flg. 463 ♦ 43. �ahrg. Musgabe A Nr. 206 Bezugspreis. � WSchestlich 70 Pfennig, monaMch 3,— Zieichsmari voraus jaijlbor. Unter ÄteujbanO für DeutlchlonS, Saar» und Memelaediet, Lcllerrcich. Litauen. Luremdur» 4,00 Aeichsuiark, für da« übrige Ausland 5#) Reichsmark pro Monat. Der.ZZorwilrts' mit der Mustrier. es Gesetz über die Verlängerung der Arbeitszeit im Parlament beschließen ließ. Der Kampf in England wird auch verschärft durch das Verhalten der Unternehmer, welche den Arbeitern und ihren Organisationen immer neue hinder- nisse bereiten und die Bergarbeiter hindern, zu einem ehrenvollen Abschluß des Kampfes zu gelangen." Die Steeiklage. London, 26. August.(Eigener Drahtbericht.) Di« Lage im Bergarbeiterstreik ist für die Gewerkschaften insofern günstig, als ein großer Teil derjenigen Arbeiter, die sich am Sonnabend im Bezirk Nottingham zur Arbeit gemeldet hatten, am Montag nicht ein- fuhren. Die Unternehmer führen das auf die Tätigkeit der Streik- Posten zurück. Es wurden deshalb starke Polizeikräft« zum Schutz der Streikbrecher zur Verfügung gestellt. Trotzdem s a n k d i e Z a h l der Arbeitswilligen am Dienstag weiter. Es kam zu mehreren leichteren Zusammenstößen zwischen Polizei und Streikposten, die Stöcke in ihrem Besitz hatten. Nach den Aussagen unbeteiligter Augenzeugen ist die Polizei, namentlich in einem Falle, brutal vorgegangen. Die Streikleitung hat darauf verfügt, daß ihre Leute ohne Stöcke Posten stehen und nur noch in kleineren Gruppen ausgeschickt werden. Sie ist aber«ntschlosien, je nach Bedarf wieder zu Massenaufgeboten zu schreiten. Wenn nun auch die Unternehmer in Nottingham nicht den Sieg errungen haben, den sie erwarteten, so bemüht sich die Gewerk- schastsleitung doch,«in« Verhandlungsbasis zu gewinnen. Am Mittwoch abend ließ Cook den Arbeitsmini st er tele- phonisch um«in« Unterredung bitten. Diese Konferenz hat am Donnerstag nachmittag um 5 Uhr begonnen. In politischen' Kreisen besteht sehr geringe Hoffnung auf ein positives Ergebnis. In Re- gierungskreisen erklärt man sich bereit, konkrete Vorschläge zu prüfen, und es heißt, der Ministerpräsident werde sofort seinen Ferienaufenthalt abbrechen, wenn diese Vorschläge Erfolg oerheißen. l�ok hat seinen Plan bisher verschwiegen. Angeblich soll er geneigt fem, den Vorschlag Baldwins vom Mai— Kommission zur Fest- setzung der Arbeitszeit und der Löhn« unter dem Vorsitz eines unab- hängigen Präsidenten mit schiedsgerichtlicher Dollmacht— wieder auf- zunehmen. Di« Bergarbeiter haben unmittelbar nach dem General- streit diesen Vorschlag verworfen. Man betrachtet es als zweifelhaft, ob die Regierung heut« darauf zurückzukommen gewillt ist. Di« Sitzung dauert« IJ-f Stunden. Di« Gesamtlag« wurde durchgesprochen. Di« Diskussion soll am Freitag nachmittag um 6 Uhr fortgesetzt werden. vorwärts-verlag G.m.b.H., öerlin SW. 68, Linöenstr.Z P-itlcheckkonto: Berlin 37 531— Bnnktsnto: Bant der Aebeiter, Anftestelten und Beamten. WaOftr. 65; Bislonto-Sefelllchaft. SepaRtcntaflc Linden ftr. 3. Westarp, Stoecker u. Co. Gegen Deutschlands Gintritt in den Völkerbund. Der Auswärtige Ausschuß des Reichstags hat gestern, wie offiziell gemeldet wird, einen kommunistischen Antrag ab' gelehnt, der die Zurückziehung des Antrags auf Eintritt in den Völkerbund forderte. Es bestehr kaum ein Grund, das sehr interessante Abstimmungsverhältnis geheimzuhalten und zu verschweigen, daß außer den Antrag- stellern selbst, sowie den Völkischen v. Graes« und Graf Rc- ventlow auch dieDeutschnationalen Graf Westarp, Exzellenz W a l l r a f, Geheimrat Q u a a tz und Professor v. Freytagh-Loringhoven für den kommunistischen Antrag gestimmt haben. Man darf sogar annehmen, daß diese Veröffentlichung den Wünschen der deutschnationalen cherren selbst entspricht. Hätten sie mit der Geheimhaltung ihrer Abstimmung gerechnet— man kann Tausend gegen Eins wetten, daß ihre Haltung dann eine andere gewesen wäre. Aber die Furcht vor der völkischen Konkurrenz, die Furcht vor der Wirkung der Phrasen, die sie selbst jahrelang ins Volk gescheudcrt hatten, kurz: die Furcht vor der Wirkung, die eine Ablehnung des völkerbundfeindlichen Antrags in der O e f f e n t l i ch k e i t � geübt hätte, riß ihnen im entscheidenden Augenblick die Hände hoch. Es muß ein schönes Bild gewesen sein, wie die Grafen, Barone, Exzellenzen und Gcheiniräte hinter der entrollten Sowjetfahste des kommunistischen Antrags einhermarschihrten! Allerdings läßt sich die Frage nicht unterdrücken, warum die deutschnationalen Herren den Antrag, für den sie mit so viel Begeisterung stimmten, nicht selbst gestellt haben. Bielleicht deshalb, weil er ihnen zu idiotisch war? Die offizielle deutsche Außenpolitik hat seit Jahren mit großer Folgerichtig- teit den Weg eingeschlagen, dessen Ziel nunmehr in nächste Nähe gerückt ist: Deutschland soll mit Anerkennung seines Ranges als gleichberechtigte Großmacht, als Inhaber eines, ständigen Ratssitzes in den Völkerbund eintreten. Man stelle sich vor, der Antrag hätte eine Mehrheit gefunden und wäre verwirklicht worden: Deutschland hätte jetzt auf einmal, un- motiviert, ein paar Tage vor seiner voraussichtlichen Auf- nähme sein Gesuch um Eintritt in den Völkerbund zurückge- zogen! Durch einen solchen Beschluß— wer zweifelt daran?— hätte sich Deutschland in der ganzen Welt so lächerlich, so un- möglich gemacht, daß alle seine Feinde in ein Triumphgeschrei � ausgebrochen wären. Ein Schaden wäre entstanden, der in Iahren und Jahrzehnten nicht wieder gutzumachen war! Diese Selbstverständlichkeit stellen wir nicht fest, um gegen die Deutschnationalen den Vorwurf zu erheben, sie hätten diesen Schaden gewollt und ihn vorsätzlich herbeizuführen ge- sucht. O nein! Die Herren haben sich ganz gewiß zuvor vor- sichtig im Saale umgesehen, ob denn die Vertreter der V e r- n u n f t in genügender Stärke anwesend seien: sie haben ge- wiß den Bleistift zur Hand genommen und gerechnet, und erst als sie sahen, daß keine Gefahr vorhanden, vielmehr d i e Ablehnung sicher war, da gaben sie ihrem Herzen einen Stoß und stimmten für den unsinnigen Antrag. Sollte diese Auffassung falsch sein, so hat ja die deutsch- nationale Presse Gelegenheit zur Berichtigung, von der wir dann gern Kenntnis nehmen werden. Einstweilen spricht viel für die Richtigkeit unserer Auffassung. Wir erinnern daran, � daß die deutschnationale Presse in der Fvage des Völkerbundes schon seit längerer Zeit eine auffallende Milde und Zu- rückHaltung gezeigt hat. Wir glauben diese taktische Haltung auf den Umstand zurückführen zu können, daß die Mittelparteien, einschließlich der Volkspartei, nur solche Par- teien für regierungsfähig erklärt haben, die sich auf den Boden der bisherigen Außenpolitik stellen und diese fort- zuführen bereit sind. Wir«rinnern daran, daß die Deutsch- nationalen ihrem Wunsch, wieder an die— von ihnen so genannte— Futterkrippe zu gelangen, in der unmißverständ- lichstcn Weise Ausdnick gegeben hüben, und daß die Behaup- tung einer rechtsnationalistischen Zeitschrift, Graf Westarp habe sich mit der Beibehaltung Stresemanns und des Strese- mann-Kurses auch unter einer R e ch t s regierung einver- standen erklärt, bisher unwidersprochen geblieben ist. Aus all diesen Gründen scheint es uns unwahrscheinlich, daß der kommunistische Antrag den DeutHnationalen sehe zurecht gekommen ist. Aber als er da war und es galt, Farbe zu bekennen, wurden die Deutschnationalen blaß und rot. Stimmten sie gegen ihn. so setzten sie sich der Anklage aus, sie hätten der lockenden Futterkrippe zuliebe ihre Grundsätze preisgegeben und mußten sie sich auf eine Rebellion ihrer von ihnen selbst verhetzten Anhängerschaft gefaßt machen. Man erinnere sich nur jene« explosionsartigen Vorgänge, die im Oktober vorigen Jahres zum Rücktritt Schieles und der anderen deutschnationalen Minister führten! Der- gleichen durste nicht noch einmal passieren! Und darum ent- schlössen sich die Deutschnationalen, durch Annahme des kam- munistischen Antrags ihre„unversöhnliche, grundsätzliche" Völkerbundsfeindschaft vor der Wählerschaft ins rechte Licht zu setzen. "luf alle Fälle steht man setzt vor her Tatsache, daß diS Deutschnationalen durch Annahme des kommunistischen An- trags ihrer Gegnerschaft gegen die Außenpolitik des Reiches den kräftigsten Ausdruck verliehen haben. Und wie immer man über die Motive ihres Verhaltens denken mag, so ist doch die Illusion, daß man mit deutschnationaler Hilfe eine erfolgreiche Außenpolitik auf der bisherigen Linie treiben könnte, zerstört. Deutschland würde sich vor aller Welt dem berechtigten Vorwurf der Unaufrichtigteit aussetzen, wenn es morgen in den Völkerbund eintreten, übermorgen aber sich eine Regierung geben wollte, deren Mitglieder sich zum Teil eben erst als unbelehrbare, unversöhnliche Völkerbundfeinde gezeigt haben. Die Deutschnationalen sind gestern wieder einmal Opfer ihrer eigenen nationali st ischen Demagogie gcwor- den. Wenn etwas an ihnen ehrlich ist, dann ist es ihr Wunsch, möglichst bald zu den Fleischtöpfen der Regierung zurückzu- kehren. Ihre taktische Absicht war, beim Eintritt Deutschlands in den Völkerbund die Rolle der unbeteiligten Zuschauer zu spielen� und dann mutig ,�iuf den Boden der vollendeten Tat- fachen" zu treten. Und darum mochte ihnen der kommu- nistische Slntrag, der sie zu einem Ja oder Nein zwang, während sie doch weder das eine noch das andere sagen wollten, schon sehr, sehr ungelegen gekommen sein. Das Ergebnis war eine— sonst gewiß sehr verschieden zusammengesetzte— Mehrheit, die sich zur außenpolitischen Vernunft bekannte, und auf der anderen Seite ein Häuf- lein Grafen, Exzellenzen, Geheimräte und verkrachter kom- munistischer„Arbeiterführer", das die Fahne der nationalisti- scheu Demagogie schwang. Die kläglichste Rolle in dieser bunten Gesellschaft haben die Deutschnationalen gespielt. Denn sie ließen sich von den Ereignissen überrumpeln, begaben sich unter die Führung des von ihnen sonst zum Kinderschreck aufgeplusterten„Bolschewismus" und kamen zu einem Er- gebnis, das sie gar nicht gewollt hatten. Denn— ihre Regierungsfähigkeit in Frage stellen, das haben sie ganz gewiß nicht gewollt! Sefprechuag Srianü�hoejch. Paris, 26. August.976, 77. Dl« großen SInsonie-Abend« des Ber. lfnet Sinfonie-OrcheiierS unter Leitung von Dr. Peter Naabe finden an solzenden Taaen statt: 0. November. 7. Dezember, 8. Februar und t März. sftir Auffübrung gelangen u.a. folgende Werte: R. Strauß: Don Oulrolte. Kl«»«: Borspiel zu einer Tragödie(Erltaustührung), Reger: Variationen. <8. Schumann: Variationen, Brahm»: Swsome Nr. 2. Beethoven: 2. und 4. Sinjonie. Der Unfug der wehrverbanöe. Eine Schwenkung der Schwerindustrie? Der„Börsenkurier" wiederholt die von rechtsstehenden Kreisen dementierte Nachricht, daß Ehrhardt ohne Erfolg versucht habe. Gelder der Schwerindustrie für eine Politi- sierung der rechtsradikalen Wehrverbände zu mobilisieren. Unter dem Eindruck der internationalen Wirtschaftsverhand- lungen habe die rheinisch-westfälische Schwer- i n d u st r i e ihre außenpolitische Einstellung ge- ändert. In einer Essener Meldung des Blattes heißt es dann weiter: In hiesigen führenden Großindustriellenkreisen hört man setzt ollgemein die Auffassung vertreten, daß eine deutsch-sranzö- fische Verständigungspolitik nunmehr auch in der Linie der wirtschaftlichen Entwicklung liege. Wie wir von durchaus zu- verläfsiger gutinformierter Seite erfahren, hat sich eine der ein- flußreichsten Persönlichkeiten des Stahltrust vor einigen Tagen anläßlich einer in Essen stattgefundenen Besprechung mit aller Entschiedenheit gegen die neue Aktivität der Vaterländischen Verbände im rheinisch-westfälischen In- dustriebezirk ausgesprochen. Es sei endlich an der Zeit, erklärte dieser bekannte Großindustrielle, daß jetzt die seit der Nachkriegszeit von den Zielen gründlicher Allgemeinbildung abgelenkte Jugend wieder entpolitisiert und zu ernster systematischer Arbeit im Dienste des Wiederaufbaues des Vaterlandes herangezogen werde. Man kann erwarken, daß künftig die westdeutsche Großindustrie den Rechtsorganisationen nicht mehr die materielle und moralische Unterstützung zuteil werden läßt, der sich diese Organisationen, die allmählich als eine unangenehme Belastung empfunden werden, bisher erfreut haben. Die Gerüchte über neue schwere Auseinandersetzun- gen zwischen zwei bekannten rheinischen Industrietapi- tänen und Hugenberg verdichten sich. Es ist anzunehmen, daß diese Auseinandersetzungen demnächst Gegenstand scharfer Po- lemiken in der Oeffentlichkeit bilden werden. Das wäre die entgegengesetzte Entwicklung, die sich in Sachsen vollzieht. Man wird abwarten müssen, wie diese sich schroff gegenüberstehenden Tendenzen die Gesamt- Politik der Volkspartei beeinflussen werden. Mahrauns Denkschrift. Tie Klage der„Tcutschcn Leitung" gegen den Jungdeutschen Orden. Im Mai dieses Jahres wurde auf Veranlassung des preußischen Ministers des Innern eine Polizeiaktion gegen den Witing-Bund, Sportklub„Olympia", Wehrbund Ostmark durchgeführt, in deren Verlauf auch bei bekannten Persönlichkeiten, wie Iustizrat C l a ß, Dr. V ö g l e r, Oberst Nikolai usw. Haussuchungen abgehalten wurden. Im Verlaufe dieser Angelegenheit entspann sich zwischen der„Deutschen Zeitung" und dem Jung deutschen Orden eine mit großer Heftigkeit ausgetragene Fehde. Ehefredak- teur Major a. D. v. Sodenstern warf dabei dem Hochmeister des Iungdeutschen Ordens, Mahraun, vor, daß er dem Reichspräsidenten und dem Reichswehrministerium eine Denkschrift übersondt habe, die den Anlaß zu dem Vorgehen des preußischen Innenministers gegeben hätte. Mahraun bestritt nicht die Tatsache, daß er dem Reichspräsidenten v. Hindenburg und dem Reichswehrminister eine Denkschrift habe zugehen lasten, stellte aber energisch in Abrede, daß der Inhalt der Schrift Minister Severing Unterlagen für sein Vorgehen geboten habe. In diesem Pressekampf kam es zu scharfen Angriffen v. Sodenfterns und auch Mahrauns, so daß sich der' Chefredakteur der„Deutschen Zeitung" veranlaßt sah, die Klag« gegen den Hochmeister des Jungdo einzureichen. Wie wir hören, wird die Klage schon in nächster Zeit die Der- lincr Gerichte auf länger« Zeit beschästigen, da Herr v. Sodenstern ebenso wie auch der Beklagte ausführlich auf den Inhalt der Denkschrift eingehen wollen. Als Zeugen sind be« kannte Persönlichkeiten des politischen Lebens geladen worden, so u.a. Staatssekretär Meißner, Ministerialdirektor Abegg, Bizepolizei- Präsident Friedensburg," Philipp Scheidemann und andere. Die Verhandlung dürfte voraussichtlich eine Woche in Anspruch nehmen. Der Stanü üer Erwerbslosenfürforge. Rückgang der Zahl der Hauptunterstützungs- empfängcr. Der Rückgang in der Zahl der Hauplvnterstühnngsempfänger in der Erwerbslosenfürsorge hat auch in der ersten Augusthälste angehalten. Die Zahl der männlichen hanptuaterstühungsempsänger ist von 1 32t 000 am 1. August aus 1 287 000 am 15. August 1926 zurückgegangen. Die Zahl der weiblichen Hauptonterslühungsemp- fänger von 324 000 aus 317 000. Die Gesamtzahl von 1 652 000 ans 1 604 000. Der Gesamtrückgang beträgt rund 48 000— 2,9 Prozent. Die Zahl der Zuschlagsempsängec(unterstützte Familienangehörige) ist von 1 645 000 aus 1 594 000 gesunken. Kommuniftischer Schwindel. Vom Vor st and des ADGB. wird uns geschrieben: Aus Grund der kommunistischen Schwindelnachricht, daß der ADGB. den englischen Gewerkschaften da» gewährte Darlehen nur gegen den hohen Zinssatz von 11 Proz. gegeben hätte, gehen uns fortgesetzt aus dem In- und Ausland Anfragen zu, die hierüber Aus- kunft wünschen. Wir teilen deshalb zur Beruhigung öffentlich mit, daß der zwischen dem JGB. in Amsterdam und dem Generalrat der britischen Gewerkschaften vereinbarte Zinssatz 4�4 Proz. beträgt. Es dürfte hinreichend bekannt fein, daß der in Deutschland übliche Zinssatz wesentlich höher ist. so daß also unsere Ver- bände, die das Darlehen an die Engländer gegeben haben, keine „Wucherzinsen" dafür nehmen, sondern im Gegenteil«inen er- heblichenZinsverlust erleiden. National-kulturelle Selbstverwaltung. Einstimmiger Beschlust in Genf. Genf. 26. August.(Eigener Drahtbericht.) Der Minderheiten- kongreß nahm am Donnerstag zunächst einen Vortrag des Abg. Dr. H a s s« l b l a t t, des Verfassers de»«stländischen Gesetzes über die kulturelle Selbstverwaltung der Minderheitsvölker entgegen. Darauf referierte Dr. Robinson- Litauen sehr eingehend und überzeugend über die kulturelle Autonomie und die Möglichkeiten ihrer Verwirklichung. Danach kann die Autonomie nicht als gesähr- licher Staat im Staat angesehen werden, sondern sie stellt eine ein- fache Uebertragung staatlicher Aufgaben an die Organi- sation der Minderheiten dar. Die Hauptmerkmale der kulturellen Selbswerwaltung sollen sein: öffentlich-rechtliche Institution auf de- m o k r a t i s ch e r Grundlage mit Steuerhoheit und Gesetz- gebung's befugni». Dr. Kaczmaret(Pole aus Deutschland) brachte dagegen noch ewige Bedenken vor, wie, daß die tultmelle Freiheit der Minderheiten sich nicht gegen die Souveränität des Sied- lungsstaatcs wenden dürfe. Er erklärte aber zum Schluß, der von der Kommission nach hartnäckigen Auseinandersetzungen vorbereiteten Resolution zuzustimmen. Diese dann ein st immig angenommene Entschlie- ß u n g erinnert an die vorjährige Resolution, nach der jede nationale Volksgruppe berechtigt sein soll, in eigenen öffentlich-rechtlichen Körperschaften und in loyaler Zusammenarbeit mit der Voltsmehrheit ihr Volkstum zu pflegen und zu entwickeln und betont dann ausdrücklich: 1. daß die Einführung der national-kul- turellen Selbstverwaltung vom Einverständnis der Minder- heiten bedingt sein, 2. daß die B e k e n n t n i s f r e i h e i t des ein- zelnen zu einer Nationalität unter strafrechtlichem Schutz stehen muß und im staatlichen Leben mit keinerlei Nachteilen ver- Kunden sein darf und 3. daß der Staat und die national-kulturellen Selbstverwaltungen die Kosten der letzteren im gleichen Verhältnis zu tragen haben wie zum Kulturleben des Mehrheitsvolkes. Genf, 26. August.(Eigener Drahtbericht.) Am Nachmittag beriet der Minderheitenkongreß nach Vorträgen von Dr. G ü n d i f ch (Deutsch-Ungarn) und preuß. Lartdtagsabg. Baczewsti(Pole in Deutschland) die Frage der wirtschaftlichen Gleichberech- t i g u n g der Minderheiten und nahm dazu einstimmig eine lange Entschließung an, welche fordert, daß die Angehörigen der Minder- heiten nicht benachteiligt werden, z. B. bei Arbcitsoergebungen, bei der Anstellung von Arbeitskräften, der Festsetzung der Arbeitszeit usw. In der Diskussion wurde unterstrichen, daß die st a a t l i ch e Souveränität nicht das Recht in sich schließe, ungerecht zu sein. pilsuöski wechselt Minister. Weil sie uferlose Militärausgaben nicht decken wollen. Warschau, 26. August.(MTB.)„Gozeta Poranna Warszawsta" („Warschauer Morgenzeitung") verzeichnet das Gerücht von der Möglichkeit eines Rücktritt» des Ministerpräsidenten Bartel und des Finanzmini st ers Klarner und die zeitweilige Uebernahme des Ministerpräsidiums durch den Landwirt- schastsminister Raczynski. Finanzminister Klarner ist nämlich seit längerer Zeit Gegenstand von Angriffen derPilsudstt nahestehenden Press«, die zum Teil außerordentlich entschieden die Demission Klarners fordert. Nun aber soll der Ministerpräsident entschloß«» fein. Dr. Klarner auf jeden Fall zu halten, da er ebenso wie der Finanzmimster ein Gegner allzu hoher Ausgaben für militärische Zwecke sei, wodurch er sich den Unwillen der Umgebung Marschall Pilsudskis zugezogen habe. .Kurzer Poranny"(„Morgenkurier") glaubt übrigens nach Er- kundigungen an zuständiger Stell« feststellen zu können, daß die Ge- rüchte über eine Demission der beiden Mmister unzutreffend sind. Das Pildsudski-Organ„Glos Prawdy"(Stimme der Wahrheit) macht Klarner für die Krediterteilung an die Kooprolna-Handels- gesellschast verantwortlich, die, nachdem sie im vorigen Jahre den Staat durch faule Geschäft« um 20 Millionen Zloty (10 Millionen RM.!) geschädigt hat, jetzt wieder auf Veranlassung Klarners einen staatlichen Kredit von 40 Millionen Zloty erhalten habe. Woiciechowski kehrt zurück. Warschau. 26. August.(MTB.) Der frühere Staatspräsident Wojciechowski wird die Stelle des Direktors des Krakauer Lehr- institutes für Genosienschastswesen übernehmen, das in diesem Herbst nach Warschau verlegt werden wird. Das polizei-panama. Warschau, 26. August.(Eigener Drahtbericht.) Der„Glos Prawdy" befaßt sich mit den Personen einzelner Polizeikommissarr, die beschuldigt werden, enge Beziehungen zu Dieben und Räubern zu unterhalten. Unter dem Vorgeben, Geldfälscher im Auslande zu beobachten, was häufige Reisen erfordere, habe ein Kommissar Kokain- und Valutaschmuggel betrieben und sich große Reichtümer angeeignet. Ein anderer Kommissar sei aus der O ch r a n a- Zeit bekannt, habe sich durch Verfolgungen der PPS. hervorgetan, und besitze heute eine einflußreiche Stellung, die er zu Erpressungen ausnutzte.„Glos Prawdy" erklärt, die gebrandmarkten Polizeitommissare hätten versucht, einen D r ü ck a u f das Blatt auszuüben, damit weitere Veröffentlichungen unter- blieben. Man habe sogar versucht, Bestechungen anzubieten und sei vor Drohungen nicht zurückgeschreckt. Die Redaktion werde ihren Kampf jedoch weitersühren, bis sich der Staatsanwalt der Angelegenheit annehme. Der Verfasser der Artikelserie hat sich u n t e r d e n S ch u tz der Gendarmerie gestellt, da ihm die Angegriffenen m i t dem Tode bedroht haben. Die karpathorujstsche§rage. Hochverratsverfahren gegen Ukrainer. Prag. 26. August.(Eig. Drahtber.) In den letzten Tagen wurden einige ukrainische Lehrer und Geistliche verhaftet, weil sie angeblich die Lostrennung Karpathorußlands von der Tschechoslowakei betrieben haben. Die ukrainische Scparations- bewegung soll größeren Umfang besitzen, als man bisher glaubte. Damit wird das ganze karpathorussisch« Problem wieder aufgerollt. Karpathorußland, der östlichste Teil der Tschechoslowakischen Rc- publik, schloß sich 1919 freiwillig an die Tschechoslowakei an, allerdings unter der Bedingung, daß dem zum größten Teil von Ukrainern bewohnten Land« die volle Autonomie gegeben würde. Die Prager Regierung hat den Ukrainern nicht nur die Autonomie vorenthalten, sondern regiert das Land w i e e i n e Kolonie. Es gibt dort z. B. bis heute kein« Geschworenen- g e r i ch t e. Das Problem ist um so heikler, als Sowjetrußland das Sclbstbestimmungsrecht der Karpathorusien reklamiert und sich weigert, die Ost grenze der Tschechoslowakei anzuerkennen. Diese Weigerung und die sowjetrussische Propaganda sind wiederum einer der Gründe der N i ch t a n« r k e n n u n g der Sowjetregierung durch die Tschechoslowakei. Es verlautet, daß die Regierung gegen die ukrainischen Separatisten schärfste Maßnahmen ergreifen wird. pangalos auf Kreta. Befreiungsplan durchkreuzt. Athen, 26. August.(Eigener vrahlberlcht.) Zn der Rächt zum Donnerstag wurde der gestürzte Diktator Pangalo» aus die Insel Kreta geschafft, nachdem den neuen RIachthabern bekannt geworden war. daß er unter Führung de» früheren Marine- kommandantcn Kolialexi» befreit werden und durch Flug- zeug in» Ausland gebracht werden sollte. Dieser Marinekommandant ist verhastet worden. Regierung gebildet-— Neuwahlen Ende Oktober. Athen, 26. August.(Agence dAthenes.) In einer unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik abgehaltenen Sitzung aller politischen Parteiführer zeigten diese bei den Erörterungen über die Bildung des Kabinetts«inen entgegenkommenden Geist und patriotj- sche Gefühle, die gute Aussichten für die Zukunft des Landes eröffnen. Die Besprechungen führten zu dem Beschluß, das Kabinett aus Z i o i l i st e n unter dem Vorsitz K o n d y l i s, des Führers der nationaldemokratischen Partei, zu bilden. Diese Lösung wurde als das beste Mittel angenommen, die Parlamentswahlen zu be- schleunigen, die nun auf Ende Oktober festgesetzt wurden. General Kondylis hat ein Kabinett gebildet, in welchem er dos Kriegs- und das Marineministerium übernimmt. Weitere Minister sind: Pericles Argyropulos für Auswärtiges, Petmeza» für Innere«, Papas für Oeffentlichen Unterricht und Drosiopulos für Finanzen. Der Galgen von �ngora. Wieder vier Todesurteile. koastanlinovel, 26. August.(MTB). 3m Hochverrats- prozeß zu Angara wurden V f ch a v i d Bey, Razim Bey, R a i l Bey und h i l mi Bey zum Tode verurteilt. Ihre Hinrichtung wird in ein er Woche erfolgen. Gegen B e s ch i f Bey wurde aus lebenslängliche» Gefängnis erkannt. Sämtliche Geld- mittel der junglürkischen Partei werden beschlagnahmt. ch Wir haben erst vor wenigen Tagen ausführlich über die Anklage unterrichtet, die jetzt zu diesem grauenhaften Urteil geführt hat. Für jahrelang zurückliegende Taten, die übrigens höchstens versuchter, aber niemals gelungener Umsturz gewesen sind! Man hat ja den wehrlosen Angeklagten sogar die Hineinziehung der Türkei in den Weltkrieg schwer angerechnet. Es muß nicht gut stehen mit der inneren Festigkeit des jetzigen Regimes, wenn es solche Schreckensurteile braucht!_ Ermordung eines Sowjetführers. In Kaukafien. Moskau. 26. August.(OE.) In dem kaukasischen Kurort Kislowodsk ist das Mitglied der Zentralexekutive(Regierung) der Tschertesienrepublik Tokow durch Revolverschüsse getötet worden. Die kurze amtliche Mitteilung nennt die Tat einen verräteri- schen Mord, ohne weitere Mitteilungen hinzuzufügen. Der bzw. die Mörder sind entkommen. Die Bauern werden aktiv. Moskau, 26. August.(OC.) In dem ganzen westrussischen Gouvernement P s k o w ist eine Art von Bauernkrieg gegen die Sowjetförster ausgebrochen. Es handelt sich dabei um die verstaatlichten Wälder, deren Ausbeutung die Dauern für ihr gutes Recht erklären. Die Förster sind dem se h r aktiv vor- gehenden Bauernhaufen gegenüber fast wehrlos. Das Gouverne- mentsexekutivkomitee hat eine Reihe von strengen Vorschriften zum Schutze der Wälder erlassen, doch ist bisher über die praktisch« Durch» führung dieser Paragraphen noch nicht» bekannt geworden. Zwei Parteizentralen ausgeschlossen.— Redeverbot und Schreibverbot. Moskau, 26. August.(RD.) Das zentrale Exekutivkomitee der Kommunistischen Partei hat den Ausschluß der Partei- zentraleninKasanundWoronesch beschlossen, weil sie sich geweigert haben, Stalins Aufforderung, die oppositionellen Elemente der lokalen Parteileitungen auszuschließen, Folge zu leisten. Ferner ist e» Trotzki, Sinowjew und den übrigen Oppositionsführern untersagt worden, Reden in östentlichen Versammlungen zu halten sowie Aussätze in der Sowjetpresie zu veröffentlichen. Schießerlaß gegen �lkoholschmuggler. Im Lande der unbegrenzten Möglichkeiten. Washington, 26. August.(Rd.) Die neu eingesetzten 40 Pro- Hobitkon-Agenten, die die Aufgabe haben, einlaufende Schiffe nach Alkohol zu durchsuchen, sind angewiesen worden, Alkoholschmuggler bei Widersetzlichkeit zu erschießen(sboot to kill). Diese Verfügung richtet sich nicht gegen Passagiere, die eine oder zwei Flaschen durchzuschmuggeln öersuchen, sondern gegen die B o o t s b« s a tz u n- gen, die geschmuggelten Alkohol an Land bringen. Die Proho- bition-Agcnten sind ermächtigt, die Besatzungen zu erschießen, falls sie ihrer Aufforderung, haltzumachen, nicht sofort Folge leisten oder sich der Durchsuchung der Boote widersetzen. öS Bergarbeiter verschüttet. In einem amerikanischen Bergwerk. Indiana(pennsylvonien), 26. August.(WTL.) In einem der Biluminions Eoal Company In Elymcn gehörenden Bergwerk bei Eleanfteld sind 60 Bergarbeiter infolge einer Ex- plosionverschüttet worden. Ost Rasse Schicksal? Lauscht der Stimme des Blutes! Im Verlag I. F. Lehmann, München, ist eine neu« Schrift er- schien«». Sie heißt:„Ist Rasse Schicksal?" Geschrieben hat sie Hanno Konopacki-Konopath. Hugo Kekule v. Stra- d o n i tz besingt sie in der„Deutschen Zeitung": In den Tagen tiefster Not ist jeder echte Deutsche erfüllt von der suchenden Sehnsucht nach der Idee, an der sich aus dem Chaos heraus die rettende Erlösung bilden könnte. Hier ist der Wegweiser, hier ist überzeugend und klar formu- liert, was an Gedanken, Betrachtungen, Beobachtungen und Er- gebnisien jeden ernst denkenden germanischen Menschen bedrängt.... Ein dritter Abschnitt endlich befaßt sich mit der germanischen Weltanschauung und weist den Weg, uns aus verballhorntem Kulturgemengsel zu den unterdrückten und vernachlässigten Quellen germanisch eg, Wesens zurückzufinden, um endlich wieder zu lernen. der angeborenen Stimme des Blutes zu lauschen und in ihr den Funken des Ewigen zu fühlen. Gehet hin! Lest, lernt und seht— so wird aus der forschenden Frage die mahnende Antwort: Rasse ist Schicksall Ist ein Zweifel daran erlaubt, daß die Herren Konopacki-Kono- path und Kekule von Stradonitz wirtlich schon der Stimme ihre» Blutes gelausljzt haben? Mögen sie es tun! Die Stimme wird ihnen etwas dumpf und alkoholisch belegt die Rätselworte künden: honorowo, ale idrowo!" Das ist nämlich polnisch und heißt auf deutsch:„Nicht ehrenhast, aber gesund!" Es ist der Wahlspruch der polnischen bau«rnausplündernd«n Schlachta, in der die Ahnherren der Konopackis und Stradonitz« doch unzweifelhaft zu suchen sind.| Gelb bleibt gelb. Siemcns-Schuckert und die„Vaterländischen". Die Finna Eiemens-Schuckert hat es— wie wir in Nr. 34S des.Vorwärts" vom 27. Juli berichteten— erreicht, daß das Be- triebsratsmitglied Diplomingenieur R. durch Beschluß des Gewerbe- gerichts seines Amtes entsetzt wurde, weil er als Diskussionsredner in einer Versammlung des Vaterländischen Angestelltenoereins eine Aeußerung getan hat, welche die Firma und auch das Gericht— unserer Meinung nach irrtümlich— als Beleidigung der Firma aufgefaßt hat.— In der schriftlichen Begründung dieses Gerichts- beschlusses wird mit Bezug auf die Zeugenaussagen gesagt:.Immer- hin ergab sich aus den Aussagen so viel: die Versammlung war eine Art Propagandaversammlung des vaterländischen Angeslelllenvereins der Siemenswerke, der ossenbar von der Anlragstellerln unterstützt wird." Damit ist gerichtlich festgestellt, was übrigens allgemein bekannt ist und von uns schon öfter durch Tatsachen dargetan wurde: jene ge- wcrkschastsfeindlichen Organisationen, die sich„vaterländisch" nennen, niachen sich in den Siemenswerken ganz besonders breit und finden durch die Firma die weitestgehende Berücksichtigung und Unter st ützung ihrer Bestrebungen. Aber daß dies in einem Gerichtsurteil schwarz aus weiß zu lesen steht, das ist der Firma Siemens-Schuckert doch etwas peinlich. Bon ihrem Wohlwollen für die unter vaterländischer Flagge segelnden Gelben darf offiziell nichts verlauten. In dieser Hin- ficht hält man es mit dem bekannten Wort:.Blamier' mich nicht, mein liebes Kind, und grüß' mich nicht Unter den Linden..." So ist es zu verstehen, daß die Firma Siemens-Schuckert die aktcnmäßige Bekundung, sie unterstütze offenbar den Baterländi- schcn Angestelltenvcrein, aus der Welt schaffen möchte. Sie bean- tragt« also beim Gewerbegericht, den angeführten Satz in der Urteils- begründung zu berichtigen, da er weder den Tatsachen noch den gerichtlichen Feststellungen entspreche. Das Gericht(Kammer 7) beschloß:.Die Berichtigung der Gründe des Beschlusses vom 25. Juli wird abgelehnt, da der von der Antragstellerin angefochtene Satz nicht zum Tatbestand, son- dcrn zur Beweiswürdigung gehört." liiernach wird sich wohl die Firma Siemens-Schuckert damit ab- finden müssen, daß ihre Unter st ützung des Vaterlän- difchen Angestelltenoereins gerichtsnotorisch ist. Die Einigungsverhanölungen üer Seamteoverbänöe. Um die Anerkennung der Weimarer Verfassung. SPD. Der erweiterte Borstand des„Deutschen Bcamtenbundes" hat am Donnerstag seine am Mittwochabend ergebnislos obge- brochenen Verhandlungen über das vom„Allgemeinen Deutschen Beamtenbund" vorgelegte Mindestprogramm zur Einigung fort- gesetzt. Dem„Allgemeinen Deutschen Beamtenbund" wurde aber auch am Donnerstag ein positiver Bescheid über die Haltung des „Deutschen Beamtenbundcs" noch nicht übermittelt. Die vom ADB. geforderte Anerkennung der Weimarer Verfassung scheint dem erweiterten Borstand des„Deutschen Beamtenbundcs" sehr viel Kopfschmerzen zu machen. Zur Lohn- und Gchaltsfragc im Cinzelhandcl. Am Mittwoch abend fand eine vom Vcrkehrsbund und Zentral- verband der Angestellten gemeinsam einberufene Betriebsversamm- lnug der in den Warenhäusern von Iandorf und im Kaufhaus des Westens beschäftigten Handelsarbeiter und der kaufmännischen Angestellten statt. Dabei trat ein geradezu s k a n- dolöser Vorgong in Erscheinung. Auf der Straße vor dem Dersannnlungslokal hatte» sich Angestellte der Personal- abteilt! ngen und Detektive dieser Warenhäuser postiert, um den Personalen zu bedeuten, daß sie der Versammlung fern- bleiben sollen, andernfalls aber ihrer Firma denunziert werden, falls sie sich durch dieses Spitzelsystem nicht abschrecken ließen, sich gegen den beabsichtigten Lohn- oder Gehaltsab- zug zu wehren. Es mag dahingestellt bleiben ob diese Nichtgentle- men aus eigenem niedrigen Antrieb handelten, um sich nach oben hin eine bessere Nummer zu verschaffen, oder ober, ob sie sich gar im Auftrage ihrerFirmen zu diesem schmutzigen Handwerk gebrauchen ließen. Jedenfalls ist ein derartiges Verhalten so nieder- trächtig und verwerflich, daß jede Firma, die einigen Wert auf ihr Ansehen legt, es sich energisch verbitten müßte, von ihren übereifrigen Dienstbeflissenen auf diese Weise in schweren Mißkredi t gebracht zu werden Einzelne der„Aufpasser" wurden dabei beobachtet, wie sie die Namen der zur Versammlung kommenden Angestellten notierten. Soll auf solche Art dos K o a l i. lZ.-l8.Sevt.: ZlltemskiMle 8eivelWliskl.Agikliki.WWSe IS. September: vierkeljlllikhuvberkselekilerintervlikiov.GelvettsSl!We!veWg tionsrecht der Warenhausangestellten beeinträchtigt werden, dann müßten die ganzen Berliner Gewerkschaften sich notgedrungen näher damit beschästigen. Die Versammlung war dennoch so gut besucht, daß der stell- vertretende Personalchef vom KdW. die Versammlung verlassen mußte, um Platz zu machen. Nach einer gehörigen Kritik der von der Firma Jandorf vorgenommenen Lohnkürzungen sowie der von ihr angekündigten Kürzung der Gehälter gelangte eine Entschließung zur Annahme, die die Empörung der Vcr- sammelten gegen das rücksichtslose Vorgehen der Arbeitgeber im Einzelhandel zum Ausdruck bringt, und in den Lohn- und Gehalts- kürzungen dieser Warenhäuser eine Ausnützung der Arbcitslosennot erblickt, zumal nicht einmal die notwendigen Fristen dabei eingehal- tcn wurden. Die Versammelten anerkennen die Notwendigkeit, sich durch gewerkschaftlichen Zusammenschluß gegen weitere Ausbeutung zu schützen. Die Arbertnehmer der Jandorf-Bctricbe beauftragen den ZdA. und den Verkehrsbund in Verbindung mit dem Arbeiterrat Verhandlungen herbeizuführen, um die berechtigte Forderung auf Weiterzahlung der alten Lohn- und Gehaltssätze bei der Firmen. leitung zu begründen. Die Versammlung erklärte sich einig darüber, daß der Kamps um angemessene Lohn- und Gehaltssätze mit allen geeigneten Mitteln geführt werben muß. Einstellung von Arbeitskräften für Kanalbauten. WTL. meldet: Wie das Reichsverkehrsministerium mitteilt, übersteigt die Zahl der von nichltechnischen Bureauhilfs- k r ä f t e n eingereichten Gesuche um Einstellung bei den aus An- laß der Durchfuhrung des Arbeitsbeschassungsprogramms geplanten Kanal- und Talsperrbauten bei weitem den Bedarf. Gesuche können daher kaum berücksichtigt werden. Schluß der anglo-russischcn Konferenz. Ost-Expreß berichtet: Die Verhandlungen des anglo- russischen Gewertschaftskomitees in Berlin sind be- endet. Sie bezogen sich bekanntlich auf die Vorschläge der russischen Delegation für die Unterstützung der englischen Bergarbeiter. Auch die zur Herstellung einer internationalen Solidarität aller Gewerk- schaftsverbände erforderlichen Schritte wurden in den Rahmen der Beratung gezogen. Die Entschließungen der Konserenz sind in Deklarationen der Delegation niedergelegt worden. Die Delegierten haben Berlin verlassen. Nach einer TU.-Meldung sollen die englisch-russischen Gewert- schaftsverhandlungen Schwierigkeiten mit sich gebracht haben, die geeignet sein sollen, die Verhandlungen heute oder morgen zu einem erfolglosen Abschluß kommen zu lassen. Die Haupt- schwierigkeit bestehe darin, daß die englischen Gcwerkschajtsführer es unbedingt vermeiden wollen, das po litis che Moment in die Verhandlungen über die Etreitlagc im englischen Bergbau hin- einspielen zu lassen. Die russischen Gewerkschaften be- trachteten jedoch die Unterstützung der Streikenden in England als eine politische Frage, der politische Konsequenzen nicht abzusprechen seien. Die Engländer sollen daran eine scharfe Kritik gelegt haben, insbesondere an die diktatori- schcn Maßnahmen der Prosintern. Die englischen Gc- werkfchaftsführer hätten hierbei beabsichtigt, überhaupt die politisch« Stellung der russischen Gewerkschaften zur Diskussion zu stellen, was von den Russen abgelehnt worden sei. Noch keine Einigung im Ruhrbergbau. Ein Schiedsspruch unvermeidlich. Bochum, 26. August.(Eigener Drahtbericht.) Die Schlichtungs- Verhandlungen für die Lohnregelung im Ruhrbergbau sind auch a in zweiten Verhandlungstage ergebnislos verlaufen. Sie werden am Freitag sortgesetzt und dürften voraussichtlich m't einem Lohnschiedsspruch enden. Abänderungen der Lohnordnung. Esten. 26. August.(WTB.) Die am gestrigen Nachmittag unter- brochenen Schiedsgerichtsoerhandlungen wurden heut« sortgesetzt. Außerhalb der eigentlichen Lohnfrag« wurden einige durch neue bergbaupolizeiliche Vorschriften bedingte Abänderungen der Lohn- ordnung durch Vereinbarung erledigt. Die Schiedsgerichtsverhand- lungen über die eigentliche Lohnfrage sind noch nicht zum Abschluß gebracht worden. Die Fortsetzung erfolgt morgen nachmittag. «- Der„Vossischen Zeittmg" wird hierzu aus Esten gemeldet: Die Lohnoerhandlungen im Ruhrbergbau konnten auch heute vormittag durch den nunmehr tagenden Schlichtungsausschuß nicht erledigt werden. Es zeigt sich, daß hier der Tod des Staatskom- m i s s a r s M e h l i ch den Fortgang der Verhandlungen außer- ordentlich erschwert. Der neue Schlichter ist naturgemäß nicht in dieser Weise mit der Art und der Vorgeschichte der zur Dislussiou stehenden Tarifverträge vertraut, daß er in der Lage ist, eine bal- dige Entscheidung zu treffen. Es bedarf einer ausgedehnleren Durcharbeit des uinfangreichen Materials, als es in frühere" Verhandlungen ersorderlich gewesen ist. Die Krise in üer Tschechoslowakei. Dazu wird uns aus Prag berichtet: Die Ausfuhr von Kohle geht von Jahr zu Jahr mehr zurück, und jedes Jahr müssen Tausende von Kohlenarbeitern entlassen werden. In der Metallindustrie gibt es kaum einen großen Betrieb im Lande, in dem nicht in letzter Zeit Massenentlassungen vorgenommen wurden. Katastrophal ist die Lage der Textilindustrie. Nach einer Statistik der Gewerkschaften in O st b ö h m e n, die 56 Textilbetriebe mit 15 000 Arbeitern erfaßte, wurden 4000 entlassene Arbeiter festgestellt, während 4000 bis 5000 Arbeiter kurz arbeiten. Man dürste nicht zuviel sagen, wenn man feststellt, daß ungefähr die Hälfte der gesamten tschechoslowakischen Tertil- betriebe von der Wirtschaftskrise stark betroffen worden ist. So arbeiten z. B. die Laumwollfabriken Nordböhmens durchschnittlich nur drei Tage. Ein« Besserung der Verhöltniste ist vorläufig nicht zu erwarten. Die Gewerkschaften werden von dieser Katastrophe insofern arg betroffen, da die Ausgaben für Arbeitslosen unter- st ü tz u n g große Anforderungen an die Finanzkraft der Organi- sationen stellen. Deshalb verlangen die Gewerkschaften Aenderung des bestehenden Gesetzes über die Arbeitslosenunterstützung. Gegenwärtig sind nämlich die Gewerkschaften die Träger der Unterstützung, während der Staat(Genter System) nur einen Zuschuß an die Gewerkschaften zahlt. Die Sparkaste der Bank der Arbeiter, Angestellten und Beomlen A.-G., Berlin, wallslr. 65, ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend von S— 3 Uhr und 5— 7 Uhr, Sonnabends von 9—1 Uhr geöffnet. zrele k>cwerrich7t> sehrntfl de»(trroerflcbcftliditn Portrvge».— Weddi»«: Zusendhcim Gericht» ftraße SS/ü». DiclumonsabendiMic nerbrinae ich meine Freiheit mifcbvinqjitfc,? — Oders chi>»ew«id«! Jugendheim Srnifeir« Str. 2. Dtstussion»abcndi ÄBthf*. futtur. Iugcndmuypc de, Zd». Sculr, ssrcitag. 7': Uhr, tagen folgende äldtfituji. gen: Osten: Iugrndheim«rohe Frankfurter Etr. IS fZimmer d). Zlortrag: Was ist Pfhchotcchnii?— Südost: Zugcndhcim Neichenberger Str.«i. Vorlrag: Alkohol und Nikotin.— Südwest: gugcndheim?ellc»Alliancc.Str. 7/10. Unsere Äamnflieder.— Spandau: Jugendheim Lindcnufer. Vortragsabend. Verantwortlich fllr Politik: Dr. Suri»eger; Wirtschaft: Artur Satern«»: Sewerkschoftsdcwcgung: Z. Steinet: Feuilleton: Dr. Zahn Schikow«ti: Lokale- und Sonstiges: Zri» starstädi: Antteioen: Th. Stocke: sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlag S. m. b. L.. Berlin. Druckt Vorwärts-Vuildruckerei und Verlagsanstalt Paul Eingcr u. Co. Berlin SW SS. Lindens! rahe 3. fiiergu 3 Beilagen und„Unterhaltung und Wissen-. A. WERTHEIM leipziger Pietz KtfnigzIreBe Reecntheler StreBe Morltzplalz Boa-Lie Zitronen- Gärungsgetränk Verkauf: Drogen-Abteilung Ausschank: Erfrischungsraujn ßebensmiUel Soweit Vorrat Leicht verderbl. Artikel können nicht zugesandt werden Obst n. Gemüse ECäpfel....... piund 0.05 Rettigbirnen.... plurxt 0.05 Sternreiietten..»tundO. 12 Salander..... Pfund 0.15 ItalienischeAepfelP'undO.IS Klaps Liebling..Pfund 0.15 Tomaten OHgfnalkSfig, c�is1/, Pfand oeUo 05 P1 Weintrauben<">»« o.l 8 SSSnSSSi 1■90 Pfirsiche tlallenladie. Pld. 0,22 Möhren gevancticn, Ffund 0.04 Ananas e-nr- Fruchte, Pfd. 0.88 Schlangengurken stck.0.05«n Zitronen ou�nd von 0.35-» Schmorgurken.. Pfund 0.05 Weißkohl..... Pfund 0.02 Junger Kohlrabi.Mandel 0. 15 Rot- u. Wirsingkohl Pfd. 0.04 Zwiebeln ungarische, pm. 0.08 WeiBe Kartoffeln 10 rf»d 0.28 blaue 0.38 Kolonialwaren Weiße Bohnen■.■ Pfund o. 16 Tafelreis poliert.. prund 0.25 Linsen gut kochend. Plund 0. 18 Ausiugmehl.... Pfund 0,26 Haferflocken.•• Pfund 0.24 Valencia-Reis... Pfund 0.32 HollMnd. Kakao M«- 70pf. Konsum-Pralinen*• Pfund 0.25 Dominosteine v< prund 0.35 Gebrannter Kaffee Äl. Konsum-Mischung Pfund 2.40 Haushalt Misch.. Pfund 2.60 Globus-Mischung Pfund 3.80 Sonder-Mischung Pfund 3.00 Residenz-Misch..prund 4,20 Olympia-Mischung ptd. 3.40 Elite-Mischung. Pfund 4.60 SpOZlal- Mischung mit SO*/, Bohnenkaffee, Pfund 0.76 mit 40V» 1.20 Konserven Karotten zeworfeu,.."o�'z Gewürzgurken aur.-D. 2.10 Erbsen i-nge 0.65"U'' 0.85 Kral,ben•* 1 p'�-do« I.I5 Ananas"'"cMSWe. 1.80 Sardinen ÄÄ« 0.48 Gulasch v* Dose 0.75 1.40 Oelsardinen Dose 0.30 0.48 KonHIOrCR, 1 Pfund-Elmer • T._ Himbeeren, Kirsch f„ Johannis« 4 O ran den ng? 1 45 Aprlko«., Oraagca IZS beeren Im 1 Pld-tSi 75 Pf- Frisches Fleisch Kalbskamm u. Brust....>*>»<1 85" Kalbsrücken............. �90� KalbSkeUle 4«»»»od«cielU..... Pfand 1 M Suppenfleisch........... ptm.d so»- Schmorfleisch SS«. Schweinebauch u. Blatt m- 1 os Schweineschinken u. Kamm?». Iis Rückenfett u. Liesen.... 1h Kaßler Rippspeer u. Kamm«<> 1 so Gehacktes...............««««• 75«. Fettes Ochsenfleisch•**..««6 55«- Fische Rotbars, Seelachs, Kabeljau 4 e. gnnze FUcue obne Kopf........... fiund I Pt Schellfische.............. �18«. LSChS gefroren, ganze FUcfae ohne Kopf.. Ptnnd 1 43 Lebende Aale........ Pfand von iio Lebende Edel krebse Handel von 93 Räucherwaren Fettbücklinge p». 0.35 0.45 Aale.... Bund 0.38 u. 0.48 Schellfische...Piund0.32 Seeaal...... Pfund 0.60 Rotbarse w stucken, Pfund 0.35 Lachsheringe..stllck o. 10 pf. Billige für V« 1 ohne Ring IVe 2 Ltr. feX 28 pl Form- 34 Pf. 38 PL 40 Pf. 42 Pf. 45 Pf. 30 pf. 32 pi. 34 pl—— 40 pf. 42 pf. 45 p Gummiringe eng 10 stock 20 pf., weit 40 Pf. Geflügel u. Wild Jg> Gänse 1.1�0?«« 0.85 Suppenhühner pfd'�S 1.25«n Junge Tauben stck. 0.75, 0.95 Hirschblätter...Pfund 0.85 Suppenhähne... Pfund i.io Reh-u.HirschragoutPfd 0.35 Wurstwaren Landleberwurst.Pfund 1.15 Mettwurst 150 Rotwurst...... Pfund 1.15 Speck fett n.»ager. Pfd. 1.50 Gefüllt. Schinken Pfund 1.40 Feine Leberwurst Pfund 1.70 Grobe Mettwurst Pfund 1.40 Bierwurst..... Pfund 1,70 Jagdwurst..... Pfund 1.50 Zervelat u. Salami P'und|, 80 Schinkenwurst•.Pfund 1.50 Schinkenspeck..Pfund 2.00 Fleischwurst...Pfund|.50 Nußschinken...Pfund 2. 10 Roienlhaler Str., Kfinlgitr. n. Kariizplatz: Blut-u.LeberwurstPtd 0.72 Dampfwurst 1.20 Teewurst I.LO Butter u. Käse Naturbutter...Vi Pfund 0.82 Gouda dänischer,.Pfund 0.75 Tafeibutter... Pfund 1.30 Camembert 0.73 Dänische Butter. Pfund 2.00 Holländer..... Ffund 0.85 Margarine..... Pfund 0.56 steinbuscher voiif.. Pfund 0 88 Limburger..... Pfund 0.52 Tiisiter voiifctt... Pfund 1.08 Stangenkäse Allgäu., Pfd. 0.64 Schweizer danisch, Pfund 1.08 Wein Preise für xh Flasche einschließlich Berliner QctrSnkesfeueT. ohne Qlas Renetten-Apfelwein.. 0.50 1920 Rüdesheiim Berg 1922 Enkircher Spätlese 2.00 Ti�h- und Bowienmosci 0.80 ISi9 LagranQe 922 Berncasteler_ c* i,.,-»» vouat Frtres, on ansprechend 0.88«".lUllen Bordeaux180 >922 Saarburoer b'uml» I 15 TarragonaRotsuu.vongi. 1.10 Himbeersaft(e'1"*"«1"- cia») 1922 Zeltinger*eh�oi] 1.30 fein. fi. 0.80•/> Fi. 1.40 1921 Oppenheimer 1.50 Rutscher Weinbrand� 2 90 1921 Piesporter �*Url 1.75 Feiner Fruchtwein iohanm.- San Antonio mnd. Rotwein 0.95 ÄeSÄÄ.Kc�; 0.90 Nr. 402 � 4Z.7ahrgaüg'Ich Ireitag, 27.Mgust?H2ö Langsam ab«r sicher hat sich unsere Wohnungswirtschaft zu einer Groteske entwickelt. Natürlich versehlen die Hausbesitzer nicht. darauf hinzuweisen, daß an dem ganzen Unglück nur die vermale- deite Zwangswirtschaft schuld fei, dieser niederträchtige „Hemmschuh jeder gesunden Entwicklung."' In Wirklichkeit sieht die Sache freilich so aus, daß bei einer Beseitigung der letzten unbe- quemen Reste der Zwangswirtschaft eine wahre Anarchie auf dem Wohnungsmarkte ausbrechen würde. Noch sind ein Teil der Mieter wenigstens vor den wüstesten Preistreibereien ge> schützt: wie sich die Mietpreise gestalten würden, wenn hier alle Schranken fielen, zeigt die Tatsache, daß von den„freien" Woh. nung ein großer Teil l e e r st e h t— nicht, weil niemand die schönen neuen 2-, 3-, 4-Zimmerwohnungen oder die großen Woh» nungen in den alten Häusern brauchen konnte, sondern weil nie- mand sie bezahlen kann. Die Mieten der mittleren Neu- bauwohnungen liegen ungefähr IM Proz. über den Ariedensmielen, man vergleiche einmal das Einkommen der Arbeiter und Angestell- tcn, und man wird sich sehr leicht die Frage beantworten können, ob es möglich wäre, die Wohnungszwangswirtschaft noch weiter zu lockern! Denn ohne Zweifel würden sich dann auch die Mieten in den alten Häusern der oberen Grenze annähern, und mit der von den Hausbesitzervereinen dann prophezeiten„Belebung des Arbeitsmarktes und dem ganz„selbstverständlichen Steigen der Löhne" ist es doch wohl eine recht unsichere Sache. Inzwischen wächst die Wohnungsnot immer weiter, wir sind fast schon gewohnt, sie wie eine lästige alte Bekanntschaft anzusehen, die man eben nicht loswerden kann. die verbaute Villa. Da hat sich in der letzten Zeit eine ehemalige Schauspielerin vergiftet. Der Fall war für die Sensationsblätter sehr interessant. Es war ja keine„gewöhnliche Schauspielerin". Nein, diese Dame hatte sich„von der Bühne zurückgezogen" und lebte nur noch für ihren Freund, einen pommerschen Rittergutsbesitzer, dem die Not- läge der Landwirtschaft immerhin noch gestattete, seiner Freundin eine Villa in Dahlem zur versüguog zu stellen. Hier sängt der Fall für uns an, interessant zu werden. Die Schauspielerin hatte nämlich außer per Dilla in Dahlem auch noch eine große Wohnung in der Matthaikirchilraße. eine Wohnung, in der der alleinstehenden Dome eine ganze Flucht von Zimmern zur Verfügung stand. Das Wohnungsamt hatte nichts dagegen, und das war nur in Ordnung, denn die Wohnungen über ö Zimmer sind frei! Dann aber noch die Villa in Dahlem? Die hatte der Herr Ritterguts- besitzer auf Ist Jahre gepachtet, bewohnt wurde die Villa von seiner Freundin, und die Vermieterin der Villa war eine Wilmers- dorfer Dame. Die erklärte sich kulanterweis« bereit, den Pacht- kontrakt sofort aufzuheben, wenn ihr die Dilla im gleichen Zustand wie vor der Vermietung zurückgegeben würde. Aber das war leider nicht möglich, denn die Mieterin hatte inzwischen die Villa ganz willkürlich oerbaut, hatte dicke Wände ziehen lassen, die Licht und Luft von der„Portierloge" absperrten, hatte Türen vermauern und feste Wände durchbrechen lassen, kurz, hatte die Inneneinteilung der Villa so geändert, daß sie für andere Leute einfach unbe- wohnbar geworden war. Die Vermieterin in Wilmersdorf hatte diesmal eben Pech mit ihrer Mieterin. Wenn allerdings zwei oder drei Parteien„kleiner Leute" an sie das Ansinnen ge- stellt hätten, ihnen den Einbau von zwei Küchen in der Herrschaft- lichen Villa zu gestatten, und damit einige Zwei- oder Drei-Zimmer- Wohnungen zu schaffen! Dann natürlich, dann hätte sie sich vor- gesehen! Denn eine solche„Entwertung seines Besitzes" kann man doch keinem Hausbesitzer zumuten! Und so wie sie, denken fast alle Hausbesitzer, in deren Häusern größere Wohnungen leerstehen. Lieber ein Weilchen leerstchen lassen, zu lange dauert es schon nicht, denn das Angebot ist noch nicht gar zu groß, und die Miete ist hoch genug, den Schaden bald wieder herein zu bringen! Und so stehen„herrschaftliche Wohnungen" zu herrschaftlichen Preisen allenthalben zur Verfügung, während die kleinen Leute streng be- aussichtigt werden, daß sich ja niemand eine kleine Mogelei gegen das Wohnungsamt erlaubt, etwa seine Wohnlaube ein wenig besser ausbaut oder meint, daß Kinder ein Anrecht auf Licht, Luft und Raum haben! »Tauschen Sie!� Ein respektables Gebäude, an dem nur �ausfällt, daß die Straßenfront im stumpfen Winkel einspringt. Schon im Treppen- aufgang aber wird einem der Zweck der merkwürdigen Fassade klar. Dies« Anlage ermöglichte, in das Vorderhaus einen Lichthos einzubauen, von dem auch die Treppenanlage Licht empfangen soll, denn er ist naturgemäß so eng, daß schon am hellen Tage auf seinem Grunde ewiges Dämmerlicht herrscht. Wie sehen die Woh- nungen in diesem genialgedachten Gebäude aus."—„Erster Stock, Vorderhaus," das klingt ganz gut bürgerlich. Eine junge, saubere Frau öffnet.„Unsere Wohnung wollen Sie sehen." Von der Zeitung?— Bitte schön!"— Zuerst ist man erstaunt, daß diese Wohnung auf der Liste der verrusenen Wohnungen stehen soll, so blitzsauber steht alles aus. Aber bald löst sich das Geheimnis. „Wir haben erst im Frühjahr alles neu gemacht, und sehen Sie sich bloß mal an, wie es schon wieder aussieht!" klagt die jünge Frau. Richtig! Hinter den Bildern sind große Schimmelflecken, „die Möbel müssen wir im Winter immer von der Wand abrückezi, sonst verschimmeln sie!" Und nun fällt dem Besucher erst auf, daß das einzige Fenster des„Berliner" Zimmers tief in eine.Nische eingebettet ist. Selbst in dieser frühen Nachmittagsstunde kann man nur in unmittelbarer Nähe des Fensters nähen oder lesen— und draußen ist Sommertag! Die Küche ist etwas heller, sie hat auch nicht unmittelbar vor dem Fenster die Brandmauer,! von der einen Hälfte des Küchenfensters aus kann man sogar die herrliche Aussicht auf den lanaen, grauen Hof genießen! Die Krone der Wohnung aber ist die„gute Stube"!— Wahrhastig. so ehrgeizig ist dieser Proletarier, daß er bei seiner Verheiratung an so was gedacht hat! Er hat einen Bücherschrank, sogar gute Bücher einen Schreibtisch... alles haben sich die jungen Leute an- � geschafft, als sie vor 4 Jahren heirateten... Nurkannman von all den Schätzen nichts sehen, denn der Raum ist seist finster, mühsam tastet man an den Umrissen der Möbel vorbeti Das Zimmer geht auf den„Lichthof". Neben dem Fenster dunstet es aus dem benachbarten— Klosett, denn auch die sämtlichen Klosettsenster des Vorderhauses münden aus den„Lichthos"!— Vier Jahre haben die jungen Leute die Wohnung. Inzwischen haben sich zwei Kinder eingestellt. Schon muß eines trotz der„Zwei- zimmerwohnung" im Bett der Eltern schlafen... Gesundheitsamk und Baupolizei bezeichnen beide die Wohnung als gesundheitsschädlich. Das Wohnungsamt gibt nur eine andere Wohnung, wenn die Wohnung getauscht werden kann. Das ist natürlich unmöglich, und so bleibt trotz Gesundheitsgefährdung alles beim Alten! ?m Keller. Porkierwohnung, im Keller, zwei Meter unter der Erde. Von den Wänden fällt der Putz, trotzdem im Mittelzimmer kürzlich alles neu verschmiert wurde, damit es notdürftig bewohnbar ist. Dielen und holzwerk find verfault, die Küche empfängt das Licht nur durch die Kellertür, die zweite„Stube" ist unbewohnbar. Der Portier is» ein durch Krieg und Inflation geschädigter Kleinbrirger, der in der Not diese Stelle annahm. Nun ist er durch die Wohnung auch noch um seinen letzten Besitz gekommen, denn seine Möbel gingen in der Nässe der Kellerwohnung zugrunde. Heute hängen die Kleider über einem ausgespannten Strick, bei jedem Regen läuft das Wasser in Fluten durch die Kellerfenster, denn die Dachrinne ist entzwei, dagegen helfen auch die Staudämm«, die der alte Mann aus Zement um die Kellerluk« herum baute, nichts. Er ist krummgezogen von Rheumotis- mus.— Auch der Mann soll tauschen---! * Das find ganz„normale" Fälle unserer Wohnungsnot. Das größte Elend, das findet den Weg zu einer Organisation nicht mehr, von dem erfährt man nur, wenn irgend ein Menschenleben zugrunde ging. 211 Die Kgurantin. Roman eine» Dienstmädchens von Leon Jrapie. Zlutorifierte Ueberfetzung aus dem Französischen von Kunde-Grazia. Sie begann damit, daß sie alles aufs Bett warf, und bis zur Zeit, da sie hinuntergehen mußte, um das Diner zu servieren, legte sie jedes Taschentuch, jedes Nichts, mit Unterbrechungen— mit Versuchungen nachzudenken— wieder zurück, veräicherte die Zusammenstellungen, wie wenn nicht alles behalten werden sollte, als ob sie neue, noch nicht gekaufte Dinge hinzufügen müßte. Und da spielte, nur ganz leise noch, ein geheimer Gedanke herein: sie packte ihren Koffer für die Abreise, vielleicht wechselte sie— man konnte das nicht wissen— eines Tages mit der Herrschaft... oder ihre Zeit war um, sie war nicht mehr Dienstmädchen... sie richtete den Koffer zur Reise her, wie das manche Leute tun, die Grund haben, nicht nur aus ihrem Hause, von ihrer Straße, sondern auch aus ihrer Stadt wegzuziehen. Die Dienstmädchen, die Armandine durch das Schlüssel- loch betrachteten, sahen sie zwischen Bett und Koffer sitzen. Sie verharrte so lange Zeit, bewegungslos, einen Gegenstand in der Hand, mit stierem Blick—, daß jede Neugierige plötzlich wie vor einer 5)alluzination mit dem ängstlichen Drange flüchtet«, Laute zu vernehmen, auf die Wirklichkeit zu stoßen, lebende Menschen zu sehen. Als Sulette ihre Kammer wieder erreicht hatte, überlief noch das Entsetzen„vor dem Alten" in plötzlichen Fieber- schauern ihren Rücken. Sic konnte nicht anders, sie mußte ihren Koffer öffnen, ihre Wäsche und Kleider anders legen und befühlen. Nirgendwo sonst gab es eine Zuflucht, einen Schutz, eine Liebe. In den Augenblicken der Verzweiflung, wo man sich in die Arme einer Mutter, eines Bruders, Gatten werfen möchte, fand das Dienstmädchen den einzigen Trost in dem Auspacken ihrer Strümpfe und Taschentücher. Dann brach Sulette plötzlich in Lachen aus: „Das ist doch zu dumm! Ich habe noch zwei Stunden vorm Diner, ich mache einen Abstecher nach dem Montmartre. Unter der Woche kann ich mich schließlich auch ganz allein hinwagen. Und der Teufel soll die Frau Coqueho holend Diese letztere riet mit der Aufrichtigkeit einer Händlerin, die für ihre Ware fürchtet, den Dienstmädchen, ihren Schütz- lingen, dringend ab, sich bei derartigen Volksbelustigungen zu zeigen. „Die weibliche Sittsamkeit und der Erfolg der Männer das hängt von der Art des Ansprechens ab. Denn das Stehen vor den Marktbunden und Manegen gestattet den Männern eine außerordentlich leichte Annäherung. Der Schüchternste, der nicht einmal riskieren würde, eine gewerbsmäßige Schönheit auf der Straße anzusprechen, wird sich bei einem anständigen Mädchen unter dem Schutz einer Gauklerparade heranwagen. Um so günstiger ist die Gelegenheit für diese Schufte, die wie Automobilisten, Pferdehändler, Spieler bei Rennen aussehen und an Vcrgnügungsorten auf der Suche nach Beute im Unterrock sind. Und so ein anständiges Dienstmädchen, das einen dreisten Kerl, wenn sie im Quartier etwas zu besorgen hat. zurückstößt, wird diesen nämlichen frechen Kerl anhören und ihm vor der Arena antworten, wenn er ihr anvertraut, daß die vorgeblichen Ringkampfamateure gekaufte Leute seien, und daß man, um wirklich ringen zu sehen, in ein ganz bestimmtes Variete gehen müßte... Sulette stürzte ihre sechs Etagen hinunter, über das dumme Geschwätz der Frau Eoqueho sich lustig machend: man trägt eine jedenfalls nicht mit Gewalt mitten aus einem Fest fort!> Auf der Place Blanche angekommen.erblickte sie das prunkvolle Schweinetarussel. Die Gaffer waren nur spar- lich da. „Sie können einmal umsonst reiten, hübsche Brünette," bot ihr einer der Aufseher an. Er faßte Sulette am Arm, und unmittelbar— von der Seite und schnell wie der Hecht im klaren Wasser— nahte ihr ein Herumlungerer, der seinen Müßiggang und Geld- Mangel allein durch die Art bekannte, wie er das erloschene Endchen seiner Zigarette bearbeitete. Sulette machte sich nicht leicht los. Sie kam mit einer halben Stunde Vorsprung naisPHaufe, um ihr Diner zu servieren. v\ 13. In Abwesenheit der Herrschaft hsef im Laufe des Tages jedes Dienstmädchen die Kameradinnen, eine nach der anderen, über die Dienertreppe in ihre Küche. So war Sulette an einem Pfingsttag gekommen, um „bei Rofalie" zum Fenster hinauszuschauen. Der wolkenlose Himmel, die weiche Temperatur verschönten Paris, die in gleißendem Sonnenschein liegende Straße wimmelte von bunten Toiletten. Bon den Etagen da oben hatte man die Empfindung, daß ein Jubel über die Freiheit in der Luft schwebe, man fühlte aus einem tändelnden Gange der Menschen das Wohlbehagen heraus, nichts zu tun zu haben, man stellte einen Ueberfluß an neuen Kleidem, Handschuhen, Spazierstöcken, brennenden Zigarren, an Blumen und seide- neu Krawatten fest. Rofalie beklagte sich bitter: Sie hatte fünfzehn Personen zum Diner. Gerade dann, wenn alle Welt sich erholte, sich amüsierte, nach ihrem Geschmack lebte, gerade an diesen Tagen, den Fest- und Sonntagen, hatten die Mädchen in um so strengerer Gefangenschaft die meiste Arbeit; man lud seine freunde zu Gastmählern ein, wobei das ganze Haus auf den opf gestellt ward, die Dienstmädchen wurden vor ihrem Ofen gebraten, oder man ordnete auch Großreinemachen an, sie erstickten im Schmutz. Arbeit zum Umkommen, und besonders dieser Schmerz, von der allgemeinen Glückseligkeit ausgeschlossen zu sein! „Sich nur, wir sind die einzigen Gefangenen! Das bringt mich am meisten in Wut, daß niemand auch nur an uns denkt! Nicht wahr, man ist kaum Mensch?. Wir nicht! soviel ist sicher.... Die Pferde bei Polin, die können sich wenigstens ausruhen.... Was find wir bloß, Sulette?" „Ich will dir beim Gemüse helfen," sagte diese. Sie setzten sich so, daß sie miteinander plaudern konnten,' während die eine den Salat auslas, die andere die Radieschen vorbereitete.! Aus Mangel an Besserem, boten sie sich gegenseitig die! gewöhnliche Dienstmädchenunterhaltung. Jede erinnerte sich an einige Krankheiten bürgerlicher Hauswesen, Verkehrtheiten und Lächerlichkeiten. Sie verglichen ihre Dokumente, zergliederten sie. Wenn ein schwer zu erklärender Fall vorkam, dann wurden ihre säubernden Finger achtsamer, sie drängten die Knie aneinander. Kleine Schweißperlen standen auf Rosaliens Stirn, während Sulettes Gesicht und besonders ihre von einem kaum wahrnehmbaren Flaum beschattete Oberlippe von der Hitze glänzte. Eine persönliche Aus- dünstung vermischte sich dem Strauß der derben Worte, ihr Lachen verschmolz in eins. In einem Moment fand Sulette eine neue Ablenkung: „Einmal hatte ich eine Stelle, da habe ich gar nicht die Schürze umgebunden. Ich komme an: im Dezember kein Feuer, alte Leute mit kräftigen, platten, gelblichen Gesichtern. Das Dienstmädchen war eben im Hospital gestorben. Niemand reklamierte ihre Leiche. Sie hatten so schon mehrere Dienst- mädchen verloren. Herkunst, Name unbekannt! Sie machten kein Hehl daraus. Irgend jemand ist während meiner Ein- fllhrung hingekommen: die Frau flößte mir mit ihrer Ruhe Schauder ein, als sie in meiner Gegenwart von den Per- storbenen sprach:„Ich begreife das gar nicht, ich beaufsichtige sie doch ziemlich streng! Sie treiben keine Torheiten bei mir, essen, schlafen nur genau soviel als nötig, als gerade unerläßlich, sie gehen niemals aus, reden nicht, lesen nicht ... sie sehen nichts, hören nichts, was ihre Gedanken erregt ... ich frage mich, wie sie wohl ihre Gesundheit schwächen können!" Du vermagst gar nicht, dir die tonlose Stimme vorzustellen, Rosalie! Der Portier stieg mit mir aus den Boden— dort schlief man— und da erblickte ich, eine neben der anderen, zwei armselige lange Kisten, wie Särge, und die hatten den beiden Verschwundenen gehört... ich tonnte es nicht... konnte es nicht... ich habe meinen Koffer wieder hinunterschaffen lassen,"__(Fortsetzung folgt.) Piraten auf tzavel unü Spree. weilgehende Schädigungen der Wassersportler. Einbrüche und Diebstähle nuf den Gewässern nehmen in der letstei, Zeit besonders in der Umgebung Berlins arg zu. Die Diebe haben es aus alles abgesehen, was Sportleutc auf ihren Booten zu belasse» pflegen, um es nicht immer nach Hause mitschleppen und wieder herausbringen zu müssen. Namentlich haben es ihnen auch die Radioapparate angetan, die manche Segler während langer Fahrten zu benutzen pflegen. Dieser Tage wurden auf dem Stösscnsec die Kajüten zweier Segelboote erbrochen, die dort an den Bojen lagen. Das ein? gehört einem hiesigen Staatsanwalt, das andere zwei K a u f l e u t e n. Gestohlen wurden wieder ein Radioapparat und ferner Photos, Ferngläser, Schrcibtischuhren, Seglerhemden, Regenmäntel, Schuhe, Barometer, Wolldecken, Scgelgarn, Scgelsäcke mit Schoten usw. Der Schaden, der bei den Einbrüchen den Fahrzeugen zugefügt wird, ist oft noch größer, als der Wert der gestohlenen Sachen. Die Piraten be- gnügc» sich ober nicht immer mit item, was sie auf dem Wasser finden, sondern landen zuweilen auch, um weitere Beute zu machen. So räumten sie auf der Insel Schwanenwcr- der das Sommerhäuschcn eins Ingenieurs aus der Lindenstroße aus, das ähnliche Sachen enthielt, wie die Kajüten der Segelboote. Dazu stahlen sie hier auch noch ein 4 Meter langes Ruderboot und ein Dovpclpaddelfsltboot. Das Ruderboot trägt den Namen „Minna". Auf der einen Seite fehlen bei dieseni Wort die drei ersten Buchstaben. 1183 ledende Enlen gestohlen. Einen ganz großen Schlag führten die Piraten vor ungefähr 14 Tagen gegen nne E n t e n f a r m bei T c u p i tz. Sie stahlen dem Farmer Fiedler, dessen Bestand durchweg IllOsty Stück Enten beträgt, wie jetzt genau'festgestellt ist, nicht weniger als 1183 Enten, zusammen vielleicht in höchstens drei Nächten, die weit- aus größte Menge aber in einer einzigen Nacht. Dieser ganz un- gewöhnlich? Diebstahl, der nur vom Wasser her ausgeführt worden sein kann, ist noch immer nicht ausgeklärt. Spuren der gc< stchlcnen Enten glaubte man.zuerst auf Berliner Bahnhöfen ge- funden zu haben: sie erwiesen sich aber als irrig. Der Verbleib dieser ungeheuren Menge von Enten, di? lebendig zunächst auf dem Wasserwege weggeschafft sein müssen, ist noch ganz rätselhaft. Schwerer Raubüberfall auf eine kasienbotin. Die lleberfallenc durch einen Messerstich verletzt. Gestern vormittag wurde in der Steglitzer Straße die 18 Jahre alte Margarete S. aus der Lesfingstraße, die bei der Fachgewerkschast der Deutschen Eisenbahnsohrbeamten in der Steglitzer Straße 9 als Kassenbotin angestellt iit, überfallen, einer Altentasche niit 11 000 Mark Inhalt beraubt und durch einen Messer- stich schwer verletzt. Fräulein S. hatte den Auftrag erhalten, vom Postscheckamt in der Dorotheenstrnße 11099 Mark abzuholen, steckte das Geld in ihre Aktentasche, fuhr init der Straßenbahn zurück, stieg gegen Hl? Uhr in der Potsdamer Straße ab und ging mit der Tasche in der Hand wieder nach der Dienststelle. Äuf dem T r e p p e n f l u r des ersten Stockes begegnete ihr ein Mann, der ihr mit dem Ruf:„Geld her!" die Tasche entriß und ihr zugleich mit einem Messer�e inen S t i ch i n die B r u st versetzte. Die lieber- fallene war trotz des Schreckes und der Verletzung geistesgegenwärtig genug, sofort um 5)ilfe zu rufen. Eine Frau aus dem Hause, die sie hörte, riß ihre Wohnungstür auf und sah den Räuber noch davonlaufen.' Auch sie rief:„Halt ihn! Halt ihn!" Don ihr und dem Mädchen, das seine Hand auf die Wunde drückte, verfolgt, warf der Räuber die Tasche mit dein Gelde weg und entkam im Gewühl des Etraßenyerkehrs. Er ist etwa 3S Jahre alt und 1,75 Meter groß und hat schwarzes Haar. Mitteilungen zu seiner Ergreifung an dos Raubdezernat im Polizeipräsidium. Gefährlicher vachskuhlbranö in Spanüau. Ein großer Dachstuhlbrand, der sich in kurzer Zeit mit rafender Schnelligkeit ausbreitete, beschästigie gestern abend vier Löfchzüge der Spandauer und Berliner Feuerwehr in der Grunewaldstraße 21—25 zu Spandau, wo im Dachstuhl der früheren Kaserne des 5. Garderegiments Feuer ausgebrocheen war. In den früheren Kasernenräumen sind zum großen Teil Flüchtlinge aus Ober- schlesien untergebracht. Kurz nach 9 Uhr wurde«in intensiver Brandgeruch wahrgenommen. Es wurde festgestellt, daß einzeln« Bodenkammern in Flammen standen. Sofort wurden die Spandauer Löschzüge 1 und 2 alarmiert, bei deren Eintreffen das Feuer aber be- rcits auf den Dachstuhl übergegrisfen und solche Ausdehnung ange- nommen hatte, daß der Alarm Mittelfeuer iveitergegeben werden mußte. Zwei weitere Löschzüge rückten zur Hilfeleistung heran. Es wurde ein umfassender Löfchangriff aus Rohren größten Kalibers unternommen. Nach stundenlangem Wassergeben gelang es, das Feuer niederzukämpfen. Sämtliche Wohnungen des dritten Stock- wertes, die fast ausschließlich von Flüchtlingen bewohnt sind, mußten wegen des großen Wasserschadens geräumt werden. Bisher war es noch nicht möglich, die Entstehungsursache festzustellen. Der zweite Rächerbrief. Bei allen schweren Verbrechen, die nicht gleich aufgeklärt werden, sehen sich gewisse Leute oeranlaßt, groben Unfug zu stiften. So ist auch bei der Eis.enbahnkatastrophe von Leiferde wieder ein nach unbekannter Mann„tätig". Seinem ersten von uns veröffentlichten Briefe an die Hildesheimer St a a t s a n- w a l t s ch a f t hat er einen ebenfalls auf dem Postamt N. 4 in Berlin aufgegebenen zweiten folgen lassen. Das Schreiben lautet: „Ich, Ultor, habe an dem Vorortzug nach Bernau die Brauchbarkeit des Auslcgens von Steinhaufen ausprobieren lassen. Diese Verfahrensart hat sich als unbrauchbar erwiesen. Wir haben aber noch andere Verfahrensarten, die ich von meinen Leuten aus- probieren lassen werde. Ein Anschlag auf die Straßenbahn nach Tegel ist mißglückt. Der kleine Uhrmacheramboß, den wir be- nutzten, wurde von einem Passanten aufgehoben und eingesteckt. Ich habe an Arbeitslosen und Abgebauten neuen Zulauf erhalten. So- gar Slkademiker sind dabei. Später wollen wir elektrische Zünd- Maschinen verwenden und vor dem hcranbrousenden Zuge die Schienen sprengen. Herzlichen Gruß! Ultor. Mein Geschäft blüht." Die Kriminalpolizei hat alle Maßnahmen getroffen, um diesem Unfugstister auf die Spur zu kommen. Ultor heißt aus deutsch Rächer._ Die SrechSurchfallepiSemie fit Hannover. Reue Erkraakungsfälle. Hannover. 26. August.(Eig. Drahtber.) Die Massenerkrankungen an Brechdurchfall infolge Genusses von verdorbenem Trinkwasser, die die Bevölkerung in Hannover in Erregung halten, gehen langsam zurück. Bis jetzt haben sich Todesfälle glücklicherweise noch nicht er- eignet. Der Hannoversche Regierungspräsident veröffentlicht heute das Ergebnis der Ermittlungen des Chemischen Untersuchungsamtes. Nach diesen Ermittlungen stieg seit dem 14. August der Keimgehalt des Wasters aus dem Hannoverschen Wasserwerk, welches den Stadtteil Linden und die älteren Stadtteile Han- novers mit nzsgesamt 259 999 Einwohnern mit Trinkwasser versorgt. stark an. Seit dem 29. August ist jedoch der Keimgehalt des Leitunqs- wasstrs wieder normal. Bis zum heutigeit Tage sind aber leider die Erscheinungen von Durchfall und Erbrechen in de» Kreisen der Be- volkerung nicht restlos verschwunden. Im Gegenteil werden heute wieder verschiedene Meldungen bekannt, wonach in den Schulen eine größere Anzahl von Schülern fortgeblieben sind wegen Er- krantung infolge Wassergenusses. Auch wird uns bestätigt, daß auch heute viele Frauen erkrankt sind und daß in Hannover der Ein- kauf von Alkohol infolgedessen zugenommen hat. weil man teilweise annimmt, mit Alkohol den gejährlichen Bazillus er- folgreich bekämpfen zu können. Bon verschiedenen Seiten wird die Behauptimg aufgestellt, dcch di« AtzwäUKL£e«Ja produttenfabrik, di« mittels eines Abflußgrabens durch das Brunnengebiet des Wasserwerkes geleitet ozerden, in die Trink- wasierbrunen geraten sein könnte. Dieser Fall muß schnellstens rcst- los aufgeklärt werden. Der Stellvertreter des Regie- rungs Präsidenten teilt der Presse mit, daß es nicht von der Hand zu weisen sei, daß die Darmerkrankungen auf die Verun- reinigung des Wassers des Ricklinger Wasserwerkes zurückzusühren sind. Die Ursachen für die Verschlechterung des Wassers sei mit völliger Sicherheit nicht sestgestellt. Die Stadtverwaltung sei aber mit den erforderlichen Anweisungen versehen,' damit in Zukunft Ver- unreinigungen des Wassers verhindert bzw. unschädlich gemacht werden können.___ Absturz eineä Postflugzcugcs in Tortmund. Dortmund. 26. August.(WTB-) Heute nachmittag stürzte auf dem Flugplatz von Dortmund ein P o st f l u g z e u g, das aus Rotterdam gekommen war, bei seinem Weiterflug ab. Das Flug- zeug wurde vollständig zertrümmert. Der Pilot war sofort tot, sein Begleiter wurde in schwer verletztem Zustande ins Krankenhaus ge- bracht, wo er jedoch bald seinen Verletzungen erlag. Wie mitgeteilt wird, trifft die Schuld an dem Absturz den Piloten, der bei der Ab- fahrt Kunstflüge ausgeführt hatte. vortrage, vereine unö Versammlungen. Reichsbanner„Schworz-Rol-Gold". ®tr*aft»ftcIT»: Berlin 6 U, Ecb-Nianstr. 37/38, fiof 2 St. Ricke: So., d. 28.. ftafirt nach ReubrandenSura Uhr nachm. ab Steck. Big Riickfaiirtarte 580 M. Nach�iieiler fahren 8.10 Uht abends.— Cbatloltentiura(Dreis): Snortwettkämpfe von ckbarlottenbura, Wilmersdorf. Schöneberq. Dreu»bera, Svandau am Sonntaa. d. 29.. nachm. 3 Uhr, auf dem Svortvlati Weitend. Abmarsch mit Musik um 2 Uhr von Svreestr. 26.— gdiöncfccrfi. Friedenau: Antreten der Sportabteiluna Uhr in Chariottenbnrq, Svree-(Stfe Danalstrahe. Es k rinnen(ich auher den Svort- lern auch andere Dameraden am Ummarfch beteiliaen.— Pantom: Damerad- ichaft Sud �r.. d. 27., 7 Uhr. Beriammluna bei Mees. Berliner Strafte Ecke Lindenvromrnade. Eraiinzunaswahl. Erfcheinen Pflicht.— Lichtexberq nebft Unlrrnruppen: So., d. 28., abends 10 Uhr, Antreten bei Brunn, Tiirrfchmidt- strafte._ Biochemischer Berein Groft-Berlrn.(brnpve Moabit: 3. Sevlember Ar. miniushallen, Bremer Str. 74. Tbema:..Kcilerfolae mit nur biochemischen Mitteln".- vranienbur»: 3. September Schüftenhaus. Thrma:..Dir wichtig. strn tuberkulosrn Erkrontunaen im Dindrsaltri". Deutscher Esperanto-Bund, vrtsaruppe Berlin. Frertaa. 27. Aurtust. 8 Uhr, Donditorei Dohrin. Hackrscher Markt: Uehungsahend. Gäste willkommen. Berliner Esperantonereinianna. Dom 28. hi» 30. Aucrult sinhrt im„Tu»- rulum" Berlin-Teacl der 7. Märkische Esgerantotaa slott. Am 30. August, 8 Uhr. Bortrag llhrr..Die Bedeutung des Esperanto fitr Schule und Leben". Ansprache ausländischer Esperantisten und Borsiihrung einer Espcra»to- Muslerklasse.— Dienstaa. 7. Sevtrmher, im Eafe Iaftn, Potsdamer Plaft, 7—8 Uhr: Sprechllhunaen und Donoersation in Esperanto. Eintritt srei. Gäste herzlich willkommen.__ Arbeitersport. Autzballspiele am 2g. August. Dum Sonntag haben folgende Vereine Gesellschaftsspiele abgeschlossen: Wacker 24 gegen Arminia in Lichterfelde bei Eberswaldc. Tegel 24 sähet nach Eisonspalterei zum dortigen Sportverein. Dnrift erhält den Besuch von Siemens. stadt. In Britz treffen sich die Iuftballve'einc Brill und Sportverein 22. Äertha-Steinsurth hat Blau-Wcift zu Gast. Die zweite Mannschaft von Blau. Weift fährt zu Ioachimsthal. In Rrinickendars am Schäsrrser tresscn sich Iichte-Grsundhrunnen und der diesjährige Berliner Meister Alemannia.— In Strausberg findet am Sonntag ei» groftes Worbesportfelt statt. Dazu sind vom Bezirk Osten folgende Mannschaften ausgestellt: A: Spicker(Lichtenberg IN), Wussow(Lichtenberg l>, Erdmon»(Lichtenberg III), Schreiber(Brandenburg 02), Budnick(Brandenburg 02), Hartwig(Lichtenberg I>, Zacharias(Britannia), Duft(Lichtenbera IN). Schulz(Sparta). Hensel(Britannia), Wolf(Lichlen. berg III). B: Geisler(Stralau). Bedke(ssrisch-ssrei), Topel(Adlershaf). Richter (Adlershof), Daul(Adlorshos), Boche II(VfB. Döpenick), Welack(Alt-Glienicke), Hirt(Tasmanial, Hofsmann(Adlershof), Neujahr(Treptow), Loose(Straus- berg). Beginn des Spiels nachmittags 44� Uhr. Delacroir malte Poganini als einen Besessenen mit fanatischem. fieberndem Blick und fahlein Gesicht. Die rechte Hand umklammert mit qewaltissem, herrschsüchtigem Griff den Hals der Geige, und auf Franz Krügers großem Paradebild sieht er aus wie irgendein gut angezogener Bürger. Und wie spielte er? Keine Grammophon- platte hat sein Spiel der Nachwelt erhalten. Nur unbestimmte Bor- stellungen davon vermitteln die Schilderungen der Zeitgenossen. Dämonisch mitreißend, wild und gehetzt, mystisch und aufwühlend, erfüllt von stärkstem Erleben, ist dieses Spiel gewesen nach Heines Darstellung in den„Florentinischen Nächten", die gestern nachmittag der Schauspieler Meinhart M a u r im Rundfunk las. Allein Paga- nims Kompositionen sind auf uns gekommen. Zwei Kammermusik- werke und einige kleinere Stücke für Geige, zum Teil mit Gitarre- begleitung, brachte der Rundfunk, Stücke, in denen sich süße Melodik mit Passagen mischen, die nichts weiter sind als virtuose Arabesken, die der Geiger Nicolaus L a m b i n o n mit überlegener Technik meisterte. Und konnte Pnganini trotz Heine und Delacroix wirklich mehr als die Großen der Gegenwart? War er tatsächlich der Dämon, den viele in ihm sahen? Und ist die größere Künstlerschast not- wendig mit einem wild bewegten Leben verknüpft?— Am Abend Opernfragmente von Lortzing, Flotow und Weber, ein anspnichs- loses> gut gewähltes Programm, das sich hauptsächlich aus den be- kanntesten Melodien dieser Komponisten zusammensetzte. Der Tenor Raimund G e tz n e r hat sprödes Stimmaterial und eine wenig ergiebige Höhe, die große Arie des Lionel verlangt eine weichere und freiere Tongcbung, auch Alice F r ä n k e l s Gesang befriedigt nicht, ihre Stimme entfaltet- sich ebenfalls nicht frei, nur Kaidl bot abgerundete Leistungen. Anläßlich seines ,359. Todestages ge- dachte man Tizians in einem Vortrog, und Gustav R i ck e l t zeigte in seinem Vortrag„Die Menschenrecht« der Bühnenkünstler", wie schwer ehemals die Schauspieler um ihre gesellschaftliche Existenz zu kämpfen hatten. vss k�unäfunkproxl'smm. Freitag, den 27. August. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4.10 Uhr nachm.: Zehn Minuten für die Frau(Anna Drewiti; „Meisterinnen und Lehrlinge der Hauswirtschaft"). 5—6.30 Uhr abends: Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman. Anschließend: Katschläge lürs Haus, Theater- und Filmdienst. 6.45 Uhr abends: Oberbürgermeister Dr. Böß:„Die Berliner Turn- und Sportwoche im Rahmen der Entwicklung der Leibesübungen". 7.15 Uhr abends: Inhaltsangabe und Personenverzeichnis zu der Uebcrtragung aus der Staatsoper. 7.30 Uhr abends: Uebertragung aus der Staatsoper am Platz der Republik. Spielzeit 1926/27. 2. Uebertragung. „Hoffmanns Erzählungen", phantastische Oper in drei Akten, einem Prolog und einem Epilog von Jules Barbier. Musik von Jacques Offenbach. Hoffmann, Nikiaus, Stella, Olympia, Giuliett«, Antonia. Lindorf, Cqppelins, Dapertutto, Mirakel, Andreas, Cochenille. Pitichinaccio. Franz, Spalanzani, Crespel, Schlemihl, Eine Stimme, Luther, Kathanael. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten. Theater- und Filmdienst. Königswusterhausen, Freitag, den 27. August 1.10—1.40 Uhr nachm.: Karl Graef: Die Kunst des Sprechens für Schüler. 3— 3.30 Uhr nachm.; C. M. Älfleri und v. Eyseren: Spanisch. 3.30— 4 Uhr nachm.: Oberschulrat Hilkpr: Ätmungs- erziehung. 4—4,30 Uhr nachm.; Oberschulrat Hilker: Tänzerische Gymnastik. 4.30— 5 Uhr nachm.: Mitteilungen, des Zentralinstitnts. 5�5.30 Uhr nachm.: Professor Dr. Bickel: Fermente, Vitamine, Mineralsalze in der Ernährung. 730—820 Uhr abends: Wissenschaftliche Vorträge für Aerzte. Themen und Namen der Dozenten werden in den ärztlichen Fachzeitschriften bekanntgegeben. 8.30 Uhr abends: Uebertragung aus Munster: Nordischer Abend. Scztrls-Xim.»nl» BpatH* hf t Btgttl* im tlnuit"» CBWitftB». 28.. und«Sonntag. 29. August, ooranftaltrt bor 1. Bezirk sein diesjähriges B-zirkssest in Strausberg aus dem Eporkplaft am Mgrienberg. An den turne. rilchen und sportli-hcn Mehr- unh Ein�Ikäinpfcn beteiligen sich mehr als 540 Sportler. Die WcNkämpsc beginnen am«Sonntag vormittag 8 Uhr. Bon 11 Uhr ab finden Turnspiclc statt. Dag Zlachmiitapsprogramm seftt st-b«u- einem Tcstzug«zahnen miihringen). sportlichen Sin�Ikampfen und einem Iuft- hallspiel zweier Answahlmaiiuschasien zusammen. Am u-onnah-nd in den Lokalen«beweilschostshaus unh Lindenplaft Enipfangsahende. Dampf der Berliner Dcglcrmeifter. Anläftlich der am Sonntag in Mahlow stattfindende» Einweihung des Eporikeglerhcims Lindengaricn gehen bedeuiendo kcgclsportliche Dampfe vor st-h. Vormittags»Uhr treffen d,° Meisterri-genHer Bezirke Berlin-SUden und-Zentrum des ftmcu Äcqlcrbunbcs mit 100 Äuqcln je Dealer auseinander. Anschlieftend werden st» die E:nzelme.ster dee sechs Berliner Bezirke mit den Dlubmeistern des Südens auf ebenfalls 100 Dugeln messen. Aimerdem Dampf von 180 Iweiee-Mannschasten. Im Bezirk Neukbllii verteidigt am Sonnlag. 29. August und 5. September, der«Saumctstctnub Harmonie" den Bezirkspokal i» Oberschoncweide bei Höflich jmt!<*) Duflclre in hie Bollen. In Brift hei Schneider werden am«Sonntag hie Dampfe in Kruppe B um die Dluhmeisterschaft fortgeseftt. woselbst Degelbrudcr Hennebcig einen neue» Bahnrekord mit 1147 Holz l IS« Dugeln) aufflellte. Arbeiter-Turn- und Sportbund. l. Dre,». An alle Vereine des 1. Dreises (Berlin-Brandenburg). Der Tag der Bunde-schulcinweihung(19. Eepiember) rückt immer naher. Rech stnd sehr oicle Berelna des 1. Dctfcs mit der Ab. rechnung ihrer Bundrsschulmarken im Rllckstandr. Bei eimgermaften gutem Willen muft es traft der wirtschaftliche» Rot nioglich sein, die Bundezschulmarlen abzuleften und schnellstens mi, dem Bunde zu verrechnen. Roch heute v.i'd Screine im 1 Drcifc die noch keine einzige Marke abgerechnet habe». Bunde». genossen! Bringt euer Werk nicht in Gefahr, sorgt umgehend süe den restlosen Ahsoft der Bundesschulmarke» und sendet das Geld. an den Bund«IN. Rur wenn jeder seine Pflicht erfüll», sind lmr in der Lage, das groftzügme. zur Vollendung gehende Wer? frönen, Äxcisrüt» 3* Reichert, Spandau. Äurftr. 2........... � Arbeiter. Radfahrcr'Bund„Solidarität�. Touren für Sonntag, 29. Augmt. Be». 1, 1. Abt.: 28., adcnds 7 Uhr, Wusterhausen a. d. Dosse. 29., früh 5 Uhr. Drossinsee. Start Bülowstr. 55.- 2. Abt.- iWÖ» S Uhr Echmfteliagd nach Teltow. Weisser Schwan. 1 Uhr Teltow. Start Diefsenbachstr. SS— 3. Atck: Trüb 6 Uhr Schnifteljagd. Start Laustfter Plaft.— 4. Abt.: ffrllh 7 Uhr Wald- fest in Hirschgarleu(Deller). Start Webctmck.- 5.«t.: fftiih S und» Uhr Müggelhort. Start Landsberger Plaft.— 6.«dt.: 28., abend, 0 Uhr, 29., ftiib 5 Uhr. Duhrow. Dönigs Wanderherbepge. 29., 12 Uhr mittags. Bahns- dorfer Mühle. Start Schönhauser Allee 1S4,— 7. Abt.: 28.. S Uhr nachmittags. Maadehura 29. früh 5 Uhr. Rahner See. Rachunttags 1 Uhr Glienicke an der Rordbahn. Start Doloniestr. 147.— 8. Abt.: 28.. 5 Uhr naihmittags. Werbelliniee. 29.. früh 4 Uhr, Eroftglienicker See. Start Arminiusvlaft; abrnds Waldensrrstr.>9.—». Abt.: Irstb 5 Uhr Drostlns«. 1 Uhr Hirsch- aarten. Start«Schulstr. 114.- 1». Abt.: Irüh 4 Uhr und Mittags 12 Uhr Drossinsee. Statt Eomeniusplaft.— 11. Abt.: Snlh 3 Uhr Tiesrnsee. Start Blochplaft— 12 Abt. Motorsahrer: Irüh 7 Uhr über Oranienburg nach dem Lebniftsee.' Start Prinzenallee Ecke Badstrafte.— Bez. 2, Ottngr. Schöneberg: Irüb 5 Uhr Luckenwald«. 1 Uhr Babelsherg(Duschte). Start Stubenrauch. strafte 5i.— Orisgr. Wilmersdorf: 28., nachmittags 5 Uhr. nach Ieankfurt an drr Oder. 29.. 1 Uhr, Pichelsberg«. Start Aue.— Ortsgr. Lichterfelde: ffrüh 4 Übt Dloster Lebnin. 1 Uhr Nowawes. Start Hindenhurgdaimn SS.— Ortsgr. Brift: Trüb 7 Uhr Havelwur. Start Ghaussee strafte. Brücke.— Ortsgr. ssharlortenbnrg: Iriih 6 Uhr Iugendtour Lebniftsee. 7 Uhr Iolkenhagener«See. Start«bolvanistr. 13.- Ort.gr. Treptom�nms�stniMg: ffrüh 8 Uhr Störift- fee. Start Dohnhof Boumlchulenweg.- Ortmir. Renkölln: Inlh 5 Uhr Sbernft- lee. Start 1. Abt. Herftberoploft. 2. Abt. Bahnhof Hermannstraftr. Abt. Motor- fahret: Früh 7 Uhr Stieniftsee. Start Bahnhof Neukölln.— Bei 21, Ortsgr. Tegel: Bezirkssportfest. Start nU Uhr«Schlieperstr. 84.— Ortsgr. Nieder. Ichinhausen: ffrilh 7 Uhr Liepniftsee. Start Iriedenspsaft.— Ortsgr. Lichten- berg: I-Üh 8 Uhr Werlsee. Stari Traveplaft.— Ortsgr. Rrtnickendors: Bezirk». iportsest 20. Bez. Start 12 Uhr Restdenzstt. 109.— Ortsgr. Heiner, dats:(früh 7 Uhr(fahrt in» Blaue. Start Dirch«.— Ortsgr. Pankow: 28., abends 6 Uhr, Eberswalde. Start Jugendheim D,(singen- Ecke Graniftstvafte. Arbeiter. Radsahrer-Berein»roft-Berlin. Sonntag. 29. August, frill, 5 Uhr. nach Dramniftsee über Kroftglienicke. Nachmittags 1 Uhr Zehlendorf. Darlftrafte. bei Geeicke. Gäste willkommen. Stark Mariannenplaft Ecke Waldemarstrafte. Zonriftennerein..Die Ratnrsrennde"(Zentrale Wien). Abt. Sharlotten- bürg: sfreitag. 27. August,'48 Uhr, im Jugendheim Haefelerstr. 16b Lieder- abend und Ausgabe der Bolksbübnenkarten.— Abt. Friedenau: Freitag. 27. August. 8 Übe. im Seim Offen dacher Str. Sa Bortrag: ,�TB. und die Gewerkschaften".— Abk. Gesundbrunnen: Freitag, 27. August, 8 Uhr, Schiller- Lyzeum. Pank- Ecke Böttcherstrafte, Unterhaltung»- und Liederabend. Montag. 30. August. Porstandsstftung bei Linn.— Abt. Südost: Freitag, 27. August, '-8 Übe, im Seim Reichenderger Sit. 68..Faltbootwanderung auf Main und Rhein"< Böttcher).. Abt. Reukölln: Freitag. 27. August, 8 Uhr. im Heim Dopfstr. 55..Arbeiterphotoarapliie". Zugendgruppe W— 8 Uhr Leseabend.— Abt. Tempelhos: Freitag, 27. August, 8 Übt, im Heim Maricndarf, Dotfstvafte, Gefchättliches. Montag. 30. August, in Lichtenrade, Daifee-Dilhelm-Stt. 73. Vortrag:..Dort, wo der Menschheit Wiege stand" 3. Teil.— Abt. Teepkvm: Freitag. 27. August.>48 Uhr. im Seim Elscnstr. S Lichtbildervortrag.— Werbedeziek Norden: Montag. 30. August. Bezirksstftung bei Dreftlee, Swine. Münder Str. 72. pilnktlich 7 Uhr.— RotnrmissenschoMich« Abt.: Montag. 30. August. 8 Uhr. im Heim Ekralouer Str. 55 Geschäftliches.— Photogemein» schost: Montag, 30. August, im Seim Ebertystr. 12„Belichwngsmessrr unh Tabellen".— Abt. Weddiug: Freitag, 27. August, Treffpunkt Va7 Uhr See- Ecke Lütticher Strafte.— Ortsgruppe Berlin: Sonntag. 29. August. Beleilignng der Ortsgruppe cm Arbeiteisportfest in Dremmen. Treffpunkt aller Genossen vormittag» in der Luchhürt«. Nachzügler Nllchmitiags 1 Uhr Dremmen, Markt- plaft. am Ratbaus, zum Umzug durch die Stadt. Eine Gruppe Schöneberg der..Roturfreuube". Dem Wunsch« einiger Ge- Nossen folgend wird der Bezirk Schöneberg-Friedenau de, Touristenvereins ..Dil Naturfreunde"(Zentral« Wien) am Montag. 8. September, in Schöneheeg. Jugendheim Hauvtstr. 15, Thllringenzimmer. eine Gruppe eröffnen. Die Zu- sammenkilnfte finden bi, auf weiteres jeden Montag statt. Sportlich« Bereiuigung Rorben>893. Freitag. 7ih Uhr, finden die End» kämpfe im Ringen um die Dlubmeisterslhast 1928 in der Turnhall« Pankstr. 22 (Ecke Wicsenstraft«) statt. Die Freie Tnenerichofk Geoft-Berliu vergnsialtet Sonntag, 29. August. aus dem Svortvlaft Württembergische Ecke Zährinqer Strafte in Wilmersdorf «in Iuaendspielseft. Don 1 bis 1,40 Uhr Faustball der Bezirke: Süden gegen Wedding. Osten gegen Zentrum, Rosenthal gegen Norden 2, Norden 1 gegen Wilmersdorf. 1.30 Uhr Handballspiele Norden 3 gegen Rosenthal. Norden 2 oegen Wedding-Turner, Süden gegen Wedding-Sportler. Wilmersdorf-Iuoend spielen von 4.20 Uhr und Wilmersdors-Männer von 5.40 Uhr ab Fuftball. Eintritt sür Erwachsene 20 Pf., für Jugendliche 10 Pf. Erwerbslos« Niit Aus- weis haben freien Eintritt. An die Arbeiterschaft de» 20. Bermaltungsbezirk«. Sonntag 29. August. veronstoltet dos Arbeiter-Sport- und Dultursartell de» 20. Bezirks in Tegel auf dem Kemeindesportplaft am Kraf-Rödern-Dorso sein diesjähriges Bezirks- sportfest. Wir fordern die gesamt« Arbeiterschask de» 20. Bezirf, auf. sich an diesem Svvrtseft zahlreich zu beteiligen, um es zu einer eindrucksvollen Dunö- gebung für den Arbeiterlport, für die gesamte Arbeiterbewemina werden zu lassen. Abmarsch zum Festzug 1 Uhr Bahnhof Tegel. Eintritt 25 Pf., Erwerbs- lose mit Stempelkarte frei. »-der,. rein„Eaklegio". Freitag. 27. August.» Uhr. hei Thunack General- vcrsoinmluna der..Baukasse". Proletoeisch»»bendneronstoltung. Der Arbeiter-Sportverein Adlershof ver- an staltet Sonnabend. 28. August. 8 Uhr, eine Proletarisch« Abendfeier auf dem Svortvlaft an der Döpenicker Ehanssre. Gebaten werden: Gesang. Musik, Nezi- tationen. Smechchor und sportlichr Darbietunaen. Die beteiligirn Organisa- tionen treffen sich um 7 Ubr am Bahnhof AhlersHof. Eintritt 30 Pf. Der Znrnnerein„Bvrmörts", Zehlendoef, labet nochmals all« Bruderrxrein« zn seinem am«Sonntag, 29. Aurnist. stattstndenden«Svi«!- und Sportfest ans dem Gemeindespielplaft Zehlendors-Mittg, Spandauer Straft«,«in. Sport. Rennen zu Ruhleben am Donnerstag, den 26. August. I.Rennen. 1. Etta V0I0(Ch. Mill«), 2. Wichtelmann(F. Schmidt) 3. Vikar tLichtenseld). Toto: 10:10. Platz: 11, 13. 12:10. Ferner liefen: Wagner. Dolmann, Millionär. Tasto. 2. R e n n e n. 1 Tudora(@. Lautenberger), 2.-Zinäcott jr.(Snod- nadel ir.). 3. Beine Schmidt). Toto: 46: 10. Platz: 18, 45, 29: 10. Ferner liesen: Notula, Winnie. Benedict, T-rraria. Hettie, Denu-Z, Casanoda, Siegleicht. 3. Rennen. 1. Allene(Iauß fr.). 2. Pechsackel fKnövnadel jr.). 3. Rächt, aiter(I. Mills). Toto: 33: 10. Platz: 16, 16, 16: 10. Ferner Uesen: Hella, The Krltv. Fenelon. Margot I, Gawei», Michelangelo. 4. Renn e n. 1. Omst guasi(ffi. Lemzer), 2. Turriddu(Lautenberger). 3. Franjet(M. Rmgiu«). Toto: 16:10. Platz: 12, 37. 15: 19. Ferner liefen: Slrnfried, Niederländer, Sphinx I, Belwin. Michael. Manrico. 5. R c n n e n. 1. SonntagSdrinz(Riedel), 2. Blaumeife(Retzki), 3. Erster Wolsirfomer(W. Lenz). Toto: 133: 10. Platz: 82, 35. 4t: 10. Ferner liesen: Bcrglchwolbe. Kerrigan fr., Bar. Trcgan, Weinminze. Kohlentöniqin. Konsul, Unheil, ttluck. Zeitgeist, Natali«. Ludmill, Prinzeß Fortuna. Corona Mc. Kinncy. Heiderosc B.. Wainsca. Altgold. 6. R e n n e n. 1. Fels(Ii. Mills), 2. Edith Worth»(Großmann), 3. Sudan(Cb. Mills). Toto: 50: 10. Platz: 19. 15. 13: 10. Ferner liesen: Iokl, ClematiS blau, Erdmann. Kittyschor, Progreß. 7. Zt e n n e n. 1. Cleo Polo(Ch. Mills), 2. Herostrat(B. Heckert) 3. Barmaid(F.Schmidt). Toto: 18: 10. Platz: 13. 19, 12: 10. Ferner liesen: Peter Hamster, Denkmünze. Königsadler, Importation, Cotta, Ouera. 8. R e n n e». 1. Mails. als Schriftsteller und Eozialhnzicnikcr gc- leistet, das wird seinen Tod iiberdauern. Wir geben hier eine ausiUbrliche Würdigung seines Wesens und seines Werkes. Jeder, der mit ihm gearbeitet hat, wird erschüttert die Nach- l icht von dem plötzlichen Ableben des Genossen Dr.<5 i l b c r st e i n vernommen haben. Denn er war ein Mensch solcher Lebenskraft, solcher Kämpserlust, solchen Ausbau- und Besserungsciscrs und zu- gleich solch politischen Geschicks, daß man beherrscht wird von dem Gcsühl, diese große Lücke, die der Tod hier in die Linie der Kämpfer um die öffentliche Gesundheit riß, wird sich sobald nicht füllen. Denn Silberstein besaß außer seinen für den Kampf und das Vorwärtsdrängen bcstiinmcndcn Eigenschaften eine Menge anderer günstiger Vorbedingungen, wie sie sich in dieser Vereinigung selten finden: Er war Arzt, praktischer Arzt in Neu- tölln gewesen, und daher hotte er seine scharfe Beobachtung und den Blick dafür, was wirklich not tut für die Gesundheit der Massen oder was nur Quacksalberei sei. Er war ferner Sozialdcmo- trat, das heißt er kannte die wirtschaftliche und gesundheitliche Not der Massen, und daraus folgerte er, daß auch zum Wirtschaft- lichen Ausbau mit in erster Linie die Gesundung der Massen gehöre. Er war ferner Sozialhygieniker, das heißt er erkannte den .Zusammenhang zwischen Krankheiten und sozialen Bedingungen. lind schließlich: er war Praktiker und baute aus seinen Er- lcnntnissen nicht Bücher, wenn er auch gelegentlich in der„Arbeiter- Gesundheitsbibliothek" und in Zeitschriften etwas veröffentlichte, sondern Gebäude, Fürsorgestellen, Bäder, Krankenhäuser. Er war Praktiker der ärztlichen Kunst, er war ober auch Prak- liker der Verwaltung, und die Verbindung dieser vielen Eigen- schasten gab ihm die überragende Stellung, die er weit über seinen Neuköllner Bezirk hinaüs im gesamten Berliner Gesundheitswesen hatte. Und daß er einer der ganz wenigen Sozialdemokraten war, die in der öffenUichen Gesundheitsfürsorge von der Pieke herauf gedient hatten, verschaffte ihm die große Achtung auch bei den bürgerlichen Gesundheitspolitikern, Vor der Revolution war er, neben seiner vollen Praxis, Stadtverordneter und unbesoldeter Stadtrat in Neukölln, und. obwohl durch seine Parteizugehörigkeit in der Oppo- sition, ist ihm, dem unermüdlichen Anstachlcr, doch in erster Linie der Aufbau der A n st a l t e n zu danken, durch die Neukölln den gewaltigen Vorrang vor allen anderen Berliner Gemeinden bekam. Daß das Neuköllner Krantcuhaus, das auf dem B u ck o w e r -i! Gebiet auf freier Ebene wie eine ummauerte Stadt, einsam liegt, �.ja.wexl hmausgMobey M.uxde. ans dcni Lärm und Dunst der en Graßstadt, war sein Verdienst, An dem Plan für das prächtige Neuköllner Stadtbad arbeitete er mit dem Architekten zusammen, und es gelang ihm, auch noch das ursprünglich abgelehnte Frauenschwimmbad hereinzubekommen. Beim Ausbau der Säuglingsfürsorge und der S ch u l g e s u n d h e i t s p s l e g e war er tätig, immer klug nur bis dahin vorstoßend, wo er noch eine Möglichkeit sür den Erfolg loh. In der Neuköllner Stadtverordnetenversammlung war er derjenige, der immer die den sozialhygienischen Aufgaben nicht sehr interessiert gegenüberstehende bürgerliche Mehrheit vor- wärts trieb. Daß dann nach der Revolution Silberstein besoldeter Stadt- rat für das Gesundheitswesen wurde und nun, wo er eine sozialistische Mehrheit hinter sich wußte, ordentlich ausschreiten würde, war selbstverständlich. Aber es kam die Nachkriegs- und Jnslationsmisere. Anstatt aufbauen zu können, mußte er seine ganze Kraft und Zähigkeit daran setzen, seine Schöpfungen vor dem Abbau zu retten, und manchmal packte ihn die Vcr- zweislung in diesem reinen Desensivkampf. Trotz alledem gelang c? ihm noch, einen Bau bis zum letzten Stein, bis zum letzten Bettenknopf aufzurichten, dessentwegen Aerzte und Laien aus oller Herren Länder nach Neukölln'gereist kamen: das Neuköllner Säug- lings- und Mütterheim. Das war sein besonderer Stolz und seine besondere Freude, Gäste durch diese von allen als vor- bildliche Anstalt zu führen und an der Hand der Ziffern des Säug- lingsheims darauf hinweisen zu können, daß, um die Säuglings- sterblichkeit auf ein Minimum herabzuschrauben, es nur eines ent- sprechend eingerichteten Heimes bedürfe. Und ferner gelang es ihm, zu Zeiger, daß man durch unermüd- liche Fürsorgearbeit auch die Sterblichkeit der Kinder draußen in der Familie, ja auch der am nieisten gefährdeten un- , ehelichen Säuglinge in einem rein proletarischen Bezirk herunter- drücken könne. Die Statistik der Neuköllner Säuglingssterblichkeit, die am günstigsten von allen Berliner Bezirken abschnitt, erfreute ihn mehr als jede menschliche Anerkennung. E r war es, der dafür eintrat, daß die Aerzte aus ihrer doppelten Bindung, sowohl an die Praxis wie an die Fürsorge, herausgenommen würden und allein letzterer sich als hauptamtliche Aerzte widmeten. Er war es auch, dem, weil er so ernst und eifrig für sein Ziel kämpfte, alle unsachlich« Arbeit zuwider war. und der deshalb, obwohl ihm jeder Standesdünkel ganz fern lag, dafür kämpfte: dem Arzte, was des Arztes ist! Denn alles, was mit der Gesundheit des Menschen zu tun hat, könne nur unter veront- wortlicher ärztlicher Leitung gedeihe». So ließ er nicht nach, abzuwehren, wo Angriffe erfolgten, immer neu zu erobern und vorzudringen, wo ein Zipfel Neuland sich zeigte, immer bereit zu neuen Versuchen und doch voll Ver- antwortungsgefühl für das Schicksal der ihm anvertrauten, zur Gesundung zu führenden Massen, so daß man ihn wirklich mit Stolz den unseren nennen kann. Dr. Hans K o l w i tz, Wien baut Funggesellenwohnuugen. Und Verlin—? Die Stadt Wien, die bekanntlich unter sozialdemokra- t i s ch e r Leitung steht, hat die Möglichkeit, den Alleinmietern, Junggesellen und alleinstehenden Frauen, eigene Wohnungen in kleinsten Ausmaßen zu bieten, eifrig studiert. Sie ist zu den Ergebnissen gekommen, die wir aus der Wiener„Arbeiterzeitung" mitteilen: Auf Grund dieser Studien ist man im Rothaus zu dem über- einstimmenden Urteil gekommen, daß es sich nicht empfiehlt, Junggesellenheim c zu bauen. Zunächst einmal haben diese Heime den Nachteil, daß die Bewohner gewöhnlich sehr weit zur Arbeitsstätte haben. Es ist nicht möglich, in jedem Bezirk ein eigenes Junggesellenheim zu bauen, wie es zumindest notwendig wäre, wenn den Bewohnern der weite Weg zur Arbeitsstätte und damit Geldauslogen erspart werden sollen. Dann haben die Jung- gesellenheime aber den sehr großen Nachteil der Massen- quartiere. Diesen Charakter kann ihnen auch die schönste Aus- stattung nicht nehmen. Ausgesprochen« Junggcsellenheime werden stets auch etwas sehr Nüchternes an sich haben. Die Bewohner fühlen sich in ihnen nicht heimisch. Gemeinschaftsküche und Klubräume wirken bindend, die meisten alleinstehenden Personen fühlen sich durch sie nur gehemmt: sie wollen in jeder Beziehung frei und ungehindert sein. Die Gemeinde Wien trägt sich daher mit einer anderen Absicht, die den Wünschen und der Eigenart des alleinstehenden Menschen viel mehr entgegenkommen wird. Schon jetzt hat sie in ihren Gemeindcwohnhäusern E i n zel wo hn räum e für alleinstehende Personen geschassen. Das war aber eigentlich etwas Zufälliges: kleine Räume, wie sie die Verbauung ergeben hat, wurden einfach dazu ausgenützt, aus ihnen Junggesellenheime zu machen. Es hat sich aber gezeigt, daß die Nachfrage nach diesen Einzelwohnröumen ungeheuer groß ist; sie haben Anklang gefunden, und die Gemeinde will nun aus diesem Zufälligen etwas Gewolltes, etwas Beabsichtigtes machen. Im heurigen Bauprogramm geht es nicht. Die Pläne sind schon fertig und zum größten Teil werden sie auch schon durchgeführt. In dem Bauprogramm sür das nächste Jahr will aber die Gemeinde die Bestimmung hineinnehmen, daß zehn P r o)e ni aller neu zu erbauenden Wohnungen so- genannte„Kleinstwohnüngen" sind, Wohnungen, die imr für allein- stehende Personen bestimmt snich. Es wird getrachtet werden, daß nicht nur zehn Prozent der gesamten Wohnungen solche Kleinst- Wohnungen sind, sondern daß womöglich in jedem einzelnen Bau zehn Prozent der Wohnungen Kleinstwohnungen sind. Diese Wohnungen werden aus einem Wohnraum, einem kleinen Vorraum und einem Klosett bestehen. Auch die Wasserleitung wird in der Wohnung sein. Im Vorraum wird ein Gasherd stehen, so daß sich der alleinstehende Mann oder die alleinstehende Frau auch kleine Mahlzeiten selbst kochen kann. Diese Wohnungen werden den Vor- teil haben, daß es ihrer in jedem Bezirk eine größere Anzahl gibt. Die Mietzinse werden niedrig sein, und der Bewohner wird sich nicht wie in einem Massenquartier fühlen. In Gemeinschast mit Familien im selben Hause, wird er ein wirkliches Heim haben und dabei doch von niemanden! abhängig sein. Für die Untermieter wird diese Aktion, die selbstverständlich regelmäßig fortgesetzt wird, ein« große wirtschaftliche Erleichterung sein. In Berlin geht es alleinstehenden Personen ähnlich wie in Wien. Auch hier verfallen sie oft der Ausbeutung durch gewerbsmäßige Vermieterinnen, und Einzelzimmer und..Kleinstwohnungen" sind fast gor nicht vorhanden. Der Wunsch, die Absichten der Wiener auch in Berlin verwirklicht zu sehen, ist daher berechtigt. , Ehescheidungen in Berlin. lieber Ehescheidungen, ihre Gründe, dos Alter usw. und die sonstigen Personalien der Geschiedenen liegen erst bis zum Jahre 192 Z genaue Zahlen vor. Insgesamt wurden in ge- nanntem Jahre K701 Ehen geschieden. Bei den Männern erreichten die Ehescheidungen vom 33. bis 40. Lebensjahre die höchsten Ziffern, nämlick, 1490. Frauen im gleichen Alt�r waren dabei 493 beteiligt, 537 waren 30 bis 35 Jahre, eine war erst L0 Jahre alt. Die meisten der geschiedenen Frauen, nämlich 1123, standen im Alter von 25 bis 35 Jahren. Die Jahrgänge von 30 bis 45 Iahren, und zwar bei Mann und Frau weisen die ineisten Scheidungen, nämlich 4101 Fälle auf. Aber auch zwischen 50 und 50 Jahren trennen sich noch 087 Eheleute, selbst 138 Männer über 00 Jahre glauben noch die Trennung vornehmen zu müssen. Von den in diesen Fällen geschiedenen Ehefrauen standen 7 erst im Alter von 25 bis 30 Jahren, 10 im Alter von 30 bis 40 Jahren, über 50 waren 99. Betrachtet man die Ehescheidungen nach derDauerderEhe, so ergibt sich folgendes Bild: Die meisten Ehen, nämlich 1716 wurden nach 5- bis lOjähriger Ehe, 1477 nach 10 bis 15 Jahren geschieden. In 60 Fällen trennten sich die Eheleute bereits im ersten Jahre der Ehe wieder. Andererseits hatten 336 bereits die silberne Hochzeit hinter sich, als sie zu der Erkenntnis kamen, daß sie sich trennen müßten. Was die S ch u l d f r a g e anbelangt, so wurden die Männer in 5428, die Frau in 3209 Fällen für schuldig erklärt. Hier sind von> Gcriaht bei vielen Scheidungen sür den einzelnen Fall mehrere Schcidungsgründe herangezogen worden. Ehebruch wurde beim Mann 3030, bei der Frau 1747 mal angc» »ommen. Aus den statistischen Ausstellungen ergibt sich, daß die Frau(immer nach den Entscheidungen des Gerichts) Ehebruch mehr� fach in jüngeren Jahren beging als der Mann. In 4 Fällen war sie noch nicht A), in 147 Fällen 20 bis 25 Jahre, in 394 Fällen 25 bis 30 Jahre alt. Die Zahlen beim Mann waren 0, 64 und 379. Erst nach dem 30. Lebensjahre fängt der„ehcbrcchendc" Mann an zu überwiegen. Im Alter von über 50 Jahren sind es immer nach 286 Männer, und 59 Frauen, denen bei der Scheidung dos Delikt: Schuldig des Ehebruchs beigemessen wird. Wegen„Lebensnach- st e l l u n g"(Bedrohung) wurde der Mann in drei, die Frau in zwei Fällen geschieden. Bei„böslicher V e r l a s s u n g" ist die Frau mit 85 an erster Stelle, der Mann folgt mit 65, währeno wegen„schwerer Verletzung ehelicher Pflichten" der Mann in 2307, die Frau in 1338 Fällen geschieden werden. G e i st e s k r a n k h c i t ist bei 17 Männern und bei 37 Frauen der Grund zur Scheidung. Man wird nicht sehlgehen in der Annahme, daß die Scheidungen noch viel zahlreicher wären, wenn die gesetz- lichen Bestimmungen diese nicht vielfach hemmen würden. Die Zahl der„u n g l ü ck l i'ch c n Ehe n" oürftc also noch weit größer sein, als die Statistik der Ehescheidungen erkennen läßt. berliner Berufsschulen. Die Gaus-Schulc. Das Deutschland vor dem Kriege hatte sich auf einigen Ge» bieten fast ein Monopol auf dem Weltmarkt erobert. Unsere che» mische und optische Industrie, die Elektrotechnik und Feinmechanik standen unerreicht und die Ausfuhr dieser In- dustrien war von Jahr zu Jahr gestiegen. Der Krieg hat uns auch hier einen großen Rückschlag gebracht. Das ist um ja bedauerlicher, als wir mehr denn je auf Export angewiesen sind. Der Mangel an Rohstoffen zwingt die deutsche Industrie in großem Ausmaß dazu, sich auf die Veredelung eingeführter Rohmaterialien zu werfen. Die ehemaligen Feindesländer haben die lange Kricgszeit dazu aus- genutzt, sich von der Konkurrenz deutscher Fabrikate zu befreien. In Frankreich und England sind große und erfolgreiche Anstrengungen �rach dieser Richtung hin gemacht worden. Vor allem aber ist es Amerika, das auf den oben erwähnten Gebieten große Fort- schritte geniacht hat. Gut eingerichtete Schulen bilden Arbeiter, Techniker und Ingenieure in großer Zahl heran. Die dort im Ueber- sluß vorhandenen Mittel gestatten die Einrichtung großer L a b o- r a t o r i e n und Lehrwerkstätten mit allen notwendigen Lehrmitteln und Instrumenten. Hier wird die deutsch« Industrie, ober auch Staat und Gemeinde, alle Kräfte anspannen müssen, um nicht noch weiter ins Hlnttttt�ffen zu kommen. Eine solche Schule, die auf diesem Gebiete vorzügliches leistet, ist die Gaus- Schule, so genannt nach dem berühmten Mathe- matiker Gaus. Sic befindet sich in den vorderen Räumen des Markthallengcbäudes in der Lindenstraße. Magistrat und der„Schul. verein", dem eine'Anzahl der größten Firmen Berlin angehört, sind die Träger dieser Lehranstalt. Während die Beuth- Schule und andere mehr sür Maschinenba» vorbereiten, wird hier die Fein- Mechanik und Elektrotechnik bevorzugt. Die Schule hat Abend- und Tageskurse. Der Ausbau ist so, daß in die unteren Abteilungen Lehrlinge und Ausgelernt« eintreten können. Für die Aufnahme ist erforderlich V o l k s s ch u l r e i f e, mindestens drei Jahre W c r k st a t t p r a x i s und gute, durch gründlichen Vor- bereitungsunterricht erweiterte B c r u f s s ch u l b i l d u n g, die in derselben Schule in den Vorkursen der Abendschule erworben werden kann. Organisch gliedern sich die einzelnen Abteilungen derart an- einander, daß der junge Mann bei genügendem Fleiß und Streb- sainkeit die notwendigen Kenntnisse sich erwerben kann, um es nach Absolvicrung der oberen Klassen bis zur Berechtigung der I n g e n i e» r l a u f b a h n zu bringen. Voraussetzung ist aller- dings, daß auch die nötigen Mittel vorhanden sind, um den ganzen Lehrgang durchlaufen zu können. Das ist nun leider bei den wenigsten der Knaben aus dem Arbsitcrftandc der Fall. Hier sollte noch mehr für Stipendien gesorgt werden, vor allem aber sollte es Aufgabe von Staat und der Gemeinde Berlin sein, helfend ein- zugreifen. Berlin hat ei» großes Interesse an der Heranbildung eines geeigneten Nachwuchses, denn hier ist die größte Zentrale für die Industrie der Optik und Feinmechanik. Bereits jetzt ist die Stadt in hervorragendem Maße an der Schule �beteiligt. Von den 19 festangestellten Lehrern sind 14 von der Stadt, 5 vom Schulverein eingestellt. An den theoretischen Unterricht, wie Mathematik, Physik usw. schließt sich elektrotechnische und mechanische Apvaratekunde. Meß-, Fernmelde-, Hochfrecmenztechnik, Werkstoff-, Werkzeug-, Fabriko- tionskunde. Betriebsfllhrung usw. an. Selbstverständlich auch prak. tische Versuche in allen diesen Lehrgegenständen. Insbesondere werden in der Kaus-Schule die M a s s c n a n f e r t i g u n g, die Präzisionsmechanik und' Optik, der Apparate- und Feinmaschinen- bau sowie die elektrische Fermneldetechnik gepflegt. Unter den vor- handelten Lehrmittel», für die vielfach die beteiligten Industrien sorgen, befinden sich sehr wertvolle Stücke neuester Konstruktion. Die Schule leidet aber an Raummangel. Das Lobo- ratorium kann nicht im gewünschten Maße ausgebaut werden. Auch ist für die von elwa 1500 Schülern besuchte Anstalt kein Raum vorhanden, in dem sie sich während der Pausen aushalten konnten. Sie müssen sie aus den schmalen licht, und luftlosen Korridoren ver» bringen. Ein Garten oder auch nur ein �ofraum. wo kurze Turn- und Sportübungen ausgeübt werden könnten, ist nicht norhanden: ein Mangel, der von den jungen Leuten ganz besonders stark einp. funden wird. Die organisierten Metallarbeiter bringen der Schule ein besonderes Interesse entgegen: einige Mitglieder des Perbandes gehören als Vertreter der Arbeitnehmer dem Schul- a u s> ch u ß an. Das ist durchaus zweckmäßig: werden doch hier in den Abendkursen auch viel? junge Arbeiter soweit ausgebildet, daß sie es zu höchster praktischer' Qualitätsarbeit bringen können. ver sterbenüe Kanal. Unerbittlich geht es mit ihm zu Ende. Ein Glied nach dem anderen wird abgetrennt. Und nicht einmal in Schönheit haucht er sein Leben aus. Die Menschen geben ihm Fußtritte zum Abschied. Sie vergessen seine 75 Jahr« und nicht daran, welche Dienste er in seiner Jugend geleistet hat. Mit Dreck und Unrat überschütten sie ihn. als ob sie den Augenblick des Todes nicht mehr erwarten können Undank, den der Mensch nun mal am liebsten spendet. erhält auch der sterbend« Kanal. Und wie schmuck sah er doch immer aus. Hohe Linden umsäumten ihn und spendeten ihm in der Blüte- zeit ihren Dust. Viele müde Menschen suchten ihn aus und er- zählten von ihren Leiden und Kümmernissen. Dann lockte er und erzählte von der kösllichen Ruh« auf seinem Grunde. Er lockte so unwiderstehlich, und die Müden. Sorgenbeschwerten konnten schließ- kich nicht mehr zurück. Sie warfen sich in seine Arme und fanden bei ihm Erlösung und Ausruhen. Run, da der Kanal alt geworden, teist er das Schicksal des arbeitenden Menschen. Auch er hat seine Schuldigkeit getan und muß abtreten von der Lebensbühne, vein Unglück war es, daß er von der schnellebigen nimmer rastenden Zeit keine Notiz nahm. Vielleicht war es Starrsinn, der ihn festhalten ließ am alten. Man weiß es nicht. So verkümmerte er und wurde unnütz in der Gesellschaft. Nun stirbt er. Und auch nach seinem Tode ist er eben einmal gewesen. Erst wird viel darüber gesprochen, doch wenn an seiner Stelle«Mich etwas anderes, nützlicheres Platz genommen hat. ist bald olles vergessen. So wird es auch dem Kanal ergehen. Wenn später grüne Rasenflächen mit blühenden Bäumen und bunten Blumen sein« Grabstätte andeuten, wird sich bald niemand mehr des alten Kanals erinnern. Dann tummelt sicb dort die Jugend, helles Kinderlachen wird erklingen, und müde Menschen werden sich im Schatten alter Lmdyi ausruhen, ohne die Lockungen des alten Kanals fürchten zu müssen. So wird er noch nach seinem Tode ein Freudenspender sein für die hastenden Großstadtmenschen. Kommunistischor Schwindel im Kreis Teltow. Uns wird geschrieben: Die„Rote Fahne" richtet« in letzter Zell in ihren Ausgaben für die Provinz wiederholt die heftigsten Angriffe gegen unsere Genossen im Teltower Kreistag. Von den Kommunisten wurden im Kreistag fast nur große Töne angeschlagen. während ihre praktische Arbeit für die notleidende Arbeiterschaft sehr viel zu wünschen übrig ließ. An undurchführbaren Anträgen ließen sie es allerdings nicht fehlen. Das hindert aber den Schreiber der Verdächtigungen— einen kommunistischen Kreistag sabgcordneten— nicht, die Sache so hinzustellen, als hätten die Kommunisten alles gemacht Eins dreiste Lüge leistet sich der Schmierfink in dein Bs- richt über die letzt« Kreistag ssitzung. In diesem Bericht wird die Behauptung yufgestellt, daß die kommunistischen Anträge ange- nommen worden sind. In Wirklichkeit traten die Kommunisten unseren Anträgen, besonders in der Frage der Arbeitsbe- schaffung für die Erwerbslosen beb Dadurch konnte manches für die Arbeiterschaft des Kreises erreicht werden. Daraus ist zu ersehen daß den Kommunisten jedes Mittel recht ist, um gegen unsere Partei und damit gegen die überwiegende Mehrheit der Ar» beiterschast anzukämpfen. Die Vorwürfe fallen aus die Kommunisten selbst zurück._ -.Wer hilft den Siedlern am Tegeler Fließ?" Unmittelbar an der Grenze Groß-Berlins liegen die zum Dorfe Schildow und Mühlenbeck gehörigen Kolonien Schildow- Arkenaue und Mönchmühle, die infolge ihrer idyllischen Lage und dem wald. und seenreichen Hinterlands des Mühlenbecker und Oranienburger Forstes ein beliebtes Ausflugsziel sind. Weit über tausend Siedler sind hier bestrebl, den märkischen Boden urbar zu machen, was ihnen auch nach zähem Kampfe zum Teil gelungen ist. Durch die angeführten Kolonien geht das Tegeler Fließ, das von Mühlenbeck kommt Seit ungefähr vier Jahren haben die Anlieger des Fließes unter dem Hochwasser im Sommer, heroorgcrufen durch Zuwachsen und Versanden des Fließes, zu leiden, so daß zum großen Tell die Gärten überschwemmt werden und die Ernte vernichtet oder durch Steigen des Grund- wasscrs minderwertig wird. In diesem Jahre treten noch die Schäden der dorr niedergegangenen Wolkenbrüche hinzu. Ebenso mögen wohl auch noch die von den Rieselfeldern her in das Tegeler Fließ geleiteten Avwäsier infolge ungenügender Abslußmöglichkeiten zum Teil zu dem hohen Wasserstand mit beitragen. Alle Eingaben der Anlieger und Grundbesitzervereine bei den in Frage kommenden Stellen, das Tiefbauamt Pankow und die F l i e ß s ch a u- kommisfion, sind bis jetzt ohne Erfolg gewesen. So hat in diesem Lahre nach den großen Regenfällen eine Besichtigung von der Fließjchaulommission stattgefunden. Doch eine Abh>Ife durch frühere Festsetzung der Räumung des Fließes, die ein sosortiges Fallen des Wasserspiegels zur Folge haben würde, ist nicht bekanntgegeben. In einem Runoschreiben des Magistrats der Stadt Berlin vom 29 November 1822 über die Regulierung des Tegeler Fließes zwischen Monchmühle und dem Dorfe Schildow werden der hohe Wasserstand des Fließes und die dadurch entstehenden Schäden be- handelt. Gleichzeitig wird weiter eine Regelung der Wflußverhäll- nrsse durch Begrodigung des Wasserlaufes und Senkung der Fließ- fohle und Verbreiterung vorgesehen. Diese P r o i e k t e sind bisher jedoch noch nicht zur Ausführung gelangt. Sollte es nicht möglich sein, durch die Stadt Berlin und den Kreis Niederbarnim mit Hilfe der Arbeitslosen und der produktiven Erwerbslosenfürsorge den Plan zu verwirklicheu und den Siedlern am Tegeler Fließ dauernd zu helfen?_ verkehrsfihmerzen 1 Aus Charlottenburg schreibt man uns: Es besteht eine Linie 93, die bei der Straßenbahndirettion aber anscheinend in Vergessenheit geraten ist. Diese Linie führt von Treptow nach Charlottcnburg und verbindet vier groß« Bahnhöfe: Eharlottenburg, Zoo, Anhalter und Görlitzer Bahn- Hof. In den Stunden normalen Verkehrs kann der Betrieb auf dieser Linie glatt bewältigt werden: zur Zeit des Geschäfts- s ch l u s s e s aber versagt er vollkommen. Nachmittags gegen Uhr bleibt am Anhalter Bahnhof stets eine Anzahl Reisender in Richtung Charlottenburg zurück, well die Wagen schon überfüllt ankommen. Der Schaffner hqt dann auch keine Uebersicht mehr darüber, wer noch das Fahlgeio zu bezahlen hat. Die Zahl der ..Schwarzfahrer" ist deshalb stets ziemlich groß, ohne daß dem Schaffner aber auch nur die geringste Schuld beigemessen werden kann. Eine Aenderung wäre sehr einfach. Bon Treptow jähren nämlich Einsetzwagen nach Berlin, aber nur bis Charlotten- ftrohe. Diese Wagen werden spätestens am Görlitzer Bahnhof schon leer. Dem leeren Einsctzwagen folgt der überbesetzte sahrplan- mäßige Wagen. Einen oder zwei Elnsetzwagen durchfahren lassen — und der Verkehr geht in Ruhe vor sich. Die L i n i e 2, die den schönen Namen„Bahnhofsring" führt, ohne dabei ein Ring zu sein, hat auch anscheinend chren Beruf ver- sehll. Weshalb muß denn ein Reisender, der vom Anhaller zum Görlitzer Bahnhof fahren will und die Linie 2 entweder aus Un< kenntnis besteigt oder, well er mit der 93 nicht mehr mitfahren konnte, erst de» ganzen Weg über Potsdamer Bahnhof, Friedrich- ftraße. Stettiner und Schlesifcher Bahnhof zurücklegen? Dom An- haller Bahnhos fahren übrigens die Wagen der Linie 2 immer völlig leer ab.(Die Linie 1,„Stadtring", fährt nämlich ungefähr den gleichen Weg.) Und weiter in Stichworten eine Sonntagsfahrt auf der Linie 52: Sonntag nachmittag: Richtung Charlottenburg— Britz. Trieb- und Anhängewagen übersülll. In Tempelhof wird der Anhänger aber trotz Protestes der Reisenden abgehängt Reisende müssen um- steigen und sich drängen. Wem's nicht paßt, muß eben zurückbleiben. Verkehr viertelstündlich. Sonntag abend: Die gleiche Linie. Richtung Britz— Charlottenburg. Verkehr h a l b st u n d- l i ch. deshalb auch durchgehend ohne Anhänger. An den Halle- stellen stehen häusig Dutzende von Menschen, die natürlich nicht mehr mitkommen und eben eine weitere halbe Swnde warten müssen. Von den geschilderten Zuständen, die nicht etwa neueren Datums sind, und von der Notwendigkeit der Abänderung muß sich unsere oerehrte Strahenbahndtrektion einmal selbst überzeugen. Die sogenannte„Schwarze Brücke" in Steglitz, in der Verlängerung der Feldstraße, bildet sich von Tag zu Tag zu einem größeren Gefahrenpunkt für den Fußgängerverkehr aus. Wie ost schon im Lause der letzten Jahre haben unsere Genossen im Bezirk»- Parlament hierauf verwiesen und den Neubau der Brück« oder Schaffung einer besonderen Fußgängerbrücke beantragt Sie trafen aber bei den zuständigen Stellen in Berlin anscbeinend immer auf taube Ohren, denn bisher ist zur Abhilfe auch nicyt dos geringste er- folgt, nicht einmal die so dringend nötige Verkehrsregelung. So kann es denn immer wieder geschehen, daß an dieser Stelle Fuß- gänger in Gefahr geraten. Übersahren zu werden. Nachdem in der Äörnerstraße seit einigen Monaten eine Groß-Garage ein. gerichtet worden ist, in der hauptsächlich Droschkenautos untergestellt sind, erhöht sich die Gefahr ständig. Wenn man schon in Berlin das nötige Geld für den seit Jahren nötigen Neubau der Brück« oder die"Schaffung eines Fußgängerstejges nicht hat. so sollte man vom Bezirksamt aus wenigstens veranlasien, daß während der Hauptverkehrszeiten ein Schutzpolizist aufgestellt wird, welcher den Verkehr so regelt, daß immer nur ein Wagen oder doch die Wagen aus einer Fahrtrichtung zu gleicher Zeit über die Brücke fahren dürfen, und das Ueberholen auf der Brücke und in den engen Zufahrtswegcn unter allen Umständen und zu allen Zeiten unbedingt oerboten wird. Erst vor wenigen Tagen ist wieder eine Frau da- durch fast unter die Räder gekommen, daß zu gleicher Zeit drei Wagen auf der Brücke waren. Wird wieder erst gewortet, bis dort ein paar Menschen zuschanden gefahren sind? Oder wird man bald für Abhllse sorgen? gteici Volk— freie Schule! Wit stehen mitten im Kampf um die Schule des Volkes und der R e p u b l i k! Die Gegner einer sortschrittlichsn Lösung der Schulsrage hallen die Zell sür gegeben, die Schule entgegen den klaren Bestimmungen der Verfassung der kirchlichen und weltlichen Reaktion auszuliefern. Für uns gilt es die geistige Befreiung und die Selbständigkeit der breiten Volksmassen zu erringen, t/hne Umgestaltung der Schule aber gibt es keine �kul- turell« Befreiung. Die weltliche Schule ist die Schule neuer Lebenssormen und neuer Kultur, die Schule einheitlichen Kullurwlllens. Wer gewillt ist den bedeutungsvollsten Schritt auf dem Wege zur Fortentwicklung des Volkes zu tun, der kämpft und wirbt für die welttiche Schule. Die„Freie Schulgemeinde Prenzlauer Berg" hat sich zur Aufgabe gestellt, auch in diesem Bezirk die wellliche Schule Tatsache werden zu lassen. Därer und Mütter, meldet eure Kinder sofort an ein« der nachstehenden Adressen zur welllichen Schule für OsterN 1927 an. 24. Abt.- Wild. Mietbl«. IabloirsZiltr. 32 II. Rud. Schiller. Inblonstistr. 27. tzei» Martin, Zmmanuelttrchstr. 2b. tZuerg. TV, Will,. Etolv«. Marlenburger StraS» 12/18 I. Ernst Senfe,©nellfft. Jt). MN>. Brunstover, Encllstr. 82.— 2. Qutta fv. M. MMer. Schwedter Str. 2.<5.&mlc. MiHer Str. 35, Sun Keller.- 27.«it.: K. Arnberg. Gaudustr. 3.«Jfe. Berker. Echönhrrser Allee 71», Ouerg. II.- 28. Abt.: P. ffiatn, TresckonHr. l8 Nl. P. Seidler. Zieliorter Str. u. Laden. P. Obrikgt. Oderberger Str. J6 SeltcnfT. NU— 29. Abt:» Schaler. Prenzlauer Allee 42 IV.(J. SVirncTfv Siaumerstr. 8. K. Bcrger, Echliemannstr. 17. O. Kroll Inn.. Danziger Str. 17 id.— 39.«6.; J3 Malina. Erelfenstagener Str. 41. E. WSHner, Lnchencr Str. Init€.©er.b, Gretfenbägener Str. 22.— 31. Abt.:?.©ctt, Seelower Str. 14 Ii. K. Krcß» mann. Nordkav 3 vart. E. Zander, Ueckermiinder Str. 1, 2 Aufg, Laubenkolonie: W. Steten». Pflanzerncrein Blumenau, verlängerte Kniprodestroßc. Die angebliche Verschmutzung der Havelseen. Di« Meldungen über schwere Verschmutzungen der Dadegelegen- heiten am großen und kleinen Mannsee und am Stölpchxnse« hatten das Ha u ptgfn n d hei t s amt im Benehmen mit der Tief- dauverwaltung Berlins veranlaßt, sofort eine eingehende Prüfung und Untersuchung des Wassers in diesen Gegenden vor- zunehmen. Das Ergebnis ist außerordentlich günstig. Sowohl im Freibad Wannsee, wie im kleinen Wannsee, wie im Stölpchense« ist der Keimgehalt des Wassers sehr niedrig, er beträgt nur wenig« Hundert in l ccm. Darmbakterien, die im allgeiminen als Zeichen von Verunreinigungen gedeutet werden sind nur in ver- schwindender Meng« gefunden worden, lveit weniger als in zahl- reichen anderen Badeanstalten Berlins und seiner Umgebung. Quellen der Verschmutzung tonnten auch äußerlich nicht nachgewiesen werden. Di« chemischen Untersuchungen ergänzen den bakteriologischen Be� fund auf das wirksamst«. Auch sie zeigen, daß dasWasserdieser Havels««» einen recht hohen Reinheitsgrad besitzt. Di« Erklärung sür die äußerst beunruhigende Meldung kann nur in der zurzeit ziemlich starken Wasserblüte gesunden werden. Ganie Stellen der Seen sind von zahlreichen grün blühenden Algen erfüllt. Ein Teil der Algen ist auch bereits abgestorben und hat ein« bräunliche Farbe angenommen. Vielleicht sind es diese Algenreste, die vom Flugzeug aus den Eindruck eines„braunen Iouchistromes" erweckt haben. Vielleicht aber hängt die vermeintliche Beobachtung auch damit zusammen, daß die Bodensormaticmen des Wannsees in Ufer- nähe hell, an anderen Stellen mehr dunkel gefärbt sind. Weder dies noch etwa die Algen bedeuten irgendwelche Eesundheitsbedrohunz. Da» schien«». Jahrbuch der Bodenreform" 1926. Heft 3. ist soeben er- Es enthält die Reden der verschiedenen Fraktionsführer im ju den Verhandlungen über das Bodenresormgefetz am 5. Mai 1926, ferner die„Ungehalten« Schlußrede" von Adolf Damaschke, worin er die drei prominenten Persönlich- ketten der Reichstagsabgeordneten Steiniger, Bredt und Beythien trefslich charakterisiert. Jedes Hejt kostet 1,59 M. und ist zu beziehen durch die Buchhandlung Bodenreform, Berlin NW., 87, Lefsingstraß« 11. Postscheckkonto 8900. tzllzfahrl der.«r>o'. Sonntag, den 5. Sevlember, veranswllet ArbeilS gemein Ickiaft für g o r ft t ch u tz und Naturkunde E.B., Berlin-FrtedrichSbagen, eine Dampsersobrt nach der püzreichen D u b« r o w, um weiteren Belwtkerungstreisen die Kenntnis unterer heimischen Epeisepil« zu vermitteln. Llbsabrt Friedrichsbagen, Stadtvart, 7 Uhr, Köpenick. Luisenbain, 7,20 Uhr. Grünau, Kesellichasts- hauS, 7.45 Uhr. Der Ausgangspunkt der Pilzwanderung ist Prinzenlaube am hölzernen®«. In Duberow-Serg wird ein billiges Mittagessen von verschiedenen PUzgerichten verabreicht. kEinen liefen Teller. Lössel. Gabel mit- bringen.) Sin Vortrag wird die Teilnehmer über die ichmackhasle und ver- Ichiedenartige Zubereitung der Pilze belebreu. Die Rücksahrl erfolgt von Priersbrück. Zu der Fahrt können nur 230 Karten ausgegeben werden. die im Vorvertaus in der Geschältz stelle der„Ärso". Berlin- Friedrichsbagen, Echarnweberstr. 51(bei Frau Schneiders zuin Preiie von 2 M. sKrrider 1 M.) zu haben sind. lNäch dem 3. September erhöht sich der Preis aus 2.50 bezw, 1.25 M. Dilmoorführuvgen la der Treplow-Sleruworle. Das Eocheirprogramm der Stexnwarte Snngt am Sonnabend, 28. August. 8 Uhr, und Sonntag, r. August. 4, 6 u. 8 Uhr:.Da« schwarze Geschlecht': Dienstag. 31. August. Uhr:.Shackleton« Südpolexpedition': Mittwoch, 1. StwUmber, 8 Uhr: »Mit Auto und Kamera zwischen asrlkanischcm Grojswild': Sonnabend. 4. Seplember, 8 Uhr, und Sonntag, 5. September, 4. K u. S Uhr:.Ver- lorene Bell'. Wurstwaren dlut- u.LeberwurstPM 60Pf Landleberwurst Pinns 95p/. Berlin. Mettwurst Pnud 1,00 Speckwursl...... Pfand 1,00 PlelSCh Wurst...... Ptnndl.10 Jagdwurst...... Pfand 1,20 MeitW. e. ürMMClur. Art. Pfd. I-M ff. Leberwurst.. ptaad 1.50 Teewurit........ Pfand 1.80 Bierwurst........ Pfand 1,80 lalstZarrelil- n.Jhlamlw.pidl.eo Mengenabgabe vorbehalten Käse u. Butter Ca ne nbert Senn., 8oh.30pf. KUmmelk8sescMef.riit.40pf. Alls. Stangenkäse p(4 68pt 00n. Qouda... piand 72p> Edamer voiifett, Pfand 85 pi. Tilsiter volliott...Pfand 90pf. Beyr.SchweUer Pfand 1,40 Mergerlne...... Pfand SSpl iiser. ScbselssiduuliF'fd. 88pf. Molk.-Butteri 3.pM..stcic 8Zp,. Dün.Tafelbutti', f>H.S'.93pf, I HeueRgrtoffelnpfdSSp.. MeMrlNge�kpf Gemüse und Obst U/eiHhohi Rotkoiii •Pfand Zpt • Pfand 4f/. 191_____________ Grüne Bobnen rrande Wirsinghohl....pf.nd 4pt ipt . Mandel 1 5pf. Einlegegurken = Tomaten 8�«&. 9, pmnd. bntto Schiangengurken.o'JOan Kochbirnenst.�Pkd Spl KOChüPtel....... Pfand 7pt Graubirnen..... �8?/. PHrslcbe...... Ptn.d20pt Zitronen.... entsend 30pf. 40pl----- Frisches Fleisch Verkauf soweit Vorrat ■ Schweinekamm u.'Schuftptand 1,B Schweine- Rippespeer..pmndl20 Pa. Schmorfleisch o. k..... Pfand 1 20 Pa. Rouladen............... Pfand 1 30 Rinderkamm............. Pfand 80 pt. Fehlrippe und Brust.... Pfand 95pt. Kalbskamm............... p/ondSSpt kalbsrücken u.-brüst Pfand 90pt Kalbskeulen u.-blatt pfnndMpt. Hammelfleisch(wekasipp«) mSSpt HammelrUcken........... Pfand 96pf Hammelkeulen............. pwnd 1 ,0 Kassier........................ Pfund 1 33 Liesen......................... pnmdl00 Eisbein Repskalt, mit Spitzbein, Pfd.65pt. Gehacktes................. piand 76pt Gefrierfleisch Pa. Ochsenbrust.........ptundSSpf. Hammelvorderfielsch Pfand 65pi Pa. Ochsenkamm.......«and sspr. HammelrUck.75,-keulen pfd.SSpt. Pa. Ochsenbacken«. Ka.,PM. 54pf. Schweineköpfe mit Backe, p«. 40pt. § Sonderangebot beeondera gnt iepttegt., billiger 1931er AUIerwellcrcr Rieellng...... »23er Krenanadier Kelircnberg... IWler Wlasenlieimer Honlgberj... »33er Burrweilerer ScMo' sberg... 1931er Hambaclier SeUossberg..... 1933er Kallstadter Steiuackcr....... 1922er Nackeuhelmer Schöffer...... 1933er Nackeuhelmer FriUcohOUc. Tafelweine 25 1Z0 •'« n f f- 1 Ja to fi. Ji zsn. Ji Jobannlsb.-.Pnaumen-.Orange-Roflf.Ä'fd.l00 Kirsch-, Himbeer-, nprlkDsen-KonLÄl25 flnanas-Konfltüre.....:.........-wer ea.2pf.ndi50 Vbib* 10 PL 1924er Rhodter Rosengerten, 4faUr DC?WII9e 1 PL Pruchtscheumweln, 3ohannisbeerwein ■■U10 eluehl. Fiaeebe PO obn.Fl. Herde-Silber j«na. pf. 5 ja** Tarragona rot.bekannti®0 T00 i Liter goteQnaUUt......... Liter I 6 Liter' Für Fassvelne bitte Oeltsse mitbringen »MlIMMIWIMIMIllNlM MWI!IMMIIIMWIIlllMMM«II!llMIIWiIIlIMMeWSlIMIMIW«llIIIMWSWS»WWBIIINMMMIIIIMi>MMiIK" roter tdieer. .Liter 30"u°.4 Kolonialwaren Räucherwaren Fettbückllnge..?/.»<> 42?,. Seelachs........pamd 40pt. Schellfisch ger.. Pfund\ 32 Rotbars........ Pfand' lt. Räucherlachs i.st.Piundl't'1 Fische Seelachs o.K-.i.gz.Pfd.') Schellfisch..... Pfund Merlan.......... Pfund' rr. Kabliau o.K..i. ganz. Pf!. ZSpc Grüne Heringe Pfand 26p' Welxengrless.. piand 27?t Hertgriess..... prand 29pi Tefelrels....... p/aad 24pf. Auszugmehl... ptusd 26pr. Valenda-Rsls. rfunj 32pl Eier-Schnittnudeln pid.45pt. Eier-Fadennudeln pm SOpc. Eler-Stemchen und QrSupchen..... Pfand SSpt Gebr. Gerste... pi.nd 19pt Kaffee- in. lli«eb20olVPIfl.68pf. sm 5' Pf. Fetter Speck anBlandlschor...Pfand HS Geflügel und Wiid Junge Gflnsc.�98� Brnthübner.....-.�1- 120 Tauben......... �80� Rcbölfltter...... v�V0 Suppenhuhn. Äft L05. Hirschblfltter p,and 60pt Fleischkonserven Corneflbeelom.BO�l" SiiweinellplotleiJciicoJZp,. 1. eigen. Saft, JM 2-Pfd.-Dose GUlQSCb Loseea.lPtd. 73 Pf Konsum-Kaffee �.2" Mischung I pidS30 Mischung iii dZ° Mischung II ptdS90 Mischung IVptdS80 tle. 402 �43.Iahrgasg 2. Beilage ües vorwärts Freitag, 27. August?42ö Die Rationalisierung im Sergbau. Zum Lohnkampf im Ruhrgebiet. Wieder ist im Ruhrgcbiet der Versuch der Bergarbeiter, höhereLöhne zu erreichen, zunächst von den Unternehmern zurückgewiesen worden. Schon wiederholt haben wir darlegen können, wie unbegründet diese Haltung der Unternehmer angesichts der Tatsache ist, dag die L e i st u n g der Bergarbeiter in den letzten Monaten weit über die Vorkriegszeit hinaus bei einer ver- minderten Belegschaft und bei einer Arbeitszeit, die um eine halbe Stunde kürzer ist als diejenige vor dem Kriege. Daß ein derartiges Resuliat überhaupt erreicht werden konnte, ist zum wesentlichen Teil der von dm freien Gewerkschaften geführten Lohn- Politik zu verdanken. Noch während der Jahre l919/M führten die Gewerkschaftm bittere Beschwerde darüber, daß die damals wesentlich niedrigere Leistung der Bergarbeiter erzwungen wurde mit einer Vernachlässigung der Zechen, an der teilweise der Krieg schuld trug, zu einem guten Teil aber auch die Weigerung der Zechenherren, die Betriebe den modernen Erfordernissen ent- sprechend auszubauen. Die Untemehmer suchten diesem Druck zu einer Verbeflerung der Betriebe auszuweichen mit der Gegen- forderung, daß die Arbeitszeit verlängert, die Löhne herabgesetzt werden sollten. Zeitweise hattm sie mit dieser Taktik sogar einigen Erfolg. Erst als sie sahen, daß die Gewerkschaften stark genug und entschlossen waren, sich dem Diktat der Unternehmer nicht kampflos zu beugen, setzte eine umfangreiche Rationalisierungstätigkeit ein, deren Erfolge kürzlich veröffentlicht wurden. So hat die Akechcmisierung de» Ruhrbergbaues neuerdings ganz gewaltige Fortschritte gemacht. Eine große Zahl von Kohlengewinnungsmoschinen wurde eingesetzt. Die Unternehmer höttm diese sehr spat begonnene Rationalisterungsarbeit gewiß nicht vorgenommen, wmn sie damit hätten rechnen müssen, daß die Löhne auf Jahre hinaus niedrig bleiben würden. Den Umfang der Mechanisierung des Ruhrbergboues gegenüber 19lZ erkennt man an folgender Tabelle, die den Maschinenbestand sämt- licher Kohlenzechen im Ruhrbergbau einschließlich Ibbenbüren darstellt: am Steigerung Maschinengattung 31.12.13 31.12.25 25 geg. 13 in Betrieb(vielfaches) Bohrhämmer... I �. 10 141 31 51S 3,11 Drehbohrmaschinen.. 32 2 269 70,63 Abbauhämmer..... 189 35 666 188,71 a) davon leichtere bis etwa 6 Kilogramm Gewicht.. 29 21 249 732,72 d) davon schwere über etwa 6 Kilogramm Gewicht.. 160 14 417 90,11 Kohlenschneider....— 816— Großschrämmaschinen. 13 622 40,15 a) davon mittlere bis zu 1800 Kilogramm Gewicht...— 82— b) davon schwere über etwa 1800 Kilogramm Gewicht. 13 440 33,85 Säulenfchrämmaschinen 231 748 3,24 S ch ü ttelr u t s ch e n motoren 1672 6 195 3,71 Rutschenlänge(Kilometer) 104 842 361 954 3,45 Die„Deutsche B« r g w e r k s z e i t u n g', das Organ der Zechenherren, bemerkte damals zu dieser Statistik: „Man kann sagen, daß im Ruhrbergbau jetzt mehr Kohle auf dem mechanischen Wege als durch Handarbeit gewonnen wird. Nähere Ermittlungen haben ergeben, daß nach dem heutigen Stand der Dinge nur noch 4 9,6 Proz. der Förderung durch Hand- bzw. Schieharbeit gewonnen wird, wäh- rend 1913 nur 5 Proz. der Förderung auf mechanischem Wege bzw. durch Schießarbeit geleistet wurde/ Wenn nun der Ruhrbergbau darauf hinwies, daß die starke Vermehrung der Maschinen hohe Kosten verursacht und daß die Maschinen, besonders unter Tage, einem sehr starken Verschleiß unterliegen— wodurch die Neubeschafsungen immer wieder erfordcr- lich werden—, so besagt das für den wirtschaftlichen Erfolg dieser Rationalisierungsarbeit wenig. Denn es ist ganz selbstverständlich, daß vor jeder neuen Maschinenbeschasfung eine genaue Kol- kulation über den Nutzgrad und über den Ertrag gemacht wird. und die Rechnung hätte wahrscheinlich anders ausgesehen.' wenn es dem Bergbau gelungen wäre, die Löhne noch mehr zu senken. Technischer Stillstand oder Rückschritt wäre dann die Folge gewesen. weil sich die menschliche Arbeitstraft eben billiger gestaltet hätte. Auch hier ist also der Beweis geliefert, daß hohe Löhne und starke Gewerkschaften die Unternehmer da,u zwingen, vollkommenere Produktionsmethoden anzuwenden. Uebrigens war das nicht nur im Ruhrbergbau der Fall. In den Gruben D e u t s ch- O b« r f cht e s i« n s ist«ine weitgehende worden, rieb bc- ergibt: Mechanisierung des Grubenbetriebs ebenfalls herbeigeführt wie sich aus folgender Gegenüberstellung der dort im Bei findlichen Steinkohlengewinnungsmaschinen Seilbahnen: mit Preßlustantrieb � mit elekriichem Antrieb. Lokomotiven: Benzol-Lokomotiven elektrische Lokomotiven......, Schü ttelr ntschenmotoren: mit Preßlustantrieb...... mit elektrischem Antrieb...... Länge der Schüttelrutschen in Metern. Förderhaspel im Abbau: mit Preßluftantrieb.....*. i mit elektrischem Antrieb...... Handbohrmaschinen: mit Druckluftantrieb.*',1111 mit elektrischem Antrieb...... Abbauhämmer......... Schrämmaschinen........ Ortsventilatoren: mit Preßluftantrieb. mit elektrischem Antrieb...... Vumpen in Vorrichtung und Abbau.. Fördermaschinen: Anzahl............ Leistungsfähigkeit in To. je Stunde.. Aufstoßvorrichtungen am Schacht. Hand in Hand mit der Mechanisierung, wie sich aus diesen Zahlen ergibt, ging außerdem in Obcrschlesicn noch eine wesentliche Betriebsverbesserung durch vermehrte Anwendung von Elektrizität bei der Kohlensörderung. Auch in Oberschlesien sind nach dieser Mechanisierung des Bergbaues die Förderergebnisse für Mann und Schicht weit über den Vorkriegsstand hinaus ge> stiegen. Aber nicht nur diese Zahlen wird man im Auge behalten müssen, wenn man die technischen Fortschritte im Bergbau voll wür> digen will. Sowohl an der Ruhr wie in Oberschlcsien hat sich eine weitgehende Umgruppierung der Kohlengewinnung während der letzten Zeit vollzogen. Zechen, deren Abbau sich nicht niehr lohnte, wurden stillgelegt. Die wertvollen Ma- schinen, die noch End« 1925 gezählt wurden, befinden sich also weit- aus überwiegend in den ohnehin rentabler arbeitenden Anlagen. Dadurch wird der Nutzeffekt der Rationali- s i e r u n g noch erhöht. Wer hat nun Dorteil von der Mechanisierung des Bergbaues gehabt? Die Bergarbeiter haben jedensalls daraus keinen, mindestens keinen wesentlichen Nutzen gezogen. Seit Ende 1924 sind die Gcdingcsätze unverändert geblieben, teilweise sogar gekürzt worden. Einer Erhöhung des Lohnes der Schicht lohnempfänger steht ein« starke Reduktion der Belegschaften gegenüber, wie sie erst durch die Mechanisierung ermöglicht wurde. Ueberhaupt hat die Belegschaft des Bergbaues durch den gewaltigen Personalabbau den Löwenanteil der Kosten der Rationalisierung tragen müssen. Aber auch die Verbraucher haben nichts von den Wirkungen der Rationalisierung zu spüren bekommen. Seit Oktober 1924 sind die Steinkohlenpreise des rheinisch-westsälische» Syndikats unverändert geblieben. Der Erfolg der Rationalisierung ist also bis- her ausschließlich der Kapitalrente des Ruhrbergbaues zugute gekommen, was ja auch daraus hervorgeht, daß die Aktien- k u r s e der Bergbauunternehmungen ganz bedeutend in die Höhe gesetzt worden sind. Die Bergarbeiter und die Allgemeinheit waren es also, die dem Bergbau die umfassendere Rationalisierung ermöglicht haben, die auch die Kosten dafür trugen. Es ist dem Ruhrbergbou noch nicht vsrgessen, daß er sich für seine Leistungen im Ruhrkampf aus Mitteln der Steuerzahler hat glänzend..entschädigen' lassen, daß er dann aber sofort mit der größten Rücksichtslosigkeit bemüht war, durch Lohnkürzung und Arbeitszcitheraussetzung sich die Kosten von den Arbeitern noch einmal erstatten zu lassen. Die bisherige Entwicklung des Ruhrbergbaues hat der Lohn- Politik der Gewerkschaften recht gegeben. Daß die Unternehmer nicht von vornherein einer Lohnerhöhung zusiiminen, ist man aus ähnlichen Verhandlungen einigermaßen gewohnt. Doch muß gerade deshalb mit allem Nachdruck betont werden, daß die Bergarbeiter einen begründeten Anspruch darauf haben, an dem steigenden Ertrag der Rationalisierung teilzunehmen, nachdem sie es waren, die für die Lervoll- kommnung der Produktionsmethoden die schwersten Opfer haben bringen müssen. Bleibt selbst bei einer Industrie, deren Erfolge in der Rationalisierung so sichtbar werden wie im Ruhrbergbau, die volkswirtschaftlich wichtige Folge einer Stärkung der Massen- kauskraft aus, so kann sich auch der Absatz der Fabrikate nicht aus- dehnen, zu deren Erzeugung Kohle gebrauch! wird. Die Lohn- Politik der Bergbauuntcrnehmcr muß sich also schließlich gegen ihren eigenen Kohlenabsatz richten. Die Bergarbeiter haben demnach nicht nur ein soziales, sondern auch ein volkswirtschaftlich begründetes Anrecht darauf, daß die Löhne entsprechend den hohen Lebenshaltungskosten erhöht und dem gestiegenen Leistungsgrad angepaßt werden, den der Bergbau erreicht hat und den er nicht hätte erreichen können, wenn er nicht dabei die Mitwirkung der Ar- beiterschaft gehabt hätte. Oder glaubt man, dieser Mitarbeit der Belegschaften jetzt nicht mehr zu bedürfen? Zur Kalifrage. Das Preis- und Absatzproblem. Durch den Einspruch des Reichswirtschaftsministers wurde vor- läufig die von den Interessenten beschlossene Er höhung der Kalipreise unwirksam. Man kann nicht erwarten, daß die Kaliunternehmer sich mit dieser Lösung zufriedengeben werden. Aeußerte sich doch Kommerzienrat Hermann G u m p e l gelegentlich der Generalversammlung seines Konzerns dahin, daß bei einer Ab- lehnung der beantragten Kalipreiserhöhung die Kaliindustrie nicht mehr in der Lage sei, der Landwirtschaft die bisherigen Rabatte und günstigen Zahlungsbedingungen weiterhin einzuräumen. Eine weitere Folge wäre die Stillegung verschiedener zurzeit weniger wirtschaftlich arbeitender Kaliwerke und die Entlassung zahlreicher Arbeiter und Angestellten. Hierfür würde dann der Reichswirt- schaftsministcr die Verantwortung zu übernehmen haben. Man könnte nach diesem Wortlaut glauben, daß die Kaliwirt- schaft nicht mehr bestehen könne, weil eben die Kaliprcise an sich unzureichend seien. Wer jedoch die wandelbaren Verhältnisse in der Kaliwirtschast kennt, der muß feststellen, daß die These von den un- zureichenden Kalipreisen der wirtschaftlichen Grundlage entbehrt. Nicht unzureichende Kalipreise haben die jetzige Krise der Kaliwirtschast herbeigcsührt, sondern ihre falsch betriebene Rationalisierung. Nach maßgebenden Schätzungen beträgt die Produktionsfähigkeit 25 bis 30 Millionen Doppelzentner Reinkali, die Absatzmenge, welche bisher kaum 12 Millionen Doppelzentner Rcinkali überschreiten konnte, für 1926 voraussichtlich aber nur 10 Millionen Doppelzentner Reinkali. Dem- noch würden die Produktionsanlagen nur zu einem Drittel ausgenutzt. Betriebswirtschaftlich bedeutet das eine Ertragsmindcrung, die die Rentabilität ernstlich gefährdet und die Vorteile der Rationalisierung, auszuheben droht. Zum Ausgleich hierfür fordert das Kalifyndikat die Preiserhöhung, durch welche die unwirtschaftlichen Kosten für das in die beinahe um zwei Drittel übersetzte Produktionskapazität gesteckte Kapital aus- gebracht werden sollen. Aber gerade diese Forderung ist be- triebswirtschaftlich unbegründet und volkswirtschaftlich wie pro- duktionspolitisch schädlich. Würden höhere Kalipreisc be- willigt, so wäre eine empfindliche Belastung dcr Landwirt- schaft und eine weitere Verengung des Kaliabsatzes unausbleiblich. Mit einer solchen Entwicklung würde der jetzige Zustand, wonach die vorhandene Produktionsgröße nur zu einem Drittel beansprucht wird, während beinahe zwei Drittel vorläufig überflüssig sind, dahin beeinflußt, daß der ohnehin geringe tätige Te i l der Produk- tionsgröße noch weiter sinkt, der leerlaufende, unterhaltungs- Pflichtige Teil dagegen anwächst. Bei solcher Sachlage wären auf die Dauer weitere Preiserhöhungen zur Bestreitung zunehmender unwirtschaftlicher Kapitalunterhaltkiugen, ebenso Kaltstellung weiterer Werksanlagen mit folgenden Arbeiter- und A n g c st'e l l t e n- entlassüngen unausbleiblich. Man erkennt, daß die von Kommerzienrat Gumpcl voraus- gesagte Entwicklung nicht durch Beibehaltung des jetzigen Preis- zustandes, vielmehr durch Preiserhöhungen entfacht würde. Sosern dann die angedeuteten Schäden entstünden, würde man dafür diejenigen Stellen, welche über die Preiserhöhung zu be- finden haben, ebenso verantwortlich machen, wie man seinerzeit das Kaligesetz für die Q u o t e n j ä g e r e i vor dem Kriege verant- wörtlich machte. Wenn die verantwortlichen Stellen darum eine Kalipreiserhöhung ablehnen, so entspricht dieser Standpunkt einem gesunden wirtschastlichen Enipsinden. Nachdem eine Er- zeugung von 15 bis 20 Millionen Doppelzentner Kali über die Nachfrage möglich ist, ist der Absatz, zwecks weitmöglichster Ausnutzung der vorhandenen Anlagen, zu steigern: hierzu wäre der Warenhausgrundsatz„g r o ß e r' U m s a tz, kleiner Nutze n", den sich der Winterhallkonzern doch früher zum Ziel gemacht holte, und der auch Voraussetzung sür die Produktionsausweitung ist, zu beobachten. Der genügsame Kalibedarf ist in Nachfrage verwandet- bar, indem man einen angemessenen Preis macht. Unterstützung fände diese Bestrebung in einer besonders günstigen Preisstellung für hochprozentiges D ü n ge s a l z(Chlorkalium). Eine besonders günstige Preisstellung sür Chlorkalium hätte eine günstige Doppelwirkung für Kousumenten und Kaliindustrie: während»äm- lich die niedrigprozentigen Düngesalzmarten ein B a l l a st gewicht Zur Einsegnung Für Mädchen; Spangentchahe, sehr gern gekaufter K90 Artikel........... 7.90 w Halbschuhe, zum Schnüren, mit echter �50 Lackkappe........... 7.90» Zwei ganz besondere Schlager! Lackspangenschuhe mit L.-XV.-Abs.... 7.90 Modezugpumps,(ein echt Chevreau.. 9.80 Für Knaben: Sehr solider ScfanfirsHefel, gutes Rindbox."790 sehr hallbar, Gr. 39/40 8.90, Gr. 36/38... M Halbschuhe für Knaben in echt Rindbox. M f?h50 Gr. 39 40 11.50, Gr. 36,38....... IU Halbschuhe lür Knaben, fein echt Boxkalf, Gr. 39/40 12.90, Gr. 36 38 11 90 Lackhalbsdhuhe für Knaben, sehr vornehme Jt 50 Ausführung, Gr. 39/40 15.50. Gr. 36/38... i &.Cie&; BurjS B. 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Schuh ist ein solches QualilSlserzeugnis, wird er doch nur aus bestem Material auf Grund Ober 40 jähriger Erfahrungen angefertigt.— Jahr für Jahr schreiten viele junge Menschenkinder auf dem guten Conrad Tack-Schuh In das ernste Leben hinaus I Keiner bereute es; jeder blieb ihm Ireu I non 60 bis 90 Proz. enthalten, kommt in Thlortalium nur ein solches von 40 bis SO Proz. vor. Wenn nun der Konsument durch «ine besonders günstige Preisstellung für Chlorkalium oeranlaht würde, künftig nur dieses zu bestellen, würde sich sein Kalibezug durch den an sich günstigeren Preis und die Fracht- und Transportkostenersparnis erheblich verbilligen. Aber nicht allein der Konsument würde durch die Absatzverniehrung be- günstigende Lorteile haben, sondern auch die Kaliwirtschast selbst. Wenn diese ihre chauplerzeugung nur noch auf Chlorkalium zu kon. zentrieren brauchte, hätte sie. durch die dann möglich« bessere Ausnutzung ihrer Fabrikanlagen. Borteile. Die Nach. teile, vor denen die Kaliindustrie durch die übertriebene Rationati- ficrung jetzt steht, können sich erst dami in Vorteile wandeln, wenn der Leerlauf und unmäßige Stillstand in ihrem Produktions. körpcr durch eiNen Vollauf abgelöst wird, Die Niedrighaltung der Preise spielt ober nicht allein für die in- und ausländischen landwirtschaftlichen Abnehmer, sondern auch für die M i s ch d ü n g e r h e r st« l l e r eine für die Verwirklichung des Massenabsatzes entscheidende Rolle. Die seit einiger Zeit zwischen dem deutschen Kalisyndikat und der I. Gl Farbenindustrie schwebenden Verhandlungen wegen der künftigen Mischdüngerherstellung be- anspruchen das größte Interesse. Sie blieben freilich vorerst ohne Erfolg. Sollte jedoch früher oder später eine Einigung über den künftig herzustellenden Mischdünger zwischen dem Farbtrust und der Kaliwirtschast zustande kommen, so würden sich daraus bedeutsame Z u k u n f t s m ö g l i ch k e i t e n für letzter« ergeben. Schließlich liegt kein Grund vor, zu zweifeln, daß eine zweckmäßige Bindung von Stick st o�f und Kali möglich ist, worauf die Kombination Farbtrust/Kalisyndikat Zustandekommen könnte, zumal bei einer solchen Verbindung bedeutende Summen allein durch die Verein- hütlichung der Propaganda gespart würden. Daß man sich in Kalikreisen auf diese Verbindung vorbereitet hat, ergibt sich schon aus der Erklärung der Wintershallverwaltung auf der letzten Hauptversammlung, wonach die der Generalversammlung und dem Aussichtsrat zur Verwendung vorbehaltenen 17 Millionen Mark Koliindustrieaktien für den Erwerb von Veteiligunoen, welche nicht aus dem Kaligebiet liegen sollen, bestimmt seien. Es ist nur zu wünschen, daß die deutsche Kalipoliiik diese Richtung nimmt. Dann können die sonst in Frage gestellten Früchte der Rationalisierung niemals verloren gehen. E. Keßler, Staßfurt. Lücke im tvirtsthastsstrafrecht. Was wird aus der Wucherverfolgung? Staatsanwalt S ch r ö d e r- Mainz schreibt uns: Wohl das bedeutendste Strafgesetz der Jnslationszeit war die Notverordnung vom 13. Juli 1923, die d:e wirischaftlichen Kon- trollgesetze, darunier die berühmte Preistreidereiverordnung, zusammenfaßte. Die Notvsroerdnung hat segensreich gewirkt, indem sie das konsumierende Publikum schützte, wenn sie auch manche Härten gegen die reelle Warenverteilung brachte. Bereits 1324 waren die Wuchergerichte und die Zwangsbewirt- schaftring von Getreide, Zucker, Kartoffeln, Lebens- und Futter- «nittcln, Milcherzeugnissen und Arzneien aufgehoben und 1925 die von Fleisch wesentlich eingeschränkt worden. Am 19. Juli 1926 wurde fast der gesamte Rest, einschließlich der Preis- trcibereiverordnung a u f g e h o d en. Nur die restlose Aufhebung der letztgenannten Verordnung bedarf der Kritik. Nicht etwa des- halb, weil die Bestimmungen über Preis- und Leistungswucher auf- gehoben wurden! Die mit E'ntritt der Gsldfestigung einsetzende freie Konkurrenz und die vom konsumierenden Publikum übrigens nur ungern wieder übernommene Selbstverantwortung hatten sie bald wieder ersetzt. Nur ein Nestbestand des Preistreibereirechts ist— bis 1. Juli 1927 befristet— in§ 49a des Gesetzes vom 30. Juni 1926 über Mi e t e rs chu tz und Mieteint nungs- ä in ler gerettet worden: Der„Wucher mit Räumen". Die Not- läge auf dem Wohnungsmartt erheischte es, daß„unter Berückfjchti- gung der gesamten Verhältnisse unangemessene Mietsorderungen und deren Vermittlung" mit Strafe bedroht werden. Die Beurteilung der„Angemessenheit" ist jeweils dem richterlichen Ermessen über- lassen. Außer dieser einzigen Restverordnung auf dem Gebiet der wirt- schastlichen Ausbeutung sind heute nur noch die alten Wucherbestim- mungen des Strafrechts, der§ 302a ff.(Gerdwucher) und der§ 302« Strafgesetzbuch(Sachwucher) in Geltung. Sie waren durch die an Umfang und Tragweite überragende Preistreibereiverordnung fast ganz aus der Gerichtspraxis verdrängt worden. Ihr zu eng gefaßter Wortlaut, der lediglich„die Ausbeutung der Not- läge, des Leichtsinns oder der Unerfahrenheit eines anderen", also eine» einzelnen individuell bestimmten Bürgers bestraft wissen will, ist sür neuzeitlichen Wirtschaftsschutz nicht ge- nüaend, zumal der als Ersatz für Preis- und Leistungswucher in Frage kommende Z 302- nur für gewohnheits- oder gewerbs- mäßige Täter Bestrafung vorsieht. Hierin ttifft auch der neue Straf- gesetzentwurf(8Z 307—309) keine Aenderung, wenn auch in An- lehnung an das österreichische Recht die Voraussetzungen der Straf- barkeit etwas erweitert sind. In einem modernen Wirtschastsstaat genügt aber die Kontrolle des ei n z e l n e n vor Ausbeutung nicht, die Allgemeinheit bedarf zur Vorbeugung wirtschastlicher Vergewaltigung mindestens des gleichen Schutzes. Dieser Schutz ist nicht etwa nur an besondere Notlage», Kriegs- oder Nachkriegs- Verhältnisse gebunden, sondern allgemein und immer durch das Gesetz der Wirtschaftlichkelt des Zusammenlebens der Volksgenossen und der möglichsten 5)erabsetzung ihrer Konsumkosten gerechtfertigt, solange ein staatspolitischer Zusammen- schluß von Menschen besteht. In der Preistreibereiverordnung be- findet sich nun eine Bestimmung, die den oerlangten Schutz der All- gemeinheit übernommen hatte: Z 8, da» Verbot preietreibe- rischer, unlauterer Machenschaften. Diese Vorschrift bildet die notwendige Ergänzung der für die Zukunft vorgesehenen Wucherbestimmungen des Straigesetzentwurfs, welche deshalb die Ueberschrift tragen sollten: Wirtschaftliche Ausbeutung. Obwohl auch die angeführte Bestimmung, wie die ganze Berord- nung, nur eine Uebergangsvorschrift darstellt, kann sie wörtlich in das Strafgesetz aufgenommen werden, wie der Text zeigt: Degen preistreibender Machenschaften wird bestraft, wer vorsätzlich Warenvorräte unbrauchbar macht, verderben läßt, be- schädigt oder vernichtet, in unlauterer Weise die Erzeugung von Waren oder den Handel mit Waren einschränkt oder andere unlautere Machenschaften vornimmt, obwohl er weiß. oder den Umständen nach annehmen muß, daß dadurch der Preis für Gegenstände des täglichen Bedarfs gesteigert oder hochgehalten werden kann. Unsere Wirtschaft steht im Zeichen der Amerikanisierung: die notwendige Rationalisierung birgt mit ihrer Zusammenlegung von Betrieben die Gefahren der Vertrustung und des Preis- d i k t a t s kleiner Bevölkerungsgruppen in sich. Der Gesetzgeber muß dieser Entwicklung Rechnung tragen und einer etwaigen For- cierung des Konsumwarenmarktes durch Strafdrohung rechtzeitig vorbeugen. Riefenauskäufe und absichtliche Zurückhaltung von der- artigen Waren aus unlauteren Motiven zum Zweck der Preis- treibung sind beispielsweise heute nicht st r a f b a r, ein be- dauerlicher Mangel, der sich bereits in der Praxis unangenehm be- merkbar macht._ � Der Großhandelsindex. Die«uf den Stichtag des 25. August berechnete Großhandels- indexziffer des Statistischen Reichsamts ist gegenüber dem 18. August um 1.2 Proz. aus 128,9 g« st i e g e n. Von den Haupt- gruppen hat die Indexziffer der Agrarerzeugnilse um 1,5 Proz. auf I3ch5. die Indexziffer der Jndustriestoffe um 0.6 Proz� auf 123,9 angezogen._,..... GelverMafisbswegung die Lehrlingsfrage in ösn Schlossereien. In der gutbesuchten Branchenversammlung der Bau- und Geld- schrankschlosser am Mittwoch im Verbandehaus der Metallarbeiter wurden hauptsächlich Lehrlingsfragen erörtert, da sie in der Branche ein besonders heikles Kapitel bilden. Schon seit Jahren bemüht sich der Metollarbeiterverband zu- sammen mit dem Gesellenausschuß, für die Lehrlinge einen be- zahlten Urlaub tariflich oder durch ein bindendes Abkommen mit der Schlosserinnung festzulegen. Als in diesem Jahre eine An- zahl von Firmen den Lehrlingen trotz mehrmaliger Bemühungen des Gesellenausschusses keinen Urlaub gab, wandte sich die Orga- nifation an den Schlichtungsausschuß. Dieser fällte auch einen Schiedsspruch, der den Unternehmern auferlegte, bei den nächsten Manteltarifverhandlungen auch über die Urlaubsregelung der Lehr- linge zu verhandeln, was die Unternehmer bisher bei jeder Ver- Handlung abgelehnt hatten. Für dieses Jahr sollten die Unternehmer allen Lehrlingen einen bezahlten Urlaub von sechs Tagen gewähren. Da die Unternehmer diesen Schiedsspruch ablehnten und ihn auch der angerufene Schlichter nicht sür verbindlich erklärte, wurde noch einmal zwischen der Innung und dem Gesellenausschuß ver- handelt. Nach längerem Verhandeln kam es doch zu einer Ver- einbarung, den Lehrlingen einen sechstägigen bezahl- ten Urlaub zu gewähren. Dem Gesellenausschuß wurde ver- sprachen, ein Protokoll über die Verhandlungen zuzuschicken, was aber bis heute noch nicht geschehen ist. Anstatt dessen hat man den Unternehmern in der Innungszeitung die Anweisung gegeben, auf Grund der Vereinbarung den Lehrlingen sechs Tage Urlaub zu gewähren, von einer Bezahlung des.Urlaubs ist aber nichts erwähnt. Der Gesellenausschuß wird nun nochmals mit der Innung zu verhandeln suchen, damit dieser Eiertanz einmal ein Ende findet und die Innung ihren Mitgliedern die Vereinbarung über den Urlaub so bekanntgibt, wie sie wirklich aetrosfen ist. Ganz im araen liegen die Verhältnisse in der M ö b e l s ch l o ß- i n d u st r i e. Dieiez im Aussterben begriffene Gewerbe arbeite: fast ausschließlich mit Lehrlingen. Auf einen Gesellen kommen vier bis fünf Lehrlinge. Nach wenigen Monaten„Lehr- zeit" find sie angelernt als Zusammensetzer und machen dann wäh- rcnd der ganzen vier Lehrjahre nur diese schematische Arbeit. Sind die vier Jahre um, können sie al« Arbeiter in die Fabrik gehen, denn als Schlosser nimmt sie keine Firma, weil sie von der Schlosserei nicht einmal die Grundbegriffe gelernt haben. Von den wenigen Betrieben, die noch bestehen, ist die Firma L u b i tz. Schönhauser Allee, wohl die größte Lehrlingszllchterei, denn hier müssen die Lehrlinge wöchentlich bis 14 Ueber- st u n d e n leisten. Dieser Betrieb dürste von der Gewerbeaussichts- bebörde einmal näher in Augenschein genommen werden. Di« ge- schilderten Mißstände müssen den Eltern, die ibre Söhne gern das Schlollerhandwerk ergreifen lallen wollen, als Warnung dienen, ihre Kinder nicht in eine Möbelschtosserei zu geben, wo sie nichts lernen und nur vier lanoe Jahre ein billiges Ausbeu- tungsobjekt des Unternehmers sind. �ugenöfürsorge kn Gesterre.ch. Ferienheime für die erwerbslälige Jugend. Der Rcichsausschuß der deutschen Jugendverbände(Berlin NW. 40, Moltkestr. 7), der seit einigen Iahren um einen ausreichenden Urlaub fürerwerbstätigeIugendliche kämpft und für die Schaffung guter Ferienheime für Jugendliche eintritt, hat kürzlich ein« Abordnung nach Oesterreich entsandt, um dort die in der Welt bis jetzt einzigartige Lehrlingsfürsorgeaktion kennen zu lernen. Oesterreich hat dafür gesorgt, daß seine erholungsbedürftige Jugend zu ihrer Kräftigung einigeWochen Urlaub in schönen Heimen verbringen kann. In Oesterreich wird durch gesetzliche Verordnung dem Jugend» lichen vom Arbeitgeber«in ununterbrochener Urlaub von vier Wochen gewährt, wenn?) der Jugendliche aus Grund eines ärztlichen Zeugnisses des Krankenkassen- oder des Schularztes aus Gesundheitsrücksichten dringend einer Erholung bedarf, d) ihm die Aufnahme in eine Erholungsstätte zugesichert ist, oder er den Urlaub nachweislich auf dem Lande verbringen kann und c) das Dienstverhältnis wenigstens sechs Monate dauert. Der beurlaubte Jugendliche behält während des Urlaubs den Anspruch auf seine Geldbezüge. Die Hauptlasten der Fürsorgeaktion tragen die be- teiligten Kr a n k e n k a s s e n, die in weitschauender Weise das Vor» beugen von Krankheiten, die Kräftigung des jugendlichen Körpers für billiger und gesundheitspolitisch weiser halten, als das Heilen des erkrankten Menschen. Der Pflegling leistet nur einen geringen Un- kostenbeitrag und hat zudem die Fahrkosten zu übernehmen. Arbeitslose Jugendliche werden nach einer ärztlichen Besür- wortung durch ihr zuständiges Arbeitslosenvmt in die Heime entsandt. Die österreichische Fürsorgeaktion hat sich aus kleinen Anfängen heraus zu einem ansehnlichen Unternehmen entwickelt. Ihr stehen gegenwärtig in Niederösterreich und Salzburg sechs freundliche Er- holungsheime pachtweise oder als Eigentum zur Verfügung, von denen vier Heime mit 1275 männlichen und zwei J)«ime mit 660 weiblichen Jugendlichen zurzeit belegt sind. Die Gesamtpfleglingszahl dieses Jahres belauft sich auf etwa 10000 Jugendliche(1918: 1807 Pfleg- linge, 1923: 5571 Pfleglinge). Seit 1918, dem Geburtsjahre der Lehrlingsfürsorgeaktion, sind inehr als 50 000 Jugendliche mit nahezu 1� Millionen Urlaubstagen in den Ferienheimen untergebracht worden. Die deutsche Studienkommission sst in gastfreundlichster Welse von den Freunden des Bruderlandes empfangen worden. Der Bundesminister für soziale Verwaltung Dr. Resch wies bei einem Empfange der deutschen Iugendsührer darauf hin, daß alle sür die Wohlfahrt der österreichischen Jugend arbeitenden öffentlichen und freien Körperschaften in gemeinsamer Arbeit wetteiferten, die schweren Schädigungen zu überwinden, die die Jugend in der Kriegs- und Nachkriegszeit hat erleiden müssen. Das kostbarste Kapital, was eine Nation besitze und das ihren Auf- oder Abstieg entscheide, sei ihre Jugend. Eben deswegen müßte vom Staate alles ihm mögliche getan werden, um seine Jugend zu stärken und sie zu leistungs- fähigen Männern und Frauen zu bilden. Der Leiter der Lehrlingsfürsorgeaktion. Direktor M a r i a n e k, führte die deutsche Kommission durch sämtliche Heime. Die frohen und gebräunten Gesichter der Jungen und Mädchen bewiesen, welchen Segen für sie die Erholungszeit in reiner Landluft, in Licht und Sonne und bei guter Ernährung bedeutet. Die deutsche Studienkommission hat durch die österreichische Lehrlingsfürsorgeaktion wertvolle Anregungen empfangen. Sie ist in ihrer Anschauung gestärkt worden, daß auch in Deutschland durchgesetzt werden muß, der erwerbstätigen Jugend ein« für ihre gesundheitliche, geistige und seelische Entwicklung ausreichende Freizeit zu sichern und ihr die Möglichkeit zu schaffen, im Falle der Erholungsbedürfiigkeit ihren Urlaub in guten Heimen verbringen zu können. Maas«. Auf einer Crkiolunqsrette in den B Alpen ift unser Turngcnosse WiSiiam eartolg am 19. August tödlich verunglilckt Der Verstorbene, der seit 1SS0 Mit- glted unsere, Verein, war, ist un» stet»»in lieber Miiarbelter gewesen. Sein Andenle» wird UN« unvergeb- lich sein. krele Tnmrsclürt CroS-Eerlln Bezirk Wedding(1862). Der Vorstand. Die«inöscherung findet am Mon- tag, den 80. August. I1/, Uhr narfim. im Rtematorium Gerichtstrahe statt tzahlreiche Beteiligung erdeten. Am 19 August verunglückte tödlich auf einer Bergfahrt am Groh-Glockner unser allseitig verehrter lieber Freund WIHsm Hartwig In aufrichtiger Trauer Uber den unersetzlichen Verlust ver S.-Veret». Ehre seinem Andenken! 1 Fiir die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei derEinöscherung meine» lieben guten Manne», de» Vionteur« WarrHch sage ich allen Freunden, Bekannten und Verwandten, sowie dem Betried»- rat und den Kollegen der Turbinen- sabrlk AEB. und dem Metallarteiter- verband meinen herzlichsten Dank. Frau Elisabeth Warrlich, geb. Ebel Charlottenburg. Herderslr 1K Wir»odteii weiter iunge(Talente gegen Entgelt für das »ÄMillMWjW MonMIon, mcrttr 18 JUieienAeü0" Staubsauger om 6.Leipzigerstr.122-12ä Zur�Einse�imi� uieiunj fertig am Lager jsanzuge In allen Größen vorrätig y SaüäsäaaiBö aus kräftigem morengo Cheviot, Brustweite 82 cm ein- �- zwei- reihig QQ»" reihig jV»'* SmoUntaBzuä aus reinwollenem schwarzen Melton- Cheviot, mit Seidcnspiegel, Brustwt. 82 cm M. 100.- Wäsche Hüte Unlerzcii(*c PEEK&CIOPPENBURG BeRUN C19. aERTRAUOTEN-STRASSX 24-S7. ROSS-STRASSE 1-4 :Eigenerzeugniss< „ g?,... Unterhaltung unö �Vissen /llle Achtung vor hugenberg! s�v« Tag" er'cheiul in zwei Jossnngen. die eine ist für veriin. die andere jüi die„Provinz- jngcfdzoltten.) BcrL*.' r» P*-0 V L Vi �L. Dos muß mau hugeuberg laßen: er weiß Sas für andere unlösbare Problem zu lösen, welcher vor beiden ,Lokal-/lnzeiger�-Lesern der dümmere ist! Seelenverfettung. Von A. M. Frey. (Schluß.) So weit wäre alles in Ordnung gewesen. Aber die Umstehen- den mußten sich einmischen. Man wollte mit Worten beruhigen, nahm das Mädchen in Schuß, suchte die beiden zu trennen. Endlich— nach einer ganzen Weile— kam auch die Polizei. Unterdessen hatte sich der Zorn des Mannes gelegt. Er und das Mädchen standen dumpf nebeneinander. Die widen Srizutzleute fragten, was es ge- geben habe, und als die Zuschauer an Stelle des schweigsamen Paares geredet hatten, befahlen sie dem Arbeiter, sofort mit auf die Wache zu gehen. Der widersetzte sich. Die Schutzmänner legten chand an ihn. Da trat das Mädchen vor, zwsichen dem Verhafteten und die Polizei.„Das geht niemandem was an, was wir zwei mit- einander gehabt haben!- rief sie.„Er ist jetzt wieder ruhig, er geht jetzt wieder ganz ruhig mit mir! Gelt, Karl, du gehst jetzt wieder ruhig mit mir!-— Der junge Mensch sagte nichts, aber er sah das Mädchen dankbar an. „Der Mann geht mit uns-, sagte der Schutzmann. Das Mädchen warf sich wieder dazwischen.„Nein!- schrie st«, „nein— Karl!— Nein, Herr Schutzmann! Er ist ja wieder ganz ordentlich! Ich Hab' ihm weh getan-— sie fuhr sich mit der chand über die zerrauften Haare—" dafür hat er mir jetzt auch weh g«. tan. Und jetzt ist alles wieder in Ordnung. Das geht niemandem was an, was wir miteinander gehabt haben! Keiner Polizei und keinem Menschenl- Aber die Schutzleute blieben unerbittlich. Sie zerrten den Ar. beiter fort. Frau Ameli« sah, wie der sich umwandt« und etwas zu dem Mädchen sagte. Er sprach so leise, daß sie ihn nicht verstehe» konnte, er schien dem Mädchen zuzureden. Schließlich gab er die Hand, aber das Frauenzimmer weinte auf und hing sich an ihn. „Nein!- klagte sie,„du sollst nicht fort, Karl! Ich will bei dir bleiben. Du hast recht getan, wie du mich geschlagen hast. Was geht's denn die an, die sollen sich nicht einmischen!- „Wenn die Person keine Vernunft annimmt, muß sie eben auch mit,- befahl der eine Schutzmann.„Marsch! Alle zwei!- Und der ganze Trupp mitsamt den Zuschauern setzte sich in Bewegung und verschwand um die nächst« Straßenecke, unter spät- telnden Zurufen der Menge und heulenden Reden der slachshaarigen Dirne. Frau Ameli« trat vom Fenster weg. Ein« höchst widerliche Szene! Daß so etwas in dieser feinen Gegend überhaupt vor- kommen konnte! Sie wollte den unerquicklichen Vorfall, der ihre Neugierde doch nur vorübergehend hatte reizen können, und dem sie halb abge- stoßen, halb lüstern gefolgt war. schnell wieder vergessen. Sie zog sich um und dachte dabei an die fünf verschiedenen Eissorten von heut« nachmittag— zwang sich, daran zu denken. Aber ihre Ge- danken kehrten dennoch stets zu dem Straßcnbild zurück. Schließlich fand sie sich im dunklen Wohnzimmer an unge- wohutcr Stelle auf einem unbequemen Stuhle sitzend und vor sich hinswnend. Nachdenken war sonst nicht ihre Sache, aber diesmal versank sie mehr und mehr in ein ergebnisloses Brüten: was hatte sie da vorhin gleichsam miterlebt?-- sie hörte noch die Stimme des Mädchens: Er ist ja wieder ganz ruhig--- und mir ist recht geschehen,— und niemand soll sich einmengen und er geht jetzt wieder brav mit mjr.— Diese weinende, verteidigende, angstvolle Stimme, aus der etwas wie-- Lieb« klang? Eine Liebe, die sich mißhandeln ließ? Schöne Liebe! Frau Ameli« schürzt« verächtlich die Lippen, aber gleichzeitig sah sie im Geiste ein junges Weib, das trotz Prügel, Polizei und höhnischer Reden an einem jungen Menschen hing, der ihr gehörte -- über Prügel, Polizei und Hohngelächter hinaus. Von der Be- deutung dieses Bildes, das sie vor ihrem geschlossenen Auge im Dunkel des Zimmers sah, konnte sie sich keine klar« Rechenschaft geben. Sie fühlte nur mit Unbehagen, daß es sich ihr immer wieder aufdrängte. Plötzlich ertappte sie sich mit einem leisen Schrecken bei der Erwägung, was sie tun würde, wenn es ihrem Manne jemals ein- fallen sollte, die Hand gegen sie zu erheben? Natürlich sofort die Koffer packen und zur Mama nach Paris reifen! Das war doch selbstverständlich.— Aber jenes Mädchen--? Die hatte den Mann, der sie geschlagen, verteidigt, hatte sich gegen jene gestellt. die es gut mit ihr meinten, und ließ sich nun mit dem Grobian zu- sammen einsperren. Warum nur? Das war doch ganz wider- sinnig. Ach was! Pack schlägt sich. Pack verträgt sich. Ich will nicht weiter darüber nachdenken. Sie sann dennoch weiter darüber nach, sofern sie überhaupt fähig war, über etwas nachzusinnen. Aber sie kam zu keinem Ab- schluß. Sie empfand nur dumpf, daß etwas vor sich gegangen war, was fremd und seltsam bedeutungsvoll in ihre nüchterne Welt hin- einleuchtete, in ihre Welt der Toiletten und Eissorten, etwas, dem sie niemal» in ihrem Leben begegnet war— bis auf den heutigen Tag, wo es in Gestalt eines Arbeiters und seines Mädchens wie aus großen, ungewöhnlichen und unheimlichen Fernen herüber- gewinkt hatte. Sie wurde sich auch nicht klar darüber, daß sie etwas wie Neid empfand bei dem Gedanken an das Schicksal der geprü- gelten Dirne. Wenn man ihr die» gesagt hätte-- sie hätte die Verdächtigung mit Empörung zurückgewiesen. Hätte man sie aber gefragt: Glauben Sie nicht, daß Sie einmal etwas Wichtigeres in Ihrem Leben versäumt haben, etwas ganz Unfaßbares, unwider- dringlich Entschwundenes-- etwas, an dem Sie blind vorbei- gegangen sind, das groß und unerkannt und ungefühlt an Ihnen vorüberegrauscht ist--, wenn man sie so im schweigenden Abend- licht des srühlingsdurchhauchten Zimmers gefragt hätte, so wäre sie nicht aufgefahren, wie vorhin, sondern hätte wohl unsicher und leise geantwortet: Ich weiß nicht, was Sie meinen.... Eine Welle des Lebens, eines ewig ihr verschlosienen, eine» wilden und unbegreiflichen, war bis an die Fenster ihrer geputzten Wohnung gebrandet und hatte Dinge mit sich geschwemmt, die ge- mein und abstoßend waren und dennoch seltsam verlockend,-- und dennoch wie erfüllt von einem Ungeahnten, von dem Duft und Zauber eines Uebermächtigen. Haß und Zorn und Schmerz und Glück und Liebe waren zum erstenmal vor ihren verkümmerten gleichgültigen Blicken in unbehauener Form aufgetaucht-- waren vom Straßenpsloster her zu ihr emporgewachsen in abgeschmackter und dennoch mächtiger Gestalt und in wirrer, lächerlicher und den- noch ergreifender Geste. Die schöne Frau im dunklen Zimmerwinkel war längst über die Dreißig hinaus und hatte nichts Derartige» erlebt. Und sie mußte nicht, worüber sie letzten Endes nun grübelt«, was sie in dieser stillen Stunde eigentlich empfand: Eine von der alltäglichsten All- täglichkeit ganz überwuchert« Sehnsucht nach dem ungelebten Leben, ein schwaches erbärmlich vermodertes Verlangen nach seinen Höhen und seinen Tiefen, nach Ausfahrt und Abenteuer, nach einem In- die-Weit«-zi«hen, irgendwohin, wo Täler blühen und Gipfel ragen, wo nicht der von tausend Füßen feingeriebene Staub der Heerden- straß« die Augen trüb und stumpf macht. Dorthin, wo nicht dem In-die-Ferne-schauen der Oualm der Niederungen ehrt.... Frau Ameli« saß noch Immer auf dem alten Platz und wandt« nun emporblickend ihre großen schönen dummen Augen gegen das offene Fenster und den nächtlichen Frühlingshimmel. Ein Stern flammte herein— von den Anlagen stieg würziger Atem der jungen Erde und eine junge Weiberstimme sagte wie ganz von weitem: Er gehört zu mir, er gehört doch mir.... Da ging die Tür und ihr Mann trat ins Zimmer. Er wunderte sich, daß seine Frau um einhalb neun Uhr noch im Finstern hockte. Das Essen wartete jchon und man ging gleich hinüber ins Speisezimmer. Es gab zarte Hammelkoteletten und frische aus- ländische Bohnen. Bei Tisch erzählte sie von dem Krawall auf der Straß«. Es sei unerhört, daß solches Gesindel überhaupt in diese gut« Gegend komme, ereifert« er sich. Und er werde sich wegen des lässigen Wachtdienstes beim Polizeipräsidium beschweren. Dann ging man in» Rauchzimmer und sprach nicht weiter über diese Angelegenheit. Er setzte eine Importe in Brand und oergrub sich in seinen Klubsesiel. Und sie begann die Ergebnisse der heutigen Teeschlacht genau zu erzählen. Er hörte anfangs mit halbem Ohre hin, dann schlief er ein, die erloschene Zigarre zwischen den fetten Fingern. Sie aber, nachdem sie mit ihrem Bericht zu Ende war, stand auf und schüttelte ihn, denn es war bereits nach zehn Uhr und Zeit zum Schlafengehen. Der Neteorkrater von /Uizoi?* „Die interessanteste Erscheinung auf der Oberfläche unseres Planeten- hat der berühmte schwedische Astronom Soante Arrhenius den sogenannten Meteorkrater in Arizona genannt, und zweifellos ist dieses ungeheure Erdloch ein Naturdenkmal, das der Wissenschaft seit mehr als einem Dritteljahrhundert Rätsel aufgibt, an deren Lösunsi sich nicht nur bedeutende wissenschaftliche, sondern auch große materielle Folgen knüpfen. Ein amerikanischer Ingenieur, H- I- Minhinnick, der den Krater eingehend studiert hat, gibt I» einem interesianten Aufsatz der Zeitschrist„Progressive Arizona- genau die Tatsachen an, an die sich so viele Erörterungen ang«' schlössen haben:„Im nördlichen Mittel-Arizona nicht weit von der Stadt Winslow an der Hauptlinie der Santa-Je-Eisenbahn und in der Nähe des berühmten Diablo-Canons ist ein merkwürdiger Krater, ein Erdloch, das Z9SE Fuß im einen Durchmesser und 4! 0 Fuß über dem anderen mißt, umgeben von einem„Rand-, der sich ungefähr(30 Fuß über die Erdoberfläche erhebt. Die Tiefe des Loches vom obersten Rande an beträgt etwa 500 Fuß. Es ist nicht die kleinste Spur einer vulkanischen Tätigkeit viele Kilometer rings um den Krater festzustellen. Die Steinschichten, sonst überall wage- recht, sind umgewühlt und an zwei Stellen tatsächlich senkrecht. Die Ebene rnn den Krater herum ist dicht bedeckt mit großen Blöcken aus Sandstein und Kalkstein, von denen manche viele Tonnen wiegen. In dem Krater und ringsherum sind lingeheure Mengen von„Gesteinsstaub-, die aus dem Sandsteinboden zu feinstem Puder zerrieben sind. An manchen Stellen sind diese«taubmassen mebr als 10 Fuß dick. Im Krater und um ihn herum hat man mehr Meteorsteine gesammelt, als jemals sonst auf der ganzen Erd- oberfläch« zusammen gefunden worden sind. Diese Meteore haben ein Gewicht von wenigen Gramm bis zu 1800 Pfund. Der Krater wurde zuerst von Weißen im Jahre 1871 bemerkt. Ein Späher des General» Erook, A. F. Banta, entdeckte ihn und nannte ihn „Franklins Loch-. Seitdem haben sich viele Gelehrt« mit der Er- scheinung beschäftigt: umfangreiche Grabungen und Bohrungen sind vorgenommen worden, um die Entstehung festzuitellen. Es gibt drei Theorien, die darüber aufgestellt worden sind. Nach der ersten ist der Krater ein Ergebnis vulkanischer Tätigkeit. Das ist aber ganz unmöglich, wie die eingehenden Forschungen er- wiesen haben. Es gibt reine Spur von Lava in der ganzen Ilm- siegend: die Form des Kraters widerspricht seiner vulkanischen Eni- jlehung, und auf diese Weise lassen sich die vielen Meteorsteine nicht erklären. Auch die zweite Annahme, die eine gewaltige Explosion von heißem Dampf au« den unteren Schichten der Erde vermutet, ist ganz unmöglich. Durch Bohrungen bis zu einer Tiefe von 000 Fuß unter dem Boden des Kraters ist ein vollkommen unver- letzte? Bett von solidem roten Sandstein festgestellt worden, während die Schichten darüber vollkommen zerschmettert sind. Aus der Ties« der Erde kann die Ursache nicht gekommen sein, zumal auch durch heiße Dämvf« die Ansammlung des Gesteinsstaubes nicht zu erklären wäre. Es bleibt also nur die Theorie übrig, nach der vor Tausenden oder Zehntaujenden von Iahren ein riesiger Meteor oder vielleicht gar der Kern eines Kometen auf seiner Bahn mit der Erde zu- samniengestoßen»st. Diese Katastrophe, die das riesige Loch in das feste Crdgestein schlug, die Felsschichten von ihrer wagerechten in cme senkrechte Stellung verkehrte und 300 Millionen Tonnen von Trümmern aus deni Loche herausschleuderte, wird heute von allen Forschern aus diese Weise gedeutet. Wenn wir die Schnelligkeit wüßten, die der Meteor in dem Moment des Aufstoßens hatte, dann wäre es leicht, seine Größe zu berechnen. Lag seine Bahn in der- selben Richtung wie die der Erde, so läßt sich die Schnelligkeit mit etwa 38 Kilometer in der Minute annehmen. Bewegte sie sich zur Erde entgegengesetzt durch den Raum, so würde die Slbnclliakeit sogar mit etwa 70 Kilometern in der Sekunde zu bezissern sein. Berechnet man danach die aufprallende meteorische Masse, so kann sie nicht weniger als 1 Million Tonnen gewogen haben, wahr- scheinlich aber fünfmal soviel. Die wichtigste Frage ist nun:„Wo befindet sich jetzt die Haupt- masse des Meteors?" Mehrere hunderttausend Dollar sind bereits bei Bohrungen aus der Suche nach dem Meteor verbraucht worden. Da man zuliäckist meinte, daß der Meteor die Erd« fast senkrecht getroffen habe, so wurde ein Schacht in der Nähe de» Mittelpunktes des Kraters in die Erde gebohrt. In einer Tiefe von 225 Fuß gab man diesen Versuch aus. In neuester Zeit hat man dann an der Südseite des Randes Bohrungen b»? zu einer Tiefe von 1376 Fuß vorgenommen und ist dabei auf eine 30 Fuß tiefe Schicht von meteo- rijchem Stoff gestoßen. Diese Bohrung hat also einwandfrei er- wiesen, daß die Annahme einer Entstehung durch den Ausprall eines Meteors richtig ist und daß sich die Hauptmasse unter dem Südrand des Kraters beiindet. Diese Feststellung ist nicht nur sür die Wissen- schaft von größter Bedeutung, da sie neue Erkenntnisse für den Auf- bau unseres Sonnensystem vermittelt, sondern sie kann auch sehr großen wirtschaftlichen Wert erlange,». Nach den Berechnungen von Professor Ciihu Thoinscn enthält die meteorische Masse, die zum größten Teil aus Eisen besteht, 8 Proz. Nickel und in jeder Tonne etwa 18 Gramm Platin und Iridium. Wenn die Masse 5 Millionen Tonnen schwer ist. so würde sie 9 0 0 0 0 K i l o g r a m m Platin und Iridium ausweisen. Bei dem großen Wert des Platins und Iridiums würde das, selbst wenn nran das Eisen und Nickel gar nicht mitberechnet, eine ungeheure Summe ergeben, die bei der Aus- beutung de» Metcorkiaters gewonnen werden könnte. vom Zähneputzen auf öer ganzen Welt. Seitdem etwa um die Mitte des 18. Jahrhunderts die Zahn- bürste in Gebrauch gekommen ist, ist sür uns Zähneputzen und Ge- brauch der Zahnbürste fast dasselbe. Es ist nicht überall so, aber selbst in Deutschland läßt der Gebrauch der Zahnbürste noch manches zu wünschen übrig. Wie Dr. Maagk in der„Zahnärztlichen Rund- schau- angibt, ist die„Familienzahnbllrste- noch sehr häufig. Ja, er glaubt sogar, daß, wenn es uns in Deutschland bei der äugen- blicklichen Wirtschaftslage möglich wäre, durch die Schulzahnkliniken jedem Kinde eine Zahnbürste und ein Zahnputzmittel unentgeltlich mitzugeben, doch ohne Mithilfe der Schule kein durchschlagender Erfolg zu erzielen wäre. Auch fehlt es zurzeit an einem billigen Zahnputzmittel. Unsere großen Fabriken sollten ein billiges, ein- wandsreies, ständig kontrolliertes Zahnpuloer in einer praktischen Pappstreudose aus den Markt bringen, das auch weniger bemittelte Schichten erschwingen können. Mehr als 25 bis 35 Pfennig dürfte eine für zwei bis drei Monate ausreichende Packung nicht tosten. Süiis alle Fälle muß man sich an die Schulkinder wenden, damit sie als kommende Generation die durch Nachlässigkeit bedingten Zahn- schaden unserer Borfahren herabmindern. In Amerika hat inan seit mehr als einem Dezennium die Zahn- hygienikerin angestellt, die in den Schulen Anleitung zur richtigen Zahnpflege gibt. Man geht dabei durchaus praktisch vor. Da» Kind hat ein größeres Interesse daran, etwas zu tun oder nach- zuahmen, als sich mit theoretischen Vorgängen zu beschäftigen. Einige Minuten Uebung im Zähneputzen in der Schule sind mehr wert als ausführliche Belehrung über Bau und Pflege de- Gebisses. Man hebt nicht Schäden hervor, sondern sagt dem Kinde:„Putze deine Zähne, damit du dich sreuen kannst, einen frischen Mund, einen reinen Atem, ein Gebiß voll starker, gesunder Zähne zu haben." _ lieber das Zähneputzen in Afrika erfahren wir von Dr. Mohn- heimer, daß es selten vorkommt, daß bei einem Neger ein Zahn schlecht wird, denn die Neger legen großen Wert auf die Pflege des Mundes und bürsten ständig mit einem an dem einen Ende zerfaserten Holzstäbchen an den Zähnen herum. Den eigenhändigen Gebrauch eines Zahnstochers verbietet ihnen der Aberglaube, aber wenn eine andere Person den Zahnstocher führt, so wird die Er- zürnung der Gottheit hierdurch oerhütet. In Asien ist bei den Indern eine gute Mundpflege sehr weit verbreitet. Häusiges Zähne- reinigen ist religöse Vorschrift. Am Morgen darf kein Getränk und keme Speise angerührt werden, bevor nicht die Zähne getein'gt sind. Dazu benutzt der Inder entweder die Zweige eines frucht- tragenden Feigenbaumes, oder aber er nimmt etwas Asche oder feine Holzkohle auf den Zeigefinger und reinigt so seine Zähne besser und schneller, als es mit einer Zahnbürste möglich märe. Angebote zu wlrklicfaen Sensations- Preisen Baumwollwaren Bettwäsche Robnessel***". 0.38 Hemdentuch mgatf'!flfc0<39 Renforce� 0.48 Wäschetuch 0.58 Makodmitat�r�Tr 0.68 Edeltuch�rd�e'0.78 Ded 140XZS0 cm Tischtücher- Kaffeedecken weiß und farbig, in allen Größen und Huefflbrungen. mit keinen SAÖnbeitsfeblem xu ewerw billigen Preisen Fesclie Kapge i aus Velvct, mit 1 Bandgarnierung Rein Mako elegante Wisch«' Qualität.. Meter 78 Pt Bettucb-Nesscl besonders schvere Qualität, ca. 140 cm breit.... 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Aug«. böte unter S. 27 an die Souptexpeditjon des Vorwärts.- Arbeitsmarkt Stellenangebote Tüchtiger ffäzbez für Galalith knöpfe gesucht. Angebot« v. 27 LorwLrts-Ver- Um. Nr. 402 ♦ 4Z.Iahrgaag 3. Beilage öes vorwärts 5rettag, 27. August Die Krise in öer kpd. deutsche Arbeiter, oder russische Staatspolitik? Von Reinhold Schönlant. Senoffc 3t« Infiotb Cdiünlanf renkst uns folgenden intet. «(Tanten Ärtikel, Ken wir wiedetaeben. odwobl vir in der Beurtei- lung der gegenwürtigen innerrusfilchen Politik in manchen Punkten nicht mit ihm tibereinstimmen. Di« Komm-unistische Partei wird schon jahrelang von Fieber. schauern geschüttelt. Aber niemals ist ihr Zustand bedenklicher ge- wesen al» setzt. Di« gesamt« Partei befindet sich in Unruh«. Eine Richtung kämpft gegen die andere. Niemond weiß, wie das Ende fein wird. Eines jedoch ist jetzt schon sicher: Di« KPD. muß, wenn st« die Interessen derer wahrnehmen will, die sie zu vertreten vorgibt, nämlich der deutschen Arbeiterklasse, sich unverzüglich von dem Ein» slusse Moskaus befreien. Tut sie das nicht, wird sie sich spalten. Tefrcit sie sich vom moskowitischen Imperialismus, dann ist in Deutsch- land kein Platz mehr für eine Arbeiterpartei außer- halb der deutschen Sozialdemokratie. Wie sich die Dinze auch gestalten werden,«ine» ist sicher, die deutschen Kommu- nisten stehen an einem Scheideweg«, der sie ins Nichts oder zu- rück in die Sozialdemokratie führen muß. Wie kam es zu den Spannungen in der KPD.? Demjenigen, der die inneren Strömungen in der KPD. nicht kennt, der sie nur aus ihren hochtrabenden Aufrufen und Erklärungen beurteilt, muß viele» anders erscheinen, als es In.Wirklichkeit ist. Tatsächlich ist der Werdegang der KPD. die Geschichte jener Schichten der deutschen Arbeiterklasse, die von den revolutionären Ereignissen der Jahr« 1317—1918 erschüttert, dem Laus« der Geschichte vorauseilen wollten. Allzu langsam schien ihnen der Gang der Geschehnisse. Sie wollten im kühnen Ansturm erobern, was nur Frucht jahrelangen, harten Ringen» einer geeinten Arbeitertiasse im revolutionären Kampf« fein konnte. Geht es doch wohl fast einem jeden von uns so, daß dem heißen Herzen das Tempo des Fortschrittes ungenügend erscheint. Würde uns nicht die nüchtern« Erkenntnis der Triebkräfte der Ge- fellschaft leiten, dann würden auch wir In dieselben Fehler verfallen wie die KPD. So erstand aus der Stimmung des Vorwärts- stürmen-Wollens die Richtung in der KPD., die die Welt- reoolution erzwingen wollt«. Warnend hatte kurz vor ihrem Tode Rosa Luxemburg in der„Roten Fahne* geschrieben: .Kürzer treten!—* Di« klugen und abwögenden Elemente wurden nach der Vereinigung mit der USPD. im Jahr« 1020 aus der Leitung gedrängt. Jene Führerschichten bekamen die Oberhand, die«in« neue Revolutionstheori«, der man den lltamen Offensivtheori« gab, aufgestellt hatten. L e v i und Klara Zetkin mußten gehen. B r a n d l e r erhielt die Führung. Er ließ sich in die unselig« März. aktion des Jahres 1921 treiben, die gestützt auf«in« Analyse der Weltlage, in dem Satz« gipfelte:„Der Krieg zwischen Amerika und England steht vor der Tür. Di« Weltrevolutichn muh siegen: schlagen wir darum in Deutschland los.* Wie war er zu dieser Anschauung gekommen? Wenn wir diese Frag« beantworten wollen, kommen wir aus da» Zentral- Problem der KPD.— ihr Verhältni» zu Rußland. E� darf hier als bekannt vorausgesetzt werden, daß Rosa Luxemburg nnd ihr Kreis«in« ablehnende Haltung gegenüber den Prinzipien der russischen Bottchewiki nach deren Machtergreifung«innahmen. Ihre meisterhaft« Kritik ist inzwischen in allen wesentlichen Punkten bestätigt worden. Aus dieser Haltung herau» wollte dieser Kreis, bekannt unter dem Nomen„Spartakusbun d", sein« Politik unabhängig von den russisch-bolschewistischen Einflüssen halten. Auch nach dem Tode von Rosa Luxemburg wurde dies« Politik fortgesetzt. Paul Leoi und seine Anhänger schufen sich im sogenannten West- europäischen Sekretariat«in« Plattform, die ihre Gegen- sähe zu den rufsisch-bolschewistischen Handlungen aufdeckte. Di« Haupt- punkte, in denen sie sich van den Russen unterschieden, waren die Maßnahmen, die in Moskau getroffen wurden, um sich ein« getreue Schutzgarde von Anhängern in den verschiedenen außerrussischen Ländern zu sichern. Die» Ziel glaubte die russisch« Politik am besten zu erreichen, Indem sie die geschlossene europäische Arbeiterbewegung nicht nur politisch, sondern auch gewerkschaftlich zerschlug. Dies war um so verhängnisvoller, als im wesentlichen die größten Parteien de» westeuropäischen Sozialismus der russischen Revolution sympathisch gegenüberstanden. Rußland würde«inen viel sesteren Stützpunkt zur Weiierführung seiner Revolution in der Gesamtarbeiterklass« der Welt gehabt haben, wenn es diefen verhängnisvollsten aller Fehler. die gewaltsam« Zertrümmerung der Arbeiterbewegung Westeuropa», nicht begangen haben würde. Der andere Gesichtspunkt, in dem sich die Spartakusgruppe von Rußland trennte, war die Beurteilung der revolutionären Situation. Sie faßt« die revolutionäre Bewegung als ein« Massenbewegung auf, die man nicht künstlich machen, sondern nur beeinflussen könnte. Di« russischen Bolschewiki glaubten an die Möglichkeit der Organisierung einer Revolution. In Rußland wartet« man aus die Weltreoolution. Daß dies« nicht kam, war nicht Schuld der Bolschewiki. Sie mochten in ihrem Kamps«, den sie gegen die ganze Welt zu führen genötigt waren, auf die international« revolutionär« Unterstützung der Ar- beiterkloss« hoffen. Da sie aber ihre ganz« Politik nur aus ein« Kart«. auf die Weltreoolution, die nicht kam, gesetzt hatten, wurde ihr« inter- national« Politik so verhängnisvoll für die westeuropäische, in»b«. sonder« deutsche Arbeiterklasse. Brandler wurde zum Hauptoertreter der russischen Anschauungs- weise. Daraus erklärt sich die Tätigkeit Brandler», der sonst ein abwägender Kopf war. während der Märzaktion 1921 und im Oktober 1923. Der Zwiespalt in der Politik der KPD. unter Brondlcrs Führung drückt sich in dem Versuch aus. auf der einen Seil« Anschluß an die sozialdemokratischen Arbeiter zu finden. auf der anderen Seite deren Partei zu zertrümmern, um die„Welt- reoolution* durchzuführen, indem man den Gegner„provoziert*. Brandler mußte, um die linken Elemente seiner Partei bei der HM Ich höbe Kaffee Hag sowohl In der Praxis als auch In meinem Familiengebrauch hAufig angewandt In den meisten Fällen, wo der gewöhnliche Bohnenkaffee contraindizierend ist. leistet Kaffee Hag sehr gute Dienste; er wird auch gern genommen, da er In puncto Aroma hinter keinem Bohnenkaffee zurücksteht. Or.JI. Ab der HaMwi,. ffQfilhl Stange zu halten, sich und seine Partei über die wahren Trieb- kräfte der Arbeiterbewegung täuschen. Die Einheitsfront- taktik wurde als ein Manöver durchgeführt, um den sozialdemokratischen Gegner zu täuschen und zu verwirren. Daß diese Politik an ihren inneren Widersprüchen im Lande, wo man eine wirkliche Einheitsfront wollte, scheitern mußte, war leicht vorauszusehen. Dazu kam noch, daß in Rußland immer stärker die „Neue ökonomische Politik"(Nep) sich durchsetzte, die die russischen Bolschewiki zwang, ihre Machtposition immer mehr in der Bauern- schaft zu verankern. Damit geriet die bolschewistische Diktatur immer mehr in Widerspruch mit den Interessen nicht nur der russischen Arbeiterklasse, sondern der der ganzen Welt. Moskau stellte seine Außenpolitik um. Aus der Losung„Weltrevolution*, die durch putschistischc Abenteuer der angeschlossenen Sektionen er- zwungen werden sollte, wurde die Losung„Befreiung der unterdrückten und armen Nation« n*. Würden die am Marxismus geschulten westeuropäischen Kommunisten ihre Ersah- rungen aus dem Weltkriege nicht vergesse» gehabt haben, so hätten sie erkennen müssen, daß hinter dieser Losung der nach Machtcnt- faltung hungernde, neuaufkommende russische Imperialismus steckte. So kam es, daß nicht nur in Rußland, sondern auch in den west- europäischen Sektionen der Kommunistischen Internationale eine starke Spannung entstand, die durch die Opposition der mißtrauisch gewordenen Arbeiter gegenüber der russischen Staatspolitik hervor- gerufen wurde. S i n o w j e w war schon damals der letzte Ver- treter der auf Weltrevolution abgestimmten Kommunisten. Seine Kampfesmittel waren damals nicht nur falsch, sondern gefährlich. Er versuchte zum letzten Male in Deutschland im Oktober 1923 das Steuer herumzureißen und nahm gleichzeitig' in Rußland zum min- besten einen Scheinkampf gegen die Nep aus. Er wolltezurück zu den alten Methoden des russischen Kriegs- kommunismus und der deutschen Märzaktion. Er mußte an diesen Voraussetzungen scheitern, lieber sie war die Ge- schichte zur Tagesordnung übergegangen. Er stand damals gegen Tvo tz ki und Rad ei, die insgeheim mit dem Gedanken einer Wiedervereinigung der Arbeiterklasse durch L i- quidierung der Roten Gewerkschaftsinter natio- n a l e sowie der Moskauer Internationale zu spielen be- gannen. Weder Rußland noch Deutschland konnten sich in neue Abenteuer stürzen, ohne zugrunde zu gehen. So erblich Sinowjews Stern. Stalin, Rykow und T s ch i t s ch e r i n übernahmen es, die neuen Wege der russischen Politik zu gehen, die dem Bauerntum immer mehr Rechte gab, den Arbeitern aber immer mehr Pflichten auferlegte. Die Oktoberaktion 1923 war aber gleichzeitig der Schlußstrich unter die Politik der Brandlcr-Richtung, die nicht den Mut gehabt hatte, sich von der russischen Bevormundung zu trennen und die Interessen der deutschen Arbeiterklasse zu vertreten. Halbheit tötet. Nun folgte die Richtung Ruth Fischer-Scholem als Reaktion auf den Brandler-Kurs. Der Wortradikalismus übergipfelte sich. Di« Sozialdemokratie wurde zum Todfeind der Arbeiterklasse gestempelt. Ruth Fischer und ihre Mannen zogen einen solchen Trennungsstrich zwischen sich und der überwiegenden Mehrheit der Arbeiterschaft, die hinter der SPD. stand, daß sie, als sie eines Tages erwachten, sich nach den Worten Ruth Fischers im Loger der Reaktion befanden. Man denke nur an die Preußen- und Kommunalpolitik der KPD. Die Kommunisten verloren jeden Ein- fluß. ließen bei jeder Wahl gewaltig Haare. Da griff Rußland ein und fegt« die Fischer und Schalem durch den Ekkibrief davon. Im Grunde genommen war die Richtung Fischer-Scholem ein« unbewußte Absage an die immer deutlicher als kapitalistisch erkenn- bar werdende russische Politik. Es waren rein« Arbeiterschichten. die revolutionär aufgewühlt, die Politik der Fischer-Zentrale deckten. Wenngleich Ruth Fischer denen, die Rußland wahrheitsgemäß kenn- zeichneten, mit dem Ausschluß drohte, vollzog sie doch gleichzeitig ihre eigene Wandlung zur Abkehr von Rußland. Der von ihr unter- nommene Versuch, deutsche Arbeiterpolitik auf blan- quistischer Grundlage zu treiben, mußte die russischen aus- wältigen Interessen stören. Rußland brauchte einen Handelsvertrag und einen Sicherheitspakt mit Deutschland. Beides konnte Rußland nur erlangen, wenn die deutschen Kommunisten sich manierlich bc- nahmen. Ruth Fischer versuchte diesen Dingen gerecht zu werden, indem sie eine neue Annäherung an die SPD., wie sie es auffghts, propagierte. Auf der anderen Seite wollte sie sich von Moskau trennen und begann antirusstscheFraktionen. nicht nur in Deutschland, auszuziehen. Dieses brach ihr das Genick. An chre Stelle kam der„Transportorbeiter* T h ä l m a n n. Die Mittelgruppen um S t ö ck e r und K o c n e n, die mit Schuld gewesen waren am Auf- kommen der Fischer-Herrschaft und die rechten unter Meyer durften gnädigst wieder mitarbeiten, Inzwischen hatten sich die Gcgeysötzc in Rußland derart über- spitzt, daß sie zum Austrage drängten. S i n o w j c w wurde bc- scitigt, weil er weiterhin den Standpunkt vertrat. Arbeitcrpolitik zu treiben. Er nahm den Kamps auf und fand als Bundesgenossen nur die einst von ihm so arg befehdeten und aus den Positionen ge- drängten T r o tz k i und R a d e k. Ferner die bereits durch Lenin beseitigte Arbettcropposition unter S l a p n i k o w, sowie die Rich- tung Medwedjew vor. Er mußte seinen alten Standpunkt inso- fern preisgeben, al» er feine blanquistischen Anschauungen nicht mehr aufrecht erhalten konnte. Es darf angenommen werden, daß in der nicht einheitlichen russischen Opposition, getrieben durch die Logik der Geschichte, die Trotzkisten die Oberhand bekommen werden. Diese erst unter der Oberfläche sich abspielenden russischen Erz eignisse riefen die deutschen Kommunisten auf den Plan. Soweit sie in Opposition standen, gerieten sie in Gegensatz zur Stalin-Gruppe, die den Gegebenheiten des russischen Bauernstaate» nüchtern Rech- nung trägt. K a tz und K o r s ch wurden gegangen. Aber immer unaufhaltsamer rannten die Antimoskowiter in der KPD. gegen ihre Führung an. Es erwies sich als richtig, was früher oppositio- nelle Kommunisten gesagt hatten, daß jede Führung der KPD. ein- mal an einen Punkt käme, wo sie entweder deutsche Ar- beiterinteressen oder russische Staatspolitik ver- treten müsse. Dieser Zeitpunkt ist jetzt für die Führung der Kommu- nisten wieder einmal gekommen. Die kommunistischen Arbeiter in ihren wertvollsten Teilen haben es satt, Agenten russisch-imperia- listischer Außenpolitik zu werden. Ruth Fischer sagt jedem deutlich, was ist. Darüber täuschen noch so schön gefärbte Bericht« nach Ruß- land entsandter Arbeiterdelegationen nicht hinweg. Es erweist sich, daß solche Delegationen gerade einen Reisebericht geben können, niemals aber die Differenzierung der Klassen und die Ver- Hältnisse eines solchen Landes in kurzer Zeit, zumal sie als Dele- gationen kommen und entsprechend„aufgeklärt" werden, zu erkennen vermögen. Würden alle Arbeiter Deutschlands aufmerksam da» ver- folgen können, was die russischen Bolschewiki, stehen sie, wo auch immer, über die Umschichtung der Klassenkräfte zu sagen haben, dann würde ihnen klar werden, daß Rußland zu einem mächtigen kapitalistisch.imperialistischcn Staat wirh. Das einzige Gegengewicht würde die Befreiung der russischen Arbeiter von dem Zwange einer Diktatur sein, die unter dem Vorwande, sozialistisch zu sein, den Arbeitern die Luft zum Leben raubt. Nur eine von den jetzt herrschenden Schichten der Bolschewiki los- gelöste Arbeiterpartei kann die Voraussetzung zu einem neuen Ausstieg des russischen Proletariats sein. Wenn daher die Sinowjew, Kamenew, Krupskaja, Radek und T r o tz k i es durchsetzen sollten, eine solche legal« Partei zu schaffen, die unter dem Drucke der Verhältnisse sozialdemokratische Politik machen müßte, dann wäre viel erreicht. Die deutsche Arbeiterklasse muß daraus die Lehre ziehen, daß in Deutschland kein Raum ist für zwei Arbeiter- Parteien. Die Kommunisten haben da» Recht verwirkt, sich so zu nennen. Sie sind die getreuen Troßknechte arbeiterfeindlicher russischer Staatsinteressen geworden. Mögen daher die kommu- nistischen Arbeiter den einzig möglichen Schluß ziehen: Loslösung von Moskau, Wiedervereinigung mit den kampferprobten Massen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. fnubt Spoff Hallenturnschuhe S|A mit bieenmer Chromledersohle und I\J\ß mit blegssmer Cbromledersohle und Gummiband, prima Stoffgewebe, Gr. 31 bli3S 1,45, 36-42 1,00, 43-47 1,75, 27-30 Graue Turnschuhe prima Segeltuch, Kräftige Chromsohle, H Grösse 31-35 2.25. 36-42 2.65. g* 43-47 2,95........... Grösse 25—30 JKL Lederturnschuhc rör aktive Sportler, prima Chrom- lederaohle, biegsam u. elastisch, Gr- 41 bis 46 6,50............ Grösse 36-40 Radfahrerschuhe*¥90 aalt Stahlelnlag«, auch für die Bahn, Grösse 30-46 8,75..... 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Wittenwalde. 8 Uhr Versammlung bei Rühle. Referent Genosse Blei». Gäste willkommen. * 2. Abt. Die Bezirksführer werden gebeten, die Teilnehmerkarten zum Dampferausflua nach Alt-Duchhorft am 12. September umgehend beim Gr» noffen Dorift abzuholen. 82. Ab:. Stcglig. Wald» und Bindcrfeft am Sonntag, s. September. Treff. 3 Ilbr Restaurant Waldfriedcn in Dahlem. Alle Genossen und Gc- nossinne» sowie Gäste find herzlichst eingeladen. Ucberraschungcnl Wünsche sind an Eenosscn Bronenbcrg. Eteglift. Mommscnstr. m. zu richten. Arbeitsgemeinschaft der Binderfrcnnde. Bezirk Wcdbing, Gruppe Schillerpark: Sonntag. 29. August. Fahrt mit den Eltern nach dem Falkenhagener See. Treffpunkt 7 Uhr morgens Bahnhof Putliftftrafte.— Breis Mitte: Der Aosvitierahend in der Jensenschule findet nicht Freitag, Z7. August, statt, sondern Dienstag, 7. September. Interessierte Genossen sind«ingeladen. Belschendors bei Fürftcnwaldc tSprccs. Am Sonntag, 19. September, feiert unsere Ortsgruppe nach lläjährigcm Bestehen ihre Fahnenweihe, zu der auch die Berliner Genosse» herzlichst eingeladen werden. Fahnen sind mit» zubringen. Vormittags: Einholung der auswärtigen Gäste. Nachmittags >42 Uhr: Antreten der Vereine an der Fcsthalle. Abmarsch zum Fcftplaft. Festrede und Fahnenweihe. Festbcitrag 50 Pf. inkl. Tanz. Sozialiftische /lrbeiterjugenö Groß-Serlin. Achtung. Kassierer! Heute Abrechnung der Beiträge. Abholung der„Arbeiter-Zugenb" und „Jugend ooran!� für September, ö— 7 Uhr. Achtung, Zugendoolk-bühnenmitglieder! Die Abonncmcntskarten sind ein. getroffen. heule, Freitag, 27. August: Moabit I: Waldcnscrstr. 2a. Vortrag: Börpcrkultur. � WeddingRotd: Schönstedtstr. 1. Vortrag: Führer der Arbeiterbewegung.— Rosenthaler Vor. stadt: Gipsstr. 23a. Vortrag: Wir und die bürgerliche Jugend.- Frankfurter Viertel: Rigaer Str. 102/103. Unsere Gegner.— Stralaucr Viertel: Eoftler» strafte 01. Vortrag: Demokratie und Diktatur.— Böpcnicker Viertel: Wrangel- straft« 128. Vortrag: Scruclle Fragen.— Tharlottenburg-Mitte: Rosincnstr, 4. Vortrog: Demokratie oder Diktatur?— Kalenscc: Ioachim-Friedrich�ötr. 30/37. Staatspolitischcr Abend.— Neukölln Ii Rüttlistraftc, Schule. Vortrag: Unsere Vorkämpfer.— Neukölln II: Bergstr. 2. Vortrag: Gewerkschaft und EAI.— Köpenick: Grünauer Str. 5. Lichtbildervortrag: Eine Wanderung durch den Har,.— Pantow: Breite Str. 32. Diskussion: Wie soll jeder arbeiten?— Spandau: Lindenuser 1. Vortrag: Alt-BerlineL Humor._„ Werbebeziit Obcrsprcc: Hauptprobe der Roten Revue. Alle Genossen des Bezkrk» müssen pünktlich 7 Uhr iri stuzendhe!« RiesserfchSnistsekS WGäatij auch die, die bisher keine Rolle hatten. * Besten: Treffpunkt zum Wochencndkursus Sonnabend 0 Uhr abend» Bahnhos Ho rck strafte.,. Werbebezirk Reuköllu: Sonnabend um �8 Uhr ,m Jugendheim Banner Strafte letzte Probe zum Waldsest. Glaftbrenncr» und Hans�achz�ppiel. Auch die Musiker sind aufgefordert zu erscheinen. Sriefkaften öer Redaktion. R. 100. I. Ja. 2. Sie müssen den Wirt verklagen: mit den Schönheit«- rcparaturcn hat dies nichts zu tun. 3. Beine Rechtsfrage.— W. M. 8. Mai u:rd Juni 1924 35 Proz., Juli und Angust 1924 02 Proz.— F. P. 30. Ja. sosern ein Ortsstatut die Zahlung des Beitrags anordnet.— Riet« V. 100. I. Von Interesse stnd lediglich die in dem Hundertsatz enthaltenen 17 Pro», für Instandsctzungsorbrilen. Hiervon entfallen 4 Proz. aus die Schönhcitsrcparo. turcn. 2. Ja. Im Falle der Weigerung muft der Blagiweg beschritten werden. — Schmidt. Das Reichsvcriorgungsgcricht befindet sich ln Berlin, Bönigin- Augusta-Etr 26. Segen die Entscheidung dieses Gericht» ist«in weiteres Recht». mittel nicht gegeben.— G. M. 4. Die Abfindungssumme beträgt 80 Reichs- mark. Die Frist zur Stellung des Antrages ist aber bereits abgelaufen. 0 104(nicht 45) des R-ichsvcrsorgnngsgesetzes.—». O. Berufen Sie sich bar. aus. daft Sie das Tier wegen des vorbandcnen Ungeziefer» nicht abschaffen können und beantragen Sie Abweisung der Blage. übergibt man nur dem Nachweis des Teulsch. Musikerderbandes, Berlin 027, Andieasftr. 21(Königstadt 4310, 4048). Geschäftszeit 9 bis 5, Sonntags 10 hitz 2 Uhr. Zlus Wunsch Vertretctbesuch 'TT/Ssse Baunwolle und Lernen v v frockne man in der«Sonne i So bleiben sie frisch und duftig. Geben Sie aber acht, wie Sie waschen. Am besten schonen Sie� Ihr feines Bauhiwoll- und Leinenzeug, wenn Sie es in LUX Seifen* flocken waschen, die den Schmutz nur so hinwegzaubem. Ein Eßlöffel voll LUX gibt eine Schüssel voll Schaum. Doppelgroße Packung 90 Pfg. Normal Packung 50 Pfg. IIFENFLQCKEN __ Staats-Theater Opernhaus a. Platz d.Republ. V/t U.; Hoffmann» Erzühlungen Schauspielhaus 8: Kyritz• Pyrltz Schiller«Theater Geschlossen WM« Opei Cbarlottenburg ?>/, Uhr: Geschl. 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ES ist deshalb Pflicht jedes Funktionärs, in der Konferenz anwesend zu sein, um in den Besitz deS Materials zn gelangen, welches für die Werbetätigkeit deS ein- zelnen FunklionärS unbedingt notwendig ist. Zutritt nur gegen Vorzeigung deS Mitgliedsbuches und der Vertrauensmänner« oder Betriebsräte. Legitimationskarte. Zur Beachtung? Die Bezirks-vertrauensmänaerkoufereazeu fallen in diesem Monat aus. Die Monatsberichte für die Vertrauensleute werden in bei allgemeinen Funttionärkonferenz ausgegeben. Wlnil verwaltungsmitglieüer Achtung! Heute, Freitag, den 27. August, abends 7 Uhr SIWsg sier Milereii Bmliung. Die LrtSvertvaltnng. HornbauLSchwIele» u»b W-rzen beienigt schnell, mm m m m sich-r. schmerz. KulripOl unb gefahrl»«■*■■■*■■ «erztllch empfohlen. Mllllonenfckch bewihrl PackungTSPfenutg.— Gegen Fuftschwetft. Brenne» »nh Wundlousen tkukirol-Faftbab. Packung SO Pfennig. Fast olle Apothelcn unb Drogerien. Ehe es zu spol sollten Sie an Ihre Geiundhcit denken EJoe kl.i'o. tlälich. 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