ÜC. 370 ♦ 45. �ohrg. Ausgabe A Nr. 190 Bezugspreis. WllchenlUch 70 Pfennig, monatlich S,— Reichsmark»»raus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Tanzia, Saar, und Mcmelacbiel. Leitelreich. Litauen, Lurcmbura «.Zii Reichsmark, für das übrige Ausland 5.50 Reichsmark pro Monat. Der»Vorwärts' mit der illustrier- tc» Sonutagsbeilag«»Volk und Zeit' sowie den Beilagen„Unterhaltung »ttid Wissen",„Aus der Filmwelt", »Frauenstimme",„Der Kinder- freund",„Fugend-Vorwärts" und »Blick in die Bllcherwcll" erscheint wdchcntäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm-Adresse: „SojiolOemokcai verlin- Sonntagsausgabe Devlinev VolksltlÄkt flS pksnnig") Anzeigenpreise: Die einspaltige Nonpareille- zeile 80 Pfennig, Reklamczcile d,— Reichsmark.„Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wart 25 Pfennig szuläfst« zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Etcllengsfuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wart 10 Pfennig. Worte über 15 Buch» staben zählen fllr zwei Worte. 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Als im Jahre 1924 nach dem Sieg des Linkskartells sich der Senat immer und immer wieder den von der Kammer- Mehrheit beschlossenen Reformen in den Weg stellte, oer- langten die Sozialisten die Einberufung der National- Versammlung, um durch eine Aendcrung der Verfassung dem Senat ein für allemal die Möglichkeit zu nehmen, den durch ive Kammer des allgemeinen und gleichen Stimmrechts repräsentierten Volkswillen zu sabotieren. H e r r i o t, dessen politische Stärke mehr in der Ehrlichkeit seiner Ueberzeugung und in dem Elan seines Wortes als in dem Mut zur ent- scheidenden Tat liegt, konnte sich damals nicht dazu ent- schließen. Er versäumte dadurch die Gelegenheit zur Stärkung der demokratischen Institutionen. An seiner Stelle ist es Po i n c a r 6, der heute nach Versailles geht, um seinem Triumph über die Kammer des 11. M a i durch ein feierliches Votum der Nationalversammlung die Krone aufsetzen zu lassen. Die T i l g u n g s k a s s e, die das heute von der Kammer und vom Senat verabschiedete Gesetz ins Leben ruft, ist ein wesentlicher Bestandteil des Sanierungswerkes. Sie wird ihre Aufgaben, die einzelnen Tresorien von dem Druck der schwe- benden Verbindlichkeiten zu entlasten, die sich in den letzten Monaten als eine der Hauptursachen des Währungselends erwiesen haben, dann erfüllen können, wenn sie mit Bestimmt- heit und bis zur völligen Tilgung dieser Schuld auf die Gesamtheit der ihr zugedachten Einnahmen rechnen kann. Es galt deshalb, Garantien zu schaffen, damit nicht eines Tages die für die Tilgung bestimmten Einnahmequellen diesem Zweck entzogen und durch einen Beschluß des Parlaments anderen Aufgaben, wie etwa der Deckung eines neuen Budgetdefizits zugeführt werden können. Eine solche Garantie vermag nur eine Verfassungsbestimmung zu ge- währen, die dos Tilgungsgesetz zum Bestandteil der Ver- fassung macht, so daß es nur durch Beschluß der Nationalver- sammlung außer Kraft gesetzt oder geändert werden kann. Nach der Verfassung erstreckt sich die Zuständigkeit der Nationalversammlung lediglich auf die Wahl des Präsidenten der Republik und auf die Abänderung der Verfassung. Inden öl Jahren der dritten Republik hat die Nationalversammlung nur dreizehnmal getagt, jedesmal zur Wahl eines neuen Staats- obcrhauptes und nur zweimal zu Verfassungsänderungen. Wie jede parlamentarische Körperschaft ist auch die National- Versammlung souverän in der Festsetzung ihrer Tagesordnung und die sozialistische K a m m e r f r o k t i o n hat be- reits beschlossen, in Versailles den Antrag auf weit- gehende Beschränkung der Rechte des Senats u stellen. Eine Aussicht, daß dieser Antrag eine Mehrheit indet, besteht leider nicht. Die Parteien der bürgerlichen Demokratie sind es, die Poincarä den Steigbügel gehalten haben und die ihm heute die Gelegenheit geben, seinen Namen, der in der Geschichte des letzten Jahrzehnts eine so verhängnisvolle Rolle gespielt hat, auch in die Verfassung hineinzuschreiben. Ihrem kläglichen Versagen dem finanziellen Problem gegen- über, ihrer Uneinigkeit und ihrem Mangel an Mut ist es zuzuschreiben, daß die Legislaturperiode, die mit so großen Hoffnungen der Demokratie begonnen hatte, mit dem Sieg derReaktion endet und Poincan* in dem Prunksaal des Versailler Königsschlosses den größten Triumph seiner politischen Karriere feiern kann. vas Tilgungsgesetz verabschieüet. Paris, 7. August.(Eigener Drahtbericht.) Der Senat hat die Vorlage über die Tilgungskasse und das neue Abkommen des Staates mit der Bant von Frankreich mit 281 gegen 8 Stimmen angenommen. An beiden Vorlagen wurden kleinere Aendc- r u n g e n vorgenommen, so daß die Entwürfe noch einmal an die Kammer zurückgehen müssen, ehe sie endgültig verabschiedet werden. Am Abend erklärten sich beide Häuser mit der Einberufung der Nationalversammlung in Versailles auf Dienstag ein- verstanden. Voraussichtlich wird Poincarä nach der Nationalversammlung die Parlamentssession schließen. Die Ferien sollen bis zum 1. Oktober dauern. In der Herbstsession wird dann über die R a t i- fizierung der Schuldenabkommen beraten werden. Die Regierung scheint zu hoffen, daß sich bis dahin der gegenwärtig noch unversöhnliche Widerstand der Kammer gegen das Abkommen gelegt haben wird oder vielleicht auch Milderungen, besonders am Washingtoner Abkommen, erreicht sein werden. Der Ministerrat wird sich zwar am Montag vormittag noch einmal mit dieser Frage besassen, aber es scheint ziemlich ausgeschlossen, daß er sich für die sofortige Ratifizierung des einen oder anderen Abkommens noch vor den Ferien in Anbetracht des erbitterten Widerstandes der Mehr- zahl der Kammerfraktion aussprechen wird. Paris, 7. August.(WTB.) Die Kammer nahm in ihrer heutigen Nachmittagssitzung an dem vom Senat mit einigen Abänderungen verabschiedeten Gesetzentwurs bctressend die Tilgungskasse einige weitere Aenderungen vor, so daß der Entwurf nochmals an den Senat zurückverwiesen werden mußte. Der Senat hat schließlich den Entwurf in der von der Kammer angenommenen Fassung ver- abschiedet. Das ausgebliebene Wunüer. Zum Rückgang der Zahl der Rotstandsarbeitcr. Wir hatten gestern auf den beachtenswerten Rückgang der Zahl der Notstandsarbciter im Juni und Juli hin- gewiesen. Dieser auffällige Rückgang wird bei den maßgeben- den Stellen damit erklärt, daß die größeren Not st and s- arbeiten, die im Januar und Februar begonnen wurden, und die meist ein halbes Jahr in Anspruch nehmen, um die Wende Juni/ Juli abgeschlossen waren. Wenn im Frühjahr dann neue Notstandsarbeiten nicht so rasch in Angriff genommen worden seien, so liege das an den damaligen finanziellen Schwierigkeiten verschiedener Länder. Uebrigens sei ein gut Teil der Arbeiten, die früher oft als Notstondsarbeiten vorgenom- mcn wurden, diesmal in Anbetracht der schwierigen Verhältnisse in den lausenden Etats der Parlamente bereits finanziert worden. Auch daraus erkläre sich eine gewisse Abnahme der Notstandsarbeiten, sie sei an sich k e i n Unglück, da die Notstandsarbeit im allge- meinen eine verhältnismäßig unökononüsche und wenig rentable Arbeit darstelle. Auch für den Arbeiter sei es besser, wenn er bei ordentlichen Arbeiten beschäftigt werde, da er sich dabei besser stelle als bei Notstandsarbeiten. Eine Erklärung, aber keine Entschuldigung! Selbst wenn der Rückgang der Zahl der Notstandsarbeitcr eine Vermehrung der Arbeitslosigkeit nicht bedeutete— die in den letzten Wochen in verschiedenen Städten gestiegenen Arbeitslosenzisfern beweisen eher das Gegenteil—, dann war doch die Zahl der für Notstands- arbeiten in Frage kommenden Arbeitslosen all die Wochen und Monate her jedenfalls so groß, daß olle Welt mit einer Ver- mehrung der Notstandsarbeiter rechnete. Die Reichsregie- rung hat aber in> Frühjahr auf irgendein Wun- der gehofft und sich dem frommen Glauben Hingegeden, daß im Sommer der Arbeitsmorkt sich von selbst bessern werde. Das Wun- der ist ausgeblieben, daher der Rückgang der Notstands» arbeit«. Dulgarisch-ferbische Vereinigung. Tic Forderung der südslawischen Sozialdemokratie. Das Zentralorgan der Sozialistischen Partei Jugoslawiens nimmt in seiner letzten Ausgabe zu dem Konflikt>n i t B u l- garten Stellung. Das Blatt schreibt unter dein Titel:„Weg mit den Grenzpfählen!": »Das Streitobjekt zwischen Jugoslawie» und Bulgarien kann nur beseitigt werden, wenn die ersehnte jugoslawische Val- kanföderati on verwirklicht wird. Dieses Ziel zu erreichen, wird die Aufgabe der Sozialdemokratie auf dem Balkan sein. Das, was Bulgaren und Serben entzweit, ist die S t a u t s- grenze: daher weg mit ihr, weg mit denen, die sich an die künstlich errichteten Grenzpfähle klamniern! Das soll d>c Antwort an das faschistische Rom und seine Exposituren in Bukarest und Slthen sein, das soll dem griechischen und rumänischen Volle den Weg zur Völkerverbrüderung weisen."» firmeechef pilfuösti. Kundgebung der Polnischen Ossiziere. Warschau. 7. August.(OE.) Nach Bekanntmachung der Ver- ordnung über die Schaffung des Postens eines Generalinspek- teurs der Arinee, welcher bereits in den nächsten Tagen dem Marschall Pilsudski übertragen werden wird, erschienen Abordnungen des Offizierkorps, soweit es zur Anhängerschaft Pilsudskis zählt, beim Staatspräsidenten, beim Ministerpräsidenten und bei Pisuldski, um der großen Freude der Armee über die endlich erfolgte Rege- lung der Organisation der obersten Äommandostellen Ausdruck zu geben. Unter den Offizieren, welche sich on dieser Huldigung für Pilsudski beteiligten, befanden sich auch der Gcneralstabschef und der Vizekriegsminister. Die Verordnung über das Gcneralinspektorat legi totsächlich die unbedingte Vormacht der Pilsudski-Partei fest, da dem Generolinspekteur olle militärischen Stellen unmitte l< bar unterstellt werden und der Kriegsminister über olle Er- Nennungen vom Regimentskommandeur aufwärts sich mit dem Genevalinspekteur zu verständigen hat. „Gebaut wirS er doch!" Tic Leidensgeschichte eines Kanalprojckts. Das umfangreiche Arbeitsbeschaffungspro- g r a m m, das die gegenwärtige Reichsregierung vor kurzem bekannt gab, enthält neben vielen anderen Plänen auch den der endlichen Fertigstellung des Mittellandkanals. Zwar sind seit Veröffentlichung des Programms schon wieder mehrere Wochen verstrichen und die auf Beschäftigung harren- den Arbeitslosen sehen mit wachsender Sorge dem Streite der Ressorts zu, die nicht zu Entschlüssen kommen können. Dieses Hin und Her zwischen den einzelnen Ministerien und deren einzelnen Abteilungen verzögert die Inangriffnahme eines Werkes, das eigentlich vor mehr als einem Vierteljahr- hundert schon hätte vollendet sein sollen. Trotz allem hoffen wir, daß nicht im letzten Augenblick neue Schwierigkeiten gemacht werden, um die Inangriffnahme des Kanalbaues zu verhindern. Die Geschichte dieses Bau- Projektes ist die Geschichte einer preußisch-deutschen Tragi- komödie. * Die natürlichen deutschen Wasserstraßen füh- ren fast sämtlich von Süden nach dem Norden. Eine Schiff- fahrtsverbindung zwischen dem industriellen Westen des Reiches und dem agrarischen Osten ist seit langen Jahrzehnten als unbedingtes Erfordernis erkannt worden. Zwischen Weichsel und Oder und zwischen der Oder und der Elbe besteht ein ganzes Kanalsystem, das zum Teil schon aus dem 18. Jahrhundert stammt. Auch im industriellen Westen ist im vergangenen Jahrhundert der Kanalbau eifrig gefördert worden. Vor fast dreißig Jahren wurde der Dortmund- Ems-Kanal in Betrieb genommen und das westöstliche Netz schließlich bis Hannover ausgedehnt. Von dort ab stockt diese Verbindung. Das letzte Stück, das den Rhein mit der Oder und über sie mit dem preußischen Osten verbinden soll, ist bisher nicht gebaut worden. Das Fehlen dieser Verbin- dungsstrecke hat sich gerade während des Krieges in unheil- voller Weise bemerkbar gemacht. Als es galt, die deutschen Truppen in Ost und West mit Proviant und Munition zu versorgen, waren die Bahnlinien überlastet mit den Kohlentransporten aus dem Westen und aus Oberschlesien, mit den Eisenerzladungen, die zur Verhüttung gebracht wer- den mußten. Das ganze Wirtschaftsleben litt außerordentlich darunter, daß die Transportmöglichkeiten für deutsche Pro- dukte über alle Voraussicht gedrosselt wurden. Die Erfahrun- gen dieser trüben Kriegsjahre haben denn auch selbst denen die Augen geöffnet, die den früheren Bau des Verbindungs- kanols von Hannover bis Magdeburg im Interesse der oft- elbischen Großagrarier verhindert hatten. * Die Wiederaufrollung des Bauplanes in dieser Zeit der Arbeitslosigkeit von Millionen ruft naturgemäß die Erinne- rung wach an jenes Dreiklassenhaus in Preußen, das von den Vorläufern der heutigen Deutschnationalen, den prcußi- schen Konservativen, vollkommen beherrscht wurde, und das, obwohl es sich sonst in Militärbegeisterung nicht genug tun konnte, selbst dem„über alles verehrten Monarchen" die von ihm mit ollen Mitteln der Beredsamkeit empfohlene Re- gierungsvorlage zerrissen vor die Füße warf. Im März 1899 brachte die preußische Regierung den Entwurf zur Vollendung des Mittellandkanals vor den Drei- klassenlandtag. Die Konservativen begannen alsbald mit der O b st r u k t i o n gegen das Projekt. Man schickte die Vor- läge zunächst in eine Kommission, die einen Monat lang beriet, um sie dann abzulehnen. Als der Gesetzentwurf endlich wieder ans Plenum kam, wurde sie ohne weiteres an die Kommission zurückverwiesen. Da begann nun ein wider- liches Spiel mit„Kompensationen". Das heißt, man ver- schüttete den Mittellandkanal in einem Haufen von o st e l b i s ch e n K a n a I e n t w ü r f e n, die den Juntern wenigstens die Zeit vertrieben. Das Spiel mochte den Jim- kern so spaßhast erscheinen wie immer, die I n d u st r i e des Westens aber st eckte sich hinter Wilhelm II., damit er seinen besonderen ostelbischen Freunden Mores lehre. Wilhelm, den sein Freund Krupn„beim Portepee gefaßt" hatte, ließ sich nicht lange locken. Am 11. August 1899 weihte er den Dortmund-Ems-Kanal ein. Dabei hielt er eine Rede. in der er den eben vollendeten Kanal als ein„Teilwerk" bezeichnete und weiter verkündete: „Er ist aufzufassen in Veibinöung mit dem großen Mlilelland- tanal, den zu bauen und zur Durchführung zn bringen meine Regie- rung und ich fest und unerschütterllich en-schlossen sind... Co hasse ich, daß die Volksvertretung, diesem Gesichtspunkte nachgebend, mich in die Lage versetzen wird, hossentlich noch in diesem Jahre meinem Lande den Segen dieses Kanals zu nutzen und zuteil werden zu lassen,.. Diese Macht(des Reiches) soll auch für dieses große Werk mit voller Wucht eingesetzt werden. Dafür werde ich flehen!" Gestützt auf diese Kaiserrede versuchte die preußische Regierung es mit den stärksten Druckmitteln auf das widerspenstige Dreiklassenhaus. Man setzte ihm auseinander, daß der Mittellandkanal aus militärischen Gründen notwendig sei» Doch die Junker waren harthörig und
verhöhnten ihren König Und seine Regierung auf das blutigste. So deklamierte der konservative Graf Limburg-Stirum: «Wenn bei einer Erörterung die Frage der Landesoertei- d i g u n g berührt wird, so ist das ein« so ernsteSache, daß man nicht leichthin darüber hinweggehen kann. Ich will nun anerkennen, daß ich selten in so geschickter und hübscher Weise eine Sache habe verteidigen hören, wie die Vertreter derKöniglichenMilitär- Verwaltung dies in der Kommission getan haben. Aber das Reste hat ihnen gefehlt: sie haben nicht überzeugt." Um ihren Triumph vollkommen auszukosten, leisteten sich die Dreiklassenjunker den Spaß, die von ihnen verworfene Vorlage auch noch zur dritten Lesung zu bringen. Was aber in der dritten Lesung noch zur Beratung stand, hatte dieses Aussehen: „Wir Wilhelm von Gottes Gnaden, König von Preußen etc., verordnen, unter Zustimmung beider Häuser des Landtages der Monarchie, was folgt:§ 1: Fällt weg.§ 2: Fällt weg.§ 3: Fällt weg. Z 4: Fällt weg. Z 5; Fällt weg.§ 7: Fällt weg." Die übriggebliebenen Paragraphen 6 und 8 der Re- gierungsvorlage bildeten einen zusammenhanglosen Torso von nebensächlichen Ausführungsbestimmungen. Wilhelm, der in seinem Stolz oerletzt war, ließ die schärfsten Minen springen, um doch noch einen Erfolg zu haben. D i e Iunkeraberlachtendazu und lehnten auch in dritter Lesung den Mittellandkanal ab. M i n i st e r R e ck e, der die politischen Beamten, soweit sie Mitglieder des Abgeord» netenhauses waren, auf ihre Beamtenpflicht aufmerksam gemacht hatte, die Regierungsinteressen zu vertreten, wurde von den Junkern boykottiert, als ob erSevering hieße. Es half auch nichts, daß die Staatsregiening in einem besonderen Erlasie die höheren politischen Beamten und be- sonders die Landräte darauf hinwies, daß sie sowohl in ihrer amtlichen wie in ihrer außeramtlichen Tätigkeit die Politik der Regierung Seiner Majestät zu vertreten hätten. Der Mittellandkanal war und blieb verschüttet. Einige land- rätliche Abgeordnete wurden gemaßregelt. Aber die„Kanal» rebellen" fielen die Treppe hinauf. * Zwei Jahr« später machte noch einmal der Graf Bülow den Versuch, mit Hilfe von Kompensationsvvrlagen den Mit- tellandkanal doch noch zu retten. Aber auch sein Beginnen blieb erfolglos, so daß er am 3. Mai 1901 vor dem Abgeord- netenhause die B o r l a g e zurückzog mit der Erklärung, daß die Regierung sich„von der Fortsetzung einer zweck- losen Beratung keinen Erfolg oerspreche und daher zu einer solchen die Hand nicht bieten könne. In jener Zeit fiel aus Ministermunde das stolze Wort:„Gebaut wirderdochl" Aber, der es sprach, ist längst verschollen. In Erinnerung blieb nur der Stoßseufzer des„dicken Pod", des Landwirtschaftsministers P o d b i e l s k i:„Ick werde mir doch mit dem Lausekanal nicht vor den Bauch stoßen lassen!" Der„Lausekanal"— das war die Bezeichnung für ein Kulturwerk, das für die deutsche Wirtschaft von unendlichem Werte hätte sein können und noch in Zukunft sein wird. Der „Lausekanal", das war die Antwort auf Wilhelms: „D aji ü r werde ich stehen!" Wilhelm hat auch damals nicht„gestanden". Die Äunker, abgesagte Feinde des Parlamentarismus, machten von den Rechten des Parlaments. in einer Weise Gebrauch, daß man den heutigen bürgerlichen Republikanern nur wün- schen möchte, dieselbe Energie in positiver Richtung auf- zubringen. Die Mönarchisten pfiffen auf den König und seine Wünsche! Heute hat die R e p u b l i k die Aufgabe zu erfüllen, was des Kaisers Minister vor 25 Iahren ankündigte:„Gebaut wird er doch!" Es ist in diesem Zusammenhang nicht nutzlos, daran zu erinnern, daß schon die Verfassunggebende vreu» ßische Landesversammlung im Jahre 192V einmütig die Zustimmung zum Bau des Mittellandkanals gab. Lilp Sraun zum Heöachtnis. Von Clara Vohm-Schuch. Wer war diese Frau, die heute vor zehn Jahren den letzten Herz- schlag tat? Soviel sie in ihren„Memoiren einer Sozialistin" über sich, über ihre Entwicklung, über alle inneren und äußeren Umstände ihres Lebens gesagt hat, ihr letztes Menschentum ist verhüllt ge- blieben. Vielleicht deshalb im tiefsten verhüllt, weil sie ihr Leben so entschleierte.— Sie hat die Wahrheit gesucht. Hochgemut und unerschütterlich in ihrem Glauben an das Gute und Schöne in der Welt ist sie ihren schweren Weg gegangen. So kam sie zum Sozialis- mus, so kam sie zur Partei: ihre lodernde, suchende Seele, ihr klarer, willensstarker Geist führten sie.— Nicht überall wurde die Generals- tochter mit offenen Annen empsangen. Die meisten unserer damals führenden Genossinnen In Berlin hatten die bösen Jahre des Sozialistengesetzes erlebt; hatten unter schwerstem wirtschaftlichen und politischen Druck für die Partei, gegen die Rechtlosigkeit der Arbeiterklasse gekämpst. Ein tiefes und verständliches Mißtrauen gegen die Angehörige einer hohen Gesellschaftsklasse erfüllte sie. Diese tapseron, unermüdlichen Proletarierfrauen schätzten den über- ragenden Geist in Lily Braun, erkannten dankbar an, was sie der Partei, insbesondere der sozialistischen Frauenbewegung wegweisend und führend gab, aber sie mißtrauten der Dame, der eleganten Frau. So erwuchs mancher Irrtum, manche Bitterkeit aus beiden Seiten. Hinzu kamen die Kämpfe mit den geistigen Größen, denen viel persönliche Ungerechtigkeit anhastete. Wenn wir heute, aus einer neuen Zeitepoche zurückblicken, dann sehen wir mit Stolz und Dank, in welch unermüdlicher, treuer Zusammenarbeit geistiger Führung und praktischer Organisation der Weg bereitet wurde, der zu unserer politischen Gleichberechtigung, zu unserer praktischen Betätigung in der Gesetzgebung der deutschen Republik führte. Und eine der hervorragendsten Wegberelterinnen war Lily Braun. Wenn sie erlebt hätte, wie viele ihrer Ideen langsam der Verwirklichung entgegenreisen, es wäre ihr stolze Freude gewesen und Antrieb zu neuem Schassen, denn rasten konnte sie auch im Erfolge nicht. Wer so zum Menschentum strebt, wie Lily Braun, muß alle Höhen der Freude und alle Tiefen des Leides durchmessen. Und beides war beschlossen in ihrer Ehe mit Heinrich Braun und in ihrem Kind. Kein reineres und schöneres Bild Lily Brauns gibt es, als es in den Briefen ihres Sohnes Otto(herausgegeben von Julie Vogelstein unter dem Titel: Briefe eines Frühoollendeten) lebt. Die Mutter eines solchen Kindes zu sein, ist das höchste Erdenglückl- Ilnd dann zog dieser Sohn in den Krieg. Freiwillig, mit Zustim- mung der Eltern: aber war darum Trennung, Sehnsucht, Sorge, Zagen, Hassen, Ungewißheit schmerzloser und kleiner? Nein! Diese Frau ist dtn Weg gen Golgatha durch Blut und Tränen gegangen wie Millionen Mütter. Und sie blieb auf diesem Weg.— Sehnsucht und Sorge um ihren Jungen trieb die Leidende zum Postamt, um Seitdem sind mehr als fünf Jahre ins Land gegangen. Das Reich hat die Wasserstrahenregelung übernommen. Doch es bedurfte erst der ungeheuren Arbeitskrifis dieses Jahres, um die Frage wieder ins Rollen zu bringen. Und wenn auch jetzt wieder Kompensationen und Nebenprojekte an- gemeldet werden, die geeignet sind, die klare Linie zu ver� wischen, so hoffen wir doch, daß endlich mit dem Bau des Werkes begonnen und damit die Schande ausgelöscht wird, die dreitlasiiger Junkereigennutz vor einem Vierteljahr- hundert dem Lande angetan hat. Die Not der Zeit ist so groß, daß Ungeheures geleistet werden muß, um die Wirt- schaft zu beleben. Man mache den Anfang und baue den— „Lausekanal"!_ Zlaggenfabotage. Gegen die Flaggcnverordnung des preußischen Kultusministeriums. Der preußische Kultusminister Dr. Becker hat in einem anerkennenswerten Erlaß den Schulen die Anschaffung schwarzrotgoldener Fahnen und die Beflaggung der Schul- gebäude am 11. August, aufgegeben. Gegen diesen Erlaß zieht die„Tägliche Rundschau" zu Felde. Sie stellt sich, als ob es einen„Burgfrieden in der Flaggenfrage gebe, nachdem die Republik auf das Zeigen und Verbreiten der schwarzrotgoldenen Farben verzichten werde. Ein solcher Burgfrieden besteht nicht. Schwarzrot- gold ist und bleibt die Farbe der Republik. Weiter schreibt die„Tägliche Uundschau": „Es ist auch kaum zu erwarten, daß durch die HissUng der gegenwärtigen Reichsfarben auf den Schulgebäuden der W i.l l e zur Staatsbcjahung in der Schulgemeinde, der Lehrerschaft oder bei den Schulkindern irgendwie gekräftigt werden wird. Vielmehr wird so, wie diese Ding« zurzeit liegen, solch« Be- flaggung in sehr vielen Dörfern als ein unfreundlicher Akt gegen die Anhänger von Schwarzweihrot angesehen werden.... Und wird nicht der Lehrer, der als notgedrungener Voll- strecker des unterrichtsministeriellen Willens diese Fahne aufziehen muß(auf dem Lande wenigstens wird in den meisten Fällen er es tun müffen), dadurch unter Umständen in eine peinliche Lage gebracht? Wird der Minister in der Lage sein(die Frage stellen. heißt sie verneinen), ihn gegen die persönliche Animosität und die wirtschaftlichen Nachtelle, die ihm durch solches Handeln gegen die Anschauungen und Gefühle der überwiegenden Dorfmehrheit erwachsen können, zu schützen?" In diesen Worten liegt nicht mehr und nicht weiger als ein« oer st eckte Billigung des Boykotts gegen Beamte, die die Farben des Reiches ehren, und ihrer Dienst- pflicht nachkommen. Angesichts dieses Widerstands gegen die Farben der Republik müssen am Verfassungstag alle Republikaner nun erst recht die schwarrzotgoldenen Farben zeigen. Ehrharüt ln Sachsen. Ultimatum des Stahlhelms a» die Deutsche Volkspartei. Die„Vaterländischen Verbände" Sachsens, in erster Linie der Stahlhelm, haben der Deutschen Volkspartei ein Ultimatum gestellt. Die Volksvartei soll sich für Gegenwart und Zukunft mit den D e u t i ckna t i o n a l e n zusa mm«n s chl i e- ß e n. Sie soll ein Zusammengehen mit der Sozialdemokratie von Fäll zu Fall g r u n d s ä tz- lich ablehnen und Sicherheiten dafür geben, daß der zu bildende schwarzweißrote Block im Sinne der Wehrverbände arbeite. Sonst— Kampfansage der Wehrverbände. Hinter diesem Ultimatum der Wehrverbände steht Kapi- tän Ehrhardt und Oberputschist H u g e n b e r g. Die Deutschnationalen in Sachsen begrüßen das Ultimatum des Stahlhelms, die deusschnationalen Reichstagsabgeordneten Treviranus und Graf Westarp treiben— wie das zu fragen, ob immer noch kein Brief von ihm gekommen fei. Unter- wegs brach sie zusammen: nach Stunden erlöste sie der Tod. So ging sie ihrem Sohne voran und das letzte große Leid: fein früher Tod, blixb der Mutter erspart. Das Vermächtnis der beiden wird in unserer Jugend treue Hüter finden. In Dankbarkeit und Wehmut grüßen wir heute, nach zehn Jahren, die tote Genossin und Führerin. * Die gesammelten Werte Lily Brauns sind mit einem wunder- schönen Lebensbild von Julie Vogelstein bei der Lerlagsanstalt Hermann Klemm, Grunewald erschienen. 1500 Berliner Künstler in der Erwerbslosensürsorge. Ueber 1500 Berliner Künstlern— bildenden Künstlern. Schriftstellern. Schauspielern und Tonkünstlern— steht das Wasser bis an den Hals. Das Organ des Reichswirtschnftsverbandes bildender Künstler nennt diese Zahl für diejenigen, hie in äußerster Bedrängnis die Unterstützung der Stadt angerufen haben. Der Magistrat hat seine Hilfe nicht ver- saat. Die Organisation und Verwaltung dieses Teils der Erwerbs- losenhilfe liegt in den Händen der„Werkhilfe", Berlin-Schöneberg, Neues Rathaus, deren Borsitzender, Malerarchitett Willy O. Dreßler, sich auf diesem Gebiete den Dank setner Berufskollegen erworben hat. Für den Fortgang der Unterstützung auf Studienreisen sind besonder« Anträge notwendig, die der Magistrat wohlwollend zu behandeln verspricht. Auch Studierende der Kunsthochschulen erhalten Unter- stützung, wenn sie und ihre unterstützungsverpslichteten Angehörigen mittellos sind. Hypnose bei Nervenleiden. In der englischen medizinischen Zeit- schrist„The Lancet" teilt Charles S. Mycrs mit, daß, nachdem man in London eine Fülle von durch Explosionen verursachten Nerven- chocken auf hypnotischem Wege geheilt hatte, nun auch andere Formen von Neroenstörungen systematisch durch fortdauernde Hypnose be- handelt werden. Von den bis jetzt behandelten Soldaten, die an krankhafter Furcht, nervösen Reflexbewegungen, Verlust von Sprache oder Gehör litten, sind 26 Prozent durch Hypnose vollkommen ge- heilt: bei 25 Proz. wurde Besserung festgestellt, während 35 Pröz. unempfänglich für hypnotischen Einfluß zu sein schienen, und 13 Proz. darauf reagierten, ohne daß jedoch ihr Leiden sich verringerte. Die englischen Aerzte sind der Meinung, daß Hypnose in allen»ällen das beste Mittel sei, um die Genesirng zu beschleunigen, wenigstens dann, wenn die Patienten für hypnotischen Einfluß empfänglich sind. Das Grab der Coa. Das Grab der Eva existiert nicht mehr, schreibt die„Comoedia". Die uralle- Reliquie erhob sich in Djeddah, ein einfaches Denkmal zwischen zwei Steinmauern, und alle Pilger, die nach Mekka gingen, machten vor den altehrwürdigen Steinen halt, die die Stätte bezeichnen sollten, wo die Urmutter des Menschen- geschlechts ihren ewigen Schlaf schlief. Diese fromme Verehrung hat den Zorn des Wahabiten-Sultans Ibu Seud erregt: denn die Waha- biten sind die Puritaner des Islams und sie hallen jede Verehrung, die einem anderen Grabe als dem Mohammeds dargebracht wird, für eine Gotteslästerung. Ibu Seud gab also den Befehl, das Grab der Eva dem Erdboden gleich zu machen, und er ließ sich auch nicht durch die inständigen Bitten der Einwohner der Stadt von seinem Tun abhalten. „Berliner Tageblatt" mitteilt, Reisepropaganda für den fchwarzweißroten Block unter dem Kommando Ehrhardts. Die Deutsche Volkspartei gibt auf das Ultimatum eine unwirsch ablehnende Antwort. Man liest in der„National- liberalen Correspondenz: -„3)k sächsischen Wehrverbände haben mit ihrem Schreiben an bürgerliche Parteien den Arbeitskreis verlassen, den sie sich gestellt hoben. Sie werfen sich zu einer den Parteien über» geordneten Instanz auf und nehmen gleichzeitig in ein- seitiger Weise Partei. Sie werden sich also nicht wundern dürfen. wenn ihre Forderungen ab sch lägig beschieden werden. Eine Partei, die praktische politische Arbeit leisten will und sich nicht auf leer« Agitation beschränkt, kann gar nicht anders handeln. Ehrlicherweis« können auch die Deutschnatio- nale Volkspartei und die V ö l lisch e n den Wehrverbänden nicht die Zusage geben, immer nach deren Direktive zu handeln. Andernfalls würden sie mit einer solchen Zusage sich ihrer Selbständigkeit begeben. Wo sollte übrigens die Stell« sein, an die sich eine politische Partei gegebenenfalls wenden könnt«, um zu erfahren, was die Wehrverbände positiv wollen? Bisher war die Uneinigkeit unter den Vaterländischen Verbänden zweifellos nicht kleiner als unter den bürgerlichen Parteien. Wenn also die sächsischen Wehroerbände etwas einigen wollen, dann mögen sie in ihren eigenen Reihen und bei den be- freundeten Organisationen im Reiche ansangen. Da finden sie Arbeit genug...... Das Verlangen der sächsischen Wehrverbände an die bürgerlichen Parteien, niemals und auch nicht von Fall zu Fall mit der Sozialdemokratie zusammenzugehen, ist zunächst auch nur eine Forderung negativer Natur. Soll diese Forde- rung bejaht werden auf die Gefahr hin, dem Radikalismus in d:r sächsischen Sozialdemokratie zu einem großen Sieg« zu verHelsen? Soll sie bejaht werden, auch wenn die natürliche Folg« ein« weilere Annäherung der kommunistischen und sozlalsstifchen Parteien ist? Soll sie von der Deutschen Voltspartei und den Deusschnationalen bejaht werden, wenn Demokraten, Wirsschaftspartei und Zentrum sie restlos ablehnen und sich aus dieser Ablehnung nicht ein« Isolierung der Sozialdemokratie, sondern der Deutschen Volkspartei und der Deutschnationalen ergäbe? Es hat in der Deusschnationalen Volkspartei eine Zeit gegeben, und das ist noch nicht lang« her, wo sich selbst Westarp und Hergt unter Umständen, für«in tattssches Zusammengehen mit der Sozialdemokratie, also für«in Zusammengehen von Fall zu Fall ausgesprochen haben. Die Deutsche Volkspartei wird sich niemals dazu bewegen lassen, eine groß« Partei wie die Sozial- demotrati« grundsätzlich von der praktsschen politischen Arbeit auszuschließen.". Diese ablehnende Antwort zeigt die Absicht, die Eristenz der Volkspartei als selbständige Partei gegenüber der Deutsch- nationalen aufrechtzuerhalten. Es wird jedoch behauptet, daß die Meinungen darüber in der Volkspartei selbst geteilt seien. Die Absicht der Deutschnationalen ist es. mit Hilfe des Stahlhelms die Volkspartei zu sprengen, die Absicht des Stahlhelms, aus Sachsen ein Stahlhelmparadiee nach dem Muster von Braunschweig zu machen: Stahlhelmregie- rung, Stahlhelmverwaltung, Stahlhelmjustiz, und— Stahl- Helmkorruption. In Braunschweig geht die Stahlhelmherr- schast, die dem Lande schweren Schaden zugefügt hat. ihrem Ende entgegen. Die kommenden Wahlen werden sie hinweg- fegen» und der Stahlhelm versinkt in einem Sumpf der Korruption. ... Nun soll Sächsen das nächste Versuchsobjekt werden. Mit der Stahlhelmmehrheit wird es zwar nichts werden— aber die Korruption ist schon da. Denn die Verbände, die das Ultimatum an die Voltspartei gestellt haben: Ivngdeutschcr Orden, Stahlhelm, Wiking, Werwoif und Reichsslagge, das sind genau und gerade d i e Organisationen, die mit den von dem verurteilten Meißner dem Voltsopser u n t e r s ch l a- genen Geldern finanziert worden sind. Ein sauberer Plan: Stahlhelmblock, Diktator Ehrhardt, finanzielle Basis: unterschlagene Gelder. �natole Irance über Herrn Kölling. Anatol« France, der französische Dichter, Sozialist und Sozial- ironiker, hat in seinen berühmten luristischen Geschichtchen auch den Fall K ö l l i n g vorausgeahnt und das Notwendige dazu gesagt. In seiner Novelle„Sancta Iustitia" schildert er das Wesen des Buchstabenrichters, der seine politische Gesinnung bei seinen amtlichen Untersuchungen nicht ausschaltet— auch nicht ausschalten kann, weil sie natürlich als Ausfluß seiner Weltanschauung trotz ollen vara- graphierten Bestimmungen in ihrer Auslegung zum Vorschein kommen muß. Dieser Richter nun hatte eines Tages ein« Unter- suchung gegen einen freigeistigen Lehrer zu führen, der den klerikalen Gesinnungsfreunden des Beamten unbequem geworden war und von ihnen einer angeblichen Schülcrmihhandlung denunziert wurde. Er sollte einen Knaben mit entblößtem Gesäß auf einen heißen Osen gesetzt haben! Der Untersuchungsrichter vernahm nun nicht etwa zuerst den beschuldigten Lehrer, sondern forschte bei den Schülern der Klasse, in der die Mißhandlung verübt sein sollte. Sämtliche dreißig Kinder wußten von nichts. Aber der tüchtige Untersuchungsrichter ließ nicht locker, vernahm sie wieder und wieder und das wochenlang. Nach einem Monate hatte er ein Resultat, das ihm behagte: sämtliche Schüler sagten im Sinne der Beschuldigung aus und erklärten in übereinstimmenden Wendungen, der Lehrer habe ihren Kameraden geheißen, sich mit nacktem Hintern auf den glühenden Ofen zu setzen! Nunmehr ging der Richter zur Vernehmung(noch immer n-cht etwa des beschuldigten Lehrers, sondern) des Schuldieners über. Der aber erNärte kurz und bündig und beweiskräftig, daß in dem ganzen Schulhause sich überhaupt— kein Osen befände! Damit siel die Beschuldigung in sich zusammen und wurde gegen- standslos. Aber das Ziel der Anzeige gegen den mißliebigen Lehre- war erreicht: die Kinder riefen ihm auf der Straße„Kinderbrater" nach, seine Autorität war erschüttert, und ihm blieb nichts übrig, als seine Stellung zu verlassen. Die klerikalen Ankläger hatten mit Hilfe der eigenartigen Untersuchungsmethoden des Richters einen ver- haßten Gegner zur Strecke gebracht. Sie konnten triumphieren, ihr Feind mußte gehen.... Der Richter selbst aber suchte den Irrtum oder die Schuld nach wie vor nicht in sich selbst und seiner Untersuchungsmethode, sondern erklärte olles mit den Lügen der— Kinder. Er sah nicht, daß erst seine Beharrlichkeit gegen den Lehrer den Kindern die Lüge in den Mund gelegt und sie zum Lügen ermutigt hatte. Und deshalb blieb er von sich und anderen unangefochten auf dem Dostamente der kühnen und durch die Einrichtung der Richterunabhängigteit aus- drücklich bekräftigten Behauptung stehen: „... Der juristische Irrtum ist eine Mythe... Eine Mythe bleibt aber nur die Zweckmäßigkeit der richterlichen Unabhängigkeit, die höchstens aus konfessionellem Gebiete eine Parallele in der Uniehlbarteit des Papstes in Glaubenssachen desitzt. Aber die /hat keine öfsentlich-rechtliche Bedeutung und leitet sich nicht aus irgendeiner idealen Forderung her. sondern einzig und allein aus göttlicher Gnade und Berufung. Gegen diese Argumente aber kann man nicht polemisieren, weil sie keine appellable Instanz haben! VI« Aasstellvng der«Saftler-Verelalgiiag berliner«ldhauer wird am 10. August, nachmittag« 6 Uhr, In»annsee(Hau« am See) eröffnet.
Sollings letzte Taten. Wo bleibt das Justizministerium? Richter Kölling ist in Urlaub gegangen. Hals über Kopf. Cr hat den Landgerichtspräsidenten, hat die Beschwerdekam- mer vergebens auf sich warten lassen. Die Beschwerdekammer wollte, falls Kölling die Haftentlassung von Haas ablehnen sollte, nach Möglichkeit noch gestern entscheiden. Sie hat von morgens 8,30 Uhr an auf Kalling gewartet. Vergebens bis mittags. Richter Kölling kam um zwölf Uhr, lehnte ab und— ging in Urlaub. Die Tatsache, daß um seiner Willkür willen drei unschuldig in Untersuchungshaft sitzende Staatsbürger noch bis Montag in Haft oerbleiben müssen, wird seinen Urlaub nicht beschweren. Kölling ist Richter und unabhängig. Also: erst der Urlaub des Richters, dann das Recht und die Freiheit des Staatsbürgers. Vom streng Juristischen abgesehen: Richter Kölling hat durch sein Berhalten drei Unschuldige noch zwei Tage Zusatz- Haft diktiert. Jeder Unbefangene zieht den Schluß: Richter Kölling haßt Haas, weil er unschuldig ist. Das Verhalten des Richters Kölling ist katastrophal. Vom Justizministerium hört man nichts. Dafür hört man von der Rechtspresse noch von einer der letzten Taten Köllings, die laut gegen ihn zeugt. Richter Kölling hat der Rechtspresse noch ein Schriftstück übergeben, aus dem zwei interessante Aktenstücke im ,.L o k a l- A n z e i- g e r"' veröffentlicht werden. Während Schröder am Don- nerstag vernommen wurde, und Oberstaatsanwalt und Polizeibehörden im Begriff waren, das Geständnis des Mörders zu protokollieren, verlangte Kölling. daß Schröder ihm sofort ausgeliefert würde. Auf dieses Verlangen antwortete der Oberstaatsanwalt: Der Oberstaatsanwalt. Magdeburg, 5. August 1926. Auf Ihren Antrag an den hiesigen Polizeipräsidenten um s o- sortige Herausgabe des Schröder erkläre ich mich wie folgt: Ihr« Berechtigung zum Antrag steht außer Zweifel. Es er- scheint mir jedoch im Interesse der Untersuchung förderlich, den Schröder der Polizei noch so lange zu belassen, l-i, das polizeiliche Geständnis Schröders und die Er- klärungen der Hildegard Götze protokollarisch festgestellt sind.(gez.) Rasmus. Die Ankwort Köllings, die 1,30 Uhr abging, lautet: .Gegenüber der Verletzung des Gesetzes, die darin liegt, daß da» Polizeipräsidium seit bereits etwa 3 Stunden mir den Untersuchungsgefangenen Schröder vorent- hält, halte ich an meiner Forderung sofortiger Lorführung des Schröder fest. Die Untersuchung Ist durch das Gesetz in meine Hand gelegt; ich kann mich daher der Pflicht, den Schröder sofort persönlich zu vernehmen, nicht entziehen. Ich ersuche ergebenst um sofortige Benachrichtigung des Polizei- Präsidenten." Kölling hat die sofortige Auslieferung Schröders zu einem Zeitpunkt verlangt, an dem die Auslieferung d i e Protokollierung des Geständnisses oerhin- dert haben würde. Auch dies Verhalten ist katastrophal. Aber vom Justiz- Ministerium hört man nichts. Keine Erklärung über Köllings letzte Veröffentlichung Magdeburg, 7. August.(Eigener Drahtbericht.) Der Magde- burger Polizeipräsident Dr. Menzel erklärte auf Befragung, welche Stellung das Polizeipräsidium zu dem in den Rechts- blättern veröffentlichten Briefwechsel zwischen O b e r st a a t s- anwalt Rasmu» und Untersuchung» richter Kölling über das Verhör Schröders im Polizeipräsidium einnehme, es be- stehe kein Anlaß auf diese Veröffentlichung einzugehen._ Hurtner läßt beschlagnahmen. Ja München. München. 7. August.(Eigener Drahtbericht.) Die Sonnabend- ausgab« der kommunistischen„Reuen Zeitung" wurde wegen eines Artikels mit der Usberschrift„Ins Zuchthaus mit Dr. G Ü r t n e r" auf Antrag der Staatsanwaltschaft beim Land- gericht München beschlagnahmt. Da» Blatt hatte in dem Artikel den jüngsten Veröffentlichungen in der Femeangelegenheit einen K�'U'Ukntar beigefügt, der scharfe persönliche ngrkff« A gegen den Iustizministrr enthielt. Mit einer Zeiwngsbeschlagnahme lassen sich die schweren, wohl begründeten Anklagen gegen den bayerischen Justiz- minister, die Genosse L e v i erhoben hat, nicht aus der Welt schaffen— mag nun im Kommentar der kommunistischen Zeitung gestanden haben, was da wolle. Der Tatendrang der Münchener Staatsanwaltschaft findet ein weites und brachliegendes Feld, wenn er sich den ungesühnten Fememorden, den Amtsverbrechen und den damit in Verbindung stehenden anderen Straftaten zuwendet, die in Bayern bisher ernsthaft nicht verfolgt worden sind. Zerienenüe. Erste Kabinettssitzung am 12. August. Wie der»Demokratische Zeitungsdienst" mitteilt, wird Reichs- kanzler Dr. Marx und mit ihm die meisten Reichsminister spä- restens bis zum Derfasiungstage wieder in Berlin cingetrosfen sein. Der Reicheminister des Auswärtigen Dr. S t r e s e m a n n hat bereits Bad>Wildungen verlassen, Reichsfinanzmirnster Dr. R e i n- Held ist von seiner bayerischen Besichtigungsretse am Sopnabend wieder nach Berlin zurückgekehrt. Der Reichsfinonzministtr hatte in Regeniburg mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Held und dem bayerischen Finanzmmister Dr. Krausneck Besprechungen über die finanzielle Seite des Arbeitsbeschaffungsprogramms. Reichs- wehrminister Dr. Dehler wird am Derfasiungstage wieder in Berlin anwesend sein. Am 12. August tritt das R e i ch s k a b i n e t t zu einer Sitzung zusammen. Reichsaußenminister Dr. Strcsemann, der auch in der Ferienzeit in enger Verbindung mit dem Aus- wärtigen Amt geblieben ist. wird ooraussichllich einen Bericht über die außenpolitische Gesamtlage erstatten, bei dem die Völker.. l> u n d s s r a g e n den größten Raum einnehmen wsrden. Die weiteren Beratungen des Kabinetts werden dos Arbeits- beschaffungsprogramm der Rdchsregierung zum Gegen- stand haben und schließlich werden auch die mit dem Treuhänder für die Eisenbahnobligationen gepflogenen Verhandlungen, die im Hinblick auf die noch ausstehende Bestätigung des Generaldirektors Dorpmüller von Bedeutung sind, erörtert werden müssen. verfassungstrise öes Völkerbundes. Teutschland steht bereit zum Eintritt in den Völkerbund.— Die Klippe der Ratssitze. Am Anfang September treten die sechzig Mitgliedstaaten des Völkerbundes zur Volloersammlung zusammen. Beü den maßgebenden Regierungen herrscht wohl durchweg das Vertrauen, daß diesmal die Aufnahme Deutschlande sich glatt vollzieht. Denn sie darf nicht scheitern! Aber das verpflichtet die Kapitäne und Steuerleute, sorgfältig auf Untiefen und Klippen zu achten. Die ein« Klippe des Anstoßes vom Frühjahr ist zersprengt. Zwar bedarf es noch der E i n st i m m i g k e i t des Rates, um den ständigen Ratssitz für Deutschland zu schaffen. Aber die einzige Ratsmacht, die erst in zweideutigen Worten Deutschlands Ständigem Sitz zugestimmt und dann ihn zum Scheitern gebracht hat, Brasi- lien, ist aus dem Rate geschieden. Immerhin ist zu beachten, daß sein Vertreter zwar sein Abberufungsschreiben überreichte, aber sich noch immer in Gens aufhält. Doch ist die notwendig« Einstimmig- keit des Rates für Deutschlands ständigen Sitz so gut wie die Zwei- drittelmehrheit der Bundesversammlung für die Aufnahme in den Bund gesichert. Die Märztagung war ein« außerordentliche gewesen, aus- schließlich für die Aufnahme Deutschlands berufen. Deshalb wurde flaggen heraus! Parteigenossen! Jeder Republikaner zeigt am versassungstag, den 77. /lugust, die republikanischen Zarben! Deutschland vorher eingeladen, um seinen Willen erkennen zu lassen, seine internationalen Verpflichtungen erfüllen zu wollen. Ohne Examen, einmütig und ohne weiteres wurde dies festgestellt und die Formalien der Aufnahme in der Kommission erledigt. Der Beschluß der Aufnahmekommission gilt noch heute. Er liegt der Versammlung zur Beschlußfassung vor, als wenn nichts geschehen wäre. Stimmt die Versammlung ihm zu, ist die Aufnahm« erfolgt. Voraussichtlich dann wird die Ein- l a d u n g noch Berlin abgehen und die deutsche Delegation sich auf den Weg nach Genf machen. Dann nimmt sie feierlich auf dem „leeren Stuhl" Platz, von dem vor dann genau zwei Iahren Macdonald sprach. Gleich danach wird wohl auch der ständige R a t s f i tz geschaffen, und Deutschlands Vertreter zum ersten Male an einer R a i s f i tz u n g teilnehmen. «- Dennoch bricht an dem Ratssitze für Deutschland die V e r- fassungstrise des Völkerbundes von neuem auf. Sie ist historisch darin begründet, daß an dieser Stelle der Ungeist von Ver- sailles den Geist des Völkerbundes überwältigt«.„Der Rat fetzt sich aus den Vertretern der allierten und assoziierten Hauptmächte und aus... Vertretern anderer Mächte zu- fammen," lautet Art. 4 Absah 1 der Satzung noch heute. Ms die siegreichem Hauptmacht» haben sich England, Frankreich, Italien und Japan ein Privileg im Völkerbund geschaffen, ein Vorrecht, das die Gleichheit und die Gleichberechtigung der Völker verletzt. Dieses Lorrecht wird heutzutage von weiten Kreisen, der soziali- stischen Internationale vor allein, auch von den Friedens- verbänden bekämpft. Aber wer gegen dieses Vorrecht kämpft, der meint damit nicht, daß er den Völkerbund für l e b« n s- fähig hielte, wenn die großen Mächt« seinem Rat« fern- blieben. Selbst klein« Staaten, wie vor allem die Schweiz, sagten deutlich, daß ohne die Großmächte in seinem Exekutioausschuß der Völkerbund nicht bestehen könne. So würde die Abschaffung des Privilegs bedeuten, daß die Großmächte so gut wie jede ander« Macht durch eine Wahl der Kritik der Völkergesamtheit ausgesetzt werden. I» den wechselnden Stimmenzahlen würde sich die internationale Wertschätzung der einzelnen Mächt« ausdrücken. Und das ist der Grund, warum gewisse Regierungen das Privileg des ständigen Ratssitzes nicht glauben aufgeben zu dürfen. Deutschland hat den ständigen Ratssitz erstrebt, weil es die Gleichberechtigung mit den großen Mächten erstrebte. Es hat ursprünglich zum Ausdruck gebracht, daß es den ständigen Rats- fitz nur deshalb fordere und grundsätzlich auf dem d« m o k r a t i. scheu Standpunkt stände. Diese grundsätzliche Haltung ist in der Koalition mit den Deutfchnationalen verloren gegangen. Aber es scheint«n dem jetzigen Zeitpunkt nicht unzweckmäßig zu sein, wenn Deutschland sich auf diesen grundsätzlichen Standpunkt wieder besänne. Spanien erklärt nämlich, jetzt auf der Zuteilung des ständigen Ratssitzes bestehen zu müssen; wenn es ihn nicht jetzt gleich- zeitig mit Deutschland erhalte, dann könne es niemals darauf rechnen. Jetzt fei die letzte Chance; deshalb deutet Spanien an, daß es in dem Kampf« um den ständigen Ratssitz sehr weit zu gehen gedenke— womöglich bis zur Lösung seiner Beziehungen zu dem Bunde. Daher will es die Debatte hierüber noch ein- mal erzwingen, und fein Vertreter hat in dem Studienaus- fchuß für das Ratsproblem beantragt, die Frage der Ratssitze noch einmal zu prüfen. » In der Spannung zwischen dem Gescuntinteresse des Völker- bundes und dem Einzelinterefs« Spaniens erscheint es richtig, sich an die grundsätzlich« Lösung zu erinnern. Spanien hat sich eben- falls auf ihren Boden gestellt. Seine leitenden Staatsmänner können sich, scheint es, gar nicht genug tun, daß es den ständigen Sitz nur deshalb erstreb«, weil die anderen Mächte ihn inne haben. Gruydsätzlich sei es für die Abschaffung dieses Privi- legs. Spanien fürchtet, daß mit dem Eintritt Deutschlands für die Inhaber der ständigen Sitze die Ratsfrag« erledigt sein werde. Deshalb sollten wenigstens die Staaten, die an dem Verbleib Spaniens im Völkerbunde ehrlich interessiert sind, zu erkennen geben. daß sie bereit sind, die Zusammensetzung des Völkerbunds- rates, insbesondere die Frag« der ständigen Sitze auch in der Zukunft vorurteilslos zu prüfen. Man sollte die jetzige Lösung nur als ein Provisorium betrachten und sich darüber einigen, die Reform des Rotes im demokratischen Sinne als ein Hauptproblem der Völterbundsentwicklung zu betrachten. Das würde im gewissen Sinne eine Ergänzung für die Vorschläge der Studienkommission bedeuten. Es er. scheint im übrigen durchaus zweckmäßig, sie bestehen zu lassen. Die Studienkommission hatte vor allem vorgeschlagen, halb ständige Sitze zu schaffen. In, allgemeinen sollten zwar die gewählten Rats- mächte in dreijährigem Wechsel ausscheiden; mit Zweidrittel- mehrheit jedoch sollten am Ende dieser Wahlperiode bisherige Rats- mächte wiedergewählt werden können; dafür sei«in« Zweidrittelmehrheit zu empfehlen. Dieser Vorschlag war für Brasilien und ist für Spanien und Polen zur vorläufigen Lösung ihrer Rats- sitzanfprüche gedacht. Die intelnationale Diskussion über das Rats- problein ist. lebhaft im Gang. Aber es sind bislang keine Vor» s ch l S g e aufgetaucht, die das internationale Verfasiungsrecht besser an die Gröbenunterschiede der Dölkerbundsstaaten anpaßte. Es ist durch das Entgegenkommen Spaniens möglich geworden. mit Zweidrittelmehrheit Regeln für die Wieder- wohl und für die Abwechslung der gewählten Ratsmitglieder zu schaffen. Damit ist das dritte Hindernis, an dem die Märztagung scheiterte, beseitigt. Es ist nun an den verantwortlichen Regierungen, Wege und Mittel zu finden, dem Kampf, um die st ä n d i g e n R o t»- sitze die Schärfe zu nehmen und damit den glatten Verlauf der Genfer Tagung zu sichern. Urteil über Gajüa. Nicht gerichtlich vcrfolgbar— als krank verabschiedet. Prag. 7. August.(Eigener Drahtberlcht.) Das Tschechoslo- wakische Pressebureau verbreitet folgende Nachricht de» Ministeriums für Landesverteidigung:»Das administrative Versahren gegen General Gasda ist beendet. Es ergab keinen Tatbestand einer gerichtlich verfolgbaren strafbaren Handlung. General Gajda hat heule die Einleitung eines Superarbtlrierungs- verfahren»(d. h. aus Dienstentlassung aus gesundheitlichen Gründen. Red.) gegen sich beantragt. Diesem Ansuchen wurde stattgegeben." So kurz diese Meldung ist und so sehr ihre Autoren auch sicher gewillt waren, dem Fall Gajda einen möglichst harmlosen Abschluß zu geben, so läßt doch die allgemeine Form dieses Ab- schlusies erkennen, daß die öffentliche Meinung der Tschechoslowakei vollkommen im Rechte war, als sie diesen Fall als einen der größten Skandale betrachtete. Der Bericht unternimmt keinen Versuch, die Handlungsweise des Generals Gajda zu leugnen, fon- dern er zieht sich darauf zurück, daß General Gajda nicht gerichtlich verfolgt werden könne. Das Tollste an diesem Fall ist, daß er unter vollkommenem Ausschluß der Oeffentlich- keil entschieden wurde und auch weiterhin so erledigt werden soll. Es wird nicht der geringste Bescheid darüber gegeben, mit welchen Anklagen sich die Kommission beschäftigt hat. wessen General Gajda beschuldigt wurde, welches Material gegen ihn vorlag. Die ganze Presse des In- und Auslandes spricht davon, daß General Gajda in Verbindung n>it einer auswärtigen Macht, mit Sowjet- rußland, gestanden habe. Und nun wird ein Untersuchungsausschuß eingesetzt, das Ergebnis wird mitgeteilt, man erfährt aber nichts von den Beschuldigungen gegen den General; daß dem Ansuchen um Superarbitrierung stattgegeben worden ist, zeigt klar, daß die Untersuchung gegen Gajda schweres Material zutage gefördert haben muß. Gajda, der in so beispielloser Weise kam- promittiert ist, müßte nun für immer von der politischen und mili- tärischen Bildfläche verschwinden und es muß ihm unmöglich ge- macht werden, das faschistische Handwerk weiter zu betreiben, wie er es bisher, als Erster General der tschechischen Armee, getan hat! der Wiener Juriftenkongreß. Die Frage des Weltstrafgerichts. Wien. 7. August.(Eigener Drahtbericht.) Eine Kommission de« Internationalen Iuristcntages beschäftigte sich am Sonnabend mit der Einsetzung des Internationalen Strafgerichts- Hofes zur Aburteilung strasbarer Handlungen von Staaten. Der Vorsitzende brachte einen Antrag ein, wonach das Internationale Gericht nicht als selbständige Institution, sondern als eine Kammer des ständigen internationalen Schiedsgerichtshoses einzurichten wäre. In der Debatte wünschte das Mitglied des englischen Obergerichtes. Prof. H o p k i n s o n, die Errichtung des Gerichtshofes namentlich zu dem Zweck, die im Kriege begangenen widerrechtlichen Hand- lungen wenigstens durch ein Feststellungsurteil bestimmen zu lassen. Der Engländer B e w e s erklärte, die Friedensverträge wären viel- leicht anders abgeschlossen worden, wenn vorher über bestimmt« Vorfälle im Kriege unparteiisch hätte festgestellt werden können, was recht und was unrecht gewesen ist. Schließlich wurde folgende Entschließung angenommen:„Die Konferenz billigt die Schaffung eines Internationalen Strafgerichts als Abteilung des Ständigen Internationalen Gerichtshofes im Haag; die Zuständig- keit dieses internationalen Strafgerichts soll aus Delikte beschränkt sein» welche durch ein Statut oder durch besondere Konventionen sestgestellt sind." Am Nachmittag wurden die Konferenzteilnehmer vom Bundes- Präsidenten Hainisch auf dem Semmering empsangen. Noröamerika an Nexlto. Die Petroleum- und Landgesetze. London. 7. August.(Eigener Drahtberlcht.) Die Nordamerika- Nische Regierung hat dem Präsidenten Calles von Mexiko eine Note überreichen lassen, die mit dem Kirchenkonflikt nicht im Zu- sammenhang steht. In der Note wird lediglich zu den mexikanischen Petroleum- und Landgesetzen Stellung genommen, soweit sie amerikanische Rechte betreffen. Einer weiteren Meldung aus Washington ist zu entnehmen, daß die amerikanische Regierung es nach wie vor a b l e h n t, in den Kirchenkonflikt einzugreifen. Am Mussolini zu versöhnen, der zu seinem Aergcr die Unter- drückung antisaschistischer Kundgebungen in der tschechoslowakischen Republik nicht durchsetzen konnte, hat Benesch ihm den Orden vom Weißen Löwen überreichen lassen. Letzte Nachrichten. vachstuhlbranü. Ein großer Vachstuhlbrand beschäftigte gestern nachk mehrere Löschzüge der Feuerwehr ln der Tieckstrahe 30/31. vis zum Eintreffen der Wehren hatte das Feuer bereits auf den Dachstuhl des Nebenhauses lieckslroßr 29 übergegrissen. Unter großen Anstrengungen gelang es. das Feuer nach über elnstündlger Tätigkeit zu lokalisieren. Ver Dachstuhl des Hause» Tieckslraße 29 konnte nur zum Teil erhalten werden, während der des Neben- Hause» völlig ausbrannte. Es wird Prandstlflung vermulek.
OeroerTchostsbewegung Der Neichstarif für Sie Maßfchneiüerei in Kraft. Die strittigen Punkte sind noch zu regeln. Der Deutsche Bekleidungsarbeiterverband teilt uns mit: Der Reichstarifvertrag für das Maszichneidergewcrbe Deutschlands ist angenommen worden und damit am 1. August in Kraft getreten. Nunmehr haben an den einzelnen Orten die Ver- Handlungen zu beginnen über diejenigen Punkte, die im Reichstarif nicht enthalten sind, oder vor dem l. August höher als nach dem Reichstarif entlohnt worden sind. Die Ortsgruppenleitung des Arbeitgeberverbandes in Berlin ist jedoch zurzeit nicht vcrhand- lungssähig, da der erste Vorsitzende es vorgezogen hat, anstatt zu verhandeln in Urlaub zu gehen... Somit bleiben olle Post- tionen, die bisher höher als im Reichstarif bezahlt worden sind, strittig. Ott Frage kommen in der Hauptsache in Berlin die U c b e r st u n d e n b e z a h l u n g, der große Plack, die fünfte Tasche und die Westenprobe. Wir ersuchen, alle zu wenig gezahlten Summen genau zu notieren, damit dieselben nach Fertigstellung des Tarifes nachverlangt werden können. Tarifftreitigkelten im Großhandel. Unbezahlte Ueberstunden! Der Berliner Arbeitgeberoerband des Großhandels hatte tum ZU. Juni sämtliche mit ihm abgeschlossenen Manteltarife für die lugestellten gekündigt. In den direkten Verhandlungen verlangten sie u. a. die unentgeltliche L e i st tt n g von U e b e r- st u n d e n(!), eine Kürzung des Urlaubs uin etwa 3 Tage und die Ausnahme einer Bestimmung, wonach für alle Angestellten lediglich die in o n a t l i ch c K ll n d i g u n g s f r i st in Frage kommen sollte, trotzdem Ichon zu der Zeit im Reichstag das Gesetz zum Schutze der älteren Angestellten beraten wurde. Weiter sollten die An- gestellten verpslichtct sein, sich im Falle der Erkrankung durch einen Vertrauensarzt des Arbeitgebers untersuchen zu lassen. Ebenso sollte während einer Krankheit, die in die Kündigungszeit fällt, kein Gehalt gezahlt werden. Diese Verhandlungen scheiterten. Der Schlichtungsausschuß lälltc dann am 2n. Juli für den Textilgroßhandel einen Schieds- spruch, der für geleistete llebcrstunden eine Bezahlung erst von der M. Stunde vorsieht und den bisherigen Urlaub nüt geringen Abänderungen bestehen läßt. Bei einer Krankheit von länger als drei Tagen ist der Angestellte verpflichtet, sich aus Verlangen und auf Kosten des Unternehmers von einem beamteten Arzt(nicht einem Vertrauensarzt der Firma» untersuchen zu lassen. Sehr bedenklich ist die Bestimmung des Schiedsspruches über die Gruppierung. In Zu- kunst sollen sür diesen Teil des Manteltarifvcrtrages die Kllndi- gungssristen des Gehallsabkommens gelten. Trotzdem der Schiedsspruch den Wünschen der Unternehmer in vielen Punkten entgegenkommt, haben diese ihn abgelehnt. Die Angestelltenorganisationen haben den Schiedsspruch trotz seiner Mängel angenommen und die Verbindlichkeitserklä- r u n g beantragt. Die Verhandlungen darüber finden am Dienstag statt. Für den Elektrogroßhandcl wurde in freier Verein- barung das bisherige Gehaltsabkommcn bis zum 30. September verlängert. Für den Glas-, Keramik- und Tapeten- großhandel wurden am 5. August Schiedssprüche gefällt, durch die sich die Manteltarisbestimmungen dem Schiedsspruch im l Textilgroß Handel angleichen. Die Gehaltssätze haben in diesen beiden Gruppen eine Minderung erfahren. Für den Lcdcrgroßhandel wurde ein Schiedsspruch gefällt, nach dem das bisherige Gehaltsabkommen bis zum 3l. Oktober unverändert bestehen bleiben soll. Da für diese Schiedssprüche die Erklärungs- frist erst am 12. August abläuft, liegt bis jetzt eine Entscheidung der Angestelltenorganisationen noch nicht vor. Konflikt in der Bildcrrahmenbranchc. Die Unternehmer wallen die Löhne abbauen. Die Arbeitgeber- Vereinigung der Goldleisten- und Bilderrahmenindustrie teilte unter dem 3. August dem Deutschen Holzarbeiterverband als Vertrags- parte! mit, daß der bisher gültige Lohn von 1,04 M. mit Wirkung vom 7. August auf 90 Pf. abgebaut wird. Diese Verfügung sei in einer Versammlung der Arbeitgeber am 30. Juli beschlossen worden. Durch diesen Beschluß verpflichtet die Arbeitgebervereini- gung ihre Mitglieder, die neuen Lohnsätze unbedingt zu beachten und sie den Arbeitern durch'An schlag in den Betrieben bekanntzugeben. Die Berliner Ortsverwaltung des Holzärbeiterverbandes ließ der Arbeitgeberoereinigung wissen, daß dieses Diktat des Lohnabbaues das Signal zum offenen Kampf sei und die Arbeiter- schnft mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln zur Gegen- wehr schreiten werde. In einer Vertrauensmännersammlung am 4. August nahmen auch die Bronchenangehörigen zu diesem Anschlag der Unternehmer Stellung. Die eingehende Aussprache fand in folgender einstimmig angenommenen Entschließung ihren Niederschlag: „Die am 4. August 1926 tagende Vertrauensmännerversamm- lung der in der Goldleisten- und Dilderrahmenbranchc beschäftigten Funktionäre erblickt in deni von der Arbcitnchmer-Verhandlungs- kommission bei der offiziellen Lohnverhandlung gemachten Vergleichs- vorschlug, wonach die Tariflöhne auf eine bestimmte Zeit hin ver- l ä n g e r I werden sollten, die geeignetste Grundlage zu einer Ver- ständiguiig. Die Verhandlungskominission wird beauftragt, nur auf dieser Grundlage ein Tarifabkommcn abzuschließen. Jede Kürzung der Tariflöhne ist mit allen Mitteln abzu- wehren. Die Organisation hat die Pflicht, unverzüglich die vor- bereitenden Kampsmaßnahmcn zu trefscn." Ani 5. August nahmen die bevollmächtigten Organisationsver- treter beider Parteien noch einmal Fühlung, um zu erwägen, ob nicht noch in letzter Stunde ein Ausweg aus dieser kritischen Situation zu finden sei. Diese Aussprache ergab schließlich, daß beide Parteien ihren Mitgliedern empfehlen wollen, den Schlich- t u n g s a u s s ch u ß anzurufen, um damit zu beweisen, daß auch die letzte Verhandlungsmöglichkeit in Anspruch genommen worden ist. Bis zum Abschluß dieses Verfahrens darf weder von den Arbeit- gebern noch von den Arbeitnehmern an den zurzeit bestehenden Lohnverhältnissen eine Aendcrung vorgenommen werden. Die Unter- nehmer werden zu Beginn dieser Woche zu diesem Vorschlag Stellung nehmen. Die Arbeiter werden das Schlichtungsverfahren abwarten und danach in einer Mitgliederversammlung ihre Eni- scheidung treffen.___ Der Tarifkonflikt der Handelshilfsarbcitcr. Vom Deutschen Verkehrsbund wird uns geschrieben: Während bei sämtlichen Firmen des Einzelhandels der Konjlikt, der sich durch den Lohnabbau als Folge des letzten Schiedsspruches entwickelte, sich beizulegen scheint, da die Firmen nicht aus die Anerkennung des Schiedsspruchs bestehen, hat es die Firma Wert- heim für notwendig gehalten, die Dinge auf die Spitze zu treiben. Sie hat allen Handelshilssarbeitern, die sich weigerten, den Lohn- abbau durch ihre Unterschrist anzuerkennen, gekündigt. Als daraufhin vom Deutschen Verkehrsbund bei der Firma um Ver- Handlungen nachgesucht wurde, um den Versuch einer Beilegung des Konflikts zu niachen, ist dieses Angebot brüsk abgelehnt werden. Die Kündigungen wurden erst zurückgenommen, als durch diesen Druck die Unterschriften geleistet wurden. Der Deutsche Verkehrsbund ist nicht gewillt, eine derartige Handlungsweise hinzunehmen. Er hat sich bereits mit dem Ortsaus- schuß des ADGB., der für die Verhängung eines Boykotts zu- ständig ist, in Verbindung gesetzt. Der Deutsche Verkehrsbund ist entschlossen, die Oeffentlichkeit aufzurufen und die ihm zur Bersügung stehenden Machtmittel anzuwenden, um auch der Firma Wertheim klar zu machen, daß die gewerkschastliche Ver- tretung der Arbeiterschaft bei Lvhnstreiiigkeiten nicht ausgeschaltet werden kann. Anmerkung der Redaktion: Zu dieser Zuschrift des Deutschen Verkehrsbundes müssen wir bemerken, daß wir es jür außer- ordentlich bedauerlich halten, wenn gerade im Einzelhandel und insbesondere ein großes Kaufhaus, das auf den Massenkonsum an- gewiesen ist, versucht wird, einen Lohnabbau durchzusetzen. Gerade der Einzelhandel hat alles Interesse daran, die Kaufkraft der Ar- beitnehmerschaft zu stärken und bei den Löhnen und Gehältern mit gutem Beispiel voranzugehen._ Ausdehnung des Streiks in Lodz. Lodz, 7. August.(Eigener Drahtbericht.) Die streikenden Arbeitnehmer sind entschlossen, am Montag den General st rcik auszurufen, wenn die Arbeitgeber bis dahin ihren Forderungen nicht entsprochen haben. Die Regierung hat bisher jede Vermittlung abgelehnt, obwohl bereits 10 000 Arbeiter im Streik stehen. Zur Ausführung des§ 61 des Velriebsrälegeseßes vom 4. Fe- bruar 1920 hat das Preußische Staatsnünisterium unter dem 21. Juli 1926 eine Verordnung herausgegeben, der der Preußische Minister für Handel und Gewerbe unter dem 24. Juli Aussührungsbestim- mungen für die Betriebsratswahlen bei den ihm unterstellten Behörden, Schulen und Anstalten folgen läßt. Der WorUaut dieser Bestimmungen ist in Nr. 15 des„Ministe- rialblatt der Handels- und Gcwerbeverwallung", des amtlichen Publi- kationsorgans des Preußischen Handelsministeriums, einzusehen. Achtung! Stein- und kaltlräger! Der Konflikt bei der Firma G r o ß m a n n, Kaiserdamm Ecke Fridericiastrahe, ist beigelegt. Die Sperre ist deshalb ausgehoben. Deutscher Baugewerksbund, Baugewerkschaft Berlin. Freie Vereinigung der Akkördsteinträger. Die Zahl der englischen Arbeitslosen in der am 2. Auglsst endenden Woche betrug 1 605 500. Das sind 25 768 Personen weniger als vor einer Woche und 407 869 mehr als vor einem Jahre. Die Sparkasse der Bant der Arbeiter, Angestellten und Beamten A.-G., Berlin. Ivallstr. 65, ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend von 9— 3 Uhr und 5— 7 Uhr, Sonnabends von 9— 1 Uhr geöffnet. zreiaeweerschaftlich« Jugend. Spieltrcfsea de» SotMeeitc» auf dem Metall» arbeitci-Tportplat! Kaumschuleilwea, Beginn 2 Ufte nachmittag». Im Programm sind vorgcselicn: Ballspiele. Ztämpse der Mädel» und der Burschen, Hindernisläufe. Vollstänge, Buntes Treiben. Die tbruppcn der andercn «reise sind hciglichit willlommcn. sZahrgetegenheit di» Bahnhof Baumschulen- weg, von hier Ucbersehc» über die Spree. Verantwortlich für Politik: Dr. Tuet Geyer; Wirtschaft: Ariur Taternu»; tSewerlschaftsbewcgung: I. Steiner: sscuilleton: Dr. John Schikorrski; Lokqlc» und Sonstiges: Frih«arslädt; Anzeigen: Th. Sloit-: sämtlich in Berlin. Verlag: Borwärts-Berlag G.m.b.H.. Berlin. Druck: Vorwärts. Buchdruckrrei und Berlagsanftalt Paul Singer u. Co.. Berlin SW K8. Lindenitrahc 3. Hierzu 2 Beilagen,„Unterhaltung und Willen",„Aus der Ailmwelt" und„Blick in die Biicherwett". GEGENÜBER DEM RATHAUSE BERLIN C Erweitertes M«bel Haus Besonderer Eingang König st r. 7 Rcintuollcncr Cheviot i S in neuen Farben........... Mtr. 1• U" Reinwollene Schotten.« in aparten Herbstmustern.... Mtr. M• Reinwoll. Pullover-Stoffe« ✓ in neuen Musterunge.n u. Färb., Mtr.£ e" U Seidenstoffe ,95 .90 .40 .90 ,80 Bastseide reine Seide, ca. 80 cm 1 i BartKid« iÄtSÄfc. 3 f"\____, Kunstseide mit Baum- O Damast woi|ei 85....... Mtr. Z Crepe de Chine moderne£ Druckmuster, 100 cm...... Mtr. D- Lindener Köpersamt q .chwarz oder farbig, 70 em. Mtr. O, Damenkleidimg Merbst-NeuHeltem Kleid aus reinwollenem Rips. 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DamenhQte= 1.751 3.501 7.50; : in vielen Formen 1 FllXhUt und Farben..... : Filshut mit Band garniert, in viel. Formen u. hellen Farben HlSt Velvet. Gaufri, garniert, neue Form, in vielen Farben ■«■••••fMMMHIIMimiKMnMttl IIMtStllillMillftllt Für den Schulanlang Mädchenkleider aus farbigen Wasch- Stoffen, verschiedene Macharten Lg. 60,65 70 75,80,85 1 90,95,100 2.90 3.90, 4.90 Mädchen- F al tentöche m. Leibchen a. reinw. marine Cheviot Lg. 60,65.70| 75,90.85; 90,95,100 5.60 6.6017.60 Knaben-Anzug blauer od. färb. Stoff, Einknopf•Kittel- od. Blusenform Gr. 00-2.. Knaben-Anzug Schlupfblusen- od. Sportform Gr. 3 für ca.*7 r\ 5 Jahre... Ö« 4 V/ Steigeruaa 60 Pfg. Knaben-Schulanzug Sportform aus guten Stoffen 6r.3*7 O/� für ca. 5 Jahre 4•t/V' Steigerung 60 Pfg. 550 Knabon-T aghetnd aus Hemdentuch mit Matroicnaus- /"N «chn., lg. 40cm V• c7 w Jede weit. Gr. 0.20 mehr Madchen-T aghemd m5tickerei-Ansatz u. Hohls.T rägerform od. Achselschi.*1 O/� Lg. 55cm.. Jede weit. Gr. 0.20 mehr Mädchen-Beinkleid Springf. m. Stickerei- Ansatz*1*1 CI Lg. 30cm.. A ♦ A O Jede weit. Gr. 0.20 mehr Mädchen- Hemdhose m.Stickerei-O /\ Ans. Lg.60cm Jt W Jede weit.Gr. 0.25 mehr Mädchcn-Piinze ffrock m. Stickerei- Ansatz u. Hohls. O Q/� Lg. 60 cm. jC.ÖKJ Jede weit. Gr. 0.25 mehr Kinderstrümpfe Baumwolle /*N C* farbig, Gr. I U.DO Steigerung 5 Pfg. MfllttfllMSSSSISISfSSSSI j Regenschirm f. Damen. Halb- • seid. 12 teilig, braun, grün, marine 7.801 Reinw. Charmclin nsii«,mo(iem. s q/\ Gewebe, in aparten Farben, ca-lSOcm, Mtr. Os x Velours de laine, vorzügliche Mantelware in soliden Farben ca. 130 cm................. Mtr.•• ✓" Neuheit für Mäntel Ottomane mit gerauhter Abseite, schwere£| QA Quaiit., neue Farben, 130 cm, Mtr. Waschstolfe ZcpHtr einfarbig oder gestreift für Sporthemden u. Hauskleider, Mtr. Vollvoilo weiß, bestickt. hervorrag. 4 CA Schweizer Qualität, 112 cm, Mtr. 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Itr. 370 ♦ 43. Jahrgang 1« Heilage öes VorWärts Sonntag, 8. Mgust1H2b p e t e r Fern— sehr fern liegt die Zeit, die eine liebenswürdige Poesie ihrem Wanderburschen in das verstaubte Wams hineingewoben hat: ßn Versen, aus denen lustig das 5)orn des Postillons klingt, zwischen deren Zeilen der Herr Meister und die Frau Meisterin rumort und in denen der Wein mit des Wirtes Töchterlein sich reimt. Unsere Aest begeistert sich nur in Paragraphen, Verordnungen— Straf- gesegen für die, die ruhelos die Straßen des Landes ziehen. Wohin sie auch ihren Weg wenden, überall sind sie von einer amtlichen Für. sorge umgeben, die Schutz sein soll für Land, Leute und ihre Habe, gegen einen Feind, den hungergepeinigt� Eingeweide in Menschen, die die Not entnervt, gebären. Mit Recht ist man bedacht, ihre Wege und ihr Tun verfolgen zu können, denn es find Legionen geworden, und immer neue Scharen spült die Elendsflut der Großstädte hinaus auf die Straße ohne Ziel. Kommt man ein gutes Stückchen aus Berlin heraus, vielleicht nach Stendal, Magdeburg oder Wittenberg, kann.man an den Zugängen zur Stadt große weiße Schilder f'itrden: Wanderarbeits statte, Westerwall(Stendal), oder wo sie sich gerade befindet, und darunter steht groß und fett:»Bettelei ist verboten und wird streng bestraft." Das ist Einladung und Mahnung zugleich für die, die hier Einkehr zu halten gedenken. »Mit oüer ohne!* Umfang und Einrichtung der Wanderarbeitsstätte ist grundvcr- chiedon und entspricht der Bedeutung des Ortes, in dessen Mauern sie 'ich befindet. Bald liegt sie draußen einsam zwischen Gärten und veldsrn, bald verkriecht sie sich in einem abseitigem Gäßchen, grau, zwischen anderen grauen Hausern. Ebenso verschieden ist der bau- .ichc und hygienische Zustand der Stätten, die gegen Arbeitsleistung »mittellosen Wanderern" Unrerkunft und Verpflegung gewähren. Für die Ausnahme ist es jedoch Vorbedingung, daß der Obdach. heischende einen ordnungsmäßig geführten»wanderschein" vorweisen kann, denn die Arbeitsstätten sind so verteilt, daß sich eine genaue Kontrolle der zurückgelegten Wegestrecke durchführen läßt.—— Spät am Nachmittag kommen bestaubt oder durchgeregnet die ersten Gäste— und mit des Zeigers Laus kommt eine bunte Gesellschaft zu- sammen, aus ollen Himmelsrichtungen,-• im Schicksal gleich wie ein« große Familie. Alte Menschen, junge,— blühende und zerfallene, vom Elend der Straß- zermürbte, die in allen möglichen Stellungen ihre Müdigkeit plastisch gestaltete, haben doch die meisten einen Weg von etwa 3t) Kilometer hinter sich. Manches Auge sucht sehnsüchtig die.Futterklappe", die sich bald öffnen und dampfende Näpfe her, geben soll, denn trotz der strengsten Trennung zwischen Küche, Ver. waltungsräumen und den Aufenthalts- und Schlafräumen der Wan- derer hat sich der feine würzige Dust einer kochenden Erbsensuppe durch die Spasten geschlichen. Damit aber der stärkste Appetit hin- gehalten wird, gibt es erst eine peinliche Prozedur.»Hemden aus", heißt es, und im Nu wimmelt es in der Stube von nackten Leibern, die sich einer Ecke zudrängen, wo mit einer elektrischen Handlampe bewaffnet der.Vize" des Haüses die Gäste sorgsam nach.rein" oder '.unrein" scheidet: nicht etwa nach dem gleichmäßig schämigen Grau der Hemden, sondern ob mit oder ohne Ungezilßer. Die„Unreinen" müssen gleich in den Keller in die.Bienenkammer", wo sie in der Abgeschiedenheit ihr kahles Lager finden.— Dann gibt es das Abend- brot, einen Liter Suppe, der die in allen Mundorten redenden Mäuler beschäftigt. In das satte Behagen, das sich schnell bemerkbar macht, bringen die blitzenden Gestalten zweier Polizeibeamten eine unangenehme drückende Stimmung. Sie kommen jeden Abend zum »Ztachslebben", mit dem dicken roten Fahndungsbuch unter dem Arm. Sie kommen hierher aber zu jeder anderen Tages- oder Nachtstunde. Fehlt irgendwo ein Regenschirm, oder sonst ein Gegenstand, wo vor- her ein Bettler vorgesprochen hat, dann wird mit Zeter und Mordio die Polizei alarmiert, die an dieser Stätte' pflichtgemäß, aber ver. drossen Nachsuche hält. Sie weiß es genau, wie der Hausvater, daß hier nur Leute mit einem„ziemlich" reinen Gewissen Einkehr halten. Selten, sehr selten geht hier jemand„hoch".-- Langsam schleicht die Zeit durch die Tabakschwaden der Fremdenstube,— zu langsam für die müden Wanderer, bis es Schlafenzeit wird und es hoch geht in die Schlafsäle mit den einladenden Betten— richtigen Betten. Trotz der klaffenden menschlichen und moralischen Unterschiede, die unter den Menschen hier herrschen, kann man eine außergewöhnliche Eintracht und Ordnung bemerken, die fast eigenartig zu dem frag- würdigen Aussehen der GestaUen, die sich emsig entkleiden und das wärmende Lager suchen, wirken. Sei öer Arbeit. Morgens um 8 Uhr geht es los. nach einem bescheidenen Früh- stück von Kaffee und Marmeladcnbrot. Zögernd, nicht unwillig folgt die bunte Gesellschaft den Anweisungen des..Vize", der die Arbeits- stätten anweist und Handwerkszeug ausgibt. Für einige Leute gibt es Hausarbeit. Bettenmachen. Scheuern,— und zwei oder drei ganz Alle müssen Kartosfeln schälen, für die, die am Abend hk»r Einzug halten. Die hauptbeschäsligung ist aber holzsagen und-spalten und Landarbeit.-So emsig auch der Betrieb sich bald ansieht— es ist lein freudiges Schaffen unter dem Zwange der Selbsterhaltung sür Brot und Bett— und dann hindert die Unerfahrenheit in der Ver- richtung der primitivsten Arbeiten.— Der da mit z-rlotschten Lack- schuhen, die auf Asphalt und Pflaster ihren Glanz ließen, den Spaten in die Gartenerde treibt und mit weichen Händen, sein Werkzeug mühsam meistert, hat hinter seinen Büchern, in die er zu seinem Er-. werb Zahlen aus Zahlen hineinmalte, nie etwas von des Gartens Bestellung geahnt. Jetzt murmelt er in seiner Hilflosigkeit Ver- wünschungen über die Erde,— die mit gebärender Kraft gesegnete. Hellauf kreischt die Süp, die eine ungeübte Hand in den Stamm hin- eintreibt und mancher Schlag der Äexte verfehlt den Kloben. Das Ergebnis von vier Arbeitsstunden ist darum beschämend. An manchen! Orten gibt es nur Hausarbeit und Straßenrcmigung: wo anders! müssen Reinigungsorbeiten in Schulen oder Gasanstalte» gemacht j werden. Von einer rationellen Ausbeute der zur Verfügung Stehenden> kann wohl keine Rede sein, wenn auch die Wanderer an jeder gc- eigneten Stelle aus ihre„Leistungen" deuten. Die Organisation. Von der großen, großen Schar, die die Straßen zieht, ist es aber nur ein verschwindend kleiner Teil, der mit einem wanderschein in der lasche Obdach und Verpflegung in den Wanderarbeitsstätten sucht. Man sucht ober jetzt der großen Masse dadurch beizukommen, daß an vielen Orten die Wanderer, die sich obdachlos bei der Polizei melden, an die Arbeitsstätten gewiesen werden, wo sie gegen Arbells- leistung von einundeinhalben Tag einen Wanderschein erhalten, wenn sie denselben nicht sür Geld erwerben können. In diesen buchartigcn Schein wird genau Abgangszeit und Ziel eingetragen, so daß der Wanderer gezwungen ist, Route und Zeit einzuhalten, wenn er nicht Obdach und Verpflegung verlieren will. Die Verwaltung der WASt. erfolgt durch den Deutschen Herbergsoerein unter der Kontrolle des Landeshauptmanns und mit Zuschüssen der«tädte. Der Hausvater, der jeweils die Arbeitsstätte leitet, hat zu seiner Unterstützung einen logenanrten.Vize", der sür Sauberkeit und Ordnung zu sor-'cn hat Er oerteilt die Arbeit— und auch das Essen.�- „Memdea aus." Vom Sechzehnjährigen, der noch nicht die Lektionen der Schule vergessen haben kann, bis zum gebeugten Graukops ist jedes Aller auf der Landstraße vertreten, doch überwiegen die Gestalten der Jugend, in denen das Nomadenleben des Krieges wachgcworden ist, in der Enge der Arbeitslosigkeit. Es sind nicht wenige, denen ein Entlassungsschein aus der Strafanstalt den Zugang zu Heimat und Haus versperrt. Manchen trieben fordernde Gläubiger hipaus. Un- wisscnhest, Mutwillen und Leidenschaften sind aber meistens die Ver- sührcr, die auf die weite, weite Straße ohne Ziel führen. � Die Sigurantin. Roman eines Dienstmädchens von Leon Arapie. Autorisierte Uebersetzung aus dem Französischen von Kunde-Grazia. Man versprach Sulette die Adresse einer Stelle für den folgenden Morgen. Beim Verlassen des Nachweisbureaus amüsierte sie sich aus Kosten einer hochgewachsenen liothaarigen, die dem Alter nach schon als Köchin gehen konnte und die ein Gymnasiast in Jnternentleidung mit 'er Brunst eines zu kleinen Hundes umwarb. Sulette aber erstand bald, daß ein Herr im schwarzen Anzug sich an ihre Zersen heftete. Ein Wagenandrang, der sie nötigte, am t.ande des Bürgersteigs zu warten, erleichterte den Angriff. „Schönes Wetter heute abend. Fräulein...- Haben öie weit zu gehen?". Sie wich zurück und wollte stehenbleiben, bis dieser Zudringliche sich entfernte, aber jetzt fühste ihr der Menschenstrom zahlreiche seingekleidete Herren entgegen, welche in schräger Richtung auf sie zukamen und ihr mit Annäherungsoersuchen drohten. Sie wechselte den Steig und plötzlich fühlte sie in sich as Erwachen eines neuen Sinnes: sie erlangte dieses :'.si!.niert-wcibliche und Pariser Talent, nach der Seite zu cken, ohne hinzuschauen, hinter dem Rücken den Passanten , ahnen, der ihre Formen einer Musterung unterzog. Sie -stand auch mit Hilfe der Schcksifensterscheiben seitwärts > schielen. Unter den zahlreichen Nachstellungen eilte sie, h duckend, die Lippen zusammengepreßt, mit unter dem ch gefalteten Händen weiter. Ain andern Morgen bestand ibr einsiges Abenteuer in daß beim Weggang aus dem Vermittlungsbureau ein rnn sie mit der liebevollen Absicht ansprach(während er ' r sd'nstar geheimnisvoll obstöne transparente Karlen o». d ah er ihr eine großartige Stelle im Ausland oder ich leichten und angenehmen Dienst in einer Kneipe des -uartier Latin nachweisen wollte. Er verfolgte sie lange seit mit werberhafter. Zudringlichkeit, wobei er versuchte, sie in eine Droschke zu bekommen. Dank energischer Zurückweisung erreichte sie es, ihren Weg ruh'g fortsetzen zu können: nicht ungern fühlte sie die verlangenden Blicke der auf dem Wege nach ihrem Schreibtisch begriffenen Angestellten auf sich ruhen. In einem fünften Stockwerk der Rue des Batignolles östnete eine bejahrte Frau, die einen triefäugigen Mops- bastard im Arm hielt, halb ihre von einer Sicherheirskette gehaltene Tür. „Sie kommen vom Dienstbotenbureau?" fragte sie in mißtrauischem Tone,„reichen Sie mir den Ausweis durch die Türspalte." Nach peinlicher Durchsicht des Scheines wurde Sulette hereingelassen und das Examen begann: „Sind Sie wenigstens reinlich?" „Reinlich?..." „Gott, ich frage nicht, ob Sie noch ins Bett... Sind Ihre Eltern dick? Ich will das wissen, weil ich sehe, Sie sind mager wie ein Brett: ist das Anlage, dann hats nichts zu sagen, aber wenn Sie ausgehungert sind, bin ich nicht gesonnen, Sie zu beherbergen, weil Sie mir sonst alles im Hause verschlängen. Und dann muß man Ausdauer bei der Arbeit haben, darf mit seinem Schweiß nicht sparen: muß nüchtern und willig sein.... Sind Sie ein eheliches Kind? Ich möchte in meinem Hause kein Dienstmädchen von außerehelicher Geburt." „Ihre Eltern sind niemals bestraft worden? Schnell, überlegen Sie wohl, selbst ihr Dater nicht, gar nicht ein einzigesmal wegen Trunkenheit? Sie werden mir unter- fchriebene, beglaubigte Zeugnisse verschaffen, ebenso Atteste über Ihre Eltern, Brüder, Schwestern, wenn Sie welche haben... ich bin einverstanden, auf diese Urkunden zu warten, bis sie aus Ihrem Ort eintreffen." „Madame, ich..."' „Es ist Ihnen nicht gestattet, so zu sprechen, mich so anzusehen, sich so zu schnauzen, noch auch so zu seufzen. Und dann haben Sie eine Frisur, die ich nicht liebe, und zu enganliegendes Kleid, das ist unanständig. Ich setze voraus, Sie glauben doch nicht, meine Wohnung mit Ihren Jagd- stiefeln zu betreten. Kaufen Sie sich Halbstiesel zum Knöpfen, das lasse ich zu. Sie werden mir zu beweisen haben, daß nichts an Ihrer Wäschcausstattung fehlt. Die Dienstmädchen, die nicht genug Wäsche haben, schämen sich nicht, die ihrer Herrin zu brauchen, diese Diebinnen!" „Madame wird meinen Koffer durchsehen..." „B'S auf den Boden, seien Sie dessen sicher! Und dann, keine Parfüme: Sie scheinen nach Kampfer zu riechen? Verheimlichen Sie keine Krankheit? Strecken Sie die Zunge heraus. Mein Gott, was für eine spitze Zunge! Ist denn das natürlich? Ich wette, daß Sie schwatzhaft find: Sie werden mich zum Vorbild nehmen. Ihre Hände sind nicht aufgesprungen genug, sollten Sie Furcht vorm Scheuern haben? Wie lautet Ihr Name auf diesem Schein?" „Sulette, Madame." „Wie? Ich verstehe nicht, daß ein Dienstmädchen sich gestattet, einen solchen Namen zu tragen! Das ist ein Romanname, wahrhaftig! Ich hoffe, daß Sie bei der Arbeit nicht träumen, merken Sic sich, das Dienstmädchen gehört mit Leib und Seele seiner Herrschast, es ist ihm nicht gestattet, an etwas anderes als feine Arbeit zu denken, es muß den Kopf leer haben, auf diese Weise macht man keine Fehler, zerbricht nichts, trödelt nicht, um den Fliegen zuzusehen, wie sie mausen. Ich habe eben eine deswegen fortgeschickt, weil sie sich die„Veillees du dimanehes" kaufte, die freche Person!... Uebrigens bin ich nicht anspruchsvoll und gebe monatlich fünfundzwanzig Franken." Sulette hielt nur sechs Wochen jiuf der Rue des� Batignolles aus. Der geringste ihrer Schmerzen war, daß man sie zwang, die Ueberbleibsel zu essen, die der triefäugige Hund nicht mochte. Beziehungen knüpften sich zwischen ihr und dem Ver- mittlungsbureau, sehr beständige, freundschaftliche. Sie wechselte in sechs Monaten fünfmal mit ihrer Herrschaft. „Halt," sagte endlich der Agent, der Mitgefühl mit dem Unglück seines„Schützlings" heuchelte,„diesmal haben wir besseren Erfolg: ich bringe Sie bei einem Offizier, einem noch aktiven Hauptmann unter." Leider! Auch bei dem Hauptmann herrschte wie bei dem Professor, dem Beamten oder dem kleinen Kaufmann die Knauserei, die Bettelhastigkeit, die man mittels spanische� Wände zu verbergen eifrig bemüht war, und der Hauptpunkt dieses Augenbetruges war dos Dienstmädchen. Das Dienst- mädchen! Unglückliche Dekorationsfigur, die man nie ausgab und die in Ueberanstrengung und Elend die ganze Last der Repräsentation zu tragen hatte. Ohne Privatvermögen war der Hauptmann das Opfer seiner goldenen Tresse, der Etikette, der Garnisonwechsel, der Familie. Die Geldklemme und Eitelkeit mochten tzut militärisch sein, das Dienstmädchen litt deshalb nicht weniger darunter. In der Küche wurden Kämpfe um das zugeteilte Brot zwischen Sulette und der hungrigen„Ordonnanz" aus- gefochten. Eine beinahe vollige Fastenzeit folgte- den prunkvollen Diners, die von Zeit zu Zeit, je nach den Berpflichtungen, veranstaltet wurden. Im Keller hatte man keinen Wein: die bei jedem Empfang nöttgen edlen Gewächse bekamen ihr altes Aussehen beim benachbarten Delikatessen- Händler. Wenn eine Flasche am Leben blieb, tauschte man sie nach dem Fest gegen Zucker und Seife um. War sie unglücklicherweise entkorkt worden, dann bemühte sich die ganze Familie klopfenden Herzens, den Verschluß neu zu versiegeln. (Fortsetzung folgt.)
■Oedin an Staat und Reich. Aufforderung zur Vergebung von Notstnndsarbeiie«. Der Berliner M a g i st r a t hat an den Oberpräsiden- t e n von Berlin ein Schreiben mit der Bitte um Weiterleitung an die zuständigen Reichs- und Staatsbehörden gerichtet, aus dem wir folgendes entnehmen: „Während der Arbeitsmarkt im Juni 1925 einen so günstigen Stand auswies, wie er nicht in der Vorkriegszeit erreicht wurde— beispielsweise waren Ende Juni 1925 in Berlin nur 39 883 Arbeit- suchende vorhanden, von denen 11 512 Erwerbslosenunterstützung bezogen—, machte sich bereits im Juli 1925 ein langsames Steigen dieser'Zahlen bemerkbar. Diese Steigerung blieb bis Ende November 1925 immerhin noch in erträglichen Grenzen, obgleich zu dieser Zeit in Berlin bereits 191 758 Arbeitsuchende vorhanden waren, unter welchen sich-18 195 Erwerbslosenunterstützungsbezieher befanden. Im Dezember 1925 verschlechterte stch die Arbeitsmarttlage aber so, daß sich deutlich eine herannahende Wirtschaftskatastrophe ankündigte, die sich dann bis heute fortgesetzt verstärkt in geradezu verheerender Weise ausgewirkt hat... Während am 1. März d. I. 183 276 Er- werbslosenunterstützungsempfänger vorhanden waren, ist deren Zahl ständig gestiegen und betrug am 1. Juli 1926 263 862: am 1. August waren M3 965 vorhanden, ein weilerer Beweis dafür, daß sich die Verhältnisse in Berlin dauernd verschlechlerken. Was liegt näher, als die Aufgabe in den Bordergrund zu rücken, diese nicht allein der Sladt, sondern auch dem Staat und Beich gefahrbringenden Ver- Hältnisse zu bessern. Die Stadt hat die Lösung dieser brennenden Frage seit geraumer Zeit durch die Beranstaltung von umfangreichen Notstandsarbeiten zu lösen oersucht. Bekanntlich haben die städtischen Körperschaften erst vor einigen Tagen ein umfangreiches Not- standsprogramm beschlossen. Allein die Mittel der Stadt sind beschränkt, einmal durch die katastrophale Wirtschaftsloge, die selbst- verständlich eisten ebenso katastrophalen Rückgang der Steuereingänge nach sich zieht, und zum andern dadurch, daß Berlin bei der Der- teilung der Steuern auf das Empfindlichste benachteiligt wird..... Durchgreifende Besserung auf dem Berliner Arbeitsmarkt ist daher unseres Erachtens nur dadurch herbeizuführen, daß Reich und Staat ebenfalls von sich aus umfangreiche Rolftandsarbeiten vor- nehmen, bei denen eiize erhebliche Anzahl Berliner Erwerbsloser beschäftigt werden kann. Wir haben hieraus gerichtete Anträge und Anregungen bereits in unseren Schreiben vom 21. November 1925 und 25. Januar 1926 niedergelegt, eine direkte Antwort aber in dieser Beziehung nicht erhalten. Die Berhältnisie haben sich se'tdem, wie eingangs zahlenmäßig nachgewiesen worden ist, außerordentlich ver- schärst, so daß wir es für geboten erachten, diese Frage nochmals aufzurollen. Wir halten den Zeitpunkt dazu fetzt beson- ders geeignet, weil die Reichsregierung ein umfangreiches Arbeitsbeschaffungsprogramm ausgestellt und zum Teil bereits in Angriff genommen hat. Bei der Veröffentlichung ist aus- drücklich gesagt, daß die durch Erwerbslosigkeit besonder» stark betroffenen Gebiete bei der Vergebung der Arbeiten bevorzugt werden sollen. In diesem Programm ist u. a. auch die Eiellrüleruna der Berliner Stadl- und Ringbahn vorgesehen, für welche nach Presse- Nachrichten eine erste Rate von 46 666 666 M. ausgeworfen worden ist. Diese umfangreichen Arbeiten, zu deren restloser Ausführung erste Berliner Firmen ohne Zweifel imstande sind, würden zu einer durchgreifenden Entlastung des Berliner Arbeitsmarktes beitragen. Auch die Vergebung oonMateriallieferungen weiterer Arbeiten des Ärbeitsbeschaffungsprogramms der Reichsregierung a n Berliner Firmen dürfte nicht ausgeschlossen sein. Wir bitten daher, unseren erneuten Antrag, betreffend die Aus- sührung von Notstandsarbeiten seitens des Reiches und Staates unter besonderer Berücksichligung der Berliner verhällnisie an die zustän- digen Reichs- und Staatsbehörden weiterzuleiten und uns von deren Entscheidungen Mitteilung zu machen." Sieben?ahre Zuchthaus für öie Ilejsa Der„Schrei nach dem Kinde". Opfer ües Spiels. Da» Doppelleben eines Reglerungscat». Den Eindruck eines geistig und körperlich vollkommen zu- seunmengebrochenen Mannes machte der 42jährige Regierungsrat z. D. K ö r n e ck, der sich gestern unter der Anklage des fortgesetzten Betruges vor dem Schöffengericht Schöneberg zu verantworten hatte. Rur stotternd und bruchstückweis« konnte der AngeNagte einzelne Sätze vorbringen und vermochte sich nicht klar und zu- sammenhängend auszusprechen. Auch seine Kleidung und äußere Erscheinung ist völlig vernachlässigt. Eine unselige Spielleidenschaft und der krankhafte Glaube an ein unfehlbares Spielsyftcm, er nennt es„Beobachtungssystem", haben ihn so weit heruntergebracht. Körneck war stellvertretender Landrat in Helgoland gewesen, dann Stellvertreter eines Regierungspräsidenten und war schließlich mit jungen Jahren in eine verantwortliche Stellung bei einer Regierungsbehörde in Berlin gekommen. Im Amt bewährte er sich glänzend, führte aber außerhalb des Dienstes ein Doppclleben. Nacht für Nacht verbrachte er in Spielklubs, und seinen Urlaub verwendete er zu Reisen nach Monte Carlo und an andere Spielstätten. Er war von dem Glauben an sein untrügliches Spiel- fystem derart erfüllt, daß er alles opferte und nicht nur sein Vermögen, sondern auch das seiner Angehörigen verspielte. Als er nichts mehr hatte, verspielte er auch die Woh- nungseinrichtung foiner Schwester, mit der er zusammenwohnte. Als diese sich dem widersetzte, ging er gewaltsam gegen sie vor. Das Endergebnis war, daß er gegen 56666 Mark Schulden hatte. Alles war dem Spielteufel geopfert. Zuletzt befaß er nichts weiter als den Anzug, den er auf dem Leibe trug. Im Jahre 1922 begann sein ethischer Berfall, er hatte aber noch so viel Ueberlegung, daß er sich auf Wartegeld stellen ließ, weil er befürchtete, in seiner Geistesverwirrung als Beamter etwas Strafbares begehen zu können. Da er sich schämte, seiner Schwester vor Augen zu treten, blieb er von Hause weg, und er übernachtete in Hotels und Pensionen. Den Mangel an Gepäck«, entschuldigte er damit, daß er als Landrat von Helgoland ins Ministerium berufen worden sei, und daß sein Gepäck nachkomme. Nach einigen Tagen verschwand er unter Hinterlassung von Schulden. Auch eine Reihe von Schulkameraden suchte er auf und entlieh sich unter falschen Vorspiegelungen Geld. Der Angeklagte wehrte sich dagegen, daß er jemand habe betrügen wollen. Wenn er Geld in der Hand hatte, dann sei er sofort im Banne der Spiel- leidenschaft gewesen. Er habe den bestimmten Glauben gehabt, alles am nächsten Tage zurückzahlen zu können, weil er mit seinem Fra«rf»rt. 7. August. sWTB.) Nach sechsstün- diger Beratung wurde im Flessa-Prozest folgendes Urteil verkündet: Die Angeklagte Wilhelmine Fleffa wird wegen versuchten Totschlages in Tateinheit mit fahrlässiger Tötung zu 7 Jahre» Zuchthaus wuter Anrechnung von S Monaten Untersuchungshast verurteilt. « Vor den Schranken des Frankfurter Gerichts steht die Kranken- fchwester Flesia. Klein und unscheinbar, spricht oft so leise, daß sie kaum verstanden wird, im Affekt schreit sie aber häufig die Zeugen an. die Aussagen machen, die sich mit den Borgängen nicht decken, wie sie ihr präzises Gedächtnis aufbewahrt. Eine fleißige Pflegerini Ihre Tage laufen im anstrengenden Beruf dahin: Unscheinbar wie die tausend anderer Personen, die ihre Pflicht erfüllen. Nur die Eigenan des Schwesternberufes, stch für das Leben und die Gesund- heit anderer aufopferungsvoll einzusetzen, gibt diesem bisher unbe- achteten Leben ein gewisses Sondergepräge. Vielleicht kann man von diesem Ausgangspunkt manche seelische Betrachtung finden. Die Schwester liebt den Arzt Dr. Seitz. Sie erwartet von ihm ihr Lebensglück und will von ihm ein Kind be- sitzen. Diesem Verlangl» steht die bevorstehende Verlobung des Dr. Seitz im Wege. Die Schwester erschießt den Arzt und vernichtet damit ihr Lebensglück und das ihrer Rivalin. Der Trieb zu dieser Impulshandlung ist die Sehnsucht nach einem Kinde gewesen Die Kraft der Mutterliebe zum werdenden oder lebenden Kind ist lange bekannt und hat schon oft zu übermenschlicher Tat getrieben. In der Seele der Schwester izlessa aber dämmert zuerst nur der Wunsch nach einem Kinde, welcher im verlangenden Schrei ausklingt. Mit aller Herzenskrast sehnt sie das Kind oes Geliebten herbei. Die Liebe zu diesem ungeborenen Wesen ist so groß, daß sie auf alle Alimentationsansprüche gegenüber dem Dater verzichten will, ja sie ist so stark, daß die Schwester in der Liebesrivalin auch die Todfeindin des ungeborenen Wesens sieht. Wilhelmine Flessa hat bisher andere, gepflegt und für deren Gesundheit gesorgt. Sie will ihre bisherige Betätigung der Menschen- liebe persönlicher Destalten durch die Wartung eines eigenen Kindes von dem Geliebten. Darin soll ibr Lebensglück bestehen! Durch alle Prozeßberichte zieht wie ein roter Faden dieser Schrei nach dem Kinde. Jean Paul hat einmal gesagt:„Wenn ein Weib Nebt, liebt es in einem fort, der Mann— hat dazwischen zu tun." Der Arzt Dr. Seitz, körperlich kräftiger, aber seelisch von mcht so komplizierter Beschaffenheit wie die Schwester, ist dem Ideenkomplex im Kopf des liebenden Weibes nicht gewachsen gewesen. Er fuhtt sich von dem Trieboerlangen eingeengt, fragt Freunde, was er tun soll, kann sich abends schwer aus geselligem Kreise lösen, weil er im Schatten der Nacht die Verfolgung durch diesen Schrei nach dem Kmde fürchtet. Der chirur- gisch ausgebildete Mediziner geht einfach über den Ideenkomplex hinweg und bemnnt Verlobungsoeziehungen zu einem jüngeren hübscheren Mädchen, als es die im Dienste der Krankenpflege auf- gearbeitete Schwester ist. Nun ist Wi'hclmine Flesia nicht nur von dem Geliebten übergangen, sondern der Schrei nach dem Kinde wird erstickt durch die..drohende" Verlobung des Dr. Seitz. Was soll sie tun? Sie fühlt ihr Lebensglück vernichtet, ihre bisherige Arbeit, andere zu pflegen, erscheint ihr gering. Ihr fehlt das Kind, da« Kind ihrer Sehnsucht, dem sie all ihre Liebes- und Pflegekunst widmen will. Das Urgefühl des Weibes:„Mutter zu fein" bricht sich eine lebendige Bahn durch den dünnen Mantel konven- tioneller Schranken. Die von ihren Gefühlen Bedrängte sucht nach einer Form des Zlusdrucks. So erwartet sie den Geliebten, als er da» Haus verlassen will. Hat sie die Absicht zu töten? Einen Revolver führt sie bei sich, das Gift— zur Selbstvernichtung?— ebenfalls. Sie will bjn Geliebten nicht toten, bewahre, sie sagt, sie habe ihm nur einen„Denkzettel" geben wollen, einen Schuß ins Bein, daß er zu Haufe liegen und an sie denken müsse, daß er nicht mehr über ihren Ideenkomplex hinweggeht, sich ein �anderes Lebensglück sucht und ihren Schrei nach dem Kinde überhört. Der Geliebte kommt die Treppe herunter, spricht zu ihr im väterlichen Ton, der, wie sie sagt, gerade in solcher Situation nicht angebracht ist. Sie fühlt wahrscheinlich, wie unbesorgt der Geliebte über ihre Ideen hinweglebt. Das fordert einen.Denk"-Zettel. Sie feuert drei Schüsse mit ihrem Revolver ab: aus einer Entfernung von nur 3 Zentimeter trifft die erste Kugel den Geliebten tödlich ins Herz. Der Denkzettel ist gegeben. Die Täterin übersieht natür- lich nicht im ersten Augenblick die volle Tragweite ihres Handelns. Sie will den Verwirklicher ihrer Sehnsucht retten. Darum ihr gellender Ruf noch einem helfenden Arzt. Als sie sieht, daß der Geliebte sein Leben aushaucht, gerät sie in Verzweiflung und begeht einen Selb st Mordversuch, denn nun ist ihr Schrei noch dem Kinde wirklich erstickt durch den Tod des Geliebten. In der Verhandlung vor dem Gericht tritt die Schwester Wil- helmine Flessa ein für das reine Eharalterbild des Getöteten:„Zur Rechtfertigung des toten Dr. Seitz", spricht sie,„muß ich sagen, daß er so taktvoll war, niemand von memen Briefen etwas zu sagen. In der Liebesrivalin sieht sie auch letzt noch die Todfeiiz�in und die Vernichterin ihrer Hoffnung auf keimendes Leben. Im Seelenleben der Schwester Wilhelmine Flesia ist die an und für sich natürliche Sehnsucht des Weibes nach dem Kinde verhängnisvoll geworden. Die Erhaltung der Art, die in der Gatten- und Mutterliebe gipfelt und dem Weibe in höherem Maße von der Natur zuerteilt ist als dem Manne, hat hier in tragischer Weise Schicksal gespielt. Eine Aus- fcheidung des Bewußtseins im Sinne des z 51 des Strafgesetzbuches, so daß Straffreiheit die Folge wäre, wird nach dem Gutachten der Sachverständigen verneint. Aber mit Recht sagt Wilhelm S t e k e l in seinen.Impulshandlungen" folgendes:„Die zwei wichtigsten Aeußerungen des Lebenstriebes sind: Hunger und Liebe. Der Hunger dient der Ernährung des gegenwärtigen tag- lichen Lebens, die Liebe sorgt für das zukünftige Leben. Geschlechts- trieb und Ernährungstrieb stellen die zwei wichtigsten Komponenten des Lebenstriebes dar. Der Ernährungstrieb sorgt für das Jndi- viduum, der Geschlechtstrieb für die Gattung- Der Lebenstrieb sit der Trieb nach Lust, der sich in dem jedem Menschen immanenten Drang nach Glück ausdrückt. Glück ist ein infolge, von Lustempfin- düngen(oder ein durch Aufheben ron Ilnlustempfind'.mgeni ge- steigertes Lebensgefühl." Das Glück der Flesia. wurzelt in ihrem Schrei nach dem Kinde. Ihre Unlustempfindungen gehen.aus von der„drohenden" Berlobungsgefahr des Geliebten. Die Aushebung der Unlustempfindungen will sie durch einen Denkzettel erzwingen. Der egoistische Reflex siegt blindlings, ohne die Folgen der Tot zu bedenken. Das Urgefühl des Weibes:„Mutter zu sein", artet aus in den B e m ä ch t i g u n g s t r i e b, den Geliebten zu besitzen, um ein Kind von ihm zu bekommen. Dieses Triebleben im Verein mit der Eigenart schwesterlicher Aufopferung ist der Flesia zum Verhängnis geworden. Sie. die bisher sich geopfert, füblt für die Gesundheit und dos Glück anderer, wird im verstärkten Maße vom Lcbcnstrieb gefangen genommen und zur verhängnisvollen Tat verleitet. Der Prozeß der Krankenschwester sollte erneut Anregung geben, darüber nachzudenken, ob es nicht im Interesse der Dolksgesunddeit geboten erscyeint, überall im Leben aus die Eigenart der weiblichen Seele weitgehende Rücksicht zu nehmen, denn da» Weib entwickelt unter Aufgabe eigener Masse und Kraft den künftigen Menschen. Nicht ungehört sollte in der menschlichen Gesellschaft der„sehnsuchtsvoll zärtliche Schrei" des Weibes nach dem Kinde verhallen, den eine Dichterin in die poetischen Verse kleidet: „Deine fordernde Sehnsucht wird wohl still, Wenn ihre Küsie mich herzen, Aber meine schweigt nicht— Du— ich will Mutterschmerzen!" Dr. med. Max Grünwald, Dortmund. „Beobachtungssystem" da» Zehnfache gewinnen mußte. Daß e« aber immer anders kam, hatte dem Angeklagten nicht die Augen geöffnet, er glaubt noch immer daran. Was es denn mit dem System sei, fragte ihn der Vorsitzende, Landgerichtsrat Schenk. Höchst ver- worren war die Antwort des Angeklagten.„Wenn beim Bakkarat auf eine rote oder schwarze Sieben nacheinander eine rote und schwarze Bildtarte gezogen wurde, dann muß Schlag auf Schlag der Gewinn zehnmal hintereinander folgen." Da schon früher Bedenken an der Zurechnungsfähigkeit des Angeklagten aufgestiegen waren, war er auf Antrag von Medizinalrat Dr. Stürmer drei Wochen in der Irrenanstalt Herzberge beobachtet worden. Oberarzt Dr. Hasse berichtete dem Gericht über das Ergebnis. Bis 1922 weist Körneck eine tadellose Vergangenheit auf. Dann beginnt sein ethischer Verfall. Er ist jetzt menschenscheu, verschlossen, nachlässig in der Kleidung, geht meist unrasiert herum und benimmt sich, wie man es von einem Manne seiner Bildungsstufe nicht erwarten sollte. Väterlicher- und mütterlicherseits ist er schwer erblich belastet. Auch Medizinalrat Dr. S t ö r m« r hält den Angeklagten � für einen verblödeten Fanatiker eines unseligen Soielsystems, und er vertritt ebenfalls die Ansicht, daß der Angeklagte seine Schwindeleien in einem Zustande oerübt habe, bei dem die freie Willensbestimmung ausgeschlossen war. Auf Grund dieser Gutachten beantragte Staatsanwaltschaftsrat Meinecke die Freisprechung des Angeklagten. Rechtsanwalt Themol bat das Gericht, zu erwägen, ob der Angeklagte unter Berücksichtigung seines festen Glaubens an die Möglichkeit eines Spielerfolges nicht aus anderen Gesichtspunkten freigesprochen werden könnte. Das Schöffengericht konnte sich zu einer anderen Auffassung als der des Staatsanwalts nicht entschließen. Der Angeklagte habe sich durch- aus gewandt benommen, und systematisch sei er auf Betrug aus- gegangen. Er wäre also an sich wegen Betruges zu oerurteilen gewesen. Das Gericht hat aber den persönlichen Eindruck gewonneg, daß der Angeklagte für seine Handlungen nicht zur Ver- antwortung zu ziehen sei, und hat ihn daher gemäß dem Gutachten der Sachverständigen wegen Geistesgestörtheit auf Kosten der Staatskasse sreigesprochen. Absturz eines Zeit«ngsflugzcug»s. Gestern nachmittag kurz nach 3 Uhr stürzte das Zeitungsslugzeug „Sabi" der Deutschen Lusthansa A.-G. aus dem Tempel- h o f e r F« l d aus einer Höhe von 36 Metern ab. Der Apparat wurde zertrümmert. Der Flugzeugführer und der in der Kabine sitzende Be- gleiter blieben wie durch ein Wunder unverletzt. Wir erfahren hierzu folgendes: Das Z.-Flugzeug startete um 3,16 Uhr zum Flug nach Swinemünde. Als sich der Apparat in etwa 36 Meter Höhe befand, sackte dieser plötzlich ab und prallte mit großer Wucht auf dem Erd- boden auf. Der Propeller wu?de zersplittert und das Fahrgestell in die Kabine gedrückt. Der Führer und sein Begleiter kletterten unversehrt aus dem zertrümmerten Flugzeug und kamen mit dem Schrecken davon. Ueber die Ur- jachen des Absturzes ist eine Untersuchung im Gange. Ein Autobus fährt in ein Zigarrengeschäft. In der K ö n i g st r a ß e geriet gestern abend ein Autobus der Linie 2 ins Schleudern und fuhr an der Ecke Hoher Steinweg auf den Bürgersteig. Der Führer konnte den Wagen nicht mehr zum Hallen bringen und fuhr mit voller Wucht in das Schau- fenster eine» Zigarrengeschäftes. Unter den Fahrgästen entstand eine Panik. Glücklicherweise wurde niemand verletzt, lediglich drei Damen zogen sich einen Nervenschock zu. Daß kein größeres Unheil entstand, ist der Unerfchrockenheit des Führers zuzuschreiben, der bis zum letzten Augenblick auf feinem Sitz ver- blieb. Der Aboag-Wagen mußte schwer beschädigt abgeschleppt werden._ Zigeunerschlacht in Hohenschönhausen. Zu einer schweren Schlägerei zwischen Zigeunern kam es gestern in der Sommcrstraße zu Hohenschönhausen. Es entspann sich ein blutiger Kampf zwischen zwei Parteien, so daß das Ueberfallkommando herbeigerufen werden mußte. Der Zigeuner Otto K l i ch, dessen Wohnwagen in der Sommerstr. 27 steht, wurde von einem Angreifer, dem Zigeuner Florian Petermann, durch Mengenabgabe vorbehalten rtm m Schleißfedern fertige Betten Schleißfedern...3.90"""i*«3 Schleißted. umu*.20 ES''' ZZ ZZ ßunffedern»,«»«l-»,»»«?»»»,<»,«.»«>>« .„ j'" tftrklMtuot, mit knMren Graue redern... 95». aopu.twn Entenfedern»>1*113.40 Oberbett..... 35.50 Entenhalbd.wirtcm.4.80 Unterbett.•..30.50 Weißer Rupf»«>4.90 Kissen...... 11.75 Jfonopoldaunen ideale BsMQIIung, ecia ehioee., gce. geech... 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Schnitte mit einem Rasiermesser schwer verletzt. Tr wurde durch einen Wagen des Städtischen Rettungsamtes nach dem Augusta- Krankenhaus in Weitzensee geschafft. Petermann wurde der Krimi- nalpolizei ubergeben. Weitere Beteiligte entzogen sich der Der- Haftung durch die Flucht.— Zu einer weiteren Schlägerei kam es vor einem Restaurant in der Gericht-, Ecke Grenzstratze. chierbei wurde der 36 jährige Oskar Günther aus der Wilhelm- strotze 44 zu Lichtenberg am Kopf schwer verletzt. Er fand im Birchow-Krankenhaus Aufnahme. Sein Zustand ist hoffnungslos. Ein größerer Jabtifbranb beschäftigte gestern nachnüttag gegen �4 Uhr mehrere Stunden lang die Feuerwehr in der S ch i ck l e r- st ratze 12. Das Feuer kam in einem O el la g er zum Ausbruch und griff auf einen Motorenraum über. Nach längerem Wassergeben konnte das Feuer gelöscht werden. Die Entstehungs- Ursache ist noch unbekannt, vermutlich aber auf Selbst ent- z ü n d u n g zurückzuführen. Die Kommunisten veranstalteten am Sonnabend abend für die Dezirk« Neukölln und Prenzlauer Berg eine Antikriegs- kundgebung mit Stratzendemonftrationen, Ansprachen im Volkspark Neukölln und einem Fackelzug. Da es in der letzten Zeit bei Kundgebungen der Kommunisten mehreremal zu Krawallen ge- kommen ist, sah man mit einiger Sorg« der Veranstaltung entgegen. Wie Polizeipräsidium und Polizeikommando Neukölln mitteilten, ist es zu keinen Zwischenfällen gekommen. Die Srala hat in den Mittelpunkt ihres Eröffnungsprogramms eine Revue amerikanischer Zwerge gestellt. Singers Midget». Aus dem einleitenden Teil ist hervorzuheben der ganz originelle Exzentrik-Akt Toto. Das ist vielleicht für uns ein bitzchen zu amerikanisch. Diese Groteske setzt«ine primitive Einstellung vor- aus, die bei uns nicht mit der gleichen Ursprünglichkeit wie drüben vorhanden ist. Aber man sieht gerne, welche Ursachen es find, die andere Leute zum Lachen bringen. Dann wäre zu nennen die nicht unbekannte de l a Riva in ihren temperamentvollen Tänzen und Steffi B« r i n d e y. Man hat schon Besieres an dieser Stelle ge- sehen. Dann tut sich also der Vorhang über der Midgets Revue auf. Eine volle Stunde wird von den kleinen Leuten ein ganzes Variete-Programm vorgeführt. Nicht immer natürlich das Beste, was man sonst auf dem Gebiete der Artistik zu sehen bekommt. Zu außerordentlichen Höhepunkten der Leistung langt es bei den kleinen Leuten wohl nicht.„Altrömijche Spiele�,..Chinesische Zauberei", das hat man von den Großen schon entschieden besser ge- sehen. Aber drollig wirkt es, wenn die Kleinen sich ganz im Stil der großen amerikanischen Tanzschlager equipieren. Sie tragen Kostüme, die an Pracht und Kostbarkeit wohl ihresgleichen suchen und die großen Schwestern dürften neidisch sein über die Herrlich- keiten, die die Zwerge so zwanglos zur Schau tragen. Alles was auf diesem tänzerisch-pantomimischen Gebiet gezeigt wird, ist inter- essant, wenn es auch nicht begeistern kann. Zum Schluß gibt es eine Apotheose:.Amors Triumph". Das mag man bei uns vor äst Iahren etwa als zartes Symbol geliebt haben. Heute wirkt es hier fast komisch. Uebrigens anzuerkennen, dah die Sache unter der großen schwarzrotgoldenen Fahne, getanzt mit dem Sternenbanner vor sich geht. Aber ohne Konzesston der schwarzweißroten Gösch war» wohl nicht möglich? Vre Voltschor.lempelhos-Marlendors»(Mitglied deZ Deutsiben Arbeiter- Sängerbundes,4 Uhr Bahnhof Hermannstroße. 13«. und 140. Abt. Tegel. Sorsigwalde. Gemeinsamer FamilienausNug mit Musik nach Donlate. Sestaurant Waldidnll l große» Waldseft). Abmarsch Borstgmald« nachmittags 1 Uhr Die Teaeler Genossen schließen sich um IM Uhr am Borsigwerk an. Die Sachdarabtcilungen sind herzlichst ein« geladen. Fahnen mitbringen. Für lleberroschungen aller Art ist Sorg« ««tragen. Morgen. Montag, den 9. August: 1. Abt. TM Uhr bei Zuntke. Artilleriestr. 11, Funktionärsitzung. 4. Abt. TM Uhr bei Schwarz. Blankenselder Str. lll, Funktionärsitzung. S. Abt. 8 Uhr bei Max Bahr, Lothringer Str. 67, Funkiionärsttzung. 6. Abt. TM Uhr bei Dobrohlaw. owinemünder Str. U, Funktionärsitzung. 7. Abt. IM Uhr bei Bärwald«. Schlegelftr. 8, Funltionärsitzung. 13. Abt. 8 Uhr bei Alfred Krüger wichtige Funktionärsitzung. Alle Genossen müssen erscheinen.> tL OL m Vife M Hut. Htechfc*«bt. tL 27. Abt. TM Uhr bei Svvsmann,«lelmstr. 10, Funkrionärsitzung. 30.«dt. TM Uhr bei Pchst. Lvchencr Str. 103, Ecke Stargarder Straße. FunttiouärsiNung.„.». 42. Abt. TM Uhr bei Wiersdorfs. Urbanstr. 6, Funktlonarsstzung. Wichtige Tagesordnung. 43. Abt. 1% Uhr bei Wendler. Dieffenbachltr. 54. Sitzung der Zezirksführer und Funktionäre. Jeder Bezirl muß vertreten fein.„.. 45. Abt. TM Uhr bei Sommer. Diener Str. 26, Funktionärsstzung. Bezirk». b sicher sind mitzubringen.,„», 46. Abt. 7-4 Uhr bei Eichholz, Eunrnstr. 23, Funkti-n-rsitzmig. Alle Funk. tionär« müssen erscheine». 48. Abt. 7-4 Uhr bei Keller. Fürslenftr. 1. Funktionärsitzung. 77.«bt. Schäneberg. Wieberbeginn der 1. Arbeitsgemeinschaft. Kursus Uber .Werfassungsrecht". Abends von 7 bis S>4 Uhr Apostel-Paulus-Str. 7, 4 Treppen. 85. Abt. Tempekhaf. 8 Uhr Im SrNrairant.Art Linde*«twtilcrle Vorstand». sitzunq. 108. Abt.«ipeaick. 8 Uhr hei Kabel, Freiheit 5. BorstandsTltzun«. i. 8 Uhr im Jugendheim Breit« Str. 32 Funktionär- 128.-130. Abt. P-vl-w konferenz. 137. Abt. Seinickendors.West. Funktionärsitzung. 7>4 Uhr Im Dolkshous, Scharnweberstr. 114, önDÖCgiÖ OUUUIIuJC BILD Ö�z O« CTCXBErr-tu am Sommerfest der 47. Abt. der Partei in Sietfchk«» Garten. Am Treptower Park 27—28.— Wcrbebezirk Neukölln: Treffpunkt zum Kinberfest be» Ortsau»- schussc»-42 Uhr am Herrfurthvlatz. E» müssen olle erscheinen.— Werbebezirk vstbahn: Jugendheim Parkaue 10. abends 7-4 Uhr.„Sie wieder Krieg*.— Wcrbebezirk Pankow: Das Jugendheim bleibt heute geschlossen. Morgen. Montag, abends 7� Uhr: Moabit 17: Gemeindeschule am Stepbansplaß. Proletarischer Dichter- abend.— Südost: Jugendheim Seichenbeeoer Str. 66. Antikriegs- ..bend.— Westen: Jugendheim Saupiste. 15. La' lle-Adend.— Sharlottea- barg-vst: Jugendheim Sosincnstr. 4. Borirog:„Die Verfassung von Weimar*. — Baamschulevweg: Jugendheim Ernslstr. 16. Borirog:„Mode- und Voltsian�*. Werbcbeziri Kreuzberg. Arbeitsgemeinschafi Krevzberg: Jugendheim Lindenstr. 3. Genosse Dr. Hilker spricht über„Phnsio.psnchische Fragen*. Alle Genossen müssen erscheinen. Zungsozialisten und Genossen anderer Gruppen sind herzlichst eingeladen._ /lrbeitersport. Dienstag, den 10. August: 7. Abt. TM Uhr Mitgliederversammlung in Köhler» Festsälen. Zieckstr. 24. Vorira«:„Das Problem der Arbeitslosigkeit�. Referent Kurt Heini«. Ave Mitalieder müssen unbedingt erscheinen. 6. Abt. 7-4 Uhr hei Sickert, Steinmetzsir. 36», wichtige Funktionirsitzung. 16. Abt. 8 Uhr hei Döhling. Brunnenstr. 79. Funktionärsitzuirg. 38. Ab». 8 Uhr hei Bartufch. Friedenstr. 88. Funktionärsitzung. Neukölln. 92. Abt. Bezirke 31. 44. 45 und 55: 7-4 Uhr hei Rolff. Kaiser- Friedrich-Str. 173, Ecke SoseageTstraße. Miialiederversammlung. B°» trag:„Derfassung und Sozialdemokratie*. Referent Wilhelm Sichler. Alle Genossinnen und Genossen müssen erscheinen. Di« anderen Kahl- abend« der Abteilunq fallen au».— 94. Abt. TM Uhr hei Schräder. Steinmetzstr. 52. Mitaliederversaminlung. Vortrag:„Elternbeiräte und Schule*. Referent Sichard Schröter. AI« Genossinnen und Genossen müssen erscheinen. Mittwoch, deu 11. August: 68. Abt. Halevs-e. 8 Uhr hei Sondmann, Westfälische Str. 42, Kahlahrnd. Bor trag:„Sozialdemokratie und Kirche*. Referent Pfarrer Bleier. Di« Bezirksführer werden gebeten, bestimmt dazu einzuladen. 70. Abt. Bilmersdors. Der Kohlabend am Mittwoch fällt aus. Derselbe findet am Donnerstag, den 12. August, statt. Vortrag:.Leben wir in einem Sechisstaat?* Referent Rechtsanwalt Dr. Roth. Zrauenveranstaltuagev: 14. Abt. TM Uhr bei Lauritzen. Putbuster Str. 11, Funktionirsstzun«. 17. Abt. TM Uhr hei Dose. Sorbhafen 6, Funktionärsitzuna. 18. Abt. TM Uhr bei Rtüller, Uferstr. 12, Fnnttionärsitzung. 19. Abt. 7 Uhr hei Schrepel, Grllnihaler Str. 13, Funtiionärsitzung. 20. Abt. TM Uhr hei Pose, Kowniestr. 15, Funktionärsitzung. 24. Abt. Di« Genossinnen beteiligen sich an dem Kaffeekochen be» Konsum» am Montoa. den 9. August, nachmiltags 2 Ubr. im Schloß Weißensee. 33. Abt. Dienstaa. den 10. August, 7-4 Uhr. in der Schule Hohenlohestr. 10, Bortrog:„Seligion und Sozialismus*. Referent Stadtverordneter Adolph Hoffmonn. 36. Abt. Die Genossinnen beteiligen sich am Kaffeekochen ber Konsumgenossenschaft im Schloß Weißenfee am Montag, den 9. August, nachmittag, 2 Uhr. Abt. l23� Kaulsdors-Süd. Di« Genossinnen, die sich an»der Motorbootfahrt noch Neu« Mühle beteiligen, treffen sich vormittag» 914 Uhr hei der Ge- nossin Wenzeck. Dienstag, den 10. Auaust. 8 Ubr im Zägerheim, Frauen- abend. Vollzählige, Erscheinen unbedingt erforderlich. 4° Arbeitze gemeialchaft her Ki uberfreu ade. Gruppe Lrapolbplatz: Jeden Donnerstag von-46 bis 148 Uhr Spielen im Schillerpark. Jeden Frx-1o« von-46 bis 148 Ubr Turnen und Tanzen in der Schul» Ruheplatz-, Ecke Schul- straße. DandeNtngen nach Vereinbarung auf den Gruppenabenden.— Krei« Tiergarten: Dienstaa. den 10. Auqust. nachmittags 414 Uhr, ist da» Erscheinen aller Kinder notwendig. Di«»Mi>glied»kart« ist mitzubringen. Um 6-4 Ubr werden die Eitern gebeten, deren Kinder mit auf der Fahrt waren, im Jugendheim Wielefstr. 6. Kimmer 6, zweck» Aussprache zu erscheinen. Sterbetafel See Hrost-öerliner Paetei-Grganlfatton 34. Abt. Am 6. August verstarb unser Genosse Hermann R ä t« b u s ch, Graudenzer Str. 4. Die Einäscherung findet am Dienstag, abend»-48 Uhr. im Krematorium GKichtstraße statt. Wir erwarten zahlreiche Beteiligung sämtlicher Genossen. 69. Abt.«il«er»doef. Unser Genosse, ber Tischler Franz M o, k«, Pfalz. hirrger Str. 66. ist am 5. August verstorben. Di« Beerdigung findet am Mon- tag, den 9. August, nachmittag» 3 Ubr. auf dem Friedhof Sachsen dämm in Schäneberg statt. Wir erwarten rege Beteiliauna. Sozialistische firbeiterjugenü Groß-öerlia. «ei de» Kundgebung eine«eile gefunbeu. Abzuholen im Sekretariat. heule. Sonntag, den 8. August: Eherlottenbnrg und Eh-rlottenbarg-Rorb: Zugendheim Sossnenstr. 4, Anti- kriegwihend.— Steglitz I: Baden. Treffpunkt 2 Uhr nachmittag, Sathaus.— Alemannia Berliner Fußballmeister. Dos Cnrscheidungsspiel um di« Berliner Fußball- meisterschast sah Alemannia gegen Stralau mit 4:2 siegreich. Bis zur Pause stand das Spiel noch 1:1. Nach derselben war Alemannia zum größten Teil überlegen. Arbeiter- Turn, und Sportbaad. 1. Krei»«erlia»raadeabarg. Kreisschule. Männer- und Zuaendklosse: Montag, den 9. August. Bersammlun, der Krei». schlller um 148 Uhr hei Ottmann. Dresdener Str. 105. Arbeiter-Sportkartell Borsigwalde. Sonntag, den 8. August, Sportfest auf dem Mineroa-Sportplatz. Aufstellung der Bercine 1 Uhr Turnhalle Konrad» straße. Kam Thema..Arbeitersport anb Kriegsgefahr* veranstaltet dos Arbeiter» Sport- und Kulwrkartell. 17. Bezirk, am Montag, den 9. August, abend» 7 Uhr, im Eäcilien-Lnzeum ein« öifentliche Derfammlung in Lichtenberg. Sriefkasten der Redaktion. K. K. Wenden Sie stch an di« Versicherungsanstalt ostdeutscher Handwerk»- kammern, Berlin E.. Dircksenstr. 1. lvetterberlchl der äffen tllcheu wetlerdiensistclle für Berlin. sZIachdr. derb.) Wechselnd, meist stärker bewölkt, mit einzelnen leichten Regenfällen.— Für Denffchlond: In Destdeulschland wieder elwaS Aufheiterung, in MRel- und Südostdeutschland stärker bewölkt mit Regenfällen. in Nordostdeutschland ziemlich heiier. 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Nr. 37d ♦ 43. �ahrgasg 2. 6d(agc öes vorwärts Sonntag, 8. August 142S Die Sanierung der Lanöwirtsthast. Weltwirtschaftliche Umschau. Am I. August sind di« erhöhten deutschen Getreide,»und Mehl- Zölle eingeführt worden, und damit wird aus lange Sicht wieder eine wie«ine Kopfsteuer wirkende Belastung der Konsumenten und«ine Steigerung der Produktionskosten der Industrie eintreten. Di« grohe Frage ist aber, ob die Agrarzöll« zur Hebung der Pro- duktioität der Landwirtschaft beitragen werden, oder ob sie nur eine Rente an die Landwirt«, vor allem an den Großgrundbesitz darstellen. Werden die Landwirt« ihr« Mehreinnahmen zur Inten- stvienmg der Produktion oder aber zum Luxustonsum verwenden? Die Sozialdemokratische Partei ist bereit, eine jede Maßnahme, die zu wirklicher Förderung der landwirtschaftlichen Pro- duktioität dient und die Kaufkraft der landwirtschaftlichen Be- völterung ohne Schädigung der breiten Masse zu heben vermag, zu unterstützen. Solcher Maßnahmen gibt es viele, die in ihrer Ge- famtheit viel wirkungsvoller sind als die Agrarzöll«. Für die Preis- Politik sind Maßnahmen erwünscht, die darauf abzielen, die Aus- schaltung der Saisonschwankungen zn ermöglichen, übermäßige Händlergew inn« auf Kosten der Landwirte zu ver- hindern und die genossenschaftliche Organisation der Land- wirtschast zu fördern. In bezug aufdieBodenintensivierung gibt e» die mannigfaltigsten Weg« und Methoden: die Frage der Versorgung mit Düngemitteln, Maschinen, Saatgut, die Förderung der Oedlandkultur, eine Steuerreform, die zur Intensivierung der Bodenkultur führen soll: ein« ebendahin zielende Regelung des Pachtsystems: endlich die Förderung des Siedlungs- wesen», all das sind Wege der Vergrößerung der landwirtschaft- lichen Produktion zum Nutzen sowohl der Landwirte wie der ge- samten Volkswirtschaft. Im Ausland werden in einer Anzahl von Ländern Maßnahmen ähnlicher Art in die Wege ge- leitet. Wenn dies« auch vielfach nicht aus allgemein Volkswirtschaft- lichen Gesichtspunkten heraus, sondern als Ergebnis von Macht- kämpfen entstanden sind, so sind sie nichtsdestoweniger von großer Bedeutung. Bedingte Zölle und Gekreldemonopole. Freilich ist der A g r a r s ch u tz z o l l noch in vielen Ländern Trumpf. Eine Anzahl von Ländern wie Italien, die Tschechoslo- wakei, Jugoslawien ufw. haben Agrar.zölle in jüngster Zeit eingeführt. Im belgischen und französischen Wirtschaftsprogramm zur Sanierung der Finanzen und Stabi der Getreideeinfuhr duD vorl Sfot der Finanzen und Stabilisierung der Valuten ist die Einschränkung Getreideeinfuhr durch gründlichere Aus gesehen: indessen handelt es sich hier n lßuohmen zur Verbesserung der Hanbelsbil Ausmahlung des Getreides nur um vorübergehende g der Handelsbilanz. In Oesterreich versucht« man jüngst bei der Einführung der Agrarzöll««inen neuen Weg einzuschlagen, indem man die Gewährung der Zölle für Milch, Superphosphat und eine Anzahl anderer landwirtschaft- licher Produkte davon abhängig machte, daß die Landwirte die gegenwärtigen Preise nicht erhöhen dürfen. Bei einer Er> höyung der Preise soll der Zollschutz sofort ausgehoben werden. Auf diese Weise wollte man zwar die Landwirte vor der ausländischen Konkurrenz schützen, gleichzeitig aber auch die iulän» dischen Konsumenten vor ungebührlichen Preissteigerungen bewahren. Das Getreidemonopol tonn ähnlich wie ein Schutzzoll wirken, indem es den inländischen Produzenden höhere als die Well- Marktpreise zu bewilligen vermao. Andererseits hat beim Getreide- Monopol die Staatstasie keinen Anteil an der Verteuerung des Ge- treides, und auch sonst ist für eine bewußte Preispolitik viel mehr Raum vorhanden als bei den Agrarzöllen. Deshalb ist dos Getreide. Monopol gegenüber den Agrarzöllen unbedingt vorzuziehen. Während nun das Getreidemonopol in Norwegen kürzlich abge- schafft wurde, hat man es in der S ch w e i z in jüngster Zeit ver- längert. Andere Wege der Preisbeeinflussung. Das Hauptproblem im politischen Leben der V e r e i n i g- ten Staaten bildet jetzt das der Getreidevalorisierung, ein Pro» blem, das der deutschen Oeffentlichkeit aus der zum Zwecke der Roggenpreiserhöhung erfolgten Gründung der Getreidehandelsgesell. schaft hinlänglich bekannt ist. Die Lage des amerikanischen Farmers ist in der Tat sehr schlecht, was vor allem seiner Vers ch u l d u n g infolge der umfangreichen Bodenspekulation während der Inslations- eit zuzuschreiben ist. Kürzlich wurde eine Vorlage, die sogenannte iaugan-Bill, dem amerikanischen Kongreß unterbreitet, die Auf- Wendungen in Höhe von 375 Millionen Dollar, teilweise zu Dalori- sationszwecken, teilweise zu Kreditgewährungen vorsah. In erster Linie sollten die landwirtschaftlichen Exportartikel(Weizen, Mals, Baumwolle) valorisiert, d. h. deren Preise durch organisierte Auf- kauf« der Regierungsorgane erhöht werden. Diese Bill wurde ab- gelehnt, dagegen wurden zwei andere angenommen, wonach der Landwirtschaft Kredite eingeräumt werden sollen. Den land- wirtschaftlichen Verkaufsgenosienschaften soll ein Kredit von 100 Mit- lionen Dollar gegeben werden, wodurch den in den Genosienschasten zusammengeschlossenen Farmern eine gewisse finanzielle Unab- häugigkeit dem Gctreidehandel gegenüber gewährleistet werden soll. In Kanada wurde bekanntlich dieser Erfolg vor allem durch die S e l b st h i l f e der Farmer erreicht, die sich in riesigen Genosien- fchasten zusammenschlössen. Diese ganze Bewegung befindet sich noch im Fluß. Sie verfolgt in erster Linie den Zweck, die Preise für Agrarprodukte zu erhöhen und insofern wirkt sie produktions- verteuernd und belastet den städtischen Konsum. Andererseits dürfen % gewisse Vorteile dieser Bewegung, die die Ausschaltung der Saison- schwankungen und die Stabilisierung der Preise wie auch die Ver- Minderung der Händlergewinne bezweckt, nicht übersehen werden. Maßnahmen zur Hebung der Produkkiou. In einer Anzahl von Ländern fördert der Staat die Gewährung von Krediten zur Finanzierung der Ernten. Die Land- wirte sollen in die Lage kommen, nicht sofort nach der Ernte ihren ganzen Vorrat an den Händler verkaufen zu müsien. Dies« Kredite werden in einer großen Anzahl von Ländern gewährt. Die staat- llchen Kredite sollen andererseits in einer Anzahl von Ländern dem Zweck dienen, als Betriebskopital und zur Bodenverbesserung ver- wendet zu werden. Die oben erwähnten amerikanischen Kredite stehen zum Teil im Dienst dieser Aufgaben. Im Programm der M u s so li n i s che n„G etreidesch lacht", die zur Stärkung der italienischen Landwirtschaft unternommen werden soll, stehen solche Kredite im Bordergrund. Bedeutende Summen wurden b»- willigt für Versuchszwecke und zur weiteren Verbreitung technischer Neuerungen im Getreidebau. Das jüngst veröffentlichte Agrar- Programm der englischen Regierung, das im übrigen«inen konservativen Plan verfolgt, sieht größere Summen für B e w ä f s e- ru n g und für Versuchszwecke vor: eine Anzahl von landwirtschaft- lichen Instituten sollen auf Staatskosten gegründet werden. In Frankreich versucht die Regierung vor allem durch Versorgung der Landwirtschaft mit Düngemitteln und durch die Ein- führung derElektrizität in die Landwirtschaft zur Hebung der Produktion beizutragen. Erwähnt sei das Agrarprogramm der schwedischen sozialdemokratischen Partei, mit dem sie in den bevor- stehenden Wahlkampf zieht und um die Stimmen der Bauern wirbt: es werden dort eine 5' des Bodens, zur Dllngeniiteln und die gefordert. Auch direkte Subventionen an die Landwirte werden in einer Anzahl� von Ländern, vor allem in England, gefordert: dies« Pläne erweisen sich jedoch als undurchführbar. englische Rcaierungsberrcht über tiefe Frage enthält den Hinweis, daß eine Subvention auch nur im Betrage von zwei Pfund pro Hektar eine Ausgabe von 400 Millionen Mark im Jahr bedeuten würde, ohne doch eine Garantie für gesteigerte Produktion zu geben. In der Tat könnte die staatliche Subvention ohne unmittel- baren Einfluß des Staates auf die Produktion nur eine Rente für die Landwirte auf Kosten der Steuerzahler bedeuten. Das Agrarprogramm von Lloyd George. Wegen seiner Bedeutung soll hier das radikale Landprogramm Lloyd Georges, das beinahe zur Spallung der englischen liberalen Partei führte, in seinen Hauptzügen geschildert werden. Die Reform- vorschlage sind folgende: Al» Eigentumer allen Grund und Bodens gilt von einem bestimmten Tage an der S t a a t. Er überträgt alle» verpachtete Land den gegenwärtigen Pächtern zur .Fulturpacht". Der bisherige Eigentümer wird von dem Staat« durch eine Rente in Höhe von 66 Proz. de» bisherigen Pachtzinses abgefunden. Die selbstwirtschaftenden Eigentümer behalten ihr Land, stchenaberinder Bearbeitung unter der Aufsicht der staat- lichen Behörden. Der Kulwrpächter zahlt den Pachtzins an den Staat. Den Landarbeitern sollen Mindestlöhne garantiert werden. Die Grundrente des früheren Eigentümers kann vom Staate mit Kapital abgelöst werden. Die Kullur�acht stellt eine Art Erbpacht dar, da die Pacht auf den Erben ubertragen werden kann. Di« staatlichen Agrarbehörden sollen Land für bäuerliche Siedler und besonders für Landarbeiter bereitstellen. Die neu zu errichtenden landwirtschafllichen Behörden sollen den gesamten Grundbesitz Eng- land» im Hinblick aus seine wirtschaftliche Leistungssähiakeit über. wachen und alle Maßnahmen(Kreditgewährung, Produktionser- höhung usw.) zur Förderung der Landwirtschaft treffen. Wie daraus ersichtlich ist. läuft der Plan Lloyd Georges auf die Sozial-isie- r u n g des Bodens hinaus. Während der Herrschaft der konfer- vativen Partei hat freilich dieser Plan keine Aussicht aus Verwirk- lichung. Bei dem bestehendem Pachtsystem aber, wo die Besitzer ein« arbeitslose Rente beziehen, wird die Frage einer radikalen Boden- reform in England bei der nächsten Aenderung der politischen Macht- ocrhältinisie unabwendbar in den Vordergrund treten. Bodenreform und Siedlungspolitik. Die Landflucht, das Abströmen der ländlichen Bevölkerung in die Städte, ist eine Wellerscheinung, die in einer großen Anzahl von Agrarländern zu beobachten ist. Damit entsteht Arbeitermangel in der Landwirtschaft und Ueberangebot an Arbeitskrästen in der Industrie. Zur Abwehr der Landflucht steht daher die Förderung der Siedlungspolitit, diechurch Schaffung von unabhängigen Existenzen in der Landwirtschaft die Landbevölkerung an die Scholle bilden soll, im Vordergrund. Besondere Gründe wirken mit, wie�w. Deutschland die Ausschaltung ausländische� Arbeitskräfte, in Bulgarien und Griechenland die Ansiedlung der Flüchtlinge, in den über- seeischen Gebieten allgemein bevölkerungspolitische Gesichtspunkte. Die Aufteilung des Großgrundbesitzes in vielen Ländern stellt eben- falls das Problem der Schaffung kleiner Wirtschaften. In M e x i k o spiell z. B. bei den gegenwärtigen politischen Kämpfen die Austeilung des kirchlichen Großgrundbesitzes und die staatliche Siedlungspolitik eine große Rolle. In England wurde kürzlich dem Parlament ein neuer Gesetzentwurf zur Schaffung von Kleinbesitzen(»mall koiciing-) unterbreitet: während seit dem Krieg« ehemalige Soldaten gesiedelt wurden, soll das System jetzt auf weitere Schichten ausgedehnt werden. Vorläufig ist die Gründung von 2000 Siedlungen vor- gesehen, wofür in den nächsten vier Jahren eine Kreditsumme von 120 Millionen Mark erforderlich ist. Davon sollen 40 Millionen Mark als„Verlust" vom Staat getragen werden. In der tvitischen Lage der englischen Landwirtschaft bedeutet die Durchführung diese» Pro- gramms freilich sehr wenig. Eine umfangreiche Eiedlungstätigieit wird jetzt durch die brasilianische Regierung eingeleitet. Auch wird der Plan einer umfangreichen japanischen Siedlung in Brasilien. die einen Teil des japanischen Bevölkerungsüberschusses nach Brasi- lien leiten soll, erwogen. * So sind die Fragen einer Rationalisierung der Landwirtschaft in wahrstem Sinne zu internationalen Fragen geworden. In soft allen Kulturländern tauchen die gleichen Probleme aus, in vielen Ländern stimmen die Vorschläge zu ihrer Lösung weitgehend überein. Auch unter diesem Gesichtspunkte ist die aufklärend« Arbeit der internationalen Konserenz für Bodenreform und Freihandel, die kürzlich in Kopenhagen stattfand und über die wir eingehend be- richteten, zu begrüßen. Es kommt darauf an, auch die P r o d u k- tionsweise der Landwirtschaft den technischen Möglich- ketten und den sozialen Erfordernissen anzupassen, die mit der kapitalistischen Umwälzung der Industrie überall entstanden und bei deren Lösung fast überall in der Welt volkswirtschaftliche Erkenntnis mit dem Privatinteresse kleiner, aber politisch machtvoller Jnteressentengruppen kämpft. Zur verschulüung üer Lanöwirtschast. Welchen Wert die verallgemeinernden Reden der l a n d w i r t- schaftlichen Unternehmer von der katastrophalen Verschuldung der Landwirtschaft haben, beweisen Ausführun- gen, die in dem Geschäftsbericht der Landwirtschaftskammer für die Provinz Schleswig.Holstcin für das Rechnungsjahr 1925/26 gemacht werden. Die Ausfühningen laute» wörtlich: „Die Gesamtoerschuldung der s chl e s w i g- holsteinischen Landwirtschaft betrug nach dem Stande vom November 1925 mindestens 165 Mil- lionen Mark oder je Hektar 148 M. Es ist hierbei je- doch zu beobachten, daß diese Zahlen nur die Bankoerschuldung der Landwirtschaft angeben. Die Bortriegsverschuldung der Landwirt- schaft und dem Landschaftlichen K r e d i t o e r b a n d gegenüber betrug demgegenüber in der schles- wig-holstelnischen Landwirtschaft rund 173 Mil- lionen Mark oder je Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche(unter Berücksichtigung der jetzigen Grenzen) ungefähr 154 M. Tatsächlich muß die Realverschuldung der Landwirtschaft eine erheblich größere ge- wesen sein, denn Landschaft und Landschaftlicher Kreditvcrdand deckten nur einen Teil des landwirtschaftlichen Realkrcdite». Ein anderer Teil des Kredits ist von Sparkassen, anderen Hypothekeninstituten und vom Privattapital beschafft worden, desien Höh« jedoch nicht festzustellen ist. Man wird aber nicht sehlgehen, wenn man ihn der Summe der von den oben erwähnten Instituten gemährten Kredit« mindestens gleichsetzt." Danach ist die schleswig-holsteinische Landwirtschaft Ende 192-5. zu einer Zeit also, in der die Situation bereits sehr prekär gewesen sein soll, mit 8 Millionen Mark weniger verschuldet gewesen als in der Zeit vor dem Kriege. Soweit ein Hektar in Frage kommt, ist eine Verminderung um 6 M. zu v«- zeichnen. Bei alledem ist in Betracht zu ziehen, daß die Goldmark von heute wesentlich geringeren Wert als die van früher hat. Pflicht aller verantwortlich eingestellten Stellen ist es, die An- gaben der landwirtschaftlichen Unternehmer über den Umfang ihrer Notlage mit größter Vorsicht aiifzunehmen und keine Entfcheidun« gen zu treffen, ohne vorher eine gründliche Nachprüfung durch. geführt zu haben. weiterer Rückgang üer Erwerbslosigkeit in berlio. Aber immer noch ungünstige Lage großer Industriezweige. Auf dem Berliner Arbeitsmartt ist in der Berichtswoche wieder- um ein Rückgang in der Zahl de-r Arbeitsuchenden zu verzeichnen. Er betrug rund 1650 Personen. Gegenüber der Gesamtzahl von Arbeitsuchenden mit 275 639 ist der Rückgang ge. ringfügig. An dieser Belebung des Arbettsmorktes waren insbe- sondere die Frauen, und zwar hauptsächlich Arbeitskräfte der Konfettion und Textilindustrie sowie die Landwirt- schaft beteiligt. Die Aufnahmefähigkeit für männliche Fachkräfte be- wegte sich in engen Grenzen. Die meisten Berufe einschl. der Angestellten sind in der Zahl der Arbeitsuchenden stabil geblieben. So ist die Metallindustrie, aus welche rund 56 200 Personen entfallen, sowie die H o l z i n d u st r i e mit rund 17 400 Personen immer noch recht ungüstig. Auch ist das Vekleidungsge- werbe und die Textilindustrie—- trotz erhöhtem Abruf— mit etwa 20 000 Erwerbslosen noch immer stark belastet. Diese vorgenannten, für Berlin hauptsächlich maßgebenden Industriezweige weisen dem- gemäß rund 37 v. H. der gesamten Erwerbslosen aus. Sehr un- günstig ist auch noch die Lage für Angestellte. Die gesteigerte Nach- frage nach jüngeren kaufmännischen Kräften oermochte jedoch den Stellenmarkt nicht günstig zu beeinflussen. Bemerkenswert ist
fmtet. daß dt« Änforbenntg« für da» Baugewerbe gegenüber der Lorwoche zurückgegangen sind. E» waren 275 639 Personen bei den Arbeitsnachweisen'eingetragen. gegen 277 290 der Vorwoche. Darunter befanden sich 177 098 (177 043) männliche und 98 541(100 24) weibliche Personen. Unter stützung bezogen 134 108(135 390) männliche und 69 857(70 631) weibliche, inegesamt 203 96?(206 021) Personen. Außerdem wurde noch an 33 181(32 710) Personen Erwerbslosenhilfe gezahlt und 4091(3738) Personen bei Notstandsarbeiten beschäftigt. Die Deutsche Bant verteilt ihre SlabiNfieruagsgewiaa«. Wie mir hören, beabsichtigt die Deutsche Bant ihren Aktionären die seinerzeit im Dezember 1924 zur Einführung an ausländischen Börsen einem Konsortium englischer und amerikanischer Banken überlossenen 40 000 000 M.-Aktien zum Bezüge anzubieten, da unter der inzwischen eingetretenen Veränderung der Berhältnisse die Begebung in Deutschland vorzuziehen ist. Aus drei alte Aktien soll eine neue für das Jahr 1926 oplldividendenberechtigte Aktie zum Kurse von 150 P r o z. bezogen werden können, wähnend der Börsenkurs dieser Papiere 174 bis 175 Proz. beträgt. Offenbar war das Interesse der Amerikaner an den Aktien nicht übermäßig groß. Die Deutsche Bank benutzt nun die günstige Börsenloge in Deutschland dazu, das Aktienpaket zurückzunehmen und ihren Aktionären ein Geschenk durch«in günstiges Bezugsrecht zuzuwenden. Dieses Geschenk fließt aus den großen Gewinnen. die die deutschen Banken in der Zeit der großen Wirtschaftskrise aus der hohen Spanne zwischen Ausleih, und Schuldenzinsen ein» strichen. weitere Ausdehnung der Hüttenproduktion beim Stahltrust. Di« Betriebslag« auf dem Phönix, Hörder-Berein, hat sich infolge erhöhten Auftragseingangs bei den Vereinigten Stahlwerken wesentlich gebessert. In der nächsten Woche wird ein dritter Hochofen mit 500 Tonnen Kapazität in Betrieb genommen. Dadurch erhöht sich die Gesamtleistung pro Tag auf lövvTonnen. Die Gesamtbelegschaft hat sich nach Wiederinbetriebnahm« des Martin- wcrkcs und der Fertigstellung des Blockwalzwerkes auf 4500 Mann erhöht. Die Zechen, des K l ö ck n e r- K o n z e r n s in Rauxel und Ickern konnten im a»li ihre Belegschaft um 11 Proz. erhöhen. Auch im August sind bisher dauernd Neueinstellungen vorgenommen worden. Kohlenzechen und Eisenwerke sind für länger« Zeit gut beschäftigt. Das Ende einer verfehlten Zllmspetulation. Die Kreditgeschäste, die seinerzeit die Deutsche Wohnstättenbank mit der Triauon- Film- Verleih gemacht hat und die Gegenstand eines Strasprozesies waren, haben der Bank bekanntlich erhebliche Verluste gebracht. Die Trianon-Film-Verleih ging nämlich in Konkurs. Jetzt ist der Konkursantrag wegen Mangel an Masse aufgehoben worden! Rcichspostschahanwcisungen. Die Reichspost legt nunmehr 6�prozcntige Schatzanweisungen in höhe von insgesamt 80 Mil- lionen Mark, rückzahlbar am 1. Oktober 1930, zur Zeichnung aus. Der Zeichnungspreis beträgt 99sH Proz. Die Anleihe dient dem Ausbau des Postbetriebes. Einzelheiten über die Anleihe finden sich in dem Prospekt, der im Inseratenteil der vorliegenden Nummer zum Abdruck kommt.___ Ms der Partei. ..Die Gesellschaft". Das soeben erschienene hest Nr. 8 der„Gesellschaft" bringt u. o. folgende Artikel: Ministerialrat Dr. Hans M a i e r- Dresden: Reich und Länder.— Fritz N a p h t a l i: Probleme der Krise.— Dr. Siegfried Landshut: Ein« Frage europäischer Politik. — Prof. Dr. Carl Brinkmann- Heidelberg: Der Stil der wil> helminischen Diplomatie.— Oberstudiendirektor Dr. Heinrich D e i fff s: Die Neuordnung des hoheren GchUlwesens.— SN red V a g t s:- Die 25 Jahre Lord Gkeys. Bestellungen zum heftpreis von 1,50'M.' nehmen die Jeitllngsboten und alle Parteibuchhand- lungm entgegen......;_-•- Eine imposante inlernationale Kundgebung veranstalteten die Partei und das Gcwerkschaitskartell in Bremen. Der zurzeit dort tagende Derbandstag der Metallarbeiter sah Vertreter verschiedener ausländischer Bruderparteien in seiner Mitte, die die willkommene Gelegenheit zur Veranstaltung einer solchen internationalen Kund- gebung boten. Nur drei von ihnen traten als Redner auf. damit die Tagesordnung nicht zu überlastet wurde. Die Uebersetzung der Rede des französischen Genossen Labe wurde besonders an der Stelle stark applaudiert, als er betonte, daß es ihm gerade in den Erinnerungstogen des Kriegsbeginns vor 12 Jahren zur besonderen Freude gereiche, zu sehen, welche brüderliche Gesinnung einem fran- zösischen Arbeiterverlreter entgegenschlage. Der schwedische Genosse S v e n s o n, der ein interessantes, gedrängtes Bild von der poli- tischen und gewerkschastlichen Bewegung seines Vaterlandes gab, feierte die guten solidarischen Beziehungen, die die Arbeiter beider Länder immer verknüpften. Der Genosie Viktor Stein be- kannte sich unter starkem Beifall als Oesterreicher als eigenllich der deutschen Republik schon zugehörig. Seine Red« klang aus in einem Gruß des roten Wiens an die rote Wesermündung, der von der Ver- sammlung in gleicher Weise erwidert wurde. Die Veranstaltung. die in feierlicher Weise mit Gesängen des gemischten Chors vom Bremer Volkschor eröffnet und mit dem Massengesang der Inter- nationale geschlossen wurde, war ein kraftvolles Bekenntnis zur Volksoersöhnung, zur Internationale, zum Sozialismus! Anna Blas vollendete in diesen Tagen ihr 60. Lebensjahr. Seit zwei Jahrzehnten in der Partei tätig, Mitglied der Nationalver- sammlung. erfreut sie sich bester körperlicher und geistiger Frische an der Seite ihres Gatten, unseres Parteiveterans Wilhelm Blas. verbanöstag öer Metallarbeiter Bremen. 7. August.(Eigener vrahtbericht.) Di« 17. ordentlich« Generalversammlung des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes ist am Sonnabend zu Ende gegongen. Für die ordniingegemäße Durchführung der Aufgaben der Tagung gab schon die Zusammen- setzung der Delegierten eine Gewähr. Während auf dem letzten Ver- bandstag in Kastel die Delegierten Moskauer Couleur noch ein gutes Drittel ausmachten, so daß beispielsweise Statutenänderungen, die qualifizierte Mehrheiten erfordern, kaum durchgeführt werden konnten, kam ein derartiger Einfluß der Kommunisten in Bremen nicht mehr in Frage. Es ist scknm so, daß draußen im Reich die Kommunisten nur noch in kleinen Ansammlungen vorhanden sind und daß die positive Arbeit der Amsterdamer von den Mitgliedern anerkannt wird. Dieselbe positive Arbeit wurde auch auf dem Verbandstag ge- leistet. Schon der Vorstandsbericht zeigte die Erfolge der Politik iz.-u.sm.: ZolNAllMle gelvnksSMAgitliklWWche IS. September: vlettellavrhMettselnllerivlenuilioll.SmeMl!stsveivegul;g des Verbandes. Daß die Verbesserungen der Lohn- und Arbeitsver- Hältnisse nicht zuletzt durch Kampf erreicht wurden, ist im„Vor- wärts" schon gesagt worden. Damit entfällt aber auch der selbst noch auf dem Verbandstag erhobene Vorwurf, der DMV. sei keine Klassenkampforganstation. Von den Delegierten der Amsterdamer Gcwerkschastsrichtung wurde darüber mit den Kommunisten kaum mehr gestritten; man hielt diese Anwürfe gegen eine freie Gewerk- schaft für lächerlich. Wie lächerlich sie sind, zeigt die Tatsache, daß seit Bestehen des Verbandes von den Ausgaben 29 Proz. für Kämpfe oller Art und 49 Proz. für Unterstützungen ausgegeben wurden. Im ganzen flössen 85 Proz. der Ausgaben direkt den Mitgliedern wieder zu. Den Klassenkampfcharakter des Verbandes betonte auch klar ver. stündlich und energisch die angenommene Entschließung zum Vor. standsbericht. Da» Eintreten für die Erwerbslosen und ihre Nöte und die Kritik am gegenwärtigen Wirtschaftssystem, festgelegt in der Enstchließung zum Rrferat chirsch, zeigen die Schäden des kapita- listischen Systems auf und machen gleichzeitig Vorschläge im sozia- listischen Geiste. Die Festigung der Zusammenarbeit mit den Metallarbeitern der früheren kriegführenden Länder zeugt davon, daß der DMV. die internationale Solidarität der Klastengcnossen erfolgreich der Gemeinschaft der Kriegshetzer gegen- überstellt. Das Zeitungswesen des Verbandes wurde etwas stief- mütterlich behandelt. Es ist unerfreulich, daß der Antrag des Schrift- leiters, ihm 3000 M. zu einer Studienreise nach Amerika zu bewilligen, nicht die Zustimmung des Verbandstages fand. Die Arbeitsmethoden Amerikas werden immer mehr in Deutschland eingeführt. Die Arbeiterschaft Hot demnach alle Leranlastung. sie schon eingehend kennenzulernen, ehe Deutschlands Fabriken vollkommen amerikanisiert sind. Hervorgehoben muß die Verlegung des Sitzes nach Berlin werden. Dieser Beschluß war notwendig. Alles in allem gesehen spiegelten die Verhandlungen des Verbondstages den Fortschritt im Organisationsleben getreu wider. Do» Parlament der Metallarbeiter konnte darum auch seine Aufgaben erfüllen. 6. verhandlungslag. .... Eine längere:. Aussprache brachte der Antrag des Vorstandes, den Sitz des Verbandes von Stuttgart nach Berlin zu verlegen. B
vortrage, vereine und Versammlungen. Reichsbanner»Schwarz- Rok-Gold". Geschafttft.il«: Berlin SU, S-baftianftr. 37, M, K-f 2 Tr. Mitte: Sonnta«. d. 15., Berfa lsunzsfeier im Sewerkschaftthau». Pflichtveranstaltung. A» 2 Uhr nachm. Platzkonzert auf dem Tkrkonaxlatz. anschlicstcad Ummaisch. Sintrittekarten» Ist Pf. bei allen Funk- tionSren.— Seddiug! 3. Mit. am DI., d. lv.. alienb» 7� Uchr, kleiner Pbaru»- faal. Wiwerstr. ItZ. Bers. Bollzällligea Erscheinen Pflieit.— vilmeredors: Mr.. d. u... abends 8 llbr. Antreten mit Musik und Fahnen ffehrbelliner Platz zur Teilnahm« am Fackelzug. Pflicht.— GchZueberg.Frielenau: Mo.. b. tz.. findet wieder unser Turnabend in der Wartburgschule statt. All« ftame- radmr des ttreise« sind hiermit aufgefordert, zwecks Einteilung zur Verfassung»- fein sich dort einzufinden. Doriselbst Empfangnahme der Fackeln. Fum 1., Antrefen Wartburgvlatz 7� Uhr, Abmarsch psintilb' Mi. findet unsere Berfassungsfeier in der Echlotorauerel IIa lt. und Gönner sind freundlichst eingeladen.— Zlcglih.Lanlwiz. Lichter- !lo., d. g.. 3 Uhr, Funktionärsitzung bei Schulz, Birkdufchstr. 90.— Fackelzug DL, 74 Uhr. Mi. J�W. seid«: Mo., d. 9., 3 Uhr, Funktionärsitzung..... «eukölln-Britz: Mo., d. 9., 3 Uhr abends, Wimnclmcihs der Radfahrcrabteiwna in Wolfs, Geselllchaftshous, Kirchhof-, Ecke Wipperfirosie.— Köpenick»»» Untergruppen: Mi., d. M., abends 74 Uhr. Pdf. Köpenick Antreten filmt- I icher Kameraden, Spiclleutc, Musikoerein« mit Fahnen zur Berfassungsfeier auf dem Willirlmmilatz und Fackrlzug. Redner. Dr. Grundei-Köpenick.— Treptow(Kreis): Mo., d. 9., abend« 7 Uhr, Sportplatz Baumschulenweg, arofte Wettspiel« mit Sameradschaft Köpenick.— Wildau: Die für den 19. September geplante Veranstaltung wird wegen der Veranstaltung de» LDGB. am gleichen tage auf de» 23. September»«Liegt. Di« Samerahen Wrden gebeten, im« auch au diesem Tage recht zahlreich zu unterstützen.— Wassersportabteilung. Fug Sovel: Sonntag, d. 8.. vorm. 11 Uhr. Cladower Badewief«. geaenüder dem Grossen Fenster.— Prenzlauer Berg: Mo., b. 9.. '~ schastei--•""-- ________________- IM r und der Zugend W�W.. M — Zienkilln-Britz: Mr.. d. 11.. Antreten zur Kerfassungsfeier pünitlich 64 Uhr. Pflichtveranftaltuna dar Kameradschastcn Falk« und Blum. Turnhalle Greifen�- Hagener Strasse. Alle Zugendleiter und der Zugendausichuß müssen erscheinen. L u. 5. itameiadschast Reuterplatz. 2. Kameradschaft Hertzbergplatz. 3. Käme. radschaft Schill erveomenadc. 4. Kameradschaft Kranoldplatz. Erscheinen für alle Pflicht. Arbeiber-Ladio-Klnb Deutschlands.«. B., Berlin SO. 23, O-ani-nstr. 132. Bezirksgrupp« Berlin. Grupve Eharlottenbura: Jeden Dienstag Wieland- strasse 4.— Gruppe Friedrichshain: Jeden Montag Warschauer Str. SS— 69.— Gruppe Kottbusser Tor: Jeden Dormersiag Adalbertstr. 21.— Gruppe Lichten. berg: Jeden Dienstag Kronprinzenstr. 27.— Gruppe Lichtcrfclde-Vst: Jeden Frritag Lorenzftr. Z«.— Gruppe Neukölln: Jeden Freilag Prinz.H.'.ndien> Strasse 70. Am 13. August Vortrag:„Bon der Elektrotechnik bis zur Heid«. Treffponkt 10 Uhr Bahnhof Inngfernheide.— Gruppe Schiineberz: Jeden Donnerstag Sedanfir. S3. Am 12. August Pafteiabend.— Gruppe Südost: Jeden Donnerstag Sorauer, Ecke Görlitz«! Strasse.— Gruppe Wedding: Jeden Donnerstag Pasewalker Str. 3.— Gruppe Wilmersdorf: Jeden Freitag August«- strasse 18. Gäste Uberall willkommen. Mandalineaklab„Sonate 1907'. DienMag, 34 Uhr, Restaurant Rohr»- darf. Kastanienall«« 12. Berel» der Freidenker Kr Feuerbestattung, e. B., Sa» Berlin. DI«»u Montag, den 9. August, abends 74 Uhr. nach Weissenfee. Berliner Strasse iBerliner Hof!, einberufen« Berfammlung findet nicht statt. Arbeiter.Damarit-r.Kolonn- Berlin.«. v.. Geschäftsstelle R. 4, Schröder- strass, 9, Tel. Norden 3340. Monatsoersammlungen haben folgend« Abteilungen: Temvelhof: Montag, den 9.. im Lokal oon Lindisch, Mariendorf. König-. Eck« Rathausstrasse.— Weissenfee: Montag, den 9.. im Lokal von Stärke. Ehar- wttenburg. Ecke Tassostrosso.— Sermsdorf: Dienstag, den 19.. Turnhallen. aebäude, Roonstrasse.— Friedrichshain: Dienstag, den 10.. Lokal von Vir- tuf». Frieden irr. 88.— Wedding: Dienstag, deu 10., Lokal von Sellin. Ruhe- platz.. Ecke Schulstrasse.— Treptow: Donnerstag, den 12.. Lokal Beerman:.-. Eck« Elseyftrass«.— Pankow: Donnerstag, den 12., Lokal von Höcker. Lissingen. strasse L— Prenzlauer Berg: Donnerstag, den 12». Schule«atzanlen- alle« 81—82— Tiergarten: Donnerstag, den 12.. Lakai von Lausch, Bredow». Eck« Wirlef strasse.— Lichtenberg: Donn-r»taq. den 12.. Lokal von Ziothorsf. Rigaer Str. SZ.— Steglitz: Freitag, den 13.. Lokal von Schulz. Birkbusch. strasse 90.— Schöneberg: Freitag, den 13.. Lokal von Rosenthal, Ebersstr. 83. — Mitte: Freitag den 13.. Leibniz-Gymnasium. Mariannenplatz. Beginn de: Versammlungen 74 Uhr abends. Reg« Beteiligung wird erwartet. R«ich»b»ad der Kriegnbelchädigten,»iicgstcilnchmer und«rregerhiuter. bliebe»«». Ort»»er«i» Steglitz. 10. August, 8 Uhr. MitgliederversammUinz m Arb«Är�A�stl»e»t-nbua». Ortsgruppe Berlin. Am 9. August. 8 Uhr. Schul« Sipsstr. 23». Wiiglitderversammlung. Referat de, Genossen Haupt. »ann:..Der Stand der Lcdensreformbewegung'. Landsmannschaft bc, Schleswig.Holsteiaer ,» Berlin. Sanntag Familien. pariie nach Falkenhain bei Fialentrug, Restaurant Walter Haack. Anfaiig 2 Uhr. Ein Werbc-Verkauf sondergleichen Ist mein hyitogcs Angebot In WlnjcrmAn ieln. Schon heute ist Gelegenheit gegeben, die besten QualliUcn zu ungewöhnlich billigen Preisen zu keujen. Nur ullerneueste Form»». £in entzückender Mantel für Junge Domen, aus bestem reinwollenen Velours de lalne mit reichem Pelzschmudc In vielen Farben 39. 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Bruder, rdnkei u. Schwager Carl Seibt Die» zeigt tiesbetrübt an im Namen der Hinterbliebenen wilhelmlne Leibt, geb. Kreuschner Berlin HI 34. Lothringer Str. 49. am Ii Au» im Krema» . statt. Für dt« vielen Beweis« inniger Teil» nahm« beim Hinscheiden meines lieben Manne«, unsere, guten Baters und Groß rat er», de» Korrettor» Herttiaim Qrubert sagen wir hiermit unsere» herzlichste« Dan! ! Namen der Hinterbliebenen aa«ruber« geb. Sucker Berlin E2. im August 1926 Breit« Straße 8 9. Wate, IMM-liM w-iwMUwbM««- mm SWhsiWe IT>üa Oienstag, ten 10. August, abend» 01, Ahe. Im Sitzungssaal de» See- banvshaule». Linienstr. 03 SS Settiebsrüte'Versammlung der Hauptgr. IV. llntergr. 11— lS. Tagesordnung: 1. Der Berg- ardetterstreil England». i Diskussion 3. Berich- der Gruppe»! eittttzg, 4. Per- dondsangeiegenheitcn. Berbaudsbuch und BetriobsrStebarie legitimiere». _ Ol« Orteoecmaltnna. □BnleSMlLan Hochwald- B Landoarzellen. ea 15 Min. oon D>i!?,:w-rder. direkt ata Staai»forft Berläufer»ägl im Restaurant.Alte» Bergschloss, Bir' Aleger. See«» E.« Btikenweeder'. «vantardstr. 6 EÖdicn roh emalllien | imae LotKnen 42 rt so iL ChrMine 15„ 125 ric'■ All«»» am GeMuSftto' l— 6. (Abichr)... Grundstück-Konto. Rückstände.... Zuoentar.... (Adschr.)... «ussenstehend» For- derungen... Gebäude-Konto 7. (Abfchr.).. Grund und Bode». Kossa-Sonto... Ausgleich-Konto. (Adschr)... Beteiligung bei der .Sebag-'.... Sparkass.Guthabe» Bant-Konto... Bau-Konto 5... .. S... oail surtadte Im Na ttmma TeppSdie SriltllL illllitiil! Willi. ilttU Rlcs€nlfidcrQM>:u. Bus bzaM TCPP�ttlC Jf/wßjt- BKä Tlsttdeätea mit Fehlern M-TeppidiSneiialiiaiis Lw Emil efövre «. m. d. H. Berlin S. Seit 1882 BBT Oranlcnslr. 158 Keine Bczlelrenil inr Finna ■HFerMprJoiimmsl— Bettfedern eu» erster»and. 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Sonatag s. August 1H2H Unterhaltung unö AAissen öeklage öes vorwärts Zwiesprache See Klugen. Von Neera. Iin Augenblick, da sich alle Türe« des nach Venedig abgehen- den Zuges schlössen, schob der Fachino den Kosfer seiner Signora, die sich verspätet hatte, hastig in ein Abteil zweiter Klasse und begleitet ihr Einsteigen mit den aufmunternden Worten: »Sie haben es gut getroffen: es ist Nichtraucherkupee!" Die Dame sah dem Dienstmann beim Unterbringen des Gepäcks in den» Netz zu, entnahm dem chandtäschchen Geld und hatte gerade noch freie Zeit, sich auf einem freien Eckplatz niederzulassen. Der Zug geriet mit starkem Ruck in Bewegung. Ihre Arme bildeten einen Bogen, da sie instinktiv ihren Hut zurechtrückte. Wie die ganz in Schwatz gekleidete Signora— das schlichtvornehme Kostüm hob ihren schönen Wuchs— es sich halbwegs bequem gemacht zu haben glaubte, warf sie einen zerstreuten Blick auf ihr Gegenüber: einen etwas kahlköpfigen Herrn mit sehr rcspek- tablem Aussehen, einer Brille, dem Ansatz eines Vertrauen ein- flößenden Embopoints; jetzt nestelte sie an den Knöpfen eines Handschuh«, aus welchem in dem Moment ein Spitzemaschentuch zu Boden glitt. Mit Kavaliergeste hob es der Signor auf.„Danker sagte sie. Und da geschah es. « Man mag den Zufällen des Lebens noch so vorbereitet gegen- übertreten: es gibt gewifle Ueberraschungen, denen man nicht unge- straft begegnet. Die Signora fühlte ein Brausen im Blut und hundert Flämmchen zuckten in ihren Pupillen. Hätte sie gestanden, sie wäre umgesunken. Sie knüllte ihr Taschentuch zusammen und führte es— in der Angst, ein Name oder Schrei könnte ihr ent- schlüpfen— an die Lippen. Sie hatte„ihn" erkannt. Ein Jahr war seit der grausamen, schrecklichen Stunde des Bruchs, den so herben, von ihrer Seite unbeantwortet gebliebenen Abschiedszeilen verslossen, als sie der Zufall hier im engen ge- schlossenen Raum, wo sie einander nicht fliehen konnten, zusammen- führte. Er war nicht allein. Ein blasses, graugekleidetes, junges Mädchen plauderte mit ihm im vertraulichen Ton der Gewohnheit. Sie sah ihm vis-ä-vis. Die Signora ahnte sofort, daß sie sich ihrer Nebenbuhlerin gegenüber sah: einen Herzschlag lang konzentrierte sich ihr Interesse darauf, jene mit dem schnellsten und forschendsten Blick zu durchschauen: mit einem Blick, der Körper und Seele dieser Frau bloßlegte, aber nicht haften, nicht weilen, sich nicht verraten wollt». Ruhig, selbstbeherrscht, senkte sie wieder den Blick. Mit stolzer Genugtuung erfaßte sie ihre Lage in dieser vom Geschick hervorgerufenen, eigenartigen Situation, welche ihr den Aorteil über die Rivalin gewährte, daß sie dieselbe kannte, ohne von ihr wiedergckannt zu werden. Und er! Cr fühlte sich von allen dreien am unbehaglichsten. Wie sie verstohlen die Lider hob, sah sie, daß er den Worten der Gefährtin nur zerstreut antwortete, und ihre Kenntnis dieses so sensibeln und stolzen Gesichts offenbarte ihr die geheimsten Schwingungen stiner Seele. So, ja, so war er in Momenten der Erregung. Gött, wie die Vergangenheit wieder auslebte! Hatte er unter dem verderblichen Einfluß jenes Weibes nicht alles getan, um sie durch Schiiiähungen, welch« die Grenzen des Undanks und der Niedertracht streiften, zu vernichten?... Konnte sie das je ver- gessen? War der Grabstein über ihrem zerstörten Traum wirtlich für immer entfernt? Dort saß er neben der neuen Geliebten, im Banne eines anderen Zaubers! Nein, sie mußte ihn hassen, diesen Mann! Aber wie sie ihn betrachtete, versank dies alles in Vergessenheit und der Irrtum zerfloß. Das waren ja die geliebten Züge, die fußen Augen, die ihr zum ersten Male gesagt hatten:„Ich lieb dich!" Phantome der Erinnerung tauchten auf! Den Raum zwischen ihr und ihm erfüllten Bisionen. Wirklichkeit, Gegenwart, die brutale Tatsache verschwand vor dem Glanz der die Vergangenheit heraus- beschwörenden Phantasie. Er mochte wohl darunter leiden: denn auf ein leises, seiner Gesährtin zugeflüstertes Wort erhob sich diese und sie wechselten die Sitze. So war das Liebespaar von einst einander nicht mehr gegenüber. „Cr flieht mich!" dachte die schwarzgekleidete Signora, während die im grauen Gewand sich behaglich nach rückwärts lehnte.—„Ist sie glücklich?" fragte sie sich mit sehnsüchtigem Weh, das sie ganz überwälrigte. Er hatte das Gesicht auf die Hand gestützt. Wenn sie den Kopf etwas vorbeugte, sah sie jetzt sein Profil. „Was denkt er!" Plötzlich bemerkte der ijerr mit der Brille und dem Ansatz zur Glatze liebenswürdigst, daß der Sonnenschein die schwarzgekleidete Signora zu sehr belästigte und drang darauf, sie möchte ihm ihren Platz abtreten. Sie lehnte ab, doch der Signor wiederholte sein Angebot in so gewinnender Art, daß ein Nein unmöglich wurde. Sie saßen sich wieder gegenüber und ihre Augen begegneten sich unwill- kürlich. Es war das Aufzucken eines Blitzes. Im gleichen Moment, und ehe sie es selbst gewahrten, verband sie ein unmerkliches, zartes, mehr in der Ansicht als im Ausdruck liegendes Lächeln, das sie in ein und derselben Empfindung wie früher vereinte. Sie faßten einander fest ins Auge.„Ah!"— sagten ihre Blicke—„du wolltest mich vergessen? Hast geglaubt, unsere Liebe verneinen zu können, wie man mit einem Federstrich ein Wort aus- merzt? Du hast sie getötet, unsere Liebe. Aber der Tod zerstört die vergängliche Form: er beseitigt nicht das Erlebnis: das entzieht sich dir ebenso wie mir: es besteht fort in der Zeit. Es war. Also es ist! Erinnerst du dich nicht mehr unserer Küsse?... An gar keinen?... Nicht einmal an den ersten? Jenen, der mir den Schlaf die ganze Nacht raubte?... Und dir vielleicht auch? Und sind unsere süßen Abende so ganz aus deinem Gedächtnis ge- schwunden, jede Spur der Erquickung, die deine müde Stirn an meiner Schulter fand?" „Es liegt soviel dazwischen!"... erwiderten traurig und um- schlciert die anderen Augen...„Soviel Dinge sind seitdem ge- schehen: das Schicksal hat sich erfüllt." „Willst du sagen, daß ich nur eine Episode in deinem Leben darstellte? Aber wenn ich die Oase in deiner Wüste, die Quelle für den Durst, dos Zelt für deine Rast war— wie ist es möglich, daß du mich vergißt? Wir sind einander fremd geworden, willst du sagen. Aber kann deine Gleichgültigkeit, dein unschönes Handeln nielleicht oerleugnen, daß du gut und glücklich an meiner Seite warst? Gut, al» du schwurst, daß du mich immer lieben würdest! Glücklich, rotü du in meinem Anblick die Welt veraaßt!" hugenberg hat recht! M Herr kölling wollte öen Möröer nur sicher machen! derMörüer fühlte sich auch immersicherer unä sicherer. Unü es wäre gelungen, üen Möröer völlig sicher wenn nicht der unerhörte Eingriff Severings unö zu machen, feiner Kreaturen erfolgt wäre! Die Pupillen, die sich unter den Lidern bargen, schienen zu flüstern: „Die Zeit des Wahnwitzes existiert nicht mehr für mich!" „Armseliger," weinten ihre Augen, die ausgerissen waren wie Fenster im Sturm,„du glaubst dich klug und warst doch nur undankbar. Ich bemitleide dich. Ich aber erinnere mich an alles, alles: an ein Wort, eine Bewegung, den Schatten auf deiner Stirn, an dein sonniges Lächeln, an jenen bläulichen Schimmer, der sich in der Iris deines Auges in gewissen Momenten entzündete, und an die Grazie deines Wortes, wenn du zu gefallen beabsichtigtest." Er sah sie erstaunt an: „Ist es möglich, daß du mich noch liebst?" „Ob ich dich liebe, weiß ich nicht. Wenn du mich fragtest, würde ich„nein" sagen. Nein! Hörst du? Aber abends, wenn ich in die Einsamkeit meiner Kammer trete, finde ich dich wieder, finde ich unter meinem Kissen alle Träume von einst, und morgens, wenn ich auf- wache, kommt mir immer noch dein lieber Name auf die Lippen: und dabei blutet mir das Herz, wenn ich ihn ausspreche, genau so wie am ersten Tage, wo du mich verlassen host. Du bist tot für mich, nicht wahr? Aber selbst tot nehme ich dich in meine Arme, erwärme dich mit meinen Lippen, verschmelze dich mit meinem Leben. Hast du geglaubt, daß du alle meine Küsse kennst? Du täuschest dich! Ich erfinde jeden Tag neue für dich! Und die du nicht kennst, nie kennen wirst, sie sind so heiß, so oerzehrend!..." 'Die Signora in Grau zog eine Apfelsine aus einem mit Bändern bestickten Leinwandbeutel, schälte sie kunstgerecht und präsen- tierte die auseinandergetrennten Scheiben, die auf der Schale kreis- förmig wie auf einem Teller lagen, ihrem Gefährten. Er schien zu zögern. Da nahm sie mit zwei Fingern eine Scheibe und drang sie ihm entschlossen auf. Er' wurde rot. Im Kupee schwelte die Hitze. Die graugekleidcte Signora öffnete, nachdem sie die Kehle mit Fruchtsaft ein wenig erfrischt hatte, einige Knöpfe ihrer Bluse und gab sich, mit weit zurückgelehntem Kopf und geschlossenen Lidern, jenem vagen Zustand hin, der noch nicht Schlaf und doch auch kein Wachen ist. Die weitgeöfsneten, beobachtenden Augen der schwarzgekleideten Signora glänzten im Fieber jener eigenartigen Stunde, die wohl der Schmerz verwundeter Liebe, aber auch der belebende Hauch einer neuen und ihr fremden Wonne hurchzitterte. Die schlumnierndc Rivalin und der in seine Zcitungslcktüre vertiefte Mitreisende waren in diesem engen abgeschlossenen Raum kein Hindernis für ekstatische Möglichkeiten, die fern einer Der- wirklichung, durch die Tatsach« ihres Vorhandenseins schon die beiden Liebenden von einst mit oerwirrendem Rausch erfüllten. Die Ber- suchung. die sie in einer Gedankcnsünde verband, weckte in ihnen die Erinnerung an eine Reise, die sie früher gemeinsam durch ein Band des Traumes— von Träumen getragen— unternommen hatten. Di« Süße dieser Vorstellungen war so überwältigend, daß sie davon abließen, einander in Seelentiefen zu ergründe». Es war auch solch ein Tag eines zu Ende gehenden Junis ge- wesen, gleich diesem, leuchtend heiß: sie waren allein in schmalem Kupee... und der Schaffner, der zwei Hochzeitsreisende vor sich zu haben glaubte, hatte sorgsam die Tür hinter ihnen geschlossen. Erinnerst du dich, du? Wie der Zug in einer Station hielt, erwachte die Schlummernde: «Sind wir schon da?" fragte sie ihren Begleiter. „Noch nicht," antwortete er mit heiserer Stimme. „Wohin wollen sie?" dachte die andere Reisende. Aber ihr auf die Nebenbuhlerin gerichteter Blick hatte nichts Feindseliges. Sie durfte sich sagen, daß sie einen Talisman des Trostes mit sich hinwegnehmen würde. „O Fremde," dachte sie,„die ich weder liebe, noch hasse, Pilgcrin in W«gesmitte. du siehst dich schon am Ziel. Du nährst noch Jllu- sionen, und bittere Enttäuschungen harren deiner. Ich sprech zu dir von der Höhe eines erfüllten Schicksals. Junges Geschöpf, das ich nicht hasse und nicht liebe, freue dich dieses so vergänglichen Augen- blicke. Ich weiß, du fühlst dich heute seiner Küsse sicher: aber morgen werden es Küsse von gestern sein, wie jene, welche die meinen waren. Morgen beginnt dein« Vergangenheit, und sie wird meine Rache sein. Er hat dich bereits belügen müssen, wie er dich— als ich plötzlich erschien— unter einem Vorwand aufforderte, die Plätze zu wechseln: gleich wird er wieder die Unwahrheit sagen, wenn du ihn fragst, warum er so schweigsam war. Der Neid nagt wurm- gleich an aller Liebe. Du hast geglaubt, mit deinen Lippen meine Küsse wegzulöschen. Die deinen werden von einer anderen au?- gelöscht. So verdrängen sich die Herzen, prallen mit ihren Leiden- schaften aufeinander, ihrem Rausch, und alles endet und beginnt aufs neue!" Der kleine Tunnel bei Poschiera warf plötzlich einen Schleier des Dunkels über die Reisenden. Es wähtte nur wenige Momente, aber als es wieder Licht wurde, raunten sich die Augen, die während der Fahrt schon so viel erzählt hatten, noch leise, verschleierte Gedanken zu: das Gesicht des Mannes erblaßte ein wenig und das der schwarzgekleideten Frau überzog eine Röte. Sie war am Ziel. Als sie sich erhob, schien der Boden unter ihren Füßen zu wanken: doch fand sie die Kraft, sich stolz auszurichten, und da sie beim Verlassen de» Kupees zwischen beiden hindurch mußte, achtete er darauf, daß sie leicht passieren konnte: getrennt fortan und doch. so nahe waren sie, daß ihre Kleider sich berührten und ihre Augen noch einmal erglühten. Ein letzter Blick streifte die Rivalin. Er blitzte unbemerkt aus den Pupillen jener, deren Brust ein seltsamer Widerstreit von Schmerz und Triumph zusammenschnürte. Und dieser stumme, kühle, beunruhigende und geheimnisvolle Blick sagt«: „Nimm ihn wieder: ich lasse ihn dir. Aber diese Nacht werde ich auch aus dem Kissen seiner Träume ruhen." lB«r«chtigte Uebersetung oon Ioh. ftunbe.i
Lieber Regeneration im Tierreich. Von Bern Herd Samtleben. Die wichtigste Waffe des Natnrsorfchers in dem Kampf, den er ,uhrt, der Natur ihre Geheimnisse zu entreibe», ist in heutiger Zeit das Experiment, der Versuch. Die Chemie und die Physik dedienten sich dieses Mittels schon seil langem und mit den Ersolgen, die jedem bekannt sind. Die biologischen Wissenschasten, Botanik und Zoologie, sind erst viel später diesen Weg gegangen: dah sie es mit Recht taten, beweisen auch hier die Erfolge. Eines der wichtigsten und auifchlustreichsten Gebiete, das die experimentelle Zoologie in Angriff genommen hat, ist. das der Regeneration. Unter Regeneration versteht man den Ersatz verlorengegangener Teile des Organismus— also die Wiederherstellung de» voll- ständigen Organismus nach einer Verletzung, nach dem Verlust eine» Organs usw. Der Laie macht sich im allgemeinen keine Vor- stellung davon, in wie hohem Matze Regeneration, Ersatz verlorener Teile, im Tierreich möglich ist. Einige Beispiele mögen uns ausklären. Jeder weiß, dah der Mensch nicht regenerieren kann und diese Möglichkeit feh�t auch den anderen Säugetieren. Wenn ein Bein amputiert ist oder ein Arm, ein Auge verloren oder auch nur ein Fingerglied, so tritt nur eine Wundheilung ein: eine Narbe schlietzt die Wunde: aber der Verlust des oerlorenengegangenen Organs bleibt bestehen. Anders ist das bei weniger hochstehenden Tieren. Eidechsen wächst häufig ein neuer Schwanz, wenn der alte abgebrochen Ist. Eine Kaulquappe(Froschlarve) bekommt ein neues Bein, wenn ihr eins verloren geht. Je weiter wir auf der Stufenleiter des Tier- reich» zu den einfacher organisierten Tieren hinabsteigen, desto gröher wird die Fähigkeit der Tiere zu regenerieren. Besonders grotz ist diese Fähigkeit bei Würmern. Ein Regen- wurm, künstlich oder durch einen Unfall ln zwei Teile zerschnitten, wächst zu zwei neuen ganzen Tieren aus. Das Hinterende erhält ejn Kopfstück, da? Vorderende ein neues Hinterende, und beide Tiere find lebensfähig. Ja, es ist möglich, einen Regenwurm(und auch andere Würmer) in noch mehr, etwa in 3. 4 oder 5 Teile zu zerschneiden, wonack, es unter günstigen Bedingungen gelingt, aus jedem einzelnen Teil einen ganzen Regenwurm zu ziehen, der im Besitz aller für ihn notwendigen Organe ist. Auch die Seesterne, die jeder kennt, der einmal ein paar Tage an der See zubringen konnte, und die man häufig in Seewasier- aquarien beobachten kann, verfügen über eine grotze Regenerations- fähigkeit. Ein verlorener Arm wird ersetzt: auch mehrere Arme gleichzeitig zu ersetzen, ist das Tier imstande. Ja, es find viele Fälle bekannt geworden, in denen aus einem einzelnen abgetrennten Arm ein ganzes Tier hervorgegangen ist. Die vier neu gebildeten Arme sind allerdings in der ersten Zeit erheblich kleiner als der eine alte, und man spricht dann von sogenannten Kometensormen, weil bei oberflächlicher Betrachtung ein solches Gebilde aussieht wie ein Stern mit einem Schwanz. So'cher Beispiele lassen sich unzählig viele geben. Niedere Gliedertiere, Krebse z. B., ersetzen Beine, Kiemen, Fühler und Augen: die kleinen Sützwasserpolypen, die unter der Bezeichnung Hydra aus fast jedem Tümpel bekannt sind, wachsen zu neuen Tieren heran aus einem fast beliebig kleinen Stück, das man aus ihrer Körperwand herausschneidet. Nur sehr hochorganisierte Tiere lassen jede Regenerationsfähigkeit vermissen. Besonders interessant und aufschlutzreich für den Zoologen wie merkwürdig wunderbar für den Laien sind die Fälle, in denen der Fachmann von Heteromorphose spricht. Wörtlich übersetzt bedeutet Heieromorphose Andersgestaltung, und man bezeichnet damit die- jenigen Fälle, in denen an Stelle eines verlorengegangenen Körper- ieiles nicht derselbe, sondern ein anderer entsteht. Für die Beur- teilung der Wundheilung und Regeneration, wie für entwicklungs- geschichtliche und andere zoologische Probleme sind diese Fälle von der grötzten Bedeutung. Die einfachsten Fälle sind noch diejenigen, in denen statt eines verlorenen Organs mehrere der gleichen Art entstehen. So ist es möglich, Molche mit mehreren Schwänzen, vielköpsigc Abnormitäten van Jungfröschen und ähnliche monströse Gebilde zu erzeugen. Das klassische Beispiel für solche Verhältnisse sind die Planarien: das sind l— 2 Zentimeter lange, ganz flache, meistens schwarze Würmer ohne jede Gliederung, die auf dem Boden oder an Pflanzen im Sühwasser entlang gleiten und von Algen und anderen kleinen Organismen leben. Wenn einem solchen Tiere der Kops abgetrennt wird, so kann es vorkommen, daß an dem Kopf sich ein zweites Schwanzende bildet: ähnliches kann dem Schwanzende passieren, so dah wir dann Tiere mit zwei Köpfen, aber ohne Schwanz, oder Tiere mit zwei Schwanzenden, aber ohne Kopf vor uns haben, die natürlich aus die Dauer nicht lebensfähig sind. Ja, wenn man eine Planarie in einer bestimmten Richtung an der Seite einkerbt, so wächst aus diesem Schnitt ein zweiter Kops hervor: wird der Schnitt in einer bestimmten anderen Richtung geführt, so bekommt die Planari« einen zweiten Schwanz, so dah sich die unwahrschein- lichsten Formen hervorrufen lassen. Aehnliches gilt auch für die obenerwähnt« Hydra, der man oerhältnismätzig leicht zu mehreren Köpfen verhelfen kann. Zu wichtigen Schlüssen haben auch die an Krebsen gewonnenen Ergebnisse geführt. Wenn solche Tiere«in Auge und das zugehörige Nervenzentrum, das Ganglum opticum, verlieren, so wächst an der Stelle des allen Auges nicht ein neues, sondern es bildet sich ein langer Fühler, eine Antenne— woraus der Zoologe den Schlutz ziehen darf, dah Krebsaugen und die Fühler derselben Tiere in irgendeiner Beziehung verwandte Gebilde sind. Wichtig für die Zoologie ist nicht so sehr das äußerlich in die Augen fallende Ergebnis dieser Versuche: sondern wichtig ist vor allem die eingehende Erforschung der in Frage kommenden Bil- dung»vorgänge in ihren Feinheiten und Einzelheiten, und da er- warten diese verhältnismäßig junge Wissenschaft der experimen- tellen Zoologie noch Aufgaben, deren Lösung allerdings erst in den Anfängen vorliegt. Sandbäüer. Schon das Altertum kannte die Sandbäder und war sich der Heilwirkung diese» Kräftigungsmittel» wohl bewußt. Nachdem diese Art des Badens Jahrhunderte hindurch in Vergessenheit geraten war, beginnt man jetzt wieder, sich dieses Heilmittels zu bedienen. Die belebende Kraft des Sandbades hat wohl schon jeder zu ver- fpüKN vermocht, der sich nach einem Fluß- oder Seebade in den Usersand streckte und sich darin eingnib. Es ist, als ob Lebens- elektrizttät aus diesen feinsten Erdteilchen in unseren Körper ein- dringe. Die Erde strömt bekanntlich geheimnisvolle Kräfte aus, und gerade in den Sandbädern lernen wir dies verstehen. Der von der Sonne beschienene oder künstlich erwärmte und dann in Badewannen gefüllte Sand gibt Rheumatikern, G'chtitern und vielen anderen Kranken ausgezeichnete Heilmittel ab. Neuerdings setzen sich auch zahlreiche bekannte Profesioren für die Sandbäder ei» und machen die große Masse aufmerksam aus dieses vorzügliche Heilmittel, das, gan,z abgesehen von seiner aner- kannten Heilkraft, auch noch den Vorzug hat, einfach und billig zu sein. Ein Hauptvorzug der warmen und heißen Sandbäder vor den heißen Wasferbädern ist der, daß jene den Körper weniger als diese anareisen, die Gesamttemperatur In geringerem Maße erhöhen, dabei aber mehr Kohlensäure zur Ausscheidung bringen und hin- gegen dem Körper eine reichere Zufuhr von Sauerstoff ermöglichen. Diese Vorzüge kommen in glänzender Weise bei der Behandlung gichtischer und rheumatischer Leiden zur Geltung, ebenso bei manchen Bluterkrankungen, Nieren-, Unterleibs- und ähnlichen Leiden. Früher begnügte man sich, den heiß gemachten Sand in Leinensäckchen aufzulegen. Heute verabfolgt man ihn in Ganzbädern, indem man Badewannen damit anfüllt und den Kranken hineinbettet. Diejenigen Kranken, die sich da» Sandbad am sonnigen Flußufer oder Meeres- strande leisten können, sind besser daran, denn sie haben zu der Sand- Wirkung noch die Luftkur. Natürlich muß man dabei den Kopf vor den Sonnenstrahlen schützen und darf auch nur vorsichtig die Zeit- dauer de» Sandbades ausdehnen, z. B. mit ll) Minuten beginnen und allmählich auf eine halbe, eine ganze Stunde und bei zu- nehmender Kräftigung selbst aus zwei Stunden übergehen. Auch Herz, und ähnliche innere Krankheiten können mit Sandbädern vor- teilhaft behandelt werden. Doch ist dabei größere Vorsicht und so- mit ärztliche Aufsicht unbedingt notwendig, da man sonst leicht gerade das Gegenteil erreicht. Dr. Kr. . hochsommertag. Goldgelb« Aecker. Unter den schweren Aehren neigen sich die Halm« im weiten Bogen. Breit« Lücken im Acker, wo sie schon ge- ichnitlen und in Garben geschichtet sind, und Stoppelfelder wieder dem Pfluge entgegenharren. Aus dem schwellenden Grün der im Uebermaß des Regens wuchernden Wiesen springen unzählige gellic, weiße, rote, blaue Farbenpuntte der Sommerblumen heraus, tna- nunkeln, Glockenblumen, Kuckucksnelken, Klappertops, Blutweidench und viele ander« mehr. Trockenere. Stellen sind von«auerampser rötlich überlausen. An den Bahndämmen Königskerzen,.Rainfzrrn, Natterkopf, Graukresse, Seifenkraut, Winden— das Bild ä.yoert sich unablässig. Unbestrittene Herrscherin aber, schon durch ihre� Masse, ist die Nachtkerze. Nacht muß es sein, wenn ihre Blüten sich«eil öffnen sollen. Aber auch wenn sie im Sonnenglanz gefaltet)uiL. überragt und überstrahlt sie ihre Umgebung. Unter den Kiefern die karge Flora der Habichtskräuter, Grits- nelken, Karthäusernelken im fleckweis« der Nadelstreu entspringenden Graswuchs. Hier und da aber ein« unserer merkwürdigsten Pflanzen-- gestalten, der Fichtenspargel. Blerchgelb wi« der Gartenspargel, statt der Blätter gelbliche Schuppen, so entsprießt die Pflanze am Fuße der Kiefern etwa halbstißhoch dem Boden, abschließend mit einer Traube ebenso bleicher Blüten. Fremdartig wirkt dieses Gewächs. dem jede Spur des Blattgrüns(CsiloropMIs) sehst. Es bedarf seiner nicht zur Nahrungsbereitung, denn dies« Pflanze gehört zu den Schmarotzern. Sie sitzt im Boden den Kiefernwurzeln auf und hat hier ihre Küche, der sie die Nahrung fertig entnimmt. Im Laubmischwald der Stromtalniederungen aber herrscht eine Ueppigkeit, die dieser überfeuchte Sommer nur erzeugen konnte. All« Fußwege überwuchert. Tief hängen schwerbelaubt« Aest« herab, so daß man sich darunter hindurchbücken muß. In den Gebüschen unsere märkische Liane, der Hopfen, der mit seilartig gedrehten Trieben die Sträucher umschlingt und in einander verspinnt und ihr Laub unter seinen eigenen großen, handförmig zerteilten Blättern«b drückt. Ein Bild, das für die Mark tropisch genug anmutet. All«?, fast doppelt so hoch, wie man es sonst zu sehen gewohnt ist. B». kannte Kräuter bekommen unter dieser üppigen Entfaltung«in fremd- artiges Gesicht. Die Gräben, sonst staubtrocken im Hochsommer, rand- voll. Hier wuchern Pilze, Moose, Algen. Hier fühlen sich Eidechsen, Frösche, Blindschleichen. Ringelnattern wohl, wie schon seit Jahren nicht. Und wir erinnern uns, daß diese Ueppigkeit vor einem Menfchenalter hier das Gewöhnliche war: damals, als die vielen Kanäle das Grundwasser noch nicht gesenkt und als die Waldver- wüstung unser Klima noch nicht verdorben hatte. Sehenswert, wie diese wuchernden Laubmischwälder, z. B. zwischen Spandau und Nauen, sind, werden sie leider doch messt gemieden, als ein Paradies der Mücken. Uns halten sie nicht zurück— tabatqualmend kämpfen wir sie nieder!_&& Sommernacht. von Knut Hamsun. Der Abend dunkelt. In der Stube nur hört man den leisen Schlag der Pendeluhr. Libellen spielen überm Wiesenhange. Die Gartenpforte öffnet leise sich und schnell. Sie hüpft wie eine Flamme heiß und hell an seine Brust, daß er sie fange. Es bettet sie das Gras zu kurzer Ruh. Dann geht es wieder fort auf leichtem Schuh, daß jedes unversehrt ins Bett gelange. Nur die Libellen spielen fort und fort. Ein Raunen wispert nur von Süd und Nord, - ein Muschelsausen ewig lang und lange. (Autoristerte Uebersttung v»n Heinrich' Cucu Dorn Orient'u.OkZldent sind nicht mehr zu trennen? <£» ist eine grosse und sthöne Aufgabe, d.'n ZNarchenzauber bew Orients unverfälscht- nach dem nüchternen Westen zu bringen. Ems gute Zigarette fonn hier miliftmimcner' Vermittler sein.menn bei jedem ihrer vielen Werdegänge peinliche und liebevolle Sorgfalt angewanbt wird Zuban ist der Lnbegriff höchster Steigerung dislor�boitsmeist?.?Nag es die Anpflanzung und Ernte edelster Äaba5e im fonuendurchgluh ten Orient oder deren Verarbeitung in der� »uit den neuesten und besten Alafchinen aus- gestatteten Zubanfabrib inZNunchen fein- stets ist das oberste Gesetz: Erzielung höchster Qualität? Das ideale Familien- und Frei-Bad inmitten herrlicher Laub- und Nadelwälder zwischen Swine- münde und Heringsdorf wegen seiner billigen Preise und der vielseitigen anerkannten Darbietungen Pnwpclde kwicslo« denk die Bato-DircUlo« ______(JU Gfl Ittelstandes
Sonntag 8. Mgust 1926 Ens öer Die Zilme öer Woche. „Kubinke.� tTaucnhienpalast.) Die älteren Leser des„Vorwärts* werden sich entsinnen, daß hier im Jahr« 1912 eine ästhetische Debatte geführt wurde um Georg Hccnnanns Nomon„Kubinke*. Es wurde damals gefragt, ob der Herrmannsche Humor der sich in wehmütig resignierter Art in diesem Roman einem Friseurjüngling und drei Dienstmädchen zuwendet, von proletarischen Lesenr gutgeheißen werden könnte. Heins Sperber(Hermann Heijermanns) leugnete es, da dieser Humor nicht von Liebe und Mitleid zur proletarischen Welt bestimmt wird. Wir wollen hcnte dies« Debatten nicht wieder ausnehmen. odwoh.' die Verfilmung des Romans jetzt besonderen Anlaß dazu bieten würde. Somcl wird aus dem Film klar: die Welt des Dichters ist hier stark vergröbert, die Triebhaftigkeit der Dienstmäd- che», ihre Klatschsucht und Gemeinheit noch viel mehr betont als im Original, dessen psychologische Feinheiten und dichterische Qualitäten überdies im Film verloren gehen. Der tumbe lunge Mann, der in einem Berliner Friseurladcn Anstellung findet, wird in seiner hübschen Harmlosigkeit das Opfer zweier Dienstboten, die ihn schließ» lich zum Vater ihrer unehelichen Kinder ernennen. Das dritte Mäd- chen, das in treuer, wahrer Liebe zu ihm hält, bewahrt ihn schließlich vor den Tücken seines Schicksals. Zudem reißt glücklicherweise der Ragel aus der Wand, an dem sich der junge Mensch, vor der Ge- meinheit der Welt fliehend, aufgehängt hat. Die Geschichte ist jetzt ins Jahr 1925 verlegt, der Bubikopf spielt natürlich eine erhebliche Rolle darin, aber die sozialen Vorauesetzungen passen heute noch weniger als früher. Wo schlafen heute noch Friseurgehilfen im Haus« des Prinzipal?, und wo sind heute noch solche Dienslniädchen- Idyllen möglich? Georg Herrmann hat gewiß weder Dienstmädchen, noch Friseurgehilsen zunahetreten wollen. Aber unglücklicherweise macht der Film die schwache Seite seines Romans, die Richtbeherr- schmig des Milieus, noch deutlicher, und so wirkt diese Welt einiger» inaßen als Zerrbild, um so mehr, da auch dos bourgeoise Gegenstück im Film zu kurz gekommen ist. Karl B o e s e gab der etwas schwächlichen Manuskriptbearbei- tung derben realistischen Ausdruck: der Friseurladen, die Küchen und Hintertreppen, vor allem der Sonntagsball werden etwas knallig herausgestellt. Von der Poesie und leisen Wehmut des Romans ist so gut wie nichts geblieben. Auch die Darsteller sielen zum Teil in den Fehler, mit aller Gewalt die Lachmuskeln zu kitzeln, so daß statt Menschen komische Figuren herauskamen. Bosonders Erika G l ä ß n e r konnte sich als ältere, mollige Köchin in Ueber» treibungen der Mimik nicht genug tun. Das solide, brave Mädchen. da» dem Haltlosen zur Stütze wird, fand in Käthe H a a ck«ine ausgezeichnete Verkörperung. Sie allein gab kein« Karikatur. sondern ein Bild nach dem Leben. Der junge Kubinke, mehr ein Opfer als ein Handelnder, gewinnt durch Werner Fütterers Darstellung nicht an Bedeutung. Er beschränkt sich darauf, hübsch zu sein, aber wird dem eigentümlichen Zyuber, der diesen dem Leben nicht Gewachsenen, Verschüchterten, aber doch Sehnsüchtigen umgibt, nicht gerecht. Für die zahlreichen Berliner Typen waren zum Teil hervorragende schauspielerische Begabungen herangezogen. Julius Falkenstein als Geschäftsinhaber, Erich Kaiser-Tietz als erster Gehilfe, Fritz Kampers als Schlächtergeselle. Ferdinand Martini und Maria F o r e s c u als Portierleute und nicht zu vergessen Hilde M a r o s s als Hausmädchen Emma waren voll- saftige Figuren nach dem Leben. D. ,ves Königs Sefehl.� (Alhambra. Kurfürstendamm.) Mit der Spekulation auf den treuteutschen Mann, der es sich zur höchsten Ehre anrechnet, wenn er sich gehorsamst irgendwo vor einer übergeordneten Stelle melden kann, war schon die Einladungs- karte versaßt, denn die Raxos-Film G. m. b. H. befahl in die Alhambra. Und bevor noch ein Fetzchen Film gezeigt war, konnte bereits Friedericus Rex. in diesem Falle George Burghardt. im Kreise von Tänzerinnen und langen Kerls den tosenden Beisall seiner Untertanen entgegennehmen. Bei der Uraufführung kam es den Herbesohlenen auf den Film überhaupt nicht an, sondern einzig und allein aus den demonstrativen Beisall. Im Filmmanustript de- tätigt sich der alte Fritz ganz geschickt als Heiratsvermittler, er er» hält seinem Lande zwei Millionen Taler, weil er dafür sorgt, daß die Komtesien von Wedel nicht die aus Heiratsschwindel ausgehenden französischen Grafen, sondern preußisch« Ossiziere heiraten. Damit dem Loltskönigtmn Rechnung getragen wird, sind diese Offiziere— argen alle Geschichte— Bürgerliche. Die Franzosen sind Zivilisten. man bedenke, welche Perspektiven sich da eröffnen, von Ansang bis zu Ende heißt's:„Hoch das Militär!" Der Regisseur des großen Friedericus Rex ist ein Ungar, diesen kleinen Friedericus Rer dreht« Herr Blachnitzky. Seinem Kollegen hatte man reiche Mittel zur Verfügung gestellt, er dürft« bei den Parademärschen und den Schlachtbildern mit Masienszenen operieren. Heute ist das für diele Film« in Frage kommend« Publikum bereits derartig in Begeisterung verbisien, daß man mit ganz kleinen Mittelchsn auskommt.� Die Heerführer fehlen natürlich nicht, aber ihre Taten werden in Er- innerungsbildern nur als Episoden gewertet. Selbst die Parade- märsch« sehen nur eine Handvoll Statisten in den typischen Uni- soimen. Doch die Parademärsche müssen eine bestimmt« Länge haben, sonst muß das Orchester die anseuernd« Marschmusik zu schnell abbrechen. Darum photographierte der Regisseur als finniges Einschiebsel die Beene allecne. Die Darsteller machte» fast all« in der kleidsamen Tracht gute Figur. Das genügt, sie brauchen auf Leistung nicht zu spielen, wenn sie es tun, treibt sie ihr eigener Ehr- geiz dazu. Der alte Fritz fand vielleicht seinerzeit schon die Antivort auf den ganzen Rummel, er war Menschenkenner und wurde Tier- freund, was auf des Königs Befehl die Hundeszcnen sehr deutlich betonten._— g. ,Ver �dlcr." (CapifoL) Roch einer Erzählung von Alexander Puschkin verfaßte Hanns Krüly ein Filmmanuskript, das die Amerikaner in Bilder fetzten. Das ist an und für sich eine heikle Angelegenheit, denn Puschkin fand schließlich seinen Weg zur reinen nationalen Kunst, und gerade die Russen selbst schufen Filme, die volkspsychologifche Studien aller- ersten Ranges sind, wie sie den Amerikanern gar nicht liegen. So begegnet man oft der amerikanischen Süßlichkcit statt der russischen Urwuchsigkeit. Aber in Rudolf Valentina wurde für die Rolle des Wladimir Dubrowsky cm Darfteller dienstbar gemacht, dein alle leicht entflammbaren Herzen ohne weiteres zujubeln. Wie gut steht ihm alles an, besonders der Bravourritt auf dein Lieblings- pferd der Zarin, der ungewollt die Bekanntschaft zwischen Herrscherin und Leutnant vermittelt. Sein Widerstand gegen das Liebesgirren der männerbedürftigen Katharina Seine Flucht vom Hos, weil er Soldat ist und kein Spielzeug einer Kaiserin sein will. Dann alle die Enttäuschungen und Kränkungen.— Katharina zeiht ihn der Desertion, sein Vater wird von einem Nachbar um Hab und Gut gebracht und so wird er zum Räuberhauptman». Er wäre ja auch beinahe hingerichtet worden, wenn nicht der Günstling Katharinas sich seiner angenommen hätte. So aber kann er und seine junge Frau, die Tochter seines Todfeindes, unter Genehmigung der Kaiserin mit falschem Paß in fremde Lande fahren. Rudolf Valentino hat wunderbare verschleierte Augen, blen- dend schöne Zähne, formvollendete Hände. Diese drei Vorzüge werden stets in» Tressen geführt. Sein Gesicht ist an und für sich ausdruckslos, es bleibt kalt, das ist freilich keine Gefahr für ihn, solange man nur den schönen Mann sieht und sehen will. Auch seine Partnerin, Vilma B a n k y, sah sehr gut aus. Luise Dresser hatte als Zarin schauspielerisch recht gute Momente, bei- spielsweise wie in ihr, bei seiner vermeintlichen Hinrichtung, doch die Liebe über den Stolz und den Haß der Verschmähten siegt. Clarcnce Browns Regie bewies mitunter glänzende Einfälle, ließ aber streckenweise den Film völlig unbelebt und in der Kulisse stecken. Die Opel-Wochenschau bringt in breitester Ausführlich- teit ein spanisches Stiergefecht. Die Zeitlupenaufnahmen sind ohne Zweifel fabelhafte Bewegungsstudien, doch wirkt die ganze Roheit des Kampfes auf uns im höchsten Grade widerwärtig. Das Vre- mierenpublikum pfiff auch recht vernehmlich. e. d. .Herbftmanöver.� (Primuspalast.) Also das gibt es noch immer. Im Vestibül ist eine Militär- kapelle aufgefahren, die es scheinbar als ihre Lebensaufgabe ansieht, bedeutenden Krach in Form von Märschen zu entwickeln. Die Uniformen sitzen nicht mehr, sie sind bereits wohltuend vom Zahn der Zeit benagt. Der Dirigent ist mit einem besonders martialischen Schnurrbart und mit vielen Ehrenzeichen belastet. Man ist auf das Schlimmste gefaßt. Nach einem harmlosen Natursilm marschiert die Kapelle in den Zuschauerraum im Gänsemarsch. Das Publikum rast. Warum aber diese inilitärische Harlekinade? Der Film ver- langt sie wirklich nicht. Der ist trotz seiner Uniformen, Paraden und Zapfenstreiche nichts weiter als eine einzige, faustdicke Rührung. Mit Rücksicht auf den Publikumsersolg werden nebenbei auch noch viele marschierende Soldatenbeine und andere Erfolg versprechende Ding« gezeigt. Aber diese kindliche Sentimentalität sollte endlich überwunden sein. Sonst bringt der Verfasser B. C. L ü t h g e allert nur möglichen abgestandenen Gartenlaubenkitsch. Zwei herztausige Menschenkinder lernen sich auf einem Gut während des Herbst- Manövers kennen und lieben. Er ist Leutnant und hat nichts, und sie hat ebenfalls nichts. Bei dem stimmungsvollen Vortrag des Liedes von den zwei Königskindern verlobt man sich. Aber böse Verwandte, die es sehr gut meinen, intrigieren. Er verlobt- sich nachher beinahe mit der Tochter seines Obersten, sie heiratet einen gut angezogenen Rittergutsbesitzer von ernsten Lebensgrundsätzen. Beim nächsten Herb(tmanöv«r sieht man sich zufällig wieder. Wilde Umarmung in Großaufnahme, Intrige eines verschmähten Lieb- Habers und nachfolgendes Duell zwischen dem Ehemann und dem Leutnant. Tristan m Offiziersuniform fällt natürlich, und die guts- besitzerliche Isolde erschießt sich an leiner Bahre. Im Tode liegen sie da mit verschlungenen Händen. Im Orchester wimmert die erste Geige die Ballade von den bekannten Königskindern. Das ganze wäre In seiner bodenlos verkitschten Haltung unmöglich zu ertragen. wenn nicht die Schauspieler retten würden, was noch irgendwie zu retten ist. An erster Stelle steht B e t t a c als wehmutskranker Leutnant. Er oersöhnt mit der Roll« durch seine Liebenswürdigkeit, er gibt ihr daneben auch Herbheit, entwirft das Bild eines arm- seligen, in gedruckten Verhältnissen lebenden Menschen, im Grunde trotz der Heldenpose verschüchtert und von sanftem Gemüt. Auch veilage öes vorwärts Hanni Weiße vermeidet es, allzu rührselig zu werden, in Gefühl?- ergüssen herumzuplantschen. Hin und wieder zeigt dieses klein: Landinädchen sogar etwas von tragischer Größe. Die Regie Alsred Kerns bewegt sich in ausgefahrenen Gleisen und auch die Photographie ist nicht immer ausreichend. Schade, daß hier so viel schouspielerffches Können für ein untaugliches Objekt verschwendet wird._ F. S. »Monsieur öecucolrc/ (Gloriapolast.) Die Welt d«s Rokoko wird in diesem Paramount-Film mit uy- erhörter Pracht wieder lebendig: die Welt des schönen Scheins, des spielerischen Getändels, des Luxus und der Intrigen am Hofe Lud- wigs XV. Mit gleicher Feinfühligkeit, mit gleichem Raffinement ist wohl niemals dieses Milieu nachgezeichnet worden. Es ist, als ob die Bilder Watteaus, der ja auch aus diesem schon dem Verfall geweihten Zeitkreise wahrhafte Kunstwerke geschöpft hat, auss neu« vor uns erstünden, als ob zu einer Musik Mozarts delikate Bilder komponiert werden. Mit einer Liebe, die einer besseren Sache wert wäre, ist Kostüm, Lebenshaltung und die ganze Umwelt der Feste und des Luxus neu gestaltet worden. Die Kunst des Photographen ist der Regietunft SIdney Olkotts würdig. Die Schwarzweiß- Kunst der Photographie wird beinahe farbig in ihren Abstusungen. besonders einige Parklandschasten sind von entzückendem Stimmung?- reiz. Die Handlung? Nebensache: der Herzog von Orleans, der Vetter des Königs, der Arrangeur aller Vergnügungen am Hofe, fällt in Ungnade, weil er dem Befehl des Königs, seine Kusine Henriette zu heiraten, nicht gehorcht und es wagt, der allmächtigen Pompadour ins Gehege zu kommen. Er flieht nach England, wo er beim dortigen französischen Gesandten als Friseur sich verbirgt. Das gibt Gelegenheit zu allerlei Abenteuern, Liebesaffären und Duellen, in denen die damalige englisch« Gesellschaft gezeichnet wird. Der Herzog ist D a l e n t> n o,„der schönste Mann der Welt*, wie ihn der Titel etwa, überschwänglich lobt. Er ist in der Tat schön, von fabelhafter Gewandtheit und Meister i» allen ritterlichen Künsten. Nachdem er die englischen Abenteuer glücklich überstanden hat, kehrt er, inzwischen wieder in Gnaden angenommen, nach Frankreich zurück. Mit einem etwas sentimentalen Schluß endigt die Affäre. Der schöne Mann hat erfahren, was wahre Liebe heißt und reicht seiner schönen Kusine die Hand. Es ist nur die Welt des Luxus und der Eleganz abkonterfeit, nur gelegentlich erfährt der Zu- schauer, daß es neben dieser„Welt* auch noch ander« Menschen gibt, die in Bausch und Bogen als Lakaien bezeichnet werden. Der Herzog muß es am eigenen Leibe rrsahren, daß er als Friseur nun zu diesen zählt und der Willkür und der Roheit der englischen Großen ausgesetzt ist. Aber das huscht nur so vorüber. Das schöne Spiel soll durch Seitenblicke nicht getrübt werden. Noch ist die französische Revolution scrn, und man amüsiert sich noch aufs beste. Die Darsteller sind alle nur Figuranten in dem Gesamtbilde. Nur Bebe Daniels als Prinzessin Henriette wäre noch zu� nennen, wenn sie auch etwas gar zu zuckersüß ist. Die Begleitmusik schöpft aus dem reichen Schatz der graziösen Rvtokomusik. r. Sport. Rennen zu Grunewald am Sonnabend, den 7. Aussust. 1. Nennen, l. Predn(Biedermann), S. Obcro» II(Zchinisch), 3. Prin, öinistia»(.-dölleint Tvlo: V-U: 10. Pia»: 25, 17, 100: 10. Ferner liefen: Ztomndin. Mädchentranm, E-aidblatt. Tante Lotte. 2. N e n n e n. 1. Polfino tO. Schmidti. 2. Rhrinstein($. Schmidt), 3. Milon(2. Pargo). Toto: 50: 10. Plad: 15, 07, 21: 11 Ferner liefen: Lichtstrahl II, Zleoln-Z. Perlen», Stablcck, Olterdinaen. Morgan Z. Rennen. 1. Williger0. Platz: 16, 26: 10. Ferner liefen: Goncza(Sora, Ingo. 6. R e n n e n. l. RcilbStag sM. Ientzlch), 2. Orla(O. Schmidt). 3. Greis an(M. Schmidt). Toto: 28:>0. Platz: ,5, 15. 90: 10. Ferner liefen: Mcdlna, San Marco, Korea, Brigitte, Mcnclao», Ottogeb«, FantaSla, Mansbach, Maud, Bedette. Bineta . 7. R e n n« n. t. Mene«(Vinzenz), 2. Nina(William«), 3. Doretie II (Hayne«). Toto: 196:10 Platz: 63, 55, 77: 10. Ferner licien: verbehen, Gentu«, Podargo«. Westfale, Torrone, Heldjrr, Therry Brandy. Tie Königin, Trianon, Lsirr«, Märchen, Ad hoc. Romreise. Die Herr Ilgen Redrennen auf der RllN-itreno. die wie bereit« bekannt, ein glänzend tnternattonal besetzte« Fltegerseld am Start bringen werden, beginnen nachmittag« 4 Uhr. Mrislerfchaslen von veuischland>976 ans der 0lympta-Radre»obohn. Die Olympia-Radrennbabn rüstet schon eijiig für ihren nächilen Rennlag am 15. August. Nach s a st 2 0 j ä h r> g e r P a u s e werden an diesem Tage zum ersten Male wieder die M e t st e r s ch a f t e» von Deutschland sllr Flieger und Daucrlabrer In Berlin ausgcsabren. Verteidiger der Meisterschaften von Denlich- land über 100 �m ist bclanntlich Karl S a I d o w. Am tomnienden Sonn- tag, den 8. d«. Ml«., gelangen die Borläuse in Nürnberg»nd Franksurt a. Main zum ZluSirag. In Nürnberg geben Möller, Lewanow, Fejo und Rosellc», in Franlfmt a. Main Sawall, Willig, Kinp- tot»nd Bauer an Start. Die Ersten und Zwetlcn dieser beiden Vorläuse bestreiten dann»uiammcn mit bcni bisherigen Titelbalter Saldow den E n d l a u f am Sonntag, den 15. Zlugust, aus der Olympia-Radrennbabn. Ct'stc t sctaii demamietnf Cwir vssJ? w>V -l ibil» GARBATY /■'■'TZ /' 1 T GO«.N
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