Ne. 4�0 ♦ 43,?ahrs. Ausgabe A Nr. 205 Bezugspreis. «Üche-tllch 70 Pfennig. monaMch S,— Zteich-mari voraus»cchlbar. Unter«rerubank für Deutschland, S-Mig, Saar» und Meuieigebiet. teslrrreich. Litauen, Luiemburi 4.50 Reichsmark, filz das übrige «usland 5,50 Reichsmark pro Monat. Der.Porwilrt»' mit der iUustrier- ten Sonntagsbeilage.Volk und Feit" towie den Beilagen.Unterhaltung uno Wissen'..Aus der Filmwelt', .Frauenstimme',.Der Rinder» freund',.Lugend-Dorwärts' und .Blick in die BücherweU" erscheint wochcntSglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm-Ad reffe:- �Sozialdemokrat Lerlia- Morgenansgabe (lO Pfennig) Anzeigenpreise: Sie« I n s p a I t i a e Ronvareille- zcile 80 Pfennig. Reklamezcile 5,— Reichsmark.»Rleiae Anzeigen' das settacdruckte Wort 25 Pfennig szulässra zwei scttaedruckic Wortes, jedes weitere Wort 12 Psennig. Stellengesuche das crlle Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Bilch» stoben zählen für zwei Worte. 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Die dem Schiedsgericht voraus- gegangenen Einigungsverhandlungcn im Ruhrbergbau sind ergebnis- los verlausen. 3m Anschluß daran sand eine Sihung des Schieds» gcrichts mik je sünf Beisitzern unter dem Borsitz des Oberlandes» gerichlsrat» Dr. 3 ö t t e n statt, dessen Verhandlungen heute noch nicht zu Eade geführt worden sind, vielmehr morgen fortgesetzt werden sollen. * Aus Bergarbeiterkreisen wird uns geschrieben: Der Reichsarbeitsminister Dr. Brauns gab vor Jahren in einer Verhandlung in Essen vor den Bcrgarbeitervertretern die Er- klärung ab, daß die Bergarbeiter mit ihren Löhnen an der Spitze marschieren sollen. Die Lohnverhandlungen am Z8. August in Essen zeigten nun recht deutlich, wie die Bergbau- Unternehmer des Ruhrreoiers diese Zusicherung aussassen. Auch sie haben den Wunsch, daß die Bergarbeiterschaft mit ihren Löhnen an der Spitze stehen sollen. Doch nicht etwa auf dem Wege einer entsprechenden Erhöhung der Bergarbeiterlöhne, sondern auf dem Wege einer nachdrücklichen„Ermäßigung" der höheren Industriearbeiterlöhne. Diese profitlichc Unternehmerlogit prellte nicht nur die Bergarbeiter um die Er- höhung ihres Reallohnes, sondern sie ergäbe einen Extraprosit durch die Lohnersparnis an den Löhnen der Industriearbeiter. Es fehlte dann nur noch eine Erweiterung der Kreise der Randzechen, eine Erweiterung der Spannungslöhne und die Beseitigung des Soziallohne-. Die Forderung einer Lohnerhöhung glauben sie durch ihre Gegenforderung eines Lohnabbaues auf der ganzen Linie parieren zu können. Die Unternehmer gehen mit einem Satz krebsen, der sich im Bc- richt der Studienreise der englischen Bergarbeiter im Ruhrrevier im März I92Ü findet, den diese in der„Daily Mail" brachte: ..Die deutschen Bergwerkseigentümer stehen osscnbar in engerer Fühlung mit ihren Arbeitern und studieren die soziale Seite ihrer Belegschaften eingehender als bei uns." Selbst wenn dieser Satz weniger einen taktischen Trumpf der englischen Bergarbeiter gegen die englischen Berghcrren bedeutete, so ist er doch mehr als eine Kritik des Berhaltens der rückständigen englischen Unternehmer aufzufassen al- ein Freischein für die Lohntaktik der deutschen Unternehmer. Die R u h r b e r g l e u t e, die die Erfahrungen mit ihren Unter. nchmern für sich hoben und mehr auf die Sache geben müsien als auf den Schein, können das Urteil der englischen Berichterstatter um so weniger teilen, nachdem sie das Verhalten ihrer Unternehmer bei den letzten Lohnverhandlungen beobachtet haben und deren Absicht zur Kenntnis genommen haben, den Soziallohn zu beseitigen. Wollte man die Klagen der Unternehmer im Ruhrbergbau für bare Münze nehmen, dann gäbe es keineun glücklicheren Menschen auf der Welt als sie, die' stets mit Der- l u ft e'n arbeiten und nicht den geringsten Gewinn erzielen. Doch hinter diesen ständigen Klagen oerbirgt sich nur notdürftig d i e Absicht, ans den Knochen der Bergleute noch mehr Profit herauszuschinden. Daß die Herrschaften sich»m jedwede Lohnerhöhung herumzudrücken suchen, ist von ihrem Standpunkt aus begreiflich. Wenn sie jedoch behaupten, eine Lohnerhöhung sei „nicht tragbar", so ist diese Behauptung einfach s a i s ch und halt der genauen Nachprüfung nicht stand. Die Belegschaft des Ruhrkohlengebiet- ist um 15 Proz. verringert. Trotzdem ist die Friedensförderung weit überschritten. Wie diese Förderung erzielt wurde, ergibt folgende Ausstellung einer Zeche des Ruhrreoiers. Danach betrug: Danach betrug im Monat Juli 192(5 die Zahl der weniger verfahrenen Schichten gegenüber dem Monat Dezember 1924.. 7285 Mai 1925.... 8025 Dezember»925.. 3209 die monatliche Mehr» sörderung in Tonnen: 12 043 11 084 0 735 Diese Steigerung wurde erzielt, weil die Gedingesätzc fast durchschnittlich heute noch so stehe» wie im Monat De- zember 1924, ja zum Teil noch gekürzt wurden, besonders im Gcsteinsbetrieb. Milhin hat die Erhöhung de s Hauer- durch schnittsiohnes den Werken keinen Psennig gekostet. Nur die Erhöhung des Lohnes der Schichtlöhner hat die Unternehmer etwas gekostet, doch die Zahl der Schicht- löhner wurde gewaltig reduziert. So wie auf dieser Schachtanlagc ist es auf den andere» Schacht- anlagen auch. Es ist dies das beste Bild für die Unhaltbarkiit der Klagelieder der Unternehmer. Durch Mehrarbeit haben die Hauer die Erhöhung des Tariflohns wettmachen müssen. Um diese Tatsachen zu übergehen, schieben die Unternehmer den Wettbewerb in den Bordergrund. Jetzt gibt man die beüritte- ncn Gebiete an. Es bliebe da zu untersuchen, ob die stärkere Nach- frage nach Kohlen infolge des englischen Bergarbeiterstreits leine Erhöhung der Preise brachte. Mit dem Himueis auf den Wettbewerb wurden auch die Stillegungen der Werke begründet. Als die englische Studienkommission nach der Urjache der Arbeits- losigkeit srug, wurde ihr geantwortet, sie sei die Folge des Auslands- Wettbewerbs. Der Kommission kam diese Erklärung recht merk- würdig vor, da man ihr zu Hause dieselbe Geschichte erzählte. Der Bericht der englischen Studienkommlssion sei aber adch in dem Punkte erwähnt, der die hohen Gewinne der Unternchencr im Ruhrbergbau aus der Nebe»Produktion berührt: „Der Deutsche zieht aus seiner Industrie einen größeren Nutzen als wir. Wir haben zwar reichere Flöze, strotzend von Stoffen, die in Nebenproduktionsanlagen gewonnen werden könnten, trotzdem geben sich unsere Bergwcrkscigcntiiiner damit zufrieden, ihre Kohlen für Hausbrand- und industrielle Feuerungs- zwecke mit einem sehr geringen, zuweilen auch mit gar keinem Nutzen zu verkaufen. Der Deutsche dagegen mit seiner geringwertigen Kohle gewinnt all die wertvollen Nebencrzcugniiie und erzielt so einen ansehnlichen Nutzen aus seinem Kohlenbergbau." Die Bergarbeiter lassen sich durch die gewohnheitsmäßigen Klagen der Unternehmer nicht täuschen und werden dafür sorgen, daß auch die Oeffentlichteit nicht getäuscht wird. Sie machen ihr Recht aus erträglichere Arbeitsbedingungen geltend und werden ihre Forderungen durchzusetzen wissen. Kunöuriotis wieder Präsident. Nach Beseitigung der Diktatur. Athen, 25. August.(1D1B.) General kondylis und s ö m t» liche Parteiführer, nämlich kafandaris, INichalakopulos. pepanaslosiu. Metaxas. Zaldaris, Demerdzis und Sosulis, die sich gesler-n abend unter dem Vorsitz de» Admirals Kunduriotis net- sammelten, erkannten einstimmig und in offizieller Weise Kunduriotis als Präsidenten der Republik an. 3nsolge dieser Anerkennung ver» Sffentlichte da» Amtsblatt folgende Botschaft des Präsidenten an das Volk:„Roch der Beseitigung der Diktatur übernehme ich von heute an wieder die präsidenffchaft, zu der mich die vierte hellenische Rationalversommlung berufen ho». Dieser Schritt wird, der Agence d'Athenes zufolge, von der presse»nd der öffentlichen Meinung mit Genugtuung als ein geschichtliche» Ereignis begrüßt, da» den besten Beweis für die innere Be- ruhigung«ad die Rückkehr zu einem normalen versaffoags- mäßigen Leben liefert. TodckaneS tabu! Rom. 25. August.(EP) Zu einer Anspielung de« Gene- rols Kondylis über Griechenlands Ansprüche auf den Dode- k a n e s wird in Italien betont, es gebe keine Dodekanes- Frag« mehr, da der. Besitz dieser Inseln endgültig geregelt sei, pnd die Frag« nicht w-h" ausgeworfen werden dürfe. Oer /�ustauschgefangene. Der im sogenannten deutschen Tscheka-Prozeh zum Tode oerurteilte, zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigte und jetzt zum Austausch gegen in Rußland verurteilte Deutsch« zur Aus- lieferung an Sowjctrußland bestimmte angebliche S k l o b l e w s k i spielte in dem Prozeß selbst eine äußerst geheimnisvolle Rolle. Nun teilt die in Berlin erscheinende russisch« Zeitung„Rul" mit, daß Skoblewski in Wirklichkeit K r y l o w heißt und früher in Ruß- land Abteilung»ch«f der Tscheka war. Als solcher ge- hörte er der„Expedition Kedroff" an. Dies« Expedition bereist« ganz Rußland und bekämpfte die Gegenrevolution. Nach Bcendi- gung dieser Expedition wurde Krylow der Komintern zugeteilt und nach Deutschland entsandt. Linksblock in Prag. Prag. 25. August.(Eigener Drahtbericht.) Das Zentralorgan der tschechischen Sozialdemokraten fordert am Mittwoch in einer Besprechung der am Dienstag gefaßten Entschließung des Partei- Vorstandes, die sich gegen den Eintritt in die Regierung ausge- sprachen hat, die Bildung eines opposition eilen Linksblocks. Es nennt als in Frage kommende Teilnehmer die tschechi- schen und deutschen Sozialdemokraten, die Legionäre, die tschechi- schen Nationalsozialisten, die Nationale Arbeitspartei uyd die fort- schrittlichen Kulturbewegungen. An die Kommunisten wird dagegen «ine entschiedene Absage gerichtet. die mazeöonisthe Suöra. Balkanfödcrntion odcr Anarchie? Von H e r m a n n W e n d e l. � Die mazedonische Frage, die sich durch das Jorgehen Südslawiens, Giechenlands und Numäniens gegen Bulgarien wieder einmal sehr vernehmlich ziyn Wort meldet, gleicht der lernäischen Hydra: schlägt man ihr einen Kopf ab, so wachsen zwei neue nach. Ursprünglich hau- delte es sich um ein vorwiegend soziales Problem, um die schonungslose Ausquetschung der Rasa, der christlichen Pacht- dauern durch die mohammedanischen Grundherren, aber an dem Feuer der Unzufriedenheit, das deshalb früh schon in Mazedonien aufzüngelte, dachten die Großmächte die Kasta- nien ihrer imperialistischen Politik zu rösten. Da Bulgaren und Serben Stämme ein und desselben südslawischen Volkes sind, war es das Gegebene, daß im 19. Jahrhundert beide nach Abschüttelung der Türkenherrschaft das Dach eines Staates über sich errichteten: so sahen auch die Freiheits- kämpfer hier wie dort die Zukunft vor sich. Aber von den beiden wesentlichen Anrainern der Balkanfrage wolllc Oester- reich von einem großen Südslawenstaat vor seinen Toren nichts wissen, weil er die von der schwarzgelben Knute kuranz- ten Südslawen, Kroaten und Slowenen, aufsässig zu machen drohte, i>nd Rußland glaubte seine auf Konstantinopel zielen- den Erobernngspläne leichter verfolgen zu können, wenn es auf dem Balkan mit ohnmächtigen Kleinstaaten zu tun hatte. So entstanden nebeneinander ein selbständiges Serbien und eine ftlbständiaes Bulgarien, das eine so lebensunfähig wie das andere, und um das Teile und herrsche! glorreich zu vollenden, warf Petersburger und Wiener Arglist M a z e- donien als Zankapfel zwischen beide. Vor Griechen, Walachen, Albanern und Türken steht als Hauptmasse der Bevölkerung Mazedoniens ein südslawischer Stamm. Ob es sich dabei um Serben oderBulgaren handelt, ist eine ebenso hißig umstrittene wie törichbe Frage, die etwa darauf hinavsläuft, ob die Mitteldeutschen Nord- deutsche oder Süddeutsche sind. Geschichtliche„Belege", die für die eine wie die andere These in Haufen beigebracht werden. gehören im 29. Jahrhundert in die Trödelbude, und auch wenn man die mazedonischen Mundarten unter di: Lupe der Sprachwissenschaft nimmt, läßt sich alles oder nichts beweisen. Genug, der in die bulgarische Schule gesteckte slawische Maze- domer' wird ebenso mühelos zun» Bulgar-n wie der durch den serbischen Unterricht gegangene zum Serben. Diese Tat- fache ausbeutend, warf sich in den letzten Jahr'-hnten vor dem Weltkriege die Sosiohr wie die Belgrader Propaganda auf das noch unter dem Halbmond schmachtende Land, um Menschen nach ihrem Bilde zu schassen. 1912 schien der Balkanbund und die Vertreibung der Türken aus Europa eine glattere Lösung der mazedonischen Frage anzubahnen, aber die Machenschaften des Wiener Ballnlatzes sorengten das Bündnis und trieben es zum Bruderkrieg zwischen Serben und Bulgaren. Der Friede nun Bukarest erledigte 1913 die Frage ebensowenig wie der Ausgang des Weltkrieges, denn jede Lösung lahmt, die Sofia und Belgrad nicht innerhalb der gleichen Staatsgrenzen sieht. Wenn es bei dem jüngsten Streitfall um den zum König- reich dex Serben. Kroaten und Slowenen geschlagenen Teil Mmedomens geht, so ist die Lage seiner Bevölkerung nalional anders als in den griechisch-maiedonischen Strichen. Werden hier Slawen gewaltsam zu Helleneu gemacht, so leben dort immerhin Südslawcn in einem südslawischen Staat. Aber mächtig gärt auch unter ihnen die allgemeine Nachkriegs- »'nzufriedenheit. Das dünn bevölkerte Land, etwa ander»- halb Millionen Einwohner auf 45 000 Quadrattilometer, ist wirtschaftlich und kulturell weit zurück. Der Gesundheitszustand des Volkes ist übel, die Schulverhältnisse liegen im Argen, Analphabetismus ist Trumpf. Di? Agrar- reform wurde unzureichend durchgeführt, die Verkehrsmittel sind schwach cntivickelt, die andere' Provinzen beschattende Wirtschaftskrise verschont auch Mazedonien nicht. Dazu ern schroff verständnisloser Zentralismus, eine Amtsschreiberkaste »nit nicht immer reitieu Händen, eine zügellos sich austobende Partei- und Cliquenwirtschaft, und es»v'rd begreiflich, wie diese Gaue zum günstigen Nährboden für die Propaganda der „Inneren Mazedonischen Revolutionären Organisation" werden kannten. Auch den Bandenkrieg betreibt diese Organisation als Bropagandamittel, hauptsächlich um nach einem schon in der Türkenzcit erprobten Rezept die Augen Europas auf das mazedonische Problem zu lenken. Die„Mazedonisierenden" stellen einen in Bulgarien sich ungehindert entfaltenden mäch- tigen Verband dar, von dessen Mitgliedern viele das„revo- lutionäre Mazedonierwm" bereits als Lebensberiff betrachten. Was aber heute zur Erörterung steht, ist die von Belgrad, Athen und Bukarest behauptete Duldung oder gar Förderung der in die Nachbargebiete-einbrechenden Banden durch d'e Machthaber in Sofia. Obwohl die Regierung Ljapt- s ch e w s unter Zeter- und Mordiogeschrei ihre Unschuld beteuert, spricht dach genug für jene Behauptung, denn„das 9. Jimi-Regime" wurde 1923 durch einen blutigen Staats- streich der Offiziersliga und der„Mazedonisierenden* eingesetzt. Auch unser Belgrader Parteiblatt, das der eigenen Re- gierung sehr scharf aus die Finger zu passen pflegt, verficht die Meinung, daß die militaristisch- kapitalistischen und nationalistisch- chauvinistischen Kreise Bulgariens gemein- sam mit ihrem ausführenden Organ, der Sofioter Re- gierung, mit allen Kräften auf dem Balkan einen Zu- stand kriegerischer Unruhe aufrechtzuerhalten suchen» um im Trüben zu fischen.„Darum," sagt das sozialdemokratische Blatt,„unterhalten und hegen sie in Bulgarien eine Banden- organisation mit dem Ziel, durch stete Beunruhigung der Nachbarn die Konsolidienmg der Verhältnisse in deren Län- dern zu verhindern und der Welt draußen zu beweisen, daß Bulgarien Unrecht geschehen ist." Wenn auf der anderen Seite das Hauptblatt der bulga- rifchen Sozialdemokratie den Völkerbund anruft, so ist es eine selbstverständliche Forderung, daß sich die in Sofia überreichte Note nicht zu kriegerischen Handlungen auswachsen darf: schon im Vorjahr ist Genf bei dem bewaffnetem Konflikt zwischen Bulgarien und Griechenland dazwischen getreten. Aber auch der Völkerbund ist, namentlich in seiner Gestalt von heute, nicht der Herkules, der der mazedonischen Hydra die Köpfe so abzuschlagen vermag, daß sie nicht nachwachsen. Seine wahre Erledigung findet das Problem Mazedonien erst durch eine. Föderation aller Balkanvölker, zu der der Anschluß der Bulgaren an die drei anderen süo- slawischen Stämme die erste Stufe ist. Als in Bulgarien Stambulijski am Ruder war, herrschte in Sofia Neigung dafür, aber Belgrad zeigte die kalte Schulter. Heute wäre Belgrad eher dafür zu haben, aber in Sofia sind die chauvi- nistischen Einflüsse zu stark. Voraussetzung für diese Verbin- dung bisher feindlicher Bruderstämme, die für die endliche Befriedung des Balkans von größter Bedeutung ist, bleibt eben der volle Sieg der Demokratie hüben wie drüben, der alle Nacheprediger und Gewaltanbeter für immer in den Winkel weist. Sulgarien nnö der Pakt fithen-Selgraö. iofio, 25. August.(Eigener Bericht.) Die Versicherung Belgrads und Athens, daß dos neue südslawisch-griechische Bündnis eine friedliche Aera auf dem Balkan einleiten soll, be- urteilt man hier mehr als skeptisch. Man ist überzeugt, daß die Abmachungen hauptsächlich darauf hinzielen, die r e v o l u t i o- nären Bestrebungen der Komitatschis endgültig zu unterdrücken. Man betrachtet es als sicher, daß sich Rumänien bald dem Pakte anschließen wird und erklärt, ein derartiger Dreibund wäre auf dem Balkan ein Machtfattor, der zwar eigensüchtlerischen Interessen gewisser Großstaaten(Italien!) ent- gegentreten könnte, aber ein eiserner Reifen um Bul- garien wäre und es zu erdrücken drohte. Die Möglichkeit einer Beteiligung Bulgariens an dem Pakt lassen die hiesigen Blätter ganz außer Betracht. Selbst die linksgerichteten Blätter lassen eine derartige Möglichkeit nicht einmal zwischen den Zeilen durchblicken. Die Gründe sind klar. Die Parole der heutigen bulgarischen Regierung w der mazedonischen Frage ist die gleiche wie die der mazedonischen Organisationen: Mazedonien den Moze» d 0 n i e r nl Solange dieses Ziel nicht erreicht ist, dürfte die Aus- ficht auf ein wirkliches Balkan- Cocorno illusorisch fein es fei denn, daß aus alle Balkanländer ein energischer Druck von außen erfolgen solle. Die Batkanstaaten werden unter sich kaum jemals ein« Lösung für die vorhandenen Schwierig- keilen finden. Die bulgarische Jlüchtlingsanleihe. Genf, 26. August. EP.) Di« bulgarische Regierung hat durch die bulgarische Nationalbank und durch die Bant von England einen Kredit von 400 000 Pfund Sterling erhalten, nachdem sie die vom Fmanzkomite« des Völkerbundes aufgestellten Bedingungen erfüllt hat. Dieser Kredit ist ein Teilbetrag einer großen Anleihe für die Ansiedlung der bulgarischen Flücht» linge aus Griechisch-Thraeien und Südslawisch-Mazedonien im Betrage von 2)4 Millionen Pfund, für deren Bewilligung der Völkerbundsrat sich aber die Prüfung des Kontrollsystems' Tolstoi und öas Kino. Bon Hans Ruoff. Es war genau vor dreißig Iahren. L. R. Tolstoi saß in dem kleinen Zimmer seines Moskauer Hauses in Ehamowniki. Ihm zur Seite ein bartloser Jüngling im Studentenrock, einer von den.Pilgern", die täglich zu Dutzenden zu dem großen Schriftsteller kamen, um mit ihm über den.Sinn des Lebens" zu sprechen. Während Tolstoi mit dem Studenten über die erhabensten Materien sprach, blätterte er fortwährend in einem winzigen Büch- lein, ohne seinen forschenden Blick von diesem abzuwenden. Der junge Mensch begann sich dafür zu interessieren, vielleicht war er auch etwas beleidigt. Er war der Ansicht, daß die Ausmerk- samkeit Lew Nikolajewitschs sich ganz auf den Gast richten müsse, der voll banger Erwartung zu dem Meister gekommen war, um von ihm Worte des Rates und erhabener Belehrung entgegenzu- nehmen(er wußte nicht, daß er an jenem Tage bereits der dreiund- zwanzigste war). Schließlich faßte das Studentlein einen Entschluß und fragte, einen Augenblick des Schweigens benutzend: „Lew Rikolajewitsch, was haben Sie da für ein Dingelchen?" Tolstoi wurde plötzlich lebendig. Er hiell dem jungen Menschen das Büchlein dicht vor das Ge- ficht und sagte: »Das ist kein Dingelchen, sondern ein richtiges Ding. Es wird viel Aufhebens von sich machen. Sehen Sie doch nur." Und Lew Rikolajewitsch begann mit dem Daumen der rechten Hand die Seiten des Büchleins schnell durchzublättern, wobei eine auf ihnen dargestellte Balletteuse ein Bein langsam hob und wieder -senkte. Der Student prallte zurück und sah den Meister erstaunt an: er dachte, daß Tolstoi sich über ihn lustig mache. Aber Lew Rikolajewitsch wiederholte voller Ernst das Experi- ment mehrere Mole nacheinander und sagte: .Photographie von Bewegungen. Das wird einmal von großer Wichtigkeit sein." Darauf verabschiedete er sich eilig von dem jungen Menschen, mdem er ihm freundlich aus die Schulter klopfte, und verließ das Zimmer. Der Student begriff erst noch zehn Jahren, was Tolstoi ge- meint hatte._ v«,elschuh im Stillen Oreon. Nach einer Vertagung der amerikanischen Regierung sollen zivei kleine Inseln im Jiillen Ozean etwa 500 Meilen sMich von Hawaii künstig alS Vogellchutzgcbiet gelten und dürscn nur noch sür iMcnschastliche Forschungszwecke betrete» werden. Aus den Inseln leben zablreichc, sonst kaum noch vorkommende Arten von Dasservögeln, die in letzter Zeit durch manche Expedittoye» d« Gefahr der AuSvottung nahegebracht worden waren. in seiner Septembertagung vorbehalten hat. Der obengenannie Teilbetrag wurde der bulgarischen Regierung auf Grund einer be- sonderen Kontrolle bewilligt, um dringend« augenblickliche Bedürf- nisse wie Herbstaussaat usw. decken zu können. Zum 2H. August. Fünf Jahre nach Erzbergers Ermordung. Heute var fünf Iahren streckten die Schüsse der Schulz und T i l l e s s e n den ehemaligen Reichsfinanz- minister Erzberger nieder. Die Mordhetze, die schon einmal während des Erzberger-Helfferich-Prozesies zu einem Attentat geführt hatte, hatte ihr Opfer erreicht. Die Schüsse galten dem Republikaner, sie galten der Politik der Ver- ständigung. Terror gegen die Republik, Terror gegen die einzig mögliche Politik der Verständigung war der Sinn dieses Attentats wie des Attentats gegen Rathenau. Dieser Terror durch den politischen Mord hat leider seine psychologische Wirkung nicht verfehlt. In den kritischen Monaten des Jahres 1922, als Deutschland durch eigene Kraftanstrengung seine Währung hätte stabilisieren und neue Chancen zur Vermeidung der Ruhrbesetzung hätte erobern können, sind wichtige psychologische Augenblicke ausgeschlagen worden, weil der Wille regierender Republikaner durch den Terror wankend geworden war. Der Leidensweg, der be- gangen werden mußte, nahm den Umweg über die Ruhr- befttzung. Die Spuren der Erzberger- Mörder führten nach München. Dort hatten sie zunächst Unterschlupf gefunden, ron dort waren sie weiter befördert worden. Der badische Staatspräsident gab öffentlich bekannt, daß München der Sitz einer Femeorganisation sei. Die Münchener Mörderzentrale bei der Einwohnerwehr hatte zu Beginn des Jahres 1921 zwei Morde durchgeführt und einen Mord versucht. Im Juni fiel ihrem Mörder der Genosse G a r e i s zum Opfer. Im August fanden die Erz- berger-Mörder erste Zuflucht in München. Von dort flohen sie nach Budapest— dorthin floh auch der Chef der Mörder- zentrale der Einwohnerwehr, Oberleutnant Braun. Nach München wollten die Rathenau-Mörder Kern und Fischer flüchten. Die Fememorde sind ungesühnt geblieben— bis auf den Rathenau-Mord. Die Erzberger-Mdrder sind im Ausland, sie tauchen bald hier, bald da auf. Flüchtig, heimatlos, mittel» los. Sie bezahlen eine ruchlose und sinnlose Tat mit einem sinnlos gewordenen Leben. Ungesühnt sind die Münchener Morde. Ungesühnt die Begünstigung der Morde durch die Justiz. Heute werden die Mörder in der Stahlhelm-Standarte als„nationalistische Märtyrer" gepriesenl Die deutsche Politik ober ist über die Aera der Feme» morde hinweggeschritten. Der Terror hat es nicht vermocht, die Bahn der Verständigungspolitik entscheidend zu durch- kreuzen. Am Ende des Ruhrkampfes war der Weg ein- deutig gewiesen, er führt über Locarno zum Völkerbund. Die neuen Schulpläne. Gefährliche Vormachtstellung der Länder? Der„Sozialdemokratisch? Pressedienst" meldet: Im Laufe des Monats September wird eine fozialdemo- kratische Lehrerkonferenz zu den neuen Schulgesetzplänen des Reichsinnemninisters Stellung nehmen. Eine rasche Stellung- nähme ist deshalb notwendig, weil die Lüftung des Schleiers von dem neuen Reichsschulgesetzentwurf Dinge bekannt werden läßt, die alle Freunde einer wirklich modernen Schulreform mit größter Sorge erfüllen muß. Wie wir von gutunterrichteter Seite erfahren, behält der neue Entwurf, der nach der ausdrücklichen Betonung des Ministers kein l reines Rahmen-, sondern ein Grundsatzgesetz werden soll, die Bor- l zugsstellung der Regelschule(Gemeinschaftsschule) des Der Entdecker der Poesie der Technik. Die Welt der Technik, die heute in unserem Leben eine so gewaltige Rolle spielt, hat lange als ein Stoff gegolten, der für die Dichtung nicht zu oerwerten sei. Heutzutage gewinnt aber die Poesie aus den technischen Leistungen die Anregung zu ergreifenden Werken. Es waren Techniker, die zuerst die Phantasie- und Ge- fühlswerte dieses als trocken und nüchtern verschrienen Gebietes er- kannten. So hat der Sohn des großen Komponisten Weber, Mar Maria von Weber, zuerst die Poesie der Eisenbahn dargestellt. Aber das ganze Gebiet der Technik wurde der deutschen Dichtung durch Max von Eyth eröffnet, und deshalb oerdient dieser große In- genieur und prachtvolle Mensch wohl einen Erinnerungskranz, den man anläßlich seines 20. Todestages an feinem Grabe � niederlegt. Eyth war ein Schwabe, durch seinen Stamm wie durch seine Familie dichterisch begabt, denn schon sein Vater hatte Poesien veröffentlicht. Ihn selbst aber zog es von frühester Jugend an zur Maschine, die damals um die Mitte des varigm Jahrhunderts ihren Siegeszug anzutreten begann. In Deutschland bot sich seinem Tätigkeitsdrang freilich noch kein rechtes Feld, und so hat er den größten Teil seines Lebens im Dienste einer großen englischen Maschinenfabrik oerbracht und als Ingenieur die halbe Welt, fast ganz Europa, Nord- und Südamerika, bereist. Diesen Roman seines Lebens, der mit der Entwicklung der Technik in den Iahren von 1860 bis 1880 zusammenfällt, hat er in seiner prächtigen Selbst- biographie erzählt, die unter dem Titel„Im Strome unserer Zeit" in drei Bänden seine Lehrjahre, Wanderjahre und Meisterjahre enthält. Es sind ausschließlich Briefe, die er hljuptsächlich an seine Familienangehörigen schrieb, und in ihnen offenbart sich die ganz« Tüchtigkeit seiner Natur, die Wärme seines Herzens, seine un- ermüdliche Arbeitskraft, seine große Erzählergabe und sein goldener Humor. Steht diese Selbstschilderung am End« seines Lebens, so begann er seine Entdeckung der Technik sür die Dichtung mit den auch vielfach autobiographischen Skizzen„Hinter Pflug und Schraub- stock". 1882 war er nach seinen weiten Fahrten durch die Welt in die Heimat zurückgekehrt: er gründete die Deutsche Landwirtschafts- aesellschaft und leitete sie durch mehr als ein Jahrzehnt. Die letzten Jahre seines Lebens hat er in tätiger Muhe in Ulm oerbracht, und hier entstanden seine beiden vortrefflichen Romane, von denen besonders der erste,„Der Kampf um die Eheopepyramide", ein humoristisches Meisterstück und zugleich ein dichterisches Zeugnis technischer Weltanschauung ist. Seine Erlebnisse im Dienste des ägyptischen Prinzen Halim bilden den Hintergrund, auf dem sich der Kampf der beiden feindlichen Brüder entfaltet, des schottischen Ingenieurs, der die Eheopspyramid« als Baumaterial für ein großes Stauwerk am Nil verwenden will, und des gelehrten Geist- lichen, der in derselben Pyramide die Uroffenbarung für die Ge- Heimnisse des Weltalls und der Geschichte verehrt. Als der gerade Siebzigjährige am 26. August 1906 dahingegangen war, da erschien aus seinem Nachlaß die Erzählung„Der Schneider von Ulm", ein geschichtliches Bild aus dem Leben der Stadt Ulm und eines zu früh Geborenen, der im Ringen um dos Flugproblem zugrunde geht. Während die Berwirklichung dieses Menschheitstraums bereits auf- dämmerte, gelang Eyth hier eine Dichtung, in der Romantik und Technik innig oerschmolzen sind, Artikels 146 Abs. 1 der Reichsverfassung grundsätzlich bei. Do? ist gewiß zu begrüßen. Aber was der Minister mit der einen Hand gibt, nimmt er mit der anderen; denn nachdem das Reichsschuigesetz grundsätzlich den Charakter der einzelnen Schulen festgelegt hat, soll es den Ländern, möglichst unter Beteiligung der Gemeinden, freigestellt werden, nunmehr festzustellen, welche Schule Be- kenntnis-, simultane oder weltliche Schule ist. Das bedeutet, daß erstmalig so verfahren werden soll, wie es der Schiele- Gürich'sche Entwurf seinerzeit vorgesehen hat. Man ebnet den Ländern den Weg dafür, daß die überlieferte Schulform, d. h. in erster Linie also die Bekenntnisschule, praktisch zur R e g e l s ch u l e gemacht wird. Damit kommen die Anhänger der simultanen oder weltlichen Schule von vornherein ins Hintertreffen. Die Anhänger- der weltlichen Schule müssen dann sehen, wo sie bleiben. Simultane Schulen können nach der erstmaligen Berteiiunz durch die Länderregierungen nur noch bei Neueinrichtungen entstehen. Bei der Frage des Zusammenschlusses soll es zulässig sein, daß von einer Achtklassenschule eine ein-, zwei- oder dreiklassige Schule noch sechs- bis siebenstusig bleibt. Was das für die Praxis im Kampf um die Errichtung weltlicher Schulen bedeutet, ist nicht schwer zu erraten. Die einzelnen Schularten sollen möglichst formal charakterisiert werden, etwa so, wie es der Koch-Schulzsche Schulentwurs vorsah. Doch soll die Bekenntnisschule in chrer Gesamtheit nicht im Geiste dos Bekenntnisses eingerichtet werden, sondern die bekenntnis- mäßigeBindung soll allein auf den Religionsunter- richt beschränkt bleiben. Ebenso sollen keine Bestimmungen sür Schuloerwaltung und Aufsichtskontrolle über Sitten und Gebräuche gegeben werden. Dagegen will man festlegen, daß eine derartige Beaufsichtigung nur durch den Staat stattfinden darf. Den Ländern soll es freistehen, für ihre Gebiete den Religionsgesell- schaften zu gestatten, sich von der bekenntnismäßigen Führung des Religionsunterrichts zu überzeugen. Wie man steht, bringt der Entwurf an manchen Stellen gewisse Fortschritte. Aber in der entscheidenden Frage versagt er. Wenn auf dem Umweg über die Länder den historischen Schultypen von vornherein eine so starke Position verschafft wird, daß sie alles andere an die Wand drücken können, dann wird der Entwurf untrag- bar. Ob auf der anderen Seite die Einschränkung des radikalen Bekenntnisschulengedankens von den Konfessionalisten hingenommen werden wird, erscheint uns fraglich. Schon im Kabinett dürfte der Entwurf deshalb auf große Widerstände stoßen, vielleicht auf so große, daß er das Kabinett gar nicht wird passieren können. Ve?waltungsvere!nfachung. Einheitliche Bearbeitung der Polizeisachen. Zur Erzielung einer einheitlichen Bearbeitung aller Polizeiangelegenheiten bei den O b e r p r ö s i d i e n und Regierungen ist es notwendig, für die gesamten Polizeidezernate bei einer Behörde einen Generaldezernenten zu bestellen, der die Ober- und Regierungspräsidenten und deren ständige Stellvertreter, denen die Wahrung der Einheitlichkeit in erster Linie obliegt, bei dieser Auf- gäbe zu unterstützen hat. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, wird deshalb in einem gemeinsamen Runderlaß des Ministers des Innern und des Finanzministers angeordnet, daß bei allen Ober- Präsidien und Regierungen einer der Poiizeidezernenten mit dieser Aufgabe betraut und als Generaldezernent in Polizeiangelegenheiten bestellt wird. Diesem Generaidezernenten sind fortan, unbeschadet der sonst angeordneten Vorlegungen, alle Eingänge sür die Polizeidezer- nate vorzulegen, und er ist bei allen Sachen, bei denen er es für nötig halt, mitzubeteiligen. Eine den anderen Polizeidezer- nenten übergeordnete Stellung wird ihm dadurch nicht zugewiesen. Die Reichswehr In Nürnberg. Zu unserer Notiz„Die Reiche- wehr in Nürnberg" erfährt der„Demokratische Pressedienst", daß die alten bayerischen Fahnen lediglich dem bayerischen Staate, nicht aber dem Reichswehr Ministerium unter- stehen. Das Reichswehrministerium habe deshalb auch aus die Ver- wendung dieser Fahnen keinen. Einfluß. Ueber die Frage, wer dcn Fahnen das Ehrengeleit nach Nürnberg gibt, schweigt sich die Meldung des„Demokratischen Pressedienstes" aus. Wo Ist das schlechteste Wetter? In diesem Sommer unseres Mißvergnügens wird so mancher gedacht haben, daß es ein schlech. teres Wetter überhaupt nicht mehr geben kann. Aber all diesen kann zum Trost gesagt werden, daß es so manche Stelle aus der Erde gibt, auf der wir Mitteleuropäer es überhaupt nicht aus» halten können. Gewöhnlich wird als dos schlechteste Klima auf der Erde das des Death Valley in Südkalifornien bezeichnet, wo die mittlere Temperatur von Mai bis September zwischen 29 und 3" schwankt und die höchste Temperatur zwischen 40 und bCP Wärme liegt. In den andern Monaten des Jahres ist das Klima gar nicht so schlimm, und deshalb möchte Professor Kaßner, der in der Leipziger„Illustrierten Zeitung" die Frage nach dem schlimmsten Klima der Erde beantwortet, das furchtbarste Wetter sür die Kamara-Inscl in Anspruch nehmen. Das ist eine 130 gkm große britische Inselgruppe im südlichen Teil des Roten Meeres vor der arabischen Küste. Die niedrigste Temperatur dort betrögt immer noch 20° und die höchste 40° Wärme; mörderisch wird aber diese Hitze dadurch, daß die Temperatur im Laufe von vier beob- achteten Iahren um nur 20 Proz. geschwankt hat. während bei uns diese Schwankungen reichlich 65° betragen. Es ist also dort tagaus tagein heiß, und diese Hitze wird noch verschlimmert durch die hohe Luftfeuchtigkeit, die keinen erquickenden Schlaf zuläßt. Dazu brennt die Sonne wochen- und monatelang mitleidslos her- nieder, und Winde bringen nur heiße feuchte Luft oder glühenden Sand. Während der ganzen vier Jahre hat es a»f den Inseln nur drei mal stärker geregnet, und Gewitter kommen selten bis hierher. Daher lebt auch dort nur ein armseliges Fischervolt von kaum 100 Köpfen. Lufkschiffverkehr von England nach dem fernen Osten. Zurzeit weilt der„Luftmarschall' Englands und stellvertretende General- Vertreter des britischen Luftverkehrs. Sefton Brancker, in Rom. Er hat sich dem Berichterstatter eines italienischen Blattes gegenüber über die Zutunftspläne des englischen Flugwesens ausgesprochen, Pläne, die bereits aus dem Borberettungsstadium heraus find und in nächster Zeit praktisch verwirklicht werden sollen. Man hat zwei große Linien in Aussicht genommen, die mit Aeroplanen und lenk- baren Luftschiffen befahren werden und England mit dem fernen Osten in regelmäßige Verbindung bringen sollen. Die mit Luft- schiffen betriebene Linie geht von London aus und führt über Indien nach Australien. Die als Hilfsverkehr dienende Linie, in deren Dienst Flugzeuge gestellt werden, soll in Aegypten ihre Operation?. basts finden und führt von dort ebenfalls nach Indien. Man will durch die Verbindung von Flugzeug und Luftschiff ein Verkehrs- mittel schaffen, das einen regelmäßigen Dienst oerbürgt. Ein Probedienst, der bereits zur Vorbereitung aufgenommen wurde, bezweckt hauptsächlich die Ausbildung der Piloten. EI» neve» Theater ln Dresden. Unter der künfllerifchcn Leitung von Hermine Körner wird Ansang September in Dresden ein neues Schonipiel- tiaii?„i,ic Komödie» cröfsnel werden. Das Hau» beabiichligt vot allem das Kammcrsplel zu Pflegen. Vorgeicben find u. a. Aufsiihrunaen von Meorg Kall er«.Flucht nach Venedig-,.Ouinlett-, Komödie von Pelcr Baum,.Amerikanerinnen- von Arthur R i ch« a» u und.Ran laiin Sritifthe Gewertsthastler In Serlin. Unterredung mit Pngh und Citriue. Anläßlich der anglo-russischen Konferenz, die während der letzten drei Tage in Berlin tagte, Hot ein Redakteur des„Vorwärts" eine längere Unterredung mit den englischen Gewerkschaftsführern, be- sonders mit dem Genossen P u g h, dem Führer der englischen Me- tallarbeiter, und C i t r i n e, dem Sekretär des englischen Gewerk- schaftsbundes, geführt. Die beiden Gewerkschaftsführer legten großen Wert darauf, die Situation im englischen Bergbaukamps den deutschen Arbeitern vor Augen zu führen. Schon 16 Wochen steht ein großer und wesentlicher Teil der britischen Arbeiterschaft in einem ungeheuer schweren und langen Kampf, um eine V e r» längerung der Arbeitszeit um eine Stunde täglich, gleichzeitig mit einer Verkürzung der Arbeitslöhne abzuwehren. Die Regierung ist offenbar fest entschlossen, nichts zu tun, was den Konflikt zu einem guten Ende bringen könnte. Wenn die Bergarbeiter unterliegen würden, wenn das Achtstunden- taggesetz, das die Regierung im Parlament durchgepeitscht hat, prak- tisch in Kraft treten würde, dann wäre da- ein schwerer Schlag nicht nur für die englischen Bergarbeiter allein, nicht nur für die Bergarbeiter des Festlandes gleichfalls, sondern auch darüber hin- aus ein schwerer Schlag gegen die Ratifizierung des Abkommens von Washington. Es ist noch in Er- innerung, daß auf der Londoner Konferenz der Arbeitsminister eine Verständigung über die Ratifizierung des Abkommens von Washington zustandegekommen ist. Inzwischen hat Belgien dieses Abkommen bereits ratifiziert. Die anderen Länder aber haben sich bisher nicht zur Ratifizierung entschließen können. Und nun hat die englische Regiening ein Gesetz zur Annahme gebracht, das wohl nominell den Acht stundentag vorsieht, praktisch aber für die Bergarbeiter den Achteinhalb stundentag bedeuten würde. Allerdings liegen die Dinge heute so, daß selbst die Bergbaubesitzer nicht versuchen, den„arbeitswilligen" Bergarbeitern den Achtstunden- tag aufzuzwingen, sondern ihnen überall den Siebeneinhalb- stundentag und die vor dem Streik gezahlten Löhne anbieten. Der Widerstand der Bergarbeiter ist also nicht ohne Wirkung geblieben. Die Zechenbesitzer weigern sich aber, irgendeinen R e i ch s t a r i f mit dem Bergarbeiterverband abzuschließen. Sie spekulieren auf den Zusammenbruch des Streiks, um dann zweifellos noch viel schlechtere Arbeitsbedingungen zu diktieren als sie jetzt den Berg- arbeitern anbieten. Deshalb hat sich der englische Gewerkschasts- bund entschlossen, mit allen Kräften einzugreifen. Er hat einen Appell an die englische Arbeiterschaft gerichtet und gleichzeitig durch Vermittlung des Internationalen Gewerkschaftsbundes auch einen Hilferuf an die organisierte Arbeiterschaft der anderen Länder ge- richtet. Zur Unterstützung dieses Appells werden englische Gewerk- schaslsoerlreter das Festland bereisen. wie solche bereits auch in Amerika mit Erfolg tätig sind. Wir sind überzeugt, schlössen die Vertreter der englischen Gewerkschaften, daß wir nicht vergebens an das erprobte Solidaritätsgefühl der beut- schen Arbeiter appellieren werden, um die Frauen und Kinder der englischen Bergarbeiter buch st üblich vor dem Verhun- gern zu bewahren. Wir fragten dann die englischen Gewerk- schastsoertreter über das Ergebnis und den Verlauf der anglo- russischen Konferenz. Sie antworteten, daß das Ziel dieser Konferenz wie der vorher- gehenden Konferenzen einzig und ollein sei, eine größere Einheit in der internationalen Gewerkschaftsbewegung herzustellen. Selbst- verstündlich sei gar keine Rede davon, daß die englische Gewerkschaftsbewegung irgendwie in Gegensatz zur Gewerkschaftsbewegung aus dem Festlande geraten könne. Wir hassen immer noch, sagten die Briten, daß auch die russischen Gewerkschaften zu einem Zusammenschluß mit den Gewerkschaften der anderen Länder kommen werden. Ueber den Verlauf und das Ergebnis der Ve-Handlungen müssen wir zunächst unseren Auftraggebern, dem Generalrat der englischen Gewerkschaften Bericht erstatten. Soweit die englischen Gewerk» schastsoertreter. Aus der Dauer der Verhandlungen � sie waren gestern am vorgerückten Abend noch nicht beendet, obwohl sie bereits drei volle Tage ununterbrochen andauerten— kann man entnehmen, daß die Verständigung mit den Russen aus erhebliche Schwierigkeiten gestoßen ist. Die Russen, die j ü n g st e Gewerkschaftsbewegung der Welt, können es sich noch immer nicht verkneifen, als Lehr- meister und Diktatoren gegenüber den Gewerkschaften der anderen Länder auszutreten: sie beschränken sich aber nicht darauf» ihrer Meinung Ausdruck zu geben, und zwar in ihrer etwas brutalen und primitiven Manier, sondern betreiben darüber hinaus in den anderen Ländern die Spaltung der Geister und wo sie das können, der Organisationen. Solange sie diese Methode nicht aufgeben, kann von einer Einigkeit keine Rede sein. tzugenbergs öoppelte Suchführung. Für die„Provinz" und für Berlin. Eine besondere Art politischer Journalistik scheint Hugen- berg neuerdings eingeführt zu haben. Die am Mittwoch früh im Reiche verbreitete Ausgabe Nr. 203 seines„Tag" enthält an der Spitze einen Leitartikel„Amerika und die d e u t s ch e I u st i z", für den«in gewisser„Dr. jur. can. ct. civ. Hölscher, zurzeit Capri" zeichnet. Die Berliner Ausgabe der gleichen Nummer enthält merkwürdigerweise diesen Aus- satz nicht! Aus mehr als einem Grunde aber ist es zweck- mäßig, daß auch die Berliner Leser die neueste„n a t i o- n a l e" Leistung des Blattes kennen lernen, das von dem deutschnationalen Abgeordneten Hugenberg heraus- gegeben wird. Der Artikel stellt ein Interview dar, das der Capri- Mann mit dem amerikanischen Juristen Wheeler gehabt haben will. Er läßt diesen Amerikaner und„Angelsachsen" sich über den Magdeburger Justizskandal oer- breiten und dabei feststellen,„daß der Zusammenbruch der deutschen Rechtspflege unaufhaltsam ist". Als Begründung für diese Auffassung darf der Angelsachse auf dem Hugenberg-Papier sagen: „Ein Staat, in dem der Richter zum Angestellten der P o l i z ei gemacht wird, wo ihm und seinem Amte und seinen Pflichten polizeiliche Fesseln angelegt werden, gegen die er machtlos ist, verdient nicht mehr den Tlamen eines Rechtsstaates. In einem Rechtsstaate gibt es nur einen König, dem sich jeder andere Wille zu beugen hat, und das ist der Richter. Hier sehe ich, daß in Deutschland Aber dem Richter noch der Schutzmann steht... Sie wissen aus unserer mehr als LSjährigen Freundschaft, wie hoch w i r Angelsachsen stets die deutsche Jurisprudenz eingeschätzt haben. Namen wie o. Liszt, Wach, Dinding und zahllose andere werden uns unvergeßlich fein. Bis zum Zusammenbruch des alten Staates haben diese alten Führer auch Wache gestanden, daß der ja stets im Preußen tum liegende Polizeigeist nicht überhand nahm, denken Sie nur an Friedrich den Großen, der das ganze Kammergericht mit einem Federstrich auf ein Jahr aus die Festung schickte. Aber diese Zeiten schienen doch vorbei zu sein, bis sich auf einmal nach der Revolution ein neuer und hundertmal verderblicherer Polizeigeist in Preußen-Deutschland entwickelte... Bis zur R e v o l u t i o n waren die P 0 l i z e i l eu t e in Preußen nach unseren a n g e l s ä ch s i- schen Begriffen zwar keine angenehmen Persönlich- leiten, die man sich gerade zum Geistesaustausch ausgesucht hätte: aber sie hielten sich genau an die Gesetze und achteten den Richter als ihren Vorgesetzten. Daß diese Ehrerbietung verloren gegangen ist, darin sehe ich eine große Gefahr für Deutschlands Zukunft." Der„Angelsachse", wie er sich selbst nerntf, behauptet weiter,„gerode die sogenannten liberalen Zeitungen" hätten„alles Gift gegen den seines Rechtes bewußten Richter (Kölling) verspritzt, während ihn n u r die a l tp reuß i- schen Rechtsorgane zu halten versucht" hätten. Worauf Hugenberg wahrscheinlich besonders stolz sein wird! Weiter darf der Amerikaner deutschen Richtern empfehlen, wie sie es mit der Landeskriminalpolizei halten müßten: „Ich will nur sagen, daß in Amerika ein Richter, wenn der- artiges geschehen wäre, daß ihn ein untergeordnetes Organ wie die Polizei absichtlich zum besten hält, sämtliche veteiligken vom Präsi- denken der Polizei abwärts In hast genommen häkle. Und wenn das der deutsche Richter auch gleich am ersten Tage getan hätte, Sie sollten mal sehen, wie schnell er Ordnung in diese �verfahrene Sache gebracht hatte." Und zum Schluß wird noch folgend« Ungezogenheit zu Papier gebracht: „Ich werde(in Amerika) nur an geeigneter Stelle darauf hin- weisen, daß eine Be t e i l i g u n g an dem diesjährigen p r e u ß i- schen Polizeikongreß im Herbst in Berlin für uns Angel- sachsen schwerlich mehr in Frage kommen könne. Denn mit einem Manne wie Dr. weiß usw. können wir uns nicht gut idenli- fizleren, der gegen jedes Recht Haussuchungen anordnet und ähnlich dos Gesetz verletzt." Wenn diese Aeußerungen nicht Erfindungen eines kranken Hirns sind, sondern wirtlich von dem amerika- nischen Juristen gemacht wurden, so wäre das die u n v e r- froren st e Einmischung in deutsche und preu- ßische Angelegenheiten, eine Einmischung, die. wenn sie etwa von demokratischer Seite erfolgte, in den Hugen- berg-Blättern einen Entrüstungssturm hervorriefen. So aber ist sie den Dcutschnationalen gerade zu recht ge- kommen, um mit Hilfe eines Ausländers in der„Provinz" gegen die preußische Polizei zu hetzen. Nur die Berliner Leser dürfen das nicht sehen. Des- halb hat man für die Berliner Ausgabe diesen L e i t- artrkel sorgfältig entfernt und durch«inen neu- traleren ersetzt. Ein solches Verfahren pflegt man sonst als „doppelte Buchführung" zu bezeichnen. Ob man bei- Hugen- bergs für diesen Begriff ein Gefühl hat, wagen wir zu bezweifeln. Wann kommt der Prozeß Schröder? Der preußische Landtagsabgeordnete Oberstudiendirektor Dr. Bahner in Magdeburg hat an den I u st i z m i n i st e r ein Schreiben gerichtet, in dem er u. a. sagt: „Es ist bekannt, daß die deutschen Gerichte im allgemeinen heute überlastet sind. Das dürste auch beim Landgericht in Magdeburg der Fall sein. Es besteht daher die Gefahr, daß der Prozeß gegen den des Mordes angeklagten Schröder nicht in der kominenden Schwurgerichtssession des Landgerichts verhandelt wird. Der Fall hat aber eine derartige Erregung im In- und Auslande ausgelöst, und ganz besonders in unserem Regierungsbezirl Magdeburg, daß die A n- fetzung eines baldigen Termins dringlich ist. Mir scheint auch, daß dies im Interesse der gesamten Rechtspflege liegt." Wir können uns diesem Wunsche des demokratischen Abgeord- neten nur anschließen. Nachdem der Kriminalfall Schröder- Helling durch die Richterfronde in Magdeburg zu einer p o l i t i- schen Sensation gemacht worden ist, scheint es wirklich not- wendig zu sein, daß die endgültige und restlose A u s k l ä r u n g der Zusammenhänge in öffentlicher Gerichtsverhand- lung so bald als möglich erfolgt. Denn daß die Disziplinar- verfahren gegen die Richter Kölling und Hoffmann vor dem Raum- burger Oberlandecgericht besonders beschleunigt werden, wird wahr- scheinlich niemand in Deutschland glaube«. Das Aussührungsgefch zum Artikel 4? ist vom Reichsinnen- Ministerium fertiggestellt worden. Nachdem es das Justiz- Ministerium, das Wehrministcrium und die Länderregierungcn passiert haben wird, wird das Reichskabinett darüber entscheiden, wann es dem Reichstag vorgelegt werden wird. Geheimniskrämerei. Noch am Dienstaiz mittag dementierte die .zuständige Stelle" alle Meldungen über eine schon gewesene oder erst bevorstehende Besprechung Hurst-Gans-Fromageot. Am Zlbend gab sie zu, daß Fromageot zuerst mit Hurst und dann auch mü Gaus gesprochen hat... Aber die Geheimniskrämerei gehört eben zum Diplomatischen Zun ftgefc rauch. Selgien bleibt im Rat. Erklärungen des Slußcnministers Vandervelde. Brüssel, 25. August.(Eigener Drahtbericht.) Vor seiner Abreise nach Gens erklärt« Außenminister Vandervelde Ihrem Bericht- erstatter, in der Frage der Ratssitze halte sich Belgien an die von Lord Cecil und von der Spezialkommission in Genf im Juni ein- stimmig bei drei Enthaltungen angenommenen Resolution, die sich gegen jede Erweiterung der ständigen Ratesitze mit Ausnahme Deutschlands ausspricht und ferner wei- testgchende Erhaltung des Wahlrechts der Völkerbunds v e r s a m m- lung zur Wahl der Ratsmitgliedor fordert. Indessen weist Belgien nicht a priori jede Retouchierung dieser Resolution zurück, so- fern dadurch Spanien und Polen befriedigt werden könnten. Aber ausdrückliche und unbedingte Voraus- setzung bleibt, daß das Wahlrecht der Völkerbundsvcrsammlung nicht angetastet werden darf. Eigentlich wäre Belgien dafür, daß die ständigen Ratesitze überhaupt abgeschafft und alle Ratsmit- glieder von der Dolloersammlung gewühlt würden, aber diese radi- kale Lösung habe gegenwärtig natürlich keine Aussicht, angenommen zu werden. Was den belgischen Ratesitz anbctrisst, so sei die Behauptung unrichtig, daß Belgien daraus verzichten wolle, just im Augenblick, wo Deutschland in den Rat eintritt. Luther und Strese- mann haben Vandervelde im März in Gens versichert, Deutsch- land wünsche keineswegs, daß Belgien aus dem Rat austrete. Luther hat sogar hinzugefügt, er betrachte Belgien als einen der Pfeiler des Rates. Belgien, schloß Vandervelde, geht mit zwei Haupter- Wartungen nach Genf: die Wachstumekrise des Völker- b u n d e s in> Sinne der Rechte der Völkerbunds Versammlung zu lösen, mrd den Locarno-Lertrag durch Eintritt Deutschlands praktisch in Kraft zu setzen. Schwierigkeiten bieten beide Punkte, aber bei gutem Willen können und müssen sie überwunden werden, denn die Zukunft europäischen Friedens steht auf dem Spiel. Die Wünsche Polens. Warscheiu. 25. August.(Eigener Drahtbericht.) Außenminister Z a l e w s k i erklärt« am Mittwoch kurz vor seiner Abreise»ach Paris, von wo er sich zur Dölkerbundstogung nach Genf begeben wird, Pressevertretern folgendes:„Ich reise zur Völkerbundstagung in der Hofsnung, daß die dort vereinten Völker das Recht Polens auf die Zugehörigkeit zum Völkerbunds r a t angesichts seiner geegra- phischen Lage, der Zahl seiner Bevölkerung sowie des Wunsches Polens, an der Festigung des Friedens mitzuarbeiten, anerkennen werden. Wenn dies« Dinge in Genf das richtig« Verständnis finden, so wird Polens Eintritt in den Rat des Völkerbundes als d a u- e r n d e s Mitglied keinem Zweifel unterliegen." Di« polnische Regierungspresse kommentiert den polnischen Siondpunkt zur Ralssitzsrage wie folgt: Polen verlangt g r u n d- sätzlich einen ständigen Rotssitz. Um jedoch«inen Zusammen- bruch des Völkerbundes oder einen Austritt Polens aus dem Bunde, der durch das Festhalten an dieser Forderung verursacht werden könnte, zu verhüten, wird sich Polen mit einem Sitz, der auf drei Jahre gilt und eine spätere Kandidatur nicht ausschließt, begnügen. (Jeder Mitgliedsstaat kann jedesmal kandidieren! Red. d.„Dorw.") De? Nlinöerheitenkongreß. Eröffnung der Beratungen. Genf, 25. August.(Eigener Drahtbericht.) Der zweite Minder- heitenkongreß, an dem über 60 Delegierte aus 38 organisierten nati» nalen Gruppen in 15 europäischen Staaten sowie zahlreiche Journalisten und andere Beobachter teilnehmen, ist am Mittwoch eröffnet worden. Der Vorsitzende, Abg. W i l f a n- Trieft(Slowene aus Italien), leitete die Verhandlungen mit einer oft durch Beifall unter. brochenen Rede ein, in der er die Grundsätze, in deren Rahmen sich die Beratungen halten sollen, sowie die im letzten Jahre geschaffenen Grundlagen hervorhob und der wirksamen Unterstützung mit An- erkennung gedachte, welche die Kongreßbestrebungen durch die Be- schlüsse und Kundgebungen der Interparlamentarischen Union, der Union der Völterbundvcreinigungen und der Jnter- ! national Law Association erfahren haben. Di« Sicherung der . kulturellen Entwicklungssreiheit wird die Kernfrage l der diesjährigen Tagung bilden. Als zweiter Redner führte der Führer einer vierköpsigen katalanischen Gruppe aus, wie und warum die Katalonier seit Jahrhunderten ihre nationalen Eigenheiten und Feinheiten geltend gemacht haben und es weiterhin zu tun gedenken. Dann folgten kürzere Ansprachen eines russischen, eines ungarischen, eines jüdischen und eines polnischen Redners. Den Schluß bildete eine längere programmatische Rede von Dr. S ch i e m a n n- Riga, der in tiefschürfender Weise die Unterschiede zwischen Bolkszugehörigkeit und Staatszugehöngkcit auseinandersetzte und zeigte, wie ein neues Staatsrecht anzustreben ist, das in einer Trennung zwischen den Nationaütätsausgaben und den Staatsaufgaben be- stehen soll und schließlich zu einem geeinigten Europa führen muß. Der Völkerbund kann auf seiner heutigen Grundlage, da er nur die Regelung der Verhältnisse von Staat zu Staat im Auge hat, das Mindcrhcitenproblem nicht lösen. Don der schwedischen Gruppe in Estland und der ukrainischen Gruppe in Rumänien wurden schnjlliche Zustimmungserklärungen verlesen. Die Delegierten der Ukrainer, Weißruthenen und Litauer in Polen liehen eine Erklärung verlesen, daß sie, weil der Kongreß die Frage des S e l b st b e st i m m u n g s r e ch t s der Völker von der Behandlung ausschließe, nur als Beobachter teilnehmen könsiten. Die Zulassung einer mazedonischen und einer friesischen Delc> gation muh noch i:>os Organijationskomitee prüfen. Als Kongreßsprache überwiegt das Deutsche, doch werden sämt- liche Reden ins Französische oder Deutsche übersetzt. Am Mittwoch nachmittag begann die Arbeit in vier Kommissionen. Als Vertreter deutscher Minderheiten sind anwesend: Au« Dänemark Abg. Pastor Schnndt-Wodder, aus Estland Abg. Dr. Hasselblatt, aus Ungarn Dr. Gundifch und Ministerialsekretäi Botz, aus Italien die Abcg. Baron Stcrnbach und Tienzl, aus S ü d s l a w i e n Abg Gratzl, aus Lettland Abg. Schiemamr, aus Litauen v. Berg, aus Polen die Abgg. Naumann, Kronig-Lodz(Soz.), Graebe, Ulitz-Oberschlesien und Senator Haßbach: aus Rumänien die Abgg. Brandsch und Dr. Muth, aus der Tschechoslowakei Abg. Dr. Mcdingcr. An Mindcrheitsvölkern in Deutschland sind vertreten: da» polnische durch die preuß. Landtagsabgeordnclcn Vaczcwski und Dr. Kaczmarek, das dänische durch Chefredakteur Christiansen und Redakteur Vogensee, die L a u s i tz e r Wenden durch Lorenz, Pfarrer Cyz und Frl. Redakteur Dirkoje. Luftbombenflug par:s-?nöien. Notlandung in Oberösterreich. tlaz a. d. D., 25. August.(TU.) Zwischen Schönering und Altkoven in der Näh« von Linz mußt« ein französisches Militärflugzeug infolg« Metardefektes notlanden. In dem Apparat, der die Route F r a n k r« i ch— V orderin dien hatte. befanden sich zwei Piloten und ein Beobachter. Bei der Prüfung der Ladung des Apparates, in dem sich«ine große Menge Proviant befand, wurde sestgeftellt, daß das Flugzeug auch zwei groß« Abwurfbomben mit sich führte. Der Apparat wird deshalb von der Gendarmerie bewacht. Die Flugzeugführer wurden einst- weilen nach Altkoven gebracht. » Da uns diese interessante Meldung spät nachts zugeht, können wir nicht mehr Erkundigungen in Deutschösterreich einziehen. Es ist immerhin sonderbar, daß keine andere Nachricht darüber vorliegt und wir geben diese Meldung daher mit Vorbehalt wieder. Sollte sie stimmen, so wird das Flugzeug wohl als Ziel eine fron- zäsisch-indilche Kolonie gehabt haben. Mit Bomben aber di< Schweiz, Deutschösterreich und alle die weiteren Zwischenländer überfliegen zu wollen, das wäre schon eine Gewissenloslg- k e i t, die sich diese teils neutralen, teils sogar mit Frankreich ver- bündeten Länder ganz entschieden verbitten dürften. Zn Prag kam es, wie schon mehrmals in der letzten Zeit, am Dienstag abend wieder noch einer Faschistenversammlung, deren Thema die Angelegenheit G a j d a bildete, zu Straßenplänkeleier zwischen Faschisten und ihren Gegnern. Die Wache zerstreute schließlich die Demonstranten, Zur Einigung öer Heamtensthast. Wie der Reichsbund der Post- und Telegraphenbeamten sie auffatzt. Nom Deutschen Verkehrsbund wird uns geschrieben: Seit Mo- naten wird in den Tages- und Fachzcitungen die Frage der Eini- gung der deutschen Beamtenschaft erörtert. Die Form, in der es manchmal geschehen ist. war nicht geeignet, Klärung herbei- zuführen. Im Gegenteil hat die teilweise tendenziöse Behandlung dieser Frage eine Verwirrung innerhalb der Beamtenschaft hervorgerufen. Wir begrüßen alle Schritte, die zu einer Einigunz der Beamtenschaft führen, die politisch freiheitlich ge- sonnen und die gewillt i st, Schulter an Schulter mit den- jenigen Arbeitnehmerschichten ihre ideellen und materiellen Interessen gewerkschaftlich zu vertreten, die sich im Allgemeinen Deutschen Beamtenbund, im AfA-Bund und im Allgemeinen Deut- schen Gewerkschaftsbund zusammengeschlossen haben. Gemäß dieser unserer Auffassung sind wir mit dem Reichs- verband Deutscher Po st- und Telegraphenbeamten in Verhandlungen eingetreten. Die Verhandlungen wurden nicht zu Ende geführt, da der Reichsverband uns seine endgültige Stellungnahme noch mitteilen wollte. Das ist nunmehr geschehen, aber nicht in einer Weise, wie es unter ehrlichen Ver- Händlern der Fall ist. In seiner Fachzeitung.Deutsche P 0 st" vom 26. August dieses Jahres schreibt er unter der Ueberschrift: .Gescheitert': .Jetzt sind die Würfel gefallen, nun haben die Mitglieder der Allgemeinen Deutschen Postgewerkschaft das Wort.... Weil die Führer gar nicht daran denken, von ihren Grundsätzen etwas preis- zugeben, darum muß Prinzipicnreiterei wegen die organisatorische Aersplittenmg der Kollegenschaft weiter bestehen zum Schaden und Leidwesen der Kollegen selbst.' Diese demagogische Kommentierung eines aus Standes- e g o i s m u s geborenen Beschlusses soll die Postbeamtenschost über- zeugen, daß die Schuld an dem Scheitern auf unserer Seite liegt. Wir weisen diese Behauptung zurück und erklären noch einmal in aller Deutlichkeit: Ist der Reichsverband bereit, d i« E i n- heit des gesamten Po st Personals mit uns gemeinsam herbeizuführen, werden wir keine Schwierigkeiten machen. Was beabsichtigt der Reichsverband mit seinem Verhalten? Soll etwa die bevorstehende Einigungsverhandlung zwischen ADB. und DBB. auf diesem Wege zum Scheitern gebracht werden? hoffentlich gelingt den Herren vom Reichsvcrband dieses Manöver nicht. Der Reichsverband Hot es abgelehnt, der Einheitsfront, die wir für das gesamte Personal der Deutschen Reichspost errichten wollen, beizutreten. Er verlangt die Trennung der Be- amten von den Lohnempfängern. Wir wollen, und das war unser Angebot, die gemeinsame Jnteressenver- tretung des gesamten Personals der Deutschen Reichs- post gegenüber der Verwaltung. Wir unterstützen die Bestrcbun- gen, einen Zusammenschluß der Beamten auf wirklich gewerkschaftlicher Grundlage herbeizusühren, weil wir darin eine Garantie für die freiheitliche und soziale Entwick- lung der Beamtenschaft erblicken. Ein solches Berufsbeamtentum ent- spricht den Grundsätzen, die wir innerhalb des Deutschen Verkehrs- bundes stets vertreten haben. Wir erwarten, daß die Verhandlungen der Beamtenspitzen- organisationcn im Sinne des Grundsatzes geführt werden, daß das der Allgemeinen Deutschen Postgewcrkschaft, Mitgliedschaft im Deutschen Verkehrsbund, noch fernstehende Perso- nal, einschließlich der Beamten, innerhalb unseres Bundes eine Einheit bildet, die geeignet ist, einer Rückwärtsentwicklung der Rechts- und Einkommensverhältnisse mit Erfolg entgegen zu treten und besiere Bedingungen für die Zukunft zu erkämpfen. Der ADB. und die Einigungsverhandlungen. Der erweiterte Vorstand des ADB. befaßte sich am Dienstag mit den bisherigen Einigungsverhandlungen d c r B e- amtenverbände. Er brachte einmütig den Willen zur Einigung der Beamtenschaft auf einer entschieden gewerkschaftlichen Grundlage zum Ausdruck. Als Voraussetzung wurde festgestellt, daß der neue Bund fest auf dem Boden der republi- konischen Verfassung des Reiches und der Länder stehen muß und sie mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln zu schützen gewillt ist. Der neue Bund soll es weiter als seine Aufgabe an- sehen, getreu dem Wort und Sinn des von den Beamten auf die Verfassung geleisteten Diensteides die republikanische Staatssorm mit republikanischem Geist zu er- füllen. Der erweitert« Vorstand des Deutschen Beamten- bundes befaßte sich am Mittwoch mit dem Mindestpro- gramm des ADV. zur Verschmelzung, ohne bereits zu einer positiven Entscheidung zu gelangen. Die Verhandlungen werden voraussichtlich in den nächsten Tagen fortgeführt. Das Ergebnis ist nach der neuesten Gestaltung der Dinge noch sehr ungewiß. Oer Taubstumme als Arbeiter. Wünsche der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter. Die Obleute der in den freien Gewerkschaften organisierten Taub- stummen waren am Dienstag im Verbands Haus der Holzarbeiter zusammengekommen, um zusammen mit den verschiedenen Orqanisa- tionsvertretern über die Maßnahmen zu beraten, die zu einer besseren gewerkschaftlichen Agitation unter den Taubstummen notwendig seien. Die Taubstummen vertraten die Ansicht, daß die noch unorgani- sierten Taubstummen eher für die Organisation gewonnen werden würden, wenn alle Sektionen der Taubstummen, soweit solche bei den einzelnen Ortsverwoltungen beständen, zu einem Kartell zu- smn menge saßt würden, von dem aus die Agitation zentml betrieben werden könne. Ebenso forderten sie ein« eigene Zeitung für Taubstumme, da die Schreibweise der gewöhnlichen Verbands- zeitungen für die Taubstummen, die geistig meist nicht so aufnahm«- sähig seien wie die Hörenden, zu unverständlich sei. Weiter beklagten sie sich bitter über die ihnen überall widerfahrende Zurück- s e tz u n g gegenüber den hörenden Arbeitern, besonders in der Arbeitsoermittelung. Die vom Nachweis vermittelten Taubstummen Vierden meist immer von den Untern«hn»ern zurückgewiesen und so zu viel längerer Arbeitslosigkeit verurteilt als die übrigen Arbeiter. Trotzdem von den in Berlin vorhandenen 4000 bis 5000 Taubstummen etwa 800 arbeitslos find, werden diese doch nur in wenigen Fällen zu Notstandsarbeiten mit herangezogen. Bei den meisten Arbeitsnachweisen werden ihnen die aufgerufenen Stellen nicht bekannt gegeben, so daß sie nicht erfahren, ob posiende Stellen für sie herauskommen oder ob sie überhaupt schon zur Vermittlung herankommen. Jedenfalls sind sie, die schon durch ein unverschuldetes Leiden überall ins Hintertreffen kommen, doppelt gestraft. Di« anwesenden Organisationsvertreter waren bemüht, gangbar« Wege zu finden, die dies« bedauernswerten Menschen aus ihrer mißlichen Lage herausführen. Di« Kartellbildung sowie die Heraus- gäbe einer eigenen Zeitung wurde von ihnen als zurzeit nicht ange- bracht abgelehnt. Di« einzelnen Sektionen müssen«ine reger« Agitalionstätigkeit entfalten, damit sie erst einmal eine stattlich« Mit- gliederzahl aufweisen können. Ist dies einmal erreicht, dann kann man der Frage zur Bildung eines Kartells eher näher treten. Trotz- dem werden die Taubstummen stets auf Entgegenkommen rechnen können, wenn sie größere Taubstumnienverfammlungen abhalten wollen, um Mitglieder zu werben. Die Orgonisationsvertreter unter- zeichneten einen Antrag an den Onsausschuh des ADGB., während der gewerkschaftlichen Werbewoch« im September«ine besonder« öffentliche Taubstummenversammlung einzuberufen, in der die taubstummen Arbeiter auf die Notwendigkeit des gewerkschaftlichen Zusammenschlusses hingewiesen werden sollen. Sie versprachen weiter. Schritte zu unternehmen, damit das Landesarbeitsamt sich eimnal mit den Schwierigkeiten der Arbeitsvermiitelung und der Zurückweisung der vermittelten Taub- stummen besaßt und hier Abhilfe schafft. LohnüruS, �kkorSarbeit, Pfuscharbeit. Im Zsialergewerbe. Vom Verband der Maler, Lackierer usw. wird uns geschrieben: Gegenwärtig herrscht im Malergewerbe Arbeitsmangel. Ein Teil der Firmen versucht durch Pfuscharbeit Profit zu schinden. Reell arbeitende Firmen fallen, weil sie nicht mit Pfusch kalkulieren, bei Submissionen aus. Zu ihrer eigenen Sicherheit müssen die Auftroggeber eine Prüfung der ausgeführten Arbeiten vornehmen. Es ist keine Seltenheit, daß, obwohl die Vorschläge zweimal Anstrich und Lackierung vorsehen, dieses umgangen und mit einem Anstrich und Lackierung abgetan wird. Daß Fenster, Türen und Fußböden dadurch frühzeitig neu renoviert werden muffen, ist selbstverständlich. Wenn die Bewohner solcher Siedlungsbauten eine Reinigung vornehmen, wird bald das rohe Holz zum Vor- schein kommen. Die Paneele werden, um Farbe zu sparen, mit Sichelleim gestrichen. Bei der ersten Reinigung der Paneele tritt der rohe Putz zum Vorschein. Dieses alles sind Auswüchse des Akkordsystems, das bei diesen Firmen eingeführt ist. Die Firma V o l d t, Lichtenberg, umgeht den Tarif, stellt Anstreicher zu 80 und SO Pfennig ein und läßt sich von dem kommunalen Auftraggeber den tarifmäßigen Lohn neb st Zuschlag zahlen. Hauptsächlich führt diese Firma st ä d t i s ch e Arbeiten aus. Jeder Laie sieht, daß die ausgeführte Arbeit alles andere nur nicht sachgemäß ausgeführt ist. Wundern muß man sich, daß bei der Abnahme städtischer Arbeiten über diese Dinge noch niemand gestolpert ist. Sind bei den Baudcputationen keine Fachleute vorhanden? Die Firma Buchta läßt in der Bellermannstraße Akkord arbeiten. Die Türen werden mit der Bürste gewichst. Bei der Bautenkontrolle wurde Herr Buchta auf die„saubere' Arbeit auf- merksam gemacht. B. erklärte, der Molerverband möge bei dem Architekten für bessere Preise sorgen, alsdann werde auch anders gearbeitet. Wer nimmt hier die Arbeit ab? So könnte man noch Dutzende von Firmen nennen, die Schluderarbeit ausführen. Diese Firmen nebst Kollegen, die Pfuscharbeit ausführen, wer- den in den vom Malerverband einberufenen vier öffentlichen Versammlungen am!. September der Oefsentlichkeit bekannt gegeben werden. Dach ist es schon vorher notwendig, daß die Bandeputation bei Abnahme der Malerarbeiten auf Anschläge und auf die ausgeführte Arbeit achten. Da die Bewohner der Siedlungs- Häuser den erwerbstätigen Schichten angehören, muß darauf geachtet werden, daß nicht bereits kurz nach dem Einzug gewaltige Renovic- rungskosten zu tragen sind. Den unehrlichen Praktiken gewiffcr Finnen des Malerbcrufes muß Einhalt geboten werden. Achtung, Osensetzer? Die Sperre bei der Firma Hugo Hopp, Baustelle Bellermann st raße, wird hiermit auf- gehoben. Die Differenzen sind beigelegt. Deutscher Baugewerksbund, Fachgruppe der Töpfer. Derein der Töpfer Berlins und Umgegend. Soll öie Prügelstrafe wieüer eingeführt werüen l Schmerzen einer Landwirtschaftskmnmer. Die Schleswig-Holsteinifche Landwirt schafts k a m m e r hat große Sorgen. Sie muß, nach ihrem Geschäftsbericht für das Rechnungsjahr 1925/26 zu urteilen, jetzt sogar die„schreckliche" Feststellung nkachen, daß der moralische Tiesstand der jugendlichen Landarbeiter geradezu trostlos ist. Helfen kann da nur ein Radital- mittel. Wie es aussehen soll, lasten die Ausführungen auf Seite 91 des erwähnten Geschäftsberichts erkennen. Sie lauten: „Ebenso wichtig ist nach Auffassung der Landwirtschaftskammcr auch die Schaffung von Bestimmungen, mittels derer es möglich ist, auf die Jugendlichen unter 1 8 I a h r e n, die in die häus- liche Gemeinschaft des Arbeitgebers aufgenommen sind, in g c- wiffem Maße einen erzieherifchen Einfluß aus- z u ü b e n, da nach vorliegenden Aussagen in vielen Bezirken über den geradezu trostlosen moralischen Tiesstand des landwirt- schaftlichen jugendlichen Gesindes geklagt wird.' Das ist eine sehr gewählte Sprache. Trotzdem lägt sich leicht erkennen, wie dieser„Einlfuß' gedacht ist. Den landwirtschasilichen Unternehmern soll wieder die gesetzliche Berechtigung gegeben werden. widerspenstige und unartige jugendliche Landarbeiter unter ihre Fuchtel zu nehmen. Es reicht noch immer nicht weiter, als bis zu der heroischen konservativen Auffassung, daß die Kunst der Er- ziehungsarbeil an jungen Menschen in der Anwendung des Knüppels besteht. Jede andere Auffassung ist der Sympathie mit den Kräften des Fortschrittes und dem Bruch mit der Tradition verdächtig. Die Schleswig-Holsteinische Landwirtschaftskammer und mit ihr die landwirtschaftlichen Unternehmer sollen sich aber mcht täuschen. Solange es noch einen Deutschen Landarbeiterverband und eine gesunde Arbeiterbewegung gibt, wird, wenn es sein muß, mit den äußersten Mitteln verhindert werden, daß die„patriorcha- tischen Zustände ihre Zluferstehung feiern. Den Arbeitgebern soll es mitunter postieren, daß sie ihren Profit meinen, wenn sie von der Moral ihrer Arbeitnehmer reden. Eine objektive Untersuchung der Behauptung in dem Geschäftsbericht, die sich auf die Ursachen zu erstrecken hätte, das gute Beispiel in der„ländlichen Gemeinschaft', die Schlasräume, Bildungsgelsgcnhcit. kurzum die ganzen Lebensverhältnisse der jugendlicben Landarbeiter, würde zweifellos zu Ergebnissen führen, die im Geschäftsbericht dieser Londwirtschaft�kammer nicht veröffentlicht würde. Tagung öer öergarbeiterexekutive. Mobilisierung des Streikbrccherfchuhes. London, 25. August. fReuter.) Der Ex-kutivau-schuß des Berg. arbeiterverbandes beschäftigte sich den ganzen Tag mit der Erörte- rung der Lage auf den Kohlenwerken, um eine Grundloge für die Lösung des Konfliktes zu sindcn. Am Nachmittag bat der Sekretär des Verbände-, Cook, den Arbeitsmini st er und den Oberinspektor für Bergwesen um eine Unterredung. Der Minister des Innern mobilisiert in London und an ande- ren Orten Polizeiabteilungen, um gegen die Einschüchtc- ningsversuche der weiter Streikenden einzuschreiten. Er ist fest ent- schloffen, den Arbeitswilligen Sicherheit zu verschaffen. Die G e- rüchte über Zusammen st öße bei den Zechen sind o s t übertrieben. Doch ist die Lage ernst. Es ist durchaus nicht geplant, andere Kräfte als die der Polizei herbeizuführen. Die Streikposten zurückgezogen. London, 25. August.(MTB.) In den Kohlenrevieren vvn Rottinghamjhire herrscht überall durchaus R u h e. Nach Berichten der Polizei in Mansficld stellten die Streikenden heute keine Streikposten mehr auf. Die Zahl der Arbeit?» willigen hat sich erhöht. So stieg z. 25. die Zahl der Arbeiter in den fünf der Compagnie Bolsover gehörigen Gruben seit gestecil von 1450 mif 2441 Arbeiter. Drei weitere Bergwerke d?s Reviers sind wieder in Betrieb genommen worden. In Tredigar(Wales), wo in der vergangenen Nacht ernste Unruhen stattgefunden haben, ist ebenfalls die Ordnung wieder hergestellt worden. Achtung. Zimmerer! Heute. Donnerstag, muffen alle Funktionäre zur Konferenz erscheinen. Außerdem müssen alle Kameraden für die Bezirksversammlungen am 27.. 28. und 29. Sluguft die größte Propaganda«rtfalten. Es gilt, Stellung zur Lohnrevision zu nehmen. Mit besonderem Nachdruck ist jedem Verbandsmitglied außerdem zur Pflicht zu machen, wegen der statistischen Erhebung diesmal unbedingt an der Bezirks- Versammlung teilzunehmen. Kameraden, helft der Bezirksleitung durch euer Erscheinen im Bezirk die Arbeit erleichtern. Weiter ist dafür Sorge zu tragen, daß am Montag, den 30. August, auf sämtlichen Arbeitsstellen Groß- Berlins und Umgegend die Generalbücherkontrolle rest- los durchgeführt wird. Falls kein Vertrauensmann vorhanden, muß sofort einer auf Grund der bestehenden Richtlinien für das Baugewerbe gewählt werden. Der Vorstand. Kreit«ewerkschastsjugcnl». Keilte. Donnerst«-I, 7Z4 Uhr, tagen die Eru». »cn� Ritte: Jugendheim Neue Königstr. 21. Vortrag!„25 Jahr« internatio. nale Ivewerksliiaftibewegung'.— Lichtenberg! Jugendheim Parkaue 10. Volks- täiiHe und Evielabend.— Köpenick! Jugendheini Grünauer Etr. 5. Volkotonz- abend.— Tempelhos: Jugendheim Geimaniaslr. 4.6. Allerlei Heiteres.— Südosten i Jugendheim Reichenbergee Str. öS. Lustiger Abend.— Gesundbrunnen: Jugendheim Gotenburger Str. 2. Vortrag:„Die internationale Dewerkschastsbewegung und die Jugend".— Epandan! Jugendheim Linden- ufer 1. Vlottdeutscher Abend.— Moabit: Städtisches Jugendheim Bremer Ecke Wielefftroste. Peler-Rosegger-Abend.— Es spielen im Freien die Gruppen,: Neukölln: Volkspark Hafenheide: Treptow: Treptower Varl: Rordring: Auf dem Vlah an der einsamen Pappel.— Oberschöueweide: Wir besuchen die Gruppe Köpenicks Zu.gendg nippe des ZdA. Heute, Donnerstag, tagen folgende Abteilungen: Treptow: Zugendheim Scliule Wildenbrnchstr. 5t<Äinderhort>.. Unsere Ferienfahrten".— Hermannplah: Jugendheim Hohrechtstr. 34. Leseabend. Verantwortlich filr Volilik: Dr. Gurt Geper; Wirtschaft: Artet Saternus: Gewerllchaftsbewegung: I. Steiner; Feuilleton: Dr. Zohn Sch-kowski; Lokales und Sonstiges: Fris, Narftädt; Angeioen: Th.«locke; sämtlich in Berlin. Perlag: Vorwarts-Veelag G.m.b.H.. Verlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer u. To. Berlin SW«Z. Lindenstro he 3. ftterja 1 Beilage und..Unterhalten« und Wissen". Preiserinlilii||uiK{| ilnsegnunssanzüse bis GrSCc 12(Bi astuinfang 72 cm) Anzug»US blsuem Cheviot, ein- u. zweireihig A|17lin und zweireihig, aus blauem OJ nii£.uij Molloncheviot in besserer Qualität.. 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Die ersten Segler dieser Art, die die Hamburg-Amerika-Linie auf die Reise schickten, waren vier Schiffe von je Sl>0 Brutto-Registertons, das heißt, alle vier zusammen waren idamals nicht größer als«in einziger Seebäderdampfer, der heute zwischen Hamburg und Helgoland verkehrt. Trotzdem faßten diese Schiffe je etwa 2g Kajütenpassagiere und etwa 20g Zwischendecker. Bei ihren geringen Ausmaßen war allerdings an irgendwelchen Komfort nicht zu denken. Di« Kajüte bestand aus einer Reih« kleiner und ungemein niedriger Schlafräume im hinteren Teil des Schiffes, die sich um«inen Eß- und Ausentholtsraum gruppierten, etwa so wie die Stürben um die Diele eines Bauernhauses. Durch die Mitte des Aufeothaltsraumes ging der Mast hindurch, ringsherum um diesen stand ein länglicher Tisch. Zwei Oellampen, am Mast be- festigt, gaben ein spärliches Licht. Für Ventilation konnte wenig «der gar nicht gesorgt werden, so daß der Aufenthalt in dem Mittel- räum den Passagieren, die auch damals schon gewisse Ansprüche an das Leben zu stellen gewohnt waren, keinerlei Annehmlichkeit bot. Im Zwischendeck waren die Verhältnisse naturgemäß noch primitiver, «und zwar in der Hauptsache deshalb, weil es keine einzelnen Kabinen gab, sondern alle Reisenden in einem gemeinsamen großen offenen Schlafrauan untergebracht wurden. Die einzige Seporierung bestand darin, daß man die Familien von den Ledigen oder Alleinreisenden und diese wiederum nach Geschlechtern voneinander trennte. Die MassenstäUe für Awischendecker. Es kam dann aber eine Zeit, wo' es den Leuten, die als Zwischen. deckpassagiere die Ueberfahrt wagten, noch viel ärger gehen sollt«. War aus den ersten kleinen Seglern ein bedeutender und grund- legender Unterschied zwischen den Klossenpassagieren und den Lwischendeckern nicht gemacht worden— sie wohnten beide primitiv genug und mußten zu gleichen Teilen an den Unbilden der langen Seefahrt teilnehmen— so entwickelten sich mit dem Ende des vorigen Jahrhunderts Zustände, die das Zwischendeck eines Ozeanfahrers mit dem eines nächtlichen Asyls für Obdachlose oft in«in« Linie stellten. Zu jener Zeit, etwa um die 80er oder 90er Zahre herum, reisten fast ausschließlich östliche Völker, Polen, Russen. Galizier und andere faw'.fche Stämme aus Gegenden bis zum Schwarzen Meer hinab üb?r Hamburg nach drüben. Das Fasiungsvermögen der Schiffe war indischen, von den Kajütenpassagieren ganz abgesehen, bis auf 2400 A uswanderer gestiegen. Für die Bedienung der Zwischendecker war a'ber auch jetzt noch so gut wie nichts getan i man rechnete nach wie wor für je 100 Passagiere einen Zwischendecksteward. Dies« waren sämtlich aus dem Seemonnsstand hervorgegangen, und es versteht sich, daß bei der geringen Zahl der Stewards auf ihre guten Manieren wenig Wert gelegt werden konnte. Es war vielmehr, ob bewußt «der unbewußt, dahin gekommen, daß fast ausschließlich große und starke Gestalten, in der Regel Pommern, angemustert wurden, die ficb schon durch ihr körperliches Uebergewicht Respekt bei den Zwischen- -deckern verschaffen konnten. Di« sanitären Einrichtungen ließen immer noch sehr zu wünschen übrig! kaum daß den Zwischendeckern anderes Wasser als Seewasser zum Waschen geboten wurde. Die Passagiere wurden in sogenannte Lackschasten eingeteilt, mußten sich selbst ihr Esstn aus der Küche holen, es an Deck oder auf dem Rand ihrer Koje sitzend oerzehren, mußten ihr Geschirr reinigen, wurden noch wie früher zu Hilfsdiensten, wie Kanosselschälen, Waschen und dergleichen, mit herangezogen und hatten sich im übrigen einer sehr strengen aber notwendigen Schiffsdisziplin zu fügen. Was damals den Aermsten der Armen fehlte, die sich in dem fernen Lande eine neue Heimat suchen wollten, versuchte man in den anderen Klassen durch eine möglichst große Prachtentsal- tung wettzumachen. Es ist mit Recht daraus hingewiesen-worden, daß die auf den Schiffen entfaltet� Pracht: roter Plüsch und gold- verzierte Möbel, Bronzefiguren, funkelnde Spiegel und Armleuchter und Gemälde an Decken und Wänden weit mehr als in einer Ge- mäldegalerie, überladen und unangebracht war und daß man gerade bei der oft gedrückten und gereizten Stimmung solcher Passagiere, die unter der Seekrankheit leiden, besonders Wert daraus legen müßte, ruhige Formen und ruhige Farbwirkungen in die Salons der Schisse zu bringen anstatt des übertriebenen Prunkes. In dieser Beziehung ist schon um die Jahrhundertwende herum ein Wandel eingetreten. Man ging energisch daran, die sanitären Ein- richtungen zu revidieren. Diese waren auf den ersten Schissen gleich Null: erst aus der„Germania" 1863 war �zum ersten Male von einem Wannenbad die Red«, und zwar von einem einzigen für 80 Kajütenpassagiere! Ob zu jener Zeit schon ausreichend früches Wasier mitgenommen wurde, ist fraglich, da dieses noch in Holz- Die Schiffslaube als neueste Einrichtung der„Hamburs' fäsiern ausbewahrt oder, soweit Dampfer in Frage kamen, aus See- wasfer kondensiert werden mußte, aber es steht iest, daß zu Beginn der 80er Jahre mit der Einführung größerer eiserner Frischwasscr- tanks wenigstens für die Kajütenpassagiere in dieser Beziehung besser gesorgt werden tonnte. Allmählich wurde die Zahl der Wannen- bödcr an Bord vermehrt. Hospitaleinrichtungen wurden schon ver- b.ältnismäßig früh eingebaut, da es während der langen Reisen verschiedentlich zu Epidemien an Bord gekommen war und sich ärzt- licher Beistaad, Heildiener und Krankenschwestern somit als dringend notwendig erwiesen. Es folgte die künstliche Ventilation, besonders der Jnnenkabinen auf den unteren Decks, eine Wohltat für Gesunde und Kranke. heute keine Zwischenüecker mehr. Die Nachkriegszeit hat auf dem Gebiet der unwürdigen Unter- bringung von Zwischendeckpassagiercn aus den großen Ozean- Kämpfern der„Hapag" gründlich Wandel geschaffen. Schon aus den Schiffen, die in den Jahren 1919 bis 1920 gebaut wurden, ist das offene Zwischendeck gänzlich sortgelassen worden. Alle Passagiere wurden in Kammern untergebracht und verpflegt, wie in der ehemaligen III. Klasse vor dem Kriege. Selbst aus der wenig lohnenden Fahrt nach Buenos Aires hinunter, auf der hauptsächlich spanische Landarbeiter befördert werden, sind alle ihre Schisse nach dem Kammernsystem eingerichtet. Auch sonst ist für die Passagiere der III. Klasse eine ganze Reihe von Verbesserungen eingeführt worden, so daß diese Klasse schon jetzt recht ost von Reisenden aus sogenannten besseren Kreisen, von Touristen, Lehrern und Lehre- rinnen, Studenten und Kaufleuten benutzt wird. Aus den meisten Dampfern der„Hapag", der„H a m b u r g" z. B., sind in den Kammern der III. Klasse die Betten zu je zwei übereinander angeordnet, sie besitzen gewölbte Sprungfedermatratzen und gute weiße Bettbezüge. Als Waschgelegenheit dienen Waschklapptische in hellem Eichenholz. Wände und Decken sind weih gestrichen und lackiert, die Gänge zwischen den Kammern mit Linoleum belegt. Für gute Beleuchtung, Lüftung und Heizung der Kammerbcreich« ist besonders gesorgt. Die Unterbringung der Rettungsjacken ist zweckgemäß. Da sie einen Teil der Bettmatratzen bilden, ist ihr Fehlen unmöglich. Außer den Waschgelegenheiten in den Kammern findet der Passagier Waschräume. Badezimmer und Brausebäder. Die Mahlzeiten werden in einem 280 Quadratmeter großen Speisesaal eingenommen, der 270 Personen gleichzeitig Platz bietet. Wie in den übrigen Klassen werden die Speisen durch weißgekleidete Stewards serviert. Im Speisesaal befindet sich auch ein Piano für die Unterhaltungsmusik während der Mahlzeiten. Die täglichen Aitmvorsührungen geben im gleichen Raum vor sich. Das Rauchzimmer der III. Klalie bietet an Neinen Einzeltischen etwa 70 Sitzplätze. Behagliche Spiel- ecken sind geschaffen, Schreibtische, Abstelltischchen, Zigarrenschränke. Schränke für Unterhaltungsspiele, ein Bibliothekschrank, Gardinen und Bildschmuck erhöhen den Eindruck der Wohnlichkeit. Das Damenzimmer in der III. Klasse besitzt etwa 60 Quadratmeter Grundfläche und gibt an kleinen Tischen etwa 60 Personen Plaß. Aus dem freien Deck hinter dem Rauch- und Damenzimmer III. Klasse liegen zwei geschützt angeordnete Decklauben mit etwa 20 Sitzplätzen, ausgestattet mit Tischen. Bänken und Stühlen. Die Deckräume in diesem Bereich, genügend groß und weit, gelten als Promenaden-, Tanz- und Spieldeck für die Passagiere der III. Klasie. An sonstigen allgemeinen Einrichtungen der III. Klasse sind beute zu erwähnen: eine Barbierstube, Auskunslsbureau, ausgedehnt« Räume für Krankenbehandlung mit besonderen Badezimmern, Ver- bondszimmer, Apotheke. Den Reisenden der III. Klasse steht jeder- zeit ein Arzt zur Verfügung. Es mag an dieser Stelle auch der RIannschajt einer solchen sästvimmenden Stadt gedacht werden. Ihre Unterbringung ist ganz ähnlich der der Passagiere in III. Klasse und in einein anderen Stock und in einem anderen� Teil des Schiffes, je nach den Funktionen, die der einzelne ausführt. Von 17 Köpfen aus ihren ersten Segler„Deutschland" kamen die„Hapag" bald auf 77 bei den ersten Dampfschiffen, dann auf 170, auf 400 und schließlich beim„Imperator" auf I36ö Mann. Ihre Annahme, Unterbringung, Verpflegung und Entlohnung verursachte fast eben- soviel Arbeit wie die Passagiere selbst. Heute sind die Schisse vom Typ der„Hamburg" wieder aus 425 wann Besatzung zurück- gekommen. Die Einführung der Oelfencrung, die viele Heizer und Trimmer erspart, hat wesentlich dazu beigetragen, aber auch mancher überflüssige Luxus der I. und II. Klasse ist fortgelassen worden. -t- Die Zeit der ganz großen Amcrikadampfer ist heute vorbei, sie erwiesen sich als unwirtschaftlich in jeder Beziehung. Der Typ vcn 20 000 bis 30 000 Tonnen, wie sie die„Hamburg" darstellt, ist heute der gegebene und ist imstande, für jede Zlrt Bequemlichkeit so, Die Kgurantin. Roman eines Dienstmädchens von Leon Arapie. Autorisierte Uebersetzung aus dem Französischen von Kunde-Grazia. Der Alte bewegte wütend seine Krallen: „Sie haben keine Ahnung, aus welchem Grunde ich eine Haushälterin von Frau Coqueho oerlangt habe! Ha! Ha! Sie ahnt es selbst nicht!... Ich will ein verläßliches Mädchen, welches sich mit mir gegen die Verbrecherinnen verbündet.... Sie wird hier die Dienstmädchen meiner Freunde empfangen, sie wird alle Dienstmädchen des Quar- tiers hierherziehen— angeblich während meiner Abwesen- heit— sie wird sie dazu bringen, ihre Stehlereien ganz laut zu erzählen— ich werde in dieser Truhe verborgen sein...." Wie der Alte sich nach dem Möbel umwandte, riß Sulctte die Tür auf und entwischte. Sie rannte fünf Minuten, ohne anzuhalten. Dreihundert Meter vom Hanse entfernt glaubte sie noch die schneidende Slimnke des Alten zu hören: Ha! Ha! Die diebischen Dienstmädchen!... Sprechen Sie mir niemals von reuigen Diebinnen... 12. Der Gang Sulettcs zum Klienten der Frau Coqueho war hauptsächlich dadurch veranlaßt worden, daß keine Gefährtin an diesem Dienstag nachmittag frei hatte. Denn Sulette konnte beim Ausgehen eine Begleiterin nicht entbehren. Anfangs, als sie niemand in Paris kannte, war sie gezwungen' gewesen, ganz allein im Iardin des Plantes oder wo es Platzmussk gab, in den Squares oder vor den großen Modemagazinen herumzuirren. Aber dieser einsame Zeitvertreib schien ihr jetzt entsetzlich traurig. Glücklicherweise hatte sie. wenn es bei ihrer Herrschaft Gäste gab. gewöhnlich Sonntags— nach dem Frühstück und Aufwaschen des Geschirrs— bis zur Stunde, wo sie das Diner servieren mußte, frei. Dann besuchte man entweder im Point du Iour oder auf dem Montmartre das Kafseekonzert oder trieb sich-wohl bei den Vergnügungen an Menilmonwnt, Neuilly oder im Invalidenhaus umher. Als Sulette nach ihrem Mißgeschick heimkehrte, stellte sie bittere Betrachtungen an: ..Ehe ich in Zukunft, wenn ich niemand habe, der mich begleitet, e ne Adresse der Frau Coqueho aufsuche, werde ick es wie Armandine machen und in meiner Kammer bleiben." Hie setzte sich aus eine Baut in der Avenue des j!hainps Elisecs und gab sich lange Zeit ihren Erinnerungen hin, um der sie verfolgenden Vision des unheimlichen Alten zu entkommen. Armandine. Dienstmädchen bei in der Rue de Rivoli wohnenden Gefchäftsleutey, war ein wenig bemerktes Inventarstück: dabei hatte die sechste Etage nur vier Kammern. Als Inhaberin einer derselben sprach Armandine weder mit ihren Nachbarinnen noch mit irgend jemand. Sulette kannte sie, weil sie mit anderen Dienstmädchen sich an dem Vergnügen beteiligt hatte, sie in ihrer Kammer durch das Schlüsselloch zu beobachten. In der Tat ein seltsames Geschöpf! Sie war aus der Umgegend von Orleans etwa in ihrem zwanzigsten Jahre hierher verschlagen worden, mit dem Rat ihrer Eltern, Freunde, ihrer Herrschaft versehen, nicht mit den anderen Dienstmädchen, ihren Gefährtinnen-, die alle verdorbene Geschöpfe, Diebinnen und Dirnen wären, zu verkehren. Sie hatte ihnen geglaubt und gehorcht. Nach fünfzehn- jährigem Aufenthalt in Paris kannte sie keine andere Beziehung als die zu ihrer Herrschaft. Um bei der Wahrheit zu bleiben, wenig Verlockungen hatten sie heimgesucht. Sie besaß einen häßlichen dunkel- braunen Teint, unschönes, spitzes Gesicht, erloschenen Blick, vor allem war sie niemals„jung" gewesen: mit zwanzig Iahren hatte sie schon ihr Gesicht von fünfunddreißig. So oerschmolz sie, naiv, wie es ihre Gebieter zum eigenen Vorteil wünschten, von Anfang an deren Egoismus mit dem eigenen, assimilierte sich ihnen, machte deren Leben bis zu solchem Grade zu dem ihren, daß sie nichts sah, nichts kannte, als die Befriedigung jener. Sie war in ihrer Sprechweise indiskret geworden, wie es die Kinder sind, mehr lächerlich als lästig: denn ihr Begriffsvermögen- überstieg nicht die Dinge der Wirtschaft und die naive Interpretation der Gesichter. Sie sagte: „Unser Büfett muß repariert werden. Wir sind mit dem Geschäftsgang zufrieden." Eines Tages indessen hatten die Gebieter, da sie jetzt sicher waren, ihren Vorteil nicht mehr aufs Spiel zu setzen, sie auf ihren Platz zurückgewiesen, ihr die Getrenntheit der Interessen verständlich gemacht. S e begriff in der Tat. daß das Interesse der Herrschaft nicht das ihrige war, man mußte es respektieren, es ging einem sonst nichts an, man hatte ihm nur dienstbar zu jein„ Aber als diese Loslösung vollzogen, wurde sie nicht egoistischer, ihre Selbstsucht nicht größer, ihr ganzes„Ich" war dahingegcben. Wenn sie ihre Züge nicht mehr knechtisch denen der Gebieter nachbildete, eigene konnte sie nicht mehr annehmen. Wenn ihre Herren mit ihrer geistigen Führung sie nicht unterstützten, sie nicht geleiteten, dann war sie verloren, ohne Kompaß. Ferner tat unter anderen Merkmalen der Annullierung und Verstörtheit dieses auf: daß sie Sonntags, an ihrem freien Nachmittag nicht mehr ausgehen konnte. Das wenige von ihrem Selbst, was im Hause noch fortbestand, verschwand auf der Straße: sie wurde ein Nichts. Die Herrschaft selbst hatt? gut raten, befehlen, sie solle spazierengehen. sie konnte nicht. Ausgehen? Wen sollte sie besuchen, was wünschen? Sie verstand sich auf nichts. Sie war in solchem Maße ihrer Persönlichkeit verlustig gegangen, daß sie mit nichts draußen Fühlung hatte, nichts für sie existierte. Dann und wann machte sie einen Versuch, die sechste Etage zu verlassen: nach einer Viertelstunde des Umherirrens schon kam sie schnell wieder. Nicht nur, daß' sie kein Ziel wußte, sie litt grausam darunter, Menschen miteinander zu sehen, Menschen, die wußten, wohin sie gingen und was sie wollten. Und auch eine seltsame Furcht überfiel sie: Das Gefühl der vollständigen Leere, die Empfindung, ihr eigenes Selbst ganz und gar einzubüßen: wenn sie nicht plötzlich, unmittelbar umkehrte, dann würde sie sogar den Willen zur Heimkehr verlieren. Kurz, dieses Drama war hoffnungslos. Wie Sulette sie betrachtete, so packte Armandine seit vierzehn Jahren, jeden Sonntag nachmittag, nachdem sie sich in der Kammer eingeschlossen hatte, ihren Koffer aus und ein. Seit vierzehn Iahren! Der Koffer enthielt Wäsche, die gewöhnlichen, unerläß- lichen Kleidungsstücke eines Dienstmädchens und allerlei Tand, läppischen Kram, wie ibn Kinder auflesen und bewahren: Heiligenbilder, spitzcnartiges Papier, ein Notizbückel, ein Stückchen Bleistift, Farbenkasten, Taschenspiegel, Puppen- kleider. Da, in diesem Koffer war der Schattin, die Illusion, die Erinnerung ihrer Persönlichkeit. Armandine hatte ein unklares Gefühl, als fände sie sich wieder, als käme sie vor diesen ihr vertrauten Gegenständen wieder zu sich. Und der scheinbare Arbeitstrieb, ihre Illusion konnten nur in Beziehung zu dem Inhalt des Kösters stehen. (Fortsetzung folgt.) 1 auf der Ueberfahrt Sorge zu tragen. Die Schiffe brauchen heute etmos mehr Zeit für die Ueberfahrt als vor dem Kriege, da man auf Rekordleistung in der Schnelligkeit— die auf Kosten der Sicherheit zu geschehen pflegte— keinen Wert mehr legt. 9'/- Tage ist heute die� Durchschnittsdauer für eine Fahrt von Hamburg nach New Bort. Alles in allem kann man heutzutage nicht mehr von „Strapazen einer Seereise" sprechen, jedenfalls nicht, soweit die größeren Passagierdampfer in Frage kommen. Es ist im Gegenteil vielfach so, daß man zu Hause vieles von dem Komfort und den Annehmlichkeiten, die einen an Bord umgeben, entbehren muh, und wenn die Seekrankheit nicht wäre, deren Wirkungen durch die neuen Schlingertanks zum großen Teil aufgehoben sind, könnte man glauben, sich in den Räumen eines Hotels zu befinden, dessen Ord- nung und Sauberkeit mustergültig ist. 9000 Gleiskilometer betriebsunsicher. Unerhörte Gefährdung der deutschen Eisenbahnreiseadea. Die Gesomtbetriebsräte des Eifenbahnbeztrks Berlin nahmen gestern in den Musikersälen Stellung zu den Vor- würfen, die Generaldirektor Dorpmüller anläßlich des Eisenbahnunglücks bei Leiferde erhoben hatte. Der Redner vom Einheitsverband der Eisenbahner, D r e s s e l, zeichnete in seiner Rede ein Bild, wie die Eisenbahngesellschaft Wirtschaftspolitik be- treibt, mit dem Ziele, für alle Unglücksfälle das Personal zuerst verantwortlich zu machen. Die Direktion verstehe es ausgezeichnet, durch eine gefügige Presse die Oefsentlichkeit über die Zustände des Betriebes in ihrem Sinne zu beeinflusien. Der Redner ging sehr ausführlich auf die Personalabbaumethoden, Derlängerung der Arbeitszeit usw. ein und sagte, es sei keine Seltenheit, daß 10, 12 und sogar 14 Stunden hintereinander Dienst getan werden müsse. Ausführlich beschäftigte er sich mit der Bilanz der Reichseisenbahngesellschaft und zieh die Verwaltung der Verschleierung der Uebergewinne. Eine An- Weisung Dorpmüllers gibt den einzelnen Direktionen zu verstehen, wie und wo noch gespart werden muß. Nach der Meinung des Generaldirektors würde der Voranschlag in diesem Geschäfts- jähr um zirka 300 Millionen Mark zurückbleiben. Die Reichsbahn hat selbst zugegeben, daß llOOOGleistilometer betriebsunsicher sind. Davon sollen in diesem Jahre 3500 Kilo. meter umgebaut werden. Großzügig, wie die Eisenbahn nun einmal Ist, hat sie jetzt, nachdem durch das Arbeitsbeschaffungs- Programm einige Millionen mehr zur Verfügung gestellt worden sind, diese umzubauende Gleisstrccke um 500(fünfhundert) Kilometer vermehrt. Ausführlich beschäftigt sich dann der Redner mit dem Eisen bahnunfall bei Leiferde und wehrt sich entschieden gegen den Dorwurf, daß entlassene Eise»- bahnarbeiter dabei ihre Hände im Spiel gehabt hätten. Sein Eisen. bahner glaubt an ein Attentat.(Lebhafte Zustimmung.) Wenn die Strecke wirklich in solch wunderbarem Zustande war. wie Herr Dorpmüller der Presse gegenüber hehauptete, dann sst es doch eigent- lich oerwunderlich, daß jetzt nach einigen Tagen kilometerweise vor und nach der Unfallstelle Umbauten vorgenommen werden. Das Märchen von dem Laschen schlussel ist ja nun auch in sich zusammen- gebrochen, indem festgestellt ist, daß der Schlüssel erst nach dem Unglück an die Unfallstelle gekommen ist. Verantwortlich zu machen ist eher die schlechte Leschassenheit de» Lahnoberbaus, der heute größtenteils von Privatunternehmern ausgeführt wird, bei denen das größte Antreibersystem herrscht. Es ist kein Wunder, wenn nach Abnahme dieser Arbeiten in sehr vielen Fällen die ständigen Ar- beiter der Reichsbahn diese Strecken nacharbeiten müssen. Die Berliner Direktion ist mittlerweile dahintergekommen, daß sie besser wegkommt, wenn sie diese Streckenarbeiten in eigener Regte aus- führen läßt. Aber sie verlangt genau wie die Privatunternehmer jetzt die Akkordarbeit und gerade gegen dieses gut ausgeklügelte Gedingcsyftem wenden sich die Streckenarbeiter der Eisenbahn, weil dadurch die Zuverlässigkeit der Arbeiten beeinträchtigt wird. Auch das Begehen der Strecke des Nachts ist, entgegengesetzt der Ansicht des Herrn Generaldirektors, immerhin ein Mittel, auf Eisenbahn- Unfälle rechtzeitig aufmerksam zu werden. Der Redner schloß mit einer heftigen Anklage gegen die Reichsbahngesellschast. In der ausgedehnten Debatte mußten die anwesenden Betriebs- rät« das bestätigen, was der Kollege Dressel vorgetragen hatte. So sagte z. B. ein Betriebsrat vom Anhalter Bahnhof, daß dort seit «Niger Zeit zehn neue Lokomotiven stehen, ohne bisher eine Fahrt gemacht zu haben. Vor einigen Tagen ist sogar noch eine neue Borsig-Dieselmotor-Maschine hinzugekommen. Demnach muß die Reichsbahn doch sehr viel Geld zur Verfügung haben. Alle Redner wandten sich in schärfstem Tone gegen die Berichterstat- tung der bürgerlichen Presse, die den Eisenbahnern dieses Unglück in die Schuhe schieben möchte. Nachstehende Entschli«- ßung wurde einstimmig angenommen: Die Volloersammlung der Betriebsräte des Eisenbahndirektionsbezirks Berlin erklärt, daß die Arbeiter, und Beamtenschaft seit 1923 um etwa 420 000 Mann .abgebaut wurde, obwohl die Betriebs- und Beamtenräte und der Einheitsoerband der Eisenbahner sich mit allen Mitteln gegen diesen Abbau wehrten. Sie erhebt Protest dagegen, die Oeffentlich- kert durch diese Attentatslegende zu beunruhigen und dieses Attentat den Eisenbahnern in die Schuhe zu schieben, und erklärt diese Presse- Meldung als ein Täuschungsmanöver und fordert einen Unter- fuchungsausschuß des Reichstages mit dem Betriebs- und Beamtenrat. Ferner fordert sie. den fortgesetzten Arbeiter, und Beamtenabbau und die bereits Abgebauten wieder einzustellen, so- wie die strikte Durchführung der achtstündigen Arbeitszeit. Der Hauptbetriebsrat der Eisenbahner wird aufgefordert, eine selbständige eigene Untersuchung des Eisenttzhnunglücks in Leiferde schnellstens vorzunehmen. � Ein sonderbarer Hindenburg-Schwärmer. Sein Inneres trieb ihn dazu. - Mit einem eigenartigen Angeklagten hatte sich das Schöffe n- gericht Neukölln zu beschäftigen. Der Angeklagte Richard Hoffmann. 26 Jahre alt, nennt sich freier Berichterstatter für sämt- liche deutsche Zeitungen: d. h. er ist es nur dann, wenn er sich außer Strafhaft befindet. Hofsmann hatte um die Zeit der letzten Reichspräsidcntenwahl Listen angefertigt, die die Aufschrift„Großbund vater- ländischer Verbände, Sitz Berlin, R. Hofsmann" hatten. Mit diesen Listen versuchte der Angeklagte, Geld zu sammeln, um Propaganda für die Wahl Hindenburgs zu machen. Um der Sache etwas Nachdruck zu oerleihen, hatte er die ersten Beträge in Höhe von SO M. und 100 M. mit falschem Namen selbst gezeichnet. Jedoch blieb der gewünschte Erfolg aus. und der Angeklagte mußte sich mit ganz geringfügigen Beträgen zufrieden geben. Jedoch reichten sie aus, um„Propaganda" für Hindenburg zu machen. Hoffmann, der erste Gratulant Hindenburgs nach der Wahl, teilte durch seine Verteidigung bei Beginn der Verhandlung mit. nicht folgen zu können. Das Gericht verhandelte trotzdem. Auf die Frage des Vorsitzenden, wer ihn zum Vorstande des Großbundes, wie es aus den angefertigten Listen zu ersehen sei. gemacht habe, konnte der Fröstelnde nur mit energischer Kopfbewegung antworten„Mein Inneres. Mit dem Geld wollte er dem Volke dienen. Außer- dem sollten davon zu Ehren Hindenburgs ein„Sport- und Ruderklub Hindenburg" gegründet werden, der die deutsche Jugend kräftigen solle. In der Hauptsache wurde das Geld aber für Hindenburg-Propagandafahrten verwandt. Eigenartig ist nur, daß man nur Daten von Beiträgen feststellen konnte, die nach der Reichspräsidentcnwahl liegen. Als der Vorsitzende den. An- geklagten vorhielt, er habe sich des Betruges schuldig gemachl, platzte er in übermäßiger Gesuhlsallswallung mit den Worten her� aus:„Wenn das Betrug ist, erkläre ich alle Menschen für verrückt, und Ihr Geist, Herr Senatspräsident, ist Gift. Treiben Sie mal erst Philosophie." Der Staatsanwalt hielt den Angeklagten, der noch weiterhin für sein„Ideal" kämpfen will, für einen gewissen- losen Schwindler und beantragte eine Gefängnisstrafe von neun Monaten, die das Gericht auf drei Monate herabmilderte. Oer„Metitäter' von Earow. Der Klempnerlehrling Friedrich Bumm, der von der Kriminal polizei und dem Cisenbahnüberwachungsdienst, die Hand in Hand arbeiteten, rasch ermittelt und festgenommen wurde, ist nach den weiteren Feststellung das, was der Volksmund ein nettes Früchtchen nennt. Höchstwahrscheinlich ist der Junge, der mit seinen fünfzehn Jahren erst wie ein Zwölfjähriger aussieht, geistig zurückgeblieben und infantil, was zweifellos eine psychiatrische Untersuchung fest- stellen wird. Nachdem er am Donnerstag voriger Woche aus der elterlichen Wohnung und der Lehrstelle weggelaufen war, hielt er sich nicht, wie er erst sagte, die ganze Zeit über in den Lauben- kolonicn von Blankenburg und Earow auf. Er lies vielmehr von der Klempnerei nach Hause, holte sein Fahrrad und fuhr nach F ri e s a ck. Als er dort in dem Garten eines Schmiedemeisters Birnen stibitzen wollte, ertappte ihn der Meister und nahm ihn fest. Er glaubte, daß der Junge auch das Rad gestohlen habe und wollte ihn dem Landjäger übergeben. Das Bürschchen aber entwischte ihm und verschwand. Am nächsten Tage griff ihn der Landjäger von Wusterhausen a. d. Dosse auf und benachrichtigte seinen Vater. Dieser holte ihn nach Berlin zurück. Als der Vater gleich nach der Ankunft hier ein Glas Bier trank, verschwand Friedrich von neuem. Erst jetzt ging er nach Earow. Hier Übernachtete er seitdem in einem Heustall, der zu den Leutehäusern gehört. Den Kindern, mit denen er nun Zusammentraf und auch einer Frau erzählte er, daß er es zu Hause nicht mehr habe aushalten können. Seine Mutter fei am 3. Juli gestorben, und am 6. Juli habe sein Dater sich wieder oerheiratet. Nun wolle er sich das Leben nehmen. Die mitleidige Frau versuchte ihm diesen Gedanken auszureden, sprach dem Fünfzehnjährigen noch eifriger zu und war zufrieden, als er endlich erklärte, daß er auf keinen Fall wieder nach Hause gehe, aber dann doch lieber seine Großmutter aufsuchen wolle. Was er dann trieb, bis er festgenommen wurde, haben wir bereits mitgeteilt. Bei dem gestrigen Lokaltermin an Ort und Stelle zeigte Bumm den Beamten, wie"er die Schienen mit Steinen bevackt hatte. Er hatte die größten Schotter st eine ausgesucht und auf die Schienen getürmt: Bumm wird dem Jugendrichter zugeführt und später in eine Erziehungsanstalt gebracht werden. Im Rahmen der Hans-Bredow-Schule begann gestern Chef- redakteur Georg Bernhard seine Vortragsfolge:„Was können internationale Wi rts chastsvereinbarun- gen leiste n?" Die Vorträge sollen gewissermaßen als Vor.« bereitung dienen auf die allgemeine Weltwirtschaftskonfe- r e n z. die in diesem Herbst in Genf stattfindet, sie sollen auf die dringende Notwendigkeit der Konferenz hinweisen. In seinem ein- leitenden Vortrag entwarf Bernhard klar und prägnant ein Bild von der Wirtschaftslage der europäischen Staaten in der Nachkriegs- zeit, zeigte, daß heute eine Isolierung unmöglich ist, daß.. vielmehr die Entwicklung aus..eiuen internationalen Zusammen- schluß hindrangii Interessant war auch der Vortrag Dr. Ott- manns über deck„Mittellandkanal und die Wasser- straße nach Leipzig". Dagegen brachte das Nachmittags- konzert selbst für bescheidene Ansprüche zu wenig, es hielt sich auf dem Niveau langweiliger„Solon"musik, Suppes Boccaccio-Fantasie allein hatte Temperament. Auch der„Lustige Abend" wußte nicht viel mit seiner Existenz anzufangen. Jedenfalls entwickelle er sich allmählich zu einer traurigen Angelegenheit. Robert St ei dl scheint allerdings unverwüstlich zu fein, neben ihm behauptete sich Grete W i e d e k e, und die Internationale Jugoslawische Tambu- rizakapelle spielte nett und anspruchslos ungarische und serbisch« Lieder. Polkas und Walzer. Aber das Ganze wirkt bereits stark oerstaubt, es zeigte ungefähr, was man in den Iahren vor dem Krieg im Kabarett hören wollte. Auch die Kleinkunst ist Wand- lungen unterworfen, auch hier gibt es keine dauernden Werte. Selbst aktuelle Witze können kaum diesen liebenswürdigen Sachen, die bereits Patina angesetzt haben, neues Leben einhauchen. Viel- leicht war man damals anspruchsloser und lebte dabei behaglicher.. Das Rundfunkprogramm. Donnerstag, den 26. August. Außer dem üblichen Tagesprogramm; 12 ühr nachm.: Die Viertelstunde für den Landwirt. 4.20 Uhr nachm.: Einführung zu der Uebertragung der Staatsoper am Platz der Eepublik am 27. August. 5— 6.30 Uhr abends: Paganini. Anschließend: Ratschläge fürs Hans, Theater- und Filmdienat. 7 Uhr abends: Dr. Otto König:»Das deutsche MSnnerchorwesen, seine ethische und künstlerische Bedeutung". 7.25 Uhr abends: Gustav Biokelt:»Die Menschenrechte der Bühnenkünstler". 7 65 Uhr abends: Professor Dr. Oskar Fischel:„Tizian" fanläßlich des 350. Todestages dos Meisters). 8 30 Uhr abends:»Nach Feierabend". Dirigent: Bruno Seidler-Winkler. 1. Lortzing: Ouvertüre zu der Oper»Der Wildschütz". 2. Lortzing: a) Vater, Mutter, Schwestern, Brüder, Arie des Veit aus der Oper„Undine", 3. Aufzug, Nr 14, b) Man wird ja einmal nur geboren, Arie dos Georg ans der Oper»Der Waffenschmied", 1. Akt Nr. 2(Baimund Geßner, Tenor). 3. Lortzing: Wir armen, armen Mädchen, Arie der Marie aus der Oper»Der Waffenschmied", 2. Akt. Nr. 11(Alice Fräakel, Sopran). 4. Lortzing: Auch ich war ein Jüngling, Lied des Sta- dinger aus der Oper»Der Waffenschmied", 3. Akt, Nr. 13(Eduard Kandl, Baß). 5. Flotow: Fantasie aus der Oper„Martha". 6. a) Flotow; Wi» das schnattert, wie das plappert, Duett Plumkett- Lyonel. aus der Oper„Martha", 2. Akt, Nr. 5(Eduard Kandl. Raimund Geßner), b) Lortzing: Laß er doch hören. Duett Gretchen- Baculns, ans- der Oper»Der Wildschütz", 1. Akt. Nr. 2(Alice Frankel, Raimund Geßner), c) Lortzing: Du bist ein arbeitsamer Mensch, Duett Stadinger-Georg, aus der Oper„Der Waffenschmied", 2. Akt, Nr. 7(Eduard Kandl, Raimund Geßner). 7. Lortzing: Fantasie aus der Oper„Undine". 8. Flotow: a) Letzte Rose, wie magst du so einsam hier blühn, Volkslied aus der Oper»Martha", 2. Akt. Nr. 8, b) Ach, so fromm, ach so traut, Arie des Lyonel a. d. Oper„Martha", 3. Akt. Nr. 13(Raimund Geßner). 9. Weber: a) Einst träumte meiner sel'gen Base, Romanze und Arie des Aennohen aus der Oper»Der Freischütz", 3. Akt, Nr. 13, b) Kommt ein schlanker Bursch gegangen, Ariette des Äennchen ans der Oper„Der Freischütz", 2. Akt, Nr. 7(Alice Frankel). 10. a) Weber: Hier im ird'schen Jammertal, Lied des Caspar aus der Oper»Der Freischütz", 1. Akt, Nr. 4. b) Flotow: Laßt mich euch fragen, Entr'act und Portorlied des Plumkett aus der Oper „Martha". 3. Akt, Nr. 1(Eduard Kandl). 11. Weber: Aufforderung zum Tanz. Berliner Funkorchester. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten. Theater- und Filmdienst. 10 30—12 Uhr abends: Tanzmusik(Kapelle Kermbach. Leitung: Kapellmeister Otto Kermbach). Königswusterhausen, Donnerstag, den 26. August. 3—3.30 Uhr nachm.: Professor Dr. Amsel und Oberschullehrer Westermann: Einheitskurzschrift. 3.30—4 Uhr abends: Direktor der staatlichen Taubstummenanstalt G. Lehmann; Das Bildungsproblem des taubstummen Kindes. 4— 4.30 Uhr nachm.: Oekonoroie- rat Lcrabke: Ländliche Wohnungsfrage. 4.30—6 Uhr nachm.: Mitteilungen des Zentral Instituts. 6—5.30 Uhr nachm.: Hetty Walter: Die echonungsvolle Behandlung der Nahrungsmittel in der Küche. 8.30 Uhr abends: Cebertragung aus Berlin. i VachstuhlbranÜ in öerlkn48 Uhr, Uebungsstunde im Gesangsaal der Sophienschule, Deinmeisterstraße 16/17. Auch eine Jndienschau. Das Volksbildungs- und Jugend- a m t des Bezirksamts Prenzlauer Berg veranstaltete am Dienetag nachmittag für die erwerbslose Jugend, abends für die Erwachsenen in der Aula der Königstädtischen Oberrealschule eine jndienschau", die ein vielseitiges Programm auswies. Neben'einem Dortrag über„Indien, das Land der Geheimnisse und Märchen" gab es kunterbunt plastische Tänze, Rezitationen, Lotos- blumen- und Sott-Krischna-Tanz sowie ein B'ld:„Buddha als Er- leuchteter" Einer Pantomime„der wandelbare Sultan in seinem Harem von 7 Frauen" folgte sodann ein Film„Wunder des Ele- fönten und ein Neujahrsfest im Palast des Maharadjchah" mit Hoftanz, Schlangenbeschwörung, Asfendressur und einem Wett- kämpf zwischen indischen und deutschen Gauklern. Verfasser dieses seltsamen Potpourris war ein Herr Pandit B- D. Agolihotri. Die Darbietungen waren mäßig. Auch wurde das vorgesehene Pro- - gram» nicht genau durchgeführt. die Untersuchung öer Leiferöer Katastrophe Eine geheimnisvolle Selbstbefchuldigung. Bei der Staatsanwaltschaft Hildesheim ist, wie TU. aus Hannover meldet, ein Schreiben eingxgangen, dessen Ver- faffer sich selbst beschuldigt, die Entgleisung des O-Zuges herbei- geführt zu hoben. Der Brief, der in den verschiedensten Schrift- arten ausgeführt ist, hat folgenden Wortlaut: „Sie werden die Eifenbahnattentäter nicht finden. Der eine derselben ist ein im Disziplinarwege wegen einer ganz gering- fügigen Verfehlung entlassener Beainter, der, durch die Entlassung verbittert, aus Haß und Rache die Tat begangen hat: I ch. Meine Entlassung war eine Roheit, ich hätte Mild« verdient, Roheiten sühne ich durch Roheiten. Müffen auch Unschuldige leiden, ich habe auch unschuldig gelitten. Den schuldigen Minister wird einst meine Rache treffen. Qualvoll soll er sterben. Man hat mein Leben vernichtet, ich will tausend Menschen vernichten. 21 sind es erst. Nächste Attentate bei Berlin. Ultor." Die weit dieser Brief für die Untersuchung ernstlich in Betracht kommt, wird sich erst herausstellen müssen. Die Staatsanwaltschaft steht dem Schreiben skeptisch gegenüber. Eine Erklärung der Reichsbahndireklion Hannover. Die Reichsbahndirektion Hannover teilt mit: Entgegen der Meldung eines Berliner Mittagsblattes, die Werkzeuge seien nach dem Unglück aus dem der Unfallstelle am nächsten gelegenen Block entnommen und erst nach der Katastrophe aufgefunden worden, wird bemerkt, daß ein Schwellenschraubenschlüssel unmittelbar nach dem Unfall durch den Bahnmeister eines Nachbargeleises an der Unfall- stelle, und zwar in der Nähe der zuletzt abgeschraubten Schwellen- schrauben, gefunden worden ist. Insgesamt sind elf Schwellen- schrauben von den Tätern herausgeschraubt worden. Die beiden Schlüssel wurden 100 Meter seitlich und senkrecht zur Unfallstelle im Gebüsch gefunden. Die Schlüssel sind nicht zum Aufräumen ge- braucht worden._ Unerklärlich- Bergiftungsepidcmie in Hannover. Eine unerklärliche Dergistungsepidemie in Hannooer breitet sich immer mehr au». In der Stadt herrscht tiefe Erregung, stündlich vermehrt sich die Zahl der Erkrankungen. Hunderte von Kin. dern und Erwachsenen leiden an Brechdurchsall. In dem städtischen Waisenhaus sind bisher schon 2 0 E r- krankung?n an spinaler Kinderlähmung fest- gestellt Die Krankheit äußert sich bei den meisten Erkrankten in starkem Brechdurchfall. Nach den bisherigen Feststellungen äußert sich die Krankheit bei den Kindern meist gefährlicher als bei den Erwachsenen. Bereits Ende der vorigen Woche traten in der Stadt Gerüchte aus, daß das Trinkwasser äu, der Recklinger Marsch, das eine Anzahl der bevölkerten Stadtbezirke Hannooers versorgt, stark verseucht sei. Die staatlichen und städtischen Unter- suchungen bemühen sich um Aufklärung. partelnachrichten für Hroß-Serlin Sinfeiibmgtn ffit diel« R»brU sind «erli» Sw 68, Li»l>e»strab» 3, stet» im da» B-6irt»sekr«tari-t. 2. Hol, 2 Tre?. recht», zu richte». 14.«rri»»eukillu. gu der am ssreila». 27.«uauft. vmmntia«, 11 Vj Uhr im Zteukitllner Raißaus stotlfintxndan Trauerfeirr sdr den«en->s>-n Dr. Silber. «ein lieaen für Übe Abieiluna t-vei«arten im Port« diu»au zur«b. bolun« bereit. Die Sinäschrrune, ist am Kreit»» nachmitta» 8 Uhr im «rematorium Baumschulenwe«. Um reg« Beteiligung der S-nossen wirb 1».!n"i»'«-iße»l-e. Heute. Donnerstag, 8 Uhr, bei Sallert«reim-rstand». «tzun» mit dem Kestauslchuß. Erscheinen unbedingt natwenbig. 26.«rei»»eiuick-udarl. Dienstag. 21.«uguft, linbet im kleinen Eihungssaal be» Rathauses Wittenau ein« Eitmng aller Elternbeiräte bes«reise, statt. Referent Genosse Schröter. Dl« Abteilungsleiter werden aukgeforbert. sämtlich« Elternbeiräte zu biescr Sitiung belondei» einzuleben. heute. Doaaerslag. 26. August: Sunglazraitstt».«bulaUcnbucg; 8 Ubr im Jugendheim Rosinenstr. 4. Gruppen. angelegenheiren. Wahlen. Renkäll» Ii! 8 Uhr im Jugendheim Rogat. st ruhe». Bortrag:..Di« Bertinigten Staaten oon Europa". Referent Senoss« Beics«jkm.ai' Ä WENESTf Vonnerstag 2H. August 192H Seelenverfettung. V' Don A. M. Frey. Frau Amelie Stern galt in der mittelgrohen Stadt, in der sie lebte, für eine der hübschesten und schicksten Frauen. Sie war für die spärlichen Liebesbedürfnisse eines Mannes mit Beschlag belegt, den nichts wichtiger dünkte als sein Geschäft. Obwohl er schon von Jugend aus soviel Vermögen besaß, daß er, vom Geldoerdienen un- abhängig, hätte leben können, kannte er doch nichts Besseres, als von morgens bis abends in einem nüchternen Kontor zu sitzen und nüchterne Zahlen im Kopf und auf dem Papier hin und her zu schieben. r'■>., Ain geistiges Band verknüpfte die Ehegatten nicht, was keines- wegs als Mangel empfunden wurde, da beide kein« Interessen hatten, die außerhalb ihres höchst persönlichen Kleinkrams gelegen ivaren.— Wovon sprachen sie, wenn sie allein miteinander waren? Sie waren eben niemals allein. In den dürftigen Stunden, die sie zu Zweien rerlebten, stand immer noch etwas neben ihnen. Bei ihm war es das Geschäft—— und stets das Geschäft. Bei ihr dreierlei: die Toiletten, der Famiiientratsch und, wenn sie hoch hinauswollt«, der Stodtklatsch. � lieber diese Ding« sprachen sie zueinander in den Pausen, die ihm das Geschäft ließ und die er gleichzeitig mit Essen ausfüllte. Aber wie brachten sie die Abende hin? Er trennte sich immer erst spät von seinen Zahlen, kam dumpf und hungrig nach Hause, speiste, vergrub sich dann im Rauchzimmer in einen Klubsessel, wo er einschlief, während die Frau berichtete, daß heut« im Tee außer ihr nur Fräulein Müller die neue Pariser Frisur gehabt habe. Dabei fehlten ihr nicht die hausfraulichen Instinkt«. Aber sie waren verkümmert und ins' Löcherlich« geartet. Sie hatte Diener- schaft genug, um sich um nichts kümmern zu müssen, dennoch setzte sie jeden Abend sich im Schlafzimmer vor dem Zubettgehen hin und begann die kleinen Mängel, die ihre tägliche Toilette erlitten haste, mit peinlicher Genauigkeit auszubessern. Während dem las der Gatte mit Hilfe der Frankfurter Zeitung sich in den Schlaf hinüber, und sie folgte nach, sobald das letzt« Knöpfchcn, das letzte Bändchen und das allerletzt« Häkchen wieder gut befestigt und in Ordnung war. Und ani nächsten Morgen um 8 Uhr begann«in neuer Tag. Wer da glaubt, die beiden wären nicht glücklich gewesen, irrt sich. Sie waren ganz zufrieden mit ihrem Geschick, nicht nur er~ der Zahlenmensch, sondern auch die Frau. Sie verwandte den Morgen auf die Pfleg« ihres schönen Körpers, staubt« eigenhändig ein paar echte Bronzen und Kopenhagen«? Porzellanfiguren ab, an welche die Dienst?nädchen nicht rühren durften, zog sich sehr um- ständlich und init einem Aufwand an Geist, der> täglich in dieser Be- schäftigung seinen Höhepunkt erreicht«, für die Straß« an und machte wohl«in paar Besorgungen, die jemand von der Dienerschaft auch hätte machen können— die ganz belanglos waren, ihr aber dazu verhelfen sollten, ihre wichtige und unersetzliche Stellung als Frau des Hauses zu beweisen.' In Konzerte oder Theater ging sie nicht.„Ohne meinen Mann machr es mir keinen Spaß, und mein Mann hat keine Zeit dazu", pslegte sie zu sagen. Höchstens schwang man sich Sonntags einmal zum Besuch des Varietes aus, oder lieber noch man ging in das erst« Hotel der Stadt und soupierte dort vornehm. Kinder halten sie nicht und hatten auch kein« gewollt. Sie war schaudernd dagegen gewesen und er nicht minder. Die Mutterschaft verdirbt die Figur, und«ine schlanke, mädchenhaft blühende Frau ist besser als ein« würdige Matrone und schreiender Nachwuchs.-- Dafür hielten sie aber einen kostbaren kleinen Hand, der maßlos verzogen war und in einem ebenso geschmacklosen wie prunkvollen .Häuschen wohnte, um dessen. Preis«ine Arbeiterfamilie von sechs Köpfen zwei Jahre lang Obdach bekommen hätte. Eines Tages— nach Jahren ihrer gleichmäßigen Ehe— fühlte sie sich dennoch Mutter. Anfangs waren beide»echt verstimmt, schließlich gewann bei ihm die Eitelkeit, so etwas zu Wege gebracht zu haben, die Oberhand. Er war stolz auf sich und besorgt pm sie, d h. um ihre Schönheit, und überhaupt in einer Gemütsverfassung, die ihm fremd und verwirrend und deshalb alles in allem doch eher unbehaglich als behaglich war. Sie begann ein« umständliche Tätigkeit zu entfalten, die sich inn das zu erwartende Kind dreht« und bei ihrer gänzlichen Un- kenntnis in solchen Dingen nichts oder wenig Brauchbares lieferte. Sie las auch«in Buch über Säuglingspflege, das erste Buch seit ihrer Verheiratung: bisher hatte sie nur, angeregt durch das B«< nehmen ihres Mannes, Zeitungen in die Hand genommen. Sie ver- suchte sich das Gelesene«inzuprögen, aber es entstanden nur schief« Vorstellungen. Immerhin jedoch bemühte sie sich— lebte«in kfein wenig mehr ein eigenes Leben, dachte sich— was sie fpnst nie getan — in Künftiges hinein und begann in stillen Stunden, traumhaft wenigstens, sich selbst und ein zweites Leben, das nur ihr gehörte, zu fühlen und zu verstehen. Was sollt« man sonst auch anfangen? Der körperlich« Zustand verbot die morgendlichen Ausgänge und nackmitläglichen Teegesellschaften. Es konnte gar nicht anders sein, als daß sie sich ein wenig auf sich selbst besann. Dies aber sollte nicht lange dauern. Das Kind wurde geboren und starb bald hernach. Sie empfand einen Schmerz— einen Stbmerz, wie sie ihn nur ein einziges Mal noch in ihrem Leben gefühlt hatte. Das war damals gewesen, als sie auf einer kurzen Sommerreis«— diese Sommerfahrten waren immer kurz, denn ihren Gatten zog es bald wieder ins Geschäft— als sie auf einer solchen Reis« in Spaar das wertvolle Perlenkollier, Brautgeschenk -ihres Mannes, verloren haste. Ihn ärgerte es, daß alle diese Aufregungen gleichsam zwecklos ihn überfallen hatten. Er sah die Gründe einer Eitelkeit, in der er sich angenehm hineingelekt, plötzlich von der Bildsläche verschwin- den. Er hatte sich an den Gedanken gewöhnt, den stolzen und be- neideten Vater eines Wunderkindes— denn nur einem solchen konnte er dos Dasein schenken— spielen zu dürfen und sah sich nun auf einmal mit leeren Händen dastehen, wie ein Komödiant, dem erst eine Rolle versprochen und dann wieder genommen wird. Es war höchst ärgerlich. Am meisten aber beschäftigte ihn die Frage, ob die Schönheit seiner Frau unter allen diesen mißlichen Zufällen nicht gelitten habe. Als sie wieder aufstehen konnte, zeigte es sich, daß ihr Kör- per kaum verändert war, und nur in der Folgezeit ein wenig üppiger wurde. Doch dem wußte ihre in Poris lebende Mutter abzuhelfen. Sie holte sich die Tochter und sandte sie nach 1�- Monaten dem Schwiegersohn mädchenhafter und strahlender denn je zurück, zusammen mit zwei Kossern voll Pariser Toiletten und einer Unterweisung in der neuesten Haartracht. Und da? alte gleichmäßige, nicht geliebte und nicht gehaßte Leben ging wieder seinen.Gang, 15 Jahre mochten sie nun verheil ratet sein. Außer den beiden Ereignisien mit dem Perlenkollier und dem Kinde wies ihre Ehe keine dramatischen Momente auf. Allerdings war der kleine kostbare Hund eines Tages infolge von Ueberfütterung eingegangen, aber er wurde umgehend durch einen anderen, noch teueren, ersetzt. Und weiter rannen die Tage dahin, die den nüchternen Stempel der Geschästsstunden von 9 bis 1 und von 3 bis 8 Uhr trugen. Frau Amelie aber kam jetzt in jenen Lebensabschnitt hinein, wo trotz tausend kleiner Künste die Augen ein wenig tiefer sinken, die Wangen eine leise Höhlung bekommen und das Kinn ein leises Wie sagt man's den Kinüern! «Trotz ki ist von Stalin»in Urlaub geschickt- warben.) Ist üas ein Absatz, üer ihn trifft! Wird auch ein Trotzki ausgeschifft! hurra, ich hab'sl Wir formulieren: hell Moskau! Seht, wie fle marschiere»! zweites Kinn. Trotzdem war sie immer noch eine schön« Frau, mit einer peinlich gepslegten Haut, die nur eines zartesten Puder- stymmers bedurfte, um wieder ganz tadellos auszusehen. Und wenn ihre Puppenhände das üppige Haar aus der zarten, schmalen, geistlosen Stirn strichen, so daß die polierten rosa Fingernägel reizend von den dunklen Haarwellen abstachen, konnte ihr dicker Glatzkops mit ihr zufrieden sein. Da sollte sie etwas erfahren, das den engen Kreis ihres Daseins nicht eigentlich berührte, das sie persönlich gar nichts anging und das dennoch sür eine abendliche Stunde in ihr Leben hineingrisf mit sremden und unverständlichen Bewegungen und ihr Inneres leicht aufwühlte, ohne daß sie sich des wahren Grundes ihrer Anteilnahme bewußt werden sollte. Sie war in der Dämmerung eines lauen Frühlingsabends gegen sieben Uhr nach Hause gekommen— aus einer Teegesellschoft. Siebzehn Damen, aber Platten mit belegten Brötchen und fünf ver- schicdene Sorten Eis! Sie hatte eben mit großer Sorgsalt ihren Hut verwahrt und bemühte sich nun, aus ihren bequemen Hauskleidern das aller- bequemste auszusuchen, als sie vom Wohnzimmer her durch die ge- öffneten Fenster ungewöhnlichen Straßenlärm vernahm. Sie eilte nachzuschauen und erkonnte im Halbdunkel, jost gerode unter ihren Fenstern, einen kleinen Menschentrupp, dessen Kern ein Mann und ein Weib bildeten, die Händel miteinander hatten. Der Mann schimpfte auf das Frauenzimmer ein— sie hörte die Worte: du Luder, du verdammtes! Run schlug er sie auch. Die Bedrohte hob die Hände, ihren flachsgelben Kopf zu schützen, aus den die Fäuste niedersielen. Frau Amelie legt« sich weit aus dem Fenster, wie sie über die Brüstung im Variete sich zu beugen pflegte, wenn es spannend wurde auf der Bühne. Sie sah, daß der Mann ein derber, junger Arbeiter war und das Weib wohl aus den gleichen Kreisen, nicht unschön von Angesicht, jung und kräftig gebaut. Sie ließ sich die.Hiebe ziemlich ruhig gefallen, schien nur deren Kraft durch die hocherhobe- nen Hände ein wenig abzudämmen.(Schluß folgt.) /tos Humes Schriften. Allgemeine philosophische Bemerkungen. Philosophen, die sich das Ansehen höherer Weisheit und Selbst- genügsomkeit geben, haben einen schweren Stand, wenn sie Per- sonen begegnen, die zu Fragen neigen, die sie aus jedem Zusluchts- winket aufscheuchen und sie schließlich sicher in ein bedenkliches Di- lemma bringen, Das beste Mittel gegen solche Verwirrung ist Bescheiden- h e i t in unseren Ansprüchen und daß wir die Schwierigkeit selbst auffinden, bevor man sie uns vorlegt. >» Kein Verfahren bei philosophischen Streitsragen ist so üblich und zugleich aber auch verwerflicher als der Versuch, eine Ansicht durch die Behauptung zu widerlegen, sie zeitige gefährliche Folgen für Religion und Moral. * Was für ein besonderes Vorrecht hat die kleine Bewegung des Gehirns, welche wir„Denken" nennen, daß wir sie zum Modell des ganzen Weltalls machen? Keine neue Tatsache läßt sich jemals aus einer religiösen Be- hauptung abletten, kein Ereignis vorhersehen, keine Belohnung oder Strafe erhossen oder befürchten, jenseits dessen, was Praxis und Beobachtung lehren. Seilage öes vorwärts Bekämpfung öes Keuchhustens. Bon Dr. Vera A x e l r o d. Eine weit verbreitete und quälende Kinderkrankheit, die aber fast keine Sterblichkeit aufweist, ist der Keuchhusten. Immer noch ist es uns nicht möglich, ihn zu verhindern oder zu heilen. Man muß die Krankheit vorbeigehen lasten und kann nur ihre Symptome (Erscheinungsformen) mildern, den Eintritt von gefährlichen Nach- erkrankungen verhindern und durch strenge Isolierung der Erkrankten sowie Desinsektionsmaßnahmen einer Epidemie vorbeugen. Der Keuchhusten wird nur von Mensch zu Mensch übertragen, wobei die Ausscheidungen der oberen Luftwege besonders ansteckend sind. Die leichte Uebcrtragungsmöglichkeit und sehr verbreitete Empsäng- lichkeit für eine Ansteckung ist typisch sür den Keuchhusten. Manch- mal genügt das Beisammensein von wenigen Minuten mit einein Keuchhustenkranken, um angesteckt zu werden. Einmaliges lieber- stehen der Krankheit verhindert meistens eine zweite Ansteckung, die sehr selten vorkommt, z. B. bei empfindlichen Pflegerinnen. Als Erreger des Keuchhustens betrachtet man einen Bazillus, welcher sich nur im Auswurf Keuchhustenkranker findet, außerhalb des menschlichen Körpers rasch abstirbt und gegen hohe Temperaturen äußerst empfindlich ist. Mädchen werden leichter von der Krankheit befallen als Knaben. Von der Ansteckung bis zum Ausbruch des Keuchhustens(In- kubationszeit) oergehen meistens sieben Tage. Wenn zwei Wochen nach einer Ansteckungsgefahr die Krankheit nicht ausgebrochen ist, kann man annehmen, daß keine Gefahr mehr besteht, und das be- treffende Kind wenig empfänglich ist. Im Verlauf der Krankheit unterscheidet man drei Stadien. Das erste Stadium beginnt mit Schnupfen, Husten, Heiserkeit und geröteten Augen. Bei sehr dispo- nierten(empsänglichen) Kindern sind auch die oberen Lustwege ent- zündet. Diese Erscheinungen dauern ein bis zwei Wachen. Die ersten Tage tragen öfters einen leicht fieberhaften Eharakler. An- sänglich sind die Symptome(Erscheinungsformen der Krankheit) nicht von einem gewöhnlichen Katarrh zu unterscheiden, nur dos vorhergegangene Beisammensein mit keuchhustenkranken Kindern laßt auf eine Ansteckung schließen. Nach einigen Tagen fallt aber aus, daß der Husten immer stärker wird, Beruhigungsmittel (Fenchelhonig usw.) meist nichts hellen, daß der Husten nachts auf- tritt und sich allmählich in regelmäßigen Intervallen(Zeitabschnitten) einstellt. So zeigt sich der Uebcrgang in das zweite Stadium, in dem die Hustenanfälle im Vordergrund stehen. Zwar tritt der Husten nun seltener aus, aber in regelmäßigen Pausen, auch in der Nacht, und stets ansallsarlig, mit zahlreichen Huftenstäßen hintereinander. Dieser typische Keuchhustenansall wird als solcher von jedermann leicht erkamit. Er leitet sich durch Ilnb-'bagen ein, das Kind empfindet einen Kitzel im Hots, Druck auf der Brust, hat?lngstgeiühle, flüchtet zu seiner Mutter oder Pslcgerin und greift nach Gegenständen, Möbeln usw, an die es sich festklammert. Nach einem tiefen Atem- zug folgen dann rasch eine Anzahl heftiger Hustenstöße. Das Gesicht rötet sich, und die Zunge wird aus dem geöffneten Mund heraus- gestreckt. Nach den ersten Hustenstößen atmet das Kind wieder heftig ein(das sog.„ziehen" der Kinder). Der Anfall ist ober noch nicht beendet, worauf die fortbestehende Unruhe hinweist. Dia ganzen Erscheinungen wiederholen sich mehrfach hintereinander, Lippe und Zunge särben sich dunlelrot und in schweren Fällen blau. Der Anfall endigt meist damit, daß das Kind einen zähen glasigen Schleim hermsiwürgt und mühsam hinausbefördert. Haben die An- fälle eine gewisse Stärke erreicht, so erfolgt am Schluß dos Erbrechen von Nahrung. Kräftige Kinder fühlen sich selbst nach schweren An- fällen gleich wieder wohl und setzen das unterbrochene Spiel fort. Schwache und jüngere geraten in Schweiß, sind matt, außerordent- lich geschwächt und brauchen längere Zeit zur Erholung. Die Zahl und Stärke der Anfälle schwankt außerordentlich und steigert sich im Verlauf des zweiten Stadiums, welches durchschnitt- lich drei bis sechs Wochen dauert. Viele Kinder haben in 24 Stunden nur fünf bis sechs Anfälle, andere 39, 50, in einzelnen Fällen noch mehr. Ebenso unterscheidet sich die Stärke der Anfälle, die Husten- stoße können sich zwei- bis fünfmal, aber auch zehn- bis dreißiqmal innerhalb eines Anfalls wiederholen. Ausnahmsweise tritt an Stelle der Hustenanfälle ein krampfartiges Niesen. Nervös veranlagie Kinder leiden besonders stark, da die?lnfölle heftiger sind und öfters auftreten. Ueberhaupt spielen psychische Einslüsse bei der Auslösung von Anfällen eine bedeutende Rolle. In Keuchhustenkolonien ist oft bemerkt worden, daß, wenn ein Kind mit dem?lnfall beginnt, alle anderen„einfallen". Ist der Keuchhusten einmal auf seiner Höhe angelangt, so hält er sich einige Tage oder Wochen, um dann in das"drille Stadium überzugehen und rasch abzunehmen. Die Anfälle iverden der gleicher Stärke weniger zahlreich und verlaufen schließlich auch mil- der, bis sie allmählich ganz aufhören. Die gesamte Krankheilsdauer und Ansteckungsgefahr bcrrägt vier bis zehn Wochen, wenn keine Komplikatioiien kivrg wurda am 24. August siebzig Jahre alt. Seit 1891 war Eruenwaldt Lorsigenber des sozialdemokratischen Vereins für den 1. Hamburger Wahlkreis. Dieses Amt übte er mit einigen Unter- brechungen bis in die neueste Zeit aus. Der Bau des chamburger Gewerkschastshauses ist mit sein Werk; unter seiner Leitung ist das Gesundheitsamt erwachsen. Mitglied der Hamburger Bürger- schall seit 1994, wurde Grucnwaldt 1919 zum Senator gewühlt und übernahm das seiner ganzen bisherigen Tätigkeit besonder» nahe- liegende Gebiet des Krankenhaus- und Medistnalkallegiums. Wir wünschen dem alten Mitkämpser noch viele Jahr« rüstigen Wirkens! wegen Veruntreuung von Partelgeldern hat der ParteisetretSr für die Stadl Chemnig, Paul Trommer, seinem Leben freiwillig ein Ziel gesetzt. Cr wurde an der Türklinke im Geschästszkmm« des Krematoriums erhängt aufgefunden. Trommer verwaltete als im- besoldeter Stadtrat das städtische Bestattungsw�fen mit dem Krematorium.. WeNerbertch« der SffeuMcheu wetterdleaftstelle für BerQn. fllachdr. aafi.) Lechsslud» Bewölkung, aber keine wesenllichen stunden wieder warm. Für Ventschland. Im Regen, im Binn-nland« meist trocken nnd im Staats-Theater Opernhaas m. Plate d.Rcpubl. TV-U. Diererkauite Braut Schauspielhaus 8: KjrrltZ• Pyiiti Schiller-Theater Geschlossen «Ms Opei Cbarlonenburjt V/t Uhr: Qeschi Vorstellung HoKmonnt FriäkiluüLcn fcloe beschrünK. Anzahl von Kauen gelangt noch an der Kasse zum Verkauf Deotsdies Itiealer Norden 10334—38 Subglddinktin Rilnpl 8'/, Unr Letzte Woche! Max Adalbert in Das 8kel Sommerpreise Kammerspiele Norden 10334-38 Dlenstas, 31. August 7!/,Unrzum I.Male: v Gerh.tiauptmann Rtgii; Heinz Hilpert Uer Vorverkauf hat begonnen Die Komödie BismarCK 2414, 7516 S'l, Uhr DisHgeLMln Preise: 2, 4, 6 Mk Dose-7heater Uhr. Olaf, Tragödie eines Sportlers Oartenbllhne: S Übt: Kon zart und Bunter Teil 8 U.;!»» Htftenitiy BanMeikr-sUm TUfiaier BSnlggratLstr. TuHasenheldJUC i Uhr: Der Qarten llev HomOtUenhans Tel.: Norden is304 Freitag z. I. Male 7«/, Uhr: HemSaiDt-ODIn KurlQrst 6456 Täglich 8 Uhr: Singers Midgcts Revue u. „Toto" Theater a.Holtli.Tof Kottbusser Str. 6 Rur noch wenig eTag« Snftsplel der Migdtliirgtr Eiite-Säager äiti.tep]. Wiedel. auftreten bec Elite-sanper mit SccorstU Biueu u. einem Trogtamm o. unbanb. Heiierteit aerünr rhaaicr 8 Uhr: Miß Amerika Sellnkorj-Uhtn Deutsches KQnsll.-Theater «>/, Uhf Der Robelprels Th. i.RirfilrstinilaiDiii Täglich S Uhr: Yvonne DtoUdies itlnstlu-Tbeattr 2S. d. Mis 7V, Uhr P r e m I e r e Veronlha Lusispielhaus Heute 7V, Uhr Premiere KUKULI Komisctie Oper 8V, Dir. James Klein n", Infolge äuswinig. Gastspiele nur noch 7 Tage die einzige Berliner Theater• Sensailoe Berlin ohne Hemd! Qr. Revue 200 Mitwirkende Kleine Preise Die Geburtsdaten werden kontrolliert. Jedes Berliner Kind bis zu 14 Jahren, welches im September Geburtstag hat und am 27. August 1926 per Post seine genaue Adresse und das Geburtsdatum an untenstehende Adresse einsendet, erhält zum Geburtstag ein Geschenk von uns. .SINGERS niDGEIS REVUE SCALA, Luiharsfraßo 22 G." ttesictuu- rueoi. 8', Uhr; Das cc�ne Kalb Marfn Kettner Gewinnonszug 5. Klasse 27. Preubisch-Suddeulsch« Klassen-Letter le. Ohne Gewähr Rachdruck oerboten Bus jede gezogen» Nummer sind zwei glelch hob« Kewinae gefallen, uub zwar je einer auf dl« Lose gleicher Nummer in den beiden Adleilungen 1 und U Ist. Ziehungstag 84. August 1926, nachmittags Sa der Nachmittagszlehung wurden Gewinne über 159 M. gezogen 2 Gewinn» zu 10000 M. 59884 4 Gewinn» zu 50QP M. 207807 219648 12 Gewinne zu 3000 M. 3969 9078 170363 181126 188669 239149 « Gewinne zu 2000 M. 123044 233678 292766 294896 40 Gewinn« zu 1000 M. 6935 23200 23383 34565 53681 55172 57410 93943 1116,8 114913 I22I26>32275 138572 155641 175101 191778 200159 245647 272903 285548 96 Gewinne zu 500 M. 4688 9485 10237 18819 19011 26043 29198 47809 48119 48374 49406 56200 61293 63440 67198 69131 74910 86158 100535 101939 113831 131901 133110 143248 144140 150982 163660 165285 185664 197200 198126 199180 200007 210398 21 1477 215142 217151 224247 236349 275742 278428 282231 283979 285442 285583 287465 297179 298997 198 Gewinne zu 300 Sit. 208 499 7924 12888 14814 15748 19263 24393 26019 28803 31509 32781 39702 39968 43553 44132 51847 55893 57336 60154 62770 63879 63151 72707 74972 75069 78775 79926 81459 85307 88370 90001 90263 91523 93499 98234 98432 100359 102028 104806 106616 108129 108558 118797 123718 123826 125760 125768 127903 128934 137322 145178 147879 155903 159867 159994 160958 164357 167634 168713 172105 174801 179199 182032 182354 185110 186833 187167 190133 196037 199682 205416 217706 222490 222961 227416 236128 240216 240826 249701 232149 256866 258970 259162 259437 266013 277167 278229 280069 280493 280611 280636 282483 287162 289766 290607 296193 296608 298941 Gewknanszvg 5. Klasse 27. Preubilch-Siidbeulsch« Klassen-Lolleri». Ohne Gewähr Nachdruck verboten Aus seb« gezogen» Nummer sind zwei gleich hohe Gewinn« gesallen, und zwar se einer aus die Los« aleicher Rummer in den beiden Adleilungen I und ll 14. Zlehungslag 25. August 1926. vormittags Sa der Bormittagszlehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 2 Gewinn« zu 10000 M. 291806 2 Gewinne zu 5000 M. 242491 18 Gewinne zu 3000 M. 68199 75273 76910 119902 140812 226657 235229 249844 264219 14 Gewinne zu 2000 M. 40832 82469 108338 149218 165401 202367 235273 26 Gewinn» zu 1000 M. 739 24309 29968 36884 78683 101195 116463 136307 138656 174904 181679 191117 273742 78 Gewinn» zu 500 M. 20337 21052 32308 33575 34655 49154 61380 61738 63332 66217 75818 80742 84622 85994 104004 104462 105952 I 18532 121440 125320 129373 137986 141378 149202 164267 167965 172460 179422 181545 188980 203038 207803 220141 227688 254143 263023 271914 276331 286849 194 Gewinne zu 300 M. 1005 2236 2353 9851 12220 16878 18904 21262 25184 39139 39792 41077 42142 48425 50931 51986 52591 53598 59373 61107 61971 63331 65572 65841 69082 76953 84953 85667 90224 97071 98422 98860 99992 102989 108281 108832 108841 110072 113389 118195 I 19391 119689 124876 125357 128796 129280 129479 135864 137088 142230 142533 14-1838 148030 133295 154123 154455 161048 164812 165627 165812 165882 168408 169320 169847 179809 184863 195310 199241 199522 204863 206368 213434 2138)9 215415 230906 237644 246204 248602 249097 231949 252333 254684 255631 255864 258063 266032 267839 270631 271770 273247 273664 282318 284499 289340 289564 291333 295983 Theater Mestsas leisfhon: SliiWl. 9J1 Täglich 8 Uhr: Die Revue Der Zug nadi dem Vesten formknl uiotltriroto Theaterkasse, Werthaim etc. Iii«! st» Täglich 8«/, Uhr. Asla Nielsen Rila cavaillni [aiiM-TöHter uhr Was liebe vermag Vorher bunter Teil Gutschein 1-4 Patz Bei Vorzeigung dar Annonce zahlen Sic Faueu. B» koo IM. Loge u. Sessel t SO Marfsfein der anerkannt beste rheinische Komiker, kommt am t September mit seinem unverwüstlichen Original-Soldatenschwank; Dersioizders Homstagnle zu einem kurzen Uastspirl wieder in das vollständig renovierte Apollo-Tnealer Ganz Berlin wird wieder Ii! Tranen ladien ül omDzender Eröifiiaiigs- Spielplan! U. a. Enrleo Raslelli— Otto Bealter Friedenspreise!— Rauchen gestattet: Es empfiehlt sich, rechtzeitig Billette zu lösen I Gr. Wettstrelt Bewerben S grobe Qrcbester'* Jury: Das Publikum~ Großes Konkurrenz-Programm F a 10 mü. Monster-Konzert,�.? i ausgef. von einem Riesen-. '■2P Orcüesler~ Castd rigent.: seid. Max Ro Fl Reichshalion» Theater 8 Uhr; Stetllner Sänger Singende Säume Sonntag, 29. August: 1. Nachmittags« Vorstellung zu»BlVea Preisen mit vollem Abend-Programm I Oönhon-BreU'I. Saal and Garten: Varleti— Konzert— Tanz Donnerstag, 26. August nachmittags 2", Uhr Berliner frater Kastanien-Allee 7-9 Heute: Msr»12! sistmfiifiii.puti kluh SO PIK. Kaffeekochen. Tanz Sil In der OcoomtauBstt de,.Vorwarf»'»lad bssen der» wirk»aia und trotzdem sehrbiUtäf • JONDERZUO O I S-Tihit. Uu>!,MI 4 15 9 ar.._ 9 a'tdif Edirazr ab hier Nachnahme Normannla, Nortorf(Holst.)l02 . 7.40 ir'/t.. 7.40 Am Montag, den 2J. Augost, vtntarb unerwartet an den Folgen einer Opeiation unter Genosse Stadtrat Dr. Baphael Silberstein Jahrzehntelang hat er in d PiaktlOn verbildlich gearheite ihm unvergängliches Gedenken. dar Paria! und In der et. Sein Wirken sichert SPD. NeuWfiUn. Der Verstaiid. DU Fraktles.«1. Abtsllang. Die Einäscherung findet statt am Freitag, den nachm. 2 Uhr, ipt Krematorium Baum. 27. August, tnwei W. Teilnahme wird ersucht. schulehwer Der T'suartug setzt sieh um iv, Uhr Neuköllner Rathaus'---------"----■ vOi in Bewtgung. Um regt 0sr Verstand. �raus? Pianos ssr Miete Ansbacher Str. I, l*eW|iiWnli DerJatRand oerordnet sßcboUi In drei Form»» gegen, ntUinemngen, Ballen nnd Uornniuit Sofort schmerzfreies 3B Gehvnf Kebnrlle grttndllebe UollqngS Kartad i Mark. Is beifslita Isrcb«IIa äpoiboken nnd Drogerien Dr. Sebeir» Ctaertlvtr.refsst InBerlin WOt, Uitasr-ltraaseH Tel. KurlQrst 8463. tS geyre NN Ich e»«Inni»fäSchenerstgbA Ich tnanMe die o«rlchi»den|f»n Wittel dergebUch an. Durch Sch«umeugog»»U «.�'Herba-Seife�M keflung ch» fchrei»! Treu«. kackmann, «f.Sdaben. Ver St.-TV...es. 20»»,»er« fldtfi M. I... Zur CTachbebonMBM tg Serba-chreme befenberl pt—nUH. Zu baten tn allen Vbelb. Drag. u. stlarf, Verkäufe Bekleidun�ssiürkf Wasrhrüsw SetzentB» Bftrtnaatb»t»b«a QttftB. fchafn�itaägt für locpultnn Riauten staunenb billig. Jtag, trüber TRuIod. ftrüRc. ickt©ortnannftpzt« MM und Marianitenstraß« 26.* ser. den Am Montag, dm 2». August. r'dlleb nach langem schweren L»>- i Herr fiadirai or. med. Cr mar der Begründer und erster Vorsitzender der Ardeiiogememschast sozlaibemoiranilber Ser,:». Vir werden f«l» And rufen stets In«Ijrjit halten «f» trau»rf«l« findet am Feestag, ST. August, mittag« 12 Uhr. Im Bat. haus ffeufblln statt,«inädhetuna Im Stnldilul bgran u»> Uhc im Rrtmatartua Aaumlchulanatg. Der Verstand der Arbelttgemela- sehest sazlaldenokrailtehtr Aerzte Nobel ViZtel- Borstel. Cranlenstt. SS rBterlk- olefil, RabtifgCstäub». Aeusteest niedrige Draif« für einfach» und elegan!« Schlaf, immee. Sb-i'r-lmmer. Herren, Im. wer. Küchen. Bücharfchränk,. Schi, Ist. tisch«. SUfatts, Anrichten, rund« Tisch« Standuhren. AnNeidefchrän?». ad« Sri. fien. Sofno. Ztuhedalien. Sneniuell fiahwraaerleichterun,.______ ' Gadentmatzdsten..trimifstm«*, M-icll- deiien. Auslegamatratzen. Thziselongues. Talte«. Statgardatstrafia echttehn. peziglgefchäft. i Stra, fiahlungsailaichtarung. flaniencHe« 06 Kamerling. K». Ntzesißeinstrurnentm BleNos»«««»««. Maoi.rmachet Nni chrunnenstrofi« tl.• Bianoa 47�—. BÄ�-, In neuer grotzee Auswahl. ms:'::! ch shn« 4n. Imtg. nertoufl Karer. Brunnen. >»a lTU l. dsage. am Nofsniliolar Xsufgesucke laherttez kauft Liuieastrata lst. Unterrickf Technisch» Brtoatfchula Dr. Varner. Bagierungedaumaister, Berlin, fitonber* strotze 8. Maschinenbau. Elekfralechnik. Kochbau.»baublahrgängs. Tagosuhr- oänga._. «afchluaastaa, Slaktrotechnik. ��■lingti sttafia Ü? Brofpaft. Äeltramelstrs� Tlattroaehilst Sediegen« Aurdildung dazu. sdiul« für Maschinenbau und Icchnik. Diolomingenicur Si Friebrtchstrohe 118.<2 In tritt' Vei'zckiecienez sojächrigez chrnoff«. Schriftstalles, stellt sich Partei. Dawerkschaft im» Reichs. bannet als Vorleser h—" dlikanischer Zlooellen zur Aachher Rragenbaantwoc ihujp« repu- ! Ksz««*«. ettung.) Auge. ot, unter S. Fl an di« Kaupmmssthion (A- b Vorwärt«. Cetldvrrsttfhr Arbeitsmarkt StclleHangcisale «chttWnehett» für bauttnN»dchstftf. jung sac langt Klein.«chtaSfestrtf. A!»ranb°rstr-z»«S/40.* Gesucht wird tu mögllciis« haldigem Antritt ein Bildungs-Sekrstir zur Bearbeitung der Arhaflmr- bildunrsaufgaben In Grob-se-IIn Bewährte Krälte. die aal«asMi Gablet schon mit Erfolg t|ili waren, wollen Ihre Bewarbung mit näheren Angaben über Lcbdstde und Bildungsgang, sowie dl« big. herige Tätigkeit lg der Arbatler« bewegung bis rum w September einsenden an das Baztrhaaekrev terUt der SPD.(Tb. Placher), Berlin SW69, ündansiraie i. Eint der bedeutendsten r ander Spttgennsorh* SU Gesellschaft Deutscher Konsumvereine. Hsnzburg, angeschlossenen Vereine einen durchaus energischen, persönlich eingeführten in konzensfrelen Mangarfsc-FahrlbcB Mit Mch. sucht für die Bearbeitung der der Groä-Efnksafs- •r Konsumvereine. Himburg, angeschlossenen -.-w w-n«.• �i�aicn,«iriA«, Reiseinspektor Es wird gebeten, zutführllehe Bewerbungen mit Bild und die Expedition dieser Zeitung gelan-en zu lasten. Dabei„ 4 ah«»»'ch um eine«ut bezahlte Lebensstellung handelt, ror dal die Erfolge den Erwartungen antaprechen. Diskretion