�benöausgabe Nr. 409 ♦ 43. Iahrgaog Ausgabe B Nr. 202 ««»ugsbedlngungen und«nttigtnpreis« fino in der M-rgenau»gad« angegeben »«dotNon: Sw. SS. cwdenstrab« Z Fernsprecher: va-hoff 282— 207 ZaL-SdccffeSoj laldem o f cal 8 et IIa P> Vevlinev Volksblatt (�10 pksnnZs) Dienstag 31. fiuguft 192H Lerla, und Zlnzetgenabteilung: SeschSft-zett bi, S Uhr Verleger: voreoSrls-verlag GmbH. verll» SV». SS, cindenslrasj« 3 Zerafprecher: Vbnholf 282— 282 ZentYnXovgnw der Sozialdcmokratifdicn Partei Dcutfcblands Noch keine Einigung in Genf. Fromageot sucht eine neue Formel. V. ZcK. Genf. 31. August, K2 Uhr nachmittag».((Eigener Drahlberlcht.) Die linletfommiffion der Studientommission hat über drei Stunden hinter verschlossenen Türen getagt. Die Diskussion war sehr lebhaft und führte zu dem Leschluh. die Abänderungsanlräge Aromogeots nochmalszuändern.(Eine Einigung ist zwar noch nicht erzielt, doch hofft man, dah sie in einer neuen Sihung am Nachmittag erreich» werden wird. Ziomageol ist beauftragt, eine neue Formet zu finden. Znsbesondere sollen die Aebergangsbestimmungen abgeändert werden. Da» Ausscheiden dreier Datsmilglieder soll in den ersten Zahren nicht mehr durch da» Los. sondern in einer anderen Art geschehen. Dagegen soll ausnahmsweise in diesem Zahre die WiederwählbarkeitserklSrung dreier Mitglieder schon seht durch Abstimmung der Doli Versammlung erfolgen. Großes Aussehen erregte heute morgen in Gens die vsizielle spanische Erklärung, in der der Wunsch Spaniens zum erstenmoi offiziell zugegeben wird, die Tangersrage mit der Frage des Ratsfihe» zu verquicken, vor allem wirkte der Schluß. sah sensationell, wonach Spanien bereit sei. das Opfer zu bringen. im Völkerbund zu b l e i b e n. Es stellte sich aber bald heraus, daß der in Paris verbreitete Text lediglich davon spreche, daß Spanien gebeten werde, das Opfer zu bringen, im Völkerbund zu bleiben, und daß der in der Schweizer presse verbreitete Wort- laut offenbar aus einen Hörfehler bei der llebermiltlung zurück- zuführen ist. Nach dem ersten Sitzungstag. Genf, ZI. August.(Eigener Drahtbericht.) Am Schluß des ersten Derhandlungstages der Studientommission wurde die SU tuation in Genf in offiziellen Kreisen allgemein dahin gekennzeichnet, daß der Abänderungsantrag Fromageot oder bester der deutsch» französisch-englische Vorschlag nach einer kurzen Erörterung im Unterausschuß ohne wesentliche Aenderungen Annahme finden wird. Praktisch bedeutet die Bezeichnung„wiederwählbare Rats- Mitglieder' nicht sehr viel, weil die Völkerbunds Versammlung bei jeder Wahl selbst bestimmt, wen sie in den Rat delegieren will. Es ist auffällig, daß sich der s p a n i s ch e Vertreter am Montag nachmittag äußerst zurückhaltend verhielt, und man hat hier mehr und mehr den Eindruck, daß es der spanischen Regierung mit der angedrohten Kündigung der Mitgliedschaft ernst ist, wenn sie den ständigen Ratssitz nicht erhält oder ihr in der Tanger- frage Zugeständnisse nicht gemacht werden sollten. Die englische und die französische Delegation betonen in diesem Zusammenhang mit Nachdruck, daß die Ratsfrage mit Tanger nichts zu tun hat. Die englische Delegation soll angewiesen sein, sich in keinerlei Besprechungen über Tanger einzulassen. Der Genfer Zrieüenskongreß. Feierliche Eröffnung. Genf. 31. August.(WTB.) Der feierlichen Eröffnungssitzung des 2S. Weltfriedenkongrestes wohnten in der Viktoria Hall Ver» treter der verschiedenen internationalen Verbände, welche in Genf ihren Sitz haben, Mitglieder des diplomatischen Korps und Delegierte der Kantonal, und Gemeindebehörden von Genf bei. Unter den An- wesenden befand sich u. a. Reichstagspräsident L ö b e. Ansprachen hielten der Präsident des Organisationskomitees des Kongresses, Louis Favre, der Genfer Staatsratspräsident Alexander M o r i a u d, der Rektor der Universität Genf und der Präsident der Union der Friedensgesellschasten, Lafontaine. Die Labour Party und der Dergbaukampf. Sie Will Verhandlungen herbeiführen. . tondon, 31. August.(EP.) Die Mitglieder der parlamen- terischen Arbeiterpartei sind sür heute vormittag zu einer Sitzung zusammenberufen worden, aus der, wie man sagt, Macdonald im Hin blick auf die gestrigen Vorgänge im Parlament auf die Not- wendigkeit einer schärferen Pa.teidisziplin hinweisen und allgemeine Anweisungen sür die folgende Unterhausdebatte geben wird. Gleich. zeitig wird dabei die Streiklage besprochen werden. Die Exekutive der Tergarbeiter hat für Freitag eine Delegiertenkonferenz einbe- rufen. Der„Daily Herald' gibt zu, daß weitere Schritte der Ar- beiterpartei unternommen werden müßten, um zu Verhandlungen zu kommen. Die bürgerliche Presse spricht von dem bevorstehenden Rückzug der Bergarbeiter, der sich nicht nur auf die Löhne, sondern auch auf eine große.Anpassungsfähigkeit' der Arbeitsstunden er- strecken soll, etwa in der Weise, daß eine gesamte Arbeitszeit pro Woche festgesetzt wird, die dann ohne Rücksicht aus den Sieben- stundentag je nach Bedürfnis auf die Wochentage verteilt werden kann. Cine sonderbare Hilfe. London. 31. August.(WTB.)„Daily News' meldet: Eine Liste, die über 2» geladene Bomben, Zünder und Kartuschen enthielt, „die geeignet gewesen wären, das Parlament in die Luft zu sprengen', ging dem Bureau des Hilfsausschusses für die Berg- arbeiterfrauen und- linder zu. Einem jungen Mädchen kam beim Oeffnen der Inhalt verdächtig vor. Der herbeigerufene Sachverständige fand sofort, daß die Bomben geladen waren, und die Polizei versenkte den gefährlichen Inhalt der Kiste sofort ins Master.(Diese Meldung klingt sehr unwahrscheinlich.) primo und die Artillerie. Ter Konflikt dauert an. vladrid. 31. August.(EP.) Die Meldungen englischer Blätter, daß Unruhen ausgebrochen seien, werden amtlich dementiert, doch bestätigt sich, daß die Spannung zwischen Primo de Rioera und den Artillerieofsizieren bei weitem noch nicht bei- gelegt ist. Primo de Rivers hat jüngst eine Verordnung heraus- gegeben, nach der die Beförderung nicht mehr nach den Dienst- jähren, sondern nach der Wahl der Regierung erfolgen soll. Die Artilleneofsiziersoerbände haben gegen diese Verordnung protestiert und gedroht, sich mit Gewalt gegen die Anwendung dieser Ver- vrdnung aufzulehnen. Primo de Rioera hatte darauf einen Mi- nisterrat einberufen, der über Sanktionen zu beschließen hatte. Es gelang dem König jedoch, die Anwendung dieser Sanktionen und die Lösung des Konfliktes auf später zu verschieben. König Alfons hat die Absicht, eine Tagung des Parlaments einzuberufen, in welchem Falle zuerst Neuwahlen vorgenommen werden müßten. Das Parlament hätte lediglich über die Thronfolge zu beraten, da der älteste Sohn des Königs, Prinz von Afturien, so schwer erkrankt ist, daß er mit dem Leben kaum noch davonkommen dürfte. Der zweite Sohn ist taubstumm. Der König hätte es daher gerne gesehen, daß der dritte Sohn vom Parlament als Thron- folger eingesetzt wird. Waßlfälschungs-Studieu. Poris, 31. August.(WTB.)„Matin' meldet aus San Sebastian, daß man' durch eine Revision der Wahllisten Neuwahlen vorbereitet, aber Primo de Rioera habe die Art der Ab- st i m m u n g und die Befugnisse der Parlamentsver- sammlung noch nicht fe st gesetzt. Die politischen Parteien glauben ihren Mitgliedern Wahlenthaltung empfehlen zu sollen und halten zu diesem Zweck gemeinsame Besprechungen über die Grundzüge einer unter Umständen zu erlastenden Kund- gebung ab. Die spanische Tangerforderung. Immer lauter betont— je geringer die Genfer Aus- sichten sind. Paris, 31. August.(Eigener Drahtbericht.) General Primo de Rioera hat der Madrider Presse erklärt, daß Spanien unter keinen Umständen die Jnternationalisierung von Tanger(die mit Tanger noch der gestrigen Erklärung Yanguas gar nichts zu tun hat. Red. des V.) weiterbestehen sehen wolle. Selbst«in spanisches Vorzugsregim« würde zurückgewiesen werden, da ein« international« Verwaltung von Tanger unwirksam sei. Wenn die interessierten Mächte zustimmen würden, so würde sich Spanien damit zufrieden geben, eine speziell« Form eines Protektorats zu übernehmen. Auf diese Weise könnte man«in« peinlich« Lag« beendigen, denn niemand habe Interesse, aus Tanger einen Zankapfel der Völker zu machen. Die Pariser Morgenprest« veröffentlicht neue Erklärungen des spanischen Außenminister Panguas, in denen er ausführt, daß, falls Spanien Tanger nicht erholt«, es das Rifgebiet nicht be- haupten könne. Der gegenwärtig« Augenblick sei außerordentlich gefährlich. Werde Spaniens gerechtfertig'.e Forderung nicht erfüllt, so würde Spanien gezwungen sein, aus dem Völkerbund auszutreten und es ablehnen, weiterhin an einem Protektorat über Marokko sich zu beteiligen. Wenn die öffentliche Meinung der Welt von den Kosten und Leiden, di« die Behauptung des Protek- torats in Marokko Spanien auferlegt hat, sich Rechenschaft geben wird, werde sie die spanische Forderung voll und ganz unterstützen können. Mussolini will auch mitreden. Rom. 31. August.(Eigener Drahtbericht.) Im Ministerrat sagte Mustolini, daß Italien an einer Tanger-Konferenz teilzunehmen wünsch«, und zwar entweder in seiner Eigenschaft als Unterzeichner des Paktes oder aber als große Mittelmeermacht. Sieg der Kantonarmee. Rückzug Wupeifus. Kanton, 31. August.(WTB.) Eine Mitteilung des Amtlichen Pressebureaus besagt, der Generalissimus der Kanronarmee, T s ch i- cngtaischek habe telegraphiert, seine Truppen hätten am 26. August Wutschung erobert und am selben Zlbend H a n- kau besetzt. Das Telegramm fügt hinzu, daß bei der Nachrichi des Anmarsches der Kantonarmee in der Richtung Wutschang drei Divisionen der Armee Wupeifus Hankau räumten, nachdem sie die Eingeborenenjiiedlung geplündert hätten. Streikende beschlagnahmen Zluslandstabak. Swotau, 31. August.(MTB.) Die Streitenden haben eine der British American Company gehörende Tabakladung beschlagnahmt. Der Zollkommissar erklärte den Sireikenden, er würde sich genötigt fühlen, das Zollamt zu schließen und die Sache nach Peking zu bringen, wenn bis Mittag des 26. August ö!e Ladung nicht zurückerstattet würde. Bis jetzt ist die Ladung noch nicht zurückgebracht worden. wo ist öer Ausweg! Der Bolschewismus in der Sackgaffe. Von R. Abramowitsch. Die Vollversammlung der Russischen Kommunistischen Partei hat vor der ganzen Welt gezeigt, daß die Russische Kommunistische Partei, als einheitliche, geschlossene Macht, das Zeitliche gesegnet und sich aus einer„stählernen Phalanx der Leninischen Kämpfer" in ein Konglomerat der verschie- densten Gruppen und Richtungen verwandelt hat, die nicht nur alle Schattierungen der sozialistischen Weltanschauung— von der Rechten bis zu der äußersten Linken—, sondern auch die Ideologie und vor allem die Interessen der verschiedensten sozialen Kräfte und Klassen bis zu den kapitalistischen widerspiegeln. Die Tragödie der Russischen Kommunistischen Partei und mit ihr der russischen Revolution besteht darin, daß keine einzige der kämpfenden Gruppen einen Faktor des geschichtlichen Fort- schritt? bildet, der imstande wäre, das Land aus der Sack- gaffe herauszuführen, in die es geraten ist. Wenn man selbst das Unvereinbare oereinigen und rein theoretisch versuchen würde, alle positiven Programme und Forderungen, die zurzeit von den beiden stärksten kommunistischen Fraktionen in Rußland aufgestellt werden, zu verbinden, so würde sich auch dann kein Programm ergeben, das eine Basis zur Ueberwindung der Krise bilden könnte, die in jeder Beziehung die Entwicklung des Landes hemmt. Zwecklos und von der Geschichte zum Mißlingen verurteilt sind alle positiven Pro- jekte und Pläne der Stalin- wie der T r o tz k i- Richtung. Denn weder die einen, noch die anderen können den Mut und die Kraft aufbringen, um die einzige wahre Ursache der Krise, d i e D i k t a t u r der Russischen Kommunistischen Partei, zu überwinden. Die Opposition forddrt eine Aenderung der Taktik in bezug auf die Bauern(mit Ausnahme der ärmsten Schichten. Ähre Forderung läuft, im Grunde genommen, auf den Abbau der neuen Wirtschaftspolitik und auf die all- mähliche Enteignung der Bauern mit Hilfe der Pro- gressivsteuer und der hohen Preise für industrielle Erzeugnisse hinaus. Auf diesem Wege hofft sie einerseits einen Reservefonds für die Industrie zu bilden und andererseits die wirtschaftliche und politische Macht der aufstrebenden Bauern zu schmälern. Stalin und seine Theoretiker aus der„Bucha- rinfchen Schule" können mit Leichtigkeit das Absurde der von der Opposition vorgeschlagenen Politik nachweisen. Eine solche Enteignung der Bauern zugunsten der sozialisierten Industrie ist in Anbetracht des Kräfteverhältnisses und der zunehmenden Steigerung der Aktivität der Bauern in politischer Hinsicht unmöglich. Sie würde zur allgemeinen Un- zufriedenheit und zur moralisch-politifchen Empörung der Bauern gegen die Sowjetmacht führen. Abgesehen davon wäre eine solche Politik auch aus rein wirtschaftlichen Er- wägungen sinnlos. Die russische Landwirtschaft könnte nur dann das Ka- pital zur Verfügung stellen, von dem die Trotzkisten träumen, wenn man sie vorher oder gleichzeitig auf eine solche Höhe der modernen Technik und maschinellen Produktion stellen würde, zu deren Erreichung der Sowjetstaat seinerseits enorme Summen zu verwenden genötigt wäre. Andererseits würde der Sowjetstaat, durch die systematisch durchgeführte Enteignung und steuerliche Belastung der Bauern, die Land- Wirtschaft untergraben und der Industrie den Maickt entziehen, ohne den ein Land>wie Rußland überhaupt nicht existieren könnte. Die Opposition fordert ferner die Er- höhung der Aktivität der Kommunistischen Internationale und der kommunistischen Parteien im Auslande. Stalin und Bucharin, Andrejcw und Tomski konnten mit Leichtigkeit nachweisen, daß die Sprengung der„Einheitsfront" politisch weder für den Kommunismus in Rußland, noch für die Ent- Wicklung des Kommunismus in Westeuropa positive Resultate zeitigen könne. Inzwischen sind viele Kommunisten längst zu der Ueberzeugung gekommen, daß die Arbeiterbewegung in Europa jetzt eine viel revolutionärere Bedeutung haben würde, wenn die Kommunistische Internationale überhaupt nicht existiert hätte. Wenn die„positiven" Forderungen der Opposition sich als undurchführbar und sogar schädlich erweisen, so ist ihre Kritik des positiven Programms der Stalinschen Richtung um so schärfer und zutreffender. Stalin fetzt alle seine Hoffnungen auf die„I n d u st r i a l i s i e r u n g". Wie soll sich jedoch diese Industrialisierung vollziehen? Woher soll man das Ka- pital nehmen, das notwendig ist, um in Rußland in Wirtlich- keit eine s o z i a l i st i_j ch e Industrie zu schassen, die in der Lage wäre, den sozialistischen Zusammenschluß mit dem kleinbäuerlichen Warenproduzenten zu sichern? Stalin ist bestrebt, den„Ktatii« quo" auf dem Gebiete der Innen- und Außenpolitik aufrechtzuerhalten. Sieht er aber nicht die Sackgasse, in die Rußland geraten ist? Die Stalinsche Mehrheit ist bestrebt, alle Geschehnisse vom Stand- punkte des offiziellen Optimismus zu betrachten: alles wird sich schließlich zum Besten wenden! Die kleinbürgerliche Welle im Bauernstaate steigt jedoch immer höher: sie über- flutet die Oeffcntlichkeit und dringt in alle Poren des Sowjetapparates ein. Mit welcher Genauigkeit registriert die Opposition alle Anzeichen der fortschreitenden kleinbürgerlichen Ungestaltung des Staatsapparates und der Regierungspartei! Mit welcher Schärfe enthüllt üe die Kurzsichtigkeit der Regierungspartei, die Sine Vogel-Strauß- Politik treibt und bestrebt ist. sich und alle anderen zu be- trügen, indem sie dreist behauptet, daß„alles i n O r d» nuag sei. Wie berechSg? find die Angriffe der Oppostiion gegen das System der Unterdrückung jeglicher Kritik und Ge» dankenfreiheit, gegen die geistige Leere, die in der Kommu- nistischen Partei herrscht, wie berechtigt ihre Hinweise darauf, daß unter solchen Verhältnissen eine revolutionäre Partei n i e imstande sein werde, ihre geschichtlichen Aufgaben zu er- füllen. Wie richtig ist auch ihr Hinweis auf den zunehmen- den Otin�nß der nichtproletarischcn Elemente im Sowjetstaate, der sich infolgedessen immer mehr von der Arbeiterklasse ab- wendet und alle Lasten, die mit der„neuen Wirtschafts- pol'.tik" verbunden sind, auf ihre Schultern abwälzt. Was kann die regierende Mehrheit auf die vernichtende Kritik der Opposition, die die traurige Wirklichkeit im gegen- wärtigen Rußland aufdeckt, erwidern? Nichts und abermals nichts. Die Stalin-Gruppe kann den Hinweisen auf die -objektiven Tendenzen nichts anderes gegenüberstellen, als revolutionäre Phraseologie und wirkungslose Hinweise auf die subjektiven Ziele der Sowjetherrscher. Der von Stalin, Rykow und Kuibyschew unterzeichnete Aufruf war ober im Grunde genommen ein Verzweiflungsschrei und ein Zugeständnis, daß sie außerstande seien, mit dem Staatsapparat fertig zu werden und ihn nach ihrem Willen zu lenken. Der„gute Wille" der Herrscher hat sich als ein leeres Wort erwiesen. Das Instrument der Diktatur wird den Händen der Diktatoren entrissen und in einen selbst- tätigen Organismus verwandelt, der sich nach seinen eigenen inneren Gesetzen entwickelt. Können noch etwa Zweifel darüber bestehen, nach welcher Richtung diese Gesetze (unter dem Einfluß der immer mehr erstarkenden kleinbürger- lichen und kapitalistischen Elemente, die auf kein Gegengewicht in der Form eines organisierten Kampfes der werktätigen Massen stoßen) die Entwicklung des Staatsapparates und mit ihm auch der Diktatur selbst lenken werden? Stalin kann darauf keine Antwort geben. Er zieht eine leichtere Be- schäftigung vor— die Zertrümmerung der Kartenhäuser der „Opposition". Man weiß welche Popularität Trotzki und seine Anhänger seinerzeit unter den breiten Massen der werktätigen und nichtwerktätigen Bevölkerung Rußlands besaßen, die sich für einen Moment der Täuschung hingaben, daß ihnen ein Retter erstanden sei, der sie von der drückenden Diktatur befreien werde. Ungeheure Volksmassen waren bereit, ihn auf den Schild zu heben und zu einem Volkshelden zu prokla- mieren, wenn er imstande wäre, seine leidenschaftlichen An- klagen gegen die Herrschaft des„Parteiapparates" in ein p o- s i t i v e s Programm umzusetzen, das das Joch der Diktatur sprengen und freie Bahn für die werktätigen Massen schaffen würde. Trotzki erwies sich nicht auf der Höhe der ihm ge- stellten historischen Aufgabe. Gebunden durch das Bestreben der Aufrechterhaltung der Diktatur,— deren Aufhebung gerade diejenigen mit Begeisterung erwarteten» die ihn unterstützten!— verlor er sehr bald seinen Halt und fand ihn bis heute noch nicht wieder. Er suchte vielmehr seine Kritik der bestehenden Ordnung durch utopische, wirt- schaftlich-reaktionäre, linkskommunistische Pläne zu kompensieren. Diese historische Unfruchtbarkeit Trotzkis hat dahin geführt, daß die breiten Massen immer mehr von ihm abrücken und daß die Opposition allmählich die Unterstützung nicht nur der nichtproletarischen Volksschichten(Intellektuelle, Bauernschaft usw.), sondern auch der Arbeiterkreise verliert. deren Stimmungen nur der Teil der oppositionellen Kritik entspricht, der gegen die Wirtschaftspolitik des Sowjetstaates gerichtet ist. In dieser Unfruchtbarkeit liegt die geschichlliche Verurteilung der Opposition. Sie kann nicht siegen, denn solange sie theoretisch auf den Boden derDiktatur st cht, wird sie sich nie auf breite Volksmassen stützen können und nicht wissen, wohin sie gehen will. Von geschichtlichem Standpunkt aus befindet sich auch Stalin, der„Sieger", in keiner beneidenswerteren Lage. Indem er sich aus die Stimmungen und Interessen des„Appa- rats" und der„Spezialisten" stützt, ist er vor Angriffen gegen Tempelhofer Jelö. Eine Spukgeschichte vom Armee, und Marlaetag. Wir haben uns länger, als beabsichtigt, im.Fammandohaus" und im„Kontrollturm de«.Lentralflughafens" aufgehalten. Als wir ln» Frei« treten, ist es finster geworden. Di« Scheinwerfer stoßen ihre gespenstigen Lichtarm« in den sternenlosen Himmel und der„Windrichtungsanzeiger" bläst«in« unheimlich«„Rauchfahne" in die„Regennacht" hinaus. Von Zeit zu Zeit reißt der Wind die „Fahne" auseinander und wirbell ein paar toll« Rauchballen hoch, um sie dann wieder lautlos in den Grasboden hineinzuwerfen. Ich lehn« mich auf meinen Hatenstock, nehm« den Hut ab und wische mir den Schweiß von der Stirn; der steif« Grog der ver. fluchten Flugzeugtutscher und ihr dämliche, Gerede von ihren allen Staffeln und Batterien, vom Krieg und vom Kommiß ist mir doch mächtig in den Kopf gestiegen; dazu habe ich da» Pressetelegramm des„Lokal�lnzeiger", der eben in die blau« Lufttutsch« verstaut wird, au» Nürnberg gelesen:„Schrill schlägt der Marsch der Spiel- leute und au» dem Bahnhostor marschiert ein langer Zug,«in Geisterzug, verhüllt in düstere» Schwarz, di« Feldzeichen der alten Armee."--— Kein Wunder, daß einem da dmnm« Gedanken kommen— mitten am Paradeseld Seiner Majestät. Dazu ringsum lauter Kasernen, und da— hui— der„Garnison- sriedhos" am Tempelhofer Feld, wo die sriderizianisch« Gene- ralität seit 200 Iahren begraben liegt. Ein harter Wind stößt von dort drüben her über den Wald, wirft die Rauchsahn« nach recht», daß sie nur so stöhnt, und dann nach link», daß es nur so knallt— und nun ist die Hölle los: Eine Regimentskolonne nach der andern jagt vorbei; di« weißen Hosen zucken im Massenschritt über das Feld hinweg und der Wind pfeift einen schaurigen Defiliermarsch dazu. „Die Herren Kompagniecheeefs!" jagen di« Adjutanten. „Ein Hornist zum Herrn Majooorl" „Die Spielleut« des ersten Garderegimeeents!" „Die Härren Kommandööör« zu Semer Majestääät!" Eine Gruppe Offiziere steht nicht weit weg von mir, wenig« Schritte von der Röhr«, durch di« der„Windrichtungsanzeiger" feisen Qualm in die Nacht hinausstößt; offenbar einig«, schon etwas bejahrte Herren, so in der Papa-Häseler-Manier, di« Tschapka über dem mageren, strähnigen Haupt. Einig« Wortfetzen erreichen mich: .höchst« ZeitI--- Endlich einmal wieder«in Armee- und Marine-Tag!--- Der alte Preußengeist-- Wird vorzüglichen ffintrr* machen, dieser nächtlich« Alarm und di« Parade vor Seiner Majestätl" Ein alter Iögeroberst klappert vergnügt mit seinen langen Knochen:„Na, nun haben sie un» ja endlich«in anständjes Denkmal auf unser« Gräber gesetzt:„exorisre aliquis-- oh, oder wie di« Chos« heißt-- Sh die gute, alte Zeit— seine Machtstellung von fetten der„linken� oppofittonellen Gruppen gesichert. Aber diese Macht eröffnet keine Perspek- tiven, keinen Ausweg aus der N e p- W i r k l i ch k e i t. Der Stalinsche Weg bürgt bis zu einem gewissen Zeitpunkt für die Aufrechterhaltung der Diktatur, als einem Z i e l a n f i ch, er führt jedoch nicht zum Aufbau des Sozia- lismus, durch den allein diese Diktatur geheiligt werden könnte. Von dieser Erkenntnis ist nicht nur der überwiegende Mehrzahl der Arbeiter, sondern auch ein Teil der ehrlichen. grundsatztreuen Kommunisten durchdrungen, die Stalin noch immer Gefolgschaft leisten. Sie können sich der Opposition nicht anschließen, weil sie die positiven Forderungen der Oppo- sition als utopisch und undurchführbar erkannt haben und weil es ihnen klar ist, daß die Vernunft und die Wahrheit der ökonomischen Notwendigkeit in dieser Frage aus feiten Stalins liegt. Aber ohne Schwung und ohne Stimmung, ohne Glauben und ohne Vertrauen, bleiben diese Kommunisten aus Gewohnheit und aus Mangel eines anderen Auswegs auf demselben Fleck. Nur im engen Freundeskreis sprechen sie sich darüber aus, wie out es hätte werden können, wenn „Jljituh" ncch in ihrer Mitte wäre, der sicherlich einen Aus- weg gefunden und mit sicherer Hand das Steuer des Sowjet- schiffcs herumgerissen hätte. Aber Lenin ist nicht mehr, und an feine Stelle sind beschränkte» kleinmütige Epi- g 0 n e n getreten, die die geringste Bewegung scheuen und nicht wagen, den kleinsten Stein aus dem von Lenin errich- teten Gebäude herauszubrechen, aus Furcht, daß dabei das ganze Gebäude zusammenstürzen könnte. Beschränkter Gesichtskreis und Feigheit der Gedanken— das sind die Merkmale der„Mehrheit" und der„Opposition". Die proletarischen Massen, die dem Kommunismus Gefolg- fchaft leisteten, fühlen es instinktiv und überzeugen sich davon in der täglichen Praxis. Ihre Abkehr von Stalin ist deshalb unvermeidlich und unabwendbar, trotz der zahlreichen Refo- lutionen, die in ihrem Namen von den lokalen Parteiinstanzen gefaßt werden. Und ebenso unvermeidlich und unabwendbar ist die allmähliche Verschiebung des Stützpunktes der Stalin- Bucharinschen Mehrheit in der Richtung zu anderen nicht- proletarischen sozialen Schichten. Auf der B a s i s d e r Diktatur gibt es in der Tat keinen Ausweg. Diese Diktatur ist dem Untergang geweiht und mit ihr zusammen sind beide Flügel der Russischen Kommunistischen Partei ge- richtet, deren Ausgangspunkt die Aufrechterhaltung der Dik- tatnr bildet. Damit wird auch die Frage gelöst, wer von den beiden feindlichen Freunden„besser" sei, wer unter Um- ständen sich in einen„Weggenossen" des sozialistischen Prole- tariats verwandeln könnte. In ihrer jetzigen Gestalt und auf der gegenwärtigen Plattform ist es keiner von beiden. Die letzten Vorgänge in der Russischen Kommunistischen Partei haben noch eine weitere historische Lehre offenbart: jede richtige Maßnahme, zu der sich die eine oder die andere Fraktion, zufällig und entgegen der kommunistischen Theorie durchfindet, wird stets aus dem Arsenal der S o z i a l d e m o- k r a t i e entnommen. Die gegenseitigen Anschuldigungen wegen „Menschewismus", die die kommunistischen Fraktionen ein- ander an den Kopf werfen, sind nicht nur demagogischer Natur. Es steckt in ihnen auch ein tiefer Sinn: die Plattform unserer Partei ist in der gegenwärtigen historischen Epoche die einzige reale Möglichkeit zur Rettung der Re- volution. In ihr verkörpert sich die Diagonale jener sozialen Kräfte, die im heutigen Rußland entstanden sind, verkörpert sich die sogenannte„Schützengrabenlinie", auf der allein die Arbeiterklasse und die demokratischen Schichten der Bauern- schaft sich werden halten können. Jede sozialistische Re- gierung. die bestrebt sein wird, dem Sieg des Bonapartismus vorzubeugen, wird gezwungen sein, dieses Programm zu ver- wirklichen. » Dieser Aussatz des Führers der russischen Sozialdemokratie ist ein« — notgedrungen stark verkürzte— Wiedergabe eines Aussatzes in der Nr. 15/16 des„Sozialistischen Boten", des offiziellen Organs unserer russischen Bruderpartei, dos hier im Ausland erscheinen muß, weil die Bolschewiki jede abweichende Meinung unterdrücken. Da brüllt die Sirene vom Kommandoturm; di« Scheinwerfer flackern aus; die Flugzeughallen liegen im Blendfeuer der Türme und der Lautsprecher vom Kontrollturm herab: „Achtung— Achtung— Landungszon« frei! Für den Expreß Paris— Moskau erstes Feld! Für den Expreß London— Konstanti» nopel zweites Feld! Für den Luxus«xpreß New Dort— Wladiwostok drittes Feld! Zehn Minuten Aufenthalt für jeden Zug!" Ein Heer von Dienstmännern. Grooms, Chauffeuren, Zoll- und Postbeamten stellt sich vor den Hallen bereit, und di« erst« Maschine donnert auf den Landungsplatz herein, fünf aneinandergekoppelte Großflugzeug«, durch Laufgang miteinander verbunden. Di« Post- fäck« sausen durch di« Luk«n herab, in den Speiseräumen zieht man di« bereit gehaltenen Lebensmittelkisten und Wassertank» hoch, di« Benzinschläuche werden an die Maschinen gekoppelt. Zehn Minuten lang«in wilde» Sprachenchao» rufender Menschen— und dann donnern di« Lust-Expreßzüg« wieder in die Nacht hinaus. »» « Wie durch ein Wunder Ist der„Feldherrnhügel" im Schutz der „Rauchfahne" unversehrt geblieben; die sechs Männlein stehen immer noch wie angewurzelt neben der rauchspeienden Röhr«. Ich fasse mir ein Herz und nehme mir den Jägerobersten vor: „Herr Oberst, Sie müssen sich ein andere« Feld für nächtlich« Spukgelüst« aussuchen---" „Ja, ja, hier ist's nicht für uns. Aber der Garnisonfriedhof ist doch so bequem in der Nähe, da--" „Nee, nee, mein« Herren, Ei« müssen sich schon nach Potsdam oder nach Bayreuth zu der„weißen Frau" bemühen!--* „Sehr gut!" „Und vor allem— Si« dürfen der Flugzeugbranch« nicht zu nahe kommen! Meine Herren, das Milljöh macht alles! Werfen Si« sich auf Feldgottesdienst« oder Freilichttheater, auf Schnupf- tabaksdosen oder Perückenständer! Aber hier? Hier haben Sie kein« Chance! Hier herrscht der unsentimentale Weltverkehr und das Flugkapital!" „Sehr richtig." sagt der all« Oberst,„und unser Chef hat die Geschichte mit angedreht mit seinem Tatü Tataaa". Hermann Schützinger. die Hölle von volterra. Die Verwaltung der Gefängnisse In Italien ist eine der grau- samsten, die es gibt. Volterra, Catanzaro, Lucca, Salerno, Campo- basso, das sind einige Namen von Gefängnissen, in denen unzählige Proletarier, die sich des aktiven Widerstandes gegen faschistische Willkür schuldig gemacht haben, zum bürgerlichen Tode verdammt sind. Volterra ist ein Städtchen in der�Provinz Pisa, das ebenso wie andere Orte dieses Gebietes zum Teil noch seinen Charakter als mittelalterliche Stadt gewahrt hat. Dollerra ist wie entlegen von der Well, aus dem Grat eines Bergzuges, von Bastionen um- yugenbergs Seöauern. Ueber einen Reinfatt. Im„Tag" findet sich endlich folgende Mitteilung übeS den famosen Artikel des„Dr. zur. cav. et civ. Hölscher, der die preußische Polizei beschimpfte, aber nur in der Pro, vinzausgabe, nicht in der Berliner Ausgabe erschien: Da während der Drucklegung Bedenken über die Per« son des Verfassers austauchten, versuchten wir, den Aufsatz zurückzustellen, was aus technischen Gründen nur bei einem Teil der Auflage noch möglich war. Inzwischen angestellte Nach, forschungen an Ort und Stelle rechtfertigten diese Bedenken. Wir bedauern daher, dem Aufsatz Raum g« geben zu haben. Von dem Bedauern nehmen wir gern Kenntnis, um so mehr, als unsere Aufdeckung der wunderbaren Zustände im Hugenberg-Betrieb es sicher mit auslösen half. Aber me Feststellung bleibt doch, daß es bei Hugenbergs möglich ist, an erster Stelle einen Schimpfartikel gegen die preußische Polizei zu veröffentlichen, von dem man nicht einmal den Verfasser kennt! Der blinde Haß gegen das Severing-Preußen ist demnach dort stärker, als der Verstand des Einundfünf- zigers Hölscher._ Magdeburger Richter. Sie„untersuchen" den ftfnll Nhlenhaut.— Ter Stahlhelm wirkt mit. Braunschweig. 31. August.(Eigener Drahtbericht.) Die Mogdo- burger scheinen P«ch mit ihren Richtern zu haben. Der Landgerichts- direktor Bewersdorff ist noch aus dem Ebert-Prozeß in aller Erinnerung. Die unrühmlich« Rolle, die der Untersuchungsrichter Kö kling im Mordprozeß Schröder-Haas gespielt hat, ist dein Ansehen der deutschen Justiz auch nicht förderlich gewesen, und nun blamiett sich schon wieder ein dritter Magdeburger Richter. Die Stahlhelmbundesleltung hatte auf besonderen Wunsch des Bundesführers Seldte aus Magdeburg den Amts- gerichtsrat Klinkhardt aus Magdeburg mit der Unter- suchung der Vorwürfe, die gegemden Landesoerbandsführer Uhlenhaut(Braunschweig) erhoben wurden, beauftragt. Amts- gerichtsrat Klinkhardt, der selbst S t a h l h e l m m i t g l i e d ist, nahm den Antrag an. Als P r o t o k o l l f ü h r e r setzte er einen jungen Ange st eilten des Landesverbandsführers Uhlenhaut ein. Die Untersuchung des Herrn Amtsgerichtsrats Klinkhardt, die nach der Stahlhelmzeitung.rein sachlich, objektiv und völlig einwandfrei" gewesen ist, glich einer Freisprechung des Landesverbandeführers Uhlenhaut. Nun er- hebt aber in den.Stahlhelm Nachrichten", dem Blatt der Stahl. helmopposttion in Braunschweig, ein Bankdirektor Dr. jur. W r« d e aus Braunschweig in einem offenen Briefe schwer« Vorwürfe gegen den Amtsgerichtsrat Klinkhardt aus Magde- bürg. Er nennt die Vernehmung der Zeugen eine Farce und fährt dann fort: .Wenn Herr Klinkhardt als Amtsperson so ver- fahren wäre, wie er als Privatmann verfahren ist, so würde ich wahrscheinlich Beschwerde bei seiner Aufsicht»- behörde gegen ihn erheben und außerdem noch Straf- antrag stellen. Ein Oberlehrer, ein Postbeamter, ein Kaufmann usw. hätte die Vernehmung ebensogut machen können; ja, er hätte sie ent- schieden besser gemacht als Herr Klinthardt, dessen Untersuchung, soweit ich sie beurteilen konnte, das Gegenteil von.sachlich, ob- jektio und völlig einwandfrei" war. Die klaren Tatsachen, die ich vorbrachte, und die meines Er- achtens allein ausreichen mußten, Herrn Uhlenhaut als Landes- verbandsführer unmöglich zu machen, suchte Herr Klinkhardt mit Entschuldigungsgründen zu entkräften. Da»»rein objektive, klare Urteil", das ich zu diesem Punkt später gelesen habe, ist das Unglaublichste, was mir auf suristifchem Gebiete je vorgekommen ist." Selbst im Stahlhelm beginnt man also zu merken, was es mit den Magdeburger Richtern sür eine Bewandtnis hat. geben, als wolle man hier den Eintritt des sozialen Fortschritte» verwehren. Oben auf dcm Gipfel des Berges droht eine 1440 er- baute Festung, die 1S18 in ein Gefängnis verwandelt wurde und heute faschistisches Verlieh Ist. Bei der Ankunft in diesem Gefängnis könnte man wie Dante vor der Höllenpsorte rufen:.Beim Eintritt hier laßt olle Hoffnung fahrenl" In der Tat haben die politischen Opfer, die in dies düster« Schloß eintreten, keinerlei Aussicht, es moralisch und physisch leben- big je wieder zu oerlassen. In dieses Gefängnis führt man die Ge- fanaenen, die die erste Periode ihrer Strafe, und sei es nur den scckisten Teil, in der Einzelzelle verbüßen müssen. An der Lust ist hier oben auf der Höhe, wo das Gefängnis liegt, kein Mangel. Man könnte wähnen, es sei dem Himmel näher als der Erde. Aber die Luft dringt nicht in die Verließe, in die entlegenen Winkel dieses Gefängnisses. Die Zellen, oder besser gesagt, die Löcher, in die man die Gefangenen zum Leiden wirft, sind so eng, daß sich ein Mensch nur Mühe darin bewegen kann. Nur eine ganz kleine Anzahl der Häftlinge läßt man arbeiten. In den Zellen sür verschärfte Hast existiert, wie man wohl sagen kann, kein Leben mehr. Die in diese Kammern verbannten Wesen, unter ihn«n mancher politischer Häst- ling, sind, ohne Licht und ohne Luft, wie Tote in einer Gruft. Zur Stunde befinden sich in Volterra 400 Gefangene. Strengst« Geheimhaltung oerwehtt die Kenntnis der grauen Anzahl der politischen Gefangenen. Nichtsdestoweniger steht, wie das in Lausanne erscheinende Blatt Jie Droit du Peuple" aus bester Quelle weiß, fest, daß eine ganze Anzahl von ihnen in dieser düsteren Bastille langsam stirbt, weil sie gegen die bürgerliche Reaktton und die blutige Herrschaft der Schwarzhemden gekämpft haben. Niemand, ausgenommen in den alleraußerordentlichsten Aus- nahmefällen, darf mit diesen lebendig Begrabenen sprechen, von denen viele kämpfen und leiden für die Sache der Freiheit. Versicherung gegen Geisleskrankheit. In einer der letzten Sitzungen des amerikanischen Repräsentantenhauses beschäftigte sich «in Abgeordneter mit den zunehmenden Fällen geistiger Erkrankungen, die in letzter Zeit in Amerika eine beunruhigende Ausbreitung er- fahren haben. Gegenwärtig zählt man im Staat« New Park 41000 Schwachsinnige und Idioten; im Staat« Pennsylvania 20 300; in den gesamten Vereinigten Staaten von Amerika befinden sich nicht weniger als 267 600 geistesschwache Personen, während man im Jahre 1910 nur 187 700 zählt«. Der Abgeordnete hat erklärt, daß man sich in allernächster Zeit gezwungen sthen wird,«in« Art Versicherung gegen Schwachsinn und ander« Geisteskrankheiten einzuführen, da man dies« Krankheit wie jeden anderen Unglücksfall bekandeln und den vom Ucbel Betroffenen«in« finanzielle Sicherstellung angedeihen lassen müsse. vomenswlrnoarr. Neben der„Deutschen D»IkSbübne E. D die da« Theater in der Kommandantenstraße gepachtet hat. wirbt jetzt noch ein« andere»Deullche Volksdllhne-, die im Rofe-Tbeater spielt. Die Volk»- blibne 5. V. Berlin fVereiniate Freie und Neue Freie Volk-?biihnel, die Bestteerin der Theater am Bülowplatz und ani Zchistbauerdamm. die»u- gleich Vorstellungen in der Qver am Platz der Republik, in den staaUiche« Schaufpicihäuleln und im Thalla-Theater gibt, ist mit beiden Unter» nehmungen nicht identisch. Der Hallenser Spartaffenftanöal. Das Strafverfahren erweitert. Halle a. b. 31. August.(WTB.) Der Regierungspräsident in Merseburg teilt mit: Die Bankabteilung der Stadt- s p a r k a s s e Halle ist Anfang August 1926 einer erneuten, mehr- wöchigen Prüfung durch zwei Revisoren der Girozentrale in Magde» bürg und einen Revisor des Regierungspräsidenten in Merseburg unterzogen worden, hierbei haben sich leider äußerst bedauerliche Zustände ergeben, die die finanzielle Lage der Bantabtcilung gegenüber den Ergebnissen der bereits im November 1923 vor- genommenen Prüfung noch weiter verschlechtern. Das bereits im Juni 1926 von dem Oberstaatsanwalt in Halle gegen den vormaligen Bonkdirektor B e r g e r eingeleitete Straf- verfahren wird auf Grund des erneuten Prüfungsergebnisies nicht nur auf diesen, sondern aller Voraussicht nich auch auf m e h- rcre andere Personen ausgedehnt werden müssen. Daneben wird die disziplinarrechtliche Seite der Angelegenheit von der Staats- Verwaltungsbehörde— wie bereits bisher geschehen— nachdrücklichst weiter oerfolgt werden. Für das mit der Bankabteilung in Verkehr stehende Publikum besteht keine Veranlassung zu übereilten Hand- lungen. Der Regierungspräsident von Merseburg teilte dem„Volks- frlatt" in Halle in einem Schreiben unter Bezugnahme auf Der- öffentlichungen dieser Zeitung mit, daß in der Angelegenheit der Bankabteilung der Spartasse Halle das vorliegende Material ein schuldhaftes Verhalten des Oberbürgermeister» Dr. Rieve nicht ergebe. Verhaftung des ehemaligen Direktors. Halle a. d. Saale, 31. August.(WTB.) Wegen der leicht- fertigen Kreditgewährung durch die Stadtbank Halle wurde gegen den früheren Stadtbankdirektor B e r g e r ein gerichtliches Verfahren im Juni d. I. eingeleitet. Die Ermittlungen haben in- zwischen soviel belastendes Material ergeben, daß Berger auf Ver- anlassung der Staatsanwaltschaft heute verhastet wurde. Der unpolitische Stahlhelm. Und die Ausreden der Reichswehr. Zu der von un» beanstandeten Teilnahme von Angehörigen der Reichswehr an dem Sportfest des Stahlhelms in P r e n z l a u erklärt das Reichswehrministerium, daß nicht die 7. Kompagnie des 5. Infanterieregiments, sondern nur einzelne L e u t e, die Mitglieder des Vereins seien, an der Sportveranstaltung teilgenommen haben. Es habe sich bei der Veranstaltung nur um ein Vereinssportfest mit völlig unpolitischem Charakter ge- handelt. Das ist eine sehr bequem«, aber gerade darum nicht haltbare Zl u s r« d«. Der Stahlhelm läßt fein« Bundeszeiwng erklären, der „Weg zur Freiheit� gehe nur über die Leiche der Weimarer Verfassung. Er beschimpft diese Verfassung als„Kretin*, als MißgeburtI Aber die Reichswehrsoldaten und-offiziere, die auf die Weimarer Verfassung vereidigt sind, dürfen an den Veranstaltungen dieses„unpolitischen* Vereins teilnehmen, während ihnen jede Beteiligung am„Reichsbanner Schwarz-Rot- Gold*, der republikanischen Schutzorganisation, strengstens verboten ist. Mit ihren Erklärungen reitet sich die Dementierungsabteilung des Reichswehrminiftermms nur immer tiefer in die fchwarzweißrote Tintef Der Schulkampf in Mexiko. Ein Krieg des Analphabetentums Den sogenannten„Kulturka:'ps* in Mexiko beurteilt der „Zeitungsd'tnst des Deutschen Lehreroereins* sehr kritisch. Er sthrzibt darüber: Es ist n-ht leicht, sich aus den Meldungen der Tageszeiiungsn ein richtiges Bild ov!: dem zu machen, was in Mexiko vorgeht. Man hört'von iKwaffneum Aufruhr, von Mord, von Streik, von De- nionstratu-ncn und begreift nicht, wo das alles auf einmal herkommt. In Wirklichkeit ist der„Kulturkampf*, der sich dort abfpi-lt. auch kein aus der neuesten Zeit hervorgegangener, sondern ein sehr alter.-: greifr zurück in die Befreiungskämpfe der Ureinwohner von der spanischen Herrschast und hat seinen Hauptgrund in dem Bls.reben der katholischen Kirche und besonders icr eingewanderten fp mischen Priester, me x i k a n i s ch e» Grund und Boden in linnier größerem Umfange an sich zu dringen. Sc.t mehr als stchs Jahrzehnten versuchen die Mexiko.ier, durch ihre Verfassungen den von der Kirche angeeigneten Grund und Boden in den Staatsbesitz zurückzubringen. Weiter wollen sie die überaus große Zahl der Geistlichen beschränken, ihnen den Einfluß auf die Schule nehmen und die Mönchsorden be- icitigcn. Gegen diese Verfafsungsbestimmungen und die darauf ußenden Gesetze wehrt sich nun die katholische Geistlichkeit. Wer ic anerkennt, wird oonderKirchebestraft. Den breiten Massen des Volkes soll das dadurch fühlbar gemacht werden, daß die Geistlichen in den Kirchen keine gottesdienstlichen Handlungen mehr vornehmen, und daß die Kirchenschu deren Zahl mehrere Tausend beträgt, geschlossen werden. Gleichzeitig werden die Eltern aufgefordert, ihre Kinder auch nicht in die öffentlichen Schulen zu schicken, weil Religionsunterricht verfasiungsgemäß dort nicht erteilt werden darf. Wohl aber versuchen es Geistliche, Schulbrüder und Schulschwestern, in den Häusern Unterricht zu er- teilen. Demgegenüber macht die Regierung nun von ihren Macht- Mitteln Gebrauch, belegt die Kirchen mit Beschlag und sucht jede unterrichtliche Tätigkeit innerhalb einer oder mehrerer Familien zu verhindern. Diesen Kampf um die Schüfe glaubt die Regierung führen zu müssen, weil die Volksunwissenheit in keinem modernen Kulturstaat so groß ist wie in Mexiko. Rur etwa jeder achte Einwohner kann lesen, und jeder siebente Einwohner lesen und schreiben. Der jetzige Präsident C a l le s hat vor zwei Jahren bei der Uebernahme der Regierung als eins seiner Hauptziele hingestellt:„Mehr Bildung für die Massen I* Auch ein« angeschene katholische Zeitung in Deutschland hat damals anerkennend von seinem..Kreuzzug gegen die Analphabeten* gesprochen. Heute stellt man ihn mit den größten Christenoer. folgern unter den römischen Kaisern auf«in« Stufe, und nach den bisherigen Erfahrungen ist es nicht unmöglich, daß es schließlich gelingt, ihn zu stürzen. Aber jede kommende Regierung ivird sich jetzt gezwungen sehen, den Kampf gegen die Unwissenheit des Volkes in irgendeiner Form fortzusetzen. Und die katholische Kirche wird sich um ihrer selbst willen bequemen müssen, m diesem Kampf nicht untätig beiseite zu stehen. Aufhebung der Sklaverei in Nepal. In dem Himalayastaat Nepal sind seit dem vorigen Jahr 57 889 Sklaven freigelassen werden. Die Sklaverei ist damit vollständig beseitigt. Die Regierung hat den Besitzern der Sklaven 270 000 Pfund Entschädigung ausgezahlt. Die politische Slume! Das Berliner Rathaus ist zurzeit in eine Symphonie der Düfte und Farben getaucht. Eine Blumenschau ist wohl das Friedlichste, was es auf dieser streitbaren Welt gibt. Mit der Aesthetik mag man uns dabei kommen, Schwärmer mögen lyrisch, Enthusiasten verzückt werden, aber auf politische Gedanken, auf die billige Scheidemünze des schwarzwcißroten Hipp-Hipp-Hurra inmitten dieser reizvoll harmonischen Naturpoesie zu gelangen.— diese saftige Geschmacklosigkeit blieb unseren monarchistischen Bieder- männern vorbehalten. Es gab auch manches Kopfschütteln beim Berliner Volk, das am Sonntag in Scharen die Ausstellung besuchte, als schon nahe dem Eingang die hohe völkische Politik ihre Sprüch- lein verkündete. Ist es nicht grotesk, eine niedlich-duftige Blume „S k a g e r r a k*. eine andere pathetisch„Wacht am Rhein* zu benennen? Was aber soll man dazu sagen, wenn die Charlotten- burger Samenhandlung Otto Ruhe inmitten der entzückenden Dahlienschau im Oberock eine feuerrote, charmante Dahlie nach Schlaget er benamst? Da ist noch eine Dahlie von blasser Farbe, die mit d e m o k r a t is ch e m Geruch behaftet wohl nach der Ansicht ihres Händlers beim Publikum Spießruten laufen soll?! Dicht neben „S ch l a g e t e r* blüht bescheiden im Hintergrund„W o l f g a n g v. Goethe*. Der ist übrigens insgesamt in 4— 5 Exemplaren vertreten. Irgendeine längst verblühte Prinzessin abgelegenster Linie dagegen scheint weit populärer. Ist sie dem Besucher doch sehr viel häufiger begegnet. Nicht unerwähnt sei, daß man auch einige Male auf eine edle weiße Dahlie„Weltfrieden* stößt. Ein symbolischer Name, der sicherlich dem Empfinden weit angenehmer eingeht als die militaristischen Erinnerungen. Wenn man nicht versucht wäre, die„politische Blume* überhaupt als groben Unfug abzulehnen. Der Mörüer See Gräfia Lambsdorff. Die Tat eines Hungrigen. Nachdem Böttcher, der so plötzlich gefaßte Mörder der Gräfin Lambsdorff, gestern nachmittag von der Berliner Kriminal- Polizei aus Dahlwitz abgeholt worden war, wurde er auf dem Polizeipräsidium von Kriminalrat Gennat eingehend ver- nommen. Der junge Mensch, der vor Schmutz starrte und sich anscheinend tagelang nicht gewaschen hatte, wurde zunächst im Polizeigefängnis gründlich gesäubert, mit anderen Kleidungsstücken versehen und gespeist. Danach begann das Verhör, das sich bis gegen 2 Uhr morgens ausdehnte. Böttcher schilderte seinen Lebens- lauf, seine vergebliche Suche nach Arbeit und gab anschließend eine genaue Schilderung des verhängnisvollen 7. Mai. An diesem Tage verließ er sein« Wohnung in der Kleinen Hamburger Straße mor- gen? zwischen 5 und 6 Uhr. Da er kein Fahrgeld besaß und seit mehreren Tagen nur trockenes Brot gegessen hatte, so machte er sich zu Fuß auf den Weg nach Strausberg. Seine Absicht war. außerhalb Arbeit zu suchen, entweder als Knecht oder als Hand- langer bei einem Neubau. Er fragte überall um Arbeit an, wurde aber stets abgewiesen. Ein Arbeiter, dem er seine Not klagte, ver- suchte ihn zu ermutigen und beschenkte ihn mit 20 Pfennigen. Für dieses Geld taufte sich Böttcher in einer Gastwirtschaft ein Glas Bier und ein paar Schrippen. Dann wanderte er weiter. Da es anders nicht zu gelingen schien, so faßte er in seiner Verzweiflung den Entschluß, siich auf alle Fälle Geld zu verschaffen, wenn nötig, mit Gewalt. Auf seinem Wege durch die Strausberger Forst begegnete ihm ein junges Mädchen, das er anfiel. Zu einem Raube kam es aber, wie wir schon erwähnten, diesmal nicht, weil eine Rodlerin seine Absicht durchkreuzte. Trotz des Mißerfolges blieb er an dieser Waldstelle, um abzuwarten, ob er nicht besieren Erfolg haben könnte. Inzwischen war es nachmittags 4 Uhr ge- worden, und jetzt sah er eine einzeln« Dame den Weg entlang- kommen. Mit der Waffe in der Hand sprang er sie an und rief ihr zu:„Geld! Geld!* Nach seiner jetzigen Darstellung packte die Gräfin mit beiden Händen seine Rechte, in der er den Revolver hielt. Der Schuß ging dabei los, und lautlos sankdie Frau zu Boden. Während die Tote noch auf dem Wege lag, nahm er au» der Seitentasch« ihrer Strickjacke ein« kleine Börse, die 1,50 Mark enthielt, und streifte ihr die Armbanduhr ab. Da es ihm zu gefährlich erschien, die Leiche an dieser übersichtlichen Stelle liegen zu lasten, so schleifte er sie an den Händen durch das Unterholz bis zum Brandgraben. Leute, die ihn verfolgten, will er nicht gesehen haben. Er eilte sofort nach dem Bahnhof und fuhr bi» zum Bahnhof Börse. Hier traf er einen Mann, den er von verschiedenen Arbeitsstellen her kannte. Mit ihm zusammen besuchte er ein Kino am Hackeschen Markt und sah sich dort den Film „Panzerkreuzer Potemkin* an. Nach Schluß der Vorsllhrung begab er sich nach Haus« und legte sich ins Bett. Am nächsten Tage ver- suchte er, die geraubte Uhr zu Geld zu machen. Nach mehreren vergeblichen Versuchen stieß er auf einen gewissen Hoch, mit dem er Bett an Bett im Virchow-Krankenhaus gelegen hatte. Hoch war als Uhrmacher in einem Goldwarengeschäft in der Artilleriestraß« be- schäftigt und war Böttcher beim Verkauf der Uhr behilflich.— So- weit geht das Geständnis Böttchers. Da sich das Verhör bi» in die Morgenstunden ausdehnte, war es noch nicht möglich, alle einzelnen Angaben des Verhafteten genau nachzuprüfen. Der junge Mensch ist zweifellos geistig minderwertig und ohne sittliche Hemmungen. Daran mag zum großen Teil das Leben, dos er geführt hat, die Schuld tragen. Er ist ein schwäch- tiger, unscheinbarer Bursche, der wiederHoll die Arbeit aufgeben mußte, weil er nicht mehr imstande war, sie zu leisten. Eine eigenartige Sebstbezichtigung. Der Leichenfund am hohenzollernkanal aufgeklärt. Wie wir berichteten, gelang es der Mordkommission, den unter verdächtigen Umständen aus dem Hohenzollernkanal bei Plötzensee gelandeten Toten als den 26 Jahre alten Techniker Paul Bethge aus der Cheruskerstraße zu Schöneberg festzustellen. Gestern noch- mittag fand im SchaSchause die von der Staatsanwaltschaft angeord- nete Obduktion statt, die vom Geheimrat Dyrenfurth vorgenommen wurde. Es wurde festgestellt, daß der Tod durch Ertrinken eingetreten ist. Die Verletzungen, die der Körper aufwies, und die zuerst das Gerücht von einem Verbrechen auftauchen ließen, sind, wie der ärztliche Befund ergab, erst nach dem bereits erfolgten Tode durch Schisssschrauben und Bootshaken verur- sacht. Auf die gleiche Ursache sind ein Schlüsselbeinbruch und mehrere Rippenbrüche zurückzuführen. Ein Verbrechen ist an dem Manne auf keinen Fall oerübt worden.— Mit der Selbstbezichtigung, Bethge ermordet zu haben, meldete sich am vergangenen Sonntag bei der Mordkommission Dr. Berndorff- Zapfe ein junges Mädchen aus Breslau. Sie gab eine genaue Schilderung des Vorganges. Danach hatte sie Bethge schon längere Zeit gekannt, mit ihm postlagernde Briefe getauscht und jetzt eine Reise nach Berlin auf seine Beranlastung gemacht. In Plötzen- see sollte der Treffpunkt sein. Mit Bethge zusammen habe sie einen Spaziergang gemacht und später ein Bad genommen. Während des Ankleidens sei es zu Streitigkeiten gekommen, sie habe ihr Taschenmesser gezogen und blindlings auf ihn eingestochen. Der junge Mann sei rücklings in den Kanal gestürzt und ertrunken. Dies« Erzählrung wurde von den Beamten von vornherein mtt großem Zweifel aufgenommen. Man nahm das Mädchen, ein« 26 Jahre alte Amalle Honduras aus Breslau, ernstlich ins Gebet, und schließlich mußte sie eingestehen, daß sie den Toten nie gekannt und sich ihr Märchen buchstäblich aus den Fingern gesogen hatte. Sie hatte am Sonnabend In der Zeitung von dem Leichenfund gelesen, war nach Plötz ense« hinausgefahren, um den Fundott zu bestchttgen, und war dann bei der Kriminalpolizei erschienen. Bon ihrem letzten Gelde hatte sie die Fahrt nach Berlin bezahlt und war nun völlig mittellos. Sie wurde dem Wohlfahrtsamt überwiesen, das die zweifellos nicht ganz nor- male Person in ihre. Heimat zurückbringen wird. Wer bekommt ein Sparkassenbuch: Vor kurzem gab die Sparkasse der Stadt Berlin bekannt, daß sie bei Erreichung der ersten 100 Millionen Reichsmark Spareinlagen eine größere Zahl von Geschenksparbüchern mit Beträgen von 10 bis 300 Mark stiften wird. Ver- geblich zerbrechen sich die Berliner den Kopf, auf welches Datum der Tag fallen wird, an dem die ersten 100 Millionen voll sein werden. Nach der bishettgen Entwicklung des Bestandes der Bcr- liner Sparkassen ist damit zu rechnen, daß Ende August die ersten 100 Millionen überschritten werden. Der Monat Juli schloß ab mit einem Spartassenbestand von 97 Millionen Mark, durchschnittlich steigt der Bestand im Monat um etwa 4 Millionen, wie die folge»- den Ziffern über die Sparbewegung seit Anfang dieses Jahres zeigen: Bestand Ende Januar 1926.... 72 Millionen Mark „„ Februar 1926..„, 77„„ .. März 1926..... 82 ,, April 1926..... 86„„ „„ Mai 1926•.. 4.. 90„„ ., Juni 1926..... 93 , Juli 1926..... 97 Das Jahr 1925 begann mit einem Bestand von 16. Millionen Mark und schloß ab mit 66 Millionen. Man darf gespannt sein, wie- viele Sparkassenbücher die Spartasse bei dieser Gelegenheit los werz den wird. Unzweifelhaft steht fest, daß gegenwärtig infolge der Wirtschaftskrise und der großen Arbeitslosigkeit nur noch sehr wenige in der Loge sind, Geld auf die Spartasie bringen zu können. Ar- beiter werden kaum darunter sein. Di« Pslanzervereine Blumenau und Keu Salisoraien im Bezirk Prenzlauer Berg feierten am Sonntag ihr Erntefest. Rund 250 Kinder der ausgesteuetten Erwerbslosen, die reichlich bewirtet und mit Geschenken versehen wurden, waren von den Vereinen ges laden worden. Dabei spielte die gute Idee eine Rolle, den Eltern der Kleinen auch«ine Freude zuteil werden zu lassen. Jedes Kind erhielt ein Paket, das Speck. Gries, Wuttt. Kaffee, Zucker oder andere Lebensmittel im Gewicht von 10 Pfund enthielt. Dein guten Beispiele folgend, hat die Nachbarkolonie„Heimat* beschlossen. zu ihrem Erntefest 200 Kinder der Ausgesteuetten zu laden. Auf dem.Festplatz* wurde ein Programm gegeben, das reichlich ob- wechselnd war. Zweimal gab es Theaterausführungen von Kindern der Laubenkolonisten, dazu Konzett der Kolonistenkapelle, Reigen- tänze, gemeinsame Kaffettafel, Gesang usw. Den Teilnehmern wird die Feier im Gedächtnis bleiben. Nächtliche» Feuer in Marlendorf. Mehrere Löschzüge der Feuer- wehr wurden heute nacht gegen �3 Uhr nach der Rathausstraße 5 in Mariendorf alarmiert, wo auf einem Baumaterialien. platz Feuer ausgebrochen war. Es wurde aus zwei C-Rohren längere Zeit Wasier gegeben. Die Entstehungsursache ist noch un- bekannt. Möglicherweise liegt Brandstiftung vor. Schweres Autounglück auf öer Neichsfahrt. Zwei Personen gekötei. Husum, 31. August.(MTB.) Bei der vom Allgemeine» Deutschen Automobilklub oeranftalleten Reichsfernfahrt. stürzte ein Auto, in dem sich fünf Personen befanden, aus der Chaussee Zriedrichstadt— Husum die Böschung hinab. Zwei Zn- sasseu fanden dabei den Tod.«In weiterer Jnsasie zog sich schwere Verletzungen zu._ vierkötters Kanalsieg. London, 31. August.(TU.) Alle Morgenblätter berichten mehr oder weniger ausführlich über die hervorragende Schwimmleistung Vierkötters. Etwa 200 Meter vor dem Ziel hatte Vierkött» mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen, da Ebbe einsetzte. Als der Schwimmer, so berichtet der Korporal Lang von des an der Küste stationierten Füsilieren, sich der Küste näherte, wa.' das Wasier sehr niedrig und überall waren Felsen unter dein Wasierspiegel sichtbar. Unglücklicherweise geriet Vierköttcr aus diese Felsen und zog sich scharfe Schnittwunden, vor allem an den Füßen. zu. Nachdem der Schwimmer von den Wellen mehrere Male wieder in die See zurückgeworfen worden war, gelang es ihm schließlich, auf Händen und Knien mehrere Meter nach der Küste zu kriechen. Man gab ihm etwas Rum zu trinken und einige rohe Eier: als er sich etwas erholt hatte, verlangte er eine Zigarette, die er auf dein Rücken an der Küste liegend zufrieden rauchte.» Paris, 30. August.(WTB.) Der deutsche Schwimmer Vier- k ö t t« r ist an Bord seines Begleitschiffes in Calais einge- troffen, wo ihm Dettreter der städtischen Behörden ihre Glück- wünsch« darbrachten und«inen Blumenstrauß überreichten. Vier- kötter wurde im Hause eines Sportfreundes in Anwesenheit zahl- reicherer anderer Sportsleute bewirtet. Er begab sich dann in einem Auto nach Sangatte, wo er Wohnung genommen hat. Schissskatasirophe bei Leaingraü. 150 Menschen ertrunken. Leningrad, 31. August.(WTB.) Gestern nacht prallte der auf der«Fahrt von Leningrad nach Kronstadt befindliche Personen- dampfer„B u r e w e st n i k' bei dem Versuch, im dichten Nebl dem deutschen Dampfer„Grcyne* auszuweichen, gegen den Hasen- dämm. Der Kchisssrumps erhielt ein zweieinhalb Meter breites Leck und o e r s a n k noch 15 Minuten. Die Zahl der ums Leben gekommenen Personen wird nach den letzten Angaben auf 150 ge- schätzt, jedoch wird die Zahl erst nach der heute begonnenen Bergung des Dampfers genau festgestellt werden können. An Bord befanden sich 563 Fahrgäste. Rettungsdampfer brachten 285 Personen in Sicherheit. Außerdem retteten sich zahlreiche Fahrgäste selbst. Die Mehrzahl der Fahrgäste waren Kronstädter Einwohner, die mit ihren Familien aus Leningrad von einem Sonntagsausflug heimkehrten. Dank dem Heldenmick und der Selbstbeherrschung der Seeleute, von denen viele den Tod gefunden haben, wurde eine Explosion der Dampfkesiel verhütet, und zahlreiche Frauen und Kinder wurden gerettet. Zu den Opfern gehört der Chef der politi- schen Abteilung der Kronstädter Marinestation Wasiiliew. Groß- berliner Parteinachrichten. M.«dt.«lotflen Mittwoch VU Uhr Funitlonürklmferenz, Sabin tt Straß» 10. Xdat*ocbnunß: Wichttge«dtetbrngsangelegenheit. Erscheinen aller Firnkturnäre nnuMnat»rwrderlich. 82.«dt. Moracn Mittwach, abend« piinttiich 8 Ubr. ffunNioniirkanserenz bei Thiel,«inattrah- Ecke Albrechtsttabe. Erscheinen PRich!. IM.»dt. Friedrich irlbr. Di« Versammlun« mit dem Thema Sroß-Nraftwerk sind«: nicht, wie IrrtltmIIch angegeben, morgen Mittwoch, sondern Mittwoch, den 8. September statt._ Arbeitersport. «chtunz!«rbeltrrsport.»od stnltnrtartell Pankow. Zm osslziellen Programm tllr die Verlincr Turn- und Eoorswoche ist die Peranstaltung de» Aartell« ans der Boltowiese am M tiwoch, 1. September mit angegeben worden. Da» Kartell hat da» Beztrkeamt Pankow nicht beauftragt oder ermächtigt, diese Anzeigt im Pro- gram« ausgU nehmen. die Auswirkungen der Krise. Generalversammlung des Berkehrsbundes. Die Bezirtsverwaltung Berlin des Deutschen Verkehrsbundes hotte gestern im Gewerkschaftshaus ihre Quartalsgeneralversamm» lung. Nach dem vom ersten Bevollmächtigten, Genossen Ortmann, eingehend erläuterten gedruckten Geschäftsbericht wurden im zweiten Quartal elf Abwehrbeweaungen ohne Streik und eine Be- wegung mit Streik geführt. In fast allen Fällen richtete sich die Abwehr haupisächlich gegen einen Abbau der Löhne. Esge- lang auch, diesen Bestrebungen der Unternehmer wirksam zu be- gcgnen, wenn es auch nicht immer gelang, die Angriffe der Unter- nehmer ganz abzuschlagen. Auch in diesem Quartal hat sich gezeigt, daß es gerade in einer Zeit der wirtschaftlichen Depression besser ist, unter Tarifverträgen zu arbeiten, die der Abbauwut der Unter- nehmer Grenzen setzen. Die Fluktuation in der M i t g l i e d e r b e w e g u n g hat leider auch in diesem Quartal nicht nachgelassen. Bon den 2706 neu ein- getretenen Mitgliedern sind nur wenig« der Organisation treu ge- blieben. Eine schärfere Bücherkontrolle in den Betrieben würde be- stimmt dazu beitragen, datz nicht so viele Mitglieder wegen restieren- der Beiträge gestrichen werden mühten. Ebenso hat sich die An- nähme der Mitglieder als irrig erwiesen, daß durch ein niedrigeres Eintrittsgeld der Anreiz zum' Eintritt in die Organisation gesteigert würde. Trotz der Ermähigung des Eintrittsgeldes um 56 Proz. hat sich die Zahl der Aufnahmen nur unwesentlich verändert. Eine beachtliche innere Festigung der Organisation zeigt sich aber in der Beitragszahlung. Während sonst während des zweiten Quartals die Zahl der Wochenbeiträge bis zu 40lKX> gegen das erste Quartal zurückgeht, war in diesem Quartal nur ein Rück- gang von rund 7000 Wochenbeiträgen zu verzeichnen. Der Rück- gang des Durchschnittsbeitrages um 2 Pf. erklärt sich daraus, dah gerode die Spitzenoerdiener, die auch die höchsten Beiträge zahlen, am stärksten von der Arbeitslosigkeit betroffen werden. Der Bericht des Arbeitsnachweises ist nach wie vor trostlos. Auf 14 671 Stellungsuchende im zweiten Quartal ent- fielen 6650 gemeldete Stellen. Besetzt wurden 2830 Stellen für fest und 3366 Stellen zur Aushilfe. Ortmann berichtete u. a. auch über die Verhandlungen zur Verschmelzung mit den Eise nb ahnern, Gemeinde- und Staatsarbeitern und den Maschinisten und Heizern, die gut vorwärtsgeschritten sind. Er wünscht, daß sich auch die Funktionäre dieser Gewerkschaften so einig sein mögen, wie es die Führer dieser Gewerkschaften sind, dann wird sich die Ver- schmelzung eher vollziehen, als es mancher gedacht hat. Der von ihm erläuterte Ka s s c n b e r i ch t balanziert in Ein- nahmen und Ausgaben mit 421 296,94 M. für die Lotaltasse und 244 848,58 TO. für die Hauptkasse. Nach der Diskussion und dem Schlußwort Ortmanns wurde noch über das von der Sektionsleitung und den Funktionären der Sektion Post und Telegraphie eingeleitete Ausschluß- verfahren gegen die Mitglieder Fritz Körber. Fritz Neu- bauer, Otto Kestner, Otto Kurz, Hugo Kamosso und Paul Meier berichtet. Diese Mitglieder haben durch münd- liche Agitation und Flugblätter eine rege Propaganda gegen den Verkehrsbund getrieben, die darauf abzielte, die Post- und Telegraphenbeamten und-arbeiter wieder vom Verkehrsbund loszulösen und sie zurückzuführen zum alten Reichsverband. Das Verfahren gegen Fritz Körber wurde abgetrennt, da er zurzeit als Vorsitzender der sogenannten Arbeiterdelegation in Rußland weilt. Die Generalversammlung beschloß einstimmig, die Ge- nannten, die alle trotz Einladung nicht erschienen waren, dem Bundesvorstand zum Ausschluß zu empfehlen. Tom Cape vor öen Berliner Gewerkschaften. 3n einer gemeinsamen Versoyimlung der Delegierten zu den Plenorversammlungest' der Ortsausschüsse Berlin des ADGB. und des AfA-Bundes, sowie der Ortsvorstände der beiden Spitzenorgani- sationen, di« gestern abend Im„Dresdener Kasino" stattfand, sprachen Tom Cape und Janschek, deren Ausführungen sich deckten mit denen auf der Pressekonferenz des ADGB. Im Anschluß daran fand«ine Aussprache statt, die den einheitlichen Willen unterstrich, die englischen Bergarbeiter in ihrem heroischen Kampf« nachhaltig zu unterstützen. Kongreß der Lokomotivführer. Stellungnahme zur velriebssicherheil der Eisenbahn. In der Woche vom 13, bis zum 18. September 1926 findet in Dortmund die vierte ordentliche Generalversammlung der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer statt. Die Organisation umfaßt über 70 000 Angehörige des Zugförderung?- dienstes der Eisenbahnen Deutschlands. 200 Delegierte aus allen Teilen des Reiches werden gemeinsam mit der Leitung der Organi- sation über Berufs-, Rechts- und Wirtschaftsfragen der deutschen Lokomotivführer und Anwärter beraten. Die Bedeutung dieser Generalversammlung geht u. a. daraus hervor, daß sich bereits heute über 2000 Mitglieder der Organisa- tion, außer den Delegierten, als Gäste in Dortmund angemeldet haben. Damit wird die Lage gekennzeichnet, in der sich die Beamten de« schwierigen Zugförderungsdienstes heute befinden. Als einen der brennendsten Punkte wird man in dieser Tagung die Stellung. nähme zur Einmannbesetzung der Lokomotiven bezeichnen müssen: liegt doch hierin eine Haupt- und Kardinalfroge für die Lokomotivbeamten. Die vielen Unfälle der legten Zeit lassen erkennen, in welch starker Weise die Betriebssicherheit bereits gelockert wurde. Würde die Einmannbesetzung, die heute schon aus vielen elektrischen Be- triebsstrecken durchgeführt ist, zur allgemeinen Einführung kommen, so würde das nach Ansicht der deutschen Lokomotioführerschaft die größte Gefährdung der Betriebssicherheit und des guten Rufes der deutschen Eisenbahn bedeuten. Eine Reihe ähn- sicher wichtiger Fragen, an denen auch die Oefsentlichkeit Interesse hat, wird außerdem noch auf der Dortmunder Tagung zur Be- ratung kommen._ Tagung der bayerischen Gewerkschaften. München, 30. August.(Eigener Drahtbericht.) Die Bezirk»- ausschiisse Bayern des ADGB. und des AfA-Bundes nahmen in einer gemeinsamen Sitzung mit den Gau- und Bezirtsleitern in Regensburg Stellung zur gegenwärtigen Lage des Ar- beitsmarktes und der Erwerbslosenfürsorge in Bayern. Die Konserenz beschloß, eine Eingabe an die bayeri- sche Staotsregierung zu richten, in der es als dringendste Ausgabe der Regierung bezeichnet wird, für den kommenden Winter die tMgUeler des DHV. Ihr müßt vollzählig die Wahlkörperversammlungen besuchen! Beschaffungvon Arbeit auf breitester Grundlage zu organi- sieren und dabei in erster Linie eine viel weitergehende F i n a n- zierung des Wohnungsbaues durchzuführen. Das bisher oerkündete Arbeitsbeschaffungsprogramm der bayerischen Regierung wird als durchaus unzulänglich bezeichnet. Einspruch wird schließlich gegen die Sonderbehandlung der bayerischen Er- w erbslosen erhoben, die den jugendlichen Erwerbslosen im Alter von 16—18 Iahren Unterstützung erst dann gewährt, wenn diese in Gemeinden mit über 10 000 Einwohnern wohnen und wenn in diesen Gemeinden die Zahl der unterstützten Erwerbslosen 1 Proz. der Bevölkerungszahl übersteigt. Die Regensburger Konferenz beschäftigte sich außerdem noch mit einer Reihe für die Arbeiterschaft wichtiger Fragen. Angesichts der im Jahre 1925 in Bayern erschreckend gestiegenen Zahl der B e- t r i e b s u n f ä l l e auf 41 994, um 49 Proz., richten die Freien Gewerkschaften Bayerns an die Staats- und Gemeindebehörden so- wie an die Berussgenossenschaften die ernste Mahnung, den Unfall- gefahren und ihrer Bekämpfung in den Arbeitsstätten weit größere Beachtung als bisher zu widmen. Infolge der Häufung der Eisenbahnunfälle gerade im Bereich der Gruppenverwaltung Bayern fordern die Freien Gewerkschaften im Interesse der Verkehrssicherheit, daß die B e- triebsvertretungen mehr als bisher bei der Unfall- Verhütung und bei der Unfallkontrolle mitzuwirken haben, daß ferner dem unsinnigen Personalabbau endlich Einhalt ge- boten und dem Personal nicht überlange Dienstschichten aufgebürdet werden: für die Ausführung der rückständigen Oberbauarbeiten müßten und könnten möglichst viele Erwerbslose oerwendet werden. Schließlich richten die Freien Gewerkschaften Bayerns an die bayerische Regierung nochmals die Forderung, bei der Reichsregie- rung endlich mit dem größten Nachdruck dahin zu wirken, daß dem Reichstag ein Gesetzentwurs vorgelegt wird, der die im Artikel 165 der Reichsverfassung der Arbeitnehmerschast garantierte Mitwirkung an der Gestaltung des gesamten Wirtschaftslebens auf p a r i t ä t i- cher Grundlage mit den Unternehmern in den beruf s- t ä n d i s ch e n Kammern gewährleistet. Zu Unrecht entlassen. Ein Thauffeur des Städtischen Rettungsamtes hatte einen leeren Krankenwagen nach Lankwitz zu fahren. In der Luther- ftraße fuhr er mit einer scharfen Wendung nach links gegen einen Baum und brachte den Wagen, der dabei beschädigt wurde, aus dem Bürgersteig zum Halten. Die Verwaltung des Rettungsamtes nahm an, der Unfall.könne nur dadurch entstanden sein, daß der Chauffeur vorschriftswidrig zu schnell gefahren sei. Er wurde deshalb nach erfolgter Kündigung entlassen. Der Betriebsrat focht die Entlassung beim Arbeitsgericht an. Durch die Beweisaufnahme wurde festgestellt, daß demChauffeur ein Verschulden an dem Unfall nicht zur La st ge- legt werden kann. Vor seinem Wagen tauchten nämlich zwei Radfahrer auf, von denen der eine nach einem Warnungszeichen des Chaufteurs sich plötzlich nach links wandte, so daß dem Chausfeur, wenn er den Radler nicht überfahren wollte, nichts übrig blieb, als feinen Wagen scharf nach links zu wenden, wodurch dann der Unfall entstand. Das Gericht unter Vorsitz des Magistratsrats Hermann hielt nicht für erwiesen, daß der Anprall an den Baum nur auf ein vorschriftswidrig schnelle» Fahren zurückzuführen sei. Die Möge lichkeit sei nicht von der Hand zu weisen, daß der Chauffeur, um dem Radfahrer auszuweichen, gezwungen war, eine scharfe Wendung nach links zu machen, wodurch der Wagen ins Schleudern� kam. Dafür, daß der Wagen nicht übermäßig schnell gefahren sei, spreche auch der Umstand, daß weder der Chausfeur noch der Mitfahrer eine Verletzung durch den Anprall erlitten habe. Das Gericht konnte hiernach ein Verschulden des Chauffeurs nicht als erwiesen ansehen. Es erkannte dahin, daß die Ent- lassung als unbillige Härte anzusehen, der Chauffeur weiterzubeschästigen oder mit 1210 M. zu entschädigen ist. Vor einem Streik im polnischen Bergbau. kaltowih, 31. August.(TU.) Am Montag tagten die Gewerk« schaftsführer der gesamten Arbeiterorganisationen, um über den Ausgang der Sitzung des Schlichtungsausschusses, die bekanntlich in der Lohnstreitfrage in der polnisch-schlesischen Großindustrie keine Ergebnisse brachte, zu beraten. Einstimmig wurde beschlossen, den Lohnkampf mit aller Schärfe weiterzuführen. Um mit den Betriebsröten und der Arbeiterschaft die weiteren Schritte zu be- raten, wird für Mittwoch, den 1. September, nach Kattowitz ein allgemeiner Berriebsrätekongreß einberufen. Der polnische Zentralverband hat bereits für Dienstag, den 31. August. einen Kongreß einberufen, an dem auch Vertreter des Krakauer und Dombrowaer Industriereoiers teilnehmen. Es ist zu er- warten, daß in sämtlichen Revieren der Kamps einheitlich ge- führt wird. Sollten im letzten Moment die Arbeitgeber nicht nach- geben oder die Behörden nicht vermittelnd eingreisen, ist ein all- gemeiner Streik unausbleiblich. Die Streikstimmung unter der Arbeiterschaft ist in starkem Maße vorhanden, da man sich dessen bewußt ist, daß durch einen allgemeinen Streik die polnische Kohlen- industrie infolge der augenblicklichen Hochkonjunktur schwer or- schädigt wird._ öer Partei. Konferenz sozialdemokratischer Juristen. Eine Konferenz sozialdemokratischer Juristen wird am 12. Sep- tember in Köln a. Rh. tagen. Auf ihr soll«in« zwanglose Aussprache über die schwebenden Fragen der Justiz und Gesetzgebung stattfinden. Ferner werden die beiden Referenten des Deutschen Iuristentages, die Genossen R a d b r u ch und Sinzheimer über die strafrechtliche „Einschließung" und die Haftung der Gewerkschaften re- ferieren. Da auch österreichische parteigenössische Juristen an der Konserenz teilnehmen werden, so wird Gelegenheit gegeben sein, die Schaffung eines allgemeinen Strafgesetzbuches für beide Länder zu erörtern. Im Anschluß daran werden diejenigen, die an der Arbeit der strafrechtlichen Sektion teilnehmen, eine besondere Besprechung abhalten. Diejenigen parteigenöfsischen Juristen, die vorher an der Tagung derinternationalentriminalistischenVereinigung in Bonn teilnehmen, treffen sich in Bonn am Donnerstag, den 9. September, abends 7 Uhr, in der Phönixhalle, Kölnstr. 17. Ein- treffende Genossen erhalten dort Auskunft bei Franz Heinen, Arge- landerstraß« 71. Anmeldungen zum deutschen Iuristentag und Anfragen sind zu richten an die Geschäftsstelle der Vereinigung sozialdemokratischer Juristen, Berlin W. 9, Köthener Str. 17(Fernruf Kurfürst 8374). vom Räterepublikaner zum hitlermann. Der Oberregierungs- rat Schleusinger, beim Justizministerium in Weimar bedienstet, hat seinen Austritt aus der Partei.erklärt, worüber die bürgerliche Presse sehr erfreut ist. Er ist freilich nur dem Ausschluß, der sicher gegen ihn erkannt worden wäre, zuvorgekommen. Seinerzeit wegen seiner Beteiligung an der Münchener Räterepublik zu m Iahten Festung verurteilt, stimmte er bei der letzten Reichspräsidentenwahl für Hindenburg und nahm am nationalsoziali st i- schen Parteitag in Weimar teil: auch denunzierte er einen Genossen bei der Thüringer Regierung als Verfasser eines Zeitungs- artikels. Deswegen war der Ausschluß dieses Ehrenmannes be- antragt. 4lm dem Verfahren zu entgehen, erklärte er vorher seinen Austritt. Die Schweizer Partei und die Internationale. Der Parteivor» stand der Schweizer sozialdemokratischen Partei hat den diesjährigen Parteitag für den 6. und 7. November nach Neuenbürg einberufen. Auf der Tagesordnung steht der Punkt: Beitritt zur Sozialistlichen Arbeiter-Internationale. Die Schweizer Sozialdemokratie ist die ein- zige sozialdemokratische Partei Europas, die bisher der Internationale nicht angeschlossen war. Die Parteileitung hat es bisher auch ver- mieden, diese Frage zur Diskussion zu stellen, weil sie befürchtete, daß der Widerstand innerhalb der Partei zu stark sein würde. Jetzt ist offenbar dieser Widerstand nicht mehr vorhanden. verantwortlich sllr Politik: Dr. E»rt Scpcr; Wirtschaft: Artnr Satcrnu«: Dcwerllchaftsbcweguna: Z. Steinet; Feuilleton: Dr. Ioha Schikowaki: Lokale, und Eonltiaes: Fri» ftaeslädt; An, eisen: Th. Slaeke; sämtlich in Berlin. Berlaa: Borwärts.Perlaa G.m.b.H.. Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckeret und Berlaasanstalt Paul Einaer u. Co., Berlin 633 68, Lindenftrage 3. Berliner- Hcklrikcr- Genosscnsdiall Berlin N 24, ElsSsser Str. 86-88 I Filiale Westen, Wilmersdorf 'Fernsprecher Norden 63 25 u. 65 26 i LandhnussiraBe«. Tel.: Ptaltbur« 9831 AntsleUanasranme und Lader Uexanderdr. 39-40(Alexander-PasfadepfeL; BOnlddadi 540. Elektrische Anlagen Jeder Art a. jeden llmfanges zu kulanten Zahlungsbedingungen. BeleuchtungskSrper und Osram-Lampen zu Fabrikpreisen Abesslnier- Pumpen. Bdlu es. FUtar, (Tf Eriat.UUa. Prei.lute gratla lylVKoblank t Co, iULfe Puiapeafilirlli IM"" Berlin N tl I m Ralnlckea- Uk darter Str. U. Bettfedern ona erster Hand, Psd grau «o Pf. gelchl so Pf, Rum 1.75. Hai ddaune 2.75. 4 weih Flaumrupf. 4 beste, 5 Daune, 7 weih. 8-l0Schl«ihdaune. 4 Oberbett, in cchtfärd Köper 8 Pfd. ,8. 18.»tfsen 3 Pfd. 3 50 5 50 aufw. aepen Rachn Muster. Preist frei. kein Risiko. Richipasiend zurück. Böhm. Bettfedernspezlalhaus Sachsel 4 Stadler, Berlin C. Landsberger Str. 43/12. J. H. W. Dietz Nadifl.. G.m.b.H. Lindenstra�e t. 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Humboldt 7874. 'Schönhauser Vorstadt: Sreifenhagener Str. 22. Humb. 7805. Ablershos: iZrl. Walter, Denossenschaflsstr. 6, parterre. Blt-Slienicke: Skowronski. Grünauer Str. 68. 'Banmlchulenweg: Strahl,»iefholzstr. 178. Oberschöne. weide 1873. Bernau. Nöntgental, siepernl», Schönbrück, dara» und Buch: Heinrich Brose. Bernau. Mllhlenstr. 5. Bergfelde! Tilch. Lohenneuendorfer Ekrah«. Biesdorl.Norb! W. Dannebera. Viktoriastr. 11. Blesdori-Süb! Seora Winkler. ffortuna-Allee 46. Birtenwerder: ssrau 3oor. Bertfelder Str. 6. Bohnsdorf! starl stuske, EichdufchNr. 8. varasdorf! Oswald Börner. Siedlung Borasborf 36. Borsigwalde: Gebauer. Echuderlsir. 32. o 3 Tr. 'Buchholz. Blankenburg! Wagner. Burarvallsir. 63. Pankow 333 Cadlo», Neue Mühle: I ö k e l, Cablow, Mühlenweg 58. Caputh:!Zriü Dau,«ruabofstr. 23. Sbarlottenbura I: Selenbeimer Str. 1. Steinpl. 4156. »Charlotte nbnrg 11,«tateld. Tauroggener Str. 11. Wilhelm 7738. daiserdamm 85. Eingang Augsburger Strohe 47, 'Sharlottenbnrg III: Joachim! Rognidstrohe. Westend 3154. Chorlottenburg IV» Pulental Portier. Charlottenbnrg Vi Schul». Dropsenstr. 12, I. Sörth, m. Charlottenbura VI: Treptow. Schillerstr. 65, v. IV. Dabeadors: Walter Hohls, Dadendors, Prouinzial. Chaussee. Döbeeili! Dittkelb, Buchhandlung am Bahnhof Eichwalde: s a n s D ll l l. Waldstr. 24/27. Siedlung D.B.B. Erkner: P o i t e. glakenstr. 8. Aichtenan: straehke. Bismarcksir. 1. stalkenberg: Salzmann, lsalkcnberg. Gatensiadtsir. 10. Fredersdorf. Petershagen: Otto Wilinski, Freders. darf, Arndtstrahe. Friedenau: Petermann. Rheinsir. 28, Ecke Rönneberg. strahe. Rheingau 9054. Friedrichshageu: Mittenzwei, Linden-Allee 14. Frohnau! Adolf siurlies, Sermsdorf. Schlohsir. Gränwalde: M i> h l b a ch. Fichtenau.-Mittelftr. 14. Grünau: P r ll t> n e r. stöpenicker Str. 105. Kalenfee, Grunewald. Eichkawp: Frau Zl o a ck, Henriettenolah. Prinatwohnung: statharincnstr. Keinersdors: Schulz. Hildestr. 28. Sennigsdorf: Frau stordatiniki. Rathenaustr. 3. Hermsdorf! G u st ap Schien. Moltkestr. 11. Hohenaeuendorf: Frau Neuendorf Berliner Str. 28. Hohenschönhausen! Margarete Steffen, Freien- walder Str. 6. Hof II. Hoppeaartoni Rausch, Loppigarten-Biikenftein. Parzelle Nr. 119. Nodonnlsthal: Lehmann daifer-Wilhelm-SIr. 6. staulsdorf: Bogt, Brederecksir. 19 döniaswufterbause»! C alle nee. Potsdamer Str. 9 stöpenick. Kirschgartea. Mahlsdors-Süd: Schlag. Köpenick. Kieker Str. 6 fLadenl. 'Lichtenberg l! Lichtenberg. Wartenberasir. 1. Lichtba. 1536. 'Lichtenberg n, Rummelsburg, Stralau: Boihagener Strahn 62. Lieg. 8717. 8. stiosk 4. Lichtenberg W, Frirbrichsfrlbe: Frankfurter Alle 185. Laden. 'Lichtenrade: Brink. Bahnhofftr. 24a. Lichtenrade 191. Lichtcrlelde.vst, Lankwi»: S. Wenzel, Lankwih. Ziethen- strahe 15. Tel.: Licht-rfelde 5103. Llchteefelde-West! Söhn, Zehlendorf, Teltowcr Str. 3. Telephon: Zehlendorf 1853. Mahlsdors: Wilhelm stürz, Hönower Str. 177. Marienbors! August Leip, Chausseestr. 28. Marienselbe! Greulich, Berliner Str. 143. Nenenhagen: W e n z k e. Zi"--i:tr. 71. 'Rcnlölla Ii Neckarsir. 2. Neukölln 5707. 'Neukölln II: Sieafriedstr. 28/28. Neukölln 5706. Neukölln III: Winkler. Sobrcchtstr. 40. v. I. Neukölln. Brid: M i t t a a. Britz. Cbausscestr. 82. Reu!. 2550. Neu-Tckulzendorf: Wilhelm stuhl Brunostr. 77. Niederfchöneweibe: Friedrich Etankrwitz. Spree- Nahe 4. v. in. Niebeefchönbausen-Oft: Frau S o l d b a ch. Schiohallee 45 vorn III. Nowaw-s: Karl strohnberg. Eisenbahnsir. 10. Vranienbnra! Seinr. Loenbardt. Stralsunder Str. 6. 'Oberschöucwcid«! Paul. Dilhelmincnhofstr. 44a. Ober- schöncwcibe 4321. Panlo«: R i h m a n n. Müblensir. 70. Potsdam: Reiniger. Dalbemarsir. 27«. II. Rabnsdors: Urbaniak. Rahnsdorf Mühle. Hohen- zollernsir.>36. Rriaickenboef-Oft: Wahle. Propinzsie. 56. Geöffnet 2—6. Neinickradart-West: B« n d t. Scharnwebersir. 114. Bolls- haus. Rolenthal: Mar Dehmel. Schlllersir. 13. Rudow: Otto kailer, Waltcrsborfer Chausiee. Rütersdarf. stalkberge. Tasdorf: Adolf G o r r k r. stalkbrrgr, Rhedenstr. 15. Sadowa, stonlsdors-Süd: H e n f ch k e. staulsdorf-Eüd. Wald- ftrahr 66. 'Schmargendors l: R r h a b, Breite Str. 3. Pfalzdurg 3541. Schmargendarf II: Frau Schröder. Cunosir. 60. Schönebera: Belzioer Str. 27. Stephan 7408. Sicmeusstadt: S t e n z e t, Brunnenstr. 6, p. L Staaten: B ö l k e l, Elchenwinlel 16. Steglitz: Frost, Echadenrutc 2. Südendr: Ludwig. Lalslcstr. 36. Tegel, Tegeloet: E p i e h. Tegel. SchNepPrsir. 52. Teltow: Höfel. Riüersir. 28. Tempelhof: Harsdorf Werdersir. 31 P. pl.— Ren- tempelhol: st a n d l e r. Sohcnzollernkorlo 5. Trebbin: S» r i n q. Bahuholltr. 62. 'Treptow: M e ck c l d u r g. Srötzftr. 50. Mpl. 8043. Waidmanuslust: R o h d e. Oraniendamm 10. Wannse«: Schmidt,«leine Secltr 16. Weihensee: R- i n k n c ch t. Nölckestr. 175. o. l. Weihensee 97» Wildau, Loherlehme: R u d. Letiow. Hoherlehme. Chausseestr. 66. Wilmersdorl I: Schubert, Wilhelmsaue 27. Hof I. Wilmeesdors ll:. Ferdinand Maschke. sturfürsten. dämm 137. r EM. 3 Tr. Dilhclwahagen. Hcsicnwintel: Schul,«. Wilhelm-hagen. Wilhelmsir. 31. Ditteuan: Z I b e! l Houptstr.«5., Woltersdors: Fritz Crdmonn. Schleusensir. 24. 'Zehlendors, Schlachtenlee. Rilolassee: Zehlendorf, Teltowcr Strahe 3. Zehlendors 1823 Zernsdorl. Riederlehm«: Otto Liesegang. Zernsdorf. Aue 18. Zeuthen, Miersdorf: Alb. B e b l i n a. Bahnsir. i. Zosien: Witt. Baiulhcr S!r. 12. Sämtliche Literatur sowie olle wissenschaftlichen werden gelicscrt. Sonntags sind die Selchöltsstcllen geschlossen. Werke Die mit einem' versehenen Ausgabestellen ssnd nach» mittags von 2—6 Uhr unter der angegebenen Nummer t�lephonilch tu erreichen.