Nr. 424 ♦ 4Z.�ahrg. Musgabe A Nr. 217 Bezugspreis. Dvchcntli» 70 monatlich 3,— ZIcichsmarl ootau»«ahlbar. Unter Kreu, dand für Deutschland. Daiuia. Saar, und Memelaebiet. Leiterreich. Litauen, Lurembur, 4,30 Zteichomart, Ar da, llbria« Ausland 3,30 Reichsmark pro Mona». Der»Borwlri»' mit der illustrier. ten Eonntassbeilag«»Boll und Zeii� lomit den Beilagen»Unterhaliuno uno Wissen�,»Au» der Filmwelt-, »lsraucnstimme�,»Der Kinde» sreund-,..Iugend.BorwZrt," und »Blick in die Büchrrioelt' erscheint wochentSglich zweimal. Eonntag» und Montag, einmal. Telegramm-Ad reffe: .Sozioldemolrat verlin» Morgenausgabe Verlinev Volksbl�tt �10 pksnnig) Anzeigenpreise: Die«inlpaltige Nonpareille. geile«0 Pfennia, Reklame, eile 6,— Reichsmark..Kleine Anzeigen' das fettgedruckte Wort 23 Btenni» szulitssta Zwei fettgedruckte Worte). jedes weitere Wort 12 Bsennia. ktellengesuche da» erst« Wort 13 Pfennia. jedes weitere Wert 10 Bsenni«. Worte Ober 15 Buckstaben ziililen für zwei Worte. Arbeitsmarkt geile 00 Btenni». gamilienanzeigen Hlr Abonnenten geile 40 Diennig. Anzeigen fffr die nllch-ste Nummer müssen dl» iVt Übt nachmittag, im Hauptgeschitft. Berlin SW 08, Linden. strasseO. abgegeben werden. Deöffnet von tM Ubr frflb b>, S Übt nachm. Zcntralorgan der Sozialdemokrati fdoen parte« Deutfchlands Neüaktion und Verlag: S erlin SW. SS, Linöenstraße 3 Fernsprecher: Tönhoff 2958—297. vorwärts-verlag G.m.b.H., Serlin SW. SS, Linöenstr.3 Postscheckkonto! Berti- M 330- BanNogt»! Bank der Arbeiter. Angestellten »nd Beamten,«gllftr. 03!»I,I»-t».»«IeItch»«t.»epollt-nkoffe«indenste. ll. Die öeutjche Delegation abgereist. <9enf in Erwartung.— Preußens Glückwunsch. Die deutsche D e l e g a i i 0 n zur Genfer völkerbundslagung Hai gcsleru mii dem Baseler V-Zug S Uhr S BUnuien abends Berlin vom palsdamer vahnhas verlassen. Für die Delegierlen waren drei Sonderwagen reserviert. Zur Abfahrt hatten nur ge- ladene Gäste Zutritt. Da die Abfahrt der Delegation nicht bekannt war. ist es zu Ansammlungen vor dem Bahnhos nicht gekommen. Schon um H8 Uhr hatte sich ein Heer von Photographen schuhsertig vor den Sonderwagen aufgebaut. Die Delegierst" kamen kurz vor S Uhr. von Reichskanzler Dr. Marx. Reichsinnenminister Külz und Reichsfinanzministcr Reinhold begleitei. Am Bahnsteig waren auch die Geschäftsträger der englischen, französischen, tschechischen und schweizerischen Gesandtschaft. Ein Teil des Delegationsstabcs reiste um 3 Uhr lb Minuten vom Anhalter Bahnhos ab. Glückwunsch Preußens. Braun an Marx. Der preußische Ministerpräsident Braun hat an Reichskanzler Marx folgendes Telegramm geschickt: Der Reichsregicrung spreche ich zum EInleltt Deutschland» In den Völkerbund und den Völker- bundsrak namens der preußischen Staatsregierung ausrichtige Glück- wünsche aus. Möge der historische bedeutsame Tag eine Etappe darstellen nicht nur aus dem Mege, der Deutschland politisch i n friedlicher Ausbauorbcit weiter führt, sondern auch die Befriedung Europas entscheidend fördert und damit die schmerzlichen Kriegssolgen schneller verschwinden läßt. Stresemann an vrummonö. Reichsaußenminister Dr. S t r e s e m a n n hat das— bereits gemeldete— Telegramm de» Generalsekretärs des Völkerbundes Mit folgender Depesche in englischer Sprache erwidert: »An den Generalsekretär des Völkerbundes, Sir Eric Drum- m o n d! Zch nehme mit Dank von Zhrem heutigen Telegramm Kenntnis und Hobe die Ehre, Sie davon in Kennlnis zu fetzen, daß die deutsche Delegation für die Vollversammlung des Völkerbundes heute abend nach Genf abreisen wird. Stresemann Der Schluß der vormittagssitzung. Ein Teil des Berichts unseres Sondcrberichtserstattcrs in Genf tonnte wegen zu vorgerückter Zeit nicht mehr in unsere gestrige Abendausgabe ausgenommen werden: er sei darum nachgetragen: V. 5!eb. Gens, 8. September.(Eigener Drahtbericht.) Lauter Beifall ertönte, als die Hünengestalt Fritjof Nansens am Nednerpult erschien. Mit seiner tiefen energischen Stimme wieder- holte der Polarforscher in englischer Rede den Protest seines hol- ländischen Kollegen. Insbesondere beklagte er, daß die L e h r e d e r M ä r z t a g u n g, bei der die Bollversammlung geradezu aus- geschaltet gewesen sei, nichts gefruchtet hätte. Außerdem seien einzelne Vorschläge des Präsidiums und des Rates statuten- widrig, dennoch werde Norwegen keinen Gegenantrag stellen und keine Haltung einnehmen, die eine Verzögerung der Lösung und eine Trübung der Atmosphäre, die den Eintritt Deutschlands gefährde zur Folge haben könnte. Auch der schwedische Außenminister L ä f g r e n sprach m dem gleichen Sinne und unterstrich, daß der deutsche Ratssiß, juri- ftifch betrachtet, in keinem Zusammenhang mit der Erweiterung des Rates stehe. Er hasse, daß die Abweichung von einem Statut des Bälkerbundes keine weiteren Präzedenzfälle schassen würde. Diesmal klatschten auch Chamberlain und Briand demon- strativ Beifall. Damit war die Debatte zu End«. Man schritt sofort zu den bereits geschilderten Abstimmungen. Bor der zweiten Abstimmung wollte Nansen eine Erklärung abgeben. Aber Chamberlain wußte Nansen in ein privates Zwiegespräch zu verwickeln, das so lange dauerte, bis die Abstimmung begonnen hatte. Immerhin konnten noch vor Schluß dieser historischen Sitzung sowohl Nansen wie Lofgren nachträglich kurze Erklärungen abgeben, um zu begründen, warum sie trotz ihrer Bedenken gegen den«inen Teil des Antrages für ihn mit Ja gestimmt hatten. * V. Sch. Gens, 8. September.(Eigener Drahtbericht.) Di« Vollversammlung hat in ihrer Nachmtttagssitzung die Generaldebatte über den Tätigkeitsbericht des. Rats und des Sekretariats begonnen. Die große Spannung der legten Tage, die in der Bormittagssitzung ihren Höhepunkt erreicht hatte, war verschwunden, sowohl die Dele- giertenplätze wie auch die Tribünen der Presse und des Publikums weisen starke Lücken auf. Bermutlich wird es in den nächsten vier« zehn Tagen weiter so bleiben, mit Ausnahme der Sitzung am Fr e i- t a g vormittag, wo die deutsche Delegation in den Resor- mationssaol einziehen wird, sowie der späteren Sitzung, in der man die n i ch t st ä n d i g e n Mitglieder des Rats wählen wird. Der Völkerbund ist eben ein interrmtionnle» Parlament, da» genau so wie die nationalen Parknnent« nur einige wenig«„große Tage", sollst aber nur„gewöhnliche" Tage kemit: bei den gewöhnlichen Sitzungen erscheinen manche Delegierte überhaupt nicht, andere halten sich meist nur in den Wandelgängen aus und die„großen Männer", soweit sie überhaupt gekommen sind, verlassen bald wieder das Ge- bände. So wurde der heutigen Nachmittagssitzung wenig Interesse entgegengebracht. Nur der erste Redner, der dänisch« Außenminister Graf M o l t t e, sprach noch vor gut besetzten Bänken. Er nannte den Eintritt Deutschlands eine Lebensnatwcndiglcit für den völlorbund. Wörtlich sagt« er:„Wir empfinden eine tief« Freude über das langerwartet« und so verheißungsvvlle Ereignis. Wir heißen dieses Mitglied herzlich willkommen, das in unserer Mille den Platz ein- nehmen wird, der auf es wartete und der ihm gebührt." Der Sprecher des Kabinetts S t a» n i n g, das außer Moltke nur aus Sozialdemokraten besteht— in der Genfer Dele- galion Dänemarks sitzt auch Minister Genosse Borbjerg— zählte dann die zahlreichen Taten aus, die Dänemark in den letzten Iahren im Interesse des Friedens vollbracht hat, im besonderen auf dem Gebiete der A b r ü st u n g und der obligatorischen Schiedsgerichts- barkcit. Mit Deutschland, Frankreich, Polen und den nordischen Staaten hat Dänemark in letzter Zeit solche Schiedsgerichtsverträge abgeschlossen. Dann leert« sich allmählich der Saal, während der Redner Columbiens ausschließlich von dem Ausscheiden Brasiliens sprach und das Fernbleiben Spaniens wünschte: der M a h o- radscha von Kapurthala Hielt einen langen, wenn mich keineswegs uninteressanten Vortrag über Zndien, in dem es an Seilenhieben aus England nicht fehlte. Der persische Prinz Asa hielt eine Kandidatenredc für einen der nichtständigen Ratssitze, indem er u. a. auf die Notwendigkeit hinwies, daß die mohammedanische Welt im Rat vertreten sei. Ebenso wie sein Vorredner lobte er das segensreiche Wirken des Bälkerbundes im Orient, nämlich die völkcrbundliche Bctämpsung der epidemischen Krankheiten und des Opiums. Endlich sprach»och ein Vertreter San D o m i n g o s, der für die Gleichheit aller Staaten im Bölkerbunde plädierte und die chaltung Brasiliens und Spaniens scharf verurteilte. Die Generaldebatte wird wohl noch einige Sitzungen hindurch weitergeführt werden. Das Hauptinteresse konzentriert sich aber auf den Freitagvomnttag. Alles ist aus den Empfang der deutschen Delegation vorbereitet, sogar die kleine Platzkarte auf dem Tisch jeder Delegation, die den Namen des betreffenden Landes anzeigt, ist für Deutschland bereits am heutigen Nachmittag aus den Tisch der deutschen Delegation gelegt worden, um auch so zum Ausdruck zu bringen, daß Deutschland, wenn auch noch nicht vertreten, so doch schon Mitglied des Völkerbunds ist. Mit dem heutigen Tage sind auch die Verträge von Locarno— Rcchlipokt und Schiedsgerichlsvcrtröge— in Kraft getreten, so daß die Vorbedingungen für den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund nunmehr erfüllt sind. Optimistische Meußerungen Chamberiains. Genf, 8. September.(Eigener Drahtbericht.) Chamberlain äußert« deutschen Pressevertretern sein« Befriedigung über den glatt:n Verlauf der Aufnahm« Deutschlands und fuhr fort: Ich wage zu bc- haupten, daß dieses Ereignis denjenigen recht gegeben hat, die bisher Optimisten waren und weiterhin Optimisten sind in bezug aus die Fähigkeit des Völkerbundes, auch schwierig« Lagen zu meistern. Die größte Ge sa h r für den Bund sei, daß die Oeffentlichkeit ihn für ein« vollkommene Einrichtung halt« und nicht daran denke, daff auch er sein« menschlichen Schwächen habe. Wenn der Völkerbund richtig benutzt und weis« geführt werde und man nicht zu viel von ihm verlange, werde er der Menschheit grcß« Dienste leisten. Dann sei auch die Aussicht berechtigt, daß er in Zukunft noch Größeres werde leisten können. Chamberlain sagte iveiter:„Wer würde vorausgesehen haben, daß der Völkerbund imstande sei, die großen Schwierigkeiten zu überwinden, denen er im vergangenen Jahre begegnete?" Er selber, Chamberlain, würde eine derartige Voraussage damals nicht gewagt haben. Das Bemerkenswert« sei gewesen, daß bei den großen Schwierigkeiten im März die erste Sorge der Locarno-Mächte war, ihre gegenseitig« Treue zueinander von neuem zu bestätigen und ebenso ihr« Treu« gegenüber den getroffenen Vereinbarungen und dem Völkerbundspakt. Chamberlain sprach zum Schluß die Erwartung aus, daß die Versammlung nun auch den Aus- tausch und die Hinterlegung der Ratifikationsurkunden der Verträge von Locarno erleben werde. Deutsche Papiere in New Bork gestiegen. Rem Dork. 8. September.(WTB.) Bei Eröfsnung der heutigen Börse kam es zu einer neuen Auswärtsbewegung in beut- scheu sestverzinolichen W�tpapieren, welche aus den günstigen Eindruck der einstimmigen Aufnahm« Deutschlands in den Völkerbund zurückzuführen ist Unternehmer und Stahlhelm Arm in Arm gegen die Tozialvcrstcherung. Von A u g u st K a r ft e n. Seit Jahr und Tag ertönt Unhernehmergefchrei gegen die angeblich zu hohe Belastung der Wirtschaft durch die Sozial- Versicherung. In diesem Kampfe ist den Unternehmern ein neuer Verbündeter im„Stahlhelm" erstanden. In einer der letzten Nummern des inzwischen aus anderen Gründen oer- botenen Blattes hieß es zum Beispiel: „Sozial« Fürsorge ist gewiß sehr schon und man hätte nichts da- gegen einzuwenden, wenn nicht unsere glorreich« Republik alles ins Gegenteil verkehren würde. Da haben wir also jetzt«in Knappschaft-gesetz. Und dieses Gesetz ist mal wieder zu einem Frei- brief der Faulheit geworben. Ein krankfeiernder Arbeiter er- hält mit Frau und vier Kindern an Krankengeld mehr als er a» Lohn verdienen würde, wenn er voll« 26 Schichten regelmäßig gearbeitet hätte. Erfolg: Seit dem l. Juli haben sich die Krankheitsfälle um SlZ Proz. vermehrt. Uns soll es nicht wundern, wenn die Kom- munisten bald die Plakate herumführen:„Jedem Arbeiter sein verstauchter Zeh." Bequemer kann man wirtlich nicht verdienen." Die Behauptung ist eine dreisteUnwahrheit. Der � 21 des Reichsknappschaftsgcfetzes bestimmt, daß mehr als 75 Proz. des Grundlohnes nicht als Krankengeld bezogen werden können. Grundlohn ist aber nicht wirklicher Arbeits- verdienst, sondern nur etwa fü»f Sechstel des Berdienstse: davon 75 Proz., �sind im höchsten Falle also fünf Achtel des Lohnes. Dcm, Stahlhelm" ist es weniger um die Wahrheit, als um die Hetze gegen die„glorreiche Republik" zu tun. Deshalb hat er auch nichts dagegen einzuwenden, daß unsere „glorreiche Republik" hohe Pensionen an die kaiserlichen Offiziere zahlt. Den Unternehmern ist natürlich diese Unterstützung durch den„Stahlhelm" höchst willkommen. Ihr Kamps gegen die Sozialversicherung geht ungeschwächt weiter. Seitdem der Reichstag im Juli.1925 das Unsallversicherungsgesetz geändert und teilweise verbesserte Leistungen beschlossen hat, haben die Unternehmer einen beinahe wüsten Kampf gegen die Unfallversicherung eingeleitet. Es hagelt nur so von Protestresolutionen, und darüber hinaus werden die einfluß- reichen Stellen nach allen Rkgeln der Kunst bearbeitet. Recht bezeichnend ist eine Resolution, die der bayerische Müllerbuud auf seiner Hauplversammlung einstimmig beschlossen hat. Die bayerischen Müller neinncn mit Entrüstung Kennlnis, daß durch das Gesetz die Beiträge eine weitere bedeutende Er- höhung erfahren: dcm mittelständischen Mühlcngewerbe ist es angeblich unmöglich, die erhöhten Beiträge zu zahlen. Gerade die Müller sollten besser darüber nachd?nten, wie durch verbesserten Unfallschutz die große Zahl der Un- s ä l l e in ihrem Gewerbe verhindert werden könnte. Die Statistik des Rcichsversichcrungsamts redet eine deutliche Sprache über die Unfallgefahreu im Mllllerekbctriehe. Die Unfälle sind dort prozentual höher als im Berg» b a u. Und d'c Mühlonbesitzer beschweren sich jetzt in der Ent- schl'eßung, daß sie in hohe Gefahrenklassen eingereiht sind. Las ist nach dem Borstchendcn durchaus gerechtfertigt. Es bleidt aber nicht bei Protesten gegen einzelne Zweige der Sozialversicherung: noch mehr Stimmen hören wir aus dem Lagxr der Unternehmer die im Bausch und Bogen die Sozialpolitik angreifen und eine-Zurückschraubung der Leistungen(lies: Beiträge) verlangen. Bezeichnend dafür ist eine Versammlung, die von der Düsteldorfcr Handelskammer vcr- anftaltct wurde. Dort ist beschlossen worden: „Die Mitglieder der Diisieldorser Wirtschastsverbändc weisen mit allem Nachdruck die Oeffentlichkeit auf die groß« Gefahr hin, welche durch die ständigen Erhöhungen der Beiträge zur Sozialver- sicherung entstanden sind. Diese Lasten sind für die Wirtschaft nicht in« h r t r a g h a r. Sie fordert deshalb unverzügliche Maßnahmen, die zu einer schleunigen Entlastung führen. In einer Zeit, in der die Aufwendungen zur Linderung der ständig wachsenden Erwerbslosig- lcit ungeheure Mittel beanspruchen, müssen ander« Ausgaben der Sozialfürsorge zeitweilig zurücktreten." Das Treiben der Arbeitgeber und ihrer Trabanten hat ja schon vor Jahresfrist das Reichsarbeitsministerium vcr- anlaßt, in einer Denkschrift gegen die irreführenden Angaben über die angeblich unerträgliche Belastung der Wirtschaft durch die Sozialversicherung Stellung zu nehmen. Es ist erstaunlich, mit welcher Einseitigkeit von den Lasten der Wirtschast durch die Sozialversicherung geredet wird, da- gegen die Pensionen und Wartegelder der Offiziere und Be- amten, die häufig voll' arbeitsfähig sind und deshalb oft noch Arbeitseinkommen haben, unerwähnt bleiben. Der Grund mag der sein, daß es häufig billige Arbeitskräfte für die Unternehmer sind. Ebenso erstaunlich ist das Verhalten der Unternehmer in den Fragen, wo wirklich gespart werden kann. In der sozialen Versicherung und Versorgung finden wir geradezu ein C h a o s i n d e r O r g a n i s a t i o n. Alle Versuche, auch durch eine einheitliche Gestaltung der Versicherung und Ver- sorgung viele Millionen Ersparnisse und vor allem eine an sich zweckmäßigere Verwaltung zu schaffen, scheitern doch an der Gegnerschaft der Unternehmer. Warum? Weil in einer einheitlichen Sozialversicherung die Machtposition der Arbeit- geber vielleicht nicht so zur Geltung kommt, wie es jetzt auf Teilgebieten der Fall ist, z. B. in der Unfall- und Invaliden- Versicherung, und vor allem in den Betriebs- und Innung?- krankenkasfen. Daß die Unternehmer auch anders können, hat vor Jahresfrist die Behandlung der A n g e st e l l t e n o e r s i ch e- r u n g im Reichstage ergeben. Bon der Regierung wurden Beitragserhöhungen vorgeschlagen, die zur Bestreitung der Rentenlast in den nächsten Iahren nicht notwendig sind; der Reichsverstcherungsanstalt vielmehr gestatten, Millionen- beträge anzusammeln. Die sozialdemokratische' Reichstagsfraktion lehnte diese erhebliche Beitragserhöhung ab; sie wurde jedoch von den Parteien der Unternehmer glatt bewilligt. Die Folge davon ist, daß die Angestelltenverstche- rung nach dem Geschäftsbericht von 1S25 rund 145 Millionen Ueberschuß hatte, der zur Rücklage für Bersicherungsleiftungen verwendet wurde. Gegen die soziale Belastung wettern die Unternehmer viel mehr als gegen die S t e u e r p o l i t i k. Aus einem sehr verständlichen Grunde. Weil sie durch die Beitragsleistung viel schärfer herangezogen werden als durch unser gegen- wärtiges unsoziales Steuersystem. Nur ein Beispiel: In der Invalidenversicherung zahlt der Arbeitgeber wie der Arbeiter je 50 Proz. der Beitrüge. Sind in einem Betriebe 1000 Beschäftigte, für die durchschnittlich 1,20 M. Wochenbeitrag er- hoben wird, so muß jeder Beschäftigte 60 Pf., der Arbeitgeber aber 1000 mal 60 Pf. gleich 600 M. wöchentlich bezahlen. Würden die sozialen Leistungen aus anderen Steuern gezahlt, fo würde zweifelsohne der Arbeiter in ganz anderem Maße zur Zahlung herangezogen. Der zum Beispiel genommene Arbeitgeber zahlt sicherlich nicht lOOOmal soviel Einkommensteuer, ganz zu schweigen von den indirekten Steuern und Zöllen, dir die Lebensführung des einzelnen Unternehmers im Verhälinis zu seinem Einkommen bei weitem nicht so stark belasten, als den einzelnen Arbeiter. Die Arbeiter und Angestellten haben gar keine Ursache. auf die Redensarten der Unternehmer auch nur das Ge- ringfte zu geben. Die jetzige Form der Steuer für die So- zialverficherung ist eine viel gerechtere als die meisten anderen , Steuern. Je mehr Mittel den Versicherungen gegeben wer- den, um so mehr werden sie in die Lage versetzt, ihre sozialen Verpflichtungen zu erfüllen. Deshalb muß der Kampf um den Ausbau der Sozialversicherung fortgesetzt werden. Von einem Abbau darf schon gar keine Rede sein! Ein Königsbefiich. Aber der„tatbereitc Führer" fehlt. R o f e n h e i m hatte kürzlich feinen Königsbcsuch. Herr Rupprecht von Wittelsbach begab sich von seinem Besuch beim Präsidenten der Republik dorthin, um hier ge- fällig Hetzreden gegen die Republik anzuhören und sich als den König feiern zu lassen. Erbaulich, das Ereignis im.Mies» bacher Anzeiger* nachzulesen: Ein Strom von Gästen traf ein. Darunter auch unsere Miesbacher Vaterländischen Verbände, die im Schweinstcigerschen Lastauto mit Anhängewagen der Waitzinger-Brauerei s ch w u n g- voll in der„Stadt am Inn* landeten... Böllerschüsse verkündeten die Ankunft des Königs. Im Nu war die ganze Stadt auf den Beinen. Musik setzte ein, kam näher und näher. Aus einzelnen zerrissenen Klängen schwoll -hie jauchzende Melodie an wie Sturmflut. Und ein Einzug entfaltete sich, wie ihn Rosenhelm, dies« fest. .„„igewohnte Stadt, noch nie gesehen hat. Es war wirklich der Einzug eines Königs, der Einzug eines Voltskönigs, dessen stilles Herrfchertum über unsere Herzen keine W e i- m a r e r Verfassung beeinträchtigen kann. Rosenheim beherbergte gestern König Rupprecht von Bayern und den Erbprinzen Albrecht in seinen Mauern. Gleichzettig trafen Freiherr von Cramer-Klstt, Graf Anton von Arco-Valley, Oberst lylander und andere Persönlichkeiten aus der Umgebung des Königs ein. Die beiden Bürgermeister von Rosenheim, Dr. Krcuter und Gietl, begrüßten die hohen GSst� ebenso auch der Bezirksamtsoorstand, Regierungsrat Roth. Endlos war der Festzug, der nahezu Zl)0l> Personen umfaßte... Der erste Zug führte etwa 46 Ortsgruppen des Heimat- und Königbundes aus nah und fern mit sich, der zweite Zug brachte 45Veteranen- und Kriegervereine und verschiedene Militärvereinigungen... So geht es.schwungvoll* fort drei Spalten lang in königstreuer Begeisterung. Leider hat der Berichterstatter eins vergessen. Die Stadt Rosenheim zählt etwa 26666 Einwohner, und am Festzug beteiligten sich ganz« 2666 Mann»aus nah und fern*, darunter 46 Ortsgruppen der Königsbündler und 45 Vete- ranen- und Kriegervereine. Das war der„Strom der Gäste*, da» die„ganze Stadt*. Die bayerischen Königsmacher scheinen nach der Nürnberger Pleite sehr anspruchslos geworden zu sein. Dem„Miesbacher* selbst scheint bei der ganzen Sache nicht ganz wohl gewesen zu sein. Er plaudert in seiner ländlichen Unschuld allerhand aus der Schule. Der„Kronprinz* wird so angeeckt: Dem KönigzurSeite saß der ErbprinzAl brecht, den jungen, schönen Wittelsbacher Kopf leicht gesenkt, in vor- nehmer Bescheidenheit. Ob dieses junge Haupt die Last einer zu- künftigen Krone wohl einst sehr drücken würde? Oder vermöchte ihm das Bewußtsein eines teueren vermächtnisie«, einer großen Sendung dereinst den Nacken zu steifen? Der„König* bekommt folgenden soliden Boxerstoß zwischen die Rippen: Ja, der Großteil des Volkes ersehnt die freie, befreiende Tat, nur fehlt der tatbereite Führer, der diese Wog« van Kraft und Hingabe nicht Im Sande oerlaufen läßt. Den„Miesbacher* scheint der Ruhm de»„Deutschen Tage- b l a t t e s* nicht schlafen gelassen zu haben, der die in Nürnberg versammelten Fürsten und Generäle als Nullen bezeichnete. Die Königsmacher haben in der Tat ungewöhnliches Pech. Alles gelingt ihnen daneben. Selbst ihre Fanfaren geraten ihnen zu Chamaden. Noch eine GPziersversorgungsanftalt. Auch die Admirale a. D. wollen versorgt sein. TU. meldet: Unter Beteiligung zahlreicher(?) Vertreter der großen Wirtschaft», und Sportoerbände und unter dem Vorsitz von Vizeadmiral und Gouverneur a.D. Mayer-Waldeck fand in Berlin die Gründungsoersammlung de»„Vereins Marine- jugend Vaterland*, gemeinnütziger Verein für seemännische und allgemeine Ertüchtigung deutscher Jugend, stall. Admiral S ch e e r und viele(?) führende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens bilden das Ehrenpräsidium des Vereins. Der Verein wird Träger einer großen(?) Zahl von Schulen fein, auf den«n die männliche Jugend vom 14. bis 26. Lebensjahre in ein- bis zwei- jährigen Lehrgängen eine allgemein» seemännische Vorbildung er- halten und durch Sport und Wanderungen gestählt werden soll. Kabinettsumbilüung in Sapern. Kultusminister und Handclsministcr erkrankt. München, 8. September.(Eigener Drahtbericht.) Innerhalb der bayerischen Regierung werden in der nächsten Zeit zwei Minister- posten frei, da Kultusminister Matt und Handels- minister Meinet infolge dauernder Krankheit von ihren Aemtern zurücktreten werden. An die Spitze des Kultus- Ministeriums, das schon von jeher als eine Domäne der Bayerischen Volkspartei angesehen wurde, wird zweifellos wiederum ein Mit- glied der Bayerischen Volkspartei oder zum mindesten eine ihr nahestehende Persönlichkeit treten. Als Kandidat nennt man den Staatsrat im Ministerium des Aeußeren Schmelzte, der seit 1921 die bayerische Politik gegen das Reich maßgebend beeinflußte, ferner den Vater des bayerischen Konkordats, Ministerialrat Goldenberg« r, Oberregierungsrat Decker, den politischen Sekretär des gegenwärtigen Kultusministers, und zuletzt den bayeri- fchen Gesandten in Stuttgart T i s ch e r. Schwieriger ist die Frage der Neubesetzung des Handelsministeriums. Meinet stand der Deutschen Voltspartei nahe. Ihm zur Seite gab man allerdings«inen deutschnatlonalen Staatssekretär. dessen Partei nun zweifellos alle Anstrengungen machen wird, um das Handelsministerium ganz in ihre Hände zu bekommen. Deutschnationaler Parteitag. Sehnsucht nach den Ministersesseln. Der Parteitag der Deusichnationalen wurde gestern mit einer Sitzung der Parteileitung in Köln«röffr.et, aus der Graf Westarp über die politische Lag«, über die Frage einer Arbeitsgemein- s ch a f t mit anderen Parteien und über die Frag« der R«- gierungsbildung im Reich« berichtet«. Bezeichnend für die Stimmung, die diefen Parteitag beherrscht, ist«in Referat, das Abg. Freytagh-Loringhooen vor den in Köln erschienenen deutschnationalen Beamtenvertretern hielt. Er führt« nach der TU. aus, bei aller Mißbilligung der heutigen Zustände sei die Deutsch. national« Partei durch und durch stoatserhaltend. Damit oertrage sich andauernde grundsätzlich« Opposition nicht. Di« Lösung könne nur in neuer Beteiligung an der Regierung gefunden werden. Freytagh-Loringhooen gehört« bisher zur intransigenten völkischen Opposition der Deutschnationalen. Er hatte enge Tuch- fühlung mit den Alldeutschen und war eifriger Leitartikler der „Deutschen Zeitung*. Wenn dieser Politiker, der den Sturz Strese- mann» nicht laut genug fordern konnte, an dem Tage, an dem der Eintritt Deutschland» in den Völkerbund Tat- fache geworden ist, den Eintritt der Deutschnationalen in ein« Regierung fordert, die diesen Eintritt vollzieht, so zeigt das, wie skrupellos die Heuchelei der Deutschnationalen gewesen ist. Sie haben die„richtige Auffassung". Köln, 8. September.(TU.) Ueber die Tagung der Partei- leitung und der Parteioertreter der Deutschnationalen Volkspartei am Mittwoch in Köln wurde folgender parteiamtliche Be- richt ausgeben: „Die Parteileitung beschäftigte sich in kurzer Sitzung nach einem Referat des Grafen Westarp mit der polstifchen Lage. Die Aus- spräche stellte fest, daß die Vorgänge dieser Tage in Genf alle jene Besorgnisse der nationalen Opposition zum Schaden Deutschlands verwirklichten, die bereit» Hauptpunkt des Lo- carno-Werkes gewesen waren. Das falsche Spiel, das die Ver- tragspartner schon in Locarno gespielt haben, hat sich jetzt in Genf fortgesetzt. Auf dem Parteitag soll deshalb die richtige Auf- fafsung von der Gleichberechtigung Deutschlands als Großmacht kräftig zum Ausdruck gebracht werden. Für die Arbeits- gemeinschaft aller staatserhaltenden Kräfte im Sinne de» Vorschlages Gayl.Iarres wurde die schon öfters betätigte Bereitschaft bestätigt. Die Parteivertretung behandelte in überaus zahlreich besuchter Versammlung die gleichen Themata. Von den prominenten politischen Führern war neben dem Parteivor- sitzenden Grafen W e st a r p unter anderen auch Exzellenz Wall- raf, Minister Schiele und Win kl er anwesend. Man be- merkte Frau B e h m, Herrn Behrend, den Führer der Deutsch- nationalen in Bayern Professor Hilpert. Exzellenz H e r g t, Ge- heimrat Hugenberg, Fürst Bismarck. Minister N« u h a u s, die Herren B i» w i n g e r und Freiherr von Staufen au» Württemberg sowie viele prominente Industriell« des westfälisch- niederrheinischen Industriegebiete».* Hinterbliebenenrenten. Fristenablauf der Angestelltcnversichcrung. Am 31. Dezember d. I. laust für diejenigen Hinterbliebenen von Angestellten, die in der Angestelltenversicherung versichert waren, aber noch nicht die Wartezeit von 126 Beitragsmonaten erfüllt hatten, die Frist ab, in der sie noch nachträglich einen Antrag aus Bewilligung von Witwen- und Waisenrenten stellen können. Anträge können gestellt werden bei der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte, Ruhrstraße 2. Provinz. von Hermann Schiihinger. Zwischen Wittenberg und Halle, wo die Berliner Schnellzüge zum erstenmal verschnaufen, beginnt die„Provinz*. Aeußerllch ist sie erkennbar an den um eine Handbreit länger gewordenen Röcken der Frauen und an den gediegenen, starkstossigen Anzügen der Männerwelt— innerlich an der Kreisblatt-Athmosphäre des Hugen- berg-Konzerns und dem üblichen Zeitabstand von der Großstadt, der je nach der Bahnverbindung, dem Straßenschotter und der Schul- bildung in Pommern. Mecklenburg oder Bayern ein bi» zehn Jahre beträgt. Es soll allerdings zwischen Gardelegen und Rostock einige Dörfer geben, wo der Pfarrer den Landesherrn noch ins Kirchen- gebet einschließt und dos Grammophon im Wirtshaus„Puppchen, du bist mein Augenstern!* spiest. Die Großstadt steht neuerding» zweifellos im Zeichen einer weit- gehenden EntPolitisierung der OefseMlichkell. Gertrud Ederle, Vier- kötter und irgendein Massenmörder od«* Box-Champion ist Trumpf! In Berlin kümmert man sich in erster Linie um den neuen Funk- türm und um das Schausliegen am Tempelhoser Feld, und Hundert- tausende rennen allsonntäglich an die„Avus* oder zum Flughasen hinaus. Auch in der Provinz hat das Sportfieber die Massen ersaßt. Während der Zug durch die Dörfer und Märkte fliegt, sieht man überall die Wiesen mit Fußballtoren besteckt und mit Laufbahnen bekleistert, und die Dorfjugend steht begeistert um ihren Rekord- brecher und Dors-Champion. Und das ist gut so. Je mehr Sport, desto weniger Sehnsucht nach Wilhelm» des Letzten Iugendideal, nach„Wagner-Opern und Felddienstübungen*, nach Drill und Kommiß. In Apolda erstürmt ein Haufe junger Menschen im Sportdreß, mit Hockey- und Tennisschlägern bewaffnet, den Zug und erfüllt den Wagen mit ihren betäubendem Lärm. Alle sind vom Bergturnfest in Erfurt wie besessen und debattieren die Chancen Fritz Müllers für die Hockey-Meisterfchaft und der Anna Meier im Kurzstrecken- lauf wie die wichtigsten Ding« der Welt. Kein Wort über Politik! Die ersten Seiten der„Thüringer Allgemeinen Zeltung* werden überblättert und gleich in den Roman oder'Sportteil geschaut. Neben diesen Oasen einer höchst erfreulichen EntPolitisierung und Emanzipation von Herrn Hugenberg» Kost trampelt jedoch da draußen, immer noch unbeirrt durch Herrn Silverberg vom Verband der Industriellen, das Gespenst der HItlerei und der Beamten mit Feldwebelmanieren durch die Provinz. Im Berliner Flughasen und am Anhalter Bahnhof dominiert bereit» der„Groom*. der höflich- gewandte, seiner„Gesellschast* verantwortliche Schlaf- und Speise- wagenmann— in der Provinz aber schnauzt noch der Feldwebel im Zug und am Bahnhof h»ruml Erfurt hatte ich mir ein«..Sonntag,kort«' nach Sonder»- hausen genommen, in der Meinung, ich könnte damit noch in der- selben Nacht wieder zurück. Der Schaffner sieht auf die Uhr:.Lehn Minuten über Zwölf!* und pfaucht mich an: „Die Karte ist ungültig!— In Erfurt folgen Sie mir!* Der Wagen erzittert unter seiner mächtigen Stimme und die Passagiere betrachten mich, den seiner persönlichen Freiheit Be- raubten, mit großen, ängstlichen Augen wie einen ertrappten Taschen- dieb. In Erfurt holt mich der Herr Obertondukteur wie einen Schwerverbrecher ab und schleppt mich zum„Bahnhofskomman- danten*— will sagen:„Stationsvorsteher*. Der brummt mir, kurz angebunden, die doppelte Fahrtaxe neben dem gelösten Billett noch auf. Eine bescheidene Rückfrage wegen einer etwaigen Beschwerde, die ich mir an das weniger martialisch aussehende Fräulein an der Kafle zu richten wage, wird von dieser mit einem Wortschwall voll Gift und Galle quittiert. „Was? Beschweren wollen Sle sich? Beschweren kann sich der Beamte! Nicht Sie! Sie sind ohne gültige Fahrkarte ertappt— Sie— etceteral* Ich stürze in die Knie wie ein alter Droschkengaul unter einem kalten Wasserstrahl, setze mich langsam in Trab und freue mich, daß ich elender Reichsbanner-Muschtote ohne einen Fußtritt de» Herrn Feldwebels und ohne ein Strajmandat de» Fräuleins Oberbahn- sekretär davongekommen bin. » Am anderen Morgen stehen drei„Stahlhelm-Kompagnien* feldmarschmäßig ausmarschiert am Bahnhofplatz, mit„Augen recht»* bzw.„Die Augen links*. Vor ihrer Front steht nämlich eine jung- sozialistische Wandergruppe mit einem Fähnlein, wie ein Taschentuch so groß, und grinst über die eckigen Stahlhelmschädel hinweg in den taufrischen Sonntagmorgen hinein. Die Halsmuskeln der Stahl- helmer knacken hörbar, als sie an den roten Wandervögeln vorbei- marschieren und das Publikum— es kommt mir wenigstens so vor— lacht leise vor sich hin. Man geht zum„Bcrgturnsest* und nicht zur Stahlhelmfeier. Es dämmert in der Provinz! Opernaufsührungen im Schauspielhau». Die Umbauarbetten de» Opernhauses Unter den Linden werden voraussichtlich nicht vor Ablauf dieser Spielzeit beendet sein. Die Leitung der Staatsoper hat jedoch durch das Entgegenkommen des Intendanten Professor Jeßner dje Möglichkeit gefunden, Im Staatlichen Schauspielhaus am Gendarmenmarkt gelegentlich Opernaufführungen besonderen Charaktere zu oeranstalten. die der künstlerischen Eigenart des Hauses entsprechen. Zunächst wird dort Richard Strauß'„Ariadne* unter Leitung des Komponisten ausgeführt, später die fünf Haupt- werte Mozarts, wovon„Zauberflöte*.„Figaro* und„Don Gio- vanni" neu inszeniert werden. Da» ällesl« deutsche Dorf. Vor«inigen Wochen wurden in Ober- schlesien in der Nähe von P r o s ch l i ft Ausgrabungen gemacht, die darauf schließen lassen, daß hie? da» öltest« deutsch« Dorf entdeck, worden ist. Städte, die au» der Römerzeit stammen, sind bekanntlich in den ehemals von alten Römern besetzten deutschen Gebieten mehrfach vorhanden; aber trotzdem dürste keines der Städte das Alter dieses ältesten deutschen Dorfes aufzuweisen haben: denn wir wissen, daß erst seit Zäsar, also ungefähr um die Zeit vor Christi Geburt, die Römer in großem Stil Deutschland zu besiedeln an- fingen. Da» Dorf Proschlitz aber stammt bereits aus der älteren Bronzezeit und hat somit ein Alter von 3666 bis 3666 Jahren auf- zuweisen Es sind hier Kannen und Skelette gesunden worden, die daraus hinweisen, daß an der Stelle, wo jetzt das Dorf Proschiitz liegt, bereits um 1566 vor Christi Geburt ein« Dorfsiedlung vor- handen war. Sicherlich handelt es sich bei diesem Denkmal aus frühester Zeit um die ältesten Kulwrgegenstände, die hier aufgefun- den worden sind. Denn es wurden auch in höheren Schichten des Erdbodens allerlei Gegenstände ausgegraben, die au» jüngerer Zeit stammen, aber immerhin noch 2666 bis 2566 Jahre alt sind. Wir haben somit ossenbar eine der ältesten Siedlungen vor uns, die sich noch bis heute an derselben Stelle erhalten hat. Schon vor ungefähr zwei Jahren sind in Oberschlesien Fund« gemacht worden, die sogar darauf hindeuten, daß da» Land bereit» vor mehr als 15 666 Jahren von Germanen besiedelt war. wirlschaflliche vedenlung der Filmindustrie. Nach einer Sta- tistik des Handclsamts der Vereinigten Staaten steht dort die Film- industrie nach der Höhe des in ihr investierten Kapitals bereits an dritter Stelle. Das investierte Kapital beträgt rund 566 Millionen Dollar: nur in der Konservenindustrie und in der Aulomobilindu- stri« sind die Kapitalinvestitionen noch höher. Die Zahl der in der ganzen Welt bestehenden Kinotheater schätzt das amerikanische Handelsamt auf etwa 47 666. In den Vereinigten Staaten haben bereit» 25666 Kirchen eine regelmäßige Benutzung des Film» für den Religionsunterricht eingeführt. Das abbröckelnde englische Parlamenlshaus. Da» englische Parlamentshaus hat in den letzten Jahren über 35 Tonnen Material an abgebröckelten Figuren und sonstigem Baumaterial verloren, so daß«ine durchgreifende Restauration notwendig wurde. Die magnesiumhaltigen Stein«, aus denen das Gebäude besteht, gehen langsam aber sicher ihrer Auslösung entgegen durch den Rauch, der aus den Kaminen von chemischen Fabriken aus der anderen Seit« der Themse herüberkommt. Eine zeitgemäße Beschäsllgunq. Einer der Führer der amerika- nischen Poung Men Christian Association, Sherwood Eddy, bereist zurzeit mit einer Gruppe von Schülern Sowsetrußland und hatte in Moskau mit einigen Professoren der dortigen Universität eine öffentliche Disputation über die Existenz Gottes. Da» Publikum, das au» etwa 8666 Köpfen bestand, stimmte zum Schluß über die von beiden Seiten vorgelegten Thesen ab, wobei allerding, die russischen Thesen die Majorität erhielten. Staatsoper. Wegen Erkrankung von Frau!?eld-r muh die für Sonn- abend ange'etzle„Lberon'- ilujiübruna aus Montag, den L<1. verlchodcn werden. Die gckousten Emtrilttlarlen behalten hi» für»ülUgtei, oder tönneu bis Sonnabend abend zurückgegeben werden. Der Spielplan dieser Woche laute» nunmehr: Sonnabend:.R»Ienka»aU,r" Gatt JDbnen'), Sonntag:.ättenji*(statt �i-sentavalier'). Die tschechische Innenpolitik. Erklärungen des Präsidenten Masaryk. Das„Prager Tageblatt" berichtete dieser Tage über eine Unterredung Präsident Masaryts mit einem Redakteur auf Schloß Topoltschany. Der Präsident hat sich darin ohne jede Zurückhaltung und in sehr bestimmter Art über verschiedene Fragen der Innenpolitik ausgesprochen, was großes Aus- lehen in Prag hervorruft. An der Bildung der Beamten- regierung, erklärte der Präsident, sei er nicht beteiligt gewesen. Sie arbeite ganz gut, und die Beamten hätten setzt die Regierung, die sie oerdienten. Die Erfahrungen seit dem Umsturz hätten die tschechischen Parteien darüber belehrt, daß sie Im Interesse der Republik mit den Deutschen ein gutes Verhältnis einrichten mühten. Die Deutschen hätten nicht nur das Recht. sondern auch die Pflicht, an'der Regierung teilzunehmen. Die Affäre des Generals Gajda sei noch lange nicht abgeschlossen. Heute handele es sich nicht mehr allein um den General, sondern um seine Beschützer und Anhänger. Für diese werde die b e- vorstehende endgültige Austragung der Sache eine allerdings etwas de r b e L e k t i o n fein. Der Präsident warf dem General Gajda vor, er sei ursprünglich mit einer administrativen Untersuchung einverstanden gewesen, habe aber sein Wort nicht gehalten, sondern unwahre und ganz illoyale Interviews ver- öffentlicht. Das sei die Ursache zu persönlichen Angriffen gegen Dr. Benesch gewesen, obzwar Dr. Benesch von der ganzen Sache nichts gewußt habe. Der Präsident selbst habe zum erstenmal Dr. Benesch unterrichtet, als der französische Gesandte Eouget in Prag«ine Demarche deshalb unternahm. Erst durch diesen Schritt habe die Affäre Gajda inkeniatlonale Bedeutung erlangt. Aber es habe In der französischen Armee die D r e y f u a- Affäre und auch in der serbischen Armee ähnliche Vorgänge gegeben, und dennoch hätten dies« Angelegenheiten den Armeen nichts ge- schadet. Der Präsident habe Gajdas Gebaren seit seinem Auftreten in den tschechischen Legionen genau verfolgt und könne daher nur sein« Befriedigung über die Entwicklung der Angelegenheit aus- sprechen. Es sei wohl richtig, daß der bevollmächtigte Bertreter der Sowjetregierung in Prag dem Minister Benesch kein« Aufklärungen über die Verbindung Gajdas mit Soevjetfpionen gsgeben habe, aber, so sagt« der Präsident, die Regierung habe genügend und sehr schwerwiegende russische Dokumente über die Affäre im Besitz. Die F a s ch i st e n, sagt« der Präsident, seien ein« anonym« Gesellschaft der Unzufriedenen und Zurückgewiesenen mit beschränkter Haftung zur Berbreiwng politischer Märchen und Räuberge- schichten. Der Präsident bedm«rt«, daß ein Mensch von den poli- tischen Erfahrungen Dr. Kramarsch' gegen Dr. Benesch einen so per- sönlichen Kampf führ«. Daraus fei der Faschismus entsprungen, der nur«in pathologischer Niederschlag der Krise in der nationaldemokratischcn Partei wäre. Ueber die beoorstehenden Präsidentenwahlen sagte Masaryk. das sei nicht sein« Sache, sondern Sache der Nation und der Republik. Er wäre glücklich, wenn er der Republik und der Demokratie als freier Schrift st«ller dienen könnte. Es Handel« sich darum, aus ehemaligen Sklaven freie Männer zu machen. Er wisse wohl, daß dieser Ausdruck etwas stark fei, aber er charakterisier« die Situation. Die Völker des alten vesterreich, Deutschland und Rußland, seien durch Jahrhundert« zum mon- archistischen Absolutismus erzogen worden. In diesem Sinn« wüßten sich die Tschechen entösterr«ich«rn. Das gelte auch für die Deutschen und alle Minderheiten, denn die ehemaligen österreichischen Staaten hätten all« unter Wien gelitten. Sie seien zwar dort manch- mal Regierungspartei gewesen, hätten aber für Wien viel mehr leiden müssen als für ihr« Nation. Der Kampf am Mafarpt. Prag, 8. September.(Eigener Drahtberlcht.) Die Ausführungen Präsident Masaryks, die ein deutliches Symptom der schweren innerpolitischen Krise des tschechoslowakischen Staates sind, haben eine lebhafte Debatte in der gesamten Presie hervorgerufen. Die Blätter der Linken begrüßen die Stellungnahme des Präfi- denten, die Rechtspresse wendet sich sehr scharf gegen seine Aus- lasiungen. Die Aeußerungen des Organs der Nationaldemokraten (Kramarsch-Partei) scheinen sehr grobschlächtig gewesen zu sein, denn sie sind fast ganz der Zensur verfallen. Der Kampf um den politischen Kurs in der Tschechoslowakei wird immer mehr ein Kampf um Masaryk, der sich bisher noch nie so weit mit seiner eigenen Meinung vorgewagt hat als diesmal. Alle Parteien des Lande» sind darin einig, daß die Tschechoslowakei am Anfang der zweiten Epoche Ihrer Geschichte steht. Allerdings wollen die einen in dieser zweiten Epoche die de» nationalen Ausgleich», die anderen die des Faschismus sehen. DieenglischeRegierungunööieöergarbeiter Verhandlungen mit den Bergarbeiterführern. London. S. September.(lvTL.) Der zur Behandlung der Sohlenfrage geschaffene Sabinettsausschutz hatte gestern spät in der Bachl eine Besprechung mit den Führern der B e r g a r b e i l e r, die eigens vom Gewerkschaflskongreß in Lornemculh nach London gebeten worden waren. Dieser Zusommenkunsl war ein« Besprechung der Minister mit Ramsay Macdonald vorausgegangen. der, wie erinnerlich, in letzter Zeit vielfach als Vormittier zwischen Bergarbeitern und Regierung lälig war. Da über die hallung der Bergwerksbesiher zur Frage eines Abkommens für ganz England vor der Ende der Woche erwarlelen Son- fcren; sämtlicher englischen Bergwerksbesiher keine Enlscheldung fallen kann, wird angenommen, daß die gestrige Unterredung mit den Bergarbeitervertrekern den Zweck Halle, Mißverständnissen über die Tragweite etwa einzuleitender Verhandlungen vorzubeugen. Churchills Verrnittlungovorschlag an die Unternehmer. London, 8. September.(MTB.) Churchill richtete an den Vorsitzenden der Vereinigung der Grubenbesitzer ein Schreiben. das Vorschläge für den Abschluß eines für das ganz« Land gültigen Abkommens hinsichtlich der R e g« l u n g d e r L ö h N e und der Arbeitsbedingungen enthält, jedoch den örtlichen Ver- cinigungen der Grubenbesitzer vollkommene Freiheit läßt, über Einzelheiten der Arbeitsbedingungen in den Bergwerken zu verhandeln. Die Bergarbeiter ZU Opfer« i« ber Lohnfrage bereit. London. 8. September.(MTB.) Wie Reuter erfährt, sollen bei der Besprechung mit dem Kabtnettsausschuh für den Kohlenbergbau di, Arbeiterführer Churchill erklärt haben, daß sie gering« Hoffnung hätten, einmütige Zustimmung zur V e r l ä n g e- rung der Arbeitszeit»u erhalten. Sie seien darauf gefaßt, große Opfer in der Lohnfrage zu bringen, vorausgesetzt, daß zum mindesten ein« sär da» ganz« Land güllige Regelung»U- stund» km»m», Vereinfachung öer Verwaltung. Umbildung des Reichsfiinanzminifteriums. Amtlich wird mitgeteilt: Der Herr Reichspräsident hatzurllmbtldungde»Reich». sinanzministeriums aus Anlrag des Reichsmlnlsters der Finanzen im Einverständnis mit dem Reichskanzler und dem Reichs- mintslerium folgende Verordnung erlassen: 8 t. Im Vollzüge der Reichsverwaltungsreform wird da, Reichs- finanzministerium unter den Gesichtspuuklea der vereinhell. lichung der Geschäslsleitung sowie besieren Verteilung und sparsamen Ruhung der Arbellskräsie umgebildet.§ 24 des Reichsbeamtengefehes findet Anwendung. S 2. Mit der Durchführung der llmbtldung wird der Reichs- m i n i st e r der Finanzen beaustragt. 8 2. Der Abschluß der llmbtldung ist mir anzuzeigen. Dietramszell, den 7. September lSZS. Der Reichspräsident. Der Reichsmlnlster der Finanzen. (gez.) von hlndenburg(gez.) Dr. Reinhold. * Der Plan der Umbildung geht nach der amtlichen Begründung davon aus, daß die gesamte Fachleitung de» Ministeriums, die bis- her auf zwei Staatssekretäre oerteilt war, unter einem Staats- sekretär zusammengefaßt werden soll. Diese umfassende Aufgabe wird dem Staatssekretär Professor Dr. Popitz, der bisher das Staatssetretariat für Zölle und Steuern innehatte, über- tragen. Damit scheidet Staatssekretär Fischer au» seinem Amt als Staatssekretär aus. Es ist jedoch gelungen, sein« vielseltt. gen Erfahrungen und seine bewährte Sachkunde in der Weise dem Reich zu erhalten, daß Staatssekretär Fischer sowohl den Vorsitz in der Deutschen Kriegslastenkommission wie auch den Aufsichtsrat»- vorfitz in der Bereinigten Jndustrie.Unternehmungen.A..S. beide- hält; ebenso tritt in der Stellung des Staatssekretärs Fischer als Mit- glied des Verwaltungsrats der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft eine Aenderung nicht ein. Im übrigen setzt sich der Umbildungsplan zum Ziel, daß eine Reihe von bisherigen Abteilungen und Unterabteilun- gen des ReichsfinanMinisterium» aufgelöst und ihre Geschäfte unter größtmöglichster Vereinfachung der Organisation bei sparsamster Nutzung der Arbeitskräfte zujammengeschlosien werden. An Stelle der bisher vorhandenen 1l) Abteilungen werden dem Staatssekretär nur noch fünf se von einem Ministerialdirektor geleitete Abteilungen unterstehen. Davon entsprechen die Abteilungen für den Haushalt, die Zölle und die Steuern den herkömmlichen Aufgabenkreife eines Finanzministeriums. Für das Reichsfinanzmintsterium besteht eine Besonderheit insofern, als dieser Zentralstelle noch eine Fülle von Spezialgebieten übertragen>st,' es sei nur an die Reparationen, die Reichsentschädigung, die Aufwertungsfragen und die Liegenschafls- Verwaltung erinnert. Diese Ausgaben werden in einer Abteilung fürdieAngelegenheitendesBersaillerBertrages sowie in einer Abteilung für gemeinsam« und Rechtsangelegenholten bearbeitet werden. Die straffere Zusammenfassung wird eine wesentliche Erleich- terung der Geschästsgebarung mit sich bringen. Die Zahl der R e f e r a t e wird eine sehr wesentliche Verminderung, und zwar um etwa ein Drittel erfahren, wodurch Doppelzuständig- ketten vermieden werden und eine erhebliche Arbeitserleichterung und-beschleunigung erzielt wird. Die ganze Neugliederung, die einen organischen Aufbau des Ministeriums bezweckt, soll nicht Personen, sondern Aufgaben abbauen; soweit dadurch Beamten- k r ä f t e frei werden, wird versucht werden, sie in a n d e r« T ä t i g- keits gebiete zu überführen, so daß vom§ 24 des RBA. im Interesse der Beamtenschaft nur im engeren Rahmen Gebrauch ge- macht werden wird. * Die Umbildung, die das Reichsfinanzministerium vornimmt, ist eine notwendige Folge der Konsolidierung unserer Ver- h S l t n i s s«. Sie wurde vom Reichsfinanzminister Dr. Rein- h o ld bereits auf der Dresdener industriellen Tagung angekündigt, und diese Ankündigung fand starken Beifall bei den dort versammel- ten Industriellen. Man hat jedoch da offenbar sowohl die Ursachen wie die Wirkungen dieser Vereinfachung inr Reichssinanzministerium überschätzt. Einmal ist sie tatsächlich die Folge einer zwangsläufigen Entwicklung und nicht das Verdienst einer einzelnen Person. Die Umbildung ist sachlich durchaus gerechtsertigt und, wie man hoffen möchte, der Anfang zu weiteren Vereinfachungen in der Reichsfinanzoerwaltung. Wie wenig man die Wirkung der Der- ordnung überschätzen darf, zeigt allein schon die Tatsache, daß die Auhenverwaltung, die Steuerexekutioe, von ihr überhaupt nicht erfaßt wird, sondern daß lediglich das Finanzministerium als solches ein« nicht einmal allzu große Einschränkung erfährt. Es werden etwa ein Dutzend Referenten abgebaut und die Organisatton des Ministeriums selbst wird übersichtlicher. Ein Teil der abgebauten Beamten soll in anderen Zweigen der Darwaltung untergebracht werden. Hoffentlich führt diese erfreuliche soziale Rücksichtnahme nicht dazu, daß gerade die zahlreichen deutschnationalen Beamten des Reichsfinanz- ministerirnns beim Abbau eine bevorzugte Stellung erhalten. Es ist seit langem ein ossenes Geheimnis, daß dieses Ministerum dank senem Personalreferenten Kühnemann besonders stark mit reak- tionären Beamten besetzt ist. Wie wir hören, verfällt nunmehr auch dieser Beamte dem Abbau. primo will»ein Cxempel statuieren�. Eine Proklamation des Diktators. Paris, 8. September.(Eigener Drahtbericht.) Das spanische Direktorium veröffentlicht ein offizielles Konnnuntguä, in dem es heißt:„Heute um 4 Uhr nachmittags gibt es auf der ganzen spa- nifchen Halbinsel und auf den Inseln kein Arttlleriekvrps. keine Fabrik und kein Arsenal mehr, die sich nicht dem Kommando der Chefs and er er. Waffen unterworfen hätten. Dt« Regierung teilt das dem Volke mit. ohne sich des Erfolges zu rühmen, ohne auf ihren Sieg oder auf ihre Kraft zu pochen, denn sie bedauert ebenso, wie es sicherlich zahlreiche Artillerieoffiziere bedauern werden, daß der Konflikt ein s o l ch e s E n d e nehmen mußte, trotzdem die Regierung alles Entgegenkommen an den Tag gelegt hat, aber zurückgewiesen worden ist. Das Gesetz wird, um ein E x e m p e l zu st a t u i« r e n, streng angewandt werden, aber ohne unnöttge Herausforderung." Da» Manifest schließt mit der Ankündigung der bevorstehenden Auf- Hebung des Belagerungszustandes. Demgegenüber behaupten Pariser Abendblätter, daß dieser ofsizielle Optimismus nicht ganz zutresse, denn verschiedene Artillerieregimenter der Provinz hätten sich bisher den Anordnungen der Regierung noch nicht unterworfen. Es soll besonders In S« g o v i a neuerdings zu Zusammenstößen ge- kommen sein, bei denen es Tote und verwundet« gab. Der Belagerungszustand aufgehoben. Madrid, 8. September.(Agentur Fabra.) Beim Verlassen des königlichen Palais erklärte Primo de Rivers Journalisten, daß überall vollkommen« Ruhe herrscht. Der König habe soeben einen Erlaß unterzeichnet, durch den der Belagerungszustand ausgehoben werde. Er fügt« hinzu, es sei beschlossen worden, 12 000 Mann der marokkanischen Armee In die Heimat zu befördern. Zwist in Wichen. Rücktritt und Abreise des Staatspräsidenten. Paris, 8. September.(Eigener Drahtbericht.) Ueber London hier eingetroffene Athener Meldungen behaupten, daß der Präsident der Republik, Admiral Konduriott», demissioniert habe, da zwischen ihm und der Regierung de, General» Kondylis schwerer Zwist ausgebrochen sei. Der Präsident habe Athen verlassen und sich nach der Insel Hydra begehen. DI« repu- blikonische Garde der Hauptstadt soll gemeutert haben. Jedensall» verließ sie ihre Kasernen in Athen und zog sich in die Borstädte zurück. General Kondylis ließ durch«in Kommunique bekannt geben, daß er streng gegen die Meuterer vorzugehen beabsichtige. In der Aussprache trat der sozialdemokratische Landrat Freier (Kalau) den Forderungen des Industrtevertreters wirksam entgegen. Er sprach den Wunsch aus, daß bei zukünftigen Behandlungen dieses Themas als Vertreter der Wirtschaft nicht nur ein einseitiger Anwalt der Unternehmerinteressen, sondern auch ein Sprecher der Ar- b« i t« r s ch a f t zugezogen würde. Dann wahrte er den sozialdemo- kratischen Standpunkt zur Wohnungsfrage und zur Wohlfahrts- pflege und wies daraus hin, daß die Steigerung der Ausgaben der Landkreise wesentlich durch die großen Lasten für Wegebau und Wegeunterhaltung entstanden seien, die heute vielfach die Halste der Gesamtauegaben bedeuteten und vor allen: dem Autolastverkehr der Industrie zugute kämen. Auch der Leiter des preußischen Sparkassenver- b a n d e s wandte sich gegen einen Teil der einseitigen Ausführungen des Industriellenvertreters, der über diese Ausnahme seiner Aus- führunge», die wesentlich kritischer war als die auf der Dresdener Jndustriellentagung, im Schlußwort recht unfreundlich quittierte, dabei ober wenigstens seinen Angriff auf die Wahnungszwangswirt- schaft etwas milderte. Rur für die Bewirtschaftung gewerblicher Räume verlangte er sofortige Freigab«. Der öffentlichen Tagung folgte noch eine geschlossene Bersamm- lung. die sich mit der Neuordnung der Satzungen des Verbandes beschäftigte, sowie eine Reihe von Besichtigungen, unter denen eine längere Fahrt am Donnerstag die Landkreisvertreter nach der ober- schlesischen Grenzmark führen wird. Die Tagung öer Landkreise. Ablehnung der industriellen„Richtlinien". Breslau, 8. September.(Eigener Drahtbertcht.) Das Referat de» Induftriellenvertreters K a st l, über das wir im Abend- blatt berichteten, erregte auf dem preußischen Landtreis- t a g bereits während des Vortrags mehrfach lebhaften Wider- spruch bei einem Teil der Versammlung und wurde im gonzon recht kühl ausgenommen. Auch die beiden landräslicken Mit- berichterstatter, zwei ziemlich rechtsstehend« Beamte akter Schule, di« Landräte Friedrich(Hattingen) und W i s k o t s (Beeskow) sprachen in ihren Ausführungen wesentlich andere Grundsätze für dt« Gestaltung der Beziehungen von Wirtschaft und Selbstverwaltung au«. S>« verlangten vor allem baldige Benval- tungsreform mit Einschränkung der Mittelin stanzen und bei der Neugestaltung der Lastenverteilung ein entsprechende» Verhältnis zwischen den Ausgaben und den Einnahmen der komm», »alen Selbstverwaltung. Die wirtschaftlichen Unternehmungen der Koinmunalkärper müßten sich auf di« notwendigste« Dinge he- schränken, dürften aber ihre Steuerbefreiungen nicht perlleren. Der «reis der freiwillig übernommenen Ausgaben tonn« ohne ernsten Schaden nicht eingeschränkt«erden. welfenführer Tafel-tzampe. Die monarchistischen„Riederfachfen". Braunschweig, 8. September.(Eigener Drahtberlcht.) Bor einigen Monaten erregte es in ganz Deutschland Aufsehen, daß der braun- schweigische Senatspräsident und welfische Reichstageobgeordnete H a m p e sich sehr merkwürdiger Methoden im Dien st e des Ex» Herzogs bediente. Hampe hatte, ehe der von der schwarzweißroten Landtagsmehrheit in Braunschweig angenommen«„Herzogsvergleich" zur Beratung stand, an den„herzoglichen Hof" kn Gmunden ein Telegramm gerichtet. Er kündete darin den Besuch des n a t i o n o l- sozialistischen Landtagsabg. Riese an und empfahl, ihn möglichst zur Tasel zu laden, damit Riese in der Abstimmungssrage umgestimmt werde und zu dem Raub am braunschweigischen Volke seinen Segen gebe. Hampe hat diesen Beeinflussungsversuch solange bestritten, bis«e der„Wiener Arbeiter-Zeitung" möglich war, das Telegramm Im Wortlaut zu veröffentlichen. Darauf redete sich Herr Hampe heraus durch die Behauptung, er habe im Austrage des schwarzweißroten Landtagsblocks gehandelt. Sowohl die bürgerliche Arbeitsgemeinschaft im Landtag als auch der Rational- sozialist Riese übersührten Hampe der unwahren Angaben. Schließlich trat der so blamierte hohe richterliche Beamte Hampe von seinem Posten als Vorsitzender der Niedersächsisch enPartei (Welsen) zurück, natürlich„aus Gesundheitsrücksichten". Wer aber geglaubt hat. daß damit Hampe» politisch« Laufbahn ein Ende haben würde, der hat von den welftschen Monarchisten eine zu hohe Meinung gehabt. Dieses Parteigrüppchen hielt setzt in Holzminden seinen Parteitag ab und wählt« Herrn Hampe einstimmig wiederzumPartetvorsitzenden. Herr Hampe nahm auch wieder an, er scheint also wieder gesund zu sein. Ja, er soll die An- nähme des Amte» sogar von der einstimmigen Wahl abhängig gemacht haben. Nach diesem Vorgang steht e» also fest, daß es im monarchisttschen Lager nicht als Unmoral betrachtet wird, wenn Politiker versuchen, durch Toseleinladungen oolkzseindliche Beschlüsse zu erzielen und wenn st« bi» zur völligen Uebersührung dies« Beeinslussungsoersuche auch noch dreist leugnen. Franzosenhaß in Italien. In Mailand sollte im wiederber- gestellten Edentheater eine sranzösische Gesellschaft austreten. Das Publikum widersetzte sich der Aufführung durch Johlen und Schreien. so daß schließlich, nachdem mehrere patriotische Musikstücke oufae- führt worden waren, da» Theawr durch di« Polizei geräumt werden mußt«. Der englische Gewerkschaftskongreß. Erdrückende Mehrheit gegen die Radikalisierungsplänc. Loudon, 8. September.(Eigener Drahtbericht.) Di« große Ueberraschung des englischen Gewerkschaftskongresses, der dieses Jahr in Bournemouth in Gegenwart von 8lX> Delegierten und zahlreicher Vertreter befreundeter Arbeiterorganisationen des Auslandes statt- findet, ist die a u ß e r o r d e n t t i che Zurückhaltung, die sich der Kongreß bisher in allen Fragen auserlegt hat. Er hat damit bis jetzt alle Boraussagen über ein«„Radikalisierung" der britischen Gewerkschaftsbewegung als Folge des Generalstreiks Lügen ge st rast. Der Kongreß ist auch am Mittwoch, seinem dritten Derhondlungs- tag, nicht aus seiner Zurückhaltung herausgetreten, obgleich zwei ihm vorliegend« Entschließungen über die Frag« der Erweiterung der Machtbefugnisse des Generalrats der Gewerk- fchaften eine der heikelsten Fragen anschnitt, die seit dem General- streik von den Gewerkschaften erörtert werden. Di« erst« dieser beiden Entschließungen forderte, angesichts der Erfahrungen des General- strciks eine neue Untersuchung über die Möglichkeiten, die Macht des Generalrats zu erweitern, und zwar in folgender Richtung: Recht des Generalrats zur Einziehung von Streikbeiträgen von den ihm angeschlossenen Gewerkschasten: das Recht, von sich aus die Einstellung der Arbeit aller oder einzelner ihm ange- schlossener Gewerkschaften zu oerfügen usw. Di« zweit«, auf die Macht- bcfugnisse des Generalrats bezügliche Entschließung ging noch weiter und verlangt« vom Kongreß die sofortig« Uebertragung dieser und noch weitergehender Befugnisse auf den Generalrat. Im Namen des Generalrats wandte sich der Führer der Trans- portarbeiter, Bevin«, gegen diese Entschließungen mit der Be- gründung, daß die augenblicklichen Machtbefugnisse des Generalrats ausreichten. Er forderte den Kongreß auf, kein« solchen Be- schlüsse zu fassen, ehe die große gewerkschaftlich« Sonderkonferenz über die Lehren des Generalstreiks, die erst nach Beendigung des Kampfes im Bergbau stattfinden kann,«in« wirklich« Klärung der durch den Generalstreik ausgeworfenen Probleme gebracht Hot. Nachdem sich nach«ine Reihe führender Gewerkschafter, im Sinne Beoines ausge- sprachen hatte, lehnt« der Kongreß beide Entschließungen mit 3 202 000 gegen 848 000 Stimmen, also mit Viersünstelmehrheit ab. polizeistunüe und Musiker. Mas hugenbergs Leser nicht wissen dürfen. Der felaende Artikel war für die..SJadttousflObe" de» Huaenbera- Scherl-Berlages bestimmt, der(ich erboten hatte, die Musiter mit ihren Bedenken gegen die Berliingerung der Polizeistunde zu Wort kommen zu lasten. Da jedoch der Deutsche Musttcrvcrband auf der ungekstrzicn und unoerändcrten Wiedergabe seiner Ausführungen bestand, wurde der Abdruck abgelehnt, und zwar offenbar aus»arter Rstckstchtnahmc auf den Arbeitgcbervcrband im Sastwirtsqewerbc. Die Musikerschaft reiht sich überzeugterweise den Gegnern einer Berlängerung der Polizeistunde für Gastwirtsbetriebc ein. Insbesondere müssen gerade wir es ablehnen, die chand zu bieten. daß den Musikern durch Verlängerung bzw. Beseitigung der Polizei- stunde wieder eine Nachtarbeit von zeitlich' ganz un- begrenzter Dauer ausgebürdet wird. Die Musiker würden damit wieder allem entzogen werden, was sonst noch zu einem menschenähnlichen Dasein gehört, sie würden von neuem leiden inüssen an Körper, Geist und Seele. Denn anders wirkt sich eine solche allnächtliche Musikarbeit in den Gaststätten schließlich nicht rnis. Wer jede Nacht hindurch in Gaststätten zu arbeiten gezwungen ist, in Betrieben also, in denen ein Arbeiten an sich schon als der Gesundheit förderlich nicht anzusprechen ist, muß»atllr- lieh den Tag und jeden Tag damit zubringen, seinen Körper sür die darauf folgende nächste Nachtarbeit zu„trainieren". Ein solcher Musiker wird also am Tage schlafen müssen, um alle Nächte arbeiten zu können. Er ist damit als Mensch zu einem Vegetieren ver- dbimint, und es versteht sich deshalb am Rande, daß wir wirklich kein« Veranlassung haben, diesen Zustand für die Musikerschast wieder herbeizusehnen. Auch gegen die von den G a st w i r t e n ins Feld geführten Gründe für die Notwendigkeit einer Berlängerung der Polizeistunde müssen wir uns wenden. Wir haben d a s n a"ch tli che Leben und Treiben in den Ga st wirts statten zur Genüge kennen gelernt, um zu wissen, daß eine Verlängerung der Polizeistunde weder für Fremde noch für Ortsan- sässige nötig und für die Lokalinhaber besonders nützlich ist. Man beruft sich insbesondere darauf, daß die Verlängerung der Polizeistunde im Interesse und zur Belebung des Frem- dcnverkehrs absolut nötig sei. Wir wissen genau, daß auch, wie früher schon, bei einer neuen Verlängerung oder Beseitigung der Polizeistunde die Fremden nicht die Gäste sein werden, die man die Rächte hindurch in den Lokalen finden wird. Denn die, die zur Befriedigung und zur weiteren Verstärkung ihres Altoholverlangens auch noch in die Nachtbetriebe hineingegangen find, waren in der Hauptsache nur in Groß-Berlin wohnende sogenannte „Sumpfhühner", zu denen sich dann auch noch vielfach randalierende Elemente, und sonstige Nachtschwärmer gesellt hatten. Solche Ver- Hältnisse von neuem herbeizuwünschen, sollten auch die sich sonst immer aus die Solidität ihrer Geschäfte berufenden Gastwirte ablehnen. Sie sollten daran denken, daß die wahre geschäftliche Solidität der Gastwirtsstätten gerade durch bzw. mit Einführung der frühen Polizeistunde erreicht wurde. Man stellte sich unter Weg- fall des früheren, durchaus nicht immer rentabl e n und soliden Nachtbetriebs auf den Tagesbetrieb um, man beginnt mit der Musik jetzt in den Nochmittagsstunden, und durch diese Einrichtung wurden die Musiter nicht nur von der schrecklichen Nachtarbeit befreit, sondern sie hat auch den Kaffeehaus- betrieben, den Betrieben also, die für die ganze Frage fast aus- schließlich in Frage konnnen, weit mehr Gäste gebracht, als solche der früher« Nachtbetrieb aufzuweisen hatte. Die Kaffeehaus- musiter sind jedenfalls durch diese Umstellung erst zu M c n schen geworden, und das geworden zu sein, wollen wir uns auch nicht mehr nehmen lassen. Die Gastwirte berufen sich immer auf ihr„soziales Verständnis" den Forderungen ihrer Angestellten gegenüber. W i r vermlssen dieses soziale Verständnis durchaus. Denn wer seine Angestellten zu einer in Wirklichkeit ganz unnötigen dauernden Nachtarbeit zwingen will, wer es zudem ablehnt, tarifliche Vereinbarungen über Arbeits- und Lohnbedingungen zu treffen, wie es der Arbeitgeberverband im Ga st wirts- g e w e r b e getan hat, der soll doch nicht von einem Verständnis sprechen, das' er in Wirklichkeit gar nicht besitzt. Deutscher Musikerverband, Ortsverwaltung Berlin. Fritz Stempel, 1. Vorsitzender. Tarifkonfiikt in üen Laüenfleischereien. Um Arbeitszeit und Löhne. Heute,\0 Uhr vormittags, beginnen die Schlichtungsverhand- lungen zwischen der Berliner Fleischerinnung und dem Zentralvcr- band der Fleischer. Es handelt sich um einen Lohnkonflikt im Ladenfleischergewerbe. Der alte Tarif ist gekündigt und bei den neuen Berhand- lungen hat die Organisation für die Gesellen die achtstündige Arbeitszeit verlangt, ferner gefordert, daß aus dem Tarif- vertrag die gewerbsmäßige Stellenvermittlung ver- schwindet und daß die Unternehmer gehalten werden, im Falle des Bedarfs sich der öffentlichen Arbeitsvermittlung bei der Ein- stellung von Personal zu bedienen. Die Meister dagegen wünschen, daß der tägliche Arbeitsschluß, der im Tarifvertrag mit dem Ladenschluß 7 Uhr abends festgesetzt ist, verlängert wird. Der Zentralverband der Fleischer jedoch besteht auf die Beibehaltung dieses Zeitpunktes. Ferner for- dern die Meister für Verkäuferinnen Gehaltsabbau von 10 bis 12 Prozent, ein Verlangen, das für die Organisation der Ge- Hilfen vollkommen undiskutabel ist. Die Gewerkschaft verlangt auch bei den Verkäuferinnen den Achtstundentag und die Beseitigung der gewerbsmäßigen Stellenvermittltzng aus dem Tarifvertrag. Außerdem sollen Lehrlinge und Lehrmädchen in den Tarifvertrag einbezogen werden. Die Gewerkschaft ist der An- ficht, daß es sich hier um einen Arbeitsvertrag handle, der tariflich geregelt werden müsse, während die Meister den Lehrver- trag für einen Erziehungsvertrag halten, der einer tarif- lichen Regelung nicht unterliege. der Streik in der öerliner Leichtkonfektion. Ergebnislose Verhandlungen vor dem Schlichtungsausschuh. Am gestrigen Mittwoch vormittag fanden infolge der Bermitt- lung von Gewerberat Körner Verhandlungen zwecks Beilegung des Streiks in der Berliner Leichtkonfettion zwischen den Parteien stalt. Von beiden Seiten wurden Vorschläge zur Schlichtung der be- stehenden Differenzen gemacht, die jedoch zu keinem endgültigen Ergebnis führten. Die Verhandlungen werden, wie wir hören, um Dienstag nächster Woche vor derselben Kammer fortgeführt werden. verbanüstag der flrbeitsinvaliöen. München, 8. September.(Eigener Drahtbericht.) Am vierten Kongreßtag des Verbandes der Arbeitsinvaliden gab das Vorstandsmitglied, Geschäftsführer M a t t h e s, ein Bild von der Entwicklung des Verbandes. Die Mitgliederzahl stieg bis zum Juni dieses Jahres auf 188 000, die auf 1360 Ortsgruppen verteilt sind. Inzwischen konnte ein weiteres Anschwellen der Mitglieder- zahl festgestellt werden. Di« Verbandszeitung hat eine Auflage von 236 000. Daneben geht ein Mitteilungsblatt an die Berbandsfunk- tionäre in der Auflage von 7000 Stück. Der Berichterstatter schil- dert dann die Schwierigkeiten, denen der Verband bei seiner Agitationsarbeit in Bayern begegnet. Wiederholt wurden die Versammlungen der Organisation durch die Polizei kontrolliert und die Verbreitung des im übrigen Deutschland unbeanstandet geblie- denen Agitationsmaterials verboten. Die finanzielle Grundlage des Verbandes wurde als durchaus gesund bezeichnet. Im Juni er- reichten die Mitgliederbeiträge die Höhe von 173 312 M. Nach der Erstattung dieses Geschäftsberichts gab es einen kleinen Zwischenfall. Geschäftsführer Matthes stellte den Antrag, den kommunistischen Rcichstagsabgeordneten B u ch m a n n(der offenbar das Bedürfnis fühlt, auf dem Verbandstag eine Rolle zu spielen) offiziell als Gast aiifzunehmen und zu begrüßen. Der Bor- sitzende Karsten trat diesem Antrag scharf entgegen und beschuldigte den Geschäftsführer Matthes, daß er die Verbandsleitung parteipolitisch zu beeinflussen suche, wobei er überdies noch ein unehrliches Spiel treibe. Es wäre nur ,zu wünschen, so meint Karsten, daß Matthe? ein ebenso gutes Mitglied des Ver- bandes Zverde, wie er ein solches der Kommunistischen Partei ist. Die Begrüßung des Abgeordneten Buchmann wurde daraufhin mit Mehrheit abgelehnt. An der Aussprache über den Geschäfts- und Kassenbericht be- teiligte sich eine große Anzahl der Delegierten. Im wesentlichen be- faßten sich die Redner mit rein internen Verbandsanqelcgenheiten. Dem Hauptvorstand wurde sodann e i.n st i m m i g Entlastung er- teilt. Eine vom Gau Sachsen geforderte Syinpnthieerklärung für die streitenden englischen Bergarbeiter wurde abgelehnt, da eine solche Stellungnahme außerhalb des Arbeitsgebietes des Ver- bandes liege. Den Schluß bildete ein Referat von Hermann (Berlin) über den organisationsmäßigen Ausbau des Rechtsschutzes. Es soll versucht werden, bei jedem Oberoersicherungsamt und bei jeder Spruchstelle einen nicht hauptberuflichen Rechtsschugvertreter anzustellen.___ die Hewerkschastsarbeit in Rußland. Sie ist sehr mangelhaft. Wie der„Trud" vom 18. August 1026 Nr. 188 meldet, hat der Moskauer Gewerkschastsrat eine Untersuchung der Gewerkschasts- arbeit in privaten Betrieben vorgenommen. Die Untersuchung er- gab eine Reihe erheblicher Mängel in der Arbeit der gewerkschaftlichen Zellenorganisationen in Privatbetrieben, Versammlungen finden nur unregelmäßig statt. Die kulturelle Arbeit ist nur sehr schwach entwickelt. Die Höhe der rückständigen Beiträge erreicht 40 bis 50 Proz. Die Gewerkschaften weisen keine genügende Aktivität bei der Bekämpfung von Ueberstundenarbeiten, die einen oersteckten Charakter tragen. Auch die Arbeitsinspektion sei bei der Kontrolle der sanitären Lage der Betriebe nicht aktiv genug tätig. Abkommen im öraunkohlenbergbau. Köln, 8. September.(MTB.) Die Verhandlungen im rheinischen Braunkohlenbergbau haben gestern vor dem Schlichter für das Rhein- land zu einem neuen Abkommen geführt, nach dem die Stunden- löhn« um etwa 4 Proz. erhöht werden. Di« Arbeits- zeitregel wurde bis Ende September 1927 erneuert. Das neu« Ab- kommen gilt bis Ende Mai nächsten Jahres. Die Arbcitsmarktlagc im Ruhrgebiet. Bochum. 8. September.(Eigener Drahtbericht.) Am 1. August dieses Jahres waren bei den öffentlichen Arbeitsnachweisen des Ruhrgebietes fast 227 000 Arbeitsuchende vorhanden. Da bei sämr- lichen' öffentlichen Arbeitsnachweisen insgesamt nur 1220 offene Stellen gemeldet waren, kommen somit aus eine offene Stelle rund 183 Bewerber. Abgesehen von Berlin, hat das Ruhrgebiet von allen Jndustriebezirken die größte Arbeitslosigkeit. Sie beträgt im Ruhrgebict das eineinhalbfache des Rcichsdurchschnilts. Man kann schätzen, daß von den aus Erwerb Angewiesenen jeder Fünfte im Ruhrgcbiet zurzeit ohne regelrechte Arbeit ist. Unter Hinzurechnung der nicht erwerbstätigen Frauen und Kinder ist ungefähr ein Viertel der Ruhrbevölkerung gegenwärtig auf öffentliche Unter- st ü tz u n g angewiesen. Besonders schlimm ist die Tatsache. daß von den Haupluntcrstützungsempsängern fast ein Drittel bereits länger alssechs Monate erwerbslos ist. In der letzten Zeit hat die Arbeitslosigkeit zwar etwas abgenommen, die Abnahme beträgt aber nur 5 Proz., während im Reichsdurchschnitt in der gleichen Zeit eine Abnahme von ungefähr 17 Proz. zu verzeichnen war. Daß der Bergbau bald eine stärkere Aufnahmefähigkeit für Arbeitskräste an den Tag legen wird, ist so gut wie ausgeschlossen. Es läßt sich daher für die Zukunft die Notwendigkeit nicht um- gehen, durch Umsiedlung der Erwerbslosen sür die. Sa- nicrung der hiesigen Arbeitsmarktverhältnisse Sorge zu trogen. Achtung, Zimmerer! Die Baufirma Erich Weist aus Bad Käsen, Kreis Naumburg. Provinz Sachsen, ist wegen Einführung der Akkordarbeit gesperrt. Die Firma hat am 3. d. M. vier Derbandskamerodsn entlassen, weil si« es ablehnten, auf dem Neu- bau in Baumschulenwcg, Baustelle Späth's Baumschule, Späthstr. 1. in Akkord zu arbeiten. Weiter sei mitgeteilt, daß die Firma nebst ihrem Vertreter Seifert zwei.unorganisierte Zimmerer— Willi Heinrich und Richard Hobosch aus Bad Kösen— hier beschäftigt. Zu diesen Arbeitswilligen hat sich noch ein Zimmerer Emil Rejchke, Lichtenberg, Türrschmidtstr. 23, Hof pari., nebst einigen Unorgani- sierten eiiigefunden. Darunter ein gewisser Max Kühl, der jeden mit der Axt und dem Revolver bedroht. Die Firma führt weiter hier Arbeiten siir die Filmfabrik Wolf aus. Alle Arbeitsstellen sind gesperrt. Zentralverbond der Zimmerer Deutschlands. Zahlstelle Berlin und Umgegend. Jittit Eewerkschastamgend. Heute, Donnerstag, Vi Ilhr, tagen die Drup- ven� Raabit: Sruppenheim Städtisches Jugendheim B:emcr Eck« Wiclesslraße. Wir lesen aus Löns Seidegeschichlen.— Köpenick: Jugendheim Sriinauer Strohe 5. Vortrag: Entstehung und Entwicklung unsere» Volksliedes.— Tempclhos: Jugendheim Eermaniasir. 4/6. Bortrag: Der Mensch in der Nr. »eit.— Südosten: Jugendheim Zieichenderger Str. 66. Vortrag: Ethische Momente der Gewerkschaftsbewegung.— Gesuadbrnuaen: Jugendheim Goten- burger Str. 2. Vortrag: Jugend und Lkbensreform.— Spandau: tzugcndhcini Lindcnufer 1. Vortrag: Sternkunde.— Ritte: Jugendheim Neu« Königstr. 2l. Leseobend: Heinrich Heine. Zugendgrnppe de, 3 Ml. Heute. Donnerstag, TU, Uhr. tagen folgende Abteilungen: Treptaw: Jugendheim Wilbenbruchftr. 54(Kinderhort). Arbeit». aenieinschaft: Da» Kommunistisch« Manifest(Dinse).— Hermannplag: Zuoend» heim Kobrechtstr. 34. Ecke Eanderstrahe. Heiterer Abend.— Eharlottenburg: Jugendheim Rostnenstr. 4. Diskussionsabend «und der technische» Angestellten und Beamten, vrtsncrwaltnng Berlin. Gemeinsame Mitgliederversammlung der Sachgruppen Baugewerbe. Architekten und Stcinmedtechniker heute, Donnerstag, 7>4 Uhr. in der„Alten Gcheimrals. kneipe", Ierusalrmer Str. 3. Achtung, Zimmerrrl Heute findet unsere Verlrauenzmännerversammlung für das Hoch», Beton» und Tiefbaugewerbe im Gewerkschaftshaus, Saal 5, abend« 7 Uhr statt. Di« schlechten Zustände, die heute auf den Baustellen herrschen, machen es gan» besonder» erforderlich, dah von jeder Boustell» ein Vertrauensmann»irr Verfammlung erscheint. Derbandskameraden. agitiert und sorgt dasstr, doh unbedingt eure Vertreter in diese wichtigen Versamm» lung erscheinen. Verantwortlich für Politik: Dr. Euet Gener; WirtsÄuift: Ariur Sotcrnus: Gewerfschafisbeweguna: Z Steiner: Feuilleton: Dr. Zahn Schikowski: Lokale, und Sonstiges: Sri»«arftädt: An»eioen: Th.«lock«: sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlag G.m.b.H., Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerel und Verlagsanstalt Paul Singer u. Eo. Berlin SW 63 Lindcnstrafte 8. Hier»» 1 Beilage und..Unterhaltung und Wissen". Herbst- Neuheiten I Herren-Ulsfe rS?00 <.mod.DUeoiul-a.FiKhgritatoS.38.—"■ 45 00 60°° 45 00 Hcrbsf-Ulsfer a. dunk. u. gem. Stoff, m. Abs-itc Moderner Ulster ».I tter Rücken ohne Naht, mit Seiten- falten u. Gurt, a. dezentgemu tert. Stoffen mit Abseite, je nach Qualität 75.—>,65.» Paletots m. Samtkrag. mareogo Cheviot oder schwarz Eakimo aid Satinella oder Plaidfutter, je nach Qualität und Art. 60.—, 55.—, 50.— Gummimäntel4400 f. Damen u. Herren, versch. Stoffart., eufc 1| Gummier.. 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Heilage ües Vorwärts Donnerstag, 4. September 1426 In der Borkriegszeit und auch währeird des Krieges stand w Berlin als Heiz- und Feuerungsmittel die Steinkohle an erster Stelle. Nach dem Kriege hat sich das Bild wesentlich verschoben, so daß 1322 der Bedarf an Kohle und Kraft überwiegend von der Braunkohle gedeckt wurde. 19ZZ wurden über 353 Millionen Kilowattstunden aus Großkraftwerken nach Berlin geleitet. Heute ist die Steinkohle wieder etwas mehr betelligt. Der Heizwert der Braunkohle ist bedeutend geringer als der der Steinkohle. Dafür hat ober die Braunkohle eine Reche von Eigenschaften, die in den letzten Iahren eine steigende Beachtung erfahren haben und die geeignet sind, zahl- reichen Industrien als Grundlage zu dienen. Märkijche Lagerstätten. Der bedeutendste Abbau von Braunkohl«; in der Provinz Braudenburg ist der um Senslenberg in der Niederlausitz. Günstig besonders durch die Mächtigkeit der Flöze(bis zu 23 Meter) und well die Kohle im Tagesbau gewonnen wird. Gegen die Braunkohlen» lagerungen um Senslenberg treten die übrigen der Provinz Brandenburg an Bedeutung weit zurück. Immerhm sind an ein- zelnen Stellen, auch in der nächsten Nähe der Reichshauptstadt, recht bedeutende Flöze bis zu 7 Meter Mächtigkeit erbohrt worden. So ist seinerzeit bei Grohbeereu und in der Schorsheide Kohle gefördert worden. Das Braunkohlenvorkommen erstreckt sich, wie Bergrat B o l d v s in den„Berliner Wirtschaftsberichten" darlegt, über die ganze Provinz. Wenn vielfach die Eröffnung neuer Betriebe unter- blieb, so liegt das an den wirtschaftlichen und an den Besitzoerhölt- nissen: die Kohlenfelder stellen zum Teil die Reserven der bestehenden Werke dar, die erst dann in Angriff genommen werden, wenn die günstigeren abgebaut sein werden. Die produMon von Braunkohle und Briketts erreichte m der Provinz Brandenburg im Jahre 1924/25 folgenden Umfang: Provinz Brandenburg Rohbraunkohle Briketts Tonnen Tonnen Riederlausitz..... 20 165 884 6 671126 Oberbezirk..... 1 164 897 135007 Sarau— Forst— Gubener Gebiet...... 994 464 64 879 insgesamt.. 22 325 245 6 761 012 In einigen Jahrzehnten werden die Oberflöze abgebaut sein, man wird sich dann ausschließlich dem Tiefbau zuwenden müssen. Der Abbau wird dann wirtschaftlich ungünstiger sich gestalten. An Kohle wird es aber mehr als ein Jahrhundert lang nicht fehlen. Die geförderte Kohle uzird entweder als Stückkohle oerkaust oder zu Briketts verarbeitet. Zu diesem Zwecke wird die frisch gefördert« Kohle bis zur Erbfengröße verkleinert und dann einer Trocknung bis zu einem Wasiergehalt von 12 bis 16 Proz. unterworfen. Die so vorgerichtet« Kohle wird unter einem Druck von 1200 bis 1300 Atmo- fpharen gepreßt, wobei durch die erzeugte Erhitzung der Kohle das in ihr enthaltene Bitumen erweicht und so die Kohlenteilchen jju einem festen Stein verbunden werden. Die Schwelkohle eignet sich wegen ihres hohen Bitumengehalts nicht als Brennmaterial und auch nicbt zur Herstellung von Briketts. Durch das Schwelen wird zunächst Braunkohlcnteer, dann Mineralöl und Paraffin gewonnen. Gel aus öer Kohle. Die Oelgewinnung ist das Problem der Zeit, insbesondere in Deutschland, weil wir etwa 1,5 Millionen Tonnen jährlich an Leicht- und Schwerölen gebrauchen. Davon werden in Deutschland ins» gesamt nur etwa 400 000 Tonnen produziert, so daß die deutsche Volkswirtschaft alljährlich mindestens 300 Millionen Mark für den Bezug von Oel an das Ausland zu zahlen hat. Bei dem andauernd steigenden Bedarf kann diese Summe in kurzer Zeit an die Milliarde heranreichen. Es kommt aber hinzu, daß die Erdölgewinnung auch in Amerika, Rußland und Rumänien im Laufe der Jahre sich ver- ringert und man deshalb gezwungen ist, die Oelgewinnung auf chemischem Wege noch mehr fördern zu müsien. Aus der Braunkohle wird vor allem Leichtöl, das ist Benzin und Benzol, und Schweröl, d. h. Heizöl und Schmiermittel, gewonnen. Das Vorkommen der bituminösen Kohle ist zurzeit in der Hauptsach« auf das mitteldeutsche Braunkohlenrevier beschränkt. Der gewomrene Teer wird in Fa- briken weiteroerarbeitet, unter Zusetzung von versckpedenen anderen Chemikalien, woraus man dann die verschiedensten Oclsorten, Roh- Paraffin und andere Nebenprodukte gewinnt. Das gereinigte Pa- raffin wird dann weiter in Kerzenfabriken zu Kerzen verarbeitet, während Rohbenzin zur Reinigung in die Benzinwäsch« gegeben wird. Der bei der Verschwelung übriggebliebene Grudekoks findet im Hausbrand und in der Industrie Verwendung. Da die Grude aber hier nicht in großen Mengen unterzubringen ist, ist man bestrebt, seine Verwendbarkeit als Skanbkohlenseuernng zu vervoll- tominnen. Die Staubkohlenfeuerung hat in der Industrie noch eine große Zukunft, schon deshalb, weil es möglich ist, die Kohle, ohne sie brikettieren zu müssen, auf größere Entfernungen verschicken zu können, was bei der gewöhnlichen Rohkohle"wegen des hohen Wasiergehalls wirtschaftlich ungünstiger ist. Der Wasiergehalt der Rohkohle liegt zwischen 45 und 52 Proz. Neue verfahre». Im August vorigen Jahres gab anläßlich der Hauptversammlung der deutschen Chemiker prosesior Bergins sein neues Verfahren der Verflüssigung der Kohle— Steinkohle sowie Braunkohle— bekannt. Seine Erfahrungen haben im In- wie im Auslande großes Auf- sehen erregt. Seine Versuch« liefen im wesentlichen daraus hinaus, durch hohen Druck und hohe Temperakur(bis zu 500 Zltmosphären) eine unmittelbare Verbindung von Wasserstoff und Kohlenstoff her- beizuführen, um auf diese Weise Oel zu gewinnen. Diese Versuche haben eine Ausbeutung von über 70 Proz. ermöglicht, während Dampfmaschinen höchstens bis zu 40 Vroz. des Kaloriengehalts der Kohle verwerten können. Das Verfahren läßt sich bei Stein- wie auch Braunkohle anwenden. Di« technische Durchführung ist sicher. jedoch ist die Wirtschaftlichkeit noch nicht ganz erwiesen. Was bei dem Verfahren Vergius noch beeinträchtigend wirkt, sind die hohen Kosten der Anlage und deren wahrscheinlich schnelle Abnutzung infolge des hohen Druckes, der dauernd nötig ist. Aus den Rest- beständen, die bei den verschiedenen Verfahren übrig bleiben, werden noch durch chemische Bearbeitungen eine ganze Reihe anderer Pro- dukte gewonnen. So u. a. Schuhkreme, Lacke, die zu Photographen- walzen benötigten Stoffe, auch Azetylen usw. * Auf jeden Fall wird die Umstellung der Kohlenbafls zur Oelbasis noch Jahre dauern, weil man zurzeit noch immer dabei ist, immer bessere Verfahren ausfindig zu machen, die eine Verbilligung der Produktion ermöglichen. Jedenfalls sind diese neuen Verfahren geeignet, in späterer Zeit die Weltkohlenkrise zu beheben. Es darf nur daran erinnert werden, daß in der Schiffahrt in ganz kurzer Zeit die Oelverbrennung auf 40 Proz. herausgegangen ist, ganz abgesehen davon, daß Luftschiffahrt und Auto in steigendem Maße diese Oelbrennstosfe kotlsumieren. Raöio-Kongreß. Zu einer recht anregenden Aussprache über Gegenstände des Radiowesens hatten der Rundfunkkommisfar des Reichspost Ministers und die Reichs-Rundfunk-Ge- s e l l s ch a f t aus Anlaß der Großen Deutschen Funkausstellung 1926 Fachleute und Presse in das ehemalige Herrenhaus eingeladen. Von der ästhetischen, von der juristischen und von der journalistisch-prak- tischen Seite wurde das große neue Problem beleuchtet. Am wenigsten ergab die j u r i st i s ch e Erörterung. Der Rund- funk hat einen wahren Rattenkönig rechtlicher Schwierigkeiten ins Leben gerufen: Fragen des Urheberrechts, der Steuerpolitik, der Baupolizei und des internationalen Rechts gibt es dabei zu klären und zu lösen und unsere Herren Juristen stehen diesen Schwierig- leiten, wie die Ausführungen des Dr. Magnus erkennen ließen, noch immer, nach drei Iahren Rundfunk, hilflsos gegenüber. Als ein Kuriosum sei erwähnt, daß die Gemeinde Kötzschenbroda in Sachsen— was kann von Kötzschenbroda Gutes kommen?!— eine Luxussteuer auf den Rundfunk erhebt. Mit dem deutschen Recht werden wir da überhaupt nicht auskommen: im Jahre 1927 sollen auf einem Internationalen Kongreß in Rom Vereinbarungen ge- troffen werden zur gesetzlichen Regelung des Radiowesens. Man sieht schon daran, wie der Rundfunk über die nationalen Schlag- bäume hinweg die Völker zusammenführt. Nächst den rechtlichen Fragen sind die ä st h e t i s ch e n, nämlich die nach den Grenzen des neuen Kunstmtttels, am meisten umstritten. Nicht weniger als drei Redner widmeten sich diesem Thema. Zwischen o. He i st e r und Ludwig K a p e l l e r kam es zu einer Diskussion darüber, ob der künstlerische Rundfunkleiter Bühnenstücke, wie er sie in der Literatur vorfindet, übertragen dürfe oder nicht. Man muß da unterscheiden zwischen Sprechdramen, deren Schwergewicht im Dia- log weniger Personen ruht, und zwischen den Bühnenstücken, die ohne die Hisse der Szene nicht auskommen.„Iphigenie" oder „Tasso" sind natürlich viel geeigneter zur Uebertragung, als etwa „Othello" oder„Macbeth". Neben Grobbes.Herzog Theodor von Gotland" hätte der Referent getrost den„Egmont" ablehnen dürfen, dessen Volksszenen, wie wir das kürzlich erlebt haben, fast wirkungs- los verpuffen. Von dem Hilfsmittel der„Atkustischen Kulisse" ist ein möglichst sparsamer Gebrauch zu machen: die unterstützenden und erläuternden Geräusche dürfen nicht im naturalistischen Sinne anc>ewendet werden, sondern immer nur zur Hinleitung des Hörers auf die inneren Vorgänge. Der Korreferent stellte sich auf den Standpunkt des Praktikers und erinnerte daran, daß auch ein Bühnenstück, bis es aufführungsreif fei, sich vom Regisseur aller- Hand Eingriffe gefallen lassen müsie: Goethe als Theaterdirektor würde sicher Goethe dem jugendlichen Dramatiker auch manches zu- sammengestrichen haben. Also weshalb soll gerade der Rundfunk- regisseur so ängstlich sein im Gebrauch der Schere? Die Literatur- 3� Die Sigurantin. Roman eines Dienstmädchens von Leon Jrapick. Autorisiert« llebersetzung aus dem Französischen von Kunde-Grazia. Meine durch das Alter schwach gewordene und sehr schwer- hörige Tante duldete diese Nachstellung. Nun wurde«r so dreist, mich zu necken: „Lassen Sie mich die Schatulle angreifen, lassen Sie mich die Banknoten sehen." Mit entschiedenen Gesten stieß ich ihn zurück, denn seine Religiosität war mir verdächtig und die Oekonomie geht der Frömmigkeit vor. Da, einmal, meine Tante war abwesend und in der Luft lag etwas Erschlaffendes, Süßliches, was mein Uebel ver- mehrte, ich hatte die Schatulle, ohne davon eine Befriedigung zu finden, durchwühlt... man konnte sagen, ein Teil meines Ichs schmolz dahin, ging zugrunde... ich hatte den Schlüssel auf der Schatulle, in einer gewissen Erwartung gelassen... Und da, da kommt der Herr Pfarrer und ruft: „Wohlan! Heute also findet die Schenkung statt?" Die Glieder überfiel ein Zittern der Schwäche, meine Hände brannten wie Feuer. Ich schrie: Nein, nein! Lächelnden Mundes näherte er sich gebieterisch der Kom- mode. Unsere Hände gerieten um die Kassette in Kampf. Ich empfand darüber ein mit Schreck gemischtes Wohlgefühl. Verteidigte mich, mit dem freudigen Bewußtsein, ich würde nachgeben... und seine Hand faßte den Schlüssel, und seine Hand hob den Deckel!... O! Da empörte sich die Vernunft, meine Ehre bäumte sich ein letztes Mal auf, noch war es Zeit, ich warf den Deckel wieder zu, wobei ich mir die Finger quetschte..- Aber auch er war bis zum Paroxismus erregt, alühend rot, rang nach Atem, seine Augen flammten, er erzwang.. Mein Blick verschleierte sich und wider Willen ließ ich nach und nach vom Widerstand ab. die Hände hatten nicht mehr die schuldige Energie zu fühlen, was die seinigen taten. Schließlich stieß ich einen Schrei aus und verlor dos Bewußtsein: ich hatte ein Zerreißen der Barlknoten in der Brutalität des Raubes wahrgenommen!" Die Schuldige schwieg keuchend, durch ihre erbarmungs- würdige Haltung die Verzeihung der nicht wieder gut zu machenden Verfehlung erflehend. Aber Thchaurin fand die versprochenen Worte der Nach- ficht nicht: er wußte zu genau, daß eine Frau, die vor der Ehe gefehlt hat, auch später wieder fehlen kann. 20. Derart waren die von der Agentur Bizon so gepriesenen Neuvermählten und sie kamen zufällig am Tage nach der ,m- verziehenen, ehelichen Szene nach Paris. Ihre Gesichter und Herzen, von Natur düster, waren durch Berechnung und Mei- nungsverfchiedenheit noch mehr versteinert. Sulette bedurfte sehr des Essens, sie wollte gern leben— gleichwohl, ein Tag bei Herrn und Frau Doctemard, das war das Aeußerfte, was sie ermöglichen konnte. Bei Einbruch der Nacht lief sie davon. Nachdem sie so hartnäckig für sich und ihr Kind das Recht auf Sonne in Anspruch genommen, verzichtete lie setzt ent- schieden. Die Neuvermählten hatten ihr jede Möglichkeit eines weiteren Drängens genommen. Sie begriff, daß es einen wirklichen Trost nur darin gab, die Menschen nicht mehr zu sehen. Die köstlichste Hilfe, die Logik und ruhige Schönheit des Selbstmordes erschienen ihr gleich einer sich öffnenden Knospe an diesem Lenzabend, wo an den Bäumen des Boulevard Saint-Michel sich die ersten Blättchen zeigten. Diesmal schien das Schicksal des unglücklichen Dienst- Mädchens sich erbarmungslos zu erfüllen: sie ging gesenkten Kopfes mit dem lässigen und schweigsamen Schritt der Schlaf- wandlerin dahin. Ohne sich über den Weg Rechenschaft zu geben, meinte sie, im nächsten Augenblick den frostigen Spiegel der Seine dicht vor ihren Augen zu haben. Schon gehörte sie nicht mehr zu diesen Lebenden, die vor- übergingen, diesen Menschen, die liebten und geliebt wurden, sie bewegte sich nicht: ihr gepreßtes, zu einem Nichts gewor- denes Herz schlug nur noch matt, nur ein kurzer, schwacher Atem belebte sie. Das Wasser flößte ihr keine Furcht ein: sie sah sich ohne zu erschrecken, starr, langgestreckt, mit geschlossenen Augen, die Arme fest am Körper, geheimnisvoll dahintreiben. Wohl hätte sie gerne die Morgue vermieden, dieses letzte Bureau des Nachweises, wo die jungett, unglücklichen Dienstmädchen mit klebenden Haaren, schwarzen, mit Nadeln zusammenge- steckten Blusen und dem festgeschlossenen Mund, der das Ge- heimnis ihres Namens bewahrte, der Neugier der Pariser einen letzten Dienst erwiesen. Gegrüßt seist du Marie, Voller Schlamm... Aber die Vorsehung sollt« eingreifen. Frau Coqueho, „die Vorsehung der Dienstmädchen", stieß auf Sulette und legte sich ins Mittel. Sulette kam auf den Place Saint-Michel, als jemand sie am Arm faßte und lebhaft auf sie einredete: „Was denn, was denn? Mein armes Mädel, wo laufen Sie denn bloß hin?" Und vor Erstaunen ließ Frau Coqueho ihre große schwarze Tasche herunterfallen. „Aber das ist ja Sulette! Ich beobachte sie momentan, ohne sie zu erkennen. Wie sonderbar: auf zehn, auf zwan- zig Meter wittere ich einen Unglücklichen, der ins Wasser springen will! Und in diesem Quartier latin, da gehen Sie an Gelehrten vorbei, an Studenten, Leuten, die närrischer Aufopferungen, edler Launen wohl fähig sind— und an einer Masse Männer, die nach den Weibern schauen—, und nicht einer hat Sie bemerkt, nicht einer gefühlt, was ich sofort von weitem erkannt habe... denn schließlich kriegt man einen Menschen, der das Schlachtfeld des Lebens räumen will, unter hunderttausend heraus!" Sulette sah sie stumpfsinnig, ohne etwas zu verstehen, an. Frau Coqueho drängte sie gegen einen Laden und faßte sie an der Schulter: „Was ist denn los, meine arme Sulette!... Es ist zu spät, das Wasser kann Ihnen nicht mehr helfen... und mit zwanzig Iahren nimmt man sich das Leben nicht!... Wenn man bedenkt, daß Sie gehört haben, wie ich so und so viele Male bald der, bald jener meine unfehlbaren Pillen ange- boten Hab«! Ach, über die naiven Menschen! Ein Glück, daß es nicht viele wie Sie gibt. Aber ohne meine Pillen, armes Mädel, könnte man in Paris wegen der schwangeren Dienst- mädchen sich nicht durchdrängen!" Sulette stammelte Worte ohne Zusammenhang: sie hatte sich nicht erinnert... Frau Coqueho schwang ihre schwarze Tasche: „Sie haben meine neue Adresse nicht? Ich begreife es, denn ich ziehe ziemlich häufig um, aus Gründen der Be- fcheidenheit... ich mag nicht, daß die Nachbarn sich zu sehr mit mir beschäftigen. Aber Sie müssen da hinuntergehen, nach der Avenue des Gobelins, und bei Virgine, der Frau von Fumeron, nachfragen: sie weiß immer, wohin man an mich vertrauliche Mitteilungen adressieren kann... Aber so ein Unglück! Daß Sie in einen solchen Zustand gekommen sind!" Die sensible Dame zerdrückte eine Träne und glättete ihre Schmachtlocke: „Sie werden mir die Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß ich hartnäckige Anstrengungen gemacht habe, um Sie vor der klassischen Schädigung„durch den Sohn des Hauses" zu schützen... ich fühle es... das war ausgemocht... eine, mit Ehrgeiz, ein Mädchen mit Ideen wie Sie... bei Gott! Nicht das Trottoir war für Sie eine Gefahr... Ach mein Gott! Daß ich Sie mißbrauchen habe lassen!... Wenn man bedenkt, daß einige meiner Schützlinge, feit mehreren Monaten bei alten Herren placiert, noch fast unberührt sind! Auf Ehrenwort! Sie könnten sich nahezu als Jungfrauen verheiraten!" (Fortsetzung folgt.) geschichte ist eine Verwaltungsbehörde— und an die Vorschriften der Verwaltungsbehörden braucht man sich nicht ängstlich zu klammern der Rundfunk hat ganz andere Aufgaben: Er ist Pro- pagandoches der Dichtung. Karl Roede meyer, Lektor der Vor- tragskunst an der Frankfurter Universität, faßte die Sache nicht ganz so forsch und unbedenklich an. Er erinnerte recht nachdrücklich und mit gutem Grund an die Notwendigkeit, die Stilgrenzen einzuhalten und nicht noch einmal in die Fehler zu versollen, deren sich in seinen Ansängen der Film schuldig gemacht hat: Mit der Schaubühne in Wettbewerb zu treten. Die Gesetze des Dramas dürfen nicht einfach über Bord geworfen werden bloß um einer guten Rundfunkwirkung willen. Das Wirkungsfeld der neuen Technik ist auch so groß genug: denn gerade wir Deutschen haben von jeher das gesprochene Wort dem gedruckten zulieb« oernach- läfsigt. Es gibt dtuHstformcn, wie den Brief, das Tagebuch, den Aphorismus, die bewußt von der Persönlichkeit des Darstellenden absehen. Sie zu pflegen ist eine dankbare Aufgabe des Rundfunks: die Veredelung und Pflege des gesprochenen Wortes feine schönste Pflicht— neben seinen vielen musikalischen Möglichkeiten. Die Be- hauptung, daß der Presse durch den Rundfunk ein Feind er- wachsen sei, wurde von Siegfried H a r t m a n n widerlegt. Nicht die, fei es nun telegraphifch, tclephonisch oder durch das Radio übermittelten Nachrichten machen den Wert der Preste aus, fondern ihre Einordnung und Verarbeitung, ihre Ausdehnung und Ver- bindung. Die Zeitung durch den neuesten Nachrichtendienst des Rundfunks ersetzen, hieße dos geistige Leben ungeheuer verarmen. Der Rundfunk ist nicht Feind, sondern Helfer der Presse, indem er dke Nachrichtcnspesen bedeutend verringert. Die Press« wird sich mehr als bisher auf ihn einzustellen haben. Der Abend wird bestimmt zum Nachdenken über dos Rund- funkwcsen angeregt haben. Schlesinger der Urheber See Ultor-Sriefe l l' Umfassendes Gesköndnis Waller Webers. Die beiden in Berlin verhafteten Attentäter von Leiferde, Sck>lesing«r und Weber, sind am Mittwoch mittag kurz vor l Uhr in Hannover angekommen und unter starker Bedeckung nach Sem Polizeigefängnis gebracht worden. Di« Ankunft in Hannover vollzog sich fast ebenso unbemerkt, wie die Abfahrt aus Berlin. Im Polizeigefängni« sind die beiden Verbrecher bisher noch nicht verhört worden, werden vielmehr erst am Donnerstag durch den vom Land- gericht Hildesheim bestellten Untersuchungsrichter kurz vernommen werden. Di« Voruntersuchung wird gleichzeitig auch aus den in Han- nover bereit, in Hast befindlichen Walter Weber ausgedehnt. Dieser hat am Mittwoch mittag noch ein umfassendes Geständ- n i s abgelegt. Gegen ihn wird Anklage erhoben weiden nicht wegen Beihilfe zur Vorbereitung od?r Ausführung des Verbrechens, da Walter Weber rechtzeitig von der Ausführung des Verbrechen» zurück- getreten ist, wohl aber wegen Unterlassung der Anzeig« eines drohenden Verbrechens. Angeblich will er nicht geglaubt haben, daß sein Bruder und Schlesinger wirklich Ernst machen würden. Al« ihm jedoch von dem oernehmenden Beamten entgegen- gehalien wurde, daß er mindestens die Behörde hätte benachrichtigen müssen, erklärt« Weber schluchzend:„Das konn!« ich nicht. Ich kannte doch nicht ineinen eigenen Bruder unglücklich machen." Der Lokal- termin in Leiferde wird frühestens am Freitag, wahrscheinlich aber erst am kommenden Sonnabend stattfinden. Die Untersuchung gegen Schlesinger wird auch noch daraus ausgedehnt, ob er der Be r- fasser der beiden„U l t o r- B r i« f e� ist. die bekanntlich einige Tage nach der Katastrophe bei der Staatsanwalischaft in Hannover einliefen. Wie erinnerlich, stammten beide Briefe au» Berlin. In dem ersten Schreiben behauptete„Ultor", er sei«in zu Unrecht obge- bauter Eisenbahnbeamter und habe aus Rache das Attentat begangen. In dem zweiten Schreiben, das einen Tag nach dem Anschlag auf den Berlin— Bernauer Vorortzug in der Nähe von Karow in Hannover einging, erklärte der anonyme Briefschreiber, daß„seine Leute" auch diese Tat vollbracht, daß dagegen der Anschlag aus die Straßenbahn in Tegel fehlgegangen sei. Es würden nettere Attentate folgen. Beide Briefe, zeigten deutlich«in« verstellte Handschrift Di« Unterschrift „Illtor" der Rächer, ließ darauf schließen, daß der Mann höhere Schulbildung genossen haben müsse. Dos trifft bei Schlesinger zu, der das Gymnasium bis Untersekunda besucht und Latein gelernt hat. Ein Landbundsekretär, der schaukeln innfj. �. Wenn man in den Mittagsstunden von Mariendorf mit der M «n die Stadt fährt, ist die Bahn in der Regel beängstigend gefüllt. Das ist gewiß nicht schön, wenn sich die Gäste aneinander pressen müssen. Mqnchmal jedoch erlebt man auch amüsante Dinge, die ein« ungemütliche Viertelstunde mehr als vergessen lassen. Stehen da einmal aus der Plattform zwei Herren: der eine aus Elegant ge- arbeitet, mit Kreissäge und seltsamen grünen Hosen, Reisender offen- bar. Den anderen schmückt ein Iägerhütchen mit Rasierpinsel, Loden- lacke und Stuloenstiefeln. Der Lodenmann erzählt von seiner Tätig- keit als Landbundsekretär. Wie anstrengend er es habe. Wie er jährlich soundso viel Untersctretäre eindrille für die Landagitation. Und dann kam das Schönste:„Wissen Sie," sagt er,„ein Malheur ist das doch mit den gesellschaftlichen Gegensätzen auf dem Lande. Die Kleinen, die nur eine große Ziege und vielleicht noch eine alte Kuh im Stalle haben, stehen nun einmal fast ausnahmslos links. Und was die großen Landwirte sind, mit Gut und Vieh und vollen Scheunen natürlich durch die Bank„Stahlhelm". Stramm recht». Da Hab ich vor ein paar Tagen in einer Versammlung in der Mark gesprochen. Natürlich bin ich gegen die Juden zu Felde gezogen. wissen Sie! Alle kleinen Bauern hatte ich gegen mich. Sehen Sie, Verehrtester, da muß man eben hin- und herschaukeln." Sprach», schüttelte seinem Gegenüber jovial die Hand und sprang an der Belle-Alliance-'vtraße vom Wagen. Dabei stieß der Landbundmann einen Herrn an, lüftete oerlegen den Hut und sagte:„Verzeihen Sie." Der andere erwiderte liebenswürdig:„D, bitte." Der versehentlich Angerempelte war— Ironie des Schicksals— ein Jude. Der agrarische Unterhäuptling, der so forsch„gegen die Juden" zu Felde zog. ist wahrscheinlich im Privatleben ein sehr harmloser Mensch. Beruflich aber ist er wie ein uninteressierter Handlungsreisender: „Sehen Sie, da muß man eben hin- und herschaukeln." Kleingarten-Ausstellung im 1«. Verwaltungsbezirk. Die Kleingartenbewegung im landschaftlich schön gelegenen B e- i r k K ö p e n i ck ist jüngeren Datums als die im eigentlichen Berlin, at aber bezüglich der Qualität ihrer Erzeugnisse schon sehr An- erkennenswertes geleistet. Dies wurde vom Vertreter des Pro- vinzialverbandes. dem es möglich ist, einen Vergleich mit anderen Bezirken zu ziehen, in seiner Begrüßungsrede zur Eröffnung der Kleingarten-Ausstellung des 16. Verwaltungsbezirks in Friedrichs- Hägen betont. Er mochte darauf aufmerksam, daß die Außenbezirke sehr viel geeignetes Land für Laubenkolonien haben, und bedauerte, daß man heute meistens für Sport, die Betätigung der Jungen, interessiert ist, sür die Kleingartenbewegung als Be- tatlgung der Alten so wenig übrig hat. Genosse Stadtrat Ehrlich vom Bezirksamt Köpenick bezeichnete die Bewegung als ein Stück innere Kolonisation, der der beste Erfolg zu wünschen ist. Genosse �olksdorf versprach als Vertreter der Fraktion der SPD., daß alle Wunsche der Kleingärtner als im Interesse der Allgemeinheit Uegend unterstutzt würden.— Ein Gang durch die Aus- stellung zeigte sehr beachtliche Ergebnisse und große Vielseitigkeit. E« wurde ein Kürbis gezeigt, der 74 Pfund wiegt,«ine 3 Meter hohe Sonnenrose mit einer ausgereisten Blüte von 46 Zentimeter Durch- melier ohne Blatter, eine mannshohe Grünkohlstaude, Kartoffeln wie Klnderkopfe. Kohlrabis von riesiger Größe. Paprikaschoten von der Große einer Birne. In der Seidenraupenzucht zeigt Friedrichshogen, der Ort der Ausstellung. Ansätze zu neuen Kulturen. Eine Dahlienschau wies etwa 150 Variationen der schönen Blume auf. Allerlei Nützliches für den Garten und den Haushalt war zu sehen. Eine reichhaltige Sammlung von Schäd- ling« n des Kleingarten», die ein kleine, Museum für sich gefüllt hätten, wurde gezeigt, und man wundert sich, daß die prachtvollen Falter so schädlich sind. Der gefürchtete Koloradokäfer war auch vertreten. Mu st erlauben vervollständigen die Ausstellung, die als Ganzes auch in der Art der Ausmachung als gelungen be- zeichnet werden konnte.— Die Preisrichter hatten es nicht leicht und verteilten nach langer Beratung an die Kolonien und einzelnen Kolonisten u. a. folgende Preise: Kolonie Wiesengrund- Friedrichshagen den Wanderpreis des Bezirksoerbandes, den 1. Bezirkspreis und den Ehrenpreis der Landwirtschaftskammer. Di« anderen Kolonien wurden wie folgt bewertet und bekamen ent- sprechende Preise: Alter Grund-Friedrichshagen 16 Punkte. Sorgen- frei-Köpenick IS Punkte, Waldfrieden 12, Müllerecke 11, Grünauer Straße 10, Kämmereiheide 10 Punkt«. Alle Genossinnen und Genossen beteiligen sich an der Klugblattverbreiiung für die Internationale gewerkschaftliche Werbewoche am Sonnabend, den 11., und Sonntag, den 12. September. Raffinierte /luto- unü Wechselsihwindeleien. Autogeschäst« eigener Art betrieb ein Konsortium von Händlern und Käufer», das von der Kriminalpolizei jetzt hinter Schloß und Riegel gebracht wurde. Der Urbeber und die Seele des Unter- nehmen» war ein gewisser Paul Retzler aus der Kopenhagener Straße. Der Betrieb spielte sich wie folgt ab: Einem angeblichen Käufer, einem Privatmann, wurde ein neues Auto verkauft. Er stellte einen Schein aus, daß er«inen neuen Wagen erworben, 25 Proz. des Kaufpreises darauf gezahlt und für den Rest Wechsel gegeben Hab«. Diese Wechsel stellte er dann auch aus. Mit dem schein und den Wechseln begab sich Stabl, der Verkäufer, zu einer größeren Gesellschaft, der er sie abtrat. Die Gesellschait zahlte ihm nach Abzug einer Risikoprämi« die restlichen 75 Prozent in bar aus und übernabm nun das lkinzieben der vermeintlich durch die Wechsel gedeckten Restkaufqelder. Die Wechsel wurden aber nicht honoriert, und wenn sich die Gesellschaft nun an dl« oerkauften Wagen halten wollte, die ja nach dem ausgestellten Schein neu sein sollten, so ergab sich, daß der„Käufer" nur ein altes, klapp- riges Auto besaß. Das Geld, das Stadl von der Gesellschaft erhielt, die nahezu 75 Pro,, de« angeblichen Kaufpreises des„ncuen Wagens", hatten sich Stahl, Retzler und die„Käufer" geteilt. Die Gesellschast ging leer aus. Stahl und Retzler wurden zunächst fest- genommen, dann auch noch acht ihrer„Käufer", darunter ein Kauf- mann aus Potsdam. Zwei„Käufer" werden noch gesucht, ein Kauk- mann und ein R e n n st a l l b e s i tz« r. der in Sportkreisen� nicht unbekannt ist. Nach dem Geständnis Stahl» haben alle„Käufer" gewußt, daß es sich um Schwindelgeschäfte handele und alle von dem erschwindelten Gelde abbekommen. Krotoschiner in Haft genommen. Zu dem Betrug, dem die Reichseiscnbahn zum Opfer gefallen ist, erfahren wir, daß der 43 Jahre alte Kaufmann W i l l n K r o t o. s ch i n e r, der sich gestern morgen selbst der Behörde zur Verfügung stellte, vorläufig in Haft genommen worden ist. Durch die bis- herige Vernehmung konnte noch keine Klarheit In die An- gelegenh-0. gebracht werden. Die Prüfung der von Krotoschiner übergebenen Schriftstücke, durch die er sein« Unschuld dartun will, ist noch nicht abgeschlossen. Im Lause des heutigen Nachmittag wird Krotoschiner ooraussichtlick dem Untersuchungsrichter vorgeführt werden, der darüber entslheiden wird, ob die Haft andauern oder aufgehoben werden soll._ Franzosen auf der Funkausstellung. Am Mittwoch besuchte der Vorsitzende des sranzösischsn Radio- fabrikantenverbandes, Paul Brenot, die Große Deutsch« Funk- auestelluug. Seine Eindrücke von der Ausstellung und denLeiswngcn der deutschen Radioindustrie faßte er in begeisterte Worte. All« anderen Veranstaltungen ähnlicher Art, so meinte der liebenswürdige Franzose, ständen weit hinter der deutschen zurück. Herr Brenot regte an, eine Verständigung zwischen den Veranstaltern der ver- schiedenen Ausstellungen über die Zeitpunkte zu erzielen. Der erste Schritt in dieser Richtung solle gelegentlich der Pariser Radio- aus stellung im Ottober getan werden, wo die europäischen Radioausshillungsleiter zu einer Konferenz zusammentreten werden, an der auch Berlin teilnimmt. Siegeszug der Kunstseide. Die rapide Entwicklung dieses Textilstoffes setzte in der Nach- kriegszeit ein, wo man— der Not gehorchend, nicht dem eigenen Trieb— nach billigem, möglichst wirkungsvollem Ersatz der teuren Seidenstosse Ausschau hielt. Das ehedem grobe, unelastische, wasser- empfindliche Material der Kunstseide der Vortricgsjahre machte— angefeuert durch das ganz enorme Anwachsen der Weltproduktions- Ziffer(diese stieg von 19 Millionen Kilogramm des Jahres 1921 aus 44 Millionen im Jahre 1923, 64 Millionen im Jahre 1924 und 89,5 Millionen im Jahre 1925)— einem derart vervollkommneten Gewebe Platz, das heute vollwertig seinen Platz neben anderen Textilrohstoffen behauptet. Man verarbeitet sie iii Verbindung mit Wolle und anderen Stoffen, als Effektsäden in Anzugstossen, Strümpfen usw. Auf der Leipziger Messe wurde sogar ein ganzer Herrenanzug aus Kunstseide vorgeführt. Eine Reihe großer Berliner Konfektionssirmen haben zurzeit(bis inklusive 11. September d. I.) eine besondere Dekoration ihrer Schaufenster mit kunstscidenen Fa- britaten veranstaltet. In der Wäschefabrikation(Luxuewäsche) ist die Kunstseide ein großer Konkurrent der feineren baumwollenen und leinenen Gewebe geworden. Möbel- und Dekorationsstoffe werden vielfach in sehr effektvoller, farbenfreudiger Wirkung aus Kunstseide hergestellt, Kleider, Mäntel in besonders leuchtenden Farbtönen sind auf den ersten Blick kaum von reiner Seide zu unter- scheiden. Die Haltbarkeit eines echt seidenen Gewebes kann natür- lich infolge des aus Holzfasern gewonnenen, durch verschiedenartigste chemische Beimischungen, wie Aethernatron, Natronlauge, Schwefel- tohlenstoff usw. erzeugten Materials niemals erzielt werden, doch ist die Eignung auf dem Gebiete der Luxusbekleidung eine sehr gute. Man hat durch fortwährende Verbesserung mit der Zeit auch die Wasteruncmpsindlichkeit des Gewebes erzielt, und Kunstseide konn beute wie jeder andere leichte Woll- oder Seidenstoff mtt der ent- sprechenden Borsicht gewaschen werden. Die große Relchsgastwlrtsmessc wird beute in der alten AutoHalle am Kaiserdamm eröffnet. Die Messe ist täglich von 10 bis 8 Uhr abends, am Sonnabend und Sonntag von vormittags 10 Uhr bis 10 Uhr abends während ihrer ganzen Dauer auch fiir das Publikum geöffnet! Die Scala wartet im September noch einmal mit Singer Midgets Revue auf, jenen Zwergen, die ein ganzes Programm auf die Bühne stellen, in dem alles geschieht, was man sonst auf einer Barietäbühne zu sehen bekommt. Dann gibt es wieder eine Reihe alter Bekannter, so den ausgezciibn-t-n equilibristischen Akt der zwei B l e s s i n g s. den Radsahrakt oou Rodella Ru is und Artix, den Banjokönig Piper und der oder die immer noch unoerwüst- liche Barbette. Man sieht diese Nummer besonders gern wieder, da sie ein« so besondere Art der Artistik enthält, daß etwas Aehnliches. wie auch der Träger der Vorführungen selbst, kaum jemals gezeigt werden kann. Es ist beste internationale Klasse. Leider wird man den Gedanken an das Sexual-Psychologische dieses Rätsels nicht ganz los. Bei dieser Gelegenheit wäre vielleicht einmal zu fragen, ob sich die ständige Wiederholung bekannter, wenn auch guter artistischer Nummern nicht vermeiden ließe. Die meisten der Namen kehren im Jabre zwei-, drei-, ja sogar viermal wieder. Gibt es in der Welt nicht mehr Artisten, die in einem Wellstadtvarietä etwas Neues zeigen können? Das Apovokheaker in der Friedrtchstraß«, dt« StStte settgeV Linckeschen Operetten wirken», hat sich neu aufgetan. Die reichlich vei> staubte Aiißensront, die noch aus den Gründerjahren stammt, hat man ihres zahlreichen Emblemenschmuckes entkleidet und sie in ein ans nehmbares neues Gewand gesteckt. Die Erneuerung des Inneren bezog sich mehr aus das rein Dekorative. Die unglückliche Lage des Theaterraumes, der lange Gang, der zu ihm führt, konnte leider nicht verändert werden. Das Eröffnungsprogramm wird von zwölf Nummern bestritten, die sich oft an Lustigkeit überbieten. Es sind keine außerordentlichen Kanonen dabei, aber es wird eine ganz ans nehmbare Barietökunst geboten, die wenigstens nicht langweilig wirkt, Da ist denn auch wieder Hartstein eingezogen mit seinem etwa» oerstaubten„Stolz der 3. Kompagnie". Man weiß nicht mehr recht, wie lange es her ist. seitdem sich der Komiker auf dieses Milieu eingestellt hat, aber immerhin, es wirkt noch und erfüllt wenigstens den Zweck, daß niemand auf den Gedanken kommt, der seligen Kasernenhofperiode Tränen nachzuweinen. Ein« reizende Tanznummer sei aus dem Programm gegriffen, die vier R ä n t s. Die Sache ist nicht sehr anspruchsvoll ausgemacht, aber sie wirkt deshalb um so stärker. Nichts weiter als vier wirklich bss gabte Mädchen, die in zart beleuchteten Schleiern einfache Tänz« spielen. Aus jeden Fall eine Nummer, die sich über den Rahmen des Barietäs erhebt. Da» Seplemberprograwm de» Malergarle»» läßt im««ine ganze Anzahl lieber, gulcr Vctannier wiedersehen. 54 sind die glänzenden Keulen- jongleurc Zwists mit dem unvermeidlichen kösillchen Rudolf, da ist die «rthur-KIein-Fa Milte mit ihren ksibnen Radakten. Hilde Ward» Jazzband und Jacklon» BioletS Girls werden lebhaft bewill- lommt. beide Nummern haben unerhört rhythmischen Schmiß. Eine glän- zende Schaunnmmer sind die Chinestl chen Gladiatoren. Wa» aber ein männlicher Athlet keuchend, lchwitzend und muskelspannend zeigt, das Icislct die sehr schöne Claudia Alba ebensogut mit Heller lächelnder Grazie. Lola Menzell und Ihr Partner S o l o m o n o s t sollen Amerika» bestes Tanzvaar lein. Sei ei oder lel e» nicht, die Tänzerin be- lebt und beseelt ihre Produktion, der Tänzer läßt alle« übel Feminin« ver- missen und so hat man helle Freude an diesen anS Akrobatische grenzenden Tänzen, bei denen sich die Spitzentechnik der Tänzerin noch einmal prächtig bewährt. Die Ordner der Pralelarischen Feierst»ndrn werden gebeten, am Sonn- tag. den IL. September, srllh g Uhr, im Großen Schauspielhaus(Eisgang Schisibauerdamm) vollzählig zum Ordnerdienst zu erscheine». Sprechchor ffir prolclarlichen Feierstunde«. Heute abend,%8 Uhr, in der Aula der Sophieii-Schule, Weinmeisterstr. 16/17, Uebungsstunde. Typhus in Pommern. Di« Typhusfälle in Pommern mehren sich. In Heinrichs« hos mußte die Schule geschlossen werden. In Gollnow ist die Zahl der Typhueerkrantungen in den letzten beiden Tagen von 18 auf 30 gestiegen, so daß dos Kreiskrankenhaus be. reite voll belegt ist. Ein Äakderholungsheim ist als Ersatzkranken. Haus eingerichtet worden. Das Baden im Freien wurde verboten. ein« Molkerei, die als Krankheitsherd erkannt wurde, ist geschlossen worden. Auch in Stettin sind einige Krankheitsfälle vorgekommen, Geschäftliche Mitteilungen. «» Ist von grobe« Iotereste, die Ursache und dl« Sulftehung oo»«fc wohnheiten und Singe» zu erfahren, die unser täglich«» L«b«« auosstlle». I» dieser Reit der gros.cn Umwälzungen gibt e» so»lel« Erfindungen. Neu. «inrill! tungen und Verbesserungen auf alle» Gebieten, daß mau kaum di« Reit dazu findet, einmal über ihre Entstehung nachzudenken. Wenig« Sauo. sraueu, die seit Jahr und Taq ihre Speisen mit„Ziaudand* statt Butte» bereiten, wissen, daß di« Entsiehunq der Margarine«wer Anregung Navoleons III. zu verdanken ist. und dasi erst nach langjährige» versuchen und Berdesserungen eine Margarine auf den Markt gekommen ist, wie die„Blau- band". Ihr« Eigenschaften, der gule Geschmack und Geruch, ihr« Haltbarkeit und«in der Butter glcichwcrttger Nährwert sind jeder Hausfrau bekannt. weNerbericht der Sffentsschen Wetterdienststelle für Serlla. sSiachdr. Verb.) Meist U Oden und ze lweile heiter, wclterbin ziemlich Ml. nur etwa» windig.— Für Deutschland: Meist trockene«, kühles und windige« Wetter. bestes Zugreifen Sei Sport und im Hause tüchtig handanlcgen ist zwar ein gutes Training für Körper und Geist, aber eine große Gefahr für Hände und Teint Elida Jede Stunde Cream: Früh, nach dem Waschen, naA der Hausarbeit, nadi dem Tanz— verwende sie zu jeder Stunde, denn sie verschwindet in wenigen Sekunden völlig in der Haut, ist stets unsichtbar, aber nie unwirksam. Eine ideale Unterlage, auf der Puder fest haftet. Nicht fettend, naturellfarben, Tnbe 1 M. JEDE STUNDE CREAM »Reichsmark' anstatt Golömark. Wachsendes Vertraue« in die Währung. Das Vertrauen In die Sicherheit verdeutschen Wäh» r u n g hat neuerdings in einer ganzen Reih« von Mahnahmen einen sichtbaren Ausdruck gefunden. Zu erinnern ist hier in erster Linie an die Aufhebung des Dollarzwangskurses, die bis- her auf die Gestaltung der Geldverhältnisse bei der Reichsbank günstig gewirkt hat. Gerade im Hinblick auf die beoorsichettden grosjen Uebertragungen von den Reparationszahlungen war es von besonderer Wichtigkeit, den Zwangekurs der Mark aufzuheben und so den Devisenmarkt wieder als Barometer für die Wirtschaft ein- zuschalten. Di« Reichsbank geht nun noch weiter. Wie fetzt zuver- lässig bekannt wird, plant sie den Umtausch von Noten in Gold zuzulassen. Und zwar geschieht das mcht wie früher durch Ausprägung von Goldmünzen, also im täglichen Verkehr, sondern man beschränkt sich darauf, größere Beträge von Marknoten M dem im Bankgesetz vorgesehenen Kurs in Goldbarren ein- zutauschen. Auch diesen Schritt könnt« die Reichsbank nicht wagen, wenn sie nicht sicher wäre, daß Störungen für die deutsche Währung daraus nicht zu erwarten sind. Bis zu einem gewissen Grade würden die jegt geplanten Maßnahmen eine Ergänzung der Aushebung des Dollarzwangskurses bedeuten, da auf diese Weise eine den gering- fügigen Schwankungen des Devisenkurses entsprechende, sich also dem Geldkurs genau anpassende Ein- oder Aussuhr von Gold erleichtert wird. Eine drille Maßnahme, die zeigt, daß auch Privatlnstitute sich aus die dauernde Stabilität der Reichsbank einstellen, wird jetzt von der Preußischen hypothekenaktienbank ange- kündigt. Bisher lauteten die zur Beschasfung von Grundstückshypo- theken ausgegebenen Pfandbriefe der deutschen Hypothekenbanken noch durchweg auf G o l d m a r k, wobei eine Klausel das Gold- Verhältnis genau bestimmte. Die Preußische hypothekenaktienbank beabsichtigt nun, in der nächsten Zeit Pfandbriefe herauszugeben. die nicht mehr auf Goldmark lauten, sondern einfach auf»Reichs- mark". Früher glaubte man. mit Schwierigkeiten bei der Unter- bringung der Pfandbriefe rechnen zu müssen, wenn man die er- wähnte Goldklausel nicht in den Besttztitel einfügt«, heut« dagegen ist man bereits so weit, die Sorge um die Kurserhaltung der Reichs- mark ruhig der dazu bestimmten Reichsbank zu überlassen, indem man diese Reichsmarkpfandbriefe in den Verkehr gibt. Zunächst erfolgte eine derartige Pfandbriefemission nur über den Betrag von zwei Millionen Mark. Auch behält man sich vor, neben den Reichsmarkpfandbriefen vorläufig noch Goldmartpfandbriefe aus- zugeben, bis sich der neu« Typus eingebürgert hat. Man hofft jedoch, daß dies bald der Fall sein wird und daß man dann nur noch die gewöhnlichen Reichsmarkpfandbriefe wie in der Vorkriegszeit benötigt. Di« Ausgadebedingungen und die Verzinsung der neuen Pfandbrief« sind die gleichen wie bei den zurzeit üblichen sieben- prozentigen Goldmarkpfanddriessn. Eine Reichsanleihe km Mslanü ohne Golöklausel! Es scheint übrigens, daß auch das Reich in absehbarer Zeit an den ausländischen Kafzitalmarkt mit einer Anleihe herantreten will, die nicht mehr an du Goldmarkklausel gebunden ist. Aus der Dresdener Induftrietogimg kündigt« Reichssinanzminister Reinhold sür die nächste Zukunft ein Ereignis an. da» die S I ch« r h« i t der deutschen Währung erneut beweisen werde. Natürlich wurde kiese Ankündigung in Bank- und Börsenkreisen besonders beachtet. Unter den Vermutungen und Meldungen darüder, wovon di« über die Prägung von Goldmünzen und deren obligatorische Hergabe gegen Roten der Reichsbank sicher falsch ist, hält sich mit Hartnäckigkeit ein« englische Meldung, wonach das Reich eine Auslandsanleihe be- absichtig«. Do» Beachtliche an dieser Meldung ist weniger die Be- Häuptling, daß das Reich die Anleihe nicht eigentlich aus dringendem Bedürfnis auflegen wolle, als baß die Anleihe auf Reichsmark lauten werde. Bestände die Absicht und wäre da» der Fall, so würde da« allerdings ein weithin sichtbore» und wichtiges Merkmal für den Kredit der deutschen Aaluta sein. Es würde di« Anerkennung der Reichsmark als internationale Währung be- beuten und darüber hinaus die offiziell« Wiederherstellung des beut- schen Reichskredits, der bekanntlich unter der Entwertung der alten deutschen Reichsanleihen sehr gelitten hat. Die Sparkasten in öer kreöitwirtsthast. Der Deutsche Sparkassentag. der soeben in Augsburg stattfand, faßte zur Kreditpolitik der Sparkassen folgende Eni- schießung, die erkennen läßt, wie diese gemeinnützigen Institute ihr« Aufgabe in der modernen Kreditwirtschaft aufsassen: Die Sparkassen sehen nach wie vor in der Pflege des Realkredlts eine ihrer dringendsten Ausgaben. Es wird angestrebt, in absehbarer Zeit den H y p 0 t h« t a r l r e d i t d e r S p a r k a s s e n, wie in der Vorkriegszeit, wieder auf iO Prozent der Spareinlagen zu bringen, soweit dieser Satz nicht schon erreicht ist. Bei Beurteilung der letzigen Ziffern des Hypothekargeschäftes ist zu berück- sichtigen, daß ein erheblicher Teil des Kommunalkredites der Spar- lassen langfristigen Anlagezwecken, insbesondere dem Wohnungsbau, zugeflossen ist und daß außerdem auch die von den Sparkassen er- wordenen beträchtlichen Bestände an Pfandbriefen und Obligationen aus den langfristigen Sparkassenkredit in Anrechnung gebracht wer- den müssen. Zur Befriedigung des dringenden Realkreditbedars» der Landwirtschast beabsichtigt die Sparkassen, und Giroorganisation. verfügbare Mittel der größeren Kassen den ländlichen Svar- tassen im Wege de» Ausgleichs über die Girozentralen zuzuleiten. Der mittel ständische Kundenkreis der Sparkassen, der keinen Grundbesitz verpfänden kann, hat auch ein Anrecht auf den Kredit der Sparkassen, namentlich als kurzfristigen Bctriebskredit zu angemessenen Sätzen und in der für den Mittelstand geeignetsten Form. Aus diesen Gründen gewinnt die Darlehnsgcwährung in laufender Rechnung besondere Bedeutung. Der Umfang dieser Kredit. aeschäfte, die im wesentlichen aus kurzsristigen Giroeinlagen gespeist werden, bleibt schon wegen der notwendigen Aufrechterhaltung der Liquidität der starken Inanspruchnahme der Sparkassen für Kom- Munal- und Realtredit und wegen der gesetzlichen Anlegungsbestim. mungen zurzeit leider noch in beschränkten Grenzen. Sowohl im eigenen Interesse der Sparkassen wie auch im Interesse der Gesamt- Wirtschaft liegt eine verstärkte Förderung de« Ueberweisunge- verkehre. Der Ausbau des kommunalen Giroverkehrs und de» Gironetzes gehört zu den wichtigsten Wirtschaftsaufaaben im gegen- wärtigen Bankwesen. Auf dem Gebiete des langfristigen Kommunal- kredites haben die Girozentralen durch Echaifung der Sammel- anleihenden mittleren und kleineren Kommunal- verbänden eine erhebliche Verbesserung ihrer sinanziellen Posi- tion gebracht. Nach den auch sonst herrschenden Organisationsgrunb- lötzen bilden die Sammelanlechen der«inzelstaatlichen und provinziellen Dirooerbände bzw. Landesbanken die Regel, di« Eiichelts- onleihen des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes di« Er- gänzung der Sammelanleihen. Die Sparkassen wie die Girozentralen sind zu einer loyalen Zusammenarbeit mit den Kreditgenossenschaften und den Privatbanken bereit In erster Hinsicht sind erfolg. versprechende Vereinbarungen mit den genossenschaftlichen Spitzen- oerbänden getrosfen worden. In letzterer Hinsicht ist Voraussetzung, daß die Privatbanken di« öffentlichen Geld- und Kreditanstalten in der Ersüllang unserer satznngsgemähen Pflichten und Ausgabe» nicht zu behindern suchen. Die ssapttalerh5hlMg öer dlsconto-Sesellschast. Di« Generaloersammlung der Diseonto-Gesellschaft genehmigte die angekündigte Kapitalserhöhung um 3S Mil- lionen Mark auf 135 Millionen Mark. In seiner Begründungsrede wie» Dr. Salomonfohn darauf hin, daß dos Mißverhältnis zwischen eigenen und fremdsn Mitteln die wichtigste Veranlasiung für di« Kapitalserhöhung fei. heut« Hab« die Bank(ohne Norddeutsch« Bank und Schaaffhausenscher Bankverein) 100 Millionen Mark Aktienkapital und 38,1 Millionen Mark Reserven. An Kreditoren stehen dem gegenüber im Gesamtkonzern 870 Millionen Mark, für die Diseonto-Gesellschaft allein 720 Millionen Mark. 1S13 betrug das Aktisntapltal 300 Millionen Mark, außerdem waren 118 Millionen Mark Reserven vorhanden, die Gesellschaft arbeitet« mit 800 Millionen Mark fremden Mitteln in Form von Kreditoren. Während heut« nur 30 Proz. der Kreditoren als Dauer kreditoren bezeichnet werden kann und für die übrigen 70 Proz. ständige Kasfendispositionen ge- troffen iverden müssen, weil mit ihrem Abzug jederzeit gerechnet werden kann, waren vor dem Krieg« die Bewegungen der fremden Mittel erheblich geringer. Don den neuen Aktien werden 20 Millionen den bisherigen Aktionären angeboten, von den restliehen 10 Millionen erhält di« Firma Dillon Read in New Port 10 Millionen in Form von Zertifikaten, dl« erst in zwei Iahren in Aktien umgetauscht werden und dann an den Markt gebracht werden können. Ein Aufsichtsrats- mandat für Dillon Read ist hiermit nicht verbunden. Auf weiter« zwei Millionen erhält Dillon Read ein Optionsrecht, so daß drei Mil- lionen nicht an den Markt gebracht werden. Dr. Salomonfohn glaubt auf Grund der Ergebnisse de» ersten Semesters 1926 feststellen zu können, daß wegen der Verzinsung des erhöhten Kapital» di« Gesellschaft nicht ängstlich zu sein brauche. Da» Efsektengeschäst hob« bessere Resultat« gebracht und habe den Ausfall auf Zinsen und Provistonskonto wettgemaeht, ebenso seien aus dem Konfortialgefchäft überraschend günstige Ergebnisie herausgewirtfchaftet worden, heute müsse die Bank allerdings noch öffentlich« Gelder zu sehr hohen Zinsen herein- nehmen, aber da ein« Besienmg In der Wirtschaft zu verzeichnen sei, werde auch diese den Banken wieder wie vor dem Krieg« zu niedrigen Sätzen ihre Gelder zur Verfügung stellen können. Man dürfe freilich di« Besserung in der Wirtschost nicht überschätzen, sie geh« nur l a n g s o m vor sich und werde erst nachhaltig sein, wenn di« Handels- beziehungen so geregelt seien, daß in der Weltwirtschaft der Bedarf, der sicherlich vorhanden sei, dort gedeckt werden könne, wo er am billigsten sei. Qiiolität und Einbringung öer Ernte. Heber Saatenstcmd und Ernteergebnisse in Preußen wird berichtet: Di« an den nassen verlauf der Witterung in den Monaten Juni, Juli und teilweise auch im Mai geknüpfte Erwartung, daß der August schön und trocken sein werde, hat sich nur teilweis« erfüllt. Für die Einbringung der Ernte ist di« veränderlich« Augustwitterung meist sehr störend gewesen. Im ganzen war der bisherig« verlauf der Crnt« zwar sehr schwierig wegen der Wetterstörungen und der starken Lagerung, aber noch leidlich befriedigend. Fast überall be- finden sich noch Weizen und haser draußen, die Übrigen Körnerfrüchte sind bi» auf kleine Rest« eingescheuett. Di« Druschergebniss« haben sott überall enttäuscht, denn di« Mengen sind erheblich kiciner, als erwartet, oft bis zu 40 und SO Proz Was di« Einwirkung der Augustwitterung auf die spätreifen Körnerfrüchte an- geht, so werden dies« weniger gut beurteilt al» im Vormonat und zwar um 0,1 bis 0,3 Punkte. Von den Hackfrüchten haben die Kartofseln durch dl« starke Nässe des Sommers empfindlich gelitten. Di« Rüben- und Kohlarten werden allgemein günstig beurteilt, obgleich allerlei ftngezieser ziemlich verbreitet ist. Internationaler /lustansih elektrischer Energie. In der elften Sitzung der Weltkraftkonferenz, die in diesen Tage» in Basel abgehalten wurde, oerwies der Generatberichterstatter Pro- sessor L a n d r y aus die Wichtigkeit der Frage des Austausches elektrischer Energie zwischen den verschiedenen Län- d e r n. Prof. Landry bedauerte, daß Länder wie Italien, Schweden, Norwegen, Kanada, die über das hier behandelte Thema wertvolle Erfahrungen besitzen, es nicht für nötig hielten, einen diesbezüglichen Bericht vorzulegen. Er kam zu dem Schluß, daß die Zweckmäßig- teit des Austausches elektrischer Energie zwischen ausländischen Ge- bieten, die sich in bezug auf die Energie ergänzen, außer Zweifel steht, denn erst dadurch werde eine intensive Ausnützung der natürlichen Energiequellen, aber ganz besonders ihre gleicbmähige Ausnützung möglich. Es müsse alles getan werden, um den Energieaustausch zu entwickeln. Im Lause der Diskussion bedauerten einige Redner, daß die Gesetzgebung über den Austausch elektrischer Energie schwer- fällig und hindernd wäre, während sie die Verwertung der Abfall- energie, wosür keine oder zu wenige Abnehmer im Lande zu finden sind, fördern sollte. Es wurde unter anderem bemerkt, daß der Import elektrischer Energie sür die Weiterentwicklung der eigenen Wasserkraft des betreffenden Landes ein Hindernis sein könnte und daß die Jndustriesirmen, die an dieser Wasserkraftnutzung besonderes Interesse haben, sich gegen einen unbegrenzten Import sträuben würden. Es wurde auch die Gefahr erwähnt, die gegebenen- falls für die Volkswirtschaft entstehen würde, wenn der Austausch elektrischer Energie zwischen den Ländern in gar keiner Weise ge- regelt wäre. Der Wunsch nach einer möglichst freien Gesetzgebung über den internationalen Energieaustausch konnte jedoch nicht sämt- liche Stimmen vereinigen, hingegen wurde einstimmig der Wunsch nach einer Vereinheitlichung der statistischen Angaben über die Energiequellen der Welt ausgesprochen, damit die in den verschiedenen Ländern veröffentlichten Z�len miteinander verglichen werden könnten. Eine erste französische Stabilisierungsanleihe. Die in Frank- reich zur Verwaltung und Tilgung der schwebenden Schuld ge- bildete Amortisqtionskasse gibt die ersten Zeichen ihrer Wirksam- keit. Nach ihrem Vorschlag soll Ende dieses Monats eine Konsoli- dierungsanleihe zwischen 2 bis 4 Milliarden Franken (Papier-, nicht Goldfranken) aufgelegt werden, die durch die Ein- nahmen des Tabakmonopols und die der Amortisätionskasie gleicherweise garantierten Steuern gesichert werden soll. Dieser Plan ist bedeutsamer, als er für den ersten Augenblick I ch e i n t. Vorgesehen war diese Anleihe nämlich in dem Poin- cartschen Finanzplan nicht. Beabsichtigt war vielmehr, aus den lausenden Einnahmen der Amortisationskasse die Ankäufe angebotener Staatsschuldtitel zu bewerkstelligen. Aus der Auf- legung einer Anleihe darf man daher schließen, daß entweder die Scbuldtitel übermäßig stark angeboten werden, was auf eine starke Anspannung des Geldmarktes schließen ließe, oder die Ein- nahmen der Amortisationskasse zu spärlich stießen, um auch schon das gewöhnliche Angebot aufzunehmen. Jedenfalls hätte die An- leihe«ine für die Stabilisierung de« Franken schwer- wiegende Konsequenz. Ein gewichtiger Faktor für die Beruhigung der Besitzer von französischen Schuldtiteln war die bisher in Aussicht gestellte Möglichkeit, die Schuldtitel in Aktien einer Tabakmonopolgesellschaft umzutauschen, die eventuell gegrün- det werden sollte. Diese Gründung und damit der Umtausch würde unmöglich, wenn die Einnahmen des Tabakmonopols zur Sicherung einer Anleihe herangezogen würden. Die Zlachskredile. Wie bei anderen Industriezweigen hat auch bei der Flachsindustrie das Reich eine Exportkreditgarantie von 9 Millionen Mark übernommen. Bearbeitet wird diese Angelegen- heit vom Relchswirtschaftsministerium. Nach den bisher dort ein. gegangenen und bearbeiteten Anträgen ist die Kreditgarantie bisher m Höhe von 5 Millionen in Anspruch genommen worden, und zwar in erster Linie durch Spinnereien, während der bisher auf die Röstemen entfallende Anteil am Kredü verhältnismäßig gering ist. Man glaubt, daß sich auch bei den Rästereien nach der Ernte ein stärkeres Kreditbedürfni» zeigen wird. 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Tsleph.: Moabit 518 Berlin O, Petersburger Str. 60. Tcleph.; Königstadt 4605 Berlin N, Chausseestrafle 76. Teleph.; Norden 7813 Berlin O. KoppenstraEe 07 Teleph.: Königstadt 8075 Cer.'ln SO, Grünauer Str. 15. Teleph.: MoriUplatr 7232 Neukölln, Bsriiner StreDe 13. Toleph.: Neukölln 1984 Moabit, Wilsnacker Str. 25. Teleph.; Moaolt 1105 Stoglit«, SehloBstraBe 121. Teleph.: Steglitz 3564 Charlottenburg, Wllmeradeifer 8tr.157. TeL: Wllh. 821 Achtung 1 1 Liter enthi tt% Ltf. mehr alt% Flatoh« I Königstr. 33 Chausseestr.113 AaiBkl.AlUMHiarpl.»«>» Sletliaar Bahnhol I UM ik DowwnUg um Vtrfajuojl- ScMUUk BestcUangta Oranfenstr. 40 • n» O ra«!« n■*la is leg ydtt stfdcal Verein der Berliner Such- drucker und Schristgleßer Die Stimmzettel zur Urwahl von vier Saudsetzerdeisitzern im Verbandovorswndc sind ab Freitag, den 10. September 1926, von der Berrvaltung. Engeluser 2i/2o, abzuholen. Wir ersuchen bi« Bertraueneleute der Betriebe, Mr die rechtzeitige Abholung und pünktliche Rücklieferung der Stimm» zettel Sorge zu tragen Orr Gauvorsland. Siedelangsparzelien in herrl. □R 15 n Ritberodori, Bln.. Franzstr. 7. Plötzlich und unerwartet verstarb am Sonntag, den 5 Sept. mitt. 1 Uhr unser innigst geliebter guter Sah». Neffe und Enlel Wernei» im Alter von 12 Jahren Die» zeigen tietbetrüdt an fflar Pape neki Fm Marie gib. Voflnert und Verwandten z. I. Haselhorst a. d. Hallig, d. 8. Svt 2V Di« Beerdigung findet am Freitag. den Ist Sept. nachm VI, Uhr von der Halle de» ftadt. Friedhose» in Span» dau au» statt. Strafienbadn 151 di» Alinke-Denkmal irsDecfpenoen leder Art ltetert p r e t» w e r I ?e»iKl vollst». vormal» leber« ttuu Mariaunenetr.Z. Amt Moritzpt. I0Z0S osnltIsgung. Beim Hinscheiden meine» lieben Manne», de» AaiUrals Dr. Silberstein find mir so viele Beweise herzlicher Teilnahme und ehrenden Dedenken» zuteil geworden daß es mir ein Bedilrsnl» ist, den Beztrkskörperschaften RcuköllirS, den Bertretern der Stadt Berlin den Parteifreunden und allen lieben Freunden, Kollegen und Verwandten meinen aufrichtigsten Dank zu sagen Sldonle SUbCntetn. Unsere Häuser bleiben Donnerstag unü Ireitag geschlojlen Setraaene Herrengarderohen Sriell- lchastsanzllae für torvulenie Fiauren staunend billig. Nah. Früher Mulack- strafie, setzt Gormann straffe 25/26.* «ettenverkavf! Neue Bexten 12.50, 19�0. 22�0! Prachtvoll« 27�1. M.— k Halbdaunen ZZ,50! Kinderbetten 875! Bettwäsche! Sardinen! Steppdecken! Pelzwaren, alle» spottbillig! Keine Lombardware! Leihhau» Brunnenstr. 47. Bettfebern», Bettenverkaus! Preis- abdau! Riesenauswahl 11.59. 18L9. 21,—! Prachtvolle 28,—, 82.—! Daunenbetten 37,50! Kopfkiffen 3,95! Bettsedern 0,70 auswärt»! 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(Ulislein.Bau) Meldungen bei Bauführer Kühne t— Anserate im A Vorwärts »(Kcheru Erfolg! SenfDiüller mit guter Erfahrung mögt sofort gesucht Angebote und CiB loa ff. Exp. ff. Blatte». Vonnerstag September 192H Unterhaltung unö ÄVlssen öeilage öes vorwärts Die»üöische öraut. Erzählung von Max Barthel. (Schluß.) Wie lange ich in jener Sommernacht durch die Straßen ge- laufen bin, weiß ich Flicht mehr. Am Hafen endlich kam ich zur Besinnung und setzte mich in ein billiges Cafe. Die Wirtin war eine junge Frau mit ganz kalten Augen. An den Holztischen saßen Matrosen und Hafenarbeiter. Blauer Tabatsrauch wölkte über ihren Gesprächen und stieg auf wie aus einer Feuersbrunst. Die Wirtin kam an meinen Tisch, setzte sich zu mir und begann plötzlich deutsch zu reden. Als sie meine große Ueberrqschung sah, lachte sie laut. „Ihnen sieht man den Deutschen auf tausend Meter an," sagte sie.„Drei Jahre war ich in Berlin und Hamburg. Ich kenne die Deutschen. Sie sind liebe Kerle. Bist du auch ein lieber Kerl?' fügte sie hinzu und legte ihre Hand auf meinen Arm. „Weiß nicht, Madam!" sagt« ich.„Manchmal schon, aber nicht immer." „Aber vielleicht heute?" lachte sie und sah mich mit den eis- klaren Augen forschend an. Mit der linken freien Hand winkt« sie einen jungen Menschen vom Nachbartisch heran und stellte vor: „Das ist der Mijnheer Schobbs aus Hamburg, also ein Landsmann von dir." „Darauf müssen wir trinken," sagte Mijnheer Schobbs, der ungefähr dreißig Jahre alt war und eines von jenen Gesichtern hatte, die nur da sind, um wieder vergessen zu werden.„Darauf müssen wir trinken, Kamerad." Die Wirtin eilte davon und brachte drei Gläser englisches Bier. Sie blieb bei uns sitzen, trank mannhaft mit, und nach fünf Mi- n.iten stand schon die zweite Runde vor uns. Schobbs erzählte von Hamburg, von Sankt Pauli und der Reeperbahn, kam dann auf den Hafen zu sprechen und auf die Schiffahrt, auf eigene Reisen nach Indien und Australien, erwähnte auch Marokko und landete endlich in großem Bogen bei mir, bei meinen holländischen Plänen und erbot sich noch diese Nacht zu einer Führung durch das unter- ird'fche Amsterdam. Bon diesem Plan ließ er sich auch dann nicht abbringen, als ich erklärte, ich habe wenig Geld. „Macht nichts," sagte er.„Darum sind wir ja Landsleute." Erst jetzt weiß ich, daß ein fasscher Ton in seiner Stimme war. in jener Nacht merkte ich nichts. Wir hatten ja ein Glas nach dem anderen von dem schweren englischen Bier getrunken. Mir war "lies gleich: die junge Frau mit den eisklaren Augen, der Mijnheer Schobbs aus Hamburg— nach Liebe schrie mein Herz, und nur, um es zu betäuben und ruhig zu machen, saß ich an jenem Tisch. trank, rauchte, trank wieder und ließ mir von den großen Seereisen 'und auch über Marokko erzählen, nickte mit dem Kopf, stimmte bei und sagte zu allem„Ja". Als wir endlich zu der Rundreise durch das nächtliche Amsterdam ausbrachen, wechselte Schobbs mit der Wirtin einen geschwinden Blick, bezahlte die Zeche, nahm mich unter den Arm und führt« mich aus die Straße. Die Nachtkühle erfrischt« mich. Große Stern« standen am Himmel und lagen bleich und kühl in den Grachten. Die Straßen waren einsam. Schweigend liefen wir durch die Hafengegend und lamen nach langem Uniherschweife»»ach dem Judenviertel. Hier wurde mein Kopf plötzlich ganz klar. Die Klarheit eines Trunkenen zwischen zwei haltlosen Ohnmächten war in mir. Ich entsann mich vieler Dinge und dachte auch daran, daß ich vor vier Wochen noch in einem belgischen Gefängnis gesessen hatte und wegen Bagabundage "bgeschoben war. Der Borbeter in dem Arbeitssaal sah aus wie Mijnheer Schobbs. Nein, ich wollte nicht mehr weiter gehen und blieb stehen. „Eine kleine Minute noch, Landsmann," sagt« Schobbs.„Die erst« Straße biegen wir links ein und dann sind wir da." „Nein," sagt« ich.„Wir biegen nicht mehr ssnks ein. Ich muß jetzt nach Haufe. Wohin willst du mich führen?" „Dummkopf, zur Werbestelle für die Legion," sagte ävgevlich und unbedacht mein Begleiter. „Was für«ine Legion?" fragt« ich erschrocken.„Ich weiß von keiner Legion und will nach Hause." „Jetzt weißt du von keiner Legion mehr?" höhnt« Schobbs. „Wir haben die halbe Nacht zusammengesessen und von der franzö- sischen Legion und von Marokko gesprochen, du Narr." „Was habe ich mit der französischen Legion und Marokko zu tun?" antwortete ich mit verstellter Gleichgültigkeit.„Müde bin ich, Schobbs, und nach Haus« möchte ich, und du brauchst nicht mitzu- gehen, und den Weg find« ich schon allein, Schobbs." „Den Weg findest du schon allein?" wiederholt« der Mann, der wie der Vorbeter in jenem Brüsseler Gefängnis aussah.„Den Weg findest du allein? Das glaube ich dir, mein Junge. Aber da wird nichts draus. Denkst du. ich habe dich deiner schönen Augen willen zum Bier eingeladen?" Immer noch lagen die Straßen verlassen in der Nacht. Auch die Lichter dieses Quartiers waren gelöscht. Es mochte in der zweiten Stunde fein. Am Himmel war schon jenes leicht« Zucken, das den hellen Morgen ankündigt. Kein Laut war zu hören. Unheimlich war dies« schweigende, ersterbende Straße. „Laß mich, Schobbs," sagte ich schroff und nahm meinen Arm ' aus seiner Führung.„Laß mich, und wenn du mich nicht freigibst, Schobbs, dann brüll« ich laut nach Hilfe." „Brülle doch, mein Junge, brüll«, so laut du brüllen kannst. Hier hört doch kein Mensch," bekam ich zur Antwort. Und da schrie und brüllte ich in die Nacht. Mit einem Fluch versucht« Schobbs, meine Stimme zu unter- drücken. Aber schon öffnete sich das Fenster eines hohen Hauses. Ein junges Mädchen lehnte über die Brüstung, zuckte sehr schnell zurück und ich hörte ihre angstvollen Rufe. Nach«inigen Sekunden, die wie kleine Ewigkeiten waren, knarrte die Tür eines Hauses und ein halb- bekleideter Mann, von einem großen Hunde tänzerisch umsprungen, trat auf die Straße. Schobbs gab meinen Mund frei und lächelte oerächtlich. „Was ist mit dem Ionkheer?" fragte der Mann mit dem Hund. „Warum schreit er zur nachtschlafenden Zeit?" „Nichts ist mit dem Ionkheer," sagte Schobbs.„Mein Freund ist betrunken und findet den Weg nicht nach Hause." „Lüge. Lüge, Lüget" begann ich zu schreien.„Den Man» hier habe ich erst heut« nacht kennengelernt. Ich bin nicht sein Freund, Mijnheer. Verschleppen will er mich. In die Legion. In die Fremdenlegion." Der Wann mit dem Hund blickt- zeneiseind von mir zu Schobbs und wußte nicht, wem er glauben sollt«. Schobbs merkte das. faßte neuen Mut und begann überstürzt zu reden. Spanien. , Triumphieren Sie nicht zu früh, Mvera,— nach wie vor sind Sie unter aller Kanone!' „Sehen Sie, Mijnheer." sagte er..Sehen Sie selbst, Mijnheer, er ist ja betrunken und voll wie ein Faß. Karl(so nannte er mich plötzlich), Karl ist«in seelensguter Mensch, aber wenn er einen zuviel hinter die Binde gegossen hat, dann ist es mit ihm und seiner Güte vorbei. Dann sieht er Gespenster und kennt seinen allerbesten Freund nicht mehr." „Lüge, Lüg«, Lüge!" sagt««in« hell« Mädchenstimme hinter uns.„Dreimal Lüge! Der Ionkheer heißt gar nicht Karl. Er hat eine» anderen Namen." Nun war ich gerettet. Die Stimme des Mädchens hinter mir kannte ich. Es war Greises Stimm«. Als das Mädchen zu sprechen begann, wandt« sich Schobbs blitzschnell um, flucht« lästerlich und rannte in schnellen©ätzen davon. Der alte Mann rief seinem Hund einig« Wort« zu. Mit Windeseil« hetzte das große Tier hinter dem Flüchtling, faßte ihn bald und zer- fetzte sein« Kleider. Und nun begann Greste wieder gurrend und be- zaubernd zu lctchen. Als der Hund mit seiner Beute zurückkam, lachte ich auch. „Ionkheer," sagt« ernst und nrilde der alt« Mann und liebtost« seinen Hund.„Jonlheer, sür Beten ist jetzt die richtig« Zeit und nicht für«in Gelach. Sie sind gelassen einem Werber für die Legion i» die Händ. Ich hätt' Sie lassen gehen in das Verderben, aber Rachel hat erkannt den Ionkheer. Küssen Sie die Händ' von Rachel, die hat es verdient um die Tränen Ihrer Mutter, die sie hätte ge- weint, wären Sie verdorben in der Legion." Da beugt« ich mich und küßt« die Hände der kleinen, häßlichen Rachel, die in einer holländischen Herberge unter fremdem Namen dient« und Magdarbeit verrichtet«. Die Flammen eines neuen Morgens liefen schon über den öst- lichen Himmel, als ich endlich das Kosthaus erreichte. An»« öffnet« die Tür und grüßt« mit offenen Annen. Sie war in dieser frühen Stunde wie ein schönes und zärtliches Tier, aber ich ließ sie stehen, ich ging in die dunkle Kammer, und aus der Musik des Blutes stieg die Vision der„Jüdstchen Braut", so, wie sie Rembrandt gemalt hat und dann so, wie ich sie in jener Nacht erlebt«. Nach kurzer Zeit verlieb ich Holland. Viele Mädchen habe ich geküßt, aber kein Kuß war so lieblich, so zärtlich und so schön wie jener Kuß auf die oerarbeiteten Magdhände der kleinen Rachel im Judenviertel von Amsterdam. Sanatorium /lstlepios. vi« Ausgrabungen auf der Znsel So».— Elve medizinische Hochschule der Aailk«.— Heilkunde im alten Griechealand.— Sadeknren var 2500 Jahren. Schon vor einigen Jahrzehnten hat man in Epidaurus und Achen die Heiligtümer des griechsschen Heilgottes Asklepios ausge- graben und dadurch überraschende Einblicke in die antike Heilkunde gewonnen. Auch die Ausgrabungen in Pergamon haben wichtiges Material zur Kenntnis der griechischen Medizin beigesteuert. An allen diesen Ausgrabungen waren deutsche Gelehrte führend beteiligt. Wie die sranzösischc Theaterzeitung„Comoedin" jetzt mitteilt, sind nunmehr die von dem Gießener Unioersitätsprosefsor Herzog be- gonnenen Ausgrabungen aus der Insel Kos im Aegeischen Meer soweit gefördert worden, daß man auch dieses wichtige Heiligtum des Gottes Asklepios in allen seinen Anlagen wiedererkennen und durch viel« Inschriften fessttellen kann, in welcher Form die Heilkunde im alten Griechenland ausgeübt wurde. Die Arbeiten waren dadurch besonders erschwert, daß sich das Heiligtum in einer vulkanischen und heute von Erdbeben heiingesuchten Gegend befindet, so daß große Schwierigkeiten überwunden werden mußten, bis man die Tempel- anlagen wahrheitsgetreu wiederherstellen konnte. Dazu kamen politi- sche Unstimmigkeiten zwischen Italien und Griechenland, deren Rege- lung lange Zeit die Beendigung der Arbeiten verzögert Hot. Schon in außerordentlich frühen Zeiten wurde Asklepios ckdf der Insel Kos verehrt Die Sag« behauptet, daß direkt« Nachkommen des Gottes dort den ärztlichen Beruf ausübten. Es befand sich auf der Insel«in« Art medizinisch« Hochschul«: unter anderen hat man hochentwickelte therapeutische Institut« aufgedeckt. Die Geldmittel zu diesen Anlagen scheinen zum Teil von der Lgyptsschen Regierung in Alexandrien gegeben worden zu sein. Theokrit. ein Günstling der Ptolemöer. verbrachte dort im Schatten der Platanen und der mächti- gen Zypressen idyllssche Stunden. Er gehörte zu den Schöpfern des „Sanatoriums", das auf de» Höhen der Berg« lag und einen präch- ligen Blick über dos Land und das Meer gewährt«. Zu dem ursprünglichen Heiligtum gehörten ein imposanter Altar, «in alter von Zypressen umgebener Tempel und einige Fischteich«. Dies« bescheidene Anlage wurde im dritten vorchristlichen Jahr- Kundert, nachdem sie zuvor einmal zerstört worden war, reicher und prächtiger wieder aufgebaut. E» kamen drei überemandergelagerte Terrassen hinzu, die symmetrisch von gewaltigen Freitreppen durch- schnitten wurden. Jen Hintergrund befand sich ein heiliger Wer- sammlungsort, zu dem man durch mächtige Portal« gelangte. Dieser Ort dient« religiösen Zusammenkünsten. Je nach der Jahreszeit fanden von dort aus Prozessionen unter freiem Himmel statt, oder die Priester bewegten sich in langsamem Gang durch«ine endlose Galerie. Weiter oben erblickt man eine Anzahl griechischer Gebäude aus den verschiedensten Epochen, unter anderem«inen jonischen Tempel, ein Bersammlungsgebäud« und ein Museum, das berühmte Kunstwerke enthielt, wie beispielsweise die Antigon« von Apelles und die Venus Anadyomene. Der Altar war mit Statuen aus der Schul« des Praxiteles geschmückt. Ein Standbild Alexanders des Großen ist leider ohne Kopf gefunden� worden, der zweifellos bei einer Bulkankatastrophe verloren gegangen ist. Der größte Teil der obersten Terrasse trug einen großartigen dorischen Tempel aus weißem Marmor, der das ganz« Panorama beherrschte. Schon aus der Ferne konnten ihn die Seeleute, die von Athen nach Alexandrien suhren, im Glänze der Sonne erblicken. Von den Heiligtümern führten lang« Galerien in Räum«, sii denen die Kranken beobachtet wurden. Wenn ihr« Leiden an- steckend waren, sondert« man sie von den übrigen Besuchern streng ab. Jedes Sanatorium hatte neben den Räumen, die religiösen Zwecken dienten, Speisesäle, ausgedehnte Korridore für Spaziergänge und außerordentlich viele Nebengebäude. Zu Heilzwecken wurden besonders die natürlichen Quellen und Mineralwässer benutzt, die sich in der Nähe des Heiligtums«m benachbarten Gebirge fanden. Die Mineralquellen spielten«in« besonders groß« Rolle in der römischen Kasterzeit. Die Griechen jedoch liebten sie nicht, da sie nicht genug von Chemie oerstanden, um sie in den richtigen Mengen zu ge- brauchen. Daneben wurden den Kranken Badekuren verordnet, und wir finden dementsprechend ausgedehnt« Anlagen für kalte und warme Bäder. Man weiß, daß die Hydrotherapie vor 2500 Jahren schon hoch entwickelt war, und daß Badekuren nicht nur von den Kranken benutzt wurden, sondern vor allein später von den Römern in das System ihrer gymnastischen Uebungen aufgenomnien worden sind. Sie wurden also auch von Gesunden zur Pflege ihres Körpers benutzt. Die Entdeckung, die man bei diesen Ausgrabungen gemacht hat, sind sür die archäologische Wissenschast sehr bedeutsam. Sie führen auch heut« noch beinahe täglich zu neuen Ergebnissen, und man findet außer zahlreichen Inschriften auch alte Reliefs, Statuen, Geldstück« und Töpferwaren, die kulturhistorisch von Wichtigkeit sind. Man hat besonders durch die Entzifferung der Inschriften einen viel tieferen Einblick in den allgemeinen Stand der griechischen Wissen- schaft erhalten. Und man weiß heute, daß der größte Teil der Heil- Methoden, die die Asklepiosschüler angewandt haben, nicht auf reli- l giösen Aberglauben zurückzuführen sind, sondern wohl durchdacht und cvm damaligen Stand der Wissenschaft angemessen« medizinische Leistungen waren._ Eine neue Theorie vom Weltuntergang. Französische Gelehrte haben sich in letzter Zeit wieder eingehend mit dem so viel erörterten Problem des Weltendes beschäftigt und sind zu dem Ergebnis gekommen, daß das Ende der Welt heran- gekommen sein wird, wenn alles Land in das Meer gewaschen ist. Zuerst werden die tiefliegenden Länder von diesem Schicksal bctrossen werden: dann werden die Wasser in die höheren Gebiete und bis aus die Gebirge hiiiauistccgcn. Schließlich wird nur noch eine zitternde pelzvermummte Menschenschar von wenigen Tausend aus den Gipfeln der höchsten Berge ihr Dasein sristen, und diese Gipfel werde» von dem gefräßigen feuchten Element immer mehr bedrängt werden. Dann werden die Fluten des Ozeans auch den Gipfel des Mont Eoerest überschwemmen, und die letzte» Menschen werden sich aus ein paar Schisse rette», bid auch diese von den siegenden Wasserfluten verschlungen werden. Zu unserer Beruhigung erklären die französischen Gelehrte» allerdings, daß»och eine beträchtliche Anzahl von Jahren bis zu diesem Weltende versließen wird. Sie haben sich eingehend mit den Vorgängen beschäftigt, durch die das Wasser das feste Land zerstört. Die Felscnmassen der Hochgebirge werden erbarmungslos im Laus der Zeit angenagt. Dabei spielt die Sonne eine Rolle und ebenso der Frost. Frost dehnt das Wasser in den Spalten und Rissen aus, und die Sonne verursacht Risse durch die 5?itze. Der geschmolzene Schnee und der Regen waschen unaufhörlich Gesteinsstaub von den Bergen in die Ebene und ins Meer. Alle Flüsse führen Erbmassen in die Ozeane: fast überall werden die Küsten angenagt, und die See macht Fortschritte. Nach den angestellten Berechnungen nimmt man an, daß jährlich 370 797 Kubiksuß Erde von den Meeren ver- schlungen werden: das ist eine Menge, die genügen würde, um eine Erdschicht von 1750 Zoll Dicke dem Meeresboden hinzuzusügen. Wenn die etwa 90 Millionen Quadratkilometer Erde unseres Erd- balls in die Ozeane hineingewaschen sein werden, dann wird da» Bett des Ozeans um 1300 Fuß höher sein. Bis dahin aber werden mindestens 7 Millionen Jahre oergehen. Test dann droht der Weltuntergang, wenn die Erde nicht vorher durch einen Zusammenstoß mit einem Kometen vernichtet wird. X Einlcndunge» für bitfe Rubrik sind Sc diu SW 68. glcbenftcagc 3. Parteinachrichten für Groß-öerlin jlets an da» Be»>cl»s,kcetaciat 2. Hof, 3 Trep. recht», zu richten. Achtung, Genofslnnrn? ftnr v«zlrk»frauen?onf«rinz am Sanniaz, 12. Sepicmbcr. gilt als Auswtis für dit itreis. und Abteilungsleite. rinnen und die Woblfahrtsobleute das an diese bereit» gesandt« Zirkular Nr. 8 neben der ssunktionärkartc bzw. dem Arbeiieiwaylfahrt». auswei». Rur die Delegierten erhalten markierte Einladung. Da» Fraueusekretariat. l. iireis Mitte. Freitag, IN. September, Tty Uhr, Eihung der Stadt- und Bczirksverordnelen bei Dobroblaw, Swincmlinder Str. 11. 2. Ärcis Tiergarten. Achtung. Beemtenvertrcter der einzelnen Abteilungen: Am Freitag, IN. September,» Uhr, Zusammenkunst der Beamtenvertreter der Abteilungen zur Wahl eines Obmanne» bei Triimper, Flensburger Straße 3. heuke, Donnerskag. 9. September: Iungsozialisien. Krupp« SSbosien: Alle Kenolsen und Genossinnen beteiligen sich bis auf weiteres an den Veranstaltungen der Treptower Gruppe jeden Donnerstag abend>,?8 Uhr im Jugendheim Slsenstr. 3.— Krupp« Treptow: 7>4 Uhr im Jugendheim Klsenstr. 3 Vortrag de» Genossen Salomon über: Sozialistische Erziehung.— Krnpp« Neukölln II: 8 Uhr im Jugendheim Nogatstr. 52 Vortrag: Da» Ikulturbild der Gegenwart in der marxistischen Betrachtung. Referent Bruno Jakob». Morgen. Freitag. 10. September: 8. Abt. Dil Genossen beteiligen sich»ahlreich mit Bonner und Fahnen an dem Umzug zu Ehren des Genossen Molkenbuhr. Treffpunkt 7 Vi Uhr am Dennewigploii. 1»?. Abt. Alt-Slieniche. 8 Uhr im Jugendheim der Sartenssodt FunktionSr. sshung. Zungsozialisten. Kruppe Norden: 7 Vi Uhr Jugendheim Drthstrahe Im Ledigen- heim am Brunnenplas, Politisch-Satirikcher Abend. Referent Genosse Mendelsohn. Genossen, erscheint»ahlreich. Kiisse und Freund« ssnd ein- geladen.— Kruppe Pankow: Pllnktlich 8 Uhr im Jugendheim Atssingen- straße 48 Zusammenkunft. Tagesordnung: Organisatorische Fragen. Frauenveranstallung: 7. Abt. Freitag 7Vi Uhr bei Köhler. Tieckstr. s, Ludwig-Thoma-Abend. Referent Felix Fechcnbach.. Sterbetafel öcr Groß-öerliner partel-Grganlfatlon 43. Abt. Genosse Georg Groger ilt am Sonnabend verstorben. Die Sin- iischcrung findet am Donnerstag, abends 8 Uhr, in Bamnschulenweg statt. Sozialiftische �rbeiterfugenö Groß-Serlm. B.-V.-Sihung heute, Donnerstag, 7 Vi Uhr. Genossinnen und Genossen, die zur Jugendweihe als Ordner tätig fein wollen, treffen sich am Sonntag vormittag a Uhr am Groben Schauspielhau», Eingang Schiffbauerdamm. heule, Donnerstag, abends IVi Uhr: Norden: Schule Putbusscr Str. 3. Bortrag:„Arbeitsdienstjahr�. Schönhauser Botstadt I: Schule Driescner Str. 22. Mitgliederversammlung. ~ Schönhauser Vorstadt U: Schule Eberswalker Str. 10. Miigliederversamm- luug.— Liidweften: Jugendheim Lindenstr. 3. Vortroy: Der Sozialismus ist der Fliede, der Kapitalismus ist der Krieg.— Friedeuau: Jugendheim Offen. bachcr Str. b». Mitgliederversammlung.— Lankwitz: Gcmeindeschule Schul- strotze. Auosorache Uder das Stifmnqsfost.— Lichterfclde: Jugendheim Lichter. felde-West. Albrechtstr. 14». Vortrog: Pazifismus.— Erkner: Jugendheim an der Vundüedlung. Vortrag: Literatur. Werbebezirk Westen: WerbcbezirlsmIIallederve'sammlumg im Jugendheim Rossnenstr. 4. Thema: Reichsbannerjugend und CAJ. * Lankwitz: Sonniag. 12. Septembe?, Wcrbefest. Treffpunkt morgens Vis Uhr Bahnhof Lichterfolde-Ost. Vig Uhr Bahnhof Lankwitz. Nachmittag, 2 l�r Demonstration durch Lankwitz. Abmarsch 1 Uhr vom Sportplatz am Gemeinde. park.. Abends Vi7 Uhr Werbtfeier in der Aula de» Lvzcum» in Lankwitz. Antchlietzend Fackelzug zum Bahnhof Lichtcrfelde-Ost. Unkoftenbeitrag 30 Pf. Heute. Donneistag, Ueben im Heim. Auch Wedekinds ö n i g N i c o l o" war eine Enttäuschung, trotzdem das Drama zuerst für eine Uebertragung geeignet erscheint. Der Dialog ist klar geführt, und meistens stehen sich nur zwei Per- sonen gegenüber. Auf dem Wort ruht der Hauptakzent und weniger auf den Bühnenvorgängen, Momente, die für eine Uebertragung sprechen, denn man kann ohne große Anstrengung der Handlung folgen. Die Problematik der Sendcspiele zeigt sich hier. Di« Vor- gänge bleiben auch im„König Nicolo"' farblos, man muß z. B. den entthronten König in der Schneiderstube sehen. Alle schönen Worte können nicht darüber hinwegtäuschen, daß ein Bühnendrama eben zu seiner Vollendung das Theater braucht. Die Uebertragung bedeutet nur einen schwachen Ersatz, hat vielleicht allein den päda- gogischen Wert, daß der Hörer Wedekind kennenlernt, fraglich bleibt es allerdings, ob er den Dichter in dieser Gestalt liebenlernen kann. Es müssen Sendedramen geschrieben werden. Der Versasier muß mit Hinblick auf den Rundfunk schreiben, alles andere ist ein un- befriedigendes Experiment. Hinzu kam noch, daß Fritz K o r t n e r als Nicola nicht packen konnte. Die größten Teile seiner Parti« sprach er in scharf prononciertem. etwas dozierendem Ton, un- gefähr so sprach auch einstmals Wedekind, aber Hartau war der überlegene Gestalter. Kortners Stimme ist immer faszinierend, auch wenn sie unbeseelt über die Worte gleitet. Erst in der letzten Szene und in dem Spiel vor dem König war Kortner er selber, hier gab er mehr al» eine gut gesungene Stretta. Alfred Kerr hielt in wohlgesormten Sätzen den Einsührungsvortrag. Klar und allen verständlich gab er eine ausgezeichnete Analyse des Dramas. Das Rundfunkprogramm. Donnerstag, den 9. September. Außer dem übliehen Tagesprogramm; 12 Uhr mittag«: Die Viertelstunde für den Landwirt. 4 Uhr nachm.: Onkel Doktor alg Märcheneraähler:„Klein-Elschens Ausflug zur Sonne*.(ErzShlt von Dr. med. E. Mosbaoher). 4.30 bis 6 Uhr abends: Nachraittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman.(Bei gutem Wetter Uebertragung aus dem Hause der Funkindustrie). Anschließend: Ratschläge fürs Haus. Theater- und FilmdiensL 6.30 Uhr abends: Hans-Bredow-Schule(Bildungskurse). Abt. Technik. Ministerialrat Dr. Kohl:.Wissenswertes über den Rohstoff Holz*. 7 Uhr abends! Einführnng zn der Oper.Iphigenie auf Tanris' am 10. September. 7.30 Uhr abends: Paula Knüpffer vom Staatstheater: .Ein Interview mit Paavo Nurmi*. 8 Uhr abends; Vortragsreihe anläßlich der Deutschen Fnnkansstellnng Berlin 1926. Chefredakteur Karl Vetter:.Der Funkturm als Wahrzeichen des neuen Berlin". 8 30 Uhr abends: Kammermusik. 1. Johann Stamitz: Quartett B-Dur für zwei Violinen. Viola nnd Cello— Moderato — Andante— Allegro vivace 2. Dittersdorf: Qnsrtott F-Dur für zwei Violinen, Viola nnd Cello. Allegro— Andante— Menuetto — Finale. 8. Haydn: Quartett für zwei Violinen, Viola und Cello, op. SB, Nr. 3, C-Dur(Vogelquartett), AUegro moderato— Alle- gretto— Adagio— Rondo; Presto. Barmas-Quartett: Professor Issay Barmas, I. Violine; Willi Petereins, 2. Violine; Otto Klust, Viola: Fritz Bechert, Cello. 9.30 Uhr abends: Lyrik unserer Zeit. 1. Abend; Eichard Dehmel. 1. Einleitende Worte: Dr. Manfred Georg. 2. Rezitationen: Lothar Mnthel. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnacbrichton, Zeitansage. Wetterdienst. Sportnachrichten. Theater- und Filmdienst. 10.30—12 Uhr abends: Tanzmusik(Tanzorchester Ette). K&nigswusterhausen, Donnerstag, den 9. September. 3— 3 30 Uhr nachm.: Prof. Amsel und Oberschullclirer Westermann: Einheitskurzschrift. 3.30—4 Uhr nachm.: Direktor G.' Lehmann: Die Taubstummen im Erwerbsleben 4—4.30 Uhr nachm.: Oekonomierat Lembke: Hausfleiß und Handwerk auf dem Lande. 4.30—5 Uhr nachm.: Mitteilungen des Zentralinstituts. 5— 5.30 Uhr nachm.; Gewerbeoberlehrerin Walther: Zusammenstellung des Speisezettels und Kostenberechnung. 8.30 Uhr abends: Ucboi- tragung aus Berlin._ Vorträge, vereine und Versammlungen. Reichsbanner»Schwarz Rot-Gold-, SekHäfts stelle: Beilin S 14, Sehastianstt. 37/38, Hof 2 Tt. Friediichsh«!»! So., h. 11., KVs Uhr, Londs�tget Plötz.— Schöne. beea»Fticden.'/« Uhr: Veronika Lessino-Tbeater 8 Uhr: Cromwell TL a.llarfllrstinilaiiifli üonnerstag und -reitag geschloss. U.Sept. Premiere luslspiglbaus K Kukuli Wallner-Th. Direkt: F. Mezrtel Meute u. iolg. Tage „Hasemann's Töchter" Anfzng 8 Uhr CasioD-MEr ulr Was IM vermag Vorher Bunter Teil Gutschein 1-4 Pert Bei Vorzeigung der Annonce zahlen Sie flaut u Baikon t M. Loge u. Sessel' I 5i OBOSSeS SCHAUSPIELHAUS CHARELL REVUE Zu VlilTu) vtiraUt uua iQESepidri von ERIK CHARELL Tfiglich 3,15 Uhr. Ende präz. 11 Uhr. VerTartaat 18-7 Utr uaunterdiocbaa uou SitzplUa«'ou A I.— ao ta grflSten und«cdd-izlev Theater Deaiacdlands. lonniaq eicam. 1 Ukr»»«er» Vor cuiluag tu Ueleea Tnuüu ■ 0.50 bis M. L-, Ab heute bis 13. September einschließlich Rekhs- Gastwirtsmeue Alle Autohalle Kaiserdamm Die Hesse für den Restaurations-, Konditorei-, Kaifee- u. Hoteibedar* TBslich von 10 bis 8 Uhr abends, am Sonnabend und Sonylag von vormittags 10 Uhr bis 10 Uhr abends geöffnet III Knlercssanfe Soisder-AussfcUimgeii Die Messe Ist wöhrend Ihrer ganzen Dauer auch filr das Publikum geöffnet I Neues Töcoler am Zoo i 8„Ich heb Dich Hob- Pirk 1-5■ ieuil 5 M lmrk.iiiiiitertr. 51,1. 5371 Donnerstag, d. 9. Septbr. nachmittag» 31/, Uhr Lola Henzeli dos unerreichte Tnnzpliänotneo im Rahmen de» groBeo ! September-Spielplans! Friedenspreise t Rauchen gestattet! Sonntars J*0 Ermäßigte Preise! Theater des Wistens Irlnto; iieiipl. Sil Täglich 8 Uhr: D I« Revue Der Zog nadi dem Westen Vorrokiif ooBntubmbtn Preise 2—16 Mark Z0010& Garten Täglich»h 4 Uhr Konuert Aqnnrlnm geScknet v.9—1 U Tierkunst. Ausstellung meiicr a. lotD. Tor Kettbuser Str. fc TdzUch 8 Uhr: Wiederaus« treten der mt- > Sander mit Sckorscb »oa-III In ihren untf retchlen Leistungen. Srehe 40V( btälsa Sornlsq, I».: Erst» NachnllvVcntelluni zu erm ist Preisen m. voltemAdend.Vrogr. e SONDERZUG« 5 trifea.iin'/.Mti.so 9«•... v,. 1.« 9 W eckt Edamer'/j.. 7.40 ab hier Nachnahme Normnnnl«. floetorf(Holst.)IC2 Apollotheater FricArichstr. 2id Fsrmpr. Hasnh, 1806 Taglich 8 Uhr: Harfislein Der Stolz der 3. Kompagnie. LachstQrme! LachstQrmel Vorher: Das gr. SpezialitSlen-Programm Inlerieren brlfiflrt ERFOLG! KRONE Ralser-Hllee faölidi g » abends Vr l Berliner Str. Telephon Pfalzbarg 7916, Sonnabend)4� Uhr Sonntags 126 Sensationen 126 Preise, nur SKzplStze, von 63 Pi. bis 10 M. Vorverkauf unaaterbroeben ab lOUbi CircuskaeseD, A. Wertheim und K. d.W. Zoologigcber. -grJIiSTaMe" TThealer HUimillidi 8 Uhr asd Senntig udmisttgi 3 Ulr Slelflner Sänger Singende Baume Nachmiltzs halbe Preise, rolles Programm! Dönhoff-Brett'l (Saal o.fiart.): Varict«-Konziiff. u. pehäriel, besitzt diese siiin. e eine FeinheU d Schniste» die geradezu verblüffend, wirkt. Tiigt. Lob- u Dankschreid. dew'iken die erst. tlaisige Quolüät In 800 Geidjäften Gross. Berlin» ethiiillich. wo nicht. belM Fabrik. H. Streudei, Brriin 33, Tadoritr. 12. Dies. versendet lOKling ,.S.7öM. dabei I Rasier- iapparal od. Seife od Klingenfchärser grast». JUofcßa-iEg'preß-iSfaßett im(Europaßaus JSöniggräfsor Cfraßo 113*119» am Jinftaffor Safinftof — H! r" Eröffnung am'Donnerstag, 9. Sept., SsSH 6 SJfir naefimiffags