Nr. 410 43. Jahrg. Ausgabe A fr. 210 Bezugspreis. 288chentlich 70 Pfennig, mone 8, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzia, Saare und Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Luremburg 4,50 Reichsmart, file bas übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts" mit ber illuftrier ten Sonntagsbeilage Bolt und Zeit" fowie den Beilagen Unterhaltung und Wissen", Aus der Filmmelt", Frauenstimme,„ Der Rinder freund", Jugenb- Borwärts" und Blid in bie Bücherwelt" erscheint wochentäglich aweimal, Sonntags und Montags einmal Telegramm- Abreffe: Sozialdemokrat Berlin" Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpa Ittge Nonpareille. Beile 80 Pfennig. Reklamezeile 5 Reichsmart. Kleine Anzeigen" bas fettgedrudte Wort 25 Bfennia ( aufäffia zwei fettgedruckte Worte), febes weitere Wort 12 Bfennig. Stellengesuche bas erite Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Reile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 40 Pfennia. Anzeigen für die nächste Nummer 11 müssen bis 4 Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW 68, Lindenftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 8½ Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297. finden wird. Mittwoch, den 1. September 1926 Die Organisation des Rats. Einvernehmen im Unterausschuß. Für diese Nachmittagsfizung hatte Fromageot neue Formu lierungen seines Abänderungsprojektes ausgearbeitet; er hatte sich der Mühe unterzogen, beinahe für jeden Artikel mehrere Auswahl formulierungen aufzustellen. Das Ergebnis mar, daß der geftrige Entwurf Fromageofs in verschiedenen Punkten nicht V. Sch. Genf, 31. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Nach einer| Bollversammlung nicht preisgeben dürfe: das würde aber mehrstündigen, zum Teil sehr bewegten Aussprache in der Nach geschehen, wenn man ihr von vornherein und auf Jahre hinaus ihren mittagssitzung, die sich bis 29 Uhr abends hinzog, ist die Unter- Wieberwählbarkeitsentschluß beschneiden würde. Lange Zeit schien tommission zu einem Einvernehmen gelangt; es fommt am es, als ob der Gegensatz zwischen beiden Auffassungen unüberbrüdbar deutlichsten in der Tatsache zum Ausdruck, daß am Mittwochnach sei und als müsse die Abstimmung entscheiden. Die verschiedensten mittag wieder eine öffentliche Sitzung der Studientommission statt- Rompromißanträge wurden von allen Teilnehmern eingebracht, aber von beiden Seieten abgelehnt. Schließlich wurde ols Kompromiß eingebracht, daß die Vollversammlung von diesem Recht der nachträg lichen Korrektur nur in ganz außergewöhnlichem Fall ( seulement dans un cas tout à fait exceptionel)" Gebrauch machen foll. Der deutsche Vertreter ging auf diese Formel ein, die, wenn auch in etwas zugespitzter Form, lediglich eine politische Selbstverständlich feit ausspricht. Der polnische Vertreter machte aber noch einmal Schwierigkeiten und wollte den Zusatz nur dann annehmen, wenn hinzugefügt würde, daß die Vollversammlung mit 3 weidrittel mehrheit aussprechen müsse, daß ein solcher ganz außergewöhnlicher Fall" vorliege. Damit fam er aber nicht durch und stellte schließlich seine endgültige 3uft immung zu dem neuen Entwurf für Mittwoch vormittag in Aussicht. Offenbar braucht er dazu noch eine besondere Ermächtigung aus Warschau. unwesentlich abgeändert wurde. Es bleibt zwar dabei, daß die nichtständigen Mitglieder grundsätzlich auf drei Jahre gewählt werden, ebenso, daß die Zahl der nichtständigen Size auf neun erhöht wird. Dagegen find folgende Neuerungen eingeführt worden: Zunächst soll die Bezeichnung der Wiederwählbarkeit nicht bei der Wahl selbst durch einen Zusatz auf dem Stimmzettel, sondern durch eine besondere Wahlhandlung unmittelbar nach der eigentlichen Wahl erfolgen. Im übrigen bleibt Wiederwählbarkeit den gleichen Vorausfetzungen unterworfen, wie im ersten Projekt Fromageots: fie fann höchstens nur drei Staaten zuteil werden, die die höchste Stimmen zahl über die Zweidrittelmehrheit erhalten haben. Biel wichtiger und radikaler find die Aenderungen, die die Uebergangsbestimmun gen erfahren haben; fie find nötig, damit der Mechanismus des neuen Berfahren in Bang fommt. Die Uebergangsbestimmung des ersten Entwurfs FromageotsGaus, wonach beim Ablauf der ersten Jahre das Los je drei Rats: mitglieder bestimmt, die ausscheiden, fällt fort und man fehrt zu dem Berfahren zurüd, das die Studienkommission bereits im Mai angenommen hatte, nämlich daß im Jahre 1926 drei Staaten auf drei Jahre, drei auf zwei Jahre und drei auf ein Jahr gewählt werden. Am stärfften richtete fich die Opposition des polnischen Vertreters Sofal gegen die Bestimmung, wonach unbeschadet der Wiederwählbarkeitsbestimmung die Bollversammlung das Recht einer späteren or reftur behalten soll, indem sie einen vierten oder fünften Staat nachträglich für wiederwählbar erklärt, zum Schaden der bereits früher für wiederwählbar Erklärten. Sofal trat sehr entschieden für die Streichung dieser Korrekturmöglichkeit ein. Der Ver treter Deutschlands, Botschafter v. Hoesch, blieb fest und hob her. vor, daß man den Grundsatz der Handlungsfreiheit der Der Schulraub in Ostoberschlesien. Deutscher Protest beim Völkerbund. Breslau, 31. August.( Eigener Drahtbericht.) Der völkerrechtlich anerkannte Deutsche Boltsbund zur Wahrung der Minderheitsrechte in Ostoberschlesien hat sich mit einem Protest an den Völkerbund gewandt, weil die Kattowizer Wojwodschaft die Bestimmungen des Genfer Abkommens flar und deutlich verletzt hat, indem 90 Broz. der Anträge auf Einschulung in die deutschen Minderheitsschulen zurüd gewiesen wurden. Der Präsident der gemischten Kommiffion für Oberschlesien, Talonder, hat sich bereits dahin ausgesprochen, daß wichtige Berordnungen der Woj. wodschaft in der Schulfrage gegen das Genfer Abkommen verstoßen. Eine rechtsgültige Entscheidung steht jedoch nur dem Bölkerbund zu. Mellon bei Briand und Poincaré. Revision des Schuldentilgungsvertrags? Paris, 31. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Der nordameritanische Schatzsekretär Mellon hat am Dienstag dem Außenminister Briand und nachmittags dem Ministerpräsidenten Boincaré Besuche abgestattet. Die Bresse legt dem eine größere politische Bedeutung bei, trozdem Mellon selbst bei dem Berlaffen des Quai d'Orsay erklärte, es handle fich um reine Höflichkeits. besuche. Ueber den Inhalt der Besprechungen ist näheres richt betannt geworden. Man vermutet nur, daß Briand und Poincaré Mellon gefragt, wie er glaube, daß evtl. französische Vorfchläge auf 2 bänderung des franzöfifch- amerikanischen Schuldenabtommens in der Schuldenkommission des Senats in Washington aufgenommen würden. Außerdem follen Briand und Poincaré betont haben, daß mehrere französische Minister und die große Mehrzahl der Abgeordneten einer Ratifitation des Abkommens in der gegenwärtigen Form durchaus feindlich gegenüberständen. Es ist sehr zweifelhaft, ob Mellon der französischen Regierung da irgendwelche Hoffnungen gemacht hat, wenn auch die Blätter ein Telegramm der Barifer Radio- Agentur groß wiedergeben, nach dem eine autorisierte Persönlichkeit" des Weißen Hauses erflärt habe, Projekt Fromageot- Gaus sollte die Wiederwählbarkeit gleich bei Endlich sei noch eine weitere Aenderung angeführt: Im ersten Endlich sei noch eine weitere Aenderung angeführt: Im ersten der Wahl ausgesprochen werden. Jetzt soll sie grundsätzlich erst beim Ablauf der Mandatszeit beschlossen werden. Lediglich das erste mal, also 1926, wird die Wiedermählbarkeit von drei Staaten be reits bei ihrer Wahl verkündet werden. Konkret ausgedrückt, ist das Resultat der heutigen Redeschlacht, daß Polen, Spanien und ein dritter Staat vermutlich Chinavoraussichtlich auf sechs Jahre Mitglieder des Bölferbundsrates werden sollen. Es müßte schon ein ganz außergewöhnlicher Umstand" eintreren, damit ein im September 1926 für wiederwählbar erflärter Staat seines Rechtes aus dieser Wahl wieder verlustig gehe. Die 3ustimmung Polens zu dem heute ausgearbeiteten Brojekt gilt allgemein als sicher. Böllig ungeklärt bleibt nach wie vor die Haltung Spaniens. Palacios wird in der morgigen Sigung seinen angekündigten Borstoß für die Gewährung eines ständigen Ratssizes durch Einbringung eines formellen Antrages unternehmen. Aber das wird nur Formsache sein, denn die Ablehnung wird einstimmig erfolgen, höchstens bei Stimmenthaltung Polens, Italiens und Chinas. Bas dann Palacios im Auftrage seiner Regierung erklären wird, ist noch ungewiß. Heute abend glaubt man, es sei doch nicht undent. bar, daß Spanien im Völkerbund bleibe, zumal ihm im neuen Projekt auf weitere se chs Jahre der Ratssiz gesichert sei. eine französische Initiative auf Revision des Schuldenabkommens würde im gegenwärtigen Augenblick in Washington einer gün ftigen Aufnahme sicher sein können. Peking bricht mit Moskau. Ausweisung des russischen Botschafters. Paris, 31. Auguft.( WTB.) Wie die Agentur Indo Pacifique aus Befing berichtet, hat, nachdem die Moskauer Regierung es ab gelehnt hat, den Botschafter Karach an abzuberufen, die chinesische Regierung beschlossen, dem Sowjetbotschafter seine Bässe zuzu ftellen. Die jetzigen Befinger Machthaber fordern seit längerer Zeit die Abberufung Karachans, weil er ihre Gegner, nämlich die Bolksarmee Fengjufiangs, unterſtüße. Diese Unterstützung der für Chinas Befreiung von ausländischer Borherrschaft kämpfenden Partei ist aber nicht das persönliche Wert Karachans, sondern der Sowjetregierung, die damit eben diese fremden Mächte, vor allem England treffen will. Hinter dem Abberufungsverlangen stehen denn auch diese alten Gegner der russischen Asienpolitik, schon der zaristischen, wie jetzt der sowjetistischen. Rußland hat längst erflärt, daß es die Abberufung Karachans nicht nur mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen, sondern auch mit der Zurückziehung der An. ertennung Nordchinas beantworten werde. Das wird wohl auch gegenseitig geschehen. Indessen aber marschiert die Kantonarmee fiegreich vor wärts, wenn auch die mit ihr verbündete nördliche Volksarmee sich wieder hat zurückziehen müssen. Moskau pariert den Hieb. Mostau, 31. Auguft.( WTB.) Botschafter a charan ist aur Berichterstattung nad) Mostau berufen worden. heitsgründen sowie im Hinblid auf bringende landwirtschaft. Der Frankenfälscher Windischgräh hat beantragt, aus Gesund. ich e Intereffen in seinem Schloß interniert zu werden, ftatt im Gefängnis. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., Berlin Sw. 68, Lindenstr.3 Boftschecktonto: Berlin 37 536 Bankkonto: Bank ber Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr. 65; Diskonto- Gesellschaft, Devoktentaffe Sindenstr. 3. Das dritte Dawes- Jahr. Die Ernte der deutschnationalen Finanzpolitik. Heute am 1. September beginnt das dritte Jahr der Reparationszahlungen nach dem nach dem Dames: BI an. Wäre es nach dem Sinn der Dawes- Gesetze und ihrem formalen Wortlaut gegangen, so wäre die in diesem ringer gewesen als im letzten Jahr. Der Zahlungsplan sah Jahr für Deutschland fällige Reparationsschuld etwas ge= an und für sich für die Zeit vom 1. September 1926 bis 31. August 1927 nur Zahlungen in Höhe von 1200 Millionen Mark an den Reparationsagenten abgeführt werden mußten. Mart vor, während im vergangenen Jahre 1220 Millionen Allerdings enthielt der Vertrag von vornherein eine Klausel, nach der sich diese Jahresleistung zu erhöhen hatte, wenn einer Milliarde im Jahr überschreiten sollten. Diese Klausel die verpfändeten Steuern und die Zölle den Gesamtertrag hätte jedoch nicht in Kraft treten fönnen, wenn die Finanzpolitik des Deutschen Reiches sich voll auf sie eingestellt, die Befiz- und Einkommensteuern ausgebaut, die indirekten Steuern aber vermindert hätte. es anders. Der Reichsfinanzminister von Schlieben hat seinen Deutschnationale Finanzkunst wollte Auftraggebern so wenig Widerstand entgegengesetzt, daß das deutsche Volt eine freiwillige zusätzliche Reparationsihrer Tasche mehr zu zahlen. Im Gegenteil ist der Erfolg, nationalen danach gedrängt hätten, freiwillig und gar aus zahlung auf sich nehmen mußte. Nicht als ob sich die Deutschden ihr Minister erzielte, ein Ergebnis der Steuerdrückebergerei des Besizes, wie sie von den Deutschnationalen systematisch getrieben wird. Die Dawes- Gesetze sehen nämlich vor, daß aus dem Mehrertrag der indirekten Steuern und Zölle bis zu 250 Millionen Mart in diesem und im nächsten Jahre mehr zu zahlen find als die normalen Jahresverpflichtungen betragen. Die Höhe der Mehrzahlung richtet sich danach, um die Summe von einer Milliarde überschreitet; er beträgt im wieviel der Ertrag bestimmter indirekter Steuern und 3ölle normalen Fall ein Drittel der Mehreinnahmen aus diesen leistungen zu vollbringen sind, stellt die erwähnte Summe Steuerquellen. Die Höchst grenze, bis zu der diese Mehr250 Millionen dar. In diesem und im nächsten Jahr hat also das deutsche Bolt zusammen 500 Millionen Mark über den ursprünglichen Dawes- Plan hinaus aufzubringen, da die Finanzpolitik der bürgerlichen Parteien unter dem Druck der Deutschnationalen den Mehrertrag aus den erwähnten indirekten Steuern und Zöllen auf annähernd 2 Milliarden Mark gebracht hat. Es find die Steuerzahlungen des Verbrauchs und der Minderbemittelten, durch die jene Mehrleistungen entstanden sind und aus denen die erhöhten Reparationsabgaben fließen. In einer nicht zu überbietenden Verblendung hat die reaktionäre Finanzkunst das Steuersystem so ausgebaut, daß zuerst die Reparationsgläubiger daraus Nugen ziehen. Denn diese Entwicklung der Steuereinahmen begünstigte man natürlich nicht in der bewußten Absicht, zunächst dem Reparationsagenten neue Mittel zu verschaffen. Bielmehr waren es ausschließlich innerpolitische Gründe, die dazu geführt haben. Es galt bei den bürgerlichen Parteien als ein Dogma, daß die Einkommens- und Vermögenssteuern zu hoch seien. Deswegen wurden sie in erster Linie abgebaut. Gleichzeitig aber setzte die Erhöhung der übrigen Steuern ein und später folgte die fünftliche Steigerung der Zolleinnahmen, die an den Mehrerträgen in entscheidendem Maße beteiligt sind. Die Zölle waren den Vertretern reaktionärer HandelsReichseinnahmen. Vielmehr dienten sie dem Zweck, die politik niemals ausschließlich ein Mittel zur Erzielung von fremde Konturrenz auszuschalten und das inländische Preisniveau zugunsten fleiner Gruppen von Intereffenten zu erhöhen. Darum der hartnäckige Kampf der Agrarier um die Getreidezölle, die im letzten Jahr wieder eingeführt wurden und die dem Großgrundbesiz den Schutz vor der Einfuhr amerikanischen und polnischen Getreides bringen sollten. Aus den gleichen Gründen wurden die meisten Zölle für Industriewaren erhöht. Es half nicht, daß die Arbeitervertreter auf den volkswirtschaftlichen Widerfinn dieser Zollerhöhungen hinwiesen. Gegen den Billen einer starten Minderheit verhinderte die unter Führung der Deutschnationalen stehende Reichstagsmehrheit sogar eine eingehende sachliche Beratung der Zollvorlage, die dann in Abwesenheit der sozialdemokratischen Reichstagsabgeordne= ten angenommen wurde. Heute bringen die erhöhten Zölle eine willkommene Einnahme für die Reparations= gläubiger. Die Regierung ist damals vor einer derartigen Ueberfpannung der indirekten Steuern und Abgaben gewarnt und auf die Folgen aufmerksam gemacht worden. Rechtzeitig fie mit einer derartigen Regelung des Steuersystems die wurde sie von der Sozialdemokratie darauf hingewiesen, daß außenpolitische Belastung noch erhöhe. Aber auch dieses Argument machte auf die Deutschnationalen nicht den ge= Gläubigerländer manchen Täuschungen über die dauernde Leistungsfähigkeit Deutschlands hingeben, fann man nur wünschen, daß eine endgültige Regelung erst nach Kenntnis aller in Betracht kommenden Faktoren getroffen wird. Das deutsche Bolt ist gewillt, feinen Teil an der Wiedergutmachung der Schäden zu tragen, die der Weltkrieg herbeigeführt hat. Aber gerade diejenigen, die sonst so gern über die zu starke Belastung Deutschlands mit Auslandsverpflichtungen stöhnen, follten sich darüber klar sein, daß eine über stürzte Regelung leicht einen endgültigen Zustand schaffen könnte, der nicht im Intereffe des deutschen Boltes liegt. Hakenkreuz und Saargebiet. Stimmen aus dem Saarlande. Die ,, paterländische" Rundgebung der Saarvereine, die vor kurzem in Köln stattfand und zu einem einzigen nationalistischen Rummel wurde, gibt einem Teilnehmer aus dem Saargebiete Anlaß, im Saarbrückener Bentrumsblatt seine Meinung ungeschminkt zu sagen: ringsten Eindrud und auch die übrigen bürgerlichen| gehend ansieht und damit rechnen muß, daß sich die Parteien fümmerten sich darum nicht sie hatten die wichtigere Sorge, wie sie den Rechtsblock zusammenhalten konnten! 500 Millionen Mark beträgt die Beche, die die Arbeiter schaft und die Verbraucher für diese parteipolitischen Geschäfte der bürgerlichen Parteien jetzt zu bezahlen haben. Dabei sind es gerade die Vertreter der Rechtsparteien, die in erster Linie für die Gestaltung der deutschen Finanzpolitik verantwortlich zu machen sind und die sich gleichzeitig unausgesetzt über die erbrüdenden Dames- Lasten betlagen. Man erinnert sich noch der demagogischen Propaganda, die die Hugenberg- Bresse mit Unterstützung deutschnationaler Parteiführer gegen die Dawes- Zahlungen entfaltet hat, nachdem der Dawes- Plan selbst mit fünfzigprozentiger Unterstügung der Deutschnationalen zur Annahme gelangt war. Es war eine gespielte Entrüstung, wie die Ergeb niffe der deutschnationalen Finanzpolitik beweisen, die ja die deutschen Pflichtzahlungen fünftlich um den Betrag von 250 Millionen Mark in diesem und im nächsten Jahr erhöht haben. Bisher konnten die Dames- Zahlungen glatt aufgebracht und abgewickelt werden. Es ist auch nicht damit zu rechnen, daß im dritten Jahre sich daran etwas Wesentliches ändern wird. Zwar ist es heute zum mindesten fraglich, ob die großen Hoffnungen sich rechtfertigen werden, die das Reichsfinanzministerium an den bisherigen Eingang der Steuern gefnüpft hat. Aber noch haben immer die Prognosen unrecht behalten, die von einer Steigerung der Reparationszahlungen den Zusammenbruch der deutschen Finan zen befürchten. Die Mehrleistung von 250 Millionen Mark wird wahrscheinlich aufgebracht werden können, und damit find Deutschlands Verpflichtungen auch im nächsten Jahr erschöpft. Die Sorge darüber, ob auch die lebertragung der deutschen Mart ins Ausland reibungslos vor sich gehen wird, können wir getrost dem Reparationsagenten überlassen, der ja eigens dafür eingesetzt ist und die volle Berantwortung dafür trägt, daß die deutsche Währung bei den gewaltigen Devisenkäufen feinen Schaden nimmt. Ob und inwieweit das der Fall ist, wird er jetzt um so leichter beurteilen können, als die Reichsbant fürzlich den 3 mangsturs für den 3m Dollar aufgehoben hat, der freie Devisenverkehr also wiederhergestellt ist. Man wird also an den Devisenkursen und an den Veränderungen in den Gold- und Devisenbe ständen der Reichsbant leicht ablesen fönnen, ob und wann die deutsche Währung durch die Uebertragung von Reparationszahlungen an die Gläubiger- Länder zu start in Anspruch genommen ist. Vorläufig ist jedenfalls eine Erschütterung des Markkurses schon deshalb nicht zu erwarten, da die Devisenbilanz für die nächste Zeit durch die noch immer nach Deutschland fließenden Auslandsanleihen für absehbare Zeit günstig steht. Aber selbst wenn sich darin etwas ändern sollte, selbst dann ist der Reparationstommiffar an feine Weifungen gebunden, die ihn dazu zwingen, den An tauf fremder Wechsel einzustellen, sobald die deutsche Währung bedroht ist. Wenn jetzt gewiffe Kreise mit großen Hoffnungen darauf verweisen, daß in Amerifa und in England sich immer wieder Stimmen geltend machen, die eine Revision des Dames Plans befürworten und ihn im Zusammenhang mit der interalliierten Schuldenregelung zu bringen suchen, so halten wir diese Hoffnungen vorerst noch für verfrüht. Es bedarf feiner besonderen Begründung, daß gerade die Arbeiterschaft jede Entlastung des Reichshaushaltes begrüßen müßte, nachdem bisher der größte Teil der Leistungen direkt oder indirekt von den Lohnempfängern und Berbrauchern aufgebracht wurde. Auf der anderen Seite aber steht die Tatsache, daß heute niemand übersehen tann, wie weit die deutsche Leistungsfähigkeit reicht, ob sie nicht vielleicht sogar niedriger ist als es auf Grund der bisherigen Erfahrungen erscheinen mag. Der Reparationsplan fonnte bisher reibungslos durchgeführt werden, weil die erwähnten Auslandsanleihen die Uebertragung von Zahlungen erleichterten. Gerade dann, wenn man diese Situation als vorüber Zum 150. Todestage Ludwig Höltys. Bon Paul W. Eifold. Am 1. September 1776 starb in Mariensee im Hannoverschen, 28jährig, der Dichter Ludwig Heinrich Chriftoph Hölty. Die Schwindsucht, neben der Lust, zu fabulieren, das einzige Erbe von seiner Mutter, riß diese reiche Hoffnungen erweckende Blume aus dem Garten der Poesie, just, da sie sich gerade am schönsten entfalten mollte. Ein seltsam überschattetes Leben ging damit in frühes Dunkel, ein Leben, das ebenso sehr die Freudenfeuer idealer Hochgefühle wie auch die schwälende Glut armseligsten Daseinskampfes um die nackteste Notdurft fannte. In schwärmerischem Hang zur Einsamkeit, still und verschlossen, In schwärmerischem Hang zur Einsamkeit, still und verschlossen, verlebte der Knabe, am 21. Dezember 1748 als Sohn des Pastors in Mariensee geboren, die Jugendjahre. Mit schier ungeheuerlichem Wissensdurst las und lernte er, oft manche Nacht bei fümmerlicher Delbeleuchtung, zu der ihm ausgehöhlte Rüben dienen mußten, hindurch. Nachdem er einige Jahre in Celle studiert, bezog er 1779 die Universität in Göttingen als Student der Theologie. Allein, Geistlicher zu werden, behagte ihm bald nicht mehr. Der Feuerkopf trieb philosophische und philologische Studien, die sich schließlich zu sieben Fremdsprachen und dem geistigen Besitz der Kulturerscheinungen aller großen europäischen Böller fristallisierte. Das war eine grandiose Leistung! Und dieser Riese an Wissen war ein bescheidener, verschlossener Mensch, mit wenig gepflegtem Habitus, bleich und niedergebückt, schweigsam und ungeschickt im Verkehr. In diese Studentenzeit fällt das erste, selbständigere Dichten des Jünglings. Anfangs gefiel er sich in Romanzen, fleinen, das ländliche Treiben schildernden Bildchen, wie es zur Beit allgemein geübt wurde, bald aber wuchs sein Talent bis zur höchsten künstlerischen Reife. In edlem Wettstreit mit Gleichgesinnten, unter ihnen Gott fried August Bürger und Johann Heinrich Boß, äußerlich angeregt durch den„ Hainbund" der Zusammenschluß Göttinger Dichter, den Hölty selbst mit herbeiführte und im Bestreben, es dem hochgeschätzten Vorbild Klopstod gleichzutun, der gerade im Geburts jahre Höltys seine ersten Gesänge des Messias" veröffentlicht hatte, entstanden jene sonderbaren Gedichte mehmütig- schwebender Stim mungen voll, jene" Traumbilder" voll tiefer Empfindsamkeit und mundervollem Schmelz der Sprache. Diese Oden und Elegien, am antiken Versmaß geschult, in der Form meisterlich ausgewogen, fie tragen den Götterfuß des Genius ebenso wie die schlichten, innigen und einfachen Lieder( Ich träumt', ich wär ein Bögelein... Ueb' immer Treu und Redlichkeit...), die noch heute das Volk singt. Mit Privatstunden und Uebersetzertätigkeit fristet Hölty sein Leben. Da wirst ihn für längere Zeit die Schwindsucht aufs Krankenbett. In der ländlichen Stille seines Geburtsortes bessert sich sein Zustand, im Mai 1775 schreibt er Boß, daß er wieder aus freier Brust Atem holen fönne, ohne Schmerz zu fühlen". Und nun dichtet das Leben selbst jenes unerhört tragische Widerspiel, Ihr Artikler hat vollständig recht, wenn er fonstatiert, daß aus der vaterländischen Rundgebung eine rein parteipolitische gemacht worden ist. Wir Saarländer, die wir mit großen Opfern rein nach Köln geeilt waren, um uns von dem Interesse der Reichsdeutschen für die Saar zu überzeugen, waren bitter enttäuscht über das, was wir in Köln erleben mußten. Wir glaubten, eine reine vaterländische Rundgebung für das Saargebiet mitmachen zu fönnen, waren vor allem der Ueberzeugung, daß diese Tagung sehr viel zum Berständnis der Saarfrage beitragen würde und daß auch mehr Interesse für das Saargebiet und seine Nöte geweckt würde. Denn beides läßt gerade in den Kreifen, die sich so gerne national nennen, sehr zu wünschen übrig. Standpunkt und unter dem Gesichtswinkel der Herrschaft des Bölker, Gine Tagung, die die Saarfrage vom rein außenpolitischen bundes bewertet, fann von uns Saarländern begrüßt werden. Die Tagung in Köln hatte jedoch das Gepräge einer rechtsradikalen Organisation. Abgesehen von der Rundgebung in der Messehalle, wo tatsächlich Ersprießliches geleistet wurde, waren die übrigen Ber. anstaltungen uns Saarländern ein Schlag ins Gesicht. Wir sind in unferer überwiegenden Mehrheit republikanisch und demo= ratisch gesinnt, wir bejahen freudig den neuen deutschen Volksmit vollendeten Tatsachen" abfinden, sondern wir find Republikaner staat, nicht etwa aus der berühmten Erwägung heraus, daß wir uns aus Ueberzeugung. Und diese Ueberzeugung hat die Kundgebung in aus Ueberzeugung. Und diefe Ueberzeugung hat die Kundgebung in Köln mit Füßen getreten. Der Festzug war nichts anderes, als eine rechtsradikale Kundgebung des Stahlhelms und der ihm verwandten Organisationen. In vollständig militärischer Organi fation, in Gruppenkolonnen zu acht Mann, militärisch gekleidet zur Vervollständigung des Soldaten fehlte nur noch das Gewehr-, glaubten diese irregeführten Massen dem Gaargebiet einen Dienst zu erweisen. Die Hatentreuzfahnen und die Flaggen fchwarzweißrot haben dem Saargebiet mehr gefchabet als genügt. Dafür hat die Bundesleitung des Stahlhelms natürlich fein Verständnis, daß durch derartige nationalistische Rundgebungen für die Saar nichts herauskommen wird. Der Vorstand der Sozialdemokratischen Bar tei des Saargebietes und die sozialdemokratische Landesratsfrattion haben in gemeinsamer Sigung einstimmig den Beschluß gefaßt, sowohl für die Partei wie für ihre Mitglieder jede Mitarbeit am Bund der Saarvereine in seiner heutigen Tendenz und an seinem Organ, dem„ Saarfreund", für die Zukunft abzulehnen, und den Bezirksvorstand Obere Rheinproving" sowie den Hauptvorstand Berlin gebeten, diesem Beschluß auch für die innerdeutsche Partei und ihre Mitglieder beizutreten. Bayreuth eine Tagung ab, um zur außenpolitischen Lage Der Alldeutsche Verband hält am Sonnabend und Sonntag in Stellung zu nehmen. jenes Unbegreifliche und Grandiose: in diesem letzten Jahr seines Erdenwallens entstehen seine reinsten, tiefsten und schönsten Gedichte. Bon dunklen Todesahnungen überschattet, ergeht sich seine vage Lebenshoffnung in ergreifenden Bildern und Stimmungen. Das Erlebnis des wiedergeschenkten Daseins verströmt sich in findlicher, seliger Freude, das Blühen der Bäume, das Rauschen des Waldes ist in diesen Gedichten. Und ein leiser Uebermut, ein beinahe tomischer Heroismus tomisch im Hinblick auf sein unheilbares Leiden Leiden, wenn der Dichter singt:„ Drum will ich, bis ich Aſche werde, mich dieser schönen Erde freu'n!" Einsamkeit, Entbehrung und Leiden- dieses Dreigestirn mensch lichen Elends leuchtete wie so vielen Geistesgrößen auch diesem unglücklichen Dichter, der seine kleine Harse hinter dem Altar auf gehängt haben wollte, wo an der Wand die Totentränze manches verstorbenen Mädchens schimmern", und der schlicht, bescheiden und tapfer war bis an sein tühles Grab", Der Afrikaforscher. die Redaktionen aufsuchte und vorgab, der Essayist Wilhelm Michel Im vorigen Jahre reifte ein Mann in Deutschland umber, der zu sein. Er hatte eine Anzahl vorzüglicher Manuskripte bei fich, die durchaus den Geist des trefflichen Darmstädter Schriftstellers ameten, bot sie den Redakteuren an und fassierte nach Möglichkeit sofort die Honorare. Diefer Mann war ein Schwindler und seine Artitel hatte er abgeschrieben. Wilhelm Michel, der Falsche, hat einen Nachfolger gefunden. Ein junger Mann ist nach Eisenach gekommen, hat sich Dr. Geißler genannt und gesagt, daß er eine Forschungsreise durch Afrika hinter fich habe. Die Zeitungen haben Artikel über ihn gebracht. Der Eisenacher 300 hat ihn zum wissenschaftlichen Beirat ernannt. Die Gasthäuser hatten ihm Kredit eingeräumt. Die Bevölkerung hat feine Lichtbildervorträge besucht. Gelehrte von Rang haben Gedankenaustausch mit ihm gepflogen. Es war alles in der schönsten Ordnung mit dem Forscher, dessen Bekanntschaft sich jeder zur Ehre rechnete. Nicht nur sein Aeußeres war gepflegt, sondern auch sein Geiftes ergänzt. Er begnügte sich nicht mit der Kenntnis, daß man Inneres war es. Die Bügelfalte der Hose wurde durch eine des in Europa nicht mit dem Messer ißt, sondern gab auch zum Besten, wie man es in Afrika tut. Er fannte die Lebensgewohnheiten der Schwarzen, erzählte von Land und Leufen, von Sitten und Gebräuchen, und alles stimmte, denn sein Wissen stammte aus einer Vortragsvertriebszentrale aus Stuttgart, die offenbar sehr zuver läffig arbeitet. Aber eines Tages emanzipierte er sich vom Manu ffript, berichtete von einer Jagd nach Bären, die er in Afrika veranstaltet haben wollte und das hatte zur Folge, daß man endlich den zur Strecke brachte, den er den Leuten aufgebunden hatte. Was besagt aber schließlich der Irrtum in einem Detail, wo es ja nur von untergeordnetem Interesse ist, wodurch sich der Hochstapler auf die Dauer von einem echten Gelehrten unterschied, und wo es darauf ankommt zu erfahren, ob er von ihm in nichts sonst abwich als in der gelegentlichen Aufstellung einer Fehlbehauptung. Was wird mit den Ausgesteuerten? Die Unterstütungsdauer muß verlängert werden. Schon vor 14 Tagen verlautete, daß Ende Auguft die Neuregelung der Ausgesteuertenunterstützung in Kraft treten werde. Wir schreiben jetzt den 1. September; von dem Inkrafttreten merkt man aber nichts. Wie wir erfahren, besteht sogar die Gefahr einer weiteren Berfchleppung. Neue Schwierigkeiten und Hemmungen sind aufgetaucht, die sich aus der Aenderung der Finan zierung der Unterstüßung ergeben. Neue Beratungen mit den Ländern haben stattgefunden; die Hemmungen sind aber troßdem noch immer so groß, daß man die Entscheidung am liebsten bis zum Herbst vertagen möchte! Den Vorschlag der Gemertschaften auf Berlängerung der Unterstützungsdauer will man nicht annehmen, bei der Sonderregelung tommt man nicht zu Rande, also am liebsten Bertagung. Das Das Reichsarbeitsministerium hätte sich das Durcheinander, das die Sonderregelung schon bei den Beratungen hervorrief und bei der Durchführung erst recht hervorrufen wird, sparen können, wenn es den Mut aufgebracht hätte, durch Verlängerung der Unterfüßungsdauer eine flare Situation zu schaffen. Ministerium befürchtet, mit der Verlängerung der Unterstügungsdauer den Versicherungsgedanken totzuschlagen! Es vergißt, daß wir in beitsmarkt leben und unter diesen Umständen auch außergewöhn einer Zeit außergewöhnlicher Notstände auf dem Arliche Maßnahmen notwendig sind. Schließlich sind die Gewerkschaften, die für die Verlängerung der Unterſtüßungsdauer eintreten, die letzten, die den Versicherungsgedanken totschlagen möchten. albe Arbeit schafft immer mehr Arbeit als ganze Arbeit. Das ist aber fein Grund, die Ausgesteuerten, die nun endlich einmal wissen möchten, woran fie find, noch länger warten zu lassen. Also heraus mit der Neuregelung der Unterstützung! 19 Die Verwaltung der Wasserstraßen. Baherische Kirchturmspolitik.-Schiffahrts. regulierung und Wasserstraßenverhältnisse. In dem offiziellen Bayern wird gegen die Absicht des Reichsverkehrsministeriums, nunmehr eine gefchloffene, reichs. eigene Wasserstraßenverwaltung zu schaffen, scharf Front gemacht. Der Widerstand wird damit begründet, daß alle fachlichen Gesichtspunkte für die Fortdauer des bisherigen Zustandes sprechen und daß es sich bei der ganzen Sache nur um eine Befriedi Reich fei zwar berechtigt, aber nicht verpflichtet, eigene Wasserstraßengung rein bureaukratischer Vereinheitlichungsgelüfte handle. behörden auf der mittleren und unteren Stufe zu errichten. Man wolle lediglich um der Sentralisierung willen zentralisieren. Schließlich habe im Jahre 1922 bei Beendigung des großen Konflikts zwischen Bayern und dem Reich die damalige Reichsregierung ausbrücklich erklärt, daß sie von den noch nicht ausgeschöpften Zuständig. feiten nicht ohne Not und nicht ohne Zustimmung des Reichsrats Das Gebrauch machen werde, und daß sie nicht willens sei, bisherige Aufgaben der Länder in die Verwaltung des Reichs durch neue Reichs. mittel- oder Reichsunterbehörden zu übernehmen", Die Schaffung eines gefchloffenen reichseigenen Behördenapparats für die Wasserstraßenverwaltung fann man dem Reichsverkehrsminister nicht verdenken. Die Beamten, die nach der geplanten Neuregelung nun dem Reichsvertehrsministerium unter ftellt werden, find ohnehin im Grunde nichts anderes als Reichs weiteres an. Ueber diejen Punkt herumzustreiten, hat wenig Sinn. Etwas anderes ist die noch nicht geklärte Frage der für die Zukunft im Interesse einer gedeihlichen Förderung der Wasserwirtschaft dringend notwendigen Zusammenarbeit zwischen Reich und Ländern. Die Reichswasserstraßenverwaltung treibt Wasserwirt schaft vom Verkehrsstandpunkt aus; die landwirtschaftlichen Ministerien der Länder haben ungeheure Aufgaben auf dem Gebiete der Wasserregulierung zur Steigerung der Produktion. wasserverhältnisse eines Stromgebiets. Hier sind wirklich wichtige Jede Schiffahrtsregulierung beeinflußt tief die GrundAufgaben zwischen Reich und Ländern zu lösen. beamte. Das erfennt man auch bei den meisten Ländern ohne Der Brillantring, der Zylinderhut und das sichere Auftreten" find längst feine Legitimation mehr für unser Vertrauen, nun werden wir darauf aufmerksam gemacht, daß man auch den Geist vorspiegeln fann. Sie werfen unheimliche Fragen auf, diese Hoch stapler in Wissenschaft und Bildung, diese Männer im intellektuellen Kostüm und nicht immer wissen wir diesen Fragen eine Antwort, die Rostüm und nicht immer wissen wir diesen Fragen eine Antwort, die ehrenvoll für den echten Geiſt iſt. ſellſchaften entfaltet zurzeit eine umfassende Bropaganda, um die Tabakverbof in U. S. A.? Eine Reihe von amerikanischen GeAnpflanzung, die Verarbeitung und den Berkauf von Tabak im Gebiet der Bereinigten Staaten durch Gesez untersagen zu laffent. Diese Bestrebungen sind nicht neu; die Prophezeiung der Leute, die feinerzeit, als das Prohibitionsgefeß erlassen wurde, anfündigten, daß es dabei nicht sein Bewenden haben würde, hat sich bewahr. hcitet. Die Anti- Tabat- Liga macht die größten Anstrengungen, um so schnell wie möglich greifbare Erfolge zu erzielen. Ihre Agitatoren weisen darauf hin, daß, seit Amerita trockengelegt worden sei, die Zahl der Raucher in einem ganz erschreckenden Maße zugenommen habe, woraus fich nach ihrer Ansicht der wenig erfreuliche Gesundheitszustand der amerikanischen Bevölkerung hinlänglich erklärt. Der bem das Alkoholverbot bereits gezeigt hat, daß eine weitverbreitete Tabafverbrauch, so heißt es in ihrem Manifest, muß vollständig verboten werden. Diese Maßnahme ist feineswegs unmöglich, nachIndustrie darunter nicht zu leiden braucht, sofern sie sich umzustellen versteht. Es wäre ein nationales Unglüd, wenn unsere Mütter und werden würden, und sie werden es unweigerlich, denn der Tabak. Töchter die Opfer der so überaus gesundheitsschädlichen Zigarette genuß hat seine Anhänger gerade beim weiblichen Geschlecht. Es ist höchste Zeit, daß etwas geschieht; die Lage ist außerordentlich einst. Flugblätter und Aufklärungsschriften in großer Anzahl werden überall im Lande verschickt, und namentlich die Eltern werden aufgefordert, ihren Kindern durch Worte und Beispiel die Gefahren des Labats vor Augen zu führen. Die Liga will sich zunächst darauf beschränken, ein Tabakverbot für das weibliche Geschlecht zu erwirken. Eine neue Form der Ausstellung. Die Stadt Manchester veranstaltet Anfang Oftober eine große Ausstellung, deren Kennzeiden sämtliche städtischen Einrichtungen für alle Besucher der Ausstellung die Idee der„ offenen Tür" sein soll. Während einer Woche werden unentgeltlich zur Besichtigung offen stehen. Stadthalle, Kunstgalerien, Bibliotheken, Feuerwachen, Rettungsstationen, Telephon amt, Schulen, Rohlenbörse, Universität und Krantenhäuser werden dem Publikum den ganzen Tag über in vollem Betrieb vorgeführt werden. Der 1. internationale Kongreß für Seruafforschung wird in Berlin vom 10. bis 16. Dftober stattfinden. Das Arbeitsprogramm siebt eine lange Reibe von Referaten aus allen Gebieten der Sexualforschung vör. Alle Länder der Welt stellen für diese Referate ihre hervorragendsten Spezialisten. Benfurbehörde lag, ohne daß eine Entscheidung gefallen wäre, wurde nun Der Banzerfreuzer Potemkin", der seit vielen Wochen bei der Prager mehr von dem erweiterten Zensurausschuß ohne die geringsten Streichungen freigegeben. Deutschnationale Mißwirtschaft. Der Stadtbantskandal von Halle. Die Stadt Halle steht unter Leitung eines deutschnationalen Oberbürgermeisters, des seines Selbstbewußtseins und seiner Unfehlbarkeit" wegen weit befannten Dr. Rive. In dieser deutschnational geleiteten Stadtgemeinde hat sich nun der schon mehrfach erwähnte Stadtbank. Vandal ereignet, dessen vollen Umfang heute noch niemand genau überschauen kann. Unser Parteiblatt in Halle schreibt zu den Ungeheuerlichkeiten, die sich dort abspielten: Durch die in der Stadtbank unter Aufsicht des Bürgermeisters Sendel geübte Günſtlingswirtschaft sind bekanntlich viele Millionen Kredite an durchaus unwürdige Firmen und Personen gegeben worden. Seriöse Gewerbetreibende, ernsthafte Firmen und kreditwürdige Unternehmungen, die nicht über die erforderlichen Beziehungen zur Stadtbant bzw. zu dem vom Bürgermeister Seydel geleiteten Stadtbankausschuß verfügten, wurden faltschnäuzig abge wiesen. Das Kapitel der Wechselreiterei, eins der tunfelsten in der Stadtbankaffäre, werden wir noch bei anderer Gelegenheit zur Orientierung der Deffentlichkeit ins rechte Licht rücken. Wie sicher sich jedoch Herr Berger noch zu einer Zeit fühlte, wo in ein geweihten kommunal- politischen Kreisen die Standalaffäre bereits publik war, und wie sicher er vor allen Dingen des Wohlwollens der an der Verheimlichung des Standals bringenb interessierten Herren Rive und Seydel war, geht allein aus der Tatsache hervor, daß man gelegentlich seiner Ent. laffung noch einen jener berühmten zur Ausgabe vorgesehenen Wechsel mit seiner Namensunterschrift fand, der in diesem Fall auf die Kleinigkeit von 100 000 m. lautete. Ausgesperrte und Erwerbslosenfürsorge Fürsorge als Kampfmittel der Unternehmer. Bom Berstand des ADGB. wird uns geschrieben: Nach§ 3 der geltenden Verordnung über Erwerbslosenfürsorge erhalten Erwerbslose, deren Erwerbslosigkeit durch Aus st and oder Aussperrung überwiegend verursacht ist, während der Dauer des Arbeitskampfes und noch vier Wochen nach feinem Abschluß teine Unterstügung. Denn nach der Verordnung sollen grundsäßlich nur diejenigen unterstützt werden, die „ infolge des Krieges" erwerbslos und bedürftig geworden sind. Diese Bestimmung, die schon dem Gesetzeswortlaut nach an Rigorosi. tät von feiner ähnlichen Bestimmung ausländischer Gesetzgebung übertroffen wird, erhält ihre ganz besonders schwerwiegende Bedeutung für die Arbeitnehmerschaft durch die offizielle Aus. legung, die vom Reichsarbeitsministerium gegeben wird. So soll nach der Kommentierung des Sachbearbeiters im Reichsarbeits. ministerium, Ministerialrat ehfeldt, für die Anwendbarkeit der Bestimmung belanglos fein, ob den Arbeitslosen ein Berschulden an dem Ausstand oder der Aussperrung trifft, ob er positiv daran mitwirkt oder beteiligt ist. Diese an sich schon im höchsten Grade unsoziale Auslegung einer wichtigen Bestimmung in der heutigen Erwerbslosenfürsorge wird zu einer schreienden Ungerechtigkeit aber in dem Fall, wo ein Unternehmer eine AusSperrung vornimmt, um einen bestehenden Tarifvertrag aufabotieren. Wenn also ein Unternehmer von der Belegschaft verlangt, daß sie unter den tariflich vereinbarten Löhnen arbeiten foll oder daß sie sich mit einer längeren als der tariflich verein. tarten oder gefeglich zulässigen Arbeitszeit einverstanden erflären soll und wenn die Belegschaft eine solche Bumutung ablehnt, ablehnen muß, so hat die vom Unternehmer pertragswidrig vorgenommene Aussperrung gleichfalls den Ausschluß der Ausge. sperrten aus der Erwerbslosenfürsorge zur Folge! Aus dem Rechtsbruch des Unternehmers wird also ein Rechtsnachteil für den Ar. beitnehmer. Lehfeldt sagt hierzu ausdrüdlich: Ebenso wie beim Ausstand ist für den Begriff der Aussperrung belanglos, ob sie auf einer Arbeitsstreitigkeit oder auf sonstigen, insbesondere politi oder nicht." Er ftüßt sich dabei auf einen Bescheid des Reichsarbeits. ministers vom 25. Mai 1921. In der Praxis bedeutet das also, daß es jedem Unternehmer freisteht, statt eine Betriebsstillegung vorzunehmen und seine Belegschaft regulär zu entlassen, einen Ar. beitskampf zu inszenieren und die Belegschaft auszusperren. Durch die Aussperrung ist er in der Lage, die Belegschaft um den Genuß der Erwerbslosenunterstützung zu bringen, auf die sie durch Beitragszahlung Anwartschaft erworben hat. Die Fälle, in denen derartige ungerechtigkeiten vorkommen, häufen sich in letzter Zeit. Trotzdem steht das Reichsarbeitsmini Aber nicht nur in der allgemeinen Kreditvergebung, sondern auch in der Beleihung von Privatgrundstüden mit städtischen Hypotheten hat die Stadtbant geradezu fabelhaft gearbeitet. Auch hier besteht ber sehr dringende Berdacht, daß die Beft echung eine ausschlaggebende Rolle gespielt hat. War der Hypothekennachsuchende ein guter Freundoder Bekannter, so wurde sein Grundstück in der wohlwollendsten Weise tariert. Ein Unternehmen in Halle, für das fein Mensch mehr als 150 000 Mart geben würde, wurde auf 250 000 Mart tagiert, eine entsprechende Hypothet bereitwilligst gewährt. In einem anderen Falle wurde dem Besitzer eines Grundstücks, dessen Baugrund in der Borkriegszeit allein 50.000 Mart fostete und dessen Baukosten fich auf zirta 250 000 Mart beliefen, auf dieses neue tadellose Grundstück die verschen Gründen beruht, ob sie unter Vertragsbruch erfolgt ist hältnismäßig fleine hypothet von 30 000 Mart ver= weigert, obwohl bei dem Mangel an Hotelräumen in Halle die beabsichtigte Verwendung der nachgesuchten Hypothek im dringenden Berkehrsinteresse der Stadt Halle gelegen hätte. Aber der fragliche Grundstücksbefizer gehörte nicht zu den schwarzweißroten Freunden der Stadtbankleitung und des Stadtbankausschusses. Außerdem waren in diesem Spezialfalle die Gelder der Stadtbank, einige Millionen der Stadtsparkaffe, weitere Millionen Einnahmen aus den werdenden städtischen Betrieben bereits in fo unfinniger Weise verpulvert worden, daß man für das genannte Institut und die genannte Instanz vielleicht diesen Umstand mildernd" ins Felb führen fann. " Das Boltsblatt" meist meiter darauf hin, daß infolge diefer Millionenverschleuderung städtischer Gelder die städtische Gewerbesteuer unsinnig hochgeschraubt werden mußte, so daß heute die Gewerbetreibenden unter der gehalft hat: In Der britische Kohlenkampf. Donnerstag wichtige Delegiertentagung. Laft feufzen, die ihnen die deutschnationale Mißwirtschaftaufner Aussprache über den Bergarbeiterstreit betonte Ramlan London, 31. August, Unterhaus.( Eigener Drahtbericht.) Das ganze städtische Leben steht überhaupt unter dem direkten Macdonald, daß die Bergarbeiter auch heute ebenso wie vor und indirekten Einfluß der großen Berluste des städtischen Finanz- pier Monaten entschloffen feien, ihren Rampf weiterzuinstitutes. Eine Reihe großer Bauten, deren Durchführung für führen, um den Siebenstundentag im Bergbau und die von dieses Jahr geplant war, fonnte nicht in Angriff genommen werben, ihnen geforderte gefamiftaatliche Lohnregelung zu verteidigen. Damit entstand eine enorme Schädigung des Arbeits. marties. Tausend und mehr Arbeiter der Stadt Halle verdanken der Stadtbant- Cotterwirtschaft ihre Erwerbslosigkeit bzw. die Fort. dauer ihrer Erwerbslosigkeit. Unzählige selbständige Eristenzen gewerblicher Art verdanken ihre Beschäftigungslosigkeit dem Mangel der Stadt an flüssigen finanziellen Bet bere Mitteln. Als dieser Tage im Berliner Berwaltungsbezirk Kreuzberg eine durch einen Sekretär erfolgte Unterschlagung von 20 000 mt. befannt wurde, gefielen sich gewisse deutschnationale Blätter darin, die sozialdemokratische Leitung des Verwaltungsbezirks für diesen gewöhnlichen Kriminalfall verantwortlich zu machen! Man erinnert sich auch, welche niederträchtige Heze gegen Sozialdemokratische Landräte entfesselt wurde, die in der Inflationszeit bei Anlegung flüffiger Kreisgelder nicht vorsichtig genug gewesen waren oder sein sollten. Welch betäubendes Geschrei über sozialdemokratische Mißwirtschaft" durch die deutschen Gaue hallte... Bon der deutschnationalen Stadtbankwirtschaft in Halle schweigen die Sprachrohre Hugenbergs aber in allen Sprachen. Und die offiziell deutschnationalen Blätter sind in diesem Falle sowohl taub als stumm! Der Kampf der Elsässer. Abwehrgruppen gegen Versammlungssprenger. Paris, 31. Auguft.( WTB.) Nach einer Meldung des Temps" us Straßburg fündigt die autonomistische Zeitschrift Die Zukunft die Schaffung elfäffischer Abwehrgruppen gegen die Angriffe auf die autonomistische Bewegung an und schreibt dazu: Müssen wir uns im eigenen Lande das Recht der freien Rede von Leuten nehmen laffen, deren Gefühle von den unferigen ganz verschieden sind? Die Behörden haben sich als unfähig erwiesen, das Versammlungsrecht zu gewährleisten. Daher sind wir gezwungen, uns selbst zu schüßen. Wir stellen Gewalt gegen Gewalt. Wir wollen rücksichtslos für unsere staatsbürgerlichen Rechte kämpfen und die Berteidigung des. alten und ehrlichen Elsaß Lothringen gegen die verbrecherischen nationalistischen Angriffe orga nifieren. Fünf Manifestanten, die bei den Colmarer Zwischenfällen am 20. August festgenommen worden waren,-kommunisten und Mitglieder des Heimatbundes, wurden wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt zu fünf Tagen Gefängnis verurteilt. Wie der„ Elsässische Kurier" berichtet, wurden sie, als sie das Gefängnis nach Verbüßung ihrer Strafe verließen, von der Be völkerung mit einer Sympathie tundgebung begrüßt, bei der ein Kommunist und der Generalsekretär des Bürgermeisters von Hagenau sie als Helben der elfäffifchen Sache feierten und ihnen Blumen überreichten. Verbot einer völkischen Zeltung. Der Oberpräsident der Proving Heffen- Nassau hat die Bölkische Freiheitsfahne, von ber bie Etaats anwaltschaft zwei Nummern beschlagnahmt hatte, unter Bezugnahme auf das Gesetz zum Schutze der Republik auf ein halbes Jahr perboten " Arbeitsminister Steel- Maitland erflärte für die Regierung, daß sie weiter bereit sei, zwischen den Parteien zu vermitteln, sobald Vorschläge mit Aussicht auf Erfolg unterbreitet würden. Der Vollzugsausschuß der Bergarbeiter hat jedoch heute( mit ge. ringer Mehrheit) beschlossen, teine Friedensvorschläge aufzustellen, sondern die Ergebnisse der am Donnerstag zusammentretenden Konferenz der Bergarbeiterbelegierten abzu warten. Das Parlament wieder vertagt. Даб sterium auf dem Standpunkt, daß es auch weiterhin den Ber= tragsbruch der Unternehmer unterstügen müsse, indem es den unter Vertragsbruch Ausgesperrten die Unterstützung versagt. Auch der preußische Wohlfahrtsminister hat dem Gesetzestert bisher keine andere Auslegung gegeben. jedoch auch andere Auslegungen möglich sind, beweist ein Bescheid des sächsischen Arbeits- und Wohlfahrtsministeriums 6. März 1926. Dort heißt es unter Bezugnahme auf einen Erlaß des Reichsarbeitsministers, in dem von der Pflicht des Er werbslosen zur Arbeitsannahme und von den Voraus fegungen, die ihn zur Arbeitsablehnung berechtigen, die Rede ist: Dom Wendet man diese Grundsäße auf den Fall an, daß der Betrieb noch im Gange ist, so ergibt sich, daß das Angebot neuer Arbeitsbedingungen eine Ründigung des bisherigen Arbeitsverhältnisses, verbunden mit Angebot eines neuen Arbeitsvertrages, darstellt. Wenn diese Kündigung darauf zurückzuführen ist, daß bei den bisherigen Arbeitsbedin gungen die Firma behauptet, für den weiteren Export unfähig zu sein, so wird diese Exportunfähigkeit in der Regel als Kriegsfolge angesehen werden können und den Arbeitnehmern, die auf die neuen Arbeitsbedingungen nicht eingehen können, die Erwerbslofenunterstützung zu gewähren sein. Besteht die Abweichung in Arbeitsbedingungen nur in dem Angebot einer anderen Arbeitszeit, so ist zu prüfen, ob nach dem Tarifvertrag und nach der Verordnung über die Arbeitszeit vom 21. Dezember 1923 dies zulässig ist. Ist das Verlangen des Arbeitgebers nach dieser Arbeitszeit ungerechtfertigt, so wird die fristlose Entlaffung der Belegschaft als Kriegsfolge angesehen werden fönnen. Das gleiche gilt, wenn nur ein Teil der Belegschaft unter Einhaltung einer Kündigungsfrist entlassen wird."... Später heißt es: Die Arbeitgeber fönnen sich zweifellos nicht darauf berufen, daß die Beiträge, die sie zur Erwerbslosenfürsorge geleistet hätten, ihnen ein Recht darauf geben, in Lohnverhandlungen mit den Bertretungen der Arbeitnehmer die Bedingungen des neuen Tarifvertrages vorzuschreiben. Der oberste Grundfah der Erwerbslofenfürsorge muß die vollständige Neutralität bei Wirtschaftskämpfen bleiben." Diese Stellungnahme des sächsischen Arbeitsministeriums be weist, daß es nicht unbedingt notwendig ist, einen unsozialen Gesetzestert in möglichst unsozialer Weise auszulegen. Bei der endgültigen Neuregelung des Unterstügungsanspruches durch die Schaffung einer Arbeitslosenversicherung muß alles Streben dahin gerichtet sein, den grundfäßlichen Anspruch der Ausgesperrten, auf jeden Fall aber der vertragswidrig Ausgesperrten, auf Unterſtügung zu sichern. Schon jetzt muß aber vom Reichsarbeitsministerium und auch vom preußischen Wohlfahrtsministerium verlangt werden, daß Schluß gemacht wird mit einem Verfahren, durch das die Erwerbslosenfürsorge ein Kampfmittel in der Hand des Unternehmers wird. Proteft der sozialdemokratischen Fraftion hervor. Dem Redner wurde zugerufen: Lügner! Berleumder!" Dann widerlegte Genosse Dr. Renner die Behauptungen Seipels und beantragte die Ver. babe, ba nur auf Grund einer parlamentarischen Untersuchung ein tagung der Abstimmung bis zu dem Zeitpunkt, wo der parlamentarische Untersuchungsausschuß seinen Bericht erstattet babe, da nur auf Grund einer parlamentarischen Untersuchung ein genaues Bild gewonnen werben fönne. Die Mehrheit tehnie n Bertagungsantrag Renner ab. Sie verwarf fchließlich auch den An trag Austerlitz auf Erhebung der Minifteranffage und nahm den An. trag des Ausschusses an, der die Ministeranklage vermirft. Der Bundeskanzler wird am Sonnabend nach Genf fahren. Man nimmt an, daß am Montag über Desterreich in Genf verhandelt wird. Mörder und Potemkin- Film. Aus den Geheimnissen der Nedaktionskunst. Theaterliebhaber werfen gern einmal einen Blick hinter die Kuliffen. Und so ist es auch dem Zeitungslefer nicht uninteressant, manchmal in die Küche zu gucken, aus der ihm die Produkte der Nehmen wir einmal ten folgenden Fall: In einem ellenlangen Bolizeilorrespondenzbericht über den Mörder der Gräfin Lambs. dorff, Böttcher, waren u. a. auch folgende schlicht unauffällige Zeilen zu lesen: London, 31. Auguft.( EP.) Trozz lebhafter Opposition Macöffentlichen Meinung auf den Familientisch getragen werden. donalds, der verlangte, daß das Parlament am 7. Sep. tember wieder zusammentreten folle, um die Lage in der Berg baukrise zu prüfen, hat das Unterhaus heute mit 225 gegen 100 Stimmen den Antrag der Regierung angenommen, das Haus bis zum 9. November zu vertagen. Churchill erklärte, wenn sich in der Zwischenzeit etwas Wichtiges ereigne, so werde die Regierung die Abgeordneten aus den Ferien zurückberufen, und wenn die Bergbautrife nicht vorher zu Ende gehe, so werde das Haus um den 29. September herum über die neue Ver. längerung des Ausnahmezustandes zu beschließen haben. Die Warschauer Kriminalbriganten. Er eilte sofort nach dem Bahnhof und fuhr bis zum Bahnhof Börse. Hier traf er einen Mann, den er von verschiedenen Arbeitsstellen her fannte. Mit ihm zusammen besuchte er ein Kino am Hackeschen Markt und sah sich dort den Film Panzerfreuzer Botemkin an. Nach Schluß der Vorführung begab er sich nach Hause und legte sich ins Bett. " Sehen wir nun, wie diese Stelle in der Aufmachung der ,, Deutschen Tageszeitung", des deutschnationalen Landbundorgans, wiederkehrt. Wir geben sie typographisch möglichst genau wieder: Bemerkenswert ist Warschau, 31. August.( Eigener Drahtbericht.) Der„ Glos Brawdy" erklärt am Dienstag in bezug auf die Zustände in der Warschauer Kriminalpolizei weiter: Es fei an der Tagesordnung gewesen, daß Gerichtsaften fomie tostbare inter legungsgüter plöglich verschwanden, wenn die intereffierten Personen einen entsprechenden Betrag bezahlen fonnten. Ein Kapitel für sich feien die Erpressungen, die besonders an jüdischen Kaufleuten ausgeübt wurden. Auf Grund falscher oder auch einfach erfundener Beschuldigungen wurden Haus fuchungen und Berhaftungen angeordnet, von denen bie Kaufleute, so über deren Unschuld die Polizei genau unterrichtet war, fich durch erhebliches Läsegeld freitaufen mußten, um sich feine weiteren Unannehmlichkeiten zuzuziehen. Ramel außer Anklagegefahr. Wien, 31. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) In der Dienstag figung des Nationalrats stand der Bericht des Ausschusses über den fozialdemokratischen Antrag auf Antlage gegen die mit glieber der Regierung zur Debatte. Der Ausschuß haite beschlossen, die Ministerklage abzulehnen und hat auch einen solchen Antrag im Plenum gestellt. Abg. Genosse Austerliß verirat demgegenüber den sozialdemokratischen Minderheitsantrag, wonach der Nationalrat gegen die Regierung vor dem Verfassungsgerichtshof die Minifteranklage erheben soll. In der Begründung des Antrages dharatterisierte Austerlitz das verfassungswidrige Verhalten der Re. gierung, die, ohne verfassungsmäßige Genehmigung, der christlich fozialen Zentralbank deutscher Sparkassen" 62 Millionen Schilling ( 87,2 Millionen Reichsmark) zur Stüßung gegeben hat. der Tat. das Verhalten des Mörders nach der Tat. Er eilte sofort nach dem Bahnhof und fuhr bis zum Bahnhof Börse. Hier traf er einen Mann, den er von verschiedenen Arbeitsstellen her fannte. Mit ihm zusammen besuchte er ein Aino am Hade. fchen Markt und fah fich dort den Film Banzerfreuzer Potemtin" an. Nach Schluß der Borführung begab er sich nach Hause und legte sich ins Bell. In Hugenbergs ,, Lokal- Anzeiger" aber sieht die Sache schon aus: by Nach dem Morde Besuch des Potemkin- Films. .. Nach seiner verabscheuungswürdigen Zat fuhr der Mörder nach Berlin bis zum Bahnhof Börse und fah fich in einem nahen Rino den kommunistischen Blutfilm Panzerkreuzer Potemkin an. Danach begab er sich nach Hause und legte sich zu Bett. Man sieht, der Mann von der Deutschen Tageszeitung" hat zwar die gute Absicht, aber er ist ein Stümper in seinem Handwerk. Er bringt nur die lederne Schlagzeile ,, Das Verhalten des Mörders nach der Tat" zustande und überläßt alles Weitere der Kombinationsgabe des Lesers. Da ist der Hugenberg- Mann doch ein ganz anderer Kert! Gleich bringt er Mord“ und„ Potemkin- Film" in eine fnallige Ueberschrift zusammen, und dann manscht er ,, die perabscheuungswürdige Tat" und den kommunistischen Blutfilm" so durcheinander, daß man gar nicht mehr merkt, wo die eine aufhört und der andere anfängt. Es ist unser Glück und das Pech der Gegenseite, daß sich der Mörder nach seiner Tat nicht auch noch eine Abendausgabe In der Debatte versuchte Seipel die Regierung zu verteidigen. des Borwärts" gekauft hat. Hugenberg hätte in diesem Falle Er unterschob den Sozialdemokraten, daß sie ursprünglich bem Bor- fofort einen neuen Satz besonders in die Augen fallender Lettern, gehen zugestimmt hätten. Diese Behauptung rief stürmischen fette Korpus Frattur, angeschafft! " Um den Schiedsspruch für den Ruhrbergbau. Noch keine Entscheidung des Reichsarbeitsministeriums. Das Reichsarbeitsministerium beschäftigte sich, wie fchon furz gemeldet, am geftrigen Dienstagvormittag mit dem Antrag der Bergarbeiterverbände auf Verbindlichkeitserklärung des für den Ruhrbergbau ergangenen Schiedsspruches, der bekanntlich von den Vertretern der Zechen aus wirtschaftlichen Gründen abgelehnt worden ist. Nachdem die Vertreter der Bergarbeiterverbände und der Bechenbefizer dem Reichsarbeitsministerium ihren Standpunkt dargelegt hatten, wurde von dem Leiter der Verhandlung, Regierungsrat Dr. Classen, der Versuch gemacht, die beiden Parteien für einen Vergleichsvorschlag auf mittlerer Basis" zu gewinnen. Da es jedoch nicht gelang, diese Einigungsformel durchzusehen, wurden die Berhandlungen mit den Interessenvertretern gegen 2 Uhr nachmittags ergebnislos abgebrochen. Das Reichsarbeitsministerium hat nunmehr von sich aus über den Antrag der Bergarbeiterverbände auf Verbindlichkeitserklärung zu entscheiden. Obwohl bereits am geftrigen Tage interne Verhandlungen zwischen den zuständigen Ressorts stattgefunden haben und zuerst Aussicht bestand, daß der Spruch des Reichsarbeitsministeriums noch am gestrigen Dienstag fallen würde, wurde die Entscheidung über den Konflikt im Ruhr bergbau vertagt. Es ist zu erwarten, daß sich das Reichsarbeitsministerium im Laufe des heutigen Mittwochs entscheiden wird. Die Berbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches, der kaum die Friedensreallöhne wiederherstellt trok ganz bedeutender Leistungssteigerung, ist wirklich das mindeste, was das Reichsarbeitsminifterium tun muß. Der D.B.B. und die Republik. Zu den Einigungsverhandlungen der Beamtenverbände. Wir erhalten vom Deutschen Beamtenbund folgende Zuschrift: Der Vorwärts" bringt in Nr. 402 vom 27. August 1926 eine Mitteilung über die Einigungsverhandlung der Be amtenverbände, in der die Meinung zum Ausdrud gebracht wird, daß die vom ADB. geforderte Anerkennung der Weimarer Verfassung dem erweiterten Vorstande des Deutschen Beamtenbundes sehr viel Kopfschmerzen zu machen scheine. Wir verweisen demgegenüber auf felgende Säße des Programms des Deutschen Beamtenbundes, das auf dem Bundestage 1924 ein. stimmig zur Annahme gelangte: " Der Deutsche Beamtenbund steht auf dem Boden der geltenden republikanischen Verfassung des Deutschen Reiches. Er ist gewillt, diese Berfassung gegen jede gemaltjamen Eingriffe mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln zu schützen." Wir nehmen gern Kenntnis von dem Hinweis auf das Programm des DBB. Wir sind überzeugt, daß nur eine große Ein heitsorganisation aller republikanischen, auf gewerkschaftlicher Grund. lage aufgebauten Beamtenverbände in der Lage ist, Hand in Hand mit den Gewerkschaften der Arbeiter und Angestellten die wirtschaft lichen, sozialen und fulturellen Interessen der Beamten erfolgreich zu verteidigen. Deshalb unterstützen wir die Bestrebungen, den DBB. und den ADB. zu vereinigen und begrüßen es freudig, wenn durch diese Erklärung ein Hindernis meggeräumt ist. Großer Die BS.- Korrespondenz meldet: Der Deutsche Beamtenbund hielt in den legien Tagen eine Gigung seines Bundesvorstandes in Berlin ab, in der sehr eingehend über den Stand der Einigungsbestrebungen mit den christ lichen und den freigewerkschaftlichen Beamtenverbänden gesprochen wurde. Nach mehrstündiger Debatte wurde eine Entschließung gefaßt, in der es heißt, daß die Versammelten von den bisherigen Ergebnissen der Einigungsverhandlungen Kenntnis ge nommen haben und daß der Bundesvorstand die mit den Einigungs. verhandlungen beauftragte Kommission ersucht, ihre Bemühungen in der bisherigen Weise fortzusetzen. Erfolgreiche Abwehr gegen Lohnabbau. Produktion günstig beeinfluffen wird, um fo mehr, als unfere Fabritverwaltung feineswegs Sorge um die Rationalisierung der Produktion trägt und die Vervollkommnungen, die durch Vermitt lung der Produktionsfonferenzen von den Arbeitern angeregt worden sind, nicht durchführt. Eine solche Sparsamkeit auf Kosten der Arbeitslöhne muß mit allen Mitteln unterbunden werden, da sie nichts Vernünftiges schaffen kann." Die französischen Beamten in der Inflationszange. Paris, 31. Auguft.( TU.) Die französischen Beamten sind mit der Erhöhung ihrer Bezüge, die heute morgen im Journal Officiel" mitgeteilt wurde, sehr unzufrieden. Die Erhöhung beträgt durchschnittlich 12 Prozent. Es wird von den Beamten erneut darauf hingewiesen, daß die Regierung einen Kredit von 660 Millionen für Gehaltserhöhungen erhalten habe, während sie für die soeben erfolgte Aufbesserung der Beamtenbezüge nur 560 Millionen brauche. Die Beamtengewerkschaften weisen darauf hin, daß die unterſten Beamtenklaffen bei Berücksichtigung des Teuerungsinder heute knapp die Hälfte der Vorkriegsgehälter erhalten. Die Beamtenverbände verlangen schon seit längerer Zeit gleitende Gehalts- und Lohnftalen. Es ist anzunehmen, daß auf Grund der ungenügenden Gehaltserhöhungen die Bewe gung unter den Beamten, die schon seit längerer Zeit zu bemerken war, erheblich zunehmen wird. Sozialgesetzgebung in Mexiko. In der südbayerischen Textilindustrie. München, 31. August.( Eigener Drahtbericht.) Am 11. Juli dieses Jahres fällte der bayerische Landesschlichter auf Drängen der füdbayerischen Textilindustriellen einen Schiedsspruch, der die Löhne der Arbeiter und Arbeiterinnen im Durchschnitt bis 3,75 Proz. herabsezte. Die Spizenlöhne betrugen seit Oktober vorigen Jahres 53,15 Pf. für die Arbeiter und 39 pf für die Arbeiterinnen, während die Afford- Durchschnittslöhne sich zwischen 60 und 70 Pf. bewegten. Dabei war noch zu berücksichtigen, daß die meisten Textilbetriebe in Südbayern verkürzt, und zwar 34 Stunden pro Woche arbeiteten. Unter diesen Umständen lehnte die Arbeiter, fchaft den Schiedsspruch ab, morauf einzelne Arbeitgeber ohne weitere Verhandlungen über den Kopf der Betriebsvertretung hinweg die Durchführung der neuen Lohnfäße zu erzwingen versuchten. Es fam in einzelnen Betrieben zur vorübergehenden Arbeitsniederlegung, so daß das Sozialministerium neuerdings ein griff und ein Offizialverfahren für neue Verhandlungen einicitete. Dieses endete munmehr mit der Fällung eines neuen Schieds pruches, mit deſſen Verbindlichkeitserklärung zu rechnen ist. Danach werden mit Wirfung vom 27. September ab die normalen Stundenlöhne, die tariflichen Akkorddurchschnittslöhne mit Ausnahme der Akkorddurchschnittslöhne in der Baumwollweberei sowie die Beiflohnzuschläge nach Maßgabe des Schiedsspruches vom Ottober 1925 wieder in Kraft gesezt. Die tariflichen Akkorddurchschnittslöhne in der Baumwollweberei sind gemäß§ 11 des geltenden Manteltarifvertrages von der Bezirksgruppe Südbayern der Reichsarbeitsgemeinschaft für die Textilindustrie innerhalb zweier Wochen neu festzusetzen. Gleichzeitig fönnen allgemein die Affordsäge in allen Betrieben im Benehmen mit dem Betriebsrat entsprechend dem Akkorddurchschnittslohn neu festgesetzt werden. Diese Lohnregelung fledtfit. 1( edigenheim), 5 Tr., Gruppenbesprechung. hat zunächst Gültigkeit bis März 1927. Die Rationalisierung in Rußland. Die Löhne werden gedrückt. Im„ Trud" vom 20. August 1926, Nr. 190, wird der Brief eines Arbeiters der Simski- Fabrik im Südural veröffentlicht. Der Briefschreiber erklärt u. a.: „ Im Laufe des ersten Monats der Sparsamkeitskampagne, die von unserer Fabrikverwaltung durchgeführt wird, hat sich der durchschnittliche Monatslohn eines Arbeiters auf 6,50 Rubel(!?) verringert. Es ist zu bezweifeln, ob diese unfluge Sparsamkeit die Merito, 31. August.( WTB.) Wie Associated Preß meldet, foll dem im September zusammentretenden merikanischen Kongreß ein Gefeßentwurf zur Durchführung der sozialen Bestimmungen der Berfaffung vorgelegt werden. Der Entwurf fordert die Gewinnbeteiligung der Angestellten, die Durchführung des Achtstundentages, eine Krankheits- und Unfallversicherung und weitgehende Vollmachten für die Betriebsausschüsse. ZDA.- Bezirksversammlungen. Seute, Mittwoch, 8 Uhr. Neukölln: Bürgerfederit tur Raulsborf: Restaurant Pech, Raulsdorf, Höhnower Str. 5. Brig: Restaurant Lüdtke, Briz, Chauffeeftr. 66( Dampferanlegestelle am Teltowkanal). Tegel: Restaurant Fechner, Tegel, Bahnhofstr. 12. Jugendgruppe bes 3b. Seute, Mittwoch, 7% Uhr, finden folgende Ber anstaltungen statt: Abt. Lichtenberg: Jugendheim Schule Goßlerstr. 61, Gruppenbesprechung. Abt. Neukölln: Jugendheim Nogatstr. 53, Gruppenbesprechung. Abt. Charlottenburg: Jugendheim Rosinenstr. 4, Bortrag: Freiheitskampf in China". Abt. Schöneberg: Jugendheim Hauptstr. 15( Frankenlandzimmer), Gruppenbesprechung. Abt. Wedding- Gesundbrunnen: Jugendheim Schönaramm. Freie Gewerkschaftsjugend. Seute, Mittwoch, 7% Uhr, tagen die Gruppen: Neukölln 1: Jugendheim Bergstr. 29, Hof. Wir beraten das Monaispro Schöneberg: Jugendheim Rubensstraße( Sportplag). Diskussion über Gewerkschaftliche Fragen". Südwesten: Jugendheim Bärwaldstr. 64. Aussprache über Berufsschulverhältnisse".( Rontrolle der Mitgliedsbücher). Rorben: Jugendheim Gartenplag 4. Seimbesprechung. Aussprache über Betriebsverhältnisse. Nordring: Jugendheim Eberswalder Str. 10. Heimbesprechung. Aussprache über die Anitation.( Berbandsbücherkonfrone.) Charlottenburg: Jugendheim Berliner Str. 137( Dtsch. Krankent.- Bers.). Be. ratung des Monatsprogramms. Berantwortlich für Politik: Dr. Curt Geger; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: J. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lotales und Sonstiges: Frik Rarfläbt: Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruderei und Verlagsanstalt Paul Singer u. Co. Berlin SW 68. Lindenstraße 3. Sierzu 1 Beilage und Unterhaltung und Wissen". Ausstattungs- Verkauf verbunden mit eines Ausstellung 3 und einem Dettbewerb: Der Tisch der frohen Stunden Leipziger Strasse Im I. und Ill. Stock/ Alexanderplatz Im 11. Stock von Der Tisch der frohen Stunden" Preisausschreiben in Höhen 5000 M. geramt für unsere Häuser plate Leipziger Strasse und Alexanderplatz Die Tische sind zusammengestellt von Berliner Hausfrauenvereinen, von Künstlern und Angestellten unseres Hauses für verschiedene Gelegenheiten, vom einfachen bis zum eleganten Tisch 1.Welcher ist der schönste Tisch? II.Von wem ist dieser Tisch zusammengestellt( von Vereinen, Künstlern oder Angestellten unseres Hauses)? III. Für welche Gelegenheit ist dieser Tisch bestimmt? 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Die Mark rechnet nur nach Millionen. Um diese Zeit ent« sieht der deutsche Unterhaltungsrundfunk. Nur beschränkte Mittel sind vorhanden. Abonnenten sollen erst gewonnen werden, eine ver- bältnismäßig schwere Ausgabe, da der chörer sofort S0 Goldmark Iahresgebühr zahlen muß. Da heißt es, mit den vorhandenen Geld- mittel» vorsichtig und sparsam wirtschafte». Em Zimmer im Z. Stock Potsdamer Straße 4 steht für den Aufnahmeraum zur Verfügung imd dieser muß noch mit dem TelcgraphentechnischeN Reichsamt geteilt werden, so daß eigentlich für die ausübenden Künstler nur ein Raum von 3,59 Meter Länge und 3,79 Breite bleibt. Der Raum wird durch gespannte Pferdedecken geteilt, an den Wänden Seidenpapier, später Scheuertücher. Die Decke teils durch Bindfaden. teils durch Papierbehänge.akustisch" hergerichtet. Ein Klavier, eine Sprechmaschinc, Stühle und Notenständer bilden das Mobilar und dann die Sensation: das.Sohle-Mikrophon*. So ring es los. Die Sprechmaschine wurde als Untersaft für das Mikrophon benuftt und wenn die Figur des Bortragcnden größer war, dann kam zwischen Untersatz und Mikrophon noch ein dickes Adreßbuch. Am 29. Oktober, dem Beginn des Unterhaltungsrund- funks, hatten wir null zahlende chörer! am 31. Dezember 1025. Aufstieg. Das Telegraphentechnische Reichsamt erhäll für seine Anlagen einen eigenen Raum. Die Funkstunde kann sich also„vergrößern". Der Aufnahmeraum ist jetzt 7 Meter lang und 3,79 breit. Die Wände und die Decke erhalten Friesvorhänge. Das„Kohle- Mikrophon" sst längst durch das„Telegraphen-Mikrophon" abge- löst. Ganz Vorzügliches leistet das„Kathodophon" und das„Bänd- chen"-Mikrophon. Zuschriften aus dem In- und Ausland. Nach eigenen Plänen wird ein neuer, moderner Ausnahmeraum in An- griff genommen(14 Meter lang und b,k9 Meter breit). Um die Weihnachtszeit sst er fertig. Es heißt Abschied nehmen von dem kleinen alten Raum, von dem sich die Funkstunde Berlin und das Reich erobert Hot. Bald nach Festsetzung der Teilnehmergebühren auf monatlich 2 Mark(April) setzt der Ausstieg ein. Im April noch 3529 zahlende chörer und am Ende des Jahres 229 592. 59 bis 69 Mann Orchester werden in dem neuen Raum bequem unterge- brachte die größten Sendespiele(mit 159 Mitwirkenden) wickeln sich glatt ob.. Die Akustik ist hervorragend und dazu das neue, alles weit in den Schatten stellende,.Reiß"-Mikrophon. Rastlos (größtenteils in 15-stündiger Arbeitszeit) ging der Betrieb die steile Bahn hinan: von Tag zu Tag wurde er umfangreicher. In diese Zeit fällt die Gründung des großen Funkorchesters und de» Funk- chore». Aber auch das neue chaus wird zu eng. Es heißt wiederum: Arbeitspläne machen. Ein ganzes Stockwerk wird hinzugenommcn. Ein großer Raum. 18 Meter lang und 9 Meter breit, wird für einen zweiten Aufnahmeraum bestimmt und die Maurer, Tapezierer, Tischler ziehen wieder ein. Pläne ensstehen, werden verworfen, neue skizziert und endlich auegeführt und so schließt dos Jahr 1925 Inmitten voller Arbeit und emsigster Bautätigkeit. ?m Jahre 1426 herrscht chochbetrieb auf der ganzen Linie! Der neue Raum wird mit cholztäfelung versehen, ohne jedoch die Stofsabdichtung gänzlich zu beseitigen. Siebensach abgesperrtes Ggbun. eine Abart von Mahagoniholz Eine Schiedmayer-Orgel steht für große Aufgaben bereit. Elektrische Anschlüsse für akustische Maschinen sind oorge- sehen. Eine Wasseranlage zur Erzeugung natürlichen Regens, für Bootsmotore und ähnliche Zwecke bewährt sich glänzend. Schall- dichte Zellen außerhalb des Saales ermöglichen akustische Beobach- tung. Und eines Tages ist alles fertig. Das erste größere Hörspiel: „Der akustische Film" erlebt im Beisein der Presse seine Erstaus- führung. Die Aufführung der Over„Tristan und Isolde" beweist die Tauglichkeit des neuen Raumes. Berlin hat unbestritten einen großen Erfolg. Ganz Deutschland, darüber hinaus Europa, versagt nicht die Anerkennung. Und doch ist alles nur ein Anfang. Auch der neue Raum wird einem noch größeren, noch umfangreicheren weichen müssen. Die Zahl der Rundfunkhöreb betrug am 1. August 1926 1 237 965, davon allein im Sendebezirk der Funkstunde 525 363. Die bei Beginn des deutschen Rundfunks von Staatssekretär Dr. Bredow aufgestellten Grundsätze sollen auch für die Zukunst Leit- motiv sein:„Der für die Allgemeinheit freigegebene Unterholtungs- rundfunk soll als kulturelle Angelegenheit betrachtet werden und dazu dienen, dem deutschen Volke Anregung und Freuhe ins Leben zu bringen. Seine Aufgabe besteht darin, allen Schichten der Be- oölkerung künstlerische und geistig hochstehende Vor- träge oller Art zu vermitteln. Die Lebensfähigkeit des Rund« funks ist bedingt durch die künstlerische und wissenschaftliche Höhe des Gebotenen und durch die vielseitige Ausgestaltung der Pro- gramme." » Natürlich kommt dabei olles auf die praktische Durchführung an und die sst nicht so ganz leicht wie die Funkstunde wohl schon erfahren haben dürfte. Charlottenburg heizt fern! Der im Frühjahr dieses Jahres von der Stadtverordneienoer- fammlung gefaßte Beschluß, das Fernheizwerk in Char- lottenburg zu einem Stadt herzwerk umzubauen, ist schnell in die Tat umgesetzt worden. Bereits im Jahre 1911 baute sich die damalige selbständige Stadtgemeinde Charlottenburg im Anschluß an das städtische Elektrizitätswerk ein kleines Fernheizwerk, das sich glänzend rentierte und das dazu bestimmt war, das am Wilhelmplatz befindliche R a t h a ü s zu heizen. Es dauerte nicht lange, und so wurden von dem Rohrnetz, das über die Spree durch die Reisstrahe über den Platz am Lützow ztrm Rathaus führt«, Abzweigungen in andere städtische Gebäude vor- genommen. Der Ausbau des städtischen Elektrizitätswertes imd seines Fernheizwerkes hat nunmehr Gelegenheit gegeben, eine ganze Reihe weiterer städtischer Gebäude an das Fernheizwerk anzu- chlicßen. Die Arbeiten sind in vollem Gange. In der Kirchhos- traße und in der Berliner Straße hat man wieder einmal den 'chönen Promenadenbürgersteig aufgerissen, und hunderte fleißiger Arbeiter sind dabei, die etwa einen halben Meter dicken Röhren, die die Dampfzuführung besorgen sollen, zu verlegen. Um das Stadt- heizwerk in vollstem Umfange rentabel zu machen, werden auch P r i o a t h ä u s e r an das Rohrnetz angeschlossen. Die Wirtschaft- lichtest für Hausbesitzer und Mieter steht außer allem Zweifel: 25} Die Sigurantin. Roman eine» Dienstmädchen» von Leon Frapiö. Autorisierte Uebersetzung aus dem Französischen von Kunde-Grazia. 15. Freitags gingen Herr und Frau Leroy regelmäßig nach- mittags aus und durch ein glückliches Zusammentreffen hiel- ten auch Albert Vorlesungen vom Hause fern. Uebrigens war das der Tag, wo der Fußboden gebohnt wurde. Den ersten Freitag im September ging alles nach Be- endigung des Frühstücks wie gewöhnlich aus: aber der Bohner hatte sagen lassen, daß er nicht kommen würde. Es war zwei Uhr. Paris erstickte in Sonne und Staub. Zum erstenmal fühlte sich Sulette als Herrscherin in der Woh- nung: sie öffnete alle Türen und begann langsam, die köstliche Ruhe genießend, von einem Zimmer ins andere zu schreiten. Die Möbel schienen vom Schlummer befangen: ihre geschnitz- ten und geschmackvollen Formen drückten jene Macht und Sicherheit aus, die den Reichtum bezeugt. Die geschlossenen Fenster brachten besonders die harmonisierende Gediegenheit der Gegenstande in ErscheinunH. Sulette gewann ihre Persönlichkeit wieder; sie hegte in sich die praktischen Gedanken des ehrgeizigen Mädchens, das seinen Teil an Wohlstand und Glück erobern will. Ans Ende der Wohnung gelangt, gestattete sie sich nicht, ihren Spazier» gang wieder zu beginnen und in der freundlichen und er- frischenden Atmosphäre eines jeden Zimmers sich zu baden. Durch die halb zugezogenen Vorhänge des Salons stahlen sich Sonnenstrahlen auf die verträumt dastehenden Palmen, auf die Blumen und Teppiche, und das war ein anderer Sonnenschein, als jener der Straße, ein ferner aus dem Lande der ewigen Sommer und duftenden Träume. In dem Sprechzimmer des Arztes maß der bäuerische Stolz Sulettes herausfordernd die imposante Zurschaustel- lung von Büchern, Schriftstücken und Instrumenten. Die Möbel normannischen Ursprungs im Speisesaal waren Vor- fahren. Landsleute mit pfiffigem und geduldige� Ausdruck, man war oersucht, ihnen verständnisinnig zuzuwinken. Es schlug 3 Uhr. Obgleich Paris den brausenden Lärm seines ungeheuren Verkehrs hören ließ, lauschte Sulette, wie wenn man nachts in seinem Bette wacht— auf das tiefe Schweigen des Hauses, sie vernahm das Ticktack einer Uhr im Toilettenraum und das kaum hörbare Summen sich paaren- der Fliegen.. Plötzlich... ein lesses Geräusch... das war nicht das Knacken eines Möbels: der Schlüssel der Vorzimmertür wurde mit Vorsicht gedreht. Albert kehrte zurück und huschte ge- heimnisvoll in sein Zimmer. Sulette oersank sogleich wieder in den Zustand des unter- drückten, verschüchterten Mädchens, sie zitterte und blieb mit offenem Munde in der Mitte des Toilettenzimmers stehen, die List Alberts ahnend. Dann flüchtete sie sich in die Küche und postierte sich dort, angestrengt, bewegungslos lauschend, ihr Herzschlag setzte aus. Sie oersuchte Kaltblütigkeit zu bewahren, aber plötzlich überfiel eine Glut den ganzen Körper, sie vermochte nicht mehr nachzudenken, das Gedächtnis schwand, die Dinge der Um- gebung wurden undeutlich vor ihrem Blick. Ewas später hörte sie Albert, trotzdem er die Schuhe aus- gezogen hatte, durch die Zimmer schleichen. Da machte sie mit vorgestreckten Händen nach rechts und links die ruckartige Bewegung eines Menschen, der nicht weiß, wohin er fliehen soll; sie warf sich gegen die Küchentür, kein Schlüssel, kein Riegel! Ganz kopflos geworden, stürzte sie, statt zu warten und— gegebenenfalls sich zu verteidigen—, um Hilfe zu rufen, in den nach dem Salon führenden Komdor; das war die richtige Art, sich auszuliefern. Albert drang, überrascht, niemand in der Küche zu finden, von Zimmer zu Zimmer mit den großen Schritten des Spio- nierenden vor. Die feuchten Schuhe des Dienstmädchens eilten so schnell und so leicht dahin, daß er einen Augenblick die Wohnung leer glaubte. Er rief gellend:„Sulette, Su- lette!" Keine Antwort. Aber bald klärte ihn der Duft des weiblichen Körpers und die Erschütterung der Luft auf; er nahm einen Atemzug war, einen Schatten, und plötzlich begriff er: Sulette flüchtete vor ihml Sie erwartete also etwas Gefährlicheres als die Tändeleien der anderen Tage?... Augenblicklich entzügelte sich feine noch zaghafte Kühnheit vollständig: der Moment des letzten Ansturms nahte: es war offenbar, daß nur ein einziger Preis die Niederlage der wieder eingefangencn Flüchtigen bezahlen tonnte. Er stürzte wie wahnsinnig vor- wärts. Eine wütende Hetzjagd setzte ein: die Herzen schlugen zum Zerspringen. Wie wahsinnig durchraste das Mädchen immer die nämliche Strecke: den Korridor, das Entree, den Salon, das Sprechzimmer des Doktors, den Speisesaal, die Schlaf- kammern. Toiletten und die Küche, die wieder in den Kor- ridor zurückführte. Windstöße entwickelten sich: von dem Fliegen der Röcke gerieten die Vorhänge in Bewegung. gingen in die Höhe; man hätte sogen können, es seien Leute, die Ah! riefen und dann ihxe Hände wieber sinken ließen. Dunkle Schauen glitten über die Flächen der alten normannischen Möbel.' Von solch ungeduldiger Raserei war der junge Mann er- füllt, daß er von der geraden Fährte nicht ablassen konnte; er verfiel nicht auf den Gedanken, einfach innezuhalten oder die Richtung seiner Jagd zu ändern, so daß die von Sinnen gekommene ihm gerade in die Arme stürzen mußte. Seine Kehle war wie zugeschnürt und ließ einen dumpfen, heiseren Laut oernehmen, die Kiefer preßten sich aufeinander, Rase und Kinn schoben sich vor. die Nasenlöcher strömten den Atem hastig in kurzen, heißen Stößen aus. Minuten verrannen, die Palmen erbebten, Staubwolken wirbelten auf, die kleineren Möbel fingen zu schwanken an. Albert wurde jetzt den Rücken Sulettes gewahr, aber sie schien ihre Kraft, als sie seine Nähe fühlte, zurückzugewinnen; er hätte ihr, gleichgültig was, nachgewogen, um sie auf den Boden zu bekommen. Endlich war fein Atem erschöpft; er stieß heftig gegen einen Fauteuil, die Gegenstände drehten sich, tanzten, stürzten vor seinen Augen zusammen, er fühlte sich schwach werden, streckte seine Hände nach vorwärts, nach irgendeinem Stütz- punkt aus, und Sulette war es, welche sie erfaßten, hie ohn- mächtig gewordene, an den Türvorhang des Salons sich klam- mernde Sulette. Er konnte sie noch niederwerfen, aber Seite an Seite mlk ihr auf den Teppich gesunken, blieb er lange Zeit, durch das siedende Blut, das fast die Adern sprengte, gelähmt, eher mit gefangener als angriffslustiger Hand liegen. In Sulette kam zuerst wieder Leben. Tränen drangen unter ihren gesenkten Wimpern hervor, sie zitterte an allen Gliedern, ohne sich trotzdem von dem Griff der zusammen- gekrampften Hand zu befreien. Im Gegenteil empfand sie wie nach einer großen Anstrengung schmerzliche Sehnsucht, sich auszustrecken, es schien ihr, als verhindere dieser Stütz- Punkt, daß das Leben von ihr wiche. Plötzlich wurde Albert wieder lebendig. Ein tiefer Atem- zug erfüllte seine Brust mit neuer Kraft, er richtete sich empor — und— wie ein Hahn— packte er Sulettes Kopf, seine Nase in ihren Hals dicht am Ohr vergrabend. „Ach. aber nein!" Gerade dieser Schrei Sulettes. der in der leeren Wohnung noch lauter erklang, und zugleich ihr unbedachter Versuch, sich in die Höhe zu richten, waren es. welche dem mühevollen Ansturm Alberts Bresche schlugen. Und es war zu spät, als sie die Wangen ihres Ueberwinders blutig biß. In einem schräg hereinfallenden Sonnenstreifen tanzten tausend von der Jagd aufgewirbelte Staubteilchen. Eine tiefe Stille ruhte wieder über der Wohnung: von der Straße vernahm man das verworrene Brausen des Pariser Lebens. (Fortsetzung folgt.) einzig die erstmaligen Anschaffungskosten find etwas hoch. Sie be� tragen für ein grohcs �aus, das bereits eine' Zentralheizung besitzt, etwa öftOO bis 8000 Mark. Am leichtesten ist der Anschluß natürlich bei Neubauten. Die Wörmeverluste in der mehrere Kilometer langen Rohrleitung sind infolge der guten Isolation sehr gering: sie betragen vom Heizwerk b's in die Verbrnilcherstellen höchstens zwei Grad. Gelbst an der Stelle, wo die Rohren beim Siemenssteg über die Spree geführt werden, besteht im Winter nicht einmal eine Aiost gcfohr. Die Arbeiten werden so beschleunigt, daß bereits in diesem Winter neben de» bisher beheizten Gebäuden auch das Opern- Haus, die V o l k s b a d e a n st a l t in der Krummen Strohe, die großen Schulanlagen in der Wilmersdorfer Straße und noch andere städtische Gebäude ani Wilhelinplatz beheizt werden können. Der Ausbau des Stadtheizwerkcs und seines Rohrnetzes wird mit dem steigenden Bedarf weiter ersalgen, so daß die Zeit nicht mchr»fern erscheint, in der umfangreiche Gebiete Charlottenburgs von deni Stadthcizwerk mit Wäime beliefert werden. Die berliner Lustbarkeitssteuer. Neuregelung der Sinosieuer.— Herabsetzung der Steuern für künstlerische Veranstaltungen. Der Stadtverordnetenversammlung liegt eine Borlag« über «inen Nachtrag zur Berliner Bergnügungsste.uer» o r d n u n g vor. der infolge der Aenderungen der Reichsrats- bestimmungen über die Bergnügungssteuer vom 10. Juni 1926 tReichsgesetzblatt I S. 259 ff.) notwendig geworden ist. Di« Haupt- Neuerungen der Reichsrotsnovelle bestehen in einer Neuregelung der Kino st euer und einer Herabsetzung des Steuer- sctzcs für künstlerisch hochstehend« B e r a n st a l< t u n ge n. Für die Lichtbildvorführungen wird die bisherig« Befugnis der Gemeinden, die Steuersätze nach freiem Ermessen zu bestimmen, stark eingeschränkt. Im einzelnen kommen folgend- Steuersätze in Frage: Bei einem Beiprogramm'' von mehr als ZW Meter künstlerischem oder vollsbildendem Film 1Z Proz. Macht der privilegierte Film mehr als ein Biertel der Gesamtlänge der vorgeführten Filme aus, so ermäßigt sich der Steuersatz auf � 12'/« Proz., beträgt er mehr als die Hälfte, so sinkt die Steuer auf 10,7 Proz. und nimmt er mehr als drei Viertel der Gesamtlänge ein, so beträgt die Steuer nur 9 Proz. Ist der privilegierte Film als Lehrfilm anerkannt, so werden die Steuersätze noch weiter gesenkt. So beträgt bei einem Beiprogramm mit mehr als 100 Meter Lehrfilm die Steuer nur 12 U Proz. und sinkt se nach dem Umfang des Lehr- stlms bis auf 8U Proz. bzw. bis zur Steuerfreiheit. Diese Senkung der Bergnügungssteuer für die Lichtbildtheater gegenüber der bis- iherigcn Steuerordnung bedeutet einen Cinnahmeausfoll von etwa 1 Million. Durch eine entsprechend« Gestaltung der Ausführungs- bestimmungen wird im Interesse der notleidenden Artisten dafür Bor- sorge getroffen werden, daß ein« Einschränkung der jetzt vielfach üblichen sogenannten Bühncnschau aus steuerlichen Gründen ver- mieden wird. Bei den künstlerisch hochstehenden Beronstal- t u n g« n Hot die Reichsratsnovelle an Stell« des bisherigen Einheits- satzes von 10 Proz. brutto einen Normalsatz von 5 Proz. brutto ge- bracht, der von den Gemeinden bis zu 3 Proz. über- und mn 2 Proz. »unterschritten werden darf. Auch hier mußte aus denselben Gründen der Höchstsatz von 8 Proz. in die Steuerordnung eingestellt werden, eine Senkung von 10 Proz. auf 8 Proz. hat einen weiteren Einnahme- ousfall von 350 000 Mark zur Folge. Eine andere Aenderung betrifft die Besteuerung von Volks- belustigungen aller Art auf nichtständigen Vergnügungsplätzen, insbesondere bei Jahrmärkten, Messen, Volksfesten, Schützensesten usw. Für diese Veranstaltungen ist künstig nur die Pauschsteuer nach einem Diekfachen des Einzelpreises und für den ganzen Tag zu erheben. Üleben diesen durch die Reichsratsnovelle vorgeschriebenen Aende- rutzflen wird in dem Nachirag« zur Steuerordnung eine B«- steuerung der Spielklubs mit 10 Proz. der Rohsinnahm« efttö'1 dem Spiel vorgeschlagen. Für eine solche Besteuerung kommen in Berlin zurzeit etwa 80 der Polizeibehörde bekannt« und erlaubte Spielklubs in Frag«, in denen fast ausschließlich dem Ecartä- spiel gehuldigt wird, einem Spiel, welches noch reichsgerichtlicher Ent- scheidung kein Glücksspiel ist und deshalb ohne Verstoß gegen die Strafvorschriften überall ausgeübt werden kann. Die„Reichsbankgläubiger�. Eine stürmische Versammlung nach dem Urteil. I- Als Finale der Verhandlung gegen den Vorsitzenden des '„Reichsbankgläubigeroerbandes", Gotthard Roll, und seiner wegen schwerer Beleidigung des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht erfolgten Verurteilung zu einer Geldstrafe gab es abends im„Deutschen Hof", � Luckauer Straße, eine öffentliche Versammlung. Als Veranstalter zeichneten„Der Verein der Reichsbankgläubiger" und die„Reichspartei für Aufwertung und Recht e. V." Der tragische Held des Tages— Gotthard Roll— schilderte als Einleitung die „Ungerechtigkeit" des Richterspruches. Als hiernach der Führer eines Verbandes für Vcrsjcherungsaufwertung sich in hysterischen Angriffen auf Regierung und Reichsbant erging, kam es zwischen den Versammlungsteilnehmern zu heftigsten Zusammen st ößen, die sogar in T ä t l i ch k c i te n ausarteten. Der Redner, der diesen Aufruhr verursachte, rühmte sich, dem Reichsbankpräsidenten die schwersten Injurien an den Kopf geworfen zu haben, ohne vom Beleidigten jemals zur Verantwortung gezogen worden zu sein. Auch jetzt ließ er seinen Gefühlen wiederum freien Lauf und bezeich- nete Dr. Schacht als den Urheber der ganzen Jnflationsmisere. Ein anderer Redner kündete für den 19. September«ine öffentliche Demon st ratio» im Lustgarten an im Sinne einer in Frank- furt a. d. O. bereits stattgehabten Veranstaltung gleichen Stiles. Ein Provinziallandtagsabgeordncter plädierte im Namen aller„an- ständigen deutschen Männer" für Beleidigung der Gegnerschaft. In welcher Form er sich eine solche denkt, war allerdings' nicht zu er- fahren. Gotthard Roll wurde dann unter ungeheurem Beifall der tobenden Menge in die Ehrentafel der„Märtyrer" ausgenommen. Durch Geldspenden soll ein Forfd gegründet werden, um die Geld- strafen verurteilter Mitglieder aus der„Bereinskasse" decken zu können. Im Laufe des Abends wurden die angefeuerten Gemüter immer erregter, die Drohungen und Beschimpfungen der Gegner immer wüster, und wer es wagte, zu widersprechen, dem riß man 'buchstäblich die Kleider vom Leibe. Der Radikal-Redner für Ber- sicherungsaufwertung schuf schließlich eine derartige Gewitter- oimosphäre, daß die Versammlung ohne Distuffionsgelegenheit in später Nachtstunde kurzerhand geschlossen werden mußte. Sechs Fälle von Kinderlähmungen in Potsdam. Auch in Potsdam und in den in der Nähe gelegenen i Werder und K l e i n- G l i«n i ck e sind, wie jetzt erst be- ! kannt wird. Erkrankungen von Kindern an spinaler Kinder- j lähmung eingetreten, und zwar handelt es sich um ins- gesamt sechs Fälle. Zwei von diesen Erkrankungen liegen bereits fünf bis sechs Wochen zurück, und die Kinder,«in : etwa 8 Monate altes Mädchen Aster Kagel und ein einjähriger j Knabe Gerhard Kettner wurden im Städtischen Krankenhause ! Potsdam behandelt und konnten bereits vor einigen Tagen wieder au» der Infektwnsstation entlasten werden. Die Krankheit hat keine allzu schlimmen Folgen hinterlassen, denn es ist den ärztlichen De- mühungen gelungen, die gelähmten Glieder der Kinder bis zu einem hohen Grade wieder beweglich zu machen. Ein dritter Fall, der gleichfalls nicht allzu gefährlich aufgetreten ist, hat sich in Werder ereignet. Das erkrankte Kind wurde zu Haus isoliert, um eine Ver- breitung der Krankheit zu oerhindern. Die übrigen drei Falle liegen zurzeit noch im Iosephs-K rankenhaus in Potsdam. Unter diesen Erkrankungen, die etwa 14 Tag« zurückliegen, befindet sich auch est, Geschwisterpaar aus Potsdam und zwar ein 18jähriges Mädchen und deren 19jShrig«r Bruder. Dieser Fall kann als äußerst selten bezeichnet werden, da sonst nur Perjonen im jugendlichen Alter von den Krankheitserregern befallen werden. Bisher ist es noch nicht möglich gewesen, Art und Quelle der Er- krankuugen festzustellen. Lediglich ist bisher bekannt geworden, daß eines der Kinder die Krankheit höchstwahrscheinlich aus einem Badeort nach Potsdam mit eingeschleppt hat. Wie ver- sichert wird, bestehen keinerlei Besorgnisse, daß die Kinderlähmung epidemischen Charakter annehmen werde, da sofort sämtliche sani- tären Maßnahmen, wie Isolierung der Erkrankten usw., ergriffen worden sind._ Ankunft und Abfahrt des zweiten Russenfliegers. Moskau— Berlin— Paris— Rom— Wien— Warschau. Diesmal ist der Rüste wirklich zum angesetzten Termin gekom- men. Wenn wir genau sein wollen: Fünf Minuten früher sogar. 12.20 Uhr am Mittag kam er in schnellem Flug von Osten über den Platz, im Sonnenlicht blitzten die fauchenden Propeller. Ein silbern Leuchtendes rollt über den Boden, das angekündigte z w e N e russische Stoatsslugzeug, diesmal ein Militär- f l i e g e r, hat seine Zwischenlandung glücklich ausgeführt. Punkt- lich um 2.27 Uhr nachts ist der Pilot G r o m o w mit seinem Bordwart im fernen Moskau gestartet, um 8 Uhr landeten sie in Königs- berg, nach einstündiger Pause ging die Fahrt weiter und nun waren sie für zwei Stunden in Berlin. Es ist ein P r o p a g a n d a s l u g für die russische Flugzeugindustrie. Am Dienstag abend hofften die Russen in Paris zu landen, am Mittwoch, also heute früh, soll es weiter nach Rom,-Wien, Prag, Warschau und zurück nach Moskau gehen. Der Rüste, mit den Initialen der UdSSR. und dein„Proletarier aller Länder, vereinigt euch" im roten Kranz, ist ein offenes„Aoiachim".Flugzeug, in der Bau- ort vielleicht nicht ganz unähnlich unseren Beobachtungsflugzeugen im Kriege, jedoch mit weit breiterem Rumpf und kürzerem Schwanz. Das Flugzeug ist übrigens rein russische Konstruktion mit einem englischen 450 LZ-Napir-Mator. Der Apparat ist ganz aus Metall und erinnert in seiner Wellblechmontierung an die Iunkersmaschinen. Auf dem Flugplatz hatte man die Sowjetslagge mit Hammer und Sichel, die schwarzrotgoldene Reichssahne und die Berliner Stadt- sahne gehißt, außerdem auch noch, vermutlich weil Berlin eine Flug- b a f e n stadt ist, die schwarzweißrote Handelsflagge. Eine stattlich« Gesellschaft Halle sich versammell, um die beiden russischen Piloten zu begrüßen. Der Botschaftsrat der Sowjetgesandtschast, B r a t m a n- B r o l o w s k i, begrüßte seine Landsleute. Weiterhin sprachen vor und bei einem von der Lufthansa zu Ehren der Russen gegebenen Imbiß die Direktoren Fette von der Deruluft und W r o n s k i von der Lufthansa, die beide ein hoch auf die deutsch-russische Lust- freundschast ausbrachten. Sie hoffen, daß dieser Russenslug sowie der Ostasienflug der Lusthansa Deutschland und Rußland einander näherbringen und verknüpfen werden. Der russische Militärattache Mit Grabbes.Herzog Theodor von Gothland" beginnt der Rundfunk seine Serie„Das deutsche Drama aus zwei Jahrhunderten". Lange von der deutschen Bühne vergessen, erlebt Grabbe augenblicklich seine Wiedergeburt, beherrschte in der legten Saison beinahe die Berliner Theater. Ein lebender Protest. ungezügelt in seinem Leben, leidend unter den Kleinlichkeiten des Dofeins, gegen die er sich immer wieder mit ätzender. Ironie wendet. die er mit wildem Hohn übergießt, greift Graub« in seinen Dramen nach den bekanntesten Figuren der Weltgeschichte oder der Literatur: hannibal, Napoleon, Faust, Don Juan oder Barbarosta. Warum spielt man ihn heute? Man fühlt hier eine Wahlverwandtschaft mit seinem Trotz, mit seiner Verneinung des Bestehenden, mit seinen haß gegen alles Durchschnittliche. Als Einführung zu dem Sende- spiel war der erste Teil des gestrigen Abendprogramms gedacht. Julius B a b dozierte das Leben de» Dichters, gab ein« Analyse seiner Schöpfungen und suchte Zusammenhänge zwischen Grabbe und der Gegenwart. Werner K r a u ß rezitierte aus den Werken, zuerst den Monolog des Herzogs von Gothland. Aber hier fehlle das ver- zehrende, stürmende Temperament, das dies« Anklagen heraus- schleudert, besser die Ansprache Napoleon» und unerreicht die Szene des Königs Prusias aus dem„hannibal", die Krauß mit verschleim- ten Pathos und koketter Würde sprach. Etwas Dozierendes haftete den ganzen Darbietungen an, im Grunde wollten sie aber auch nichts weiter sein als eine Einführung. Nach dem stürmenden Grabbe zwei Klassiker der Sonate: Händel und Bach, ruhig, abgeklärt und formvollendet. Beseelt war der Vortrag des Flötisten Friedrich Thomas, den Seidler-Winkler mit feinster Einfühlung begleitete. Das Nachmittagskonzert dagegen war nicht einmal für ein mittleres Cafe genügend. Das Rundfunkprogramm. Mittwoch, den 1. September. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 3 30 Uhr nachm.; Jugendbühne(Unterhaltungsstunde). Die Funkprinzesssin erzählt:„Von Engeln und Teufelchen". Die Funkprinzessin: Gertrud Nube 4 30— BUhrabends; Naoh- mittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Franz v. Szpanowski. Anschließend: Ratschläge fürs Haus. Theater- und Filmdienst. 6.30 Uhr abends: Kriminalschriftsteller Ernst Engelbrecht:„Kriminalistische Streifzüge durch süddeutsche Städte". Vortragsreihe anläßlich der großen Deutschen Funkausstllung Berlin 19-26. 7 Uhr abends: Dr. Michel:„Die große Deutsche Fnnkausstellung, die größte Funkausstellung der Welt". 7.30 Uhr abends: Dr. Alfred Kerr: Einführung zu dem Sendespiel„Herzog Theodor v. Gothland". 8 Uhr abends: Sendespiele.„Das deutsche Drama aus zwei Jahrhunderten"(in Gegenüberstellungen). I. Grabbe— Wedekind.„Herzog Theodor von Gothland". Tragödie in fünf Akten von Chr. Dietrich Grabbe. Für den Rundfunk bearbeitet von Klabund und Alfred Braun. Musik von Kurt Weill. Dirigent: Bruno Seidler-Winkler. Regie: Alfred Braun. Olaf. König der Schweden: Theodor Laos: Der alte Herzog von Gothland: Artur Kraußneck; Theodor, Herzog von Gothland, Kronfeldherr: Werner Krauß; Friedrich. Herzog von Gothland, Reichskanzler: Lothar Müthel; Graf Skiold: Ferdinand Gregori; Cäcilia, seine Tochter, Gemahlin Theodors von Gothland: Johanna Hofer: Gustav, ihr Sohn: Veit Harlan; Graf Holl: Oskar Ingenohl; Graf Arboga; Robert Müller; Bjöm, ein schwedischer Hauptmann: Gert Briese; Erik, Burgvogt Theodors von Gothland: Otto Eggert; Rolf, Diener Friedrichs von Gothland: Bruno Fritz; Berdoa, ein Xeger. Oberfeldherr und Oberpriester der Finnen: Walter Franck; Usbeck, Feldherr der finnischen Reiterei: Meinhart Maur; Rossan, Irnak, Feldhorrea der finnischen Infanterie: Amandus G rohmann, Stefan Lux. Volk; schwedische Große; schwedische und finnische Hauptlente und Soldaten; russische, norwegische und deutsche Krieger usw. Der Ort der Handlung ist Schweden Berliner Funkorchester. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Füm- dienst, Königswusterhansen, Mittwoch, den 1. September. 1.16—1.40 Uhr nachm.: Lektor Granderu. Walinsky: Französisch für Schüler. 3— 3.30 Uhr nachm.: Stud.-Rat Friebel und Lektor Mann: Englisch für Anfänger. 3 30— 4"Uhr nachm.: Stud.-Rat Friebel und Lektor Mann: Englisch für Fortgeschrittene. 4 bis 4.30 Uhr nachm.: StucL-Rat A. Domer: Die Behandlung der Bruchrechnung. 4.30—5 Uhr nachm.: Mitteilungen des Zentral- institntes. 5—5.30 Uhr nachm.: Dr. Max Winkel: Wasser, Luft, Sonne als Faktoren der Ernährung. 5.30 Uhr abends: Ueber- tragong aus Berlin. ßunjeff revanchierte sich, indem er die LustHmsta hochleben ließ. Ferner waren anwesend: Legationsrat v. Bibra vom Auswärtigen � Amt, Geheimrat Fisch vom Reichsverkehrsministerium sowie ein Vertreter des Reichswehrministeriums, ferner herb D a w i d o f f, der russische Direktor der Deruluft. Um 2.29 Uhr starteten die Rüsten, um die Weiterfahrt nach Paris anzutreten. uf dem ehemaligen Müllabladeplatz in der Londoner Straße. Der Boden bestand aus Hausmüll. Asche und Schlacke und erreichte eine Mächtig- keit bis zu zwei Meter. Achtunggebietende Erzeugnisse sind, wie die Aussteller zeigen, diesem Boden in wenigen Iahren abgerungen worden. An Ehrenpreisen sah man solche der Baumschule Spaeth, des Ministeriums für Landwirtschaft, Domänen und Forsten, der Landwirtschaftskammer Brandenburg, des Magistrats Groh-Berlin durch das Bezirksamt Wedding und was besondere Freude auslöste, eine vom der Stadt Wien gestiftete bronzene Medaille. Die Ausstellung wird sicher starke Anziehung»- und Werbekraft ausüben. vi« ,.Vorwörts"'Spedillon für Licht erfelde-Ost und Lankwitz be- findet sich bei Wenzel, Zietenstr. 15, G. III. Fernsprecher: Lichter- felde 2793. Ein ungetreuer Postbeamter. Mit 19 999 M. Amtsgeldern ist der 38 Jahre alte Postassistent Paul Becker aus der Stargarder Straße 33 geflüchtet. Der Ungetreue war bei einer Verteilung»- stelle beschäftigt und erhiett Montag früh den Auftrag, vom Post» a m t W. 15 das Geld abzuholen, kam aber damtt nicht auf seine Dienststelle zurück. Die Untersuchung ergab, daß Becker den Streich von langer Hand geplant und vorbereitet haben muß. Es wirö alle Tage schöner auf üer Eisenbahn« vier Eisenbahnunfälle in 24 Stunden. Vor kurzem konnte man noch von den„täglichen Eisenbahn- Unfällen in Frankreich" hören. Jetzt sind wir in Deutschland schon so weit, daß wir in einem Zeitraum von 24 Stunden vier Eisenbahn- Unfälle registrieren können. In der Nacht zum Dienstag entgleiste di« Lokomotive des Zuges v 237 Stuttgart- Berlin mtt der vordersten Achse bei Kilometer 153 der Strecke Probstzella— S aa l f e l d, wahrscheinlich infolge eines Schadens an der Lokomotive. Personen wurden nicht oerletzt. Der Zug erlitt eine Verspätung von 2VH Stunden.— Aus dem Hauptdahnhof in Frankfurt a. M. fuhr eine Lokomotive bei der Ausfahrt auf einen unbesetzten Speisewagen auf. Ein an diesen gekoppelter Packwagen entgleiste. Der Speisewagen stürzte um und wurde stark beschädigt. Personen sind nicht zu Schaden gekommen.— Auf dem Bahnhof N i ede r w o h lste d t in der Nähe von Frank- furt entgleiste die Lokomotive eines ausfahrenden Personenzuges. Der Zug hatte l'A Stunden Verspätung.— Am 39. August nachmittags 5,59 Uhr entgleist« bei der Einfahrt In Oppau— Edigheim der Packwagen und ein Personenwagen des schmal- spurigen Lokalzuges L u d w i g s ha f« n— F r a n k« n t h a l. Verletzt wurde niemand. Di« Entgleisungsursache konnte noch nicht feftgcftcllt werden. Mit Recht bemerkt die„Vossisch« Zeitung" dazu: Die Geschichte von den geheimnisvollen Eisenbahnattentätern verfängt nun nicht mehr. Auch die harmlosesten Gemüter werden allmählich auf den Ge- danken kommen, daß in dem Berich« des Herrn Dorpmüll«: ver- ichiedenes sehr faul sein muß. Anstatt Beamte abzubauen und Panzerwagen herzustellen, sollte sich die Eisenbahnverwaltung mal um den schadhaften Oberbau etwas mehr als bisher kümmern. Be- sonders die Strecke Leipzig— Hof, auf der man während der Schaukelfahrt jede Minute eine Entgleisung befürchten muß, scheint uns in höchstem Grade verdächtig zu sein." Eine ebenso gefährliche Schaukelfahrt ist übrigens auch die Strecke hinter Probstzella— Ludwigsstadt, von der höh« des Thüringer Waldes hinunter nach Bamberg. Der fünfte Eisenbahnunfall. Ein ganz merkwürdiger Zufall will es. daß, nachdem wir die in vorstehenden Zellen enthaltene Warnung bezüglich der Streck« Probstzella— Bamberg niedergeschrieben, in später Nachtstunde die Nachricht von einem Unglück auf eben dieser Strecke kommt. Wie au» München gemeldet wird, sind bei Bamberg fünf Wagen eines Güter- zuge» entgleist. Die Strecke Bamberg— Lichtenfels wurde dadurch für einige Zeit gesperrt' und die Berlin- Münchener Schnellzüge wurden über Schweinfurt umgeleitet. Die Störung soll jedoch inzwischen bereits wieder beseitigt sein. Verbrecherunwesen in Oberschlesien. Banditen drangen in die Postagentur in L e u b a r bei Neustadt(O.-S.) ein und raubten etwa 499 Mark von den dort verwahrten Geldern. Di« Post- h a l t e r i n und deren Mutter, von denen die Täter bei ihrer Arbeit anscheinend überrascht wurden, fand man heute früh mit durchschnittener Kehle tot im Postraum aus. Umsatzsteigerung der Konsumvereine. Ein Zeichen steigender Kaufkraft? Die Umfäge im 3entralperband deutscher Ron| sumvereine sind gegen das Vorjahr wesentlich höher. Auch im Juli d. J. ist gegenüber den drei vorangegangenen Monaten der durchschnittliche Wochenumsatz pro Mitglied auf 4,85 m. gestiegen, ein Betrag, der nur im letzten Weihnachtsmonat Dezember 1925 und im März d. I. einmal überschritten wurde. Nun hat man in der letzten Zeit in einer Reihe von Verbänden die Listen von solchen Mitgliedern gereinigt, die in den letzten Jahren ihren genossen. schaftlichen Berpflichtungen nicht nachgekommen sind. Bezieht man die Umsätze auf diese verminderte Zahl von Mitgliedern, jo nimmt fich der Wochenumsay pro Kopf noch etwas größer aus, er beträgt dann 5,06 m. pro Kopf im Juli dieses Jahres. Die anhaltende Steigerung der Umjäge in den Konsumvereinen hat inzwischen einen Teil der Deffentlichkeit zu dem Schluß veranlaßt, daß die Kaufkraft der deutschen Bevölkerung wesentlich gestiegen sei. Diese unkritische Aufnahme einer für einen bestimmten Zwed aufgemachten und in besonderen Betriebsverhältnissen begründeten Statistik hat sogar in dem letzten Bericht des Reparationsagenten ihren Niederschlag gefunden. Es ist daher von Interesse festzustellen, daß die Konsumgenossenschaften selbst in dieser Frage anderer Meinung sind. Der bekannte Führer der deutichen Konsumgenoffenschaftsbewegung, Heinrich Kaufmann, schreibt bazu in der nächsten Nummer der„ Konsumgenossenschaftlichen Rundschau" folgendes: In einigen bürgerlichen Zeitungen ist aus der Wochenumsatzstatistit unseres Zentralverbandes der Schluß gezogen worden, daß bie Konjumtraft in Deutschland in letzter Zeit außerordentlich er. ftarkt fei und sich im ständigen, regelmäßigen Steigen befinde. Diese Schlußfolgerung schießt weit über das Biel hinaus. Der Tiefstand, in dem sich die deutsche Volkswirtschaft befindet, hat natürlich eine Einschränkung des Konfums der breiten Maffen des Volfes im Gefolge. Wie weit diese jedoch in den Umfäßen der Konsumgenossenschaften sich auswirkt, ist eine andere Frage. Richtig ist, daß die Arbeitslosenunterstützung erheblich höher ist als der wöchentliche Durchschnittsumfaß, so daß also an fich ein Rüdgang des Umsatzes in den Konsumgenossenschaften nicht unbedingt in Frage kommen müßte. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, daß es sich in unserer Statistit um Durchschnittszahlen handelt. Nicht wenige Familien decken ihren ganzen Bedarf in der Konsumgenossenschaft. Wenn eine solche Familie von Arbeitslofig teit betroffen wird, so schränkt sie naturgemäß ihren Konsum ein und ihr Umsatz bei der Konsumgenossenschaft geht zurüd. Wiederum aber ist zu beachten, daß die Konsumeinschränkung nicht in erster Linie in der Einschränkung des Konjums in Nahrungs- und Genuß mitteln, die von den Konsumgenossenschaften hauptsächlich geführt werden, sondern in dem Konsum von Bekleidungsgegenständen und Hausstandsartikeln aller Art sowie in den sonstigen Ausgaben zum Ausdrud fommt. Auch die Spareinlagen der Mitglieder ermög. lichen, wenigstens bei vorübergehender Arbeitslosigkeit, die Aufrecht. erhaltung des bisherigen Konjums. Ebenso darf nicht unberücksichtigt bleiben, daß die Berbesserung der genossenschaftlichen Arbeitsmethoden unauf. haltsam fortschreitet, baß infolgedessen die genossenschaftliche Leistungsfähigkeit zunimmt und damit auch der Anreiz, den Be darf der Familie in den Verteilungsstellen der Konsumgenossenschaf ten einzubeden. Ferner ist nicht unbeachtlich, daß Arbeiterfamilien, die fich in gesichertem Einkommen befinden, bei Privathändlern, Bädern, und Schlächtern, bei denen sie befannt find, leicht Rredit erhalten, Auf Grund dieses Rredits wird im Falle der Arbeitslosigkeit der Umfang des bisherigen Konjums beibehalten, bis die Glaubiger energisch auf Bahlung brängen. Dadurch wird tie bor. gende Hausfrau verschnupft und wenn sie nun doch keinen Kredit Wir mehr genießt, so geht sie den ewigen Mahnungen und den unfreundlichen Mienen aus dem Weg und trägt ihr Geld in die Verteilungs stellen der Konsumgenossenschaft, wo sie besser und billiger bedient wird. Endlich darf der Wert unserer ununterbrochenen genossen find bestrebt, unsere Mitglieder zu bewußten Konsumenten zu er schaftlichen Erziehungsarbeit nicht verkannt werden. ziehen und sie immer fester an ihre Genossenschaft zu feffeln." Alle diese Momente tönnen sehr wohl dahin führen, daß bei einem Rüdgang des allgemeinen Boltston sums doch der wöchentliche Durchschnittsumsatz in den Konsumgenossenschaften eine steigende Tendenz aufweist. 3ft hingegen in einem Bezirk die große Mehrzahl der Einwohner schaft genossenschaftlich organisiert und genossenschaftlich so gut er. zogen, daß sie den allergrößten Teil ihres Bedarfs in den Bertei lungsstellen der Konsumgenossenschaften eindeckt, so wirkt sich auch die Krise als Rückgang des Umsages aus. Das bedeutet für unsere sich über das ganze Reich erstreckende Statistik eine Abschwächung der Umfazzunahme. Lebenshaltungsindex und Kaufkraft. Die Reichsinderziffer für die Lebenshaltungs. fosten( Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung, Bekleidung und sonstigen Bedarf) ist nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamts für den Durchschnitt des Monats Auguſt mit 142,5 gegen 142,4 im Bormonat nahezu unverändert geblieben. Innerhalb der Ernährungsausgaben wurden die Steigerungen bei einigen Nahrungsmitteln durch das weitere Nachgeben der Gemüsepreise fast ausgeglichen. Die Ausgaben für die Wohnung haben im Reichsdurchschnitt wieder leicht angezogen. Der Rückgang der Befleidungsausgaben hat sich fortgesetzt. * Im ganzen muß also festgestellt werden, daß die Tendenz zur weiteren Berteuerung der Lebenshaltung an hält. Der Rüdgang der Bekleidungsausgaben erklärt sich nämlich nur dadurch, daß vielerorts noch Lagerbestände geräumt werden, während die Großhandelspreise auf der Leipziger Messe bereits wieder aufwärts gerichtet sind, so daß man auch bei den Kleinhandelspreisen mit einer Steigerung rechnen muß. Das Nachgeben der Gemüsepreise ist ferner eine ausgesprochene SaisonJahre der Sommer besonders feucht war und dementsprechend die erscheinung. Es spielt dabei eine besondere Rolle, daß in diesem Jahre der Sommer besonders feucht war und dementsprechend die Gemüseerträge recht erheblich find, so daß das Angebot an Frischgemüse fortgefeßt groß bleibt. Da dieses Gemüse nicht genügend konserviert werden fann, werden die Preise natürlich steigen, sobald die Erntesaison vorüber ist. Bestehen bleibt die Tatsache, daß die Wohnungs mieten wieder angezogen haben und auf lange Sicht hinaus noch weiter anziehen werden, wobei noch berücksichtigt in den zwangsbewirtschafteten Wohnungen mit billigen Mieten merden muß, daß ein ständig wachsender Teil des Boltes nicht mehr mohnt, sondern die viel teureren Neubaumieten zu zahlen hat. Bestehen bleibt außerdem der Umstand, daß von einem Sinten der Brotgetreide- und Fleischpreise vorläufig nichts zu spüren ist. Im ganzen ist also die Entwicklung der Lebenshaltungskosten einer Erweiterung des Absages nicht günstig, da der Gesamtaufwand für die notwendigsten Ausgaben unverändert bleibt oder gar steigt und jede Berbilligung der Fabrikatspreise durch das Anziehen der wichtigen Lebensmittel und der Wohnungsmieten wieder ausgeglichen wird. Der Anleihebedarf für die Arbeitsbeschaffung Schritte, während in den übrigen Industriezweigen die Lage örtlich Eine amtliche Zusammenstellung. verschieden, schwanfend und meist unbefriedigend ist. Da die Getreideernte größtenteils beendet ist, ließ der Bedarf der Landwirtschaft nach. Der große Mangel an Mägden bleibt bestehen. Im Ruhrbergbau betrug die Zahl der arbeitEine Zusammenstellung der in Reich und Ländern erforder Lichen Mittel zur Durchführung des Arbeitsbefaffungssuchenden Bergarbeiter etwa 35 300. Der Stand vom 15. Januar programms ergibt folgende voraussichtlichen Anforderungen an den Anleihemartt: I. Der Anleihebedarf des Reiches wird für folgende Beschaffungsawede in diesem Jahre erhöht: 1. Verstärkung der produktiven ErwerbsIosenfürsorge. 2. Bandarbeiterwohnungen 3. Siedlung aus dem Reichsprogramm von 250 Mill. M. 30 M ist damit noch immer nicht erreicht( 34 753). Seit Mitte April ist die Zahl um etwa 11 000 zurückgegangen. Angebot und Nachfrage am Baumarkt hielten sich auf der Höhe der Bormoche. Etwas günstiger lauten die Berichte aus beiden Schlesien, Berlin, Würt temperg und Baden; Neigung zur Verschlechterung zeigt sich in 100 Min. M. Medlenburg, Schleswig- Holstein, Freistaat Sachsen und Oberfranken. Daher fonnten größere Veränderungen in der Industrie der Steine und Erden nicht eintreten. Die Steinbrüche melden teilweise leichte Belebung, die mürttembergischen Gips- und Zementmerte zeigen befriedigende Lage. Die Ziegeleien find unwesentlich belebt. Aus der Borzellanindustrie fommen meist ungünstige Meldungen. Die Arbeitsmarktlage im Metallgewerbe ist im ganzen ziemlich unverändert ungünstig geblieben, wenn auch in einigen Berufszweigen, Bauflempnerei und Schlosserei wie Elektrotechnik, fich erhöhter Bedarf zeigte. In Berlin, Freistaat Sachsen, machte sich eine Belebung der Nachfrage nach Spezialfräften bemerkbar. Im Spinnstoffgewerbe hat die Besse rung der Arbeitsmarktlage in den meisten Bezirken weitere Fortschritte gemacht. Die bestehende Kurzarbeit wurde vielfach eingeschränkt. Im Bekleidungsgewerbe bleibt trotzdem die Lage uneinheitlich. Gut beschäftigt ist die Konfettion, insbesondere die Damenkonfettion, auch die Knaben- und Herrenkonfektion fordert etwas stärker an. Das Schneidergewerbe selbst zeigt fast allgemein einen ungünstigen Stand. In der Schuhindustrie hält die Besserung fast allerorts an. Unverändert blieben die Arbeitsmarttverhältnisse in der Papier, Leder, holz und Schnißstoffindustrie. Am Markte des Vervielfältigungsgewerbes machte fich nur vereinzelte Nachfrage bemerkbar. Der Ausgang der Saison hat die Beschäftigungsverhältnisse in der Gast- und Schankwirtschaft Reich insgesamt 366 Mill. M. weiter verschlechtern lassen. 15 4. Eisenbahn: a) Fortsegung der begonnenen Bahnbauten 10 b) Borwegnahme des Reichsbahnbau programms. 80 c) Gleftrifizierung ber Berliner Stadt. und Ringbahn. 20 5. Reichspost: 20 W 6. Wafferstraßen: b) Weiterführung des Mittellandfanals 14,70 " 3,00 31 . " Borwegnahme des Bauprogramms. a) Forcierung begonn. Kanalbaut, 13,30 min. c) Staubeden Ottmachau 7. Wohnungsbau: 60 Mia M. für zweite Sypothefen für ein zufäßliches Bauprogramm in Preußen. Der Borschuß von 50 Mill. M. für die übrigen Länder fann, weil in diesem Etatsjahr zu rüdfließend, außer Betracht bleiben. II. Der Bedarf der Länder erhöht sich für: 1. Produktive Erwerbslosenfürsorge 2. Landarbeiterwohnungen 6 3. Für Durchführung der Kanalbauten( Anteil der Länder) 4. Zufägliches Wohnungsbauprogramm eventuell fommt noch Preußen mit 40 mil. M. 60 " 100 Min. M. 30 10 50 190 Min. M. III. Anleihe der Länder und Provinzen für 60 Mill. M. die Förderung des zufäglichen Wegebaues etwa Dazu tritt auch noch der sonstige Anleihebedarf des Reiches und der Länder, der zur Balancierung ihrer Etate erforderlich wird, welcher schäzungsweise 600 bis 700 Mill. M. betragen dürfte. Der Arbeitsmarkt in der letzten Augustwoche. In der Bewegung des Arbeitsmarktes ist nach den Berichten der Landesarbeitsämter in der vierten Augustwoche ein gewisser Stillstand eingetreten. Die Zahl der Ermerbslosen ist zwar überall weiter zurückgegangen mit Ausnahme von Bremen und Mecklenburg- Lübeck, doch ist der Rüdgang im gerngeren Ausmaß als in der letzten Zeit erfolgt. Der Bedarf der Landwirtschaft scheint im wesentlichen befriedigt, in der chemischen Industrie ist die Situation günstig, allerdings ohne weitere Auf nahmefähigkeit. In der Textilindustrie macht die Besserung Fort Der Konkurrenzkampf in der optischen Industrie. Zur Fusion in der photographischen Branche. Anläßlich der Fusion in der photographischen Branche machte die Verwaltung von C. B. Goerz, Optische Werte, vor Pressevertretern u. a. folgende Mitteilungen: Die Fusion in der photographischen Branche ist keine monopolartige, meil ja eine ganze Reihe von Firmen außerhalb des Konzerns diesem Konkurrenz machen werden. Daneben besteht der nicht zu unterschäzende Wettbewerb der Aktiengesellschaft für Anilinfabrikation, der Agfa. Während der neue Konzern Kameras als Hauptartikel herstellt und vertreibt und die Erträge dieses Geschäfts die Grundlage seiner Eristenz bilden, dient bei der Agfa die Herstellung und der Vertrieb von Kameras in erster Linie als Anreiz für den Verbrauch photographischer Artikel, die an jeden Kamerabefizer abgesetzt werden. Es fommt der Agfa nicht auf den Berdienst an der einzelnen Kamera an. Infolgedessen ist die Agfa in der Lage, ihre photographischen Apparate zu den Selbstkosten oder mit einem ganz geringen Aufschlag abzugeben. Durch technische Berbefferungen der Betriebe und durch Berringerung der Selbstkosten muß der Konzern diesen Vorsprung, den die Agfa vor ihm hat, einzuholen suchen, so daß selbst mit dem Zuschlag eine Kamera des Konzerns nicht teurer ist als die der Agfa. Ein sehr erheblicher Nachteil der bisherigen Herstellung war die überreiche Anzahl von Typen. Es waren in dem Konzern bisher 200 Typen von photographischen Apparaten vorhanden, fie sollen auf 50 zusammengelegt werden und man will versuchen, die Zahl der Typen noch weiter zu verringern. Nichts wäre verfehrter, als wenn man einen im Augenblick nicht rentierenden Betrieb ohne weiteres ſtillegen wollte. Still legungen sollten nur erfolgen, wenn der fragliche Betrieb durch andere vorhandene Betriebsanlagen ersehbar ist, ferner, wenn er auf die Dauer unrentabel ist oder überhaupt nicht mehr gebraucht wird. Denn es ist furchtbar schwer, einen stillgelegten Betrieb zu einer Zeit in Gang zu fegen, menn die Geschäftslage es erfordert. Was die Abstoßung der Filmfabrit von Goerz anbe trifft, so ist es richtig, bak Bertreter der Eastman Kodak. ompany beswegen einen unverbindlichen Besuch bei der Firma gemacht haben. Bei der augenblicklichen Zollage auf einen Meter Rohfilm ruht ein Einfuhrzoll von 5,5 Pf.- ist es der KodakGie muß sich also, wenn sie am deutschen Martt festen Fuß faffen Compagnie unmöglich, Rohfilme nach Deutschland einzuführen. will, einen fabritatorischen Stüßpunft in Deutschland schaffen. Die Verhandlungen hierüber stehen jedoch erst im Anfangsstadium. Die Belegschaft von Goerz hat heute eine Stärke von 670 Arbeitern und 240 Angestellten. Allerdings müßte so wurde gesagt die Firma eigentlich 50 Angestellte entlaffen. Da sie aber hofft, den Stand der Belegschaft in absehbarer Zeit wieder auf 1000 Arbeiter erhöhen zu fönnen, will fie fo lange wie möglich den alten Angestelltenstamm durchhalten, damit sie nicht nachher im Bedarfsfalle nichteingearbeitete Kräfte einzustellen genötigt ist. Um eine Verbilligung der Löhne zu erreichen, hat die Firma folgendes Mittel angewandt: Da die gelernten Optifer ihr zu teuer sind und die Gesellschaft infolge der sehr spezialisierten Arbeitsteilung gar nicht in der Lage ist, die Renntnisse dieser Optiter ganz auszunugen, hat sie ungelernte Arbeiter an gehende spezialisierten Betriebe zu niedrigerem Lohn dieselben genommen, diese angelernt; fie verrichten in diesem bis ins EinzelDienste wie die gelernten Arbeiter. Man sieht, wie hier durch die meitgehende Mechanisierung der Facharbeiter, nach dem man sonst so oft ruft, aus den Betrieben verdrängt wird. Hypothekenbanken und Wohnungsbau. Die Gemeinschaftsgruppe Deutscher Sypotheten banten hat sich ent-> fchloffen, einen Betrag bis zu 50 Millionen Mart zur Förde rung des Kleinwohnungsbaues frei zu machen, nachden fie schon vorher bis 10 Millionen Mart für den gleichen 3wed in Form von Hypotheken zur Verfügung gestellt hat. Die Hypotheken find mit 8 Broz. verzinslich; die Tilgung beträgt 1 Broz. jährlich. Innerhalb der ersten fünf Jahre darf der Darlehnsnehmer die Hypothet nicht fündigen. Der Zinssatz von 8 Broz, der für einen Teil der geplanten Kleinwohnungen sicherlich zu hoch ist, steigert sich nech weiter dadurch, daß die Hypotheken nur zu einem Kurs von 96 Proz. ausgezahlt werden. Bei dem Mangel an Hypotheken in Heineren Beträgen, der infolge der Kreditgebarung der meisten Hypothetenbanken bisher immer noch zu verzeichnen ist, wird diese Aktion der Gemeinschaftsgruppe sicherlich trozdem für weite Kreise unter Frankfurt a. M., von dem Angebot Gebrauch gemacht. Don Interesse fein. So haben bereits einige Kommunen, darKapitalserhöhung der Gesfürel. Die Gesellschaft für Elektrizi tätsunternehmungen tritt nun, obwohl ihre legte Bilanz fehr flüffig erschien, mit einer Kapitalerhöhung um 10 Millionen Mart neuer Attien an den Kapitalmartt heran. Die neuen Werte sollen schon für das laufende Jahr voll dividendenberechtigt sein und werden den Aktionären im Verhältnis von 3: 1 mit einem Kurse von 135 Proz angeboten. Die Gesfürel, die die Spigengesellschaft einer Reihe von Elektrizitätsunternehmungen ist, wird damit ihr Aktienkapital auf 50 millionen erweitern. Gewinnauszug 5. Klasse 27. Preußisch- Süddeutsche Klaffen- Lotterie. Ohne Gewähr Nachbrud verboten Auf jede gezogene Nummer find zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Loje gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II 18. Ziebungstag 30. August 1926, nachmittags In der Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 150 m. gezogen 2 Gewinne zu 25000. 164654 12 Gewinne zu 3000 m. 52673 69284 80771 152401 164097 186710 10 Gewinne zu 2000. 58449 92163 158384 187510 209021 28 Gewinne zu 1000. 51371 63076 65760 70173 96910 101202 129884 138242 153780 205987 206597 228715 250516 293084 94 Gewinne zu 500 M. 1462 4913 7665 29636 30136 33174 36599 40513 53842 55526 74411 75775 99526 103793 106112 119251 122517 133821 139941 140585 141478 144671 156971 166842 167596 175327 179229 185004 186103 186500 194315 196679 201143 210669 216162 229594 235404 243405 250071 253018 262588 270099 283014 290656 297323 297525 299692 192 Geminne zu 300 9. 2387 2989 3955 6961 8339 25473 26156 27823 28624 30499 31377 37557 41987 42464 43812 45781 48625 58465 58496 63094 66776 67060 69735 84397 87179 88780 90567 90650 94086 97426 99513 103156 103185 112443 113736 114384 114458 120078 124889 126514 132354 133064 134737 135054 137057 143984 144111 150474 150798 151913 152500 154050 154683 157459 160694 164947 164966 168164 173593 179423 182251 183492 185340 187384 188605 189162 194280 200265 203243 208466 211841 213660 217682 221935 235831 242180 246216 251281 251890 252746 261706 262789 266106 274922 279799 281073 281229 282851 283101 285330 287253 288608 294094 294115 298210 298509 Gewinnauszug 5. Klaffe 27. Preußisch- Süddeutsche Klaffen- Lotterie. Ohne Gewähr Nachdrud verboten Auf jede gezogene Nummer find zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II 19. Ziehungstag 31. August 1926, vormittags In der Vormittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 4 Gewinne zu 10000 m. 131766 194815 2 Gewinne au 5000 m. 4116 10 Gewinne au 3000. 3651 123934 154849 242698 259305 16 Geminne au 2000 D. 3624 16331 64535 83842 115983 233480 236157 299604 28 Gewinne zu 1000. 63615 94019 114558 136434 172641 177608 206339 210382 215427 224450 227154 229818 258211 285139 98 Gewinne zu 500. 9442 9794 13937 19380 40745 57332 64484 71486 75807 77692 77950 88450 96592 101804 105539 107779 109535 113947 122144 129870 130985 135188 147395 153235 154369 156526 162868 165935 168533 173500 185613 197740 204157 206042 209462 214122 230342 230435 232368 236271 241095 244497 255793 255906 260726 274615 278996 295757 296849 194 Gewinne zu 300 D. 189 1529 3826 4114 16039 19985 26345 27115 34106 37107 40357 42619 45937 46298 57101 62077 62492 64263 67345 68655 71025 73792 76184 85204 90728 90760 90814 95214 96938 100308 103050 104137 106510 109044 109749 110532 111118 112062 114244 118240 120581 122272 122353 122509 131450-131514 132944 137174 138783 144552 146603 162296 162639 162688 166850 168542 173464 180366 184596 186484 199093 199587 200110 206236 211075 225862 227953 229245 229385 230765 234822 235501 235540 237067 239243 241588 243510 247623 248790 250059 251059 251907 252290 255256 260464 270015 271340 274209 274880 275477 276690 281595 282569 283980 286372 289951 296145 Unmögliche Hungerlöhne in der Konfektion. Gesetzlicher Mindestlohn 42 Pfennig Nach dem Hausarbeitsgesetz hat der gesetzliche Fachausschuß für Berlin und die Provinz Brandenburg die Pflicht, wo unzulängliche Löhne an die Heimarbeiterinnen gezahlt werden, ein zugreifen und gesegliche Mindestlohne festzusetzen. In der Schürzenbranche und verwandte Artikel wurden seit Jahresfrist im Durchschnitt nur Stundenlöhne gezahlt von 15 bis 25 Pf. bei Berechnung der Stücklöhne. Dieser Zustand veranlaßte die Arbeiterorganisationen zu Anträgen beim gefeßlichen Fachausschuß auf Festsetzung von Mindestlohnen und Nähmeter. und Garnierungstarifen zur Sicherung einer menschlichen Bezahlung der Heim arbeit. Der Fachausschuß hat am 17. Juni 1926 folgendes Urteil gefällt: 42 Pf. Stundenlohn und das Inkrafttreten eines ausgestellten Nähmeter- und Garnierungstarifes. Der Polizeipräsident hat am 7. Juli diesen Tarif und Stundenlohn bestätigt und ab 1. August 1926 die gesetzliche Kraft verliehen. Somit schien alles gut. Die Fabrikanten jedoch verweigern jeßt die Erfüllung der gefeßlichen Pflichten. Zur Zahlung der gesetzlichen Löhne sind aber auch die Zwischen meister( Lohngewerbetreibenden) verpflichtet, die 80 Proz. aller Heimarbeiterinnen für die Fabrikanten beschäftigen. Die Zwischenmeister wollen auch zahlen. Bis vor Jahresfrist im Juni 1925 bestanden Tarife zwischen Fabrikanten und Lohngewerbetreibenden, die auf die Heimarbeiterlöhne Zuschläge festlegten, so daß Heimarbeit und Lohngewerbe Inapp und gerecht eriftieren fonnten. Der gesetzliche Mindestlohn wird nicht gezahlt. Jetzt wird der gefeßliche Stundenlohn, sowie auch der Zuschlag für das Lohngewerbe von den Fabrikanten grundsäg lich verweigert. Vom 2. bis 15. Auguft haben die Zwischenmeister um Ber handlungen gebeten. Diese wurden am 14. Auguft d. J. vom Arbeit geberverband Berliner Schürzen, Unterrod und Kinderkleider fabrikanten ohne Begründung abgelehnt. Nochmalige Berhandlungen mit den einzelnen Firmen waren ebenfalls ergebnislos, weil der Syndikus des Arbeitgeberverbandes, Brie, seine größte Kraft einfegte, um jede friedliche Regelung zu verhindern. Das Reichsarbeitsministerium, der Bolizeipräsident und die Gemerbeaufsichtsämter sind über die furchtbare Lage der Heimarbeit in der Schürzenbranche und verwandte Artikel, sowie in der übrigen Ronfettion genau informiert und hätten von rechtswegen schon lange eingreifen müssen. Aus der Partei. „ Die Gesellschaft." 3 Das foeben erschienene Heft Nr. 9 der Gesellschaft" bringt u, a. folgende Artikel: Georg Deder: Lehren des Boltsentscheides. Stadtfämmerer Bruno Asch Frankfurt a. M.: Der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. Dr. Jakob Marschat: Der Weltwande rungstongreß. Stadtrechtsrat Dr. Julius Hahn und Ingenieur August Weigel Frankfurt a. M.: Einheitsstaat und Wirtrichaftsprovinzen. Theodor Dan: Die Krise der Demokratie und die Krise der Diktatur. Dr.- Ing. Johann Hirsch Wien: Ein sozialistisches Agrarprogramm.- Prof. Dr. B. Totomianz: Die ruffische Genossenschaftsbewegung. Bestellungen zum Heftpreise Don 1,50 m. nehmen die Zeitungsboten und alle Parteibuchhandlungen entgegen. Parteinachrichten Cinsenbungen für diese Rubrik sind Berlin SW 68, Lindenstraße 3, S für Groß- Berlin ffets an bas Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trep. rechts, zu richten. 5. Kreis Friebrichshain. Erweiterte Rreisvorstandssigung am Freitag, ben 3. September, abends 7 Uhr, bei Rosin, Gubener Str. 19. 14. Rreis Reukölln. Erweiterte Kreisvorstandsfizung am Donnerstag an bekannter Stelle. gezahlter 20 Pfennig. Die Zustände, die heute in der Berliner Konfettion herrschen. sind derart, daß man es wagt, für ein Dutzend Schürzen bei 8% stündiger Arbeitszeit einen Nählohn von 1,70 m. an den Lohngewerbetreibenden zu zahlen; daß man kleider für 25 Pf. das Stüd Arbeitslohn, für die Bluse einen Nählohn von 10 Pf. das Stüd, für ein Dutzend Hemden 1,40 m. Nählohn anbietet. Das ist heute die Berliner Konfektion. Von diesen Preisen sollen noch die Gewerbe- und Steuerlasten der Zwischenmeister erfüllt werden, sollen die gefeßlichen Minimallöhne gezahlt werden. füllt werden, sollen die geseßlichen Minimallöhne gezahlt werden. Die Fabrikanten, die solche Schandlöhne zahlen, müssen dem Fachausschuß angezeigt werden, der ihnen eine ent sprechende Geldstrafe auferlegen wird, die hoffentlich so empfindlich ist und so oft wiederholt werden muß, daß den gewissenlosen Brofit. machern das gemeingefährliche Geschäft verdorben wird. hinaus müßte aber auch beim Fachausschuß von den Zwischen meistern der Antrag gestellt werden, zu den Mindestlöhnen entsprechende Zuschläge für die Arbeit der Zwischenmeister festzufeßen. Darüber In den eigenen Werkstätten müssen die Fabrikanten viel höhere Löhne zahlen, denn der Tariflohn beträgt da 50 Pf., mozu noch die Ausgaben für Beleuchtung, Heizung, Sozialbeiträge, Aufsicht ufm. tommen. Es ist unerträglich, daß den Fabrikanten gestattet werden soll, durch Zahlung von Hungerlöhnen Brutſtätten der Tuberkulose und der Prostitution zu errichten. Streik der Zwischenmeister. Seit Montag stehen nun in Berlin etwa 400 3mischenmeister, die bei 104 Fabrikanten dieser Konfettionsgruppen beschäftigt find, im Streit, d. h. ungefähr vier Fünftel aller Zwischenmeister dieser Gruppen. Sie sind fest entschloffen, so lange im Streit zu verharren, bis die Fabrikanten ihnen die Zuschläge zahlen, die sie instand fetzen, ihren Heimarbeiterinnen den vom Fachausschuß festgesezten gesetzlichen Lohn zu zahlen. Wenn die Arbeitgeber in ihrer Presse prophezeien, der Streit werde infolge Geldmangels der Organisation der Zwischenmeister bald in sich zusammenbrechen, dürften sie eines besseren belehrt werden. Sport. Berliner Turn- und Sportwoche. Die im Rahmen der Turn, und Sportwoche stattfindenden Beranstaltungen werden von dem seit Montag herrschenden sommerlichen Wetter außerordentlich begünstigt. Die Anteilnahme der Bevölkerung zirk Lichtenberg fand auf den Sportplägen in der Norwar gestern auch aus diesem Grunde überall recht rege. Im Be Friedrichshain auf der großen Spielwiese wurden Box- und mannen und Rynaststraße Fußballwetttämpfe statt. Im Ringtämpfe gezeigt, benen gute leichtathletische Borübungen, Training am Bunchingball usw. vorausgingen. Eine Schwerathletengruppe zeigte Kraftübungen am Erpander. Im Bezirksamt Steglig auf dem Sportplatz in der Ringstraße wurden von eima je 100 Knaben der Bolts- und Mittelschule Wettkämpfe ausgetragen. Die Resultate haben fich gegen die des Borjahres erheblich verbessert. In öffentlichen Anlagen, so im Röllnischen Bart, im Stadtpart Schöneberg und im Kleinen Tiergarten wurde für die Kunst der Selbstverteidigung( Jiu- Jitsu) geworben. für Leibesübungen verlieh Bierfötter, der in Weltrekordzeit als Die Große Adler- Plakette für Bierfötter. Der Reichsausschuß erster Deutscher den Kanal durchschwommen hat, in Anerkennung dafür die Große Adler- Plakette. Rennen zu Hoppegarten am Dienstag, den 31. Auguft. 3. Ballas( Mint). 1. Rennen. 1. Tullus Hostilius( Haynes), 2. Sennerin( Murphy), Zoto: 13:10. Edelweiß, Feuerschein. Play: 10, 10: 10. Ferner liefen: 2. Rennent. 1. Hurone( Albers), 2. Banna( Thielemann), 8. Blaue Blume( D. Schmidt). Toto: 118: 10. Blaz: 65, 41, 25: 10. Ferner liefen: Rom, Rosenfelch, Brigant, Adana, Kamtschatta, Miltiades, Brinz Rudud, Countryside, Khon, Jojo, Jch dien, Bellona, Double Hind, Konradin, Quid, Engadin, Drlanda, Diana. 3. Difrieb( D. Echmidt). Toto: 93: 10. Blab: 19, 14, 18: 10. Ferner 1. Mea Diana( A. Torle). 2. Intrigant( Bachmeier), liefen: Falfner, Diterdingen, Narrenzeit, Süd Cap, Saxifraga. 3. Hen ne n. 4. Rennen. 1. Roland( Haynes), 2. Hornbori( M. Tarras). 3. Tod und Leben( D. Schmidt). Toto: 15: 10. Drei liefen schläger( B.Franzle). Toto: 76: 10. Plaz: 22, 71, 39: 10. Ferner liejen: 5. Rennen. 1. Tornada( E.Haynes), 2. Fanal( U. Ebert), 8. Schaum Glashäger, Narses, Boller, Fechter, Nina, Morgenstern, Schneewittchen. 6. Rennen. 1. Mimin( Bachmeier), 2. Marchesa( D. Schmidt), 3. Araber( Barga). Toto: 307: 10. Blag: 86, 14, 33: 10. Ferner liefen: Lichtstrahl II, Hohenfels, Der Norb, Helgolander, Rheinstein, Mulatte, Franzia, Bragedis, Friemersheim. 7. Rennen. 1. Stafima( E. Hahnes), 2. Calderon( A. Bezzelt), 3. Aviator( J. Binzenz). Toto: 34: 10. lab: 17, 24, 15: 10. Ferner liefen: Bolmar, Zier, Primadonna II, Primas, Rose Marie. Der Zentralverband der Wertstätteninhaber der Leichtkonfektion verfügt über genügende Geldmittel, um nicht mur seine Mitglieder verschiedene Wochen unterstüßen zu fönnen, sondern darüber hinaus auch den Nichtmitgliedern eine Unterſtügung zu gewähren. Ebenso unterstützt der Reichsverband des zu gewähren. Ebenso unterstützt der Reichsverband des Vorträge, 2ohngemerbes diesen Kampf mit allen.ihm zu Gebote stehen. den Mitteln. Dieser Kampf der Zwischenmeister geht nicht nur um Zuschläge zu dem vom Fachausschuß festgesezten Heimarbeite rinnenlohn, sondern auch um den Lohn dieser Arbeiterinnen selbst. Freie Schulgemeinde Schöneberg. 8 Uhr pünktlich Mitgliederversammlung in ' Gefangfaal der Hohenzollern- Schule, Belziger Straße. Referat des Lehrers Bantom- Steglis: Die Paris der alten und neuen Schule". Freunde unferer Schulbewegung fönnen eingeführt werden. Um pünktliches Etscheinen wird gebeten. Schulgemeinde der 29. Gemeindeschule, Wiebestraße, Eingang Raiferin- AugustaStraße, Elternversammlung. Sozialhngienischer Bortrag. Referent Ge noffe Dr. Druder. Frauenveranstaltungen: 5. Rreis Friebrichshain. 7 Uhr bei Rofin, Gubener Str. 19, Funktionärinnenkonferenz. Alle politischen Funktionärinnen fowie folche der Wohlfahrts- und Kinderschußkommissionen, auch alle Selferinnen, GruppenTeiter und-leiterinnen der Rinderfreunde find eingeladen. 9. Abt. 7 Uhr bei Sübner, Wilsnader Str. 34. Alle Frauen find eingeladen. 9. Abt. Die Borstandsfigung findet am Freitag, 7 Uhr, bei Hübner, Bils nader Str. 34, statt. Die Funktionärsigung am Dienstag, den 7. September. Die Bezirksführer laden schon jest aur Mitgliederversammlung am 8. September ein. Referent Genoffe Dito Meier, M. b. 2. 11. Abt. Su bem am Sonntag, ben 5. September, stattfindenden Bollsfeft im Schloß Weißenfee find noch einige Eintrittskarten beim Abteilungs Teiter, Genoffen Sampel, Beuffelstr. 9, v. 2£ t., zu haben. Die Genoffinnen und Genoffen, welche sich daran beteiligen, treffen fich Sonntag nachmittag 12% Uhr zur gemeinsamen Fahrt nach dort. Rachsügler Brenz lauer Bromenade in Weißenfee, verlängerte Brenzlauer Allee. 21. Abt. Laut Beschluß der Funktionäre beteiligt sich die Abteilung ge schloffen an der Bannerweihe in Weißenfee. Genossen, die mit dem Auto hinfahren wollen, müssen sich sofort beim Genoffen Kroll, Utrechter Str. 21, melben. 44. Abt. Bezirksführer: Freitag, ben 8. Geptember, abends 6 Uhr, wichtige Sanbgettel abholen bei Eichberg. Reichenberger Str. 6. 18. Kreis Weißenfee. Donnerstag abend 8 Uhr im Grünen Baum Funktion Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin. fizung. Sämtliche Helfer zu unserem Fest werden gebeten, au erscheinen. Heute, Mittwoch, 1. September: 58. Abt. Charlottenburg. 8 Uhr im Sigungszimmer, Ranfeftr. 4, wichtige Funktionärsigung. Morgen, Donnerstag, 2. September: 3. Abt. 18 Uhr bei Schilling, Rungestr. 30, wichtige Sigung der Elternbeiräte und deren Ersaßleute. 26. Abt. 7% Uhr bei heites, Prenzlauer Allee, Ede Meßer Straße, Funktionärkonferenz. Einteilung der Bezirke. Erscheinen Pflicht. 33. Abt. 8 Uhr Funktionärsigung mit den Obleuten bei Lojat, Beymeftr. 8. 41. Abt. 7% Uhr bei Schult, Mariendorfer Str. 5, Sigung fämtlicher Funt tionäre, 116. Abt. Lichtenberg. 8 Uhr wichtige Funktionärßigung bei Morr, Neue Bahnhofftr. 28. Jungfozialisten. Gruppe Prenzlauer Berg: Jugendheim Danziger Str. 62, Mitgliederversammlung. Bortrag über Megito( 2. Sola). Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefäftstelle: Berlin G 14, Sebaftianftr. 87/38, Sof 2 St. Friedrichshain: Radfahrerabteilung, Besprechung Do., d. 2., abends, 8 Uhr, bei Rostin, Memeler Str. 75, Kreuzberg: Mi., b. 1., Berf. der 13. Abt. bei Eichhols. Cuornstr. 23, abenbs 7½ Uhr. Borirag. Beißensee: Do., b. 2., abends 8 Uhr, Kreisvollverf., Grüner Baum. Alles hat zu erscheinen. Wichtige Tagesordnung. Baffer portabteilung: Do., b. 2., Bollverf. im Gewerkschaftshaus, Gaal 1, abends 8 Uhr. Pünktliches Erscheinen bringend notwendig. Anschließend gemütliches Beisammensein. Mite: 3. Rameradschaft, 1. Gept., abends 8 Uhr, Bers. Stallschreiberstr. 29. Steglig( Kreis): Alle Rameraden treffen sich Do., d. 2., um 8% Uhr in der Turnhalle Ringstraße zweds Einteilung zu einer Nachtübung am So., d. 4. Neukölln- Brig: So., b. 4., nachm. 4 Uhr pilnfil., ab Reuterplay Autofahrt nach Templin. Sin- und Rüdfahrt 2 M. Meldungen find fofort der Plaz und Quartierfrage wegen an die Zugführer bis spätestens Donnerstag abend zu machen, spätere Melbungen werden nicht angenommen. Radfahrerabteilung trifft sich ebenso mit Rädern. Röpenid: Jugendzufammenkunft 1. Sept., abends 8% Uhr, im Jugendheim. Arbeiter- Esperanto- Bunb, Gruppe Berlin. Mittwoch, 1. September, Sdul: Danziger Str. 23, Bortrag: Die praktische Lösung des Problems der Welthilfssprache durch Esperanto und das Projekt Jdo". Gäste willkommen. Landsmannschaft der Schleswig- Holsteiner zu Berlin 1892. Donnerstag, 2. September, 8 Uhr, im Restaurant Jacob Effer, Röpenider Str. 70a, plattdeutscher Vortrag und Unterhaltungsabend. Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, Ortsgruppe Berlin, Bezirk Stabtpark. Donnerstag, 2. September, 8 Uhr, im alten Rathaus, Schöneberg, RaiserWilhelm- Plak, Bortragsabend mit Damen und Gäken. Redner Ganitätsrat Dr. Alfred Goldschmidt. Thema: Weiter fämpfen". Bezirk Norb: Donners tag, 2. September, 8 Uhr, in den Sophien- Sälen, Sophienftr. 17-18, Bortragsabend mit Damen und Gästen. Redner Prof. Dr. Alfons Goldschmidt. Thema: Antisemitismus in Amerika". Bezirke Norb, Dft, Gib, Moabit, Stabipart, Roo, Charlottenburg, Spanbau, Röpenid: Trauerfeier für die in den von Deutschland abgetrennten Gebieten liegenden Gefallenen am Sonntag, 5. September, in Weißenfee. Treffpunkt der Rameraden um 3 Uhr vor der alten Halle.. Germania Esperanto- Asocio, Loka Grupo Berlin: Donnerstag, den 2. Geptember, 8 Uhr, Ronditorei Dobrin, Hadescher Martt: Raporto pri la XVIII a internacia Kongreso en Edinburgh. Gastoj bonvenaj. Geschäftliche Mitteilungen. Abteilungsmitgliederversammlungen heute abend 7% Uhr: im Mära b. 3. auf ein 25jähriges Geschäftsjubiläum zurüidoliden fonnte, feiert Webbing: Schule Antonftraße. Andreasplay: Jugendheim Große Frank furter Gr. 16, Rimmer 5. Gibost( R. B.): Jugendheim Reichenberger Straße 66. Tempelhof: Lnzeum, Germaniaftr. 4-6. Wannsee: Shirle Charlottenstraße. Friebrichshagen: Jugendheim Scharnweberstr. 105a. Lichtenberg- Mitte: Jugendheim Doffeftr. 22. Ren- Lichtenberg: Jugendheim Bring- Albert- Straße. Lichtenberg- Rorb: Jugendheim Parkaue 10. Belm holkylak: Schule Eberswalder Str. 10. Bortrag: ,, Das Tanlor- System". Werbebezirk Kreuzberg: 48 Uhr Zusammenkunft aller Musiker zum Ueben für die Feier zum Wochenendkursus im Jugendheim Reichenberger Str. 66. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle für Berlin.( Nachdr. verb.) Borübergehend etwas bewölft, aber troden und am Tage wieder warm. Für Deutschland: Jm Südwesten Abkühlung und stärkere Bewölfung, sonst überall troden und warm. Nachdem Herr Louis Cohn, Inhaber der Krebithäuser Möbel- Cohn, bereits berfelbe heute mit seiner Gemahlin, Frau Emma Cohn, geb. Behall, bas Feft ber Silberhochzeit, Bertrauenssache ist es, wenn man Daunen- oder Steppbeden Bauft. Des halb taufen Sie nur in reellen Geschäften. Die Wiener Steppbedenfabrik Bernhard Strohmandel, Fabrik Berlin G. 14, Wallftr. 72, Filialen: Spittelmarkt, Ede Sendelstraße und Berlin W., Nikolsburger Blag 2, Ede TrautenauStraße, erfreut sich ihres 30jährigen Bestehens und ist fie dafthe bekannt, daß fie nur reelle, gute und preiswerte Ware in den Handel bringt. Goeben er schienener Preiskatalog gratis. Briefkasten der Redaktion. Dort erhalten Sie jede Auskunft. 3. Sh. 97. Bund freier Menschen, Hagelberger Str. 26( Lehrer Roch). Rufmaschine: Eine felbfttätige Umfchaltung ist während des Betriebes nicht möglich. KON LINON Der zufriedene Raucher bleibt feiner Marke treu! Josetti CIGARETTEN Mittwoch I.September 1926 Unterhaltung unö ÄNissen Seilage öes vorwärts Muf öem /luswanöereröampfer. 2� Don Hans Friedrich Blunck. Die Zwischendecker haben sich jetzt untereinander scharf abge- sondert und in verschiedenen windgeschützten Winkeln mit Weib und Kind Hütten gebaut. Da ist eine Gruppe riesiger Deutscher aus Bessarabien, braune lange Kerle mit Hakennasen. Einige Boots- langen weiter an die dreißig, vierzig ukrainischen Deutschen, einer wie der andere zigcunerschwarz, mit mongolisch runden Gesichtern. ?ch rede von ihnen als Russen, aber ihr Steward weist mich entrüstet zurecht: es sind olles ordentlich« deutsche Leute und von der brasilianischen Regierung gerufen, um in Sao Paulo Kaffee zu jäten. II. Der Wind frischt auf, grüne und dunkelblaue Sonnenstreifen tanzen über das Wasser, dessen weiße Schaumköpfe jäh gepackt werden und unter den Böen sprühend verfliegen. Ein Rundgang an Deck. Der Maler sitzt in eine Ecke verkrochen, er hat Hoamweh, raucht gewaltig an einer entblätterten Zigarre und schlägt und bläst sich von Zeit zu Zeit die fliegende weiße Asche vom Rock. Der weiße Kopf des Füllfederhalters schaut ihm gerade aus der Weste heraus. Er bläst trübselig aus schiefem Mundwinkel daran hin, zwei-, drei. mal und wundert sich, daß sich nichts regt und wundert sich, daß ich schallend zu lachen ansange. Das Zwischendeck wird zum zweitenmal abgespritzt, wahrhaftig, blitzsauber ist dieses Schiff von oben bis unten. Die Leute im Oel- rock jagen das Wasser in jeden Spalt und jede Dcckritze. Mitunter, wenn der Strahl sich hebt, packt auf einmal der Wind hinein und zerstiebt ihn einige Augenblicke lang unterm Aufjauchzen der Kinder zu tausend blitzenden Funken. * «Es ist gut, daß du solche Reise mit vielen Leuten tust," sagte mir mein Freund,«tausend oder zweitausend, da wechseln die Gesichker. Wenn's dreißig sind und man am dritten Tage weiß, wie •ledcr spuckt und schnauzt, ist es zum Auswachsen." Ich muß sagen, an diesen tausend Menschen hätte ich mehrere Jahre zu tun. Da sind zunächst die alten Bekannten, die man erkennt. Immer meine ich schon, ich müßte den einen in der Wind- jacke kennen. Dann kommt's mir langsam: Ein alter Nachbar, vor dem Krieg verbummelt in die Welt gefahren, hat sich 1314 als Heizer zur Heimat durchgeschlagen und sich hochgearbeitet als Frontossizier. Nach dem Krieg hat der Vater es noch einmal versucht, hat ihm ein Gut gekaust. Er merkt, daß ich ihn erkannt habe und nähert sich, ein wenig verlegen.«Es ist wieder alles hindurch," sagt er halb wegwerfend,„es ist wieder soweit!" «Ihr Gut?" will ich fragen, ober er kommt mir zuvor, mit der Ossenheit jener, die an sich nichts zu ändern finden. «Ich muß weit weg von Menschen sein," sagt er,«sonst taugt's Leben mir nicht." * Dann der andere, ein alter Wandervogel, der mit Felleisen und Wadenstrümpfen an Bord kam und sich vor den Windjackenleuten immer ein wenig herausfordernd an die Rceling lehnt. Ich weiß. er sollte Kaufmann werden und wurde Journalist und tonnte kein Journalist bleiben, sondern muß ewig dem Trieb in die Weite salgen. Er ist einer von der Art mit trullgelben Haar und Augen, die zuviel Schelmerei tragen. Wir könnten sie in unserer nordwestdeurschen Landschaft gut gebrauchen mit ihrer Lebhaftigkeit und Beweglichkeit, uns. fehlen Menschen, die Brücken zwischen unseren Dichtern und Bürgern bilden. Aber für jene Brückennaturen sst bei uns die See zu nahe, sie wandern zu rasch und kommen nicht wieder. Weil sie fehlten, mußte Hebbel nach Wien gehen und Lornsen den Tod suchen: weil sie wandern, vermissen wir die Ausdeuter unseres Wesens, sind wir Dritten so unerklärlich. Freunde aus dem Reich haben heute die Miltlerftellimgen im Norden. Wären sie nicht, müßten unsere Schassenden Wien oder München suchen— die Brückennaturen, die unsere eigene Landschaft gebiert, wandern zu früh in Zorn, Trotz oder Leichtsinn. * Aus dem Zwischendeck wird zum drillen Mal« gespritzt. Die kleinen barfüßigen Mädchen der Deutsch-Russen lassen jubelnd Papierschnitzel sortschlemmen und die groben Jungens mit den Riesenstiefeln spielen Glitsche, sobald die Matrofen sich umwenden. Die See ist sehr diesig, zwischen den Wolken steht die Sonn« gelb- weiß, mit drei langwehenden Schleppen in einer Meerserne, deren Gold mehr droht als leuchtet. » Di« gute Hälfte der gebildeten Jugend unseres Landes spielt Doppelkopf, wenn sie aus S6)l«swig»Hosstein, und Skat, wenn sie aus dem übrigen Deutschland stammt. Bier von den jungen Leuten am Nebentisch klatschen die Karten mitten in einem Lied dröhnend auf den Tisch. „Die werden bis Rio durchspielen," meine ich nebenhin zu meiner Frau. „Bis Buenos Aires," lächelt der eine, und verbeugt sich freundlich. III. Ich habe jetzt einen älteren Professor der Zahnheiltunde als Nachbarn, von einer amerikanischen Universität. Er kennt alle letzten Winkel der Welt und behauptet, Rio de Janeiro. Hongkong und Hamburg im Sommer wären die drei schönsten Städte der Welt. Ich will ihm seine Höflichkeit zurückgeben und oersuche von Kalisor- inen zu sprechen, obgleich ich es nur vom Hörensagen kenne. Aber cc legt mir mit unwiderstehlicher Bestimmtheit die Hand auf den Arm ohne mich anzusehen:„Sie sind zu jung, Sie haben noch kein Urteil!" Ich bin noch ein wenig geschmeichelt,— wer läßt sich nicht gern jung ansehen,— da setzt er seine Erziehung fort.„Ich beobachte zudem, Sie essen zuviel Weißbrot: Stewart, bringen Sie dem Herrn schwarzes Brot! Sie sollten auch nicht zuviel Zucker in den Tee tun, a befördert die Fäulnis im Darm. Wie, Sie nehmen gekochte Milch? Lieber Herr, ich habe meine jungen Hunds vier Wochen mit Weiß- brot und gekochter Milch gefüttert, da waren sie tot. Haben Sie nie von Menschikosf gehört?" Und er hält mir«inen langen Vortrag über den Stand der Vitaminenforschung. Wie er fertig ist. weiß ich, es ist das Gleiche, was mein Großvater immer empfahl:„Schwarz- brot, Jung, und wenn du'n Beefsteak ißt, laß es nicht durchbraten, es schlägt nicht an!" Aber er erreichte doch: Unser Tisch stellt sich im Laufe von zwei Tagen um. Di« Schiffsbäckerei, die größtes Gewicht darauf legt, ihren Gästen morgens kimlperig« Rundstück« und blühendes Weizen- brot zu liefern, muß Schwarzbrot backen, JTOarmeladen werden abgelehnt und jemand verlangt nach frischem Salat,— so zwischen Bristol und Cderbourg. Ms einem Schlafzimmer zu Rom. wenn üie välker erwachen, haben öle Diktatoren jchlechte Träume... Im übrigen sst der Eingrssf nicht allzu gefährlich. Bis auf jene Mittelständler, deren Behagen vom Massenschlingen abhängt, sind die Nachbarn im Essen vorgebildet, die Verpflegung ist gut und gesund, nicht weniger und Vielen ist die täglich« Ueberfüllnng des Bauches auf den großen Schiffen«ine böse Erinnerung. * Es bläst zum Essen, es bläst sogar gut,—«in alter Militär- hcrnsst, der hier sein« Kunst auslebt. Man will noch zum Waschen gehen, sieht erstaunt auf die Finger, die trotz sechsstündiger Wartezeit blank und rosenrot aussehen wie eben gesäubert. Man steigt, eigentlich ohne Ueberzeugung in den Schisssbauch, trifft die Frau im Zustand fiebrigen Schüttelns am Kabinenwaschtisch. Sie Hot gerode in ihrem Buch das Kapitel über amerikanischen Schmutz gelesen.„Na ja. Reiseschriststeller übertreiben berufsmäßig," tröste ich. Aber sie hat auch ein« Schilderung von Moskitos und sieben Arten gefährlichen Stechfliegen in die Hand bekommen, die uns bevorstehen. Und das Furchtbarst« ist: Nach unserer bisherigen Er- fohrung hat sie ausgesprochen süßes Blut, ich werde nur als Notfall mitgenommen,— fo faule de rnieux im Geschmack stechender Insekten. „Soll ich umkehren lassen, Weib?." e Ich kann die ewigen Mäkler nicht leiden, am wenigsten unter Londsleuten. Es gibt eine Art, die ihr« Stellung beweisen will durch ein Murren und Knurren, das auf jeden Dritten anwidernd wirkt. Nebenan sitzt so ein Rundkopf, der die Seeluft nicht verträgt und über Gast und Linie vor Leuten, die es gor nicht Höven wollen, nach ollen Noten feine unmelodifche Musik pfeift. Wir tun ihn bald von uns,— ein kleiner Händler, der in der Etappe reich wurde. _(Schluß folgt.) Konnte See Steinzeitmenfih schreiben Z Ein« interxssante Streitfrage wird augenblicklich von den Ge- lehrten der Pariser Akademie heftig erörtert. In dem kleinen Dorf Glozel, das ungefähr 2» Kilometer von Bichy entfernt liegt, hat man kürzlich eine menschliche Siedlung entdeckt, die aus der Periode der jüngeren Steinzeit zu stammen scheint. Als ein Land- wirt seine» Acker pflügte, förderte er dabei wertvolle und für das prähistorische Studium sehr beachtliche Funde zutage. Er fand ein flaches Grab, das von Mauern eingefaßt war, und dann eine Menge verschiedenartiger Gegenstände: Werkzeuge, Waffen und Gesäße jeder Art, sowohl Urnen aus Lehm wie auch Vasen aus gebranntem Ton: es befanden sich darunter bearbeitete Steinstücke, die zum Teil oberflächlich geschliffen waren, mit einem Wort, es handelte sich um einen Fundort, der Gegenstände verschiedener prähistorischer Epochen enthielt. Aber was die Ausgrabungen van Glozel besonders be- merkenswert macht, lind die von Dr. Morlet im Zusammenhang mit der Universität Lyon gemachten Funde von Schriftzeichen, die sich auf mehreren der ausgegrabenen Gegenstände befinden. Es schien dadurch der Beweis für die beinahe unglaubliche Tatsache er- bracht, daß die Steinzcitmenschen von Glozel sich eines Silben- olphabets bedienten. Dieses Alphabet aus der Steinzeit wäre das älteste, das man kennt. Es stammt nach den Angaben der Forscher aus den Zeiten, in denen das Renntier noch im Innern Frankreichs heimisch war. Dr. Morlet hat in französischen Fachzeitschriften auch schon eine Theorie entwickelt, die erklären soll, auf welche Weise die Steinzeitvölker noch und nach aus figürlichen Darstellungen eine Bilderschrift geschassen haben, die dann im Laufe der Zeit zu einer graphischen Schrift im Sinne unseres Buchstabensystems entwickelt worden wäre: in den Funden sind 90 verschiedene aus der Stein- zeit stammende Schrsstzeichen zu unterscheiden. Eine solche Schrift der Steinzeitmenschen könnte vielleicht die Grundlage gebildet haben. auf der die Völker im Laufe ihrer Entwicklung ihr« verschiedenen Schriftarten aufzubauen vermochten. Der französische Gelehrte scheut sich nicht, die Behauptung aufzustellen, daß auch die Phössi- zier die Form ihrer Buchstaben von den Steinzeitoöltern entlehnten, In der Tat zeigen die gefundenen Schristzeichen eine seltsame Aehn. lichkeit, ja zuweilen sogar völlige Ucbercinstimmung mit Schrift- zeichen des semitischen Sprachkreises, während zum Beispiel zu ägyptischen Schriftzeichen keinerlei Beziehung besteht. Einer solchen Theorie gegenüber ist äußerste Vorsicht geboten, da der nationale Stolz viele Gelehrte dazu verleitet, die bcdeu- tendsten menschlichen Errungenschaften ihren Bolksgenossen zuzu- schreiben. Bisher nahm man an, daß die semitische Schrift sich aus einer Bilderschrift der Völker des babylonischen Kulturkreises ent- wickelt habe, und daß dann die handeltreibenden Phönizier den Griechen diese Schrift übermittelten. Manche hebräischen Buchstaben zeigen dementsprechend eine große Aehnlichkeit mit griechischen Schriftzeichen. Aus dem griechischen Alphabet hat sich die lateinische Schrift entwickelt, und von dieser wiederum ist zum Beispiel die deutsche Schrift abzuleiten. Der bedeutende französische Historiker Eamille Iullian hat sich über die neuen Funde infolgedessen auch recht skeptisch geäußert. Es handelt sich hier nach seiner Meinung um lateinische Kursivschrift aus der Zeit der römischen Kaiser, und die Inschriften sind Zauberformeln, Gesänge oder Lobeshymnen. wie wir sie schon vielfach besitzen. Die Entdeckung ist zwar auf jeden Fall in archäologischer Beziehung wichtig, ober nicht go- eignet, alle bisherigen Anschauungen umzuwerfen. Eine andere Autorität auf dein Gebiet prähistorischer Forschung, der Gelehrte Solomon Reinach, ist aber anderer Ausfassung. Er ist sofort nach Glozel gereist und hat nun in der Pariser Akademie erklärt, daß die Ausgrabungen des Dr. Morlet in seiner Gegenwart sortgesetzt worden seien, und daß dabei jede Möglichkest eines Betruges oder irgendeiner Fälschung ausgeschlossen worden sei. Eine der Ton- siguren, die einen ganz besonderen Typ darstellte, sei vor seinen Augen in einem Haufen Tonscherben gefunden worden, ohne die Spur einer in den letzten Jahren erfolgten Berührung zu zeigen. Man konnte an ihr keinerlei metallische Bearbeitung feststellen, und sie erinnere auch in nichts an gallische oder römische Töpferei. An- dercrseits befinden sich unter den Fundstücken Steine, die in künst- lerisch unbeholfener Welse Tierdarstellungen enthalten und«ine große Aehnlichkeit mit Zeichnungen aus dem Zeitalter des Renn- ticres besitzen, also mindestens 4000 Jahr« vor unserer Zeitrechnung entstanden sind. Ungefähr fünfzig Tafeln sind mit wohlerhaltenen Schriftzeichen bedeckt, von denen viele in überraschender Weise an phönizische, griechisch-archaische und altitalische Buchstaben«rinnern. Leider ist es vorläufig unmöglich, die Texte zu entziffern. henkerpslichlen. In jenen Zeiten, da noch jede Stadt, die das Recht des Strafvollzuges besaß, sich einen Henker hiell, war der Rachrichtcr eine bekannte Persönlichkeit, für deren Rechte und Pflichten genaue Borschristen bestanden. Der Henker lebte in einem abgelegenen Viertel ganz für sich: mit ihm als einem„Unehrlichen" ging kein Bürger um: er mußte sich aber seine Einkünfte, die er zum Teil in Naturalien erhielt, auf seine Gefabr verschaffen. In dem soeben veröffentlichten„Roten Buch" der französischen Stadt Langres sinden sich genaue Angabe» über die Pflichten des Henkers dieser Stadt im 16. Jahrhundert. Außer seiner besonderen Tätigkeit bei der Bestrafung der Schuldigen hatte er noch die Aufgabe, einmal in der Woche die Brunnen zu reinigen, aus denen die Pferd« tranken: dann hatte er sich zu vergewissern, ob die Mauern in gutem Stande seien. Dafür erhiell er eine bestimmte Menge von jedem Sack Getreide, den die Bauern der umliegenden Dörfer auf den Markt brachten. Auch andere Nahrungsmittel standen ihm in bestimmten Mengen zu: es war ihm aber bei Androhung der Prügelstrafe streng verboten, mit der Hand Eier. Butter und Früchte zu berühren, die ihm von den Bürgern geliesert werden mußten. und da dieses Verbot sich auch auf ferne Familie erstreckte, so mußte er immer einen„nicht unehrlichen" Gehilsen haben, der den Lerkehr zwischen ihm und der bürgerlichen Welt vermittelte. sichert den ruhigen Gang KAFFEE HAG Ihrer Lebensuhr, Ihres Herzens Gero, 1891 Unter Garantie die schönsten tepp, und Daunen- Decken taufen Sie beitens ab abrtt Bernhard Strohmandel, Berlin, Wallitraße 72( Untergrundbahn Inselbride). Filiale: Spittelmarkt, Ede Sendelstraße. und W, Rifolsburger Play 2, Ede Erautenauftrage. Reparat ied. Art Juuftr. Breiskataloa gratis. Theater, Lichtspiele usw. DIE PREMIERE DER CHARELL REVUE 1. Septbr. ptnknich 8 Uhr ist ausverkanti Ab Donnerstag, dem 2. September täglich CHARELL REVUE ,, CLOU" 99 Berliner Konzerthaus ******************** Mauerstraße 82 ERÖFFNUNG ( GESELLSCHAFTS- ABENDE) der Wintersaison und der Nachmittags- KaffeeKonzerte mit großem Orchester bei freiem Eintritt Heute! 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