Dr. 464 ♦ 45. �aheg. Musgabe A Nr. 207 Bezugspreis. � WSchenMch 70 Pfennig menafTH 8,— Reichsmark ootou» jalillxit. Unter«renzband fitr Deutschland, Danziq, Saar, und Memelaediet. Lesierreich. Litauen, Lurembura 4,50 Reichsmart, für da» übrig, Susland 5,50 Reichsmarl uro Monat. Der.DormSrts' mit der wustrier. tcn Tonntagsbeilag«.Pol? und Zeit' towie den Beilagen.Unterhaltung und Wissen'..Aus der ffilmwelt'. �nraucnstimme',»Der Kinder- sreund",.Lugcnd-Dorwärts' und »BUS in die Bücherwelt' erscheint tvochenbüglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegromm-Adresse: »Sozialdemotrot Berlin- Morgenausgabe Derliner Volksvlerkt (lO Pfennig) Anzeigenpreise: Sie einsvalttge Ronv'rreille- gcil« 80 Pfennig. iü-rklamezeile 5,— Reichsmark..Kleine Anzeigen' das fcttaedruilte Wort 25 Pfcnnia lzulälssa zwei lettgedrucktc Wortel. jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, icdcs weitere Wort 10 Pkcnnia. Worte über 15 Puch- stallen zählen iiir zwei Worte. AiA>eitsmarkt Keile 00 Pfennig. lsamilicnanzeigen fiir Abonnenten Keile 40 Pfcnnia. Aitzciacn silr die nächste Nummer müssen bis 4',ll Uhr nachmittags im Sauotgeschäft, Berlin SW 08, Linden. strastcZ, abgegeben werben. Geöffnet von iVi Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokrat» fcben partei Deutfd�lands vorwärts-verlag G.m.b. h., Serlin EW. HS, LinSenstr.Z Postfche�konto: Berlin S7 5Z«— Bankksnto: Bank der Arbeiter, Angestelten «ad Beamten. Sallftr. 05: Diskonto-Gefelllchalt, Denosttenkasse Lindenstr. 3. Der Schieüsspruch im Ruhrbergbau. Die Zechenbesitzer lehnten sofort ab. Reüaktion unü Verlag: Serlin SV. HS, Linüenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff'292—297. Essen. 27. August.(HJIB.) Mch dreitägiger ver- Handlung sällie der In der Lohnsrage im Ruhrbergbau eingesehie Schiedsousschuh unter Vorsitz de» Schlichters. Oberiandesgerichtsrat Dr. Z S t t e n, solgenden Schiedsspruch: I. Die zurzeit geltende Lohnordnung laust unter ve- rückfichiiguag de» gestrigen Teilabkommens ab t. September lSZS weiter, jedoch beträgt l. der Schichklohn für den Zimmer- Hauer 7,30 Ist., 2. der Lohn für Angelernte 6.63 2U., 3. der Lohn für Ungelernte 5.SS JH., 4. der Lohn des voll- Hauers im Gedinge soll im Durchschnitt der einzelnen Schacht- anlage 8.40 TN. betragen. 5. Die anderen Löhne werden nach den vorstehenden Sähen in der bisherigen weise errechnet. II. Die Lohnordnung kann erstmalig am t. April zum 30. April 1927 und von da ab jedesmal mit einmonatiger Frist zum Letzten gekündigt werden. III. Erkiärungssrist: 28. August, l Uhr. Gegenseitig und gegenüber dem Schlichter, autzerhalb der eigentlichen Lohnfrage, wurden einige, durch neue bergpolizeiliche Vorschriften bedingte Abänderungen der Lohnordnnng durch Vereinbarung erledigt. Die Zechenverwaltungen haben sofort die Ab- l e h n u n g des Schiedsspruches ausgesprochen. die Internationale. Bureausitzuvg in Zjirich. Zürich. 27. August.(Eigener Drahtbericht.) Am Freitag trat unter dem Vorsitz des Genossen B li e g e n- Holland das Bureau der Sozialistischen Arbeiter.Internationale im Volkshaus zusammen. Anwesend waren de B r o u ck c r e. Belgien, Otto Wels- Deutsch- land, C r a m p- England. Bracke- Frankreich. Bauer- Deutsch- Oesterreich, Abramowitsch- Rußland, ferner Kassierer van Roosebroek- Belgien und Sekretär Adler. Der ständige Vor- sitzende des Bureaus und der Exekutive, Henderson- England, ist durch eine Reise im Austrage seiner Partei nach Australien am Erscheinen verhindert. Die Verhandlungen galten hauptsächlich der Tagesordnung der am Sonnabend stattfindenden Exekutiv-Sitzung. Diese Tagesord- nung umfaßt neben verschiedene Berichten u. a. eine Dissussion über denVölkerbund.die internationale Aktion für den A ch t- st u n d e n t a g, die Organisation eines internationalen Frauen- t o m i t c e s und verschiedene Angelegenheiten einzelner Länder. Bereits in den Vorberatungen des Bureaus ist klar zum Ausdruck gekommen, daß es sich nicht um die Aufrollung von Perfonenfragen in der Zusammensetzung der Völkerbundsdelegation der einzelnen Länder handelt, deren Regelung selbstverständlich den einzelnen Parteien überlassen bleibt. Für die Internationale kommt nur die prinzipielle Stellungnahme zum Völkerbund in Betracht. Das Bureau nahm ferner einen Bericht über die S a m m- lungen zum Matteotti-Fonds entgegen und erörterte die Lage in Italien. Die Sammlungen für den Matteotti-Fonds werden nach den gefaßten Befchlüsien in allen Ländern mit dem größten R o ch d r u ck fortgesetzt werden. Kommt üer prager Linksblock? Kundgebung der deutschen Sozialdemokraten. Prag, 27. August.(Eig. Drahtber.). Der„Sozialdemokrat", das Zentralorgan der deutschen Sozialdemokratie in der Tschecho- slowakei, schreibt zu den Beschlüssen der deutschen Sozialdemokraten: „Die deutschen Sozialdemokraten messen sowohl der Erklärung der tschechischen Genossen, sich an keiner Regierungsbildung zu be- teiligen, als auch ihrem Vorschlag zur Bildung eines Linksblocks große Bedeutung bei. Die Verschärfung der Klassengegensätze, die in der Z o l l k o a l i t i o n und einem reaktionären Kurs be- sonders zum Ausdruck kommt, mußte naturgemäß das gesamte sozialistische Proletariat in eine Kampflinie bringen. Die klare Ab- sage der tschechischen Genossen an die Koalitionspolitik und ihr Ver- such einer Anbahnung der Zusammenarbeit mit den deutschen So- zialdemokraten bedeutet einen sehr wichtigen Wendepunkt in der proletarischen Politik in der Tschechoslowakei. Der Beschluß der tschechischen Genossen enthält, wenn man seine Formulierung über die Zusammenarbeit mit den tschechischen Nationalsozialen mit der unsere Partei betreffende Stelle vergleicht, eine verschiedene Ab» t ö n u n g, die noch der K l ä r u ng bedarf. Aber wir wollen uns in diesem Augenblick nur an den erfreulichen sachlichen I n h o l t halten. Die tschechischen Genossen sprechen von einem neuen versuch der Zusammenarbeit— nun. wir haben die Zusammen- arbeit mit den tschechischen Sozialdemokraten nie obgeleh nt, ober erst jetzt wird sie möglich. Unsere Parteiinstanzen werden in den erste» Svptembertagen zu de» Beschlüssen der tschechischen Wie wir aus Bochum erfahren, befriedigt der Schiedsspruch auch in den Reihen der Bergarbeiter keineswegs. Die Bergarbeiter- verbände hatten eine Erhöhung der geltenden Lohnsätze um 10 bis IS Prozent, statt der ihnen zugestandenen 4 Prozent, gesordert. die Begründung. Essen. 27. August.(Eigener Drahtbericht.)- Die Schlichter. kammer für den Lohnstreit im Ruhrbcrgbau fällte am Freitag einen Schiedsspruch, der eine 4prozentige Erhöhung der gel- tenden Löhne vorsieht. Das entspricht etwa dem am Friedens- reallohn fehlenden Soll. In der Begründung wurde hervorgehoben, daß im Berg- bau gegenwärtig eine besondere Lage gegenüber den anderen Industrien zu verzeichnen sei. Neben der durch die Ratio- nalisierung gegebenen Besserstellung falle hier entscheidend der englische Bergarbeiter st reik ins Gewicht, dessen Aus- Wirkungen auch dann, wenn er bald beigelegt werde, noch monatelang fortdauern würden. Der Bergbau habe diese Konjunktur ein Vierte ljahr lang unter den alten Lohnbedingungen genossen, so daß es nur» billig sei, wenn der Bergarbeiter jetzt den Friedensreallohn erhalte.— Die Anträge auf eine Aenderung der sogenannten Randzechcn- klausel wurden abgelehnt. Partei Stellung nehmen, und sie werden sicherlich jede Möglichkeit der Zusammenarbeit mit dem tschechischen Proletariat mit Freuden ergreifen." der Faschismus im Verfolgungswahn. Maffenverhaftung in Lberitalicn. E h i a s s o. 27. August.(Eigener Drahtbericht.) Die Polizei der Faschistcnmiiiz ha» in Verona und Umgebung zahlreiche Haus- suchungen und Verhaftungen vorgenommen. Räch einem Bericht des .Aoaati" sind mehr als 600 Rlilglieder der Opposilionsparleien verhastet worden, und zwar Sozialdemokraten. Marimalisten, Kam- yiunislen und auch eine Anzahl Landlcule, die der Katholischen Partei der Popolari angehören. Verschiedene der Verhafteten waren unter dem Druck der Faschisten vor einiger Zeit aus ihrer Parle! ausgetreten und halten sich zwangsweise den faschistischen „Gewerkschaften" anschließen müssen, karabinieri und Fa- schislenpolizei in großem Aufgebot hielten während der Verfolgungen die Straßen Veronas beseht. Irgendein Grund für die Verhas- lungen konnte nicht angegeben werden, wäre auch bei der ungestörten Ruhe in Verona und Umgebung nicht zu finden gewesen. Plan hält es für wahrscheinlich, daß die Faschisten mit dieser Zlktion die peinlichen Auseinandersetzungen in ihren eigenen Reihen zum Schweigen bringen wollten, indem sie ihre Anhänger an eine große Gefahr für das jetzige Regime glauben lassen, vor dem es gerettet werden muhte. 3n Wirklichkeit dürften diese Verfolgungen. natürlich gegen den willen der Versolger, in eine Werbeaktion für die Oppositionsparteien umgeschlagen sein. Vach einigen Tagen hat man die verhafteten freilassen müssen, weil man ihnen nicht das geringste nachweisen konnte. Neue Entwaffnungsnoten. Militärvcrbändc— Reichswehr— Sabotage. Pari». 27. August.(Eigener Drahtbericht.) Die Botschaftcrkon- ferenz hat der deutschen Regierung am 17. August drei Noten über- mittelt, die sich mit der Entwaffnung Deutschlands befassen. In der ersten Note wird die Tätigkeit der militärischen Ber- bände in Deutschland behandelt. Es handelt sich u. a. um den S ch i e ß u n f u g der rechtsradikalen Verbände. Eine zweite Note befaßt sich mit der ungesetzlichen Einstellung von Mann- schaften in die Reichswehr, wobei ein Erlaß des Reichswehrministe- riums gegen solche Einstellungen als ungenügend erklärt wird, während die dritte Note rügt, daß den Entmaffnungs forde- rungen der Interalliierten Kontrollkommission„absichtlich Schwierigkeiten" gemacht werden. An zuständiger Stelle wird b e st ä t i g t, daß diese Noten durch die Deutsche Botschaft in Paris inzwischen nach Berlin übermittelt wurden. Ihr Ton ist nicht ultimativ. Eine Veröffentlichung dieser Noten soll nicht erfolgen. Es wird angenommen, daß über ihren Inhalt in Genf gesprochen wird. Zu der Tagung des preußischen Landkreistages am 8. und 9. September in Breslau findet am 7. September nachmittags 4 Uhr im Gewerkschattshaus, Margarethenstr. 17, Zimmer 6, eine Gruppensitzung der SPD.-Delegicrten statt. Es ist Pflicht jedes Parteigenossen, der die Tagung besucht, so zeitig in Breslau zu sein, daß er auch der Gruppensitzung beiwohnen kann. Zn der Reparationskommission ist nun, wie bereits angekündigt, Senator C h a p s a l an Stelle Barthous als Vertreter Frankreichs und damit als Borsitzender getreten. Deutschnationale Etappen. Gegen Genf— in die Regierung— nach Genf. Herr Graf We st a r p, der im Auswärtigen Ausschuß' des Reichstags mit seinen Fraktionskollegen für den kommu- nistifchen Antrag stimmte, der von der Regierung die Zurück- ziehung des Gesuchs um Eintritt in den Völkerbund sorderte, ist in eine neue unbequeme Situation geraten. Erst waren es die Stoecker und Genossen,' die ihn zu einer politischen Eni- scheidung zwangen— nun der Außenminister, Herr Stresc- mann selbst. Er hat die Deutschnationale Volkspartei um ihr Einverständnis zur Berufung des Professor Hoetzsch in die jetzt zu bildende Genfer Delegation ersucht. Herr Graf Westarp, der Vorsitzende der Deutschnationalen Volkspartei, mußte zum zweitenmal Farbe bekennen. Seine Zlntwort mußte, wie die Abstimmung im Ausschuß, zu einem Prüf- stein für die Regicrungssähigkcit der Deutschnationalen werden. Die hätte der Herr Graf Westarp, der eben noch den Eintritt in die Regierung als nächstes Ziel der deutschnationalen Politik bezeichnet hat, gern nachgewiesen— wenn er es gekonnt hätte, ohne die be- quemen Möglichkeiten der nationalistischen Demagogie zu ver- bauen. Die Elastizität des Herrn H e r g t, dessen„Hier stehe ich, ich kann nicht anders" sich in zweimal viervndzwanzig Stunden in ein Auch anderskönnen verwandelte, besitzt Herr Graf Westarp nicht— er braucht längere Perioden zur Wandlung. Er hat deshalb die Aufforderung des Außen- Ministers abgelehnt und gebeten, von der Berufung des Professors Hoetzsch abzusehen. Insofern erscheint alles in bester Ordnung. Die Ab- lehnung der Berufung Hoetzsch stimmt mit der Abstimmung der Deutfchnationalen im Ausschuß überein. Die Frage noch der Regierungsfähigkeit ist beide Male verneint worden, die Deutschnationalen haben sich beide Male in der Pose der „nationalen Opposition", will sagen der nationalistischen De- magogie gezeigt. Es müßte ihnen demnach nur willkommen sein, daß wir es ihnen erleichtert haben, sich in dieser Pose zu zeigen, indem wir über ihre Abstimmung im Ausschuß berichteten. Merkwürdigsrweise aber hat uns diese Be- richterstattung den Zorn der deutschnationalen Presse zuge- zagen. Die„Deutsche Tageszeitung" bezeichnet es als uncr- träglich, wenn eine Seite die Vertraulichkeit durchbreche, um innerpolitische Geschäfte machen zu können. Dazu zunächst ein grundsätzliches Wort. Die Vertrau- lichkeit der Verhandlungen im Auswärtigen Ausschuß ist nöfcia, damit die Parteien sich frei aussprechen können, ohne daß sie befürchten müssen, damit außenpolitischen Schaden an- zurichten. Es ist ober nicht der Sinn der Vertraulichkeit, den Parteien die Möglichkeit zu geben, sich von der V e r a n t- w o r t u n g zu drücken. Die Tatsache, daß der kommunistische Antrag gestellt war und abgelehnt wurde, ist offiziell bekannt- gegeben worden. Darüber hinaus haben wir berichtet, wie die Parteien sich bei der Abstimmung verhalten haben. Diese Ergänzuna war notwendig. Die sozialdemokratischen Ver- treter müssen ihren Anhängern sagen, wie sie sich bei einer Abstimmung von so großer p«lrtischen Bedeutung verhalten haben. Das ist eine Selbstverständlichkeit, die aus dem Be- wußtsein der Verantwortlichkeit hervorgeht. Es ist ebenio selbstoerständlicki. daß die Haltung der anderen Parteien be- kanntgeaeben wird, zumal die einer Partei, die nach Teilnahme an der Regierung drängt. Das Bewußtsein der Verantwort- lichkeit vorausgesetzt, müßten die Deutfchnationalen diese Er- gänzung nur begrüßen. Es scheint aber, daß die Deutschnationalcn ihre Ab- stimmung nicht als verantwortliche Abstimmung behandelt wissen wollen. Sie sind sehr wenig bereit, dafür V'rant- wortung zu übernehmen, so wenig, daß die„Deutsche Taoes- zeitung" durch falsche Berichterstattung über den materiellen Inhalt des kommunistischen Antrags den politischen Sinn der deutfchnationalen Abstimmung aus der Welt zu schaffen sucht. Sie behauptet: „Der erste der beiden abgelehnten Anträge besagt, es soll u m- gehend das Plenum des Reichstages einberufen werden, damit durch ihn die Reichsregierung ersucht werden könne, den Antrag auf Aufnahme in den Völkerbund zurückzuziehen. In dem andern Antrage wurde verlangt, daß vor der endgültigen Cnt- scheidung über die Entsendung der deutschen Delegation nach Genf nach einmal der Auswärtige Ausschuß zu hören sei." So war es nicht! Der erste Antrag besagte:„Der Aus- wärtige Ausschuß möge beschließen: Der Reichstag wolle be- schließen, die Regierung zu ersuchen, das Gesuch um Eintritt in den Völkerbund zurückzuziehen": der zweite Antrag lautete: „Zu diesem Zwecke den Reichstagspräsidenten zu ersuchen, den Reichstag unverzüglich einzuberufen." Der erste Antrag war ein prinzipieller Antrag, der die Zurückziehung des Eintrittsgesuchcs bezweckte. Bei der Abstimmung über diesen prinzipiellen Antrag haben die deutschnationalen Vertreter für den kommunistischen Antrag, also für die Zurück- Ziehung des Eintrittsgesuches gestimmt. Dieser Antrag, der entscheidend und von politischer Bedeutung war, wurde abgelehnt. Der zweite Antrag war damit hinfällig geworden. Wenn der Auswärtige Ausschuß die Zurück- Ziehung des Eintrittsgcsuches ablehnte, hatte die Einberufung des Reichstags keinen Sinn mehr. Der politische Sinn der deutschnationalen Abstimmung war: sie mißbilligen die Politik der Reichsregierung und ver- langen die Zurückziehung des Eintrittsgesuches. Nun ent- rüsten sie sich» daß sie in der Oeffentlichkeit die Verant- w o r t u n g dafür übernehmen sollen. Warum die Ent- rüswng, wenn es ihnen ernst mit der Abstimmung war? Sie werden doch überzeugt sein» daß ihre Abstimmung bei ihren Anhängern ebensogutcn Eindruck machen wird, wie die Ab- lehnung der Teilnahme von Hoetzsch an der Genfer Delegation» die durchaus auf der Linie der„nationalen Opposition" liegt? Aber das ist es eben: sie wünschen den guten Eindruck auf ihre Anhänger— aber sie fürchten den schlechten Eindruck ans die Parteien, mit denen sie gemeinsam recht bald eine Regierung bilden möchten. Darum gestern fleißig auf dem Gebiet der nationalistischen Demagogie gearbeitet, heute weh- geschrien, daß die Bedeutung dieser Arbeit für ihre Regie- rungsfähigkeit ins rechte Licht gerückt wird. Genau besehen, möchten sie durch ihre Haltung die Mittelparteien mit in den Sumpf der politischen Heuchelei hineinziehen, der ihr eigentliches Lebenselement geworden ist. Die Mittel- Parteien sollen sich stellen, als ob die unter der Tarnkappe der Vertraulichkeit im Auswärtigen Ausschuß vollzogene Ab- stimmung der Deutschnationalen nicht geschehen sei. Sie sollen sie sowohl den eigenen Anhängern wie dem Ausland gegen- über kaschieren und die Deutschnationalen in die Regierung nehmen, trotzdem sie wissen, daß diese Partei in ihren Partei- konventikcln sich brüsten wird, daß sie mutig im Auswärtigen Ausschuß gegen den Eintritt in den Völkerbund gestimmt hat. Die Deutschnationalen wollen in die Regierung. Sie wollen mit Herrn Stresemann regieren. Sie wollen Völker- bundspolitik treiben— aber sie wollen die Verantwortung ihren Koalitionsgcnossen freundlichst überlassen. Zu diesem Zwecks begleiten sie die Ablehnung der Teilnahme von Hoetzsch an der Genfer Delegation mit folgender Offerte: „Während die Deutschnationale Volkspartei die Locarno- und Völkerbund-Politik der letzten Zeit nicht billig«, insbesondere auch ihr Einverständnis dazu, daß man in der immer nach ungeklärten und unbefriedigenden Lage der Verhandlungen über Besatzung und Ent- waffnungskontrolle vorbehaltlos in den Völkerbund eintritt, ist sie ge- nillt, wenn der Eintritt gegen ihren Widerspruch voll- zogen sein wird, an der daraus sich ergebenden deut- schen Politik und ihrer Vertretung im Völkerbund �sachlich mitzuarbeiten." Also erst Eintritt in den Völkerbund ohne Mitverant- wortung der Deutschnationalen, dann Eintritt der Deutsch- nationalen in die Regierung und vor allem: Mitwirkung an der Vertretung im Völkerbund. Die Pose der„nationalen Opposition" soll beibehalten werden— der Weg in die Re- gierung und in die Vertretung beim Völkerbund aber soll ihnen offen sein. Die Partei, die sich in entscheidender Si- tuation gegen den Eintritt in den Völkerbund erklärt, will in unmittelbare Folge als Regierungspartei Völkerbunds- polltik treiben und womöglich deutschnationale Parteiange- hörige als Vertreter beim Völkerbund entsenden. Die Deutschnationalen muten sich eine zu große Elastizität der Ueberzeugung zu— dem deutschen Volke aber eine zu große Beschränktheit der politischen Intelligenz. Die Elastizi- tät der Ueberzeugung, die sie beweisen wollen, nennt man für gewöhnlich Heuchelei— es bleibt ihnen die Wahl, auf welcher Seite. Entweder sind ihre nationalistisch-demagogischen Gesten Heuchelei gegenüber den eigenen Anhängern— oder ihre Versicherung, daß sie Völkerbundspolitit nach vollzogenem Eintritt betreiben würden, ist eine Heuchelei gegenüber den Parteien, mit denen sie sich koalieren wollen. Das eine wie das andere ist ein Beweis für ihre Regie- rungsunfähigkeit. Man kann dem deutschen Volke keine Re- gierung zumuten, deren stärkste Partei sich durch Betrug der eigenen Wähler in die Regierung geschlichen hat— die Polltik dieser Regierung würde auf schwankender Grundlage stehen. Man kann aber auch nicht mit dem Ausland eine Vertragspolitik führen wollen, wenn die stärkste Regierung?- partei insgeheim andere Ziele verfolgt als die, zu denen sie sich öffentlich bekennt. veutlchnationale Ablehnung und Offerte. Die Deutschnationale Volksparten gibt bekannt: „Der Herr Außenminister hat die Deutschnationale Volkspartei um ihr Einverständnis zur Berufung des Professors Hoetzsch in die jetzt zu bildende Genfer Delegation er- sucht. Der Parteioorsitzende hat namens der. Parteileitung für diese Absicht mündlich und schriftlich seinen Dank ausgesprochen. Dabei hat er der Befürchtung Ausdruck gegeben, daß eine Zuziehung von Parlamentariern zu der Genfer Konferenz einer geschlossenen Führung der Reichspolitik Schwierigkeiten bereiten könnten. Die ge- stellte Frage selbst hat er, ohne diese Bedenken zu vertiefen, dahin beantwortet, daß er angesichts der Unsicherheit der gegenwärtigen politischen Lag«, die für Deutschland allein schon durch die Stich- warte Besatzungs- und Entwoffnungsfrage gekennzeichnet wird, und angesichts der unklaren Stellung, die den Parteivertretern In der Konferenz auch hinsichtlich ihrer Entschlußfreiheit und ihres Einflusses zufällt, in Uebereinstimmung mit Herrn Professor Hoetzsch g e» beten, von der Berufung des Herrn Professor Hoetzsch in die jetzt zu bildende Genfer Delegation absehen zu wollen." Dazu teilt die deutschnationale Presiestelle mit: „Die Parteileitung hat die Zustimmung des in der Schweiz weilenden Professor Hoetzsch eingeholt und selbstverständlich fein« Ant- wort nicht gegeben, ohne daß die gesamte Lage mit dem Herrn Außen- minister und im Auswärtigen Ausschuß«ingehend geklärt wurde. Während die Deutschnationale Voltspartei die Locarno- und Völkerbund-Politik der letzten Zeit nicht billigen, insbesondere auch ihr Einverständnis dazu, daß man in der immer noch ungeklärten und unbefriedigenden Lage der Verhandlungen über Besatzung und Entwaffnungskontrolle vorbehaltlos in den Völker- bund eiytritt, ist sie gewillt, wenn der Einspruch gegen ihren Wider- spruch vollzogen sein wird, an der daraus sich ergebenden deutschen Politik und Ihrer Vertretung im Völkerbund sachlich mitzuarbeiten. Bei der bevorstehenden Genfer Konferenz tritt indessen ein« klare materiell« und formelle Scheidung der auf Eintritt in den Völkerbund gerichteten und die Bedingungen dafür normierenden Tätigkeit einer- seits und der von Deutschland im Völkerbund als dessen Mitglied zu leistenden Arbeit andererseits noch keineswegs voll in Erscheinung. Um so entscheidender mußten die Bedenken sein, die sich aus der Stellung ergaben, die den parlamentarischen Vertretern in der Dele- gation zufallen würde. Mag das Völkerbund-Statut die formelle Möglichkeit eröffnen, daß der einzelne Delegierte eine selbständige und abweichende Haltung einnimmt, so würde davon im vorlie- genden Falle praktisch nicht Gebrauch gemacht werden können. Gerade die Deutschnationalen legen grundsätzlich entscheidenden Wert darauf, daß Deutschkand dem Ausland gegenüber durch die Exe- tutive einheitlich vertreten wird. So ist denn auch ausdrücklich fest- gestellt worden, daß, wie es kaum anders sein kann, auch der deutsch- nationale Vertreter bei den eigentlichen Entscheidungen an die In- struktionen der deutschen Reichsregierung und die Gesamthaltung der Delegation gebunden sein würde, die ohne entscheidend« Mitwirkung der Deutschnattoncklen Volkspartei festgelegt werden. Die ihm so vor- geschrieben« Haltung aber würde, da er nicht aufhört gleichzeitig Parteivertreter zu sein, praktisch die Partei binden und in die Ver- antwortung für die Regierungspolitik hineinziehen. Auf diese hat die Deutschnational« Volkspartei, solangesienicht Regierungspartei ist, nicht den hierzu erforderlichen Einfluß. Verant- wortung ohne entsprechenden Einfluß zu über» nehmen ist unmöglich." Das Reichsausnahmerecht. Das Ausführungsgesetz zu Artikel 48. Der furchtbare Mißbrauch, der mtt der Anwendung des Ar- fit eis 4 8 der Reichsverfassung wiederhott getrieben wurde— man braucht nur an Bayern und Sachsen zu er- Innern—, hat die Sozialdemokratte schon vor längerer Zeit ver- anlaßt, ein AusfQhrungsgesetz zu dem Artikel 48 zu fordern. Immer wieder ist die Erfüllung dieser Forderung ver- schleppt worden. Erst als die sozialdemokratische Fraktion des Reichstags Miene machte, mit Hilfe eines Initiativgesetzes die Regelung der Ausführungsbcstimmungen zu erzwingen, beeilte sich das Reichsinnenministerium, einen Ausführungsgesetzentwurf fertigzustellen. Sowett bis jetzt etwas über den Inhalt des Entwurfs fest- zustellen war, enthält dieser keine ausdrücklichen Bestimmungen dafür, unter welchen Umständen überhaupt die Anwendung des Artikels 48 in Frage kommen darf. Es fehlt die klare Um- grenzunq und Beschreibung des Tatbestandes, bei dessen Vorliegen allein die Anwendung des Artikels 48 gestattet werden kann. Wann ist eine erhebliche Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung gegeben? Das Reichsinnenministerium glaubt, daß die vorliegenden reichsgerichtlichen Entscheidungen ge- nügend Garantte gegen einen Mißbrauch bieten. Es ist aber über- flüssig, zu betonen, daß man sich mit einer derartigen Vertröstung nicht abfindm kann. Bei einer so wichtigen Frage müssen ganz klare Verhältnisse und peinlich genau gefaßte Bestimmungen ge- schaffen werden. Was nutzt es, wenn hinterher festgestellt wird, daß die Anwendung nicht zu Recht bestand? Es soll ja dem Miß- brauch vorgebeugt werden. Bis zu einem gewissen Grad bringen die Ausführungsbestim- mungen eine Sicherung der staatsbürgerlichen Rechte gegenüber Ein- griffen der Diktaturgewalt, Sicherung der persönlichen Freiheit, der Pressefreiheit und Schutz vor mißbräuchlichem Eingriff in die Eigen- tumsrechte. Ueber diese Punkte wird bei den parlamentarischen Verhandlungen verhältnismäßig leicht eine Einigung zu erzielen sein. Anders liegen die Dinge bei der Frage: Militärgewalt oder Zivilgewalt? Der Entwurf schaltet die Militärdiktatur nicht ohne weiteres aus. Er schränkt sie nur ein, beschränkt sie auf ganz besondere Ausnahmefälle. Die militärischen Befugnisse sind nur stark beschnitten. Das Reichsinnenministerium ist dem Reichs- wchrministerium entgegengekommen. Glaubt es, das Reichswehr- Ministerium damit zufriedenzustellen? Das dürft« ihm kaum ge- lingen, und deshalb hätte es besser daran getan, von vornherein ganze Arbeit zu machen und klipp und klar in dem Entwurf festzulegen, daß der Zivil kommissar auf alle Fälle das 5)cst in der Hand behalten muß. Das Militär kann nur als W e r k z e u g zur Sicherung der Ordnung in Frage kommen, niemals aber als wirklicher Träger der vollziehenden Gewalt. Jede Halbheit und Unklarheit in diesem überaus wichtigen Punkt ist vom Ucbel. Reichsdiktatur geht vor Länderdiktatur. Bei dieser Frage drohen dem Entwurf gefährliche Kippen. Wird er überhaupt durch den Reichs rat hindurchkommen? Bayern hat in feiner schon vor langer Zeit vorgelegten Verfassung-denkschrift eine grundsätzliche Veränderung des Artikels 48 verlangt. Wer die Grundlagen des Artikels ändern will, kann auf ihm natürlich keine Ausführungs- bcstimmungen aufbauen. Gewiß sind die Ehancen des Gesetzent- wnrfs im Reichstag besser als im Reichsrat. Aber auch im Reichs- tag wird dieser Entwurf so, wie Ihn das Reichsinnenministerium präsentiert, sich auf einen derben Empfang gefaßt machen müssen. Er ist so verbesserungsbedürftig, daß ihm kein Stein auf dem anderen bleiben dürfte. Vor allem müssen gegenüber den Mißbräuchen der Militärgewalt Schutzdämme errichtet werden. Ein gebranntes Kind fürchtet das Feuer. Nationalsozialistischer Parteitag. I« der Pfalz verboten- München, 27. August.(Eigener Drahtbericht.) Der Gau Rhein Provinz der Nationalsozialisten hatte für den 4. und 8. September in Bad Dürkheim einen sogenannten pfälzischen Landesparteitag einberufen, bei dem die beiden Reichstagsabgeord- neten S t r a s s e r und Dietrich als Redner austreten sollten und wozu man hessische und badische Ortsgruppen bestellt hatte, da in der Pfalz selbst nicht genügend Parteimitglieder aufzutreiben gewesen wären. Da dem Bezirksamt Dürkheim auffällige Mitteilungen über drohende Zusammenstöße zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten zugegangen waren, verbot das Bezirksamt die Abhaltung der Tagung: ebenjb verwarf die Kreisregierung der Pfalz in Speyer die von den Hiller-Lcuten gegen dieses Verbot eingelegte Beschwerde. Der Reichslagsausfchuß für soziale Angelegenheiten tritt am IS. Oktober wieder zusammen. Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der Beratung des Arbeitsgerichtsgejetzes. Sallaöe vom Streckenwärter Klußmann. Fohl schimmern im Dunkel die Schienen der Dahn. Die neunte Stunde Dienst bricht schon an. Aus dem Wellblechhäuschen glänzt ein Licht. Ein Mann sitzt drinnen bei seiner Pflicht. Streckenwärter klußmann, der Tag und Nacht Seit zwanzig Jahren hier schaut und wacht: Ein Leben, reich nur an Beschwerde. Aus einsamem Posten bei Leiferde. • Streckenwärter klußmann späht auf die Uhr Und dann entlang die Schienenspur. Sein Ohr sängt ein fernes, gedämpftes Brausen. Gleich wird der D-Zug vorübersausen. Streckenwärter klußmann steht aus dem Posten. Das Donnern schwillt näher und näher von Osten. Und hui!— und hui!— heult es vorbei. Die Strecke ist frei. » Streckenwärter klußmann, nun noch einen Zug, Dann ist es für diesen Tag Dienst genug! Wann fällig?— Bereits in acht Minuten! Da heißt es. sich auf die Strecke sputen. * Hilf. Himmel, was Ist dort drüben gefcheh'u? kein Schlußlicht des D-Zugs mehr zu seh n! von weither ein krachen. Splittern, Dröhnen Und— täuscht die Nacht nicht— ein wimmern und Stöhnen. Und in süns Minuten?... Was tun? Was tun? Streckenwärter klußmann, zeige dich nun! * Er stürzt in da» Häuschen nach seiner Laterne Und keucht in die nächtlich schweigende Ferne. Nur eins kann ihn treiben, nur ein» ihn bewegen: Dem fälligen Zug... Entgegen! Entgegen! Streckenwärter Kwßmanu tut seine Pflicht. Er schreit und schrett und schwingt sei» Licht. Er stemmt dem drohenden Tod« die Brust Und ist sich nur eines willens bewußt: „Der Zug bleibt steh'n! Der Zug bleibt steh'»! Und sollt' ich darüber zum Teufel geh'n." Noch Hunderl Meter, noch fünfzig dazwischen. Noch zwanzig... Da endlich!... Die Bremsen zischet». ver Zug hält, dampfend aus allen Rosten. Streckenwärter älafpaem steht auf dem Posten. Ihr sucht noch Helden und findet sie nicht? Streckenwärter Slußmann tut seine Pflicht. Ihr fragt: was da denn Große« dabei? Einer für tausend und ohne Geschrei! 2hr fragt: Ein Held?... Und die Antwort dann: Nur Streckenwärter klußmannl Karl Bröger. Die kontrollierten rnffsthen Schriftsteller. An alle Städte Sowjetrußlands wurde vom Zentralkomitee der russischen Gewerkschaften der.Bildungsorbeiter" ein Rund- schreiben geschickt, in welchem kundgetan wird, daß überall, wo mindestens 25 Dichter. Dramaturgen und Romanschriftsteller wohnen, Lokalkomitees der Schriftsteller zu bilden sind. Die Bedeutung dieses Befehls, welcher sagt, daß in jeder Stadt nur ein einziges derartiges Komitee bestehen darf, ist sehr groß. Die Bolschewiken wollen auf diese Weise alle russischen Schriftsteller ihrer Kontrolle unterwerfen. Wie in allen übrigen Gewerkschaften, muß auch die Gewerkschaft der Schriftsteller für die Berivoltung waschechte Kom- munisten wählen, denn sonst komme»» die Mitglieder mit der Ge- Heimpolizei, in Konflikt, und das ist eine Institution, mit der in Rußland niemand Bekanntschaft inachen will. Wenn ein Schrift- steller anti kommunistische Gefühle hegt, dann wird aber von nun an die Verwaltung seiner Gewerkschaft dies eher erfahren als die Poll- zei. Ueberdies besitzen die Gerverkschaften, die in Sowjetrußland Regierungseinrichtungen sind, eine große Macht, und die Venoal- tungen können die Mitglieder zwingen, Dinge zu tun, die nur eine Amtsbehörde vorschreiben kan'.. Der Zustand ist nun folgender: Juristisch ist es den Schriftstellern zwar vollständig freigestellt, ob sie Mitglieder der Gewerkschaft werden wollen oder nicht, aber in der Praxis sieht die Sache anders aus. Die Regierung verfügt in Rußland über Machtmittel, die jeden veranlassen, das zu machen, was ihm.angeroter," wird. Ueberdies existieren in Rußland heut- zutage nur bolschewistische Blätter und Zeitschriften, und jeder Schriftsteller, der sich weigert, Mitglied der Gewerkschaft zu werden. wird daher keinen einzigen Beitrag unterbringen können. Ratür- lich wird der.Gossisdat"(der Staatsverlag) seine Werke ebenfalls nicht oeröffentlichen. Ob sie wollen oder nicht, werden also die russischen Schriftsteller sich der Kontrolle der bolschewistischen Ge- werkschast unterwerfen müssen und dazu beitrogen, eine der Regie- rung genehme.Sowjetliteratur" zu schassen. llnlerkunnelung der Gibrallarstraße. Das gemeinsame Vorgehen der Spanier und Franzosen in Marokko hat wieder einmal das alte Projekt des Tunnels zwischen Spanien und Afrika aufleben lassen. Der Plan einer Untertunnelung der Meerenge von Gibral- tar wurde im Jahre 1918 zum erstenmal lebhaft erörtert. Die un- gewissen Zeitumstände, wie sie damals herrschten, und die trostlose Lage der spanischen Finarrzen ließen es damals ratsam erscheinen, die beretts eingeleiteten Lerhandlimgen mtj einen günstigeren Termin zu vertagen. Man glaubt, daß die Hindernisse nunmehr nicht be- stehen, und so hat die spanische Regierung das Studium des Planes wieder aufgenommen, von dessen Verwirklichung man sich vor allem auch eine Stärkung der spanischen Herrschast in Marokko verspricht. Der Tunnel wird nach dem vorläufigen Projekt auf der spanischen Seite bei Tarifa beginnen. Der Ausgang auf der afrikanischen Seite ist noch nicht festgelegt Im ganzen würde der Tunnel 2S Kilometer lang sein, so daß man die Meerenge in einer Fahrt von nur 29 Minuten unterqueren könnte. Da bei den spanischen Eisen- bahnen die Spurweite 1,68 Meter beträgt, will man von der Bei- beHaltung dieser Spur absehen und dafür die europäische Normalspur einführen, so daß internationale Waggons verwendet rverden können. Man muß damit rechnen, daß bei diesem Unterwassertunnel ein Meter auf 19999 Goldpeseten kommen würde,»vas im ganzen eine Ausgabe von 259 Millionen Goldpeseten bedeuten würde. Käme der Gibraltartunnel zustande, so könnte man die Fahrt von Saint-Louis an der Mündung des Senegal ohne Wagenwechsel in drei Tagen zurücklegen. Die Befürworter des Projekts versprechen sich besondere Vorteile von einer Verbindung dieler neuen Strecke mit dem tünj- tigen englischen transafrikonischen Netz. Eine Faß-Stadt hat sich nahe von Cleveland im Staat Ohio der Vereinigten Staaten aufgetan. Eine der in Cleoeland ansässigen Weinfirmen umr zu der Erkenntnis gekommen, daß das Alkohol- oerbot doch nicht mchr obgeschafft wird, und entschloß sich zum Ver- kauf eines größeren Postens ihrer größten Fässer. Ein Mann aus Vermilion erstand die Faßriesen. ließ sie umändern und Zwar so, daß sie seiner Vorstellung von Sommerbehausungen entsprachen. Die„Häuser" ruhen nun auf Betonboden und sind in Reihen aus. gestellt. Auf der einen Seite haben sie zwei Fenster, auf der an- deren Seite ein Fenster und die Türe. Um die Vorderfront zieht sich eine vor Mücken geschützte Veranda. Jedes Haus ist mit elst- irischem Licht versehen und besitzt einen elektrischen Ofen, einen Eisschrank und einen Ausguß. So zu wohiren würde sich auch mancher deutsche Wohnungssuchende gefallen lassen! Vielleicht beginnt der deutsche Abstinentenbuitt» demnächst mit der ersten deutschen Faß- kolonie? SonderveravfiaNungev der voltsbilhne� vekanntllch bietet die voll». bübne ihren Milgliedern alljährlich neben de» Pflichtvorltellungen in den Theatern auch eine Reibe von Sondcrveranftaiwngen, zu deren Besuch die Mitglieder nicht verpslichtet sind. Für da» nächlle Jahr iit ein besonder» umfangreiches Proqramm solcher Sonderveranstalwngen aufgestellt worden Neben einer Reihe dramatiicher Matineen werden zwei Konzerte der StaatSopernkavelle unter Kleiber ftattstndrn. sieben Klaviermatincen von Artur Schnabel und«tn Liederabend von Heinrich Schlusnus: sechs Ton». Matineen werden Gruvpendarbietungen unter Leitung von Maro Minmon Kurt Joosi, Gret Valueca, Herta Feist. Rud. von Laban. Bern Z.'oronel und Bartb. Triimph bringen Die Autorenabende werden Heinrich Mann Hau» Reimann. Klara Viebig. Artur Holtilcher. iltlfons Baguel und Ii! Ülridersen-Rexö zu Wort kommen lassen. Aunerdcm werden ZIgnc- Slraub Rest Langer. Fränze Noloff. C. L. Achaz. Alfred B-i-rle. Ludwig�Hardt' Srwrn Kaiser und Richard Leopold rezitieren. Julius Bad Dr Cobn- Wiener, Dr. Max Deri. Jürgen Fehling, Prof. Leo Kestenberg. Professor Herm. Sand kühl und Bruno Taut haben BortragSMcn pigelaat. tVas ist jetzt noch national! Die„Kreuz-Zeitung" für die Eiseninternationale. Im Lager der Reaktionäre herrscht große Verwirrung. Die ökonomischen Umschichtungen am Weltmarkt erfordern die Zusammenarbeit der Schwerindustrie des Kontinents. Dieser Erkenntnis haben sich die Führer der deutschen Schwerindustrie gebeugt, nachdem sie sich jahrelang durch die ihnen nahestehende Presse„national bis auf die Knochen" gebärdet hatten. Obendrein will es das Pech, daß eine Reihe von führenden Persönlichkeiten der deutschen Eisenindustrie jetzt mit den Franzosen paktiert, und zwar gerade solche Persönlichkeiten, die als Mitglieder der Deutschnationalen Partei bekannt sind und zu ihren Geldgebern gehören. Um nur einige Namen zu nennen: Herr Reichert, deutschnativnaler Abgeordneter und Führer der Eisenindustrie, Fritz Thyssen und noch andere mehr. Diese Führer haben es nicht schwer, ihre internationale Ein» stellung zu begründen. Sie spielen sich als die Leute auf, die eben nur die W i r t s ch a f t im Auge haben und finden daher leicht Argumente, um ihren neuen Internationalismus als in Wirklichkeit streng national hinzustellen. Wie aber soll es die Presse halten, die jahraus jahrein alle Franzosen samt und sonders geschmäht, gegen jede internationale Bindung pro- testiert und alle Grundlagen einer sachlichen Wirtschaftspolitik untergraben hat. Es wirkt doch geradezu komisch, wenn man ein Blatt wie die„Neue Preußische Kreuz-Zeitung" liest, an deren Spitze nach vor- übergehendem Gedächtnisschwund immer noch die Devise „Vorwärts mit Gott für König und Vaterland" prangt, und die in ihrer wirtschaftspolitischen Umschau folgendes schreibt: „Ein wirklicher Hebel für einen Ausschwung könnte vor allem in dem Abschluß des we st europäischen Eisenpaktes er- blickt werden, der nun zwar noch einmal in Frage gestellt worden ist, aber doch kaum aus die Dauer. Die eigenbrötlerische Zurück- Haltung, besonders der Belgier, die ihre Beteiligungszifsern nicht für ausreichend halten, wird überwunden werden, und dann steht für die kontinentalen Eisenindustrien anscheinend wirklich die Er- lösung von dem Druck bevor, unter dem sie jähre- l a ng geseufzt haben. Wenn die Preisunterbietungen auf den Außenmärkten aufhören, können die Inlandspreise insbesondere in Deutschland gesenkt werden und damit wird ein mächtiger Auf. tr i e b für eine Aufwärtsbewegung der ganzen Wirt- f ch a f t geschaffen sein.� Man hat offenbar erst warten muffen, bis das A k t i e n- kapital im Verhältnis von 10: 1 zusammengelegt wird, um endlich in einer internationalen Wirtschaftsverstän- digung auf einem Rohstoffgebiete den Ausweg aus den Schwierigkeiten der Eisenindustrie zu sehen. Trotzdem ge- bürdet sich auch jetzt zuweilen die„Kreuz-Zeitung" national auf allen Gebieten, die mit Wirtschaft nichts zu tun haben. Ein echter Deutschnationaler wird eben e r st dann international, wenn die ganze Sache eine m« t a l- lischeGrundlage hat. Wobei sich nur noch die Frage aufwirft: Wie lange muß die Wirtschaftskrise dauern, bis die gesamte Deutsch- nationale Partei sich zu dem sonst als marxistisch ver- schrienen Internationalismus bekennt?— Und eine andere Frage: Was ist jetzt noch national, wenn schon das Blatt des Grafen W e st a r p den Parolen der Vaterlän- dischen Verbände abschwört und sich im Gegensatz zum Ka- pitän Ehrhardt für die Internationale des Eisens einsetzt? Staötbankskanöal in yalle. Bier Millionen Verlust. Halle, 27. August.(Eigener Drahtbericht.) Der unter Leitung des deutschnationalen Oberbürgermeisters Dr. Rive stehende Magistrat hat, wie das.Voltsblatt" mitteilt, vor einigen Iahren einen 27jährigen jungen Mann zum Direktor der Stadtbant gemacht. Unter der Regie dieses jungen Mannes sind die ungeheuer- lichsten Kreditverschleuderungen erfolgt. Firmen der zweifelhaftesten Art, übelbeleumdete Persönlichkeiten jeden Standes bekamen nach Wunsch Kredit, soweit sie es verstanden, mit dem ' Stadtbankdirektor in nähere Berührung zu kommen. Der Hallesche Oberbürgermeister Dr. Rive wie der zweite Bürgermeister Dr. Seydel, der bereit» vor Jahr und Tag von den Kreditver- schleuderungen und von der Gefährdung der Stadtbank bis zur Illiquidität wußte, hat den Stadtbankskandal bis zum äußersten vertuscht. Erst als die sozialdemokratische Stadtverordneten- fraktion Aufklärung forderte, bequemte sich der Magistrat zu einer Aufklärung, die jedoch in allen Punkten eine Verschleierung des tat- fächlichen Sachverhalts darstellte. Das.Voltsblatt" ist heute in der Lage mitzuteilen, daß der Verlust der Sradtbank mindestens vier Millionen Reichsmark beträgt, daß jedoch weitere hohe Verluste so gut wie sicher sind, die Hallesche Stadtbank vollkommen verlottert ist und die Aufrechterhaltung des Betriebes, d. h. feine Zahlungs- fühigkeit nur durch weitgehende Inanspruchnahme der Mittel der Stadtsparkaffe ermöglicht wird. Der jugendliche Stadtbankdirektor, der vor kurzem hinausgeworfen wurde, ist durch eine Leitung ersetzt worden, die in dem Verdacht steht, durch Finanzmachenschaften be- denklichster Art dem bereits bestehenden Skandal einen neuen hinzu- zufügen._ Gegen üie Wehrpflicht. Ein internationales Manifest. Em internationales Komitee, das sich zu diesem Zweck gebildet hat, wendet sich mit einem gegen die. Wehrpflicht gerichteten Manifest an die Oesfentlichkeit. Das Manifest hat folgenden Wort- laut: Viele Männer und Frauen aller Länder, die das Joch des Militarismus zerbrechen, die Schrecken des Krieges auf immer beseitigt sehen möchten, die hoffnungesreudig den Völkerbund als Weg zu diesem Ziele begrüßt haben, verlangen, daß endlich ein entschiedener Schritt zur vollständigen Entwaffnung, vor allem aber zur moralischen Abrüstung getan werde. Die wirksamste Maßnahme hierzu wäre die allgemeine Ab- schaffung der Wehrpflicht. Wir fordern daher den Völkerbund auf, die Abschaffung der Heeresdienstpflicht als ersten Schritt zu einer wirklichen Abrüstung vorzuschlagen. Wir glauben, dag auf der Wehrpflicht aufgebaute Heere mit ihrem großen Stab von Berufsoffizieren eine schwere Bedrohung des Friedens dar- stellen. Zwangsdienst bedeutet Entwürdigung der freien mensch- lichen Persönlichkeit: das Kasernenleben, der militärische Drill, der blinde Gehorsam gegenüber noch so ungerechten und sinnlosen Be- fehlen, das ganze System der Trainierung zum Töten untergraben die Achtung vor Persönlichkeit, Demokratie und dem menschlichen Leben. Die Wehrpflicht fügt diesen Schaden dem ganzen Volke zu. Sie pflanzt der ganzen männlichen Bevölkerung einen militärischen Geist ein und das in einem Alter, in dem sie solcben Einflüssen am ehesten unterliegt. So kommt es, daß schließlich der Krieg als un- venu eidlich, ja ach erstrebenswert angesehen wird. Der Galgen Die Todesurteil A n g o r a. 27. August.(WTv.) Die von dem Unabhängigkeils. gericht in dem Hochverratsprozeß gegen Mitglieder der Unionistifchen Partei zum Tode verurteilten V s ch a v i d Bey, R az im Pey. 31a il Bey und hilmi Bey find hingerichtet worden. 3n Ergänzung der gestrigen Meldung über die vier Todes- urteile ist nachzutragen, daß das Unabhängiigkeitsgericht den Abge- ordneten von Stambul, Rauf, den früheren Gouverneur von Smyrna, Rahmt, drei frühere Sekretäre der Unionistifchen Partei und zwei Helfershelfer zu zehn Zähren Gefängnis verurteilt hat. Z7 andere Angeklagte wurden freigesprochen. So entsetzlich es im ersten Augenblick wirkt, daß die Hin- richtungen, entgegen der ersten Ankündigung, nicht erst nach einigen Tagen, sondern alsbald nach der Verurteilung voll- streckt worden sind, so ist das aber noch ein— Gnadenakt; denn wie fürchterlich muß das Leben in der Gewißheit des nahen Todes durch Henkershand sein. Aber diese Todes- urteile und Hinrichtungen für Pläne, die vielleicht einmal gehegt worden, aber niemals auch nur zum Beginn der Aus- fllhrung gediehen sind, ja für die Hineinziehung der Türkei in den"Weltkrieg— zwölf Jahre später vollstreckt: die bleiben ein Schandfleck für das jetzige Regime in der Türkei, ebenso wie die dreizehn Hinrichtungen vor wenigen Wochen, als man Leute henkte, weil sie ein Attentat auf Mustafa Kemal geplant haben sollen. Neue Reform: polnischer SchnapS! Smyrna. 27. August.(EP.) Eine polnische Gesellschaft hat von der türkischen Regierung das Monopol für die Herstellung und den Verkauf von Spirituosen in der Türkei erworben. Der Konzern oerfügt über ein Kapital von 2 Millionen Lire und hat sich verpflichtet, der türkischen Regierung vor Beginn seiner Tätigkeit von Mgora. t schon vollstreckt. einen Vorschuß von 40 Millionen Franken(es ist nicht bekannt, ob Schweizer oder französische) zu zahlen. 5ranko-türkischer Zwischenfall. Paris, 27. August.(Eigener Drahtbericht.) Ein ernste: Zwischenfall zwischen der französischen und der türkischen Regierung beschäftigte den heutigen Kabinettsrat. Ein Offizier des französischen Orientdampfers„L o t u s", der sich jüngst in Konstanti- nopel an Land begeben hotte, wurde dort von den Türken fest- genommen und ist seitdem in Hast. Das übrige Pcrsoval des Dampfers, der in der Zwischenzeit nach Marseille zurückkehrte, hat sich mit dem Offizier solidarisch erklärt und weigert sich, mit dem Dampfer nochmals auszulaufen, aus Protest gegen die Untätigkeit der französischen Regierungsstellen in dieser Sache. Die bereits eingeschifften 600 Reisenden wurden deshalb auf andere Dampfer verteilt. Briand hat im Kabinettsrat mitgeteilt, daß er bereits Schritte bei der türkischen Regierung unternommen habe und den gegenwärtig von Paris abwesenden türkischen Gesandten hat auffordern lassen, sofort zurückzukehren, um mit ihm über den Fall zu verhandeln. Die türkische Darstellung der Angelegenheit geht dahin, daß der Dampfer„Lotus" ein türkisches Schiff angefahren, versenkt und den Tod mehrerer türkischer Staatsangehöriger verursacht habe. Man behauptet in Paris, der Unfall habe sich außerhalb der türkischen Gewässer ereignet, die tür- tische Regierung habe also nicht das Recht, gegen einen Offizier des Dampfers völkerrechtswidrige Repreffalien zu er- greifen. Der neue Syrien-Kommissar. Paris, 27. August.(TU.) Der Afrika- und Orientreferent im französischen Außenministerium, Ponsot, ist zum Oberkommissar von Syrien ernannt worden. Ein Staat, der sich für berechtigt hält, seine Bürger zum Kriegs- dienste zu zwingen, wird auch in Fricoenszeiten die gebührende Rück- ficht auf das Wohl und Wehe des einzelnen vermissen lassen. Eine Regierung, die sich auf die Wehrpflicht stützt, kann leichter den Krieg erklären und sofort die Stimme der Oppo- sition durch die Mobilmachung zum Schweigen bringen. Regie- rungen, die der freiwilligen Unterstützung ihrer Völker bedürfen, werden notwendigerweise in ihrer auswärtigen Politik viel vor- sichtiger sein. Im ersten Entwürfe der Völkerbundssatzung empfahl Präsident Wilson die Abschaffung der Wehr- Pflicht in allen angeschlossenen Ländern. Erwecken wir diesen ursprünglichen Geist des Völkerbundes wieder zum Leben, den Geist, der so viele Kämpfer des Weltkrieges beseelte, zu dem sich so viele führende Staatsmänner bekannten. Die allgemeine Abschaffung der Wehrpflicht bedeutet einen ent- schiedenen Schritt vorwärts zu Frieden und Freiheit. Wir rufen daher alle Männer und Frauen, die guten Willens sind, auf, uns zu helfen, daß der Druck der öffentlichen Meinung in allen Ländern die Regierungen dahin bringen möge, diesen entscheidenden Schritt zu tun, aus daß der Weg frei werde zu einem neuen Zeitalter der nationalen und persönlichen Freiheit und der Brüderlichkeit unter den Völkern. Von deutschen Persönlichkeiten haben das Manifest gezeichnet: A. Mendelssohn-Bartholdv. General a. D. Berthold von Deimling. Prof. Albert Einstein, Major Franz Carl Endres, Prof. Harry Keßler, Reichstagspräsident Gen. Paul Löbe, Generalmajor a D. F. von Schönaich, Pater Franziskus M. Stratmann und Fritz von Unruh._ Menschenrechte öer Minüerheiten. Proklamation in Genf. Genf, 27. August.(Eigener Drahtbericht.) Der Minderheiten- kongreß behandelte am Freitag zunächst die Fragen der Staats- bürgerfchaft, des Wahlrechts und der Sprache. Es wurde zu jedem Punkt einstimmig eine längere Entschließung ge- saßt, deren wichtigste Einzelheiten folgende sind: Jedermann hat einen Rechtsanspruch auf eine Staats- bürgerfchaft. Das Staatsbürgerrccht ist ein erworbenes Recht, das man nur auf Grund eines eigenen Willcnsaktes oder entsprechender Handlungen verlieren kann. Als Regelung des Staatsbürgerrechts von Hundert taufenden, welche durch die staatlichen Um- wälzungen unverschuldet darum gekommen sind, wird den Nachfolge- staaten der ehemaligen Donaumonarchie die Ratifikation der Kon- vention von Rom von 1922, den anderen Staaten die Uebernahme der bezüglichen Grundsätze des Verfailler Vertrages in die staatliche Gesetzgebung oder deren Anwendung empfohlen unter gleichzeitiger Aufhebung der entgegengesetzten Ausnahme- und Polizeivorfchriften. Der Kongreß verlangt die Anwendung solcher Wahlrechtsmethoden, daß die nationalen Minderheiten in den parlamentarischen und Selbstverwaltungskörperschaften entsprechend ihrer zahlenmäßigen Stärke zur Gesamtbevölkerung des Staates vertreten sind mit Ausschluß künstlicher Wahlkrcisgeometrie und jeder Begünsti- gung der Volksmehrheiten. Der Staat hat lediglich den Gebrauch der Sprache im Staatsbetrieb und im Verkehr zwischen staat- lichen Organisationen und Bürgern zu regeln. Für den privaten und öffentlichen Verkehr kultureller, wiffenschaftlicher oder sozialer Art der Staatsbürger untereinander ist diesen die Wahl der von ihnen zu benutzenden Sprache uneingeschränkt freizugeben. Jede Nationalität im Staate hat ein Recht auf Schulen mit der eigenen Sprache als Unterrichts- und Prüfungsprache. Allen Staatsbürgern muß die Möglichkeit der Erlernung der Staatssprache in ihren Schulen gewährt werden. Ebenso hat jede Nationalität ein Recht aus den Gebrauch der eigenen Sprache aus religiösem Ge- biete. Die Führung und das Schreiben der Namen(Vornamep und Familiennamen) stellen ein P e r s o n a l r e ch t der Bürger dar, in das jeder Eingriff des Staates unzulässig ist. Wo in ein- zelnen Gebieten eine Nationalität geschlossen siedelt, tritt an die Stelle der Staatssprache die Sprache dieser Nationalität. In den staatlichen Einrichtungen der einzelnen Gebiete und in den Selbstverwaltungskörpern muffen im mündlichen und schriftlichen Verkehr die Verkehrs sprachen des Gebietes zugelassen wer- den. Richter und Beamte haben von allen ihnen zur Verfügung stehenden Sprachkenntnissen Gebrauch zu machen. Bei der Fest- legung von Verwaltungsgebieten muß die sprachliche Zusammen- setzung der Bevölkerung berücksichtigt werden. das polnische Polizei-Panama. Täglich neue Enthüllungen. Warschau, 27. August.(Eigener Drahtbericht.) Der„Glos Prarody" fetzt am Freitag feine Enthüllungen über die Zustände t>ei der Warschauer Kriminalpolizei fort. An der Hand zahlreicher Beispiele, die er bis in die geringsten Details schildert, beweist der Verfasser des Artikels, daß die meisten großen Diebstähle und Einbrüche der letzten Zeit gewissermaßen unter dem Protektorat einzelner Kriminalkommissare begangen worden sind. Versuche untergeordneter Organe, die Ver- brechen aufzudecken, wurden von den eingeweihten Vorgesetzten durchkreuzt. So wurde ihnen verboten, Untersuchungen und Ver- Haftungen vorzunehmen, ohne sich vorher mit den Kommiffaren ver- stärfdigt zu haben, ob der betreffende Dieb verhastet werden„darf". Bei der„Aufdeckung" der Diebstähle ging die Kriminalpolizei in der Weise vor, daß sie die Untersuchung absichtlich in falsche Richtung führte und so eine Aufklärung unmöglich machte. Bei einem bedeutenden Diebstahl in einem Pelz Warengeschäft sei den Kriminalkommissaren sowohl der Täter als auch der Aufbewahrungs- ort der gestohlenen Gegenstände bekannt gewesen. Sie erklärten sich angeblich auch„bereit", der geschädigten Firma zu den Sachen zu verhelfen, verlangten jedoch eine ungeheure Belohnung. Da ihnen diese nicht bewilligt wurde, expedierten die Diebe unter besonderem Schutz der Kriminalpolizei das gestohlene Gut am nächsten Tage nach D a n z i g, wo es verkauft wurde, während der ruinierte Besitzer sich dasLeben nahm. Einem Kom- miffar wird vorgeworfen, von einem Diebe für die Nichtaufdeckung eines von ihm verübten Einbruchs, über den-der Kommissar genau unterrichtet«wir, eine Villa bei Warschau und den Betrag von 2000 Dollar als Gewinnanteil angenommen zu haben. Einer der am schärfsten angegriffenen Kommissare versucht in einer nationaldemokratischen Zeitung die Vorwürfe des„Glos Prawdy" zu entkräften. Er tut das jedoch in einer so schwachen und nichtssagenden Weise, daß er damit fast offen seine Schuld bekennt. Der Regierungskommissar der Stadt Warschau hat eine genaue Untersuchung eingeleitet und die Angelegenheit der Staats. onwaltschaft übertragen. Dom Sonnabend ab sollen einige Kom- miffare vom Dienst suspendiert werden. Statistik öer Korruption. Warschau, 27. August.(EP.) Das Blatt Pilsudskis,„Glos Prawdy" veröffentlicht eine Statistik über die dem Staat durch die Korruption entstandenen Verluste. Danach ist der Staatsschatz jährlich um S30 Millionen Zloty be- trogen worden. Die Unterschlagungen verteilen sich auf das Spiri- tusmonopol mit 250 Millionen, das Tabakmonopol mit 100, die Staatsbetriebe mit 100 und auf Zollhinterziehungen mit 80 Millio- nen Zloty. Diese Summe wurde durch Kreditgewährung einiger staatlicher Banken vermehrt, die 1925/26 an gute' Bekannte und Verwandte 200 Millionen Zloty Kredite verteilten. Ein Drittel der gesamten Staatsausgaben Polens sei auf das Konto „Korruption" zu buchen. Der verjuöete öismarck. Ein hoffnungsloser Fall! Jüngst ist hier die Prophezeiung Bismarcks in seinen Ge- sprächen mit der Frau v. Spitzemberg wiedergegeben worden. Deutschland werde sich nach dem Sturz der Monarchie in einem unglücklichen Krieg als Republik zu neuem Ruhme erheben. Dieselbe Friedrichsruher Ausgabe der Werke Bismarcks enthält aber auch Gespräche mit einem Dr. Eduard Cohen, der jahrelang Bismarcks Hausarzt gewesen ist. Die„Abwehrblätter" des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus machen sich nun das Vergnügen, an der Hand dieser Gespräche Bismarcks Beziehungen zu den Juden darzustellen. Dabei ergibt sich, daß nicht nur der Hausarzt, sondern auch der Rechtsanwalt des Eisernen, Iustizrat Philipp, ein Jude war. Daß der jüdische Bankier Bleichröder sein Freund und Berater in finanziellen Dingen war, ist allgemein bekannt. In seinen Gesprächen äußerte Bismarck besondere Vorliebe für den englischen Staatsmann D i s r a e l i und für den ruffischen Giers, der nach seiner Meinung jüdischer Abstammung gewesen und ursprünglich Hirsch(!) geheißen haben sollte. Heine» Werte hatte er immer auf dem Tisch und las sie fleißig. Ja, er äußerte sogar einmal, daß die Errichtung eines Heine-Denkmals in Düffeldorf„durchaus gerechtfertigt' fei. Hier verhüllt die germanische Menschheit trauernd ihr Haupt. Es wird klar, daß die„Weisen von Zion", aus denen Luden- d o r f f soviel gelernt hat, für Bismarck zu spät geschrieben worden sind. Der /ber ist als Iudenknecht entlarvt und als Abgott haken- kreuzlerijcher Stammtische für alle Zeiten entthront. Die Personalpolitik der Reichsbahn. Die Ursache der Häufung der Eisenbahnunfälle. Die Bezirksleitung Frankfurt a. M. des Einheitsverbandcs der Eisenbahner schreibt uns: Die Häufung der Eisenbahnunfälle fordert gebieterisch, einmal die oerfehlte Personalpolitik der Reichsbahngesellschost zu beleuchten. Seit der Vergesellschaftung der Reichsbahn— 1. Oktober 1924— ist ein Personalabbau und-umbau im Gange, desien Wirkung auf die Verkehrs- und Betriebssicherheit sich immer mehr in er- schreckender Weise zeigt. Hat doch dieser Personalabbau zu einer Dezimierung des Betriebspersonals geführt. In- folgedessen wird das Betriebs» und Derkehrspersonal zu Arbeits- und Dienstschichten herangezogen, die das erträglich« Maß weit überschreiten. Diese Dienst- und Arbeitsleistungen sowie über- mäßig langen Dienst, und Arbeitsschichten sind keinesfalls Einzel- erscheinung. Zum Beweis lassen wir eine kleine Zusammenstellung aus den letzten Tagen mit Datums- und Namensangabe folgen. Diese Zusammenstellung enthält nur Z u g b e a m t e von einem einzigen Bahnhof. Sie enthält auch nur einen Bruchteil von den vielen Beschwerden des Betriebs- und Derkehrspersonals über dienstliche Ueberiastungen. Zwar schreiben die Dienstdauer. Vorschriften vor: „Die planmäßige Arbeitszeit darf im Durchschnitt a) bei un- unterbrochener, besonders anstrengender Beschäftigung 8 Stunden an einem Arbeitstage, 48 Stunden in einem siebentägigen und 208 Stunden in einem dreißigtägigen Zeitraum nicht übersteigen: b) im übrigen bis zu zehn Stunden an einem Arbeitstag, 60 Stun- den in einem siebentägigen und 260 Stunden in einem dreißig- tägigen Zeitraum ausgedehnt werden. Zur Erzielung zweck- mäßiger Dienstpläne, die den Bedürfnissen des Betriebes und Ver- kehrs sowie den Gepslogenheiten des Personals Rechnung tragen, darf die Arbeitszeit an einem Arbeitstag acht bzw. zehn Stunden überschreiten, sosern die für den siebentägigen und dreißigtägigen Zeitraum vorgeschriebenen Höchstmaße dadurch nicht überschritten werden.' Diese Dienstdauervorschriften sind mit den Organisationen ver- einbart und bilden die Grundlage für die Aufstellung der Dienst- pläne und Heranziehung des Betriebs- und Verkehrspersonals zum Dienst. Bei den maßgebenden Stellen der Reichsbahn stehen diese Dienstdauervorschriften nur noch auf dem Papier. Am meisten leidet unter der übermenschlich langen Dienst- und Arbeitszeit das Zugbegleitpersonal. Weigerungen des Personals, die übermenschlich langen Dienstschichten zu leisten, oder Beschwerden über die übermenschlichen Dienst- und Arbeitsleistungen werden einfach mit der Drohung des Abbaues beantwortet. Bei solchen übermenschlichen Dienst- und Arbeitsleistungen muß die körperliche und geistige Spannkrast nachlassen, ja ein körper- licher Zusammenbruch erfolgen. Die Krankheitsziffer ist gestiegen und die Unfälle haben sich gewaltig vermehrt. Dabei muß beachtet werden, daß sehr viele Eisenbahner aus Furcht, ab- gebaut zu werden, sich nicht in ärztliche Behandlung begeben und krank melden. Sie leisten die ihnen aufgetragene Arbeit bis zum völligen Zusammenbruch. Sind doch Bedienstete bereits direkt bei der Arbeit zusammengebrochen. Wir haben schon seit Monaten auf die gefährliche Auswirkung einer solchen Personalpolitik auf die Betriebssicherheit verwiesen. Die Reichsbahnverwaltung hat diesen Hinweis nicht beachtet. Gerode der Eisenbahnbetrieb erfordert ein in jeder Beziehung leistungsfähiges Betriebs- und Verkehrspersonal. Diese Leistungsfähigkeit muß aber bei den übermenschlichen Dienst- und Arbeitsleistungen auf den Nullpunkt anlangen. Das reisende Publikum darf dies aber im Interesse der eigenen Sicherheit nicht zulassen. Tritt in der Personalpolitik der Reichsbahngesellschost keine Aenderung ein, dann ist mit einer weiteren Häufung der Eisenbahn- Unfälle zu rechnen. öetriebsräte, Arbeiter- tmd fiagestelltenräte! In letzter Zeit machen sich wieder Bestrebungen bemerkbar, die Betriebspäte zu Handlungen zu bewegen, die weder in ihrem Interesse liegen, noch zu ihren Ausgaben gehören und die gegen die fteigewerk- schaftlichen Grundsätze verstoßen. Nachdem der Parole des söge- nannten„E i n h e i t s k o m i t e e s' kein Erfolg beschieden war, ver- sucht man, einen.Kongreß der Werktätigen' als Konkur- renz zum Gewerkschaftskongreß zustande zu bringen. Um den un- verantwortlichen Veranstaltern einen Erfolg zu sichern, werden die der kommunistischen Partei angehörenden Betriebsräte aufgefordert, in Betriebsversammlungen Delegierte zu einem Betriebsrätekongreh zu wählen, dem dann der„Kongreß der Werttätigen' folgen soll. In der letzten Zeit werden von völlig unbekannten, durch die KPD. inspirierten Stellen die Betriebsräte der einzelnen Verwal- tungsbezirke zu Versammlungen zusammenberufen, die eben- falls zur Vorbereitung des„Kongresses der Werktätigen' dienen sollen. Die Groß-Berliner Betriebsräte haben außer der direkten Interessenvertretung durch ihre zuständige Organi- s a t i o n eine in Verbindung mit den Ortsausschüssen des ADGB. und desAfA.- Bunde» geschaffene Sondervertretung in dem sreigewerkschastlichen velriebsräte-Ausschuß, dem alle Wünsche, die über den Rahmen der Einzelgewertschast hin- ausgehen, zuzuleiten sind. Von diesem Betriebsräte-Ausschuß werden alljährlich die Bczirks-Betriebsrätekonferenzen veranstaltet. Auch für dieses Jahr ist eine solche bereits in Vorbereitung. Wir warnen die in den freien Arbeiter- und Angestelltenver- bänden organisierten Betriebsräte, den vorgenannten Bestrebungen Vorschub oder Folge zu leisten, denn letzten Endes ist es, wenn nicht Schlimmeres, nur eine Kräftezersplitterung in den Kämpfen, die die Betriebsräte wegen ihrer Anerkennung und Wirksamkeit, die Organisationen für Durchfühning der be- stehenden und Schaffung neuer Gesetze zu führen haben. Die Interessenvertreter der sreigewerkschastlichen Betriebs- r ä t e sind: Für die Arbeiter: Paul D r a t w a. Baugewerbe; Johann K u n i s ch, Bekleidungs- Industrie: Walter Thoms, Ehemische Industrie: Karl Fubel, Holzindustrie: Heinrich Dierker, Graphisches Gewerbe: Hans Richter, Nahrungs- und Genußmittelindustrie: Otto P a g e l, Lederindustrie: Erich Lübbe, Metallindustrie: Hermann M i e l k e, staatliche und kommunale Behörden; Franz Schlichting, Per- kehrsgewerbe. Für die Angestellten: Richard Hoffmann, ZdA.: Friedrich Boß. ZdA.: Wilh. Schweingruber, DWV. Allgemeiner freier Angestelltenbund. Ortskartell Berlin. Allgemeiner Deuffcher Gewerkschaftsbund, Ortsausschuß Berlin. Die Einigungsverhanülungen üer öeamtenverbänüe. SPD. Di« Einigungsbestrebungen zwischen dem Allgemeinen Deutschen Beamtenbund und dem Deutschen Beamtenbund haben bisher noch nicht zu einem Ergebnis geführt, weil sich der �»«Ulsche Beamtenbund bis jetzt zu einer Entscheidung über ill[f0" vorgelegte Mindestprogramm noch nicht ent- Motzen hat. Er will vorerst noch einige organisatorische Fragen geklärt wissen, über die ihm der ADV. sofort die notwendigen Mitteilungen und Unterlagen zugestellt hat. In dem Schreiben des ADV. wird gleichzeitig der Auffassung Ausdruck gegeben, daß eine Einigung über diese organisatorischen Punkte leicht möglich ist, sobald über die ideelle Grundlage des neuen Bundes Uebereinstimmung herrscht. Von anderer Seite wird uns mitgeteilt, daß die H o f f n u n g e n auf eine Einigung der beiden Beamtenverbände nur noch sehr gering sind. Iin Deutschen Beamtenbunde sind nach dieser Quelle starke Kräfte am Werke, die auf einen Zusammenschluß mit den ch r i st l i ch e n Gewerkschaften hindrängen. Eine endgültige Entscheidung über' die künftige Taktik des Deutschen Beamtenbundes soll in der am Sonnabend stattfindenden erweiterten Borftandssitzung gefällt werden. vier Jahre westfälischer slrbeitsmarkt. Der Abbau der Bergarbeiter. Bochum. 27. August.(Eigener Drahtbericht.) Das Landes- arbeiisamt Westfalen hat eine„Vier Jahre westfälischer Arbeits- markt' betitelte Denkschrift ausgearbeitet, der wir folgende be- merkenswerten Ausführungen entnehmen: Der Regierungs- bezirk Arnsberg hatte in der Zeit vom 1. Januar 1923 bis 1. Juni 1926 eine Belegschaftsverminderung in Höhe o o n 3 9, 3 P r o z. zu buchen. Der Landkreis Schwelm mußte sogar eine hundertprozentige Verminderung seiner Zechenbelegschaften erdulden. Der Stadtkreis Witten verlor 98 Proz., der Landkreis Hattingen 7 6 P r o z., der Landkreis Hörde 31 Proz. Am besten kam der Stadtkreis Bochum mit 29,9 Proz. weg. Insgesamt sank die Zahl der Bergleute im Regierungsbezirk Arnsberg von 226 000 auf 161 00 0. Die Gesamtbelegschaft des Regierungsbezirks Münster fiel von 142 900 auf 97 000, der Stadtkreis Recklinghausen steht mit 41,3 Proz. an der Spitze. Der Regierungsbezirk Düsseldorf schnitt mit einem Verlust von 27,3 Proz. relativ am besten ab. Von seinen Kreisen erlitt der Stadtkreis Duisburg mit einem Abbau von 0,9 Proz. die geringsten Belegschaftsverluste. Am stärksten ist in diesem Bezirk der Landkreis Essen mit 37,8 Proz. Verlusten betroffen. Der Gesomtabbau des rheinisch-westfälischen Stein- kohlend ezirks sieht einen Verlust von 192 000 Bergarbeitern in vier Jahren, d. h. eine Verminderung der Gesamtbelegschaft von 595 000 aus 367 000 gleich 34,42 Proz. Die Uebersiedlung von Bergarbeiterfamilien in andere Bezirke läßt sich wegen der Wohnungsnot nur sehr schwer durchführen. Um hier eine Besserung zu schaffen, sollen 1300 Familienwohnungen im Wurmrevier, in Ahlen in Westfalen und anderswo gebaut werden. Internationaler Landarbeiterkongrcß. Das Exekutivkomitee der Internationalen Landarbeiter-Föde- ration hat in einer Sitzung beschlossen, den nächsten Internationalen Landarbeiterkongreß vom 2 8. bis. 3 0. September in Genf abzuhalten. Referate sind vorgesehen über die Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse durch Kollektivverträge und Gesetzgebung (Referent: Duncan, Schottland), über das Koälittonsrecht der land- wirtsckaftlichen Arbeiterschaft(Referent: Schmidt, Deutschland), sowie über den Ärbeiterschutz in der Landwirtschaft(Referent: Hiemstra, Holland). Ultimatum der postangestellten Gesterreichs. Wien, 27. August.(Eigener Drahtbericht.) Am Freitag vor- mittag haben die Funktionäre der Postangestellten ein Uttimawm an die Regierung beschlossen, das bis zum 3. September be- f r i st e t ist. Auch die Technische Union(Organisation der Telephon- und Telegraphenungestellten) er'lärr, daß sie an der Forderung nach einem Mindestbezug festhält. Einigung auf 150 Schilling ZNindeskgehalt. Men. 27. August.(Eigener Drahtbericht.) Am Freitag abend ist im Konflikt der Regierung mit den Postanqestellten eine entscheidende Wendung eingetreten. Die Begierung hat am Spätnachmittag der Gewerkschaft der Postangestellten e i n neues Angebot gemacht, wonach sie ein Mindestgehalt von 150 Schilling statt der geforderren 170 Schilling zu he- rchlligen bereit ist. Der Vorstand der P o st g e w e r k s ch a s t hat dieses Angebot angenommen. Dem Konflikt ist dadurch zunächst der krisenhafte Charakter genommen. Der englifche öergarbeiterkampf. Bis zum bilkeren Ende. London, 27. August.(Eigener Drahtbericht.) Die Hoffnung ge- wisser Bergarbeiter, daß die Besprechungen mit den Vertretern der Regierung und der Gewerkschaften am Freitag fortgesetzt werden würden, ist nicht in Erfüllung gegangen. In dem Maße, als der In- halt der Diskussion vom Donnerstag durchsickerte, wurde es klar, daß die Haltung sowohl der Gewerkschaft als der Regierung sich kaum geändert hat. Die Führer der Bergarbeiter deuteten— offenbar aus taktischen Gründen in sehr unbestimmter Weise— ihre Bereitwilligkeit zum Lohnabbau an und erwähnten— offenbar wiederum aus taktischen Gründen— die Frage staatlicher Beihilfe an den Bergbau. Churchill, der zur Ueberraschung der Arbeiter- Vertreter an der Besprechung teilnahm, lehnte eine Subven- tion unbedingt ab und erklärte, wenn kein« best! mm< ten Vorschläge gemacht würden, so werde die Regierung ihre Hand zu einer Lösung des Konflikts nicht bieten. Die Führer der Bergarbeiter werden am Montag abend mit dem Fraktionsvorstand der Labour Party über die Lag« beraten. Man erwartet für Dienstag im Unterhaus eine sehr lebhaste Debatte über den Streik. Irgendwelche Hoffnungen, daß dabei etwas Pofi- tioes herauskommen werde, hegt man in politischen Kreisen nicht. So wie die Dinge jetzt liegen, muß man damit rechnen, daß der Kampf bis zum bitteren Ende weitergehen wird. ..Das starre Zesihallen der Bergarbeilerführer." London. 27. August.(MTB.) Der Amtliche Britische Funk» dienst teilt über die gestrige Besprechung der Bergarbeiter mit Mit- gliedern der Regierung init, daß, obgleich kein b e st i in m l e r Fortschritt im Laufe der Unterhaltung erzielt und keine weitere Zusammenkunft vereinbart worden sei, die Tür zu erneuten Be- mühungen offen geblieben sei; man erwarte einen weiteren Fortschritt in den nächsten Tagen. Die Bergarbeiterführer hätten ihren derzeitigen Standpunkt dargelegt und die M i n i st e r hätten ihre Bereitwilligkeit erklärt, die beiden streitenden Parteien an einen Tisch zu bringen. Die Minister hätten aber deutlich zum Ausdruck gebracht, daß nach ihrer Meinung das starre Festhalten der Bergarbeiterführer ausgegeben werden mutze und daß die Führer eine der derzeitigen Lage ent- sprechendere Haltung einnehmen müßten. Endgültige Vorschläge der Bergarbeiter? London. 27. August.(MTB.)„Daily Herald' teilt heute mit, daß es zweifellos sei, daß die gestrige Unterredung den Versuch der Bergarbeiter, die Regierung zu einem Einschreiten im Streit zu veranlassen, beendet habe. Die Bergarbeitcrexekutive werde Montag zusammentreten und mit der Arbeiterpartei eine Besprechung ab- halten, um die am Dienstag im Unterhaus zu veranlassende Debatte über die Verlängerung der Ausnahmegesetze vorzubereiten. Ein Zu- sammentrcsfen mit den Bergarbeitern und der Regierung könne erst nach diesen, Zeitpunkte stattfinden, und es fei möglich, daß die Berg- arbciterexekutive beschließen werde, eine Delegiertenkonfernez ein- zuberufen, die die endgültigen Vorschläge vor der Wiederaufnahme der Verhandlungen mit der Regierung gutzuheißen hätte. Buchdrucker. Gau verlin. Vor Z u r e i s e nach Berlin wird gewarnt. Konditionsannahme in Berlin kann nur durch den Arbeitsnachweis erfolgen, da die Prinzipale sich weigern, den Nachweis zu benutzen, und denselben zum Lohndruck gebrauchen wollen. Vor Konditionsannahme sind in allen Fällen Erkundigungen auf dem Gaubureau, Engelufer 24 I, einzu- ziehen. Der Gauvorstand. Zimmerrr. Alle Bezirke tneen heute, Sonnobend. ob 7 Uhr, in den be- kannten Lokalen. Auhcrdeui ist folflendcs ,u beachten: Der Bezirk 20 bei Schnorre. Potodmner Str. 3: der Bezirk 23 sCharlottenburg) in Cekmanns liestsälcn, Sarrrnftr. 34; der Bezirk 39 sSv-ndau) bei Moycl, Bis- niarckstr. 8. Morgen. Sonntag, vormittags 10 Uhr, tagt der Bezirk 3 bei Penski. Wiener Str. 56, und der Bezirk 45 lErkner) bei Grund,«iinigstr. 52. Der Kamerad Bau, Eievert lBczirk 12) ist auf seine Pflichten gegenüber dem Bezirkskasfierer oufmerisani zu machen. Der Borstand. Freie Gewerkschaftafugend. Mareen, Sonntag, veranstaltet die Freie Gewerkschoftsjugend gemeinsam mit der Jugend aus dem Berkehrsbund eine Dampferfahrt nach Iicgenhals bei Zeuthen, dortsclbst Woldfest. Iugendspie'.e, Gesang. Volkstanz usw. lösen einander ab. Abfahrt W Uhr früh Waisen- brücke, Reederei Langenwaldt und Schmolle und um ihg Uhr früh Tresckow- brücke, Oberschöncwcidc. Berantwortlich für Politik: Dr. Snrt Geyer; Wirtschaft: Artnr Saternvs: Gemcrkschaflsbewequng: Z. Steiner; Fcuilleion: Dr. John Schikowsli: Lokales und Sonstiges: Frih itarstädt: Anzeigen: Th.»locke: sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlag G.m.b.H., Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer u. Co. Berlin SW 68. Lindcnstrahe 3. Hierzu 2 Beilaaen und..Unterdaltnug»ad Wiste»". In 6er WsBtentascIie des Herrn sowie in der Handtasche der Dame sollte niemals ein Päckchen WRIGLEY P. K.- Kau-Bonhons fehlen. Ein Kau-Konf ekt von erfrischender Wirkung für Mund und Atem, besonders nach dem Essen, Trinken und Rauchen. Aerztlich vielfach empfohlen. G. F.9 Päckchen=4Stück— 10 Pf. Ueberall erhältlichl KAU-BON BONS '9*4" WRIOUY Ast riCM"G E5E LlSCHAf f. FRANKFURT A.fci Ür. 404 ♦ 45. Jahrgang 1. Seilage öes vorwärts Sonaabenö, 28. Kugust?42b Sonntägliche wanöerziele. Sonntqgswanderung durch das Gebiet der südlichen Uckermark! Wen einmal sein Wanderstab dorthin geführt hat, der kehrt immer miedcr zurück in diese schöne Landschaft, wo Berge und Täler mit- einander abwechseln, wo prächtige Laubwälder weit« Flächen be- decken, wo echte märkische Seen blinken. Wir lösen eine Sonntags- karte bis Chorin(vom Stettiner Bahnhof Z. Klasse 3,2» M., 4. Klasse 2,40 M), verlassen den Zug jedoch bereits in Chorinchen. Zum Kloster Chorin. Durch dos friedlich-stille Dorf Chorinchen oder Koriniken, wie es Äi aller Schreibweise heißt, wandern wir zu den Ruinen des Klosters Chorln. chochauf streben die alten Giebel und Pfeiler, mit Türm- chen und Maßwerk künstlerisch verziert, von Efeu dicht berankt. Fein abgetönt paßt sich das Dunkelgrün des Laubaeranks dem Graubraun des alten Mauerwerks gut an. Der alte Friedhof zur Seite des Klosters, mit einigen merkwürdigen Grabdenkmälern, zwingt zu nachdenklichem Verweilen. In waldiger Schlucht rauscht der Nettelgraben über Steingeröll: aus hohem Ufer, im Kloster. garten, erhebt sich die neue Jugendherberge. Neues Leben blüht aus an der Stätte, wo reiche 5?eimatgeschichte in vergangenen Jahrhun- derten ihren Anfang nahm, wo Sagen ihre verworrenen Fäden um altes Gemäuer spannen. Auch Chorin schrieb sich ursprünglich Corin, Korin oder Koryn. Dieser Name ist vermutlich auf dos sla- wische Wort„Korc* zurückzuführen, das Eichenrinde bedeutet. Diese mochte von den slawischen Bewohnern in den an Eichen reichen Wäldern der Umgegend als Gerbstoff in großen Mengen gesammelt worden sein. Der Besuch einer geschichtlich merkwürdigen Stätte bietet ebenso wie der Besuch einer landschaftlich schönen Gegend immer wieder etwas Anziehendes. Wir entdecken stets neue Eigen- orten oder Schönheiten, vielleicht nur hervorgerufen durch eine andere Beleuchtung, und werden dadurch immer wieder von dem Verlangen getrieben, diesen Ort aufzusuchen. Nach örodowin. Auf der Chaussee, die am Amtssee entlangführt, wandern wir zum alten Chausseehaus und weiter auf dem Brodowiner Weg in aiordöstlichcr Richtung in den Hochwald, einem schönen Mischwald. Jüngere Bäume und Strauchwerk bilden ein oft undurchdringliches Unterholz. Die Landschaft ist hügelig: außerhalb des Waldes könn- teil wir dies noch bester bemerken. Wir find im Gebiet der großen uckermörkischen Endmoräne. In den Senken finden sich häufig Seen oder Moore. Ein sehr schönes Moor liegt unmittelbar südlich vom Wege. An einzelnen Stellen zeigt sich noch offenes Master. Sonst hat sich eine reiche Sumpfoegetation angesiedelt. Alis trockenen Stellen haben Sträucher und sogar schon Bäume, Schwarzerlen und Birken, von dem neugcwordenen Land Besitz ergriffen. Rings- „m steht schweigend der Wald in seiner stets schönen Pracht, und goldig flutet die Herbstsonne über Wald und Moor. Wir solgeir der Brodowiner Straße weiter. Am Jagenstein 99/100 haben wir die Nordspitze des Ralurschuhgebiets Plagesenn erreicht. Bald sind wir am Waldrand: über freies Feld sühn nun unsere Wanderung. Rechts reicht der Große Plagssee bis nahe an den Weg, links erhebt sich der Herrscherberg. im Volksmund Herfeberg(hostdeutsch: Hirse- berg) geheißen. Vermutlich waren die Kartographen, die diese Gegend bearbeiteten, des Plattdeutschen nicht mächtig und mochten aus dem Hirseberg des Volkes einen Herrscherberg in den Karten. Lohnend ist die Aussicht von hier oben. Die Uckermark bis Anger- münde im Norden und bis Oderberg im Süden liegt dem Blick offen. Zu unseren Füßen sehen wir vrodowin, dem wir jetzt zu- wandern. Di« tuppige Grundmoränenlandschast der Uckermark ist just bei Brodowin stark ausgeprägt. pehHtzweröer. Don der Kirche in Brodowin wandern wir öststch nach Pehlih. Zahlreiche wilde Birnenbäume stehen am Wege, ihre Früchte sind ungenießbar Auch hier wandern wir durch sehr ruppiges Gebiet. Südlich vom Wege liegt der Wesensee und die sich etwa 40 Meter über den Seespiegel erhebenden Rummelsberge. In der Nähe von Behlitz erstreckt sich der pehlihwerder in den Parsteiner See hinein. Auf diesem Werder wurde das im Jahre 1258 gestiftete Kloster Wariensee angelegt und mit Mönchen aus Lehnin, dem Mutter. kloster, besetzt. Die Lage des Klosters auf dem Werder war jedoch zu beschwerlich und unbequem, so daß sich Abt und Konvent zu einer Verlegung des Klosters entschlossen. Aus einer Urkunde von 1273 erhellt, daß der Markgraf die Genehmigung erteilt habe, daß das Kloster.von der Insel, die der See Parstein umgibt, oder vom Mariensee nach derjenigen Stelle verlegt werde, welche der See Koryn umgibt, sowie, daß der alte Name Mariensee in Koryn oer- wandelt werden solle". Geringe Mauerreste zeigen heute noch die Stelle des ehemaligen Klosters. Mariensee an. Der Pehlitzwerder befindet sich in Privatbesitz. Linösee unö Großer Stein. Don Behlitz bleiben wir auf dem Wege in der Nähe des Par- steiner Sees. Dunkelblau liegt die Wasserfläche dieses zu den größten in unserer Mark gehörenden Sees da. von der Herbstsonn« bestrahlt: der scharfe Wind wühlt die Wasser auf, so daß weiße Schaumköpfe die Wogen krönen und der Wasserspiegel ein unruhiges Aus und Ab bildet. Bald, nachdem wir den Wald wieder erreicht haben, wandern wir rechts ob, an der Ostecke der Bucht, dann den Weg nach Südwest. An der alten Försterei vorbei, kommen wir zum Aorsthaus Lreitesenn. Von hier sührt die Straße in südlicher Richtung weiter. Vom Jagenstein 203/204 wandern wir aus dem abzweigenden Wege«ine kurze Strecke noch Norden bis zum Stein 203, dann rechts ab und kommen, zuletzt ohne Weg, durch eine ziem- sich steil abfallende Schlucht, an das User des Großen Lindsec». Träumerisch, in ungestörter Einsamkeit liegt dieses Gewässer, ein sprechendes Bild unserer märkischen Waldseen, rings umrahmt von Birken, Buchen und Kiesern, die der grünlich schimmernden Flut geheimnisvolle Reize verleihen. Durch die Schlucht von dem Fischer- schuppen geht es weiter gen Süd zum Weg zurück. Diesem folgen wir in bisheriger Richtung zur Straße vom Forsthaus Breitesenn, an der eine Fernsprechleitung entlang sührt. Von der Wegkreuzung wandern wir auf dem Neuendorfer Wege zum Waldende. Der Wald ist schön, meist Hochwald, mitunter junges Holz. Ost stehen am Wege zarte Bitken oder knorrige Eichen. Am Waldrande, aus dem Felde rechter Hand, liegt der Große Stein, fast gänzlich in einem Schlehen- und Brombeergebüsch versteckt. Leider ist der Stein nicht mehr vollständig, man hat einen großen Teil, etwa die Hälfte, ob- gesprengt und zerschlagen. Vordem mag er ungefähr die Größe des Kleinen Markgrafensteins bei Rauen gehabt haben. Die Spreng- löcher sind in großer Anzahl durch den ganzen, etwa drei Meter hohen Block hindurch gebohrt worden. Es ist erstaunlich, wieviel Arbeit man sich hier gemacht hat, um ein Naturdenkmal zu zer- stören. Sehr schön ist die Aussicht, die wir von dem Großen Stein genießen. Das leicht gewellte Feld zieht sich vor uns hin. Im Vordergrund liegt Reuendorj, weiter entfernt sehen wir nach Nord- osten Lunow, nach Osten die Kirche von hohensaathen. Etwas links davon, ganz in der Ferne, ragt der Kirchturm von Zehden auf, das schon jenseits der Oder liegt. Durch Reuendors wandern wir zum Bahnhof Saaten-Reuen- dors. Der Zug bringt uns über Oderberg nach Freienwalde. Hier steigen wir um und fahren über Eberswalde nach Berlin zurück. In Saaten-Neuendorf Fahrkarte bis Falkenberg lösen, von dort aus gilt die Sonntagskarte nach Chorin.— Länge der Wanderung etwa 20 Kilometer. ** • �luch ein Gpfer öes Verkehrs. Die alte sächsische Postsäule bei Belzig besteht nicht mehr, sie ist zerstört werden. Vor gut 200 Jahren wurde sie errichtet, zur Zeit als Belzig und der Fläming noch zu Sachsen gehörten. Sie stand mitten aus der Fahrbahn, an der Kreuzung mehrerer abschüssiger Straßen, allerdings ein� etwas unglücklicher und den neuzeitlichen Verkehr behindernder Standort. Auch den Kindern Belzigs stand die Säule im Wege, wenn im Winter ge- rodelt wurde: sie stand dann mitten aus der Rodelbahn, wie ein Belziger in sroher Erinnerung an seine Kindertage erzählte.— Vor einigen Tagen ereilte die Säule das Verhängnis. Ein Roll- wagen, dessen Kutscher auf der abschüsiigen Straße die Herrschaft über Fuhrwerk und Pferde verloren hatte, fuhr die Säule um. Nur der niedrige Sockel ist noch erhalten geblieben, die Säule selbst ist verschwunden. Vielleicht ist sie in ihre Atome zerschellt, vielleicht sind größere Teile erhalten geblieben, die in einem Heimatmuseum ihre Auferstehung feiern werden. Jedenfalls, die Belziger Post- säule wurde ein Opfer des Verkehrs. Erziehung zum Walüfchuh. Jeder im Entstehen begriffen« Waldbrand kann nur durch einen Zufall, also selten sofort entdeckt werden. Er hat dann meist schon eme Ausdehnung angenommen, daß zu seiner wirksamen Bekämpfung viel« Löschmannschaften erforderlich sind, di« oft mehrer« Stunden, ja sogar tagelang tätig sein müssen. Di« Waldbrandlöschhilf« setzt sich zunächst aus den Einwohnern der umliegenden Ortschaften zu- sammen, die oftmals, um an den Bvandherd zu gelangen, kilometer- lange beschwerliche Weg« zurückzulegen haben. Bei besonders großen Waldbränden müssen dann noch die Reserven, bestehend aus Reichs- wehr, Schutzpolizeikommandos aus entfernteren Standorten heran- geholt werden, wodurch, abgesehen von den Ausgaben für Ver- pflegung usw., allein schon erhebliche Transportkosten entstehen. Di« Tätigkeit auf der Waldbrandstelle ist nicht so gefahrlos, wie allgemein angenommen wird. Wer sich schon�einmal bei einer Waldbrand- bekinnpfung in vorderer Linie mit Spaten, Hack«, Axt oder Lösch- wedel praktisch betätigt hat, der wird wissen, daß ein eiserner Wille und die Hergabe aller Kräfte dazu gehören, um gegen Hitzewelle und Raucheinwirkung Stand zu halten. Ganz abgesehen von den Ge- sundheitsschädigungen, die leider oft genug beim niederschlagen der Stämme und durch die Erkrankung der Atmungeorgan« vorkommen, entstehen ollen Löschpslichtigen erheblich« Arbeitsverdienstaussälle, di« sich in der heutigen wirtschaftlich schweren Zeit doppelt fühlbar machen. In rechter Würdigung dieser Tatsachen muß der Grundsatz: „Schäden verhüten ist leichter als entstandene Schäden wieder gut machen!" bei allen Waldbesuchern mehr und mehr Beachtung finden. Weit höher als Strasbestimmun- gen, die auf Gesetzesübertreter Anwendung finden, steht ein Gesetz, daß alle Mensäien verpflichtet, nicht aus Furcht vor dem Strafrichter. sondern aus moralischen Gründen oll« Handlungen, wodurch den Mitmenschen fahrlässig, wissentlich oder absichtlich Schäden zuge- fügt werden können, zu unterlassen. Hierzu gehört auch die Be- achtung des vorbenannten 8 40, dessen Bestimmungen von jedermann ohne besondere Opfer befolgt werden können. Die Erhaltung des Waldes ist für Millionen von Menschen eine Lebensnotwendigkeit. Jedem ist der Aufenthalt im Walde(ausschließlich der Schonungen, die als solche durch Tafeln kenntlich gemacht sind) gestattet. Sorge 22] Die �igurantin. Roman eines Dienstmädchens von Leon Frapiö. Autorisierte Uebersetzung aus dem Französischen von Kunde-Grazia. Auf Rosalie machte dieser Bericht Eindruck, und sie sah sich veranlaßt, die Hälfte des für ihre Soßen bestimmten Weißweins zu trinken. Dann erst konnte sie reagieren: „Trotzdem gibt es angenehme Stellen. Du kennst doch Madeleine aus Burgund, die hier in der Nähe bei einem Hüttendirektor dient. Zuerst, wenn sie Lust hatte, einen Nachmittag zu ruhen, oder zum Beispiel ihr Kutscher ein kleines Diner haben sollte, dann rannte sie früh gegen elf Uhr, sobald sie mit dem Einkauf nach Hause kam, zu ihrer Frau, die Haare flogen, ihre Backen glühten, sie schrie: „Ach gnädige Frau, wenn Sie müßten, ich habe in den Geschäften von einem Ausverkauf zu unglaublich billigen Preisen gelsiirt! Gelegenheiten! Kupons! Soldos! So was scheint noch gar nicht dagewesen zu sein!" Im Handumdrehen erfand sie eine Menge Details, die Dame beeilte sich sogleich, nach Beendigung des Frühstücks dem billigen Ausverkauf zuzueilen. Nichts von dfm ihr Angekündigten fand sich da vor, aber sie entdeckte gleichwohl außergewöhnliche Sachen und kehrte entzückt heim. Acht Tage später war es im Louvre oder bei Pygmalion, wohin Madelaine ihre Herrin schickte, mit dem Erfolg, daß die gute Dame an diesen Anpreisungen Geschmack gefunden hat: jetzt verbringt sie ihre ganzen Nachinittage in den Modemagazinen. Sie trifft dort die Freundinnen, erledigt die Korresvondenz. lernt die Angestellten und Geschäftsführer kennen, gibt das ganze verfügbare Geld aus. Man darf ihr von keiner anderen Beschäftigung sprechen. Wen die Leidenschaft für die großen Magazine befällt, der kommt»'cht mehr davon los. Der Herr ist den ganzen Tag in seinem Hüttenwerk, die Amme hat das Kind, nun ist Madeleine Herrin, sie führt die Haushaltung nach ihrem Geschmack, zahlt, bringt auf den Tisch, was sie will. Dann hat sie eine arme, alte Frau, die läßt sie zur Hausarbeit für ein paar Sous kommen, Madeleine lebt als Rentiere. Man könnte sagen, der Herr und die Frau wohnen bei ihr im Hotel. Noch mehr, sie stapelt all die unnützen Fetzen aus, die Madame kauft, und von Zeit zu Zeit schickt sie einen Ballen zu ihrer Mutter in die Provinze sie kann jchoa damit eme» Handel gojongeo-, � Sulette lachte boshaft. ,Lch kenne das alles... ich hörte auch erzählen, daß schließlich das Geld knapp geworden ist, dann hat Madeleine unter dem Vorwand eines Kaufes auf Kredit Madame Coqueho vorgestellt, und unsere Vorsehung versorgte die Gnädige mit einem generösen Bewunderer. Und schließlich beutete Madeleine ihren Gebietern an, daß Leute von Welt nur ein Kind hätten und der Hausstand nicht ertragen könnte. wenn noch ein zweites käme. Nun verabreicht sie gebieterisch beim geringsten Verdacht ihrer Herrin einen Tee„zur Vorsicht", der auch von Frau Coqueho stammt." Rosalie, die mit vorgebeugtem Köpfte, mit ergriffener Miene zuhörte, flüsterte plötzlich: „Komm doch, wir sehen uns der Frau ihre Kammer an. stöbern überall herum... wir werden uns wälzen... Die feuchte Küchenluft lag auf ihren wie vom Küssen heißen Wangen: Geruch von Fischen, Kaffee, Braten, Vanille und Schweiß verschmolz ineinander. Die Augen Rosaliens flimmerten seltsam. „Komm doch, das Schlafzimmer der Frau sehen." Sulette wollte nicht... dann aber plötzlich in ihren Augen das gleiche Flimmern, wie in denen Rosaliens. Sie gingen dahin. 14. Sulette wurde von ihrer Herrschaft auf der Rue Turbige nicht weggeschickt: sie oerließen Paris, um nach Algier überzusiedeln. Da Sulette sich weigerte, ihnen zu folgen, übernahmen sie ihre Unterbringung, und sie erhielt am Tage der Abreise sogar fünfzig Franken Extraoergütung über ihren Lohn. Ihre neue Herrschaft wohnte Rue de Bac, nahe dem Boulevard Saint Germain. „Das ist das neue Mädchen," sagte Frau Leroy, in das Studierzimmer ihres Mannes tretend. Der Doktor richtete Fragen an Sulette und. nahetretend, prüfte er ihre Zähne, während sie redete. Von dem offenbar guten Gesundheitszustand befriedigt, nickte er seiner Frau zu und sagte mit heiterem Tone: „Sehr gut, sehr gut!" Während sich die Tür wieder schloß, schnalzte er mit der Zunge gegen seinen Gaumen: Während sich die Tür wieder schloß, schnalzte er mit der Zunge gegen seinen Gaumen: „Welche gute Arznei für einen gesunden Mann, ei» Mädchen mk WbT:.'S...r v■. Albert las in seinem Zimmer. „Das ist das neue Mädchen, mein Kind." sagte Frau Leroy. „Ah!" sagte er übertrieben gleichgültig und sah statt nach Sulette auf seine Mutter. Dann steckte er seine Nase schnell wieder ins Buch. Aber sowie Frau Leroy den Rücken gekehrt hatte, lief Albert sehr erregt nach dem Spiegel, um sich darin zu betrachten. Er war neunzehn Jahre, blond, mager, ziemlich ruf- geschossen, hatte rosigen Teint, an persönlichen Vorzügen bot er ein distinguiertes Aeußere, sehr zarte Haut, schöngebildete Hände, einen Schnurrbart, dessen Spitzen sich schon aufzwirbeln ließen. Die Mode, der er hinsichtlich des Kragens, der Krawatte, des Jacketts und des Hutes folgte, gab ihm ein engländermäßiges, sympathisches Aussehen. Und seine tief- blauen Augen versprachen, eine zärtliche Anziehungskraft auf das weibliche Geschlecht auszuüben. Im Alter von siebzehn Iahren hatte er, wie recht und billig, mit seinen Kameraden die Erlangung des Bakkalau- reats durch eine bezahlte Einführung in das Mysterium der Erzeugung gefeiert. Seitdem quälte ihn seine sinnliche Natur viel: für ihn wie für die Kollegen seines Alters war das große Problem, der Zweck, der Traum, der Ehrenstandpunkt „nichts zu zahlen", gleichgültig woher, die nicht gewerbs- mäßige Liebe zu erlangen. Albert und seine Kameraden besaßen keine Beziehungen zur arbeitenden Klasse, sie waren zu jung und unerfahren, um mit der Kategorie der Verkäuferinnen anzubinden: nach hochfliegenden Illusionen und zwecklosen Aufregungen hatten sie sich hinter den einzigen praktischen Wunsch, die einzig erreichbare Hoffnung oerschanzt: ein Dienstmädchen, ein kleines, nettes Dienstmädchen.... Sulette stand in voller jungfräulicher Reife: unter der mattschimmernden, feingeäderten Haut oermutete man das dralle, schwellende Fleisch. Ungezähmte Kraft belebte das Brünettengesicht, ihr reiches, hochgekämmtes Haar ließ der ebenmäßigen, gerundeten Stirn volle Freiheit, Eigensinn verratende Augenbrauen, gleich schwarzen Mündchen, mit jäh zuckender Bewegung, beherrschten dieselbe. Die Wangen wurden gegen das zarte Kinn zu schmal, ein Kinn, das im Zorn wie dev Körper einer Biene, die zu stechen suchte, � �(For�nna-jolet) (tber i«Ser Waldbesucher dafür, daß der Wald auch eine E r- holungsstätte bleibt und wache darüber, daß Woldfrevel nicht vorkommen. Sei ein jeder, sobald er den Wald betritt, über sich selbst Forstschußbeamter und erforderlichenfalls mache er fein« Mitmenschen auf die Gefahren, die im Walde durch das Rauchen, da» achtlos« Fortwerfen von brennenden oder glimmenden Gegen- ständen und das unerlaubt« Anzünden von Abkochfeuern entstehen, aufmerksam. Von allergrößtem Wert dürfte es fein, wenn Lehrer- fchaft und Jugenderzierher, sowie Vereins- und Verbandsvorstände— in den Schulen, in den Vereinigungen und aus den Wanderfahrten— immer wieder ihre Schutzbefohlenen und Mitglieder aus den Wert des vorbeugenden Waldbrandschutzes und auf die Innehaltung der gesetzlichen Bestimmiinaen Hinwelsen. Finanzielle Opfer sind damit nicht verbunden, wohl aber ein klein wenig guter Wille von allen Beteiligten und etwas Rücksichtnahme auf die Mitmenschen. Der Wald ist in diesem Falle als Gemeingut zu betrachten und soll Millionen von Stadtbewohnern nach des Alltages Last und Mühen eine Erholungsstätte sein: dann aber muß er auch als solche erhalten bleiben. Ein durch Feuer vernichtetes Waldgebiet ist nicht in«inigen Iahren wieder aufgebaut, hierfür sind viele Jahrzehnte erforderlich, und mehrere Geschlechter haben unter den leichtfertigen Handlungen einzelner Personen zu leiden. Zu beachten ist ferner, daß Wald- brandgebiet«, die in der Nähe der Großstadt liegen, der Bau- spekulation anheimfallen: dann besteht die Gefahr, daß an Stell« des Erholung spendenden Waldes ein Häufe rmeer mit eng aneinander gereihten Wohn- und Arbeitsstätten errichtet wird. „(dlpmpid' als Gesangverein? In eine dunkle Affäre, die dringend der Aufklärung bedarf, leuchtet ein interessanter Vorfall, der sich, wie uns mitgeteilt wird, am Donnerstag abend zwischen 9 und 1Ü Uhr in Neukölln abgespielt bat. In der slnionsbrauerei, Hasenheide(Schultheiß), bemerkten eine Anzahl Rcichsbannerkameraden ein? größere Menge verdächtiger Gestalten in Zivil, die, in Säcke gehüllt, ganz deutlich erkennbar etwa sechs bis sieben Trommeln mit sich führten. Diese Leute verschwanden durch einen dunklen Seilengong über den Hof, der sonst für das Publikum nicht geöffnet ist. Wes Geistes Kind die mysteriösen Trommelträger waren, erhellt die Frage, die einer dieser Mannen auf der dunklen Treppe an einen Reichsbanner- mann richtete, den er für einen Völkischen ansah:„Bist du von der Olnmpio, Kamerad?" Olympia ist bekanntlich jener völkische Sportklub, den das preußische Ministerium des Innern wegen seiner offenen Bürgerkriegsrüstungen auslösen mußte. Einige Reichs- bannerleute folgten den„Olympia''-Lei!ten— um solche handelte es- sich gan.� zweifellos— durch den dunklen Gang und gelangten vor einen Saal, in dem etwa tzb bis-10 jüngere Leute unter der Führung mehrerer älterer militärisch exerzierten. Run wurde die eigenartige Versammlung von den Republikanern der Polizeiwache Urbanstraße mitgeteilt. Der Wachthabende setzte sich mit dem Oetonomen de? angezeigten Lokals. Martin Koeltzow, in Verbindung. Es entspann sich etwa folgendes Gespräch:„Sagen Sie mal, Herr Koeltzow, ist da» wahr, daß bei Ihnen der verboten« Berein„Olympia" tagt?"„Ach Unsinn, es ist nur ein Gesangverein „Saarland". Diese indirekte Warnung bewirkte, daß die vier zur Untersuchung entsandten Beamten ouf einen wohlvorbereiteten„Ge> sangverein" stießen, der sich jedoch diesmal fatalerweise„Gesang- verein Olympia" nannte und irgendein altes Konzert- Programm eines solchen Vereins vorwies.?luffiel noch insbesondere, daß die singenden„Olnmpier", die sämtlich in Zivil gekommen waren, jetzt Windjacken trugen und umgeschnallt hatten. Uebrigen» ist von Passanten beobachtet worden, daß die Olympia- länger vor Eintreffen der Polizei von Kellnern und anderem Per- sanol gewarnt worden sind. Soweit die uns zugegangenen Informationen. Wir nehmen als sicher an, daß das Polizeipräsidium eine gründliche Untersuchung der seltsamen Angelegenheit einleiten wird. Untersthlagene KrankenkassengetSer. ZOflCo ZNark durch Beamte däs Vez'r?zamts Kreuzberg. Unterschlagungen in Höhe von etwa 20 000 Mark wurden von zwei städtischen Angestellten beim Bezirksamt Kreuzberg oerübt. Der dort beschäftigte 43 Jahre alte Buchhalter Adolf H a m p e l, der in Neu-Tempelhof. am Hohenzollernkorso, wohnte, veranlaßte den Poll- streckungsbeamten Völker, ihm einen Teil der eingezogenen Amtsgelder auszuhändigen und verdeckte die Unterschla- gung durch falsche Buchungen. Völker hatte bei Innungen und gewerblichen Betrieben rückständige Kronkentasienbeiträge ein- zuziehen und an die städtische Kasse abzuführen, gab aber da» Geld an Hampel, der es für sich verwendete. Nachdem es der Ungetreue seinen Urlaub angetreten hatte, wurde der Fehlbetrag, der sich nach den bisherigen Feststellungen auf etwa 20000 Mark beläust, entdeckt. Völker wurde festgenommen und dem Unter- suchungsrichtcr vorgeführt, gegen Erlegung einer Kaution aber wie- der ouf freien Fuß gesetzt, da er als Kranker nicht haftfähig ist. Gegen Hampel, der wohl der Hauptschuldige ist, liegt ein Haft- befehl vor. Ob er sich noch in Berlin verborgen hält oder mit seiner Familie auf Reisen ist, ließ sich noch nicht ermitteln. Der Gesuchte ist ein beleibter Mann, an dem die O-Beine besonders auf- lallen. Mitteilungen über seinen Aufenthalt nimmt der 2. Kriminalbezirk des Polizeiomts Kreuzberg entgegen. Die Dahlienschau im Rathaus. Di« von der Deutschen Gartenbaugesellschast im Berliner Rat- Haus veranstaltete Ausstellung von Sommerblumen und Blütenstauden dringt in diesen Tagen ein« Spezlalschau märkischer Dahlien. Riesenbeete in gelb und rosa, goldgeflochten« Körbe in allen Formen, bergen wahre Prachtarrangements der blütenweißen Desdemona, der zartrosafarbenen Secretair Boas, der rotweißgefprenkelten Lach- möw« und wie sie all« heißen mögen. Zarteste Pastelltöne, kräftig leuchtende Blütensarben, irrisierend, gestreift, gesprenkelt, kurz, alle Farbnuancen, sind hier vertreten. Schmal«, langgezogen« Blütenblätter, rosettenortig« Formen— die sogenannte Kokarde— große Blüten, kleine Blüten,«in unendlicher Reichtum der verschieden- artigsten Blumengeftaltcn. In ihrer Mannigfaltigkeit wirken dies« Unmengen prächtiger Blüten ganz eigenartig fremd und man glaubt oft. besondere Exoten vor sich zu haben und ist doppelt erfreut, beimische Gewächse zu begrüßen. Eine einzelne der ausstellenden Firmen z. B. hatte nicht weniger ols70v«rschi«dene Blüten- s 0 r t e n zur Schau gestellt. Das Bezirksamt Wedding ist mst zwei besonders schön angelegten Beeten verschiedenfarbiger Blüten— der Tsingtau, Sachsentrone, Liebreiz usw. vertreten und auch oll die anderen Aussteller haben geschmackvolle Arrangements ihrer präch- tigen Dahlienkulturen geliefert. Die„Jata" auf dem Flughafen Tempelhof. Die Delegierten der„International Air Traffic Association"(Jata) waren gestern mittag einer Einladung der Berliner Flughafengesellschaft gefolgt, den Zentralflughafen Tempelhof zu besichtigen. Zu Ehren der Gäste waren die Ge- baude der Deutschen Lufthansa reich mit den Fahnen sämtlicher an der Sitzung teilnehmender Länder geschmückt. Am Eingang weht« die deutsche Reichsslagg«, die Reichshandelsflagae. die preußische Flagge und das Hauszeichen der Deutschen Lufthansa. Direktor Oberbaurat Sauernheimer begrüßte namens der Flughafen- gefellfchaft die Gäste in deutscher Sprache und informierte sie über die Daten und die Ausdehnung de» Berliner Flughafens, über dl« Zahl der täglich startenden und ankommenden Luftfahrzeuge, sowie über die Pläne zur weiteren Ausgestaltung de»„Luftbahnhoses". In den sachlichen Beratungen, die in der Vormittagssitzung stattfanden. und an der Vertreter von 23 Lustverkehrsgesellschasten au» 18«uro- päischen Ländern teilnahmen, nahm man nach der Begrüßungsai,- sprach« ütf Leiter» der Abteilung Lustfahrt im Reich-oertehr-mmi, sterium, Ministerialdirektor B r a n de n b u r g, als ersten Punkt der Tagesordnung die Frage eines einheitlichen Luft- frachtbiefes vor und prüfte einen Entwurf, den die Deutsche Lufthansa hierfür vorlegte. Unter prinzipieller Zustimmung zu den Vorschlägen wurde«ine Kommission gewählt, welche die letzte Form des Luftfrachtbriefes feststellen und ihn sodann den Vorständen der nationalen Fluggesellschasten übermitteln wird. In der Nach- mittagssitziing wurde die Frage der Einführung eines Winter- f l u g p l a n e s und der Frachtoersicherung behandelt. Die gestohlenen Stanüesamtspapiere. 3n ZNariendorf kann man nicht mehr heiraten! Viele Mühe mochten sich Geldschrankeinbrecher m der ver- oangcnen Nacht in Mariendorf. Dort sind in einem großen Gebäudekompler, der unter der Bezeichnung„Feuerwehr- b a u s" bekannt ist, außer der Feuerwache auch Bureaus des Mogistrots und der Sparkasse untergebracht. Auf diese hatten es lie Spezialisten wohl besonders abossshen. Sie kletterten an einem Balkonpfeiler bis in den ersten Stock hinauf, zertrümmerten eine Fensterscheibe und gelangten in die Bureauröume der Magistrats- Verwaltung. Offenbar glaubten sie aber, schon in der Sparkasie zu sein, um so mebr, als sie einen kleineren Geldschrank dort stehen sahen. Voller Eiser begannen sie ihn amiibnbren, konnten ihn aber nickt bewältiaen. Da der Schrank ein Gewicht von zwei Zentnern hatte, so rückten die Verbrecher ihn kur.zentscklossen von der Wand ob, transportierten ihn die Trepve hinunter in den Keller, warfen ibn durch das Kellerfsnster auf die Straß« und krochen hinterher. Sie schleppten den Schrank dann über die Straße bis zu einem Drohtzaun, der ein Kartoffelfeld umgibt, warfen den Schrank auch dier hinüber und waren nun wohl am Ende ihrer Kräfte angelangt. Iedt holten sie einen Handwagen herbei, luden den kostbaren Schrank auf und fuhren davon. Wie groß mag ihre Enttäuschung gewesen lein, als sie entdecken mußten, daß der Schrank nicht einen Pfennig bares Geld, sondern nur Papiere des Standesamtes e n thi e l r, die für die Knacker völlig wertlos sind. Da aber die qanzen Akten verschwunden sind, so kann bis auf weiteres in Mariendorf weder geheiratet werden, noch kann man sich scheiden lasien.— Eine?m e i t e Kolonne nersuchte ihr .<3e!l an dem Geldschrank einer Esiig- und Mostrickiabrik in der Tilsiter Straße. Die Verbrecher knabp-erten den Estenblechbelag einer Tür ouf und gelangten so in die Kontorräume. Weil sie den Schrank non der Vorderseite nicht öffnen konnten, rückten sie ihn non der Wand ad und schlugen kurzerhand die Rückseite ein. Ihre Beute bcltand in 130 Mark barem Geld« und 323 Stück rot gestempelter Tausendmarkscheine, die sie eben- falls mitnehmen. Mitteilungen zur Aufklärung beider Einbrüche erbittet Kriminalkomissar Bünger im Pollzeipräsidum. 40 Jamllien trockengesetzt I Die Meiler müssen für den Hauswirt zahlen. Selten rücksichtslos und bureautratisch gingen die Städtischen Wasserwerk« gegen die Mieter der Häuser Carmen-Sylva- Straße 53/34 im B-.'Zirk Prenzlauer Berg vor. weil sie— oder vielmehr der Hauswirt— mit dem Wassergeld rückständig waren. Besitzer der beiden Häuser, die von insgesamt vierzig Familien mit weit über 100 Köpfen bewohnt sind, ist ein Herr M. aus Krakau, der jeden Monot immer aus Polen herüber» kommt, die Mieten einkassiert und die fälligen Gelder bezahlt. Diesmal unterließ der Hauswirt einfach die Zahlung der Wosfergelder, die bekanntlich in den Mietsätzen ein- begriffen sind. Don diesem Versäumnis hatten die Mieter nicht die geringste Ahnung. Es handelte sich um eine Summe von 103 M. Donnerstag nachm. um 1 Uhr wurde den Mietern ganz überraschend die Wasserleitung abgedreht. Die vierzig Familien waren aufs Tiockene gesetzt. Die Situation war um so fataler, al» in den beide» Häusern zstrzM'mehrere KrankhÄtsfälle In Behandlung sind, Ine- besondere liegen chie Kinder schwer krank danieder, deren sachgemäße Vilege durch die Woiserkalamität ernstlich beeinträchtiat wurde. Die Mieter setzten sich mit verschiedenen behördlichen Stellen in Per- bindung, erreichten jedoch die Aufhebung der Wassersperre erst am Freitag mittag, nachdem sie die Schuld des Hauswirte» aus eigener Ta.sche beglichen hatten. Wenn auch die Wasserwerke formell im Rechte waren, so ist doch ihr Vorgehen alle» andere al» human und fordert zu«rmter Kritik heraus. Jedenfalls war es nicht sonderlich sozial gehandelt, den minderbemittelten, meist proletarischen Mietern der Häuser Carmen-Syloa-Straße 33/34 den Betrag nicht um einig« Tage zu stunden. Betriebsstoff' gleich Schnaps. Eia teurer„wissenichaftticher" versuch! Aus welche Ideen Schwarzbrenner kommen, um Sprit herzu- stellen, zeigte eine Verhandlung vor dem Großen Schöffen- gericht Wedding. Vier Russen, die hier wegen Verstoßes gegen das Branntweinmonopolgesetz angeklagt waren, hatten den Versuch unternommen, aus„Monopolin", einem vom Monopolamt in den Verkehr gebrachten Betriebs st off für Automobile. Trinkbranntwein herzu st ellen. Der fünfte im Bunde und eigentliche„Spiritus rector". wie der Vorsitzende meinte, ein sogenannter Chemiker namens Perner, war krankheitshalber fern- geolieben. Nach längerer Beobachtung waren die Angeklagten eines Tages dabei betroffen worden, wie sie in einem Hause in der Breiten Straße in Pankow ein Faß„Monopolin" in ein ange- wörmtes Gefäß vumpten und dann dessen Inhalt in mehreren Fässern nach der Lützowstraße in das Geschäftslokal des Kaufmanns Baschkin brachten. Als hier dem Gemisch noch Kohle zugesetzt werden sollte, griffen die Beamten ein und verhasteten die ganze Gesellschaft. Bor Gericht gab nun der Houptangetlagte Baschkin an, daß die ganze Sache nur ein„wissenschastlicher Versuch" gewesen sei. Dos Äerfahren sei nach der Behauptung des schon Genannten ebenso einfach wie gut, und sie wollten es in der Praxis prüfen. Er habe keineswegs die Absicht gehabt, den etwa so gewonnenen Sprit in den Verkehr zu bringen, sondern er habe nur beim Gelingen des Versuches das Verfahren an einen Schweden oerkaufen wollen. Die Probe fei aber nicht geglückt: denn das erzielte Produkt habe schlecht gerochen, und deshalb sei es nicht als Trinkbranntwein zu verwenden gewesen. Auch der gerichtliche Sachverständige Löwenstein gab an, daß aus Monopolin Sprit sich nicht ausscheiden lasse. Bedenklich war an diesen Versuchen nur, daß er gleich an 700 Litern gemacht wurde. Deshalb waren die MonopolverwaUung und auch das Gericht der Ansicht, daß� in dem Verfahren des Angeklagten ein straf- bares Entgälten liege. So kam ihnen der merkwürdige „wisienschaftliche Versuch" sehr teuer zu stehen, denn das Gericht er- kannte auf j e 0 0 0 0 M. G e l d st r a f e und aus Gefängnisstrafen in Höhe von 2 Wochen bis 5 Monaten. Neuregelung der Preisnotierung auf dem Viehhof. Auf Grund einer Verordnung de» preußischen Minister» für Landwirtschast. Domänen und Forsten wird am t Oktober die Preisfeststellung auf dem städtischen Berliner Zentral- Viehhof in einer Form vorgenommen werden, die von der bis» herigen Notierung in einigen wesentlichen Punkten abweicht. Bor allem werden die einzelnen Vieharten bei der Notierung mehr spe» zialisiert werden, und in erster Linie wird die Preisnotterung für Rinder in veränderter Form erfolgen: es wird eine Spezialrubrik für Färsen-ingeführt werden Durch die Verordnung ist es verboten, Schlachtvieh außerhalb des Berliner Zentralviehhases zu verkaufen. Der An- und Ber- tauf von Bieb auf dem Schlgchiviehmarkt erfolgt nach Lebend» gewicht und über jeden Verkauf ist ein Schlußschein auszustellen. Für die Preisseststellungen besteht«in« Notierungskommission. an der die Landwirtschaft, der Vsehhandel und da» Fleischergewerbe zu. gleich beteiligt sind. Vorsitzender der Kvnnnisston ist entweder d« Schlachthofdirektor oder ein vom Magistrat bestellter Vertreter. Zum Zwecke der Preisfeststellung haben die Berkäuser sämtliche Schluß- scheine der Notierungskommission einzureichen. Aus Grund dieser Einreichunqen wird dann die Preisfeststellung vorgenommen. Die Notierungskommission hat einen amtlichen Bericht auszustellen, in dem die Beschickung des Marktes, die Charakterisierung des Marktvcr- laufes und die festzustellenden Preise enthalten sind. Sperrung See �vus am Sonntag. Der Polizeipräsident teilt mit:„Wegen des Motor- radrennens am 29. August 1923 wird die 2l o u s am Sonn- tag, den 29. Slugust, ab 7 Uhr vormittags bis nach Beendigung des Rennens(voraussichtlich 7 Uhr nachmittags) für den öffent- liehen Verkehr gesperrt. Für diese Zeit wird die Teufels» seechausiee und der Kronprinzessinnenwcg für den Verkehr mit Kraftfahrzeugen f r e i g e g e b e n. Das sechste Todesopfer von Falkcnberg. Im Auguska-Viktoria-Krankenhaus in Eberswalde ist gestern die Diakonisiin Marie Palmreuther an den Folgen der Pilzvergistung gestorben. Di- Zahl der Toten ist nunmehr auf sechc gestiegen. Das Befinden der übrigen sieben Diakonissinnen. die sich gleichfalls im Cberswalder Krankenhaus befinden, ist zwar nach wie vor ernst, doch hoffen die Aerzte, falls nicht noch unvorher- gesehene Komplikationen eintreten, daß alle die Krankheit überstehen werden. Die Beerdigung der fünf Opfer, der vier Diakonissin» nen und des Hausdieners, fand am Freitag nachmittag unter großer Beteiligung der Bevölkerung statt. Die von der Staatsanwaltschaft in Prenzlau eingeleitete Untersuchung ist jetzt abgeschlossen. An- klage wird nicht erhoben werden, da fahrlässiges Verschulden des Küchenpersonols nicht in Frage kommt. ver lehke weg vr. Silberstein, Der Trauerzug, der nach der Feier im Rathaus den Toten nach dem Krematorium in Baumschulenweg überführte, gestaltete sich zu einer wetteren würdigen Trauerfeier. In allen Straßen stand die Neuköllner Ein- wohnerschaft. Im Krematorium in Baumschulenweg sprachen nach einem Gesangstück Stadtrat Radtke und der Neuköllner Partei» Vorsitzende Genosse Harnisch und für die Familie der Schwager des Verstorbenen, Dr. Z a d e k. Unter den Klängen des alten Kampf- liebes„Tord Foleson" versank der Sarg. Sonniag an die Ostsee! Wie die Reichsbahndirektion Berlin mitteilt, wird der Sonntagssonderzug nach Swine- münde» Heringsdorf am 29. August bestimmt ver- kehren. Fahrkarten sind bei den bekannten Verkaufsstellen noch erhältlich. Plahkonzert der Schupo. Am Sonntag, dem 29. August, findet das Platzkonzert der«chupo von 12 bis 1 Uhr mittags im Preußenpark in Wilmersdorf statt. ,Truöe vom Kanal." 3hr begeisterter Empfaug in Jim Dor?. New Zork. 27. Aug.(WTB.) Die Stadt New Park hat der Kanal- schwimmerin Gertrud Cderle bei ihrem Eintreffen auf dem Schnelldampfer„Berengaria" einen äußerst herzlichen und. wie die Blätter feststellen, vielleicht den stürmischsten Empfang be- reitet, der je einer bekannten Persönlichkeit in New Dork geboten worden ist. Ein Dampfer mit führenden Pcrsönlichkesten an Bord. darunter auch Vertretern sämtlicher deutscher Bereine in Zlmerika. holte„D i e T r u d e v o m K a n a l", wie sie hier allgemein genannt wird, an der Ouarantänestation ab und brachte sie, von den Sirenen sämtlicher im Hasen liegender Fahrzeuge begrüßt, nach der Battery. Bon dort aus setzte sie ihren Weg über den von dichten Menschen- massen eingerahmten Broadway nach dem Rathause fort. Auch die Dächer und alle hochgelegenen Punkte waren von dichten Zu- schauer Massen besetzt. Im Rathaus wurde Gertrud Eberls vom Bürgermeister Walker begrüßt, der ihr eine Ehrenurkunde überreichte und ihr seine Bewunderung für ihre große Leistung aussprach. partewachrichten für Heoß-öerlkn Sin(»6aaara für dt«I« Subrlt sind «erlt» SW SS, Slnitnitrng« 3, flets 4B da» Sezirfesefrelatlat, 2. Hos. 2 Tre». recht», i» richte». heute. Sonnabend. 2S. August: <7. erbt. 7*4 Ulh Slfcuna aller lsunNtoittir« bei«ichnert. Mujfcmer Str. 12, Sät T-Urflerfttofie. Wegen der wichtigen laaesardnung ist da» Sricheinen aller Pflicht. Die Kannennarken find nur Abrechnung mitzubringen. «rdeiteqeweinsch-ft der»Inderfreuad«.«rei»«ttte- Pünktlich t Üb- Blume». ftrebe 77. Bericht der Äinderbcttgafion nach Tschctfchnow.©roft« und Nein««indeifreund« sind herzlich eingeladen. Morgen. Sonntag, 29. August: III. Att.«ohaedvrs. Die Abteilung beteiligt sich nachmittag» 2 Uhr an de» Einweihung de» Eparirilades an der Schulzendorser Strohe. Treffpunkt 1*4 Uhr am Bahnhof Grünau. Sozialistische Brbeiterjugenö Groß-öerlin. heute. Sonnabend. 28. August: Ztasenthalee Borstadt: Tahrt nach Bielenthal. Treffpunkt I Uhr Ttettiner ffernbahnbof. gnhrgeld mit Quartier IM) M.— SBeflen: Treffpunkt zum Wochrnendkursu» 6 Uhr Bahnhof Borckstraß«.— Pankow:*48 Uhr Funktionär- ionferen. Breite Str. Z2. Werbebezttke«esien»nb Schiineberg: Treffpunkte zum Dochenendkursu» nachmittag» 5 und abend» 8 Uhr Potsdamer Vorortbahnhof. * «ochenendknrfe für unser, Funktionär« und sonsiig« interelfiertc Genotf»» finden diesen Sonnabend Sonntag, 28. 29 Auaust, statt: 1. für de» Werbe- bezirk Osten im Iungdeulschlandhau» in Oranienburg! 2. für die Derdebrzirk« Tiergarten, Spandou und«einichendols in der Jugendherberge Brieselang: 8. für die Weebciezirk« Besten und Schöncbirg in der Jugendherberge Zossen: überall mit folgenden Themen: 1. Wesen. Aufgaben und Geschichte der sozio» lisiiichen Jugendbewegung: 2. Aufbau der Organisation und praktisch« Arbelt: 8. Der einzeln- In der Bewegung— Da» Fllhrcrprodlem. E««rnpsiehlt siS>, Bleistift und Papier, ferner Schlafdecken und Eßgeschirr mitzubringen. Morgen, Sonntag. 29. August: «enkilln M: Treffpunkt zum Waldfest*41 Uhr Lerfurthpla»!.— H-lmbslst- »last: Beteiligung am-BalÜfest dt» Werbebezirk, Ol-erspre« In der Wuhlheide. Treffen 7 Uhr früh Bahnhof Prenzlauer Allee.— Pank»»:« Uhr Heimabend Breite Etr. 32. -, Nochmittog, HS Uhr in der Sdnigoheide lFeeien. svielpiast) Waldfest. Spiele. Aufführungen. Rezitationen, Tänze. Terlnihmer- gebübr 20 Pf. Di- Parteigenossen und.genossinnen werden gcbeten, sich hieran zu bet-llig-n. Die Werbebezirke sind eingeladen. Ansma-sch der Sozialistischen«rbeiterjngcnd im Sstdostrn. Dalbfest de» Werbebezirk» Oberfpre« im Volkspark Wuhibeide in Oberfchäneweide. Auf. sühruna der Roten Reou, auf der Freilichtbühne. Musik. Gesang. B-l7»tLnz« für alle. siasp-rle-Theater. Helte« Vorträge, sportlich, W-nkämpfe. Abends Fackelzug. Abmarsch nachmittag, 2 Uhr vom Bahnhof RlederfchAueweid« mit Musik und unter«orantritt der R-vuespuler in ihre« Masken. Werbebezirk»Sggels-e: Bcteiliauna am W-ldtesi de, Werbebezirk» Ober. spre«. Treffen*42 Uhr Bahnhof Adler»h-f. Fahnen und Inslrument» sind mitzubringen. »4. SCHULMEISTER Kottvusser Tor Srnsetmirngs Knsüve ÄT 25.-20.- 32.- 38.- 39.-43.-43.- 54.- ?ptifutsgs-Jln2Ü06 a.Jw'Ä vr-ckretg-u» fitirütitlen xhalt« ich den Zvisdw&udai m SonnabenS 28. August?H2H Untergattung unö �Vissen Seilage ües vorwärts der Einbruch. Von Käthe Danny. Man konnte wirklich nicht behaupten, daß Tante Emilie sehr ' beliebt war in der Familie der Hosemanns. Im Gegenteil. Wenn sie unvermutet bei einer der vielen Familienfeiern erschien(sie hatte ein peinlich gutes Gedächtnis für samtliche Geburtstage der Ver- wandten mit guter Küche), so geschah es, daß die Heilerkeit plötzlich abkühlte. Die eben noch lachenden Gesichter legten sich sofort in verdrießliche Falten, die Hausfrau bekam nervöse Augen, die Kinder säzlichcn sich still hinaus. Neffe Rudi, der im hohen Grade die söge- nannte Hosemannsche, d. h. eine ironische Ader besaß, hatte sie darum den„kühlen Luftzugs getauft. Der„kühle Luftzug" verstand es meisterlich, jede harmlose Freude durch ein Zitat über ernsthafte Lebensauffassung zu dämpfen. Er hatte einen wahren Detektivblick für alle kleinen Schäden des Haushalts. Er besaß einen geradezu unheimlichen Spürsinn für alle unangenehmen Famillengeheimnisie und vermochte obendrein, seinen Beobachtungen auch die im wahrsten Sinne treffendste Aus. drucksform zu verleihen. Bei alledem entwickelte Tonte Emilie aber auch einen fabelhaften Appetit, wobei sie Torten und jene Brötchen bevorzugte, die mit Lachs. Zunge und Gänsepastete belegt waren. So oerkonsumierte sie die gute Laune und die Leckerbissen der Ber- wandten mit gleichem Eiser, und man konnte nicht einmal feststellen. ob die gute Laune oder die Leckerbissen die größere Delikatesse für sie war. Der„kühle Lustzug" war 45 Jahre alt. Witwe und wohlhabend. Neffe Rudi, der Onkel Gustav, Tante Emiliens Mann, nicht mehr gekannt hatte, pflegte zu sagen, daß er sich an dem kühlen Luftzug erkältet hatte und in höchstem Maße verschnupft das irdische Jammertal nach kaum dreijähriger Ehe mit dem himmlischen Pars- diese vertauscht habe. Tante Emllie war auch geizig. Sie besaß ein« Fünfzimmerwohnung, einen weißen Seidenspitz. der an Hämorrhoiden litt, und sehr viel Schmuck. Silber war auch reichlich vorhanden. Ein Teil der Hosemanns war arm, vielmehr in der Nachkriegs. zeit verarmt. Es war der Teil der Familie, der mehr zur Gefühl«. leite hinneigte. Man kann wohl behaupten— der bessere Teil der Familie. Tante Emilie Hebte diesen Familienzweig nicht. Es war eine Schande, arm zu sein. Es war sentimental, Gefühle zu haben. Es war dumm, sein Geld nicht rechtzeitig damals ins Ausland ver- schoben oder in Schmuck und Edelmetall angelegt zu haben. Der gefühlvolle Zweig der Familie Hosemann war sehr kinder- reich. Es mochte mit seiner Gefühlsstärke zusammenhängen. Die Kinder waren frisch, fröhlich, begabt und auch gefühlvoll. Jetzt gerade hatte sich Watter Hosemann, erst 26jährig, ein junger Kauf- mann, oerheiratet. Es war ein Skandal. Ohne Wohnung natürlich. „Tante Emilie, du hast doch diese fünf Zimmer, wenn du uns zwei davon abgeben könntest,— wo du doch im Sommer mindesten» zwei Monate verreist." Das hatte man ihr anzubieten gewagt.— Sie erzählte es bei den Hosemanns in der Knesebeckstraße, die immer einen so vorzüglichen Kalbsbraten hatten und die berühmte Familien� sandtotte nach dem Rezept von Großmama Röschen settg. Ein Skandal. So was sst 25 Jahre und heiratet. Natürlich nur im Hinblick auf ihr« schöne Wohnung. Sich in ihren fünf Zimmern ausbreiten, wo sie erst das Badezimmer hatte rot anstreichen lassen. Rot ist so kleidsam, nicht wahr. Und wo Süßing, der Spitz, so an Hämorrhoiden— und Minna wollte schließlich auch ihre Ruhe haben. Ja.— man habe sogar gewagt, davon zu sprechen, daß es ihr eigener Dorteil sei, wenn die Wohnung während ihrer Reise von zuver- lässigen Menschen bewohnt und bewacht wird. Lächerlich, als wenn ihre Minna nicht genügend Schutz— und wenn man durchaus wollte,— Versicherungen gäbe es ja genug. Man bezahlt seine Police und basta. Junge Leute sollten ihre Leidenschaften zügeln. Mit 25 Iahren heiratet man nicht. Sie sei 33 gewesen— als Onkel Gustav.— Aber heutzutage,— Zurückhaltung sei eben ein ver- alteter Begriff.— Alles folgt nur seinen Lüsten. Diesmal fand der„kühle Luftzug" aber mutigen Widerspruch. Sei es, weil die Hoscmanns sich über seinen Appetit heute besonders ärgerten, sei es Sympathie für den jungen Walter Hosemann.— sie machten Tante Emilie auf den Vorteil der Wohnungsbewachung dringend aufmerksam, wo doch heutzutage kein Tag ohne Einbruch. Erst neulich bei Lemkes. Nummer 32, der Silberdiebstahl, als sie nur einen Sonntag in Eberswalde waren. Und bei Arnolds— die Perserbrücken. Bei Grunerts war es Gott lob nur bei dqn Versach geblieben, weil der Neffe im letzten Augenblick---—. Der„kühle Luftzug" lächclle erhaben und nahm die dritte Portion Fruchteis. Ihre alte Minna sei zuverlässig, man erzieht sich eben seine Leute. Verliebtes Jungvolk habe sie wahrhaftig nicht nötig Schließlich sei noch nie auch nur das klernste Lösselchen aus ihrer Wohnung verschwunden,-- also. Als Wolter Hosemann ein paar Tage später noch einmal bei Tante Emilie klingelte, um wegen der zwei Zimmer zu Ziagen— wenigstens für den Sommer, während sie oerreist war—, öffnete Minna, etwas verlegen, wie ihm schien, auch glaubte er, eine Männerstimme gehört zu haben.— Nein,— Tante Emilie war nicht da, sie war gestern abend abgereist.— lllcin, Handwerker seien auch nicht in der Wohnung. Sie, Minna, sei ganz allein. Und sie habe wirklich keine Zett zu langen Unterhaltungen. Die Tante habe sie mit Großreinemachen beauftragt— wie es die Herrschaften immer machen. Da? geht auf Reisen und läßt die anderen arbeiten. Waller Hosemann war trotz aller Gefühlsstärke sehr hellsichtig. Hier stimmte etwas nicht. Und obgleich Tante Emilie wahrhaftig nicht sein Wohlwollen verdiente, trieb ihn sein Rechtlichkeitsgefühl zum nächsten Telephon. Eine Stunde später klingelte er wieder. Er hatte vergessen. nach Tante Emiliens Adresse zu fragen. Er tlingelle zwei-, dreimal. Niemand öffnete. Der Polizeibeamte lächelle, der Schlosser nahm einen hakenförmigen Draht aus seiner Werkzeugtasche. Es ging alles sehr lautlos und rasch. Die„alte" Minna war gerade beim Einpacken. Ein rothaariger Kerl mit sthiefgezogener Schulter griff in seine Tasche, als die drei Männer hereintroten. Es war zu spät. Die Handschncllen schnappten zu. Minna saß heulend auf ihrem schön gefüllten Rersekorb. Watter durchschritt die Wohnung. Schübe und Schränk« standen auf. im Eßzimmer lagen zwei zerbrochene Teller vor dem Büfett, zusammengerollte Teppiche sperrten den Durchgang zum Schlas- zimn:er. „Strafe mutz sein." dachte Watter. erledigte die Formalltälen mit der Polizei und schloß die Wohnung ab. Nach vierzehn Tagen bekamen alle Hosemanns aufgeregte Brief« von Tante Emllie. Ob denn keiner wüßte, was mit ihrer armen Minna los wäre. Es würde ihr doch nichts passiert sein? Niemand wußte etwas, die meisten waren auch verreist, Waller schwieg. Nach einer weiteren Woche kam Tante Emilie unverhofft zurück. Sie betrat um 6 Uhr 27 ihre Wohnung, um 6 Uhr 45 wußten alle lzosemaims(mit Telephon), daß bei ihr eingebrochen war. sämtliches Silber, oller Schmuck und die besten Teppiche bei- nahe gestohlen waren. Um 7 Uhr war Walter bei ihr.„Sogar die guten Tischtücher," weinte Tante Emilie,„das hatte ich vorhin noch vergessen, und die gelbe Damastdecke von Onkel Reinhold. Und Minna verschleppt. Die gute Minna. Die treue Minna. O.— es war entsetzlich. Hätte ich doch nur--- hätte ich doch nur--" „Warst du nicht versichert, teure Tante? Du sprachst doch davon.-- damals--" „Ach, diesen Leuten noch Geld in den Rachen werfen und dann diese Scherereien für jeden kleinen Löffel.— Nein. Ich bin natür- Die bürgerlichen Parteien Sachsens sollen nntee einen Hut gebracht werden«..! lich nicht versichert.— So— wie du mich hier siehst— bin ich bettelarm und von allem beraubt. Meine Kur unterbrochen, bettel- arm— und das alles nur— weil---" „Weil du die zwei Zimmer nicht abgeben wolltest. Aber ich oerstehe, man will seine Ruhe haben,— seine Ruhe.--* „Ruhe." Die Tante lachte schrill. Dann bekam sie einen Weinkrampf und nach dem Weinkrampf führte Waller sie durch die Wohnung>— bis in das Mädchenzimmer— zu dem gefüllten Reise- korb, den er sorgsam unter das Bett geschoben hatte.--- Walter Hosemann bewohnt nun die zwei Zimmer. Der„kühle Luftzug" ist in Kissingen(beruhigende Bäder), und wenn er schreibt, sst er ganz Honig. Aber Waller ist— trotz aller Gefühlsstärke hell- sichtig.„Wer weiß— wie lange," sagt er zu seiner lungen Frau. wenn wieder einmal ein solcher Honigbrief aus Kissingen kommt. „aber da:ch die Belohnungbsumme der teuren Tante gut angelegt habe— sst mir um eine neue Wohnung nicht mehr bange. Der „kühle Luftzug" könnte im Winter doch etwas erkällend wirken. vogeltult und VogelmLnner auf der Gjkerlnsel. Die einsam aus tiefen Fluten in den Weiten des Stillen Ozeans hervorragende Osterinsel. dieses kahle Basalteiland, da- ein letzter, nach Osten versprengter Ausläufer der polynesischen Welt ist, hat mit ihren rätselhaften Steinfiguren und dem Geheimnis ihrer Kuttur feit zwei Jahrhunderten die Gelehrten beschäftigt, ohne daß es bis- her gelungen sst, das Dunkel ganz zu lichten. Immerhin hat gerade die iiorschunjfbder letzten Zeit doch manche Klärung der verworrenen Probleme gebracht, wie aus der zusammenfassenden Darstellung her- vorgeht, die Friedrich Schulze-Maizier soeben unter dem Titel„Die Osterinsel" im Insel-Verlaa zu Leipzig veröffentlicht hat. Den eigentlichen Schlüssel zur Erkenntnis der Herkunft und Bedeutung dieser Kultur und ihrer sellsamen Gestaltungen bietet sich in dem merkwürdigen Vogelkult dar, der aus der Insel herrschte. Eine alte verlassene steinerne Siedlung, mit Namen Orongo, enthält höhlen- ortige Räume, an deren Wänden sich primitive Malereien von Vögeln und Fratzen befinden. Hier ist auch ein sehr eigenartiges Feljcnrelief ausgegraben worden, das ein kauerndes Zwittergeschöpf mit großem Dogclkops und menschenähnlichem Leib darstellt. Diese Siedlung war. wie aus den Erzählungen alter Einwohner hervor- geht, der Mittelpunkt jenes Vogelfundes, bei dem eine bestimmte Schwalbenart durch phantastische Zeremonien geehrt wurde. Wenn diese Schwalben im September auf der Insel ankamen, dann war der höchste Ehrgeiz der Eingeborenen, ihr erstes Ei zu erbeuten. Make-Make, der Hauptgott der Osterinsulaner, wurde zum Gott dieser Eier gemacht, und der Eroberer dieses ersten Eies wurde sein Stellvertreter aus Erden, der angebetete Vogelmann, der das ganze Jahr unter streng rituellen Vorschriften verbringen mußte. Solange man auf die Ankunft der heiligen Vögel wartete, wurden Feste abge- hallen, hauptsächlich in der sogenannten„Menschensresserhöhle", deren Decke mit roten und weißen Vögeln bemalt ist und in der die Gefangenen der schwächeren Stämme geschlachtet wurden. Als Mit- bewerber bei dem Vogelkult durften nur auserwählte Vertreter des Stammes, der gerade der mächtigst« und einflußreichste war, auf. treten: sie unternahmen nicht selbst die gefährliche Suche, sondern ließen sie von Dienern ausführen, die beim Schwimmen durch das von Haistichen bevölkerte Wasser nicht sollen zugrunde gingen, bevor sie das kostbare Ei erreichten. In einer Höhle mußten Wächter Tag und Nacht lauschen, bis sie das schrille Geschrei der herannahenden Vögel hörten. Dann stürzten die lauernden Diener aus ihrer Höhle heraus. Der Glück- liche, der das erste Ei erblickte, hob es jubelnd auf, schrie aus Leibes- kraften den Namen seines Herrn nach der Küste herüber und rief ihm zu:„Schere dein Haupt, du hast das Ei gewonnen!" Di« Wächter gaben die Kunde weiter, und hielt dann der neue„Vogel- mann" das heiß ersehnte Ei in der Hand, dann legte er es auf seine ausgebreitete Handsläch« und führte einen Triumph- und Freudentanz auf. Dieser Tanz des Vogelmannes mit dem Ei in der Hand ist wohl aus dem Relief von Orongo dargestellt. Der Vogelmann verbringt dann das hellige Jahr bis zur Wiederkehr der Schwalben auf dem Bildhauerberg Raraku in strengstem Tabu. unter den rätselhaften Statuen, die hier geschaffen wurden und zum Teil noch aufrecht stehen. Darunter befinden sich die Begräbnis- stätten der Vogelmänner, und so liegt die Annahme nahe, daß wir in diesen Riesenfiguren Ahnenbilder und Statuen der Vogeimänner vor uns haben. Es gab auch einen Kindervogelkult auf der Oster. insel, bei dem die Kleinen in Orongo vor der großen Figur, die dort aufgestellt war und sich jetzt im Britischen Museum befindet, Hymnen sangen. Aus all dem geht hervor, daß die Statuen mit dem Vogel- kull in enger Beziehung standen. Nun ist es aber auffällig, daß die Tarstellungen von Vogelmenschen, die sich vielsach finden, nicht den Kopf einer Seeschwalbe tragen, der doch die Verehrung galt, sondern den überaus charakteristischen Kopf des Fregattenvogels. des heiligen Tiers, das die Melanesier anbeten. Besonders auf den Salomoinseln gibt es zahlreiche Plastiken und Ornamente, die den Darstellungen der Vogelmänner auf der Osterinsel sehr ähnlich sind, und auch die plastischen Menschenköpse an den Riesenfiguren der Osterinsel haben etwas von dem Aussehen des Fregattenvogel» erhalten. Nun weisen aber auch noch andere Dinge aus die mela- nesische Herkunft der Osterinsellultur hin. Die rätselhaste und noch immer nicht gedeutete Schrift, die die Osterinsulaner als einziges Volk der Südsee besaßen, zeigt durch das häufige Vorkommen des Fregattenvogels in ihren Hieroglyphen Zusammenhänge mit Mela- nesien, und die Sprache ist der von Neuseeland verwandt. So bietet also der jetzt erst geklärte Vogelkult der Osterinsel einen überzeugen- den Hinweis auf die Heimat dieser Kuttur und Kunst, und man kann selbst die einzelnen Stationen erkennen, aus denen diese oolynesischen Elemente vor uralten Zeiten von Neuseeland aus über Samoa, Tahiti, Mangareva und die ebenfalls mit Steinmonumenten ge- schmückte Pttcairninsel zu der fernen Osterinsel gelangten. V!e gefährlichen Pilze. Wie stets zu dieser Jahreszeit häufen sich in den beiden letzten Wochen die Fälle von Pilzvergiftungen. Wir unterscheiden zwei große Gruppen von Pilzerkrankungen. Di« eine beruht auf dem Genuß an und für sich eßbarer, aber verdorbener Pilze: der zweiten liegt das Verzehren ausgesprochener Giftpilze zugrunde. Das Fleisch sämtlicher eßbarer Pilze neigt sehr leicht zur Zer. setzung. Die Vorschrift, die Pilze möglichst frisch zu oerzehren, ist daher unbedingt zu beachten. Schon allein das Aufbewahren der gesammelten Pilze erfordert besondere Sorgsall. Es ist völlig ver- fehll, die Schwämme in einen Beutel zu werfen, der womöglich noch auf dem warmen Rücken heimgetragen wird. Unter dem Mangel an frischer Lust und unter dem Einfluß der Körperwärme wird die Zersetzung der gedrückten Pilz« lebhaft gefördert. Es ist viel zweckmäßiger, die Schwämme vorsichtig in ein offenes Körbck-» zu legen, sie baldigst zu putzen, zuzubereiten und zu verzehren. Denn wenn man Pilze ausbewahrt, so bilden sich aus ihnen sehr schnell massenhaft kleine Spaltpilze, die gemeinsam mtt den Fäulnis- stcffen aus den verwesenden Pilzen— messt schon einige Stunden nach dem Genuß— Vergiftungserscheinungen hervorzurufen vermögen. Der Pilzsammler mache es sich zur Pflicht, nur junge und ganz gesunde Schwämme abzuschneiden: so manche Gesundheits- störungen sind auf dem Genuß alter, schon verdorbener PUze zurück- zuführen. Zu den bekanntesten eßbaren Pilzen gehören Pfifferling, Stein- pllz, Butterpilz, Maronenpilz, Semmelpilz und Champignon. Dieser letztgenannte, beliebte eßbare Schwamm hat einen gefährlichen Stiefbruder: den Knollenblätterschwamm, der gemeinsam mtt dem Fliegenpilz, dem Birkenreizker, dem falschen Eierschwamm, dem Pomeranzenhärtling, dem Dickfuß, Hörnling, Schwefeltopf u. a. m. die Ursache der zweiten großen Gruppe der Pilzerkrankungen bildetr der Störungen infolge Genusses von echten Giftpilzen. Diese Schwämme enthalten teils giftige Säuren, teil« Älkaloid«(toll-' kirschenähnliche Stoffe), teils giftige Eiweißstoffe. Einzelne Arte» besitzen ein Gift, das sie beim Abbrühen sofort abgeben, um darw nach Fortfließen des Kochwassers— mit anschließendem Nachspülen—> genießbar zu werden. Hierher gehören gewisse Morchelarten, zum Beispiel die Speisemorchel, die durch mehrmaliges Abkochen mit stets erneuertem Salzwasser meist ihre Giftigkeit verliert. Bei anderen Giftpilzen versagt jedoch dieses Verfahren vollständig. Weder die Dunkelfärbung einer Zwiebel oder eines silbernen Löffels, die mitgekocht werden, zeigt die Anwesenheit giftiger Pilze an, noch ist der angenehme Geruch der Schwämme für ihre Güte maßgebend. Allerdings soll man unangenehm riechende Pilze in keinem Falle verzehren. Es sst eben für jeden Pilzliebhaber unbedingt erforder- lich, sich gründliche Kenntnisse anzueignen, bevor er selbständig auf die Suche geht. Während die ersten Störungen nach dem Genuß echter Giftpilze nicht vor Ablauf der eisten 10 Stunden einsetzen, treten die Er- scheinungen nach dem Verzehren von verdorbenen Pilzen schon binnen wenigen Stunden auf. Erbrechen, schmerzhafte Koliken. Durchfälle leiten die Ertrankung ein, die Infolge Herzlähmung zum Tode führen kann. Es ist also in jedem Falle von Pilzvergiftung sofort ärztliche Hilfe zu rufen. Inzwischen ist durch Hineinstecken de» Fingers in den Rachen, durch Kitzeln des Gaumens, durch Trinken von Senfwasser oder dergleichen, Erbrechen auszulösen. Der Darm soll durch Abführmittel gereinigt werden, und gegen die drohende Herzschwäche sst starker Kaffee zu nehmen. Wenn der Verdauungskanal von allen giftigen Pilzresten frei geworden sst. dann kann gegen weiter anhaltendes Erbrechen durch Verschlucken von Eispillen und eisgekühltem Kognak, m kleinen Portionen ge- trunken, mit Erfolg angekämpft werden. Dr. med. M. Wahre Rabenelkern. Der Rabe ist ganz unverdientermaßen in den Ruf gekommen, seine Kinder schlecht zu behandeln. Er gehört aber tatsächlich zu den Vögeln, die mtt Einsetzung des eigenen Lebens ihre Jungen schützen, und selbst wenn die Kleinen aus dem Nest genommen werden, so folgen ihnen die Rabeneltern und be- mühen sich mit rührender Sorgsall um sie. Die meisten Vögel sind ja gute Eltern, die ihre Sprößlinge gegen die vielen Feinde ver- leidigen und lieber selbst hungern, als daß sie ihr« Brut darben ließen.„Ich habe niemals einen wirklich intelligenten Vogel gesehen. der seine Jungen ihrem Schicksal überließe", sagt der bekannte Ornithologe Oliver G. Pike, und da die Raben zu den klügsten Vögeln gehören, so sind sie natürlich auch gute Eltern. Selbst wenn einer der beiden Eltern vom Tode ereilt wird, so müht sich der über- lebende Vogel doch noch mit Aufbietung aller Kräfte um die Auf- zuckt seiner Brut. Nur bei den dummen Vögeln findet man die wahren Rabeneltern. So habe ich bei Tauben. Summen, Tölpeln, Gänsen und anderen nicht gerade intelligenten Vögeln Dutzende von Beispielen beobachtet, die zeigen, daß sie für ihre Jungen wenig Liebe besitzen, und ich kann mir das nur daraus erklären, daß diese Vögel Im Laufe der Zeiten nicht soweit fortgeschritten sind wie die, die soviel Tapferkett und Hingabe für ihre Kleinen beweisen. Be- sonders die Tauben gehören zu den wahren Rabcneltern. Die Turtel- taube z. B. verläßt oft ihre Eier, wenn sie von einem menschlichen Wesen entdeckt, aber gar nicht berührt werden. Ich beobachtete ein Paar dieser Tiere, die ihre Eier verließen und sich sofort an den Bau eines anderen Nestes machten, nur well eine Frau mit ihrem Rock die Seite des Busches gestreift hatte, in dem sie ihr Heim auf- geschlagen hatten. Die Felsentaube verläßt sogar nicht nur ihre Eier, sondern auch ihre Jungen. Al- ich einmal in das Nest der sselsentauben sah, ohne ihnen auch nur das geringste zu tun, kehrten stc nicht mehr»um Nest zurück, sondern Überlieferten die Jungen dein Hungertode. Diese„Rabeneltern" sind auch zumeist schlechte Nest- bauer, während die erfahrensten Baumelster unter den Vögeln, wie . B. manche Finken- und Meisenarten sowie zahlreiche Singvögel, 'e Liebe ihren Jungen am meisten entwickell haben." L IMi" ■ y® yyy: Schnell zugreifen, heifit sparen I ÜBT»BW« f*rai! Knaöea-SiMneB OC Damen-BiBsso aus geatreiften älamofien Pt Waachflaneil...... w Vf Heinßen-Passaa 9< Seidenbafii!�» m. Trig.-ötlck. o. Klöppel JL**J Pf. und viele Farben. Mir. w V/ 2 Herrenferaden oc UnlsrlaüleB CA ■Ifach.......... ämä�J Pf. mit Stickerei...... wV/ KtnderlieBidcbeB ratt Stickerei......%J\J DaiDensimmüte Baomwoiie, weretirkte Ferse und Spitve, Pear Heueasoöiea � w. EnflindsMen 9S aus Wiechel ach.... 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Der Rücktritt des Berliner Staditämmerers Dr. Karding gibt der Presse Gelegenheit, sich in langen Betrachtungen über die„viel zu niedrigen Gehalte r� unserer Magistratsmitglicder zu verbreiten. Biel wichtiger wäre es, auf die sachlichen Motive einzugehen, die Dr. Karding zweifellos bei seinem Rücktrittsentschluss in i t beeinflußt haben. Es besteht bei seiner Persönlichkeit kein An- laß, an der Aufrichtigkeit der Bemerkungen zu zweifeln, die er einem Redakteur der Nachtausgabe des„Tag" gegenüber gemacht hat. Er sagt dort:„Es hätten ihm gewisse von bürgerlicher Seite gestellte Anträge, die auf eine äußer st starke Anspan- nung des städtischen Kredits hinausliefen, gezeigt, daß— nach seiner Meinung wenigstens— doch nicht die finanzielle Lage des Berliner Gemeinwesens in ihren ganzen Schwierig. leiten voll erfaßt würde. Ileberstürzte Anleihen ausnehmen. seien augenblicklich nicht angängig, wie er auch stets Wert darauf gelegt habe, daß die Anleihepolitik des Magistrats zurück- haltend und vorsichtig bleibe. In einer Zeit, in der immer noch 8 bis 1t> Proz. Zinsen bezahlt werden müßten, könne man eben bei Anleihen nicht derart vorgehen wie jn der Dorkriegsperiode." Diese Bemerkungen Kardings richten sich Legen den bekannten d e m a- gogischen Antrag der deutschnotionalen Rathaus- f r a k t i o n, nach dem die Stadtverordnetenversammlung den Mogistrat ersucht, eine Anleihe von 150 Millionen Mark zur ein- maligcn Herstellung von weiteren zirka 14 WW Wohnungen aufzunehmen. Der Vater dieses überaus geistreichen Antrages war der deutschnotionale Reichstagsabgeordnete P a e t h, der ihn in der letzten Feriensitzung ausführlich begründete. Die Stadtverordneten» Versammlung stimmte damals dem deutschnationalen Antrag nur deswegen zu. weil die Deutschnationalen drohten, die Ferien- s i tz n n g mit Geschästsordnungsmitteln zu sprengen. Dadurch wäre eine Beschlußfassung über die Notstandsvarlagc des Magistrats verhindert worden. Kardings Bemerkungen richten sich aber weiter gegen die bekannten Pläne auf den Ausbau des Untergrund- bahnnehes und gegen andere in Borbereitung befindliche Maß. nahmen. Berlins bisherige Anleihen. Es ist deshalb notwendig, einmal einen Ueberblick über den Stand der Berliner Anleihewirtschast zu geben, um die Bcsürch- tiingen, die der vorsichtigen und überängstlichen Natur des zurückgetretenen Kämmerers entspringen, zurückzuweisen. Nach den An- gaben der Kämmerei betrug die Höhe der jährlichen neuen Anleihen für das Gebiet des heutigen Groß-Berlin nach den Haushaltsplänen: Haushalisi-hr neu aufzunehmend« Anleihen In Mill. Mark 1913 1914 1913 109 123 93 In den folgenden Jahren ergibt die Umrechnung der Papier- markbeträae in Goldmark etwa folgendes Bild: Haushallsiahr Millionen Goldmark 1916........... 50 1917........... 40 1918........... 18 1919........... 80 1920........... 120 1921........... 70 Die Anleihen der Inflationsjahrc 1922 bis 192,3 spielen keine Nolle. Gegen Ende der Inflationszeit nahmen die städtischen Gas- iv c r k c als erste Anleihe die sogenannte Riittgers-Anleihe gegen I yvothekarische Belastung ihrer Grundstücke in Höhe von nominell 8 Millionen Goldmark auf. Diese Anleil,« wurde aber nur zu etwa einem Drittel begeben und ist inzwischen laut Ausweis des letzten Geschäftsberichts der Städtischen Gaswerke A.-G. bis aus ganz minimale Beträge getilgt, so daß sie bei der Beurteilung der augenblicklichen Verhältnisse außer acht gelassen werden kann. Die Aera einer neuen Anleihepolitik wurde im Äuli 1925 mit der ersten städtischen achtprozentigen Amerika-Anlcihe in Höhe von 15 Millionen Dollar eröffnet. Die Mittel dieser Anleihe kamen zu etwa einem Drittel dem Ausbau der Nord-Südbahn und zu zwei Dritteln dem Ausbau der städtischen Elektrizitätswerke zugute Der starke Kapital- bedarf der Elektrizitätswerke führte im Herbst zu einer neuen An- leihe in Hol)« von Z0 Millionen Schweizer Franken. Diese Anleihe war bereits eine Anleihe der städtischen Elettrizitätsgesell- schast, allerdings noch unter selbstschuldnerischer Bürgschast der Stadt. Zu ihrer Auslegung mußte infolgedessen noch die Ge- nchmigung der Auslandsanleihestelle des Reichsiinanzministeriums eingeholt werden. Zu Beainn dieses Jahres folgte dann eine weitere Anleihe der Städtischen Elektrizitätswerke von.3 Millionen Dollar in Amerika, bei der bereits die Ucbernahmc einer Zinsgaranlie durch die Städtischen Gaswerke genügte. Die Finanzierung des Neubaues Rummelsburg ist inzwischen unter starker Jnanspnich- nähme weiterer kurzfristiger Kredite erfolgt. Bei der Fertig- ltellung wird es notwendig sein diese kurzfristigen Kredite wie auch die letzte 3>Millioncn>Dollaronlcihe in eine langfristige Aus- landsanleihe umzuwandeln, die im äußersten Falle den Betrog von 15 Millionen Dollar nicht überschreiten dürfte. Der Gesamt- anleihebedari für den Ausbau der Berliner Elektrizitätswin- Ichast in den drei Jahren 1925 bis 1927 wird sich dann auf etwa 1.3 0 Millionen Mark belaufen haben. Schon bei diesen Anleihen fällt der ausschlaggebende Unterschied der jetzigen städtischen Zlnleihewirtfchaft gegenüber den Verhältnissen der Borkriegszeit ins Auge. Die gesamte Struktur der Berliner Kommunalwirlschast hat sich grundlegend geändert. Vor dem Kriege wurde«in ganz erheblicher Prozentsatz der jährlich aufgenommenen Anlcihemittel auf reine Kämmerci zwecke verwandt. Man baute davon Schulen, Rathäuser, Straßen. Kanali- sotion usw. Nach Angabe der Kämmerei entfielen nur 50 Proz. auf werbende Zwecke. Eine genauere Zlufstellung würde wahr- scheinlich diesen Prozentsatz noch verringern. Heute ist Berlin ein ge- waltiger Industrieunternehmcr geworden. Seine Anlagen stellen einen Konzern größten Umsangs. mit gewaltiger Ka p i t a l k r a f t und selbstverständlich auch mit großem Kapital- bedarf dar. Diese Unternehmungen haben— ganz abgesehen davon, daß sie äußerlich in Gesellschaftsform betrieben werden— i h r wirtschaftliches Eigenleben für sich. Die An- leihen, die für diese Zwecke ausgenommen werden, können niemals als eine Belastung der Stadt angesehen'werden, da sie eine mehr als reichliche Berzinjung garantieren. Der auf diele Weife erfolgte Ausbau der städtischen Uisternehmungen hat es außerdem ermöglicht, durch gcwoliige Bruttoobgaben den Steueretat der Stadt beträchtlich zu entlasten. Es will schon etwas bedeuten. wenn bei einem Steuerbedarf von rund 300 Millionen Mark nicht weniger als 5t> Millionen Mark durch Einnahmen aus den Werken und Erträgnissen der Kopstolbeteiligungen aufgebracht werden. • Anleihen im Sinne der früheren kommunalen Anleihewirt- schast hat Berlin dann nur in ganz minimalem Umfange ausgenommen. 1924 erfolgte die Genehmigung einer sechs- prozentigen Anleihe in Höhe von nom. 29 Millionen Gold- mark. Die Anleihe ist restlich erst im Lause dieses Jahres unter- gebracht worden. 1926 wurde eine 7prozentige Anleihe von nom. 22,5 Millionen Mark ausgegeben. Aber auch von diesen Anleihe- betrögen von insgesamt qomincll 42,5 Millionen Mark sind 7 M i l- lionen Mark für den Bau der AEG.- Schnellbahn vorgesehen und 11,3 Millionen Mark für die Förderung des W o h- nungsbaues. Es verbleiben also für eigentliche Kämnierei- zwecke", d. h. für Anlagen, die nicht als werbend bezeichnet werden können, nur nom. 24 Millionen Mark. Niemand wird be- haupten können, daß diese Verwendung von Anlechemitteln zu Be- denken Anlaß gibt. Die Vorsicht und Zurückhaltung auf diesem Gebiet ist vollkommen berechtigt, sie wird auch in Zukunft bei- behalten werden müssen. Unter den heutigen Verhältnissen können kommunale Bauten und Anlagen nur im allereng st en Um- sang aus Anlcihemittel genommen werden. Wo es nicht möglich ist, aus lausenden Einnahmen solche Zlusgaben zu finanzieren, müssen eben bessere Zeilen abgewartet werden. Ganz anders liegen aber die Dinge bei den beiden anderen umstrittenen Kategorien. Der Ausbau des Berliner Verkehrswesens ist eine unbedingte Notwendigkeit. Es ist richtig, daß Schnellbahn- bauten bei heutigen Zinssätzen und Baukosten durchschnittlich höchstens eine Verzinsung von 4 Prozent aufbringen können. Es ist aber durchaus möglich, die Zins- und Kapitaldifferenzen aus den Gesamteinnahmen des Berliner Verkehrs zu decken und ihn in sich als eine wirtschaftliche Einheit auszuziehen. Das ist letzten Endes der Sinn der Hochbahntransaktion. Seitdem die Stadl Omnibus, Hochbahn und Straßenbahn in einer Hand be- sitzt, ist sie in der Lage und muß sie aus den Ucberfchüssen der wirtschaftlich rentableren Unternehmungen die kostspieligeren Schnell- bahnbauten finanzieren, die unbedingt notwendig sind, wenn das Berliner Wirtschaftsgebiet auf leistungsfähiger Höhe erhalten wer- den soll. Es ist vollkommen abwegig, darin eine Be- lastung der Steuerzahler zu sehen und etwa so zu schlußsolgern, daß man aus der Straßenbahn außer der schon reichlich hohen zehnprozentigen Bruttoabgabe„von Gottes und Rechts wegen" ge- waltige Millionenbeträge für den Etat entnehmen könnte. Dazu hat man die Straßenbahn nicht erworben. Der Besitz der Verkehrsuntcrnehmungen soll die Möglichkeit schaffen, den Berkehr erstklassig auszubauen. Das kommt jedem Berliner und namenllich der Arbeiterschaft außerordentlich zugute. Ebenso unhaltbar ist der Einwand gegen die zusätzliche Sub- ventionierung des W o h n u ng s b a u e s. Außer den 11,5 Mil- lionen, die die Stadt ihren Anleihemitcln für den Wohnungsbau entnommen hat, find bisher im ganzen 25 Millionen Mark von der Sparkasse als Hypotheken für die von städtischen Wohnungsgesellschaflen für Minderbemittelte errichteten Wohnungen zur Verfügung gestelli. Die Stadt zahlt die Zinsdifserenz von etwa 5 Prozent. Der diesjährige Etat ist dadurch mit rund 490 990 Mari belastet, im nächsten Jahre wird sich die Ausgabe auf etwa 1,8 Mil- lionen Mark steigern, wenn man nur bei der Verwendung von 26 Millionen Mark Hypothekengcldern im laufenden Jahre bleibt. Daß dieser Betrag als Jahressatz eine Mindest summe darstellt, die unter allen Umständen überschritten werden muß. darüber besteht weitgehende Uebereinstimmung. Zusammenfassend stellt sich das Bild der neuen Berliner An- lcihewirtschajt also etwa so dar: Für den Ausbau der Elek- trizitätswerke find zirka 139 Millionen Mark nötig gewesen. Für Kämmereizwccke 24 Millionen Mark. Für Woh- nungsbautcn 11,5 Millionen Mark Anleihe und 25 Millionen Mark Hypotheken der Sparkasse, für die die Stadt eine Zinsgarantie unter Tragung eines Zinsoerlustes von 5 Prozent übernehmen muß. Für die S ch n e l l b a h n b a u t e n ist eine Auslandsanleihe dcr Hochbahngesellschaft in Vorbereitung, die mit 89 Mil- lionen Mark die Restfinanzierung der AEG.-Bahn, der Lichtcnbcrgcr Strecke und der Beendigung der Nordsüdbahn in Neukölln und Tcmpelhof ermöglichen. Die Anleihen der werke päd der Hochbahn werden von den werken bzw. vom verkehr selbst getragen. Die Stadt wird belastet durch die gcrüigen Beträge für Kam- mereizwecke und durch die Notwendigkeit starker gemeindlicher Sub- ventionierung des Wohnungsbaues. Wieviel günstiger und richtiger die Anleihewirtschast Berlins gegenüber den Vorkricgsverhältnissen ist, zeigt eine kurze Ueber- lcgung. was man in der Borkriegszeit heute alles aus An- leihcmitteln bezahlt haben würde. Solche Beträge haben in den letzten Jahren seit Beendigung der Inflation mindestens auf- gebracht: die Straßenbahn 59 Millionen, die Elektrizi- tätswerke 59 Millionen, die Gaswerke 30 Millionen, die Wasserwerke 29 Millionen Mark. Um diese Beträge sind aus laufenden Einnahmen, ohne Beanspruchung des Kopital- markts, die Anlagen der Unternehmungen erweitert, verbessert und rentabler gemacht. Die Kanalisationsanlagen der Stadt find mit nicht weniger als 179 Millionen Mark Vorkriegsanleihen belastet. Heute denkt niemand daran, den Ausbau anders als aus laufenden Mitteln zu bewerkstelligen. Der städtische Schlacht- und V i e h h o s ist in der Lage gewesen, eine gewaltige Erweiterung trotz billigster Gebühren aus laufenden Mitteln und kurzfristigen Krediten zu beschaffen. Genau so liegen die Verhältnisse bei den Markthallen, bei der Müllob- fuhr usw. Man kann ohne jede Uebertreibung annehmen, daß man früher mindesten» den doppelten Betrag ausgenommen Hölle, der jetzt von der Stadt und den städtischen Gesellschaften für werbende Zwecke und für wohnungsbaulen auf Anleihcwegc gebraucht worden ist. Jeder weiß, daß die Finanzen aller deutschen Städte unter den veränderten Berhältnissen schwieriger geworden sind als früher. Man kann aber auch feststellen, daß vorsichtiger und w i r t- schastlich richtiger gearbeitet worden ist. Frellich, nur mit Aengstlichkest wird man die Berliner Wirtschaft auch nicht auf die Beine stellen können. Dos heutige Geschlecht darf sich nicht nachsagen lassen, daß es sich gleiche unverantwortliche Versäumnisse zuschulden kommen läßt, wie sie früher üb- l i ch gewesen sind. Wir haben unter den Versäumnissen der Ber- gangenheit an allen Ecken und Enden unendlich zu leiden. Sie kosten uns mehr, als wenn man seinerzeit weniger daran gedacht hätte, den Steuersäckel zu schonen und mehr darauf bedacht gewesen wäre, dos wirtschaftlich und sozialpolitisch Notwendige zu tun. Ernst Reuter, Klingender Stahl. Kursmanipulatione» mit Stahltrustaktion. Schon einmal wiesen wir aus die eigenartigen Vor» g ä n g e hin, die sich bei der Einführung der Aktien des west» deutschen Stahltrusts begeben haben. Am Mcntog wurde dieses Papier an der Berliner Börse zugelassen. Die Nachsrage war eine geradezu ungeheuerliche. Sie wurde künstlich ge- steigert dadurch, daß noch längst vor der Kursfestsetzung die Nachricht durchsickerte, es fei ein starker Bedarf nach diesen Zlktien vorhanden, so daß nur ein kleiner Teil der Nach- frage berücksichtigt werden könne. Daraufhin gaben die Rc- slektanten S a in m e l austräge, sie forderten ein Vielioches von dem an, was sie tatsächlich an Aktien übernehmen wollten. Natürlich konnten das nur Eingeweihte, insbesondere die Börsenbesucher selbst. und unter ihnen in der Hauptsache kapitalkräftige Banken und Makler, die keine Schwierigkeiten zu befürchten hatten. wenn nun doch die Nachfrage voll befriedigt wurde. Die erste Kurs- festjetzung fand unter der Mitwirkung des Börsenvorstandes und des Staatskommissars statt. Sie ergab einen Kurs von 13 9 Proz. Die glücklichen Erwerber hatten bereits am nächsten Tage, wo der Kurs mit 141 Proz. feftgsstellt wurde, 11 P r o z. verdient. Auch am zweiten Tage wurde bei einer stürmischen Nochfrage— man hatte aus den Erfahrungen des vorangegangenen Tages gelernt— jeder Auftrag mir zu einem kleinen Teil erledigt. Nun hatte sich die Börse auf die fortwährenden Zuteilungen von Stahlwerksaktien eingerichtet. Am Mittwoch gab es massenhaft fogenannie Konzert Zeichnungen. Die meisten Käufer forderten ein Vielfaches von dem, was sie tatsächlich brauchten, da sie ja doch nur mit einer geringen Zuteilungsquote zu rechnen hatten. Jetzt begab sich das Unerwartete. Die angeforderten Be- träge wurden voll zugeteill, und zwar zu einem Kurs von 14 6 Proz. Eine große Zahl von Firmen hatte sich über» kauft. Diejenigen Banken aber, die in Kenntnis der Zusammen- hänge sich rechtzeitig eingedeckt und zu 146 Proz wieder abgestoßen hatten, konnten einen Gewinn von 16 Punkten für sich verbuchen. Da im Kassaverkehr die erworbenen Aktien bar bezahlt werden müssen, blieb den weniger„glücklichen" Erwerbern nichts anderes übrig, als durch Verkauf anderer A k t i e n w e r t e. aber auch durch den Verkauf von Stahltnistaktien die Mittel zur Bezahlung ihrer Käufe zu erwerben. So erhielt der ganze Markt einen kräftigen Stoß. Infolge des Vcrkaufsandrangs solcher Firmen und Makler, die mit ihrem glücklichen Besitz an Trustaktien nichts anzufangen wußten. weil sie ihn nicht bezahlen konnten, sank bereits am Donnerstag der Kurs auf 1421�. Am Freitag notierten die Zlktien der Vereinigten Stahlwerke, die zwei Tage vorher auf 146 gestanden hatten, nur noch 13 8. Eine große Zahl von Firmen mit kleinerem Kapital, wahrscheinlich auch eine beträchtliche Anzahl von privaten Aktienbesitzern zahlt die Kursdifferenz. Sic hatten zu dem h o h � n Kurse übernommen und mußten, um sich Geld zu verschaffen, zu dem niedrigen ab st aßen. Einen Anhaltspunkt für die Umsätze, die durch diese Treibereien erzielt wurden, erhält man dadurch, daß allein die beiden ver- eidigten Makler, die an der Kursfeststellung mitwirkten, aus ihrer verhältnismäßig geringen Gebühr(Courtage) am llllontag und Dienstag eine Einnahme von annähernd 89 999 Mark zogen. Die Gewinne jener ganz Schlauen und gut Unterrichteten. die am Montag mit riesigen Äonzertzeichnungen sich einen statt- lichen Posten Stahllrustaksten zu 139 gesichert und den blöden Mit- läufern später um 146 angedreht hatten, diese Gewinne dürsten mehrere Millionen Mark betragen. Aus Börsenkreisen, die schon manche Manipulation in ihrer langjährigen Tätigkeit erlebt haben, wird versichert, daß ein der- artiger Skandal in den letzten zwanzig bis dreißig Jahren nicht dagewesen ist. A.s mitverantwortlich dafür ist der Börsenoorstand zu bezeichnen, der an der Kursfeststellung mitgewirkt und in den ersten Tagen jene Z w a n g s w i r i j ch a f t am Markt der Stahltrustaktien einführte, die später zu den Zwrssenkungen führte. Wenn die Aktien des zweitgrößten deutschen Unternehmens mit einer in die Hunderttausende gehenden Arbeiterzahl derartig im Kurs hin- und hergetriebcn werden, so' muß mit Recht bei den ernsthaften Erwerbern von Aktien, auch bei den ausländischen Käufern, sich ein Mißtrauen gegen die Methoden der deutschen Aktienemissionen breit machen. Dieses Mißtrauen wird auf die Dauer den Akticminternehmungen die Kapitalbeschaffung erschweren. Die Belegschaft der Konzerne selbst wird darunter zu leiden haben, wenn dann im geeigneten Augenblick zur Erledigung großer Aufträge die not- wendigen flüssigen Mittal nicht vorhanden sind. Hier liegt das Interesse der Arbeiterschaft an einer vernünftigen Handhabung der Kapitalaufnahmen. Uns kann es an sich gleich sein, welche Spekulantengruppen sich bei den Kursschwankungen am Effektenmarkt die Finger verbrennen, ob es zufälligerweise die Hochfinanz oder die Kieinaktionäre, die Haussiers oder die Baissiers sind. An dem Wiederaufbau eines reibungslos funktio» nierenden Kapitalmarktes aber ist die Arbeiterschaft mit interessiert, und deswegen müssen derartige Vorgänge gebrandmarkt werden. Reichsbank. Der Ausweis der Reichsbank vom 23. August zeigt einen weiteren Rückgang der gesamten Kapital- anlagen in Wechseln, Schecks, Lombards und Effekten um 49,9 Millionen Reichsmark ans 1167,7 Millionen Reichsmark. Die Be- stände an Wechseln und«chccks verringerten sich um 42,7 Millionen Reichsmark auf 1965,8 Millionen Reichsmark: die Lombardbestände wiesen dagegen eine erneute geringfügig« Zunahme um IL auf 12,4 Millionen Reichsmark. Die Bestände an Gold und deckungs- fähigen Devisen haben sich um 21,5 Millionen Reichsmark aus 1876,9 Millionen Reichsmark verringert, und zwar gingen die Bestände an dcckungsfähigen Devisen um 21,8 Millionen Reichsmark zurück, während die Goldbestände eine erneute Zunahme um 249 999 Reichs- mark aufwiesen. An Rcichsbanknoten und Rcntcnbankschcincn kehrten insgesamt 165,3 Millionen Reichsmark in die Kassen der Bank zurück. Die Deckung des Notenumlaufs durch Gold allein besserte sich von 52,2 Prozent auf 54,2 Prozent, die Deckung durch Gold und deckungsfähige Devisen von 66,3 auf 68,1 Prozent. Mehr Steuerschulden als Aktienkapital. Man kann die Bilanz jeder Zigarettenfabrik zur Hand nehmen und man wird immer wieder auf den Posten Steuerschulden an Zollämter stoßen, der sehr erhebliche Summen ausmacht. Die K a r m i t r i- Zigaretten- fabrik, die zum Reemtsma-Iasmatzi-Konzern gehört, hat bei einem Aktienkapital von IL Millionen Mark Aktienkapital Steuer- schulden in Höhe von 2.1 Millionen Mark: die Waren- bestände sind mit 2.975 Millionen Mark bewertet. Das Unternehmen erzielte einen Reingewinn von 59 599 Mark. Hiervon erhalten die Borzugsakiionäre 8 Proz.. der Aufsichtsrat au Tantiemen 8900 TO.; der Rest wird auf neue Rechnung vorgetragen Die Entwicklung des i Geschäftsjahres 1926 zeigt eine Aufwärtsbewegung der Umsätze. Mus der Partei. SetrifTon des Programms der Lelgischeu Zlrbelkerpartei. Schon s«it längerer Zeit beschäftigt man sich in der Belgischen Arbeiterpartei mit der Revision des Parteiprogramms. Emil Baader- veld«, der gegenwärtig« Außenminister Belgiens, hat bereits im Jahre 1923 ein Buch veröffentlicht:„Muß matl unjer Programm ändern? sFaul-ii changer notfe Programme), das als Grundlage für die weiteren Erörterungen diente. Eine Programmkommission, als deren Berichterstatter die Genossen Troclot, Bouchery und Balthazar fun» gieren, wurde eingesetzt und aus dem Parteitage im Juni d. I. hätte diese Beschlußfassung erfolgen sollen. Der vorgelegte Entwurf kam aber damals aus technischen Gründen nicht gur Verhandlung und es wurde beschlossen,«inen außerordentlichen Parteitag zur Beratung der Programmrevision«inberufen. Das Programm wird in seinem Aufbau von dem gegenwärtig in Geltung sielenden wesentlich v e r s ch i«d e n sein. Als erster Teil bleibt wie bisher die Prinzipisnerklarung bestehen, die aus dem alten Programm unverändert übernommen wurde. Darauf folgt ein Ab- schnitt betitelt:„Grundsätzliche Forderungen"'(Programme genera!) m dem gewissermaßen das Programm des Wegs zum Sozialismus niedergelegt ist. Dieser Abschnitt ist völlig neu ins Programm auf- genommen. Der letzt« Teil de» Programms beschäftigt sich mit den nächsten Aufgaben der belgischen Arbeiterklasse und zerfällt in eine Reihe von Unterabteilungen: Politisches Programm. Wirtschaftsprogramm, Frauenforderungen, Agrarprogramm und Kommunal- Programm. Beachtenswert ist, daß das Agrarprogramm an Stelle eines Abschnittes des alten Programme» treten soll, der sich mit den Landarbeitern beschäftigt« und nur einig« wenige Forderungen im Interesse der Bauemschast enthielt. Vorträge, vereine und Versammlungen« Reichsbanner«Schwär?- Rat-OoRT. Getchäftsstelle: Berlin E 14. Sebasttavür. 37/38. Sof 2 Tr. H fftiffeUMftta: Wesen der Fahrt nach Templin am 4. September die N�chtmandeiung am 28. August nicht statt. Das Fahr- geld für Templin(2 M.) ist bis Zum 3. September an die SekturnsleUung zu 8?dren.-- Sreuzderg: Sportabteilung Sonntag, d. 2S.. 1�4 Uhr nachmittags, Treffen tJorck» Delle�Allianee.SiroÄe, Abfahrt zum Sportpia� Westend. Straftenb-Hn Linie 54 oder 154.-- Wilmersdorf: Sonntag, d. 23.. morgens 0 Uhr, Antreten der Radfahrer Fehrbelliner Plaf» zur Ausfahrt: zurück 1 Uhr nachmittags. Gäste willkommen.— Nenlöllu.Britz(Kreis): Sonntag, d. 2V., Antreten pünktlich zum technischen Dienst: 1. Kameradschaft L�» Uhr Reuter- plad. Kameradschaft und Radfahrerabteilung 8% Ubr Hertzbergvlat;. ' am\ Sept. Zuaführern ...._____ P___________________________- Köpenick: Treffpunkt' der Sportabteiluna Sonntag, d. 23., mit Tambourkorps und Mustkverein Echo um 1�4 Uhr Köllnischer Plah zur Teilnahme an Sportplatz. «inveihung in Bohnsdorf. Abmarsch von Bhf. Grünau 2 Uhr.— Pankow (Kreis): Sonntag, d. 23.. nachmittags 12� Uhr. die Sportler, und Faustball. Mannschaft am Bhf. Schönhauser Allee: auch andere Kameraden können daran tetlnehmen. Mo., d. 30.. ab 6 Uhr. Sportplatz Bremer Strafte sämtliche Kameraden und Tambourkorps. Um V*3 Uhr Turnhalle Wollankstrafte. Sportfest l» Bohnsdorf. Im Rahmen ber Börner Turn» und Svortmoche NNdst am kommenden Sonntag die Ginrveihun.g des neuen Köpenickec Soiel» plaftes im Dezirk Grstnau-Bohnsdorf, Schulzendorfer Str. 53/85, statt. Nach erfolgtem Aufmaisch der Sportler und einigen Gesangsbarbierungen des ge- mischten GLors Bohnsdorf wird BUrg-mneistee Kohl t« Anmefenheit des vber- büraermeisters BSft den Platz seiner Bestimmung übergeben. Rebe» den Bor- führungen der Grünau-Bohnsdorfer Schulen und des Grünauer Ballsp:el?Iubs ist besonders der leicht athletische Wannschaftswettkampf der Reichsbanner. Sportabteilungen der Bezirke Wedding Prenzlauer B-rg. Rewlckendorf. Vau- kow, Treptow und Pohnsdorf erwähnenswert. Durch die Bolkstümlichtttt des Programms wird diese Veranstaltung ib-en propagandistische» Wert nicht ver- fehlen. Abmarsch der Sportler um 2 Uhr ab Bahnhof Grünau. Beginn der sportlichen Vorführungen 2� Uhr.- Gauvorstand: Abmarsch der Sportler für die Einweihung des Sportplatzes Grünau-Dohnsdorf pünktlich 2 Uhr von Bahnhof Grünau._ Srb«It».Svort- und Xul!urlart«ll. Alle jfartrllmitglieder treffe»»ch Tonn- odend. M. Aunuft. 5 Uhr, zur Propagandaarboit dei Zimuierniann. Kaiser- ssriedrick>-Gtr. W. Die»eutsch-früdlfch« Zuflend»erN« ladet dl« Deuif».?lld!schen Bünde und alle Geünnuri-sfreund« zu«inrm Treffen am Sonntoa. 2g. Buauft, im BirsSi- «reden dei Ncudebel-bera»achmitiaa- W Uhr ein. Leiter Treffpunkt Mi Uhr Bahnhof Neubebelsbera. Verband ChereSterefer«. OeffenMcke Berfammlunq Mittwoch. 2. Sep- trmber. 8 Udr. im Refiourent..DreiffeabergeP'. Zerufalemer Str.«. «rbeit�eweinschaft der sreioelsil««»«erbände ber dentiche»«epnbrll. «au Berlin. D'« Krrdüiuqendweihen finden wie folgt fiott: Sonntag, Z. Oktober, j» Udr. Aula des Gnmnaüums Graf-Röder-Korfo, Tegel. Sonn- tag. 19. SeVomber. II, UH-. Arle dee Lo-erms Bankow. l?Srs»«nü-eb«. Sonntro. Sevtemdor 10 Udr, K'edthalle Weidense«, Pisioriu-Itrefi«. Sonn- tag. 26. Sertemder, 10 Udr. Tüeilien-Lnzenm LWienberq. Sonntag, A. Sep. icmdor. 16 Uhr. Aula �es ll?ni«-isriedrich-Gnmnafi»w» Tried�ch«ha«en. Sonn. tag. 26. Serinnder. 10 Uhr, Bolüe!«« Lustoarten, Adlerohof. Sonntag. 20. Sep- iemder. 9 Uhr und mitte«, 12 Uhr., im Orpheum. Kasendeidr. Konnt'g, lg September. 10 Udr. Aula de, Gumnasww, Wariendorf. Kailerürahe. Sonn'aa, 26. Sentemter, 10 Uhr. Aomu!d''mnnasium Friedenau. Sonntag, 26. Sev'emder. 11 Uhr. Oderrerltchule Snandnu. M«l>ketlr«he. Sonntag, 10. Srotemder, 10 Uhr und neidmiitaa, 2 Uhr in dee Bolkobühni. Sonneag. 26. September, l.0 Uhr. Mererdes-Balall. unrechter Straße. Sonntag, 26. Sep- temder, 10 Uhr, in der Stadihalle Aloüerstraße. Wet>erber>cht d-r ZffenM-den welkerd'eastlle"« für Berlin. fNachdr. derb.l ?r«cken imd zeitweite nufdriternd.?>bflguen de? Vinde?. mlttao» etwa« wärmer, sonst noch kühl. Für Veulschland. Meist trocken und ziemlich heiter. Das Vermächtnis O j f e n b a ch s, phantastisch, voll wunder« voller Melodie: Spieloper, die die besten Traditionen der Franzosen oertritt, manchmal von geleckter Eleganz und dann wiederum von einem tiesen Eesühlsgehalt, der an die deutschen Romantiker er- innert, das sind ,�)ossmanns Erzählungen*, jahrelang vergessen und heute eine der am meisten gespielten Opern von unoerwettbarer Schönheit. Was Offcnbach im Andantcsag seiner Orpheus.Ouvertüre andeutet, wird hier zum erschütternden Ereignis: hinter dem ge- feierten Komponisten des mondänen Paris verbirgt sich der Träumer, der Romantiker, der Melodien hinzaubert, wie das Liebeslied im dritten Akt, oder der eine Arie komponiert, wie Dapertuttos „Spiegelarie*, die in ihrer Dämonie gewaltiger und dabei doch virtuoser ist als chans Meilings oder des Holländers Bekenntnis. Dankenswert, daß der Rundfunk dieses herrliche Wert aus der Staatsoper übertragen ließ, aber trotzdem kann man dagegen prin- zipiell« Einwendungen erheben. Für jemand, der„Hoffmann« Erzählungen nicht kennt, bleiben die Vorgänge ohne Bühnenbild aeheinintsvoll. denn diese Oper oerlangt die Bühne, man denke nur an die Olympia-Ari« oder an den dritten Akt. wenn Dr. Mirakel die Szene beherrscht, an sein Duett mit Erespel. mit Antonia oder an das große Terzett: Mirakel. Antonia und Die Stimme der Mutter. Auch der Schluß des zweiten Aktes bleibt in der Uebertragung etwas farblos. Aber über all« Mängel triumphiert diese herrliche, unvcr- flieichliche Musik in ihrer zauberischen Schönheit, ihrer schmerzlichen Verträumtheit und in ihrer tänzerischen Leichtigkeit. Don den Sängern überragte ollein Arthur Fleischer als Dr. Mirakel das Durchschnittsnioeau.— Am Nachmittag sprach Oberbürgermeister Dr. Böß über»Die Berliner Turn- und Sportwoche", nachdem das Funkorchesters«in Konzert ohne besonderes Format absolviert hatte. Das Rundfunkprogramm. Sonnabend, den 28. Anirust. Anßsr dem öblicben Tae-ei-pro(Tromm; 12 Ulir naehm.' Die Tiertelstunda für den Jjandwrrt. 5 bis 6.40 Uhr pochm.: IJachmitta«skonzert der Berliner Fnnkkapelle. Deitmpr-. Konrertmeister Franz v. Bzpanowfki. Anscbließend; PatecblSse förs Hans. Theater- nnd Filmdienst. 8 Uhr abends: Hebertracnnp der Eröffnune-sfeier der Berliner Turn- nnd Sport- woebe vom Lustgarten. Berlin. 1. Konzert des Koslecischen BISeercbore«. 2. ErOffnnnesanspracbe des Herrn Oherbüreer- meister Dr. Bflß. 3. Ansprache des Vertreters des Deutschen Reichsansschnsses für Leihesübnneen. 4. Gemeinsames Lied: .Deutschland. Deutschland über alles». 7 Uhr abends: Dr. Paul Faebtar: F.inlühmnfr zu dem Trauerspiel.Esmont". 7.30 Uhr abends: Sendespiel.Etrmont". Ein Trauerspiel in fünf Aufzüs-en von Wolfeang von Goethe. Musik von Ludwig van Beethoven. Dirigent: Bruno Seidlor-Winkler. Marearete von Parma; Agnes Straub* GrafEgmont: Karl Ebert: Wilhelm von Oranien: Th. Poes* Herze»* von Alba: Werner KranO; Ferdinand, sein natürlicher Sohn Wolfeaner Zilzer: Machiavell, im Dienste der Redentin: Rani Bildt; Richard. Epmont« Geheiraschreiber: Rieh. Duschinski; Silva, unter Alba dienend: Fritz Bohnen: Gomez, unter Alba dienend: Walter Fried: Kläreben. Epmonts Geliebte: Lueie Mannheim; Ihre Mntter: Tlka Griininjr; Brackenburpr. ein Bürgersohn: Günther Hadank; Soest. Krämer: Meinhart Maur: •Tettar, Schneider: Robert Äßmann: Zimmermann: Hans Stern- berr: Seifensieder: Hans Popper*. Buyck. Soldat unter Ermont; Bruno Fritz; Rnvsnm Invalide und taub: Hugo Schnster; Vansen. ein Schreiber: Walter Fronck. Volk. Gefolge. Wachen usw. Der Rchanplat* ist Brüssel. Berliner Funkorchester. Anschließend: Dritte Bckanntpsbe der neuesten Tagesnacbrichten, Zeitansace. Wetterdienst, Sportnachrichten. Theater- nnd Filmdienst 10 30 bis 12 Uhr abend«: Tanzmusik(Kapelle Kermbach. Leitung: Kapell- meistcr Otto Kermbach). KBnigswosterhaosen, Sonnabend, den 28. Auffust. 1 ,10— 1 40 Uhr nachw*. Darbietungen für Schüler*. 1. Rezitationen: Goethe und Schiller(Dr. Leonhard Blaß). 3. Vertonung Goethescher und Schillerscher Dichtungen(die Herren Grau, Funk, König. Wohlstein und dos Quartett des Staats- und Dorachore). 3—3 30 Uhr nachm.: Professor Dr. Amsel und Oberschullehrer Westermann: Einheitskurzschnft 8 30—4 Uhr abends; Rektor Otto Median: Die Ors-misation der Gartenarbeitssohule. 4 bis 4.30 Uhr nachm.: Dr. Wilhelm Ebert: Luftfeuchtigkeit nnd Obstbau. 4.30—5 Uhr nachm.*. Mitteilunsen des Zentralmstituts. 8 bis 6.80 Uhr nachm.: Dipl-Landwirt Feierabend; Pflanzen- und Tierzucht in ihrer Bedeutung für die Volksemihrung. 7.30 Uhr abends: Uebertragung aus Berlin: Egmont, Lendespiel. Anschließend: Tanzmusik. Staate-Theater Opernhaus a. Platz d.Repabl. TP, Fledermaus Schauspielhaus 8: Kyritz. Pfillz Sohlller'Theater Gesclilossen Hidii! Opei Cbsrlonenbary 7V, Uhr: Gaichi Vorsteliont Der fließende Uolländer Eine bescnraiiK. Anzahl von Karten se- lanst noch an der Kasse zum Verkauf Deoiidies Iheatet Norden 1033«— 39 tobzWAnttite tat«an 8><« Unt Tvletiti rtntillung Max Adalbert in Das 8kcl Sommerprclse SlOoniödie Blamarc« 241«. 73 It Utiti 4 rcrstelliiBgu I 8«/, Uhr Die Heise lestrlD Preise 2.«. IS Mk Häimnersplele Norden 10334—38 Die Sta«,3I.Augusi P/t Uhr zum i Male DfldPippataDzI... v Q«rh. Hauptmann ligii: Hemz Hilpert Der Vorverkauf hat begonnen itnonJU-lOan Thnmer Könlööraajtr. TjHasenheidJlU 8 Uhr: Oer Garten Eden HomOdleoiuug fei.: Norden' mpaibau,(«tiiOl CMi aesldenz- rbcar. 8' 4 Uhr Man n Kettner [aslDo-Meruhr Wai liebe veroes Vorher bunter Tel. Gutschein MPeis Bei Vorzeigung der Annonce zahlen sie Fautu Baikon> M. Loge u. Sessel I 3i Thoatir a. Kolih. Tor Kotthaiar ttr. t gturnotbwenlgsTaw fflaitfolei her Maedeturotr tilte-llngar Rh i. a SBtehetmif. treten her Etlte.tlnger mit(ehorscb Beichshallen» Theater 8 Uhr Slemaer sanier SiDgende Bäume 8 DUIetthest.DSnh. 170. 171,172 g Der Blesenerlo' bei Pub UK tun mM Miß Amerika Musik Waller Bromme lee Seid], chr. Harlwels wiem ste.ü«. Arno, raun Scttouwer. Selva liocbe, rmz Beotmaau Vorverkauf für die ganze Woche ab II Uhr.— Preise u. a. I. Rang Balkon i SO. Park.-Faut.«.-, 4iu, U. Rang 1,50. 2.50 Komiscne Oper 8'/. Dir. James Klein R1/( Infolge auswärtig, aastsptele nur r.ocb 4 Tag» die einzige Berliner Theater- äensa Ion Berlin ohne Hemd! Gr. Revue 200 Mirwirsende Kl'lne Pre'se 15 XtebunflStag 2« Äugust lißfi, nochmitiogs Sa bei Rachmiilagszithang wurden Gewinne über UV M. gezogen 2 Gewinnt zu 10000«. 90442 3 Gewinne zu 5000 M. 212623 6 Gewinn, zu 3UX) M 15353 44900 83431 12«ennnne zu 20U0 At. 79398 117303 120924 199937 205336 219327 «Z«, Winne zu ,000 M. ,39 2292, 47372 91 197 7109« 74347 107028 116960 121956 135803 143378 168119 181898 202196 2141 19 225175 233889 238606 243250 257506 291322 74 Gewinn» zu 500 M. 18709 26139 29188 29222 39220 67360 67715 68251 69868 86073 89811 92847 102142 107603 107687 113357 ,16163 122592 124674 132363 135499 136914 146)87 158106 159086 183739 I 96661 2,8349 223359 239369 240451 243040 261902 263787 28988, 293513 294343 206<«ewmn» zu 300 M. 3295 4624 12596 ,2900 ,7530 20056 21900 29080 30610 33814 34724 36500 36665 39849 44064 47900 49633 90018 90902 52952 53,64 60,07 61283 69136 69783 72265 72516 7/212 77763 85617 90433 97794 98298 98428 98692 99440 104263 ,10053 II 1863 II 2735 ,15049 1,9805, 20650 ,21560 122028 122153 ,22656 ,28030 134492 134937 ,39140 ,40797 ,42582 ,44571 ,44981 ,46839 ,4739, ,53270 ,53797 ,54826 ,57535 159907 ,61568 ,62108 ,64074 ,64424 ,65005 ,66384 I 68154 174038 ,76768 ,77836 ,81792 ,84718 187400 19030, ,93791 ,94480 ,97893 204303 206786 207725 208043 208281 209663 213664 2162,4 2,7843 218667 222099 222134 226238 238517 242263 245009 247267 247532 256065 267645 271664 279466 283521 2910,6 Onotnanszufl 5.»lasse 27. 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