Nr. 426 ♦ 43. �ahrg. Musgabe A Nr. 21$ Bezugspreis. Wöchentlich 70 PsPtni«, monatlich 3,— Zieichomarl voraus»chlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Doiuia, Saar, und SRnnelartitl, Oesterreich. Litauen, Luiembur» 4.S0 Reichsmark, fllt da» ltbria- Ausland 5,50 Reichsmark pro Monat. Der»Borwiirts� mit der illustrier- ten Sonntagsbeilage»Volk und Zeil* iowie den Beilagen»Unterhaltung uno Willen*,»Aus der iiilmwelt*. »Frauenstimme*.»Der Kinde» sreund*.„Jugend-Borwärt»* und »Blick in die BilcherweU* erscheint wochentäglich»weimal, Sonntag, und Montag» einmal. Telegrawm-Adiels e: �Soz>aIdeM»Ira»�erIia« Morgenausgabe Verltnev VolkstrlLtkk (10 Pfennig) Anzeigenpreise: »ie» i n l p a l t i» e Nonpareille- -»eil» 80 Mennig, Reklame, eile 6,— Reichsmark,.»leine Anzeigen* das fettgedruckte Wort 25 Psennig (»uläffig zwei fettaedruckt« Wortes, jedes weitere Wort 12 Mennig, Stellengesuche da» erst« Wort 15 Pfennig, iedc» weitere Wort 10 Mennig, Wort« über 15 Buchstaden zählen fllr zwei Worte, Ardeitsmarkt Zeile 00 Psennig, gamilienanzeigen silr Adonncntc» Zeile 48 Pfennig. Anzeigen fllr die nächst« Nummer mllfsen bi» i% Uhr nachmittag» im Hauptgeschäft, Berlin SW 08. Linden. slrahr 3. abgegeben werden. Geäffne! von S'/j Uhr früh bis 5 Uhr n»chin ZentviXorgnin der Sozialdemokrati feben parte! Deutfchlands Redaktion und Verlag: Serlin Sw. öS, Lindenstraße Z Fernsprecher: Dönhoff ÄVS— 2S7. vorwärts-verlag G.m.b.H., Serlin SV). öS, Lindenstr.Z Postscheckkonto! Berlin>7 530— Bankkonto: Bank der Arbeiter. Angestellten »nd Beamten. Wallst». 05: Diskonto-Selelllchoft, Denosttenkasse«indenftr. 5, von Versailles nach Genf. Eine weltgeschichtliche Wende. Der Einzug des deutschen Volkes in Genf wurde vor» gestern beschlossen. Gestern reiste die Delegation ab, die unser, Volk international verantwortlich führt, heute begeben sich drei Männer auf den Platz, der ihrem Volke gebührt. Ein unscheinbarer Akt in einem bescheidenen Konserenzsaal. Es dröhnen keine Kanonen, es wird keine Schlacht geschlagen, es fallen nicht Menschenopfer unerhört. Nur eine Versamm- lung von Politikern begrüßt ein neues Mitglied. Viel ge- schästsmähige und diplomatische Prosa, ein wenig Feier- tags st immun g. Und dennoch: ein gewaltiges geschicht- liches Ereignis. Im Laufe der Menschheitsgeschichte lassen sich nur wonig Tage bestimmen, die eine Epoche beenden und die nächste er- öffnen. Unsichtbar tun die ökonomischen und politischen Ent- Wicklungsgesetze ihr Werk. Dsnnoch: wer sich in der Mühe der politischen Tagesarbeit den Sinn für„die ewigen, ehernen Gesetze bewahrt hat, nach denen wir alle unseres Daseins Kreise vollenden", der spürt es: heut und in diesen Tagen hat sich die„Umwälzung einer Ideologie" vollendet, eine „Revolution der Denkart" vollzogen. Die Dialektik der Ge- s.tichte hat sich sichtbar zugespitzt. Wie die Naturwelt der Sterne bestimmte, nie wiederkehrende Konstellationen passiert. so durchläuft heute unser« Menschenwelt eine Kurv« ihrer mächtigen Bahn. Di« Stunde gebietet, einen Blick in die Vergangenheit, einen Blick in die Zukunft zu tun. Schon einmal verlangte unser Volk, in den Völkerbund aufgenommen zu werden. In Versailles forderte das die devts�e Reo eri'nv o'o Jv-: wabr*" si-n" und">m Beweis, daß mit Ende des Weltkrieges eine neue Epoche der Geschichte anfangen sollte. i)ies war eine deuiiche jneg.ermig unter Leitung und unter maßgeblichem Einfluß von uns So- zialdemokraten. Diesmal ist die Sozialdemokratie nicht formell verantwortlich in der Regierung und in der Delegation vertreten. Und dennoch: Ohne uns wäre Deutsch- land heute nicht in Genf. Wir wissen es und wir sind stolz darauf: Wir allein haben die Internationale durch den Sturm und Drang von sieben harten Nachkriegsjahren im herzen und Hirne bewahrt. Nun ist sie zum Siege geführt. Die Idee der internationalen Gemeinschaft hat den engstirnigen Nationalismus niedergerungen. Ein Generalfeldmarschall des alten Systems mußte die Vollmacht für die Delegation in den Völkerbund ausstellen. Ein ehe- maliger Syndikus der kapitalistischen Industrie muß Deutsch- land nach Genf führen. Der internationale Gedanke brach den Nationalismus in Trümmer. Die schwarzrotgoldene Fahne der deutschen Republik flattert leuchtend unter den Farben der anderen Nationen. In dieser Stunde geziemt es sich, der G r ä b e r an dem Wege von Versailles nach Gens zu gedenken. Erz- b e r g e r, der am Ende des Krieges tatkräftig die Wendung Deutschlands �zum Völkerbundsgedanten organisierte, und R a t h e n a u, der das Reparationsproblem anpackte, um der internationalen Wirtschaftsvernunft freie Bahn zu schaffen. Wir grüßen alle die, die glücklicher ihr L e lke n bewahrten, es aber wie die Gefallenen einsetzten, um damit Deu-.sch- lands nationales Leber, und mit Deutschland Euro- pas internationales Leben gewannen. Und wir schütteln in Gedanken all den Männern und Frauen über Deutschlands Grenzen hinaus die Hände, die litten und wirkten, um den Ungeist von Versailles zu überwinden. Unsere politischen Gegner glauben uns verhöhnen zu dürfen, weil Heller Jubel unsere Kehlen erfülle. So lügen sie sich darüber hinweg, daß wir ihr Ideal der Revanche zcr- Prummern. Zum Jubeln ist für uns kein Anlaß gegeben. Zu unerhört sind die Opfer, zu grauenhaft die Leiden gewesen, ehe die Völker begriffen, daß sie den Frieden international organisieren müsien. Ein einsamer indischer Denker, der den Weltkrieg von ferne verfolgte, schrieb vor wenigen Iahren in einem Büchlein, das er dem damaligen deutschen Außen- minister zusandte, er sei entsetzt, daß der Krieg keine größeren Dimensionen angenommen, daß er nicht länger gedauert und mehr Opfer gefordert habe: denn er sehe nicht, daß die Menschheit diesmal zur Vernunft gekommen sei, und er fürchte, sie werde noch eines Krieges bedürfen. Wer Europa in den Nachkriegsjahren beobachtete, der klßmte wohl auf diesen Gedanken kommen. So bedeutet Deutschlands Er- scheinen in Genf m e h r als nur den Abschluß der Nachkriegs- zeit. Es bedeutet die Grundlegung einer euro- päiichen Stoatenvereinigung. Seit vorgestern und heute gilt europäisches Völkerrecht. Das Vertrogswerk von L o c a rn o tritt in Kraft. Es schafft für das umstrittenste Gebiet von Europa, für den Westen Deutschlands und den Osten Frankreichs, Frieden, In- dem es den Krieg und die Anwendung jeder Gewaltat für alle Zukunft zum Verbrechen stempelt und durch beson- dere Garantien praktisch verhindert. Und es schafft für den Osten Europas durch Schiedsverträge eine Friedensbürg- fchaft, die über die Grundsätze des Völkerbundes noch hinaus- geht. Zugleich aber gewinnen eben diese allgemeinen Völker- rechtssätze erst durch Deutschlands Eintritt in den Bund rechte Kraft. Der Völkerbund galt, mit Recht, nicht nur in Deutschland als ein Instrument der Sieger, geschaffen, um die Besiegten niederzuhalten. Selbst unvermeidliche und vielleicht nicht ungerechte Entscheidungen konnten sein Ansehen nicht stärken, weil das Volk an ihnen nicht mitwirkte, das an ihnen vornehmlich interessiert war. Deutschland wurde als für den Völkerbund unentbehrlich erkannt. Jeder Versuch zu neuen europäischen Verkehrsformen mußte scheitern, solange das große Kernland Europas im Völker- bund fehlte. Wir haben zugleich die begründete Hoffnung, daß auch der einzige europäische Staat, der sich jetzt zurück- zieht, daß Spanien der Völkerbundsgemeinschaft auf die Dauer nicht fernbleibt. Dennoch ist die Entschlossenheit, mit der die großen europäischen Mächte diesmal an Deutschlands Aufnahme festhalten, ein Zeichen, für wie wesentlich für den europäischen Friede» sie Deutschlands Teil- haberschaft in der Weltorganisation halten. Ist Deutschland dem Völkerbund unentbehrlich, so ist des- halb der Völkerbund kein Paradies, in dem Deutschlands Wünsche sich kampflos erfüllen. Deutschland tritt in den Völkerbund mit mannigfachen politischen Zielen und be- rcchtigten Zlnsprüchen. Noch ist Versailles nicht überwunden: fremde Truppen stehen noch auf seinem Boden, eine Kom- Mission fremder Militärs überwacht noch feine Rüstung ein- gehender als der Völkerbund die Rüstungen alle»- Staaten 'i vermachen will, ein Teil des deutschen Gebiets st- hl noch immer unier ausländischer Verwaltungshoheit. Dies sind militaristische Bruchstücke von Versailles, die un- veieinvar, die völlig unerträglich sind mit dem Geist, in dem der B ö l k e r b u n d den Frieden hüten und sichern will. Diese Ucberreste müssen fallen. Aber als Völkerbundsmitglied ist Deutschland in einer besonderen Lage. Zwar alle Staaten ziehen für sich selbst Nutzen daraus, wenn sie ohne Hintergsdanken die friedlichen Methoden des Völkerbundes für ihre international wohl ver- standenen Zwecke benutzen. Deutschland aber ist der einzige Großstaat, der auf diese friedlichen Methoden ein- zig angewiesen ist. Sein Schwert ist zerbrochen, das es. früher in die Wagschale der Politik werfen konnte. Und wenn nach unserem Willen es das nie wieder soll tun dürfen, dann kann«s um so vorbehaltloser sich dafür einsetzen, daß auch die anderen Staaten abrüsten. anderen Staaten liegt das unmittelbare, kurzsichtige Interesse an militärischer Sicherheit im Widerspruch mit den Interessen der Gesamtheit an friedlicher Sicherung. Strebt Deutschland nach der Ab- rüstung aller, so dient es auch seinen unmittelbaren Inter- essen. Der Völkerbund ist kein Paradies, in dem kampflos die Früchte den Interessenten in den Schoß fallen. Er ist aber eine demokratische Institution, die Gesetze für das Verhalten aller aufftellt. Hier findet die Wtllkür der einzelnen Staaten die Schranke, die sie mit der Freiheit der anderen verträglich macht. Diese Schranken empfinden die Nationalisten als Fessel: denn sie sollen den Krieg unmöglich machen, der ihre Revanchegelüste befriedigt. Deutschland erkennt diese Schranken des Völkerbundes freiwillig an. Es verzichtet damit, so wie die anderen Bundesvölker verzichteten, auf einen Teil seiner Souveränität, die es früher besessen. Deutschland in Genf: Das bedeutet, in ganz Europa wird der Naturzustand der Staaten überwunden. Die Ideologie des Völkerrechtes überwindet die Ideologie der Ge- walt. Doch sind erst die Anfänge geschaffen. Aber in diesen Anfängen wandeln sich schon die Formen, in denen die Staaten miteinander verkehren. Der Kr i e g, die Drohung mit Krieg und die Gefahr des Krieges, das war der I n h a l t d e r o u s- wärtigen Politik der vergangenen Epoche. Der Friede, die Erhaltung des Friedens und die Sicherheit des Friede»?, das ist der Inhalt der internationalen P o l i l i k des beginnenden Zeitalters. Im kommunistischen Manifest haben einst die Begründer des Sozialismus„von dem Sprung aus dem Reich der Not- wendigkeit in das Reich der Freiheit" gesprochen. Ein solcher weltgeschichtlicher Sprung vollzieht sich jetzt in Genf: Deutschland und Europa schreiten von dem Notstand internationaler Anarchie in den Zustand i n t e r n a t i o- y a l e r Organisation, in der sich allmählich die Frei» heit aller Völker verwirklichen soll. Die Mkunst öer öeutsthen Delegation. Abwehr dentschnationaler Prefsehetze. V. Sch. Genf, 9. September.(Eigener Drahtbericht.) Die deutsche Delegation ist heute in zwei Teile» angekommen. Ale Stresemann, Gaus, Bernstorfs und einige andere um M,6 Uhr mit dem fahrplaninähigcn Schnellzug von Basel eintrasen, hatten sich ein« für Genfer Berhältnisse sehr große Menschenmenge nn Bah»- Hof versammelt. Das erklärt sich erstens aus dem calvinistischcn Kantonsfciertag, wie auch daraus, daß es aus den Schweizer Bahn- Höfen Bahnsperre»nd Bahnsteigkarten. nicht gibt. Das„Journal de Geüeoc' hatte die.genaue Ankunftszeit mitgeteilt, und so wanderten außer den Pressevertretern aus allen Ländern viele Hunderte Einwohner nach dem Bahnhos. Als der Zug einlief, ent- stand ein wildes Gedränge, zunral die meisten sich um die Kino- operateure g�chart hatten, während der Wagen der deutschen Dele- gation, der sich an der Spitze des Zuges befand, 39 Meter von den verdutzten Kurbclmännern entfernt hielt. Es gab deshalb einen Wettlauf der Kinoleute und des Publikums,»m an die Tür des Wagens zu gelangen, aus dem die Deutschen ausstiegen. Es wäre sicher interessanter gewesen, diesen Wcttlaiis im Film fest- zuhalten, als die Begrüßung Stresemanns und seiner Begleiter durch den deutschen Gesandten in Bern, Genossen Adolf Müller, und den deutschen Generalkonsul in Genf, A s ch m a n n. Nur mit Mühe gelangten sie alle zu ihren Autos. Die Halbing der Menge war mehr als freundlich, zum Teil sogar begeistert. Wie wird das erst morgen im Neformationssaal werden!. Stresemann entschädigte einige Zeit später die enttäuschten Kinooperoteur«, indem or einen Spaziergang unternahm, der ihn schließlich zum Hotel Dietoria führte, dem der Aeformationssaal baulich angeschlossen ist. Der Saal war um diese Zeit völlig leer, da am Nachmittag keine Sitzung war. Die Deutschen ließen sich die Plätze zeigen, die für sie reserviert sind— ganz vorn links, seil- weits vom Rednerpult, entsprechend der französischen alphabetischen .Ordnung nebelt Bulgarien, in der Nähe der Belgier, Engländer und unmittelbar vor den Deutschösterreichern. Deutschland hat wie jedes Land— in dieser Beziehung macht man hier zwischen England, Deutschland, Frankreich, Uruguay oder Liberia keinen Unterschied— vier Plätze. Es find allerdings noch Erfatzplätz« in der Nähe belegt. Der zweite Teil der deutschen Delegation, uiiter anderem mit den Parlamentariern Genossen Breitscheid, Kaas, Rhein- b a b e n und Gertrud B ä u in e r, sowie den« Staatssekretär* Weis- mann und dem Pressechef Kiep, traf mn 949 Uhr abends ein. Dem Zug entstieg auch der Pressechef der sranzöfischen Botschajt, H e s n a r d, der seit Locarno unentbehrlicher Verbindungsmann zwischen Briand und Stresemann ist. Zum Empfang de» zweiten Teiles haiten sich am Bahnhof Stresemann mit den meisten anderen bereits eingetroffenen deutschen Herren eingesunden. Dann empfing der Reichsaußenmiiiister die deutsche und die ausländische Presse. In seiner Begrüßungsrede an die deutsche Presse teilt« er an positiven Tatsachen nur mit, daß für die mor- g'ge Versammlung vorgesehen sei. daß Mint sch itsch die deutsche Delegation durch eine Ansprache begrüßen würde, er selb st wird sodann antworten und Briand danach im Namen'aller Delegationen die Deutschen ebenfalls willkommen heißen. Demnach dürfte die vielfach angekündigte Rede Ehamberlatns unter- bleiben. Es ist auch richtiger, daß nur einer im Namen aller sprechen wird, sonst müßten nacheinander die Vertreter aller '48 Sraaten eigentlich ebenfalls das Wort ergreifen. Das wurde mit den Ueberfetzungen nahezu 100 Reden ausmachen, so daß die Auf- nahmesttzung mindestens drei Tage und drei Nächte ununterbrochen dauern müßte. Im übrigen ließ sich Stresemann von den bereits feit mehr als einer Woche in Genf anwesenden deutschen Pressevertretern über verschiedene Einzelheiten der letzten Zeit informieren. Der rege Gedankenaustausch hat gezeigt, daß die deutsche Delegation die vergangenen und bevorstehenden Dinge durchaus realpolitisch beurteilt und daß sie sich nicht an belanglose Aeuherlichkeiten klammert. Insbesondere wird mit Entschiedenheit betont, daß es jetzt keinen Sinn hat. nachträgliche Betrachtungen über gewisse Einzel- heilen der angewandten Geschäftsordnung anzustellen, selbst wenn sie nicht hundertprozentig den Wünschen der Reichsregierung ent- sprachen haben sollten. Sehr energisch wird der Versuch der deutschnationalen Presse verurteilt, die Tatsache der bevorstehenden Wahl Polens in den Völkerbundsrat immer wieder in den Vordergrund zu stellen, als wäre dies und nicht die einstimmig beschlossene Ausnahme Deutschlands das Ereignis. Auf diese Weise erreicht man lediglich, daß die große Bedeutung der Ausnahme Deulschlauds herabgesetzt wird. Damit wird vielleicht den Polen ein Gefallen getan, aber nicht den deutschen Interessen gedient. Ganz entschieden wird es abgelehnt, aus angeblichen Prestige- gründen gegen ein gleichzeitiges Erscheinen Deutschlands und Polens im Völkerbundsrat in irgendeiner Form zu reagieren. Die deutsche Delegation denkt nicht daran, die Tatsache, daß Deutschland von jetzt ab Mitglied des Rates, und zwar des jetzigen Rates, ist, dadurch äußerlich dokumentieren zu lassen, daß sie die Einberufung einer besonderen Ratssitzung pro korms und ohne Tagesordnung beantragen würde. Eine sührende Persönlichkeit der deutschen Delegation erklärte drastisch, aber treffend, es wäre ein- fach ki n d i f ch, hier etwas in diesem Sinne zu unternehmen, nur damit Deutschland den Polen zurufen könnte:„Aetsch, wir sind vor euch drin gewesen!" Im übrigen werde die Tatsache, daß Deutschland schon jetzt dem Rat angehört, und zwar dem alten Rat, dadurch dokumentiert, daß zu dein nach der morgigen Vollsitzung staltfindenden Bankett, das die internationale Vereinigung der beim Völkerbund akkredierten Journalisten veranstaltet, offizielle Ein- ladungen n u r an die Vertreter der gegenwärtigen R a t s m ä ch t e einschließlich Deutschlands ergangen sind. Stresemann wird auch dort eine Rede halten. Dieser real politisch« Standpunkt, frei von Nervosität und von Mißtrauen, der in der deutschen Delegation mit außerordent- licher Lebhaftigkeit entwickelt wurde, kann von uns nur mit um so größerer Genugtuung begrüßt werden, als er sich fast restlos mit der in den letzten Tagen hier vertretenen Meinung deckt, während fast alle übrigen Blätter geneigt waren, aus jeder f o r m a l j u r i st i- schen Mücke einen politischen Elefanten zu machen. Es wäre allerdings besser gewesen, wenn bereits in den letzten Tagen die zuständigen Stellen in Berlin selbst gegen die deutschnationale Pressehetze ebenso entschieden reagiert hätten, wie es jetzt von der deutschen Delegation in Genf geschieht.- Oie Debatte üer Vollversammlung. Gens, 9. September.(Eigener Drahtbericht.)'Die Völkerbund- Versammlung setzte am Donnerstag in zweistündiger Sitzung die Aussprache über den Tätigkeitsbericht des Rates und des Sekreta- riats fort. Der Kanadier F o r st e r sang zunächst, wie seine Vor- redner am Tage zuvor, das hohe Lied auf Deutschland, um dann di� Erlg.ngung her Mitgliedschast der Vereinig» t e� Staaten als wesentlichste Aufgabe des Völkerbundes für die Zukunft zu bezeichnen. Eine Betrachtung über die Gesamt- cntwicklung des Bundes hatte sich Lord Cecil zur Aufgabe gestellt. Er untersuchte, was in erster Linie zu den Aufgabengebieten des Völkerbundes gehört, und fand, daß die betreffenden Bestimmungen viel zu unbestimmt seien. Am Schluß beantragte er unter Bezugnahme auf Artikel 3 und 4 des Volkerbundpaktes, einen Aus- schuß zur Prüfung der chauptarbeitsgebiete des Völkerbundes einzusetzen. Der Vertreter von San Salvador plädierte anläßlich der Austrittserklärung Brasilien» für eine baldige Revision des Völkerbundpaktes im Sinne v ö l l i- ger Gleichberechtigung, d. h. für die Abschaffung der ständigen Ratssitze. Der Norweger ch a m b r o forderte eine bessere Beteiligung der kleineren Länder an den Ausschuh- beratungen. Gegen liVs Uhr war die Beratung beendet. Die nächste Voll- Versammlung am Freitag, vormittags 10(4 Uhr, gilt der feierlichen Ausnahme Deutschlands. Am Sonnabend werden dann die Kom- Missionen in Anwesenheit deutscher Delegierter ihre eigentlichen Arbeiten beginnen. öegrüßungsworte sozialistischer Delegierter. Genf, 9. September.(Eigener Drahtbericht.) Der belgische Außenminister Genosie Emile Bandervelde gab mir folgende Erklärungen:„Ich bin einer'der wenigen, vielleicht der einzige der hier in Genf anwesenden Politiker, die in allen eutscheidenden Augenblicken, die Westeuropa seit 1914 erlebte, in der Regierung saßen. Ich bin in die Regierung zum erstenmal eingetreten, als der Krieg ausbrach. Ich war in Versailles, als der Völkerbundpakt abgeschlossen wurde. Ich bin wieder in die Regierung zurückgekehrt nach dem Abschluß des Ruhrkonslikts. Ich war„Locarnist", che man an Locarno dachte. Um so mehr habe ich, als ich den Vertrag von Locarno unterzeichnete, die tiefe Genugtuung empfunden, jene auf die Völkerannäherung und den Frieden hinzielenden Bemühungen von Erfolg gekrönt zu sehen, zu deren Gelingen die Soziali st ische Arbeiter- Internationale seit den Konserenzen von Paris, Franksurt und Hamburg so kräftig beigetragen hat. Jetzt vollzieht sich der Schlußakt. Nach den Märzstürmen scheint die Sonn« wieder. Die Verträge von Locarno sind in Kraft getreten. Der Völkerbund hört auf, eine Liga von Siegern zu sein und wird eine Vertretung von Nationen, die, wenn auch nicht In ihrer Macht, so doch in ihrer Würde gleichgestellt sind. Ich war von jeher der Ansicht, daß der Völkerbund, um zur vollen Blüte seiner Autorität zu gelangen, auch Deutschland, Ruß- l a n d, die Türkei und die Vereinigten Staaten um- fassen muß. Der Eintritt Deutschlands bedeutet in dieser Hinsicht eine erste Etappe. Die anderen werden folgen. Als Ver- treter eines Volkes, das kein anderes Ziel kennt, als die Festigung des Friedens, und als Sozialist, dem es vor allen Dingen auf die Wahrung der Interessen der Arbeiterklasse an- kommt, möchte ich heute mit besonderer Freude die für mich sym- bolische Anwesenheit des hochverehrten Genossen Breitscheid als deutschen Delegierten begrüßen." Der zweite französische Völkerbundsdelegierte, Genosse Paul-Boncour, äußerte:„Für uns französische Sozialisten, die wir auch in einer Zeit, in der die Linke in Frankreich die Mehrheit nicht hatte, ununterbrochen für den Ausgleich zwischen Deutschland und Frankreich kämpstcn und für den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund, bringet die gegenwärtigen Tage Stunden der Er f ü l l u n g. Sie können sich denken, daß der Bericht- erstatter der französischen Kammer für die Verträge von Locarno, der ich war, tiese Genugtuung darüber empfindet, daß diese für die künftigen Beziehungen unserer beiden Länder so hochwichtigen Verträge endlich in Kraft treten. Dadurch, daß Deutschland nun gleichberechtigt dem Völkerbund beigetreten ist, erhalten alle Fragen, die noch zu regeln sind, einen Rahmen, in dem eine für alle Teile würdige Erledigung erleichtert wird. Ich bleibe auch überzeugt, daß es uns gelingen wird, in der Enlwaffnungsfrage, die ich für eine der allerwichllgflen halte. eine Lösung zu finden, welche die Sicherheit aller garantiert, unter einem internationalen, vom Völkerbund durchzuführenden Kon- troll system, dem sich alle Länder zu unterwerfen haben. Damit werden alle notwendigen Garantien geschaffen werden. Für die französische sozialistisch« Partei, die seit Iahren für die Verständigung mit Deutschland eintrat, bildet dessen Eintritt in den Bund eine Quelle neuer Hoffnungen in bezug auf die fried- lich« Entwicklung Europas in der Zukunft." Der belgische Delegierte und Präsident der sechsten Völker- bundskommission, Genosse de Broucköre, führte wörtlich aus:„Der Völkerbund hat soeben den entscheidenden und vielleicht schwierigsten Schritt gemacht, um zu einer universalen Institution zu werden. Wer sich je mit den schwierigen, in Genf zu beratenden Fragen beschäftigt hat, der weiß, wie sehr es not- wendig ist, daß der Völkerbund alle großen Nationen umfaßt, um sein Ziel, die Festigung des Friedens, wirtlich zu erreichen. Der Eintritt Deutschlands ist in diesem Sinne eines der wichtigsten Ereignisse der letzten Jahre. Er ist von ganz besonderer Bedeutung für jene Staaten, die den Vertrag von Locarno unterzeichnet haben: zum ersteumal werden die Beziehungen großer Staaten von einem internationalen Rechtsprinzip beherrscht werden, das den Krieg vollkommen ausschließt. Ist es nicht auffallend, daß wenige Jahre nach dem Krieg es gerade den am Rhein liegenden Staaten gelungen ist, eine Regelung durchzusühren, vor der ein Teil der Welt heute noch zögert? Für die Sozialisten ist diese Tatsache der Gegenstand großer Freude und tiefster Genugtuung: sie dürfen sich das Zeugnis ausstellen, daß sie durch ihr« unermüdlichen Anstrengungen wesentlich zu dem Erfolg des Werkes beigetragen haben. Vergessen wir jedoch nicht, daß wir e r st d e n R a h m e n des Friedens endlich geschaffen haben. Nun gilt es. ihn mit Inhalt zu erfüllen, die a l l g e m e i n e und allseitige Abrüstung durchzuführen, die materielle sowohl wie die moralische Entwaffnung, die vielleicht noch schwerer ist. Das ist die Aufgabe, für die wir alle uns nun mit einem durch den ersten Erfolg gestärkten Mut einsetzen müssen. Die Anwesenheit Deutschlands im Völkerbund erhöht die Aussichten auf den Erfolg wesentlich." Das Reich Sankt Preußen. Auf den Glückwunsch des Preußischen Ministerpräsidenten �hat Reichskanzler Marx mit folgendem Telegramm geantwortet:„Für die Worte besonders herzlicher und hoffnungssreudiger Anteilnahme anläßlich der Aufnahm« Deutschlands in den Völkerbund und Völker- bundsrat spreche ich zugleich namens der Reichsregierung» der preußischen Staatsregierung meinen verbindlichsten Dank aus. Die Reichsregierung erwartet mit Ihnen, daß die mit diesem Ereignis verknüpften Hosjnungen zum Segen unseres deutschen Volkes in Erfüllung gehen werden. Es wird unser aller vor- nehmste Aufgabe sein, an ihrer DerwirNichung mit ganzer Kraft zu arbeiten." Glückwunsch Veutschöfterreichs. Bundeskanzler Dr. R a m« k hat aus Genf an den Reichskanzler das folgende Telegramm gerichtet: Am Tage, da de? einmütige Beifall aller im Völkerbunde ver- tretenen Staaten den Eintritt Deutschlands in den Bund begrüßt«, drängt es mich, Ihnen, Herr Reichskanzler, sowie dem deutschen Volk« die innere Befriedigung Oesterreichs darüber auszu- sprechen, daß nunmehr die hohen geistigen Kräfte Deutschlands be- rufen sein werden, an der Erfüllung der idealen Mission des Völker- bundes mitzuwirken. Bundeskanzler Dr. Rudolf Ramet. Die Nationalehre. Deutschnationales zu Genf. '•> 3ro„Reichsboten",- dem Blättchen der deutschnattonalen Pastoren, liest man: „Mtt dem Begriffe deutscher Nationalehre hat es nach dem Eintreffen Dr. Stresemanns in Genf aufgehört. Die eigenmächtige Paktpolitik des deutschen Außenministers hat sich durchgesetzt, daß ihr Erfolg nicht auch Deutschlands Erfolg sein kann, muh heute endlich jedem klar sein, der nicht durch Silber- streifen geblendet ist." Also: Stresemann hat die„deutsche R a t i o n a l e h r e" ge- meuchelt. Aber deutschnationale Ehre läßt es trotzdem zu, mit Stresemann zu regieren und Völkerbundspolitik zu treiben, nicht wahr? ?eppe �akjaer. Geboren den 10. September ISLö. Die nordischen Länder haben von jeher ihre literarischen und künstlerischen Größen moralisch und praktisch höher zu würdigen ge- wüßt, als es etwa bei uns vor dein Kriege die gefellschastliche Orb- nung und nach dem Kriege die öffentlichen Mittel zuließen. Auf den Etats sämtlicher skandinavischer Staaten stehen regelmäßig Posten für sogenannte Dichtergagen, die die Allgemeinheit dem ernsten Schrifttum al» Dank wie als willkommenen Zuschuß beschert. Aber auch in bezug aus äußere Kundgebungen und Ehrun- gen stellt man die Geistesgrößen dort in eine Reihe mit den führen- den Männern des öffentlichen Lebens, denen man namentlich in den Ländern ohne demokratische und parlamentarische Ueberlieserung immer noch eine Sonderstellung über der Kunst und Geistesarbeit anweisen möchte. Es sei an die triumphale Heimfahrt des toten Björnson aus Paris in die Heimat erinnert, die aus Staatsmitteln und auf einem Kriegsschiff erfolgte, an Strindbergs Beisetzung, an der alle Berufe und Beoölkerungsklassen offiziell beteiligt waren. Und ebenso wie vor nunmehr gerade 20 Iahren Kopenhagen dem t ald danach verstorbenen Dichter Holger Drachmann eine imposante Feier zum 60. Geburtstag unter allgemeiner össentlicher und pri- vater Beteiligung rüstete, wird heute derselbe Tag für Jeppe Aak- laer, gleichfalls auf dem Kopenhagener Rathaus, als eine Huldi- gungsfeier des ganzen Landes für diesen Dichter hes Voltes be- gangen. Bezeichnend für die Liberalität der öffentlichen Meinung Dänemarks ist es, daß die großen Kopenhagener Zeitungen sthnt- licher Partei xjchtungen, auch die konservativen, diesen Ehrentag des von jung auf Uberzeugten Sozialisten Aakjaer in dieser großzügigen Weise zu feiern in die Wege geleitet haben. Aakjaer ist über die Grenzen seines Landes hinaus wenig be- kannt, ehestens noch in Deutschland. Er ist bei seiner polittschen Ueberzeugung sehr national betont, genauer: landschaftlich nach seiner engeren Heimat Iütland. Er kam dort im Herzen des dänischen Festlandes, unweit dem Städtchen Stioe, auf dem väterlichen Hofe Aakjaer, dessen Namen Jeppe Jensen später annahm, zur Welt und er sitzt jetzt, seit wohl zwei Jahrzehnten, nicht weit davon auf seinem eigenen Hos, den er auf jütländisch„Jcnle"(Allein) getauft hat. Die Namen Aakjaer und Ienle sind heute in Dänemark jedem Kind vertraut, denn Aakjaers Bücher werden im ganzen Lande gelesen, seine Verse, vielfach von den besten Komponisten vertont, überall ge- sungen, und Ienle ist nicht nur der private Wohnsitz des Dichters, sondern auch die Versammlungsstättc aller freiheitlich gesinnten Ele- mente des Landes, die sich allsommerlich dort aus Aakjaers Ruf einmal zusammenfinden. Diese Doppelheit von Schrlststeller und tätigem Volksmann ist für Aakjaer persönlich ebenso kennzeichnend wie für die Freiheit po< litisch-kulttireller Entwicklung, die in Dänemark möglich ist. Aak- jaer hat sich seine Geistesbildung nicht nur selbst erwerben müssen, er hat sie sich auch unter den günstigen Bedingungen seines Landes erwerben können. In jungen Jahren hat er richtige Bauernarbeit geleistet, kain aber bald auf die Äolkshochschule, an der er später selbst Lehrer werden sollte, und schuf sich zunächst ein großes Publi- kum durch populär« Bildungsvorträge, wie sie dem Kreise der Volts- Hochschule und gleichzeitig den radikalen Anschauungen der damals gesellschaftlich gebundenen Klassen entsprachen. Aakjaer wurde zwar schon mit 19 Iahren wegen seines oppositionellen politischen Auf- tretens gesetzlich gemaßregelt, aber er war fast ein Dreißiger, als er die Universität beziehen konnte, über dieses Alter sogar hinaus, als er sein erstes Buch veröffentlichte. Dies galt einem scharfen Angriff auf den Führer der sogenannten Inneren Mission, einer lebensfeindlichen, volksverdummenden kirchlichen Sonderrichtung, die namentlich unter der armen Heide- und Küstenbevölkerung Iütlands auf großen Zulauf rechnen durfte. Und ebenso wirkte er als junger Student alsbald für die Ausbreitung des sozialistischen Gedaukeiis, indem er innerhalb der bürgerlich-radikalen..Studentengesellschaft" einen sozialistischen Klub gründete. Noch Ende des vorigen Iohr- Hunderts sprach er es von den Studenten seiner Gesinnung in Versen aus:„mit denen die Arbeit zu teilen, die Hanimer und Pslug führen". Von, Volke wir kommen, zum Volke wir gehen, sein Glück sei auch unser Gesetz. Aakjaers eigenttiches literarisches Werk umfaßt heute nach drei Jahrzehnten wohl an vierzig Bände. Aeußerlich den breitesten Raum nehmen darin seine Romane ein, die fast ausschließlich seinem en- geren Abstammungs- und Wirkungskreis entstammen, dem jllt- ländischen Bauern- und Häuslerleben. Er hat diese Klasse(wie auch Johan Skjoldborg) sozusagen literaturfähig gemacht, aber er hat doch vor allem seinen lebenden Vorbildern damit die soziale Gleich- berechtigung und den kulturellen Aufstieg erkämpfen wollen. Wohl sein bekanntester Roman„Kinder des Zorns", der mit«inigen an- deren ins Deutsche übersetzt sein dürste, führt in dieser Hinsicht wohl die stärkste Sprache. Neben dieser sozialen Dominante klingt jedoch auch der landschaftliche Ton bei ihm sehr stark hindurch. Im Bund« mit dem ihm menschlich wie in Entwicklung und geistigem Habitus sehr nahestehenden Johan Skjoldborg und mit Johannes V. Jensen hat er die„jütische Bewegung" in der Literatur ge- schassen, die sich in bewußten Gegensatz zu den Inscldänen und be- sonders der Kopenhagener bürgerlich- kosmopolitischen Richtung setzte, was nicht hindert, daß man ihn heute gerade dort am frei- gebigsten feiert. Die jütische Bodenständigkeit ist auch die Wurzel von Aakjaers stärkster dichterischer Manifestation, seiner Lyrik, wenn auch literar- historisch gesehen John Burns hierbei Pate gestanden hat. Er handhabt diese Lyrik ebenso ursprünglich im Dialekt wie im Hoch- dänischen, und ihre unmittelbare Absicht liegt gerade darin, daß er auch hier immer in den Anschaungen und in dem Lebenskrcise seiner Klasse verbleibt. Das, was ehedem von der„höheren" Poesie als nüchtern und lediglich nutzbringend verächtlich beiseitegelassen wurde, erhebt Aakjaer gerade in eine verklärte Sphäre, das Getreide als Nahrungsmittel, ein unbekanntes Untraut am Wege— alles letzten Endes wieder unbewußte Symbole für die Bedeutung des müh- seligen Ackerarbeiters, des Ausgestoßenen der Gesellschaft. Dabei ist Aakjaer' weit entfernt von einem grauen, engbrüstigen Arme- Leute-Stil: Schwung und Wohlklang leben in seinen Versen, leuchten ein zuversichtliches Selbstbewußtsein. Seinen Hof„Ienle" hat er sich selbst„erschrieben", seine Ver- ehrer hoben ihm ein Stück Land dazu geschenkt, und hier oeran- staltet er alljährlich im Hochsommer eine große politische Versamm- 1 lung, die mit einem ländlichen Fest verbunden ist, zu der Teilnehmer aus dem ganzen Lande in Scharen kommen und auf der er neben führenden Politikern eine weit ins Land wirkende Ansprach« hält: allein durch seine Tätigkeit als Schriftsteller, als Volksbildner und Rezitator eigener Werke konnte er sich selbst dies« Stellung schassen. wozu sonst im allgemeinen nur politische oder wirtschaftliche Macht- saktoren Himer einem einzelnen die Möglichkeit bieten— ein Vorbild, das ihm persönlich ebenso zur Ehre gereicht wie dem kultu- rellen Niveau seines Heimatlandes, das solch« Persönlichkeitsent- wicklung aus dem Volke zum Besten des Volkes wiederum gedeihen. läßt._ A. F. C. „Unter Affen und Palmen". Eine Reise nach und durch Su- matra, wie sie der neue Film der„Urania" bietet, hat Ihre hohen Reize. Bereits auf der Hinfahrt macht man die Bekanntschaft ein- heimischer Passagiere, die an Bord ihre Sitten und Gebräuche zeigen. Die Flußfahrt führt weiter ins Land, läßt sich die Land- schaft mit ihrer herrlichen Vegetation.entsaltcn und gewährt Ein- blicke in die reiche Tierwelt. Man ist wirklich„unter Affen und Palmen". Wir schauen den munteren Spielen der zahlreichen Affen- gesellschasten zu, betrachten die Webervögel mit ihren selbstgewebten Nestern— ein Teddybär klettert im Baum, ein Schuppentier huscht vorbei und geht auf die Jagd, eine Riesenschlange wird gesangen. Die seltsamen fliegenden Hund«, die massenhaft in kahlen Bäumen hängen, werden aufgeschreckt un�- beginnen ihren gespenstischen Flug. Dann wendet sich der Film der malayischen Bevölkerung zu, die bei der Arbeit, bei ihren Festen und Vergnügungen vorgeführt wird. Eine eigenartige Kultur erschließt sich vor unseren Augen. die noch den Zauber der Geschlossenheit aufweist. Eine Hochzeit?- Prozession mit prächtigen Aufzügen führt mitten ins Leben hinein. Reisbau und Kokosnußernte(mit Hilfe abgerichteter Affen!), das Leben und Treiben auf ein«m großen Wochenmarkt, die Sportseste (Ringkämpfe der Wachtel» und Tauben. Bushelkämps«) runden das Bild ab. Das Soziologische kommt natürlich zu kurz dabei. Aber das Auge nimmt vielfältigen Ertrag mit und lernt einen interesian- ten und schönen Menschenstamm kennen, der sich zu einer hohen Stufe entwickelte. Staatliche Schauspielschule. Die der �Hochschule für Musik an- gegliederte Staatliche Schauspielschul« zu Berlin— Leitung: Intendant Prof. Leopold Jeßner, stellv. Leitung: Karl Ebert— beginnt ihren neuen Lehrgang am 12. Oktober. Die Ausbildung dauert 2 Jahre, die Untcrrichtsgebllhr beträgt für das Halbjahr 100 Mk. zuzüglich 10 Mk. Beitrag für den Studcntensonds, kann aber in be- sonderen Ausnahmesällen erlassen werden. Slnmeldungen zu der am 27. Septcnzjier stattfindenden Aufnahmeprüfung sind schriftlich bis zum 20. September an däs Bureau der Staat l. akadem. Hochschule für Musik, Charlottenburg. Fasanenstraße 1. zu richten. Der Anmeldung sind beizufügen: 1. ein selbstgeschriebener Lebenslauf, 2. eine Geburtsurkunde, 3. Zlbgangszeugnis der besuchten Schule, 4. bei Minderjährigen die Genehmigung der Eltern oder Vormünder._ Friedrich INoest liest im Saal der Reicherschen Hochschule für dramatische Kunst, gasanenstr. 38. am tS. abends 8 Uhr, Novellen von Balzac. Deutsihnationale Regierungssehnsucht Westarps Prograntmrede in Köln. Köln, S. September.(Eigener Drahtbericht.) Im großen Saal der Kölner Bürgergescllschaft nahm am Donnerstagmittag der eigent- liche Parteitag der Deutschnationalen seinen Ansang. Parteivor- sigender Graf Westarp sprach als erster Redner. Die Locarno- Politik, die zur Lösung der damaligen Regierungskoalition geführt hat, lehnt die Partei nach wie vor ab, um so mehr, als di« Ereignisse der Zwischenzeit ihre„Bedenken und Befürchtungen bestätigt" haben. Wegen Locarno hätten sie ja auch den damit verknüpften Eintritt i» den Völkerbund abgelehnt. Daraus, daß sie trotzdem nicht hat ver� hindert werden können, ergeben sich für die Partei neue wichtige Aufgaben in„positiver Aorlsehung ihrer bisherigen Stellungnahme". Für diese Aufgabe verantwortlich ihre Arbeit und im Rahmen der Bölkerbundspolitik ihren Einfluß einzusetzen, sei die Partei ent- schlössen. Rur dadurch kann den deutschen Minderheiten wirklich ge- Holsen werden. Chamberlains Wunsch, die Minderheiten möchten allmählich in den Staatsvölkern ausgehen, setze die Partei das Gelöbnis entgegen:„Was deutsch ist. soll deutsch bleiben!" Westarp fährt fort: Deutschland muß im Völkerbund deutsche Politik treiben. Das ist möglich, seitdem im Völkerbund be- deutsame Wandlungen festzustellen sind, die gerade im letzten Jahre im Streit um die Ratssitze deutlich erkennbar wurden. Rationale Machtkämpfe werden in Genf hinter den Kulissen aus- gefochten. Deutschland muß von der Handlungsfreiheit, die es da- durch gewonnen hat, Gebrauch machen und mit all den Staaten zu» sammenzugehen oersuchen, die sich wie Deutschland nicht bedingungs- los der Führung der Westmächte überlassen wollen. Bon besonderer Bedeutung ist damit die Frage der Freundschaft mit den Vereinigten Staaten. Eine solche deutsche Politik ist nur ohne die Sozialdemokratie, ja gegen die Sozialdemokratie möglich. die die deutschen Belange immer den vermeintlichen Interessen des internationalen Proletariats und pazifistischen Illusionen zu opfern bereit ist. Der Niedergang der deutschen Wirtschaft kann ohne A b- änderung des Dawes-Abkommens nicht aufgehalten werden. Die Fragen von Religion und Sittlichkeit, von Kultur und Erziehung gehören zu den Hauptaufgaben der Partei und das lang verheißende Schulgesetz muß durchgeführt werden. Die christliche Arbeiterschaft kann der Unterstützung der Deutschnationalen Volks- partei auch bei einem Volksentscheid über das Schul- g e s e tz gewiß sein. Die Erfüllung aller dieser Aufgaben wird be- droht von der immer radikaler werdenden Sozial- demokratie, dem Terror der Kommunisten und dem gegen links versagenden Polizeiregiment Braun-Severing in Preußen. Gegen diese Gefahren müssen festere Regierungsverhältnisse endlich geschaffen werden. Die Mitte allein, die sich von Fall zu Fall ihre Mehrheit sucht, ist nicht imstande, die innen- und außenpolitischen Ausgaben von dieser Fülle und Bedeutung zu lösen. � Die so beliebte Koalition nach links, die große oder die Weimarer. hatte ihre Unfähigkeit, festere Regierungen zu bilden, erwiesen. Unsere deulschnakionale Pflicht ist e» daher, uns bereit und ent- schlössen zu zeigen zur Uebernahme der Verantwortung. Das Zentrum hat in dieser Beziehung die Entscheidung in Händen. Es sieht nicht so aus, als ob es sich sobald von seiner bedenklichen Politik der Mitte trennen wird. Wenigstens klingt danach die Auf- forderung des Herrn Reichskanzlers Marx, uns vorbehaltlos zur Republik zu bekennen. Mit solchen Formulierungen und Erklärungen wird nur Unheil gestiftet. Wir erstreben die Wieder- aufrichtung des Rechts- und Ordnungsftaates und die Arbeit an der Befreiung von der Fremdherr>chaft. Diesen Kämpfen und der Abwehr der internationalen Klassenkampfbestte- Hungen widmen wir unsere ganze Kraft und Arbeit im Parlament und im Volk. � Der preußische Landtagsabgeordnete S t e i n h 0 f f sprach in der Diskussion zum Problem der preußischen Regierungsbildung, zu, „preußischen Krankheit", an der Deutschland leide. Die Regierung Braun-Severing werde völlig beherrscht von der Sicherung ihrer Parteimißwirtschaft in Preußen. Am meisten leide unten diesem System der herrschenden Sozialdemokratie die Beamtenschaft, die mit Gesinnungsterror und Bespitzelung ihrer politischen Gesinnung drangsaliert werde. Die deutschnational« Landtagsfraktion sehe deshalb ihre besondere Ausgabe darin, diesem System endlich e i n Ende zu bereiten. Der Sturz der Regierung Braun-Severing sei der Tag, an dem der Wiederausbau Preußens beginne. An der weiteren Aussprache beteiligten sich noch die Abgeord- neten Paul Baecker, Rippel und ein Vertreter von Westpreußen, der in demagogischer Weise die Rückkehr zur Pflichttreue der Hohen- zollern und die Wahrhaftmachung Preußens im alten Sinne ver- langte. Das verhaßte System Braun-S«vering müsse gestürzt werden. Mit tosendem Beifall quittierten die Delegierten diese Aeußerungen. Am Schluß des Verhandlungstags wurde folgende Resolution angenommen:„Der Parteitag spricht den Führern der Reichs- und Landtagsfraktionen seine Zustimmung aus, daß sie den begrllßungs- werten Vorschlag des Freiherrn von G a y l und Dr. I a r r e s zum Anlaß von Dtzerhandlungen genommen haben, und gibt dem Wunsche Ausdruck, daß diese Perhondlungen fortgeführt werden mit dem letzten Ziel, alle staatserhaltenden Kräfte innerhalb und außerhalb der politischen Partei zur Wiederausrichtung des Rechts- und Ordnungsstaates, zur Abhilfe der schweren Wirtschaftsnot und zur Arbeit an der Befreiung von der äußeren Zwangsherrschaft zu einigen." Hilgenberg gegen Eilverberg. Auf«in«r im Rahmen des Deutschnationalen Parteitags statt- gehabten Versammstmg nahmen die deutschnationalen Industriellen scharf gegen di« Ausführungen Silverbergs auf dem Dresdener Jndustrietag Stellung. Sie verlangten Auf- Närung darüber, ob tatsächlich und in welchem Umfang« die Führer des Reichsoerbandes der deutschen Industrie hinter der Meinung Silverbergs stehen. In einer Resolution kam der Gegensatz klar zum Ausdruck.' Sie lautet: „Die in Köln versammelten etwa ZOO Industriellen sprechen der Leitung der Deutschnationalen Volkspartei, ihren Fraktionen sowie insbesondere den industriellen Abgeordneten ihr Vertrauen aus, weil sie unbeirrt sesthahteu an den Bestrebungen zur Er- reichung einer großen bürgerlichen Rechten, die allein imstande ist. «ine für di« deutsche Wirtschaft gesunde Politik zu treiben und die notwendige Arbeitsgemeinschaft auf nationaler Grundlage zu bilden. Sie fordern di« Parteileitung und di« Fraktionen auf, den für richtig erkannten Weg nicht zu verlassen." Auch der Verlaus der Industriellenoersammlung oerrät die Tendenz der Deutschnationalen, sich unter allen Umständen wieder in di« Regierung hineinzudrängen. verkannte Wölfe. Ober: Deutschnationale Freiheitssehnsüchte. Es muß in der Politik auch humoristische Zwischenspiele geben. Sonst würde sie auf die Dauer zu eintönig sein. Ein solches Zwischenspiel lieferte der preußische Landtagsabge- ordnete Steinhoff auf dem deutschnationalen Parteitag in Köln. Er beklagte sich über den Gesinnungsterror gegen Beamte in Preußen und über die„Beschnüsfe- lung" der Beamten. Wofür er gleichzeitig den unerbittlichen Kampf zum Sturze des«Systems Braun-Severing" in Preußen ankündigte. Die Deutschnationalen sind bekanntlich der Wurmfortsatz der alten Konservativen. Deshalb mutet ihre Klage über Gesinnungsdruck besonders komisch an. Nie- mals find die Staatsbeamten in ihrer Gesinnungsfreiheit so unverschämt mißhandelt worden, als zu jener Zeit, da die Konservativen in Preußen unbeschränkt herrschten und durch Preußen aus das Reich regierten. In jene Zeit, wenige Jahre vor Beginn des Weltkrieges, fiel ein Pronunziamiento des Führers der Konservativen v. Heydebrand, in dem er von der Regierung neue ausnahmegesetzliche Bestimmungen zum Kampfe gegen die Sozialdemokratie verlangte. Damals wurden im Anschluß an dieses Pronunziamiento auch diese Betrachtungen veröffentlicht: Man braucht nicht gleich zur Forderung eines förmlichen Aus- nohmegefetzes vorzugehen... In den Vordergrund tritt vielmehr zunächst nur eine Fortbildung des gemeinen Rechts mit dem Ziele einer Bekämpfung der sozialdemokratischen Zwangs- Herrschaft... hier erwächst... auch für unsere Beamtenschaft eine ganz be- sondere Aufgabe... Der Beamte hat nicht nur seine amtlichen Aufgaben im engeren Sinn« zu erfüllen, er hat auch die Pflicht, in der Bevölkerung auskläread über die Irrlehren der Sozialdemokratie zu wirken. Was speziell die Aufgab« der Beamten bei den p 0 l i t i- schen Wahlen anlangt, so muß unter allen Umständen betont werden, daß eine Wahlenthaltung da. wo ein bürgerlicher Kandidat einem Sozialdemokraten gegenübersteht, der beschworenen Treupsllcht des Beamten entschieden widerspricht. Es ist Aufgab« der leitenden Stellen, das Pflichtgefühl der Beamten jeder Art auch auf diesem Gebiete lebendig zu erhalten. Das stand— Graf Westarp wird es bestätigen— in der parteiamtlichen„Konservativen Korrespon- d e n z"(Rr. 164 vom?. Dezember 1916). Gibt es eine schäm- losere Aufforderung zur Gesinnungsknechtung, wie sie in dieser parteiamtlich-konservativen(heute deutsch- nationalen!) Auslassung zutage tritt? Die Wahl- e n t h a l t u n g wurde zu einer„Verletzung der Treupflicht" gestempelt. Und heute beklagt sich dieselbe Partei, die der- artige Aufforderungen vom Stapel ließ, über Gesinnungs- druck und Schnüffelei durch Braun-Severing!, Wenn die Republik auch nur einen Bruchteil desselben Gesinnungsterrors anwenden wollte, wie die Konservativ- Nationalen damals anwandten, dann würde von der deutsch- nationalen Beamtenherrlichkeit bald nichts mehr übrig sein. Aber die Republik ist sehr tolerant. Sie duldet deutsch- national-konservative Beamte sogar an politischen Stellen in so starker Zahl, daß die Republikaner dagegen fast ver- schwinden. Sie ist so sehr tolerant, daß sie sogar über die Klagen des Herrn Steinhofs zu lächeln vermag.- öörfenhetze gegen Silverbe->. Hugenbergs(Seschost. Herr Hugenberg hat Herrn Eilverberg Fehde angesagt. Er hat journalistische Verachtung des Gegners befohlen und hat sich selbst an die Spitze des Generalstabs zur Silverberg-Ausrottung gesetzt. Der Feldzug begann in der Berliner Hugenberg-Presie mit einem antisemitisch sein sollenden Witzchen über den Namen Siloerberg. Gott, so verschieden sind die Namen Silverberg und Hugenberg schließ- lich nicht. Dann ebbte er in Berlin ab: denn das Hugenberg-Gist ergoß sich nun in die Kanäle, die nach der Provinzpresse führen, in die Korrespondenzen und Maternkorrespondenzen. Dort läßt Herr Hugenberg erzählen: „In Börsenkreisen ist man geneigt, in den Ausführungen Dr. Silverbergs und der Schwäche der Aktienmärkte einen Zusammenhang zu suchen. Wenn auch die Verallgemeinerung in dieser Form nicht zutreffend ist, ist es jedoch möglich, daß die An- sichten der Börse hinsichtlich des anhaltenden Kurzsturzes der Aktien der Rheinischen Braunkohlen etwas an Wahrscheinlichkeit für sich haben. Man will wissen, daß der Rückgang in diesem Papier nicht nur in der spekulativen Aus- wertung des Farbenindustriedementis über den gegenseitigen Aktiemnntausch zu suchen ist, sondern daß darüber hin- aus größere Abgaben aus dem Rheinland erfolgt sind, weil man angeblich dort von der sozialpolitischen Einstellung des Generaldirektors Silverberg nachteilige Ein- Wirkungen für das Unternehmen befürchtet." Herr Hugenberg möchte in der Provinz glauben machen, feine Macht sei so groß, daß er die Kurse der Aktien der Rheinischen Steinkohlen, deren Generaldirektor Herr Silver- berg ist, herabdrücken könne. Er spekuliert auf die Dumm- heil derer, die gläubig zu seiner Macht emporsehen. Die Kurse der Aktien der Rheinischen Steinkohle gingen in den letzten Tagen zurück— den wahren Grund verzeichnet Hugen- berg selbst—, gestern gingen sie wieder erheblich nach oben. Zur Zeit, als der Hugenbergsche Giftpfeil in der Provinz veröffentlicht werden konnte, waren die Tatsachen, von denen er ausging, schon nicht mehr wahr. Aber was verschlägt das? Herr Hugenberg macht in der Provinz Stimmung so gut er kann. Dabei läßt er merken, was er gerne möchte, aber nicht kann: die Börse für seine dunklen politischen Zwecke ausnützen. Ein freunüschastlicher Rat. Die„Germania" an den deutschnationalen Parteitag. Herr Graf Westarp hat auf dem deutschnationalen Parteitag abermals der Regierungssehnsucht der Deutsch- nationalen freien Lauf gelassen. Er erhält von der„Ger- mania' die Bedingungen vorgerechnet. Unter der Ueber- schrift„Die vereinsamten Deutschnationalen, freundliche Rat- schläge für den Kölner Parteitag", liest man dort: „Wir wollen nun den Deutschnationalen unter dem Siegel der Verschwiegenheit einen Fingerzeig geben, wie sie ihr Ziel am ehesten erreichen können. Sie müssen den Weg über die Aver- teuanng der Sozialdemokratie als einer Partei»öh- le«.»it der atchtjoziotistische Parteien p r i n z i p i« l l ,« s a«n««»- a rb e i t�jf.köriyen. ipeU;|i? eine sby ats bejah« ndK�A a r t« i ist..... Wir fürchten nur. daß es der Deutschnationalen Partei in ihrer gegenwärtigen Verfassung und Zusammensetzung u n m ö g» l i ch sein wird, diesen Schritt zu tun, weil di« Anerkennung der Sozialdemokratie in dem oben angegebenen Sinne auch noch an» der« Anerkenntnisse einschließen und noch weitere Konsequenzen nach sich ziehen würde, nämlich die A n e r- kennung der Grundlagen des neuen Staates, nicht nur nach der verfasiungsmähigen, sondern auch nach der geistig- politischen Seite. Es würde weiter den Verzicht der Deutschnationalen auf die A g i t a t i 0 n s m i t t e l und Ag i ta- tionsmethoden bedeuten, denen sie ihre Macht verdankt. Es handelt sich, kurz gesagt, um nichts mehr und nichts weniger als um eine Berfchiebung der Grund- lagen, auf denen die Deutschnational« Partei be- ruht. Das ist viel, aber es wird keine Gesundung unseres inner- politischen Lebens geben, solange die Deutschnationalen diese Konsequenzen nicht gezogen haben." Eine ablehnendere Antwort konnte den Deutschnationalen schwerlich nicht erteilt werden. Sie sollten auf alles verzichten, was sie bisher zur großen Partei gemacht hat— dann sollen sie als bündnisfähig anerkannt werden. S 0 weit scheinen uns die diktatorischen Vollmachten, die Westarp in Köln erhalten hat, denn doch nicht zu gehen. Kußmann als Serkchtiger. Gr ziert den Kaiserlichen Nachtklub noch. Wir hatten in Nr. 422 das Gerücht verzeichnet, daß der Assessor K u h m a n n mit Schande wegen unehrenhafter Handlungen aus dem„Kaiserlichen Pachtklub" hinausgeworfen worden sei. Der Assessor Kuhmann schickt uns dazu eine Berichtigung, die über die unehrenhaften Handlungen hinweggleitet, um sich mit der Mitglied- schaft im Pachtklub zu beschäftigen. Sie lautet: l. Es ist unwahr, daß ich in irgendeiner Form aus dem Kaiserlichen Pachtklub ausgeschlossen oder ausgeschieden bin. Es haben niemals Unstimmigkeiten irgendwelcher Art zwischen dem Kaiserlichen Pachtklub und mir bestanden. Es bestehen auch zur- zeit keinerlei irgendwie geartete Differenzen. Ich bin Mit- glied des Kaiserlichen Pachtklubs und führe seinen Stander auf meiner Pacht." Herr Kußmann sollte von seiner Jacht„Schwalbe" bester nicht mehr in der Oesfentlichkeit reden. D«m„Kaiserlichen Pachtklub" gratulieren wir zu diesem Mitglied und zu dem. wa« sein Stander auf der„Schwalbe" deckt._ Kundgebung der Mailänder Sozialisten. Zum Raub der Gemeindeselbstverwaltung. Folgenden Beschluß hat die Mailänder Sektion der Sozialistischen Partei der italienischen Arbeiter an di« Einwohner Mailands bekanntgegeben: Angesichts der Demission des Bürgermeister» von Mailand, di« er ofsinktmdig zu geben gezwungen wurde, und die er dem Gemeinderat, von dem er sein Mandat erhielt, nicht vorgelegt hat, den er nicht einmal einzuberufen gewogt hat, wie es das Gesetz oerlangt: angesichts der Tatsache, daß der Bürgermeister fein« Demission direkt an den Diktator gelendet hat, dessen er- gebenen Diener er sich gleichzeitig nannte und daß unmittelbar darauf di« Demission der Etodtbe igeordueten und der Majorität de» Stadtrates folgt«, entsprechend"hem Auftrage, auf diese Weis« zu- nächst die Einsetzung eines Kommissars des Präfekten für oke Zukunft aber die eines noch unmittelbarer abhängigen Werkzeuge» der Zentralgewalt zu ermöglichen, stellen wir vor der gefanuen Bürgerschaft die ungeheuerliche und unerhört« Tatfach« an den Pranger, daß eine gewählte Vertretung ohne öffentliche Dis- kustion und ohne ihr« eigenen Wähler befragt zu haben, auf ihr« Funktion, ihr« Aufgab« verzichtet und selbst di« Gesamtheit ihrer Funktionen einer diktatorischen� Gewalt überträgt. Aus diese Weise macht sie sich aus eigenen Stücken zum Helfershelfer der dauernden Unterdrückung der Gemeinde, deren Existenz und Freiheit sie zu beschützen berufen ist. Wir betrachten diesen Akt der Fahnenflucht und offenkundiger Treulosigkeit als den schlüssigen Ausdruck eines Geistes, der gegen die Bürgerschaft gerichtet ist und Verachtung der Wählerschaft bekundet. Aus diesen Gründen war schon seinerzeit die sozialistisch« Minderheit gezwungen, einer derartigen Mehrheit selbst die negativ« Mitarbeit in der Form der Opposition im Saale des Palais Marino zu verweigern.- ' Wir«rinnern an den Zeitraum, wo frei« Gemeinden bestanden. Da halten die italienischen Städte ihren größten Aufschwung und immer wieder hat der Bersusi), jede Meinungsäußerung der Bürger- schaft zu unterdrücken und aus der Stadtverwaltung di« Stimmen und di« Kräfte der Interesiengruppen zu entfernen, sehr bald zum Zusammenbruch der Regierungen, die zu diesem Mittel Zuflucht nahmen, und zum Untergang der Völker und der Klaffen, die sich sklavisch unterwarfen, geführt. Wir wünschen, daß der Tag nicht mehr fern sei, wo die Bürger Italiens, im Bewußtsein solcher Herabwürdigung, die sie in«ine Herde von Sklaven ohne Redefreiheit und Stimmrecht verwandelt, ihr« Selbständigkeit fordern und Rechenschaft verlangen werden von allen, die für den Frevel an ihrer Würbe verant- � wortlich sind._ der Warschauer Polizeisumpf. Drohungen für den Enthüllcr. Warschau, S. September.(Eigener Drahtbcricht.) Der Ver- faster der Enthüllungen über di« Zustände in der Warschauer Kriminalpolizei erhält täglich zahlreiche Drohbriefe und Warnungen. Es wurde ihm hinterbracht, daß tatsächlich ein A n- schlag auf sein Leben vorbereitet wird. Die Gendarmen, die ihm zu seinem persönlichen Schutze beigegeben wurden und sich stets in seiner Nähe befinden, sind daraufhin vermehrt worden. Der Sejm einberufen. Warschau. 3. September.(Eigener Drahtbericht.) Der Sejm ist auf den 20. September einberufen worden, um den Haushalts- plan für das vierte Quartal de» Jahres zu verabschieden. Eisenbahnunglück in Holland. Drei Tote» viele verletzte. Amsterdam, 9. September.(MTB.) Heute nachmittag ist der Personenzug 218 nahe bei Legden e n t g l e i st. Mehrere Personen- wagen wurden schwer beschädigt. Bisher sind drei Tote und zehn Schwerverletzte gezählt. Zahlreich« Leichtverletzte und Verwundete wurden ins akadeuujche Krankenhaus nach Legden gebracht. vsm englischen GeWLrkschastsk�ngreß. Wie Moskau ihn„bexirüßte". Bournemouth, S. Scpteml'cr�(Eigener Drahtbericht.) Dem russischen Delegierten zum englischen Gewerkschaftskongreß, Tomski, war bekanntlich van der britischen Regierung die Einreise nach Eng- land verweigert worden. Statt dessen sandte Tomski im Rainen des allrussischen Gewerkschoftsbiindes«in Telegramm an den Ge- werkschastekongreß, das mit der Antwort des Gencralrats dem Kongreß unterbreitet wurde. In dem Telegramm aus Moskau, das eine einzige, in unsachlichen! Tone gehaltene Beschimpfung des Bu- remis der britischen Gewerkschaften darstellt, heißt es unter anderem: „Die russischen Arbeiter senden ihre wärmsten Grüße den Berg- arbeitern, welche trotz des Verrats von sciten einzelner Führer im Generalstreik und der Neigung zur Kapitulation anderer Führer cu: hielten". Die konservative Regierung hätte den russischen Dele- gierten ausgeschlossen, dafür aber den Vertretern Ainsterdams und der amerikanischen Gewerkschaften die Einreise gestattet, welche„de» Bergarbeitern gegenüber Streikbrecherdienste leisten oder empören- derweise von verzinslichen Anleihen sprechen, was soviel heißt wie auf Art der Wucherer aus den unerhörten Entbehrungen, den Tränen und dem Elena der Bergarbeiterfrauen und-kinder speku- lativc Gewinne zu ziehen". Tic Antwort des britischen GcwcrkschaftsratS. In seiner Antwort an den Allrussischen Gcwerkschaflsrat diückt der britische Gcwcrkschaftsrat den„denkbar schärfsten P r o t e st gegen die äußerst bedauerliche Verletzung der cle- mcntarsten Höflichkeit, wie sie von jemand erwartet werden müsse, der vom britischen Gewerkschaftskongreß als Gast geladen worden ist", aus. Statt die brüderlichem Grüße der russischen Gewerkschaften zu übermitteln, habe der AVrussische Gewerk- schastsrot sich angemaßt,„den Britischen Kcneralrat. auf unverant- wortliche Weise zu kritisieren, einzelne seiner Mitglieder persönlich und ohne Anlaß die übrigen vom Kongreß geladenen auswärtigen Gäste zu beschimpfen".. Zum Schluß oetont der Generalrat der britischen Gewerkschaften, er könne es sich nicht bieten lassen, daß Delegierte in solch unerträglicher Weise zur Einmischung in die britische Gewerkschaftsbewegung benutzt werden. Ein Zwischenfall auf öem Kongreß. Bournemouth. 9. September.(Eigener Drahtbcricht.) Nachdem der englische Gcwertschostskongrcß auch am dritten Tage in der Er- ledigung seiner Tagesordnung in größter Ruhe fortgeschritten war, den Versuch einer Minderheit, die Diskussion des Generalstreiks gegen den Willen des Generalrats zu erzwingen, abgelehnt und die Reden der ausländischen Delegierten cntgegengenommeik Halle, kam es am Nachmittag völlig unerwartet zu einein dramatischen Ausbruch der Leidenschaften. Zur Diskussion stand eine Entschließung, welche die Notwendigkeit einer größtmöglichsn U» t e r st ü tz u n g der Bergarbeiter betont und die Arbeiterbewegung auf- fordert, die finanzielle Unterstützung der Bergarbeiter zu verdoppeln. S m i l l i e und der Führer der Lokemotioführer B r om l e y, der bekanntlich die Verantwortung für die Veröffentlichung des Geheim- berichts des Generalrats trug, in dem die Führung des Bergarbeiter- verbände? angegriffen worden war. Smillie war voin Kongreß mit größter Ruhe angehört worden. Als B r o m l e y hierauf das Wort erhielt, hagelte es aus der Reihe der Bergarbeiterdelegierten Rufe des Protestes gegen Bromley, darunter Zurufe wie„Verräter, Judas" usw. Der Vorsitzende P u g h suchte vergebens, Bromley Ruin- zu- verschaffen, olnnnhl eine iiüverkcnnbnre Mehrheit' des Kön- grässcs Lrvmley anzuhöM wünschte. Als Pügh damit drohte, die Störer des Kongresses auszuschließen, begann ein Teil der Berg- arbeiter das Lied der Arbeiterpartei„K-d flag" zu singen, worauf Pugh, um den im gegenwärtigen Augenblick doppelt beschämenden Ausschluß von Lcrgarbeiterdelegierten vom Kongreß zu vermeiden, die Sitzung des Kongresses unterbrach. Nach Wiederaufnahme der Sitzung erklärte R i ch a r d s o n im Namen der Bergarbeiterdele- gierten, die Obstruktion gegen die Arbeiten des Kongresses nicht fort- setzen zu wollen. Darauf erhielt Bromley das Wort und trat unter Beifall des Kongresses sür weite st gehende Unterstützung der Bergarbeiter ein. Gegen die Oppo- sition einer kleinen Minderheit, der die Entschließung nicht weitgehend genug war, fand der Antrag Smillies Annahme. „Die breite Sowjetstrafze." In der„Prawda" machte Losowski dem Aerger der RGI. dar- über Lust, daß die englischen Gewcrkschasten wenig Neigung zeigen, ins Moskauer Lager einzuschwenken.„Man könne jetzt schon vor- cusberschiien, daß die Mehrheit der englischen Gewerkschaftler mit dem Gcncralrat gehen und daß der Gewcrkschastskon- greß in Bourneniouth daher nur negative Resultate bringen werde." Er hofft jedoch:„Einmal werde die Arbeiterklasse Englands doch AUWg. SmellsAfWitglieiiel; Als Austakt sür die gewerkschaftliche lverbewoche findet a m Sonnabend, den lt. und Sonntag, den t2. September, eine Flugblaltoerbreitung statt, sür die der Bezirksverband Berlin der Sozialdemokratischen Partei seine Organisation in dankenswerter Weite zur Verfügung stellt. Diese Verbreitung dürfen die Gewerkschafter jedoch der Partei nicht allein überlassen, sondern müssen sich ebenfalls daran beteiligen. Wir rufen darum die Witglleder. aller Gewerkschaften aus. sich am Sonnabend und Sonntag zur Flugblatt- Verbreitung zur Verfügung zu st eilen und sich hierzu recht- zeltig und zahlreich in den Vezirkslokalen einzufinden. Mmelner SniWer GmnWMsdvnMttMsWttö Berlin. Allgemeiner freiet AngeslemendmU. örislnrlen Berlin. über alle Beschlüsse des Keneralrats und der Führer hinweggehen und„die breite Sowjetstraß«" betreten." Das Telegramm Tomskis belehrt nach einem Hieb auf die ge- mäßigten Gewerkschaftsführer vom Schlage Thomas' die britischen Gewerkschaften, daß der Generalstreik zu einem glor- reichen Sieg und zum Sturz der konservativen Regierung ge- führt hätte, wenn der Generalrat der Gewerkschaften den Streik nicht abgebrochen hätte. Lei Anwendung einer anderen Taktik und unter anderer Führung wäre die britische Bewegung heute nicht in der Defensive, sondern in der Offensive. Hierauf wird dem Kongreß indirekt dör Rat gegeben, die jetzigen Führer ob- zusetzen, sowie die Bersicherung erteilt, daß ein Sieg der Berg- arbeiter den Rücktritt der konservativen Regierung Baldwin zur Folge haben werde. S�lichtungsverhandlungcn im Bankgewcrbe. Wie der Allgemeine Verband der deutschen Bankangestellten mit- teilt, finden die Schlichtungsverhandlungen im Tarifftreit für das deutsche Bankgewerbe am Montag, den 20. September, im Reichs- vrbeitsministeriiim statt. Als Schlichter wurde der Reichswirtschafts- gerichtsrat Dr. Königsbcrgcr bestellt. Ein unverftänülicher Schiedsspruch. llkhaltsabbau der Angestellten der Ladensteischer. vor Schlicht»ngsaiisfchuß hat in dem Lohnksnfllkt ttiz Laden- fleischergetiibrbe einen recht befreiiidlichcn Schiedsspruch gefallt. Es wird ein Abbau der Gehälter um ö bis kll Mark pro Monat vorgeschlagen. Dem Verlangen des Zentralverbandes der Fleischer, die Lehrmädchen in den Tarifoertrog einzubeziehen, wird nicht stattgegeben. Wegen der Regelung der Gesellenlöhne ist V e r. t a o u n g beschloffen worden. Der Zentralverband der Fleischer hat nämlich Einspruch dagegen eingelegt, daß der gelb« Verein, der Flcischergesellenbund, zu den Verhandlungen"zugezogen worden ist Der Zentralocrband steht mit Recht auf dem«tondpunkt, daß diese Gelbonvereinigung als Vertretung von Arbeitnehmerinteresten nicht in Frage kommen kann. Die Verkäuferinnen dürften aller Wahrscheinlichkeit nach den Schiedsspruch ablehnen. Unbegrcislich ist es, daß die Ladenflcischer, die doch am verringerten Umsatz m Fleischwaren die Wirkung niedriger Gehälter sehr gut abzuschätzen vermögen, jetzt im eigenen Gewerbe an einen Gehaltsabbau denken, in einer Zeit, in der der Lebenshaltungsindex noch oben und nicht nach unten geht. vergebliche verhanülungen mit öett Nordwestlichen. Sie wollen längere Arbeitszeit und weniger zahlen. Essen, 9. September.(Eigener Drahtbericht.) Die Lohn- und Arbeitszeitverhandlungen für die Metallindustrie, Nordwestliche Gruppe, sind gescheitert. Die an dem Tarifvertrag beteiligten G e- werkschaften forderten eine ollgemeine IZprozentige Lohnerhöhung sür sämtliche Lohngruppen sowie die Hinzu- Ziehung der Gewerkschaften zu der Festsetzung der Akkordlöhne. Hin- sichtlich der Arbeitszeitrcgelung forderten die Gewcrkschasten die all- gemeine Einführung der A ch t st u n d e n s ch i ch t. Die Unter- n e h m e r beantragten eine allgemeine Lohnherabsetzung um 4 P r o z. sowie die Verlängerung der Arbeitszeit an Sonnabenden bis 6 Uhr(bisher 2 oder 3 Uhr). Da keine Aus- sichten sür eine Einigung vorhanden waren, wurden die V e r- Handlungen ergebnislos abgebrochen. Beide am Tarifvertrag beteiligten Parteien hoben den Schlichter ange- rufen. Die Schlichtungsoerhandlungen werden am Dienstag, den 14. September, in Essen stattfinden. wie Sie Hamburger Wersten rationalisieren l Neunstundenlag. Lohnabbau und Urlaubsraub. Hamburg, 9. September.(Eigener Drahtbericht.) Um die viel zu ausgedehnten und auch viel zu zahlreichen Betriebe der Seeschiffs- werften rentabel zu gestalten, haben die Unternehmer der Seeschiffs- werften einen neuen Vorstoß zur Verschlechterung der Wirtschasts- läge der Werftarbeiter unternommen. Nachdem der Rahmentarif von beiden Seiten gekündigt worden war, verlangten die Unter- nehmer bei den ersten Verhandlungen u. a. die Beibehaltung des Neunstundentages bis 192 8, einen Abbau der LöhneundderUeberstundenzuschläge sowie eine völlige Streichung des Urlaubs. Die Zlrbeitervcrtreter antworteten darauf mit der Forderung aus W i e d c r e i n s ü h- rung des Achtstundentages, Erhöhung der Löhne und Ueberstundenzuschläge sowie Sicherung der Urlaubsbestim- mungen. Da eine Einigung nicht erzielt werden konnte, mußten die Verhandlungen ergebnislos abgebrochen werden. Dem Vernehmen nach wollen die Gewerkschaften jetzt das Reichsarbeitsministerium ersuchen, einen Sonderschlichtungsausschuß einzusetzen. Kundgebung der holländischen Arbeiterbewegung. Amsterdam. 8. September.(Eigener Drahtbericht.) Die niederländische Sozialdemokratie und der Gewertschostsbund veröffent- lichtei« ein gemeinsames Manifest für die Behauptung und Durch- führung des A ch l st» n d e n i a g c s, das M i t b e st i in in u n g s- recht und die Abrüstung. Sie fordern die Massen aus"zur Beteiligung aus dein ganzen Lande an einer für den 19. September im Haag vorgesehenen Kundgebung. Werts chaltsjuqend. Keute, sZrcikiff. 7zz Ulu. tagen bic Srupvcn: Kermanuvlag: Iugendl>cim Sandcrftr. u. ikitc Hobrechlsiroßk. Borirag:..l»«ndkeim Grob« lZrantfurle, Sir. 1K. Zimmer». Lac, trag:..Mensch und Maschine"(Gröilruv).— Südast: Jugendheim Reichen- berget Ssr. 66. Arbeit»« cmeinschaft(Leiter: Lange).— Sirdweft: Jugendheim Belle-Alliance-Str. 7/10.„Zweck und Ziele des Verbände,"(Eschbach).— Spandau: Jugendheim Lindenufer 1. Bortrog:„Internationale Gewerkschaftsbewegung"(Loche). Verantwortlich filr Bolitik: Dr. Enrt Geyer; Wirtschaft: Artni Satcrnug; Dewertschoft,bewcgung: I. Steiner: ssruilieton: Dr. John Schiloweki: Lokale, und Sonstige»: gris, ttarliiidt: Antigen: Th. Glocke: sämtlich in Berlin. Verlag: Borwäris-Berlag G.m.b.H.. Berlin. Druck: Borwätis-Buchdruckerei und Berlag-anstali Bau! Singer u. So. Verlin SW 68. Lindensirahc t. Hier,- 2 Beilage» und..Unterhalt»»» und vlffen". A. WERTHEIM Lslpxlgsr Plats Königslrsfts Romsnllisler StraB« MorNsplatx Boa-Lie Zitronen- Gärungsgetränk Varkauf: Drogt«- Abtastung Auaacbank: Erfrischungsraum CebensmiUel Soweit Vorrat. Leicht verderbliche Artikel können nicht zugesandt werden Frisches Fleisch Querrippe............«fand Schmorfleisch Nammel««. w-~i RUckenfeftt u. Liesen.."-»■ Kadler Speer u. Kamm pt-»d Gehacktes Fleisch...... n™* gefroren Piund Prima Ochsenffleisch 80 n. 95 n. 92 m. 98 pf. I19 los Iis I10 Iso 80p. 58 pf. Wurstwaren Blutwurst.. Pfund 0.70 Mettwurst 1.55 Leberwurst- Pfund 0.70 Landleberwurst Pfd. 1.20 Rotwurst--• Pfund|.20 lagd- u. Mettwurst 1.45 Filetwurst.. Ptund 1.55 Bierwurst.. Pfund 1.70 Feine Leberwurst 1.70 Zervelat- u. Salami 1.80 Schinkenspeck p» 2.00 Nußschinken p>und 2. 1 0 Roecalhaler Itrahc, ttSnigitrohe. MorllzpUtsi Landleberwurst.. 1.05 Damptwurst. Pfund(.20 Speckwurst Pfund|.05 Fieischwurst Pfund 1.20 Berl. Mettwurst Pfd. 1. 10 Teewurst... Pfund|.80 Butter Margarine•■ Pfund 0.56 Speisetalgi Pfd.-Pak. 0.65 KokOSfett 1 Pfd.-Tnf. 0.68 Molkereibutter_.. >/, Pfd.-Pnkcl O.S8 u. U.oU Tafelbutter w»«. Pfd. 1.80 Dänische Butter m 2.00 Limburger-- Pfund 0.54 Ailgäuer, Pfd. 0.68 h Don« 0,67 Oelsardinen 30, 48,78pf MilCh gehall ea. 8 Prox. Feit- n q. Do»« 0.24 KftltfUiil'&n 3-rf<'-'Ämer Ign Aprlkotm, 1%€ Orangen WHck " Isll 1 1 IU 1 Cll Aumas* 00 Kirsch, Ormgen* 1 Pfd.-Qlas f O Pt- cignsc POsitrel Gebrannter Kaffee Kocsum-Misch. Pfd. 2.40 Sonder-Misch. Pfd. 3.00 Haushalt Misch.p'd 2.60 Olympia-Mlsch. pm 3.40 Alierwelt-Brandt d.» A0fb«u-K.( cc-oetri.k 0.50 gemahlen i-» er-', n oo 1 Ffd-Pak 0.55 Pfd. 0.28 Brandts Wiener Kaffeegewürz wun.i 0.20 wu?i. 0.35 �anze Körner 1 Ffund-i'akct pm 0.26 Kolonlaiwaren Java-Reis Bruch, prd. 0,24 Tafelreis... Pfund 0.26 Hartgrieß.. Piund 0.30 Eierbandnudeln pm. 0.44 Eier-Makkaroni Bruch, Pfund 0,52 Stadtküche Leipziger Platz Lieferung von fesfessen zu ollen Gelegenheiten in vorzügL Austühr. Vorschläge kostenlos. MalOSSOl'Ka Viar gioMMmig........... ViP/Dm/ Q SO Kronen-Hummern'SXJSSZüg* 4*° s-o Remouladen-Sauce u.Mayonnalse Iso Fische Roftbarse Kabeljau«ho.«»p. Seelachs»!>». Kopf Schellflsche Makrelen Grüne Heringe Lebende Krebse Karpfen ,ebÄcT0. I20 •6 Pfund IS . 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I.IU Malaga Gold'einsas 1.35 Fruchtschaumwein... einschl Sektsicneru PI. 1.40 Himbeersaft fein, VtPl.ü.öOVl|.40 Wein vom faß zu Sonderpreisen Nr. 426 ❖ 4Z.Iahrgang 1. Heilage ües Vorwärts Freitag, 10. September 1426 sM«n Als sich vor 38 Iahren die Arbeitervereine, die den Gesang pflegten, zu einer„üiedergemeinschaft* zusammenschlössen, erkannten sie, daß sie sich ihre eigenen Lieder schaffen mußten. Frei- heitschöre,„Tendenzlieder", wie man es nannte, sollten zugleich den hohen Idealen der Befreiung der Arbeiterklasse wie der Kunst dienen. Aber so schön der Gedanke war, so hart stießen sich im Räume die Sachen: die Prüfungskommission muhte manchmal melden, daß von den in einem Jahre dem Verlage angebotenen Liedern kein einziges brauchbar gewesen seit Und das gerade war ja ein Ziel: im Selbstverlag zu den eigenen Kosten allen singenden Parteigenossen ihr Notenmaterial zu schaffen! Musik als Masienwirkungsmittel. Zahlreiche eingereichte Texte, die an Musiker zur Vertonung gegeben werden sollten, mußten als völlig unbrauchbar von der Kommission abgewiesen werden. Auch Versuche, durch Ausschrei- bpng von Gedichten und Kompositionen voran zu kommen, scheiter- ten kläglich. Kein Wunder! Fanden doch diese Bestrebungen auf der einen Seite bei den Künstlern keinerlei Beachtung, und— aus der anderen Seite!— in der Arbeiterbewegung selbst keine Unter- stlltzung. Vielmehr sahen zahlreiche Parteigenossen in der Arbeiter- sängerbewegung zuerst nur eine Zersplitterung in der politischen Konzentration. Sie erkannten allesamt nicht die lebendigen Trieb- kräfte, die in der musikalischen Betätigung ruhen, sie hatten aus der Geschichte geistiger Strömungen damals noch nicht genug gelernt, um zu begreisen, daß der Mensch und die Masse nicht ein nur nach Verstandesoorschristen kombiniertes mechanisches Instrument sind, sondern daß die Werte des Gefühlslebens den gonzeir Menschen und die Menschheit selbst neu gestalten. Das hatte einst die Kirche besser erkannt, als sie die ZNusik, das große Maslen- Wirkungsmittel, in den Gottesdienst einführte! Aus der anderen Seite iah man auch etwas spöttisch aus die scheinbare Nachahmung „bürgerlicher Vereinsniethoden", auf die„Liedertofelei". Und zu- gleich war man ihr unbemerkt doch selber versallen! Denn man sang im allgemeinen ganz unbedeutende Musik! Und wenn einmal ausnahmsweise ein wirklicher Berufsmusiker schaffend teilnehmen wollte, lehnte man ihn ab. Mehring meldet, wie man eine„Hymne" des„Ziikunftsmusikers" Hans v. Bülow, die dieser auf Lassalles Anregung für den„Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein" zu einer Dichtung von Herwegh geschrieben hatte, als„schwer sangbar" ab- lehnte!(Der Chor findet sich in der soeben erschienenen großen Sammlung des DAS., die im„Vorwärts" so lobend besprochen worden ist: er ist einer der leichtesten Chöre!) So kam es, daß bis zum Zahre l90S insgesamt 57 Kompositionen im Verlage erschienen sind, d. h. im Durchschnitt etwa 10 in einem Jahr! Der Aufstieg. Und heute? Man kann mit großer Freude feststellen, daß alle führenden Köpfe in der Bewegung der Arbeiterbildung begriffen haben, welche kultursördernde Bedeutung der Gesang im Volks- leben hat. Nicht nur der Männerchor, dessen Tätigkeit vor allem im öffentlichen Leben, in den Mitwirkungen bei den Festen und Feiern von Partei. Gewerkschaft usw. in die Augen springt, auch der gemischte Chor, der als Volkschor Männer und Frauen der Arbeiterklasse zu gemeinsamem Studium der großen Werke der Musik aller Zeiten und Völker umschließt(und es so ermöglicht, daß unsere Volks- chöre dem Volke Beethovens„Hymne an die Freude" und alle anderen Meisterwerke zu Gehör bringen)— sie alle sind höchst be- deutsam geworden im geistigen Leben des werktätigen deutschen Volkes. Heute umfaßt der Verlag des DAS., der aus der Lieder- gemeinschaft hervorgegangen ist, zahllose hervorragende Merke für alle Arten des Chorgesanges. Schätzungsweise mögen allein im verflossenen Jahre(einschließlich der Chorsammlung) 500 Chorwerke erschienen sein, darunter ein so umfassendes, wie das„Frühlings- mysterium", das man wohl als die erste proletarische Kantate an- sprechen kann. Dies Werk, für Sprechchöre, Kinderchöre, Männer- chöre, Frauenchöre, gemischte Chöre(sowie Orchester) von dem hoch» bedeutenden Komponisten Heinz Tiessen zu der Dichtung von Bruno Schönlawk geschaffen, ist ein bewußter Versuch, alle im Kulturleben der Arbeiterschaft tätigen Kräfte zu einer ganz neuen Einheit zusammenzufassen.(Im kommenden Frühling will das Arbeiterkulturkartell das Werk in Berlin mehrmals aufjühren.) Neue Arbeiten sind im Gonge: bereits in Vorbereitung besinden sich zwei neue, groß angelegte Sammlungen, eine für Männerchor, eine sür Kinderchor: denn der Arbeitersänger hat erkannt, daß die ner.» Generation, die andere Wege gehen muß als die alte, auch neue Ziele hat, und daß es nottut, sich dann nicht konservativ abseits zu halten. » Die Zeitung des� Bundes spiegelt dieses gewaltige Tempo des Aufstiegs wieder. Während in den ersten sechs Jahren der Liedergemeinschaft ganze acht Flugblätter erscheinen konnten, umsaßt die nun allmonatlich in einer Stärke von etwa 16(großen) Seiten erscheinende Zeitung das ganze Gebiet der Musik, sie bringt zum Teil mit Illustrationen versehene, bedeutende musikwissenschastliche Abhandlungen, prinzipielle Erörterungen(etwa über geistliche Musik). wo dann alle Richtungen zu Worte kommen, Mitteilungen über organisatorische und ähnliche Fragen im Bundesleben, eine sehr ousgiebige(und höchst anregende) Rundschau über alle von Bundes- oereinen gegebenen Konzerte nebst Kritik, oft auch Gegenkritiken und Diskussionen unklarer Fragen, ein reichhaltiges, abwechflungs- reiches Feuilleton, umfassende Berichte über alle wichtigen Kultur- bestrebungen, über die Internationale der Arbeitersänger und zahl- lose verwandte Probleme unserer Bolksbildungsbewegung. Das immer mehr zunehmende Interesse der Sänger an diesem g e i st i- gen Mittelpunkt der Arbeitermusikbestrebungen zeigt sich an dem Zuwachs an Abonnenten: gegen 19 000 im Januar vor zwei Jahren hat die Zeitung heute 63 500 Abonnentenl Als Ergänzung zur Zeitung dienen Broschüren des Verlages, in denen Themen bchand/>t werden, die den Rahmen der Zeitung überschreiten würden (so: Stimmbildung iin Chorgesang. Kunst und Weltanschauung usw.). Gibt es noch klarere Beweise für diese ungeheuren Fortschritte, die der Arbeitersänger in wenigen Jahrzehnten gemacht hat? A. G. Eröffnung üer Reichsgaftwirtsmeffe. Neben der Funkausstellung am Kaiserdanim ist gestern unter dem Schutz des mächtigen Funkturms auch die R e i ch c g a sl- mirts in esse(in der alten AutoHalle) eröffnet ivorden. Der Kreis der ausgestellten Dinge hält sich wie bisher im Rahinen der gastwirtschaftlichen Gebrauchsgegenstände. Es gibt ausgczeirb- ncre lüchentechnische Ersindungen, die sich fast ausschließlich der mo- tonschen Krafi bedienen. Teller werden auf eine ganz neue Art gespült, Messer und Gabeln nach neuen Systemen gereinigt: die Eis- und Kühlmaschinen für den Kleinbedarf surren unablässig, und in dieses maschinelle Tönen hinein mischen sich die Klänge musik- erzeugender Instrumente, der selbsttätig spielenden Klaviere, der großen Orchestrions mit Orgelbeglestung, die irgendwo im Reich noch immer ihr Publikum zu finden scheinen. Die Spirituoscnbranche jst wieder reichlicher vertreten, gar nicht gerechnet die vielen hundert Spezialzwcige der Genußmittelbranche, die alles liesern, was von der Großrestauration bis zur bescheidensten Gaststätte gebraucht wird. Im ganzen handelt es sich um ein Feld von 400 Firmen aller Branchen. Die Veranstalter wollen den Besuchern, zu denen während der ganzen Dauer der Veranstaltung auch dos große Publikum zu reclmen ist, auch Gelegenheit zur Anregung und Belehrung geben. So hält u. a. der Küchenmeister Paul Döhle täglich nachmittags 416 Uhr Dcmenstrationsvorträge über rationelle Küchensllhrung. über die Einrichtung von Fis.chkochstubeii und über die Verhiitmig von Speisevcrgiftunge». Weiterhin soll ein Speisekarten- 33, Die Figurantin. Roman eines Dienstmädchens von Löon Frapiä. Autorisierte Uebersetzung aus dem' Französischen von Kunde-Grazia. Sulette schüttelte den Kopf, sie wartete, ohne zu wissen, worauf. Frau Coqueho zog sie am Arme fort: „Je älter ich werde, um so mehr merke ich, daß ich anderen von Nutzen bin. Die jungen Dienstmädchen haben absolut erfahrenen Rat nötig, ich kann es nicht oft genug wieder- holen. Sie wollen sündigen, Sie müssen sündigen, hören Sie wenigstens auf die Stimme der Vernunft!" � � � Die würdige Matrone ließ den schwarzen Federbusch ihres Hutes über die Straße hin und her schwanken. In der Nähe der Place Saint-Michel. im verdächtigen Winkel der Rue Git-le-Cour, ging sie auf ein Hotel garni zu, das ab- sichtlich schwach erleuchtet war. Wie zufällig kannte man sie an diesem Ort sehr gut und willigte ein, Sulette ohne irgend ein Entgelt für die Nacht aufzunehmen. Nun langte Frau Coqueho ein Zweifrankenstück vom Boden ihrer Tasche unter den Karten und Pillen hervor und ließ die Verzweifelte schwören, indem sie ihr die kleine Unter- öinKrtnhirtfr» hn& fid mnrrtrm friiK nnrfl tt dahin zu gelangen! Das war nicht so weit:„Paris verlassen Sie durch die Porte de Courbevoie, der Weg geht über Nan- terre, Rueil, Saint-Germain, dann, nachdem Sie die Seine erreicht haben, führt er direkt nach Millerat." 21. Nach dem Weggang der Frau Coqueho wurde Sulette nach der ersten Etage des Hotels in eine ganz simple Kammer mit einem Bett, die in auffallender Meise von einer Gasampel erleuchtet war, geführt. Eine hübsche, ziemlich gut gekleidete Blondine, die erwartungsvoll und nachdenklich dreinschaute, saß vor einem Tischchen: ohne Zweifel hatte man ihr die Ankunft Sulettes mitgeteilt. „Sie müssen sich zu zweit einrichten, sagte die Wirtin� weil v"d" en Kammern heute abenb bekestt sino." Sie fügte im Selbstgespräch, im Ton der Ueberzeugung und mit stark in Anspruch genommener Geschäftsmiene hinzu: „Wir haben schwüle Witterung, wer weiß, o. unsere Zimmer reichen." Schloß die Tür und entfernte sich. Die beiden Schlafgefährtinnen tauschten Kopfschütteln und schwaches Lächeln miteinander aus, sie erkannten sich sofort als Kolleginnen des dienenden Standes. Sulette trat an den Tisch und sagte, um sich zu entschul- digen: „Ich störe Sie recht." Das hübsche Mädchen entgegnete lebhaft:„Es ist mir lieber, an einem solchen Ort nicht allein zu sein... aber setzen Sie sich doch, Sie müssen sich bei Ihrem Zustand sehr matt fühlen." Sie stand auf, trat Sulette ihren Stuhl ab und ging, um den Türriegel vorzuschieben. Ihre Stimme wurde geheim- nisvoll: „Soviel ist sicher, ich bin zufrieden, daß Sie diese Nacht hier sind: wegen des Handels, den man in diesen verdächtigen Hotels mit den Dienstmädchen treibt." „Was denn für ein Handel?" fragte Sulette. Das hübsche Mädchen zeigte aus die Gasampel: „Wenn das nichts zu bedeuten hätte! Sie merken wohl, daß eine derartige Beleuchtung nicht unseretwegen da ist, nicht für die Person, die den Raum bewohnt. In diesen ver- rufenen Hotels ist die Kammer auf Humbug eingerichtet: da draußen ist ein Guckloch angebracht—, wissen Sie, wie bei Jahrmärkten, wo man durch so eine Art Operngucker Ver- brechen und Unglücksfälle erblickt. Man sieht uns zu, wenn wir uns ausziehen, waschen, schlafen gehen. Wenn das bloß der Neugier verrückter alter Kerle diente, aber das benutzen auch die Händler mit Menschenfleisch." „Ah!" stieß Sulette entsetzt hervor. Das hübsche Mädcben setzte sich und flüsterte ihr zu: „Ein junges Dienstmädchen, wenn es kein häßliches Ge- ficht hat, ist immer eine Ware, deren man sich gerne bemäch- tigt. Dann spionieren sie durch das Opernglas die mehr oder weniger üppig entwickelten Formen aus und erwägen vor allem, ob es ein Mittel gibt oder nicht, ob es leicht oder schwierig wäre, ihr eine Falle zu stellen." Sulette riß die Augen auf, die Gefährtin drängte sich noch dichter heran: „Denken Sie doch! Wenn ein Weib sich allein in einer Kammer auszieht und vor jedem Blick sicher zu sein glaubt! An Nichtigkeiten kann man erraten, ob sie noch unberührt ist oder nicht, ob sie kokett, ihren Körper liebt, Begierden oder Laster hat... Um so leichter, da man in diesen Hotelzim- mern zuweilen einen Spiegelschrank und manchmal auch auf einem Möbel ein scheinbar vergessenes Album, mit Akt- studien für Maler, findet... Sie haben gedient, wissen sicher, daß man, ohne die Gnädige in ihrem Schlafzimmer zu sehen, vom Aufräumen allein darauf- schließen kann, ob sie einen Geliebten hat oder nach einem begehrt, ob die Ehe sie anwidert oder ihr Vergnügen bereitet... mit um so größerem Rechte kann man das, wenn man jemand vor einem Spiegel sich langstrecken sieht... und, weiß Gott! die Unberührten, Verheirateten, Keuschen, Dirnen, alle haben eine verschiedene Art, in der Verschwiegenheit ihrer Kammer Weib zu sein." Sulette lächelte gezwungen: „Es ist wirklich wahr, die Art, etwas zu tun oder zu un- terlasien, zeigt, bis zu welchem Grade man Weib ist." Die Gefährtin fuhr lauter fort:„Das sage ich Ihnen! Diesen Werbern für das Laster gelingt es, nachdem sie den Entkleidungen zugesehen, mit sicherem Erfolg, gebieterisch an die armen Mädchen heranzukommen, die nicht schlecht ge- worden wären, wenn man sie in Ruhe gelassen hätte, denn nur die Widerstandskraft fehlte... deren Fleisch stärker mar als sie." Ein leidender Ausdruck kam in der Haltung Sulettes, deren Aufftützen auf den Tisch fast einem Liegen glich, zum Vorschein. „Legen Sie sich doch aufs Bett!" riet die Sprecherin. Und während jene den Platz wechselte, fügte sie hinzu: „Sehen Sie, ich tändle nicht bei der Toilette, trotzdem bin ich das Opfer eines Hotels geworden." Dicht bei ihrem Kopfkissen niedersitzend, stand sie der Wiß» begierde Sulettes Rede: „Das hat sich ein Jahr nach meiner Ankunft in Paris er- eignet. Ich war von der Küste, gegen Schluß der Ferien, von wohlhabenden Leuten in den Vierzigern, einem Advo- katen und seiner Frau, kinderlosen Leuten, mitgebracht worden. Ich fühlte mich riesig glücklich, bekam viel und gut zu essen und hatte wenig Arbeit. Dann, ich war noch nicht 18 Jahre, entwickelte ich mich, wie Sie sehen: kräftiger Körper, starke Brust und Hüften: dabei behielt ich meine frischen, nor- mannischen Farben. Ich konnte nicht einen Schritt aus die Straße tun, ohne von Galanterien, sogar seitens der Schutzleute behelligt zu werden. Ich mußte es dulden. Aber in der Iulihitze fing der Herr selbst an, aufdringlich zu werden. Da habe ich ge- kündigt. Ein unanständiges Leben lag nicht in meiner Ab- ficht, hatte ich doch einen Bräutigam, und es war alles genau verabredet: ich sollte, solange er beim Regiment stand, in Paris bleiben, um die Hauswirtschaft zu lernen. Waren wir dann olle beide frei, wollten wir heiraten und in Granville eine Restauration übernehmen.(Fortsetzung folgt.) Wettbewerb Anregung geben, wie Lokale durch die Schaffung ocschinackvoller Verzeichnisse der Tagesgerichte sich selbst eine ent- sprechende Visitenkarte erwerben. Interessant ist eine Sondergruppc, die in ollen Einzelheiten im Original das darstellt, was der Durch- schnittsmensch innerhalb eines Jahres ißt und trinkt. Nach der E r- ö f f n u n g, die von Stadtrat Brühl vorgenommen wurde, nahm bei einer späteren Gelegenheit Polizeivizepräsident Dr. Friedens- dura das Wort, um sich in klugen und humorvollen Sätzen gegen gewisse Borwürfe der polizeilichen Bevormundung, die von den Gastwirten so oft erhoben werden, zu wenden, Die Messe ist bis zum nächsten Montag einschließlich geöffnet und zeigte gleich nach der Eröffnung einen starken Besuch, Dieser starke Besuch ist wohl darauf zurückzuführen, daß es sich hier um die erste Einheitsmesse des deutschen Ga st wirts- gewerbes handelt, da in diesem Sommer sich die beiden bisher nebeneinander arbeitenden Berliner Fachmessen zusammengeschloslen haben, Di« Messe Ist täglich von 10 Uhr vormittags bis 8 Uhr abends, am Sonnabend und Sonntag von 10 bis 10 Uhr geöffnet. „Sitte mich abzuholen!� ßin Defraudanl, der sich selbst der Polizei ausliefert. Der ungewöhnliche Fall, daß ein straffällig Gewordener sich selbst der Polizei ausliefert, hat sich soeben ereignet. Am Donnerstag nachmittag erhielt die Fuhndungsinspektion ein« Postkarte, die mit „Leo B l a n k e n st e i n" unterschrieben war. Der Absender teilte mit. er habe schon einmal Geld unterschlagen und damit ins Ausland gehen wollen, sei aber nichts dazu gekommen, aber auch nicht er- niittelt worden. Jetzt habe ervwieder eine Summe veruntreut. Ge- wissensbisse ließen ihm nun keine Ruhe mehr, er traue sich aber auch nicht selbst zur Polizei zu gehen, erwarte diese vielmehr am Pots- damer Platz, damit sie ihn abhole. Er halte sich im Wartesaal l. Klasse des Potsdamer Bahnhofes auf. Die Fahndungsinspektion stellte bald fest, daß ein Bücherrevisor Leo Blankenstein, ein Mann von 35 Jahren, von Hamburg aus wegen Unterschlagung von 5 0 0 0 Mark gesucht wurde. Beamte begaben sich also nach dem Bahnhos und fanden, mit der Beschreibung des Flüchtigen versehen, Blankenstein aus den Reisenden, die sich im Wartesaal aushielten, bald heraus, nahmen ihn, seinem Wunsche gemäß, fest und brachten ihn nach dem Polizeipräsidium. Di« erste Unterschlagung, von der er auf seiner Postkarte sprach, hatte ebenfalls 5000 M. betragen. Sic war nicht entdeckt worden! Blankenstein hatte aber auch keinen Weg gefunden, um ins Ausland zu entkommen, weil er nicht recht wußte, wohin er sich wenden sollte. Deshalb war er in Hamburg geblieben und hatte das Geld durchgebracht. Mit den zweiten 5000 M. machte er es ebenso, diesmal aber nicht in Hamburg allein, sondern aus einer Reise, die ihn endlich nach Berlin führte. Als ihm hier das Geld ausgegangen war, schrieb er die Karte und ließ sich festnehmen. Der Ungetreue besaß nichts mehr. Er wird von der Kriminalpolizei nach Hamburg zurückgebracht werden. Religion und Moral. Immer mehr Eltern besinnen sich auf das ihnen zustehende Recht, ihre Zkinder dem Religionsunterricht fernzuhalten. Immer größer wird in Berlin die Zahl der Kinder, die am Reli- gionsunterricht der Schule nicht teilnehmen. Wäre es da nicht Zeit, daß auch die für den Religionsunterricht noch schwärmenden Gruppen der Lehrerschaft sich mit dieser Tatsache end- lich abfänden? Wie ihr Haß gegen die den Religionsunterricht ab- lehnende Bewegung sich manchmal äußert, davon hat in der E h a r- lottenburger 22. Mädchen-Gemeindeschule kWitz- lebenstrahe) ein Lehrer V o ig t eine sehr beachtenswerte Probe geliefert. Ein vom Religionsunterricht befreites Mädchen wurde von ihm aufgefordert, vor versammelter Klasse ein Gebet aufzusagen. Als die Schülerin ihn daran erinnerte, daß sie am Religionsunterricht nicht teilnimmt, fragte er, ob denn zu Haufe nicht die Mutter mit dem Kinde vom lieben Göll spräche. Als das verneint wurde, sagt« er zu einer anderen Schülerin:„Spricht Deine Mutter nicht mit Dir über den lieben Gott? Sie sagt sicher zu Dir, daß Du nicht lügen und nicht stehlen sollst." Zu dem vom Religionsunterricht be- freiten Mädchen bemerkte der Lehrer dann weiter, dann brauche fl« also nicht die Gebote zu lernen, die sich gtgen da» Lügen und g�geü das Stehlen richten. Wenn sie fo.Vtwns tue, könne sie sagen:„Ich kenne die Gebote nicht." Es wag sein, daß der Lehrer sich von diesen Aeuherungen eine besondere erzieherische Wirkung versprochen hat. Die Schülerin aber empfand seine Worte als schwer« Kränkung und weinte, weil sie sich vor der ganzen Klasse herabgesetzt sah. Der Lehrer, der diese Leistung zustand« gebracht hat, sollte nicht nur von dem Elternbeirat, sondern auch von seiner Dienstbehörde zur Verantwortung gezogen werden. Ihm, dessen tränkende Worte ein wehrloses Schulkind nicht zurück- weisen darf, geben wir den Rat, einmal in eine öffentliche Elternoer sa mmlung zu kommen und dort seine Ansichten in dieser Weise zum besten zu geben. Er könnte da die Antwort erhalten, die er verdient. Vielleicht läßt er sich auch einmal darüber belehren, wie oft gerade bei schweren Verbrechern festgestellt worden ist, daß ihre in der Schule erworbene Kenntnis von Geboten und Gebeten nichts zu wünschen übrig ließ. Die Kommunisten wählen ihr Komilee. Die Kommunisten oer- onstalteten am Donnerstag abend in Kliems Festsälen eine Versamm- lung, die, wie die„Rote Fahne" seit Tagen in fetten Lettern oer- kündete, das Komitee für den„Kongreß der Werktätigen", den die KPD. feit einiger Zeit„organisiert", wählen sollte. Etwa �00 bis 1000 Personen waren anwesend. Es wurden eine Anzahl Reden gehalten, neben dem Hauptreferenten, dem Abgeordneten H e ck e r t, sprachen u. a. Vertreter des kommunistischen Reichsbundcs der Kleinbauern, des Roten Frauen- und Müdchenbundes, der Neu- köllner kommunistischen Erwerbslosen und der alte Ledebour für seinen„Sozialistischen Bund". Als ein anscheinend nichtkommu- nistischer Arbeiter einen Zwischenruf wagte, gab es minutenlang einen sehr erheblichen Lärm, man drohte mit„Rausschmeißen" und ahnlichen Gegenargumenten. Zu sonstigen Zwischenfällen ist es nicht gekommen. vis auf» Hemd ausgeplündert wurde gestern— Donnerstag früh— ein Mann, der zwischen 2 und 3 llhr aus d e m H e i m w e g e durchdieIungfern Heide ging. In der Nähe eines Lauben- gcländes wurde er von zwei Burschen angefallen, die ihm unter Drohungen sein Geld aboerlangten. Als er ihnen wahrheitsgemäß erklärte, daß er weder Geld noch Wertsachen bei sich habe, zogen ihm die Wegelagerer, denen er allein nicht gewachsen war, sein gutes Zeug vom Leibe, entflohen damit und entkamen. NurmitHemd und Unterhose bekleidet, mußte der Beraubte den Heim- weg fortsetzen. vierkötters Schauschwimmen in Berlin. Der Kanalschwimmer Ernst Vierkötter weilte gestern auf Einladung eines Schwimmklubs und eines deutschnationalcn Zeitungsoerlages wieder in der Reichs- Hauptstadt, um in Treptow der Bevölkerung vorzuführen, wie er den Kanal durchschwamm. Vierkötter schwamm in langsamem Crawl-Tempo um die Abtei-Jnsel. Es war natürlich nichts weiter als»ine Reklamefache des deuifchnationalen Verlags, denn die lammfromme Spree ist mit dem berüchtigten Aermel-Kanal in gar kewen Vergleich zu stellen. Die Vereinigung Nnksgerichkeker Verleger veranstaltet heute(Frei- tag) abend im Plenarsaal des ehemaligen Herrenhauses eine große Protestkundgebung gegen die unter der Devise„Schmutz und Schund" segelnden reaktionären Zensurpläne gegen Literatur und Kunst. Das Thema des Abends lautet:„W e g mit dem Schmutz- und Schundgesetz". Als Redner sind u. a. Julius Bab, Georg Bernhard, der Lyriker Bethge, Profesior Dr. Fries, B. v. Brentano, E. E. Kisch, A. Holitscher und Heinrich Wen dt vorgesehen. Alle freiheitlich empfindenden, werktätig und geistig schaffenden Männer und Frauen sind eingeladen. Erwerbsloser verlor am 7. September lSS6 vom Kottbusserdamm bis Bahnhos Hcrmannslraße sein Portemonnaie mit leiner ErwerbSlolenunter- ltützung. Der ehrliche Finder wird gebeten, dasselbe in der Vorwärtssiliale Sicgfricdstrahe, Reukölln, abzugeben. Die Vernehmung See Attentäter von Leiferde. Mord oder Transporlgefährdung? Hannover. 9. September.(BS.) Der Untersuchungsrichter vom Landgericht Hildesheim hat am gestrigen Donnerstag die Vernehmung der zwei in Untersuchungshaft sitzenden Attentäter Schlesinger und Willy Weber sowie des gleichfalls oerhafteten Walter Weber fortgesetzt. Di« Vernehmung über die Ausführung der Tat selbst sind nunmehr abgeschlossen und die weiteren Verhöre erstrecken sich auf die für die Erhebung der Anklage so wichtige Frage, ob Schlesinger und Weber sich bewußt gewesen sind, daß ihr Anschlag auf den D-Zug auch Menschenleben erfordern würde. Die Täter haben bekanntlich offen zugegeben, daß sie den Postwagen berauben wollten. Wenn sie jedoch jiei diesem Borhaben mit der Möglichkeit rechneten, daß der Unfall Todesopfer fordern würde, dann kommt juristisch Mord in Frage, während im anderen Fall lediglich Gefährdung eines Eisenbahntransportes Gegenstand der Anklage bilden würde. Aus diesem Grunde ist der Untersuchungsrichter auch bemüht, mit Hilfe der hannoverschen Polizei aufzuklären, wo und mit welchen Mitteln die beiden Ver- brecher Automobilattentate versucht haben. Falls ihnen nachgewiesen wird, daß sie ernschaft Kraftwagen durch Drahtseile oder' andere Hindernifie aus der Bahn zu reißen bestrebt waren, würde aus dieser Tatsache bereits gefolgert werden können, daß sie über die Folgen ihres Borhabens sich im Klaren waren und daß sie ohne Rücksicht aus das Leben anderer Personen den Raub durchzuführen versuchten. Die Besichtigung der Unfallstelle durch die Untersuchungsbehörden soll unter strengstem Ausschluß der Oeffentlichkeit durchgeführt werden. Die Unfallstelle wird durch Neben den Zyklen, die den Hörer über die Entwicklung der modernen Orchestermufik, über die des Liedes und des neueren, deutschen Dramas orientieren sollen, beginnt der Rundfunk eine neue Serie, die sich mit Sonaten und Kammermusik besaßt. Der erste Abend brachte Stamitz, Dittersdorf und H a y d n. So interessant und aufschlußreich diese Darbiewm- gen in musikhistorischer und ästhetischer Beziehung sind, so kann man doch Zweifel darüber hegen, ob die Wegbahner dieses neuen Stils, ob überhaupt die Musiker vor Haydn und Mozart heute noch den naiven Hörer fesseln. Es fehlt doch die quellende Melodienfülle, die an einem Mozart entzückt. Trotz mancher Schönheiten wirkt das ganze hölzern und unbelebt. Haydn allerdings gehört zu den ganz Großen. Das Barmas-Ouartett zeichnete sich durch abgestimmtes und klares Spiel aus. Anders als mit dem Sonaten- Zyklus verhält es sich mit„Lyriker der Gegenwart". Wie weit die Lyrik noch Ausdruck unserer Zeit ist, und �wie.rpeit im besonderen unsere modernen Lyriker den Rhythmus der Gegenwart erleben, soll nicht diskutiert werden, jedenfalls handelt es sich hier doch um die Kunst von Gegenwartsmenschen. Man beginnt mit R i ch a r d D e h m e l. Dr. Manfred Georg zeichnet den Umriß dieses Lebens, geht allerdings zu weng auf Dchmels künstlerische Persönlichkeit ein, beschränkt sich vielmehr nur auf biographische Tatsachen. Dann spricht Lothar M ü t h e l Dehmelsche Verse mit schöner, sonorer Stimme. Doch er packt nicht den Hörer. Keine Spur von verstiegenem, unangebrachtem Pathos, aber auch kein Durchglühen der Verse, keine Steigerung. Wie baut ein Ludwig Hart das„Erntelied" auf, wie auivcitschend der Rhythmus in dem „Mahle, Mühle, mahle!" Bei Müthel klingt alles so unbeteiligt, er spricht Lyrik etwa wie eine Ballade, kalt, schildernd und überlegen, er muß Erzählungen sehr gut lesen können, wie wird er sich aber mit Stadler, Trakl oder Lichtenstein auseinandersetzen? Das l�unäkunkproxramm. Freitag, den 10. September. Anßor dem Üblichen Tagesprogramm; 4 Uhr nachm.: Zehn Minuten für die Fran(Tran Mjchels:„Das große Scheuerfest der bediennngslosen Hausfrau"). 4.30—6 Uhr nachm.: Blasmusik.(Leitung; Kapellmeister Karl Woitschach)! (Bei gutem Wetter Uebertragring aus dem Hanse der Funkindustrie.) Anschließend: Ratschläge fürs Haus, Theater- und Filmdienst. 6 30 Uhr abends: Hans-Bredow-Schule(Bildungskurse). Abteilung Gartenbau. Regierungsrat Dr. F. Zacher:„Die Krankheiten unserer Allee- und Parkbänme". 7 Uhr abends: Kapitünleutnaat a. D. Ritsehl, Stettin:„Der Reis des Kannsports". 7.25 Uhr abends: Hans-Bredow-Schule(Hochschulkurse). Abteilung Geschichte. Dr. Albert Brackmann:„Grundzüge der europäischen Geschichte(Die Entstehung der Nationalstaaten)". 8 Uhr abends: Sondespiele: •Iphigenie auf Tanris", Oper in vier Teilen von Fran<;ois Guillard. Musik von Chr. W. von Gluck. Dirigent: Georg Sz6U von der Berliner Staatsoper. Leitung: Cornelia Bronsgeest. Iphigenie: Emmv Bettendorf; Orest: Holger Börgeson: Pylades: Engen Transky: Theas: Max Spilcker; Diana: Charlotte Müller: Erste Priosterin: Violetta Schadow; Zweite Priesterin: Irmgard Quitzow• Ein Diener des Tempels: Louis van de Sande. Pneste- rinnen, Griechen. Scytben. Ort der Handlung: Die Insel Tauris. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten. Theater- und Filmdienst. 10.30—12 Uhr abends: Tanzmusik(Kapelle Kermbacb. Leitung: Kapellmeister Otto Kennbach). KOnigswusterhausen, Freitag, den 10. September. 1.10— 1.40 Uhr nachm.: Karl Graef; Die Kunst des Sprechens für Schüler. 3—3.30 Uhr nachm.: C. M. Alflen und v Eyseren: Spanisch. 3 30—4 Uhr nachm.: Dr. Max Linde: Chinas Erwachen. 4— 4.30 Uhr nachm.: Dr. Max Linde: Chinas Auseinandersetzung mit dem Westen. 4.30—5 Uhr nachm.: Mitteilungen des ZentraJinstitntes. 5—5.30 Uhr nachm.; Dr. Max Winckel: Getreide und Brot. 7.30—8.25 Uhr abends: Wissenschaftliche Vorträge für Aerzte. Themen und Namen der Dozenten werden in den arztlichon Fachzeitschriften bekanntgegeben. 8.30 Uhr abends: Debertragung aus Stattgart.. Schutzpolizei aus Hannooer und durch Landgendarmen im«ettesten Umkreis abgesperrt, da man wohl nicht mit Unrecht fürchtet, daß. salls größere Menschenansammlungen sich bilden könnten, die Töter der Wut der Volksmenge zum Opfer fallen würden. vampferkatastrophe im Nigaer Meerbusen. 30 paßsagiere und 10 Seeleute ertrunken. Der K ü st e n d a m p f e r„N e i b a d e" ist während eines Sturmes im Rigaer Meerbusen, kaum drei Seemeilen von dem nördlich von Riga gelegenen Ort Wezahki, gesunken. Die durch Not- signale alarmierten Bewohner waren Augenzeugen des Unterganges des Schiffes: sie konnten aber wegen des hohen Wellenganges mit Fischerbooten nicht Hilfe leisten. Zehn Seeleute sowie etwa 30 Passagiere sind ertrunken. Ueber die Ursache des Unglücks ist nichts bekannt. Man hält es für möglich, daß der Dampfer auf«in« Mine ausgelaufen ist. Die Dyphusepibxmie in Hannover. Hannover, 9. September.(Eigener Drahtbericht.) In der heutigen Sitzung der städtischen Kollegien wurde bei Er- örterung der in Hannover seit einer Reihe von Wochen herrschenden Brech-und Durchsallepidemie auf Anfrage von Bürger- meister Dr. Menge zum Ausdruck gebracht, daß sich auch die Zahl der Typhuserkrankungen in den letzten Tagen in bedrohlicher Weif« vermehrt habe. Heute wurden bereits 60 Typhusk ranke in Hannooer gezählt. Das in Frage kommende Krankenhaus ist überfüllt. Diese Zahl stellt das Bielfache der Typhuserkrankungen anderer Jahre dar. Ein Teil der Aerzte steht aus dem Standpunkt. daß das Trinkwasser Typhuskeime enthält. Fräulein Ford wird polnische Gräsin? Durch Extrablätter wurde am Donnerstag in W a r s ch a u die aus Genf stammende Nachricht oerbreitet, daß sich der srühere polnische Außenminister, Gras Skrzynski, mit der Tochter des amerikanischen Automobilkönigs Ford verlobt habe. Die Mitgift der amerikanischen Braut und künftigen polnischen Gräsin soll 300 Mil- lionen Dollar betragen._ vortrage, vereine und Versammlungen. Reichsbanner»Schwarz-Rot-Gold". Sefchäftsftell«! Berlin E 14. Sed-Nianftr. 37/3«, Kol 2 tt. Mitte: eonntaa. b. 12., Autofahrt nach Oranienburg. Pflicht- oeranftaltung. Antreten 10'-.- Uhr vormittag» Neuer Mar«. Fabr. »reis 1 M.. bei starker Beteiligung entsorechcnd billiger.— SBebbrng: Sonntag. d. 12.. nachmittag» 12>d Uhr. Antreten bei Müller. ÜfUdjitotin noch Oranienburg. F-Hrvreis IM.— Wilmer»dorf: Kallenturnen usw. finbet wie- der jeden Do. statt van«— 10 Uhr. Turnhalle Oberrealschule am Seepark Beteiliguna für Jugendliche Pflicht. U-dungen auf dem Hubertu�vortplah vorläufm noch ieden Somrttlg vormittags, Dienstags Freitags nach' mittaas. Radfahrerarupp« Sonntag, d. 12.. morgens 7 llhr. Antreten ,ur Ausfahrt. Säfte willkommen. Kameraden, die»ur Bannerweih« nach Oranien- bürg fahren, treffen sich Sonntag vormittag 115i Uhr Bhf. tzoo.— Neukölln. Britz: 3. Kameradschaft. Fug Tbert, So., b. 11„ Familienabend bei Nubolf. chermannstr.«.— Odee-, RiedceschSneweib« und Z-ha-ai»thaI: So., d. IL. 8 Uhr, Monatsiitzung bei RSIHel. Bortrag über den Bauernkrieg. Referent Kamerad Pellier. 7 Uhr Borltand-chtzuna mit Gruppenführern.— Lichtenberg nebst Un.crgruppen: Sonntag, d. 12.. Pflichtfahrt nach Oranienburg. Fahr. vrcis bin und zurück l.lv M. Abfahrt 9 Uhr vormittag, bei Zi-umonn. Lcovoldstr. 17.—«ichwalde: So., d. 11.. 8 Uhr, Vollversammlung bei Lindner. Bahnhofstraste. SpieNeute: Uebungsabend von 7—9 Uhr.— Bernau. Lade. bneg. 11. und 12. 9. letzte Pflichtveranstaltung dieses Jahre«: Oranienburg. Bolltähliges Erscheinen Pflicht. Abfahrt, citen Eo. ob Bernau 5L2 Uhr. Nach. Sllaler 5,42 Uhr, Sonutaa ab Bernau 11,42 Uhr vormittag», Nadfahrer So. ab Wasserturm 214 Uhr nachmittags: Sonntag 9 Uhr vormittag».— Wasser- fportabteUung: Fug Faltboot und Havel: Teilnehmer an der Feier in Oranien- dura am 11. und 12. treffen sich Eonnobend nachmittag b,w. Sonntag früh im Haoelschisstchen. Dortfelbft Ouartierausgabe.— Berlin-Veissenfee(Kreit): So., d, 11., 7U. llht, Srünct Baum. Nachtparti«. Bnnd ireiee Mensche». Landesverband Berlin. Brandenburg im B«. Am Freitag. 17. Septembee. 7W Uhr. findet die Iaheesvrrfammlung im Käckelfoal. In den Zelten 4. statt. Tagesordnung: 1. Geschäftsbericht. 2. Entlastung de» Kassierers. S. Neuwahlen. 4. Berfchiedene». All« Be,irke müssen dazu Stel- lung nehmen. Ohne oednungsmätzige» Mitgliedsbuch kein flutritt. Ernst Feiedrich fpeicht Ursitag, 1». Seist Mnper.A Uhr, im»ntikri eg»mu teum, Parachlafltrafie 29, über den Matrofenmord an Reichpietfch und KSdi», Ausser- dem werden»ahlreiche»vli, Ntue Achibilder gegen den Krieg gezeigt. Un. kostenbeitrag M Pf. Neichsvereinignnq lediger Beamtee n-b Leheer. Berfammlung Moniaa, 13. September, 8 Uhr. im Hotel„Nordischer Hof", Invalidenstr. 128. Gäste willkommen, Tagesordnung: I. Hinterbliebcnenvcrforgung. L. Hcimbau. 3. Le- dige und Kronkenkossen, 4. Berfchiedene», Aebeitee-Efperanto-Bnub fne da« deutsche Speachgebiet LEA(Genppen Bettln). Monatsvcrsammlung Dienstag, 14. September, 714 llhr. Schule GIpsstr. 23«: Bericht vom internationalen Kongress de» pevletaeifchen Espe. rantowettdewerbs(SAT) 1928, Srnppenversammlungen 7% Uhr: Montags: Wedding Schule Ruheplatzstrass«. Neinickendorf Schul« Letteallee. Mittwoch«: Osten Jugendheim am Ostbahnhof. Norden Schule Danziger Str. 22, Frei» tag«: Kentrum Schule Gipsftr, 23». Amida Rondo: Dienstag, 24,September, Restaurant Kaftanicnallee 83. Anfängeekurfe der Weltsprache Efpeeant» beginnen in dien verschiedenen Eiadttikilen vom 13. bi» 17. September. Auskunft In den Gruppenlokolen. «iaheitOperband sozialistischer Handel- und Seweebctrelbender und sonstige« Beense tSi» Leipzig), vet�renppe Geoss.BeeN«: Dannerstag. 18. September. Monatsversammlung, Bortrag:..Soziale» Recht«ine» zurzeit erwerbslosen Gewerbetreibenden". LokaV: Schilling, Rungestr. 30. Sport. Rennen zu hoppegarlen am Donnerslag. den 9. September. 1. Rennen. 1. Pilgerin(C, Schmidt), 2. Florida(Huguenin). 3. Frage(W. Behren«), Toto: 13: 10, Platz: 11. 13, 22: 10. Ferner liefen: San Marco, Salabin. Friemersheim. Leonarda. Rorge. 2. R e n n e n, 1. Periboia sO.Schmibt). 2. Rom(Williams). 3. Casanova (HahneS). Toto: ISS: 10, Platz: 31. 22. 19: 10. Ferner liefen: Abana. MutatiS mutanbiS, Rtinfler, Heibjer. Osanbo, Opponent. Diana. 3. R e n n e n. 1. Augenweibe(O.Schmibl), 2. Dämmerslunbefvinzeni) 3. Favorit(Sattel). Toto: 33: 10. Platz: 15, 50, 30: 10. Ferner Heien: Orgel, Graue Theorie, Kapuziner, Baha, Exusu, Palastflagge, Lang. Liejerer. Eenechilbe. 4. Rennen. 1. Weißdorn(9. Barga), 2. Rheinwein(ffl. Tarra«), 3. M-rduck(H. Brown). Toto: 16:10. Platz: IS, 17: 10. Ferner liefen: Roland, Rote. 5. R c n n e n. 1. Ostrau(Huguenin), 2. Patriotin(O. Schmidt). 3. Honnef(W. Tarras). Toto: 33: 10. Platz: 20, 17: 10. Ferner liesen: Feentönigm, Schneeball. Verona II 6. R e n n e n. 1. Vellac(Moritz), 2. Idmeneu»(O. Schmidt), 3. Auto- meium(AIb«rS). Toto: 34: 10. Platz: 13, 11: 10. Ferner Uesen: Ottckndi, Hazard. 7. Rennen. I. Nutria(O. Schmidt). 2. Himalaha(Jaekel), 3 Gel- dnls(Ientzsch). Toto: 35: 10. Platz: 14, 19, 31: 10. Ferner liefen: Rose Marie, San!» Thomas, Doktor Mabuje, Kasbek, Oceana. Ennabin, OsiriS, FraSquita, Victoria, Gchmlinde. Bemstzboxkämps«>» KamtnerMI««. Heute abend pünktlich S Uhr findet in den Kammerläten, Teltower Str. Ecke Belle-Alliance-Str,, ein Boxkampf ab end gröberen Formate« statt. Im ersten Kamps trefien sich Adolf« u ch b o l,. Berlin.>09 Pfd. nnb Fron, Klsch«lews kt- Russlanb, 114 Psd. Erwin H a g e« a 1 b-»erlin trifft tm Leichtgewicht aus Wilhelm Schröter. Franlsurt a. M Den dritten Kamps bestreiten Paul L a n g n e r< Berlin, 155 Psd, nnb Johann S t a. n i e z e w s t i 162 Psd. Im H a u p t t a m p s beS Abends stehen sich die Schwergewichte Richard Schlüter, Berlin und der Russe P e. trowskt gegenüber. Neugestaltung der pspchiatristhen Fürsorge. Die Richtlinien der Berliner Stadtärzte. Die kommunal« Gesundheitsfürsorge hat sich in den letzten Jahren immer weiter ausgebreitet. Man hat die ältesten Zweige der Gesund- heilssürsorge, namentlich die Säuglingssürsorg« und die Lungen- fürsorg« ausgebaut und ist dabei, dies weiter zu tun. Aber auch auf andere neu« Gebiete, die früher nur nachlässig oder überhaupt nicht betreut wurden, erstreckt sich die gesundheitsfürsorgerische Arbeit. Und nicht unwichtige oder kleine Gebiete sind es, die ein reiches Feld gesundheitsfürsorgerischer Betätigung darbieten. Hier ist die offene psychiatrisch« Fürsorge zu nennen, die lange Zeit auherordentlich kümmerlich behandelt wurde. Es entwickelt« sich in den letzten Jahren in den verschiedenen Städten eine Reihe von verschiedenen Zweigen psychiatrischer Fürsorgetätigteit: namentlich die Fürsorge für jugendlich« Psychopathen, die Fürsorg« für Trinker und die Fürsorge für entlassen« Geisteskrank«. Daneben gab und gibt es noch hie und da besondere Fürsorgen für Epileptiker, Hirn- verletzt«, Morphinisten, Kokaini st en und einige der- artig« Einrichtungen mehr. Jetzt muß es sich darum handeln, die gesamte offene psychiatrische Fürsorg«, soweit dies möglich ist, einiger- maßen einheitlich zu organisieren oder doch wenigstens «in« Regelung zu finden derart, daß«in Aneinondervorbeiarbeiten der verschiedenen psychiatrischen Fürsorgen unter allen Umständen oer- mieden wird. Auch in Berlin arbeitet man an einer Neu- ge staltung der psychiatrischen Fürsorg«. Hierzu hat die Bereinigung der Berliner Stadtärzte Richtlinien in Borschlag gebracht, die im wesentlichen folgendermaßen lauten: „Die geistig abnormen Kinder und Jugendlichen(Psychopathen, Schwachsinnige) bedürfen einer planmäßigen Fürsorg«. Di« Grundlage jeder Fürsorge muß die Beratung und regelmäßig« veberwachung durch einen psychiatrisch vorgebildeten und mit der Psychopathologie der Jugend vertrauten Arzt bilden. Dieser Für- sorgearzt hat die Ausgabe, Sprechstunden abzuhalten und die Angehörigen, die Schulärzte, die Schule(auch die Fortbildungsschule), das Jugendamt u. o. zu beraten. Zu seiner Unterstützung, zur Durch- sührung von Fürsorgemaßnahmen und zur Erledigung von Ber- woltungsarbeiten steht ihm ein- Spezialfürsor gerin(für . besonder« Fäll« ein männlicher Fürsorger) zur Seite. Es ist not- wendig, für geistig abnorm« Kinder und Jugendliche öffentliche Fürsorgestellen«inzurichten, in denen der Fürsorgearzt und die , Fürsorgerin zu festgesetzten Stunden tätig sind. Dem Fürsorgearzt soll außerdem die fachärztlich« Betreuung der Hilssschul- Minder übergeben werden: Begutachtung vor der Aufnahm« in die Hilfsschule, jährliche Nachuntersuchung, Berufsberatung vor der Ent- lossimg. Ferner kann der Fürsorgearzt für Psychopathen usw. mit der Leitung der Fürsorgestell« für Alkoholkronke und Gemütskranke tOeisteskronkc, Süchtling«) beauftragt werden, falls er die dazu not- wendig« Eignung besitzt. Für die Fürsorge für Gemütskrank« eignet sich otn besten eine Fürsorgerin oder Schwester, die im Umgang mit Geisteskranken erfahren ist. " 5s empfiehlt sich nicht,«inen Arzt hauptamtlich anzustellen, der, etwa in mehreren Bezirken, ousschli-hlich die Psychopathen usw. betreut. Auch erscheint nicht jeder Anstaltspsychiater für«in« Be- fürsorgung der Psychopathen geeignet. Der Schularzt, der auf psychiatrischen und psychopathologischem Gebiete erfahren ist. dürste in erster Linie als Fürsorgearzt für Psychopathsn usw. in Betrocht kemmen. Bei der Anstellung hauptamtlicher Schulärzte sollte daraus Bedacht genommen werden, für jene Spezialaufgaben geeignete Kräfte zu gewinnen. Di« Fürsorge für Psychopathen usw. gehört zu den Aufgaben des Gesundheitsamtes. Eine enge Zusammenarbeit mit dem Jugend- amt ist erforderlich/ Interessant ist nun, zu hären, wie man in Paris die kam- munale offene Fürsorge für seelisch abnorme Menschen organisiert hat. Hierüber berichtet in der„Deutschen Zeitschrist für öfsentliche Gesundheitspflege" 1926(Heft 7, 6) Sanitätsrat Dr. B ratz, der Direktor der städtischen Heil- und'Pslegeonstalt in Berlin-Wittenau. Die Fürsorg« ist in Paris an die Irrenanstalt 5!»>nte.�nne angeschlossen. An jedem Bormitlage wird von einem Anstaltsarzt ein« poliklinisch« Sprechstunde abgeljalten. In den letzten drei Jahren wurden 8000 Personen betreut. Di« ärztlich« Behandlung und die Versorgung mit Medikamenten wird kostenlos gewährt. Durchschnittlich werden an jedem Bormittag 30 Untersuchungen vor- genommen. Di« Laboratorien sind gut ausgestattet. In engem Zu. sarnmenhange mit der offenen Fürsorge steht ein« größere Abteilung, auf der genügend Gelegenheit gegeben ist, in geeigneten Fällen Patienten längere Zeit ärztlich zu beobachten. Die offene Fürsorge in Poris beschäftigt sich mit Personen, die von sich aus die Sprech. stunde aussuchen und mit denen, die aus den Anstalten entlassen worden sind. Ferner bemüht man sich, die Psychopathen in den Schulen und Fabriken aufzuspüren und dann in geeigneter Weise zu betreuen. Es ist daher nicht verwunderlich, daß die Hausbesuch« der Fürsorgerinnen außerordentlich stark zugenommen haben. Der Personen st ab der offenen Fürsorge in Poris fetzt sich zusammen aus 4 Aerzten, 1 Apotheker, 6 Fürsorgerinnen, 4 Pflegern, 5 Bureaubeamten und 2 Schreibhilsen. Der Fürsorg« steht auch ein eigenes Auto zur Verfügung. Man sieht, die ossene psychia- irische Fürsorg« in Paris, deren großzügig« Organisation erst vor vier Jahren begonnen wurde, stellt«inen bedeutungsvollen Zweig des dortigen lommunalen Gesundheitswesens dar— und nicht mit Unrecht! Kann man doch durch ein« gründliche Fürsorg« an den seelisch abnormen und nervösen Menschen nicht nur sehr viel Gutes stiften und Schlimmes rechtzeitig verhindern, sondern auch erhebliche Ersparnisse erzielen, indem man die gewaltigen Kosten der nur allzu oft lange Jahre mührenden Anstaltsbstreuung berobfetzt oder in manchen Fällen womöglich gänzlich vermeidet. Ferner kann man durch eine Neugestaltung der psychiatrischen Fürsorg« in Berlin die groß« Bettennot unzweifelhaft mildern. Di« Berliner städtischen Heil- und Pflegeanstalten, früher Irren- onstalten genannt, liegen weit vor den Toren der Stadt. Man kann daher nicht, wie dies in Paris der Fall ist, die offene Fürsorg« in «inen unmittelbaren Zusammenhang mit den Anstalt-n bringen. In jedem Berliner Verwaltungsbezirk muß mindestens«ine eigen« psychiatrische Fürsorge- stell« bestehen. In den Heil- und Pflegeonstalten müssen aber besonder« Abteilungen vorhanden sein, aus denen Nervenkranke zeit- weilig ia geeigneter Weise beobachtet werden können. Zwischen dem ärztlichen Leiter dieser Beobachtungsabteilung und den psychiatrischen Fürsorgsärzten gilt es. ein enges Einoernehmen bei der Arbeit her- zustellen. Sicherlich ist es wünschenswert, daß gelegentlich derselbe Arzt, der die Beobachtungoobteilung leitet, auch in der offenen Fürsorge mitwirkt. Kurzum: Die ossene Fürlorge«m seelisch Mnormen und Nervösen, deren Bedeutung sich>a gleicher Weise in Pari» wie ouch in Berlin und in zahlreichen anderen deutschen Städten ganz ossen- kundig erweist, bedarf einer baldigen Neugestaltung und es ist zu begrüßen, wenn diese wichtige Aufgab« des kommunalen Gesundheitswesens möglichst bald ein« gute Lösung findet. Stadtarzt Dr. Alfred K o r a ch. volksbitöungsarbelt im öezirk Irieürichshain. Nach Jahren der Arbeit unter schwierigsten Verhältnissen tonnte auch im Bezirk Friedrichsha:n die Volksbildungstätig. keit endlich im legten Geschäftsjahre großzügiger durchgeführt wer- den. Das war nur möglich, weil im Jahre l92Z zum ersten Male für diese Zwecke ein Ausgabetitel in den Etat eingesetzt wurde, dessen Betrag zur freien Verfügung stand, ohne Rücksicht aus zu erwartende Einnahmen. Nun galt es, vorerst das Publikum, das Jugendweihe der Arbeitcrsdiafi Gro$« Berlins am Sonntag, den 12. September 1926, vormittag* 11 Uhr, im Großen Schautpielhaa*, Karl* fraß e. Mitwirkende: Rerllner Volktchor! l.efhmg Dr. Zander» An der Orgeli , Leltan»/ ad ElnxeUprcdier Heioridi WUte» Eintrittskarten in den oe kannten Verkaufsstellen. durch hohe Preise, durckt Wirtschoftsnöte und vielleicht auch durch den Rundfunk von der öffentlichen Bolksbildungstätigkeit abgelenkt war, wieder für diese Arbeit zu interessieren. Der Verlaus der zahl- reichen Beranstallungen hat einen sehr günstigen Eindnick hinter- lassen. Mit der Darbietung von Beethovens unvergänglicher Neunter Sinfonie wurde im November 1925 der Bersuch unter- rtommen, auch breitere Kreise der Bevölkerung für die Bolksbil- dungsarbeit zu gewinnen. Der Versuch ist in jeder Hinsicht gelun- gen. Ferner fanden vier musitpädagogische Vorträge von Dr. Ernst Jnkl statt, die dos Lied, die Violine und ihre Meister, das Biolon- cello und seine Meister, sowie ernste und heitere Musik aus dem alten Oesterreich(Kammermusikabend) zum Inhalt hatten. Der Besuch steigerte sich von Abend zu Abend. Ein guter Abschluß dieses Teiles der Veranstaltungen wurde mit einem großen Orchesterkonzert für heisere Musik im April dieses Jahres erzielt. Dem Bolksliehc wyren außerdem noch zwei Abende gewidmet, die in einer-dfr größten Schulaulen Berlin« stattfanden und einen vor- .täglichen Besuch aufwiesen. Stärksten Anklang fand dabei der Abend, den der bekannte lchwedischc Lautensänger Sven S ch o- londer ausfüllten Begeisterten Beifall und starken Besuch konnte dos Volksbildungsamt Friedrichsfjain ferner für vier Licht- bildervorträge über„Die Freude am Bilde" buchen. Der Bortragende, Dr. Mar Deri, verstand es hierbei in feiner Weife, die Hörer zu interessieren. Im März d. I fand eine»Früh- l i n g s f e i c r" unter Leitung von Dr. Feliy Günther statt. Der Abend im Saalbau Friedrichshoin war mit Musik, Gesang, Tanz und Sprechchorrezitatinn ausgefüllt. Notwendig war es schließlich, auch„von Amts wegen" der Schuljugend einiges Gute zu bringen. 6 Kajperleoorf ührungen sahen eine überfüllte Aula und jubelnde Kinder. Mehr als 3660 Kindern wurde hier eine Freude bereitet. Nicht denselben reichen Zuspruch fanden 5 Theateraus- führungen, in denen einige von Fischers musikalischen Komödien und ein Kinderballett geboten wurden. Dennoch dürfte der Ansang ruf diesein Gebiet zu weiterem Borgehen anregen. Das Jugend- amt bot eine Jug-ndschrijtenausstellung, die sicherlich manche gute An- reguu� bot.— Die im Winter einsetzende Wirtschaftskrise oerlangte von einer behördlichen Lotksbildungstätigkeit aber noch mehr. Ge- lade im Bezirk Friedrichshain ist die Ä r bei t s l o j i g k e i t sehr stark. Weite Kreise wurden dadurch aus Mangel an Mitteln mn Besuch der Veranstaltungen verhindert. Auch den Kreisen der Rentner war ein Besuch selten möglich. Aus diesem Grunde wurden noch 7„Frohe Abende" mit bunt zusammengesetztem, künstlerisch einwandfreiem Programm veranstaltet, zu deren unentgeltlichem Besuch nur Kleinrentner und Arbeitslos« berechtigt waren. Die Teilnahme von mehr als 2700 Personen zeigte, daß besonders in den Kreisen der Arbeitslosen trotz der persönlichen Notlag« noch lebhaftes Interesse für künstlerische Veranstaltungen vorhanden ist. Im ganzen genommen, darf das Volksbildungsamt Friedrichshain mit dem Berlauf seiner letztjährigen Bolksbildungsocranstaltungen durchaus zufrieden sein. Man darf hoffen, daß in d?n diesjährigen Beranstaltungen nunmehr die besondere Arbeit volksbitdenden Cha- rakters mit der notwendigen Bertiesung»insetzt, wie wir es gerade auch von den unter Leitung von Sozialdemokraten stehenden Bolksbildungsämtern erwarten dürfen. Neues kündete in diesem Sinne als Masienseier schon die gut gelungene Sonnenwend- feier am 21. Juni im Friedrichshain an. Verbesserung der Wochenhilfe. Eine für den Schutz von Mutter und Kind bedeutungsvolle Berbesserung ist durch die Zustimmung de« Reichstages zu den Bor- Ichlägen des sozialpolitischen Ausschusses auf Aenderung der Be- stimmungen der Reichsversicherungsordnung über die Wochenhilfe am 30. Juni dieses Jahres zustande gekommen. Vom 1. Oktober dieses Jahres ob kann Wochenhiss« noch der Reichsverstcherungsordnung während der Dauer von sechs Wochen(also für zwei Wochen mehr als bisher) bezogen werden. „wenn die Schwangere während dieser Zeit keine Beschäftigung gegen Entgelt ausübt und vom Arzt festgestellt wird, daß die Ent- bindung voraussichtlich innerhalb sechs Wochen stattfinden wird Irrt sich der Arzt bei der Berechnung de» Zeitpunktes der Eni- bindung, so hat die Schwangere gleichwohl Anspruch aus das Wachengeld von dem in dem ärztlichen Zeugnis angenommenen Zeitpunkt bis zur Entbindung." Dieie wichtige Aenderung, die in bezug auf die Zeitdauer und den bei der Berechnung des Zeitpunktes der Entbindung möatichen Irrtum dem im Oktober 1919 in Washington beschlossenen lieber- einkommen entspricht, wird in Verbindung mit der gleichfall» be< schlossenen Aenderung. daß da« Wochengeld vor der Ent- bindung jeweils sofort, also nicht mehr, wie bis- her, er st mit dem Tage der Entbindung fällig wird, sicherlich viele Frauen abholten, bis auf die möglichst letzte Minute vor der Entbindung im Betriebe oder zu Hause Erwerbs- arbeit zu oerrichten. Von nicbt minder großer Bedeutung ist weiter die gleichzelkkg beschlossene Aenderung, nach der vom 1. Oktober ob die Kranken- fassen bei der Entbindung oder bei Schwangerschaftsbeschwerden Hebammenhilfe zu gewähren haben. Bisher bestanden die Auf- wendung-n der Krankenkassen neben Gewährung von ärztlicher Hilse, falls sie bei der Entbindung und bei Schwangerschaft»- beschwerden notwendig wird— die natürlich in diesen Fällen auch nach dem 1. Oktober gewährt werden muß—, in der Zahlung eines Betrages von 25 Mark als Beihilfe zu den sonstigen Kosten der Entbindung und bei Schwangerschaftsbeschwerden. Abzüglich dieses laMMIlÄW-Mlii! Achtung I Achtung! AllsgeWette kmerdslase! Die aii»gefletterten erwerbslosen Kollegen und Kolleginnen sollen eine einmalige Sonder-Unterstiigung ausgerabii erhalten uvd zwar mit den Buchstaben: A— D am Montag, den IZ. Septemoer E— I, Dienstag,. 14., 1-M. Mittwoch., 15. N— R. Donnerstag, 1« S-U. Srcitag,. 17. V— Z, Sonnabend, 18. Beiugsberechtig! sind diejenigen Kollegen und Kolleginnen, weiche am Tage des Sius» ruls ihres Anfangsbuchstadens mit ihren BeMgen bei uns anegesleuert waren Die AttSzahIunq findet im Ber dandehaus. varlrrre, am Schalter l. in der tzeii von 9'/. Uhr vormitags bis 2 Uhr nachmittags statt. vi« Ocfaacrtoaltano. Adolf hossmauu Episoden und Zwischenrufe au» der Varlomenl»- und Mintslerzeit. Breis 1 matt Porto i Psennig. Vorrätig in allen Vorwärt»- Auvzabesiellen. stille KapUSn- Kauiabas�fÄrsssr C. Kttckcr. Berlin Lichtenberger Sti alle 22, Kgst. 3861 Neubau-Wohnungen ! In Britz,«tri. Germania Prentanad«. belle Lage. 8 u 3 Zimmer, Bad. jr. Loggia p. I. XII M tu veimieien. Auslunft doriieldii im TandSro oder Reutdll» 7»is. I tiß&raW IZ&eiöene Verkaufsstellen. > J- Auswahl: Lackspangenichuh mit U XV.-Ab«atz für Strahc und Gesellscbafi 6-Cie A.-G. Sar{b b. Ma�db. N, Duzte« Str. I N. Friedrich«tr. 130 M. Mülleistr. 3 O. Andreaatr. 30 O, Frankfurt« Allee« SO, Oranierutx. ie Hochf. Lackspangenichuh, unser Sdilager, * Abbildung 1 Eleganter Modezugpumps, echt Chevreau, 5. Abbildung 2 Brauner Modezag- pumpt, erstklassige AutiOhrung mit L. XV.-\ � 50 Absatz..... Feinfarbig blond Mode- zagpumpt mit Gitter- spange, mit L. 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Wenn es auch diesmal noch nicht gelungen ist, die völlige Rati> fizierung des Washingtoner Uebereinkommens.bezüglich Beschästi- gung von Frauen vor und imch der Niederkunft" durchzusetzen, so bedeutet der Reichstagsbeschluß vom 30. Juni doch eine so große Annäherung an das Uebereinkommen, daß der hauptsächlich aus politischen Erwägungen heraus begründete ablehnende Standpunkt der Mehrheit des Reichstages kaum noch aufrecht zu erhalten ist. Auf jeden Fall bedeutet der Beschluß aber einen Erfolg der weiblichen und männlichen Vertreter unserer Partei im Reichstage, der um so schwerer wiegt, als noch im vorigen Jahre eine Ber- schlechterung der Bestimmungen über die Wochenhilfe geplant war, die u. a. den Gewerkschaftskongreß zu einer Protestresolution ver- anlaßt hatte._ Elektrische Einrichtungen aufRatenzahlung. Neuerungen bei den Berliner Elektrizitätswerken. In Berlin gibt es noch immer Tausende von Häusern, die nicht an das Leitungsnetz der städtischen Elektrizitätswerke ange- schlössen sind. Aber auch in denjenigen Häusern, die bereits einen Anschluß haben, finden sich noch zahlreiche Wohnungen, die keine elektrische Installation besitzen. Man schätzt die Zahl der bisher nicht mit Strom versorgten Haushaltungen in Berlin auf rund 700 000. Es sind das größtenteils Wohnungen von Arbeitern, von kleinen An- gestellten, Beamten, Handwerkern usw. Der Grund, weswegen so viele Häuser und Wohnungen noch nicht mit Elektrizität oersorgt sind, liegt in der Kostspieligkeit der Hausanschlüss« und der Wohnungsinstallationen. Eine Wohnungs- installation z. B. stellt eine einmalige Ausgab« dar, die, wenn sie auch noch so niedrig gehalten wird, doch für das Budget eines Ar- beiters oder eines kleinen Angestellten unerschwinglich ist. Auf diese Weise sind gerade die ärmsten Schichten der Bevölkerung von.den Vorteilen und Annehmlichkeiten des elektrischen Stromes ousge- schloffen, obgleich sie es sind, die daran in erster Linie teilnehmen müßten. Denn welche Verbesserung und nebenbei Erspar- n i s würde es bedeuten, wenn in den Arbeiterwohnungen mit ihren kleinen, menschenüberfüllten Räumen elektrisches Licht vor- Händen wäre, und welche Erleichterung wär es für«in« Arbeiter- srau, wenn sie ein elektrisches Bügeleisen oder gar einen Staubsauger benutzen könnte. Um auch den m i n d e r b e m i t t e l t e n'K l a s s« n der Bevölkerung die Möglichkeit zu geben, sich die Elektrizität zu verschaffen, haben die Berliner städtischen Elektrizitätswerke nach dem Muster vieler deutscher und ausländischer Städte beschloffen, einRatenabzahlungsoerfahrenfür elektrische Wohnunas- installationen, elektrische Apparate usw. einzurichten. Ueber diesen Plan ist im„Vorwärts" bereits kurz berichtet worden. Das System der Ratenzahlungen soll zunächst aus folgende Gegen st ändc angewandt werden: elektrische Heiz-, Koch- und Haushaltsapparote, Beleuchtungskörper, Gleichstrommotoren bis ein- schließlich 3 Pferdestärken, Drehstrommotoren bis einschließlich 5 Pferdestärken. Ferner sind noch komplette Wohnungsinstollationen und Hausanschlüffe in das Abzahlungssystem einbezogen. Die Raten- Zahlungen sollen in der Weise vor sich gehen, daß, je noch Wahl des Käufers, entweder eine Anzahlung oon30Proz. des Gesamt- Preises erfolgt und der Restbetrag in 5 Raten abgetragen wird oder daß 10 Proz. angezahlt werden und die Re st schuld in 10 Raten getilgt wird. Die Art des Abzohlungssystems wird am besten an einem Beispiel erläutert. Eine Wohnung soll eine elektrische Einrichwng- erhalten, bestehend aus Leitungen, Schaltern, .Steckdosen, einigen Beleuchtungskörpern und einem elektrischen Bügeleisen. Der Wohnungsinhaber läßt sich von einem Installateur einen Kostenanschlag aufstellen. Die Endsumme des Kostenanschlags sei mit 150 M. angenommen. Soll nun dieser Betrag ratenweise getilgt werden, so wendet sich der Wohnungsinhaber mit einem ent- sprechenden Antrage an die städtischen Elektrizitäts- werte. Diese bezahlen zunächst von sich aus den Rechnungsbetrag von 150 M. Mit dem Installateur hat der Wohnungsinhaber von da ab nichts mehr zu tun. Er hat den Elektrizitätswerken zunächst die Anzahlung von 30 Proz. bzw. 10 Proz. zu leisten. Die ver- bleibenden Raten werden dann zusammen mit den monatlichen Stromrechnungen eingezogen. Das Abzahlungssystem ist vorläufig erst in seinen Grundzügen festgelegt worden. lieber die Einzelheiten der Ausführung werden die städtischen Elektrizitätswerke noch nähere Mitteilungen veröfsent- lichen. In einem Lande wie Deutschland, dessen Bevölkerung durch Krieg, Inflation und Arbeitslosigkeit ungeheuer verarmt ist, sind Abzahlungsmethoden eine wirtschaftliche Rot- w e n d i g k e i t. Sie ermöglichen auch demjenigen eine größere An- schasfung zu machen, der nicht über das Kapital verfügt, den ge- samten Rechnungsbetrag auf einmal zu begleichen. Das von den städtischen Elektrizitätswerken geplante Äbzahlungssyftem wird zweifellos die Anschlußbewegung bei den Werken stark b e- lebe n. Es liegen mit solchen Abzahlungsverfahren bei inländischen wie bei ausländischen Elektrizitätswerken gute Erfahrungen vor. Die verstärkte Anschlußbewegung wird den Stromabsatz erhöhen und damit auch die Einnahmen und die U e b e r s ch ü s s e der städtischen Elektrizitätswerke steigern. Das letztere ist im Jntereffe der k o m- munalen Finanzen sehr wichtig. Die Anschlußbewegung wird serner zahlreichen Arbeitskrästen eine Beschäftigung geben. und zwar handelt es sich hierbei einmal um die Montage- o r b e i t e r, die die Hausanschlüffe, Wohnungseinrichtungen usw. ausführen, zweitens um die Fabrikarbeiter, die die benötigten elektrischen Materialien aller Art herstellen. Die Elektrizitätswerke tragen so auf ihrem Gebiete dazu bei. neue Arbeit zu schaffen und die Arbeitslosigkeit zu vermindern. Den Hauptvorteil von dem Abzahlungssystem aber werden die Stromabnehmer selber haben. Der sehr b i l l ig e Ber- liner Elektrizitätstarif, einer der niedrigsten in ganz Deutschland, wird sich erst dann voll auswirken können, wenn die großen Massen der minderbemittelten Bevölkerung die Möglichkeit haben, ihre Wohnungen elektrisch einrichten zu laffen, Beleuchtung?. 'Jjrper zu kaufen usw. Der Grundgebührentarif und das Ratenzahlungssystcm werden in wenigen Jahren bewirken, daß Berlin hinsichtlich Elektrizität an der Spitze der europäischen Städte' marschiert. Das ist auch von unserem sozialistischen Standpunkte aus sehr wesentlich. Unter den vielen sozialen Aufgaben, die unsere Partei zu lösen hat, ist ein« nicht unwichtige die Versorgung der arbeitenden Bevölkerung mit elektrischer Energie._ Dr.-Jng. W. M a j e r c z i k. wie schaffen wir die weltliche Schule im Bezirk Prenzlauer Berg? Ueber dieses Thema sprach Genosse Schröter kürzlich in einer Kreissunktionärversammlung des 4. Verwaltungsbezirks. Er wies daraus hin, daß heute nicht mehr Erwägungen notwendig seien, o b weltliche Schulen geschaffen werden sollen. Erziehungsproblemc brauchen wir jetzt nicht besprechen. Notwendig ist es, an die prak- tische Arbeit zu gehen. Zunächst ist das Einsammeln vonjAdreffen solcher Eltern, die bereit sind, ihre Kinder zur weltlichen Schule zu schicken, nötig. Der„Vorwärts" machte bereits Adressen der Ge- nassen bekannt, bei denen Listen zur Eintragung der Anmeldungen der Kinder auslieaen. Die Arbeit ist nicht gering. Es gilt 2 0 00 K i n- der zu erfassen, um die beabsichtigten zwei Doppelschulen errichten zu können. Genosse Schröter zeigte an verschiedenen Beispielen, wie Einwendungen der Gegner der weltlichen Schule zurückgewiesen werden können. Er betonte, daß Kirchenaustritt für die Anmeldung zur weltlichen Schule nicht Bedingung ist. Jeder, der für freie Er- ziehung eintritt, kann sein Kind zur weltlichen Schule schicken. Gegen- gründe anderer Parteien sind leicht zu widerlegen. Wenn auch die KPD. die Parole herausgegeben Hot:„Gegen die weltliche Schule", weil diese eine sozialdemokratische Erfindung sei und an- geblich die Arbeiter vom Klassenkampf abhält, so steht dem entgegen, daß viele kommunistische Eltern ihre Kinder dennoch zur weltlichen Schule schicken und auch Schulvertreter Rußlands die bestehenden weltlichen Schulen besuchten und sich sehr anerkennend über sie aus- sprachen. Nach der sehr regen Diskussion beantwortete Genosse Schröter die gestellten Fragen, ll. a. bot er die Parteigenossen, wie auch andere Interessierte, sich ein Urteil über die weltliche Schule erst zu bilden, nachdem sie diese selbst kennengelernt haben. Am 27. September wird eine öffentliche Versammlung:„Für die well- liche Schule" die Eltern weiter unterrichten. Große öezirks-Zrauenkonferenz Sonntag, de» 12. September, vormittag» 10 Uhr pünktlich. im großen Sitzungssaal de» alten herrenhouse», Leipziger Str. 3 Tagesordnung i 1. Vortrag de» Ge» offen vr. Bröckel(bCGB.) über.Da» Arbeit». losenproblrm'. Anschließend die Genossinnen vod«. Schach und Todenhagen mit verlängerter Redezeit über.vi« Arbeit de» Reichstage» nnd der Stadtoerordveteaversommlung im Zntereffe der Setämpsnag der Arbeitslosigtett'. 2. vie gewerkschaftliche �werden,»ch«— vi« Rote Woche— vi« wwlerarbeil. L erichler statt eri»: Genossin Todenhagen. Zotritt aar mit velegation»an»m«i» oder Gasttart«. lürtoatrolle l. n. 2. Kreit Die Unlergrundbahnslation Heidelberger Platz, die unter dem Ringbahnhof Schmargendorf liegt, hat seit ihrem Bestehen einen zweiten, bisher geschlossenen Zugang, und zwar auf dem Heidel- berger Platz. Jahrelanges Zureden der Siedler jener Gegend hat nun erreicht, daß auch dieser Zugang geöffnet ist, wenn auch nur von X7 Uhr früh bis 3�9 Uhr abends. Wer nach der Johannis- berger. Binger, Aßmannshausener Straße usw. will, der benutze diesen Ausgang. Der Kleingärtner-Bezirk»verband Neukölln-Treptow veranstaltet vom 19. bis 21. September 1926 in den Räumen des Restaurants „Zum Schultheiß"(früher Unionsbrauerei), Hasenheide 22— 31, seine diesjährige 5. große Ausstellung für Blumen, Obst, Gemüse, Gartenbauerzeugnisse und Kleintierzucht. Aussteller sind Klein- gärtner, die aus Liebe zur Natur nach getaner Tagesarbeit sich bemühen, auf das von ihnen gepachtete Stückchen Erde Blumen, Gemüse, Obst usw. zu pflanzen. Die Ausstellung soll nicht nur den Beweis erbringen, daß die Kleingärtner wohl in der Lage sind, mit manchen Fachleuten oder Züchtern wetteifern zu können, sondern soll auch belehrend wirken.' vaanerweihe i» Blahlsdors-Süd. Am letzten Sonntag feierte die Abteilung 124», Mahlsdorf-Süd, ihre Bonnerweihe. Genoffen aus Lichtenberg und Kaulsdorf waren ihre Gäste. Nach einer Be- grüßungsansproche des Genossen Godau und einem Prolog, den Genosse H i n tz« vortrug, hielt Genoffe Rüben die Weiherede: Wenn wir heute das Banner der Partei vor uns sehen, so erinnert es un« an das halbe Jahrhundert Kampf und Not der klaffenbewuß- ten Arbeiterklasse. Wehmütige Erinnerungen an die alten dahin- geschiedenen Kämpfer tauchen aus. Aber auch an die alte Geschichte der Partei erinnert uns das Banner, unter dem zu kämpsen uns heute noch Lust und Freude ist. Und wenn heute ein junger Orts- verein fein Banner den alten kampferprobten Bannern anreiht, so wissen wir, daß auch er auf dem Posten sein wird, wenn die Stunde ruft. Das Bonner wehe uns vor zu Schutz und Trutz im Kampfe gegen die Gegner der Arbeiterklaffe. Es führe die Arbeiterklasse zur Einigkeit und zur siegreichen Schlacht. Unser die Welt trotz alle- dem. Danach bildeten die Genossen einen Zug, der unter Borantritt des Musikvereins„Echo" und der Tambourkapelle des Reichsbanners durch Mahlsdorf-Süd zog. Im Restaurant„Hubertus" wurde die Feier fortgesetzt. So manches Erlebnis bei früheren Bannerweihen, als die Polizei noch fürsorglich das Haus umstellte, in dem die Roten tagten, wurde ausgetauscht und— belacht. Man lauschte den Vor- trägen des Gesangvereins„Freiheit", dem Gartenkonzert des Musik- Vereins, und verbrachte den Tag in kameradschaftlicher Einigkeit. Arbetier-Kvlwrtarteo Groß verlta. Im Winter 1SSS/Z7 vier große Arbeiter- Sinfoniekonzerte im großen Saal der Philbarmonie. Bernburger Straße. 1. Konzert: Sonnabend, den S. Oktober, abends 7>/, Uhr. Werke von SIrawinSky, Beethoven und Möhler. 2. Konzert: Montag, den 27. Dezember 1V26, abends 71/, Uhr, Werke von Bach, Mozart, Honegger und Richard Strauß. Z. Konzert: Sonntag, den 27. Februar 1927, nachmittags 3'/, Uhr. Werke von Cherubini. Schönberg, Schubert, t. Konzert: Sonnabend, den IS. März 1927, abends 71/, Uhr. Werke von Beethoven und Brahm». Solisten: Proseffor Arwr Schnabel, Protessor Gustv Havemann. Musikalilche Leitung: Kapellmeister Iascha Horenftein. Das Philharmonische Orchester. Die vier Konzerte losten im Abonnement 5 M. EinzeichnungSIisten liegen aus in den Vorwärts- speditionen, bei den BUdungSobleuten der Kreise und Abteilungen, in den VerbandSbureauS, im Zigarrengefchäft Horfch, Engelufer 34/25. im Zentral- verband der Angestellten, Bellc-Alliance-Ltr. 7— Ist, bei den Funklionären der Verbände, im Tonristenverein„Naturfreunde", im Zigarrengeichäfl Linke, Jnselftr. S, in der Buchhandlung Vorwärts. Lindenstr. 2, beim Arbeiter-Abftinentenbund, Engelufer 29, und im Bureau de» Bezirk». bitdukgSauSschuffeS, Lindenstr. 3, 2. Hof, 2 Tr., Zimmer S. vi« kaufmännische» Schule» de« Industrie-»ad hondel»kammer zu Berlin beginnen ihr Wintersemester am 12. Oktober d. I. Der Unterricht umsaßt sämtliche kaufmännischen Fächer, wie Betriebswirtschaftslehre, Buchfübruno, Deutsch und Handelskorrespondenz, Handels- und Wechsellehre, RcchtSkunde, VollSwirllchastSIehre. Malchinenlchieiben und Bürgcrkundr, sowie die neueren Fremdsprachen, wie Siigllsch, Französisch, Spanisch und Russisch. AnSlünftc und Prospettc sind bei der Schuloerwaitung der Industrie- und Handelskammer zu Berlin, Neue Friedrichstr. 53/55. kostenlos erhältlich. /lrbettersport. Illhbollwettsp'.ele am 12. September. Am Eenntog finden folgende Sericnspiel« statt: Bezirk Norden: Ztegin gegen Freihcit-Naihcnow in Äcpin Staaten gegen Brieselang in Smatei.. iSemeindevlag am Bahnhof. Spandau 25 gegen Sparta-Nauen in Spanda» Halenfelde. Stadion.«flnS gegen Spandau 03 in Ähritz. Wittenau gegen Kichte-Nord in Wittenau an der Noidbahn. Hansa gegen Borwarto.Hcnnigs. darf in Sohenneucndorf. Nord-Oranicnburg gegen Sachsenhausen in Oranic». bürg. Birtenwerdcr gegen Mincroa-Boisigwald« in Bir.Icnw-rdcr. �Adlcr l- gegen Arminia in der Christianiastraße. Nordioka gegen Elsenspaltere, auf dem Ererzierploli in der Schönhauser Allee. Pankow 0b gegen Ardeiter-Turnvereln Pankow in Pankow. Marimilianstraße. Hertha gegen Arbeiter-sportvercin.4 in Steinfurth. Isichte-Sesundbrunnen gegen Blau-Weiß rn Ncinickendorf, am Schäfersee Amateuie gegen Alemannia auf dem Sxcrzierplag in der schon- Heuser Allee. Viktoria gegen Tegel 24 in Eberswaldc. Seatonia 09 gegen Union-Pankow in der Christianiastraße. Wacker 24 gegen Borusila-Reiiiicken- dort in Lichterfeldc bei Cberswaldc. Ificht« 24 gegen Ioachimz.hal in Riederschönhausen. Kaiscrweg. Bernau gegen HeloeUa in Zepernick. Elniglcir gegen Baumschulenweg in Buch.- Bezirk Osten: Konkordia gegen Stra.au in Baumschulenweg, Plänterwald. Lichlcnbcrg l gegen Verein sär Bewegungs. spiele Köpenick am Bahnhof Straleu-Rummeloburg. Eadowa gegen Biitannia- Lichtenberg in Käpcnick-Nord. Treptower Ballspi-Mub gegen Askania IN Baumschulenweg. Plänterwald. Tasmania gegen Briezen in Fredcrsdors sOftbohnl. Vorwärts 20 gegen Ketschendorf in Hohenschoiihamen, Gommer- flrafee. Hertha 22 gegen Lichtenberg II in Lichtenberg. Wogncritrage. Ali- Slienicke gegen Brandenburg 02 in Alt-GIienicke, am Kiesberg. Zeuthen gegen Luftig-Fidel in Zeuthen. Weißenfee gegen Berilner Sportverein 1« in Geißenfee. Nrnnbohnstraßc. Oberspree gegen Tasdorf in der Wuhlheidr. Adlershof gegen Lichtenberg III in Adlershof. Bismarckstrage Fichte-olldolt aeacn Svarta-Lichtenberg auf dem Fichte-Turnplat, in Baumichiilenwcg wer- mania«eqen Berliner Sportverein 22 in Weißeniee, Rcnnbahnftroge. Reuen- Hagen gegen Friedrichshagen in Neuenhagen(Sftbahn). Adler gegen Frisch- wrei in Mahlsdorf.— Bezirk Slldenwesten: Hertha gegen Teltow l» Lücken- walde, am Wasserturm. Jüterbog gegen Luckenwalde I in Jüterbog. Ein- tracht 25 gegen Berolina in Neukölln. Innstroße. Frei« Sporweieinigung Berlin XII gegen Luckenwalde ll in Steglitt, Gemeindesportpiaß, Ring- Ecke Aldrechtstraße.«irchmölcr gegen Wilmersdorf in Kirchmäser. Zossen gegen Viktoria-Temvelhof in Zossen. Zehlendorfer Ballspielilub gegen Fortuna 23 in Zehlendors, ibemeindesportplah. Wannsee gegen Beelitzer Fußballklub»i Wannsee Wackcr 2l gegen Kreuzberg in Lankwitz. Semeindepark. Lücken- walb« III aegen Echöneberg in Luckenwalde, Hetzheid«,«olzenburg gegen Fußballring in«olzenburg. Charlottenburg gegen Frisch-Auf in C�rlotten. bürg. Olberstraße. Trebbin gegen Britannia-Neukolln in Tredbin. Ballspiel- Nub Moabit aegen Fichte 21 im Beussclgrunb. Bahnhof veusselstraße. Wolters- bork aegen Mariendorfer Sportklub in Woltersdorf bei Luckeirwoide. Stern gegen Ruhlsdorf in Marienfelb«. Dorfsiraße. Frankenfelde gegen Lücken- wölbe V in Frankenfelde. Beginn der Spiele nachmittags 4>4 Uhr. Vorher unter« Mannschostcn. Arbeitersportfest in Wannsee am 12. September. Vi« Arbeitersportler in Wannsee haben es abgelehnt, sich an dem Auszug der bürgerlichen Sportverein« und an den sportlichen Beranstaltungen ans Anlaß der Eröffnung des neuen städtischen Spiel- und Sportplatzes zu de- teiligen. Sie werden vielmehr am Sonntag, 42. September(nicht. wie irrtümlich mitgeteilt worden war. Sonntag. 19. Sopiember), auf dem neuen städtischen Sportplatz in Wannst- ei- eigene, Sportfest»erons, alten, zu dem sse die Berliner Svortgenossen und alle Freunde des Arbeitersports sowie die Parteigenossen«inladen. Ein städtischer Spiel- und Sportplatz ist hier geschaffen worden, wie ihn wohl lein Bezirk in Berlin aufweisen kann. Vormittags«14 Uhr: Beginn der leichtathletischen Wcttkampfe und Turn- spiel«. Nachmittags 1214 Uhr: Festzug vom Reich-adler zum Eportplctz. Fortsetzung der Turnfpiele. Stafetten, R-dreigen, Radvolo und Fußball. Abends: Gemütliches Beisammensein im Restaurant Reichsadler. Frei« Turnerschaft Wannsee. Arbeiter-Radfahrerbund Solidarität. Arbeiter-Radfahrerbniid..Solidarität". T-uren für S-nnt-g. 12. Sep. tember.«ej. 1 Berlin, 1. Abt.: Früh 6 Uhr Gamengrund. 1 Uhr Blonien- felde. Start Bülowstr. bö.— 2. Abt.: 11., abends. Streifzllge durch die Mecklcnburger Seenkett«: per Bahn bis Gronfe«, Rückfahrkarte. 12., früh 7 Uhr, Summter See. Start Diefsenbachftr. 30. 3. Abt.: Früh 7 Uhr Möllensee. Start Lausitzer Platz.— 3. Abt.: 11.. abends 0 Uhr, und 12., früh 6 Uhr, Hangelsberg. Start Landsberger Platz.—-». Abt.! Früh 7 Uhr Zühlsdorf. 12 Uhr Summt. Start Schönhauser Allee IM.— 7. Abt.: 11., nachmittags 514 Uhr, und 12., früh 6 Uhr. Dubrow. König. 1 Uhr Ziel ain Start Koloniesm 147.— 8. Abt.: Früh 6 Uhr Start Arminiusplatz nach dem lbradowsec. 1 Uhr Birkenwerder, Japan. Start Woldenferstr. 19.— 9. Abt.: Früh 6 Uhr und nachmittag» 1 Uhr Gorinsee. Start Schulstr. 114.— 1». Abt.: Früh 6 Uhr Wuckense« Mittags Gorinsee. Start Eomeniusplatz. — 44. Abt.: 11.. nochmittaqs 3, 5 und« Uhr Beetz�Sommerfeld. Start Blochplatz.— 12. Abt. Motarjahrrr: Früh 7 Uhr Freienwalde. Start Frank- furter Eck« Warschaurr Straß«.— Bez. 2, 0rt»gr. Reuk-lln: 11., abends 5 Uhr, Buckow. Märkische Schweiz. Start oller Abteilungen Hertzbergplatz. 12.. früh 7 Uhr. Alt-Landsberg. Start 1. Abt. Hertzbergplatz. 2. Abt. Bahnhof Her- mannttroße.— Orwgr. Charlottenburg: 11. Saolfportfest Spandauer Berg: Anfang» Uhr. Straßenbahn 54. 154. 155V. 12. Familrentour nach Saat- Winkel. Babewiese. Start Galvanistr. 13.— Ortsgr.«chöneberg: Berein». meifterlchaflsrennkn„Rund um Spandau". Start 7 Uhr Stubenrauchflr. oa. — Ortsgr.»r.-Ltehtrrfclde: Vormittags 11 Uhr nach Wanfe«. Start Hinden- burgdamm.— Bez. 21. Ortsgr. Wrsßrnf«»: ll. und 12. nach dem Motzen« See als Gast„Bund freier Menschen". Start 8 Uhr abends Berliner Allee 227. — Ortsgr. Heinersdorf: Früh 7 Uhr Bernau— Liepnitzfec. Start Kirche.— Ortsgr. Lichtenberg: Früh 6 Uhr Lchnitzfee.. Start Tiaveplatz.— Orwgr. Riederfchönhausrn: Früh 8 Uhr Dammsmühle— Mühlcnbecker See. Start am Friedensvlatz.— Ortsgr. Reinickendorf: Früh 7 Uhr Stolzenhagener See. Start Refidenzstr. 109.— Ortsgr. Pankow: Früh 814 Uhr Gamengrund. Start Kissingen- Ecke Sranitzstraß«.— Ortsgr. Tegel: 1 Uhr Birkenwerder, Japan.. Start Schliepcrflr. M.—«chtnna, Bundeszenossenl Sonnabend, 18. September. Goufaalfelt in den gesamten Räumen der„Neuen Welt", Hafenheid«. Bor- verioufsbilletts ll M.) sind noch Dieffendachftr. 54 zu haben, an der Kasse 1,50 M. Röbeioufdewohrung 20 Pf. Sonntag. 19. September, allgemeiner Gewerkschaftstag in Treptow. Beterliaung all« Bundesgenossen ist Pflicht. Arbeiter. Sportkartell 3. Bezirk Wevding. Wegen G.-A.-Sitzung fällt unsere Sitzung am 13. September aus. Sie finbet«ine Woche später statt am Montag, 20. September, 714 Uhr, im Ledigenheim Schönstedtstr. 1 am Brunnenplatz, 1 Treppe, Zimmer 122 und 123. Sehr wichtige Tagesordnung. Berlin« Schwimm-Union 1913. Am Sonntag, 12. Seplembrr, Abbaden im Vereinsbad Oberspree. Sämtlich« Mitglieder haben die Pflicht, hieran teilzunrhmrn. Gäste willkommen. Gleichzeitig weisen wir auf unser am 3. Oktob« im Stadtbad Friedrichshain, Schillingbrück«, stattfindendes große» lokales Schwimmfeft hin. Anfang pünktlich 3 Uhr. Frei« Schwimmer Nenksla E. B. Alle Altersriegenmitalieder de» Berein», die die Altersriegenpartie nach Dessau, mitmachen, treffen sich am Sonnabeno. 11. September, pünktlich 5 Uhr, auf dem Hermannplatz(Wescrstraßel. Von dort«emeinsamer Abmarsch nach dem Hofenplatz, wo um 8 Uhr die Auf- stellung sämtlicher Altersriegenmitglieder Groß-Berlin» und die Fah: karten- ausgab« erfolgt. Frei« Turnerfchast«ittenim. Sonntag. 12. September. 1«. Stiftungsfest in den„Gerinania-Prachlsälen" Wittenau. Lübars« Str. 94/96, Jnh. Iiilius Gberhardi. Es wirken noch folgend« Sportvereine mit: Arbeiter-Turnverein Pankow und Ringfportverein Tegel. Alle Freunde und Gönner sind eingeladen. Berliner Arbritrr-Schachklnd. Abt. Schillrrpark: Müllerstr. 128 bei Beicr. Spielzeit Dienstags von 8— 11 Uhr, Schülerabteilung 6— 8 Uhr. Sonntag, 12. September, 2 Uhr, auf der Schillerparkwiese öffentliches Propagandaspiel. Zpnristenoerei»„Die Raturfreunde" sZentrale Wien). Abt. ChaNott,»- bürg: Freitag, 10. September, 8 Uhr. im Heim Haeselerstr. 16b, Arno-Holz- Abend.— Abt. Südost: Freitag, 10. September, 8 Uhr, im Heim Reichcnberger Straße 88. Geschäftliches.'— Abt. Reukälla! Zugendgrupp« Freitag, 10. Sep- temher. 8 Uhr. im Heim Kopfstr. 55. Diskussionsabend.— Abt. Südwest: Freitag, 10. September. 8 Uhr Im Seim Bärwaldstraße sBadeanstalll Heim- abend.— Abt. Zempelhos: Freitag, 10. September, 8 Uhr, im Heim Marien- darf. Dorfsiraße, Brettspielabend. Montag, 18. September, 8 Uhr. Lichtenberg. Kaiser-Wilhelm-Str. 33.— Abt. Treptow: Freitag. 13. September, im Heim Elsenstr. 3. Moderne Jugendpflege.— Werbebezirk Nor», Gesang» chor: Frei- jag. 13. September. 8 Uhr, Danzigrr Str. M. Baracke 3. Uebungsstunde. Zahl- reiches Erscheinen«wünscht.— Ph-toqemeinschakt: Montag, 13. September. >4« Uhr, im Seim Ebertystr. 12 Werbelichtbildervortrag:„Im Zauberban» de, Licht," Eine Anleitung zur bildmäßigen Photographie. Eintritt frei Gäste willkommen. Ausstellung:„Der Sommer". Freitag, 10. September.>4« Uhr. beginnt-«in neuer Anfängerkursus im selben Raum.— Natnrwjssenschaftliih« Abteilung: Montag, 13. September. 8 Uhr, im Heim Stralauer Str. 55. Unsere Speisepilze.— Abt. Schöneberg:-Montag, 13 September, 8 Uhr. im Seim Hauptstr. 18.„Worum Naturfreunde?"— Abt. Friedenau: Freitag. 10. Sep- tember. im Seim Offenbacher Str. 5». Volkstanz. Athletik-Tportklub E. B. Am Sonntag, 12. September, beteiligen wir uns alle am HerMlfportfest des SV. Moabit auf dem Hippodrom-Sportplat» am Bahnhof Zoo im Tiergarten. Di« Teilnehm« für die gemeldeten vier Mann- schaften 20X14 Runde treffen sich spätestens um 3 Uhr auf dem Sportplatz. Am Freitag. 17. September, große Vorstandssitzung. Erscheinen der Vorstand». Mitglieder oller Abteilungen dringend Pflicht. Wonder-Paddler„Hapel". Geschäftsstelle M. Braune. R 5«,»olliner Straße 12. Freitag. 10. September, 8 Uhr, Sitzung bei Fuhrmann, Graun- straße 1. Bootsunterkunft Restaurant Tivoli. Heiligcnse«. Jsi der r bei /spcctrse findet man bei dem anregenden Dufte einer wirklich guten Wenesti-Zigarette Ausspannung für Körper und Geist Schcrif n Kibari Nr. 42H» 4?. Jahrgang 2» ���01 �00 ��0lrQ�CHrt5 Lreltag,?S. September 1424 Die KonsumgenoMnsihasten im 2.(Quartal 1 92 ö Wachsende Inanspruchnahme. Die Viertel jahrserhebungen des Zentralver- bandes Deutscher Konsumvereine sind zur Beurteilung der Entwicklung der Verbrauchergenossenschasten von besonderer Be- deutung, weil sie einen weiteren Kreis von Genossenschaften um- fassen als die Wochenstotistik, nämlich alle Vereine mit mehr als 400 Mitgliedern, lieber das zweite Vierteljahr berichteten 678 Konsumgenossenschaften mit 3 166 000 Mitgliedern. Ueberblickt man die Gesamtstatistik, die die Umsätze, Geschästsguthaben und Spar- einlagen der Konsumvereine des Zentralverbai�es Deutscher Kon- fumverein« umsaht, so läßt sich folgendes feststellen. Steigerung der Amfätze und Guthaben. Die Umsätze sind in erfreulichem Mähe gestiegen, und zwar von 172,2 Millionen Mark auf 184,7 Millionen Mark. Aus jedes Mitglied entfielen im zweiten Vierteljahr S8.ZS M. gegen 52,37 M. im vorhergehenden Vierteljahr. Der Vierteljahrsdurch- schnittsumfatz je Mitglied würde ohne die Bereinigung der Mit- gliederlisten 56,18 M. betragen haben. Gegenüber dem zweiten Vierteljahr des Vorjahres ergibt sich eine Zunahme des Umsatzes um 27,6 Millionen Mark und ein« Zunahme des Vierteljahrsdurch- schnittsumsatzes je Mitglied um 10,09 M. Dieses Ergebnis zeigt nicht, daß die Konsumkraft des Volkes gestiegen ist, denn offen- bar ist infolge der großen Arbeitslosigkeit das Gegenteil der Fall, sondern vielmehr, daß die Wertschätzung der Wirtschaft- lichen Leistungen der Konsumgenossenschaften bei den Mitgliedern immer größer wird. Die konsumgenossenschaft- liche Leistungsfähigkeit ist es in erster Linie, welche die Zunahme des Durchschnittsumsatzes bedingt. Ihre Wirkung ist so stark, daß die hemmenden Momente des Rückganges des gesamten Volks- konsums dadurch überwunden werden. Die Summ« der Geschäftsguthaben erhöhte sich von 26,7 Millionen Mark aus 28,4 Millionen Mark. Durch Auswertung sind 12 Millionen Mark entstanden. An neuem Geld« sind im letzten Vierteljahr 1,7 Millionen Mark dem Geschästsguthaben der Mitglieder zugeflossen. Im Durchschnitt auf jede» Mitglied erhöhte sich der Betrag der Geschästsguthaben von 8,12 M. auf 8,97 M. Im Vergleich mit dem gleichen Vierteljahr de» Vorjahres ist ein« Zunahme des Geschäftsguthabens um 9,6 Millionen Mark, des Durchschnittssatzes je Mitglied um 3,19 M. und des Verhältnisses zum Bierteljahresumsatz um 3,39 Proz. zu verzeichnen. Spareinlagen und Genossenschaftsfinanzen. Ein außerordentliches Wachstum zeigen auch im zweiten Vierteljahr die Spareinlagen. Deren Betrag erhöhte sich von 96.1 Millionen Mark auf 110 Millionen Mark oder um 13,9 Millio- nen Mark. Der Betrag der durch Aufwertung entstandenen Spar. einlagen in der Höhe von 42,8 Millionen Mark ist unverändert. Je Mitglied ist eine Zunahme der Spareinlagen von 29,23 M. auf 34,75 M. und im Verhältnis zum Lierteljahrsumsatz von 55,82 Proz. auf 59,56 Proz. zu verzeichnen. Gegenüber dem gleichen Viertel- jähr des Vorjahres sind den Konsumgenossenschaften als Spar- einlagen 47 Millionen Mark neues Geld zugeslossen, und der Durchschnittssatz je Mitglied hat sich um 15,37 M. erhöht. So erfreulich die Zunahme der Spareinlagen bei den Konsum- genosienschaften ist, so ist andererseits doch deren Betrag im Ver- hältni» zu den Spareinlagen des Volksganzen nicht gerode impo- nierend: denn nach einer jetzt durch die Presie gegangenen Mit- teilung betnigen allein in Preußen Ende Juli die Spareinlagen 1621 Millionen Mark, so daß im ganzen Reiche mit einem Spar- einlagenbestand von 2'� bis 3 Milliarden Mark gerechnet werden muß. Dieses Wachstum der Spareinlagen sowohl bei den Konsum- genosienschaften als auch überhaupt ist überraschend. Auch die schlechte wirtschaftliche Konjunktur scheint hieraus keinen nennen»- wert hemmenden Einfluß auszuüben. Durch die Inflation haben die breiten Massen des Volkes ihre Spareinlagen verloren. Die Konsumgenossenschaften haben durchweg eine Auswertung von 25 Proz. vorgenommen. Die öffentlichen Sportassen werden wohl mit 12Zb Proz. aufwerten. Während die Konsumgenossenschaften im Falle der Bedürftigkeit die Aufwertungsbeträge ihren Mit- gliedern zur Verfügung stellen, ist das in den öffentlichen Spar- kosten in der Regel nicht der Fall. Di« Aufwertung bei diesen wirkt sich also nicht zur Bildung eine» wirtschaftlichen Rück- Halts aus. Die Notwendigkeit eines solchen wirtschaftlichen Rück- halt» wird aber immer mehr anerkannt. Auch die deutsche G e- wertschaftsbewegung bemüht sich nach besten Kräften— wie die Tätigkeit der Bank der Arbeiter. Angestellten und Beamten zeigt—, den Sparsinn ihrer Mitglieder zu pflegen. Es darf an- genommen werden, daß die sorgenden Hausfrauen in allen Kreisen unsere» Voltes bemüht find, selbst unter Einschränkung des Konsums, Ersparnisse zu machen, um zunächst wieder einen so starken Rückhalt zu gewinnen, als er vor dem Kriege vorhanden war. Diese Ersparnisse gehen zwar einerseits dem direkten Volts- tonsum verloren, andererseits aber wirken sie auf dem Kapital- markt in der Richtung des Abbaues der viel zu hohen Zinssätze und dienen somit indirekt zu einer Verbilligung der Produktion und somit auch wiederum zur Hebung des Konsums. Für die Konsumgenossenschaften ist es ganz zweifellos, daß deren Finanzpolitik durch die Ersparnisse der Mitglieder eine Erleichterung erfahren hat, und daß auch deren wachsende Leistungs- sähigkeit zum Teil hierauf zurückzuführen ist. Betont muß aber werden, daß das eigentliche Betriebskapital der Konsumgenojsen- schaften nicht die Spareinlagen, sondern Geschäftsguthaben und Reserven bilden müssen, und daß daher deren Stärkung auch durch ein noch so starkes Wachstum der Spareinlagen nicht hintangeholten werden darf. Die Verwendung der Spareinlagen darf nur ein Notbehelf fein. Der Umsatz der Konsumgenossenschaften bei der Großein kaussgesellschaft zeigt trotz des erheb- lichen Wachstums der Umsätze der Konsumgenossenschaften einen kleinen Rückgang, nämlich von 62,1 Millionen Mark auf 61,2 Millio- nen Mark oder von 36,05 Proz. auf 33,11 Proz. In den Produktiv- betrieben der Großeinkaussgesellschoft ging der Umsatz von 10,6 Millionen auf 9,7 Millionen Mark oder von 6,15 Proz. auf 5,24 Proz. zurück. Begründet ist der Umsatzrückgang in diesem Quartal mit der Tatsache, daß der 30. Juni für eine große Zahl von Genossenschaften Bilanzstichtag ist und die Genosienschaften an der Ausweisung hoher Warenvorräte kein Interesse haben. Ver- gleichen wir jedoch das zweite Vierteljahr dieses Jahres mit dem zweiten Vierteljahr des Vorjahres, so ergibt sich eine Zunahme des Vierteljahresumsatzes der Großeinkaussgesellschast um 15,4 Millionen Mark oder um 3,97 Proz. und eine Zunahsti« des Viertel- jahrsumsatzes der Eigenproduktivbetriebe von 2.6 Millionen Mark oder 0,66 Proz. Die Kaliinüuftrie im VintershaUbericht. Sin Meisterwerk der Bilanzverschleierung. Die deutsche Kaliindustrie hat in den letzten'Wochen durch ihren (inzwischen abgelehnten) Antrag auf Erhöhung der Kalipreise wieder stark im Vordergrund des öffentlichen Interesies gestanden. Dabei wurden die Verhältnisse in der Kaliindustrie auch vom.Vor- wärt»" einer allseitigen Kritik unterzogen. Da die Preiserhöhung-- forderung von sämtlichen Werken des Kalisyndikats, auch vom Wintershall-Konzern, dem angeblichen Vorkämpfer für niedrig« Kali- preise, gleichmäßig vertreten wurde, war aus den Geschäftsberichten der einzelnen Gruppen der Kaliindustrie kaum Neues über die Lage zu erwarten. Das gilt im allgemeinen auch für den Bericht, der jetzt wieder mit 256 Seiten für den ganzen Wintershall-Konzern herausgekommen ist. Einige Daten sind allerdings festzuhalten wert. So die Tatsache, daß am gesamten Weltabsatz 1925 von 15,88 Millionen Doppel- zentnern Kali Deutschland mit 12,25 Millionen, das Elsaß mit 3,10 Millionen Doppelzentnern beteiligt ist, wahrend aus Polen (225 000) und Amerika(300 000 Deppelzentner) insgesamt nur etwa 3 Proz. des deutschen und elsässischen Anteils kommen. Don einer ernstlichen Bedrohung des deutsch-sronzösischen Monopols kann also tatsächlich keine Rede sein. Im Wintershall- Konzern wurde die Produktion von 1925 in 9 Fabrikwerken und 4 Rohsalzschachten bewältigt', für 54 Schächte wurde die Stillegung»- erklärung abgegeben. Ueber das große, seit 1920 in Durchführung begriffene Umstellungsprogramm bemerkt der Bericht, daß es im wesentlichen zu Ende geführt worden ist. Auch die finanzielle Umstellung ist bekanntlich in diesem Jahre zu Ende geführt worden: die zahlreichen dem Konzern angeschlossenen Gewerkschaften haben ihren Besitztitcl. in Aktien der Kaliindustrie A.-G.(Haltegesellschast) umgetauscht. Die Kali- industrie A.-G. ihrerseits hat ihr bei der Goldumstellung aus 320 Millionen bemessenes Aktienkapital nach Durchführung de» Umtauscht- durch Vermittlung von 200 Millionen Vorzugsaktien auf 120 Millionen herabgesetzt. Die ctnzcliien Akliengcsell- schaften des Gesamtkonzerns haben übrigens ihre Abschlüsse, wie das Gesetz verlangt, vor dem 1. Juli schon bekanntgegeben. Dabei kam aus das für Ende 1925 bei der Kaliindustrie A.-G. dioidenden- berechtigte Kapital von 59 Millionen eikle Dividende von 1 2 P r° z. Don größtem öffentlichen Interesse hätten aller« dings die Bilanzen und die Gewinnrechnungen sein können. Die Kaliindustrie hat bekanntlich große Auslandsanieihen ausgenommen! 240 Millionen Mark find begeben, 60 Millionen stehen noch aus, 160 Millionen sielen noch in das Berichtsjahr 1925.(Oer Winters- Hall-Konzern erhält jeweils 45 Proz.) Es wäre wichtig gewesen, über die Verwendung des ersten großen Abschnitts und über die Zinslasten daraus etwas zu erfahren. Eine große Rolle in der Kalipreisdiskussion spielten die S t i l l e g u n g s k o st e n: noch wichtiger war die Frage der Rentabilität. Ausführliche und gut spezialisierte Gewinn- und Verlustrechnungen hätten darüber wert- volle Auskunst geben können. Besonders beim Wintershall-Konzern wäre das wichtig und lehrreich gewesen, der die größten und kost- spieligsten Umstellungen vorgenommen hat. Für alle diese Er- Wartungen aber ist der Konzernbericht von Wintershall eine schwere Enttäuschung. Würde nicht aus der gegenüber 1924 vollständig veränderten systematischen Anordnung der Bilanzen hervorgehen, daß diese Aenderunhcn zum Teil aus Ordnungsgründen erfolgt sind, man müßte auf die A b i i ch t bewußter Verschleierung und zur Täuschung der Oeffentlichkeit schließen. Für die großen Werke(Deutsche Kali, Bismarckshall, Großherzog von Sachsen) sind die Gewinn- und Ver- lustrechnungen der beiden Jahre absolut unvergleichbar, weil ossenbar die Gewinne unter den Geschäftskosten zum Verschwinden gebracht sind. Sie scheinen an die Kaliindustrie A.-G. abgeführt zu werden(Steigerung von 0,96 aus 7,15 Millionen!)', diese wiederum gibt überhaupt keine Einnahmen- und Ausgabengliede- rung, sondern führt nur die Gesamtsumme der Nettoeinnahmen (Werksgewinne) auf, denen sie die Dividende aus Ausgabe gegen- überstellt. Bei den k o n z e r n i n t e r n e n Gesellschaften, wie Kalibank-A-G. und Norddeutsche Kaliwerke z. B., sind die Gewinn- und Verlustrechnungen ein Hohn aus die Pub'li- z i t ä t s p f l i ch t: der ungegliederten Einnahmensumme wird im gleichen Betrag die Ausgabensumme gegenübergestellt. Stillegungs- «ntschädigungen treten als Ausgaben nur zweimal auf! auf ihre Ge- samthöhe ist jeder Schluß unmöglich, was bei der vielfach gewählten Ertragsbeteiligung als Entschädigungsverfahren besonders mißlich ist. Endlich sind gegenüber dem Vorjahr bei den meisten großen Gewerkschaften die Gewinn- und Vertu st rechnun- gen voll ständig weggefallen.(Alerandershall, Kaiseroda init der Fabrik Merkers, Sachsen-Weimar, Heiligenroda, den drei Glllckauf-Gewerkschasten usw.) Was sich der Wintershall-Konzern diesmal an Unvergleichbar- machung seiner Konzernrechnung geleistet hat, ist wirtlich in der Geschichte der Abschlußoerösfentlichungen noch nicht dagewesen. Er niog gefiüß manche objektiven Gründe dafür haben, die man auch verstanden hätte, wenn siö genannt worden wären. So ober weiß man überhaupt nicht, weshalb das kostspielige Zahlenwert beianntgegeben wurde. Die Amerikaanleihe Preufzens perfekt. Die Ameritaanleihe des preußischen Staates über 20 Millio- nen Dollar wird endgültig begeben. Die Anleihe ist OZ�prozentig und läuft 25 Jahre. Der Zeichnunaspreis ist 95 Proz. führer des amerikanischen Konsortiums ist das Bankhaus Harris orbis u. Co., New Hork. Außer drei amerikanischen Banken gehört auch Mendelsohn u. To., Amsterdam, dem Konsortium an. Die Auflegung erfolgt in den nächsten Tagen, und zwar auch in Holland. Der Erlös der Anleihe wird für die Ausgestal- tung des staatlichen Besitzes an Häfen und Elektrizitäts- werken Verwendung finden. � Banken und Industrie in England. Für deutsche Verhältnisse gilt es schon seit Jahren als Selbst- Verständlichkeit, daß in den Aussichtsräten aller größeren Industrie- gcsellschaften die Vertreter von Banken sitzen: ja, daß die entscheiden- den Finanzgeschäft« des Grosteils der Industrie direkt in den Der- waltungen der Jndustriegefellschaften von Bankvertretern angeregt und überwacht werden. Der Ausbau des deutschen Konzern- und Tvustwesens hat wesentlich durch starke Einslüßnahni« von Bänke» stattgefunden, wie ja überhaupt die enge finanzkapitalistischc Verbin- dung zwischen Banken und Industrie das Kennzeichen des deutschen Bankwesens war und ist. Als typischer Gegen- satz dazu galt bisher das englische Bankwesen, und zwar des- halb, weil es als streng« Regel galt, daß die Banken sich niemals an Iiidustriegesellschaften beteiligen dürfen, um auch jeden Schein spekulativer Beteiligung bei ihren Einlegern zu vermeiden. Dieses System strengster Trennung des Bankgeschäfts von der Jndustriewirtschaft scheint auch in England zusammenzubrechen. Es scheint sich die U-berzeugung von der Notwendigkeit engerer Zu- sommenarbeit zwischen Banken und Industrie durchzusetzen. Ein Merkmal«on�ast programmatischer Bedeutung dafür ist die Meldung, daß der Verwaltungsratsvorsitzende der größten englischen Groß- dank, Mac Kenna von der Midland-Bant,«inen Verwaltungsrdts- posten in der Canadian Pacific Railway angenommen hat. Obwohl die konscroatio« Richtung in der englischen Bankwelt diesen Schritt mit sehr scharfen ablehnenden Kommentaren begleitet, wird man das Vorgehen der Midland-Bonk als beachtliches Symptom für die Herausbildung des Bankkapitalismus auch in England betrachten dürfen, was für die zukünftige Entwicklung der englischen Wirtschasts- struktur von größter Bedeutung sein wird. Defizit der österreichischen Dundesbahnen. Der Direktor der österreichischen Bundesbahnen hat darüber Mitteilung gemacht, daß für das erste Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres der öfter- reichischen Bundesbahnen aller. Voraussicht nach mit einem Defizit von 26 Millionen Schilling gerechnet werdon müsse. Verursacht sei die Unterbilanz durch den unbefriedigenden Personenverkehr und durch die starke Konkurrenz des Lastkrastwagen- und Flugwesens. MmoiR �rollon Sie das Rciuan«e-Strahc 3(1. Schuster, Ehamissoplah 4. Luhe, Bergmann st r. 93. Mendc, Gneisenoustr. Ba. 45. Abt. Die Genossen der Grnppe Minnich beteiligen sich zahlreich an der Flugblativerbreitung um 5 Uhr. Ausgabe der Hauslisten. Di« Genossen gehen zu ihren Gruppenlokalrn. Eharl»ttenburg. 52. Abt. Zur Flugblattoerbreiwna treffen sich die Genossen nachmittags 5 Uhr bei Babel, Kaiferin-Augufta-Allee 52. Die Bezirks- fübrer werden gebeten, ihre Listen dort abzugeben.— 53. Abs. Ab 6 Uhr treffen sich alle Genossinnen und Genossen in den Lokalen Lux, Hutten- straße 2B und Echweiiart, Srasinusstr. 2, zur Flugblativerbreitung. Wich. tigc Mitteilungen werden daselbst durch die Zahlabci, bleute bekannt. gegeben. 68. Abt. Halens«. Ab 5 Uhr Flugblätter beim Gen. Schäl«, Ivhann-Sigi». mund-Strahc ll, abholen. 74. Abt. Zehlcndors. Ab 3 Uhr Flugblativerbreitung vom Lokal Micklei), Potsdamer Strohe 25, ans. 80. Abt. schäacberg. Bon 5 bis 9 Uhr und Sonntag vormittag v»n 8 bi» ll Uhr Flugblatiousaabe für die Gewerkschaftsagitation dei Josef Sllrlich, Begasstr. l. Ecke Rubensftraße. Die im Friedenauer Ortsteil von Schöne. berg wohnenden nur gewerkschaftlich Organisterlen werden um Beteiligung gebeten. 84. Abt. Lavkwih. Ausgabe der Flugblätter von 4 Uhr ab bei Lehmann. Koiser.Wilhelm-Etrahc 29/31. 88. Abt. Lichtenrade. Sämtliche Genossen werden aufgefordert, sich 6 Uhr abend» am Bahnhof Lichtenrade, Parkanlagen, zur Empfangnahme der Flugblätter einzufinden. Revkilla. 99. Abt. 5 Uhr bei Echittler. Weichselftr. 5, Ausgab« der. blälter an die Bezirke.— 93. Abt. Die Bezirksführer holen die Flug, blättei nachmittags 3 Uhr von Thormählen, Herhbngstr. 22, ob.—- 94. Abt. 6 Uhr Flugdloltverbreitung von den bekannten Lokalen aus. Alle Genossen müssen erscheinen. Die Bezirksführer können ab 5 Uhr die Flugblätter von Günther, Echillerpromcnade ll, abholen.— 95. Abt. Abends von 6—7 Uhr Flugblätter bei Hürtler, Prinz-Hanbieru-Strahe 34. 191. Abt. Treptow. Rachm. 5 Uhr Flugblattverbreitung für den Bezirk l— 3. Spedition. 4. Bezirk vom Gen. Seligmann, Bcermannftr. 2. 5. Bezirk vom Gen. Hosemann, Bcrkumer Str. 3. Lichtenberg. 1>5. Abt. Abends 6 Uhr finden die Genossen sich in ihren Zahl. abcndlokalrn zur Fiugblaltvcrbreitung ein.— 119. Abt. Ab 5 Uhr Flug. blottverbrcitung von Morr, Reue Bahnhofftr. 28, au». Sonntag früh 9 Uhr Bcrtcilunq ber Restslugblätter.' 123a Abt. Kaulsdorf.Süd. 8 Uhr bei Rohockcr, Maltkcstr. l, FunktionSrsi»ung. 128/130. Abt. Pankow. Bezirksführer! Flugdlätter abholen von Rißmann. MUHlenstrasie. Sonntoa Fluablattverdrcitung. Sozialistische Arbcit»gemeias»aft für bildend« Knuft. Zusamenkunft 4Vz Uhr im Iuacndheim Lindenftr. 3. Sterbetafel üer Groß-öerliner partei-Grganisation) 123. Abt. Kanlsdors. Die Genossin Franke ist vnrstorben. Die Beerdigung erfolgt am Freitag um>0-3 Uhr out dem Friedhof in Kaulsdors. Um zahl- reiche Beteiligung wird gebeten. Sozialiftische slrbeiterjugenü Groß-Serlin. Der Ball der Kinderfreunde, de* auf dem Sommertreffen in Brieselang verlorenging, kann vom Sekretariat abgeftolt werden., Auf dem Wochenendkursna in Zossen sind Handtuch und Badeanzug cc* fundcn worden. Beide Sachen können vom Sekretariat abgeholt werden. Achtung. Abteilungsleiter! Holt das Werbematerial ab. Achtung, Abteilungskassjerer! Heute, Freitag, von d— 7 Uhr, Abrechnung. heule. Areilag. abends 7)4 Uhr: Moabit I: Schule Woldenserstr. 20. Vortrag:..Wir und unser« Gegner". — Bebbing-Rord: Ledigenheim Schönstedtstr. l 3'. Bortrag:„Arno Holz".— Balkani Schule Mandelstrasic. Karl-Liebknecht-Abend.— Rorbost Ii! Jugend- heim Donziger Str. 62. Bortrag:„Was zeigt UN» die Entwicklung der lebten 12 Jahre?"- Osten Fr.-B.: Jugendheim Riga« Str. 103. Bortrag: „Bub und Mädel".— Südost K.P.: Schule Brangelstr. 128. Bortrag: . Sexuelle Fragen"(Fortsehung).— Eharlottenburg: Zugendheim Rosinen. strasic 4. Vortrag:„Partei und Gewerkschaft".— Eharlottenburg-Rord: Zugrndheim Rolinenftr. 4 Aussprache:„Unsere Zeitung".— Kalense«: Schule Zoachim-Friedrich-Str. 35/36. Zehn-Mi nuten. Referate.— Revköll» I: Schule Rüllistiasie. Aussprache über„Tagespolitik".— Reu kill» II: Jugendheim Bergstr. 29. Aussprache über„Tagespolitik".— Renköllu IV: Jugendheim Rogatstr. 53. Bortrog:„Der englische Bcrqarbeiterstrcik".— Reukiln Vl: Schule Keehbergplati. Zimmer 4. Bunter Abend.— Köpenick: Jugendheim Grünauer Str. 5. Lichtbildervortrag.— Falkenberg: Zuaendheim Am Falken, berg 117. Heinrich-Heine-Abend.— Rieberschlneweid«: Schul« Berliner Str. 31. Beginn der B-rtragsreihe:„Arbeiterführer".— Zreptsw: Jugendheim Elsen» ftrasie ,3. Bortrag:„Sexuelle Fragen".— Paukaw: Zugendheim Breite Str. 32. Vortrag:„Warum Nacktkultur?"— Spanbau: Zugendheim Lindenufer 1. Zimmer 5. Bortrag:..Paneuropa".— Baumschulenwcg: Zugendheim Ernst- strasi« 16. Bortrag:„Geschichte der Arbeitrrbewcgung".— Rorb»st I: Zugcnd- heim Neue Königstr. 21. Bortrag:„Arbeiterjugend während de» Krieges".— Westen: Der Turnabcnd fällt aus. Dafür müssen sich sämtliche Genossen an der Demonstration der Partei beteiligen. Treffpunkt'a8 Uhr Dennewigplosi. Erscheinen ist Ehrenpflicht. lSiehe auch unter Parteinochiichten. 8. Abteilung.) ♦ «vcheurndkurs», hu Serbebezirk» Ost bah a: Am Gannabend/Sonirtag. ll./l2. September, in der Jugendherberge Zossen mit folgenden Themen: l. Wesen. Geschichte und Ziele unserer Bewegung. 2 Aufbau und praktische Arbeit. 3. Die Stellung de» einzelnen in der Bewegung.— Da, Führer- Problem.— Decken. Esigeschirr, Bleistift und Notizblock muh mitgebracht wexden. Wetterbericht der äffen kstchen welterdlenstfiell« ffle verlla.(Nachdr. verb.) Etwa» wärmer, besonders nachts wechselnde zeitweise stärkere Bewölkung, nur strichweise etwas Regen.— Zür veuffchland: In Nord- und Mittel- deutschland bewölkt, jedoch nur strichweise etwa» Regen, sonst ziemlich heiter. übergibt man nur iem �lächtveis dÄ Deutsch. Mustkerverbandes, Berlin 027, «ndl eaSstr. 21 lKönigstadt 4310, 4048). Scschästszeit 9 bis 5, Sonnlag« 10 bi« 2 Uhr. Aul Wunsch Verlrelerbesuch Gute Jun�lingsanzGge fertig am Lager ✓ In allen Gröfeen vorrätig SaKkoanzud aus kräftigem marengo Cheviot, Brustweite 82 cm ein--- zwei- reihig DO." reihig Dv." Smohlnäanzaö aus reinwollenem schwarzen Melton- Cheviot, mit Seidenspiegel, Brustwt. 82 cm M. lUU." Wäsche Hüte Unterzeuge PEEK&C IOPPE MBU RG BKRUN C1S. OCRTRAUDTEN-STRASSC 2S-27. ROSS-STRASSB 1.4 »enerzeugnisseE -v-äi UJ. uo- 5K i. fäß, geehrte �Hausfrau/ tRuch Sie tvird die Oladtridtl von der tfnJtufi/) eines neuen Sprosses in der Sunücht-Vamilie erfreuen, isl er doth mit alten guten Sigensdiaflen ausgestattet. ßr wird„Suma" genannt, nach seinem Stternhaus Sunt ich!� krllppelt wurden, nimmt Chinas weibliche Jugend jetzt an Sport- spielen aller Art teil. Soldatenerziehung in der Republik China. (Herrn Gehler zur besonderen Beachtung.) Wi« in China der republikanische Geist unter den Soldaten ge- pflegt wird, ergibt sich aus einer Examinierung der Rekruten durch den bekannten General Feng Pu Hsiang. Nachstehend eine wörtliche Uebersctzung des Dialoges: General:„Wer sind Sie?" Rekrut:„Ein Bürger der Chinesischen Republik, General! General:„Wessen Befehlen solgen Sie?" Rekrut:„Denen des Generals Feng Pu Hsiang. General! General"„Was tun Sic, wenn jemand versucht, sich zum Kaiser zu machen?" Rekrut:„Ich schieße ihn tot, General! General: v.stnd was tun Sie, wenn i ch versuche, mich zum Kaiser zu machen?" Rekrut:„Dann schieße ich Sie tot General. Herrn Geßler werden über diesen chinesischen Rekrutenunterricht zwar die Haare zu Berge stehen, was aber nicht hindern sollte, auch für die deutsche Reichswehr Instruktionsstundcn ahnlicher Art einzu- führen. Sie kann, wenn sie nur will, eine ganze Masse von der Art chinesischen Soldatenunterrichts lernen. Sonst konnte inan füglich umgekehrt verfahren wie vor einem Vierteljahrhundert: damals schick- ten wir Militärinstruktoren nach China. Die chinesische Republik wird dankbar sein und uns, falls nötig, ihre jetzigen Soldatenlehrer borgen!_ Die fernsten Slcrnc. Eine Gruppe von kosmetischen Er- scheinungen, die von der Erde so weit entfernt sind, daß das Licht von ihnen gegen 1 0 M i l l i o n e n I a h r e braucht, um zujrns zu kommen, ist von dem amerikanischen Astronomen Harlow«haplcy entdeckt worden. Es sind dies, wie Dr. E. E. Free in einer New Yorker wisscnschastlichen Zeitschrift ausführt, die fernsten Stern- gcbilde, von denen wir bisher Kunde haben. Es sind Spiralnebel, von denen viele an verschiedenen Teilen des Himmels beobachtet worden sind. Wahrscheinlich leben wir sogar selbst in einem solchen kosmetischen Spiralnebel, denn nach den neuesten Forschungen ist die Sonne nur ein Stern einer ungeheuren Spiralgruppe. Die Spiralnebel, die von Shapley studiert wurden, gehören zu einem Haufen von etwa 100 Nebeln, die in der Konstellation Virgo fest- gestellt wurden. Eine sorgfältige Vergleichung der Helligkeit dieser Gebilde, wie sie aus den Photographien erscheint, mit anderen Eigen- schaften von ihnen und mit solchen der Spiralnebel überhaupt, hat den Astronomen des Haroard-Observatoriums in den Stand gesetzt, die Entfernung des Hausens von der Erde zu berechnen. Die auf diese Weise erhaltene Strecke ist die größte Entfernung, die jemals in dem Universum gemessen wurde. Bisher waren die entferntesten Sterne etwa 1 Million Lichtjahre entfernt. Das ist aber nur ein Zehntel der Entfernung, die man jetzt berechnet hat. Die ungeheure Entfernung, die duech diese 10 Millionen Lichtjahre ausgedrückt wird, läßt sich daraus erkennen, daß die Entfernung der Erde von der Sonne, so riesig groß sie nach menschlichen Begriffen ist, verglichen mit dieser Strecke doch nur so viel darstellt, wie ein Zoll im Per- hältnis zu 12 Millionen Meilen. M Staats-Theater Opernhaus a. Platz d.Republ, 8 U.: Die Boheme Schauspielhaus 8 U.r Amphltryon Schiller-Theater 8 Uhr: Fftjirf nach der SDdsee Städtisdie öpsr Charlottenburg 7'/, Uhr; Berltnf r nteater uhn Hiß Amerika Kleines TU. BVi Die fleißigo Leserin Besldenz- Theai. 8V, Uhr: Aas goidene Kalb Abonn.-Turnus II Cenlsdies Tbeater Norden 10334-38 8 Uhr: Androklut und der Löwe Von Bernard Shaw Regie; Erich Enge: Kammerspiele Norden 10334—38 " Uhr; Und Pippa ianzt... V. Gerh.Haupttnann Rigii: Heinz Hilpert Thalia-Tfieater uhn Der Biberpelz Regie: Berth.Viertel Theater des Westens Idirhit: heiul. 931 Täglich 8 Uhr: Die Revue Der Zug nadi dem Westen Sonntag nachm .1 Uhr: Die ganze Vorstellung zu halben Preisen! Die Komödie Bismarck 2414, 7516 8 Uhr; Die gefangene Von Bourdet Regie: M. Reinhardt fi Tägi. 8ll4 Uhr| Theater im Admiralspalast Riesenerfolg Mer-ZtUue An il Aus Preise von 2-16 M � Vorrakaui»jjnteibr B Nun Irrst 6456 8 Uhr: Internal. Variete Sonntags 3X zu ermäB.Preis.das volle Programm Oealsehes Knnsli.-Tbetler SV, Uhr: Veronika Lesslnn-Thealer 8 Uhr: Gromwell Th. i-Kurfürsteniliirii! Heute geschlossen I Morgen Premlere Es geht schon besser Lnslspielhaus i; Kukuli cfittä faitfwctKHi, v Wallner-Th. Direkt.: F. Meysei Heute u. folg. Tage „Hasemann's Tochter" Anfang 8 Uhr Kose-Tbeater 8'/, Uhr; Die Stecknadel im Heuwagen 8 Uhr [asioo-Tbeater Was liebe vermag Vorher Bunter Tefi Gutschein 1-4 Pers Bei Vorzeigung der Annonce zahlen Sie Faut. u. Balkon 1 M Loge u. Sessel I 5ü Banuwikn-lflhHg Tbeaier HOiuggrei:.str. T.:Hascnheid.2110 8 Uhr: Zweimal Oliver Komomenliaas Tel.: Norden 6304 8 Uhr IMI.ÄillM Vplks bOh ne Theater am BQlawplatz 8 Uhr: Der dülsrbe idiel Morgen 8 Uhr: Der dölscbe Micbel Th. am Sdiitfiauerdamiii Täglich 8 Uhr: Das Erabmal des unbekannten Soldaten. und du wirst sehen, dafi ich bessert bin als dein seitheriges Wasch-' � mittel, seien es Seifen|locken oder Pulver7 Du kannst in handwarmer Lösung deine (eine Wäsche mit mir auswaschen oder deine grofje Wäsche mit mir kochen. In jedem Falle nehme ich jeden Fleck, wasche und bleiche schneeweiß, dabei bin ich im Gegensatz zu selbsttätigen pulvrigen Waschmilleln ohne jede Schärfe und mild wie mildeste Seife. Kaufe midi und du wirst glücklich mit mir sein, ich kosle nur 45 Pfg. 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RM 19 500 000.— von einem Ivonsortium übernommen worden mit der Verpflichtung, sie den Inhabern der alten Aktien zu den nachstehendaufgeführten Bedingungen zum Beziige anzubieten. Nachdem die durchgeführte Kapitalserhöhung in das Handelsregister eingetragen ist. fordern wir unsere Aktionäre auf, das Bezugsrecht bei Vermeidung des Ausschlusses in der Zeit bis znm 25. September 1926 einschließlich auszuüben, und zwar bei der Dresdner Bank in Berlin und Dresden sowie bei den übrigen Niederlassnngen der Dresdner Bank, außerdem in Berlin bei dem Bankhanse Hardy A Co. Gesellschaft mit beschränkter Haftung, in Düren bei der DUrener Bank, in Essen(Bahr) bei dem Bankhause Simon Hirschland, in Frankfurt a. Tl. b. dem Bankhause 1,. dt E.Werthelmber, in Karlsruhe bei dem Bankhause Welt C. Hombnrger, in Köln bei dem Bankhause A. I.e vy. in Hacdebarg- bei dem Bankhause F. A. Bfenbaner, in Oldcnbnrgr bei der Oldenbarfclsehen Igandesbank. in Schwerin I. IT. hei der Becklenbarclschen Bank in Stralsund bei der IVcnTorpommerschen Spar- nnd Credifbank AUflen Gesellschaft, in Amsterdam bei dem Bankhause Proehl A Gntmann, in Basel und Zürich bei dem Schweizerischen Bankverein während der üblichen Gesohäftsstnnden. Auf je nom. BW 4O0.— alte Aktien entfallen nom. RH 10O.— neue Aktien zum Kurse von 120•/. zuzüglich Börsenumsatzsteuer. Bei Ausübung des Bezugsrechtes ist der volle Bezugspreis und die Börsenumsatzsteuer bar zu entrichten. Die Vermittlung des An- und Verkaufes von Bezugsrechten und Bezugsrechtspitzen übernehmen die Bezugsstellen Zwecks Ausübung des Bezugsrechts sind die Büntel der alten Aktien in Begleitung eines mit arithmetisch geordnetem Nummern- Verzeichnis versehenen Anmeldescheines einzureichen. Anmeldescheine sind bei den Bezugsstellen erhältlich. Der Bezug ist bei uns und unseren Niederlassungen sowie an den Schaltern der sonstigen Bezuersstellen provisionsfrei. Soweit hei letzteren die Ausübung des Bezugsrechts im Wege der Korrespondenz erfolgt, wird die übliche Bezugsprovision in Anrechnung gebracht. Die Aushändigung der neuen Aktienurkunden erfolgt nach deren Fertigstellung bei derjenigen Stelle, bei welcher das Bezugsrecht ausgeübt wurde, gegen Rückgabe der ausgehändigten Kassen- uittung. Die Bezugsstellen sind berechtigt, aber nicht verpflichtet. ie Legitimation des Vorzeigers der Kassenquittung zu prüfen.' Berlin, den 9. September 1926. DRESDNER BANK Nathan. Gutmann. ITie lieblich wirkt ein von vollem, seidenglänzendem Haar umrahmtes Gesicht! Solch schönes Haar ist der Erfolg regelmäßiger Kopfwäsche mit dem unübertroffenen Schwarzkopf- Schaumpon. Versuchen Sie es selbst und verlangen Sie beim Einkauf ausdrücklich Schaumpon mit dem schwarzen 1/bftf Am mästen begehrt, weil am längsten bewährt! u Mißfarbene Zähne entstellen Das schönste Antlitz, übler MunD- . geruch wirkt abstoßend. 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Iriprigcrstrasso 122-123 Bekanntmachung b«treffen6 6le Wahlen der Vertreter und Ersatzmänner zum«oaschntz der Orfstrantentafse für die Gewerbe der Tischler an» planoforfeardeifer zu Berlin. Auf Grund des Z SS der Satzung find für die Wahlperiode bis 81. Dezember 1929 in getrennt« Wahlhandlung zu wählen: 40 Bertrefer der verstcherten und 80 Ersatzmänner: 20 Vertreter der Arbeitgeb« und 49 Ersatzmänner. Die Wohl der Bersichetfen findet slatt am Montag, den 25. Oktober 1926 in der Zeit von 3 bi» 7 Uhr nachmittags im..Reichenberger Hof". Reichenberger Strotze 147. Die Woht d« Arbeitgeber am Diens tag, den 26. Oktober 1926. in der Zeit oon 5 bis 6 Uhr im Sassenlokal Oranien. strotze 37, Ouergebäud« 1 Treppe. Jeder Wähler, welcher an der Wahl teilnehmen will, erhält auf sein Ber langen an den dem Wahltag voran gehenden 14 Tagen im Nassenlokal ellie Wahltari« ausgehändigt. Freiwillige Mitglieder lünnen sich durch ihr Mit. gliedsbuch legitimieren. Di« Wähler können die Arbeitgeber- und Mit- gliedernerzeichnisse während der fleit vom 13. September bis 25. Eeptember, nach. mittags von 1 bis 3 Uhr. im Raffen. lokal einsehen. Einsprüche gegen die Richtigkeit der sich aus dem Arbeii- gebe«, und Milgliederverzeichnis ergebenden Wohl und Etimmbrrechtigung stnd spätestens bi- 4 Wochen vor der Wohl unter Beifüguna von Beweis- Mitteln bei dem Kossenvorstand einzu- leaen. Der Wahlvorschlag des Vorstandes, zu dessen Aufstellung der Vorstand nach S 7 der Wahlordnung verpflichtet ist, liegt in der Zeit vom 29. September bi- 25. Eeptember im«assenlokal zur Ein- stchf aus. Wir fordern nunmehr die Wähler tVerstcherfe und Arbeitgeber) auf. bi» spätesten» den 25. September Wahl. Vorschläge bei dem stassenoorstand. ge trennt für Versicherte und Aebeitoeber, einzureicken. Die Stimmabgabe ist an diese Woblvorschläae gebunden. Die Wahlvortibläge müssen von mindessens ir 19 Wablberechtigten der belrettenden Gruvve mit zusammen mindesten« 39 Stimmen unterzeichnet sein. Die einzelnen Vewerber stnd unter fort. lautender Rummer oufzutübren. weiche die Reibenfolg« ihrer Brnennung au». drückt und nach lsamilien, und Vor- namen. Verut und Wohnung zu be. zeichnen. Bei Bersscherten ist auch der Arbeitaeber. bei dem st« beschäftigt stnd anzugeben. Mit den Wahlvorschlägen für Verstcherfe ist von jedem Vewerber eine Erklärung darüber vorzulegen, dotz er zur Annabme d« Wabl bereit ist Die Wablvo-fchläge sind ungültig' wenn ste verspätet eingereicht werden' Die zugelassenen Wahtvorschlage liegen 14 Tage vor der Wohl im stnllenlokgl au, und können von den Wählern in der Reit poit 1 bi, 3 Uhr nachmittaa- etnaesehen werden. Die Stimmzettel müssen von weltzcr isarb« und 19X8 Zentimeter grotz sein 5m übrigen gelten für die Wahl dir entsprechenden Vestimmungen her und Wahlordnung. Verlin. den 9. September 1928 Ver Ootflan«. 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