n |lv. 188. Erscheint ISgllch außer Montag». Pret« pränumerando: Viertel- iährllch 8,Zo Mark, inonatllch l.lo Mk., wöchentlich SS PIg< frei in'» Hau». Einzelne Nummer d Pfg. Sonntag»-Nummer mit iliullr. Sonntag»-Beilage„Neue fBelt" t« Psg. Post Abonnement: Z.ZoMk proQuartal. Unter»reuz- band: Teutschland u. Oesterreich- Ungarn 2 Ml., für da» übrige «uiland sMk.pr.Monat. Eingeir. i» der Post- Zeitung»-PrelZlist» sür isss unter Nr. 7l2S. 12. Jahrg. gnsertions-s-bühr beträgt für die Innfgespaltene Petitzetle oder deren Blaiim 10 Pfg., für Verein»- und Versammlung»-Anzeigen so Psg. Inserate für die nächste Nummer müssen bt» i Uhr Nachmittags in der Erpedition abgegeben werden. Die Erpedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr Abend», an Sonn- und Festtags» bt» s Uhr Bor- mittag» geöfsnet. Lern sp rech er: Amt>, Ur. lüg». lskelegramm- Adresse: „SoiialdemoKrat Kiriiu!' Berliner VelKsftlalt. Zentralorgan der s ozialdemokratischen Partei Deutschlands. Atedaktion: 8V.!9. Ueuth-Straße 2. Mittwoch, den 14. August 189S. STpedition: SW. 19, Ueuth-Straße 3. Vev Abschied von �riedvilh Endels. London, den 10. Aiigilst 1895. Wie Friedrich Engels sein ganzes Leben lang allen Schaustellungen seiner Person nach Möglichkeit ans dem Wege gegangen ist, so mar es auch sein Wunsch, daß seine Leichenfeier unter möglichster Vermeidung alles Schaugepränges vor sich gehe. Die Pflicht gegen den theuren Todten gebot es, diesen Wnilsch treu zu befolgen, und so wurden zu dem schmerzlichen Akt der Ueber- führung seiner Leiche nach dem bei Woking, südwestlich von London, gelegenen Krematorium außer seinen interneren persönlichen Freundeil oder Verwandten nur diejenigen seiner politischen Freunde hinzugezogen, die bei seinen Lebzeiten in seinem Hause verkehrt oder ein wichtigeres Mandat zu erfüllen hatlen. Aber aus allen Ländern waren in Telegrammen und Kranzcsspenden Zeichen der Sympathie, der Verehrung und der Anhänglichkeit ein- getrosten und bezeugten, daß es keine Uebertreibung war, wenn Wilhelm Liebknecht in seiner Gedächtnißrcde sagte, daß wenn alle hätten anwesend sein können, die die Nach- richt von dem Tode Engels in Traner um den Verlust eines geliebten Vorkämpfers, Wegweisers und Rathgebers versetzt hatte, die im Geist an seinem Sarge trauern, nicht Hniiderte und Tausende, sondern Millionen an jenem letzten Akt der Liebe theilgenommen hätten. Schon am folgenden Tage, nachdem der Telegraph die Nachricht von dem Ableben des Mitbegründers des wissenschaftlichen Sozialismus bekannt gemacht, liefen im Trauerhause von allen Seiten Telegramme ein, die dem Schmerz der kämpfenden Sozialdemokratie um diesen großen Verlust unmittelbaren Ausdruck gaben. Es fehlt uns der Raum, alle diese Telegramme hier abzudrucken, aber wenig- stens einige von ihnen mögen hier folgen, als Zeichen, wie allgemein und spontan das Gefühl des Verlustes und der Trauer war. Aus Prag, von böhmischen Genossen, traf das erste Telegramm politischen Charakters ein, eine schöne Be- stätigung der Jnternationalität der Sozialdemokratie: „Der plötzliche Tod des Genossen Engels hat uns alle aufs tiefste berührt, und den schweren Verlust, den die sozialdemo- kratische Partei erlitten, tief beklagend, drücken wir euch das innigste Mitleid aus. Die böhmischen Sozialdemokraten Prags. «» * Den Böhmen folgten �die Genossen des österreichischen Polens: Tief ergriffen von dem schweren Verluste, den das Pro- letariat durch den Tod Engels' erlitte», giebt die polnische So- zialdeinokratie ihrer Trauer Ausdruck. Krakau. Der Westgalizische Landesausschuß. Die Redaktiou des„Naprzod". 353f| f INachdruck verbolen. aus dcnt fudcttneviltanlfichen Hittkevlande. 14 Bis zu dem Tage hatte die Gesellschaft noch niemals ein menschliches Wesen m dem Chaco zu Gesicht bekommen. Nirgends war ihr eine der indianischen Nomadcngesell- schasten aufgestoßen, die wie eine Art amerikanischer Zigeuner von Ort zu Ort ziehen, um irgend, wo es ihnen gefällt, sei es im Kamp oder in einer Waldwiese ihre leichtbeweglichen Zelte, die Toldo's aufzuschlagen. Wohl hatte man mitunter in weiter Ferne hier und da wie in, Nebel verschwindende Rauchsäulen ge- sehen, auch in der Nacht hatte der Himmel sich mitunter iin Feuerschein geröthet, ein Zeiche», daß irgendwo eine Jndianertribus ans der Jagd befindlich war; aber das war auch das einzige gewesen, das vcrrathen hatte, daß man sich im Reiche der braunen Ureinwohner Südamerikas befand. Mr. White brannte darauf, sihre Bekanntschaft zu machen, denn er versprach sich von der Messung ihrer Schädel eine Unmenge von großartigen Resultaten für die Wissenschaft der Anthropologie, die er, wie schon erwähnt, hauptsächlich pflegte und studirte. Er sollte auch bald seine wissenschaftliche Neugier bc- friedigen können. Man befand sich ungefähr acht Tage in dem Palmar und man dachte schon ernstlich daran, in der nächsten Zeit die begonnene Reise weiter fortzusetzen, als einer der Peone, der ans einen Fischfang ausgewesen war, bei seiner Rückkehr die Nachricht mitbrachte, daß er unweit einen Jndianertoldo entdeckt habe. „Wo denn, Pedro?" fragte der Gancho. „Nach dort hinaus eine Stunde etwa von hier...* Die Arbeiter Ostgnliziens drücken ihr tiefstes Beileid aus wegen des Todes des großen Vorkämpfers. Lemberg. Das Sozialdemokratische Parteikomitee. »» * Dann kamen drei Telegramme ans Stuttgart: Tie Sozialdemokraten Württembergs trauern um den Tod ihres wissenschaftlichen Führers. Als Theil der internationalen Sozialdemokratie werden die Arbeiter Wiirtteinbergs de» großen Todten dadurch ehren, daß sie die wissenschaftlichen Lehren des Altmeisters unablässig verbreiten bis zum Sieg des Sozialismus. Der Landesvorstand der Sozialdeniokraten Württembergs. Von der Redaktion der„Gleichheit": Deutschlands Proletarierinncn betrauern den Verlust des Vorkämpsers ihrer Klasse. *»* Und Genosse D i e tz tclegraphirte in sinnreicher Auswahl die Worte aus Shakespeare's„Julius Cäsar": Saust war sein Leben, und so mischten sich Die Element' in ihm, daß die Natur Ausstehen durfte und der Welt verkünden: dies war ein Mann. • �• Dann kam folgendes Telegramm ans Wien: „Die Vertretung der Sozialdemokratischen czechoslavischcn Arbeiterpartei sendet ihre letzten Grüße dem unermüdlichen und bis an sein Ende treuen Vorkämpfer sür die Rechte des Pro- letariats. Sein Andenken wird überall dort» wo es kämpfende Proletarier giebt, weiterleben. Seinem großen Wirken rufen wir ein donnerndes k?» 2cUrl" »■• Aus Brünn: Noch tief erschüttert von der Kunde des Ableben? des uns so vorzeitig entrissenen geistige» Helden bringt ihm die mährische, deutsche und czechoslavische Sozialdemokratie ihren letzten Ab- schiedsgruß dar. Die Parteivertretung. «- Aus R e i ch e n b e r g in Böhmen: Dem aus den Reihen der Kämpfer für Freiheit und Recht für immer Entrissenen senden die Sozialdemokraten Nordböhmens ihre Abschiedsgrüße. Die Landesvertretuug sür Nordböhme». » �» AuS B u d a p e st: Erschütternd traurige Kunde vom Hinscheide» Friedrich Engels', des großen und edlen Vorkämpsers der Sache des Pro- letariats, erhalten. Millionen Menschen, denen er Licht ge- spendet, die Blinden, welche er sehend gemacht, wischen sich die Thränen aus dem geheilten Auge, den herbsten Verlust tief be- „Sind's viele, eine ganze Tribus?.. „Wenig.. keine jzehu Zelte habe ich gesehen jedenfalls sind es „Cainguas oder Tobas V „Cainguas baucht mir, Bonifacio. keine Tobas" „Sind gutmüthige Kerle," sagte der Gaucho zu dem Engländer;„wenn Ihr sie sehen wollt.. Sie werden Euch nichts zu Leide thun... Zum Glück habt Ihr auch ivenig Aguardiente mehr... nehmt Ihnen deshalb irgend eine andere Kleinigkeit mit, ein Tuch oder sonst etivas.." Der Engländer, der bei Anhören der Botschaft sichtlich brannte, die Bekanntschaft der gemeldeten braunen Nach- baren zu machen, raffte einige Taschentücher zusammen, ein paar kleine Spiegel und ähnliches Spielzeug, wie es in jenen Ländern Forschnngsreisende und Jndianer-Kuriositäten- Händler niit sich führen; und nach kurzer Zeit machten sich die beiden Europäer mit dem Gancho und dem Peon, der die Indianer entdeckt! hatte, auf den Wegen zwischen dem Gestrüpp unter den Palmen, während der Rest bei den Thiercn blieb. „ISrii cunataf ipona*)... schrie einer von ihnen hinter den Verschwindenden her, und das wiehernde Lachen der übermüthigen Gesellen hallte zwischen den Stämmen. „Sah eine Rauchsäule, Patron," erzählte wichtig der Peon während des Gehens,„ich fischte gerade und zog eine Palomcta heraus; eine Rauchsäule dünn wie mein Arm, stieg ganz gerade zum Himniel auf, eine, nicht mehr... dachte nur darum gleich, daß es nur wenig sind... kochen irgend einen Quart... liegen auf einem Potrero*")... sind schmutzig wie Schweine..." *) Bring ein schönes Weib mit. Potrero, eine Waldwiese. trauernd, den das Proletariat und die internationale Sozialdemokratie erlitten. Sein leuchtender Geist wird ewig die Menschheit begeistern, jenen Weg zu wandeln, welchen er und sein vorangeeilter Freund und Kampsesgenosse Karl Marx gezeigt haben. Bewegt sendet die letzten Grüße Im Namen der ungarläudischen Sozialdemokratie Die Parteileitung. «* Ans Genf: Engels ist nicht todt, er lebt sür uns. Die Genfer Genossen. »»« Aus B r ü s s e l: Iis Parti Ouvrier Beige s'associe au* regrets unnnimea de la Democratie Socialiste Internationale et envoie un hommage supreme au grand homme que la wort vient de frapper.*) » Der kommunistische A r b e i t e r-B il d u n g sverein (Totlenham Street) hielt am Abend des 10. August eine außergewöhnlich stark besuchte Versammlung ab, die sich zu einer würdigen Gedächtnißfeier für unser» verstorbenen Friedrich Engels gestaltete. Das große Bildniß des letzteren war mit Flor um- rahmt»nd von rothen Draperien umgeben auf der Tribüne auf- gestellt. Der Vorsitzende Genosse Leßner hielt die einleitende Rede, in welcher er der Zeit gedachte, in der er 1847 mit Marx und Engels an dem Beschluß theilnahm, das Kommunistische Manifest, das Marx und Engels verfaßt hatte», zu veröffentlichen. Er forderte die jüngere Generation auf, in die Fußstapfen der Alten zu treten. Nach ihm erhielt Genosse Bebel das Wort, der in einem einstündigen Vortrage ein Lebensbild des Verstorbenen entwarf und schilderte, in welch' umfassender staunenswerth zu nennender Thätigkeit, der große unvergeßliche Tobte sür die Befreiung des Proletariats in der ganzen Kulturwelt gewirkt hat. Keiner habe vor ihm das gleiche geleistet, noch»verde ein anderer nach ihm ähnliches leisten könne». Weiter ergriff Genosse Augustin, der als De» legirter der Berliner Genossen mit dem zweiten Delegirten Ge- nossen Schulze erschienen war, das Wort, un» die Grüße der Berliner Genossen zu überbringen. Er schilderte, welch tiefen Eindruck die unerivartete Nachricht von Engels Tod in der Berliner Arbeiterschaft hervorgerufen habe und daß es jetzt gelte, nur um so eifriger im Sinne des Todten zu wirken. Nachdem auch noch ein polnischer Genosse das Wort ergriffen und die Sänger des Vereins durch Vortrag passender Lieder das Ge- präge der Feier erhöht hatte», ging die Versammlung kurz nach 11 Uhr auseinander.— «* Engels' lehtwillige Bestimmungen. Unser verstorbener Genosse Engels hat bestimmt, daß die Urne, welche seine Asche enthält, ins Meer versenkt wird; er wollte nicht, daß etivas von ihm übrig bleibe, das Vorwand zu einem Kultus seiner Person geben könne. Ferner hat Engels Sorge getragen, daß die deutsche Partei durch die testamentarisch eingesetzten Mittels- ") Deutsch: Die Belgische Arbeiterpartei schließt sich der ein- stimmigen Trauer der internationalen Sozialdemokratie an und sendet dem großen Man», den der Tod ereilt hat, das letzte Zeichen ihrer Huldigung. Der Weg, den der Peon hin und wieder mit dem langen Waldmesscr bahnte, zog sich nach einer Gegend hin, in der die Palmen begannen sparsamer- zu werden. Dafür tauchten andere Bäunie auf, uralte Stämme mit verschlungenem ästigen und dornigen Unterholz. „Da ist der Ranch.." Nicht allzn weit stand wie unbeweglich ein blaugrauer Ranch über den Bäunien, wie ein dicker Faden. Man ging direkt auf ihn zu. „Da sind sie.." Der Baumtvuchs hörte plötzlich auf, nur ein wenig Unterholz von Mannshöhe umsäumte die Waldlichtung und verbarg vor der Hand die vollständige Aussicht. Ein paar Schritt in ihm vvrivärts, und da sah man durch das Geäst auf eine ziemlich große Waldwiese. An ihrem gegenüber- liegenden Rande lag der Jndianertoldo. Mr. White prüfte mit seinem Glas die Zelte. „Kann's Euch sagen ohne Glas, Patron, sind genau acht Zelte," sagte Bonifacio, der flüchtig das Lager ge» mustert hatte. Die Zelte waren in einer Linie aufgebaut, wie es Brauch bei den Indianern des Chaco ist. Höchst einfache Bauwerke, die in zwei Minuten aufgebaut und abgerissen sind. Vier dünne Pfähle von etwas über halber Manneshöhe im Rechteck in die Erde ge- steckt und darauf ein Fell oder eine Matte gelegt und die Behausung ist fertig. Der nächste Nachbar baut an die eine Schmalseite an, und so geht es in einer Linie weiter, so daß, wenn die Gesellschaft groß ist, eine. lange Straße entsteht. „Könnt's schon am Gestank merken, was für Leute es, sind," meinte der Gaucho, seine Nase rümpfend;„wer einen� veifoum in den Genuß seiner Bibliothek kommt, auch ist die Hinterlassenschaft seiner Briefe und Manuskripte und der Vortheil aus dem Verlagsrecht seiner Schriften der deutschen Partei ge- sichert. Ebenso fällt ihr ein namhafter Geldbetrag aus dem hinterlassenen Vermögen des Verstorbenen zu.— Zur Krankheit von�Friedrich Engels. Wie schon der„Vorwärts" gemeldet hat, war die Krankheit, an der Genosse Engels starb, Krebs der Speiseröhre. Die ersten bedenk- lichen Symptome traten um Weihnachten auf, doch wurde erst im Februar die Natur der Krankheit unzweifelhaft festgestellt. Es galt nun alles aufzubieten, um über diese Krankheit nichts in die Oeffcntlichkeit gelangen zu lassen, damit der Kranke, der bis kurz vor seinem Tode den Inhalt der Presse aufmerksam ver- folgte, keine Kenntniß von seinem wirklichen Leiden erhielt. Daher das Schweigen, das über seine Krankheit beobachtet wurde. Erst wenige Tage vor seinem Tode verschlechterte!sich sein Zustand so bedeutend, daß das schlimmste zu erwarten stand und auch dieses trat rascher ein, als die Aerzte glaubten an- nehmen zu sollen. Wir glauben diese Ausklärung den Partei- genossen schuldig zu sein, weil man vielfach sich wunderte, daß keinerlei M'ttheilung darüber, daß Engels krank sei, in die weiteren Parteikreise gelangte. »* ♦ Ein Zwischenfall vor der Beerdigung. Es hätte nicht viel gefehlt und die Bestattung der Leiche von Engels wäre unmöglich gewesen. Ein Schuft beging die Infamie, dem Corouer(Leichenbeschauer) einen anonymen Brief zu schreiben, daß Engels auf unnatürliche Weise gestorben sei. Tie Wirkung war, daß der Coroner verbot, ohne seine Zustimmung die Leiche aus dem Hause zu bringen. Es bedurste cnergischen Einspruchs und der Beibringung entscheidender Beweise, um den Coroner zur Aushebung seines Beschlusses zu veranlassen. Das gelang, und so konnte schließlich die Feuerbestattung einige Stunden später als anfangs beabsichtigt war, vorgenommen werden. polikischc itctu-rttitjf. Berlin, 13. August. Tie Unverschäuitheit der Agrarier ist im Steigen begriffen. Wer dachte, daß sie ihren Höhepunkt schon längst erreicht habe, der unterschätzt eben den Erfindungsgeist unserer begehrlichen Agrarier. Das neueste ist die Forde- ruug, daß die Proviantämter der deutschen Armee ihren Gctreidcbedarf direkt von den Produzenten und zwar nicht nach den Marktpreisen, sondern um Summen kaufen, die den st andesge mäßen Unterhalt der Agrarier sichern. Die„Deutsche Tageszeitung" berechnet das hierfür erforderliche Geschenk aus den zu guusten der Agrarier schon genügend geschröpften Taschen der armen Steuerzahler auf die Kleinigkeit von 15 Millionen Mark. Würde freilich auch diese Liebesgabe bewilligt werden, dann würden leicht aus den 15 Millionen auch 100 Millionen werden. Uns kann es nur recht sein, wenn die Agrarier sich weiter in ihrer Unverschämtheit übertreffen; nur so kann dem deutschen Volke volle Klarheit über die Ansbeutungs- sucht uild den grenzenlosen Egoismus der„Edelsten und Besten" verschafft werden.— Die Ergebnisse der Arbeitslosenzahlnng vom 14. Juni d. I. sollen nicht sofort nach ihrer Aufbereitung publizirt werden. Der„Vorwärts" hat pflichtgemäß vor einiger Zeit diese Verzögenmg gerügt. Nun entschließt sich endlich die„Verl. Korr." zu einer ebenso langathmigen wie wenig beweiskräftigen Erwiderung. Dieselbe lautet: Die Absicht, die Ergebnisse der am 14. Juni d. I. er- folgten Zählung der Arbeitslosen erst nach Abschluß und in Verbindung mit den Ergebnissen der bei der Volkszählung am 2. Dezember d. I. zu wiederholenden Erhebung zu veröffentlichen, ist in einzelnen Blätter» einer abfälligen Beurlheilung begegnet. Insbesondere nimmt der„Vorwärts" daraus Veranlassung, die Fragen aufzuwerfen,„ob die auf die Arbeitslosigkeit bezüglichen Fragen der Haushallnngsliste vom 14. Juni denn so ungeschickt und zweideutig gewesen seien, daß sich das auf grnnd dieser Fragen ermittelte Material absolut nicht verarbeiten lasse", oder „ob die ermittelte Arbeitslosigkeit so kolossal sei, daß man sich scheue, sie öffentlich bekannt zu geben." Dieser Unterstellung gegenüber genügt der Hinweis darauf, daß— wie jedem mit statistischen Aufnahmen nur halbwegs Ver- trauten bekannt sein wird— bei Erhebungen von dem Umfange, wie sie die Berufs- und Gcwerbezählung vom Juni d. I. gehabt hat, deren Ergebniß selbst hinsichtlich einer einzelnen Frage sich nicht schon nach wenigen Wochen übersehe» läßt. Bei dem Zeitaufwand, welchen die Zusammenstellung der Zählungsergebnisse erfordert, wird das Kaiserliche Statistische Amt sich im Besitz einer vor- läufigen summarischen Nachweisung über die ortsanwesende Be- völkerung und die Zahl der ausgefüllten Hanshaltungs- guten Geruch hat, riecht das Volk auf eine Legua Eni- fernung.." Aller Unrath, stinkende Knochen, Felle und waS immer für Abgang eine indianische Kocherei liefert, wird einfach dicht am Zelt aufgehäuft. „Wenn Ihr sie sehen wollt, voran.. Die Gesellschaft trat auf die Wiese hinaus und schritt auf die Zelte zu. Man bemerkte sie im selben Augenblick, von dort und ein halbes Dutzend braune Gestalten sprangen auf die Füße. Einige Gesichter lugten aus den Zelten. Man hörte das Geschnatter einer lebhaften Unterhaltung. Zunächst stand ein großer»nuskulöser Mann mit einem keulenähnlichen Holz in der einen und einer Art von Sack in der anderen Hand. Der Gaucho rief ein paar Worte in einen dem übrigen unbekannten Idiom hinüber; der Große antwortete darauf und lud niit einer Haudbewegung ein, näher zu kommen. Eine wunderliche Gesellschaft. Alles war splitternackt. Der sackförmige Gegenstand entpuppte sich beim Näherkommen als der Balg eines Straußen, den der Besitzer eben gefüllt nach Hause gebracht haben mußte. Man war eben dabei gewesen, ihn zu öffnen. „Was hat er drin. fragte Don German. „Seht dem Großen doch aufs Maul.... er hat sich schon im Walde den Wanst vollgeschlagen und den Rest hat er der Faniilie mitgebracht... die Brocken kleben ihm noch am Maule.. Honig ist's von Erdbienen.. und da der Indianer nicht so heikel im Essen ist, wie ein englischer Patron, so hat er alles mit zu ammengerafft, Erde, Wachs und Honig.." Ein paar Kinder balgten sich am Boden. Am andern Ende kochte eine alte znsammengekauerte Frau in einem großen hohlen Kürbis irgend etwas auf einem Feuer. „Eingeweide, wie sie da sind, von irgend einem Vieh.. belehrte Bouifacio. In der letzten Hütte, nicht weit vom Feuer, lag ein Paar, ein Mann und eine Frau, ohne sich zu rühren. „Sind krank, wie es scheint.. haben das Chaco-Fiebcr, den Chuchu.(Fortsetzung folgt.) listen, Landwirthschaftskartin und Gewerbebogen voraus sichtlich erst gegen Ende dieses Jahres befinden. Das Ergebniß der Junizählung ist also heute noch un bekannt und folglich kann dieselbe auch nicht die Entschließung verursacht haben, die Dezemberzählung der Arbeitslosen ab zuwarten. Der wirkliche Sachverhalt vielmehr ist folgender: Schon in der 6 Wochen vor der Junizählung in Heidelberg ab- gehaltenen vorbereitenden Konferenz von Vertretern der Statistik des Reichs und der Bundesstaaten herrschte allseitiges Einver- ständniß darüber, daß die Ergebnisse dieser Zählung, betreffend die Arbeitslosigkeit, gleichzeitig mit denen der Zählung vom 2. Dezember zu veröffentlichen seien. Dabei war nicht etwa Scheu vor einem ungünstigen Ergebniß der Junizählung be- stimmend, sondern vielmehr die Ueberzeugung, daß die Dezember- Zählung ein wesentlich ungünstigeres Bild geben werde, gerade deshalb aber für die Beschaffung eines brauchbaren Bildes ab- gcivartet werden müsse. Die Berechtigung dieser Annahme ist übrigens seinerzeit von einem„Genossen", dem Abg. Dr. Echoen- lank, ausdrücklich anerkannt worden. Bei der ersten Berathung des betreffenden Gesetzentwurss in der Reichstags- Sitzung vom 26. Januar 18SS erklärte derselbe es für„recht sonderbar", daß das Datum der Bernfszählung in die schönste Jahreszeit ge- setzt sei, wo die Arbeitslosigkeit auf ein Mindestmaß reduzirt sei, ohne daß man wisse, ob die Volkszählung im Dezember hier ergänzen und vergleichbares schaffen werde. Die gleiche Aus- fassung machte sich in der Reichstagskommission für die Be- rufs- und Gewerbezählung geltend, was dein„Vorwärts" wohl bekannt sein dürfte; denn in seinem Berichte über die erste Sitzung dieser Kommission heißt es:„Von allen Seiten wurde die Unzulänglichkeit des eisten Versuches(Sommertermin) zu- gegeben. Man müsse vermeiden, durch einen Mißerfolg des ersten Versuchs die ganze Sache zu diskreditiren." In der That war man in jener Kommission, wie in dem von derselben erstatteten Berichte ausdrücklich nieder- gelegt ist, darüber nicht im Ziveisel, daß im besten Falle durch die Juni-Erhebung nur ein Slngenblicksblld der Arbeits- losigkeit gewonnen werden könne. Einstimmig sprach die Koni- Mission sich dafür aus. daß dieses eine„sommerliche Bild" eine Ergänzung finden müsse, und daß daher die verbündeten Re- gierungen aufzufordern seien, die Frage nach der Arbeitslosigkeit bei der Volkszählung im Dezember 1895 zu wiederholen, Dieser Aufforderung sind die verbündeten Regierungen in Anerkennung der dahin geltend gemachten Gründe bereitwilligst nachgekommen. Damit war für sie aber auch weiter die Ent- schließung gegeben, mit der Veröffentlichung des Ergebnisses der Junizählnng zu warte», bis die Ergebnisse der Dezember- Zählung vorlägen. Welchen Sinn könnte es haben, ein Bild der Oeffentlichkeit zu übergeben, das nach dem Urlheil aller— einschließlich der Sozialdemokratie— einseitig und unztrlänglich sein müßte? Doch nur den, dem unlauteren Bestreben derjenigen Vorschub zu leisten, welche ein Interesse daran haben,„durch einen Mißerfolg des ersten Versuchs die ganze Sache zu bis- kreditiren." Wir köillicn Nur wiederholen, was wir gleich schrieben, als es bekannt ivnrde, daß die Veröffentlichung der Ar- bcitslosenstatistik verschoben werden soll: „Kein vernünftiger Mensch kann einsehen, was es den Bundesralh angeht,>velche Schlußfolgerungen aus einer Statistik gezogen werden. Gerade wenn, wie es in dem bezeichnete» offiziösen Connnuniquö heißt, der„Charakter der Wissenschaft- lichen Objektivität" gewahrt werden soll, dann ist das ausge- zählte Material einfach zu bearbeiten und unbekümmert um weitere Rücksichten zu veröffentlichen." Die Thatsache, daß am 2. Dezember die Zählung wiederholt werden soll, ist sicherlich erfreulich, aber absolut kein Grund dafür, daß die Ergebnisse der Zählung vom 14. Juni nicht sofort, nachdem sie in Tabellen gebracht sind, veröffentlicht iverden, so in erster Linie die Angaben über die Arbeitslosigkeit, auf die sich das Interesse Haupt- sächlich konzentrirt.— Tie freien Hilfskassc:», deren Existenz durch die letzte Krankenkasscngesetz-Novelle noch weil mehr erschwert wurde, sollen nun, wie es scheint, gänzlich zu Tode kurirt werden. Die„Berliner Politischen Nachrichten" schreibeil: Als es sich in der Kranken- Versicherungsnovelle, die am I. Januar 1893 ins Leben trat, darum handelte, Licht und Schatten wenigstens in etwas zwischen den Kasse» der Zwangsorganisation und den freien Hilfskassen zu vcrtheilen, wurde» von den Freunden der letzleren Klagen über die Bevorzugung der anderen Kassen geäußert und mit einer Beharrlichkeit wiederholt, die einer besseren Sache werth gewesen wäre. Es konnte aber nicht verborgen bleiben, daß in Wahrheit die freien Kassen noch immer, auch nach der Verwirklichung der in der Novelle getroffenen Bestimmungen, den anderen gegen- über privilegirr bleiben würden, weil sie das Recht der Prüfung ihrer Mitglieder bei der Aufnahme haben, während die anderen Krankenkassen den ihnen nach dem Gesetze zugewiesenen Mitgliederbestand unweigerlich auf- nehmen müssen. Dieses Privilegium wird den freien Hilfs- lassen immer einen Vorsprung vor den andern Kassen sichern, Nunsk und Mi�enfrszufk. Die zweite Sitzung deS Geologe»- Kongresses in Koburg leitete Professor Baltzer-Bern. Es sprachen Professor Kayser-Marburg über das Vorkommen von tertiären Conchylien im Hessischen, Professor Beyschlag- Berlin über den Thüringer Wald. Dr. Dathe- Berlin behandelte das Erdbeben in Schlesien vom 11. Juni, Dr. Gürich das Palaeozoicum des polnischen Mittelgebirges. Professor Potoniä- München wies die Autoch- thonie der Kohlenflötze nach. Als nächstjähriger Versammlungsort wurde Stuttgart, zum Geschästssührenden Professor Fraas- Stuttgart gewählt. Auf dem Kongresse der Vereine zur Förderung der Wissenschaften, welcher dieser Tage in Paris abgehalten wurde, hielt, wie der„Franks. Ztg." mitgetheilt wird, der Borsitzende der anthropologischen Sektion, Herr Arsene Tumont, einen Vor- trag über die Entvölkerung Frankreichs. Das Herabgehen der Ziffer der Geburten bedrohe am meisten Frankreich und den Osten der Vereinigten Staaten. Von 1890 bis 1892 sind in Frankreich 90 832 mehr Todesfälle als Ge- burten verzeichnet worden. Im Jahre 1893 ergab sich freilich ein kleiner Geburtenüberschuß von 7U7 Seelen, der aber sicherlich nur der ausländischen Bevölkerung zuzuschreiben ist, die im Durchschnitt der 5 vorher- gegangenen Jahre 8067 mehr Geburten als Sterbesälle hatte. Jedenfalls war in öl Departements eine geringere Geburten- als Sterbeziffer zu verzeichnen. Lot-et-Garonne hat dadurch in einem Jahre 1573, Lot 1415, Giroude 1313, Gere 1259, Herault 2026 und Haute-Garonne 2239 Einwohner verloren. Im Garonne- decken tritt die Thatsache am stärksten hervor, obgleich dort nicht die zwei für die Normandie giltigen Gründe gelten: vorbedachte Unfruchtbarkeit bei den begüterten Bauernfamilien aus Geiz und Altoholismus bei den unleren Klaffen. Als erste Maßregel gegen dieses immer mehr um sich greifende Uebel schlug der Redner eine genaue Demographie Frankreichs, Gemeinde nach Gemeinde, vor. Aus ihr würde>nan die Gründe ersehen und die nöthigen Mittel zur Bekämpfung finden können. Dr. Emile Maurel von der medizinischen Fakultät in Toulouse verlas darauf einen Aufsatz über die Einwirkung der unfruchtbaren Ehen auf die Entvölkerung, der folgende Feststellungen enthält: 1. Die unfruchtbaren Ehen, die nur 5 pCt. zu Anfang des Jabr- Hunderts ausmachten, betragen heute 10 pCt. 2. Da die Ge- und mit aus ihm erklärt sich die Bevorzugung der ersteren. Jedoch spielt dabei auch die sozialdemokratische Agitation eine Rolle. Die freien Hilfskasscn betrachtet die Sozialdemokratie ja als ihre besondere Domäne. Dem Privilegium würde man nicht anders beikommen können, als durch die Aushebung der freien Hilfskassen selbst. An eine solche ist jedoch vorläufig nicht zu denken. Es ist aber immerhin nützlich, von Zeit zu Zeit daran zu erinnern, daß Institutionen bestehen, welche vornehmlich für die Sozialdemokratie Privilegien bieten."— Wie weit hier Herr Schweinburg als Offlziöser der Regierung oder als Beauftragter der �Großindustriellen schreibt, ist schon deshalb nicht festzustellen, weil beide Brot- geber des edlen Schweinburg entschiedene Gegner jeder Selbstverwaltung der Arbeiter sind. Es gehört schon die Unverfrorenheit eines Reptils dazu, von Privilegien der freien Hilfskassen zu schreiben, wo doch diese Kassen fast nach jeder Richtung den Zwangskassen hintangesetzt werden. Wenn die Austraggeber des Schwein- bürg meinen, durch diese geplante Maßregel der Sozial- demokratie Abbruch zu thun, so irren sie sich wieder einmal aufs gründlichste. Wir können dadurch nicht geschädigt werden. Dagegen würde diese Maßregel die gnten, frommen Hirsch-Dnncker'schen Vereine zu Tode kuriren. Das könnte die deutsche Arbeiterklasse aber noch ertragen. •« Deutsches Reich. — Herr Möller dürste Herrn Böttcher bald ins Privatleben folgen. Sein Durchfall in Dortmund scheint sicher zu sein, da voraussichtlich neben den, nationalliberalen, klerikalen und sozial- demokratischen auch ein freisinniger und agrarischer Kandidat sich um das Dortmunder Mandat bewerben wollen. Die beiden neuen Kandidaten dürsten dem nationalliberalen Gefolge so viel Abbruch thun, daß unser Kandidat voraussichtlich mit dem Zentrumsmanne in Stichwahl kommen dürfte. — Die UmstnrzvorlageeineberüchtigteVor- läge. In einer Verhandlung vor der Ferien-Straskammer des Breslauer Landgerichts trug sich heute, wie die„Brest. Ztg." berichtet, ein bemerkenswerlher Zwischenfall zu. In der Ver- Handlung, welche die Frage betraf, ob die hiesige freireligiöse Gemeinde ein politischer Verein sei, sprach der Vertheidiger des angeklagten Vorstandes der freireligiösen Gemeinde, Rechts- anwalt Schreiber, in seinem Plaidoyer von der Umsturz- vorläge als von der„bekannten, berüchtigten Borlage". Staatsanwalt Dr. Keil glaubte in dem Gebrauch des Ausdrucks „berüchtigt" eine Ungebühr erkennen zu sollen und beantragte, de» Rechtsanwalt dafür in eine Geldstrafe von 50 M. zu nehmen, weil ein solcher Ausdruck im Munde eines Organs der öffentlichen Rechtspflege ungehörig erscheine. Nach einer Rede des Rechtsanwalts und Gegenrede des Staatsanwalts, welcher bemerkte, der in Rede stehende Ausdruck sei geeignet, die Urheber jener Gesetzgebung, die Vertretung der Reichsregiernng und damit die Reichsregierung selbst zu beleidigen, lehnte ver Gerichts- hos die Bestrafung des Rechtsanwalts ab. — Die deutsche Volkspartei wird ihren sechs- zehnten Parteitag am 21. und 22. September in München ab- halten und auf demselben über einen Programmentwurf berathen, den wir an anderer Stelle abdrucken. — Von der„Kreuz-Zeitung". Nach einer Mit- theilung der„Kölnischen Volkszeitung" übernimmt der Ab- geordnete Kropatscheck am 1. September d. I. die Chefredaktion der„Kreuz-Zeitung" und wird auch verantwortlich zeichnen. Frankreich. — R o b i n. Die Regierung versagt dem Beschluß des Pariser Stadtraths, dem abgesetzten Leiter des Waisenhauses von Cempuis, Robin, 4000 Fr. Ruhegehalt zu bewilligen, die Be« stätigung.— England. — Kolonialfreuden in O st a f r i k a. Da?„Reuter- sche Bureau" meldet aus Sansibar: Heute geht die englische Strasexpedition nach Mombassa ab, um tue Beste des Häuptlings des aufständischen Stammes anzngreifen, da derselbe das an ihn gerichtete Ultimatum unberücksichtigt gelassen hat. Die Expedition. welche von dem britischen Admiral Rawson, dem General Matheivs und dem Generalkonsul Hardinge begleitet wird, besteht aus 400 britischen Matrosen, Sudanesen und Askaris, sowie 800 Trägern, und ist mit zwei Maximgeschützen ausgerüstet.— Rnszland. — Nihilistisches? Der„Dziennik Poznanski" meldet aus Odessa, daß in einem Restaurant ersten Rauges Nachts über 70 den„besseren Kreisen" angehörige Personen verhaftet worden seien. Es wurden auch mehrere tausend Broschüren»nd Auf- rufe, sowie eine Presse mit Beschlag belegt. Der Restaurateur Medwiedjew hat sich darauf das Leben genommen. Auch in den Vorstädten und in herrschaftlichen Villen haben Verhaftungen stattgefunden. Die Odessaer Polizei glaubt einer Nihilisten- burtcnziffer seit Anfang dieses Jahrhunderts dieselbe geblieben ist, so muß diese Proportion von 10 pCt. nothgedrungen zur Entvölkerung führen; 3. Die große Mehrzahl der unfruchtbaren Ehen ist auf erblichen Arthritismus(Gicht) in der dritten oder vierten Generation zurückzuführen; dieser Znstand ist die Folge von azotischer(stickstoffhaltiger) Uebernäyrung. 4. Der erbliche Arthritismus wirkt, bevor er zur Unfruchtbarkeit ausartet, schädigend auf die Männlichkeit und vermehrt die Zahl der unvollkommenen Produkte. 5. In Frank- reich hat die Verminderung der Geburten dieselbe Stufenleiter verfolgt, wie die Uebernährung; überdies ist die Verminderung der Geburten stets mit der Vermehrung unvollkommener Produkte zusammengefallen. 6. Es sind die Städte und die übernährleu Departements, die die schwächste Geburtenziffer aufzuweisen haben, und keines der Departements, die bisher noch der Ent- völkerung entgangen sind, ist übernährt. Es findet also eine vollkommene Uebercinstimmung zwischen der azotischen lieber- nährung und der Vertheilung der Bevölkerung statt. Diese selbe Uebereinstimmung ist dagegen nicht in Hinsicht auf den reinen Alkohol und auf andere gegohrene Getränke zu konstatiren. Neber eine»ene Zensnrthatigkeit der Berliner Polizei wird der„Deutschen Warte" berichtet: Gelegentlich des Gastspiels des Herrn Leo Forst am Alexanderplatz-Theater hatte Herr Direktor M. Samst das Drama„Die Hochzeit von Baleni" zur Zensur eingereicht. Eine Nichtgestattnng der Aufführung war um so weniger zu befürchte», als das Stück bereits am Lessing- Theater in Szene gegangen war, und erhielt Herr Samst auf seine Anfrage auch die Antwort, daß die Erlaubniß selbstverständlich eintreffen würde. Da diese an dem für die Erstvorstellung fest- gesetzten Tag noch nicht da war, da glaubte Herr Saunt trotzdem die Aufführung wagen zu können. Die Erlaubniß zu derselben kam denn auch am zweiten Tage, kurz darauf aber auch ein Strafmandat von 80 M., weil die Direktion den Ein- gang des polizeilichen Genehmigungsschreibens nicht abgewartet hätte. Man kann dies rigoros finden— gesetzlich begründet war es jedenfalls. Mehr befremden aber»>nß, was weiter geschah. Ein Polizeibeamter erschien nämlich'bei sämmtlichen Darstellern der Hochzeit von Baleni, ja selbst bei dem Theaterschneider, und nahm deren Nationale auf, weil ihnen, wie der Beamte erklärte, ein Strafmandat wegen ihrer Mitwirkung in einem noch nicht zensurfreien Stück zugestellt iverden solle. Dieses Vorgehen ist jedenfalls ganz neu, und man darf gespannt darauf sein, ob diese Strafmandate wirklich erlassen und als rcchtsgiltig erkannt werden. rerschivürung auf die Spur gekommen zu sein. In den» Odessaer Gcfänguiß befinden sich bereits von früher gegen 400 des Nihi- lismus verdächtige Personen.— — Das Urtheil gegen den Bombe nbaron. Der Lütticher Staatsamvaltschast ist eine Abschrift des von dem Petersburger Schmurgericht gegen den„Bombeubaron" Jagol- komsky erlassenen Urtheils zugegangen, aus der folgendes Er- wähnung verdient. Die Gründung einer Baude mit mehr als drei andern Personen zur Zerstörung des Eigenthums eines Dritten und die hieraus hervorgegangenen Verbrechen bedingen für Jagolkowsky einen höhern Grad der Strasbarkeit. Wegen Auf- sorderung zu dem Dhuamiidiebstahl von Chevron wird der Angeklagte zum Verlust sämmtlicher Rechte und Privilegien sowie zur Verbannung nach dem Gouvernement Jrkutsk(Ostsibirien) verurtheilt, wo er vier Jahre an einem ihm angewiesenen Aufenthaltsort zu verbleiben hat. Daun soll er auf 12 Jahre nach einem anderen sibirischen Gouvernement gebracht werden. Wenn der Tynamitauschlag auf das königliche Theater in Lüttich ge- lungen wäre, so hätte Jagolkowsky hierfür mit Verlust sämmt- licher Rechte und mit Verbannung nebst Zwangsarbeit bestraft werden müssen, da aber nur ein versuchtes Verbrechen vorliegt, so ist die Strafe„um zwei Grad" zu verringern und auf acht Jahre Zwangsarbeit festzusetzen. Ebenso ist die Strafe wegen des mißlungenen Dynamitanschlags auf das Haus des Bürger- Meisters Görard„um drei Grad" niedriger zu bemessen, als wenn der Anschlag geglückt wäre, und der Angeklagte für diesen Fall daher, statt mit Verlust der bürgerlichen Rechte und mit Ver. bannung nebst Zwangsarbeit, mit zwölfjähriger Zwangsarbeit zu bestrafen. Wegen Aufforderung zu dem Bombenanschlag auf die Jakobskirche wird Jagolkowsky zu zwanzigjähriger, wegen Aufforderung zu dem Anschlag bei Dr. Renson zu fünf- zehnjähriger Verbannung nebst Zwangsarbeil verurtheilt. Unter Anwendung des Artikels 150 des Strafgesetzbuchs verurtheilt der Gerichtshof den Angeklagten insgesamnit zu zwanzigjähriger Zwangsarbeit, die aber auf grund des kaiseriich-russischen Mani- festes vom 14. November 1804 um ein Drittel gekürzt wird, sodaß Jagolkowski 13 Jahre 4 Monate zu verbüßen hat. Kein Vernünftiger glaubt, daß Jagolkowski wirklich diese Strafe verbüßt und sich in Sibirien befindet.— Bulgarien. — Prinz Ferdinand wurde in Sofia begeistert empfange». Der Empfang mag seiner Mutter wieder ein recht schweres Stück Geld gekostet habe». Noch größer und ehrlicher wird die Begeisterung sein, wenn Ferdinandchen für immer das Land verläßt. Dev IH'ogvrntmr" Enkwuvf dev(süd) deutschen Volkspctvkei. I. Die Deutsche Volkspartei ist eine Partei des Friedens. Sie erkennt in jedem Krieg eine verdammungswürdige Schädigung aller Kultur- und Freiheitsinteresscn; sie erstrebt einen auf Frei- heit gegründeten Bundesstaat sämmtlicher deutschen Stämme, einen Frieden- und Freiheitsbund der Völker. In internationaler und nationaler Beziehung anerkennt sie den jedem Volke und innerhalb des Reichsverbaudes jedem Volksstamme zustehenden gleichen Anspruch auf Selbstbestimmung. II. Die Volkspartei ist eine Partei des politischen Fortschritts, sie bekennt sich zu den demokratischen Grundsätzen der Freiheit und Gleichheit und verlangt die gleichartige Mitwirkung aller Staatsbürger bei Gesetzgebung und Verwaltung, die Durchführung der Selbstregierung des Volkes im Staate. Ul. Die Volksparlei ist eine Partei der wirthschastlichen Re formen. Sie anerkennt, daß die staatliche» und gesellschaftlichen Fragen untrennbar sind, und daß sich die wirthschaftliche Be- sreiung der arbeitenden Klassen und die Vcrwrrklichung der politischen Freiheit gegenseitig bedingen. Sie erstrebt die fried- liche Ausgleichung der sozialen Gegensätze in einer die Freiheit des einzelnen verbürgenden Gesellschaftsordnung. Kraft dieser Grundsätze verlangt die Deutsche Volkspartei im Wege energischer Bethätigung ihrer Mitglieder auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens, in Presse und Versammlungen, durch Wahl- belheilignng wie durch Gründung von Volksvereinen die Ver- wirklichung folgender Forderungen: Zu I: l. Unterstützung aller Bestrebungen, welche ans die An- Näherung der Völker, auf friedlichen Ausgleich der zwischen ihnen entstehenden Streitigkeiten und auf gegenseitige Verminderung der Kriegsrüstungcn abzielen; Einsetzung ständiger inter nationaler Schiedsgerichte. 2. Durchführung des bundesstaatlichen Prinzips durch das ganze Reich, freiheitlichen Ausbau der staatlichen Einrichtungen rn den einzelnen Bundesstaaten auf grund der Selbstverwaltung. 3. Mitwirkung des Reichstags bei der Entscheidung über Krieg und Frieden. Zu II: I. volle Vereins-, Versammlungs- und Preßfreiheit; 2. allgemeines, gleiches, direktes und geheimes Wahlrecht für alle Vertretungen in Reich, Staat und Gemeinde unter Berück- sichligung der Minderheiten, Sicherung der Wahlsreiheit, kurze Legislaturperioden, gerechte Wahlkreis» Eintheilung, Diäten für die Abgeordneten. 3. Verantwortlichkeit der Minister gegenüber der Volks- Vertretung für ihre Thätigkeit im Eiuzelstaat und Bundesrath. 4. Ausbau unseres Verfassungslebens durch Ermöglichung der Volksabstimmung über grundlegende Gesetze. 5. Entschädigung für unschuldig erlittene Untersnchungs- und Slrashaft; Einführung der bedingten Verurtheiluug; verstärkte Mitwirkung des bürgerlichen Elements bei der Rechtsprechung in Strafsachen; Beseitigung des Anwaltszwanges. 6. Umgestaltung des Heerwesens in volksthümlichem Geiste, kurze Präsenzzeit unter Abschaffung des Vorrechts der Einjährig- �Freiwilligen, Reform des Osfizier-Penfionswesens, Oeffentlichkeit und Mündlichkeit, sowie Ständlgkeit der Militärgerichte, Be- schränkung der Militärgerichtsbarkeit auf militärische Vergehen, Milderung der militärischen Strafen und Strafarten, Sicherung des Beschwerderechts. 7. Freiheit der Lehre und der Wissenschaft, Trennung der Heide» nach Wesen und Aufgabe verschiedenen Gebiete von Staat und Kirche, Selbständigkeit der Schule unter fach- männischer Aussicht, gesetzliche Regelung des Schulwesens, Unentgeltlichkeit des Unterrichts und der Lehrmittel, einheitliche Volksschule. 8. Verwerfung jeder Ausnahme- oder Klassengcsetzgebung, unbeschränkte Koalitionsfreiheit. Zu III. 1. Hebung des Volkswohlstands, Förderung der Verkehrs- freiheit, keinerlei staatliche Bevorzugung von Ringen und Kartellen des Großkapitals. 2. Freiheit für den Privatbetrieb und das Erwerbsleben des einzelnen, Betrieb der für die Zwecke der Allgemeinheit be- stimmten Einrichtungen durch Staat oder Genieinde da, wo der Privatbetrieb zu einer das Gemeinwohl schädigenden Monopol- wirthschaft führt. 3. Förderung des Genossenschaftswesens, insbesondere der stäbtischen und ländlichen Genossenschaften für Personal- und Grnndkredit, sowie der Verbände für gemeinsame Beschaffung von Lebensmitteln, Arbeilsiverkzeugen, Rohstoffen für Gewerbe und Landwirthschast und für gemeinsame Herstellung und Ver- werthung von Arbeitserzeugnissen, serner der Handwerker- Vereinigungen, Berufsvereine und Gewerkschaften, soweit durch dieselben die gewerbliche Freiheit nicht beschränkt wird. 4. Erhallung und Kräftigung des bäuerlichen und gewerb- lichen Mittelstandes; Steigerung der Produktivität des Bodens und der Leistungsfähigkeit der mittlere» und kleineren Betriebe, planmäßige Nutzbarmachung der technischen Fortschritte und Hilfsmittel für dieselben; Schaffung selbständiger Orgaue für die Landwirthschast und für das Handwerk zu unabhängiger Be rathung der Regierung und sachkundiger Rathsertheilung an die Berufsgeuossen, Ausbreitung landwirthschaftlicher und gewerb licher Unterrichtsanstalten; allgemeine Einrichtung von Versuchs- stationen; Bestellung von Mcliorationstechnikern und gewerblichen Wanderlehrern; daneben für die Landwirthschast: Hebung der Vieh- und Pferdezucht, sowie der landwirthschaftlichen Neben betriebe, Reform des Jagdrcchts und des Wildschadenersatzes Aufhebung der Fideikommisse, Beschränkung der Vermögens- ansammlung in der tobten Hand: für das Gewerbe: gerechte Ausgestaltung des Submissions- wesens, Bekämpfung des unehrlichen Wettbewerbes, Pflege des Kunstgewerbes, Beseitigung der Schäden der Gefängnißarbeit. 5. Erlaß ausreichender Gesetze zum Schutze der Arbeiter und der Bediensteten in sittlicher und gesundheitlicher Beziehung insbesondere in den gesundheitsgefährlichen Gewerbszweigen; gänz- liche Aufhebung der Kinderarbeit, weitere Einschränkung der Nachtarbeit, der Frauenarbeit und der Beschäftigung jugendlicher Arbeiter; gesetzliche Einführung eines Arbeitstages von höchstens zehn Stunden, in Bergwerken und gesundheitsgefährlicheu Be- trieben von acht Stunden; Vermehrung der Gewerbe-Jnspektoren unter Zuziehung von Hilfskräften aus dem Kreise der Arbeiter und Arbeiterinnen; Ausbildung der Staatswerkstätten zu Muster- anstalten; internationale Vereinbarungen zur Regelung der Arbeitcrverhältniffe. 6. Einsetzung von Einigungsämtern zur friedlichen Erledigung der Lohnfragen aus Grundlage der Gleichberechtigung von Arbeit- gebern und Arbeitern unter Leitung oder Aufsicht der Gemeinde behörden; Schaffung von Anstalten für Arbeitsnachweis und Auskunstsertheilung auf gleicher Grundlage; Errichtung staatlicher Arbeitsämter. 7. Vereinigung, Vereinfachung und Verbilligung der Ver ficherungen gegen Krankheit, Unfall, Alter und Invalidität au grund des Umlageverfahrens; Förderung der Versicherung gegen unverschuldete Arbeitslosigkeit aus koniniunaler Grundlage und in Verbindung mit den Anstalten für Arbeitsnachweis. 8. Sparsanikeit im Staatshaushalt; Ersetzung der indirekten Steuern durch ein einheitliches System direkter Einkommens-, Vermögens- und Erbschaftssteuern mit Progressivsätzen. 9. Verbilligung der Eisenbahntarife für Güter- und Personen- verkehr; Mitwirkung der Volksvertretung bei Festsetzung derselben Nsvkei-LtetfjvMzten. 21« die Parteigenossen! Am 15. September findet der 6. p o m m e r s ch e Parteitag in G r a b o w a. O. statt. Die provisorische Tagesordnung lautet: I.Bericht des Provtnzial- Vertrauensmannes, 2. Vortrag über den Entwurf zum Agrar- Programm, 3. Bericht der Preßkommission, 4. Sonstige Anträge Ich erinnere an den Beschluß des 4. Parteitages, daß die Delegirten Arbeiterorganisationen angehören müssen, wenn solche im Wahlkreise bestehen. Alles nähere wird noch bekannt gemacht Mandatsformulare, welche die Bestimmungen über die Giltigkeit enthalten, find von dem Unterzeichneten zu beziehen. Der Proviuzialvertraucnsmann G. Knappe in Stettin, Deutsche straße 19. Slgrarprogram m. Die Sozialdemokratie D a r m st a d t s diskutirte die Vorschläge der Agrarkommission in zwei Versamm- lungen. Das Lieserat hatte Laudtags-Abgeordneter Müller. Das Uriheil über den Programmentwurf formnlirte man in folgender Resolution, die einstimmig angenommen wurde:„Die Parteiversammlung hält es zwar für unerläßlich, der Bauern- frage näher zu treten, wie dies durch die Taktik der Partei seither geschehen, und wünscht auch fernerhin die Erörterung der ein- schlägigen Fragen in Wort und Schrift. Die Erweiterung unseres Parteiprogramms dagegen, wie dies von der Agrarkommission vorgeschlagen, hält die Versammlung für überflüssig und aus dem Grunde sogar für nachtheilig, weil manche der darin ge- stellten Forderungen der Enlwickelung hinderlich sind und leicht eine Verwässerung der Parteiprinzipien herbeiführen könnten." Im Sozialdemokratischen Verein in Dortmund verwarf der Referent L e h ni a n n sämmtliche Punkte, die den sogenannten Bauernschutz betreffen. Ihre Annahme würde die Partei schwer schädigen und den proletarischen Charakter unserer Bewegung verwischen. Die Diskussion bewegte sich im wesentlichen in gleicher Richtung. Im Sozialdemokratischen Verein in G e e st e m ü n d e er- klärte der Referent Schmalfeldt, er könne weder dem Ganzen noch den einzelnen Therlcn des Entwurfs zustimmen. Er fürchte, daß nach Annahme des Entwurfs eine Verwischung des proletarischen Klassencharakters unserer Partei eintreten werde. Auch sei es überflüssig, all' die verschiedenen Forde- rungen in das Programm aufzunehmen. Mit demselben Rechte könne man noch viel mehr hineinbringen. Was die Verstaat- lichung der verschiedenen Einrichtungen:c. anlange, so könne er sich damit nicht einverstanden erklären, daß man'sich so sehr darauf verlege; wir hätten wahrlich keine Ursache, dem gegenwärtigen Staat noch Krücken zu liefern, auf denen er noch eine Zeit lang forthumpeln könne. Haverkamp erkannte an, daß die Agrarkommission bemüht war, etwas Kon- kretcs zu liefern, er könne sich aber mit ihren Vorschlägen nicht einverstanden erklären. Unter allen Umständen hätten wir den Standpunkt des Klassenkampfes zu wahren. Es sei sehr zu be- zweifeln, daß wir mittels des Agrarprogramms die Landlente zu Sozialdemokraten erziehen könnten; außerdem müßte mit der Agitation auf dem Lande in erster Linie nicht bei den Bauern, sondern bei dem eigentlichen Proletariat eingesetzt werden. Das Erfurter Programm genüge seines Erachtens vollständig und auch auf dem Lande hätten wir damit nennenswerthe Erfolge erzielt. Die Schleswig-Hollsteiu'schen Kreise lieferten dafür den besten Beweis. Manchem mögen die Fortschritte unter der länd- lichen Bevölkerung nicht rasch genug gehen, die wirthschaftliche Entwickelung aber zu überholen sei nicht möglichs; mit dieser müßten wir rechnen. Unser Programm habe so kurz und präzis wie nur möglich zu sein und weil das gegenwärtige allen be- rechtigten Anforderungen genüge, müsse er dringend vor jeder Abänderung warnen. Gedächtnisifeier» für Friedrich Engels wurden weiter veranstaltet von den Parteigenossen in Magdeburg und M ü n ch e n. Kranzspenden haben ferner gewidmet die Parteigenossen von Dortmund. Badische Laudtaaswahle». Für den 46. Wahlkreis ( W e i n h e i m) ist der Parteigenosse Georg Pfeissle aus Mannheim als Kandidat ausgestellt. DaS 2lgitatio»Skoutttee für Reust f. L. ersucht die Parteigenossen im 4., 5. und 6. La ndtags-Wahlk reise, unverzüglich überall, wo es noch nicht geschehen, Wahlkomitees zu bilden und deren Adressen an I. Vetterlein in Gera, Zschochern 44. einzusenden, sowie für Beschaffung von Ver- ammlungslokalen w. zu sorgen, überhaupt alles zur Betreibung >er Wahlagitation erforderliche rechtzeitig zu thun. A«S Durlach in Baden wird dem Offenburgcr„Volks- freund" folgendes Idyll aus dem M i l i t ä r st a a t ge- nieldet:„Jüngst kam eine Person im Austrage der Militärbehörde mit einem Schriftstücke zu verschiedenen hiesigen Ge- chäftsleutcn und suchte diese zu bewegen, sich durch Namens- Unterschrift zu verpflichten, daß sie von nun an in ihren Geschästslokalitäten keine Zeitungen zc. sozialistischer Tendenz mehr auflegen wollten, sowie daß ihre Lokale den organisirten Arbeitern nicht niehr zu Versammlungen und Besprechungen zur Verfügung gestellt würden. Soweit uns bekannt wurde, haben aller die betreffenden, Friseur' Pfistner, sowie aüch der Besitzer der Wirthschaft„Zum Ochsen", kurzen Prozeß gemacht und den Beauftragten mit ab- lehnender Antwort nach Hause geschickt. Kurze Zeil darauf erhielten beide Geschäftsleute Militärverbot. Wenn die Sozialisten irgend einen Protzen boykottiren, schreit die ganze Ordnungsgesellschast Zeter und Mordio und in einzelnen Ländchen des Deutschen Reiches wird ein solches Vorgehen sogar als„grober Unfug" schwer bestrast. Aber die Militärbehörde darf ruhig boykottiren, da kräht kein Hahn danach. Dafür leben wir aber auch in einem„Rechtsstaat"." Das Verlangen der Elmshörner Parteiaeuossen, die Stadl Elmshorn möge zu den Kosten des sozialdemokratischen Parteitages für Schleswig- Holstein 200 M. spenden und eine Ehrenpforte bauen, hatten wir als Ulk aufgefaßt und gemeint, die Elmshorner hätten damit den beliebten Brauch, Gemeinde- gelber für Sachen zu verwenden, die, wie das Sedanfest:c., mit dem Gemeindezweck nichts zu thun haben, ganz gut persiflirt. Dadurch hatten wir selbstverständlich auch ausgedrückt, daß das Verlangen unserer Elmshorner Partei- genossen mit dem Gemeindezweck gleichfalls nichts zu thun hat. Trotzdem hält es das„Hamburger Echo" für nöthig, feierlich zu versichern, daß es mit unserer Auffassung der An- gelegenheit„durchaus nicht einverstanden" ist.„Eine politische Partei", sagt es,„darf keinen Ulk machen, mag durch denselben nun dieses oder jenes gut oder schlecht persiflirt werden." Da hat das„Hamburger Echo" ein großes Wort gelassen ausgesprochen. Warum soll denn aber die Sozialdemokratie immer nur dräuend die Augen rollen? Ein einziges Spottlächeln ent- waffnet den Gegner oit leichter, als es das langathmigste Pathos sittlicher Entrüstung vermag.'~ Polizeiliches, Gerichtliche»«. — Aus Krefeld wird der„Niederrheinischen Volks» tribüne" geschrieben: Nun haben auch wir westfälisches Vereins- recht, nachdem man in Westfalen längst sächsisch geworden war. Als der hiesige Vertrauensmann der Partei, Wolters, die Ver- sammluug anmeldete, in welcher Molkenbuhr referirte, wurde ihm auf der Bescheinigung vermerkt, daß Frauenspersonen kein Zutritt zu der Versammlung gewährt werden dürfe. Grund: tz 8 des Vereinsgesetzes. Wolters hatte darauf betreffs dieses Verbotes noch Unterredungen mit dem Polizei-Jnspektor Scheuer uud dem Ober-Bürgermeistcr Küper, welche erklärten, daß, wenn Frauen in der Versammlung anwesend seien, diese aufgelöst würde. Der Oberbürgermeister meinte noch, Frauen hätten sich ja auch nicht um öffentliche Angelegenheiten zu kümmern. Am Mittwoch Nachmittag wurde Wolters noch einmal vorstellig und machte den Polizei-Jnspektor darauf aufmerksam, daß er gewillt sei, sollte das Verbot aufrecht erhallen werden, bei dem Staats- auwalt Strafanzeige gegen den Inspektor auf grund des§ 339 des Strafgesetzbuches zu stellen. Der Inspektor sagte, er, Wolters, wäre nur eine vorgeschobene Person und handle im Austrage des Agitationskomitees zu Elberfeld, welches ein politischer Verein sei. Auf die Antwort Wolters, das Komitee wäre doch in Elberfeld und er hätte mit dem Komitee nichts zu thun, erwiderte er lakonisch:„Ach was, das kennen wir, die Komitees bestehen überall." Die Frauen mußten also die Versammlung verlassen und ist darauf vom Genossen Wolters Strafanzeige beim Staats- anwalt eingereicht worden, um eine Entscheidung über diese so wichtige Frage herbeizuführen.! — Genosse R o s e n o w m C h e m n i tz hat am Dienstag das Gesängniß nach dreimonatigem Aufenthalt verlassen und die Redaktion des„Beobachters" wieder übernommen. — Die Konstanzer Parteigenossen Krohn, Dittrich, Schulze und H a u r i sollten am 20. Januar bei einer Flug- blattvcrlheilung in Ittendorf und Markdorf kein Pflichtexemplar eingereicht haben und deshalb jeder laut Strafmandat 10 M. berappen. Ihre Berufung wurde vom Schöffengericht verivorfen, weil in Markdors das Pflichtexemplar der Tochter des Bürger- Meisters, nicht diesem selbst übergeben worden war. Die Sache wird nun das Landgericht beschäftigen. — Der Rekurs, den die Parteigenossen Martin El« mauer, Anton Schmidt, Karl Spenn und Franz T e i e r l i n g gegen ihre für„immer" erfolgte Ausweisung aus s s e g g eingelegt hatten, ist von der kroatisch-slavonischen Landesregierung abschlägig beschieden worden. Dieser Entscheid wird genügend dadurch charakterisirt, daß die Ausweisung Schmidt's damit begründet wird, daß er„mit den Genossen in Dalja korrespondirte, daß er fünfzehn Exeniplare der Budapefter „Volksstimnie" zugeschickt erhielt, daß er bei einer von der Effegger Arbeiterschaft veranstalteten Faschingsunterhallung an der Abend- kasse saß, daß er weiter die Bauern darüber aufklärte, welche Ungerechtigkeit es sei, wenn sie bei einer Arbeitszeit von drei Uhr morgens bis neun Uhr abends vierzig Kreuzer Tagelohn seitens der slavonischen Großgrundbesitzer erhalten, serner daß er am 1. Mai d. I. bei dem Feste der Arbeiter Ordner war und und schließlich, daß er als Kleinmcister sich in Angelegenheiten der ZIrbeiler, wie z. B. den Sozialismus, gemengt habe." Der eigentliche Grund der Ausweisungen besteht jedoch darin, daß die genannten vier Parteigenossen als Funktionäre der Effegger Bezirks-Krankenkaffe nicht dem Wunsche des Ober- Notars Joanovic entsprachen, als er von ihnen durch den Polizei- kommissär Sesin und den Präsidenten der Bezirks-Krankenkaffe verlangle, sie möchten den diebischen Kassirer und Schützling des Obernotars, Popovic, nicht dem Styif- gericht ausliefern.__ Sozisile Fördeniug der Fürsorge für entlassene Gefangeue ist der Zweck eines Erlasses, den die preußischen Minister des Innern und der Justiz im Einvernehmen mit dem Kultusminister an die Regierungspräsidenten und die Präsidenten der Ober- Landesgerichte, soweit in deren Bezirken Strafanstalten bestehen, gerichtet haben. In dem Erlaß ist anerkannt, daß die Erfolge der bisherigen Gefangenensürsorge häufig nicht den darauf ver- wendeten Bemühungen und Geldmitteln entsprechen. Der Grund hierfür liege in unzweckmäßiger Organisation und mangelndem Zusammenwirken der Fürsorgevereine mit den Strafvollzugs- und Polizeibehörden. Der Erlaß schreibt nun vor:„Die Für- sorge wird ausgeübt: a) durch die kirchlichen Organe; ll) durch Fürsorgenvcreine. Beide haben sich in ihrer Arbeit möglichst zu unterstützen und im engsten Zusammenhange mit den Polizei- behörden zu wirken. Muß nach den bestehenden Bestimmungen die Entlassung eines Gefangenen der Polizeibehörde angezeigt werden, so ist dabei mitzutheilen, ob für den Entlassenen Für- sorge eintritt, und durch wen sie ausgeübt wird. Fürsorge durch kirchliche Organe eignet sich besonders für solche Gefangene, die selbst oder durch ihre Familie noch im Zusammenhange mit einer Kirchengemeinde stehen. Den Vorstehern und Geistlichen der Strafanstalten und Gesängnisse steht es frei, in geeigneten Fällen die Fürsorge selbst auszuüben." Eine Organisation, die auf die Jlnschaunngen der Geist- lichen und der Polizei zugeschnitten ist, wird nach Lage der Sache nie das volle Zutrauen der aus den Gesüngnissen ent- lassenen Personen finden. Im übrigen ist die beste Fürsorge die, dem Entlassenen ordentlich bezahlte Arbeit zu verschaffen, was wieder nur möglich ist, wenn der Staat durch Regelung und Verkürzung der Arbeitszeit den Arbeitsmarkt entlastet. Das hätte noch den Vortheil, daß die Zahl derer, die durch Mangel an Arbeit zu Vergehen gelangen, die sie ins Gesängniß bringen, vermindert würde. Vom SiegeSzng der Maschine. Nach der diesjährigen H a n d w e b e r- S t a t i st i k wurden in den Kreisen Neichen- bach, Schweidnitz und Waldenburg 8965 männliche und 2597 weibliche Handarbeiter gezählt, gegen das vorige Jahr weniger 110 männliche und 131 weibliche. Seit den letzten 23 Juhreu hat sich die Handweber-Bevölkerung um 7764 Köpfe vermindert, hiervon kommen auf den Kreis Neichenbach 3707, Schweidnitz 1256, Waldenburg 2661. „Preuheugüllger". Wie bei uns die Sachsengänger, so hat man in R u s s i s ch- P o l e n die„P r e u ß e n g ä n g e r". Ein Blatt in Kalisch äußert, daß die periodische Auswanderung der Landarbeiter dort einen sehr empfindlichen Mangel an Arbeits- trästen gerade in solcher Zeit zur Folge habe, wo man ihrer am dringendsten bedürfe; der Grund läge darin, daß ein Theil der Großgrundbesitzer die einheimischen landwirihschafllichen Arbeiter unter die elendesten Lebensbedingungen stelle und dadurch zwinge, anderwärts besseren Verdienst zu suchen. Ganz wie bei uns. Der ostelbische Grundbesitzer braucht für seine nabeln Passionen zu viel Geld, als daß er den deutschen Landarbeiter ordentlich bezahlen könnte. So zieht dieser nach Westen und in seine Hei- Math kommt der Pole, der Russe. Dann jammert noch die gesinnungstüchtige Presse über den Rückgang des Germanenthums im Osten. Bedingte Begnadigungen. Im Großherzogthum Hessen ist seit Anfang des Jahres lSSl die allgemeine Anordnung getroffen, daß, wie in Belgien bei allen in das Landes- Zuchthaus sowie in die Gefängnisse aufgenommenen Sträslingen nach Verbüßung von drei Viertheilen der zuerkannten Strafe die Frage, ob ihnen der Strafrest, bedingt oder unbedingt, im Gnadenwege zu erlassen sei, von amtswegen geprüft werde. Es blieb den Strafvollstreckungs-Behörden überlassen, in solchen Fällen, die sich nach dem Vorleben des Sträslings. seinem Ver- halten in der Strafanstalt und der Slrafthat hierzu eigneten, dies Verfahren auch schon nach Verbüßung der H ä l s t e der Strafzeit einzuhalten. Dies wurde namentlich auch bei jugend- lichen Personen empfohlen, denen vielsach, besonders dann, wenn sie in Erziehungsanstalten Aufnahme fanden, die volle erkannte Strafe bedingungsweise auf dem Gnadenwege erlassen wurde. In ähnlicher Weise wie bei Zuchthaus- und Gesängnißstrafen wurde bedingte Begnadigung auch bei Haslsirasen und Geld- strafen gewährt. Seit dein Jahre 1891 bis Mitte März dieses Jahres sind nun auf diese Weise insgesammt 723 Personen bedingt begnadigt worden, wovon 716 zu Freiheitsstrafen, darunter 42 bis zu 1 Jahre, 15 zu mehr als 1 Jahre, und 7 zu Geldstrafen ver- urlheilt waren. Widerrufen wurden 65 Begnadigungen, meist deswegen, weil der bedingt Begnadigte innerhalb der für den Widerruf festgesetzten Zeit eine neue strafbare Handhmg begangen hatte. Gestorben sind im Jahre 1833 in Preußen 335 661 männliche, 360 817 weibliche, insgesammt 746 473 Personen, pro 1000 Lebende 24,2, während das Verhältniß im Jahre vorher 23,5 be- trug. Die Todlgeburten(21 990 männliche, 17 053 weibliche) sind hierbei nicht gerechnet. Auf die einzelnen Krankheiten kommen Gestorbene in folgendem Verhältniß: Unter 10 000 Einwohnern starben an Tuberkulose 24,36, an Lungen- und Brustfellentzün- dung 13,64, an Diphtherie und tkroup 17,97, an Luftröhren. entzundnng und Lungenkatarrh 3,22, an einheimischem Brech- durchfall 7,37, an Diarrhöe(der Kinder) 6,44, an Krebs 5,10, an Keuchhusten 4.35, durch Verunglllckung 3,63, Scharlach 3,23, an Rötheln und Masern 2,84, an Selbstmord 2,03, an Typhus 1,71, au Skropheln und englischer Krankheit 0,36, an akutem Gelenkrheumatismus 0,63, an Ruhr 0,37. An den Pocken starben 136 Personen, an der asiatischen Cholera 239. Von Interesse sind ferner die Todesfälle an Influenza; es erlagen dieser Krankheit 10 403 Personen gegen 15 911 im Jahre 1892, 8050 im Jahre 1891, 9576 im Jahre 1890 und 314 in den beiden letzten Monaten des Jahres 1389. Vom bayerischen Sparerlaf?. Die Nürnberger Wechselwärter hatten bisher außer ihrem alle 10 Tage ein- tretenden freien Tage jährlich noch drei besondere Urlnubstage. Jetzt ist ihnen erklärt worden, daß es den Urlaub von 3 Tage» nicht mehr giebt. Dagegen verlautet kein Sterbenswörtchen davon, daß den„höheren" Beamten der Urlaub gekürzt oder ent- zogen würde. Tie Aufhebuiia des VolksschulgeldeS haben weiter beschlossen die bürgerlichen Kollegien der Stadt Spaichingen und der Gemeinde Winterlingen in Württemberg. DaS städtische ZlrbeitSamt in Stuttgart wird von den Verwaltungen der städtischen Betriebe so wenig— bis- her nur zweimal— benutzt, daß das Amt darüber beim Gemeinderath Beschwerde führte. In seiner Eingabe heißt es: „Soll das Arbeitsamt seine Aufgabe, eine Zentrale aller Arbeits- gelegenheit zu sein, wirklich ersüllen, so ist nothwendig. daß dem- selben auch thatsächlich alle Vakanzen mitgetheilt werden. Daß hierbei die Stadt selbst mit gutem Beispiel vorangehen und ihre Hilfskräfte, männliche wie weibliche, nur durch Ver- Mittelung des Arbeitsamts decken und mit dem System des Umschauens endgiltig brechen sollte, erscheint eigentlich als selbstverständlich. So lange dies aber, wie bisher, nicht geschieht, werden auch alle Bemühungen des Arbeitsamts, seiner Aufgabe gerecht zu werden, nicht von dem wünschenswerthen Erfolg be- ?.leitet sein. Wir richten daher an den Gcmeinderath das Er- uchen, gcfl. Verfügung treffen zu wollen, daß die Anwerbung aller in städtischen Betrieben verwendeten Hilfspersonen nur durch Vermittelung des Arbeitsamts erfolgen darf." Der Ge- meinderath hat diese Forderung als„zu weit gehend" abgelehnt. Zufolge dessen blieb ihm nur übrig, den Wunsch auszusprechen, daß die Stadt das Arbeitsamt mehr als bisher in Anspruch nehme._ GewevkfchcrftticheS. Achtung, Former und Giestereiarbeiter! In nachstehenden Werkstätten haben sämmtliche Kollegen die Arbeit ein- gestellt und ist daher der Zuzug fernzuhalten: Nürnberg, Prinzenstr. 25? Kube, Elisabelh-User 30; Werk. Admiral- straße 18ö; Schober, Grünau, Waldstr. 4; F e l l n e r, Dresdenerstr. 84; T h i e l e ck e, Wasscrthorstr. 62; Gebrüder Krüger, Köpenick. Die Sperre über die Firma Müller, Manteu ffelstr. 23. ist aufgehoben, da sämmtliche Forderungen be- willigt sind. Sämmtliche Zuschriften sind zu richten nach dem Restaurant Schwarz köpf, Berlin 8.. Skalitzerstr. II. Der Vertrauensmann der Berliner Metallarbeiter Otto N ä t h e r, dl., Anklamerstr. 44. Ten Formern der Gießerei von Schrös in Crefeld wurden im Januar d. I. zehn Prozent des Lohnes gekürzt. Da sich die Arbeiter diese Lohnkürzung gefallen ließen, so sollte im Mai eine weitere zehnprozeutige Lohnkürzung eintreten. Dem widersprachen die Arbeiter jedoch energisch und stellten in einer Versammlung folgende Forderungen aus: 1. Zehnstündige Arbeitszeit. 2. Einen Minimallohn von 35 Pf. pro Stunde für jüngere Kollegen, für Verheirathete dagegen 40 Pf. pro Stunde. 3. Für lleberarbeit einen Lohnzuschlag von 25 Prozent für Former und Hilfsarbeiter. 4. Maßregelungen dürfen nicht stattfinden, sofern das bestehende Statut anerkannt wird. 5. Die Kündigung bleibt, wie im Statut vorgesehen, eine 14 tägige. 6. Regelung des Ab- orts und Ventilation. Das Komitee, welches dem Fabrikanten diese Forderungen überbrachte, wurde gemaßregelt und stellten daraus sämmtliche 18 Former die Arbeit ein. Herr Schrös hat nun seine Arbeiten vier anderen Gießereien übertragen und sollen die Former, welche sich weigern, diese Arbeiten zu machen, entlassen werden. Es sind bis jetzt 32 Mann stellenlos geworden. Weitere Aussperrungen stehen bevor. Adresse: W i l h e l m Heck, Gladbachcrstraße 95, Crefeld. Die Generalkom Mission. In Halle a. S. dauert der Streik der Bauarbeiter unverändert fort. Zuzug ist deshalb nach wie vor auf das strengste zu vermeiden. Der Gesangverein„Nord- w a ch t" in B e r l i n hat an, 28. Juli dem Streikkomitee der Bauarbeiter 40 M. zugesandt, was im„Vorwärts" zu quittiren uns das Streikkomitee wiederholt ersuchte. Wir kommen hiermit ausnahmsweise dem Wunsche nach, muffen aber, was dem Streik- komitee schon brieflich mitgetheilt wurde, erklären, daß wir, um den beschränkten Raum des„Vorwärts" nicht noch mehr zu schmälern, Quittungen von auswärts nicht veröffentlichen können. Darüber zu berichten ist Sache der lokalen Partei- blätter. Zuzug von Bauarbeitern ist ferner zu unterlassen nach Flensburg, Plauen i. V. und H o f in Bayern. AnS Schwelm wird der„Rheinisch-Westf. Arb.-Ztg." ge- schrieben, daß der schon einmal widerrufene Streik der Schloß- schmiede der Firma Beer u. Klophaus nun doch aus- gebrochen ist. Zuzug ist deshalb zu unterlassen. lieber den Leipziger Steinsetzerstreik wird uns mit- getheilt, daß sich bis zetzl von 210 Steinsetzer» 170 Mann an dem Ausstand betheiligt habe», wovon 40 abgereist sind. Am Montag beschloß eine Versammlung der Steinsetzer, im Streik zu verbleiben und Unterhandlunge» nur durch das Streikkomitee führen zu lassen. Wenn bis Mittwoch die Forderungen nicht bewilligt sind, so soll die Behörde ersucht werden, die Straßen- arbeiten in Regie zu vergebe». Für beendet erklärt ist der Ausstand der Monteure der Motorenfabrik von Grobu. Ko. inLeipzig-Eutritzsch, da von 15 Ausständigen nur noch 2 ohne Beschäftigung sind. Die Formstecher der Firma A. Bauerfeld in Mühl- Hausen sind in den Ausstand getreten. Zuzug ist deshalb zu vermeiden. Eine stark besnchte Bauarbeiter-Versammlung in Dortmund, wo Kamerad Ecke aus Görlitz sprach, faßte ein- stimmig eine Resolution, worin es heißt: Die Versammlung„ver- langt, daß die Bebörde de» Aborten ein besonderes Augen- merk widmet. Sie protestirt gegen die zum Aufenthalt von Menschen unwürdigen Baubuden. Sie protestirt gegen die Handhabung der Unfallverhütungs- Vor- s ch r i f t e» und verlangt, daß diese befolgt werden. Sie hält es für unbedingt nothwendig, daß seitens der Regierung Schritte gethan werden, damit der Bauarbeiter eher zu seinem Recht bei Unglücksfällen gelangen kann, und erklärt es für Pflicht der Versammelten, die Erforschung der Miß- stände fortzusetzen und für weitere Ausdehnung der Organisation Sorge zu tragen." Eine Zentralherberge ist von. dem Geiverkschaftekartell in Leer in Ostfriesland errichtet ivorden. Da die Herberge nur erhalten werden kann, wenn sie von allen zureisenden organisirten Arbeitern besucht wird, so richtet das Gewerkschafts- kartcll an diese das Ersuchen, nur in der Zcntralherberge ein- zukehren. Die Herberge befindet sich auf dem Pferdemarkt beim Gastivirlh I Behrends. Ter„Christliche Gcwerkvercin der Bergleute" hat nach dem soeben veröffentlichte» Geschäftsbericht des Vorstandes nur 4750 Mitglieder, was sehr wenig ist, da er ohne die Schwierig- leiten arbeitet, die dem Verband deutscher Hüttenarbeiter von Behörden, Zechenverwaltungen und Geistlichen gemacht werden. Als der„christliche Gewcrkverein" gegründet wurde, posaunte man in die Welt hinaus, daß ihm sosort 40—50 000 Mitglieder beitreten würden. Man hatte, schreibt die„Rheinische Zeitung", bei dieser Beziehung verschiedenes außer Acht gelassen. Einmal, daß die rheinisch-westsälischen Bergleute trotz aller Verhetzung und Verfolgung und trotz vorgekommener Fehler mit dem Verband deutscher Bergleute simpathisiren. Andererseits war man unvorsichtig in der Wahl der Führer. Unfähigere Leute konnte man schwerlich finden. Anstalt rein gewerkschast- liche Zwecke zu verfolgen, schimpfen die Brust und Ge- »offen aus die Sozialdemokraten und beuten dann an ihreni Theil den Gewerkverein sür Zentrnmszivccke ans. So vertheilt man in den Versammlungen oft Flugblätter, heraus- gegeben vom katholischen Volksvcrein. Die Folgen bleiben nicht aus. In allen Versammlungen klagen die Einberufer über schlechten Besuch. Und das, trotzdem die katholischen Geistlichen (die evangelischen halten sich fern) in den Versammlungen als Redner austreten. Die christliche Bewegung der Bergleute wird. wie schon ihre von den Ultramontanen künstlich gezüchteten Vor- gänger, im Sande verlaufen. Ter Wiener Malerstreik ist für beendet erklärt, da 600 Maler den Neunstundentag und den neuen Lohntarif be- willigt bekamen. 300 hatten sich überhaupt nicht an dem Aus- stand betheiligt. In Blindendorf bei Tcrnitz in Oesterreich streiken 125 Ar- beiter der Pappendeckel- Fabrik von Emil H a m- b u r g e r. In StaniSlan haben über 1000 Bauarbeiter die Arbeit eingestellt.______ Soziale NechksMege. Gelverbegericht. Sonderbare Beweiswürdi» g u n g. Der Hausdiener K. hatte gegen den Hotelbesitzer Neu- deckcr eine Entschädigungsklage mit der Begründung angestrengt, von letzterem wohl engagirt, nicht aber in Stellung genommen zu sein. Der Beklagte machte im Verhandlnngstermi» dagegen geltend, der Kläger hätte wiffen muffen, daß bei ihm nur un- verheirathete Hausdiener Stellung finden könnten; er sei aber selbst verheirathet und habe dies beim Engagement verschwiegen. Zum Beweise seiner Angaben berief sich Neudecker aus die Stellenvermittlerin W., von der er seine Hausdiener bezieht. Er meint, sicher habe Frau W., wie sie es stets thue, auch dem Hausdiener K. gesagt, daß er nur nnverheirathete Hausdiener einstelle. Der Kläger hielt nun dem Beklagten entgegen, daß er ihm gar nicht durch Frau W. zugeschickt worden sei. Allerdings sei er bei derselben wegen einer Stellung gewesen, diese habe ihn aber ohne einen Namen zu nennen, mit den Worten abgefertigt, es sei zwar eine Stelle zu vergeben, die passe aber nicht für ihn, da der betreffende Herr nur nnverheirathete Leute nehme. Daß Herr Neudecker eine» Hansdiener brauchte, habe er von einem Kollegen in einer Nestanration erfahren, in der Hotelbedienstete das Haupt- kontingent der Gäste stellten. Ohne Ahnung von der Identität der von Frau W. erwähnten und dieser Stellung sei er zun» Be- klagte» gekommen und von diesem engagirt worden; ans die Be- dingung der Ehelosigkeit habe man ihn nicht verwiesen. Ein solches Spiel des Zufalls konnte sich der Vorsitzende, Assessor Leo, absolut nicht vorstellen, und er gab, frcimüthig wie er ist, das auch dem Kläger in der unverhohlendsten Weise zu verstehen. Er erblickte darin ein„Stück aus der vierten Dimension", was bei ihm, dem Antispiritisten, natürlich soviel bedeutet wie: fauler Schivindel. Tie heiligsten Bethcucrungen des Klägers vermochten den Herrn Assessor nicht im mindesten umzustimmen. Er konnte auch nicht umhin, in dem neuen, zur Beweiserhebung anberaumten Termin sofort seiner besonderen Eingenommenheit gegen den Kläger in entsprechendem Hinweis auf das„Stück aus der vierten Dimension" Ausdruck zu verleihen. Frau W. sagte ans, sie habe thatsächlich K. nicht den Namen des Mannes genannt, der einen nnverheirathelen Hausdiener bei ihr bestellt halte. Nachdem omit die Beweiserhebung zu guusten des Klägers ausgefallen war, trat der Beklagte mit einer neuen Behauptung hervor, der nämlich, daß Kläger sich entweder ihm mit der Bemerkung vor- gestellt habe, er käme von Frau W., oder daß Kläger ans seine Frage, ob er von Frau W. komme, mit ja geantwortet hätte. Anstatt nun den Beklagten den Beweis für diese Angaben antreten zu lassen, legte der Gerichtshof ihm den Eid auf und erkannte dahin, daß Kläger abgewiesen sei, wenn Neu- deckcr beschwöre, jener habe beim Engagement gesagt, er komme von Frau W. Bei Eidesverweigerung gilt Beklagter dagegen als verurtheilt. Unserer unmaßgeblichen Meinung nach hätte der Eid dem Kläger gehört, dem nicht nur keine Unwahrheit nachgewiesen werden konnte, sondern deffen Behauptungen auch auf unbefangene Kenner des Berliner Arbeitsmarktes einen durchaus glaubhaften Eindruck machten. In den Bahnen des Reichsgerichts wandelte dieser Tage die Kammer IV. unter dem Vorsitz des Asseffors Leo, indem sie auf grund folgenden Sachverhalts das unten wieder- gegebene salomonische Urtheil fällte. Der Schlächter S., welcher bei dem Gastwirlh und Schlächtereibesitzer Schuhmacher in Stellung war, wurde von diesem ohne vorherige Kündi- gung entlasten, weshalb er eine Entschädigungsklage an- strengte. Beklagter erhob verschiedene Einwände gegen die Berechtigung der Klage, unter denen der schwerwiegendste und wobl einzig in betracht kommende der war, Kläger habe sich an den Zigarren des Chefs vergangen. Eine Zeugin beschwor denn auch, bestimmt gesehen zu haben, wie sich S. Zigarren aus einer Kiste genommen, welche dem Chef gehörte, und wie er eine der Erbeuteten angesteckt und geraucht habe. Hiervon hätte sie dem Beklagten am Tage der Entlassung des Klägers Mittheilung genmcht. allerdings er st nach der Entlassung. Unter folgender, sicher epochemachenden Begründung wurde der Kläger abgewiesen: Es stehe fest, daß sich Kläger widerrechtlich Zigarren angeeignet habe. Das sei aber«in gesetzlicher Grund zur Entlassung. Der Umstand, daß die Thatsache erst nach der Entlassung dem Beklagten zur Kenntniß gelangte, sei Nebensache. Im vorletzten Abschnitt des Z 123 der Gewerbe- Ordnung sei nur die Bedingung aufgeführt, daß die Entlassungsgründe, zu denen Entwendung zähle, dann nichtig seien, wenn sie am Entlassungstage dein Arbeitgeber länger als eine Woche bekannt waren. Das Gericht sei zu der Annahme gekommen, daß stichhaltige Gründe, die nach der Ent- lassnng bekannt würden, durchaus vor Gericht geltend gemacht werden könnten! Gevichls-Äettung. Eine an de» KriegSminister gerichtete Beschwerdcschrift hat dem Schankwirth Jean Bapust Z« n tz und dem Milchhändler Andreas I a b u r s ch eine Anklage wegen Beleidigung des Ritt» meisters und Eskadronschef von Ribbeck vom zweiten Garde- Dragoncr-Regiment zugezogen, welche gestern vor der neunten Strafkammer des Landgerichts I verhandelt wurde. Der erste Angeklagte hat früher bei dem genannten Truppentheil gedient und im vorigen Jahre ist auch sein Sohn bei demselben Regiment eingetreten. Der letztere hat wenig Freude vom Soldatenleben gehabt, eine Bestrafung folgte der anderen. Seinen Angehörigen klagt er, daß er be- sonders unter der Strenge seines Rittmeisters v. Ribbeck zu leiden hätte. Im März d. I. beauftragte Zentz seinen Freund, den Mitangeklagten Jabursch, eine Beschwerdeschrift an den Kriegsminister zu richten. Jabursch hat sich seiner Aufgabe in böchst ungeschickter Weise entledigt. Das Schriftstück winimelt von beleidigenden Ausdrücken. Der Rittmeister wird stets nur „der edle Herr" genannt. Derselbe scheue selbst die unlautersten Mittel nicht, um seinen Willen durchzusetzen und der unglückliche Dragoner sei ein Produkt der unedlen Handhabung des Edlen aller Edlen v. Siibbeck. In diesem Tone rst das ganze Schriftstück gehalten. Die Anklage behauptet, daß der Dragoner Zentz ein höchst schlapper Soldat und ein verwöhntes Muttersöhnchen ist, dessen strenge Behandlung beim Militär nur geboten war. Einmal sei derselbe ohne Urlaub vom Regiment fortgegangen. Als er durch einen Schutzmann bei den Eltern ermittelt wurde und»ach der Kaserne zurückgebracht werden sollte, habe der Dragoner erklärt, daß er mitgehen würde, wenn seine Mutter ihn begleiten dürfte. Es war seitens der Staatsanwaltschaft ein umfangreicher Zeugenapparat aufgeboten worden, um zu beweisen, daß der Sohn des Angeklagte» Zentz thatsächlich nur nach Ver» dienst behandelt worden ist. Im gestrigen Termine kam es nicht zu einer Beweisaufnahme, da die beiden Angeklagten sich direkt widersprachen. Während Zentz behauptete, daß Jabursch das beanstandete Schriftstück ganz eigenmächtig verfaßt und unterschrieben und er, Zentz, von dem Inhalte gar keine Kenntniß gehabt habe, erklärte Jabursch, daß er seinem Auftraggeber Zentz das Schreiben vorgelesen und der letztere den Inhalt desselben gebilligt habe. Da Jabursch sich für diese Behauptung aus Zeuge» berief, so muhte die Ver- Handlung vertagt werden. Angriffe der heftigsten Zlrt, die seit Jahren von dem rüheren Kirchendiener Karl T e ß m a n n gegen seine ehemalige Behörde, den Gemeinde-Kirchenrath zu St. Johannis in Moabit, sowie den an der St. Johannis-Kirche angestellten Küster Schulz gerichtet werden, haben endlich zu einem Strafversahre» gegen Teßmann geführt. Er sollte sich gestern vor der neunten Straf« kammer des Landgerichts I wegen Beleidigung verantworten. Teßmann hat seinen schlichten Abschied erhalten, wie er behauptet, zu Unrecht. Seine Zivilklagen ans Er- langung einer Pension sind inzwischen ohne Erfolg ge- wesen. Im Februar d. I. lud der Augeklagte zu einer öffentlichen Versammlung im Hohenzollernsaale ein, wobei er sensationelle Enthüllungen über die Zustände bei der Parochie zu St. Johannis versprach. Er schien es darauf abgesehen zu haben, eine Anklage zu erhalten, denn er trat mit den un- leheuerlichsten Beschuldigungen gegen den Küster Schulz hervor. ßr behauptete, daß derselbe Unterschlagungen begangen und um dieselben zu verdecken, die Bücher gefälscht habe. Der Gemeinde- Kirchenrath wisse von diese» Strasthatcn, ohne gegen Schulz ein- zuschreiten. Zur gestrigen Verhandlung drängten sich besonders die Einwobner Moabits, sie wurden aber in ihren Erwartungen zetäuscht, denn der Angeklagte berief sich auf so viel neue Zeugen, welche die Wahrheit seiner Behauptungen bestätigen ollten, daß der Gerichtshof glaubte, ihm diesen Beweis nicht abschneiden zu sollen, und deshalb die Verhandlung vertagte. Depeschen und letzke Racheichken. AngSburg, 13. August.(W. T. B.) Aus der Bahnstrecke Augsburg-Donauwörth fuhr in der Nähe der Station Oberhansen infolge falscher Weichenstelluug der Angsburger Schnellzug aus ein Nebengeleise, wo vier leere Viehwagen standen, zwei der letzteren wurde» vollständig zertrünunerl und die Böschung hinab- geworfen. Die anderen beide» sind stark beschädigt. Von der Lokomotive des Schnellzuges wurden die beiden Puffer und die vordere Wand eingedrückt, der Zylinder beschädigt. Von den Passagieren erlitten einige nur nnbedentende Prellwunden. Drei Schulkuabe», welche vom Felde kommend vor dem eingetretenen Regen Zuflucht in einem der leeren Wagen suchten, wurden chwer verletzt. Palermo, 13. August.(B. H.) In der Nähe von Syrakus, in Buchen, sind Banernunruhe» ausgebrochen. 800 Bauern stürmten das Rathhaus und plünderten dasselbe. Sodann zündeten sie den Gemeindewald an. Tie Carabimcri flüchteten; Militär wurde herbeigerufen. 30 der Ruhestörer wurden bisher verhaftet. Konstnntinopek» 14. August.(W. T. B.) In gut unter- richteten Kreisen wird die makedonische Bewegung trotz der neuer» dings aufgetauchten Banden als eingedämmt betrachtet. Es sei zwar ein weiteres Auftauchen kleinerer Bauden zu befürchten, da die Elemente, welche sich der Bewegung angeschlossen, nicht zu zügeln �seien. Ei» weiteres Ausbreiten des Räuberunwesens sei jedoch auch infolge der vermehrten türkischen Streitkräfte unmöglich. Gegenüber verschiedenen Zeitnngsinelduuge», daß weitere Truppe» nach Makedonien verlegt werde», wird konstatirt, daß das Heranziehen von 3000 Mann aus dem Vilajet Aidin(Klein-Asieu) deshalb erfolgt sei, weil der größte Theil des in der westlichen Balkan-Halbinsel liegenden 3. Armeekorps sich von dort ergänze. Verantwortlicher Redakteur: Max Pfnnd in Halensee. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu» Beilage. Beilage zum„Vomiirts" Berliner Volksblatt. Ur. 188. Mittwoch, den 14. August 1893. IZ. Jahrg. UoKsles. Parttigenosse» von Rixdorf! Nachdem die Volksver- samnilung voin 2i. Juli d. I. den Beschluß gefaßt hat. daß der „Vorwärts", wie die gesanimte Parteililcratur in eigener Regie der Partei vertrieben werden soll, ist es Pflicht eines jeden Ge- nosse», im Sinne dieses Beschlusses zu wirken und namentlich dafür zu sorgen, daß unsere Parteiorgane mehr als jetzt gelesen werden. Abonnementslisten liegen aus bei S ch ü d t, Kottbuser Damm 101; B a r t h e l, Hermannplatz 7; Hilpert, Karls- gartenstraße 1; H e i ck h a u s, Hermannstr. 52; Hertmann, Kirchhosstr. 1; Schimmkäse. Bergstr. 162; Wilhelm Krüger, Prinz-Handjerystraße; Jonas, Schönweiderstr. 31; Lehmann, Kirchhosstr. 23; S t o d t, Knesebeckstraße 44; R e tz e r a u, Berlinerstr. 79; H e i n e m a n n, Prinz-Handjerv- straße 10. Die Vertrauensperson. Die köuiglich preußische Sozialreform. Eine Reihe Morgenblätter vom Dienstag enthalten folgende Notiz: Bon deni Z i in m e r e r a u s st a n d auf dem Gelände der V erliner Gewerbe-Ausstellung, über den wir im gestrigen Abendblatt berichteten, geht uns noch folgende Meldung zu: Am Nachmittag versammelten sich die Ausständigen auf dem linksseitig von der Treptower Chaussee belegenen Thcile, um die am Fischereigebäude, dessen Zimmererarbeiten gleichfalls von der Firma Pumplun u. Ko. ausgeführt werden, beschäftigten Kollegen zur Arbeitseinstellung zu bewegen, was ihnen jedoch in nur sehr geringem Maßstabe gelang. Drei Leute hielten Ansprachen, und als sich einer, Hermann Göde, aufreizender Ausdrücke bediente, verhasteten ihn die herbeigerufenen Rixdorfer Gendarmen. Die Aus- ständigen selbst wurden von dem sechs Mann starken G e ndarmenaufgebot voni Terrain verwiesen und auf die Treptower Chaussee bis hinler die Verbindungsbahn zurückgedrängt, wo sich die Btenge zerstreute. Ein Theil der Zimmerlente, der sich an diesem Austritte nicht betheiligt hatte, nahm am Nachmittag die Arbeit wieder auf. Ei» größeres Aufgebot der Treptower und Rixdorfer Gendarmerie durch st reift die Gegend, um Ordnung zu halten. Hat der Staat der Sozialreform es nicht herrlich weit ge bracht seit dem 5. Februar 18S0, an welchem Tage die de- kannten kaiserlichen Erlasse erschienen, die von der staatlichen Pflege des Friedens zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern sprachen, und die ferner die Staatsbehörden an- wiesen, mit dem Arbeiter Fühlung zu behalten? Hätte am 5. Februar 1390 auch nur ein Mensch, die Sozialdemokratie aiisgenomnien, den Eifer zu ahnen gewagt, mit dem die Organe der Staatsbehörden, nämlich die die Gegend durch- streifenden Treptower und Rixdorfer Gendarmen, förmlich nach Fühlung mit den Arbeitern verlangen? Kann die Pflege des Friedens zwischen Arbeitgebern und Arbeit- nehmern wohl eine schnellere, energischere Förderung finden, als indem man den Arbeiter, der ein Wort zu viel sagt, ein- sperrt? Boshafte Menschen hätten alle Ursache, der königlich preußischen Sozialreform, Jahrgang 1895, die weiteste Aus- dehnung zu wünschen, wenn sie nicht im Reiche der Gottesfurcht und srommen Sitte bereits seit langem weit und breit prallizirt würde. Neber die soziakreformatorische Thätigkeit der preußischen Behörden beim Treptower Zimmererstreik berichten die Abend- blätter mit Behagen des weiteren: Der Zimmererstreik auf dem AusstellungSplatz ist wirkungslos verlaufen. Heute früh waren über fünfzig Zimmerlente an dem Hauptgebäude beschäftigt, worunter sich mehr als dreißig besanden, die ani Montag milstreikten: von den letzteren wurden jedoch noch vor der Frühstückspause mehrere entlassen, weil sie unter den Arbeitenden für den Streik agitirten. Bei dem Arbeitsantritt waren sechs berittene und vier Fußgendarme anwesend; Zwischensälle sind nicht vor- gekommen, man bemerkte nur hier und da auf der Treptower- Chaussee kleine Gruppen von Streikenden, die sich bald wieder zerstreuten. Nachmittags werden die Arbeiten in vollem Umfange wieder aufgenommen werden, da für die Streikenden bei dem großen Arbeiterangebot schnell Ersatz gesunden worden ist. Der Magistrats-Kommissar für die Orts- und Betriebs- Krankenkassen erläßt mit dem Datum vom 5. August er. folgende Bekanntmachung: Nachdem die hiesige Allgemeine Orts-Krankenkasse gewerb- licher Arbeiter und Arbeiterinnen beantragt hat, der„Berliner Asphalt-Gesellschast Kopp u. Ko. zu Berlin" die Gründung einer eigenen Betriebs-Krankenkasse aufzugeben, hat der Herr Ober- Präsident von Berlin durch Erlaß vom 25. Juli d. I.— O. P. 9888— angeordnet, daß den von der genannten Gesell schafl beschäftigten Personen Gelegenheit zu einer Aeußerung über die geplante Errichtung einer Betriebs-Krankenkasse zu geben ist. Diese Personen werden daher hiermit von dem Antrage der Allgemeinen Orts-Krankenkasse mit dem Bemerken in Kenntniß gesetzt, daß von ihnen binnen drei Wochen vom Tage der Ver öffentlichung dieser Bekanntmachung schriftlich oder mündlich im Bureau des unterzeichneten Magistrats-Kommissars, Stralauer- straße 3—6, Zimmer 13, gegen die Errichtung der Betriebs- Krankenkasse Widerspruch erhoben werden kann. In dieser Bekanntmachung betritt das öffentliche Ankündigungs- wesen ein neues und wichtiges Gebiet. Bisher haben wir die Bekanntmachung nur im„Gemeinde-Blatt" gesunden und wir möchten bezweifeln, daß auch nur einer von den Betheiligten sie dort zu Gesicht bekommen hat. Nichtig ist ja, daß die ganze Angelegenheit nur für einen engeren Kreis von Personen ein uninittelbares Interesse hat, aber zedenfalls ist die Veröffentlichung dieser Bekanntmachung im„Gemeinde-Blatt" die allerunzweck- mäßigste. Waren die Großen auf dem Rathhause im Zweifel, wie die Angelegenheit am besten zu behandeln sei, so hätten sie sich nur an die Adresse einer der ja wohl ziemlich zahlreichen Persönlichkeilen zu wenden brauchen, die in der Berliner Arbeiter- bewegung einige Bedeutung erlangt haben und von denen wir mit Sicherheil annehmen. daß auch ihre Adressen auf der Polizei nicht ganz unbekannt sind. Jeder dieser Männer würde den Magistrat auf das unzweckmäßige der vorliegenden Art seiner Bekanntmachung nicht blos, sondern der ganzen Be- Handlung der Angelegenheit aufmerksam gemacht haben. Asphalt- arbeitet, die bei der jetzigen Temperatur ihre Tagesarbeit voll- endet haben, dürften kaum Lust verspüren, sich nach Feierabend mit schriftlichen Ausklärungen für den Magistrat zu befassen und wenn die Leute von der Arbeit hinweg ins Magistratsbureau sich begeben wollten, so würde das den Herren dort auch wenig passen, denn man verkehrt dort nicht gern niit Leuten, die nun einmal bei ihrer Arbeit sich nicht ganz sauber halten können. Sollte hier etwas Praktisches erreicht werden, so mußte man sich an die Betheiligten unmittelbar wenden. Ueber die hierzu geeignete Form ist kaum ein Arbeiter in Zweifel. Haben wir denn unser Versammlungsrecht blos dazu, damit man sich ängst- lich hütet, davon Gebrauch zu machen, aucki in Fällen, wie dem vorliegenden, wo es die einzig zweckmäßige Form zur Erledigung einer öffentlichen Angelegenheit bot? Wenn man an gewissen Stellen heute auch ängstlicher als je vor einem Mißbrauch des Vereins- und Versammlungsrechtes besorgt sein mag. so hat der Magistrat keinen Grund, diese ganz unberechtigte Besorgniß so zu bethäligen, wie er das augenscheinlich in diesem Falle thut. Auch sonst sind ja in Kassennngelegenhciten öffentliche Versamm- lungen sogar gesetzlich vorgeschrieben. Warum trägt man denn hier Bedenken, zu diesem nach Lage der Sache zweckmäßigsten Mittel für die gewünschte öffentliche Erörterung zu greifen? In Sachen Jwanoff n»d Naynoff erhalten wir von Herrn Krebs, dem wegen der famosen Dynamitgeschichte längere Zeit unschuldig in Untersuchungshaft gewesenen Anarchisten, eine Zuschrift, in der entschieden gegen die in einem Theil der Presse enthaltene Unterstellung Verwahrung eingelegt wird, als habe Herr Krebs mit den nunmehr freigesprochenen bulgarischen Studenten in politischer Beziehung gestanden. Dies sei schon aus dem Grunde unmöglich gewesen, weil die beiden Bulgaren das Deutsche nur radebrechten und sich schwer ver- ständlich machen konnten. Auch hat Herr Krebs niemals anarchistische Schriften im Zimmer der Studenten gesehen, während diese sich bei ihm eingemielhet hatten, noch hätte von Versammlungen bei ihnen die Rede sein können; es sei denn, man betrachte das Abendbrot, welches Raynoff mit zwei oder drei Freunden hier und da auf seinem Zimmer theilte, spitzelhaften Argwohns voll, als geheime Zusammenkünfte. Wie wir noch erfahren, sind die jungen Leute vor ihrer Ausweisung ans Preußen noch zum Unterschreiben eines Reverses veranlaßt worden, in dem von ihnen als von revolutionären Sozialisten resp. Anarchisten die Rede ist. Herr Krebs ver- sichert noch, daß er von dem Unglück, welches die beiden Studenten betroffen, und seiner bezeichnenden Ursache erst ini Gesängniß Kenntniß erhalten habe. Wie von Amts wegen die geistige Arbeitskraft ent- lohnt wird. In der ersten Beilage des„Lokal-Anzeigers" Rr. 373 findet sich folgende Anzeige: Bei der Gemeinde- und Amtsverwaltung Hierselbst können zum 1. Oktober d. I. zwei und zum I.April k.J. drei junge Leute, welche die Abschlußprüfung eines Gymnasiums, Realgymnasiums, einer Obcr-Realschnle bestanden haben, oder das Reifezeugniß einer Iiealschnle besitzen, nicht über vier- u n d z w a n z i g I a h r e a I t s i n d u n d sich d r e i I a h r e lang aus eigenen Mitteln oder durch Unter- st ü tz u n g ihrer Angehörigen standesgemäß zu erhalten vermögen, als Zivil-Supernnmerare eintreten. Schriftliche Gesuche mit Schulzeugnissen, Lebenslauf, Sustentalions- und cvent. Veschästignngs- und Führungsatlesten sind thunlichst bis zum 1. September d. I. an mich einzusenden. Schüneberg, den 7. August 1893. Ter Gemeinde- und Amts- Vorsteher. Drei Jahre umsonst arbeiten; was soll nian mehr von einer Gemeinde in nächster Nähe der Hauptstadt des Staates der Sozialreform verlangen? Ter Telbstiiiord der kleinen zehnjährigen Frühstücks anstriigeri» Sclma Torn hat einen Ordnungsinau» aus seiner sausten Ruhe ausgescheucht, und in einer Zuschrift an sein Leifr und Magenblatt, die„Vossische Zeitung", läßt er sich solgender maßen aus: „Dieser traurige Vorgang ist auf Mißstände zurnckzusühren, die nicht s ch b r f genug zu v e r u r t h e i l e n s i n d. Zu- nächst das leidige Fnihstiicksaustragen durch Schulkinder. Das Gesetz schützt Jugendliche vor Nachtarbeit schon bei Beginn der Nacht, warum nicht bei deren Ausgang? Ter Berliner Ge- mcindelehrer weiß am besten, wie diese bedauernswerthen Kinder zn leiden haben. Schlaff und abgespannt sitzen sie da und ver- mögen nicht dem Unterricht zu solgcn, auch wenn sie sonst zu den intelligenteren und g e i st i g regen Schülern ge- hören. Und ist das ein Wunder? In frühem Morgengrauen, im Winter im Stockdunkeln, werden die armen Kinder, schlaftrunken und matt, vom Lager gerissen Nüchtern eilen sie nach der Bäckerei, erhalten dort eine Menge Beutel, die in knapp bemessener Zeit oft in recht zerstreut liegende Häuser auszutragen sind. Wie oft sieht man nicht diese kleinen zitternden Mädchen und Burschen an dunkeln kalten Wintcrmorgen vor noch verschlossener Hansthür kauern! Und dieser Arbeit Entgelt? Drei Mark im Monat, wenn nicht davon noch ein Fehlen an Backwaare zn ersetzen ist, an deni natürlich immer der kleine?l u s t r ä g e r s ch u l d i st. Das ist der Verdienst für eine tägliche zweistündige Thätigkeit. zu einer Zeit, die der Ruhe aus Kosten der Gesundheit entzogen ist. Doch nicht genug mit diesem Mißbrauch der Kinderarbeilskrast, den die Ellern, leider nicht immer durch die Roth gezwungen, ge- statten.(Kann der Verfasser einen solchen Fall namhaft machen? R. d.„V.") Wie das Beispiel der kleinen Torn zeigt, mußte sie nicht nur den Austräger, sondern auch den Kassirer inachen. Wenn wirklich dann die Kleine, wie behauptet wird, Geld unter- schlagen hat, wen trifft die Schuld? Sicher nur den, der einem zehnjährigen Kinde Kassengeschäfte über- trägt, das außerdem auch den Behauptungen der Kunden, wenn diese unehrlich sein wollen, schutzlos gegenübersteht. Die Behörde verbietet ja Kindern so manches, z. B. den gewerbs- mäßigen Straßenhandel,. den Besuch von Vergnügungsstätten und so weiter. Sehr recht! Warum denn aber nicht das Ans- tragen von Waaren vor Schulansaug? An gereifteren Kräften, die diese Arbeit gern thun möchten, ist gewiß in Berlin kein Mangel. Zum Schluß sei noch eines zu erwähnen gestattet. Von Zeit zn Zeit läuft die Meldung durch die Blätter, daß ein Handluugslehrling. der mit bedeutenden Beträgen zur Bank oder zur Post geschickt wurde, nicht wieder gekommen ist und mit dem Gclde das Weite gesucht hat. Ist es aber denn durchaus nothwendig, so junge, kaum der Schule entwachsene Leute mit oft sehr bedeutenden Summen in Versuchung zu führen?" Das sind Vorhaltungen, die man sonst meistens nur von sozialdemokratischer, also umstürzlerischer Seite zu hören gewohnt ist. Sie werden auch nicht allzulange die Ruhe des Philisters stören. Sobald das unglückliche Opfer der modernen Aus- beutungssucht begraben ist, wird der Fall auch wieder vergessen fein, und die niodern-kapitalistische Auslegung des Bibelworls „Lasset die Kindlein zu nur kommen" wird nach wie vor bei den besten Staatsstützen ihre Geltung behalten. Die Zahl der Geburten scheint in Berlin 1895 wiederum hinter der des Vorjahres zurückbleiben zu wollen. Nach den Monatsberichten des„Kaiserlichen Gesundheitsamtes", die jetzt bis Juni veröffentlicht sind, wurden im ersten Halbjahr 1895 24 342 Kinder(23 451 lebend, 891 todt) geboren. Dagegen wurden in demselben Zeitraum des Vorjahres iiack, Angabe der 1894er Monatstabellen des„Gesundheitsamtes" in Berlin 24 654 Kinder (23 853 lebend, 861 todt) geboren, also über 300 mehr. Für die Kinder im jüngsten Alter, die Säuglinge, ist, wenn sie krank werden, in Berlin noch herzlich schlecht gesorgt. Nur ein einziges Krankenhaus, die königl. Eharitce, nimmt Säuglinge zur Behandlung auf, die mit inneren Krankheiten behaftet sind. Das Augustahospilal behandelt zwar auch Säuglinge, aber nur äußerlich erkrankte. Alle anderen Krankenhäuser nehmen nur Kinder auf, die mehr als ein Jahr alt sind. Bei dieser Lage der Dinge ist eS selbstverständlich, daß die für sie zur Verfügung stehende Abtheilung der Charitee mit Säuglingen überfüllt ist, und daß eine große Anzahl der armen kleinen Wesen abgewiesen werden muß, um nun nirgends ein Unterkommen zu finden. Was das sür den Heilprozeß und die Ernährung der Kinder in der Großstadt heißt, bedarf keiner weiteren Ausführung. Sollte es nicht möglich sein, wenn man nicht gleich ein besonderes Kranken« haus für Säuglinge bauen will, dem Uebelstande zunächst dadurch abzuhelfen, daß man in allen Krankenhäusern Abtheilungen für Säuglinge einrichtet? Die Wirkung einer solchen Maßregel würde wahrscheinlich schon recht bald in der Statistik der Kinder« sterblichkeit zum Ausdruck kommen. An Rrechdnrchfalf, Diarrhoe und Mageu-Darmkatarrh sind auch im Juli dieses Jahres in Berlin bedeutend mehr Personen gestorben als in demselben Monat der letzten Jahre. Nach Ausweis der bis jetzt vorliegenden Wochenberichte des „Statistischen Amtes der Stadt Berlin" starben in den vier Wochen vom 30. Juni bis 27. Juli 1895 an: --°«° ir ä--'-mm-» 1 52 139 48 239 2 66 150 53 269 3 45 169 65 279 4 69 195 50 314 im ganzen 232 653 216 1101 u'nhN9» 225 652 211 1088 In den vier Wochen vom 2. bis 29. Juni 1895 waren an den genannten Krankheiten zusammen 81, 96, 116, 147, im ganzen 440 Personen gestorben. Die Zunahme von Woche zu Woche hat beim Brechdurchfall(und infolge dessen auch bei der Summe) auch im Juli fortgedauert. Die stärksten Opfer hat der Sommer bisher wieder in den vorwiegend von Arbeitern bewohnten Stadtlheilen gefordert, besonders auf dem Wedding, in der Oranienburger Vorstadt, Rosenthaler Vorstadt, Stralauer Viertel und Luisenstadt jenseits des Kanals. Tie neue Haltestelle Mahlsdorf an der Ostbah«, zwischen Kaulsdorf und Hoppegarten, soll am 1. September in Betrieb genommen werden. Die Fahrpreise dorthin sind vom Schlesischen Bahnhof, Jannowitzbrücke und Alexanderplatz II. 5il. 30 Pf., III. Kl. 20 Pf.; von den Stadtbahnstationen Börse bis Thiergarten 45 oder 30 Pf.; vom Zoologischen Garten 55 oder 35 Pf. und von Charlottenburg 60 oder 40 Pf. Städtisches Obdach. Im Juli 1395(verglichen mit 1894 und 93 wurden nächtlichObdachlose aufgenommen der Polizei ausgeliefert Männer Frauen Personen Personen von je 1000 1895 8 980 931 8 961 203 21 1894 10 419 949 11 363 330 29 1893 11933 836 12 819 315 25 Im Familien- Obdach besanden sich am 1. Juli ani 1. August 1895 22 Familien mit 90 Personen 14 Familien m. 60Pers. 1894 55„„ 217„ 34..„ 112.. 1394 76„„ 243„ 63„„ 239 Von einer Besserung der Erwerbsverhältnisse, die manche Leute aus der— durch künstliche Mittel bewirkten— Abnahme der Frequenz des Obdachs beweisen wollen, hat die Arbeiter« bevölkerung noch nichts gemerkt. Ueber eine entsetzliche Polizeithat weiß die„Germania" das folgende zu berichten: In der Nähe von Luckenwalde ist seit etwa zehn Tagen eine kriegsstarke Kompagnie des bayerischen Eisenbahnbataillons, welche unter Führung des Hauptmanns Frhr. v. Godin an den Nebungen der preußischen Eisenbahn- brigade theil nimmt, auf den Dörfern einquartirt. Nachts ge- riet'h ein Mann dieses Bataillons, welcher in Jänickendors, wo er einquartirt lag, in Zivilkleidung ausgegangen war, mit dem dortigen Nachtwächter in Konflikt, wobei er von dem Nacht- wächier derartig gestochen wurde, daß er liegen blieb. Nach einer Version soll der Soldat bis zum Morgen hilflos liegen geblieben sein, ohne daß der Nachtwächter Anzeige erstattet hätte. Der Schwerverletzte wurde alsdann nach dem Luckenwalder Kranken- Hause gebracht und ist dort an den Folgen der Verwundung ge- storben. Näheres über die in manchen Punkten noch dunkle An- gelcgenhcit dürste die sofort eingeleitete Untersuchung ergeben. Die Achtung, welche das Unternehmerthum der sogenannten Ülrbeiterschutz-Gesetzgebung entgegenbringt, wird durch nachstehende Mittheilnng, die wir einer mit polizeilichen Kreisen in Fühlung stehenden Korrespondenz entnehmen, drastisch illustrirt: In bezug auf die Sonntagsruhe sieht in der letzten Zeit die Polizei den gewerblichen Arbeitgebern sehr scharf aus die Finger. Fabriken und ähnliche Anlagen werden jetzt häusig revidirt. Daß das nicht überflüssig ist, zeigt ein Fall, in dem ein Reviervorstand an einem Sonntage aus einem einzigen Grundstück nicht weniger als vier Arbeitsstellen fand, auf denen der Betrieb nicht ruhte. Eine wahre Panik herrschte in der Nacht vom Sonntag zum Montag auf einigen von Friedrichshagen nach Berlin zurück- kehrenden Dampfern. An der Oberbaum-Brücke waren keine Signallaternen oder sonstige Beleuchtungsapparate angebracht, so daß die Führer der Fahrzeuge die Durchfahrt im Dunklen suchen mußten, wobei es sick ereignete, daß die Schiffe mehrmals an die Pfeiler prallten. Das zahlreiche auf den Dampfern anwesende Publikum gab, nachdem es sich von dem ersten, nicht geringen Schrecken erholt hatte, laut seinen Unniuth kund. Ueber die Haltung der Schiffsmannschaft wurde in den Lokalen, in denen die Passagiere nach beendeter Fahrt eingekehrt waren, nur lobendes erwähnt. Zwar heißt es, daß nach Fertigstellung der Brücke dergleichen„Unregelmäßigkeiten" nicht mehr vorkommen würden; jedoch hat das Publikum schon jetzt ein Recht darayf, daß dergleichen schreiende Mißstände beseitigt werden. Spät„ingesattelt hat ein Mediziner, der seit dem 17. Ok« tober v. I. der hiesigen Universität als akademischer Bürger an- gehört. Es ist der Oberstlieutenant a. D. Haberecht, der früher als Major im 95. Jnsanterieregimente stand. Infolge von Alkoholisnins hat sich beb 17jährige Schrift- setzet- Lehrling Max Freimuth aus der Arndtstraße eine Herz- lähmung zugezogen. Der junge Mann kam Dienstag früh gegen 2i/s Uhr nach Hause und wurde eine halbe Stunde später von einem heftigen Erbrechen befallen. Bevor noch ärztliche Hilfe herbeigeholt werden konnte, hatte eine Herzlähmung seinem Leben ein Ende gemacht. Nicht gelinde Aufregung herrschte vergangene Woche in dem Hause Provinzsir. 79 in Reinickendorf. Dort war bei dem Bäckermeister Hermann Günther das Dienstmädchen Ida H. seit einigen Wochen in Stellung. In der verflossenen Woche war es den Nachbarn aufgefallen, daß das Mädchen meistens auf der Haustreppe kampirte, dort ihr Essen einnahm nnd auch sonst die es selber betreffenden Arbeiten verrichtete. Auf Befragen erfuhren sie von den, Mädchen, daß die Herrschast sie nicht mehr in ihrer Wohnung dulden wollte. Sie müsse m einem engen, dunkeln Raum schlafen, der früher als Hühnerstall benutzt worden sei, und jedenfalls dadurch habe sie Ungeziefer am Körper bekommen. Als die Herrschaften dies bemerkt hatten, hätten sie ihr streng verboten, die Wohnung wieder p> betreten, dcis Essen sei ihr fortan auf die Treppe hinausgereicht worden. Dabei zeigte das Mädchen den Nachbarn enien Blechlopf, in dem ihr Weißbier gereicht morden war; ans dem Boden sah man noch den Kaffeesatz vom Morgen her; dies sei das einzige Trinkgeschirr, erklärte das Mädchen, welches von ihm benutzt werden dürfe. Am Mittwoch, so erzählte Ida H. weiter, sei ihr von der Herrschaft angekündigt worden, daß ihre Arbeiten fortan von einer Arbeiterfrau verrichtet würden; für den Lohn, den diese Frau bekäme, hätte s i e auszukommen. Die Bäckermeister Günther- scheu Eheleute gelte» in der Nachbarschaft für sehr fromm; morgens, mittags und abends fleht der Hausherr den Segen des Himmels aus sein löbliches Thun herab. Inzwischen haben die Herrschaften das Mädchen entlassen, auch den rückständigen Lohn herausgezahlt, haben aber merkwürdigerweise vergessen, das Kostgeld für die Zeil zu bezahlen, in der das Mädchen zwar aus dem Haushalt entlassen, seine Kündigungsfrist aber noch nicht abgelaufen war. Spurlos verschwnllden ist feit Montag Morgen der 20jährige Kommis Otto Grätz, nachdem er vermuthlich 3000 M. unterschlagen hat. Der junge Mann war seit vier Jahren bei der Firma Blumenthal u. Ko. in der Alten Schönhauserstr. 46 angestellt. Seine Prinzipale sandten G. am genannten Morgen gegen 9 Uhr nach der Nationalbank, um dort einen Wechsel über 8060 M. einzulösen. Auf dem Bureau dieses Bankkomptoirs ist G. jedoch nicht gewesen, noch kehrte er nach dem Geschäft, oder nach seiner am Weinbergsweg 11 belegenen Wohnung zurück. Es ist somit anzunehmen, daß der Kommis, der übrigens vom 1. Oktober d. I. an in den Postdienst übertreten wollte, den obigen Betrag unterschlagen hat und flüchtig geworden ist. Gesperrt sind für Fuhrwerke und Reiter die Kopnickerstraße von der Wusterhansener- bis zur Michaelkirchstraße, die Schlesische Straße vom Schlesischen Thor bis zur Cuvrystraße; vom 16. d. M. ab die Hermsdorferstraße von der Ackerstraße bis zur Hussilen- straße, sowie die Wollinerstraße von der Rheinsbergerstraße bis zur Bernauerstraße. Bewnsttlos wurde gestern Morgen um 9»/« Uhr vor dem Hanse Schiffbauerdamm der 14jährige Hausdiener Rich. Richter ausgefunden, der bei dem Gastwirth Geisler in der Chausseestr. 93 in Stellung ist. Ein Schutzmann brachte den Kranken mit einer Droschke in eine Anstalt. Der skalpirte Knabe, der sechsjährige Bruno Heinrich, dem am 36. v. M. in Heinersdorf der Kettenhund eines Bauern die Haut vom Kopfe riß, ist überraschend schnell wieder hergestellt worden. Die furchtbaren Verletzungen sind bereits soweit wieder geheilt, daß der Knabe am Montag aus dem Krankenhause zu seinen Eltern entlassen werden konnte. Ein Scharmützel mit Wilddiebe» hat in der Nacht zum vorigen Sonntag der Pächter der Bohnsdorser Gemeindejagd, Herr Schulz aus Berlin, durchzumachen gehabt, der sich gegen l/24 Uhr morgens mit einem Freunde auf dem Anstand befand. Als die beiden Jäger noch etwa 360 Meter von der Jagdhütte entfernt waren, erblickten sie fünf Mann in voller Jagdausrüstung, begleitet von einem großen Newfoundländer Hunde. Herr Sch. rief die Fremden an, als diese jedoch sich schnell eutferliteiv feuerte der Jagdpächter zweimal, worauf der Hund zusammen� brach; darauf blieben die Wilderer stehen, einer derselben legte auf Herrn Schulz an, traf jedoch nicht, sondern das Geschoß schlug kurz vor dem Staudort des Jagdinhabers in einen Baum ein. Hierauf ergriffen die Fremden die Flucht und entkamen über das Bohnsdorfer Feld nach Grünau, den angeschossenen Hund mit sich nehmend. Ter Hnfeisenfabrikant Ehrlich ans der Großen Ham burgerstraße ist, dem„Kl. I." zufolge, geflüchtet, nachdem er eine Menge kleiner Leute um ihr Geld gebracht hat. An der Notzkrankheit ist hier der 40 jährige Diener Albert Ackermann gestorben, der in der Thierärztlichcn Hochschule an der Philippstraße 13 wohnte. Ackermann hatte sich an einem rotzkranken Pferde angesteckt und deshalb am 3. d. M. ei» hiesiges Krankenhaus aussuchen müssen. Hier ist er am Sonntag Mittag der Krankheit erlegen. Die Notzkrankheit, die von Pferde» auf Menschen übertragen wird, endet in höchstens 3 bis 4 Tagen stets mit dem Tode. Polizeibericht. Am 12. d. Mts. vormittags versuchte ei» Glaser in seiner Wohnung in der Markgrafenstraße sich mittelst Kohleudunst zn vergiften. Er wurde auf ärztliche Anordnung ins Krankenhaus gebracht.— Am Maybach< User wurde im Landwehrkaual die Leiche eines etwa llöjährigen Mannes an S geschwemmt.— Nachmittags wurde in der Oranienstraße«in iebcujähriger Knabe durch eine Droschke überfahren und an beiden Füßen verletzt.— Abends wurde eine Frau in ihrer Wohnung in der Mathieustraße mit einer schweren Schnittwunde am Halse todt aufgefunden. Es liegt offenbar Selbstmord vor. --- Ii» Lause des Tages fanden unbedeutende Feuer statt. WitteruugSiibersicht von» 13. Angust 1895. Wetter-Prognose für Mittwoch, 14. Zlngnst 1895. Warmes Wetter mit schwachen, südwestlichen Winden, ver- änderlicher Bewölkung, etivas Regen und Gewitterneigung. Berliner Wetterbureau. Gerichks Mmg. Anfreizuttg zum Klasseuhast sowie Verbreiten polizeilich verbotener Schriften wurde den Buch Händlern Louis Steding und Hans Baake zur Last gelegt, welche sich wegen dieser Strafthaten vor der Vll. Strafkammer des Landgerichts I zu verantworte» hatten. Steding befindet sich seit dem 3. Juni d. I. in Untersuchungshaft, während Baake auf freiem Fuße ist. Ten Vorsitz führt Land- gerichtsdirektor Voigt und die Anklagcbehörde wird durch den Staatsanwalt Strehler vertreten. Bei Eintritt in die VerHand- lung beantragt der Staatsanwalt den Ausschluß der Oeffentlichkeit, weil die öffentliche Ordnung gestört werden könnne. Rechtsanwalt S o n n e n f e l d, als Vertheidiger des ersten Angeklagten, wider- spricht diesem Antrage als unbegründet, stellt es aber dem iGerichtshofe anheim, bei Verlesung der Schriften die Oeffeutlich� keit auszuschließen. Der Vertheidiger des Angeklagten Baake. Rechtsanwalt Heine, beantragt völlige Ansrechterhallung der Oeffentlichkeit, da die Schriften bereits in Hunderttausenden von Exemplaren verbreitet und gewissermaßen in aller Munde seien, ohne daß die Ordnung gestört worden sei. In dem beschränkten Kreise von Zuhörern werde dies erst recht nicht der Fall sein.. Er halte sich grundsätzlich für verpflichtet, jeder u n n ö t h i g e n Ein Buchhändler Hab- nrnnals Beschränkung der Oeffentlichkeit zu widersprechen. Der Gerichts- Hof lehnt nach längerer Berathung den Antrag des Staats- amvalts ab. Während der ganzen Dauer der Verhandlung bleibt die Oeffentlichkeit aufrechterhalten. Bei der Vernehmung wird dem Angeklagten Steding vorge- halten, folgende seit Dezember 1894 verbotene Schriften und Bücher weiter verbreitet zu haben: I.„Das Liederbuch für das arbeilende Volk", viertes bis fünftes Zehntausend, London 1892; 2. den„Pfaffenspiegel", 7. Auflage; 3. das Buch„Die Geißler", ein Ergäuzungswerk zum Pfaffenspiegel. Baake»vird blos be- chuldigt, an Steding 2 Exemplare des„Pfaffenspiegel" abge- lassen zu haben und giebt dies zu. Dagegen will er weder den Inhalt des Pfaffenspiegels genau gekannt noch gewußt haben, daß auch die siebente Auflage beschlagnahmt war. Steding ist Inhaber der Mayhöfer'schen Buchhandlung und bezog früher auch Bücher von Harnisch u. Teistlcr. Diese beiden wurden am 8. November vorigen Jahres verhaftet und am 17. Januar d. I. wegen Verbreitung verbotener Schriften zu anderthalb bezw. einem Jahre Gefängniß verurtheilt. Die Anklage legt auf seine Verbindung mit Harnisch besonderen Werth, während Steding erklärt, Sozialist zu sein, während Harnisch zu den Anarchisten gehöre. Bis zum 23. September vorigen Jahres hat Steding,»vie er zugesteht, die angeführten Schriften vertrieben, seitdem will er es aber nicht mehr gethan haben, während die Anklagebehörde behauptet, daß er sie bis zu den am 6. und 7. Juni d. I. erfolgten Haussuchungen im Ge- chäfte geführt haben soll. Gegen das Liederbuch ist wie schon oft die Anklage wegen Aufreizung zu Geivaltthätigkeiten erhoben, gegen den„Pfaffen- 'piegel" wegen Beschimpfung der katholischen Kirche, und weil er „unzüchtig" sei. Der Gerichtshof beschließt die Titel der Kapitel, sowie einzelne Verse und Abschnitte aus den beschlagnahmten Büchern zu verlesen. Nachdeni niehrere Stellen bereits verlesen sind, be- antragt der Staatsanwalt noch einmal, die Oeffentlichkeit aus- zuschließen, weil einige Stellen höchst anstößig seien. Dies»vird zunäckst ohne weiteres abgelehnt, weil das Gericht sich bereits chlüssig gemacht hätte, dann aber mit Genehmigung des Auge- klagten doch für einige kleine Stellen beschlossen. Für die Zuhörer ist das Verlesen sehr unverständlich, einerseits weil d»e Ver- Handlung iin großen Schivurgerichtssaale stattfindet, der bekannt- lich eine sehr schlechte Akustik hat, vielleicht auch»veil die Stinnne des vorlesenden Richters in der vorgerückten Stunde etivas sch»vächer klingt. Bei der„Legende von den Dominikanern" bittet ei» Ver- thcidiger, die Stelle» ausführlicher zu verlese», da es nicht mög- lich sei, ans einzelnen herausgerissenen Sätzen ein klares Bild zu gewinnen. Es»vird ferner festgestellt, daß die Exemplare des Pfaffen- spiegels, die Baake au Steding geliefert hatte und die bei Steding beschlagnahmt worden sind, auf dem Teckel als 5. Auflage, auf dem Titelblatt als 7. bezeichnet sind und daß ihr Text der 7. Auflage entspricht. Uebrigens sind beide Auflagen beschlagnahmt. Die Anklage»vill jedoch in diesem Umstände eine besondere List der Angeklagten erblicken. Ebenso darin, daß bei Steding nichts vorgefunden»vnrde, als die Polizei das erste Mal bei ihm haussuchte. Erst bei der zweiten am 7. Juni erfolgten Haussuchung »vrlrden Bücher hinter dem Regal versteckt bei Steding vor- gesunden, soivie eine Kiste mit Schriften,»velche sich bei einer Haitsbeivohnerin, der Grünkramhändlerin Rührmund, befand. Steding»vill die Kiste ihr nur aus Raummangel zur Auf- bewahrung gegebei», keinesivcgs sie dort verborgen haben. Die Zeugenvernehinnng bcgairn mit den» Schutzmann D r o n» e y e r, der unler dem Nainen C a s p a r y»viederholt bei Steding gewesen war und sich verbotene Bücher bestellt und glücklich auch den Pfassenspiegel zugesendet erhalten hatte. Rechts- anivalt Sonnenfeld protestirte gegen seine Vereidigung,»veil er als„Theilnehmer" angesehen»verde», müßte. Der Gerichtshof lehnt diesen Antrag ab,»veil der Zeuge als Polizeibearnter gehandelt habe und deshalb(!) das Moment�der Rechts- »v i d r i g k e i t fehle. Ter bei Steding in Stellung gewesene Lehrling Barde- leben bekundet, daß er vier Liederbücher gesehen habe, von den anderen Schriften»rußte er aber nichts. Ob dieselben verkauft oder die kritische» Stellen aus denselben herausgeschnitten seien, darüber konnte der Zeuge keine bestimmte Aussage inachen. Tie Ehefrau des Angeklagten»nachte von ihrem Rechte der Zeugnißveriveigernug Gebrauch. Sie lebt mit dem D e n u»- z i a n t e>» S ch ü l e r i» K o n k u b i n a t»» n d sie w a r e s auch,»velche der Polizei alle Ver st ecke ver- r a t h e n hat. Tie Schivester der Ehesra», Frl. Triller, hat dagegen die Liederbücher nicht nur gesehen, sonder»»veiß auch, daß dieselben verkaust»vorden sind. Ob Seite» herausgeschnitten sind, weiß Frl. Triller nicht, aber sie bekundet, daß kurz vor Oster» ei» „Pfaffeuspiegel" verkauft wurde. Drei»veiter vernommene Zeugen können nichts Bestimmtes aussage». Der Kriminalbeainte Diener,»velcher die Beschlagnahme im Jilni ausführte, schilderte,»vie er hinter einem Regal ei» „Liederbuch" gefunden habe. Bei der Zengenvernehniung bekundeten der Lehrling Barde- leben soivie Fräulein Triller ganz gleichmäßig, daß,»venu jemand Nachfrage nach dem„Liederbuch" hielt, demselben stets ge- antivortet»vurde:„der Chef ist nicht da". Die Reflektanten »nißte» ihren Namen nennen, damit ihnen das Verlangte ins Haus geschickt»vurde. Wiederholt ist eine Anzahlung angenommen »vorden, ob alsdann die Lieferung ausgeführt»vurde, darüber müßten sie nichts, jedenfalls liefe» niemals Reklamationen wegen des ange- zahlten Geldes ei». Bezüglich der„Geißler" wurde festgestellt, daß sie nicht Eigenthun» des Angeklagten»varen, sondern derselbe sie nur zum Einbinden erhalten hatte. Aus Stcding's Büchern»vurde» zienilich viele Fälle fest- gestellt, i» denen der Psaffenspiegel oder Liederbücher an nicht genannte Kunden verkaust»vorden»vare». Auf Antrag des Rechtsanivalts Heine wurden noch Stellen ans dein Pfaffensviegel verlesen. Hieraus sollte hervorgehen, daß dieselben aus sittlichem Ernste und zu sittlichen Zivecken ge- schrieben»vurde», nicht aber, um die Unzucht anzuregen. Staatsanwalt Strehler hiel durch die Zeugen und be- schlagnahniten Schriften die Anklage für erwiesen. Das Gericht dürfe daher,»venn es auch nur einzelne Handlungen sestznstellci» inöge, nicht et,va glauben, nur»regen dieser Handlungen ver- urlheilcn zn können, vielmehr seien die einzelnen Fälle garnicht nothivendig, sondern eine allgemeine Feststellung genüge, i» wie großein Umfange es die Angeklagte» betrieben habe». Bei Steding sei zu beachten, daß er vor sechs Monaten, also vor der Verjährtliigsfrist, eine» schivunghasten Handel betrieb;»venn er auch desivegen nicht mehr bestrast»verdcn könne, so sei es doch »venigstens bei der Strafzumessung zu berücksichtigen. Für de» Fall nirn, daß in den» Auffinden der„Geißler" nicht der Schluß gezogen»vird, daß das Buch veikaust»var, so»nöge in» objektiven Verfahren auf Vernichtung desselben erkannt»verde»». Gegen Steding beantragte der Staatsanwalt 1 Jahr 9 Monate Gefängniß und gegen Baake 2 Monate Gefängniß. Rechlsanivall Sonnciifeld gab die Bestrafung aus Z 28 des Preßgesetzes zu,»veil»vährend der Dauer der Beschlagnahme die betroffenen Druckschriften im Geschäfte des Steding geführt wnrden. In» übrigen beantragte er die Freisprechung, ins besondere die Ablehnung des Antrages auf Vernichtung der „Geißler", weil es festgestellt sei, daß das Buch nicht Eigenthnm des Steding war. Bezüglich des„Liederbuches" liege eine Auf- reizung nicht vor,»veil es nur demjenigen verabfolgt»vurde, der es verlangte, und der Käufer nur ein solcher»var, der die Tendenz bereits kannte. Bezüglich des Z 131 St.-G.-B.»vurde ebenfalls die Freisprcckning beantragt,»veil der Thatbcstand die Absicht erfordert, eine Staatseinrichtung verächtlich zn machen ......... diese Absicht, sondern bez>vecke nur dainit, ei» Geschäft machen zu»vollen. Was den§ 166 des Strafgesetzbuches betreffe, so treffe er auch nicht zu,, veil Steding nur Verkäufer des„Pfaffenspiegels"»var und nicht die Einrich- tungen und Gebräuche der römisch-katholischen Kirche beschimpfen und Gott lästern wollte. Rechtsanivalt H e i n e bestritt, daß der Pfassenspiegel Be- schiinpfungen der katholischen Kirche enthalte. Vierzig Jahre lang sei er verbreitet worden und kein Mensch hätte etwas dabei gesunden. Die von der Anklage zilirten Stellen enthielten sämmtlich, wenn man sie in ihrem Zusammenhange auffaßte, nur eine»vissenschaftliche Kritik, die nicht zu weit gehe. Zun» größten Theile richteten sie sich auch gar nicht gegen Ein- richtungen der Kirche. Es werde doch»vohl in einem protestantischen Lande noch erlaubt sein, über Tetzel's Ablaßhandel, über die»veltliche Herrschaft des Papstes und über den Reliquienkultus sich deutlich auszusprechen. Auch unzüchtig sei das Buch nicht. Es seien »vohl geschlechtliche Verhältnisse behandelt, aber nur gelegentlich. Es komme auf die Gesammttendcnz eines Buches an. Die Bibel enthalte auch Stellen geschlechtlichen Stoffes, an denen sich»vohl hie und da ein duinmcr Junge auch geschlechtlich aufregen möge, und doch»verde man sie nicht als unzüchtige Schrift bezeichnen »vollen. Auch der Pfaffenspiegel sei für reife Menschen geschrieben, die seine sittliche Tendenz verstünden. Baake müsse außerdem freigesprochen»verde», weil ihin»veder nachgewiesen sei. daß er den Inhalt des Buchs, noch daß er die Beschlagnahme der 7. Auflage gekannt habe. Um 71/2 Uhr abends verkündete der Vorsitzende, daß gegen Steding auf 9 Monate Gefängniß erkannt, wovon 1 Monat aus die erlittene Untersuchungshaft als verbüßt angerechnet wurde. Bezüglich der ZZ 131 und 184 erfolgte die Freisprechung. Baake hingegen»vurde gänzlich freigesprochen, weil nicht eriviesen»var, daß er Kenntniß von dem Inhalte hatte. Der Antrag des Staats- anivalts auf Vernichtung der„Geißler" wurde verworfen, da das Exemplar Privateigenthum eines anderen sei. Rechtsanivalt Sonnenfeld stellte sogleich den Antrag auf Haftentlaffung des Steding, weil kein Fluchtverdacht vorliege und seine Rückkehr zur Ordnung der geschäftlichen Verhältnisse drin« gend geboten sei. Der Staatsanivalt widersprach, indem er die ungerechtfertigte Behauptung aufstellte, daß es eine bekannte Er- cheinung sei, daß Sozialdemokraten sich stets der Verbüßimg einer verhängte» Strafe zu entziehen suchen. Der Gerichtshof leistete dem Antrage des Vertheidigers Folge und verfügte die Haftentlassung des Steding. Herr Simon Grätz, Gertraudtenstraße 13/19, theilt uns zn dem von uns am 4. August veröffentlichten Gewerbegerichls- Urtheil mit, daß der Stückarbeiter Musial nicht in seiner Werk- tatt beschäftigt»var, sondern für sei» Konfektionsgeschäft»vie für andere Firmen„selbständig" gearbeitet halte. Etwas Anderes war in unseren» Artikel bekanntlich garnicht behauptet»vorden; nur daß»vir von der Selbständigkeit eines solchen Arbeiters andere Begriffe haben, als die. Mehrzahl der Unternehmer. Die Itntcrsiichuiig lvege»» deS Untergangs der Elbe ist »NN auch vor dem Seeamt in B r e m e n zu Ende geführt»vorden. Der Spruch kommt iin»vesentlichen auf das Urtheil heraus, »velches voin englischen Seeaint gefällt»vorden ist. Der Spruch des Seeamts in dieser Sache lautet folgender- maßen: An» 39. Januar 189ö, morgens zwischen 5 und 6 Uhr, hat in der Nordsee etwa 4S Seemeilen südwestlich von Haaks Feuerschiff zivischen dem von Rotterdam nach Aberdeen bestimmten englischen Frachtdampfer„Crathie" und dem von der Weser»ach Neiv-Norkbesti»»»tenSchuelldai»pferdcsNorddeutschenLloyd„Elbe" einZusammenstoß stattgefunden, welcher de»Untergangder„Elbe" mit 332 Personen und eine starke Beschädigung der„Crathie" zur Folge halte. Die Schuld an diesem Zusammenstoß trifft den Steuer- niaiin Craig von der„Crathie",»velcher in der Zeit vor dem- selben die Wache hatte, frivolerweise seinen Posten auf der Brücke verließ»md sich zusamnicn mit den» Ausguckinann in der Kambüse aushielt. Ten»»vachhabenden Offizier auf der„Elbe" ist der Vorwurf jedoch nicht zu ersparen, daß er bei der drohenden Ge- fahr durch ein rechtzeitiges Rudermanöver oder ein Signal auf der Dampspseife nicht versucht hat, der„Crathie" aus dci» Wege zu gehen oder die Aufmerksamkeit derselben auf sich zu lenken. Die nach dem Zusammen- stoß von dem Kapitän v. Gössel angeordneten, von den Offiziere» und der Mannschaft der„Elbe" ausgeführten Retlungsuiaß- regeln verdienen Anerkennung. Daß die„Elbe" in so kurzer Zeit gesunken ist und 332 Menschen ihren Tod gefunden haben, ist nicht auf Mängel in der Bauart, Beschaffeuheit, Ausrüstung, Beladung oder Bemannung des Schiffes, sondern lediglich auf die erhebliche Beschädigung zurückzuführen,»velche auch das Quer- schott 6 in Mitleidenschaft gezogen haben»vird, so daß sich gleichzeitig 2 Abtheilungen mit Waffer gefüllt haben. Als wünscheusiverth muß es bezeichnet werden, daß aus den großen transatlantischen Passagierschiffen regelinäßig Bootsmanöver ab- gehalten und die Bootsrollen der Mannschaft in sicherer als bis- heriger Weise mitgetheilt»verde». Gegen die Schiffsleiter der„Crathie" ist aus den unterlassenen Rettungsversuchen bei der so schnell»vegsiukenden„Elbe" ein Tadel nicht zu erhebe», da die„Crathie" felbst so schivere Beschädigungen erhalten hatte, daß die Befürchtung ihres eigene» Unlergangs in der erste» Zeit nach dem Znsainmenstoß gerechtfertigt»var. Das Arbeiten bei dem sckuveren Wetter und das Verhalten der Mannschaft der „Elbe" in den» Boote, welches die geretteten Passagiere und Lootsen trug, ist lobend anzuerkennen. Die Aufnahme der Schiff- brüchigen an Bord der englischen Fischersmack„Wildfloiver" ver- dient höchstes Lob. V c vsa nx mlitnfi t«♦ Die Barbiere hielten am 3. eine ihrer regelmäßigen Mit- glieder-Versannulungen ab, die sich mit der vertagten Lohn- beivegung befaßte. Tie Diskussion hierüber»var eine recht rege und»vurde allgemein bedauert, daß die Agitation zu gtliisten des Geschästsschlusses um 9 Uhr vorläufig zu keinem Ergebniß ge» führt hat. Die Mittheilung, daß der Arbeitsnachweis unentgeltlich von den» Mitgliede Koppe verivaltet»vird, fand allseitigen Beifall. Die Vermittlung geschieht von 10—12 Uhr vorinittags Neue Friedrichstr. 20 im Restaurant. Ter öffentlichen Versammlung der Posamen tirer und Berufsgenossen ainl». d. M. erstattete, nachdem dieselbe ihrer Ehrenpflicht dem verstorbenen Genossen Friedrich Engels gegenüber genügt hatte, Georg Berger den Bericht der Geiverkschastskvmmission, gegen den Einwendunge» nicht er- Hobe» wurden. Tie Nemvahl eines Delegirten zur Gewerk- schaflskommission mußte bis zur nächsten Versammlung vertagt »vcrden. Die Versammlung folgte sodann»nit größtem Jnteresie einen» Vortrage des Genosscn A. H o f f nr a» n über„Individuelle Freiheit oder Kadavergehorsam" und spendete dem Nefereutcn reichen Beifall. An den Vortrag knüpfte sich eine lebhafte Debatte, in»velche auch einige sanfte anarchistische Töne hinein- klangen, ohne indessen eine Disharmonie hervorzurufen. An- gesichts der Verhältnisse in der Branche, die nothwe,rdig auf eine Lohnbeivegung hindrängen, war seinerzeit beschlossen worden, freiivillige Sammlungen zn einem Generalfouds zu ver- anstalte». Wie konstatirt»verde»» mußte, haben diese Saunn- lungen in letzterer Zeit erheblich nachgelassen, weshalb an alle Berufsgenossen die dringende Mahnung erging, sich an den frei- »vrlligcn Sammlungen reger zu betheiligeu als bisher. Eine allgemeine Vnchdrnrkerversammlniig. zu der die in den Vororlen»vohnenden Berufsgenossen speziell eingeladen »varen, tagte am Sonntag im Kunimerschen Saale in R i x d o r f. Ueber die Beschlüsse der Generalversaminlung des Verbandes unter Bezugnahme auf ihre Nützlichkeil für die Allgemeinheit referirte R e i b m a» n. Massini nahm das Wort,»»»» die Kassen der Priuzipalsvereinigung des deutschen Buchdrucker- �.•cveml, und die Stellung der Prinzipale zur Tarisfrage einer irmschen Betrachtung zu unterziehen. Er ,vics darauf hin, daß '"'t deui 1. Juli 1896 die. angeblich im Interesse der Gehilfen. lyat, schlich jedoch im Unternehmer- Interesse begründeten Kassen obligatorisch eingeführt werden sollen. Der Schlag gegen die Institution des Verbandes würde auf seine Urheber zurückfallen, wen» die Arbeiter im Bnchdrnckgewerbe fest zusammen ständen.(Bei- 've't-ren Verlaufe der gutbesuchten Versammlung wurde Mittheilung gemacht über die Mißstände, welche in der Druckerei von Hecht(.Rixdorser Ztg.") bestehen. Neben 9 Gehilfen, die zum lheil mit sehr geringen Löhnen vorlieb nehmen müssen, sind II Lehrlinge beschäftigt. Da in dieser Offizin die Verhältnisse sehr bessermigsbedlirftig find, so beschloß die Versammlung, die Hilfe des Gewerkschastskartells und der sozialdemolratischen Ge- uiclndevertreter in Anspruch zu nehmen. Hingewiesen wurde, daß man dem Gewerbeinspektor uon allen Mißständen, besonders solchen sanitärer Natur, Mitthcilung machen soll. Die Ber- Hältnisse beim„Zehlendorfer Anzeiger" sind, nach den in der Versammlung gemachten Angaben, gleich schlechte. Bei langer «tt'beitszeit werden dort junge Leute unter den Tariflöhnen be- schasligt; diese müssen noch nebenbei die Verbreitung besorgen. Hieran anschließend mag bemerkt werde», daß die Laufburschen, welche ein Herr Müller im Auftrage des Herrn Hecht beschäftigt, um die Morgenausgabe der„Rixdorser Ztg." zu spediren, die Arbeit, wie verlautet, eingestellt haben, weil ihnen, die Bezahlung— pro Exemplar und Monat 7 Ps. zu gering erschienen ist. Tie Zustände iu deu Werkstätten der Aktien- gesellschaft vormals Eckert und denen der Ost- bahn lautete die Tagesordnung einer am 12. d. für die dort beschäftigten Metallarbeiter stattgehabten öffentliche» Versamm- lung. welche unter starker Betheilizung in Schneider's Gesell- schaflshaus, Proskauerstraße, tagte. Wohl keine Werkstätten, so meinte der Referent Otto Näther. dürften sich rühmen können, die Arbeitskrast der Arbeiter so intensiv auszunutzen wie die beiden vorgenannten. Ob sich die Leitung in staatlichen oder privaten Händen befinde, das System sei überall das gleiche, das kapitalistische. So würden bei der Firma vorm. Eckert Stundenlöhne von 23, 25, 27 ec. Pfennigen gezahlt und Wochen- löhne von 15, 13 bis 21 M. erzielt, während in den Werkstätten der Ostbahn Schlosser für 10 Stunden Slrbeit mit 2,50 M., ja 2,20 M, entlohnt werden. Natürlich würden nach Möglichkeit die Verdienste durch Ueberstundenarbeit verbessert. Besondere Klage werde weiter geführt über die Behandlung, welche die Ar- beiter seitens ihrer Vorgesetzten bei Eckert zu erdulden haben. Auch sollen die hygienischen Verhältnisse noch manches zu wün- scheu übrig lassen. Tie Kantinenverhältnisse bei Eckert gebe» den Arbeitern ebenfalls zu denken, wie auch der Verbleib der nicht zu kargen Strafgelder. Nicht besser seien auch die Verhältnisse in den Werkstätten der Ostbahn. Leider ständen die Arbeiter solchen trostlose» Zuständen thatenlos gegenüber und trügen da- durch dazu bei, die Arbeitsbedingungen immer mehr zu verschlechtern. Diesem Jndifferentismns müsse endlich ein Ende gemacht werden. Was Einigkeit und Organisation der Arbeiter vermögen, dafür sei das schönste Zeugniß der Erfolg der Lohnbewegung der Metallformer. Also wüßten auch die Arbeiter der gedachten Werkstätten handeln, sich organisiren, auch wen» ihnen dies in den Staatswerkstätten ungemein er- schwert werde. Die dem mit lebhaftem Beifalle aufgenommenen Referate folgende Debatte vervollständigte das von dem Refe- reuten slizzirte Bild von den Werkstattsverhältnisscn bei Eckert und der Ostbahn in für diese wenig schmeichelhafter Weise. Wie von einem Gewerkvereinlcr konstatirt wurde, werden auf der Ostbnhn Arbeiter mit 2.30 M. Tagelohn eingestellt. Von anderer Seite wurde die seltsame Thatsache berichtet, daß die Fabrik von Eckert die besseren Arbeiten im Zuchlbause anfertigen lasse. Die Verdienste der Hirsch-Dnncker'schen Gewerkvereine um die Arbeilerinteressen wurden in das hellste Licht gerückt und dringend vor dem Anschluß an diese Organisation gewanit, dagegen der Beitritt zu den Organisationen der klassenbewußten Arbeiter dringend empfohlen. Eine entsprechende Resolution gelangte zur Annahme. Nnsere Parteigenossen auS Charlotteubnrg theilen uns mit, daß nicht die Brauerei„Gambrinus" gesperrt ist, sondern das Lokal gleichen Namens, und zwar ans den in der letzten Versammlung angeführten Gründen.(Siehe„Vorwärts" Nr. 185.) xandsinannschast der Kchles»>ig-A»lstri»«r>» Sirtln. Mittwoch, den 14. August, abends 6% Uhr, Zusammenlunft der Schleswig-Holsteiner im Bcreinslolal Koinmaudanlen-Saricn, Koininandantenstr. lo.'ii. Plalldeulsche Vorträge des Herrn Sieuter-Nezitalors Erdinann. Landsleute joivie tSäsle sind willkommen. Arbeiter. KildungssHuI», Mittwoch, abendS?!>— sjs Uhr: Lektüre ex-io� Uhr: Nordschule, Müllerftr. 179a: Naturerkenntntb(Der Tarwinisinus.— Echöpfungsperioden und Schöosungsurkunden.) Südost- schule, Watdemarstrahe Nr. 14: Geschichte(röinifche Klassenkämpfe im alten. Nom, Zäfarismus, Entstehung des Christcnthuins.) Bei allen Unterrichts- fächern werden neue Thetlnchmer, Damen und Herren, jederzeit aufgenommen. z«se- I»id Dioliutirlilubs. zuittivoch. I o h a n n I a c o b n, bei Frih Lietzte, Schweb terfiraße s«.— Gesundbrunnen, abends Uhr, bei Haserland, Bcllermannstr. 87.— E l e i ch h e i t, abends sx Uhr bei Stramm, Nitterstraße rn.— Heine, Rixd'ors, abends sZUHr, Prinz-Handjerystr. 60, parterre.— Einigkeit, abends 8� Uhr bei Zeige, Trtftstr. I.— Theater- und Lesellub Morgenroth, abdS.s Uhr, im Restaur. Dicke, Lothrtngerstr. 67. Arbeiter- Sängerbund Kerlin» und tzlnigegend. Vorsitzender Adolf Ncumann, Pasewalkerstr. 3. Alle Aenderungen im Vereinskalender sind zu richten an Fried. Kortum, Manteuffelftr. 49, v. 2 Tr. ztlittwoch. Uebungs- fiunde Abends s Uhr, Ausnahme von Mitgliedern.— Liedesfreihettl, Andreasstr. 26, bei Wille.— Norddeutsche Schleife, Adalbertstr. 21 bei Noll.— Unverzagt i, Manteuffelstrahe 9 bei Nomack.— Frey a I, «Bemischter Ehor), Rosenthalerstrabe Nr. 67 bei Wernau.— Lorbeerkranz i, Wetnstrahe Nr. 23 bei Späth.— Deutsche Eiche l, Grobe Frankfurlerstrabe Nr. 133 bei Gold.— Echo I, Pankow, Wollank- straße 113 bei Lebmann.— Gesangverein A r t o n III, Rirdors, Herrmann- und Herrfurthsiraben-Elle bei Weib. � Freundeslreue(gemisch. Ehor), Große Frankfurterftr. 133 bei Gold.— Einigkeit(Hutmacher), Rosen- thalerstraße 12 bei Brüning.— Allegro, Wrangelstr. 141 bei W. Schmidt. — Freiheit 1, Bülowstraße 66 bei Richter.— Steinnelke, Päse- wallerstrabe 3 bei A. Neumann.— Süd-Ost, Fallkensteinftr. 7 bei Drittel- wttz.— Liedes! u st, Fürstenwalde an der Spree, Schloßkellerei.— Freier Männerchor N o r d- W e st(früher Klempner) Moabit, Emdener- und StemenZslraßkn-Elle 14.—Kupferschmiede. Weinstraße 11 bei Feind.— Rothe Nelke i, Schöneberg, Golzstr. 43 bei Klauke.— Appolonia, Noscnthalerstr. 67 bei Wernau.— Freiheitsgruß, Eremmeiierftr. i bei MathicS.— Schneeglöckchen I, Ripdorf, Hermann- und Karlsgarten- slraßen-Ecke bei Hilpert.— Schneeglöckchen 2, Potsdam, Brandenburger Kommunikation 16 bei Glaser.— Matengruß 3, Friedrichshagen, Rund- theil, bei Lerche.— Unverdrossen, Lindowerslraße 26 bei Sachs.— Felscnburg, Langcftraße 66 bei Owezareck.— V o r w ä r t« 7, Gummelsburg, Eöthe- und Kanlstraße- Ecke bei Greinert— Hoffnung 3, Brandenburg a. H.,„Konkordia", Wilhelmsdorferstraße.— Fr e i h e it S- klänge I, Stallschreiberslr. 29,„Zum eichenen Stabe" bei Schöning.— Arbeitergesangverein von Britz in Britz, Bürgerftr. 4 bei Dorn.— S e e g e r- scher Männerchor, Landsberger Allee 156 bei Göbel.— Matengruß i, Charloitenburg, Wallstr. 26 bei Beyer.— Dämmerlicht, Zorndorfer- siraße 17 bei Hossmann.— Edelweiß 2, Potsdam, Brandenburger- Kam- munikation 16 bei Glaser.— H e i m a t h k l ä n g e, Köpenick, Rosenftr. iu bei Trvppens.— Männer-Gesangverein Geduld, Gesundbrunnen, Bult- mannsiiaße 17 bei Mohes.— Gesanavcrcin Fr e t h e i t s k l ä n g e II, Ehortnerstr. 55 bei Hobeck.— Männer-Gesängveretn Palme, Beltent. d. M. bei Zcmlin.— Weiße Rose, Reinickendorf, Residenzstr. 101 betMalchin.— Männer-Gesangverein Lieder l u st, Admiralstr. 38 beiTutzauer.— Sanges- blüthen. Stralauer Platz 10-11 bei Poppe.— Gleichheit, Schönhauser Allee 135 bei Ramlow.— Gesangverein Frohsinn II, Friedrichsberg, Wartenbergftr. e? bei Lange.— Sängerchor der Maler, Annenftr. 2 bei Protz.— Männer-Wcsangverein Zielbewußt, Zeughofstr. 3 betBehlen- dorf.— Arbettcr-Eesangverein„E i n i g", Blumenstr. 32 bei Reich.— Arbeiter- Gesangverein„Neue Zeit", Wollinerstr 36, Cperlingslust bei Sperling. — Männer-Gesangverein H t l a r t t a s, Hochstr. 32a bei Schmidt. ßerliner Zkadfahrev-Eenossenschaft„Solidarität". Jeden Mitt- woch abends 9 Uhr Sitzung im Restaurant Roll, Waldemarftraße 61. Neue Mtiglieder können sich daselbst täglich ausnehmen lassen. Freie Vereinigung der Kausleute, im Englischen Hof, Neue Roßstr. 3, gcmüthllchcs Betsaminensetu.— Arbctter-Slenographenveretn Eintracht, Unterricht und Uebungssiunden abends Uhr in den Re- ftaurants Owczarek, Langestr. 65 und Seidler, Rattdorstr. 16.— Noller'scher Etenographenverein P i 0 n i r, Hussitenstr. 9, Restaurant Rausch, abends 3x Uhr, Unterricht und Fortbildung. Gsrmau-.Anierican Klub„Unclo Sarn Club", Evcry Wednesday o'clock p. in. Frieboes Restaurant, Münzstr. 17. Vermifchkoss Aus Köln wird vom Dienstag berichtet: Ein hiesiger Arzt gerieth mit seinem Schwager in Streit, in dessen Verlause er den letzteren durch Messerstiche in den Kopf Übel zurichtete. Der Schwerverletzte liegt hoffnungslos im Bnrgerhospital dar- nieder. Der Thäter ist verhaftet. Der Vorfall erregt großes Aussehen. Eine vornehme Spielhölle ist am Montag Abend in M a r i e n b a d aufgestöbert worden. Wiener Blattern wird darüber berichtet: Gestern Abend wurde im Auftrags der Re- gierung der Spielsaal„des Etrangers" geschloffen und die Bank- lasse beschlagnahmt. Die Thören des Spielsaales wurden polizer- lich besetzt und, nachdem die Namen der anwesenden 200 Gaste notirt, letztere entlassen. Zehn Briefträger bei dem Staatssekretär des Reichs- Postamts. Wie der„Straßb. P." aus Rappoltsweiler gemeldet wird, hatte der Staatssekretär Dr. von Stephan ans Freitag Abend die dortigen zehn Briefträger zu einem kleinen Imbiß in den„Gasthof zur Stadt Nancy", wo er fast alltäglich zu ver° kehren pflegte, eingeladen. Der Staatssekretär hielt am Schluß eine kleine Ansprache an seine Gäste, in der er diese ermahnte, im Dienste st a r k zu sein und fest zu bleiben wie die Berge zu Rappoltsweiler, auch empfahl er ihnen, stets zu dem unmittel- baren Vorgesetzten, dem Postmeister Kube, der so schön für sie sorge, zu stehen und ihm zu gehorchen wie die Kompagnie ihrem Hauptmann.— Hoffentlich hat Herr v. Stephan den Leuten auch das Rezept gegeben, nach welchem man bei zwei oder drei Mark täglichem Einkommen im Postdienste stark werden kann. Möglicherweise liegt im Rappoltsweiler Fall die Sache so, daß Postmeister Kube von seinem hohen Gehalt den elend entlohnten Unterbcamten einen wohlbemessenen Theil abgiebt und auch viel« leicht gar noch hier und da ein besonders anstrengendes Stück ihrer Arbeit auf seine Schultern nimmt. Anders wird die „schöne Sorge" dieses Herrn, von dem Herr v. Stephan redete, doch wohl kaum zu deuten sein. Neber eiue» Eisenbahu-Znsammenstoss wird aus Bilbao berichtet: Auf der nach Miranda führenden Eisenbahn hat am Montag ein Zusammenstoß stattgesunden, bei welchem 3 Personen verwundet wurden, darunter einige erheblich. Der angerichtete Schaden ist bedeutend. Schneidig. Der Gouverneur von Deutsch-Ostafrika, Major von Wißmann, hat, wie die„Ruhrorter Ztg." von angeblich gut unterrichteter Seite erfährt, das Schiff, welches ihn an seinen neuen Wirkungsort zu bringen bestimmt war, in Neapel ver- lassen, und zwar, wie behauptet wird,„wegen taktloser BeHand- lung", die ihm aus demselben widerfahren sei. Briefkasten der Redaktion. Wir btten bei jeber Ansrage eine Ehifsre(Zwei Buchstaben ober eine Zahl) anzugeben, unter der die Anlwort crlheill werden soll. Montag, Dienstag, Donner st ng und Freitag wird von 7 bis ö Uhr abends Auskunft und Rath in Rechtsangelegenheiten ertheilt. W. S., Charlottenburg. Senden Sie uns einen mit dem Stempel des Vertrauensmannes der Partei versehenen Aufruf zu. A. N. Harzburg. Das Einkommen aus Handel und Ge- werbe wird zur Einkommensteuer in der Art herangezogen, daß der Geschäftsgewinn nach Maßgabe der ßs 6—11 des Ein- kommenstener-Gesetzes ermittelt wird. Der so ermittelte Rein- gewinn aus dem Handel und Gewerbebetrieb ist nach den Grund- sähen zu berechnen, die für die Inventur und für die Bilanz durch das Handelsgesetzbuch vorgeschrieben sind und sonst dem Gebrauch eines ordentlichen Kaufmanns entsprechen. Ins- besondere gilt dies von dem Zuwachs des Anlagekapitals und von den regelmäßigen jährlichen Abschreibungen, welche einer angemessenen Berücksichtigung der Werthverminderung entsprechen. Die Zinsen des im Handel- und Gewerbebetrieb angelegten eigenen Kapitals sind als Theile des Geschäftsgewinns zu betrachten. Für denIuhalt der Inserate über- nimmt die Redaktion deui Pnbliknm gegenüber keinerlei Beranttvortnng Theater. M i t t w 0 ch, d e n 14. A u g u st. Gpernhano.(Kroll's Theater) Der Evangelimann. Kchauspiethans. Der Tugendwächter Die Dienstboten. Zleutsches Thratw. Die Weber. Lessing-Tlieater. Der Herr Senator. Frirdr.-Milhelmstädtischrr Park. Berlin amüsirt sich. Zlenr« Theater. Tata-Toto. A leranderplah-Theater. Die Grille. Zlational- Theater. Berliner im Feuer und Wasser. Theater Zlnter de» Kinde». Rund um Wien. Die Schwätzerin von Saragossa. Apollo- Theater. Ein Abenteuer im Harem. Llora-Eharlottenbnrg. Der Trom- pcter von Sakkingen. Schiller- Theater. Donnerstag, den 15. August. Wiedereröffnung Minna von Barnhelm. Adolph Ernst-Theater. Freitag, den 16. August. Wiedereröffnung. Madame Suzette. Schiller-Theater. (Wallner-Theater.) Wieder-Eröffnung Donnerstag, den 15. August. Miilua vonBarnhelm. Lustspiel in 5 Aufzügen von Gottbold Ephraim Lessing. Die Tageskasse ist täglich von I0'/s bis 2 Uhr geöffnet. Vorverkaufsgebühr wird nicht erhoben. Die Erneuerung der Abonnements und die Ausgabe neuer Abonnements- Hefte für das Spieljahr 1396/96 ersolgt jetzt täglich in der Villet- Abtheilung des Schiller-Theaters. Näheres an den Anschlagsäulen. Urania Anstalt für Tolksthümliche Naturkunde. Am Landes-Ausstcllungspark (Lehrter Bahnhof). Geöffnet von 3— 10 Uhr. Täglich Vorstellung im wissenschaftlichen Theater. Näheres die Anschlagzettel. Adolph Ernst-Theater. Freitag, den 16. August: Wiedereröffnung. Madame Suzette. Vandeville-Posse in gAkt.v.Ordonneau. Musik von Edmond Audran. In Szene gesetzt von Adolph Ernst. Anfang 71/2 Uhr. ZWr Der Billet-Terkaaf findet von beute ab an der Theater-Kasse von 10 bis 2 Ohr statt.-VQ National-Theater. Große Frankfiirterstraße 132. Direktion: Max Samst. Berliiter iiiigtiier M Wasser. Volksstück i» 5 Alten und 7 Bildern von Fritz Schäfer. Musik vom Kapellmeister A. Wiedecke. Regie: Fritz Schäfer. Dirigent: Kapellmeister A. Wiedecke. Wirkliches Feuer. Wirkliches Wasser. Wirklicher Regen. Hauptbilder: 3. Bild: I-a Puce(Henny Schmid sucht den Floh). 5. Bild: 30 bildschöne badende Mädchen im Wasserbassin mit wirk- lichem Wasser. 7. Bild: Groß-Feuer(Rettung von drei Menschen aus Feuersgefabr durch nnsere brave Feuerwehr.) Morgen: Dieselbe Vorstellung. Nationaltheater- Garten 1 Heute: » Großes Kindrrfrrndeufrst■ Gr. Konzert u. Spezialitäten- Vorstellung. Auftretend. Berliner Origiual-Komikers Wilhelm Trödel. Austreten v. Chansonetten, Soubretten, Lnftgymnastikern:c. Kassenerösfnnng 3 Uhr. Anfang 4 Uhr. Entree 20 Pf. Resetvirter Platz 40 Pf. Passe-xartouts, mich die vorjährigen, baben Giltigkeit. keicksksMen. Im prachtvollen Garten (bei ungünstiger Witterung im Saal) Täglich: KlliillirPslhe Soirte d°- Quartett- Wül II u. Gouplet-Sänger Anfang 8 Uhr. Entree 30 Pf. Reservirter Platz 50 Pf. Sonntags: Anfang 7 Uhr. Entree 50 Pf., ab 9 Uhr 30 Pf. Berliner Monumente. Der Prozess um einen Kuss. Von der Kanalfeier. Hascnhaide. Mittwoch: Vorletztes diesjähriges Kinderfest. Gratisvertheilung von Riesendrachen, Puppen 11. f. w. Kinderbelustigungen. Vorzügliche Spezialitäten. Großes Konzert. Fackelpolonaise durch den Garten. Entree 15 Pf. Kinder 10 Ps. Morgen: Schlacht bei St. Privat. ssmiii'llZii-ViüitelmMMlZiiki'I Concert-Park 25/26 Chaussee-Straße 25/26. � Million PUiifchei» habe» Thränru Belacht über Berlin amüsirt sieii. Der größte Lacherfolg der je erzielt wurde. Außerdem das großartige Ulk.progrsmm. Avis! Sonnabend, 24. August: Benefiz für den dicken Blum. C. Frohlich's Gesellschaftssäle und Garten Schönhauser Allee 161. Jed. Sonntag, Dienstag u. Sonnabend: Ooiieert.SiieeisIitÄt.-Vorstelluiix. Anfang 7 Uhr, Entree frei. Sonntags Ans. 4 Uhr. Programm 10 Pf. Bei ungünstiger Witterung im Saal. Jed. Sonntag.Montag, Mittwoch: Ball. Jeden Mittwoch: KintterteLi. Entree: Kinder 10 Pf., Erwachsene frei. Kaffeetüche täglich v. 2 Uhr ab geöffnet. Für Vereine u. Gesellsch. v. 200 Pers. Spezialitäten-Vorstellung frei.(23322 Castan's Panoptikum. Das Bärenveib. Ein Flug durch die Luft! Bestrafte weibliche Eitelkeit. W. Noack's Sommer-Theater, Krunnenstr. 16. Täglich: Konzert, Theater- und Spezialitäten-Vorstellung. Im Saale: Gl'OSSer Ball. Die schone Galathee. Operette von Hcnnie. Musik von Franz von Suppö. Jfulins Brunst, Liedersänger. Anna Carle, Kostüm-Soubrette. Ernst Feld, Gesaugs-Humorist. Passage-Panopticum. TuneMe Impf: Schlangenbeschwörer, Arabische Schule, Banch- täuzeriunen, Derwische etc. KiWWIIMliitiKlllU Heute, Mittwoch, den 14. August 1893:. MW" Sievzehnkev Tslg'WE de» Zvtägigru HunBrr-Evperimentr» des Signor GHavciiim Succi. Aerztliches Bulletin vom Montag, den 12. August: Puls 66. Athmung 24. Temperatur 37,00. Ursprüngliches Gewicht 71,500 Kilogr. Heutiges Gewicht 64,250 Kilogr. Dynamometrie 55 Kilogr. Getrunkenes Wasser in 24 Stunden 1000 Gr. Fürstenbrunn. Allgemeiner Zustand: gut. 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Tayes-Ordnung: I. Vortrag des Stadtv. T. Metznei« über: Die Schule wie sie ist und wie sie sein soll. 2. Diskussion. L36 1 Um zahlreiches Erscheinen ersucht Bei' Vorstand. Große WMHechWlW dMenikcher am Donnerstag, den 15. August 1895, abends 8'�- Uhr, bei Henke, Naunynftraße Nr. 27» Tages-Ordnung: Situationsbericht über den Streik. llt L lZio Ltreilcleoniinission. NevsÄMMlUllg-WS der Freien Vereinigung der Bohgerher und Lederzurichter und Berufsgen. Berlins am Donnerstag, den 15. August 1895, abends 8 Uhr, bei Feind, Weinstrahe 11. Tages-Ordnung: Ter Streik in der R ö m e r'schen Lederfabrik.— Das Erscheinen sämmt- licher Mitglieder ist erforderlich. 107/3 Der Vorstand. Verbllvli aller iv der Metallindastrie besUjtigtell Arbeiter Deriins und Umgegend. Morgen, Donnerstag, den 15. August, abends präe. 8 Uhr: Bpanchen-Veraammlung der Former und Gießereiardeiter im Louisenstädtischen Konzerthans, Alte Jakobstrahe 37. Tages- Ordnung: Der gegenmärtige Ktand de» Streike». 110/9 Die Sammellisten sind in der Versammlung in Empfang zu nehmen. Um das Erscheinen aller ersucht Bsr Vorstand. Achtung! Achtung! Vereinigung der Maler, Lackirer, Anstreicher «nd oerwandten Kernfsgenosse». Mitglitder-Versllmlillsllg der Fililllt« Berlins am Donnerstag, den 15. August 1895, abeuds 8V2 Uhr, bei B 0 l tz, Alte Jakobftrahe 75. Tages-Ordnung: 1. Die Anschuldigung in der am 30. Juli stattgehabten Versammlung gegen den Hauptvorstand. 2. Wahl des Verbandsvorsitzendcn. 3. Verschiedenes. 124/4 Der Vorstand. Ostbalm-Park Hermann Jmbs. Rfldersdorfersfr. 71. Am Küsiriner Platz. Theater- und Spezialitäten-Vorstellung Gart«n-Conr«rt von der 24 Mann starken Hauskapelle unter Leitungl des Musikdirektors W. Carlon's. sAnfang Sonntags 4 Uhr. Entree 20 Pf. Wochentags 5 Uhr. Entree 15 Pf., wosür ein Clas Bier verabreicht wirb. Volksbelustigungen jeder Art. 4 Kegelbahnen zur Verfügung. 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Unserem werthen Vereinswirth und Mitglied Karl Späth zu seinem Heutigen 48. Wiegenfeste sendet die Herzlichste Gratulation Der Verein Krüderlichkeit. W. J. Ch. G. G. G. G. G. L. L. L. L. L. B. W. T. M. Frl. H. Fr, J. Frl. Z. 2673b Für die zahlreichen und herzlichen Beweise von Theilnahme bei der Be- erdigung meines lieben Mannes sage ich hierdurch meinen herzlichsten Dank. Frau Dora Kitzler, Weddingstr. 8. Achtung! Former n. Giesserei- Arbeiter! Infolge der Arbeitseinstellung sämmt- licher Kollegen sind nachstehende Werk- stätten gesperrt: 115/6 Nürnberg, Vrinzenstr. 25. Kube, Elisabethufer 30. Merk, Admiralstr. 13 o. Fellner, Dresdenerstr. 34. Thielecke, Wasserlhorstr. 62. Schober, Grünau, Waldstr. 4. Gebrüder Krüger, Köpenick. Der Uertraueusmaun der Kerliner Metallarbeiter. Otto Naeiher, N. Anklamerstraße 44. Voiksgärten (ehem. Weimann's Volksgarten) Gesundbrunnen, Kadstr. 56/57. Direktion: Max Samst. Heute: Großes Kiuderfreudeufest. Grosses Konzert n. Theater-Vorstellnng. 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Die Kollegen der Firma Rosen- leid& Cie. haben wegen Lohndifferenzen die Arbeit niedergelegt. Zuzug ist strengstens fernzuhalten. 76/17* Bio Werkstatt-Kontrollkommission d. Deutschen Holzarbeiter Verbandes. Kartonarbeiterinnen, geübte, verlangt 2663b M. Wölfl, Reue Friedrichstr. 48. Achtung I Achtung I Klavierarbeiter! Der Streik in der Pianofabrik von Julius Pfaffe, Landsbergerstr. 109, dauert unverändert fort. 141/11 Zuzug ist strengstens fernzuhalten. Arbeiter u. Arbeiterinnen, welche einen großen Bekanntenkreis besitzen und sich in ihrer freien Zeit für Ver» sicherungen interessiren wollen, werden gebeten, ihre Adressen unter V. 11 in der Expedition niederzulegen. 2675b Maler-Lehrling zur Erlernung der Schriftmalerei ver- langt sofort 2672b R. Poetzsch, Firmenschilder-Fabrik, Brüder-Straße 24. I aqnet- Arbeiterinnen verlangt Marx, Eremmenerstr. 1, 8 Tr.[2679b Lehrling verlangt sofort 2671b R. Poetzsch, Firmenschilder-Fabrik, Brüder-Straße 24. 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