5tr. ♦ 43. �ahrg. Ausgabe LZ Nr. 202 Bezugspreis. ZSSchentNch 70 Pfenuis, monaMch B.— Reichsmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Dcuzia, Eaar» und Wemelaebiet. Oelterreich. Litauen. Luremdurg «.bo Reichsmart, fllr da» llbria« Ausland 5,50 Reichsmark pro Monat. Der„SoitoStts* mtt der tllnstr irrten Sonntagsbeilage»Bolk und g-it� sowie den Beilagen»UnterhaUung und Wissen».„Aus der ffilmwelt», «Frauenstimme»,„Der Kinder- sreund»..Lugenb-Borwitrts» und «Blick in die Bllcherwrlt» erscheint tvochentäglich zweimal, Connlag, und ZKontags einmal. Selesnamm-Adresf«! «»»zlalde»o»r»» Verlin» Sonntagsansgabe Derlinev (�15 PfenRig� Anzeigenpreise: Die einspaltig« Nonpareille» zcile 80 Pfennig. Reklamezeile 5,— Reichsmark.„Kleine Anzeigen» das fettgedruckte Wort 25 Pfennig fzuläsfig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erst« Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch- staben zähle» filr zwei Worte. Arbeitsmarkt Keile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Keil« 40 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis Uhr nachmittags im Sauptgeschiift, Berlin EW 68. Linden. stroheZ. abgegeben werden. Dcäfsnet von 8ib Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokrat» fchen parte» Deutfcblands Reöaktion und Verlag: ö erlin SV. 69, Kinöenstraße 3 Fernsprecher: Tönhoff 292—297. Sonntag, den 22. August 1926 vorwärts-verlag G.m.b.H., Serlin SV. 69, LinSenstr.3 Postscheckkonto: Berlin Z? 5Z«— Bankkonto: Baak der Arbeiter, Angestellte» »ad«eamte». wnllstr. 65: Diskoato-Sesellschast. Dcposttenkaste Liadeaftr. 8. Kampf unö Not üer Sergarbeiter. Die englische Regierung will nicht eingreisen.— Sie wartet aus das„natürliche Ende" des Streiks. London, Zl. Zlugust. sCigener Drahtbcrichi.) Die englische Regierung zeigt vorläusig noch nicht die geringste Absicht, vermittelnd in die Auseinandersetzungen zwischen den Vergwerkshesitzern und den Dergnrbeitern einzugreisen. Sie hosst, daß die Aussperrung durch die Rückkehr der Bergarbeiter in die Gruben„ein n o t ü r- l i ch e s Ende" nimmt. Es ist allerdings nicht zu bestreiten, daß die Zahl der arbeitswilligen Bergarbeiter langsam größer wird. London, 21. August.(EP.) Das ministerielle Komitee, das mit der Prüfung des Grubentonflitts beauftragt ist, hat sich heute ver- sammelt. Es sind aber noch keine Beschlüsse darüber gefaßt worden, ob die Delegierten der Arbeiter und Grubenbesitzer eingeladen werden sollen, mit Regierungsvertretern zusammenzutreffen, um die ffragen zu erörtern. Man erwartet, daß die Regierung nach wie vor dem Abschluß von regionalen Abkommen gimstig gesinnt ist. » Diese chaltung der englischen Regierung ist nicht überraschend. Nachdem die Verhandlungen zwischen den Zechenbesitzern und den Bergarbeitern sich zerschlagen haben, hosst die Regierung ofjenbar, die Bergarbeiter werden, vom Hunger getrieben, in die Gruben zu den von den Unternehmern diktierten Bedingungen zurückkehren. E» ist gewiß, daß die Streikenden im größten Elend sich befinden und buchstäblich hungern. Sie sind nunmehr bald vier Monat« im Ausstand.. Um so mehr ist es die Pflicht der Arbeiterschaft. dem Aufruf, des Internationalen Gewerkschoftsbundes und des All- gemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes nachzukommen und eifrig zu sammeln. Die englischen Bergarbeiter kämpfen mit bewun- dernswertem Heroismus gegen die Verlängerung der Ar- b e i t s z e i t. Die deutsche Arbeiterschaft darf sie da nicht im Stich lassen. * Von dem Elend, das in den englischen Bergmertsbezirken herrscht, gibt ehre amerikanische Journalistin in der„Köln. Ztg." eine anschauliche Schilderung. Da heißt es: Aus dem Gesicht all dieser Menschen starrt der Hunger. Frauen und Männer, mit denen ich sprach, schwankten vor Schwäche. Brot und Tee bilden seit Wochen die einzige Nahrung. Die aus- gezahlten Unterstlltzungsgelder schwanken beträchtlich, ihr Maß hängt von der Art der Verwaltung und der politischen Einstellung der B amtcn ab. So konimt es, daß einzelne Familien ihr Auskommen finden, andre dagegen noch eben auf der Hungcrlinie be stehen. Manchmal erscheinen die Kinder nicht schlecht genährt, aber überall gleicht ihre Bekleidung mehr Lumpen als Kleidern. Seit vier Monaten hat's keine neuen Kleider gegeben. Wäsche ist unbekannt, und vor allem das Schuhwerk ist restlos verschlissen. Die Schill kinder sind etwas besser gestellt. Viele bekommen, wenigstens an Wochentogen, bis zu zwei Mahlzeiten täglich, die in der Schule ver teilt werden. Einige Schulen, doch lange nicht alle, fahren sogar während der Ferien fort, Nahrungsmittel zu vcrtsilen. A m traurig st en ist das Los der kleinen, noch nicht s ch u l Pflichtigen Kinder. Sie liegen und sitzen teilnahmlos umher und haben kaum noch die Kraft, sich zu rühren Kaum eins sah ich spielen, und ich entsinne mich nicht, daß ein einziges lächelte. Sie waren alle gräßlich verschmutzt, aber sie sind an einem Punkt angelangt, wo Brot wichtiger wäre als Seife Ihre Augen starren groß und traurig aus grauen Höhlen. Ueber einzelne Eindrücke bin ich noch'nicht hinweggekommen. Eine Frau, die soeben einem Kinde das Leben geschenkt hat, lag nackt auf der bloßen Matratze. Das Bettzeug, ja das Hemd waren verkauft worden, um Nahrung zu schaffen. Säuglinge logen häufig, in Zeitungspapier eingewickelt, in leeren Holzkisten. In einem Hause saß ein lchähriges schwindsüchtiges Kind in einer Ecks und flickte ihren Rock mit einem Stück Sacktuch. Als die Mutter mit tonloser, fast abgestorbener Stimme erklärte, sie werde den Streik kaum überdauern, begann das Kind still vor sich hin zu weinen, daß mir dieses stumme Weinen noch in den Ohren klingt.... Dies sind meine Eindrücke. Es macht mich traurig, das alle? zu sehen. Noch trauriger aber macht mich der Gedanke, daß so wenig Menschen wissen oder wissen wollen, wie die Wirklichkeit aussieht. Das Bmt Masarpts. Neuwahl im Frühjahr. Prag, 2t. August.(Eigener Drahlbericht.) Die Reuwahl des Präsidenten der tschechoslowakischen Republik ist. nach der Verfassung im kommenden Frühjahr fällig. Aber jetzt schon spielt die Kandidaten- frage in den Verhandlungen der tschechischen mit zwei der dculschcn bürgerlichen Parteien über die Bildung einer Koalitionsregierung eine gewisse Rolle. Die katholischen Slowake» agitieren heslig gegen eine Wiederwahl vlasaryks. Sie finden hierbei eifrige Unter- flützung bei den halbsaschistijchcn Rotionaldemokraten, die seit langem die Wahl Kramarschs propagieren. Die Entscheidung wird voraussichtlich bei den deulschbürgerlichen Parteien liegen. « Der Präsident wird von beiden Häusern des Parlaments auf sieben Jahre gewählt. Bis zur jüngsten Entwicklung, die bei den Zoll- und Pricstergehaltsgesetzen die tschechischen Sozialdemokraten von den tschechisch-bürgerlichen Parteien trennte, dafür die deutschen Agrarier und Christlich-Sozialen zu Regierungsparteien machte, worauf die Nationaldemo- traten des Dr. Kramarsch Faschismus zu treiben begannen, damit um Gottes willen nicht etwa gar Deutschbürgerliche Minister werden— bis dahin hat kaum jemand in- und außerhalb des Tschechenstaates daran gezweifelt, daß M a s a r y k, der Gründer dieser Republik, auch auf Lebens- zeit ihr Präsident sein werde. Er dürfte gewiß auch wieder- gewählt werden, schon weil die Deutschen den immerhin ver- söhnungsbereiten und gerecht denkenden, geistig so ungemein hochstehenden Masaryk zweifellos einem Erzchauvinisten wie Kramarsch vorziehen werden. Ebenso werden alle freidenken- den Tschechen zwar ihrem Masaryk. nicht aber einem Reak- tionär, ob er Kramarsch oder.sonstwie heißt, das oberste Amt in diesem Staat anvertrauen, der wahrhaftig der Staat Masaryks ist._ poincarös Speisekarte. Bewährung zweifelhaft. Pari». Zt. August.(Eigener Drohtbericht.) Die Antiteuerung»- maßnohmen Poincorös werden von den Betroffenen natürlich ge- tadelt. Der„Paris Soir" hat eine Umfrage angestellt und erfahren, daß man sich weder im Nahrungsmittel-, noch im Gastwirtsgewerbe irgendeinen praktischen Erfolg von den negativen und prohibitiven Mitteln verspricht, zu denen Poincare und seine Mitarbeiter ge- griffen haben, um die Teuerung zu bekämpfen. Die Gestwirte er- liaiux die von Pouioir« vorgeschriebene Einschränkung der Wahl- zeiten ans zwei Gänge für völlig sinkllos und praktisch undurchsuhr bar, da zu viele Möglichkeiten bestünden, das Berbot in der Praxis zu u m g e h e n. Ebenso unzufrieden sind die Bäckermeister über das Verbot, frisches Brot zu verkaufen, was zu endlosen Streitig- leiten zwischen Käufer und Verkäufer führen müsse, ohne praktisch eine Ersparnis zu bedeuten: denn altbackenes Brot fei bereits nach zwölf Stunden sozusagen ungenießbar(aber ganz neubackenes vertragen sehr viele Leute gar nicht. Red. d. V.). Der Regierungserlaß werde also eine Erhöhung statt eine Einschränkung des Brotkonsums nach sich ziehen. Es wäre viel vernünftiger gewesen, so erklärt man, ganz einfach die Brotkarte wieder einzuführen. Wer üa hat, üem wirü gegeben. Gewaltige Erhöhung der polnischen Cffiziorsgchälter Warschau, 21. August.(0(5.) Die Presse der national- demokratischen(antipilsudskischcn) Partei gibt eine Übersicht- liche Zusammenstellung des Verhältnisses der soeben bewilligten Offizierszulagen zu den Grundgehältern. Es sind erhöht worden: die Gehälter der Leutnants und der Hauptlcute um 4g Prozent, Bataillonsführer um Sg Proz., Regiments komnmndcure um Kg Proz., Brigadekommandeure»m 8g Proz., Divisionskomman- deure um 8S Proz., Kommopdeure der Armcckorps um Sg Proz. Armeeinspetteure um 100 Proz.! Das Gehalt des Kriegs- Ministers, insoweit er gleichzeitig Generalinspckteur der gesamten Wehrmacht ist, wird um 240 Proz. erhöht. Die Presse weist darauf hin, daß die höheren Chargen des Offizierskorps ganz unverhältnismäßig begünstigt worden seien. Gerade diese Stellungen seien von Pilsudski-Anhängern gewissermaßen mono- p o l i s i e r t. Die genannten Blätter knüpfen an diese Mitteilungen ziemlich scharfe satirische Bemerkungen über„den tieferen Sinn der Acra der moralischen Erneuerung", welche Pilsudski mit seinem Staatsstreich habe einleiten wollen. Die mexikanischen Sischöfe klagen. Bei Konnrcst und Bundcsgericht. London, 21. August.(Eigener Drahtbcricht.) Ans Mexiko wird gemeledet. daß die katholischen Bischöse den Streifall mit der Regie- rung jetzt vor den Kongreß und die Gerichte zu bringen babsichtigen. Sie hoben zu diesem Zweck eine lange Erklärung ausgearbeitet. Aussichten für die Einleitung einer Versassungs- Änderung durch den Kongreß bestehen nicht. Da sich die Maß- nahmen der Regierung auf den klaren Wortlaut der Verfassung stützen, dürste auch das Gutachten des obersten mexikanischen Ge- richtshofes sich gegen die Kirche aussprechen. Scherben auf öem Weg! Der Sclbstvernichtungsprozcst des Kommunismus- Wenn die deutschen Kommunisten erfahren wollen, was die Uhr für sie geschlagen hat, Krauchten sie nur einen Blick in die bürgerliche Presse der letzten Tage tun. Selbst durch den Stoffmangel der Sauregurkenzeit hat sich diese nicht dazu bewegen lassen, die Vorgänge in der KPD. ausführlich zu behandeln. Große Zeitungen ließen sich Tage lang Zeit, bevor sie diese Dinge auch nur beiläufig registrierten: zu einer ausführlichen Betrachtung schwangen sich nur die aller- wenigsten auf. Für die Gläubigen ist die KPD. die Kraftzentrale der Arbeiterbewegung, die einzige gefährliche Feindin der Bour- geoisie. Die Vernichtung des Kapfltalismus auf dem Wege der Weltrcvolution ist das große Werk, das ihr über kurz oder lang gelingen muß. Hätten sie recht, mit welcher Spannung müßte die kapitalistische, die bürgerliche Welt alles verfolgen, was sich im kommunistischen Lager ereignet? Aber von dieser Spannung ist nicht das allergeringste zu bemerken. Ob im Kampf der Geister Katz die Schellen kriegt oder Koenest, ob Thälmann die Ruth Fischer hinauswirft, oder umgekehrt die Ruth Fischer den Thälmann. das regt den Kapitalismus und die Bourgeoisie weniger auf als ein Box- kämpf zwischen Breitensträter und Paolino. Mit solcher Nichtbeachtung und Nichtachtung, wie sie in der Berichterstattung der bürgerlichen Presse über die kommu- nistischen Parteiwirren zutage tritt, behandelt man einen e r n st zunehmenden Gegner nicht. Was in der KPD. vorgeht, das interessiert den Kapitalis- mus und die Bourgeoisie nicht mehr. Einst haben sie beun- ruhigt darauf geschaut. Jetzt wenden sie sich gelangweilt ab. Das ist der Schluß. * Für den Kapitalismus ist der Kommunismus kein Problem mehr, für die Arbeiterbewegung ist er es noch. Der Kapitalismus befürchtet von ihm keinen Schaden, die Arbeiterbewegung hat den Schaden, den er ihr zugefügt hat, noch nicht überwunden. Ihn womöglich noch zu ver- mehren, sind Unbelehrbare noch immer am Werk. Wüßten wir nicht aus der Geschichte mittelalterlicher Reli- gionskämpfe, wie blind Menschen in ihrem Dogmafanatismus sein können, so hätten wir keinen Erklärungsgrund dafür, daß eine Partei, die von ihrem Klassengegner nicht mehr ernst genommen wird und die ganz offensichtlich nur noch der Schädigung der eigenen Klasse dient, überhaupt noch existieren kann. * Niemand kann es uns Sozialdemokraten ver- argen, wenn wir über die Zerftorungsarheit, die die Kam- munistische Partei an sich selbst vollzieht, eine gewisse Genug- tuung empfinden. Noch vor einem Jahr beschimpfte man uns, weil wir den Lehren der Katz und Ruth Fischer nicht zu folgen vermochten, als„Arbeiteroevräter", als „Agenten der Bourgeoisie". Heute werden dieselben Schimpf- warte, die man gegen uns richtete, gegen die eigenen gestürz- ten Größen geschleudert. Wochingegen diese wieder die offizielle Partei beschuldigen, mit uns in einer Verschwörung zu stehen und nur noch„eine zweite Sozialdemokratie" zu sein! Nie haben Anmaßung und Ueberheblichkeit eine derbere moralische Lektion erhalten! Nie ist eingebildets Unfehlbarkeit rascher entlarvt und entthront worden! Die armen kommunistischen Arbeiter sollen sich nun in diesem Streit, in dem sich alle selbstgerechte Dogmatil in nebelhafte Problematik auflöst, zurecht finden: sie sollen verbrennen, was sie gestern anbeteten und anbeten, was sie gestern ver- brannten. Muß eine solche explosive Aufrüttelung der Geister nicht zu einem Nachdenken führen, das über die Grenzen des kommunistischen Parteistreits hinausgreist und das sich dann alsbald vor die Frage gestellt sieht,' was es mit dem angeb- lichen„Verrat der SPD." auf sich hat? Besteht dieser ganze „Verrat" nicht etwa bloß darin, daß die Sozialdemokratische Partei den Gang der Entwicklung nüchterner, fach- licher, richtiger gesehen hat, als alle Kommunisten der verschiedensten Richtungen zusammen? Solche Fragen müssen sich heute auch die kommunistischen Arbeiter vorlegen. Wir täu�hen uns darüber freilich nicht: Es ist der kommunistischen Agitation gelungen, zwischen ihren Anhängern und der Partei, in der die erdrückende Mehrheit der Arbeiter ihre Vertretung erblickt, einen tiefen Graben des Hasses auszuwerfen. Ist ihr auch sonst alles mißglückt, ist aus der Weltrevolution nichts geworden, befindet sich auch die eigene Partei im Zustand heilloser Zerrüttung, das ist ihr gelungen: Arbeiter, die im Grunde für die gleichen Ziele begeistert sind, in einer Weise gegeneinander zu hetzen, die ihr Wiederzusammenkommen aufs äußerste er- schwert. Hätte sie nicht mit solchem Raffinement, mit solcher Zähigkeit auf das Gefühlsleben ihre Anhänger ein- gewirkt, der Verstand hätte schon längst den richtigen Weg gefunden. Sjduie Kestchen zwei Arbetterparkeien neve« ewanver, von denen die eine ihre geistigen Grundlagen verloren hat und haltlos hin und hcrtaumelt, während die andere die ihren bewahrt und befestigt hat und unermüdlich aus ihnen weiterbaut. Das Nebeneinanderbestehen beider ist ein Unheil eins von ihnen muß verschwinden! Darüber war sich nie- wand klarer als die Kommunisten, nur daß sie glaubten, d i e Sozialdemokratie werde die Partei sein, die ver- schwinden werde. Ihre Vernichtung, das war ja das große, heißersehnte Ziel. Ist noch einer unter den Kommunisten, der glaubt, daß dieses Ziel erreichbar sei? Ist es aber nicht erreichbar, so ergibt sich daraus die unentrinnbare Konsequenz, daß die Kommunistische Partei nur noch eine historische Aufgabe hat, nämlich zu oerschwinden! Und dieser historischen Aufgabe unterzieht sie sich jetzt. Sie hat den Prozeß ihrer Selbstvernichtung eingeleitet. Daß das Schauspiel, das sie dabei bietet, nicht erhebend und nicht erbaulkch ist, versteht sich von selbst. Auch daß es sich nicht so rasch vollzieht, wie das im Interesse einer einheitlichen, geschlossenen, von keinem Haß mehr zerrissenen Arbeiter- bewegung zu wünschen wäre. Dennoch— es mag Stationen geben, aber es gibt kein Halten mehr auf diesem Weg in das Nichts. Auch in Moskau täuscht sich heute niemand mehr darüber, daß die weltrevolutionären Spekulationen fehl- geschlagen sind. Das Ergebnis ist, daß der ruffische Bolsche- wismus aus wirtschaftlichen Gründen in ein immer engeres Solidaritätsverhältnis zum westeuropäischen Kapitalismus gerät, während er sich mit der wirklichen wcst- europäischen Arbeiterbewegung— die nicht bolschewistisch ist und nicht bolschewistisch sein kann—- verfeindet hat. Der russische Bolschewismus hat von den westeuropäischen Arbeiterparteien hündische Unterwerfung verlangt in einem Maße, daß selbst im deutschen Kommunismus eine Revolte dagegen ausgebrochen ist. Auch hier tappt sich allmählich di» Erkenntnis zurecht, daß hje großen Probleme der europäischen hochkapitalistischen Jndustriewirtschaft nicht mit den Methoden eines Bauern st aates zu lösen sind. Wären wir von den ewigen aussichtslosen Versuchen erlöst, die sowjetrussischen Methoden als die alleinseligmachen- den anzupreisen, so würde damit das Hindernis verschwinden, das einer objektiven Beurteilung dessen entgegensteht, was in Rußland positiv geleistet wird. Der westeuropäische, zumal der deutsche Sozialismus hat den russischen Bolsche- wismus nicht angriffsweise bekämpft, sondern stets in der Abwehr. Man hat uns Rußland als ein Paradies geschildert, das es wahrhaftig nicht ist, und hat Arbeiterhirn« mit dem Aberglauben vergiftet, nur der sogenannte„Verrat der SPD." trage schuld daran, daß dieses Paradies hierzulande noch nicht erreicht sei. Man organisiert heute noch sogenannte „Arbeiterdelegationen", um diesen Aberglauben zu züchten und neuen Unfrieden in die Arbeiterbewegung zu tragen. Wenn die deutsche Sozialdemokratie demgegenüber auf das hinweist, was in Rußland im Argen liegt— und das ist wahrhaftig nicht wenig—, so tut sie das nicht aus Freude daran, die praktische Arbeit der Bolschewiki herunterzureißen. Wie immer man im einzelnen über diese Arbeit denken mag, sicher ist sie hundertmal soviel wert als das Phrasen- g e w S s ch, das zu uns herüberexportiert wird. Die Ein- iielllmg dieses Exports, die ehrliche Anerkennung der Tat- fache? daß die europäische Arbeiterbewegung ihren eigenen Weg gchert' muß. der nicht der Weg des Bolschewismus sein kann, würde das Verhältnis zwischen der herrschenden Partei Rußlands und der europäischen Arbeiterbewegung fundamental ändern. 5iier zeichnen sich deutlich erkennbar die Konturen einer natürlichen und vernünftigen Entwicklung ab. Auf ihrem Wege liegen die Reste der KPD. Ein mißglücktes Experiment! Es wäre Zeit, die Scherben abzufahren! Hreöt gegen Kanzler a. D. Mchaelis. Eine moralische Erledigung. Gegenüber den Angriffen des Reichskanzlers a. D. Dr. Michaelis auf fein Gutachten für den parlamenta- rischen Untersuchungsausschuß des Reichstags gibt der Sach- verständige des parlamentarischen Untersuchungsausschusses des Reichstags, Professor Bredt, folgende Erklärung ab: Auf die Frage, inwieweit im Jahre 1317 eine Frieden»- Möglichkeit bestand, kam es in meinem Gutachten gar nicht an. Namentlich von einem englischen Friedensangebot findet sich in meinem Gutachten kein Wort: diesen Einwand hätte Dr. Michaelis sich sparen können. Mein Gutachten betrifft das Zusammenwirken von Reichsregierung und Reichstag und da habe ich aus den Akten folgendes festgestellt: Die Kurie erbat eine deutliche Erklärung über die Wiederherstellung Belgiens. Der Kaiser entschied, daß diese Erklärung abgegeben werden solle: der Siebeneraus- schuh verlangte die Abgabe der Erklärung auf Grund der Friedens- refolution. Dr. Michaelis zeigte darauf dem Siebenerausschuß eine Antwort an die Kurie, In welcher der Verzicht auf Belgien durch eine allgemeine Bezugnahme auf die Friedensresolution ent- halten sein sollte. Dann aber schrieb er einen Geheim- brief an den Nuntius Pacelli, in welchem er die gewünschte Erklärung über Belgien ausdrücklich ablehnte. Daraus habe ich die Folgerungen gezogen: Wenn und soweit überhaupt eine Friedensmöglichkeit be- stand, war sie durch diesen Geheimbrief zerschlagen. Ein vertrauensvolles Zusammenarbeiten zwischen Reichsregierung und Reichstag war unmöglich, wenn der Reichs- kanzler den Siebenerausschuß in einem falschen Glauben beließ und in einem Geheimbrief ihm entgegen handelte. Das ist es, worauf es in dem betreffenden Kapitel meines Gutachtens ankam und darauf hat Dr. Michaelis noch nichts ge- antwortet. Dr. Michaelis wirft mir weiter vor, ich hätte die Verhandlungen des zweiten Unterausschuffes nicht mit herangezogen. Ich habe diese Verhandlungen genau gelesen, habe aber in einer Anmerkung gesagt, daß sie noch nicht öffentlich verwendet werden dürfen, daß sie aber nichts enthalten, was mit meinen Ausführungen in Widerspruch stände. Das hat Dr. Michaelis offenbar überlesen. Bevor er seine in Aussicht gestellte Veröffentlichung macht, sieht er hoffentlich mein Gutachten genauer durch, um zu sehen, worauf es ankommt. Soweit der Abg. Bredt. Der kaiserliche Exkanzler Michaelis hatte in seiner Erklärung den Wunsch geäußert, vom Untersuchungsausschuß noch einmal gehört zu werden. Man tue ihm doch den Gefallen, damit seine Tat ins volle Licht der Oeffentlichkeit gestellt werde, zur Warnung� für kom- mende Geschlechter._ Magüeburg. Ein Entlastungsversuch sür KöNng. In der„Deutschen Tageszeitung" und in der „Täglichen Rundschau" unternimmt es Reichs- gerichtsrat Dr. Georg Müller, den Magdeburger Untersuchungsrichter K ö l l i n g zu verteidigen. Der Kern dieser Verteidigung liegt in folgenden Sätzen: „Der Untersuchungsrichter hat sich, zur Untersuchung gesetzlich berufen, nur von der Ausfassting leiten zu laffen, wie er die Lösung der ihm gestellten Aufgabe fördere... Dennoch ist er nicht bloß Untersuchender, sondern auch Richter. Dies vor allem darin, daß er die wichtigst« Richtereigenschoft, volle Unbefangenheit und Un- Parteilichkeit, mitbringen muß. Dann aber auch infofern, als er für diese sein« Aufgabe mit richterlicher Macht ausgerüstet und von all den Sicherungen umgeben ist, welche die U n a b- hängigkeit richterlichen Wirkens gewöhrleisten sollen... Entschluß und maßgebliche Bestimmung aber liegen einzig in seiner Weder Ifflfttrifit nvH and Wege dal Untersuchung können ihm, von welcher Seit« auch immer, ausge» drängt werden. Wer es tut oder auch nur versucht, handelt wider das Gesetz: gesetzwidrig selbst dann, wenn er es in der Meinung unternimmt, der Untersuchungsrichter gehe fehl." Von dieser Theorie aus wird dann— gestützt auf unrichtige Tatsachenbehauptung übrigens— zu verstehen ge-. geben, Oberpräsident Hörsing, das Landespolizeiamt und das preußische Innenministerium hätten gesetzwidrig gehandelt. Die Absicht ist klar: der Disziplinargerichtshof soll zugunsten von Köllina beeinflußt werden. Von öffentlichem Interesse aber ist der Geist, der aus dieser Verteidigung spricht. Die richterlichen Prärogative werden über das materielle Recht gestellt. Es offenbort sich darin der G e i st d e r m i l i t a r i f i e r t e n Iu st i z. der im „Bayerischen Kurier" vor kurzem trefflich charakterisiert wurde. Gegen diesen Geist schrieb das bayerische Organ: „Die chpische Form dieser Veräußerung oder Aushöhlung der richterlichen Autorität aber ist jene.Militarisierung", deren Frücht« in Magdeburg so deutlich in Er- scheinung getreten sind. Di« richterliche Autorität wird hier mit der militärischen Autorität völlig auf eine Stufe gestellt... Die richterliche Unabhängigkell wird demgemäß(ebenso wie die mili- tärlsche Befehlsgewalt) zum Selbstzweck; sie verlangt darum auch völlig folgerichtig von den Mitgliedern des Richterstandes u n- bedingte„S o l i d a r i t ä t", d. h. bedingungsloses Füreinander- eintreten auch in dem Falle, da die Betätigung der richterlichen Unabhängigkeit zu rechtspolitisch unhaltbaren Ergebnissen führt." Es ist ein Richter des höchsten deutschen Ge- r i ch t s, der diese„unbedingte Solidarität" mit K ö l l i n g im Geiste der militarisierten Justiz übt— auch in dem Falle, da die Betätigung der richterlichen Unabhängigkeit zu dem Ergebnis geführt hat, daß ein Unschuldiger wochenlang in Haft blieb, weil der Richter Kölling einen Mörder ebenso viele Wochen lang verschonte. In dieser Verteidigung K ö l l i n g s zeigt sich ein ver- hängnisvoller Abgrund zwischen dem Recht und richterlicher Betätigung._ Der weife von �nti-Zion. Müller-Hauscn gestorben. Unbeachtet von der großen Welt Ist der frühere Hauptmann Müller von Hausen gestorben. Niemand denkt mehr an ihn. Und doch hatte er eine große Tat vollbracht. Denn er gab das„Pro- tokoll der Weisen von Zion" heraus, ein Buch, das eine der dümmsten Fälschungen darstellt, die die Weltgeschichte kennt, das aber gerade deshalb zur Bibel der völkischen Anti- semiten wurde. Je dummer einer dieser völkischen Erretter Deutschlands ist, desto fester schwört er auf das„Protokoll". Es ist eins der größten Berdienste des jetzt Verstorbenen, daß er L u d e n d o r s f. den Heros, endgültig in seiner politischen Ignoranz entlarvte. Denn Ludendorff gehört zu den ganz wenigen Gläubigen, die das Pro- tokoll für echt ansehen. Um dieses Erfolges willen sei dem verstorbenen Weisen von Anti-Zion sein völkischer Haß verziehen! Neues Filmverbol. Die„Arbeiterzeitung" in Mannheim meldet, der neue russische G r o ß f i l m„Sein Mahnruf", der aus der gleichen Produktion stamme wie der bekannte Film„Panzerkreuzer Potemkin", sei in letzter Stunde verboten worden. Stellenwechsel. Der ehemalige estnische Gesandte in Moskau, Birk, der vor kurzem wegen allzu großer Intimität mit der Sowjetregierung entlassen und heimberusen wurde, ist in Moskau geblieben, rasch eingebürgert worden und dient jetzt in der Estland- sektton der— kommunistischen Internationale. Die Münchener Verkehrspolizei. Von Alwin Saenger. München ist eine sehr schöne Stadt. Es hat breite lange Straßen, viele Museen für die Fnemden, yirtes Bier für die Einheimischen und die Fremden, nach dem Repu- bllkschutzgesetz eine republikanische Regierung, konservierte Prinzen, die zu Fuß gehen und leutselig find, ein Oktoberfest und keine Ver. faffungsfeier. In der Elektrischen und auf den Straßen sind überall Papier- körbe angebracht. Der Münchener wirft Papier und andere Abfälle in die Nähe davon; Preußen und andere Ausländer tun sie hinein. Für die Fremden find auch Schutzleute da, die auf englisch im Münchener Dialekt sagen können, wo da» Hosbräuhaus ist und es die besten Weißwürste gibt. Die Hauptsach« der neuen Ordnung ist, daß der Verkehr auf den Straßen auch m München jetzt geregelt wurde. Das kommt daher, weil viele Fremde sagen, in München könne man zehnmal leichter überfahren werden als in Berlin. Wegen der Paßschwierigkeiten und der republikanischen Gefahr werden Münchener Schcitzleute nicht nach Berlin geschickt, um da die Verkehrsregelung anzusehen: denn sie könnten etwas Preußisches oder überhaupt etwas lernen. Darum ist die Verkehrsregelung in München sehr originell. Die Berkehrsmänner tragen immer eine Pickelhaube, weil man früher furchtbar über diese preußische Pickel- Haube schimpfte. Heute wird durch die Schutzmannspickelhaube der Zusammenhang mit dem Bismarckschen Föderalismus gewahrt. Bei großer' Hitze nimmt der Schutzmann die Pickelhaube ab und kratzt sich. Bei einem Hab ich das neulich in 10 Minuten dreimal gesehen. Je mehr Straßen an einem Berkehrspunkt enden, desto weniger Schutzleute werden in München ausgestellt, da sonst der Berkehr ganz durcheinander käme. Denn bei uns werden Signale immer nach allen Seiten gleichzeitig gegeben. Ein Halt nach einer Seite, damit ein Straßcnzug sich entleeren und damit die Fußgänger nicht zwischen Wagen und Autos durchlaufen müssen, gibt es nicht; das wäre in München»ein Bcrkebr, sondern Ordnung. Und das ist zu preußisch. In Berlin steht der Schupomann ruhiä da und gibt ein Dauer- zeichen nach einer Richtung. Ein Verkehrspolizist in München muß sich immer um sich selbst drehen, llffd mit seinen Händen spielt er in der Luft einen Walzer von Chopin. Der Fremde, der das studieren will, stellt sich am besten am Bahnhos auf. wo die Dachauer Straße einmündet oder am Marien- platz. Aber feiner sind wir doch heraus als die Berliner oder Ham- burger. Unsere Berkehrsmänner tragen Signalmanschetten in den Landesfarben gestreift. Das ist zwar nicht überstchtlich: aber unseren Freistaat erkeimt man so leicht am Durcheinander, ich wollte schreiben i m Durcheinander. Und das ist schließlich die Hauptsache! /tos üer Geschichte öer Eisenbahnattentate. Das Verbrechen, durch das bei Lehrte der D-Zug zum Entgleisen gebracht wurde, stellt— falls es erwiesen wird— einen der furchtbarsten Fälle aus der Geschichte der Eisenbahnattentate dar. Glücklicherweise find solche Verbrechen nicht so häufig, als manche Reisende annehmen. Verschiedeyslich haben sich Räuberbanden dieses grausigen Mittels bedient, um dann in der allgemeinen Verwirrung die Reisenden auszuplündern oder auch ein« kostbare Ladung des Zuge», von der sie Kunde bekommen hatten, zu gewinnen. Häufiger aber waren die Anschläge gegen das Leben von Herrschern. Das bekannteste dieser EiseiibahnaUentat« ist die Entgleisung des russischen Hoszuges bei Borki südlich von Charkow im Jahre 18S8. Die Zaren- samtlie wurde zwar gereitet, aber das Verbrechen forderte 22 Tote und 36 Verwundete. Der Grund der Entgleisung lag zweifellos in einer absichtlichen Zerstörung der Schienen. Die Art des Unfalls, die mit der neuen Katastrophe bei Lehrte manche Aehnlichkeit aus- weist, wird von Ernst Krassl in seinem Buch„100 Jahre Eisenbahn- unfall" als typisch sür die Auswirkungen einer solchen Entgleisung bezeichnet. Weder die aus dem Gleis springende erste Lokomotive noch die ihr nachfolgende zweite Maschin« und der Packwagen waren erheblich beschädigt. Die Zertrümmerungen setzten erst bei dem zweiten Wagen ein: er wurde schräg nach rechts aus dcni Gleis gedrückt. Der folgende Wagen wurde nach derselben Richtung 30 Meter weit die Böschung hinabgeschieudert und zerstückelt. Das- selbe Schicksal erlitt der nächste Wagen. Der fünfte Wagen aber� wurde durch die Querstellung seines Vorläufers in der entgegen-' gesetzten Richtung abgelenkt und 30 Meter nach links aus den Schienen geschleudert. Di« folgenden drei Wagen erlitten nur Wand- quetschungen und Dachverluste, während der vorletzte nur teilweise, der letzte überhaupt nicht mehr entgleiste. Der eigentlichen Zer- triimmermig erlagen also hauptsächlich die mittleren Wagen. Dasselbe Bild der Zerstörung bot sich bei dem letzten Eisenbahn- Unglück, das wohl vor dem Verbrechen von Lehrte auf Bahnfreoel zurückgeiührt werden muß, bei der Katastrophe vom 20. Januar 1320 in der Nähe von Schneidemühl, die 18 Todesopser und 30 Verletzte forderte. Bei diesem Unglück im Polnischen Korridor, das noch in frischer Erinnerung ist, besteht allerdings die Möglichkeit, daß die Entgleisung durch den mangelhaften Zustand des Bahnkörpers her- vorgerufen wurde. Auf ein Attentat scheint wohl auch die größte Eisenbahn- tatastrophe der Welt zurückzugehen, die sich während des Weltkrieges im Mont-Eenis-Tunnel ereignete. Da das Unglück damals aus militärischen Gründen geheimgehalten wurde, ist näheres nicht bekannt geworden. Es handelte sich aber wohl lim ein« Tunnel- sprengung während der Durchfahrt eines großen Militärtransportes, lind die Zahl der Toten wird auf mehrere Hundert angegeben.„Gegen bewußte Zerstörungsoersucke hilft nur die Kontrolle", sagt Krafst. „Bei regelmäßiger Streckcnüberprüfung ist die Möglichkeit eines Eisenbahnattentates ocrhällnismäßiH gering, da zur Zerstörung des Bahndammes oder der Schienen wie zur Anbringung von Mitteln, die eine Engleisung herbeiführen können, erheblich viel Zeit gehört. Immer wieder erleben wir es erfreulicherweise, daß verbrecherische Anschläge auf Züge durch die Kontrolle der Schienen noch rechtzeitig entdeckt werden oder daß die schnell auf den Schienen befestigten Hindernisse von der Wucht des Zuges beiseite geschoben werden, ohne daß eine Entgleisung stattfindet." Wer verglich zuerst Marx unü Lastelle l Hie Marxl Hie Laffalle! So tönte es lange in den Jugend- kämpfen der deutschen Sozialdemokratie, bis die reisende Partei sich entschloß, hie Marx und Lassalle! auf ihr Banner zu schreiben. Er- innert man sich dessen, so gewinnt es ein besonderes Interesse, die Frage auszuwerfen, wann einer diesen beiden großen Geister zum erstenmal gegen den anderen ausgespielt worden ist. Das geschah nicht etwa, wie man bisher wohl annahm, als Laffalle es wagte, ohne Billigung des älteren Parteifreundes die Fahne des Prole- tariats zum erstenmal nach dem Zusammenbruch der Bewegung von 1848 aufs neue zu entfalten, also 1862 oder 1863. Sonders das geschah, was gewiß niemand bisher für wahrscheinlich gehalten hätte, bereits 16 Jahre früher, also noch bevor Marx und Lassalle einander überhaupt kennen lernten, vermutlich bevor Marx über- Haupt Laffalles Namen jemals gehört hatte! In seiner bejonders durch ihre umfassende Materialkenntnis wichtigen Publikation:„Der Lorsriihling der Anarchie. Ihre historische Entwicklung von den Anfängen bis zum Jahre 1864"(Berlin 1323, Verlag„Der Snn- dikalist" Fritz Kater) gibt Max Nettlau Kunde von bisher ungednicktcn brieflichen Acußerungen des bekannten belletristischen Sozialisten Karl Grün an Prouohon, in deren einer, die vom 20. Oktober 1846 datiert ist, wir folgendes lesen:„Diesen Winter haben wir zwei junge Deutsche in unserer Gesellschaft, die unseren Spuren folgen, Lafsall, den jungen Mann aus Berlin, den Sie kennen und der Ihnen so gefallen hat, eine Intelligenz ersten Ranges und seinen Freund Goldsmith." Dieser Goldsmith war niemand anders als Dr. Arnold Mendelssohn, der sich, um nicht wegen der Teilnahme an dem Kaffettcndiebstahl ins Gefängnis zu wandern, zunächst ins Ausland geflüchtet hatte; Laffalle ober befand sich damals in Paris, um sich mit dem Geführten zu besprechen. Proudhons Bekanntschaft hotte Lassalle dort schon 1843 im Cafe Hollandair gemacht. Nun aber die Fortsetzung des Brieses Karl Grüns, bei der man sieb gegenwärtig halten muß. daß der Schreiber damals mit Marx verfeindet war und mit Friedrich Engels eben um die geistige Leistung der Pariser Sektionen des Bundes der Gerechten einen gehässigen Kampf führte.„Der junge Lassall für sich", behauptet Grün hier zu Proudhon,„wäre imstande, hen ganzen philosophischen Hochmut von Marx durch eine noch raffiniertere Dialektik über den Haufen zu werfen!" Prof. G. Mayer. volkbllhne und„Deutsche- DoIl»bLlme. Die Berliner BolkSbübne S. 93. bittet mitzuteilen: Tie.Deutsche BolkSbtthn« im Theater In der Komman- dantenstrahe- bat mit der Berliner BatkSbübne ffi.?, der Beslhcrtn dei Hause« am Bülowplatz, de« Theater« am«chiffbauerdamm ulw. nicht da» geringste zu tun. Da durch die Bezeichnung„Deuttche Volksbühne- bereit« manche Verwechselungen entstanden sind, bat die Berliner VolkZbllbne schon gerichtliche Schritte unternommen, um den Gebrauch des Namen«„Deutsche Volksbühne- zu unterbinden. Der cehmpaflor Jette ist In München im Akter von 70 Jabrcn ge- sterben. Seinen Beinamen hatte er durch die Anwendung von Lebm in � mannigfachster Form als Heilmittel erwerben. Der vielumstriltcne Mann, der schließlich auch die sog. Augendiagnoie anwandte, hat eine Reih« von Kuranstalten ins Leben gerufen, die nach seinen Mctboden heilten. Seine Uneigennützigleit attestieren ihm auch leine wislenlchasllichen Gegner. Dayrcutb» Dläae. Siegfried Wagner kündigt an. daß Bavreulb im kommenden Jahre neben der traditionellen Aufführung de« Parffial und de« Ring mit einer volltommen neuinszenierten Tristanaufführung da« S0jährtg» Jubiläum de« Bestehen« der Aestspiele begehe» wrll. Eupen-Malmeüp. Znrückiveisung französisch nationalistischer Verdächtigungen. Zu den Meldungen der ausländischen Presse, Insbesondere den Meldungen gewisser französischer Blätter über die Frage Eupen- Malmedy verbreitet WTB. folgende Darstellung„von zuständiger Seite": Die Tendenz aller dieser Meldungen liegt auf der Hand. Die Oeffentlichkeit wird alarmiert, um die Absichten der deutschen Politik zu diskreditieren. Durch Vermischung wahrer und falscher Nachrichten soll der Eindruck erweckt werden, daß Deutschland die belgischen Finanzschwierigkeiten erpresserisch zu mißbrauchen suche. daß die belgische Regierung sich dieser Erpresiungsmanöoer nur mit Mühe erwehren könne, daß es aber schließlich dem energischen Ein- schreiten dritter Mächte gelungen sei, die drohende Gesahr zu be- seitigen. Darüber, was dritte Regierungen gegenüber der belgischen Regierung getan haben, kann natürlich nur diese s e l b st Aus- kunft geben. Der deutschen Regierung ist nichts davon be- k a n n t. Für sie ist der wirkliche Tatbestand ein sehr einfacher, der sich mit wenigen Worten wiedergeben läßt. Zwischen deutschen und belgischen Finanzmännern sind schon vor längerer Zeit Besprechungen in Gang gekommen, die sich auf eine deutsche Mitwirkung bei den internationalen Plänen zur Sicherung der belgischen Währung bezogen. Ohne daß es einer besonderen deutschen Initiative bedurft hätte, ist dabei auch der Gedanke erörtert worden, ob nicht die Möglichkeit be- stände, ein deutsch-belgisches Zusammengehen aus finanziellem und wirtschaftlichem Gebiete dadurch zu fördern, daß gleich- zeitig eine Dersländigung über das künstige Schicksal der Kreise Eupen und Malmedy herbeigeführt würde. Es bedarf keiner Begründung, daß eine Bereinigung dieser Frage auf dem Wege verständnisvollen gegenseitigen Entgegenkommens we< sentlich zu einer Vertiefung der gesamten Beziehungen zwischen Deutschland und Belgien beitragen würde. Auch in belgischen Kreisen schien man sich dieser Erkenntnis keineswegs zu ver» schließen. Das zeigt auch die verständige Haltung maßgebender belgischer Blätter. Es muß betont werden, daß diese Besprechungen nicht den Charakter offizieller Berhandlungen von Regie» rung zu Regierung angenommen haben. Selbstverständlich hat die Reichsregierung von den Unterhaltungen Kenntnis gehabt: ebenso selbstverständlich ist es, daß sie die Entwicklung der Dinge mit dem größten Interesse versolgt hat. Dieser Haltung der Reichsregierung den Vorwurf einer Er» presierpolitik zu machen, wie es französische Zeitungen tun, kenn» zeichnet sich angesichts des geschilderten Sachverhalts ohne weiteres als widersinnig. Für Deutschland konnte und kann nichts anderes in Frage kommen, als eine Verständigung, die die Gewähr der Dauer dadurch erhält, daß sie in völlig gleicher Weise den In» teressen beider Länder entspricht, nicht aber eine Verständigung, die für den einen Teil nur ein Notmiltel sein würde, um gegenwärtige Schwierigkeiten zu uberwinden. Wenn, was die deutsche Regierung nicht weih, die Idee einer solchen Verständigung ihre aktuelle Bedeutung jetzt dadurch ver» loren haben sollte, daß dritte Mächte sich ihrer Verwirklichung widersetzen, so wäre das ein gefährlicher Versuch, in die friedliche und den wahren Interessen zweier Nachbarvölker ent» sprechende Entwicklung mit den Mitteln machtpolitischen Druckes einzugreifen. Es wäre ein Versuch, der einen um so bedauerlicheren politischen Rückschritt bedeuten würde, als er im Widerspruch stände mit dem Sinn der Verträge von L o c a r n o, deren Haupt. bedeutung darin liegt, die Grenzen im Westen für immer zu b e» frieden und die Erörterung aller damit zusammenhängenden Fragen ein für allemal der Sphäre politischer Machtanwendung zu entziehen. Der Zurückweisung jener Verdächtigungen französisch» n a t I o» nalistisch-reaktionärer Blätter durch die vorstehende osfl- ziöse Erklärung wird man gewiß nur durchaus zustimmen können. Die Hetze jener Blätter ist um so sinnloser, als einmal f r a n z ö s i- s ch e s Gebiet überhaupt nicht in Frage und Belgien doch nicht unter der Vormundschaft von Pariser Zeitungsschreibern und»in» spiratoren steht und schlichlich zur Zurückgab« von Eupen- Malmedy an Deutschland eine Aenderung von Versailler Frieden»- bestimmungen erforderlich wäre, der wohl alle Unterzeichner zu» stimmen müßten. Westarp will regieren. Er sucht eine Koalition mit Stresemann und' dem Zentrum. Im September wird der Parteitag der Deutschnationalen in Köln stattfinden. Auf diesem Parteitag wird es Ausein- anderfetzungen über die Frag« geben, ob die Deutsch- nationale Volkspartei einen realpolitischen Kurs einschlagen, oder ob sie im Fahrwasser des Rechtsradikalismus dahin- treiben soll. Das große Programmwort der Deutschnationalen ist „Sammlung". Es fragt sich nur, was gesammelt werden soll, und wie. Die Hugenberg und Ehrhardt nebst ihren. sogenannten„Vaterländischen Verbänden" wollen einen schwarzweißroten Block unter rechtsradikaler Führung im Geiste des Stahlhelms und der„Standarte" sammeln mit der Parole: Kamvs jeder Regierung, die die Locarnopolitik ver- folgt und in den Völkerbund eintreten will. Der offizielle Führer der Deutschnationalen Partei. Gras Westarp, erteilt diesen Absichten in der„Kreuzzeitung" eine Absage. Er steht dem Gedanken eines schwarzweißroten Blocks skeptisch gegenüber: „Zählt man die Deutsche und die Bayerische Volkspartei sowie die Wirtschastspartei zur Rechten, fo fehlen auch ihr an der absoluten Mehrheit im Reich« 31. in Preußen 43 Abgeordnete... Nun ist es ein Ziel, das man sich setzen muß und das auf die Dauer durchaus nicht unerreichbar erscheint, der Rechten in Wahlkämpfen noch den nötigen Zuwachs von 40 bis 50 Mandaten zu erringen. Solange das nicht der Fall ist, können stabile Regierungsverhältniss«, bei denen die Recht« ihren Einfluß einsetzen, die revolutionäre Gefahr und die innere und äußere Not des Vaterlandes bannen kann, nur unter Mit- Wirkung des Zentrums geschaffen werden." Graf Westarp will also auch sammeln— aber nicht den von chugenberg und Genossen gewünschten Block, sondern den Bürger block unter Einschluß des Zentrums. Er zweifelt mit Recht an einem Wahlerfolg der Rechten in kommenden Wahlen und will deshalb realpolitisch Bürgerblockpolitik treiben. Zu diesem Zweck braucht er das Zentrum, das durch rechtsradikale Forderungen nicht vor den Kopf gestoßen werden darf: „Hier also liegt der Kern der Aufgab«. Es wird ebensowohl starker Entschlosienheit wie großer Geschicklichkeit bedürfen, das Zentrum wieder dahin zu bringen, daß es wie im Januar 1S2ö die Regierung mit der Rechten bildet. Auch in P e u ß e n ist die Aufgabe, das Zentrum von der Sozialdemokratie zu lösen, nicht leicht. Wer unter nüchterner Berücksichtigung gegebener Verhältnisie praktisch vorwärts kommen will, wird also bei den Verhandlungen und Erörterungen über Arbeitsgemeinschaft und Zusammenschluß der Rechten die Rückwirkung auf das Zentrum jederzeit im Auge halten müssen." Darin liegt eine starke Differenz gegen die Sammlungs- rufe der Rechtsradikalen. Nicht diese Sammlung, sondern die Teilnahme an der Regierung ist für Westarp das nächste politische Ziel: „Auch im Reichstag habe ich wiederhalt die Absicht, an die Regierung zu gelangen, ausdrücklich ausgesprochen upd als selbstverständlich behandelt. Unser« angemessene Beteiligung an der Regierung im Reich und in Preußen zu erreichen, ist die Aufgabe, die von unseren Fraktionen und ihren Verhandlungsführern im Parlament zu lösen ist." Graf W e st a r p weiß reckt gut, daß die Deutsch- nationalen dies Ziel nicht erreichen werden, wenn sie dem Zentrum und der Volkspartei gegenüber an ihrer bisherigen innenpolitischen agitatorischen Linie festhalten. Das'„G e- wissen", ein rechtsradikales Blättchen, hat das Gerücht verzeichnet, daß Westarp eine außenpolitische Schwenkung seiner Partei vorbereite. „Graf Westarp Hab« als Vorsitzender der Deutfchnationalen Volkspartei nach Abschluß der Session dem Außenminister Stresemann sagen lassen, daß die Partei an der Führung der Außenpolitik des Reichs durch ihn keinen Anstoß nehme, falls ihre Beteiligung an der Umbildung der Regierung in Frag« käme." Es ist bemerkenswert, daß W e st a r p in seinen Aus- führungen dieser Behauptung nicht entgegengetreten ist. Sie stimmt im übrigen mit dem Geiste seiner Ausführungen über- ein, wird also richtig sein. Die Absichten der deutschnationalen Parteiführung für den Wiederbeginn der parlamentarischen Arbeit sind demnach: sie wollen in die Regierung. Sie wollen ihre heiligsten Güter, die Ablehnung der Locarnopolitik. ver» kaufen gegen Mini st ersitze. Sie wollen m i t Stresemann und dem Zentrum den Bürgerblock von 1925 erneuern. Ausschaltung der Sozialdemokratie, Rechts- regierung in Preußen und im Reich— das ist ihr Ziel. Daß sie dafür aber nicht eine Reichstagswahl riskieren können, das wissen sie sehr genau I der Mann im dunklen/ Beauftragter der Schwerindustrie, aber vor dem Abbau. In einer Auseinandersetzung mit dem Grafen Goltz von der durch Hugenberg finanzierten„BVV."— das soll heißen „Vereinigte Vaterländisch« Verbände"— erzählt der bekannte Großindustrielle Arnold Rechberg:«r könne seine hauptsächlich außeirpolitischen Betrachtungen zwar in Zeitungen aller Richtungen veröffenllichen. Seit allerdings die Blätter der rechts st ehenden Parteien in Deutschland immer ausschließlicher von dem Geheimrat chugen- berg beherrscht werden, sei es unmöglich geworden. in diesen Zeitungen auch nur rein praktische Fragen der äußeren Politik abweichend von Wünschen des Geheimrats Hugenberg zu erörtern. Im Anschluß daran erzählt Rechberg weiter: Es Ist übrigens ein offenes Geheimnis, daß unter den K a p i- tänen der deutschen Schwerindustrie seit einiger Zeit erwogen wird, wie dem Geheimral hugenberg die ihm von der Schwerindustrie anvertraute und aus der Basis schwerindustrieller Jond» ausgebaute politische Macht zu entwinden fei. Die Führer der deutschen Schwerindustrie haben immer entschieden die Notwen- digteit eines franzöfisch-deutschen Industriebünd- n i s s e s und die darin gegebenen gewaltigen Vorteile erkannt. Die schroff antifranzösische Politik des Gcheimrats Hu gen- b e r g hat den Abschluß eines solchen Bündnisses um Jahre verzögert und infolgedessen die deutsche Schwerindustrie finanziell um un- berechenbare Millionen von Soldmark geschädigt. Die Kapitäne der deutschen Schwerindustrie empfinden daher die mit ihren Fonds getätigte Hugenberg-Politit mehr und mehr als den tatsächlichen Interessen der Schwerindustrie zuwider. laufend. Es ist dementsprechend erklärlich, daß sie sich d e» G e» Heimrats Hugenberg entledigen wollen. Man hat den Herrn des Scherl-Verlages. den Gebieter über„Tag",,„Lokal-Anzeiger" und eine Unzahl von ihm ab- hängiger kleiner Aätter, den Hauptbetelligten an der „Telegraphrn-Union" mit ihren zahlreichen Ablegern, kurz man hat Herr Hugenberg als den„Mann im Dunklen" bezeichnet, als einen, der innner hinter den Kulissen bleibt, aber dort die Dinge nach seinem Geschmack und Interesse zu schieben weiß. Gelegenllich wird er doch einmal ans Licht der Oeffenttichkeit gebracht, sehr zu seinem Leidwesen. Dielleicht hat Rechberg nicht Unrecht init seinen Vermutungen, daß den.Kapitänen der Schwerindustrie die Tätigkeit ihres Vertrauensmannes im Dunkeln nachgerade unheimlich wird. Aber bis p seinem Abbau dürste es noch gute Wege haben. Ein politisches Urteil. Für angebliche Beleidigung Hitlerö.— 2500 Ml. Geldstrafe in München. München. 21. August.(WTÄ.) Vor einiger Zeit war der ver» antwortllche Redakteur des„Berliner Tageblattes", Erich Dom- b r o w s t i, der jetzt in Frankfurt am Main tätig ist, wegen Be- leidigung Adolf Hitlers vom Strafgericht München zu 1000 Mark Geldstrafe oder 20 Tagen Gefängnis verurteist worden. Die Be- leidigung wurde in einem Artikel mit der Ueberschrift„Die fron- zösischen GelderHitlers" gesehen, in dem behauptet wurde, die Hitler-Bewegung sei mit französischem Gelde gespeist worden. , Gegen dieses Urteil hatten sowohl Hitler wie Dombrowski Berufung eingelegt. In der heutigen Berusungsverhandlung wurde die Be» rufung Dombrowskis zurückgewiesen, dagegen der Berufung Hitlers stattgegeben. Dombrowski wurde unter Aufhebung des Urteils erster Instanz zu 2500 Mark Geldstrafe oder zu 25 Tagen Gefängnis sowie Publikation des Urteils im„Berliner Tageblatt" und in der„Münchener Post" und außerdem zur Tragung sämtlicher Kosten verurteilt. In der Urteilsbegründung heißt es u. a., es sei kein Zweifel, daß d e r A r t i k e l im„Berliner Tageblatt" für den Kläger schwer beleidigend sei. Die Schwere des Borwurfes rechtfertige daher eine Erhöhung der Straf«. » Dies neueste Münchener Urteil fordert schärfste Kritik heraus. Die ganze Beleidigung bestand darin, daß über ein Wo lff»Telegramm aus München über die Verwerfung der Revision Hitlers im Prozeß Hitler-Pittingen die Ueberschrift.Die französischen Gelder Hitlers" gesetzt worden war. Für diese Ueberschrift 2500 M. Geldstrafe! Dies Urteil ist mindestens ebenso merkwürdig wie das Münchener Urteil im Hochverratsprozeß gegen Hitler. Der Verurteilte hat Revision gegen das unverständliche Urteil eingelegt. Eine Stahlhelm-öluttat. Begünstigung eines Mörders? Der Dorstand des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold, Orts- gruppe Gelsenkirchen, schreibt uns: An einem der letzten Sonntage veranstaltete der Stahlhelm Geilenkirchen eine Autofahrt nach Dülmen. Das Auto, mit dem die Mitglieder des Stadtteils Rotthausen transportiert werden'sollten, wurde in der Nacht von Sonnabend auf Sonntag in der Nähe der Ecke der Steinfurth- und Belforter Straß« fahrbereit gemacht. Hieran beteiligte sich Stahlhelmmitglied B a d o r e ck, der früherMitgliedderKPD. war und wie so viele andere Mit- glieder dieser Partei zum Stahlhelm übergelaufen ist, weil sie glauben, dort mehr erreichen zu können. Einige Kommunisten, die Badoreck bei seiner Arbeit bemerkten, bändelten mit ihm an, anscheinend in der Absicht, ihm seine Gesinnungslumperei heimzuzahlen. Es kam zu einer Auseinandersetzung, in deren Berlauf B. aus einer ArmeepistolezweiSchüsse abfeuerte, ohne jedoch zu treffen. Darauf ergriff er die Flucht. Der Kriminalassistent Bendritt, der sich aus dem Helmwege befand, lief, wie es seine selbstverständ- liche Pflicht als Beamter ist, nachdem er die Schüsse gehört hatte, in die Gegend, in welcher diese gefallen waren. Er sah einen Menschen, der eine Pistole in der Hand hatte, auf sich zukommen. Andere Personen, die hinter dieser erste» heellesen, riefen:„Hattet ihn fest!" Bendrin trat nun dem Badoreck entgegen, worauf dieser zur Seite sprang und dem bedauernswerten Beamten aus nächster Nähe«Inen�wohlgezlelten Schuß in die Brustseite beibrachte. Das Geschoß durchschlug den ganzen Oberkörper und blieb in der dem Einschuß gegenüberliegenden Lungenseite sitzen. Eine Polizeistreife, die ebenfalls auf die Schüsse hin herbeigeeilt war, nahm Badoreck fest. Außer der Armeepistole hatte er einen f e l b st g e- fertigten Totschläger bei sich, der aus einem Stück Gummi- schlauch und einer großen schweren Schraube besteht. Ein Schlag mit dieser Waffe genügt, einen Menschen auf der Stelle zu töten. wie sie verleumöen. Märchen von einer Messerstecherei des Reichsbanners bei Bremen. In der„Bassum er Zeitung" erschien— und machte natürlich alsbald die Runde durch benachbarte Kreisblätter— ein Artikel, der folgendes besagte: Der bekannte La Mg st recken- läufer Fritz Klodt, Mitglied der Deutschen Turnerschaft, habe, von einem Trainingslauf zurückkehrend, ein Tanzvergnügen in dem Orte Hoya besucht. Hier sei er von Mitgliedern des Reichsbanners aufgefordert worden, sein DT.-Abzeichen abzulegen. Als Klodt das verweigert habe, sei er mit den Reichsbannerleuten in einen Streit geraten, der in Tätlichkeiten ausartete. Wörtlich hieß es dann in dem„Bassumer Kreisblatt":„Hierbei wurde der Turner Klodt durch Messerstiche so zugerichtet, daß er nach der Schandtat in das Bremer Krankenhaus übergeführt werden mußte. Der Bedauerns- werte wird seinen rechten Arm nach seiner etwaigen Genesung kaum wieder gebrauchen können, zumal er von Beruf Klempner ist. Das sind keine Menschen mehr, die um dieses vergoldete DT.» Ab- zeichen» das 1800 000 Deutsche tragen, zu blutlechzenden Tieren werden, noch dazu, wenn man bedenkt, daß ste sich an dem kaum 17jährigen harmlosen Iugendturner Heinz Turnau ver- griffen haben und auch diesen, da er nun einmal ein deutscher Turner ist und die DT.-Nadel trägt, mit dem Messer stachen. Solche politischen Schurken oerstehen es nicht, welches ideale und hohe Ziel sich ein Tumer und Sportler in der Ausübung seiner Leibesllbung setzt." Man kann sich die Wirkung ausmalen, die ein solcher blut- rünstiger Bericht bei der schwarzweißroten Leserschaft der Kreis- blätter ausgelöst hat. Unser Bremer Parteiblatt traute der Ge- schichte nicht und entsandte einen Vertreter nach Hoya. Aus tele- phonische Anfrage bei den Landjägern in Bassum wurde geant- wartet, daß den Behörden von einer derartigen Schlägerei nicht das gering st e bekannt war. In Hoya aber waren die Bewohner geradezu erstaunt, als ihnen die blutige Geschichte der „Bassumer Zeitung" vorgesetzt wurde. Statt in Bremen mit schwerverwundetem Arm im Krankenhaus zu liegen, war Fritz Klodt wohl und munter und machte sogar am 15. August einen Wettlauf in Loccum mit. Auf An- frage bei dem Landratsamt in Hoya wurde erklärt, daß dort trotz eingehender Erkundigungen ein Fall, wie ihn das„Bassumer Kreis- blatt" geschildert hatte, nicht bekannt geworden war. Es ist natürlich vergeblich, von der Kreisblattpresse zu ver- langen, daß sie die ausreizenden Beschimpfungen der Reichsbanner- leute zurücknimmt. Aber wichtig ist doch, daß bei allen in der Rechtspresse auftauchenden Hetzmeldungen über das Reichsbanner so energisch den Dingen auf den Grund gegangen wird wie in diesem Falle.__ Volkspartei. Das ist eine wahre Geschichte. Zwei bekannte Politiker der Deutschen Bolkepartci reisten zu- sammen nach Süddeutschland, um an einer Tagung in einer kleinen Stadt teilzunehmen. Am Ausgang des Bahnhofs fragten ste einen Gepäckträger: „Sagen Sie, guter Freund, wo gehts zum Gasthof zum Lamm?" Antwort:„Rechts, rechts, dann links, dann rechts, dann links, dann rechts." Die Antwort erschien nicht vertrauenerweckend. Reue Frage an einen zweiten Gepäckträger. Antwort:„Rechts, rechts, dann links, dann rechts, links, rechts." Darauf der eine Berliner zum andern:.Herr Professor, die scheinen zu wissen, daß wst von der Deutschen Voltspartei sind." GswerMofisbewegung Neichsbahnpolitik und verkehrsjlcherheit. Der Einheitsverband zur Katastrophe bei Lehrte. Düsseldorf, 21. August.(Eigener Drahtbericht.) Beirat und Barstand haben gestern aus ihrer Tagung in Düsseldorf folgend« Erklärung zum Beschluß erhoben: Der Beirat und Borstand des Einheitsverbandes der Eisenbahner Deutschlands hat sich auf seiner vom 20. bis 22. August in Düsseldorf stattfindenden Tagung mit dem schweren Eisenbahnunglück bei Lehrte beschäftigt und tief er- schütte« davon Kenntnis genommen, daß dieser neuen Katastrophe 21 Menschenleben zum Opfer gefallen sind. Neben der Wirtschaft- lichen Schadloshaltung der Opfer des Unglücks muß die strengste Untersuchung der wirklichen Unsallursache gesordert werden. Noch den bisherigen Meldungen der Reichsbahngesellschaft wird ein verbrecherischer Anschlag vermutet. Im öffentlichen Interesse ist volle Aufklärung der Ursache zu fordern. Die Häufung der Unfälle schwerster Art(München, Langenbach, Lehrte) läßt erkennen, daß die Verkehrssicherheit aus der deutschen Reichsbahn mehr und mehr verloren ging. Als Haupt- Ursache dieser beunruhigenden Erscheinung ist zweifellos die v« r- fehlte Eiscnbahnpolitik der Reichsbahnqesellfchaft anzusprechen. Das Moment der Berkehrssicherheit wird allzu sehr dem Streben nach hohen lleberschüssen untergeordnet. Der übertriebene Abbau beim Betriebs- und Verkehrsdezernat, die Verminderung der Leistungsfähigkeit des Personals durch zu lang« Dien st schichten und schlechte Be- Zahlung, die stark« Beschränkung in der Streckenüber- w a ch u n g und Aufsicht und nicht zuletzt auch die Abgabe von Ober- bauarbeiten an die im Akkordsystem arbeitenden Privatunter- n e h m e r mußten sich zum Nachteil der Sicherheit des Verkehrs auswirken. Wo es sich um die Betriebssicherheit handelt, muß das Akkord- und Antreibersystem ausscheiden. Nicht un- beachtlich darf auch die Tatsache bleiben, daß viele tausende Kilometer von verbesserungsbedürftigem Oberbau vorhanden find, die aus falscher Sparpolitik nicht erneuert und den neueren schwereren Fahrzeugen angepaßt sind. Der Einheitsverband weist auf die verhängnisvolle Wirkung der jetzigen Eisend ahn Politik auf die Sicherheit des Betriebs seit fahren mit allem Nachdruck hin. Sein Betreiben auf Herstellung sicherer und zuverlässiger Bechältnisse im Eisenbahnwesen erfordert die volle Unterstützung der breiten Oefsentlichteit wie auch der Regie- rung und des Reichstages, insbesondere muß das vom Verkehrs- Ministerium erwartet werden, das als Aufsichtsbehörde für betriebe- sichere Zustände der Reichsbahn in erster Linie verantwortlich ist. Internationale Sozialpolitik. Die zehnte internationale Arbeitskonferenz. Auf der Tagesordnung der zehnten internationalen Arbeits- konferenz im Jahre 1927 werden, wie jetzt bekannt wird, Konventions- entwürfe für eine Bereinheitlichung der Krankenver- s i ch e r u n g und für die Schaffung von Richtlinien für g e w e r k- schaftliche Freiheit stehen. Für den zweiten Punkt der Tagesordnung.Die gewerkschaftliche Freiheit" sind die Vorarbeiten anscheinend noch sehr im Rückstand. Das ist insofern besonders be- dauerlich, als unbedingt die Diskussion über dieses Thema so sachlich wie möglich gestaltet werden muß. Die bekannte Stellung der Italienischen Gewerkschaften wird auch dann nach genügend zur Erhitzung der Atmosphäre auf der zehnten Arbeitskonserenz beitragen. Die Vorbereitung der Konvention über die Krankenversicherung ist jetzt soweit gediehen, daß das Internationale Arbeitsamt eine Umfrage mit 1k Fragen an die Regierungen aller Länder abgesandt hat. Im wesentlichen wird es sich bei der endgültigen Festlegung des Textes der Konvention nur um eine Zusammenfassung und Ver- einheitlichung der in fast allen Ländern bestehenden Systeme der Krankenversicherung handeln. Immerhin kann als besonderer Erfolg der deutschen Gewerkschaften gebucht werden, daß dem Fragebogen auf ihren Wunsch ein» Abteilung über die k o st e n- freie Schlicht ung von Rechts st reitigkeiten zwischen Versicherungen und Versicherungsnehmern vor besonderen Gerichten eingefügt worden ist. Durch die Einführung internationaler Grund- sätze in dieser Richtung würde die internationale Sozialpolitik einen weiten Schritt vorwärts kommen. Es wird stillgelegt. 2n Sotvjekrubland. Di«„Trud" vom 5. August 1926, Nr. 178, schreibt: „Nachdem es zeitweilig gelungen war, ein« Kürzung der Arbeiter- zahl in der graphischen Industrie zu vermeiden, werden jetzt Stillegungen unvermeidlich. Die Kürzungen sind die Folge der zahlreichen Streichungen im Auftragsbestand, die s a st 6 0 P r o z. erreichen sollen, da im Zusammenhang mit dem R e- gim« der Sparsamkeit(wie man in Sowjetrußland die Rationalisierung nennt) zahlreiche Behörden und Organisa- tionen die Drucklegung von Berichten aller Art e i n g e st e l l t hoben. Ans der Fabrik Nr. 1 find bereits 600 Personen, Drucker, Setzer und Hilfsarbeiter, entlassen worden. In der Druckerei des Polygraphsschen Trusts sst die Arbeiterzahl bis auf 600 herabge- setzt, auch in einer Reihe von kleineren Unternehmungen werden Kürzungen von 10 bis 12 Proz. des Arbeiterbestandes erfolgen. Der Bezirksverband der Buchdrucker will gegen die wachsende Arbeitslosigkeit ein« Reihe von Maßnahmen ergreifen. Abgesehen von den Ergänzungsurlauben oersucht der Bezirksverband zu erreichen, daß im Falle von Kürzungen der Belegschaft die ge- lernten Arbeiter möglichst nicht entlassen werden. Um die Unterstützung der Arbeitslosen zu erhöhen, ist beschlossen worden, die Beiträge zu dem Hilfsfonds für Arbeitslose von 5 auf 10 Proz. heraufzusetzen. Der Betrag der Geld-unterstützung für Arbeits- lose der ersten Gruppe ist demjenigen der zweiten Gruppe gleich- gestellt. Der Bezirksverband hat ferner angeregt, die wöchentliche Arbeitszeit in den Betrieben zu kürzen. Darüber wird gegenwäiifig noch im Zentralkomitee der Buchdrucker verhandelt." Bon den Maßnahmen der Behörden zur Arbeitslosigkeit ist kein« Rede, oder soweit davon die Rede ist, tragen sie zur Ver- s ch 2 r f u ng der Arbeitslosigkeit bei. Sehr hübsch ist auch der Be- russegoismus: die Ungelernten können ja aufs Pflaster fliegen, wenn nur wir geschützt werden! Auch davon hat die„Arbeiterdelegation" natürlich nichts sehen könne« sintemalen man stillgelegte Betriebe nicht besichtigt. die �rbeitslostgkeit üer �ugenülichen. Die große Arbeitslosigkeit unter den Jugendlichen ist heute in den verfdjiedcnften Ländern ein schwieriges Problem. In Groß- britannien, wo während der letzten Jahre nie weniger als 50 000 bis 70 000 Jugendliche als Arbeitslos« ein- getragen waren, ganz abgesehen von sicher zahlreichen nicht ein- getragenen, wurde zur Klärung des Problems eine Unter- such'ung veranstaltet, deren Ergebnisse in der„Internotio- nalen Rundschauder Arbeit" veröffentlicht werden. Jeder britische Arbeitsnachweis hatte dabei über etwa 10 Prozent der bei ihm eingetragenen jugendlichen Arbeitslosen zu berichten. Allerdings gibt die Untersuchung kein vollständiges Bild, denn von den Jugend- lichen unter 16Jahren und von den in derLandwirtfchaft und den dienenden Berufen Beschäftigten, für die alle keine Ar- beitslofenversicherung besteht, konnten nur die freiwillig Ein- getragenen gezählt werden. Von den befragten jugendlichen Arbeitslosen waren 22 Prozent Waisen oder Halbwaisen. Bei mehr als zwei Dritteln waren ein oder beide Elternteile gewerblich tätig. Bei 20 Prozent der jugendlichen Arbeitslosen bezog bereits die Familie Arbeits- lofenunterftützung. In den meisten Fällen hatten die Jugend- lichen nach der Schulzeit schon eine Stelle inneghabt. 11 Prozent der männlichen und 5,4 Prozent der weiblichen Jugendlichen hatten- eine Lehre durchgemacht, während 70 Pr o z e n t ungelernteArbeit und 15 Prozent Gelegenheit?- oder Saison- arbeit verrichtet hatten. Die Jugendlichen gaben ihre Arbeitsstellen nur selten von selbst auf: 70,5 Prozent der Kündigungen gingen vom Arbeitgeber aus. Sehr häufig wurde den' Jugendlichen gekündigt, wenn.sie in das versicherungspflichtige Alter (16 Jahre) eintraten, weil die Unternehmer die Berfiche- rungslasten umgehen möchten. Die Behauptung, daß vor- nehmlich körperlich Schwache unter den jugendlichen Arbeitern be- fchäftigunaslos werden, wird von der Untersuchung nicht gestützt, denn 84 Prozent der in die Untersuchung Einbezogenen waren völlig gesund, 70 Prozent körperlich kräftig und widerstandsfähig. Aller- dings ist beobachtet worden, daß für die körperlich Schwächeren die Arbeitslosigkeit durchschnittlich von längerer Dauer ist. ver gelbe Stahlhelmer. Dumm, aber unverschämt. „Der Stahlhelm" bringt in feiner Nummer 33 vom 15. August folgende Notiz: „Soziale Fürsorge ist gewiß sehr schön, und man hätte nichts dagegen einzuwenden, wenn nicht unsere glorreiche Repu- blik alles ins Gegenteil verkehren würde. Da haben wir alfo jetzt ein Knoppfchaftsgefetz. Dieses Gesetz ist mal wieder zu einem Freibrief der Faulheit geworden. Ein kranlseiern- der Arbeiter erhält mit Frau und vier Kindern an Krankengeld mehr, als er an Lohn verdienen würde, wenn er volle 26 Schichten regelmäßig gearbeitet hätte. Erfolg: Seit dem 1. Juli haben sich die Krankheitsfälle um 50 Proz. vermehrt. Uns soll's nicht wun- dern, wenn die Kommunisten bald die Plakate herumführen: „Jedem Arbeiter fein verstauchter Zeh." Bequemer kann man wirklich nicht verdienen." Eine geradezu erschreckende Unwissenheit über die Bestimmun- gen des Reichsknappfchaftsgefetzes offenbart sich hier. Mit jolcheni Unsinn sich ernsthaft auseinanderzusetzen, verlohnt nicht. Die Notiz zeigt— und deshalb hoben wir sie zitiert— mit nicht mehr zu überbietender Deutlichkeit, daß der Stahlhelm nichts anderes ist als eine Hilfstruppe der reaktionären Unternehmer. Es gehört schon eine ziemliche Dosis von Frechheit dazu, den Berg- arbeitern Faulheit vorzuwerfen. Der Stahlhelm sollte sich lieber in den Reihen seiner mit hohen Pensionen versorgten, noch sehr arbeitsfähigen Ofsiziersmitglieder umschauen, wenn er Leute aus- spüren will, die mit Nichtstun ihr Geld„verdienen". (Gewerkschaftliches flehe auch 2. Beilage.) Berantwortlich fllr Politik: Dr. a»rt«Sr»«: Wirtschaft: Slrwr Saternu,: Drwerkschaftsbewcguna: 2. Striaer: geinLeton: Dr. Ioha Tchikosaki; Lokales und Eonftiac«: Fritz tlarftädt; An, eiern: Zt. Stark«: sämtlich in Berlin. Berla«: Vorwärts. Verla« S. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerei und Berlaasanstalt Paul Singer u. Co. Berlin EW 68. Lindcustraä: 3. Bier,» 3 Beilaqen.„Uaterhaltua»»ud Willen'»ad„Au, der Film. Welt". tss B E R L I N ♦ C KON I GSTRA5SE 5 PANLDAU E Soweit Vorrat Menflenabflabo vorbehalten Kleiderstoffe Qualitätsware zu außergewöhnl. niedrigen Preisen Kammgarn-Serge vonügl. Klekierwire in«olWen Fifben,».�« l«>c» Mr. M M ZMM Crepe marocain_ Reinwolle in soliden Farben. ca. 96 cm breit Mtr. Reiniuoll. Kostiimstoffe henorngeiKle Qual, in modern. Fachen, ea. IN cm..... Mtr. Reuuuoll. Mantelstoffe besonder, hodwsrtQvai. In nousn Farben u.Bindung«s, caJ30cm...Mtr. 5,90 Reiniuoll. Gabardine besonders schwere Ware für Kostüme WWM> ca. 130 cm breit..•.Mtr. 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Was damals die Volkspsych« an Lust und Laune, an Witz und Humor sprühte, floß wie aus der Pistole geschossen in ein großes Sammelbecken an einem einzigen Tag« des Jahres, beim Stralauer Fischzugsfest. Di« köstlichst«, dem vollen Menschenleben abgelauscht« Schilderung hat uns der witzigste Kopf, der feinst« Beobachter jener Zeit hinterlassen, Adolf Gloßbrenner, der Klassiker unter den altberliner Humoristen. Sein Name ist jedem einigermaßen literarisch Beschlagenen vertraut. Wie wenig« lesen sein« herzerfrischenden Studienl Beim Beginn des Stralauer Fischzugrummels sei darum einiges zu neuem Leben erweckt. Die alte Kirche von Stralau. Das Jubiläum ües Stralauer Zischzttges. Tiefernst, bevor es in den fruchtbaren Acker des Humorigen eht, beginnt Gloßbrenner feine Schilderungen des freundlichen .'ischerdörfleins. Wieviele grausige und blutige Geschichten, wieviele bunte Sage und seltsame Dinge mögen die plätschernden Wogen des Rummelsburger Sees deinen Aeckern und Gärten erzählenl Du hübsches, lebenslustiges Enkelchen ahnst nichts von deiner ernsten, wilden Urmutter, von der Ahnsrau deiner Hütten, die den Umgang mit den modernen Städtern nicht leiden mochte. In ihrer frühesten Jugend war sie eine Heidin und befolgte, was der gewaltige Drude auf Rügen von Bog und seiner Gattin Siwa, den Göttern der Götter, durch die Unterpriester verkünden ließ. Später wurde sie eine Christin. Noch mehr, du liebliches Fischerdorf, möchte ich erzählen von deinen Ahnen, aber sowohl ich wie die anderen Ge- lehrten wissen sehr wenig von deiner Kindheit und vom Entstehen des Stralauer Fischzuges. Gewiß haben hier vor tausend Jahren Wenden vom Stamme der Sorben gewohnt, gejagt und gefischt: gewiß sind sie von dem ersten Markgrafen Brandenburgs, dem Wendenfeinde Albrecht dem Bären, mit ihrem Führer, dem wilden Fürst Jaczo, der nach der Sage bei Schildhorn über die Havel schwamm, im Jahre IIS? oertrieben worden. Die früheste Urkunde über Stralau stammt aber erst aus der TNille bes vierzehnten Zahr. Hunderts. Der Rat von Berlin und Kölln kaufte 1358 von den Besitzern Stralaus, den Gebrüdern Carsten und Nikolaus Baroll- dorpe, einen Hof, eine sogenannte Kuria. Im Jahre 1391 kaufte der Rat von Berlin dem vielgenannten markgräslichen Richter Tyle von Brügge das Schulzenamt von Berlin und Kölln ab, zur Hälfte in bar, zur Hälfte in Lehnen auf den Dörfern und Gärten zu Stralau, Nynhofe. Reinkendorf und Wcsendal. Nach dem alten berlinischen Stadtbuche bestand das Dorf Stralau 1397 aus elf Gehöften und zwei Gärten auf der Feldmark. Bon nun an finden sich mehrere Unterhandlungen zwischen Berlin und Stralau, ebenso Gesetze, die von dem Kurfürsten über die Stralauer Fischerei erlassen wurden. Im Jahre 1574 setzte Kursürst Johann Georg fest, daß aus allen märkischen Flüssen zwischen dem grünen Donners- tage und Bartholomäi(24. August) mit dem großen Garne nicht gefischt werden solle. Nirgends findet sich aber eine Notiz über das Volksfest. Der Aischzug am Morgen des 24. August hat sicher zur Besoldung des früheren katholischen wie des späteren evangc- tischen Priesters beigetragen. Die Kunde aber, daß einer der Züge mit dem großen Garne für den Magistrat von Berlin gewesen sei, hat keine Wahrheit und keinen anderen historischen Hintergrund, als daß, wie au» früheren Urkunden hervorgeht, es den Fischern oder„Bauern* von Stralau auferlegt war, ihren Herren, den Rats- leuten von Berlin, jährlich dreimal„redliche und gute Geschenke an Fischen" zu senden. Humor von einst. Die Volkstypen Glaßbrenners vom Stralau«? Fischzugsfest sind nicht erfunden, sind erlebt und spiegeln getreu das damalige wasi� echte Berlinertum wieder. Der Berliner— sagt er■— hak, wenn ihm fröhliche Stunden winken, das Talent, all und jede Last weit von sich zu werfen und sich so der Freude hinzugeben, als bliehg sie die Begleiterin seines ganzen ferneren Lebens.„Was keine Arbett! Was drei Kinder, die morgen vergebens um Brot schreien werden! Was Exekutor, der sich nur bis übermorgen vertrösten ließ und dann ohne Umstände die letzten Möbel fortschleppen wird! Kann ich dafür, daß heut« Stralauer Fischzug ist? Soll ich nur darum geboren sein, um zu arbeiten und zu jammern und mich von den reichen, schuftigen Nichtstuern noch obendrein grob behandeln zu lassen? Nur nicht ängstlich, mein Weibchen! Sei fidel, Charlotte! Zum Plinsen ist morgen und übermorgen noch Zeit genug. Heute ist Stralauer Fischzug, juch! Von morgen an arbeite ich mit dem Aul dem Festplatz vor 100 Jahren. in Die Sigurontin. Roman eine» Dienstmädchen» von Leon Atapte. Autorisierte Uebersetzung aus dem Französischen von Kunde-Grazia. Mit Ordensbändchen geschmückt, trug er hellgrauen Zy- linder, stahlgraues Jackett, weiße Weste, ebensolche Gamaschen, Lackstiefel. In einem sehr prunkvollen, salonartigen Studierzimmer, das mit schönen antiken Möbeln ausgestattet war, ließ er sich nieder und befahl Sulette, sich zu setzen. Durch einen großen, runden Mahagonitisch von ihr getrennt, beobachtete er sie einen Augenblick und ohne jeden weiteren Umschweif erklärte er: „Sie haben nicht das Aussehen einer berufsmäßigen Dienstperson. Gestehen Sie, Sie sind eben wieder freigelassen worden? Nicht wahr, Sie kommen von... da... nach- dem Sie...?" Seine Augen leuchteten phosphoriszierend. „Ich habe gar nichts zu gestehen," sagte Sulette halb ärgerlich, halb belustigt. Ich bin gegenwärtig in Stelle, heute ist mein Ausgang." Der Mann holte erleichtert und zugleich enttäuscht Atem. „Sie beruhigen mich," sagte er kopfschüttelnd.„Aber Sie werden mir einräumen, daß es unter den Dienstmädchen zu- weilen Diebinnen gibt?" Sulette betrachtete von der Seite die nüchternen, fast schwarzpolierten Eichenmöbel. Das Veraltete der Einrichtung glich dem antiquarischen Alter des gegenwärtigen Besitzers. Die Lade, der Sekretär, der Schreibtisch, die �Sessel mit Baldachinen figurierten als Museumstücke, deren man sich nicht bediente, die man nicht berühren darf. Das Kabinett selbst lag in einer matten, grauen, starren Beleuchtung, es schien wie die Einrichtung, wie der Greis, dem Leben nicht anzugehören. Nach einem Schweigen fiel der Mann wieder in den fragenden Ton: „Wollen Sie leugnen, daß viele Dienstmädchen ernstlich der Anständigkeit ermangeln?" Sulette schielte einen Augenblick zu dem Frager hinüber, jehe sie antwortete. Sie konnte wohl über die diebischen Dienstmädchen reden, hatte ihre Argumente bereit, dank Herrn Benoit, dank der Frau Coqueho, dank der Kameradinnen der Sechsten. Ach ja, sie kannte sich in dieser Frage aus! Und schließlich, ob fälschlich oder mit Recht, eine Beschuldigung des Diebstahls bildete die ständige Bedrohung der Sicherheit, des Lebens der Dienstmädchen, das war die Sache, die sie am pächsten betraf. Kein Zögern: Sulette brauchte sich keinen Zwang anzutun, eine Stelle bei diesem unheimlichen Wahn- sinnigen würde ihr um keinen Preis passen. Sie lachte daher laut auf. „Wirklich, mein Herr, Sie ahnen, daß es unter den Dienstmädchen bisweilen Diebinnen gibt? Ha! Ha! Hq! Aber ein Dienstmädchen, das zum mindesten seit ihrer ersten Pariser Stelle niemals gestohlen hätte, gibt es nicht! Die Anständigen find diejenigen, die sich über kurz oder lang selbst korrigieren. Ueberlegen Sie doch: man kommt vom Lande, wird gleich den Wilden von allem, was glänzt, angezogen, — wie soll man da nicht einen Tand, eine Nippsache, mitten in dem umgebenden Besitz, der einen anlockt, stehlen?" In den Augen des Alten kam ein Flimmern, man mußte an ein wildes Tier denken, das einem Ueberfluß an Beute gegenüber nicht weiß, worauf es sich stürzen soll. Sulette schöpfte neu Atem, dann näherte sie ihm dreister ihr boshaftes Gesicht: „Je mehr man sich entwurzelt, beraubt von allem, was man besaß, getrennt fühlt, desto mehr hat man den unwider- stehlichen Drang, sich an einen neuen Besitz zu klammern. Und Sie vergessen, man steht in dem Alter der Entwicklung, die einen ganz verworren macht, wo die Vernunft yus dem Gleichgewicht kommt. Man ist achtzehn, zwanzig Jahre— ein Alter, wo es so in der Ordnung ist, daß Ihre gutsituierten Söhne tausend Tollheiten begehen, ungeachtet des Gesetzes der Gesundheit, ungeachtet all der guten Führer, die sie umgeben, und ungeachtet, daß sie ohne Mühe das Nötige wie das Ueberflüssige haben. Aber wir dagegen, die Dienst- mädchen,— ohne Hygiene, ohne Wohlwollen, ohne eine Freistatt der Gedanken, �ohne irgendeinen Trost— unsere kleinen Diebereien, sind sie nicht sozusagen unschuldig? Verbrecherisch und häßlich ist es, wegen krankhafter Hand- lungen die armen, nicht verantwortlichen Mädchen gerichtlich zu verfolgen!" Der Mann hatte einen fast epileptischen Anfall, niemals noch wagte jemand derartig zu ihm zu sprechen: „Nein! Nein! Kein Mitleid mit den Dieben und den Diebinnen! Man muß sie festnehmen, verurteilen...." Cr schwieg, bewegte eine Weile wütend seine Kiefer und fügte leiser mit einer Art scheuer Gier hinzu: „Man müßte sie niemals wieder freilassen!" Dann schlug er ein gutturales Lachen an, so wie es Sulette ähnlich niemals gehört hatte. ,Ach! Sie sind frei, Sie! Ich, auch ich bin frei, hören Sie: es gibt keine gebesserten Diebe: im Fall der Straflosigkeit werden sie gegen das Verbrechen abgehärtet, und in dem der Verurteilung wird ihre Bösartigkeit definitiv, weil sie sich rächen wollen. Ich habe mich jetzt— betrachten Sie mich, junges Mädchen— ich habe mich einer Vereinigung zur Fürsorge entlassener Strafgefangener angeschlossen, lediglich aus Haß gegen die sreigelaffenen Diebe, um darüber zu wachen, daß die öffentliche Sicherheit nicht durch unkluge Wiedereinsetzung und Rehabilitationen von Dieben gefährdet wird." Sulette blickte ihn mit großen, geängstigten Augen an, der Alte begegnete gleichfalls scharf den ihren: „Was? Halten Sie das für eine Erfindung von mir? Wohlverstanden, um so geworden zu sein, war es nötig, daß ich aus erster Hand belehrt, war es nötig, daß ich durch persönliche Erfahrung dazu getrieben wurde! Und die Gelegenheit hat sich mir geboten, einen entlassenen Dieb kennenzulernen und zu beobachten. Ich habe bei ihm keinen Aussöhnungsversuch mit der Gesellschaft bemerkt: nichts zeigte an, daß er die verbrecherische Vergangenheit durch eine ehrbare Lebensführung auslöschen wollte. Und dennoch war ich zu der Vermutung' berechtigt, daß dieser Mann nicht von Grund aus schlecht gewesen." Die Augen des Greises wurden wieder phosphoreszierend. „Und hat, da Sie hier sind... so freimütig... will ich auch... ich muß Ihnen das Erlebnis erzählen." Eine Stille trat ein, der Mann überlegte, lachte unheim- lich in sich hinein: betrachtete Sulette. blinzelte mit den Augen nach einem an der Wand hängenden Abreißkalender und murmelte ganz leise für sich: „Ich muß es jetzt erzählen, noch hat es niemand gehört." Die unerhörte Sprache Sulettcs sollte aus ihm nie gesagte Worte herauslocken. Ihre Behauptungen hatten seine Lebenslogik erschüttert, er war— unumgänglich— gezwungen, um die Sorglosigkeit seines guten Rechts wieder zu erlangen, der Unruhe durch eine grausige Erzählung wieder Herr zu werden. Sulette dachte: Frau Coqueho hat mich nicht getäuscht, das ist ein Schwätzer, danke dafür, ich werde ihn mitten in seiner Geschichte sitzen lassen! Aber sie blieb bis zum Ende und bewahrte eine unaus- löfchliche Erinnerung an diese Erzählung, so daß in der Folge jahrelang ein furchtbarer Traum von Zeit zu Zeit sie heimsuchte, trotz Wechsels der Herrschaften, der Quartiere, der Nachbarschaft, trotz tausendfacher Berändsrungen. Zwei» oder dreimal in der Woche stellte sie morgens beim Erwachen, mit/ einer ängstlichen Niedergeschlagenheit fest:„Ich habe wieder vom Alten geträumt."_(Fortsetzung folgt.) LHrsmrschen l>rauf loS. als ab d?« Welt bis jetzt barfuß gegangen wäre und ich ihr jetzt erst die Stiefel zu besorgen hätte. Siehste, Charlotte, gerade weil wir soviel Pech haben, wird Schuster Renne- berger schon noch uff'n grünen Zweig kommen. Sei nun man jetzt ohne alle Zeremonien so gut und zieh' deinen Trauring vom Finger, damit er mit meinem Arm in Arm ins Leihamt wandert. Wir ver- borgen auf ein paar Tage unsere Ehe!" Dicht vor dem Fischerdorfe stehen unübersehbare Reihen von herrschaftlichen Kutschen und Lahn- fuhrwerken, von �Charlottenburgern" und„Kremsern", deren Kut- scher von jungen und alten Marketenderinnen aus das angenehmste unterhalten werden. Bayerisch Bier gab es damals nach kaum, um so tüchtiger wurde der Berliner„Weißen" und dem Doppelkümmel zugesprochen. Die Wogen dursten nicht in das Dorf hinein, also feierten die Kutscher bei der Wagenburg ihren eigenen Fischzug. Auch Streichhölzer gab es noch nicht, nur Feuerzeuge mit Lunten. Don zahlreichen Tischen ertönt es:„Zigaros mit avec du feu" und noch öfter„Saure Gurken, meine Herren!" Einer sucht seine Frau, die ihm mit einem lchneidigen Feldwebel durchgegangen ist. Sofort fällt der Witz über ihn her:„Mir passiert sowat nich. Wenn ick jewußt hätte, det ick so'n Iluck haben könnte, hätte ick meine Dlle rousjebracht nach Stralau." Schüster Renneberger hat sich mit Kind und Kegel und Freßkober im Grünen gelagert. Zwei Herren gehen vorüber, beide in sehr seinen Kleidern.„Sehen Sie nur," sagt der eine zum anderen,„wie das Geld hat, wie das lustig ist! Und �och klagt das gemeine Volk ohne Aufhören über seine Armut und hat wohl gar soviel Ansteckung vom Zeitgeiste, der seine- ren Welt die bessere Existenz zu mißgönnen." Der Schuster springt auf.„Was sagt der seine Esel? Wie das Geld hat, wie das lustig ist. das jemeine Volk? I Du Halunke, Du! Mach, daß Du fort- kommst, oder ich lege dir einen Fünsdolerschcin aus dein dämlichet ?esichte, dat Du vier Wochen dran zu wechseln haben sollst! Was Dir, ahjetrocknete, verlebte Menschheit, täglich dein Jagdhund kost't, davon bin ich, ein Mensch, un mein Weib ün meine Boljer selig! Un ich muß von morsen? fünwe bis abends neune arbeiten, daß mir der Schweiß von de Stirn läuft, un muß doch akkurat soviel fürs Psund Fleisch jeben, wie Du, Halunke! Ick sänne Dir dein besseres Leben, aber w i r sind nickt j e m e i n, sondern die sind jemeine Schufte, denen unser Elend jleichjültig is oder die noch gar drüber spotten!" Die seinen Herren sind im Gewühl ver- schwunden, und der hart angsfahrene Sprecher hat sich wahrschein- lich vorgenommen, sein Gefühl für Menschenwohl, seine Nächsten- liebe, seine liberalen Gedanken künftig nur unter seinesgleichen, unter Gebildeten, laut werden zu lassen. Heimkehr. Ohrenzerreißcnder Spektakel. Alles ruft, schreit, brüllt durch- einander.„Kommen Se nich unter, lieber in den Wagen. Et kostet nur zwee jute Iroschen!" Polizei und Gendarmen haben olle Hände voll zu tun. Aus der sandigen Landstraße ist es fast stockdunkel. Nur langsam schiebt sich d«e Wagenkarawane vorwärts durch die tiefen Furchen, begleitet von Tausenden zu Fuß und von einer Flut von Wißworten.„Wat, ich bin een besoffener Esel? Der Mensch is besoffen, der Esel is nüchtern. Jeder, wer nüchtern is, der is een Esel." Die Lost des Rückweges wird abgekürzt mit Singsang, mit Volksliedern und Gassenhauern. Und durch das Stralauer Tor einziehend, singen Tausende: Wir Menschen sind ja alle Brüder, Ein jeder ist mit uns verwandt, Du Schwester mit dem Leinwondmieder, Du Bruder mit dem Ordensband! Der Mensch sei Mensch, der Sklave frei'. Dann»ilt die goldene Zeit herbei. » Hundert und mehr Jahre sind verklungen. In kümmerlichen Resten, abgesehen von einem historischen Festzug. zu einem großen Rummel ausgeartet, hat sich das Stralauer Fischzugfest noch erhalten. Don, der goldenen Zeit, wie sie in bescheidenste» Herzen sich malt. sind wir noch weit entfernt. Vergeht es nie, weiter zu kämpfen und weiter zu singen: Der Mensch sei Mensch, der Sklave frei! Einmal muß und wird gelingen, was Millionen ersehnen. „Slumen und ZWe/ Da» Berliner Rathaus gleicht heute einem Blumenparadies, als hätten Feenhänd« es verzaubert und in einen großen, duftenden Garten verwandelt. Die große Freitreppe schmücken Palmen und Lorbeerbäume, die sich am Treppenaufgang und am Treppenende in Gemeinschaft mit Becherprimeln, Lelosis aistata und Thompsonii zu einem prächtigen Arrangement vereinen. Oben grüßt die Halle mit dem Springbrunnen als ein leuch- tendes Blumenbeet. Prächtige Begonien in gelb, rosa und rot, Sommerzypressen, Farne verschiedenster Art, Gloxinien und wie sie alle heißen, geschmackvoll gruppiert um den mit einer neuartigen Primelaxt geschnziickten Springbrunnen. In der einen Ecke ein vorbildlich dekorierter Tisch, geziert mit Chrysanthemen, Gloxinien und anderen Blumenstllcken. An der Treppe zum Bürgersaal etwas eigenartig Interesiantes. In Töpfen gezogene Weinreben, reich mit Früchten beladen, ein richtiggehender Weingarten en miniature. Unendlich mühsam ist diese Art von Rebenpslanzung, und es dauert vier Jahre, bis sie Früchte tragen. Im Bürgersaale selbst sind die Schnittblumen untergebracht. Ein sinnverwirrender Duft ist's, den die Blüten um sich verbreiten. Da gibt es Prachtexemplare an Rosen, Dahlien, Astern in allen Formen und Farben. Dos ist ein Duften und Blühen, ein Leuchten in ungezählten Farben. Alle Blüten, die Wiese und Garten schmücken, entsandten ihre schönsten Vertreter, und das Auge ist geblendet von diesem Reichtum der Farben. Dazwischen settene Kakteen in ihren fremdartig bizarren Formen, Stauden, Gehölze, Koniseren, kurz alles, was draußen blüht, wächst und gedeiht, und was uns eigentlich den Begriff Som- mer versinnbildlicht. Blumen erwecken Freude und Lust am eigenen Besitz. Dies ist auch der Zweck, den die Veranstalter dieser Blumen- schau, die Deutsche Gartenbaugesellschast, im Auge hat. Der Groß- stödter, der ja soviel Stein, Schmutz und anderes Häßliches sieht und, eingepreßt iy ein steinerne» Häusermeer, fast allen Kontakt mit der Natur verloren hat, soll sich durch Blumenpflanzung in Heim und Garten selbst ein Stückchen Natur hervorzaubern und an dem Blühen und Gedeihen seine Freude haben. Die Ausstellung bringt vom 21. vi, 25. August eine Sonder- schau von.Sommerblüten und Blütenstouden", vom 26. bis 2ä. August eine.Große niärkisch« Dahlienschau". An derselben Stelle zeigt der Verein für Aquarien- und Terrarienkunde„Nym- phae» alba* gleichzeitig eine Ausstellung seltener Kleinfische und Wosierpflanzen. Darunter die so blütenähnlichen Schleierfische (Zuchtprodukte Asiens) aus einer Kreuzung Karausch und Gold- fisch, durch jahrzehntelange Zuchtwahl besonders schön« Tier« gewonnen. Dann die Zebrafische, so benannt noch ihrer Zeichnung, ihre Heimat ist Indien. Kampffisch«, die in den Gräben der Reisfelder leben und auch wasserlose Zeiten überstehen können. Sie werden von den Siamesen zu Kampstpielen gezüchtet. Die reizenden Cichliden, deren Schuppen das Feuer eines Edel- steine» besitzen, sie leben im Amazonenstrom. Ihr König, der Pterophyllum scalare, zeichnet sich durch ganz besondere Schönheit aus. Dazu gibt es noch eine ganze Anzahl neu importierter Fische, wie den Prachtfundulus, der seine Eier im Sande vergräbt, den Argusfisch, LcatopKaxus ergus u. a. in. Als hübschen Zimmer- schmuck sah man im Seewasserbecken die Blumentiere des Meeres. Die beiden Ausstellungen, die viel Schönes und Wiffenswarte» biete«, wurden geftery der veffentlichteit übergeben. Abgründe 6er Konfektion. Das skandalöse Zwischenmeistersyslem.' Das Amtsgericht Berlin-Mitte hatte sich kürzlich mit einem Fall zu beschäftigen, der in wahre Abgründe hinunterleuchtcte. Eine Bagatelle an sich, an der vielleicht der Kriminalist von Fach achsclzuckend vorbeigehen wird. Aber aufschlußreich und zum Nach- denken zwingend für den Sozialforschcr, ja für jeden sozial irgendwie interessierten Beobachter. Ueberhaupt sind es durchaus nicht immer die großen, aufsehenerregenden Prozesie mit einer gefüllten Zeugen- bank, mit mehreren Anwälten und mit den zermalmenden Urteilen, die den menschlich, nicht allein juristisch Interessierten fesseln. Eine kleine, unbekannte Konfektionssirma, die mit Männerhosen handelt, Hot ihren„Zwischenmeister" der Unterschla- gung von 19 Hosen bezichtigt. Aber die„Buchführung" der Firma, die aus Vater, Tochter und Sohn besteht, ist so liederlich, daß der Beweis nicht erbracht werden kann und der Angeklagte frei- gesprochen werden muß. In diesem. Geschäft können Dutzende von Hosen versckwinden, ohne daß man ihren Verbleib feststellen kann. Die„Geschästsbücher" beschränken sich nämlich auf ein schmieriges Notizbuch, in dessen Geheimnisse der Zeuge, der Sohn des klagenden Geschäftsinhabers, den Vorsitzenden und den Amtsanwalt einzuweihen sich umsonst bemüht. Di« Ware wird, wenn der Zwischenmeister sie zugeschnitten, also in halbfertigem Zustand, empfängt, notiert und dann, wenn sie fertig abgeliefert und verrechnet wird, durchgestrichen. Aber das Durchstreichen be- sorgt,„wer gerade im Geschäft ist". Eine Kontrolle ist natürlich auf diese Art unmöglich. Man ahnt die Hintergründe. Der sehr selbstbewußt auftrumpfende und dem Rickter, wie das in Berlin so üblich ist— Mar Adalbert machte es köstlich in der Gerichtsszene des„Ekels" von Hans Reimann—, hart auf den Leib rückende Schneidermeister, der sich recht gediegen ausdrücken möchte:„indem, daß ick die Hosen erhalten bekommen habe". Dieser„Zwischenmeisler" hat offenbar eine recht wenig anstrengende Beschäftigung. Er selber braucht keinen Stich zu nähen. I bewahre: wozu ist denn die Heimindustrie da? Er gibt die zugeschnittenen Hosen ganz einfach an Näherinnen weiter, die sie zu Hause fertigmachen. Dann nimmt er die Ware in Empfang, prüft die Arbeit, entlohnt die Heimarbeiterinnen und liefert die Hosen an die Firma ab. Es ist schade, daß man die P r e i s e. die dieser„Zwischen- meister" bekommt, und die, die er seinen Heimarbeiterinnen bszahlt, nicht erfahren hat. Aber offenbar handelt es sich um ganz billige Stapelware. Für 12, 15 Mark wird eine solche Hose im Laden ver- kauft, mitunter sogar noch billiger. Davon geht ab: der Preis für Stoff und Zutaten, der Lohn für den Zuschneider, der Prosit des „Zmisckenmeifters" und der gewiß noch beträchtlichere der Kon- fektionsfirma. Was dann schließlich noch übrig bleibt, entfällt aus die Heimarbeiterinnen, die der Zwischenmcister, der auf Grund eines Inserats— vermutlich im„Lokal-Anzeiger"— gewonnen worden ist, für diesen Musterbetrieb, nach seinem Gutdünken und sozialen Gewissen entlohnt. Es sei ein jämmerliches Geschäft, meinte er ingrimmig: immer nur mal 19 Marb a conto, und die seien auch nur..lepperweise" eingegangen. Was sollen da erst die Heim- orbeitcrinnen sagen, die Nächte hindurch über die Nähmaschine aeduckt hocken, um nur ja den Lohn durch die Masie der ange- fertigten Ware hinaufzuquetschen? Nicht weniger, als 19 Hosen sind verschwunden. Man wird natürlich versuchen, diesen Verlust wettzumachen. Der Zwischenmeister ist nicht zu fassen. Den Ver- kaufspreis zu steigern, geht weqen der Konkurrenz nicht. Aber ver- mutlich wird man die Arbeitslöhne drücken. So geht es. Der Richter sprach den Zwischenmeister frei. Aber vor dem Tribunal der Menschlichkeit wird ein System, das den Arbeitgebern den Löwenanteil zuschanzt, und die produktiven Kräfte mit Bettelpfennigen abspeist, nicht bestehen können... vorgelesen— genehmigt— unterschrieben. Das polizeiliche Protokoll. Ein Schulbeispiel dafür, wie vorsichtig man als Zeuge irgend- eines Vorsalles sein muß, wenn es gilt, seine Wahrnehmungen auf der Polizei zu Protokoll zu geben, lehrte eine Verhandlung vor dem Potsdamer Schöffengericht. Angeklagt war der Buch- Halter B. einer Berliner Gesellschaft wegen Einbruchsdiebstahls. Der bisher völlig»nbestraste 38jährige Mann wohnte in Potsdam und war mit dem Kaufmann Otto Frenze!, Kronprinzenstr. 1, eng befreundet. Am 27. Juni besuchte Frenze! die Ruderregatta auf dem Lustschisfhasen, wohin auch B. kommen wollte. Er zog es aber vor, im Kasino des Westens in Potsdam zu bleiben. Abends traf Frenze! mit ihm dort zusammen. Auf die Frage des Frenze!, ob er auch auf der Regatta gewesen, antwortete B. im Scherz„Na selbstverständlich, genau wie Du." An diesem Nachmittag war bei Frenzel eingebrochen und aus einer verschlossenen Kassette 14 99 Mark gestohlen worden. Ein Fräulein H. will an dem frag- lichen Nachmittag im und am Hause einen Herren gesehen haben, der groß und stark gewesen sei. Zufällig ist B. auch groß und stärkt Fräulein H. mußt« zur Polizei, B. wurde ihr gegenüber- gestellt und ein Protokoll aufgenommen, das dahinging, daß Fräulein H. mit Bestimmtheit B. als denienigen wiedererkenne, der am 2 7. Juni sich am Hause Kronprinzen st raße I zu schassen machte. B. wurde sofort verhaftet. Einwandfrei tonnte der Angeklagte in der Hauptverhondlung sein Alibi nachweisen und nun trat eine lleberraschung ein. Fräulein H. erklärte unter ihrem Eid, daß sie dem Kriminalbeamten ins Wort gefallen sei und das Wort„mit Bestimmtheit" nicht unterschreiben wollte. Der Beamte habe sie beruhigt und gemeint, daß das nur so eine Art Formsache sei. Darauf habe sie ihren Namen unter das Protokoll gesetzt. In der Hauptverhandlung erkannte die junge Dame B. nicht wieder. Selbst der Staatsanwalt mußte die Anklage fallen lassen und das Gericht sprach den Angeklagten frei. Er hat nicht nur drei Wochen Untersuchungshast verbüßen müsien, sondern auch seine gute Stellung verloren. Ein Potsdamer Arzt verschwunden. Das Gemeindehaus der A u f e r st e hu n g s g e m e i n d c auf dem Brauhausberg in Potsdam hat einen neuen Skandal. Der Sohn des beurlaubten Pfarrers Gruppen, Dr. med. Joachim Gruppen, der im Gemeindehaus seine Praxis ausübte, ist seit einigen Tagen aus Potsdam spurlos verschwunden. Der Arzt, der viele Schulden hinterläßt, soll auch nach anderer Richtung hin nicht einwandfrei vorgegangen sein. Der..verbesserte" Bajazzo. Der Bajozzoapparat, den viele Schankwirte von Unternehmern zur Unterhaltung ihrer Gäste gegen eine geringe Gewinnbeteiligung in ihren Räumen aufstellen lassen, wurde früher als ein Werk- zeug zum Glücksspiel bekämpft. Noch maßgebenden Entscheidungen ist er jedoch erlaubt, weil es bei ihm nicht lediglich auf Glück, sondern auch auf Geschicklichkeit ankommt. Je geschickter nun die Spieler sind, desto weniger verdient natürlich der Unter- nehmer. Diesem Uebelstand suchte eine Frau, die sich mit dem Vertrieb von Bajazzoautomoten befaßt, abzuhelfen. Sie ließ die von ihr ausgestellten Automaten von einem Monteur in ihrem Sinne verbessern. Diese kleinen Eingriffe bewirkten, ohne daß die Spieler es merkten, daß die Geschicklichkeit keine Rolle mehr spielte. Mit den so„verbesserten" Apparaten hatten die Spieler natürlich kein Glück mehr. Die Geschichte kam auch zur Kenntnis der Kriminalpolizei und diese beschlagnahmte in ver- schieden«» Straßen, der Taurogger, Stendal«-. Wilsnacker Straße usw., eine ganze Reihe von Baiazzos, die die Gäste geneppt hatten. Ehincfischc Hausierer als Diebe. Chinesische Hausierer, vielleicht ist hier und da auch ein Japaner darunter, haben sich in der letzten Zeit an verschiedenen Stellen als Diebe unliebsam bemerkbar gemacht. Die Leute pflegen Slassachen, Steinschmtzereien, Lackwaren und dergleichen mehr zu vertreiben und behaupten, daß alle diese Sachen aus ihrer HrfmaJ stammen. Durchweg kaufen sie sie selbst erst in den hiesigen Waren- Häusern. Das Geschäft scheint aber jetzt nicht sehr gut zu gehen. So mag es wohl gekommen sein, daß Hausierer dieser Art sich durch Diebstähle einen„Nebenverdienst" zu verschaffen suchen. Ost gelingt das auch. So wurde erst jetzt wieder einer Frau, die für ein Ge- schüft arbeitet, ein gepreßter Rindlederkosser mit runden Ecken ge- st o h l e n, den sie zum Hin- und Herschaffen der Waren benutzte. Er enthielt seidene Häkelsachen, Crepe de Chine, Taschentücher usw. Es kann nur geraten werden, vor diesen Händlern auf der Hut zu sein._ Großöachftuhlbranü in Wilmersdorf. Drei lvehrleute durch eine Stichflamme verletzt. Ein größerer Dachstuhlbrand beschäftigte gestern noch- mittag mehrere Stunden lang die Berliner Feuerwehr in der Helmstedter Straße 12 zu Wilmersdorf. Gegen lA2 Uhr nachmittags bemerkten Hausbewohner eine starke Berqualmung der Treppenjlure und stellten fest, daß der Dachstuhl brannte. Die Feuerwehr wurde herbeigerufen, die nach kurzer Zeit mit vier Löschzügen an der Brandstelle erschien. Der Lösch- angriff gestaltete sich äußerst schwierig, da die Mannschaften infolge der starken Berqualmung nur schwer an den Brandherd gelangen konnten. Von der Straße wurden zwei mechanische Leitern in die Höhe gewunden. Gleichzeitig wurde von den Nachbardächern aus 5 L-Rohren Wasser gegeben. Als einige Feuerwehrleute das Dach aufschlagen wollten, entzündeten sich die angesammelten Rauch« gase durch Hinzutritt der Luft explosioattig. Eine riesige Stichflamme schoß hervor. Drei Feuerwehrleute, der Brandmeister G n e k o w und die Feuerwehrmänner S ch u- mann und M a n t h e y wurden von der Flamme erfaßt und e r- heblich verletzt. Dann nahm die Stichflamme ihren Weg durch die im Dachgeschoß gelegene fünfzimmerige Mansardenwohnung des Hauseigentümers und zerstörte diese. Eine Wohnungstür wurde durch den gewaltigen Druck vollkommen zersplittert. Glücklicherweise befand sich niemand in der Wohnung, so daß hier Menschen nicht zu Schaden kamen. Das Feuer drohte auch auf den Dachstuhl des Nebenhauses überzugreifen, doch konnte diese Gefahr durch kräftiges Wasiergeben abgewendet werden. Die Aufräumungsarbei- t e n zogen sich bis Vtl Uhr abends hin, nachdem noch zwei weitere Löschzüge eingetroffen waren, die die erschöpften Mannschaften ab- lösten. Die Entstehungsursache konnte bisher noch nicht festgestellt werden, da das Feuer schon bei Eintreffen der Wehr große Aus- dehnung angenommen hatte._ Beleidigung der Nepublik. In der Berufungsinstanz verurteilt. Die 3. Ferien st rafkammer verhandelte gestern als Berufungsinstanz gegen den Redakteur Julius L i p p e r t von der völkischen Zeitung„Das deutsche Tageblatt". Hier war am 16. De- zember 1925 ein Artikel erschienen, der schwere beleidigende Aeußbrungen gegen die Republik enthielt. Lippert war aus Grund von ß 8 des Gesetzes zum Schutze der Republik ange- klagt worden. In der ersten Instanz wurde er jedoch freigesprochen, da nach der Urteilsbegründung der Artikel nur als Kampf- artikel gegen die SPD. gelten könne. Di« Staatsanwalt- schaft legte aber gegen das erste Urteil Berufung ein, über die die Ferienstraskammer gestem zu entscheiden hatte. Nach längeren Ausführungen des Vertreters der Staatsanwaltschaft und des Ver- teidigers des Angeklagten kam das Gericht zur Aushebung des ersten Urteils und verurteilte den Angeklagten zu einer Geld- st rase von 699 Mark. Der Artikel, der in der Verhandlung nochmals verlesen wurde, hetzt in schmutzigster Weise aus die Minister, die seit der Revolution amtiert haben und behauptet von ihnen, daß sie„dicke Pensionen" bezögen. Die Anklage stützt sich auf die Sätze„breiigen, schleimigen Staatssorm der Demokratie" und„G.D.R., Gouvernement der Reparationskoloni« Deutschland, versehentlich Deutsche Regierung genannt". Beide Aeußerungen stellen eine Beleidigung der bestehenden Staats- form und der amtierenden Mini st er dar. Der Staats- anwalt beantragte einen Monat Gefängnis. Der Rechtsvertreter des Angeklagten versuchte nachzuweisen, daß die Beleidigungen nicht die deutsche Staatsform beträfen, sondern allgemein �aufzu- fassen seien. Dieser Einwand wurde jedoch hinfällig, als der Staats- anwalt die betreffenden Stellen noch einmal verlas und klar bewies, daß dauernd von der deutschen Republik gesprochen wurde. Die Verteidigungsrede wirkte übrigens wie eine Propaganda für die völkischen Verbände. Nach zweistündiger Beratung kam das Gericht zu dem oben erwähnten Urteil. Das internationale Sportfest im Stadion. Finnische, deutsche und russische Arbeitersportler geben sich heut« Sonntag im Stadion Grunewald ein Stelldichein, um gemeinsam für die Idee des Arbeitersports zu werben. Es ist das erstemal, daß sich Angehörige dieser drei Völker im friedlichen Kampfe gegenüber stehen. Die Ausländer bringen nur ganz auserlesenes Material an den Start, gegen das die Deutschen kämpfen werden. In der Fülle der Kämpfe interessieren am meisten die Mannschasts- kämpfe. Bei den Stafetten ist die Besetzung aus- gezeichnet. Auch die Einzelkämpfe werden genug Liebhaber finden. In den Wurfgeräten liegt die haushohe Ueberleaenheit der Ausländer, und einen Speer- w u r f von 69 Metern hält man nicht für ausgeschlossen. Im Stabhochsprung finden die Finnen, die überhaupt erst mit 3 Metern beginnen, bei uns keinen Gegner. Neben den Kämpfen der Jugend gewinnen die Frauenkämpfe dadurch an Interesse, daß «ine Russenmannschaft gemeldet ist. Die bisher gelaufenen Zeiten der Russinnen sind außerordentlich kurz, so daß es«in heißes Rennen geben wird. Die Houpttämpfe beginnen mit dem Einmorsch und der De- grüßung der Gäste um 2 U h r. Das Fußballspiel Finnland- Berlin findet um 4 Uhr statt, während die internationalen Rad» sahrerrennen das übrig« Programm ergänzen. Ein Besuch der Veranstaltung ist jedem Anhänger der Arbeiter- sportbewegung, die ein Teil der Arbeiterbewegung überhaupt ist, sehr zu empfehlen._ Elektrizitatsanschluß ohne Kabel? Unsere Mitteilung über die Einführung der Teilzahlung beim Erwerb von elektrischen Apparaturen durch die Berliner Elektrizitätswerke hat uns folgende Zuschrift gebracht, die wir an die Adresse der Bewag gern weitergeben. Der Briesschreiber meint: Die Bewag spricht die Hoffnung aus, daß durch ihr neues T e i l z a h l u n g s s y st e m bei der Anlag« von Installationen die „Anschlußbewegung' eine starke Belebung erfahren wird. Demgegen- über ist festzustellen, daß der Hauptmangel, der augenblicklich besteht, der ist, daß ganze Slrcßenzüge Berlins noch heute ohne Kabel sind. Ein Berliner, der an den Segnungen der Elektrizität teilnehmen will, müßte also auf seine Kosten die ganze Straße ausreißen und das Kaoel legen lassen. Jeder Be- ivohner eines Dorfes in Hirrterpommern hat heute schon die Möglich- keit, Elektrizität zu benutzen, nur alle Berliner nicht. Ehe die Bewag also Propaganda für Hausanschlüsse macht, sollte sie dafür sorgen, daß in allen Straßen Berlins erst einmal ein Kabel liegt: denn die Herstellung einer Hausinstallation zu noch so günstigen Bedingungen hat keinen Zweck, wenn keine Anjchlußmöglichkeit an das Kabelnetz vorhanden ist._ Voltsvorstellungen für Mini)« bemittelte in bei SISdllschen Oper. Filr die Vorslellungen vom 2t. Augult bi» 3.(Eebtembcv lind noch eine Anzabl Karten im Bureau de» BezirlSbildungSauSichusseS. llindenltr. 3, 2. Hol II, Zimmer 8, zu haben. Preis der Karte einschl. Klciderabloae und Theater- MellsSOW. Jugenö unö öilüungsarbeit. Die Winterarbeit der sozialistischen Arbeiterjugend behandelte sehr eingehend die Funktionärversammlung der Sozia- listischen Arbeiterjugend Groß- Berlin. Der Jugend. jekrelär, Genosse Bruno Lösche, reserierte. Er sührte etwa folgendes aus- � " Die sozialistische Arbeiterjugend ist ein Teil der großen sozio- listischen Bewegung, und als solche ist sie auch eine Massenbewegung. Einen breiten'Raum in ihrer Arbeit nehmen die Kultursragen und die Schulung der einzelnen jugendlichen Persönlichkeiten ein. Da- neben gilt es, in Verbindung mit der Partei und den Gewerkschaften den Lehrling und den jungen Arbeiter vor Ausbeutung zu schützen. Wie sieht nun das Programm aus. das demnächst zur Verwirk- lichung kommen soll? Die Grundlage jeglicher Arbeit ist die Werbe- arbeit, insbesondere unter den Schulentlassenen. Nur da- durch ist die Existenz der Organisation gesichert, daß immer wieder neue Menschen in die Reihen der Jungen eintreten. Als Auftakt für die Bildungsarbeit dienen die W o ch e n e n d k u r s e, die draußen in Jugendherbergen Sonnabends und Sonntags abgehalten werden. Der Sinn der Kurse ist die Schulung der Funktionäre. Anschließend an diese Kurse finden weitere Schulungskurse über je fünf Abende statt: in diesen soll die Arbeit der einzelnen Funktionäre besprochen werden. Weitere Bildungskurse sorgen dafür, daß die Mitglieder sich eingehend mit den Gedankengängen des Sozialismus beschästigen, wobei erstmalig eine Sonderung der Kurse in solche für ältere und für jüngere Genossen durchgeführt wird. Als Höhe- punkt der Bildungsarbeit find Jnternatskurse im Landheim bei Brandenburg, serner auf der Jugendburg Hohnstein oder in Tännich anzusehen. Ferner sollen die Wanderleiter im Winter für das nächste Jahr geschult werden. Durch Konferenzen, Aussprachen, Besichti- aungen und Einführungen in die Technik des Manderns soll das Interesse für das Wandern gefördert werden. Als Höhepunkt der gesamten Arbeit in der Bewegung sind die Feste und Feiern anzu- sehen. Als solche sind vorgesehen: Reoolutionsfeier. Silvesterkonzert und rmsere Frühlingsfeiern. In der Diskussion sprach man sich eingehend über das Bildungsprogramm aus und billigte es. Die besonderen Bedürf- nisse der Aelteren- und Jüngerengruppen. wie sie in der bevor- stehenden Winterarbeit nach der Erhöhung der Altersgrenze berücksichtigt werden müssen, nahmen einen breiten Raum in der Aus- spräche ein. Zusammenfassend kann man sagen, daß die SAJ. Groß-Berlin im Begriff ist, den Arbeiterjugendorganisationen im Reich ein Vor- bild vraktischer sozialistischer Jugend- und Bildungsarbeit zu geben. Die Konferenz war ein guter und geschlossener Auftakt für die kommende Arbeit. Der fünfzehnjährige Ehemann. Die Presse als rettender Engel. Mit einem besonderen Falle von Bigamie hatte sich gestern das Große Schöffengericht Berlin-Mitte zu beschäftigen. Angeklagt wegen dieses Vergehens war der Sattleraehilfe Johamr Kopzilki. Nach seiner Vernehmung schien sein Fall sehr einfach zu liegen. Er hatte im Januar 1897 in einem kleinen westpreußischen Orte, aus dem er gebürtig ist, geheiratet und dann im Jahre 1905 seine Frau aus Nimmerwiedersehen verlassen, nachdem er in den Jahren 1900 bis 1903 bei dem Militär gedient hatte. Nach dem Kriege batte der Angeklagte dann im Jahre 1919 eine neue Ehe ge- schloffen, ohne daß die erste rechtmäßig geschieden worden war. Unklarheit schien nur bei den fünf Kindern der Frau zu bestehen, von denen er sich nur aus ungefähr eins besinnen konnte. Angesichts dieser Umstände und der Tatsache, das sich der Angeklagte allem An- schein nach nichts bei der Sache gedacht hatte, beantragte der Staats- anmalt kurz eine Mindeststrafe von OMonaten Gefäng- nis. Als dann der"Gerichtshof sich zur Berawng zurückgezogen hatte, machten anwesende Berichterstatter darauf aufmerksam, daß der Fall doch nicht so einfach zu liegen scheine. Der Angeklagte sei 1882 geboren und somit im Jahre 1897, als er die erste Ehe ge- schlössen hat, gerade 15 Jahre alt gewesen. Eine solche Ehe sei u n z u l ä s s i g, also sei die erste Ehe des Angeklagten ungültig. Auf Befragen erklärte dann der Angeklagte selbst, er sei 17 Jahre alt ge- wesen', als er die erste Ehe schloß, nachdem ihm sein Vater die Er- laubniz dazu gegeben hatte. Das ist aber auch unzulässig, denn vor 18 Jahren darf kein Mann eine Ehe nach dem Gesetz schließen. Im übrigen erzählte der Angeklagte eine merkwürdige Geschichte über das Zustandekommen der Ehe. Ein katholischer Geistlicher, bei dem die erste Frau Wirtschasterin gewesen sein soll, hat die Ehe angeblich aus bestimmten Gründen veranlaßt. Das Gericht hält deshalb eine weitere Aufklärung für dringend notwendig und vertagte dement- sprechend die Verhandlung. Der Angeklagte wird also höchstwahr- scheinlich durch die Aufmerksamkeit der Presse vor K Monaten Gefängnis und weiter vor der Ungültigkeitserklärung seiner sehr glücklichen zweiten Ehe bewahrt werden. Zweitausend Künstler hungern in Berlin. Die Arbeitslosigkeit unter der Berliner Künstlerschaft Ist erschreckend groß. Von den schauspielern sind 635, von den Kunst- malern 389, Opernsängern 233, Bildhauern 102, Schriftstellern 89, Tänzern 83, Chorsängern 70, Tonkünstlern 72, Konzertsängern 57, Filmschauspielern 54, Artisten 41, Kunstgewerblern 40, Vortrogs- künstlern 37, Kapellmeistern 31, Architekten 23, Graphikern 14. Gesangslehrern 10, Musikstudierenden 10, Komponisten 7 und Theaterdirektoren 7 arbeitslos. Pflaumcnsegen. Berlin steht im Zeichen des Pflaumenkonsums. Fast wie eine gewisse Entschädigung der Natur mutet die Ueberfüllc an Pflaumen- übst an, die sich über die Märkte der Reichshauptsladt ergossen hat und tagtäglich noch ergießt. Bekanntlich waren die Ergebnisse der Kirschen- und Erdbeerernte in diesem Sommer nicht übermäßig. Die Beeren, unmäßig' teuer, befanden sich in schlechtem und an- getränkeltem Zustande, sie waren nicht süß, weil sie keine Sonne hatten. Geradezu glänzend aber ist dafür die Pflaumenernte. Für 20 Pf. erhält man jetzt an den Ständen ein Pfund recht guter Früchte. Einzelne Standverkäufer, die der Konkurrenz das Wasser abgraben wollen, offerieren die dunkelblauen wohlschmeckenden Früchte sogar schon für 15 Pf. Die Mütter sollten dieses Obst reichlich ihren Kindern geben. Bekanntlich ist Steinobst, zu dem auch die Pflaume zählt, in gesundheitlicher Beziehung gar nicht zu über- schätzen. Die neue Vitaminlehre predigt unaufhörlich den intensiv- sten Obstgenuß, der aber auch zur Blutreinigung das günstigste und wohlfeilste Heilmittel ist. In Berbraucherkreisen besteht zum Teil eine völlig unbegründete Besorgnis vor dem Genuß von ungekochtem frischen Obst. Wer frisches Obst gar nicht verträgt, sollte es ganz leicht aufkochen lassen. Gewarnt muß allerdings vor dem Genuß von un- gewaschenem und unreifem Obst werden.' Auch ist es höchst gefähr- lich, unmitelbar vor und nach dem Obstgenuß Wasser oder Brer zu trinken. Unbesonnenheiten in dieser Hinsicht können schlimme Folgen haben. Wenn nun noch ein wenig Sonne nachhilft, so ist auch mit einer ausgezeichneten Acpjel- und Birnenernte zu rechnen. Die Katastrophe von Leiferöe. Schlechter Zustand und schlechte Kontrolle der Strecke. Braunschweig, 21. August.(TU.) Bei den im hiesigen Landes- krankenhaus liegenden Personen, die bei dem Eisenbahnunglück bei Leiferde Verletzungen davongetragen haben, liegt keine Lebens- gefahr mehr vor, so daß mit einer Vergrößerung der Zahl der Opfer nicht mehr gerechnet zu werden braucht. Die Reichsbahn verantwortet sich. Im Zusammenhang mit dem Eisenbahnunglück bei Leiferde ist die Frage der S t r e ck e n k o n t r o l l e in der Presse eingehend erörtert worden. Uebcr die Regelung der Streckenbegehung macht die Reichsbahndirettion folgende Mitteilung: Es ist richtig, daß vor dem Kri.ege auf dichtbefahrenen Strecken täglich innerhalb von 2 4 Stunden dreimal die Strecken begangen wurden, aus weniger stark belasteten Strecken zweimal. Während des Krieges wurde der Streckenbegang einge- schränkt. Als der Krieg zu End« war, sprachen sich sämtliche Eisen- bahndirektionen auf Grund der inzwischen gemachten Erfahrungen dahin aus, daß die Beibehaltung des verminderten Streckenbegang? die Betriebssicherheit nicht gefährde. Die Einschränkung des Strecken- bcgangs bewährte sich auch in den folgenden Jahren. Das führte dazu, daß neue Anträge auf weitere Einschränkung gestellt wurden. Nach eingehender Prüfung der Lage hat sich dann der Reichs- verkehrsminister entschlossen, in einer Verordnung vom 1. Dezem- der 19Z2 zuzulassen, daß aus allen Hauptstrecken jeden Tag nur ein Streckenbegang staltsindet. Er befand sich dabei in Uebereinstim- mung mit den großen ausländischen Eisenbahnen. Am 22. Dezem- der 1922 wurde in besonderen Bestimmungen ausgeführt, daß von der Möglichkeit, die Begehung der Bahnen einzuschränken, überall da Gebrauch zu machen ist, wo es die örtlichen Verhält- nisse zulassen. Wöchentlich einmal hat die Streckenbegehung nachts zu erfolgen. Auf unregelmäßige Begehung wurde dabei besonderer Wert gelegt. Der Personalabbau der Reichsbahn auf Grund der Notverordnung der Reichscegierung vom 27. Oktober 1923 hat erst nach diesem Termin eingesetzt. Was Eisenbahner sagen. Ein Eisenbahner schreibt uns: Sonderbarerweise hat die Reichsbahnverwaltung die Presse so- fort dahin informiert, daß es sich um einen verbrecherischen Anschlag handelt. Die Verwaltung gibt selbst zu, daß auf dieser Strecke seit Monaten keineStopfhackeangesetzt war. Wenn die Verwaltung das selbst behauptet, so ist damit schon eine Ursache des Unfalls aufgeklärt, denn eine derart stark befahrene Strecke muß, insbesondere bei dem Wetter in diesem Jahre, ständig n a ch r e p a- r i e r t werden. Daß es hieran auf dieser Strecke gefehlt hat, ist sicher auf die Sparsamkeitswut der Verwaltung zurückzuführen. Dicht neben der Unfallstelle befindet sich ein Uebernachtungsraum für Bahnarbeiter. Es ist deshalb durchaus nicht auffällig, wenn kN der Nähe der Unfallstelle Schraubenschlüssel und Muttern vorhanden sind, da die AuseMhaltsräume gleichzeitig auch als Ausgabe- stelle für Materialien benutzt werden. Es ist also durchaus möglich, daß Materialien, Schrauben und Muttern o e r st r e u t wurden. Der Hcuptwert der Untersuchung wird daraus zu legen sein, in weichem Zustande sich die Strecke befindet. Gerade nach dieser Richtung hin sind Bekundungen von Eisenbahnbeamten gemacht worden, die darauf schließen lassen, daß die Strecke sich nicht in einem tadellosen Zustande befunden hat. Wäre die Strecke, wie es früher immer der Fall war, zurNachtzeit begangen worden, so hätte der Unfall des Zuges, ob es sich nun um ein Derbrechen handelt oder nicht, oerhütet werden können. Die Behauptung Dr. Dorpmüllers, daß die Streckenwärter zur Nachtzeit nicht zwi- schen den Schienen, sondern seitwärts von denselben gehen, ändert an dieser Tatsache nichts. Das Ergebnis der ftaatsanwaltschaftlichen Unter- s u ch u n g wird wesentlich davon abhängen, wie sie geführt wird. Bisher war es fast immer so, daß die Staatsanwaltschaft die Untersuchungsatten der Verwaltung übernahm und daraus weiter baute. Damit war von vornh'erein der Untersuchung eine ganz be- stimmte Richtung, und zwar nach der Seite hin gegeben, daß eine Schuld der Verwaltung nicht vorliegt: man sollte in diesem Falle anders vorgehen. Wenn die Frage der Täterschaft so gestellt wird, als ob es sich um einen Racheakt entlassener Eisenbahner handelt, so wird es Sache der-beteiligten Gewerkschaften sein, hierzu Stellung zu nehmen. Die Unfallstelle liegt in einem rein ländlichen Be- zirk, in welchem der Abbau sich lange nicht so stark ausgewirkt hat wie in den Großstädten. Sollten dort einige abgebaute Bedienstete vorhairden sein, so dürfte die Nachprüfung des Alibis derselben wäh- rend der Unglücksnacht nicht allzu viel Schwierigkeiten verursachen. Es ist immer wieder darauf hingewiesen worden, daß infolge ver- sehlter Abbaumaßnahmen der Verwaltung sich schwere Unfälle er. eignen müssen: nun diese Tatsache eingetreten ist, versucht man das Personal in der Oeffentlichkeit selbst für diesen Tinfall verant- wortlich zu machen, ein Vbrsahren, das nicht scharf genug zurllckge- wiesen werden kann, so lange nicht der geringste Anlaß für einen solchen Verdacht gegeben ist. Es wäre interessant, wenn die Reichs- bahnverwaltung folgende Fragen beantworten würde: 1. Wann ist die Strecke zum letzen Male ausgebessert worden? 2. Ist eine solche Ausbesserung zuletzt von sachkundigem Eisenbahn- personal ausgeführt oder ist sie eisenhahnunkundigen Privat- Unternehmern übertragen worden? 3. Ist die Reichsbahnoerwaltung bereit, zum Zwecke der Unter- suchung die Gewerkschasten mit heranzuziehen? Die wahrheitsgemäße Beantwortung dieser Fragen wird die Schuldfrage ein gut Stück weiterbringen. Um Ihre ganze Habe bestohlen wurde eine 28 Jahre alle Helene M i e l k e, die aus Karthaus hierher kam, um Stellung zu suchen. Sie gab auf dem Schlesischen Bahnhos ihr Gepäck in Verwahrung und besuchte zunächst in der Nähe des Nollendorfplages eine Be- kannte, um bei der zu übernachten. Als das nicht ging, macht« sie sich wieder auf den Weg, um sich nach einem anderen Unterkommen umzusehen. Da sprachen sie auf dem Nollendorfplatz zwei Männer in österreichischer Mundart an und erboten sich, ihr eine Sie l- lung zu besorgen. Auf einer Bank wurde die Angelegenheit weiter besprochen. Hier verschwanden die hilfreichen Männer einer nach dem anderen. Erst jetzt entdeckte die Mielke, daß sie ihr un- bemerkt aus der Handtasche das Portemonnaie mit 18 M., die Papiere und den Gepäckschein g e st o h l e n hatten. Als man auf Anzeig« der Bestohlenen auf dem Schlesischen Bahnhof nachsah, ergab sich, daß die Gminer auch das Gepäck bereits abgeholt hatten. Genosse Pfarrer vieler spricht am Dienstag, den 24. August, abends '/,8 Uhr, in der Aula Kaiscr-Friedrich-Schule, Charlottenburg, Knesebeck- slratze 24, am Savignyplatz, über das Thema:»Die Not, die Kirche,' die Z u k u n s t". Zndienschau aus dem Prenzlauer verg. VolkSbildungSamt und Jugendamt Prenzlauer Berg veranstallen am Dienstag, den 24. August, in der Aula des Königslädlischen Oberlyzeums, Kreissmalder Str. 25, eine Jndienschau, die einen Einblick in die Kultur und das Leben des Ostens gewähren fall. Die Vorstellungen, die um 5 Nhr nachmittags und 8 Uhr abends bcginneu, bestehen aus Vorträgen. Konzert,anz. Tänzen und einer Lichlbilder- und Filmvoriührung. Eintritt nachmittags 20 Ps., abends 50 Ps. Karten sind im VolkSbildungSamt. Zimmer 303, und Jugendamt, Zimmer 36, des Bezirksamtes Prenzlauer Berg, Dan- ziger Str. 64 und an der Kasse zu haben. Hamburgs neue. Vlbbrücken vor der Vollendung.' Nach zweijähriger Bauzeit geht die große, für den Eisenbahn- verkehr bestimmte Elbbrücke bei Hämmerten-Schön- hausen ihrer Vollendung entgegen. Die Brücke spannt sich über zwei User-, 13 Land- und 4 Strompfeiler und mißt zwischen den beiden Uferpfeilern 810 Meter. Das imposante Bauwerk, bei dem 5000 Tonnen hochwertigen Baustahls und 16 000 Kubikmeter Beton Verwendung gefunden haben, wird voraussichtlich im Oktober dieses Jahres in Betrieb genommen. 150 Züge werden die Brücke täglich passieren.— Auch die Arbeiten an der Eisenbahn- brücke über die Nordelbe zwischen Harburg und Hamburg machen günstige Fortschritte. Ein fahrbarer Turmkran ermöglicht einen verhältnismäßig schnellen Einbau des Brückenoberbaues, der auf der Nordseite nahezu beendet ist. Ein zweiter Turmkran für den Mittelteil ist dieser Tage montiert worden und hat seine Zubringer- arbeit aufgenommen. Nach Fertigstellung der Nordseite wird der jetzt dort verwandte Kran aus der Südseite eingesetzt. Im März nächsten Jahres wird die Brücke voraussichtlich dem Verkehr über- geben werden. Sie gestattet die bisher im Hamburger Verkehr nicht mögliche Verwendung von schweren Lokomotiven und die Einstellung der Großgüterwagen. Im Fallschirm auf die Straße gestürzt. Ein furchtbares Fliegerunglück ereignete sich am Freitag bei den Uebungen eines schwedischen Luftschissgeschwaders in der Nähe von Stockholm. Am Nachmittag sollte eine Parade über der Stadt stattfinden. Es stiegen 6.�Hansa-Brondenburg-Maschinen� auf. In der vordersten Maschine befanden sich Kapitän Ehrensoaerd, der Chef der 1. Marinedioision, in der zweiten Maschine Leutnant Harb. Die sechs Begleiter sollten gleichzeitig einen Fallschirmabstieg von den Flugzeugen aus vornehmen. Zlls die Maschinen dreimal die Stadt überkreuzt hatten und sich in einer Höhe von etwa 500 Meter befanden, kletterte Leutnant Hard aus seinem Flugzeug heraus und gab den fünf Kameraden das verabredete Zeichen. Vier Flieger sprangen zusammen mit ihm ab, während Ehrensoaerd zögerte. Zwei der Fallschirme entfalteten sich nicht und die Leutnant? Tennend erg und Fistnsen stürzten auf die Straße. Beme waren s o f o r t t o t. Die Militärbehörden erklären jetzt, büß ssü ihre Genehmigung für den Absprung nicht erteilt hatten. Mordanklage gegen Sanitätsral Böhme, der in dem dringenden Verdacht steht, vor etwa zehn Jahren seine dritte Ehefrau auf derJagd erschossen zu haben, ist jetzt von der Dresdener Staatsanwallschaft erhoben worden. Die Verhandlung wird im Herbst vor dem Schwurgericht in Dresden stattfinden. Das Unwetter in Amerika. Die in den letzten Tagen herrschen- den Gewitterstürme haben in der Umgebung von New Park einen Schaden von mehreren Millionen Dollar angerichtet. Ein über Long Island hinweggehender Tornado zerstörte Landsitze und zahlreiche Gebäude._ Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Serlin. Morgen, Montag, 23. August: Btnabit I: Waldenserstr. 21. S»rcchchr>rprobe.— Moabit II: Schul«oiu>Iap. Portrog:„Worum AoSlkiilliir?"— Lichtcnbcrg.Mitte unt>-Wost: Dosfeltr. 22. Hebung bt» Sprechchors. Alle müssen«erscheinen.— Werbebezirl NeulSüa: Genossen, die geroillt sind, bei einem Glasibrenner-Stück mitzuwirken. treffen sich ViS Ubr Nogatstr. 53. Turnhalle Donau strosie Volk-tanziursuo. Musiker erscheinen mit Instrument. Eintritt 10 Pf.— Wcrbcbezirk Prenzlauer Berg: 8 Uhr Danziger Str. 62 Werbebezirts.Porstandssisiung, Alle Lorsihendeir müssen«rscheinen�— Werbebczirk«reuzberg: Zb8 Uhr Lindenstr. 3 Zusammenkunft aller Genossen, die sidi für„Iüngeren-Arbeit" Interessieren. Dienstag Z-,8 Uhr, Bellc.Allianoe-Piaj, I, Aussprache der Iugendbeiräte und interessierter Genossen. Die Porsisienden laben ein. Smstasten öer Redaktion. Der chut. Der Schaden der Verkäuferin beträgt 100 M. Die 96 M., bis sie dem Käufer gab, sind ja dieselben, die ihr der Uhrmacher gegeben hat. Xbch&fedand (jertnaudfenstn. 20/21 SSStJSÜ vortrage, vereine und Versammlungen. # Reichsbanner»Schwor? Rol-Gold". ««schüft- Nell«: Berlin S 14, S-b-stwnstr. 37/38, S°f 2 St. Mitte: Jeden Montag Turnatend«ortenstr. 187. Beteiligung aller aktiven sowie Iugcndkameraden dringend erwünscht. � Tiergarten, Horn. Kansa: Mo., d. 23.. 8 Uhr abends, bei Berger, Sameiadschafts- Versammlung.—!7r!edrich«ha>»: Di., d. 24.. bei Rostin, Memcl« Str. 75, abends 8 Uhr.— Rcutölin-Brig: 2. Kameradschaft, 2. Zug: Mo., d. 23., abend- 7sb Uhr. Saale-, Ecke UnstrutstraKe. Vortrag des Kam. Dipl-Kaiidel-lehrer Bree. Tischbannerweihe.— Weihensee: Di., d. 24., Pflichtveranstaltung in der Turnhalle. Alles hat»u erscheinen.— Tiergarten: Mi., d. 25..?b8 Uhr abends, Bollvers. im Artusdof. Perleberger Straße.— Wilmersdorf: Di., d. 24., abends 7ib Uhr. Zusammenkunft sämtlicher Jugendlichen und der Kameraden, welche Zahrräder besigcn, bei Kroihs zu einer wichtigen Besprechung. Bund freier Menschen im Verband Volksacsundheit. Bezirk Tiergarten: Jeden Mittwoch Evielabend auf der Vogelwiese. Treffpunkt TA Uhr.— Bezirk Rorben: Montag. 23. August, TA Uhr, im Keim«artenploh 4. Aussprache- abend über Ernährungsfragen.— Bezirk Salleschc» Tor: Mittwoch, 25. August, 8 Uhr. im Leim Bellc-Alliance-Plast 1, Fortsetzung de» Kursus„Historischer Materialismus". Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer nnb Kriegerhintrr- bllebencn, Ortsgruppe Rorben 14. Dienstag. 24. August, 8 Uhr, Mitglieder- Versammlung in Büttners ssestsälen, Schwcdter Str. 23. Brbcitcr-Espeian o-Bund. Die neuen Esperanto-Anfiingerkurse beginnen in der Zeit vcm 13. bis 18. September. Kursusoebühr 4 M., Jugendlich« 3 M. Meldungen für Zentrum: Freitag, 17. September, abend» 7V!.— tz'/i Uhr, Schule«ipsstr. 23-: Norden: Miitwoch. 15. Scvtcmbcr. abends TA— 8V4 Uhr, Schule Danzigcr Str. 23: Wedding: Montag, 13. September, abends 7>4 bis 8'4 Uhr, Schule Ruhcplatzllraßc. Die LEA.-Mitglieder werden aufgefordert, pünktlich in den Gruppenabenden, zwecks Propagandaarbeit, zu erscheinen. Bibeitcr-Rabio-Klnb Deutschland,,«. B. Sonnabend, 28. August, Besicht!- guna des Cozialistilchrn Pressedienstes lFunkrauml. Treffpunkt um 2 Uhr und 3 Ubr Vellc-Alliancc-Platz 8. Mittwoch, 1. September. Tcchnikcrsttzung. «:»pp- EhaUollenüurg: Jede» Dienstag Dielandstr. 4.— Gruppe Friedrichs- Hain: Jeden Montag Warschauer Str. 58—58. Am 33. August Vorlrog:„Die Entwicklung und Funktion der Röhre".—«rnppe Kottbusscr Tor: Jeden Donnerstag Adalbcrtftr. 21. Am 28. August vollzählige Beteiligung in der Gruppe Südost.— Gruppe Lichtenberg: Jeden Dienstag Kronvrinzcnstr. 27.— Gruppe Lichte: fclde-Oft: Jeden Freitag Lorcnzstr. 58.— Gruppe Neukölln: Jeden Freitag Prinz-Handicrv-Str. 78. Am 27. August Vortrag:„Bon der Elektrotechnik b>» zur Hochfrequenztechnik". Am 28. August vollzählig« Be- teiliaung in der Gruppe Südost.— Gruppe Prenzlauer Bern: Jeden Donner». tag Schönhauser Allee IZ4d.— Gruppe Selöneberg: Jelxn Donnerstag Scdan- straße 53. Am 28. August Vortragsreihe über die„Elektrotechnik". Am 2. September Mitgliederversammlung mit kulturellem Vortrag.— Gruppe Südost: Jeden Donnerstag Soraucr. Ecke Görlitzer Stralie. Am 28. August gemeinsam mit den Gruppen Kottbusscr Tor und Neukölln Vortragsabend. Am 2. September Erperlmentlervortrag über Nctzanfchlußaeröl.— Gruppe Weddlna: Jeden Donnerstag Pasewaller Str. 3.— Gruppe Wilmersdorf: Irden Freitag Augustastr. 18._ welkcrderlcht d r öffentlichen wetterdienstflelle für vcrlln. fNachdr. verb.l Meist slärter bewölkt mit einzelnen Regenfüllen, lpälcr wieder etwa» Auf- bcilcrung mil frischen westlichen Winden. Temoeraliuen nur wenig niedriger. Für Leulschland. In Nord- und Milicldeutschland zunächst noch starke Be- wöikung mit NegcnMcn, spüler von Westen nach Osten sortichreitende BewölkungSabnabme. In Süddeutschland wolkig aber meist trocken. Temperaturen überall wenig verändert. Alle Maftenleideuden kennen das unangenehme, bedrückende, aufgetriebene Gefühl nach dem Essen, tzie kennen auch die schlaflosen Nachte und das allge- meine Unbehagen, welches so schwächt und niederdrückt! Und doch weift nicht jedermann, daß es in„Biserirt« Magnesia" ein schnell lind sicher wirkendes Heilmittel gibt, obwohl sie einen Weltruf Hut! »Biserirte Magnesia" wirkt fast sofort: sie neutralisiert die schädliche, schmerzerregende Säure. Sie ist zudem unschädlich und wird nicht zur Gewohnheit.»Biserirte Magnesia" wird in allen Apotheken verkauft: schon ein einmaliger Versuch genügt, um ihren prompten und ungemein schmerzstillenden Wert zu beweisen. Biserirte Magnesia kommt in Flaschen««füllt zum Verkauf und ist daher unbegrenzt haltbar. Nein,„Der Lenz' von childach fehlte dieses Mal nicht im Abend-- Programm. Man wiederholte ihn sogar, auch Meyerbeer war mit seinem Fackeltanz oertreten, hinzukam Mascogni, ein paar Märsche erhöhten noch die Stimmung. Sehr nett das Potpourri aus Millöckers„Gasparone" und ein Walzer von Waldteufel. Im großen und ganzen ein gut gewähltes Konzert für einen Biergarten, dagegen weniger geeignet für den Rundfunk. Und warum nur Blasmusik? Sicherlich ist das Orchester unter Karl Woitschach tllch- tig, aber das Intermezzo aus„Eavalleria rusticana" nimmt sich geblasen merkwürdig aus. Die Umbesetzung der einzelnen Stimmen — also z. B Klarinetten an Stelle der Geigen— ändert den gesamten Charakter des Stückes, es entsteht etwas Neues, das der Komit nicht entbehrt. Also man könnte diese Spielereien einstellen, sie sind wirklich überflüssig. Das Nachmiltagstonzert brachte eine Phantasie aus dem Ballett„Sylvia" von Delibes und eine tauka- sische Suite von Jppoltow-Jwanov, dann einen Walzer von Strauß. Immerhin war es unterhaltender als die Abendveranstaltung. Dr. Franz L e d e r e r setzte seine für jeden Berliner hochinteressante Vortragsreihe„Merkwürd-igkeiten an Berliner Bauten und Denk- mälern" fort: vielleicht war dieser Dortrag der beste Teil des ganzen Tages. Das Rundfunkprogramm. Sonnta#, den 22. August. 6 30—8 Uhr vorm.: Frühkoneert des Tambonrasrhen-Chors .Wenebit". Din'eent: Hermann Meier. 1. Oscbeit: Picador-Marsch. 2. F. Eberle: Paraphrase über das Lied.Ein Vö�lein sane im Lindenbaum''. 3. Franz v. Blon; Frauenliebe und Leben. Walzer. 4. Nesvadba: Loreley-Paraphrase. 5. E. Laukien: Durch Nacht zum Licht Marsch. 6. Oscbeit: O sole wie. Paraphrase. 7. A.Czibnlka: Herzen und Blumen. 8. Siede: Chinesische Straßenserenade. 0. Farkas: Bulparischer Marsch. 10. Broo: Im Walde an derSawe, Tonbild. 11. Farkas: Meteor-Walzer. 12. J. Mnchac: Gruß aus Triost Maisch. 9 Uhr rorm.: Morgenfeier. 1. Ä. Böhme: Sonntags- heilitzmngr, Präludium für Or�el(Dr. Ärtur Böhme). 2. R. Schumann: n) Talismane(Goethe), bi Entsasunp(Droysen)(Bruno Loose, Bariton). 3. Fr. Siloher: Herr, ich habe lieb(Eirchenchor der Piemensstadt-Gemeinde. Dirigent: Organist LilgeV 4. Ansprache des Herrn Pfnrrer Kroppenstodt Siemensstadt 5. Fr. Schubert: Dem Unendlichen(Klopstock)(Bruno Loose). 6. L. Hellwig: Selig sind, die Gottes Wort hören(Kirchenchor der Piemensstadt- Gemeinde). Am Flügel; Dr. Artur Böhme. 1 1 30— 12.50 Uhr nachm.: Blasorchester. Dirigent: Joseph Snnga. 1. O. Fetras: Freikugeln, Marsch. 2. Suppe; Ouvertüre zu der Operette»Die schöne Galathee". 3. J. Snaga: Potpouiri aus dem Volksstück»Der Hutmaoher Sr. Durchlaucht". 4. Spialek: Wolgazigouner. Intermezzo. 5. R. Wagner: Skizzen aus.Lohengrin" und.Rheingold". 6. Köler-Böla: Ungarische I.ustspiel-Ouverture. 7. C. Zellor: Potpourri aus der Operette»Der V ogelhändler". 8. Fr. Lehdr: Gold und Silber, Walzer. 3 Uhr naohm: Hans-Bredow-Schule(Bildnngs- kurse). Abt. Landwirtschaft Dr. 0. Liehr:»Die neuzeitliche Grünfutterkonservierung und ihre Bedeutung für die deutsche Landwirtpohaft". 330 Uhr nachm.: Funkheinzelmanns neue Märchen.»Fonkheinzelmann am Meer" von Hans Bodenstedt Erzählt vom Funkheinzelmann. 4.20 Uhr nachm.: Dr. Herbert Rosenfeld:»Nachwuchs im Film". 5 Uhr nachm.: Gorch Fock (tn seinem 10. Todestage). 1. Einleitende Worte(Wilhelm Conrad Gomoll). 2. Rezitationen.(Oskar Lndwig Brandt), 5.30— 6.30 Uhr abends: Heurigen- Musik. Anschließend: Ratschläge fürs Haus, Theater- und Filmdienst 7 Uhr abends: Hans Hyan:»Denken die Tiere?" 7.30 Uhr abends: Dr. Friedrich Luther:»Das Spiel, sein Wesen und seine Bedeutung"(1. Teil). 7.55 Uhr abends: Gustav Hochstetter:»Der liebenswürdige Berliner". 8.30 Uhr abends: Virtuoses. 1. a) Meyerbeer: Cavatine aus der Oper»Die Hugenotten", b) Verdi: Arie der Gilda aus der Oper»Rigoletto"(Lia Fnldaner, Sopran). 2. Sarasate: Spanische länze, a) Malaguena, b) Habanera(Max Rostal, Violine). 3. a) Liszt-W agner: Spinnerlied aus der Oper»Der fliegende Holländer", h) Busoni-Bizet Kammerfantasie über»Carmen"(Theophil Deroetriescu, Flügel). 4. a) Fanre: Nach einem Traum, b) Moszkowski: Gitarre, c) Popper: Spinnerlied(Gregor Piatigorsky, Cellol. 5. a) Gounod: Juwelen- Arie aus der Oper»Margarethe", b) Thomas: Titania ist herabgestiegen, aus der Oper»Mignon"(Lia Fnldaner, Sopran). 6. a) Kreisler: Recitativo und Scherzo caprice für Violine solo, b) Paganini: Caprice Nr. 20(Max Rostal. Violine). 7. a) Popper: Serenade, b) Gluck: Melodie, o) Klengel: Scherzo(Gregor Fiat:- gorsky. Cello). 8. a) Schubert: Impromptu, op. 90, Es- und As-Dur, b) Schubert-Tnusig: Militärmarsch. op. 51, hr. 1(Theophil Deme- triescu, Flügel). Am Flügel: Bruno Seidler-Winkler. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnnchrichten, Zeitansage, Wetterdienst. Sportnachrichten. 10.30—12 Uhr abends: Tanzmusik (Kapelle Kermbach. Leitung: Kapellmeister Otto Kermbach). Königswusterhausen, Sonntag, den 22. August. Uebertragung des gesamten Berliner Programms, außer den Vorträgen um 3.00, 4.20, 7.00, 7.30 und 7.55 Uhr. Montag, den 23. August. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4.10 Uhr nachm.: Zehn Minuten für die Frau(Dorothee Goebeler »Beruf und Ehe"). 5 Uhr nachm.: Novellen. Ench Mosse liest aus eigenen Werken. 5.30— 5 30 Uhr abdnds: Nachmittagskonzert der Berliner Funkknpelle. Leitung: Konzertmeister Franz v. Szpanowski. Anschließend: Ratschläge fürs Hans. Theater- und Pilmdienst. 6"J Uhr abends:»Warum ist die Fußpflege wichtig?"(Werbevortrag der Kukirol-Fabrik Kurt Krisp, Groß-Salze bei Magdeburg). 7 Uhr abends: Hnns-Bredow-Sohule(Bildungskurse) Abteilung Technik. Technische Wochenplanderei(Oberingenieur Siegfried Hartmann). 7.25 Uhr abds.:»SIedizinisch-bygienisehe Plauderei (Ministerialrat Dr. med. Alfred Beyer). 7 55 Uhr abds.: Dr. Job Günther: »Das Loben— ein Theater". 8 30 Uhr abends; Vorkla-isisohe Musik. Dirigent: Bruno Seidler-Winkler. 1. Christoph Willibald Gluck: Ouvertüre zu der Oper:»Orpheus und Eurydike". 2. Friedrich der Große: Drittes Konzert iür Flöte und Streichorchester mit Cembalo(Prof. Emil Prüll Flöte; Anna Linde, Cembalo). 3. Jean Philippe Rameau: Ballettmusiken ans»Les fötes de Thymen et de Tamour'(bearbeitet von Ernst Krenek). 4. Friedrich der Große: Arie für Sopran und Streichorchester mit Cembalo: Sülle pin belle piante, aus dem Schäferspiel»II rd pastore"(Sabine Meyen. Sopran: Anna Linde, Cembalo). 5. Job. Christian Bach: Sinionia B-Dur. Berliner Funk-Orchester). Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst. Sportnachrichtan. Theater- und Filmdienst. Königswusterhausen, Montag, den 23. August. 110—140 Uhr nachm.: Stud-Rat Friedet und Lektor Mann: Englisch für Schüler. 1.45— 1.55 Uhr nachm.: Mitteilungen des Reichsstädtebandes. 3— 3.30 Uhr nachm.: Stud-Rat Friebel und Lektor Manu: Englisch für Anfänger. 3 30—4 Uhr nachm.: Stud.- Rat Friebel und Lektor Mann; Englisch für Fortgeschrittene. 4—4.30 Uhr nachm.: Dr. Hans Lebede: Das Theater Shakespeares. 4.30—5 Uhr nachm.: Mitteilungen des Zentralinstituts. 5— 6.30 Uhr nachm.; Else äteup:»Das Auslandsdeutschtum im Jugendbuch". Ab 8.30 Uhr abends; Uebertragung ans Berlin. übergibt mnn nur dem Nachweis des Deullch.Mustlerverbandes. Berlin 027, Andi easstr. 2t(Königstadt 4810, 4048). Weschästtzeit 9 bis 5. Sonntag» 10 bis 2 Uhr. Aui Wunsch Bertreterbesuch «/f. IDerfhesm Leipziger Platz Königstraße Rosenthaier Str, Moritzplatz Schriftliche Bestellungen an die Versand- Abteilung Berlin W9 eet'MsVÜSiuF 1 Mtr. Crepe- Marocain 1 Mtr. Kunstseide kariert 2 Mtr. Wäschestoff 10 Mtr.KlöppelspltzeE™l 1 Damen-Jumper BÄÜT«un" 1 Kinderkleid aus Waschstoff 1 Kunstseiden-Schal 1 P. Damenstrümpfe tortlf. 1 P. Herrensocken 1 Untertaille mit Stickerei 1 Unterbeinkleid k. Herren 1 Paar Strumpfbänder Hartplatt.- Handkeffer 39 cm, Zugschl. und Ledergrtff 1 Strumpfhalter-fp'�Si.SS 1 Frottierhandtuch'"Ksn"�' 1 Gummischürze 1 Paar Hausschuhe Damen 4 Herren-Sportkragen 1 Baumw.-Schlafdecke 12 Speiseteller 1 Ripskissen 1 Emaille-Wanne 36 cm 1 Schmortopf Aluminium 2 Kunstglas-Vasen 6 Scheuertücher 1C4(4r>«4a>- Porzellan, mit t Zthn- Oianaer bUrslen,SelIennapf,S«lf« Steingut tief oder flach 1 Mtr. Pullover-Stoff 1 Mtr. Ramag6'emuÄU. 1 Damenhemd mit Stickerei 1 Damen-Beinkleid sl,Slrei 1 Paar Handschuhe/:� 1 Damen-Weste„"ÄÄ 1 P. Damen Strümpfe'Ä 1 P. Herrensocken T(3S?' 1 Herrenhemd Emaa» 1 Spazierstock Manilarohr 3 Meter Madapolam 1 Kaffeedecke W« u'/l» Bedrucktes Damenkleecl BaomwoU- Mnuelfn i Hüftgürtel DrcH, zum Knopf«! 1 Servierschürze„.Är* 1 Spitzendecke o�'ÄSn 1 Tüll-Halbstore ÄÄ 1 Besuchstasche 1 Papierkorb Linkrusta Buckskin-Knabenhose 3 Emaille-Kasserollen 1 Miichkocher Aluminium 1 Kohlenschütte rerzinnt 1 Teppichbesen 1 Kaffeeservice p/™1* r/u! V« Ltr. Eau de für 3 bi* 8 Jahre Colog •Ch) ne ypr*" 1 Mtr. Popeline«"looÄi 1 Mtr. Bordürenstoffbas"/: 1 Jumper 1 Kinderkleid Po,,e"nÄr8,o» 1 Hauskleid einfarbig Zephir 1 Damen-Hemdhose mit Siick. 1 Prinzeßrock mit Stickerei 1 Blusenschoner wdoÄ 1 Knabenbluse f�-Tjäh?/ 1 Paar Handschuhe r®"! 1 P. Dam e n str ü mpf e*".»''■ 1 Yachtklubmütze f. Herren 1 Paar Hausschuhe Dtz. Handtücher Lcder rcinleln. Drell Farbiger Damen-Filzhut moderne Form 1 Kleiderschürze 0Xmi«rs 1 Dtz. Wäschebänder 1 Perl-Halskette 1 Kissen-Garnitur 2 Teile Leder-Aktenmappe 1 Handtasche liSSWÄ 1 Taschenuhr �";«mid.«i. 1 Einholekorb 2 Küchenschüsseln/"1* ■minlura IrSoi-nSsur Roßhaarbcscn, Hand- vsarniiur leger und Schruvber 1 Waschgarnitur 2�»« mit zwei Sdilöitern ca. 40 cm lg., m. Griff 1 Damenkleid bedruddVoUrolle 1 Mtr. Woll-Royal Ne?b.".0- 1 Mtr. Taffet""" � brell 1 Damen-Filzhut garniert 1 Kinderkleid 1 Servierkleid Äm2aCa 1 Nachthemd.1.,"™™» 1 P. Handschuhe SkJSf 1 Damen-Pullover l&Äd1 1 Herren-Garnitur'Öetd* 1 Oberhemd 4 Mtr. Bezugsstoff SoÄ! *65 1 Tischtuch«ÄUdoD 1 Schlüpfer 1 Kaffeedecke 1 BlauerMonteur-Anzug 1 Mechaniker-Kittel 1 Tüll-Garnitur rar amammommmmemmmmm 1 Boucle-Bettvorleger 1 Handtasche L.dS.Ägd 1 Kochtopf �VmÄSu» 1 Wandkaffeemühle 1 Brotschnelde-MiÄ£r 1 Nagelpflege-Garnitur II Teile Nr. 3$4 ♦ 43. Jahrgang mm> 2. Heilage ües vorwärts Sonntag, 22. Huguft1y2H vie Umschichtung am Kapitalmarkt. Ueberspannnng der Emissionstätigkeit.— Ein warnendes Zeichen. Di« Schwere der letzten Wirts chastskrisc, die heute noch längst nicht überwunden ist, erklärt sich zu einem grotzen Teil aus der völligen Desorganisation des Kapitalmarktes, dessen Be- deutung für die Beschäftigung der Ardeiterschast nicht unterschätzt werden darf. Große Gebiete der gewerblichen Produktion, die früher auf den langfristigen Kredit angewiesen waren, fanden nach der Inflation nicht die Möglichkeit, ihren Betrieb und ihren Absatz zu finanzieren, weil das Leihkapital zu teuer war. Das klassische Beispiel dafür ist der Wohnungsbau. Er kann auf die Dauer nicht durchgeführt werden, ohne daß ausreichend billiges Geld für Hypotheken zur Verfügung steht. Für eine erhöhte Siedlungs- tätigkeit, deren volkswirtschaftliche Notwendigkeit jetzt von fast allen Sellen anerkannt wird, sind ebenfalls niedrig« Zinssätze für lang- fristiges Geld eine Voraussetzung. Bis vor kurzem schien es so, als ob sich hier«ine Gesundung anbahnte. Di« Sätze für Leih- kapital gingen langsam aber ständig abwärts. Jetzt jedoch zeigt es sich deutlich, daß wenigstens für die nächste Zell dieser Abwärts- bewegung starke Grenzen gesetzt sind. Kennzeichnend dafür ist ein Experiment, das die R e i ch s p o st v e r w a l t u n g in den letzten Wochen gemacht hat. Sie oersuchte 80 Millionen Mark als Anleihe in Form von Schatzwechseln für den Ausbau ihres Betriebes flüssig zu machen. Di« Bedingungen waren für den Kapitalbesitzer etwas ungünstiger als bei ähnlichen früheren Anleihen. Man mußte fast den vollen Nominalwert der Postschotzwechsel einzahlen und er» hiell doch nur 6% Proz. Zinsen; der Zinssatz ist der niedrigste, der für ähnliche Anlogen bisher geboten wurde. Offenbar war dieser Schritt der Reichspost«in Versuch, um die Möglichkeiten am Kapital- markt vorsichtig abzutasten. Das Ergebnis war, wie jetzt feststeht, durchaus u n b e�r i« d i g e n d. Di« Reichspost verbreitete ein« Mit- teilung, daß„bis auf einen Teilbetrog", der von einem Bonkkonfor- tium fest übernommen worden ist, die Anleihe voll gezeichnet sei. Jetzt aber stellt sich heraus, daß nur etwa die Hälft« dieser Emission neuer Papiere im Publikum untergebracht worden ist. Rund die andere Hälft«, nämlich 40 Millionen Mark ruhen noch im Portefeuille der Banken und werden erst allmählich aus den Markt kommen. Was sagt dieser Fehlschlag des Experiments der Arbeiterschaft? Di« P o st ist als großes Reichsunternehmen durch die mit ihr zusammenarbeitenden Banken genügend gedeckt, um trotzdem ihr Arbeitsbeschasfungsprogramm durchzuführen. Wenn aber andere Geldsucher— etwa die Siedlungsunternehmungen und Baugesellschaften und dergleichen— zu ähnlichen Bedingungen Geld ausnehmen wollen, so müssen sie mit den gleichen Schwierig- leiten rechnen, ohne über eine gleich starke Rückendeckung zu ver- fügen. Dadurch werden aber manche Hoffnungen hinfällig, die bisher mit Rücksicht auf die günstige Entwicklung des Kapitalmarktes und seine voraussichtlichen Folgen für die Beschäftigung der Arbeiter- schast geäußert wurden, wieder hinfällig; zum mindesten muß man mit großen Verzögerungen rechnen. Dieser Wandel am Kapitalmarkt hängt zusammen mll den Vorgängen an den Effekten- Märkten. Die Aapitalansprüche der Danken nnd Industrie. In der letzten Zeit häufen sich die Nachrichten über Kapital- «rhöhungen großer Aktiengesellschaften. Don den acht Großbanken, die man im allgemeinen unter diesem Namen zu- sammenzufossen pflegt, werden nicht weniger als drei ihr Kapital erhöhen: nämlich die Deutsche Bant um 40 Millionen, die Dresdner Bank um 22 Millionen und die D i s c o n t o- gesellschaft um 3S Millionen Mark, wovon 25 Millionen im Inland untergebracht werden sollen. Kurz vorher hat der C h e m i e- trust, die I. G. Farbenindustrie Att.-Ges., eine Kapitalerhöhung um 454 Millionen auf 1100 Millionen Mark angekündigt. Im Zusammenhang mit der Umgründung der Deutschen Maschinenfabrik Akt.-Ges. in Duisburg(Demag), die neben dem Stahltrust eine selbständig« Stellung einnehmen wird, erfolgt eine Kapitalerhöhung um 3 Millionen, wonach das gesamte Aktienkapital dieser neuen großen Gesellschaft auf 38 Millionen Mark(wovon 25 Millionen Aktien, 13 Millionen Genußscheine) ansteigen wird. Neben diesen größeren Kapitalerhöhungen erfolgen lausend zahlreiche kleinere Transaktionen, besonders bei denjenigen Gesellschaften, die zum Zwecke der Sanierung ihr bei der Goldmarkumstellung über- mäßig hoch bemessenes Aktienkapital zusammenlegen müssen und sich danach durch Neuemission neue Betriebsmittel beschaffen. In den letzten vier Monaten— bis Ende Juli— sind insgesamt Kapitolerhöhungen bei Aktiengesellschaften im Betrage von rund 180 Millionen erfolgt bzw. beschlossen worden.(Die praktische Durchführung derartiger Beschlüsse verteilt sich zunächst auf einen ziemlich langen Zeitraum.) Aber nicht nur diesen Betrag hat der inländische Kapitalmarkt bisher ohne Schwierigkeiten aufgebracht, sondern wetterhin im gleichen Zeitraum eine Summe von rund 735 Millionen Mark an festverzinslichen Inlandsanlagen. die von öffentlichen Körperschaften(eeinschlichlich Reichsbahn und Reichspost, Kommunalverbände, Städte usw.) und Industriegescll- schaften ausgegeben wurden. Ferner sind ganz erhebliche Kapital- betrage zur Anlage in Pfandbriefen und Hypothekarschuld- verschreibungen gelangt, nämlich, wenn man die Zahlen aus dem ersten Halbjahr hierfür als Maßstab annimmt, um etwa 250 Mit- lionen Mark. Zunahme der Inlandsanleihen. Diese Beträge dürften sich im laufenden Monat, wo außer der Emission neuer Aktien auch die Emissionstätigkeit für Anleihen weiterhin beträchtlich war(Fünfzig- Millionen- Anleihe der Giro- zentrale, 80-Million«n-Anleihe der Reichspost, 10-Millionen-Anleihe sächsischer Gemeinden usw.) noch ganz erheblich erhöht haben. Dabei machen sich nun aber in der letzten Zeit gewisse Schmie- r i g k e i t e n geltend. Der Abbau der Zinssätze bei den An- leihen, die bis vor kurzem noch in der Regel mit 8!-� Proz. Jahreszinsen ausgestattet waren, jetzt aber zum Teil nur noch 7 und 6'A Proz. Zinsen erbringen, geht nicht weiter vorwärt«. Auch die Erhöhung des Emissionskurses, der bei fortschreitender Flüssigkeit des Kapitalmarktes immer näher an 100 Proz. heran- gerückt wurde, konnte zuletzt nicht mehr erfolgen. Im Gegenteil haben sich bei derjenigen Emission, die bisher die für den Kredit- nehmer günstigsten Bedingungen brachte, nämlich der ö�prozentigen P o st a n l e i h e mit einem Emissionskurs von 99-4 Proz., Schmie- ngkeiten bei der Unterbringung ergeben. Es scheint demnach so, als ob der Kapitalmarkt nicht bereit sei, zu ungünstigeren Bedingungen als den bisherigen Anleihebeträgen aufzunehmen. » Zweifellos ist die Emissionstätigkeit in der letzten Zeit ein wenig überspannt worden, und besonders nehmen die großen Kapital- erhöhungen der Aktiengesellschaften, die bei dem Kapitalistenpubli- kum größeren Anklang finden, soviel flüssige Mittel in Anspruch, daß sich damit die Aussichten für die Unterbringung festverzinslicher Anleihewerte ein wenig verschlechtert haben. Im Vergleich mit den Vorkriegsoerhältnissen ergibt sich, daß der stark spekulative Zug, der sich in der Ueberbewcrtung der Aktien— verglichen mit deren Rentabilitätsaussichtcn— äußert, auch den Kapitalmarkt er- faßt hat. Während in der Vorkriegszeit bei einer durchschnittlichen Aktienrentabilität von 7 bis 8 Proz. jederzeit fünfprozentige An- leihewcrte leicht unterzubringen waren, drängt jetzt das Kapital zur Anlage in Aktien, die— selbst bei einem Kursstand von 150 Proz. und mehr— stürmisch oerlangt werden, wenn auch die Dividendenaussichtcn durchaus unsicher sind. Dabei aber werden die Anleihepapiere, die bei einem Kursstand von rund 100 Proz. ein« sichere Verzinsung von 7 bis 8 Proz. erbringen, vernachlässigt. Die Folge hiervon ist, daß die regulären Kredit- anspräche der Wirtschaft, die vorzugsweise— neben laufenden Betriebskrediten— langfristige A n l a g c k r e d i te benötigt, zurück- gestellt bleiben, weil sich das Kapital zu der spekulatw- kurzfristigen Anlage in Aktienwerten drängt. Liegt ober eine derartige Ueberfpannung der Emifsionstötigtekt vor, so wirft sich von neuem die Frag« auf, wie die zur Durchführung des Arbeitsbefchaffungsprogramms nötigen Mittel aufzubringen sind. Gewiß kommen auch die Kapitalerhöhungen der Industrie mit einem wesentlichen Teil dem Arbeitsmorkt zugute/ Die Betriebs- und Absatzerweiterungen, die man mit dem neuen Kopital anstrebt, sind geeignet, auch neue Beschästigungsmöglichkeiten zu schaffen, besonders wenn die Industrie mit ihrer Forderung nach niedrigen Löhnen bei hohen Preisen endlich einmal Schluß macht. Bisher Hot sie das nicht getan, bisher ist daher auch die Rationalisierung nur dem Kopitalprofit von Vorteil gewesen. Solange aber am Arbeitsmarkt die Wirkungen der Krise noch an- halten, hat die Regierung die Pflicht, die notwendigen Mittel bereit- zustellen, um wenigstens die verheerendsten Wirkungen der sozialen Not zu beseitigen. Gerade mit Rücksicht auf die Vorgänge am Kapitalmarkt wird sie der Frage einer Mobilisierung des notwendigen Kapitals für diese volkswirtschosttich notwendige Aufgabe größeres Interesse entgegenbringen müssen. Rückgang der Arbeitslosigkeit in Serlin. Jugendliche werden bevorzugt. Das Landesarbeitsamt Berlin berichtet: Die geringen Besserungscrscheinungen auf dem Arbeitsmarkt haben sich auch in der Berichtswoche s o r t g e- setzt. Die Zahl der Arbeitsuchenden ist um rund 3300 Personen zurückgegangen und beträgt nunmehr 270 421. An diesem Rückgang haben erstmalig die Jugendlichen mit 14 Proz. einen verhältnismäßig erheblichen Anteil. Die Ursache liegt in dem stör- keren Bedarf der Industrie, namentlich der Metall- und chemischen Industrie, die bei der Einstellung jugendliche Kräfte bevorzugen. Erhöhte Aufnahmefähigkeit zeigte auch das Bekleidungsgewerbe, namentlich für weibliche Personen. Insgesamt überwiegen die Ein- stellungen weiblicher Kräfte, die an der Abnahme der allgemeinen Arbeitslosigkeit mit 61 Proz. beteiligt sind. Bemerkenswert ist, daß in verschiedenen Zweigen, z. B. in der Metall- und Holzindustrie und bei den Werkmeistern, der Abruf den Zugang Arbeit- suchender zu über st eigen beginnt. Im allgemeinen müssen diese Momente jedoch sehr vorsichtig beurteilt werden, da sie einerseits gegenüber der hohen Zahl Arbeitsuchender viel zu gering- fügig sind und ihnen andererseits teilweise erhebliche Verschlechterun. gen anderer Gruppen gegenüberstehen, von einer durchgreifenden Besserung kann demnach zunächst noch nicht gesprochen werden. Be- sonders belastet noch immer den Arbeitsmarkt sehr stark unter an- derem die steigende Stellenlosigkeit der Handels- undBureau- angestellten sowie das daniederliegende Bcrvixlsältigungsge- werbe, in denen noch immer keine wesentlichen Anzeichen einer Besserung zu erwarten sind.. Zudem schreitet, auch. die Belebung im Baugewerbe nur sehr zögernd fort, teilweise lassen sogar die günstigeren Beschäftigungsoerhältnisse einzelner Berussgruppen, z. B. für Steinsetzer, merklich nach. Soweit die Zahlen der Er. werbslosenunterstützungsempfänger einen Rückgang aufweisen, hat sich die Zahl der durch die E r w e r b s l o s e n h i l s e der Stadtgemeinbe Berlin unterstützten entsprechend erhöht, so daß kaum eine finanzielle Entlastung der bestehenden Unterstützungskassen durch den Rückgang der Arbeitslosigkeit bisher eingetreten ist. Es waren 270 421 Personen bei den Arbeitsnachweisen cinge- kragen gegen 273 738 der Vorwoche. Darunter befanden sich 175 559 (176 839) männliche und 94 862(96 899) weibliche Personen. Unterstützung bezogen 132 422(132 834) männliche und 68 436 (68 808)-weibliche, insgesamt 200 858(201 642) Personen. Außerdem wurde noch an 34 463(33 890) Personen Erwerbslosenhilse gezahlt und 3904(3918) Personen bei Notstandsarbeiten beschäftigt. Die in der Vorwoche hervorgetretenen Besserungserschcimingen in der Metallindustrie haben in geringem Umfange angehal- ten, vermochten jedoch nicht die Loge wesentlich zu. beeinflussen. Die Zahl der Arbeitsuchenden ist etwas zurückgegangen. Das zeigt sich hauptsächlich in der Taschenlampenindustrie, im Rohrlegergewerbe und bei den Kupferschmieden. Aollwirkungen im Außenhandel. Großer Einfuhrüberschuß im Juli. Die nach dem Zollgesetz vom vorigen Jahr« für Anfang August dieses Jahres vorgesehenen und inzwischen durchgeführten Zoll- erhöhungen haben die Bewegung des deutschen Außenhandels stark beeinflußt. Während in den vorangegangenen Monaten feit Dezeniber vorigen Jahres der deutsche Export nach dem Ausland wesentlich größer war als die Einsuhr fremder Waren, ergab bereits der Juni einen Einsuhrüberschuß von 33 Millionen Mark. Diese Passivität der Handelsbilanz steigerte sich im Juli auf das fast Vierfache, nämlich auf 126 Millionen Mark. Entscheidend war für die Handelsbilanz des Monats Juli die Tar- fache, daß die Waren« in fuhr um 150 Millionen Mark ge- stiegen ist, während der Export nicht im gleichen Tempo zunehmen konnte. Von der Einfuhrsteigerung entfallen allein auf Lebens- mittel 124 Millionen Mark, also fast der gleiche Betrag, um den die Einfuhr die Ausfuhr übersteigt. Das Statistische Reichsamt selbst begründet die stark erhöhte Lebensmitteleinfuhr zum erheb- lichen Teil mit der Vorein deck ung infolge der erwähn- ten Zollerhöhung. Für die ersten sieben Monate des lau- senden Jahres ergibt sich trotz der Verschlechterung der 5)andelsbila»z in den beiden letzten Monaten noch immer ein Ucberschuß des Wertes der ausgeführte» Waren über die Einfuhr. Nach der wichtigsten Warengnippc stellt sich der Außenhandel dem Werte nach folgendermaßen dar: Einfuhr AuS f» b»---»-»»» Juli Juni Jan /Juli Juli Juni Ian./Iuli in Millionen Mari Lebende Tiere.. 9.0 10.0 53.9 0.7 1.1 6.7 LebenSm.u. Getränke 417,3 29S.9 1931,4 22,9 27,0 265.5 Rohstoffe und halb« fertige Waren. 411.8 386.9 2518.8 215.8 179.6 1220.6 Fertige Waren.. 103.9 102.1 666.5 581.8 550.9 4096.7 Rein.Warenverk. zus. 942,0 791,9 6170,6 821,2 758,6 5589.5 Gold und Silber. 6,9 4.0 147.7 1.9 1.8 23 7 Zusammen 048,9 795.9 5318,8 823,1 760.4 5613,2 Der Menge nach betnig die Einfuhr Ausfuhr Juli Juni Jan /Juli Juli Juni Iaiu/Iuli Mengen in lvoa Doppelzentnern Lebende Tiere. 81,5 100,1 511,7 3.0 4.1 17,4 Lebensmittel u. Getränke.. 11545,2 7437,3 46754.6 1345,5 1598,4 13280 0 Rohstoffe u.halb« fertige Waren 27860,0 25255.4 173088,9 54446.2 42129.2 239341.9 Fertige Waren 888.7 940,2 5605,1 6206,9 5829.0 42252.6 Waren aller Art 40375,4 33733.0 225960.3 62000,6 49560,7 294901,9 (auß.Gold u.Silber) Wesentlich bei der Betrachtung der Handelsbilanz sind noch folgende Gesichtspunkte: Neben der Einfuhr an Lebensmitteln ist auch diejenige von Rohstoffen und halbfertigen Waren um 25 Millionen Mark gestiegen. Die Qualität der Warenausfuhr hat sich insofern ge- bessert, als der Export an Fertigwaren um 31 Millionen Mark im Juli zunehmen konnte. Vorwiegend handelt es sich dabei um Fabr:- kate der Textilindustrie. In der Rohstoffbilanz kommen auch die Wirkungen des eng- lischen Bergarbciterstreiks stark zum Ausdruck. Der Export an Rohstoffen und Halbfabrikaten hat um 36,2 Millionen Mark zu- genommen. 30,7 Millionen Mark davon entfallen allein auf die ge- steigerte Ausfuhr von Steinkohle und-Koks, die durch den Fortfall der englischen Lieferungen begünstigt wurde. Wesentlich zugenommen hat serner die Ausfuhr von schwefelsaurem Ammoniak (Stickstoff genannt) und Eisenhalbzeug. Auch unter den Fertig- waren spielt die Zunahme des Eisenexports eine gewichtige Rolle. XCJtcHfkdem 1 J! JF Rupffedern Schleißfedern 6raue Federn.ru- 95 rc Schleißfedern rri 3.9« p-_i__ x_ j_____ � üA Q/iKloiRfftH k.iv�ia. K uiauD.________________________________ 90 EntenfedernK*t«»i'a«3.40 Schleißfed. w»w.ii. 5.20 WeißerRupf 5.90 4.90 Schleißfedem win.7.50 Fertige Betten Monopoldaunen- Oberbett«l»t türkisch rot, lila, gold oder fraise Inlett, indanthreniarbig 45*00 Kissen passend 17.90 ot mit grauen Federn k Oberbett..... 13.29 ] Unterbett....10.75 Kiesen--.... 9.99 Fertige Inlette, Daunendecken Oberbett. 5.90 6.50 ��5?».ft«9.00 Unterbett-.. 7.50 5.50 Steppdecken Kissen.... 3.30 1.95 �«1�x�13.95 Oberbettbezug*oi"Li»<»- 0. Überlaken S"k.r.iL�di 9*®5 ------- b.. tickt ■„UM n«. a,U> em br.t.SI 70 Pf. lnlett-Reste1S0cn, brl.M 1.25 ZsUn-Itezte«>- ffPf •l.larblg■.bunt 160cm breit»DPt 130x200 zum Knöpfen...- Bettlaken 3�95 MonopoldaunenS 50 Salt 40 J.nr.n bewihrt. B.ttfOltung.. Pfnnd p-'a to T-,.1-.. M-nf. r, O k+"" i. Lustig nur Priiizenstr. TnrniCCKe Sebastianstr. Vle private« flktiengeselljchafien in SowjetruKlanö. Nach dem Gesamtkapital der Aktiengesellschaf- ten der RSFSR. unter dem Gesichtspuntt der Äapitalquellen betrachtet ergibt sich folgendes Bild über die Kapitalbeteiligungsver- höltnlss« in der heutigen russischen Wirtschast: LtaalStapital............. 68.g Proz. GenvssenschaftSkapital.......... 4,2. Gewertschaslen und Parteiorganisationen... 0,6, PrivatkaPttal........... 26,1, Gemischte Gesellschaften......... 0.1, >:«bestimmt............ 0.2 100,0 Proz. Die Zahl der privaten Aktiengesellschaften in der UdSSR, zeigt ein ununterbrochenes Wachstum. Es entstanden neu: Jahr gahl der Sesellschajten Akliealapital 1922 2 352 500 Rbl. 1922 4 790 000, 1024» 8 1 700 000, 1926 19 2 695 000. Seit 1024 ist die Wirtschaftspolitik des Volkskommissariats für Innenhandel, wie in Nr. 14 der„Aolkswirtschajt der Union der Sozialistischen Sowjet-Republiken" weiter mitgeteilt wird, darauf gerichtet, das P r i v a t k a p i t a l von den reinen chandelsunter- nehmungen abzulenken und solchen industriellen Gesell- s ch a f t e n zuzusühren, die sich mit der Herstellung von Waren beschästiaten, die von der Staatsindustrie nicht in genügende Maße oder überhaupt nicht produziert werden. Von 32 privaten 98 800 Rbl. beteiligt. Das Verhältnis zwischen eigenen und fremden Mitteln der privaten Aktiengesellschaften zeigt folgendes Bild: eigene Mittel 20 Proz., fremde Mittel 80 Proz. Soweit da» private Aktienkapital sich in Handel und Industrie betätigt, verteilt es sich u. a. auf einzelne Warengruppen wie folgt: Textilwaren............ 19,0 Proz. Nahrungsmittelgewerbe...... 18.9, Lederwaren............. 13,1 0 Galanteriewaren.......... 10,0, Die Zulassung privaten Kapitals in Aktienform hat nach Auf- fasiung der für den inneren Handel zuständigen Behörden der RSFSR. im allgemeinen günstigere Resultate gebracht, um so mehr, als die Verpflichtung der Aktiengesellschaften zu öffent- licher Rechnungslegung die allgemeine Kontrolle und die Verfolgung der Entwicklung auf diesem Gebiete erleichtert. Die Karlellierung in der deutschen Zementindustrie, die seit der Kündigung des legten Kartellvertrag» infolge der Krise und der Umgruppierung in diesem Gewerbezweig auf erhebliche Schwierig- leiten stieb, scheint nun doch wieder zustondezukommen. Die R a t i- f i z i e r u n g der zwischen dem Westdeutschen Zementverband, dem Süddeutschen Zementverband, dem Norddeutschen Zementverband und dem Hüttenzementoerband in Düsseldorf abgeschlossenen Kartell- Verträge wird, laut„Konjunktur-Korrespondenz*, in der allernächsten Zeit erfolgen. Die seit Beginn dieses Jahres geführten Verhandlungen haben eine fast vollständige Lösung aller Meinung?. «erschiedenheiten gebracht. Die Abmachungen regeln die Grenzen der Erzeugungs- und Absatzgebiete, über die bisher vielfach Differenzen entstanden waren. Voraussichtlich werden die neuen Kortellabmachungen rückwirkend ab 1. Januar 1926 in Kraft treten. Reue Stillegungen der koliindustrie. Der B u r b a ch- Konzern kündigt Stillegungen des Kaliwerks Becnbera und des Kalischachts Bartensleben an. Die Maßnahme wird durch stockenden Absatz be- Sründet. Vor kurzer Zeit wurde aus dem Lager der Kaliindustriellen hon mit Stillegungen gedroht, falls die Preisforderungen der Kaliindustrie nicht bewilligt werden. Vielleicht dürfte man auch die Stillegung im Burbachkonzcrn nach dieser Richtung hin unter- suchen. Industrie und Bankkapilal. Wie sehr die Macht de» deutschen Bankkapitals gegenüber der Industrie in dauerndem Steigen begrisfen ist, davon gibt nn deutscher Banksachmann in der jüngst erschienenen nkrundschau des„Manchester Guardian Cammer- halbjährlichen Bantrundschau des„Manchester Guar cial die folgende Darstellung:„Es kann heute ohne- >t werden, daß die Banken einen gewaltigen aus die deutsche Industrie besitzen. Sie haben die Stellung, die Se o o r d e m Kriege innehatten, wieder gewonnen, so aber, aß sie nur sehr selten als Gründer oder Teilhaber erscheinen, viel- mehr aus die Gewährung von Krediten einen Einfluß ausüben, der aber nicht weniger wirksam ist. Durch ihre ditgewährung sind die Banken in der Lage, bei den allermeisten Industrieunternehmungen über Sein oder Nichtsein zu bestimmen. Daß große und weltberühmt« Konzerne ihr« Unabhängigkeit dadurch aufrechterhalten haben, daß sie Kredite " in. zeigt Masse elbstverständlich zwar indirekt, deshalb Entscheidung über die Kreditgewährung sind die im Ausland ohne Vermittlung deutscher Banken erhielten, zeigt nur gro ß e M a s s c der rftai noch deutlicher die Lage, in welcher sich die deutschen Jndustrieunternchmungen befindet. suchen die mittleren und kleineren Unternehmungen neue Weg« zur Lösung de» Kreditproblem» ohne Hilfe der Banken. Zum Teil ver- suchen sie. Spezialbanten zu gründen, die den Anforderungen der einzelnen Industrien angepaßt sind. Aber diese Banken sind nicht zu irgendwelcher Bedeutung gelangt, nur in besonderen Fällen, so in der Textil- und Brauinmistrie. wurden Erfolge erzieU, besonders wenn die Spezialbant durch irgendeinen großen Konzern gestützt wurde. In der Automobilmdustrie erlangten die Spezialinstiwt« Bedeutung, indem sie mit Hilfe fremden Kapitals versuchten, das Abzahlungsgeschäft zu finanzieren. So oft die Banken sich in Kreditgeschäfte nicht einlassen wollen, und so oft Kredichilfe vom Ausland nicht zu erhalten ist, wenden sich die Unternehmungen an da» Reich, an die Einzelstaaten oder an Gemeinden. So war es besonder» bei der Eisen-, Maschinen-, Lokomotiven- und Schiffsbau- industrie, welch« außerordentlich schwer unter der Wirtschaftskrise leiden. Wahrscheinlich wirb der festvercmkerte Einfluß der Banken in Zukunft noch zunehmen, weil nämlich, sobald eine wirtschaftliche Neubelebung eintritt, der Kapitalbedarf in einer großen Anzahl von Industrien stark wachsen wird. Dann wird zur Kreditgewährung noch die Ausgabe neuer Anteilscheine hinzukommen, wa» sich in der weiteren Stärkung der Machtstellung der Banken auswirken wird." GewerMastsbowegung Vas Knglo-NuMche Komitee. Wie der russische Teil den englischen„erzieht". Da morgen in Berlin eine Sitzung des englisch-russischen Komitees stattfindet, dürfte es besonders angebracht sein, die gegen- seitigen Beziehungen zwischen Moskau und London zu wür» digen. Und zwar an Hand einer am 12. August 1926 einstimmig gefaßten„Resolution des Plenums des Zentralen Gewerkschaftsrate» der Sowjetunion über die Pariser Tagung des Anglo-Russischen Komitees", auf Grund des Referats von Andrejew, Vorsitzender der Sowjet- dclegation auf der Pariser Konferenz., Die englische Delegation der Bergarbeiter hatte es abgelehnt, auf der Pariser Konserenz des Landesorganisations- komitees die von der russischen Seite als einzigen Punkt der Toges- ordnung vorgeschlagene Frage der Unter st ützung der eng- lischen Bergarbeiter zu erörtern. In der Sache war über- Haupt n i ch t s z u b e r a t e n. da die Moskauer Unterstlltzungsaktion bereits im Ganeg war und das Komitee über eine Unterstützungs- aktion des Internationalen Gewerkschaftsbundcs oder irgendeiner anderen Körperschaft nicht zu befinden und nichts zu beschließen hatte. Der Punkt sollte deshalb erörtert werden, weil Moskau, gestützt auf seine Unterstützungsgelder, sowohl eine Attacke gegen die englischen Gewerkschaften reiten wollte wie auch gegen den IGB. Der englische Generalrat sollte unter Mitwirkung seiner Vertreter in dem famosen Komitee„e n t- larvt* werden. Weil die englischen Vertreter dieses Spiel nicht mit- machen wollten, erklärt der ZGRSU. in seintr Resolution ihr Verhalten„sowohl der Form als auch dem Wesen nach als f a l s ch". Formell, da der Gcneralrat sich nicht vorher gegen die von Moskau vorgeschlagene Tagung gewandt habe. „Dem Wesen nach ist das Verhalten der englischen Delegation die Fortsetzung jener Linie der Kapitulation und der Sabotage de» Kampfe» der Arbeitermasien und vor allem des Kampfes der englischen Bergarbeiter, durch die die Führer des Generalrats während des Generalstreiks der Arbeiterbewegung großen Schaden zufügten." Für Moskau ergibt sich daraus die Schlußfolgerung: „Das Plenum des ZGRSU. stellt lest, daß die Weigerung der englischen Delegation, die Frage der Hilfsaktion für die britischen Bergarbeiter zu erörtern, und die Verhüllung dieser Weigerung durch die Forderung nach Zurücknahme der gerechten Deklaration des ZGRSU. faktisch einen großen Schritt zur Sprengung de» Anglo-Russischen Komitee», einen Versuch zur Sprengung der internationalen Hilfsaktion für die britischen Bergarbeiter darstellen. ... während die Arbeitermasien(?) dem Anglo-Russischen Komitee immer mehr und mebr Sympathien entgegenbringen, übernehmen die Führer der englischen Trode-Unions die Initiative für die ersten Schritte zur faktischen Sprengung des Angls- Russischen Komitees." Doch trotz des so zensurierten Verhaltens der englischen Vertreter in dem Moskauer Komitee hält Moskau sich für verpflichtet, die Idee der Einheit der Gewerkschaftsbewegung unterseinerDiktatur mit allen Mitteln zu verteidigen. Die Aufrechterhallung des Komitees sei„im Interesie de» internationalen Proletariats" not- wendig und die Engländer dürften nicht länger mehr die Kapitalisten indirekt unterstützen. Die Resolution betont die Notwendigkeit der völligen Freiheit der gegenseitigen Kritik innerhalb des Komitees und stellt dann als Zweck der Uebung zur„Einheit der Gewerkschaftsbewegung" „mit Entrüstung das abscheuliche streikbrecherische Verhalten der Amsterdamer Internationale und der Führer der Berufs- Internationale"(Bergarbeiter u. a.) fest." Wer nicht an die Unfehlbarkeit Moskaus glaubt, wird von ihm infamiert. Den sogenannten„Linken" Pucell und Hicks wird außer- dem in der„Prawda" das Kompliment gemacht, sie hätten in der „Trade Union Unity"(dem englisch-russischen Einheitssront-Organ) einen Artikel gebracht, um«die Spuren de» Verrats des englischen Generalrats, der die Taktik seiner Delegation auf der Pariser Tagung des Komitees billigte, zu verwischen." „Vor zwei Iahren wurden die Reformisten des englischen Generalrats unter dem Druck der breiten Schichten der englischen Arbeiter gezwungen, an der Schaffung des Anglo-Russischen Einhcitskomitees mitpiwirken. Derselbe Druck... zwingt sie jetzt über das Anglo-Russische Komitee schöne Worte zu sprechen." Diese Proben dürften genügen, um auch die Engländer erkennen zu lassen, in welches Verhältnis sie hineingeraten sind. Entweder sie tanzen morgen wie Moskau pfeift oder sie„sprengen" das russisch-englische Komitee, wenn sie die ihnen darin von Moskau zugedachte Rolle als Marionetten nicht länger spielen wollen. die Arbeitslosigkeit in Rußland. Sie ist ia ständiger Zunahme. „Trud" vom 8. August 1926, Nr. 180. schreibt: Beim Arbeitskommissariat hat eine Konferenz stattgefunden, an der Vertreter aller Bundesrepubliken teilgenommen haben und Bericht über die Lage des Arbeitsmarkts und die Ar- beitslosenunterstützuna erstattet worden ist. In der Rusi. Soz. Föd. Sowjetrepublik ist die Arbeitslosigkeit im Wachsen begriffen. Im Oktober 1925 zählten die Arbeitsbörsen 600 000 Ar- beitslose, am 1. April 1926 761 000. am 1. Mai 815 000, von denen vom Lande .. zu erwarten. _ Zahl von Arbeitskräften ausnehmen wird. Desgleichen ist nicht damit zu rechnen, daß der Zustrom vom Land« nachlassen wird.— Don der Gesamtnachsrage befriedigen die Arbeitsbörsen nur ungefähr 30 Prozent. Auf den Notstandsarbeiten beträgt der Durchschnittsverdienst 55 Rbl. 53 Kop. Im Jahre 1925/26 sind s ü r Notstands- arbeiten 4MillionenRubel bewilligt worden, gegen nrnd 9,3 Mill. im Jahre 1924/25. Die finanzielle Lag« der Genosien- schaften der Arbestslosen kann man al» gefestigt betrachten. Die Arbeitslosigkeit in der U k r a i n e ist im letzten Jahre um 18 Prozent gewachsen. Gegenwärtig zählt man auf den ukrai- nischen Arbeitsbörsen 200 000 Arbeitslose. Nur 32,8 Prozent der Arbeitsvermittlung ist von den Arbeitsbörsen ausgegangen. Mit Not- standsarbeiten sind insgesamt 8000 Arbeitslose be- schäftigt, davon 22,8 Prozent Frauen. In den Genosienlchasten der Arbeitslosen sind etwa 28 000 Personen beschäftigt. Eine Umschulung von Arbeitslosen ist in der Ukraine noch gar nicht vorgenommen worden. In Weihrußland werden zurzeit 220 157 Arbeitslose gezählt, davon 42 Prozent Gewerkschaftsmitglieder, 6000 arbeiteten am 1. April in den Genossenschaften der Arbeitslosen. Der Durch- schnittsarbeitslohn betrug daselbst 38 Rbl. 88 Kop. im Monat. Eine Arbeitslosenunterstützung erhalten 43,2 Prozent aller Arbeitslosen. Die Arbeitsbörsen in Weißrußland arbeiten sehr'schlecht. Die meisten örtlichen Stellen leisten gar nicht». Das leitend« Personal ist längst nicht auf der Höhe und die Räumlichkeiten der Börsen sind fast überall ungenügend..." Aus diesen längst überholten Zahlen geht hervor, daß in Ruß- land kaum die Hälfte der Arbeitslosen Unter st ützung erhält, daß für N o t st a n d s a r b e i t e n im ganzen Jahre nu r vier Millionen Rubel bewilligt wurden, und daß die ständig wachsende Arbeitslosigkeit den Leitern des Sowjetstaat» als ch r o- n i s ch e s und vorläufig unheilbares Uebel erscheint. Wirtlich ideale Zustände! Die„Slote Fahne" überschlägt sich in unflätigen Ausdrücken, weil wir unsere Notiz über die Arbeitslosigkeit in Lenintzrad be» richtigt haben. So etwas erscheint ihr geradezu unanständig. Wir hatten nämlich sestgestellt, daß von den nach amtlicher Fest- st e l l u n g im ganzen Leningrader Gouvernement vorhandenen 213 000 Arbeitern und Angestellten 144 359, also rund zwei Drittel arbeitslos sind. Der Genauigkeit wegen haben wir nachträglich unsere Mitteilung ergänzt. Bei diesen 213 000 Ar- beitern und Angestellten handelt es sich um solche, die In I n d u st r I e und Handel beschäftigt sind. Das riesige Beamtenheer, die freien Berufe und was sonst noch irgendwie beruflich tätig ist. ist in diesen Zahlen nicht einbegriffen. Alle aber unterliegen der gewerkschoft- lichen Zwangsorganisation. Wie hoch der Prozentsatz der Angestellten und Arbeiter unter den Arbeitslosen ist, ging aus der Meldung nicht hervor. Es liegt aber auf der Hand, daß sie die erdrückende Mehrheit darunter sind. Sonach dürfte unsere Schlußfolgerung. daß zwei Drittel der Arbeiter und Angestellten(nicht der Berufs- tätigen) arbeitslos sind, der Wahrheit ziemlich nah«, kommen. Es versteht sich von selbst, daß die angebliche„deutsche Arbeiter. delegation" von den amtlich ermittelten 144 O0O Arbeitslosen, die nur teilweise unterstützt werden, nichts gesehen haben. Bei den festlichen Empfängen und wohl vorbereiteten Besichtigungen hat man natürlich die Arbeitslosen nicht eingeladen. KrkFSbeschädißte und Streik. Der Beamtenwirtschaftsvercin hatte einen in seiner Bäckerei beschäftigten Schwerbeschädigten M. unmittelbar nach dem Ausbruch des Bäckerstreiks entlassen. M., der seine Entlastung für unberechtigt hält, forderte durch Klage beim Ge- werbegericht Zahlung seines Lohne» vom Tage der Entlassung ab. Der Beklagte begründet die Entlassung mit Arbeitsverw»i- g e r u n g des Kläger», der sich nach dem Ausbruch des Streits nicht zur Arbeit gemeldet habe. Der Kläger war ohne Zweifel berechtigt, Arbeit in der Bäckerei abzulehnen, denn dos Gesetz bestimmt, daß den Schwerbeschädigten nicht zugemutet werden darf. Streikbrecherarbeit zu oerrichten.— Der Be- klagte sagt aber, der Kläger hätte seine Dienste anbieten müsten, denn er hätte ja mit anderen Arbeiten beschäftigt werden können.— Der Kläger behauptet, er habe das auch versucht, aber aus Furcht vor den Streikposten habe er nicht gewagt, den Betrieb zu betreten. Er habe sich deshalb durch einen im Betriebe beschäftigten Fahr- sruhlführer beim Backmeister entschuldigen lassen. Da nicht nachgewiesen werden konnte, daß die Entschuldigung zur Kenntnis des Backmeisters gekommen ist, zotz der Kläger die F o r- derung auf Lohnzahlung für die Streikzeit zu- rück, beharrte aber auf dem Verlangen der Lohnzahlung vom Ende des Streits(28. Juni) bis zum Tage der Urteilsverkündung. Diese Forderung stützt sich auf die Bestimmung des Schwerbeschädigten- gesetzes, daß Schwerbeschädigte, die au» Anlaß eine» Streiks frist» los entlasten wurden, nach Beendigung de» Streit» weiterbeschäftigt werden müssen. Der Kläger hatte sich am 27. Juni zur Arbeit gc- meldet, ist aber nicht eingestellt worden. Der Beklagte sagt, die Meldung sei zu svät erfolgt, der Streik sei schon am 17. Mai beendet gewesen, an diesem Tage habe sie den Betrieb mit 40 Bäckern wieder eröffnet.—„M i t Streikbrechern, die die christliche Gewerkschaft, entgegen ihren sonstigen Gepflogen- heiten bei Wirtschaftskämpsen, gestellt hatte," sagte der den Kläger vertretende Sekretär des Lebens- und Genußmittelarbeiterverbande«. Dadurch sei der Streik für diesen Verband noch nicht beendet ge» wesen. Das Gericht erkannte an. daß ein Streik nur durch die Organisation, welche ihn führt, al» beendet er» klärt werden kann, nicht aber durch eine am Streit gar nicht be» teiligte Körperschaft. Nun behauptete der Beklagte, dann müste der Streik am 12. Juni als beendet gelten, denn an diesem Tage Hab« der Leben»- und Genußmittelarbeiterverband den Bezirksämtern mitgeteilt, daß er die Streikunterstützung einstelle.— Der Verbandssetretär berichtigte das dahin, daß der Hauptvorstand de» Verbandes aller- dings am 12. Juni die Streikunterstützung eingestellt habe, daß ober die Lokalkasse noch bis zum 26. Juni Unterstützung, auf die die Streitenden keinen Rechtsanspruch hatten, gezahlt habe. Erst am 2 6. Juni sei der Streik durch Beschluß des örtlichen Vorstandes als beendet erklärt worden. Der Kläger habe sich also rechtzeitig zur Wiederaufnahme der Arbelt gemeldet. Hiernach erkannte das Gericht die Forderung de» Klägers al« berechtigt an und verurteilte den Beamten» Wirtschaftsverein, ihm den Lohn vom 28. Juni bis zum Tage der Urteilsverkündung— 348,50 M.— zu zahlen./ »«N«id»»g»ar»«it»,.Z!>ae»d. Juaendversammlinia am vomieret«, fcen ».«unuft, in de»«ersammlungerümnen de» Dcullch-n verieidunqzorbeiier- vecbondes, Sebaftionftr. 87—38, Hof port. Vortrag Uder dl, deutschen S«» wertschaften. arscheinen aller Jugendlichen lg Pflicht. Di« Iugendkmimisgou. (Gewertschaftliches sieh« auch 4. S«ite Hauptblatt.) 0*0-1* in elegarUen � 3tCLCk.''7bckzmg Sonntag 22. August 192S Unterhaltung unö ANissen öeilage öes vorwärts KI diablo. Eine Tragikomödie im Urwald. Von Fritz Strauß. Hoch oben im oördlichen Zipfel Boliviens liegt die..Stadt Ribealta. Der letzte, leise oerwehende Gruß der Kultur, die sanft verklingende Erinnerung an die Zivilisation. Ein« halbe Stunde davon entfernt beginnt der Urwald, das geheimnisvoll« Reich der großen Flüsse, die schauerschwere Einsamkeit des unerforschten Ge- bietes, wo man nichts mehr braucht, als zwei scharfe Augen und ein« gute Büchse. Ich war vor kurzem von einem mehrtägigen Jagdausflug in der Umgebung heimgekehrt und rüstet« mich zu einem Abenteuerzug ins Innere. Mein Gastgeber war ein Bolivianer, der an den Ufern des Beni ausgedehnte Gmnmiwülder besaß, in denen feine Lohnsklaven für ihn arbeiteten. Eines Tages um die Mittagszeit erscheint«in Gummipicker und will den Patron sprechen. „Was willst du?' „O, Senjorl— El tigr«* Der Bolivianer bezeichnet mit diesem Ausdruck den Jaguar. Den eigentlichen Tiger gibt es in Bolivien nicht. „Was ist's mit dem Tiger?" „Er hat mir alle' Schwein« gestohlen und alle Hühner. Ich möchte«inen anderen Platz im Wald." „Unsinn! Schieß den Tiger totl Du hast ja ein ausgezeichnetes Gewehr." „Er kormnt immer, wenn ich fort bin." „Dann bleib zu Haufe und warte auf ihn." „Si, st Senjor.— Aber mein« Munition ist alt." Der Patron oerschwindet hinter einem Borhang und kehrt mit «in paar Schachteln zurück.„2>a hast du Pulver und Blei. Berwahr sie mir gut und verlier« sie nicht!" Don Angela zieht einen Baststrick aus der Tasche seines einzigen Bekleidungsstückes, das vor Iahren unstreitig einmal eine Hos« ge- wesen ist, bindet die Schachteln zusammen und bricht unverzüglich auf. Der Weg nach seiner Hütt« ist ziemlich weit. Zwei ganze Tagereisen. Nach fünf Minuten denkt kein Mensch mehr an den Aorgang, und eine Biertelstunde später ist er vergessen. Bis am Abend des fünften Tages der Gummipicker urplötzlich wieder, wie aus der Pistole geschossen, in unser« beschauliche Unterhaltung hinein» platzt. Betrübliches hat sich ereignet. Der Jaguar holte sich am hellichten Tag« Don Angelos Sprößling aus der Hängematte heraus. Kurz vor dessen Rückkehr aus Riberalta. Der geschädigt« Bater ergeht sich in einer Flut von Schimpfworten über diesen Teufel von einem Tiger, der in gröblichster Weis« fein Familienleben stört und fordert die Anweisung eines anderen Abschnittes. Er rvill auf die gegenüberliegend« Seite des Flusses. Da sei ohnedies«in« Hütte frei geworden, weil Don Pantfcho eben an einem Schlangenbiß ge- starben wäre. Der Patron erklärt sich mit dem Borschlag einverstanden und entläßt unter wohlwollendem Kopfnicken den Btttsteller, wobei er es nicht versäumt, dem tüchtigen Don Angela die Ergänzung des Aus- falles ans Herz zu legen. Der oersichert, sein Möglichstes zu tun und zieht befriedigt ab. Der Europäer steht solchen Verhältnissen fassungslos gegenüber und hält st« für eine Ins Groteske gesteigerte Uebertreibung. Es handelt sich indes hier um zahm« Indianer, sogenannte Indios, um Menschen, die in ihrer Urwaldheimat aufgestöbert, allmählich die neu entstandenen Ansiedlungen und ihre Bewohner kennen lernten und schließlich notdürfttg von diesen in die unerläßlichen Formen für«in Zusammenleben gepreßt wurden. Aber in ihrem Blut«, gleichsam als letztes Erbstück ihres versunkenen Stammes, liegt unauslöschlich jene beispiellos« Erhabenheit über unabänderliches Geschehen, wie sie nur den freien Söhnen der Wildnis eigen ist. Tagtäglich umdroht von ek- barmungslosen Gewalten einer ungebändigten Natur, sind sie aufs innigste vertraut mit dem Geheimnis von Leben und Tod und beugen sich der unbewußten Erkenntnis mtt«wer Größe, die wir niemals begreifen. Ich habe während meine» Aufenthaltes in Bolivien unter zahmen und wilden Indianern und schließlich drei Monate unter bisher unentdeckten Kannibalen gelebt— aber ich habe nie ein« Aeußerung des Schmerzes gehört, nie eine Frau weinen gesehen. Zu diesem Schlage gehörte Don Angela. Nach acht Tagen kommt er wieder als Nachspeis« zu unserem Abendessen angepilgert. Erstaunt mustert ihn der Patron:„Caracho, was willst du schon wieder?� „0, Senjor!— El diablo. Er ist mitgezogen." „Du bist verrückt. Hast du ihn denn gesehen?" „No Senjor.— Aber er hat mein« Frau gefressen." .Lein« Foau?— Earambal" Und nach einer Weil«:„Du bekommst«in« neu«. Ein« ganz junge. Aber nun schieß den Tiger endlich tot. Wenn du ihn hast, kannst du wieder kommen und dein« neu« Frau abholen." Auf seinem Heimmarsch hatte Don Angela diesmal Begleitung, nämlich mich und mein« kurze englische Jagdflinte, die Rifl«, und war selig darüber. Tief im Urwald, unweit dem Beni, liegt Don Angelos Hütt«. Ein« elend«, in landesüblichem Stil verfertigte Baracke aus dünnen Bambusstäben mit einem Dach von gedrehten Palmblättern. Unter dem hochlicgenden, rostartigen Fußboden schwelen glühende Stämme, deren beizender Rauch in langen Schwaden den einzigen Raum der Behausung durchwogt. Ein« Schutzmaßnahme gegen die fürchterlichen Peiniger, die Moskitos. Ein kleiner Platz um die Hütt« ist gerodet und festgetrampelt und da» hängende Schlingwert teilweise von den Bäumen entfernt. Di« Aussicht nach allen Seiten ist durch Lianen, Gestrüpp, Stauden, Blätter und hochragend« Riefenfarren gesperrt. Im Morgengrauen hat Don Angela vor dem Hütteneingang ein junges Wildschwein angebunden. Seit dieser Stund« liegen wir im Gebüsch versteckt mit zehn Schritt Abstand von einander auf der Lauer. Mein Iagdgefährt« hat mir die Rifl« abgebettelt, weil er ebdn zu gern« persönlich« Abrechnung mit dem„Teufel" halten möchte und mir sein eigenes„ausgezeichnetes" Gewehr in die Hand ge- drückt. Leider ist e» jedoch noch viel gefährlicher, als der Jaguar selbst und ich werde nur in höchster Not, in selbstmörderischer Absicht von ihm Gebrauch machen. Immerhin hat es einen Wert als Museumsstück. Der blechdünnt Lauf dieses Vorderladers weist Löcher m der Größe eines Fingernagels auf. die der Rost hinein- gefressen hat und ist an seinem Ende ausgezackt. Die Ladung besteht au» Blei. Nägeln und ähnlichen harten Gegenständen. Wie gesagt: Nur in höchster Not. Ein« gläsern-grüne Dämmerung hält mich umfangen, die etwas jeltjam Starre, au sich hat und einem das Gefühl aufzwingt, daß 7. Eine Surleske. 2. �kt 3. M ,Zu Hilfe! Roth Mischer will öle Einheit sprengen!� hier die Zeit still steht in ihrem Lauf. Aber die Sonne muß schon in den Mittag hineingewandert sein. Der Urwald brütet ein« fürchter- liche Hitze aus, die einem den Schweiß aus allen Poren treibt und den Atem benimmt. Nichts regt sich, kein Laut wird wach. Nur manchmal flattert der ferne Ruf eines Arara auf und macht die Stille noch schwerer. Ich sänge leise zu dämpfen an, wie das Fleisch im Tigel. Jetzt könnte wahrhaftig der„Teufel" endlich mal kommen. Cr denkt nicht daran. Immer schwerer werden meine Lider, immer häufiger stnkt mein Kopf vornüber, verschwommene Bilder blühen im Hirn auf— und dann bin ich wohl eingenickt. Das Knacken eines Astes läßt mich erschreckt ausfahren. Mit allen Anzeichen der Angst rennt das angebundene Wildschwein planlos hin und her. Don An- gelo schleicht hinter mir vorbei. Ich richte mich auf, ihm zu folgen. aber er bedeutete mir durch eine Handbewegung, zu bleiben, kriecht aus. dem Gebüsch und schiebt sich wie eine Schlange über den Boden an einen dicken Baum heran. Sekunden verstreichen. Atemlos spähe ich nach allen Seiten, suche den Rand des Urwalds vor mir ab, bohre meinen Blick in Strauchwerk und Lianengewölk— nichts!— Da!— Seitlich de« Hauses zuckt eine Bewegung auf— ein Ast zittert— die langen Wedel der Farren schwanken. Und jetzt teilt sich die wirr« Blätterwand, schwarzgelbe Flecken vermischen sich mit dem Grün— der Jaguar tritt auf den Plan. Lautlos, lässig den Schweif nach- schleisend, schreitet er bis in die Höhe der Hütte. Dann Hütt er inne, hebt langsam den mächtigen Schädel und steht wie aus Stein gemeißelt. Hinreißend In seiner Pracht. Der Schrecken aller Tiere, der König des Urwalds. Ein wunderbares Ziel für Don Angela, von dem ihn keine zehn Schritte mehr trennen. Aber der Mensch schießt nicht. Ich sehe ihn auch nicht mehr, er hat seinen Platz verlassen. Ist ausgerissen oder plötzlich verrückt geworden, ich weiß es nicht. Ich kann unmöglich auf diese Entfernung mit meiner Donnerbüchse schießen, das wäre Wahnsinn. Eiskalt läuft es mir über den Rücken. Mit einem Male duckt sich der Jaguar, blitz- schnell straffen sich seine Muskeln, wie ein Pfeil fliegt er durch die Luft. Kein Zweifel, er springt Don Angela an. Um aller Heiligen willen, wo steckt der Kerl bloß! Polternd schlägt die große Katze auf den Boden, spannt die Muskeln zum zweiten und letzten Sprung gegen ihr Opfer— da zerreißt ein wilder Schrei die Stille:„Diablo! Diablo!" Mit hochgeschwungener Risle stürzt Don Angela wie ein Be- sessener auf den Jaguar los und läßt den Kolben auf seinen Schädel niedersausen, baß es nur so kracht. Ich bin selber wie vor den Kopf geschlagen und lause schnell an die Bestie heran, um ihr aus nächster Nähe im Bedarfssall den Todesschuß zu geben. Es ist nicht mehr nötig. � Don Angela hält den Lauf der Riste in der Hand— der Kolben hat dran glauben müssen— und macht ein verdutztes, schuldebewußtes Gesicht.„O. Senjorl— Verzeih! Di« schöne Flinte." „Ja, warum hast du denn nicht geschossen, du Gürteltier?" „Geschossen? Earamba, ich habe es mir überlegt. Die Flinte war viel zu klein für den großen Teufel, er wäre mir davongelaufen, er wäre ganz sicher wiöder davongelaufen. Da habe ich ihn lieber erschlagen. Aber jetzt ist er ganz gewiß tot. Und ich kann mir meine neue Frau holen. Earacho, Senjor, er war ein Teufel." Das Jubeljahr eines Sealers. Von Dr. Franz Rothenfelder. In ihrem Legendarium gewährt die Kirche allen menschliche» Schwächen Spielraum. Wir finden darin neben dem heiligen Schuster, der Leder stahl, um den Armen daraus Schuhe zu machen. euch die heilige Freudenhausbejitzerin, die einen Bischof«ine Nacht lang beherbergt und in dieser einen Nacht so stark an die neue Lehre glauben lernt, daß sie freudig dafür am anderen Tage den Feuertod erleidet. Immer aber handelt es sich bei den Heiligen mn längst Es- storbene, den Lebenden gegenüber bringt die Kirche nicht das Höchst- maß von Duldung auf, und sie denkt ja auch nicht daran, einer harten welllichen Justiz in die Arme zu fallen. Darum braucht es uns nicht so stark wundernehmen, wenn wir sie bei der Feier eines Iubcljahrbeginns einträchtig mit dem Staat am Grabe eines heiligen Bettlers sehen, und wir sind gefaßt, am 4. Oktober, dein Todestage Franz von Assisis, den höchsten weltlichen Glanz um die Gebeine des Mannes zu sehen, der sie von Herzen verachtete. In dieser Totenfeier liegt die Tragik des lebenden Franz von Assisi, und die siebenhundert Jahre, die uns von dein Tage seiner Geburt trennen, entschuldigen und erklären sie nicht. Schon zu Lebzeiten setzte sie ein und in absehbarer Zeit können wir auch den Tag begehen, an dem sich zum ersten Male die eigenen Jünger wider den Apostel der Besitzlosigkeit erhoben. Noch heute ist der Orden gespalten, denn nicht alle Mönche blieben der leiden- schaftlich verfochtenen heiligen Armut treu, und das Grab ist Eigen- tum der Nachfolger, die den Klosterbesitz wieder eingeführt und das Barfußgehen abgeschafft haben. Was die Jahrhunderte hindurch ge- schah, das wird sich in diesem Jubeljahre bis zur Grenze des' Er- träglichen steigern: schwarze und braune Franziskaner werden, ein- ander Feind mit dem ganzen gegenseitigen Haß italienischer Ordens- brüder, in der unterirdischen Grabkirche sich in die Totenwacht teilen. Aber warum soll nicht in der umbrischen Stadt im kleinen geschehen, was sich in Jerusalem tagtäglich in gewaltigem Maß- stabe um ein größeres Grab vollzieht, allerdings mit dem Unter- schiede, daß sich hier die ganzen christlichen Bekenntnisse als Grabhüter in den Haaren liegen? Es ist ein Trost: was unvergänglich an dem Großen von Assisi ist, das ist längst der engen kirchlichen Obhut entschlüpft und zum Gemeingut der Menschheit geworden, die nur zwei Heilige kennt, beides historische Persönlichkeiten von ähnlichem Fühlen und Schicksal: Buddha, den Vollendeten, und Franz, den Heiligen. Die haben es gemeinsam: Verachtung des ererbten Besitzreich. tums und Lossagung von ihm, Verherrlichung der Armut im Sinne einer Besitzergreifung aller kosmische� Freude und die unendliche Liebe zu allem Lebendigen, die kernen Unterschied zwischen Mensch und Tier duldete, und allem, was atmet, Seele zusprach. Wir kennen den Sonnensang des Heiligen, der Sonne, Mond. Sterne und selbst den Tod Brüder des Menschen nennt. Wir sehen ihn den„Bruder Wolf" freundlich ermahnen und bitten, er möge seinen schlimmen Lebenswandel cmfyeben, sehen ihn den Zvwbera des Waldes ein Festmahl bereiten. Um seine Person zieht sich der köstliche Legendenkranz von Dichtung und Malerei. Er ist die liebenswürdigste Persönlichkeit, die die christliche Kulwr heroorge- bracht, aber so starr überwiegt das rein Menschlich«, daß sie ihn nicht ganz für sich beanspruchen kann. Und er ist eigentlich inner» halb des Kirchlichen ein Rebell, der gar leicht den Feuerweg de» Ketzers hätte wandeln können, wäre er zunächst ernst genommen und nicht als harmloser Narr betrachtet worden. Sein erstes Nuftreten ist ein« Verwarnung durch den Bischof. Statt einer Antwort zieht er sich splitternackt aus, um seinem reichen Vater auch das Letzt« zurückzugeben, das er von ihm smpfangen. Mit einem geflickten Gärtnermantel bedeckt er seine Blöße und wandelt sogleich in die Welt hinaus, seinen Versuch beiginnend, die mißverstandene Lehre des Nazareners noch einmal zu oer. künden. Er ist nicht Priester und wird es auch nie, aber da» ist gut, denn sonst hätte er vielleicht nicht den Fischen und Vögeln pre- digen dürfen, und seine ganze Theologie besteht darin, vor dem Papst zu tanzen,. statt sich zu rechtfertigen. Da aber da» Oberhaupt der Kirche einen Traum zugunsten des seltsamen Mannes gehabt hotte, so darf er als Ordensgründer abziehen, seine Regel wird an- erkannt. Die Brüder machen»s ihm mit wenigen Ausnahmen bitter schwer. Wo ein Kloster entsteht— und sie wachsen aus sein Wort hin geradezu aus der Erde—, da setzt auch schon mönchische Eitel- keit und Herrschsucht ein. Er muh ein Kloster niederreißen lassen, weil es dem Gebot der Armut widerspricht. Schon der erste Ordens- gcneral, der Bruder Elias, wird ein Abtrünniger. Er kann sein Lebenswerk nicht durchsetzen, es geht schon vor seinem Tode im alten Kirchlichen auf. Er leidet und flüchtet in den Rausch einer die ganze Welt umfassenden Liebesglut, die ihm den Namen des Seraph einträgt, und stirbt frühzeitig, leidend und blind, haucht seine kindliche Ssele nackt auf bloßer Erde liegend aus, nicht ohne sich vorher noch einmal sein Leibgericht bereiten zu lassen. Es ist alles menschlich an ihm, und nichts bleibt von ihm, als was in die Menschheitsgeschichte übergegangen ist. Alles andere er- starrt in kirchlicher Disziplin und wird unfnichtbar. Das Grab von Assisi birgt einen Märtyrer. Wenn T o l st o i der letzte Ehrist genannt wird, so war er vielleicht der erste. Es ist nicht» mit der freiwilligen Armut und mit dem Mahnruf der Liebe an n, enschliche Herzen und Gewissen. Dem Elend muß auf andere Weise geholfen werden. Sein Schicksal wiederholt sich in allen seinen wirklichen Nach- folgern, am stärksten in der Landgräfin Elisabeth. Seine ersten Jünger im Auslande erschlug man. Aber sein Leben war nicht umsonst. Unsichtbar und nicht ge- lade» steht auch die Menschheit am Grabe. Er gehört zu denen, die Erneuerung der Welt versuchten, er wollte ein Vorkämpfer der Armen und Unterdrückten sein. Er ist der größte Heilige der Kirche, weil er der menschlichste von allen war. Und er hätte es gar nicht notwendig gehabt, heilig gesprochen zu werden, denn wüßten wir nichts»on ihm als die Motte seines„S o n>, e n s a n g s"— es genügt, um ihn für alle Zeiten unter die ehrllchsten und besten Wegbereiter zur Menschheit einzureihen, zugleich aber auch unter die unglücklichsten, am meisten von übermächtiger Gesellschaft betrogenen. Und darum, und nicht deswegen allein, verstünde man es, flammte an diesem Grab auch die Kranzschlejfe des brennenden Menschheitsrots, aber die Arme» sind nicht geladen, man hat sie gänzlich vergessen. Soll man Dialekt sprechen! Da Deutschland aus einzelnen Stämmen besteht, von denen jeder seine Spracheigentümlichkeit besitzt, so gibt es keine einheitliche Aussprache des Deutschen. Der Alemanne erreicht mit seiner Sprache in Holstein Aufsehen und der Holsteiner bei den Alemannen. Ein Glück, daß es eine gemeinsame öchristsprache gibt, die für alle ver- kindlich ist. Daß diese gemeinsame Schreibsprache, die ja keine Sprech- spräche ist, ihre Unzulänglichkeiten hat, ist bekannt: jeder liest die Druckbuchstaben mit den Lauten seiner Mundart. Der echte Sachse liest.Leben" als„Läben", und der echte Altbayer, der in seiner Zeiwng auf das Wortbild.glänzend" stößt, wird dies lautlich als .gleenzend" wiedergeben. Je echter der Altbayer ist, um so.gleen- zender" und.glienzender" wird es klingen. Der Gebildete vermeidet jedoch den dicksten Dialekt seiner Gegend und nähert seine Sprache der allgemeinen Schriftsprache an. Er erleichtert sich dadurch den Verkehr besonders mit den Stadtbewohnern, die ja dem Dialekt zwecks einer leichteren Verständigung bei der aus allen möglichen Landes- teilen zusammengeströmten Bevölkerung viel mehr entsagen muß als die Bewohner des platten Landes. Man unterscheidet mundart- liche Färbung und gediegenen, massiv-klotzigen hundertprozentigen Dialekt. Dazwischen kommen Uebergänge in allen möglichen Ab- stuslungen vor. Ganz ohne mundartlichen Einschlag spricht nxzhl keiner. Und das ist gut so. Wenn die Schwabenmädchen nicht mehr schwäbelten und die Marjellchen nicht mehr ostpreußelten und die Berliner Droschkenkutscher nicht mehr berlinerten, so wäre der Welt die Poesie genommen. Selbst der unverfälschte, der echte, wahre, hundertprozentige Dialekt ist, am rechten Orte auftretend, köstlich und wohlwend. Man soll die Mundatten nicht verdammen, wie es oft geschieht. Warum gegen sie wettern und zetern? Sie sind wurzelhaft und bodenständig, volkstümlich und originell. Laßt ruhig, so liest man in dem soeben erschienenen„Mundartenbuch" von Julius Schaesfler (Ferd. Dümmlers Verlag, Berlin und Bonn), ein bisse! Heiinat in ttirer Sprache mitklingen! Liebes und süßes Geläut sei es euch! Als Matta Theresiens Sohn Leopold ein Stammhalter geboren wurde, ttef die Kaiserin im Theater in den Zuschauerraum hinunter:.Leitln, freits eng. der Boldl hat an Buam!" und F. Th. Fischer sagt einmal: „Immer wenn einer spricht, der nie gelebt in der Mundart, hör' ich im Obetton einen dialektischen Klang." Selbst Goethe sprach noch in seinem Alter unverfälschten Frankfurter Dialekt. Am 28. Augiust 1827 besuchten ihn mehrere Fürsten, um ihm zum Ge- burtstag zu gratulieren. Der Bayernkönig, der Durst verspürte, bat um einen Trunk Wassers. Da rief Goethe in echtem Frankfurter Deutsch zu seinem Sohn ins Nebenzimmer:„August, der König von Bayern will ä Glaas Wasser hawwe!" Zu Wilhelm Grimm recht- fertigte sich der Slltmeister einmal über den Gebrauch der Mundart: „Man soll sich sein Recht nicht nehmen lassen. Der Bär brummt nach der Höhle, in der er geboren ist." Dialekt ist Dialekt und eine feine Sache. Die gut« Sitte oerlangt jedoch, daß man sich eines von allen Heimattlängen gereinigten Hochdeutschs befleißige. Wohl hat die gute Sitte, von ihrem Stand- punkt aus gesehen, recht. Wenn aber bei dem Versuch dazu die Schweißperlen auf die Stirn des Sprechers treten, wenn sich Herz- klopfen und Atemnot bei ihm einstellen, so unterlasie er lieber das Hochdentschreden. Denn so viel ist die Sache nicht wert. Wie steht es also niit dem Hochdeutschreden? Alles zu seiner Zeit. Nicht immerfort Mundart, auch nicht immerfott Hochdeutsch, son- dern ab und zu etwas von der einen und dann auch wieder von der anderen Sötte. Immer wenn man sich behaglich fühlt, muß die Mundart her. Sie ist die schlichteste und ehrlichste Sprache. Laßt mich beim Glase Deidesheimer, Jahrgang 1921, pfälzisch babble. Recht Hot er, de Fiktor Scheffel,'s is werklich e verjlucht seiner Droppe, was do in de Palz wachse dut. Un zu eme feine Dwppe g'hehrt aa e seiyi Schbrooch. Beim Schäferstündchen dagegen mußt du schwäbisch plaudern. Keine andere Mundatt klingt so lieblich, traut und liebevoll wie die schwäbische. Geht mir weg mit dem Berliner Amor!'» Schwobeamorle ischt halt älleweil no 's liäbscht ond's bescht. Wenn's sei Göschle ufmacht, decs klingt ond dönt, wie wenn d' Vögle zwitscheret. Ond wenn do dir ney trauscht. du Dommerle, no lachr di's Amorle aus. Aber galt, us oimol do gibsch dann doch deim Schätzte ä Schmätzle uf's Göschle, du Schlaule. Dem Feind aber muh man oberbayerisch zu Leib« rücken, dem damischen Zapsen, dem damischen... dem Malesiez. türken, dem oerfluachten... dem ei'bildt Lackl, dem Haderlump, dem dalketen, dem vermaledeiten Tropf, dem Hanswurscht, dem hochnaseten, grohmauleten... dem Himmiheergottsakra... grab o'speib'n(anspeien) kunnt i di, du Asf, du damischer, mit dei'm sau- dumin'n G'schau... du platteter Deifi mit dei'm lcetschate G'srieß. ... Du Windhund, du ausblasener... Du Lalli, du gschiagelter (schielender)... Du Jndisiduum... Aso a gschlamperter Schleifers. fchlifsi, a zammzupfter, lauseter, u'kolvietter! Aber wer spricht das reine Hochdeutsch? Nicht die Verkäuferin im Warenhaus, nicht die Erzieherin in der Herrschaftsvilla, nicht der Herr Lehrer, nicht einmal der Universitätsprofessor. auch er kann seine schwäbische, bayerische oder sächsische Herkunft nicht verleugnen. Auch ihn verrät seine Sprache genau wie den Holzer-Jackl. Unter- schied: beim Holzer-Jackl gelingt die Feststellung des heimatlichen Idioms selbst mit dicken Wattepfropfen in den Ohren, beim Uni- versitätsprofessor muß man die Wattepfropfen etwas lockern. Aber der Schauspieler, der Mime! Sein Deutsch ist doch wohl untadelig rein und fein? Doch wer feine Ohren hat und Mundarten kennt, kann auch hier noch örtlich begrenzen. Irgendwo hat die Maske eine schadhafte Stelle, ein Loch, ein Löchlein. Es läßt sich nicht leugnen. wir alle sprechen Mundart, zumindest mundartlich gefärbt. Bei zwangloser Unterhaltung hat die Red« des Gebildeten einen mund- artlichen Einschlag von rund 20 Prozent. Bisweilen überschreitet der Gebildete diesen Satz um ein Beträchtliches. Natürlich weih er es nicht. Doch das ist belanglos.. Oer Iez, ein Spmbol. Die sich wiederholenden Nachrichten über drakonisch« Straf- maßnahmen in der Türkei gegen solche, die trotz des Verbotes den Fez auch weiterhin zu tragen beabsichtigen, hat in wettesten Kreisen des Abendlandes großes Aufsehen erregt. Sind doch einer Meldung aus Konstaminopel zufolge in Keraszumde zwei Mohammedaner, die sich weigetten, das Tragen des Fez aufzugeben, zum Tode durch den Strang verutteilt und wegen eines gleichen Vergehens erst kürzlich wieder 8 Personen in Erzerum. Solchen Gewaltmaßnahmen gegen. über fehlt in Europa das Verständnis. Nicht zur Rechtfettigung, sondern zur Verständlichmachung des scharfen Vorgehens der türkischen Behörden muß gesagt werden, daß dies« nicht den Fez als folchen bekämpfen, sondern nur in seiner Eigenschaft als Symbol. Der Hut, der die neu« Türkei äußerlich kennzeichnen soll einesteils, und der Fez als Zeichen konservativer Einstellung andernteils, haben in Anatolien zwei getrennt« sich feindlich gegenüberstehende Läger ge- schaften, wie das im Deutschen Reiche etwa mit schwarzrotqold und fchwarzwcißrot der Fall ist. Daß die Feindschaft bei den Osmonen größer ist, als bei uns, ist darauf zurückzuführen, daß die Umwälzungen im Morgenlcmde weit durchgreifender Natur waren. Bis dahin un- möglich gewesen« Reformen wurden durchgesetzt: Kirche und Staat wurden getrennt, die Schulen wurden verweltlicht, Klöster und Geheimorden wurden abgeschafft und der Vertauf verstaatlicht. Gleich- zeitig wurde di« Religion ganz beträchtlich modernisiett und behörd- licherseits die Frauenemanzipation gefördert. Di« Abschaffung des Sultanats und Kalifats tat das übrige, um die Gegensätze zu ver- schärfen. In Armenien begann man damit, durch das Tragen des Fez ein Provokationsmittel zur Entfachung neuer Unruhen zu be- nutzen, was die regierenden türtischen Kreis«(hinter denen di« große Mehrheit des Volkes steht) veranlaßt«, mit Gegenmaßnahmen einzu- schreiten, die sich im Lause der Zeit durch di« hartnäckig« Oppositton wesentlich verschärften und schließlich am Endziel, der Todesstrafe, an- gelangt sind. Das unbeirrt« Festhalten on diesem Strafsystem läßt erkennen, daß die türkische Regierung die neugeschaffenen Umge- staltungen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln aufrecht er- holten will. W. Scholz. EMeikriftall Schleuderstem�h'�'. Kompottellßr............ Z" LIKöfflasclißn?,�'.';.�75 Kompottschüsseln�B75 Kpügß u�50 ,.,.««485 KompottsdiQssßln�'U50 Udsbü............ 4°° 5�° WßlnflflSchßOÄ 1575 Bcnöonsdqsßn.......... 550 Wßlnflnsclißn�fe 3150 Krlstallrömßr jät. B85 Kompottßllßr wonoßnV.hliff,,................. Btflek 50«. 4.5 550 welnj( Persel lu Kafffeemaschinen Kafffeeservice � 1" hie 4»° ESektr. Artikel Nickelwaren miiiimniHiiiiiniimiiniiminiiiiimmimmiininmiiimiit mttiiHiiiHtiiitiiiiiiniinitiiiinttnnHifmti«»nninnimm)n Elektr.Tauchsiederl45285 Torfenplatten ,85 Elektrische Plätte mit... c». 3 kg, mit Zuleitung, 2 Jshre �75 Eruchtschalen Elektrischer Kocfier I90 285 975 Likörservice 285 45o Stahlwaren mnnimtmmnumnnmniiiiimminnmiiiunmm« RdffßßlÖRßl ESSlÖffßl J DßssertbßstßcKß'Ä]" 6 Obstmessßr» � Glas- Weingarnitur timimtmininiimi nHuminiiiimmniniiMiimiiimimmmiiiimmiiiiumniN Extra billig I Extra billig I„Scblenderstern" Butterglocken ww« 35pf. Sektgläser............... I25 Kompofteller 20pi. Rotweingläser...... 75pt Kompotteller gepr««t Spi. Rheinweingläser... 80pi. WeinrömerylS�f�Spt Portweingläser..... 70p». Bier-o Mittwoch, 1. September, " Uhr. im Ledigenheim Pappelalle- Id statt, ftür vollzähligen Besuch der ssunttionäre und lklternbcirät« ist Sorg« zu tragen. Besondere Sin- ladungen ergehen nicht. Tagesordnung:„Wie schassen wir dl« weltliche Schule?".... d. Ztrei» äricdrichihain. Die Mitglieder de« Magistrat», der sfraktion sowie der engere Arciovorsiand und die Abteilungsleiter werden gebeten, am Montag. 23. August, abends 7 Uhr, zu einer wichtigen Sisiung zu er- scheinen. Die Sitzung findet in Schmidts Scsellschaftshau», Frucht- straße SK-, statt. 6. lhieio streu, berg. Montag. 2Z. August, abend» 7H Uhr, bei Bieler, Dieffcn. bachstr. 70. erweiterte streisvorstandositzung. 7. strci» Tharlottenburg. Dienstag VjS Uhr erweitert« Barstandssitzung Im silmmer 1 des Ngthauses. ». streis Wilmcisdors. Montag, 28. August, abends 8 Uhr, bei stroihs, Holsteinische Str. 00, Sitzung des engeren strcisvorstandcs mit den Ab- tcilungsleitcrn. 11. strci» Echiincberg. Mittwoch, IS. August, gemütliche tzusammenfunft der Genossinnen und Genossen des streiscs mit stindcrn. Darbietungen: stasoerlelheater usw. Gäste herzlich willkommen. 18. flrei« Tempelhof. Rariendors, M-rienselbe, Lichtenrade..� Dienstag. 24. August, abend» 7V4 Uhr. bei Niendorf, llhausseestr. 10, wichtig« streis- vorstandssitzung. Alle Genossen mllssen unbedingt erscheinen.— Frak- tionssitznng am 24. August, abend» s Uhr, im Dczirksamtshous. 14. strci» NerkZlln. Die Abteilungsleiter werden gebeten, umgehent die Listen der Schöffen und Beschworenen im Bureau, Neckarstrasie, einzureichen. <£, kommen in Frage die Straften mit v und Ii. 15. strei» stöpcaick. MontOig, 23. August, abend» 7Z4 Uhr, bei Zabel, Frei- hclt, streisvorstaudssttzung. Morgen. Monlag, 23. August: 25. Abt. 71b Uhr bei Pose, stolonieftr. IS, Funktionärsitzung. Erscheinen unbedinat erfordcrlich� 24. Abt. 714 Uhr bei Rö-ner, ImmanuelNrch strafte, Funktwnitrsttzung. Gr- scheinen aller Funktionär« unbedingt erforderlich. 27. Abt. 7 Uhr bei Woosmann, Glcimstr. 10. wichtig« Funktionärsitzung mit den gcwäblten Gltcrnbciiäicn. 25. Abt. 71h Uhr bei Büttner, Schwedter Str. 18, Sitzung sämMcher Funk- tionär«. 81. Abt. 8 Uhr bei Goldtchmidt. Stolpische Str. 35, Funktionärsitzung mit den Gllernbeiiäten. Grscheincn Dflichi. 42. Abt. Vi Uhr Abrechnung der Bezirksfiihrer bei Höblke. Bcrmnannstr. 60. 45. Abt..714 Uhr Sitzung sämllicher Funktionäre bei Penski, Aotiborstr. 1, Ecke STienct Strafte. PUnkllichcs und volljähliaes Erscheinen Pflicht. 77. Abt. T-< öncberg. 7 bi» 8 Uhr I. Arbeitogrmernschsft über» Berfassuetg»- recht. Um 8 Uhr Borstondssitznno Apostc?-Paulu»-Etr. 7, 4 Tr. Reutössn. 01. Abt. Vi Uhr Vorstandssitzung bei Lllddccke. starlsgartenstr. 12.— 08. Abt. 7 Uhr wichtige Funktionärsitzung bei Teich, stircsebcckstraftc. Dienstag. 24. August: 85. Abt. M-riendorf. Die Genossen werden gebeten, zur strcisvorstandssttzung brstimmt die Listen von den Eüernbeiratswahlen mitzubringen. 94. Abt. Sienköll». Vi Uhr Funktionärsitzung bei Schröder, Steinmetzstr. 32. Alle Funktionäre müssen erscheinen. 82. Adt. Steglitz. Ave Genossen und Gcnosssnnen wollen ssch|! R Sonntag. 5. September, für da- Wald, und stindcrscst der Abteilung W reservieren. Treffpunkt 3 Uhr beim Restaurant Waldfricden in Dahlem. D Z Gäste willkrmmen 41. Abt. Gin« Funktionärsitzung findet nicht statt. Am Mittwoch, 2b. August, Zablabendc abhalten. 42. Abt. Mittwoch, 8 Uhr, Mitgliederversammlung in den Blüchrr-Gälen, Blücher str. Kl. Referent F. ssechcnbach:„Fememorde und Justiz in Banern". Di« Bezirksführcr laden«in. Adt. 124» Mablsbars-Ssib. Sonntag, i. September, im Etablissement..Hubertus", Mahlsdors-Süd. stöpenicker Allee CO, Bannerweih«. Gartenkonzert von, Verein, Echa.". gute Musik. Tanz. Tombola. Rachmittae» 214 Uhr bei aünstigem Wetter auf der Waldwiefe kin der Nähe de» Lokals) Banner- weide. Bei ungünstigem Wetter um 8 Uhr im Saal. Beaueme Straften. behnverbindung ab Bahnhof stäpcnick und Bahnhof Mahlsdorf. An- schlieftend an die weihe Umzug mit Musik. Gintritt inkl. Tanz SO Pf. Genossen und Freunde herzlichst willkommen. Frauenveranstaltungen: 4. streis Prenzlauer Berg,«rieiterwohlsahrt! DU Anmeldeformulare für die Fr«:« Schule liegen in der Erwcrbshilfe, Gsmarchstr. 10. au». 8. Abt. Montag. 23. August. 8 Uhr. Frauenlcscabcnd bei Rickcrt, Stein- metzstr. 80». Bortraa der Genossin Maihilde Wurm. 14.«f»'. Moniaa. 23. August. 714 Uhr. bei Botlschalk. Putbusscr Str. 24. Heilerer Abend. Portraaender Heinz Karlhel. 29. Abt. Moniaa. 28. Anaust, 714 Uhr, bei Burg. Prenzlauer Allee 180. Da» dcuischc Volkslied. Erläuterungen am stlavier. Vortragender Dr. Brie. Gäste willkommen. 88. Abt. Mentag. 23. August, 714 Uhr. bei Bartusch. Frtebenstr. 88, vor. trag:..Schule und Haus". Referent Genosse Wendick«. Erscheinen aller Genossinnen unbedinat erforderlich. 42. Abt. Montag. 23. August, 714 Uhr. bei Höhlke, Dcrgmannstr. 00, Vor- trag:„Heinrich Heine und das Proletariat". Reserent Felttz Feibenbach. 43. Ab». Montag, 23. Auaust. 7>4 Uhr. bei W-If. SrSsellr. 20. Vortrag: „Körperkultur" mit praktischen Vorführungen. Refercntin Lisa Albrccht. Gäste willkommen. 44. Bit. Der Frouenabend fällt tu diesem Monat au». 55. Adt. Tharlottenburg. Dienstag, 24. Auoust. tresfen stch die Genosstnncn in Spandau. Lokal Karlslust, zum Kaffcckochen. Abt. 128» Kaulsdors-Elld. Die Genossinnen beieiligen sich am Fraucnabenb in Mahlsdorf.Süd am Dienotog. 24. Auaust. bei Dlctz. Vortrag der S«> noslin Bohm-Schuch:„Der sittliche Gedanke in der sozialistischen Welt- ansäiauuna".' Abt. 124- Mohlsdorf. Süd. Dienstag, 24.«umist. 714 Uhr. bei Dietz. Uhland. strafte. Vortrag:„Der stttlich« Bedanke in der sozialistischen Weltanschau- ung". Rcscrentin Clara Vahm-Schuch. M. d. R. * Zungsozialisten Groh. Berlin. All« Gruppen wollen unbedingt„Iiing- sozialistisch« Blätter", Beiträge und Sommcrfeslkarten mit dem Genossen Paul HandclmanN. Berlin O. Il2 Weichsclstr. 0,«lf-cchncn.— Der Arbeltoausschnft. — Gruppe Reinickendorf: Montag, 23. Auiust. Diskussionsabend:„Der Imvcria. lismus der europäischen Eroftmächie.— Srnppe Tempelhos-Rariendorf! Dicns. tag. 24. Annust. abend» 8 Uhr, im Jugendheim. Lnzcum, Germaniaftr. b— 0. Vortrag:„Diktatur oder Demokratie am Beispiel Sowjctruftlando". Referent Eugen Maiseilohn. Die Arbeiieriugend und die jüngeren Genossen sind herz. lichst eingeladen. 1)28 ideale Familien- und Frei-Bad inmitten herrlicher Laub- und Nadelwälder rwischen Swinemünde und Heringsdorf wegen seiner billigen Preise und der vielseitigen anerkannten Darbietungen (iasM fe siiien lillWandes Prospekic kosienlo« darch dir Bade-Direkifon 'S xssn Richard VOSfiS» Linoleum, Teppiche, Läuferstoffe, Schlafdecken. Eloheltsieriiand der Eisenbahner Dentschlaods Ortsgruppe Berlin In Ansübung seines gefahrvollen Berufes mußte unser Mitglied, der Zugführer Friedrich Jordan im Alter von fast 58 Jahren sein Leben lassen. Er zählte zu den Opfern des furchtbaren Eisenbahnunglückes bei Leiferde. Ein tragisches zur Stunde noch ungeklärtes Geschick hat diesen tatkräftigen Kollogen aus unsere Reihen gerissen. vle Orfiverwaltung. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 24. August 1926. nachmittags 4 Uhr, auf dem Neuen Johannisfriedhof in Plötzensee statt. Deotutier Metallartieitßf-VeftiaDd Verwaliungsstelle Berlin. Auf feiner Mantagefielle verslWrb unser Kollege, der Turdinenmonteur Fritz Warrlich CHorloltenburg. Herderllraße 18 Edre seinem Andenken! Die Einäscherung findet am Diens- tag. den 24. August, nachmittags ZözUhr.imKrematoriumWiimersdors. Berliner Straße, statt. Die lMreav-ttM, Zarflck Dr. Maskat Ortho«. Aastalt(Rfintgeo-Cia- th.'rmii), Knoiiai, Oeleok-, fußtetaneluim, Clhstflanq. Kurfürstensir. 124 Ausnahme-Angeboie Hunderttausende von Litern erstklassiger Weine gelangen zum Verkauf. Aussthank vom FaB* KcS'projfin gratis. Feinster Fruchkwein, sUB Liter nur&3 Fi. Feinster SpeziallSkör, ca. 350/e Fl. nur 2.73 M. 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August 1926, nachmittag» Sn der Nachmittagszlebung wurden Gewinne über ISO M. gezogen 2 Gewinne zu 200000 At. 298150 2 Gewinne zu 5000 M. 170525 10 Gewinne zu 3000 M. 118772 153111 202374 275380 205692 14 Gewinne zu 2000 W. 40648* 63037 131310 162567 175746 212494 238040 32 Gewinne zu 1000 M 17425 41079 56612 66431 67562 70089 86369 102260 109455 144323 152338 196521 205791 246143 257894 284086 92 Gewinne zu 500 M. 8385 9885 11676 16863 27650 35347 39071 47772 53985 61092 66982 76166 80282 86300 99065 99624 102369 111938 114311 116069 116892 123795 129891 130060 145433 147405 148596 151156 151682 165876 169050 171099 177923 186233 189201 192294 204897 220241 228865 239854 257828 259551 265043 2718.33 292339 295699 204 Gewinne zu 300 9JI. 6624 9555 14308 15471 18933 20917 27778 36762 45806 47349 49765 52582 53427 54889 56629 57189 57776 62425 62891 65748 67111 67661 71257 72943 74605 77593 796i5 79778 85315 88390 89446 89806 98311 103359 108924 109843 110154 115995 124357 124483 129098 129871 130511 134562 136041 141300 141676 145277 145318 148588 152231 155785 157088 158316 162423 164826 165056 1 66618 169679 178080 179425 I8I6II 185717 187060 1 88124 200845 201218 202603 204084 207292 212815 214554 215948 217099 222878 224033 225474 225502 233105 237156 237840 240702 244227 244697 249467 258193 259S58 262165 265083 265201 267677 271953 273519 275805 276304 278901 283251 283777 287366 292124 294865 295840 Gewinnanszug 5. Klaffe 27. Preubifch-Süddeulfche Klaffen-Lotterie. Ohne Gewähr Nachdruck verholen Auf jede gezogene Rummer sind zwei gleich hohe Gewinn« gefallen, und zwar je einer auf bi« Lofe gleicher Nummer in den beiden Abteilungen 1 und II 11. Ziehungslag 21. August 1926, vormittag, Ln der Vormittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 2 Gewinne zu 10000 M. 16148 6 Gewinne zu 5000 M. 130037 146453 182243 18 Gewinne zu 3000 M. 4549 42558 65772 119029 160088 196261 236389 238947 292922 24 Gewinne zu 2000 M. 5881 16137 55139 136913 143946 150079 181870 195701 235275 270948 272499 278341 24 Gewinne zu 1000 M. 2661 25898 50124 131625 147059 161698 177845 191573 213542 231323 241543 251780 72 Gewinne zu 500 M. 2784 13257 31894 37627 42111 50861 58105 58172 62399*65270 73916 79409 98958 99941 124799 132778 140759 143116 152696 161841 188162 193689 201819 201848 220456 226261 235335 251835 259544 276423 276490 280502 287117 292383 298039 299611 254 Gewinne zu 300 M 6289 7736 8531 8920 9104 17563 20844 21257 24048 26304 30139 32086 33098 35852 38977 39629 43457 49596 51670 57169 58398 61395 61601 63424 64863 67662 68790 69052 69092 69400 69666 74616 78206 79153 79628 81647 86330 86560 94436 94564 97598 98918 99595 100325 102503 103017 103321 105062 114622 115478 115718 116768 118372 119118 119660 120997 127299 131260 132218 134919 139896 141642 146273 146852 147034 147865 148615 149438 150009 152246 153332 153409 154196 155432 158292 159908 160728 174725 175469 176573 177921 187318 188126 188582 193202 193674 197913 201961 204324 204464 206076 207349 208013 209090 209653 209943 211575 211799 215296 218070 219212 219551 223042 224400 224861 243777 250471 252040 252213 259053 259269 260714 262660 268564 271915 280455 286507 287440 287843 291702 291831 292971 294356 295486 297566 297739 299338 Nobel ohne Anzahlung! liefert Bitrenommiertes Möbelhaus komplette Zimmer, sowie Einzelmöbel, Küchen in allen Farben. 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Tagesordnung: 1 Bericht der Branchen!ommission. 2. Branchenange- legenheiten. 3. Verschiedenes. Ohne Miigliedsduch letn Zutritt. Es ist Pflicht eine« jeden Kollegen, diele Versammlung zu desuchrn _ Ple Orl»ocrrooH«»ng. Von der Reise zurück San.-Rat Or. Mendelsohn Spezlaiarzt für Hais-, ton-. Olireoleiittn Kassenarzt LicKiicmierg, noiiendorfstrA�e 114 Neue Gänsefedern Bettfedernkauf Ist eine Vertrauenssachc Anerkannt reellste u. BMig. Beeuesquelle in erstklassigen neuen üänsefedern direkt aus erst Hand. In bestgewaschc- ner von Schmutz u Staub befreit, weiß Qualität, Wie von der Gans gerupG mit allen Daunen p. Pld 2,60 M.. hoch prima 3,60 M., kleine Federn(Halbdaun. i und 8 M. Edel'/, Daunen 6,90 M, aiier- feinste 7,80 M, gerissene daunige Federn 4 u. 5 M., hochprima 5,75 M. allerleinstc 7,50 M.. Volldaunen 10.40 und 12.40. hoch feine 14,90 M. Wer piobt, lobt und emp Gehlt Nichtgefallend nehme aufmeinc Kosten zurück. 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Der Manuskriptoerfasser M a x G l a ß folgte den alten Lustspielmethoden, schilderte ein Wien, in dem man lebt, aber nicht arbeitet, und ein Berlin, in dem man ardeilet, aber nicht lebt, und stellte die Harmonie her durch ein paar Heiraten zwischen Wien und Berlin. Dabei be- schränkt sich das Ganze auf das Milieu zweier Kaufmannsfamilien. Die Wiener Gemütlichkeit und der Patriarchalismus sind überbetont, die Berliner Schneidigkeit wird gesteigert ins Kommißhafte und die preußische Ilnliebenswürdigkeit wirkt gar grotesk. Das schließt freilich nicht aus, daß der Regisseur Hans S t e i n h o f s ausgezeichnete Bilder ins Treffen führ» und über eine Fülle von guten Ein- fällen verfügt. Sehr nett ist es z. B., wenn die gediegenere Wiener Kultur durch ein Mozart-Ouartett gekennzeichnet wird, während auf dein analogen Feste in Berlin der Jazz triumphiert. Aber muß deshalb gleich auch ein Korps von Bauchtänzerinnen auf einem Privatfest losgelassen werden und der Hausherr sich aufführen wie ein Schadchen? Das„Liebesspiel zwischen Spree und Donau", wie sich der Film im Untertitel nennt, fand in Alfred Hansen den Photographen, der den richtigen Schmiß mitbrachte. Unter den Darstellern hatte die Wiener Seite den Vorzug, Fritz Spira reprä- sentierte das alte Oesterreichertum(natürlich im Franz-Joseph-Bart) sehr fein. Reizvoll war auch der junge Wiener Lebemann von heute in der Gestaltung Egon v. Jordans. Die gefühlvolle Oester- reicherin mit dem„taufrischen" Herzen und einem netten Wiener Gesichterl war Anita D o r r i s. Berlin wurde verkörpert durch Fritz Alberti und Bruno Kastner, der den Liebhaber mit Ge- schniack darstellte, und vor allem durch Charlotte Ander, die ein Berliner Girl der ersten 5slasse sehr keß hinstellte. Solange der Film sich wie dieser darauf beschränkt, in den gewohnten Bahnen überlebter Lustspieltechnik, wenn auch mit allem Raffinement modernster Formgebung Themen von heute zu be- bandeln, so wird seine Wirkung nicht über die bloße Unterhaltung hinausgehen. Hätten die Veranstalter das Thema Wien-Berlin*mit dem verdienten Ernst und Nachdruck aufgreifen wollen, so hätten sie ganz andere Borlagen finden müssen. Von der großartigen Ber- brüderung, die deutsche und österreichische Arbeiter vor einigen Wochen in Wien feierten in einer unvergeßlichen Massenkundgebung, scheint ihnen nichts bekanntgeworden zu sein. D. ,vas Höllenschiff.� (Tauenhienpalast.) Eine überragende Leistung der Regie und vor allem der Photo- graphie, ein Film mit gedrängter Handlung, mit gepeitschtem Tempo, einer der besten amerikanischen Filme überhaupt, die in letzter Zeit gezeigt wurden. Der Stöfs ist dem Roman„Der Seewolj" von Jack London entnommen, der Bearbeiter hält sich bis auf den Schluß eng an die Borlage. Ein Fährboot mtt einer Künstlergesellschast wird vor San Franzisko von einem Danipfer gerammt, den Schriftsteller van Weyden rettet ein Boot des„Höllenschiffs", dessen Kapitän Wolf Larsen die Mannschaft aus den Hasenkneipen holt. Dieser Kapitän ist ein Mensch außerhalb der Gesetze, ein Despot von ungezügelter Kraft, ein Nachsahre der Seeräuber des Karaibiscben Meeres. Weyden muß Matrose wenden, er entflieht und erreicht schwimmend ein sinkendes Boot, aus das sich beim Untergang der Fähre seine Freundin Maud gerettet hat. Beide werden an Bord des Höllen- schisfes zurückgebracht. Maud steckt noch von dem Maskenball in eine!» Matrosenanzug. Der Kapitän durchschaut die Maskerade und will Maud in seine Kabine zwingen. Da bricht der Aufstand aus seinem Schiff aus. Der Kapitän muß der Uebermacht weichen. Durch eine umgestürzte Petroleumlampe gerät das Schiff in Brand. Die Mannschaft kann sich retten, Larsen aber verbrennt. Die Ereignisse überstürzen sich, sind, mit dem Roman oerglichen, zusammengedrängter, die Zeit ist kürzer. Das Tempo, in dem der Film besonders am Schluß abrollt, ist mitreißend. Man vermeidet unnötige Text- angaben und zeigt nur prägnante Bilder. Nichts Ueberslüssiges stört, kein liebevolles Verweilen beim Detail. Jede Szene gibt gewissermaßen die Essenz in gedrängter Kürze. Der ganze Film ist aus rein bildhafte Wirkung gestellt, die Photographie ist überragend. Gleich der Auftakt fesselt: Das Fährboot im Nebel. Eine schwarze Silhouette schiebt sich in das Bild, zerschneidet das Boot. Oder das„Höllenschisf", weit aus der See in blassem, ungewissem Licht, mit gespenstischen Konturen. Die Umrisse verwischen im Nebel, eine Impression, die an den englischen Maler Turner erinnert. Und doch sind diese Bilder nie um ihrer selbst gegeben, sie fügen sich lückenlos dem Ablauf des Geschehens ein, erhellen irgendeine Situation. Die Darstellung hält Niveau. Auch hier anständige, durchgearbeitete Leistungen. Ralph I n c e als Kapitän Larsen kokettiert manchmal zu betont mit seiner Dämonie, erreicht aber am Schluß stärksten Ausdruck. Daneben verblassen die anderen. Man vermeidet übrigens sogar die übliche amerikanische Sentimentalität. Selbst das Liebes- paar benimmt sich erträglich. F. S. „wie einst im woi/ tUfa palasl am Zoo.) Das größte Berliner Kinotheater hat wieder einmal, nachdem der Ueber-Amerikanismus abgebaut ist, eine neue Zielsetzung be- kommen: es soll jetzt populär und volkstümlich(bei verminderten Preisen) werden. Eine neue Riesenorgel ist auch eingebaut, die genau so gut Bach wie den neuesten Schlager spielt. Aber mit dem volkstümlichen Programm wird es nicht so leicht sein; denn die Filmleute verstehen unter volkstümlich leider immer noch das Ali- gewohnte und Traditionelle, und so haben Robert L i e b m a n n und Willy W o l s s sich auch nur an„altbewährte Muster" angelehnt und die Alt-Berliner Posse„Wie einst im Mai" von Schönebera an die Ecke Leipziger und Jerusalemer Straße und zugleich aus dem Mai in die Weihnachtszeit verlegt. Sie führen drei oder vier Gene- rationen Berlin vor: 18�9, 1889 und 1926. Die Handlung spielt immer in denselben Familien. Zweimal kriegen sich die Paare nicht, weil die Männerseite immer im richtigen Augenblick nicht das Wort findet und erst das drstlemal kommt die durch drei Generationen geplante Heirat zustande, weil diesmal„sie" die Initiative ergreist. Um diese Handlung herum, die manchmal mit etwas hanebüchenen Mitteln arbeitet(so wird ein junger Mann am Weihnachtsabend von der auf seinen Reichtum spekulierenden Jungfrau mit Grdg für die Verlobung reif gemacht), ist eine Fülle gut beobachteten Milieus gruppiert. Vor allem ist das D:edeimeiertum der ersten Generation sehr hübsch gekennzeichnet und die sentimentale� Liebe zwischen dem Ladeninhaber Kietz und der Tochter aus gutem Hause zu sehr gefllhl- vollen Szenen ausgewalzt. In der zweiten Generation herrscht schon ein anderer Ton: ein junger Deutschamerikaner bringt einen neuen Rhythmus mit. 1926 ist durch das Warenhaus gekennzeichnet. Durch alle Generationen hindurch spielt Ziesemacks Voikstheater mit, wenn auch immer in neuer Aufmachung: als Theater, als Ball- lokal und zuletzt als Kino. Ellen Richter kehrt in allen Generativ- nen wieder als die ewige Braut, die erst in der letzten Generation den Richtigen kriegt. Sie charakterisiert die verschiedenen Zeitalter sehr nett, aber ganz ist sie selbst erst als das smarte amerikanische Mädchen des Schlußaktes. Paul Heidemann und Hugo Fischer-Köppe führen den Ladeninhaber und seinen jungen Mann durch die Jahrzehnte mit Laune und Geschick. Frieda Richard muß bis ins hundertste Jahr hinein lebendig bleiben und Charakter bewahren. Das auf den Mann dressierte bürgerliche Mädchen gibt Camilla Spira prägnant und wirksam. Der Film könnte mehr Tempo und weniger Wiederholungen haben— rein bildlich ist L e n i s Architektur und Graatkjärs Photographie von guter Qualität. r. tJ\n öer sthönen, blauen Donau/ (Capilol.) Alles, was der Wiener Operettenstil und das geschmalzte Lust- spiel an weanerijcher Gemütlichkeit, Heurigenbetrieb, goldenem Wiener Herzen und ähnlichen Wiener Herrlichkeiten ins Leben ge- rufen hat, ist in diesem Film vereinigt. Alles ist schon ein paarmal dagewesen, aber gerade das scheinen die Leute zu lieben, die die Filmpremieren besuchen(diese war von nachts 11 bis 1 Uhr). Da ist denn die Kritik machtlos. Wer alle diese schönen Sachen wieder- sehen und dazu noch leise die schönsten Schlager der Wiener Operelte mitsingen will, dem blühen hier herrliche Genüsse. Friedrich Z e l- n i k ist für das Menü verantwortlich. Aber wie er es durch allerlei Einfälle und Witze, darunter auch uralte aus den„Fliegenden Blättern", belebt, ist nicht ohne Reiz. Sein Haupttrumpf ist Lya Maro als Wiener Mädel aus dem braven Kleinbürgertum, das als Voltssängerin Triumphe feiert. Natürlich verliebt sich ein junger Leutnant in sie, der noch dazu Gras ist, selbstverständlich in allen Ehren. Natürlich wird ein Vetter auegesandt, um die Sache aus der Welt zu schassen, und natürlich verliebt er sich noch viel ernst- hafter in sie und bekommt sie auch nach allerlei Zwischenfällen, weil ein wirklicher Erzherzog sich für das ebenso liebe wie resolute Kind einsetzt. Die künstige Gräfin feiert einen herzbewegenden Abschied von ihrem Brettl, und alles ist in Butter, vom letzten Zuschauer bis zur königlichen Hoheit. Lya Mara ist das herzbewegende Mädel, das mit seinem Scharm, seiner Lustigkeit, Schalkhaftigkeit, feinem Mutterwitz und gelegentlich auch seiner Forsche nicht bloß die Grasen entzückt. Als Mitspieler hat sie zur Seite Ernst V e r e b e s, der einen ganz famosen Jungen darstellt, und Harry Liedtke ake den reiferen überlegenen Liebhaber, der immer über ein- siegesbewußtes Lächeln verfügt. Hans Junkermann und Julius Falken- st e i n steuern ein paar prächtige Chargen bei. Die Photographie F u g l s a n g s schmiegte sich dem Wiener Milieu kongenial an. In den Bildern waren Wiener Melodien gestellt worden. r. „Gikoßfeuer/ (Iii. Friedrichslrahe.) Dieses Großfeuer ist typisch amerikanisch, das ist das einzige, was niemand bestreiten wird, obwohl es sonst sehr viel strittige Punkte gibt. Das Manuskript ist ungeschickt. Der Charakter der hier gezeichneten Menschen entwickelt sich nicht aus ihren Anlagen heraus, und sie handeln nicht ihrem Charakter entsprechend, sondern sie handeln eines Filmeinfalls wegen. Folglich soll Tom Kelly Feuerwehrmann werden, sein Bater, ein Feuerwehrmann, will das. Tom aber, ein Held auf ebener Erde, der mit übermenschlichen Kräften ausgestattet ist(was man in vielen Boxereien gebührend bewundern kann), versagt auf der Feuerleiter. Darum möchte er gern Rechtsanwalt studieren. Und weil amerikanische Filmmüttcr so unerfahren und mit ganz eigenartiger Kindesliebe belastet sind. stiehlt die Mutter Geld, das ihrem Manne zur Aufbewahrung anvcr- traut war und gibt es einem Schwindler. Auf diese Art und Weise hofft sie Mittel für das Studium zu bekommen. Der Sohn nimmt den Verdacht des Diebstahls auf sich, schafft aber durch Fürsprache seiner Braut bei ihrem Vater das Geld rechtzeitig herbei. Bei dein Riejenbrand in New Jork-City erwacht dann bei dem Sohn der Mut zum Feuerwehrmann, er rettet Vater, Schwindler und sein Geld. Zum Schluß sieht man ein glückliches Paar. Es ist eine Tat- fache, daß für den amerikanischen Film, abgesehen von Spitzen- leistungcn, kein günstiger Boden mehr in Deutschland ist. Die naive Ware schaltet man deshalb schon aus, dafür sucht man jetzt mit Gewalt die Sensation an den Mann zu bringen. Doch wir leben heute eigentlich in einer Zeit der Katastrophen. Das Schlachtfeld der Arbeit, Naturgewalten und Verbrecht» erfordern täglich Opfer, man braucht uns nicht mit der Katastrophe als Entspannung zu kommen. Zudem brachte man uns eine schlechte Sensation. Nach diesem Film erscheint nämlich die New-Porker Feuerwehr in einem der- artigen Licht, daß der blutigste Laie sich veranlaßt siihlt, ihr gute Ratschläge zu geben. Der Regisseur leistet einzig in der Heraus- arbeitung von Tpen bemerkenswerte Arbeit,«ein Name bleibt ungenannt. Es ist überhaupt sonderbar, kaust man ein Programm, wird einem ein ganzes Magazin in die Hand gedrückt, das eigentliche Programm aber gibt nur die Namen der drei zur Borführung kommenden Filme an und vermerkt außerdem, im 5)auptsilm spielt Ralph Lewis die Hauptrolle. e. b. „der Kampf ums blaue£anö/ (Ein Sportsilm.). „Die Traber gehören in den Wurstkessel," so behaupte« tückischerweise ihre Feinde. Sic stehen nämlich aus dem Standpunkt, Sport ist Höchstleistung, der Trab ist eine anerzogene Gang- art des Pferdes, und beim Trabrennen wird das Pferd an der Entfaltung seiner vollen Schnelligkeit gehindert, weil es nicht ii� den Galopp fallen darf. Die Freunde der Traber ober sagen, unsere Pferde sind keine verweichlichten Luxustierchen, unseren Pferden darf man harte Arbeit zumuten, unsere Zucht und unser Sport sind in volkswirtschaftlicher Hinsicht von großer Bedeutung. Diese nimmt man freilich in dem Film„Der Kampf ums blaue Band" nicht wahr. Er ist einzig und allein auf den Sport einge- stellt. Aber der gilt ja gerade in heutiger Zeit für ein schier un- ausschöpfbares Thema. Wir erblicken die Traber bei der Morgen- arbeit und auf der Rennbahn, wir lernen die Pflege und die An- schirrung kennen. Wir sehen Start und Finish eines großen Ren- nens, das aber nur in Episoden und nicht durchweg von Anfang bis zu Ende aufgenommen ist. Ganz Hervorragendes wird in Zeit- lupenaufnahmen geleistet. Aufs genauest« kann man den Ideal- trab, den Paßgang, den man in dcittschen Fachkreisen als salschen Trab bezeichnet, und den unreinen Dreischlag, bei dem ein dauern- des Wechseln der Hinterbeine stattfindet, nachprüfen. Allein diese Aufnahmen bieten für den Pferdekenner und Pferdefreund sehr viel des Sehenswerten. Die gleich in Massen photographierten Menschen, Automobil« und Menschenbeine muß man als übliches Opfer eines Zugeständnisies an den Spielfilm mit in den Kauf nehmen. e. b. ,! dwe&ß Slscit isfdcr Stofz der Hausfrau. Schon sett Jahren nimmt sie zur Wäsche nur Äi weit sie weiß, wie sehr ein schönes weißes Tischtuch zum Wohlbehagen ihrer Gäste beiträgt, 6s isi eine schon für 3 Pfennige eine wirklich gute Zigarette zu liefern. Wir verstehen es, die einzelnenTabak* Sorten mit raffiniertem Geschmack zu mischen; Kiban* Scheut dick urtd rund ohne Mundstück Flaches. 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