flg. ♦ 43« fofrrg. Ausgabe A Nr. 209 Bezugspreis. ZüöchenNich 70 Pfennig, wvnaMch 8,—-Heidismatl»stau«»oIlTbar. Unter Streuibanb für Deuvlchtand. S�tuiq. Saar- nnb Memetarbiet. Lette rreich, Litauen, Lurembur« «.SO Reichamart. für ba, übriqe Su-Ianb 5L0 Reichsmark uro Monat. Der.Borwärt,� mit ber illustrier- ten Sonntagsbeilage„Boll und Zeit" sowie den Beilogen»Unterhaltung uno Dillen�,»Aus der Mmwelt", »Stttucnftinime*,»Der«tnber- frcunb*.„Iugenb-Borwllrt-" und »Blick in die BllcherweU' erscheint wochrnthglich zweimal, Sonntag» und Montags einmal. Telegramm-Abrelle: »Saztalbemokro« verlla» orgemmsgabe Derlinev VolKst»lÄkt 1V Pfennig) Anzeigenpreise: Die einspaltige Nonpareille- zcile»0 Dsennia. ReName, eile S,— Reichsmark.»Kleine Anzeigen� das fettgedruckte Wort!Z Psennig (sulasfifl zwei settaebruckte Wortes. jedes weitere Wort 12 Bsennia. Stellengesuche da, erste Woit 15 Vfennig, jede» weitere Wort 1» Pfennig. Worte über 15 Buch» siaben»iihlen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Reile 60 Pfennig. ffamilienanzeigen für Abonnenten Reile«0 Pfennig. An, eigen für die nächste Rummer Müllen bis Hi Uhr nachmittags im Kaupiaefchäft. Berlin SW6S. Linden. strobe 3. abgegeben werden. Geäsfnet von äih Uhr früh bis t Uhr nachm. Zcntralorgan der Sozialdetnokratsfchen parte! Deutfcblands Redaktion und Verlag: Serlin Ew. öS, Linüenstraße 3 Fernsprecher: Tönhoff 292—207. Vorwärts-Verlag G.m.b.H., Serlin SV). öS, �inSenffr.3 Postscheckkontor Berlin 8? 63»—«onNont»! Boot der Arbeiter,«»gestellte» und Beamten. Wallftr. 65: Diskont». Scselllchast. Deoolitenkalle Lindenftr. 8, Jafthijlijche(Huertreiberei in Genf. Deutsch-französisch-englische Front. V. Zeil. Genf. ZV. August.(Eigener Drahtbericht.) War die Siudienkomniission am Bormiuag in einer Atmosphäre der Konfusion und Unnachgiebigteit ouseinondergegangen, so fteigene sich dieser Eindruck in der Nachmittagssitzung noch ganz er- heblich. Zunächst brachte G u o n i- Uruguay Aenoirrung in die De- bott«, indem er seinen Antrag aus dem Monat Mai wiederHoll«, wonach Südamerika durch ausdrücklichen Beschluß drei Ratssitze zugesichert werden sollten. Darauf entspann sich eine sehr lebhafte Debatte zwischen S c i a l o j a- Italien und F r o- m a g e o t- Frankreich, indem der Italiener erklärte, den Sinn der Abändenmgsantrög« Fromageots, insbesondere den darin enthaltenen Begriff der Wiedenvählbarkeit, nicht begreifen zu können. Wiederholt oersucht« der Franzose, Sinn, und Mechanismus seiner Anträge begreiflich zu machen. Scialoja jedoch schien harthörig und so entspann sich eine längere Auseinandersetzung, an der sich außer diesen beiden nach de B r a u ck e r e> Belgien, Präsident Matta und C e c i l- England beteiligten. Sie endete mit dem Beschluß, das neu« Projekt an die Unterkommission zurückzuweisen, die am Dienstag nichtöffentlich tagen wird. Infolge dieses Beschlusses konnte Bot- schafter o. ch o e s ch, der sich zum Wort gemeldet fjatte. um Fromageot zu unterstützen, nicht mehr sprechen. Es ergab sich ein« eigen- ortig« Konstruktion: Frankreich, Deutschland und Eng- land sind über«inen gemeinsamen Text einig, den aber Italien, Belgien, die Schweiz und Schweden, wenn auch aus verschiedenen Gründen, bemängeln. Bielleicht wird morgen die Aussprache im engeren Kreise und hinter verschlossenen Türen die Klärung und Einigung bringen, die man am heutigen Tag in der öffentlichen Sitzung nicht erreicht hat. Richtig ist, daß der Antrag Fromageot. den man besser al» deutsch-französisch-eng- lisch en Vorschlag bezeichnen kann, nicht ohne weiteres verständlich ist. daß ihn verschiedene Delegierte totsächlich nicht verstanden und daß er einer näheren Erläuterung bedarf. Darüber sei in Kürze folgendes gesagt: Der Antrag entspricht ollgemein dem Projekt vom vorigen Mai, nur mit dem Unterschied. daß die Wiederwählborkeii von drei ständigen Ratsmil- gliedern schon jetzt, also im September 1926 und nicht erst nach drei Jahren beschlossen werden soll: aber ein solcher Beschluß ist nicht unwiderruflich, er läßt die Möglichleit einer späteren Korrektur zugunsten eines anderen Staates offen, und damit wird dos Prinzip gewahrt, an dem u. a. Deutschland unbedingt fest- hält, daß die Vollversammlung souverän bleiben muß. Immerhin ist das neue Projekt ein wichtiges Zugeständnis an Polen, da höchstwahrscheinlich die drei Staaten schon jetzt für wicderwählbar erklärt werden. Mehr wird Polen nicht verlangen und mehr wird es nicht erhalten. Eine unbedingte Garantie, daß Wiederwählbarkeit mit Wiederwahl gleichgestellt sein wird, kann und wird man ihm nicht geben. Erheblich schwieriger wird es sein, Spanien zu befriedigen. Es fchemt sich mit der Erklärung Palacios aus dte Forderung eines ständigen Ratssitzes vollständig f e st g e l e g t zu haben, und niemand weiß genau, was es lun wird, wenn ihm dieser Wunsch von der Studienkommission abermals abgeschlagen werden wird. Es wird sogar' immer mehr damit gerechnet, daß Spanien sich aus dem Völkerbund ganz zurückzieht. Es ist zwar niemandem wohl bei diesem Gedanken und Iseutsch- land würde einen solchen Entschluß Spaniens sehr bedauern, aber es erscheint ausgeschlosien, daß dte Mächte in diesem Punkt nachgeben und damit die ganzen Dorschlöge der Studienkommission umwerfen. Spanien versucht noch immer, das Geschäft Tanger- R a t s s i tz in den nächsten Tagen zu machen; es wollte noch vor der Tagung des Bölkerbundsrats eine Tangerkonferenz auf die Beine bringen. Bis heute steht zwar noch nicht endgültig fest, wie sich Frankreich und England zu diesem Ansinnen stellen, aber es wird allgemein angenommen, daß sie diese spanische Anregung, die von Mussolini unterstützt wird, zurückweisen und jede Ber- quickung des Tangerproblems mit dem des Ratssitzproblems ab- lehnen werden. Achnlich wie im Fall Brasilien ist auch im Fall Spanien dos faschistische Italien die treibende Kraft. Trotzdem hält man es nach wie vor für ausgeschlossen, daß Spanien dem Beispiel Brasiliens folgen und die Ausnahme Deutsch- lands verhindern wird. Denn die spanischen Staatsmänner haben in dcn letzten Monaten mehrfach versichert, daß Spanien sein Wort gegenüber Deutschland hallen und aus der Ablehnung seiner Forde- rung nur die eine Konsequenz ziehen werde, sich aus dem Rat zurückzuziehen. Natürlich sind neue Auseinandersetzungen nicht völlig ausgeschlosien, und gerade auf französischr Seite sind in letzter Zeit harte Worte über die Gefahr eines italienisch-spanischen Angriffes auf den Völkerbund gefallen. Nur steht diesmal eine geschlossene deutsch-sranzöfisch-englische FroNt da, vor der Mussolini zurückweichen dürste. Sine spanische Erklärung. Der spanische Außenminister Jangua» veröffentlicht ein« Be- gründung der spanischen Forderung, daß Tonger(unter Verbot seiner Befestigung) der spanischen Marokkozone einverleibt werde; die Er- tlarung sogt dann, daß eine Mandatserteilung durch den Völkerbund nicht in Frag« komm« und fährt fort: Die auf der falschen Voraus- setzuug, daß Spanien um dieses Mandat ersucht Hab«, gegründeten Schlußfolgerungen sind infolgedessen durchaus unzutreffend. Der Zusammenhang, der nach spanischer Meinung zwischen der Tanger- frage und Spaniens Stellung im Völkerbund existiert, beruht nicht auf dem Gedanken eines vom Völkerbund erteilten Man- dats, er ist vielmehr durch den Umstand bedingt worden, daß ein« neue Prüfung des Tangerproblems in dem Augenblick vorgenommen wurde, wo Spanien um das Opfer gebeten wurde, trotz der Nichterfüllung seiner rechtmäßigen Forderung eines ständigen Ratssitzes im Bölkerbund zu bleiben. Manüatsgebiet Oesterreich. Abhängig vom Genfer Finanzkomitee. Wien, 39. August.(Eigener Drahtbericht.) Unter dem Ein- druck des Sparkasientages, der sich zu einer gewaltigen Kundgebung gegen die Regierung gestaltete, und der für Dienstag vorgesehenen Parlamentsdebatte über den Antrag der Sozialdemokraten auf Er- Hebung der Anklage gegen die Regierung werden am Montag Gerüchte verbreitet, daß die Regierung in den nächsten Tagen zurücktreten werde. Diese Gerüchte werden am Abend in der bürgerlichen Presie zwar dementiert, aber in sehr vorsichtiger Form. So erklärt die»Neue Freie Presse", Bundeskanzler Romek werde jedenfalls noch zur Dölkerbnndstogimg nach Gens fahren. Das Schicksal der Regierung hängt also offenbar davon ab, wie ihre Forderungen von dcn maßgebenden Faktoren des Völkerbundes. vor allein vom Finanzkomitee, ausgenommen werden. Diese Forderungen bestehen vor allem darin, daß der Völkerbund Oester- reich die restlichen Bölkcrbuitdskrcdite. die noch immer in einer Schweizer Lank liegen, für produktive Ausgaben freigibt und der österreichischen Regierung g e st a tt e t. den Forderungen der B e- a m t e n entgegenzukommen. Der Kampf gegen üen Faschismus. Tie Popolari im Auslande organisieren sich. Paris. 39. August.(Eigener Drahtbericht.) In Paris lebende Angehörige der katholischen Partei der Popolari haben den Ge. danken aufgegriffen, einen Appell an dl« emigrierten politischen Freund« zur Gründung eines allgemeinen Bundes der im Ausland lebenden italienischen Popolari zu richten. In den europäischen Gast. löndern der italienischen Emigration, insbesondere in Frankreich. gibt es mebrere Zehnlausende Arbeiter. Bauern und An- gestellte, die, als sie noch in Italien lebten, der Popolaripartei an- gehörten. Neue Verfolgungen. Ehiasio, 39. August.(Eigener Drahtbericht.) Kaum sind die 999 Verhafteten von Verona und Umgebung freigelassen und schon hat man wieder in der ganzen Provinz zahlreiche neue Verhaftun- ge vorgenommen. Die Wut gegen Rabindranath Tagore. In Italien ist eine schmachvolle Pressekampagne gegen den in- dischen Dichter und Weisen Rabindranath Tagore eröffnet worden. Der Faschismus hatte der ganzen Welt vorgelogen, Ta> gare sei ein Bewunderer des Duce. Durch die klaren und kate- gorischen Erklärungen jedoch, die Tagore nunmehr abgegeben Hot (auch unsre Leser kennen sie), ist die Wahrheit offenbar geworden. Der„Sera" in Mailand hat nun für den Dichter die schmückenden Titel:»Konkurrenz in der Volkstümlichkeit mit dem Tennis-Cham- pion Suzanne Lenglen",»lyrisch« Karikatur",»Abbild eines Kupplers",»von hysterischen Weibern Verhiinmelter", »kleiner grotesker Dichterling",„lzistrione" aus dem Köcher geholt, Titel, die wir nicht weiter fortsetzen wollen, um aus der Zeitung kein Schimpfwörterlexikon zu machen. Im Wilna-Gebiet kam es unweit der litauischen Grenze zu blutigen Zusammen st öß�n zwischen Bauern und polnischen Soldaten. Dabei wurde ein Soldat gelyncht, während bei Aiigustowo ein Einwohner von polnischen Soldaten getötet wurde. Die polnischen Behörden haben Massenverhoftungen vor- genommen. Kommunistenprozeß tu Polen. In den nädjften Tagen wird in L u z k ein Prozeß gegen etwa 1S9 Kommunisten beginnen. Di« hl der Zeugen beträgt rund S99. Den Angeklagten werden läubereien und Gewalttaten vorgeworfen. Umgruppierung in Prag. Eine neue Epoche der tschechischen Politik. Von Jvsef Hasbauer, Prag. Mit dem Beschluß des Bollzugsausschusses der tschechischen Sozialdemokraten, an keiner Mehrheitsbildang teilzunehmen und die Zusammenarbeit mit den deutschen Genossen anzu- streben, wird tatsächlich ein« neue Epoche der prole- tarischen Politik in diesem Staate eingeleitet,— ja mehr noch: dieser Beschluß ist Ergebnis und Ausdruck einer gewaltigen Wandlung der tschechoslowakischen Innenpolitik überhaupt. Nicht das in diesem Augenblicke von entscheidender Be- deutung, ob der von den tschewoslowatischcn Sozialdemokra- ten für notwendig gehaltene Linksblock, der außex den beiden sozialdemokratischen Parteien auch die tschechischen Nationalisten, eine kleinbürgerlich-proletarische Mischpartei, und die im Parlamente nicht vertretene„Arbeitspartei" um- fassen soll, in dieser Form zustandekommt, ja ob er so über- Haupt möglich ist, sondern daß die tschechischen Genossen, die Folgerungen aus der Entwicklung der wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse ziehend, den allnationalen Koali- tionsgedanken verabschieden und die Zusammenarbeit mit den deutschen Sozialdemokraten als notwendig erkennen. Damit wird die erste Epoche der Innenpolitik der Tschechoslowakei abgeschlossen, die Epoche des Zusammen- gchens und Zusammenwirkens aller tschechoslowakischen Par» teien,— eine Epoche, deren Ende sich schon in den Zoll- kämpfen und in der Bildung einer tschechisch-deutschen Bürgermehrheit ankündigte. Während der Kämpfe um Kon- Srua und Zölle mochte die Erneuerung der allnationalen oalition nach Abschluß dieser Kampagne noch als möglich erscheinen. Aber da sich das Bürgerbündnis bewährt hat, da sich zeigte, daß deutsche und tschechische Bourgeoisie allem natio- nalen Gegensatz zum Trotz sehr wohl gemeinsame Geschäfts machen können, wurde die Freundschaft auch nach dem Ein- bringen der Zollernte nicht gekündigt, sondern es setzten so- fort Bemühungen ein, sie auch für die Herbstsession, in der um die S t e u« r r e f o r m zu kämpfen sein wird, lebendig zu erhalten. Das Bürgertum beider Nationen läßt sich durch" den Nationalismus seiner Macht nicht beirren. Die all-' nationale Koalition gehört damit der Vergangenheit an. Daß die Entwicklung diesen Weg gehen müsse, davon waren die deutschen Sozialdemokraten stets überzeugt. Sie sahen die allnationale Politik als Ergebnis der allen Schichten des tschechischen Volkes gemeinsamen Unfreiheit im ehemalt- gen Oesterreich und des gemeinsamen nationalen Befreiungs- kämpfe?, sie sahen sie als Ergebnis der geringeren Klassen- disferenzierung im tschechischen Volke, eine Folge des später als im deutschen Volke einsetzenden Prozesses der Jndustriali- sierung, und sie waren davon überzeugt, daß im neuen Staate der Tschechen, daß nach der Erlangung der staatlichen! Selbständigkeit die Entwicklung eines tschechischen Kapitalis-" mus und damit die K l a s s e n s ch e i d u n g viel rascher vor sich gehen werde. Zu langsam für unsere Ungeduld, die gerne viel früher die internationale proletarische Klassenfront hergestellt gescher, hätte, aber doch rascher, als man vor wenigen Jahren noch zu glauben wagt«, sind diese Erwartungen erfüllt worden. Zwar lebt noch die nationale Phrase, zwar erschallen noch in allen Gassen nationalistische Schlagwort«, aber sie sollen nur ver- hüllen, was geschieht: die politische Orientierung aller Par- teien nach ihren KlassLninteressen. Die tschechischen Bauern, die als revolutionäre Gruppe in dcn Kampf um die Schaffung und Gestaltung des Staates eintraten, sind k o n s e r va t i v geworden. Die Bodenreform hat, soweit dies überhaupt möglich war, ihren Landhunger befriedigt. Darum sind sie von der Seite der Arbeiter, mit denen sie nach den ersten Wahlen, unter der Ministerpräsidentenschaft des Genossen T u s a r, die Regie- rnng gebildet hatten, abgerückt und an die Seite der Bour- geoisie marschiert. Das Bürgertum ist gewaltig.erstarkt. Aus bescheidenen Anfängen zur Zeit der Staatsgründung ist das tschechische Finanzkapital z« einer bedeutenden Macht empor- gewachsen. Es übt heute, geführt von der Zivnostenska banta, großen Einfluß nicht nur auf die tschechische, sondern auch auf. die deutsche Industrie aus. Das tschechische Industriekapital ist, begünstigt vom Staate, der selbstverständlich die nationale Industrie nach Kräften förderte, heute ein ganz anderer Machtfaktor als m den Tagen der Staatsgründung. Was die tschechische Bourgeoisie durch die allnationale Koalition erreichen konnte: wirtschaftlich« Ausdehnung im ganzen Staatsgebiete, Etablierung seiner Klasienwirtschaft, das ist erreicht. In der Zeit seiner Entwicklung konnte das tschechisch« Bürgertum den Arbeitern auch mancherlei sozial- politische Zugeständnisse machen. Jetzt aber kann es ver- mehrte Profite nur auf Kosten der Arbeiter erzielen, durch Gestaltung der Zoll- und Steuerpolitik nach seinen Bedürf- nissen, durch Abbau der Sozialpalitik. über deren Lasten es von Tag zu Tag lauter klagt. Widersetzen sich die Arbeiter solchen Wünschen, dann sind sie nicht mehr bundnis- fähig. Das deutsche Dürgertum sieht Mar keine einzige seiner nationalpolitischen Forderungen erfüllt,— aber soll es sich deswegen Profite entgehen lassen, aus Geschäfte verzichten, die Möglichkeit der Ueberwälzung der Staatslasten auf die Arbeiterschultcrn verzichten? Lang genug mußte es sich darauf verlassen, daß die tschechische Bourgeoisie in der Koali- tion stark genug sein werde,„das Schlimmste", nämlich allzu große Berücksichtigung der Arbeiterinteressen, zu oerhüten. Die deutschbürgerlichen Parteien hatten auf dem Wege in die tschcchisch-deutsche Bllrgergemeinschast keine ernsten seelischen Kämpfe zu bestehen. Freilich gibt es noch im Bürgertum beider Nationen Strömungen, die mit dieser Wandlung nicht ganz zufrieden sind. Die deutsche Nationalpartei nicht, weil die ihr angehörenden Intellektuellen und die Kleingewerbe- treibenden keinen Borteil davon haben. Aber die Fabrikanten, die in ihr sehr großen Einfluß haben, sind empört darüber, daß sich die Partei durch ihr Verharren in der Opposition von der Mitbestimmung über die Wirtschaftspolitik ausgeschaltet hat. Auf tschechischer Seite sind es die N a t i o n a l d e m o- k r a t e n, die dieser Wendung der Politik mit sehr gemischten Gefühlen gegenüberstehen. Sie wollen lieber allein herrschen, über die Arbeiter der eigenen Nation und über die nationalen Minderheiten. Wozu haben sie denn an der Schaffung des selbständigen Tschechenstaates mitgewirkt? Darum ihre För- derung des t s ch e ch i s ch e n F a s ch i s m u s, die so gar nicht übereinstimmt mit dem Namen der Partei! Aber da der Faschismus nicht nötig ist, wenn sich deutschbürgerliche Par- teien zur gemeinsamen büraerlichen Klossenpolitik bereitfinden, ohne daß der tschechische Nationalcharakter des Staates da- durch gefährdet wird, habe» die anderen tschechischen Bürger- Parteien ihre Sympathien für den Faschismus einstweilen zurückgestellt. Gemeinsam mit dem Faschismus ist aber fast dem ganzen tschechischen Bürgertum die Abneigung gegen die„B u r g". Die„Burg"(der Hradschin, wo der Präsident der Republik residiert), das ist M a s a r y k und das ist B e n e s ch. Zwar hat der Präsident keineswegs soviel Macht, daß er die Politik entscheidend beeinfluffen könnte, aber er war und ist ein Gegner des nationaldemokratischen Führers Dr. K r a m a r s ch. er steht den Sozialisten näher als dem Bürgertum, und es ist ein Widerspruch zu den gewandelten Machtverhältnissen, wenn auf der Burg ein Mann residiert, der nicht Exponent des nun den Staat beherrschenden Bürgertums ist."Bindet die Pflicht des Dankes gegen den Mann, der mehr als irgend ein anderer getan hat für die Erringung der staatlichen Selbständigkeit, und die Achtung vor dem Ansehen, das Mafaryk in der ganzen Welt genießt, noch einigermaßen die Zungen der Gegner der Politik der„Burg", der man in nationalen Kreisen die Hauptschuld an der Enthüllung des Gajda-Skandals beimißt, so können sie um so rück- sichtsloser gegen Dr. Benesch vorgehen, der Masaryks Mit- arbeiter seit der Organisierung der tschechischen Auslands- revolulion ist. Dr. Venesch ist Mitglied einer Partei, die in der Opposition steht— und ist dabei Minister! Dr. Benesch sprach in den Iugendtagen der Republik, die nun schon so unendlich weit zurückzuliegen scheinen, in einer Polemik gegen Kramarsch von der alten und von der neuen Generation, er muß nun von der„alten Generation", vom Bürgertum, das 'wieder zur Macht aufgestiegen ist, als Feind betrachtet werden. Auch im Kampfe gegen Mafaryk und Benesch kommt die Crstarkung der Kräfte des tschechischen Bür- g e r t u m s zum Ausdruck. Auf allen Linie» sammelt sich das Bürgertum zum gemeinsamen Kampfe gegen die Ar- beiter, zur gemeinsamen Ausbeutung des Proletariats aller Nationen mit Hilfe des Staates, den es zu diesem Zwecke sich ganz dienstbar machen will. Freilich, das große Staats- Problem, die nationale Frage, wird durch die tschechisch- deutsche Bürgerkoalition nicht gelöst werden, aber man weicht eben diesem Problem aus, man vertagt feine Lösung und benützt, dieweil man sich mit dem Bürgertum der„feindlichen" Nation über die gemeinsamen Klasseninteressen verständigt, den Nationalismus weiterhin als Kampfmittel gegen die „nationsfeindlichen", weil internationalen Sozialdemokraten. Die Etablierung der unverhüllten Klassenherrschaft des Bürgertums beider Nationen führt zwangsläufig zur Zu- sammenfassung der proletarischen Kräfte aller Nationen. Denn es ist selbstverständlich, daß die deutschen Sozial- demokraten zur gemeinsamen Arbeit mit den tschechischen Genossen bereit sind. Es wird gewiß noch manches Hindernis zu überwinden sein, ehe die durch eine ganz verschieden geartete Politik bedingte Entfremdung zwischen tschechischen und deutschen Sozialdemokraten ganz überwunden sein wird, aber sie wird überwunden werden, weil das Lebensinteresse der Arbeiter beider Nationen es erfordert. Der„neue ttationalismus*. Vereinigung von Mördern und Mördcrfreunden. Die Stahlhelm-„Standarte", die das M ö rd e r p a n i e r erhob, ist auf drei Monate oerboten worden, weil sie gegen das Gesetz zum Schutz der Republik verstoßen hatte. Diejenigen aber, die sich um das Banner der Schulz und Tillessen, der Kern und Fischer, der Mörder Erzbergers und Rathenaus, zu scharen gewillt sind, haben schnell einen Ausweg gesucht und gesunden. Es erschien nämlich bisher schon in München unter Ausschluß der Oeffentlichkeit eine Wochenschrift, die den Namen„Arminius" trägt und als Nachfolger des entschlafenen„Völkischen Kuriers" anzusehen ist. Herausgeber dieses völkischen Blattes ist ein gewisser W i l h e l in W e i ß, der früher den„Völkischen Kurier" und vordem das Escherisch-Blatt leitete. Cr ist demnach der rechte Mann, die Mörder-„Standarte" trotz des Verbotes hochzuhalten. Zu diesem Zweck hat er jetzt den Heraus- geber der verbotenen„Standarte", Hellmuth Franke, als Mitherausgeber des„Arminius" bei sich ausgenommen und bringt auch gleich zwei Artikel von „Stondarten"-Redaktcuren in seinem Wochenblättchen. Da- mit kein Zweifel über den Sinn dieser Solidaritätserklärung entstehen kann, wird in dem Leitartikel die VerHerr- lichungderMordbuben gleich noch einmal wiederholt: „Wer nicht tapfer war und je sein wird, Hot auch kein Ver- ständm» für Märtyrertum, von dem der Spießbürger nicht die Größe, sondern höchstens das Schauspiel zu sehen oermag und vor dessen sieghafter Ueberwmdungsmacht er Angst hat. So hat also Herr H ö r s j n g, der derzeitige Oberpräsidcnt der Provinz Sachsen, die frontsozialistischc Schrift„Standarte"... aus drei Monate verboten. Und warum? Nur deshalb, weil in einem Aussag .Nationalistische Märtyrer" neben Schlageter auch jene vier, die sich aufgeopfert haben, um zwei Haupthasser der Front- lcistung, Erzberger und N a t h e n a u, an ihrem weiteren Wirken zu hindern, mit Worten gewürdigt werden, aus denen hervorgeht, daß Blut doch noch dicker ist, wie Menschengebote! Jeder weih, mit welcher Hunds- gemeinen Gesinnung die Spicßbürgerpresse aller Partelen seinerzeit die Täter deschimpsten, wie sogar die Totengräber sich weigerten, aus schwarz rotgelber AerHeHung auch nur die Körper von Fischer und Kern zu beerdigen, obwohl dies« ihre Tat durch Freitod gebüßt hatten. Wie damals das De. mokratenpack nur die Mörder sah, aber geflissentlich vergoß, daß diese beiden Männer vier Jahre mit ihrem Blute Volk und Baterland verteidigt hatten! Wer war wertvoller: Rathenau oder sein Richter, der Arontsoldot?... Um so tapferer und treuer berührt uns das mannhafte Eintreten der„Standarte" für jene Männer, die auch heute noch unsere Kameraden sind und es ewig bleiben werden! Mögen die Severing und Genossen eine Ver- herrlichung von Mördern republikanischer Größen darin erblicken: Rlärtyrer waren es und deshalb gehören sie zu uns." Die Verherrlichung der Mordbuben wird also jetzt i ein System gebracht, das man als„N euen Nationalis- m u s" firmiert. Zwar wird das„Märtyrertum" der Kern und Fischer— die sich bekanntlich den„Freitod" erst gaben, als sie von Kriminalpolizei u m st e l l t waren und eine weitere Flucht daher nicht mehr möglich erschien— durch die Andeutung entwertet, daß sie das„Opfer schwarz- rotgelber Provokateure" geworden seien. Aber diesen Widerspruch werden die illusionsberauschten„neuen Nationalisten" kaum merken. Uebrig bleibt nur. daß die- jenigen, die feige Meuchelmorde organisierten und ausführten und dann schleunig st die Flucht ergriffen, nachträglich als nationalistische Helden und Märtyrer gefeiert werden. Wenn es„Frontgeist" ist, daß man politische Gegner aus dem Hinterhalt niederknallt", sie„killed", wie der Fachausdruck dieser Mörderkumpanei lautet, so werden die Millionen von Front- kämpfern, die einst mit diesen Burschen gemeinsam den feld- grauen Rock getragen haben, sich mit Ekel von der Verwahrlosung abwenden, die mit dem„Front- soldatentum" jetzt getrieben wird. Westarp und Stresemann. Die Avancen des dentschnationalen Führers. Das rechtsradikale„Gewissen" hatte die Frage gestellt, ob es richtig sei, daß Graf Westarp bei Schluß der Session dem Außenminister Stresemann habe sagen lassen, die deutschnationale Partei würde an seiner Person und Politik keinen Anstoß nehmen, falls ihre Heranziehung zur Regierung in Frage käme. Graf Westarp hat darauf erklärt, es handle sich um„unkontrollierbare Informationen". Dazu bemerkt das„Gewissen": „Aber wir sind ganz zufrieden, wenn Graf Westarp bei anderer Gelegenheit erklärte, daß er es ablehne, zu seinen Avancen gegenüber Stresemann positiv oder negativ Stellung zu nehmen." An die Konstatierung, daß die Information über die „Avancen Westarps gegenüber Stresemann" richtig gewesen sei, knüpft das„Gewissen" den Rat, die Fühlung der'Rechts- Parteien unabhängig von dem Fraktionsinter- esse an der Regierungsbeteiligung herbei- zuführen._ Das Reichsausnahmegesetz. Der Reichsinncnminister rückt ab. Unsere Mitteilungen über den Inhalt des Gesetzentwurfs für die Ausfllhrungsbestimmungen zu dem Artikel 48 der Rcichsver- fassung haben den Reichsinnenmini st er überrascht und ollem Anschein nach peinlich berührt. Der Minister rückt von dem Eni- wurs ab. Es soll sich bei dem Entwurf vorläusig nur um die Arbeit eines Referenten handeln, mit dem der Rsichsinnenminister sich nicht identifiziere. Der Minister betrachtet den Entwurf nur als eine Grundlage zu Verhandlungen mit dem Reichs- wehrministerium und dem Reichsjustizministerium. Dies« merkwürdige Haltung des Ministers gegenüber einer von seinem Ministerium hergestellten Berhandlungsgrundlage zeigt besser als alles andere, wie notwendig die von uns an dem Entwurf geübte Kritik war. Wir können es dem Minister nachfühlen, wenn er den Wechselbalg nicht plötzlich adoptieren will. Das Aus- führungsgesetz zu dem Artikel 48 muß ein ganz anderes Gesicht bekommen, wenn es sich vor dem Reichstag sehen lassen will. Ein Gesetz, das die mit dem Artikel 48 verbundene Gefahr der M i l i- t S re d i k t a t u r nicht restlos beseitigt, sondern sozusagen noch legalisiert, hat seinen Zweck oerfehlt. Ein Romantiker des Krieges. Von Hans Bauer. Ueber eins ist gar nicht zu diskutieren: Ueber den völligen Mangel an Intellekt in den Rechtsbewegungen. Da» soll gewiß nicht heißen, daß alle Nationalisten Heupserd« wären, aber es fehlt in ihrem Lager durchaus jener besondere geistig« Typ. der, nicht beamtet, aber auch nicht oerliteratet, in die oft trockene Tagespolitik Esprit und tiefere Beziehungen hineinträgt. Man wird diesen Typ für de» praktischen Verlauf des politischen Geschehens nicht über- schätzen dürfen, aber man soll ihn doch auch nicht unterschätzen, und die Parteien brauchen sich seiner gewiß nicht zu schämen. Nun ist aber ein Wunder geschehen, denn seit einiger Zeit existiert auch rechts sozusagen ein Sachwalter des Geistes und er heißt Emst Jünger und gibt die„Standarte" heraus. Im Ansang mochte es scheinen, daß dieser Mann ein publizistisches Tempera- ment sei, dessen patriotische Salti der Georg-Groß-Vlsage des Nationalismus doch auch etwas sympathischer« Züge verleihen könnten. Aber allmählich kommt man doch immer mehr dahinter, daß dtejer Jünger nur einer Hugenbergs und Bacmetsters ist. Ernst Jünger hat's mit dem Krieg. Er kann ihm alles ver- zeihen, bloß dies nicht, daß er zu Ende Ist. Die oergasten Lungen, abgefetzten Beine, ausgebrannten Augen haben ihm gewaltig im- paniert, und er hat's nun, endlich, auch herausgebracht, welchen Sinn all die Viechereien hatten, die die Völker Europa, an sich ver» übten. Nämlich, der Sinn des Krieges war es,„ein neues Lebens- gefühl zu wecken". Nun bestand dieses„neue Lebensgesühl" ja allerdings darin, daß man es dazu benutzte, sich gegenseitig mit Hits« von Blei, Feuer und Eisenspllttern auszureden, daß es zu Recht bestehe. Aber die davon Betroffenen dürfen das nicht gar so tragisch nehmen und ihre Bertrüppelung oder ihren Tod nicht etwa miß- verstehen: der Herr Jünger kommt daher und weist ihnen nach. daß das alles nur eben eine Begleiterscheinung seiner patentierten Lebensgefühlserweckung war. Mit„dem Sterben der Millionen" wiederum Hot es die» auf stch, daß es keineswegs sinnlos war. „Denn," so sagt Herr Jünger und das ist nun freilich ein überaus schlüssiger Beweis, den er da führt, denn„eine Weltanschauung, die eine Sinnlosigkeit In diesem Sterben sieht, muß gottlos, geistlos, herzlos fein." Na, und damit wäre also die Flucht in die schlechte Meinung über den Krieg durch solch« schwere, von Herrn Jünger persönlich geschleuderte Vorwürfe endgültig versperrt und die Sinn- hastigkeit de» Krieges einleuchtend dokumentiert. Au» diesem Grunde ist er auch gegen«in Frankreich geladen, da» etwa Im Sinne von Barbusse regiert würde. Er wünscht eher eine de» Monsieur Barre». „denn zwischen alten Frontsoldaten sei mehr Anstand und Sauber- kelt" al» zwischen Leuten, die die Frontsoldaten überflüssig zu machen oersuchten. Für das Kriegegeist.Fronkreich. gegen das friedliche, votiert der Herr Jünger also. Aus Gründen des Mumms, aus Gründen des Wunsche» nach der Jnternationalität der Keilereige- (Innung, au» echter Liebe zur Räuber- und Soldatengaudi. Es gab ein« Zelt, da links gewisse Autoren ein wenig gar zu intensiv in O-Mensch!-Gesinnung reisten und die Hoheit des pozi- fistischen und des Völkerversöhnungsgetankens mit etwa» weit- schweifigen und blutleeren Worten gar zu literarisch aufzogen. Immerhin, geschadet haben diese Literaten weiter nicht», und wenn manch« Aehren auch taub waren, die da wuchsen, so sprossen sie doch au» dem guten Boden eine» sehnsuchtsvollen Herzens. Bei einem LIteratentum ober, das die Realität des namenlosen Kriegselends mit philosophischem Gequatsch« aus der Welt schaffen will, das mit dem„Glauben an die Idee", dem„Willen zum Opfer", der„Kraft zum Glauben" und all der Wortequilibristik und Begriffsjongliererei hantiert, womit man auf so furchtbar einfache Weise au« dem Geld- sack de» 5>crrn Hugenberg eine blau« Blume herauszaubern kann, da kommt einem wahrhaftig, um in Herrn Jüngers Landsknechts. deutsch zu reden, das große Kotzen an. Die tonangebenden Ratio- nalisten übrigens, jene, die genau wissen, was sie wollen, sicherlich auch. Aber, so werden sie sich sagen, was sollen wir diesen kleinen Handlanger nicht wursteln lassen I Denn schließlich ist der Hofnarr eine durchaus monarchische Einrichtung. Jubiläum Ser Serllner Sängerbünöe. 25 Jahre„Berliner Sängerbund": Anlaß zum Erinnern, zum Rückblick auf froh und tatkräftig geleistete Arbeit, zum Bekenntnis, im Lied, im Chorgesang weiterhin Menschen zur Einheit zu binden. Aus neun Vereinen mit Süll Sängern sind in 25 Jahren 200 Ver- eine mit 9000 Sängern geworden, Männer aus Berlin und aus der Mark. Mit dem Erstarken des Bundesgedankens wuchsen die Sehnsüchte nach musitalischer Disziplin und vollwärtigen Program. men. Felix Schmidt, Bernhard Runge. Max Stange be- zeichnen den künstlerischen und organisatorischen Hochtrieb der Bünde. Daß ihre Tendenzen stark bürgerlich-patriotischer und unter» strichen deutscher Art sind, spll ihnen hier nicht vorgehalten werden, wenngleich für uns die Arbeitersängerchöre für die Zukunft das reichere, universellere, bindendere internationale Programm aui- zuweisen haben. Da, deutsche Lied, der deutsche Sang— jawohl. Aber die Engherzigkeit kann sich rächen, sie kann zum Hemmschuh einer stolzen Bewegung werden. Vor dieser Einseitigkeit möge der Jubiläumsbund bewahrt bleiben. Das Wort„deutsch" kam in ollen Reden vor, die den Festakt in der Singakademie begleiteten. Der Oberbürgermeister B ö ß, der dem Berliner Sängerbund oft hilf» reich zur Seite gestanden bat, nahm die Ehrenpräsidenten- würde und die goldene Plakette entgegen. Boelitz, Meyer, Runge, List. Hosimann brachten Grüße und Glückwünsche, der Berliner Lehrergesangoerein einen musikaliscken Bundesgruß. Nachmittag, malerischer Festzug mit reichen Symbolen aus der Geschichte der Bereine und ihrer musikalischen Götter. Abend» sangen 3000 Sänger im überfüllten Raum der AutoHall« Werke von Schubert, Stange. Wiedemann, Mießner, Bruch u. a., unterstützt vom Sinfonieorchester. Stange hielt jugendlich und mit Schwung die große Schar zu- sammen, die sich auch gesanglich als ein großes Einheitsensemble auswies. Jedes Werk schlug ein, ein qroßes Echo de« Beifall» gab Kunde davon, wieviel Freund« der Berliner Sängerbund hier hat und welch große Freud« ihr Festtag für die Hörer war. K. S. Abefsinlsche Musiker. Auch In Abessinien gibt e» Musik und Tanz, aber sie werden in sehr eigenartiger Weise ausgeführt, wie eine Schilderung von Jean d'Esme im„Echo de Paris" zeigt.„Bor jedem von uns." schreibt er.„steht in winzigem Täßchen Kassce, dessen schweres Aroma stch mit dem süßlichen Geruch der Zigaretten mischt. und die Troubadours treten ein. Es sind sechs: fünf große schlanke Männer und eine Frau mit einem seltsamen länglichen und doch anmutigen Gesicht, die über Ihrer hohen Stirn einen ausragenden Helm schwarzer Haare trägt. Sie sind alle von Kopf bis zu Füßen weiß angezogen. Die Männer vollführen auf ihren mit einer ein- zigen Saite ausgestatteten Violine eine merkwürdig eintönige, rhyth- misch scharfe Musik, die zwischen zwei Noten hin und her zittert. Zuerst tanzt die Frau. Die Finger auseinandergestreckt, sich zur ganzen Größe ausreckend, geht sie mit kleinen spitzen Schritten vor- wärts und rückwärts, die Schultern angezogen, den Kops grade, unbeweglich: dann kniet sie nieder und läßt ihren Körper in Wellen- bewegungen kreisen. Endlich singt sie mit spitzer Stimme ein Lied, und jedem von uns zu Ehren improvisiert sie eine Strophe. Einer meiner Freunde hat das Vergnügen, verglichen zu werden„mit einem gelben und leuchtenden Kupfer, einem mächtigen erobernden Gott, gebrochen durch die Liebe". Nun singen auch die Männer, von der hohen Frauenstimme unterstützt, und unerschöpflich ist die ahl ihrer Lieder, in denen sie den Krieg preisen und die Jagd, die iebe, die Anmut und die Grausamkeit der Frau, die Taten berübm- ter Helden, die Beute eine? großen Nimrod und die fabelhaften Kämpfe eines sagenhaften Ritters." B. Die rettenden Schweden. Am 7. August schilderte uns ein Leser die Erfahrungen eines Republikaners an der Ostsee: schwarz- weißrote Propaganda von der Flagge am Strandkorb bis zur Druck- firma des Fohrplans der Greisswalder Kleinbahnen:„Druck Königliche R e g i e r u n g s buchdruckerei in Stralsund". Und das unter den Augen des Regierungspräsidenten von Stralsund, Dr. Hausmann, der ein aufrichtiger Republikaner ist. Aber diese„Königliche Regierungsdruckerei" kann er nickt ändern: denn es handelt sich nicht um eine königlich preußische, sondern um eine.Königlich schwedische Regie- rungsbuchdruckerei". Worauf die monarchistische Propaganda doch nicht vcrsällt! Kann man in der Republik sich nicht gut als Regierungsdruckcrei des Königs von Preußen bezeichnen, so führt man mit Stolz den Titel einer königlich schwedischen Regierungsbuchdruckerei. Man weiß ja, wie es gemeint ist— dank der rettenden Schweden. 3 Millionen Heringe an einem Tage. Di« Heringsfischerei in England erzielt in diesem Jahre erstaunlich große Erträge. So brachten die 80 Boote, die in Norch Shields dem Fange obliegen, an einem einzigen Tag« die Riesemneng« von 3 Millionen Fischen ans Land. Dos war mehr als der gesamte Ertrag der ganzen Fischerei in der vorigen Saison. Infolge des großen Angebotes sind die Preise sehr gesunken, und ein großer Teil der Fisch« war unoerkSuflich. Nn cehraufira» fttr dl« Friedensbewegung. Der Vrofessor an der Berliner Handelshochlchule, Walter Dchücking. M. d. R.. Hai den Lehrstuhl sür Völkerrecht an der Univeriliät Kiel angenommen. Seine Proseffur wird mit einem neu aeschastenen Lehraultrag fat.geschichtliche Entwicklung der internationalen Friedensbewegung' verbunden. Kein sächsischer Sürgerblock. Die Demokraten wollen nicht. Aus Sachsen wird dem„Dematratischen Zeitungsdienst" ge. meldet, daß ein positiver Ausgang der dortigen Bestrebungen nach einer bürgerlichen Einheitsfront für die kommenden Londtagswahlen als„recht unwahrscheinlich" betrachtet werden muh:«Bei den Aussprachen, die von dem sächsischen Landes- bürgerrat veranstaltet werden, treten die Forderungen der sächsischen Wirtschast sehr stark in den Vordergrund. Neuerdings sollen die Wirtschastsverbände 20 Proz. sämtlicher Landtags- k a n d i d a t e n für sich beansprucht haben." Das demokratische Organ weist gleichzeitig darauf hin, daß die bürgerlichen Gewcrkschaftsorganisationen bisher zu den VerHand- lungen überhaupt nicht hinzugezogen wurden. die neutrale Reichswehr. Feiert Stahlhelmfest. Prenzlau, 3». August.(Eigener Drahtbericht.) Am Sonntag, den 29. August, fand hier zur Erinnerung an die Schlacht bei Tannenberg ein Sportfest des Stahlhelms statt. Es beteiligten sich neben Stahlhelm, Werwolf, Iugendlandbund, Bismantjugend auch die 7. Kompagnie des fünften Infanterie- r e g i m e n t s. Noch den sportlichen Westkämpsen am Vormittag liehen es sich Hauptmann H a m p e und Oberleutnant v. Schwein nicht nehmen, gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Stahlhelm, Stadtrat Klette, in einem Landauer der Reichswehr nach Hause zu fahren. Am Nachmittag«fand eine Versammlung statt, in der nach einem Dortrag des Bundesgeschäftsführers v. Morozowitz eine Entschließung angenommen wurde, die sich gegen das Verbot der Bundeszeitung des Stahlhelm durch den Oberpräsidenten Hörsing wandte. Der deutschnationale Landrat v. Lettom- Vorbeck wird dem Stahlhelm wohl kaum die gehörige Antwort geben. Erzberger-Geöenkfeier. Zum Jahrestag seiner Ermordung. Stuttgart. 30. August.(Eigener Drahtbericht.) Am Sonntag veranstaltete das Reichsbanner Ulm am Grabe Erzbergers ' in dessen Heimatstadt B i b« r a ch eine eindrucksvolle Gedenkfeier. Die Gedächtnisrede hielt Kamerad Rechtsanwalt Dr. Witzig» mann-Ulm. Er zeichnete ein Lebensbild Erzbergers und wies darauf hin, daß in dem Toten«in Mann von ungewöhnlichem For- mat dem Volk genommen worden sei. Die Tätigkeit Erzbergers und ihr« Bedeutung für di« Einheit des Reiches w«rd« erst in spät«rer Zest einmal anerkannt werden. Die Republikaner ehrten sein Andenken am besten, wenn sie wie er unerschrocken für eine freie, soziale, demokratische Republik weiterkämpften.— Ein Kom- inando des Führers: die Fahnen senkten sich, und unter gedämpftem Trommelklang erfolgte die Niederlegung eines grohen Lorbeer- krantzes mit schwarzrotgoldener Schleife, deren Inschrift lautete: „Dem zu früh gefallenen Minister Erzberger in dankbarer Erinne- rung der Bundesvorstand des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold." Das Reichsbanner stand still, die Führer salutierten. Die württembergische Regierung und das Reichskabinett hatten von der Veranstaltung keine Notiz genommen. Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Ortsgruppe Reutlingen, wird im Herbst am G cburl- hause E r zi> er ge rs in Otten- hausen eine künstlerische Gedenktafel aus Bronze anbringen lasten. Mst der Enchüllung soll ein größerer Aufmarsch de, Reich». banners, verbunden mit einer republikanischen Kundgebung, statt- finden. Di« Gedächtnisrede wird der Zentrumsabgeordnete Dietz. der bei dem Attentat selbst durch zwei Reoolverschüste in die Schul- ter verwundet wurde, halten. Agrarische tzetze. Landbundmänner und Hochwasserschäden. Die Vertrauensmänner des Landbundes Westpriegnitz haben vor einigen Tagen eine Entschließung gefaßt, nach der„mit Entrüstung" von den angeblichen Bestrebungen der Preußischen Regierung Kenntnis genommen wurde,„die Hilfe des Reichs für die Hochwassergeschädigten auszuschalten und einen direkten Schadenersatz für die vom Unglück Betroffenen abzulehnen." Amtlich wird hierzu mitgeteilt: Selbstverständlich geht diese Entschließung von absolut unzutreffenden Voraussetzungen aus. Die Staatsregierung sieht es als eine ihrer wichtigsten Aufgaben an, den Hochwastergeschädigten über den Rahmen der bisherigen Staats- beihilsen hinaus auch weiterhin fühlbare Hilfe zu leisten. Hierbei ist sie nicht nur noch bestrebt, die Hilf« des Reichs auszu- schalten, vielmehr ist sie ständig bemüht, eine wirksame Mit» Hilfe des Reichs auf finanziellem Gebiet mit möglichster Beschleunigung herbeizusühren. Die rumänische Schanüe. DaS Land des elendesten Terrors. In den letzten Tagen berichtet das große französische Blatt „Quotidien", daß die rumänische Liga für Menschenrechte wegen der rumänisch-bulgarischen Zwischenfälle eine Eingabe an den Völker- bund gemacht hat. Dieser Schritt ist begrüßenswert und überhaupt dazu angetan, die Oeffentlichkekt auf die Zustände hinzulenken, die seit Monaten große Teile der rumänischen Bevölkerung in Unruhe und Angst versetzen. Rumänien mit einer Gesamtbevölkerung von etwa 16 900 000 Einwohnern hat eine starke bäuerliche Bevölkerung(81,6 Proz. Bauern, 18,4 Proz. Städter). Von den neu erworbenen Gebieten entfallen 5 200 000 Einwohner auf Siebenbürgen, rund 800 000 auf die Bukowina, 3 000 000 auf Bessarabien. Rumänien hat, das ist bei der Beurteilung der Vorgänge in der letzten Zeit wichtig: 12 000 000 Rumänen 800 000 Deutsche 1 424 260 Magyaren 900 000 Juden 250 000 Türken 200 000 Ukrainer. Der Rest sind Polen. Bulgaren, Russen, Armenier, Griechen und Zigeuner. Jeder Versuch der arbeitenden Schichten, sich zu organisieren, wird nicht nur im Keime erstickt, er ist auch mit ungeheuerlichen Strafen belegt. Ein Arbeiterbibliothekar wurde wegen Besitzes sozialistischer Literatur zuäJahrenGefängnisverurteilt. Was da als Justiz ausgegeben wird, lehrt das Urteil des Kriegs- gerichtes der 4. Armee, welches eine» Leutnant, der wegen Fahnen- flucht und Fälschung öffentlicher Urkunden angeklagt war. frei- sprach, während das Kriegsgericht der 2. Armee einen„Gemeinen" wegen Fahnenflucht zu SJahr« n Zuchthau» verurteilte. Tief leuchtet in die rumänischen Zustände der Czernowitzer Riesenprozeß gegen die besiarabischen Bauern hinein. Dort standen Ansang Juni 36 Bauern aus dem bestarabischen Bezirk Chotin und aus der Bukowina wegen angeblicher Vorbereitung der Revolution und Beziehungen zu einer auswärtigen feindlichen Macht (Sowjetruhland) vor Gericht. Fast ein Jahr lang hatte man sie in Untersuchungshaft geHallen. Me Methoden Mittelalter- licher Tortur hatten sie durchkosten müssen. Bei den im vorigen Jahr erfolgten Wahlen zu den Landwirtschaftskammern hatten sich insbesondere die Bauern dieser Gegenden den Haß der Siguranza(„Sicherheitspolizei") dadurch zugezogen, daß sie es wagten, gegen die Regierungskandidaten zu stimmen. Sofort nach Abschluß der Wahlen nahm die Polizei etwa 100 Verhaftungen unter den Bauern vor. Alle wurden barbarisch verprügelt(in Rumänien ist die Prügelstrafe noch heute gesetzlich!). Gegen 9 wurde das Verfahren gleich eingestellt, 5 gelang es zu fliehen, und 36 standen jetzt vor dem Czernowitzer Militärgericht. Die Verhandlung ergab, daß man sich eines Halbidioten bediente, um den Vorwand zur Verurteilung zu finden. Nach sieben Ver- Handlungstagen wurden dem Gerichtshof nicht weniger als 2 68 Schuldfragen zur Beantwortung vorgelegt. Nach fünfstündiger Beratung verurteilte man zwei Angeklagte zu acht Jahren schweren Kerkers, einen zu sieben Iahren, zwei zu sechs Iahren, drei zu fünf Jahren, vier zu zwei Iahren Gefängnis, die übrigen erhielten Geldstrafen bzw. 6 Monate Gefängnis. Diese Liste rumänischer Klassenjustiz, diese Anklagen wegen brutaler Unterdrückung politischer Minderheiten könnten besiebig fort- gesetzt werden. Verantwortungsbewußte rumänische Intellektuelle, Leiter und Führer rumänischer Kulturorganisationen haben in einem Auf- ruf, den sie durch die Liga gegen den Terror verbreiten ließen, gegen alle diese Ungesetzmäßigkeiten und Ungerechtigkeiten ihr Stimme erhoben. In Rumänien herrscht der schlimmste Terror. Das soziale Niveau der Arbeiterschaft ist aus ein Maß gedrückt, welches dem der chinesischen Kuli beinahe gleichkommt. Dieses rumänische Polizei- und Gerichtssystem ist eine Schande Europas. Die spanische Nachrichtensperre scheint äußerst streng zu sein. Auch an Pariser Amtsstellen ist über die Zustände in Spanien und darum auch von dem Ausbruch einer revolutionären Bewegung in Spanien gegen den Diktator Primo de Rivera nichts bekannt.— Die Madrider Agentur Fabra erklärt alle im Ausland verbreiteten Nachrichten über Unruhen als grundlos. Die griechische Regierung hat beschlosten, die von Pangalos ab- geschlossenen Verträge mit den Nachbarstaaten auf- rechtzuerhalten und eine Politik der Verständigung zu treiben. Für die Streichung der alliierten Kriegsschulden an Nordamerika tritt Wilsons Kriegsminister Baker ein. Seine Hauptgründe sind, daß dann auch Deutschlands Lasten verringert und all« Industrieländer von Entwicklungshemmungen befreit werden könnten. In Angara wird jetzt gegen Abdul Kadir verhandelt, der bei dem Versuch, nach Bulgarien zu flüchten, verhastet worden ist. Abdul Kadir wird vom Angeklagevertreter in dessen Plädoyer als einer der Urheber der Verschwörung bezeichnet. Der Sergarbeiterk Vorträge der Genossen Cape In der vom Vorstand des ADGB. zu gestern einberufenen Pressekonferenz sprach der Vertreter des englischen Gewerk- schaftskongresses und des englischen Bergarbeiterverbandes Tom Cape über die organisatorischen Probleme im englischen Bergbau und ihren Zusammenhang mit der Aussperrung der englischen Vergorbeiler. Tom Cape führte folgendes aus: Die heutige Darlegung soll die wirtschaftliche Lage des britischen Bergbaues vom Standpunkte der Arbeiterschaft beleuchten.„Wir sind der Meinung, daß das Verdammungsurteil über die technischen, praktischen und finanziellen Punkte unzweiselhaft feststeht." Das waren die Worte des Vorsitzenden der Sanken- Kommission im Jahre 1919. Die Lage ist heute schlimmer als sie damals war. Spätere Kommissionen und Ifntersuchungskörper- jchaften, die von de» verschiedenen Regierungen eingesetzt wurden, haben dann auch alle die gegenwärtigen Methoden der Bewirk- schaftung der Kohle kritisiert. Die Arbeiter bekennen sich zu dem Grundsatze der Verstaatlichung des Berg- baue». Nimmt man den Kohlenbergbau der Nation als ein Ganzes, so hat er jederzeit beträchtliche Gewinne abgeworfen— ausgenommen nur die erste Jahreshälfte 1925. Von 1909 bis ein- schließlich 1913 war der durchschnittlich« Iahresgewinn 12800 000 Pfund Sterling. Wir lasten die Kriegsjahre unerwähnt, da zu jener Zeit die Bergwerke für die meiste Zeit der Reoierungstontrolle unterstellt waren. Diese Kontrolle wurde erst 1921 abgeschafft. Nimmt man den Durchfchnittsprofit von 1922 bis 1925 einschließlich, so ergebest sich 12,7 Millionen Pfund Sterling. Wenn es also auch in einem gewissen Uyijgng«:richtia sein mag, daß in gewissen Distrikten Verluste erlitten wurden, so ist«s doch klar, wenn man das ganze Land als Gesamtheit ansieht, daß es wohl möglich wäre, den Bergarbeitern einen auskömmlichen Lohn zu zahlen. Die Gewinne des Bergbaues ließen sich durch sparsamere Produktions Methoden erhöhen. Unter einem nationali- fierten System würden Standardisierung der Betricbssührung und andere Methoden die Produktionskosten senken. Die Nationali- sierung des Bergbaues ist auch die einzige Gewähr, daß die britische Kohle in einer Weise bewirtschaftet wird, die der Gesamtheit und nicht nur einigen wenigen zum Nutzen gereicht. Während einer Reihe von Jahren war die Frage der grundherrlichen Abgaben im Bergbau, der Regalien oder Royalttes im politischen und Wirtschaft- lichcn Leben Englands sehr heiß umstritten und jede der Kohlen- kommissionen wandte sich scharf gegen das jetzige System der Regalien und Weggerechtsamen. Die Regierung aber hat sich bis zum heutigen Tage diese Verurteilung nicht zu eigen gemacht. Das Recht, solche Abgaben zu erheben, besteht weiter als Privilegium der Grundherren: in einigen Fällen haben auch die Kirchen an diesem Privilegium ihren Anteil. Aus solche Weise geht jährlich eine Summe von schätzungsweise 6 Millionen Pfund Sterling aus der Kohlen! n du st rie an die Grundbesitzer und um diese Summe werden die Produktionskosten erhöht. Die B e r g- a r b e i t e r fordern, daß dieses Abgabensystem abgeschafft wird. Es belastet jede Tonne Kohle um etwa 6% Pence, also über eine halbe Mark im Durchschnitt, jedoch in den einzelnen Distrikten sehr verschieden. Zu der Abschaffung der Grundrenten im Bergbau hat sich die Regierung bisher nicht verstehen können, so daß auch dieses Problem noch bestehen bleibt. Noch zahlreiche andere Miß- stände, die den Bergbau schädigen, sind vorhanden, gegen olle die sich das Wort„Reorganisation" richtet. Es heißt daher in dem Samuel-Bericht: „Bevor von den Beteiligten irgendwelche Opfer gefordert werden, sollen diese sich endgültig darüber einigen, daß alle mög- lichen Wege begangen werden zur Verbesserung der Organisation und zur Steigerung des Ertrages, so rasch, als die Umstände im einzelnen Falle es erlauben." Eine Lohnoerkürzung als Voraussetzung der Reorganisation hat der Samuel-Bericht nicht gefordert, jedoch allgemein erklärt, daß sich bei der Durchführung der Reorganisation ergeben müsse, ob weitere Opser erforderlich seien. Die englischen Bergleute stimmen diesen Ausführungen zu, sofern die Regierung Schritte unternimmt, die Bekgherren zur Reorganisierung der Be- triebe zu zwingen. In diesem Falle sind sie bereit, über die Frage der Löhne zu verhandeln, und zwar aus zentraler Basis. Die Bergherren aber— und hinter ihnen steht die Regierung— wollen die Löhne kürzen, ehe irgendwelche praktische Schritte zur Durchführung der von der Kommission gemachten technisch-organisa- torischen Vorschläge unternommen werden. Während des gegenwärtigen Stillstandes der Produktion hat die Regierung zwei Gesetzentwürfe durchgebracht: Das Berg- baugesetz 1926, das die Verschmelzung von Bergbausirmen vorsieht, und zwar auf fr« i w i l l i g e m Wege. Nach Ablauf von zwei Jahren soll dem Parlament ein Ergebnisbcricht vorgelegt werden. Diese Verschmelzungen sollten nach Ansicht de» Berg- arbeiterverbandes zwangsweise herbeigesührt werden. Ferner sieht das Gesetz eine zwangsweise Abgabe von 5 Proz. von den Renteneinnahmen der Grundherren für einen Bergbau-Wohl« fahrtsfonds vor zur Einrichtung von Badeanlagen bei den Gruben. An dritter Stelle regelt das Gesetz die Einstellung von Bergleuten in der Weise, daß nur solche Leute eingestellt werden dürfen, welche bereits einmal vor ihrem achtzehnten Lebensjahre als Bergleute tätig waren. Dies wurde bestimmt in der Auffassung, daß zurzeit zu viele Leute im Bergbau seien. Das Produktions- ergebuis sei bei voller Beschäftigung größer als die Nachfrage. Einen großen Nutzen können die englischen Bergarbeiter bei diesem Gesetz nicht sehen, weder für die Arbeitgeber»och sür die Arbeit- amps in England. »nd Janschck beim ADGB. nehmer, noch für die Allgemeinheit. Es ist indessen das einzige, was die Regierung in der Richtung der Vorschläge der Kohlen- kommission unternommen hat. Das zweite Gesetz erhöhl die Arbeitszeit von 7 auf S Stunden. Das soll die Erlaubnisgrenze sein, bis zu welcher der Bergmann be- schästitzt werden darf. Die Kommissionsmitglieder sprachen sich ein- stimmig gegen jede zwangsweise Verlängerung der täglichen Ar- beitszeit aus. Der Bericht sagt ferner, daß eine solche Verlängerung der Arbeitszeit einen Rückgang der Zahl der Beschäftigten um etwa 150 000 zur Folge haben würde. Dessen ungeachtet hat die Regierung das Gesetz durchgebracht und den Unter. nehmern das Recht gegeben, die Arbeitszeit auf acht Stunden aus- zudehnen. Nach dem neuen Gesetz würde also der britische Berg- arbeiter eine halbe bis eine S t un de länger arbeiten als fbine Kollegen auf dem Kontinent. Dies müßte aber in kurzer Zeit auf dem Kontinent seine Rückwirkung zeigen. Auf die Frage, wie die Aussichten des Kampfes feien, antwortete Tom Cape, daß die englischen Bergarbeiter in 4 bis 6 Wochen den Kampf zu gewinnen hoffen, wenn die Geldmittel ausreichen. Auf die weitere Frage, wieviel Arbeits- willige sich bereits gefunden hätten, antwortet Tom Cape, es seien einschließlich der Sicherheitspersonen höchstens 25 000. Um die Unterstützung der Familien der Ausgesperrten befragt, ant- wartete er, daß eine Unterstützung in einzelnen Distrikten gewährt wird, aber meist in Form von Naturalien oder rückzahlbaren Dar- lehen. Daran anschließend sprach Genosse Ianscheck vom Vorstand des ADGB. über die Wirkung des englischen Berg- arbeiter streik» auf den deutschen Bergbau. An einigen Zahlenbeispielen zeigte er, wie schon im Jahre 1925 die deutsche Kohlenförderung gegenüber dem Jahre 1924 gestiegey sei. Diese Steigerung der Förderung hat auch in diesem Jahre trotz der Massenentlassungen im Bergbau und der Feierschichten angehalten. Der englische Streik ist aus den deutschen Bergbau nicht ohne Einfluß geblieben. Nach Beendigung des englischen Streiks wird auch die zurzeit günstige Lage des Bergbaus weiter bestehen bleiben. Es dürste zumindest sür dieses Jahr mit einer guten Befchäftigung im deutschen Bergbau zu rechnen sein. Aber auch der englische Berg- bau wird nicht allzu lange warten, die verlorengegangenen Absatz- gebiete wieder zu erobern, sondern wenn er zu einer Zusamnien- legung seiner Bergbaubetriebe gezwungen würde, was eine steigende Kohlenförderung zur Folge hätte. Der Kampf um die Beherrschung de» Kohlenwellmarkle» würde dann aufs neue entbrennen. Hier wird es Aufgabe der Gewerkschaften und der Regierungen sein müssen, vermittelnd einzugreisen, um eine Verständigung zwischen den beiden Län- dern herbeizuführen, die im Interesse beider Nationen liegt. An diese Ausführungen knüpfte sich ebenfalls eine Frage- stellung, die vom Dortragenden und vom Genossen Eggert vom Vorstand des ADGB. beantwortet wurden. Erwähnt sei hier nur, daß auf eine Frage, wie der Stand der Lohnverhand- lungen im Ruhrbergbau sei, geantwortet wurde, daß über den von den Bergarbeiterunternehinern abgelehnten Schiedsspruch am Dienstag nächster Woche im Reichsarbeitsministerium die Der- bindlichkeitsoerhandlungen stattjinden. Neue Verhandlungen! London. 30. August.(WTB.) Der Vollzugsausschuß der Bergarbeiter beschloß heule abend, eine Delegiertenkonferenz sür nächsten Donnerstag nach London einzuberusen. Der Vollzugsausschuh beriet 2iii Stunden. Um 148 Uhr eilten seine Mitglieder nach dem Unterhaus, um dort mit dem Vollzugsausschuß der Arbeiterpartei zusammenzutreffen.<£» stehen wichtige Verhandlungen bevor. Man glaubt, daß in dieser Woche ein endgültiger Schritt vom Vergarbeiterverband getan werden wird, um den loten Punkt zu überwinden und Verhandlungen zur Lösung d«r Schwierigkeiten zu beginnen. Das Unterhaus zu den Regierungsmatznahmcn. London. 30. August.(Eigener Drahtbericht.) Das Unterhaus trat am Montag zur Verlängerung der außerordentlichen Regie- rungsvollmachten zusammen. Premierminister B a l d w i n war nicht zugegen: er ließ sich durch Chamberlain vertreten. In stürmischer Sitzung, während der Genosse Jack Jones ausgeschlossen wurde, begründete der Innenminister die Notwendigkeit, die Regierungsvoll- machten zu verlängern, da der Bergarbeiterstreik noch immer kein Ende erreicht hat. Die Sitzung wurde schließlich aus Dienstag vormittag 11 Uhr vertagt, nachdem die Regierung sich bereit erklärt hatte, in einer ausführlichen Aussprache zum Generalstreik der Bergarbeiter Stellung zu nehmen. DI« beiden Abänderungsanträge der Arbeiterpartei auf Auf- Hebung der Verordnungen wurden mit 252 gegen 90 Stimmen ab- gelehnt. Die Verlängerung beschlossen. London, 30. August.(WTB.) Das Unterhaus stimmte der Ver- längerung der Notstandsmaßnahmen auf einen weiteren Monat mit 232 gegen 91 Stimmen zu und vertagte sich sodann auf morgen vormittag. Hilfe für öie englisihen Sergarbeiter. Uni» das Geschrei der Bolschewisten. Di« Mitglieder der KPD. werden, wenn sie die �Rote Fahne" Cesen, mit melancholischer Genugtuung feststellen, daß nicht nur ihre Führer von gestern, vorgestern und vorvorgestern Verräter und Agenten der Bourgeoisie sind, wie ihre.Führer" von heute es zweifellos morgen sein werden: auch die Gewertschaftssührer und die Führer der sozialistischen Parteien sind samt und sonders .Verräter". Die bolschewistische„Weltrcvolution" wird so„organl siert". daß an alle Arbeiterorganisationen, an alle Vertrauens- männer der Arbeiterschaft kein gutes chaor gelassen wird. Ungefähr so reden die Gelben auch und ungefähr so reden auch die Bac- mcister und Konsorten. Das deutsche Zcntralorgan der russischen Regierung kann sich gegenwärtig nicht genug tun in Schiinpsereien über den ADGB, der so verrucht ist, eine zweite Unter st ützungsaktion zu gunsten der englischen Bergarbeiter zu führen und daneben eine Anleihe zu vermitteln. Für die als Anleihe aufgenommenen Gelder haben die englischen Gewerkschaften AX Proz. Zinsen zu zahlen. Der gleichfalls bereits als.Verräter" abgestempelte Vor> sitzende de» ZGB., Pu reell, soll nun in einem von uns bereits besprochenen Interview mit der russischen Korrespondenz„Imprekorr" gesagt haben: „Obwohl es die englischen Gewerkschaften lieber gesehen hätten, daß ihnen der ADGB. dieses Darlehen zinsenfrei gewährt, wie dies in England üblich ist, wenn eine Gewerkschaft der anderen Geld leiht, mußten sie doch, um nicht eine teuere Anleihe bei einer Lank zu machen, auf die Bedingungen des ADGB. eingehen. Äieser verlangte, nachdem man eme höhere Forderung(!) ab- gewiesen hatte, 4K Proz. Zinsen. Die Anleihe beträgt lOOOV Pfund." Dazu sind einige Feststellungen notwendig: 1. Die Anleihe beträgt nur einen Bruchteil der ohne jede Rückzahlungsverpflichtung gegebenen Gelder. 2. Der ADGB. war bei den in Amsterdam mit dem IGB. ge- flogenen Verhandlungen nicht beteiligt. 3. Auf eine Anfrage vom IGB., ob der ADGB. bereit wäre, eine Anleihe der englischen Gewerkschaften bei den deutschen Ge- werkschaften zu vermitteln, wurde bejahend geantwortet iind gleichzeitig mitgeteill, unter welchen Voraussetzungen die deutschen Gewerkschaften untereinander Anleihen geben. 4. Dom IGB. wurde ein Vertragsentwurf ausgearbeitet, der einen Zinssatz von 4� Proz. vorsah. Dieser Vertragsentwurf wurde vom ADGB. ohne jede Acnderung oder höhere Forderung a n- genommen. S. Als am Ausgang der Inflation die deutschen Gewert- schaften im Auslande Anleihen ausnahmen, Hot u. a. eine der größten Gewerkschaften bei ihrer englischen Bruderorganisation eine große Anleihe aufgenommen und dafür 4 Proz. Zinsen gezahlt, wie dos selbstverständlich ist.'Zinsen und Kapital sind gezahlt worden, ohne daß deren Annahme verweigert worden wäre. Wir glauben schon deshalb nicht, daß die Behauptung Purcclls von der zinslosen Begebung von Anleihen in England richtig wieder- gegeben sein kann. Aber wozu diese zum mindesten überflüssigen Bemerkungen Purcells. Die deutsche Arbeiterschaft, ganz besonders die Gewerk- schaften und ihre Mitglieder sind bekannt in der gesamten Jnter- nationale für ihre traditionelle Hilfsbereitschaft bei großen Arbeiter- kämpfen im Auslande. Man studiere die Geschichte der großen Ar- beiterkömpfe der Welt und man wird stets finden, daß die deutschen Gewerkschaften an erster Stelle standen, wenn es galt, durch tätige Solidarität Hilfe zu leisten. Nicht von den Gewerkschaften aller großen Industrieländer kann das gleich« gesagt werden, was der Vorsitzende des IGB. am besten weiß. Diese traditionelle Solidarität bekundet die deutsche Arbeiterschaft auch jetzt wieder und wird sie weiter bekunden, ohne sich viel um das bißchen Gerede von Leuten zu kümmern, die, wenn die Arbeiter ihnen Beachtung schenkten, die Arbeiterbewegung längst auseinandergeredet hätten. Erfolgreiche Abwehr üer vachüecker. Gegen die Lohnabbausucht der Unternehmer. Nachdem im Juni d. I. der Zentralverband der Dachdecker mit den Unternehmern einen Reichstariivertrag abgeschlossen hatte, begannen kurz darauf im ganzen Reiche die Verhandlungen wegen der Löhne. Der Tarifvertrag der Dachdecker läßt für' die einzelnen Bezirke die Lohnfrage insoweit offen, als durch VerHand- lungen von Lohnbezirk zu Lohnbezirk die prozentualen Zu- schlüge geregelt werden. Als Grundlohn wird allgemein im Dach- dcckergewerbe der Lohn des Bauarbeiters betrachtet. Zu diesen Grundlöhnen treten nun bestimmte Zuschläge, die erst eigent- lich den Dachdeckerlohn ergeben. Um diese Zuschläge haben die Dachdecker fast jedes Jahr leb- hafte Kämpfe aussechten müssen. Vielfach ist die Meinung vertreten, die Dachdecker würden einfach sagen, was die Maurer erzielen, gilt auch für uns, so daß sie sich selbst um die Löhne überhaupt keine Schmerzen machen brauchen Daß dem nicht so ist, ergibt sich aus der Tatsache, daß die Dachdecker durch ihre Organisati»nen ver- standen haben, zu den Löhnen im Baugewerbe Zuschläge bis zu 18 Proz. durchzusetzen. Die Unternehmer im Dachdcckcrgewcrbe hielten die Zeit des all- gemeinen Abbaues sür gekommen und suchten einen Extragewinn dadurch herauszuschlagen, daß sie den Abbau der Prozente auf der ganzen Linie ernsthaft in Vorschlag brachten. In den Monaten Juni bis August haben in den meisten Lohn- bezirken Verhandlungen über diese Prozente stattgefunden. Dem Zentrolverband der Dachdecker ist es dabei gelungen, auf der ganzen Linie einen Abbau der Prozente zu verhindern, so daß in sämtlichen Lohnbezirken die schon bisher bezahlten Zuschläge auf ein weiteres Jahr b e st e h e n bleiben. Es ist ein gar nicht hoch genug zu bewertender Erfolg, daß es der Organisation in diesem Jahr, das für die Dachdecker mit zu den schlechtesten in den legten 23 Iahren zu zählen ist, gelungen ist, ihre Löhne zu halten. Dies dürfte von ihrer Kampfkraft ein gutes Zeug. nis ablegen. Das ist wohl auch der Grund, daß der Zcntralverband der Dachdecker in seiner Mitgliederzahl seit mehreren Jahren stabil geblieben ist. Trotzdem er durch den Rückgang der Bautätigkest, durch Abwanderung usw. ca. 23 Proz. der Beschäftigten verloren hat, gelang es, die Mitgliederzahl auf der alten Höh« zu halten. die fingst vor üen Saukontrolleuren. Oder: Wie unwissend darf ein Sladwerordneter fein? In der„B a u w e l t" entrüstet sich ein Stadtverordneter über die Anstellung von 13 B a u k o n t r o l l e u r e n für Berlin aus den Reihen der B a u a r b e i t e r. In„größter Heimlichkeit" fall die Anstellung vor sich gegangen sein. Das stimmt nicht. 2Me Berliner Bauarbeiter haben feit langer Zeit durch ihre Vertreter im Stadtparlamcnt die For- derung auf Anstellung von Baukontrollcuren laut und eindringlich erheben lassen. Nach dem großen Bauunglück auf dem Kraftwerk Strasau-Rummelsburg ist schließlich die Notwendigkeit, Bauarbeiter an der Bauaufficht zu beteiligen, auch anerkannt worden. Wenn der Stadtvater trotzdem jetzt erst von der Einstellung der neuen Baukontrolleure erfährt, so muß er sich eines außerordentlich tiefen Schlafes erfreuen. Jetzt ist er aber erwacht und entdeckt sofort ein weiteres schreck- liches Vergehen. Er stellt nämlich auf Grund einer„Vorwärts"- Notiz fest, daß die Baukontrolleure gewerkschaftlich orga- ni siert sind und schließt daraus, daß für die Zluswahl der Bau- kontrolleure das„V e r b a n d s b u ch". nicht aber die berufliche Eignung maßgebend gewesen sei. Das letztere sei ja wohl auch nicht nötig, denn, so sagt der Mann in bescheidener Selbsteinschätzung, „wem Gott ein Amt gibt, ihm auch den Verstand gibt." Der schlafsüchtige Stadtverordnete weiß anscheinend auch nicht, daß die Gewerkschaften nach den ministeriellen Anordnungen für die Besetzung dieser Posten ein Vorschlagsrecht haben. Selbst- verständlich wählen die Berliner Bauarbeiter dafür Leute aus ihren Reihen und nicht Personen, die ihnen fern stehen. Auch über die fachliche Eignung der Baukontrolleure mag er sich beruhigen. Auf die„Erleuchtung" von oben brauchen sie nicht zu warten. Zum Schluß empfiehlt der fürsorgliche Stadtverordnete allen Bauunternehmern, ein wachsames Auge auf die Tätigkeit der Bau- lrntrolleure zu richten, damit sie über ihre amtlichen Befugnisse nicht hinausgehen und etwa aus alter Gewohnheit unter den Bau- arbeitern eine gewerkschaftliche Tätigkeit ausüben. Es war unklug, so in oller Oeffentlichkeit zu warnen. Die Ge- werkschasten verlangen übrigens von den Baukontrolleuren keine gewerkschaftliche Propaganda, sondern nur die eingehende und sachliche Prüfung der Baustellen in bezug auf die Ar. b e i t e r s ch u g b e st i ni m u n g e n und die Abstellung oorge- fundener Mängel. Das ist die alleinige Aufgab« der Bau kontrolleure. Die Berliner Bauarbeiter werden darüber wachen, daß ihnen ihre dienstliche Tätigkeit nicht erschwert oder unmöglich gemacht wird. Anstatt sich gegen die aus der Arbeiterschaft stammenden Bau- kontrolleure zu wenden, wäre es zweckmäßiger gewesen, die Unter- nchmcr des Baugewerbes zu ermahnen, die zum Schutze der Bau- arbeiter geltenden Vorschriften genau zu beachten und da- durch zur Verminderung der Bauunsälle beizutragen. Soweit hat sich die Erkenntnis des Herrn Stadtverordneten noch nicht durch- gerungen. Aber vielleicht wird es noch, denn den Seinen gibt's der Herr im Schlaf! Bundestag des Butab. Vom Ortskartell des AfA-Bundes wird uns geschrieben: Vom 12. bis 14. September d. I. hält die freigewerkschaftliche Technikerorganrfation, der Bund der technischen Angestellten und Beamten in Berlin ihren S. ordentlichen Bundestag ab. Am Vor- abend werden die Abgeordneten und sonstigen Teilnehmer dieses Bundestages im Großen Saal der Philharmonie durch ein« gewerk- schastliche Veranstaltung begrüßt, die von allen Berliner AfA- Gewerkschaften getroffen wurde. Den Mittelpunkt der Begrüßungs- kundgebung bildet«in Referat des Reichstagsabgeordneten Auf- Häuser über das Thema:„Freie Angestellte und Volksstaot". Begrüßungsansprachen werden geholten vom Oberbürgermeister Böß, vom Kartellvorsitzenden Fla tau und vom Gauleiter G ü n t>h e r Ein« künstlerische Umrahmung bilden Vorträge klassischer Musikwerke durch das Berliner Sinfonieorchester unter Leitung von Sascha Hören stein. Zln die offizielle Kundgebung schließt sich ein zwangloses Beisammensein. Es kann erwartet werden, daß die gewerkfchastliche Feier, bei der zahlreich« Ehrengäste der staatlichen, städtischen und gewerkschaftlichen Körperschaften anwesend sein werden, einen eindrucksvollen Auftakt für di« wichtig« Techniker- tagung bilden wird._ Zum Streik der Kraftfahrer bei Panzer. Am Sonnabend haben zwischen der Geschäftsleitung der Firma Panzer und dem Betriebsrat sowie Vertretern des Verkehrsbundcs Verhandlungen zur Beilegung des Streiks der Kraftdroschken- führer stattgesunden. Die Firma machte den Vorschlag, für die Ein- nahmen aus der Personenbeförderung anstatt wie bisher 25 Proz. 30 Proz. zu gewähren, jedoch die Zuschläge für Gepäck und Hunde, die bisher ganz den Fahrern zufiel, nunmehr der Firma zufallen zu lassen, bis zur Umstellung des Betriebes. In einer Vollversamm- lung der streikenden Fahrer am Sonnabend abend wurde das„An- gebot" der Firma in geheimer Abstimmung gegen drei Stimmen abgelehnt. In den nächsten Tagen werden für die einzelnen Firmen des Schebera-Konzerns, dem auch die Firma Panzer A.-G. angehört, Betriebsversammlungen einberufen werden, um über die wahren Ursachen des Streits Aufklärung zu schafien. Eine Versammlung aller zurzeit erwerbslosen Krajtwogenführer wird zu dem gleichen Zweck einberufen werden. Tie Notstandsarbciten gehen zurück. Die Zahl der N o ist a n d s a r b e i t e r, die im Juli 143 605 betrug, ist wetter um rund 10 000 zurückgegangen. Im Mai waren 170 105 Notstandsarbeiter zu verzeichnen, so daß bis heute insgesamt ein Rückgang um fast 40000 festzustellen ist Dieser Rückgang ist sehr bedauerlich. Die im Rahmen des Arbeits- beschafsungsprogramms projektierten neuen besonderen Notstands- arbeiten haben sich also bisher noch nicht ausgewirkt. Das Not- standsarbeitsprogramm für das zweit« Halbjahr ist zu spät vor- bereitet worden. Hoffentlich zieht das Reichsarbeitsministerium daraus die entsprechende Lehre, damit es bei den für den Winter geplanten Straßenbauarbeiten nicht wieder so geht. Das Straßen- bouprogramm wird zurzeit vorbereitet. Es handelt sich'um eine Art Reservearbcitsprograinm, das im Herbst und zu Beginn des Winters, solange die Witterung es einigermaßen zuläßt, vor allem der Beschäftigung von Notstandsarbeitern dienen soll. Setriebsratswahlen in Gberfchlesien. Erfolge des Deutschen Vergarbeiterverbandes. Breslau, 30.?lugust. lEigener Drahtbericht.) Die Betriebs- ratswahlen im oberschlesifchen Bergbau endeten mit einer starten Niederlage der Polen. Der polnische Christlichen Benifsvereinigung gehören von 125 Betriebsräten nur noch 10 an. Das kommt einem Rückgang von 15 auf 8 Prozent gleich. Die polnisch-kommunistische Einheitsliste ist vollkommen verschwunden. Der Deutsche Bergjirbeiterverband brachte es mit 51 000 Stimmen auf 96 Sitze, also 20 mehr als im Vorjahr. Der Ehristliche Bergarbeiteroerband erhielt lediglich 100 Stimmen mehr als bei den letzten Wahlen. Die„Vaterländischen Arbeitervereine" brachten es im ganzen auf 1560 Stimmen. firbeiterpolitit in Mussolinien. 400 Arbeiterinnen unter Streikanklage. Chiassa. 30. August.(Eigener Drahtbericht.) Di« rigoros« An- Wendung des Arbeitsreglements in der Spinnerei der Gebrüder Zadra in Trevifo hatte unter der Belegschaft berechtigte Mißstimmung hervorgerufen. Infolgedessen Hai di« Masse der Arbeiterinnen die Arbeü niedergelegt. Nach einigen Tagen mühsamer Verhandlungen hoben die Arbeiterinnen die Arbeil wieder aufge- nommen. Durch eine Untersuchung wurde di« Identität der Führer dieser Bewegung festgestellt, die die Arbeiterinnen zum verlosten der Arbeitsstätte veranlaßt hoben sollen: sie wurden beim Staats- anwolt angezeigt. Die Zahl der Angezeigten übertrifft 400. »eatscher»-««kloerk-bsi-d c»>ma«werNch«ft B«rli»l. d«« V»«»'. Am Donncrstva.!. Lertember, nachmittags 5 Uhr, findet in de* Residenz. iztftfälrn, Landsdrraer Str. 51, eine Ridaliederoersammlung statt. laqrsord- nunq 1. Bericht über die bisherigen Tarifverhandlnnqen und unsere Stellung' nähme dazu. 2. Gtupnenangeiegenheiten. Ss ist BNicht eine» ieben gallegen. pünktlich zu erscheinen. Mitgliedsbuch legitimiert, ohne dasselbe kein Zutritt. _ Die Fachgruppenleitung. Achtung. A«»..rnebinenfnbeik! Am Mittwoch, den t. September, � nachmittag» 3 Uhr. bei Oehlschiüger, Beelichingensir. 5, wichtige Ver- f? f' sammlung aller SBD�Senossen. Jeder muh erscheinen. Der Zraktionsoorttanb. p is-rie»ewerksch-s»snaend. Heute, Dienstag, 31. August, ahenb» Ti Uhr. tagen dfe Kruppen: Landsberger Plag! Iugenbhrim Diesleimrqerstr. 5. Bor. traft:„«BefeDsdwft und Arbeilelodgkeil".— granksnrtee Allee: Jugendheim Tilfiter Sir.+—5. 1 Tr. Liins.Ahenb.— Lichtenberg: Jugendheim Doffrilr. 22. Portnag:„Die intctnationalc Gewerkschostsbewegung".— Zrrplvw: Jugend» heim Wilbenbnichstr. 53—54. Unser Wandern.— Spandan: Iuaenddrim Lindrnuser t. Spirlabenb.— Ss spielen im Zreien die Gruppen: Südwesten: Sportplag am Urban: vberschäneweide nnb«i> penich ans dem Metallarbeiter- Eportpiag. Der Rordkrei» geht baden. Zrefspuirkt, W Uhr«mrumer, 5,8 Uhr nach der Königgrätz�r Straße Ltz alarmiert, wo ein Teil des Daches eingestürzt war und«in niederstürzender Balken die Decke zu einer im vierten Stock gelegenen Wohnung durchschlagen haste. Die Feuerwehrleute müßten wegen der drohenden Einsturzgefahr sehr vorsichtig zu Werke gehen. Umfangreiche Versteifungen wurden vor- genommen. Nach den bisherigen Ermittlungen werden zurzett in dem Hause Dacharbeiten ausgeführt. Auf dem Dach lagerte eine größere Menge Sand: infolge der Ueberlastung brach ein Hauptstütz- ballen, der den Einsturz eines Teils des Daches zur Folge hatte. Die Mieter haben das gefährdete Zimmer räumen müssen. da trotz der Versteifungen mit unvorhergesehenen Ereignissen ge- rechnet werden kann._ Zpätsommer an der Ostsee. Bei schönstem Wetter entführte am letzten Sonntag der San n- tagssonderzug der Reichsbahn etwa 600 erholungsbe- dürstige und reiselustige Berliner in zehn neuen großen Wagen vierter Klasse nach Swinemünde, Ahlbeck und Herings- dorf. Wettergott und Fremdenverkehrsverein zeigten sich von der liebenswürdigsten Seite. Als der Zug in Swinemünde einlief. spielte eine Musikkapelle und auch in Ahlbeck und Heringsdorf gab man sich große Mühe, den Berliner Sonntagsreisenden zu gefallen. Die See bot sich bei prächtigem Sonnenschein in voller Schönheit dar und viele, die sie zum erstenmal sahen, schienen genau so be- wegt, wie die Wellenberge, sie erwogen bangend, ob man es wagen könne zu baden. Doch die meisten entschieden sich wohl dafür. Wer sonst unterhalten sein wollt«, für den war durch den Fremdenver- kehrsverein weitgehend gesorgt. Und auch wer das Alleinsein vor- zog, konnte sich viele Stunden lang in der staubfreien Luft an dem schönen steinlosen Strand zu erholen. Die Rückfahrt verlief bequem und programmäßig. Als um Mitternacht der Sonderzug wieder auf dem Stettiner Bahnhof einlief, entließ er eine ganze Schar von ermüdeten aber befriedigten Reisenden. Ein folgenschwerer INolorradunsoll ereignete sich in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag auf der Thaussee Groß- Ziethen — Buckow— Britz. Dort fuhr der Kaufmann F. aus Britz gegen ein unbeleuchtett» Bauernfuhrwerk mit solcher Gewalt, daß er und seine Begleiterin vom Rade geschleudert wurden und schwer verletzt liegen blieben. Ohne sich um die Lerletztenzu kümmern fuhr der Lenker des Wagens ruhig davon. Erst ein Freund des Motorradbesitzers, der eine Viertelstunde später mit seinem Motorrad dieselbe Stelle passiert«, fand die Verletzte». Wäh- rend der Besitzer des Motorrades mit mehreren Knochenbrüchen in das Buckower Krankenhau» übergeführt werden mußte, konnte seine Begleiterin nach Anlegen von Notverbänden sich in die elterliche Wohnung begeben. Eine ösfenMche Aufforderung zur Abgabe der Steuer. «rklärung für die Einkommen st euer, Körperschaftssteuer und Umsatzsteuer für 1925/2« ist in dem Anzeigenteil der heutigen Nummer enthalten. Gesundheit, Kraft bis ins hohe Alter hinein zu erhalten, ist nur denkbar bei vernünftiger Lebensführung, zweckmäßiger Ernährung und viel Bewegung in reiner Luft. Ganz besonders kommt es auf die Ernährung an.»Der volle Segen der Gesundheit kann nicht durch geheimni»- voll« Mittel und Wunderklinste, sondern nur durch eine richtige Ernährung gewonnen werden, die den Körper erhält und täglich verjüngt." Dos sind die Worte eines bekannten Arztes und Professors. Zu einer zweckmäßigen Ernährung gehört das allbekannte Bio malz» Da» ist ein wohlschmeckendes, billiges Rährmtttel, weit und brett geschätzt und beliebt. Es kräftigt den Körper ungemein. Schlaffe, welk» Züge oerschwinden, die Ge- fichtsfarbe wird frischer und rosiger, der Teint reiner. und Schönheit Bei blutarmen, blassen, mageren, in der Ernährung heruntergekommenen Personen macht sich»ine Hebung des Appetits, des Gewichts und infolgedessen eine mäßige Rundung der Formen bemerkbar, ohne daß lästiger Fettansatz die Schönheit der Formen beein- trächtigt.— Erhältlich in Apotheken und Drogerien. Man verlange nur das echte Biomalz, nichts anderes, angeblich.Ebensogute»". Achte genau auf das Etikett. Preis einer Dose Biomal, 1.90 Mk., mit Eisen(zur Stärkung fllr Blutarme und Bleichsüchtige) 2.L0 Mk., mit Kalk extra(zur Stärkung für Lungenleidende) 2.50 Mk., mit Lebertran 2.50 Mk.. mit Lecithin 5.— Mk. Biomalz-Schoeolad« je Ivo-Gramm-Tafel S0 Pf. und Bwmalz-BonbonS. beste» Linderungsmittel bei Husten und Heiserkeit, vor- züglicher Geschmack, je Beutel ZV Pf., Dose 60 Pf. Drucksachen kostenfrei von Gebr. Patermann, Teltow-Berstn Ist. vkerMter öurchqaert den Kanal. Rekord: 12 Stunden 42 Minuten. Set deutsche Stromschwimmeister vierkötter hat gestern den Sanol von der sranzösischen nach der engtischen Küste tn 12 Stunden 42 Minuten durchschwömmen und damit den von Gertrud Ederle aufgestellten Rekord um eine Stunde 4S Minuten geschlagen. Zlm Dienstag vergangener Woche sah sich Vierkötter gezwungen, die Durchquerung des Kanals infolge zu starken Sturms aufzugeben. Am Sonntag abend wiederholte er vom Cap Gris N e z aus den Versuch, der ihm diesmal gelang. Bei Langdon st air», in der Nähe von Dover, landete er am Montag nachmittag. Er brauchte nur!2 Stunden 42 Minuten, womit er sämtliche Kanalbezwinger an Schnelligkeit geschlagen hat. Gertrud Ederle, die bisher in der kürzesten Zeit den Kanal durchquerte, brauchte genau 2 Stunden mehr. In kurzer Zeit ist es nunmehr drei Schwimmsport- lern gelungen, den geiürchtctcn Kanal zu bezwingen. Der Amerikanerin Ederle folgte rasch ihre Landsmännin C o r s o n und unmittelbar danach Vierkötter. Er ist der erste Deutsche, der den Kanal durchschwömmen hat. Vierkötter stammt aus Köln, ist 25 Jahre alt und hat schon seit längerer Zeit als Langstreckenmeister von sich reden gemacht. Aussehen erregten in Deutschland bereits in den legten Monaten die gewalligen Strecken, die er zum Training im Nhcin zurückgelegt hatte. Festnahme eines VisenbahnattcntäterS. Stuttgart, 30. August. lWTB.) Von der Reichsbahndirektion Stuttgart wird mitgeteilt: Am Sonntag, den 29. August, nach» mittags �6 Uhr, hat ein tbjähriger Bäckergehilse aus F re u d e n st a d t. bei der Station Alpirsbach an der Strecke der Bahnlinie Freudenstodt— Schiltach freventlich Eisenbahn- baumaterial auf die Schienen gelegt. Der Täter, der a n g e- trunken war, wurde bei der Aussührung der Tot beoachtet und konnte alsbald festgenommen werden. Abermals ein Anschlag auf einen Zug. Weitheim. 30. August.(WTB.) Wie jetzt erst bekannt wird. wurde am Freitag aus den Personenzug Augsburg— W c i l h e im vor der Einsahrtsschleife am Bahnhof Egling ein oer- brecherischer Anschlag verübt. Kurz vor dem Einfahrtsignal war quer über das Geleise ein fünf Meter long er Balken gelegt worden. Der Zugführer bemerkte glücklicherweise das Hinder- iii« trotz der herrschenden Dämmerung so rechtzeitig, dah der Zug zum gälten gebracht werden konnte. Die Gendarmerie nahm sofort mit Polizeihunden die Spur der Täter aus. Sport. Rennen zu Ruhleben am Zstonkag, den Z0. August. 1. Rennen. 1. Ida PaloZ. August, nachm. 2>/, Uhr, tflräüse Pianos zur Miete AntdacherStr. I, idit Karts ntmtnte Metallbetten Stahlmalratzen, Kinderbctlen gluHg n Prl». Kai.»SUir. EUenmübelfabrik ouhll hür. Garmisch. Eay.llpen Stidztnnner m. Polt ptochio. Au»s.. Bett adM. 1. K. Lechner, bnaitdi. 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Eine ichone Frau, ein Aufo» «lazu eine Wa? brauche ich mehr! f Die Sunüesschule in Leipzig. Die Bundesschullcitung des„Zlrbeiter-Turn- und Sportbundes" in Leipzig teilt in ihrem legten Jahresbericht folgendes mit: Die 1924 auf dem Kasseler Bundesta "ausumme für die neue Bundesschule von undestag veranschlagte .. KOO OOft— 700 000 M. dürfte nach endgültiger Fertigstelluig einschließlich Inneneinrichtung auf m Million steigen. Höhere Löhne und Preise für Materialien und nicht zulegt vorgenommene verbesserte Einrichtungen tragen zu diesen erhöhten Kosten bei. Insgesamt wurden bis jetzt 875 000 M. für den Bau bezahlt. Für den«chulbetricb in seiner jetzigen alten Form wurden im abgelaufenen Geschäftsjahr 100 577 M. aufge- rrender, die gedeckt wurden durch Teilbeträge des Bundesbeitrags, Kursistenbciträge usw. Die neue Lehranstalt ist kein finanziell werbendes Unternehmen. Die bisherigen Etatsbeträge werden deshalb für sie nicht ausreichen. Der U e b u n g s b e t r i e b in der neuen Schule ist bereits sehr rege. Die Turnhalle und das Schwimmbad sind seit geraumer Zeit ihren Zwecken übergeben worden und werden von den Bundes- schulmusterklassen und durch Kurse eifrig benutzt. Der angestellte P h o l o g r a p h übt ebenfalls schon seine' Tätigkeit im Verwaltungs- gel'äude aus. Die phototechnische Einrichtung hält jedem Vergleich mit der technischen Bollkommenheic stand. Filme zu Lehrzwecken und sonstige aller Art werden selbst angefertigt. 35 Lichtbilderserien sind außer 2000 Einzelbildern vorhanden und erfreuen sich einer sehr regen Inanspruchnahme durch die Vereine. Für alle» ist Sorge getragen und nur die Beschaffung eines eigenen Sportplatzes ist noch schwierig. Bis zum 19. September soll der Bau b e e n d e t s e i n. An diesem Tage und dem vorhergehenden Sonn. abend wird die feierliche Einweihung der Schule im Beisein von Vertretern vieler Arbeiterorgansationcn und Behörden statt- finden. Ein S t c r n l a u s, der von den weitentserntesten Ländern, in denen eine Zlrbeitcrsportorganisation besteht, ausgeht und in Leipzig mündet, wird überall davon Kennttiis oblegen, daß die Zeit ernster Arbeit im Dienste der gesamten Arbeiterbewegung in dem durch die Arbeiter-Turn- und Sportorganisation geschossenen Institut beginnt. In den Räumen der alten Bundesschulc de» Arbeiter-Turn- und Spoistbiindes in Leipzig wird augenblicklich der letzte Lehrgang für Fußballspieler abgeholten. Von dann ab wird das neue Bundesschulheim zur Verfügung stehen. Die Kinderturnwartc wer- den sich dort als erste vom 19. September bis 2. Oktober einlogieren. In der alten Bundesschulc war lediglich ein einziger Auz» enthaltsraum für 30 Kursusteilnehmer, während in der neuen Schule Einzelräume sür 1— 8 Insassen vorhanden sind. Auch ein Sonnen- bod ist in dem Hause, in dem außerdem noch über große Aufenthalts- rounie, Lesezimmer und eine eigene Küche verfügt wird. Es ist jetzt auch möglich, ohne irgendeine Einschränkung mehrere Lehrgänge gleichzeitig abzuhalten.___ Turnspiele. Reben den Meisterfchastsspielen in Brandenburg fanden auch Hand- und Rasfballwerbespiele statt. Im ersten Spiel standen sich die Turnerinnen von Neukölln und B r a n- den bürg gegenüber. Trotzdem Neukölln nur mit 8 Turnerinnen antrat, besanden sie sich doch ständig im Vorteil. Das erste Tor siel gleich nach Anwurf und konnte Neukölln bis Halbzeit das Verhältnis aus 4: 0 erhöhen. Waren die Brandenburger Turnerinnen in der ersten Zeit etwas zu zaghast im Spielen, so sanden sie sich nachher etwas besser zusammen und konnten dadurch ein höheres Resultat als 5: 0 verhindern. Adlershof mit 9 Spielern und Brandenburg 2. Abteilung mit Ersatz stellten sich dann dem Schiedsrichter. Adlers- hos konnte nach kurzer Zeit das erste Tor, dem sofort nach Wieder- anwurs das 2. Tor solgtc, erzielen. Die nächsten Tore wurden in kurzen Abständen durch Halblinks soft ohne jede Abwehr geschossen. Adlerehof konnte bis Schluß noch 4 Tore einsenden, während es bei Braicheudurg nur zum Ehrentor reichte. Die Adlcrshofer füllten ihre Posten gut aus, während bei den Brondenburgem die Verteidiger nicht gefielen, die zu wenig Abwehrarbeit leisteten, auch ist allen Brandenburger Spielern zu empfehlen, das Abdecken der Spieler und dos Angreisen des Balles noch besser zu lernen. Vor- 'Küttaq� spielten Fichte 4. Abteilung— Brandenburg 1. Abteilung II. •Ofcr l(0:1). Nach einem guten Werbcumzug vom Volkshous zum Sportplatz spielten Branden» rg 2. Abt. und F i ch t e 22. Abt. Rassball. Brandenburg errang bis zur Halbzeit 1 Tor und Fichte konnte in der zweiten Hälfte das Resultat aus 2:1 bringen. Wenn auch bei den Brandenburgern die Fangsicherheit etwas schlecht war, so hatte das Spiel durch die faire Spielweise den Propagandawert nicht ver- fehlt. Die Iugendmannschasten Groh-Berlin, Wedding und Branden- bürg zeigten ein ständig wechselndes Spiel. Das 3. Tor wurde von rechtsaußen vollständig ungedeckt eingesandt, während beim 4. Tor der Ball vom Pfosten absprang und hineinrollte, das 5. und 6. Tor sielen kurz hintereinander. Brandenburg nutzte zweimal die Unachtsamkeit der Weddinger Verteidigung aus und sandte ein. Die Brandenburger gingen im Gegensatz zu den Männern den Ball und damit auch die Spieler sehr hart an, wodurch sich ost Zusammen- stöße ereigneten. Am Mittwoch, den 25. August, traten Weißen see und Fichte 1 3 II. zum Schlagballspiel auf der Trabrennbahn in Weißcnsce an. Fichte mit neun Mann und Weißensec vollständig, leider zog sich gleich nach Beginn des Spiels ein Weißenscer Spieler durch die Unebenheit des Badens eine Fußverstauchung zu. Weißensec besetzt das Schlagmal, wird aber nach 5 Minuten durch Fichte abgc- -morsen. Weißensee kann nach kurzer Zeit, ohne daß Fichte zum Lausen kam, dos Schlagnial wieder erringen, hält sich jetzt lange darin auf und erringt durch 20 Läufe den Vorsprung, welchen Fichte nicht einholen kann. Mit öfterem Wechsel durch Tresser, Aus- Iiungern und Grenzüberschreitung bleibt keine Mannschaft lange am Schlag. Fichte gelingt es fünf Minuten vor Schluß das Schlagmal zu gewinnen und durch 10 Läuse ein allzuhohes Resultat zu ver- meiden. Weißensee kann noch einen Treffer erringen, der aber nicht inehr zu Läufen reichte, da der Schlußpfiss ertönte. Beiden Mannschaften fehlt die Schlag- und Fangsicherheit, was sich auch in den wenigen Fängen und Weitschlägen ausdrückt. Das Resultat setzt sich folgendermaßen zusammen. Weißensee: 42 Läufe, K Treffer und 2 Fänge: Fichte: 31 Lauser, 4 Treffer und 1 Fang. Zweimal wurde gewechselt wegen Grcnzüberschreitung von Weißensec, wegen Aushungern dreimal. Interne Regattpi des Rudervereins«vorwärks". Am Sonntag, den 5. September, nachmittags U4 Uhr. ver- anstaltet der Ruderverein„Vorwärts auf der Oberspree zwischen der St üben rauchbrücke und seinem Bootshaus« die diesjährige R« g a t t a. Zu den acht Rennen haben 26 Mannschaften mit über 100 Teilnehmern geineldet. Besonders interessant verspricht das Achterrennen, das auch für die Bundesvereine offen ist und zu dem der Ruderverein„Freiheit" und die Ruderrieg«„Fichte" gemeldet haben, zu werden. Während„Freiheit" und„Vorwärts zwei alte Rivalen sind, die um die Ehr« ringen, die beste Achter- Mannschaft herauszubringen, darf man aus das Abschneiden der Ruderrieg«„Fichte", die sich erstmalig in einem Achterrennen ver suchen wird, mit Recht gespannt sein. Aber auch die übrigen Rennen versprechen, da der Verein über eine Anzahl guter und ausgeglichener Mannschaften verfügt, guten Sport. Es ist bedauerlich, daß sich ein großer Teil der Berliner Arbeiter schast von der Ausübung des Rudersports falsch« Vorstellungen macht. Trog des gewaltigen Aufschrrungs, den der Slrbeiterrudersport in letzten Jahren genommen hat, sollt« sich die arbeitende Jugend diesem schönen und gesunden Sport mehr als bisher widmen. Wie wohl selten«ine Sportart, so ist gerade der Arbeiterrudersport, der ja von den Arbeiterrudervereinen in der Hauptsache als Wanderrudersport ausgeübt wird, dazu geeignet, die Jugend in ihrer Freizeit hinauszu- bringen in die frei« Natur, damit sie hier, fern vom Getriebe der Großstadt, Erholung findet und an Körper und Geist erstarkt und gesundet. Daß ober diesem Sport von der Arbeiterschaft nicht die nötige Beachtung geschenkt wird, liegt zum größten Teil daran, daß die Meinung vorherrschend ist, die Kosten für die Betreibung des Rudersports seien zu hoch. Dies ist jedoch erfreulicherweise nicht der Fall, denn die Beiträge sind verhältnismäßig niedrig gehalten. Wer also Interesse am Rudersport Hot. der schließ« sich getrost einem Arbeiterruderverein an. Die Kosten sind wirklich erträglich. Der R u d e r o e r e i n„Vorwärts", der älteste und größte Arbeiterruderverein Deutschlands, hat sein Bootshaus in Ober- schöneweide, Wilhelmstrand. Er besitzt ein« ideal angelegte, heizbare Winterruderanlag«. Der Ruderlehrgang für die neuauf genommenen Mitglieder beginnt im Oktober. Wer also Wert darauf legt, Mitglied des Vereins zu werden und im nächsten Frühjahr rudern möchte, der meld« sich umgehend zur Aufnahme, denn der Verein kann nur, insola-e der begrenzten Räumlichkeiten,«in« be- schränkte Anzahl von Mitgliedern aufnehmen. Anmeldungen werden jeden Donnerstag abend im Bootshause entgegengenommen. Gautrefsen der Rakurfreunde. Der Gau Brandenburg des Touristenvereins„Die Natur» freunde", Zentrale Wien, ruft seine Mitglieder zum diesjährigen Gautrefsen, dos am II. und 12. September in Kottbus statt- findet. Auch hierzu sind Freunde und Gönner unseres Vereins herzlich willkommen. Aus dem Programm des Trefsens sei kurz erwähnt: Sonnabend, 11. September, abends 8 Uhr, findet im Volkshaus eine Begrüßungsfeier statt. Sonntag früh sinden unter Führung der Kottbusser Genossen Wanderungen durch Kottbus statt. Danach im Stadttheater„Natursrcunde-Morgenseier", und im Jugendheim eine Ausstellung, die zahlreiches Material von der Eni- wicklung der Naturfreunde-Bewegung bringt. Die Abteilungen müssen schnellstens die Teilnehmerzahl, ob über 20 oder unter 20 Jahre und ob Abfahrt ob Görlitzer Bahnhof 2.55 nachmittags oder 6.15 oder 8.33 abends gewünscht wird, angeben. Auch können sich Teilnehmer melden, die erst Sonntag früh fahren. Das Fahr- geld beträgt für Jugendliche 3,80 M. und für ältere 5,70 M.(Hin- und Rückfahrt). Der Teilnehmerbeitrag beträgt 1 M. für sämtliche Veranstaltungen einschließlich Quartier. Anmeldungen sind zu richten an den Gcnosien Bruno D a m n i tz, Berlin N. 65, Lüderitzstr. 58. Znlervakionale Aufzballspicle. Di»» in Berlin, aber der Sturm litt an Ueberkambination, so datz der Erfolg ausblieb. Nach dem Wechsel kam Leipzig zu einem billigen Erfolg durch «inen Elfnicier. Am Sonnabend spielten die Finnen in Dresdenl:!. » ffvtzball i» Strauibcrg. Au» Anlast de» Werbefportfest», in Strausberg fand-in Fustballwettspiel zweier Auswahlmannschaften statt Auf dem bcrrlich gelegenen Sportplatz stiistt die Mannschaft a». Sie hat die Sonn« im Rücken und ist ansang, leicht überlegen. Wenn es ihnen trotzdem nicht gelingt. Erfolge zu buchen, so liegt da» an der sicheren Verteidigung und on dem Torwart von B, der eben alles halt. Erst«in« gute Einzelleiftung de, Lintmiusten verhilft.4 zum ersten und einzigen Treffer. Schnell ist er an der Seit« entlang gelaufen und diagt im Strafraum zur Mitte. Den scharfen Schuft kann der Torwart, trotz werfen», nicht mehr aufhalten. Doch löstt sich die n-Mannschafi. die durch zahlreichen Ersatz geschwächt ist. dadurch nicht ent- mutige». Langsam aber sicher macht sich B frei, sie statten dem gegnerischen Tor einige Besuche ab. In der 88. Minute wird durch ein« gut eingegebene Ecke mittel»«opfball der Ausflleich erzielt. Nun versucht A wieder in Führung zu kommen. All« Angriffe werden aber von der Verteidigung abgcwiesen. Nach der Paus« ändert sich das Bild sehr zugunsten der B.Mannschaft. Mehr »nd mehr wird sie durch den a'rosten Eifer überlegen. Aber auch bei A zeigt sich her Tarwait al» stark«, Hindcrni,. Erst in der 7S. Minute kann B wieder durch Kopfball da, zweite Tor erringen. Zum Echlust wird die A-Mannschast wieder leicht überlegen, doch reicht«» nicht mehr zum Ausgleich. Noch einige schwierige Minuten hat B'« Bertridigun« und Torwart zu überstehen und dann ist Schlust. Beide Mannschaften führten ein schänes und faires Spiel vor, und dürfte der Arbriter-Sportbewcgnng neu« Anhänger zugeführt haben. Berliner Ahbeiter-Schachklub. Die Meldungen für Mannschaftmvertkämpf« und Einzelmeifterschaft sind bis zum Sonnabend, den 4.. September, beim Od- man» des Epielousschustes Helmut Müller. Berlin NO. 18. Lonacnbeckstr. 4, einzureichen. Sväler einlaufende Meldungen werden nicht berücksichtigt. Arbeitcr-Sporttartell Pankow. 19. Bezirk. Der letzte Werbeabcnd de, Kar- teil, findet Mittwoch. 1. Sepicnrbec. ans der Bolkswicse statt. Dort Spiele. Freiübungen, Jiu-Jitsu, Demonstration. Abmarsch der Berein«»lh Uhr vom Bereinolokal mit Musik. Als Abschlust findet ein Fackelzug durch Pankow statt mit dem Ziel Pankow Kirch«, wo die Aufläsung de, Zug«, erfolgt. Mon- tag, 8. September, V28 Uhr. im Jugendheim Kissingensiraste, Kartelldelegicrten- sttzung. Abrechnung der Karten vom Kartellsportfest muß erfolgen. Quartiergesuch! Der Sportverein Moabit begeht am 12. September auf dem Sportplatz Tiergarten sein 4. Herbstsportfest. Da viele Sportler und auch Sportlerinnen au, dem Reiche ihre Teilnahme zugesagt haben, denätigen wir viele Ouartiere. Der Sportverein Moabit hat durch sein Mitwirken viele Arbeiterfcstc oc.schäncn helfen und hoffen wir. dost uns Genosten und Könner unseres Vereins Ouartiere für die Nacht vom 11. bi, 12. September bereitstellen. Meldnnqen bitten wir bis zum». September an den Gcnostcn R. Lipps. NW.. Stcphansir. 50, bei Knaust. zu richten. Im übrigen laden wir die Arbeiterschaft zu unserer Veranstaltung herzlichst ein. Berliner Arbeiter-Schachklub. Abt. RordiDeft. Am Dienstag. 31. August, hält Schochfleund W. Spengler die Fortsetzung seines Vortrages..Angenommenes Damengambit". Anfang 8 Uhr im Spiellokal Bremer Str. 72—78. Gäste will» kommen. AWI. sArbetter-Wi-tersport-Inlerestengemeinschaft) Sroß-Berlin. Monats» Versammlung Donnerstag. 2. September, 8 Uhr, auf dem Fichteplatz in Treptow. Referat:„Arbeitersport und Jugend". Interessenten fllr Trockenskikurse känncn sich dort melden. An die Turnerinnen de, 1. Kreise, l Laut Beschluß der Frau«nau»schust- sttzung findet am 4. September abends 7 Uhr. bei Schulz, Elisabethstt. 30 fRähe Aleranderplatz), eine wichtig« Versammlung der weiblichen und männlichen im Frauenturnen tätigen Funktianäre statt. «rbeiter-Sawariter-Bund, Kolonne Reinickendors. Derlorengeaangen und bei Erscheinen anzuhalten find Ausweis mit Lichtbild auf den Namen Rudolf Rulick« lautend, Rr. 28 008 lim Stadion verloren). Armbind« Nr. SSW. VewtnnavszvA 5. Klasi« 27. Preußilch.Sübdtullche Klasien-Lottcrle. Ohne Gewähr Nachdruck verboten Aus jeb» gezogene Rummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar ie einer aus die Lose glcicker Nummer i» den beiden Abteilungen I und II 17. Ziehungolag 28. August 1926, nachmittags On der Nachmiltogsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 2 Gewinne zu 10000 M. 277)16 2 Gewinne zu 5000 M. 266383 8 Gewinne zu 3000 M. 36416 62731 119407 277820 6 Gewinne zu 2000 M. 49906 148601 199002 30 Geivinne zu 1000 M. 13383 48382 50376 75889 87921 90402 91950 135001 140947 159936 221971 256038 270670 271373 284355 94 Gewinne zu 500 M. 1239 8459 17895 19493 31800 31811 33512 46359 49274 53824 58953 76633 80046 108847 118628 144026 150745 150990 151096 154654 156598 161145 165316 167447 171823 180216 182200 195829 198110 213684 222154 233321 236896 241408 243715 244042 247963 248329 260591 260847 261654 262435 271600 280235 280421 281011 298562 184 Gewinne zu 300 M. 1243 2479 2564 2567 15578 19146 26609 29857 31425 32617 34687 35556 38646 41047 43710 46694 49000 52227 53136 54506 57250 59172 60815 66630 67494 72590 73835 76799 77008 77115 84218 95969 98528 100972 105495 117067 118607 118873 1)9740>21632 122538 129854 132517 1372-.7 146787 147941 160776 160915 161521 171988 174633 181367 185651 189297 194424 197401 202972 207434 209068 209237 21 1237 218149 218861 221740 226120 226381 229869 231664 235967 236162 236992 241730 243102 243691 246879 253335 257595 258865 265473 265628 266402 269873 271207 272108 274639 276440 282998 283853 285879 295989 296041 296275 E«wla«a»»zug 5. Klotze J7. Preußisch» Siiddeutsch« Klassen. Lotterie. Ohne Gewähr Nachdruck verholen Aus jede gezogene Rummer sind zwei gleich hohe Gewinne gesallen, und zwar je einer aus die Lose gleicher Rümmer in den beiden Ableilungen l und II 18. Ziehungslag 30. August 1926, vormittags On der Vormillagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 4 Gewinne zu 5000 M. 16156 I42I94 16 Gewinne zu 3000 M. 65630 69474 99538 119799 146693 163388 235956 248233 4 Gewinn« zu 2000 M. 136021 184298 30 Gewinne zu 1000 M. 3609 7053 38089 70445 79005 99193 101696 122202 128202 I8I868 281 IN 283461 288730 29Z59S 297391 80 Gewinn- zu 500 M. 3088 7495 24826 26361 29939 34245 37500 43004 61152 71407 78670 83826 86138 90371 90942 102449 126687 133287 134640 145001 147650 149022 151381 153507 157936 160124 161206 177423 181389 182847 192139 219797 243639 245357 251328 257507 265815 281892 294537 295451 196 Gewinn« zu 300 M. 2976 6320 9183 11140 21287 24314 32212 34640 38329 39307 44787 46045 46343 48396 49271 49368 49398 50851 54294 55331 56056 57026 59867 61577 62679 62692 64849 75043 75962 76419 76736 77014 80827 81258 88925 90181 92195 94133 97344 98500 99749 102301 105559 107766 112336 114271 120353 123899 125563 126279 127453 129568 135376 138628 139204 144521 147425 148967 152616 158595 161958 162382 164997 167608 173695 173715 176269 184456 186625. 187152 200911 215666 217594 218918 220451 221466 226825 230456 232861 243993 245127 246553 246640 251665 258956 259184 264489 265192 266890 269635 273518 280208 281265 283919 286783 288440 290501 299294 MERCEDES Hauptprcislagen: t2rt%16r18N� PREISWERT i....' In Berlin: Friedrichstrasse 61/ Tauentzienstrasse 14/ Potsdamerstrasse 55/ Brunnenstrasse 194 Nr. 4SS ♦ 43. �ahrgasg 2. Seilage öes vorwärts dienstag, 31. August 1424 Wohnungsbau und Hemeinöefinanzen Wie werden billige Neubauwohnungen finanziert? Bei den Deratunff«n der verschiedenen Noistandsprogramme der Negierungen des Reiches und der Länder hat die Frag« einer ver- siärtten Finanzierung des Wohnungsbaues von jeher eine außerordentliche Rolle gespielt. Trotz aller immer wiederholten Mitteilungen über die angebliche Bereitstellung von Mitteln ist ober die Unterstützung des Wohnungsbaues durch das Reich und auch durch die Länder bisher beinahe gleich Rull. Bei dem zu Beginn des Jahres von der Reichsregierung zur Bersügung gestellten Sv-Millionen-Kredit waren die Bedingungen für die Der- gebung an die als Bauherren in Betracht kommenden Stellen. namentlich an die Gemeinden, so schikanöser Natur, daß dieser Kredit fast überhaupt nicht in Anspruch genommen wurde. Bis zum Heu- tigen Tage wird der Wohnungsbau fast ausschließlich von dem Erträgnis der Hauszinssteuer finanziert. Spekulationsgewinne für Bauherren— zu hohe Mieten. Dabei hat sich aber in allen Ländern übereinstimmend heraus- gestellt, daß diese Finanzierung unzureichend ist. Neben die Hauszinssteuer, die jetzt in der Regel mit einem Zinssatz von t Proz. plus 1 Proz. Amortisation vergeben wird, treten zunächst erste Hypotheken, die gewöhnlich von Versicherungsanstalten usw. gegeben werden und auch zu erträglichen Zinssätzen beschafft werden können. Dann bleibt für die Schlußsinanzierung der Bauvorhaben ein immer noch beträchtlicher Rest, bei dem gerade die größten Schwierigkeiten entstehen. Private Bauunternehmer, denen Hauszinssteuer-Hypotheken zur Verfügung stehen, pflegen diesen Rest meistens durch sogenannte Baukostenzuschüsse auszubringen, die entweder in einmaligen größeren Beträgen als verlorene Zuschüsse von den künstigen Mietern ausgebracht werden, oder neben der Miete, für die im Durchschnitt ein fünfjähriger Ver- trag abgeschlossen zu werden pflegt, als Extrazahlungen über einen kürzeren Zeitraum bis zu einem Jahre verteilt werden. Infolge dieser Praxis können die privaten Bauunternehmer für die spätere Zeit mit einem erheblichen Spekulationsgewinn rechnen, auf der anderen Seite entstehen aber die allergrößten Schwierig- keiten für den Absatz der auf diese Weise finanzierten Neubauten. Der Wohnungsbau aus Hauszinssteuermitteln wird in diesen Fällen ein Wohnungsbau nur für begüterte Schichten, im besten Falle für die Mittelklassen, für gehobene Angestellte und Beamte, die entweder über eiqene Mittel verfügen, oder vom Arbeitgeber Darlehen und Zuschüsse erhalten. Für Minderbemittelte bleiben die Mieten dieser Wohnungen, die etwa zwischen 120 und 150 Proz der Friedensmiete im Durchschnitt trotz der gezahlten Baukosten- -uschüsie schwanken, unerschwinglich. Diese Zusammenhänge hoben sogar an vielen Orten dazu geführt, daß Wohnungsneubauten trotz der katastrovhalen Wohnungsnot längere Zeit leer standen, «he sie vermietet werden konnten. Die Hilfe der Gemeinden. Die größte Schwierigkeit liegt also bei dem Wohnungsbau in der Beschaffung einer niedrig verzinslichen zweiten Hypothek, die als eine Verstärkung der Hauszinssteuer-Hypothek angesehen werden kann. Solange man sich nicht dazu entschließt, den Zuschuß aus Hauszinssteuermitteln für die einzelne Wohnung über den jetzigen Satz hinaus zu erhöhen, kommt man nicht darum herum, öffent- Ii che Gelder für eine solche zweite Hypothek zur Verfügung zu stellen. Sonst würde es unmöglich sein, zu Wohnungsmieten zu gelangen, die, wenigstens annähernd, den Friedensmieten gleich- kommen und es auch der Lohnarbeiterschaft und den kleinen Be- omten und Anegstellten ermöglichen, solche Neubauten zu beziehen. Hier sind deshalb fast überall die Gemeinden eingesprungen. 192!, zum Teil auch 192-1 waren die Gemeinden bei ihrer damals besseren Finanzlage noch imstande, solche Gelder aus ihren lau- senden Einnahmen aufzubringen, oder aber dafür von der Er- mächtigung Gebrauch zu machen, einen gemeindlichen Zuschlag zu der Hauszinssteuer in Höhe von 109 Proz. des Einheitssatzes zu erheben. Diese Ermächtigung ist jetzt auch in Preußen, wo sie am längsten bestanden hatte, seit der letzten Neuregelung der Haus- zinssteuer in Fortsall gekommen. Iinszufchüffe aus dem Gemeindehaushalt. Infolgedessen ist man fast überall zu einem anderen System übergegangen. Die Gemeinden nehmen für die Zweck« des Woh- nungsbaues entweder selber Anleihen auf und geben aus diesen Anleihemitteln zweite Hypotheken, die mit etwa 2 Proz. verzinst. zu 2 Proz. amortisirt werden, also nur mit einem Zinssatz von 4 Proz. belastet sind. Die Z i n s d i f f e r e n z von durchschnittlich S Proz. geht dann zu Lasten des Etats. Außer eigenen kommu- nalen Anleihen greisen die Gemeinden aber auch auf ihre Spar- kassen zurück, deren Mittel in überraschend hohem Maße(heute be- reits mit über 3ö Proz. der Gesamteinlogen) zu Hypothekenzwecken verwandt werden. Die Gemeinden übernehmen bei diesen von ihren Sparkassen gegebenen Hypotheken die Garantie für den Zinsendienst und zahlen auch hier die Zinsdifserenz zu Lasten ihres laufenden ordentlichen Etats. Neben den Sparkassen kommen dann noch Hypothekenbanken usw. in Frage. Es entsteht also eine neue Art von Kommunalanleihewirtschast in besonderer Form ausschließlich für Wohnungsbauzwecke. Dabei handelt es sich um ganz erhebliche Beträge. So Hot z. B. die Stadt Berlin im laufenden Etatsjahr aus der von ihr aufgenommenen Vprozentigcn Anleihe in Höhe von 22,5 Millionen Mark nicht weniger als 11,5 Millionen M. für solche zweitrangige Hypotheken zur Verfügung gestellt. Sie hat außerdem die Zins- garantie für 15 Millionen M. von der Berliner Sparkasse zu ge- währenden Hypotheken übernommen. Im vergangenen Jahre hat die Berliner Sparkasse 10 Millionen M. hergegeben, so daß ins- gesamt bereits Berlin etwa 36,5 Millionen M. dem Wohnungsbau aus eigenen Mitteln zugeführt hat. Die Zinsbelastung be- trägt im laufenden Jahre zwar nur 400 000 M., sie wird ober im nächsten Etatsjahre auf mindestens 5 Proz. von 36,5 Mil- lionen Mark, also aus 1,8 Millionen M. steigen. Theoretisch besteht zwar die Möglichkeit, daß bei einer Steigerung der aesetz- liehen Miete für Altwohnungen der Zinszuschuß für diese Hypo- theken eingeschränkt werden kann. Es ist aber mehr wie fraglich, ob es dazu kommen wird. Auf jeden Fall wird auf die Dauer eine erhebliche Belastung des laufenden Etats übrig bleiben. Die Berliner Ziffern erscheinen im ersten Augenblick hoch, Berlin ist aber mit seinen Leistungen prozentual erheblich hinter dem zurückgeblieben, was andere Städte in ähnlicher Form aus- gebracht hoben. Ohne diese Hilfsaktionen der Gemeinden wäre der Wohnungsbau heute schon überhaupt nicht mehr denkbar: denn der Wohnungsmarkt würde gar nicht imstande sein, etwa alle Neu- bauten auszunehmen. Man kann im Durchschnitt damit rechnen, daß mindestens 75 Proz. aller Wohnungsneubauten in dieser oder ähnlicher Weise aus Gemeindemitteln zusätzlich subventtoniert werden. » Diese Ersahrungen zeigen, daß sowohl das Reich wie die Län- der mit ihrer Wohnungsbaupolitik vorläufig noch durchaus hinter dem zurückgeblieben sind, was angesichts der geringen Kaufkraft der Bevölkerung und der starken Teuerung im Baugewerbe unbedingt gefordert werden muß. Es ist mehr als fraglich, ob aus die Dauer die Sparkassen und der allgemein« Kapitalmarkt in der Lage sind, in gleichem Maße wie bisher Anleihe und Hypothekenmittel zur Verfügung zu stellen. Man wird sich infolgedessen im Reichstag ernsthaft mit der Frage beschäftigen müssen, ob nicht generell die Bedingungen für die Vergebung von Hauszins st euer- mittel» so geändert werden müssen, daß ein größerer Pro- zentsotz der Neubaukosten direkt durch diese Mittel gedeckt wird. Messe, Konjunktur und Kaufkraft. Unser nach Leipzig entsandter Sonderberichterstatter schreibt uns: Obwohl die diesjährige Herbstmesse bis jetzt einen direkt lata- strophalen Verlauf genommen hat, fehlt es in Leipzig nicht an Optimisten, die stark mit einer baldigen Besserung der Wirt- s ch a s t s l o g e rechnen. Man führt neben den Argumenten und den Ausführungen der amtlichen Konjunkturbeobachtung noch eine Reihe anderer Gründe für diese Meinung ins Feld. Die wichtigsten sind folgende: 1. Die P r e i s e z i e h e n(wie man in Leipzig leider beobachten konnte) aus vielen Gebieten a n und der B e s ch ä f t i- g u n g s g r a d hat sich in vielen Branchen, ganz unabhängig von den Arbeitsmarktmaßnahmen der Regierung, wesentlich g e- bessert. 2. Die großen, aus der Rentenmarkzeit stamemnden Warenlager sind zum Teil liquidiert, dem Verbrauch zugeführt, und drücken nicht mehr aus den Markt und den Absatz. 3. Die Kaufkraft eines wesentlichen Teils der Bevölkerung, der Landwirtschaft, hat durch die Getreidepreissteigerung und durch die neue Finanzhilfe der Banken und der Genossenschaften eine be- deutende Stärkung erfahren. Zweifellos sind die aufgeführten Momente von einschneidender Wirkung und von Bedeutung. Rechtfertigen sie jedoch die optimistische Prognose, die auf der Leipziger Herbstmesse ihr Wesen treibt? Von der Beantwortung dieser Frage hängt viel ab: für die Arbeiterschaft insbesondere die vor Eintritt der kälteren Witterung lebenswichtig werdende Frag«, ob unser Arbeitsmarkt endlich den notwen- digen Impuls zur Besserung bekommt. Der Verlauf der Leipziger Messe rechtfertigt die Hoffnung auf eine Wendung zum Besseren f ü r die Dauer nicht. Der Händler, der glücklich durch die Krise kam, ist mit dem gebrannten Kind zu oergleichen, das Feuer scheut. Er disponiert äußerst vorsichtig, geht darin vielleicht zu weit und schätzt das kommende Weihnachtsgeschäft sehr wahrscheinlich g e- r i n g e r ein, alsesangebracht erscheint. Deshalb ist die Folge der liquidierten Warenlager höchstens in einer Gesundung derart zu sehen, daß, wenn schon nur kleine und kleinste Aufträge herein- genommen werden können, diese nicht, wie es in den letzten zwei Jahren leider Regel war, nach der Bestellung und nach der Messe doch annulliert werden. Der Verkäufer kann mit den Bestellungen, die er in Leipzig hereinnimmt, als mit festen Ordern und festem Aus- ttagsbestand rechnen und wohl auch damit, daß die vereinbarten Zahlungstermine nach Lieferung pünktlich eingehalten werden. Das ist recht erfreulich und immerhin eine gesunde Grundlag« für die Festigung: entscheidend für den Konjuntturverlauf ist das aber nicht. Die Ueberwindung der Vertrauenskrise scheint aber auch der letzte Grund für die in einer ganzen Reihe von Branchen fest- zustellende bessere Beschästigung zu sein. Der Käuser macht, wenn er seine Auströge gibt, heute durchweg kurze Lieferfristen aus und besteht peinlich genau auf Einhaltung dieser Fristen. Um dos zu können, geht die Fertigung notgedrungen dazu über, a u f L a g e r zu arbeiten. Das ist z. B. in der T e x t i l i n d u st r i e der Fall, wo man sich besonders auf den Winterbedarf einzustellen hat. Man darf diese Entwicklung aber nicht mit gebesserter Kaufkraft ver- wechseln. Beide haben gar nichts miteinander zu tun. Die Steigerung des Beschäftigungsgrades ist eben nur formale Angelegenheit, Aus- druck einer anderen Disposition auf dem Markt und in der Fertigung. Desto unverständlicher ist es, wenn man einer im Grunde genommen und im ganzen gesehen doch nur mäßig belebten Beschäftigung mit Preisheraufsetzungen entsprechen zu müssen glaubt, wie das die anziehende Tendenz in der Preisbildung aus der Leipziger Messe beweist. Wie die Dinge bei uns liegen, kann von einer wesentlich gestiegenen Nachfrage nicht gesprochen werden. So gehen bei uns einmal wieder die Preise herauf, als ob wir eine echte Konjunktur hätten, was sicher nicht der Fall ist. Diese Tatsache kann auch wohl kaum von der angeblich ge- steigerten Agrarkauskroft korrigiert werden. Die Landwirtschast ist in diesem Herbst allerdings im Genuß sehr günstiger Preise und kann vor allen Dingen die nicht schlecht ausgefallene Ernte schnell ver- werten, ohne Aufenthalt in den Besitz flüsiiger Mittel kommen. Sie hat dann auch sicherlich den künstlich ausgelösten Geldstrom benutzt, um Anschaffungen vorzunehmen. Die bekannten Maßnahmen um den Roggenpreis, die Zollerhöhung, die Valorisation und die Roggen- lombardierung sind jedoch zu guter Letzt in dem Interesse begründet, das das deutsche B a n k k a p i t a l an der landwirtschaftlichen Zahlungsfähigkeit hat. Wenn also z. B. der Roggenpreis heute über Friedensstand und recht hoch über dem Stand des Vorjahres liegt, bedeutet das nichts anderes, als daß der Konsument die Schuld der Landwirtschaft bei den D anken über den Weg eines übersetzten Mehl- und Brotpreises abträgt. Die Banken sind also Nutznießer des ganzen Preisexperiments, d. h. die Landwirtschaft bleibt gar nicht allzulange in dem Besitz der ihr aus der Ernte zufliestenden Geldmittel, kommt mindestens nicht in ihren vollen Genuß. Wenn man die Zusammenhänge richtig erkennt, kann man noch nicht von einer gesteigerten landwirtschaftlichen Kaufkraft sprechen. Ziehen wir die Bilanz: Der für die Anregung der Wirtschaft not- wendige Impuls kann nur von einer erweiterten und gesteigerten Kaufkraft ausgehen. Kaufkraft ist aber ein Ding, das an die große Masse und an den Massenverbrauch geknüpft ist. Hier hat sich keine Wendung nach der Richtung größerer Aufnahmefähigkeit vollzogen: beispielsweise ist auf der Leipziger Herbstmesse von der ganzen Rationalisierung, soweit die Preisbildung in Betracht kommt, gar nichts zu merken. Wenn Unternehmertum und Regierung Lehren, wie sie die diesjährige Leipziger Herbstmesse bieten kann, zugänglich sind, dann müssen sie endlich den Zusammen- hang zwischen Konjunktur und Kaufkraft erkennen. Die deutschen Gewerkschaften haben schon vor längerer Zeit, gestützt auf ihre Erfahrungen in den nordamerikanischen Staaten, den richtigen Weg gewiesen: er ist eben die durchaus mögliche größere Beteiligung der breiten Schichten am Sozial r. produtt. ■tön' Ein inlcrnalionalcr vekriebsoertrag in der Röhrenindustrie. Die internationalen Zusammenschlußbestrebungen haben neuerdings in der Röhrenindustri« zu einem wichtigen Ergebnis geführt. Die Mannesmann-Röhrenwerke haben einen Betriebsvertrag mit den British Mannesmann-Tube-Company Ltd. in London abge- schlössen, der u. a. den Austausch technischer Erfahrungen und gegen- seitige allgemeine Unterstützung vorsieht. Das von den Mannes- mannwerken veröffentlichte Kommuique bezeichnet diese Verein- barungen als einen bedeutenden Schritt in der Richtung engerer Gemeinschaftsarbeit zwischen kontinentalen und britischen Stahl- erzeugern.— Die hier genannte British Mannesmann Tube Co. ist eine der Auslandsgründungen des Mannesmann-Konzerns, die wie verschiedene andere Tochtergesellschaften schon längst vor dem Krieg« ins Leben gerufen wurde. Im Kriege wurde das Wert von den Engländern zwangsweise verkauft. Inzwischen ist sein Kapital auf 1H Millionen englische Pfund(30 Millionen Mark) erhöht worden. der jetzt zu dem Bctriebsvertrag ausgebaut wurde. Eine russische Oelvertriebsgescllschasl In Deutschland. Von der Berliner Handelsvertretung der USSR. und dem russischen Naphtha- syndikat wurde soeben mit einem Kapital von 2 Millionen Mark in Berlin die D e r u n a p h t h a G. m. b. H. gegründet. Ihre Leitung liegt in den Händen der Berliner Vertreter des Allrussischen Naphthasyndikats Ter-Oganessow und Slutzki. Die Gesellschaft will die sämtlichen exportierten Naphthaprodukte des Syndikats in Deutschland verarbeiten und vertreiben. Es handelt sich in der Hauptsache um Benzin. Bisher lag der Vertrieb dieser Produkte in wegen de j Preises Eine IPleirie wnleir den Zig areHenma rken IHafliwyilWk IST ECHT ■ften fjünjicn btr D euischen Petrokeum N>S. Seitdem dies« mit dem Anschluß an die Deutsch« Erdöl A.-G� eine Umorgonisation erfahren hat, seitdem ihr die Erdölinteressen der Deog anvertraut sind und sie auch durch Verträge an amerikanische Erdölgesellschasten gebunden ist, bestand bei der russischen Regierung der Wunsch, in eigener Regie den Vertrieb ihrer Produkte zu übernehmen. Außerdem stellt sich für den Export die Herstellung der Fabrikate in Deutschland billiger, da der Transport des Produktes nach Deutschland nicht soviel Kosten verursacht als der des fertigen Fabrikats. Für den Konkurrenzkampf mit Benzin auf dem Welt- markt dürste die neue Gesellschaft von Deutschland aus besser ar- beite» können als das von Rußland aus möglich ist. Rückgang der italienischen ftunslseidenaussuhr. Die nunmehr vorliegenden Zahlen über die Aussuhr der bedeutenden italienischen Kunstseidenindustric in den ersten fünf Monaten 192« zeigen gegen- über den Zahlen für die gleiche Zeit des Vorjahres einen nicht un- beträchtlichen Rückgang, und zwar wurden vom 1. Januar bis zum 31. Mai 1925 rund 2,77 Mill. Kilo Kunstseide ausgeführt gegen 3.21 Mill. Kilo in der gleichen Zeit des Vorjahres. Das Valuta- duniping scheint also den Italienern beim Export dieses wichtigen Induftrieartikels nicht wesentlich genützt zu haben. Besonders be- merkenswert ist es, daß nach E n g l a n d in den ersten füns Monaten 1926 nur 106 147 Kilo ausgeführt wurden gegen 1 248S46 Kilo in der gleichen Zeit des Vorjahres. Der Rückgang des Exports ist wohl in erst« Linie auf die Abwehrmaßnahmen der englischen Regierung gegen die Einfuhr von fremder Kunstseide zurückzuführen. Das H a u p t e x p o r t l a n d ist zurzeit China, wohin 543 432 Kilo geliefert wurden gegen 76 4(X> Kilo in der gleichen Zeit des Vorjahres. Ueberhaupt scheint die Aussuhr noch Ostasien und B r i t i s ch- I n d i e n sich in steigender Linie zu bewegen. Dagegen hat die Belieferung der europäischen Staaten mit italienischer Kunst- seide recht beträchtlich abgenommen. Auch nach den Vereinigten Staaten, die in den ersten fünf Monaten des Vorjahres 625 518 Kilo bezogen haben, sind 1926 erst 343 112 Kilo gegangen. Bei dem Be- streben der Länder mit eigener Kunstseidenfabritation, möglichst den heimischen Markt für ihre eigene Industrie zu reservieren, wird die italienische Kunstseidenindlistrie, deren Produktionssähigkeit in den letzten Iahren beträchtlich zugenommen hat, gezwungen sein, ihren Ausfuhrüberschuß nach den östlichen Ländern der Welt zu lenken. kansumgenossenschastlicher Fortschritt. Im Verbände n o r d» westdeutscher Konsumvereine stieg im Juli in 56 Vereinen der Gesamtumsatz um 19,8 Proz. von 10 003 803 M. auf 11882 470 M. Im Verbände wllrttemb er gi scher Konsumverein« erzielten 29 Vereine 4 865178 M. Umsatz, und der Durchschnittsumsatz je Mitglied stieg gegenüber Juli 1926 von 23,12 M. auf 25,35 M. Im Verband« südwe st deutscher Konsumvereine stieg im zweiten Vierteljahr 1926 der Umsatz gegenüber dem ersten von 1« 539 145 M. auf 17 710 425 M., der Durchschnittsumsatz je Mitglied von 45,07 M. auf 51,37 M. Im Verband ostdeutscher Konsum- vereine erhöhte sich im zweiten Vierteljahr 1926 der Umsatz von 14 569 076 M. auf 15 980 754 M. Riebeck-TUonlan und der Farbenlrusl. Die Angliederung der R i e b e ck- M o n t a n w e r k e an die I. G. Farbenindustrie, den größten chemischen Trust Deutschlands, ist jetzt in greifbare Nähe gerückt. Die I.®. wird im Wege des Aktienaustausches die Riebeck- Werke in ihren Besitz aufnehmen und damit ein Zentrum der Braun- kohlcnoergasung und-dcstillation an sich ziehen. Hamburg und der englische Vergarbeilerslreik. In Hamburgs Verkehr wirkt sich der englische Bergarbeiterstreik stark aus. Im Monat Juni sind über Hamburg 144 428 Tonnen Steinkohle aus- geführt worden, die Einsuhr betrug nur 1200 Tonnen. Im M a i betrug die Einfuhr noch 21 860 Tonnen, während sich die Ausfuhr damals nur auf 534 Tonnen stellte. Siitzenduugai für diese Rubrik sind «erlia SW 68, Lindenstrage 3, parteinachrichten für Groß-Serlm stet» a» da» Be�irkOsekretariat. 2. Hof, 2 Tre». recht», j» richten. 4. strei» Prcazlaocr Berg. Morgen, Mittwoch, abend» 7 Uhr, allgemeine Nreisfunktionärkonferen, im Ledigenheim Pappelallee 15. Tagesordnung: ..Wie schafirn wir die weltliche Schule im Begirk Prenzlauer Berg. Refe. rcnt Lehrer Schröter,«erscheinen aller Parteifunktionär« und Elternbeiräte der Liste..Schulaufbau" unbedingt erforderlich. 5. strei» Arirdrichshain. Abteilunasmieteroertreter morgen, Mittwoch, 714 Uhr. bei Dittlchug, Petersburger Etr. 5, wichtige Sitzung.— Berwaltung». bezirk: Morgen. Mittwoch, 614 Uhr. Bezirksoersammlung im Rathaus, Nönigstrofie. Stodtocrordnctcnsitzungesaal. Einlaßkarten ab 614 Uhr beim Genossen Tischer. Einqana Spandauer Strotze. 7. Kreis Eharlottenburg. Herne. Montag abend 7-/, Uhr, im Rathau», Zimmert, wichtig? Trattionslltzunq mit den BUrgerdeputierten. 2g. tkrei» Reinickendorf. Heute, Dienstag, abends 7 Uhr, im Rathaus Wittenau, kleiner Sitzunossaal. Sitzung aller Elternbeiräte de» Kreise». Bortoag de» Genossen Schröter über ,,Die Ausgaben der Elternbeiräte". heute. Dienstag, den 31. August: 38. Abt. 8>4 Uhr Sitzung des Vorstandes bei Lubota. Zungsozialisten. Gruppe Süden: 8 Uhr Gruppenabend in der Juristischen Smechstundc. Lindenstr. 3. Tortsctzung der Diskussion:..Unsere Stellung zur Rutziondpolitik der SPD."— Gruppe Zempelhof-Marieubars: 8 Uhr im Jugendheim Germaniastr. 4—6.„Die Tirolfahrer erzählen."- Gruppe Lichtenberg: 714 Uhr im Zugendheim Parkaue 10 Bortrag:„Mensch und Maschine". Refcrentin Dora Tabian. Arauenveranstaltungen: 131. Abt. Riederschönhauscn. Der Trauenabenb fällt heute au» und findet am Dienstag, den 7. September, an bekannter Stell« statt. 138. Abt. Reiuickendorf.Oft. Die Trouenfunktionärsstzung findet nicht heut», Dienstag, sondern am 14. September, statt. Morgen, Mittwoch, den 1. September 1926: 25. Abt. 7>4 Uhr treffen sich alle Tunktionäre und EPD.-sklternbeirZt« im Ledigenheim Pappelallee. 27. Abt. Alle Funktionäre und Elternbeiräte nehmen an der Kreisfunktionär. konferenz im Ledigenheim teil. 38. Abt. 7 Uhr Funktionärkonferenz bei Bartusch. Friedenstr. 88. Di« sonst fehlenden Funktionäre werden besonders gemahnt, g Uhr bei Bartusch Sitzung des Abteilungvorstandes mit den Elternbeiratsmitgliedern der SPD. van der 23.. 33.. 5g.. es., 135.. 137.. 13g., 161. und 181. Volks. schule. 57. Abt. Eharlottenburg. 8 Uhr Funktionärsstzun» bei Gruners. Schlllterstr. 47. 84. Abt. Lankwitz 8 Uhr Funktionärsstzung bei Lehmann. Bestimmte» Er. scheinen aller Funktionäre ist Pflicht. 182. Abt. Baumschulenweg. 714 Uhr Funktionärsstzung im Lokal Hacz, Baum» scknilenstratze. 104. Abt. RiederschSneweid«. 8 Uhr Sitzung sämtlicher Funktionäre bei Thiel«, Berliner Slr. 38. Da die Verhältnisse der örtlichen Konsumverkaufsstelle besprochen werden sollen, wird erwartet, datz unsere Delegierten bestimmt teilnehme». 106. Ab«. Johannisthal. 7>4 Uhr bei Schreiner, Friedrichstr. 6. Genosse Wilhelm Richter:„Weimarer Verfassung". 120. Abt. Frledrich»fclbe. 714 Uhr Vcrsammluna bei Tempel. Prinzenalle«. Thema:„Das Grotzkraftwerk Rummelsbirrg". Referent Stadtrat Schlichting. Zungfozialiften. Gruppe Tiergarten: 8 Uhr Borwärtsspedition Wilhelmshavener Siratze 43 oemeinsame Lektllr« van Kurt Geyer:„Führer und Mass« in der Demokratie". Kinderfreund« Srotz-Berlin: 7'4 Uhr Vorstandssitzung. Lindenstr. Z.— 8. Krei» Kren, Heeg: Die Kinder treffen ssch von Gruppe Woldemarstr. 77 und Reichenberger Str. 66 foden Montaa, Mittwoch und Donnerstag um 113 Uhr am sörlitzer Bahnhof zum Ahmarsch nach der Treptower Wiese Nr. 8. Freitaos vdn 146 bis>48 Uhr im Heim Reichenberger Str. 66.— Gruppe Solesch«» Ta- spielt Montag» von 4 bi» 7 Uhr im Heim Belle. Alliance-Vlatz 1 und Mittwochs, Donnerstags und Sonnabend» von 4 bi» 7 Uhr auf dem Spielplatz Katzbachstratze. Sozialistische �rbeiterjugenü Groß-Serlin. heule Dienstag: »i. Mitgliet-kartc» der Zugrndoolk.bihnc» ssud ei»getrost.», die»»»aste» wussen dieselbe»»»bedl»gt abHalen. * «ebding-Rard: Müllerstr. 48...Proletariat und Dichtkunst."— Vre«»Ia»«r Vorstadt: Diskussion:„Politische Fragen".— Schönhauser vaestadt II: Heim Driefencr Str. 22. Porirag:„Die Frau und der Sozialismus".— Seuefelder» Viertel: Zugendheim Schule Eberswaldcr Str. 10. Bortrag:..Da» Iugend« schutzgcsetz".— Schöneberg I: Zugendhcim Rüben».. Ecke Hauptstratze. Vor» trao:.Soziales Wandern".— Schönebcrg II: Jugendheim Hauptstr. 15. Bor» trog:„Körperkultur".— Reukölln I: Zugendheim Sander», Ecke Hohrechtstratze. lg-MinuIrn-Ncserotc.— Reukölln V: Dritter proletarilchrr Dichter« bend. � Reinickendors Ost: Jugendheim Seebad. Rcssdenzstrotze. Bortrag:„Glaube undi Naturwissenschoflrn".— Riederschonhaulen: Zugendheim l. Gemeindeschule, Vlantenburger Str. 60—70. Portrag:..Dir sronzöfilch« Revolution". Pankow: Zugendheim Breite Stratze. hinter dem Finonzomt. Wichtige Mitgliederver- sommlung.— Bcrbebczirk Tiergarten: Katholische Schule am Etcphonsplatz, Tagung der Aclterengruppc._ vortrage, vereine und Versammlungen. Reichsbanner„ S chwarz-R ol-Gold". Getchästsstelle: Berlin S 14, Sebaftianstr. 37/38. Hof 2 Tr. Mitte: Sonntag, d. 5. Sept., 12>e Uhr nachm.. Antreten Schief. Bhl. mit Fahnen und Tambourtorps. Fahrt nach Adlershof,— Tiergarten: Mi., d. I. Sept.. Kameradschaft Westen, abends 8 Uhr Verf. ber Sollcrmüllcr, Potsdamer Str. 113.-. Stephan. Do., d. 2. Sept.. Kameradschaft». vers. 8 Uhr abends. Funktionär->48 Uhr. Fr., d. Z. Sept.. Wcrbekundgcdun-, mit Munt und Fahnen 6,7 Uhr Kleiner Ticraartrn. Zur Teilnahm- an Tem. plin Nadfahrer So., d. 4. Ecpt.. mittags 12 Uhr. Kleiner Tiergarten� Auto- fahrt Sonntag, d. 5. Sept.. morgens 5 Udr, ob Kleiner Tiergarten.— Friedrich»- Hain: So., d. 4. Sept.. abends 6 Uhr, Antreten 5., 6. u. 7. Sektion und Tam- bourkorvs Äüstriner Platz. Der Rest des Kreisvereins 6>4 Uhr dortfelhst.— »reuzdcrg, Abt. 3: Mi., d. 1. Sept., obands 8 Uhr, bei B Paunsdorf, Grvtz- bmenstr. 23, Bortrog des Kam. Salingr«. Abt. 5: Mi., d. 1. Sept., abends 8 Uhr Beif. hei Gocdick». Krauscnstr. 2. Do., d. 2. S-v., Abt. 4. Bcrl. im Rest. ..Kur Linde". Halltschcs Ufer II. Abt. 0: Mi., d. 1. Sept.. abends 8 Uhr. Bers. bei Biehlcr. Diesfenbachstr. 76.— Bernau: Do., d. 2.. abend» 8 Uhr, Vers, her Modisch. Vortrag:„Zweck und Ziele des Reichsbanners". Referent ein Mit- glied des Gauvorstandes. Erscheinen Pflicht. Rcich»bund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriege rhiater- bliebenen. Oetsgruppe Süden. Mittwoch, 1. September, 8 Uhr, Milglicderver» sammlung in Glicssngs Feftsälen, Gossertorstr. 68. Vortrag des Gausekretär» Kameraden Schubert über„Die Entwicklung des Versorgungswcsens bis»uü 4. Novelle". Läus-Sedeukseier. Die Arbeitsgemeinschaft für Forstschutz und Naturkunde, r. V.. Berlin-Friedrichshagen lArfo), veranstaltet Mittwoch, 1. September, 8 Uhr. im Gesellschaftshaus Berlin-Friedrichshagen, Friedrichstr. 137, eine Löns- Gedenkfeier. Lougfellow English Debatting Club, Blllowstr. 104. Mittwoch, l. September, 8 Uhr, Mrs. FIcntjc:„The British Nation". Wetterbericht der öffentlichen wetlerdlevstftelle für Berlin. sNachdr. Verb.) Trocken und größtenteils heiter. Am Tage warm.— Für veuffchlond: Im Westen vorübergehend stärker bewölkt, sonst trocken. Im Osten heiter und in den Tagesstunden warm. Verksuke Leiterwagen. Scklauchwaaen. Schub- .. karren. Einzelrädcr. Achse«. Federn. Globus. Dresdenerftratze 55. Moritzvlatz 12735._' Teppiche. Diwondecken. 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August 1926 Unterhaltung unö �Dissen Seilage öes vorwärts Muf Sem Muswanöereröampfer. II Von Hans Friedrich Blunck. I. Wie andere Hafen und Menschen aussehen, wenn man einmal aus der Jenseits steht, wenn man, den braunen Schein des dem Luxus Entsagenden in der Hand, die Laufbrücke-um Schiff besteigt. Und seltsam auch, wie der Mensch sich in solchem Augenblick wandelt, wie mit dem Betreten der Planken das Gefühl jener Schicksals- gemeinschaft auf Wochen jedermanns mit jedem wach wird und zu innerer Umstellung zwingt. Diese großen Südomerikafohrer ohne Klassenunterschied, wohl das technisch Beste modernen Schiffsbaus, die alles, vom einfachen Auswanderer bis zum ausfahrenden For- scher umfassen, sind eine neue Welt für sich— eine unendlich reiz. rolle Welt! Und das Gefühl, auf Wochen von den gleichen Planken eingeschlossen zu sein, nicht nur, wie so oft, einen Freund hinaus- zufeiern, sondern selbst der Wanderer zu sein, gibt ein Gefühl zu- sammengeschlosscnen Lebens, in das man den Schiffskapitän wie den rußigen Oeler, der aus dem Bullaug der Einbootung zuschaut, in gleicher Weise einschließt. * Es ist Abend, da der Riese sich in Bewegung setzt. Der Turm .Xehrwieder steht drüben verdämmernd im Wasser— der Turm der Sehnsucht unserer ausfahrenden Schiffe. Wir sind in bewegter Stimmung, seitdem das letzte Fallreep aufgezogen wurde. Jenes Wehen der Tücher, der Anblick der Schei- denden, hat immer etwas grenzenlos Herbes und es ist unnötig, es zu verbergen. Zumal auf solchem Schicksolsschiss, das viel Scheiden auf immer bringt, oder auf lange, ferne Hoffnungen. Der Mann»eben mir, ein vom Leben Verworfener, den ich von seinem ältlichen, vergrämten Weib Abschied nehmen sah, sucht verzweifelt winkend auf dem heimfahrenden Tender nach der Zurückbleibenden. Plötzlich wendet er sich an uns alle mit einem erschütternden Schrei, der uns mitfreuen lassen will:„Da, da— meine Frau sieht mir noch!� ruft er uns an. Niemand kommt auf den Gedanken, zu lachen, jeder ist seltsam benommen von der letzten Ergriffenheit des Glück- losen. Einige Schritte weiter zwei, die nach manchem wilden Weg eine neue Heimat suchen. „Meine Mutter," sagt sie,„Mutter wollte noch mal kommen, ehe ich fahre, aber es war besser, sie sah mich nicht so!" ch Unsere nächsten Tischgenossen sind einige süddeutsche Universi- tätslehrer, ein bayerischer Maler und zwei frühere Offiziere mit ihren Frauen, die Kameraden auf ihren Farmen in Argentinien besuchen wollen. Wir machen sehr fröhlich Bekanntschaft, aber meine Liebe geht zu den vielen Schicksolsbelasteten, die an unserem Tisch entlangstreichen und einen Weg gehen, aus dessen Schwermut sie uns anlächeln und der nun viele Wochen auf diesem Schiff neben unserm läuft. » Draußen in der Dunkelheit der Weite kein Licht, kein Laut, nur das leise Raunen am Schisfsbord entlang. Man weiß kaum, daß man fährt, diese Motorschiffe scheinen in der Nacht ohne eigene Bewegung, ohne Ruß, ohne Maschine zu treiben, unheimlich in ihrer Stille. Ein alter Franzirtanerpater, der junge katholische Geistliche noch drüben begleitet, erklärt ihnen, die noch nie das große Wasser sahen, das Schiff von unten bis oben.„Germania docet," endet er, gerade als ich, ein wenig lauschend, vorbeikomme. Der Mond steht hinter feucht trüben Wolken, die hochgeschweift bis zum Bootsdeck über uns reichen.„Alte Liebe" heißt der nahende Molenkopf von Euxhaven. Wieviel Sehnsucht der Ham- burger doch in seine Namen legte. Der Verkehr mit der neuen Nachbarschaft ist im besten Gange. Dtr Professor aus München äußert sich über Blaubeeren als bestes Mittel gegen Arterienverkalkung und gegen das für une Marsch- bewohner so ärgerliche Muskelreißen. Rechts begrüßen sich einige Marineleute, sie standen auf einem Schiff am Skagerok und lebten verstreut in Süddeutschland bis heute. So recht jungenhaft ist ihre Freude, wie überhaupt olle früheren Seeleute niemals jene fröhliche Ungebundenheit alter Meercsfreiheit verlieren. Wir sind auf einem Einheitsschiff. Einige Schritte weiter auf der Treppe zum Zwischendeck betet ein Grieche laut und feierlich und dreht einen Gebetskranz durch die Finger. Neugierige um- stehen ihn und ein Berliner Dolmetscher erklärt uns, er bete gegen den Rauchteufel, der ihn just versucht. Ich wünsche zwischen Blau- beeren und Joghurt meinen Hamburger Freunden diese Fröm- migkeit. Der Maler aus Bayern ist ein völlig vertrallter Bursche. Augen- blicklich läuft er das Deck ab und bestellt, wen er halbwegs kennt, an das Telephon. Sein Gesicht ist vor Vergnügen mit tausend Fältchen überzogen. Die„Alte Liebe" liegt neblig erleuchtet, vor dem regendunklen Cuxhaven. Einige Bartassen von Freunden Ausfahrender schneiden durch die müde leuchtenden Wogen. Die Fahrgäste stehen wie eine Mauer an der Reeling, letzte Stufe von unten nach oben, Wander- und Scheidelieder der Jugend. Man sucht sich zu erkennen, es gelingt im Dunkeln nicht, nur die Stimmen klingen noch befreundet. Ein Spaßvogel von unten weiß sich zu helfen.„Heinrich, zünd' ein Streichholz an!" Es ist eins der Worte, das die ganze Reeling ins Lachen bringt. Dann singen sie da unten:„In der Heimat, in der Heimat gibt's ein Wiedersehen." Jemand klettert halsbrecherisch dos Fallreep nieder, und die Bordkapelle spielt jenes„Muß i denn, muß i denn zum Städtle hinaus," das einen weih Gott befangen macht- wer soll's leugnen? Dom. Zwischendeck stapft mit hängenden Hosen, die riesige Lammsellmütze über die Ohren gezogen, ein fünfjähriger Knirps. Er lächelt über die wehenden Tücher, er bleibt, die Hände in die Taschen gestopft, altklug hinter uns stehen und belauert uns au, schrägen Augwinkeln: ein sonderbar unheimliches Wesen, wie aus einer anderen Welt unter uns gewachsen. » Die ersten Morgenfrühen sind grau und naß, man läuft ver- klommt aus und ob, klettert durch alle Decks, sieht vergrämt wie der aufblouende Himmel sich wieder schließt, zählt die Möwen, die hinterm Schisf kreuzen und sucht wieder die Menschen, die nun wochenlang die Nächsten sein werden. Wir sind jetzt eine richtige kleine Gesellschaft, meine Frau, mein Detter, der sich als Kaufmann lange besann, ob er's mit dem Ruf der Firma oereinen könnte,„Emheitsschisf" zu fahren, und der Kreis unterhaltsamer Menschen, der sich zusammenfand und vor- läusig auf Anzeichen von Seekrankheit gegenseitig auf die Nasen- jpg«,, jchout Uebrigens ist meine Frau über das mittelgute Wetter offenbar enttäuscht. Sie hat eine ganze Reihe von magenbeschwerenden unfehlbaren Mitteln bei sich und lauert geradezu auf die Gelegen- heit, das Gespenst der Seekrankheit zu stellen.„Ob man's auch vor- beugend einnehmen soll?" fragt sie ungeduldig. Dabei ist sie von Natur ein standhafter Seefahrer. Auf dem Mittelmeer war sie einmal die letzte der widerstandsfähigen Frauen— ich zählte genau— und wäre es sicher auch geblieben wenn ich nicht schon der deutsch nationale don�uan. „Horch auf den Klang der Zither Und öffne mir das Gitter! Läßt dn sogleich mich ein, So fei die Schule dein!" im Windschutz der Küste auf den Gedanken gekommen wäre, sie zu loben. Frauen bestehen aus Widersprüchen, sie merkte in dem Augenblick, daß sie vom Schicksal vergessen war. Ich habe kein Verlangen nach derartigen Proben. Wir trieben uns einmal, vier Heidelberger Studenten bis Kairo hinunter, fuhren fiebrig von Alexandrien mit einem kleinen griechischen Küsten- schlepper heim und kamen drei Tage nicht voran vorm Sturm. Ich fühle in Gedanken an Seekrankheit noch immer die furchtbare Ein- samkeit jener Fiebertnge und warte nicht auf neue Heimsuchungen. _(Fortsetzung folgt.) Internationale Gefängnisreform. Die Frage der Besserung des Strafvollzugs in den Gefängnissen. der wir in Deutschland gegenwärtig durch Einführung der in Ame- rika seit langem mit Erfolg eingeführten Bewährungsfrist besondere Aufmertsamkeit schenken, hat auch internationale Kongresse schon wiederholt beschäftigt. Eine englische private Organisation, die Howard-League für Strafrechtsreform, will jetzt mit Hilfe des Völker- bundes ein gemeinsames Vorgehen auf diesem Gebiete anregen und in die Wege leiten. Die Vereinigung hat ein Programm ausge- arbeitet, das eine Liste von„Mindestrechten der Gefangenen" aus- stellt. Man darf nicht verkennen, daß der Gedanke, daß auch der Gefangene sich bewußt ist, während seiner Hast nicht recht- Und wehrlos zu sein, sondern immer noch eine Persönlichkeit zu sein, die eigene Rechte geltend machen kann, sehr viel dazu beitragen kann, um dem Gesangeneu das Bewußtsein wachzuhalten, daß er nicht ganz aus der menschlichen Gesellschaft ausgestoßen ist. Gerade das Gejühl, ausgestoßen zu sein, erschwert oft das Einleben in die normale Form der menschlichen Gemeinschaft nach der Entlassung. Freilich wird es nicht ganz einfach fein, solche Rechte der Ge- fangencn einheitlich und zweckmäßig festzusetzen. Gewisse Rechte auf Unterbringung, Beköstigung, Beschästigungsmöglichkeit ließen sich wohl für alle Gefangenen wenigstens'in den Grundzügen gleich- mäßig festlegen. Schwieriger wird es schon, wenn es sich etwa um ein Recht, Angehörige zu sehen oder mit ihnen brieflich zu verkehren, um Freizeiten und Aehnliches handeln würde. Der Vorschlag der Howard-League beschränkt sich darauf, solche Einrichtungen als Rechte festzulegen, die, wie es heißt,„heute schon bei den fortgeschrittenen Nationen gebräuchlich sind", nicht ober solche, wie sie„Wissenschaft- liche und humane Grundsätze" vorschreiben würden. Aber gerode die missenschastliche Grundlage, wie sie die neuzeitlichen Forschungen der Psnchiatrie ergeben, sollte doch für die Behandlung der Kriminellen in und außerhalb der Gesängnisse maßgebend sein. Hier würde auch wohl die international« Berständigung leichter. Die Howard-League will versuchen, durch eine der in Frage kommenden Nationen das von ihr ausgearbeitete Mindestprogramm der Gesongenenrechte formal dem Völkerbund vorlegen zu lassen. Da die Arbeit in der Gesangenensürsorge bei uns mehr und mehr auch von Mitgliedern der Arbeiterschost und besonders den in der Arbeiterwohlfahrt tätigen Genossen und Genossinnen ausgeübt wird, so wäre es wohl wünschenswert, wenn diese versuchten, sich mit den englischen Bestrebungen bekannt zu machen und eventuell eigene Vorschläge denen der Howard-League anzusügen und mit ihr ge- meinsom vorzugehen..,, Was ist ein Schrebergarten! Ein Spesialkenner des Kleingartenwesens schreibt uns: Ihr Hiftoriogroph gibt in der Beilage vom 10. August 1328 eine Betrachtung über Kleingärten, die er samt und sonders als „Schrebergärten" glaubt ansprechen zu sollen. Er weist dann nach, daß lange vor dem Wirken des Leipziger Arztes Dr. Schieber dei- artige Gärten in Weimar schon bestanden haben und meint schluß- folgernd:„Streng historisch dürfen wir nach dieser Fessstellung nicht mehr von„Schrebergärten" sprechen, sondern müssen sie„Bertuch- gärten" nennen." Die Schlußfolgerung ist falsch. Zwar nicht deshalb, weil etwa die Feststellung bezüglich der Weimarer Bertuchgärten zu be- streiten wäre,— diese ist durchaus zutreffend. Falsch ist sie viel- mehr darum, weil die Weimarer Familienpachtgärten im Goethe- und Schillerzeitalter nicht„derartige", das heißt Schrebergärten waren. Auch die im dritten und vierten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts in Kiel und Flensburg und in Leipzig eingerichteten, von den Gemeindeverwaltungen ausgegebenen Familienpachtgärten waren keine Schrebergärten, wie ebenfalls die Berliner Lauben- gärten nicht als Schrebergärten angesprochen werden können. Alle die genannten und noch einige Arten mehr können zusammensossend Familienpachtgärten genannt werden, und sind im heutigen Gesetzes- und behördlichen Verwaltungssinne„Kleingärten". Schrebergärten jedoch sind nur solche Kleingärten, in deren Mittelpunkt die sogenannte Schreberjugendpflege steht. Ihr historischer Ausgangspunkt waren in Leipzig die von Dr. Schreber lebhast propagierten Jugendspiele in freier Natur für eine natürlich gesundheitliche und kulturelle Erziehung der Kleinsten und der schulpflichtigen Jugend unter Leitung von dazu geeigneten Pädagogen und in inniger geistiger Verbindung zwischen Schule und Haus. Verwirklichen konnte diesen Gedanken nach Schrevers frühzeitigem Tode(1861) esst sein Mitarbeiter Dr. Ernst Hau- s ch i l d, der im Jahre 1864 den ersten„Schreberverein" ins Leben rief. Aus den Schreberoereinen wurden dann Schreber garten- vereine. Die Schrebergärten selbst entstanden nämlich im An- schluß an die Jugendspielplätze, anfangs als Blumengärten für Kinder, die sich aber schnell zu allgemeinen Familiengärten ent- wickelten, und die Schrebergortenkolonie entstehen ließen. Andere Familien- oder Kleingärten sind auch räumlich ver- einzelt denkbar, sie kommen sogar in dieser Form vor. Der echte Schrebergarten jedoch kann nur ein Glied einer größeren Gemein- schaft sein, die die Jugendpflege mit der Gartenpflege mindestens gleichwertig behandeln. Solche Gartengemeinschasten finden wir vor allem in Leipzig und in Dresden, ausgebildet auf dem histo- rischen Boden der Schrebergartenidee. In den Familienpacht- gartenkolonien anderer Städte ist dieser Gedanke erst in der neueren Zeit allmählich sichtbar vorgedrungen. Viele Lauben- kolonien haben bisher noch nicht einmal einen gemeinsamen Spiel- platz eingerichtet, wenn aber doch, dann zumeist in so unzuläng- lichen Ausmaßen, daß dort„Schreberspiele". die sonst von in be- sonderen Kursen ausgebildeten„Spielleitern" beaufsichtigt und den Kindern gelehrt werden, gar nicht gepflegt werden können. Der Reichsverband der Kleingartenvereine Deutschlands, der heute rund 400 000 Familien in den Kleingartenkolonie umfaßt, Hot es sich zu einer seiner wichtigsten Ausgaben gemacht, alle Klein- gartensiedlungen mit dem hier kurz skizzierten Schrebergedanten- inhalt zu erfüllen und vertreibt zu diesem Zwecke ein von einem Leipziger ersten Schreberspielleiter, Lehrer Gerhard Richter, ver- faßtes vorzügliches Buch:„Das Buch der Schreberjugendpss«ze". Der Umstand, daß in Berlin das Klemgartenwefen. wefeflssich andere Ausgangspunkte und wirtfchaftsgeschichtliche Griind'lägen hotte, als es in Leipzig, der' Geburtsstadt des Schrebergedankens, entstanden ist, hat es mit sich gebracht, daß hier bis in die jüngste Zeit hinein nur der Gedanke des einfachen Ersatzhausgartens sich ausleben konnte. Dieser aber war auch bei den Weimarer Bertuch- gärten, von welchen Schiller in seinem Briese an Gottfried Körner spricht, das charakteristische. Bertuch selbst hat wohl nie einen anderen Gedanken dabei gehabt, als den, der auch von Goethe unterstrichen ist, den Pachtzins zu vereinnahmen. _ Otto Albrecht. Woher kommen Kopffihmerzen! Der Kopfschmerz ist ein Schmerz im Kops, aber nicht jeder Schmerz im Kops'ist ein Kopsschmerz. Der Kopsschmerz ist eine länger andauernde Schmerzempfindung, deren Ursache sich inner- halb des Schädels befindet. So definiert diese so häusige und in ihren Ursachen doch so wenig bekannte Esscheinung der englische Gehirnanatom Prof. Dr. Fräser Harris in einem Aufsatz, der die Frage zu beantworten sucht:„Woher kommen Kopfschmerzen?" Nicht alle Kopfschmerzen werden durch dieselben körperlichen Bedingungen hervorgerufen, aber ein großer Teil von ihnen entsteht durch den sogenannten„Blutandrang". Bekanntlich ist das Gehirn, das die Schädelhöhle aussüllt, von einer zähen, elastischen Haut umgeben. Diese Schutzhülle läßt sich nicht ausdehnen. Wenn daher mehr Blut in die Blutgefäße des Gehirns an einer Stelle tritt, als sich bei vollständiger Gesundheit darin befinden darf, dann vollzieht sich ein Blutandrang unter dieser Haut, und da die Haut nicht nachgibt und so den stärkeren Druck beseitigt, entsteht eine Schmerz- empfindung. Das ist der Kopfschmerz durch Blutandrang. Diese Art des Kopfschmerzes wird schlimmer, wenn man sich bückt oder den Kopf viel bewegt oder den Körper anstrengt. Der Schmerz wird hervorgerufen durch den Druck auf die schmerzempfindlichen Nerven in der Haut, und diesen Schmerz empfindet das Gehirn. Die Hirnsubstanz selbst hat lein„Schmerzgefühl" noch irgendein anderes Gefühl, obwohl sie das geistige Organ ist, durch das wir die Schmerzen empfinden. Natürlich gibt es auch noch andere Gründe für einen Druck als den Blutandrang im Gehirn. Jemand, der irgendein Gewächs im Innern des Schädels hat, wird natürlich auch Kopfschmerzen empfinden, da dieses Gewächs auf die Gehirnhaut drückt. Im ge- sunden Zustande paßt die Gehirnhaut ganz genau in die Innenseite des Schädels, aber jeder Versuch, sie irgendwie auszudehnen, ist mit mehr oder weniger starken Schmerzempfindungen verbunden. Be- findet sich ein„Fremdkörper", z. B. eine Kugel, im Innern des Schädels, für die natürlich kein Raum vorhanden ist, dann wird die Verstärkung des Drucks zur Ursache des Kopsschmerzes. Nun gibt es aber Fälle, bei denen Menschen Kugeln im Gehirn hatten und doch nicht an Kopsschmerz litten. Dann befand sich die Kugel in der weichen Hirnsubstanz und rief keine Entzündung hervor. Entzündungen im Innern des Schädels rufen stets Druck hervor. Die Kapsschmerzen, die nicht durch einen verstärkten Druck ent< stehen, sind von ganz verschiedener Art und sehr viel schwieriger zu erklären. Beispiele dafür sind die Kopfschmerzen, die häufig mit schlechten Zähnen zusammenhängen oder von Ueberanstrengung der Augen ausgelöst werden. Die Erklärung, wie„schlechte Zahne" Kopfschmerzen machen, ist auch für alle ähnlichen Formen des Kops- schmerzes gültig. Der Schmerz in den schlechten Zähnen rührt von den Nerven her, die freigelegt sind und durch alle möglichen Dinge, wie Speisereste, kalte Flüssigkeiten usw. gereizt werden. Dies« Reizung der Nerven wird dem Gehirn übermittelt durch die Nerven, die von der Gehirnhaut zu dem Gehirn selbst führen. Obgleich die Nerven der Hirnhaut nicht gereizt sind, so empfindet das Gehirn doch den Schmerz ebensowohl in der Hirnhaut wie in den Zähnen. Zahnschmerz und späterer Kopsschmerz entstehen, weil Verästelungen derselben Nerven, die die Zähne versorgen, auch die Hirnhaut ver- sorgen. Sind die Zähne in Ordnung gebracht, dann oesschwindet auch dieser Kopfschmerz. 4' afcnifr Preiserinll AitSunsl Einsegnungsanzüge Anzug Anzug Anzug Anzug bis Größe 12(Brustumfang 72 cm) aus blauem Cheviot, ein- n. zweiieihig 20." 24.- ein- und zweireihig, aus blauem MoKoncheviot in besserer Qualität. aus blauem OQ- Karamgarncheviot, ein- und zweireihig"• aus Marengo-Cheviof, ein- u. zweireihig 33." GrSSe 38—45 kosten 12*/o mehr Herren-Anzüge Sakko-Anzüge 24.- Sakko-Anzüge ÄSÄSS,«,,» 33.- Sportanzüge. 22.- Manchester-Anzüge SÄSSS 38.- Herrenhose SÄS 3.50 Herren-Mäntel Übergangsmäntel übergangsmäntel SrÄBS-m«.40.- ßnmmimänfol 1 Damen u. Herren aus Ober- aUmmlmalllcl Stoffen verschied �rt m.best. Lummiei ung, aus Homespun v. I4.Sk), aus Köper v. 11. 90 an Einsegnungs-Einsatz- hemJen k"'ig.g 1.50 Lodenmäntel Herren-Filzhüte in modernen formen und Farben 3.50 BIW ChÄusseesfreße Immmaam Untzra rund bahn Stzttm&r ßahnhormmam beateaiispiel Staats-Theater Operntasas a. Platz d.Republ »>/,! Cavaller. rusti- cana— Bajazzo Schauspielhaus 8: Kyrltz. Pyrltz Schiller-Theater Geschlossen WM A Charlottenbura 7V- Uhr: Geschl. Vorstellung Die ZaDbeifie Deotsdies Ttieater Norden 10334—38 Donnerstag, 2. Sept TV, Uhr Zum ersten Male Androklns and der Löwe Von Bernard Shaw Regie: Erich Engel Heute geschlossen. JCammerspiele Norden 10334—38 TV, Uhr: Zum ersten Male v. Gerh.Hauptmann Rtgii; Heinz Hilpert Die KoinSdle Bismarck 2414, TS16 SV, Uhr Zum letzten Male Die tleiBige Leserin Preise; 2, 4, 6 Mk Freitag d.3, TV, U.: Zum eisten Male Die Getangene Von Bourdet Regle; M. Reinhardt scat» Kurfürst 6456 Täglich 8 Uhr; Singers Midgets Revue u. „Toto" Theater des Westens Tiltphon: Stsinpl. 931 Täglich 8 Uhr: Die Revue Der Zug nadi dem Westen Vgmrtu) imintirtradtin Theaterkasse, Wertheim etc. BtnevikT-BilhDai Theater HönigOrBtzJtr. T.:HasenheidZ110 8 Uhr: Der Garten Eden Sonnabd.z.1 Male Zweimal Oliver KomöUlenhaos Tel.: Norden 6304 Täglich 8 Uhr Rerrv.Saint-Obin Sallnborg-BiliMn Dentsehes IGnstl.- Thealer 8 Uhr: Veronilfa Tb. LKorförstegilaioiii 8 Uhr: Yvonne Loslsplelbaos »u Uhr: Kukuli O Voranzeige! G Lesslng-Thealer 4. d Mts. T Uhr; P re m le r e Crorawell BerlinerKonzerlhaus iiiiiiiiiiiiiiuiui HaoerstraAe 82 iiiiiiiiiiiiihiibii ERÖFFNUNG (GESELLSCHAFTS' ABENDE) der Wintersaison und der Nachmittags-Kaffee- Konzerte mit großem Orchester bMA bei freiem Eintritt Mittwoch, den 1. September 1926 Abends unter Mitwirkung des Berliner Lehrer- Gesangvereins Leitung: Prof. Hugo Rüdel Ol, OC" Konzertkapelle Männecke 2 Kapellen J azzband Possart Berliner Theater Miß Amerika Uhr: Besldenz-Theot. 8V, Uhr: Das Wette Kalb Martin Kettner 4 Tägl. 81/, Uhr| Theater Im Admiralspalast Bfesenerfold Kaller- jleime An u. Aus Preise von 2-16 M. W Torratnl nuiMr.■ Apollo-Theater Dir. Otto Kreimeyer FiiedridutT. 218 Til. üueiibiiilt Ii Rittvoeh, den 1. Sepibr, 8 Ohr: Das groBe Sröttnongj-Vatietb-Programm mit Hailsleln in tStolz der 3. Kompagnie* außerdem: 8 erstklassige Atiraktionen 8 Volkstinllilif Eiiththprelu 0 75 bli 4.50 Mirk. Vomrk. Thsalntuu o. u da biiuiil. TheatrUsien ZI Dienstag, denSl.Angnst nachmittags 3 Uhr und doch sehrgui I Sckerii: Kibari: flacK• Gold fesie Packung dick v rund ohne Mundsiück Kleines.... Ab Mittwoch. I. 9 Täglich 8'/, Uhr: Die tleiBige Leserin Klete Iiitatet 8V, Uhr: EInmaligeAufführg. "impf in der Koctazeits nacht Vorzeig, dies. SO 0/o des Kassenpreises I Lasioo-Tbeater um Was Liebe vemtan Vorher bunter Teil Gutschein 1-4 Pers. Bei Vorzeigung der Annonce zahlen Sie Faut. u. Balkon I M. Loge u. Sessel l.SO Rose-Theater 8'/, Uhr; Olaf, Tragödie eines Sportlers Gartenbohne: 5 Uhr, Konzert und Bunter Teil 8 U.: bin Hmrniunje ZMei MiiMn-Bttöini Funktionäre Achtung! Mittwoch, den f. September, abends 7 Uhr, in de« „Germania-Sälen", Chaufseestr. ILO Fnnktionärversnmmlung aller im Deutschen ZNelallarbeiier- verband organisierten vertraucnsleule und velrlebsräte.* Tagesordnung:.Die 3nfetnationalc Gewerkschaftsbewegung und ihre Auswirkung auf die Arbeiter der ein zelaen Länder-. Referent: Kollege Schnitze. Mitglied des Vor standeS des Allgemeinen Deutschen GewerlschafiSbundeS. Die Konferenz ist als Information für die Funktionäre aur internationalen Werbewoche gedacht. Es ist deshalb Pflicht jedes Funktionärs, in der Konferenz anwesend zu sein, um in den Besitz deS Materials zu gelangen, welches für die Werbetätigkeit deS ein- zelnen Funktionärs unbedingt notwendig ist. Zutritt nur gegen Vorzeigung deS Mitgliedsbuches und der Vertrauensmänner- oder BetriebSräte-Lcgitimationskarte. Zur Beachtung! Die Bezirks-Dertrauensmännerkoufereozeu fallen in diesem Monat aus. Die Monatsberichte für die Vertrauensleute werden in der allgemeinen Funklionärtonferenz ausgegeben. Dauueeetag. Den 2. Sepibr.. abenbe rNhr, ImDacfercctaal besOerbanbs- huuse». Cinieutlr. SS/SS wr- Versammlung"w der Lehrlinge aus den Vau- und Geldschrankschloff erelen. Tagesordnung: 1. Bericht des Geselle nauefchusses über die Regelung des Uvlauds der Lehrlinge. 2. Verschiedene» Alle Lehrlinge au» den Bau- und Geld» schranlschloffereien müsse» dies« Bei- lwmulung besuche», vonuerskag. den 2. Septbr.» abends 2 Ahr, Im verdanbehausc, Cinicn- ftcaf}e 63 85: Branchenversammlung der Einrichter nnd Revisoren. Tagesordnung: 1. Wie Üellen sich die Aollegen zur AtlorbarbeU? 2. Dis- tusston. Mitgliedsbuch legitimiert. Ts ist Pflicht«we« seden Aollezen. in dieser Bersammlun» anwesend zu sein. vi« OtfsocnuaKoug. Reichshallen-Theater lllabtndlidi 8 Uhr nnd Snnitig udimittij, 3 Uhr: Sfelflner sanier Singende Bänme Nachmlttgs halbe Preise, volles Programm! Dönhoff-Brett'l (Sul b. Carl.): Variete- Konzert-Tanz CHARELL REVUE �on Tl/ü'mJ Zu UltiTui Eine Revue mit Hantlliana. Humor und aader NaaSK ALMA BARNEsTlERrKA GL'ASSNER CLAIRE WALDOFF, WILH. BENDOW CUBT BOSS, LOUIS DOUGLAS, HANS \\l M C c OKI A M M naRIOM PAL Fl PIIT IHRER TAMZ- Wf M 9 ab 1*1 M I« rl ORSJPPE und«OO niSwlrKeade BERN ABD ETTt MUSIKALISCHE selmab heybowitz assvassÄ Ettäs 3azz-Symphoniker- 45 Solisten unter Ettäs persönlicher Leitung Die gesamte Bühnenausstattung EDOCT CTED 81 entwarf und laiteto: EKIaSI S I E K n 150 DEUTSCHE GIRLS 150 DIESE REVUE In nur 18 Bildarn EDIIf TUADEI I wurde varlasat und Inszeniert von EKln V ITÜ W iü le ae Uil&IC GCIkA n WBW steuerte witzige HERNAMM nMlra« KEmMrlN Dialoge bei UAREWSSU und andere Komponisten schrieben die Musik. Ausserden Bühnenbild. ERMST STERNS 1&>A| TED TDIED wurd. Bilder und Kostüme von«HfFEta I ELEk■ nBKfN und A. ZIO ausgetührt. LOUIS DOUOU8S studierte die modernen Tänze ein. Dia technische Bübnsneinrichtung besorgt Gesamtausstattung BARUCH< PREMIERE: MITTWOCH, 1. September «f Outa Sitzplitze von Mark 1.— an im gröBtan und achönatan Thaatar Dautschlands./ Vorverkanf von 10—7 Uhr ununtarbrochen. Sonntag nachm. 3 Uhr unvarkürzta Vorstallg. zu klainan Praisan. GROSSES SCHAUSPIELHAUS Dir.; Karl Rosen. Theater a. Kottb. Tar Kottbnser Str. I. SluinochwenlgeTtge tBaftfpiel her Mtgdeburger Ellte-sanger «b L 9. Wleberaut- treten der Ellte-sanger mit Schorsct Kuselll __ einem Programm voll nnbdn- biger Heitertest. und lnleriereri brinrt ERFOLG! Luntt' Park Dienstag TolkStag Nur 50 Flg Konzert Frel-KIno GroSes Feuerwerk Berg- und Talbahn nur 40 Pf. Letzter Tagt ENRICO RASTBLLI das Wunder der Jonglierkunst, u. de: k Glanzende August-Spielplan! Rauchen gestattet!' Mittwoch, d. 1. Sept.: Neues Programm! I Rf-ennHpre Wirksam sind die DCSOnuerÄ Kleinen Anzeigen in der Gesamt- Aoflage WSHJ».! des Vorwärts und trotzdem Keaiiaj�» Oeffentliche Aussorderung zur Abgabe der Steuererklärung für die Einkommensteuer, Körperschaftssteuer und Umsatzsteuer für 192511926 80. Juni 1926; bei reiner Weidewirtschast und rewer Biehzucht statt dessen fllr das Wirtschaftsjahr vom 1. Mai 1925 bis zum Zü. April 1926: �ur Abgabe einer Steuererklärung Die Steuererklärungen fllr bie Einkommensteuer, klörperschaftssteuer und Umsatzsteuer sind in der Zeit vom 1. bis 15. September 1928 unter Benutzung der vorgeschriebenen Bordrucke wie solgt abzugeben: X) Einkommensteuer und körperschaftsieuer. i. gur Abgabe einer SteuererNSrung fllr die Elnkommeastener ssnd verpflichtet: 1. Steuerpflichtige(Landwirte, Forstwirte, Gartenbautreibende usw.), Heren Einkommen tut Wirtschaftsjahr 1925/1926 den Betrag von 8000 RM. 2. ohne�R�cksich°auf die Höhe de» Einkommens Steuerpflichtige, bei denen der Gewinn auf Grundlage des Abschlusses ihrer Bllcher zu ermittel» ist. II. fllr die ttörperschaftsfieuee find verpflichtet: .. steuerpflichtige Erwerbsgesellschasten; 2. alle llbrigen'steuerpflichtigen«örperschaflen und Bermögensmassen he» bürgerlichen Rechts. III. Ohne Rllcksscht auf die Höhe de» Gewinne» ist eine EinIommenserNärung abzugeben bei Beteiligung mehrerer an den Einkünften au»> a) Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Gartenbau und sonstiger nicht gewerblicher Bodonbcwirtschaftung: b) einem Gewerbebetrieb, z. SB. einer offenen Handelsgesellschaft ober Kommanditgesellschaft. IV. I. Die Erklärungen fllr bie Einkommensteuer und Kärperschaftssteuer find abzugeben:.__ a) von den Steuerpflichtigen, die Einkünfte au» Landwirtschaft, Forst. Wirtschaft, Gartenbau und sonstiger nicht gewerblicher Bodenbewirtschaftung bezogen baden, Nr da» Wirtschaftsjahr vom 1. Juli 1925 bis zum 30. Juni 1926: bei reiner Weidewirtschaft und reiner Bich. zucht statt dessen fllr das Wirtschaftsjahr vom 1. Mai 1925 bis zum 30. April 1926: b) von den Steuerpflichtigen, die Handelsbllcher nach den Vorschriften des Handelsgesetzbuchs zu führen verpflichtet sind oder, ohne dazu verpflichtet zu fein, Handelsbllcher nach den Borschriften de, Handels» gesetzbudis tatsächlich führen, fllr da» Wirtschaftsjahr, Nr da» sie regelmäßige Abschlüsse machen, sofern es in der ersten Hälfte de» Kalenderjahres 1926 geendet hat. 2. Die Erklärungen Nr die Einkommensteuer und Kärperschaftssteuer sind bei dem Finanzamt abzugeben, in dessen Bezirk die zu I bezeichneten Steuerpfliditigen Ihren Wohnsitz oder dauernden Aufenthalt, die zu II und III bezeichneten Steuerpflichtigen den Ort der Leitung haben. Fllr die Entgegennahme der Steuererklärungen und die Veranlagung der Aktiengesellschaften, Kommanditgesellschaften auf Aktien, Berggewerk- schaftcn, sowie derjenigen Gesellschaften mit beschränkter Haftung, die entweder zu einem Konzern gehören oder bei denen das Stammkapital nach der Soldmarkeröffnungsbilanz mindestens 100 000 RM. beträgt, ist für Berlin das gentralfinanzami, E. 2, Jlldenstratze 58/60, zuständig. Ist im Inland weder ein Wohnsitz, noch ein daucrnher Aufenthalt, noch ein Ort der Leitung- vorhanden, so ist die Steuererklärung bei dem Finanzamt abzugeben, in dessen Bezirk da» Unternehmen betrieben ober ständig vertreten wirb ober bie Tätigkeit vorwiegend ausgeübt wird oder Bcrmögensgegcnständr sich befinden. B) Umsahsteuer. t Zur Abgabe einer Steuererklärung Nr die ll ») Steuerpflichtig«, die Umsätze au» Gartenbau und sonstiger nicht erzielt haben, Nr da» Wirtschaftsi-Hr ifatzstener find verpflichtet: ng zum d) Steuerpflichtige, die Handelsbllcher nach den Vorschriften de« Handels- geletzbuchs zu führen verpflichtet stnd oder, ohne dazu verpflichtet zu fein, Handclsblläier nach den Borschriften de» Handelsgesetzbuchs tat» sächlich führen, fllr das Wirtschaflsjahr, fllr das sie regelmäßige Abschlüsse machen, sofern e» in der ersten Hälfte de, Kalenderjahres 1926 geendet hat. 2. Ausgenommen find: � ») die Etrastcnhändler, Wandergewerbetrcidenden und anderen Umsatz. steuerpflichtigen, die nach h 57 Durchf.-Best. UStS. zu Anzahlungen und zur Führung des Eteuerheftes verpflichtet find: b) die nichtbuchfllhrcnden Landwirte, die ihre Borauszahlungen nach den jeweils geltenden Umfatzsteuerdurchschnittssätzen geleistet haben, es sei denn, daß die Einnahmen aus Großviehverkäufen und der Wert des in der eigenen Wirtschaft verwendeten Saatgut, im gesamten Wirtschaftsjahr 1925/1926 sich auf mehr als 1900 RM. belaufen hat. z. Die Erklärung fllr die Umsatzsteuer Ist bei dem Finanzamt abzugeben, in dessen Bezirk die Umsatzsteuerpflichtigen, m) soweit sie wegen einer gewerblichen Tätigkeit, einschließlich der Urerzengnng, steuerpflichtig stnd, das Unternehmen betreiben. Bei mehreren Niederlassungen oder Geschäftsstellen eines rechtlich in einer Hand befindlichen Unternehmen» ist der Ort der Leitung de» Unter. nehmcns maßgebend; d) soweit sie wegen einer beruflichen Tätigkeit steuerpflichtig find, ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Ausenthalt haben.—, Ist weder ein Betriebsort noch ein Ort der Leitung, weder ein Wohnsitz noch ein gewöhnlicher Aufenthalt gegeben, so ist die Steuererklärung bei dem Finanzamt abzugeben, in dessen Bezirk das Unternehmen ständig vertreten oder hie Tätigkeit vorwiegend ausgeübt wird oder das Unternehmen feinen Eitz hat. L) Gemeinsames. Steuerpflichtige mit mehreren Wirtschaftsjahren, von denen ein Wirtfchafts. jähr in der zweiten Hälfte des Kalcnderiahres 1926 endet, sind auch dann nicht zur Abgabe einer Steuererklärung oerpflichtet, wenn«in Wirtschaftsiahr tn der ersten Hälfte des Kalenderjahres 1926 endet. Diese Steuerpflichtigen werden vielmehr erst nach Ablauf des Kalenderjahres 1926 zu einer Steuererklärung aufgefordert werden. Die nach A und B zur Abgabe einer Steuererklärung Verpflichteten haben die Steuererklärung auch dann abzugeben, wenn ihnen ein Bordruck nicht zugesandt wird: die Übrigen Steuerpflichiigen haben eine Steuererklärung abzugeben, wenn sie hierzu vom Finanzamt besonders aufgefordert werben. Die nichtbuchsllhrcnden Landwirte mit einem Einkommen von weniger als 8600 RM. haben auf besonderen Fragebogen bie für die Anwendung der Durthschnittssätze erforderlichen Erklärungen abzugeben. Bordrucke können bei dem nach A IV» bzw. B» zuständigen Finanzamt innerhalb der Erklärungsfrist unentgeltlich bezogen werden, soweit sie den Steuerpflichtigen nicht von Amt, wegen zu Beginn der Frist zugesandt find. IN. Wer die Frist zur Abgabe der ihm obliegenden Steuererklärung versäumt, kann mit Geldstrafen zur Abgabe der Steuererklärung angehalten werden; auch kann ihm ein Zuschlag bi» zu 10 v. H. der festgesetzten Steuer auferlegt werden. rv. Die Hinterziehung oder her Bersuch einer Hinterziehung der Einkommen. steuer, Kärperschaftssteuer oder Umsatzsteuer sowie fahrlässig« Bergehe» gegen die Steuergesetze< Steuergefährdung) werden bestraft. Berlin, den 25. August 1926. Ter Präsident des Landesfinanzamts Berlin.