufgezählt werden und es dann am Schlüsse heißt: „Die jugoslawische Regierung hat eine Untersuchung über die Dorsälle eingeleitet und wird nunmehr aus Grund der fest- gestellten Tatsachen ihre Maßnahmen treffen, um das Gebiet des Staates gegen systematische Verletzungen durch die bewaffneten bulgarischen Banden ein für allemal zu sichern. Die Beschlüsse der Regierung werden in kürzester Zeit gefaßt." Es verlautet, daß die Regierung unter bestimmten D r o h u n- gen Genugtuung und Schadenersatz für die getöteten zwei jugoslawischen Soldaten und zwei serbischen Bauern verlangen wird._ poincarss Schulüenabkommen. Kampf hinter den Kulissen. Paris. 8. August.(Eigener Drohtbericht.)' Nach Erklärungen, die der Präsident der Finanzkommission der Kammer. Simon, einigen Morzenblättern gemacht hat, wird die Regierung aller Bor» oussicht nach in der nächsten Woche mit dem Berlangen der Rati- fizierung der Schuldenabkommen vor das Parlament treten. Jeden» falls rechne die Finanzkommission mit dieser Möglichkeit. Poincare soll nach seiner Besprechung mit den belgischen Mirnstern ein An- Hänger der Ratifizicriing geworden und davon überzeugt sein, daß eine endgültige Sanierung ohne die Ratifizierung der Schuldenabkommen u n in ö g l i ch ist Nun sind aber zahlreiche starke Widerstände gegen solche Pläne der Regierung zutage ge- Die sozialdemokratischen Parteien Lettlands, Estlands und Litauens veranstalteten den 19. und 20. Juni in Riga eine Kon- serenz zur gemeinsamen Erörterung verschiedener politischer und ökonomischer Fragen. Estland war vertreten durch die Genossen Marina, Ast, Wain und Jans; Litauen durch Kairis, Bielinis, Pleckaitis, Epstein, Januskis; Lettland durch Rainis, P. Kalnin. Zeelcns, Rudeviz, Bilman, Dukurs, Moric Maizel. Die Konferenz einigte sich auf Resolutionen über die Vcr- teidigung der Demokratie gegen rechts und links, für die politische und ökonomische Annäherung der baltischen Staaten und für die Aufrechterhaltung der A g r a r r e f o r m. Wir geben diese Beschlüsse von internationalem, über das Bal- tikum weit hinausreichsndem Interesse nach der neuesten Ausgabe der„Internationalen Information" wieder. Die auswärtige Politik des Baltikums. Zwischen den baltischen Staaten und Sowjetrußland sind freundliche politische und ökonomische Beziehungen zu wahren und weiter zu entwickeln. Der Garontievertrag, der zwischen diesen Staaten abzuschlieheit ist, ist ein bedeutender Schritt vorwärts auf dem Wege der Sicherung des Friedens und zur Stabilisierung der politischen Verhältnisse am Baltischen Meere. Einen solchen Garantievertrag mit Sowjetrußland sollen die kleinen baltischen Staaten, falls möglich, g e me i n f a m schließen. Die W i l n a e r Frage hat zurzeit keine demokratische Lösung gesunden. Das Wilnaer Streitobjekt ist als ein Faktor, der den Frieden Osteuropas bedroht, zu betrachten. Darum erachtet es die Konferenz als notwendig, daß die Sozialisten der baltischen Staaten ihrerseits eine friedliche Lösung der Wilnaer Frage in dem Sinne fordern sollen, daß den Einwohnern des Wilnaer Gebietes die Möglichkeit geboten wird, über ihre politisches Schicksal frei zu bestimmen. Wenn es nicht möglich wäre, die politischen Konflikte auf dem Wege der direkten diplomatischen Verhandlungen zu lösen, so ist es notwendig, die Lösung auf dem Wege des Schiedsgerichtes zu erzielen. Alles, was zur allgemeinen Einschränkung der Rüstun- gen dient, ist zu unterstützen. Der p o l i t i sch e V e r b a nd, der zwischen E st la n d und Lettland schon besteht, ist weiter zu entwickeln in dem Sinne, daß in diesen Verband auch die baltischen Staaten h i n e i n z u- ziehen sind, die zueinander gravitieren, in erster Hinsicht Litauen und Finnland. Dabei unterstreicht die Konferenz, daß die einzigen Ziele eines solchen Verbandes nur die Erhaltung des Friedens, die Garantierung der Unabhängigkeit der Staaten und die Sicherung des freien Verkehrs auf dem Baltischen Meere sein dürfen. Die ökonomische Annäherung der baltisckzen Staaten. Die baltischen Staaten(Estland, Lettland, Litauen) können rationell die Aufgaben ihrer politischen und ökonomischen Ent- Wicklung und des sozialen Wohlstandes lösen, wenn diese Staaten eine solche Politik betreiben, die aus die ökonomische Vereinigung dieser Staaten hinzielt. Zur Lösung dieser Frage müssen die sozialistischen Parteien dieser Länder 1. die P a s s i v it ä t, welche die Bourgeoisie in der Frage der ökonornischen Vereinigung der baltischen Staaten zeigt, und die Hindernisse, die besondere Gruppen der Unternehmer der ökonomischen Annäherung entgegenstellen, überwinden und 2. folgende konkrete Annäherungspolitik verteidigen: a) Die Verständigung in der Politik des Außenhandels durch die Einführung der gleichen und gemeinsamen Zoll- tarise und Zollformalitäten, sowie auch durch Fest- setzung von gleichen Abgaben und Steuern im Handel, in der Schissahrt und im Transport. b) Die Einheitlichkeit in der Tätigkeit der konsularen und Handelsvertretungen. c) Die Einführung der gleichen Eisenbahntarife und die Gleichförmigkeit ihrer Anwendung; die Aushebung alles dessen, was dem Personen- und Warenverkehr zwischen diesen Staaten hinderlich ist: die Aufhebung der Auslandspässe, der Visa und konsularen Gebühren. ä) Die Einführung der gleichen Systeme der direkten und indirekten Steuern sowie auch der Staatsmonopole. mit dem Ziele der Verminderung der indirekten Steuern und der Förderung der Entwicklung der Produktivkräfte. e) Die gemeinsame Weiterentwicklung der Sozial- g e s e tz g e b u n g. Um die stufenweise Durchführung dieser Reformen zu ermög- lichcn, ist es notwendig, zwischen den verbündeten Staaten spezielle gemeinsame Organe und Institute zu gründen, wie auch einen engen Kontakt der Parlamente der verbündeten Staaten zwecks Verein- heitlichung der Gesetzgebung zu erwirken. Bis zur Realisierung einer solchen ökonomischen Annäherung ist es notwendig, die schon bestehenden ökonomischen Kon- ventionen und Verträge zu vereinheitlichen. Die neuen Konventionen und Verträge müssen die drei verbündeten Staaten gemeinsam schließen. In Anbetracht dessen, daß in ökonomischer Hinsicht die baltischen Staaten an dem russischen Markte ein sehr großes Interesse haben, so wie auch Rußland nicht weniger interessiert ist an einer engen ökonomischen Zusammenarbeit mit den baltischen Staaten, erachtet es die Konferenz für notwendig, mit allen Mitteln die ökonomischen Beziehungen zwischen den baltischen Staaten und Ruhland zu fördern und zu entwickeln, wobei diese ökonomische Annäherung weitergehen soll, als das Prinzip der Meistbegünstigung. Der Völkerbund und die Agrarreform. In der letzten Zeit haben die ehemaligen adeligen Großgrund- besitzer der baltischen Staaten Klagen gegen diese Staaten wegen der Agrarreform im Völkerbunde eingereicht. 1. Die Agrarreform war eine notwendige sozialökonomische Reform, die die breiten Schichten der Landlosen und Kleinbauern mit Land versorgte. 2. Die Agrarreform ist ein h i st o r i s ch wichtiges Er- e i g n i s in ganz Osteuropa, ohne deren Durchsührung in den baltischen Staaten die innere politische Stabilisierung dieser Staaten nicht möglich gewesen wäre. In diesem Sinne ist die Agrarreform eine sozialökonomische Basis der unab- hängigen und demokratischen baltischen Staaten. Z. Die Agrarreform wendet sich nicht gegen nationale Win- derheilen, sondern gegen die soziale Minderheit— gegen ein kleines Häuslein der seudalaristokralischen Großgrundbesitzer. 1. Die Agrarreform, als reine sozialökonomische Reform, liegt in der Kompetenz der inneren Gesetzgebung der Staaten und unterliegt keineswegs der Begutachtung durch den Völkerbund, als dem Vertreter der Rechte der nationalen Minderheiten. S. Der mögliche Druck des Völkerbundes zwecksRevifion der Agrarreform im Interesse der ehemaligen feudalaristokratischen Großgrundbesitzer kann den Völkerbund in den Augen der breiten Volksmassen kompromittieren. 6. Die mögliche Einmischung des Völkerbundes in die An- gelegenheiten der Agrarreform kann so scharfe soziale und politische Kämpfe hervorrufen, daß sie die friedliche Ent- Wicklung der baltischen Staaten ernsthaft bedrohen würden. . In Betracht alles dessen protestiert die Konserenz gegen die Anmaßung der ehemaligen Großgrundbesitzer, mit ihren Be- schwerden an den Völkerbund heranzutreten, sowie auch gegen die mögliche Einmischung des Völkerbundes, in irgendeiner Weise unier der Maske der Verteldigung der nationalen Minoriläien die Znler- csien einer kleinen Gruppe der feudalen Aristokrakie zu verteidigen. Die auf der Konferenz vertretenen Parteien werden den ent- schiedenen Kampf zur Verteidigung der Agrarresorm fortsetzen. In diesem Kampfe zur Verteidigung einer der wichtigsten Errungenschaften der Revolution und des Selbstbestimmungsrechtes der Völker werden die Parteien alle ihnen zu Gebote stehenden Mittel benutzen. treten, die besonders von den Parteien der Rechten ausgehen; die Entente-Republicaine, deren Vorsitzender der Minister Marin ist, hat Poincare durch eine Delegation mitteilen lassen, daß sie bei aller Sympathie für die Regierung die größten Vorbehalte gegen die Ratifizierung der Schuldenabkommen in der gegenwärtigen Form habe. Aehnlich ist die Stimmung in den gemäßigten Mittel- gruppen Bokanowski und Tardieu. Man oersteht unter diesen Umständen, daß die Regierung sehr zurückhaltend bleibt und sich über ihre Absichten nicht äußert. Das Finanzministerium läßt nur die Nachricht von der bevorstehenden Aufnahme einer Anleihe in New Aork dementieren. Trotzdem dürfte der Ministerrat am Sonnabend mit der Frage der Nützlichkeit der Ratifizierung der Schuldenabkommen befaßt werden. Wahrscheinlich wird man erst nach dieser Aussprach« etwas Genaues über die Absichten des Mi- nisterpräsidenten erfahren. Die ausländischen Devisen sind im Anschluß an die Verab» schiedung der Vorlagen über die Amortisationstasse und das neue Abkommen mit der Bank von Frankreich am Freitag stark zurück- gegangen. Das englische Psund schloß mit dem offiziellen Kurs von 159,60, der Dollar mit 32,88. Moskau trommelt nur noch geöämpst. Die akute KriegöHefahr ist verschwunden— dafür Enthüllungen über militaristische Pläne. Wir zeigten vor acht Tagen, daß Moskau den Phantasiefilm eines polnischen Angriffskrieges vor den Massen aus die Leinewand werfen ließ. Die Dorfgewaltigen waren sich in die Haare geraten; so ließen sie Feuerlärm schlageik. Mit dem Mittel modernster Propagandatechnik wurde die unmittelbare Gesahr eines polnischen An- griff» aus Litauen und aus Rußland verkündet. Aber man kann nicht vierzehn Tage über einen riesigen Waldbrand berichten. wenn keiner da ist. Die Moskauer Propagandachefs sind jetzt so her- untergekommen, daß sie sich mit dem Kassedunst am Skattisch politi- sierender Generale beschäftigen müssen. Die polnische Regierung hat zu oft von dem Wunsche des Frie- dens für Polen gesprochen. Zu deutlich erkennt der unbefangene Be- trachter, wie der Friede den Polen notwendig ist. Das heißt nicht, daß etwa bis in alle Zukunft polnische militaristische Kreise auf Angriffsgelüste verzichten, aber es heißt, daß von Polen zurzeit keinerlei Aggressionsgesahr droht. Aber da man lügen muß, muß auch das dürftigste Material aus den dunkelsten Quellen her- hakten. Die mostowitischen Machthaber bedienen sich� dazu des früheren estnischen Gesandten Birk, der in ihre geistige Hörigkeit, damit in Konflikte mit seiner Regierung geriet, offen zu ihnen über- ging und nun die Geheimnisse seines Vaterlandes an die Bolschewisten verrät. Die„Iswestija" veröffentlicht einen Brief dieses Halunken. in dem er von den Plänen des estländijchen„Generalstabes", von gemeinsamen Besprechungen polnischer und estnischer Ossi- ziere berichtet. Was er erzählt, geht nicht über das Maß dessen hinaus, was die Militärs befreundeter Staaten von je und je mit- einander beraten und planen. Dabei stellt sich heraus, daß diese Be- ratungen schon vor dreiviertel Jahren, im Herbst des vergangenen Jahres stattfanden, also eben gar keine unmittelbare Be- d e u t u n g besitzen. Die russische Staatskrise geht weiter. Es bleibt das Bedürfnis, die unruhigen Massen außenpolitisch zu schrecken. Mit dem Alarm- blasen ist es nichts gewesen. So trommelt Moskau nur noch gedämpft weiter. In ihren innenpolitischen Aengsten begreisen die Moskauer Machthaber noch immer nicht, daß es eines großen Reiches wenig würdig ist, A n g st vor den militärischen Plänen gewisser Kreise eines viel kleineren und eines winzigen Nachbarlandes zu zeigen. Der Zoll Hajöa. Geheimnisvolle Kabinettsbsratung. Prag, 6. August.(Eigener Drahtbericht.) Im Mittelpunkt der politischen Beratungen steht nach wie vor die G a j d a- Affäre. Das Zentralorgan der tschechischen Sozialdemokratie ruft am Freitag unter Izintveis auf die Artikel ausländischer Blätter über diesen Fall der Regierung ein entschiedenes„M ach ein Ende!" zu und fordert, daß die berufenen Organe endlich ein Machtwort zur Be- endigung dieses internationalen Skandals sprechen. Das Ergebnis der Ministerratssitzung, die sich am Donnerstag mit diesem Fall be- schäftigte, wird streng geheimgehalten(?!). Die Beamlcnqualisikalion der volksschullehrcr. Wie der Amt- liche Preußische Pressedienst einem Auszug aus der Entscheidung des Difziplinarhofes für die»ichtrichterlichcn Beamten in Berlin vom 19. April d. I. entnimmt, sind Volksschullehrer in disziplinarer Hinsicht mittelbare Staatsbeamte. Die Strafe der Versetzung in ein anderes Amt findet daher auf sie keine Anwen- dung. Wiß Gibson ausgewiesen. Violet Albina Gibson, die am 7. April d. I. Mussolinis Nasenflügel leicht beschädigt hat und die die Irrenärzte für geisteskrank erklärt haben, wird nach England deportiert und dort in eine Irrenanstalt gebracht werden. Die Beschlagnahme der Sowjelgulhaben in Frankreich war der Gegenstand einer Unterredung des Sowjetbotschasters Rckkowsky mit Außenminister Briand. Ausfichlsralsmitglleder und Rakionalrak. Ein Ausschuß des Wiener Nationalrctes hat beschiosie», daß vom 1. Januar 1927 ab Stellungen bei Aktiengesellschaften, die bankmäßige Geschäfte betreiben, mit de"t Mandat eines Mitgliedes des Nationalrats unvereinbar sind. GeVerMastsbewegung der Allgemeine deutsche Hewerkschastsbunö?H25. Wiederaufstieg troh Krise. Die..Gewerkschaftezeitung" veröffentlicht in ihrer Nummer Z2 vom 7. August einen Auszug aus dem demnächst erscheinenden Jahr- buch des ADGB- Wir entnehmen diesem Artikel folgende Angaben, behalten uns jedoch vor, auf den Inhalt des Jahrbuchs eingehender zutv.-f, zukommen: Die an das Jahr 1925 geknüpfte Hoffnung, daß es die Periode eines neuen Aufstiegs der Gewerkschaften einleiten werde, hat sich leider nicht in dem erwarteten Maße erfüllt. Wohl trat in der ersten Hälfte des Jahre- eine erfreuliche Zunahme der Mitglieder ein. Doch die im Herbst ausgebrocheue schwere Wirtschaftskrise, die sich schon im Sommer durch eine ständig wachsend« Beschästi» flungslosigkeit ankündigte, lähmte die weitere Entwicklung. Immer- bin schließt dos Berichtsjahr gegen das Borjahr noch mit einem Mehr von 1S8f) tümllch Thiervill« bei Ver dun. Die juristische Sprechstunde fällt heute au» Montag und Dien». tag beginnt dle Sprechstund« statt um Z Uhr. am 4 Uhr. Ein wunderschöner Abend. Der Rundfunk bekommt Niveau. Das Programm bringt Robert Schumann mit Streichquartetten, kleineren Klavierkom Positionen und mit einer Auswahl bekannt« Lieder aus dem Heine-Zyklus„Dichterliebe'. Nein, der Abend ver- mittest kern genaue» Bild des Meisters, er gibt nur einen Ausschnitt: den Romantiker, weniger den Sucher nach neuer Form und neuem Ausdruck, er schildert den Komponisten der„Mondnacht', bei dem die„mondbeglänzie Zaubernocht', die Sehnsucht der Romantiker, Musik geworden ist. Nur in dem Streichquartett.A-Dur, von dem Guarneri-Quartett eindrucksvoll gespielt, ein Suchen und Tasten, ein Ringen um die Gestaltung der inneren Viston. Hier ist die Musik von einer beinahe Tristanschen Sehnsucht, übrigens taucht auch hier das Motiv auf, das Magner zu seinem Liebesthema im „Tristan' verwandt«. Der Tenor Richard W i l d e hat das Format für die Lieder des Heine-Zyklus. Die Stimme ist schlank und bieg- sam, in allen Lagen gut ausgeglichen. Sehr zart behandelt Wilde dies« Lieder, findet aber auch in„Ich grolle nicht" starken Aus- druck, hier wächst sein« Stimm« und erhält metallischen Klang. Leider hat Leonid Kreutzer abgesagt, an seiner Stelle spielt Prof. Schmidt mit etwas akademischer Haltung, hin und wieder nimmt er ein sehr schnelles Tempo an, ausfällig in den Fantastestücken, aber sein Vor- trag ist sorgsam ausgefeilt. Im ganzen ein Abend, mit dem man zufrieden sein kann, und der unbedingt Lob verdient. Auch dos Nach- mittagskonzert brachte gute Sachen. Manchmal besinnt sich eben die Leitung des Rundfunks darauf, daß sie auch eine künstlerische Mission zu erfüllen hat. Das Rundfunkprogjamrn. Sonnabend, den 7. August Außer dem üblichen Taj-esprogramm: 12 Uhr mittags: Die Viertelstunde für" den Landwirt. 5 big 6.30 Uhr abends: Naohmittagekonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeistor Ferdv Kauffman. Anschließend: Rat- gchläge fürs Hans, Theater- und Filmdienst. 7 Uhr abends: Ober- Ing. Otto Nairz:„Die Großfnnkstation Kauen". 7 25 Uhr abends: Dr. A. W. Ado Baeßler:„Chile ais Salpeterland". 7,55 Uhr abends: Baurat Dr. Franz Jaffo:„Der Genius des Raumes". 8.30 Uhr abends: Funkkabaratt Mitwirkende; Maria Key. Franz Baumann, Wilhelm Bendow, Henry Berg, Karl Sehnog. An- echließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten. Theater und Filmdienst 10.80—12 Uhr abends: Tanzmusik(Kapelle Kermbach. Leitung: Kapellmeister Otto Kermbach). Königswusterhausen, Sonnabend, den 7. August. 1.10—1.40 Uhr nachm.: Musikalische Darbietungen für Schüler. Volkslieder zur Laute(Dr. Max Burkhardt). 3—3.30 Uhr nachm.' Prof. Amsel und Oberschullehrer Westermann; Einbeitskurz- schrift. 3.30— 4.30 Uhr nachm.: Professor B. Düringen: a) Brut und Aufzucht des Wassergeflügels; b) Verwendung und Verwertung der Gcflügelzuchtprodukte. 4 30—5 Uhr nachm.: Mitteilungen des Eentralinsiitutos. 5—5.30 Uhr nachm.: Eise Steup: Bücher für Spiel und Beschäftigung. 3.30 Uhr abends: üebertragang aus Berlin. ver Neuköllner»Aufruhr". Alle Angeklagten zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Die Verhandlung vor dem erweiterten Schöffengericht in Neu- kölln gegen die acht Angeklagten wegen des Zwischenfalls in der Bergstraße endete gestern mit der Bestras ung aller Angc- klagten wegen Aufruhrs. Die Älngeklagten Z e i d l i tz, Schurich. Freyhof. Auer. Jeschro w s ki.Benkowski, Richter und Koppe erhielten eine Gefängnis st rase von s e ch s M o n a t e n. Der Haftbefehl gegen die vi« ersten, die seit dem Vorfall in Untersuchungshaft saßen, wurde aufgehoben und die Untersuchungshast mit zwei Monaten und eine Woche in Anrechnung gebracht. Alle Angeklagten, mit Ausnahme von Schurich und Ben- kowski, erhielten aus drei Jahr- Bewährungssrist. Schur ich soll sich als Rädelssührer beteiligt haben und Venkowski ist schon mit einer Zuchthausstrafe in Höhe von 6 Jahren, auch wegen Aufruhrs, vorbestraft, darum wurde bei beiden die Bewährungssrist abgelehnt. Die Anklage beschuldigte alle Angeklagte, sich an einem Aufruhr beteiligt zu haben. Zeidlitz hat einem Beamten, der ihn fest- nehmen wollte, weil er der Aufforderung, weiterzugehen,„nicht schnell genug" Folge geleistet hatte, ins Gesicht geschlagen. Er soll nach dem Seitengewehr des ihn verhastenden«chupos gegriffen haben. Die Zeugenvernehmung ergab, daß selbst der Beamte, der Zeidlitz verhaftet hatte, nicht behaupten konnte, daß Z. tatsachl-ch nach dem Seitengewehr gegriffen habe. Entlastungszeugen be- kündeten, daß Zeidlitz, der an epileptischen Kr�ämps en leide, in einem solchen Anfall infolge der Erregung den Schupo geschlagen hätte, er hätte so schwere Krämpfe gehabt, daß er nicht einmal das Polizeiauto allein besteigen konnte, sondern von den Beamten heraus- gezogen wurde. Zeidlitz ist der einzige Angeklagte, der Mitglied des Roten Frontkämpferbundes ist. Die anderen Angeklagten sollen sich dadurch strafbar gemacht haben, daß sie aus der Menge beleidi- gende und aufreizende Zurufe gemacht haben sollen und bei ihrer Verhaftung die Beamten geschlagen haben. Die Zeugenvernehmung gestaltete sich in einigen Fällen recht eigenartig, so z. B. bei Richter, der von einem Beamten verhaftet wurde, nachdem er ihn angeblich mehrere Mole in der Menge beobachtet baben will, wie er die Leute aufgereizt hat. Jetzt gab der Beamte selbst zu, daß R. sich nicht aufreizend benommen hätte. Die Vernehmung ergab, daß der Ange.- klagte, wie durch drei Eide seiner Sportgenossen erhärtet wurde, erst vier Stunden später, ols ihn der Beamte beobachtet haben will, auf dem Platz erschienen ist. Bei anderen Beamten war gleichfalls die Aussage recht unbestimmt, ein Beamter hat den Angeklagten Auer erst verhaftet, nachdem sich dieser bei dein Major beschwert hatte, daß der Beamte ihn geschlagen hätte. Bei Freyhof ergab die Vcmeh- mung, daß ein Schupo gesehen haben will, daß Auer gesungen Hobe. Aus die Frage des Dorsttzenden, daß man das doch in einer Menge nicht genau sehen könne, gab der Beamte zu, daß es auch ein anderer gewesen sein könne. Der Angeklagte Kopp« wurde verhastet, weil man ihn angeblich mehrmals beobachtet haben will, wie er die Menge aufgewiegelt habe. Auf die Frage des Borsitzenden, woran der Angeklagte denn erkannt worden sei, antwortete der betressendc Schupobeamte:„An dem braunen Anzug und weil er keinen Hut auf hatte." Die Aussagen einiger Frauen ergaben, daß die Polizei so nervös war, daß selbst Frauen oft recht unsanft angefaßt wurden. Wie sehr den Beamten bei diesem Zwischenfall die Ruhe fehlte, beweist, daß die Polizei von 27 Berhosteten 12 wieder frei- lassen mußte, weil„kein Beamter wußte, warum sie verhaftet waren". Der Zeuge Lange sagte aus, daß in Neukölln der Rote Frontkämpferbund sehr harmonisch mit der Polizei zusammenarbeite. und daß er noch nie ein derartiges Verhalten von Polizeibcamten gesehen hätte. Die Beamten hätten sinnlos zugeschlagen. Am tollsten soll es noch Aussage dieses Zeugen der Major Stern berg getrieben haben, der zu ihm, als er mit ihm sprechen wollte, sagte: „Da haben Sie Ihr Pöbel. Da muß man zwischenwichsen." Der Zeuge Lange hat dann, nachdem er sah, daß der Major Sternheim..wie ein Berserker wttte", den Bi'epolizeipräsidenten Friedensburg ange- rufey, der dann auch nach Neukölln gekonmren wäre und dem er dann von dem Verhalten des Majors Kenntnis gegeben hätte. Das Gericht nahm nach einem ausführlichen Plädoyer des Verteidigers Dr. Wiener in seinem Urteil Aufruhr an und verurteilte die Angeklagten zu den oben angeführten Strafen. Verfassungsfeier 8es Berliner Polizeipräsidiums. Das Polizeipräsidium wird, wie in dem v«gangenen Jahre, auch in diesem Jahre den Bersassungstag durch eine b e- sonder« Feier begehen. Zu diesem Zwecke oersammeln sich die Beamten des Innendienstes, der Kriminalpolizei und der Schutz- Polizei am ll. August vormittags 9 Uhr 30 auf dem Ilnterkunstshof der Polizeigrupc Süd. Die Festrede hüll, da der Polizeipräsident zurzeit auf Urlaub weilt, Polizeivizcprosident Dr. Friedens- bürg. Sie wird eingerahmt von musikalischen Darbietungen des Gesangschors der Krinlinalpolizei sowie auch der Musikkapellen der Schutzpolizei. Sämtliche Polizeidienstgebäude werden an diesem Tage in den Reichs- und Landesfarben slaagcn. Für die einzelnen Ab- tcilungen und die Polizeiämter wird Sonntagsdienst eingerichtet. Unt« den Bädern eines Srafiwagens. An der Kreuzung Frankfurter Allee und Litauer Straße wurde gestern nach- mittag der 7Sjährige Stellmacher Ernst R o d e w a l d aus der Grau- denzer Straße 60"beim Ueberschreiten des Fahrdammes von einem Prioatkraftwagen erfaßt und mehrere Metermitgeschleift. Der Berunglückte wurde mit einer schweren Schädcloer- letzung nach der naheliegenden Rettungsstelle 9 geschafft, wo aber der Arzt nur noch den inzwischen eingetretenen Tod feststellen konnte. Die Leiche wurde in das Schauhaus übergeführt. Die Schuldfrage ist noch nicht geNärt. Ein mächtiges Draunkohlenlag« wurde in der Nähe von Erkner bei Berlin entdeckt. Das Lager erstreckt sich über ein Gelände von 192 Quadratkilometer. In aller Stille hat man auf einer etwa 20 000 Morgen umfassenden Flache zahlreiche Probebohrungen vorgenommen, die ein überraschend gllnstioes Ergebnis brachten. Man rechnet mit einer Tagesförderung von 2000 Tonnen Braunkohle. Die Kohle ist stark teer- und gashattig. Für die Erschließung wurden dieser Tage in einer Sitzung, an der die beteiligten Stadt- gemeinden sowie Vertreter der Regierung und eines Berliner Finanzkonsortiums teilnabinen, die notwendigen Abmachungen ge- troffen. Die Ausbeutunq für die Interessenten soll die Gewerkschaft „Prinz von Preußen" übernehmen.— Wie dem Amtlichen Preu- hischen Pressedienst aus dem Handelsministerium mitgeteilt worden ist. ist das Vorkommen von Braunkohle in dieser Gegend seit längerem bekannt, doch wird die Möglichkeit ihrer wirtschaftlichen Gewinnung von Sachverständigen verschieden beurteill. An der Erschließung und„Ausbeute" ist der preußisch« Staat nicht beteiligt. Die Arbellsgewetuschafl für Aorstschuh uud Naturkunde tt. v, verlin- FricdiichSbagen. unternimmt am Sonntag, den 8. Zlugust. einen botanischen Stteistug am Bahndamm FriedrichShagen-Sadowa Führung: Dr. Stacho- witz. Natu: freunde als Gaste willkommen. Tresfpuntt 3 Uhr vormittags am Bahnhof Friedrichshagen._____ Ein Dampf« entzweigeschnitten. Der französische Dampfer „Lotus" stieß nach einer Meldung aus Kanstomtinopel im Hasen von Mytilene mit einem türkischen Frachtdampser zusammen, der entzweigeschnitten wurde und rasch sank. Sieben Mann der Mannschaft des Frachtschiffes ertranken, während elf andere von„Lotus" gerettet wurden. Bei der Ankunft der„Lotus" in Konftantanopel gaben die Behörden die Ermächtigung zur Abfahrt des Dampfers, behielten jedoch einen der Offiziere zurück. Die Besitzer des untergegangenen Dampfers beanpruchen 120 000 tür- tische Pfund Schadenersatz. Ein schweres Aulobusunglück ereignete sich am Donnerstag in London. Im Norden Londons stürzte ein vollbesetzter Autobus um, Dabei wurden fünf Personen getötet und elf verletzt, Strafastrag km Prozeß Ilessa: 15 Jahre Zuchthaus! In der gestrigen Nochmittagssttzung des Flessa-Prozestes be- antragte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer die Verurteilung der Angeklagten wegen Totschlages. Bei der Strafbemessung müsse in Betracht gezogen werden, daß die Tat schwer an Mord grenze und aus rachsüchtigen Motiven geschehen sei. Es sei eine schwere Bluttat. Er beanlroge daher 15 Jahre Zuchthaus, Aberkennung der bürgerlichen' Ehrenrechte auf zehn Jahre und Ein- ziehung der bei der Tat verwandten Waffe. Der Direktor der Bank von Frankreich tödlich verunglückt. Paris, ß. August.(EP.) Bei Genouilhac im Departement C r e u s e überschlug sich gestern abend ein Automobil, in dem sich der Direktor der Bank von Frankreich, Decamps. mit seiner Familie befand. Decamps und seine Gattin wurden ae- tötet und ein Sohn verletzt, während eine Tochter unverletzt blieb. Eine erfolgreiche Kanalschwimmeri«. Kingslown, 6. August.(WTB.) Miß Eberl«, eine jung? Amerikanerin, hat heute in 11�! Stunden den Aermel- k o na l durchschwammen. Sie war heute früh von Kap G r i s n e z abgeschwommen. Tiuseadungca(fit diese Rubrik siod Berli» SW 68, Liadenstrage 3. Partemachrichten für Groß-öerlin stet, au da» Bezirkslelretariat, ?. Hot, 2 Trep. rechts, zu richten. Z. Jttci, Ziergarte». Die Kenossmnen und Geitolsen werden ersucht, sich recht zadlreich an der Verfassungsseier de, Reichsbanner»h Uhr beim Genossen Burgemeister, Tempelhos, Ber- kiner Etr. 80. melden. Morgen, Sonnkag. den 8. August: 20. Abt. Treffpunkt zum Busflug vormittag» 9 Uhr Ehristianla-, Grfe Schul- strasie. Die Bezirksfiihrer laden«in. 44. Abt. Die Genossen, die an der Banncrweih« der 47. Adteilung teil- nehmen, treffen sich nachmittag» IM Uhr Lousiher Plag. Abmarsch 2 Uhr nach Treptow, Viltoriagarten. 68. Abt.«lharlottenbrug. stur Verfossungsseier treffen stch die Genossinnen und Genossen um 1 Uhr am Kiosk Wittcnbergploh zum«emeiirsamen Abmarsch. 74. Ab», stehleudors. Nachmittag» 8 Uhr in sllmMchen Rilumen unsere» Parteilokals Sommervergnügen. Wir bitten, daß stch stlmtliche Mitaliedrr daran beteiligen. 86.«bt. Tempclhos. Nachmittag« 8 Uhr Waldfest de» 18. Kreise» in Lichtenrade. Die Tempelhofer Genossinnen und Genossen nebst Ange- hitrigen treffen sich nachmittag, 2 Uhr am Bahnhof Martendorf. G» können auch die Autobusse ad Dorfsrrasic Mariendorf benutzt werden. D!« Bekonntmachuna de» 18.«reif-, ist genau zu beachten. 102. Abt. Baumschulen weg. Di« Mitglieder beteiligen stch an der Verfassung«- frier be» Reichsbanner» in der Wuhlheide snahc Restaurant Sadowa). Abmarsch nachmittag» 1 Uhr Bahnhof Riederschöncweide. Wir erwarten rege Beteiligung., 103. Abt. Obcrschöncweid«. Di« Mitglleber beteiligen sich an der Berfassuna». feier de» Reichsbanner». Abmarsch nachmittag» 1 Uhr vom Bahnhof Riedersckönmveid«. 136. Abt. Reinigen darf. Ost. Achtung. Genossinnen und Genossen! Die lrrtidn. lich für Sonntag, den 15. August, angesetzt« Dampferfahrt findet bereit» am Sonntag, den 8. August, nach den Glindow«! Alpen statt. Teilnehmerkarten für Erwachsene 2 M. und fllb Kinder 75 Pf. stehen den Mitgliedern noch bei den«omiteemitglledern sowie Bezirk-führern zur Derfügung. Gäste herzlichst willkommen. Abfohrtstell«: Schlütersteg, Bahn. Hof ssriedrichstraße, vormittag» 8H Uhr. Jrauenveravstalwng: 0. Jktti» Kreuzberg.«lt. 39 bi» 48: Sonntag, den 8. August. Woldausflug des Krelles nach dem Spandauer Stodtvark. Treffpunkt daselbst D vormittag» 10 Uhr. sStraßendahn 154 bi» Endstation.) Genossinnen und Kinder herzlichst willkommen. Jungsozialislcn: Alle Gruppen beteiligen sich an ber Saukonferenz und dem Sowmerfest in Luikenwalde. Abfahrt heut«, Sonnabend, den 7. August, nachunttag, 3.66. 4.30. 4.48, 6.66 Uhr oder Nachzügler am Sonntag, den 8. August, vormittag, 8.16 Uhr. Gifte sind willkommen. Lichtenberg: Alle Teilnehmer an der Gaulvnferenz und am Sommerfcst treffen sich heut«, Sonnabend. Nächmittag 4 Uhr am Anhalter Bahnhof, Haupt- portal. Abfahrt nach Luckenwald« mit Fahrpreisermäßigung 4V3 Uhr.— Ncuköll» I und II: Heute, Sonnabend, Treffpunkt zur Fahrt nach Lucken. walde nachmittag» 4 Uhr Anhalter Bahnhof. ArbeiHgemeiuschaft der Kl uberfreunde Groß-Berlin. Bi» Mvntag. 9. August. müsse» all« Teilnehmer, und zwar namentlich, gemeldet fein, bi« in der Her» berge auf der Helferfohrt übernachten. Helfer, die mit dem Rad fahren, treffen stch auch um 6 Uhr morgen, Bahnhof Eharlottenburg, Stuttgarter Platz. Wer nicht am Sonnabend mitfährt, muß Sonntag früh 7 Uhr im Leim sein, da wir dann mit unserer Tagesordnung beginnen.— Ilharlottenbueg: Wir treffen un» heut« nachmittag 8 Uhr Spandauer Berg, Eck« Ahornallce, wo unser neuer Spielplatz erstmalig benutzt wird. Vorträge, vereine unö Versammlungen. » Reichsbanner.Schwarz-Rok-Gold". SeschSft»st«II«: Berlin S 14, Sebastianstr. 87/88, Hof 2 Tr. silmer,dorf: Sonntag, d. 8.. Antreten mit Musik und Fahne» in Charlottenburg, Epreestr. 28. zur Teilnahme am Festumzuq de» Kreise» Eharlottenburg. Stark« Beteiligung notwendig. Abmorsch 2 Uhr.— Schöncberg.Fricbenan: Am Sonntag, d. 8.. vorm. 9 Uhr, findet die Krei»- fahrt per Lastwagen nach Michendorf statt. Kameraden, die daran teilnehmen, zahlen Fahrgeld bi» 1 M.' Familienangehörige fahren mittag« mit der Bahn nach Michendorf.— Treptow: Berfassungsfeier am Sonntag, d. 8., in Oberschöneweide im Spreerestourant Sadowa. Antreten 12?t Uhr Stern- platz in Johannisthal am Bhf. Obrrichöneweide-Iohannisthal. Abmarsch 1 Uhr. Sämtliche Kameraden, auch palstve, haben zu erscheinen.— Berlin-Mitte: Sonntag d. 8., vorm. 9 Uhr, Antreten Meistersaal Röthener Straß«, nicht in Bannerkleidung.— Köpenick: Sonntag, d. 8., nachm. 12M Uhr. Abf. von der Körner-Schule zur Teilnahmt an der Berfassungsfeier de»«reife» Treptow.— Banmschulenweg: Sonntag, b. 8., Antreten zur Berfassungsfeier 12M Uhr am Bahnhof.— Rowawe»: Sonntag, d. 8., 12% Uhr, Antreten Großbeeren-, Ecke Lusarenftraße. zur Fahrt nach Michendorf. Fahrptei» 60 Pf. Kreispflichtver- onltalwng. Rodsohrer 12% Uhr am Roihau». 10. Bezirk he» Dentscheu Arbeiter. Sängerbunde». Sonnabend auf der Weberwiese an der Frankfurter Alle« Freiluflkonzert. Arbeiterverein für Biochemie nud Lebensreform t.«. v. Bezirk Wcdding: Monatsverfammlung Montag abend 8 Uhr im Lokal Roß. Marstr. 12. Bor- trag Kuchel über„Divhtherie und Scharlachs. Proletarischer Sesundheittdienst, Abt. Norden. Di« Abteilunq Norden de» Proletarischen Gesundheitsdienste, ist wegen Uederttitt» in den Arbeiter» Samariterbund mit dem heutigen Tage aufgelöst worden. Deschäft»stelle: Arbeiter-Samariterkolonn«, Berlin R. 4 Schtöderstr. 9. Fernspr.t Norden 3840. Sozialdemokrailscher Mänuerchar Friedrich, Hain. Di« Eangeshrllder trefsen stch am Sanntag, den 8. August, vormittag» 10 Uhr. mit Familie im Lokal Neu-Lering»dorsi Arbciter-Espcranttstrn. Monatswersaurmluna Dienstag abend 7% Uhr Gipsstr. 23s. Bericht vom SAT.-Kongreß. Arbeitersport. Freie Turnerschaft Lichtenberg�srledrichsselde. Bereinv�srauenohtetlung: Sonntag Badepartie nach dem Dämeritzsee. Treffpunkt 7 Uhr Bhf. Nummels- bürg. Eingang Prinz-Albert-Straße. Nächste Turnstund« Mittwoch, den 11. Augusi. in der Turnhall« Schreib«: Hauer Straße. Ardeiter- Sport» ereiu Adlershos. Sonnabend abend 7 Uhr Staffellaus durch Adlershos�. Nach dem Lauf im Lokal von Wöllstein Sttstungsfest. San» tag Fußballpropaaandaspiel gegen Adler 12. Baginn 8 Uhr. Biochemischer-Berei» Groß-Berlin. 9. August, Gruppe Halensee: Bartrag über„Herz, und Rierenerkrankung' mit Lichtbildern. Referent Herr Dr. med. Echmegg. Lokal: Florasäle, Zohann-Seorg-Str. 19. 9. August, Gruppe Steglitz: Albrechtshos, Albrcchtstr. 1. Bortrog über„Die tuberkulösen Erkran- kungen im Kindtsalter" mit Lichtbildern. Referent Herr Dr. med. Ausigen. 10. August, Hauptversammlung sEruppe Friedrichshain), Böhmische, Brau- hau». Landsberger Allee 11—13. Bort rag über„Rheumatismus". Referent He» Dr. Dermitzel. Iii. August, Gruppe Niederfchöueweid«, Z-hannisthal und Baumschulenweg: Restaurant Schreiner. Friedrichstr. 8. Bortrag über„Medi- zinalvergiftung und biochemische Behanblungsweisc". Referent Herr Hansel. 10. August. Gruppe Berlin-Pankow: Konzerthau» Linder. Breit« Str. 84, an der Kirche. Bortrag über„Infektionskrankheiten" mit Lichtbildern. Referent Herr Dr. Steintel 11. August. Grupvc Lichtenberg: Prachtsöle des Ostens, Frankfurter Allee 48. Bortrag über„Magen- und Darmlciden" mit Licht- bildern. Referent Herr Wille. 11. August. Gruppe Reiten: Tübbeckcs Fest. fäle. Breit« Straße. Bortrag über„Biochemie und Berufshygiene". Referent Herr Berufsberater O. Friedrich. 11. August. Gruppe Friedrichshagen: Lsrchs Bürgersäle, Friedrichstraße, an der«rrche. Vortrag über„Nervenleiden" mit Lichtbildern. Referent Herr Dr. med. Steintel. 11. August. Gruppe Schöne- berg: Schloßbrauerei. Hauptstraße. Vortrag über„Rheumatismus". Referent Herr Dr. med. Dermitzel. II. August, Gruppe Birchow: Pharusfäle, Mjtller- ftraße 142. Vortrag:„Wie verhüte ich da» Altwerden durch Biochemie unb Willensanwendung". Referent Herr Möller. 12. August, Untergruppe Linden. Hof b. Temvelhof. Ledioenbeim Siedlung Lindenhof. Portrag:„Aus der bio» chemischen Praxis". Referent Herr Louis Schlief. 18. August. Gruppe Morien. darf: Herold» Fesisäle. Ehausseestr. 288. Bortrag über„Blochemilchc Funk» tionssalze". Referent Herr Louis Schlief. Sport. Rennen zv Ruhleben am Freliag, den 6. August. 1. R e n n e n. l. Per aipera stderm. Schleusener), 2. Ehreniera iE. Treuhcrz). 3. Malteser(L. Weiß). Toto: 11: 10. Platz: 12, 28: 10. Ferner Uesen: Dichtclmann, Fredegundiö. 2. Rennen. 1. Startata ITH. Mills), 2. Manrico(E. Treuher,) 3. NataliS(Herin. Schleusener). Toto: 85: 10. Platz: Ig, 20, LS: ICH Ferner liefen: Herostrat, Copal, Pedra, Fiametta, Paron Llxivorthh, Harrh W Königsadler, The Kilth, tzlllene. 3. Rennen. 1. Abteilung: 1. Meisterstück(Lichtenfeld). S. Lucs, Halle(Sinoratzki), 8. Kartenipieler sKIabunde). Toto: 39: 10. Platz: 18 20, 3S: 10. Ferner lieien: Koryphäe. Polsdam, Lessing, Morgenstunde' Schüler Teddy, Gelbstern, Hippologe, Daily Worthh, Jdasa.— 2. Abteil.: 1. König Rodert lIautz), 2. Petronella A.(W. Leoizer), 3. Florida söhn, Weiten). Toto: 48: 10. Platz: J4, 12, 15:10. Ferner Uesen: Cirano May Kuier, Fricdegard, Cilenlo, Baron Gabler, SlprilliS, Rehoierin. Lorl» Dolo, Einsicht. 4. R c n n e n. 1. Mary H.(Jauh jr.), 2. Petz(Th. MillS), 3. Sudan (Switzer). Toto: 1«: 10. Platz: 10, 10: 10. Ferner liefen: Buchdrucker. Willy A. 5. Rennen. 1. Nolula(F. Bahr), 2. SonntagSprw,(Weldner fr.) 3. Bessie(F. Schmidth. Toto: 41: 10. Platz: 18, 14, 67: 10. Ferner Uesen: Langemann, Dunajec. Marne. Sphinx I. K.Rennen. 1. Ludmill I(81. Rückert), 2. Stapellaus(F. Brandt). 3. Prinzessin Fortuna(S. Perk). Toto: 59: 10. Platz: 22. 19, 28: IQ. Ferner Uesen: Quitte V.. Kohlen lönigin, Katzbach, Herderose B., Albatros. Blaumeise, Erisa, Wainsca. Barometer. 7. Rennen. 1. Addie(Finn), 2. Tolonel Bosworth(ohne Wetten). 3. Edith Worthh(Vrotzmann). Toto: 20: 10. Platz: 13, 12: 10. Ferner Uesen: Axworthy I., Hetman, diSq., Joll, Satyre. «.Rennen. 1. Weinbrand(E. Treuher,). 2. Kasimir(Lantenberger). 3. Niederländer(B. Heckert). Toto: 35:10. Platz: lg. 2ß, 12:10. Ferner Uesen: Möglich. Leuchlturm, Erbprinz jr., Küraifier. O'Capt. Leerbera, Struwelpeter, Daish Worthh, Dilemma, Baron NuShaga, Anna Laura. Terraria, Alpenlöntg. 9. R e n n e n. 1. Michelangelo sJ-uh jr.). 2. Della(J. Mills). 3. verdun(H. Grube). Toto: 30: 10. Platz: 25, 18, 13: 10. Ferner Uesen: Manzanare«, Tudora, Prinz Adbell, Ocean Girl. Shbill. Fr anten stein. Der Graud-prlx-SUg« Jonchrox wird am Sonntag ans ber R ü t t» »rena im Jaap-Sden-Pret» starten. Er Irisit hier u. a. aus Spear«, B-ilah, W-illie,. Jensen, Rizetto.Kolle», Loren,, Fricke, O. Rütt, Hahn, Schräge, Knappe. Buschenhagen. Henrb Mäher, S chürmann, Willi A r e n d. Rauch, Hürtgen. Ktrbach, Steinbach, Pohl usw. Das itarte Feld wird insgesamt 4 9 Mann zählen. Ein Handicap über lORunden, ein Zweisltzer-Punttesahren und i n t e r, nationale» Stunden-Mannschastsfahren werden neben der ,4. Deutschen Meile" jür Amateure das Programm umrahmen lveNerherichk der«ssenlllchen weflerdienstskdlle für Serün.(Rachdr. Verb.) Anfang« noch ziemlich heiter, bann meist stärkere Bewölkung mit Neigung zu Regensällen. Temperaturen etwas niedriger.— Für Deutschland: In Westdeutichland Bewölkungszunahme mit leichten Regensällen und etwas Abkühlung, im Osten überall meist ziemlich heiler. WIREROFFMEN ZWEI MEUE MIEDCRUUMCEM UM DER STEIGENDEN NAOiFD/N3E NACH DEM beliebten SAIAMAN DER SCHUHEN VHlTEß GERECHT ZU WERDENMAM 7# AUG UST'VORMflO UHR GR.FRAN KFD RTE RSTR.iOS Z AUGUST' NACH M,3UHR POTSDAM ERSTR, 31 ZUR ZWANGLOSEN BESICHTIGUNG 1ADEIEIN' Die Notwenötgteit hoher Reallöhne. Zur Umfatzftatiftik des Textileinzelhandels. Wie wir bereits mitteilten, hat der Reichs bund des Textileinzelhandels bei einer Anzahl seiner Mitglieds- sinnen eine statistisch« Erhebung über Umsätze und Unkosten veranstaltet. Die außerordentlich interessanten Ergebnisse an dieser �Untersuchung hat das Institut für Konjunkturforschung ausgearbeitet. Es ist zu hoffen, daß die erfreuliche Bereitschaft des Textileinzelhandels zur Vorlage seiner Geschäftsumsätze vorbildlich wirkt und den Anstoß zu einer einigermaßen umfassenden Statistik der Einzelhandelsumsätze bildet, wie sie bisher lediglich von den Konsumvereinen— allerdings in einer ver- hältnismäßig«infachen Form— der Oeffentlichkeit geboten wurde. Die Offenlegung der Umsatzziffern, zumal in der von den Textil- geschästen gewählten Form, wo nicht Einzelzohlen, sondern in Gruppen(geordnet nach dem Geschäftsumfang— Zahl der Angestellten—) zirsammengefaßt« Verhältniszahlen(Vergleichsbasis 1913 und 1924 und 1925) bekanntgegeben werden, schließt ja jede Möglich- teit aus, daß die sogenannten Geschäftsgeheimnisse öffentlich bekannt werden. Die einzelnen Firmen können also unbesorgt ihre Umsatz- größe, derart m Relatwzahlen umgerechnet,«wer vertrauenswürdigen Zentralstelle mitteilen, ohne«inen Mißbrauch befürchten zu müssen. Die Vorteil«, die aus einer größeren Publizität der Umsatz- zahlen— wie überhaupt aller wirtschaftlichen Einzelheiten— erwachsen, sind so beträchtlich, daß ein Fortschreiten auf dem vom Textilhandel eingeschlagenen Wege mir dringend befürwortet werden kann. Di« einzelne Firma, die an einer solchen Untersuchung teilnimmt, gewinnt damit«ine Aergleichsmöglichkeit, die ihr sonst verschlossen geblieben wäre und aus der sich wichtige Schlüsse und Lehren für den eigenen Betrieb ziehen lassen. Für das gesamte Gewerb«, das sich von einer solchen Statistrt erstmalig über die Veränderungen rn der Wirtschaftsloge Klarheit verschaffen kann, ist damit ein Ausgangspunkt für wirtschastspolltrsche Erwägungen und Maßnohmen geschaffen. Vom allgemein volts- wirtschaftlichen Standpunkt aus bedeutet die Ergänzung unseres Wissens über den Gang der Konjunktur durch der- artige Untersuchungen den ersten Anfang zu der erstrebten Möglich- keit, durch zweckentsprechendes wirtschaftspolitifches Verhallen einen Ausgleich der starken Seschäftigungsschwankungen herbeizuführen und die Arbeitslosigkeit aus lang« Sicht zu bekämpfen. Di« Ergebnisse der Umsatzstatistik des Textileinzelhandels lasten sich kurz dahin zusammenfassen, daß der Wert der Umsätze(wenn man Friedensmark und Reichsmark bzw. Reniemi ark einmal gleich- fetzt) im Jahre 1924 im ungünstigsten Fall um etwa ein Drittel höher war als im Jahre 1913, im glinstigsten Fall aber doppelt so groß wie 1913 war. Am ungünstigsten lagen die Verhältnisse für ganz kleine und die ganz großen Geschäfte, während mittlere Ge- schäfte(also„kleine Kaufhäuser"), mit einem Personalbestand von 20 bis 80 Angestellten, am günstigsten abgeschnitten hoben. Im Jahr« 1925 trat dann ein« weitere Belebung des Um- tatzes um durchschnittlich etwa 12 bis 15 Proz. ein, so daß die Umsätze im ungünstigsten Fall dos 1,5- bis l.bfache, im günstigsten das 2,3fache der Friedenswerte erreichten. Berücksichtigt man, daß der Preisstand für Textilwaren, 1913— 100 gesetzt, im Durchschnitt des Jahres 1924 etwa 153 und im Durch- schnitt 1925 etwa 149 betrug(für einfache Waren, Massenartikel. war die Preissteigerung wahrscheinlich noch etwas höher), so ergibt sich, daß der .-Friedenswerl" der Umsähe im Zahre 1924 zum mindesten erreicht, aum Tesl bereits überschritten worden ist, während 1925 die Umsah. leistung sich weiter gesteigert hat. so daß hier der Friedensstand— trotz einer Zunahme in der Zahl der Geschäfte— sicherlich ziemlich heträchtlich überschritten worden ist. In den ersten Monaten des Jahres 1926, die eine wirtschaftlich äußerordentlich ungünstige Zeit darstellen und in denen angesichts der Massenarbeitslosigkeit die Kaufkraft gering gewesen sein muß, konnte dos verhältnismäßig recht günstige Ergebnis des Jahres 1925 nicht aufrechterhalten werden. Immerhin blieben im Januar 1926 die Umsatz werte hinter denen des Januar 1925 nur mn rund 5 bis 10 Proz. zurück. Der Februar war— mit einem Rückgang gegenüber Februar 1925 mit durchschnittlich 10 Proz.— noch schlechter, während im März erneut ein« Zunahm« stattfand, so daß die Ergebniste nur wenig hinter denen vom März 1925 zurückblieben (jedenfalls aber noch viel höher waren, als jene vom März 1924, wo man von einer„Rentenmark-Konjunktur" im Bekleidungs- gcwerbe, von einem„Käusersturm" usw. sprach). Für die beiden folgenden Monate, April und Mai 1926, liegen nur Teilergebnisse vor, aus denen allerdings gefolgert werden kann, daß eine weitere Verminderung der Umsatz werte eingetreten ist. Run will das aber noch nicht viel besagen, da gleichzeitig ein ziemlich empfindlicher Preisrückgang für Textilwaren einge- treten ist. Wenn also die Umsatz werte geringer geworden find, so schließt das noch keineswegs aus, daß die Umsatzmeng« etwa dieselbe geblieben ist, wenn sich mich vielfach— wie die Geschäfte ja selbst hervorheben— die Entwicklung derart vollzogen haben dürfte, daß der Konsum sich mehr den«infachen oder gar schlechteren Qualitäten zugewandt hat. Ueber den Umfang der Preisermäßigung läßt sich nur schwer ein einigermaßen zutreffendes Bild gewinnen, weil die Preis« für denselben Artikel in den einzelnen Geschäften auch zu ein und demselben Zeitpunkt ziemlich stark differieren(je nach Lage des Geschäfts und Bereitwilligkeit der Inhaber zu Preis- Nachlässen— Sonderverkäufe!) und weil die Preisverschiebungen für die einzelnen Waren, je nachdem, ob es sich um ausgesprochene Saison- und Modeartikel handelt oder nicht, gleichfalls ganz ver- schieden groß sind. Immerhin wird man sagen dürfen, daß die Indexzahlen des Statistischen Reichsamtes den vollen Umfang der Prsisrückgängc nicht in Erscheinung treten lassen. Das Amt berechnet zwei verschiedene Jndexreihen für Textilwaren, nämlich einmal die Gruppe„Bekleidung"(im monatlichen Lebenshaltungskostenindex) und dann die Gruppe.Textilwaren" im Fertigwarcnindex der Groß- Handelspreise. Elftere enthielt die Preise der jenigen Waren, die für den gesamten Bekleidungsbedarf einer„normalen" fünf- köpfigen Familie in Betracht kommen, damit also auch die Preise für Schuhe und Schuhreparaturen i letztere lediglich den Kleidungs- bedarf. Die Entwicklung dieser Zahlen in den Jahren 1925 und 1926 veranschaulicht folgende Uebersicht: der 1925(Höchststand) bis zum Juli 1926 auch nur ein Rückgang von 6 bis 8'A Proz. eingetreten! Das erscheint schon auf den ersten Blick als zu niedrig, und die Stimmen aus dem Textilhandel selbst bestättgen, daß die Preisrückgänge sehr viel bedeutender ge- wesen sein müssen. So schreibt z. B. der große Warenhauskonzern Karstadt in seinem im Mai erschienenen Geschäftsbericht, daß die freisrückgänge(vom Einkaufspreis) für„gangbare Artikel" in der eit vom April 1925 bis April 1926 betragen haben bei: Rohnestel............30 Proz. Cheviot............. 27, Popeline............ 18. Gabardine............ 25, Einfache baumwollene Damenkleidung.. 50, Einfache wollene Damenkleidung.... 30. Mittelfeinere Kostüme........ 85. Billige Mäntel.......... 50. In derselben Zeit, wo hier(freilich für ausgesprochene Masten- wäre) ohne daß es sich um Saisoneinwirkungen handelte, Preisnachlässe zwischen 18 und 50 Proz. festgestellt werden, die natürlich nicht nur auf die Großeinkausspreise beschränkt geblieben, sondern auch, besonders bei Ausoerkäufen, billigen Wochen u. dergl., dem Konsum voll zugute gekommen sind, stellt der amtlich errechnete Index nur einen Preisrückgang von 4 Proz. fest, was zweifellos darauf beruht, daß hier lediglich die„regulären" Verkaufspreise und niemals irgend- welche Sonderoerkaufspreise der Berechnung zugrunde gelegt wer- den. Das ist aber nicht zweckentsprechend, da ein beträchtlicher Teil des Konsumbedarfs faktisch doch zu niedrigeren Preisen eingekauft wird. Angesichts der Preisrückgänge, die sich im Detailhandel während der folgenden Monate(seit April) noch weiter fortgesetzt haben bzw. jetzt erst richtig in Erscheinung getreten sind, ist der Schluß gerecht- fertigt, daß die Umsatzmenge während der letzten Zeit ungefähr gleich groß geblieben ist, wobei freilich vielfach geringerwertige Qualitäten umgesetzt wurden. Diese Feststellung, die sich auf Grund der Um- satzstatistik des Textileinzelhandels gewinnen läßt, erscheint uns außerordentlich wichtig zu sein! Äisher hatte man immer ange- nommen, daß im Detuilgeschäst der Umsatz in den Iahren nach der Stabilisierung weit niedriger als in der Borkriegszeit sei, und daß in den letzten Monaten, etwa seit Jahresanfang, der Absatz— auch der Menge nach— weiterhin empfindlich zurückgegangen sei. Das trifft aber nicht zu, und es wird gerade aus dem Beispiel der Textilwarenindustrie und des Textilhandels deutlich, daß selbst in Zeiten schlechten Geschäftsganges und verringerter Roh- und Reineinnahmen der Geschaftsumfang einigermaßen voll aufrecht erhalten bleiben kann, wenn nur die Preise der gesunkenen Kauskrast der Bevölkerung angepaßt und nicht künstlich bochgehalten werden! Würde durch eine straffe Kartellpoli- tik in Textilindustrie und-Handel eine„Stabilhaltung" der Preise, so wie in anderen Industrien, erzielt werden, so müßte das eine empfindliche Einschränkung auch der Umsatz mengen bedeuten: ein Nachlassen der Beschäftigung, vermehrte Arbeitslosigkeit, ver- ringerte Kaufkraft und weiterhin verschlechterte Wirtschastslage wären die verhängnisvollen Folgen. Es ist außerordentlich erfreulich, daß in den Kreisen des Textil- gewerbes selbst mehr und mehr das Berftändnis für diese Zu- sammenhänge wächst, daß man die verhängnisvollen Folgen einer Preismonopolisierung durch Kartelle erkennt und lieber eine Preis- senkung bei verringerten Gewinnen aus sich zu nehmen gewillt ist, anstatt durch zähes Festhalten an höheren Preisen das ganze Ge- schüft zu ruinieren und die Volkswirtschaft weiter zu schädigen. Die Konsequenz aus dieser Einstellung ist, daß man vernünftigerweise eine Herabsetzung der Löhne und Gehälter als das denk- bar falsche Mittel zur„A n k u r b e l u n g" der Wirtschost bezeichnet. In einem Artikel aus Fachkreisen, den wir kürzlich würdigten, wurde ausgerechnet, daß ein lOprozentiger Lohn- und Gehaltsabbau einen Ausfall an Kaufkraft in Höhe von etwa 3,5 Mil- l i a r d e n pro Jahr bedeuten würde(ohne daß er durch Preisermäßi- gungen oder eine entsprechende Einnahmestcigcrung der Unter- nehmer ausgeglichen werden könnte). Dieser Ausfall an Kaustrast entspricht etwa der Kaufkrastverminderung, die eintreten würde, wenn weitere 3)4 Millionen Menschen arbeitslos werden, da die Ber- ringerung des Einkommens, falls ein Arbeiter oder Angestellter seinen Lohn verliert und nur noch auf Unterstützung angewiesen ist, auf etwa 1000 M.(im großen Durchschnitt) zu veranschlagen ist. Man sieht also, daß jedes genauere Eindringen in Wirtschaft- liche Sachverhalte, wie es in diesem Falle durch die Statistik der Tcrtilwarenumsätze ermöglicht worden ist, zwangsläufig daraus hin- ausläuft, die Richtigkeit der von uns stets vertretenen Wirtschafts- Politik zu bestätigen. Nicht durch die Anhäufung von„produktiven" Sachwerten, nicht durch die Häufung flüssiger Kapitalien an den Kreditmärkten und im Börsengeschäft wird die Gesundung der Wirt- schaff herbeigeführt, sondern durch die Wiederherstellung des rechten Verhältnisses zwischen Produktionskapazität und Aufnahmefähigkeit des Konsum». Dazu aber bedarf es höherer Reallöhne— also entweder steigender Lohnsummen oder niedrigerer Preise bei gleichbleibendem Lohnstand! Inflationserscheinungen in Frankreich. In der französischen Wirischast mehren sich unter dem Einfluß der entwerteten Währung die Jnflationserscheinungen. Die Gesellschaften versuchen bezüglich ihres Kapitals der Entwertung des Franken zu folgen und der Prozeß der Kopitalverwäsierung infolge von Kapitalserhöhungen macht immer weitere Fortschritte. Täglich sind Kapitalserhöhungen in oft recht nennenswertem Umfange an der Tagesordnung: nach oberflächlichen Schätzungen werden für durch- schnittlich 50 bis 60 Millionen Franken neue Aktien aus- gegeben. Andererseits find Neugründungen und Umwandlungen in Aktiengesellschaften an der Tagesordnung. Nach den Erfahrungen, die man in Deutschland mit der Inflation gemacht hat, nimmt es für uns nichl wunder, daß durch die Schein- vlüte infolge des Währungsversalls auch besonders Luxus- a r t i k e l im Vordergründe des Interesses stehen. Manchen Leuten gelingt es, in Inslaiionszeiten besonders leicht zu Geld zu kommen und bekanntlich wird leichtvcrdientcs Geld ebenso leicht ausgegeben. Ein Zeichen, daß in gewissen Kreisen die Konsumkraft für Luxus- artikel gestiegen ist, sind auch Neugründungen auf dem Gebiete der Champagner-Herstellung. So sind an einem Tage Ansang August zwei neue Gesellschaften, die die Herstellung, Kelterei und Bertrieb von Champagner sich �um Ziele gesetzt haben, gegründet worden, und zwar die eine mit einem Kapital von über 6 Millionen Franken. Der Sekkerbrauch in Frankreich scheint durch die Inflation sich gesteigen zu haben, daß es in dem Mutterlande des Champagners noch Raum für Neugründungen auf diesem Gebiete gibt. Znkernakionale Konvention über elektrische Maße. Die Reichsregierung veröffentlicht soeben dos bereits genehmigte Gesetz über die Einbeziehung der elektrischen Maße in'die internationale Meterkonvention und die sonstigen Abänderungen des Pariser Abkommens von 1875. Der Entwurf enthält einige Zlbänderungen und Ergäirzunqen zwischen einer Reihe von Staaten. Die Aendemngen beziehen sich im wesent- lichen auf folgende Punkte: 1. Erweiterungen der Befugnisse des Internationalen Bureaus für Gewichte und Maße. Es soll die Möglichkcil gegeben werden, die Bcsuanissc aus die Behandlung der elektrischen Einheiten auszudehnen. Dos Bureau erhält den Auf- trag, Normole der elektrischen Einheiten herzustellen, auszu- bewahren und sie mit denen der anderen Staaten und mit anderen genauen Normalen zu vergleichen. Di« Einheften sollen dafür dien«, in dem für Handel und Industrie besonders wichtigen Gebiete der elektrischen Einheiten die internationale Uebercinstimmung herzu- stellen und zu sichern. Der feste jährliche Beitrag der Staaten für Unterhaltung de» Internationalen Bureaus wird von 100 000 Goldfranken auf 250 000 bzw. 300 000 Papierfrankcn erhöht werde». Die Zahl der Mitglieder des Internationalen Komitees werden von 14 aus 18 er- höht. Die übrigen Aenderungen sind geringfügiger Natur. Das Abkommen ist bisher von 14 Signatarmächten ratifiziert worden. Großhandelsinder. Die au? den Stichtag des 4. August berechnete Großhan- d e l s i n d exzi f f c r des Statistisch m Reichsamts ist gegenüber dem 28. Juli um 0,4 Proz. auf 126,3 zurückgegangen. Don den Hauptgruppcn hat die Indexziffer der Agrarcrzcugnisse um 0,5 Proz. auf 127,8, die Indexziffer der I n d n st r i e st o s s c um 0,2 Proz. aus 123.4 nachgegeben. Im Durchschnitt Juli lagen die Agrorcrzeugmsse— infolge d«r zu Anfang des Monats gestiegenen Getreideprcije— mit 129,2 um 3,4 und die Jndustriestoffe mit 124,0 um 0,2 Proz. höher als im Juni. Die Gesamtindexzisser stellte sich im Durchschnitt Juli auf 127.4._ Die Lage der deutschen Alaschinenindustrie im öuli 1926. Nach dem Bericht der deutschen Maschinenbauanstalten war im Acr- gleich mit dem Vormonat im Juli leider keine weiterc Ge- schäftsbelebung, sondern wieder eine Abschwächung lestzu- stellen. Diese hielt sich zwar in den Grenzen der seit einer Reihe von Monaten beobachteten Schwankungen und läßt sich außerdem mit der im 5iochsommcr regelmäßig eintretenden Gcschästsstille erklären. Jedenfalls kann aber von einer Ueberwindung der Depression nicht gesprochen werden, und die Aussichten für die Zukunsl werden im ganzen sorgenvoll beurteilt. Allerdings ließ die Anfragetätigkeit der Inlands- und Auslands- kundschaft nur wenig nach, in einzelnen Arbeitsgebieten war sie sogar stärker als im Vormonat. Im Auftragseingang da- gegen trat die Zurückhaltung der Bestellerkreise im Benchts- monat wieder deutlicher in die Erscheinung als im vorhergehenden Monat. Bor allem zeigte auch das Auslandsgeschäft eine recht fühlbare Verschlechterung. Der Beschäftigungsgrad, der in, Juni aus rund 60 Proz. der Normalbeschäftigung berechnet wurde, stellte sich im Juli aus etwa 57 Proz. Die Hoffnungen, in absehbarer Zeit wieder zu Neueinstellungen schreiten zu können, haben sich sehr erheblich oermindert. Zechenverkäuse der Alpinen Montangesellschast. Bekanntlich ist dos größte österreichische Montanuntcrnchmen, die A l p> n e Montangesellschast, in Verbindung mit dem reichsdeutschen S t a h l t r u st, den Vereinigten Stahlwerken A.-G. getreten. Durch diese Verbindung ist die wichtigste Kohlenbasis des Unter- nehmens nach Deutschland verschoben worden. Nun besaß die Alpine Montangesellschast bisher in der Tschechoslowakei Kohlen- zechen, die jetzt in das Produktionsprogramm der Gesellschaft nicht mehr hineinpassen. Sie hat sie an den tschechoslowakischen Staat verkauft. Die Kohlcnanlagcn beslehen aus einer im Betrieb befindlichen Schachtanlage in Poremba, einer noch nicht in Betrieb genommenen Anlage in Herzmanitz, aus einer Koksansta» und einer Venzolfabrik'in Poreniba. Die Arbeiterbelegschast. die 1922 eine Starte von 1100 Mann hatte, beträgt zurzeit etwa? über 700 Mann. Die Kohlenförderung stellte sich in den letzten Jahren durchschnittlich aus 1 bis 1.2 Millionen Meterzentner, die Koks- erzeugung auf 250 000—280 000 Meterzentner pro Jahr. Die Errichtung der obcrschlesischen Landwirtschastskammer. Nack,- dem vor einiger Zeit die Differenzen hinsichtlich der Errichtung einer besonderen Landwirtschastskammer für Obcrschlcsicn beendet worden sind, gibt das preußische Staatsministerium soeben eine Verordnung heraus, die die Errichtung der Kammer regsli Nach den Satzungen der oberjchlcsischen Landwirtschastskammer, die ihren Sitz in Oppeln haben wird, hat diese die Gesamtinteressen der Land- und Forstwirtschaft ihres Bezirkes wahrzunehmen und alle dahinzielenden Einrichtungen zu fördern. Die Zahl der zu �wählen- den Mitglieder beträgt 30, Wahlbezirke sind die Landkreise. Der Vorstand besteht aus sieben Mitgliedern und vertritt die Landwirt- jchastskamwer nach außen. Besserer Absah von Fleischwaren. Vom Reichsverband der deutschen Fleischwarenindustrie wird uns geschrieben: Die Berichte über die Absatzverhältnisse für Fleischwaren im Juli aus den ver- schiedenen Bezirken lauten nicht einheitlich. Der Besuch und damit der Verbrauch in den Badeorten und Sommerfrischen ist hinter den Erwartungen zurückgeblieben. In einzelnen Bezirken hat die vor- übergehende Besserung des Wetter�einen flotteren Absatz wenig- stens der lausenden Produktion gebracht. Dosenwürstchen waren gefragt. Kochwurstsorte» lagen wie stets in der heißen Jahreszeit danieder. Aber auch die harte Dauerwurst fand nur langsam und nicht zufriedenstellenden Absatz. Aus den Industriegebieten wird in Verbindung mit einer leichten Belebung der Wirt- s ch a f t s l a g e und der damit verbundenen Besserung der Kauf- kraft der betten Massen eine Steigerung des Absatzes an Konsumwarc gemeldet. Die Rohmaterialversorgung vollzog sich glatt. Der Austrieb auf den Märkten war jedoch so niedrig, daß selbst ein geringer Bedarf nicht immer gedeckt werden konnte und ein Teil aus den� Viehprovinzen beschafft werden mußte. Infolgedessen sind die Schweineprcisc gegen Ende des Berichts monats gestiegen, ebenso teilweise auch die Rin- derpreise. Dies ist um so bemerkenswerter, als in den Vorkriegs- jähren die Schweinepreise im Sommer fast regelmäßig um etwa 20 Proz. sielen, während sie in diesem Sommer höher als der Durchschnitt der Wintermonate sind. Die deutsche Genosscnschaslsbewegung im Zuli. Wie im Monat Juni wies innerhalb der deutschen Genossenschasts- bewegung die Bestandsbcwegung der gewerblichen Ge- »ossenschaften im Juli«nie Zunahme auf, während auf dem Gebiete der landwirtschaftlichen Genossenschaften ein Umschwung seit einiger Zeit eingetreten ist, der auf die Gesamtbewegung drückt. Insgesamt beträgt die Zahl der neugegründeten Genossenschaften im Juli 148 und die Zahl der Auslösungen 167 Genossenschaften. Der starke Rückgang der Nichtigkeitserklärungen, die im abgelaufenen Monat nur mit 16 vertreten sind, ist erfreulich, dagegen haben sich die K o n k u r s e mit 21 um etwas gegenüber dem Schlußmonat des ersten Halbjahres 1926 vermehrt. Bei den Kreditgenossenschaften waren 33 Ncugrnndungen und 36 Liquidationen vorhanden. Die Mehrzahl der Ncugründungen entfällt aus gewerbliche Kredit- genossenschasten und oerteilt sich auf alle Gebiete des Reichs. Auch bei den Handwerkergenossenschaften zeigte sich im letzten Monat mehr Leben. Es gab neun genossenschaftliche Neugründungen, die auch in Gruppen,.bei denen man sonst mit Auslösungen gerechnet hotte, bei Genossenschaften der Schuhmacher, Fleischer und Bäcker, auftauchten. Besonders haben die Auflösungen bei den 5)andwerker- genossenschasten erheblich nachgelassen. Insgesamt sind zwölf Auf- lösungen festzustellen. Bei den Genossenschaften der Händler wurden insgesamt elf Genossenschaften errichtet und elf Genossen- schaffen ausgelöst. Die Zunahme liegt im wesentlichen bei den Kolonialworenhändlern. Die Konsumvereine hatten im Be- richtsmonat eine Neugründung, der 15 Auslösungen gegenüberstanden. Das ist eine Folge des Zufammenfassungs- Prozesses, der gerade bei den Verbrauchergenossenschaften in letzter Zeit im Gange ist. Die Bau genosienschasten hatten 36 Neu- gründungcn und 19 Auslösungen zu verzeichnen. In größerem Um- fange ist das landwirtschaftliche Genofsenschastswesen mit Neu- gründungen(52) und Auflösungen(65) vertreten. Sowjelrussische Aulomobilkäufe in Deutschland. Die Sowjet- regierung will in großem llmsange, falls die Kreditbedingungen zu- jagen, A u t o m o b i l k ä u s e in Deutschland vornehmen. Vorerst ist dem Außenhandelskommifjar gestattet worden, 20 Autobusse bei der Braunjchweiger Firma Büssing zu kaufen. Änterkaltuna unö en Seilage ües vorwärts Die Rote Iremüenlegion. P Der Bnürang ist kolostal! Sooüerzüge mästen eingestellt werden, um allein die im Roten 5rontkämpfer-Sonö organisierten Spitzel zu befördern! Sonnabend 7. ftogusimd Der Tob Zerrers. Von Jules Romain«. «-Di« schönste Demonstration.� sagte der erste Hafenarbeiter,„die ich je gesehen habe, fand vor der spanischen Gesandtschaft statt,— nach dem Tode Ferrers. Jetzt bin ich ja für Demonstrationen nicht mehr so eingenommen. Es fällt mir leichter, zu Haus« zu bleiben. Lch habe auch nichts dafür übrig, einen Hieb abzubekommen, noch auch will ich auf dem Pflaster übernachten. Ich bin zu alt: wenn ich jetzt Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen soll, muß es der Mühe wert sein. Aber der Tod Ferrers, das hat mich gepackt. Merkwürdig, was? Ferrer, der Spanier, um den sollte man sich doch eigentlich nicht kümmern. Sind ja nicht unsere Zwiebeln. Also? Ich Hab ineinen Zorn nach einer Woche noch nicht verwunden gehabt. Man schluckt ja nicht alles. Zwar ereignen sich ja jeden Tag Ding«, die einen anwidern. Aber man gewöhnt sich daran. Wollte man alles gleich tragisch nehmen, man müßte ja in Blut ersticken. Ja, ich komme auf die Sache zurück. Hätten sie ihn nur eingesperrt, hätten sie ihn nur deportiert, vielleicht hätte das bei uns niemand auch nur bemerkt. Aber«inen Menschen erschießen, weil er sich sein« eigenen Gedanken macht! Im 20. Jahrhunderts Einen gleich umzubringen — zum Henker damit!' „Die spanisch« Gesandtschast, die ist wohl am Btwfewnti de Cmircellcs?" „Ja, ich glaub«. Ich diu da mitmorschiert, mit den anderen. Zuerst gingen wir unter dem Viadukt der Stadtbahn. Picot wollt« ein« Runde zahlen, aber kein Mensch dacht« daran. Alle diese Kerl« von der Place Pigalle und von der Moulin.Rouge�eite, sie ließen sich nicht hindern, da mitzutun. Daß man einen Menschen erschießt, rollkommen ohne Ursache,— du glaubst, daß sie sich den Teufel darum scheren? Zwar, Schmutzfinten gibt'» genug«ruf der Erde. Di« sind schlimmer als alles. Da ist mir ein Pfaffe lieber. Wenn man sich da durch«inen guten Griff auf die Bein« helfen könnt«, f'n.ge ich gleich bei ihnen an. Was, Ratzentod, glaubst du nicht, daß ich sie mit Haut und Haaren fresse?' „War wohl am Abend?.." La, es war so dunkel, daß ich glaub«, die Gasflammen haben nie so matten Glanz gehabt. Merkwürdige Sache das! Besonders als wir auf die Avenue de Villi«» kamen, dort unten. Es war finster von Leuten, da» Licht war einfach aufgefrefsen, hätte man sagen können.' „So viele waren's?..' „Wir versachten durchzukommen, aber es war unmöglich, weil die Polizei die Wege sperrte. Picot hatte uns falsch geführt. Was sollte das dem Gesandten schon machen, diese leeren Straßen rings um sein Haus— nicht einmal ein Wagen!— und dahinter, rings- herum, Kilometer von wütendem Boll. Luhu! Mörder! Mörder! Hoch Ferrerl Es leb« Ferrer!' Wiewohl wir ihn ja nicht auf- erstehen lasten konnten. Aber man wollte es den Spaniern zeigen, daß man einen Menschen nicht zwischen zwei Fingern zerdrückt wie eine Laus. Die Polizei drückte uns von Gaste zu Gast«. Schließlich war ich in einer Art Sockgast« gelandet. Ich fiel gegen den eisernen Rollbalken eines Ladens. Und ich schrie. In ganz Europa gab es zu dieser Stunde Leute, die schrien und sich wie toll gebärde ten, weil man Ferrer getötet hatte. Man stieß mit aller Kraft vorwärts, um die Kordon» zu durchbrechen. Die Polypen hätten blank ziehen können, sie hätten schießen können, man wäre nicht zurückgewichen. Sie verhinderten uns vorwärtszukommen, ober unsere Schreie passierten trotzdem. Der Gesandte war vielleicht gerade dabei, in seinem Salon mit Freunden und Bekanntschaften sich zu unterhalten. „Huhu! Mörder!" Ich glaube, daß ihm die Kaffeeschale aus der Hand fiel.' * „Ich," sagte Benin,„ich war an Ferrers Todestag nicht m Paris. Ick, war in Brest. Ich IMe früh Mittag gegessen. In irgendeiner Kneipe neben dem Theater. Und ich ging dann spazieren. Es gab damals in Brest«in Geschäft, ein« Wechselstube, glaub« ich, an einer Straßenecke, wo auf einer kleinen Tafel am Abend immer die neuesten Tetegramme ausgehängt wurden. Gegen halb sieben kam ich, wie gewöhnlich, in dies« Gegend. Ein paar belanglose Nachrichten prangten auf der kleinen Tasel. Alan tonnt« ja auf weiter« Nachrichten warten, aber es war nicht der Mühe wert. Wenn die Tafel vollgeschrieben war, gab es einfach keine neuen Milteilungen mehr. Manchmal dacht« ich mir:„Merk- würdig, daß die Anzahl der bemerkenswerten täglichen Weltereigniss« gerade dem Raum dieser kleinen Tafel entspricht! Aber in Brest hat man ebensowenig wie in vielen anderen Städten die Auswahl zwischen sünszig Spazierwegen, und wenn man da eine Wagenspur entdeckt, kann man froh sein, chr vachgehen zu dürfen. Man erspart sich da ein« überflüssige Anstrengung der Phantasie. Ich machte also nach dem Nachtmahl denselben Weg wie vorher. Ich komme da also an diese Straßeneck«. Ein halbes Dutzend Leute steht vor der Wechselstube, und wie Ameisenscharen laufen über die Tafel die alten Nachrichten. Zwei oder drei Minuten bleib« ich stehen, nur, weil ich keine Lust hatte, weiterzugehen. Es wurde dunkel, die Lust war feucht, an der Kreuzung die arme Gaslatern« sah aus wie«m Bettler. Plötzlich— geht durch die Menschen«in Ruck: ein junger Mann kommt aus der Wechselstube, seinen Zettel in ber einen, den Nagel dazu in der anderen Hand. Er stellt sich vor die Tasel und inspiziert sie. als ob er eine letzte stei« Ecke suchte. Dann geht er in den Laden zurück und kommt mit einem Schwamm zurück. Di« Leute drängen sich schon heran: plötzlich spürt man, wie die Erwartung groß wird. Der junge Mann löscht alle Nachrichten von oben bis unten aus und tief wie«in Tunnel. Und dann hebt er ein Stück Kreide, schreibt und tief wie ein Tunnel. Und dann hebt es«in Stück Kreide, schreibt schnell Großbuchstaben, man liest: ZUM TODE VERURTEILT UND ERSCHOSSEN. Kein Hauch, nicnumd hat sich gerührt. Di« Feuchtigkeit der Luft ist zu einem seinen Regen geworden, aber den Schirm spannt niemand auf. Die Leute bteiben still, sie rühren sich nicht, ihr Blick weicht nicht von der TafeL Der junge Mann war hineingegangen und die Wechselstube gab kein Lebenszeichen mehr. Man würde gewiß nichts mehr plakatieren. Aber wir erwarteten ja auch nichts anderes. Es waren da sechs Worte aufgeschrieben worden— auf zw« Zeilen. FERRER ZUM TODE VERURTEILT UND auf der ersten Zeile, �Rsakozsm Mein, auf her zweit«. Das genügte uns. Wir nahmen diese sechs Worte in m» auf. Sie drangen in unser Inn«« ein, sie kamen darin langsam zur Wirkung wie ein« Arznei. Di« Leute wechselten nicht: ich fühlte mich nicht mehr vorwärts- gestoßen: ich hatte immer die gleichen Nachbarn. Einen Augenblick griff ich an meinen Hut: die Krempe war vom Regen durchnäßt. Am übernächsten Tag ging ich am Abend durch die lftue de Siam. Ich bemerkte vor einem Laden«ine kleine Ansammlung, zehn Menschen etwa. Einem Händler mit spanischen Südfrüchten gehörte der Laden. Der Händler und ein Matrose hatten miteinander zu streiten begonnen. Ich glaubte zu verstehen, daß es sich ml, eine englische Münze handelte, die der Händler zurückwies, und zu deren Annahme der Matrose ihn zwingen wollte. Der eine und der andere radebrechten stanzösisch, jeder auf sein« Art, man verstand nicht allzuviel, und ich glaub«, daß auch die beiden«inander nur halb ver- standen. Plötzlich vergrößert sich die Ansammlung, verdoppelt, verdrei- sacht sich im Augenblick. Die Straß« war voll, vi« Tramrvay gibt ununterbrochen Signal, man kümmert sich nicht darum. Und plötzlich beginnt diese Meng« zu murren, ganz verschwommen zuerst. Aber nach und nach wird der Lärm stärker und deutlicher: ..Ferrer! Ferrer!" die ganze Mast« schreit:„Ferrer!' Auch ich schrei«. Wir waren all« erfüllt von emem traurigen Zorn, ebenso viel Zorn als Trauer. Wir hätten den Toten rächen mögen, aber wir riefen ihn an zu gleicher Zeit. Die Menge rief:„Ferrerl Ferrer!" Und dann mußte man sich irgendwie trösten. Ein Stoß trieb uns gegen die Borde des Ladens. Schon krachten die Körbe, wichen die Bretter dem Ansturm. Der Spanier- auf der Schwelle— ein gedrungener, fleischiger Mensch mit kugeligen Augen in einem olwen- farbenen Gesicht— betrachtet uns verdutzt und erschreckt. Er begriff nicht» von dem, was um ihn vorging. Mit dünn«, keifender Stimm«, die er mit lebhaften Gesten unterstrich, schrie er: „Aber doch genommen Münze fremde! Genommen! Da ist!" Die Menge hört« nicht auf:„Ferrer! Ferrer!" und trieb vor- wärts. Und da begriff der Händler, ein Licht ging über fein Ge- ficht und durch Gebärden bat er. daß man ihn anhöre.„Ruhe!", brüllte es in der Meng«. Die Menschen beruhigten sich. Der Spanier hebt die rechte Hand und mit starker Stimme: „Es lebe Francisco Fsrrer, der gemordet wurde!" Lebhafter Beifall antwortet ihm. Dann wendet er sich nach dem Laden um und gibt ein Zeichen. Zwei Jungens kommen ge- lausen, braun wie Araber. Er stellt einen rechts, einen links neben sich, hebt ihr« Mützen in die Luft und sagt zu ihnen: „Ruft:„Wir werden Francisco Ferrer rächen!' Und die Kinder heben die rechte Hand und schreien: „Wir werden Francisco Ferrer rächen!' Mann hatte einen Augenblick vorher vonvärtsgedrängt, aber man drängt« jetzt noch mehr. Jedermann wollte den, Spanier die Hand drücken, man kühle die kleinen Buben, man kaufte den ganzen Laden leer. Das war der Tod Ferrers in Brest.' (Aus. l-e Vin blanc de la Villette", übersetzt ntra 3« s e f S a 1 m e t) Cin neuer Weg 5er Sluttransfusion. Bon Otto Dcixner. Roter, pulsierender Lebenssaft tritt üb« au» strotzend« Bcne in die schlaffe Ader des bleichen Kranken, der mit dem Tode ringt— und er wird gerettet. Bluttransfusion! Die heute vielfach geübte Methode der Chirurgie, das erlöschende Leben wieder aufflammen zu lassen. Eine Methode, die uns das Leid d« letzten Krieges erst bescherte. Damals gelangen die ersten Transfusionen, damals wurde die Technik der Blutübertragung derart veroollkommt, daß sie heme. das Leben des Patienten keineswegs gefährdend, durchgeführt werden kann. Die Schwierigkeiten der Ueberttogung lagen in der eoen- wellen Unverträglichkeit des Spenderblutes und des Empfänger- blutes. Bier Blutgruppen werden beim Menschen unterschieden, von denen sich wohl eine bestimmte Gruppe mit einer od« mebreren. meist aber nicht mit allen Gruppen verträgt. Werden zwei„feind- liche" Blutgruppen zusammengebracht, so ist das Resultat— Zerfall der Blutkörperchen, der Mißerfolg, der den rettungsbedürftigen Or- ganismus schädigt. Deshalb wird bei der Transfusion auf Vetträg- lichkeit d« Blutgruppe des Spenders und Empfängers genau ge- achtet. Wie uns die Geschichte der Medizin zeigt, ist der Gedanke an die Bluttransfusion sehr alt, knüpfen sich auch allerhand phantastische Märlein daran. Rlcht nur Transfusion von Mensch zu Mensch versuchte man jahrhundertelang, nein, auch die Uebertraaung von Tierblut auf den Menschen wurde unternommen, meist jedoch mit negativen Erfolgen. Die moderne Chirurgie lehnte diese Methode ob, erklärte die Mißerfolge der Transsusion von Tier auf Meirich aus der Differenz der Blutbeschaffenheit. Da werden nun neue, umwälzende Arbeiten bekannt, die der Prager Professor Joure witsch und seine Mitarbeiterin ausgeführt haben. Das alte Experiment Jean Denis', Profeflors der Mathematik und Philosophie in Paris, taucht auf, der 1607 Blut aus. der Schlagader des Lammes auf einen Menschen transfundierte. lieber das Gelingen dies« Exp«imentes wissen wir nicht viel. Pro- festor Dourewitsch behauptet nun, dort, wo Menschenblut dos Leben eines Pattenten retten könnte, vermag di« mit gleichem Erfolg Tierblut, das Blut ein« Schaf« oder Rind«, zu bewirken. Das Geheimnis d« Gelingens ltegt in d« Art d« Behandlung, wie Profestor Pourewitsch und seine Kollegin das Ti«blut transfusions- fähig machten. Sie sonderten die roten Blutkörp«chen vom Blut- serum durch Zentrifugation. Wozu, höre ich fragen? Nur Geduld! Denn Dourewitsch fand, daß die schädigend« Wirkung früherer Tier- blutüberttogungen im Blutserum gelegen war. Daher reinigte er das Blut von gefährdendem Ärum,« erhiett das sogenannte„g e- waschene Blut'. Transfundierte er nun solches Blut eines Tier« auf ein Tier and«« Art, so war die Folge— kein Blm- zerfall beim Empfänger, wie man erwartet hätte, im Gegenteil, die Ergebnisse waren vollkommen zufriedenstellend. Kaninchen hatten derart viel Blut verloren, daß ihre Erhaltung in Frage stand. Schasblut, nach Prof. Vourewistchs Methode„ge- waschen", rettete ihnen das Leben. Ein Kontrollversuch zeigte die gefährliche Wirkung des nicht entgifteten Blut«. Man injizierte 10 cm' ungewaschenen Ochsenblutcs einem Kaninchen: innerhalb 5 bis 6 Minuten starb es. Die Versuche wurden bish« nur an Tieren durchgeführt. Pro- festor Dourewitsch nimmt aber an. daß dort, wo Menschenblut be- nötigt wird und nur das Blut einer„seidnlichen" Gruppe zur Ber- fügung steht, eben dieses Blut„gewaschen" werden kann und dann ohne Gefahr für den Patienten transsundiert zu werden vermag. Ja, Pmirewitsch geht»och weiter. Die augenblickliche Bereit- Willigkeit des Spenders ist nicht mehr nötig. Dos durch des Eni- deckers Methode gereinigte Blut kann in Kochsalzlösung vorrätig ge- halten werden, um im Falle des Bedarfcs übertragen zu werden. Diese Experimente würden die fomplizi«te Methode der Trans- fusion bedeutend vereinfachen. Es ist zu hoffen, daß die Wissenschaft- liche Nachprüfung, der ja jede neue Entdeckung standhalten mutz, die?lrbeilen bestätigt. Settsroroassee oöer LrunnenWasser! An heißen Ferientagen ist der Verbrauch von Selterswaster und ähnlichen kohlensäurehaltigen Getränken außerordentlich groß, was auf die Beliebtheit dieser Erfrischungen hinweist. Ist nun die Be- liebtheit des kohlensauren Wassers berechtigt? Bei hochgradigem Durst kann man leicht feststellen, daß durch Selterswasser usw. dos Durstgefühl außerordentlich rasch verschwindet: es tritt also die ge- wünschte schnelle Durstlöschung ein. Andererseits ist ein durstiger Mensch, dem man Selterswaster vorsetzt, ziemlich„unersättlich", d. h. er hat immer wieder das Bedürfnis, das sich dauernd von neuem einstellend« Durstgefühl zu bekämpfen. Dies« Beobachtung, die ein jeder teich! an sich selbst an einem Wandertag« machen kann, zeigt recht deutlich, daß kohlensaures Wasser den Durst zivar sehr rasch löscht, aber das Durstgefühl nicht auf die Dauer beseitigt! ?lnders verhält sich natürliches Brunnen, oder Quellwasser. Die Durstlöschung erfolgt hier nicht so schnell wie etwa beim Selterswaster: man nimmt daher auch bei der ersten Gelegenheit meist mehr reines Wasser auf. Aber dieses natürliche Master hält bedeutend länger vor, es löscht den Durst wirklich für lange Zeit. Worauf beruhen min diese auffallenden, für das praktisch« Leben nicht unwichtigen Unter- schiede? Zunächst muß die allgemein verbreitete Absicht, daß das Wasser den Körper rasch wieder oerläßt, richtiggestellt werden. Es hängt nämlich ganz von der Zusammensetzung ab, wann das Wasser aus dem Körper austritt. Destilliertes Wasser ist nach vier Stunden be- reit? fast vollständig wieder aus dem Körper«ntsernt, während van einer ganz schwachen Salzlösung, einer sogenannten physiologischen Kochsalzlösung, die 0,7 Praz. Kochsalz enthält, nach derselben Zeit fast noch nichts im Harn erschienen ist! Di« Ausenihaltsdauer im Körper hängt also van seinem Salzgehalt ab. Da im natürlichen Brunnenwasser immerhin erhebliche Mengen von Mineralsalzen ge- löst sind, erklärt sich die anhaltende Durstlöschung ebne weiteres. Andererseits wird salzarmes Master rascher vom Körper aufge- nommen, am schnellsten destilliertes Wasser: es kann aber von den Wasterspeichern des Organismus nicht zurückgehalten werden und geht m'ß«ardentlich schnell wieder ob. Dies« Erscheinung ist.z. B. Bergsteigern wohl bekannt: Schneeschmelz- oder Gletscherwasser löscht den Durst sehr schnell, aber nur für ein« ganz kurz« Zeit! Aehnlich ist es mit dem Selterswaster, das oft aus defttlliertem Wasser hergestellt wird, also schon deshalb schnell vom Körper rc- sovbiert wird: dann aber ist es die Kohlensäur« selber, die«ine sehr schnell« Aufnahm« des Wassers durch den Körper herbeiführt. Nun ab« Hot die Kohlensäure— leider, möchte man sagen— noch die Eigenschaft, das Wasser wieder gewaltsam aus dem Körper heraus- zutreiben. So erscheinen trotz des hohen Mineralgehaltes vrnn Biliner Sauerbrunnen nach vier Stunden bereits 60 Proz. wieder im Harn, entfernt man dagegen d!« Kohlensäure aus dem Sauerbrunnen, dann kommen in der gleichen Zeit nur 10 Proz. zur Abscheidung. Diese Feststallungen zeigen also mit großer Deutlichkeit, daß man an heißen Tagen die Kohlensäure am besten meidet, da sie nach an- fänglicher Erfrischung das Durstgefühl nicht bannt. Natürliches, mineralsalzhaltigcs Wasser ist auf all« Fälle das beste Getränk! Tiere, die man durch Lärm tötet. Nach einer Mitteiluna in der„Pharmazeutischen Presse" haben die amerikanischen Professoren Wood und Loomis von der Hopkiu-llniocrsität mit einer neuen Tier- tötungsmetbode Berjucbe angestellt, die sie als„Todeslärm" bezeich- neu. Mit diesem Todeslärm, den menschliche Ohren allerdings nicht wahrnehmen können, kann man kleine Fische wie auch andere im Wasser lebend? Kleintiere innerhalb d« Wassers sehr rasch töten, indem man mit 5)!ljc eines elektrischen'Apparates Schallwellen von 100 000 bis 400 000 Schwingungen in der Sekunde«zeugt und diese Schallwellen gegen die Wassel oberslächc richtet. Aus diese Weise wird die Klcimierwelt in weniger als einer Minute voll- ständig v«nichtet. Gleichzeitig wird durch die Einwirkung der Schallwellen auf die Waijersläche die Wasserlemperawr bis zu fünf Grad erhöht. Daß der Mensch dieje Töne nicht wahrnehmen kann. liegt daran, daß die oberste Grenze der menschlichen Hörsähigtett zwischen 20 000 bis 30 000 Schwingungen liegt. gerbanöstag öer Metallarbeiter Tiiczltr VcrhandlurlgslaZ. otenrni, 6. STuguf.'.(Eigener Drahtberichl.) Di« Verhandlung am Freitag brachte vormittags zunächst den Bericht der Man- d a t? p r ü f u n g s k o in m i I s i o Zlus einer oanzeu Reihe von Wahlbezirl en lagen Proteste tot. Aus die Zusammensetzung des Berbondstages haben aber die angefochtenen Mandate keinen ver« ändernden Einfluß. Zum 4. Punkt der Tagesordnung: Der Internationale Metallarbeiterkongreß referierte Derbandsoorsitzender Reiche lt. Der Redner gab einen Ueberblick über die internotio. nalen Beziehungen und betonte, daß der Eisernen Internationale die wpichtigste Rolle bei der Wiedcraufrichtung der internationalen Be> ziehungen zu falle. Die Eiserne International« sorgt nicht ausschlietz. lich für dos physische Wohl des einzelnen, sie will auch die Arbeiterschaft für den vesreiungskcmpf vorbereiten. Mit einem Lumpenproletariat und mit geistig Rückständigen kann dieser Kampf nicht geführt werden. Was wir m der Welt brauchen, ist eine Rotional.sierung der kulturellen, wirtschaftlichen und polt. tische»? Fragen im Sinne des Friedens und des richtigen und gerechten Warenaustausches. Die rückständigen Methoden der russischen Gewertschasts. internationale geaenüber der Amsterdamer müssen geändert werden, soll eine Einigung erfolgen. Wir sind der Auffassung, daß die Fuhrung in der internationalen Arbeiterbewegung die Richtung A m st e rda m hat. Wir wollen auch nicht, daß neue internationale Organisationen geschaffen werde», sondern betonen nochmals, daß die Tore von Amsterdam und Bern, dem Sitz der Eisernen Jnter- nationale, den Russen offenstehen, sofern sie die Absicht haben. im Rahmen des Statuts loyal mitzuarbeiten. Die russischen Metall- orbeiter sind den konkreten Fragen über ihre Absichten geflissentlich ausgewichen und deshalb sind sie auch nicht zum internationalen Metallarbeiterkongreß nach Wien im vorigen Jahre eingeladen worden. Eine neue Aussprache ist für den Anfang nächsten Jahres geplant. Die kommunistischen Delegierten solllcn im Interesse einer Förderung ihrer Absichten damit einverstanden sein. Sie sollten mich dafür sorgen, daß die kommunistischen Sonderorganisationen in Frankreich, Rumänien und der Tschechoslowakei verschwinden. Verschwinden brauchen dabei nicht die anderen Meinungen, aber es muß in dey Ländern wenigstens «ine einheitliche Organisation vorhanden sein. Die Schaffung einer einheitlichen internationalen Organisation und ihre Auegestaltung ist eine Notwendigkeit. schon deshalb, weil Rußland doch früher oder später in die europäische Wirtschaftszirkulation einbezogen werden muß. Wir sind mit unserer „resorinistifchen* Arbeit mindestens ebenso fortschrittlich wie die Leute, die jeden Tag ihre revolutionäre Auffassung spazieren führen. In der Diskussion erklärte Niederkirchner(KPD.) nach. drücklich. ein Eintritt d:r russischen Intcrnasianale in die Amsterdamer komme nicht in Frage. fondern eher ein Zusammenschluß. Wie'die„zusammengeschlosiene* Internationale aussehen soll, verschwieg Niederkirchner vorsichliger- weise. Die anderen gemeldeten Redner verzichteten auss Wort. Folgende Entschließung des Hauptoorslandes wurde mit großer Mehrheit angenommen: „Der 17. ordentliche Verbandstag in Bremen erneuert und be- kräftigt den Beschluß zur Frage der Gewerkschastseinhest und des Ausbaues des internationalen Mctallarbeiterbundes und geht über die diesbezüglichen Anträge zur Tagesordnung über.' Ein Antrag, der verlangt, daß der Borstond den Anschluß der Metallorbeitergewe: tschasten, die dem Internationalen Metallorbester- bund noch n i ch t angehören, weiter betreiben soll— Boraus- fetzung sei allerdings die Anerkennung der Statuten— wurde dem Borftand als Material überwiesen. Zur Bertretung des Deutschen Metallarbestcrverbandcs auf dem Internationalen Metallarbeiter- tongreß 1927 in Poris werden neun Wgeordnete entsandt, die vom Berbondstag gewählt werden. Am Nachmittag wandte sich der Verbandstag der Statuten- b e r o I u n g zu. Die vom Borstand unterstützten Anträge über Beitragserhöhung wurden abgelehnt, dafür dem Bor. stand Vollmacht erteilt, zu einem«hm g�ü n st ig erscheinenden Zeitpunkt von sich aus die Beiträge zu e r h o h e n. Konsequenter- weise wurde auch die Erhöhung der U n t e r st ü tz u n g e n�vor der Hand abgelehnt. Die Anträge aus eine StafselungderStreik- und Mahregelungsunterstützungen erhielt der Vorstand als Material überwiesen; die Ausgesteuerten haben in Zukunft einen Beiirag von 19 Pf. zu zahlen, der ihnen später angerechnet wird. Die Aufnahme der nach dem Dezember 1922 ausgetretenen Mitglieder mit ihren alten Rechten wurde abgelehnt. Der Berbandstag hiell das für eine Prämie für alle, die in schwerer Zeit den Verband verließen. Gleichfalls abgelehnt wurde die Ausnahme der A r b e i t s l o se n. Die Statutenberätung geht weiter. /tas öer Partei. Edouard Anseele siebzig Iahre alt. Am 29. Juli feierte Genosie Edouard Anseele, Minister für die öffentlichen Arbeiten in Belgien, seinen siebzigsten Geburtstag. Seine Wirksamtest reicht bis in die Anfänge der Arbeiterbewegung in Belgien zurück. Einer der Gründer der Arbeiterpartei, widmete ft sich insbesondere dem Auf- bau der Genossenschasten, deren vorbildliche Entwicklung und riesiger. Ausbau ihm zuzuschreiben ist. In Gent am 29. Juli 18ö6 geboren, rückte er in rascher Entwicklung vom Zeitungsjungen zum Redakteur des„Vooruit' auf. Die Gründung der großen Genter Genosienschaft Dconiit ist sein Werk. 1891 wird er Abgeordneter für Lüttich, seit 1999 gehört er dem Parlament ununterbrochen als Abgeordneter sür Gent an. Bon November 1918 bis September 1921 war er Minister für öfsentliche Arbeiten und im gegenwärtigen Koalstionzministerium ist er Verkehrsminister. Aus Anlaß des sieb' zigsten Geburtstages ihres Führers veranstaltete der Bezirksocrband der Arbeiterpartei von Gent ein großes Fest, an dem Vertreter der Arbesterschaft ganz Belgiens teilnahmen. parleiiag in Deulsch-Südslawicn. In Neusatz, der Hauptstadt der von Deutschen, Ungarn und Rumänen durchsetzten südslawischen Woswodina. tagte der Jahrestongreß der Landesorganisation der Sozialdemokratie. Genosie Divas berichtete, daß es der Partei gelungen sei, die dortige Arbeiterschaft vor den extremen Strö- mungen zu bewahren und daß es das Verdienst der Sozialistischen Partei sei, wenn in Südslawien nicht wie in Ungarn der weiße Terror als Folge des Kommunismus eingesetzt hat. Die Arbeiter- schart stehe heute wieder zur Partei, was die zunehmende Zahl der Mitglieder deweist. Die rumänischen Verfolgungen. Das Militärgerichts!) in Turnseverin oerurteille drei Arbeiter zu Strafen von eineinhalb und sünfIahren Gefängnis und hohen Gcldstrasen. Die drei leiteten die Bibliothek der Eisenbahncrortsgruppe Radrag. Unter den Büchern Halle ein Gendarmericwachtmeister das.Kommunistische Manifest' von Marx und Engels und einen sozialistischen Kalender entdeckt, der von der Bukarestcr Parteiorganisation herausgegeben, einige Zitate von Marx enthielt. Und dafür viele Jahre Gejängnis. Sozialistische flrbeiterjugenö Groß-Serlin. Bei der>«»dged>ina eine Brille oefandru. Abzicholen im Sekretariat. Bchta»,!, Larz-Fah'.ee! Margen, Sonntag, Trifipuntt pünktlich fiVj Uhr früh am Potadamer Bahnhof tffreitrcppc). heule, Sonnabend, den 7. August: Zlleabit IT! Nachlfalirt Strausberg—<5.-mersderk. Treffpunkt S Uhr Bahnhof Bellevue. lZahrgeld mit Quartier 1,30 M.— Wilmersdorf: Jugendheim SUdegardfir. 4. Kruppe II, Vortvog:„Warum Eezialisiifchc Arbeiterjugend?"— Steglili I: Adendlvagicrgang. Treffpunkt 3 Uhr vor dem Heim.— Weibe- bcttrk N?e»,t«rg: Iueendhcrm Lindcnstr. 3. Zusammenkunft der Vorfigenden aller Kruppen zur Progpamm. lpch Rcsercntcnbcfprechung. S- »erbebrztrk NcnkZll»: Laut Beschluß der WDV. Beteiligung morgen am Kinderfest deo Ortsausschuffes. Alle Gruppenfahrten fallen ans. Zur Arbeits- cinteilung Treffpunkt Heu!« nachmittag S Uhr an der ffreifichtbilhne. Die Zirkusleutc(auch die, die nach mitmachen wollen) treffen sich um W Uhr pünktlich im Jugendheim Canncr Strafte. Morgen, Sonntag, den K. August: Charlotte»dura und Charlottenbnrg-Rord: Jugendheim Rosinensir. 4, Anti- krleasadend.— Steglih I: Baden. Treffpunkt 2 Uhr nachmittags Raihau».— Wcrdebczi k Kreuzberg: Sämtliche Gruppen und der Sprcchchor beteiligen sich am Sommerfest der 47. Abt. der Partei in Nieischle» Karten, Am Treptower Park 27—28.— Werdebezirk Reukllln: Treffpunkt zum siinderfesi des Drtsaus- fchuffcs W Uhr am Serrfurthplaft. Es müssen alle erscheinen.— Werbebezirk Ostbahn: Jugendheim Porkauc l», abend» 7(4 Uhr,„Nie wieder Krieg".— Werbebezirk Pankow: Da» Zugendheim bleibt heute gelchlosskn. �liwirrio ENVER BEV UM« w« Mi! ItetEf Norden 10334—38 CnüpitKirtWeii Rohatrt 8'/, Unr Max Adalbert in das 8Uel Sommerpreise Die KornSdie BisrnarcK 2414, 731« 8'/. Uhr Täglich 8'/, t'hr: dsia Meisen Ntla cavailir.l Dcsiaeoz- tneai. Oer Mustergatte Vortel" dies zahlen haloe Kassenpreise i&rDiier Tneoier b'l, Uhr: Bonner- weiter,«aar famos Täglich• Uhr; Singers Midgcts Revue o. „Toto" Sonntags 3» tu ernulß.Preiseo d.TOllePtogramm Rose-Theater SV, Uhr Olaf, Tragödie eines Sportlers aartenbühre: 8>/, Uhr, Ilonaart und Banter Tel, SU.- Förstcrebrlall Theater du Westens Ttlelu: StKDl. 931 Heute, d. 7. Aug VI, Uhr Die Bavoei Der Zug nadt dem Westen ilnnkaol untertrodo Theaterkasse. Wethe m etc. Dentscbes Kflnstl.-Tbealer Tägl 81/4 Uhr- Oer lobelpreis baUki.HialiwBirgan Tb. LlsifflrdeiiläiED Tätlich 8 Uhr: Yvonne Tutn i. JdtoiilUioü Rialki. Hugo Kirsch � HUlller-rO Opzrttlensjlestel!. 8 Uhr: MeMMe xkaSdl M«ik v. Roh Clhct Casino- Theater ■iedereiüIlDODg nach rollständiger RenoTUrung Preltog. 13. Aar. 8 Uhr: Wai Liebe femas TU enter BOnifiSrauJtr. TchasenheldJIIO 8 Uhr; Oer Garten IM Uomooieniiaas Tel- Norden 6304 8 Uhr: Cpatttins„ans May Reichshallen• Theater Allabendlich$ ührt . Dön&oif-BretiKTuUDart.) ' Varieli/ Koncert/ Taoz Arfan��ihttSonntaeaDliJJhr krause- Pianos zur Miete Ansbacher Str. I, (ätKirflniisilrale EUtc-Sfinger Kot'but« SU. 8 etm A.taai aohr. ocTlängcneS «afttv cl berOrlglnol Naüdebnr£n Vits Sanft sr Bit billig neuem Dr oo ramm I U a.: S.vanutanul mit Scharf» Äuielll. Sammerprcife! stfMMSUi 100 QailtanQS-.Babäll- u.Beklaraemarken gegen Nachahmung gesetzt rasch. leitigt seit ASJahr. all Spezlalliät Conrad Müller Schkeuditz-Leipzig ItQQptfpeQöeD tebtr Art tte-er> vr e i«w eri ö«>l«tU. vormal, t,dn, knn Mariannen, rr..!. 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