Nc. 420 ♦»Z.�ahrg. Ausgabe A Nr. 215 Bezugspreis. Döchnitlich 70 Pfenaia, monatlich 8,— Akichsmari voran, Mhldar. Unter Z>renjt>a»d für Deutschland, Tuniio. Saar» und SRemelaebiet. Lei-erreich. Litauen. Lureaibur« «,?0 Acichsmark. für das übri«« Ausland S.öO Reichsmark pro Monat. De?»Vorwärts� mit der illustrier. ten Sonntagsbeilage»Boll und Feit' towi« den Beilagen»Unterhaltung Uno Wissen',„Aus der ffilmwelt", »ssrauenftiwme'.„Der Rinder» freund',„Iugend-Borwärts' und »Blick in die BUche rrvelt' erscheint mochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm-Adresset „jojlol&emotcai Berlin" Morgenausgabe Derltner VolKsttlÄkt (iv Pfennig) Anzeigenpreise: Di««insvaltig« Ronparcissc. geil« 80 Pkennig, Rellamezcile 8,— Reichsmark..Kleine Anzeigen' das fettgedruckte Wort 25 Pscnni» lzulilsstg zwei fettgedruckte Wortes, jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengeluche das erste Wort 15 Pfennig. Icdes weitere Wort 10 Pfennig. Worte Uber 15 Buch- ftabcn zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt geile 00 Pfennig. gamilienanzeigen für Abonnenten geil« iL Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis ilh Uhr nachmittags im Kauvtgefchäft, Berlin SW 08, Linden. straficZ, abgegeben werden. Geöffnet von Sli Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemohratifchen partci Dcutfcblands Neöaktion und Verlag: S erlin EW. 68, �inöenstraße 3 Fernsprecher: Tönhoff 292—297. || Dienstag, den 7. September 19546 Vorwärts-Verlag G.m.b.H., Serlin SV. 68, Linöenstr.3 Postscheckkonto: Berlin 37 53$— Bankkonto: Bank de? Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr. 68: Diskonto-Gesellschaft. Dcpositenkasse Lindenstr. 3. Genf in Erwartung Deutsthlanös. Glatter Verlauf gesichert.— Nationalistische Mache. V. Zcii. Gens, 6. September.(Eigener Drahtbericht.) Die ersten Valloersammlungcn des Völkerbundes mit. ihren Eröffnungsreden, dem Bericht der Mandatsprüfungskommission, den Wahlen des Prä- fidenten und der Vizepräsidenten und ähnlichen Formalitäten sind niemals besonders interessant. Manchmal gibt es wenigstens einen Kampf um den P r ä s i d e n t c n st u h l. Diesmal gab es nur einen Kandidaten, den jugoslawischen Auszenministcr N i n s ch i t s ch, der mit 42 von 48 abgegebenen Stimmen gewählt wurde. Nach dem Bericht der Mandatsprüsungskommission haben sieben Völkerbundsstaaten keine Delegierten entsandt, darunter süd- und zentralameritanische Staaten und ein europäischer S:aat. Das find: 2lrgentinien, Brasilien, Spanien, Peru, Bolivien, Honduras und Costariea. Argentinien dürfte zum letztenmal fehlen. Brasilien gilt noch ans zwei Jahre formell als Mitglied. Der Fall Spanien ist bekannt. Die übrigen vier Staaten haben niit dem Völkerbund unwesentliche Differenzen. Ihre'Abwesenheit wird übrigens kaum beachtet: sie kann indessen dazu beitragen, daß das früher oft aufdringlich in Erscheinung tretende Schwer- gewicht der lateinamerikanischen Staaten etwas vormindert wird. Ninschitschs Rede hatte gegenüber der Eröffnungsrede Veneschs am Vormittag den Vorzug der K ür z e. Sie enthielt einige glückliche Sätze über die bevorstehende Stärkung des Völkerbundes durch den „Beitritt eines großen Volkes" als neues Mitglied, sowie über die Wichtigkeit des Völkerbundes als Friedensfaktor gerade unter den Balkanvöltern. Die Offenheit des Bekenntnisses im Munde eines serbischen Zlußemninisters mutet sympathisch an, denp seine Richtigkeit ist unbestreitbar: auf dem Balkan wäre es heute anders, wenn nicht im vergangenen November der drohende bulgarische Krieg durch Eingreifen des Völkerbundes verhindert worden wäre. Cintrittsformalitäten. Rechtspartciliche Ichwindelentrüstung. V. Sch. Genf, ß. September.(Eigener Drahtbericht.) Deutsche rechtsstehende Politiker tun seit Sonnabend abend mehr oder weniger aufgeregt über angebliche Beschlüsse der Gehcimsigung des Völker- bundsrats am Sonnabend mittag. Da diese Erregung inzwischen auch von der deutschnationalen Presse zur Schau getragen wird, offenbar um die Atmosphäre in dem Augenblick zu trüben, wo Deutschland in den Völkerbund eintritt, seien die Dinge auf Grund von Informationen richtiggestellt, die wir von mehreren Mitgliedern des Völker bundsrates erhalten haben. Zunächst hieß es, man wolle Deutschland und die übrigen Mitglieder des Völkerbundsrates in der g l e i ch e n Sitzung wählen, später wurde dies dahin eingeschränkt, daß man zwar Deutschland vorher auf- nehmen und zum Ratsmitglicd wählen, aber es so einrichten wolle, daß Deutschland erst gleichzeitig mit den anderen— d. h. mit Polen— im Rat erscheine: das wäre, so erklären deutsche Rechts- parteiler pathetisch, eine unerhörte Brüskierung Deutschlands und das deutsche Prestige oerlange, daß dies verhindert werde. Deutsch- land müsse— und sei es nur eine Viertelstunde vorher— vor Polen im Rat erscheinen. Selbst wenn diese Version zuträfe, so könnten wir in einem gleichzeitigen Erscheinen beider Länder im Rat weder eine Verlegung lebenswichtiger deutscher Interessen noch eine Erniedrigung Deutsch- land? erblicken: aber in Wirklichkeit liegen die Dinge ganz« n der s. Die Einzelheiten des Verfahrens beim Eintritt Deutschlands sind zwischen Briond und dem Botschafter v.))oesch mühelos ge- regelt worden. Es ist in der betreffenden Geheimsitzung des Völker- bundsrates am Sonnabend mittag nicht das gering st e ge- schehen, was gegen diese Vereinbarung verstößt. Niemand hat einen derartigen Vorstoß unternommen. Selbstverständlich kann über den vom Rat empfohlenen Antrag der Studienkommission— ständiger Sitz für Deutschland, Vermehrung der Ratssitze usw.— nur gemeinsam verhandelt und abgestimmt werden. Jedes andere Versahren wäre zeitraubend und unlogisch. Durch diesen Beschluß� den die Vollversammlung am Mittwoch fassen wird, wird Deunchland aufgenommen und gleichzeitig, zunächst allein, neues Mitglied des Dölkerbundsrates. Der gegenwärtige Rat hat seine letzte Sitzung heute, Montag, abgehalten, da seine Tagesordnung erschöpft ist. Die einzigen noch unerledigten wichtigen Fragen bilden die Saar angelegenheiten und Briand beabsichtigt aus Entgegenkommen gegenüber Deutsch- land zu beantragen, daß dieser Punkt er st in Gegenwart Deutschlands im Rate, das heißt im neuen Rate, behandelt werde. Ist Deutschland erst Ratsmitglied, so steht e» ihm frei, sich in der Kommission vertreten zu lasten, die über die Durchführung der weiteren Beschküste hinsichtkich der Reform de» VSlkerbuuds- rates beraten wird. Wenn Deutschland will, kann es also aktiv an den Kommissionsberatungen teilnehmen, die die Wahl der neun nichtständigen Mitglieder— darunter Polens— vorbereiten wird. Die Frage ist nur, wann Deutschland von diesem Recht Ge- brauch machen wird. Die deutsche Delegation soll erst am Donnerstag abend eintreffen und die betreffenden Kommissionsberatungen finden voraussichtlich im Laufe des Donnerstags statt. Aber es steht nichts im Wege, daß ein Vertreter Deutschlands, zum Beispiel der Gesandte in Bern oder sonst jemand, von Berlin aus ermächtigt werde, Deutschland dort zu vertreten, das zu dieser Zeit bereits mit allen Rechten Mitglied des Välkcrbundsrates seil, wird. Ob nun eine reguläre Rats- sitzung zwischen der Aufnahme Deutschlande und der Wahl der nicht- ständigen Ratsmitglieder stattfinden wird, steht noch offen. NatkonalPisthe Aufregung in Genf. V.«ich. Genf, S. September.(Eigener Drahtbericht.) Die deutschnationalen Kreise in Genf erfinden immer neue Anlässe zur „Aufregung". Heute nachmittag empörten sie sich zunächst darüber, daß die Wahl der Kommissionen von der Versammlung morgen vorgenommen wird. Prompt schlgssen sie daraus, daß damit beabsichtigt märe, Deutschland von der Teilnahme an den Kommissionen auszuschließen. Man mußte erst diese un- wissenden Herren darüber aufklären, daß die Wahl der Kommissionen bisher immer als erste Handlung der Völkerbundsvcrsammlung nach der Wahl ihres Präsidiums vorgenommen ist und daß vor allen Dingen jedes Völkerbundsmitglied das Recht hat, Delegierte in die Kommissionen zu entsenden. Deutschland wird dieses Recht nach seiner Zlufnahme ganz automatisch erhalten und zwar bekommt es dieses Recht nicht erst am Tage des Erscheinens der deutschen Delegation, also am Freitag, sondern bereits nach dem Beschluß über die Sl u f n a h m e Deutschlands, also am Mittwoch. Diese Auf- klärung hat jene deutschnationalen Kreise in Genf scheinbar b e- r u h i g t: aber da es keineswegs sicher ist, daß sie Sorge dafür tragen werden, daß auch die Leser der deutschnationalen Presse nicht trotzdem irregeführt werden, sei dieser Tatbestand hier ausdrücklich festgestellt. Nun sind jene deutschnationalen Kreise auch üver etwas anderes aufgeregt. Die Punkte II und 12 der Tagesordnung(Zlufnahme Deutschlands, ständiger Ratssitz für Deutschland und Zulassung neuer ständiger Ratssitze) ist nicht an dos Bureau und nicht an die juristische Kommission oerwiesen worden. Sofort wittert man dahinter eine neue Geywinheit gegen Deutschland, eine Gefährdung der„deutschen Belange", einen Anschlag gegen das deutsche Prestige. Es handelt sich in Wirklichkeit nur um eine formaljuristische Angelegenheit. Im März dieses Jahres hat die furistische Kommission unter Vorsitz von Chanibcrlain die Formalitäten über die Aufnahnie Deutschlands(Fragebogen über die Erlangung der statutenmäßigen Voraussetzungen der Mitgliedschaft) erfüllt, aber infolge des Vorkommnisses mit Brasilien konnte Ehamberlain seinen bejahenden Bericht nicht mehr der Volloersammlung vor- legen. Nun müßte, streng genommen, die Kommission nochmals zusammentreten, weil es sich um eine neue Session des Völkerbundes handelt. Man will aber sehen, ob das nicht durch sinstimmigen Beschluß des Bureaus vermieden werden kann. Das ist alles. Es ist einem wirklich zuwider, daß man sich mit solchen formal- juristischen Nebensächlichkeiten befasse» muß. Leider ist es aber nötig, auch diese Dinge klarzustellen, um die G i s t m i s ch e r e i der deutschen Völkerbundsfeinde rechtzeitig unschädlich zu machen. verhanülungsbeginn in Englanü» Tie Resiierung berät mit den Bergwcrksbesitzern. t o n d o n, S. Sept.(WTB.) Die Vertreter der Bergarbeiter warten, bis sie zu Verhandlungen über den Streik nach London c i n- geladen werden. Churchill und das KoHleNkomilee der Regierung find heute mit verlrelern der Bergwerksbefiher zu einer Bespre chung über die nachdrückliche Weigerung der vergwerksbesitzer. mit den Vertretern der Bergarbeiter nicht über eine für ganz England gültige Regelung der Slreilsragen zu verhandeln. zusammengetreten. » London, 6. September.(WTB.) Bei der Eröffnung der L8. Jahresversammlung der englischen Gewerkschaften in Bourne- mouth verteidigte der Vorsitzende Arthur Pugh den Generalstreik und bezeichnet« die Nationalisierung der Bergwerke als das Heilmittel für den Streit in diesem Gewerbe. 800 Delegierte nahmen an der Eröffnungssitzung teil, darunter die Vertreter der Arbeiterorganisationen aus Amerika, Kanada, Indien, Mexiko, und Vertreter der Amsterdamer Internationale. Den unter Führung von Tomsti stehenden russischen Delegierten wurde die Einreise vom Ministerium des Innern nicht g e. stattet. Arbeitsschutz und /irbeitsurlaub. Kein Interesse bei der Regierung? Das wiederholt angekündigte Arbeitsschutzgesetz geht seiner Vollendung entgegen. Bei seiner Vorberatung mit den Gewerkschaften spielte auch die Frage einer gesetzlichen Rege- lung des Arbeitsurlaubs besonders für die Jugendlichen eine Rolle. Durch den Ausschuß der deutschen Iugcndverbände, dem auch die sozialistische Arbeiterjugend und die freie Gewerk- schaftsjugcnd angehören, wird feit Jahr und Tag eindringlich die Forderung nach einer gesetzlichen Regelung des Arbeitsurlaubs für Jugendliche erhoben. Drei Millionen Jugendliche, die den verschiedensten Organisationen angehören und sich zur Vertretung gemeinsamer Forderungen im Ausschuß der deutschen Jugendverbände zusammenge- schlössen haben, erheben diese Forderung. In mehreren großen Kundgebungen ist die Frage nach allen Seilen untersucht worden. Das geschah insbesondere auf der Tagung in Kassel im Oktober vorigen Jahres. N»ben den Vertretern der sozialistischen Arbeiterjugend und der freien Gewerkschaften waren es katholische und evangelische Geist- liche, die in der Jugendpflege stehen und sich mit großer Wärme für die einheitliche Forderung der 74 Jugendoerbände einsetzten: bezahlter Urlaub für Jugendliche bis 18 Jahren von drei Wochen, bezahlter Urlaub für Jugendliche bis 18 Jahren von zwei Wochen. Es war auffallend, daß das Reichsarbeitsmini- st e r i u m und das R e i ch s m i n-i st e r i u m des Innern zu dieser Tagung keine Vertreter entsandt hatten, obwohl doch gerade diese beiden Ministerien besonders inter- essiert sein mußten. Die Richtbeteiligung des Reichsarbeits- Ministeriums findet jetzt eine bezeichnende Aufklärung durch einen Schriftwechsel, der von der Senatskommission für die Reichs- und auswärtigen Angelegenheiten des Frei» staates Hamburg mit dem Reichsarbeitsministerium ge- führt wurde. Am 17. Mai schrieb die Senatskommission, daß die gesundheitlichen, geistigen und wirtschaftlichen Verhältnisse der erwerbstätigen Jugend immer dringender die Gewährung bezahlter längerer Ferien notwendig erscheinen lasten. Die Hamburger Bürgerschaft hatte einen entspreckzenden Beschluß gefaßt. Der Senat erklärte dem Reichsarbeitsminister, daß er zu verbindlichem Danke verpflichtet sein würde, wenn die baldige Einbringung einer entsprechenden gesetzsichen Vorlage in Auesicht gestellt werden könnte. Das Reichsarbeitsmini fterium hat darauf am 10. Juli geantwortet, daß gegen eine gesetzliche Sonder- regclung des Urlaubs für Jugendliche auch weiterhin e r n st e Bedenken bestehen: es sei jedoch beabsichtigt, demnächst in eine Prüfung der wirffchaftlichen Auswirkungen eines solchen Urlaubs nochmals einzutreten. Slngefichts einer solchen unverständlichen 5)altung muß man immer wieder die Frage aufwerfen: Ist nicht jeder sozial- politische Schutz der Arbeitskraft imd nicht zuletzt der juae-id- lichen Arbeitskraft auch ein großer ökonomischer Aktivposten? Privatwirtschoftlichem Denken mag das ein unfaßbarer Ge- danke sein. Lohn, Arbeitszeit. Sozialversicherung, Urlaub sind für die Unternehmer wirtschaftliche Belastungen. Die Unternehmer sehen im Produktionsprozeß gar nicht die Wechselwirkungen zwischen Güterokonomie und Menschen- ökonomie. Wirtschaft ist für sie: Grund und Boden, Fabriken, Maschinen, Rohstoffe und, soweit die menschliche Seite in Frage konnnt, ihr erleuchteter Unternehmerverstand. Sie be- greifen gar nicht, daß der Schöpfer aller Werte die mensch- liche Arbeitskraft ist und ihre pflegliche Behandlung mit dem Ziele größter Leistungssteigerung das A und O unseres wirt- schastlichen und sozialpolitischen Berhaltvns zu sein hat. Von diesem volkswirtschaftlichen Gesichtspunkt aus musi das Rcichsarbeitsministerium auch an die Untersuchung dieser Frage herangehen. Es wird sich dann nicht lange im Zweifel darüber befinden, daß im Arbeitsschutzgesetz die Regelung des Urlaubs zu erfolgen hat. Noch ein anderer Grund spricht dafür. Auf der vor- erwähnten Tagung in Kassel wurde auf die Möglichkeit und Notwendigkeit der tarifvertraglichen Regelung hingewiesen. Auch der Vertreter der Vereinigung der beut- schen Arbeitgeberverbändc glaubte, auf diesen Ausweg bin- weisen zu müssen. Was ist in Wirklichkeit eingetreten? Eine erhebliche und äußerst bedenkliche Rückbildung des tariflich geregelten Urlaubs. Das Reichsarbeitsministerium weiß das: es muß sich auch klar sein über die damit verbundenen großen sozialen Schädi- gunqen. Weil prioatwirtschaftliches Denken alle Volkswirt- schaftlichen Ueberlegungen überwuchert, ist die gesetzliche Regelung notwendiger denn je. In O e st e r r e i ch, F i n n- land, Polen, Tschechoslowakei, Lettland und Rußland bestehen nach einer Darstellung des Oberregie- rungsrats im Reichsgesundheitsamt Dr. Hans Bogusat bereits weitgehende gesetzliche Vorschriften: sie sind natürlich auch in Deutschland möglich. Bogusat bejaht das ebenfalls in seiner Schrift, erschienen im Christlichen Gewerkschaftsverlag, die seinen Vortrag auf der Tagung in Kassel wiedergibt, gestützt auf reichhaltigem Material aus eigenen und fremden Fest- stellungen. Und er sieht das Problem im richtigen Zusammen- hang, wenn er sagt: „Der menschliche Körper ist kein ewiger Brunnen, aus dem sich ohne Unterbrechung Arbeitskrast in beliebiger Menge schöpfen läßt, und nur ein Tor kann aus einem Topf mehr herausnehmen wollen, als hineingetan wurde. Soll das Gleichgewicht zwischen Kraftzusuhr und Energieabgabe beim Arbeiter erhalten bleiben, so i st neben entsprechender Entlohnung und Schassung ange- messener Nahrungs» und Wohnverhältnisse da» für z u sorgen, daß Arbeit und Ruhe tn zweckdien» licher Weis« einander angepaßt werden. Bei den immer steigenden Ansprüchen an die Leistungsfähigkeit der Arbeiter und Angestellten reicht die übliche Sonntags- und Feierabendruhe nach der Ansicht der Sachverständigen, die stch mit dieser Frag» ein- gehend beschäftigten, nicht aus, um Geist und KSrper von der er- mattenden Alltagsarbeit zu erholen." Neuregelung der Arbeitszeit und gesetzliche Einführung des Arbeitsurlaubs nach den Vorschlägen des Ausschusses der deutschen Jugendverbände sind im kommenden Arbeitsschutz- gesetz zu verwirklichen. Die sozialdemokratische Reichstags- fraktion und die freien Gewerkschaften werden sich dafür mit aller Entschiedenheit einsetzen. Das Reichsarbeitsministerium wäre gut beraten, wenn es diese Forderungen bereits in seinem Entwurf berücksichtigen würde. Die von gestern. Jndustricllentagung und„Tcutschnationale Tagespost". Die Deutschnationalen besitzen in Berlin ein ausge- sprochenes Parteiorgan, die„Deutschnakionale Tagespost". Seine einzige Bedeutung besteht darin, daß es dann und wann durch unfreiwillige Komik zur Erheiterung beiträgt. Dies hauptstädtische Organ erschien am Dienstag, den 7. September 1926(Nr. 208) mit einer dreispaltigen Schlagzelle:„Politische Einstellung des Unternehmertums". Darunter liest man einen kurzen Bericht über die Rede Dr. Silo er berge. Aber was für«inen Berlchtl Kein Wort von den Ausführungen Silverbergs über das Ver- hältnis des Unternehmertums zur Arbeiterschaft und zur So- zialdemokratiel Dafür liest man unter derselben Schlagzeile und der Ueberschrift„Bittere Wahrheiten" einen Aufsatz, in dem es heißt: „Wenn sich die Führer, die.Kapitäne" der deutschen Wirt- schoft, zusammenfinden, um im gemeinsamen Gedrnikenaus- tausch sich zur Lage zu äußern, so können derartige Erklärungen allgemeinster Beachtung sicher sein. Di« Tagung des im sturmbewegten Jahre ISIV gegründeten Reichsoerbandes der deutschen Industrie, die tn ihrer Vollsitzung vom S. September führende Männer der Industrie und der Regierung vereinigte, zeichnet« stch dadurch aus, daß mit anertennenewerter Offenheit gesprochen wurde. E« wurde nichts beschönigt: im allgemeinen wurden die Ding« so hin- gestellt, daß man wohl von einer sachlichen Bericht- e r st a t t u n g sprechen kann.. Di« Reden fanden in der diesmm besonders stark besuchten Volloersammlung einen Widerhall, der volles Derständnis zeigte für das, was für die Allgemeinheit besorgt«. auf hoher Warte stehend« Führerpersönltchkeiten im Interesse de» Landes zu sagen sich berufen fühlten.... Es berührt erfrischend, wenn man sieht, daß an maßgeben» itt Stelle kein Blatt vor den Mund genommen wird. Das ist besser als alle Verschleierung, unter der wir leiden. Und sollte die au» solchen Worten aussteigende klare Er- kenntnis der Lage zu der so heiß ersehnten wirtschaftlichen Besserung führen, so wird man diese Tagung de« Reichsverbande« der deutschen Industrie als Markstein auf auf steigendem Wege betrachten können." So zu lesen in einem deutschnationalen Organ, zwei Tage nach der Rede Silverbergs. Ist es Zustimmung zu Silverbergs Ausführungen, ein Zeichen daß man auch bei „öankraub!" Eine kleine Geschichte im amerikanischen Stil. Bon Bob W illey. Die Office der kleinen Bank, die Bill Aubrey»„Vermögen" ver- waltet, liegt in der... sten Straße. Hier ist fast kein Verkehr, der drängt stch in anderen Straßen, fo sehr, daß man zu Fuß schneller vorwärts kommt. Em einleuchtender Trost für die, die kein Auto besitzen. Also auch für Bill Aubrey, dem kleinen schriftstellerischen Hilf»- aideiter der„Weekend New»', der aus dem Wege zur Redaktion ist, um seinen wöchentlichen Kriemnalbericht abzuliefern. Rur zu feiner Bant will er noch gehen, einige Dollars abheben, da er notwendig einen neuen Anzug braucht. Er taust nämlich in einem Geschäft, da«, durch feine übrige Kundschaft beeinflußt, Schecks«in« unüberwindbare Zlbneigung entgegenbringt. Vor ihm am Kassenschalter steht«in Mann, der den linken Arm in einem dicken Verband trögt. Dills Phantast« wird lebendig,— «r hat erst gestern die Verhandlung gegen«inen Bankräuber mitan- gehött, der den Trick benutzt hat. Den Arm tn der Bind« und tn der Binde den Revolver.„Zehntausend bitte, oder ich schieße!" Der Kassierer weiß das ganz genau und gibt wortlos die verlangt« Summe hin. Lieber das Leben behalten und die Stellung oerlieren, als um- gekehrt.— Daran denkt Bill, als er den Mann mit dem Verband am Schalter steht. Aufmerksam beobachtet er. Richtig! Ein paar ge- flüsterte Worte,— und mit mehreren großen Scheinen zieht der Mann los. Bill hinterher. Wenn er ihn fassen kann, gibt es b«. stimmt eine Belohnung, faßt er ihn nicht, kommt wenigstens«in Ar- ttkel und ew Sonderhonorar dabei heraus. Hoffentlich sagt der Chef nicht:„Das gehört zu Ihrem Fach, Sie find ja dazu angestellt, den Kriminalbericht zu schreiben." Aber jetzt nicht denken, sondern hinterher. Draußen steht«in Auto, der Mann springt hinein, ein anderer kurbelt an.— da hält glücklicherweise der Policeman an der nächsten Eck« die Hand und lettet« den spärlichen Berkehr eine Weil« in der anderen Richtung. Es find nur zwei oder drei Wagen. Das Berbrecherauto verfucht, das Sperrfignal zu überfahren, der Verkehrspolizist springt zu, wird umgerissen, aber zwei andere Hüter des Gesetzes erscheinen und holten den Wagen. Plötzlich ist der Arm gesund und mit dem einen Polizisten entspinnt stch ein regelrechter Boxkampf. Der ander« macht den Chauffeur dingfest. Um die Boxenden versammelt ssch«in dichter Kreis. „Gib's ihm, Tim!" „Das war ein guter Hieb, Pat!" Da bricht der Polizist zusammen. Der Revolver knallt, alles stiebt auseinander... ander« Polizisten erscheinen... Schüsse vc» ollen Selten. Dem Banträuber fällt der Arm schloff herab.— den Deutschnationalen an eine Revision der Einstellung zur Sozialdemokratie denkt? Aber nein, es ist nur eine journalistische Pleite. Die „Deutschnationale Tagespost" gehört noch zu denen von gestern, für sie existiert journalistisch nur, was am Sonnabend, vor drei Tagen, bekannt war. Leitartikel und Rede Silver- bergs wollten nicht zusammenstimmen, also hat man kurzer- band das wesentlichste aus der Rede Silverbergs gestrichen. Aber morgen, morgen werden die Leute von gestern das Gegenteil von ihrem heutigen Leitartikel sagen. Und die Leser? Die hält man für so— deutschnational, daß sie nichts merken, und die„bitteren Wahrheiten" von gestern genau so gläubig aufnehmen wie das, was morgen folgen wird.__ �Kreuzzeitung" für Noskau. Gegen den„Vorwärts". Die russische Regierung ist von einem gerechten Schickial ereilt worden. Sie hat dem Genossen H e l n i g die Einreise nach Ruß- land oerweigert— und die„Kreuzzeitung" l o b t sie dafür! Für das preußische Junkerblatt ist dle Sache ungeheuer einfach: Die russischen Bolschewisten befürchten von dem„Vorwärts"- Mann empfindliche Schädigung ihrer Bundesinteressen, und sie sind Nationalisten genug, stch einen vermeintlichen roten Hetzer vom Leibe zu halten. Die bürgerliche deutsche Presse wird von Ihnen offenbar höher eingeschätzt. Die„Kreuzzeitung" Ist fichtlich stolz darauf, daß st« von den russischen Bolschewisten„höher eingeschätzt" wird; allerdings ist auch in vielen Punkten die Gesinnungsverwandtschaft viel enger. Daß die Sozialdemokratie für mehr Freiheit eintritt, al» sie in Rußland gewährt wird, lonstatiert die„Kreuzzeitung" aus- drücklich, aber das ist natürlich in Ihren Augen für uns nur ein Nach- teil. Indes hofft sie auf Besserung und redet«ns gut zu: Hoffentlich wirkt der Fall des„Borwärts"-Manne» er- zieherisch, gerät die sozialdemokratische Presse künftig nicht gleich au» Rand und Band, wenn auch die deutsche Regie- rung einmal gegen einen ausländischen Hetzer einjchreitet. Die„Kreuzzeitung" wünscht also für Deutschland einen Polizei- knüppel von der Stärke de» russischen und erbittet dazu unsere Zu- stimmung. In diesen Dingen Rußland als Borbild zu betrachten, ist für die„Kreuzzeitung" noch au» der Zarenzeit traditionell. Un» aber war die zarische Polizeipolitik nie ein nachahmenswertes Bei- spiel, sse ist es auch heute, wo sie von den Bolschewisten getrieben und von der„Kreuzzeitung" empfohlen wird, so wenig wie nur je! Untersuchung öer Reichsbahn. Einsetzung von Kontrollausschüsscn. Die große Beunruhigung der Oeffentlichkett durch die erschreckend« Häufung der E i s e n b a h n u n f L l l e hat die Reichsbahnverwaltung veranlaßt,«in« besondere Untersuchung des Eisenbahn- b e t r i« b e s durchzuführen. Es werden drei zentral« Aus- schüff« gebildet, in welchen die Verwaltung und das Per- sonal vertreten sind, und zwar«In Ausschuß für die Bahnunter- Haltung, einer für die Maschinen und«in dritter für den eigentlichen Verkehrsbetrieb. Di« Ausschüsse haben die Möglichkeit, in den«in- zelNen Bezirken noch besondere Vertreter der Verwaltung und de» Personal» heranzuziehen. Die Tätigkeit der Ausschüsse soll sofort beginnen. Di« Untersuchung ist dringend notwendig. Allein der Untersuchungsapparat, wie ihn die Reichsbahnoenvattung ssch denkt, leidet an einem bedenklichen Fehler. Das Personal, dos man zur Kontrolle heranziehen will, befindet sich in abhängiger Stellung. Da» Damoklesschwert des Abbaus und der Entlassung hängt über jedem einzelnen und zwingt Ihn zur Zurückhaltung in der Kritik. Das Personal getraut sich nicht zu reden— das ist«in offenes Geheimnis— und eben deshalb ist ja schon bisher auf viel« Miß- stände und Vorkommnisse die Oeffevilichteit nicht rechtzeitig aufmerksam gemacht worden. Wenn die Untersuchungsausschüsse imstande er ist getroffen. Drei Sekunden später ist er gefessett und abgeführt. Bill Aubrey hat rasch einige Wort« aus seinen Notizblock ge- kritzelt, tritt zu dem Polizisten und bietet sich als Zeug« an. Der besieht ihn von oben bi» unten: „Bankraub?-- Da» Staatsschauspiclhaus hat für die kommende Spielzeit unter anderen vorgesehen an Uraufführungen: da» Lustspiel „Falsche Karten— redlich Spiel" nach dem Englischen de» George Farquhar von Leonhard Adelt:„Dorothea Angermann' von GerhartHauptmann(gemeinsam mit den Retnhardt-Bühnen in Berlin): Alfieris Tragödie„Saul" in der Uebertkagung von Heinrich Simon: an Erstaufführungen:„Zweimal Oliver" von Georg Kaiser;„Ollapotrida" von Lernet- H o l e n i a:„Major Barbara" von Shaw;„Tod und Leben" von Bossermann-Jordan und„Cralnduebille" von Ana« tole France;„Spiel im Schloß" von M o l n a r:.Toblas Buntschuh' von Earl Hauptmann;„Folkungersage" von Strtndberg; an Neueinstudierungen: Schillers„Jung- frau von Orleans", Shakespeares„Richard III." und„Was ihr wollt", Goethes„Faust" I, Lesstng»„Nathan", Hebbels„Gyges", Calderon»„Richter von Zalamea" in der Bearbeitung von Eugen Gürster, Grillparzers„Traum ein Leben",„König Oedipu»" von Sophokles. Der Große Slaalspreis. Die Akademie der Künste schreibt soeben den Großen Staatsprei« aus, um den sich in diesem Jahre Maler und Archtltekten bewerben können. Bor- bedingungg ist, daß die Bewerber die preußisch« Staatsangehörigkett besitzen und als Maler das 32., als Architekt das 30. Lebensjahr am 10. Februar 1327(dem Tage der Cinlieferung des Wettbewerbs- arbeiten in Berlin) nicht überschritten haben. Eine Zulassung zum Wettbewerb bei Ueberschrelwng der Altersgrenze wird in oiesem Jahre nochmals bei den Bewerbern in Erwägung gezogen werden, die nachweislich durch den Heeresdienst in den Jahren 1314 bis 1313 in ihrer Berussausbildung behindert waren. Die näheren Aus- schreibungsbedingungen können von der Akademie der Künste Berlin W 8, Pariser Platz 4, bezogen werden. Die Auswahl von Filmen für Schulzwecke. Wie der Amtliche Preußisch« Pressedienst mitteilt, weist der Unterrichtsminister an- läßlich eines Einzelfalles darauf hin, daß die maßgebende Beurtci- lung von Bildstreisen(Filmen) auf ihren unterrichtlichcn, volk»- bildenden und künstlerischen Wert durch die auf Veranlassung der beteiligten Ministerien begründete Bildstelle des Zentral- instttuts für Erziehung und Unterricht erfolgt. Nur die von dieser Stelle ausgefertigten Bescheinigungen über die Ctg- nung eines Films für den Schulunterricht, für Schüler- und Eltern- abende haben amtliche Geltung. Der Minister legt deshalb Wert darauf, daß bei der Auswahl van Bildstreifen für Vorführungen in Schulen oder Veranstaltungen, die mit der Schule in Verbindung stehen, nur solche Bildstreisen berücksichtigt werden, die von der ge- nannten Bildstelle al» für einen dieser Zwecke geeignet bezeichnet sind. Dabei ist besonders zu beachten, für welche Deranftoltungen, sein sollen, gründlich die Frage der Betriebssicherheit zu prüfen, dann müssen unabhängige Leute in diesen Ausschüssen sitzen. Wir machen deshalb den Vorschlag, in jedem der zentralen Ausschüsse Reichstagsabgeordnete, von jeder Fraktion einen Vertreter, zu delegieren. Diese können sich dann zum Dolmetscher alles dessen machen, was das Personal nicht vorzutragen wagt. Tagung öer �llöeutschen. „Letzte Warnung vor dem Völkerbund." In Bayreuth hoben sich der alldeutsche Justizrat C l a ß und seine Getreuen versammelt. Es sind schlechte Zeiten für diese letzten Säulen deutscher Mannestreu«. Nichts will mehr glücken. Tanze«10 Mann kommen nach dem doch gewiß nicht zu niedrig schätzenden Bericht der„Deutschen Zeitung' zur öffentlichen Tagung zusammen. Ein Trost, daß am Abend wenigstens die Kapelle der Reichswehr spielt. Ideen wird man vergebens suchen. Die Ideen sind immer dieselben. Der Hauptseind, das sind die Marxisten und Stresemann. Das Schlimmste ist der Völkerbund. Feierlich wird einstimmig eine Entschließung an- genommen, in der„noch einmal In letzter Stunde" der Alldeutsche Verband eindringlich seine warnende Stimm« gegen den Eintritt Deutschland» in den Völkerbund erhebt. Und warum? „Der Eintritt in den Völkerbund wäre die Krönung der International«Inge st- Ilten marxt st Ischen Er- füllungspolitik, wäre dt« nochmalig« Unterzeichnung und freiwillige Anerkennung des Versailler Diktats und die Bekräftigung der Verträge von Locarno. Er wäre damit der freiwillige Verzicht auf deutsches Volk undLandin Nord, Ost und West, er wäre die sreiwillige A n- erkennung der Dawesqesetze mit dem Berluste der politischen und wirtschaftlichen Souveränität Deutschlands, er wäre oic sreiwillige Uebernahme der brutalen Bedrückung und Aus- saugung durch die Gesetze. Gegen eine Reichspolitik, die uns hierhin geführt hat, erhebt der Alldeutsche Verband den schärfsten Widerspruch. Niemals darf das nationale und völkische Deutschland das Er- gebnis dieser Politik für sich al» verbindlich anerkennen. Dies Ergebnis durch sogenannte positive Mitarbeit zu befestigen, wäre Lersündigung am deutschen Volke und seiner Zukunft." Claß und seine Mannen sind für„rücksichtslose nationale Oppo- sttion", und offen bekennt sich der Herr Iustizrat zur Putsch- Politik. Cr ist dafür,„die bei anderen Völkern bewährte Diktatur als bestes Uebergangsmittel zu empfehlen". Er will„offen be- kennen, daß die Wiederherstellung der Monarchie politisches Ziel ist, daß die Wiederkehr des Kaisertums zur Wiederherstellung der Ordnung im Daterlande" notwendig ist. Er will mit dem„System der blinden Massenherrschast brechen und einen Verfassungszustand schaffen, der dem Einsichtigen (lies Claß!) Im Baterlande den notwendigen Einfluß sichert". Herr Claß wird noch manchen Kranz in Bayyryeuth nieder- legen, aber den Tag wird er leider nicht erleben, der ihm„den not- wendigen Einfluß" sichert. Der Putschismu» stirbt aus. Geborstene Säule. Ein betrügerischer Völkischer. Hannover, S. September.(Eigener Drahtbericht.) Schon wieder ist eine Stütz» des völklsch-deutschnationalen Landbundes zusammen- gebrochen. In NIenburg-Weser wurde der Geschäftssührer Gräpp des Kreislandbundes von der Polizei fest- genommen. Gräpp, der auch die bedeutenden Handelsgeschäfte des dortigen Landbundes leitete, steht In dem Verdacht, große Wechselfälschungen vorgenommen zu haben. Die unter- schlagenen Summen sind auf etwa 30 000 Mark beziffert. Darüber hinaus hat Gräpp noch größere Anleihen bei Nienburger Geschäfts- leuten aufgenommen. Die oerhastet« Landbundgröße war all- gemein als besonders scharfer Agitator für die Böl- tischen bekannt. Gräpp hat sich seinerzeit auch fälschlicherweise den Titel eine» Oberleutnants a. D. zugelegt. Schularten, Unterrichtsgebiete, Altersstufen oder Dorfühnmgsweiscn die Bildstreifen nach dem Gutachten der Bildstelle in Betracht kommen. Dagegen, daß die von der Bildstell« empfohlenen Bild- streife» von örtlichen Stellen noch auf ihre Eignung für die be- sonderen Verbältnisse des Borsührungsortes und die geplanten Ver- anstaltungen hin geprüft werden, ist nichts einzuwenden. Es ist jedoch darauf zu achten, daß diese Prüfung stch nicht auch auf Bild- streifen erstreckt, die von der Bildstell« des Zentralinstitut« noch nicht begutachtet sind. Ein amerikanische» Elefankenldyll. Au» elnem Zlrku», der stch in den Städten de» amerikanischen mittleren Westen» produzierte, brachen Anfang August fünf Elefanten au». Hiervon konnten trog umfangreicher Polizeistrelfen zwei bisher noch nicht gefunden werden. Die Spuren deuten darauf hin, daß die beiden Tiere stch jetzt in den Gebirg»wäldern der Rocky Mountains aufhalten. Da die beiden Ausreißer ein Pärchen find, scheint nicht ausgeschlossen, daß Nordamerika im Laufe der Zeit eine unerwartete Bereicherung seines Troßwildbestandes erhält. Ein königlicher Freund des cichls. Bei der Ordnung de. Nach- lasses des Königs Rama VI. von Siam, der im leisten Herölt starb, entdeckte man unter den beträchtlichen Schulden, die der Monarch hinterlassen hatte, auch groß« unbezahlte Rechnungen für elektrische, Licht. Bon den 300 000 Pfund Sterling, die er im letzten Jahre seine» Lebens ausgegeben hatte, entfielen nicht weniger als 37 000 Pfund Sterling auf Lichtrechnungen, also mehr als 2000 Mark täglich._ 3« der lrtbüli« darf wirder gespielt werden. Nachdem die vaupolizei da« Tbeater.Die TrlbUnc* begulachtet Bat und Mmtlichc lSorfchristen er- stillt find, wurde feiten« de» Polizeipräsidiums der Forlgang der Bor« stellungen gestatte». Es geht von heute ab allabend Rittner» Don-Juan. Drama.Unterweg»" in Szene. Im Schlohmuseum find vom 5. BIS 16. diese« Monat» zwei gemalte Scheiden ausgestellt. Stiftungen der Stadt Lörrach In Nadrn sllr da« Rat- Bau# der benachbarten Stadt Basel zum Dank für die während der Notzelt nach dem Kriege gewährte Hilse. Die Scheiben sind von Pros. Sl d o ll Str llde entworfen und auSgesllhrt in den WerfflStten sltr KlaSmalei ei von«ottfried Heiner» dm ff. Puhl& Sagner tn«erlin-Treptow. Sie find im zweiten Stock de» Museums, am Siiigang zur Sob-Iingalerte. ausgestellt. ver österreichisch« Vunde»v»rlag ftir Unterricht. Wissenschaft und Kanft 1» Wien, der seit über 160 Jahren besteht und al» berusener Vertreter österreichischer Kultur und Kunst sich gegenwärtig besonders um die Ver« öffentlichung von Werten der Kunst, be« schönen Schrisltuin». de« Jugend- buche», der Musik und TvziehungSIehre verdient wacht, veranstaltet in den Räumen der Buch- und Kunsthandlung ReuhätVollack. Berlin D. 16. Kurfürstendamm 220� eine Sonderbuchschau der vvn ihm verlegten Werke! Sie wird am 7. September d.& eröffnet und elnen annähernden Ueberbllck der Leistungen des staatlichen öslerrcichftchen Berlage» gewähren. Dr. E. g. W. Behl wird dabei einleitende Worte sprechen. Slaalstche«uvstblbllolbet.«nläfilich der Modeveranstallnngen im S-p' tembcr ist in der Staatlichen K u n st b i b I i o t h- t. Prinz. Aldrecht- Stratze 7 a. eine Ausstellung der jungen Modezeichnerin Marltce Hinz (eigene Erstndungen ftir Mode und Phanlasietoilüme sowie Ketchmmgcn »ach sremben Modeschöpsungrn) eröffnet worden. Sie ist tH( t t i c m «Kutrttt wochentägllch von 3-9 Uhr Mstängwh. Die Krise öer spanischen Diktatur. Ter Widerstand des Artillerieoffizierkorps ungebrochen. Parl-.S. September.(EJIB.)„Journal des vebats" meldet aus Hendaye über dt: Ereignisse in Spanien aus Grund von Au»- sagen Reisender, die aus Madrid und der Provinz Asturlen dort ein- getrosfen sind, e» sei nicht zweiselhast, daß der Konflikt mit den Ossi- zieren des Artillerie- und Geniekorp» durch da» Zögern Primo de Rioeras, der nach einigem Schnxmten seine Vorschläge zu rück g e- zogen habe, bedeutend verschärft sei. Die Ossiziere seien zum wider st and entschlossen und mollten ihre Kommandostellrn behalten. Sie rechneten hierbei aus die Unterstützung der Unter« o s s i z i e r e. Die Direktoren und das Personal der wassenfobriken von Oviedo und Trubia sollen die Verteidigung organisiert und mit Maschinengewehren und Panzerwagen ein verschanzte» Feldlager hergestellt haben, vor einigen Tagen hätten die Artillerietruppen sich von der durch die Generale Weyler und Agullera geleiteten De- w»gung noch serngchalten. Zweifellos habe primo de«ivera den Belagerungszustand verhängt, um eine Verbindung sämtlicher Massen- galtungen zu verhindern. Der Gewährsmann de»„Journal de» Debat»" erklärt, er habe Gelegenheit gehabt, die Ereignisse mit einer Persönlichkeit de» Hofe» zu besprechen. Danach soll sich K ö n i g A l s o n» bereit» seil einigen Machen über den Ernst der Lag« Nar gewesen sein. Die Schnelligkeit jedoch, mit der der Konflikt sich verschärst habe, habe ihn Überrascht. E» fei verständlich, daß er General primo de RIvera solange halten wolle, als er für ihn keinen Rachsolger finden könne, der das vertrauen sämtlicher wassengattungen besitze. Bei dem gegenwärtigen Stand der Dinge wisse man nicht, w e r die Rolle des Friedensstifters übernehmen könne. Generate, deren Ramen genannt würden, könnten sich zwar gegen General primo de Rivera zusammenjchlieszen. aber es scheine sehr schwierig zu sein,»ah sie sich miteinanderver ständigen, um die Festigkeit einer neuen militärischen Diktatur zu sichern. Bor der Räumung Marokkos? p a r i». ö. September.(Eigener vrahlbericht.) Au» Tanger vorliegende Telegramme behaupten, dasz die Spanier Vorbereitungen getroffen hätten, die spanische Marokkozone zu räumen. Trotz der scharfen Zensur erhält sich da» Gerücht, dasz die spanischen Truppen in der Röhe von Ehechaouen eine schwere Niederlage erlitten hätten. Zn den hiesigen Abendblättern, die diese Rachricht kommentieren. wird daraus hingewiesen, dah man in Frankreich vorläufig nicht daran glauben könne, dah die spanische Regierung, die für Marokko so schwere Opfer gebracht habe, jetzt sich plötzlich zur bedingungslosen Räumung der Marokkozone entschlossen habe. Völlige Nachrichtensperre.— Wenn Primo bleibt, hat er 15 000 neue Gegner. pari», S. September.(Eigencr Drahtbericht.) Die letzten aus Madrid vorliegenden Nachrichten stammen zum Teil von Reisen- den, die aus Spanien eingetroffen sind. Sie stellen die Lage ent- gegen den offiziellen optimistischen Nachrichten al» sehr gesähr- lich hin. Sämtliche telrgraphischen und telephonischen verbin- düngen mit dem Ausland sind unterbrochen. Im Innern des Landes ist die strengste Zensur über die Presse verhängt. Alle aus Spanien am Montag in Frankreich eingetroffenen Zeitungen sprechen mit keinem Wort von den Ereignissen der letzten Tage.(!) Sie verössenilichen bloß längere Aussührungen über die Organisierung des Plebiszits am 11., 12. und 13. September. Meldungen aus„autorisierter Quelle" zufolge, die die izavas- agentur wiedergibt, sei die Militärrevolte allgemein in allen Ar- tillerieregimentern des Landes. Di« Artillerietasernen von Barcelona werden von anderen Truppen bewacht, die sie umzingelt haben. Die Belagerten haben durch die Wände Löcher gebrochen und Kanonen hinter ihnen aufgestellt, um sich auf«inen eventuellen Kampf vorzubereiten. Demgegenüber oeröffentlichen die Pariser Abendblätter ein« Erklärung de» Direktorium», in der be- hauptet wird.die Regierung sei Herr der Lage und es fei nirgends zu Unruhen gekommen. Die Osfiziere, die sich der Be» wegung angeschlossen hätten, würden vor ein Kriegsgericht gestellt werden. Der General Primo de Rivera habe den Prefle- Vertretern gegenüber geäußert, daß er mit viel Bedauern ersabrcn habe, dah es in Pampelona zu blutigen Zwischenfällen gekommen sei, al» die Regierungstruppen die meuternden Artillerie- osfiziere aufforderten, sich zu ergeben. Ein Leutnant und ein Soldat wurden getötet,«in Unteroffizier und ein Soldat verletzt. Alle ge- hörten Artillerieregimentern an. Der General Primo de Rivera fügte hinzu: Morgen wird hoffentlich die ganze Angelegenheit liquidiert sein. Ein Minister» rat wird unter dem Vorsitz de» Königs zusammentreten, um die Sanktionen festzulegen, die unabhängig von der gerichtlichen Verfolgung über diejenigen verhängt werden, die sich außerhalb de» Gesetzes gestellt haben. Sämtliche diplomatischen verlreler, die sich zum Teil in San Sebastian befunden haben, sind nach Madrid zurückgekehrt, darunter auch der deutsche Botschafter. Ein andere» offizielles Kommunique gibt bekannt, daß das Land einstimmig die Maß» nahmen der Regierung gegen die aufrührerischen Artillerieoffizier« gebilligt habe und dah aus der Provinz zahlreiche Ermutigung»- schreiben bei dem Direktorium eingelaufen seien. Doch betont die hiesige Abendpresse, daß diese optimistischen Nachrichten mit viel Vorsicht auszufassen seien, da sie den Erzählungen der Reisenden, die aus Spanien eintreffen, widersprechen, und da außerdem doch die Tatsache nicht zu leugnen sei, dah Primo de Rivera durch sei» Vorgehen gegen die Artillerieoffiziere 15 000 Unzufriedene ge- schaffen habe, mit deren Gegnerschaft er rechnen müsse. Es sei als« verfrüht, sich über den Ausgang dieser Krisis irgendein Urteil z« erlauben. pari». S. September.(EP.) Der Quai d'Orsay hat seit B e gi n n der spanischen Krise keine Nachrichten vom französische« Botschafter in Madrid erhalten. Aus dem sranzösisch-spanischei' Grenzland wird gemeldet, daß dort die Züge regelmäßig ver. kehren. Am Sonntag begaben sich zahlreich« Touristen nach Sa« Sebastian, um an den Stierkämpfen teilzunehmen. Im Grenzbezirl soll die Lage ruhig sein. Für öie weltliche Schule. Tagung der sozialistischen Lehrer. Mit den brennenden Fragen der Schulpolitik beschäftigte sich der chauptaussckuß der Arbeitsgemeinschaft tozial- demokratischer Lehrer Deutschlands aus einer Tagung vom 4. bis 6. September in Düsseldorf. Nach der Begrüßung durch Vertreter des Parteioarstaildes, des ADGB., der AfA, des Butab, der preußischen Landtagsfraktion u. a. gab der Vorsitzende, Genosse Dr. Löwenstein, im Jahresbericht die Erklaning ab, daß die sozialistischen Lehrer einheitlich und geschlossen hinter dem Partei- vorstand stehen bei seiner Forderung, daß die welliiche Schul« die einzig mögliche Schul« für den einheitlichen sozialen und demo- kralischen Aufbau unserer Gesellschaft ist, daß die weltliche Schule der Reichsvcrfassung. obwohl sie noch keine Erfüllung unseres Parteiprogramms ist, verwirklicht werden muß, und daß die Sammellchulen, obwohl sie keine Erfüllung der Dersasiung und unseres Programms bilden, ein wichtiges Glied in der Entwicklung sind. Unser« Forderung ha: nicht nur eine Stütze in der Reichs- Verfassung sondern auch in der gesellschaftlichen Entwick- l u ii g, in der Entmicklung zur Weltlichkeit. Der neue K ü l z s ch e Entwurf eine» Reichsschulgcsetzes ist aufs schärfste zu bekämpfen. Er gibt anscheinend der S i m u l t a n s ch u l e eine Vorzugsstellung, macht aber die Länder zu entscheidenden Instanzen, die vorher den Charakter ihrer Schulen festlegen, wodurch tatsächlich der 2 e» kenntn!»schule eine Vorherrschast eingeräumt wird. Die Lehrerbildung steht vor einer Katastrophe. Die Veröffentlichung der preußischen Akademieleiter zeigt, daß die zukünftig« Dolkeschullehrer- bildung in den Akademien noch unter der bisherigen Seminar» bildung stehen wird Der chauptausschuß nahm einstimmig zwei Enschlicßungen an, durch di« der entschieoene Kampf für die weltliche Schule und gegen di« Verletzung der Rcichsvenasiung durch den Külzschen Schulgesctzentivurf ausgerufen wird. Das chauptrefciat über de»»Aufbau des Schulwesens" unter besonderer Berücksichtigung des vcrussschulwescn» hielten die Genossin Professor Dr. SIemsen und der Genosse W o l d t. Genossin Si-msen führte aus: Da die Erziehung Funktion der gesamten Gesellschaft, nicht aber Angelegenheit einzelner Jnler- essen- und Wcltanschauungsgruppcn ist, so ist an der O e s f e n t l i ch- keit des Schulwesens unbedingt festzuhalten und jede Schul- sorm, die privaten Gnippen die Erziehung überantwortet, abzu- lehnen(konfessionelle, Werkschulen. Handwerks- und Handelskammer- schulen usw.) Zu begrüßen sind dagegen alle Organisationen, durch die Kinder. Jugendliche oder Erwachsene ihre eigene Erziehung oder die von Berufs- und Klasiengenossen in solidarischer Zusammen» arbeit erstreben. Diese Organisationen sind ein unentbehrliches Mittel, die Demokratisierung des Schulwesens von unten auf zu er» reichen. Da die gesamte körperliche und geistig« Erziehung als ein ein- heitlicher Akt der Gesellschaft anzusehen ist, müßt« ein Erziehung?- Programm die gesamten Maßnahmen umfassen, durch die ein Kind vom Eintritt ins gesellschaftliche Dasein an zur gesellschaftlichen Wirksamkeit besähigt wird, allmählich vom Gegenstand zum Träger dieser Fürsorge heranwachsend. Alles, was unter dem Namen Jugendwohlfahrt begriffen wird, gehört also in unsere Aus» gab« mit hinein. Der willkürlichen Scheidung, durch die die Mehr- zahl unserer Kinder mit dem 14. Jahre der Ausbeutung im heutigen Wirtschaftsprozeß preisgegeben wird zum Schaden oer gesamten Gesellschaft, stellen wir diese Forderung entgegen, daß diesen Jugend- lichen umfassender gesellschaftlicher Schutz bis zu ihrer vollen Bildung gewährt wird. Genosie Woldt wandt« sich besonders der Frage der Berussschullthrerausbildung zu: Die Berufsschul« befindet sich zurzeit in besonders schwieriger Lage, weil sie sich dem stürmisch vollzieh�iden Uinsormungsprozeß unserer Industrie anpassen muß. Die zunächst als Protest gegen die alteHandwcrkslehrc entstandenen Werkschulen sind wohl in iechmscher Hinsicht mustergültig, aber sie sind abzulehnen wegen der Gefahr der Gesinnungszüchterel(Heranzüchtung de»»zuverlässigen gehör- samen Arbeiter,). Was au» der Berufsschule werden kann, soll und muß. ist abhängig von der Frage, wie di« Bildung ihrer Lehrer ge- regelt wird. Zum Berufsschullehrer eignet sich nlemand, der nicht den Jugendlichen innerlich nahesteht und ihre Arbeit�gründlich kennt. Gegen die Ausbildung der Gewerbelehrer an den technischen Hoch» schulen in Ihrer jetziaen Gestalt bestehen Bedenken. Wir müssen eine Ilmformung der Technischen Hochschulen fordern: in diele reformierte Hochschule ist die Gewerbelehrerausbildung dann einzubauen. Auch dt« standige Fortbildung der Gewerbelehrer muß an dieser Stelle ersolgen. Bei der Ausbiidung ist besonderer Wert auf die staats- bürgerliche Ausgabe der Berussschule zu legen: neue Fannen der Arbeitsgesinnung, neue Arten der Arbeiterpsychologie sind zu finden. Nach einer angeregten Besprechung wurde einstimmig ein Pratest angenommen gegen die Versuche der Konfcssionali- sierung der Berussschule in Westdeutschland. Eine weitere Entschließung verweist auf di« Gesahr, die der heranwachsenden Arbeiterarganisatian van durch das Institut für technische Arbeits- schulung in Düsseldorf ausgebildeten Werklehrern droht. Für die Ausbildung der Gewerbelehrer wird gefordert: Reife einer höheren Vollanstalt und vollständige Beherrschung eines praktischen Berufs. Den Anwärtern, die aus vraktischen Berufen kämmen, ist die Zulassung auf Ersatzreifepriisung zu ermögliche», bei der besonders praktisches Können an Stelle von wisscnschastlichen üiachcrn treten darf.. Die polnisch-rumänische Militarkonvention. Veröffentlichung und nationalistische Kommentare. condon.«. September.(WTB.) Das New Yorker Hearstblatt „New York American" läßt sich aus Genf den Wartlaut einer pal- nisch-rumänlschen Militärtonvention drahten, der nach nicht im Sekretariat des Dölkerbund«- niedergelegt worden sei. Die Konvention besagt u. a., daß, wenn einer der Bertrag- schließenden von einer dritten Partei angegrissen werde, der andere Vertragschließende ihm zu H i l s e kommen solle. Der Durch- marsch rumänischer Truppen durch polnisches Gebiet werde zur Be- segung bestimmter Linien nur gestattet, wenn Rußland im Falle ciikes polnisch-deutschen Krieges Deutschland zu Hilfe kainme, oder im Falle eines russisch-polnischen Krieges, während polnische Truppen zum Einmarsch aus rumänisches Gebiet nur im Falle eines rumänisch-ungarischen oder rumanisch-bulgarischen Krieges ermächtigt seien. Der Konvention sei«in Brief des rumänischen Generals Pctala beigefügt, in dem der General sagt, wenn Palen van Rußland allein angegriffen werde, empfehle der französische Generalstab im Hinblick auf die Tatsache, daß die palnisch-rumänischc Mobilmachung und Konzentration acht Tage vor der russischen de- endet sein könnten, eine sasortige energische Offensive und eine Besetzung der Linie Witebsk— Mohilew— Hamel. Wenn im Laufe der Creignisie die deutschen Truppen eine drohende Haltung zeigten, werde Frankreich intervenieren. Petala sagt weiter, auf eine Unterstützung durch französische Truppen dürfe man nicht rechnen, da die össentltchc Meinung in Frankreich dem noch nicht günstig sei, e« werde aber Kri gsmaterial und»in« Militärmissian über Südslawien nach Rumänien gesandt werden. « Diese Veröffentlichung Ist ein gefundenes Fressen für Hugen- bcrgs bellende Hunde. Die TU. erklärt, die Enthüllung der rumänisch- polnischen Militärkonoention errege in Berliner diplomatischen Kreisen„großes Aufsehen" und stelle vor der Wahl des Völkerbunds- rate» dt« beteiligten Mächte vor die„entscheidende Frage, ob es zu- lässig ist. zwei Mächte neu» den Völkerbundsrat zu wählen, die durch einen Geheimaertrag allen Friedensideen de» Völkerbundes in sa entscheidender Weise in» Gesicht schlagen". Aus dem Munde der Nationalisten wirkt dies« Fürsorg« für di« Erhaltung der erhabenen Grundsätze de« Dölkerbund«» lächerlich oder widerlich. Aber um gegen Polen zu hetzen, nehmen sie jede» Mittel, sogar den Völkerbund, der ihnen bisher so widerlich war. Sachlich ist zu bemerken, daß die Beröfsentlichung der rumänisch- polnischen Militärkonoention keinerlei Ueberraschung bringt. Van ihr ist bereits mit dürren Wart« in dem im Juni zwischen den beiden Staaten erneuerten Bündnis und Schiedsvertrag die Rede gewesen. Sie wurde damals als«technische Ausführung von Einzelheiten" bezeichnet und so wenig wie die Militärkonoentio- nen. die Frankreich mit Belgien, Palen mit der Tschechoslowakei ab- geschlossen hat, beim Völkerbünde registriert. Nach den heute nach geltenden Grundsätzen erblickt man eben in MIlitärkonvcntionen, die die Defensive gegen einen Angriffskrieg vorbereiten,„frieden- sichernde Mahn ahmen". Dies« gefährliche Auffassung im Völkerbund zu überwinden, wird eine der Ausgaben der deutschen Politik sein, bei denen sie mit völliger Unbefangenheit wirken kann. Solange diese Theorie aber allgemein anerkannt ist, ist es nichts als internationale Heuchelei, aus einer einzelnen Nutzanwendung bestimmten Mächten besondere vorwürfe zu machen. Frankreich dementiert seine Beteiligung. Paris, 6. September. H a o a» veröffentlicht heute folgende Fest- stellung: Ein Morgcnblatt hat eine Meldung des Newyork American über ein angebliches geheimes Militärabkammen zwischen Frankreich, Palen und Rumänien wiedergegeben. Da» französische Kriegsministerium erklärt, daß dies« Nachricht jeder Grundlage entbehrt. Ueberdies werden alle von Frank- reich unterzeichneten internationalen Abkommen dem Völkerbund unterbreitet werden. Ein tzilfeschrei an üen völkerbunü. Nicaraguas früherer Präsident bittet um Intervention. New Jork. S. September.(EP.) Der früher« Präsident von Nicaragua, General Juan S a c a s a, hat an den Völkerbund»- sekrctör ein Telegramm gerichtet, in dem er den gegenwärtigen Präsidenten als einen Usurpator bezeichnet und gegen seine Herrschaft protestiert. Er selber, Sacasa, sei der einzige rechtmäßige Präsident von Nicaragua. Sacasa fordert eine Intervention de» Völkerbundes. O Dieser Ruf des gestürzten Präsidenten des kleinen mittclameri- konischen Staates Nicaragua muß ungrhört verhallen. Der Völkerbund ist dazu da, den Frieden zwischen den Nationen aufrecht zu erhalten: was innerhalb der einzelnen Nationen vorgeht, damit darf er nach seinen heute geltenden Grundsätzen sich nicht befassen. Das Recht, zum Schutze von Minderheiten ein- zugreifen, ist eine Ausnahme van der allgemeinen Regel. Nach dieser Regel kann keine Partei, weder in Nicaragua nach auch sonst wa, darauf rechnen, daß die internationale Rechtsgemeinschast zu ihren Gunsten in innerstaatliche Konflikte eingreift. Polizei gegen die Vagipariei. In Budapest versammelten sich Anhänger der ungarischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei(Vagi- Partei) vor dem Gebäude des Ministeriums des Innern,»m im Ministerium«in Schriftstück zu überreichen. Di« Polizei verhindert« di« Ansammlung. Personen, di« der Aufforderung, sich zu entfernen, nicht nachkamen, wurden festgenommen. Gegen 61 Personen wurde das Uebertretungsverfahven eingeleitet. Nufflsch-afghanifcher vertray. Freundschaft und Neutralität. Rußland und Afghanistan haben einen Neutralität»- und Freundschaftsvertrag abgeschlossen. Der Vertrag sieht die Wahrung der Neutralität im Fall««ine» bewaffneten Konfliktes zwischen einer der Vertragsparteien und dritten Staate» vor. Er verpflichtet weiter beide Parteien zur Nichtbeteili- gung an feindlichen Abkämmen zwischen dritten Staate, gegen eine der Vertragsparteien und zur beiderseitigen N I ch t e i n- Mischung in innere Angelegenheiten sowie Nichtzulassung bei Tätigkeit von Elementen auf dem eigenen Gebiet, deren Ziel bei Kampf gegen die andere vertragschließende Partei Ist. Gegen tzerriot. Misttrauensantrag der Lyoner Sozialisten. pari». 6. September.(Eigener Drahtbericht.) Die sozialistisch« Partei des Departements Rhone hat die sozialistischen Mttgliedei de» Lyoner Gemeinderate beauftragt, in der nächsten Sitzung«i, Mißtrauensvotuin gegen Bürger meist er Herrtat einzubringen. Damit Ist der seit längerer Zeit schwebende Konflik! zwischen Herriat und der sozialistischen Mehrheit des Gemeinde- rats akut geworden: von den 57 Mitgliedern sind 31 Sozialiste» und 26 Radikalsazialc. Die Sozialisten haben also die Mehrheit 26 von ihnen haben sich dem Parteibeschluß unterworfen. Da« Schicksal Herriats wird also von den 5 anderen Sozialisten abhängen, deren Absicht man nicht kennt, da sie der Partelsitzuns ferngeblieben waren. Reinigung in Warschau! Rücksichtslose Untersuchung angekündigt.— Di« Polizei erhebt eine„Steuer"— sonst schickt fie Gin- brccher. Warschau, 6. September.(Eigener Drahtbericht.) Di« Ent- hüllungen über di« unerhörten Zustände innerhalb der Warschau«, Krimlnalpalizci haben einen Erfolg gezeltigt. Die Staat» a n w a l t s ch a f t hat einen ihrer Beamten mit der Prüfung bei aufgedeckten Mißstände beauftragt. Seine Person soll angeblich di, Gewähr dafür bieten, daß di« Untersuchung gegen das Verbrecher- tum unter den Polizeibeamten Warschau» rücksichtslos durch geführt wird. Inzwischen ist ein neuer Skandal bekannt geworden. Unzählig, Kausleute mußten der Polizei regelmäßig bestimmte Geld- summen zahlen, da ihnen sonst die größten Unannehmlichteite, erwuchsen. Den Kaufleuten, die sich weigerten, diese„Steuer" an di, Polizei abzuführen, wurden Einbrecher ins Haus geschickt, sa das sie späterhin die geforderten Gelder pünktlich zahlten, um sich va, weiteren van der Polizei ausgehenden Einbrüchen zu schützen. Der Präsiden« der Republik Likauen. Dr. Griniu». hat siä mehrere Tage offiziell in M e m« l ausgehalten. Dazu äußert di> offiziöse„Lietuva" die Hoffnung, daß eine Entspannung ii den Beziehungen zwischen Kowno und Memel im Werden sei. Db persönliche Fühlungnahme des Präsidenten mit führenden Person lichkciten des Memelgebietes werde gewiß zur Beseitigung ds Reibungsslächen beitragen. Der Eiseuindustriell« Lvui» Röchling ist Im Alter von 63 Jahr«, in Völklingen gestorben. Was ist ein angemestener Lohn? Lntzichung der Erwerbslosenunterflühung bei Lohnsireit. Die„Gcwerkschaftszeitung" vom 28> August veröffentlicht folgende bemerkenswerten Ausführungen: Nach den gesetzlichen Bestimmungen braucht der unterstützte Er- wcrbslose angebotene Arbeit nur dann anzunehmen, wenn für sie ein„angemessener" Lohn geboten wird> Das Arbeits. Ministerium hat wiederholt betont, daß, wenn der Lohn tariflich geregelt ist, der Bcrtragslohn als„ortsüblich und a n g e- messen" zu betrachten ist. Ist der Lohn für die betreffende Arbeit tariflich geregelt, so braucht der Erwerbslose die Arbeit nicht unter diesem Tariflohn anzunehmen: verweigert er die Arbeits- annähme, so bleibt er im Genutz der Erwerbslosen- u n t e r st ü tz u n g. Streitigkeiten sind jedoch vielerorts entstanden in den Fallen, wo der Tarifvertrag abgelaufen ist, so dah eine tarisvertragliche Lohnfestsctzung nicht mehr besteht. Sehr oft tritt die Zweifelsflage auf, ob. wenn der Arbeitgeber nunmehr einen geringeren Lohn anbietet, als vorher tariflich vereinbart war, dieser niedrige Lohn nun als ,.a n g e m e f i e n" angesehen werde» kann. Die Entjchcidung liegt in diesen Fällen beim V e r- waltungsausschutz, der als Beschwcrdeinstanz gegebenenfalls zu entscheiden hat. Ein Rundschreiben des bayerischen Arbeitsmini st c> r i u m s nimmt jetzt zu.dieser Frage Stellung und empfiehlt, dah die Arbeitsnachwcisvorsigenden in Z weiselsfällen über die Orts- üblichkeit und Angemessenheit der angebotenen Löhne ein Gutachten des zuständigen Schliäitungsausfchusses einfordern sollen. Das Rundschreiben lautet: „In der letzten Zeit sind vereinzelt Klagen darüber laut gewor- den, daß nach dem Ablauf von Tarifverträgen auf Arbeitgcbcrseite versucht wird, von Betrieb zu Betrieb niedrigere Löhne mit der Be- legschaft zu vereinbaren und ini Falle des Widerstandes der Arbeit- nehmer unter Vermeidung der amtlichen Schlichtungsstellcn die Streitigkeucn dadurch vor d e in öffentlichen Arbeits- Nachweis auszutragen, datz Arbeiter zu den neuen»n- günstigeren Bedingungen angefordert werden und im Falle der Ar- beilsverweigerung die Entziehung der Erwerbslosen- Unterstützung vom öffentlichen Arbeitsnachweis verlangt wird. Es bedarf kaum eines Hinweises auf die schwierige Lage des öffentlichen Arbeitsnachweises in solchen Fällen. Die Grundlage seines gedeihlichen Wirkens, das Vertrauen der beiden Parteien des Arbeitsvertrages, kann dadurch leicht erschüttert werden, mag die Entscheidung— in vielen Fällen wohl durch Stichcntschcid des Vorsitzenden des Bcrwaltungsausschulses— in einem oder anderem Sinne fallen. Der Arbeitsnachweis wird unter diesen Umständsn am zweck- mätzigsten auf die alsbaldige Bcfassung der a m t l i ch c n Schlich- t u n g s st c l l c mit dem betreffenden Lohnstreit hinzuwirken haben. Eine entsprechende Anregung an die in Betracht kommende amtliche Schlichtungsstelle kann hierbei ans den ij 5 Abs. 1 der Schlichiungs- Verordnung vom 30. Oktober 1923 RGBl. I S. 1043, 1080— in Bcrbindung mit!5 12 Abs. II der 2 Ausf.-VO. hierzu vom 29. De- zcmber 1923 RGBl. 1924 I S. 9, 150 gestützt werden. Unter Um- ständen kann es auch angszeigr sein, über die Ortsüblichkcit und Angemessenheit der gebotenen Löhne ein G u t a ch t c n d c s S ch l i ch- t u n a s a u s s ch u f s e s zu erholen" Das Reichsarbcits Ministerium betont in einem Rundschreiben, datz es den Ausführungen des bayerischen Sozial- Ministeriums z u st i m m t. was bei üer Neichsbahn gestattet wirü. Vom Verband der Maler wird uns geschrieben: Sonderbare Zustände herrschen bei einzelnen Bahnmeistereien in Bertin. Die Vergebung der einzelnen Arbeiten erfolgt von diesen. Ohne Prüfung, ob die betreffenden Firmen auch die Ec- währ für einwandfreie Ausführung der Aufträge geben, erfolgt die Zuschlagserteilung. Gegenwärtig wollen wir nur die Zustände von zwei Bahnmeistereien schildern, wir behalten uns vor, in nächster Zeit andere zu veröffemlichen. Die 51. Bahnmeisterei Laumschulenwcg hat Ar- beiten der Dresdener Firma S p a n g e r u. To. übertragen. Die Kollegen sind von Dresden noch Berlin geschickt worden und arbeiten weil unter Tariflohn. Daß keine Auslösung gezahlt wird, erachtet die Firma als selbstverständlich. 13 bl» 14 Stunden wird geschuftet, während zirka 1000 Kollegen in Berlin arbeitslos sind. Datz die hygienischen Dorschristen bei Verarbeitung von Bleimennige nicht eingehalten werden, sei ebenfalls erwähnt. Die 100. Bahnmeisterei hat aus der Arbeitsstelle Spree- brück« Treptow dem Malermeister G a s k o p, Pankow, die Arbeiten übertragen. Die dort Beschäftigten arbeiten ebenfalls 13 bis 14 Stunden. Herr Gaskop erklärte unserem Vertreter,„wenn er 16 Stunden arbeiten laste, gehe das niemand etwas an". Daß eine Prüfung der ausgeführten Arbeiten unterbleiben sollte, ist aus bekannten Gründen erklärlich. Wir fragen an, ob das die Einreihung in den Produktions- prozetz sein soll, wenn unter Aufsicht verantwortlicher Behörden eine derartige Ueberstundenschieberei Platz greifen kann. Bcisitzcrwastl im Buchdruckerverband. Gestern abend beschäftigte sich«ine gut besuchte Versammlung der Handsetzersunktionäre der Berliner Buchdrucker im Gcwerk- schaftshaus mit der Ausstellung von Kandidaten zur Wahl von Beisitzern für den Zentralvorstand. Der Gnuvorsitzende Braun wies darauf hin, datz es nicht notwendig sei, über die Tätigkeit der bisherigen Beisitzer längere Ausführungen zu machen. Der letzte Verbandstag habe dem Gesamtoorftand, also auch den Beisitzern, das Vertrauen ausgesprochen. Die Berliner Kollcgenschaft könne es sich zur Ehre anrechnen, daß sie vom Verbandstag in Nürnberg damit betraut worden sei, aus ihrer Mitte Beisitzer für den Zentral- vorstand als Vertreter der Handsetzer des ganzen Reiches zu wählen. Diese Beisitzer sollen nach dem Beschlutz des Nürnberger Ver- bandstages im Beruf tätig sein. Weil dies nach Ansicht der Mehrheit der Handsetzer bei einigen bisherigen Beisitzern infolge Zlnstellung durch die Organis.ition nicht mehr zutrifft, wurden aus der Versainmlnng heraus Ergän.zungsvorschläge gemacht. Folgende Kollegen wurden mit großer Mehrheit als Kandidaten für die' Bei- sitzcrwahl vorgeschlagen: Otto Fiedler, Karl Krüger, Artur Petzold, Otto Pieper, Hermann Raatz und Theodor Voigt. Braun sprach den scheidenden Beisitzern im Namen der Ber- lincr Buchdrucker den Dank für ihre erfolgreiche Tätigkeit aus. Er knüpfte daran die Hoffnung, daß sie trotzdem weiter für die Organisation wirken mögen. Vom Freitag, den 10. September, ab sind die Stimmzettel für die in der nächsten Woche stattfindende Urwahl durch die Funktionäre in d«n Betrieben von der Verwaltung abzuholen. Von den vor- geschlagenen sechs Kollegen sind vier zu wählen. Die Gasbetriebsgesellschaft will die zwei Pfennige nicht zahlen. Die Belegschaft der Gosbetriebsgesellschaft nahm gestern«bend in einer allgemein, n Betriebsoersammlung Stellung zur laufenden Lohnbewegung. Der Referent Kollege Schaum vom Der- band der Gemeinde- und Staatsarbeit«r schilderte die Verhandlun- gen, die beim Magistrat und bei d«n Direktionen der Elektrizitäts-, Wasser- und Gaswerke eine Erhöhung von zwei Pfennigen zun: Ergebnis hatten. Bei der Direktion der Gasbetricbs- g e> e l l[ ch a f t haben am 31. August und am 3. September eben- falls Verhandlungen stattgefunden, bei denen der Direktor Körting die Erklärung abgab, daß er die Gründe für eine Erhöhung der Löhne nicht anerkenne und ec deshalb nicht geneigt fei, dem Aufsichtsrat entsprechende Vorschläge zu machen. Er müsse im übrigen die Verantwortung für eine weitere Belastung der Werke mit Lohnausgaben einer anderen Stelle überlassen. Der Redner erklärte, datz die Organisation sich unter keinen Umständen mit«iner solchen Erklärung abfinden könne, da bis zur Stund« bei der Gasbetriebsgcsellschaft stets die gleichen Bedingungen sowohl im Manteltarif als auch im Lohntarif galten, wie sie für die Ar. beiter der städtischen Werke vereinbart wurden. Dieser Grundsatz ist in zahlreichen Schiedsverfahren sowohl vom Schlichter für Krotz-Berlin als auch vom Reichsarbeitsminister anerkannt worden. Es bestehe heute überhaupt keine Veranlassung, von dieser Regel abzugehen, da die Gasbetricbsgesellschast finanziell außer- ordentlich günstig arbeitet, wie der letzte Jahresabschluß und auch einige andere Beispiele beweisen. Die Erhöhung der Mieten erfordere unbedingt einen Ausgleich Der Referent er- klärte, datz die Stellungnahme der Direktion bei der Beleoschaft den Eindruck erwecken mutz, als ob man bei der in diesem Monat stattfindenden großen Feier der 100jährigen Gasbeleucti- t u n g den Arbeitern das ganz besondere Wohlwollen durch Ab- lehnung ihrer bescheidenen Lzhm'ordernnqen ausdrücken wolle. Er forderte zum Schluß die Belegschaft auf, sich fest in der Organisation zusammenzuschließen und alle Vorkehrungen zu treffen, um eocn- «iiell mit allen Mitteln den Forderungen Nachdruck verleihen zu können. In der Diskussion kam einstimmig die Entrüstung gegen die Einstellung der Direktion zum Ausdruck und ebenso einstimmig wurde die Forderung vertreten, alle Mittel zur Anwendung zu brin- gen, um die Direktion zur?lnerkennung der Forderungen zu bringen._ vie Gewerkfchastsinternationale in Öildcrn. Wenn man die Geschichte der internationalen Gewerkschaft?- bewequng der vergangenen 25 Jahre studiert, so fällt es auf, datz die Namen vieler Führer, die auch heute noch in der Gewerkscbafts- bcwegung tätig sind, schon in den frühesten Epochen gewerkfchait- licher Entwicklung genannt wurden. Aus diesem Grunde darl es als eine sinnvolle Idee bezeichnet werden, daß der IGB. neben der von I. Sasscnbach verfaßten Geschichte der Gewerkschaftsbewe- gung der veraanqenen 25 Jahre auch eine Kartenlcrie heraus- gibt die in äußerst gut gelungenen photographischen Aufnahmen die Bilder der Mitglieder des Vorstandes des IG?., des Ausschusses und seiner Stellvertreter sowie der internationalen Bcrufssekretärc wiedergibt. Auf diele Weise gesellt sich zum flescbricbenen Wort die Vorstellung der Versönlichkeit. Der Kartensens ist eine große Verbreitung zu wünschen, da die Iubiläumsbroschüre natürlich nur in den drei Hauptlorochen herausgegeben werden kann, während die Bilder eine direkte Sprache sichren. Die Bilderserie, die in einem praktischen Ilmschlag zusammen- gefaßt ist und in den verschiedenen Ländern während der Festver- sammlungen vertrieben werden soll, kann auch bei den Niederlagen der Verlaasnbteiliing des IGB. in den verschiedenen Ländern, in Deutschland beim ADGB.. Berlin. Jnselstr. 6, bezogen werden. Der Preis der Bildserie beträgt 25 Pf. k�eichskonferen? für Gesnnüheitswesen. Um Recht und Arbeitszeit des Pflegepersonals. Die vom Gemeindearbeiterverband nach Düsseldorf einberufene Reichskonserenz für Gesundheitswesen beschäftigte sich am Sonntag mit der sozialen und wirtschaftlichen Lage des Perso- nals im Gesundheitswesen. Paul Schulz- Berlin legte der Kon- ferenz eine Entschließung vor, in der gegen die Aeschncidung der persönlichen Freiheit des Personals und gegen die ausnähme- rechtliche Behandlung des Personals durch Gesetzgebung und An- stoltsleitunaen Protest erhoben wird. Die politische Vertre- tung der Arbeiterschaft wird in der Entschließung ersuchl, dafür einzutreten, datz dieses Ausnahmerecht, soweit es in der Gc- setzgebung begründet ist, schnellstens beseitigt wird. Die Entschließung wurde e i n st i m m i g angenommen. Ueber den Kampf um die Arbeitszeit sprach Marie Fried. S ch u l z- Berlin. Die Referentin forderte in ihren Aus- sührungen die Ablehnung des vorläufigen Entwur. s e s eines Arbeitszcitschutzgesetzcs. durch das das Pflegeper. s o n a l in den Kranken- und Pilegeanstalten wiederum von der allgemeinen gesetzlichen Regelung ausgeschlossen werden solle. In einer ebenfalls einstimmig angenommenen Em- schlietzung wurden die aus der Reichskonserenz in Dresden nufge- stellten Forderungen wieder erhoben und verlangt, daß die Ver- ordnung vom 13. Februar 1924 beseitigt und die Schaffung«ine» allgemeinen Arbeitszeitgesetzes für Arbeiter, An- gestellte und Beamte erfolqt, das eine Höchstarbeitszeit von 48 Stun. den in der Woche vorsieht. Weiter wird die Unterstellung des ge- samten in den Krankenpflcgeanstalten beschäftigten Personals unter dieses Gesetz gefordert._ Lohnstreit In den Nordseehäfen. Die Hafenarbeiter gegen Lohnkürzung, für Oohnzulage. Hamburg, 6. September.(Eigener Drahtbcricht.) Die Absicht der Unternehmer, die Löhn- um 10 Proz. zu kürzen, hat die Harn- burgcr Hafenarbeiter auf den Plan gerufen. In einer gemeinsamen Konferenz mit den Hasenarbeitcrvcrtretern der Nordscehäsen am Sonntag wurde b-schlosscn, eine Lohnerhöhung um 20 Proz., d. h. von 7,20 auf 8,60 M. zu fordern. In allen anderen Hafcnorten sollen die Löhne gekündigt und die gleiche Forderung geltend gemacht werden._ Die Abräumung der Rombacher Hütte. Lochum, 6. September.(Eigener Drahtbcricht.) Die Belegschaft der Rombacher Hütte, die vo r dem Kriege 4000 Mann stark war und im Lauie der Jahre auf 1470 Arbeiter und 200 Angestellte und Beamte reduziert wurde, soll weiter um eine beträchtliche Zahl vermindert werden. Der Stahltrust will von den jetzigen Betrieben nur noch das Rollschienenwalzwert und den Weichenbau aufrecht- erhalten. Es verbleiben dann nur noch 660 Arbeiter und 60 Angestellte auf dem Werk. Die beabsichtigte Stillegung soll jedoch langsam erfolgen. Die Betriebseinschränkung bedeutet die weitere Entlassung von 800 bis 900 Mann. Die Mehrzahl wird auf dem Bochumer Verein untergebracht werden, so daß etwa 300 Per- sonen zur Entlassung kommen. Günstincre Konjunktur in der Rheinprovinz. Düsseldorf. 6. September.(Eigener Drahtbericht.) Ueber Ar- beitsmarkt und Wirtschaftslage in der Rheinprovinz berichtet das Landesorbeitsamt' Die Zahl der unterstützten Erwerbslosen geht weiter zurück. Die Arbcitsinarktlagc im Bergbau wird stellenweise als stabil bezeichnet. Die niedrigste Zahl arbeitsuchender Berg- arbeiter im Ruhrgebiet hat Mühlheim a. d. Ruhr mit 33. Hier hat auch die Eisen- und Stahlindustrie angezogen und Arbeitskräfte von auswärts herangeholt._ Die Einigung in öulgarien gescheitert. Durch die Kommunisten. Die in Bulgarien zwischen der de« 2GB. angeschlossenen Londeszentrale und der Föderation der„unabhängigen" Arbeiter- verbände gepflogenen Einigungsverhandlungen sind gescheiter». Anläßlich des auf Antrag der freien Gewerkschaften kürzlich in Sofia abgehaltenen gemeinsamen Kongresses der beiden Richtunaen schien es, daß sich wirklich eine Plattform für eine vernünftige Zu- sammcnarbeit sinden lasse. So wurde u. a. vereinbart, daß in Zukunst die Beschimpfung?- und Vcrleumdungskampagne der Blätter der Unabhängigen gegen den IGB. eingestellt und damit eine günstige Atmosphäre illr den baldigen formellen Anschluß der ver- einigten Bewegung an den IGB. geschaffen werden soll. Wie bei ähnlichen Fällen, stellte es sich jedoch heraus, daß d i e Kommunisten kein ehrliches Spiel spielten. Die Vcrleumdunaskampagne wurde s o r t g e s e tz t und es zeigte sich, daß die Vereinbarungen, die während des Aufenthaltes des General- lekretärs des Amsterdam angeschlossenen Bulgarischen Gcwerkschasis- bundes im Auslände getroffen worden waren, und die zum Austritt aus dem IGB. geführt hätten, so abgefaßt waren, daß sie de» Kommunisten volle Bewegunasfreiheit gewährten und nicht die ge- ringste Garantie für einen gleichmäßigen Einsluh beider Parteien boten, was auch von den Kommunisten in ihren Blättern triumphierend zugegeben wird. Der Bulgarische Gcwerkschaftsbund hat es deshalb für nötig erachtet, verschiedene das Uebereinkommen betresfendeAenderungcn vorzuschlagen. Da diese von den Unabhängigen abgelehnt wurden, ist vorläufig an ein« Einigung nicht zu denken. So arbeiten die Kommunisten an der Herstellung der Einheitssront._ Die 44stündifle Arbeitswoche in Australien. Im September wird-die australische Bevölkerung über drei Gesetzentwürfe der konservativen Regierung abzustimmen haben. Der erste will den Wirkungskreis der Regierung bei Regelung der Löhne und Arbeitsverhältnisse erweitern, der zweite der Regierung für besondere Notfälle außerordentliche Vollmachten geben, der dritte richtet sich gegen die Einführung der 44stiindigcn Ärbeitszeii. Die Regierung des Gliedstaates Neusüdwales hat die 44stün!>ige Arbeit»- wache durch die Gesetzgebung annehmen lassen. Das Bundcsgericht Australiens hat jedoch dieses Gesetz für v?rsassungswidrig erklärt. Da die Arbeiter sich weigerten, mehr als 44 Stunden in der Woche zu arbeiten und für diese Forderung einen erfolgreichen Streik durch- führten, mußten die Unternehmer beigeben. Die durch die Solidarität der Arbeitnehmer besiegten Unternehmer haben nun die Zentral- reflierung zum Eingriff gegen die 44-St»»den-Woche bewogen. Die Volksabstimmung wird auch in dieser Frage zu entscheiden haben. Achtung. Zimmerer? Die Baufirma Erich Weist».Seifert aus Bad Käsen. Kreis Naumburg, Provinz Sachsen, ist wegen E i n- führung von Akkordarbeit gesperrt. Di« Firma hat am 3. September vier Vcrbandskameraden entlassen, weil sie es ablehnten, auf dem Neubau in Baumschulenweg. Baustelle Späth'? Baumschule, Späthstraß« 1, im Akkord zu arbeiten. Zimmerer von Berlin und Umgegend, übt Solidarität und meidet die Firma. Zentralverband der Zimmerer Deutschlands. Zahlstelle Berlin und Umgegend. ZimmkN'er! Donnerstaß. 6cpicmbcr. 7 Ubr. im o sind diejenigen stollege» und stolleginn-n-, welche um Tage de» Aul» rus» ihres Aniangsbuchlladens mit ihren Bezüge» bei uns nuegesteuert waren Die SinSzohlung findet im Ber- dandshaus. parterre, am Schalter l. in der Zeil von llV, Uhr vormitags bis 2 Uhr nachmittags statt. mihüiü Wrlkm llllil Helfer! Mittmoch. den k. September, abend» Z Ahr. im cven-erkschoslnhause. «»geluser 24,25 Branchenversammlung der Rohrleger und Helfer. Tagesordnung: 1. Bericht vom Berdandslag tn Bremen S. Stellung. nähme zur Urabstimmung Uder den«eich». laris. 8. Verbands- und Branchen- angeiegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert. In Anbetracht der außerordentlichen Wichtigkeit der Tagelordnung ist da» Erscheinen aller Berbandsmitgiieder der Branche unbedingt notwendig. WrIl!-Iüis!lIie!!Ms!WII!ll!!Igl!I! in folgende» Lokalen: INIMwoch. den 8. September 20. Bezirk: Oderrealschnl«, Badstraße 22, abend» 7 Uhr. Donnerstag, den s. September: 7. Bezirk:„Reichenberger Hof", Reichen- bcrger Str. 147, nachm. 5 Uhr. Tagesordnung in beiden Ber- sammlungen: l Berichterstattung vom Derband»tag in Brrmen. 2 Dislusston. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Wahllörperversammlungen der arbeitslosen Mitglieder. Wahlkörper V. Donoervlag. den g. September,»or-- mittags 10 Ahr. im Sihnngssaal de» Derband»hause»,e>«ienslr.5Z 85 Rohrleger. Rohrleger Helfer, Emalllierer, Wickler. Wahlkörper VI. Do nnera lag. den S. Seplernder, nachmittag» Z'fj Ahr. im«Aosoalhaler Hof-, Aosenlhaler Strohe 11-12 Werkzeugmacher, Scharfschleifer. Einrichter, Mechaniker. Uhrmacher und Optiker. Wahlkörpcr VH. Freitag, den 10. September, aar» mittags 10 Ahr. im Sihungslaal de» verbandshonse» etnienslr.»5«5 Arbeiterinnen, Gold- und Silber- arbeiter, Feileuhauer. Wahlkörper Vitt.- Zreilag, den 10. September, nachmittag» 2', Ahr. im Aosrntholer Hof, Aasen, Haler Str. II 12 Schleifer. Galvaniseure, Gürtler, Graveure. Ziseleure, Drücker. Eletlra-Monteuce iür Stark- und Schwachstrom, hilssmontenre. Zigaretten- Maschinenführer. Wahlkörper lX. Sonnabend, den 11. September, vor» mittag» 10 Ahr. im Sihnngssoat« de» Aerbandshause», einlenslr. SZ 85 Lau- und werksloltklempver und sämtliche hilssarbeiter. Tagesordnung in allen Versammlungen: 1. Beraiung der An- träge zur Generalversammlung am 20. September 1026. 2 Stellungnahme zur Tagesordnung der Generalveriomm- tung. 3. Wahl der Wahtlörperdelegterien. (Hp Zutritt haben nur diejenigen Mitglieder, die in ihrem Mitatiedsduch die Berufsdezei-t-nung Hoden,>Ur welche dt,«eriawmlung autgeruien ist ilglied»duch und Ard«lt»loienkat gutritt. Die QrtSverwalwng. 30] Die Sigurantin. Roman eine» Dienstmädchens von Leon Frapie. Autorisierte Uebersetzung aus dem Französischen von Kunde-Grazia. Sulette dankte und ging. Im Augenblick, wo sie den Fuß auf das Trottoir setzte, warf ein Hagelschauer ihr eine Handvoll Körner ins Gesicht. Sie wartete, bis das Wetter vorüber war, während sie die Karyatiden eines prunkvollen Nachbarhauses betrachtete, welche mit ihrem Steinmund ein ungeheures Gelächter anzustimmen schienen. Sulette verbrachte den nächsten Tag ohne Essen: ihre Ohrringe, Nippsachen und selbst der Koffer waren verkauft. Freundinnen, auf deren Hilfe zu rechnen war, hatte"sie eigentlich nicht. Mit Ausnahme Rosaliens und Madelcines, der Burgunderin, waren ihre alten Kameradinnen nicht auf- sindbar. Sie wagte also ihre beiden letzten Gänge, einen morgens, den anderen nachmittags. Rofalie war zu einer guten Herrschaft, einer wahrhaft guten, gekommen! Diese Leute hatten sie im Verlauf einer sehr schweren Krankheit lieber selbst gepflegt, als sie ins Hospital zu schicken und ihr den Lohn während einer langen Rekonvaleszenz, wo ihr die geringste Arbeit untersagt war. weite» gezahlt. Rosälie begriff jetzt die Ucberlegenheit solcher Menschen über andere— über sie selbst und über ihresgleichen. Daher kam eine aufrichtige Ergebenheit und zugleich ein Zustand schüchternen Staunens, welcher die Redlichkeit ersetzte: man konnte, was es auch immer war, unter ihren ijänden lassen. Silber,' Garderobestücke, Leckerbissen, nichts führte sie in Ver- suchung. War eine Gelegenheit, sich etwas anzueignen, da, dann lächelte sie mißtrauisch, als wäre ihr eine Falle gestellt, um ihre verborgene Minderwertigkeit darzutun. Jdenfalls hatte sie Ersparnisse, und die Freundinnen konnten auf ihr gutes Herz zählen. Eine harte Enttäuschung erwartete Sulette: sie war mit ihrer Herrfchaft fern im Süden auf Reisen. Ganz vernichtet taumelte Sulette: es schien doch ihr Schicksal, Hungers zu sterben. Blieb noch Madeleine, die Burgunderin, auch ein gutes Geschöpf, die noch besser als Rofalie bei Kasse war— seitdem sie ihrer Gnädigen Leidenschaft für die großen Magazine mit Ankündigungen hervorragender Gelegenheitskäufe im Louvre, in Bon Marchs, bei Pygmalion eingeflößt hatte. Sieh dal Nachfragen ergaben, diese so schlaue Madeleine par in die Netze des Herrn Benoit gefallen und mit ihm in die Provinz gegangen. Das kleine Bermögen wurde zur Er- richtung eines Caf6 chantant verwendet, wo Herr Benoit sein Repertoire als„Künstler der Pariser Konzerte" vortrug. Bon i>a an gab es für Sulette keine Hoffnung mehr. Auf zwei an ihre Mutter gerichtete Briese ging keine Ant- wort ein. Bei Gott! Trotz der kurzen Entfernung war sie seit zwei und einem halben Jahre nicht wieder nach Millerat gekommen. Sie ging in ihre Kammer und streckte sich, in der Erwar- tung, daß man sie fortweisen würde, angekleidet aufs Bett. Die Nachtstunden verflossen: sie verlor das Bewußtsein der Dinge, ohne zu schlafen: physisches Elend und moralischer Schmerz verbanden sich zu einem wüsten Fieberwahn, und es schien ihr, als sänke das Bett in einem käfigartigen Fahrstuhl in unendliche Tiefen hinab. Am andern Morgen— nach sechsunddreißigstündigem Fasten— da hatte sie endlich eine Stelle! Der Inhaber der Agentur Bizon kam selbst in ihre Kammer herauf, um ihr einen Ausweis mit größter Emphase einzuhändigen. „Sie gehen zu Lierrn und Frau Doctemard, Neuverhei- rateten! Die nehmen Sie sicher im voraus, ohne Sie gesehen zu haben! Wollen eine gewichtige Person, die nicht davon- fliegt..." Sie war mit einem Male neubclebt. Bor ihren Augen wirbelte es von einem Taumel der Freude, der Schwäche. Neuvcrheiratete! Dann würde sie in einer Welt der Küsse leben! Neuvermählte, das sind nicht Herren, das sind festlich gestimmte Menschen, Menschen im Glück! Bei ihnen, da ist der Dienst, richtig gesagt, keine Arbeit, und man ist nicht Magd, sondern eine den Feierlichkeiten, welche die Liebe ver- herrlichen, zugeteilte Offiziantin. Indessen besänftigte der Eigentümer der Agentur Bizon ein wenig die Iubelausbrüche Sulettes. Herr und Frau Doctemard waren aus der Normandie zugereist und wohnten einige Monate vorübergehend wegen einer schwierigen Erbschaftsangelegenheit in Paris. Kurz, sie gewährten Sulette nur Essen und Wohnung: sie sollte in der Wirtschaft fast gar nichts anrühren, sie benötigten einfach jemand, der das bewachte, um in ihrer Angelegenheit Bor- sprechende zu empfangen oder warten zu lasten. Aber Herr und Frau Doctemard würden vielleicht Su- lette mitnehuen, und zwar unter den glänzendsten Bedin- gungen, wenn sie wieder in die Normandie zurückkehrten. Sulette hörte kaum auf diese Erläuterungen, sie nahm sie, über diesen Vorschlag der Jungverheirateten von Jubel erfüllt, an. Sie stellte sich vor. wie sie Hand in Hand oder auch umschlungen, eins sich zum andern neigend, hin und her wandelten und durch alle Zimmer der Wohnung den milden Strahl ihrer Liebe über Dinge und Menschen, das Dienst- mädchen sogar, sandten. Die glückliche Ungeduld erlaubte ihr kaum, sich die Haare ordentlich zu machen, einzelne Löckchen entglitten, mochte es sein. Unterwegs sprach sie sich ganz leise den Namen„Dorte- mard" vor, sie kostete ihn aus, empfand ihn wie einen Wohl- geschmack. Man konnte diesen Namen nicht ohne ein Lächeln sagen, ohne graziöses Neigen des Kopfes: so: Doctemard. 19. Herr Th6saurin Doctemard, Provinzedelmann, bezog seine Einkünfte aus Landbesitz, er be.zog sehr. Nachdem er mathematisch mit sich zu Rate gegangen, hielt er um die Hand der Rentiere Anais Bourdot, die in der Nähe von Nouen wohnte, an. Mit ihren fünfunddreißig Iahren war diese Person in Sittsamkeit gekocht: ihre Haut bewahrte den dunkelroten Teint, welchen die Brünetten beim Verlassen eines zu heißen Bades bekommen. Auf ihren Schläfen entsprangen zwei tiefe Furchen, schwarz wie Tinte, umtrauerten dieses lange, schmale und spitze Gesicht. Sie war auffallend platt, ein so kleiner Raum war zwischen Rücken und Brust vorhanden, daß ihr Herz von seh? mäßiger Größe und sehr wenig unruhig sein mußte, um in so beschränktem Käfig zu wohnen. Ihre düsteren Kleider schienen immer infolge eines kürz- lich erfolgten Unglücksfalles erstarrt zu sein. Sie gab ihre Zustimmung zur Heirat aus Furcht vor Einsamkeit. Denn wenn sie die Diebc, die Bettler, die Ba- gabunden fürchtete, so zitterte sie doch ebenso bei dem Ge- danken, eine Dienstperson in ihr Haus einzuführen. „Sich bedienen zu lasten," meinte sie seufzend zu ihrem Verlobten,„das heißt aus freien Stücken feine Wohnung der Plünderung preisgeben, heißt auf die Freude des Besitzes verzichten. Außer daß die Dienstboten uns durch ihren über- triebenen Hunger und lasterhaften Durst bettüben, außer daß ihre Giftzunge unsere wichtigsten Geheimnisse dem Winde anvertraut, ist es nicht ein unaufhörlicher Schmerz zu sehen, wie fremde Hände sich auf Gegenstände, die uns gehören, legen? Wenn andere Leute die Möbel anfassen, so nimmt uns das den ganzen Besitz derselben: wohl oder übel, die Dienstboten teilen mit uns die Nutznießung der Dinge. Die Freude am„Mein" geht aus einer solchen Exklusivität hervor. daß sogar die Blicke fremder Menschen sie beeinttächtigen." (Fortsetzung folgt.) 1. Seilage öeö vorwärts Wirtschafiliche§olgen öer Moöe. Von jchcr hat sich die Mode als der größten Einwirkung auf die Industrie fähig gezeigt. Sie, die heute verbrennt, was sie gestern angebetet hat, ist so recht die Kraft gewesen, die eine Unruhe in den Produktionsprozeß gebracht Hai. Seit kurzem scheint aber ein Still- stand in dem bisherigen Wechsel eingetreten zu sein, da das kurze Kleid die Alleinherrschast behauptet und die Kräftigung des Körpers durch den Sport das Tragen des Korsetts als unnötig erscheinen läßt, während in Stoffen und Farbennuancen die Phantasie der Modelünstler sich nach wie vor in den ausschweifendsten „Kreationen" austobt. Die Vereinfachung der Toilette hat, wie gesagt, das Korsett so gut wie abgeschafft, ferner den ganzen Fisch- beinverbrauch für die Taille auf Null reduziert— gewiß nur zum Vorteil der Gesundheit. Mit dem langen Kleide verschwanden auch die Stoßborten, mit denen das teure Gewand die Straße fegt«. Ferner ist von dem ganzen Flittcrkrain von Pailetten, Federn, Ver- schnürungcn usw., mit dem einst eine Staatstoilette„verbrämt" war, nur äußerst wenig übriggeblieben. Auch mit den Knöpfen wird ini allgemcincn nicht inehr die Verschwendung getrieben, die früher üblich war. Die zweite Umwälzung in der Erscheinung der Dame ist die Einführung des vubcnkopses. 5)aar- und Hutnadeln sind ver- schwunden— sie finden Ersatz in den Spangen, mit denen die Stirn- haare an dem Ileberfallen in das Gesicht gehindert werden. Der falsche Zopf,„Wilhelni" genannt, ist ebenfalls zum Aussterben ver- urteilt. Der früher so schwunghaste Handel mit Haaren hat auf- gehört. In der Männermode ist das Beharrungsvermögen von jeher größer gewesen: ein Rock konnte ein Jahrzehnt lang getragen werden, ahm- seine Träger als geradezu„unmodern" erscheinen zu lassen. Aber auch hier gibt es eine Abkehr von alten Gewohnheiten, wie sie sich z. B. in der Verleugnung des Strohhutes kundgibt. Man erinnert sich der Propaganda der Hutgeschäfte, um dieses früher unmerkliche Sommerrcquisit wieder in Erinnerung zu bringen; dem Eindruck nach, den die Betrachtung der Passanten ergibt, mit nicht zu großem Erfolge. Die halste der männlichen Personen geht barhaupt, die andere trägt den Wintersilz auch im Sommer. Das kühle regnerische Wetter dieses Jahres hat dem Strohhut auch gerade nicht das Wort geredet. Und der Zylinder ist heute wirklich zur Ausnahme geworden, die man nur zu den Staatsaktionen Heirat, Begräbnis hervorholt. Abweichungen von dem hier geschilderten Normalzustande sind natürlich vorhanden: die korpulente Frau Kommerzienrat z. B. wird nicht auf das Korsett verzichten und der uralte Baron I schenkt seinem treuen„Friedrich" zu Weihnachten eine neue Peitsch». Aber im allgemeinen geht unleugbar ein Zug nach Vereinfachung und eine Einstellung auf gemeinsame Formen(wie in der Technik) durch unser ganzes Leben. Die blödsinnigen Schmausereien sind aus der Geselligkeit verschwunden, man kehrt zu den harmlosen Genüssen zurück, wie sie einst die ästhetischen Tees vor hundert Iahren boten. „Feine" Leute fahren jetzt in der„reformierten" IV. Klasse ins Bad. Früher sah sich das junge Mädchen auf dem Bahnhof der Heimat verschämt um, ob auch ein bekanntes Auge ihr Einsteigen in die III. Klaffe bemerke. die der„Schwager" melodisch auf seinem Horn blasend durchzog. Die Pscrdedroschken verschwanden, die Straßenbahn wurde elektrisch: � eilige Briefe wurden der Rohrpost anvertraut, der alte gemächliche Dienstmann wurde durch den Radler-Boy ersetzt, das Telephon- f r ä u l e i n zog nicht nur in die staatlichen, sondern auch in die privaten Bureaus ein. um jetzt wieder durch die Einrichtung der Selbstanschlußämter aus dem Bilde des Lebens zu verschwinden. Die neueste Phase des Lustverkehrs ist der vorläufige Abschluß in der Frage der schnellsten Beförderung von Personen und Dingen von Ort zu Ort. Telegraph, Phonograph, Ferndrucker, Radio und wie all die vielfachen Auswirkungen der elektrischen Kraft heißen mögen, haben in unser gehetztes Geschäfts- und gespaltenes Fa- milienleben einen Zauber gebracht, der noch unseren unmittelbaren Vorfahren spukhast erschienen wäre. Aber auch die Kehrseite der schimmernden Medaille sei nicht vergessen— die Maschine macht aus dem bisherigen Handarbeiter ihren Sklaven und Kleimneister und Heimarbeiter sind in stärkstem Maße zur Aufgabe ihres Eigen- daseins und zur Arbeit in der Fabrik gezwungen worden. Ganze ! Fabrikationszweige sind von Grund auf oerändert worden, andere stark umgemodelt. Wer hätte noch den Mut, sich der Fabrikation von Peitschen im großen Stil zu widmen— heute, wo der Herr- jchaftliche Kutscher„Chauffeur" ist und der Grundbesitzer statt mit Pferden pflügen zu lassen, den Boden mit Motorpflügen aufreißt. Wir sahen neulich in einem Ackerstädtchen auf dein gerade statt- sindenden Jahrmarkt noch einen Peitschenhändler seine Waare feil- bieten— der Absatz war minimal—; denn wo die Peitsche nur ab und zu noch gebraucht wird, erhält sie sich viele Jahre hindurch intakt. Und die Peitsche führt uns zum Wagen— bewundernd gehen wir an den großen Fenstern eines Berliner„Hoslieferanten Sr. Majestät des Kaisers und Sr. karserl. und königl. Hoheit des Kronprinzen" vorbei, in denen Fahrzeuge von der Equipage bis zum hochrädrigen „Sandschneider" ausgestellt sind. Unsere Menschenliebe verführt uns beinahe, unfern Kopf über die Rentabilität dieses feudalen Ge- schäftes zu zerbrechen, da ja der p. t. Adel heute auch das hoch- pferdige Auto den Hafer fressenden Karossiers vorzieht. Jedermann weiß, wie im Kriege der Torf von neuem als Brennmaterial genutzt wurde, nachdem er dreißig, vierzig Jahre lang nicht„gefragt" worden war Alle Berliner werden sich noch der Flottille von Torskähnen erinnern, die im Spätherbst das Kanalbassin am Hafen- platz erfüllten. Fontane hat in seinen Schilderungen aus dem Ruppiner Lande auch des Vermögens gedacht, das der eine Gentz — Herr auf Gentzrode— seinerzeit aus der Torfgewinnung gezogen bat, bis dann der Umschwung kam und das handlichere und saubere Brikett seinen Triumphzug begann, begleitet von dem«cht Berliner Gassenhauer:„Mutter, der Mann mit dem Koks ist da.." Wer kauft heute noch Petroleumlampen, wo Gas und elektrisches Licht, entweder jedes allem, oder auch häufig gemeinsam, ihren Einzug in das bescheidenste Dorf gehalten haben? Wer läßt noch jetzt sein Porträt in Lithographie oder Kupferstich ausführen, wo die photographische Ausnahme in zwei Stunden ein gelungenes Bild liefert? Gewiß, die Industrien, die vor Jahren auf diese Fabri- kation eingerichtet waren, sind nicht untergegangen: sie haben sich „umstellen" müssen... aber die wirtschaftlichen Bedingungen, die zum Teil sich sehr energisch äußerten, werden auch durch solche� Verdrängungen des Alten durch das bessere oder zeitgemäßere Neue gekennzeichnet. Eine jede Zeitperio�i- sieht in den verschiedenartigen Formen, in denen das tägliche Leben sich ausspricht, die Ideale der in ihr lebenden Generation erfüllt: man meint, auf der höchstmöglichen Spitze der Zivilisation zu stehen... und muß erleben, daß bald plötzlich, bald in langsamem Tempo Veränderungen der Lebens- äußerungen auftreten, die zu wirtschaftlichen und geistigen Um- wälzungcn führen. Das alte Gute wird durch ein neues Besseres— manchmal vielleicht auch nur Besserscheinendes ersetzt und alte und neue Geschlechter sehen sich vor die Frage gestellt, sollen wir das Neue bejahen oder verneinen? Namentlich die technischen Prozesie, die alte Anschauungen als veraltet erklären, aber auch moralische Uniwandlungen, die z. B. den Verkehr der Geschlechter oder Fragen der Erziehung betreffen, sind die Ursachen dieser Bewegung. Um nur einen Fall geistiger Art zu verzeichnen: einer unserer ersten Ver- leger, der allerdings jetzt nicht mehr unter den Lebenden wcitt, sperre sich lange Zeit gegen die Anwendung der Schreibmaschine für den brieflichen Verkehr mit den Autoren und KünsUern seines Ver- lages: er meinte,� daß der von einem Sekretär handschriftlich ge- schrieben« Brief eme intimere Wirkung ausübe. Erst als der Um- fang der Geschäfte und das forcierte Tempo der Geschäftsführung die Schreibarbeit zu umständlich machte, kapitulierte er vor der Ma- schinc. Heute erwartet ein jeder, daß man ihn damit verschone, auch die beste Handschrift zu entziffern. Virtsihastliche 5olgen öer Technik. Aber lassen wir die moralischen Erwägungen auf sich beruhen, mischen wir uns nicht in den Streit, ob die moderne freiheitliche Erziehung des Kindes und speziell des weiblichen Geschlechts das Bessere sei— und wenden wir unseren Blick auf die Umwälzungen, die die Technik auf fast allen Gebieten hervorgerufen hat. Der Frachtfuhrmann und die Personenpost verschwanden von der Chaussee, als die Eisenbahn sich ausbreitete. Die Straßen verödeten, bis die Radfahrer auftraten, fehl sind sie den Automobilisten aus- geliefert und die Personenautopost fährt zum Teil die alten Routen. « Der gefährliche Warenmietsvertrag. Bis vor kurzem konnten sich die offiziellen Vertretungen des Einzelhandels nicht genug tun in der scharfen Bekamp- fung der Abzahlungsgeschäfte. Inoffiziell dagegen wllrden die Methoden des Abzahlungsgeschäfts von Geschäften aller Branchen im Einzelhandel angewandt. Wenn es in vielen dieser Ge- schästc üblich geworden ist, Ware gegen Anzahlung zu verkaufen, so ist das ein fV er tauf gegen Teilzahlung. Nur geben diese Geschäfte die oerkaustc Ware an den Berkäuser erst dann her- aus, wenn sie völlig bezahlt ist. Eine neue Forni des Abzahlungsgeschäfts hat sich als Vermietung von Gegenständen herausgebildet. Hier wer- den Mieten von dem Warenempfänger bezahlt und nachdem diese Miete für eine Anzahl von Mietsperioden abgeführt ist, geht die Ware in das Eigentum des Mieters über. Das ist die Form des Abzahlungsgeschäfts, die gerade im Gesetz ausdrücklich ver« boten ist. Wenn nämlich beim Abzahlungskauf die vereinbarten Raten vom Schuldner nicht eingehalten werden können und der Ver- täufer feine Ware zurückerhält, werde» hier die An- und Abzahlun- gen nach gewisse» Abzügen zurückerstattet. Kauft jemand einen Gegenstand auf Mietsvertrag, so erhält er keinen Psennig der ge- zahlten Miete zurück, wenn er seine Mietszahlungsverpslichtungen nicht pünktlich erfüllt und dadurch gezwungen ist, den gemieteten Gegenstand zurückzuliefern. Die Mietsraten aber werden so be- messen, daß sie einer Kaufabzahlungsverpflichtung gleichkommen. Man muß also vor derartigen Verträgen warnen. In jüngster Zeit sind nun auch hervorragende Einzelhandelsgeschäfte dazu überge- gangen, Waren gegen Abzahlung anzubieten. Warenhäuser ver- kaufen Möbel, Fahrräder, Automobile usw. auf Abzahlung. Sie normieren den Preis nicht anders� als wenn sie den Berkauf gegen bar vornehmen, verlangen aber Zinsvergütung für die Restsumme. Sicherlich war es nicht möglich, Gegenstände, die vielfach gegen Teilzahlung verkauft werden, beim Barzahlungsverlangcn abzu- fetzen und das hat die Warenhäuser veranlaßt, einen Versuch mit dem Angebot auf Teilzahlung zu machen. Auch ein Zeichen der Zeit! Oos parteifest in Veißensee. Zu einer eindrucksvollen Demonstration für die Partei ge- mltete sich die Weihe des neuen SPD.-Banners der Weihen- e e r Genossen. Die Feier begann mit einem Festzugc, an dem sich eine ganze Reihe von benachbarten Abteilungen und Reichsbanner- kameraden beteiligten, von der Prenzlauer Promenade zum Schloß Weihende. Besonders wirkungsvoll waren mehrere Wagen mit politischen und satirischen Symbolen. Der den Heldentod ver- körpernde Genosse auf dem„Nie-wieder-Krieg�-Wagen durfte zwar seinen Stahlhelm aufbehalten, doch die Larve muhte er auf Ver- langen des Schupoleutnants vom Gesicht nehmen. Der Wagen mit der Dame Justitia, der Propagandawagen für die weltliche Schule und die sonstigen Gruppen durften passieren. Der Umzug lockte die Einwohnerschaft zur Spalierbildung. Auf dem rasch überfüllten Festplatz traten vier Arbeitergesangvereine zum„G e- sang derVölker" zusammen, worauf Genosse Franz Künst- l e r die Festrede hielt und das neue Banner der Weißenseer Partei- genossenschaft übergab. Diese hatte alles aufgeboten, um die Feier zu einem rechten sozialdemokratischen Volksfest zu gestalten. Der Arbeiter schachklub Weißensee führte eine lebende Schachpartie auf, während auf dem See vom Arbeiter- s ch w i m m o e r e i n.Neptun' ein italienisches Fischerboot- stechen ausgefochten wurde. Die Turnvereine Weißensee und Hohenschönhausen bestritten die Frauensestsreiübungen und die Darbietungen der Männerriege. Unter Scheinwerfer- bcleuchtung trat eine Akrobatengruppe auf, der lebende Bilher folgten, unter denen die Brunnengruppen großen Anklang fanden. Im Saal traten die Radfahrer auf, und den Beschluß der Dar- bietungen machte ein Lampionreigen der„Neptun"- Schwimmer. Auch die Jugend, bis zu den Kleinsten, war nicht vergessen. Das Fest erinnerte an die Stiftungsfeste des(früheren) 6. Kreises in der Vorkriegszeit, mit dem Unterschiede freilich, daß die �TüMlerjsche Qualität der Darbietungen sich wesentlich gehoben hat. Der'Weißenseer SPv.-Äbtetllmg wird gleich ihren Gästen der Ver- - lawf der Feier'ein Ansporn sein, unermüdlich weiter zu wirken für die Partei und alle mit ihr verbundenen Bildungs- und Sportoereinigungen. Von der Transmission erfaßt und getötet. Einem schweren Unglücksfall fiel gestern nachmittag der 4gjäh- rige Maurer Adolf Klitsch aus der Lothringenstr. 16 zu W e i ß e n s e e auf seiner Arbeitsstelle in der Kindl-Brauerei in der Lichtenberger Str. 99/100 zum Opfer. Klitsch war im Be- trieb mit dem Ausstemmen eines Loches in der Wand beschäftigt. Dicht in der Nähe des arbeitenden Maurers lief eine Trans- Mission. Aus bisher noch nicht aufgeklärter Ursache wurden die Kleider K.'s erfaßt, und der Unglückliche geriet in das Räder- werk. Er konnte von herbeieilenden Arbeitskollegen nur noch als Leiche geborgen werden. Der Tod war auf der Stelle eingetreten. Die Leiche des aus so tragische Weise ums Leben Gekommenen wurde beschlagnahmt. Eine genaue Untersuchung über die Schuld- frage ist bereits eingeleitet worden. Vier Selbstmorde. In seiner Wohnung in der Strahburger Str. 35 wurde gestern nachmittag gegen �12 Uhr der Söjährige Kellner Artur Rosenberg erhängt aufgefunden. R. hatte die Schlinge am Kleider- schrank befestigt.— Um die gleiche Zeit wurde die geschiedene Frau Emma Schwarz in dem mit Gas gefüllten Schlafzimmer in ihrer Wohnung Schloßstraße 1 zu Tegel leblos aufgefunden. Wieder- belebungsverfuchc blieben ohne Erfolg.— Gegen iäZ Uhr nach- mittags wurde in dem Haufe Ostbahnstraße 5 zu Lichtenberg ein Selbstmord entdeckt. Die StZjährige Witwe Anna Völker hatte sich an der Tür ihrer Wohnung erhängt. Frau V. hatte vor kurzer Zeit ihren Mann verloren. Aus Gram über den Tod des Gatten beschloß sie freiwillig aus dem Leben zu scheiden.— Mit Leuchtgas oergiftete sich der ZSjährige Metallfchlofser Adolf Odem aus der M a n t e u f f e l st r. 6. Durch den Gasgeruch waren Mitbewohner aufmerksam geworden, die die Polizei herbeiriefen. O. wurde in der Küche tot vorgefunden. Der Schlauch war vom Gashahn entfernt, so daß das Leuchtgas ungehindert ausströmen konnte. Eltern, achtet auf eure Kinder! Ein gefährlicher„Kindersreund" ist in der Lichtenberger Straße aufgetaucht. Dort lockte ein Mann ein dreijähriges Mädchen, das mit seiner 7 Jahre alten Schwester auf der Straße spielte, in ein Haus hinein, setzte es auf dem ersten Treppenabsatz auf d'e Fensterband, um sich an ihm zu vergehen. Die ö'ter'e Schwester beobaäitete das, kam gerade noch zur rechten Ze-t dazu und rief um Hilfe. Jetzt zog der Mann ein Messer, lief an dem Kinde vorbei, gewann die Straße und entkam trotz Verfolgung. Der Unhold, vor dem gewarnt sei, ist etwa 40 Jahre alt und 1.75 Meter groß, hat graumeliertes Haar und fällt durch sein stark gebräuntes barlloses{Besicht ruf. Fahnenweihe in Adlershof. Unter starker Anteilnahme der Bevölkerung beging am Sonntag die Adlershoser Kameradschaft des Reichsbanners ihre Fahnenweihe. Die Berliner Kreisoereine Wedding, Mitte und Steglitz beteiligten sich in stattlicher Anzahl an diesem republikanischen Aufmarsch. Die Kameradschaften nahmen am Bahnhof Aufstellung. Das neue Banner wurde verhüllt von der Wohnung des Kreisleiters abgeholt imd dem Zug« vorangetragen. Zu beiden Seiten des Zuges, der vier Kapellen mit- führt«, marschierten die ganze Breit« der Straß« füllend, die Adlers- hofer Einwohnerschaft mit. Aus dem Marktplatz nahmen die Fonna- tionen Aufstellung. Sehr zahlreich hatten sich hier die drei republikanischen Parteien versammelt. Auch ein« Ad- teüung der Lebenqgemejnschast Aoatög» wohnte der Feier hei. Land- tagsaögeordneter Genoff« Otto Meter sprach die Fest- und' Wekhe- rede und geißelte in seinen politischen Ausführungen besonders die höchst unzulängliche Justiz. Mit dem Motto:„Einem schönen, neuen Deutschland soll sie entgegenflattern' fiel die Hüll« des neuen Banners. Im Lokal Seldstein blieben die Festteilnehmer noch bis in die Abendstunden beisammen. Diese republikanische Kund- gebung— an der sich rund 2000 Mann beteiligten— war ein wirk- sames Werbemittel._ Revision ües Raubmoröers Schreiber verworfen. Der Feriensenat des Reichsgerichts beschäftigte sich mit der Revisiion des 24 Jahre alten Anstreichers Richard Schreiber aus C h a r l o t t e n b u r g, der in der Nacht zum 1. Januar dieses Jahres den Schuhmacher Grau, der sich auf dem Nachhausewege befand, in einem dunklen Hof eines Lokals auf- gelauert und ihn zu berauben versucht hatte. Schreiber hatte bei der Flucht den Grau zu Boden geworfen und ihm die Kehle mit einem Nasiermesser durchschnitten. Er war deshalb vom Schwur- gericht Berlin wegen Totschlages und versuchten schweren Raubes zu 12 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust verurteilt worden. Die gegen dieses Urteil eingelegte Revision wurde vom Reichsgericht verworfen. Kommunistendcmonstration im Lustgarten. Die Kommunisten veranstalteten am Montag abend eine Lust- gartendemonstration„für den Kongreß der Werktätigen' und„gegen den Severing-Erlaß', die von zirka 8000— 10 000 Personen besucht war. Trotz der sehr starken Propaganda vor und in den Betrieben war es ihnen nicht gelungen, stärkeren Zuzug zu erzielen. Mit einiger Verspätung rückten die Züge des Roten Frontkämpferbuizdes mit zahlreichen Fahnen und Plakaten, unter Vorantritt ihrer Musik- kapelle an, und marschierten vor dem Schloß, dem Dom und der Museumstreppe auf. Die Plakate, auf denen„Fort mit dem Schand. erlaß',„her mit dem Werktätiqenkongreß',„Erwerbslose und Ar- beitcnde, kämpft in der roten Front',„Wir wollen so nicht weiter- leben' u. a. zu lesen war, sollten vor allem für den kommunistischen Erwerbslosenkongreh, der für Ende September geplant ist, Propa- ganda machen. Es war bereits fast völlig dunkel, als von zehn Stellen die Redner kurze Ansprachen an die Demonstranten richteten. Die Poli. zei hielt sich zurück, zu Zwischenfällen ist es nicht gekommen. Kurz noch 7 Uhr zogen die Trupps unter Porantritt ihrer Kapellen in die Bezirke zurück. Einem Bericht der Berliner U8.-Korrespondenz entnehmen wir noch folgende Stelle: Die mitgesührten Transparente und Plakate enthielten zum größten Teil Inschriften, die sich gegen den Erlaß Severings richteten. Auch sah man Inschriften:„Fort mft den drei S, Silverberg, Severing, Stampfer'. Billige Autofahrten. Ein Freund billiger Autofahrten ist der Schlosser Walter Dett- loff. Nicht weniger als acht gevrellte Chauffeure standen ihm als Zeugen' vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte gegenüber, vor dem er sich wegen Betruges zu verantworten hatte. Wenn Dett- loff Lust hatte, Auto zu fahren, so machte er nicht etwa klein« Spazierfahrten, sondern unternahm immer- größere Touren, wie zum Peispiel nach Fürstenwaldc, und lud sich dazu unter- wcgs noch lustige Gesellschaft ein. Da diese Ausflüge natürlich sehr kostspielig sind, machte er sie förmlich nach einem System auf Kosten der fahrenden Autolenker. Pci der Rückkehr nach Berlin dirigiert er immer den Wagen nach einem Hause, in dem angeblich seine Eltern wyhnen sollen, und er benutzt dann einen Nebenaus- gang oder eine sonstige Gelegenheit, um ungesehen zu ver- schwinden. Als es einmal nicht anders ging, nahm er sogar den Weg über die Dächer. Nachdem er einmal bereits gefaßf, nher wieder von der Polizei entlassen worden war, nahm er'fein Tun gleich wieder auf und schädigte so die schwer um ihre Existenz kämpfenden Chauffeure um etwa 500 Mark. Jetzt sind sie wenigstens für einige Zeit von dieser Plage befreit; denn das Gericht verurteilt« Dettloff zu neun Monaten Gefängnis. Ein Kaufmann mit Hund auf der Stadtbahn betäubt. Ein Kaufmann August Schatz hatte das ungewöhnliche Erlebnis, daß er mitsamt seinem scharfen Hunde auf der Stadtbahn betäubt wurde. Er beabsichtigte, nachts gegen 12 Uhr von Wilhelmshagen nach Neukölln zu fahren, fand sich aber, als er erwachte, auf dem Bahnhof Börse wieder. Sein Hund schlief auch hier noch, und er hatte Mühe, ihn wieder munter zu bekommen. End- sich eindeckte er, daß ihm seine fast neue krokodillederne Brieftasche mit Geld und Geschäftspapieren gestohlen war. _ Der Polizeipräsidenk wieder in Berlin. Der Berliner Polizei- Präsident Crzesinski hat seinen Urlaub beendet und seinen Dienst wieder aufgenommen. Die vom kommunalen Sekrelarial einberufene Sitzung für morgen mittag findet nicht im Zimmer 109 des Rathauses, sondern im Stadtverordneten-Sitzungssaal statt. Feuer bei Brenninkmeyer. Gestern abend gegen fäll Uhr wurden mehrere Löschzllge der Berliner Feuerwehr nach der Oranienstr. 41 gerufen, wo in einem Schaufenster der Be- kleidungssirma Brenninkmeyer Feuer ausgebrochen war, das an den leicht brennbaren Sachen reiche Nahrung fand. Nach einhalb- ständigem Waffergeben gelang es, das Feuer, das sich weiter aus- zudehnen drohte, zu löschen. Die Aufräumungsarbeiten zogen sich bis 12 Uhr nachts hin. Der Zug nach dem Westen. Dem Berliner Westen, deffen Konsum- und Kaufkraft weder abzuschätzen noch zu überschätzen ist, paßt es schon längst nicht mehr, seine Einkäufe im Zentrum machen zu müssen. Das hieße ja, den Geschäften nachlaufen. Die Geschäfte müssen den Käufer» nachziehen. Eine Großsirma nach der anderen eröffnet deshalb im Westen große Filialen. Jetzt ist auch die Seidenfirma Michels gefolgt, die soeben in dem Eckhaus Kurfürsten- dämm und Rankestraße etwa 800 Quadratmeter neue Verkaufsräume zu einem bereits bestehenden Laden hinzugenomme» hat. In den neuen Räumen, in denen etwa 50 Angestellte beschäftigt werden, bewundert man vielleicht nicht so sehr die Kostbarkeit der Stoffe, als die wirklich hohe Geschmackskultur der modernen Weberei. Dort im Westen, wo die Stoffe entstehen— die Fabrik der Firma be- findet sich bei Aachen— müssen erlesene Kunstgcwerbler an der Arbeit sein, die diese mitunter hinreißend schönen Muster ent- werfen. Bemerkenswert an den neuen Räumen ist ein wundervoll intimer Empfangsraum mit neuartiger Deckenbeleuchtung, beides von Emil Schau d t, sowie der große Saal für Uniseidenstoffe und gemusterte Seiden in amerikanischem Ahorn von der Firma Ja- rotzki: ferner ein anheimelnder Erfrischungsraum mit einem feffeln- den Blick auf das ruhelose Treiben rings um die Gedächtniskirche. Drahtseilbahn gerissen. Im Staate Colorado ist eine Drahtseilbahn, die von Denver auf einen benachbarten Berg führte, gerissen. Der Wagen stürzte in die Tiefe und zerschellte an einem Felsen. 15 Reisende wurden getötet und 40 oerletzt. Die Mörder vom Deister festgenommen. Die Urheber hes Doppelmordes am Deister sind in den Personen der polnischen Ar- beiter Felix D y m b k o w s k i und Stanislaus G o r c z y n s k i von der Kriminalpolizei Hannooer festgenommen worden. Dymbkowski tonnte in Misburg, wo beide Perbrecher ihren Wohnsitz haben, am Sonnabend mittag. Gorczynski im Laufe des Sonntags in der Nähe von Misburg verhaktet werden. Beide gaben in stundenlangem Verhör, unter gegenseitigen Beschuldigungen, ihre Schuld zu. Äls Haupttäter bei der Ermordung des Förster« und de» Forstgehilfen kommt Dymbkowski in Frage. Kinobranü in?rlauü. 47 Take. 11 Berlelzke. 3n der vorvergangenen Nacht brach in einem Kino in v r o m- collogher in Irland Feuer aus, und zwar ist der Brand daraus zurückzuführen, daß der Filmstrelfen Feuer sing, welches sich dann schnell aus das aus holz gebaute Gebäude ausdehnte. Es entstand eine furchtbare Panik. Das Publikum drängte dem einzigen vorhandenen Ausgang zu. der bald verstopft war. Viele Personen wurden zertreten. Es spielten sich schreckliche Szenen ab. Die Zahl der Toten beträgt 47. die der Verletzten 11. Bisher wurden 30 Leichen geborgen. Der Verlauf der Katastrophe. Ueber das verheerende Unglück in Drumcollogher, das schlimmst« seiner Art. das sich jemals in Groß- britannien zugetragen hat, werden noch folgende Einzelheiten berichtet: In dem aus Holz bestehenden, mir 15 Fuß hohen Ge- bäude brach Feuer aus und nach wenigen Minuten stürzte dos Haus zusammen, Frauen, Kinder und Männer unter sich be- grabend. Nur einem geringen Teile der Anwesenden gelang es, auf einer Leiter zum Ausgang zu gelangen. Die Ueberbleibfel der 47 Toten waren kaum noch zu identifizieren. Herzzerreißende Szenen spielten sich bei den Jdentisizierungsversuchen ab. Ueber die Ursache des Unglücks ist noch nichts bekannt. In dem Brande kam u. a.«ine aus sechs Personen bestehende Familie ums Leben. Zur Zeit des Ausbruchs des Feuers war das Kino dicht gefüllt. Den Zuschauern wurde zugerufen, ruhig zu bleiben, aber all« stürzten dem Ausgange zu. von wo aus eine Leiter zum Erdboden herabführte. Die unausbleiblich« Folge war eine Verstopfung des Ausganges. Die Verwirrung wurde noch durch den kurz darauf erfolgten Z u- fammenbruch der Leiter vergrößert. Die Umgebung des Kinos hallte von den Schreien der erstickenden und verbrennenden Menschen wider. Da auch die Beleuchtung versagte, war die Verwirrung vollkommen. Mehrere Frauen wurden aus dem brennenden Gebäude in furchtbarem Zustande weggetragen, vvie starben kurz« Zeit darauf. Der Brand war noch nicht zehn Minuten im Gang«, als ein Teil des Fußbodens zusammenbrach und eine Reihe von Zuschauern mit in die Tiefe riß. Zum Ausbruchsversuch öes Morüers Schroöer. lieber den Fluchtversuch, den der Mörder des Buchhalters Helling, Schröder, in Magdeburg am Sonntag zusammen mit einem Mitgefangenen unternommen hat, wobei ein Gefängniswärter lebensgefährlich verletzt wurde, werden folgende Einzelheiten bekannt: Schröder war im Untersuchungsgefängnis untergebracht und hatte bereits vor einiger Zeit den Gefängniswärtern gegenüber Aeuherungen fallen lassen, daß er lebensmüde sei und daß er noch vor der Verhandlung„ein Ende machen' werde. Daraustiin wurde in seine Zelle ein sogenannter Vertrauensgefangener gelegt. ein gewisser S ch u lz, der Sohn eines Geistlichen, der sich wegen Zechprellerei zu verantworten hat. Am Sonntag vormittag zwischen 11 und 12 Uhr brachte der Oberwachtmeister Blanke den beiden Gefangenen Schröder und Schulz wie gewöhnlikts das Esten. Nichm Päses vermutend, hatte er seinen Karabiner am Riemen über die Schulter gehängt. In dem Augenblick, wo er die beiden Eßnäpse absetzen wollte, sprang ihm Schulz aus den Rücken, ritz ihn zu Boden und drückte ihm die Kehle zu. Schröder entriß dem halb Besinnungslosen den Karabiner und versetzte ihm mit dessen Kolben fünf bis sechs wuchtige Schläge über den Kopf, so daß der Beamte bewußtlos liegen blieb. Beide waren im Besitz eines genauen Planes des Gefängnisses. Sie gingen die Treppen hinauf bis zum Boden, wo sie jedoch von einem Wärter bemerkt wurden, der sofort Lärm schlug, sie wurden dann nach einer längeren Jagd wieder eingefangen. Schröder wird sich zusammen mit Schulz wegen dieses Fluchtversuches unter der Anklage der oersuchten Tötung zu verantworten haben. Voraussichtlich wird diese Anklage mit der Anklage wegen Mord verbunden und am 16. September behandelt werden. verbanöstag öer �rbeitsinvaliüen. München, 6. September.(Eigener Drahtbericht.) Der dritte Verbandstag des Zentralverbandes der Arbeitsinvaliden und-witwen Deutschlands, der von 84 Delegierten aus allen Gauen Deutsch- lands, und von Gästen der Bruderorganisationen aus Oesterreich. Holland und Frankreich beschickt ist, nahm seinen Austakt�mit einer öffentlichen P r o t e st v e r s a m m l u n g, an der sich über 2200 Sozialrentner beteiligten, um gegen das System der Entrechtung der Veteranen der Arbeit zu protestieren. Aus der Begrüßungs- anspräche des Generalsekretärs der Vereinigung der franzöfi- schen Arbeitsinvaliden, Marc eil, St. Etienne, ist die Feststellung bemerkenswert, daß er und der Geschäftsführer des Verbandsorgans, Genin-Lyon, in erster Linie deshalb als Gäste nach München gekommen seien, weil die deutsche Organisation der Arbeitsinvaliden ein bewunderungswürdiges Vorbild sei, das er zur Verbesserung der französischen Organisationsoerhältnisse eingehend studieren müsse. Er betonte ferner, daß sich auch in Frankreich das kapitalistische Regiment stets nur für die Verherrlichung des Krieges, niemals aber für die auf dem Schlachtfeld der Arbeit leidenden Menschen interessiere. Er forderte deshalb, wie auch die übrigen Gäste aus dem Ausland, die Schaffung einer internationalen Organisation der Arbeitsinvaliden. Das Hauptreferat hielt darauf der Verbandsvorsitzende, Reichs- togsabgeordneter Genosse K a r st e n, der die Schaffung einer inter- nationalen Organisation begrüßte, weil nur damit das so leidige gegensätzliche Ausspielen des einen Landes gegen das andere be- seitigt werden könnte. Der gemeinsame Kampf für die sozialen Rechte der Arbeiterschaft sei aber nur möglich in einem vereinigten und freien Europa. Die Protestversammlung schloß mit der ein- stimmigen Annahme einer Entschließung, die von der Gesetz- gebung und den Regierungen durchgreifende Maßnahmen zur Be- Hebung der Not der Arbeitsinvaliden und deren Hinterbliebenen fordert. Bei der Konstituierung des Verbandstages wurde Karsten zum Vorsitzenden gewählt, der in seiner Eröffnungsansprache darauf hinwies, daß der Verband feit seiner letzten Tagung in Dresden vor zwei Iahren die dreifache Zahl von Mitgliedern er- reicht habe. In den sechs Iahren seines Bestehens gelang es dem Zentralverband, nahezu eine Viertelmillion Arbeitsinvaliden zu organisieren. Als Gäste auf dem Kongreß erschienen je ein Ver- treter des Reichsarbeitsmini st eriums und des b a y e- rischen Sozialmini st eriums, Hermann Müller vom A D G B., Pfendtner vom Reichsbund der Kriegsbeschädigten und die schon genannten Delegierten der ausländstchen Bruderorgani- sationen._ Keine Schädigung der Reichsbahn durch t>ie Tilfiter Affäre. Di« Meldungen über«ine Schädigung der Reichsbahn durch Betrüger werden insofern bestätigt, als tatsächlich eine Sendung von Tilsit nach Memel mit einem Nachnahmebegleitschein, der auf 386000 Mark lautete, sich nachher als«in Betrug heraus- stellt«. Der litauische Güteroorsteher hat jedoch das Geld übersandt, noch ehe der Nachnohmeschein seinen— nicht existierenden— Adressaten erreicht hatte. Di« Deutsche Reichsbahn-Gesellschast steht auf dem Standpunkt, daß eine Schädigung der Reichsbahn nicht damit verknüpft stt. sondern daß nach einer litauisch-deutsch-russischen Kon- vention bei falscher Anwendung der geschäftlichen Anordnungen in diesem Fall die litauische Staatsbohn ersatzpflichtig ist. Ein«nt- sprechender Antrag der Reichsbahndirektion Königsberg ist bereit» in Kowno vorgelegt worden. Heut« finden deswegen in Kowno zwischen Vertretern der Direktton Königsberg und der lttauischen Staatsbohn Verhandlungen statt. Die Betrügereien sind inzwischen der Staabumwaltschoft Berlto-Echoneh«« wrtrrfrrilrt worden. einfcnbungcn(fit diese Rubrik sind Berlin SW S8. Lindenstrage Z. parteinachrichten für Groß-SerUn («et»>in da« Bezirkssektetariat. 2. Hof, 2 Trep. recht», zu richte». U Kreit Ritte. Die Sifeiing der Etndt, und Be,irk»nerordneten sindet«rsi am Freitag, 10. September,"Va Uhr, bei Dobroblaw, Swincmündcr Str. 11, heute Dienstag, 7. September: ».«bt. S Ubr FunklionärsiKun» bei Rilkert.._ «3. Abt. 8 Uhr bei Wolff, Krüsestr. 26, wichtig- Besprechung. Aller nosiinnen Erscheinen ist dringend notwendig. 8«. Abt. Schönebeeg. Funltionärsihung bei Glirlich. Die Bezerkssührer und olle Heiser mUsscn erscheinen. Wichtige Tagesordnung. 8Z. Abt. Tempclbos. 8 Uhr Fahlabendc: 2. und 5. Bezirk bei Buse, Werder- Ecke Kaiser-Bilhelm-Etrahe. Rcserent Schulze. 6. Bezirk bei Lange, Ringbahnstr.«. Referent Schltiwe.... 151. Abt. Riederschönhauscn. 7>h Uhr Frauenabend in der Eemeindeschule Bismarckstrasie.,..... Inngsozialisten.»ruppe Südens 8 Uhr Juristische Sprechstunde. Fortsetzung der Anssprackl« über die RuKIandpolitik der SPD.—■ Gruppe Lichtenberg: 71 j Uhr Zusammenkunft aller Lichtenbcrger Genossen im Jugendheim Part» ouc 10.... Arbeitsgemeinschaft der»iaderfreunde. Gruppe Ritte: Hosprtieren in der Riitni- Schule Neukölln. Dienstag abend RüttiistraKe(iy der Nähe des Hermannplahes) beim Genossen Jensen mit anschließender Aussprache. Treff» punlt Ubr vor der schule. Interessiert» Genossen sind eingeladen.— SIrglih: 4 Uhr Spielen im Heim Albrechtstr. 47. Morgen Mittwoch Mitgliederversammlungen und Zahlabende: 1. Abt. 714 Uhr Schulaula Anguststr. 08. Kultur- und Schulfragen. Refe- reut Genosse Lädickc. 2. Abt. 714 Uhr bei Dhngemach. Kommandantenftr.»8, Vortrag de»»«. Nossen Waluaa. z. Ab». 7U Uhr Saal 5 de» Gewcrlschafishausco. Engelufer 2Z. Deutschland« Interesse am Bölkerdund. Referent Genosse Dr. Th. Tichauer. 4. Abt. 7h Uhr«leine Frantsurler Straße, Zeichensaal der Oberrealschule, Bortroa des Genossen Adolf Hofsmann. 0. Abt. Uhr im Roscnthaicr öof. Siosenthaler Str. 11/12. Di« Bedeutung der intcrnalionalcn Gewerksämitsbeweguna. Rcserent Genosse Hcinig. 6. Abt. 7>4 Uhr bei Bilttner, Schwedtcr Str. 23, Semcindcpolitik. Referent Genosse Wonwod. ». Abt. 714 Uhr im Artushos. Berleberg«! Str. 2S. Die politische Sag«. Referent Genosse Meier, M. d. L. Zahlreicher Besuch wird erwartct. 1«. Ab«. 7>4 Uhr Zeichensaal Alt-Moabit. Vortrag des Genossen«anrm. 11. Abt. 71: Uhr bei Bcrger. Leueßowstr. 21. Das Rote Wien. Referent Genosse Stadtrat Rosemann......... 12. Abt. 7�. Uhr Vortrag de, Kenossen Boctisch bei Schmidt. Wiclesstr. 17. I?. Abt. 714 Uhr Artushof. Bcrlcberaer Straße. Bortrag des Genossen Bernhard«rüger., 14. Abt. 7h Uhr Zahlahende bei Gotifchalk, Stark unb Bauß. tä. Abt. 7>.4 Uhr Zahlabcnde bei«oldbach, Dinetavlah 7, und»unh«. Acker- 4P. II.«dt. 714 Uhr bei Mtillee. Scheringsir. 10. Recht« und Pflichten au» der Unfall- und Invalidenoersicherung. Referent Genosse Fendel. 17. Ab». 7'4 Uhr Zahlabend« bei Gerth. Tegeler Str. 50. unb Schrriber. Tristsir. 65. 1». Abt. Zahlabende in den bekannten Lokalen. 1». Abt. 8 Ubr Zahlabenb« in den bekannten Lokalen. 21. Abt. 7". Uhr Zahlabenb« in den bekannten Lokalen. 25. Abt. Zoblabende bei Lewanbowski. Seestr. 104. Refcrentin Lndio End«! Die Stellung der Frau in Sowjetrußlond. Bei Taube. MUllerstr.«2. Re» feeent Dr. Kucerski: Warum Arbeitslosigkeit? Sind die Löhn« ,u hoch? 24. Abt. 7h Uhr Zohlobend«: 1. Gruppe bei Rösner. Immanuelkirckistraße. 1» bei Schmidt. Marienburger Straße. 2 bei Schleiff, Ehrisidurger Ecke Winsstroße. 8 bei«Lhler(Schwei, erheiuschen). Greifswaldcr Straße 20. Abt. 71" Uhr Zahlabende bei Gott,«nivrodestraße. Baronski, Pasteur» straße.«äsiner, Elbinger Str. 24. Sonnabend 0 Uhr Flugblattverbreitung bei Gott und«ramer. 21. Abt. 714 Uhr bei Beinlich, Weißenburger Str. 1, Vortrag be» Genossen Niemann. 27. Abt. 7'4 Ubr Zahlabend« In den bekannten Lokalen. 2«. Abt. Bez. 237 bei«raufe, Prenzlauer Allee 234. Vortrag de, Genossen «rllger: Ziele und Aufgaben der neuen Schulgcmeind». Bezirk 241 bei Leh- mann, Wörtber Str. 11. Bortrag de» Genossen Sachtleben über Berufs- beratunq. 2». Abt. 714 Uhr im Altersheim Danziger Str. 82 Vortrag be» Genossen v. Putkamer über Wien......._. 5». Abt. 714 Uhr Bavvclalle« IS. Ledigenheim. Dl« weltliche Schul«. Res«. rent Genosse SGröter.... �. 31. Abt. 8 Uhr Schulaula Schönfließer Str. 7. Bortrog Dr. Arensberg: Erste Hilfe in Haus und Betrieb. 32. Abt. 714 Uhr Eruppenzahlabend in den bekannten Lokalen. 33. Abt. 714 Uhr Zohlabend hei Wegner. Stralauer Alle« 3l. b«i Hoffmann, Stralau«! Allee 17, und«ieniß, Simon-Dach-Str. 24. »4. Abt. 714 Ubr in den Eomeniusfälen, Memeler Straß«. Vortrag den Genossen Fechenboch über: Arbeiterbewegung in Palästina. 30. Abt. Zahlabende: Gruppe 1 bei Täpper, Nigaer Str. 30. Gruppe 2 Schule Samariterstr. 20. Gruppe 3 bei Bomb«, Boigtstr. 20. Gruppe 4 bei Borkowski. Schreinerstr. 32.., 3«. Abt. 714 Ubr Zablabende: Gruppe 2 Lubotto. Zorndorfer Ecke Richthofen. straße. Vortrag de» Genossen Richard über: Die Grundlaoen de? Leben«. Die übrigen Gruppen in den bekannten Lokalen. 33. Abt. 8 Uhr Zahlabend« in den bekannten Lokalen. All« Bezirke beschäs- tiaen sich mit den Beschlüssen der«relsfunktionär«. 31. Abt. 8 Uhr Jugendheim Lindenstr. 3 Vortrag de» Genossen Dr. Sturm über Außenpolitik. 41. Abt. Die Abteiliingsversaunnlung fällt au». Dafür morgen, D»nner»Iag, große Werbeversammlung im Schultheiß am«reuzberg, Lichterselder Str. 11. 41. Abt. 714 Uhr Zahlabende bei Schuster. Chamissaplaß 4: Luhe. Bergmann- straße 93: Mende. Gneisenaustr. 6». Bortrag der Genossin Schenkalowski über: Zeitqcist unb Sozialismus. 42. Abt. 714 Uhr Zahlabenb« bei Wiersdarff. Urbanstr. I: Bahr. Blüchersir. 38: Höhlk«, Dergmannftr. KS: Seehaak, Williba ld-Mcxisstr. 0: Bogeler, Mitten- walber Str. 10. 43. Abt. Zahlabende in den bekannten Lokalen. 44. Abt. 714 Uhr Schulaula Reichenberger Str. 44/4Z. Bortrag: Di« Kirch« unb die Sozialdemokratie. Referent Pfarrer Bleier. 40. Abt. 7'4 Uhr Gruppenabend bei Minnia. Lousißer Str. 4S: Matschen,. Forster Etr. 9: Bertsch. Wiener Str. 59: Wlenjiers, Reichenberger Str. 104. 41. Abt. 714 Uhr bei Burckhardt. Görlißer Str. 53, Bortrag des Genossen Dr. Kawera». 47. Abt«. 714 Uhr Bez. 82/83 bei Timp«, Adalbertstr. 17. Bez. 97 bei Lier. Naunnnstr. 9. Bez. 98/100 bei Sicdentopf. Muskauer Str. 30. Bez. 101 bis 100 bei Lehmann. 41. Abt. 8 Uhr in Gsiesings Festsölen. Wassertorstr. 08. Bortrog des Ge Nossen Adolf Hol»: Agitatorische Aufgaben der Partei. Shaelottenburg. 01. Abt. 8 Uhr Zahlabend mit Bortrag. t. Gruppe bei Schellbach, Kaiserin-Augusta-Str. 0. 2. Gruppe bei Scheidhauer, Sophie- Eharlolte-Str. 24. 3. Gruppe bei Dörr«. Danckelmannstr. 18.—»2. Abt. Bei Büttner. Kaiserin-Augusta-Allee 81. Iustizskanbal. Referent Genosse Dr. Kallmann.— 04. Abt. 8 Uhr Jugendheim Rosinenstr. 4. Die deutsche Justiz. Referent Genosse Dr. S. Rosenfeld.-- 00- Abt. 3 Uhr Lokal Adolf Skeimer, Wilmersdorfer Str 21. Was können wir von Wien lernen? Referent Genosse Wildung. 01. Abt. 8 Uhr Gruppe 1 und 3 bei Lärsch, Kantstr. 02. 2. Gruppe Iaskobiak. Lolßendorffstr 20. Vortrag mit Lichtbildern: Die französtsche Revolution. Referent Busch.— 58. Abt. 714 Uhr im Rankehaus, Rankestr. 4. 4. Stock. Vortrag: Die Politik ber Reichseisenbahn und die Eisenbahnunfälle". Referent Genosse Scheffel, Vorssßender de» Einheitsverbande» der Eisenbahner, 13. Abt. Stanke«. Die Einstellung unserer Partei»um Reichsbanner. Refe- rent Genosse v. Puttkamer. 07. Abt. Srnnewald. 8 Uhr bei Grucza, Lindencck. 08. Abt. Kaleasee. 8 Uhr bei Sandmann, Wesisälische Str. 42. Das Heidelberger Programm. Referent Genosse Kühn«. Wilmersdorf. 69. Abt. Turnerheim. Württembergische Straß«, Vortrag des Stadtverordneten Lempert.— 7». Abt. 8 Uhr bei Kroihs. Holsteinische Straße 60, Vortrag: Locarnovertrag.— 71. Abt. 8 Uhr bei Jonas. Dur- lachcr Ecke Bruchsolcr Straße, Bortrag des Genossen ffloerke.— K. Abt. 8 Uhr bei Schäfer, Augustastr. 31, Vortrag: Sozialdemokratische Außen. valitik. Referent Genosse Dr. Herweck. 73. Abt. Schmargendorf. 81? Uhr im Lehrerzimmer der Gemcindeschule. Vorstand und Funktionäre tagen ab 714 Uhr dortselbst. Bezirksführer laden ein. Vor dem„Bunten Abend" am Sonntag las Alice Fliege!» Loden st edt eine Novelle«Ein Sommerlied" mit einem Patbos und mit einem Tremolo der Rührung, die dem Hörer kaltes Entsetzen einjagten. Sehr zart und empfindsam war die Sache, es kam sehr viel von Seele und ähnlichen Dingen vor, aber trotzdem hätte sich die Vorlesung erübrigen können. Max K u t t n e r und Frida Webcr-Fletzburq langen mit Temperamentsaufwond,. Seele und schöner Stimme Meycr-Helmund, Tosti und wie die Herren alle heißen. Das Nachmitagskonzert brachte wenigstens Tschoikowsky, Bizet und Lißt, und in der Mittagsstunde sprach ReichsfinanZminifter Reinhold in Hamburg auf der Ängestelltentagung verheißungsvolle Worte, die klar und ohne Nebengeräusche aus den Berliner Sender übertragen wurden. Und dann besann sich die Funkstunde darauf. daß auch Künstler von überragendem Können in Deutschland leben. „Die Stunde der Lebenden" galt dein Bildhauer und Dichter Ernst B a r l a ch, aus dessen„Toten Tag" und„Blauer Ball" Paul B i l d t und Sonja Boys lasen. Ob Barlach allerdings der größte ist. wie Rudolf K a y s c r in seinem einleitenden Vortrag feststellte, bleibt fraglich. Fern von nebelhafter Verschwommenheit in seiner Plastik, die letzten Endes immer von dieser Welt ist, werden seine Dichtungen manchmal unklar, zeigen eine merkwürdige Berquickung von Phantastik und Wirklichkeit, seine Gestalten zerfließen, und der Umriß geht verloren. Nachdem am Tage so gut wie nichts Erwähnenswertes ge- schehen war, wurde am Abend der Zyklus �Zweihundert Jahre Orchestermusik" fortgesetzt. Man spielte Kompositionen von Johann Sebastian Bach: Die Suite in kk-Moll, das Konzert für Klavier und Orchester in O-Moll und das erste Brandenburgische Konzert. Zeigten Dittersdorf und Stamitz die Anfänge des neuen, sinfonischen Orchesterstils, dessen erste Erfülle? Haydn und Mozart waren, so steht Bach auf der Wegscheide, Meister von überragender Größe in beiden Stilen. Thematisch Kammermusik zeigen diele Konzerte eine Besetzung für großes Orchester. Zwei Absagen: Der Dirigent Georg Szell wurde durch Bruno Seidler-Winkler ersetzt, und das Klavierkonzert spielte Demetriescu, stets die große Linie wahrend, ein ausgezeichneter Pianist. Seidler-Winkler mit dem Funkorchester spielte ruhig, ausgefeilt und gab seder Orchester- sigur scharfe und charakteristische Ausprägung, nichts verwischend, aber niemals aus einer kühlen Reserve hervortretend, manches klang so unbeteiligt, allerdings ist auch Bach das ungeeignetste Objekt für Experimente. Prof. Wilhelm K l a t t e hielt den Einführungsvor- trag, der sich eingehend mit den musikalischen und biographischen Voraussetzungen der Bachschen Kunst auseinandersetzte. Das Rundfunkprogramin. Dienstag, den 7. September. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 12 Uhr mittags; Die Viertelstunde für den Landwirt. 4.30 bis Stunde mit Büchern. Hermann Löns:„Mein goldenes Buch" und „Mein grünes Buch". Peter Dörfler:„Siegfried im Allgäu". Wilhelm Schüssen:„Der abgebaute Osiander". Marthe Renate Fischer:„Die Blöttnertochter", Margarete Boie:„Meißen Peter Ohm". 7 Uhr abends: Dr. Herbert Hejrde:„Die Bedeutung der DandVarte in Schule und Lehen"(Die Landkartenherstellnng). 7.25 Uhr abends: Dr. Enslin:„Goethes Farbenlehre". 7.55 Uhr abends: Professor Frans Goerke:„Der Mensch und die Natur". 8.30 Uhr abends; Frank Wedekind. 1. Artur Holitscher: Ein- föhrnng in' die Werke. 2. Fritz Kortner: Rezitationen aus den Werken. 8.30 Uhr abends; Das Lied. I. Aus alter Zeit. 1. Deutsche Volkslieder: a) Isaak: Innsbruck, ich muß dich lassen(16. Jahrhundert), b) Scheiden und Meiden. Aus dem Locheimer Liederbuch(1540), c) All' mein' Gedanken. A. d. Looheimer Liederbuch (1540), d) Das Lirdenlanb(um 1600), e) Das Mühlrad(Aus Schlesien 1750). 2. Klassische Lieder: a) Franz Tunder(Wachet auf(um 1600), b) J. S. Bach; Komm, süßer Tod, c) J. S. Bach: Frohlocke, mein gläubig's Herze(Cornelis Bronsgeest Bruno Seidler-Winkler, Flügel). Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tegesnachrichten, Zeitansage. Wetterdienst. Sportnachrichten. Theater- und Filmdienst. 10.30— 12 Uhr abends: Tanzmusik (Tanzorchester Ettd). Königswusterhausen, Dienstag, den 7. September. 3— 3.80 Uhr nachm.: 0. M. Alflen und V Eyseren: Spanisch. 3.30—4 Uhr nachm.: Berufsschuldirektor Willi Fender; Stellung der Menschen zu den Grundfaktoren in den einzelnen Wirtschaftsstufen. 4—4.30 Uhr nachm.: Stud.-Direktor Dr. Brömse: Niederdeutsche. lyrische Dichtung. 4.30—5 Uhr nachm.: Mitteilungen des Zentrahnstituts. 5— 5.30 Uhr nachm.: Chefredaktenrin M. Clorer: Die Herbstmode in ihrer festlichen Aufmachung. 8.30 Uhr abends: Uebertragung aus Berlin. 74. Abt. ZeHiendarf. Funktionärsißunz bei Millen, abend» 8 Uhr. Echöneberg. 77. Abt. 1 Bez. bei Wilde, Rellendorfstr. 16. Gen. Dr. Schützmger über„Politische Lage". 2. Bez. bei Jürgens, Barbarossastr. 0». Gen. Emil Duchholz über„Profit, oder Dedarsswirtfchaft". s. Bez. bei Zeugner, Srunewaldstr. 36. Gen. Wendt über die„Geschichte der Partei". 4. Bez. bei Will, Martin-Luther-Str. 69. Gen. Wilberg über„Die politische Lage". — 78. Abt. In allen 4 Bezirken Zahlabenb in den bekannten Lokalen.— 79. Abt. I. Bez. bei Arndt, Baußener Str. 10. 2. und 8. Bezirk bei Grunow, Doßlerstr. 13. 4./6. Bez. bei Groß, Eedanstr. 17. 7. Bez. bei Podzus, Eachfendamm-, Ecke Reichardtftraße. 8. Bez. Siedlung Lindenhof, bei Achtenhagen, Röblingstraße, Vortrag„Unsere kommenden Arbeiten". 85. Abt. Lichterselde-West. Abends 8 Uhr im Lokal Reinhold Schmidt, Hinden, burgdomm. Ecke Roonstraße, Bortrag„Die Konsumgenossenschatts» bewegung". Ref.: Kroppler. 83. Abt. Lichterfeld«. 7-4 Uhr Lichterfelde, F-stsäl-, g-hl-ndorf-r Str. 0. Bortrag des Een. Adolf Hirsch. 84. Abt. Lankwitz. 8 Uhr bei Lehmann, Kaiser-Wilhelm-Str. 29/30, Vorwag des Gen. Schwarz, Redakteur, Uber„Außenpolitik". 85. Abt. Temvelhof. Abends 8 Uhr, 1. Bez. bei Wendt, Borussiaftr. 71. 3. und 4. Bez. bei Primus„Zur Linde", Werder-, Ecke Friedrich-Karl-Straße. 7. Bez. bei Happelt. Gottlieb-Dunkel-, Ecke Germaniastraße, G«n. Hensel über„Konsumgenossenschaft", Gen. Müller über„Kommunalpolitik". 3«. Abt. Mariendors. 8 Uhr 1„ 2. und 7. Bez. bei Köpke, Bergsw. 7. 3. bi« 6. Bez. bei Niendorf, Ehausseestr. 19. 8. di« 10. Bez. Findeisen, Frieden. 8 Uhr bei Schuster, Kirchstr. 08„Unsere nächsten Ans» straße 0, 87. Abt. Marienselde. gaben". Renkoll». 81. Abt. Abend» 7 Uhr 1. bis 4. Bez. bei Brose, Sanderstr. 10, Vortrag des Gen. Hermann Krüger. 9„ 10. 18. u. 19. Bez. bei Fischer, Hobrechtstr. 04, Bortrag de» Gen. Wilhelm Richter. 0., 7., 8. Bez. der Bockmann, Rcuterstr. 47, Vortrag des Gen. Arno Scholz. 0., 11. und 12. Bez. bei Gläser, Pannicr-, Ecke Pslllgerstraße.— 9«. Abt. 714 Uhr t3. Bez. Rüdiger, Lohmllhlcnstr. 3«. 10. u. 20. Bez. Jahn, Fuldastr. 40. 10. und 20. Bez. Iahnicke. Sansastr. II. 17. u. 24. Bez. Lehmann, Tell», Ecke Wesersttaß«, Ref.: Felix Fromm. 22., 20. und 3«. Bez. Schittler, Wcichsclstr. 5. 34. u. 43. Bez. Kleistner, Münchrner Ew. 03. 30. Bez. Idcalkasino, Wcichselsw. 8.— 92. Abt. Zahlabcnde halten ab: di« Bezirke 14. 2g, 30 bei Gautcr, Harzer Str. 88, Vortrag de« Gen. Plette über „Die Amerikareisc der Gewerkschaftsführer". Die Bezirk« 27, 28, 32, 33 bei Ewald, Weser-, Ecke Elbestraße, Vortrag des Gen. Schneider über„Kunst und Politik". Die Bezirke 31, 44, 4.0,.00 bei Wolfs, Kaiser-Friedrich- Swaße 173, Ecke Roseggcrstraße, Borwag des De». Heitmann„Unsere kommunale Politik". Die Bezirke 40, 47, 09 bei Dehn, Richardstr. 108. Bortrag. Die Bezirke 72, 73 bei Schneider, Roscnfw. 7,„Vichtige Partei- angelcgcnheitcn". Unbedingte Pflicht eines jeden Parteigenossen und seder Parteigenossin ist es, den Zahlabend pünktlich ,u besuchen.— 95. Abt. 714 Ubr 07. Bez. Belger, Treptower Str. 23. Bezirke 0«, 08, 81, 82, 80 und 97 Thormähler, Lerzbergstr. 22, Bezirk 83, 84 und 90 bei Riß. mann. Böhmische Etr. 6. Bez. 9« und 98 bel König, Kanilerftraße, Ecke Elsterstraße. 99. Bez. bei Warnstedt, Thüringer Etr. 22. Siedlung im Bärwinkcl. Bez. 01, 52, 08, 76, Lokal Schröder, Stcinmetzsw. 52. Bez. 64, 00, 66,«7, 77, 78, Lokal Günther, Schillcrpromenad« 11.— 95. Abt. 714 Uhr bei Grieger, Lessingstr. 9, Bortrag des Gen. Großmann ,25 Jahre internationale Gewerkschaftsbewegung".— 91. Abt. 714 Uhr, Bez. 80, 87 und 88 bei Lübber, Thomasstr. 0. Rcscr. Gen. Dr. Freund. Bez. 86 und 100 bei Müller, Thüringer Str. 0. Ref. Den. Brinkmann. Bez. 83 und 94 bei Freniel, Schierke-, Ecke Bodestraß«. Ref. Gen. Gärtner. Bez. 101, 102 und 103 bei Zillmcr. Rogatsw. 06. Ref. Gen. Heitmann.— 97. Abt. Bez. 79, 89, 92 bei Kutzki, Leincstr. 1. Bez. 90, 91 bei Helmke. Warthe. straße 40. Bez. 104, 105, 100 bei Krüger, Emfer Str. 80/87, Ecke Reiße. straße. In allen Lokalen Besprechung über unsere Werbcwoch«.—»8. Abt. 714 Uhr bei Teich, Kncsebeckstr. 135, Ecke Bcndastraße, Bortrag über „Politische Tagcsfragen". »1. Abt. Britz. 714 Uhr Lokal Lindenpark, Ghausseestr. 13, Borwag de» Gen. Harnisch, 101. Abt. Treptow. 1. u. 2. Bez. im Lokal Ringeltaube, Grötzsir. 1(an der Wiener Brücke), Vortrag des Een. Kotzur. 3., 4.»nd 0. Bez. im Lokal Oettingcr, Elsen-, Ecke Kiefholzstraße, Borwag de» Gen. Litke über„Die Vereinigten Staaten von Europa". 102. Abt.»aumslhulenweg. 7 Uhr außerordentlich wichtig« Mitgllederoersamm. lung. Vortrag:„Die Agitation unserer Partei im September". Ref. Genosse gubeil. 113. Abt. Oberschöneweibe. 8 Uhr bei Imberg, Wilhelminenhofftr. 34, Vortrag der Genossin Irma Epstein-Fechenbach über„Sozialistische Kulturfragen. 194. Abt. Nledcrschöncweide, 714 Uhr bei Räthel, Brllckenstr. 10, Etadtdiblio. thekar Löfflcr über„Volksbüchereien". 100. Abt. Adlershof. 8 Uhr bei Vogel, Blsmarckstr. 74. 108. Abt. Cöpcnick. 714 Uhr Köllnifchc Vorstadt bei Etippekohl. Schönerlinde. straße 0, Kictz-Vorstadt bei Ficbach, Miiggclheimer SW. 2, Damm-Vor» sladt bei O. Schulz, Bahnhossir. 30. Wichtige Tagesordnung. 11». Abt. Grünau. 8 Uhr bei Werner, Köpcnicker Straße, Bortrag des Gen. Raible über„Erwerbslofenfragen". Lichtenberg. 114. Abt. 714 Uhr bei Piescheck, Erosscner Ew. 14, Vorwag de« Gen. Katzenstein.— 115, Abt. 1. Gr. bei Gonell, Jung-, Ecke Scharnweber» straße. 2. Gr. bei Lohann, Oder-, Ecke Iungstraße. 3. Gr. bei Räbke. Mllggel-, Ecke Echarnwcbcrsiraße. 4. Gr. bei Seidke, Kronprinzenstraß«, Ecke Echarnweber/traßc. Jeder Genosse muß erscheinen.— Iii. Abt. 8 Uhr in der Knaben-Mittelschule, Marktstr. 10/11, Vortrag de» Gen. Ergin» Jena über„Die politischen und wirtschaftlichen Vcrhöltnisse Rußland»". — 117. Abt. 714 Uhr gemeinsamer Zahlabenb, Schule Lllckstr. 03. Vortrag de» Den. Rogge über„Völkerbund und Sozialdemokratie".— 118. Abt. 714 Uhr bei Tempel, Dudrunsw. 7, Vorbereitung für die Werbewoche.— 119. Abt. 714 Uhr Eecilienlnzeum, Rathaussw. 8(Zeichensaal), Vortrag des Gen. Iudrian über„Sozialdemokratie und Kommunismus in der gegenwärtigen Zeit". 121. Abt. Friedrichsfeld«. 714 Uhr bei Tempel, Prinzenalle«,„Das Großkraft- werk Rummelsburg". Ref. Gen. Stadtrat Echlichting. 121. Abt.»arlshsrft. Hausmann, Treskowallee,„Der Völkerbund und feine Bedeutung". Ref. Gen. Erwin Margunrdt. 122. Abt. Biesdorf. Die Mitgliederversammlung fällt aus. Dafür am 10. Sept. 123. Abt. Kaulsdorf. 8 Uhr Funktionörsitzung bei Hübner. 128./130. Abt. Pankow. 714 Uhr Zahlabende: 1. Gr. bei Weiß, Berliner Straße, Ecke Kaifer-Friedrich-Straße. 2. Gr. dei Mcccz, Lindenpromenade. Ecke Berliner Straße. 3. Gr. bei Dreper,«ifstngenstr 4. 4., 0.. 7. Gr. im Jugendheim, Breiteftr. 32. 0 Gr bei Neumann, Mcndelstr. 17. 3., 9. Dr. bei Dohnke, Wollankstr. 31. Tagesordnung in allen Lokalen: Die Werbewoche.— Unser« Winterarbeit. 131. Abt. Riederschönhause». 714 Uhr Lokal Wilhelmshof, Kaiser-Wilhelm. Straße, Vortrag„Was will die sozialdemokratische Bewegung". Ref. Gen. Robert Breuer. 132. Abt. Blankenburg. 8 Uhr bei Klug, Dorfstr. 2, Bortrog. 133. Abt. Buchhol,. 8 Uhr Zahlabenb dei Rossak. 151.«dt. Reinickendorf-Ost. 8 Uhr Zahlabende bei: I.— 3. Bez. Lehmann, Sanptstr. 0«. 4.-6. Vcz. Jugendheim, Seebad. 7.-10. Bez. Steinbach, chillerpromenade 48: 11.-14. Bez. Kunz«, Seestr. 28. 10.— I«. Bez. Neu- mann, Provinzstraßc, Ecke Pankowcr Alle«. 17.-21. Bez. Kossack, Provinz. straße«0/81. 137. Abt. Reinickendors-West. 714 Uhr gemeinsamer Zahlabend für alle Be. zirke im Bolkshau», Scharnwerberstr. 114. 1. Bericht de. Gen. Lehmann über„Wohnungswesen", 2. Besprechung und Einteilung der Ardeit für die Agitationswoche, 5. Parteiangelegenheiten, Berschiel 139. Abt. Tegel. 8 Uhr im Rest. Schade, Berliner Str. 17, Bortrag über„Kommunalpolitik". Ref. Gen. Schäfer. 140. Abt. Borsigwalde. 714 Uhr im Lokal Woitschak, Ernststr. 1, Borwag den Gen. gochcrt, M. d. L., über„Erwerbslosigkeit". 140». Abt. Wittenau. 8 Uhr Rest. Schulz, am Bahnhof, Vortrag de» Gen. Mictke. 141. Abt. Rokenthal-Riedeefchönhanlen-Weft. 714 Uhr im Lokal»Übel. Nieder. schonhaufen-Dest, Portrag des Gen. Adolf Wuschick über„20 Jahre Ge. werkschaflsbxwcgung". 143. Abt. Waidmannslnft. 8 Uhr bei Dreißig, Waidmannstr. 4, Zahlabenb. s» Abtellnngsmiewrnertretee. Mit Rücksicht auf di« Vorbereitungen zur Roten Woche findet die Monatskonferenz der SPD.-Abteilungsmietervertwler erst End« dieses Monat» statt. Näheres wird noch bekanntgegeben. cne». Ecke Beithstraße, 1 «fein bim«inlzückl von meiner Perle inalürlkln! UR# H DIE IST. ECHT 1. Arbeiter-Tennisturnier in Serlin. kommunistische Schmähungen der Reichsfarben. Bei mchcroirizentlich künftigen Witterungsvcrhältuissen konnte das erste Turnier der Arbeiter-Tennissportler, da» am Sonnabend und Sonntag im Lichtenbcrger Stadion ausgetragen wurde, einen vorzüglichen Verlauf nehmen. Die Tennis- ableilungen der Arbeiterturnvercinc Lichtenberg und Weißen- s e e und der Verein»Tennis-Rot�-F riedrichshain hallen aus ihren Kreisen je eine Mannschaft, bestehend aus sechs männlichen und zwei weiblichen Spielern, Zusammengesetzt, die— trotzdem alles Anfänger waren— oft schon gute Leistungen zeigen tonnten. Im Wettstreit zwischen den Vereinen zeigte sich die Mannschaft des „T c n n i s N o t"- F r i e d r i ch s h a i n als die beste. Sie stand am Schluß der Spiele gegenüber der Lichtenberger Gruppe mll 8 zu 5 Punkten, gegenüber den Weißenseern mit 3 zu 2 Punkten im Vorrang. Bei den Kämpfen zwischen Lichtenberg und Weißens« war Lichtenberg bedeutend besser und rückte an dl« zweit« Stelle. Zum Abschluß gab es noch einige interessante Momente, als die älteren, langjährigen Spieler der Lichtenberger Gruppe, die in einer Eonderni annschaft zusommcngcschlosstu sind, die Sieger der anderen Mmmschasten zu einigen Gesellschaftskämpsen heraus- forderten. Sie blieben dabei insolg« ihrer langjährigen Ucbung in diesem Sport selbstverständlich im Vorteil. Für die obige Veranstaltung ist uns noch ein Bericht eines Sportlers Friedmann, den die„Rote Fahne" gestern morgen ob- gedruckt hat, zugegangen. In dem Bericht heißt es unter anderem: „Die am Eingang des Lichtenberger Stadions liegenden Tennis- Plätze waren mit roten Fahnen und einem riesigen Transparent: ..Die büraerlichen Sporlocreine sind die Stützen der Reaktion" ge- schmückt. Das übrige Stadion stand im Zeichen der Bößschen bürgerlichen Sportwoche, Schwarzrotgold und die Magistratssahne be- herrschten das Feld." In der„Roten Fahne" war das Schworzrotaold in ein„gelb" umgewandelt. Gegen diese Schmähung wendet sich der Tennis-Rot- Elub Friedrichshain mit einer Zuschrift, in der es heißt: „Der Berein„Tennis-Rot Friedrichshain" legt hierdurch gegen die Schmähung der Reicksfarben entschieden Protest ein. Unsere Sturmsahne als Sozialisten und Arbeitersportler ist und bleibt ro: darüber hinaus achisn l>nd verteidigen wir jedoch di« schworzrot goldene Fahne der Republik, nicht weil die heutige Republik unser Staatsideal darstellt, fondern weil sie den günstigsten Kampsboden für weitere Fortschritte der Arbeiterschaft bildet. Schwächung der Republik bedeutet Schwächung der proletarischen Position. Wir teilen hierdurch weiter mit. daß wir die Beteiligung an dem in Vorbereitung befindlichen Einzelturnier ablehnen, bis wir nicht die bindende Erlläriing habe», daß bei Berichten über Ber- ani'taltungen, an denen sich unser Verein beteiligt, keine indirekten poliiischen Schmähungen des größten Teiles unserer Mitolieder«nt- halten sind. Von dieser Erklärung machen wir auch di« weiter« Zugehörigkeit zur ATA. abhängig. Unmittelbares Mitglied des Arbeiter-Turn- und Sportbundes bleiben wir nach wie vor." � Interne Regatta des Ruüerverelns.vorwärts�. Der Rudervcrein„Vorwärts" veranstaltete am Sonn- tag, den 5. September, nachmittags, auf der O b e r s p r e e zwischen seinem Bootshause und der Stubenrauchbrück« seine diesjährig« in- terne Regatta. Im festlich geschmückten Bootshause hatten sich zahlreiche Angehörige der Mitglieder eingefunden und oersrlgten mit lebhaftem Interesse die einzelnen Rennen. Da der Verein über eine große Anzahl guter, gleichwertiger Mannschaften verfügt. so waren dementjprechcnd die Rennen äußerst scharf. Heiß um- stritten war besonders das Achterrennen, zu dem auch der Rudcrvercin„Freiheit" und die Ruderrieze des Turnvereins „Ficht e" gemeldet hotten. Die Vereine„Freiheit" und„Vor- wärt s", zwei alte Rivalen, lieferten sich vom Start bis ins Ziel ein äußerst erbittertes Rennen. Während es anläßlich der Internen Regatta des Ruderoereins„Freiheit" der„Vorwärts"- Mannschast gelang, dcn Sieg zu erringen, konnie diesmal die „-irciheil'�Mannschaft mit einer Fünstelseknnde die„Vorwärts"- Mannschaft schlagen. Einen guten Achtungserfolg errang in diesem Rennen die zum ersten Male in einem Achtcrrenncn startende „Fichte"-Mannschast. Bei etwas mehr Training hätte diese Mann- schalt ebenso gut den Sieger stellen können. Slesultaie: T-pprl.?.w«I>-- m. St.: 1. Drößlcr I und Ii. St. Polin. 5ÄW.. — SlnfäNfitr.Picrtii I. üoljer, ffener, PeeR, Bon»»«», Lt. Ientsch. 5,12%. — Frauen. Dop pkl-Picrer: 1. tiothe. ffläritfc, Cifermonn, 6itS, St. Miinchen- Iiooen. 5,55.— Sine»: 1. Kecthge. 6,09Vt.— SelAtccSicue: 1, flitefmer, J!7. Sünder,(Stofi St. Ichnionn. 5,16'...— fftfitt-Sictet! X. Dränier, Schramm, fiodtf, Sri,»et, St. 3e)i!frfj. äjüi.— Dopprl-Pietet: X. Schi! irr, Wormuib. Aiide, Laak. St. Burchbardt. 5,11 U.— Achter(Safttennen); I tPP, ,, Freiheit"(Sorli, Borke. Killet. Lochaw, Ftih. Brandt. Müller,®c- »eflel, St. Soll«); i*OK.:. RB.„«otmätt»*: 4.39?». Straßenrennen Ües MS.„SoliSarität�. Die Rennfahrer des Arbeiterradfahrerbundes „Solidarität" hielten am Sonntag wieder ein Straß« n» rennen ab, das über eine Strecke von 50 Kilometer führte. In aller Frühe hotten sich am Sammelstart, ans dein Luther-Platz in Spandau-Neustadt,-tl) der gemeldeten Fahrer eingefunden. Zahlreiche Zuschauer hatten sich hier und längs der zu durchfahrenden Rennstrecke eingesunden. Der Weg führte von Spandau über Vausin— Börnicke— Weinberge— Brieselang und zurück nach Pausin. Kurz nach 8 Uhr begaben sich di« Rennfahrer auf die Reis«. Be« dauerlicherweise herrschte ein außerordentlich starker Gegenwind, zu dem sich die große Hitze lind schlechte Wegoerhältnisse gesellten, was die Rennen naturgemäß beeinträchtigte. Einige ausstchtsrelch« Fahrer erlitten Reifendefette. Bei den Schlauchreifenfahrern wurde das Feld bald gesprengt, und nur drei Fahrer lagen in der Spitzen- gruppc zusammen. Das nachsolgende Feld war sehr auseinander- ge.zogsn. Auch in der Jugendklasse fand ein Rennen über zwei Kilo- meter statt, zu dem drei Konkurrenten antraten. Es wurde eine annehmbare Zeit gefahren. Der Artteiterradfahrerbund „Solidarität", der mit einem auserlesenen Feld am Start er- schienen war, hat wieder einmal gezeigt, daß die Rennsportbewe- gnng in der Vereinigung im Wachsen begrisfen ist, und daß die Arbellerrodfahrer verstehen, gut organisierte Rennen zu veranstalten. Swbmffe: Rennen 50 Kilamefct; SSIaii greifen fahret: X. Mahlow. 6. Abt., 1.32. 2. Andreiewfki. 8. Ab,. 1,32 1. 3.»Arendt.». Abt., 1,33. 4. Weiß. Licktender». 1,40. Dmhtecifcnfahrct: 1. Siihhetg, 8. Abt.. 1,57"A ÜUcr». fahret: Srblauchtrifenfahter: 1. Sichlet.«. Abt., 137.45 DtaHiteisenfaheet: 1. Mufltonb, 8. Abt., 1,45.30. 2. Kaera». Svenhou. 1,51,30.— Zuilienbklaste 2 Kilometer: 1. Surf, 1. Abt.. 4 Minuten. 2. Sktopnirf. 1. Abt., 4,2 Mw. 3. SÖSC, 6. Abt.. 43 Min. Der ASB. übk in ZZlöHensee. Der Ardeiter-Samariier-Bund oeranstallet« am Sonntag mittag am Freibad P l ö tz e n s e e(Konalseite) eine Sanitätsübung, die der Berliner Bevölkerung Einblick in die Tätig- kell der Arbeitersamariter und ein Bild ihrer Leistungsfähigkeit geben sollten. Der Besuch der Demonstrationsveranstallung war recht gut, das Interesse der Zuschauer bewies, daß man dos schnelle um- sichtige Arbeiten der Arbeitersamariter zu würdigen verstand, U. a. wurde die erste Hilfe bei einem Explosionsunglllck mit etwa 40—45 Verletzten vorgeführt. Die Samariter trugen Gas- Masken, schnell wurden die Leute vom Gefahrenpunkt abgeholt und verbunden. Recht eindrucksvoll war auch die Bergung der In- fassen von zwei„gekenterten" Ruderbooten. Solche liebungen sollt« der ASB. des öfteren oeranstakten. Sie stärken die Popularität der Arbeitersamariterckewegung und zeigen dem breiteren Publikum, daß hier ernsthafte, dem Voltswohl dienende Arbeit am Werke ist. Daß im ASB. sehr wohl der Stoff zu wertvoller sanitärer Leistung nicht nur im Sinne des Proletariats, sondern der gesamten Bevölkerung liegt, erweisen solche Hebungen, wie die vom verflossenen Sonntag. Nicht die dekorativ« Paradeleistung, wie sie das„Rote Kreuz" z. B. in allzu reichlichem Maße pslegi, wobei manchmal das eigentliche Rettungswerk verhängnisvoll zu kurz kommt(Wannseeungluck!). ist ausschlaggebend, sondern das sachliche Fazit der sanitär- hygienischen Leistung. vieTagung des Hauptausschusses See»Naturfreunüe� In den letzten Tagen des Monats August trat in Wien der Hauptausschuß dieses internst i'onalen Wander- b u n d e s zusammen. Eingeleitet wurde die Tagung durch einen Vortag des Abgeordneten Schreck. Bielefeld, der im großen Saale des Verbandsheimes der Kronkenkasten vor den Wiener Mitgliedern über das Thema„Wege und Ziele der Naturfreunde" sprach. Reicher Beifall lohnte die Ausführungen des glänzenden Redners. Am Samstag begannen die Beratungen. Sekretär H a p p i s ch erstattete einen ausführlichen Bericht über die Tätigkeit des Vereins im Jahre 1025. E h r e n st e i n erstattete dcn Kassenbericht, der einen erfreulichen Stand der Finanzen des großen Vereins zum Ausdruck brachte. Präsident Bolkert referierte über die Werbe- a r b e i t. der in Zukunft dos größte Augenmerk zugewendet werden wird. An der regen Aussprache beteiligten sich alle Delegierten. Eine Fülle neuer Gedanken wurde zum Ausdruck oebracht. Gegen- wärtia besitzt der Vercirp 256 Schutzhütten. Ferienheime und Talherbergeit, eine ansehnliche Zahl solcher Häuser ist teils im Bau begriffen, teils find d-e erforderlichen Grundstück« hierzu sichergestellt.— In seinem Schlußworte konnte der Prä st- dent Nationalrat Bolkert mit Befriedigung feststellen, daß unter den Vertretern der einzelnen Länder volle Ein- m ü t i g k e i t herrscht. Er konnte der Hoffnung Ausdruck geben, daß die Tagung des Hauptausschustes zur Ausbreitung des proleta- rischen Wanderns, zur Festigung und Vertiefung der Naturfreunde- bewegung und damit auch zum Wohle des arbeitenden Voltes bettragcn wird.__ Spiel- und Sportfest in Zehlendorf. Am Sonntag, den 29. August d. I.. veranstaltete der Turn- oerein„Vorwärts" Zehlendorf sein diesjährige» Sport- fest. Am Umzug durch den Ort nahmen zirka 200 Sportler und Fußballer teil, wodurch der Zug ein bewegtes buntes Bild zeigte. Auf dem Platz fanden leichtathletische Wettkämpfe und Fußballwett spiele statt. Der Abend oereinigte viele Sportler bei einem gemüt lichen Beisammensein, wobei die Vorführungen der Saalradfahrer, Artisten und der Sportabteilung des Vereins lebhaften Beifall fanden. Nachstehend die Resultate der Wcttkämpfe: Reful tote: Männer StetCampf: 1. P. Lehmann. Fichte 22, 272 P. 2. Baak. Fichte 22, 248 P.— Frauen Dteilampf: 1_ Dirfet. Schinatzendotf. 149 P. ?. Klanfe. SeHlenhotf. 122 P.— Jugend 08,0« Dreilan-pf: 1. Spatkuhle, Schanehcrq. 209 P. 2. Wiste. Fichte 22. 291 P.— Sagesh 1011 Dreikampf: 1 Schütte. Schönehers. 254 P 2. Ltirf, Berlin 12, 206 P.— zooo.Reter.La-f fSSännet); 1. Ramena Schünebeta. 10:00:3 Min.— 1500.Metei.Lo-t fI-oend): 1.©raffe. Roma was. 4: 38: 2 Min. 2.©rahom. Rawames, 4: 43; 1 Min.— 3X100. 9Reter.8aiif lRänner): 1. Schönehera(Svott'.et) 9: 45: 1 Min 2. Schönehera(Turnet) 9: 51 Min.— 4X190- Metee-Länfe: Männer; Lauf A: 1. sstiehenau. 49 Sek. 2. Fichte 22, 49 Sek. Lauf B: I. Sehlendotk. 52,4 Sek. 2. Schönebetg. 544 Sek. Zxgeod: Lauf A: 1. Schöne. her»(Sportler). 514 Sek. 2. Matienfelde. 51,4 Sek. Lauf B; 1. Friedenau. 51,3 Sek. 2. Rowames. 524 Sek. Frauen: 1. Zehlendorf I, 1:07:8 Min. 2. Zehlendorf II, 50 Meter zurück._____ Jußbatftefulkakc vom 5. September. Ans dem HertHa-Sportplatz in Weißensee standen sich Adler 08 und Drcsden-Pieschen gegenüber. Nach anfänglich besterem Spiel«rzielten die Dresdener das erste Tor. Doch nicht lange dauerte die Freude, und der Ausgleich war da. Nach und nach macht sich Adler frei. Trotzdem können sie es nicht vermeiden, daß Dresden aus einem Gedränge! heraus den zweiten Erfolg erringt. Kurz vor der Pause kommt Adler wieder zum Ausgleichstor. da der Torwart den Ball nur leicht abgewehrt hat. Nach der Pause ist Adler im Vorteil, ohne jedoch zählbare Erfolge buchen zu können. Als Dresden dann durch gutes Abspielen zum drittenmal einsendet, ist es mit Adler vorbei. Schuß auf Schuß fegt auf das Tor, doch hält der Torwart gut. Erst in der 30. Minute fällt der vierte und kurz darauf auch der fünste Treffer. Auch Adler kommt noch einmal zum Tor, da der Torwart sich den Ball über den Kopf sprinaen läßt. weitere Resultate: Siemensstadt gegen Brieselang 3: 1. Spandau»3 gegen Staaken 1: 3. Minerva gegen Wittenau 8: 1. Arbeiter-Sport-Verein 24 gegen Pankow 08 0:7. Union-Pankow gegen Wacker 2-t 4:2. Allemannia gegen Tegel 24 1:2. Astania gegen Lichtenberg I 5:5. Britannia- Lichtenberg gegen Tas- mania 5; 2. Verein für Bewegungsspiele gegen Treptower Ball- spiel-Club 1: 1. Stralau gegen Vorwärts 20 1:1. Brandenburg 02 gegen Hertha 22 3:3. Lichtenberg II gegen Obcrspree 1: 4. Lustig-Fidel gegen Alt-Glienicke 1: 2. Lichenberg III gegen Neuen- bogen 3: 1. Frisch-Frei gegen Fichte-Südolt 2: 1. Berolina-Nen» kölln gegen Hertha- Luckenwalde ß: 1. Teltow gegen Luckenwalde II 1:1 Schmargendorf gegen Viktoria 0: 2. Neukölln- Britz gegen Luckenwalde III 3: 1. Kreuzberg gegen Schöneberg 2;0. Eharlottenburg gegen Wolzenburg 2:1. Mariendorfer Sport-Elub gegen Bnlannia. Neukölln 0: 2. In der Zähringer Straße in Wilmersdorf hatte die dortige Turnerschaft aus Anlaß ihres Stiftungsfestes Hamburg-Wedel als Gast. Die Hamburger mußten sich mit 2:6 geschlagen bekennen. Herbst-Vetkfahrev des Areieu Segler-Verbandes. Ideales Sommerwetter, die Freude jedes Ausflüglers, gab den Auftakt für die Regatta der G r u p p e W e st im Kreis Berlin des freien Segler-Verbandes, die auf der Unter- Havel ausgefahren wurde. Weit anders als im vorigen Jahr, gestattete sich diesmal das Bild der ersten Herbstwettf'aHrt. Während im vorigen Jahr ein kräftiger Blasius wehte, ließ diesmal nur ein leichter Hauch von reichlich 1 Meter Stärke die Hoffnung auf guten Sport offen. •irotz des schwachen Winde» konnte man die Starts der ein- zelnen Klassen auf dein Stößense« als durchweg gut bezeichnen. Bevor die Boote noch die Wendemarke erreicht hotten, begann der Wind mebr und mehr einzuschlafen. In einzelnen Gruppen zu- fammenliegend. oersuchten die Steuerleute durch feinste Arbeit an Pinne und Schoot die Führung an sich zu reißen. Doch alle Müh« war vergebens, denn nach dem Runden der Boje wurde durch Flaute und einzelne Sonnenbrisen alle Hoffnung zunichte, so daß ein« vollige Verschiebung der Reihenfolge stattsänd. Die ersten Boote schlichen nach einer durchschnittlichen Segel, eit van 2>»«tunden langsam durch das Ziel. Sportpropoganda in Wilmersdorf. Inmitten von Dillen und wohlfituierten Einwohnern der west- lichen Vororts, die zur Turn- und Sporlwoche durch schwarzweißrote Beflaggung ihre„Sympathie" für die Republik zeigten, feierte der Bezirk Wilmersdorf d-r Freien Turnerschaft Groß- Berlin am Sanntag sein Sportfest. Vormittags sguden Wettspiel« und lcichtathletische Wettkämpfe statt. Mittags formiert« sich«in stattlicher Festzug mit vielen Fahnen, v.-ran Musik sowie Trommler- und Pfeiferkorps von Wilmersdorf. Auf dem Sportplatz beglück- wünscht« der Vorsitzende die Wilmersdorfer zum 20jährigen Bestehen. Dann folgten Sportlerfreillbungen, Massenübungen der Kinder, rhythmische Gymnastik der Turnerinnen. Wettläuf«, Geräteturnen. Turnspiele usw. Das Retourspiel im Fußball Hamburg-Webel gegen Wilmersdorf brachte nach meist überlegenem Spiel der letzteren den Sieg mit 8:2(4:1) an Wllmersdors. Technisch und taktisch repräsentierten die Hamburger eine Klasse niedriger.— Interesjenten für den Arbeitersport in den westlichen Bororten«ollen sich aus dem Vereinssportplatz Württembergische Straße(Untergrundbahn Fehl» belliner Platz) melden. Ctgehaifft: KanöboO Tarnet innen: Weddinz gesen Silben 4:0(3:0).— Faafthal Männer: Süden gesen Wilmersdorf 23: 44.— Trnmmelba» Tar»e» rinnen: SBilntetsbhrf qeaen Süden 66: 84.— 100 Meter Männer: 1. Bertdold, Friedenau. 11,7 Sek. 2 Friedricki. Wedding. 12 Sek. Fronen: 1. Ron. Weddins. 13,2 Sek. 2. Srfioof. Wedding, und Berg. Süden, 14.9 Sei. Jugendliche 08i09: 1. Krüger Norden. 12,4 Sek. 2. Glaser. Norden. 12,6 Sek. Jugendliche 10/11: 1.©runau, Friedenau. 12.8 Sek.— 3M0 Meter Manner: 1. Hering. Wedding. 10 Min 244 Sek.— vl,nn>ifche Stafette Männer: 1. Wedding 4 Min. 7,9 Sek. 2. Friedenau. 3. Süden.— 4X1W) Meter Männer: 1. Norden 54.2 Sek. 2. Fr,- den«» 514 Sek.— Sckmedenstafelle Frauen: 1. Wedding 1 Min. 10.5 Sek. 2 Süden 1 Min. 176 Sek.— 1000 Meter Jugend: 1.»reis. Wedding, 3 Min. 1 Sek. 2. Redau,. Wedding. 3. Hoppe. Wedding.— 10X100 Meter SMler: 1. Wilmersdorf 2 Min. 32,7 Sek. 2. Wedding 2 Min. 35,1 Sek.— 20X50 Meter Schülerinnen: 1. Wedding II 2 Min. 74 Sek. 2. Wedding I 2 Win. 114 Sek. Kinder-Spiel- und Sportfest in Schöneberg. Die Kinderabteilungen der�Arbeiterwrnoercine traten sich am Sonntag, den 5. September, in Schoneberg, um bei fröhlichem Spiel. einem Laufen und Springen im friedlichen Wettstreit einige frohe Stunden zu verleben. Die besten Ergebnisse sind folgende: »onnfchafiofechalampf der Mädchen: 1. Fichte 3. 2. Schöneberg. Knaben: 1. FTGB. Wedding. 2. Fichte 21.—«ngelftoßen: Mädchen:©ollmann, Fichte 3. 845 Meter. Knaben: Hummelt. Wedding. 945 Meter.— FanflbaO: Weddina gegen Fichte 59: 57.»ornftedt gegen Fichte 19 44: 47. F:chte 21 gegen Mcxchit 51; 78.— Handball: Fichte 21 argen Wedding 1:2.— Stafetten: 10X50 Meter Mädchen: t Fichte 3. 2. Schöneberg. 4X180 Meter Knaben: 1. Wedding. 2. Friedenau. Schmedenftatetic: 1. Schöneberg. 2. Moabit. Sportkeglerriege Zentrum schlägt Süden! In dem anläßlich der Bahnenweihe des neuen Sport- keglerheims in Mahlow veranstalteten Kampf siegte die Meisterschaftsriege des Bezirks Zentrum des Freien Kegler- bundes Deutschlands gegen die Meisterschaftsriege des Bezirks Süden mit 82 Holz(100 Äugeln je Kegler). Ön dem darauf. folgenden Kampf der Berliner Bezirks meist er gegen die K l u b m e i st e r des Südens siegte Herzog(Zentrum) mit 73 3 Holz vor Drose(Neukölln) 722 Holz. vor der Gründung eines niederländischen Arbeitersporwerbande». In den Niederlanden hm es bisher einen eigentlichen Arbeitersport nicht gegeben) di« sporttreibenden Arbeiter und Arbesterinnen haben in bürgerlichen Sportvereinigungen Unterschlupf gefunden. Nunmehr hat Genosse Green- Amsterdam in einer populär-wissenschastlichen Beilage von„Het Volk" die Frag« des Arbeitersports angefchnstten. Er geht aus von der liest- ftellung, ob man im Sport unter st ützen könne, was man politisch bekämpfe. Tatsache sei. daß ein großer Teil der Arbeiter dem Schlagwort der politischen Gegner der Arbeiterschaft, Sport habe mit Politik nichts zu tun, erlegen sei und unbewußt Der- rat an ihrer eigenen Partei verübt. Die Schriftleitung von„H e t V o l t" hat einen Aufruf zur Schassung eines nieder- ländischen Arbeitersports vorläufig zur Diskussion ge- stellt. Es ist damit zu rechnen, daß die organisatorische Lücke, die das Fehlen jedes Arbeitersports in Holland darstellt, innerhalb der sonst so vorzüglich organisierten Holländischen Arbeiterbewegung bald geschlossen wird. Ein Arbeiter- Sportfest w waaasee findet am Sonntag, d-n Ist. September, auf den neuen Spiel- und Sportplatz statt, zu dem di« Freunde der Arbeiter-Turner und-Sportler eingeladen sind. Es sind Arbeiterturner und Arbeiterradfahrer, die auf diesem Berliner Außenposten venreten sind. Der Sonntag bringt ihnen hoffentlich«inen großen Erfolg. Herbftsportfest des Sportvereins Moabit, Den mürdiaen Rbfchluß der Sahnotianfloliungcn im«rheitetfport bildet n>l« in den Slariohren bat bundesoffene Seihftfportfeft de» Spartneceins Moabit, das am kommenden Sannlag nachmittag auf dem Ziergarten-Sport» plag vanflatten geht. Das Meldeergebnis ift hrrortagend ausgefallen, lieber 400 Teilnehmet find gemeldet, herunter 56 ausmärtige; am ftärfflcn ift Stettin und Dresden vertreten,©inoellampfe und Staffeln ünd entf»rechend stark besetzt. Riefeukeldee vereinigen die flurjftterfenläufc am Start, fo hie 200 Meier Jugend: 60: die 100 Meter Manner: 53; die 100 Meter Fraurn: 40; die 100 Meter Jugend; 38 Bewerber. Weiterhin find besetzt die 300 und 1000 Meter Männer mit 30 b>n>. 37. Speer- und Diskuswerfen mit je 38. Weitsprung und«ugelswßen mit je 31 Teilnehmern. Bei den Frauen bestreiten da» Kugelstpften 40. den Hochsprung SO, bei der Jugend im Speerwersen und Lachspeung 82 b,w. 29 Bewerbe:. Den Hauptanziehungspunkt der Per- anstalrung bilden wieder die zahlreichen Staffcin, deren Besetzung die interessantesten Kampse verspricht. Bei den Männern sind bei 4X100 Meter: 30; bei 4X400 Meter: 3: bei der 20XH*9tunben.€tofteI 16 und bei her Olympischen Staffel für BSD- Vereine 13 Mannschaften im Wettkampf. Die Jugend per- einigt 27 Staffeln bei 4X100 Meter und 7 bei 3X1000 Meier: die Frauen stellen bei 4X100 Meter 13 und bei der kleinen Olympischen Staffel 15. dazu die Knaben und Mädchen Über 10X100 Meier 8 Mannschasien. Zahlenmäßig schwach sind dagegen die Langstrecken besetzt: das zi-Stunden-Paarlaufen nur mit 9 Mannschaften und das ZOOO-Meter.Iugendlausen mit 10 Teilnehmern. Die älteren Sportler sind mit 24 Meldungen in 4 Wettbewerben pertreten. Die Bcrkämpse beginnen im Hinblick auf die starke Beteiligung bereit, um 12 Uhr. die Hauptkämpse um 3 Uhr. «r»etter.Rabsahe«r.»and„Solibatitöi". Achtung,©au 9. 2. Bezirk! Alle Ortsgruppen baden nach Möglichkeit ihre Tour nach Wannsee zu legen zum Sport-Werbefefl am 19. September. Start 12 Uhr Reichsadler.— Ortsgr. eharlottenburg: Propaganda- und Werbeneran staltung in der Woche Pom 6. bis 11. September. Am Schluß der Woche findet am Sonnabend. 11. Sep- teurbet, ein großes Saalsportfest in den©efamträumen des Spandauer Bergs fiatt. Berliner Arbeiter-Schachklub. Am Sonntag, 12. September, nachmittag» 2 Uhr. findet in Reinickenda:s.We,t. Restaurant Spottheim, Scharnweber- Ecke Generaf-Wayna-Stratze, eine Werbeoeransraltuny des Berliner Arbeitet- Schach klub» zweck»©tünbung einer Abteilung Reinickendars-West statt. Alle Arbeitet van Reinickendars-West. welche Schach fvlelen ober Schachspieler werden wollen, sind eingeladen.— Abt. LIchterscldc. Lankwitz: Solelabenbe Dienstags. ob 7 Übe. bei ftattum. Lichterfelde, Baekektr. 7. Schachspieler, auch©rwerbs- lofe. sind freundlichst eingeladen. Für Anfänger unentgeltlicher Unterricht. Freie Tnrnerschaft Reukälln-Dri«. Sportabteilung am Mittwach, 8. September, 0 Ilbr. auf dem stäbtischen Spartplatz©rengallee Abendspartfest. Training» tage der Abteilung sind Mittwoch» und Freitags auf dem städtischen Sportplatz Grenzallee. Freie Schwimmer Tharlattendneg 04 9. D.©nippe Sharlottenhutg: Arn 7. September. 8 Uhr. Monatopersammlung bei Hebestreit, Kaiser-Ftiedrich- Strasie 13. Wichtige Tagesordnung. Erscheinen Pflicht! Sportliche Bereinigung„Rord-Ost 06". Leiditochletikabteiluag: Dienstag, 7. September, Training wieder wie üblich im Lichienherger Stadion ob 5 Uhr. Unsere nächste Sitzung findet aus Anloft der Einmeihnng der Bundesfchule in Leipzig am Sonnabend. 13. September, statt. Am Sonntag. 10. Oktober, ist unser llnterhaltunasabend in Schinkel» Festsii len.»Brücken str. 2. Tanristenpeeein„Die Natarfreunde-(Zentrale Wien). Abt. Friedrichshain: Dienstag. 7. September.'.48 Uhr, Jugendheim©hertyftr. 13. Fahrtcrlebniffc (Fortsetzung).— Abt. Frirbenonr Dienstag. 7. September, 8 Uhr, Jugendheim Offenbacher Str. 5>...Warum Raturfreundehauser?"— Abt., Sorben: Dienstag. 7. September, t Uhr. Heim Sonnenburger Str. 20, Zimmer 5. ffieWaft- lidtes und Spielabend— Abt. Tiergarten: Dienstag, 7. September, 8 Uhr. Leim Wielefftr. 5. Zimmer«. flotthus.— Abt. Treptow: Dienstag. 7. Sep- tember. 1*3 Uhr. Heim Elsenstr. 3.— Abt. Wedding: Dienstag. 7. September.' 8 Uhr, Heim Lü'ticher Str. 47/48. Vom Schachspiel.— Ab'. Prcnztoure Berg: Donnerstag, 9. September, 8 Uhr, Heim Donzioer Str. 23. Gefchitfiliche».— Abt. Subtenberg: Donnerslog, 9. September. Spitlcn in Treptow— Abt. Relnlckendars: Donnerstag. 9. Scpicmber, 8 Uhr, in Reinickendarf-Ost. See- bad, Bollstanz.— Abt. Friedrtchshaaen: Donnerstag, 0. September, r-8 llhr, bei Frey. Friedrichftr. 73.— Werbe bezirk Sorben Musikgemeinfchaft: Mittwoch. 8. Septem bee. Vj8 Ilbr. bei Lehmann,©audnstr. 31. Generalprobe für Sotftus. Erscheinen aller Mitglieder Pflicht.—©efanaschae: Freüog. 10. Sep- umher. 8 Uhr. Donztgerr Sir. 64, Baracke 3. Uebnng-ftnnde. Zadlreiche, Er- scheinen aller Mitglieder erwünscht.— Abi Gesundbrunnen: Donnerstag, 10. September. 8 Uhr. im Schiller-Lyzeum. Pank- Ecke Botlcherstraße /Zimmer?). «botsgemeinfibaft: Montag. 13. Seiyember. 8 Uhr. Werbrneranstgllting im Juoeniheim Ebertystr. 12(Saal). Anleitung zur bitbirnsiigcn Photag-gpbie. Freitag. 10. September, 8 Uhr, beginnt ein neuer Anlerlungskurfns für Anfänger cm gleichen Ort. zu pem noch Teilnehmer zrrgefgffen werden fönn-n. Apparate find müzirbrineen. Eine©ebiihr wird niä-t erhohen.— Betrifft ©errtteffen in Kottbus: Dg» Fahrgeld rnrisi bis spätestens Donnerstag abend beim Genoffen?r. Dem Nitz einaezahlt fein. Aebeitee-Tuen. und Spoctpeeein..Fichte'. Saterfrennbe-Snottt: Ceffent- lichee vortraos-bend:.Wochenende(week end) und Aebeiteefchatt". Musik Rezttatran. Anfpeache, Gefana. Dienstag. 7. September.' S übe. in der Schafe©ipsftr. 33-r. Eintritt frei. BfTliget«rbeiter-EchechNn». Wir wachen nochmal« auf die Abgabe der Mitgliedskarten und Bü»«r aufmerksam. Bt» je«- haben nur zwei Ab- '-ifut-gen ngllständtg abgeliefert. Die»fbtei'"naen Friebribsbain Ra-drina Baltikum, Hohenschönhausen. Feiehrichsfetd.» Renkölln II. Wef-e». D-mpelhak' Gharlsiienburg. Königsiladt. vsthrken und Ostkap febten noch nellständig Bis Sonnabend zur Obleutesitzun» musi alle» abgegeben fein. C Mitte.■ Am Mittwoch. 8, September. 8 Uhr. findet in der Schule ffitpsftr. 33g die nächste Kartellsitzunq statt Bor- her um 7 Uhr bortfethft Boeftondssitzung. Nr. 420 ♦ 43. JafytQüng 2. Heilage öes Vorwärts dknstog, 7. September 192H Rechnungshof gegen Reichsfinanzministerium. Zur„Reform" des Branntweinmonopols. Am 20. März IS26 hat der Rechnungshof des Deut- schen Reiches die Bilanz des Branntweinmonopols für das Geschäftsjahr 1923/24 geprüft, und über vier Monate hat das Reichsfinanzminifterium dazu gebraucht, um seinen Bericht dem Reichstag und damit der Oeffentlichkeit zugänglich zu machen. Dieser Aufschub der Beröffentlichung ist vielleicht nicht ganz zu- fällig, denn in der Zeit, in der der Prüfungsbericht unerledigt beim Reichsfinanzministerium lag, legte eben dieses Minister ium dem Reichswirtfchaftsrat eine Gesetzesvorlage zur R e f o r m des Branntweinmonopols vor. Es hat fast den Anschein, als habe man befürchtet, daß die Veröffentlichung des Prüfungs- berichte? das Urteil des Reichswirtschaftsrates in einer Richtung be- einfluffen könnte, die dem Schicksal des Gesetzentwurfes abträglich hätte fein können. Gegen das Privileg der Brenner. Diese Vermutung wird um so wahrscheinlicher, wenn man die ollgemeinen Betrachtungen des Rechnungshoses mit den neuen Bor- schlagen des Reichsfinanzministeriums vergleicht. Die neuen Bor- schlage sehen u. a. vor, daß die Brenner zur Mittragung des Verlustes beim Absatz von Industrie- und Aussuhr- s p r i t höchstens zu einem Drittel dieses Verlustes heran- gezogen werden könnten, so daß es cie facto im Belieben der Monopolverwaltung und des neuen Verwaltungsrates liegt, ob die Verluste zwischen dem Reich und den Brennern geteilt werden sollen oder nicht, daß aber jedenfalls feststeht, daß nicht mehr als ein Drittel dieses Verlustes von den Brennern zu tragen wäre, um derentwillen ollem die sinnlosen Verlustgeschäste des deutschen Branntweinmonopols abgeschlossen werden. Demgegenüber lautet die Forderung des Rechnungshoses, die Brenner zu diesen Ver- lüften heranzuziehen, sehr viel entschiedener und sicherer. Gleichzeitig gibt der Rechnungshof seinen Forderungen in dieser Richtung auch eine interessante Begründung: ohne daß die Brenner diese Verluste mittrügen, könnte es notwendig sein, daß zur Vermeidung dieser Verluste das Brennrecht weitgehend ge- drosselt werden müßte. In der Tat wäre eine solche Drosselung des Brennrechtes durchaus am Platze, angesichts der Tatsache, daß wir im laufenden Geschäftsjahr hunderttausende von hektolllern Spiritus ans Ausland verschleudert haben. Der Verkauf gesckiah meistens an ausländische Monopolverwaltungen, zum Teil auf Reparationskonto an die französisch«, so daß sich das eigentümliche Bild ergab, daß die deutsche Regierung Spiritus zu Verlu st preisen im Sach- lieserungsoerkehr an die französisch« Regierung verkaufte, die ihn dann mit hohen Gewinnen in Frankreich absetzte, wobei es ihr frei stand, einen Teil dieser Menge zu billigem Preis an die fran> zosischen Parsümerie-Fabrikanten zu liefern, so daß letzten Endes die deutsche Regierung indirekt durch ihr Spiritus-Dumping di« schärfste Konkurrenz der deutschen Parsümeric- Industrie in Frankreich subventionierte. Das alles geschah, um den landwirtschaftlichen Brennereien ein möglichst großes Brennrecht zu geben, wobei man durch eine Verteuerung des Trinkbraimtweins nicht nur die Verlufte wieder herein holte, sondern noch obendrein übermäßige Preise für den an di« Monopoloerwal- tung abgelieferten Branntwein herauswirtschaftete. las Monopol der Produzenten und Abnehmer. All dies war die direkte Folge eines anderen Mißstandes, auf den der Rechnungshof mit Nachdruck hinweist. Das Branntwein- monopol ist in der Festsetzung der Einkaufs- und Ver- kauf»preise vom Beirat abhängig, der sich im wesentlichen aus Lieferanten und Abnehmern zusammensetzt. Er befindet sich in der Lage eines kaufmännischen Unternehmens, das von seinen Lieferanten und seiner Kunden maßgebend in der Weise be- einflußt wird, daß das Kartell der Kunden dem Kartell der Lieseranten möglichst hohe Kauf-, und das Kartell der Lieferanten dem Kartell der Kunden möglichst niedrige Ver- kausspreis« auf Kosten des Unternehmens bewilligt, so daß das Unternehmen eben noch existieren kann, seine Derdienstmöglich- leiten jedoch über das unbedingt notwendige Maß hinaus völlig hinter den Interesien von Lieferanten und Kunden hintangesetzt werden. Dieses System kritisiert der Rechnungshof mit Recht aufs schärfste, indem er daraus hinweist, daß es Aufgabe eines kauf- männisch geleiteten Monopols sein müßte, dahin zu wirken, daß Branntweinerzeugung und Branntweinoerbrauch, Abnahmepflicht und Abnahmeaussichten, wie ferner Uebernahme- und Verkaufspreise in ein tunlich st vorteilhaslcs Der- h ä l t n i s zueinander gesetzt werden: dennoch ändert die Vorlage des Reichsfinanzministeriums praktisch so gut wie nichts. Da freilich auch die Beratungen des Untersuchungsausschusies des Reichstages ergeben haben, daß die Tätigkeit des Beirats für die von ihm ver- tretenen Interessenten zwar ungewöhnlich segensreich war. dem Reich aber weit über 100 Millionen gekostet Hot, ließ man ihn in seiner jetzigen Form fallen, um ihm eine Auf- erst'ehung in Gestalt eines Verwaltungsratcs zu ermöglichen. Dieser Verwaltungsrat ähnelt dem alten Beirat wie der neu er- ftandene Phönix dem in den Flammen vernichteten. Zwar sollen von jetzt ab nicht mehr die eigentlichen Interessentenorganisationen, sondern die Spitzenverbände der Wirtschaft die wichtigen Derwaltungsratsposten besetzen: aber schon hat cherr Regieningsrat Kreth mit freundlichem Lächeln mitgeteilt, daß er keinerlei Zweifel daran hege, daß der Deutsche Landwirtschaftsrat die bewährten Ver- treter der Brennerei-Intercssenten bei seiner Benennung von Ver- waltungsratsmitgliedern gebührend berücksichtigen werde. Die Form soll nach den Vorschlägen des Reichssinanzministeriums ein wentz geändert werden, der Inhalt bleibt im wesentlichen der gleiche. * Mit den Reformvorschlägen hat das Reichsfinanzministerium sich bekanntlich auch in schroffen Widerspruch zu dem Wunsche d-s Reichstage» gesetzt, der eine Erhöhung der Einnahmen aus dem Branntweinmonopol gefordert hatte, denn die neuen Vorschläge geben keine Wege an, auf denen das Aufkommen aus dem Brannt- weimnonopol gesteigert werden könnte. Wie sich jetzt ergibt, stehen die Vorschläge des Reichsfinanzministeriums auch im Wider- spruch zu den sachverständigen Ausführungen des Rechnungshofes des Deutschen Reiche». Weder die Macht des Parlament», noch das Urteil der wichtigsten Kontrollbehörde, über die wir im Rahmen der Finanzverwaltung verfügen, haben einen nennenswerten Einfluß auf die Entschließungen de» Reichsfinanz. Ministeriums in dieser Frage ausgeübt. Danach muß man sich wirklich fragen, wozu parlamentarische und verwaltungsmäßige Kontrolle der Reichsfinanzen noch vorhanden sind, wenn beide von der Bureaukratie des Reichsfinanzministeriums verhöhnt werden. Deutscher Sparkasientag in Augsburg. Die Organisakion des öffentlichen Kredits. Di« Tagungen der deutschen Sparkassen, Girozentralen und Kommunalbankcn sind heute keine Ereignisse zweiter und dritter Ordnung mehr wie früher. Sie beanspruchen das Interesse der breitesten Oeffentlichkeit und stehen an allgemeiner Bedeutung nicht hinter den periodischen Bankiertagen zurück. Die Sparkassen waren in den ihnen aufgezwungenen Kämpfen mit dem Zentralverband des deutschen Bank- und Bankiergcwerbes als mehr hervorgetreten, denn als unerwünschte Konturrenten des privaten Bankkapitals. Sie vertraten in diesem Kampf da- öffentliche Bankwesen und das Gemeininteresse an billiger und rationeller Kapital- und Kreditver- sorgung schlechthin, und wurden so das öffentllch« Gewissen des privaten Banktapitals, das die Politik der Sparkasien und Kom- munalbanken gegenüber ihrer einseittgen Dividendenpolitit auch so empfand. Dazu kamen sachliche und organisatorische Spezialdienste der Sparkassenorganisationen und ihrer Berliner Zentralbank von höchstem Wert für die Gesamtwirtschaft in der kritischen Zeit der Wirtschoftsstobilisierung. Das viel bekämpfte Personalkreditgeschäft der Sparkassen stattete die von den Privatbanken preisgegebene Klein- und Mittelindustrie mit Betriebskapital aus, durch die Organisation von Sammelanleihen gelang in der Zeit der inländischen Kapitalnot die Versorgung der mittleren und kleineren Gemeinden, die einzeln im Ausland niemals als Kreditsucher hätten auftreten können, die Einheitsan- leihe zur Ablösung der kommunalen Papiermarkjchulden war ein mustergültiger Akt rationeller Zusammenfassung der kommunalen Schuldentilgung, für die Kassenhaltung der Kommunalverwaltungen erweist sich die Organisation der Girozentralen von einer Fruchtbar- keü, die schon jetzt die Finanzkrise der Gemeinden im Gefolg« der Steuersenkungspolitik des Reiches leichter ertragbar macht. So beweist sich die Ssiarkassenorganisatton als unerwartet erfolgreicher Organisator des öffentlichen Kredits, als Sachwolter öffentlicher In- teressen, di« ohne die Tätigkeit dher zentralen Sparkassen- und Kommunalbantinstitute in heilloser und tostsvieligster Zersplitterung verharren müßten. Aber der gemeinwirtschaftlichc Dienst der Spar- kassen beschränkt sich nicht auf die Organisation des öffentlichen Kre- dits und die Kreditversorgung des örtlichen Klein- und Mittelgewer- bes. Während bei den Privatbanken die Spareinlagen restlos ver- loren gingen, wertete die Sparkasse ihre Einlagen mit 12�! Proz. auf: durch den immer stärkeren Ausbau des Realkreditgeschäfts geben sie dem Wirtschaftsleben einen Antrieb, den gerade das private Bankgewerbe in seiner Jagd nach Großgeschäften und Börsen- gewinnen zu geben bisher unfähig war. Dieser Dienst am gemeinen Interesse erfolgt nicht zur Bereicherung privater Einzelkapitalisten: die Ueberschüsse der Sparkassen und Kommunalbanken sind öffent- sicher Ertrag, der im Bereich seiner Entstehung wieder verwendet wird und den Kreisen wieder zugeführt wird, die ihn ennöglichten. Es ist ein Beweis für die Lebendigkeit des Bewußtseins dieser neuen Stellung des Sparkaffenwesens in der Volkswirtschaft, daß der Sparkassentag in Augsburg die Bedeutung der deutschen Spar- kassen- und Kommunalbankorganisatian für die'öffentlichc Kredit- und Finanzwirtschaft scharf in den Vordergrund rückte. Sämtlichen Vor- trögen gab sie die beherrschende Note. Die Forderung der Parität mit den Privatbanken, nicht auf den gleichen Geschäfts- gebieten, aber im Rahinen der ganzen Volkswirtschaft, ist für dos öffentliche Bankwesen überhaupt erhoben, nicht nur für die Sparkassen, Girozentralen und Kommunalbanke». Die Ver- anstollung selbst war eine Werbung um das Vcrständn.s und die Zustimmung der Oeffentlichkeit zu dieser berechtigten Forderung. Präsident Dr. Kleiner von der Deutschen Girozcnt.'.-..s sprach osfen die Forderung au?, daß tiine kommunale Kapital vmihe erfolgen darf, ohne entivrechende Vertretung des örtlichen oder zemralen Giroverband im Baiikcnkonsortium, widrigensalls die Beteiligung der Sparkasser. an der Zeichnung der Anleihen v.ttcrbleibtn soll. Das Referat de? Vnba-i'- Präsidenten Dr. Eberie Dresden enthllit'e nicht nur mit äußerster Klarheit den Giroverkehr der Sparkassen und Kommunalbankcn als den eigentlichen Motor der neuen volks» wirtschaftlichen Stellung der Sparkassen und Kommunalbanken, son- dern auch den im Wesen der Sache liegenden Gegensatz zu den Funktionen des privaten Bankkapitals, das als Organisator und Sachwalter, wenigstens des kommunalen Kredits, nicht mehr enr- scheidend sein kann. So ist die diesjährige Tagung der Sparkassen und Konrmunal- banken insbesondere ein Zeugnis dafür geworden, daß der öffent- liche Kredit und die öffentliche Kasicnverwaltung auf dem Wege sind, sich von der Führung durch das private Bankkapital zu eman- zipicren und auf diese Weise weitreichende öffentliche Interessen der Ausbeutung durch das private Bankkapital zu entziehen. Die zentrale Organisation des Kommunalbank- und Spartassenwesens erweist sich als der erfolgreich« Versuch, das öffentliche Bankwesen als tragendes und förderndes Glied in das gemeinwirtschostliche Gesamtinteresse systematisch einzubauen. Damit erfüllen Sparkassen, Giro- zentralen und Kommunalbanken als öffentliche Banken allerdings nur ihre Pflicht, und sie haben daher keinerlei Anlaß, chr« zwongs- läufig gemeinwirtschaftliche Funktion noch besonders in der Oesfent- lichkeit zu verteidigen. Reichsbankausweis und Wirtschaftslage. Der Rcichsbankausweis für Ende Zlugust dürste mit Recht von der Oeffentlichkeit in einer gewissen Spannung erwartet werden. chatte doch der Monatsübergang den Banken und der Börse un- ocrkennbare Schwierigkeiten bereitet, und außerdem ist im Wirt- schaftsleben und in der Kreditwirtschast ein Spannungszustand ein- getreten, von dem es kaum zweifelhaft ist, daß er eine gleichzeitige Folge der Ueberspekulation an der Börse und der etwas anziehenden Beschäftigung in der Industrie ist. Dazu kommt, daß die Reichs- dank den Privatbanken die risikolose Flüssigmachung zum Monats- ende dadurch etwas erschwert hat, daß sie den bisher festgehaltenen Markkurs gegenüber den Auslandsdeviscn wieder beweglich machte. Die Reichsbank zahlt heute nicht niehr den festen Gegenwert für Devisen aus, sondern den Preis, den die Mark gegenüber Auslands- devisen findet. Für alle diese Momente zeigt der Reichsbankausweis gegen- über der Vorwoche deutliche Ausschläge. Die Kapitalanlage der Reichsbant stieg um 275,3 aus 1443,9 Millionen Mark. Die Lom- bardierung von Wertpapieren wuchs trotz des relativ hohen Lom- bardsotzes mit 87,7 auf 199,1 Millionen, die Einreichung von Wechseln und Schecks erfuhr eine Erhöhung um 185,7 auf 1251,5 Millionen. Dabei ist nach dem Bericht der Reichsbank die Beweg- Urncr Rcklamckun(flcr bei der Arbcif: $Mifemer MAN0Ll-l£�€y#tcfaf gehf die Arbeit noch mal so floifvon der Hand' lichmachung des Markturses deutlich wirksam geworden: das re« diskontierte Bankmaterial bestand in überwiegendem Maße in Wechseln, nicht in Devisen. Die Girogelder der Reichsbankkundschaft wurden mit 261,6 bis auf den Betrag von 541,9 Millionen zurück- gezogen. Entsprechend diesen Einreichungen und Kontoabziehungen ist auch der Notenuinlaus gestiegen. Der Umlauf an Reichsbank- noten erfuhr eine Vermehrung um 469,0 auf 3225 Millionen, der an Rentenbantfcheinen uni 66,3 auf 1260 Millionen. Diese Steige- rung um 535,3 Millionen ist beträchtlich, hält sich aber doch unter derjenigen der entsprechenden Wochen im Juli und Juni, so daß von einer besonders starken Inanspruchnahme der Reichsbankgelder noch nicht gesprochen werden kann. Die Goldbestände sind ganz gering- fügign ber Grnppe Kottbusser Tor.— Gruppe Prenzlauer Berg: Jeden Donnerstag Schön. bouser Allee 1345. Am 9. September Basselobenb.— Gruppe Schoneberg: Jeden Donnerstag Sedanstr. 53. Am 9. September Bastelabenb unb Prüfung selbssgebauter Apparate. Am Freitag. 10. September, zahlreich« Beteiligung am Vortrag her Gruppe Wilmersdorf.— Gruppe Südost- Jeden Donnerstag Sorauer Ecke Görlifter Strafte. Am 9. September beteiligt ssch bie Gruppe aelchlosscn an dem Vortragsabend der Gruppe Kottbusser Tor.— Gruppe Weddiug: Jeden D-nnerstog Palewalker Str. 3.— Gruppe Bilmeeodorf: Jeden Freitag AuguNaltr 13. Am 10. September Vortrag de, Genossen Luitpolb über..Arbcitrrkultur". Zahlreich« Beteiligung aus anderen Gruppen dringend erwünscht....... MandolinenNub..Sonate 1907". Dienstag. 7. September,«>4 Uhr. im Reltourant Nohrsdorf, Kastanienallee 12. Damen und Herren als Mitspieler willkommen._ Sport. Rennen zu Ruhleben am Montag, den v. Sepkember. l. Rennen, l. Holstein(W. Lemzer), 2. Rebboscrin(W. Freund), 3. Wintermärcken sCb. MillSl. Toto: 75: 10. Platz: 25. 19. 23: 10. Ferner liefen: Mar Kuier. Großmognt. Auaenstcrn Fricdegard, Lang- macher, Potsdam, Lncie Salle. Lachmuskel. Cilento. Rafpulin, Jram. 2. Rennen. 1. Ieannette(Retzer). 2. Peter A.(2.ffi»tfe), 3. Konsul (Heckelt). Toto: 24: 10 Platz: 18, 19. 37:10. Ferner liefen: Lonnlagö- Prinz. Mood Boy. LinScolt jr., Blaumcilc. Deinbrand, Notula, Marne. 3. R c n n e n. 1. Ludwig R. /Groftmannf, 2. Niederländer(Treuherzl. 3. Nriisried sPrzyrembel). Toto: 26: 10. Platz: 16. 23. 33: 10. Ferner lieien: Möglich. Dreliie Anvil, Tele Marion. O'Capt. Lccrberg. Baron Silbeller, Lciichtlurm. Baron Nuöhaga, Alpcnkönig. Erbprinz jr., Goudfler jmi., König Robert, Kasimir. MonostatoZ, Radiola, Katharina. 4. Rennen. 1. Quisi quasi(B. Lemzcr), 2. Franlet(M. RingwZ). 3. Bclwin(Treuberzl. Toto: 27: 10. Platz: 12. 11. 26: 10. Ferner liefen: Serostrat, Spbinx I, Manrico, Michael. 5. Nennen. 1. Joll(Fauh jr.), 2. Addie(P. Finn), 3. ClematiS blau(S. Grube). Toto: 63: IN. Platz: 22. 25. 17: 10. Ferner liefen: Altqold. Marcel, Margot I, Manfred, Progretz, genelon, Stella Hart, Black Jim jr. 6. R e n n c n I. Wagner(TliaZ), 2. Erster Seehofer(Knöpnadek jr.), 3. Millionär(Beiß). Toto: 39: 10. Platz: 14, 17. 14- 10. Ferner Uesen: Freund Edelsicin, Harfenniädchen. Cillh Dillon, Wichtelmann. 7. R e n n e n. 1. Federnelke(EliaZ), 2. Höhensonne sp. Sokohl), 3. Unheil sB. Röjscr). Toto: 78: 10. Platz: 25. 23. 22: 10. Feimer liefen: Natter, Venu-5, Erster Wolserfomcr. Langemann, Erifa, Jimiene, Sybill, Eckstein, Linsko, Zeitgeist, vergschwalbe. 8. R e n n e n. 1. Manzanares(E. Trruherz), 2. Corona Mr. Kinncq (Schröder), 3. Barmaid(F. Schmidt). Toto: 57:10. Platz: 20. 17, 14:10. Ferner liefen: Osierinagda, Kammersänger, Eotta, Ouintora, Dompsaff I, The Kisth, Harry B. 9. Menncn. 1. Ehester Belle(Eb. MillS), 2. Tasna(M. RingiuZ), 3. Stella Hart(Buhrmcstcr). Toto: 64: 10. Platz: 27, 23. 64: 10. Ferner liefen: Frankcnstein, Odesia. Prinzessin Etawah, Francisco. Carl Alexander, Ginori, Verdun, Cadiac Axworthy, Zkuba, Diagonale, Kluck, Dclla. Di« ersten Rennen hinler Titotoren auf der Rütt Areno. Räch lieber- Windung fieler Schwierigkeiten ist es B a I t e r R ü t t nunmehr gelunorn. auch die Genehmigung iür Daucrrennen hinter Motoren auf feiner ichönen neuen Bahn zu erwirken, und io wird denn am kommenden Sonntag nachmittag die R ü t l- Axcna zum ersten Male Schauplatz der so beliebten Steherrennen sein. ES schweben Verhandlungen mit vier gulen Dauerfahrern: als erster wurde der populäre Paul Koch verpflichlet, der nach seinen glänzenden TrainingSIeiswngcn nunmehr sein Debüt alS Sturz- kappenfahrer auf der Rült-Arena gibt. Als Führungsmolore kommen vier Madeco-Maichinen mit 40,cm-Rolle zur Verwendung. Ein sstnstcr Motor steht als Rcierve. Für die ersten Dauerrennen, die über 10, 15 und 25 Inn führen, hat Rütt mer bekannt« Schrittmacher verpflichtet, die sämtlich als Spezialisten sür derartige Rennen zu gelten haben. Wetterbericht der Sffenillchea Wetterdienststelle für Berlin sRatdr. verb.) Etwas kühler, meist stärker bewölkt, mit Neigung zu leichten Niederschlägen. "ür veulschland: Im Norden vielsach Niederschläge, im Süden meist trocken, 'erall etwas kühler. Wäs forgfame Behandlung verlangt — Seide, Wolle und empfindliche Stoffe— LUX Seifenflocken pflegen Ihnen alles am heften. »egr. 1091. Aaler(Baranflc»t« schönsten tepp- Daunen-Decken _ Bcraiutrd StrnMnantcl, Berlin. 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Die Axt war plötzlich ein Weib, ein Weib mit scharfem Blicke, mit hoher edler Stirne, um den schlanken Leib hin floh ein rot- seidenes Gewand, das war in den Hüsten gehalten von einem silbernen Gürtel. Und unter dem scharfen Stahlblicke des Axtweibes kam Leben in die Fichtenstömme. War das nicht wie ein Geraune von Stamm zu Stamm, oder war das der Sang der braunen Holzhummel? Jetzt sprach der eine Fichtenstamm zu seinen sechs Brüdern, er sprach solches:„Da haben wir nun ein halbes Jahrhundert neben- einander im Walde gestanden, wir haben gemeinsam gelitten, uns manchmal gemeinsam gefreut. Der Sturm heulte winters durch unsere schwarzen Kronen, in der Sommernacht sang bei Mondschein die Eule über uns ihr trauriges Liebeslied. Da kam die Axt der Holzfäller, an dem gleichen Tage schlug man uns sieben Fichten- bäumen die Füße ab, tags drauf schlug man uns auch noch die Kronen ab, wir waren nur noch Stämme. Und jetzt behaut uns die Axt der Zimmerleut« zu Gebälke, in wenigen Tagen wird man uns voneinander trennen, jedes wird einen anderen Weg getragen, wer weiß: Wohin, wohin?" Da fragte das rotgekleidete Axtweib:„Soll ich euch die Zukunft deuten?"„O bitte," riefen die sieben Fichtenstämme wie aus einem einzigen Munde. Und das scharfblickende Axtweib begann so:„Du da. o du starker Fichtenstamm, du kommst als Gebälke in ein Bankhaus. Da wirft du viel Gold und viel Silber gleißen sehen, aber Freude wirst du nicht daran haben. An dem Golde wird Blut hasten, da» Silber wird von vielem Leid her— dunkle Flecken zeigen. Aus dem Blute des Goldes werden kriegsgetötete Menschenseelen klagen und wimmern,-und die dunklen Flecken am Silber werden sein die Tränen junger schöner Fabrikarbeiterinnen, die ihre Jugend sreudlos unter dunklen Werksgewölben vertrauern und verseufzen." Da ging ein Zittern hin durch den Fichtenstamm, da» also war die Zukunft! Blut und Leid! Böses Gold und häßliches Silber zur Gesellschost. 0 trauriges, freudsloscs Schicksal! „Was wird aus mir?" fragte ein anderer Fichtenstamm.„Du," sagte das rotgekleidete Axtweib,„du wirst eingebaut in einen Palast. Du wirst sein im Hause eines Reichen. Biel Glanz und Luxus wirst du dort sehen, aber hinter allem Glanz und Luxus wirst du auch sehen viel Elend. Eine bleiche sanfte Frau wird dort sein, die alles hat, was der Reichtum bezahlen kann, der aber alles fehlt, was ein Herz beglückt, die Liebe und Treue ihres Gatten wird der bleichen sanften Frau fehlen, eine tiefst Unglückliche wird sie sein unter blendendem Glanz und Luxus." „Und was werde ich erleben?" fragt« ein anderer Fichten- stamm.„Du." sagte die scharsblickende Seherin,„du kommst al» Gebälke in ein Tanzhaus. Tagsüber wird das Tanzhaus schlafen. abends aber öffnet es seine weiten Tore und seine tausend elektrischen Augen. Lebewelt fährt mit violetten Automobilen herbei, zu Musik und zu Wein und zu Blumen. Da werden ungarische Geigen jubeln, französischer Schaumwein wird bis an die Decke spritzen, und deutsche Mädchen werden Abend für Abend ihre Fraucnwürde an geile Lüstlinge verkaufen. Das wird fein das Haus deiner Zukunft!" Da weinte leise für sich der Fichtenstamm, oder ist es der Wind, der da weint, der Wind, der in den Jasminbüschen ruschelt und tuschelt? Ganz kleinlaut fragte nun der magerste der sieben Fichten- stämme:„Und ich?" Mit gedämpfter Stimme sprach das blanke Axtweib dieses:„Du kommst in ein Armenhausl Dort wirst du sein unter menschlichen Ruinen. Wanzen werden an dir fressen, und manchen Fluch wirst du hören müssen. Von harter Arbeit zermürbte Menschen werden ihr Erdensein mit Fluch bestreuen: Wehe, daß wir geboren wurden, was war unser Leben!? Werk und Wert und Werk! Aber nicht freies edles Werk, kein freund- liches Wert, sondern Werk als Zwang. Eingespannt waren wir in den Wagen der ausbeutenden Klassengesellschaft, wir werkten, andere ernteten und praßten. Und als wir ausgemergelt und zu Werk unbrauchbar waren, da tat man uns in diesen Stall, in das Armen- Haus. Die reichen Faulenzer wohnen in Schlössern!" Die Stimme des Axtweibes brach hart ab, und ein Gemurmel des Zornes ging aus von den Fichtenstämmen, oder ist es das Grollen eines Gewitter? Bom Westen zieht es schwarzwolkig und ernst herauf! „Run sage du auch mir mein kommendes Schicksal," rief ein anderer Fichtenstamm.„O du Unglücklicher," erwiderte mit klagen- dem Herzen das rotseidcngckleidete Axtweib, und ihr Auge blitzte wie Stern durch die Nacht—:„0 du Unglücklicher, du kommst als Torbalken in ein Zuchthaus! Du wirst den Weg in die Freiheit verrammeln. Hundert vergewaltigte arme Menschen werden dich Torbalken hassen, sie können nicht über dich hinwegspringen, du ver- rammelst den Weg in die Welt. Eng und traurig und sonnenlos wird sein das Leben der Zuchthäusler, in ihren Seelen wird Haß gleich Gist brennen, ihre Herzen werden nur einen Wunsch haben: Rachel In Haß und Rache wird das Leben der Zuchthäusler ver- glühen, die werden sterben an sich selber! Was haben die Zucht- Häusler getan? Sie find Zerbrecher, sie zerbrachen die Schranken des Gesetzes, Gesetz war eine Kette her um die Menschen, diese Kette zerbrachen die schrankenlos Lebenwollenden, sie zer- und verbrachen das, was dem Gesetz ihrer Freiheit als Ungesetz im Wege stand. Sie sahen Beispiele von Schrankenlosigkeit bei einer Klasse von Menschen, Schrankenlosigkeit sahen sie bei den reichen Menschen, für tausend- fachen Mord sahen sie Heldenbrüstc sich mit blutigen Orden «schmücken", für Heuchelei gab es Titel und Würden, der Diebstahl am Lohne der Arbeiter war geadelt mit dem Ehrenbriefe zum Kommerzienrat. Was dem einen recht ist, das ist dem anderen billig, hatten die Zuchthäusler gedacht, und sie zerbrachen die Schranken des Gesetzes." „Nun sage du auch noch mir mein Schicksal." rief der letzte Fichtenstamm, der etwas abseits lag.„Du kommst in ein Toten- haus," sprach mit erhobener feierlicher Stimme das Axtweib, und sie stand auf, wie eine rote Säule wuchs sie nun auf bei den sieben Fichtenstämmen, ihr Haar hatte sich gelöst, wie schwarze Schlangen wtabett« da» Haar mn ihr Haupt. Ihre Stimme klang wie da» ewige unerbittliche Schicksal, das da nachts aus den Sternen spricht, das da spricht im geheimsten Kämmerlein eines jeden Herzens.„Du, o Stamm, du kommst in ein Totenhaus! Da wirst du schauen Gleichheit' und Friedlichkeit, Schweigen wird sein: wo einst Haß und Liebe war! Die Menschen, die sich im Leben nicht finden konnten, die führt der Tod alle an das gleiche Ziel, hinein in den Der Klopffechter. Der veukschnationale brüllt ekstatisch: .Die Statue ist mir unsympathisch! Denn dies Symbol ist indiskutabel." Drauf zückt er den vaterländischen Sabet: .Am liebsten schlüg' ich das Standbild entzwei. Dann wär's mit der Republik vorbei!" Doch an dem granitnen Frauenzimmer Geht der vaterländische Säbel in Trümmer.— Moral: Eine lächerliche Mensur! Man beißt auf Granit und blamiert fich nur. großen, großen Sarg, hinein in die Grube! Aller Stolz, aller Nichtsnutz, alles Hoffen und alles Können endigt in der großen Gemeinschaft: im Tode." » Da ging nun hinten an der Frühstücksbude der Zimmerleute die Türe auf, das knarrte, und fünf starke Zimmerleute in grauen Wolljacken traten ans Werk. Das Axtweib lag wieder als sonne- funkelndes Werkzeug zuquer zweier Fichtenstämme. Und nun blitzten und blitzten sünf Aexte, hinein ins harz- duftende weiche Fleisch der Fichten. Bier Zimmerleute schafften ohne Gedanken, sie schwangen die Axt um des Lohnes willen. Der fünfte Zimmermann aber, dessen Axt sonnefunkelnd zuquer zweier Stämme gelegen hatte, der arbeitete denkend! Jeder Axthieb, den dieser Zimmermann tat, war ein Werkschlag am Gebäude der neuwerdenden Menschheit. Bor dem geistigen Auge dieses Zimmerers wuchs schon das Haus des Sozialismus. Nicht erst Gemeinschaft im Tode, Gr- meinschaft schon im Leben!— Die Wolken kamen westher höher, die Wolken fraßen die Sonne, Blitze springen vom Himmel, Donner brüllt und brüllt, und der Hagel prasselt hart hernieder. Die neue Zeit hat eine schwer« Geburt! Ursprung meötzinisiher Worte. Bon Dr. Albert Ullmann- Berlin. Stets bildet es eine Quelle reinsten geistigen Genusses, einzelne Wörter und Redewendungen unseres Sprachschatzes bis zu ihrer Entstehung zurückzuverfolgen und die Abwandlung ihrer Bedeutung im Lause der Jahrhunderte kennen zu lernen. Diese wissenschaftliche Arbeit leistet die Etymologie, d. h. die Lehre vom Ursprung der Wörter. Und die medizinische Etymologie will demzufolge die wart- geschichtliche Erklärung einiger geläufiger Fachausdrücke aus dem weiten Betätigungsfeld des Arztes geben. Denn es ist merkwürdig, daß sich der Nichtfachmann gerade in medizinischen Dingen vieler Fachausdrücke bedient, deren Sinn und Inhalt er wohl versteht, deren Ursprung und Herleitung ihm jedoch unbekannt geblieben sind. Beginnen wir den Worten„Hospital" und„Lazarett", die früher die geläufigen Bezeichnungen für Krankenhaus waren, während sich Lazarett in der Bezeichnung für Militär- und Kriegs- krankenhaus auch heute noch erhalten hat. Hospital oder kurz Spital stammt von dem lateinischen Worte bospiUmn oder domus hospitaüs ab und bedeutet Gasthaus, Herberge, später erweitert Krankenher- berge, Krankenhaus, Lazarett, ein Wort aus dem 16. Jahrhundert, wird vom„heiligen Lazarus" hergeleitet, dem im Mittelalter ein außerhalb der Mauern Jerusalems gelegenes Haus zur Ausnahme Aussätziger geweiht war.— Nach dem heiligen Leit ist der söge- nannte„Veitstanz" benannt, eine mit fortwährenden, unwill- kürlichen Zuckungen bestimmter Muskelgruppen einhergehend« und häufig auch mit Herzstörungen gepaarte Nervenerkrankung: trat dieses Leiden auf, so wurde in früheren Zeiten der heilige Veit als Helfer angerufen. Daß wir noch heute einen großsprecherischen, unfähigen Arzt als „Quacksalber" bezeichnen, ist allgemein bekannt: weniger be- kannt dürfte die Herkunst des Wortes sein. Der erste Teil stammt von dem niederländischen Zeitwort twakte»= schwatzen, prahlen; Salber bedeutet Salbenhändler, Arzt und geht auf die Zeit zurück, wo Aerzte noch ihre Heilmittel selbst vertrieben. Frauen, die sich in der Geburt befinden, werden in den Kran- kcnhäusern im sogenannten„Kreißsaal" untergebracht.„K r e iß e n" bedeutet Geburtswehen haben und ist eine Nebenform von„Krei- schen", ein Wort, das ja auch bei uns noch für„laut schreien" ganz geläufig ist. Wird jemandem schwarz vor den Augen und droht eine Ohn- macht, so hört man noch heute häufig die volkstümliche Redensart dafür:„ihm wurde blümerant zu Mute". Blümerant ist eine im 17. Jahrhundert aufkommende Umbildung aus dem französische» bleu-mourant, was mattblau, blaßblau bedeutet und die bei Schwächezuständen eintretende Empfindung gut charakterisiert. Die Bezeichnung Adamsapfel für Kehlkopf ist wohl jeder- mann geläufig: die Ableitung des um 1556 in Deutschland auf- kommenden Wortes ist nicht ganz klar. Die so verbreitete Be- Nennung soll sich auf den Bolkswitz gründen, daß der Kehlknorpel ein Stück des verbotenen Apfels sei, der Adam beim Genuß im Halse stecken geblieben ist. Wahrscheinlicher ist die Deutung aus dem arabischen„adam" gleich Mann, während„Apfel" Erhabenheit be- deutet.— Eine andere, allerdings schmerzhafte Erhabenheit ist das Hühnerauge oder der Leichdorn. Hühnerauge ist ein seit dem 16. Jahrhundert bekanntes Wort; die Bezeichnung rührt vo» der angeblichen Aehnlichkeit der davon betroffenen Fußstellen mit dem Sehorgan des Huhnes her. Leichdorn, die jetzt seltener ge- wordene, sinnverwandte Bezeichnung, ist eine sehr merkwürdige Wortzusammensetzung. Der erste Teil„Lcich" ist dassewe wie Leiche und bedeutet Körper, Leib, wie dies im Alt- und Mttelhochdeutschen Regel war: erst im Neuhochdeutschen tritt die spezielle Bestimmung von„Leiche" für„toten Körper" auf.„Dorn"~ etwas Hartes, ein Auswuchs, also Leichdorn � Körpcrauswuchs= Hühnerauge.— Ein weiterer unangenehmer„Körperauswuchs" ist das K a r b» n- k e l. Es bedeutet nichts anderes als dos lateinische Wort csrduneulus:= kleine glühende Kohle(cardc,— Kohle). Der Vergleich ist sicher mit der Eiterbildung und der großen Schmerzhaftig- keit, die oft als heftiges Brennen empfunden wird, zu begründen.. Sehstörungen der verschiedensten Art werden durch eine Brille ausgeglichen. Aber welcher Kurz- oder Weitsichtige kennt die über- aus reizvolle Enistehungsgcschichte dieses seines besten Freundes und Helfers» Das Grundwort für Brille ist der Halbedelstei» „Beryll". Wie zahlreich« Zeuonisse und erhaltene Stücke zeigen, schliff man im Mittelalter die durchsichtigen Spielarten dieses Halb- edelsteins und den mit ihm mehrfach verwechselten Bergkristall i» Reliquienbehälter und Heiligenschreine ein, um den Inhalt sichtbar zu machen. Es hat das im natürlichen Zusanmtenhanq durch die Beobachtung der optischen Wirkung um 1306 zur Erfindung der Brille geführt, zu der man heute nicht den Beryll, wohl aber� noch den Bergkristall oerwendet. Ebendaher kommt auch das französische briller � glänzen und davon der„Brillant". Die uns in den Nachkriegsjahren so oft verhängnisvoll gewordene., Grippe ist ein französisches Lehnwort: la grippe war seit 1743 i». Frankreich die übliche Benennung für jeden stärkeren Schnupfe». Nun steht aber fest, daß der Stamm dieses französischen Wortes auf> dos. deutsche„Greifen" zurückgeht und so hätten wir also ein ur- sprünglich deutsches Wort nach feiner Wanderung und Wandlung durch die französische Sprache wieder in unseren Sprachschatz ein- geführt._ Man lernt nie aus. Der Fluß Jangtfetiang wird oft in einer Nacht um.zehn Meter breiter. * Di« Insel Hiddensee verktert fast jährlich einen Landstreifen von über einem Meter. Um«in Kilo Rosenöl herzustellen, sind in Pesten 6660 Kilo Rosenblüten erforderlich. ♦ Di« japanische Sprache hat keine Schimpfwörter. * Die Otaviabahn in Südwestastita hat«in« Spurbreit« von 66 Zentimeter. Bei ihrer Läng« von 678 Kilometern ist sie die längst« Schmalspurbahn der Welt. -» Drei- bis viermal so viel Iren l eklen in Amerika als w Irland. * Mit Hilfe der rund 3666 über die ganze Erde verstreute» Wetterstotionen der meteorologischen Beobachtungsberichte der Ozean- fchiffer hat man jetzt festgestellt, daß im Durchschnitt auf der ganze, Erde täglich rund 44 666 Gewitter stattfinden. Di« Mehrzahl findet auf hoher See statt. Di« meisten Gewitter, fast täglich eins, hat' Mittelamerika, Aethiopien hat 266 im Jahr, Italien 46 bis 66, Paris nur 27. Das Hauptnahrungsmittel der Tibetaner ist Butter, der« Beliebtheit mit dem Alter wächst. Die größte Delikatesse ist 46 Jahre alte Butter. * Die Zeit, die das Blut braucht, um einmal die ganze Bahn des Kreislaufes zu durchströn>en, beträgt beim Menschen 22)4 Sekunden oder 27 Herzzusammenztehungen(Systolen). INumienerbsen. Dem Berichterstatter eines Londoner Biottes wurde kürzlich bei einem Besuch von Norsolk die ungewöhnliche Auszeichnung zuteil, ein Gericht Erbsen vorgesetzt zu erhalten, die in direkter Linie von Erbsen abstamniten, die im Jahre 1316 im Sarge einer ägyptischen"Mumie gefunden wurden. Sachverständige glauben, daß die Mumie und die Erbsen vor dem Jahre 666 v. Chr. beigesetzt wurden. In dem Sarg lagen Erbsen, die zu kleinen Körnern zusammengeschrumpst waren und vollständig dem Erbsen- samen glichen, wie man ihn heute in den Samenhandlungen sieht. Der Finder, ein Arzt, brachte ein Handvoll Erbsen nach England zu- rück und gab einige dem Pastor eines Dorfes in Norfolk. Der Geist- liche warf die Körner zu Hause in das Schubfach einer Kommod« und hatte sie bald vergessen. Zwei Jahre später fand er sie zusälliz wieder und beschloß aus Neugierde, sie in die Erde zu pflanzen, um zu sehen, was daraus werden würde. Der Erbsensamen keimte auch und trieb Pflanzen, und im Jahre 1914 hatte der Geistliche bereits einen Borrat, der groß genug war, um nicht nur de» Be- darf der Küche zu befriedigen, sondern ihm auch noch Saatgut zu lasien. Seither haben diese Erbsen in jedem Jahr geblüht und Frucht getragen. Die Ernte war so reich, daß der Pastor den Bauern des Dorfes von dem überschüssigen Saatgut ablassen konnte, und im Dorfe wurde seither nur diese Erbsensorte gezüchtet. Der Geistliche führte seinen Besucher dann in seinen Gemüsegarten. „lieber die Echtheit der Pflanzen", erklärt der Berichterstatter. „kann kein Zweifel bestehen. Die Erbsen zeigen alle Merkmale der Spielart, wie man sie noch heute am Ufer des Nils findet. Die Schoten sind ungewöhnlich breit und laufen zu wie eine Kanusoitze. Sie haben überdies das doppelte Gewicht der gewöhnlichen englischen Erbsenschote. Jede Schote enthält,„wie der Pastor seinem Besucher erklärte," genau sieben Erbsen, nicht mehr und nicht weniger. Was die Verwendung in der Küche betrifft, so ist festzustellen, daß der Geschmack ungleich besser ist als der jeder mir bekannten Erbsen. Sie sind etwas größer als die gewöhnlichen und süßer im Geschmack. Der Ertrag ist so groß, daß ich von jeder Ernte meinen Nachbarn einen große» Teil abgebe» tonn." Kleiderstoffe Pylloverstoffe™� Damen- Wasche j45 Hemdhosen"ü. b�i.u.r..8p!!10 2 Kleiderstoffe reine Wolle, elnfnrbi?, groee.Knrbsortlment.Mtr. 290 AmH llOCO M aus e«tew farbigen Batist, mit Valen • IwlilUÄlV/Odl clennes Spitae, In eleganter Ansführang Eleg. Schotten ss?. 350 Nachthemden »so ans farbigem Batist, fesche Fosm. ßeinw. Tuche 450 K ZK!f0»■■ S> vd reine Wolle, moderne Kleiderstoffe E90 ■V mS% a.W U Ce B«I In neuen Farben.............. Meter Manteiveiours TsZTiZX; 650 �fniiiiiiiniininiininniiiiiiiifniiHiininiiiimmiiiiifiiimiiniiiiiiiimnmnimHninmiiiniiiniminimininiHnmimE f Sportfianeil für Blusen......... 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Fahrt nach Berlin sr Thenier Uhr.- Miß Amerika Mieines n. 8", Sie üsißigeLeteriD Chariottenhurg 8 Uhr: Elektra Abonn.-Turnus II Deatsctis! Tleoter Norden 10334—38 8 Uhr: Androklus und der Löwe Von Bernard Shaw Regie: Erich Engel Kammerspiele Norden 10334—38 8 Uhr; Und Pippa tanzt... V. Uerh. Hauptmann Regie; Heinz Hilpert Die Komödie Bismarck 2414, 7516 8 Uhr: Die Gefangene Von Bourdet Regie:M. Reinhardt Bareniky-Eiliiwi Thealer HAntMrUiJtr. T.:Hasenheid.2110 8 Uhr: Zweimal Oliver Homoaienbon* Telj Norden 6304 8 Uhr Herrv.iaiDt-OliiB Kurfürst 6456 8 Uhr: Internat. Variete aesidenz- Tbeai. 8'/� Uhr; Hat Wm Halb Martm Kettner Tluilia-Tlienler uhr: OurSlberpelz Regie: Berth. Viertel Volksbühne Theater an BülowplatijTh. an Sdilflbauerdaenn 7 Vi Uhn Täglich 8 Uhr: Faust Das Grabmal Morgen 7'/, Uhr: � IltlbkliUM Faust i Soldaten. Tbeater des Westens Tilcplug: Sisinpl. 931 Täglich 8 Uhr: D I e Revue Der Zug nadi dem Westen Vtnmkaf»»»Intmwi Preise 2—16 Mark Deutsches KOnsll.- Thenier b'/s Uhr; VeroDlha Lessing-Thealer u Cromwel! Tb. aJiulürsleiulaiiin Heut, letzte Vorsi �.Yvonne In Mlttmdi. Dmncnlsg. Fniltg getiUimu IFSept: Premiere Luslsplelhaus uh'f Kukuli A Tägl. 8>/,Uhr M Theater im Admiralspalast BietcnertolW Kaller- flenue An il Aus Preise vor 2-16 M. j Yonrcrkauf nnonterbr. W Theater l UtA. T«r iUtieuter»u.«. Idfllld)» mm am»aiebexouV JT treten ber m emc- WssnSer f Vf ml! aeborseU R» ausetu kl Ihren une*. reübten Selfttmgen. ■Sreite« Pf. 668 2.80. Bmmm, l.8ki Data iu ermäk. Utestf« m. nslIemllieitb..»coat, KRONE Kaiser-Kllee Telephon PfsUborg 7918, F.» 8, 'IT «Jh r Sonnabend | Uhr Sonntags 126 Sensationen 126 Vorverkauf ununterbrochen ab lOUhr Circuskassen, A. Wertheimjund K,d.W. Tier* Abnormitäten und Inder« Schau nb VglO xeöffnet. Raabtlerfätterung 11 Uhr. Wallner-Tliealer Mittwoch, den 8. September, abends R Uhr Eröffnungs-Vorstellnng unter der Direktion ferdiniui« Meysel „Hasemanns Töchter" VolksstUck m Ges. v. A. L'Arronge vorverkonl vom l Sept an an der Kasse dos«olincrme.ien und bei A. Werlheim Tageskasse 11—2, Abendkasse Cll tt lilir— Populäre Preise! Parkett 2 M., Orcb.-Sltz Z M., 2. Rang I.SO n. 1 M., 1. Rang 3.50 M., Logen 4 und S Mark CMT- Billetts stets 8 Tage vorher ohne Autgeid! Donnerstag, d. 9. 9., und folg. Tage: „Hasemanns TOchter" # Apollotheater � Friedrichstr. 218 Fenupr. Hamih, 1806 Täglich S Uhr: Nartstein Der Stolz der 3. Kompagnie. Lnchstürme! LachstQnne! Vorher: Das gr. Spezialililen-Programm Neuest Ahwedislan�t Spitzenleistungen im September-Spielplan! U.a: Lola Menzell, ein Tanzphänomen! Rauchen gestaltet I Friedenspreise! Sonntags I». Ermäftlgte Preise! Es geht wie ein Lauffeuer Von Mund zu Hund, daß die neue Charell-Revue die geschmackvollste, lustigste und prächtigste Schau ist, die bisher im Großen Schauspielhaus gezeigt wurde. 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