flbenöausgabe Nr.> 43. Jahrgang /lusgabe B Nr. 197 Swiflslnbinaimgen und«wiaenuteU« kn« in der Morgenausgab« angegeben Redaktion: SW.SS, Lindenftratze 3 Fernsprecher: VOnhoss 292— 207 Tel..«dresse: Sozialdemokrat Berlin Verlinev VolKsblatt (lO Pfennig) Mittwoch 25. August 1�26 Verlag und Anzetgenabteilunz: DeschSstszeit m Ms 5 Uhr Verleger: vorioürta. Verlag GmbH. Berlin SIO. 68. Lindenstrasz« 3 Fernsprecher: VSnhoss 262— 297 Zcntralorgan der Sozialdemohratirchen Partei Deutfcblands Die Zersetzung öes Bolschewismus. Aus den Debatten des Moskauer Zentralkomitees. Aus Moskau wird uns geschrieben: Erst jetzt ist es gelungen, näheres über die vielbesprochene Vollversammlung des Zentralkomitees und der Zentralen Kontrollkommission zu erfahren, der es allem Anschein nach beschieden ist, eine Historische Rolle in der inneren Entwicklung der russischen Kommunistischen Partei zu spielen. In der Sitzung herrschte eine nervöse Spannung. Die Reden der Opposition, wie auch der Mehrheit, zeichneten sich durch eine auher- ordentliche Schärfe und Leidenschaftlichkeit aus. Die Opposition, die eine geschlossene Haltung einnahm, ergriff die Offensive in allen Grundfragen, die auf der Tagesordnung standen. Folgende Fragen riefen besonders heftige Zusammenstöße hervor: t. Die Frage des Russisch-Englischen Komitees und im Zusammenhang damit die allgemeine Frage der Politik der Komintern und der roten Gewerts chastsinternatio- n a l e in Westeuropa, der Stabilisierung des Kapitalismus, der Perspektiven der Weltrcvolution usw. In diesem Punkt bildeten die Debatten in der Vollversammlung nur eine Fortsetzung der früheren Auseinandersetzungen. Es erwies sich nämlich, daß am 3. Juni, kurz vor der Sitzung des Vollzugsausschusses der Kommunistischen Jnter- nationale und der Vollversammlung des Zentralrats der Gewerk- schaften der Sowjclunion, eine besondere Sitzung des Politischen Bureaus des Zentralkomitees der russischen Kommunistischen Partei stattgefunden hat, die den englischen Ereignissen gewidmet war. Die Opposition(Sinowjew, Trotzki) trat schon damals in Anbetracht der Haltung der linken Mitglieder des Generalrats der englischen Gewerkschaften, für einen öffentlichen Bruch mit den„Verrätern" Purcell und Genossen und den Austritt aus dem Englisch-Ruisischen Komiree ein. Gegen diese Forderung traten in erster Linie die Gewerkschaftler, im besonderen T 0 m s k i und A n d r e j e w, auf. Der letztere erklärte, daß man„im Auslande nicht das sehen dürfe, was man gerne sehen möchte, sondern das, was in Wirklichkeit ist". Auch Tomski oertrat einen ähnlichen Standpunkt und forderte mehr„Realismus" in der Beurteilung der westeuropäischen Bewegung. Im übrigen hat die Opposition im Zusammenhang damit folgenden interessanten Vorfall aufgedeckt: es stellte sich heraus, daß das Politisch« Bureau in Moskau am 13. Mai, als der Generalstreik in England abgebrochen wurde, ein Telegramm von Tomski aus Pari» erhielt, in dem er die Hallung des Generalrats und den Abbruch des Streiks im günstigsten Moment auf der Grundlage de» Samuelschen vor- schlage» billigte. Dieses Telegramm rief in den Reihen der Opposition einen wahren Entrüstungssturm hervor. Es traf freilich am nächsten Tage ein zweites Telegramm von Tomski ein, in dem er seine Erklärung bedeutend abschwächte, jedoch gilt Tomski seit jener Zeit in den Augen der Opposition als eines der„r e ch t e st e n" Mitglieder des Zentralkomitees. Die Mehrheit des Zentralkomitees hat sich bekanntlich gegen den Austritt aus dem Englisch-Russischen Komitee ausgesprochen, zugleich aber für den verschärften Kampf nicht nur gegen die „rechten", sondern auch gegen die"„linken" Führer der englischen Trade-Unions, was wohl auf die Sprengung des Englisch-Russischen Komitees hinausläuft. 2. Die nächstwichtigste Frage, die gleichfalls zu heftigen Debatten führte, war die Frage der Wirtschaftspolitik, d. h. der Industrialisierung, des Verhältnisses zur Bauern- s ch a f t, der Preispolitik usw. Die Opposition, die ihren Stand- punkt in einer besonderen Deklaration darlegte, hob— im Gegensatz zu der ihrer Meinung nach falschen Politik des Zentral- kvmitees— die Notwendigkeit hervor, die Last der Industrialisierung auf die Schultern der wohlhabenderen Schichten der Bauernschaft abzuwälzen. Gleichzeitig müssen auch energische Maßnahmen ergriffen werden, um den Einfluß der Kommunistischen Partei auf die Mittelschichten der Bauernschaft geltend zu machen. Als erster Schritt in dieser Richtung müsse die Befrei- ungder unbemittelten Bauern(bis 40 Proz. der Gesamt- zahl) von allen Steuern durchgeführt werden. Ferner müssen Maßnahmen zur Verhütung der weiteren Senkung der Reallöhne der in der staatlichen Industrie beschäftigten Arbeiter ergriffen und eine Möglichkeit für die Hebung des Reallohnes geschaffen werden, was nach der Meinung der Opposition in absehbarer Zeit erfolgen könnte. Die Opposition ist im allgemeinen der Ansicht(eine alte Idee T r 0 tz k i s), daß im Lande bedeutend größere Möglichkeiten zur Hebung der„sozialistischen Elemente der Wirtschast" vorhanden seien, als es von der Mehrheit des Zentralkomitees angenommen wird. Es erübrigt sich, an dieser Stelle die Gegenbeweise der Mehrheit des Zentralkomitees anzuführen, da sie aus der„legalen" Literatur hinreichend bekannt sind. 3. Ein heftiger Zusammenprall erfolgte— im Zusammenhang mit der Maßregelung der Teilnehmer an der illegalen„Waldver- sammlung". Laschewitsch, Bjelenki u. a.— in der Frage der parteidisziplin. der innerparteilichen Demokratie usw. Wie verlautet, hat die ver- einigte Opposition es kategorisch abgelehnt, Lasche- witsch und Genossen für ihre offensichtliche Verletzung der Partei- disziplin zu verurteilen: sie war vielmehr bestrebt, die Schuld für derartige Vorfälle der Politik des Zentralkomitees in die Schuhe AU schieben. Aus demselben Grunde hat die Opposition e» gleichfalls abgelehnt, die grundsätzliche Position der Arbeitergruppe Schljapnikow-Medwedew zu verurteilen, obgleich sie ihren Standpunkt nicht teilt(diese Gruppe hatte auf der Vollver- sammlung keinen Vertreter, jedenfalls keinen, der den Mut gehabt hätte, öffentlich auszutreten). Dieser antileninsche Standpunkt der Opposition rief einen nur mehr oder weniger aufrichtigen Eni- rüstungssturm in den Reihen der Mehrheit hervor. Es spielten sich heftige Auftritte ab. Es wird mit Bestimmtheit behauptet, daß aus der Rede Dsershinskys die Worte gestrichen sind, daß er »keine Bedenken tragen werde, die parteischädigende Tätigkeit der Opposition mit bewaffneter Wacht zu unterdrücken". Es werden u. a. noch folgende Einzelheiten mitgeteilt, die die Gerüchte über das Zustandekommen eines formellen Ueberein- kommens zwischen der Opposition und Trotzki bestätigen: Als man Sinowjew und K a m e n e w mit Hilfe von Zitaten aus ihren eigenen Schriften gegen Trotzki in die Enge trieb, geriet der erster« in Wut und erklärte kategorisch, daß er zu der Ueberzeugung gekommen sei, daß in der Polemik gegen Trohki dieser und nicht da» Zentralkomilee im Recht gewesen wäre. Cr, Sinowjew, habe sich genau so geirrt wie die Mehrheit des Zentralkomitees, doch er finde jetzt wenigstens den Mut, das offen zu bekennen und fein Bedauern auszusprechen, daß er seinerzeit gegen Trotzki aufgetreten sei und ihn in so scharfer Weise bekämpft habe. Kamenew ging noch einen Schritt weiter. Er erklärte nicht nur, daß er alle seine früheren Anklagen gegen Trotzki und den Trotzkiismus zurücknehme, sondern teilte auch mit, daß im Jahre 1923, als der Kampf gegen Trotzki geführt wurde, des öfteren Fraktionssitzungen der Mehrheit des Politischen Bureaus(d. h. ohne Trotzki) stattgesunden haben und daß in einer dieser Sitzungen beschlosien wurde, zu demagogischen Zwecken ein Schreckgespen st de» Trotzkiismus, als einer angeb- lich halbmenschewiftischen Ketzerei, zu schaffen, um Mit Hilfe dieses Gespenstes die kommunistischen Massen einzuschüchtern und den Ein- fluß Trotzkis zu untergraben. Es läßt sich noch nicht voraussehen, welche Folgen die Vorgänge auf der Vollversammlung für das weitere Schicksal der russischen Kommunistischen Partei zeitigen werden. Beide Teile haben vor- läufig eine abwartende Haltung eingenommen. Die Mehrheit steht freilich auf feiten besten, der zurzeit die größte Macht besitzt, und diese befindet sich bekanntlich in den Händen Stalins. Aber auch die Opposition kann, abgesehen von Moskau, einige Stütz- punkte in der Provinz(Charkow, Ural usw.) verzeichnen. Der Drang nach einer, wenn auch noch so bescheidenen, i n n e r p 0 l i- tischen Demokratie und einer, wenn auch noch so beschränkten, Redefreiheit steigert sich unverkennbar mit jedem Tage. Darauf beruht gewissermaßen auch eine gewisse Popularität der Opposition, der sie sich, trotz ihrer konfusen wirtschaftlichen und inter- nationalen Plattform, im Lande erfreut. Harte Seftrafung der Jungtürken. In Angora beantragt. A n g 0 r a. 24. August.(Anatolische Tel.-Agentllr.) ver Staats- anmalt hielt heute vor dem Unabhängigkeitsgericht sein plaidoyer in dem hochverratsprozeh gegen die Mitglieder der Unionistischen Partei. Er schilderte zunächst die Umstände, unter denen die Türkei in den Weltkrieg verwickelt wurde. Nachdem er aus die Der» ontwortung der Unionistifchen Partei hingewiesen hatte, die da» Land in eine Katastrophe gestürzt habe, klagte er den früheren Finanzmmlster Dschavid, ferner Ardan und den früheren Partei- sekretär Rayl an. eine Verschwörung angezettelt zu haben. um die Macht an sich zu reißen. Er beantragte gegen sie die Todesstrafe oder lebenslängliche Zwangsarbeit. sodann lebenslängliche Verbannung gegen sieben Angeklagte. darunter gegen den Abg. Raus und den früheren Gouver- ncur von Smyrna, Rahmi. hinsichtlich der übrigen Angeklagten be- antragte er Freisprechung. Vorbesprechung zur StuöienkommWon. I« Berlin abgehalten? Pari», 25. August.(Eigener Drahtbericht.) Der Londoner Korrespondent des„Echo de Paris" behauptet, in Berlin hätten vor einigen Tagen die drei völkerrechtlichen Sachverständigen Froma- g e 0 t- Frankreich, G a u ß- Deutschland und Hurst- England mit- einander die Frage der Verteilung der Sitze im Völkerbundsrat vor dem Zusammentreten der Studienkommissionen am 30. August be- sprachen. Es sei dort Polen unter gewissen Bedingungen ein halber ständiger Ratssitz zugesprochen worden, ebenso Spanien. Doch würde dem Blatt zufolge eine solche Regelung verschiedene kleinere Staaten äußerst verstimmen und meh- rere von ihnen sollen da» bereits nach London mitgeteilt haben. Dazu erklärt die zuständige Stelle in Berlin, daß eine solche Besprechung weder erfolgt ist, noch bevorsteht, und zwar so wenig in Berlin als anderswo. Das Reichskabinett wird vor dem Zusammentritt der Studien- kommission(am 30. August) ein« Sitzung nicht mehr abhasten. „Sozialer Zrieöe" unö Kriegsbrot Der Segen des Faschismus. Lugano, Ende August. Das Gesetz über die faschistischen Syndikate in Italien sollte die„A e r a des sozialen Friedens" auf gesetz- liche Grundlage stellen. Was man im Voraus sagen konnte, daß nämlich diese gesetzliche Grundlage, die die des Knüppels ablöste, für die Unternehmer in dieser Zeit der Krise recht gemütlich sein werde, bestätigt sich jetzt Tag für Tag. Die Arbeiter haben eben keine Inter- essenvertretung mehr, außer jenen faschistischen Syndikaten, die ganz unter dem Einfluß der Regierung stehen. Die große Mailänder Maschinenfabrik Breda ist durch den herrschenden Arbeitsvertrag verpflichtet, für je acht Punkte der Teuerungsskala 15 Lire im Monat Teue- rungszuschlag zu gewähren. Nun hat der Monat Juni in Mailand einen Aufstieg um 35 Punkte gebracht, den höchsten, der bis jetzt verzeichnet wurde. Die Firma, die 60 Lire im Monat Zuschlag zahlen müßte, gibt bekannt, daß sie in diesem Monat keine Veränderung der Teue- rungszulage eintreten läßt. Begründet wird der Kontrakt- bruch nicht, aber wahrscheinlich sollen die Arbeiter und Ange- stellten der Breda warten, bis die Verkaufsstellen der Unier- nehmer die Lebensmittel verbilligen. Die armen Unternehmer wissen gar nicht mehr, was sie tun sollen. Die Industriellen haben Interesse daran, durch ihre Berkaufsstellen die Lebens- mittelpreise zu drücken, da diese Preise der Teuerungszulage zugrunde gelegt werden: um aber wirklich die Preise zu ver- mindern, müßte man den Zwischenhandel aus- schalten, also die Riemen aus der Haut der Kaufleute schneiden. Das widerspricht dem Solidaritätsgefühl der industriellen Unternehmer: der Ruin des Kleinhandels widerspricht auch ihren Absatzinteressen. Die Aufnahmsfähigkeit des inneren Marktes würde sich noch weiter vermindern, wenn ein Teil der Kaufleute seine Läden schließen müßte, und das, ohne daß die Kaufkraft der Arbeiter steigen würde, da ja ihr Lohn mit den Preisen sinken soll. Die faschistische Presse klagt, daß die Mailänder Fabrikanten sich keine Mühe mit der Örgani- sation der Fabrikverkaufsstellen geben. Das geschieht, weil sie die Kaufleute nicht schädigen wollen und— wie das Beispiel der Breda zeigt— darauf rechnen, die Teuerungszulage trotzdem zu verkürzen. Für die Teuerungsskala des Juli wird übrigens das Aufhören des Mieterschutzes und ein Mietszuschlag von övProz. zur Geltung kommen. Ueber die Illusion, durch das Kriegsbrot 3 Milliar- den zu sparen, indem die Einfuhr entsprechend vermindert wird, äußert sich das Organ der freien italienischen Konsum- vereine und Arbeitsgenossenschaftcn, die„Ecoperazione Italiana", sehr skeptisch. Die inländische Ernte, die auf 56 Millionen Meterzentner geschätzt wird, läßt einen Fehl- betrag von 14 bis 16 Millionen! Durch Erhöhung der Ausschrotung um 10 Proz. könnte man im besten Fall 4 bis 5 Millionen Meterzentner sparen, also etwa eine Milliarde Lire, aber das nur, wenn auch die Selbstoerbraucher den vor- geschriebenen Ausschrotungssatz einhalten, was nicht leicht zu erreichen sein wird. Außerdem wird das Gesetz in Sachen der Kuchenbereitung, der Kranken- und Kinderkost Lücken lassen müssen, durch die recht viel weißes Mehl abfließen dürfte. Aber auch für den Fall strengster Durchführung fragt sich das Blatt, ob die Volkswirtschaft des Landes Nutzen davon ziehen werde. Die Kleie zur Viehfütterung wird nicht hinreichen und zur Einfuhr von Ersatzmitteln aus dem Aus- lande führen, oder geradezu zur Ver'fütterung des Weizens. Andrerseits ist das Brot mit 80 bis 85 Proz. Verschrotung vom menschlichen Organismus nur unvollkommen assimilier- bar: dieser Nachteil wird sich in dem laufenden Jahre be- sonders fühlbar machen, da die Qualität des inländischen Wei- zens durch das ungünstige Wetter sehr schlecht ist. Neben„sozialem Frieden" und Kriegsbrot schreitet wacker die faschistische Besitzergreifung fort. In rührender Kleinarbeit. Heut löst man diese Hilfskasse, morgen jenen Bildungsvcrband auf. Man schlägt wohl auch zwei zusammen, wobei der faschistische Berein den nichtfaschistischen auffrißt. Da diese Aktion nur finanzielle und Macht- zwecke verfolgt, verschluckt der Faschismus gelegentlich Dinge, die er schlechterdings nicht verdauen kann. So hat man dieser Tage verfügt, die Mailänder Stiftung„Cesare Beccaria" mit dem„Institut für forensische Pädagogik" zu- sammenzulegen. Der Aufsichtsrat dieses Instituts bat nun beschlossen, den Staatsrat anzurufen mit der Begründung, daß man zwei Einrichtungen mit entgegengesetzten Zwecken vereinigt: die Stiftung„C. Beccaria" ist eine Besse» r u n g s a n st a l t, das Institut für forensische Pädagogie hat den Zweck, die Schädlichkeit der Besserungsanstalten in der Bekämpfung des Verbrechertums darzutun. Und diese beiden Institute will die faschistische Regierung vereinigen? Warum übrigens nicht, wo man doch Arbeit und Kapital auch zu einem gemeinsamen Jnteressenschutz zusammentut? Die Besitzergreifung beschränkt sich nicht auf private An- stalten. Der Faschismus legt Wert darauf, auch die ö f f e n t- l i ch e n Betriebe als ein Monopol seiner Partei- g ä n g e r hinzustellen. Das muß aber auf dem Wege der „friedlichen Durchdringung" gemacht werden. Schon seit einiger Zeit pflegt die Regierungspresse höhnisch darauf hin- zuweisen, wenn ein Sozialist oder anderweitiger Umstürzler den Auslandspaß fordert: es heißt dann,„unsere Pässe und unsere Behörden sind den Herren genehm". Nächstens wer- den die Faschisten uns vorrechnen, daß pnr„ihre Lust atmen" Stahlhelm- Sachsen? helmführung. meister Kaiser, in einer öffentlichen Versammlung in Metzen ertlärt, daß die Wirtschaftspartei zum Rechtsblod ge gelogen hätten." und ihr Waffer trinken". Einstweilen entzieht man den Sozialisten das Eisenbahnabonnement, das jeder Bürger wie jeder Ausländer für Geld Sammlung eines ſchwarzweißroten Blocks unter Stahl- höre und daß die Zeitungen, die das Gegenteil gemidet hatten, -recht viel Gelderstehen kann. Dem Magimalisten Airaddi ist dieser Tage sein Eisenbahnabonnement von einem Angehörigen der faschistischen Miliz beschlagnahmt worden, ohne andere Begründung als die eines höheren Befehls. Die Tatsache, daß ein Mensch mit bezahltem Billett reist, ist schon verdächtig. Jeder bessere Faschist reist gratis auf seinen Bahnen". Die Stadt Mailand ist jetzt auch endlich von dem Ur väter- Hausrat" ihrer erwählten Stadtverwaltung befreit worden. Sie hat einen Kgl. Kommissär, und es wird ihr wohl auch ein Gouverneur blühen, wie Rom mit seinem veralteten Senatus Populusque Romanus" und seiner der neuen Zeit angepaßten Wölfin, die zwar feine Zwillinge mehr nährt, aber für viele frißt. Seit dem 30. Juni dieses Jahres bestand übrigens die Mailänder Stadtverwaltung nicht mehr zu Recht, da die Zeit ihrer Wirksamkeit abgelaufen war. Das gibt eine reiche Ernte von Prozessen für die in dieser Zwischenzeit unterzeichneten Berträge! Daß weiter im Lande gespart" wird und jede öffentliche oder Parteifeftlichkeit streng verpönt ist, geht schon daraus hervor, daß die Illumination zu Ehren des faschistischen Parteisekretärs in Messina die Bagatelle von 200 000 Lire gekostet hat. Daß eine gewisse Sparsamkeit natürlich nicht bei Parteisekretärsempfängen! am Plage ist, erhellt aus der jüngsten Sta tistik des Außenhandels. In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres belief sich die Einfuhr auf 14,264 Millionen, 167 Millionen weniger als im Vorjahr; die Ausfuhr auf 8,321 Millionen, 284 Millionen weniger als im Vorjahr. Das Defizit der Handelsbilanz ist also um 117 Millionen gewachsen und beträgt in sechs Monaten 5,934 Millionen, was einen Jahresfehlbetrag von 12 Milliarden voraussehen läßt. Der Fremdenverkehr und die Ersparnisse der Aus wanderer, die in der Borkriegszeit das Defizit ausglichen, find heute im Rüdgang. Besonders zeigen die nordamerifanischen Auswanderer wenig Neigung, ihr Geld in die Heimat zu schicken. Im Herbst finden die Neuwahlen zum sächsischen Landtag statt. Sie werden stattfinden unter folgenden Bedingungen: Spaltung lints, Sammlung rechts. Auf der Linken wird die Gruppe der 23 Landtagsabgeordneten der Alten Sozial demokratischen Partei" gegen die Sozialdemokratische Partei fonfurrieren auf der Rechten vereinigen sich Deutsch nationale, Deutsche Volkspartei, Wirtschaftspartei und Bölkische unter Führung des Stahlhelms zu einer ,, nationalen Arbeitsgemeinschaft". " Die Bildung dieses Rechtsblocks weist mit größter Deutlichkeit auf den zwiespältigen Charakter der Deutschen Boltspartei hin. Als die sogenannten Wehrverbände" unter Führung des Stahlhelms an die Bolkspartei das Ultimatum stellten, sich an der Bildung. des Rechtsblocks zu beteiligen, hat das offizielle Organ der Deutschen Volkspartei im Reiche, die ,, Nationalliberale Corre spondenz", die Teilnahme an einem schwarzweißroten Block fchroff abgelehnt. Die Bedingung der Teilnahme war, grundsäglich ein 3usammenarbeiten mit der Sozialdemokratie abzulehnen. Die Ablehnung des Ultimatums mit dieser Bedingung entsprach im all gemeinen der Absicht der Gruppe um Stresemann, sich nicht nach rechts hin zu binden. Die Deutsche Volkspartei in Sachsen aber steht den Deutschnationalen näher als die Bolkspartei im Reiche. Ihre Stellungnahme zum Ultimatum der Wehrverbände war deshalb wichtiger als die Stellungnahme der Nationalliberalen Correspondenz". Jetzt teilt sie selbst mit, daß sie auf Verhandlungen eingegangen ist, und daß die Verhandlungen einen günstigen Verlauf nehmen. Die Deutschnationalen verzeichnen ausdrücklich, daß darin eine Stellungnahme gegen die Haltung der Volkspartei im Reiche liege. Der Deutschen Tageszeitung" wird aus Dresden berichtet: In den letzten Tagen haben zwischen den in Frage kommenden lungen stattgefunden, die den Plan der Herbeiführung einer Parteien und Wirtschaftsgruppen eine Reihe von Berhand. nationalen Arbeitsgemeinschaft für die fünftige Führung der fächsischen Politif erfreulicherweise sehr gefördert haben. Außer den sächsischen Behrverbänden hat sich auch die Arbeitsgemeinschaft bürgerlicher Bezirksausschußmitglieder in der Kreishauptmannschaft Dresden mit einem Aufruf an alle maßgebenden Bersönlichkeiten, an alle politischen Parteien und alle maßgeben. den Wirtschaftsorganisationen und-verbände gewendet, alles zu tun, um eine Sammlung aller nationalen Kräfte zu einer einheitlichen Front zu erreichen. Wenn der soziale Frieden" in Italien fortfährt, den ,, Neid Europas" zu erwecken, wie die Faschisten behaupten, so ist der Frieden innerhalb des Faschismus etwas weniger neidermeckend. Der frühere Parteifekretär Farinacci hat den Faschisten Bonaccorsi geohrfeigt, die faschistische Dr ganisation von Caltanisetta iſt aufgelöft worden, seit durch ein Gerichtsurteil bekannt wurde, daß ihr Setretär fich für mehrere Millionen öffentlicher Arbei ten von den Gemeinden feiner Provinz hat überweisen laffen. Der wegen Ermordung des Genossen Lipparini in S. Maria in Duno freigesprochene Wehrmann der Miliz Bergani ist wegen Einbruchsdiebstahls Ungefähr zur gleichen Zeit hat der Sächsische Landes. verhaftet worden und eine faschistische Freiwilligenlegion inbürgerrat eine ähnliche Aktion unternommen, die in weiten Bologna hat man aufgelöst, angeblich, weil sie zuviel fostete. bürgerlichen Kreisen dieselbe Zustimmung gefunden hat, wie die der Gemunkelt wird, daß die Auflösung wegen skandalöser Bor- genannten beiden Organisationen. Besonders die großen Wirtschafts. fälle in der Kaserne der Legion vorgenommen wurde. Es gruppen der Industrie, der Landwirtschaft, des Handgeht also alles gut, und in den Cafés chantants von Rom ganisationen für den Gedanken einer nationalen Arbeitsgemeinschaft werts usw. haben sich mit dem ganzen Gewicht ihrer großen Dr. fingt man zur Jazzband ein Lied zu Italiens Ruhm, das mit der Aufforderung endet: Ausländer, ziehe den Hut". Das hat zur Folge gehabt, daß die in zwei Fällen von Berlin aus für die sächsischen Landtagswahlen und über diese hinaus eingefegt. Und wehe dem Ausländer, der ihn nicht zöge. unternommenen Störungsversuche glatt gescheitert sind und die Parfeien, deren Stellungnahme bisher noch nicht klar erkenntlich war, aus ihrer Zurückhaltung mehr herausgetreten bzw. von ihrer ursprünglich ablehnenden Haltung abgegangen sind. Die deutsche Boltspartei teilt dies jetzt selbst mit. Streicher im Gefängnis. Der Verleumder des Oberbürgermeisters Luppe. München, 25. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Der national sozialistische Landtagsabgeordnete Julius Streicher Nürnberg, der in verschiedenen Beleidigungsprozeffen, u. a. gegen den Oberbürgermeister Luppe, Gefängnisstrafen von je zwei Monaten erhalten hatte, trat nunmehr im Gefängnis Nürnberg die auf 3 Monate zusammengezogene Strafe an. Madame Bardoll. Bon Hermann Schützinger. Madame Bardoll ist zweifellos eine der besten Kennerinnen des großen Krieges; sie hat sich das Leben und Treiben der Front aus allernächster Nähe, und zwar nicht von einer, sondern von beiden Seiten aus angesehen und das kam so: Mitte September 1914 stand plötzlich die Front im Westen, und zwar im Tal des Rabodeau, ausgerechnet zwischen Etival und Senones, zwischen dem Elternhaus der Frau Bardoll in Etibal und ihrem Strohwitwensitz der Mann war beim 185. Linienregiment dem Hotel Bardoll in Senones. Die Front pendelt noch eine Zeitlang hin und her und löst einige wütende Kanonaden auf den Bergen beiderseits des Rabodeau aus, dann steht sie still. Madame Bardoll, die immer noch voll Schreck auf das fünf Kilometer entfernte Etival zu den Eltern und Geschwistern hinüber schaut, tommt zu sich und entdeckt, daß fie trotz aller Komit der Situation sehr ernste Pflichten hat. Sie ist plöglich die Verwalterin des Familienvermögens geworden, das in der Küche, im Keller und in den Schränken des Hotel Bardoll steckt. Da die deutschen Soldaten doch nicht die Barbaren waren und alles kurz und klein schlugen, wie es im Lokalanzeiger von Senones geschildert war, sondern beim Einsetzen der ersten größeren Gefechtspause höflich und bescheiden ihren Schoppen Wein bestellten und angesichts der Reize von Madame auch nicht das Zahlen vergaßen, war sich Madame Bardoll rasch ihrer höheren Aufgabe bewußt. Ihr Hotel war tat fächlich das einzige leistungsfähige Haus" zwischen dem Donon, der Stadt St. Dié und dem Baß von Saales, und so eroberte sich Madame Bardoll mitten im Krieg das alte Geschäft. Nur waren ihre Gäste nicht mehr fleine Kaufleute und Oberpostsekretäre aus Epinal, Nancy und St. Dié, sondern deutsche Offiziere und Musch foten, denen das Geld recht locker im Beutel saß. Der beste Kunde der Madame Bardoll war selbstverständlich der Divisionsstab des General H., der als alter Ravallerist teine Mies macher und armen Schlucker von der Infanterie um sich duldete und selbst noch wie ein Junger saufen und fagen wir mal fluchen konnte. Dabei will ich zur Ehrenrettung der Frau Bardoll fagen: Auch der Truppenoffizier und Frontsolbat bekam von ihrer forgenden Hand sein Teil, und die Korporalschaft meiner Kompagnie, die in ihrer Dependence" einquartiert war, sang in vollen Tönen das Lob der Madame. Selbstverständlich bildete sich um die plötzlich in den Mittelpunkt einer deutschen Infanteriedivision gestellte Frau ein. Rattenschwanz von Legenden, und jeder bessere Frontsoldat wollte an der Ranzel" oben einen Franzosen erschossen und eine Nacht bei der Madame Bardoll geschlafen haben, was natürlich durchweg er! ogen war. So lieb und wett die Madame Bardoll gegen jeden deutschen Landser war, der bei ihr einen Schoppen trant wenn das Ueber die Wirtschaftspartei waren Nachrichten verbreitet worden, die den Tatsachen widersprachen. Die leitenden Persönlichkeiten der Wirtschaftspartei aber haben wiederholt un zweideutig zu erkennen gegeben, daß sie sich zum Gedanken der nationalen Arbeitsgemeinschaft befennen werden. So hat erst dieser Tage der Landesvorsitzende der Wirtschaftspartei für Sachsen, OberAuto des Divisionärs draußen hupte, dann ließ sie alle stehen und rannte mit dem Schredensruf oder Ergebenheitsschrei„ Son Excel lence!" auf die Straße hinaus; devot stand dann das Kleinbürger. mädel vor dem General. Uebrigens sind sich die beiden, die Madame Bardoll und der deutsche General, einander zum Schicksal geworden. Sobald es der flugen Frau gelungen war, mit Hilfe der Ordonnanzoffiziere Seiner " Excellence" einen völlig harmlosen Faden zu ihrem Aternhaus in Etival zu spinnen, flog" die Madame Bardoll und der General. Als ich vor drei Wochen in Senones in einer lauschigen Sommernacht auf der Beranda des Hotels die Schicksale der Madame Bardoll von ihr selbst zu hören befam, hatte ich doch den Eindruck, daß die beiden einen mächtigen Protektor besessen haben. Der General fiel nämlich die Treppe hinauf und wurde im Often noch ein ganz hohes Tier; die Madame Bardoll aber saufte durch die Schweiz nach Frankreich, geradewegs in die Arme ihres Gatten hinein. In Etival zog sie in der umgekehrten Front, durch Kriegs. erfahrungen" bereichert, bei ihren Eltern einen neuen Laden auf und erlebte, von ihrem Gatten fleißig besucht, den Krieg ein zweites Mal. Ja- und wo hat es Ihnen beffer gefallen, Madame, in Senones oder in Etival?" das etwa zehn Jahre alt sein mag,„ ich fann mich aber auch nicht In Etival natürlich," sagt sie mit einem Blick auf ihr Mäbel, feinen Pfennig schuldig geblieben. Aber denken Sie: Als ich ins über die Deutschen beklagen; sie waren sehr höflich und sind mir feinen Pfennig schuldig geblieben. Aber denken Sie: Als ich ins hotel hierher tam, nach dem Waffenstillstand, war alles zusammen geschlagen!" „ Tout cassé tout caaassé!" Das Entfehen der Hausfrau, die all ihr Geschirr in Scherben sieht, zittert in ihr noch nach. Der ganze Krieg war nichts im Vergleich zu dieser Porzellanfatastrophe, die sie jetzt noch schüttelt, diese kleine Frau, die im Krieg zwischen den Fronten stand. Die 100 000 Liebesbriefe Rudolf Valentinos. Rudolf Balentino, der, nur 30 Jahre alt, verstorben ist, war unbeftritten der Liebestönig Ameritas feit dem Tage, wo er zum erstenmal in einem Film der großen Deffentlichkeit vorgestellt wurde. Balentino war ein aus Italien eingewanderter Gärtnerbursche. Er wurde von einem geschäftstüchtigen amerikanischen Manager ent deckt, dem seine männliche Schönheit gefiel. Der Filmindustrielle hatte den Geschmack der Amerikanerinnen ganz richtig beurteilt, denn schon das erste Auftreten Valentinos in dem Film„ Der Scheich" hatte. Valentino erzählte selbst einmal, daß er in den ersten Tagen war eine Sensation, wie sie Amerita vorher noch nicht aufzuweisen mehr sicher war. Trotzdem er seine Wohnung auf jede Art und nach der Erstaufführung des Scheichs" feines Lebens fast nicht Weise zu verheimlichen wußte, haben die Amerikanerinnen es doch 11 Die Volkspartei in Sachsen hat damit eine wichtige Borentscheidung für den kommenden Parteitag der Bolkspartei gefaßt. Im übrigen begibt sie fich in eine sehr unsaubere Front. Sie wird Teilhaber von den Organisationen, die mit den Geldern finanziert worden sind, die dem„ Boltsopfer" unterschlagen wurden. als Gegenstück zu Stahlhelmbraunschweig ins Leben rufen! Diese Front will Sachsen regieren und Stahlhelmsachsen Kommunistische Parteinöte. Die Auseinandersehung mit der Opposition. Früher waren die Kommunisten immer sehr stolz darauf, daß Neukölln und Wedding ihre Hochburgen" feien. Sie zogen daraus den Schluß, daß in ausgesprochen proletarischen Wohnvierteln der Reformismus bald auszurotten fei. Jetzt fönnen sie stolz darauf sein, daß dort die Hochburgen ihrer Opposition find, die bekanntlich nur die Widerspiegelung fleinbürgerlicher 3ersegungser scheinungen in der Avantgarde des Proletariats" iſt. Die ,, Rote Fahne" muß deshalb diesen Hochburgen" täglich lange Artikel widmen. Heute stellt sie folgendes fest: vom Referenten folgende Resolution zur Abstimmung eingebracht: In der Neuköllner Delegiertenkonferenz am 23. August wurde tungen verpflichten wir uns, auf das schärfste gegen die tonter,, Die Delegiertenfonferenz erklärt: Ohne Unterschied der Richrevolutionären Treibereien der Rorsch usw. die Barbei einheitlich und geschlossen zu verteidigen." stimmten für die Resolution, einer dagegen, 65 Genoffen enthielten sich Das Resultat der Abstimmung war folgendes: 60 Genoffen Opposition". Unter der Führung von der Stimme. Diese 65 Genossen waren Anhänger der ,, Urbahns. Urbahns und Schimansti glaubten 65 Delegierte in Neukölln sich der Stimme enthalten zu müssen, als die Entscheidung stand: die Partei gegen die Spaltung! Wir fragen die Neuköllner Genossen: Seid ihr einverstanden Der Stimme enthielten? mit der Haltung jener Delegierten, welche sich bei dieser Entscheidung Wir glauben: nein! Wir wissen aus den Disfuffionen in den Bellen, daß die übergroße Mehrzahl, auch der oppofitionellen Genoffen in Neukölln, daß sie den Kampf gegen die Spalter führen werben. Mögen die oppofitionellen Genoffen noch Mißtrauen gegen die Politik der Partei haben, sie werden genau so wie die Mehrheit die Politik der Partei haben, sie werden genau so wie die Mehrheit der Partei die Einheit der Partei verteidigen. Trotzdem wir dessen gewiß sind, zeigt die Stimmenenthaltung der 65 oppofitionellen Delegierten bei der Abstimmung über die Resolution das Gefährliche der Lage. Es zeigt, wohin planmäßig die oppofifionellen Arbeiter hineinmanöveriert werden sollen. Die Ereignisse der letzten Zeit zeigen ganz deutlich, wohin nach den AbSie versuchen vorläufig zu verhindern, daß die oppositionellen Ar. fichten der linken Führer" in der Partei die Reise gehen soll. schützend vor Korsch, weil sie faktisch einen politischen und organisa beiter eindeutig gegen Korfch Stellung nehmen. Sie stellen sich torischen Blod mit Korsch geschlossen haben. In Neukölln ist dieses Manöver noch gelungen. 65 Delegierte haben sich bei dieser wichtigen Abstimmung der Stimme enthalten." Die Rote Fahne" hofft, daß die oppositionelle Mehrheit der Neuköllner Hochburg" doch noch ihren Fehler forrigieren wird und daß die konterrevolutionären Treibereien der Korsch und ihrer Agenten in der Partei" auf die Dauer ohne Erfolg sein werden. Jedenfalls ist vorläufig die Gefahr noch groß, daß die Hochburg der Revolution" sich in eine Hochburg der Konterrevolution" verwandelt. verstanden, dem Portier des Filmateliers gegen große Bestechungs summen das Geheimnis zu entreißen, woraufhin ein gewaltiger AnSturm der Schönheiten und Häßlichkeiten von Amerikanerinnen auf ihn erfolgte. In den ersten acht Tagen nach seiner Erstaufführung erhielt er ungefähr 100 000 Liebesbriefe aus allen Gauen Amerikas, schickte ihm den Liebesbrief in einer Kassette, die ganz aus Gold aus allen Ständen und von Frauen jeden Alters. Eine Millionärin bestand und den Namen Valentino in großen Brillanten zeigte. Am. meisten rührte ihn der Brief einer armen Arbeiterin, die sich nur für den Film bedankte und von vornherein der Ansicht Ausdruc gab, daß sie wohl taum jemals die Möglichkeit haben würde, den gefeierten Filmstar von Angesicht zu Angesicht zu sehen und ihm fogar die Hand drücken zu dürfen. Das war der einzige Liebes brief, den Valentino beantwortete. Außer diesen Liebesbriefen Anschauung, daß die Liebe der Hunderttausende nicht seiner Person erhielt er 15 000 mal die Ehe angetragen. Valentino selbst war der galt, sondern daß es eine Art Suggestion war, die allmählich in eine feelische oder geistige Epidemie ausartete. Während Valentino für den ersten Film, bei dem er nur eine Art Statist war, das Gehalt von 100 Dollar bezog, fonnte er für den Film„ Der Scheich" bereits über ein Honorar von 2000 Dollar quittieren, das von Film zu Film anwuchs und schließlich auf eine jährliche Gage von 1 Million Dollar gestiegen war. Sein größter Rassenerfolg war Monfieur Beaucaire". Balentinos zu sehen. Es spielten sich unerhörte Szenen ab, wobei Gestern abend versuchten gegen 60 000 Menschen, meistens Frauen und Rinder, in der Kirche am Broadway die aufgebahrte Leiche viele Frauen niedergetreten und gegen 100 Personen verlegt wurden. Es mußte erst berittene Polizei aufgeboten werden, um die Ordnung wieder herzustellen. Der Bürgersteig war mit Handtaschen, Schuhen und Kleiderfeßen vollkommen überfät. Schuld an diesen unerhörten verbreitet hatte, Balentino sei das Opfer eines Giftmordes geworden. Szenen war die Sensationspreffe, die am Nachmittag die Nachricht Ein neues Dokument über Bord. Ein Zeugnis von hohem geschichtlichen Wert, das über die noch immer ungeklärten Borgänge der Konvention von Tauroggen überraschendes Licht verbreitet, wird in dem neuesten Autographen- Katalog von Karl Ernst Henrici ange führt. Es handelt sich um einen Geheimbrief Yords, der vom 26. Januar 1813 datiert ist. Nach dieser Darstellung hätte Dord nicht eigenmächtig gehandelt, als er in der Mühle von Boscherun mit den Ruffen den Bertrag schloß und damit das erste Flammenzeichen für die Befreiungskriege auflodern ließ, sondern der König hat um seinen Schritt gewußt, und, wie es in dem Brief heißt, S. Majestät haben im Geheimen die von mir mit dem ruffischen General v. Diebitsch abgefchloffene Convention völlig genehmigt. Ist diese Tatsache richtig, dann gewinnt die Stellung Friedrich Wilhelms III. zum Freiheitstriege ein ganz anderes Ge ficht; er hat sich dann nicht von den Ereignissen treiben lassen, sondern aktiv gehandelt. Spielplanänderung. Im Komödienhaus findet die auf Donners Saint Dbin erst am Freitag statt. tag, den 26. August, angesezte Erstaufführung der Komödie Herr son Slsmarck, Prophet der Republik. Sei« Urteil über den Ausgang der Monarchie. In der Friedrichsruher Ausgabe der„Gesammelten Werke Bismarcks" erscheint demnächst der dritte Band der Gespräche. Er enthält sehr bemerkenswerte Aeußerungen über den letzten Kaiser, seine Umgebung und die Zukunft Deutschlands. Darüber sprach sich der„Eiserne" Anfang der Neunziger Jahre zur Freifrau von Spitzemberg, einer Tochter des früheren württembergischen Ministerpräsidenten o. Varnbüler, folgendermaßen aus: Der Kaiser meint alles besser zu verstehen, weil er sich für einen Friedrich II. oder mehr hält. Ohne Erfahrung, ohne den Rat erfahrener Männer, will er alles ollein verstehen und machen. Er erkennt keine Autorität an als sich selber. Ja, wenn der Kaiser wirklich etwas von Friedrich dem Großen hätte: er ist aber weit davon entfernt. Er ist kein Friedrich der Große, obwohl man es ihm fortwährend sagt und er es glaubt. Er will alles selbst machen und bestimmen, und wenn wir das Unglück haben sollten, einen Krieg führen zu müssen, dann würde er die oberste Leitung nicht aus der Hand lassen. Da» kann furchtbar werden. Auf eine Frage der Frau von Spitzemberg, ob er sich denn gar nicht vorstellen könne, daß ein Weg gefunden werde, ihn wieder in bessere Beziehungen zum Kaiser zu bringen, antwortete Bismarck am 5. März 1891: Nein, das ist aus und vorbei. Der Kaiser hat mich w i e e i n e n Dedienten weggejagt. Ich habe zeitlebens einen Edelmann in mir gespürt, den man nicht ungestraft beleidigt. Vom Kaiser kann ich keine Genugtuung fordern, so bleibe ich eben fern und von all denen, die glauben, ich suchte wieder ans Ruder zu kommen, weiß keiner, wie gleichgültig mir jetzt chof- und Fürstengunst sind. Die Schurkerei ist ein einträgliches Handwerk und wird in schäm- losester Weise in Berlin selbst von denen geübt, die unabhängig von Stand und Stellung sind. Was soll ich dazu sagen, wenn ein Lumpenhund wie August Dönhoff einen großen Umweg auf der Straße macht, um meinem Sohne Herbert nicht zu begegnen? All diesen Leuten gegenüber habe ich nur das Gefühl des Götz von Verlichingen. Selbst den Kaiser nehme ich nicht aus bei solcher Wertschätzung. Ich suhle nichts mehr für ihn. Bei der Boykottierung— ich kann es nicht anders nennen—. die über mich verhängt ist, ist nur der Gedanke und die Furcht maßgebend, ich könnte mich zwischen ihn (den Kaiser) und die Sonne stellen... Das furchtbar gefährliche im Charakter des Kaisers ist, daß er dauernd keinem, momentan jedem Einfluß zugänglich ist und alles sofort zur Tat werden läßt, womit jede Stetigkeit aufhört. Schließlich tat Bismarck am 19. März 1893 der Frau v. Spitzemberg gegenüber folgenden Ausspruch: Es kann ja sein, daß Gott für Deutschland noch eine zweite Zeit de» verfalle» und darauf eine neue Ruhmeszeit vor sich hat, auf einer neuen Vafis: der Republik. Das aber berührt uns nicht mehr. Bismarck wurde allerdings nicht mehr davon berührt. Als er jene Prophezeiung aussprach, war er 78 Jahre alt, fünf Jahre darauf starb er. Sechzehn Jahre nach seinem Tode kam der Ausbruch des Krieges, und wieder vier Jahre später war die Republik da. Für die Monarchisten, die versichern, daß die Republik „undeutsch" sei und daß Deutschland nur unter Führung eines Monarchen seinen Wiederaufstieg vollziehen könne, ist Otto v. Bismarck von heute ab wohl ein verlorener Mann. Korrektur eines Tendenzurteils. Lehrer Siebens begnadigt. Nach der Reichspräsidentenwahl wurde der demokratische Haupt- lchrer Siebens in Tannenhausen(Ostfriesland) beschuldigt, als Wahlvorsteher Wahlfälschungen vorgenommen zu haben und zwar zugunsten des demokratischen Kandidaten Hellpach. Dieser hatte in Tannenhausen 72 Stimmen erhalten. Trotzdem 72 Wahlberechtigte bereit waren, vor Gericht zu bekunden, daß sie diese Stimmen für Hellpach abgegeben hatten, verzichtete das Gericht auf ihre Vernehmung und verurteille den Demokraten zu Jahr Gefängnis! Hier lag offensichtlich ein Tendenzurteil vor. das der Korrektur dringend bedurfte. Der Bcrtcidiger des Beschuldigten, Abgeordneter Koch, der Führer der demokratischen Reichstagsfraktion, hat sich sehr lebhaft um die Wiederherstellung des Rufes seines Mandanten bemüht. Jetzt hat nun die preußische Staatsregierung beschlossen, im Gnadenwege das Urteil abzumildern. Die Strafe wurde, da das Urteil nicht ohne weiteres kassiert werden kann, auf sechs Monate Gefängnis herabgesetzt. Davon werden zwei Monate auf die Untersuchungshaft angerechnet. Für den Rest wurde eine drei- jährige Bewährungsfrist zugebilligt. Der Eifer der ostfriesischen Staatsanwälte und Richter, wie er sich in dem Vorgehen gegen einen demokratischen Wahlvorsteher zeigte, läßt die Frage wieder ausleben, was denn eigentlich gegen die Gutsbesitzer und Gemeindevorsteher geschehen ist, die durch offene Gesetzesoerletzung und oft durch Drohung die Stimmberechtigten von der Abstimmung beim Voltsent- scheid fernzuhalten gesucht haben. Welche Schritte sind gegen sie unternommen worden? In der Oefsentlichkeit hat man bisher nicht das Geringste davon gehört. Soll dieser Terror und diese Willkür einfach in Vergesienheit geraten? Soll der Trotz der Verfasiungs- feinde über den Geist der Bersassung triumphieren? Koalitionsregierung in Griechenland. Grundsätzlich beschlossen. Athen. 25. August.(WTB.) Die Verhandlungen, die General K o n d y l i s unter Borsitz des Admirals K o n d u r i o t i s mit den Parteiführern führte, sind kurz vor Mitternacht abgeschlossen worden. Die Bildung eines Koalitionskabinett» ist grundsätzlich beschlossen worden. Die Frage der Verteilung der Porte. fcuilles und des Vorsitzes in der neuen Regierung fall heute cnt- schieden werden, auch die Frage der Befugnisse des Prä- sidenteü der Republik soll bereit» grundsätzlich geregelt worden sein. Pangalos Snhert sich. London. 25. August.(WTB.) Nach Meldungen aus Athen wurde General Pangalos in Phaleron vor der Abfahrt nach Aegina von Pressevertretern interviewt. Auf die Frage, ob er eine eingehende Untersuchung der gegen ihn erhobenen Beschuldigungen, er habe Unterschleife begangen, wünsche, antwortete Pangalos, er habe sich gefreut, zu erfahren, daß die Revolutionsführer beab- sichtigen, die Untersuchung einem Justizausschuß unter dem Lorsitz des Präsidenten des Kassationsgerichts anzuvertrauen.«Nur Strolche", fuhr Pangalos fort,»reden von Veruntreuungen; jeder- mann weiß, welches Vermögen ich jatte, bevor ich Präsident wurde, und was ich heute Hab«. Der größte Tell meines Vermögen» ist Landbesitz, der meiner Fra« gehört." der Anschlag auf den Vorortzug aufgeklärt. Ein gefährlicher Dummerjungenstreich. Der Kriminalpolizei ist es rasch gelungen, den Anschlag, der aus einen elektrischen Vorortzug zwischen Blankenburg und Carow oer. übt wurde, aufzuklären. Die Feststellungen ergaben, daß der Streich von dem Laubengelände an der Bahnstrecke ausgegangen sein mußte. Beim Absuchen dieses Geländes fanden die Kriminalbeamten spät abends den Täter in einem 15 Jahre alten Klempnerlehrling Friedrich B u m m, der sich in der Kolonie von Blankenburg herumtrieb. Unter dem Druck des Beweismaterials, das Ihm der Kommissar beim Verhör vorhielt, gab er alsbald zu, die Schotter- und Feld st eine aus die Schienen gelegt zu haben. Friedrich Bumm, ein kleiner unscheinbarer Junge in Manchesteranzug mit Breeches und Stutzen, der keinen schlechten Eindruck macht, aber etwas phantastisch veranlagt ist, trar von seinen Eltern, bei denen er wohnen blieb, in die Lehre gegeben worden. Der Meister war mit ihm auch durchaus zufrieden. Der Junge lief aber am ver- gangcnen Donnerstag aus der Lehre und von Haufe davon, wie er sagt, weil seine Eltern mit ihm zu streng gewesen seien. Seitdem hielt er sich in den Laubenkolonien von Blankenburg und Carow auf, nächtigte in der Scheune eines Bauern und lebte in der Haupt- fache von Obst, das er von Kindern erhielt. Den Tag über pflegte er sich mit Kindern zu treffen, die am Bahngelände Ziegen hüteten und sich damit belustigten, den Bahndamm herunterzurutschen. Das ge- schah auch am Montagnachmittag. Jetzt sprach Bumm mit anderen Jungen auch daküber, wie es wohl aussehe, wenn ein Zug ent- gleise. Als er dann später allein war, kam er abends auf den Gedanken, es einmal zu versuchen, sammelte einige Feldsteine und legte sie mit dem Schotter aus die Gleise. Er will aber doch nicht abgewartet haben, bis ein Zug kam, sondern schon vorher weggelaufen sein. Bumm wurde nach dem Polizeipräsidium gebracht. Die Kriminalpolizei wird im Laufe des heutigen Tages mit ihm einen Lokaltermin abhalten, um festzustellen, inwieweit seine Aussogen zutreffen und ob auch noch andere Jungen an dem gefährlichen Streich, den er allein verübt haben will, beteiligt gewesen sind. Der ISjährige wird sich nun wegen Gefährdung eines Eisenbahntransports vor dem Jugendgericht zu verantworten haben, außerdem ist feine Ueberführung in eine Zwangserziehungsanstall beretts beantragt. Drei tödliche Arbeitsunfälle. Der SSjährige Transportarbeiter Hermann G liefe aus Jo- hannisthal war im Betriebe der Ambi-Werke mit noch drei anderen Arbeitern damit beschäftigt, einen etwa drei Zentner schweren Säulenbohrer zu transportieren. An einer Tür stieß die Maschine an den unteren Teil des Türrahmens und kippte um. Dabei geriet Gliefe unter die Maschine. Er trug mehrere�Arm- bräche und so schwere innere Verletzungen davon, an deren Folgen er bald nach seiner Einlieserung in das Elisabethhospital verstarb.— Ein weiterer schwerer Unfall ereignete sich heute früh kurz nach K Uhr auf der Bootswerst der Firma Bauschke hinter dem Kraftwerk Oberhavel bei Spandau. Der 2l)jährige Boots- bauer Otto Thielemann aus der Schlieperstraße 43 zu Tegel, der erst seit ganz kurzer Zeit bei der Firma beschäftigt ist, war mit dem Abdecken eine» Schuppens beschäftigt. Er kam mit dem Kopf der Starkstromleitung zu nahe und wurde auf der Stelle Y e- tötet.— Der im Hause Stromstraße 40 wohnhafte Portier Müller, der in der Maschinenfabrik Harke, Strom- straße 39. als Hilfsarbeiter beschäftigt ist, verunglückte heute mittag gegen 1 Uhr beim Befahren de» Fahrstuhls tödlich. Ihm wurde, als er aufwärts fuhr, der Kopf abgerissen. Er hinter- läßt eine Frau mit zwei unmündigen Kindern. Die Pilzerkrankten auf dem Wege der Besserung. Wie wir erfahren, ist in dem Befinden der im Auguste-Viktoria- Krankenhaus in Eberswalde liegenden Schwestern jetzt e r- freulicherweise eine Besserung eingetreten, so daß die Aerzte heute die Hoffnung hoben, all« Erkrankten am Leben zu erhalten, wenn nicht noch Komplikationen auftreten sollten. Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft einen Ver- trcter nach dem Kinderheim Falkenberg entsandt und heute vor- mittag hat auch der zuständige Kreisarzt auf Deranlassung der Behörde eine Prüfung vorgenommen. Seine Untersuchung bestätigte, daß die Erkrankungen durch den Genuß von Knollenblätterpilzen hervorgerufen seien. Wie wir von der Leitung des Kinderheimes erfahren, dürfte ein gerichtliches Verfahren gegen die Schwestern, die die Pilze gesucht und in der Küche abgeliefert haben, nicht stattsindcn, da die Schwestern nicht aus selbstischen Motiven heraus gehandelt haben. Auch die Behörden stehen auf dem Standpunkt, daß hier eine unglückselige Verwechslung stattgefunden hat. In- zwischen sind'jedoch die Leichen der im Eberswaloer Krankenhaus Verstorbenen von der Staatsanwaltschaft noch nicht freigegeben worden, was darauf hinzuweisen scheint, daß die Staatsanwaltjchaft einen endgültigen Beschluß in dieser Angelegenheit noch nicht gefaßt hat.— Ucbrigens wird uns von erfahrenen Pilzkennern mitgeteilt, daß es entgegen der immer wieder auftauchenden Behauptung nicht möglich fei, mit einem silbernen Löffel das Vorhandenscia von Gift beim Pilzkochen festzustellm._ Selbstanschlnftbetrieb in Spandau. Am 29. August wird in Spandau der SelbstanlchlNßbe- trieb eingeführt. Die Anschlußnummern der Teilnehmer sind zum größten Teil geändert worden. Es wird dringend gebeten, vor Anforderung von Verbindungen mit Teilnehmern in Spandau aus dem Fernsprechbuche für 1926 festzustellen, welche Anschlußnummer der verlangte Teilnehmer erhalten hat. Die neue Nummer steht hinter der bisherigen in eckigen Klammern. Nur dann können Ver- bindungen ohne Zeitverlust hergestellt und verzögernde Nachfragen bei den anfangs stark belasteten Auskunftsstellen vermieden werden. Bei Herstellung einer Verbindung nach Spandau wird in folgender Weise verfahren: 1. Die Teilnehmer der Aemter Lichterselde, Breltenbach, Wannsee und Zehlendorf wählen 0(Null) und fordern bei dem sich meldenden Hilfsamt das Amt und die Num- mer des gewünschten Teilnehmers, z. B. Spandau 49 99. 2. Die Teil- nehmer der übrigen Aemter nennen der Beamtin, die sich nach dem Abheben des Hörers meldet, das gewünschte Amt(Spandau). Die Beamtin erwidert: Ich verbinde weiter. Es meldet sich dann ein Hilfsamt. Diesem ist Amtsname und Nummer anzugeben, z. B. Spandau 49 99. Als Zeichen, daß die Verbindung hergestellt ist, ertönt alle IE Sekunden ein kurzes Summergeräusch— tüt— tut. Dieses darf nicht verwechselt werden mit einem andauernden tiefen Summen, das sagt, daß der gewünschte Anschluß oder die Leitung besetzt ist. 3. Die Teilnehmer in Spandau selbst ersehen alles Nähere über die Einschaltung ihrer Apparate bei Eröffnung des Amtes und über die Bedienung der Apparate au» den Merkzetteln und der Benutzungsanweisung, die ihnen zugesandt sind. Der Be- trieb der Vermittlungsstelle Spandau ist dem Fernsprechamt Char- lottenburg 2 in Charlottenburg, Goethestraße 2—3, unterstellt. Es wird gebeten, schriftlich in Angelegenheiten der Vermittlungsstelle Spandau nur mit dem Fernsprechamt Charlottenburg 2 in Derbin- dung zu treten._ Das Schnellbad von IS Minuten. In einer Zuschrift an uns führt ein Leser heftige Klage dar- über, daß in der städtischen Volksbadeanftalt Oder- berger Straße den Badegästen nur 15 Minuten für An- und Auskleiden, sowie das eigentliche Bad zur Verfügung stehen. Unser Gewährsmann kam am Sonnabend nachmittag in die An- statt, badete sehr schnell und war gerade beim Abtrocknen, als der Badewärter seine Zelle betrot und ihn aufforderte, das Bade- zimmer zu verlassen, da die ihm für das Bad zur Verfügung stehen- den 15 Minuten vorüber feien. Uebrigcns soll man in der Frauen- abteiliung des Volksbades ebenso rigoros und bureautmtisch vorgehen. Wenn natürlich auch der starke Andrang zu den Bolksbadeanstallen, besonders am Wochenende, eine schnellere Abwickkung des Verkehrs notwendig macht, fo muß doch den Beamten gejagt werden, daß 15 Minuten, vor ollem für den die Woche über schwer Arbeiten- den, viel zu gering sind, um eine gründliche Säuberung oorzu- nehmen. Es ist nicht bekannt, ob hier eine Anweisung der Di- rektion vorliegt oder ob die Beamten der Volksbadeanstalt aus eigener Initiative handeln. Für Brausebäder ist im allgemeinen eine 2l)-Minuten-Badezeit, für Wannenbäder 3l) Minuten iU�ich. Wir hoffen, daß diese Zeilen genügen werden, die Direktion zu veranlassen, sowohl die Badezeit als solche generell zu verlängern, als auch den Leuten mit„abgelaufener Badefrist" gegenüber etnins toleranter zu verfahren._ Herbstlufiv erkehr. Soeben erscheint der diesjährige H e r b st f l u g p lo n für den deutschen Luftverkehr ab 1. September. Er umsaht 5 3 Linien, von denen 48 von der Deutschen Lufthansa betrieben werden. Auf 7 Strecken unterhält die Lufthansa eine Betriebsgemeinschast mit ausländischen Gesellschaften. Im Vergleich zum Sommerflugplan werden einige Bäderlinien nicht mehr unterhalten.. Weitere ausge- sprachen für den sommerlichen Touristen- und Bäderverkehr einge». richtete Strecken werden im Laufe des September eingestellt. Ferner find mit Rücksicht auf die vorgeschrittene Iahreszett die Flugzeiten zum Teil geändert worden. Der Winterflugplan wird voraussichtlich am 16. Oktober in Kraft treten. Eine Lebensmüde gerettet. Den Tod im Wasser suchte heute früh eine noch unbekannte Frau, die gegen 3�4 Uhr vor dem Hause Halle sches Ufer 26 in den Landweh rkanal sprang. Leute, die ihr Beginnen sahen, riefen die Feuerwehr der nahegelegenen Wache. Ihr gelang es, die Lebensmüde wieder ans Land zu bringen und i n s L e b e n z u r ü ck z u r u f e n. Die Frau wurde nach dem Elisabeth-Krankenhaus gebracht, wo sie noch be- pnnungslos daniederliegt. Bei ihr fand man Briefe, die auf den Namen Emma Biermann lauten. Ob das aber ihr Name ist, weiß man noch nicht._ Sombenattentat in einer Großbank. Bisher zwei Tote und über hundert Verwundete. Jtem Jork. 25. August.(XU.) 3n pittsburg ist ein folgenschwerer Anschlag aus den Sassenranm einer amerikanischen Großbank verübt worden. 3m Schalterraum der Farmer» Ztationalbant warf ein Bankkunde, dem die Auszahlung eines Schocks in höhe von 2000 Dollar verweigert wurde, ebne Bombe. Die Bankräume, die in einem fechszchnstöckigen Hause gelegen sind, wurden völlig zertrümmert. Der Täter und der Bankkassierer waren sosorltot. 20 Schwerverletzte und über 100 Leichtverletzte wurden au» den Trümmer» geborgen. Die Umgebung des Gebäudes ist gleichfalls schwer heimgesucht. 3a den Straßen der Stadt entstand eine Riesenpanik, die Fenster- scheiden ganzer Straßenzüge wurden zertrümmert. Man rechnet mit weiteren Todesopfern. Unter den Schwerverlehlen befinden sich auch zwei Volizeibeamte. die den Attentäter verhaften wollten, als er vor der Tat gegenüber dem Bankbeamten Drohungen ausstieß und ihm zurief:„Gebt mir Geld, sonst bringe Ich Vamps dahinter!" Die Polizisten konnten dos werfen der Bombe nicht mehr ver- hindern._ Erdstöße im Vogtland. planen I. B.. 25. August.(WTB.) Heute nacht zwischen Zi3 und 3 Uhr wurde mehrere Male ein unterirdisches wellen- förmiges Schwanken wahrgenommen, das in der Richtung von Südwesten nach Nordosten verlief. Das Beben wurde von vielen Einwohnern bemerkt. Auch der Seismograph oerzeichnete einige Erdstöße._ Znm Eisenbahnunglück bei Leiferde. Hannover, 25. August.(WTB.) Die Ermittlungen hatten bis zur Stunde noch kein greifbares Ergebnis. Auch der Arbeiter Waller Neuer aus Grußeitdorf, den man für den Täter hielt, mußte wieder aus der Haft entlassen werden. Wieder ein Eisenbahnattentat? Am Dienstag wurde im Bahnhof Hille bei Lübbecke in Westfalen ein Eisenbohnfrevol verübt, der nur durch einen Zufall kein Unglück zur Folg« hatte. Em Weichenschloß war ge- waltsom zertrümmert und die Weiche des Hauptgleises auf ein Nebengleis geschoben worden. Di« Lokomotive des Frühzuges durchfuhr die Gleissperre und kam kurz vor dem Gleisende zum Halten. Em Unglück wurde lediglich dadurch verhütet, daß der Zug langsame Fahrt hatte. Polizeiliche Nachforschungen, die bisher noch kein posttives Ergebnis hotten, sind nach ollen Seiten eingeleitet. Die Mindener Kreisbahn gehört nicht zur Reichsbahn. Zum voppelmord im Deister. Die Täter, die am 12. d. M. einen Holzhauermeister und einen Hilfsförster auf dem Kamm des Deister erschossen und beraubten, konnten bisher noch nicht ermittelt werden. Die Oberstaatsanwaltschaft hat am 23. August die Belohnung für die Ergreifung der Täter von 1000 Mark auf 3000 Mark erhöht. Die hinlerlassenschasl des Filmschauspielers valenlina. Der soeben verstorbene Filmschauspieler Balentinb hat während seiner 10jährigen Laufbahn als Filmschauspieler zwei Millionen Dollar, davon im letzten Jahr allein annähernd eine Million» verdient. Seine Hinterlassenschaft beträgt voraussichtlich mir 75000 Dollar. Sport. Schmeling schlägt Diekmann k. o. Einen unerwartet schnellen Sieg errang gestern abend im Lunapark der Halbschwergewichtler Max Schmeling über Max Diet- mann, den er bereits in der ersten Runde ko. schlug. Nachdem Paul Samson-Körner vor einiger Zeit wegen Uebergewichtes feinen Meistertitel im Halbschwergewicht zur Verfügung stellen mußte, be- retteten sich zwei starte Anwärter auf den freigewordenen Meister- titel vor. Max Diekmann und Max Schnieling. Vor acht Tagen sollte der Kampf bereits im Lunapark steigen, mußte dann aber wegen einer Augenoerletzung Diekmanns, die er sich im Training zugezogen hatte, abgesagt werden. Vor einer recht stattlichen Zu- schauermenge siel gestern die Ensscheidung. Nach einem Einleitung-. kämpf zwischen Sasse- Berlin und P a u l t e- Bremen, der über 4 Runden mit O-Unzen-Handschuhen ging, in dem fich Sasse wieder als der bessere zeigte, bestiegen Schmeling und Diekmann den Kampfring. Auch PaulSamfon- Körner stellte sich dem Publikum im Ring als ehemaliger Titelhalter vor, von allen Seiten stürmisch begrüßt. Dann ertönt der Gangschlag zur ersten Runde. die auch zugleich die letzte sein sollte. Diekmann greift in bekannter Weise sofort mächtig an. während sein Gegner abwägender, vor- sichtiger boxt. Diekmann sinkt plötzlich aus einen linken Gesichts- haken Schmeling» bis zwei in die Knie, kommt aber sofort wieder hoch, boxt beherzt weiter, bis ihn fein Geschick ereilt. Von einem haarscharf gezielten rechten Kinnhaken getroffen, taumell Diekmann rücklings in die Seile. Schmeling geht sofort nach, durchschlägt wuchtig die Doppeldcckung seines Gegners und landet unaufhörlich. Diekmann sinkt zusammen und muß sich auszählen lassen. Schme- ling, dem neuen Meister, aber wird zugejubelt. Der deutsche Vax- iport wird in ihm, der schon vielen gefährlich wurde, einen würdigen Vertreter haben. Schluß mit dem Lohnabbau! Geschloffene Abwehr in der Bilderrahmenindustrie. Wie wir bereits mitteilten, wollten die der Arbeitgebervereinigung der Goldleisten- und Bilderrahmenindustrie angeschlossenen Unternehmer ab 7. August den bisher gültigen Lohn von 1,04 m. auf 90 Pf. herabjezen. Als die Berliner Ortsverwaltung des Holzarbeiterverbandes der Arbeitgebervereinigung wissen ließ, daß sie dieses Dittat als das Signal zum offenen Kampf betrachte, fam es noch einmal am 5. Auguft zu einer Besprechung der bevollmächtigten Organisationsvertreter beider Parteien. Beide Parteien einigten sich dahin, den Schlichtungsausschuß anzurufen und bis zum Abschluß des Schlichtungsverfahrens feine Aenderung der bestehenden Löhne vorzunehmen bzw. zu verlangen. Der Schlichtungsausschuß fällte am 18. Auguft einen Schiedsspruch, wonach die Löhne der Facharbeiter auf 1 m. und die der übrigen Arbeiter auf 5 Broz. unter den Säßen des lezten Lohn abfommens herabgelegt werden sollen. Das Lohnabkommen, auf das fich der Schiedsspruch bezieht, war bei seinem Ablauf am 27. Februar dieses Jahres nicht mehr erneuert worden, so daß jetzt in der Branche zwar tariflos gearbeitet, aber in den meisten Be trieben die früheren Tariflöhne und noch höhere Löhne gezahlt werden. Die Branchenangehörigen nahmen gestern abend in einer überfüllten Versammlung in Dörings Festsälen zu dem Schiedsspruch Stellung. Genosse Boese vom Holzarbeiterverband, der den Bericht gab, empfahl den Mitgliedern, diesen Schiedsspruch nicht anzunehmen, da er den Unternehmern die Möglichkeit gibt, no ch piel größere Abzüge vorzunehmen, als es bei oberflächlicher Betrachtung scheint. Nach einer furzen Diskussion lehnte die Bersammlung den Schiedsspruch einstimmig ab. Es wurde weiter beschlossen, in den Betrieben, wo die Unternehmer nunmehr versuchen sollten, eigenmächtig die Löhne herabzusehen, sofort die Organisation zu benachrichtigen und nötigenfalls die Arbeit einzustellen. Die gelbe ,, Arbeiterdelegation". Sie wird totgefchwiegen. Die sonst so redselige„ Rote Fahne" ist plötzlich stumm ge worden. Unsere Veröffentlichung der Eindrücke, die der Führer der Gelben, der deutschnationale Reichstagsabgeordnete Geisler in Rußland empfangen und in Deutschland veröffentlicht hat, ist der Redaktion des Bolschewistenblattes begreiflicherweise in die Knochen gefahren. Da man dort noch nicht weiß, was man darauf ermidern darf und soll, stellt man sich tot. Damit ist freilich die Tatsache der gelben Arbeiterdelegation" nicht aus der Welt geschafft. Sie setzt die sozialdemokratische Arbeiterdelegation" erst ins rechte Licht. Abwehrbewegung der Krawatten- Heimarbeiterinnen. Gegen tarifwidrige Bezahlung. Broschürenweisheit und Zitatenkunft. Wie fich die„ Rote Fahne" herauszuschwindeln fucht. Wir haben die dumme Anrempelung der Roten Fahne" festgenagelt, mit der sie sich auf die Seite von Havelod Wilson stellte, nur weil dieser die Sozialisten angegriffen hatte. Um nun ihre gründliche Unwissenheit etwas zu bemänteln, zitiert die ,, Rote Fahne" einige Sätze aus einer Artikelferie von Marg in der Neuen Rheinischen Zeitung" aus dem Jahre 1849, die später in Broschürenform erschienen ist. Aber selbst diese Broschüre mußte die Rote Fahne" umfälschen, um den Anschein zu erweden, fie verstünde etwas von Marrismus. Marg erläutert in der Artikelserie, wie sich mit Veränderung des Charatters der Produktionsmittel auch die gesellschaftlichen Verhältnisse ändern. So erfahre auch das Rapital eine Alenderung seiner Funktion. Marg schildert dann die Funktionen des Kapitals in der kapitalistischen Gesellschaft. Er führt dabei u. a. aus: ,, Das Kapital besteht nicht nur aus Lebensmitteln, Arbeitsinstrumenten und Rohstoffen, nicht nur aus materiellen Produkten; es besteht ebenso sehr aus Tauschwerten. Alle Produkte, woraus es besteht, sind Waren. Das Kapital ist also nicht nur eine Summe Don materiellen Produkten, es ist eine Summe von Waren, von Tauschwerten, von gesellschaftlichen Größen. Das Kapital bleibt dasselbe, ob wir an die Stelle von Wolle Baumwolle, an die Stelle von Getreide Reis, an die Stelle von Eisenbahnen Dampfschiffe setzen, vorausgesetzt nur, daß die Baum wolle, der Reis, die Dampfschiffe, der Leib des Kapitals denselben Tauschwert haben, denselben Preis wie die Wolle, das Getreide, die Eisenbahnen, worin es sich vorher verkörperte. Der Körper des Kapitals tann sich beständig verwandeln, ohne daß das Rapital die geringste Veränderung erlitte." Die Voraussetzung zu dieser Erläuterung, wie die vorzitierten sonst nicht mit Havelock Wilson die Behauptung aufstellen können, der Säße hat die Rote Fahne" wohlweislich unterschlagen. Sie hätte Sozialismus sei gleichbedeutend mit der Vernichtung des Kapitals. Erfolgreiche Betriebsratswahl. Die Betriebsratswahl in den Bremer Linoleum= werten, Köpenick, Marienstraße, fand im April d. J. statt, ist aber durch Entscheidung des Arbeitsgerichts für ungültig ertlärt worden, wegen eines Verstoßes gegen die Wahlordnung§ 20. Als Antragsteller, die Wahl für ungültig zu erflären, trat die Firma, vertreten durch die technische Leitung, auf, mit der BeFirma, vertreten durch die technische Leitung, auf, mit der Begründung, daß ein Teil der Arbeiter Beschwerde eingelegt hat, weil gründung, daß ein Teil der Arbeiter Beschwerde eingelegt hat, weil nur eine( freigewerkschaftliche) Liste aufgestellt worden ist. Bei der Aufstellung der Liste versuchten Anhänger der Werksgemeinschaft auf die Liste zu kommen, was aber von der Belegschaft abgelehnt wurde. Die technische Leitung versuchte nun für die Anhänger der Werfsgemeinschaft zu retten, was zu retten war, indem fie das Angebot machte, einige der Gelben auf die Liste zu übernehmen; dann könnte die Wahl anerkannt werden. Dieses Angebot ist abgelehnt worden, da es den gewerkschaftlichen Grundfäßen widerspricht und eine Niederlage lieber in Rauf genommen wird als eine Berbindung mit der Werksgemeinschaft. Daraufhin erfolgte die Anrufung des Arbeitsgerichts. Bei der jetzigen Neuwahl standen zwei Liſten zur Abstimmung, icha ft. Lettere erhoffte einen großen Sieg, da die Kandidatenzahl die freige wertschaftliche und die der Wertsgemein die der freigewertschaftlichen Liste überragte, anderseits von den Gelben Kandidaten präsentiert wurden, die in der Revolutionszeit start radikal auftraten, die gute entwickelte Organisationen zerschlugen, sich dann zu den Syndikalisten bekannten und jetzt mit den VaterFür alle im Betrieb wie in der Heimarbeit beschäftigten Arbeit. nehmer in der Krawattenbranche fand am 20. Auguft eine vom Deutschen Bekleidungsarbeiterverband einberufene Versamm lung statt, die sehr gut besucht war. Der Referent, Kollege Sal bach, fritifierte rüdsichtslos das Verhalten einzelner Arbeit. geber, die die große Arbeitslosigkeit für sich ausnußen und weit unter Tarif bezahlen. Es seien wieder dieselben Firmen, die schon in Borkriegszeiten die Heimarbeiterinnen am schlechtesten entlohnten, wie L. u. K. sowie R. u. G. Sie versuchen, die Selbstländischen Arm in Arm gehen. binder, die augenblicklich und für längere Zeit den größten Artikel in der Fabrikation darstellen, auf Kosten der Arbeiterinnen besonders billig fertigen zu laffen. Die Löhne, die diese Firmen bieten, liegen im Berhältnis zu den Kosten der Lebenshaltung weit unter den Borkriegslöhnen. Leider finden sich immer wieder Heimarbeiterinnen, die für diese Schundlöhne arbeiten. Der bestehende Tarifvertrag entspricht feineswegs den Wünschen der Arbeitnehmer. Eine Erhöhung der Löhne wäre durchaus am Plazze. Statt dessen machen diese Firmen noch weitgehende Abzüge. Diesem Treiben müsse endlich begegnet werden. fester Zusammenhalt und fester Wille, Die Arbeiterschaft, wenn auch nicht gut organisiert, lehnte die Tendenzen Der erhoffte Sieg blieb auch bei der Neuwahl aus. der Werksgemeinschaft und Maulaufreißer ab, bekannte sich zur freigewerkschaftlichen Liste, die 6 Size erhielt, während die Gelben sich mit einem Siz abfinden mußten. Es muß jetzt daran liegen, weiter zu arbeiten, um die Unorganisierten den freien Ges werkschaften zuzuführen, die Werbetätigteit für die Internationale Gewerkschaftswoche jetzt schon zu beginnen. Gegen die Ueberschichten im Ruhrbergbau. Die Gewerkschaften fordern ihr Berbot. feine Arbeit mehr unter dem Tariflohn anzunehmen, Dorfmund, 25. Auguff.( Eigener Drahtbericht.) 3m Oberzwinge auch die Arbeitgeber zur Einkehr. Alle Verstöße gegen bergamt fanden heute Verhandlungen über Anträge der Gewertden bestehenden Tarifvertrag müssen der Branchenleitung fchaften über verbotswidriges Verfahren von Ueberumgehend mitgeteilt werden, um dieselben schnellstens abfchichten im Hinblick auf die Arbeitszeitverordnung vom 31. Dezustellen. 3ember 1923 ftatt. Sie führten zu feiner Entscheidung. Es follen genaue Ermittlungen angestellt werden, wie viele Ueberschichten auf einzelnen Mann kommen. Die englischen Bergarbeiter stehen fest. Zusammenftöße in den Bergwerksrevieren. London, 25. Auguft.( WTB.) Bei einem ernſten Zusammenstoß zwischen Polizei und streifenden Bergarbeitern in der Nähe von Mansfield im Kohlenbezirk von Nottingham erhielten verschiedene Bergarbeiter Verlegungen durch Knüppelschläge. Bei einem an deren Zwischenfall wurden zwei Polizeibeamte, die einen Mann, der von einer aus mehreren Hunderten bestehenden Menge angegriffen wurde, schüßen wollten, zu Boden geschlagen und durch Stockschläge verletzt. In der Urlaubsfrage der Heimarbeiterinnen mußte der Referent feststellen, daß die Urlaubsgelder nicht überall gezahlt werden. Es müssen deshalb Klagen gegen die betreffenden den Firmen anhängig gemacht werden. Die Arbeitgeber weigern sich, den sogenannten 3 wischenmeistern die Urlaubsgelder auszuzahlen. Es ist ein besonderer Uebelstand, daß sich das Zwischenmeisterwesen in der Krawattenbranche breitzumachen fucht; zumal die Zwischenmeister in der Krawattenbranche nur auf Kosten der bei ihnen beschäftigten Arbeitnehmer ihre Eristenz aufbauen fönnen, da der Lohn für die gelieferte Arbeit des Zwischenmeisters derselbe ist, wie ihn die Heimarbeiterin erhält. Bekommt der Zwischenmeister nicht das Urlaubsgeld von der Firma, jo tann er seinen Arbeit nehmern auch fein Urlaubsgeld zahlen. Doch die Arbeitgeber wissen Rat. So hat der Prokurist einer Firma auf die Frage, wovon denn den Arbeiterinnen das Urlaubsgeld gezahlt werden soll, wenn er als Zwischenmeister feins erhält, geant wortet, das müßte er, also der Zwischenmeister, bei seiner Lohnzahlung mit einfaltulieren. Das bedeutet die dirette Auf forderung an den Zwischenmeister, seine Arbeitnehmer weit unter Tarif zu bezahlen. Der Tarifvertrag ist jedoch bindend. Die letzte hand hat den Anspruch auf tarifliche Ent lohnung, auf Gewährung von Urlaub usw. Wie diese sogenannten 3wischenmeister es ermöglichen fönnen, die vorgeschriebenen Löhne zu zahlen, ist ihre Sache. Wir haben dafür zu sorgen, daß, wenn ein Tarifvertrag besteht, derselbe auch zu erfüllen ist. Nur wenn für Aufklärung und restlose Organisation der in der Branche Beschäftigten gesorgt wird, fann ihre beginnende Berelendung abgewehrt werden. Die nachfolgende Diskussion unterstrich die gemachten Aus führungen. Die Versammelten gingen mit dem Gelöbnis ausein ander, jede tarifwidrige Bezahlung zu unterbinden und in die Agitation für den Anschluß der Arbeitnehmerschaft in der Krawatten branche an den Betleidungsarbeiterverband( Sebastian Straße 37/38) einzutreten. Berliner- Elektriker- Genossenschaft Berlin N24, Elsässer Str. 86-88| Filiale Westen, Wilmersdorf Fernsprecher Norden 65 25 u. 65 26 Landhausstraße 4. Tel.: Pfalzburg 9831 Ausstellungsräume und Lager Alexanderstr. 39-40( Alexander- Passage) Tel.: Königstadt 540. Elektrische Anlagen jeder Art u. jeden Umfanges zu kulanten Zahlungsbedingungen. Beleuchtungskörper und Osram- Lampen zu Fabrikpreisen Photoapparate Bedartsartikel Entwickeln- Kopieren gut und preiswert Photo Spezialhaus Haller Kottbuser Damm 98 Sport- Stiefel Wanderstiefel:: Bergsteiger nur in dem bekannten Spezialgeschäft Berlin H. Bähr Spittelmart? D. b, Brüde " Daily Mail" berichtet, die Einschüchterungsmaßnahmen der Streitposten und des meist mit Stöcken bewaffneten Böbels hätten riele Bergarbeiter in Nottinghamshire und Derbyshire verhindert, gestern zur Arbeit zurückzukehren. Viele Bergarbeiter hätten sich infolge der gegen ihre Familien gezeigten Feindseligkeiten gefürchtet, in die Schächte einzufahren. Das Home- Office unternehme Schritte, um alle Bergarbeiter, die arbeiten wollen, zu schützen. Die Behörden ständen auf dem Standpunkt, daß Streitposten teine Be. rechtigung hätten; es sollen energische Maßnahmen getroffen werden, um die Einschüchterungsversuche zu unterbinden. Der politische Berichterstatter der„ Daily News" schreibt, Cooks wiederholte Bezugnahme auf„ neue Schritte" zur Herbeiführung eines Friedens in der Kohlenindustrie hätten in zahlreichen politischen und wirtschaftlichen Kreisen den Eindruck hervorgerufen, daß die Bergarbeiterführer ein direktes Eingreifen der Regierung herteizuführen beabsichtigen. EPPICHE Gladtke& Königsfeld Engros gegr. 1905 Export Nur Potsdamer Str. 97,1Tr. Kein Ladengeschäft Einzelabgabe. Billigste Listenpreise. Im Hause der Commerz- und Privat- Bank. Arbeitersport. Bezirkssportfest in Potsdam. Der 3. Bezirk veranstaltete Sonntag ein Bezirkssport. fest in Potsdam. Am Sonnabend wurde die ganze Veranstaltung durch eine Werbestafette, die aus Läufern, Schwimmern und Paddlern bestand, eröffnet. An der Langen Brücke, wo der Wechsel und die Stabübergabe der Läufer an die Schwimmer sich befand, hatte sich eine vieltausendköpfige Menge eingefunden. In jiebenmaligem Wechsel durchquerten die Schwimmer die Havel bis zum Kiewitt, um hier den Paddlern Platz zu machen, welche die Staffel bis zum Luftschiffhafen führten. Hier wurde von den Läufern auf einer provisorischen Läuferbahn die Schlußrunde gelaufen. Leider hatte der Magiftrat Potsdam den Arbeitersportlern die Benutzung des Stadions am Templiner See verboten. So mußten die Wettkämpfe auf provisoriſchen Bahnen veranstaltet werden, und das einwandfreie Stadion lag unbenugt. Am Abend zeigten die Nowaweser Segler noch einen schönen illuminierten Reigen mit ihren Booten. Die wassersportlichen Wettkämpfe in der neuen Badeanstalt am Sonntag zeigten guten Sport. Doch hier vermißte man vor allem den großen Berliner Verein Vorwärts", der zum 3. Bezirk gehört, und die Kamfpfrichtervereinigung des 1. Kreises. Ein Frauenfigurenliegen der Freien Schwimmer Charlottenburgs welches, einwandfrei geschwommen, viel Beifall fand, eröffnete das Programm. Bei den Wasserballspielen war man über die Stärke der 1. Mannschaft der Freien Schwimmer Charlottenburgs erstaunt, die zwei Spiele hintereinander gegen gute Mannschaften hoch gewinnen fonnten. Nachstehend die Resultate: Männerlagenftafette 4X100 Meter: 1. Falkensee 6,14,1. 2. Spandau 6,15,4. 3. Charlottenburg 6,19,4. Kinderbrustschwimmen 50 Meter: 1. Ruschkau, Charlottenburg, 0,59,3. 2. Pientad, Charlottenburg, Männerfreistilschwimmen 100 Meter: 0,59,4. 3. Mahörnte, Potsdam, 0,60. 1. Menzel, Nowawes, 1,17,4. 2. Rigmann, Spandau, 1,19. 3. Feige, Siemens. 1.18,4( bift.). 1. Frante, Rathagen berb ftadt, 1,32. Männerseiteschwimmen 100 Meter: 1a. Schulz, Brandenburg, 2. Wilhelm, Spandau, 1,24,2. 3. Bock, Falkensee, 1,25,1. Jugendwasserballspiel: Siemensstadt gegen Nowames 4: 2. Männerrückenschwimmen 100 meter: 1. B. Ebert, Spandau, 1,26,3. 2. Busch, Charlottenburg, 1,29,1. 3. Rödiger, Nowawes, 1,30,4. Jugendbrustschwimmen 50 Meter: a) männlich: 1. Wangemann, Romames, 0,44, 2. Nottrot, Rathenow, 0,47. 3. Obotter, Botsdam, 0,50,2. b) weiblich: 1. Seffe, Charlottenburg, 0,51,4. 2. Riepert, Charlottenburg, 0,51,4. 3. Heier, Potsdam, 0,55.- Jugendbeliebigschwimmen 50 meter: 1. Jakob, Siemensstadt, 0,36,4. 2. Rellermann, Nowawes, 0.38. 3. Belling, Potsdam, 0,38,3. Jugendrückenschwimmen 50 Meter: 1. Wangemann, Nowawes, 0,41. 2. Fritsch, Siemensstadt, 0,42. 3. Röller, Potsdam, 0,45. Frauenbeliebigschwimmen 100 Meter: 1. Kuhn, Charlottenburg, 1,43.1. 2. Schmidt, Charlottenburg, 1,56,1. 3. Schola, Siemensstadt, 2,10. Männerbrustschwimmen 200 Meter: 1. E. Rannenberg, Falkensee, 3,25,1. 2. Schulz, Siemensstadt, 3,27. 3. F. Rannenberg, Faltensee, 3,31,1. 4. Gerngroß, Charlottenburg, 3,42,4. Wafferballspiele für Männer: Charlottenburg gegen Spandau 11: 1. Charlottenburg gegen Falkenfee 7: 0. Sportfest in Wilmersdorf. Am 4. und 5. September begeht der Bezirk Wilmersdorf der Freien Turnerschaft Groß- Berlin fein 20. Stiftungsfest durch ein Sportfest auf dem Vereinssportplatz Wilmersdorf, Württenbergische Straße 54. Da am gleichen Tage ein Sportfest der Bürgerlichen stattfindet, ist zahlreiche Beteiligung der Brudervereine erwünscht. Sonnabend: Fußball, Handball und Hocken auf den Sportplägen Seepart, Fehrbelliner Blaz, Breußenpart sowie auf dem eigenen Platz in Wilmersdorf. Sonntag: 8 Uhr Treffpunkt Vereinsplatz. 9 Uhr Generalprobe der Freiübungen. 10 Uhr Handball Süden- Wedding. 2 Uhr großes turnerisches und sportliches Programm. Die ArbeiterUmzug mit Musit, Abmarsch Kaiserplatz zum Vereinssportplatz. Ab schaft der westlichen Vororte wird um zahlreiches Erscheinen und unterſtüßung der Veranstaltung gebeten. 1 Uhr Die Uebungen des Bezirks Wilmersdorf finden statt: Untere Turnhalle Gieselerstraße: Männer Dienstag und Freitag Koblenzer Straße Dienstag und Freitag 6 bis 8 Uhr. Obere Turn8 bis 10 Uhr, Frauen und Jungmädchen Montag 8 bis 10 Uhr, Mädchen Dienstag und Freitag 6 bis 8 Uhr, Knaben Turnhalle halle Halensee, Joachim- Friedrich- Straße: Männer Dienstag und Freitag 8 bis 10 Uhr, Frauen und Jungmädchen Donnerstag 8 bis 10 Uhr, Mädchen Montag und Donnerstag 6 bis 8 Uhr, Knaben Dienstag und Freitag 6 bis 8 Uhr. abteilung: Männer jeden Donnerstag 8 Uhr Sportplag, Jugend FußballFreitag, Schüler Sonnabend. Schachabteilung: Donners tag 8 Uhr. Mufitforps: Dienstag 8% Uhr.- Tambour. forps: Mittwoch 8 Uhr. Sportplay: Wilmersdorf, Württembergische Straße 54 Ede Zähringer Straße( am Fehrbelliner Platz). Im Freien Keglerbund Deutschlands tam es am Sonntag, den 15. Auguſt, zum Abschluß der Gaumeisterschaftstämpfe der Gruppe A im Gau 2. Als Sieger ging der Regelklub„ Har monie 1921"( Neukölln) mit 5414 Holz( 5 Besten) hervor und 15 Holz. Eine ganz hervorragende Leistung vollbrachte Regel schlug somit den Bundesmeisterklub von 1925, SKK. Bözow, um bruder Henneberg( Harmonie) mit einer Holzzahl von 1116 bet 150 Kugeln. Im Gau 1 Berlin führt SKK. Alter Stamm 13( Be zirk Osten) mit 5378 Holz vor Borussia 09 mit 5348 Holz. Die beste Einzelleistung zeigte Regelbruder Hoffmann( Alter Stamm) mit 1100 Holz( 150 Kugeln). 99 Der Schwimmverein Vorwärts Berlin 1897" hielt am Sonntag auf dem Wassersportplaz Plößensee sein Sommerschwimmfe ſt auf der Kampfbahn. 400 Startende beiderlei Geschlechts, vom ab. 2500 Zuschauer folgten mit regem Interesse den Vorführungen der intensiven Vereinsarbeit ab. Glanzpunkte in dem Programm jüngsten Kindermitglied bis zu den alten Herren, legten Zeugnis von waren der gutgeschwommene Kunstreigen der Frauen, das Turm springen der Männer und die Rettungsvorführungen mit Era läuterungen. Die sehr stark besetzten Jugend- und Kinderkonkurren zen bezeugten, daß der Vorwärts" das Bestreben hat, für tüchtigen Nachwuchs zu forgen. Touristenverein" Die Naturfreunde", Deutsche Sektion, hält Reichskonferenz des Touristenvereins„ Die Naturfreunde". Der feine Reichstonferenz Anfang Oktober in Würzburg ab. Die Tagung wird Bestimmungen darüber treffen, wie den Mitgliedern der deutschen Arbeitersportverbände, soweit sie der„ Zentralfommission" angeschlossen sind, Vorzugsbedingungen für die Ueber. nachtung in Naturfreundehäusern gewährt werden können. Bei dieser Gelegenheit sei mitgeteilt, daß dem Touristenverein„ Die Natur freunde" von der Reichsregierung 10 000 m. als Beihilfe für die Unterhaltung seiner Unterkunftshäuser gewährt worden sind. Berantwortlich für Politik: Dr. Curt Geyer; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lokales und Sonstiges: Frik Karflädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Küchen roh emailliert Küche Lottchen 42 M. 80 M. Christine 75 125 mit Anrichte 99 99 99 Riesenauswahl roher, lackierter, lasierter Küchen, einzelner Kleiderund Küchenschränke. 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