Ne. 39S ♦ 43. �ahrg. Ausgabe A llr. 204 Bezugspreis. WiichcnM» 70 Pfennig, monatliä) 8,— Seidismaif voraus ja iiibat. Unter flteujbanb für Druischland, Danjia. Saar- und Mrmelgebiet. tellcrrriib, Litauen, Lurewbur, 4.50 Zinchsmart, für das übrige Ausland 5L0 Reichsmark pro Monat. Per.Vorwärts� mit der illustrier. ten Sonntagsbeilage»Volk und Zeit* lomic den Beilagen.Unterhaltung uns Wissen*..Aus ber Kilmroelt*. »Krauenstimme*..Der Kinder- freund*..Lugenb-BorwZrts* und .BN-k in die Büchermeli* erscheint wochentäglich jweimal, Senntags und Montags einmal. Telegranim-Adreffet �Soztelbemotrak verlin- Morgenausgabe Nerlinev VollrsdlÄkt (�10 Pfennig) Slnzeigenpreise: Die e i n s v a 1 1 i g e Nonvareille- »eile SO Pscnnia. Retlamcjvie d.- Reichsitiark...«kleine Anjc'.nr»* das settgcdruckte Wort 25 Pfennig ljulässta jwei fettaedrucktc Wortes. Icdes weitere Wort 12 Mrnnig. Stellengesuche das erst« Wort 15 Pscnnig. jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch» stadcn jählcn für ,wci Won!«. Arbrilsmarkt steile 60 Pfennig. ssamilienanjcigcn iür Abonnenten steile 40 Psennig. «njcigen für die nächste Nummer Müllen bis VA Uhr naäimittags im Hauptgeschäft. BerlinSWOS, Linde». strastcZ, abgegeben werden. GeSffnet von SM Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdernokrati fehen parte» Deutfchlands Keüaktion und Verlag: Serlin EW. HS, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292—297. Mittwoch, den AS. August 1926 vorwärts Verlag G.m.b.H., öerlin EW. öS, Lindenstr.3 PoNIcheNonts:«erlin 37 53«-«auNonts:«an» der Arbeiter,«ngestellteu und Beamte»,«allst».«5:»iskonto-Selelllchalt. D-uosttenlaNe Lindenftr. 3. Trotzt* wird beurlaubt. Stalin mahregelt alle Oppositionellen. Aus Moskau wird dem„Ost-Expreß" zufolge gemeldet, daß nunmehr auch T r o tz t i der Vorsitzende des Haupt- konzefsionsausschusses, beurlaubt worden ist. Selbst wenn er nach einer solchen Beurlaubung wieder auf sein Amt zurückkehren sollte, bedeutet dieses demonstrative Vorgehen fegen ihn doch einen weiteren Schlag gegen die O p p o- i t i o n. Ihre sämtlichen Führer sind politisch kaltgestellt und unmöglich gemacht worden. Trotzki hat sich zwar nach außen hin seit seiner vor Jahren erfolgten Maßregelung einer äußersten Zurückhaltung befleißigt. Er ist aber doch mit Sinowjew, Kamenew und den anderen Oppositionellen, die gerade i h n früher am heftigsten bekämpft hatten, in Verbin- dung getreten. Der Hauptvorwurf, den die offizielle Parteileitung der Opposition machte, bestand darin, daß sie die politische Plattform Trotzkis aus den Diskussionen der früheren Jahre sich jetzt zu«igen gemacht habe. Trotzkis Beurlaubung soll offenbar demonstrativ nach außen hin zeigen, daß Stalin den gesamten Regierungsapparat fest in der Hand hat und gegen seinen Willen auch nicht die geringske Oppo- sition möglich ist. Trotzdem ist es gerade bei Trotzki schwer anzunehmen, daß er für immer aus leitenden Funktionen ent- lernt werden kann. Anders als Sinowjew erfreut sich Trotzki einer großen Popularität in den weitesten Kreisen des russischen Volkes. In der Roten Armee ist fein Ansehxn trotz aller Revirements in den leitenden Stellungen unge- brachen. Es zeugte deshalb von Stalins größerer Klugheit, daß er vor Jahren trotz des Widerstandes von Sinowjew und Kamenew nicht nur Trotzkis Ausschluß aus der Partei verhinderte, sondern ihn auch wieder in eine führende Stellung brachte. Um so mehr muß man annehmen, daß auch diesmal Trotzkis Beurlaubung nicht eine endgültige und dauernde fein wird. 4- Im Zusammenhang mit der Beseitigung aller Ovpositio- nellen aus maßgebenden Stellungen dürfte auch folgende Meldung stehen: Moskau. 24. August.(Telegraphenagcntur der Sowjetunion.) Das Mitglied des revolutionären Kriegsrots und Kommandant der Seestreitkräfte der Roten Flotte Soff wurde seines Postens ent- hodcii und durch den früheren stellvertretenden Kommandeur der Luftstreitkräfte M u k l i e w i t s ch ersetzt. Die Oberverwaltung der Roten Armee ist einer Umgestaltung unterzogen worden: sie vereinigt nunmehr in sich das Oberinfpektorot der Armee, die Leitung der Militärschulen und die topographische Abteilung des Armee- stabes. Im Zusammenhang damit wurde Sergej Kamenew (der General, nicht der Voltskommissar) Mitglied des revolutionären Kriegsrots und Oberinspektor der Roten Armee, zum Leiter der Oberverwaltung und der bisherige Leiter der Oberverwaltung Lewitscheff zum Stellvertreter Komenems ernannt. Rücktritt Dr. Karöings. Ausscheiden aus de« Berliner Magistrat zum 1. Oktober. Das Nachrichtenamt der Stadt Berlin verbreitet die folgende Meldung: Stadtkäinmerer Dr. Kording wird im Herbst dieses Jahres aus dem Magistrat ausscheiden und in die Direktion der Ge- meinfäsaftsgruppe Deutscher Hypothekenbanken als Vorstands- Mitglied eintreten. Die Stadtverordnetenversammlung wird schon in ihrer nächsten Sitzung sich mit der Neubesetzung der Stelle des Kämmerers befassen. Dieser Entschluß des Berliner Kämmerers wird von allen bedauert werden, die der Berliner Kommunalvcrwaltung nahestehen und die Tätigkeit Dr. Ka r d i n g s in den letzten sechs Jahren haben beobachten können. Sein Ausscheiden ist für die Stadt Berlin ein schwerer Verlitst, denn er hat in der schwierigsten Aufbauperiode der neuen Groß-Berliner Verwaltung der Stadt unschätzbare Dienste geleistet. Er wurde 1920 von der Berliner Stadtverordnetenversammlung aus Flensburg, wo er bis dahin in der dortigen Kommunal- Verwaltung tätig war, zum Kämmerer der neuen Em- heitsgemeinde berufen. Er hat es verstanden, in überraschend kurzer Zeit Ueberblick über die komplizierten Berliner Ber- hältnisie zu gewinnen. Sein besonderer Vorzug, der ihn für die eigenartige Stellung eines Groß-Berliner Kämmerers besonders geeignet macht, war seine ruhige, bestimmte und ausgleichende Sachlichkeit. Jnfolgedefsen hatte er Nicht nur keine Gegner, sondern genoß eine weitgehende Auto- rität. Er war der Mann des Ausgleichs zwischen den Forde- rungen der Bezirke und den Bedürsnisfen der Zentralver- waltung, er war auch der Mann des Ausgleichs zwischen den Parteien. Trotzdem er seiner politischen Stellung entsprechend aus seiner privatwirtschaftlichen Einstellung geiegentlich kein Hehl machte, zollten ihm auch seine Gegner Anerkennung. Es ist für die Entwicklung Berlins im höchsten Grade zu be- dauern, daß ein Mann wie Dr. K a r d i n g aus dem öffent- lichen Dienst ausscheidet. Er wird nicht leicht zu ersetzen sein. Der Nationalitätenkongreß in Genf. Das Minderhcitenproblcm. Der zweite Nationalitäten kongreß, der heute in Genf zusammentritt, steht vor Aufgaben� deren Be- deutung nicht geringer ist als das Maß von Schmie- rigkeiten, die sich ihrer Lösung entgegenstellen. Es ist ein unsichtbarer Großstaat, der seine � Vertreter nach Genf entsendet: das heißt, es sind nicht weni- ger als rund 59 Millionen Menschen, um deren Schicksal es geht. Die Millionenmasse der nationalen Minderheiten vcr- teilt sich auf 38 nationale Gruppen, die in 19 verschiede.ien Staaten sitzen. Diele Zahlen geben eine Vorstellung von der Größe, zugleich auch von der Kompliziertheit des Problems. Aber schon in der internationalen Zusam m'e n- fassung der Minderheiten liegt ein großer Gewinn, denn sie stellt die verwickelte Frage unter ganz neue Gesichtspunkte. Sie ist ein wirksamer Protest gegen jenen naiv-brutalen Na- tionalismus, der stets nach dem Grundsag handelt:„Was bu nicht willst, das man dir tu, das füge allen andern zu." Dieser Nationalismus, der jede Mißhandlung der anderen verherrlicht und fordert, aber wie besessen tobt, wenn dem eigenen Volksgenossen auf den Fuß getreten wird, findet seine schlagende Widerlegung durch das Simifälligwerden der Tatsache, daß hier ein vielfältig verschlungenes Gegen- seitigkeitsverhältnis zwischen den Völkern besteht. Wer selber nicht unrecht leiden will, darf auch andern kein Unrecht zufügen! 59 Millionen Europäer, davon ein nicht geringer Teil Deutsche, sind aufs stärkste daran inter- essiert, daß dieser Grundsatz auf.dem Gebiet des n a t i o- n a l e n Rechts zur Geltung kommt. Und mit ihnen hat ganz Europa dasselbe Interesse, denn die Unterdrückung d-c nationalen Minderheiten ist eine Quelle der irredentistischen, auf Losreißung gerichteten Bestrebungen und der Konflikte zwischen den Staaten. Eine internationale Regelung der nationalen Rechte böte Gewähr für die Erhaltung der Staaten in ihrem gegenwärtigen Bestände und für die Erhaltung des europäischen Friedens. Nur freilich dürste eine solche Rege- lung nicht bloß auf dem Papier bleiben, sondern es müßte auch eine Instanz geben, die ihre Durchführung überwacht. Heute ist der Völkerbund eine solche Instanz noch nicht, weil ihm sein Statut nicht gestattet, auch an die Großen beranzugehen und weil er mit diplomatischen Rücksichten zu stark belastet ist, um ohne Ansehen der Partei überall nach dem Rechten sehen zu können. Seine Weiterentwicklung zu fördern, wird für Deutschland nach seinem Eintritt eine be- deutungsvolle Aufgabe sein. Es ist eben erst ein Anfang ge- macht mit dem großen Werk, in Europa— zwischen den Staaten und in den Staaten— Frieden zu schaffen durch Recht. Aber auch dieser Anfang, der im Nationalitätenkongreß in Erscheinung tritt, ist schon ein Fortschritt. Die englische Regierung unü üer Streik. Zusammentritt des Kronrats. London, 24. August.(UllB.) Morgen tritt im Schloß Dalmorol, wo sich der König augenblicklich befindet, ein Kronral zusammen, um eine Notstandsproklamation und eine weitere Proklamation zu veröffentlichen, die das Parlament für nächsten Montag einberuft. Der Zweck der Parlamentssihung am Monlog ist die De- stötigung der Notstandsoerordnungen. Angesichts der letzten Ereignisse im Bergarbeilerkonflikt wird die Aussprache wahrscheinlich ziemlich erregt sein. Etwa 300 bis 400 Mitglielcr werden anwesend sein müssen. Die Regierung ist bestrebt, die Sitzung nicht länger als zwei Tage dauern zu lassen. Am Dienstag wird zweifellos eine allgemeine Erörterung der Sage stattfinden, verschiedene Minister werden anwesend sein. Schlägereien mit Streikbrechern. London. 24. August.(WTV.) Zu den Ausschreitungen streikender Bergarbeiter gegen Arbeitswillige in Nottinghamshir« wird noch er- gänzend gemeldet, daß in Ilteston sechs streikende Bergarbeiter, die zwei Arbeitswillige mißhandelt und einen von ihnen in«inen Kanal geworfen hatten, verhaftet worden sind. verichtigung. In unserem Bericht über die Rede des Nuntius P o c e l l i in Breslau hieß es:„Nicht der Nationalhaß und die Irr- lehren der modernen Zeit dürfen die Beziehungen der Völker be- herrschen". In Wirklichkeit hat der Nuntius, wie uns von katholi- scher Seit« geschrieben wird, gesagt:„Nicht der Nationalhaß. die Irrlehre der modernen Zeit..." Der Sinn wird dadurch ein wesentlich anderer. das Volksbegehren der Sparer. Sine ungerechte Entscheidung. Vau Wilhelm Keil. Die Neichsregierung hat den Antrag des Sparerbundes auf Zulassung des Volksbegehrens auf Aenderung der Auf- wertungsgefetzc abgelehnt. Gegen diese Entscheidung gibt es keine Beschwerde. Nur der Reichstag ist berufen, den Beschluß der Reichsregierung, der ressortmäßig vom Innen- minister Dr. Külz zu vertreten ist, nachzuprüfen. Das wird alsbald nach dem Wiederzusammentritt des Reichstages ge- lchehen müssen. Die Entscheidung hat eine Vorgeschichte. Mit den Auf- wcrtungsgesetzen vom Juli 1925, die unter der Führung der Deutschnationalen zustande kamen, und zur. großen Enttäu- schung der Gläubiger und Sparer vom Reichspräsi- deuten Izindenburg unter Verzicht auf den Volks- entscheid verkündet wurden, sind die Ansprüche det Gläubiger und Sparer auf 25 Proz. bis 9 Proz. gekürzt worden. Die Gesetze schlagen in vielen Punkten begründete soziale Er- wägungen in den Wind, werfen den reichen Schuldnern große Gewinne in den Schoß und bringen bei der Ablösung der öffentlichen Anleihen sinn- und zweckwidrige Lösungen. Ve- reiflich, daß die Sparerverbände ihrer schärfsten Entrüstung lusdruck gaben. Unter Führung des Abg. Dr. Best haben diese Organisationen dann lange Monate gebraucht, um eine Vorlage auszuarbeiten, die sie dem Voltsbegehren und even- tuell dem Volksentscheid unterbreiten wollten. Als diese Vor- arbeiten vor dem Abschluß zu stehen schienen, spalteten sich die Sparerverbände. Während die. eine im Sparerbund ver- einigte Gruppe die fünfzigprozentige Aufwertung aller For- derungen erstrebte, legte sich die andere in einer„Arbeits- gemeinschafr zusammengeschlossene auf 199 Proz. mit gewissen sozialen Ausschmückungen fest. Im April dieses Jahres reichte der Sparerbund seine Vorlage' bei dem Reichsmini- fterium des Innern ein mit dem Antrag auf Zulassung des Volksbegehrens. Ob auch die„Arbeitsgemeinschaft" ihren Entwurf sertiogestcllt und eingereicht hat, ist nicht bekannt ge- worden. Nachdem das Volksbegehreil zur Fürstenenteignung im März mit über 12 Millionen Unterschriften versehen worden mar, bekam es die Regierung wegen des Sparerantrages mit der Angst. Der deutschvölksparteiliche Wirtschaftsminister Dr. C u r t i u s nahm öffentlich scharf gegen die Vorlage der Sparer Stellung und das Kabinett Luther brachte bei dem Reichstag eine Novelle zu dem Gesetz über den Volksentscheid ein, durch die der Volksentscheid für Gesetze über den Geld- entwertungsausgleich ausgeschlossen werden sollte. Monate- lang wurde diese Vorlage nicht in Beratimg genommen. Als sie schließlich mlf Verlangen der Sozialdemokraten auf die Tagesordnung des Reichstags kam, wurde sie schleunigst von dem neugebildeten Kabinett Marx zurückgezogen. Schon vorher hatten die Deutschnationalen im Reichstag erklärt, daß sie gegen die nochmalige Aufrollung der Auf- wertungsfrage seien. Nach dem Erscheinen der Vorlage er- klärten die deutschnationalen Vertreter der Großlandwirt- schast und Großindustrie begeistert ihr Einverständnis damit. Wenn die Regierung den Entwurf trotzdem zurückzog, so ge- scstah das nicht, weil sie sich eines Besseren besonnen hatte, sondern weil sie bei der ablehnenden Haltung der Sozial- deinokratie die erforderliche Zweidrittelmehrheit für ihn nicht zu erreichen vermochte. Die Vennutung, daß die Reichs- regierung im Wege der Verfassungsauslegung zur Ablehnung des Volksbegehrens gelangen wolle, hat sich nun als richtig erwiesen. Die nach langem Zögern getroffene Entscheidung der Reichsregierung ist i m höchsten Grade anfechtbar. Das spricht selbst die dem verantwortlichen Minister Dr. Külz nahestehende„Frankfurter Zeitung" mit aller Schärfe aus. Ließe sich der Zlntrag des Sparerbundes auf Grund Art. 73 Abs. 4 der Reichsverfassung ablehnen, so hätte das Kabinett Luther den— gescheiterten— Versuch einer Verfassungsänderung durch die oben erwähnte Novelle ilicht zu machen brauchen. Die Begründung des Kabinettsbeschlusses und die in einem Zeitungsaufsatz von Dr. Külz gegebenen Erläute- rungen stützen sich auf Art. 73 Abs. 4 der Reichsverfassung. wonach über den Haushaltsplan, über Abgabengesetze und Besoldungsordnungen nur der Reichspräsident einen Volks- entscheid veranlassen kann. Diese Bestimmung ist aber so klar, daß über ihre Nichtanwendung auf das Aufwertungsbegehren ein Zweifel kaum entstehen kann. Die Aufwertungsgefetze sind weder ein Haushaltsplan noch ein Abgabengesetz. Wenn Herr Dr. Külz auf die Auswirkungen einer erhöhten Anleiheauf- wertung auf den Haushalt des Reiches hinweist, so wäre sein Einwand zutreffend, falls die Reichsoerfassung besagen würde, daß alle Gesetze dem Volksentscheid entzogen seien, die den Reichshaushalt belasten. Das aber hat die Weimarer Ratio- naloersammlung mit vollem Bedacht n i ch t in die Bsrfassung geschrieben. Sie hätte ja sonst auch die direkte Gesetzgebung durch das Volk zu einem Messer ohne Klinge gemacht, an dem das Heft fehlt. Welches Gesetz berührt nicht den Reichshaus- halt? Keine einzige Frage der Kultur- oder der Sozialpolitik könnte zum Gegenstand des Volksentscheids gemacht werden, wenn Külz recht wehielt. Wem an dem in der Reichsverfassung genügend einge- schränkten wichtigen Recht des Volksentscheids etwas gelegen ist, muß die Entscheidung der Reichsregierung ablehnen. Man mag gegen die Vorlage des Sparerbundes einwenden, was man will— der Parteivorstand der SPD. hat schon vor ihrer Fertigstellung eine Reihe wichtiger Aenderungen vor- geschlagen—, die Reichsverfassung bietet auf keinen Fall eine Handhabe für die Ablehnung des Antrages auf Zulassung zum Volksbegehren. Weil wir das Gefüge der Weimarer Verfassung nicht antasten lassen wollen, müssen wir den v e r- fassungswidrigen Entscheid der Reichsregierung zurückweisen. Erblickt die Reichsregierung und mit ihr der deutschnationale Großbesitz in Industrie und Landwirtschaft in den Forderungen des Sparerbundes eine Gefahr für unser Wirtschaftsleben, so mögen sie das den Wählern sagen. Eine weitverbreitete Presse steht ihnen ja zur Verfügung. Die Wähler mögen dann entscheiden, wieviel von diesen Ein- wänden auf die ehrliche Sorge um das Gedeihen der Staats- und Volkswirtschaft und wieviel auf den gierigen Egoismus bereicherter Schuldner zurückzuführen ist. Rur eins müßten die Gegner des Sparerbundes unterlassen: sie dürften den verarmten Sparern nicht die Wahrung persönlicher finan- zieller Interessen zum Vorwurf machen. Denn die Sparer führen diesen Kampf nicht um unberechtigter Vorteile willen, sondern sie wehren sich nur gegen das ungeheure Maß des Unrechts, das ihnen die Rechtsmehrheit des Reichstags zu- gefügt hat. die Offiziere öer ��amburg". Cine Erklärung des Reichswehrministeriums. Unter Berufung auf Z 11 des Preßgesetzes erhalten wir vom Reichswehrministerium folgende Zuschrift: „Die in einem zunächst vom„Volksfreund', Karlsruhe, gebrachten, später auch von anderen Blättern abgedruckten Angriffe gegen die Offiziere des Kreuzers„Hamburg', welche dem Brief eines Deutschen aus San Franziska entstammen, sind, wie die eingehen- den dienstli hen Feststellungen ergeben haben, in vollen» Umfange unwahr. � Zunächst ist die Behauptung unrichtig, daß der deutsche Ko m- Mandant das Wort.Republik' nicht in den Mund genommen habe. Er hat vielmehr ausdrücklich von den friedlichen Zielen der deutschen Republik gesprochen. Ferner ist die Behauptung, die Offiziere hätten bei der Erwähnung des Wortes.Republik' durch die amerikanischen Der- treter„g e h u st e t'. glatt erfunden. Endlich geht aus eidesstattlichen Aeußerungen sämtlicher Offiziere, Deckoffiziere und Fähnriche des Kreuzers her- vor, daß der behauptete Ausspruch eines Offiziers:„Du wirst doch diesen schwarzrotgoldenen Dreck nicht an- legen', weder gefallen noch von dem ganzen Vorfall irgend etwas bekannt ist. Richtig ist vielmehr, daß die Offiziere sich tu jeder Weis« korrekt und taktvoll benommen haben.' Wenn diese auf Grund dienstlicher Aeußerungen der de- teiligten Offiziere zustande gekommene Erklärung die Tat- lachen richtig widerspiegelt, sy würden wir gern erklären, daß den Offizieren der„Hamburg" unrecht geschehen sei. Kein Republikaner kann ein Interesse daran haben, die Wehrmacht der Republik, wozu a«»ch die Marine gehört, grundlos anzu- greifen. Aber leider find bisher nicht alle Erklärungen des Reichswehrnrinisteriums hieb- und stichfest gewesen. Vielmehr haben sie sich erst durch eine gefährliche Rabulistit ausge- zeichnet, so daß es berechtigt erscheint, wenn man diesen Er» klärungen nicht von vornherein mit blindem Glaubensfanatis- mus entgegenkommt. Im übrigen nehmen wir an, daß der „Karlsruher Voltsfreund' seinen Gewährsmann in San Vision öes malaiischen Archipels. Bon B o lkmar Iro. Wütend rattern die Lungen der Mölme, speien Schwaden von Benzin in den Morgen, Hupen brüllen gegeneinander, massige Leiber der Autobusse schleifen über den Asphalt— die Hetzjagd des Bor- mittags wälzt sich nach Verdienst vorwärts, lieber grauen Feuer- mauern«in Stück des blauen Himmels, dann stocktief hinab sonnen- los« Klüfte der Seitengassen, tief unten wie Hoich auf den strahlenden Tag künstliches Licht in den Kontoren. Schrsibmaf chmengeklapper Hallt in der muffigen Oed« der Höfe. Vor dem Schaufenster eines Reisebureaus ein Rubel Menschen— Plakat« der Cöte dAzur, Nordlandfahrten, Routen der Ostindien-Dmnpfer Eingapore— Java--- Unsere Segelprau zieht sanft durch einen schmalen Sund. Die Lust ist still und flimmert dennoch, als fei«in Orkan von Licht mp rms und bräche sich in ungeheuren Spiegeln von Perlmutter. Der flammende Glast betäubt fast, gibt ein unerhörtes Gefühl zeitloser Ruhe und maßloser Freiheit: Es ist wie ein leichter Rausch von Opium in diesem schwächeren Empfinden des eigenen Körpers, ein traumhaftes und dennoch klares Genießen von Sonne,— Luft,— wundervollen Gerüchen des Meeres und der Inseln. Backbord ziehen Gruppen von Brotfruchtbäumen vorbei, geneigte Kokospalmen über Korallenristen. Tamarinden, dahinter tiefgrüner Dschungel von unerforschten Wäldern. Fern« Inseln schlafen zwischen zerfließender Bläue des Aethers, ganz fern« die violetten Striche verdämmernder Küsten. Aus einer Bucht kriecht ein Segelkanu, treibt vorbei, fast schemenhaft in der glühenden Helligkeit. Wir liegen stundenlang unter dem Sonnensegel, rauchen unser« Pfeifen, trinken Whisky, hören das Lachen des Malaienmädchens, dessen Lippen rot sind von der Bettelnuß. Ihr« Schultern schimmern zarter als Elfenbein. Am Vorderschiff hocken zwei Malaien, bereiten über einem kleinen Holzfeuer ihr« Fischkuchen. Ein tiefer Goks schneidet wie eine Sichel in das Grün des Sunds. Die leichte Dünung wirft schwache Schaumkränz« über die Korallen- « riffe, rennt gegen den schwarzen Vulkansan» an. gleitet zurück. Hinter der Silbersilhouette einer kleinen Insel taucht ein Rudel von Em- bäumen auf, umschwärmt uns bis zum Molo des kleinen Hafens. Ein Dutzend bunter Schoner schaukelt gegeneinander, farbiges Ge- wimmel von Prauen, die dreieckigen Segel gegen die Sonn« auf- gezogen, duckt sich unter Palmen. Rings in den Wipfeln Geschrei von Papageien. Malaien sitzen in übergrellen Tüchern vor ihren Früchten. Chinesen rauchen regungslos vor dem Warenlager ihrer kleinen Holzbudsn. Primitive Holzhäuser auf Pfählen verlieren sich zwischen Pflanzungen, die winzigen Gassen stehen schief. Keine Schissssiren«, kein Motor, kein Kran. Nur Lachen von Kindern, Singen dunkler Stimmen aus einer Prau, darüber wildes Kreischen Franzisko von der Erklärung in Kenntnis setzen und ihm Gelegenheit zur Rückäußerung geben wird. Die Reichswehr in Nürnberg. München, 24. August.(Eig. Drohtber.) Aus dem jetzt vor- liegenden Programm des sogenannten Armee- und Marine- Gedenktages in Nürnberg ist zu ersehen, daß dabei auch im Einverständnis mit der bayerischen Regierung und dem Wehrkreiskommando sieben Fahnen der alten bayerischenArmee eine Hauptrolle zu spielen haben. Diese Fah- nen werden bereits am Freitag mit einem Ehrengeleit nach Nürnberg abtransportiert und am dortigen Bahnhof von einer Ehrenkompagnie Stahlhelmer feierlichst in Empfang genommen. Es ist vorauszusehen, daß die ganze Veranstaltung einen verfassungsfeindlichen Charakter erhalten und dabei in den Reden und Kundgebungen aller Art gegen die Republik demonstriert werden wird. Interessant ist auch, daß die nach Nürnberg kommandierten berüchtigten gelben StreikbrecheroerbänLe, der sogenannte Reichsbund vaterländischer Arbeiter- und Werkvereine unter Führung des Reichstagsabgeord- neten Wilhelm Schmidt, dort gleichzeitig ihren Verbandstag ab- halten. Die Gemeinschaft der Prinzen, Generäle und„vater- ländischen' Verbände mit dieser Schutztruppe des Kapitals offenbart deutlicher als alles andere den volksfeindlichen Charakter dieses Armee- und Marine-Gedenktages. Das Protektorat hat bekanntlich Rupprecht von Wittelsbach übernommen, der am v«r- gangenen Sonntag an der bayerisch-tschechischen Grenze eine weißblaue monarchistische Fahnenweihe mitmachte und sich dabei u. a. auch von einer Deputation„geknechteterDeutschböhmen' huldigen ließ. In seiner Antwort legt« Rupprecht das Versprechen ab, daß er die Aufgabe seiner Stellung in der Zukunft nicht in der Repräsentation, fondern in der Arbeit erblicke. Offenbar um sich selbst Lügen zu strafen, begibt sich die bayerische Majestät am kom- wenden Sonntag zur Repräsentation gegen Verfassung und Republik nach Nürnberg. * Der Reichswehrminister ließ schon vor mehreren Wochen erklären, daß an dem Armee- und Marine-Gedenktag in N ü r n- b erg weder die Reichswchr teilnimmt noch die Plätze des Militärs oder gar Materialen aus den Beständen der Reichswehr zur Ver- fügung gestellt werden sollen. Jetzt erfährt man. daß sieben Fahnen der alten bayerischen Armee anläßlich der antirepublikanischen Kund- gebung der Kriegsgewinnler und Konsorten in Nürnberg zur Schau stehen sollen. ßrieöenstagung in Obecamtnergnu. Eine Konferenz des Internationalen Versöhnungs- bundes. Der Internationale Versöhnungsbund, besten Generalfekre- tariat sich in London beftndet, hielt in der vergangenen Woche in Oberammergau einen internationalen Friedenskongreß ab, zu dem Delegationen aus etwa 30 Ländern erschienen waren. Nach einleitenden Vorträgen von Prof. Dr. Oskar Ewald und Profestor Veit Valentin über die europäische Gesamtlage »vurden in Kommissionssitzungen praktische Arbeitsprogramme über die Probleme der Abrüstung, der Friedenserziehung tn den Schulen und den Ausbau der internationalen kulturellen Beziehungen auf- gestellt. Gegenseitige Kritik unter dem Thema: Frankreich von Deutschland aus gesehen und umgekehrt, ebenso bezüglich Englands brachte lehrreichen Ausschluß über die Gedankenwelt der verschie- denen„öffentlichen Meinungen' der Länder. Dl« Frage der euro- päischen Minoritäten unter besonderer Berückstchtigung der Balkan- staaten und Südtirols nahm einen breiten Raum in der Diskussion ein. I, Eine überfüllte öffentliche Friedenskundgebung fand am Sonn- tag statt. Es sprachen Redner aus Deutschland, Belgien, China, England, Belgien, Frankreich. Italien und Rumänien unter wärm- sten Beifallskundgebungen der anwesenden Oberbayern und Sommergäste. Eine öffentliche Aussprache, zu der nationalistisch gesinnte Sommergäste, u. o. ein deutschnationaler Führer aus Stuttgart, erschienen waren, schloß sich an. Den Rednern des Der- der Papageien. Die tausendanmig« Flora der Korallenbüsche leuchtet in allen Farben des Spektrums wie ein grotesker Zaubergarten unter der reglosen Wasterfläche. Phantastisch gefärbte Fische ziehen in Scharen durch die dichte Wildnis, unheimliches Getier kriecht hoch, taucht wieder in die Nacht zurück. Unsere Prau hat ihre kleine Fracht gelöscht und zieht vor Wind aus der Bucht. Mangrovenhaine säumen die Küste. Wir rauschen schnell vor der abendlichen Brise durch ein Gewirr von Inseln. Unser malaiischer Patron arbeitet tüchtig und laviert gegen«in« heftige Strömung. Die Inseln vertieren sich im Dunst. Ungeheure Wolkenbäuche schwanken sanft gewellt um den spitzen Kegel eines Vulkans, hoch oben strahlend in Hellem Gelb, gegen das Meer hinab rot wie das Lodern brennender Länder, unter verdeckt von den violetten Tinten der einbrechenden Nacht. Aus der longsam verglimmenden Wand zucken Blitze. Blau« Dunkelheit fällt plötzlich«in. Bor uns Lichter in einer Bai— wir halten Kurs hinein— das Mädchen lehnt am Mast und singt in den fernen Donner. --- Ein Stoß gegen mein« Schulter. Unwillig schüttelt ein blasser Mann den Kopf, schiebt seine Brille zurecht, rennt weiter, springt in«in Auto. Di« Straße brüllt wieder und jagt ihr Gewimmel vorwärts.— Berlin atmet und muß oerdienen. Weichenwärter klusmann. In der„F r a n k f u r t« r Z e I t u n g' wird die Tat des Weichen» wärters Klusmann, der durch sein Eingreifen ein unübersehbares Eisenbahnunglück verhütete, hervorgehoben und festgehalten: Weichenwärter Klusmann hat seinen Dienst auf Block 1S9. Eines Nachts sitzt er da, hat sich einen Kaffee gekocht und wacht allein, rings in der Dunkelheit das einzig« Licht. An der Uhr stellt er fest, daß es Zeit ist, dem 0 8 das Durchfahrtssignai zu geben. Er bedient die Maschine, der Zug braust heran, vorbei. Der Klusmann geht ine Haus zurück und fetzt sich. Da hört er einen Knall, und wie er dus dem Fenster schaut, sind die Lichter des Zuges verschwunden. Es muß ein Unglück postiert sein. Der im Dienst gealterte Mann täuscht sich so leicht nicht. Was kann postiert sein? Die Strecke läuft hier schnurgerade. Wenn der Zug entgleiste, muß dos Unglück fürchterlich sein. Der Damm läuft hier zwei Meter hoch. Postiert etwas, stürzen die Wogen in eine Tiefe, die fast ein Abgrund ist. Und jetzt, bei Nacht! Ohne sich zu besinnen, springt Klusmann auf, nimmt sein Licht und rennt, was er laufen kann, in entgegengesetzter Richtung loa. In wenigen Minuten muß der beschleunigte Personenzug Berlin- Hannover diese Stelle passieren. Den Zug muß er aushalten. Er rennt in die Nacht über die Schienen, schreiend, winkend, ein alter Mann, allein in der Finsternis, ein einziger gegen den anbrausenden Zug, hält ihn an, bringt ihn zum Stehen. Der Zug ist mit tausend Menschen besetzt. Niemand kann sich ausdenken, wie vielen unter diesen glücklichen Lebendigen, Ahnungs- losen, die mit bü-Kilometer-Geschwindigkeit aus den entsetzlichen Tod zufuhren, der Weichenwärter Klusmann das Leben gerettet hat. söhnungsbundes gelang es, durch friedliche Aussprache die anfäng- liche laute Arroganz der Gegner völlig zum Schweigen zu bringen. Der Vcrsöhnungsbund hat seinen Ausgangspunkt ursprünglich von radikalen Kriegs dien st Verweigerern in Eng- l a n d genommen, die für ihre Ueberzeugung oft lange Marter und Gefängnis erduldet haben; er hat heute Mitglieder in 56 Ländern. Die religiöse Motivierung seiner radikal-pazisistischen und sozailen Arbeit schließt die Zusammenarbeit mit allen anderen pazifistischen und sozialistischen Gruppen und Parteien keineswegs aus. Ehrliche Eupen-Volksabftimmung! Forderung der belgischen Sozialdemokratie. Brüstet, 24. August.(Eigener Drahtbericht.) Der sozialistisch« „Peuple' schreibt:„Man sagt uns, eine Frage Eupen-Malmedy existiere nicht, oder wenigstens offiziell nicht. Aber das wird nicht verhindern, daß man sich weiter angelegentlich damit besaßt. Der ursprünglich von Finanzleuten angeregte Handel be- züglich Eupen-Malmedy und der deutschen Papiermark hat gewiß nicht viel Verlockendes für uns. Wir betrachten den Rück- kduf der im besetzten Belgien ausgegebenen Papiermark als m o r a- lisch« Pflicht Deutschlands. Andererseits bleibt die Eupsn- Malmedy-Frage bestehen, nämlich die Frage, ob die dortige Beoöl- kerung zu Deutschland zurück will. Di« Karikatur einer Ab- stimm un g nach dem Wasfenstillstond beweist absolut nichts hinsichtlich des wirklichen Wunsches der Bevölkerung. Außerdem war ja damals Deutschland besiegt und dem Elend preisgegeben, und da pflegt der Patriotismus lau zu werden. Heut« hat sich der Wind gedreht. Jedenfalls kann die Frage der Zugehörigkeit Eupen-Malmedys weder in Brüssel noch in Berlin entschieden werdcn, sondern nur in Eupen-Malmedy selber. Wenn«ine ehr- liche Bolksabstimmung zeigt«, daß die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung zu Deutschland will, dann müßte diesem Wunsche un- bedingt entsprochen werden. Das wäre keine Beein- trächtigung, sondern«ine Bekräftigung des Versailler Friedens, der doch das Selb st be stimmungsrecht der Böller proklamiert.' poincarss Hetreiüekrieg. Die Landwirte sollen Buch führen. pari», 24. August.(Eigener Drahtbericht.) Aehnlich wie in ver- schiedenen Ländern in der Kriegszeit hat jetzt Poincarä ein Dekret erlassen, in dem er versucht, der Getreidespekulation von Groß- Händlern und Produzenten ein Ende zu machen. Dieser Erlaß be- stehlt sämtlichen Landwirten, Mühlenbesitzern und Grossisten, über ihre Bestände, über Ein- und Ausgänge, über Aussaat und Ernte- ertrag, über An- und Verkauf von Getreide und Mehl streng Buch zu führen: es würden besondere Beamten stellen ge- schaffen werden, die mit der Revision dieser Buchführung becuf- tragt werden. Die Presse weist darauf hin, daß sogar im Kriege dieses Zwangsverfahren gegen die Landwirtschaft, durch den passiven Widerstand der Landwirte hervorgerufen, zu keinerlei greifbaren Ergebnissen geführt habe. Der Frank fallt weiter. Pari», 24. August.(TU.) Die Devisenkurse haben heute wieder angezogen. Das englisch« Pfund notierte 173, der Dollar 35,70. In Börsenkreisen wird darauf hinzewicsen, daß gegenwärtig umfang- reiche Devisenkäuse englischer Finanzkreise an der Pariser Börse vorgenommen werden._ Dritter Zrantenfälscherprozeß. Revision angemeldet. Budapest, 24. August.(EP.) Gegen das Urteil der zweite". Instanz im Frankenfälscherprozeß, das die Strafen gegen Wmdisch- grätz und Nadossy bestätigt« und die Strafen der anderen Angeklagten erhöhte oder herabsetzt«, haben Staatsanwalt� und Verteidigung die Nichtigkeitsbeschwerde angetneldet,' so daß die Frantenfälscherasfäre auch noch die dritte Instanz beschäftigen wird. Der Weichenwärter hat nur seine Pflicht getan. Er hat den Kops nicht verloren, blieb geistesgegenwärtig und tat, was er unter den gegebenen Umständen tun mußte. Würde man den Weichenwärter Klusmann fragen, er antwortete: so arbeiten sie alle. Würde man alle fragen, sie antworteten: der Klusmann hat eine große Tat getan. Wer hätte recht? Roch haben durch den falschen Aufputz in unseren Lehrbüchern die Taten der Gegenwart keinen Glanz, wirken sie dunkel, sind sie unerkenntlich und unbekannt zugunsten einer zweiselhasten Vergangenheit. Aber es liegt wenig daran. Manchmal zündet sich am Himmel ein Licht an. Da sieht man einen alten Mann durch die Nacht rennen, der Gewalt der Maschine entgegen, eine kleine Laterne schwingend, die tausend Menschen das Ädenslicht wird. Ein„Affenprozeß' soll, wie die Stuttgarter„Sonntagszeitung' berichtet, gegen den Lehrer Heinrich Weber von Offenbach ein- geleitet werden. Dieser Unmensch hat nämlich in seiner Schule sol- gendes verübt: 1. Er hat gelehrt, der Mensch habe sich aus dem Tierreich herausentwickelt. 2. Er hat mit seinen Kindern das Lied gesmigen:„Es reiten igt die ungrischen Husaren' und„Wir sind des Geyers schwarze Haufen!" 3. Er hat in der Schule konstatiert. es gebe keinen Teufel mehr. Seit dem 4. Mai schwebt ein Diszipli- narverfahren gegen Weber: seit dem 6. Juni ist er vom Amt suspendiert! Wir haben also zu früh über den amerikanischen„Affen- Prozeß' gelacht! Riebergalls Totenmaske. Der in Amerika lebende Darmstädter Dr. Balduin von Herff hat kürzlich bei einem Besuche seiner früheren Heimatstadt die Toterunaske des hessischen Lokalpossendichters Ernst Elias Riebergall, des Autors des„Datterich' und Zeitgenossen von Georg Büchner, aufgesunden. Sie wird in Darmstadt für einige Zeit ausgestellt. Die Totenmaske ist das einzige bekanntgewordene Zeugnis vom äußeren Aussehen dieses jungverstorbenen Dialekt- Humoristen._ fiauptmann» neu» Schauspiel„Dorothea Angermann- ge- langt Ende Oltober am Deutschen Tbeater in Berlin und gleichzeitig an neun anderen deutschen Bühnen zur Uraufführung. Born Jnmffntlet Goethe-Muleum. Der HauptauSfchuß der Stadtver. ordneten verfammlung in Frankfurt a. M. bat den Magistrat um einen baldigen Ausbau deS Pocfhe-MufeumS ersucht. Ferner wurde die Ma- gfstratSvorlage über Schaffung eine» alljährlich w Höhe von 10 000 Mark zu verfeifendeU Frankfurter fSoetbe-Preifcs mit der Slnfchränkung genehmig!, daß der Preis nur an deutfche Dichter verteilt werden darf. Mascagui« neu« Oper MaScagnl bat nach langer Pause wieder eine Oper vollendet, die den Titel„Plccolo Maral» führt. Di- Uraufführung soll bereit» Milte September tn New Aorl unter persönllcher Leitung deS Komponisten erfolgen. Aolurschuh für da» Käoguruh. Die Regierung von QueenZiand bat sich genötigt gesehen, ein grohe» Gebiet unter besonbere Ralurschutz- bestimmungcn zu stellen, um dem drohenden SluSilerben de» Känguruh» vorzubeugen. Auch da» Emu soll im gleichen Gebiet künftig geschützt sein. hähieazwerg« i» Neogulnea entdeckt. Am Ramu River im Madanabc- zlrk von Neuguinea wurde kürzlich ein Stamm von Zwergen entdeckt, die zwischen 1 und VI, Meter groh sind. Die«einen Leute, die in Höhlen oder in Grashllitcn wohnen und außerordentlich ichüchiern sind, leben in den primlliosten Verbäliniffen. Sie find monogam und haben nicht nur in ehelichen Angelegenheiten, jondem auch in allen anderen Dingen über- au» strenge Moralbegriffe. Tanger und ö Das spanische Paris. 24. August.(Eigener Drahtbericht.) Das spänische Kabinett hat unter dem Vorsih des Königs beschlossen, in der Frage de, Ratssihes die bisherigen Pläne weiter zu versolgen. Die spani. schen Vertreter in Paris, Rom und London wurden angewiesen, die spanischen Ansprüche auf Tanger nochmal» bei den zu- ständigen Regierungen entschieden zu vertreten. * Spanien will also ein politis ches Geschäft ersten Ranges machen. Das offizielle Frankreich scheint sich, nach der Haltung seiner Presse zu schließen, nunmehr zu den spani- schen Tangerwünschen g ü n st i g zu stellen. England hat sich bisher kaum geäußert: es dürfte den gegenwärtigen Zustand in Tanger im Interesse seiner Stellung in Gibraltar bei» behalten wollen. Eine Neuregelung der Tangerfrage würde eine vollkommene Revision des Algeciras-Ab- k o m m e n s von 19l)8 bedeuten. Dagegen hat man nicht nur in London, sondern auch in Paris die st ä r t st e n Beden» k e n, weil dann Italien mit seinen Mittelmeeransprüchen auf den Plan treten würde. Die Tatsache, daß Italien und Spanien gerade in diesen Tagen einen Neutralitäts- und Freundschaftsvertrag abgeschlossen haben, ist„nicht von un- gefähr" und hat in London und Paris lebhafte Beunruh i- g u n g verursacht. In den nächsten Tagen dürste dieser Vertrag Primo» Mussolini zweifellos als ein diplomatisches Druck- mittel angewandt werden. Aber wofür? Was erstrebt Spanien in erster Linie: Tanger oder den ständigen Rats- fitz? Es will offenkundig— gestützt auf Italien— eines von beiden durch Kuhhandel erreichen. Wahrscheinlich ist der spanischen Regierung Tanger wichtiger, aber viel- leicht werden Frankreich und England den Versuch machen, es von dieser Marokkoforderung durch Erfüllung eines ande- ren Wunsches abzulenken. Dann tragen aber diese Mächte die Verantwortung für alles das, was sich in Genf ent- wickelt. Die deutsche Reichsregierung wird ihre Der- treter erst in Genf erscheinen lassen, sobald feststeht, daß die Zahl der ständigen Mitglieder des Völkerbundsrates jetzt nur um Deutschland vermehrt wird und eine entsprechende ofsi- zielle Mitteilung des Völkerbundsrats in Berlin vorliegt. er Völkerbund. Tauschgeschäft. Der deutschen Delegation zum Völkerbund werden auch Parlamentarier angehören. Als Vertreter der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion wird Abg. Dr. Breitscheid Mitglied der deutschen Delegation sein. Von der Zentrumsfraktion ist der rheinische Abg. K a a s und von der Volkspartei v. Rheinbaben in Aussicht ge- nommen. Polen fordert Garantie für dauernde RatS- Mitgliedschaft. Vorschau, 24. August.(WTB.) Außenminister Z a l e s t i reist morgen zur Völkerbundsoersommlung nach Gens ab. In Paris wird Zaleski mit B r i a n d konferieren. Es ist möglich, daß er von Genf nach Brüssel reisen wird. 'Das Pilsudski-Blatt„Glos Prawda" schreibt, um den Bestand des Völkerbundes zu retten, wolle Polen, v o r l ä u f i g sich mit einem zwar nicht ständigen, aber dauernden Sig im Völkerbundsrat begnügen, d. h. mit einem Sitz mit garantierter Wiederwahl. An diesem Standpunkt werde Minister Zaleski in Genf unerschüttert festhalten. » Polen will an dem Vorrecht teilhaben, das den Hauptmächten der Entente grundlegend eingeräumt ist, nun auch Deutschland zu- erkannt wird und gegebenenfalls Rußland nicht wird versagt werden können— von Nordamerika gar nicht zu reden: aber wie soll die stete Wiederwahl eines nichtständigen Mitgliedes garantiert werden? Dazu wäre die Verpflichtung der Mehrheit der Stimm- berechtigten erforderlich, immer Polen zu wählen— also auf ihr Wahlrecht teilweise zu verzichten. Unö6n wieSer Vertreter Schwedens. Stockholm, 24. August.(Eigener Drahtbericht.) Als Vertreter der schwedischen Regierung wird an der Sitzung des Völkerbundrals der frühere Außenminister, unser Genosse Professor Undtn mit dem Unterstaatssekrelär Sjöberg teilnehmen. Die Vertretung in der Volloersammlung übernimmt dagegen der Staalsminister(Minister. Präsident) E k m a n n, der Führer der schwedischen Freisinnigen. Die schwedische Delegation hat den Austrag, wie im März auch auf der kommenden Tagung die Ausfassung zu vertreten, daß außer Deutschland keinem anderen Staat auf der Septembertagung ein ständiger Ratssih zugebilligt werden soll. Abschluß ües Katholikentages. Farblose Referate. Lreslau. 24. August.(Eigener Drahtbericht.) Der Katholiken- tag ging am Dienstag nach programmäßiger Abwicklung aller vor- gesehenen Referate zu Ende, brachte aber am letzten Tag den poli- tisch interessierten Teilnehmern mehrere kleine E n t t ä u s ch u n- gen. Zunächst gab es überhaupt keine Debatten. Auch in der Generalversammlung des.Volksvereins für das katho- tische Deutschland", die am Dienstag stattfand und die auf früheren Katholikentagen von führenden Politikern zu sachlichen Auseinandersetzungen benutzt wurde, sprachen in der Debatte nur zwei bischöfliche Redner kurze Werbcworte. Die angekündigte politische Rede des Reichskanzlers auf dieser General- Versammlung beschränkte stch ebenfalls nur auf kurze einleitende Worte, in denen grundsätzlich einiges Lehrhafte über Demokratie gesagt wurde. Der Oberpräsident von Oberschlesien, Dr. P r o s k e, hielt dann einen programmatischen Vortag, der gleichfalls das Bekennt- nis zur Verfassung stark unterstrich und insbesondere die Pflicht der akademisch gebildeten und besitzenden Kreise zur Ver- bindung mit den breiteren Volksschichten betonte. Der Generol- direktor des Volksoereins, Dr. Hohn, war der einzige, der in seinem ausführlichen Geschäftsbericht auf politische Einzelheiten einging. Der Bericht selbst meldet eine Zunahme der Mitglieder bei gleichbleibender Stärke der Ortsgruppen, klagt ober über sinan- zielle Nöte der Organisation. Unter den nächsten politischen Auf- gaben wird u. a. als Selbstverständlichkeit die Beseitigung der Abhängigkeit vom Ausland in der Lebensmittelversorgung genannt, dann aber auch der Abbau der Arbeitslosigkeit. Die beiden bischöf- llchen Redner aus Osnabrück und aus Meißen gaben Mahnungen zur Einigkeit und beklagten, daß in der Volksvereinsorganisat'ion sich überwiegend nur Arbeiter und andere kleine Leute eifrig be- tätigen, während Akademiker, Industrielle und katholische Adlige in dieser gemeinsamen Organisation an Mitarbeit vieles zu wünschen übrig ließen. In einer geschlostenen Versammlung sprach u. a. der Ver- lagsdirektor der„Schlesischen Volkszeitung" über die Werbung für die katholische Presse. Er verglich die glaubensseindliche Presse mit dem furchtbaren Tier der Offenbarung Johannes, unterließ aber nicht, die farblosen Generalanzeiger. b l ä t t e r als noch weit gefährlicher für Moral und charakterliche Erziehung ihrer Leser zu bezeichnen, besonders, soweit sie äußerlich dabei scheinbar auch gelegentlich etwas religiös sich gebürdeten. Alle katholischen Organisationen wurden nachdrücklicki zur Unterstützung ihrer Presse ausgefordert und die Kleinarbeit dafür unter die einzel- nen verteilt. In der letzten öffentlichen Versammlung sprach der neu er- nannte Wiener Gesandte Graf Lerchenfeld über„Christi Herr- schaft im Leben der Staaten und Völker". Auch er blieb im Rahmen ollgemeiner Grundsätze, ohne aus politische Einzelheiten einzu- gehen, die offenbar planmäßig auf der diesjährigen Tagung aus- geschaltet wurden. Er warf immerhin den Katholiken vor, daß sie hinter der bloßen Liebestätigkeit den Ernst der Gefahren der kapitalistischen Entwicklung für die handarbei- tenden Voltsschichten lange Zeit verkannt hätten. Das Eigentum müsse Grundlage des Gesellschastslebens bleiben. Seine Abgrenzung und sein Schutz sei aber höheren gesellschaftlichen Ge- sichtspunkten unterworfen. Nur von dieser Auffassung aus fei der Kommunismus abzuwehren. Nationalismus und Internationalis- mus feien im Christentum miteinander vereinigt. Nach einer Anzahl weiterer Reden, die zum Teil der Jahr- bundertseier des Franziskus von Astisi galten, hielt schließlich der Präsident, Landeshauptmann Dr. Horion, noch eine ausführliche zu- sammenfassende Schlußansprache. Er betonte dabei, die Katholiken müßten als Minderheit im öffentlichenLeben auch mit anders gesinnten Menschen zusammenarbeiten, und zwar so-' rpohl politisch wie auch religiös. Voraussetzung dafür sei das Zu- geständnis ihrer staatspoliiijchen Gleichberechtigung und die Wah- pung des konfessionellen Friedens auch auf evangelischer Seite, wo neuerdings gelegentlich leider in einzelnen Kreisen der Wunsch beut- lich geworden fei, die Vorkriegszustände wieder zurück- zuführen. Die Katholiken wollten in Deutschland vorangehen, nicht in Rechten und Machtansprüchen, sondern nur in der Pflicht- erfüllung, in der sie auch international gegenüber der Kirche Deutsch- lands an erster Stelle stehend wünschten.— Mit der Segenserteilung durch den Breslauer Kardinalfürstbischof wurde dann die äußerlich sehr glänzend verlaufene Tagung geschlosien. Tschechisch-sozialöemokratische Kundgebung Verbleiben in der Opposition. Prag, 24. August.(Eigener Drahtbericht.) Der Vollzugsausschuß der tschechoslowakischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei wendet sich in einer Kundgebung mit außerordentlicher Schärfe gegen die U n- tötigkeit der Regierung gegenüber der Wirtschaftskrise, und stellt hierzu konkrete Forderungen auf. Die Parteivertretung verlangt weiter die parlamentarische Erledigung der Affäre Gajda und erklärt, daß die Partei die Bestrebungen der Zollmehrheit nach Bildung einer parlamentarischen Regierung nicht vereiteln wird, daß sie jedoch bereit ist,„aus allen Kräften da- zu beizutragen, daß gegen die Regierung der Reaktion ein einheit- liches Vorgehen aller Parteien und Kräfte geschaffen werde, die Staat und Parlamentarismus anerkennen und die Ideen der wirtschaftlichen Demokratie und des k u l- turellen und sozialen Fortschritts vertreten. Die Partei wird sich mit Rücksicht auf die geänderten Macht- Verhältnisse und nach den Erfahrungen der Frühjahrsscssion an keiner Regierungsmehrheit beteiligen. Die parlamentarische Fraktion wird beauftragt, mit der Fraktion t«r tschechischen Sozia- listen(ehemalige Nationalsoziale) aus Grund eines zu vereinbaren- den Arbeitsprogramms freundschaftliche Beziehungen zu pflegen und von neuem die Zusammenarbeit mit der Fraktion der deutschen Sozialdemokratie zu suchen". Neue Spannung mit Italien. Prag, 24. August.(Eigener Drahtbericht.) Die Beziehungen » der Tschechoslowakei zu Italien sind seit langer Zeit nicht die besten. Italien hatte zu wiederholten Malen in sehr scharfem Tone verlangt, daß die Angriffe gegen Mussolini in der Tschechoslowakei eingestellt werden, ein Verlangen, dem die Beamtenregierung sogar nachzu- kommen versuchte, indem sie Matteotti-Feiern verbot. Außerdem verlieh sie Mussolini den Weißen Löwenorden. Trotzdem lieh Musso- lini anläßlich der Hu s-F eiern in der Tschechoslowakei den hier lebenden Italienem die Beteiligung an diesen Feiern v« r b i e t« n(!) und erntete dafür den Dank der kleritasen Presse. Nunmehr wird bekannt, daß Italien die B e t e i l i g u n g an der Prager Muster- messe telegraphisch abgelehnt hat. Es kann sich wieder nur um«in Zugeständnis Mussolinis an den mit Prag verfeindeten D a- t l t a n handeln. Die Absage wird in Prag als ein f e i n d s e l i g e r Akt aufgefaßt und wird sicher nicht zur Verbesierung des gespannten Verhältnisses zwischen den beiden Staaten beitragen. pilsuöfkis Personal. Große Veränderungen in Heer und Verwaltung. Warschau. 24. August.(OE.) In den höheren Armee- und Verwaltungsposten erfolgen umfangreiche Personalveränderungen. Die Garnison von Warschau hat nunmehr ausschließlich pilsudskitreue Kommandeure. Das ehemalige Gebäude der Fähnrichschule ist von dieser endgültig geräumt worden und wird pon jetzt ab voy der Sey s st 0 f f«, di« das letzte Hochwasser mit sich führte, bzw. ablagerte, erfolgt ist. Der Bevölkerung ist ang« roten worden, bi» auf weiteres Wasser nur in abgekochtem Zustand« zu genießen. Obwohl nach Angab« der Städtischen Wasserwerk« das Leitungswasser seit Sonnabend wieder vollständig keimfrei ist, sind heute weitere Erkrankun- gen aufgetreten, die jshoch wie all« bisherigen Fälle ungefähr- ltcher Natur sind, GeVerMastsbeVegung Einheitsverbanü der Eisenbahner. Konferenz in Düsseldorf. Der Einheitsverband der Eisenbahner Deutschlands, der am ZI. und 22. August in Düsseldorf eine Konferenz seines Vorstandes und Beirats abhielt, hat trotz der schlechten Wirtschaftslage nicht nur feine Mitgliederzahl erhalten, sondern noch vergröbert. Der Gedanke, daß Arbeiter, Angestellte und Beamte in eine Gewerkschoft gehören, hat. wie der Verbands- Vorsitzende Genosse Scheffel in seinem Bericht über die Lage des Verbandes feststellte, bei den Eisenbahnern feste Wurzel gefatzt. Entsvrechend der gesteigerten Mitgliederzahl ist auch eine annehmbare Konsolidierung der Derbandssinanzen eingetreten, wenn. gleich in diesem Punkte noch immer viel zu wünschen übrig bleibt. Scheffel wies u. a. mit Nachdruck auf den»Bahnschutz" in seiner heutigen Form und aus die an vielen Stellen entwickelten Eisen- bahnersportvereine hin, die zu einer gegen die Republik ge- richteten Einrichtung zu werden drohen. Die Verbandssunktionär« wurden verpslichtet, diesen Gebilden ihre besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Scheffel beleuchtete dann die reaktionären, durchweg arbeiterfeindliche Haltung der Rcichsbahnverwaltung. die unter Berufung aus das Reichsbahngesetz die geltenden deutschen Sozialgesetze cinschliehlich der arbeitsrechllichen für ihr Unternehmen outzer Kraft setzen wolle. Sie benutze das Reichsbahngesetz, um ohne Mitwirkung des Personals und ohne Rücksicht auf Verkehrs« ficherheit unerhört lange Dienslschichten festzusetzen. Gleichzeitig arbeite sie systematisch an der Entrechtung der Beamten. Diese Haltung der Reichsbakngesellschast müsse nicht nur durch die Eisen- bahnergewerkschaften, fondern auch durch die Oesfentlichkeit, durch die Reichs- und Staatsbehörden bekämpft werden. Ucber die Einigungsverhandlungen zwischen ADV. und DBB. berichtete Genosse P r a w i tz. Es ist eine Verhandlungskommission eingesetzt, die dann in Aktion tritt, wenn der DBB. sich bereit erklärt, eine Einigung auf gewerkschaftlicher Grundlage zu schaffen. Dabei ist Vorbedingung, daß für Verkehrsbetriebe nur eine Einheitsorganisation für Lohn- und Ge- Haltsempfänger anerkannt wird. Die vom DBB. oorge- schlagenen Richtlinien lassen jedoch erkennen, doh er an eine solche Lösung nicht denkt. Der Vorstand des ADL. hat in seinem Gegen- Vorschlag die �ür den Einheitsoerband geltenden Grundsätze nieder- gelegt. Im Anschluß an die Aussprache wurden drei Entschließun- gen zur Arbeitszeitfrage, zum Reichsbahngesetz und zur Be a m t e n z« n t r a l e angenommen. Die Arbeitszeit- resolution fordert die Ratifizierung des Washingtoner Achtstundentagabkommens. Das gesamte Reichsbahn- personal mutz im neuen Arbcitsschutzgesetz einer den Forderungen der Gewerkschaften entsprechenden einheitlichen Arbcitszeitgesetzgebung unterstellt werden. Die Konserenz verlangt, datz im Anschluß cm die durch den Schiedsspruch vom lZ. März 1925 angeordnete Nachprüfung der Arbeitszeit und Dienftdaucr wesentliche Verkür- z>i n g e n u n d M i l d e r u n g e n. die ohne erhebliche finanzielle Mehrbelastung sehr bohl möglich sind, durchgeführt werden. In bezug auf das R e i ch e b a h n g e s e tz richtet der Einheits- verband an die Reichsregierung, den Reichstag und an den Inter- nationalen Gewerkschaftshund eine Kundgebung, in der das diktatorische Vorgehen der Reichsbahnvcrwaltung und die willkürliche Auslegung des Reichsbahngesetzes scharf kritisiert werdeiu Gegen- über der Reichsbahn wird«in weitgehendes Aufsichlsrechl der Reichsregierung verlangt, sowie die Aufstellung des Grundsatzes, daß sowohl für Beamte ol» auch für Arbeiter die Reichsgesetz« in vollem Umfange wirksam sein müssen. Für das Reichsbahnpersonol wird ein« Vertretunz, im D e rw a lt u n g s r a t gefordert. Vom IGB. erwartet die Konferenz, daß er sich bei allen am Londoner Pakt beteiligten Regierungen für ein« Revision des Reichs- Hahngesetzes«insetzt. Der Annahme einer im Sinn« der Ausführungen Prawitz' ge- haltenen Entschließung zur Frage der Beamtenzentrale folgte noch ein Vortrag Scheffels über„Kartelloerträge und Indu- st r> r o r g a n i s o t i o n e n". Infolge des verwaltungsfreundlichen Verhaltens des Zentralgewerkschaftsbundes könne eine enge Ver- Hindling mit diesem nicht in Frage kommen: anders liege es bei der beabstchtigten Verbindung mit den kartellierten freien Gewerkschaften Das Ziel des bestehenden Kartellvertrages sei die Schaffung �" d u st r i e v e r b a n d e s für die in dem Verkehr und den osten lichcn Betrieben und Verwaltungen sowie in den dazu ge- hörenden Nebenbetrieben beschäftigten Arbeitern. Angestellten und Beamten. Auch der Verband der Maschinisten und Beizer müsse für den Plan aewonnen werden, wofür bereits Verhandlungen statt- gelunden hätten. Am Schluß referierte Kunze über die am 27. und 28. Sep- tember statstindcnden B e a m t e n r ä t e w a h l en bei der Reichs- ,m 3e,d*« � Abwehr gegen die einschneidende Der- schlechtcrung der Rechtsverhältnisse der Reichsbahnbcamten stehen lveraen. Lohndrückerei der wästhefabritanten. Deschlüsfe der Aachausschüsse werden nicht durchgeführt. Die geringe Entlohnung der in der chaimindustrie Beschäftigten. tnsb�ondere. wo, wie z. B. in der Schürzen- und Wäschekonfektion. ausschließlich Frauen in Frage kommen, ist bekannt . �:Deutid>c Bekleidungsarbeiter-Derband hat bei den auf gefetz- licher Grundlage bestehenden Fachausschüssen die F e st s e tz u n g von Mindestsätzen beantragt, welche auch beschlossen wurden Unter Zugrundelegung eine, Berechnungsschemos besteht für die Damen- und Kinderwäschebranche ein Mindest- Stundenlohn von SO Pf., für die S ch ü rz e n b r a n ch e ein solcher von 4 2 P f. Die Fabrikanten aber kümmern sich nicht um diese Beschlüsse und rühmen sich noch damit, sie zu sabotieren. Sache der Ge- werbeaufsichtsämter muß es fein, Kontrollen bei den Fabritanten vorzunehmen, um den Beschlüssen zur Durchführung zu verhelfen. Parteigenossen, Gewerkschaftler! Eure Frauen haben auf die angegebenen Löhne ein gesetzliches Recht! Sorgt dafür. daß nicht die Fabrikanten weiter triumphieren können, führt eure Frauen und Töchter dem Deutschen Bekleidungsarbeiter- Verband, Sebastianstr. 37/38, als Mitglieder zu, um durch diesen eure Rechte wahrnehmen zu lasten. Ganz van selbst. Die Antwort der Zechenbesiher. Auf unsere Darstellung des Rationalisierungspro. s e s s e s im Ruhrkohlenbergbau, der für die Arbeiter e r- höhte Arbeitslosigkeit und erhöhte Leistungs- fteigerung, aber keine erhöhten Löhne, ja eigentlich eine Lohnniinderung im Gefolge hatte, läßt der Zechenoerein eine Darstellung oeröffentlichen, die im wesentlichen nur bestätigt, was wir selbst gesagt haben. Aus dieser Darstellung geht hervor, daß heute weit mehr Maschinen im Kohlenbergbau verwendet werden als vor dem Kriege, daß die Belegschaft gesunken, die Kohlenförderung aber gestiegen ist, obwohl die Arbeitszeit um ein« halbe Stunde verkürzt wurde. So ist die Leistung pro Mann und Schicht nach dieser Darstellung im Ruhrkohlenbergbau vcn 1139 Kilogramm im Jahre 1913 auf 1239 im Jahre 1926 gestiegen. Auch« de» anderen Kohlenbezirken, mit Ausnahme von Sachsen, ist eine ähnliche Entwicklung eingetreten. Dieselbe Entwicklung ist zu beobachten im deutschen Braun- kohlenbergbau. Dort ist die Fördcrungsleistung noch viel wesentlicher gesteigert worden. Die Darstellung der Zechenbesitzer schließt mit folgenden Bemerkungen: Inzwischen ist die Belegschaft(im Braunkohlenbergbau) auf 64 OOl) Köpfe gesunken, ohne daß ein Förderrückgang«in- getreten wäre. So beklagenswert es auch vom menschlichen Standpunkt aus erscheint, datz so viel Bergleute durch diesen Rationalisierungsprozetz ihr Brot verlieren, so muh andererseits diese Entwicklung mit Genugtuung begrüßt werden, denn nur auf diese Weise ist es dem deutschen Kohlen bergbau möglich, seine Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltkohlen markt zu erhalten. Die durch den Rationalisierungsprozetz bc� wirkte Verbilligung wird dann ganz von selbst zu einer weiteren lsiroduktionssteigerung und damit zu einer größeren Nachfrage nach Arbeitskräften führen. Diese Bemerkungen beziehen sich auf den Braunkohlenbergbau Der Braunkohlenbergbau führte nach dem Auslände keine oder so gut wie keine Kohle aus. Es kann also hier von einer Wettbewerbs- 1Z.-18.Sel>t.: Mrollktonlile MNkWskl.WWWlMe 19. September: fähigkeit auf dem Weltmarkt keine Rede sein. Wenn die Zechenbesitzer es bedauern, datz viele Bergleute durch den Ratio nalisierungsprozeß ihre Brot verlieren, so ist den Bergarbeitern mit diesem Bedauern nicht gedient. Ganz merkwürdig aber nimmt sich der Hinweis aus, daß durch die bewirtte Verbilligung»ganz von selbst" eine Produktionsstcige rung erzielt und damit auch eine größere Nachfrage nach Arbeite kräften eintreten werde. Ganz von selbst? Was zunächst die„V e r- b i l l i g u n g" betrifft, so haben die Kohlentonsumenten bisher da von nichts gemerkt. Wir sind der Meinung, daß die riesige Ar beitslosigkeit und die Kurzarbeit zu einer Verschärfung der Krise führen muß, wenn nicht eine Erhöhung der Löhne und Gehälter, somit eine der Produktionssteigerung ent sprechende Verbrauchs fteigerung eintritt. „G a n z v o n s« l b st" wiird dies« Erhöhung der Löhn« sicherlich nicht eiMreten. Es wird notwendig sein, den in dieser Beziehung besonders begriffsstutzigen deutschen Unternehmern die elementarsten Begriffe der Nationalökonomie durch eine Offensive der Arbeiterschaft beizubringen. Wenn die Unternehmer nicht hören wollen, dann werden sie eben fühlen müssen. die Schlichtungsverhandlungen im Nuhrbergbau. Um die Uachfolgerschaft Mehlichs. " Esten. 24. August.(Eigener Drahtbericht.) Di« Schlichtungver- Handlungen für den Ruhrbergbau finden am Mittwoch, den 23. August in Essen statt. An Stelle des"Zäh aus seiner Tätigkeit gerissenen Schlichters für Westfalen, Genossen Mehlich, wird Ober- landesgerichtsrat Iötten- Köln interimistisch als Schlichter fungieren. Ueber die Nachfolgerschaft des Reichs- und Staats- tommissars Mehlich ist bisher nichts bekannt geworden. Die bereits in der Presse genannten Namen beruhen auf Kombinationen. Jedenfalls Hot von Regierungsseite bisher noch keine Fühlungnahme bei den in Frag« kommenden hiesigen Stellen stattgefunden. Wie ver- lautet, wird das Zentrum sein« Wünsch« bei der Neubesetzung des wichtigen Postens mit ollem Nachdruck zur Geltung bringen. Sitzung tzes anglo-russischen Komitees. Der Asien-Osteuropa-Dienst meldet: Die Besprechungen zwischen den englischen und russischen Gewerk- schaftsführern haben ihren Ansang genommen. Die englische Delegation protestierte gegen den Aufruf der Komintern, der die Arbeit des Generalrates der englischen Ge- wertschaften als Verrat an den englischen Arbeitern bezeichnet. Besonders hat das Mitglied der englischen Delegation Z i t r i n den russischen Delegierten Andrejew, der im Zentrolrat der russischen Gewerkschaften eine große Rede gehalten hat, die gegen den General- rat und gegen die Führer der englischen Bewegung gerichtet war, angegriffen. Die Russen schieben die Frage der Unterstüfping vor, die Engländer versuchen jedoch, sie zu umgehen und rücken allgemeine Gewerkschaftsfragen in den Vordergrund. Die Delegationen haben beschlossen, ein offizielles Kommuni- qu« über die Verhandlungen zu veröffentlichen. Es ist aber an- zunehmen, daß die Verhandlungen keine nennenswerten Aus- Wirkungen für die englischen Streikenden haben werden, da die Meinungsverschiedenheiten zu erheblich sind. Die russische Delega- tion spekuliert augenblicklich aus die Lohndifferenzen im Ruhrgcbiet und in Schlesien. Da die Tagung heute erst beendet wird, liegt noch kein offi- zieller Bericht vor._ Bewegung der Bundesangcstcllten Oesterreichs. Wien, 24. August.(Eigener Drahtbericht.) Der Ausschuß der Bundesangestellten, der sogenannt« Fünfundgwanziger-Ausschutz, in dem alle Organisationen der Bundesangestellten vertreten sind, hat am Dienstag einen Beschluß gefaßt, in dem er die Antwort der Regierung aus seine Forderungen als unbefriedigend erklärt. Gleichzeitig wird die Forderung aufgestellt, daß die Frag« des M i n d« st g« h a l t s für alle Bundesangeftellten infolg« ihrer Dring- lichkeit, noch bevor die Regierungsvertreter nach Genf reisen, geklärt wird._ Sie Arbeitsverhältnisse in den Konsumvereinen. Anerkennung durch das Internationale Arbeitsamt. Im Bericht des Internationalen Arbeitsamts in Genf für die achte Tagung der Internationalen Arbeitskonferenz im Mai dieses Jahres war dem Genossenschaftswesen ein besonderes Kapitel ein- geräumt, wie es der Würdigung der Genossenschaften im Inter- nationalen Arbeitsamt entspricht. Da heißt es über die Arbeits- Verhältnisse in den Konsumgenossenschasten u. a. wie folgt: Die Konsiimgenossenschastsbewegung ist in Großbritannien und Deutschland, Finnland, Frankreich, Schweden, Schweiz, in der Tschechoslowakei und überhaupt in allen großen Ländern ein wich- tiger Arbeitgeber geworden, der in seinem immer dichter werdenden Netz von Verteilungsstellen und seinen örtlichen, Bezirks- oder Landesproduktionsbetrieben zahlreiche Lohnarbeiter beschät- tigt. Alle Probleme, die von dem Amt(Internationales Arbeite- amt) bearbeitet werden, sind unmittelbar nacheinander in den Ver- waltungsräten der kleinen und großen Genossenschaften, in den Landes- und internationalen Genossenschaftskongressen, sei es in Form von örtlichen, Bezirks- oder Landeekollektivarbeitsverträgen sowie auch durch bereits im Entwurf vorhandene internationale Ab- kommen aufgetreten. Es wird ganz allgemein anerkannt, daß die Konsumgenossen- schatten sich bemüht haben, musterhafte Arbeitsbedin- gungen für ihr Personal zu schaffen und aufrecht zu erhalten. Innerhalb der ihnen durch die Konkurrenz und durch die Forde- rungm des Gemeinwohl» gezogenen Grenzen sind sie in den Fragen der Arbeitszeit, der Löhne, der Versicherungen, des bezahlten Ur- laubs sowie in der Verhütung und Lösung von Arbeitsstrcitigkeitett in vielen Fällen bahnbrechend für die Fortschritte der Arbeits- gesetzgebung gewesen. vielen Fällen haben die Genossenschaften aus eine manchmal originelle und stets nach Gerechtigkeit strebende Weife den Ausgleich zwischen den bestehenden Interessen durch- geführt, wodurch sie den verschiedenen Abteilungen des Amtes e i n reiches Feld für Beobachtung und sozial« Versuche bieten._ hoch klingt das Lied von der Akkordarbeit! Im Eisenbahn-Telcgraphenwesen Sowjetnißlands. In Nummer 183 vom 12. August 1926 berichtet»Trud"i „Das Volkskommissariat der Arbeiter- und Bauerninspektion hat die Ergebnisse der Anwendung von Akkordarbeit im Eisenbahn- Telegraphenwesen einer Prüfung unterzogen. Diese Prüfung hatte zum Zweck, die Verwendbarkeit und Rentabilität der Akkord- arbeit für die Telegraphcnämter des Volkskommissariats für Post- und Telegraphie zu klären, bei denen sie bisher nicht an- gewendet wurde. Die Untersuchung ergab eine starke S t e i- gerung der Arbeitslei st ung bei Akkordarbeit. Die Arbeitsleistung ein und desselben Telegraphisten in einer Arbeits- stunde steigt bei Akkordarbeit um 49— 116 Prozent. Die Erhöhung der Arbeitslei st ung ergab die M ö g l i ch k e i t, die übliche Abnahme der Arbeiterzahl, die in einigen Aemtern bis zu 12 Prozent jährlich erreicht, nicht zu ersetzen.... Die Zahl der Verstümmelungen, Nichtzustcllungen und dergleichen ist gleichfalls stark zurückgegangen.... Die Arbeitslöhne der Telegraphisten haben nach der Einführung der Akkordarbeit eine Erhöhung erfahren. Auf der Kursker Eisenbahn stiegen die Arbeitslöhne um 9,5 Prozent, auf der Kasaner Eisenbahn um 58,3 Prozent."_ Der Streik der Zeitungsseher in Warschau wurde beendet. Die Zeitungen sind gestern wieder normal erschienen. Achtung, SPD.-Fleischer! Am ssreitoq, 27. August,. 8 Uhr, findet m bei Stommcl, Reue Fricdrichstr. 1,«ine äußerst wlchtige Fraktwns. vcisliinmlung statt. Erscheinen oller Genossen ist Pflicht. Partei- und Perdandsousroei» find mitzubringe». Der zrattion» vor stand. Zsrei« Geroerkschastsjuaend. Heute, Mittwoch. Vfr Uhr, togen die Gruppen: Steutölln 1: Iuaendheim»erqstr. 29. Hof. Diotussionoabend Uder:„Probleme der Iuaendarbeit". Aus dem Portraa der Gruppenleitunassttjung.— Schone- borst: Iuaendheim Rudensstrohc sEportvIati). Spielabend.— Sudwest«»: Jugendheim Bärwaldstr.«4. P-riroa:..Körperkultur".—««den: iuaendheim Gartenplost 4 Unsere Herbst- und Winterarbeit.— Rordring: IugendhelM Eberswalder Str. Ist. Das neue Ortsschulizeseti.— Charlottenburst: Jugendheim Berliner Str. 137 IDeutschcr Krontentassrnverband). Di-lussipn:..Demokrati- sche Diktatur".— E» spielen im Freien die Kruppen: Landsberger Plast.»>o»r- furter Altec und Mitte ,im Fricdrichshnin, Plast 4. Lichtender« IM Trept-wer Park. Wiek« 1. Weddinq und Gcsuudbrunncn im Echillerpark, Schulerwlclc. Zugendgriipoe de» tzdA. Heute, Mittwoch, Ti Uhr, togen folgende Ab- teilungen: Lichtenberg: Jugendheim Gohlerstr. 31. Schul«.„Amerlkanische Dichter".— Rcnlölln: Jugendheim Nogatstr. 33. Asserlei Lustiges.— tthar. lottenburg: Iupendheiiu Rostnenstr. 4. Bortrag:„Die Zukunft des jungen Kaufmanns".— Schöucberg: Jugendheim Hauvlftr. 15 fFronkcnlo>idiimmer>. Vortrag:..ssörperkulwr".—«cdding-Gefnndbrunnen: Jugendheim Schönstedt» strahc 1(Ledigenherml. Borirag:..Warum Sewerischaftsnigend?" zimmere?. Morgen. Donnerstag, 7 Uhr. müssen alle Funktionäre zur Konferenz im Gewerkfchaftshaus, Saas 3. erscheinen, itcin Bezirk darf un- vertreten sei». Weiter iss dix oröhte Agitation für die am Freitag. 27., Sonn» abend. 23.. und Sonpiag. 2«. August, stattfindenden Bezirksocrsammlunqen zu entfalten. Do auherst wichtig« Fragrn zur Beratung stehen, müssen alle Mit- qliedcr des Verbandes an diesen Bersammlungen unbedingt teilnehmen. Der Borssand. Einsendungen für diese Rubrik sind Berlin S A 33. Lwdenstratz« 3» Parteinachrichten für Groß-Serlin stet» an da,«ezwktsekretariat. 2. Hos, 2 Trep. recht», zu richten. «. flrei» Prenzlauer«erg. Donnerstag. 23. August. 7 Uhr, kurz« wichtige Sistun« der Abteilungsleiter mit dem Ztrelsleiter bei Burg. Prenzlauer Alice 139. Jede Abteilung muh vertreten sein. ». ssrei, Wilmersdori. Heute. Mittwoch. 3 Uhr. bei Schäfer. Augussoftr«. Reichstaqsabgeo-rdneter Künstler über„Sozialdemokratie und Kommums- mus". Pünktliches und vollzähliges Erscheinen ist Wicht. 15. Krei« Treptow. Morgen, Donnerstag, 7 Uhr, in Niederschänoweid«. Ecke Berliner und ssennstraße, Sihung des Kreisvorstandes mit den Abteilungs- leitern und Vertretern der partergenössischen Beamten, Angestellten und Ardeitmatsmitgliedern des 15. Verwaltungsbezirks. heute. Mittwoch. 25. Zlugust: «. Abt. tzahlabend« in folgenden Lokalen: Bezirk« 48S, 437. MS bei Büttner. Schwedter Str. 23. Bezirke 491—495 bei Albrecht. Beteranenstr. 4. Bezirk« 4g»-5fl0. 505—508 bei Dobrohlow. Swinemünder Str. 11. Beziite 501 und 502 bei Debilst. Schwcdier Str. 227. Bezirk 504 bei Bardcleben. Rheinsberger Str. 4«. Die Bezirke 501 und 502 tagen im Lokal des Ge- nassen Dcblist. Rheinsberger Str. 37, heute 25 Jahre. Sleichzeiti» feiert der Wirt fein« 25i ährige Parteimitgliedschaft. IS. Abt. 7!4 Uhr Mitgliederpersammluiig in der grauen Schule, Gotenburger Strasse. Referent Genosse Litk«:„Die Berriniaten Staaten von Europa". 42. Abt. 8 Uhr Mitglicderncrsammlung in den Biitchersälen. Blücherstr. 61. Referent Felir Fechenboch:..Fememorde und Justiz in Banern". 81. Abt. Friedenau. 3 Uhr Mitgliederncriammlung im Gesellschaftszimmer des Ratskellers. Lautcrplast. Genosse Stadtrat Wendt-Schöneberg spricht über..ssommunaloolitik". »7. Abt. Renkölln. 7 Uhr Si-gfrikditr. W/29 bei Rohr wichtige Funktionär. ssstuno. Keiner darf fehlen. Jungs», i-liste». Gruppe Südost: Jugendheim Rcichenberger Str. 66 tFeuer- wehr) püiz/tlich 8 Uhr Literaturobend: Oskar Wild«— Tagor«. Ericheint zahlreich. Besonder» die SAI. ist«ingeladen. Morgen. Donnerstag. 2K. August: 36. Abt. 7 Uhr bei Pobst. Lachen»? Eck» Stargorder Strasse Funiktionär. konferen». Die Armbinden und Listen der gewählten Elternbeiräte sind mitzubringen. 125. Abt. Wcissrnse«. 3 Uhr in den Borussiosäl-n fN-lner SaaN Borirag»- abend. Thema:„Die wirtschaftlichen lind politischen Verhältnisse in Russ- land". Referent: Kenosse Abromowitsch. Gäste können eingeführt werde». Diejenigen Parteigenossen, die Plakate zur Bannerweih« erhalten haben, müssen dieselben sofort aushängen. Der Borstand. Frauenveranstalkung: 63. Abt. Halenlee. V'i Uhr bei tllingeheil, Iohann-Georg-Str. 2.„Bevölke- rungspolitik". Referent Dr. Mencr-Brodnik. M Freuilb« der G««einschast,schnle de» Ist. tkreise, Pankow. Morgen, R Donnerstaq, TA Uhr. in Pankow. Grunowfirasse(Schulaebäude) Bor- W trag des Genossen Dr. Kaisen:„Weltliche und Gemeinschaftsschulen". � Gäste willkommen. Arbeit»a«»>eii>sch»ft lozialbeinokratischer Lehre« nnd Lehrerinnen Deuts>6- land». Bezirk Sroh-Berlin. Morgen. Tlonnerston. TA Ubr. im Sistnnossaale der Bezirksverordnetenversammlung ttreuzder». SD. Porckstr. 11. Mitglieder- verfammlunq. Tagesordnung:„Die volitische Loge der welllichen Schule". Referent Genosse Reichstagsabgrordneter Stadtrot Dr. Löwenstein. 2. Bcr- fchiedene». Roch bcr Sistung geselliges Beisammensein. Sozialiftische �rbeiterjugenü Groß-Serlin. henke, Mittwoch. 25. August: Vedbina: SGisse Antonskrassc Vortrag:„Klassenkampf»nb stlossensolidori- tät"— Helmholstvlast: Eberswalder Str. 16. flimmer 11. Mitgliederverfamm- lung.— Reichcnbcrger Biertel: Reickenberger Str. 66. Bortrog:..Wir machen was".— Banns«: Schule Ekarlottcnftraste. Arbeiterbichtcrabend.— Fallen- berg: Am Falkeuberg 117. Vortrag:„Urzeit der Menschen".— tta»l»darf: Schule Adolfstrosse. Lichtdiidervortrag„Der Internationale Iugendlag in Am- sterdam".— Reu-Lichtenberg: gtss-ulc slrinz-Aldcrt-SN.asse. Borirag über Berfassunasweien.— Pankow: Ballspiele fallen au». Dafür Brettspiele im Jugendheim. Werbebezirk S und 1000 Meter tief bei Hitze und bei Feuchte und in ewiger Nacht. Aber nun sind seinem paar Jahren nicht einmal mehr„über Tag" die Bewohner von Oelsnitz ihrer kärglichen Existenz sicher, gleichgültig, ob sie mm einfahren oder irgendwie anders im Dienste der„Gewerkschaft Deutschland", in der der dortig« Grubenbesitz seinen Zusammenschluß fand, stehen. Nur sehr zögernd wagen die„Haus- besitzer", längst nicht mehr standesgemäßer deutschnationaler G«> sinnung. aufzumucken, fürchten sie dach mit Recht, dann von der �Gewerkschaft Deutschland", von der sie doch nun einmal abhängig sind, boykottiert zu werden. Gffeoe Schächte. ' Es ist eine bekonnte Tatsache, daß dort, wo unter der Erde Schächte. Stollen und Höhlungen wachsen, die Erdoberfläche Veränderungen ausweist. Die Bodensenkungen, die der Kohlenbergbau hervorruft, sind im ollgemeinen noch erträglich, weil es durch.Verankerung" der über den Stollen gebauten Häuser leicht möglich ist, die errichteten Gebäude und Anlogen zu sichern. Voraussetzung des Endersolges ist natürlich, daß die Schächte unter der Stadt mit dem Augenblick, in dem sie ihren Zweck erfüllt hoben und nutzlos geworden sind, mit Schlacke oder anderer kompakter Masie derart ausgefüllt werden, daß keine weitere Senkung zu besürchten ist. Dieses„Bergoersatzverfahren" hat sich überall, z. B. im unmittelbar benachbarten Zwickau gut be> währt. Aber die Anwendung dieses Verfahrens kostet Geld, das die Grubenherren von Oelsnitz gern« ersparen möchten. Nun, es gelang ihnen auch das Geld zu sparen, ohne dabei gegen die bestehenden Gesetze zu verstoßen, weil nach dem geltenden sächsischen Bergrecht nur diejenigen Hausbesitzer zu entschädigen sind, deren Häuser bereits standen, ehe unter ihnen der Bergbau«insetzte. Anderenfalls, so sagte sich der Gesetzgeber, ist man gewarnt und muß wissen, was man nach einer Reihe von Iahren zu erwarten hat. Nur daß das Gesetz eben auch damit rechnete, daß die toten Stollen, wie das sonst im Berg- bau allgemein Sitte ist, nach ihrer Nutzung wieder ausgefülli werden. Was aber geschah in Oelsnitz? Di« Stollen wurden nicht nur nicht ausgefüllt, sondern es wurden sogar ihre letzten Sicherheitspfeiler unter Lebensgefahr und auch unter Lebensopferung vieler Bergarbeiter— wie nur beiläufig erwähnt sei— wcggesprengt, weil diese Pfeiler ja auch zum großen Teil' aus Kohle bestanden, deren Gewinn man sich nicht gern entgehen lassen wollte. öeürohte Häuser. Diese Trgödie unter Tag fand über Tag— auf gesetzlicher Grundlage— ihren Fortgang. Der Boden von Oelsnitz senkte sich und senkt sich noch immer, und die auf ihm gebaut haben, sind macht- los. Sechs Häuser muhten schon geräumt und niedergerissen werden. zweihundert weiteren steht über kurz oder lang der Abbruch bevor. Er läßt sich natürlich verzögern, endgültig vermeiden läßt er sich nicht. Die Senkung der Erdoberfläche hat weiterhin bewirkt, daß der Hcgebach, der durch Oelsnitz fließt, nach jedem Gewitterguß über sein« Ufer tritt. Wilde Wassermassen fluten in die Keller der an- liegenden Häuser. Viel Gesundheit, viel Armeleutegut und viel Kauftnannswaren wurden dadurch bereits vernichtet. Das Haus des Apothekers neigt sich, 60 Zentimeter vom Lote abweichenld, nach Westen, beinah symbolhaft wegstrebend von Dresden, der Landes- Hauptstadt, deren Behörden nickst ganz unschuldig sind... wo bleibt der Einspruch des Staates l Denn Hilf« vom Staat ist möglich und ist auch zu verlangen, da ja seinerzeit derselbe Staat durch sein Bergbauamt den Bau der Häuser über den Schächten von Oelsnitz ausdrücklich guthieß, wenn auch allerdings in dem Glauben, daß die Bergherren die selbstver- ständlich« Pflicht der Anwendung des Bergverfatzverfahrens erfüllen. Die Bergherrcn aber drücken sich vor ihren Verpflichtungen und uberlassen dieselbe Einwohnerschaft, der sie ihren Reichtum zu ver- danken haben, bitterster Rot. weil ja tj 360 des sächsischen Berggesetzes bestimmt, daß„dem Geschädigten kein Anspruch auf Schadenersatz zu- steht, wenn dem Grundeigentümer oder dem dinglich Berechtigten bei Errichtung der beschädigten Gebäude oder Anlagen die ihnen durch den Bergbau drohende Gefahr bekannt war". Man hielt die Grubenbesitzer für fair, Hot sich aber, wie man heute einsehen muß, in ihnen verrechnet. Nun gilt es, den begangenen Fehler einiger- maßen wieder gutzumachen. Mitführend in dem Kampf, den die Stadt Oelsnitz um dos selbstverständlichste ihrer Rechte, um ihr Recht auf Dasein kämpft, ist mit Tatkraft der sozialdemokratische erst« Bürgermeister der Stadt, Genosse Dr. Schuhmann. Er hat die Bergherren verklagt und den Pro.zeß gegen sie in der ersten Instanz auch gewonnen. Die„Gewerkschaft Deutschland" hat Berufung ein- gelegt. Profitinteresse steht gegen Volksinteress«. * Endgültig wird in diesem Falle das Volksinteresic erst zu seinem Recht kommen, wenn einmal der 8 360 des sächsischen Berggesetzes notwendige Aendcrung respektive Ergänzung erfährt, und wenn weiterhin im Sinne der Lersafsung von Weimar dieses Landrecht überhaupt durch Reichsrecht, also durch ein Reichsberggesetz. abgelöst wird._ Der ftngler. Man muß schon»selbst Angler sein, um wissen zu können, welch sportliches Vergnügen darin liegt, Fische mit der Angelrute zu fangen. Wie behauptet wird, soll das Angein eine Leldcnjchaft sein, und nur unter diesen Umständen ist es zu verstehen, daß Leiite stundenlang an der Angelrute sitzen können, geduldig und ohne jede Aufregung, ober auch ohne einen einzigey Fisch cinzufangcn. Es hat sogar hervorragende Künstler und Diplomaten gegeben, die leidenschaftlich gern angelten und die über diese thre�Lieblings- beschöfligung die Pflichten ihres Berufs vergaßen. Wollen wir Berliner einmal einen Angler bei seiner Beschäf- tigung sehen, dann mtissen wir schon an die Flußläufe und Seen der Umgebung hinausgehen. Da draußen am Tegeler See kann man, am Ufex im Gras gelagert, das stille Tun der passionierlen Angler beobachten. So gegen Abend, wenn die Sonne sich hinter dcir Bäumen ver- kriecht und der Badestrand verlassen daliegt, kommen sie auf Kähnen dahcrgerudert und werfen in etwa zehn bis zwanzig Meter Eni- fernung vom Ufer Anker. Angler sind Geduld- und Gemütsmenschen, ihr Moot ist:»Lerne euhig sein." Und so geschieht denn nichts in Hast und Ueberrilung. Die Pfeife wird angesteckt, ruhig und init Ueberlcgung, das abgebrannte Streichholz wirft man nicht ins Wasser, vielleicht aus irgendeinem Aberglauben. Dann werden, nach einem bißchen Recken und Strecken, die Angelruten und die >9i Die Sigurantin. Roman eines vienstmädchens von Leon Aropiö. Autorisierte Ueberfetzung aus dem Französischen von Kunde-Grazia. Sulette lauschte wie gebannt mit offenem Mund, in der Befürchtung, zu hastig zu atmen. Dei� Mann unterließ es bisweilen, sie anzusehen, wie wenn er zu sich selbst spräche. Und die sichere Klarheit seiner Worte gewährte in der Tat den Eindruck, daß er nicht improvisierte, sondern im Gegenteil «ine oft überdachte Geschichte wiederholte. Nach einer Pause, wo seine drohenden Augen eine beipflichtende Aeußerung seitens Sulettes erwarteten, nahm er wieder das Wort: „Presse und Publikum beschäftigten sich einige Tage mit dem leblos auf den Schienen gefundenen Reifenden; dann ereigneten sich neue Mordtaten, welche jene begruben, und bald schien der Vorfall in Vergessenheit gesunken. Der andere Reisende, der in Dijon abgestiegen, dem ich den besseren Koffer, als sein eigener war, nachgeworfen hatte, beging die unvergleichliche Dummheit, ihn zu behalten und nichts zu sagen. Sechs Monate nach dem Fall wurde er wegen dieses Reisekoffers und der darin enthaltenen Gegenstände festgenommen, unter der Anschuldigung, dessen Eigentümer umgebracht zu haben. Er leugnete seine Reise in der Nacht des Verbrechens nicht; aber als er darüber aufklären wollte, wie der Koffer des Opfers in seinen Besitz gekommen war, erschien sein Bericht ganz und gar lügenhaft. Kein Beamter entsann sich seiner Geschichte von dem versäumten Zug. von dem durch einen Dritten auf den Perron geworfenen Ueberzieher und Koffer. Er stellte die verwegene Behauptung auf. daß er, von einem kurz zuvor erfolgten Todesfall ganz niedergeschmettert, diesen Koffer— fremdes Gut. junges Mädchens— aus Gleichgültigkeit gegen die Außenwelt behalten hatte, weil die zur Rückerstattung nötigen Schritte in diesem Augenblick eine Anstrengung über seine Kräfte bedeutet hätten. Vor das Schwurgericht gestellt, wurden ibm mildernde Umstände versagt, man verhängte über ihn die Todesstrafe. Aber die Gnade des Staatsoberhauptes milderte, trotz heftigen Widerspruchs der öffentlichen Meinung, dielen fatalen Wabr- fpru'b nnh wandelte ihn in lebenslängliche Zwangsarbeit um. Der Name dieses Menschen war Billot. Bald berichteten mir die Zeitungen, er wurde nach Neukaledonien eingeschifft." Das Gesicht des Alten, /eine rvtuuterlaujjeues Augen, die gekrümmte Nase erzitterten in einer phantastischen Erregung. Für Augenblicke mußte Sulette eine 5)alluzination von sich abschütteln: es schien ihr, daß eines der linksstehenden Möbel blutigrote Farbe, gleich dem glühenden Antlitz des Greises annahm. Er fuhr, mit den Kiefern arbeitend, in herrischem Tone fort: „Diese Geschichte, die mich im Anfang ziemlich stark beschäftigt, dann mein besonderes Interesse wachgerufen hatte, war also zu Ende. Bald dachte ich nicht mehr im entferntesten darai�... ich denke nicht gern an Diebe.... Da, beim Durchfliegen einer Zeitung, es ist gar nicht lange her, verweile ich bei folgender Notiz: Ein gewisser Billot, seinerzeit wegen Ermordung eines Reisenden auf der Eisenbahn zum Tode verurteilt, dann unter Milderung der Strafe nach Neukaledonien verschickt, hat im Bagno während fünfundzwanzig Iahren sich so befriedigend geführt, daß er soeben definitiv begnadigt wurde und die Erlaubnis erhielt, nach Frankreich zurückzukehren. Er hat sich auf dem Dampfer„Orenoque eingeschifft und wird in Marseille am 30. Mai landen. Bei Gott, sägte ich mir, die Augen schließend, ich erinnere mich an ein Drama dieser Art, und dessen Held trug in der Tat einen Namen von ähnlichem Klang. Es stand fest, es handelte sich glattweg um diesen Menschen, den der erbärmliche Diebstahl des Reisekoffers ins Verderben gestürzt hatte, lind, sonderbares Zusammentreffen, gerade rief mich ein Philantropenkongreß nach Marseille. Ganz natürlich interessierte mich zweierlei: zunächst hatte ich die etwas tölpische Neugier, einen Verbrecher zu sehen, der eben fünfund.zwanzig Jahre im Bagno zugebracht, einen Verbrecher, der für das Leben des Bagno wie geschaffen gewesen war; dann hatte ich, meinen Grundsätzen zuwider, ein wenig, auch des Kongresses wegen, als Mitglied des Komitees zur Fürsorge entlassener Sträflinge die Absicht, auf die Hilfsbedürftigkeit des gewissen Billot aufmerksam zu machen— und dieses eine Mal ein kleines, rührendes Lied zugunsten dieses«fanden Kerls anzustimmen, der ohne Beziehungen, ohne Barmittel, durch seine mißliche Vergangen- heit geschädigt, an Land gehen würde usw. Am angegebenen Tage also machte ich einen Spaziergang nach dem Hasen und mischte mich unter die Passagiere des „Orcnogue", wo ich mir genannten Billot bezeichnen lassen konnte. Seine Erscheinung war seit der Schwurgerichts- Verhandlung vollständig aus meinem Gedächtnis gelöscht." Sulette offenbarte, unwillkürlich die Augen ausreißend, eüle aus Hofsnuog und Mitleid geweckte Reugier. Der Alt» wiederholte mit drohendem Tone: „Seine Diebeserscheinung!... Da sah ich nun einen kleinen, sauberen, aber widerwärtigen, ausgedörrten, gcbcug- ten Mann mit gelbem Teint, welcher mißtrauisch, mit einer Verworrenheit, die von nichts Gutem zeugte, um sich blickte, uncncschlossen stehenblieb, sich umwandte, anscheinend kaum auszutreten wagte, die Luft vorsichtig einsog, ein Loch suchte, um sich zu werkriechen. Seine zerrütteten Züge verrieten Verstocktheit und List; sein Kopf hatte die Gewohnheit aufrechter Haltung verlernt! Ach! dieser entlassene Sträfling war weit davon entscrnt, ein liebenswürdiges und heiteres Gesicht zu machen: er schien sich, das versichere ich Ihnen, nicht mit der Gesellschaft versöhnen, nach daraus verzichten zu wollen. Schlechtes zu tun. Er gewährte den Eindruck eines wilden Tieres, welches das helle' Tageslicht blendet, der freie Raum verwirrt, welches die Gegenwart nicht isolierter Menschen belästigt. Nichts deutete in seinen Augen auf Reue, auf gute Vorsätze. Sehen Sie, ein harmloser Bursche, der hätte sich, wäre sein Herz rein gewesen, fröhlich zeigen müssen, zappelnd vor Behagen, daß er die Freiheit wieder erlangt hat.... Es ist ein wertvolles Gut, die Freiheit, zum Teufel! Nein! Trübsinnig in sich versunken, ein kleines Paket mit seiner starren Hand haltend, die Schultern wie von einer unsichtbaren Last niedergedrückt, schlug er den unbelebtesten Weg ein. Trotz seines wenig ermutigenden Aussehens folgte ich ihm. um meine Erfahrung zu vervollständigen. Aber als ich ziemlich dicht an ihm heran war. warf der Eelcnde einen verstohlenen Blick auf meine tadellose Gentlemenskleidung. Ein Schauer erfaßte mich: ich ermaß den Haß. welcher die Ruchlosen gegen alles beleelt, was einen anständigen und ehrbaren Anschein hat. Meine wohlwollenden Gesinnungen oerschwanden augenblicklich: angeekelt, entrüstet kehrte ich ihm den Rücken und entfernte mich eilig." Nach diesem Schlußsatz erhob sich der Erzähler so plötzlich, daß Sulette glaubte, er wolle sich auf sie stürzen, um sie zu erwürgen. Er schrie wütend:„Sie missen jetzt, was der Diebstahl ist! Und nun die diebischen Dienstmädchen: Sie sehen, was mit diesen Elenden geschehen muß.... Sprechen Sie mir niemals von reuigen Diebinnen!... Alle, die etwas auf dem Gewissen hoben— Sie verstehen?—, etwas auf dem Gewissen—, auf Lebenszeit müßte man sie einsperren!" Sulette war mit einem Satze aufgesprungen; dann wich sie rückwärts bis zur Tür und erspähte die Gelegenheit zur Flucht, J t,,_(Fortjetzung folgt.) j Opfer des Knollenblatterfthwammes. Die Pilzvergiftungen im Kinderheim in Falkenberg— Mangelhafte Küchenkontrolle. Das Vesmden der Im Krankenhaus Eberswalde liegenden lZ Diakonissinnen des evangelischen Kinderheims in Jalkenberg hal sich bedauerlicherweise noch immer nicht gebessert, so dah bei einigen von ihnen nach wüe vor Lebens gesahr besteht. Die Aerzte hassen zwar, dah die Patienten mit dem Leben davon- kommen werden, dock) hängt die Gesundung der Erkrankten sehr »vesentlich davon ab, ob die Herztätigkeit stark genug bleibt. Die behandelnden Aerzte hoben nach dieser Richtung hin alle Vorkehrungen getrossen. und die an den vergistungen daniederliegenden Schwestern haben Sonderpslegerinnen erhalten, um zu verhüten, daß ein plöhlicher Ansall den Tod herbeiführt. Gestorben sind: der Hausverwalter Heinrich ZN o r i h und die Schwestern Charlotte Schöner. Betty h o s s- ma n a, Emma R o e h r l und Martha Gebenroth. Dogegen befinden sich die im K i n d e r h e i m liegenden sechs Erkrankten erfreulicherweise auf dem Wege der Besse- rung und dürften schon in den nächsten Tagen wieder das Bett verlassen können. Es handelt sich um drei Schwestern des Heimes, die Mutter des dort tätigen Pfarrers und Anstaltsleiters Dietrich, eine Dame von über 7V Jahren, einen hilfsgeistlichen aus Falten- berg, der vom Konsistorium erst unlängst in den Ort gesandt worden war, und eine Kllchenangestellte. Das Mutterhaus hdt inzwischen leitende Persönlichkeiten nach Falkenberg geschickt, um eine Unter- suchung anzustellen, ob ein Verschulden der Schwestern vorliegt, die die Pilze gesammelt und zubereitet haben. Merkwürdigerweise hat man nämlich die knollenblällerpllze in der Küche des St. Michaelheims zubereitet, ohne näher zu prüfen, ob die Schwämme giftig seien oder nicht. Eine solche Untersuchung war aber schpn deshalb dringend notwendig, weil die Pilze zum großen Teil von den Kindern aus dem Spaziergang gesammelt worden waren. Der Küchen- schwester hätte die Pflicht obgelegen, genau zu sichten, denn selbst- verständlich konnte man nicht anpehmen, daß die Kinder ein so scharfes Unterschcidungsvermögen besitzen, um Waldchampignons von den ihnen sehr ähnlichen Knollenbläterpilzen zu unterscheiden. Bedauerlicherweise hat man diese Prüfung nicht vorgenommen, man hat nicht einmal das sonst allgemein übliche Mittel angewandt, beim kochen in den Topf, der mit Pilzen gefüllt war. einen silbernen Lössel zu legen. In diesem Fall hätte man das Vorhandensein des Giftes in der Speise ohne weiteres erkennen müssen. Aus diesem Grunde besteht auch die Notwendigkeit, daß die Behökden sich rpit dem Fall noch ernsthaft beschästigen werden. Leichtsinn oüer Unversianö! Das evangelische Kinderheim St. Michael in Falken- berg untersteht dem Mutterhaus der Christlichen Gemeinschaft S t. Michael in Berlin-Friedenau und beherbergt mehr als 100 Sinder verschiedenen Alte«, die von einer größeren An- zahl von Diakonissinnen betreut werden. Am letzten Eonnobend waren die üblichen Spaziergänge in den Wäldern der Um- gebung Falkenbergs unternommen worden, die, wie allen Aus- stüglern bekannt ist, über großen Pilzreichtum verfügen. Dabei sammelten die Kinder unter Anleitung der Schwestern Pilze für ein Gericht, das dann am Mittag im Speiseraum des Pflegeperfo» nals auf den Tisch kam. Außer den Schwestern hat auch der gemeiiV sam mit ihnen speisende Hausverwolter davon gegessen, jedoch hatte man glücklicherweise nicht genügend Pilze gesammelt, um auch den Kindern davon vorsehen zu können. In der Nacht zum Sonntag traten nun bei dem gesamten Pflegepersonal, das aus 18 Dioko- Nissinnen besteht, und bei dem Hausverwolter Moritz typische Ber- giftungserscheinungen, Erbrechen, Durchfall, S ch w i n- d e l g e f ü h l und Herzschwäche ein. Der im Kinderheim tätige Arzt Dr. Tholen, dem die ärztliche Fürsorge für die Insassen der Zlnstalt obliegt, stellte sofort fest, daß es sich um eine schwere Pilz- vergislung handelte, da allem Anschein nach unter den gesammelten Pilzen sich die überaus giftigen Knollenblätterpilze befunden hatten, die von den Schwestern in Unkenntnis ihres gefährlichen Charakters als eßbare Pilze angesehen worden waren. Während bei sechs Diakonissinnen, die anscheinend nur wenig von dem Gericht genossen hatten, die Erkrankung nur leichterer Natur war, verschlimmerte sich das Befinden der übrigen zwölf und des Hausverwalters im Laufe des Sonntags und in der Nacht zum Montag so sehr, daß am Montag früh der Abtransport dieser dreizehn Schwerkranken noch Eberswalde in das Auguste-Biktoria-Krankenhaus erfolgen mußte. Trotz aller ärztlicher Bemühungen find dort, wie gemeldet, vier Schwestern und der Hausverwaller ZNorih gestorben. Da das Kinderheim auf diese Weise mit einem Male des gesamten Pflege- personal? beraubt war, mußten vom Berliner Mutterhaus in aller Eile Schwestern nach Falkenberg entsandt werden, die sich der Kinder annahmen. Schnüre hervorgeholt, geprüft, besehen, ins Master geworfen, wieder herausgezogen, beiseite gelegt, nochmals überprüft, wieder ins Wasser geworfen und endlich drin gelassen. Unser Angler, der vor uns in zehn Meter Entfernung vom Ufer seiner stillen Beschäftigung nachgeht, wirst nacheinander sieben Angeln aus. Nach einer halben Stunde ist er damit fertig. Dann fetzt er sich, stopft die Pfeife von neuem, wirft das Streichholz vor sich in den Kahn, stützt die Ell- bogen aufs Knie und blickt gleichgültig über den im Abenddäminer ruhig daliegenden See. Wie es scheint, kümmert rr sich gar nicht um die Angeln, die nni Kahn befestigt sind, und doch sieht er, wie man bemerken kann, jede Regung und Bewegung. Nach einer halben Stunde hebt er die erste Angel Heraue. Man könnte annehmen, er hätte etwas gefangen, aber er sah nur den Haken nach. Wieder vorgehen Minuten. Endlich, eine gute Stunde mochte oergangen sein, wird es lebendig in den» Kahn. Der Mann, der sich scheinbar um nichts kümmerte, springt aus, reißt eine Rute aus dem Master und halt vergnügt einen zappelnden Fisch über den Kahn. In«ine Tonne läßt er ihn gleiten und befreit ihn von dem Haken. Dann wirft er die Schnur wieder aus, setzt sich und mustert befriedigt d:n ersten Fang. Der Schuß Ües Justizwachtmeisiers. An das Schwurgericht verwiesen. Eine Schießerei auf dem Wedding, bei der der Bauunter- nehmer Alfred Sydow durch den Justizwachtmeister Hugo Rollerschossen wurde, stand gestern vor dem Großen Schöffengericht Berlin-Wedding zur Aburteilung an. Roll mußt« sich hier wegen fahrlässiger Tötung verantworten, gegen die er sich im wesentlichen mit dem Vorliegen von Noiwehr verteidigt«.— Am Nochmittag des 1. Mai hatte der Angeklagte, der auf dem Amts- gericht Wedding beschäftigt ist, mit einem Kollegen nach dem Dienst das Lokal von Sorgenfrei in der Buttmannstrah« aufgesucht. Bald darauf betraten Sydow und sein Freund, wie Roll und auch der Wirt sowie die Wirtin behaupteten, betrunken dos Lokal, und Sydow benahm sich hier nach ihrer Schilderung gleich so ungebührlich, daß er hinausgewiesen wurde. Er kam jedoch dieser Aufforderung nicht nach und geriet dann mit dem ruhig dasitzenden Angeklagten zu- srtmmeii. Wie dieser gestern angab, packte ihn Sndow erst an der Schulter, stieß ihn mit gespreizten Fingern ins Gesicht und spie ihn zweimal an. Dann versetzt« er ihm wiederum einen Stoß in die Augen, so daß Roll kaum sehen konnte, packte ihn an der Nase und drehte sie bennn, so tasz der Angeklagte nach seinen Worten tanzen mußte. Als jetzt die Wirtin dazwischentrat, soll Sydow eine» Stock erhoben haben, womit er dem Angeklagten dann drohte:„Kerl, jetzt schlage i ch dir den Schädel ein!" In seiner großen Aufregung zog Roll nun seine Pistole aus der Tasche und gleich darauf fiel«in Schuß. Während Roll früher vor der Polizei ange- gegeben hatte, daß dieser Schuß ahne seinen Willen losgegangen sei, blieb er gestern trotz Vorhaltens dabei, er habe schießen wollen und müsten, um den Schlag abzuwehren. Sein Will« sei nur gewesen, den Sydow in den Arm oder die Schulter zu treffen, um ihn kämpf- unfähig zu machen. Daß er ihn in den Bauch getroffen habe, könne sich deshalb garnicht erklären. Sydow hotte auch anfänglich diesen tödlichen Schuß gar nicht bemerkt, denn er blieb noch aufrecht stehen und rief seinem auf den Knall herbeieilenden Freunde scherzend zu: „Der Mensch hat mich totgeschosten!" Erst ausderStraßebrach er zusammen und verstarb dann nach einer Stunde im Krankenhaus. Der Staatsanwalt war nach alledem der Meinung, daß der Getötete selbst die größte Schuld an dem Vorfall trag«, nahm aber trotzdem keine Notwehr und keinen Borsatz des Angeklagten für vorliegend an, sondern beantragte wegen sahrlästiger Tötung 3 Monate Gefängnis. Im Gegensatz hierzu kam das Gericht auf Grund der Angaben des Angeklagten zu der Auffassung, daß vor- sätzliche Körpcroerletzung mit Todcsersolg vorliege, das Schöffengericht hierzu nicht zuständig fei. Dementsprechend wurde die Sache an das Schwurgericht des Landgerichts III zur Entscheidung verwiesen. Der Ttralaucr Fischzug. Am verflossenen Sonntag ist der Landfcstzug des„Stra- lauer Fischzuges" unter stärkster Beteiligung der Bevölkerung vor sich gegangen. Viele Taufende hatten beide Seiten der Stra- lauer Allee besetzt und begrüßten die Festwagen, die auf die Fischerei Bezug hatten und Fanageräte mit Begleitmannschaften mit sich führten, mit herzlichem Beifall. Mehrere Musikkapellen marschierten im Zuge, sowie Vertreter der Stralauer Segler- und Nudcrvcreine. Zahlreiche Kostümierte in altdeutschen, wendischen und Bicdermeiertrnchten waren zu sehen, ein Gambrinnstvagen so- wie eine Postkutsche aus Gvoßmutters Tagen. Gestern fand sodann der eigentliche Wasserfischzug statt, nach dem das alte Volks- fest seinen Namen hat. Das Interesse der Bevölkerung an dein populären Volksritus war sehr stark: der Fang, wie gewöhnlich, sehr gering. Geistliche Schulaufsicht? � Man schreibt uns aus Leserkreisen: Mit Errichtung der Republik glaubten alle freiheitlich gerichteten Elemente, daß nunmehr die Trennung von Schule und Kirche end- gültig vollzogen sei. War doch die enge Berquickung von Staat und Kirche eine Quelle von Mißständen und Zurücksetzungen mancher Staatsbürger, die sich nicht zur Staatsreligion bekannten. Die Schule, insbesondere die höheren Bildungsanstaltcn, sollte seit 1918 interkonsessionell, jede Aussicht der Geistlichkeit beseitigt sein. Es war dies eine Forderung sämtlicher freiheitlich denkender Menschen. Nicht zuletzt forderten jüdische Mitbürger die stritte Trennung von Staat, Schule und Kirche. Um so befremdlicher muß es idirken, wenn die Berliner jüdische Gemeinde unaufhörlich am Werke ist, in den höheren Berliner Schulen einen g e i st l i ch e n «spchulinspektor f ü r den jüdischen Religionsunter- tzi cht zu bestellen, der von den Lehrern und Rabbinern erteilt wird. In der Tat hat jegt auch das Berliner Prooinziolschulkollegium einem solchen Antrag stattgegeben, der, wenn auch verklausuliert eine q e i st l i ch e S ch u l a u f s i ch t sür den Religionsunterricht rnihält. Die jüdische Religionsgemeinde zieht von der Stadtgemeinde fast ausnahmslos das für diesen Unterricht an die Lehrer und Rabbiner zu zahlende Honorar ein und hat dadurch die Lehrkräfte wirtschaftlich von sich abhängig gemacht. Die geistliche Schulaufsicht wird durch eine Anweisung des Provinzialfchulkollegiums an die Direktoren vervollständigt, der Religionsgemeinde jedwede Auskunft über den Religionsunterricht zu geben. Vergegenwärtigt man sich, daß die Lehrer und Rabbiner auch sonst noch im Gcmeindedienst tätig sind, so sieht man, daß entgegen der Verfassung eine geistliche Aufsichtsbehörde für die höheren Schulen neu geschaffen worden ist. Bemerkenswert ist, daß das Prooinzlalschulkollegiiim in Breslau aus solchen Erwägunaen heraus eine Inspektidn der höheren Schulen durch die dortige jüdische Gemeinde selbst im Sinne der oben zitterten Bersügung abgelehnt hat.— Was sagt der Minister für Wissenschaft. Kunst und Volksbildung zu dieser Umgehung der Staatsgrundgesetze? „Bon Notstandsarbcitcn ausgeschlossen...* Vom Lande, arbeitsamt der Stadt Berlin wird uns zu diesen Ausführungen in Nr. 387 geschrieben:„Auf Grund des 8 6 der Bestimmungen des Reichsarbeitsministers über öffentliche Notstandsarbeiten vom 39. April 192S dürfen zu Notstandsarbeiten nur solch« Erwerbslose zugelassen werden, die unmittelbar vor der Zulassung mindestens 2 Wochen auf Grund der Verordnung über Erwerbslosensürsorg« unterstützt worden sind. Nach§ 7 sollen In erster Linie solche Erwerbslose verwendet werden, die schon länger« Zeit erwerbslos sind. Sic müssen natürlich die Voraussetzungen des § 8 erfüllt haben. Ferner dürfen nach dein Erlaß des Reichsarbeits- Ministers vom 5. Januar 1926— IV 120/26— in Gemeinden mit besonder» großer Erwerbslosigkeit, wenn dieselben durch die Für- sorge für ausgesteuerte Erwerbslose besonders belastet sind, solche ausgesteuerte Erwerbslose, die bis dahin aus der Wohlfahrtspflege unterstützt worden sind, bis zu einem Drittel der Gesamtzahl der beschäftigten Notstandsarbeiter zu Notstandsarbeiten zugelassen werden. Eine Bevorzugung junger ungelernter Arbeiter bei Not- standsarbeiten findet nicht statt. Die" Beschäftigung.ungelernter Arbeiter liegt vielmehr in der Natur der Sache."da der größte Teil der Berliner Not standsarbeiten Erdarbeiten sind, die keine Fachkenntnisse erfordern. Hieraus erklären sich die geringen Anforderungen von Facharbeitern. H. ist inzwischen vom Arbeitsnachweis in Zlrbest gebracht worden. « drei Taschenüiebe gefaßt. Der Sleltiner Lotzen war ihnen zu Heid- Die Toschendiebesstreife der Kriminalpolizei stieß an oerschie» denen Haltestellen der Straßenbahn auf zwei Männer, die die Fahr. gäste verdächtig musterten und verschiedene Fahrte» machten. Die beiden waren ihnen noch unbekannt. Sie ließen sie zwei Tage lang nicht aus den Augen und stellten auch fest, daß sie wiederholt aber ohne Erfolg in f r e m d e Taschen zu gr eisen oersuchten. Abends begaben sich die Männer nach einem Lokal in der Schönhauser Straße, in dem sich die Taschen- diebe ein Stelldichein zu geben und besonders auch dann wieder- zutreffen pflegen, wenn sie irgendwie auseinander gekommen sind. Jetzt bestand kein Zweifel mehr, daß man es mit Taschendieben zu tun hatte, die nach Berlin zugewandert waren. Am dritten Tage erschienen die Unbekannten mit einem Walter Klein, einer ..Größe" auf diesem Spezialgebiet, auf dem Felde ihrer Tätigkeit. Jetzt gelang auch ein Streich, aber die drei konnten nicht gleich gefaßt werden. Abends nahmen die Kriminalbeamten einige Schupobeamtc zu Hilfe uiid faßten in dem Lokal, dessen Kellner, ebenfalls ein ehemaliger Tasck)endieb ist, und Gästen dieser Art gute Fingerzeige zu geben pflegt. Klein und einen der beiden Männer, die sie ständig verfolgt hatten. Der zweite Mann war nicht mehr da, aber auch er wurde bald festgenommen, als er von einem .Schärfer" zurückkehrte, dem er eine soeben erbeutete goldene Uhr verkauft hatte. Der Erlös wurde ihm wieder abgenommen. Die beiden Fremden wurden festgestellt als ein Alfred N e tz e l und Josef Ludwig, junge Männer aus Stettin, denen dort der Baden zu heiß geworden war. Sie hatten sich auf dem Schlesischen Bahnhof getroffen und zu gemeinsamer„Arbeit" zusammengetan. Sonderzug nach Swineniünde. Am kommenden Sonntag, den 29. August, wird die Reichs- bahndirektion Berlin bei genügender Beteiligung einen Sann- tagsfonderzug 4. Klos s c zu ermäßigten Fahrpreisen nach Swinemünde— Ahlbeck— Heringsdorf verkehren lassen, und zwar: ab Berlin(Stettiner Bahnhof) 6.39 morgens, an Sw-inemünde- Bad 19.14, an Ahlbeck 19.24, an Heringsdorf 19.39. Zur Rückfahrt verläßt der Zug Heringsdorf 7.59 abends, Ahlbeck 7,57, Swine- münde-Bad 8.98 bzw.-Stadt 8.29 und trifft in Berlin(Stettiner Bahnhof) um 12 Uhr nachts ein. Die Fahrpreise betragen für die Hin- und Rückfahrt nach Swinemünde 9 Mark und Ahlbcck-Herings- dorf 9,29 Mark. Der Fahrkartenverkouf beginnt am Dienstag, den 24. August, bei den Fahrkartenausgaben Stettincr Bahnhof und Gesundbrunnen sowie bei den vier Ausgabestellen des MER- Bureaus: Potsdamer Bahnhof, Bahnhof Friedrichstraße, Kaufhaus des Westens, Reisebureau Unter den Linden 57/58. Ein seltener s?ang. Einen seltenen Fang mochte ein Mitglied des Arbeitsr-Angler- Bundes am vergangenen Sonntag in Ketzin an der Hovel. Er legte bei sehr stürmischem Wetter eine Hechtangel mit einer kleinen Plötze beködert aus. Nach einiger Zeit machten sich die Zeichen eines Anbisies bemerkbar, nach der üblichen Wartepause landete er glücklich— einen ausgewachsenen Taucher. Die schwarzen Taucher sind eine Wasservögclart, die in der Hauptsache von Fischen leben. Daß der Taucher gelegentlich an ausgelegten Angeln gefangen wird, kommt vor. Daß der Taucher aber Iii der Gegenwart des Anglers an dessen Angel beißt, führt zu den Schluß, daß er außerordentlich lange unter Wasser geblieben ist, da er im all- gemeinen als sehr scheuer Bogel gilt. Das Fest der Dreizehn. So � ein Fest, wie es gestern 13 Bewohner der Meydinger- s ch e n Stiftung in der Große» Frankfurter Straße 24 feierten. darf getrost zu den seltenen gerechnet werden. Ein„Nesthäkchen" in der Runde der alten Herren, der 71jährige frühere Webermeister Döhring, hatte ausgeknobelt, daß am genannten Tage die l3 zusominen genau eintausend Jahre alt sind. Der Älteste. Webermeister Köhler, ist 92 Jahre, die � Jüngsten haben die .Siebzig längst überschritten. Sie haben sich vor der„Unglückszahl" 13 nicht gefürchtet, sondern haben gefeiert. In bezug auf die Aus- stattung des Festes einfach, so wie es die nicht gerade rosigen ma» teriellen Verhältnisse der Alten gestatten: im Punkte Lustigkeit. sast möchte man Ausgelassenheit sagen, konnte es die Tafelrunde mit der Jugend getrost aufnehmen. In fürsorglichster Weise hotten Hausvater und Hausyiütterchen des Stistes die Festtafel im Ge- mcinschastszimmer hergerichtet: hier sahen die Feiernden am Nach- mittag bei Kaffee und Kuchen und— sangen Schnadahüpferln. Ein hoher Siebziger, Urberliner, war gerade dran:„Wenn der Eis- zappen in de Sonne hängt, wenn der Eiszappen an zu dauen fängt, wenn der Eiszappen immer dinner wird, dann is Eiszappen — Zappen ab!" Schallendes Gelächter bezeugte, daß weder der Sänger noch die Zuhörer diese Eiszapfengeschichte etwa auf sich oder ihre Erdenlaufbahn bezogen. Einer trägt ein uraltes Berliner Couplet vor, ein Spazierstock dient ihm als Begleitgitarre. Der Ehor der Zuhörer quittiert lachend:„Ja, sowas da» ist herrlich, ja sowas ist wa» wert, ja sowas habe» wir lange nicht in unserm Stift gehört!" So aing der Nachmittag unter Singen, Scherzen, RezitaUoucn hin. Für von Abend hatte stch der Arbeitergesang- verein ,.Q st Ly rg n ia 1649" zu einem Ständchen angemeldet. Auf Wiedersehen, meine Herren!— Auf Wiedersehen, Herr Stern! riefen einige 89jährige Slusgelassene als Abschiedsgruß. Sie gingen gerade nvch einmal in den Garten zum 5)arken, damit die Sänger es nett vorfinden. Die Meydingersche Stiftung war 1837 vom Stifter als Alters- heim für altgewordcne Webermeister bestimmt. Im Lause der Zeit wurden auch andere aufgenommen. Di« Inflation ließ das Stif- tungskapital verloren gehen: die Alten im Heim könnten eins B:i- Hilfe wohl gebrauchen._ Der furchtbare Schiffbruch. Am Sonntag hat auf den Gewässern in der Umgebung Berlins, wie unsere Leser bereits wissen, ein einigermaßen böiges und un- freundliches Wetter geherrscht. Viele Boote kenterten, und es gab leider auch einige Ertrunkene. Was aber einem Berliner Regierungs- rat W. mit seiner Familie Furchtbares passiert ist, das dramatisch zu schildern, blieb einem Frühmittagsblatt vorbehalten. Wir zitieren aus dieser Schiffbruchstragädie folgendes: ... Als zwischen Gatow und derHavelmündung in die Elbe ein mit mehreren anderen Booten nach Ver- unglückten suchendes Boot des Reichswasserschutzes auf dem großen Zernsee nördlich vcsi Werder in Usernähe kreuzte, sahen die Be- amten aus dichtem Schilfstand die schrägliegende Spitze eines Segelbootes hervorragen.... Also zwischen Gatow und der Havelmiindung in die Elbe. Man wird sich die gefährliche Stelle merken müssen, da bekanntlich ein Stück weiter auch die Weser ein ähnliches gefährliches Fahrwasser darstellt. ... Es gelang ihm(dem Regierungsrnt) nur mit letzter und äußerster Mühe, die Segeljost« vor dem Kentern zu bewahren. Mit rasender Geschwindigkeit trieb sie dem Ufer zu. Lediglich das dich»«, etwa 19 Meter weit in den See reichende und bis zu zwei Meter' hohe Schilf verhinderte ein Zerschellen des Bootes am User. Ungefähr fünf Meter vom Ufer entfernt soßedi« Jolle auf und begann langsam zu sinken.... Die Gefahr, an den hohen Uferselsen der märkischen Seen zu zerschellen, ist ja bisher überhaupt zu wenig gewürdigt worden. Aber immerhin, das Boot zerschellte nicht, begann aber zu sinken. und saß schön sicher im Schilf fest. ... Auch am gestrigen Tage, wo noch Windstärke 6 bis 7 herrschte, bestand die Gefahr für die Schissbrüchigen unvermindert weiter, zu erfrieren oder zu versinken. Es war ein glücklicher Zufall, daß sie das Boot des Wasierschutzes entdeckte... Die Gefahr des Erfrierens log deshalb besonders nahe, weil die hohen Eisberge, die im August die Gewässer um Werder unsicher machen, die Temperatur dieser Gegend bis auf 29 Grad unter Null herobdrücken. Leider schließt die Tragödie hier mit dem Ausblick auf die Gefahr des Ertrinkens, wo es aerade anfing, spannend zu werden. Eine klein« Robinsonode mit Kiefernzapfen als Nohrungs- mittel und� Stullenpapier als Lendenschurz für die Schissbrüchigen hätte die Schilderuno im Interesse aller Leser zweckmäßig und not- wendig beenden müssen._ Die Freunde der internationalen Kleinarbeit haben zurzeit englische Adressen an solche Parteigenossen und Leser des „Vorwärts" zu vergeben, die ein Interesse daran haben, internatio- nale Beziehungen durch Austausch von Briefen, Zeitungen, Büchern und eventuell gegenseitigen Besuch aufzunehmen und zu pflegen. Dabei wird daraus aufmerksam gemacht, daß für diejenigen, die Interesse für internotionale Kleinarbeit baden, näher? Auskunft bei unserer Geschäftsstelle: Dr. Adolf Pietz. Berlin NW. 2t, Strom* strriße 58(Telephon: Hansa 5042), erhalten können.— Die nächste Zusammenkunft der Freunde dieser Arbeitsgemeinschaft wird ovr- ausstchtlich in der zweiten Hälfte des September stattfinden. Käs heres wirb noch in dieser Zeitung bekanntgegeben.— Es wirb ausdrücklich betont, dah die Aufnahme der Beziehungen noch England Kenntnis dieser Landessprache nicht unbedingt erforderlich macht. Gautag dcc Polizeibeamten. Der Gau Groß-Berlin des Verbandes Preußischer Polizei- beamten E. V. hielt gestern in den schwarzrotgold geschmückten Musikersälen seinen ordentlichen Gautag ab. Als Gäste waren u. a. er- schienen: Polizewizepräsident Dr. Friedensburg, Polizeioberst cheimannsburg, Reichstagsabgeordneter Genosse Franz K ü n st- ler. Nach der Wahl der Verhandlungsleitung und einiger Kom- Missionen erläuterte und ergänzte der Gauvorsitzende G e n s den gedruckt vorgelegten Geschäftsbericht. Er unterzog besonders ein- gehend die Besoldung der Polizeibeamten einer kritischen Be- trachtung. Trotzdem selbst von höheren Regierungsbeamten oft er- klärt wurde, dah den Polizeibeamten geholfen werden müsse, sei doch bisher nur wenig für sie geschehen. Durch Etawerbesserungen kann das Elend der Polizcibeamtenschaft nur unzulänglich eingedämmt werden, es muß vielmehr eine gründliche Neuregelung der Besoldungsverhältnisse der Polizei erfolgen. Doch schon im Rahmen des Polizeietats 1926 ist es möglich, eine bester« Besoldung der Polizeibeamten vorzunehmen, wenn man die Sach- ausgaben einschränkt und endlich mit dem Versorgungs, anwärtersystem Schluß macht. Es ist ein Widersinn, daß Beamte nach 12jähriger Dien ft zeit mit einer erheblichen Kapitolabfindung aus dem Dienste ausscheiden, trotzdem sie noch voll dienstfähig sind. Eine ebenso unnötige Belastun I des Polizeietats ist die Altersgrenze für Offiziere, dur> die diese frühzeitig aus dem Dienst ausscheiden müsten. Es wird sich bald zeigen, daß die Zahl der noch 12 Jahren ausgeschiedenen Polizeibeamten und der pensionierten Offiziere größer sein wird, alsdiederaktiven Beamten und Ossi- ziere. Die bedenklich hohe Zahl von Selb st morden in der Schutzpolizei und die Tatsache, daß sich 1924 bis jetzt von der Beamtenzentralbank an Berliner Polizeibeamte l'/i Millionen Mk. Darlehen gegeben wurden, und zwar ausschließlich an Beamte der Gruppe II bis VI, müßte auch bei den maßgebenden Instanzen die Erkenntnis wecken, daß die. wirtschaftliche Not unter der Polizei- beamtenschaft lehr groß ist. Wenn wotzdem nicht allzuviel Kvrrup- tionsfälle bei oer Polizei vorkommen, so zeugt das von der guten Moral der Polizeibeamtenschaft. Die Rechtsverhältnisse liegen be! der Polizei ganz im Argen, um ein Bcamtenrecht wird schon seit Bestehen der Re- publik vergeblich gekämpft. Für die Polizeibeamtenschaft gilt imm«rnochdasDisziplinarges«tzvomIohr«18S2, das den heutigen veränderten Verhältnissen nicht im entferntesten Rech- nung trägt. Das Polizeibeamtengesetz kommt anscheinend über das Entwurfsstadium nicht hinaus, dafür wird das Schutzpolizei- beamtengesetz, das schon am 31. Dezember 192S außer Kraft treten sollte, von Vierteljahr zu Vierteljahr verlängert. Ebenso ist da» B e- amtenoertretungsgesetz bis heute noch keinen Schrift weiter gekommen. Das Beamtenfürsorgegesetz ist wohl von den Ministerien versprochen worden, das ist aber auch olles. Der Redner betonte zum Schluß, daß es wohl um all diese Fragen bester stünde, wenn die Be am tenschaft nicht so zer- splittert wäre, sondern gemeinsam in einer großen Organ!- sation für ihre Besserstellung eintreten würde. Er sprach die Erwar- tung aus, daß die Zeit nicht mehr fern sein möge, wo dieses Ziel erreicht sei. Nach dem anschließenden Bericht des Kastierers und eines Mit- gliedes der Kostenprüfungskommission ging der Verbandsoorsitzende Schräder in längeren Ausführungen auf die Besoldungsfragen noch ausführlicher ein und zeigte an graphischen Darstellungen die bisherige Tätigkeit des Verbandes in den Vorjahren und seine For, derungen und Ziele für die nächste Zeit auf. Berliner SangerbunKesfest. Nach der Generalprobe zum Festkonzert am Sonnabend, den 28. August, findet in dem Haus der Funkindustrie abends 9 Uhr der große Sängerkommers statt, bei dem mit bereit» 5000 Sängern gerechnet wird. Die Leitung hat Herr Brauner, Vor- sitzender des Berliner Lehrergesanavereins: Ehorvorträge haben übernommen die Berliner Liedertafel, der Berliner Sängerverein. Neben gemeinsamen Chorliedern wird die Ehrung aller Sänger. Veteranen, die 40 Jahre und mehr als aktive Sänger geführt werden, stattfinden. Sonntag vormittag findet der Festakt in der Sing- akademie statt, der aus den Rundfunk überwagen wird. Fest- ansprachen halten der Vorsitzende des Berliner Sängerbundes, Rektor Runge, der Oberbürgermeister Böß, Rechtsanwalt List, Vor- sitzender des Deutschen Sängerbundes, Kultusminister a. D. Dr. Loe- liy. Besondere Ehrungen erfahren die 7 Gründeroereine, sowie einzelne um das Männeraesangswesen besonders verdiente Persönlich- leiten. Orgel- und Chorvorträge umrahmen die Feier.— Um 254 Uhr erfolgt der Abmarsch des großen Festzuges von der Goltzstraße bis zum Kaiserdamm. 13 Vereine haben Festwagen ge- stellt, 9 Kapellen begleiten den Zug, im Zuge befinden sich über 120 Fahnen. Es gilt da» deutsche Lied zu ehren, darum Fahnen heraus, die Straßen geschmückt. Vermißt wird fett dem 17. d. M. die 54jährige nerven- kranke Ehefrau Hedwig des Arbeiters Kalz. Die Frau verließ die Wahnlaube in S t a a k e n gegen 7 Uhr morgens: ste trug ein grüngeblümtes Kleid, graue Strümpfe, braune Hausschuhe und war ohne Kopsbedeckung. Mitteilungen nimmt das Polizeibureau Gartenstadt Staaken, Amt Spandau, entgegen. Der vstanzcroerein.Feldblume" In Tempclhos hatte sich am Sonntag Waisenkinder des Bezirksamtes Tempelhof und Kinder be- dürftiger Eltern zu Gaste geladen, um zusammen mit den Kindern der Kolonisten ein paar fröhliche Stunden zu verleben. Reichlich wurden sie mit Kuchen, Kakao und Kaffee bewirtet. Dann ging es zu den Wettspielen, wie Eierlaufen, Sackhüpsen, Topsschlagen, Wettrennen. Beschenkt, und in der Hoffnung, sich bald wieder zu sehen, verließen die Kinder die Kolonie, während die Helfer bei Musik und Tanz noch einige Zeit beisammen blieben. Bernau und Umgegend. Gruppenkonfercnz am Freitag, den 27. August 1926, abends 8 Uhr im Lokal von Hermann Modisch, Bernau, Kaiserstraße. M. d. L. Krüger spricht über„Der politische Herbst dieses Jahres'. Zahlreiches Erscheinen erwartet der Gruppenoorstand. Ein Polsdomer Arzt verschwunden. Zu dieser Notiz in der Sonntagausqabe teill uns der darin genannte Dr. med. Joachim G r u p c n mit. daß er nur einige Tage verreist gewesen sei und daß er stch bereits wieder in der Wohnung seiner Eltern befinde. 7. Uuisiellunq»Nadel und Schere-. Die von der Schnciderinnung zu Berlin veranstaltete 7. Ausstellung»Nadel und Schere- findet vom 23. bis 3t. ilu-iult d. I. Im Saalbau Friedrichshain zu Berlin. Am Friedrich«. Hain 16:23, am Königstor, Alcxandervlatz, gatt. In der Ausstellung wird u. a. auch die Dcrwendungsart von KaS und Elektrizität in den einzelnen Betrieben durch die Berliner Städtischen Gaswerke wie auch Städtischen Elektrizilätswerkc demonstrativ gezeigt. Wodevorsührungen finden an jedem Ausstellungstag um 4 und 7 Uhr ohne jede weitere Nachzahlung ltatt. Die Ausstellung selbst ist vom 28. bis 31. August von früh 10 Uhr btS abend» 10 Uhr geöfsnet. Die Arbeit, gemeinschast für Zorstschutz und Naturkundeeh, 33 50, Splchernstraße 16, Gartenhaus 3 Treppen tUntergrundbabnhol Nürnberger Platz). Teilnehmer mit Borkemumtzen tonnen den bestehenden Kurjen jederzeit beitreten. Auch in Hannover spinale Kinderlährnung? hannaoer. 24. August. Sieben Kinder des katholi, schen Waisenhauses in Hannover erkrankten an spinaler Kinderlähmung. Sie fanden im Krankenhau» Ausnahme. Vorträge, vereine unö Versammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Rok-Gold". SeschZftsstelle: Berlin 6 Ii. Eebastianstr. 37/38,$of 2 Dt. Mitte: 60.. d. 28., Fahrt noch Zioubrandcnburg. Ritckfohri harte Sso M. Abfahrt 2,5« Uhr nachmittag» ab Stett. Bhf. Nachzügler fahren 8,10 Uhr abend».— Prenzlauer Berg: Do., d. 28.. 8)h Uhr, Antreten Bezirksamt.— Lichtenberg nebst Untergruppen: Fr., d. 27.. Fug. und Ort«. gruppenfithrersihung bei strüger. Titrrlchmidtstrafie. 8 Uhr Iualistungen in de» bekannten Lokalen.— Rrinickendprf(ftrc)»): ffr., d. 27., 8 Uhr. Bollversamm- Inn« bei Ramlow. Erscheinen Pflicht.— Oranienburg: Do., d. 28.. 8 Uhr, Versammlung Schilhenhau»._ verein selbständiger Land werker jüdische» Klaube»» Berlin r. V. Mitgliederversammlung unt Vortragsabend am Donnerstag. 2«. August, im Demeindehau« Zwsenstr. 2/4 pünktlich 8 Uhr. Ilm vollzählige» Erscheinen wird gebeten. SSsto find willkommen. Sport. Gustave Ganay gestorben. Der internationale Rodrennsport beklagt wieder einen Toten. Gustave Ganay. der bekannt« französische Meisterfahrer, stürzte am Sonntag auf der Prinzenpartbahn beim Ausfahren des..George-Leander- Preises". Ganay, der aus Marseille stammte, mußte ins Kranken- Haus geschafft werden, wo er am Montag vormittag starb. Eine glänzende Rennsahrerlaufbahn hat hiermit ihr Ende erreicht. 0. Blank-vonath gewinnen das Zweistunden-ZIkannschaslsrennen. Der BundDeutscher Radfahrer erledigte am Montag abend ene Programm das am Sonntag dem Regen halb zum Opfer gefall auf der Rütt-Arcna. 12 Paare bestritten dasWWW>>WWW>WWW«M!»M Offenbach zu Lohir". Die Jazz-Operette war ausgeschlossen, man be, schränkte sich aus den Typ der Wahzeroperette, der in den sechziger Jahren in Wien geschaffen wurde, und der heute hauptsächlich von Leher und Kaiman vertreten wird. Hat nun die melodiöse Er«, ftndung nachgelassen? Bestimmt nicht bei Lehär oder Kilmän oder fclfift bei Leo Fall. Die große Nachfrage hat da» allgemeine Niveau sinken lassen, doch in den Spitzenerscheinungen lebt noch derselbe Melodienreichtum wie ehemals, und Operetten wie„Die lustige Witwe".„Die Czardassürstin" oder die besten Kompositionen Leo Falls können den Vergleich mit„Don Cäsar" oder„Betteistudent" aushalten, allerdings bleiben Osfenbach, Job. Strauß und Suppä unerreicht. Künnecke allein war der neue Mann in dieser Revue. mit seiner Operette ,chie hellblauen Schwestern", einem Werk, da» sich schon stark der Oper nähert. Kollo und Gilbert vertreten die musikalische Posse. Im Gegensatz zu den früheren Abenden trat dieses Mal das Orchester hinter die Gesangsstimmen zurück. Die Duette und Schlager wurden von Katharina Garden, Edith Karin, Eduard L! ch t e n st e i n und Arthur Hell temperament- voll und kultiviert gesungen. Mckblickend auf die ganze Revue kann man sagen, ste vermittelte tatsächlich einen guten Ueberblick über die Entwicklung der Operette von Osfenbach bis zur Gegenwart, in der Wahl der einzelnen Stücke zeigte der Rundfunk eine glückliche Hand. — Am Nachmittag spielte Ferdy Ka u s fman virtuos die graziöse Ballettsuite„Coppelia" von Delibes. und Dr. Alfred Werner be- gann seinen Vortragszyklus„Das Bildungswefen im heutigen Ruß. land, kam aber nicht über allgemeine Betrachtungen hinaus. Das Rundfunkprqgramm. Mittwoch, den 25. Aognst. Anßw dem nbliohen Tagesprogramm:, 3 SO Uhr nachm.: Jugendbühn«(TInterhaHnngsstunde). Dia PnnVprinressin erzählt: Märchen der Brüder Grimm. Die Funk- Prinzessin: Lucio Mannheim. 4.30 Uhr nachm.: Dr. Rudolf wegner:»Aus der Geschichte der Hansestädte". 5—6.30 Uhr abends: Naohmittagskonrert der Berliner Funkkapella. Leitung: Konzertmeister Fran» v. Sepanowski. AnschlieCend: Ratschläge fürs Baus. Theater- und Film dienst. 7 Uhr abends: Professor Dr. Franz Müller:„Herbstkuren an der"See und im Gebirge". 7.25—8.15 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule tBildungsknrse). 7.28 Uhr abends: Abteilung Technik._ Ministerialdirektor Dr.-Inp. Ottmann:„Der Mittellandkanal und die Waesorstraße nach Leipzig". 7.58 Uhr nachm.:(Hoohsohulkurse). Abteilung Wirtschaftswissenschaft. Ohefredakteur Georg Bernhard;.Was können tnter- nationale Wirtschaffcsrereinbarnngen leisten?"(Die kommende Weltwirtschaftskonferpnz). 8 30 Uhr abends: Lustiger Abend. 1. Steinrigler-Marsoh(Internationale Jugoslawische Tamburiza- Kapelle). 2. a) Gustav Wanda; Der Bruderkuß(Leo Herzberg), b) Hugo Hirsch: 0 Mensch, was nützt die Traurigkeit?(F. Petermann)(Grete Wiedeke). 8. O. Vogrio: Polka aus der Operette „Jamska-Iwanka"(Internationale JugoslnwischeTamburiza-Kapelle). 4. Sohilling: Variationen über das Lied.An Alexis send' ich dich"(Hugo Rogge, Xylophon). 5. Tartzas: Ungarische Weise (Internationale Jugoslawische Tamburiza-Kapelle). 8. s) Frosch- märchen(Text und Musik von Rodert Steidl), b) Paul Lincke: Auf dem Hängeboden(K. Steidl)(Robert Steidl). 7. Milutin Taraas: Bulgarischer Marsch(Internationale Jugoslaw. Tamburiza- Kapelle). 8.») Walter Kollo: Dünne Männer, dicke Männer(F W. Hardts, b) Wilhelm Lindemann: Wie ist das möglich?(Henry Samson), c) Adolf Philipp: Die lachende Familie, aus„Ueber'a großen Teich"(Grete Wiedeke). 0. Tartzas: Ungarische Lieder (Internationale Jugoslawische Tamburisa-Kapelle). 10. Oertel: Kunstreitergalopp(Hugo Rogge). 11. O. Vogrio: Mariza- Walzer (Internationale Jugoslawische Tamburiza-Kapelle). Ii a) Walter Kollo: Der kleine Finkenhahn(R. Steidl und F. W. Hardt), b) Maznczi: Rosine mit der Mandoline. eine Serenade von R. Steidl(Robert Steidl). 18. Slavijansky; Russische Quadrille(Tnter- nationale Jugoslawische TambnrizvKapelle). 14. a) Rieh. Tiele: Ach. wie ist die Liehe so süß. b) Willi Rosen: Mieße Zeiten (Grete Wiedeke und Robert Steidl). 15. Broe: Serbische Heimatlieder(Internationale Jugoslawische Tamburiza-Kapelle). Am Flügel: Franz S. Bruinier. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnaohrichten, Zeitansage, Wetterdienst� Sportnachrichten. Theater- und Filmdienst. KSnigswusterhausen, Mittwoch, den 25. August. 1.10— 1.40 Uhr nachm.: Lektor Grander n. Walinski: Französisch für Schüler. 3— 3.80 Uhr nachm.: Stud.-Rat Friebel und Lebtor Mann: Englisch für Anfänger. 3.30—4 Uhr nachm.: Stud.- Rat Friebel und Lektor Mann: Englisch für Fortgeschrittene. 4—4,30 Uhr nachm.; Stud.-Rat Ä. Dorner: Die Kunst das Kopfrechnens 4.30— 5 Uhr nachm.: Mitteilungen des Zentralinstituts. 8— 5 80 Uhr nachm.: Dr. Max Winkel: Formente, Vitamine, Mineralsalze in der Kabrung. 8.30 Ohr abenda: Oebertragung aus Leipzig: Kammermusik. Anschließend: Tanzmusik. KOM LINON mrM geschützj; MM tef MM • »WsW Berlin5. �eisigerauci1 M �icfcare�/ i...:.v.vv--i M AM Di Ein Huersihnitt durch die Wirtschaftslage. Die Umsätze im Wirtschaftsverlauf. Das Institut für Konjunkturforschung sucht, um ein klares Zild der wirtschaftlichen Vorgänge zu gewinnen, in einer Statistik so- zusagen einen Querschnitt durch die Wirtschafrslage der letzten Monate zu geben. Eine Kritik dieser Zahlen ist zugleich eine Ein- führung in die wichtigsten Elemente der Kulturbeobach- tung. Das Institut bringt folgende Zahlen zur Wirtfchaftsdepression: WirtschaftSdorgang Geldkreislauf Geldmarkt Tägl. Geld in Proz.jährlich Warenwechsel deSgl. Effektenmarkt Aktienkurse, durchschn.KurS Sproz. Goldpfandbriefe. Warenmarkt Reagible War.l Jndustriestoffe Fertigwaren J Güterkreislauf Geschäftsgong Wechselproteste(täglich). GeschäftSauffichten, Konkurie, Produktion Rohstoffeinfuhr(täglich in 1000 M. Borkricgswerte) Koks(1000 t tägl.)... Roheisen(1000 t tägl.) Walzwerkserzeugn. deSgl. Beschäftigungsgrad Bollarbeitslose(unt. Um« rechnung d. Kurzarbeiter) inGewerkschaften inProz. . Hauptunterstützungs empf. i..*) Zahlen für Juni. Wie man sieht, sind die Wirtschaftsvorgänge eingeteilt in solche, die sich um den G e l d k r e i s l a u f, und solche, die sich um den Güterkreislauf gruppieren. Im Vorder- gründe stehen die Bewegungen des Geldmarktes an der Börse. Tägliches Geld war in der Zeit von April bis Juli etwas teurer geworden. Die gewaltige Geld- stauung an den Effektenmärkten, die infolge des Darniederliegens der Produktion zu verzeichnen war, hat also bereits etwas nach- gelassen. Dagegen sind die Zinssätze für Warenwechsel(in der Regel für drei Monate) noch immer im Rückgang geblieben, was wiederum beweist, daß stch im Wechfeloerkehr Angebot und Nach- frage an Geld noch nicht gefunden haben. Hier zeigen sich also deutlich die Nachwirkungen der Geldstauung, die teilweise sich auch in der starten Hausse des Effektenmarktes äußert. � Die Hausse für Aktien, die das durchschnittliche Kursniveau bis Juli um zwei Drittel erhöht, bis Anfang August nahezu oerdoppelt hat, blieb nicht ohne Rückwirkung auf den Markt der l a n g f r i st i g e n Anleihen. Das zeigt die Kursbewegung der fünfprozcntigen Gold- Pfandbriefe, die von Januar bis April entsprechend dem Rückgang der Zinssätze auf den übrigen Gebieten um 23,8 Proz. angezogen hatten, in den nächsten Monaten jedoch nur noch l>,1 Proz. ge- wannen. r Am Warenmarkt zeigen Jndustriestoffe und Fertigwaren noch immer einen geringen Rückgang. Diejenigen Waren jedoch, die unter den Schwankungen des Geldmarkts und des Befchäftigungs- grades sehr rasch ihren Preisstand zu ändern pflegen, und die das Statistische Reichsamt unter einem besonderen Index für r e a- gible Waren� besonders kontrolliert, haben nach ihrem frü- Heren Rückgang sich bereits wieder im Preise erhöht. Unter normalen Verhältnissen wäre das ein Anzeichen dafür, daß die gewerbliche Konjunktur sich belebt. Diesmal jedoch dürften besondere Um- stände mitgewirkt haben, so insbesondere der englische Bergarbeiter- streik, die hier das Niveau in die Höhe trieben. Sichtbare Zeichen einer Besserung der allgemeinen Konjunktur dringen die Zahlen über den Güterkreislauf. Die Anzeichen von geschäftlichen Störungen, die in der Statistik der Wechselproteste, der Geschästsaufsichten und der Konkurse kontrolliert werden, zeigen durchweg, daß die früher kritische Lage einer großen Zahl von Unternehmungen sich merklich ent- spannt hat. Auf einen vermehrten Warenbedarf für die Pro- duktion läßt die Bewegung der Rohstoffe schließen. Vor allem hat die R o h st of f e i n f u h r in der letzten Zeit kräftig zugenommen. Bei der Produktion von Koks und Eisen jedoch kann man diesen allgemeinen Schluß nicht ziehen, weil hier wieder die Einwirkung des englischen Bergarbeiterstreiks eine große Rolle spielt. Die Besserung der Produktionsloge in diesen Gebieten der Rohstofferzeugung läßt also allgemeine Schlüsse darauf nicht zu, inwieweit die deutsche Industrie mit erhöhten Brennstoffbczügen sich auf eine größere Ar- heitstätigkcit in der nächsten Zeit einstellt. Eine geringe Besserung ergibt auch die Arbeitslosen- st a t i st i k. Doch sind hier ebenfalls noch nicht alle Zweifel behoben, ob es sich um eine wirkliche Besserung der Konjunktur handelt oder ob nicht der Einfluß der Jahreszeit und andere Umstände nur vorübergehend eine Besserung bewirkt haben, die vielleicht nicht von Dauer ist, ganz abgesehen von den Mängeln der Erwerbslosen- statistik. Das Konjunkturforschungsinstitut selbst bemerkt zu diesen Zahlen: „An sich sind auf jedem der drei Märkte Anzeichen der Besserung zu beobachten. Der Geldmarkt ist zwar noch stark flüssig, aber wohl mehr infolge zufließender Auslandskapitalien als infolge Darniederliegens der Unternehmertätigkeit, die sich vielmehr etwas gehoben hat. Der Effektenmarkt befindet sich seit Monaten in voller Hausse. Diese Aufwärtsbcwegung gehört zu den Merkmalen der Depression. Der Warenmarkt liegt noch im ganzen darnieder. Die Verknotung des Strahlenbündels (in der sich die Entwicklung bei einer zeichnerischen Darstellung zeigt. D. Red.) fängt aber an, sich zu lösen, indem bei noch sin'- kenden Kl ei n h a nd e l c- und G r o ß h a n de l s i n di- z i e n der Index der reagiblen(leicht e�n p f i n d l i ch e n) Preise schon anzieht. Die Betrachtung der Mengen- bewegung des Gütertreislaufs für sich kündigt' ebenfalls einen Aufschwung an, denn jawohl die Einfuhr von Rohstoffen und Halbfabrikaten als auch die Produktion wichtiger Grundstoff« hat zugenommen. Die Arbeitslosigkeit ist freilich noch kaum zurück. gegangen: sie pflegt aber auch sonst den anderen Kurven nach einiger Zeit zu folgen.� Die G e s n m t k» r v e der Konjunktur ist also sicherlich etwas nach oben gerichtet. Inwieweit sie zu einer dauernden Eni- jpannung des Arbcitsmarttes beitragen kann, das wird wesentlich davon abhängen, ob es der Industrie gelingt, sich auf einen g r ö- ßeren Absatz einzustellen und den Markt für die erweiterte Produktion zu schaffen, die sie durch die in Gang befindliche Ratio- nalisierung der Betriebe zu bewältigen oermag. Umsatzrückgang nur um 10 Prozent. Das Institut für Konjunkturforschung hat in dem bereits be- sprochenen Vierteljahrsheft eingehende Studien darüber angestellt, in welchem Maße die Umsätze in der Krise von den normalen Umsätzen abweichen. Folgende Ueberlegung leitet dieses Studium ein: Die Nachfrage auf dem Warenmarkt geht einerseits vom Konsumenten aus, der mit Einkommen bezahlt, und anderer- seits vom Unternehmer, der sein flüssiges Geldkapital ein- setzt. Mit ausbrechender Krise muß ein Rückgang der Umsätze wahrzunehmen sein, vor allem, weil es— dadurch wird die Krise ja ausgelöst— dem Unternehmer jetzt an flüssigen Geldern fehlt. Im weiteren Verlaus wird der Rückgang durch die Einkommen- schrumpsungen vor sich gehen, die während der Krisis und der Depression eintreten. Für die Verfolgung der Umsatzentwick- lung im ganzen verschafft uns die Umsatzsteuerstatistik, die freilich nicht alle Umsätze erlaßt, sie aber doch einigermaßen repräsentiert, gewisse Anhaltspunkte. Es wird dann festgestellt, daß die aus dem Ertrag der allgemei- nen Umsatzsteuer errechneten Umsätze im ersten Vierteljahr 1326 gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres um mehr als eine Milliarde oder um 4 Proz. zurückgegangen sind. Im zweiten Viertel- jähr ist das Aufkommen der Umsatzsteuer wieder größer gewesen, zum Teil jedoch infolge von Steuernachzahlungen, nicht aber als Ergebnis wachsender Umsätze. Andererseits ergibt sich aus der W e ch s e l st e u e r bis zu einem genyissen Grad die Möglichkeit, die Aufwendungen des Unternehmer. kapitals zu kontrollieren, da ein grvßer Teil der Warenkäufe der Unternehmer zunächst mit Wechseln bezahlt werden. Freilich muß man dabei im Auge behalten, daß die Unternehmer oft Wechsel zu Finanzierungszwecken ziehen: doch ist anzunehmen, daß auch diese Finanztransaktionen je nach der Intensität der Unternehmertätigkeit schwanken. Ein Schaubild, das auf Grund dieser Erkenntnisse zu- sammengestellt wird, bestätigt nun die Ausfassung, daß die Wirt- fchaftskrisis zunächst die Warennachfrage der Unternehmer stark zu- rückgehen läßt, während in der folgenden Periode der Depression, wo die Arbeitslosenzahlen hoch sind, die Umsätze zu Konsum- zwecken wesentlich zurückgehen. Erstaunlich ist nun das Ergebnis, zu dem das Konjunktur- forfchungsinstitut auf Grund seiner Zahlen kommt. Trotz der ungeheuerlichen Arbeitslosigkeit, die teilweise nicht durch den Rückgang der Konjunktur, sondern in der Veränderung der gesamten Wirtschaftsstruktur herbeigeführt sst. gingen während der letzten Krise die Umsätze kaum um 10 Proz. des Rormalstondes zurück! Das Institut stützt diese Rechnung darauf, daß bei der gegenwärti- gen Arbeitslosigkeit etwa 316 Milliarden Mark an Lohneinkommen jährlich ausfallen. Die Minderung des Unternehmer, und Ver« mögenseinkommens wird auf etwa eine Milliarde veranschlagt. Der gesamte Ausfall von 4Zb Milliarden Mark würde demnach bei einem Volkseinkommen von 50 Milliarden aber kaum ein Zehntel betrogen. Nun trifft die Konsumeinschränkung nicht olle Teile des Verbrauchs gleichmäßig. Nahrung und Wohnung braucht jeder, auch der Arbeitslose. Dagegen wird die Spar tätigkeit ein- geschränkt werden, ein Teil der S t e u e r n rr-ird nicht bezahlt werden tonnen, und der übrige Einkommensoerlust muß durch Verzicht auf Anschaffung von Kleidern. Hausgeräten und Luxusgegen ständen ausgeglichen werden. Tatsächlich wurde sowohl bei Genossenschaften, wie auch im Einzel- Handel beobachtet, daß noch in den ersten Monaten des Jahres 1326 gegenüber dem Vorjahre die Umsätze in Nahrungs- und Genuß- Mitteln etwas höher waren, während der Absatz an Kleidungs-, Haushalts- und Luxuswaren fast überall etwa um 20 Proz. hinter den Umsätzen des Vorjahres zurückbleiben Dabei sind emige Ge- nußmittel in diesem Jahre noch stärker gekaust worden als im vorigen Jahre. So ist der Zucker oerbrauch Anfang d. I. un- verändert geblieben, im Mai beträchtlich gestiegen. Der Bier- verbrauch war im ersten Vierteljahr 1326 größer als im Vorjahre, später ist er hinter dem vorigen Jahre etwas zurückgeblieben. Was geht daraus hervor? Die Krise entlädt sich in ihrer vollen Schärfe ans einige wenige Wirtschaslsgebiete. die dann von riesiger Arbeitslosigkeit betroffen werden. Es bedarf längerer Zeit, bis sich das gestörte Gleichgewicht im Haushalt der kapitalistisch organisierten Volkswirtschaft wieder herstellt. Daraus daß die Arbeitslosigkeit im legten Jahre tatsächlich fast alle In- dustriezweig« erfaßt hat. wenn auch nicht alle im gleichen Maße, ergibt sich eine neue Bestätigung dafür, baß die gegenwärtige Krise eben nicht allein auf die Veräirberungen in der allgemeinen Ge- schäftslage zurückzuführen ist, sondern, daß sie durch die Fehl- organisation der deutschen Industrie bewirkt ist. Die gesamte Wirtschaft muh also die in den setzten zwölf Iahren be- gangenen Fehler erst durch eine gründliche R e organisation b e s e i- t i g e n, ehe man auf eine Gesundung der Berhältnisse auf dem Arbeitsmarkt rechnen kann. Je längere Zeit dieser Prozeß in Anspruch nimmt, desto mehr muß die Allgemeinheit, muß auch der Staat aufbieten, um die schwersten sozialen Folgen der Wirtschaftskrise z u m i l d e r n. j der Arbeitsmarkt in öer dritten fingustwoche. Die Arbeitsmarktlage in der dritten August- w o ch e hat sich, nach den Berichten der Landesarbeitsämter, wenig verändert. Die Zahl der Erwerbslosen ist zwar fast überall weiter zurückgegangen, doch ist dieser Rückgang in geringem Maß erst in der letzten Zeit erfolgt. Die Belebung des Bergbaus und der eisenschaffenden Industrie hat sich bisher nicht in einer entsprechenden Entlastung des Arbeitsmarktes ausgewirkt. Die Landwirtschaft zeigt immer noch lebhaften Bedarf an Arbeitskräften, insbesondere auch an ge- lernten Knechten und Mägden. Die Textilindustrie zeigte weiter fast überall eine stärkere Nachfrage nach Arbeitskrästen, ebenso war der Arbeitsmarkt für die Konfektion und die Schuhindustrie auf- nvhmefähiger. Ungünstiger stellte sich die Lage im Vervielfältigungs- gewerbe und im Gastwirtsgewerbe dar. Zusammenschluhbewegung in der Schwachsiromindusirie. Die Werke der deutschen Schwach st romindu st rie, vor allem die großen Fabriken, deren Hauptbetätiguna in der Telephon- technik liegt, sind g v t(und zwar auf längere Sicht hinaus) b e- s ch ä f i i g t: in der Hauptiache für die Deutsche Reichspost, die be- kanmlich die Automatisierung der Telcphor.ämter in zunehmendem Maß« zur Durchführung bringen will. Auch R-parationsaufträgc werden aller Voraussicht nach der Industrie zugute kommen. Der Export der Schwachstromindustrie hat sich etwas belebt, leidet ober immer noch unter der starken ausländischen Konkurrenz, die im Gegensatz zu den deutschen Werken einheitlicher auszutreten in der Lage ist. Ob sich die verschiedenen deutschen Konzerne, besonders für den Export, zu einem g e m e i ns a m e n Vorgehen entschließen wer- den, ist noch nicht enlschieden: zweifelos sind starke Tendenzen in dieser Richtung am Werke, ein zum mindesten partielles Zusammen- gehen zu erzielen. Die bedeutendsten Konzerne der Schwachstrom- brauche sind bekanntlich die Siemens- Gruppe, dann die Mix- u.- G e n e st- Gesellschaft(zum AEG.-Konzern gehörig), ferner die Deutschen Telephon- und Kabelwerte, die C.Lorenz A.-G. und die Berliner Telephon- A.-G. Die Leipziger herbstmefle und die Krise. Die Leipziger Hb st- messe wird diesmal unter dem Zeichen der wirtschaftlichen..nje und ihrer Auswirkungen stehen. Aeußerlich zeigt sich das schon darin, daß die Zahl der angemeldeten Aus st eller von über 10 000 bei der vorigen Masse auf etwa 8500 bei der dies- mäligen z ur ü ck g e h t. Zum Teil ist dieser Rückgang freilich dadurch bewirkt, daß die Werkzeugmaschinensabriken und die Elektro- technik auf der Technischen Messe im Herbst nicht oder nur in ge- ringer Zahl erscheinen. Eine Anregung für den Markt erwartet man von dem Arbeitsbeschaffungsprogramm der Reichsregierung, das auf die Kaufkraft der Bevölkerung nicht ohne Einfluß bleiben wird. Besonders mißt man der Banmesse mit ihren Spezial- ausftellungen in diesem Zusammenhang eine Bedeutung bei. Im übrigen wird die verringerte Ausstellerzahl damit begründet, daß die Reinigungskrise einen großen Teil der leistungs- schwachen Firmen ausgeschaltet hat. Trotz des Rückganges der Aus- stellerzahl ist die Leipziger Messe auch jetzt noch immer mit ihren 63 Mcßhäusern und Hallen mit weit über 150 000 gm belegter nutzbarer Ausstellungsfläche die größte derartige Veranstaltung der Welt, 6 Proz. der Aussteller kommen aus dem Auslande. Man hofft, daß durch eine Reihe von Neueinrichtungen und Umorgani- sationen besonders nach der Richtung der Branchcnkonzen- t r a t i o n die Leipziger Messe auch diesmal für den deutschen Export nach dem Auslande und für die Belebung des inländischen Marktes von großer Wichtigkeit sein wird. Das Russcngeschäst kommt langsam in Fluß. Vor längerer Zeit schon war bekanntlich zwischen der deutschen Industrie und der russischen Handelsvertretung ein Abkommen geschlossen worden, nach der die deutsche Industrie für Lieferungen bis zur Höhe von 300 Millionen den Russen Kredit gewährt. Das Reich und Länder übernehmen hierfür gegenüber den deutschen Lieseranten eine Ausfallbürgschaft in der genannten Höhe. Obwhl die Vertröge in den Grundzügen fertig waren, blieben die Aufträge der Russen zunächst aus. Sie bemängellen die Höhe der Zinsen, die sie für die Kredite zahlen sollen. Sie beschwerten sich über die zu hohen Preise, die von ihnen sür die Waren verlangt wurden. Nach längeren Ver- Handlungen wurden diese Differenzen beigelegt, und nun beginnt das deutsch-russische Geschäft auf Grund dieser Garantieverträge m Fluß zu kommen. Die Industriellen, die eine Uebernahme der Reichsgarantie fordern, haben entsprechende Anträge bei einem interministeriellen Ausschuß zu stellen. Bisher sind für 37 Millionen Mark Anträge bei diesem Ausschuß gestellt. Für 22 Millionen Mark ist bereits die Garantie bewilligt. Vom Rest ist nur der geringste Teil abgelehnt worden. Die meisten der nicht erledigten Anträge schweben noch. Bis Anfang September dürften für 60 bis 80 Millionen Mark Lieferungen abgeschlossen sein, eine Summe, welche die vor dem Ingongkommen der geschäftlichen Beziehungen abgegebenen Schätzungen erheblich übertrifft. Aus dem Tiefbaugewerbe. Im Tiefbaugewerbe fft Hochkonjunk- tur für Auslandsaufträge. Die Firma Julius Borger A.-G. hat, wie wir melden tonnten, einige Auslandsaufträge größeren Um- sangs. Die Philipp Holzmann A.-G. hat neben Tiefbauarbeiten an der mittleren Isar im Werte von 5 Mill. M. und. Bauten in Berlin im Werte von 11 Mill. M. Baggerarbeiten in Qe Haor«, die über Reparationskonto laufen, im Werte von 6 Mill. M. Zlußerdem hat sie Bauten in der Türkei in Auftrag, und zwar Bankbauten für die Banque Ottomane in Smyrna und Angora, und Flugzeughallen in Kaisaraje. Auch die Habermann u. Guckes, Liebhold 2l.-G. in Ber- (in hat einen größeren Auftrag aus dem Orient erhallen. Kapitalerhöhung der Elektrizitälsliescrungsgcscllfchaft. Die zum AEG.-Konzern gehörende Elektrizstätslieferungsgesellschast, die als Holdinggesellschaft die Anteile einer Reihe von Elektrizitätswerken verwaltet, beabsichtigt, ihr Aktienkapital um 5 Millionen Mark auf 25 Millionen Röark zu erhöhen. Die Vergrößerung des Elektri- zitätsverbrouchs nötigt di« Gesellschaft zu einer Reihe von Neubautm, für welche di« aus der Kapitalserhöhung der Gesellschaft zufließenden Mittel verwandt werden sollen. Dem Unternehmen gehören auch die Anteile der Kohlen Veredelung G. m. b. H., die auf der Grube Leopold die Bvaunkohlenverschwelung und-entölung betreibt. Ueber die Unterbringung des Kokses, der durch diese Verschwelung frei wird, schweben aussichtsreiche Verhandlungen. Auch am Dienstag noch scharfe Repartierung für Stahltrv.st-'* aktten. Am zweiten Einführungstage erzielten die Aktien der Ver- einigten Stahlwerke- A.-G. einen Kurs von 141, also 11 Proz. höher als am Montag, bei wieder sehr scharfer Zuteilung. Für Austräge von 1000 bis 20 000 wird eine Stahltrustaktie, für 20 000— 50 000 zwei Aktien, und für 51 000 M. und mehr drei Stohltrustaktien ge- geben. Am Montag werden die Aktien im variablen Verkehr gc- handelt werden. Ilm die Bildung des inkernollonalen Elsenkarle lls. Wie der „Frankfurter Zeitung" aus Brüssel berichtet wird, werden die belgischen Eisenindustriellen am Mittwoch in Brüssel zu. einer Besprechung zusanimentneten, um di« Richtlinien festzulegen für die nächste Sitzung der Eisenindustriellen in Paris, die noch vor dem 15. September stattfindet. Die Schwierigkeiten gehen namentlich von den Hennegauer Eisenindustriellen aus, die mit der Produktions- quote auf der Basis der ersten sechs Monate des Jahres nicht«in- verstanden sind, da infolge des Streiks während dieser Zeit in diesem Bezirk ein« niedrigere Produktionsziffer als normal erreicht worden war. Eine Amerikaanleihe Preußens? Der Preußische Staat steht seit November vorigen Jahres mit dem amerikanischen Bank- haus Harris, Fordes u. Co. in Unterhandlungen über die Unterbringung einer Anleihe auf dem ameritouischeli Markt. Es handelt es sich um einen Teilbetrag des vom Preußischen Landtag genehmigten l50-Millionen-Kredits, und zwar soll der amerikanische Anteil ungefähr die Hälfte der Gesamtanleihe ausmachen. Von zuständiger Stelle wird dazu mitgeteilt, daß es sich bis jetzt»ur um unverbindliche Besprechungen' gehandelt hat. Der endgültige Abschluß dürfte auch in absehbarer Zeit zu erwarten sein, da der Preußisch« Staat völlig freie Hand hat, sich für die Begebung der Anleihe den günstigsten Zeitpunkt auszusuchen. Günstiger Leschöstlgungsstand bei einer Waggonfabrik. Die Waggonfabrik Jos. Rathgeber A.-G., München-Moosach, deren Aktien in den letzten Tagen an der Börse begünstigt wurden, legt soeben den Jahresbericht per 30. April vor: die Situation war im über. wiegenden Teil des Jahres ungünstig wie in der ganzen deutsches Waggonindustrie: gegen Ende des Jahres besserte stch die Lage info- fern, als die unvernünftigen Preisunterbieiungen aufhörten und in- folge hereingenommener Aufträge neue Arbeiter eingeltellr werden konnten. Die vorliegenden Aufträge sichern Beschäf- tigung bis über das Kalenderjahr hinaus, auch find die Aussichten auf weiteren Eingang von Aufträgen günstig, so daß die Hoffnung auf einen zufriedenstellenden Abschluß des laufenden Jsshrcs ausgesprochen werden dort. Der Gewinn von 2343 M. wird vorgetragen. Aus der Bilanz: Schuldner� 0,40, Halbfabrikate l,12, dagegen Gläubiger 0,45, Akzepte 0,08, Schuldverschreibungen 0,21, Rücklage 0,28 bei einem Aktienkapital von 2,83 Mill. M. Mittwoch 25. Mgllst?H2ö Unterhaltung unö AAlssen Seilage öes vorwärts Die Schauspielerin. Aon Panteleimon Romanow. 1'(Schluß.) Im Zuschauerraum beschäftigen sich alle, die das neue Stück noch nicht gesehen haben, nur mit der Frage, wie diese kleine Frau im Tanz den Ausstand ausdrücken könne? Dafür ist doch, so schien es ihnen, eine Menschenmenge not- wendig. Wie kann sie das aber ganz gllein machen? Der Vorhang öffnete sich nach beiden Seiten. Das Programm begann. Zunächst erschienen auf der Bühne einige Sänger in Bauerntracht und neuen Opanken. Sie sangen, während sie mit den Händen gestikulierten, dann tanzten sie, während sick, einer von ihnen, ein' rothaariger Bauernbursche in unnatürlich reinem, glattem 5>omd und noch nie getragenen Opanken derart gebürdete, daß man von rück- wärts unter der rothaarigen, zerzausten Perücke sein schwarzes Haar sehen konnte, das hervorstand. Da er dies.selbst nicht bemerkte, wirkte er ungemein komisch. Sein unnatürlicher Eifer fordert« geradezu zum Applaus heraus. .. auch der hats nicht leicht, sein Brot zu verdienen.. dachten alle. Dann kam, ebenfalls in Opanken und rothaariger Perücke,«in Vorleser von Erzählungen aus dem Volksleben, in denen die Würze darin liegen sollte, die Worte unrichtjg auszusprechen, so wie man es sich von ungebildeten Leuten vorstellt.. Darüber hätte man eigentlich beleidigt Hein können, aber auch ihm wurde gutmütig applaudiert. Es ging ja ums Brot... Der Vorhang fiel. Der Ansager im Sakko trat vor die Rampe und verkündete, so, als wollte er etwas sagen, worauf alle schon die längste Zeit in größter Ungeduld warteten, mit lauter Stimme: „Anna Reinhardt tritt nun in ihrer neuen Nummer„Aufstand" vor das Publikum' Es wurde still. Und eine Sekunde später ertönten leise, unter- drückte Klänge der Musik, als kämen sie von irgendwo her, durch dicke düstere Mauern. Rasch und lautlos ging der Vorhang aus- einander. Die Bühne stellte ein Gefängnis dar. Eine Mnuerecke, aus schweren, grauen Quadern, mit Kalt getüncht, auf dem Boden ein Bündel Stroh und ein kleines, quadratisches Fenster mit starkem Gitter, an der Wand. In der anderen Ecke das Gebctpult, mit rotem Tuch bedeckt, auf ihm ein hölzernes Kruzifix und ein Evangelienbuch. Aller Augen starrten auf die geöffnete Gefängnistür, deren steinerne Stufen nach oben führten. Was wird dort erscheinen? In der Musik erklingt ein abgerissener Akkord— als wären die Saiten eines Klaviers gerissen. Im selben Augenblick stiirzf über die steinernen Stufen, als hätte ihn mit wuchtigem Stoß der Heyker hcruntergcworfen, ein zerbrcchlichex Frauenkörper auf die Bühne. Der Saal zitterte und erstarrte. Das ist s i c... Ihr kleiner, zu einem Knäul zusammengeballter Körper lag hilflos auf dem steinernen Boden. Nur ihr magerer Rücken und die auf dem Boden verstreuten goldenen Haare waren sichtbar. Dann hob sie langsam den Kopf und während sie sich auf die Knie erhob, betrachtete sie mit einem Ausdruck, der den noch nicht geschwundenen Schmerz von dem Schlag des Henkers erkennen ließ, mit naivem, kindlichem Blick das Gefängnis, das Strohbündel auf den, Boden, das vergitterte Fenster. Ihre Augen drückten keineswegs dieses große Leid und Entsetzen aus, wie es gewöhnlich auf der Bühne gezeigt wird. Ihr Gesicht war das eines Kindes, in welchem die Tränen des gelittenen Schmerzes nych nicht erstarrt sind und dessen Aufmerksamkeit ganz der Betrachtung der neuen, unge- wohnten Hingebung gilt. Aber die Umgebung ist arm: ein Bündel Stroh und ein vergittertes Fenster. Sic verstand alles. Das plätzlich« Bewußtwerden ihrer Begrabenheit scheint ihx Gehirn zu durchbohren. Sie springt auf, wirft sich an die Tür, hängt lich mit beiden Händen an die schwere Klinke, schlägt um sich, beißt sich in einem Anfall von Verzweiflung in die Hände. Für sie gibt es keine Zuschauer. Es gibt für sie keine Masse von Menschen, die hinter ihren Rücken im Saal sitzt. Sie ist allein. Allein, vor der für ewig versperrten Tür, dig man nicht offnen kann, an deren 5?olzbrett«r man höchstens mit dem Kopf schlagen kann, um den Schmerz des Bewußtseins lebendigen Be- grabenseins zu betäuben. Und in den Hunderten von Leuten, die hinter ihr sitzen, herrscht nur ein Gedanke: wenn sie sich auf diese Tür Wersen könMen— diesen Hunderten von mächtigen Arbeiterschultcrn hätte weder die Tür noch die Mauer widerstanden! Plötzlich zitterte etwas in dem Gesicht der kleinen, gequälten Frau, ihr Blick siel aus dos rote Gebetpull mit dem Kruzifix. Dieser rote Stoff— er ist das Symbol ihres Blutes, das sich ergießen wird, kann fein heut«, kann sein morgen... Ihre Augen sind weit geöffnet, voll lautlosen, stummen Entsetzens. Dann ober verwandelt sich dieses Entsetzen in einem Anfall religiöser Besessenheit. Mit nach vorne ge- streckten Armen und Tränen in den Augen, die sich über ihre blassen Wangen ergießen, kriecht sie auf den Knien zum Gebelpult, wo sie in tiefer Zerknirschung wie zertreten niedersinkt. Dieser Anblick ist aus irgendeinem Grunde so erschreckend, so mitleiderregend, daß jeder Zuschauer bemüht ist, sich davon zu überzeugen, es handle sich nur um Spiel, es sei alles nur absichtlich so... Plötzlich aber hebt sie den Kopf, ass habe sich in ihm ein Ge- danke festgesetzt. Starr blickt sie auf das Gebetpult, auf das Kruzifix, erhebt sich, blickt die Ding«> wie neuerwacht wieder an, betastet sie mit' den Händen, fährt sich über die Augen. Im Saal ist alles erstarrt, man hört nur den angehaltenen Atem von Hunderten von Brüsten. Plötzlich fährt sie auf. ihre Ohren lcheinen einen Klang auffangen zu wollen, irgendeinen fernen Klang, hinter der Bühne. Sie ist neu belebt. Noch mit dem Kruzifix in der Hand, macht sie eine Bewegung gegen die Tür. Die Tön« hinter der Bühne kommen nähqr, schon deutlich ist dos Reoolutionsmotio hörbar, die laufenden Schritte vieler Hunderter von Füßen.' „Sieg!" Ihre Augen laufen von der Tür zum Gitterfenster und iu der Sekunde oerändert sich ihr Gesichtsausdruck. In ihren Aygen ist«ine Erleuchtung der eben aufflammenden Freude und unbewußt spiegell der ganz« Saal dieses Lächeln der Freude und Feierlichkell. Es gibt keine kleine, unglückliche Sklavin mehr, zu majestätischer Größe hat sie sich empovgereckt, sie ist gewachsen,- ihre Augen werden groß und sind strahlend. Urplötzlich bricht sie das Kruzifix inmitten entzwei, zertritt es mll den Füßen, reißt den roten Uebe/wurf von dem Gsbetpult und. wie mll einer siegreichen Fahne, wirft sie sich in die wellgeöffnete Gefängnistür, dem siegreichen Ruf entgegen.... � Lnd jm.SM schreit man, tobt Mt den Stühlen, winkt chr mit den Händen zu. Und sie, die sich wieder in«ine kleine, hilflose Frau verwandelt hat. kommt auf die Bühne, streckt dem Publikum kindlich ihre Hände entgegen, verbeugt sich und lächelt— ein leises rührendes und donkbares Lächeln. Die Vorstellung ist zu Ende. Mit einem Stückchen Watt« wischt sie sich vor dem Spiegel in der Garderobe die Schminke weg. Nach- dem sie ihre zehn Rubel in Empfang genommen hat, kommt sie aus ihrer Garderobe, geht nach 5iause, sperrt ihr Zimmer aus. Dort ist Sage mir, mit wem öu umgehst... Escherich verkehrt mik hindenburg. hindenburg ist. er hat's beschworen. Republikaner. Wenn also Escherich mit Hindenburg verkehrt, dann muh auch Escherich unzweifelhaster Republikaner sein. Quod erat demonstrandum. Zu deutsch: man kann völlig beruhigt sein. ein großes, altertümliches Bett, zwei Porträts von Urahnen in Generalsuniformen, an der Wand steht ein Tisch, auf diesem eine Kofseekanne. Jetzt kann sie sich schon Brot mit Kaviar und Milchkaffee leisten. Es ist schon spät. Sie kleidet sich aus, stellt sich auf den Teppich- vorleger beim Bett und barfuß, bloß im Hemd, betet sie lange und heiß vor dem über dem Bett hängenden Kruzifix. Sie bitte Gott, wenn es möglich ist, zu oerstehen und verzeihen, denn all dixs täte sie nur für die Bühne und sie sei ihm, ganz wie früher, mit ihrem ganzen Herzen ergeben. Ader statt Puder Zahn- puloer zu benützen, dazu habe sie kein« Kraft mehr. tBcrechtiote UcberlGung von Arnold Wasserbauer.) Daviö Hunte. Von Karl Dörr. Für die praktischen Ausgaben des proletarischen Klassenkampfes besitzen die theoretischen Forschungsergebnisse der Philosophie kein« unmittelbare Bedeutung. Die durch den Zwang des Tages im Interesse einer politischen Machteroberung und der gesellschaftlichen Umgestaltung notwendig zu lösenden Ausgaben können nicht durch philosophische Problemlösungen wesentlich beeinflußt werden. Aber die proletarische Klassenbewegung hat nicht nur Gegcnwartsaus- gaben in der kapitalistischen Gesellschast zu erfüllen, sondern dar- icher hinaus unter Beibehaltung sestumrissencr Grundsätze an der Formung und Gestaltung der zukünstigen sozialistischen Gesellschaft zu arbeiten. Es gilt also nicht nur an der Lösung praktischer Aus- gaben zu arbeiten, sondern auch noch an der Aussindung der den praktischen Ausgaben vorausgehenden theoretischen Erkenntnisse. Der wissenschailliche Sozialismus ist nicht restlos zu verstehen, wenn man aus seinen theoretischen Elementen gerade die philo- scphischen herausnimmt und sie als unwesentlich bezeichnet. Nun soll man aber nicht nur allein Verständnis für die Philosophie Hegels ausbringen, weil sie am stärksten Marx und Engels beein- flußte und der wissenschaftlichen Begründung des Sozialismus die philosophische Grundlage gab, sondern das Verständnis der Ar- beiierschail für philosophische Problemlösungen soll sich aus all die philosophischen Systeme erstrecken, die der Welt neue Gedanken und Erkenntnisse und der Wissenschast neue Untersuchungsmethoden gaben. Wenn sich die Ausmerksamteit des philosophisch interessierten Sozialisten nicht nur allein auf die Untersuchung der philosophischen Grundlagen des Marxismus beschränkt, sondern sich allgemein der Philosophie zuwendet, dann darf auch der bedeutendste englische Philosoph, David Hume, nicht außerhalb seiner Betrachtungen liegen. Sein 130. Todestag am 23. August gibt uns den äußeren Anlaß zu einer kleinen philosophiegeschichtlichcn Betrachtung. Warum uns gerade die Philosophie Humes interessiert? Nicht deshalb, weil Hume Englands bedeuiendftcr Philosoph war und dessen Philosophie wesentlich zur Entwicklung des Kantischsn er» kenntnistheoretischen Kritizismus beitrug, sondern weil Hume am klarsten das Problem des crkenntnistheoretischen Empirismus herausstellte. Das Problem des Erkennens besaß in der Ge- schichte der Philosophie schon immer eine überragende Bedeutung, die sie nur in der mittelalterlichen Epoche gegenüber dem theologisch- philosophischen. Autoritätsprinzip verlor." Mit dem Geist der Renaißance und dem Erfolg der Reformation fielen zugleich die mittelasterlichen' Schranken der kirchlich, autoritajipen Weltanschau- ung. und der freie forschende Menschengeist konnte wiederum aus die Suche nach der Wahrheit geben. Zur selbständigen Wohrhetts» erforschung blieb dem menschlichen Geiste als Mittel der Erkenntnis nur die Vernunft und die Erfahrung. Die Geschichte der neuzeitlichen Philosophie bis Kant enthält fast nur die Austragung des Gegensatzes von rationalistischer und cmpiristischcr Erkenntnistheorie. David Hume wurde nun der über- zeugte Verfechter des radikalen Empirismus, der nur aus der Er- fahrung den Inhalt unserer Erkenntnis schöpfte und die Vernunft als reines Erkenntnismittcl ablehnte. Der Empirismus der Hmneschcn Philosophie besteht darin, daß er olle unsere Vorstellungen aus ersahrungsmäßig gegebene Ein- drücke zurückführt. Hume bestreitet mit Locke die Möglichkeit an- geborener Vorstellungen. Vorstellungen sind nach Hume nur Kopien von Eindrücken. Da diese Eindrücke aber nur sinnlichen Ursprungs sein können, läßt sich auch die Philosophie Hunics als sensualistisch bezeichnen. Das Material unserer Erkenntnis sind die Vorstellungen, die zueinander in Beziehung gesetzt werden. Hume unterscheidet zwei Beziehungsartcn: Solche, die lagisch notwendig sind und andere, die nur psychologisch notwendig sind. Das in der Philosophie stark umstrittene Problem, ob es eine Welt außerhalb unserer Vorstellungen gibt, eine Welt von unab- hängig von uns existierenden Dingen, hat Hume mit dem Hinweis auf die Unmöglichkeit einer sinnlichen Wahrnehmung dieser Außen- weit gelöst. Nach Hume läßt sich das Dasein einer Außenwelt weder durch die Sinne noch durch die Vernunft beweisen. Eigentlich mühte man die Philosophie Humes als positivistisch bezeichnen, da er unter wissenschaftlicher Erforschung der Dinge ein Feststellen des kausalen Zusammenhangs ersahrungsmäßig fest- stellbarer Erscheinungen versteht und jede wissenschaftliche Erkennt- nis aus jenseits.der Erfahrung liegenden Ursachen als metaphysisch ablehnt. Für Hume bleibt die Erfahrung die alleinige Quelle wissenschaftlicher Erkenntnis und auch ausreichend für die Geftal- tung des Lebens und die Erforschung wissenschaftlicher Tatsachen. Die Natur- und Geisteswissrnschoften gehen in ihren Unter- suchungcn auch von ersahrungsmäßig gegebenen Tatsachen aus. Auch die philosophischen Grundlagen des wissenschaftlichen Sozia- lismus beruhen auf den erkenntnistheoretischen Grundsätzen des Empirismus, weil ja die Philosophie des Sozialismus keine angeborenen Vorstellungen und absolute Ideen anerkennt, sondern den Inhalt unserer Erkenntnis cbensulls auf di« aus der Erfahrung gewonnenen Vorstellungen und die geschichtliche Triebkraft alles ge- sellschaftlichen Geschehens nicht auf die Wirkung absoluter Ideen, sondern auf die Funktion gesellschaftlicher Kräfte zurückführt. Dös Verständnis der empiristischen Erkenntnistheorie David.Humes er- leichtert uns das Studium der philosophischen Grundlagen des wisienschaftlichen Sozialismus. Wie war der Lebenslauf dieses Mannes? Nicht der eines zu- rückgezogenen Stubengelehrten und trockenen Kathederprofessors, sondern eines weltgewandten, weitgereisten und praktisch-nüchterncn Staatsmannes und Diplomaten. Väterliche Bestimmung zwang ihn zur Jurisprudenz, die nach dem Tode des Vaters mit der Philosophie vertauscht wurde. Dem nie rastenden Philosophen, der am 26. April 1711 in Edinburg als zweiter t-ohn eines schottischen Edelmannes geboren wurde, hielt es nicht lange iVi der Heimat. Er reiste 1734 nach Frankreich, lebte in La Fleche, dem Iugcnderziehungsort Des- cartcs, in stiller Zurückgezogenheit, um wisscnschastlich zu arbeiten. Hier reifte sein Hauptwerk:„Den Traktat über die mensch- l i ch e Natur", das er aber erst 1739 nach seiner Rückkehr nach England herausgab. Es wurde verkannt. Später arbeitete er es um und zerlegte es in mehrere getrennte Bücher. Im besten Schaffcnsalter genügte ihm aber nicht die stille Tätig» keit eines Gelehrten, sondern sein schweifender Geist suchte auch prok- tische Betätigunqsmöglichkeiten. Die fand er einmal als Sekretär des Gesandten St. Clair in Turin und Wien, dann wieder einmal ols ruhiger, zurückgezogener Bibliothekar der juristischen Fakultät der Edinburgcr Universität, und 1763 wieder als Gesandtschasts- sekretär Lord Herfords in Paris. Hume war kein verstaubter Bureaukrat, kein Federfuchser, sondern ein gew-andter, scharfsinniger, pflichteifriger und politisch stark interessierter Diplomat, dessen Bc- richte Aussehen erregten und wegen ihres Stils berühmt wurden. Zwei Jahre, von 1767 bis 1769, war 5zume Unterstaatssekretör im Auswärtigen Amt, dann zog er sich zurück, blieb im Kreise seiner Freunde und Verehrer der still-heitere Philosoph und starb am 23. August 1776 an einer schweren Unterleibserkrankung. David Hume ist Englands bedeutendster Philo» s o p h. der nicht nur scharfsinniges Denken mit außerordentlich großem Wissen vereinigte, sondern auch den klarsten und schönsten Stil besah. �us Humes Schnsten. lieber den Glauben an Wunder. Ein Wunder ist eine Durchbrechung der Nawrgesetzlichkeit. und da diese Gesetze durch eine feste und unabänderliche Erfahrung er- härtet worden sind, so ist der Beweis gegen ein Wunder schon aus der Natur der Tatsache so vollständig, als es irgend em der Erfahrung entnommenes Argument nur sein kann. Erzählt jemand, er habe einen Toten wieder lebendig machen sehen, so bedenke ich sofort, ob es wahrscheinlicher ist. daß dieser Mensch täuscht oder getäuscht worden ist, oder daß die berichtete Sache wirklich stattgesunden habe. Ich wäge ein Wunder gegen das andere ob und gemäß dem von mir gefundenen Uebergewichte lehne ich st eis das größere Wunderab. Golk und Mensch. Der Mensch schasst sich selbst eingebildete Feinde, die Dämonen seiner Phantasie, welche ihn mit abergläubischen Schrecken heim- suchen und jeden Genuß des Lebens versengen. Sein Vergnügen. bildet er sich ein. ist in ihren Augen ein Verbrechen, seine Nahrung und Ruhe bewirke bei ihnen Argwohn und Aergernis. « Es ist eine Absurdität, zu glauben, daß die Gottheit menschliche Affekte habe und noch dazu einen der niedrigsten: ein rastloses Verlangen nach Beifall! Die Natur scheint eine genaue Berechnung der Notdurst für ihre Geschöpfe angestellt und gleich einem harten Herrn ihnen nur wenig mehr Kräfte und Fähigkeiten gewährt zu haben als eben zur Befriedigung ihrer Notdurft. Ein„gütiger Vater" würde eine reiche Ausstattung gegeben haben, um gegen Zufälle zu sichern und die Wohlfahrt des Ge- schöpfes auch unter dem unglücklichsten Zusammentreffen von Um- ständen zu bewahren. 4- Des E p i k u r s alte Fragen sind noch unbeantwortet: Will Gott Uebel verhüten und kann nicht? Dann i st er u n m ä ch t i g. Kann er und will nicht? Dann ist er übelwollend. Will er und kann er? Woherdanndas Uebel?? Die Unsterblichkeil der Seele. Die Hauptquelle moralischer �Ideen ist die Erwägung des Inter- esses der menschlichen Gesellschaft. Verdienen diese so kurzen und so geringfügigen Interessen durch ewige und unendliche Strafen ge- schützt zu werden? » Doch was muß ein Philosoph von jenen Phantasten denken, die, statt den gegenwärtigen Schauplag der Dinge zum Gegenstand ihrer Betrachtung zu machen, den Gesamtlaus der Natur so sehr verrücken, daß ihnen dieses Leben als ein bloßer Durchgang zu etwas anderem erscheint,"....„ Staats-Theater Opernhfius a. Platz d.Pepubl T1/�* Der ferne Klang Schaaspielhau» 8: Kyrltz• Pyi Itz Schiller»Theater Geschlossen Stidtlsdie Optt Charlotlenburp 7V, Uhr; Oeschi Vnr�lf Pun1 Cfr fließende Bollander Eine bescurank An zahl von Karten pe lanct noch an der Kasse mm Verkauf kMn Ibeater Norden 10334—38 ÜKtnMtfritt'oe Rufinert 8'/, Uhr Lctite Woche 1 1 Max Adalbert Das 8Uel Sommerpreise Die Komödie Bismarc« 2m, TJlf 8V. Uhr BiiflslBigeLescrlD Cr-Ise 2. 4. n Mk meines IdeM Täglich SV, Uhr isla Nielsen Rita Cavallini Siltralwri-BiiliKg Demsches Kfinsll.-Tbealer Tagl S'i, Uhr Der Nobelpreis Tb. a.llDrfirMinini Tä lieh � Uhr: Yvonne Vcranzeine t »Ntüttt Kiostler-Tbuter 23. d. Mis! V.Uhr Premiere Veronika Loslsplelbsus 26. d. Mis 7'/, Uhr Premi er e K U K U L I I Kur urii 6i56 Tätlich A Uhr: Singers Midgcts Revue u „Toto" Besidenz• Ttieai. 8*4 Uhr M ooiilece K�ili Marl n Kellner Jlararaerspie'.e Molden 10334—38 Die stat, 31.August i'i.Unriunt 1 Maie Bbii iW tarnt... v Oei h.tiaup'mar.n Iqli: He:ni Hilpert L>er l orverka.il hat hr gönnen Dose-Thsater Uhr Olaf, Traeödie eines Sportlers Ganenbühne 5 Uhr: Kon xen und Bunter Tel 8 U- S«in Hertwisiung«u Casiao-Tiisaier u«. iVat Lisi)« vermag Vorher bunter Teil Gutschein 1-4 Pers Itcl Vorre gung der Annonce zahlen d ie Faui. u Balkon I M Loge u.>essel 1 5' -G- Ihr Bruch wirb immer größer, wenn Tie ein schlrchtsißenbes unb läliigea Feberbruchbanb pbei Gummibonb trogen. Durdi iolche Biinbrr verschlimmert sich bo» Leiben unb tonn zur Tobeeurioche werben. lEs enifleht Bzucheinflemmung. die oneriert werden muf und den Tod zur Folge hoben fonn) Deaboib liegt et in ihrem Interesse, sich meine Sugerft degueme. unoerwiifiliche Spezigi-Bonboge onlertigen zu lallen. Durch Tog unb Rocht Trogen meiner Bonbogen hoben sich nachweislich Btuchieibenbc selblt gebellt. Werlmitr. A. B Ichreibt u. o„mein schwerer Leillenbrnch IN gehellt Ich bin wieber in meinem SS. Ledenssohre ein g inzer unb glücklicher Mellich!" Lonbwirt Fr. Sl. schreibt u. o.: �Zch sehe mich genöligi, Ihnen noch 2 Jahren meinen innigen Don? auszusprechen.. wurde Ich ganz betreit von meinem Leiden.- Bonbogen von MI. 15,— on Für Bruch, und Boriollleibenbe toftenlv» zu sprechen ini Berlin ND7. Friebrichslroße SU I. Etage, jeden Montag von 0— U Sonnlog» von 11—8 llhr K. Ruffing, Spezial-Bandagist Köln, Aonner Straße 24S. uea-uii nirea w uhn Miß Amarika Mr des Westens Ttlabon: Sliinpl. 93t Täglich 8 Uhr; Die Revue Der Zug nadi dem Westen fKietknl BigilerbradMi Theaterkasse. Werthe'm ett Woöitpi-Par- gellen'« Morq Ä;ft.. oect Lifi. Win»str.«8. Inlerieren brtiiTt ERPOLO Komis<#ie Oper 8V, Dir. James Klein"«V, Infolge auswänig. Gastspiele nur t och 7 Tage die eimice Berliner Theater- Sensa Ion Berlin ohne Hemd! Gr. Revue 200 Mitwirkende Kl' ine Pre'fte VORANZEIGE DER VORVERKAUF FÜR DIE NEUE nslralt«in leuch- lenbes Beispiel gewelen tft. Wir vet- lieien in dem Berftorbenen einen Borgesetzlen, der sich durch Ebelmul unb Tbarolter die Heizen der Arbeiter und Angestellten er.bett hol. Wir werben letner stete in Ehren gedenken. Reukblln, den 24 August 1826 Die Arbeiter und Angestellten der Neuköllner Anstaltsbetriebe Nach schwerem Leiben entschiiei om Montag, den 23 August, mein lieber Mann, unier guter Vater, der Stoiurat Dr. med. Raphael Silbersieln im Aller»on 63 Jahren. Zm Namen aller Hinterbliebenen Sldonte Silber stein, geb. Natbao Die Einitscherung findet am Freitag. 27. August, nachm 3 Uhr. im Rremot Baumldnilenwe.', stieihoizstroße. flott. DsotsdieilietallailieiMsliaiii Oonncrslog. den 26. ftugufl, nachm. » Ahr. Im Hlhungelaal des verbanoe hatele». Ltatenftr. 93»5 Branchenversammlung der Zlgaretfenmajchlnenführer und vefriebshandwerfer. Tagesordnung: I. Berich! der stommiiston. 2. Bronchenangelegenheiten i Verschieb ene«. Wir erwarten, baß bl« Rollegen be. stimmt unb Punkt 5 Uhr erscheinen. Miigtiebsbuch legitimiert. vi» ortenermaltnaa. MittMCh,dsu 23. August nachmittags 3 Uhr Berlin Unsere Kommanditisten werden hierdurch auf Mittwoch, den 8. September 1926, nachmittags 4 Thr, zu einer außerordentlichen Generalversammlung nach unserem hiesigen Geschäftshause, Unter den Linden 33 V, eingeladen. Verhandlungsgegenstände s t. Erhöhung des Kommanditkapitals um 35000 000 RM von 100000000 RM auf 135 000 000 RM durch Ausgabe von auf den Inhaber lautenden Kommanditanteilen unter Ausschluß des gesetzlichen Berugsrechts der Kommanditisten. 2. Ermächtigung der Geschäftsinhaber zur Begebung der neuen Anteile zu einem von der Generalversammlung festzusetzenden Kurse und zur Durchführung der Kapitalserhöhung. 3. Aenderung der Satzung Artikel 5, betreffend das Kommandit- kapifal, entsprechend vorstehenden Beschlüssen und des Art. 23(Streichung der Bestimmung über die Tantiemesteuer). 4. Wahlen zum Aufsichtsrat. Zur Teilnahme an der Generalversammlung ist ieder Kommanditist, zur Stimmenabgabe bei den zu fassenden Beschlüssen sind nur diejenigen Kommanditisten berechtigt, die ihre Anteile — oder Depotscheine der Reichsbank oder einer Effektengiro- bank eines deutschen Wertpapierbörsenplatzes— spätestens am dritten Tage vor der Generalversammlung entweder bei einem Notar nach Maßgabe der Vorschriften unserer Satzung oder bei der Dlrectlon der Disconto-Gesellschaft in Berlin, der Norddeutschen Bank in Hamburg oder dem A. Schaaff hausen'schen Bankverein A.-G. in Köln, oder bei einer Filiale oder Zweigstelle der vorgenannten Banken an anderen Plötzen, oder für die dem Effektengiroverkehr angeschlossenen Bank firmen bei der Effektengirobank des betreffenden deutschen Börsenolatzes, also in Berlin bei der Bank des Berliner Kassenvereins oder hei den sonstigen im Reichsanzeiger Nr. 191 vom 18. August 1926 veröffentlichten Stellen gegen Bescheinigung bis zur Beendigung der Generalversammlung hinterlegen. Die Hinterlegung ist auch dann ordnungsmäßig er'olgt. wenn Anteile mit Zustimmung einer Hinterlegungsstelle für sie bei einer anderen Bankfirma bis zur Beendigung der Generalver •■ammlung im Sperrdepot gehalten werden. Berlin, den 18. August 1926. Direction der D!sconto-(iese1Ischaft. Die Geschäftsinhaber: Dr. Salomonsohn. Dr. Russell. Urbig. Solmssen. Mosler. Schlieper. Th. Frank. Boner. Wftrfnntmszng 5. Klasi« 27. Pttubilch-Süddruilch« RIasirtt-Lvttrrk. Cfcn» Gewähr Nachdruck oetbden Bul jede gezogen« Stummer sind zw«! gleich höh, Eewinn« grfalltn, und zwar je einer aus die Lc|e alcichcr Rummer In den beiden Abteilungen l und II 12. Ziebungstag 23. August 1926. nachmittags In der Slochmittogsziehung wurden Gewinn« über ISO M. gezagen 2«emmne zu 75000 M. 242686 4 Gewinne zu 10000 M. 124374 258598 2 Gewinne zu 5000 M. 132129 2 Gewinne zu 3000 M. 231260 10 Gewinne zu 2000 M. 27471 70335 191624 204201 238020 32 Gewinn» zu 1000 M. 6034 14025 32694 40495 51775 65353 88081 100518 135610. 147812 161421 176478 182208 248753 253976 274444 100 Gewinne zu 500 M. 4709 29805 29901 32886 37324 42835 42951 52863 55035 55958 57762 63727 67638 77046 83748 94982 95330 96661 105234 112938 116644 118544 119355 133828 140560 151062 151308 168044 174661 174721 176176 179019 181824 186165 190014 196391 214656 217312 223077 232151 232239 233278 233972 238534 250332 262635 274572 286989 289383 294087 188 Gewinne zu 300 M. 2402 3551 9300 9725 13206 13523 19868 22850 23496 23841 25102 25196 26788 28704 35242 39465 44808 52162 57845 60210 67117 69408 70252 71216 71341 86203 91279 93574 96345 101156 103867 I 14613 116942 118644 120511 121125 122865 124431 125779 126754 129557 131611 138545 139375 143172 152114 156544 156606 158695 161729 163169 163781 164273 167776 170216 182024 131682 159175 185796 185827 186573 191299 193318 195078 204124 205835 207978 211121 223144 224037 223065 231613 232150 232514 233742 236807 246445 249710 250680 254082 256815 258705 263206 264220 265314 265820 270010 273372 276120 278794 286313 289413 290357 292132 ffimfiraonstog 5. Itlasie 17. Preubilch-Eüddeuische Klassen-Lotterie. Ohne Gewähr Nachdruck verbalen Aus srd« gezogen« Rummer ssnd zwei gleich hohe Gewinne gelallen, und»war s« einer aus die Lose gleicher Nummer in de» beiden Abteilungen l und II 13. Ziehungslag 24. August 1926, vormittags In der Vormittogsziehung wurden Gewinn« über 150 M. gezogen 4 Gewinn« zu 5000 M. 90843 110671 16 Gewinne zu 3000 M. 2399 6836 45743 90120 133166 154304 239610 278088 16 Gewinn« zu 2000 M. 5808 20250 37565 96118 102835 i rok j| 171080 9100 30 Gewinne zu 1000 M 1769 10849 35985 S2059 75709 82213 111580 151718 192083 223440 252934 268701 273606 290360 299528 82 Gewinn« zu 500 M. 2205 5584 8646 10697 15808 20793 20823 29107 43827 48003 49935 62394 77422 77744 80163 102562 115872 140774 142617 146241 160308 169360>78998 187424 202581 209)35 212773 213688 214038 219854 224704 233621 234494 240174 243780 252689 254443 262447 270310 294818 296262 '252 Gewinne zu 300 901. 1563 6958 10787 14843 15287 18794 19948 21647 26185 27654 29352 29539 31044 33970 35723 35890 36450 38472 41505 42498 43853 45232 46523 53387 58013 58177 63616 68248 69951 71148 80470 84650 87232 91403 92920 94484 101555 107296 112819 113089 113184 119044 119475 119593 121890 129961 134037 135732 136229 137362 138257 142980 144749 145125 148770 155024 163758 164065 164460 167687 168342 173997 176080 179290 181601 182430 185882 191379 139004 139498 141051 155309 156591 158426 163524 193073 194194 197485 I 98087 200010 202053 204764 205054 205688 207232 208002 208142 217718 217777 221198 223681 227072 227784 228847 229848 230859 239286 241540 241748 246017 247804 249989 250487 252800 255736 257047 258761 259187 259833 262118 265512 266181 272265 272721 274247 275790 276371 276707 278888 280791 284948 285843 292308 295467 297196 298771 Einen gesunden Schlaf und damit eine Kräftigung des ganzen Nervensystems erzielen Sre durch den echten.Saldravin" Patemamtl. gelch. unter Rr. 842 681. 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Einrichtung und Berwaitung von Turn- unb Sportstälieu sowie Bnbennftalten gut unterrichict lein. Bcwerdungen sind unter Beisllgung«ine» Lebensiauses unb beglaubigter Zeugnis- abschritten di» zum 30 September d I. dem Pcrsonatbureau IX. 3 einzuretchen. Der DireUor bei dem Maaisiraf ScbuIU«