Morgenausgabe Bezugspreis. � Anzeigenpreise: Wöchentlich 70 Pfennig, monatlich � Sic einspaltige Nonpttreille- 8,— Reichsmark voraus zahlbar. JemSKj/'. X mf geil« 80 Pfenirig. Reklame, eile linier»reu, band Mr Deullchlanb. ittMütOt-*■„»M Reichsmark,.»leine Anzeige»' Scnzia.&aar- und Memelgebiet. H A\ M« das fettgedruckte Wort 2Z Pfennig tTAnzr& m\■ WWmfmfui � «u-.andS.S0 Reichsmark pro Monat. W IM«!Ws Ml � W M■ M M M Ettllengekuche?a- erst. W°?i foH B H W) e/—-// 15 Pfennig, jedes weitere Wort SäSSISHag« m II|||| II 1�1 MX pno Wissen'. der M M I 8cl1«« Pfennig. ..Frauenilimme'..Der«inder- MI I BHI M l|Kl.�Mv■ �M' W» gamllienanzeigen filr Abonnenten freund'.„Iugenb-Vorwärts" und>Ml Z' WM Keil« 40 Pfennig. .Blick in die Bücherwelt' erscheint � �MV>/- wochentäglich zweimal. Sonntags J�M Anzeigen für die nächste Nummer und Montags«inmal. �.__ �___ ▼/ Müllen big 4>4 Uhr nachmittag, im A ▲ I � a a.— � a a.»1% � W M J w/ Hauptgeschäft, Berlin EW 68, Linden» Telegramm-Adresfe: gr I| J J 1 �» Ig I I| I Äji TT straheZ. abgegeben werden. Geöffnet �Sozioldemotral Berlin" Ar* �"V 4-*- 4 I-"V'"V'"V"V 4- �VV 4' uon 8'.h Uhr früh bis 5 Uhr nachm. �entralorgan cler 8o2ialäemoKratil'cl?en Partei Deutfcblands ) NeSaktion und Verlag: öerlin SV. öS, �inöenstraße 3 Fernsprecher: Tönhoff 292—297. Die Sesatzungsftärke. Abermals deutsche Vorstellungen. Die Reichsregierung hat bei den Regierungen der Be- satzungsmächte nochmals mit Nachdruck die Forderung nach Herabsetzung der Truppenstärke in den besetzten Gebieten wiederholt. Der Erfüllung dieser vollauf berechtigten Forde- rung. zu der der Stand der Finanzen Frankreichs selbst Poincarä nötigen müßte, ist schon im vergangenen Jahre Jahre in Locarno zugesagt worden, ohne daß die Truppen- stärke herabgesetzt worden wäre. Im Frieden betrug die Be- atzungszahl im besetzten Gebiet insgesamt 50 000 Mann, jetzt ind dort 80 000 Soldaten fremder Länder in Garnison, zur Ausbildung, im Manöver. usw. Die Entfernung dieser überzähligen und der Ruhe und Ordnung in Wirklichkeit im Wege stehenden 30 000 Sol- baten aus dem besetzten Gebiet ist eine gerechte und s e l bst- verständliche Forderung, die seit langem, insbesondere von der S o z i a l de m o k r a t i e, mit aller Entschiedenheit verfochten wird. Ihre Erfüllung muh verbunden sein mit weiteren moralischen und finanziellen Ent- lastungen des besetzten Gebiets, wie sie die Heidelberger Entschließung der Sozialdemokratischen Partei fordert, und welche Forderungen Reichsaußenminister Dr. Stresemann den alliierten Vertretern in Locarno an Hand dieser Entschließung zur Kenntnis gebracht hat. Der schäöliche ine grauenhafte Oed« ist zu entdecken:«ine Trostlosigkeit, die stumpstinnig macht. Immer nur Wasser und Himmel, Himmel und Wasser— wo ist das grandiös« Schauspiel, von dem die Land- rotten faseln?— Ich habe den geheimen Verdacht, daß nur die Feuilletonisten und Bücherschreiber für die falsche Glorie verant- wortlich sind, durch die der Ozean zum Wunder erhöht wurde. Das einzige, was an all dem falschen Getue wahr sein mag, ist vielleicht noch das bißchen Meerleuchten, nachts, wenn die See ruhig ist Und die paar Fliegenben Fische, die vor dem Bug heruuchopsen, wenn die Sonne die Liebenswürdigkeit hat, hinter den Wolken hervorzukommen. Hin und wieder ein Zug Seeschwalben, die, schwarze winzige Punkt«, über dem Wasser schaukeln; manchmal«in Beidemwinder(oder ironisch: Spanischer man of war), der sein weißes Segel aufspannt und mit der Strömung treibt. Etliche Möoen, die t>em„Eimer" folgen, ihn umkreisen, wieder oerschwinden. Sonst aber?— Nichts, das nennenswert wäre. Nur die falsche Romantik muß man festnageln, damit sie nicht noch mehr Köpfe verwirrt, falsch« Vorstellungen weckt von der Romantik der Seefahrt und den Wundern des Meeres. ?. 8. Um der historischen Wahrbcit willen sei hier vermerkt, daß dies« Zeilen niedergeschrieben wurden nach zwanzigtägiger See- fahrt durch Dunst, Nebel und Regen. Das werk Gtto Lilienthals. Die beiden Brüder Otto und Gustav Lilienthal sind die Pioniere der modernen Fluatechnik. Ihre Arbeiten, bei denen Otto vor 30 Jahren, am 10. August 1896, den Tod fand, bahnten der Fliegerei den Weg, auf dem sie innerhalb eines Menschenalters mit erstaun- licher Schnelligkeit vorangekommen ist. Otto Lilienthal gehörte zu den Technikern, die im Ballon, auch im Lenkballon, keine ideale Lösung des Flugproblems sahen. In der Tat sind die guten Flieger der Vogelwclt selbst den mit starken Mo- toren ausgerüsteten Lenkballons an Schnelligkeit bei weitem über- legen. Der große Querschnitt des Ballons vermindert ganz erheblich seine Geschwindigkeit. Alle anderen, die sich vor Lilienthal mit dem Bau von Flugmaschinen beschäftigt hatten, waren gescheitert, weil die Kenntnis der mechanischen und dynamischen Gesetze der Flug- technik entweder gar nicht oder nur ungenügend berücksichtigt wurden. Selbst der große Leonardo da Vinci, der an einem SchraubeiMeHer gearbeitet hatte, blieb erfolglos. Lilienthal studierte systematisch den Flug des Bogels selbst. Er ging dabei von der Ueberlegung aus, daß der Vogelkörper keine spezifische Leichtigkeit besitzt, durch die er gleichsam von selbst in der Lust zu schweben oermag. Er erklärt das Fliegen als einen dauernden Kampf mit der Anziehungskraft der Erde, die überwunden wird durch den den Fall hemmenden Luft- widerstand und durch die Kraft der Muskeln oder des Motors. Es kommen also, so erklärte er weiter, für die Berechnung einer Flug- Maschine nur die einfachen Gesetze der Mechanik in Betracht. Lilien- thal untersuchte die Gesetze des Luftwiderstandes, über die zu seiner Zeit noch sehr falsche Ansichten verbreitet waren. Er stellte den zum Fliegen nötigen Kraftauswand fest, der bis dahin weit überschätzt wurde, und besckäftigte sich mit der Ausbildung der Flügelform. Da- bei kam er zu dem Schluß, daß die natürlichen Flügel den ebenen Flächen weit überlegen sind. Bei den Gleitslugversuchen, die Lilienthal zuletzt bei Ställen in der Näh« von Rathenow ausführte, gelangen ihm die Flüge bis zu 350 Meter Länge. Er ahnte bereits, daß sich aus diese» Gleitocr- suchen ein Sport entwickeln könne. Er betrachtete seine Arbeite» nach dieser Richtung hin als abgeschlossen und wollte sich der Konstruktion eines Schlagflügelapparates widmen, als er am 10. August 1896 noch «ine Aenderung am Steuer seines Gleitfliegers versuchen wollte. Bei dem Abflug wurde er von böigen Winden ersaßt. Der Apparat überschlug sich und Otto Lilienthal blieb mit zerbrochener Wirbel- säule und schweren inneren Verletzungen tot auf dem Felde. Sein Tod erregte in der ganzen Welt die größte Anteilnahme. Sein Werk aber wirkte fort. Willy M ö b u s. Der Bund deutscher Gartenarchitekten hielt in Dresden seine 13. Jahresversammlung ab. Der Berliner Bildhauer Professor Bosselt sprach über Gartenbaukunst im Vergleich zu anderen Künsten. Er betonte, die Architektur Hab« sich im Gegensatz zur Malerei und Plastik von allen künstlerischen Wirkungen emanzipiert und strebe dem Ideal der absoluten Zweckmäßigkeit zu. Di« Garten- architektur steh« angesichts dieser Wandlung der Architektur vor völlig neuen Aufgaben. Nachdem man den sogenannten Naturgarten als einen Irrtum erkannt und sich wieder der geometrischen Form des Gartens zugewandt habe, sehe man im Garte» oder Part jetzt wieder die architektonische Fortsetzung des beherrschenden Gebäudes. Am Sonntagvormittag fand im Beloedere eine öffentliche Ver- sammlung statt. Der Präsident der Reichstunsttvoche D r e ß l e r- Berlin erstattet« Bericht über Organisationsaufgaben, Ziele und Arbeitsmethoden der Reichskunstwoche. Es sollen alljährlich Reichs- kunstwochcn veranstaltet werden, die alle Künstler und Künste in sich vereinigen sollen. Für chie nächste Veranstaltung ist das Motiv „Kindheit und Frau" vorge�hen. 1929 soll auch in Dresden eine Veranstaltung der Zentralleui�ig stattfinden. Außerdem soll all- jährlich«ine Reihe Künstlertage abgehalten werden. Di« Mittel sollen Reich, Länder und Gemeinden aufbringen. Von Ausstellungen will man absehen, dafür aber Kunstmessen nach schwedischem Muster«in- richten. Der Reichswirtschastsoerband bildender Künstler ließ durch seinen Generalsekretär Marcus-Berlin erklären, daß er als Spitzen- organisation aller Fachoerbänd« auf dem Gebiet der bildenden Kunst gelten wolle. Das Ziel sei, die etwa 10 000 bildenden Künstler im Reichsgebiet organisatorisch zusammenzufassen. Mussolini— Modcndiklator. Man weiß, daß Mussolini schon seit längerer Zeit eine Normalisierung der Mode für die italienische Frau betrieben hat. Im Verfolg dieser Bestrebungen hat er sich nun vor kurzem an führende englische und französische Modesirmen gewandt, um von ihnen Vorschläge für die benötigten Standard- typen zu bekommen. Auf diese Weise sind nun schließlich drei Typen zustande gekommen, die voraussichtlich für die weiteren Maßnahmen beibehalten werden: die Künstlerin, der athletische Typ und die Hausfrau. und die Hausfrau. Welchem Gebiet wird sich der große Mann dann zuwenden? Thcalerchronik. Die S a l t e n b u r g- Biibncn bereiten für diese Spielzeit am Lcssing-Tbeater.Heinrich der Vierte" von Shakespeare vor: es werden beide Teile an einem Abend In der Bearbeitung von Karl Heinz Martin zur Aufführung gelangen. Zadrhuadertseler des Boidfeebade» he'golavd. Aus Anlaß der Jabr- bunderlfeier des Noidsecbadc» Helgoland land�am Sonntag aus Helgoland ei» BegiüiilingSabcnd slall. vürgclmeisttr Cuosicq biet; die zabirctchcu Gäste ivilllvmmcn. Er betonte, daß vor hundert Jahren Jalob Andres« Siemens den Grundstein zu Helgolands Wirtschast und Entwicklung gelegt habe. Parlamentsschluß in Saüen. Der Staatsvoranschlag. Von unserem Korrespondenten wird uns geschrieben: Der badische Landtag hat Ende der Woche seine Sommer tagung und damit auch seinen ersten Sessionsabschnitt im Jahre 1926 beendet. Seine letzte Arbeit war die Beratung des Staats- o ojr a n s ch l a g s. der schließlich nach drei Wochen mit 39 gegen 3 Stimmen bei 7 Enthaltungen angenommen wurde. Durch diese Abstimmung wird die augenblickliche politische Lage in Baden deutlich gekennzeichnet/ Die badische Regierung wird nur von zwei Parteien, der Sozialdemokratie und dem Zentrum, ge bildet. Die Deutsche Volkspartei und die Demokraten stimmten trotzdem für den Staatsvoranschlag und bekundeten der Regierung so bei aller vorhergegangenen Opposition ein gewisses Vertrauen. Völlig ablehnend stehen nur die Kommunisten und die Bürgerliche Vereinigung dem Kabinett gegenüber. Dieses bürger liche Gebilde umfaßt elf Abgeordnete, die auf der Liste der Deutsch nationalen, der Landbündler und der Hausbesitzer gewählt wurden Die Debatte über die verschiedenen Etats und die Generab ausspräche verlief in absoluter Ruhe, und es ist vielleicht darauf zurückzuführen, daß die ausfällige Haltung der Deutschen Volkspartei in der Oeffentlichkeit nicht mehr bemerkt worden ist. Von ihren Führern wurde mehrfach ein bestimmtes Bekenntnis zur Republik und zu Schwarz-Rot-Gold abgelegt, während sie dem Rechtsblock eine glatte Absage erteilten. Vorläufig läßt sich dieses republikanische Bekenntnis aus dem Drang nach der Regierung erklären. Die Sozialdemokratie steht diesem volte parteilichen Herzenswunsch auch weiterhin abwartend gegenüber. Als Voraussetzung für die Erweiterung des jetzigen Kabinetts durch Mitglieder der Voltspartei betrachtet sie ein unbedingtes, offenes und rückhaltloses Bekenntnis zur Republik, zur Weimarer Verfassung und zu den Farben Schwarz-Rot-Gold. Es ist, von diesen Voraussetzungen aus betrachtet, immerhin bemerkenswert, wenn der Führer einer ehemals völlig schwarzweißrot eingestellten Partei öffentlich erklärt, daß die Monarchie der deutschen Geschichte an gehöre und die verfassungsmäßigen schwarzrotgoldenen Farben zu achten und zu schützen seien. Das allein genügt natürlich noch nicht! Im Herbst dürste sich zeigen, ob dieses Bekenntnis irgendwelche politische Auswirtungen haben wird. Auch die Demokraten legen keinen geringeren Wert wie die Voltspartei auf die Wiederaufnahme in die Regierung, obwohl sie sich nach den Landtagswahlen gewisser maßen selbst aus dem Kabinett hcrausmonöveriert haben. Sie o c r- langten damals die Bildung der Großen Koalition. Das wurde von der Sozialdemokratie abgelehnt, weil die von ihr geforderten Voraussetzungen nicht erfüllt waren und ein praktisches Bedürfnis zur Aufnahme der Volkspartei nicht bestand. Die Verhandlungen wurden schließlich abgebrochen und der damalige Kultusminister Dr. H e l I p a ch schied aus dem Ministerium aus. Vertretungsweise übernahm dann der Abgeordnete Genosse R e m m e l e, der seit sieben Jahren das Innenministerium leitet, auch noch das Kultusministerium. Ein unbedingtes Bedürfnis diesen Zustand und überhaupt an der jetzigen Regierung etwas zu ändern, besteht auch im Herbst nicht. Die Regierungsmehrheit von 44 gegen 28 Stimmen gestattet nach wie vor eine zielklare Fortsetzung der bisherigen republikanischen Poltik. Die Hinzuziehung der Volkspartei auf die Gefahr hin, daß dieser gesicherte Kurs gestört wird, wäre ein Geschäft, zu dem sich die Sozialdemokratie niemals bereit erklären wird. Ihre Voraussetzungen haben also ihre guten Gründe. Der von dem badischen Landtag verabschiedete Etat sieht an ordentlichen Ausgaben jährlich 219 697 189 M. und an ordentlichen Einnahmen jährlich 228 983 379 M. vor, so daß ein Ueberschuß von jährlich 8 386 199 M. zu verzeichnen ist. Die außerordentlichen Ausgaben betragen 53 315 299 M. die außerordentlichen Einnahmen 22 995 499 M.; der Mehrbetrag an Ausgaben macht 30 319 899 M. aus. Der Aufwand für den Außerordentlichen Etat beträgt zusammen 35 584 989 M.; der F e h l b e t r a g i n s g e s a m t i st 15 811 799 M. Aus dem umlausenden Betriebsfonds werden 14,1 Millionen gedecki: über die Deckung des Restes wird später Beschluß gefaßt werde». Rur durch die bis an die Grenzen des eisernen Bestandes gehende Ausschöpfung des umlausenden Betriebsfonds ist es möglich ge- worden, den durch die Grund- und Gewerbesteuer zu deckenden Be- trag auf die im Staatsooranschlag vorgesehenen 39 Millionen Mark zu beschränken und diese Steuer nicht noch höher einzuschätzen. Die Ausgaben wurden aufs schärf st e gedrosselt. Die Ausgaben für die Beamtenbezügc sollen dadurch vermindert werden, daß von jetzt an jede dritte sreiwerdende Beamtenstelle nicht mehr besetzt wird. Die für die Straßenherstellung auszunehmende A n- leihe von 47 Millionen Mark soll aus der Krastfahr- steuer verzinst und getilgt werden. Rur durch diese scharfe Maß- nähme gelang es, den Etat im Gleichgewicht zu halten. potemkin. Die Gruntic Scr Filmprüfstelle für die Freigabe. Die Begründung der Filmprüfstelle für die Freigabe des Potcinkinfilms lautet: „Die Kanimer war entgegen den von den Sachverständigen des Reichskommissariats für Ueberwachung der öffentlichen Ordnung und des Reichswehrministeriums abgegebenen Gutachten der Meinung, daß der Bildstreifen nicht geeignet sei, die ösfent liche Ordnung und Sicherheit zu gefährden. Sie konnte dabei die Aussage des Sachverständigen von Speck nicht in vollem Umfange als Gutachten auswerten, da der Sachverständige ein Gutachten vortrug, dessen Unterlage schon vor Besichtigung des Bildstreifens abgefaßt war. Für die Frage der Gefährdung der öffentlichen Ordnung schloß sich die Kammer der Entscheidung der Filmoberprllsstelle vom 12. Juli 1926, Nr. 581 Ziffer 3. an. Eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit könnte durch den Bildstreifen hervorgerufen werden, wenn es richtig wäre, daß das Publikum die russischen Offiziere„Im Jahre 1995" gleichstellen würde mit Staat, und den Matrosen„Im Jahre 1995" mit Volk. In diesem Falle könnte von der empörten Stimmung der Matrosen gegen ihre Obrigkeit etwas übergehen auf das den Film betrachtende Publikum. Davon kann aber keine Rede fein. Das deutsche Volk, auch die Arbeiter, für deren Stimmung der Sachvcr- ständige. Oberregierungsrat Mühleisen, besondere Gefahren fürchtet, wissen genau zu unt er scheiden zwischen Staatssorm und Regierungsmethoden des zaristischen Rußland und denen der deutschen Republik, zwischen den gequälten und unter- drückten Soldaten des zaristischen Rußland und dem in der deutschen Republik freien, seine Angelegenheiten selbst bestimmenden Volk. Dieses Unterscheidungsoermögen wird nicht nur durch die allgc- nieine Bildungshöhe, sondern auch durch die kurze Spanne Zeit, die uns von der Existenz des Zarismus einerseits und von den Tagen, in denen in Deutschland eine neue Staatsform und ihre Verfassung geschassen wurden, andererseits, trennt, bewirkt.— Ver- jügungen, Gesetze und Verwaltungsmethoden des Deutschen Reichs Staat unö Kirche in Mexiko. Präsident Calles erläutert die Perfassnng. Der Kampf zwischen Staat und Kirche in Mexiko erregt in den Vereinigten Staaten lebhaftes Interesse. Es ist dort nicht nur das kirchliche Leben verhältnismäßig bewegt, so daß die nordameri- konischen Religionegesellschaften je nach ihrem Bekenntnis für oder wider die katholische Kirche in Mexiko Stellung nehmen. Für den großen nördlichen Nachbarn ist der mächtige Kampf um die Staats- autorität in Mexiko auch von ökonomischem Interesse: der Pankee kämpft seit Iahren gegen den mexikanischen Staat, weil dieser im Geiste s o z i a l i st i s ch e r Resormarbcit die kapitalistischen Einflüsse des Auslandes zurückdrängen möchte. So ist der Ausgang der Auseinandersetzungen über die staatliche Autorität in Mexiko auch entscheidend über die materiellen Interessen vieler amerikanischer Konzerne und Anteilbesitzer. Angesichts dieser lebhaften amerikanischen Anteilnahme hat die „New Park Times" den Präsidenten Calles um eine Darstellung des Standpunktes der Regierung gebeten. Di»se Darstellung ist bisher in Europa, soweit wir sehen, noch nicht veröffentlicht worden. „Nach der Auffassung der mexikanischen Kirche verhindert die Verfassung den Gottesdienst, weil sie die Predigt, die Austeilung der Sakramente und die religiöse Betätigung im allgemeinen un- möglich mache. Tatsächlich verbietet die Verfassung und das in ihrer Ausführung erlassene Gesetz, Ausländer als Geistliche, ganz gleich welcher Konfession, zu beschäftigen. Diese Seite der Sache ist da- durch erledigt, daß fast alle ausländischen Geistlichen, die im ösfent- lichen Gottesdienst tätig waren, das Land verließen oder andere Tätigkeiten, wie die charitatioe, übernahmen. Aus leicht verständ- l'chen Gründen hat von diesem Gesetz die mexikanische Priester- schaft Nutzen gehabt. Was den Schulunterricht angeht, so ist der Religions- Unterricht in privaten Volksschulen untersagt und nur in den höh e- r e n Schulen erlaubt. Wenn die Kirche in ihrem Schreiben an die Regierung die Eltern auffordert, der ihnen von Gott aufgetragenen Pflicht der religiösen Unterweisung zu Hause nachzukommen, so tut sie genau das, was die Verfassung auf dem Gebiete des öffent- lichen Unterrichts durch die Trennung von Kirche und Staat zu er- reichen sucht. Die Errichtung und der Unterhalt von Klöstern ist nicht erlaubt. Schon seit 1857 sind sie verfassungsmäßig verboten. Die Klöster bedeuten unseres Wissens nach keinen wesentlichen Bestandteil der Gottesocrehrung, auch stellt ihr Verbot keinen Angriff gegen die katholische Religion dar. Im Laufe der Geschichte haben die meisten katholischen Regierungen gewisse Mönchsorden ausgewiesen oder aufgelöst, ohne daß ihre Staatsmänner deswegen aufgehört hätten, gute Söhne der katholischen Kirche zu sein. Keinem Priester ist es in Wort oder Schrift erlaubt, seine Zu- Hörer oder Leser zum Ungehorsam gegen die Gesehe zu verleiten. Allem Anschein nach ist es gerade dieser Versassungsartikel, der nach der Auffassung der mexikanischen Bischöfe die Predigt verhindert. Das weist darauf hin, daß die Kirche die Kanzel nicht nur dazu be- nutzt, die Verehrung Gottes zu sördc.n, fondern Propaganda gegen den Staat zu treiben und sie zu politischen Zwecken zu mißbrauchen. Wir dulden Angriffe jeder Art überall dort, wo die Religion nicht im Spiel ist: in den Zeitungen, in Versammlungen oder sonst überall, wo nicht der religiöse Bewußt. seinszusland vorhanden ist, der fast immer mit einem völlig passiven Gehorsam und einer besonderen Weichheit verbunden ist und der keine Diskussion über die von den Priestern vorgetragenen Gedanken erlaubt. Die Verfassung verbietet die Bildung von politischen Par- teien, die in ihrem Namen eine Beziehung zu einer Konfession hoben. Wir wollen damit vermeiden, daß damit politische Kämpfe die Form erhitzter konfessioneller Auseinandersetzungen annehmen. Außerhalb der Kirchen dürfen goltesdicnstliche Handlungen nicht vorgenommen werden. Wenn wir in Mexiko durch die Erziehung der Masten erst genügend Gemeinschaftsbewußtsein und Toleranz erworben haben, so wird sicherlich nichts dagegen einzuwenden sein, daß man gottesdienstliche Handlungen außerhalb der Kirchen vornimmt. Solange aber wie jetzt die Intoleranz, namentlich der katholischen Priester, vorhanden ist, würde die Erlaubnis von Pro- Zessionen usw. ständig zu politischer Beunruhigung führen. Zum Beweis dafür brauche Ich nur an die häufigen An- griffe auf prote st antische Prediger oder Personen, die mit ihnen verwechselt werden, in kleinen Städten oder auf dem Lande zu erinnern, die stets von den lokalen Priestern veranlaßt werden. Auch ist die drohende Haltung der Priester der Kathedrale von Guadalupe unvergessen, die letztes Jahr gegen eine Gruppe nord- amerikanischer Touristen, als sie den Altar, ein hervorragendes Kunstwerk, besichtigen wollten; diese Nordamerikaner konnten nur dadurch geschützt werden, daß berittene Gendarmerie den Befehl erhielt, einzuschreiten. Aus demselben Grunde ist es nicht erlaubt, daß die Priester in der Oeffentlichkeit die langen Röcke oder sonst eine Berusskleidung tragen. Natürlich wendet sich dieses Ver- bot nicht gegen das Tragen religiöser Münzen, Kreuze oder Rosen- kränze usw. Das ist ein Ueberblick über die Verfassungsgesetze, die weder die Predigt, noch die Austeilung der Sakramente, noch überhaupt die Gottesverehrung oerhindern. Die mexikanischen Bischöse versuchen nur zu den politischen und religiösen Zuständen früherer Zeiten zu. rückzukehren, um ihren Traum einer überlebten weltlichen Herrschaft zu verwirklichen." schließen einen Konflikt, wie er in dem vorliegenden Bildstreifen gezeigt wird, aus. Das Publikum setzt also den Ausschnitt aus den Ereignissen des Jahres 1995, die der Film zeigt, die Stimmung, die in diesem Film geschildert wird, nicht gleich mit der heutigen Zeit in Deutschland, infolgedessen ist es nicht richtig, daß der Film eine empörerische Stimmung gegen die Staats autorität in den Beschauern auslöst. Er gefährdet daher nicht die öffentlich? Sicherheit. Wenn der Bildstreifen über die gezeigten Ereignisse hinaus s i) m b o li f ch wirkt, so dadurch, daß er in den zaristischen Methoden Ungerechtigkeiten und Brutalisierungen unter bestimmten in Deutsch- land überholten Staatsformen darstellt und in den Matrosen ein Volk, das zu allgemein anerkannten Menschenrechten greift, ein Gegenstand, der ja auch in der deutschen K u n st nicht fremd ist (Wilhelm Tell). Dieser Gegenstand löst in gewissen Kreisen der Be- oölkerung, gerade auch in solchen, die einwandfrei verfassungstreu sind, Erinnerungen an die Tage aus, in denen das deutsche Volk sich gegen die früher« Verfassung empörte und die Republik schuf. Daher rührt der Beifall, den die Oberprüsttell« in ihrer Entscheidung vom 12. Juli 1926(Nr. 581 Ziffer 4) erwähnt. Er ist nach Auffassung der Kammer aus diesem Grunde kein Beweis dafür, daß die Stim- mung des Publikums bei der Vorführung gegen bestehende staatliche Einrichtungen aufgewiegelt wird. Ob der Bildstreifen von seinen Urhebern mit politischen Ab- sichten gemacht wurde, ist nicht festgestellt und hat außerdem bei der Beurteilung der Wirkung des Bildstreifens, zu der die Kammer nach dem Gefetz allein berechtigt ist, außer Ansatz zu bleiben. Die Kammer erblickt in den von der antragftellenden Firma neuerdings vorgenommenen Ausschnitten eine Abänderung, die ganz abgesehen von ihren oben angesührten Entscheidungsgründen die rüher festgestellte Gefährdung der öffentlichen Sicherheit ausschließt. Die Szenen, bei denen die Meuterei der Soldaten gezeigt wurden, ind weggefallen, so daß nunmehr der Aufruhr des Mannes gegen den Offizer greifbar nicht mehr aus dem Film hervorgeht. Die Ab- Neigung des Beschauers gegen die in den, Bildstreifen dargestellt« Obrigkeit wird außerdem gemildert dadurch, daß die Kosaken nicht mehr schießen, sondern das Publikum nur noch oerdrängen. Di« Titeländerungen weisen deutlich daraus hin, daß es sich lediglich um ein Stimmungsbild aus Rußland von 1995 handelt. Sie verstärken ferner die Leiden des russischen Volkes durch den Zarismus, sie sind in ihren Ausdrücken milder. Worte, wie„Genug des Stinkfutters",„nicht einmal ein Hund würde es fressen", sind weggefallen. Auch brutale Worte während des Kampfes der Sol- baten gegen die Offiziere, wie„jetzt wirft du selbst den Würmern zum Fraß dienen" sind nicht mehr enthalten. Die Worte:„Brüder, unser ist der Sieg", die der Meuterei Nachdruck verliehen, sind aus- gemerzt. Die Titeländerungen mildern serner die Begeisterung, die in Odessa überhaupt und bei dem Bürgertum für den Panzer- kreuzer Potemkin herrscht. Aus dem Film ist an Stelle des revolutionären Aktes aus der Geschichte einer ver- gangenen Epoche eines fremden Staates eine breite Schilde- riing einer Episode jener Zeit ohne st arte Akzente geworden. Es war daher zu erkennen wie geschehen." verfaffungsfeier mit Reservaten. In Bayern. München. 9. August.(Eigener Drahtbericht.) Das bayerische Gesamtministerium l>at sich jetzt doch noch zu der Anordnung bequemt. daß die staatlichen Gebäude und die Gebäude der Unioersilät am Aerfassungstage, allerdings in den Landesfarben, zu be- flaggen sind. Den staatlichen Beamten, Angestellten und Arbeitern wird auf Ersuchen zur Teilnahme an den Berfassungsfeiern Dicnstbc- sreiung gewährt, soweit das die dienstlichen Verhält- nisje zulajjen. Sraunschweiger Stahlhelmspaltun?. Gegen Uhlcnhaut. Brmmschweig. 9. August(Eigener Drahtbericht.) Der Braun- schweizer Stahlhelm ist nun endgültig gespalten. Wie die „Braunschweigische Staatszeitung" mitteilt, ist am 3. August 1926 im Vereinsregister der„Verein Stahlhelm, Frontsoldatenbund Braun- schweig" gerichtlich«ingetragen worden. Die 1699 Rebellen gegen den famosen Landesverbandsführer U h l e n h a u t haben sich damit end- gültig von dem Stahlhelmbund getrennt. die Attentäter von Jössen. Gin Zuchthausurteil. Leipzig. 9. August.(Eigener Drahtbericht.) In dem bayerischen Kommunistenprozeß wurden äußerst harte Urteile gefällt Die Angeklagten wurden wegen Vergehens nach tzß 5 und 7 dee Republikschutzgcsctzcs und 88 5 und 6 des Sprengstoffgesetzes sowie wegen Vorbereitung zum Hochverrat verurteilt, und zwar Rotheimcl, Frank, Kuprian zu je 6 Jahren Zuchthaus und je 699 M. Geldstrafe, Rögcr zu 19 Jahren Zuchthaus, 19 Jahren Ehrenrechtsverlust und 1999 M. Geldstrafe, Kopf zu 7 Jahre» Zuchthaus und 799 M. Geldstrafe, Klebsch zu 8 Jahren 6 Monaten Zuchthaus und 859 M. Geldstrafe, Steindl zu 3 Iahren Zuchthaus und 399 M. Geldstrafe und Thaler zu 2 Iahren Zuchthaus und 299 M. Geldstrafe. Geldstrafen und 5 bis 7 Monate gelte» durch die erlittene Untersuchungshaft als verbüßt. Kuprian und Klebsch werden, da sie Ausländer sind, aus dem Reichsgebiet ausgewiesen. Aus der Urteilsbegründung ging hervor, daß das Gericht einen besonders schweren Fall angenommen hatte, da das Sprcngstoffverbrechen zur Ausführung kam und neben Verletzung von Menschen auch erheblicher Sachschaden entstanden war. Der Urheber dieses Sprengstoffattentats, der frühere Reichstagsabge- ordnete Wendclin Thomas, habe sich der Strase durch die Flucht nach Rußland entzogen. Das Schreckensurtcil gegen die von gewissen- losen Führern verhetzten Arbeiter, die meistens Familienväter sind, rief große Empörung im Zuhörerraum hervor. Nußlanösthwinöe!. Phantastische Meldunsten. Die Telegraphenagentur der Sowjetunion meldet:„Die Mel- düngen in der ausländischen Presse über Unruhen in der Sowjet- union, besonders über militärische Aufstände in der Ukraine, in Leningrad und Kronstadt sowie über Attentate und Verhaftungen von Sowjetführern entbehren jeder Grundlage und stellen die gröbste Erfindung dar. Solche Meldungen werden von der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken feindlichen Quellen ver- breitet, die Direktiven aus Ländern erhalten, die besonders interessiert sind, die Aufmerksamkeit der internationalen öffentlichen Meinung von ihren abenteuerlichen Plänen abzulenken." Das Auswärtige Amt hat von seinen Vertretungen in Sowjetrußland bis Montag abend nickt e i n e c i n zi g e Meldung über irgendwelche Unruhen erhalten. Auch hieraus ergibt sich, daß die Nachrichten über eine neue Revolution in Rußland Phantasie- Produkte sind oder das Ausmaß der Unruhen so gering war, daß sich eine Meldung der amtlichen Missionen in Sowjetruhland an das Auswärtige Amt in Berlin erübrigte. Die am Sonnabend verbreitete Meldung der hiesigen Tele- graphen-Union über einen Militäraufstand in Leningrad und Krön- stodt, zu dem auch Trotzki hingereist sei, berief sich auf eine War- schauer Nachrichtenagentur als Quelle. Das macht den Schlußsatz des Moskauer Dementis leicht verständlich, ohne daß er darum ab- solute Wahrheit sein müßte. Der blamierte Tiger. Nach kommunistischer Behauptung hat der Herausgeber des nationalistischen„Aoenir", Burö, Clemanceau zu seinem Ofjenen Brief an Coolidge oerleitet. Fahnen heraus! Republikaner! Zeigt am Verffassungs- tag die republikanischen Farben! SewerMastsbewegung Venn Sie Instanzen stch streiten... Müssen die Notstandsarbeiken ruhen. Man schreibt uns; Schon im April dieses Zabres wurde von einer Berliner Tiefbausirma in Zehlendors, Buschgraben, am Teltower Kanal Arbeiten ausgeführt. Nach 14 Tagen muhte die Arbeit wieder eingestellt werden und 20 Mann wurden arbeitslos, und zwar infolge von Streitigkeiten zwischen der Kanalinspektion und der Stadt Berlin. Der Streit sollte in 5 bis 14 Tagen beigelegt werden. Nun sind es schon 14 Wochen her und immer ist noch keine Aussicht, daß die Arbeiten wieder ausgenommen werden. Auf Anfrage des Tiefbauamts Zehlendorf wurde erklärt, daß die Sache dem Herrn Oberregierungspräsidenten vorgelegt wurde. Bon dort sei die Sache zum Ministerium ge- gangen. Aber bis jetzt ist immer»och kein Bescheid gekommen, ob und wann die Arbeiten wieder ausgenommen werden können. Bei dielcr Arbeit könnten 40 Mann vier Monate hindurch Bc schaftigunq smdcn. Wenn schon in solchen Fallen, in denen es sich— gemessen an dem ilmfang der Arbeitslosigkeit und der Notstandsaklion— um Bagatellen handelt, die Instanzen nicht zu Rande kommen, dann wird es begreiflich, wenn die Inangrissnahme umfangreicher Arbeiten nicht vom Flecke kommt. Den„I n st a n z e n" sollte denn doch bald klar sein, daß sedwcdc nicht sachliche unbedingt notwendige Verzögerung aus diesem Gebiete ein Verbrechen am Volke, an der Allgemeinheit ist. Unausgeführte Notstandsarbeiten. Uns wird geschrieben: Die Stadtverordnetcnversammsung genehmigte vor etwa VA Jahren die Ausführung eines Kanals, der den S e d d i n s e e bei Gosen mit dem Dämeritzsee bei Hessenwinkel verbindet. Bisher ist nur die Kanalstrecke abgesteckt und die Waldung niedergelegt worden. Zur Herstellung des Kanals selbst sehlen angeblich die Mittel. Die an der Erbauung des Kanals interessierte Industrie— Zement-, Kalkstein- und Mörtelindustrie— hat für die Ausführung wohl Beträge gezeichnet, die ober angeblich nicht ansreichen. Die Ausführung des Kanals würde mehreren hundert ungelernten Ar- beitern Beschäftigung bieten. Warum wird er nicht gebaut? „Kongreß der Werktätigen". Die„Rote Fahne" vom 6. August brachte folgendes Sieges- bulletin; „In der Bczirksverfammlung des Fabrikarbeiterverbandes Berlin-Neukölln wurde folgende Resolution an- genommen. „Die Bezirksversammlung des Fabrikarbeiterverbandes Neu- kölln am 22. Juli 1926 beschließt, die Ortsvürwaltung zu beaus- tragen, sofort beim ADGB. vorstellig zu werden, im Interesse der Notlage des deutschen Proletariats einen Kongreß d r Werktätigen zu organisieren und mit allen Mitteln zu unterstützen für die Millionen der Erwerbslosen, gegen das jetzige Rotionalisicrungssystem des deutschen Kapitals." Dazu ist zu bemerken, daß die Bezirksversammlung Neukölln diesmal außerordentlich schlecht besucht war. Es nehmen durchschnittlich immer zirka 69 bis 69 Kollegen an derselben teil. In der fraglichen waren nur 17 Teilnehmer anwesend. Bon diesen stimmten für die Resolution neun, gegen dieselbe ackit. Wir gönnen der KPD. solche Paroleerfolge, obgleich wir der Meinung sind, daß unsere Genossen besser ans dem Posten sein sollten. Quartalsversammlung der Zimmerer. Am 3. August tagte die Quartalsversammlung der Zimmerer. Der Kassenbericht lag gedruckt.vor. Er beträgt in Einnahmen und Ausgaben 99 942,99 M. Einstimmig wurde beschlossen, den eng- lischen Bergarbeitern 1999 M. zu überweisen, damit sie ihren schweren Kamps gewinnen. Weiter wurde einstimmig Protest erhoben gegen das Verbot der kommunistischen Tageszeitungen sowie gegen das Blut- und Hcnkerregiment in Horthy-ilngarn und die sofortige Freilassung Rakosis und Genossen gesorderr. Der Vor- sitzende Repschlager berichtete noch, daß die Mitgliederzabl um 218 gestiegen ist: sie betrug am Quartalsschluß 4534. Er forderte die anwesenden Delegierten aus, überall für die Wahl von Vertrauensleute» und der Bücherkontrolle einzutreten. Die Arbeits- losjgkeit sei noch sehr groß. Auf dem Nachweis in der Gormann- straße standen täglich durchsckmittlich im April 1643, im Mai 1396 und Juni 1926 arbeitslose Zimmerer zur Verfügung. Auch im Juli waren noch 1241 vorhanden. Schuld hat die Profitsucht der Unternehmer, indem sie hier Arbeit annehmen, ober außerhalb Berlins anscrtiqen lassen. Diesen Zustanden gegenüber wird von der Berliner Wohnungsfürsorgegesellschaft verlangt, daß bei Ar- beiten, die von ihr Bczuschussung erhalten, nicht nur die Berliner Unternehmer, sondern auch die Berliner arbeitslosen Bauarbeiter (Zimmerer) Berücksillitigung finden. Ei» Antrag, der die Z u st i m m u n g zur Akkordarbeit verlangte, �rnirde durch Ilcberaang zur Tagesordnung erledigt. Weiter wurde beschlossen, am 28. August eine statistische Erhebung nebst G e n c r a l b ii ch e r k o n t r o l l e auf samt- lichen Baustellen vorzunehmen Alle Berbandskameraden müssen daran mitarbeiten. Unter Zustimmung der Versammlung wurde ouss schärfste die bei einigen Firmen bis aufs höchste gctrie- b c n e Schinderei verurteilt. Meistens sind es die Schweiß- trciber(Poliere), die sich hierzu hergeben. Bei der Firma Richter u. Schädel der Polier Emil Ostroske, wiederholt wegen nicht richtiger Lohnzahlung vom Gewerbegericht verurteilt. Tic Berliner Fabrikarbeiter im zweiten Quartal. Am Sonntag, den 8. August, tagte die Generaloersammlung der Zahlstelle Berlin des Verbandes der Fabrikarbeiter. Als Gäste waren Kollegen von den zum Keramischen Bund ver- einigten Mitgliedern des Glas- und Porzellanarbeiteroerbandes an- wesen d. Der erste Bevollmächtigte, Genosse Rücker, führte zum Ge- schäftsbericht ans, daß das zweite Quartal unter dem Zeichen z u- nehmender Arbeitslosigkeit stand. Er schilderte die Be- mühungen der gewerkschaftlichen Spitzenorganisationen beim Reich, den Ländern und den Kommunen, die zu dem jetzt vorlieaenden, umfangreichen Arbeitsbeschaffungsprogramm geführt haben. Er ver- mißte dabei allerdings die Fürsorge für die Frauen. Bei allen Notstandsarbeiten handelt es sich lediglich um männliche Arbeitskräfte. Rücker wies ganz besonders auf die Notlage der Arbeiterinen der Blumen-, Blätter- und Feder-Industrie hj», von denen viele bis zu S9IaHre in ein und demselben Betriebe beschäftigt waren und jetzt seit Monaten Infolge der ungünstigen Modeverhältnisse auf der Straße liegen. Er forderte von den maßgebenden Körperschaften, daß für dies« so zahlreichen Frauen und Mädchen ebenfalls Arbeitsgelegenheit geschaffen wird. In d'r Diskussion wurde an der Tätigkeit der Ortsverwaltung keinerlei itik geübt: die Kommunisten glaubten vielmehr, wie üblich, dr« Generaloerßumnlung zum Tummelplatz chrer nichts» sagenden Phrasenwüterei machen zu müssen. Mit ihnen rechnet« Sewekow in geradezu glänzender Weise ab. Er hielt ihnen einen Spiegel vor, in dem sie ihre Partei erblickten, wie diese die Arbeiter auseinanderhetzt, anstatt sie zusammen zu bringen. Den kommunistischen Anträgen auf Einberufung eines Kongresies der Werktätigen, Aufnahme der Arbeitslosen in die Verbände, und Einberufung eines Verbandstages, konnte die Dringlichkeit nicht zuerkannt werden.__ ke-o Mangel an üeutschen Lanüarbeitern. Um zu wisien, ob der von den landwirtschaftlichen Unternehmern behauptete Mangel an einheimischen landwirtschaftlichen Arbeits kräftcn wirklich vorhanden ist und die Beschäftigung von auslän dischcn Wanderarbeitern verantwortet werden kann, richtete das Bezirkssekretariat des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes in Frankfurt a. Main kürzlich an das Laiidesamt für Arbeitsvermittlung in Hessen. Hessen-Nassau und Waldeck die Frage, .ob die Landwirtschaft angeforderte Arbeitskräfte vermittelt erhielt. Auf diese Frage ist ein Schreiben des Direktors eingegangen, in dem unter anderem folgendes gesagt wird: „Zum dortigen Schreiben vom 21. Juli 1926 teilt das Landes amt mit. daß die Nachfrage nach landwirtschaftlichen Arbeits� kräftcn in den letzte» Monaten außerordentlich gering war und sich in der Hauptsache auf weibliche Arbeitskräfte, die melken können, beschränke Das Angebot deutscher Landarbeiter überstieg bei fast allen öffentliche» Arbeitsnachweisen des hiesigen Bezirks die Zahl der gemeldeten offenen Stellen. Das Landesamt ist gegenwärtig bemüht, durch eine umfangreiche Werbearbeit offene Stellen für die Ueberführung städtischer erwerbsloser Ar beiter aus Industrie und Gewerbe in die Landwirtschaft zu be schassen. Zu diesem Zweck bereisen zurzeit zwei Angestellte des Landesamts die einzelnen Arbeitsnachweisbezirke." Auch in Pommern ist ein Angebot von landwirtschastlichcn Arbeitskräften zu verzeichnen. Wir erfahren das durch ein Inserat, das in Nr. 178 des„Hinterpommer" vom 2. August 1926 abgedruckt ist. Das Inserat lautet: „Eine größere Anzahl Landarbeiter vermittelt noch der Stödlischc Arbeitsnachweis in Kolberg." Zu diesem Inserat wird in dem redaktionellen Teil des„Hinter- pommer" bemerkt, daß es sich um durchaus erfahrene, feit vielen Jahren in der Landwirtschast beschäftigte Arbeitskräfte handelt. Bei solchen Feststellungen kann die Behauptung von dem Be- stehen eines Mangels an einheimischen landwirtschaftlichen Arbeits- kräften nicht mehr aufrechterhalten werden. Es entfällt damit auch ein wesentlicher Grund für die Beschäftigung von ausländischen Wanderarbeitern._ Mussolinien, das Diviüenöenparaöies. Für die Arbeiter Lohnabbau und Arbeitszeitverlängerung. Ehiasio, 7. August.(Eigener Drahtbcricht.) lieber die Wirk- lichkeit der wirtschaftlichen Krise in Italien ist kein Wort mehr zu verlieren. Es kann sich nur noch um eine Erörterung darüber handeln, wie sie beizulegen wäre. Eines der hierzu geeigneten Mittel wäre nach Ansicht der Industriellen die Verminderung der Löhne und Gehälter und die Erhöhung der Ar- beitszeit. Es ist klar, daß die italienischen Arbeiterorganisatio- nen, die an die freien Gewerkschaften anschlössen sind, über diese Art der„Wirtschaftsrettung" mit der italienischen Industrie, die vom faschistischen Regime unterhalten wird(und vice versa: mit der Regierung, die von dieser Industrie gestützt wird)— kein Wort weiter zu wechseln haben. In dieser Lage darf eine Seite nicht ver- g-ssen werden, wie die„Stampa" in Turin sagt. Das Blatt fragt: „Welche Möglichkeit haben heute die Arbeiter und Angestellten gegenüber dem Zwang, den Schmachtriemen enger zu ziehen'� Läßt der heutige Durchschnittsreallohn der Arbeiter und Angestellten die Möglichkeit der Kürzung ohne Schädigung der privaten und familiären Lebenshaltung und des wirtschaftlichen Daseins überhaux't zu?" Die„Stampa" bezieht sich aus die Statistik des Jnternatio- nalcn Arbeitsamtes in Genf und auf die wirtschaftlichen Voraussagen des bekannten Nationalökonomen Professor M o r t a r a und erklärt, daß die Löhne und Gehälter keineswegs weiter eingeschränkt werden können. In diesen„wirtschaftlichen Dorausblicken für 1926" ist Professor Mortara zu folgenden Schlußsolgerungen gekommen: Da nach dem Weltkriege der Durchschnitt des Reallohns'sich dem der Jahre 1913/14 genähert, ja, in bestimmten Industriezweigen ihn sogar überstiegen hat, so muß betont werden, daß der Durchschnitt des Reallohns im Jahre 1924 unter dem des Jahres 1913 geblieben ist, was be- deutet, daß dieser Tageslohn den Arbeiter nicht dazu in die Lage setzte, sich dieselben Waren und Dienste zu erkaufen, die er im Jahre 1924 erwarten konnte, d. h. seine Lebenshaltung hat sich in dieser Zeit vermindert. Unter diesen Umständen hat sich natürlich die wirtschaftliche Lage der Arbeiter i» Italien seit 1924 nicht gebessert. Wenn dem- nach bei Ausbruch des Weltkrieges die wirtschaftliche Lage des italienischen Arbeiters sich sehr» n t e r h a l b der der anderen große» Nationen bewegte und man hinterher versucht hat, das Leben dieser Arbeiter und Angestellten nach humanen Gesichtspunkten aus.zu- bessern, so kann man, so schreibt die„Stampa", aus der heutigen wirtschaftliche» Lage kaum den Schluß ziehen, den die italienischen Arbeitgeber zur Erhöhung der industriellen Produktion für not- wendig halten. Die italienische Industrie, von der ein großer Teil heute auf Grund der Schutzzölle und der niedrigen Löhne ein Schmarotzer- leben sühn, muß demnach in ihrer eigenen Organisation die Mittel zur Besserung der Lage suchen. Ausgerechnet„Popolo d'Jtalia", das Blatt Mussolinis, schreibt gerade jetzt mit Ueberschwang: „Die italienische Industrie verteilt hohe Dividenden nach Belieben"... Ausländische Arbeiter in Sowjetrußlanü. Wenn sie keiner„Arbeikerdelegation" angehören. Der„Trud" vom 28. Juli 1926 schreibt: „Bei dem Zentralkomitee der Metallarbeiter liegen Nachrichten vor, daß in einer Reihe von Werken die eingewanderten ausländischen Arbeiter nicht nur von feiten der Werk- l e i t u n g, sondern sogar von feiten des Betriebsrats auf Unfreundlichkeiten stoßen. Meistens sind die Einge- wanderten vorwiegend gelernte Arbeiter, die aus der Grundlage hochstehender Technik erzogen worden sind und sich nur schwer unseren rückständigen Produktionsverhält- nissen anpassen können. Sic kommen daher häufig mit Vor- schlügen, die zur Besserung der Arbeitsmethoden dienen sollen. Statt aber diese Vorschläge zu untersuchen, macht ihnen die Werk- leitung allerhand Schwierigkeiten, und der Verband schenkt ihren Klagen keine Aufmerksamkeit Das Zentralkomitee der Metall- arbeitcr ist darüber unterrichtet wordey) daß infolg« dieses Ver- Haltens die Einwanderer in einigen Fällen die Werke verlassen haben. In Anbetracht dessen, daß solche Vorkommnisse nicht nur der Produktion, sondern auch dem Ansehen des Verbandes schaden, hat das Zentralkomitee den örtlichen Organisationen vorgeschrieben, die unfreundliche Einstellung den Einwanderern gegenüber zu beseitigen. Zudem sind die Emigranten in den meisten Fällen aktive Teilnehmer an revolutionären Erhebungen, die meist viele Jahre als Gewerkschaftler tätig gewesen sind und sich oegenwänig in Sowjetrußland vor den Der- solgungen bürgerlicher Regierungen verborgen halten Die Schwierig. ketten für sie werden noch durch die Unkenntnis der russischen Sprache gesteigert. Um so mehr müssen die russischen Arbeiter ihnen jeglicbe kameradschaftliche Hilfe erweisen..." Danach scheint es zwischen dem eingewanderten ausländischen Arbeitern— die nicht von der Sowjetregierung zu Propaganda- zwecken bezahlte„Delegierte" sind— und den Russen häufig zu Reibereien zu kommen, die offenbar ein recht beträchtliches Aus- maß angenommen haben müssen, wenn sich der„Trud", das Zentralorgan der russischen Gewerkschaften, veranlaßt sieht, eine solche Notiz zu bringen._ Naturalentlohnung in Sowjetrußlanü. Unter den Briefen der Arbeiter im„Trud" vom 31. Just Nr. 174 findet sich eine Zuschrift eines Arbeiters aus dem Ural, in der es wörtlich heißt: „Die Arbeiter des Majkorskschcn Werkes erhalten den Lohn mit einer zweiwöchentlichen und noch längeren Verspätung aus- gezahlt. Am 13. Juli habe» die Arbeiter erst für den Juni 23 Proz. ihres Verdienstes ausgezahlt bekommen. Aber die Lohn- ouszahlungen erfolgen nicht nur mit Verspätung, sie werden auch in natura verabfolgt: in Form von Mehl, Jndustriecrzeiignissen, Hafer usw., ungeachtet dessen, daß das Bezirkskomitee der Ge- werkschaft kategorisch jede Entlohnung in Naturalien verboten hat. Die Arbeiter sind unzufrieden. Da sie aber wochenlang keinen Lohn erhalten und ohne Geld sind, sehen sie sich gezwungen, die Naturalien anzunehmen. Das ist kein Zustand!" Wie? Die Arbeiter sind„gezwungen" sich mit einem derartigen skandalösen Lohnsystem abzufinden? Aber in Ruß- land regieren doch die Arbeiter! Verfehlte Rcnommicrstreikparole. Paris, 9. August.(Eigener Drahtbericht.) Der von den kommunistischen Syndikaten im Kohlengebiet von Bcthune provozierte 24stündige Sympathiestreik für die englischen Gruben- arbeitcr ist völlig gescheitert. In allen Gruben ist die Arbeit beinahe normal. Die Zahl der Streikenden beträgt kaum 2999. Sämtliche Gewerkschaften haben ihren Mitgliedern von d c in Streit abgeraten._ Jnflationsausgleich für Bergarbeiter. Paris. 9. August.(Eigener Drahtbericht.) Der Senat hat gestern aus Verlangen der Regierung den Entwurf über Erhöhungen der Pensionen der Grubenarbeiter angenommen. Nach 39 Dienst- jähren beträgt die Pension statt wie bisher 2999 jetzt 3999 Franken. Die Invalidenversicherung ist ebenfalls um 29 Proz. erhöht worden. Paris, 9. August.(Eigener Drahtbericht.) Die seit einigen Tagen schwebenden Verhandlungen der Grubenarbeiter mit den Vertretern der Grubenbesitzer über die Frage einer allgemeinen Lohnerhöhung haben jetzt zu einer Einigung geführt. Es wird den Arbeitern eine zeitliche Erhöhung der Grundlöhne um 13 Proz. zu- gestanden, verbunden mit einer Erhöhung der Teurungszulage um 29 Proz. 3m Hasen von tlherbourg sind die Dockarbeiten wegen Lohn- forderungcn in den Ausstand getreten. Der Hafen wurde unter polizeiliche Bewachung gestellt._ Freie Sewe�pchaftsjuaend. Leute. Dienstag, 7H Ulir, tagen die Gruppen: Landsberger Iugendlieim Diestclmcyersle. 5. Hcimbesprcchung. Tanzabend.— Frankfnrtcr Ägee: Iugcnddeiin Tilsiter Str. f5, 1 Tr. Vortrag: „Vom Noveinber 1918 bis t. August 1919".— Lichtenberg: Iugrndlieirn Doste- strastc 22. Krieg dem Krieae.— Treptow: Iugendhrim Wildenbruchstr. SZ». Seimbesprechung.— Spandau: Iugcnddcim Lindcnuser I. Epiclabend.— Der Rordtrei» geht baden. Trcsspunkt Tri Uhr Kameruner Ecke Afrikaniscte Strahe.— Die Gruppen Oberschöneweid« und ftüpenul spiele» aus dem Sport- plag der Metallarbeiter an der Oberspree.— Gruppe Südwest kpiclt auf dem Sortplah am Urban._ Deutscher Dauqewerksbnnd. Fachgruppe der Putzer. Donnerstag, den 12. August, nachmittags 5 Uhr. Versammlung Restdenz-Festsälc, Loudsberxer Strafte lll. Tagesordnung wird in der Versammlung bekanntgegeben. Der Wichtigkeit derselben wegen ist es Pflicht der Kolleacn, zu erscheinen. Mit- glicdsbuch legitimiert._ Die Fachgruppenleitung. Mus der Partei. Alex pagels 60 Jahre all! Der„Finanzminister" des sozialdemokratischen Bezirksverbandes Groß-Dcrlin, Genosse Alex Pagels, feiert heute seinen 69. Ge- burtstag. Ein an Sorgen und Kummer reiches Leben hat er durch- laufen müssen. Nichts blieb ihm erspart. Als Knabe von 3 Jahren verlor er den Vater, mit 19 Jahren die Mutter. Nachdem die Eltern gestorben, öffneten sich für Alex Pagels die Pforten des'Waisen- Hauses. Damals waren noch nicht umsichtige Pädagogen die Erzieher der Waisenkinder. Ehemalige preußische Unteroffiziere waren be- rufen, sie auf das Leben vorzubereiten. Vom Waisenhauje kam Alex Pagels zu einem Bauern in der Westpriegnitz. Hier mußte er schwer arbcir?» und wurde dafür schlecht behandelt. Bei Nacht und Nebel ging er deshalb aus und davon, wandte sich noch Bcriin und suchte für sich eine Lehrstelle bei einem Meister für Schnittbaik und Werkzeugbau. Seine Lernbegierde wurde aber vom Lebrmcistcr unterbunden, der ihm den Besuch der freiwilligen Fortbildungsschule untersagte mit dem Hinweis:„Jetzt bast du zu arbeiten!" Nur ein starker Charakter konnte mit diesem Leben fertig werden. Kaum hatte er ausgelernt, da trieb es den freihcitsbegeistertcn jungen Pagels auf den volitischen Kampfplatz. Im Melallarbeiterveiband und in der Sozialdemokratischen Partei kämpft er nun seit bald 49 Jahren in den vordersten Reihen. Lange Jahre war er Kreis- kaffierer für den größten deutschen Wahlkreis Teltow-Bekstow- Storkow Charlottenburg. Seit 1929 verwaltet er mit peinlicher Ge- wissenhaftigkeit die Kasse des Bezirksvcrbandes. Wenn der Berliner Bczirksverband in der schweren Zeit der Inflation über die fman- zielleii Schwierigkeiten hinwegkam, so ist das nicht zuletzt das Ver- dienst von Alex Pagels. Der Bezirksvorstand wünscht seinem Kol- legen und Freunde noch viele gesunde Jahre. Der nie versiegende Humor unseres Geburtstagskindes wird auch in Zukunst dazu bei- tragen, daß alle uns heute noch entgegenstehenden Schwierigkeiten leichter überwunden werden. Wir grüßen unseren Sechzigjährigcnl Der Bezirksvcrband der SPD Groß- Berlin. I. A.: Franz Künstler. Vorträge, vereine unö Versammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Rol-Goid". Geschäftsstelle: Berlin S 1!, Sebastionstr. S7f38, Kof 2 Tr. Mittc: Mi., d. 11., Berfastunaslaa. Antreten rnit Fahnen und »lio« Tambourlorps 7 20 Uhr Iuoalieenftrafte9 Uhr Chat. lotteubura Steinplntz zun: Faekelzup. Knmeradsehaft Falte Do., b. 12., Käme» radseliaflsoersammluua bei Grohn, Milastr. 5. Kcmeradselmlt W5:!her Platz Fr., d. Ist., bei Büttner, Eehwedier Slr. 25— Krcuzbera: Antreten zum Fackelzua am 11.. 7'.. Uhr, Porck- Elke Vülowftrafte.— Gharlattenbneq: Mi., d. 11, 7>4 Uhr, Antrelen nun Fackelzuq Spree- Ecke Wollstrafte.— Friedrichs- haiu: Mi., d. 11., S'z. Uhr, Daltenplatz.— Pankow(Kreis): Mi., d. 11., 6(4 Uhr, Antreten mit Tambourkorps und Fahnen Bahnhof Pankow-Schän- Haufen zur Verfaffunpsfeier in Buch. Verantwortlich für Politik: Dr. Snrt Seper: Wirtschaft: Artne Sabernus: Gewerkschaftsdewepuna: 3. Steiner: Feuilleton: Dr. John Schikowski: Lokalei und Souftiaes: Fritz Karstädt: An, eiern: Th. Glocke: sämtlich in Berlin. Verlast- Vorwarts-Verlast G. m. b. b.. Berlin. Druck: Vorwa:-o.Buchd:uckerei und Berlaasanstolt Paul Einster u. To. Berlin SW 66 Lindcnstrafte Z. chierzu 2 Beilaaen und„Unterhaltunst»nd Willen'. 6) vie Sigurantin. Roman eines Dienstmädchens von Leon Aropie. ßlutorisierte Uebersetzung aus dem Französischen von Kunde-Grazia. Man gab auch Abendgesellschaften, wo gelehrte Musik gemacht und zarte Gedichtchen aufgesagt wurden. Gegen Mitternacht suchte Sulette. den infolge Magerkeit länger erscheinenden Hals vorstreckend, durch die Türspalte zu blinzeln, ob die Teller voll Backwerk sehr verschwänden, und während der erhabenen Melodie zu überschlagen./ wieviel von ihrem eigenen Fleisch die vor edler Sentimentalität ohnmächtigen Besucher weggeknappcrt hätten. Im geheimen flickte der Kapitän seine Kleider, stopfte, nähte die Knöpfe fest: seine Frau, die das Mädchen in Beschlag nahm, sowie er die geringsten Ausbesserungen beanspruchte, verstand sich schlecht auf diese Kleinigkeiten und war außerdem zu sehr große Dame, um sich mit einer Nadel in die Finger zu stechen. Nach ihrer Ansicht war es mehr wert, in Wasser gekochte Kartoffeln von Silbergeschirr zu essen, als Rindslende aus Neusilber. „Das ist sehr hübsch," sagte Sulette für sich,„so zu denken, wenn man einen Teil des Tages sich auf der Chaiselongue herumwälzt: aber Leute, die harte Arbeit verrichten, haben einen Appetit ohne alle Umstände." Oft trippelte der kleine Hauptmann wie ein Spürhund, in Verzweiflung, dabei sehr höflich, leise sprechend, hinter dem Mädchen her, um sie mit der sparsamen Abnützung des Besens, der berechnenden Handhabung des Wischlappens vertraut zu machen. Schon in verschiedenen Häusern hotte Sulette Keckheiten der Gäste zurückweisen müssen, die sich des Kniffs bedienten, unter einem diskreten Vorwand, beutesuchend, in die Küche zu gehen. Auch der Kapitän hatte einen alten, ledig gebliebenen, als Wüstling bekannten Kameraden, der trotz Abwehr das Gebiet der Taille überschritt und die Ursache wurde, daß Sulette fortgeschickt wurde. Einmal, als ihm ein Griff zu gut geglückt war, warf sie ihm eine Kasserolle mit heißem Wasser ins Gesicht. Die Fehler Sulettes nahmen mit der Dauer ihrar Dienstzeit zu. Uebcrall wollten die Gebieter, daß das Hausmädchen einzig eine belebte Kraft, fast eine Materie fei, die aufgebraucht werden könne: sie gestatteten ihr nicht, jeigene Atemzüge zu tun, erkannten keine Gefahr darin, diesen Organismus in die Familie zu verpflanzen, ohne ihm Licht und persönliche Freiheit zu lassen. Nach dem Weggang aus dem Hause des Hauptmanns begann Sulette die Gier ihren Herren mit einer cnt- sprechenden zu vergelten. Sie erledigte die Arbeit ohne Sorgfalt, wurde schmutzig und unaufrichtig. Um sich über ihren Drang„nach da draußen" hinwegzutäuschen, machte sie Feuilletons ausfindig, die die Nächte mit Leben erfüllten, und tagsüber schlief sie während der Arbeit, zerbrach das Geschirr, versengte die Wäsche, oerdarb die Soßen. Es gab Zeiten, da glich sie einem kleinen, schlecht gekämmten, liederlich angezogenen Aschenbrödel, schleifte alte, ausgetretene Schuhe nach, vergaß ihre Lappen und Fleder- wische in allen Ecken. Ihr unbefriedigtes Sehnen nach Liebe brachte sie auf den krankhaften und verderbten Zustand jener Geschöpfe, welche niemand trösten und schützen will: sie stahl vom Zucker, vom Wein, vom Dessert. Die Gaunereien der Kaufleute, welche ihr den Sou vom Franken,„und noch etwas zu" gaben, waren keine verlorenen Lektionen für sie. Der unsaubere Gewinn ging im Ankauf von auffallenden Seiden- tüchern und billigen Parfümen auf. Besonders bemühten sich die bedeutenden Persönlichkeiten der Geflügel-, Fisch- und Gemüsehändlerinnen, bei denen die Dienstmädchen die Haupteinkäufe machen, sie zu witzigen. „Da, meine Klein«, ist ein Huhn, das ich Ihnen für vier ranken lassen, aber seien Sie nicht so töricht es Ihrer/ nädigen unter hundert Sous anzurechnen, ist für Sie, diese Ermäßigung.... Drei Franken die Forelle, ich gebe Ihnen eine Note über drei Franken fünfzig." Von den reiferen Köchinnen, die darauf lüstern maren, nette Männer zu erheiraten, Polizisten oder Aufseher in Paris, belehrt, legte Sulette ein Sparkassenbuch aufbrachte es in ihrer Matratze unter und träumte, darauf liegend, von Liebe. Am Mortjen hatte sie bisweilen beim Ankleiden der Kinder eineSchwachegefühl in den Händen, wenn sie die Hemd- zipfel in den Höschen ordnete. Ein komisches Vorurteil war es, daß sie sich immer um Stellen bemühte, wo es Kinder gab. Ueberall begegnete sie einer speziell kleinen Mädchen eigenen Bosheit, die noch raffinierter als die der Knaben war und aus Geschlechtseifer- sucht hervorging. Zudem gestattete man Mädchen wie Knaben, den Dienst- boten zu demütigen, zu quälen, um die Familienbande zu wahren. Aus Mauer Praxis und trägem Hochmut übertrug. man Marien mütterliche Fürsorgen, ebenso wie die ganzen häuslichen Arbeiten, aber dank der den Kindern erlaubten Bosheiten hatten die Eltern keine Minderung der Liebe zu befürchten. Aus der Erkenntnis, daß gewisse Arbeit in Verruf stand, und man sie ausdrücklich dem Dienstmädchen zuwies, folgerten die Kinder, Marie sei ein niedriges und verächtliches Geschöpf: da sie die geringe Achtung fühlten, die man für deren bescheidene Person hegte, da sie ungeachtet der täglichen Berührung sie eine Fremde bleiben sahen, wurden sie gleichgültig, undankbar und verhärtet. Ihre Gemüter wurden für immer durch diesen„familiären Kult der Maria" beeinflußt. Gleichwohl! Keine Grausamkeit heilte Sulette von ihrem Zärtlichkeitsdrange. Die nerväse Ueberreizlheit. das Ungestüm ihres Temperaments, der vbllerblühte Körper suchten Genüge an den Wangen der Allerkleinsten. Ihr Gesicht zog sich schmerzlich beim Schreien der Säuglinge zusammen, sie lächelte, Tränen in den Augen, über deren zierliche Gebrechlichkeit. Die weibliche Reife veranlaßte, statt hysterischer Anfälle, Ausbrüche des Mutterfchaftstriebes. Oft dachte sie: „Ich wär entschieden dazu berufen, Kindchen, aufzuziehen. Ach, wenn meine Eltern nicht ihr Vermögen verloren hätten! Wenn ich eine Mitgift erhielte und heiraten könnte!" Eine glücklichere Wendung trat ein: Sulette kam zu Leuten, die noch niemand zu ihrer Bedienung gehabt. Der Mann, seit langem bei derselben Firma Arbeiter, war eben zum Werkführer ernannt worden. Die neuen Gebieter gaben sich einfach und familiär: sie erteilten nur lächelnd Befehle, unterhielten sich in herzlichem Tone mit dem Mädchen, halfen ihm sogar oder ersparten ihm Arbeit. Das war eine Zeit der Gesundung: Sulette saßt« wieder Mut, ohne verschlagen zu sein, Herrin und Dienerin sangen, jedes für sich in der Wohnung bei offenem Fenster sich tummelnd. Infolge des neuen Wohlstandes wechselte oder verbesserte man die ganze Einrichtung. Aber der Verdienst des Werkführers reichte nur zu einer erträglichen Mittelmäßigkeit. Nach einiger Zeit entdeckte man mit Besorgnis, daß der Unterhalt des Dienstmädchens die vorgesehene Summe um vieles überstieg. Dann wollte die Frau sich von der Magd unterscheiden, indem sie ihr die ganze Arbeit ließ: um sich abzusondern, verschwendete sie für Putz, erfand törichte und unnütze Ausgaben. Der Mann wurde gereizt, seine Gefährtin verändert zu finden und nicht zu wissen warum., ,., ,'_£____■-T_(Fortsetzung folgt.) J i"': Nr. 372 ❖ 43. Jahrgang MM: 7. Seilage ües vorwärts vlenstag, IS. Mgast?S2S oucch filt-öerlin. Ein Bild, das wohl den meisten Berlinern unbekannt sein dürfte, bot kürzlich eine vom Fremdenoerkehrssmreou der Stadt Berlin veranstaltete Fahrt durch den Binnenhafen Berlin. Mit einem stadtischen Motorboot ging es morgens vom Bootshaus Treptow los. Im strahlenden Sonnenschein lagen die Treptower Ausslugsstotionen, die Abtei, die Eierhäuschen und wie sie alle heißen. Die prächtigen alten Bäume des Treptower Parkes umsäumen das User. Paddel- und Ruderboote tummeln sich. Als erstes ist die Besichtigung des Kraftwerkes Rummelsburg vorgesehen, das mit großen Schritten seiner Vollendung entgegengeht. vor Neubau Ses Großkraflrosrks. Der Neubau wurde im Oktober vorigen Jahres begonnen. In AX> Tagen wurden 200 VOÜ Kubikmeter Erde ausgejchachlet, welches Gewicht einen Eisenbahnzug in der Länge Berlin-Leipzig, wovon jeder Waggon 15 Tonnen ausnimmt, füllen würde. An Eisen- Material wurden bisher 18 000 Tonnen eingebaut. Das Turbinen- haus wurde innerhalb 14 Togen fertiggestellt. Zurzeit beschäsligt das werk 2000 Arbeiter in drei Schichten zu je K50 Mann Tag und Nacht. Die Nachtschicht umfaßt hauptsächlich Aufräumungs-� und sonstige leichtere Arbeiten. Pro Tag werden 35— 40 Waggon Kohle entladen. Das Schalthaus liegt vollständig getrennt von den maschinellen Anlagen. Die Fundamente erheben sich 8 Meter über den Boden und 14— 16 Meter in die Erde hinein. Das Kesselhaus hat eine Heizfläche von 1730 Quadratmeter, eine Ueberleitung von 400 Grad und der Feuerraum könnte ein dreistöckiges Haus fasien. Das elfstöckige Hochhaus enthält Bureau- und Wohlfahrtsräume, Badeanlagen, einen Borführraum für technische Lichtbilder usw. Der Wasserkonsum des Werkes beträgt 14 Kubikmeter in der Sekunde, das ist zweieinhalbmal mehr, als die ganze Stadt Berlin in derselben Zeit an Wasser verbraucht. Mhafen. Auf der Weiterkahrt wird zunächst der O st h a f e n passiert. Di« Geschichte der Berliner Hafenonlagen liegt bekanntlich noch nicht allzuweit zurück. Bis in die jüngste Zeit besaß Berlin tatsächlich keine der Entwicklung feines Güterverkehrs auch nur einigermaßen entsprechende Hafenanlage, im Gegensatz zu anderen, viel unbedeuten- deren Städten. Der gesamte Lösch- �und Lodeoerkehr spielte sich an den Ufern der Spree und den im Stadtgebiet angelegten Kanälen (Landwehr- und Luisenstädtischcr Kanal, Spandauer Schisfohrts- und Charlottenburger Vcrbindungstanal) ob. Mitte der SOer Jahre beschäftigte man sich stärker mit den Ausbauplänen moderner Hafen- anlagen. Nach vielen Schwierigkeiten kam endlich der Bau des Westhafens zustande, der im Oktober 1913 dem verkehr übergeben werden konnte. Der Haien liegt am rechten Spreeufer auf dem zwischen der Treptower Ringbahnbrückc und der Oberbaumbrücke gelegenen früheren„Stralaucr Anger". Der Ausbau des Hasens in seiner jetzigen Form verursachte einen Kostenaufwand von über 17 Millionen Mark. Vom Osthafen ging die Fahrt stromabwärts unter die Iannowitz- brücke hindurch durch Alt-Berlin. Vorbei an der waisenbrückc, wo noch die alten Fischkästen stehen, die in früheren Zeiten zur Auf- bewahrung der gefangenen Fische dienten. Vorbei an den beiden ältesten Straßen Berlins, der Fischer- und der Petristraße, mit ihren kleinen oerhutzelten Giebelhäuschen, dem holperigen Pslastcr, das sich in dem kleinen Spall zwischen beiden Häuserreihen ängstlich durchzwängt. Ungemein romantisch, ja fremdartig wirkt die ganze Szenerie. Wie oft schon hat man im Film Venedigs eigenartiges Etraßengepräge bewundert, dos ein geschickter Regisseur hier im allen Berlin erstehen ließ. Während dieser Teil ausgesprochen italienischen Charakter zeigt, erinnert wiederum die Friedrichsgracht, an der jetzt das Wasser verbeiführt, stark an die holländischen Hofen- anlagen. Kleine, blitzblanke Häuschen wie aus dem Puppenkasten, mit heller Fassade vervollständigen den Eindruck der typischen holländischen Szenerie. Alle diese Bauten stammen noch aus dem 18. Jahrhundert. Sogar ein Garten aus der Rokokozeit ist hier erhalten geblieben. Weiter geht's unter der Gertraudtenbrücke hin- durch, vorbei am Standbild der hl. Gertrud, einer Aebtisfin, die die Schugpatronin der Wanderburschen war, vorbei an der Zungsccn- brücke, so benannt nach all den netten Spitzcnvcrkäuserinncn, die einst hier alle zusammenkamen und ihre Ware feilboten. Dann geht's durch die 1862 erbaute Schleuse, vorbei am Schloß, dem Zeughaus, der Museums-Insel, den Nordhafen, nach der größten Hafenanlage Berlins, dem Westhofen. Er liegt nördlich der Ringbahn zwischen den Bahnhöfen Beusiel- und Puttlitzstraße. Hier treffen 3 Kanäle, der Großschiffahrtskanal für den Verkehr mit Stettin und der unteren Oder, der Charlotten- burger verbindungskanol für den Verkehr mit Hamburg und der Zpandauer Kanal für den Verkehr mit Oberschlcsien zusammen. Der Neubau des Großkraftwerks Hier gibt es die größten Lagerhallen, Zollspeicher mit eigenem Zoll- omt, ein Getreidespeicher von 113 Meter Länge und über 27 Meter Breite, ein Kohlenlagerplatz von rund 20 000 Quadratmeter Fläche, mit einem Wort die größten bisherigen Hasenbauten Berlins, die der Reichshauptstadt ihre Bedeutung als Binnenhafen sichern. * Die geplante Passage des Landwehrkanals war wegen seiner augenblicklichen Schließung leider nicht möglich und so ging's über Moabit, Mühlendammschleuse zurück zum Ausgangspunkt Treptow. Ein selten schöner, sonniger Tag begünstigte alle die interessanten Eindrücke. Fröhliches Treiben fand man allerwärts. Die Ufer waren dicht bevölkert. Man schwamm oder lagerte in der Sonne, die Kinder planschten nach Herzenslust. Die schwimmenden Jugendherbergen, vollgepackt mit fröhlichem Volk grüßten lachend herüber und man sieht, auch in unmittelbarster Nähe der Millionenstadt finden sich Plätze der Erholung und des Ausruhens und mit ein bißchen P h a n ta s i e kann man sich sogar in ferne Länder versetzen. EröffnungüerneuenPeifth-Großmarkthalle. Im Nordosten Berlins, in der Landsberger Allee, erhebt sich «in gewaltiger Riesenbau aus roten Ziegeln, der Vieh- und Schlacht- Hof, der die Millionenstadt Berlin mit Fleisch vom In- und Auslände beliefert. Auf eigenem, groß ausgebautem Eisenbahnanschluß, trifft hier das Vieh ein, auf der eigenen Zoll- und Untersuchungsstation wird es abgefertigt, geschlachtet und sodann den einzelnen Händlern in der Stadt zugesührt. Gestern wurde die neue Halle ll mit einem Kühlhaus eröffnet. Die Bauten sind nach Ideen des derzeitigen Direktors vom Vieh- und Schlachthof, Caspar, durch die städtisch« Hochbalideputation ausgeführt worden. Die Gesamtbau- kosten betragen rund 10 Millionen Mark. Trotz der hohen Baukosten u-ar es der Stadt Berlin demnach möglich, bei mäßigen Standmieten die Kühlhausgebiihren unter den Sätzen der Privatlüljlhäuscr zu halten und die Verkaufshollen ständig mit gekühlter und gereinigter Lust zu versehen. Di« beiden ausgedehnten Verkaufshallen haben eine Größe von 12 000 und 7000 gm, dahinter befindet sich das Kühl- und Gefrierhaus mit seinen in 7 Geschoßwerten unter- gebrachten Arbeits- und Lagerräumen, sowie der ausgebaute Eisen- bahnanschluß. An Hauptmarkltagen werden die Hallen mit etwa 1 500 000 kg Fleisch beschickt, die Besucherzohl beträgt dann etwa 6000 bis 7000 Händler, und etwa 1000 Fuhrwerke dienen dem An- und Abtransport der Ware. Die Anlagen tragen der immer stärker werdenden Entwicklung des Berliner Fleischmarktes vollauf Rechnung und werden nach Möglichkeit späterhin noch vergrößert werden. SelbstmorS Im Zelr. Die Tragödie eines Uabekannlea. Das Gerücht von einem Morde war am Sonntagnachmittag in der Köpenicker Gegend verbreitet. Ausflügler wurden durch schweres Stöhnen auf eine Schonung im Walde zwischen„Neu-Ahlbeck� und.Wendenschloß" aufmerksam. Sie sahen nach und stießen i» einer Lichtung auf ein Zeltdach, dos an vier Baumstämmen befestigt war, so daß es Schutz gegen Regen bot. Uyter diesem Dache lag auf einer grüngrau kariecken Chaiselonguedeck« mit ausgezogenem Rock ein Mann, der aus einer Kopfwunde blutete und nur noch schwache Lebenszeichen von sich gab. Man»ermutete ein Ber- brechen und benachrichtigte die Kriminalinspektion Köpenick. Der erste Befund schien die Annahme eines Derbrechen» zu bestätigen, weil inan zunächst keine Waffe fand. Die Kriminalpolizei stellte jedoch fest, daß ohne Zweifel Selbstmord vorliegt. Man fand unter dem Körper des Mannes eine Teschingpistole, mit der er sich selbst eine Kugel in die rechte Schläfe geschossen hatte. t>ich in Schmerzen windend, hatte er die Waffe unter sich begraben. Wahrscheinlich hatte er schon länger da gelegen, bevor die Ausflüoler ihn hörten. Der Mann wurde nach dem KrankenhPis« gebracht. Hier st a r b er gestern, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben. Bei sich unter einem Zeltdach hatte er einen schilfgrünen Rucksack, dessen Inhalt darauf hindeutet, daß er sich vielleicht schon längere Zeit im Walde ausgehalten hat. Als Bademantel besaß er einen Frisiermantel mit Borte. Sein Portemonnaie enthielt noch gegen lll Mark. Der Unbekannte ist etwa 55 Jahre alt, hat dunkelblondes Haar und einen starken dunklen Schnurrbart und trug einen bräun- lich punktierten Anzug. Außerdem besaß er einen Badeanzug. Mit- tcilungen zur Feststellung der Persönlichkeit nimmt die Kriminal- lnspektion Köpenick entgegen. Die Wäsche und das Taschentuch sind W. U. gezeichnet._ Sonntage an der Ostsee. Die letzte Sonntagssonderfahrt der Reichsbahn- direktion Berlin führte wieder an das Ziel der Sehnsucht aller Der- liner: nach Swinemünde, Ahlbeck, Heringsdorf. In vier Stunden, bereits gegen 1CU/b Uhr, hatte der Zug mit seinen Kyll Reisenden die Küste der Sehnsucht an der Mündung der Swine erreicht. Ein ganzer Tag in Sonne und warmer Lust lag vor den Gästen, die See brandete vorschriftsmäßig, und es war Zeit genug, alles mitzunehmen, was das Badeleben an der See nur bieten konnte. Abens um 8 Uhr verließ der Zug den gastlichen Strand und landete mit seinen müden Reisenden um Mitternacht wohl- beholten in Berlin.— Am nächsten Sonntag soll bei aus- reichender Besetzung ein beschleunigt durchgeführter Sonntags- fonderzug 4. Klosie noch dem Ostseebad S a ß n i tz verkehren. Die Fahrpreisermäßigung beträgt 33� Proz. Der Fahrpreis stellt sich für die Hin- und Rückfahrt nach Saßnitz auf 12,20 M. Hinfahrt ab Berlin, Stettiner Bahnhof 12,20 Uhr nachts, an Saßnitz 6 Uhr morgens, ab Saßnitz(5,30 Uhr nachmittags, an Berlin, Stettiner Bahnhof, 12,21 Uhr nachts. Bon Saßnitz aus ist die Gelegenheit zu Dampferfahrten nach Stubbenkammer vorgesehen. Der Fahrkarten- oerkauf beginnt am Mittwoch, den 11. August, bei der Fahrkarten- ausgäbe Stettiner Bahnhof und Gesundbrunnen und bei den Aus- gobestellen des Mitteleuropäischen Reisebureaus im Potsdamer Dahn- Hof, Bahnhof Friedrichstraße, Kaufhaus des Westens und Reise- bureau Unter den Linden 57/58. Da der Zug bei der Hinfahrt nachts verkehrt, so haben die Besucher dieses Zuges die Gelegen- heit, den vollen Tag für die Erholung am Meer auszunutzen. Verstärkter Rettungsdienst in den Austenbezirke». Verschiedene Bortymmnisie der letzten Zeit haben den Magistrat veranlaßt, dem Rettungsamt Mittel zur Ausdehnung des Rettungsdienstes in den Außenbezirken, beson- ders in Rücksicht auf den Sonntagsausflugsvertehr zur Verfügung zu stellen. Das Rettungsamt hat daraufhin zusammen mit den Sanitätskolonnen vom Roten Kreuz und den A r- böl�er-samariterkolönnen an ungefähr(50 Stellen einen Sonu-tags dien st eingerichtet. An den in Betracht'kommenden Pütckten starken Sonntagsverkehrs werden Rettungspösten mit trag- barem Hilfsmaterial usw. stationiert sein, um gegebenenfalls Hilfe zu leisten.>_____ Berfast'ungsfeiern des Reichsbanners am tt. August. In Neukölln veranstallen die republikanischen Parteien, Sozial- demokratie, Demokraten, Zentrum und das Reichsbanner am 11. August eine Berfasiungsfeier. Am Hertzberg-, Reuter- und Kranoldplatz treten sich die Teilnehmer abends um 614 Uhr. von dort marschieren die Züge nach dem Hauptsammel- platz Schillerpromenade. Unter Vorantritt des Neuköllner Reichs- bannertambourkorps marschiert der Zug durch die Leine-, Hermann-, frinz-Handjery-, Berg-, Anzengruberstraße zum Sportplatz in der aiser-Friedrich-Straße.— In Köpenick findet am 11. August, abends 8 Uhr auf dem Friedrich-Wilhelm-Platz eine Ber- fasiungsfeier statt. Anschließend wixd ein Umzug mit Fackeln ver- anstaltet. Am Sonntag, den 15. August, wird ein großes Voltsfest im Restaurant„Wendenschloß" veranstaltet. Der Mann, der 300 Mark„Kaution" verlangt. Ein seltsamer Arbeitgeber scheint jene mysteriöse Existenz zu sein, die ein kleines Inserat folgenden Inhalts ausgibt: ,150 Mark festes Gehalt. Kontorist gesucht. Kaution 300 Mark. Zu melden Restaurant. Jagowstr. 5." Natürlich herrschte anderen Tags bei dem seltsamen Unternehmer Gedränge. Die meisten kamen aus Neu- gicrde, einige, weil jfe um jeden Preis etwas verdienen wollten. Die Not ist zu groß. Ein Leser gibt uns e,ne drastische Illustration für die empörenden Praktiken eines jener Individuen, die die Arbeitsnot breiter Masien zu den gewissenlose st en Spekulationen auszumünzen suchen. Unser Gewährsmann sagte dem Herrn, daß er zwar kein Geld, wohl aber la-Resevenzen habe. Dies behagte dem Mann jedoch keineswegs, denn er sagte:„Können Sie denn das Geld nicht beschaffen?" Der Arbeitsuchende verneinte. Ein anderer war da, der wohl die 300 Mark hatte, jedoch Banksicherheit für seine Kaution verlangte Ein Bankkonto, so führte der Herr Arbeitgeber aus, hätte er nicht. Cr wollte khm, seinem Kontoristen jedoch die Wohnung- verpfänden. Der andere verspürte jedoch nicht die mindeste Lust, auf diesen seltsamen Handel einzugehen. Der Mann, der seinem Kontoristen die Wohnung für 300 Mark— Kaution verpfänden wollte, heißt Schwarzkops und wohnt Wikinger-Ufer. 2. Vielleicht nimmt sich die zuständig« Behörde dieses erfindungsreichen Unternehmers an._ Gine neuartige Rettungsstelle. Im Verwallungsbezlrk Prenzlauer Berg wird vsrmut- lich gegen Ende August eine neue Rettungsstelle zur Er- öfsnung gelangen. Sie befindet sich— unweit des Hochbahnhos» Danziger Straße— in der Cantianstraße. im Erdgeschoß d«s neu errichteten, nun bald fertiggestellten Gebäudes auf dem dar- tigen Spiel- und Sportplatz. Die Rettungsstelle hat aber einen eigenen Eingang. Sie bietet anderen älteren Rettungsstellen gegenüber nicht nur dadurch einen gewissen Unterschied, daß sie bei aller Einfachheit doch recht hübsch und schmuck eingerichtet ist, ihr ist noch ein anderer Borzug eigen: Sie enthalt nämlich auch ein Kranken- z i m m e r, in dem sich drei sauber hergerichtete Bettgestelle be> finden. In der nahen Umgebung befindet sich kein Krankenhaus. Ereignet sich also gelegentlich— was man verhütet wissen will, aber dennach von Zeit zu Zeit einmal geschieht— ein größerer Unglücks- fall, so können solche Kranke, für deren Leben bei einem längeren Krankentransport ernste Gefahren bestehen, nach der nahen Ret- tungsstelle gebracht und in dem erwähnten Krankenzimmer, auch längere Zeit über, beherbergt werden. Der Gedanke, solch« Krankenzimmer im Rahmen geeigneter Rettungsstellen zu schaffen, ist nicht neu. Auch der Direktor des Berliner Rettungsamtes, Sani- tötsrat Dr. Frank, hat vor einiger Ztit die Zweckmäßigkeit dieser Einrichtung betont. Neu für Berlin ist die Durchführung des Vor- schlags. Es ist kaum daran zu zweifeln, daß sich im Lause der Jahre gerade dies« klein« aber wichtig« Neueinrichtung— in ein« so verkehrsreichen und unfallgefährdeten Gegend, wie sie die Um- gebung des Hochbahnhofs Danziger Straße und des Ringbahnhofs Schönhauser Mee darstellt— als sehr segensreich erweisen wird. Raubüberfall in See Wohnung. „Schreien Sie uichk. sonst schieße ich." Das Opfer eines Raubübersalls wurde gestern nachmittag die 23 Jahre alle Lotte Auerbach, die als Haustochter das Haus Neidenburgallee 39 in Westend augenblicklich allein bewohnt. Während sie in der im ersten Stock gelegenen Wohnung sich be- schöfligte, wurde plötzlich die Tür geöffnet und ein Mann von etwa 23 bis 25 Jahren, 1.60 Meter bis 1,65 Meter groß und mit einem graubraun durchstreiften Jockettanzug bekleidet, erschien auf der Schwelle und hielt dem jungen Mädchen einen Revolver� mit den Worten vor„Schreien Sie nicht, sonst schieße ich!" Das Mädchen war durch die vorgehaltene Pistole derart einge- schüchtert, daß es sich von dem Manne fesseln ließ, der zur Fesselung der Hände Leinenzeua benutzte, welches er in der Wohnung fand, und ihr noch, daniit sie nicht schreien könne, zusammengedrehte Strümpfe als Knebel in den Mund steckte. Der Mann, immer die Pistole in der Hand, öffnete sämtliche in dem Zimmer befindliche Behältnisie, Schränke und Kommoden, um sie nach Schmuck- und Wertsachen zu durchsuchen. In dem zweiten Teil des Hauses, das ein Doppelfamilienhaus ist, wurde eine Frau durch das entstandene Geräusch aufmerksam gemacht und kam die Treppe herauf, wodurch der Räuber an dem Raubzuge verhindert wurde. Nachdem er hörte, daß eine zweite Person in dem Hause anwesend war, flüchtete er. Das Ueberfallkommando Charlottenburg wurde benachrichtigt, erschien sehr bald an Platze und nahm die Verfolgung des Räubers auf, der in den Grunewald nach dem Teufelssee zu entwichen war, ohne ihn aber fassen zu können: die Kriminalpolizei wurde benachrichtigt. Das Raubdezernat und die Kriminalpolizei Charlottenburg haben die weiteren Nachforschungen nach dem Täter eingeleitet. Nachrichten über den Täter nimmt die Kriminalpolizei Charlottenburg und da» Raubdezernat Berlin ent- gegen._ Ein gefährlicher Lüstling ist in der Tegeler Forst auf- getreten. In der Nähe des Freibades stellte er ein junges Mädchen unter der Dovspiegelung, daß er Kriminalbeamter sei, wegen einer angeblichen Ungehörigkeit zur Rede, oerschleppte es in den Wald und vergewaltigte es. Der etwa Dreißigjährige ist noch nicht ermittelt. Es handelt sich ohne Zweifel um einen jener Spanner, die von Zeit zu Zeit die Umgebung Berlins unsicher machen. Kabarett der Komiker. Das Firmament des Kabaretts zeigt in diesem Monat eine leuchtende Riesensonne, um die sich ein paar sehr anständige Fixsterne gruppieren. Frau Sonne ist Ilse B o i s in ihrer parodistischen Revue. Einige wenige Künstler ihrer Quali- tät und die Kleinkunst wäre heut« ganz obenauf. Das ist schon Groß- kunst. Ein selten glückliches Gemisch von reifstem Können, entzücken- der Drolerie und unübertrefflicher Parodistik. Ihre stimm- und gottlose Pariser Chanteuse, das überzuckerte englische Girl sind Kabinettsstücke. Dann gab's zwei Einakter mit je einer prominenten Hauptfigur, Adalbert und Morgan. Jeder in seiner Art vor- trefflich, aber sie konnten den Abrutsch des dürftigen Baues doch nicht aushalten. Ein bisset arg wenig enthalten diese beiden Chosen. Die Groteske„Du bist mein Freund" macht ihrer Bezeichnung abso- lut keine Ehre und das fröhliche Spiel„Lord Clifford hat kein Geld" ist— ohne Adalbert— einfach nicht lebensfähig. Eine Tänzerin Ora D a e l k tat sich tänzerisch nicht besonders hervor, überraschte aber kostümlich im dritten Tanz— einem Shimmy-Fox. Wenn sie in dieser tleidgewordenen Zote a la Josephine Baker mit ihrem— m diesem Falle blütenweißen— Hinterteilchen agiert, das ist schon so allerhand. Die beiden- CaliMiris halb Ehaplin, halb Ioghi— boitn Vorti'sffkiibcs. Zum Schluß der nette W i 1 l y Rosen, der die heiter» Psyck)« Israels beherrscht wie kein zweiter. Ein liebens- würdiger Conferencier Paul N i c o l ä u s stellt« das ausgezeichnete Programm vor.. Beim Baden an verbotener Stelle in der Havel bei Sand- hausen ertrank gestern nachmittag gegen 2 Uhr der achtzehn- jährige Elektrotechniker Theodor Hoppe aus der Elsholz- straße 22 zu Schöneberg. Obgleich der junge Mann von Mitbadenden sofort geborgen werden konnte, blieben Mederbelebungsversuche ohne Erfolg. Ein hinzugerufener Arzt stellte den Tod infolge Herz- schlage» fest. Ein schwerer Straßenunfall mit tödlichem Ausgang ereignete sich in den gestrigen Nachmittagsstunden am Nordufer. Der Schüler Joachim Fischer aus der Fehmarn straße 15 lief hinter einem Sprengwagen her. übersah einen aus entgegen- kommender Richtung fahrenden Lastkraftwagen und lief in diesen hinein. Der Füh»er konnte seinen Wage» nicht, mehr zum Halten bringen, dessen Räder über das Kind hinweggingen. Bereits auf dem Wege zur nächsten Rettungsstelle trat der Tod ein. Anläßlich des Verfassungstages am Mittwoch, den 11. August. fällt die Juristische Sprechstunde au». vlatzkomerk der ArbellersSvger. Der 2. Bezirk des Arbeiter. Jänger- bundeS gibt am Mittwoch, den 11. August,'/Ji Nbr, aus dem Svort- platz ,E l n s a m e P a p p e l' an der Tchönbauser Allee, ein öffentliches Freikon, rrt. Zum Vortrag gelangen Männer- uud gemischte Chöre. Ein englisches U-Soot gesunken. London, 9. August. slU.s wie die englische Admiralität bekanntgibt, ist das Unterseeboot H 2 9 heule nachmittag In Devonport bei der Rücktehr von einer Sreuzersahrt gesunken. Dg» Schicksal der 22 Mann starken Besahung ist noch u n- gewiß._ Beoiston Im Prozeß Zlessa? Gegen das Urteil im Prozeß Flessa wird, wie verlautet, nicht nur von der Anklagebehörde, sondern auch vom Verteidiger abermals Revision beantragt werden. Die Staatsanwaltschaft erklärt, das Urteil sei zu milde, der Verteidiger behauptet, das Gericht habe der Auffassung der Psychiater zu wenig Rechnung getragen. Die Verteidiger wollen dem Gericht Briese von Dr. Sei tzT vorlegen, die beweisen sollen, daß an der Wahrheitsliebe des Dr. Seitz, die das Gericht als erwiesen angenommen hat, gezweifelt werden müsse. Eiuseubiuigen ftir diese RodrU sind Berlin SW 68, Lindenftroh« 3. parteinachrichten für Groß-Serlin ttet» an da,«ezirtyekretartat. i. Hos, 2 Trep. recht», zu richten. r Heule. Dienstag. 10. August: 38.«it. Di« filr beute-n«, setzte stzunktionitrsitzung findet mnstandiholder erst am Donner»!«?, 12.«usuft, statt. H.«dt. Reaköllu. Uhr Bersmnmlun, sämtlicher IltcmUitbit de« Schulblock» Weisestrod« und Schillervromenode im Lolal Schrlder. Stein- metzstr. 32. Vortrag de» Senossc» Lehrer Richard Schrdtei. All« altern- beunt» müssen wegen der wichtigen Tagesordnung unbedingt erscheinen. Mitgliederversammlungen und Zahlabende am Mittwoch: l.«dt. 714 Udr Schuloula Auguststr.«8.«ortrag!..Di««Seitolostglelt und ihre Ursachen". Referent: Rodert Schmidt, Rcich»wirtschoft«» minister a. D. Gäste sind eingeladen. 2.«dt. TV4 Uhr bei Lchngemoch.«ommandontenstr. 88. Mitgliederoersanmilg. 3.«bt. 7 Ml Uhr im Saal ö de» Grweitschaftodause», angeluter 2t/22, Bor- trag:„Die Reichsverfostung". Referent: Arthur Häubler. «.«bt. 7H Udr im Zeichen saol«lein« grantfurter Str. I Vortrag: ..Amerikareis«". Referent: Kurt Heinig. I.«dt. 7M Udr im Rosenthaler Sof, Rosenthaler Str. 10/11. Vortrag: ..Die Arbeitelostgkeit. Ursache, und wo, wird ,u Ihrer Besettigunz ge. ran?" Referent: Flio Aust. 6.«bt. Die Miigliedernersammlung fallt au, I«.«it.>48 Uhr Mimltederversammlung in-der Schul« Alt-Roabit St. Vortrag:.Li« repuditkanilch« Union". Referent: Da. ttuxt Roseufald. U«St. Dt« Sivgllebcktomsaitunluna fflltt an». � 12.«dt. 7V4 Uhr bei Schmidt, Wirlefstr. 17, Mltgtledarversanmidm«. 13.«dt. Die Mitgliederversammlung findet umständehalber erst am Donner». tag. 12. August, statt. 14.«dt. 8 Uhr ftahlabend« hei Sottfchadt. Stark und Bank. 13. Abt. 7lh Uhr Kahlabende bei Doldbach. Binetoplatz 7, und«unge. Ackerstr. 49...... lt. Adt. m Uhr bei Müller, Sch-ringstr. 10, gemeinsamer Zahlahend.. 17.«dt. 7 Vi Uhr Z-ihlabende bei Serth, Tegeler Str. S0: Uthnchmer. Tü"- stratze 49, und Schreiber, Trift str. 63. 18. Abt.~l4. Uhr in allen Bc,irken iZahlabend in den bekannten Lokalen. 29. Abt. Die Mitgliederucrsammlung fällt aus. 30. Abt. 7 Vi Uhr im Ledigenheim Paopelallee 15 Vortrag:„Die deutsche Rcichsoerfassung". Referent: Dr. Alfred storach. »1. Abt. 7V4 Uhr in der Schulaula Schonflietzer Str. 7 Vortrag:„Ursache und Uebcrwindnng der Brdcitslostgkeit in Europa". Referent: Wilhelm Land«. 32. Att. Der tzohlahenb in der Gruppe«luge fällt aus. Die ffahlabcndt der Gruppen Meister, Haase und Wortmann in den bekannten Lokalen. zz. Abt. Die Zahlabendc fallen in diesem Monat au». Nächste Mitglieder- Versammlung am Mittwoch. 25. August. 34. Abt. Der Kahla bend sollt aus. Sämtliche Mitglieder beteiligen stch heut«. Dienstag. 10. August, an der Einäscherung des verstorbenen Genossen Nätebusch. abend» 7Vtz Uhr im Krematorium Gerichtstratz«. 36.«dt. 7>b Uhr Kahlabendc in den bekannten Lokalen. Um 6 Uhr bei Busch. Tilstter Str. 27, wichtige ssunktioniirsttzung. 37.«dt. 7� Uhr Kahlabende. 1. Bezirk: Kcpke. Tbetinstr. 6. 2.. Z. Bezirk: Jerasch, chbertpstr. 10. 4., 5., 6. Bezirk: Kühler, Matternstr. 14. 38.«bt. Di- Kahlabende fallen aus. Dieselben finden am Mittwoch, 18. August, statt. Arn Verfassungstag« sslaggen heoausl 39.«dt. 7>-V Uhr im Jugendheim Lindensir. 3 Vortrag:„Die deutsche Reichsverfassung". Referent: Martin Stein. 46.«bt. Die Mitgliederversammlung fällt au». 8 Uhr Pünktlich Sitzung sämtlicher Isunktioiräre bei«cufcr, Hagelsberger Str. 20a. 41. Abt. 8 Uhr kolilahtn» bei Simon, Belle-Alliance�tr. 30: Schuster, Ghamiffoplatz 4: Lutze. Bergmannstr. 93: Mcndc. Gneisenaustr. 6z. 42.«dt. 7 Vi Uhr Kabl-bende bei Aiersdorff. Urdanstr. 6: Bogeler, Mitten. walder Str. 16:. Scehack, Willibald-Aleiis-Str. 6: Buhr, Blllcherstr. 3«: Wille, Bergmannstr. 60. 43.«bt. 7Vb Uhr kahlabende in den bekannten Lokalen. 46.«dt. 7 Vi Uhr bei Burckhardt. Gkrlitzer Str. 53. Vortragl:„Die deutsche R»ich»verfassuna�. Referent: Dr. Siegmund«allmann. Diskussion. Rahl- reiches Srscheinen sämtlicher Mitglieder unbedingt erforderlich.- Wichtige «btrilungsangelegenheiten. 48.«bt. 7H Uhr in Gkiestngs ffestsälen. Wossertorstr. 68, Vortrag:„Die politische Lage m Frankreichs. Referent: Redakteur Gustav Futz. chharlotteuburg. II.«bt. 7 Vi Uhr bei Echelldach, Kiinigin-GIisabeth.Glr. 6. Verfassung»?«''». Referent: Bruno Theck. Mitwirkung des Gesaug Vereins. Die Angehörigen der Genossen stnd herzlichst eingeladen. Am Tage der Verfassung Fahnen heraus!— 52. Abt. Die Augustverlamm- limg fallt au».— 54. Abt. Wegen der Bersvssunasfeter wird die Mit- gliederversammlung um 8 Tage verschoben.— 55. Abt. 8 Uhr bei Reimer. Wilmersdorfer Str. 21, Vorlrag:„Die deutsch« Versassung". Referent: Dr. Alfred Freund.— 56. Abt. Die Mitgliederversammlung fällt aus. Die Genossen beteiligen sich an der Verfassunasfeier. Treii- vunkt Tri Uhr am Steinplatz.— 57.«bt. Die Kahliabend« der l.»nt 2. Gruppe fallen aus. Die Genossen nehmen on dem Fackelzug des Reichsdanner» teil. Abmarsch 7VV Uhr Wall- Ecke Sprcestrgtz«. Noch züglcr um 9 Uhr Stetnplatz.— 58. Abt. Die Mitaliederversgimnluna findet wegen des Berfassungstage» 8 Tage später statt. 68.«dt. Kal-nsee. 8 Uhr bei Sandmann. Westfälische Str. 42. K-Hlobend. Vortrag:„Sozialbemokralie und Kirche�. Referent: Pfarrer Bleie:. Wil«er»dorf. 69. Adt. 8 Uhr im Gebäude der F:ei«n Turnerschaft, Wllrttem, bergische Str. 54. Vortrag:„Die deuttch« Reichsv-rfassun<. Referent: Dr. Karl Geith.— 7g.«bt. Der Lahlatend fällt au, und findet dafür am Donnerstag, 12. August, statt. Vortrag:„Leben wir in einem Rechtsstaat?" Referent: Rechtsanwalt Roth. Lokal: Kroih». Holsteinische S:r. 60. — 71. Adt. 8 Uhr bei Jona«, Durlacher Ecke Bruchsaler Stratze. Vortrag: ..DI« autzenpolittsche Loge". Referent:. Redakteur Wolfgang Schwarz.—- 72.«dt. Der Kahtabend findet am Mittwoch, 18. August, statt. Schänebeig. 78.«dt. Der Kahlabenb für die 78.«bt. fällt in ollen Bezirken aus. Di« Genossen beteiligen sich an der Verfassungsfeier de, Reich». bonner» in der Schlotzbrouerei SchSneber«. Heute. Dienstag. 10. Auoust, treffen stch sämtliche Genossen am Wartburqplatz zur Teilaahm« an dem Fackelzug des Reichsbanner».— 79. Abt. Die Kphladende fallen au». Tie Genossinnen und Genossen werden ersucht, stch zahlreich an der Der- fassungsfeier des Reichsbanner» in der Schlotzbraucrei zu beteiligen. 81. Abt. Friedenau. Der Kahlabend fällt aus. Die Mitglieder beteiligen sich ,-an bet Berfa ssnngofcier-de» Reichs dann«:» in der Schlotzbeauerei Schä»:- berg. Lick-t-rfeld«. 83.«bt.«llt Genoffen-von Ost und Süd treffen stch- zum Z»«hl« „ abseid bei-Bretlfchmeider,- Berliner St».' t2Z»».'Vortrag:„Die deiltschc Reichsvcrfassung". Referent: Adolf Hirsch. Vollzähliges Erscheinen»u> bedingt erforderlich.—»3. Abt. 8 Uhr in den Lichterfclder Fcstsälcn, Kehlendorfer Etr. 5. Vortrag:„Der Fall Solling". Referent: Sans Woywod.— 83. Adt.. Zahlabend 7V-i Uhr im Lokal Reinhoid Schmidt, Hindenburgdamm Ecke Roonstratzc. Vortrag:„Entstehung, Zweck und Ziel de« Arbeiter-Samaritcr-Vundes". Referent: Paul Plissc. 84. Abt. Lankwitz. 8 Uhr bei Lehmann, Saifer-Wilhelm-Str. 29 31. Bortrag: „Die deutsche Reichspcrfassung". Referent: Rechtsanwalt Dr. Tichauer. Gess-.mungsfreund« und Bekannt« stnd herzlichst«ingeladen. 87.«dt. Marlenfelde. Der Kahlabcnd fällt aus. 88.«bt. Lichtenrade. Di« Mitgliederversammlung fällt au«. Die Genossen beteiligen stch an dem Fackelzug des Relchsbanners. Treffpunkt 8 Uhr hei Sohlfchieiber. Erscheinen oller ist Pflicht. Die Mitgliederversammlung findet am Mittwoch. 18. August, statt. »3.«bt. Rmkälln. Zum Umzug aus Anlast der Verfassungsfeier treffen stch die Mitglied« Tri Uhr an der Schule Sertzbergplatz. Der Abmarsch er. folgt gemeinsam mit der 93. Abteilung spatesten» 7-� Uhr unter Borantrilt «iues Mustkkorvs. SmnpethifieWRde find herzlichst«ingeladen. Di« Ordner müssen pünktlich zur Stelle fein. 161.«dt. Treptow. 7Vj Uhr Kahlabende. 1. und 2. Bezirk: Stephan. Grä». stratze 1. Vortrag,:„Die deutsche Reichsversassung. Referent: Recht». anwalt Alfred Oborniker. 3. dt, 5. Bezirk: O-ttingrr. Siefhol, str. 33 3t. Bortrag:„Die Verfassung de, Deutschen Reiches". 2. Die Lehren des Volksentscheid». 3. Mitteilungen, Verschiedene». Referent: Genosse Dr. Seligmann. 162.«bt. Baumschulenweg. 7 Uhr bei Vorgmann, Baumschulen- Ecke Siefholz. stratze, Verfassungsfeier. Rede: Stadtverordneter Albert Sorlttz. Must. kaltübe Darbietungen. Anschlietzcnd gemütliche» Beisammensein mit Tanz. 163. Abt. Oberschäneweid«. 8 Uhr bei Imberg. Wilhelminenhofstr. 34. Vertrag: „Die Iustizschande in Deutschland. Referent: Felix Fcchcnboch. 164.«bt. Riederschöneweide. 7Vö Uhr bei Raethel. Brückenstr. 15, Vortrag: „Die deutsch« Reichsversassung". Referent: Georg Raibl«. Achtung! Um 7 Uhr daselbst Sitzung de» Bildungsausschusses. 167.«bt.«lt-Glienicke. 7V, Uhr bei Bohne, Deutsches Kau«. Grünauer Stratze, Bortrag:„Die Verfassung". Referent: Stadtverordneter Gustav Hädicke. Lichtenberg. 114.«dt. 7Vb Uhr bei Erbs. Srossener Str. 14, Vortrao:„Die deutsche Verfassung". Referent: Eduard Zachert, M. d. L.— 115.«br. 7V4 Ilhr Kohl-b-nde. 1. Gruppe: Donell. Jung- Eck« Echarnweberstratzo. 2. Gruppe: Lohann. Oder- Eck- Iungstratze. 3. Gruppe: Radtke. MllggrI. Ecke Scharnweberstratze. 4. Kruppe: Seipk«, Kronprinzen. Ecke Sch-ri!. weberstraste.— 116. Abt. 7Vb Uhr In der Mittelschule Maritttr. 10.11. Vortrag:„Die deutsche Reich-vcrfassnng". Referent: Paul Bengsch.— 117.«bt. m Uhr In der Schule Lückstr. 60 gemeinsamer Zahlabend. Tagesordnung:„Wiener Eindrücke". Parteiangelegenheiten.— 118.«bt. 7V4 Uhr bei Tempel. Gudrunstr. 7, Bortrag:„«u» der Seldenzcit bt, Sozialismus". Referent: Sans Samm.— 119.«bt. 7Vb Uhr Zohlabend Im Eecilien-Lnzeum, Rathausslr. 8, ZeickWisaal 8 Tr. Vortrag:„Mensch und Wirtschaft". Refrrent: Bernhard OTtii-.z. 120.«bt. Fricdrichsselde. Vi Uhr bei Tempel. Prinzenallec 30, Vortrag: „Wirtschaftskrise und Sozialdemokratie". Referent: Dr. von Ungern» Sternberg. 122.«bt. Biesdorf, Tic MIt«Iicderversammluno fällt au». Die Genossen de- eeiligcn ssch an der Verfassungsfeier des Reichsbanners. 128./l36. Abt. Pankow. 7 Vi Uhr Zohlabend«. 1. Gruppe: Weist, ftnifft- Friedrich- Ecke Berliner Etretze. 2. Gruppe: Meest, Lindenpro' Eck« Berliner Stratze. 8. Gruppe: Dreier,»iffingenstr. 4. 4. und 5. Gruppe: Jugendheim Breite Str. 32. 6. Gruppe: Reumann, Mendel» strast«. 7., 8., 9. Gruppe: Dohnke. Wollankftr. 31. 131.«bt. Rlederfchönhanfen. Dt« Mitgliederversammlung fällt au». Die Genossen beteiligen sich an der«erfassiingsfelcr de» Reichsbanner, am Sonntag. 15. Augult. bei Linder, Pankow. Karten find noch bei den Bczirksführern zu haben. 132.«bt. Blankenburg. Vi Uhr Zahlabend bei«lug. Dorfstr. 2. 134.«bt. Buch. 3 Uhr im Lokal Gdpfert, am»ahnhol, Verfassungsfeier. Redner: Arno Scholz. 135.«dt.«arow. 8 Uhr im Lokal zum Pankqrafen, Ponkgrafenstr. 3. Vor- __ tottÜf* Raichsverfassung". Referent: Wilhelm Richter. 137. Abt. Rcinickend-rf-Weft: Vi Uhr im Bolkebau». Scharnweberstr. 114. ...!�lrir'5". Rcichsv-rfassuna". Ref-r-nt: Rodert Fendcl. 138. Adt. Hermsdorf. 8 Uhr im Lokal Bellevue, am Bahnhof. Rordaasgano ... SästMä-„--Die deutsche Reich-verfcssung". Referent: Hermann«rüger. 140.»bt. Boxssowald«. Der Zahlabend für«uqust fällt aus. 140»«bt. Mtcnau. e Uhr im Lokal Schulz, am Bahnhof. Borira«:„Frauen. ... krag'""', �e'-eentin: Llsbetb Sübn-r.Rieda«r. Etadwerordnet«. 1«.»dt. R-f-nthal mb Rikderfchänhanfen.Sest. Vi Uhr im Lokal«tmner, früher Roolin, Sauntstr. 15. Vortrag:„Die deutsche Rclchsverfaffunq". Referent: Dr. Erich Witte. Stadtverordneter 143.«bt. W-idwannelust. Der Kahlabcnd fällt aus. * Zungfozialist««. Gruppe Lichtenberg: Heute. Dienstag, 10. August. 7 Vi Uhr im Jugendheim Parkaue 10 Bericht von der Gaukonferenz.(Jehlreiche, Et- scheinen wird erwartet. Sterdetafel üer Groß-öerliner parteietdrganlsation 36.«lt. Am 8. August verstarb plötzlich unser treue» Mitglied Ott» Müller. Meperheimstr. 8. Einäscherung Mittwoch, U. August. 6i Uhr. t& Krematorium Serichtslraste. Wir erwarten rege Beterliguna. Vkenstag 10. Mgujll02ö Unterhaltung unö ÄVissen öeilage des vorwärts Das Riff, das seinen Namen verlor. Eine Badestrandgeschichte von Zl. de Ttora. Am 18. Juli 19..(da es sich bei dieser Geschichte um eine An. gelegenheil von Diskretion handelt, sei ein Schleier gestattet) war die Düne von Jxmünde wie immer die Manege vieler Badegäste, die sich mühten, dem Sonde Bewegung zu verschaffen. Sie teilten diese Arbeit mit dem Meere, aber dies. bezahlte wenigstens keine Kurtaxe dafür. In den Ernst, womit sie ihrer Pflicht oblagen und den die Dummheit stets zeigt, wenn sie sich wichtig nimmt, knallte plötzlich die Stimme eines Jungen:„'n Haifisch!" Alle Augen wandten sich ihm zu. Er saß auf dem Geländer der Kaipromenade, die sich drei Meter hoch über der Düne erhebt, um ihre eleganten, Hotel genannten Räuberhöhlen gegen den Zu» griff des Meeres zu schützen, konnte daher weiter sehen als die Leute zu seinen Füßen, und deutete erregten Finger» auf die See hinaus. Blicke folgten zuerst vergeblich seiner Richtung. Dann aber erkannten einige und bald sahen alle den runden breiten Rücken herantreiben, glatt und von Nässe schimmernd... Doch als es näher kam, war es kein Haifisch, sondern ein umgestülptes Boot.— Umgestülptes Boot-- das bedeutete Schiffbruch— Tod— katastrophales Geheimnis— geheimnisvolle Katastrophe-- Die Wellen schickten den stummen Zeugen dieser Tat an das Ufer und besorgten noch ein übriges, mit einer geschickten Bewegung richteten sie den Kahn auf. während er den Sand berührte. Man stürzte augenblicks darüber her. Allein ein Herr mU Kneifer stellte sich stramm vor den Find- ling und erhob die Hand:„Bitte, den Tatbestand nicht zu ver- dunkeln, meine Herrschaften! Nichts anfassen,«he die Polizei da war! Mein Name ist Bemke, erster Staatsanwalt am Moabiter!" Seine achtunggebietende Stellung verbaute laienhafter Neugier den unmittelbaren Weg zu dem Geheimnis— Füße und Hände kuschten. Augen aber bohrten sich um so durchdringender in den Bauch des Boote», und auf einmal kreischte eine Dome:„Ich sehe einen Hut!" Es gibt Damen, die jede Stunde einen Hut sehen. An Hut- Visionen geradezu leiden. Diese Bision iiidcssen brach den Bann. In der Tat! Unter den Kielsitz geklemmt stak da ein blonder Panama, wie ein Hund, der sich verkroch. .Sehe ihn auch," gillerte und gackerte«« aus dem erlösten Hühnerhaufen, und obwohl der Kneifer sein„Nichts berühren!" schnarrte, ließ sich die Forschergier doch nicht mehr zähmen— schon schwang einer den Hut— und eine weiße Flanellweste triumphiert«: ..Ich fasse nichts an, ich sammle nur corpore delicti! Mein Name ist Gnäsebach, au» Plauen im Vogtland«. Untersuchungsrichter," setzte er betonungsfroh hinzu. Nun fand aber die Dame, die den Hut entdeckt hatte, es fei höchste Zeit, dem Laienelement in dieser Iuristenauseinondersetzung Geltung zu verschaffen.„Es ist ein Herrenhut!" gixte sie. Und mit Rührung:„Der arme junge Mensch!" „Kennen Sie den Besitzer des Hutes?" horchte der Staats- dnwalt auf.„Nein," sagte die Dame. .Woher wissen Sie denn, daß es sich um einen jungen mittellosen Mann handell?" „Das sieht man doch! Das fühle ich! Ein unglücklicher Iüng- ling fand hier den Tod, der sich aus Liebe ertränkte..." ».Oder ein Schieber, der Pleite gemacht hat! Oder ein wegen Defraudation verfolgter Banklehrling..." „Was denken Sie?!" wehrte die Dame.„Nein. Mindestens ein Baron. Er liebte die Erzieherin im Schlosse seiner Mutter, ein schönes, armes Mädchen aus dem Volke, kurz..." „Sturz: Courts-Mahler..." ergänzte ein literarisch gebildeter Herr aus der Menge. Sie wandte sich um:„Maler auf keinen Fall! Maler tragen andere Hüte. Die» ist die Kopfbedeckung eines Elegants..." Man wagte einzuwenden:„Er könnte auch ertrunken fein, ver- unglückt.. Sie schnitt es brüsk ab:„An solchem Nachmittag? Es kentert kein Kahn bei heiterem Himmel. Nein, er hat ihn nur absichtlich umgedreht, um Unglück glaubhaft zu machen. Seine hohen Ver- wandten sollten nicht die Schande tragen müssen, einen Selbstmörder in der Familie zu haben!" „Was wissen Gnädigste von seinen Anverwandten?" unterbrach sie der Untersuchungsrichter sanft.»Man würde ihnen tele- graphieren." .Sie bewohnen eine Villa in Grunewald. Für gewöhnlich leben sie auf ihrem Gute in Holstein—" Jetzt wurde es dem Staatsanwalt zu bunt.„Unsinn!" rief er. .Was für Märchen erzählen Sie uns? Hier ist nichts weiter als ein Hu*.«Hte Sie etwas wissen, so nennen Sie Namen!" ,4»«, Namen nennen, Namen nennen!" echote die Masse. Die öame wollte eben alle Namen des Gotha nennen, die ihr im Laufe der Jahre untergekommen, als ein neues Ereignis das Gespräch wendete. Der Junge, der zuerst den Haifisch angekündigt und dann sich herabbegeben hatte, um die Verwandlung seines Fisches in ein Boot persönlich zu kontrollieren,— jener Junge hatte— hinter dem Rücken des Staatsanwalts— den Kahn inzwischen einer genauen Besichtigung unterzogen. Jetzt warf er die alarmierende Nachricht unter die Versammlung: .'ne Angel!" Was er hochhielt, war jedoch keine Angel, sondern— eine Haarnadel.... Allgemeines Ah! Besonders seitens der Dame.„Sagte ich es nicht? Ein Liebesroman! Der Baron hat fein« Braut mit in den Tod genommen. Eng umschlungen jind sie in die grausige Tiefe ge° fahren!" „Wo hast du die Nadel gesunden?" forschte der Staatsanwalt. „Hier in der Ritz« is se gesessen..." Der Untersuchungsrichter nickte.„Es scheint sich in der Tat um einen Doppelselbstmord zu handeln—" Dl« Dame wollte die Wahrscheinlichkeit in längeren Aussührun- gen begründen, aber der Staatsanwalt lenkte ob:.Man müßte vor allem feststellen, wem da» Boot gehört." „Dar könnt« ick," mischte sich in diesem Augenblick der Orts- Vorsteher ein, den man herangeholt hatte.„Dot Boot is miin und is Hütt morrns gemietet sür'n ganzen Tach—" .Bon wem?" .Lun en Moler, Adam Dobermann, was bei mich loschiert schon det halbe Iohr, indem daß hei de Gegend abmalen dett—* .Also doch ein Maler!" grinste der Staatsanwalt der Märchen- tante zu, aber sie parierte: wie alt dieser Herr Dobermann sei. Fünfundzwanzig, schätzte der Schiffer..Also doch ein junger Mensch!" bekam der Änefferonkel zurückgegeben. Der Untersuchungsrichter fragte:.Ist der Mann verheiratet?" »Nee, bat is hei allmiendag nicht!" „Wie erklären Sie sich denn diese Haarnadel in seinem Boot?" Der Vorsteher kratzte hinter den Ohren:.Sollte der Jung' sich doch'ne Ladung Unnerröck an Bord gehißt hewwen?" Wer weih, welche Tiefen das Lot noch ermessen hätte, wäre dem Alten nicht eingefallen, daß man die jungen Leute unter allen Um- ständen suchen müsse. Ja, das mußte geschehen. Man erfuhr, Ertrunkene trieben oft tagelang auf dem Wasser. Wenn das Unglück morgens eingetreten, war es möglich, wenigstens die Leichen zu bergen. In einer Viertel- stunde stachen zehn Boote in die See, bemannt mit Schiffern, dem Arzt, den beiden Juristen und der Dame. Ein Konsistorialrat aus Aachen schloß sich an, um den Sterbenden vielleicht letzte Trostworte Seckers Zlaggenerlaß. »Ach. Herr Studien direklor, die niedliche Fahne haben Sie wohl Ihrem kleinen Kurt gekauft, der an der Verfassung»- seier iu der Schule«och nicht teilnehmen kann?" .Nein, diese Fahne habe ich zur Seflaggung meine» Gymnasium» getauft! Man muß doch dem Erlaß de» Herrn Kultusministers Rechnung tragen!" zu geben. Man schwärmte auf Rufweite aus und fuhr Nordnordost, denn von dorther hatte die Flut den Kahn getragen. Nach etwa zwei Seemeilen stieß man auf Kleidungsstücke. Ein Damensttefelchen spazierte mutterseelenallein wie ein silbergrauer Käfer über die Wogen hin. Andere Boote fanden einen Herrengürtel und einen rosa Sonnenschirm. Um ö Uhr tauchte Riff 13 aus der See. Gefährlicher Fels von achthundert Metern im Geviert, kahl wie der Schädel des Habakuk. Oder war es Elias? Jedenfalls aus dieser BUdhaftigteit ohne biblischen Reiz. Im Schiffe de» Staatsanwalts war man der Ansicht, hier könnten die Unglücklichen gescheitert sein. Herr Gnäsebach dagegen schöpfte Hoffnung, sie möchten gerade hierher sich gerettet haben. Die courts-mahlerische Dame meinte: der Fels sei das Grab- mal der Liebenden— weiter nicht». Während die übrigen das Meer absuchten, erhob sie ihre Augen zum Himmel, dann stieß sie plötzlich einen lauten Ruf au» und deutete nach der Insel. Aus der Höhe des Felsens sah man im Lichte der tiefer- werdenden Sonne die Silhouette einer elfenbeinernen Stawe aus dem gelben Himmel geschnitten— mit erhobenen Armen, edel in den Formen wie ein antikes Stunstwerk. Niemand erinnerte sich, dort jemals etwas ähnliches gesehen zu haben, noch konnte man sich erklären, wie es auf die Klippe kam. Von allen Schiffern war sie inzwischen bemerkt worden und beflügelte den Ruderzug. I« mehr man sich näherte, je mehr entzog sie sich zwar dem Blick— aber schon legten die Boote an der Insel an. Kleines Helgoland, diese Insel. Es gab da ein Unterland, nicht viel größer als der Boden eines Zimmers, sehr geschützt für eine Landung, sanft in die See abgleitend. Drüber erhob sich das Oberland als nackte Felsen- küste, getrommelt von den Fäusten der schreienden Brandung. Vorsichtig fuhren die Leichensucher ein, drehten bei, und während einige Schiffer die Kähne hielten, machten sich die übrigen daran, den Fels zu erklettern. Es war nicht leicht, denn die wenigen Griffe und Tritte hatte das Meer glattgehobelt, aber in Mannes- höhe unter dem oberen Rande lief eine Leiste hin, auf der es mög- lich schien, über die Kante des Plateaus zu blicken. Ein Dutzend Köpfe wuchs wie ein Kranz von Pilzen daran empor— und sah--. Ja, da« war nun allerding» der Mühe wert gewesen, zu rudern und zu klettern... .Nicht einmal eine Badehose," erzählt« später der Staat«- anwalt,»hatte der Kerl an. der Malerl". „Allein, er war tatsächlich ein hübscher junger Mensch," be- merkte die Dame leicht errötend.»Ich begreife nur das feile Geschöpf nicht, das sich so na— so hüllenlos vor ihm hinstellen konnte!" .Meine Gnädige," warf hier der Arzt ein..wie soll ein Künstler seinen Freilichtakt. malen, wenn nicht— Der Untersuchungsrichter unterbrach ihn:»Aber wozu muß er selbst dabei—." „Gott, die jungen Leute hatten vorher gebadet, liebten die Sonne und fanden an ihren schönen Körpern Gefallen." „Man badet nicht zusammen," entschied der Staatsanwalt, .wenn man nicht verheiratet ist"! Der Herr Konsistorialrat fügte hinzu:„Nicht einmal, wenn man verheiratet ist! Meine Frau und ich würden un« voreinander schämen." .Gott« Dunner,'n banniges Frugenftück is fei wesen I Wo blot de oll Jung ihr aufgefischt hätt!" »Sie war seine Braut. Er hat sie un« doch vorgestellt." „Mir nicht," wies der Konsistorialrat ab.„Ich habe sie nicht angeseh'n."' .— nachdem ick ihn in mein Oelkittel gesteckt hatt', Herr Pastor. Aber vorher hätten Sei beinahe den Bodden unnern Fäuten verlurn.....!" „Niedlich war sie, wie sie dos Skizzenbuch als Feigenblatt be- nützte!"—„Man hätte ihr das Strafgesetzbuch geben müssen!" der Staatsanwalt.— Lochend der Doktor:„Wenn Sie es wirklich dabei hatten, so fanden Sie offenbar kein« Zeit, es heraus zu ziehen. Uebrigens, wer erinnert sich der Worte, die wir al» erste hörten, nachdem wir den Kopf über die Felsenwond gesteckt hatten?" „Es klang etwas wie vom„Paradies", nicht wahr?" zirpte die Dame. »Dobermann sagte eben: Herrlich ist es, Eva, wie im Para- diese. Es fehlen nur di« Affen." Der Staatsanwalt:.Sie wollen doch wohl nicht sagen--?" „Ich?— Er sagte es! Später hat er uns ja noch— Schweine genannt. Behauptete, es ginge niemand etwas an, was und wo er male. Wir mühten auf der falschen Fährte sein, Trüffel wüchsen auf ganz anderem Boden!" „Ein frecher Bursche!" „Nee!'n prächtiger Jung! Aber wenn ick ihm nich klor ge- macht hätt, daß sein Boot mit Kleidern weggesackt was, un daß wi ihm blot aus chrislliche Nächstenleiw und nich aus dämliche Neugier in de Supp gespuckt hewen, ick glöw, de Kirl het uns all in de Nordsee smeten!" „Beste Lust hatte er mindestens, uns durchzu'-n—* Der Vorsteher blies eine Kringel Rauch vo:; hin:.Dvw�! Ick hew min besten Summergast dran verlurn! De is wegreist wie'n Anker, und kümmt allmindag nicht wedder...." .Schade!" seufzte die Dame,„ich hätte mich von ihm malen lassen." Der Doktor meinte:»Adam und Eva sind ja leider dahin, aber wie wäre es, wenn wir das Riff 13 von nun an„Die Insel de» Paradieses" tauften?" Und dies ist die Geschichte vom Riff, durch die es seinen Namen verlor. 56 Millionen Lichtjahre. C» war lange eine Streitfrage der Astronomen, ob das Wellall mit der Milchstraße sein Ende erreicht, das heißt, ob alle am Himmel sichtbaren Objekte— Sterne, Sternhaufen, Spiralnebel und Nebel- slecke— zum System der Milchstraße gehören, oder ob es in den Tiefen des Weltraums noch mehrere solcher Milchstraßensysteme gibt. In den letzten Jahren ist man aber zu der Ueberzeugung gekommen, daß di« zweite Auffassung zu Recht besteht. Unser Milchstraßen- system bildet nach dreser Auffassung nur eine kleine Insel in einer Unendlichkett gleichartiger Weltsysteme. So hat der Gedanke des Astronomen Lambert recht behalten, der schon 17K0 das Bild eines unendlichen Unioersums mtt einer Nielzahl von„Milchstraßen" ent- warf, die sich zu einem System höherer Ordnung oereinigen, das mit anderen gleichen Systemen wieder ein System dritter Ordnung bildet und so fort. Di« Aufgabe war nun, diese fremden Welten zu ent- decken. Den älteren Ästronomen mit ihren primitiven Instrumenten war das nicht möglich: denn nur durch die stärksten, vollkommensten Instrumente und subtilsten Rechnungs- und Beobachtungsmethoden läßt sich entscheiden, ob ein Nebelsleck in MUchstraßen-Entfernung steht oder weit außerhalb dieses Systems seine unendliche» Kreise zieht. Unmittelbare Beobachtung mit Fernrohr und Spektralapparat, Photographie und Analogieschlüsse mußten zusammenarbeiten, um hier einigermaßen feste Ergebnisse zu gewinnen. Schon lange waren dem Astronomen die Spiralnebel verdäch- tige Objekte, von denen man annahm, daß sie unserer Well gleichende Systeme seien. Man kann sagen, daß diese Annahme jetzt so gut wie bewiesen ist.. In der Tot handelt es sich bei den Spiralnebeln, von denen man jetzt mindestens eine Million kennt, um Weltsysteme weit außerhalb unseres Milchstraßensystems. Eine ganz ausführ- liche und zuverlässige Untersuchung über dieses Problem ist kürzlich von dem schwedischen Astronomen Knut Lundmark veröffentlicht worden, der aus verschiedenen Wegen übereinstimmende Werte für die Entfernung einiger der größten und lichtstärksten Nebel ge- funden hat. Sie übertreffen weit die Ausmaße unseres eigenen Weltsystems. Die Entfernung des schon dem bloßen Auge als ver- waschener Fleck sichtbaren Spiralnebels in der Andromeda z. B. schätzt Lundmark auf eine bis anderthalb Millionen Lichtjahre(zu je etwa 18 Billionen Kilometer). Ein Nebel im Triangel hat un- gefähr den gleichen Abstand, ein drittes, kugelförmiges, tcleskopisches Objekt ist 8 Millionen Lichtjahre von uns entfernt. Den Rekord hält aber ein bekannter Nebel in der Jungfrau, der wegen des eigen- tümlichen dunklen Randes, der ihn umgibt, und der uns einen Teil des spiralförmigen Kernes verbirgt, oft abgebildet wird. Nach Lundmark beträgt die Entfernung dieses Nebels von uns nicht weniger als S6 Millionen Lichtjahre, der Durchmesser de» Nebels 199 000 Lichtjahre, und seine Gesamtmasse ist dreißigmjlliardenmal so groß wie die Sonnenmasse. Zu solchen unfaßbaren Entfernungen war die astronomische Forschung bisher nicht einmal annähernd ge- kommen: eine Distanz von etwa 700 090 Lichtjahren galt noch vor kurzem als die äußerste Grenze, bis zu der die Forschung den un- endlichen Wellenraum visuell und rechnerisch zu durchdringen ver- mochte. Die Gröbenverhältnisse dieser fremden Welt stimmen aber nach der Schätzung Lundmarks mit der unseres eigenen Systems, eben dem unserer Milchstraße, überein. Und auch die Entfernung ent- spricht den Forderungen, die der Mathematiker Charlier im An- schluß an die Hypothese von Lambert aufgestellt hat. Das von Lambert geforderte System höherer Ordnung bat man indessen bis- her nicht gesunden. Es muß so weit entfernt sein, daß die Messung des Abstandes von unserem System unsere Beobachtungsmöglich. leiten übersteigt._ Wie entsteht da» Summen der Stubenfliege? Wenn man eine Stubenfliege beobachtet, hat man unwillkürlich das Gefühl, das während des Fliegens hörbare Summen müsse durch die ungeheuer raschen Flügelbewegungen des Tieres hervorgebracht werden. Nun haben aber Versuche ergeben, daß die Stubenfliege auch summt, wenn man ihr die Flügel entfernt hat, ja, daß man sie sogar im Magen des Laubfrosches noch summen hören kann, wo eine Tätigkell der Flügel natürlich ebenfalls ausgeschlossen ist. Die Flügel kommen bei der Entstehung der sogenannten.Flugtöne" tatsächlich nicht in Be- tracht, da man als die.Tonquellen" jenes F�iegengebrumms die Schwingkölbchen oder Halteren erkannt hat, die kleinen gestielten Gebilde, die zu beiden Seiten des Hinterleib» sitzen und beim Fliegen besonders als Steuervorrichtung dienen. Auf die Schwingungen dieser Halteren ist nun der Flugton der Fliege zurückzuführen. Man kann diese Tatsache unter anderem auch daran erkennen, daß die Töne bei vermutlich älteren Tieren, die mit einer kleineren Zahl von Schwingenschlägcn in der Sekunde fliegen als junge Fliegen, dumpfer klingen. „Schrebergärten" vor Schreber! Die jetzt bei keiner Stadt fehlenden„Schrebergärten" werden bekanntlich nach dem Leipziger Arzt Schreber benannt. Dieser ist aber erst am IS. Oktober 1808 geboren, während die ersten derartigen Gärten bsreits 1787 nach- zuweisen sind. Ee geht dies aus einem Brief Schillers an Körner vom 18. August 1787 zweisellos hervor. Die Stelle lautet:„Ein Stück Land,' nicht viel größer als der„Japanische Garten" in Dresden, ist unter 7S Pächtern verteill, welche 1—2 Taler jährlich für ihr Plätzchen erlegen! Auf diese Art ist ein ewiges Gewimmel arbeitender Menschen zu sehen, welches einen fröhlichen Anblick gibt. Am Ende des Ganzen ist eine Anlage zum Vergnügen." Das aufgeteilte Land laq neben dem Garten de» herzoglichen Geheim- sekretärs Börtuch(Goethes„Vertu cio") in der Bürgerschulstraße zu Weimar, von dem auch die„recht ortige Idee", wie Schiller sagte, „ausgegangen war"! Streng historisch dürfen wir nach dieser Fest- i stellung nicht mehr von„Schrebergärten" sprechen, sondern müssen ! sie.Börtuchgärten" nennen. Ein Weltbund der ,Tippler�. Das Wiener Sportfest hat aus dein Deutschen Reiche viel« Wanderlustige angezogen, die einmal Wien sehen wollten. Sie strömten in Scharen von allen Richtungen Deutschlands nach Wien, und man schätzt zu Fuß Angekommene auf etwa 2000. Fast alle dieser Fnhwanderer ahne Geld, so daß sie nicht blotz auf freie Wohnung rechneten, sie hatten zumeist nicht die Mittel, ihre Nahrung aufzubringen. Das bildete für das Festkomitee eine Sorge, mit der es nicht gerechnet hatte. Viele dieser Fußwanderer waren ganz zufrieden mit ihrem bisherigen Schicksal und dem guten Empfang, den sie auf der Reise und in Wien fanden. Am 6. Juli, um 11 Uhr vormittags, hielten sie bei der Stephans. kirche in Wien ihre erste Versammlung ab. Seit Wochen hatten sie in ihren Anmarschlinien die Porole ausgegeben, sich in Wien am K. Juli vormittags bei der Stephanskirche zu treffen. Schon in den ersten Vormittagsstunden war der Zustrom der „Tippler" so stark, daß sich zum'Beginn der Versammlung an 400 dort eingefunden hatten. Da sie eine Verkehrsstörung bildeten, wurden sie von der Wache aufgefordert, einen anderen Platz zu wählen. Sie zogen dann hinter dos Hauptpostamt zur Dominikaner. bastei und dort konnte endlich der neue Weltbund derTippler ungestört tagen. Mit deutschem Humor reichlich ausgestattet, grün- deten sie hier eine Vereinigung für Tippologie und eröffneten den „Internationalen Kongreß der Studenten für Tippologie zu Wie n", für den sie schon gedruckte Mitglieds- karten ausgaben. Sie beschlossen, ein Adreßbuch aller erschienenen Teilnehmer dieser Gilde anzulegen und wählten einen„Tippologen- ausschuß", dem vorläufig Willi Rodenbiisch aus Bautzen-Stibietz, Alfred Szameitat aus Jnsterburg, Alsred Lumpisch aus Leipzig und Hans Harg aus Ratiiigen angehören. Manche der Teilnehmer sind seit Monaten auf dem Wege nach Wien gewesen. Ein Genosse aus Jnsterburg erzählte, daß er schon vor einem Jahr von zu Haule wegging, um sich unterdessen auf die Reise nach Wien vorzubereiten. Cr nahm in Berlin und Leipzig Arbeit und wanderte nun seit Wochen von Leipzig durch Deutschland nach Oesterreich und an der Donau ent- lang nach Wien. Ucberall traf er auf Kollegen, die dasselbe Ziel hatten. Ueberall fand er auf dem Dorfe und in der Stadt gute Auf- nähme, und besonders erfreut war er darüber, wie ihn die Genossen empfingen. Eine Ueberraschung für ihn bildeten die Soldaten, die sich seiner warm annahmen. Ein anderer Genosse, ein Zahntechniker kam aus Albanien nach Wien. Er ist Reichsdeutscher, wollte den Balkan kennen lernen. lies nun zu Fuß schon im April über Wien nach Jugoslawien, durch. streifte dort Kroatien, Serbien, Montenegro und Albanien und walzte nun zu Fuß wieder zurück, um zum Sportfest zurecht zu kommen. Sie alle haben in den Tagen schlechtesten Wetters alle Entbehrungen ertragen, erfreuten sich der Wiener Tage, nach denen sie wieder zu Fuß den Heimweg antreten, der sie möglicherweise zum nächsten Sportfest führt. Oer öerlmer /lrbeiter-Schachklub. Die Berliner Arbeiterschachbewegung erfreute sich in den letzten Jahren einer guten Auswärtsbewegung, was durch steigende Mitgliederzahl und guten Spielbetrieb zum Ausdruck kam. Einem Teil der Mitglieder, die sich in einer k o m m u n i st i s ch e n Fraktion zusammengeschlossen hatten, gefiel aber die grundsätz- liche Ausschaltung der P a r t e i politik nicht. Sie opponierten gegen den„reformistischen" Vorstand und stellten fortgesetzt Mißtrauens- «mträge(!) gegen denselben, die aber keine Gegenliebe bei den Mit- gliedern fanden. In der letzten Generaloersammlung hatte man nach gründliche Vorarbeit endlich so viel Leute zusammen- gebracht, um mit 8 Stimmen Mehrheit den alten Vorstand zu stürzen. An dieser Minierarbeit heteiliate sich auch der Kartell- Vorsitzende Robert Oehlschläger, der sonst immer die bekannte „Einigkeit des Proletariats" propagiert. Die neue Leitung hat zwar, was Arbeitersolidarität und gleichzeitige Mitgliedschaft in bürgerlichen Organisationen anlangt, keine weiße Weste, aber sie haben doch den Reformisten Schach geboten! Und das ist die Hauptsache— wenn auch die Arbeitersportbewegung dabei Schaden leidet._ Mannschaftsrennen des ABR.„Solidaritäl". Die Rennabteilung des Arbeiter-Radfahrer-Bundes „Solidarität" hatte am Sonntag in aller Frühe ihre Renn- fahrer nach S ch ö n w a l d e an der Groß-Schönebecker Kleinbahn hinbeordert, wo ein Mannschaftsrennen— übrigens das erste dieser Art—, das über eine Gesamtstrecke von 32 Kilometern führte, ausgefahren werden sollte. Es lagen Meldungen von acht guten Mannschaften vor, die sich aus je vier Fahrern zusammen- setzten. Die Rennstrecke führte über Schönwalde— Bernau— Wand- litz—Basdorf— Schönwalde. Die Beteiligung des Publikums war trotz der früh angesetzten Stunde sehr gut. An den Hauptdurch- gangspunkten hatten Streckcntontrolleure und einige Mitglieder des Arbeiter-Samariterbundes, Abteilung Bernau. Aufstellung genom- men. Das Wetter war der Veranstaltung günstig, bis auf den zeit- weife böenartig wehenden Wind, der die gefahrenen Zeiten nawr- gemäß beeinträchtigte. Kurz vor 8 Uhr startete die erste Mannschaft, der in Abständen von zwei zu zwei Minuten die übrigen folgten. Es wurde ein flottes Tempo vorgelegt und während der Fahrt ge- langen einige Ueberholungen. Mit einigem Pech fuhren wieder ein- mal die Renner der Altersklasse. Während eine Mannschaft vor der geschlossenen Bahnschranke bei Basdorf% Minute einbüßt«, verlor die andere volle drei Minuten. Noch schlechter erging es der Mann- schaft der 10. Abteilung, die wegen dauernden Schlauchdeftktes das Rennen ausgeben muhte, nachdem noch vorhe? einige Fahrer in einen Sturz verwickelt wurden. Arbeitersamariter waren gleich zur Stelle, um helfend einzugreifen. Die übrigen sieben Mannschaften passierten geschlossen das Ziel. Ein Beweis dafür, daß hervorragen- des Material in den Arbeiter-Rennfahrern steckt, und zugleich auch ein Anfang, der zu guten Hoffnungen berechtigt. Wie schon viele Veranstaltungen, kann die Rennabteilung des ARB.„Solidarität" auch diese Veranstaltung wieder als Erfolg buchen. ageb-iffc: Kauvtkmile: Sieger 1. Abt. 1. Mannschaft 50,» Min. 5. neber,»,03. 3. 8. Tbt. 58,41.— Wulstreifenfabeer: Sieger 10.«lt. I. Mann- schaft 51,25 Min. 2. 1.«lt. 2. Mannschaft»„87.—«liersfairer: Sieger J, dmilinierte Mannschaft 5243. 2. 2. konrlinierte Mannschaft 5oÄ Quer durch Neukölln. Unier großer Beteiligung der Arbeiterschaft hielten die „Freien Schwimmer Neukölln" ihr diesjähriges Schwim- men„Quer durch Neukölln" ab. Tausende von Zuschauern besetzten die ganze istrecke von der Lohmühlenbrücke bis zum Ziel an der Kaiser-Friedrich-Brücke. 200 Schwimmerinnen und Schwimmer stellten sich dem Starter, und alle hielten die Strecke durch. Punkt 10 Uhr fiel der Startschuß, und das Feld setzte sich in Bewegung. Besonders in der Männer-�-Klasie lieferten sich G i t h e und F r o h n über die ganze Strecke einen harten Kamps, den G ä t h e erst im letzten Teil für sich entscheiden konnte. Bei der Jugend war es K r a m p e, der ein hervorragendes Schwimmen lieferte und nur wenig den Männern nachstand. Am Ziel fand noch ein F i g u r e n l i e g e n der Frauen statt, dos in seiner Ausführung recht lebhasten Beifall fand. Die Wasserbollspieler hatten von der langen Strecke nicht genug und maßen ihre Kräfte noch mit zwei frischen Mannschaften von„Vorwärts'-Lichtenberg. In der Jugendklasse siegte die Mannschaft der Neuköllner mit S: 1 nach recht lebhaftem Spiel. Auch die Männer konnten mit 4: 3 sieg- reich bleiben. Rettungsoorführungen wurden ebenfalls porg'fiihrf hü in ihrer Ausjühnmg recht guten Anklang fanden. Den Sanitätsdienst versah in vorbildlicher Weise der„Arbeiter. Samariter-Bun d". Resultate: Männer A-fttosfe: 1. GS che 38,13. 2. ffroln 38,21.— Männer B-ÄIalfc: 1. W. Zimmermann 49,36. 2. Karpe 50,03.— Männlich« Ingenl A-ÄIassc: 1. Krampe 4245. 2. Mclschke 42,30.— Männliche Jugend B.Ä.rnffc: 1. Henning 52,27. 2. Tfchachert 54,59.— Weibliche Jugend: 1. Echarper 50,38. 2. ffrohn 51,13.— lsraucn: 1. Lelrecht 1,06,59. 2. Weile-Lange 1,07,32.— ffrauen�Stafetten: 1. Zweit« Mannschaft sWeler, Boesche, Schulz) 5544. 2. Vierte Mannschaft(Stichel. Schnelgcr. Tipki) 1,06 59.— Männer über 35 Ja lue � 1. Glerlcin 57,05. 2. Kastner 5846.— Knaben ganze Strecke: 1. Hillch 56,46. 2. Wall» 1,0247.— Knalcn�vta fetten: 1. Erste Mannschaft(Scheidner, flia- mann, Kickelonsch) 1,05,23.— Mädchen-Stafetten: 1. Mannschaft Meddermeier, L. Sucher und E. Sucher»,51. 2. Mannschaft Pohl, Radtke, Fritsch»,00. Das Kölner /irbeitersportfest. Am Sonnabend und Sonntag vollzog sich in Köln zum ersten Male für Westdeutschland ein Massenaufmarsch der Arbeiter- s p o r t l c r. Mehr als 15 000 Teilnehmer ans ganz Westdeutschland, sowie Sportgenosscn aus Oesterreich und Belgien hatten sich in Köln eingefunden. Die ersten sportlichen Veranstaltungen fanden am Sonnabendmorgen bei strömendem Regen statt, so daß besondere Leistungen nicht erzielt werden konnten. Am Sonnabend abend versammelten sich die Sportler zu einer großen Begrüßungs- f e i e r in der Messehalle. Die Festansprache hielt Reichstagspräsidcnt Genosse L ö b e. Vertreten waren u. a. das preußische Wohlfahrts- Ministerium, die Stadt Köln durch einen Vertreter des Oberbürger- Meisters und die Luzerner Sportinternationale. Der Sonntag war der Haupttag des großen Sportfestes. Mit einem F e st z u g e begann der Tag. Die Straßen waren von Tausenden von Zuschauern umsäumt. Ilebcrwältigend war der Ein- zug in das Stadion, der mehr als IM, Stunden dauerte. Bor mehr als 70 000 Zuschauern wurden dann die Sportkämpfe ausgesührt. Auf der großen Kainpfbahn sah man ein Fußballspiel der russischen Spieler gegen die westdeutsche Auswahl-Elf. Die Russen gewannen niit 12: 2 reichlich hoch. Dieser Erfolg für die Russen ist im wesentlichen auf den schlechten Torwächter der westdeutschen Mannschaft zurückzuführen. Auf der Schwimmbahn wurden als Höhepunkt die Bundesmeisterschaften im Wasserball aus- getragen. Auf der Radrennbahn maßen sich im Länderkampf Oesterreich, Belgien, Deutschland. Oesterreich und Deutschland werden Montag den Endkampf auszutragen haben. Der.Hauptfefttag schloß in der Messehalle, in der die Leipziger Bundesschule das technische Programm entwickelte, das begeistert aufgenommen wurde.— Der Montag soll als Schlußtag der Jugend gewidmet fein. welcher Sport eignet sich für Aromen? Eine wissenschaftliche Kommission in England hat durch eine Umfrage an 629 Sachverständige festzustellen versucht, was die Wirkungen körperlicher Uebungen auf Mädchen sind. Tennis und Netz ball finden allgemeine Zustimmung: Hockey wird als zu r o h und anstrengend für die Frauenwelt bezeichnet. Kricket wird als unnützt betrachtet. Am meisten be- anstandet als Sport für die Mädchen wird der Fußball. Das Schwimmen wird im Ganzen als zuträglich für die weibliche Gesundheit erachtet, doch ist es wegen der Herzonstrengung nicht für alle Mädchen geeignet. Dieselbe Anstrengung des Herzens wird auch vom Rudern befürchtet. Besonders Wettrudern wird von der größten Zahl der Aerzte für die Frauen abgelehnt. Radfahren, sofern es in mäßiger Weise betrieben wird und das betreffende Rad gut paßt, wird noch als zulässiger Sport angesehen. Eine neue Zungmädchenableilunq eröffnet der Bezirk Z e n- trum der Freien Turnerschaft Groß-Bcrlin am Frei- tag, den 13. August, in der Turnhalle Zehdenicker Straße. Turnzeit: Dienstag und Freitag 8 bis 10 Uhr. Neue Mitglieder werden in der Turnhalle aufgenommen.— Eine Frauenabteilung(Mitglieder über 25 Jahre) eröffnet der Bezirk Süden demnächst. Mitglieder- anmeldungen Donnerstags 8 bis 10 Uhr in der Turnholle Boeckh- straße 17/20(am Kottbusser Damm). kinderluruen in Schöneberg. Am Donnerstag. 12. August, öffnen sich wieder die Turnhallen für das Kinderturnen der„Freien Sport- Vereinigung". Geübt wird jeden Montag und Donnerstag von 6 bis 8 Uhr für Mädchen in der Turnhalle der 11. Schule, für Knaben in der Turnhall? der 10. Schule. Feurigstraße. Der Eingang zur Turnhalle befindet sich Ebersmarkt. Alle Arbeiterestern werden ersucht, ihre Kinder an den Turnabenden teilnehmen zu lassen. Monatlicher Beitrag nur 20 Pf. Um die Berliner Außballmeisterschasi? Da« Schlußspiel mn die Berliner Mristerschaft am Sann, alenl brachte nur ungestllr 1200 Zuschauer auf den«dler-IZ-Spartplalt 4U- sammen. Allerbinas war das Spiel nur wenig In der Lage, las Interesse der Zuschauer auf sich zu lenken. Technisch« Feinheiten vermißte man sawall lei Alemannia als auch lei Stralau. Während Alemannia wohl «Utes Zuspiel zeigte1, lach keinen wirklich guten Tarschuß valllrachtr, fehlte ei Stralau leler Zusammenhang im Ewrm. Nach schlimmer sah es mit der LSuferrreide der Stralauer aus. Zeitweis« glaubte man annehmen zu mllssen, der Mittelstürmer spielte zum erstenmal in seinem Leben Fußlall. Nur die Verteidiger und der Torwart waren gut. Bei Alemannia versuchte der Sturm immer mit dem Ball durch das Tar zu laufrn. Erst in drn letzten 10 Minuten schaß Kalllinks verschiedene Bälle aus grdßcrer Eni. fernuna aufs Tar. Bei den Läufern war der rechte lesander, gut. Er zrr- störte säst alle Angriff« der Stralauer und bat dadurch einen großen Anteil an dem Sieg. Die Verteidigung ante nicht fa lesander». Der Tarwart leistete(ich verschiedentlich Sachen, die lei einem entschlassenen Gegner zu einer Ntederlage geflllrt hätten. Das erste Tor fstr Alemannia wird in der 29. Minute durch Linksaußen aus ltarer Alleitsstellung heraus erzielt. Echan.8 Minuten später glaubt alles an da« Ausaleich, dach kann der Kall- linke Stralaus da, leere Tar nicht finden, kellst ein Elfmeter kann nicht verwandelt werden. Erst in der 42. Minute gelingt Stralau durch Links- außen der A u» g l e i ch. In der 44. Minute nnterlindet der Schiedsrichter einen Angriff Stralaus durch unnltlges Handpseisen.— Die zweite Spiel- Hälfte sah in der Hauptsache Alemannia im Angriff. In der 57. und 64. Minute senden ste„im zweiten- und drittenmal den Ball in, Netz. Durch das leichtsinnige Spielen des«lemannenturwarts kämmt Stralau durch langen Schuß zum zweiten Tar. Hart wird letzt um den Sieg gekämpft. Dach zeigen(ich die Alemannen als die Besseren. In der 85. Minute er- ringen sie mit dem vierten Tor den Sieg und die Berliner Meister. s ch a s t. Ecken 9:4 für Stralau. Alemannia ist damit zum dritten- mal Berliner Meister. Auch das Cchülerspiel sah Alemannia gegen Sparta 11 mit 4:2 al« Sieger Endspiel i» Stralau-Turalerl Die beiden Sieger der Zwischenrunde Herta 2 2 und Britannia- Lichtenberg stehen stch am heutigen Dienstag auf dem Spartplatz in der Gaßlerstraße im Endspiel gegenüber. Beginn 6 lllr. Weitere Resnltatel Hertha 22 hatte sich am Sanntag die Spartverelnl- anna Ealan verpflichtet. Nach wechselvollem Sviel bfiel Hertha mit 5; 2 stegreich. Auch Brandenburg 02 konnte seinen Gegner Kamet-Guden schlagen. 6: 1 lautete hier da, Resultat. Nur knapp gewenm SchSnederg gegen Lichtenberg mit 2: l. Ein« habe Nielerlag« lezag Neuküllner Ball- spiel-Elul van seinem Ortsrivalen Neukölln-Britz mit 1: 11. Mit 2: 3 trennten sich Britann!a und Treptower Bgllsviel-Elul. Lichterfell» und Stern fertigten ihre Gegner Moalit und Varwärts-Wriezen mit 5:0 ol. Schmgrgenlarf gegen Germania 4: 3. Spandau 03 gegen Freie Spartver- cinigung TN 2:1. Adler 08 spielte in Dresden gegen Pieschen und gewann mit 5:2. In Klosterdorf lei Stranslerg weilte die zweit« Mannscha't des Treptower Valllpiel-Eluls. um gegen den vor kurzem gegründeten Eport-Verein Frohsinn ein Gesellschaftsspiel auszutragen. Mit dem Resultat 4: 4 trennten stch die Vereine. Aeleitee-Spset. und Kultuekartell 1». Bez. Pankow. Am Sonntag, 15. August, findet das diesiährig« Kartellsportfest auf dem Vollesportplatz, Nieder-Schönhausen-Nordend statt. Das Programm stedt aar Freilllungeu der Kinder und Sportler, gnmnastische llelunqen der Frauen, Läufe, Drei. kämpfe der Männer, Jugend und Frauen, Valkstänz». Sprechchor. Reigen- fahren. Massengerättiirnen. Ringen und Helen, Jiu-Jitsu, Fußballspiel der Etädtemannschast Luckenwalde— Pankow 08. Die Vereine treffen stch mittags 12.30 Ubr Pankow, Kirche, von dort Abmarsch l.00 Ulr mit Musik. In der Woche vom 8. bis 15. August findet eine Werbewach« statt. Dienstag: Fußballspiel Borsigwalde. Andreas-Hoser-Platz. Aus dem Fichte. Sportplatz. Katserwea: Turnsviele Mittwoch 7.00 Ulr. Propaganbafabri „Solibotitol" ab Kaiserweg. Auf der Bolkswiese Darbietungen der Kultur- und Gesonguereine. Turnspiele auf dem Andreas-Hoser-Platz. Donnerstaa. 5.30 Uhr: Fußball Andreas-Hofer-Platz. Freitag. 7.00 Uhr: vom Aiidrep». Haker-Plaß Siraßenlaul durch Pankow. Sonnabend, 8.00 Uhr: Fußball Andreas-Hofer-Pliitz. Hockeyspiel Sportplatz Pfeilftvaße. In Rieder-Schön- Haast». Kaiserweg. Straßen laus. I Rordgrnppe de» 4. Bezirk». Sonnabend, 14. August, 7 Uhr� Sruftpen- Versammlung in Lichierfeldc, bei Kaüurn, Bäkestraße c Haltestelle Hindenburg- dämm, an der Kirche!. Berich: vom Bundestag, Wahlen, Verschiedenes. Freie Ruderer und Kanus-hier. l. Krei». Sonntag. 14. August, abends 6 Uhr, findet die Vaatsbansweihe des„Saatwinkelcr Paddelklubs 1925' statt. Das Vsatshaus befindet stch am Hohenzallernkanal an der Saatwinkelcr Brücke. Um rege Beteiligung ersucht der Vorstand. Tauristeaveretn„Die Ratursreundc"(Zentrale Wien). Abt. Frjedrichshai»: Dienstag. 10. August, M8 Uhr, Jugendheim Ebertnsti. 12. Fah:t«rlebnisse.— Abt. Friedenau: Dienstag, 19. August, 8 Uhr, Jugendheim Offenbacher Str. 5s. Unterhaltung über Fahrten.— Abt. Norden: Dienstag. 10. August, 8 Uhr. Heim Sonnenlurger Str. 20(Zimmer 5). Wanderliederabend. Liederbücher und Instrumente mitbringen.— Alt. Tiergarten: Dienstag, 10. August, 8 Uhr, Heim Wiciefstr. 5(Zimmer 6).— Abt. Treptow: Dienstag. 10. August, 7 Uhr, Treffpunkt Bahnhof Treptow. Heim Elsenstr. 3 geschlossen.— Alt. Wedding: Dienstag. 10. August, 8 Uhr. Heim Lütticher Str. 47.48. Gcschäftliches.— Mnsikg: mein schalt: Mülwoch, II. August,:,n3 Uhr, lei Lehmann, cbaudnftr. 21- Uebungsitundc.— Abi. Prenzlauer Berg: Donnerstag. 12. August, 8 Uhr. Heini Dauziger Str. 28. Vortrag Vurckhardt über Lebensresarm.— Abt. Lichtenberg: Donnerstag. 12. August, Heim Perrkauc 10. Verfassungsfeier.— Abt. Südwest: Donnerstag. 12. August, 7 Uhr, Volkspark Temvelhoirr Feld. — Alt. Rcinickeiidors: Donnerstag. 12. August, Vi 8 Uhr, im Heim Rcinickcn- dorf-Ost, Seebad. Wie wir zusammen wuchsen. Arbeiter. Turn- und Spartbund, 1. Krei» 1. Bezirk. Dczirksfest in Straus. borg am Sonnabend und Sonntag, 28. und 29. August. Meldeschluß für Weit- kämpfe Sonntag. 22. August. Die Ausschreibung ist im Kreisblatt vom 5. August und im„Arbeiter-Fußball" vom.8. Juli enthalten. Meldungen an A. Hoffmann, Köpenick. KaiserWilhekm-Str. 3. Quartiere und Sonder- aufführungen zum Empfangsabend am Sonnabend, 28. August, sind direkt an Otto Schulze. Stvausbcrg, Wilhelmstr. 8, bis zum 20. August zu melden. Am Sonntag abend fang im Rahmen eines volkslumlichsn Konzerts zum erstenmal im Rundfunk der Gesangverein der Berliner Buchdrucker und Schristgießer y p o g r a p h i a". Es sst zu begrüßen, daß der Rundfunk sich endlich dazu entschlossen hat, auch ein- mal Arbcitersänger zur Mitwirkung aufzufordern, denn dem Ar- beitersängcrbund gehören ausgezeichnet geschulte Bereine an, die jeden Vergleich n.it den bürgerlichen Chören aushalten rönnen. Hoffentlich folgen diesem ersten Konzert bald weitere dieser Art. Die Leistung der„Typographia" zeigte hohes künstlerisches Niveau. Der Dirigent Alexander W e i n b a u m schattiert ausgezeichnet die Stimmen, weiß zu steigern und zu dämpfen und hat ausgeprägtes Empfinden für rhythmische Wirkungen. Als Solisten sangen Mar- garet« Brieger-Palm und der Boritonist Eugen Brie gar. Beide verfügen über gute Technik und Brieger vor allem über starken Ausdruck, der aber niemals den Rahmen des Liedhaften zersprengt. „Andreas Hofer",„Der Schweizer" und„Wilhelm von Nassaue" bekalten durchaus in Briegers Interpretation ihren volts- liedhaften Charakter, trotzdem dramatische Atzente gesetzt werden. Die Sttmme selbst klingt voll und sonor, leider ist die Tongebung in der Höhe etwas flackernd. Das Nachmittogskonzert brachte See- mannslieder, denen man auch die Senta-Balladc und die Ouvertüre zum..Fliegenden Holländer" zurechnete. Nur selten gelingt es in Konzerten, deren Programmzusommcnsetzung allein vom Stofflichen bestimmt wird, Einheitlichkeit hineinzubringen. Peruchino, Wagner und Pohlentz geben eine merkwürdige Zu- sammensetzung, ober schließlich haben diese Konzerte dieselbe Berech- tigung wie etwa Kunstausstellungen, die nach irgendeinem stosiliche» Gesichtspunkt angeordnet werden und die vielleicht„Das Meer", „Die Landschaft" oder sonstwie bezeichnet werden. Der Rundsunt steht augenblicklich im �Zeichen volkstümlicher Musik. Der Montag nachmittag, brachte„Schlichte Weisen". Volkslieder aus dem 16. und 17. Jahrhundert, zarte Melodien von schlichter Jnnigkett wie etwa„Maria durch ein' Dornwald ging" oder„Geseg'n dich Laub", allerdings von einer Süßigkeit, die beinahe an die der Lieder aus dem piettstischen Kreise erinnert, eine Innigkeit des Gefühls ist hier vorhanden, die an die deutsche Mystik gemähnl. Daneben aber auch Tanz- und Liebeslieder von derberer Struktur, von strotzender Lustigkeit. Gertrud? van de Vrient war am stärksten in den geistlichen Volksliedern, die sie hingebend und ver- innerlicht fang. Der Abend hieß„B a u e r n- K i r m e s". Auch dieses Programm war stofflich orientiert wie am Sonntag nach- mittag die„Seemannslieder", aber hier waren Komponisten von einheitlichcrem Charakter oereinigt. Mozart, Weber, Smetana und Leopold Mozart, der Vater des Wolfgang Amadeus, e>n leichtes und beschwingtes Programm, unbeschwert, tänzerisch und spielend. Sehr gut das Funkorchester unter Seidler-Winkler. Am besten und leichtesten gelang ihm das entzückende Finale aus Smetanas„Verkaufte Braut". Hervorragend auch Waldemar Henke von der Staatsoper in dem Spottlied des Kilian. Am Nach- inittag fiel die Vorlesung von Egon Erwin Kisch aus. Als Ersatz las ein Herr, der den Hauptakzent auf überdeutliche Aussprache legte, Honore de Balzacs Novelle„Eine Leidenschaft in der Düste". Diese meisterlich geschriebene Novelle oerlangt aber einen besseren Jnter- pretcn. Dss Rundfunkprogramm. Dienstag, den 10. August. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 12 Uhr mittags: Die Viertelstunde für den Landwirt 4.30 Uhr nachm.: Stunde mit Büchern: Waldemar Bonsols: Der Wanderer zwischen Staub nnd Sternen. Hans Heinrich Ehrler: Die Reise in die Heimat. Viktor Fleischer: Absturz. Rudolf Greinz: Tiroler Leut'. Leo Perutz: Turlupin. Toni Schwabe: Ulrike. 8—6 30 Uhr abends: Naehmittagrskonzert der Berliner Fnnkkapolle. Leitung; Konzertmeister Ferdy Kanffman. Ansehließend: Ratschläge fürs Hans. Theater- und Filmdienst. 7 Uhr abends: Oberrogierungsrat Prof. Dr. B. Möllers:„Insekten als Krankheitsüberträger". 7.30 Uhr abends; Krirainalschriftsteller Emst Engelbrecht:„Polizei nnd Verbrechertum in Wien". 7.55 Uhr abends: Oberregierungsrat z. D. v. Köbke:„Handwerk nnd Einzelhandel in der Gegenwart". 8 30 Uhr abends: Bunte Böhne. 1. M. Blake: Hongaria- Foxtrott(Konzert- Jazz-Orchester Snla Lewitsch). 2. Verdi: Er ist es, dessen wonnig Bild, Arie der Violette ans der Oper„LaTraviata"(Lotti v. Herget. Sopran. 3. a) M. v. Schenkendorff: Muttersprache, b) A.K. T. Tiolo: Pritzke der Lehm trampler. c) H. Embacher: Feiertag, dl F. C. Castel- hun: An einen nach Deutschland zurückkehrenden Freund(Otto Wiemer, Rezitation). 4. Irving Berlin: Always— Boston(Konzert- Jazz-Orchester Snla Lewitsch). 5. Mozart: a) Ein Mädchen oder Weibchen, Arie des Papageno aus der Oper„Die Zauberflöte", 2. Akt, Nr. 20, b) Horch auf den Klang der Zither, Ständchen des „Don Juan", 2. Aufzug Nr. 17(Leonhard v. Herget, Bariton). 6, Stegmann: Virtnosa, Konzertpolka brillante für Cornet a Piston (Richard Stegmann). ,7. Lange-Lewitsch: Snite Orientale, Fox ä la Concerto(Konzert-Jazz-Orchester Snla Lewitsch). 8. Gonnod: Da ich nun verlassen soll, Valentins Gebet aus der Oper„Margarethe", 2. Akt(Einlage)(Leonhard v. Herget). 9. Lienrance: Bei den Wassern von Minetonka, Fox-sinfonisches Gemälde(Konzert-Jazz-Orchostor Snla Lewitsch). 10. a) Arditi: Paria!(Sprich!), Walzer, b) dell'- Aqua: Villanella(Wanderlust)(Frederik van der Eist); c) Marchesi: La Folletta(Der Kobold) Lotti v. Herget). 11. a) B. Möhring; Wie die Alten sungen, b) O. Wiemer: Der kluge Christoph, c) J. Wiener-Brannsberg: Herbststürme: d) W. Brinckmann: Wie Karline ihr Glück machte; d) Verfasser unbekannt: Das Pferd (Otto Wiemer). 12. Jakob Gade: Jalousie(Konzert-Jazz-Orchester Snla Lewitsch). 15� Leo Fall: a) Der Kaiserjäger nnd sei' Dirnd'l, b) Heimkehr(de Nora); c) Im Marschieren(Leonhard v. Herget). 14. Th. Hoch: Edelweiß vom Semmering. große Fantasie über deutsche Alpenlieder, mit Variationen für Comet ä Piston (Richard Stegmann). 15. Egan: Sleedy tüne Gal, Fox-Blnes (Konzert-Jazz-Orchester Snla Lewitsch. Am Flügel: Ben Gysel). Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tages- nachrichtcn, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- nnd Filmdienst. Königswusterhausen, Dienstag, den 10. August 3—3.30 Uhr nacsim.: C. M. Alfieri u. T. Eyseren: Spanisch. 3.30— 4 Uhr nachm.: Oberschnlrat Bilker:„Aufbau und Haltung. 4— 4.30 Uhr nachm.: Oberschulrat Hilker.„Spannung nnd Entspannung". 4.30—5 Uhr nachmittags: Mitteilungen des Zentrel- instituts. 5— 5.30 Uhr nachm.: Schrifte tellerin v. Bansen:_Daa Wandern". Ab 8,80 Uhr abends: Uehertragung«u Berlin. flc. 372 ♦ 43. JafytQaüQ 2« 6cilögc dc0 U)(ltt6 Utaateg, 1«. �Iisn|i14t« Das öeutsih-franzöflfthe Abkommen. Fortschritte und Unzulänglichkeiten. Das für sechs Monate abyeschlassene provisorische chandelsabiommen zwischen Deutschland und Frankreich liegt nunmehr im Wortlaut vor. Dieser bestätigt in großen Zügen das Bild, das man von dem Derhandlungsergebnis noch den halbamtlichen Ankündigungen gewinnen mußte. Einen Fort- schritt gegenüber den bisherigen Abschlüssen mit Frankreich stellt nicht nur die längere Zeitdauer des Provisoriums dar, die bis- t engen Vertragsabreden erstreckten sich immer nur auf eine Zeit- kauer von drei, diesmal auf sechs Monate. Wichtiger ist noch der ilmstand, daß eine verhältnismäßig große Zahl von Warenpost- tionen aus dem französischen Zolltarif behandelt wurde in der Weise, die dein deutschen Export gewisse Erleichterungen bringt. Man hat sich in dem vorliegenden Abkommen näher aneinander herangetastet, man hat die gegenseitigen Interesse« schon genauer ab- gewogen und hat infolgedessen positiver« Ergebnisse gefunden als früher. Für die Fortführung der Verhandlungen bis zum Abschluß eines endgültigen Vertrages wird das jetzt erzielte Resultat sicherlich in gewissem Maße grundlegend sein. Deshalb ist der Fortschritt anzuerkennen. Und dieser Fortschritt wirkt um so schwerer, wenn man weih, welch« großen Schwierigkeiten den deutschen Unterhändlern dadurch gemacht worden sind, daß man ihnen eine gebundene Marschroute auf- zwang und daß die Wünsche der Interessenten auf vielen Gebieten ccradezu di kt at»ri s ch das Lerhandlungsergebnis vorweg. nahmen. Wir wiesen schon früher darauf hin, wie ungeheuer noch- teilig die Haltung der Regierung in der W e i n z o l l frage war. Die deutsche Industrie muht« auf weitgehende Exportmöglichkeiten verzichten, nur um den Winzern scheinbar« Dorteile zu erhalten. In der E i s e n f r a g e hatten die Unterhändler beider Regierun- gen eigentlich so gut wie gar nichts mehr zu sagen. Geradezu klas- fisch ist eine Zusatzerklärung zu dem Vertrag, in dem es über den Pakt der Eisenindustrie heißt: �vie deutsche und französische Regierung chaben im Verlauf der Verhandlungen über das provisorische Ab- kommen die Möglichkeit eine, gemeinsamen Vor- gehen? untersucht, da» die Durchführung der deutsch-französischen Abkommen über den Austausch der Erzeugnisse der eisen. schafsenden Industrien sowie der internationalen Abkommen, an denen die eisenschaffenden Industrien der beiden Länder beteiligt sein könnten, gestattet, sobald die Regierungen ihre Zustimmung zu diesen Abkommen erteilt haben. Die beider. seitigen Regierungen beschliehen daher, sich auf Verlange» de r einen von ihnen über die Folge zu beraten, wie dem vorgesehenen Abkommen der eisenschaffenden Industrien sowohl bezüglich der Zollbedingungen, unter denen sie durchgeführt werden, als auch bezüglich jeder anderen mit- diesen Abkommen zusammenhängenden Frage zu geben wäre." In normales Deutsch übersetzt heißt das: Die Regierungen überlassen den private» Interessengruppen die Verständigung über die Eisenpreise, wodurch dann die Festlegung von Eisenzöllen überflüssig würde. Sie behalten sich nur vor, später einzugreifen, wenn das Ergebnis der privaten Interessenten den Wünschen der Regierungen nicht entspricht. Es ist unseres Wissen» der erste Vorgang in der Geschichte der Handelsverträge, daß zwei große Industriestaaten sich in dieser Weis« ihrer Souverän tkät zugunsten einzelner Sewerbegruppe» begebe«. Nicht mehr Völker und Voltswirtschafte» entscheiden über gegenseitige Handelsbeziehungen, sondern private Inter. cssengrnppe», die, so national sie sich auch gebärden mögen, den Rahmen nationaler Gebundenheit längst gesprengt haben. Gewiß zeigt eine Reih« von Zollvegelungen, die Frankreich der deutschen Industrie zugestanden hat, daß man an einzelnen Stellen bereits den Abschluß des internationalen Eisenpakte, bereits vorweggenommen hat. Die deutsche eisenverarbeitende Industrie, insbesondere die Maschinenindustrie, kann einige Erfolge verbuchen: sie genießt wesentliche Zollabschläge beim Export nach Frankreich. Diese Vergünstigungen für die eisen- verarbeitende Industrie niaren es, die die deutschen Eisenarbciter oer- onloßte, ihrerseits dem deutsch-französischen Eisenpakt zuzustimmen. Agrarische Uawahrhafiigkeit. Wenn die deutsche Landwirtschast, besonder, die Fuhrer der Großagrarier, bereits wieder behaupten, das Abkommen mit Frankreich sei lediglich auf tosten der deutschen Landwirtschaft abgeschlossen otorben, so erweist sich da» bei näherer Betrachtung als vollkommen unzutreffeud. Die Gctreidezöll« spielen in dem vorliegenden Vertrag überhaupt keine Rolle. Die Mehlzölle find in eiaer Weis« gebunden, wie sie die deutsche Regierung selbst als notwendig empfand. Es bleiben allenfalls einige Zollherabsetzungen für Früh- und Fein- gemüse, Obst und Südfrüchte, die schon deshalb für die deutsche Landwirtschast keine Rolle spielen, weil bei uns die Südsruchttultur nicht in Betracht kommt und der Bedarf an Früh- und Fcingemüsen viel größer als die Produktion in Deutschland ist. Unter den deutschen ZollermSßigungen für Industriewaren spielen Insbesondere dl« Zölle auf französische Luxusartikel verschiedener Art eine Rolle. Als besonder» wichtig wird auch die Tatsache hingestellt, daß französisch« Autos durch die Meistbegünsti- gung ebenfalls billiger hereinkommen können als bisher. Sehr umfassend ist hingegen die Liste der französischen Zoll- zugeständnissc. Man erkennt bereits aus der Zusammenstellung die ungeheure Arbeit, die die deutschen Unterhändler darqn verwandt haben, bei ihrer schwierigen Log« Vorteile für den deutschen Export nach Frankreich zu erzielen. Bemerkenswert ist, daß hierbei auch Waren der Landwirtschaft Exporterleichterungen verbuchen können. Im übrigen ist es eine große Zahl von Posi- tionen aus den verschiedenen Industrien, die zu einem ermäßigten Tarif nach Frankreich gelangen können. Bei einer Reihe von Waren ist die Menge, die mit niedrigen Zöllen nach Frankreich gelangt, von vornherein begrenzt. Gerade die mengenmäßige Begrenzung zeigt auf da, deutlichste den provisorischen Charakter der ganzen Abrede. Es ist sozusagen ein Versuch, der hier gemacht wird. Verläuft er gut für beide Teile, so wird er einem endgültigen Vertrag günstig sein. Andernfalls können leicht neue Schwierigkeiten entstehe», vo» eiaer endgülkige» Regelung der deulsch-stanzSsischen Beziehungen kann somit noch längst nicht die Rede sein. So hoch man auch die Fort- schritt« einschätz«» ma� d� bei den Zollpofitioaen erzielt wurden, oder die in der Frage des Niederlassungsrechtes erreicht werden konnten— das ganze Abkommen trägt alle Züge eines bedenk. lichen Kompromisses, das in allen Einzelheiten die Wider- sprüch« und Unzulängllchteiten der deutschen Wirtschaftspolitik spiegelt. Das Abkommen bringt mehr als seine Vorgänger, es bringt aber viel, viel weniger, als man von einer positiven Handelspolitik verlangen muß, zu einer Zeit, in der die deutsche Wirtschast und der deutsch« Arbeitsmorkt nach einer Verbesserung der Exportmöglichkeiten schreien! Eisenpakt/ Kapitalistische Internationale/ Arbeiterschaft Die amerikanischen Blätter bringen et» Interview mit dem in Williamstown weilenden Professor Bonn, der über die Auswir- tung des deutsch-französischen Handelsabkommens befragt wurde. Professor Bonn erklärte: Wenn eine endgültige Regelung getroffen fein wird, wird die westliche europäische Kohlen- und Eisenindustrie, die durch den Friedensvertrag und die Entwicklung der Rachkrieg»- zeit auseinandergerissen worden ist, auf einer wirtschaftlichen Grund- läge wieder vereinigt sein. Das Ziel der eisen- und stahl» verarbeitenden Unternehmer auf beiden Seiten sst die Schaffung eines we st lichen Eisen- und Stahltrustes gewesen, der zu der Hoffnung berechtigte, daß die Preise für Eisen und Stahl auf eine solche Höhe gebracht würden, die die Erzeugung gewinn- bringend gestalten würde. Damit verbunden ist in naher Zukunft die Frage«ine» internationalen Trust». Früher sind die arbeiten- den Klassen durch ihre Organisation eine internationale Macht ge» wesen. Durch diese neue industrielle Richtung jedoch des am meisten nationalistischen Kopitals Europas, das in der Eisen- und Stahl- industrie sich betätigt«, dürfte sich eine kapitalistische Internationale entwickeln. Die Folge dieser Entwicklung dürste, wenn man so sagen kann, ein„schutzzöllnerischer Freihandel" sein. Dieser Eni- Wicklung dürfte eine entsprechende Arbeiterbewegung folge». Be- sonders die sozialistischen Arbeiterklassen würden aus einer internationalen Kontrolle des Eisenmonopols bestehen, vwbei sie von den Derbrauchern unterstützt werden würden. Die Folge davon würde umwälzend sein, denn, wenn die Monopole die Grenzen der Länder überschritten und nicht länger mehr von den einzelnen Staaten überwacht würden, würden sie entweder die Beherrscher der Welt werd«» oder aber sie müßten durch eine internationale Instanz kontrolliert werden. Einzelheiten zum internationalen Elfenpakt. Anläßlich der Zusammenkunst in Mannheim hat ein« größere Anzahl von Hütten und besonder» alle luxemburgischen Hüttenwerke der Arbed«inen Vertrag unterzeichnet, nach dem sie sich oer- pflichten, i»n innerdeutschen Zollgebiet nicht unter den Preisen des Stahlwerksoerbandes zu verlausen. Außerdem sind die Werk« des Saorgebietes,»nd zwar Burbach und Völklingen, bei ihrem Eintritt in die Rohstahlgemeinschaft ebenfalls verpflichtet, zu den Preisen des Stahlwerksverbandes zu verkaufen. ?lvf diese weife erstreck« sich nunmehr das Preisabkomme» aus alle hütlemverke Lothringens. Luxemburgs und des Saargebietes: Die einzige Ausnahme macht bisher noch Neunkirchen, besten Beitritt zur Rohftahlgemeinschast sich infolge einiger neu auftauchender Schwierigkeiten verzögert hat. Nachdem dieses Preisabkommen mit der Rohstahlgemeinfchast unterzeichnet sst, ist anzunehmen, daß der internationale Eisenpakt in ollernächster Zeit nunmehr formell ab- geschlossen»»erden wird. Die letzten entscheidenden Besprechungen sollen bereits in dieser Woche stattfinden. Jnteressententagungen. „ Die hau»- und Grundbesitzer über Wohnungsbau. Die Tagungen der kapitalistischen Interessentenverbände sind, wie olle ähnlichen Demonstrationen, dazu da, um einer breiteren Oesfentlichkeit die..Notwendigkeit" der betreffenden Organisationen und die„Berechtigung" ihrer Forderungen zu beweisen. So gab man sich auf dem Verbandstag der Deutschen Haus- und Grund- besitzervereine am 8. August in Düsseldors große Mühe, die Nutz- nießer der Bodenrente als Träger der Kultur zu preisen, alle Eingrifie in die Bewirtschaftung des städtischen Bodens und in den Wohnungsbmi als ein Verbrechen an Wirtschaft und Kultur hinzustellen und goldene Berge von einer Aufhebung der Wohnungszwangswirtschaft zu versprechen� Der Reichsheimstätten- gesetzentwurf wurde schroff abgelehnt. Obwohl der erste Referent, Reichsgerichtsrat Linz- Leipzig, ein« völligeSufhebungder Wohnungszwangswirtschast zurzeft als nicht durchführbar bezeichnete, verlangt« der Vorsitzende des Zentralverbandes die rest- l of e Aufhebung der Zwangswirtschaft im Wohnurgswcsen und die voll« Freiheit der Betriebsführung in seinem Eigentum. Man sieht, die Interessenten haben es sehr eilig mit der Herbei- führung hoher Mieten. Sie denken gar nicht daran, die unge- heure Notlage der breiten Lolksmaffen zu berücksichtigen, denen jede weitere Verteuerung der Wohnungsmieten eine gemaltige Belastung bedeutet: chnen geht da. Recht auf Rente vor. Di« Arbeiterschaft wird gut tun, diese Bestrebungen im Auge zu behalten und ihnen durch die Propaganda und die rasche Durchführung eine» groß- zügigen gemeinwirtfchoftlichen Programms einen Damm entgegen- zusetzen. Erst wenn ausreichend Mietraum für die Minderbemittelten zu angemessenen Preisen zur Verfügung steht, erst dann kann an eine weitere Lockerung der Zwangswirtschaft gedacht»»erden. Bis dahin aber ist noch ein weiter Äeg. Die Haus- und Grundbesitzer gehen aber auch aufs Ganze, nicht nur mit ihren theoretischen Forderungen, sondern auch mit ihren organisatorischen Vorbereitungen. Mit O e st e r r e i ch hat man eine Arbeitsgemeinschaft des Deutschen Hausbesitzes gegründet, außerdem schweben Verhandlungen über die Bildung einer inte rn atianalen Kampfgemeinschaft„für die Erhaltung des Begriffes Prioateigentu m". Wieder verschreibt sich hier eine Eraierbsgrupp«. die sonst nie genug ihre Nation le Einstellung betonen kann, die Hilfe ausländischer Interessenten, um den Kampf gegen die Gemeinwirtschast führen zu können. Auch diese Entwicklung ist etwas, woraus die Arbeiter- schast lernen muß. Zur Tagung des deutsche» Eluzelhaudels. Auf einem bemerkenswert hohen Niveau hingegen stand die Tagung der Hauptgemeinschaft de» deutschen Einzel- i Handel«, die unmittelbar vorher ebenfall» iti Düsseldorf stattfand. Der Einzelhandel beginnt im Gegensatz zu den Industriellen ein- zufchen, daß die Politik des Lohnabbaues für die Gestaltung des Absatzes von vernichtender Wirkung sein muh. Zwar enthielt man sich einer kundgebungsartigen Entschließung. Die Tatsache jedoch, daß die Ausführungen der Hauptreferenten, Pro- fessor Dr. I. Hirsch und Oberregierungsrat Tiburtius, auf keinerlei Widerspruch stießen, ließ deutlich erkennen, daß im Einzel- Handel eine Neuorientierung Platz greift, wenn dies« auch sich nach nicht aus olle Gruppen von Arbeitgebern im Einzelhandel erftrecki. Die Neuorientierung geht in der Richtung, daß ein Lohnabbau allein hauptsächlich die Schwächung der Kaufkraft und damit die Untergrabung des Absatzes bedeutet. Organisotorische Der- besserungen in der Produktion und der Verteilung können mehr als irgendwelche Lohnsenkungen eine Verbilligung der Produktionskosten und damit der Preise bewirken. Man kann dem Einzelhandel zu dieser geistigen Umstellung nur Glück»»ünschen, well sich damit endlich wieder diejenige Ge- sinnung im Handel durchsetzt, die ihm und der Doltswirtschoft allein auf die Dauer Erfolg verspricht. Nur in einer Ausdehnung des Absatzes, im wirklichen und ehrlichenDieo st anKunden wird sich der reelle Handel erhallen können. Di« gemeinwirtschast- lichen Konsumvereine der Arbeiterschaft werde» die verschärfte Kon- kurrenz des Einzelhandels, die aus einer derartigen Reuorientierung hervorgehen kann, teinesu>eg» fürchten, sondern sich auf sie voll und ganz einstellen. Im Segenteil wird sich, wenn der Einzelhandel oegen die Mißbräuch« in der Warenoerteilung und gegen die Preis- Diktatur der Kartelle entschieden Front macht, oft genug Gelegenheit geben, bei aller ideellen und geschäftlichen Konkurrenz der gemein- nützigen gegen die privatkapllalistlsch« Betriebsform auch«in gutes Stück Weges zusammengehe» im Dienst« am Verbraucher und damit auch an der Produktion. vom Wachstum üer Konsumgenostenschasten. Regelmäßig« Auffchlüsse über die Entwicklung der Konsum- gen ossenschastsbevxgung biete» die statistischen Feststellungen der einzelnen zehn Reoisionsverbände des Aentroloerbanbes deutscher Konsumvereine. So kann, um einig« Desspiele herauszu» greifen, der Verband der Konsumgenossenschaften in Rheinland und Westfalen vom ersten Halbsohr 1326 melden, daß noch den Angaben der berichtenden Verein« der Warenumsatz gegenüber dem vom ersten Halbjahr 1326 um 18,4 Proz. auf 49 097 346 TO. ge- stiegen ist, ferner die Gefchäftsguthaben der Mitglieder um 827 222 TO. auf 3 055 512 TO. und die Spareinlagen um mehr als 30 Proz. auf 12 222 912 TO. gesteigert werden konnten. Di« Mitgliederzohl jenes Remsionsverbandes betrug am 30. Juni d. I. 382 359. Im Verband« Nordwest deutscher Konsumvereine betrug die Mitglioderzcchl am 30. Juni d. I. 520 827. Im zweiten Vierteljahr 1926 steigerten die dort berichtenden Konsumvereine ihren Umsatz gegen die gleiche Zeit des Vorjahrs um 15,6 Proz. auf 35 331306 TO., ferner die Geschäftsanteile um rund 2 Millionen Mark auf 5 294 356 M. und die Spareinlagen um rund 14 Millionen M. auf 32 211 892 M. Der Verband württembergischer Konsumverein« mit 222 681 Mitgliedern zeigt in seiner Stotistik für das zweite Vierteljahr 1926 auch eine ummterbrochen« Entwicklung des Um- satzes nach aistn. So betrug der Gesamtumsatz im ersten Halbjahr l925 rund 23 784 829 TO., im ersten Halbjahr 1926 rund 26 799 514 Mark. Wobei noch zu beachten ist, daß die Arbeitslosigkeit«m ersten Halbsahr 1925 in Württemberg aerhöltnismäßig gering war, während sie jetzt außerordentlich groß ist. Auch der Verband schlefischer Konsumvereine mit 277 505 Mitgliedern berichtet für das zweite Viertelsahr 1926 über ein« Umfatzsteigerung gegen die' gleich« Zeit des Vorjahrs um 19,9 Proz. auf 10 972 469 TO. Der Verband Thüringer Konsumvereine meldet für das zweite Vierteljahr des laufenden Jahres gleichfalls eine Umsatz- steigerung von 19,5 Proz. gegen dos zweite Vierteljahr 1925. Der Gesamtumsatz der berichterstattenden Vereine stieg auf 7 479 059 M. Di« weiteren in Aussicht stehenden Angaben der übrigen Reni- sionsverbänd« lassen gleichfalls Feststellungen über den unoiifha't- famen gesunden Ausstieg der dem Zentraloerbonde deutscher Konsumverein« angeschlossenen Genossenschaften erwarten. Trotz aN?:- offenen und versteckten Kampfes gegen die Konsumgenossenschafts- bc»>sgnng schreitet sie den Weg ihrer Entn>icklung.zu immer stärkerer wirtschaftlicher Bedeutung fort. Deulsch. japanisches Farbcnobkommen. Am 7. August ist das dcutsch-japanischc Farbenabkommen äbgeschlossen worden. Die Per. Handlungen zum Abschluß dieses Abkommens»»oren überaus schwierig und langwierig. Japan hat sich feit dem Krieg seine eie�ae Farbenindustrie aufgebaut, die es nun mit ollen Mitteln zoll- politisch schützen will. Es Hot zu diesem Zweck ein L i z e n z» s y ft e m geschaffen, dos sich zwar formell gegen alle Staaten, die für die Farbcneinfuhr nach Japan in Frage kommen, praktisch aber nur gegen Deutschloird richtet. Dos Abkommen bestimmt im wesentlichen, daß olle Forben, die Japan bereits selbst herstellt, zum großen T?:! nicht eingeführt werden dürfen: die übrigen Farben sind für die deutsche Emsuhr zum Teil frei, zum Teil kontingentiert. Mit dem Forbenabkommen ist nunmehr der Weg zum Abschluß des dcnifch- japanischen H a n d e l s n e r t r o g e s offen, über den bereits fe:t 1924 verhandelt wird. Der Dertrag ist so gut wie fertig: nur vcr- schieden« Einzelheiten tKonoentionsstrafen u. dgl.) müssen noch geregelt werden. Mit dem Abschluß kann bis zum Beginn des Herbstes gerechnet werden. Ausinn in der Berliner Telephonbronche, Die Telephonialn ik A.-G. vorm. I. Berliner beabsichtigt, die bekannte GeieUfcho-t für Funkentelegroxhie Dr. Erich F. H» t h. Gesellschaft für Funken- telegraphie m b. H., zu übernehmen. Die Verschmelzung der beiden Firmen soll in Form einer Uebernadme der Geschäftsanteile der Huth G. m. b. H. durch die Telephonfabrik A.-G. vor sich gehen. Durch die Uebernahme der Huth G. m. b. H. wird die Telephonfabrik in der Lage sein, ihre Produkte auf das Gebiet von Sende- a p p a r a t e n für die Funkentelegraphie zu erstrecken. Ein internationaler wareneinkaufslruft. Die bereits fest län- gerer Seit schwebenden Verhandlungen zwischen der Leonhard T i e tz A.-G. in Köln und der American Retailers Afso- c i a t i o n Inc., New Jork, einer Gruppe bedeutender ameri- kamscher Warenhäuser, haben nunmehr zum Kontraktabschluß zwischen beiden Gruppen geführt. Demgemäß»erden sich die beiden Konzerne in Zukunft gegenseitig im Einkauf vertreten. Neben diesem aus das omerikanisch-dcutfchc Warenhausgcschäst be- züglichen Ablommen läuft parallel noch eine weitere Vereinbarung mit den M a g a s i n s R- u n i» in Poris, die den gleichen Dertrag mit Wirkung für den französischen Markt unterzeichnet haben. Ein polnischer Holzexport-Konzern. Um den Holzexport Polen» zu fördern, und höhere Preis« für das polnisch« Material auf den Auslandsmärkten zu erzielen, ist ein großer Holzexport-Konzern gebildet worden, dem fast all« großen Industriellen und Holzexporteur« Polens beigetreten find. Di« Finanzierung der neuen Gesellschaft übernimmt die polnische Bank für Landwirtschaft. Da» neu« Unter- n-chinsn wird voraussichtlich schon am 1. Dezember 1926 sein« Tätig- teil ausnehmen können. Sozkalistlsche flrbektersugeuü Groß-öerlla. heule, Dienstag. 10. August: SUScttaflratfoWaft Utakai: Unfett taitige Eitzunz 6c(inal Vettt» ms 8H Uhr»llnktllch. Otfunbhnintcat©ottnbirtaet Str. L«srtras:.AhtraMHemhrr*.— ««nfftlb« vitrtcl! Ed«r«valder Str. 10 Limmer 12). Vortrag:..Rrlch»- vicfassuil�.— SAiiubttK I: Stuben». Tri« Houvtilraßr. vioiusston:..Reich». Verfassung�— Schöneberg n- Kauptftr. I». � v-rtraa:..vr-I-t-rlscht Feier. tagt.-» Salevlee: Ioachiin.Frirbiich.Str. 3S/86. Mitgltederverfaumilung. Sc». fasMaftUt.- Stcßli» Ii«ldrechtlir.<7. Vortrag:..Sie Zuge-binternatio. vale.—«eukiwn I: Sanber- Scke Sobrechtssraße. Diskussion:.-JagesBotiHf*. — KcsUIn IUI Si-gatftr. 53. vuguN.»ebel.«eb«nkfei«r.—»eioiSenborfOft: S-ebab. Ressdentssrabe. Bedeutung der Verfassung für dta vrdeitersch-ft. Lerbebezirk«essen: Genossen, welch« stch-VI Fackelgug der Partei da- teiligen wollen, treffen sich um W Uhr RudoIf.Wichc.PI-b. Werbebegirk»reuzderg: Jugendheim Belle�illianecPlab I. Susommen. Kruft von Genossen, die sich für die v-beit der Stoten Falken tnwcessjeren. Semeinsam« Sitzung mit den itlnderfr runden. Morgen. Mittwoch. 11. August: «aelsdorf: Achtung, wieder Druppenabend! Vortrag:..Volk«-», und Modetang".— Adlerebos: Mitgllederversornmkung TV4 Uhr Ztoonstr. 14. «I fällt die 6r!efkaften öer Reöaktlon. > des Verfasstmgslage» am Mittwoch, den 11. August, sttfche Sprechstunde aus. Sport. Hennen zu Ruhlebeu am Montag, den 9. August. 1. R« ti u e it. 1. Mary Guy fJ. Mill»), 2. Ida Palo»(B. Sickert), S. Etta volo I Eh. ZKill»). Toto: 7S: 10. Matz: IS. 21. 15: 10. Ferner liefen: Lanzette. Vikar, Millionär, Maria Halle, Harsenmädchen, Regen« bogen, Ehrenberg. 2. Rennen. 1. Frettchen fEh. MillS). 2. Etanai!« blau fH. Grube), Z. Tasna fM. RingiuZ). Toto: 33: 10. Platz: 18, 17. 13: 10. Ferner liefen: Zeitgeist, Denlmünze, Manfred, Heiderose B.. Prinzessin Etawah, Eabiac Äxworthtz. Konsul. Z. Rennen. 1. Nachtfalter(g. Mi II«), 2. verdun fH. Grube). S. Dain«ea(F. Echmidt). Toto: 27: 10. Platz: IS, 22. 31: 10. Ferner liefen: Manzanare«, Marne, Belwin, Blaumeise, Herostrat, Stella Hars, llltgold. ch-Nentte«. T Solonet BoSivort?/, Ild, asdaistag;>s tir»iszl-iipsiitiss t»; V-nrirti. Usissitrsh 1. uzqedn vsrta.üisulh istwoAntigstos norjem l'/jltbr du sidn. 5 Uh> amMndm tsistwi Verkäufe Lriterwegen. Schiaudi wagen. Schub- karren. Einselrädcr. Achsen, ssederr. Globus. Dresdenerstratz« 88. Moritzplg« 12738._* Teppiche, Diwandecken. Titdidecken. 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Arnstadt, Angsbnrg, Bamberg, Barmen, Benthe» 0.-8., Bielefeld, Bocbnm, Braunschwelg, Bremen. Breslan, Cassel, Celle, Chemnitz, Danzlg. Darmstadt. Dortmund, Dresden, Düsseldorf. Dnisborg, Elberfeld, Erlort, Essen. Frankfurt a. M., Fürth i. B., Oelsenkirchen, JÜL-Oladbacb, Qlelwitz, Görlitz. Gotha, Hagen I. W., Halle, Hamborg, Hameln, Hannover, Harburg. Heilbronn, Hlrscbberg, Kattowltz, Koblenz, KOln, Königsberg, Ko»- atantlnopel. Krefeld, Leipzig, Liegnitz, Lüneburg, Magdeburg, Mainz, Meißen. Mflhlhausen I. Thür., Mülheim-Rohr, München, Münster i. W., Nürnberg, Oberbansen, Reckllogbaosen, Regensborg, Remscheid. Reutlingen, Saarbrücken. Siegen, Solla, Stettin. Stuttgart, Trier, Ulm, Weimar, Wesermünde. Wies baden. Wflrzborg, bei den Filialen der Ocntsctaen Bank. außerdem in Düsseldorf bei dem Bankhause C. 0. Trinkens. . Frankfurt a. M.,„, Lazard Speyer-Elllssen, ,., Jacob S. H. Stern, ,.. Gebrüder Snlzback, , Hlldesbelm, der Hildesheimer Bank. . Köln,«fem Bankhause Deicbmann 4 Co., , Kottbo*. der Nieder laosltzer Bank Aktiengesetlacbaft . Mannbelm,, Rheinischen Credltbaok. , München., Bayerischen Vereinsbank, a Oldenburg,, Oldenborglscben Spar- und Leib-Bank. , Schwerin,_ Mecklenburgischen Depositen- and Wecbsclbank während der üblichen Geschäftsstunden. Zwecks Ausübung des Bezugsrechts sind die Mäntel der alten Aktien in Begleitung eines doppelt ausgefertigten Anmeldescheins mit Nummernverzeichnis, woiür die bei den Bezugsatellen ernälilichen Formulare zu verwenden sind, einzureichen. Der Bezug erfolgt bei der Deutschen Bank und ihren Niederlassungen sowie an den Schaltern der sonstigen Bezugsstellen provisionsfrei. Soweit hei letzteren die Ausübung des Be�ugsrechts nicht am Schalter erfolgt wird die übliche Bezugsprovision in Anrechnung gebracht Auf je RM 3000 alte Aktien können RM 1000 der angebotenen Aktien mit bhrldendenscbelnen für 1926 znm Kurse von 150% zuzüglich BOrsenumsatzsteocr bezogen werden. Bei Ausübung des Bezugsrechtes ist der Bezugspreis von 150% und die Börsenumsatzsteuer zu entrichten. Die Bezugsstellen sind bereit, den An- und Verkauf von Bezugsrechten zu vermitteln. Die zum Bezüge angebotenen Aktien sind ausgefertigt in Stück 4000 Urkunden über je 50 Aktien zu RM 100 und 20000 Urkunden über je 10 Aktien zu rm loa Gegen Rückgabe der von Bezugsstellen ausgestellten Kassenquittung über den vorgenommenen Bezug erfolgt die Aushändigung der Aktienurknnden nach deren Fertigstellung. Zur Prüfung der Legitimation dies Vorzeigers der Quittung sind die Bezugsstellen berechtigt, aber nicht verpflichtet. Berlin, im August 1926. Deutsche Bank Mlcbalovaky Paul MHlington-Herrmaiui einen flfcVer beaehcn Sic. wenn Sie unsere gllnstig» Angebot« versäumen! Gan! apartes Speisezimmer, engsischeo Büfett, 2>4 Meter, vollständig rund- Ssitentüren mit Maferflächen, große Rredtnv Innen Mahagoni, schwerer Auazuatisch. S Rindleder stühle. komplett 870,— Mark. Berliner Möbelhaus. 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