Abendausgabe Nr. 423 43. Jahrgang Ausgabe B Nr. 209 Forw Anzeigenpreife angegeben Lindenstraße 3 292-297 Berlin Berliner Dolksblatt 10 Pfennig Mittwoch 8. September 1926 Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszett 8½ bis 5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Deutschland Völkerbundsmitglied. Einstimmig angenommen. V. Sch. Genf, 8. September.( Eigener Drahtbericht.) Seif| heute mittag, 11 Uhr 46 min. ift die deutsche Republik Mitglied des Bölkerbundes. Genau um diese Zeit wurde vom Präsidenten Nintschitsch das Resultat der unter atemlofen Stillschweigen voll30genen namentlichen Abstimmung verkündet: mit den 3a- Stimmen aller 48 vertretenen Staaten ist Deutschland einstimmig als Mitglied aufgenommen worden. Aber noch ehe dieses Resultat verkündet wurde, und zwar als das„ Ja“ des zuletzt aufgerufenen Staates Benezuela ertönte, braufte in dem vollgefüllten Saal, unter den Delegierten, auf den Galerien des Publikums und der Preffe, ein spontaner langandauernder Orkan des Beifalls. Dasselbe Schauspiel wiederholte sich nach der Verkündung des Resultats sowie noch einmal, als Nintschiffch in einigen ausdrucksvollen Worten dieses Ereignis begrüßte und die Hoffnung aussprach, daß die Delegierten Deutschlands fobald wie möglich ihren Plah im Bölferbund einnehmen möchten. Elf Minuten später, um 11 Uhr 57 min., war Deutschland Mitglied des Bölferbundsrates. Um diese Zeit war nämlich die namentliche Abstimmung über die Gewährung eines ständigen Ratssiges für Deutschland und über die Erhöhung der Zahl der nichtständigen Ratssitze auf neun beendet und verkündet worden. Aufs neue ertönte donnernder Beifall, an dem sich aber diesmal die Vertreter einiger neutraler Staaten, die im übrigen zu den besten Freunden Deutschlands zählen, nicht beteiligen konnten, weil sie in diesem Falle wider Willen gezwungen waren, ihr Oui" und" Yes" für zwei verschiedene Talfachen auf einmal auszusprechen, von der sie die erfte entschieden begrüßten und die zweite entschieden bedauerten. Diesen beiden Abftimmungen war nämlich eine recht lebhafte Debatte vorausgegangen, bei der der hier angekündigte Borstoß der fleinen Staaten gegen die„ Diffatur der Großmächte" erfolgte. Moffa hatte sich seiner Arbeit als Berichterstatter des Opposition gegen die Diktatur der Großmächte. fich. Am schärfffen war Laudens Sah, den er aus feiner eigenen| von 120-150 Röpfen. Sie bedarf einer Geschäftsordnung, Rede vor der Vollversammlung im März wiederholte, daß der eines Vorstandes und einer Anzahl Ausschüsse, um Arbeiten Geist des Bölkerbundes verletzt werde, der leider nicht immer vor- zu erledigen. handen sei, jener Geist, der darin bestände, die Interessen der Allgemeinheit höher zu stellen als den Ehrgeiz einzelner Mitglieder. Laudens Rede fand bei einem großen Teil der Versammlung demonftrativen Beifall. Ob aber auch alle die, die ihm applaudierten, ihm Gefolgschaft geleistet hätten, wenn er ernst gemacht haben würde, ist zweifelhaft. Die Sigung geht weiter. Die amtliche Mitteilung. Genf, 8. September.( BTB.) Der Generalsekretär des Bölferbundes hat sofort nach Schluß, der heutigen Sitzung der Völker bundsversammlung folgendes Telegramm an den Reichsaußenminister Dr. Stresemann gerichtet:„ Auf Anweisung des Präfi denten der Völkerbundsversammlung habe ich die Ehre, Ihnen mit zuteilen, daß die Bölferbundsversammlung in ihrer Sigung vom 8. September Deutschland als unter die Mitglieder des Völkerbundes aufgenommen erklärt und die Entschließung des Rates vom 4. September gebilligt hat, durch die Deutschland eine ständige Bertretung im Völkerbundsrat zuerkannt wird." Genf doch im Rundfunk! Die Deutsche Rundfunkgesellschaft teilte uns gestern auf unsere Anfrage mit, daß es aus technischen Gründen nicht möglich sei, den Att der Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund nach Deutschland zu übertragen. Heute morgen berichtet sie uns, daß diese Ueber tragung am Freitagvormittag doch stattfinden wird. Gestern angeblich unüberwindbare technische Schwierigkeiten sind heute überwunden. Die Rundfunkgesellschaft macht es schwer, die Argumente der Techniker für bare Münze zu nehmen. Die von der ersten Bundesversammlung im Jahre 1920 ausgearbeitete Geschäftsordnung wird, mit ganz unwesentlichen Aenderungen, auch bei dieser 7. Tagung wieder angewandt. Als die erste Aufgabe legt sie die sogenannte Konstituierung der Versammlung fest. Das ist das, was jetzt in den deutschen Parlamenten nur mehr nach einer Neuwahl geschieht: Wahl des Präsidiums und Einsegung der Ausschüsse, und früher alljährlich, bei Beginn jeder neuen Sizungsperiode, zu geschehen pflegte. Die Genfer Bölfervertretung ist fein Parlament, das durch allgemeine Wahlen von Zeit zu Zeit schubweise erneuert wird, sondern ein dauerndes, sich ständig erneuerndes Parlament, das regelmäßig jährlich einmal am ersten Montag im September zusammentritt. So wird alljährlich die Bundesversammlung neu fonſtituiert. Mit Bedacht ist vermieden, etwa einen Alterspräsidenten die Eröffnungsrede halten und die erste Sizung leiten zu lassen: allzuleicht hätten die Staaten darin rivalisiert, wer den Aeltesten nach Genf delegiere. Das wäre ein tragikomischer Wettbewerb gewesen. Deshalb eröffnet der gerade die Geschäfte führende Präsident des Völker bundsrates die Versammlung- diesmal war es Benesch. Gleich nach seiner Ansprache erfolgt unter seinem Vorsitz die Wahl des Bersammlungspräsidenten, oft genug ein demonstrativer Aft mit politischer Bedeutung. Es wird stets vermieden, einer Großmacht die Leitung der Verjammlung anzuvertrauen. Die Rivalität würde dazu führen, daß die Großmächte den Vorsiz unter sich abwechseln ließen. Ihr natürliches Uebergewicht würde dann allzuschwer auf der Gesamtheit lasten. Ohne daß die Geschäftsordnung das aus= drücklich vorsieht, leitet also alljährlich ein Vertreter eines Diesmal wurde der Außenminister Jugoslawiens, Mintschitsch, gewählt, man einigte sich auf ihn, um eine politische Schwierigkeit aus der Welt zu schaffen. Von der Kleinen Entente soll nicht Jugoslawien, sondern Rumänien für den Bölkerbundsrat kandidieren; Nintschitschs Wahl zum Versammlungspräsidenten statt in den Rat war also eine Art diplomatischer Trost. Ist der Präsident, in geheimer AbStimmung, gewählt, dann folgt gewöhnlich durch Zuruf, die Wahl der Mandatsprüfungskommission. Die Konstituierung des ersten Tages ist erledigt. Präfidiums durch eine längere Rede entledigt, in der er zunächst das Die Genfer Parlamentsmaschine. mittleren ober fleinen Staates die Versammlung. Präsident Bureaus- Ausschüsse. abgekürzte Berfahren zur Aufnahme Deutschlands ohne Zurücverweisung an die juristische Kommiffion begründet und empfohlen hatte, doch merkte man es ihm an, daß ihm bei der Begründung Kein Parlament ist einfach eine Bersammlung", eine des zweiten Teiles feiner Rede, die gemeinsame Abstimmung über Anhäufung, ein Haufe mehr oder minder erleuchteter und den deutschen Ratefik und über die Erhöhung der nichtständigen wohlmeinender Männer und Frauen. In feiner VolfsverSize, nicht sonderlich wohl zumute war, zumal er felbft einen der tretung vollzieht sich das gemeine Beste in dem einfachen fleinen Staaten vertritt, die sonst am eifersüchtigsten über die dialektischen Prozeß von Rede und Gegenrede über der Rechte der Vollversammlung wachen. Gewiß, meinte er, Menschheit große und fleine Gegenstände. Dazu sind die fei die Bollversammlung die Berkörperung des Gewiffens der Welt, sozialen Verhältnisse zu vielfältig, die Interessen zu zersplittert aber man müsse auf die politischen Notwendigkeiten des Augenblids und zu scharf zugespitzt. Ein modernes Parlament ist ein Rücksicht nehmen, die Krise durch Opfer lösen und die Einmütigkeit entwickelter Organismus, ein sorgfältig ausgedachter und sei jedenfalls die beste Lösung. Dann feierte er das Werk von erprobter technischer Apparat. Das Genfer interLocarno und schließlich wurde er ganz feierlich, als er den lateini- nationale Parlament macht davon keine Ausnahme. Dort fchen Dichter Lufrez zitierte und den Eintritt Deutschlands als ein gibt es so wenig, oder vielleicht noch weniger, als anderwärts Ereignis feierte, welches das Licht des Friedens und der Gerechtig- individuelle Freiheit und Ungebundenheit für die Delegierten. feit ausstrahlen" würde. Als nun bekannt wurde, daß die Ver- Jeder von ihnen ist nur ein Rad oder ein Rädchen in einer treter Hollands, Norwegens und Schwedens fich zum Wort gemeldet Maschine. hätten, entstand zunächst eine gewiffe Nervosität, weil man nicht genau wußte, ob diese Schilderhebung einen plafonisch grundsählichen oder einen praktisch ernsthaften Charakter haben würde. Da die Abstimmung über einen solchen Entwurf ohne Zurüdverweisung an die Kommiffion verfassungsändernd ist, hätte es genügt, wenn die Opposition ein Drittel der Stimmen der Versammlung auf sich vereinigt hätte, um die Kommissionsberatung zu erzwingen, wodurch eine vielleicht ernsthafte Verzögerung der Aufnahme Deutschland entstanden wäre, und sogar das Projekt der Studienkommission froß seiner Empfehlung an den Rat hätte umgestoßen werden können. Aber es blieb bei dem platonisch grundsätzlichen Protest. Als erster Diskussionsredner sprach der Gesandte Hollands in Paris Lauden. Seine Rede war inhaltlich außerordentlich scharf. Er profeffierte gegen die Bertoppelung des ständigen Ratssikes an Deutschland, über den Einstimmigkeit herrsche, mit der Erhöhung der Zahl der nichtständigen Ratssige, über die Meinungsverschiedenheiten beſtünden. Die Bersammlung werde dadurch überrumpelt. Auch wenn das ausnahmsweise und wegen der großen Schwierigkeiten des Augenblic's geschehe, müffe er es auf das fieffte bedauern. Er erinnerte daran, daß Holland im Jahre 1922 als einziger Staat durch den Mund des inzwischen verstorbenen Profeffors S freunden gegen eine damals vorgesehene Erhöhung der nichtständigen Ratssige um nur zwei protestiert hätte. Lauden zitierte die damaligen Worte Streundens, die in der Tat prophetisch waren:„ Wenn man in diesem Jahr einer Veränderung des Hauptorgans des Völkerbundes wegen der Asprirationen politischer Gruppen zustimmt, welche Garantien hat man dann dafür, daß man nicht später die 3usammenfehung des Rates je nach dem jeweiligen und veränderten Stand der Dinge wird wechseln wollen. Man habe, so fuhr Lauden fort, die Zahl der Ratsmitglieder von 8 auf insgesamt 14 erhöht. Das sei eine Gefahr für den Völkerbund ungeheure und bringe ernste Schwierigkeiten für den Fall einer plötzlich notwendigen Einberufung des Rates in einer trifischen Situation mit bund. In ihr sind alle Bundesvöller vertreten. Jedes hat Die Bundesversammlung verkörpert den gesamten Bölfereine Stimme, aber es fann ein, zwei oder drei Hauptdelegierte ernennen. Drei Stühle stehen für jeden Staat bereit. Alle größeren oder mittleren Staaten pflegen alle drei Pläge zu besetzen. Nur die kleinsten begnügen sich, einen Vertreter zu ernennen. Wie es seine Bertreter ernennt, das bestimmt jedes Volk durch seine Regierung souverän. Die Mandatsprüfung erstreckt sich niemals auf die persönliche Eignung eines Delegierten, sie stellt nur fest, ob er von den verfassungsmäßigen Instanzen des Landes ordnungsmäßig ernannt worden ist. Wie diese Ernennung aber erfolgt, ist international gleichgültig. Theoretisch wäre es möglich, die Völkerbundsdelegierten durch allgemeine Wahlen bestimmen zu lassen. In der Praris gliedert sich ihre Ernennung in das politische System des Landes ein. Eine Dittatur wählt ihre Delegierten unparlamentarisch, aus der Zahl ihrer Anhänger oder nahestehender Persönlichkeiten, wobei auch sie nicht selten ihr internationales Ansehen berücksichtigt: Italiens erster Delegierter rechnet sich nicht zu den Faschisten. In demokratischen Staaten, wo das Parlament die Regierung bestimmt, tommen die parlamentarischen Verhältnisse zum Ausdrud. Wo eine Barter ausschließlich regiert, wird sie die Delegierten allein stellen, z. B. in England. Wo Koalitionen herrschen, wird auch die Delegation foalitionsmäßig zusammengestellt( 3. B. Deutschland, Frankreich, Belgien). In einzelnen Fällen ( Dänemark) ist es die streng befolgte Regel, die Parlamentsparteien in der Reihenfolge ihrer Größe zu berücksichtigen. Defter spielen persönliche Leistungen eine so überragende Rolle, daß innerstaatliche Parteigegenfäße in der internationalen Vertretung völlig zurüdgestellt werden. Deshalb findet man häufig genug Sozialisten als Bertreter bürgerlicher", ja fonservativer Regierungen. Es braucht nur an die Namen Branting, undén, Paul Boncour erinnert zu werden. Der Bölkerbund zählt 55 Staaten als Mitglieder. Rechnet man nur die Hauptdelegierten, ergibt das eine Versammlung Das, was man wohlmeinend den Gedanken der demokratischen Gleichheit oder das, was man bissig die Prestigepolitik und die Rivalität der Staaten nennen könnte, führt nun aber dazu, daß dem Präsidenten der Versammlung, und damit dem Staat, den er vertritt, fein überragender Einfluß eingeräumt wird. Dem Präsidenten steht das sogenannte ,, Bureau" zur Seite, das die Geschäfte eigentlich leitet. im deutschen Reichstag dem Aeltestenrat zufommt. Es Es spielt im internationalen Barlament etwa die Rolle, die ist die Körperschaft, die gestern in Genf beschloß, die Abſtimmung über den neuen ständigen Ratssig für Deutschland mit der Abstimmung über die drei neuen unſtändigen Ratsfige zu verkoppeln; um zu verhindern, daß das Kompromiß der Studienkommission etwa scheitert, und damit völlig unabsehbare diplomatische Konsequenzen entstehen. Dieser Genfer Aeltestenrat" also hat wichtige internationale Funktionen. Deshalb wird auch er nach politischen Gesichtspunkten zusammengesetzt. Er besteht, abgesehen von dem Präsidenten, erstens aus den Bizepräsidenten". Es ist der Brauch, sechs zu wählen. Um den Großmächten den gebührenden Einfluß auf die Geschäftsführung zu gewähren, pflegt man sie, wie im Reichstag die großen Frattionen, vorzugsweise zu berücksichtigen. Deshalb wurden diesmal Chamberlain( mit 44), Briand( mit 43), Graf Ishii( Japan, mit 43), Scialoja( Stalien, mit 42 Stimmen) in das Bureau als Bizepräsident gewählt; dazu famen als Vertreter fleinster Staaten Guatemala( mit 29) und Liberia( mit 24). 3weitens gehören in das Bureau die Vorsitzenden der sechs Ausschüsse. Diesmal sind es: Motta ( Schweiz), Fizgerald( Irland), Villegas( Uruguay), Titulescu( Rumänien), Graf Mensdorff( Oesterreich), de Broudère( Belgien). Auch den Vorsiz in den Ausschüffen pflegen Großmächte nicht zu erhalten. Rechts wegen einen Vertreter. Die fleinsten Staaten müssen Die Ausschüsse sind umfangreich. Jeder Staat hat von darauf verzichten, sich stets in allen Ausschüssen vertreten zu lassen, da ihre Delegationen nicht groß genug sind. Gewohn heitsgemäß werden sechs Ausschüsse gewählt: 1. juristische Fragen; 2. technische Fragen; 3. Abrüftung; 4. Budget; 5. soziale Fragen; 6. politische Fragen. Jeder Ausschuß stellt einen fleinen Völkerbund dar. Die parlamentarischen Kämpfe werden auch in Genf zum großen Teil in den Ausschüssen durchgefochten. Aber dort haben sie eine besonders wichtige Aufgabe. Es gelangt fein Vorschlag und feine Anregung an die Bollversammlung, die nicht in einem Ausschuß debattiert, geprüft, verbessert und an« genommen wurde. Weniger als ein anderes kann das international« Parlament plötzliche Ueberraschungen und Vorstöße vertragen. Präsident, Bureau und Ausschüsse sind die wichtigsten Teile des Genfer Parlamentsorganismus, in den Deutschland jetzt hineinwächst. Wer diese Teile nicht kennt, kann das Wirken des Ganzen nicht verstehen._____ Gallimathias Treviranus. Cbtv: Tcutschnationale Völkerbnndspolitik. Der„politische Beauftragte der Deutschnationalen Volks- parte,", Reichtstagsabgeordneter Treviranus veröffentlicht im„Tag" einen Artikel, in dem er sehr lichwoll auseinander- fetzt, daß die Deutschnationalen erstens schon immer für den Völkerbund gewesen waren, und daß sie zweitens noch immer, wie bisher, gegen ihn sind. Der„politische Beauftragte" bestreitet, daß sich die Deutsch- nationalen mit dem Eintritt in den VölkerbuiÄ»„abfinden" wollen. Abfinden ist ein häßliches Wort: Da gibt es kein Sichabfinden, sondern das in der Zuversicht gesunden, wachsenden Volkstums begründete unentwegte Vor- wärtsschreiten nach dem alten Ziele. Seit wir wassen- los wurden, gab es für uns nur«in Ziel: die falsch« Feindbund- xarole des nationalen Selbstbestimmungsrechte» aller Völker auch für unsere Befreiung auszunutzen. Die Entrechtung unserer Nation zwang uns dabei zur deutlichen Kennzeichnung des Gaukelspieles der Feinde von gestern, zur herben Kritik an den innenpolitischen Förderern feindlicher Schlich«. Lindeiner» Reichs. togsredc vom 28. Januar 1926 hat dem Genfer Treiben ein auf- rechtes Bekenntnis zur erhabenen Idee eines wahren Friedensbundes der Völker entgegengesetzt. Die Deutschnationalen find also schon immer für„die«r- haben« Idee eines wahren Friedensbundes der Völker" ge- raesen. Das sind ihr«„alten Ziele". Das„Genfer Treiben" ist ihnen bloß nicht erhaben und friedensbündlich genug. Damit stellen sie sich, wie es scheinen will, gang auf den sozialdemokra- tischen, oder, wie sie sagen,„.marxistischen" Standpunkt, daß der Genfer Bund zu einem wahren Friedensbund aller Völker umgestaltet werden müsse. Warum also alles Geschrei und Gestrampel gegen die deutsche Völterbundspolitik? Auch dies erfahren wir. Die Deutsehnationalen waren nur mit dem Zeitpunkt des Eintritts nicht ganz einverstanden: Weil wir aber nicht nur verneinend abseitsstehen, sondern vor- wärtsschreitend« Opposition führen wollen, legen wir Wert darauf, in den Kölner Tagen(auf dem deutschnationalen Parieitag— Red. d„V.")«in freimütiges Bekenntnis unserer Auffassungen von der Möglichkeit, ja vielleicht Notwendigkeit künf- tiger d e u ts ch n at i ona l« r Arbeit im Völkerbund zur gefüllioen Benutzung von Freund und Feind abzulegen. W i r haben die inneren Wandlungen de» Völker- bundes in den vergangenen Jahren aufmerk- sam verfolgt. Der Streit um den richtigen Zeitpunkt des Eintritts des Deutschen Reiches in die erlaucht« Versammlung ist mühig, wenn die Aufnahm« in den nächsten Tagen ohne störende» „Naturereignis" vollzogen werden sollt«. Man wird dem„freimütigen Bekenntnis" des Kölner Parteitages— nach dem„aufrechten" des Herrn o. L i n d e i n e r— mit Interesse entgegensehen. Der„politische Bevollmächtigte" setzt dann seine Stil- Übung folgendermaßen fort: Unsere nationale Opposition hat glücklich verhindert, daß unser Deutsches Reich zu einer Zeit in den Genfer Bund gepreßt wurde, als es rettungslos Höriger des einen oder anderen Alliierten geworden wäre. Seither ist Wandel geschaffen. (Also ist der Zeitpunkt jetzt doch richtig!?— Red. d.„L.".) Der Berliner Vertrag aus der«inen, das italienisch-spanisch« Abkommen auf der anderen Seite zeigen Ansätze zur Befreiung von der Be- vormundung der großen Alliierten. Kaliabkommen und Die Roethe-Gesellschast. Von Hans Bauer. Da gibt es eine Schiller-Gesellschast, eine Goethe-Gesellschaft, eine Kant-Gesellschast, ein Rietzsche-Archio und was nicht alles sonst. Es ist ganz in der Ordnung, daß die Werte großer Geistesheroe» den Mittelpunkt von Gemeinschaften bilden, die das Dolksinteresse für ihre toten Lieblinge wach halten wollen und sich persönlich um eine stetige Verliefung ihrer Kenntnisse über den großen Mann be- mühen. Und doch läßt sich sagen, daß vielen von diesen, gerade um einen ganz großen Namen gerankten, Gesellschaften der etwas komische Beigeschmack der Zeilenvcrsessenheit anhastet, jener ewig kommentierende Pautcrgeist, der brausendes Geistesleben auf Flaschen füllt und zum Schaden des überwältigenden Gesamteindrucks jeden einzelnen Buchstaben nach der historischen, weltanschaulichen, formal- technischen, philologischen, ethnologischen Seile hin untersucht. Und absurd wird die Sache, wenn wir als Ergebnis einer besonders tiefen Versenkung in die Gedankenwelt eines reichen Geistes einen unfreien, beengten, unlebcndigen Kopf vorfinden, der in diesem Fall dem Herrn Professor Roethe, erstem Vorstand der Goethe-Gesellschaf», gehört. Unter der Mitverantwortlichkeit des Professors Roethe hat die Goethe-Gejellschofr ihr neues Jahrbuch herausgebi�icht, und darin finden sich neben ebenso oerdienstoollen wie wenig aufregenden Aus- sätzen über Goethes Beziehungen zu allen erdenkbaren Erdendingen auch die Mitglieder der Gesellschaft ausgezeichnet. Mit„Seiner K. und K. Masestät Wilhelm II., Deutschem Kaiser und König von Preußen" sängt die Sache an, und sie erstreckt sich über die„K. und K. Hoheit, de» Kronprinzen des Deutschen Reiches und von Preußen", über„Seine Königliche Hoheit, den Großherzog Friedrich von Baden" und die„Königliche Hoheit, die Frau Großherzogin Feodora von Sachsen" bis zu den soundsovielten Prinzen von Reuh jüngerer Linie. Der ganze 1918 abgetragene Plunder, all dieser verderbliche und geschmacklose Aufputz am Staatsbau feiert hier seine Aus. erstehung. Es majestätet und hoheitet, herzogt und sürstet sich. Man sieht den Hern Professor Roethe in Frack und Lack mit der demuts- voll in der Linken gehaltenen Esse dastehen und vor all diesem Zufallsvolk anlackierter Hochwohlgeborenheiten seine Bücklinge exekutieren. Goethe selbst, wenn der Mitglied seiner eigenen Gesell- schoft werden konnte, er würde in der Liste sich mit einer Stelle nach irgend sonem XXXVII. Heinrich.begnügen müssen, von seiner selbst. verständlichen Minderrangigkeit gegenüber dem kaiserlichen Deserteur genz zu schweigen. Er ist gut genug, den Anlaß abzugeben für ek«e stupide Titulaturenpromenade, für«inen Aufmarsch von da» vongejagten Honoratioren, die doch durch die Bant kein inneres Verhältnis zu ihm haben dürften und nur aus Gefälligkeit gegen- über Herrn Roethe seinerzeit in die Gesellschaft eingetreten sein werden, als Abschlagszahlung für die ehrerbietigen Knicks«, die er vor ihnen zu machen verstand. S t a h l p a k t sind zu unserem Glück weder aus Locornogeist noch politischem Zwang geboren, aber unerläßlich« Schritt- macher des unbewaffneten Reiches in der Diplo- matenarena der Welt. Aür uns war das Genfer Tausch- gcschäst nur zu mager.(!!!) Der Pazifistentraum vom ewigen Frieden zu Genf ist dahin. Di« Fassade wird hingegen bis zum nächsten Welt- t o n f l i t t eifersüchtig gestützt werden, um kommenden Schuldfragen den richtigen Dreh geben zu können. Wir hoben mit Zitaten ni«ht gespart, um den Lesern ein Bild davon zu geben, wie es im Kopf« des„politischen Be- vollmächtigten" einer großen deutschen Partei aussieht. Hat dieses konfuse Gestammel überhaupt einen Sinn, so ist es der, daß die Deutschnationalen sich als Völkerbundfreunde auf- spielen möchten, um bei dem nächsten Krieg«, den sie führen wollen, der Schuldfrage„den richtigen Dreh zu geben". Hat man aber diese edle Absicht, so ist es idiotisch sie öffentlich zu verkünden. Eine? Partei, die solche„politische Bevollmächtigte" hat, fehlt zu der schwierigen Arbeit in Genf die nötige Intelligenz. Einer Partei, die so unmögliche Verrenkungen braucht, um den Schein zu erwecken, als ob ihre sogenannte„Mentalität"— von„mens", der Verstand— mit den praktischen Notwendig- keiten der deutschen Politik vereinbar sei, kann es aber auch auf die Dauer nicht gelingen, W ä h l« r m a s s e n an sich zu fesseln. Die nationalistische Phrase ist bankerott. Uebrig bleibt nur ein Lallen, wie es dieser Treviranus lallt, Moltke auf§reifahrt. Wie man Staatsgelder im Kaiserreich verpulverte. Professor Ludwig Q u i d d e frischt in der„Vossischen Zeiwng" einige Erinnerungen auf. die ein kenn- zeichnendes Licht auf die berühmte altpreußische Moral werfen. Er schreibt u. a.: Als im Jahre 1881 Bismarck den Reichstogsabgsordneten auf dem Verwaltungswege die Freifahrkarte, die bis dahin(wie heute) für das ganze Reich gegolten hatte, auf die Fahrt zwischen ihrem Wohnsitz und Berlin beschränkt hatte, sprach er am 26. No- vember 1881 von dem Mißbrauch, der nach seiner Ausfassung mit der Freikarte getrieben sei: es sei ein„Mißbrauch, wenn ein Abgeordneter während einer Gültigkeitsdauer von acht Mo? naten mit dieser Freikarte über 17<10<1 Kilometer aus deutschen Bahnen zurückgelegt hat— ein einziger, und zwar kein Sozialdemokrat". Jeder im Hause wußte bald, daß damit niemand anderes gemeint war, als der Abgeordnete des 1. ostpreußischen Wahlkreises(Memel-Heidekrug) Feldmarschall Graf Moltke. Es wurde erzählt, Bismarck habe, während er sprach, Moltke angesehen und so die Aufmerksamkeit des Hauses auf ihn gelenkt. Man konnte Gegner Bismarcks noch nach Jahren mit großer Empörung davon sprechen hören, wie er, der doch mit der extensiven Ausnützung seiner politischen Stellung für private Zwecke nichts weniger als schüchtern war(man denke nur an das geflügelte Wort von der„Klinke zur Gesetzgebung"), so rücksichtslos„den ormen Moltke" bloß- gestellt hätte: denn es wurde weitererzählt, daß Moltke für jene großen Dienstreisen, die er auf Reichstagsabgeordneten-Frci- karte machte, ruhig seine Kilometergelder liqui- diert hatte. Abgeordnete, die damals dem Reichstag angehörten oder auch erst 1887 oder 1890 eingetreten sind, wissen zu berichten, daß diese Freifahrten Moltkes noch lange Gesprachsftoss in den Wandelgängen des Reichstags waren. Eine Beleidigung?- klage ist niemals erfolgt, ebensowenig wie— selbstverständlich— ein Verfahren gegen Moltke. Was er getan hatte, stand keineswegs vereinzelt da. Es war— ich weiß nicht, ob allgemein üblich— jedenfalls aber gar nichts lln- gewöhnliches, daß preußische Landräte(damals meistens zu den„Edelsten der Nation" gehörig), wenn sie D i e n st r e i s en in ihrem Kreise zu machen hatten, bei den befreundeten Gutsbesitzern übernachteten, auch in deren Fuhrwerk vom Bahnhof abgeholt wurden, aber munter die ihnen zu st ehe»den Ovar- Vielleicht gibt es tatsächlich hier und da eine abgehalfterte Hoheit, die im Privatleben Goethe-Enthusiast ist. Dann hat kein Mensch etwas dagegen, wenn sie von einer literarischen Gesellschaft aufge- nommen und nicht schlechter als irgendein anderes Mitglied be. handelt wird. Aber wenn sie, im Prunk eines nicht mehr zu Recht bestehenden Nomens, an hervorgehobener Stelle erscheint, dann sind wir kleinlich und schließen aus dieser Läppischkeit, daß die Goethe. Gesellschast nur noch eine Roethe-Gesellschast ist, und das klingt zwar ähnlich, aber der Unterschied ist etwa derselbe wie der zwischen dem berühmten Chemiker Pettentofer und einem Patentkosser. Die Täter. Als wir von der Tat hörten, stockte unser Atem. Einundzwanzig Menschenleben willkürlich zersetzt, verbrannt, zerrissen! Wir sahen die Finger eines leibhastigen Teufels im Spiel, eines geheimnisvollen, beispiellos verlorenen Antimenschen, der jür eine schwarze Stunde lang sein Heerlager der Todsünden bei Leiferde ausgeschlagen hatte. Wir ahnten hinter all dem Grauen einen zynischen Unmoralisten, einen Triumphator des Mordes, für dessen Greuel nur einundzwanzig. sacher Tod ausreichende Sühne sein könne. Wir machten die Summe des Grausens, das er in die Welt gesetzt hatte, zum Maßstab der Entsetzlichkeit seiner Gedanken, wir werteten die Verkommenheit seiner Handlungen an deren Folgen. Da stellte sich nun heraus, daß die mit einundzwaNzigsacher Blutschuld Beladen«» keine Satansungeheuer sind, ohne Menschen- herz und Menschengesühl. Heimatlose Vaganten sind es, die unsag- bar Schlimmes loten, aber mit der Tat nicht verwuchsen, die das Gesicht ihrer Tat nicht oertrugen und sich mit Eni- setzen abwanden von ihr, als es an der Zeit gewesen wäre, ihre Früchte zu ernten, landstreichendes Bettelvolk, das nicht Un- menschlichstes, sondern Brot und Zehrgroschen wollte und um des Brote» und der Zehrgroschen willen sich in das Unmenschlichste ver- irrte. Diese beiden entfesselten eine Hölle, aber sie herrschten keinen Augenblick lang in ihr, sie konnten die Feuer ihrer Hölle so wenig ertragen wie ihre Opfer und waren noch im Moment des Gelingens armseliger als diese: von ihrem Gewissen und von den Menschen ge- Hetzles Wild, ruheloses Landstraßenpack. Der dahinziehende D-Zug von Leiferde hat keinen diabolischem Gegenspieler gehabt. Die aus ihrer Bahn geworfenen Räder und die zerspringenden Herzen sind nicht das Produkt boshaft sadistischer Teuflischkeit gewesen, die kaltblütig alles Krachen und Splittern und alles Leid vorausgesehen und berechnet hätte. Hungrige Schacher, verkümmert an der Seele und am Magen, vollzogen das Namenlose und die letzte Schuld liegt bei einer Welt, die es duldete, daß ihnen Seele und Magen verkümmerte. So ist vielleicht auch der Teufel selbst nur der Gefangene seiner Sünden. Ver Schöpser der Psychoanalyse, Prof. Sigmund fsrcud, hat ein kleine» Buch unier dem Titel.Die Frage der Laienanalyse. Unterredung mit einem Unparteitschen« im Jnternalionalc» Psychoanalytischen Verlag in Wien herausgegeben. Der Berfasser entwiist hier in einer dem Laicnverständni» angepaßten Form w knappen Zügen«tu Bild seiner ganzen Lehre. Her- und Kilometergelder verrech nelen. Das wurde so arg, daß durch besondere Vorschriften dagegen eingeschritten werden ipußte... Im neuen Reichstag ist es vorgekommen, daß ein A b g e o r d- neter der Rechten, der als Ersatzmann nachrückte und seinen Fahrtausweis noch nicht erhalten hatte, als er nach Berlin fuhr, ein Billett er st er Klasse verrechnete, während an dem betreffenden Ort ein solches Billet überhaupt noch nie- mals ausgegeben war. Dem Abgeordneten ist nichts passiert, und außerhalb eines kleinen Kreises kennt niemand den Namen. Für die patentnationalen Hüter neudeutscher Moral, die jedem sozialdemokratischen Beamten nachschnüsteln, ob er nicht iigendvo ein Privatgespräch auf einem Diensttelephon führt, werden diese Erinnerungen an die„herrliche" Kaiserzeit wahr- scheinlich sehr peinlich sein. Aber die Rechtsparteien von heute haben ja nicht nur den einen Abgeordneten, der eine Fahr- karte berechnet, die nie ausgegeben wurde, sie habew ja auch ihren S ch a e f s e r, Staatsanwaltschastsrat in Breslau, der für parlamentarische Dienstreisen nach München außer seinem Gehalt und seinen Diäten auch noch Tagegelder ver- langte, für die keinerlei rechtliche Grundlage bestand und die deshalb vom Direktor des Reichstags verweigert werden mußten._ Prenzlauer Lust. Was ein amtliches Kreisblatt schreibt. Wir haben aus Prenzlau verschiedene Meldungen �wieder- gegeben, die auf die eigentümlichen Beziehungen zwischen Stahl» Helm und Reichswehr in dem idyllischen Prenzlau hinweisen. Prenzlau hat allerdings nicht nur Reichswehr und Stahlhelm, es hat auch ein amtliches Kreisblatt. Auch dieses Kreisblatt ist eine idyllische Angelegenheit. Darin finden wir in der Nummer rom Sonntag, den 5. September, an der Spitze eine Notiz, die so aussieht: Lumpengesinöel. „Ein frecher junger Rohrspatz wetzte seinen gelben Schnabel und psifs in die Welt hinaus eine der auf der Tag«»- ordnung der Republikaner stehenden Verleumdungen der Reichs- wehr.„Vorwärts" und„V o ss i s ch e Zeitung" habe» für derartige Dinge ein williges Ohr, erst recht, wenn sie gemeldet werden aus einem Ort. der„reaktionär" ist. Prenzlau trage diese Bezeichnung in Ehren, in dessen Mauern am vergangenen Sonntag der Stahlhelm ein Sportfest veranstaltete, an dem zum Leidwesen des Rohrspatzes auch Angehörige einer Kompagnie des Inf.-Regt s. Nr. 5 teilnahmen. Sie hatten von ihrem Kompagniechef die Genehmigung dazu erst be« kommen, nachdem ein Vertreter des Stahlhelm vor dem Kon- pagniechef die Versicherung abgegeben hatte, daß das Sportfest einen durchaus unpolitischen Charakter tragen werde. Das Sport- fest nahm denn auch einen harmonischen Verlaus. Von P ol i t i k spürte m an keinen Hauch. Aber der Rohrspatz konnte das Denunzieren nicht sein lassen und tischte seinen Leib- und Magenblättern eine gruselige Mär auf. Es liegt System - in einem derartigen Vorgehen. Ob es danach angetan ist, die Reichswehr für die Republik zu interessieren, bezweifeln wir, es soll das aber nicht unsere Sorge sein. Lassen wir dem Rohrspatz sein Vergnügen. Verleumdungen müssen niedriger gehängt werden, was hiermit in aller Kürze geschehen ist." Man sieht, das Prenzlauer Kreisblatt mit seiner markigen Sprache fügt sich ganz ossensichtlich in den Rahmen seiner Un- gebung ein. Fraglich ist nur, ob solch«m„Lumpengesind«l"-Blatt gerade als amtliches Kreisblatt geeignet ist. Der Plan des erwelkerlen Arbeilsbeschassungsprogramms der Reichsregierung soll in den nächsten Tagen vom Reichsarbeitsmini- sterium soweit fertiggestellt werden, daß er dem Kabinett und dem Reichsrat zugehen kann. Die neuen Dorschläge gehen u. a. auf die Ersahrungen ein, die mit neu errichtenden Straßendecken und Chausseeanlagen auf Versuchsstrecken gemacht wurden, und berücksichtigen besonders den Bau von Ueberlandstraßen. Aaschistenlerror. Der Präfekt von Rom hat die Zeitung„Voce Republicana"(Republikairijche Stimme) verboten. Amphitryon im Schauspielhau». Seltsam« Zwiespältigkeit herrscht in Kleists Wunderwerk: es ist Posse und Parodie, wie sein Molieresches Vorbild, und es ist in Kleists ureigene Gefühls- weit gesteigert zum Kunst- und Lebensbekenntnis. Leopold I e ß> n e r, der diese Ausführung bereits in Lauchstädt herausgebracht hat, suchte das Einheitsmoment in der Betonung des Wortes— und beschränkte sich in der Inszenierung auf das Notwendige. Aber vielleicht wird der visionäre Stimmungsgehalt, das Traumhaft- Schöne Kleistens in einer mehr phantastischen, märchenhaften Wieder- gäbe doch noch mehr herauskommen. Aber auch so klangen wenig- stens in den Kostümen der Alkmene und der beiden Amphitryone — dort rosa, hier silberblau— stärkere Farbentöne an. Die stärkste, oder sagen wir: die osfenslchtlichste Wirkung hatte die untere Welt der Sofias mit ihren Verwechsluungen und derben Spähen. Albert F l o r a t h war aber auch ein ganz samoser, mit ollen irdischen Schwachheiten gesegneter Diener, der in all den Wirrnisien und Verstiegenheiten wie ein rechter Sancho Pansa seine Ruhe und sein gutes Essen über alles schätzt. Im Mittelpunkt der Kleistschen Welt steht Alkmene. die in holder Süße und Verwirrung das göttliche Mysterium erlebt— Kleists ureigenste Schöpfung, wie sein Kätchen und seine Penthesilea. Lina Lossen lieh ihr den ganzen Zauber lieblicher, tief cmpsindcnder Weiblichkeit. Aus ihren Augen strahlte der Glanz göttlicher Beglückung, und ihre Worte waren feinste Ge- säße Kleistscher Melodie. Die beiden Amphitryone wurden durch Ferdinand Hart in seiner mehr robusten irdischen und Carl Eberl in seiner göttlichen Forin verkörpert. Carl Ebert sprach gut, aber die höchste Entzückung gibt er noch nicht. Paul B i l d t kontra- strierte als Merkur-Sosias aufs beste mit Florath und auch Elsa Wagner wußte der Sosias-Frau Charts Relief zu geben(es hätte noch stärker sein können). Jeßner ließ das Spiel pausenlos sich abwickeln, wodurch die Gesamtwirkung erheblich gewinnt. Die Schlußszene, Kleists und Jupiters Apotheose, krönte prächtig das spät in seinem Wert er- kannte, immer noch nicht ausgeschöpfte Werk.— r. Eine Böcklin Zahrhunderlausskellung in Berlin. Die Berliner Nationalgalerie bereitet für das nächste Jahr aus Anlaß der hundert- ften Wiederkehr von Arnold Böcklins Gebunstag(geb. 16. Oktober 1827 in Basel) eine umfassende Ausstellung seines Lebenswerkes vor. Die Veranstaltung soll ebenso wie die Menzel-, Thoma- und zuletzt die Corinth-Ausstellung das alte Haus der Nationalgalerie zum wesentlichen Teil füllen. Eine Veranstaltung, die im großen den „Fall Böcklin" wieder aufrollt und den Ton etwa aus das Jugend- werk legt, hat es bisher noch nicht gegeben. Bei diesem Anlaß wird es auch möglich sein, die Sache der aus Amerika zurückgebrach- ten kleinen italienischen Landschaften an Hand eines breiten Ver- gleichsmaterials zur Entscheidung zu bringen. Tat Ttlottaaer hebröisch« Theater.kablma". da» eine Euroba-Tourne« in Pari« und Wien mit großem Erfolg begonnen bat. wird auch in Berlin gastieren. Die Vorstellungen finden im Oktober im Theater am Rollen dorsplatz statt und beginnen mit SlnttiS. D h b u k". vi« vereinigten vSsteldorfer Städtischen Thealer(Intendant Heinz Hille) verzeichnen die in Teutschland wohl einzig dastehende Tatsache der Zunahm« de» Abonnement» um vierzig Prozent Wirtschaft gegen Selbstverwaltung. Tagung der Landkreise. Breslau, 8. September.( Eigener Drahtbericht.) Der preußische Landkreistag wurde gestern abend mit einer Begrüßungsfeier eröffnet. Heute früh fanden die sachlichen Verhandlungen statt. Eine bemerkenswerte Begrüßungsrede hielt dabei der Vertreter des preußischen Innenministeriums, Ministerialbireltor v. Leyden. Man könnte faum glauben, einen Vertreter der preußischen Regierung sprechen zu hören, wenn man von ihm vernehmen mußte, daß er ein Gegner des heutigen Wahlprinzips für die Selbstverwaltungsförperschaften sei. Nicht nach politischen Gesichtspunkten will der Bearbeiter der kommunalen Selbstverwaltungsfragen im Innenministerium, soweit es nach ihm geht, die Selbstverwaltungsvertretung zusammengefaßt wissen, sondern entsprechend ihren Aufgaben und den wirtschaftlichen Aufgaben der ver tretenen Bevölkerungsfreise. Diese wahlrechtsfeindlichen Ausführungen erregten bei den republikanischen Vertretern der Tagung lebhaftes Befremden, während die große Mehrheit der anwesenden Landräte und Vertreter sie mit Befriedigung aufnahm. Der Ministerialvertreter sprach weiter noch über das Eingemein dungsproblem und die Frage der Zusammenlegung verschiedener Landfreise, bewegte sich aber dabei in allgemeinſten Grundsätzen, die er nur für einige Sonderfälle, vor allen in Ruhrgebietsfragen praktisch anwendete. Er erklärte es für unberechtigt, im Ruhrgebiet nur noch Großstadtbildung für zweckmäßig zu halten. Andererseits müßten diejenigen Kreise aufgeteilt werden, die nicht mehr zu finanzieller Selbstverwaltung fähig seien. = Das Hauptreferat des heutigen Vormittags hielt das gefchäftsführende Präsidialmitglied des Reichsverbandes der Deutschen Induftrie, Geheimrat Ka ft 1: Dieser Industriellenführer hatte so scharf reaktionäre Grundsäge vorgelegt, daß selbst die Leitung des Landkreistages, die ganz überwiegend aus rechtsgerichteten Be. amten besteht, eine Erklärung für notwendig hielt, wonach die vorgelegten Leitfäße der Referenten darstellen. Geheimrat Kastl verlangte scharfe Ausgabefürzungen in der Selbstverwaltung. Bei den Einnahmen dürfe das Zuschlagsrecht nicht zu einer erhöhten Belastung der Wirtschaft" führen. Wie einseitig dabei Unternehmerinteressen und Wirtschaft" gleichgesezt werden, zeigt die weitere Forderung über die kommunalen Zuschläge, die fich auch auf diejenigen Einkommensteile erstrecken müßte, die nach dem reichsgefeßlichen Bestimmungen steuerfrei bleiben müßten. Es wird also eine vermehrte Belastung gerade des ärmsten Teiles der Bevölkerung von den Industriellen verlangt, während eine erhöhte Belastung des Besizes abgelehnt wird. Zugleich wird auch gefordert, das den Handelskammern bisher zu stehende formale Anhörungsrecht zu einem materiellen Mitwirtungs- und Einspruchsrecht bei der Gestaltung der kommunalen Einkommensteuerzuschläge zu geben. Bei den ein zelnen Forderungen für die Ausgabenfürzungen verlangte der Industriellenvertreter weitgehende Zusammenlegung von Krankenhäusern, Hochschulen, sowie sozialpolitischen Behörden. Für das Wohnungswesen wird wieder einmal freie Bauwirtschaft und vollständige Aufhebung der Wohnungsämter somie veränderte Verwendung der Hauszinssteuer verlangt. Bei der Anleihe aufnahme sollten sich die Selbstverwaltungs förper Mäßigung auferlegen. In feinem Falle darf sich die tommunale Selbstverwaltung in einen Gegensatz zur freien Wirtschaft stellen. Die beiden Korreferenten zu dieser Frage sind zwei Landräte aus dem Beamtenkörper der Borkriegszeit, die einen etwas zurückhaltenderen und selbstverwaltungsfreundliche ren Standpunkt vertreten. Für die Aussprache sind auch bereits mehrere parteigenössische Redner angemeldet. Jugendämter und Alimentation. Eine Vereinfachung geplant. Das Preußische Staatsministerium hat dem Staatsrat einen Gesezentwurf über die Ermächtigung von Mit gliedern oder Beamten der Jugendämter zur Aufnahme vollstredbarer Berpflichtungserklärun gen unehelicher Bäter mit der Bitte um gutachtliche Aeußerung zugeleitet. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst der Begründung entnimmt, besteht bei den Beamten und Mitgliedern des Jugendamtes auf Grund einer Ermächtigung des Reichsgesetzes für Jugendwohlfahrt lediglich die Befugnis zur Beurkundung der Baterschaftsanerkennung; foll auch eine vollstrecbare Verpflichtungserklärung auf Leistung einer Unterhaltsrente abgegeben werden, so muß der Erklärende eine weitere Urfunde vor einem Gericht oder Notar aufnehmen lassen. Dies ist eine unnötige Erschwerung, da an Stelle eines Termins und einer Urkunde zwei Termine und 3 w.ei Urfunden in den zahlreichen Fällen erforderlich ist, in denen der uneheliche Bater zur Abgabe einer vollstreckbaren Verpflichtungserflärung bereit iſt. Primo läßt öffentlich abstimmen. Er stellt eine Nationalversammlung in Aussicht. Paris, 8. September.( Eigener Drahtbericht.) Das Direktorium gibt bekannt, daß die Vorbereitungen für die" Bolts abstim mung", die am 11., 12. und 13. September stattfinden foll, beendet sind. Die Abstimmung wird darin bestehen, daß die über 18 Jahre alten Spanier und Spanierinnen ein Manifest unterzeichnen oder nicht unterzeichnen, in welchem das von Primo de Rivera eingesetzte diktatorische Regime gebilligt wird. Primo wird am 13. September sofort nach der Bekanntgabe des Ergebnisses dieser Boltsabstimmung die Nationalversammlung für die ersten Tage des Oktober einberufen. Es ist sehr wahrscheinlich, daß die manarchistischen Parteien ihren Anhängern Ent. haltung anraten werden, indem sie auf die Meinungsverschiedenheiten hinweisen, die sie von dem König wegen seiner Haltung gegenüber dem Diktator trennen. Der Diktator wird milde sein. Paris, 8. September.( Eigener Drahtbericht.) Aus Madrid wird gemeldet, daß Primo de Rivera dem Kommandanten der Marokkotruppen telegraphisch das Ende des Konflikts mit den Artillerieoffizieren mitgeteilt hat. Er hat hinzugefügt, er halte es für angebracht, der Maroffoarmee sein Vertrauen auszusprechen, da sie sich niemals den Feinden der Regierung angeschlossen habe. Die spanische Regierung veröffentlich außerdem eine amtliche Mitteilung, die bejagt, daß alie Offiziere und Angehörige der Artillerieregimenter, die sich erhoben hatten, sich unterworfen haben, und daß das Direktorium der Ansicht sei, die meutereien seien nur das Ergebnis eines Mißver ständnisses gewesen. Primo de Rivera fügt hinzu, daß jezt die Ordnung mit allen Mitteln aufrecht erhalten werde und daß Bestrafungen vorgenommen werden, aber ohne einen Revanchegedanken, der die Soldaten und Offiziere, die sich der Bewegung angeschlossen hatten, vor dem Lande erniedrigen fönnte. Von der französischen Grenze wird gemeldet, daß zahlreiche spanische Soldaten und Offiziere, die in die Bewegung gegen Primo verwickelt gewesen sind, im Laufe der letzten zwei Nächte sich nach Frankreich geflüchtet haben Nachruf! Ihre Frist ist um! In etwa vier Wochen werden die alten Ein- und Zweimarkscheine rücksichtslos eingeftampft. Bereits heute nimmt man sie nicht mehr gern an, man versucht sie sofort los zu werden, man sezt sie um in Brot, Zigaretten, Selterswasser, Lime. nade oder in andere Gegenstände, die die Lebensfreude erhöhen oder vermindern, diese ersten Boten einer besseren, gesicherten Zeit. Glaubte denn damals irgendjemand an die Stabilität der Rentenmark, als die ersten Ein- und Zweimarkscheine in der Deffentlich. feit auftauchten? Ganz fluge Geister rümpften verächtlich die Nase, wer über Geld verfügte, faufte heimlich, so unter der Hand, stabile, amerikanische Dollars; Devisenverbote bestanden eben nur für die, die keine flüssigen Barmittel hatten. Ach, die Dollars sahen viel hübscher aus, die Scheine waren so in die Länge gedehnt, man fühlte sogleich, dies war eine Valuta, auf der die Welt sicher ruhte. Dagegen diese harmlosen Scheine, wie billig sahen fie aus. Selbst ganz kleine Dollarnoten konnten doch wenigstens mit dem Porträt irgendeines verdienstvollen amerikanischen Mannes aufwarten, und Bettel, auf denen eine lange Predigt untergebracht worden war, nun diese in der Farbe verwischten, billig aussehenden, fleinen Aschenbrödel unter den Valuten, wer fonnte auch nur zu dieser geschmadlosen Aufmachung Vertrauen fassen? Wie ein fleiner Grubenarbeiter gegenüber einem Regenten der Fünften Avenue wirften sie, wenn man sie mit einem holländischen Gulden, einem Pfund Sterling oder mit einem amerikanischen Dollar verglich, und doch repräsentierten sie eine Macht, an die niemand glaubte und die Bettelchen zerrissen, beschmußt, verwaschen; Hartgeld hat sie ersetzt, sich allmählich durchsetzte. Der Schein trügt. Heute sind diese kleinen schwinden mit ihnen auch alle Sorgen, die heute die Menschen beman duldet sie noch einige Tage, dann verschwinden sie, aber ver. brücken? Endet die Arbeitslosigkeit, die Unterbezahlung? Raum. Alles geht weiter. Welche Erwartungen fnüpfte man einftmals an diese Scheine, als sich tatsächlich der Dollar nicht mehr rührte, als wurde! Und nun? Die Welt ändert sich nicht. Hammer und Am. er mit einem Male in feinem wahnsinnigen Höhenflug aufgehalten boß, es bleibt sich gleich, wie irgendeine stabile Valuta notiert wird Kleine Scheine, Hoffnungsschimmer einer besseren Zeit, ihr geht Der Amboß erduldet Schläge, immer wieder, ewig, bis er zerspringt. dahin, nehmt alle unsere Sorgen mit! Die Täter von Leiferde. Ihre Ueberführung nach Hannover. indem er sich umdrehte und uns stehen ließ, der Fall erledigt. Wir wenigstens und auch ein großer Teil unserer Tischnachbarschaft verließen daraufhin fluchtartig die sonst so gut unter Schorschl Ehrn. gruber geleitete Münchener Hag". Das ist ein Fall unter vielen. Es ist der übliche Preiswucher bei Volksveranstaltungen, dem ent gegenzutreten unsere Behörden sich jedenfalls zu schwach fühlen." Zu dem Riesenbetrug an der Reichsbahn. Selbstgestellung eines Täters. gestern mit, daß der 43 Jahre alte Kaufmann Billy KroZu dem Riesenbetrug gegen die Reichseisenbahn teilten wir toschiner durch seinen Rechtsanwalt sich erboten hatte, sich gegen freies Geleit selbst der Behörde zu stellen. Nachdem ihm das freie Geleit abgelehnt worden war, meldete mit seinem Anwalt bei der zuständigen Dienststelle der Kriminal er sich heute morgen telephonisch an und erschien dann um 10% Uhr polizei. Er brachte viele Schriftftüde in litauischer und russischer Sprache mit, durch deren Inhalt er seine Unschuld beweisen will. Krotoschiner behauptet, daß Edelstein der Haupttäter sei. gemeldet, in Zürich festgenommen worden. Die von Krotoschiner Dieser hält sich, wie festgestellt ist, gegenwärtig in Bukarest auf. Rudas, der Güterversteher des Bahnhofs Memel, ist, wie schon vorgelegten Schriftstücke müssen erst von Sprachkundigen übersetzt gelegt werden. Uebersetzung und Prüfung werden geraume Zeit und dann kaufmännischen Sachverständigen zur Begutachtung vorin Anspruch nehmen. Deshalb ist es, obwohl mit der Vernehmung Krotoschiners sofort begonnen wurde, noch zweifelhaft, ob man schon heute ein klares Bild gewinnen und eine Entscheidung darüber treffen kann, ob Krotoschiner in Haft genommen oder wieder entlassen werden kann. Ratten in der Garderobe. robenschränke zur Verfügung gestellt worden. Diese hielten In einem Berliner Betriebe waren den Angestellten Garde= aber die im Hause vorhandenen zahlreichen Ratten nicht ab, Garderobenstücke zu zerfressen. Als einige Angestellte Schadenersatz verlangten, wurden fie vom Betriebsunternehmer abgewiesen. Auf die von gericht den Betriebsunternehmer zur Zahlung von Entschädigung, den Angestellten erhobene Schadenersatzklage verurteilte das Berliner Gewerbe hatten die Angestellten die betreffenden Garderobenschränke für ihre indem unter anderem ausgeführt wurde, nach der Arbeitsordnung Garderobenstücke zu benutzen. Unter diesen Umständen mußte der Betriebsunternehmer dafür sorgen, daß die Garderobenstü of e möglichst sicher verwahrt wurden. Der Betriebsunternehmer hätte auch mit Rücksicht auf die starke Rattenplage auf dem fraglichen Grundstück dafür sorgen müssen, daß die Garderobenstücke von Ratten nicht zernagt werden konnten. In die den Abschluß entgegen. In Berlin sind die Feststellungen mit der proDie Untersuchung des Verbrechens bei Leiferde geht jezt ihrem Angestellten zur Berfügung gestellten Gitterschränke fonnten aber Ratten leicht eindringen und Sachen zernagen. Wenn der Betriebsfingers beendet. tokollarischen Bernehmung Willy Webers und Otto Schleunternehmer einwende, er habe auch Kazen gehalten und Gift gegen hof des Polizeipräsidiums gefesselt mit ihren Rucksäcken in ein Beide wurden heute morgen auf dem Licht- Ratten ausgelegt, so seien diese Einwände ohne Bedeutung, da sich viele Kayzen für die Vertilgung von Ratten nicht interessieren; Gift Droschkenauto gesetzt und unter sicherer Bewachung zunächst nach werde oft von den Ratten gemieden. Habe der Betriebsunternehmer der Polizeiwache des Bahnhofs Alexanderplatz gebracht. In dem feine Pflicht nicht ausreichend erfüllt, so müsse er Buge, der um 8 Uhr 58 min. abfährt, waren 3 mei getrennte für den Schaden aufkommen, den die Ratten verursacht Abteile für den Abtransport bereitgehalten. Bom Publikum, das fich auf dem Bahnhofe befand, wurde der Abtransport nur wenig bemerkt. Es bildeten sich nur fleinere Gruppen, als Schupobeamte und Kriminalbeamte der Fahndungsinspektion H. 1 die Verbrecher heraufgeschafft wurden. Vorsichtshalber waren einige fommissar Reetz und Eisenbahnüberwachungsinspektor Brandt mit aufgeboten. Es ereignete sich aber feinerlei Zwischenfall. Kriminal mehreren Berliner Kriminalbeamten bringen die Verbrecher zunächst nach Hannover. Beiden ist erst jetzt zum Bewußtsein gekommen, wie schmer ihr Verbrechen mit allen seinen Folgen ist. Sie sind jetzt nieder. geschlagen, während sie sich bis zu ihrer Verhaftung gar feine be. fonderen Gedanken gemacht hatten. Weber behauptet allerdings, daß ihm die entsetzlichen Folgen der Tat doch schon einmal nahe. gegangen feien und daß er sogar die Absicht gehabt habe, sich selbst der Polizei zu stellen. An die Aufklärung des Verbrechens und ihre Festnahme hatten beide zuletzt nicht mehr geglaubt. Beigetragen hatte dazu, wie sie sagen, der Umstand, daß in der Oeffentlichkeit fortgefeht auch noch mit einem Betriebsunfall gerechnet worden war. Sie glaubten, daß diese Annahme sich endgültig durchsetzen werde. Die Verbrecher werden in Hannover dem Oberstaatsanwalt Dr. Stelling von dem zuständigen Landgericht Hildesheim über geben. Sie werden dann zunächst nach dem Tatort gebracht. Hier sollen sie an der Hand der Protokolle in einem Lofaltermin noch einmal alles das zeigen, was mit Hilfe der Karten in Berlin bereits festgestellt worden ist. Entgleisung des D- Zuges Berlin- Stuttgart. Stuttgart mitteilt, ist der Zug D. 32 Berlin- Stuttgart am DienstagStuttgart, 8. September.( WIB.) Wie die Reichsbahndirektion fonenwagen entgleist. Getötet wurde niemand; bis jetzt abend bei Osterburken mi Lokomotive, Packwagen und drei Perfind nur einige Leichtverlegte gemeldet worden. Die Ursache der Entgleisung steht noch nicht fest. Die Untersuchung ist eingeleitet. Von der Lokomotive erfaßt. .Regensburg, 7. 7. September.( TU.) Auf ber Strede Straubing- Cham ist das mit Ziegelsteinen beladene Lastauto des Sägewerfsbefizers Raul von der Maschine des Personenauges 101 erfaßt, 40 meter vor der Lokomotive herge: schoben und zertrümmert morden. Der Chauffeur, Franz Auto mit dem Fuße eingeklemmt und fonnte aus diefer Lage vom Stettner, Vater von sechs Kindern, wurde unter das umgestürzte Bugpersonal erst befreit werden, als beide Füße, sowie der Unterleib bis zur Berfohlung verbrannt waren. Außerdem wurde die auf dem Auto befindliche Frau Loschiner fofort getötet. wei weitere Personen, die sich im Auto befanden, erlitten schwere Berlegungen. Die Schuld an dem Unglüd trägt der Cauffeur. Preiswucher bei Volksveranstaltungen. Man schreibt uns aus Leserkreisen: haben. Städtische Volkskonzerte. Mädchen, nicht nur ewig jungseinwollende Modedamen, sondern Gottlob, es gibt nicht nur Puppen", sondern auch noch junge lese: Ein ziemlich geringer Prozentjaz von Bubitöpfen, bedeckte Knie, richtiggehende Frauen und Mütter. Ergebnis dieser seltenen Aus. wenig Gefichtstinktur und einen Horizont, der über Charleston und frankhafte Gefallsucht hinausreicht. Es tut ungemein wohl, wieder einmal unter Normalmenschen Musik zu hören. Das schöne Berliner Sinfonie- Orchester brachte Werte unserer Altmeister Mendelssohn, Wagner, Goldmark usw. wirkungsvoll zur Geltung. Ein immer wieder aufs neue zu erwähnender musikalischer Genuß Humperdints Hänsel und Gretei"-Phantasie, ein Kabinettsstück der Instrumentation. Als Gast sang Frau Margarethe Heyne Franke von der Dresdener Staatsoper Lieder von Wagner mit angenehmer, besonders in der Höhe sehr wohlklingender Stimme. Wäre es nicht möglich, derart populäre Sachen ohne Notenblatt zu fingen? Es wirft ungemein desillusionierend, außerdem starf vormärzlich und erweckt stets den Anschein großer Befangenheit, mit gefesselten Händen und starr aufs Notenblatt gehefteten Pupillen puppenhaft unbeweglich dazustehen. Konzertmeister Lambinon spielte mit Publikum spendete den Künstlern herzlichen und reichen Beifall. virtuoser Technik. Das aufmerksam lauschende zahlreich erschienene Wieder ein Schülerselbstmord. Erst am Montag mußten wir von dem Selbstmord des sechzehnjährigen Schülers Jaffé aus der Sedanstraße zu Stegliz, der fich vor einen Fernzug warf und sofort getötet wurde, berichten. Heute morgen legte wieder ein 15jähriger Gymnafiast aus bisher noch unbekannten Gründen Hand an fich. Auf der Heerstraße, unweit der Gutsverwaltung Amalienhof, wurde der 15jährige Gymnasiast Heinrich B. aus der Thaerstraße 5 zu Berlin von zwei Radfahrern mit durchschossener Schläfe aufgefunden. B. wurde in schwerverlegtem Zustande in das Spandauer Kreistrantenhaus geschafft, wo er hoffnungslos daniederliegt. Ein Ueberfall mit tödlichem Ausgang beschäftigt die Kriminolpolizei in Charlottenburg. In der Nacht zum 2. September_wurde straße 51a in dieser Straße auf dem Wege zum Bahnhof überfallen der Schlafwagenschaffner Harry Herter qus der SuarezDer Arzt, in dessen Behandlung er sich begab, stellte eine Gehirnund durch einen Schlag auf denkopf schwer verlegt. blutung fest und ließ den Ueberfallenen am nächsten Tage nach dem Birchow- Krankenhaus bringen. Dort ist der Mann drei Tage später einer Berlegung erlegen. Mitteilungen zur Aufklärung nimmt die Kriminalinspektion Charlottenburg entgegen. Das Nachtlager am Teltowfanal. Der 70 Jahre alte Zeichner Bruno S., der im Hospital in der Hauptstraße in Lichterfelde wohnt, legte sich in der vergangenen Nacht am Teltowfanal in Tempelhof zum Schlafen nieder. Dabei rollte er die Böschung hinab, blieb aber wie durch ein Wunder vor dem Sturz ins Wasser bewahrt. Um 5 Uhr früh fand man ihn mit einer blutenden Kopfwunde auf und transportierte ihn nach der nächsten Rettungsstelle und dann nach dem Krankenhaus in Neukölln. Bon der Elektrischen in die Baugrube. Heute vormittag um 8 Uhr sprang der Handlungsgehilfe Reinhold Steinhausen aus der Neumannstraße 50 in Bankom vor dem Hause Münzstraße 1 von einer in der Fahrt befindlichen Elektrischen der Linie 49 E, ohne darauf zu achten, daß an dieser Stelle Erdarbeiten ausgeführt werden. Er stürzte in eine Baugrube und erlitt so schwere Kopf- und Rüdenverlegungen, daß er nach dem Krankenhaus Am Friedrichshain geschafft werden mußte. ..Am letzten Sonntag hatte ich das Unglück, mit einem Befannten in die Münchener Haz" im Sportpalast in der Bots. damer Straße zu geraten. Das Unglück bzw. die schlechte Seite der Sache bezieht sich nicht etwa auf Herrichtung oder Darbietungen in der Haz", fondern ganz im Gegenteil: ich war überrascht über Angekommen in dem großen Saal des Sportpalastes, der schön die wirklich gute Aufmachung und die Qualität des Dargebotenen. deforiert ist, sahen wir uns zum ersten vergebens auf den Tischen nach einer Breistafel für Getränke um. Da wir nun dadurch schon etwas skeptischer gestimmt wurden, bestellten wir vorsichtshalber für jeden von uns ein Glas Zitronenwasser, begingen aber den Fehler, nicht nach dem Preis zu fragen. Jedenfalls unsere Zitronen famen und somit mußten wir auch gleich zahlen. Unsere Verblüffung und auch die unserer Tischnachbarn, denen man es anfah, wie sie am als wir hören mußten, daß ein Glas 3itrone, noch nicht Werktag schwer förperlich arbeiten mußten, war nicht zu beschreib.n, einmal naturell, 70 f. 3uzüglich 10 Broz. Trintgeld 80 Bf. to fte.( Selbiitostenpreis dieser Zitrone ist hochgerechnet 10 Pf.) Wir erkundigten uns bei den Kellnerinnen, die im übrigen selbst über diesen Preiswucher empört waren, nach dem Dekonomen dieser gaftlichen Stätte. Es wurde uns gesagt, daß die Dekonomen B. u. F. sind. Anwesend war nur Herr B. Nachdem wir uns ihm vorgestellt hatten, brachten wir unsere Beschwerde vor, indem wir 30 Bf. betrage. Seine sehr kurze aber bezeichnende Antwort, war u. a. auch sagten, daß das Magimum für ein Glas Zitrone daraufhin:" Die Preise machen wir! Verstehen Sie? Das andere überlasse ich Ihnen," Damit war für diesen Herrn, 99. Abt. Budow. Zahlabend bei Difcher heute Abend 8 Uhr, Propagandawoche Tödlicher Unfall beim Plätten. Die 24 Jahre alte Ehefrau Ella Kerber wurde gestern abend von ihrem Ehemann in der mit Gas angefüllten Küche der Wohnung in der Fredericiaftraße 14 tot aufFrau beim Blätten befand und nach Aussage des Ehemannes Grund gefunden. Es liegt allem Anschein nach ein Unfall vor, da sich die zum Selbstmord nicht vorhanden war. Dubrowwanderer. In einem Artikel über den Dubrowforst hatten wir Klage geführt, daß der Forst nur mit Genehmigung der Oberförsterei Königswusterhausen betreten werden darf. Wie uns mitgeteilt wird, ist diese Genehmigung nicht mehr notwendig. da die Dubrow nicht mehr zum Wildschutzgebiet gehört. Groß- Berliner Parteinachrichten. Generalversammlung der Fleischer. Gegen den„ Kongreß der Werftätigen". Die Ortsverwaltung Groß- Berlin des Zentralverbandes der Fleischer hielt am Dienstag ihre ordentliche Generalversammlung ab. Schult gab bekannt, daß die Ladenfleischer, Gesellen und Ver. fäuferinnen im Lohnfampfe stehen und Verhandlungen vor dem Schlichtungsausschuß erfolgen. In dem Geschäftsbericht, den er für tas erste Halbjahr erstattete, hob er hervor, daß Entlassungen in großem Umfange vorgenommen wurden, weil der Abfah ins Stoden geriet. Bei den Wurstfabrifen ging es mit dem Abbau noch glimpflich ab, dagegen wurden bei den Ladenfleischern und in der Darminduſtrie nicht bloß zahlreiche Kollegen auf Kurz arbeit gefeßt, sondern es verloren auch viele ihre Arbeitsstätte. Die irtschaftslage wurde von den Arbeitgebern dazu benutzt, durch Tariffündigungen den Abbau der sozialen Bestimmungen und der Lohn- und Gehaltsfähe zu erreichen. Die Verhandlungen mit den Arbeitgebern wurden in diesem Jahre um so schwieriger, da die Arbeitgeber des Gewerbes, die bis Ende 1925 eine gefchloffene Arbeitgeberorganisation hatten, diese auflöſten, so daß jetzt mit den einzelnen Gruppen verhandelt werden muß. Es gelang bei den Tarifvertragsverhandlungen meistenteils, die alten Bofitionen nicht nur zu behaupten, sondern vielfach sogar Verbesserungen zu erreichen, z. B. die Einbeziehung der Lehrlinge in den Tarifvertrag. Der Mitgliederbestand ist als stabil zu bezeichnen. Die Fluktuation ist allerdings sehr groß. Für die Organisation ist der noch immer bestehende Kost und Logiszwang im Ladenfleischergewerbe ein fehr starkes Hemmnis. Die Kaffenverhältnisse sind erfreulich und zeigen ganz deutlich die Besserung in der Beitragsleistung. 11 Genosse Liebte referierte über das Thema Warum Rongreß der Werftätigen?" Seine Ausführungen gipfelten darin, daß dieser von den Kommunisten geplante Rongreß bisher nicht die geringsten Programmpunkte aufzuweifen habe. Im Interesse der Einheit der Gewerkschaftsbewegung sei es verderblich, neben den Gewerkschaften noch eine neue Organisation zu schaffen. So geschickt die fommunistischen Diskussionsredner auch operierten, den Eindruck diefer Ausführungen fonnten sie nicht verwischen. Die Resolution der kommunistischen Mitglieder zur Propagierung des Kongreßprojekts wurde mit überwältigender mehr heit abgelehnt. Wenn die Kommunisten glaubten, daß der Zentralverband der Fleischer eine Filiale der Münzstraße sei, so hat sie die gestrige Bersammlung eines Besseren belehrt, wenn sie über haupt zu belehren find. abgelehnt, ebenso auch von der Geschäftsleitung und dem Betriebsrat, trotzdem diese erst versprochen hatten, die Angelegenheit zu regeln. Die geschädigten Kellner haben nunmehr ihre Forderung beim Berliner Gewerbegericht geltend gemacht. Der Eisenbahnrat verordnet. Die Arbeiter verdienen zuviel. Bekanntlich versuchte die Reichsbahnverwaltung den Nachweis zu erbringen, daß für sie ein verbindlich erklärter Schiedsspruch nicht gefällt werden könne, weil sie außerhalb des Rahmens der deutfchen Gefeßze stände. Sie mußte sich jedoch besserer Einsicht fügen, da das Reichsbahnschiedsgericht sie hierzu zwang. Neuerdings gehen aber Amtsvorstände in versteckter Form gegen den Spruch des aber Amtsvorstände in versteckter Form gegen den Spruch des Schiedsgerichts, der eine ganz geringe Lohnausbesserung mit sich brachte, in rigorosester Form vor. So erläßt z. B. der Vorstand des Eisenbahnverfehsamts 3 Berlin unter dem 20. Auguft d. I. folgende Verfügung: " Die Fehlladungen nehmen seit Einführung des neuen Bebingeverfahrens in ungeheurem Maße zu. Die wieder. holten Mahnungen zu befferer Beaufsichtigung der Verladung der Güter sind mithin nicht beachtet worden. Ein weiterer Beweis, daß die Arbeiter nicht sachgemäß und ordentlich arbeiten, find die hohen Ueberverdienste, die in den letzten Monaten erarbeitet wurden. Sie fonnten auf feinen Fall so hoch werden, wenn das Aufsichtspersonal auch wirklich die Aufsicht über die sachgemäße Verladung führen würde. Sollten die Fehlverladungen und Beschädigungen der Güter nicht sofort aufhören, so werde ich sowohl die betr. Arbeiter und ganz besonders das betr. Aufsichtspersonal jedesmal zur Berantwortung ziehen und bei der geringsten Lässigteit bestrafen. Außerdem tönnen die Betreffenden gewärtig sein, daß sie nach Lage der Sache auch noch zum Schadenersaz herangezogen werden. Das ge famte Personal ist umgehend zu unterweisen. Dem gesamten Auffichtspersonal ist diese Berfügung außerdem jeden Monat einmal betanntzugeben. Es hat schriftlich zu bestätigen, daß es die Verfügung gelesen hat. gez. Jargon." Dem Herrn Reichsbahnrat Jargon sind in erster Linie die Akkordlöhne, die in den letzten Monaten erarbeitet wurden", zu hoch. Er versucht also, weil er diese Tatsache nicht offen zugeben will, das Aufsichtspersonal zu veranlassen, durch Schifanierung der Arbeiter, denn auf weiter nichts läuft diese Verfügung hinaus, deren minimales Einkommen zu drücken. Wer den Dienst auf den Güterböden fennt, weiß, daß Fehlverladungen und Beschädigungen von Tarifverhandlungen bei der Müllabfuhrgesellschaft. Gütern nur durch die ungeheuerliche Hezarbeit, von der Sie will die Arbeitsbedingungen verschlechtern. | Mitglieder für den Fall, daß es zum äußersten kommen sollte, aus den Gruben zurückzuziehen. Der Präsident mußte Cook verschiedentfich zur Ordnung rufen. Der Gewerkschaftskongres nahm dann mit 2146 000 gegen 1658 000 Stimmen eine Entschließung an, in der zu einer Konferenz der einzelnen Gruppen der Gewerkschaft aufgefordert wird, mit dem Ziel der Zusammenschließung dieser Gruppen als eine Alternative für die Bildung einer einzelnen großen Gewerkschaft mit weitergehenden Beschlüssen. Verbandstag der Arbeitsinvaliden. München, 7. September.( Eigener Drahtbericht.) ( Eigener Drahtbericht.) Der Vora ſizende Karsten gab den sozialpolitischen Bericht, wobei er die Er rungenschaften in der sozialen Fürsorge aufzählte und ihnen gegen. überstellte, was in der Zukunft noch unbedingt erreicht werden müßte. In erster Linie verlangt der Verband in der Unfallversiche rung die periodische Umrechnung aller Zahlungen nach dem jeweiligen Stand der Löhne und ferner eine all. gemeine Erhöhung der Renten. In der Knappschaftsversicherung muß der große Mangel der Anrechnung von Invalidenund Unfallrenten bei Doppelversicherungen beseitigt werden. In der allgemeinen Fürsorge ist für den Berband die grundsätzliche Abkehr von der Armenpflege entscheidend. Die hier noch offenen Fragen müssen reichsgefeßlich geregelt werden. Karsten betonte dann die Wichtigkeit des Zusammenarbeitens der Arbeitsinvaliden mit den Gewerkschaften, fritisierte aber lebhaft, daß diese Zusammenarbeit infolge des Verhaltens der Spitzen der Ges werkschaften noch sehr zu wünschen übrig lasse. Die christlichen Gewerkschaften hätten trog Einladung ihre Teilnahme am Rongreß abgelehnt, fie betrieben jetzt die Gründung einer eigenen christlichen Invalidenorganisation. Sogenannter Zellenbau und Sonderbündelei innerhalb des Berbandes müßten unter allen Umständen unter. bunden werden. Die Erreichung des Ziels: Beseitigung der Not und des Elends unter den Arbeitsinvaliden Deutschlands sei nur möglich auf der Grundlage des gegebenen Staates. Darum müsse die Arbeiterschaft immer mehr Einfluß in diesem Staate gewinnen. Nicht die Republik sei schuld, wenn es den Arbeitsinvaliden immer noch so schlecht gehe, sondern die Fülle schlechter Republikaner. Die Aussprache über den Bericht des Vorstandes gestaltete sich sehr lebhaft, wobei wiederholt darüber Klage geführt wurde, daß unter der Diftatur des Rapitalismus das Jahr 1926 den Arbeitsinvaliden das wieder genommen habe, was sie im Jahre 1925 errungen hätten. Hermann Müller erwiderte im Auftrage des ADG B. auf die zum Teil sehr scharfen Angriffe Karstens gegen die Gewerkschaften. Müller erinnerte daran, daß die Gewertschaften schon lange, bevor der Verband der Arbeits invaliden bestand, fich der Außenstehende feinen Begriff macht, verursacht werden. Den In der Versammlung der bei der Berliner Müllabfuhr A.-G. naheliegenden Gedanken, genügend Arbeiter einzustel. bahnbrechend für die Sozialrentner tätig Beschäftigten am Dienstag in den Residenzfestsälen berichtete Gelen, faßt er nicht. noffe John vom Verkehrsbund über den Stand der Tarifver. Das Aufsichtspersonal ist überhaupt nicht in der Lage, als solches waren, nicht nur in der Durchführung, sondern auch in der handlungen. Die Gesellschaft hat den Tarifvertrag zum zu fungieren, da viel zu wenig davon vorhanden ist. Es ist eine Un- Schaffung der sozialen Gesezgebung. Die Gewert 30. September gefündigt und eine Reihe von Abänderungsanirägen möglichkeit, von einem Ladeschaffner, der die Beaufsichtigung des sorge für die Arbeitsinvaliden. Die Entschließungen und Anträge, schaften lassen sich auch heute von niemand übertreffen in der Für gestellt. So verlangte jie u. a. eine höhere Arbeitsleistung, Verladegeschäfts in vielleicht 10 bis 15 Eisenbahnwagen zu über- die zu dem Verbandstag vorliegen, find für die Gewerkschaften lauter schlechterung der Entlohnung bei Unfällen. Die Verhandlungs. wachen hat, zu verlangen, daß er die Verantwortung für ordnungs- alte Bekannte. Es ist nichts in ihnen zu finden, was die Gewerktommission hatte sich bereit erklärt, die Bestimmungen über§ 616 gemäße Verladung übernehmen kann. Auch hier machen sich eben schaften nicht schon seit Jahrzehnten mit Erfolg vertreten haben. Gleichwohl hat der Verband der Arbeitsinvaliden seine Eristenzund die Lohnzahlung bei Unfällen dahin abzuändern, daß ein Miß. die Folgen des überhafteten Abbaus start bemerkbar. brauch dieser Bestimmungen, wie es leider vorgekommen ist, unter berechtigung, vor alle m nach der psychologischen bunden wird. In der Urlaubsfrage wurde ebenfalls eine Seite hin. Grundsäglich aber gehören die gesunden ArEinigung dahin erzielt, daß die Kutscher wohl nicht mehr wähbeiter nicht in den Verband hinein. Derjenige Gauverrend des Urlaubs das Geld für Pferdepflege erhalten, aber dafür Mitglieder fängt, schädigt nur seinen Berband, indem er die Gegnertreter des Verbandes, der aus Kreisen der nichtinvaliden Arbeiter an alle über ein Jahr Beschäftigten ein längerer Urlaub als bisher fchaft in den Gewerkschaften großzieht. Diese aber lassen sich das gewährt werden soll. Nicht einigen konnte man sich über die von der Gesellschaft verlangte höhere Arbeitsleistung, die von Gebiet der Sozialpolitit, das ihnen anvertraut wurde, nicht nehmen. Karsten hat seine Tätigkeit im Rahmen einer großen Partei entder Berhandlungsfommission glatt abgelehnt wurde. falten können, dadurch werden aber seine Erfolge folche Die Versammlung lehnte ebenfalls jede höhere Arbeitsleistung ab, da es schon heute nicht möglich ist, das verlangte Benfum in achtstündiger Arbeitszeit zu leisten. Sie beauf tagte die Verhandlungskommission, bei den Verhandlungen, die voraussichtlich morgen, Donnerstag, festgesezt werden, jede von der Gesellschaft geforderte höhere Arbeitsleistung ab. zulehnen. Sobald das Verhandlungsergebnis vorliegt, wird eine neue Bollversammlung dazu Stellung nehmen. Ein Jdyll aus Klein- Moskau. Das Kasino der russischen Handelsgesellschaft in der Lindenstraße wurde kürzlich von dem guten kommunistischen Genossen " Teuerfauf" übernomme und geleitet. Dieser Herr Teuerkauf, welcher jetzt Arbeitgeber wurde, ist gleichzeitig der Gründer und Borsigende des großen Kartells der gelben und blauen Kellnervereine, das dazu berufen sein soll, den freigemertschaftlichen Zentralverband der Hotel, Restaurant- und Café Angestellten zu bekämpfen und dem paritätischen Arbeitsnachweis der Stadt Berlin Konfurrenz zu machen. Einige Tage nach der Wiedereröffnung des Kasinos brach bereits die Balastrevolution aus. Herr Teuerlauf entließ sämtliche act organisierten Rellner fristlos und stellte 13 unor ganisierte Mädchen für die Bedienung ein. Dieselben gefielen dem Gründer des Kellnerfartells, der doch eigentlich für die männliche Bedienung zu haben sein müßte, besser; denn sie wurden gleichzeitig zum Gemüſcpuzen und anderen Arbeiten herangezogen, Die man nicht gut von Kellnern verlangen tann. Die Gewerkschaft lehnte es ab, die 13 Mädchen unter diesen Umständen zu organi. fieren, und verlangte, daß an deren Stelle die männliche Be. dienung, und zwar die alten Kellner wiederein gestellt werden sollten. Doch mit des Geschickes Mächten ist fein ewger Bund zu flechten. Die Glanzzeit des Arbeitgebers war für Herrn Teuerfauf bald beendet. Sein Verhältnis mit der russischen Handelsgesellschaft wurde plöglich wieder gelöst. Die geschäftstüchtige Leitung der russischen Handelsgesellschaft hatte aber immerhin gelernt, und lehnte es ab, für das Kasino, das sie in eigene Ber waltung übernommen hat, männliche Bedienung einzustellen, trotzdem tausende arbeitslose Kellner auf Beschäftigung warten. Mit Zustimmung des Betriebsrates der russischen Handelsgesell. schaft haben nunmehr die Reinemachefrauen, die von 6 bis 9 Uhr ihren Dienst versehen, ab 9 Uhr die Bedienung des Kasinos übernommen. Wirklich ein reizender Zustand. Die Bezahlung der Kündigungszeit für unsere Kollegen wurde von Teuerkauf Berliner Elektriker Genossenschaft angeschl. dem Verb. soz. Baubetriebe Berlin N. 24, Elsässer Str. 86-88 Fernsprecher: Norden 6525, 6526 Filiale Westen, Wilmersdorf Landhausstr. 4. Tel.: Pfalzburg 9831 Ausstellungsräume und Lager: Alexanderstraße 39-40( Alexander Passage), Telephon: Königstadt 540 Herstellung elektr. Licht-, Kraft- und Signalanlagen. Verkauf aller elektr.Bedarfsartikel Ausführg. sämtl. Reparaturen Preiswerte, gediegene Arbeit Adolf Hoffmann Knorke Schulhumoreske mit Illustrationen von Willi Steinert Preis 50 Pfg. Porto 5 Pfg. Vorrätig in allen Vorwärts- Ausgabestellen Flaumrupf Bettfedern aus erster Hand, Bfb.grau 60 Bf, geschl. 90 Pf, Rupf 1.75, Halbbaune 2.75,4 weiß befte, 5 Daune, 7 weiß Bettfedern Adolf Pohl 8-10 Schleißbaune. 4 Oberbett, la echtfärb Dresdener Straße 15 ( Fabrikgebäude.) Röper 8 Bfb. 16, 18, Riffen 3 Bfb. 3.50, 5 50 aufw. gegen Nachn Muster, Preisl. frei, tein Rifito. Nichtpaffend zurüd. Böhm. Bettfedernspezialhaus Sachsel& Stadler, Berlin C., Landsberger Str. 43/12, Durch diese Verfügung wird lediglich die alte Radfahrer. politit wieder eingeführt, nach unten tüchtig zu treten. Wenn man den Arbeitern ihren färglichen Lohn nicht gönnt, dann sei einmal die Frage gestattet, was der Herr Reichsbahnrat Jargon und seine am grünen Tisch arbeitenden Mitbeamten für Bewer. tungszulagen beziehen? Für diese Summe, die in die Tausende von Mart geht, fönnten auf jeder Verladestelle einige Arbeiter mehr eingestellt werden, wodurch die Mißstände sich von selbst. beheben würden. Herrn Jargon wäre außerdem zu empfehlen, seine Berfügungen nicht immer in dem alten Kasernenhof stil herauszugeben und sich nachher zu entschuldigen, daß er selbst es gar nicht so gemeint habe, weil er diese Verfügung, die ihm vorgelegt worden sei, eben unterschrieben habe. Der Reichsbahndirektion fönnen wir nur den guten Rat geben, hier einmal nach dem Rechten zu sehen; die Empörung der Arbeiterschaft gegen gutbezahlte Bureaubeamte, die noch außerdem sehr hohe Bewertungszulagen beziehen, ist beachtens. wert. Aus England. Die Haltung der Bergwerksbefizer. Aus London wurde der TU. berichtet: Es läßt sich nicht ver. fennen, daß die Stimmung durch die Haltung der Grubenbefizer wieder etwas zugunsten der Bergarbeiter umgeschlagen ist. Die all. gemeine Stimmung, die sich noch vor wenigen Tagen gegen Cook und feine Phrasenpolitik bemerkbar machte, ist stark abgeebbt, und nunmehr findet die starre Haltung der Bergwerts. befizer auch in der tonservativen Presse nicht immer unbedingte Billigung. Ein Kurier ist Dienstag mit einem mündlichen Bericht über die Besprechungen in der Dow ningstreet nach Air les Bains abgegangen, um dem Premierminister über die Entwicklung der Dinge genau Bericht zu erstatten. In Kreisen der Bergarbeiter herrscht naturgemäß über das Ergebnis der Besprechungen große Enttäuschung, während Cook sein Ber. trauen zu Churchill aussprach, daß er die Grubenbesizer schließlich zur Aufgabe ihres Standpunktes zwingen würde. Der Gewerkschaftskongreß. Auch in der Sigung des Ge wertschaftstongreffes in Bournemouth hat die Nachricht von dem ergebnislosen Berlauf der Besprechungen Enttäuschung verursacht. Einer der Dele. gierten erklärte, daß gerade in dem Augenblid, wo jedermann glaubte, daß der Konflikt zu einem En de tommen würde, die Auseinanderseßung sich auf unge. wisse Zeit zu verlängern scheine. Im Berlaufe des Kongresses er. griff auch Cook das Wort, der von allen Seiten stürmisch begrüßt wurde. Er griff die Gewerkschaft der Notstandsarbeiter in sehr heftiger Weise an, weil diese Gewerkschaft sich strikt weigerte, ihre DEUTSCH ESCHES BUTS REICH 1 REICH 1 EICH 1 PFENNIG AEICHSPELE NNIC HSPFEE DINNELING und doch # wwwwwww WENESTI FSCH sehr gut! Scherif: flach- Gold feste Packung * Kibari: dick rund ohne Mundstück der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion. Die Vorwürfe, daß die Gewerkschaften für die Arbeitss invaliden nicht genug get an hätten, find nach alledem ent. schieden zurückzuweisen. Wir von den Gewerkschaften haben ein gutes Gewissen, auch gegenüber den Arbeitsinvaliden. ( Stürmischer Beifall und Händeflatschen.) # Matthes 3widau sprach dem Redner für die Klärung der Lage, die vom Hauptvorstand gewünscht worden sei, den Dank der Bersammlung aus. In seinem Schlußwort erklärte dann Karsten, daß seine Bertretung der Invalidenintereffen zweifellos erleichtert worden sei durch seine Zugehörigkeit zur sozialdemokratischen Reichs tagsfraktion; andererseits aber werde sein Wort innerhalb der Frak tion gerade deshalb geachtet, weil er der Wortführer eines großen Verbandes sei. Den Gewer tschaften wolle der Verband feine Konkurrenz machen. Er wünsche aber, daß die Gewerkschaften alle Kräfte für den sozialpolitischen Kampf einfeßen. Am Schluß wandte er sich noch im Auftrage des Borstandes gegen den Antrag, dem Borstand eine siebengliedrige sozialpolitische Kommission, einen sogenannten Beirat, an die Seite zu stellen. Diesen Antrag lehne der Borstand ab, zumal er rein fommunistischen Motiven entsprungen sei. Durch diese Kommission soll lediglich der Vorsitzende Karsten in Widerspruch mit der sozialdemokratischen Reichstagsfrattion gebracht werden. Bei der Abstimmung wurde aber der Antrag trotzdem mit 49 gegen 35 Stimmen ange= nommen, worauf Karsten erklärte, daß er an den Arbeiten für die Kommission nichtteilnehmen werde und die Versammlung bei der am tommenden Donnerstag stattfindenden Vorstands. wahl aus dieser Ablehnung die Konsequenzen ziehen könne. Die sozialpolitische Entschließung des Verbandsvorstandes wurde daraufhin einstimmig angenommen. In thr wiederholt der Verband seine Forderung auf Schaffung einer einheitlichen Sozialversiche. rungsorganisation für die gesamte Sozialversicherung, Sozialver. sorgung und Sozialfürsorge. Im einzelnen befaßte sich die Resolution bdann mit den Mängeln der Unfallversicherung, der Invalidenversicherung, der Angestellten und der Knappschaftsversicherung, und protestiert am Schluß gegen die immer unsozialer werdende Recht= prechung der Bersicherungsgerichte, insbesondere des Reichsversicherungsamtes. Berantwortlich für Bolitik: Dr. Curt Geyer; Wirtschaft: Artur Gaternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schikowski: Lotales und Sonstiges: Frih Karfläbt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Vorwärts- Verlag G. m. b. S.) Berlin. Drud: Vorwärts- Buchbruckerei und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin GW 68, Lindenstraße 3. Einen gefunden Schlaf und damit eine Rräftigung des ganzen Nervensystems erzielen Sie durch den echten Baldrabin Patentamtl. gefch. unter Nr. 342 681. Er enthält fämtliche Extraktioftoffe der Baldrianwurzel in träftigem Gübwein gelöst. Alle Nachahmungen. bie als ebenfogut angeboten werden, weise man entschieben zurüd. 8u haben in Apotheken und Drogerien Hersteller: Offo Stumpf A.-G., Chemnih. Der gute KapitänNeubau- Wohnungen in Britz, verl, Germania- Promenade, befte Lage, 2 u. 3 Zimmer, Bad, gr. Loggia p. 1. XII. 26 au vermieten. Ausrunft bortselbst im Baubüro oder Neukölln 7416. DER KLEINE BROCKHAUS Preis M. 23, Auch in Ratenzahlung Zu beziehen durch Kautabak ist in den meisten Zigarren J. H. W. Dietz Nachf. G. m. b. H. erhältlich C. Röcker, Berlin Lichtenberger Straße 22, Kgst. 3861 Berlin SW. 68, Lindenstraße 2 ( Abteilung Sortiment) und sämtl. Vorwärts- Ausgabestellen