!tr. ZY2 ♦ 4Z. �ahrg. Ausgabe A Nr. 201 Bezugspreis. Wöchcntlich 70 Pfcnnlz, manafliiS B,— Reichsmark voraus»alilbac. linltt Ztreiudand für Dcutlchlan», itciuiia. Saar, und Memriardiet� Oelttcreich. Litauen, Lurembura 4,b0 Reichsmark, kür das llbriae Ausland WSO Reichsmark pro Monat. Ter.Vorwilrl,' mit der illustrier- te» Sonntagsbeilage.Volk und Zeit' towie den Beilagen.Unterdaltung und Wissen'..Aus der gilmweU", ».Frauenstimme'..Der Binder- trennd',„Iugend-Vorwärts' und ».Blick in die Bitcherwelt' erscheint irochrntäglich zweimal. Sonntags und Montags einmal. Telegramm-Adresse: «Sozialdemokrat verlin' Morgen ausgäbe Derliner VolKsvlerkt (lO Pfennig) Anzeigenpreise: Die einspaltige Nonpareille- »eile 80 Pscnnig. Reklame, eile d.— Reichsmark.»Blciae Anzeigen' das fetlacdrucklc Wort 20 Pkcnnia kzuliilstg zwei frttacdruck.'c Wortel, sedes weitere Wort 12 Plcnnig. Etellengesuche da- erste Wort 10 Pfennig, icdcs weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 10 Buch» siabcn»Stilen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 80 Pfennig. ssamilicnanzeiacn für Abonnenten Zeile<0 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer müsse» bis Vh Ul>r nachmittags im Kauptgcschiift, Berlin SW 08, Linden. sirasteO. abgegeben werden. Eeäfknct von 8lp lldr früh bis 0 Ubr nachm. Zcntvalorgan der Sozialdcmokratirchen parte! Deutfchlands Redaktion und Verlag: Serlin SW. b8, Linöenstraße Z Fernsprecher: Tönhoff 2»»— 297. Fortsetzung ües Hergarbeiterkampfes. Appell an die englische Regierung. London, 20. Augusl.(EP.) Der Dollzugsausschuß der vcrg- arbeller beschloß, der Regierung einen oussiihrlichen vcrichl über die gestrigen Verhandlungen mit den Grubenbesitzern zu überreichen, aus dem hervorgeht, doß die Schuld on dem Abbruch der Verhandlungen nicht aus selten der vergarbeitcr gelegen habe, valdwin ist ln London geblieben, um von diesem Bericht Kenntnis zu nehmen. Inzwischen haben einige Grubenbesitzer in Rottinghamshire und Derbyihire. die aus dem Arbeilgeberverband ausgetreten sind, den Arbeitern die Wiedercrössnung ihrer Gruben aus der Grundlage der Löhne vor dem Streik und des 7,'l!stündigen Arbeitstages vor- geschlagen. Tin Teil der Arbeiter hol sich damit einverstanden erklärt. jedoch hoben seil der vor etwa sechs Wochen ersolglcn Der- össentlichung der Arbeitgeberbedingungea nnr etwa süns Prozent der Arbeilcrschasl die Arbeit wieder ausgenommen.— Die Bergarbeiter- delegiertcn sind in ihre Bezirke zurückgekehrt, was allgemein als ein Zeichen für die Fortsetzung des Kampfes betrachtet wird. vor der Abreise erklärten sie, wenn die Arbeitgeber ihre Haltung nicht änderten, werde der Streik noch mindesten» zehn Wochen douern. Aufruf See Generalrats. London, A. August.(WTB.) Der Gencrolrot des Kon- gresscs der Gewerkschaften und der Bergarbeiteroerband veröffent- lichen zusammen einen Aufruf für Geldsammlungen zur Unter- ßützung der streikenÄen Bergarbeiter. Ein britischer tzorthp-Gehilfe. Proviftonsnchmcr beim Gcsandtschaftsgcldraub. In einer Verhandlung des Londoner Bantrott-Gerichts vom 21. Juli 1926 gegen Ellis A s h n e a d Bartlett, Journalist und gewesenes konservatives Unterhausmitglied für hamniersmith-Lon- don, kam es zu Feststellungen, die wieder einmal Licht auf Vi« inneren Vorgänge in der ungarischen Gegenrevolution nach der Rätediktatur von 1919 Wersen. Während des öffentlichen Ver- hörcs des Schuldners wurde sestgestellt. daß er in jenem Jahr als Spezialberichtcr-statter des„Daily Telegraph" nach Mitteleuropa gesandt wurde, nach drei Monaten aber seine Aufgabe im Stich ließ, um eine aktive Rolle in der Gegenrevolution zu spielen. Als Entgelt für feine Dienste in der Organisatilpi und besonders für seine Hilfe bei dem Diebstahl eines großen Geldbe- träges in der Wiener Gcsondschaft der Roten Regierung, der den Konterrevolutionären zufloß, erhielt er von diesen eine Provision von 19 Proz. der Summe, 19 999 P f u n d I Die Berösfentlichungen über diese Tätigkeit Bartletts, die die Wiener Zeitung„Der Abend" vor ungefähr einem Jahr vornahm, waren eine der Hauptursachen seines Nieder- ganges und des folgenden finanziellen Zusammenbruchs. So wird longsam ein Schleier nach dem anderen weggerissen van der Gc- schichte jener Tage und die Methoden, die die gegenwärtigen Herren Ungarns verwendeten, um sich zur Macht emporzuschwingen, cnt- hüllt._ vöikerbunüsmitglieüer im Kriegszuftanö. Polen und Litauen. Warschau. 29. August.(Eigener Drahtbericht.) Außenminister Z a l e w s k i erklärte zur polnisch-litauischen Frage dem Vertreter einer Wiener Zeitung:„Die vorige litauische Regierung hat sich in ihrer Politik lediglich von nationalistischen Gefühlen leiten lasten. Das hott« eine fast völlige Isolierung Litauens auf dem Eebiere der internationalen Politik zur Folge. Alle Gerüchte über eine Regelung der polnisch-litauischen Streitigkeiten auf dem Wege territorialer Zugestöndnisse entbehren jeder Grundlage und er- schweren, nur eine eventuelle Verständigung. Litauen wird früher oder später seine bisherige Politik Polen gegenüber im eigenen Interesse ändern müssen. Ein Zustand, wie er gegenwartig zwi- schcn Polen und Litauen besteht, nämlich, daß Litauen sich als mit Polen im Kriegszustand befindlich betrachtet, kann zwischen zwei Völkerbunds Mitgliedern auf die Dauer nicht bc- stehen." Am Schluß betonte der Minister, daß die Nachrichten über beabsichtigte polnische Gewalt maßnahmen gegen Litauen 1 a l s ch seien. Tie Polonisierung Wilnas. wilna, 29. August.(06.) Die polnische Regierung will Ar- peitslose aus L o d z im Wilnagebiet ansiedeln. Sowohl die Weiß- rüsten als auch die Litauer des Gebiets sind dadurch sehr erregt; pc fordern olle etwaigen Landanweisungen für die e i n h c i m i s ch c n Kleinbauern. Polens neue Heeresleitung. wirschau. 29. August.(Eigener Drohtbericht.) Die Organisation pes G e n e r a l i n s p e k t o r o t» der Armee, mit der Marschall Pk�udjti sich in den letzten Tagen befaßte, wird demnächst abgeschlossen werden. Der neuen Institution werden 12 Generäle angehören, die sich am 23. d. M. in Warschau bei Pilsudski einfinden sollen. Arankrcirlz liefert Bombenflugzeuge. Basel, 29. August.(Schweizerische Depeschcnagcntur.) Im Baseler Flughasen landete ein außerordentlich großes Bombenflugzeug, das gleichzeitig mit einem anderen gleichen Apparat von Paris nach Warschau fliegt. Den beiden Flug- zeugen werden noch zwölf weiter« folgen, die in Frankreich für die polnische Armee gebaut werden. Amerika und üas lVeltfchieösgericht. Bölkcrbundsbcratung der Borbchaltc. Gens, 29. August.(Eigener Drohtbericht.) Die Regierung von Venezuela hat ihr Teilnahme zu der am 1. September be- ginnenden Konserenz zur Beratung der Vorbehalte der Bcr- einigten Staaten für ihren Beitritt zum Jntcr- nationalen Gerichtshof angemeldet. Die Anmeldung Venezuelas ist neben derjenigen Kanadas die einzige aus dem amerikanischen Kontinent. Man empfindet diese Zurückhaltung der amerikanischen Staaten hier etwas peinlich. Im ganzen sind bisher 24 Anmeldungen eingegangen. Diese Zahl wird sich noch steigern, da eine Reihe von Regierungen ihre Anmeldungen erst mit derjenigen ihrer Delegation zur Völkerbundsversammlung anzeigen werden. Daher erscheint es nicht ausgeschlossen, daß die Konferenz zwar am 1. September programmäßig eröffnet werben und sich konstituieren wird, ihre sachlichen Beratungen ober erst während der Völkerbundsversammlung sühren, jedenfalls ober sie erst dann abschließen wird. französische parteikritik. Schreiben der Opposition an die Parteileitung. Paris, 29. August.(Eigener Drahtbericht.) Eine Anzahl Ab- geordnete und sonstige Führer der sozialistischen Partei haben an die pcrnianentc Verwaltungskommission der Partei ein Schreiben gerichtet, in dem sie zu verschiedenen Problemen, die gegenwärtig die Partei bewegen, Stellung nehmen. Sic verteidigen, entgegen dem Beschluß der Verwaltungstommission, die Haltung Paul Boncours in Genf ebenso wie die Tätigkeit des Völkerbundes überhaupt, dem-zahlreiche andere Führer der internationalen Arbeiterbewegung angehörten. Uebrigens habe nur ein Ratio» nalkongreß der Partei dos Recht, über den Fall Boncour zu entscheiden. Was die Partcitätigkeit selbst anbelangt, so bedauert der Brief, daß die sozialistische Partei sich zu einer systematischen Politik der Enthaltung bekannt und sich geweigert habe, in eine Regierung einzutreten. Auch für diese Frage sei ein Kon- greh notwendig. Der Brief protestiert dann gegen den Anspruch der Verwaltungskommission, als„oberstes Direktinns- organ" aufzutreten. Die Parlamcntsfraktion miiise daneben das Recht haben, für gewisse außergewöhnliche Fälle ihre eigene Eni- schcidung nach eigenem Gutdünken zu trefsen. em fron- zösischen Gesandten D a r d keine allzulose war. Der genannte Graf Bothmer wirkte hier ebenso eifrig mit wie der Gründer der Bayerischen Bolkspartei Dr. Heim. Es ist geradezu erstaunlich, welche Geldmittel der Bewegung allerorts zur Verfügung standen, wie aus der umfangreichen Agitation und aus den Prcsseunternehmungen der Separatisten hervorgeht. Konnte sie sich dach sogar ein groß aufgezogenes Telegraphen- und Korrespondenzbiireau in München leisten, das im Hause des englischen Konsulats untergebracht war und in dessen Aufsichtsrat neben dem Fürsten v. L ö w e n st c i n auch der bekannte Freiherr v. K r a m e r- K l c t t saß. Es war wohl nur ein Zusail, daß dieses Bureau streng vertrauliche, aber immerhin nicht undcdeutsame Aufzeichnungen des früheren bayerischen Kronprinzen Rupprecht veröffentlichen konnte. Die separatistischen Zentren standen untereinander in Verbindung, unterstützten sich auch gegenseitig in der Agita- tion. Sa wirkte Dr. Heim für Dorten, der sich mit dem Grafen Bolhmer erst etwas überwarf, als die gräflichen Spesenrechnung mit Rücksicht auf die„Standesgemäßheit" des hochgeborenen Herrn zu hoch wurden. Auch die hessische tentrale mar nicht ohne Verbindung mit Dorten— auch die Belsen nicht. Einmol versuchte man es sogar mit einem „großen" Kongreß, zu dem ein halbes Dutzend der Wort- führer erschienen war, unter denen der sattsam bekannte Diplomingenieur Ballerstcdt aus München die radikalsten Töne anschlug. Damit sind die Zusammenhänge nicht erschöpft. Am Vorabend des Kapp-Putsches wurde von der Dortenschen Villa in Wiesbaden aus ein Ferngespräch geführt, in dem davon die Rede war, daß die Geldmittel bereit seien und in Berlin zur Verfügung stünden. Nun wäre man versucht, einzuwenden, daß es sich hier um Betrachtungen handle, die nur historischen Wert besitzen. Ein solcher Einwand ist aber nur bis zu einem gewissen Grade stichhaltig, denn diese staatszerstörenden Bestrebungen sind noch lange nicht verschwunden: ihre wirklich erkennbare Spitze richtet sich eben gegen diesen Staat, gegen die Republik. Die separatistisch-partikularistische Bewegung dient mehr oder weniger verhüllten monarchistischen Zie- len— und deshalb hat sie aktuellste Bewertung, weil hier Brücken geschlagen wurden, auf denen sich die ganze mon- archistische Vorhut in Deutschland trifft. Unnöiig zu sagen, daß dieses hartnäckige Treiben größere Beachtung verdient wie die politischen Kindereien und Tiraden der 5)itler, Luden- dorsf und Konsorten. Letzten Endes ist dos der Boden, au� dem die staatsverneinenden Geheimverbände und die Feme gedeihen. Denn faktisch hatte gerade Bayern bereits vor Aufstellung der Schwarzen Reichswehr seine militärisch organisierte Brigade Eck, mit dem Löwenkopf auf dem Aermel, Leute, die gegen alles Mögliche kämpfen und die ganze Welt siegreich schlagen wollten. Ta.'sächlich handelte es sich um nichts anderes als um eine Vereinigung der Ossi- zicrskaste mit den Monarchisten, welche beide ein Machtin st rument zur Durchsetzung ihrer politischen Ambitionen schaffen wollten»nd wollen. Roch sind die letzten treibenden Kräfte nicht aufgedeckt, ja es ist zu fürchten, daß dieses mühsame Werk auch dem Unter- suchungsausschuß bei der passiven Resistenz gewisser Kreise,- deren Pflicht es eigentlich wäre, alles zur Auftlärung zu tun, nicht gelinat. Eine schwere Aufgab« hat der Untersuchungsausschuß in Bayern zu lösen; er wird den Kreis der Vernehmungen welker dehnen müssen, wenn er dieser seiner Aufgabe gerecht werden will. Es wurde versucht, Wege zu weisen, denn, wenn auch das Verfahren vor dem Untersuchungsausschuß dem gerichtlichen Verfahren angeglichen ist, so darf er sich doch nicht nur auf eine Nachprüfung oder auf eine Ergänzung des gerichtlichen Aktenmaterials beschranken. Das Gericht hat sich mit der juristisch-kriminellcn Seite zu beschäftigen: nach der Richtung liegt eine res sucticatu vor. Der Unter suchungsausschuß hat sich mit der politischen Seite zu beschäf tigen: seine Aufgabe ist es, die Zusammenhänge aufzuklären, die tiefften Ursachen, die treibenden Kräfte zu erforschen. Seine Tätigkeit dient, wenn sie Sinn haben soll, der Staats- erhaltung: deshalb ist jeder Versuch, diese Tätigkeit zu stören, selbst wenn er vom bayerischen Justizminister unternommen wird, staatsverneinend. Der Regierungspräsident des bayerischen Regierungsbezirks Unterfranken hat sich bei Aus bruch der Revolution mit einem Aufruf an die Bevölkerung gewandt, in dem er unter Hinweis auf den Umsturz kategorisch erklärte:„So etwas machen wir nicht mit." Sie machten es doch mit, mußten es mitmachen. Daß Bayerns Justizminister auch jetzt noch nicht mitmachen will, ist von seinem Stand- punkt aus verständlich—, aber sie müssen mitmachen, wenn nicht die Magdeburger und die Münchener Justiz die deutsche Justiz und Recht und Gerechtigkeit überhaupt um den letzten Rest von Ansehen bringen sollen. Gegen politische Justiz. Kampf bcS„Bayerischen Kuriers" gegen bayerische Tcndcnzurteile. Der„Bayerische Kurier", das Münchener Qsgan der Bayerischen Volkspartei, setzt seine Kritik an ausgesproche- nen Tendcnzurteilen bayerischer Gerichte fort. In diesen Tagen wurde ein Münchener Kammerjäger, der aus Unvorsichtigkeit eine schwere Explosion verursacht hatte, oer- urteilt. Dem Verurteilten waren als st r a f e r s ch w er�e n d e Umstände in der Urteilsbegründung der hohe Grad von Fahrlässigkeit und die schweren Folgen des Un- glucks angerechnet worden. Der Antrag auf Bewährung s- frist wurde abgelehnt, da der Vollzug der Strafe im öffentlichen Interesse liege. Hierzu bemerkt nun der„Bayerische Kurier": „Einige Jahre vorher, im November ISA. ist in München eine andere„Explosion" erfolgt, bei der der Vorsatz und die Verstocktheit des Täters außer allem Zweifel stand und bei der die Folgen noch ungleich schwerwiegender waren. Damals war weder von den furchtbaren Folgen des Un- glucks, noch von der Vorsätzlichkeit des Tuns, noch von dem öffent- lichen Interesse am Vollzug der Strafe im Urteil die Rede und die Bewährungssrist wurde ohne weiteres zugebilligt. Liegt nicht objektiv und der sachlichen Tragweite nach in der heute gefällten gerichtlichen Entscheidung eine Kritik an der damaligen, wie sie vernichtender kaum gedacht werden kann?" Unverkennbar steht hinter der Kritik, die der„Bayerische Kurier", das Organ der stärksten Regierungspartei in Bayern übt, die Absicht, Distanz zu nehmen zu tendenziösen Hand- lungen der bayerischen Justiz aus den Zeiten der Einwohner- wehr und der Hitlerei, die einfach nicht zu verteidigen sind. Diese Handlungen aber, von denen das bayerische Organ abrückt, geschahen unter einem Regime, unter dem, wie noch heute, Herr Dr. Gürtner bayerischer Justizminister war. Seamter unü �ugenberg-Neöatteur. Die Personalunion des Herrn Kußmann. Herr Kußmann, bekannt als Staatsanwalt aus der Voruntersuchung gegen Barmat, ist avanciert. In seiner Bcamteneigenschaft ist er zwar noch immer Assessor, als Privatmann ist er Angestellter des Hugenberg- Verlags in der Redaktion des ,L o k a l- A n z e i g e r" geworden. Die Oeffentlichkcit kann seine kommenden geistigen Erleuchtungen unter dem Namen„W o l t e r" lesen. Die Führung von Kriegsnamen hat er von Herrn K l u g e-K n o l l gelernt. Die Tätigkeit des Herrn Kußmann in seiner neuen Position begann mit einem längeren Urlaub unter dem Stichwort„Ermittlungsreise". Die Personalunion zwischen Staatsbeamten und An- gestellten der Hugenberg-Presse in der Person des Herrn Kußmann ist sehr interessant. Sie zeigt ganz deutlich die Zusammenhänge zwischen der Presse des Ober- Putschisten Hugenberg und gewissen Justiz- kreisen. Das Justizministerium wird sich mit dieser Perso- nalunion befassen müssen. Herr K u ß m a n n scheint selbst berechtigte Zweifel an der Fortsetzung seiner Beamtenlaufbahn zu haben. Für den Journalistenstand ist es keine Bereicherung, wenn ein moralisch gescheiterter Beamter sich in die Jounalistik flüchtet. Ehrhardt an Mahratm. Nationale Männer untereinander. Kapitän Ehrhardt veröffentlicht nachstehende Antwort an den Hochmeister des Jungdeutschen Ordens, Mahraun: „Sehr geehrter Herr Mahraun! Sie haben es für nötig gehalten, im„I-ungdeutschen" Nr. 192 mich und mein Arbeits- Programm anzugreifen,«in Recht, das ich Ihnen nicht bestreite. Ich habe selbst kein« Zeit, mich mit Ihren Ausführungen zu be- fassen, halte es auch nicht für erforderlich. Nur eine Feststellung: Sie haben mit Ihrem Artikel gegen mich und meine Arbeit in einem großen Teil der international» jüdisch-marxistischen Presse Beifall gefunden, in der- selben Presse, die mich und die vaterländischen Verbände von jeher scharf bekämpft. Dies ist für mich des Beweises genug, daß mein Weg richtig ist. Dem gesunden Verstand unserer jungen nationalen Männer überlasse ich das Urteil selbst. Gehen Sie Ihren Weg, Herr Mahraun, ich gehe grab- linig den meinen. Mit vorzüglicher Hochachtung. gez. Ehrhardt." Der Weg des Herrn Ehrhardt ist allerdings gradlinig. Ein Meineid ist nur eine ganz kleine unbedeutende Ab» weichung._ �ochverratsverfahren gegen Elaß. Abschluß der Voruntersuchung. Leipzig, 20. August.(BS.) � Wie wir aus sicherer Quelle er- fahre», ist die Voruntersuchung gegen Justizrat Claß wegen Hochverrats jetzt abgeschlossen und die Akten sind der Reichs- o n w a l t s ch a s t zur Prüfung und Beschlußfassung zugeleitet worden. Ursprünglich lief das Verfahren unter dem Rubrum „Claß und Genossen", und zwar erstreckten sich die Er- mittlungen auch auf Major a. D. o. S o d e n st e r n. Oberst a. D. v. L u ck und Oberst a. D. K n a u e r. Bekanntlich nahm das Ver» fahren seinen Ursprung in den Haussuchungen bei rechts- gerichteten Führern und den Leitern des Wiking und des Sport- Vereins Olympia, welche Organisationen dann später für Preußen verboten wurden. Wie erinnerlich wurde bei Oberst o. Luck auf dem Schreibtisch ein„A u s m a r s ch p l a n" gesunden, dessen Ver- ässer Oberst Knau er war. Gegen die vier Genannten, wurde die Voruntersuchung wegen Hochoerrats eingeleitet, und die UWersuchung dehnte sich auch auf eine Anzahl Großindustrieller aus. Im Verlaufe des Verfahrens wurde die Ermittlung aber gegen alle Be- teiligten mit Ausnahme von Iustizrat Claß eingestellt. Ob gegen ihn allein Anklage wegen Hochoerrats erhoben werden wird, hängt von der Entscheidung der Rcichsanwaltschaft ob. In diesem Fall würde die Hauptoerhandlung nach der Auflösung des Staats- gerichtshofes zum Schutze der Republik vor den zuständigen Strafsenat des Reichsgerichts kommen. die„Stahlheltn'-Feltstheift verboten. Erhebung der Anklage bald zu erwarten. Die Wochenschrist„Der Stahlhelm" ist aus A n o r d n u n g d c» preußischen Innenministers von dem stellvertretenden Oberpräsidenten der Provinz Magdeburg wegen des bekannten hoch- verräterischen Artikels auf sechs Wochen verboten worden. Die gerichtliche Loruntersuchung gegen den verantwortlichen Redak- teur, der jetzt das Opfer einer Zuschrift von einem bekannten Politiker aus Hannover zu spielen versucht, nimmt in- zwischen ihren Fortgang. Die Erhebung der Anklage ist bald zu er- warten, da der Tatbestand völlig klar liegt. Ahm Schutz der Republik. Verbot der„Grciffcnbcrger Nachrichten". Breslau. 20. August.(WTB.) Der Oberprösidcnt der Provinz Niederschlesien hat die in Löwenberg in Schlesien erscheinenden „Greiffenberger Nachrichten" auf Grund des§ 21 des Gesetzes zum Schutze der Republik vom 21. Juli 1922, Reichsgefctz- blatt Teil I Seite S85(Herabwürdigung der verfassungsmäßig fest. gestellten republikanischen Staatssorm Preußen» durch Beschimpfung von Mitgliedern der republikanischen Regierung Preußens) a u f d i e Dauer von drei Wochen und zwar vom Donnerstag, den 19. August bis Mittwoch, den 8. September einschließlich verboten. Rechtskräftiges Stahlhelm-Urteil. Das Reichsgericht bestätigt das Braunschwciger Urteil gegen Stölzel. Leipzig. 20. August.(Eigener Drahtbencht.) Der Ferienstraf. scnat des Reichsgerichts beschäftigte sich am Freitag mit der Revision des Landesschulrats Genossen Dr. Ernst Stölzel, der vom Land» gericht in Braunschweig als Berufungsinstanz am 4. Juni d. I. wegen einer Bagatelle zu einem Monat Gefäng- n i s verurteilt worden war. Stölzel hatte für eine Dienstreise II. Klasse liquidiert, die Reise aber in der III. Klasse zurückgelegt. Im erstinstanzlichen Urteil war Stölzel auch die Führung eines öffentlichen Amtes auf zwei Jahre aberkannt worden. Dieser Spruch wurde jedoch von der Berufungskammer fallen gelassen. Die zweite Anklage stützte sich lediglich auf Denunziation politischer Intriganten. um Stölzel als Sozialdemokraten im Amte unmöglich zu machen. In der Hauptoerhandlung machte der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. E y k- Berlin besonders prozessuale Rügen gellend und wies auf das Fehlurteil der Lorinstanz hin. Es sei gerichtsnotorisch fest» gestellt, daß auch in anderen Ländern, wie z. B. in Thüringen, Beamte und juristische Personen wiederholt II. Klasse berechneten, jedoch III. Klasse fuhren. Er beantrage die Aufhebung des Urteils und die Zurückverweisung der Sache an ein andere» Gericht. Der Reichsanwalt verlangte die Verwerfung der Revision. Der Senat schloß sich dem Urteil der Vorinstanz an und oerwarf die Revision des Angeklagten. Das Rufwertungs-volksbegehren. Der Sparerbund vor einer Enthüllungskampagne? Nach Informationen von mehreren Seiten beabsichtigt der Sparerbund, nach der Ablehnung seines Antrages, ein Auf- wertungs-Volksbegehren zu veranstalten, in einer Reihe von Ver- sammlungen, Publikationen usw., Enthüllungen über die Finänz'gebarung zählreichcr politisch hervor» ragender Persönlichkeiten zu machen. Der Zweck dieser Angriffe soll der Nachweis der Berechtigung der Auswertung�- forderung und die Einleitung von gerichtlichen Unter- suchungen gegen die Beschuldigten sein. Wie wir dazu hören, sind den zuständigen Stellen der Reichsregierunz dies« Absichten bekannt, und man will, wie der„Reichsdienst" schreibt, dafür Sorge trogen, daß durch einseitige Berichterstattung„keine Ruhestörungen oder Verhetzungen" stattfinden können. Umwälzungen in der Radiotechnik. Von Fritz Winckel. Die �bevorstehende Dritte große deutsche Funkausstellung, die größte Fachausstellung der Welt, ist dieses Jahr von ganz be- sonderer Bedeutung, da auf ihr zum ersten Male die Erfindung der Mehrsachröhre gezeigt wird, deren Auswirkungen gegenwärtig in ihrem Umfang gar nicht abzuschätzen sind. Bisher benutzte man zum Rundfunkempsang einen Detektor- Apparat oder einen Röhrenapparat. Ersterer Empfänger enthält einen Kristalldetektor, um die ankommenden hochfrequenten Wellen gleichzurichten, d. h. um sie hörbar zu machen. Ein solcher Apparat ist nur bis zu einer Entfernung von 30 Kilometer vom Sender zu gebrauchen, da seine Lautstärke zu klein ist. Stärkeren Empfang erhält man mittels eines Röhrengerätes, das als Detektor eine Lampe, Audion genannt, enthält. Um jedoch einen Lautsprecher zu betreiben oder die Aufnahme entfernter Sendestalionen zu ermög- lichen, müssen zu der Audionröhre noch mehrere Lampen zur Ber- stärkung hinzugcschaltet werden. Die neue Erfindung gestattet nun Lautsprecherempfang mit einer Röhre, und zwar mit einer, die die Wirkung von drei Lampen in sich vereinigt. Sie unterscheidet sich von den bisherigen dadurch, daß sie etwas größer ist und im Innern komplizierter aussieht, ferner eine Verstärkung von 25X25X5=- 3000 aufweist: sie beansprucht zur Heizung und Anodenspannung nicht mehr Strom als eine gewöhnliche Röhre, rnd der gesamte Empfänger ist nicht teurer als ein normaler Audion- Apparat. Die Konstruktion der Mehrfachröhre der Radio-Frcquenz G. m. b. H. ist von M. o. Ardenne, der auf dem Funkgebiet breeits bekannt ist, von Dr. Loewe und anderen Ingenieuren ermittelt worden. Da auch die Bedienung des Apparates sich außerordentlich ein- fach gestaltet— es ist nur ein Handgriff nötig— wird bald die Mehrzahl der Rundfuntabonnenten vom Kopfhörer- zum Laut- sprechercmpfang übergehen, und die Besitzer all der großen, kompli- zierten Röhrsnapparate werden nunmehr wieder zu einfacheren Schaltungen zurückkehren. Künftig wird man auch den Radio- apparat, der nicht großer als eine mittlere Zigarrenkiste ist, mit auf die Reise nehmen können, was bisher wegen seiner Größe und seiner Empfindlichkeit schlecht möglich war. Er darf auch ahne Gefahr von Kindern bedient werden, denn er kann dank seiner äußeren Ge- schlosienheit nur mit Gewalt zerstört werden. Zieht man noch in Betracht, daß die Eröffnung des ersten Vildsunksenders in Witzleben bevorsteht, ferner d'ie Erfindung von unzähligen kleineren Neuerungen, darunter das Netzonschlußgeröt, das den Anodenstrom aus der Lichtleitung zu nehmen gestattet, oder ein Empfänger, del vollkommen unsichtbar in eine Ständcrlampe zur Platzersparnis eingebaut ist, dann kann man mit Recht be- haupten, daß das Rundfunkwesen wieder an einem Wendepunkt angelangt ist und künftig ganz andere Wege als bisher betreten wird. Dos letzte Autodafe vor Ivo Jahren. Am längste», bis ins 19. Jahrhundert hinein, hat sich die Inquisition im Lande Torquenra- das, in Spanien, erhallen. Nachdem sie dort Napoleon vorüber- gehend aufgehoben hatte, lebte si« mit der Rückkehr der spanischen Dynastie wieder auf. Unter Ferdinand VII. wurde 1814 von neuem ein Glaubensg«richt mit dem Sitz in Valencia und mit vom G«neral> vikar Torranzo als Präsidenten gebildet. Das Verfahren entsprach dem der alten Inquisition. Das letzt« Todesurteil, das dieses Gericht fällt«, wurde 1828 an dem Katalonier Ripoll wegen Deismus, Leug- n:mg der göttlichen Natur Christi und der Offenbarung, vollzogen. Am Hinrichtungstaae waren alle Heiligenbilder mit Schleiern ver» hüllt. Die.Bruderschaft der Büßenden schritt dem Zuge voran, in dessen Mitte Ripoll aus einem Esel ritt. Neben ihm trug man«ine Tonne, die mit Flammen und Teufeln bemalt war. Der Galgen stand zwischen.zwei Kreuzen, die jedoch fortgenommen wurden, als der Delinqunet auf dem Richtplatz anlangt«. Wöhrend der Hin- richtung brannten links und rechts des Galgens Holzstöße, so daß es den Anschein hatte, als ob Ripoll verbrannt würde. Di« Leiche wurde fodann in das Faß getan, im Guadalquivir«inigemale unter- getaucht und schließlich in ungecveihter Erde oerscharrt.— Erst 1834 erfolgte aus Drängen des erregten Volkes die endgültige Aushebung der Jnquistitionsgerichle auch in Spanien. Geistige Förderung der Sinder bei Schulwanderungen. Der Preußische Minister für Wissenschast, Kunst und Volksbildung ver- öffentlicht eine Bekanntmachung, aus der der Amtliche Preußische Pressedienst folgendes mitteilt: Die heimatlichen Wanderungen, auf die die Richtlinien stir die Grundschule und die oberen Jahrgänge der Volksschule nachdrücklich Hinwelsen, oerfehlen teilweise noch ihren Zweck, da sie vielfach noch ganz wähl- und ziellos lediglich im Dienste der körperlichen Erholung erfolgen, ohne für die geistige Förderung der Kinder in rechter Weise ausgenutzt zu werden. Es fehlt fast überall an einem festen Plan, der die Wanderungen im Interesse des Unterrichts auf die einzelnen Schuljahre oerteilt und eine wirklich systematische Durchwanderung der Umgebung des Heimatortes er- möglicht. Es wird daher angeordnet, daß jede Schule einen auf ein oder mehrere Jahre oerteilten Wonderplan für geologisch-geogro- phischo Heimalwanderungen, für naturkundliche Spaziergänge. Be- suche denkwürdiger Stätte» und Bauten und landwirtschaftlicher und gewerblicher Anlagen ausstellt. Die Bestimmungen der oben ge- nannten Richtlinien bezüglich der Wanderungen sollen sorgfältig be- achtet werden: besonderer Wert wird auf die unterrichtliche Aus- wertung der Schulausflüge nach entsprechender gründlicher Vor- bereitung gelegt. Ein Wald au» einem einzigen Baum. In Indien kommen Wälder vor. die vielleicht die eigenartigsten Wälder sind, welche die Erde trägt. Trotzdem sie einen gewaltigen Umfang haben und oft mehrere Tausend von einzelnen Stämmen ausweisen, sind es tat- sächlich Wälder, die nur aus einem einzigen Baum bestehen, denn olle diese Stämme, die den Eindruck erwecken, als ob es sich um aanz neue Bäume handelt, sind in Wirklichkeit nur von dem einen Daum als Stützen ausaesandte Wur.zelarten, die sich in der Erde scstgraben und die Gestalt eines Baumes annehmen. Dieser seit- some Baum, der sich ollmählich zu ganzen riesenhaften Wäldern auswächst, ist der feit alter Zeit berühmte und von märchenhaftem Zauber umwoben« Banyan-Baum(Lkus indica), der so ungeheure Maße annimmt und nicht nur In die Breite, sondern auch gewaltig in die Höhe wächst, wie ein Bild im„Stein der Weisen" in glän- zender Weise darlut. Von diesem Baum kommt Kautschuk und Gummilack: seine Früchte kann man essen und Bastfasern lassen sich aus dem Baum gewinnen. Aber das Interessanteste an ihm ist die Art seines Wachstums, die hier näher beschrieben werden soll. Er entwickelt eine riesige Krone mit weiten, vielverzweigten Aesten, die über Hunderte von Metern in wagerechter Richtung auseinander- treiben und eine Unmenge von Luslwurzelu nach unten entsenden. Diese Luftwurzeln erreichen den Boden, dringen in ihn ein und stützen so die Aeste, von denen sie ausgegangen sind. Sic werden schließlich zu dicken Stämmen und man kann, wenn man will, einen solchen Wurzelstamm mit dem dazugehörigen Kronenteil aus dem ganzen Bestände herausnehmen. Schließlich sind die aus den Lust- wurzeln entstandenen Stämme so stark und so zahlreich, daß man par nicht mehr unterscheiden kann, welches der Hauptstamm gewesen ist. Aus einem Stamm ist infolge der Luftwurzelbildung ein ganzer Wald entstanden, der aus Tausenden von Stämmen bestehen kann, mit einer einzigen, durcheinandergewachsenen, verworrenen Krone. Schon die alten indischen Geschichten erzählen von solchen Wäldern. die aus einem einzigen Stamm entstehen, so ausgedehnt, daß ein ganzes Heer darunter lagern kann. Lebensdauer und Körpertemperatur. Der bekannte Physiologe Jogues Loeb hatte bei seinen Versuchen mit Seeigcleiern festgestellt. daß die Erniedrigimg der Umweltstemperatur und damit der Eigen- tcmperatur der Eier um jeden Grad Eelsius die Lebensdauer der Eier verdoppelt. Dr. Rosenseld weist nun darauf hin, daß. die Normaliemperatur des Menschen von 37 bis 37.4 Grad auf 30 bis 36,9 Grad gesunken ist. Mit dieser Tatsach« bringt er»ach der „Klinischen Wochenschrift" die Erhöhung der Langlebigkeit der jetzigen Generation in Zusammenhang. Die Zahl der Ueberachtzia- jährigen hat sich bei jeder Volkszählung seit 1875 vergrößert und ist trotz des großen Absterbens alter Leute im Krieg» auf 151 Prcvz. der Zahl von 1875 gestiegen. Da alle Lebensverhältnisse seit zwölf Iahren schlechter geworden sind, sind andere Verhältnisse der Umwelt als Ursache für die ersichtliche Lcbensoerlängerung nicht so wahr- schemlich wie diese Veränderung der Körpertemperatur.(?) Der Kamps gegen den Tabak. In dem Großstaat des Alkohol- Verbotes, Amerika, gewinnt jetzt auch der Kampf gegen ein anderes Gift, das Nikotin, an Heftigkeit. Eine Universität in Massachusetts hat den weiblichen Studierenden das Rauchen irntersagt. Solana« die Studentinnen die Universität besuchen, so heißt es in der An- staltsordnung, wird ihnen der Tabakpenuß streng untersagt. Schon bei der Immatrikulation wird Umen das Ehrenwort abgenommen, weder zu rauchen noch gegen dieses Verbot zu agitieren. Eine Uebertretnng des Rauchverbote« wird unnachsichtlich mit der Rele- gation bestraft. von den lielnkordl-vühr.en Deutsche T b e a t er eröffnet die WintcrivicljeU anläglich des 70. Geburtstages von«ernard Sbaw mit „AndrokluS und der Löwe.' Die Roll- des.AndroNuS' spielt Kurt«ötz. der biermit seine Tätigkeit an den Reinhardt-Bühnen beginnt. Regte sllbrt (S tich»ngel. Die Premiere findet am 2. September statt. Republitanerblock in Italien. Die neue Partei im Werden. Aum Toöe Nehlichs. Beileidstelegramme der Regierungen. Der R e i ch s a r b e i t s m i n i st e r hat an die Hinterbliebenen des Reichs- und Staatskommissars M e h l i ch in Dortmund folgende Drahtung geschickt: „Auf das tiefste ergriffen über das trogische Ende Ihres Vaters spreche ich Ihnen und Ihren Geschwistern meine aufrichtigste Teil- nähme aus. Durch unermüdliche erfolgreich st e Tätig- keit in schwer st enZeiten und Unparteiischesselbst- loses Wirken hat sich der so früh Dahingeschiedene bleibende Verdienste um Ruhrgebiet, und Reich erworben, unser aller auf- richtigsten Dank gesichert. Sein Wirken wird unvergessen bleiben. Möge Ihnen der Allmächtige Kraft verleihen, das schwere Leid zu ertragen, das so unoermittelt über Sie und die Ihrigen hereingebrochen ist.* » Wolfss Telegraphenbureau schreibt zum Tode Mehlichs: Mit Mchlich, der erst im Alter von 44 Jahren stand, ist ein Mann dahingegangen, der sich auf sozialem und Wirtschaft- lichem Gebiete hohe Verdienste erworben hat. Seit 1919 war er Mitarbeiter des damaligen Reichs- und Staatskommissars Severins, dessen Nachfolger er 1920 wurde. Die Nachwirkungen der Unruhen des Jahres 1919, die immer bedrohlicheren Wirtschaft- lichen Schwierigkeiten im rheinisch-westfälischen Industriebezirk stellten an ihn, dem vor allem die S ch l i ch t-u n g der Lohn- streitigkciterr oblag, außergewöhnliche Anforderungen. Schwerste Tage brachte ihm im Jahre 192Z die Besetzung des Ruhrgebiets. Weit über sein engeres Fachgebiet hinaus hat er damals dem Wohl und den Rechten der von fremder Gewalt be- drückten Ruhrbeoölkerung wie der gemeinsamen deutschen Sache aufopfernd gedient. Durch die Lauterkeit seines Charakters, durch seine Unparteilichkeit und die r e st- lose Hingabe an seine verantwortungsvollen A u f g a b e n hat er bis zu seinem Tode in seltenem Maße das Ver- trauen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer genosien und den Arbeits- frieden auch unter schwrierigsten Verhältnissen zu erhalten vermocht. Cs ist ein tragisches Schicksal, das ihn auf der Heimfahrt von einer dienstlichen Besprechung in Berlin so früh aus erfolg- reichem Wirken herausriß. Sein Name wird in der Geschichte des Ruhrgebiets und der deutschen Sozialpolitik ehren- voll fortleben. « Der Stellvertreter des Reichsministers für die besetzten Gebiete, Staatssekretär Dr. Schmid, hat an Fräulein Mehlich folgendes Telegramm gesendet: Tief erschüttert von der Nachricht, daß unter den Todesopfern der Eisenbahnkatastrophe bei Hannover sich auch Ihr Herr Vater befindet, spreche ich Ihnen und allen übrigen Familienangehörigen mein aufrichtigstes Beileid aus. Die hingebungsvolle Arbeit, die der Heimgegangene in den letzten Jahren, besonders aber während der schweren Zeit 1923, die unsere deutschen Brüder und Schwestern an Rhein und Ruhr durchleben mußten, für unser Vaterland geleistet hat, wird ihm in der Geschichte unseres Volkes einen Ehrenplatz sichern. Auch ich werde ihm für alle Zeit ein treues Gedenken bewahren. Der Reichsminister für die besetzten Gebiete I. V.: gez. Schmid. • An Mehlichs ältestes Kind ging das folgende Telegramm des preußischen Staatsministeriums ab: Die preußische Staatsregierung nimmt innigen Anteil an dem plötzlichen Heimgang Ihres Vaters. Als vortrefflicher Kenner des wirtschaftlichen Lebens.an der Ruhr hat Ihr Dater durch fome erfolgreiche Schlichtungsarbeit für den wirtschaftlichen Ausbau in der schwierigen Nachkriegszeit Lorbildliches geleistet. Seine ver- dienstoolle Tätigkeit sichert ihm ein dauerndes ehrendes Angedenken. �bwanüerung aus Ostpreußen. Die staatspolitische Pflicht der Regierungsstellen. Der Direktor des Instituts für ostdeutsche Wirtschaft, Professor Dr. M a n n, hat soeben im Verlag Gustav Fischer, Jena, eine Schrift über.Ostdeutsche Wirffchastssorschung* herausgegeben. In dieser Schrift- wird u. a. die aufsehenerregende Feststellung gemacht, daß ausderProvinzOstpreußeninderZcitvoml. Sep- tember 1923 bis zum 16. Juni 192 5, also in nur 1?L Iahren, 169 009 Personen abgewandert sind. In der Zeit vor dem Kriege erfaßte die Abwanderung durchschnittlich nur 17 500 Personen im Jahr. Nach der.Deutschen Tageszeitung* Nr. 380 ist die gewaltige Ab- Wanderung einmal ein Symptom für die schwierige Wirtschaftslage, in der sich Ostpreußen seit den letzten Jahren befindet, zum anderen aber sür die Wirkung der unnatürlichen Abschnürung durch den pol- nischen Korridor. Wir bestreiten, daß das die allein ausschlaggebenden Gründe sind. Nach unseren Wahrnehmungen und Beobachtungen setzt sich der größte Teil aller aus Ostpreußen abgewanderten Personen aus Landarbeitern zusammen, denen die ostpreußi- schen Großgrundbesitzer das zum Leben Notwen- big« verweigern und die sich die unerhörte st e Bc. schränkung ihrer persönlichen Freiheit gefallen lassen müssen. Wir behaupten nicht zuviel, wenn wir sagen. daß der ostpreußische Landarbeiter der am schlechtesten entlohnte und abhängigste Arbeiter in ganz Deutschland ist. Bei der gewaltigen Abwandcnmg aus Ostpreußen dürfen die Regierungsstellen nicht mehr schweigen. Hier müssen sie rücksichtslos die Situation klären und unverzüglich beraten, was zur Abstellung der von Profesior Mann aufgedeckten, die Interessen de« Staates tief berührenden Erscheinungen geschehen muß. Ein Bangemachcn durch die Wünsche der ostpreußischep Großgrundbesitzer kann und dars es nicht mehr geben._ Nochmals Kölling. Er berichtigt gegen Hörfing. Magdeburg. 20. August.(Eigener Drahtbericht.) Der Magde- burgcr Untersuchungsrichter Kölling und seine Freund- haben offenbar noch nicht genügend Reinfälle erlitten. Herr Kölling ver- sendet jetzt eine Berichtigung zu dem Artikel von Otto Hörsing. Kölling bestreitet, daß Horsing das Gespräch, da» zwischen ihm und Kölling geführt worden ist. richtig wiedergegeben hat. insbesondere bestreitet er. daß Ulm Hörsing von den Ermittlungen des Kriminal- kommissars Büsdorf Mitteilung gemacht habe. Cr bezeichnet es als unwahr, daß ihm Hörsing gesagt habe,.die Leiche des Helling liege im Keller vergraben*. Busdorf werde, von Königsberg zurückge- kehrt, erst seine Verhaftung vornehmen, dann die Leiche ausgraben und sie mir bringen. Kölling wiederholt seine Behauptung, er habe erst durch das Geständnis des Schröder erfahren, daß die Leiche Hellings im bezeichneten Schröderschen Haus« vergraben wurde. Wir sind ermächtigt zu erklären, daß Oberpräsident Hörsing seine Darstellung des Gesprächs mit Kölling vollundganzaus- recht hält, insbesondere, daß er im Laufe des Gesprächs Mit- E h I a s s o. 20. August.(Eigener Drahlbericht.) Genosse A r l u r o L a b r I o l a hat mit anderen persönlichkeilen, die den verschiedensten Oppositionsparteien angehören, die Bildung einer republikanisch. sozialistischen Partei in Angriff ge- nommen. Die Erklärungen und Schriften der Gründer zeigen die einmütige Absicht, die Verteidigung dieser Partei der Arbeiter- klaffe anzuvertrauen.„Es könnte geschehen— so schreibt Ca- briola in der„voce R e p u b l i c a n a*—. daß während des schwersten Fieberfrostes unsere» politischen Lebens ein heil- mittel gesucht werden muß, besten haupteigenschast die so- sortige Wirkung sein soll, verschiedentlich und auch bei den gebildeten Katholiken bemerkt man die Neigung, eine v e- w e g u n g hervorzurufen, die in der Lage sein kann, zu einer großen republikanisch.sozlalistischen Partei zu werden.* Labriola schil- dert dann den Charakter dieser Partei:.Die rcpubtikanisch.sozia. listlsche Partei würde die Partei der Sozialdemokratie fein, die in Freiheit das Problem des Proletariats lösen will. Aber da sie keine besondere Drohung für die anderen sozialen Klassen ausspricht, werden diese gezwungen werden, eine Politik auszugeben, in der sie dauernd die Idee der Freiheit der Klassen zu opfern pslegcn.* Krach bei den italienischen Kommunisten. Maßregelung der Opposition. Chiasso, 20. August.(Eigener Drahtbericht.) Der Exekutivaus- schuß der italienischen Kommunistischen Partei ist zusammengetreten, um disziplinare Entscheidungen gegen verschiedene Mitglieder des dem äußersten Extremismus zuneigenden linken Flügels der Partei zu treffen. Es muß dabei daran erinnert werden, daß auf dem teilungen über Busdorfs Feststellungen in Rottmersleben und besten weitere Absichten gemacht hat. Für die Richtigkeit seiner Darstellung steht Hörsing ein Zeuge zur Verfügung, der die ganze Unterredung mit Kölling mit angehört hat. Bazillc-Richter. Stuttgart, 20. August.(Eigener Drahtbericht.) Der Württem- bergische Richterverein hat am Freitag ohne jede Beranlas» s u n g eine tendenziös gefärbte Darstellung der Magdeburger Borfälle verössenticht. Um die Verantwortlichkeit in der Hand- lungsweise der Hoffmann und Kölling zugunsten des Phantoms von der Unantastbarkeit der deutschen Richter zu decken, polemisiert der Württembergische Richterverein gegen Demokratie, Sozialismus, Kom- munismus und dos Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, ja versteigt sich sogar zu der Behauptung, daß die Vorfälle in Magdeburg gezeigt hätten, daß etwas faul sei in der preußischen Verwaltung und das Verhalten des preußischen Innenministeriums einen A k t derKabinettsjustiz darstelle. Weiter macht sich der Würtlem- bergische Richtervtrein die Urteile der reaktionären Preste, daß von der preußischen Verwaltung ein Verfassungsbruch veriügt v orden sei und ihr Verhalten kriminalistische Anarchie bedeute, vor- behallslos zu«igen. Mit dieser Art des öffentlichen Austreten? hat der Württembekgische Richteroerein endgültig die Maske von seinem politisch-reaktionären Gesicht fallen lassen. Die Unterstützung öer Ausgesteuerten. Eine halbe Maßnahme. Die scharfe Kritik, die in Gewerkschaftskreisen gegen die Pläne der Reichsregierung zur Neuregelung der Unterstützung der Ausgesteuerten eingesetzt hat, blieb bei den maßgebenden Stellen nicht ohne Eindruck. Wie wir erfahren, sind die Bedingun- gen, unter welchen die Gemeinden 50 Proz. der Ausgestet<'rten- Unterstützung zurückvergütet erhallen, etwas verbessert worden. Zunächst war vorgesehen, daß nur die Gemeinden, die S Proz. Erwerbelos« und 6 Promille Ausgesteuerte aufweisen, 50 Proz. zurückvergütet erhalten. Diese Zahlen hat man jetzt gemildert. Wie weit die Milderung geht, darüber verlautet leider nichts. Di« Verbesserung der Bedingungen, unter denen die Gemeinden einen Teil der Unterstützung rückvergütet erhalten, war eigentlich nur eine Selbstverständlichkeit. Ungeheuerlich wäre es gewesen, wenn man«ine Reihe von großen Städten von der Rück- Vergütung ausgeschlosten hätte. Durch die Derbesterung geradezu unmöglicher Bestimmungen und Bedingungen wird aber nichts an der bedauerlichen Taffach« geändert, daß die geplant« Neuregelung der Ausgesteuertenunterstützung eine bedenkliche Halbheit bleibt. Djes« Neuregelung wird sich nicht bewähren. Deshalb wäre es das beste, sie gar nicht erst zu schaffen und lieber auf den Vor- schlag der Gewerkschaften: Verlängerung der Unter- stützungsperloden der Erwerbslosen einzugehen. vorbildliche Minöerheitsbehandlung. Deutsche Kulturautonomie in Estland. Reool, 20. August.(OE.) Das Unterrichtsministerium hat der Regierung den Vorschlag unterbreitet, daß alle vom estnischen Staat und von den Kommunen unterhaltenen deutschen Schulen der deutschen Kulturverwaltung übergeben wer- den sollen. Diese Kulturverwaltung ist den Deutschen Estland» schon vor einiger Zeit zugestanden worden, und sieht die kulturellen und Schulfragen des estländischcn Deutschtums als ihre wichtigste Aufgabe an. Der französisch-rumänische vertrag. Garantie für den Besitz Bcssarabicns. Der Pariser Korrespondent des„Nowy Kurjer Polski*, der über gute Beziehungen am Quai dDrsay verfügt, berichtet seinem Blatt über den neuen franzosisch-rumänischen Garantievertrag. Darin garantieren beide Staaten unter Bezugnahme auf die Artikel 10 und 16 der Völkerbundssatzung einander ihren territorialen Besitzstand. Im Falle eines unprovozierten Angriffes einer dritten Macht verpflichten sich die vertragschließenden Parteien, ein- ander unverzüglich Hil fe und B eist an d zu leisten. Hier ist ein Unterschied gegenüber dem sranzösisch-polnischen Garantie- vertrag von Locarno festzustellen: während nach dem letzteren der territoriale Besitzstand allein gegen einen deutschen Angriff garan- tiert wird, erstreckt sich die gegenseitige Garantiepflicht. die Frank- letzten kommunistischen Kongreß in Italien sich bereits eine Links- o p p o s i t i o n gegen die Politik nicht nur der nationalen Zen- trale, sondern auch der Internationale bemerkbar gemacht hat. Nach- dem der Kongreß diese Opposition durch eine große Majorität zurück- gewiesen und diese selbst sich sür besiegt erklärt hatte, versprach sie, sich dieser Mehrheit zu bdugen und mit Beobachtung jeglicher Partei- disziplin die Mchrheitspolitik zu unterstützen. Nach dem kommu- nistischen Organ„Unit a* haben jedoch die sanatischen Anhänger dieser Opposition fortgefahren, sich der Politik und Disziplin der Zentralorganisation zu entziehen. Die Opposition hatte erklärt, die politische Linie der Partei als obligatorisch anerkennen zu wollen. dann aber verweigerte sie die Zusammenarbeit mit der Behauptung, sie befinde sich in Meinungsverschiedenheiten mit den Führern der Partei. Das Kommunique des Exekutivausschusses zählt die Namen der Mitglieder auf, die sich des Disziplinbruchs schuldig gemacht haben..Die Genossen Repossi, Fortichiari und Damen,* sagt das Kommunique,„haben mit ihrer Eigenschaft als Abgeord- ncte eine bedeutende Verantwortung übernommen, ebenso schwer- wiegend ist die Verantwortlichkeit des Genossen Perrone für die schweren Bedingungen, unter denen der Partei die Tätigkeit gesichert bleibt. Der Exekutivausschuß fft sich schlüssig geworden, für ein Jahr die Genossen Damen, Fortichiari und Repossi von aller Partei- tätigkeit auszuschließen und sür«inen Zeitraum von sechs Monaten den Genossen Deila Lucia.* Man bemerke, daß sich unter den Betroffenen nicht der Inge- nieur B o r d i g a befindet. Offenbar hat man ihn, wie der „Avanti* schreibt, geschont, um ihm eine Warnung zukommen zu lassen, denn taffächlich fft Bordiga immer nach der Führer der Opposition. reich und Rumänien nunmehr übernehmen, aus sämtliche Gren- zen der beiden Staaten. Die Annexion Bessarabiens durch Rumänien wird somit von Frankreich gegen russische An- spräche verbürgt. Zugleich teilt der Pariser Gewährsmann des„Nowy Kurjer Polski* mit, daß ein ähnlicher Vertrag zwischen Frankreich und Südslawien bereits im März dieses Jahres von Briand und Nintschitsch vorläufig unterzeichnet worden sei. Calles bleibt fest. Keine Einstellung d-r Kirchenpolitik. London, 20. August.(Eigener Drahtbericht.) Aus Mexiko wird gemeldet, daß Präsident Calles die von dem Episkopat gewünscht« Suspensierung der Kirchengesetze bis zur Möglichkeit einer Verfassungsänderung abgelehnt hat. In einem längeren Schreiben erklärt Calles, daß er oder der Kongreß zwar die zu- ständige Stelle zum Empfang verfaffungsändernder Petitionen sind. er persönlich aber keine Neigung habe, eine Derfassungs- änderung zu unterstützen, zumal d i e Verfaffungsbestimmungen, die seit 1. August auf die Kirche angewandt werden, sich in Ueberein» stimmung mit seiner Weltanschauung und seiner polt» tischen UeberzeUgung befänden. Niemand hindere die Kirche daran, gesetzliche Mittel zu gebrauchen, um ihre Ziel« zu erreichen. Einem Antrag von Abgeordneten oder Senatoren stände selbstverständlich nichts im Wege. Ebenso stände es der Kirche frei, den Bundesgerichtshof gegen die Ausführungsgesetze an- zurufen. Parlamcntariergefecht auf der Straße. Mexiko, 20. August.(WTB.) Infolge politischer Auseinander» setzungen kam e» gestern in Mexiko zu einer Schießerei zwischen mehreren Kongreßmitgliedern. Ein Ober st Garcia wurde getötet, zwei Abgeordnete und ein Zei- tungsoerkäufer schwer verletzt. Der frühere G o u v e r- neur Garido erhielt einen S ch u ß i n s G e s i ch t. Da die Schießerei aus offener Straß« und in belebter Gegend am Nach- mittags �folgte, bemächtigte sich der Passanten eine Panik. Die Feiten ändern sich... Die Marseillaise bei Neventlow.— Rußland auf dem Polizeitongreß. Wenn vor ein paar Iahren irgendeine Wahrsagerin prophezeit hätte, im Jahre 1926 würde eine Internationale der Böl- k i s ch e n gegründet werden und Rußland werde, ohne seine Re- gierungsform geändert zu haben, aus einem internationalen Kriminal! st«nkongreß vertreten sein, so hätte wohl die ganze Welt über solche Phantastereien die Köpfe geschüttelt. Jetzt teilt der völkische Graf Reoentlow in seinem„Reichs- wart* freudestrahlend mit, daß vor kurzem aus dänischem Boden eine internationale Antisemitenkonferenz stattgefunden habe, an der u. a. auch Briten, Franzosen, Polen, Tschechoslowaten, lauter Erbf-.inde o. D.. teilgenommen haben. Und nicht nur das: Der„Reichswart* erscheint zur Feier dieses glückverheißenden Ereignisses mit d e u 1 1 ch- französischem Text: auf der ersten Seite wird ein der Marseillaise nachgedichtetes Antijudcngedicht im französischen Urtext abgedruckt! Das ist gewissermaßen die neue Kriegshymne für den „gemeinsamen Kampf gegep den Weltfeind*, in dem Graf Revent- low allen Völkern die Fahne voranträgt. Man darf diese Entwicklung begrüßen. Denn wenn die inter- national verbrüderten Nationalisten, statt wie bisher das gegen- fettige Halsabschnciden der Arier zu predigen, unter den Klängen der Maffaillaise in den Hakcnkrcuzzug gegen Israel ziehen, so wird das für alle Beteiligten viel weniger gefährlich. Ist der neue Revenilowbund gewissermaßen als eine vierte Internationale anzusprechen, dann bildet der internationale K r i- minalpolizistenkongreß sozusagen die fünfte. Aus diesem internationalen Kriminaltstenkongreß wird nun, wie das„B. T.* zu melden weiß, auch Sowjetrußland vertreten sein. Die GPU. und die Abteilung I A werden dort ihre Erfahrungen austauschen. Tschekisten werden mit gewiegten Fachkollegen aus Paris, London und New Jork darüber beraten, wie die gesetzliche Ordnung am besten zu schützen seil Man kann die Stadt Berlin beglückwünschen, daß sie dazu bestimmt ist, sür dieses Schauspiel— das mehr als irgendein anderes die„Verbürgerlichung* des neuen Rußland demonstriert— den Schauplatz abzugeben. So erlebt man Seltsames und Seltsamstes. Einst war es paradox, aber jetzt bestätigt es die Zeit. GeVerMaDbewegung 25 �ahre Gewerkschaftsinternationale. Von Kopenhagen bis Amsterdam. ftclite sind es 25 Jahre her, daß in Kopenhagen der Trimdstein zum Jnternctionolen Tewerkschastsbund gelegt worden ist. Es war onloßlich eines Kongresses der dänischen Gewertschasten, auf dem sich ein« größer« Anzahl von repräsentativen Vertretern der Ge- rverkschaftszentralen der verschiedenen Länder befanden, daß das Internationale Sekretariat der gewerkschaftlichen Landeszentralen ge- gründet wurde. Es gab wohl schon einzelne mehr oder weniger lose Verbindun- gen internationaler Art einzelner Berufe. Außerdem waren die Gewerkschaftsorganisotianen auf den Internationalen Soziali st en- und Arbeiterkongressen vertreten. Doch l>rt es bis dahin an einer Zusammenfassung der Gewerkschafls- organisationen der verschiedenen Länder gefehlt. Zum internationalen Sekretär wurde der Vorsitzende der E«> neralkommission der Gewerkschaften Deutschlands, unser unoer- gcßliche Earl Legien gewählt. Der Austausch der Erfahrungen der Gewerkschaftsbewegung in den verschiedenen Ländern und im gegebenen Fall« das Zusammenwirken waren«ine Notwendigkeil geworden. Soweit aber Männer«inen Einfluß aus die Gestaltung der Geschichte der Arbeiterbewegung nehmen können, darf wohl Legien dos hohe Verdienst zugesprochen werden, mit außerordcnl- Iiä)er. Sachkenntnis und hervorragendem diplomatischen Geschick das International« Sokretariat der Gewerkschaftlichen Landes- zentralen zu einem wichtigen Instrument der internationalen Arbeiter- bewegung ausgestaltet zu haben. Das internationale Sekretariat hielt kein« Kongresse ab. Es wurden nur Konferenzen der gewe.'kschastlichen Landeszentralen abgeholten, auf denen nieist die Fragen der statistischen Erfassung der Gewerkschaftsbewegung und wichtig« gemeinsame Maßnahmen bis- kutiert wurden. Wohl ist besonders von den französischen Gewerk- schalten, die seit 1595 nicht mehr an den internationalen Sozialisten- und Arbeiterkongressen teilnahmen, wiederholt verlangt worden, an Stelle der Konferenz internationale Kongresse einzu- berufen und den ganze» Apparat mehr auf äußere Wirkung umzu- stellen. Legien hat sich dem immer widersetzt, weil er aus der Dualität mit den internationalen Sozialisten- und Arbeiterkongressen die Entstehung van Gegensätzen befürchtete. Der Weltkrieg hat auch hier mit gewalttätiger chand eingegriffen. Unmittelbar nach dem Krieg« hat die Gewerkschaftsbewegung in allen Ländern einen ebenso schnellen wie beispiellosen Aufschwung ge- nommen. Der bisher beibehaltene bescheidene Rohmen konnte um so weniger genügen, als infolge der P a r t e i s p a l t u n g, die während des Krieges oder unmittelbar nach dein Krieg« in einigen wichtigen Ländern eintrat, auch die Sozialistische Internationale sich spaltet« und eine weiter« Teilnahm« der Gewerkschaften an den internationalen Sozialistentongressen nicht n>«hr möglich war. So wurde 1919 der Internationole Gewerkschaftsbund mit dein Sitz in Amsterdam ins Leben gerufen. Die Nachkriegsperiode mit ihren furchtbaren Krisen hat bei westem nicht all« Hoffnungen in Erfüllung gehen lassen, die bei Gründung des IGB. gehegt wurden. Die Gewerkschaften der oer- schieden«» Länder haben in den letzten Iahren schwere Ver- l u st e erlitten. Trotzdem zählen heut« die 23 gewerkschaftliche» Landeszentralen, die dem IGB. angeschlossen sind, über 13 Millionen Mitglieder,«ine Zahl, die man sich vor dem Krieg« kaum hätte träumen lassen. Aber nicht nur an Zahl ist die internationale V?- werkfchaftsbewegung gewachsen. Sie greift heute viel bewußter in die Wirrschost der vebjchiedenen Länder ein und sie hat in.den meisten Industriestaaten«inen großen Einfluß gewonnen. Auch die wahnsinnigen Spaltung»versuche der russischen Dolschewisten, die in ihrer Herrschsucht und Verblendung eine eigene sogenannte„Rote Dewerkschaftsinternationale" aufzogen und den Versuch»rächten, in allen Ländern die Gewerkschaften in verbrecheri- scher Weis« zu spalten und den Internationalen Gewerkschaftsbund zur Ohnmacht zu verdammen, haben diesen nicht erschüttern können. Außerhalb Rußlands gibt es keine ernsthaste Gewerkschaft»- ovgonisation, die der„Roten Gewerkschaftsinternational«" ange- schloffen wör«. In einigen Ländern, wie in Frankreich und der Tschechoslowakei sind die Gewerkschaften durch die bolschewistische Spaltung allerdings schwer geschädigt worden. Bei ihrer Gründung eine schwache, kaum beachtete Gruppe von Organisationen, die um ihr« Existenz ringen mußten, ist die Gewerk- schastsimernational« heute ein Machtinstrument der organisierten Arbeite.schrfl geworden, das bei den großen Kämpfen und Wirt- schaftskrifen entscheidend mitbestimmt. Moskau will üiktieren. wie die Engländer Streik» zu führen hoben. Der Asien-Osteuropadienft e�ährt aus zuverlässiger Quelle, daß die russische Delegation uuf den gestern abend in Berlin begonnenen Desprechungen mit den englischen Gewerkschaften folgende Punkte zur Bcrotimg stellte: l. Die Reorganisierung des G e n e r a l r a t s, der den englischen Streik leitet;; 2. dle sofortige Tinberufung einer Bergarbeiter. kanseren.z nach Moskau; 3. die Gewinnung der deutschen Bergarbeiter für eine Aktion zur Unterbindung deutscher Kohlentiesernngen nach England. Bei letzterem Punkt spekuliert die russische Delegation aus eine Ausnutzung der derzeitigen Lohndisferenzen zwischen der dcutiche» Bcrgarbeiterindustrie und den Bergarbeitern. Bisher sind für den englischen Streik insgesamt 5 Millionen Rubel ausgebracht worden, von denen die letzten 500 OOO-Rubel-Rate den Streikenden gerade jetzt zur Verfügung gestellt wird.— Die Verhandlungen in Berlin werden voraussichtlich drei bis vier Tage in Anspruch nehmen. Eine der ersten Forderungen der russischen Delegation ist die Fortsetzung des Streiks mit der Begründung, daß dessen Abbruch sich ungünstig auch auf die Stimmung der russischen Arbeiterschaft auswirken würde. Wenn diese Angaben zutreffen, dann werden die Verhandlungen sicher viel früher zu Ende gehen. Denn daß die englischen Delegierten die unverschämte Einmischung Moskaus in die Führung des Kampfes zurückweisen würden—�abgesehen davon, daß praktisch gar keine Möglichkeit besteht, die Forderung der Russen zu er- füllen—, liegt ohne weiteres auf der Hand.' Ter Schiedsspruch für das �uhrgewerbe angenommen. Wie im„Vorwärts" bereits mitgeteilt, hatte der Schlichtung?- auslchuß für dos Berliner Fuhrgewerbc am 13. August einen Schiedsspruch gefällt, wonach das von den Unternehmern zum 31. Juli gekündigte Lohnabkommen unverändert bis zum 30. September verlängert wird. Die Fuhrleute statten in ihrer Vollverfamm- lung am Mittwoch den Schiedsspruch angenommen, da durch ihn die Forderung der Unternehmer, die Löhne um etwa 12 Proz. ab- .zubauen, abgelehnt wird. Nunmehr hat auch die Berliner Fuhrherreninnung am Don aerstag dem Schiedsspruch z u- g c st i in m t, so daß damit der Lohnkonilikt im Berliner Fuhr»� gcwerbc beigelegt ist.____ Ter Konflikt im(Einzelhandel. Am Donnerstag abend nahmen die Funktionäre der Handels- orbeiter Stellung zu der Lohn- und Torifbewegung im Einzelhandel. Der Branchenleitcr Genosse Pollmeier berichtete eingehend über die Maßnahmen der Warcnstäuscr A. Werthcim, Tietz, Iondors und Kauihaus des Westens, die die Sätze des Schiedsspruches, den nicht nur die Handelsarbeiter, sondern auch die Unternehmer ab- qelestnt hatten, einheitlich durch Diktat in Anwendung bringen. Bei A. Wertheim in der Königstraße ist man sogar soweit gegangen, Arbeiter zu entlasten, die sich weigerten, nach den neuen Sätzen zu arbeiten. Im Warenhaus Ioieph-Neukölln, wo Verhandlungen an- gebahnt sind, scheint es zu einer Verständigung zu kommen. Unter den K a u s h ä n s e r n ist es nur die Firma Rudolf H c r tz o g, die ihren Handelsarbeitern, die fast�alle über 25 Jahre bei ihr beschäitigt sind, nach den Sätzen des Schiedsspruches ent- lohnt. Dies ist um so härier, wenn man bedenkt, daß danach Ar- beiter, die jetzt im Betrieb teilweise bis zu 40 Iahren beschäftigt sind, mit einem Wochenlohn von 30 M. nach Hause gehen müsten, während sie vor dem Kriege 190 M. im Monat oder etwa 42 M. pro Woche hatten. In mehreren größeren Versammlungen, die bereits eingeleitet sind, soll dem gesamten Personal Aufklärung gegeben werden über die Rechtsverletzung und die. einseitige Festlegung der Löhne und Gehälter durch die Firmen. Ebenso ist auch beabsichtipt, das kaufende Publikum durch Flugblätter auf den Loh»druck hinzuweisen. Die Funktionäre beschäftigten sich gleichzeitig mit der K ü n d i- gung des Manteltarises durch die Unternehmer. Sie be- schloffen, einen Gegenantrag einzureichen, in dem verlangt wird, daß die reine 40stündige Arbeitszeit eingeführt wird und alle Aus- nahmen, die durch den letzten Zwangsschiedsspruch in den Tarif hineinkäme», beseitigt werden. Genosse P o l l in e i c r gab noch Zum Schluß bekannt, daß schon eine ganze Anzahl Klagen beim Gewcrbegericht eingereicht sind, um den Handelsarbeitern, die einem Abbau ihrer Löhne widersprochen haben, zu ihrem Recht zu verhelfen. Zum Tarifverhaltnis im Schuhmachcrkcwcrbc. Der Verband der selbständigen Schuhmacher Berlins(Jnnun- gen) hol zum 1. April 1926 den am 4. Dezember 1922 geschlossenen Tarifoertrog gekündigt. In Den Verhandlungen erklärten sich die Arbeitervertreter mit der Aushebung des Stückzeitsystems und mit der Kürzung der Zuschläge bei Extraarbeiten einverstanden. Die Herren Jnnungsmeister wollten ober auch noch die Grundlöhn« herabsetzen. Unter diesen Umständen kam kein neuer Bertrag mehr zustande. Trotzdem besteht im Berliner Schuhmacherhandwerk noch ein Veriragsverhältnis, denn der gekündigte Tarifvertrag wurde seiner- zeit für allgemein verbindlich erklärt. Di« Aushebung dieser Allgemeinverbwdlichkeit ist bisher nicht erfolgt. Di« Be- stimmungen des Tarifvertrages erlöschen auch für die Tarifvertrags- Parteien erst mit der Aufhebung der Allgemein- Verbindlichkeit, denn mit dem Zeilpunkt des Eintritts der Allgemeinverbindlichksit wird der freie Vertrag zu einem Zwangs- vertrag und erlangt Gesetzeskraft. Dies« Gesetzeskraft kann daher nicht von den Vertragsparteien außer Kraft gesetzt werden, sondern erst durch die Aushebung der Allgemeinverbindlich- keit des Tarifoertrages durch die Reichsarbeitsverwaltung. Dieser Standpunkt wird in der Rechtsprechung fast durchweg oertreten. Soweit er nicht geteilt wird, wird jedoch die Nach- Wirkung der Tarifverträg« anerkannt, indem die Be- stimmungen eines Tarifoertrages nach Ablauf in die Einzelarbeits- oerträge eingehen. Hat demnach ein Tarifvertrag bestaitden und ist durch Kündigung erloschen, so gelten dessen Bestimmungen noch in den Einzelarbeitsvertragen weiiek, sofern nicht neue Verein« barungen geiroffen sind. Run kommt eine neue„Autorität" auf dem Gebiete des Arbeitsrechts in der Person des Obermeisters der Ber- liner Schuhmacherinnung und Vorsitzenden des Verbandes- der selbständigen Schuhmacher des Stadtkreises Berlin, Herrn E ck e r l e i n. und schreibt in einem Brief an die Firma M a n d e l bäum, die am Gewerbegericht von ihren Arbeitern auf Zahlung des Feriengcldes für 1920 verklagt wurde, daß die allgemein herrschende Ansicht betr. der Nachwirkung von Tarisoertrttgen falsch sei. Herr Eckerlein behauptet weiter, der Tarifvertrag vom 4. Dezember 1922 sei nur zustande gekommen unter der Bedingung.. daß das bis dahin gültige Ferien abkommen aufgehoben: würde. Dabei ist in dem vorhergehenden Tarifvertrag« vom 4. September 1922 über die Gewährung von Ferien überhaupt nichts enthalten. Ein« Bestimmung im§ 0 besagt nur,„Be- stehende günstigere Lohn- und Arbeitsbedingungen bleiben bestehen". Bei Abschluß des Tarifvertrages vom 4. Dezember 1922 bestand also gar kein Ferienabkommen, es konnte somit auch nicht ausgehoben werden. Insoweit in einzelnen Betrieben bis zum Abschluß des Tarifoertrages vom 4. Dezember 1922 die Ferien ge- währt wurden, wurden sie auch später gewährt. Der rechtliche An- spruch ergab sich aus dem ß 0 des Vertrages, der günstigere Lohn» und Arbeitsbedingungen weiter ausrecht erhielt. Die Entscheidung. ob der Anspruch auf Ferien besteht, wird das Gewerbegericht zu treffen haben. Aber Herr Ecker lein sollte mit seinen Aeußerun- gen für die Zukunft etwas vorsichtiger sein und vorher die Tarif- oerträge einsehen, dann wird er nicht Gefahr lausen, daß. wie in diesem Falle, sein« Behauptungen zweifelsfrei als falsch nachgewiesen werden müssen._ Wartezeit beim Teilstreik muß bezahlt werben. � Als in einer Abteilung der Deutschen orthopädischen Werke ein Streik ausgebrochen war, mangelte es an ausreichen- der Beschäftigung für die Arbeiter in anderen Abteilungen. Diese Arbeiter st elltensichderBetriebsleitungzurBer. f ü g u n g, sie wurden ober anjedemTagenureinigeStun- den beschäftigt und erhielten nur die tatsächlich geleistete Ar- beitszcit bezahlt. Die Arbeiter forderten durch Klage beim Gewerbege- richt, daß ihnen auch die Wartezeit bezahlt werde. Das Gericht(Kamiiier 7) erkanme dieFordcrung der Kläger dem Grunde nach als berechtigt an und behielt sich die Fesijetzung der Höhe der Bezahlung für einen späteren Termin vor. Andere Arbeiter, denen man beim Ausbruch des Streiks gejagt hatte, sie müßten a>i s s c � e n, meldeten sich nach dem Streit wieder zur Arbeit, wurden dann aber entlassen. Sie klagten aus B e- zahlung der Zeit des Aussetzens. Auch diese Forderung wurde dem Grunde nach als berechtigt anerkannt. Streik unter üem faschistijchen Regime. Chiasio, 19. August.(Eigener Drahtbcricht.) Die Bergleute der SAMA.(Gesellschaft der Asphaltgruben der Abruzzen). die wahre Hungerlöhne empfangen, hoben, nachdem sie vergebens die saschistische Gewerkschaft in Chieti, in der sie eingeschrieben sind, zu einer Jnter- vention angerufen haben, zu der Waise des Streiks gegriffen, die das herrschende Regime längst in der Rumpelkammer untergebracht flaubte. Iii den Streikzentren sind starke Kräfte der saschisti- ch c n Miliz zusamniengezogen worden. Die genannte Gesell- schaft, die nur scheinbar eine italienische ist, in Wirklichkeit aber von englischem Kapital unterhalten wird, und die solche Hungerlöhne auszahlt, hat ein wirkliches Kapital von 0 Millionen Lire, ossizicll aber in der Bilanz nur ein solches von 1200 000 Lire, aus die die Jahresversammlung von 1920 den'Aktionären einen Gewinn von 1 318 437,89 Lire ausgeschütlet hat. Wir sind sehr gespannt daraus. einmal zu erfahren, wie sich die Regierung Mussolini zu der Tat- fache stellt, daß diese italienisch-englische Gesellfchast das A s p h o l t- Monopol in den Abruzzen mit Zustimmung eben dieser „nationalen" Regierung erhalten hat. Die Tatsache jedoch, die dein ausländischen Betrachter auffällig sein muß, lst die, daß trotz des neuen faschistischen Arbeitergesctzes, das den Streik für immer aus Italien verbannen will, die schutzlosen Arbeiter, preisgegeben von der Regierung und von der faschistischen Gewerk- schast, deren Mitglieder sie sind, die Arbeit niederlegen. Das ist das praktische Ergebnis der faschistischen Gewerk- schaftspolitik, die Mussolini der Arbeiterschaft der ganzen Welt als ein bewundernswertes Werk vorgestellt hat. Der Streik ist im Augenblick, da wir diesen Bericht absenden, schon seit neun Tagen im Gonge. Lohnkampf in der südbahcrischcn Textilindustrie. München, 20. August.(MTB.) Zur Beilegung der Lohn- streitigkeiten in der südbayerischcn Textilindustrie sind neuerlich Verhandlungen unter dem Vorsitz des Landesschlichters für Bayern eingeleitet worden._ Konflikt in der rhcmifchcn Industrie Norwegens. Oslo, 20. August.(Eigener Bericht.) Die Tarifoerhandlungen in der elektro-chcmischen Industrie Norwegens sind ergebnislos ab- ebrochen worden. Am Sonnabend werden rund 3000 Mann die Irbeit niederlegen. verantwortlich für Polilik:?r. tart ftcijcr; Wirtschaft: Slrwr Sater»»,: ISewcrlschoflsbcweauna: 3- Steineri Feuilleton: Dr. Ioh» Schiko«»«: Lotale, und Lonstiaes: zri» yarftädt: Anzrieen: Ih. Stocke: sämtlich in Verlin. Verla«! Borwarts-Verlo« S. m. b. S.. Berlin. Bruck: Borwäilo-Biichdruckerei und Berlagsanstvlt Paul Sin«er u. Co. Berlin öW«8. Lindenjlrake 3. Lier,» 1 BeUoae und..Unterdaltun»»ud igiffe»'. Sinei dkm etndetn/ \ Cl i i'Jl ■ t\ Nr. 3$2 ♦ 4Z.�ahrgang 1. Heilage öes Vorwärts Eonnabenö, 2l. fiuguft I92H Me märkische KleinMöte aussehen: Nördlich von dem ausgedehnten chavelländilchen Luch und östlich von der viel befahrenen Bahnlinie Berlin— Hamburg liegt das fruchtbare Gebiet der Priegnitz, deren östlicher Teil, die Ostpriegnitz, in ftyr�tz ihren Mittelpunkt hat. Die Stadt, die etwa SSOO Ein- rvohner zählt, ist durch die von Prijjwalk nach Neustadt a. d. Dosse führende Seitenlinie leicht zu erreichen, die Fahrt, die über Wuster- Hausen sührt, dauert nur ein knappes halbes Stündchen. Ueber- Haupt ist die Verbindung der hier im Nordwesten der Mark liegen- den Orte untereinander und mit der Hamburger Strecke eine recht vielseitige, wenn auch die einzelnen Anschluhmöglichkeiten in lieber- einstimmung zu bringen nicht immer leicht ist. Zu loben ist, daß der Bahnhof angenehm nahe der Stadt errichtet wurde! man hat nicht, wie In so vielen anderen märkischen Kleinstädten, erst eine ein paar Kilometer lange Straße zu passieren, um zum Zentrum zu gelangen. Geschichte unü Geschichten. Dei Loge der Siedlung im Gau Chorizi brachte es mit sich, daß das Bistum Havelbcrg die Hand darauf hatte: später übertrug es seine Rechte an die Familie von Plate. Unter ihnen erhielt der Ort I?Z7 ftädlische Verfassung und Schissahrt bis zur Havel— letzteres ein nicht leichtes Problem, da das Waiser des kleinen sUiißchens, das an der Stadt vorbeifließt und damals„Gngeliß*, jetzt„Jägelig" heißt, gestaut werden mußte, um flachen Booten überhaupt die Möglichkeit der Fortbewegung zu verschaffen. Aber d-cse Wassersahrten waren in den Zeiten, wo die Straßen fehlten, sehr wertvoll, und das Aufblühen von Kyritz in den folgenden ?ahrhundcrlcn beruhle zum Teil auf der Verbindung mit den an der See gelegenen Hansastädten. Ende des dreizehnten Jahr- Hunderts dürfte Kyritz von den Plates freigekommen sein: 1316 erwirbt es Seen und Dörfer, ein Kloster tut sich aus, Handel und Wandel gedeiht. Aber auch die Scheelsucht des Adels auf die sich bereichernde Siadt: 138l und 1411 entspinnen sich heftige Kämpfe, bei. denen die Gefangennahme eines von Bassewitz eine große Rolle si'ielt und durch das Bassemitz-Fest für weitere Zeiten festgelegt wurde. Der Ritter war mit feinen knappen durch einen unter- itdischen Gang in die Stadt gedrungen, ober die Kyritzer Frauen gössen ihm heißen Brei ins Gesicht, welcher Waffe er in seinem P anzer nicht gewachsen war. Als 1339 die Rcsormation von der Siadt eingeführt wurde, zogen die Mönche ab: das Kloster ist fast flinstich verschwunden. Das Tuchmachergewcrbe stand in hoher Blüte, ferner wurde ein starkes Bier,„Mord und Totschlag" genannt, gebraut. Noch heute erinnert die Weberstraße an die frühere Gewerbetätigkeit, der allerdings im siebzehnten Jahrhundert Fcuersbrünste, Krieg, Peft großen Abbruch taten. Die Stadt ist von 1330 bis 1700 zehnmal abgebrannt: 162fi hauste die Pest, und im Dreißigjährigen Kriege erpreßten Wallcnsteiner und Schweden abwechselnd Geld und Lebensmittel. Allmählich ging die Stadt zurück: 1300 zählte die Tuchmachcrgilde noch gerade einen Mann, und selbst die Bierproduktion war von 3000 bis 6000 Tonnen auf 1300 gesunken. Die Bevölkerungsziffer war 1600:.3000, 1790: 2400 Einwohner. Das Landwirtschaftliche trat in den Vordergrund und agrarisch ist auch heute, noch Trumpf. Von den Geschichten, die das Stadtbuch verzeichnet, hat besondere Berühmtheit die „öluttat von kprih" erlangt: die Erschießung zweier Bürger durch die Franzosen im Jahre 1807. Wie meist in den Fällen, wo Leidenschast und Vor- eingenommenheit Recht sprechen, haben Unschuldige für die Taten anderer, nicht greifbarer llebeltäter büßen müssen. In der Zeit nach 1806 zogen versprengte preußische Soldaten in kleinen Trupps ver- einigt durch die Lande, um unter dem Vorgeben, dem Feinde, den Franzosen, Schaden zuzufügen, Städte und Dörfer, die keine starke Idyll an der Jäglitz. feindliche Besatzung besaßen, nach Gutdünken zu brandschatzen. Also ein etwas mehr militärisch ausschauendes Gegenstück zu den der Entente Material liefernden Soldatenspielereic» und dem Klein- kaliberbüchsenknallen unserer„vaterländischen" Jugend. Die Frei- beuter, die 1807 sich noch auf die Bildung eines Freikorps durch Schill berufen konnten und seine» Namen mißbrauchten, erschienen am Abend des 31. März in der Zahl von 20 Mann vor Kyritz, aus dem der in jener Gegend kommandierende Franzoje Lcfebre in Berleberg die Besatzung herausgezogen hatte. Ein„Wachtmeister" Fischer zeigte einen Befehl Schills vor, daß die in der Stadl befind» lichen llniformstücke des früher dort garnifoniercndcn Regiments ausgeliefert werden sollten. Das Stadtoberhaupt Iustizrat Schräder erklärte, diese Uniformen wären den Franzosen eingehändigt worden, aber der„Wachlmcistcr" wußre es besser: der frühere Regiments- schncidcr M e t k c habe noch Uniformen und viel Militärtuch zurück- behalten. Das stimmte: Fischer setzte sich in den Besitz dieser Gegen- stände. Als er sich entfernen wollte, machte ihm ein„patriotischer" Diener des Kaufmanns K c r st e n die Mitteilung, daß im Hause seines Herrn eine größere Geldsumme versteckt sei, die einem Franzosen gehöre. Auch das stimmte: ein französischer Kommissionär war in Kyritz gewesen, um Bestellungen zu macheu und ein Gefährte von ihm war am 31. März eingetroffen, um die Rechnungen zu begleichen. Da dieser zirka 1300 Taler übrig behielt, hatte er Kersten gebeten, das Geld in Verwahrung zu nehmen, was dieser nach Widerstreben tat. Der„Wachtmeister" war über diese aus „patriotischem" Herzen kommende Meldung sehr erfreut und zog mit Uniformen und Talern ab. Wie sich später herausstellte, war die Schillsche Order gefälscht. Die Stadtverwaltung legte den Franzosen den Sachverhalt dar, aber da Napoleon gegen die Freischärler sehr aufgebracht war, mußte ein Exempel' statuiert werden. Der .finanzielle Verlust mußte mehr als reichlich gedeckt werden: ferner wurden Justizrat Schräder, Kämmerer Schulze und Kaufmann Kersten verhastet. Erstercr erlangte später seine Freiheit wieder: Schulze und Kersten wurden nach einer in französischer Sprache geführten Scheinverhandlung zum Tode verurteilt. Ihre Exekution erfolgte am 8. April, und zwar wurde ein Kommando des deutschen Hilfstorps Napoleons, vom Regiment Nassau-Usingcn, beordert, die Erschießung vorzunehmen. Die Staüt üer Fachwerkhäuser. Gehen wir durch die hier zwar auch nicht fehlende, aber ver- hältnismäßig kurze Bahnhofstraße zum Stadtinnern, so verbreitert sich unser ZÜeg hinter der Wilhelmstraße zum Markl, der auch teil- weise ein ebenes Straßenpflafter aufzuweisen hat. Links geht die mit der wilhelmstraße parallel laufende Hamburger Straße ob: recht- erreichen wir in wenigen Schritten die Kirche. Den Abschluß des Marktes bildet die Ariedrichstraße: hier ist rechts das Rathaus. links die Gewerbe- und Landwirtschaftsbank. Dazwischen auf dem Markt eine stattliche Eiche, die nach den Freiheitskriegen gepflanzt wurde. Das Rathaus ist„kastellartig, turmgeschmuckt"— man sieht diesem unschönen Bau die Herkunft aus den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts an. Auch die stattlich« Marienkirche— drei« schiffiger Hallenbau mit erhöhtem Mittelschiff und einschissigem Chor, in den ältesten(Granit-) Teilen aus dem Ansang des fünfzehnten Jahrhunderts stammend, in den Hauptteilen aber 1708 bis 1714 erneuert— hat in den zwei schlanken Westtllrmen, die 1849 zuge- fügt wurden, keine Verschönerung erfahren— die Türme wirken spielerisch. Von' dem Jranziskanerkloster ist nach außen sichtbar nur eine Wand am Ende der Wilhelmstraße übrig geblieben— eine Drechslerei hat sich darangetlebt und modernes Leben erfüllt die Stätte, wo einst die Mönche ihr behagliches Leben hatte». Aber eins hat Kyritz aufzuweisen, was schon den Besuch lohnt: ein paar Fachwerkhäuser in der Wilhelmstraße,»on denen zwei die Jahreszahlen 1677 und 1678 tragen.(Diese Häuser wurden„durch ein Wunder" vor dem Niederbrennen bewahrt.) Man sieht in allen märkischen Kleinstädten wohl noch alte Fachwerkbaute», aber meist sind es sehr kleine, niedrige Häuser, die wie verschämte'Arme in der Reihe der reicheren Verwandten stehen. Aber die Kyritzer Häuser sind breit, hoch— zum Teil reich verziert, bemalt, und wenn auch bei dem einen der erste Horizontalbalken sich schon zur Kurve gebogen hat, so steht das Haus doch noch fest aus den Beinen und macht mit seinen Kollegen die Honneurs einer anständigen Zlrchi- tektur.— Schöne alle Bäume findet man in dieser aus flacher Erde gelegenen Landstadt und die Derschönerungsräte haben für Prome- ßadcn und Parks gesorgt— im Stadtpärkt vor der 5)amburger Straße befindet sich auch ein Denkmal für die getötctdn Bürger Schulze und Kersten. Zu bedauern ist, daß das Stadtinnere nichts Die Sigurantin. Roman eines Dienstmädchens von Leon Jrapil. Autorisierte Uebsrsetzung aus dem Französischen von Kunde-Grazia. Der Vater war auf den Erfolg seiner moralischen Bered- somkcit stolz, und stolz, die Frau seines Sohnes besessen zu haben. Fvineron der Jüngere war stolz, sich als Mann von er- habener Gesinnung zu zeigen, der hohe Gedankenflüge zu würdigen wußte, und stolz daraus, eine Frau und einen Vater zu haben, die ihn in die Lage brachten, große Empfindungen zu verstehen. Sie tranken, da sie zu sprechen kaum ein Bedürfnis hatten: ihre strahlende Freude sagte olles: wie, hatten sie nicht den Himmel erklettert! Besonders der Alte, mit dem ergrauenden 5)aar, dem Vicdermannsgesicht, war.großartig, wie er, das Glas in der Hand, mit schwerer Zunge lallte:~ Nichts dagegen zu sagen, die Frau ist es, die den Mann zum König macht." Sie lachten vor sich hin. fühlten in sich eine Größe, die die Zeit, den Raum, das Menschengeschlecht umfaßte: überall und immer hatte die Uebcrlegcnheit der Männer unbestritten geherrscht. Sich nach solchen Höhen hin bewegend, erreichten sie die äußersten Gipfel: sittliche Betrachtungen wurden ausgetauscht. Es war möglich, daß Fumeron, feierlich von seinem Bater geleitet, hinging, sich der Fahne zu unterwerfen,— allein man hatte Zeit, der Termin blieb noch unbestimmt. Hierbei gab es notwendigerweise einen schönen ritter- lichen Wettstreit, wer die erste Flasche zu zahlen hätte. „Ich will die das Herz eines Sohnes zeigen!" erklärte Fumeron. „Und ich dir meine väterliche Seele!" entgegnete der Alte. Dies letzte riß ihn ganz hin, da er damit seinen An- spruch, die Autorität des Familienvaters und seine Rechte anrief, zu Ehren des Vaterlandes, unseres schönen Frank- reichs, traktieren zu können. „Meister! Die Flasche habe ich..." Eine schöne Bewegung nach der Schulter,— und Fume- ron-Vater entdeckte, daß er von Virginie ausgeräubert wor- den war! Welcher Sturz aus dem Himmel! Kein Wunder, daß Virginie sich so hartnäckig geweigert hatte, mit trinken zu gehen. Bei Gott, sie konnte sich davon- machen und ohne die Männer trinken. Aus mit dem Stolz! Ach, wie ist der Mann neben der Frau klein! Keine Ucberlegenheit kommt gegen die Falschheit der Frau aus. Der Alte schämte sich hauptsächlich für seinen Sohn. Wirk- lich. Das war Fumeron, der junge, der am tiefsten von sei�xm Stoz herabgesunken erschien. Er hatte geglaubt, eine liebende Frau mit schöner Begeisterung sein eigen zu nennen,— hatte sie doch seinen Vater aus Adel der Gesinnung mit Ueber- tragung der Liebe empfangen. Und so empfand er, der Be- sitzer, ein persönliches Verdienst: um eine hervorragende Frau zu haben, muß man selbst ein hervorragender Mann sein. Und statt dessen!... Welcher Zusammenbruch. Es war wahrscheinlich, daß das heitere Gemüt Fumerons für immer davon düster befleckt bleiben würde. Augenblicklich hatte er jede Reinheit des weiblichen Ge- schlechts verneint: „Und außerdem, Papa, wirst du sehr auf der Hut sein müssen... man weiß niemals, wie man mit ihr dran ist..." 11. Nach ihrer von Lachsalven unterbrochenen Erzählung hatten die Pillen und die oersiegelte Wahrsagungen enthalten- den Enveloppes der Frau Coqueho reichlichen Absatz gefunden. Dann war sie vor Verlassen der sechsten Etage Sulette in ihre Kammer gefolgt. Da diese eine veränderte Miene zur Schau trug, sagte ihr Frau Coqueho im Vertrauen auch so manches ganz be- sondere, und namentlich äußerte sie ihre Ansichten über die Dienstmädchen— als hätte Sulette niemals dem dienenden Stande angehört. Frau Coqueho setzte sich— lehnte den Rücken an die mit dem feuchten Handtuch geschmückte Stuhllehne und ließ ihre schwarzen Hutsedern hin- und her schaukeln. „Aus diesem Erlebnis des Voter Fumeron sieht man gleich, daß Virginie früher gedient hat." Sie seufzte, konnte aber gegen die Wahrheit nicht an- kämpfen, und sprach folgende Weisheit aus: „Alle, die Männer ausrauben, sind früher Dienstmädchen gewesen." Sie trocknete sich die Augen mit einem Finger und glättete die Schmachtlocken mit dem Balsam ihrer Tränen: „Eine Dienstperson wird niemals ein taugliches Freuden- mädchen. Soviel ist sicher. Das Dienen ist eine schlechte Vorschule für die Galanterie." Sie stand auf: „Ja, der Dienstmädchenberuf entwürdigt und beschmutzt das galante Leben... Aber was sagen Sie, mein Puttchen, diesmal hätte ich eine Adresse, wie geschaffen für Sie." Da wurde Sulette, die von dem Lachen mit den Kamera- binnen entnervt war, von einer ungesunden Neugier gequält, auch war sie gerade verärgert: ihre Herrschaft hatte sie an dem Tag ausgescholten. So gab sie unversehens ihre Zustimmung, am anderen Morgen— es war Ausgehetag— sich bei einem einzelnen Herrn vorzustellen. „O! Sie wissen, aus bloßer Neugier... mehr um mich über ihn lustig zu machen... weil ich keinen anderen Spaziergang vorhabe." „Bravo!" schrie Frau Coqueho, sich abermals setzend. „Das verpflichtet Sie ja zu nichts, aber man muh sich Rechen- schaft ablegen, bevor man etwas zurückweist. Dieser Herr hat mich beaustragt, ihm eine Wirtschafterin, die ein bißchen heiter ist, zu besorgen, und ich halte ihn für sehr reich." Eine plötzlich eintretende Pause ließ aus irgendeinen mißlichen Umstand schließen, aber die eben ausgeklappte schwarze Tasche wurde wieder geschlosien. Die Gute fuhr fort:„Er ist ein Original und ein Schwätzer, redet wie ein Buch, rüsten Sie sich mit Geduld; und er hat eine sehr putzige, fixe Idee, er verwünscht die ent- lasienen Sträflinge, so daß er sich einbildet, überall welchen zu begegnen. Passen Sie auf, er wird Sie ohne Zweifel fragen, ob Sie nicht aus dem Gefängnis kommen, ob Sie niemals drin gewesen sind. Das muß Sie nicht verdrießen, ich sage es nur im voraus. Er hat sogar an mich die Frage gestellt." Die würdige Kupplerin erhob sich und vorm' Weggehen tappte sie mechanisch nach Sulettes Brüsten, wie eine Händ- lerin, die ihre Auslagen ordnet. „Dieser Herr muß früher mal etwas mit einer Strafsache zu tun gehabt haben: das muß ihm schließlich zu Kopf ge- stiegen sein. Aber, meine liebe Kleine, ich brauche es Ihnen nicht erst zu sagen, für eine junge vernünftige Person, die an die Zukunft denkt, ist ein so alter, ein bißchen übergeschnappter Herr das Ideal!" Der Klient der Frau Coqueho bewohnte ein vornehmes Parterre im Quartier de l'Etoile. Er hatte das Aussehen eines etwa sechzigjährigen„Sportsman" von kräftiger, hoher Gestalt, ein von„American Drinks" gerötetes Gesicht mit gelb- lichen, rotunterlaufenen Augen, gekrümmter Nase, trug den dunkelbraun gefärbten Schnurrbart auf soldatische Manier. Sulette traf ihn, zum Ausgehen bereit. J_(Fortsetzung folgt.), wsr es wirklich ein Mjchlag? Auf der Tuche.— Und die Meinung der Eisenbahnfachleute. Mit fieberhafter Tätigkeit arbeitet die Kriminalpolizei im Berein mit den zuständige» Landjägerposten und der Ueber- wachungsabteilung der Reichsdahndirektion Hannooer. um der Eisen- bahnattentäter, die die Katastrophe von Leiferde verursacht haben. habhaft zu werden. Wie es heißt, verfolgt man zurzeit vier S p u» r e n. Vor allen Dingen bedeutet es schon einen gewissen Fortschritt in den Ermittlungen, daß die Herkunft der zur Loslösung der Schienen verwandten W e r t z e u g e, die bekanntlich von dem einem privaten Unternehmer übertragenen Brückenbau bei Meinersen stammen, festgestellt werden konnte. Die Nachforschungen darüber, wie diese Schraubenschlüssel unbemerkt von dieser Arbeitsstelle ge- stöhlen worden find, sind noch im Gange. Ebenso werden in An» betracht der Vermutungen, daß es sich um den Racheakt eines ent» lassenen Eisenbahners handeln könne(? D. Red.), bei allen in Frage kommenden Dienststellen des Rcichsbahndirektionsbezirks Hannover wie auch der angrenzenden Bezirke Ermittlungen darüber ange» stellt, wo und unter welchen Umständen in der letzten Zeit«ine Entlassung vorgenommen worden ist. Die Katastrophe bei Leiferde beschäftigt auch die Berliner Kriminalpolizei. Das Ver» brechen wird von der Londeskriminolpolizeistellc Hannover bear- beitet. Die Berliner Behörde hat keine Beamten entsandt. Es sind aber auch hier Anzeigen gegen verdächtige Personen eingegangen. Diese bearbeitet Kriminalkommissar Dost von der Kriminalinspek- tion H. im Zimmer 108 des Polizeipräsidiums. Die bisher nach- geprüften Anzeigen erwiesen sich als nicht stichhaltig. » Die Entschädigung der durch das Eisenbahnunglück bei Leiferde Verletzten sowie die Entschädigung der Hinterbliebenen der Todes- opfer ist von der Reichsbahngesellschoft vorläufig dahin entschieden worden, daß ganz unabhängig davon, ob ein Attentat vorliegt oder nicht, Entschädigungen gezahlt werden. Angemessene Anforderungen der Verletzten und Hinterbliebenen werden also genau so behandelt, wie das bei einem gewöhnlichen Eisenbahn- Unglück,.bei dem keine höhere Gewalt vorliegt, der Fall ist. die Strecke heute nacht wieder fahrbar. Die Aufräumungsarbeiten an der Unglücksstelle beim Block 160 sind im Lause des gestrigen Freitags soweit vorgeschritten, daß noch in der Nacht zum heutigen Sonnabend der Derkehr aus dieser Strecke in beiden Richtungen wieder aufgenommen werden kann. Entgegen anderslautenden Meldungen fei noch darauf hin- gewiesen, daß an der Unfallstelle selbst keine weiteren Opfer mehr gefunden worden sind. Die 19 Toten, die aus den zertrümmerten Wagen geborgen worden find(zwei sind im Krankenhaus gestorben), wurden sämtlich nach Lehrte übergeführt und dort im Bahnhofsgebäude aufgebahrt. Fünfzehn von ihnen sind bereits im Laufe des gestrigen Tages von ihren Angehörigen ab- geholt und in die verschiedenen Heimatorte abtransportiert worden. Was Lachleute sagen. Aus gewerkschaftlichen Kreisen wird uns geschrieben: Die Reichseisenbahngesellschaft führt die furchtbare Katastrophe bei Leiferde aus einen verbrecherischen Anschlug zurück, ohne daß sie einen schlüssigen Beweis für ihre Behauptung bis jetzt erbracht hat. In Kreisen der ReichseifenSahn hat man die Mutmaßung, die Katastrophe könne mit dem Personalabbau in Zusammenhang stehen, mit Recht von der Hand gewiesen, da der Personalabbau schon zu lange zurückliegt. Demnach kämen nur Entlassungen o»n Eisenbahn- orbeitern jüngeren Datums in Frage. Nun stellt absr die Reichs- eisenbahn erfahrungsgemäß während der gegenwärtigen Saison Arbeiter neu ein. Mit dieser Hebung hat sie auch in diesem Lahre nicht gebrochen. Sollte aljo die Katastrophe bei Leiferdx aus den Racheakt eines entlassenen Arbeiters zurückzuführen sein, so müßte sich der Verdacht automatisch auf einen ganz bestimmten Kreis von Personen oder, was wahrscheinlicher ist. auf eine Person lenken, die man aus irgendwelchen Gründen entlassen hat. Wir glauben kaum, daß sich ein Arbeiter, wenn er sich wirklich für seine Entlassung rächen wollte, einem solchen Verdacht aussetzt, der ohne Zweifel in Kürze zu seiner Uebersührung führen muß. Psychologisch ist es auch nicht haltbar, daß sich der entlassene Mann an einem fahrenden O-Zug. sozusagen an der Materie rächt, die eine Befriedigung seines persönlichen Rachcgefühls jiicht bietet. Wenn die Schrauben an dem iy Frage kommenden Schienenstoß wirklich von einem Menschen in der Zlbsicht gelöst worden sind, den mit 90 Kilometer dahinsausenden Zug zur Entgleisung zu bringen, so kann nur Wahnsinn einigermaßen Motiv für diese Tat sein. Nun sind aber sämtliche Fachleute einschließlich des General, direktors Dr. Dorpmüller, der als jahrelanger Dezernent für Eisen- bahnoberbau sicherlich Fachmann ist, der Auffassung, daß die Los- lösung des Schienenstranges, selbst wenn eine in längerer Zeit vorzu- nehmende Verlockerung der Schraube vor sich gegangen ist, nicht von einem Menschen vorgenommen werden konnte: es kommen mindestens für die Tat zwei Menschen in Frage. Man kann sich nun einen wahnsinnigen Menschen vorstellen, der die Energie für diese furchtbare Tat aufbrachte, nicht aber zwei Menschen. So fehlt für das Verbrechen jedes Motiv, da politischer Anschlag oder Raubüberfall nicht in Frage kommen. Ueber der furchtbarere Katastrophe liegt also vorläufig der Schleier des Geheimnisses. Man hat die Schrauben unbeschädigt aist den Schwellen liegend gefunden und in kurzer Entfernung davon Spczialhandwcrkszeug, wie es nur bei der Eisenbahn gebraucht wird. An der Strecke selbst, die von der Reickseisenbahn als eine der besten in Deutschland geschildert wird. soll feit Monaten keine Reparatur vorgenommen worden sein. Die Strecke wird auch täglich zweimal begangen und eine Unordnung hätte sicher in kürzester Zeit festgestellt werden müssen. Wer weiß, welcher unglückselige Zufall zur Katastrophe geführt hat. Solange diese Frage nicht geklärt ist, ist es unverantwortlich, von den entlassenen Eisenbahnarbeitern als Attentäter zu sprechen. Tut man es doch, jo erinnert das verteufelt an gewisse Abwälz ungs- Methoden, die immer wieder bei ähnlichen Vorfällen unange- nehm in Erscheinung treten. Vielmehr sollte mit aller Energie die Untersuchung weiter betrieben werden, damit Klarheit geschaffen wird, die für eine Verhütung kommender Unfälle brauchbar ist. * Von anderer Seite der fachmännischen Eisenbahn- b e a m t e n werden die gestern hier wiedergegebenen Aeußerungea des Generaldirektors der Reichsbahn Dr. Dorpmüller einer Kritik unterzogen. Es heißt in der Zuschrift u. a.: „In seinen Mitteilungen an die Presse Hot sich der stellvcr- tretende Generaldirektor der Reichsbahngesellschoft dagegen gewandt, daß der Unfall in irgendwelche Beziehungen zu dem erfolgten Personalabbau gesetzt werde und hat dabei zugegeben, daß durch Fortfall der Rachtrevision die Zahl der Strecken- begehungen, die früher zweimal am Tage und einmal in der Nacht vorgenmnmen wurden, aus Sparsamkeitsgründen reduziert worden sind. Diese Maßnohme sei schon vor dem eigentlichen"Personal- abbau im Jabrc 1922 durchgeführt worden. Hierzu muß festgestellt werden, daß der diese Ersparnismaßnahmcn anordnende Erlaß das Datum des 31. Dezember 1922 trägt lGesch. Nr. E. VIII. 87. D. 27 581), zu welcher Zeit der Personalabbau bei der Reichsbahn bereits eingesetzt hatte. Es handelt sich also auf alle Fälle um eine Maßnahme, durch die Personal erspart werden sollte. Es ist nicht zu verkennen, daß der gegen früher sowohl seiner Bauart als auch seiner Lagerung nach wesentlich verbesserte und verstärkte Oberbau eine größere Sicherheit gegen Bcschädigi>ngen im Betriebe aufweist, daß aber auch der stärkste Oberbau keinen Schutz gewähren kann, wenn verbrecherische Eingriffe vorgenommen werden. Deshalb lag in der nächtlichen Kontrolle der Strecke zweifellos eine höhere Sicherheit, die durch die Einstellung der nächtlichen Kontrollgänge weggefallen ist. Es ist selbstverständlich, daß der die Kontrolle ausführende Beamte mit einer Laterne ausgerüstet war und nicht im Dunkeln, nur um formell seiner Pflicht zu genügen, herumlief. Er war also durch- aus im stände, Schäden zu entdecken. Es hätte in der nächtlichen Stille jedenfalls ein Herumhantieren mit eisern'» Werkzeugen— und nur solche kommen in Frage— weithin gehört werden müssen. Jeder Sachkundige weih das. Auf oll« Fälle mußte die nächtliche Strcckenbegehung abschreckend auf Leute wirken, die verbreckerijche Eingriffe vorhatten. Znsosern hat die Personal sparende Maßnohme der Verwaltung zum mindesten die Betriebssicherheit nicht gefördert. Der Generaldirektor Dorpmüller nennt als Grund zum Fortsoll der nächtlichen Strcckenbegehung, daß diese nach den Erfahrungen leinen rechten Zweck gehabt hatte, weil die revidierenden Beamten nicht vorschriftsmäßig zwischen den Schienen auf dem Schotter, son- d-rn auf den, schnwlen Fußweg daneben ihr« nächtlichen Gänge au-oesührt hätten. Gegen ein« solche Darstellung muß sich das Personal mit oller Energie wenden. Dadurch wird klipp und klar der Vorwurf erhoben, daß die revidierenden Beamten nicht ihre Pflicht getan hätten. Selbst wenn einzelne solcher Fälle vorge- kommen sein sollten, so bat doch ieder im Betriebe erfahrene Eisen- bahner da? typische Bild de» Streckenläufers vor sich, der mit Werkzeug und Signalmilteln ausgerüstet in Regen und Sturm, bei Kälte und Hitze, zwischen den Schienen von Schwelle zu Sckwellc dahinmarschicrt, die Augen unablässig auf den Oberbau gerichtet. Auf dem schmalen Fußweg neben dem Gleise bei Nacht zu gehen, hatten die Beamten schon deshalb keine Veranlassung. weil man zwischen den Schienen von Schwelle zu Schwelle viel sicherer und angenehmer schreitet. Jeder, der jemals zwischen Eisen- bahnschienen gino, wird wissen, daß die- Oberfläche der Schwellen vollkommen freiliegt und mindestens eine Handbreit über dem Schotter, so daß man beim Marschieren in der Mitte zwischen den Schienen überhaupt nicht den Schotter zu begehen braucht. Dadurch richtet sich die Darstellung de, Generaldirektors von selbst...' * Es werden in den oben wiedergegebenen Zuschriften Vor- würfe erhoben, die von der Reichebahndirektion nicht mit einem Achselzucken erledigt werden dürfen. Zunächst gilt jedenfalls als feststehend, daß der Beweis für ein Attentat noch nicht überzeugend geführt werden konnte. Aber auch in diesem Falle würde sich die Reichsbahn gegen den Vorwurf der nicht genügend kontrollierten Strecke zu wehren haben. Die Untersuchung muß deshalb auch nach dieser Richtung hin mit aller Gründlichkeit geführt werden. von dem oorbeifließenden Flüßchen hat(etwas, was z. B. Lucken- waldc sehr malerische Wirkungen verschafft). Daß die Straßen- rinnsteine noch duften, ist eine Eigentümlichkeit vieler märkischer Orte— dem Städter wäre ein Geruch nach Pferd und Kuh lieber! Politisch ist das Vorherrschen agrarischer Gesinnung begreiflich. Eine einzige größere Fabrik(Stärke-) beschäftigt 150(im Winter 300) Mann: das Spandauer Parteiblatt wird auch hier(wie z. B. in Neuruppin) fleißig gelesen. Bei einer Neuwahl dürfte aber auch die nordmärkische Reaktion eine Niederlage nach mecklenburgischem Vorbilde erleiden: gegen Ideen helfen auch die Kleinkaliber-Wett- kämpfe des Wusterhausener Iugendlandbundes in seinem neu eröffneten Schießstand am nahen Klempowsee nichts. Zur Linüerung üer Wohnungsnot. Die Stadtverordnetenversammlung hatte am 1. Juli eine Reihe von Maßnahmen zur Linderung der Wohnung»? not beschlossen. Der M a g i st r a t ist diesen Maßnahmen jetzt beigetreten mit folgenden Ergänzungen bzw. Erläuterungen: Der Beschluß sah die Einstellung von 25 Millionen i« den Haushalt für 1920 vor, um den Bau von Wohnungen für unbe- mittclte und kinderreiche Familien zu ermöglichten. Die Summe sollte in Form von Zusatzdarlehcn der staatlichen äiauszinsstcuer und von Darlehen zur Instandsetzung von Altwohnungen sowie als Ar- beitgeberdarlehen gewährt werden. Der Magistrat will die 25 Mil- lionen bewilligen. 15 Millionen davon sollen als Zusatzdarlehen zum Bau von Wohnungen für unbemittelte und kinderreiche Fa- Milien umgehend bereitgestellt werden. Ferner sollen verwandt werden: l'A Millionen Mark als Arbeitgeberdar- l e h en für wohnungsbedürftige städtische Beamte, Angestellte und Arbeiter, 230 000 M. als zinslose Darlehen für erblindete Kriegsteilnehmer und 2 Millionen Mark als Darlehen zur Wiederher st ellung von Verfalls- Wohnungen. Diese letzteren Beträge sollen in Form einer A n- leihe bei der städtischen Sparkasse aufgenommen und von den zuständigen Verwaltungen allmählich nach Maßgabe des tatsächlich eintretenden Bedarfs angefordert werden. Der dann noch verbleibende Rest von k,27 Millionen Mark soll zum Februar 1927 für Zusatzhypotheken de? nächsten Baujahres bereitgestellt werden, um zu diesem Zeitpunkt bei Uebergang in das neue Haushaltsjahr eine Unterbrechung der Bautätigkeit zu ver- meiden. Die Stadtverordneten hatten ferner beschlossen, den Bau- st o f f w u ch e r dadurch zu bekämpfen, daß Kartellen der Produ- zenten, die die Hochhaltung der Baustoffpreis« bezwecken, Kartelle der Konsumenten entgegenzustellen seien. Der Magistrat sollte geeignete Vorschläge machen, um bei der Baustosfbeschassung die städtischen Produktionsstätten möglichst zu berücksichtigen. Da der Stadt jegliche rechtliche Handhabe oder ein sonstwie gearteter Einfluß zur Be- kämpfung des Baustoffwuchers in der in dem Beschlüsse der Stadt- yerordnetenversammlung von, 1. Juli 1926 gekennzeichneten Art fehlt, hat der Magistrat die Wohnungsfürsorgegescllschaft angewiesen, die von ihr bisher bewirkte Vermittlung von Baustoffen an die bauausführenden Firmen beizubehalten, um so, wenn nötig, etwa in die Erscheinung tretenden Preistreibereien entgegenwirken zu können. Der Magistrat hat ferner beschlossen, bei dem Bau von Woh- nungen in geschlossenen Blocks größeren Umfang? einen etwa dadurch entstehenden Bedarf an Schulgrund st ücken in Berücksichti- «mg zu ziehen. Die Neuschaffung von Schulräumen selbst ist von oll zu Fall durch Fühlungnahme der Deputation für dos Sied- wngs- und Wohnungswesen mit der Schuldeputation vorzubereiten. Den übrigen Beschlüssen der Stadtverordnetenversammlung ist der Magistrat beigetreten, insbesondere der U n t er st ü tz u n g des Kleinwohnungsbaus durch Bereitstellung billigen Bau- geländes durch die Stadt und dessen gemeinwirtschastliche Bindung durch das Erbbaurecht sowie durch Erwerb weiteren geeigneten Siedlungsgeländes durch die Stadt. Auch dem Ersuchen der Stadt- nerordnelenversammlung hat der Magistrat zugestimmt, die städti- ichen Werke anzuhalten, den Klcinwohnungsbau durch billigste Berechnung und, falls nötig, durch Stundung der An- schlußgebühren zu fördern. Das gleiche ftztl auch beim Straßenbau und bei der Anlage der Kanalisation erfolgen. Der Magistrat hat der Stadtverordnetenversammlung eine ent- sprechende Vorlage zur Kenntnisnahme zugehen lassen. der»drang zum Stehlen�. Aus dem Leben einer Taschendiebin. Eine unverbesserliche Taschendiebin ist die frühere Laborantin Gertrud W o l f f, die vor der Ferienstrafkommer des Land- gerichts I sich zu oerantworten hatte. Zuletzt machte die Angeklagte insbesondere durch eine dreiste Flucht von sich reden. Sie war eines Tages von zwei Beamten vom Gefängnis in ihre Woh- nung geführt worden, um dort nach dem rechten zu sehen. Hier benutzte sie nun einen günstigen Augenblick, um die Türschlüssel an sich zu bringen, auf den Treppenflur zu laufen und die Korridortür zuzuschließen, so daß die Beamten in der Wohnung ge- fangen waren. Erst durch Zertrümmern der Türfüllung gelang es ihnen, sich zu befreien und der Angeklagten nachzufolgen, die natürlich schon verschwunden war. Als die Wolff in München, wohin lie geflüchtet war, einen neuen Taschendiebstahl ausführte, wurde sie aufs neue oerhaftet und dann nach Berlin zurückgebracht. Die Wolff ist eine alte Taschendiebin, deren Spezialität es ist, in der Untergrundbahn, in Straßenbahnen und im Straßengedränge Damen die Geldtaschen zu stehlen. Wiederholt ist sie deswegen schon vorbestraft worden. Auch in K ö l n, wohin sie mit ihrem von ihr schon längst geschiedenen Mann übergesiedelt war, wurde sie wegen gemeinschaftlichen Taschendiebstahls mit diesem zu 3 Jahren Gefängnis verurteilt. Hier hatten die Gerichte auf 2 Jahre 6 Monate und dann auf 1 Jahr Gefängnis gegen sie erkannt. Gegen das letzte Urteil hatte die Wolff Berufung eingelegt, indem sie behauptete, daß sie zu ge- wissen Zeiten einen„unwiderstehlichen Drang" spüre, sich fremde Geldtaschen anzueignen. Sie war daraufhin in der Dalldorfer Irrenanstalt auf ihren Geisteszustand untersucht worden. Der Arzt Dr. Panse begutachtete, daß es vorkomme, daß Frauen zu gewissen Zeiten eüien Drang zum Stehlen spürten, bei der Angeklagten jedoch nicht der geringste Anhaltspunkt dafür vorgefunden worden fei. Viele Taschendiebinnen wüßfen, daß manche Gerichtsärzte des- wegen in verschiedenen Fällen die Anwendbarkeit des§ 51 befürworteten. Das habe sich wohl die Angeklagte zunutze machen wollen. Ihre Berufung wurde deshalb verworfen. Ter Peiniger eines Waisenkindes. In geradezu barbarische Zustände leuchtete eine Verhandlung vor deni erweiterten Schöffengericht Berlin-Lichten- berg hinein/ Angeklagt war wegen fortgesetzten Sittlichkeitsver- brechens und wegen Beleidigyng der 34 Jahre alte Landwirt Reinhard Reichert aus Hohen st ein bei Strausberg. Mit ihm angeklagt war seine Ehefrau Helene, der gefähr- liche Körperverletzung und Beleidigung zur Last gelegt, wurde. Im September des Jahres 1923 war die damals 16 Jahre alte Berta Lehmann, ein Waisenkind, zu den Eheleuten aufs Gut oe- kommen. Da sie ohne jeden Zlnhang war. hatte der Landwirt sich verpflichtet, das Mädchen wie sein eigenes Kind zu be- handeln, und die Stelle eines Erziehers zu übernehmen. Das geistig etwas zurückgebliebene Mädchen wurde nun in der rohesten Weise behandelt und ohne einen Pfennig Entgelt mit d?n Zlrbciten eines Hausniädchens betraut. Die Ehefrau des Landwirtes beleg'« sie»,!' den gemeinsten Schimnfwo-«en und schlug es aus nichtigen Anlässen in ganz unmenschlicher Weise mit einem Ochsenziecner, einem Mililärspatcn oder einer dicken Rute. so daß tagelang nachher noch blutunierlaujene. grün und blau ver- färbte Stellen, die von den rohen Schlägen herrührten, auf dem ganzen Körper zu sehen waren. Der Landwirt mißbrauchte sein Recht als Erzieher in einer schnöden Weise. Er ver- ging sich wiederholt an dem Mädchen und traktierte es ebenfalls ivie seine Ehefrau mit den unflätigsten Schimpsworten. Ueber zwei Jahre war das bedauernswerte Mädchen bei dem Landwirt: dem es schließlich im Dezember vorigen Jahres nach einer neuen Mißhandlung in der Nacht davongelaufen war. Di« beiden Ange- klagten stritten alles ab und wollten sich nicht strafbar gemacht haben. Das Gericht war jedoch nach Vernehmung mehrerer Zeugen anderer Meinung und kam zu einer Bestrafung. Der Ehemann erhielt wegen fortgesetzten Sittlichkeitsoerbrechens in seiner Eigenschaft als Erzieher und wegen Beleidigung 8 Monate Gefängnis und 50 M� Geldstrafe. Bei Zahlung einer Buße von 800 Mark in vier Monaten wurde ihm für die Freiheitsstrafe eine dreijährige Bewährungsfrist erteilt. Die Ehefrau wurde wegen gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung zu insgesamt 500 M. Geldstrafe verurteill. Die 800 Mark Buße, die der saubere Bursche natürlich händereibcnd bezahlen wird, und die Bcwährungssrsst sind absolut kein Ausgleich für die durchaus berechtigten 8 Monate Ge- fängnis. Diese Roheiten"und Untaten sind so abscheulich, daß es ihrem Veniber durchaus nichts schadete, weiter mehrere Monate bei Wasser und Brot über seine Geineinheiten nachdenken zu dürfen. Zu Verglcichszwecken sollte man sich dieses milde Urteil merken. Hetze um jeden Preis. Der Gauoorstand Berlin-Brandenburg des Reichsbanners bittet uns mitzuteilen:, Der„Iungdeutsche", das Organ des Iungdeutschen Ord-ms. be- richtet in seiner Ausgabe, daß in G ö d e r s d o r f in der Probstei der dem Jungdo angehärigc landwirtschaftliche Arbester Jansen von dem Arbeiter Freitag, der dem Reichsbanner angehört, mit einem Pumpenschwengel erschlagen worden ist. Der„Iungdeiljche" unterschiebt der Tat politische Beweggründe und bemerkt dazu, wie weit die Folge der in den Reihen des Reichsbonners geüV'.i tazia- listischen Hetze gegen Andersdenkende sich auswirkt. Wie a?« Bundes. leitung auf dem Wege über die Gauleitung Kiel feligcjtellt Hai, trifft es zu, daß Freitag Mitglied des Reichsbanners ist. Der Tat liegen jedoch keine politischen Motive zugrunde, e» handelt sich vielmehr um einen reinen Wirtshaus st reit, zu dem Jansen seihst die Veranlassung gegeben hat. Die Bezirks- und Gauleitung steht selbstverständlich auf dem Boden der Erklärung des Bundesoorsitzsnden Hörsing in Nürnberg und werden das Er- forderliche oeranlassen. Wenn der„Jungdeutsche!' die Tat aus die im Reichsbanner geübte sozialistische Hetze zurückführt, so ist das eine nichtswürdige Behauptung, die von einem erstaunlich gering entwickelten Verant- wottlichkeitsgefühl der Schriftleitung des„Iungdeutschen" zeugt. Ter Kartcnmischer im Holzkaften. Woraus Erfinder doch kommen! Hat da ein Mann die Not- wendigkeit erkannt, den Skatspielern die Mühe des Karte n- m i s ch e n s durch einen kleinen Apparat abzunehmen. In die Ocff- nung eines kleinen Holzkästchens legt man die 32 Kartenblätter hin- ein, dreht einige Male an einer Kurbel und schon erscheinen die Karten unbedingt zuverlässig gemischt in Paketen zu dreimal zehn Stück, zwei Karten bleiben für den Skat übrig. Der Apparat ist gedanklich sehr gut durchgeai beitet. Seine fabrikatorische Herstel- lung steht in?lussicht, wenn jemand dem Erfinder mit Geld unter die Arme greift. Der Erfinder versicherte uns, daß er den Apparat zum Patent angemeldet hat und daß für derartige Apparate bisher weder ein Patent erteilt noch eine Anmeldung dafür vorlag. Die nächste Sitzung der Stadlverordnclen nach den Ferien findet am Dienstag, den 7. September, nachmsttztgt 4� Uhr, statt. Zwei Feuerwehrleute verletzt. Bei Reporaturarbeiten an einer Motorspritze in den Z e n t r a l w e r k st ä t t e n der Feuerwehr in der Schänlanker Straße sprang das Schwungrad entzwei. Die beiden Feuerwehrmänner Reschke und Ebel wurden von herun, fliegenden Eisenteilen getroffen und mit erheblichen Der- lcgungen in das Krankenhaus am Friedrichshain eingeliefert. Lessrtsbildvvgsouslckuß Eroh-Lerlin. Zu den VolkSvorltellunae" jür Mindcrbcwittcltc in der Städtischen Oper sind noch einige Karten zu Sonnabend, den 21. und Sonntag, den 22. Zlugult zu baden im Bureau des BezirktbildungsausiihiisseS, Lmdensrr. 3, 2. Hos II, Zimwer 8. Llektrische Apparate auf Teilzahlung. Die Bewag kommt den Konsumenten entgegen. Die Elektrifizierunci Berlins ist, oerglichen mit dem ElektriMtsverbrauch anderer Weltstädte, noch weit zurück. Schuld hieran ist in erster Linie, dah die geschwächte Kaufkraft des Publi- kums noch nicht den heutigen Preisen für elektrische Einrichtun» gen und Apparate entspricht. Hier fördernd zu helfen, haben sich dic städtischen Elektrizitätswerke zur Aufgabe gemacht. Im Hinblick auf die Erfahrungen des Auslandes und auch einzelner deutscher Werke hat sich die BEWAG, entschlossen, ihren Abnehmern oder— bei Installationen— denen, die es werden wollen, �ohrungscrlcichtcrungen in Form der Ratenzahlung zu verschaffen. Die BEWAG, will sich jedoch jeden Eingriffs in den Handel selbst enthalten, um dem hiesige» Gewerbe und Kleinhandel keine Konkurrenz zu bereiten. Die BEWAG, wird es daher über- nehmen, die finanziellen Mittel für eine Ratenzahlung bereitzustellen und die Einkassierung der kreditierten Beträge zugleich mit der Einziehung der Stromrechnungen durchzuführen. Man wird also zukünftig, und zwar vom 1. Oktober d. I. ab, in ollen Berliner Fachgeschäften, die das Zeichen„E 3" im Schaufenster haben, elektrotechnische Bedarfsgegenstände und Installationen gegen Ratenzahlung bestellen können. Hierbei ist lediglich erforder- lich, einen dort vorrätigen vorgedruckten Antrag an die BEWAG. einzureichen, woraufhin diese den nach Leistung einer Anzahlung verbleibenden Rechnungsbetrag gegen einen bestimmten mäßigen Aufichlog für den Käufer auslegen wird. Die Rückzahlung erfolgt dann in monchlichen Raten zugleich mit der Strom rech- n u n g, wobei festgelegt ist, daß die erste Rate erst in dem zweiten .Kalendermonat, der auf die Lieferung folgt, erhoben werden soll. Unter die Artikel, die mit Hilfe de» BEWAG.-Krcdites oerkauft werden dürfen, fallen außer Beleuchtungskörpern und kleinen Motoren elektrische Heiz-, Koch- und Haushalts- a p p a r a t e jeder Art. Hierbei ist Vorsorge getroffen, daß nur technisch einwandfreie Apparate dem Publikum angeboten werden. Um einen großen Verwaltungsapparat zu ersparen, werden alle diese Geschäfte im Werte bis zu öüt) Mark einheitlich behandelt, und zwar mit 10 Proz. Anzahlung und 10 Raten oder 30 Proz. An- Zahlung und S Raten. Für I n st a l l a t i o n e n hat die BEWAG. einm etwas anderen Weg gewählt. Hier sind nach der Installations- einkeit bemessene Pauschalsätze für die Kreditierung festgesetzt worden. Di« Leitung der BEWAG, glaubt mit Recht annehmen zu dürfen, daß mit Hilfe der geschilderten Erleichterungen die so sehr begehrten, heute jedoch noch eincin beschränkten Kreis von Strom- Verbrauchern vorbeholtcnen elektrischen Apparate der großen Masse der Abnehmerschaft erschlossen werden. Das um so mehr, als der echöhtc Umsatz wiederum eine Senkung des Preisniveaus herbei- führen muß. Die BEWAG, hofst des weiteren mit Rücksicht auf d'c große Zahl von Häusern und Wohnungen, die heute in Berlin noch nicht mit elektrischer Arbeit oersorgt werden, daß die Anschluß- bewegung durch das Teilzahlungssystem eine starke Belebung er- fahren wird._ Näuber an den Ausgewiesenen. llnregelmabigkeilen im Deutschen Optanlenbund. Schwere Vorwürfe gegen den Deutschen Optantenbund wurden in einer Verhandlung vor dem Großen Schöffengericht Berlin-Mitte erhoben, vor dem sich sein früherer Berliner Vertreter Johann Forsch wegen Untreue verantworten mußte. Der Deutsche Op- tontenbund wurde in Schneidemühl gegründet, als die Ausweisungen der Optanten aus Polen begannen und in Schneidemühl das Flüchtlingslager eingerichtet wurde. Sein Zweck war, die Ent- schödigungsansprüche der Optanten an das Reich best- möglichst und schnell zu erledigen und deshalb strömten in großer Zahl di« Optanten ihm zu, die Rat und Hilfe in ihrer Rot haben n ollten und bereitwilligst olle ihre Papiere übergaben. Um mit dem Reichscntschädigungsaint in ständiger Verbindung zu stehen, war hier eine.Geschäf'tsstell« eingerichtet worden, als deren Ver-� treter der' Angeklagte fungierte. Forsch erledigte nun die GhttschW- gunaeansprüche der armen Optanten, die zum Teil als die Acrmstcn der Arnien bezeichnet wurden,„bestmöglichst" in der Weise, daß er van den Ausgezahlten Entschädigungssummen häuf ig einen Teil für sich behielt. Im ganzen soll das Manko etwa 26 000 M. betragen. 15 000 bis 13 000 M. tonnten ihm jedoch nur nachgewiesen werden. Ihre Veruntreuung gab Forsch auch zu. Daß ihm diese Defraudation leicht und längere Zeit möglich war, lag an der Kontrolle, die nicht im geringsten vom Vorstand in Schneidemühl ausgeübt wurde. Die Gutächten det Sachverständigen über den Betrieb des Optantenbundes sind ver- n-chtend. Noch ihnen war keine ornnung s m ä ß i g e Buch. s ü h r u n g eingerichtet und daher sprach der vtantsanwalt von unglaublichen Zuständen im Deutschen Optantenhund, bei dem es höchste Zeit gewesen sei, daß er aufgeflogen sei. Der Ver- leidiger des Angeklagten leitete von diesen unmöglichen Zuständen die Berechtigung ob, für den Angeklagten die Milde des Gerichts in Anspruch zu nehmen. Nach der Auffassung des Verteidigers gehörten zum mindesten auch die Vorstandsmitglieder des Bundes mit auf die Anklagebank. Mit Rücksicht darauf, daß die Optanten auf das schwerste geschädigt seien, weil sie keinen Anspruch mehr an das Reich hätten und ganz von dem guten Willen des Angeklagten, den Schaden wieder gutzumachen, abhingen, beantragte der Staats- onwalt trotzdem 2 Jähre 6 Monate Gefängnis. Das Gericht trug jedoch den ganzen Verhältnissen Rechnung und erkannte dement- sprechend auf ein Jahr zwei Monate Gefängnis, von denen 5 Monate auf die Untersuchungshaft angerechnet wurden. Für einen Teil der Strafe soll dem Angeklagten auch noch Bewäh- rung zuteil werdest, wenn er nach besten Kräften den angerichteten Schaden wieder gutzumachen sucht. ?n einer öerliner Schuhfabrik. Die Mode der kurzen Röckchen, der schlanken Beinchen und des fleißigen Tanzsportes hat den Bedarf an Schuhen überhaupt, speziell aber an Luxusschuhen, um ein Beträchtliches gesteigert. Die Schuh- sabrikanten, die mit an der Spitze stehen wollen, studieren— Haupt- sächlich im Ausland— fleißig die neuesten Modeschöpfunqen und verpflanzen ihre Wissenschaft sodann nach der Heimat. Paris ist die„Hauptuniversität". Hier treibt die Phantasie ihre tollsten Blüten, und zwar sind es in der Hauptsache nach Frankreich ein- gewanderte russische Emigranten, die sich hier durch Entwürfe reiz- voller Neuheiten auf dem Gebiete des Luxusschuhes eine Existenz geschaffen haben. In der Großen Frankfurter Straße 3 2 befindet sich. aus vier Stockwerke oerteilt, eine der größten Schuhfabrikations- statten Berlins. Erste Station ist die M n d c l l a b t e i l u n g. Hier werden die Modelle der eingangs erwähnten Novitäten und über- Haupt sämtliche anzufertigenden Schuhe von Zeichnern entworfen. dann durch gelernte Modelleure aus Pappe angefertigt und kommen sodann in die Zu s ch n e i d e r e i. An langen Tischen wird hier aus den verschiedensten Ledersorten— selbst Schlangen und Kroko- d le müssen ihre Haut zum Schuhmarkte tragen—. dann aus Stoff, Seide. Samt usw. der Sckuh samt dem dazu gehörigen Leder und Stosiutter zugeschnitten. Nun kommen die zugeschnittenen Teile in die S t e p p e r'e i. An großen Nähmaschinen mit Kraftbetrieb, die den entsprechenden ohrenbetäubenden Krawall verursachen, werden hier— hauptsächlich durch Frauen— die Teile zusammengenäht. dann erfolgt die Zierstepperci auf den Schuhkappen und überhaupt die ganze Stepparbeit, die auszuführen ist. Jetzt wird der fertig- gestellte Schctt in die Z w i ck e r e i besördert. Hier wird der Schuh über den Schuhleisten qczwickt, d. h. gezogen, an der Brandsohle festgeklebt und in die P r e s s e r e! geschickt, ipo die Sohlen aus- geklebt und mittels starker Preßinaschinen angepreßt werden. Run werden die Absätze angebracht. Die hohen Absätze werden von eigenen Absatzfabriken angefertigt und hi'cr, zum Schuh passend, bezogen. Nun kommt der fertige Schuh in die D e r s ch ö n e r u n g s- anstatt oder Vcrputzerei, wo eine Art Retouche vor- genommen wird, indem hier sämtliche Schönheitsfehler in Form von Flecken und anderen Unebenheiten fein säuberlich entfernt werden. Dann wird der Schuh lackiert, schwarz, braun usw., noch- mals gründlich nachgesehen und nun, zum Verkauf bereit, ein- kartoniert. Insgesamt 350 fleißige Menschenhände sind hier am Werk, für unzählige Füße Schuhwerk zu schaffen. Der Zelluloidbrand in Schöneberg. Zu dem im gestrigen Abend- blatt mitgeteilten Zelluloidbrand in der Tempelhoser Straße zu Schöneberg erfahren wir noch, daß �die Kisten Filmstreifen enthielten. Aus noch imnier nicht geklärter Ursache gerieten diese in Brand. Eine große Stichflamine traf den Kutscher Karl Witt ig aus der Nogatftr. 42 zu Neukölln, er erlitt schwere Verbrennungen. Sein Mitfahrer Karl D i e b l i t s ch aus der Ritterstr. 52 kam glücklicherweise mit leichteren Brandwunden davon. Auch die beiden Pferde erlitten Brandwunden. Der Wagen brannte voll- ständig nieder. Die Stichflamme nahm ihren Weg nach der Haus- front des Mietshauses Tempelhoser Str. 21. Ein an der Bord- schwelle stehender Ob st wogen wurde von der Flamme erfaßt und vernichtet. Die Hausfront wurde bis zur Höhe der ersten Etage angekohlt und Firmenschilder und Jalousien brannten an. Der sofort herbeigeeilten Feuerwehr gelang es nach kurzer Zeit das Feuer zu löschen. 3n der Badeanstalt vom Tode ereilt. Gestern nachmittag ertrank in der S t ä d t i s ch e n B a d e a n st a l t in der G a r t e n- st r a ß e 5 5 der 23jährige Arnold Urin aus der Christinen- straße 40. Ein sofort hinzugerufener Arzt stellte den Tod fest. Die Todesursache konnte noch nicht genau festgestellt werden, ist aber vermutlich auf Herzschlag zurückzuführen. Deutscher Schäferhundtag. Die Landesgruppe Mark Brandenburg des Deutschen Schäferhund-Verbandes(DSV.) E. V. veranstaltet am 22. August in der Schloßbrauerci Schöneberg. Hauptstr. 122/123, unterstützt von 33 Ortsgruppen, einen Propagandatag für den deutschen Schäferhund. Eingeleitet wird dieser Tag durch einen Propagandazug, welcher mittags 1,30 Uhr am Oranien- platz seinen Anfang nimmt. Festlich geschmückte Wagen und eine starke Musikkapelle werden den Zug über den Belle-Alliance-Platz bis zur Schlohbrouerei Schöneberg geleiten. Zu den Pilzvergiftungen In Moabit, denen, wie wir bereits gestern morgen mitteilten, daß sechsjährige Töchterchen des Kaufmanns Gerhard Ludwig zum Opfer fiel, erfahren wir noch folgendes: Ludwig hatte mit seiner Familie einen Ausslug nach Britz unter- nommen, wo man im Walde Pilze suchte, unter denen sich auch einige giftige befanden. Von dem Pilzgericht, das am Mittwoch auf"den Tisch kam, aßen nur der Ehemann und die beiden Kinder. Wie wir aus dem Moabiter Krankenhaus erfahren, hat sich auch der �Zustand der fünfjährigen Erika Ludwig so weit gebessert, daß sie außer Lebensgefahr ist. Die Zahl der Rundfunkteilnehmer im Deutschen Reich beträgt nach dem Stand vom 1. August 1 237 063. Im Monat Juli ist also wieder ein Zugang von, 13006 Teilnehmern eingetreten. Strolauer Filchzug. Der.Bcrem zur Erhaltung deS Stralauer Fisch- zugeS" wird auch in vielem Jahre den Land settzug am Sonntag, den 22. August, veranstalten. Am DienZtag, den 24. August, vormittags tt Uhr. wird die Stralauer Fischerinnung den hi st arischen Fischzug n der Spree vornehmen. Das Alles ist so nett und liebenswürdig gemacht. Statt des Rokokos, das noch vor ein paar Jahren sehr hoch notiert wurde, hat der Verfasser August Neidhardt das Biedermeier gewählt. Er nennt die Sache„Die Strohwitwe", und Leo Blech schrieb dazu eine sehr kultiviert« Musik, die sich sogar hin und wieder zu einem Schlager aufrafft. Leo Blech ist ebenso wenig wie Künnecke ein echter Opercttenkomponift. Dielleicht gab er fein Bestes im „Rappsltopf", in der Szene zwischen dem Algenkömg und dem Menschenfeind im zweiten Akt, in diesen breit angelegten Kamilenen beeinflußt von der italienischen Oper des Verismus von Wagner. Man hat bei Leo Blech, dem genialen Dirigenten, immer das Empfinden:„Hier stehe ich, ich kann auch anders." Und auch in der Operette könnte er anders. Warum sollte er sich nicht wie Offenbach benehmen, wenn es die Zeitmode verlangen würde? Aber man hört nur Offenbach heute gern«, weil es eben Offenbach ist. Und deshalb gibt Blech heute seiner Musik eine Orientierung nach der Spieloper hin. Der Tenor ergeht sich in hübsch komponierten Rezi- tativen, die Sopranistin setzt ihre Stimm« dagegen, Blech weiß eben, wie man das machen muß. Wenn es darauf ankommen würde. konnte Blech sogar— einen neuen„Tristan" komponieren. Warum nicht? Die technischen Boraussetzungen beherrscht man. wenn man „Aida",„Carmen" oder den„Ring" auch ohne Partitur dirigieren könnte. Em genialer Eklektiker zeigt hier, was er kann. Niemals entgleist«r. alles ist fo sauber und so nett. Reißen aber diese aus- gefeilten Sachen mit, selbst wenn Vera Schwarz oder Bötel ihren Stimmenglanz der„Strohwitwe" leihen? Kaum. Und doch ist man dem Rundfunk dankbar, daß er diese Operette übertrug und nicht das Produkt irgendeines Komponisten, der mühsam sein Leben von ein paar kümmerlich komponierten Schlagern fristet. Das Rundfunkprogramm. Sonnabend, den 21. August. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 12 Uhr mittags; Die Viertelstunde für den Landwirt. 4.20 Uhr naehra.; Dr. Franz Lederer:, Merkwürdigkeiten an Berliner Bauten und Denkmälern"(2. Teil). S— 6 30 Uhr hbends: Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmstr. Franz v. Szpanowski. Anschließend: Ratschläge fürs Haus, Theater- und Filmdienst. 7.00 Uhr abends: Dr. Anton Meyer:„Aus der Geschichte der Hochtouristik". 7.25 Uhr abends: Major a. D.Joachim v. Schrosder:„Luftverkehr nach dem Osten". 7.55 Uhr abends: Maler und Graphiker Georg Hausdorf:„Kunstüberproduktion und Kunstunkenntnis". 8.30 Uhr abends: Blasmusik. Dirigent: Kapellmeister KailWoitschach. t. Auber: Ouvertüre zu der Oper„Maurer lyid Schlosser". 2. Meyer- becr: Fackeltanz Xr. 1. 3. Mascagni: Fantasie a. d. Oc.„Cavalleria rusticana". 4. Hildaoh: Der Lenz. Lied. 5. Waldteufel: Ich liebe dich, Walzer. 6. Stork: Titanenmarsch, 7. Manfred: Erinnerungen an Franz Abt. Melodicnkranz. 8. Woitsohach: Liebesglocken, Walzerserenade. 9. Millöcker: Potpourri a. d. Optt.„Gasparone". 10. Reckling: Frisch voran. Marsch. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetterdienst. Sportnachrichten. Theater- und Filmdienst. 10.30—12 Uhr abends: Tanzmusik(Kapelle Kertubach. Leitung: Kapellmeister Otto Kermbach). Königswusterhausen, Sonnabend, den 2t. August. 1 10— 140 Uhr nachm.: Musikalische Darbietungen für Schüler. 3—3.30 nachm.: Einheitskurzschrift(Prof. Dr. Amsel und Ober- srhullehrer Westermaon). 3 30—4 Uhr nachm.: Rektor Otto Mehian: .Von den Bilrtungsaufgahen der Gartenarboitrschule". 4—4.30 Uhr nachm.: Dr. Willi. Ebert:.Wärme und Obstbau". 480— 5 Uhr nachm.: Mitteilungen des Zentralinstituts.»—5.30 Uhr nachm.: Diplom- Landwirt Feierabend:.Pflanze und Tier im Aufbau der menschlichen Kahrung". Ab 830 Ehr abends: üebertragung aus Berlin; anschließend Tanzmusik. partelnachrichten für Groß-Serlm Einsendungen svr diese RnbrU find Berlin SW 68, Lindenstrahe 3, stet, an das Bcjitfsfceretnmt, 2. Hos, 2 Trep. rechts, jn richten. Heule, Sonnabend, den 21. August: 28. Abt.(Srofics S o m nt« r f t ft bei Biittner. Scknvedtcr Str. 23. Konzert. Votträge, Ton» bis zum Morgengrauen. Zohlreichc Beteiligung wird erwartet. 74. Abt. Iehlendors. Alle Parteigenossen beteiligen ssch«m den Veranssoltnngen des Aeichsdanners am Sonnabend und Sonntag. Sonntag 1 Ilhr Antreten zum Ummärsch bei Benno Ricklen. Morgen, Sonnlog. den 22. August: 5. Abt. ftamilienausflug nach Schmäckwig. Ircffpunft zwischen 9 und 10 Uht vormittags im Aestaurant ,.3ur Palme" in Schmöckwitz. Straßen» bahnverbindung: Mit den Linien 8" oder 187 vom Spittelmartt bis Hüne- nick fahren, dann umsteige», mit der Bahn 88 bis Schmöckwitz fahren. Nachzügler treffen sich ebenfalls in der„Palme". 8. Abt. Di« Genossen beteiligen sich an dem S o m m« r f e ft der Arbeiter- Radfahrer in Zehlendorf-Miite. Start nachmittags 1 Uhr bei Kroll, Blllow- Itratze 56. Die Bezirksfllbrer laden zum gemeinsamen flahlabend am Milt- woch, den 25. August, abends TA Uhr. zu Rickcrt, Sieinmetzstr. 36a, ein. Jungsoziallste«: Gruppe Lichtenberg: Heute, Sonnabend. Treffpunkt abends 7 Uhr Bahnhof Ltoalau-Rummelshurg zur Teilnahme am Geländespiel der Arbeiterjugend.— Gruppe Reutöll» U: Sonntag ffohtt nach Strausberg lPikfefee) 146 Uhr Ring. bahnhof Neukölln. * Arbeitsgemeinschaft der sinders ecundc. Bezirk Kreuzberg: Sonntag, den 22. August, ssahrt mit der Arbeiterjugend nach Königswusterbausen. Treff- Punkt früh 6>,-> Uhr Görlitzcr Bahnhof. Fahrgeld 50 Pf. Essen ist mitzubringen. — Kreis Tiergarten: Sonntag, den 22. August, ssahrl nach Papcnbcrgc und Spandauer ftorft. 20 Pf. ssabtgcid und Essen ist mitzubringen. Treffpunkt früh 7 Uhr Kleiner Tiergarten, Kriegerdenkmal. Sozialiftische flrbeiterjugenö Groß-öerlin. heule, Sonnabend, den 21. August: Schönhauser Lorstadt N: Fahrt Königswusterhausen. Tressen 167 Uhr Schönhauser Allee,— Wilmersdorf II: Hildegardstr. 4. Portrag:„Wir können und wie müssen wir handeln?"— Westen: Nachtfahrt Dernau. Treffen 7 Uhr BUlowftratze.— Neichenbcrgcr Viertel: fZunktionärversammlung hei Georg Lange. Reichenberger Str. 81.— Werbebczirk Wcdding: Treffpunkte zum Wochcnendkurfus: Gesundbrunnen und Norden 6 Uhr Bhf. Gesundbrunnen: Wedding-Nord und Wcdding 614 Uhr Bhf. Putlitzstraste,— Weebcbczirk Müggelsee und vbcrsprce: Treffpunkt zum Wochcnendkurfus 6 Uhr Bbf. Nicdcts,.önc. weide. Morgen, Sonnlag. den 22. August: Werbebeziri Kreuzberg: Gemeinsame ssahrt der drei SUdost.Gruppcn mit den Kinderfreunden nach dem Krummen See, Trefsen 1�7 Uhr Görlitzer Vhf. Instrumente stnö mitzubringen— Schönhauser Borstadt I: Heimabend Schön- flietzcr Str. 7.— Rofenthaler Vorstadt:(fahrt noch Oranienburg. Treffpunkt 7 Uhr Stettiner Vororthhf. iZahaeld 50 Pf. vortrüge, vereine unö Versammlungen. Reichsbanner.Schwarz-Rol-Gold". Geschäftsstelle: Berlin S 14, Eebastianstr. 87/88. Hof' 2 Tr. lZehlendorf: gu dem Fackelzug am So., d. 21., treten all« aktiven Mitglieder 7>«i Uhr vor dem Lindennork an. Nach dem Fackelzug im Lindenpark Quariierverteilung. Sonntag, d. 22., Vi 12 Uhr Platzkonzert. gleichzeitig Kranzniederlegung auf dem Ehrensriedhos, 12% Uhr Führer- belprcchung hei Micklcn /Schwarzer Adler), Polsdamcr Siratze. 1 Uhr Sammeln »um Ummarsch. All« Aktiven haben an beiden Tagen teilzunehmen und Banner. klcidung. Abzeichen und ffestabzeichen anzulegen.— Milte: Sonntag, d, 22., Antreten 12% nachm. Bhf. iZchlcndorf-Mitle mit Fahnen und Tambourkorps.— Weddiog: Sonntag, d. 22., mittags 12 Uhr, Antreten bei Müller, Uferstr. 12, zur Fahrt mit Lastaut» nach sschlendorf. Fahrt für sämtliche Kameraden kostenlos.— Kreuzberg: So., d. 21.. abends 8 Uhr. Abt. Ist, Verf. mit Damen. Dorlrag des Kam. Werth über die Wiener Reif«.— Eharlotlenbnrg: Sonntag. d. 22., Punkt 12 Uhr. Abfahrt nach Zestlendorf vom Bhf. Eharlbg. mit Tum- hourkorps. Pflichtveranstaltung.— Wilmersdorf: Kameraden, die an der Bannerweih« in Zchlendorf teilnehmen, treffen stch zur Fahrt mit dem Autobus an der Autohushaltestelle flaiferall«. Ecke Berliner Strafte, um 12% Uhr.— Steglitz: Mo., d. 28., abends 8 Uhr, hei Schulz, Birkhufchstr. Sst. wichtige Verf.-r Renköln-Britz: Sonntag,, d 22.. 12 Uhr. Abf. nach Zehlendors vom Bhk. Hermavnstrafte, Nachzügler 1 Uhr Schwarzer Adler, �ehldidorf. Beteiligung aller aktiven Kameraden erwünscht.—- Treptow(Kreis): Sonntag, d. 22., Autofahrt nach Zehlendorf. Abf. für Schöneweide-Fohaiinisthal Ii Uhr vorm. von Schöps. Niedeefchöneweid«, Grünauer Str. 8: Kameradschaft Baumschulen» weg 10% Uhr hei.Borgmann: Kameradschaft Treptow Nitz Uhr Kiefholz-, Ecke SUenstiafte. Fahrgeld 70 Pf. muft vorher hei den Kameradschaftsführern gc- zahlt werden. Pflichtveranstaltung. Fahnen mitbringen.— Peiershagen- Fredersdorf: So., d. 21.: Die zum Kreistreffen der Iugendkameradcn ein. treffenden Kameraden werden am Seebad Stienitzfe« empfangen. Sonntag, d. 22., früh 7 Uhr, Antreten der Kameraden heim„Alten Dessauer". Arbeitsgemeinschaft freigcistiger Verbände. Sim Berlin. Der Vorbcrei» tungsunterricht findet statt: 1. Bez.: Jugendheim Reue Königstr. 21, Mittwochs von 5—7 Uhr. 8. Dez.: 208. Gemcindeschule. Gothenburger Str. Z, Dienstags von 4— 6 Uhr, Freitags von Itzitz— ltz7 Uhr. 282. Gemeindeschule, Lütticher Strafte 4. Dienstags und Freitags von 4— 6 Uhr. 245. Gemeindefchul«, Ponk- ftrafte 20—22, Diens:aos und Freitags von 4—6 Uhr. 4. Bez.: Lnzeum, Greifs. waldcr Str. 24—25, Donnerstags von 8V5— 5'4 Uhr. 171. Gemeindefchufe. Kastanienallee 81— 62, Donnerstags von 3'A— 51tz Uhr. 221. Gemcindeschule. Pappelallee 41— 42, Freitags von S'j— 514 Uhr. 305. Gemeindefchul«, Petersburger Str. 4. Donnerstags von 4— 6 Uhr. 5. Dez.: Jugendheim Ebcrtnstr. 12, Montags von 5—7 Uhr. Jugendheim Dicstelmenerstraftc. Dienstags von 5 bis 7 Uhr. Zuaendheim Goftlerstr. 60. Dienstags von 5—7 Uhr. 8. Bez.: Jugend- heim Alte Iakobstr. 136. Montags und Donnerstags von 4—8 Uhr. 80. Se» mcindcschul«. Wrongelstr. 128, Donnerstags 4— 6 Uhr. 100./102. Gemeinde- schule, Reichenberger Str. 67—70, Dienstags und Freitags von 4— 6 Uhr. 7. Bez.: Weltlich« Schule Ehorlotlenhurg. Svreestr. 3S, Freitags von 5—7 Uhr. 8. Bez.: 2. Semeindeschule. Evandau, Molticstrafte. Moniags von 4—6 Uhr. 11. Bez.: 4. Gemeindelchule, Echönehcrg, Kolonncnstr. 23. Donnerstags von 3—4 Uhr. 12. Bez.: Jugendheim Steglitz, Knievhof-, Ecke Ieverstrofte. Donners. tags von 4--6 Uhr. 13 Bez.: 2. Gcmeindcschule. Tempelhof. Werderstratze. 7. Gcmeindcschule. Maricndorf, Königftraftc. 14. Bez.: Gemcindeschule Neukölln. Boddinstr. 54— 56, Donnerstags nun 4—8 Uhr. Gemeindefchul« Neukölln» RUtliftraftc. Donnerstags von 4—8 UM. Gemeindeschule Neukölln, Marien- doefer Weg. Donnerstags von 4— 6 Uhr 15. Boz.: Weltlich« Schule Adlcrshof. Rodickesteaftc. Mädchenschul« Riederschöneweide, Hasselwerder Str. 8. Gc- meindeschule Oberschöncmeide, Kotmeierstrafte. 16, Bez.: Jugendheim Fried- richhhagc». Scharnweberftr. 106, Donnerstags vsn 814— 514 Uhr. 17. Bez.: Cäcilien-Lnzciim. Lichtenberg. Ratbausstraftc. Donnerstags von 144—8 Uhr. 18. Bez.: Gemcindeschule Wciftensce, Roelckestrafte. 19. De,.: Jugendheim Pankow. Doillardstrafte. Donnerslags von 5—7 Ubr. 20. Bez.: 2. Gemeinde- schule Tegel, Treskowstrofte, Donnerslags von 5—7 Ubr. Gemeindefchul« Rlinickendorf-Ost. Pankowcr Allee. Donnerstags von 5—7 Uhr. Gchlesser-Berein„Rübezahl", Eharlottenburg. Sonntag, den 22. August. 8 Uhr. aufterordcnttich« Versammlung hei Reimer. Wilmcrsdorfer Str. 21. Gäste willkommen._ Arbeitersport. ®te Ortsgruppe Nahlsdorf des Arbciter-Rabfahrcr-Bnnbes„Solidarität" begeht am Sonnabend, den 21. August, im Lokal E. Anders. Bohnhofftrafte. ihr 1. Stiftungsfest. Da die Ortsgruppe bei allen Parteifesten mitwirkt, sind die Parteigenossinnen und-genossen sowie alle Freunde und Gönner des Rad- fports herzlich eingeladen._ Sport. „Schrittmacherkönig" Hofmann Festorben. Bon einem schweren Verlust ist der deutsche Radsport durch das Ableben des bekannten„Schrittmacherkönig s" Franz Hos- mann betroffen worden. Der Berliner Schrittmacher, der Führer des französischen Rennfahrers Miquel war, stürzte erst im Mai diese» Jahre» bei einem Reimen in Marseille und wurde schwer verletzt von der Bahn getragen. Er startete erneut bei dem Er-, ösfnungsrennen in Hamborn, obgleich er von dem erlittenen Sturz noch nicht völlig wieder hergestellt war. Auf der Hamborner Bahn erlitt er einen neuen schweren Unfall. Hosmonn fuhr beim Ueberholen eine» Gegners gegen die Barriere und stürzte. Während Miquel mit leichten Hautabschürfungen davonkam, zog sich Hof- mann so schwere innere und äußere Verletzungen zu, daß er sofort in das dortige Krankenhaus gebracht werden mußte, wo er zwei Tage ohne Besinnung lag, bis der Tod ihn erlöste. Wetterbericht der öffentlichen well er dien st stelle iflr verlin.(Nachdr. nerb.) Für Berlin meist ziemlich ilai k bewölkt, ipiiier mit Neigung zu Regensüllen. Temperaturen nur wenig niedriger, auffrischende Westwinde.— Für venlsch- land: Srn südwestlichen Deutschland starke Bewölkung und vielfach Regen. sälle, sonst noch heiter und meist trocken. Temperaturen wenig verändert. Die öeutjche L Börsenhausse nn� �'lz zu Anfang dieses Jahres in der Denkschrift des Reichs- Verbandes der deutschen Industrie die deutsche Wirt- schaftslage mit äußerstem Pessimismus gekennzeicknet wurde, in dein man von einer Zerstörung der Grundlagen unserer Wirt- schast sprach, waren es die Gewerkschaften, die in ihrer Cegendenkschrift diesen Uebertreibungen entgegentraten.„N i ch t «ine Zerstörung der Grundlagen, d. h. der produk- lioen Kräfte offenbart die gegenwärtige Krise, sondern nur eine ernste Störung des Produktionsprozesses, die ausgeht von Störungen in der Zirkulation, hervorgerufen durch den Mangel an Kaufkraft der großen Masse der Bevölkerung, von einer falschen Verwendung des Sozialproduktes", so lautete damals das Urteil der Gctwrkschasts- denkschrift. Wie hoben sich nun die Dinge in den ersten acht Monaten drefes Jahres entwickelt? Trotz heftiger Krisenerscheinungen, die insbesondere die Sorge um die Arbeitslosigkeit immer mehr in den Vordergrund gerückt haben, haben nach allen statistischen An- Haltepunkten, die gegeben sind, sich die Kurven der Produktion urjö der Umsätze in der deutschen Volkswirtschaft weiter auf- w.ö r l s entwickelt. Don einer Zerstörung der Grundlagen unserer Ulirtschafl spricht heule kaum noch irgend ein ernsthafter Beurteiler. 60 besteht Anlaß, anzunehmen, daß das Sozialprodukt von 1£Z6 eher größer fein wird, als dos Sozialprodukt des voran- gegangenen Jahres. Aber trotz alledem klappt es nicht in unserer Wirtschaft, die kleinen Besserungen der Arbeitslofenzahlen >n den letzten Wochen können nicht darüber hinwegtäuschen, daß noch immer annähernd 2 Millionen arbeitswillige Menschen zmn Feiern iierurtcilt sind, und daß annähernd ebensoviel Arbeiter und Ar- beiterinnen durch Kurzarbeit in der Verwertung ihrer Arbeitskrast orökomml sind. Die schweren Störungen des kvirtschastsapparate» snd also keineswegs überwunden, und so wenig angebracht eine über- trieben« Schwarznialerei ist, so verhängnisvoll wäre es auf der anderen Seite, sich Illusionen hinzugeben über die herrschend: wir!- schaftliche Krise, die ihren Ausdruck in der sozialen Not von Millionen findet. Gerade in diesen letzten Wochen macht sich in vielen Wirt- schaftebgtrachtungen ein zuversichtlicher Optimismus bemerk- bar, lyr die Gefahr in sich birgt, den Druck zu verringern, der von allen Seiten angewendet werden muß, um dos großzügig ausgestellte Pr jcramm der Arbeitsbeschaffung aus den Akten in die Wirklichkeit Zit übertragen. Diese Welle des Optimismus geht von der Börse aus. Die Aktienkurse an den deutschen Börsen sind in ständigem Steigen begriffen, sie haben sich seit Beginn des Jahres lI'Zsi rcicklich verdoppelt. Auch die Kurse für festverzinsliche Anleihen lind Pfandbriefe sind teil dem Jahresanfang um rund 4l1 Proz. ge- flicpcn. Bei einer Reihe von bevorzugten Zlktienwerlcn, insbeson- d?r« bei den Aktien der chemischen Großindustrie geht die Kurssteigerung noch weit über das Durchschnittsmaß hinaus. Die K a p i l 0 l g c w i n n e, die durch die Börscnkursstcigerungen bei den Besitzern der Wertpapiere oder wenigstens bei einem Teil dieler Besitzer realisiert werden, führen zunächst zu einer gewissen Be'bung des Luruskonsums, die man an verschiedenen Stellen seltftcilen sann. Uns interessiert aber in diesem Zusammenhang« vor allen Dingen die Frage, wie sich das optimistische Urteil der Börse über die Aussichten der deutschen Industrie, das in der Kurs- bewegung seinen Ausdruck findet, zu der Realität der krisenhaflei! tkoge am Arbeitsmarkt verhält. Gewiß spielen bei der Börsen- bewegung mancherlei Augenblickseinslüsse, die Spekulation, die Leichtigkeit der Krediibcschossung für Börsengeschäite u. dergl. eine Rolle. Aber eine so anhaltende Zlufwärtsbewcgung der Aktienkurse, wie wir sie in diesem Jahre erlebt haben, ist doch nur mög- lich, wenn sie getragen ist von der Erwartung einer Besserung der Rentabilität der Unicrnehmungcn, deren Werte an der Börse umgesetzt werden. Auch die Tatsache, daß z. B. die großen Banken jetzt zu erheblichen Kapitals- erhöhungen schreiten, zeugt von ihrem Vertrauen, für erhöhte Kapitalien mindestens die bisher bezahlten Dividenden Herauswirt- sciKJften zu können. Wir können also den Optimismus der Börse insoweit nicht als unbegründet bezeichnen, als er die Erwartung einer besseren Rentabilität der deutschen Großunternehmungen aus- drückt. Der Prozeß der Bereinigung der deutschen Wirtschast, der Rationalisierung der Betriebe und der Konzentration in den Gewerben, der noch keineswegs zum Abschluß gekommen ist, oiier doch im letzten Jahre ein großes Stück vorwärts getrieben worden ist. beginnt Früchte zu tragen und zwar gerade aus dem Gc- biete, das die Börse ollein interessiert, auf dem Gebiete der Kapital- rente. Ganz anders sieht d�s Konjunkturbild aus, wenn man es nicht einseitig unier dem Gesichtspunkte der Erftwickliing der Kapitalrente betrachtet, sondern wenn man die Frage für die Gc- jamtwirtschast auswirft, nämlich die Frage nach der Entwicklung des Massenwohlstandes in der gleichen Periode. Die ungeheure Zahl der Arbeitslosen und Kurzarbeiter, d. h. derjenigen Teile der Bevölkerung, deren Ein- kommen auf ein Existenzminimum herabgedrückt ist, die Entwicklung der Reallöhne, die infolge der Steigerung der Mieten und infolge einer stellenweise durchgeführten Senkung der Nominal- löhne sich eher verschlechtert als verbessert haben, zeigen, daß der Massenwohlstand sich durchaus nicht in der gleichen Richtung entwickelt hat wie die Aussichten der Kapital-Rentabilität der Groß- Unternehmungen, die in der Börsenbewegung sich jpieoeln. In Aufschwungsperioden begegnet sich die Besserung der Kopitalrentabilität mit der Hebung des Masienwohlstondes. Die beiden Bewegungen sind zwar niemals parallel, vielmehr gehört ihr Auseinandergehen dem Gerade nach out einer gewissen Stufe der Konjunktur zu den Ursachen der Krisen, die der Aufschwungsperiode zu folgen pflegen. Aber in der Aufschwungsperiode als Ganzes gehen doch normalerweise sowohl der Massenwohlstand als auch die Rentabilität nach oben. Von einer Ucberwindung der gegenwärtigen deutschen Wirtschottskrise wird man also, sofern man nicht die Börse, sondern die Bolkswirtschoft zum Ausgangspunkt nimmt, erst dann sprechen dürfen, wenn sich der Massenwohl- stand wirklich verbessert, wozu in erster Linie die Auf- saugung der Reservearmee der Arbeitslosen gehört. Woran liegt es nun, daß wir gegenwärtig eine Periode der steigen- den Rentabilität der Großunternehmunqm ohne Hebung des Mailen- Wohlstandes erleben? Man wird die Antwort darauf im wesentlichen in einer Betrachtung der Auswirkungen de» Prozesses der Rationalisierung zu suchen haben. Rationalisierung bedeutet Senkung der Produktion-- kosten durch technische oder organisatorische Fortschrine. Diese Fort- schritte setzen fast immer zunächst Arbeitskräste frei. Wenn sich nun die Produktion' kosteiisentung umsetzt in eine ent- sprechende Preis senkung, so erweitert sich der Absatzmarkt, es folgt der Verbilligung die Erweiterung der Produktion und damit die W i e d e r a u f so u g u n g der freigesetzten Arbeitskräfte, wenn auch vielfach an anderen Stellen der Produktion. Ist dieser Kreislaus, )irtjchastslage. > Arbeitslosigkeit. Rationalisierung, Verbilligung der Selbstkosten, Freisetzung von Arbeitskräften, Preissenkung, Erweiterung des Absatzes, Wieder- aufsaugen der Arbeitskräfte, geschlossen, so ist sein Ergebnis eine Hebung des Dolkewohlstandes. eine gute Konjunktur, steigender Massenwohlstand und steigende Kapitalrente. Gegenwärtig nun haben wir von der Rationalisierung in erheblichem Umfange die Senkung der Produktionskosten und die Freisetzung der Arbeiter erlebt, aber die Auswirkung auf die Preise und damit auf die Er- Weiterung des Marktes und das Wiederauilaugen der Arbeits- kräfte ist fast überall unterblieben. Große Teile des Unternehmer- tums in der Industrie und im Handel haben aus Grund natürlicher oder organisatorischer Monopolstellungen es verstanden, die Senkung der Selbstkosten zunächst nur zugunsten einer Erhöhung der Kapitalrente wirken zu lassen, während sie den Weg. der von der Rationalisierung zur Hebung des Maisenwohlftandes führt, und dessen entscheidende Etappe die Preissenkung ist, verbaut haben. Es wäre töricht, diesen unerfreulichen bisherigen Verlauf der Rationalisierungs- Wirkungen lediglich auf bösen Willen des Unternehmertums zurück- zuführen. Gewiß gibt es sehr viele deutsche Unternehmer, die noch immer daran glauben, daß das Prinzip„kleiner Umsatz, großer Nutzen" dem Prinzip„großer Umsatz, kleiner Nutzen" vorzuziehen sei. Diese Unternehmer erkennen nur ihren Augenblicksvor- teil, aber sie v e r kennen ihr eigenes Dauerinteresse vom kapitalistischen Standpunkt aus selbst betrachtet. Diese Torheit besteht. Aber als Massenerscheinung ist sie doch nur in der Gegen- wart zu erklären aus dem besonders starken Bedürfnis der deutschen Unternehmungen, ihre Umstellung, ihren Ausbau oder ihre Rationali- sierung durch Kredite, durch fremdes Kapital zu s i n a n- zieren. Das geliehene Kapital verlangt sofortige Renta- bilitätschancen und fragt nicht danach, ob die Steigerung der Kapitalrente im Einklang oder im Widerspruch zur Bewegung des Massenmohistondes steht. Das liegt in der Natur der kapitalistischen Wirtschast, und gerade deshalb muß man sich darüber klar sein, daß eine Wirtschaftspolitik, die aus Beseitigung der Arbeitslosigkeit und aus Hebung des TUassenwohIstandcs ausgerichtet ist. auch zu Mitteln greisen muß. die im Gegeniah zu dem freien Spiel der Kräfte der kopilalistischen Wirtschast stehen. Es ergeben sich aus dieser Untersuchung über das Mißvcrhält. nis zwischen Börsenkonjunktur und Bewegung des M asten mnl.I- ilandes vor allen Dingen zwei Forderungen: Erstens muß der Pro- zeß der Aufsaugung der Arbeitskräfte durch die Wirtschaft, der mu- mal nicht funktioniert, künstlich gefördert werden: da« ist der wtrl- schastlichc Sinn der schleunigen Durchführung des Ar- beitsbeschaifungsprogramms. Zweitens muß ein Kampf geführt werden gegen den Schutz der Monopol- stellungen, die es bestimmten Unternehmergruppen ermöglichen, der Preissenkung als Konsequenz der Rationalisierung auszumrichen. Dieser Kamps spielt sich aus dem Gebiete der Zollpolitik und der K a r t c l l p 0 l i t i k elft Fritz Raphtali. Oer 5o?tgang der belgischen Sanierungsakt'on. Eine Anleihe in der Schweiz. Die zwiscben der belgischen und schweizerischen Staatsbank sowie zwischen der schweizerischen Bankgruppe unter Führung des Schweize. rischen Bankvoreins geführten Verhandlungen hoben ein günstige» Resultat oebrackn. Die schweizerischen Banken gewähren Belgien eine Anleihe in.höhe von ä 0 0 M i l l. Franken bei 5prozcniiger Berzinsung. Innerhalb von 2ö Jahren soll die Rückzahlung vor sich gehen. In der weiteren Durchführung dieser Stabilisierungsaktion über- nehmen die schweizerischen Banken einen Betrag von �200 Milk. belgischer Franken Vorzugsaktien der belgisdien Staaisbahn zu Pari. Die Vorzugsaktien sind ob l. September 1926 mit 6 Proz. verzinslich und erhalten eine Zulagdividende, die in unterrichteten Kreisen auf 2 Proz. geschätzt wird. Die Tilgung kann auch durch Rückkauf an der Börse erfolgen. Für die Berzinsung haftet der belgische Stan'. � Da- gesamte belgische Sxaalseisenbohnncg ist bekanntlich aus 7Z Jahre einer autonomen Gesellschaft übergeben worden. Das Aktienkapital betrögt ll Milliarden belgische Franken, davon 10 Milliarden voll eingezahlte Namensstammaktien. Die Vorzugs- altien sind der staatlichen?lmortisation:>kasse mit der Maßgabe übergeben worden, sie zur Deckung der Staatsschulden zu benutzen. Ein optischer Trust. Die Bertrustungstendenz ersaßt in steigendem Maße auch solch« Betriebe hochwertiger industrieller Verarbeitung, die früher aus Produktionseigenart, auf die individuelle Be> Handlung des Materials' auf ihre Spczialprodukte und Patente be- sonders stolz waren. So sind jetzt die Verhandlungen über einen T r u st in der optischen Industrie zum Abschluß gelangt. An Kapitalkraft bleiben diele Art Trusts natürlich weit hinter den Großtonzernbetrieben der Massenproduktion im Bergbau, Schwer- induftrie und Kaliindustrie weit zurück. Um so größer aber ist ihre Bedeutung nach der Richtung, daß die Konkurrenz vielartiger Spe- zialprodukte beseitigt wird und an ihre Stelle ein einheitliches Arbeitsprogramm der zusammengeschlossenen Betriebe mit allen Auswirkungen auf Produktionskosten und Arbeitsorganisation tritt. Di« Gründung des nuen optischen Trusts scheint mit durch d.m Umstand erzwungen zu sein, daß die zum Großtrust gehörige Aktiengesellschaft für Anilinsabrikation(Agfa) neuerdings zur Herstellung photcgraphischer Apparate übergegangen ist und mit ihrer Konkurrenz die kleineren Firmen zu erdrücken droht. Die Ernemann- Werke in Dresden, die E 0 n t e ss a R c t t e l 21.-®. in Stuttgart, die Optische 2Instolt C. P. Goerz in 2krlin und die Ica in Dresden, die bisher in Jnteressengemein» schüft miteinander standen, sollen verschmolzen werden. Goerz wird die anderen Finnen in sich ausnehmen. Dieses neue größere Goerz-Unternehmcn ist aber nicht voll selbständig, da die Mehrheit des 2l k t i e n k a p i t a l s von der neuen Gesellschaft in die Hände der bekannten optischen Firma Zeitz in Jena kommen wird. Di» Interessengemeinschaft mit dieser Firma bleibt bestehen. Goerz wird bei dieser Gelegenheit saniert. Das Aktienkapital der Ge- sellschaft wird nämlich durch Zusammenlegung im Ver» h ä l t n! S 8: 3 von 8,4 Millionen Mark auf 3,16 Millionen Mark herabgesetzt und dann um den Betrag von 9,46 Millionen Mark aus 12,6 Millionen Mark erhöht werden. Von den neuen Aktien sollen 2,4 Millionen Mark zum Umtausch der Contessa- Nettel-2ltti«n, 2,86 Millionen dem Umtausch der Ernemann-Aktien, 4,2 Millionen dem Umtausch der Iea-Aktien dienen. Dos Aktienkapital der vier bisher feldständigen Firmen beträgt zurzeit 29,1 Millionen Markn Es wird, wie erwähnt, auf 12,6 Millionen Mark reduziert. Erreicht wird mit diesem Zusammenschluß, daß die Firmen. die bisher neben und vielfach gegen einander die verschiedensten optischen und anderen Teile der photogrophischen Fabrikation her- stellten, jegt eine Fabrikationseinheit werden. Das er- möglicht einmal eine Verbilligung der Herstellungs» kosten. Dann aber ist die neue Gesellschaft in der Lage, die Oualstät der Erzeugung und der Erzeugnisie zu oerbelsern. Dos ist der Sinn und der Zweck der horizontalen Konzentration, die erst dann sich für die Arbeiterschaft vorteilhaft auswirken wird, wenn es gelingt, den Avlatzradius der vereinigten optischen Werke wesentlich zu erweitern. die Sautätigeeit in öer ersten fiugusthälste. Die Bautätigkeit in der ersten Augusthälste hat sich laut ,Lonj.-Korr." besonders in Nord-, Ost- und«üddeutschlond g e- hoben, während Mittel- und Westdeutschland eine unverändert unbefriedigende Lage berichten und Oberschlesien als einziges Gebiet direkte Verschlechterungen aufweist. Insbesondere bat sich die kommunale Bautätigkeit stärker belebt: neben Berlin, München, Frankfurt und Stuttgart gehen auch eine Reihe anderer westdeutscher«tädte mit großen Bauvorhaben vor. So hat Dülseldors z. B. sein 17-Millioncn>Bouprogramm heraus- gegeben, und es ist zu hosten, daß ein wesentlicher Teil davon noch im lausenden Monat in Angriss genommen wird. Wenn sich über das sehr große Frankfurter Bauprogramm von 27 Millionen noch Meinungsverschiedenheiten halten, so liegt dos im wesentlichen daran, daß man die Baumethode nacb amerikanischem Muster doch nicht so ohne weiteres auf deutsche ZZerhältnisse übertragen kann. Während sich die industrielle Bautätigkeit in den erwähnten Gebieten etwas belebte, liegen die landwirtschaftlichen Baumöglichteilen völlig ungenutzt. Landwirtschast und Bauindustrie beabsichtigen, an die Länder heranzugehen, um Kredite für S i l 0- B a u t e n, die für die diesjährige nvsie Futterernte besonders wichtig sind, zu erhalten. Besserung der Geschäftslage für Glühstrümpse. Nach den Mit- teilungen in der Generaloersanunlung der Diamco A-G. für Glüh- licht ist das Geschäft in Glühstrümpfen durch den internationalen Zusammenschluß erheblich besser geworden. Es war möglich, ange- mestene Preise zu erzielen. Die Aucrgruppe(Deutsche Gasglllhlicht Auer G. m. b. H.) hat kürzlich von der F- Bugke u. Co. A.-G. sür Metallindustrie das Aktienkapital der Butzke-Gasglühlicht-A.-G. gc- kaust und damit eine der wenigen deutschen Firmen, die noch außer- halb der Glühlampentonvention standen, dieser zugeführt. Fusionierung mit den Vereinigten Stahlwerken. Die General- versammlmig der zum Stumm-Konzern gehörenden Montan- gesellschosten des Eisenwerk» Kraft, der Eisenindustrie zu wende und Schwerte A.-G. und der westfälischen Elsen- und Drahtwerke A.-G.. Werne bei Langendreer, genehmigten den 2lnschluß ihrer Gesell- schaften an die Bereinigten Stahlwerke 2l.-G. Di« ZZer- einigten Stahlwerk« pachten die Betriebe der Unternehmungen und übernehmen die vorhandenen Waren käuflich. Sie zahlen einen Pachtzins, der mindestens einer öprozentigen Dividende gleichkommt. Wenn die ZZereinigtcn Stahlwerk« ein« höher« Dividend« als 6 Proz. ausschütten, dann bekommen die verpochleten Werk« eine zusätzliche ZZergütung in Höhe der halben Meb'dwidende aus ihr Aktienkapital. Der Pachtvertrag läuft vom 1. Juli 1926 bis 30. September 1966. Das Kapital der Eisevvoerke Kraft, da» bisher 18 760000 Mark be- trug, wird auf 7 812 500 Reichsmari herabgesetzt. Das Kapital von Menden und Schwerte von 4 630 000 auf Z 170 000 Mark. Das Kapital der Westfälischen Eisen- und Drahiwerte von 10,6 Millionen auf 6,?6 Millionen Mark. Der größte Teil der Werke des Konzerns wird stillgelegt. Die kohlsnoerflüssigungsanlagen der Z. G. Farbenindustrie. Im Zusammenhang mit der Schaffung neuer Fabrikanlagen zur Durchführung des sagenannten Kohlenoerslüssigungsversahrens durch die I. G. Farbcnindustrie war die Nachricht durch die Presse gc- gangen, daß die neuen Anlagen wahrscheinlich nach Nachter st evt bei Aschersleben verlegt werden würden. Der Nachterstedter Ge- meinberot Hot fich bereits mit dieser Frage beschäftigt. Wie der WTB.-Handelsdienst nunmehr aus zuverlässiger Quelle erfährt, wird kein zweites Leunawerk in Rachterstedl errichtet werden. Zur Durchführung des Kohlenverflüssigunasoersahrens werden viel- mehr die Leunawerke bei Merseburg vergrößert. Die richtigen Konsequenzen. Di« Thermos A.-G., die sah, daß sie mit ihren teueren Fabrikaten keinen großen Umsatz erzielen konnte, Hai sich der Wirtschaftslage entsprechend, auf billig« Typen umge- stellt. Sie hat auch ihren Auffichtsrat verkleinert und die Bezüge dieses Aussichtsrats herabgesetzt. Der Aussichtsrat ist für die klein« Gesellschaft immer noch groß genug, denn er besteht' aus sechs Mit- gliedern und der Dorstand aus drei Mitgliedern. Frankreichs Schleudervetkäuse aus dem inlernatlonalen Kunst- seidenmackt. 2lus dem Weltmarkt sür Kunstseide macht sich immer stärker die Konkurrenz der französischen Fabrikate geltend, die sich auf den niedrigen Frankenkurs stützt. Wie' stark Frankreich Kunstseide exportiert, ist daraus zu ersehen, daß in den ersten 6 Monaten dieses Jahres die französische Aus- fuhr um 2 3 5 P r 0 z. g r ö ß e r war als in der gleichen Zeit des Vorjahres Nach dem Bericht des amerikanischen Handels- departements hat Frankreich besonders stark nach Amerika erpor- tiert Die franzästschen Produkte wurden im Durchschnitt mit 70,9 Dollarcents angeboten, während z. B. tschechische Ware mit 106 Dollarcents verkaust wurde. Vaumwollspekulationen. Wie immer kurz vor der Ernte, wer- den die Preise für den wichtigsten Rohstoff der Textilindustrie auch jetzt wieder von umfangreichen Spekulationen hin- und bergetrieben. Räch einem Telegramm der„Texttl-Woche" aus Washington ver- östentlichte das Ackerbouamt eine neue Baumwollernte- s ch ä tz u n q, die am Stichtag(1. August) einen Durchschnittsstand von 69,8 l�roz. gegen 70,7 Proz. am l6. Juli und 66.6 Proz. bzw. 70,4 Proz. an den gleichen Stichtagen des Vorjahres erbrachte. Unter Zugrundelegung dieses Diirchichnittsstandes wird der voraus- sichtliche Ernie ertrag mit 15 621 000 Ballen angegeben, verglichen mit 16 360 000 Ballen der Schätzung am 23. Juli und 13 660 000 Ballen am 1. August des Vorjähres. Der Markt hatte bis Mitte voriger Woche mit einer llmsangreichen Berschlcchterung des Schätzungsergebnisics auf Grund ungünstiger Witterungsnach- richten gerechnet und dementsprechend die Preise gesteigert. Seit- dem macht sich aber ein Stimmungsumschwung bemerkbar und nach Veröffentlichung der offiziellen Zahlen kam es in New Port sofort zu einem erheblichen Rückgang der Preise. Normalerweise ist um diese Jahreszeit mit einem Rückgang des geschätzten Ernteergebnisses, nicht aber mit einer Steigerung zu rechnen. Rationalisierung der lvollindustrie in den vereinigten Slaolen. Nachdem die amerikanische Baumwollindustri? zwecke Verbciserung ihrer Produktionsmethoden, zwecks Stabilisierung ihrer Marktpreise ein eigenes Institut gegründet hat, das bereits seine ersten Arbeiten begonnen hat, hat nunmehr auch die ameritamsche Wollindustrie in gleicher Weise Maßnahmen zur Rationalisierung ihrer Erzeugmig getrossen. Die fünf führenden amerikanischen Woll- oerbände haben nunmehr laut.Konfektionär" einen„W 0 0 l Eouneil 0 s Amerika" geschaffen, also einen sogenannten ..Wollrai", der ausschließlich dem Zwecke einer gemeinschaftlichen Verbesserung der Industrielage dienen soll. Die Krise der tlchechoslomatischen Wirtschaft und Industrie ver- schärft sich von Tag zu Tag. Die Betriebsstillegungen und die damit verbundene Massenorbestslosigkeit und Kurzarbeit lassen einen nerodezu katastrophalen Winter befürchten. Die Regierung hat bis- der nicht dos mindeste vorgesehen und läßt sogar verlauten, daß da» Parlament, das dringende' Aufgaben zu erledigen hätte, erst Mitte Oktober einberufen werden soll. Angesicht» der ungeheuren wirt» schaltlichen Rot der Arbeiter und auch mit Rücksichr auf die letzten politischen Vorgänge fordern sowohl die deutschen als auch die tschechischen Sozialdemokraten dringend die sofortige Einberufung des 2lbgeordn«tenhauscz. Sonnabend 21. August 1926 Unterhaltung unö Afjissen Seilage des vorwärts Die Mag». Skizze von Grete Mass 6. Durch viele chüuser und Wohnungen ist sie gegangen, in aflen »remden und wechselnden Räumen immer die gleiche. Weihe Türen waren um sie und dunkle, hohe Wände und niedrige, der bürgerliche ucschränkte Wohlstand des Gewerbetreibenden und der Luxus des Kriegsgewinnlers— sie aber blieb dieselbe, eine stille, magere Gestalt, glattes Haar strass zurückgestrichen aus dem chrliäicn Gesicht, im Waschkleid und Schürze, immer und immer die Magd. Wieviele Jahre hat die Magd schon gedient? Ach, sie weih es nicht mehr! Jahr hat sie gelegt auf Jahr. Ihr scheint es, olle die aufeinandergelegten Jahre müssen schon hoch sein wie ein Turm. War sie einmal jung gewesen, die Magd? Ein Kind, das über die �trahensteinc hüpfte oder, ein Kätzchen im Arm, auf besonnter Haus- schwcllc sah und das Näschen krauste, wenn die Sonne so heiß darauf schien, daß es juckte? War sie einmal eine Jungfrau, die am Gartenzaun stand, wenn der Holunder so betäubend duftete und den Liebenden nachsah, die an ihr vorübcrschritten, Arm in Arm, Schulter an Schulter, den fernen Straßen zu, auf die die Nacht sich senkte? Hatte sie sich einst in ihrer Kammer im Spiegel beschaut und gesehen, dah auch ihr Leib zart und blühend leuchtete im Mondcnlicht? Hatte sie einmal noch Küssen verlangt und zärtlichem Wort? Hatte sie auch einmal gehofft, ein Kind zu haben, das so weich anzufühlen war wie Sammet und krähte und strampelte, wenn man es mit beiden Händen emporhob über sich? Sic weih das eine nicht mehr und nicht das andere. Sie weiß nur, daß sie gedient hat, vorgestern und gestern und dienen wird, morgen und übermorgen, bis der Sensenmann für sie die Sense schleift. Daß sie Tausendc von Stiefeln gewichst hat, daß Staub aus Teppichen um sie gewirbelt und Abwaschwasser ihre Hände rot und heiß gemacht, daß sie Gästen, die kamen, die Mäntel von den Schultern genommen und den Tafelnden die Schüsseln gereicht, daß sie Wein eingeschenkt für die anderen, Blumen geholt sür die anderen und die Treppen gereinigt, über die sie geschritten. Im kühnsten Traum nicht war es ihr in den Sinn gekommen, daß sie je einmal etwas anderes sein könnte als eine Magd. Da riß das Schicksal plötzlich ihr ganzes Leben um und verkehrte seinen Sinn. Sie ward Herrin, Besitzerin eines großen Hauses, Erbin eines erheblichen Vermögens. Sic hatte bei einem betagten Witwer gedient, der in seinem sechzigsten Jahr eine leidenschastliche Liebe einer jungen Schauspielerin gefaßt hatte und sie heiraten wollte. Seine Verwandten, die sich bereits feit Iahren als seine Erben betrachtet, hintertrieben diese Heirat auf jede Weise. Ob sie das Mädchen mit viel Geld bestochen, ob die Künstlerin Angst vor der gehässigen Verwandtschaft und eine Abneigung gegen den ältlichen Bewerber bekommen, klärte sich nie auf. Die junge Lily Damcrau aber verschwand aus der Stadt und alle Nachforschungen nach ihr blieben ergebnislos. Der trostlose Bräutigam erlitt einen Schlag- anfall, nach einigen Wochen einen zweiten, an dem er starb. Aber der Tod hatte ihm in der Zwischenzeit doch noch soviel Kraft gegönnt, einen Trumps auszuspielen. Aus Rache vermachte er sein ganzes Vermögen seiner stillen Magd, die ihn sorgsam gepflegt. Die ging umher in dem großen Haus, in dem sie nun Herrin ivar und begriff nicht die Wahrheit. Neffen und Nichten stellten sich bei ihr ein, die sich nie um sie gekümmert. Die brachten ihr schließlich bei, daß Haus und Garten, Möbel und Gerät wirklich ihr gehörte und daß ihr ein Bankguthaben zur Verfügung stände, das ihr jede Summe gewährte, die sie forderte. Man übcnedcte sie, sich prunkvoll zu kleiden, zu reisen, Theater zu besuchen. Sie ließ sich mitschleise», hierhin und dorthin, saß mit leeren Augen da, die roten Arbcitshände eingezwängt in Handschuhe von seinem Leder, auf dem spärlichen Haar einen Hut mit wippender Jeder. Dieses Leben lebte sie einige Monate, bis aus Sommer ein kalter Herbst geworden. Die Rosen in de>n großen Garten, der jetzt ihr gehörte, entblätterten so rasch, daß alle Rosenstöcke plötzlich wie gerupft erschienen. Aus den Wegen häuften sich die gelben Ahorn- Matter, der wilde Wein am Haus wurde rot und braun.' Nachts heulte der Sturm um die Fenster wie ein Wolf. Da trat an der Magd, die Herrin geworden war, ein so seit- iamcs Wesen zutage, daß die Verwandten es �für nötig hjelten, einen berühmten Arzt zu Rate zu ziehen. Die reiche Erbin nämlich begann, ihre eigene Dienerlchaft zu bedienen, hinter ihnen herzu- räumen, die Schüsseln, aus denen sie gegessen, abzuwaschen und ihre Schuhe zu putzen. Der Arzt schüttelte den Kopf und nannte einen lateinischen Namen, den niemand verstand. Die Leute aber sagten gerade heraus:„Die Erbschaft hat sie verrückt gemacht!" Die Wahrheit aber war, daß die arme Seele, die ein Leben lang gewohnt gewesen zu dienen, zu stäuben, zu putzen, zu räumen, gor nicht mehr anders kannte als dienen, stäuben, putzen, räumen. Einem geriebenen Advokaten gelang es nach Jahren auf Antrag der Ler- wandten, die Halbirre zu entmündigen. Neffen und Nichten zogen ein in das Haus und führten ein lustiges Leben in behaglichem und gesichertem Wohlstand. Sie aber blieb darin Magd, wie sie es gewesen. Staub aus Teppichen und Polstermöbeln umwehte sie, ihre Hönde liefen rot an vom heißen Abwaschwasser und wieder öffnete sie die Türen für die Gäste, die kamen, und reinigte nach ihnen die Treppen, über die sie geschritten. Tänze auf Sali. Die Insel Bali, eine der kleinen Sunda-Jnseln, ist inmitten der fortschreitenden Zivilisierung ein Paradies, aus dem sich Ursprung- liches Menschentum in seiner Schönheit und Unschuld noch ziemlich unberührr erhalten hat. Eine große Literatur hat sich in letzter Zeit mit dieser Insel beschäftigt, und es gibt in Amsterdam ein Bali- Institut, das alles Wissen über die primitiven, jetzt allmählich ver- schwindenden Zustände ausbewahrt. Bei uns haben Balis Herrlich- leiten einen begeisterten Schilderer in dem Arzt Gregor Krause gesunden, dessen bei Georg Müller in München verlegtes Bali-Werk soeben in neuer Auslage erscheint. Die harmonische Schönheit der Menschen von Bali, die sich in ihren Körpern wie in ihrem Gang und ihrer Kleidung darstellt, offenbart sich am wunderbarsten in ihren Tänzen, die bei den Tempclsesten eine große Rolle spielen. Wie die Bewohner den Göttern das Beste darbringen, was die Erde an Früchtsn und Blumen hervorbringt, so weihen sie auch die edelste Jugend und Blüte des menschlichen Körpers den über- irdischen Mächten im Tanz. Die Nacht bricht herein. Geräuschlos füllen sich die Tempelhöfe mit den sestlich gekleideten Menschen. Die Musikinstrumente locken voller und leidenschastlicher. Plötzlich bei einem mächtigen Akkord steht in der schmalen Eingangsösfnung in starrer Unbeweglichkeit der Tänzer,«in junger Fürstensohn,„gackeln 'lammen auf und werfen ein magisches Licht auf die große goldene Blumenkrone, die er auf dem Kopfe trägt, auf die vorn und hinten lang herabwallenden seidenen Tücher, die goldenen, mit funkelnden Ein politisches Debüt. (Ehrhardt hat die Absicht, die vutschoerbände. zu einer parlamentarischen Partei zasommenzuschliehen.j n•' »Garantiert herrlichen Zeiten werde ich euch entgegenführen! das beschwöre ich mit den heiligsten Eid... nanu.. Chor der Züchtenden:»Um Gottes willen, Ehrhardt schwört... T Steinen besetzten ZierratenDn Hals, Schulter, Armen und Knöcheln und aus den kostbaren Kris hinten im Gürtel. In beiden Händen trägt er eine goldene Schale, mit stark riechenden Blumen gefüllt. Seine Augen glühen in ekstatischer Verzückung. Seltsame Harmonien klingen aus. Mit ihnen beginnen sich langsam Finger und Zehen des Tänzers zu bewegen. Die Bewegung pflanzt sich fort längs des ganze» Körpers. Plötzlich bei einem neuen Akkord ist seine Haltung eine andere. Leidenschaftlicher werde» die Töne, kürzer die Zwischenräume zwischen den wechselnden Haltungen, für unser Auge fast nicht mehr zu fassen. Nach vielleicht einer Stunde sind plötzlich, wie es scheint, Tänzer und Fackellicht verschwunden..." Ein eigenartiger Weihrauch erfüllt die Nacht. Kleine Oel- lämpchcn werden angezündet.„Aus einem niedrigen Tisch stehen die Gesäße, aus denen der Rauch aufsteigt. Darüber gebeugt ficht man hinter deni Tisch vier Mädchen knien, kaum tz Jahre alt, in phan- tostijch reicher Kleidung, mit geschlossenen Augen. Die Köpfe der Mädchen beginnen langsam über den Wcihrauchgesäßen Kreise zu beschreiben, mit dem Takt der Musik schneller werdend. Der Ober- körper fängt an, an dieser Bewegung teilzunehmen. Sic richten sich aus, und man sieht die vier jungen Körper, straff von dem langen seidenen Kleid umschlossen, voll des sel-samsten rhythmischen Lebens. Ihre Augen bleiben zu. ihre Schritte tanzen und harmonieren. Sie singen leise. Der Weihrauch beginnt den ganzen Raum zu erfüllen, und aus scheinbar stets größer werdende» Abstand für die Augen der Zuschauer werden die Bewegungen lebhafter, leidenschastlicher. Nach Stunden sieht man sie plötzlich wieder hinter den, Weihrauch- tischchen niedergehockt. Eine von ihnen ist überniüdet in Krämpfen niedergefallen: einige Tropfen Medizin Helten schnell." Am Nachmittag des zweiten Festtages findet eine seltsame Prozession statt: voraus schreitet ein sorbenprächtig gekleideter Riese, in der Mitte ein Schomanentänzer, der in der rechten Hand ein langes und breites Schwert trägt...Seine Muskeln fangen zu zucken an, er springt aus und tanzt, während alle in einem Kreise um ihn niederhocken. Das haarscharfe Schwert wirbelt um seinen Kopf und Körper, kaum einige Millimeter von der Haut entfernt, mit einer lebendigen Kraft, die stets droht, in einem Augenblicke dem Leben des Tänzers ein Ende zu machen. Jedoch niemand denkt an diese Möglichkeit. Wer so von dem Geist erfüllt ist, den kann kein Unglück iresfen, noch kann er Unglück bringen." Eine große Rolle spielt der Tanz auch bei den Schauspielen der Balier. An den Fürstcnhöfen sieht man darauf, gute Tänzerinnen unter den Palastdamcn zu haben: in den Dörfern gibt es Tanzver- einigunge», und die einzigen Schulen, die die balische Kultur kennt, sind Tanzschulen.„Es ist sür europäische Augen." sagt Krause,„das feine Spiel der Muskeln des ganzen Körpers beim balische» Tanze vollständig zu erfassen, die Harmonie und Schönheit im Rhythmus genügend zu bewundern. Es ist der göttliche Rhythmus der Seele dieser Menschen, die durch das Mittel des Körpers jene Träume plastisch verwirklicht, die die Liebe einer gewaltigen und milden Natur unbewußt erblühen läßt." Gemeinschaftsgefühl bei Tieren. Von Erna Büsing. Infolg« der ganzen politischen und wirtschaftlichen Entwicklung wird gerode in heutiger Zeit das Gemeinschaftsgefühl sehr oft er- örtert. Ebensowenig wi« an unsere Zeit ist es an die Menschheit als solch« gebunden, sondern es kommt als Schutz- und Trutzbündnis, sowie in der Form eines geselligen Zusomm«nleb«ns auch bei Tieren vor... � Damit ist natürlich nach nicht g«sagt. daß all« m Herden lebenden Tiere gegen einen gemeinsamen Feind geschlossen vorgehen. Im Gegenteil treibt der Mensch, mit einem Gewehr bewaffnet, fast regelmäßig die Herde in die Flucht, wenn er sich ein Tier zum Opfer auscrwählt. Das ist sogar bei den wilden Elefanten der Fall, ob- wohl doch sie, dank ihrer Kraft, leicht einem Menschen den Garaus machen könnten. Es ist fast immer, selbst bei den gefährlichsten Tieren, dasselbe Bild, das einzelne, verwundete Tier wird surchlbar und ninnnt den'Menschen an, die Herde treibt das Erschrecken in die Weite. Bei den ausgesprochenen Hetzraubticren, den Wölfen, kann freilich die Meute jedem Angegrissencn zur schweren Gefahr werden. Hinzu kommt, so berichtet wenigstens A. E. Brehm, daß der Wolf auf feinen Jagd- und Wanderzügen sechs bis zehn Meilen in einer einzigen Nacht zurücklegt. Eine derartige Beweglichkeit er- fordert selbstverständlich einen bedeutenden Nahrungsverbrauch. Gerät aber der einzelne Wolf in seiner Freß- und Mordlust an Pferde- und Schweineherden, so wird er von diesen abgeschlagen. Herdenmeise schreiten auch die Meerkatze» zur Verteidigung gegen einen tierischen Feind. Diese, bei den Menscben sehr beliebten Assen, leben in der Freiheil in Herden, die unier der Führung eines Männchens stehe». Da die Meerkatzen reine Baumtier« sind, droht ihnen eigentlich nur von größeren Raubvögeln Gefahr. Die Meer- katzenherde arbeitet jedoch zusammen, wenn es gilt, den Raubvogel zu vertreiben. In Asrika, wo zu gewissen Zeiten noch reine Vogelparadiese bestehen, flüchten kleinere Vögel, sobald ihnen irgend etwas nicht geheuer vorkommt, in den sie schützenden Wald von Kran'chbeincn. Die Kranich- stehen nämlich gelassen am User und bieten infolge ihrer Größe den kleineren Vögeln einen Unterschlupf. In Deutsch. land können wir es erleben, daß der Winter oder vielmehr der Hunger, die Meisen gesellig macht. Di« verschiedensten Arten finden sich dann zusammen und gehen gemeinschaftlich auf Nahrungs- such« aus. Bekannt ist der erschreckend große Schaden, den ein mit Kindern gesegnetes Löwenehepaar anstiftet, wenn die Jungen das Jagen lernen. Ueberhaupt kommen Rudel jagender Löwen vor. die ihre bestimmten Jagdlisten haben, denn sie teilen sich und treiben einandcr Das Wild zu. Doch gegen angreifend« Menschen operieren sie osken- bar nie gemeinsam. Das erfährt man aus viele» Jagdberichten. Zur Liebeszeit sind Löwen gegeneinander sehr unleidlich. Gustav Jäger behauptet, dieserhalb hätten die männlichen Löwen von der Natur die Mähne als..Paukhemd" bekommen, das die Kehle mit den Schlagadern vor Bissen schützt. Zu einem Schutzbündnis finden sich bekannterweise Strauße. Zebus und Antilopenherden zusammen. Der Strauß hat. wie das Vogelart ist, keinen irgendwie ausgebildeten Geruchssinn. Doch haben Zebus und Antilopen«ine feine Witterung. Der Strauß hingegen hat ein scharfes Auge, dem nichts entgeht. So leisten die Tiere einander gute Dienst«. Ein« gemeinsame Arbeit, um ein Gan,z«s zu schaffen(vom Ameisen- und Bienenstaat sei hier nicht berichteis, sehen wir selbst bei kleinen Tieren. So spinnen die Raupen des Schmetterlings Goldafter, der ein Schädling unserer Obstgärten ist. gemeinsam ein Nest, in dem sie überwintern. Die Raupen des Ringelspinners haben die gleich« Gepflogenheit. Di« so vermehrungsfähigen Schellfisch«, die trotz der»zisch. dampf« rraubzüg« mit Grundschleppnetzen usw. die Nordsee noch immer dicht bevölkern, suchen, nach O. Schmeil, in ihrer Jugend Schutz unter dem Schinn von Wur.zelquallen. Das berühmteste Gemeinschaftsleben aber führen Einsiedlerkrebs und Schmarotzerfeeros«. Er kriecht, wi« dos so seine Ge- wohnheit ist, in ein Schneckenhaus, sie siedelt sich darauf an. Ihr« Ness«lkapsel schützt ihn vor Feinden,«r trägt sie in neue Beute- gebiet«. Ferner bekommt sie, wenn er seine Nahrung zerkleinert, ihr Teilchen ab. Aentrol-Kranken- und Sterbekasse der Tischler. tx. F r o n k f u r t a. M.. IS. August. Der dritte Derhandlungstag galt den Satzungsänderungen, D a n z h a f vom Vorstand uxindle sich geaea den Anirag, � die mrmemlichen Abrechnungen abzuschassen-, auch sei es unbedingt nötig, daß vierteljährlich abgerechnet wird. G r i« s«- Berlin befürwortete die Einstellung einer weiteren Hilsskrajt. um«in« bessere Kontroll« der Zahlstellen durchzuführen. König erklärt« sich gegen all« Ler. suche, die irgendwelche Beitragsfrcihcit einführen wollen. Fischer wünscht, das; der Titz des Aussichlsratc» in Altona bleibt, um Geld zu sparen, ch u k vom chauptoorstand begrübt den Vorschlag Griese, ein« neu« chilfskrast einzustellen die Belastung kann« die Kasse aus- halten, da bisher die persönlichen Verwaltungskoslen der Zentral« nur 67 Prozent der Einnahmen ausmachen. Dann könnte man besser etwaige Unterschlagungen eindämmen, ch u m m e l vom Vorstand wendet sich gegen die finanzielle Belastung, die aus«inigen Anträgen entstehen und etwa 4<»0(>i1 Mark betragen würden. Die solg«nden Redner wenden sich ebensolls gegen jede Erhöhung, da man nicht noch einmal jene Zeiten durchmachen will, die eine cherab- fctzung der Leistungen vom Ibfachen auf das lZsach« brachten. K u n te r ma n n kann es nicht verstehen, wie die Zahlstelle» SS An- träge stellen, aus denen kaum etwas für die Mitglieder heraus- springen würde. Silberhorn wünscht, daß die Agitation s für die Kasse mehr in die Versammlungen des �olz- arbsiterverbandes verlegt werden soll. Von verschiedenen Rednern wird die Aufhebung der ersten Beitragsklasse gefordert. All« Anträge smanzieller Äatur sollen zunächst von der Finanzkommission beraten werden. Von den anderen zur Debatte stehenden Anträgen fanden viele nicht einmal die notwendige Unterstützung von acht Delegierten. ander« wurden zurückgezogen. Beschlossen wird, daß bei entscheidenden Fragen finanzieller Natur nicht Vorstand und Ausficht»rat allein be- stimmen können, sondern die Meinungsäuherung der Delegierten eingeholt werden muh. Ein Antrag, den Sitz des Aufsichtsrats nach Berlin zu verlegen, wird mit 25 gegen 16 Stimmen abgelehnt. Als Ort der nächsten Generalversammlung wurde München bestimmt. Der Freilag bleibt sitzungsfrei. Am Samstag werden die finanziellen Anträge beraten und zur Abstimmung gestellt. Anschließend fanden dann die Wahlen statt. Berichtigung: Im Bericht vom ersten Verhandlungstog heißt es: Der Vermögensbestand der Zentrole betrage 134 032,24 Mark! er beträgt 873 319,66 Mark. Srieftasten der Redaktion. >. P. SZ. l. Der Unurutia ist«u futftn in d«» Bauhitlte». Batil-ae«. fiteimneSliülten des MiUelqllers. die mit befiimmlrn Nichten und Pflichten aueqestoltct weven. Aus ihnen entwickelte sich die Fr. 2. Streben nach »eistiaer Vcrrdrluna und Kbrderuvh von Slltckseligleit bei sich und den Mit» menschen durch gute Talen, in rein menschlicher und mcltditrgcrticher Weise. Mus öer Partei. Dcchscl In der t eilung des»Daily herald" In den nächsten Dachen wird S). Hamilton F y fe. seit'1822 Herausgeber des „Dolly Herold", des einzigen Tageblattes der Arbeiterpartei in Groß- Wochen wird H. Hamilton F y f e, seil 1922 Herausgeber des Blattes, als es offizielles Eigentum der Arbeiterpartei wurde, als Nachfolger George Lansburys, der seither ein eigenes Wochen- blatt. Lansburys Arbeiterwochcnblatt(„Lansburys Lobour Wcckly") herausgibt. Bevor Hamilton Fyte in die Arbeiterbewegung eintrat, war er lange Zeit Redakteur der„Times" und der„Daily Mail". Seinen Ruf begründete er als KriegeberichterftaUer und als er zeitweise in offizieller Eigenschaft sür die britische Regierung austrat. In einer Erklärung an die Leser sagt er:„Vor vier Jahren wurde ich aus- gefordert, die Leitung des„Daily Herald" zu übernehmen, der eben Eigentum der Arbeiterpartei wurde. �Ich willigte für drei oder vier Jahre ein, um das Blatt auf eigene Füße zu stellen. Diese Ausgabe habe ich erfüllt. DieAuslageist oon13 0 000aus430 000 gestiegen. Die Zukunft des„Daily Herald" ist gesichert. Jetzt will ich Ferien sür mich. Seit vier Iahren habe ic£ keine mehr gehabt." Gegenwättig ist noch nicht entschieden, wer Fyfes Nachfolger sein wird. °VIEi J. H.W. DIETZ Nächf., Berlin SW68, Lindenstr. 3 in Parteiliteratur, Sozialismus, Volkswirtschaft, Geschichte, runrena in Philosophie, Erziehung, Kunst, Unterhaltung. Verlagsvcrzeichnisse auf Wunsch kostenlos! BUCHHANDLUNG J. H.W. DIETZ Nachf., Berlin SW68, Lindenstr. 2 FnKrpnH in Berken aus allen Gebieten der Literatur und desWissens. ruiircuu in �Jje Neuerscheinungen des Buchhandels vorrätig. Besuchen Sie unsere Verkaufsräume! GeschSllKeit ununlerbrochen von 9—7 Uhr. illilei.üiil Staats-Tlicater Opernhnu* a. Plan d.Republ t>,0. ZanberllOt» Scbauaplclhaus S Kyrltz. Pyi Ilz behlllrr.Theater Geschlossen itiiMe CpEt Ctaarloitenbur« "V-, un-: Gesch Vcrstel'unt Die ZaiißerllülB Esf.in<) no.-hweniec Plitz•» d. Tneatcr ka-se 1 1 habe> ■J Kleines Hei Täglich!>,, Uhr asm Nielsen Sita Cavalün! ceuisöies IDeatei Vörden 10U4— JS Ontwtlt'.nld n Gtiuri 8'/, Unr Vorletzte Woche I Max Adalbert Das 8Uel Sommerpreise SCAtÄ Kur.ür»! OlM Taeiich• Uhr; Singers Midgcts Revue u „Toto" Sonntag« 3" tu«rmiS. Preisen J.vollcPioeramm Berlin r Ttieaier unr: MIQ AmtrlKa Residenz- TBccj. h'. Uhr Da: ooideoe Hall) .»lert n Kettner ThezterdesWestefls Uleihon;!hi»»|. III Täglich 8 Uhr: PI, Hcvue Der Zog nadi dem Westen Vurtiluiif leiiltftndici Theaterkasse, Weifho m etc. Ttaeater KOiUddratz.tir. T.:Uasenheid.2IK s Uhr: Oer Darteo Eden Noa: Jüiccitau» fei.: Nurdan aatM Geschlossen' Donnerst. 26 Aug Zum 1. Male: Beriv.lalnl-Dblo Rose-Theater 8'/, Uhr Olaf, Tragödie eines Sportlers OaitenbQhne: > Uhr: Kon aert und Bunter Teil tU.: Saig Htnntinzi Die Komödie tismarcK 2414, TSie 8'/, Uhr JielielBlselettrlD Preise. 2, 4, b Mk. !alteatgti-Uta' s Deutsches (floslI.-Thesier Tagl«>/, Uhr Der lobelpreis Id. i.KoiÜritisiliac Tirlten-> Uhr: Yvonne Voranzeieel Diatsdns Mittler-Thutei 23. d. M.s 71/, Uhr Premiere Veronika Lustspleihsns 26. a. Mis TV, Uhr Premiere KUKULI LajiDO-IliBaler um Was liebe verniag Vorher bunter Teil Gutschein 1-4 Pers Bei Vorzeigung der Annonce zahlen Sie Faut. u Baikon I M Loge u. Sessel I SL Elite-Sänger Kottbusser Str. 6 a t iv der I Nigdeliirgir �ite-13oBer mit vblllg !>« 31. a tdol 8 Uhr n(Saftlplei I Komlscnc Op«r gl/, Dir. James Klelp 5'/, VI» gmCa Revue Berlin obne Hemd! Allabendlich u 30 Uhr Die sensationelle Einlage: Satans Brautnacht! L'eber>00 Mtiwlrkende 'S-'*:*.V'/i*1 V"** HMAMsr üiäflzeDiier liSltnöDflj-Splelplao! Enrico Rsitelli— Otto Renlter (Mar FrlcdenaprcU«! m l i i Jeden Sorpitg—— n I Nachmliiar.]>/rUhr-Vorstellung I l���l'rinaSrieWelse����l Rauchen rcstafeti Reichs hallen-Ttieater Sieifioer sanier Hen: Singende Bänme Anfan- S Uhr Preise M PL MS 2,50 Sonniag 8.: Erste HldiBittiiii-feistillgBg ig hilbon Pniui' � ,J�S»riSIiunJä.rt«n: John Hagenbeck» indiinoebiB am Zeo'eglschen Gar en 'diolt. Bgijmrtar, Ggatltnrgpihhitpa. Ihn. Unilgi Bathtt I M. Ilgtot ggf. ig J. 50 R, iiiprlt. ikro Direkt E nj. T. mpelbau, iiptik CW.Zgc «Ii■ g» i ig!■ 1 1 ,i 1 1 1 i jg des Union-Klubs Berlin NW 7, Schadowatr S. Annahme von Vor wet tt n in der 1 Zentrale, Schadav�traC« 8, in allen Der iner Pillalen und bei den gr(5S. 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August 1926, nochmittags 8a der Rachmlltagsziehung wurde» Gewi»»« über lüll TL gezogen 2 Gewinn» zu 10000 M 240627 4 Gewinne zu 5000 M. 29216 46448 6 Gewinne ,u 3000 M. 12090 12065 271493 14 Gewinn« zu 2000 M. 128927 148660 203175 272889 274865 2830)0 209498 32 Gewinn» zu 1000 M 230S6 23694 70487 70532 I 10968 I 19589 127853 457130 196516 201053 211489 219857 235493 28)489 282214 297366 82 Gewinne ,» 500 M 1070 14632 21428 28567 32679 38735 50938 55491 57609 60812 65439 67595 7)716 78385 8)341 97631 111672 118393 144143 157575 160924 177265 178826 179545 199499 201791 202499 205602 211541 221563 224581 242040 245460 248838 249074 271124 271633 282871 291153 292466 298466 164 Gewinne zu ZOOM 2059 11504 15171>6032 16938 26612 28224 33909 36040 42912 46542 48723 50686 55766 55945 56392 56992 66323 71479 76389 81873 82913 34145 89394 91744 92099 98763 98985 100765 101500 101861 116693 117160 129385 120434>21407 124107 124532 126039 132373 136675 136738 138325 139782 141219 141609 141963 142527 148803 149597 154088 154090 154162 155896 162160 162507 163323 167614 179472 180540 183161 183543 189555 194326 198293 200858 209795 212759 215380 216347 221383 2'4299 235310 250964 262541 263193 272956 283272 287001 288976 290614 295686 »ewInUauszuR 5 Klasse 27. Argußisch-Hüdbeulsche Klassen-L-ilerle. Ohne Gewähr Nachdruck verboten Aus sede gezogen» Nummer sind zwei gleich hob« Gewinn» gefallen, und»war s»»iner aus vi» kos» gleicher Rummer in d«n beiden Abteilungen 1 und II 10. Ziehtutgslag 20. August 1926. vormittags fln der Bormitlagszlehung wurden Gewinn« über 120 M. gezogen 2 Gewinn» zu 50000 M. 152343 2 Gewinn» zu 5000 M. 30637 12 Gewinn« zu 3000 M.>76640>89811 202036 286054 2896'9 290845 16 Gewinne ,u 2000 M. 38177 106224 108371 146114 174510 178837 239215 265203 36 Gewinn» zu 1000 M. 32165 41007 46295 68686 70611 106970 1201(3 125269 142555 142784 154737 180111 188588 200054 258614 272334 294968 299091 102 Gewinne zu 500 M. 5708 12499 14355 19903 28325 36372 38149 51715 53205 59027 68425 71823 74789 81558 85812 88525 II 3609 131435 133307 150933 152278 155945 159255 168577 168707 170304 178287 183190 185175 196279 204077 204920 208813 210277 223947 225188 228902 231304 232884 238374 242047 247809 252740 260212 261261 262453 264933 281305 281832 284809 298552 236 Gewinne zu 300 M. 866 1184 2734 4539 6541 8523 11951 13736 13861 15360 26722 29800 30861 33395 33605 36381 43399 46002 48979 49475 51631 58780 59184 60377 63302 67113 67172 69859 72903 79807 83136 83169 86685 87346 90373 91560 02223 94051 99182 99811 99842 105386 106995 107866 112528 117167 118681 122062 I 22156 126033 128653 132070 134430 135510 1360)9 138584 137797 ,42775 147176 148653 148827 150995 155093 155487 155916 159714 159911 170296 179566 183091 184814 186988 I872i7 195083 202850 207)62 207337 210989 311773 212444 215459 216685 220417 221 151 327740 227812 230229 230394 230910 232117 232688 236946 241430 242118 243468 243531 255727 255940 257255 258587 262146 262394 268115 268387 269257 271545 273937 276917 278621 280623 283120 284875 286013 294036 295019 295563 295575 298418 >•4« Ufl'wetn Friedrich Zörncr »»» SS in». V«»|el|nkuaui big Sftjiddilen chlitckwunjchc »te M.«SUUung. »»»»»»»»««««««« f rncr Z m J ili] Qaittangi-.Babsit- B.Beklamemarken gegen Nachahmung gesetzt resen. (»itigtseltas Jahr. als Spesiailitt Conrad Müller Schkeuditz.Leipilg Oeallci« BflUei i. mi dertlld» am Walde unb Watsee Reieaen nimmt Sommergäste auf Pension pro Tag 4«.« ÜTsondekzOg• DrTiiiii.UuMmiüi 9 ff....,1« 9 ff cht Ugg.ee.. SM ab h'er Nicnnahme Nermannla. Not torl.Holst 1102 »e!t:noerkavs! Seue IS,— 1 10.SO! kZroisitpollg J5.—| 80,-1 jv,rkbauit« 50.80! Ninde ketten 8,75! Step-kecken! lUUbecken' Slate»! Satbinenl Bett- mildte! alle«(poitbtQial Reine L-m. berdwere! Sur Ctibbau» Srunnen. ftroke«T_____________________* » Nelbtthas-Wagouiit. Grasie FiantfurUr. hrake U8, nut I Itcppc. ttnlScanliüfctt ISO.—. SchrciBtifdie SO,—. aoh!nnrse:Ieid)terung. flamer. Iiniu_«a(lai!icnaslec 58._* gjatentatatroaen..OJrimirrtmo', Meta». betten, aufleoemntraaen ffbaifelonaue». Walter. StaraacbecsicaKc aditjebn. 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