Nr. 428 ♦ 4Z.�ahrg. Ausgabe A Nr. 219 Bezugspreis. ZÜiichentlick, 70 Pfknnl«. monatlich 8,— Reichsmark voraus»ahlbar. Hitler Kremlband für Deutlchland, STcrili«, Saar- und Memeiaebiet. Leüerreich. Litauen. Luremburji 4 50 Reichsmark. fOt da, iidria« Ausland 5,50 Reichsmark vro Munal. Der.vorwdrts� mit der illustrier- ten Eonntassbeilag«.Volk und geit� iomi« den Deiianen„Unterhollung und Wissen"'.„Au- der Kilmwell". .Frauenstimme"..Der Kinder. sreund". �sugend-Borwärts" und �lick in die Bstcherwelt" erscheint wochentilalich»weimal. Sonntags und Montag, einmal. Telegromm-Adreste: .Zozioldemokro» Verl in" Morgenausgabe Derlinev Volksvl�kt �10 pksnnig) - Anzeigenpreise: Di««Inlvaltlae Nonvareille- »eile 80 Psennig. Reklame, eile 6,— Reichsmark..Kleine Anzeigen" das fettgedrnckle Wort 25 Pfennig Oulijssia ,wci fettgedruckte Worte). jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erst« Wo't 15 Psennia. jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch. ftabcn zählen für zwei Worte. Olrbcitsmarkt steile 80 Pfennig. Familienan, eigen silr Abonnenten steile<0 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer Müllen bis Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW 8Z, Linden- straste O, abgegeben werden. Geäffnet von 8 Mi Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratifcben partei Deutfcblands Neüaktion und Verlag: Serlln EW. öS, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Tönhoff 292—297. Ootfthast öer ftanzösisthen /lrbeiter. Jouhaux über die dentsch-französische Znsammenarbeit. Gens, 10. September.(Eigener Drahtbericht.) Der Führer der sranzosijchcn Gewerkschaften. Genosse Z o u h a u x. der auch dem Lureau des Internationalen Gcwerkschaftsbundes angehört und Mitglied der völterbundsobordnung Frankreichs ist, hat dem Sonderberichterstatter des.Soz. Pressedienstes" folgende Erklärung übergeben: Als es lSl? galt, zur Washingtoner Arbeits- konserenz zu gehen, hat die französische Gewerkichastszenlraie verlangt, dnh auch Deutschland mit gleichen Rechten zugc- lassen würde. Sie hat das sogar al» Bedingung für ihre eigene Teilnahm« gestellt, da wir von vornherein der Ansicht waren, dah nur eine international geschossene und aufgebaute Arbeilergesch- gcbung wirksam sein könnte, wir sind damals vom Großen Rat der vier in Paris empfangen worden und haben von Elcmenceau in Person die Zustimmung zur Beteiligung Deutschland» erhalten. So konnte das Internationale Arbeitsamt sofort einen universalen Charakter erhalten, wir waren uns sosort nach dem Kriege darüber klar. daß. entsprechend der sozialistischen Formel. der Frieden, um wirklich beständig zu sein, nicht nur einer politischen. sondern vor allem auch einer wirlschasliichen Grundlage bc- durste. Dafür haben wir auch in den kritischsten Stunden gekämpst, als wir i m m c r w i e d e r forderten, daß Deutschland in den Völker- bund aufgenommen werden muß. Der heutige Akt ist die Erfüllung dieser Politik, für die wir seit lSlS einzutreten nie ausgehört haben, wir freuen uns heute, nach der Rede vriand» sagen zu können, daß die ganze mit haß überladene Vergangenheit zu End« ist und sür die Zukunft der Internationale Ausbau in der deutsch- französischen Zusammenarbeit seinen hauptpseiler besihl. Da» Ist die stärkste Garantie für die Erhaltung de» Welt- srieden», und wir wollen nicht vergessen, daß die Initiative der internationalen Arbeiterschaft am Ansang dieser Entwicklung steh« vle Nachmittagssttzung in Genf. Gens, 10, September.(Eigener Drahtbericht,) Die Vollversamm- lung seszte nachmittags VA Uhr die mehrtägige Debatte fort. Die deutsche Abordnung war bis zum Schluß vollzählig anwelend. Im Mittelpunkt aller Reden stand die Aufnahme Deutschlands. Bundes- kanzler R a m e l- Deutschösterreich beglückwünschte zu disem Ereig» nis sowohl den Völkerbund wie Deutschland. Vorher forderte ein australischer Delegierter die baldige Fortsetzung der Wirtschaftskonfe- renz. Er setzte voraus, daß sie sich in Zukunft nur„mit inrernatio- nalen Fragen" befaßt. Als eine solche betrachtet er ausfälligerweise das Wanderungsproblem nicht. Er will es deshalb von der Beratung der Wirtschaftskonferenz ausgeschlossen wissen. Ab- schließend gab noch der japanische Delegierte I s h i i seiner Freude über Deutschlands Eintritt in den Bölkerbund Ausdruck. Nachmittags SA Uhr, nach Beendigung der Vollversammlung, tra! die erste Kommission zur Beratung der Vorschläge über die Rc- Organisation des Rates unter Vorsitz Mottas zusammen. Als deutscher Vertreter nahm Dr. S t r e s c in a n n an der Sitzung teil. An der Eeneraldiskussion beteiligten sich mehrere Vertreter kleinerer Staaten, wie Holland, Dänemark und Schweden. Im allgemeinen erklärten sich die Redner mit dem Prinzip der Wiederwählbarkeit e i n v e r- st a n d e n. Es wurde schließlich einstimmig eine Unterkommission aus 14 Mitgliedern eingesetzt, in der neben Frankreich. England und Italien auch Deutschland vertreten ist. Neüen auf üem Pressebankett. Deutschlands Dank an Briand. V. Sek. Genf, 1l). September.(Eigener Drahtbericht.) Es ist schon an dieser Stell« unter dem Eindruck der ersten Rede Strese- manns am heutigen Vormittag bedauert worden, daß er nicht frei sprechen durfte, sondern vom Manuskript ablesen mußte, das allzu deutlich den Stempel bureaukratischer Resiortarbeit der Wilhelm- straße trug. W« sehr dieses Bedauern berechtigt war, sollt« sich wenig« Stunden später auf dem Bankett erweisen, das die Verein!- gung der Völkerbundsjournalisten zu Ehren des Rates gab. Dort war Strefemann der Hauptredner, nachdem Nintschitsch als Präsident der Versammlung und Benesch als derzeitiger Ratspräsident ge- sprachen hatten. Jetzt sprach Strefemann völlig frei und seine Red« «nacht« erheblich größeren Eindruck als vormittags. Sie war ein« der Pesten rhetorischen Leistungen im politischen Leben Strefemann», der zweifellos zu den begabtesten Rednern Deutschlands gehört. Lebhaft vorgetragen, reich an witzigen Einfällen, besonders dort, wo er das SZerhältnis zwischen Presi« und Staatsmännern streifte, war die Rede vor allem in ihrem ernsten Teil hervorragend: Di« Erhabenheit der Gedanken, die Stresemann über die Ziel« der Menschheit ent- wickelte, rief in der Versammlung, der man es anmerkt«, daß sie zum größten Teil Stresemanns Worte verstand, immer wieder Beifall pervar. Am stärksten wirkte Stresemann, als er die nebensächliche Be- deutung des einzelnen Individuums und der selbstdurchlebten Zeit- räume betont«, gemessen an dem ewigen Fortschritt der einzelnen Völker und an der gesamten Menschheit. Zum Schluß stieß er mit Briand an, wie es auf der humorvollen Menükart« symbolisch prophezeit worden war. Damit macht« er unter lebhaftem Hände- klatschen eine Unterlassungssünde wieder gut, die er am Vonnittag begangen hatte. Als nämlich Briand vom Rednerpult herunterge- stiegen war, kam er dicht an Stresemann vorbei! entgegen der all- gemeinen Erwartung und besonders entgegen der für diesen Fall im Völkerbund eingebürgerten Sitte, reicht« ihm Stresemann nicht die Hand, während das all« anderen Delegationschefs, an deren Plätzen Briand vorbeikam, taten. Stresemann war im Augenblick wohl etwas befangen. Als erster von den Deutschen hatte Genosse Breitscheid den ihm persönlich bekannten französischen Außen- minister kurz nach der Red« im Foyer des Plenarsaales beglück- wünscht. Briand dankt« ihm mit herzlichen Worten und mit der Versicherung, er wisse, wie auch Breitscheid zu dem Erfolg der Ver- ständigungspolitik beigetragen Hab«. Stresemann dankte in seiner Dankeitrede zunächst für die ehrenden Wort« seiner Vorredner und kritisiert« dann Westarps Redensarten von den„Locarno-Illusionen". Diesen selbst von deutschnationalen Journalisten applaudierten Aus- führungen ließ der deutsche Außenminister die Wiederholung seines Bekenntnisses zum Völkerbund folgen. Schließlich schritt er aus den in seiner Näh« sitzenden Briand zu, um mit ihm anzustoßen und sein Glas auf den Frieden der Welt zu leeren. Der Swrm der Begeisterung wollte nicht enden, als sich diese Szene abspielte. * Der britische Außenminister C h a m b e r l a i n hat bei einem Empfang deutscher Pressevertreter abermals seiner großen Freude über den Eintritt Deutschlands und über das Gelingen des friedens- sichernden Wertes von Locarno bewegt Ausdruck verliehen. fi. �.-Zeremoniell im Völkerbund. V. Sek. Gens, 10. September.(Eigener Drahtbericht.) Es muß schon jetzt darauf hingewiesen werden, daß die Wilhelmstraße osfen- bar andere Vorstellungen vom Völkerbund hat als das bei den übrigen Regierungen der Fall ist. Die Tatsache, daß ausschließlich die drei Vertreter des Auswärtigen Amtes die Plätze der Haupt- delegierten einnahmen und daß man lieber einen der vier Plätze während der ganzen Dauer der Vormittagssitzung leer ließ, als daß man ihn einem parlamentarischen Delegierten über- ließ, gibt zu denken, zumal dies nicht zufällig geschah. Es ist nicht zu bestreiten, daß Staatssekretär v. Schubert seine Ver- dienst« an der Durchsetzung der Völkerbunds- und Lorarno-Politik gegenüber dem Wider st and im eigenen Amte hatte und vor allem ist es Ministerialdirektor Gaus, der ein gewichtiger und einflußreicher Faktor für diese Politik gewesen ist. Aber die wirklichen Träger dieser Politik sind diejenigen pvli- tischen Parteien, die nun in der deutschen Delegation ver- treten sind. S i e haben den Anstoß zu dieser Entwicklung gegeben und dieses Verdienst kann ganz besonder» die Sozialdemo- k r a t i e sür sich in Anspruch nehmen. Diese Parteien haben sich dafür in Parlament und Presse jahrelang herumschlagen müssen und wurden darin nicht immer von der Berufsdiplomatie unter- stützt. Deshalb muß entschieden gegen den Versuch Stellung ge- nommen werden, etwa zwei Kategorien von Delegier- ten zu schaffen, einmal die diplomatischen und zweitens weit hinter ihnen die Abgeordneten der deutschen Volksvertretung. Diese Bemerkung geschieht nicht ohne Grund und ist nicht erst durch die äußerliche Frage der Sitze veranlaßt. Die Delegationen der anderen demokratischen Länder bestehen fast ausschließlich aus Parlamentariern, die Bc- rufsdiplomaten halten sich dort fast vollständig im Hintergrund und solche Vorkommnisie wären wohl in keinem anderen demokrati- schen Lande möglich! örianö und der Rhein. Die TU. meldet: Nach Mitteilungen aus Genf dementiert Briand auf das entschiedenste eine ihm(zu Zwecken der nationalistischen hetz«. Red. d.„V.") zugesprochene Aeußerung über den internationalen Rheinstrom. Briand hat ungefähr gesagt, er hoffe, daß als eine Folge von Locarno niemals wieder das Blut beider Völker den Rhein färben werde und daß auf beiden Seiten des Rheins entmilitarisierte Völker, d. h. Völker mit entmilitarisierter Gesinnung, wohnen werden. Bor dem Austritt Spaniens aus dem Völkerbund. wadrid, 10. September.(TU.) Wie in hiesigen amtlichen Kreisen bestätigt wird, bereitet die spanische Regierung eine Note an den Völkerbund vor, in der sie ihren Austritt aus dem Völker- bund erklärt. vorwärts-verlag G.m.b.H., öerlin EW. öS, Lindensh.Z Postlckncktovtot Berti» 17 53«— Booktout»: Bant bei Arbeiter, Anaestelte» »ib Beamten. Walstr. 65; Biskonto-Gelcltibast. Dc»osttenkaste Lindenftr. 3. die verärgerten. Genf als dcutschnationalcs Partcimalhcur. Der Tag, an dem zum erstenmal unter den Fahnen der Völterbundsmächte die schwarzrotgoldene Flagge wehte und an dem die deutsche Delegation unter dem Jubel der Vertreter von fast allen Völkern der Welt im Genfer Reformationssaal ihren Einzug hielt, der Tag, der dys Gelöbnis Deutschlands und Frankreichs brachte, Hinsort als friedliche Nachbarn neben- einander leben zu wollen, war für viele ein Tag der Freude und der Erhebung. Die sozialdemokratische Ar- b e i t e r s ch a s t Deutschlands schließt sich von dieser freudigen Bewegung nicht aus. Sie hat sich, trotz aller Not des Tages, einen offenen Blick bewahrt für das große Neue, das in der Welt wird und auf dessen Werden all ihre Hoffnungen begründet sind. Sie darf an diesem Tage um so stolzer ihr Haupt erheben, als sie es war, die das Banner der inter- nationalen Völkerverständigung in starten Händen hielt, als noch alle bürgerlichen Parteien vor dem Götzen der Macht- Politik auf den Knien lagen. Sie verzeichnet heute einen Triumph des internationalen Gedankens, dessen Vorkämpferin sie allzeit gewesen ist. Aber dieser Tag, der für die Mehrheit des deutschen Voltes ein Tag der Freude und der Genugtuung ist, der ganz zweifellos einen großen Erfolg der deutschen Außenpolitik be- deutet, ist für die De utschnationale Partei ein Tag des Schreckens und der Trauer. Kein Wunder! Denn was erreicht worden ist, ist ohne sie und gegen sie erreicht! Jahrelang war sie die Nutznießerin des deutschen Unglücks, denn daß dieses Unglück ihr eigenes Werk war, das hatte ja der politisch unwissende Teil des deutschen Volkes entweder nie gewußt oder schon längst wieder vergessen. Mit den Miß- erfolgen, die Deutschland erlitt, mit den Demütigungen, die es erfuhr, wuchs sie und bekam sie rote Backen. Aber wenn sich Erfolge einstellen, wird sie blaß und beginnt zu kränkeln. Es gibt keinen Ausweg aus der fatalen Alternative: Ent- weder war die deutschnationale Nachkriegspolitik richtig, und dann war der Tag von Genf kein Erfolg— oder aber der Tag von Genf war ein Erfolg, und dann war die deutsch- nationale Politik falsch. Gibt man zu, daß auch die Politik, die über London und Locarno nach Genf geführt hat, das Ansehen Deutschlands in der Welt gestärkt und seine Lage verbessert hat, so gibt man damit zugleich zu, daß die Politik, der die Sozialdemokratie den Weg gewiesen hat, richtig gewesen ist. Man gibt damit zugleich zu, daß alle hetze, alle Verleumdungsfeldzüge, alle Mordattentate auf die Führer dieser neuen Politik einer Gesinnung entsprangen, die mit echter Vaterlandsliebe nichts gemein hat. Man gibt damit zu, daß die nationalistische Demagogie ihre Rolle ausgespielt hat und nichts mehr zu tun hat, als von der Bühne abzu- treten. Es ist ein besonderes Pech der Deutschnationalen, daß das Unglück von Genf über sie gekommen ist, während sie ihren Parteitag in Köln abhielten. Wie gewaltig übertönen die Glocken von Genf das Gekrächz, das sich rund um den Kölner Dom erhebt! Selbst der deutschnationale Zeitungsleser über- fliegt diese Parteitagsberichte nur mit Langenveile, wenn er daneben die Berichte vom großen Tag der Völkerbundvcr- sammlung findet. Selbst ihm ist auf keine Weise beizubringen, daß die Reden der L e j e u n e- Jung, der Schlange- Schöningen und der Schiele- Schollene die eigentlichen Er- eignisse des Tages sind. Die begreifliche Verärgerung treibt die deutschnationalc Presse dem Ereignis von Genf gegenüber zu wahrhaft kindi- schem Verhalten. Was soll man dazu sagen, wcnn die„Nacht- ausgäbe" des Herrn hugenberg einen„ersten Zwischenfall in Gens" daraus konstruiert, daß Briand noch stärkeren Beifall hatte als S t r e s e m a n n? Sie findet, daß dieser Beifall„be- stellt" war, während umgekehrt der„Lokal-Anzeiger" Herrn Stresemann mit sichtbarem Behagen vorhält, daß sein franzä- sischer Partner doch ein noch viel besserer Redner sei als er! Die Erklärung für diese Verärgerung, diese verkniffene Nörgelei gibt die deutschnationale..Pominersche Tagespost", wenn sie mit anerkennenswerter Offenheit schreibt: wir standen von Anbeginn an in schärfster Gegnerschaft zu einer Politik, die uns, abgesehen vom Bersailler Schandvertrag, erst nach London. Locarno und schließlich nach Gens geführt hat. Das pommerschc Iunkerblatt zieht aber aus alledem nur den Schluß, daß die Deutschnationalen nun schleunigst in die Regierung irnißten, um dort, wie sie es ausdrückt,„Genfer M a ch t p o l i t i k" zu treiben. Was für ein Ding diese „Genfer Machtpolitik" ist, erfährt man vielleicht noch etwas deutlicher aus der„Deutschen Zeitung", die schreibt: Ein deutscher Außenminister müßte seine Aufgabe im Völker- Kunde darin erblicken, in diesem nach Kräften als Stören- fried zu wirken. Das könnte er natürlich nicht sagen: aber wir sind leider überzeugt, daß Herr Stresemann weit davon entfernt ist, an so etwas auch nur zu denken. In all diesem Treiben steckt ein Stück Konsequenz. Die deutschnationale Partei will mit allen Mitteln in die Regie- rung, um ihre Existenz als Partei zu retten. Als„natio- Antrag der Verteidiger wurde aber nochmals die Vertagung beschlossen, um sowohl den M i n i st e r wie die Klatschbasen aus der völkischen Fraktion als Zeugen zu vernehmen. Der Gang der gestrigen Verhandlung zeigte aber bereits, daß die Herrschaften um den verdienten Reinfall nicht herum- kommen werden. Mecklenburg baut. Energische Hilfe des Finanzministeriums. Schwerin, 10. September.(Eigener Drahtbericht.) Das mecklen- burgische Finanzministerium hat jetzt bereits den Städten die Mietzins st eueraufkünfte für den Wohnungsbau des Rechnungsjahres 192 7/28 zur Verfügung gestellt. In vielen Städten ist daraufhin die Verteilung der Baukosten- zuschösse für 1927 bereits erfolgt, so daß mit dem Wohnungs- bau sofort begonnen werden kann. Durch dies« Maßnahme des Finanzministeriums wird oerhütet, daß die baugewerblichen Arbeiter und Handwerker der Erwerbslosenfürsorge zur Last fallen und das Wirtschaftsleben eine Verschlechterung erfährt. Sodann wird mir der Ausführung des S i e d l u n g s p r o g r a mrn s für das Jahr 1927 sofort begonnen. Bereits in diesem Herbst soll der Bau von über 100 Siedlungen in Angriff genommen werden. Kampf um den Religionsunterricht. Schwerin, 10. September.(Eigener Drahtbericht.) Das mecklen- burgische Unterrichtsministerium ordnet an?„Das Rund- schreiben vom 5. März d. 3. über die Erhöhung der Zahl der R e l i g i o n s st u n d e n in den Volks- und Mittelschulen tritt mit Beginn des Winterhalbjahres außer Kraft. Die Zahl der wöchem- lichen Religionsstunden wird von drei auf zwei herabgesetzt." Nach dem Uusturz setzte die erste Volksregierung die beträchtliche Religion,- stundenzahl in Mecklenburg auf zwei in der Woche herab. Diese Verordnung wurde später durch den verfassungsgebenden Landtag sanktioniert.. Im Jahre 192S ließ dann die Regierung von Brandenstein durch die Rechtsmehrheit des Landtages diese Verordnung aufheben imd den Religionsunterricht wieder auf drei Stunden in der Woche erhöhen. Durch die letzte Verordnung des Ministeriums Schröder ist nunmehr der Zustand des Jahres 1919 wieder hergestellt. Der Oberkirchenrat und die mecklen- burgische Geistlichkeit erläßt gegen die neu« Verordnung stürmische Proteste. In Schwerin wurde sogar eine große Prot« st Versammlung in den Dom einberufen. Das ist deswegen interessant, weil es das erstemal ist, daß eine Kirche als Versammlungsraum für ein« öffentliche Volksversammlung her- gegeben wird. Die Verordnung tritt mit dem 1. Oktober in Kraft. Lanütag im Oktober. Die Deutsche Volkspartei hält vom I. bis 3. Oktober In Köln ihren Parteitag ab. Mit Rücksicht darauf hat der Vorsitzende der volksparteilichen Landtragsfraktion den Präsidenten ersucht, die ursprünglich für den 28. September in Aussicht genommene erste Sitzung des Landtages um eine Woche zu verschieben. Der Aeltestenrat wird diesem Wunsche höchstwahrscheinlich in seiner nächsten Sitzung am kommenden Sonnabend stattgeben. Eine Reih« Land- tagsausschüsse werden ihre Arbeiten demnächst wieder aufnehmen, so der F e m e a u s s ch u ß, der am 14. September zusammentritt, und der H a u p t a u s s ch u ß, der am 20. September eine Sitzung abhält. Großer �bbau in Zrantreich. . Auch an Heer und Flotte...■, Paris. 10. September.(Eigener Drahtbericht.) Der Minister- rat hat einschneidende, von dem Kriegsminister, dem Innenminister und dem Wiederaufbauminister vorgeschlagene Spar- und Ein- schränkungsmaßnahmen gebilligt. Es werden 10S Unterprä- f e t t u r e n, also rund eine in jedem Departement, a u f g e- hoben. In der A r m e e wird auf Vorschlag des Kriegsministers Painleoö die Friedensstärke des Offizierkorps um 2700 auf 28 800 herabgesetzt(1914: 35 000). Es werden weiter Mahnahmen ge- troffen, die Einziehung der Dienstpflichtigen erst mit 21 Jahren vorzunehmen, eine Maßregel, die die Einleitung zu einjähriger Dienstpflicht bilden und die Herabsetzung der Heeres- stärke vorbereiten soll. Die Kavallerie wird sofort um 7000 Pferde, denen später weitere 10 000 und 2000 in der berittenen Gendarmerie folgen sollen, vermindert. 350 Kasernen werden zu Volksbildungs- oder sonstigen gemeinnützigen Zwecken zur Verfügung gestellt. Zahlreiche Gendarmeriekorps werden miteinander verschmolzen, besonders in der Hasen- gendarmerie. Die Marine wird ebenfalls stark abgebaut. Roche- fort verliert den Rang eines Kriegshafens I. Klasse; Arsenale, Marinepräfektur. Depots und sonstige Verwaltungsgebäude wer- den geschlossen oder aufgehoben. Dem Hasen von Lorient werden nur Arsenale für Neubauten und schwere Marineartillerie belassen. In der Verwaltung der befreiten Gebiete werden sofort rund 500 Beamtenstellen aufgehoben und Minister Tardieu beab- sichtigt. durch langsamen Abbau bis 1927 die ganzen Verwaltungs- zweige um 50 Proz. zu reduzieren. Die Kämpfe in Griechenlanü. Plastiras im Anmarsch? pari», 10. September.(Eigener Drahtbericht.) Die Pariser Abendblätter veröisentlichen in sensationeller Aufmachung Nach- richten aus Athen, nach welchen dort eine neue Revolution aus- gebrochen und es bereits zu Straßenkämpsen gekommen sei.�Der Führer der Royalisten. General Plastiras. soll an der Spitze einer Armee auf Athen marschieren. Einer anderen Version zufolge soll die Regienmg einer Division Befehl gegeben hoben, dem General entgegenzutreten. In Athen selbst sollen schwere Unruhen im Ver- folg des Versuches der Regierung ausgebrochen sein, die republika- nische Garde, die gemeutert hatte, zum Gehorsam zurückzuführen. Die Rcgierungstruppen, die die republikanische Garde entwaffnen sollten, wurden von Maschinengewehr- u n h?l r t i l l e r i e- s e u e r empfangen. Es entspann sich in den Vorstädten von Achcn ein mehrere Stunden langer Strahenkampf. Es soll rund 50 Tote und gegen 100 Verletzte gegeben haben. Die offiziöse Athener Telegraphenagentur veröffentlicht ein Kommunique, in dem e? heißt. daß die Regierung Herr der Lage sei, und daß es gegen 12 Uhr mittags den Regierungstruppen gelungen sei, die republika- nische Garde zu überwältigen und zu entwaffnen. Die Truppen selber sollen nur wenig Verluste erlitten haben. RcgicrunksdarstellunK. Athen, 10. September.(Agence d'Athenes.) Nach einer Bc- sprechung mit dem Staatspräsidenten Konduriotis erklärte Minister- Präsident General Kondylis den Pressevertretern u. a., daß der von der Regierung errungene Sieg ein Sieg des griechischen Volkes und des republikanischen Regimes fei; die Abschaffung der Diktatur und die Gefangensehung des Diktators werde so lange eine Garantie für die Wiederherstellung der Freiheiten des Volkes nicht sein, wie die G a r d e b a t i l l o n e fortbestünden.— Die Regierung ist der Ueberzeugung, daß zwischen den Royalisten und den Kommunisten eine Verständigung erfolgt ist. Es sind eine Reihe Kommunisten und einige Führer der unversöhnlichen Royalisten, darunter der frühere Minister Worsikis nud ein Journalist, verhaftet worden. Heute hat die Stadt ihr gewöhnliches Aussehen. Die Banken und Geschäftshäuser sind ge- öffnet und die Bevölkerung geht ihrer Arbeit nach. Ausnahmezustand'. London, 10. September.(EP.) Die Regierung hat den Aus- nahmezustand proklamiert. Um 9 Uhr abends darf niemand mehr auf der Straße erscheinen und die L i ch te r in den Woh- nungen müsien gelöscht sein. Infanterie- und Kavallerietruppcn patrouillieren auf den Straßen. An besonders belebten Stellen sind Geschütze und Maschinengewehre aufgefahren. Die Truppen, die an der Niederwerfung der Meuterei nicht beteiligt sind, haben Befehl erhalten, die Kasernen nicht zu ver- lassen. nale Opposition" ist sie durch die tatsächliche Entwicklung er- lcdigt, hat sie ihre Nolle ausgespielt. Als Regierungspartei kann sie auf dem Gebiet der Wirtschafts- und Finanzpolitik den besitzenden Klassen Dienste leisten, und damit hofft sie sich zu sanieren. So stellt sich das Problem für die Deutschnationalen. Für die Mittelparteien aber stellt es sich so, ob sie alles Ge- wonnene aufs Spiel setzen wollen, um einer Partei, die einen vollständigen Bankerott ihrer sogenannten Grundsätze erlebt hat, wieder auf die Strümpfe zu helfen. Gestern hat Herr Stresemann als Außenminister von der großen MehrheitdesdeutschenVolkes gesprochen, die sich zur Völkerbundspolitik bekennt, und er hat im Namen des ganzen deutschen Volkes„freudige Mitarbeit" am gemein- samen Werke gelobt. Würde Herr Stresemann, als Parteiführer, nach Hause zurückgekehrt, jener Minderheit die Türe zur Regierung öffnen, die diese Politik bekämpft und die das gemeinsame Werk nach allen Kräften Zu schädigen bestrebt ist, so könnte er von der Welt nicht mehr verlangen, daß sie in seine Worte Vertrauen setzt. Die Sozialdemokratische Partei wird auf keinen Fall zu- geben, daß die Erfolge der deutschen Außenpolitik aufs Spiel gesetzt werden, weil eine bankrotte Partei sich sanieren will. Im Interesse des inneren wie des äußeren Friedens ist viel- mehr zu verlangen, daß dem Gerede von der Wiederkehr der Deutschnationalen in die Regierung endlich ein Ende bereitet wkrd. Sonst wird es bald notwendig werden, den gefchaffe- nen Spannungen ein Ventil zu öffnen durch Reichstags- Neuwahlen und das Volk selbst darüber entscheiden lassen, ob es von den Gestrigen, den Gewesenen regiert werden will oder nicht. Stanü üer Erwerbslosenunterftützung. Rückgang der Arbeitslosigkeit. Amtlich wird mitgeteilt: Der Rückgang in der Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in der Erwerbslosenfürsorge hat in der zweiten Augusthälfte in stärkerem Maße angehalten. Die Zahl der männlichen Hauptunterstützungsempfänger ist von 1 286 000 am 15. August auf 1 246 000 am I. September 1926 zurückgegangen. Die Zahl der weiblichen Hauptunter- stützungsempfänger von 317 000 auf 303 000, die Gesamtzahl von 1603 000 auf 1549 000. Der Gesamtrückgang beträgt also rund 54 000 oder 3,4 P r o z e n t. Die Zuschlagsempfänger, d. h. die unterhaltungsberechtigten Angehörigen Vollerwerbsloser, haben sich In einem ähnlichen Ver- hältnis vermindert. Während des ganzen Monats August ist die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger um 103000, d. h. um 6.3 Proz., zurückgegangen, gegenüber einem Rückgang von 89 000, d. h. 5 Proz., im Juli. Verleumder vor Gericht. Klage Hirtfiefers gegen das„Deutsche Tageblatt". Schon vor mehreren Wochen fand der erste Termin gegen den Verleumder Lippert vom.Deutschen Tageblatt" statt, das über den Minister Hirtsiefer Schauermärchen in die Welt gesetzt hatte. Hirtsiefer fall angeblich bei einem Aufenthalt in Wien in Begleitung von zwei S i räH'en m'a d ch e n völlig betrunken ' gewesen' sein. Beim«rften Termin war Lippert nicht anwesend. Gösterst war er endlich erschienen. In der Verhandlung trat als einziger Zeuge Ministerialrat Peters auf. Er bekundete unter Eid, daß er während des ganzen Aufenthalts des Ministers in Wien ständig mit ihm zusammen gewesen sei, und daß sich die von dem völkischen Verleumderblatt behaupteten Vorgänge gar nicht zugetragen haben könnten. Die völkischen Verleumder konnten sich nur auf Klatscherzählungen stützen. Der Staatsanwalt beantragte gegen Lippert sechs Monate Gefängnis. Auf Menschen. Von Hardy W orm. Weißt du, wo du die Menschen kennen lernst? Du meinst w ihren vier Pfählen, auf der Arbeitsftött«? Du meinst in den Gesäng- nissen und Kaschemmen, auf den Schiffen und in der Straßenbahn? Uuch dort. Auch dort lernst du die Menschen kennen. Aber nirgends siehst du sie nackter als aus den schmalen Gängen des Gerichts, als in den Sälen, wo Menschenpein und Menschenleid dir in die Ohren greint. Nicht in den Schwurgerichtssälen, wo«in schneidiger Staats- anwalt den Kopf des Angeklagten verlangt, fondern in den kleinen SAWmen des Amtsgerichts, wo Beleidigungen und Tätlichkeiten ge- iühnt, wo Ehen getrennt werden. Wieviel Haß ist aus der Welt, wieviel Haß ist in den Menschen, glühender Haß. Wieviel Leid tragen die Menschen, tränenschweres Leid. Da gehen sie unruhvoll auf und ab in den Gängen. Di« Geschöftsmädchen, die Arbeiter, die Chefs, die Prostituierten; da marschieren sie all« auf, die Duldsamen und die Ungerechten, die Aufrechten und Geschlagenen, die Klugen und die Einfältigen. All« marschieren sie auf. Di« einen sind de- nommen, nur schwer fallen die Wort« von ihren Lippen; die anderen sind selbstbewußt, Augen und Ohren auf Deck. Und dann sind da die Richter, o es gibt weis«, weltweif« Männer des Gesetzes. Du er- kennst sie sofort; sie hören nicht teilnahmslos zu, sie steigen tief hinein in die Menschen. Sie sind gütig und hUfsbereit. Aber da sind auch trocken« Parographenmenfchen, ihre Stimme knattert wie Pergament- papier; sie hören zu und hören doch nichts, sie sehen und sehen doch nichts. Sic sagen:„Das ist ja sehr interessant!" und denken an ihr Frühstück. Sie sagen„Iaja" und meinen:„Das kennen wir. Auf den Schwindel fallen wir nicht mehr rein." Es ist schwer, Richter zu sein. Die meisten inachen es sich zu leicht. Man lernt die Menschen kennen in den Gerichtsgobäuden. Die Aufrechten und die Geschlagenen, die Klugen und die Einfältigen, die Brutalen und die Zartfühlenden. Wegen eines Wortes, wegen eines unbedachten Wortes öffnen sich Abgründe, tut sich die Hölle auf. Da bilden sich feindliche Lager, da wirkt jede Gebärd« aufreizend, vergiftend. Man merkt erst, aus wieviel Dörfern dieses große, weit- städtisch«. Berlin besteht, wenn man einer Verhandlung beiwohnt, in der Hausbewohner als Zeugen auftreten. Dieser Klatsch, der herum- spritzt. Jeder weiß etwas vom anderen. Da ist keiner im Haus, der unbeobachtet bleibt. In solch einem Hause mit den dunklen Höfen und den vieleii. vielen Wohnungen liegt alles im Hinterhalt, liegt immer der vergiftete Pfeil auf der Sehn«. Und wieviel Dramen rollen sich erst in den Ehescheidung?- tammern ab. Wieviel Tränen strömen. Man hält es mitunter nicht für möglich, mit welcher Feindseligkeit sich Menschen gegenüberstehen, die fünf, zehn Jahr« long Tisch und Lagerstatt geteilt haben. Haben sie sich jemals geliebt, haben fi« sich jemals aufrichtig geliebt? O sicher hoben sie geglaubt, es zu tun. Aber dann kamen die Enttäuschungen. Ein Menschenleben ist reich an Enttäuschungen. Hier fällt ein Stück und., dort-bröckelt ein Stück. Bis dann alles so ausgehöhlt und so mürbe ist, daß der Bau zusammenfällt. Jahrelang gehen dann die Menschen nebenemander her. Sie lieben sich nicht. Sie hassen sich nicht. Sie find stumpf geworden und gleichgültig. Dieser entsetzlich« Krieg hat vieles, hat all«? verschuldet. E» gibt kein Heim. Der Mensch ist unstät geworden. Sein Zimmer, dieses«in« Zimmer, in dem sich eine junge Ehe entfalten soll, wirkt erdrückend. Es ist kein Rainn in der kleinsten Hütte. Es ist«ine Gedankenlosigkeit, das Gegenteil zu behaupten. Wir sind nicht mehr so primitiv wie vor hundert Jahren. Und dann gibt es noch ander« Hemmnisse. Di« Eheleute wohnen bei den Eltern. Sie fühlen sich unfrei, sie fühlen sich beobachtet. Sie lasten die billigen Ratschläge der Alten, die nicht mehr in diese Zeit passen, über sich ergehen. Sie lasten sie über sich ergehen, Auflehnung und Nachsicht im Herzen. Sie werden einander entfremdet. Und dann stehen sie vor einem Richter. Sie fasten sich nicht bei der Hand, sie fassen sich nicht freund- schaftlich bei der Hand und sagen:„Sieh her. Wir haben uns geirrt. Wir passen nicht zueinander." N«w, sie blicken sich voll Haß an. Voll Haß, weil si« sich einmal geliebt haben. E» gibt aber auch gute und glückliche Menschen. Von denen wollen wir nicht sprechen. Denn sie wünschen nicht, daß man von ihnen spreche. hauptstäöte auf veftellung. Die neue Haupsttadt Zlustraliens, Canberra, geht der Voll- endung entgegen und wird im Frühjahr nächsten Jahres mit großen Feierlichkeiten eingeweiht werden. Diese Hauptstadt eines großen Landes ist in einer bis dahin unbewohnten und abgelegenen Gegend tatsächlich„auf Bestellung" entstanden. Nach der Eröffnung des ersten australischen Bundesparlaments im Jahre 1901 beschloß man, eine würdige Hauptstadt zu errichten und die dafür geeignete Stelle auszusuchen. Die Gegend von Canberra wurde schließlich»ach langem Suchen für die geeignetste erklärt und ein Gebiet von 1500 Quadrat- kilometer als Riesenbauplatz erworben. Das war im Jahre 1910. Der Verwirklichung des Planes trat dann der Krieg hindernd ent- gegen, und so wurde die Bautätigkeit erst 1920 mit großem Eifer aufgenommen. So seltsam uns der Gedanke erscheinen mag, eine Wildnis plötzlich in eine Hauptstadt mit herrlichen Bauten und in den kulturellen Mittelpunkt eines Landes zu verwandeln, so ist doch die Tat der australischen Regierung nicht ohne Vorgänger. So manche Hauptstadt ist„auf Bestellung" geschassen worden. Washington oerdankt einem ganz ähnlichen Entschluß sein« Cntstehung. Als die Unabhängigkeit der nordamerikanischen Staaten glücklich erfochten war, da beschloß man, eine ganz neue Stadt als Hauptstadt der neuen Republik anzulegen. 1790 wurde an der Grenze von Maryland und Virginia ein Gebiet ausgewählt, das von den beiden Staaten getrennt und direkt unter den Kongreß gestellt wurde. 1793 wurde der Grundstein für das Kapital gelegt, und 1800 hielt die Regierung der Vereinigten Staaten ihren Einzug in das neue Heim. Seitdem hat sich Washington zu einer d«r schönsten Städte der Welt entwickelt. Auch Ottawa, die Hauptstadt Kanadas, ist„auf Bestellung" entstanden. Die Stadt, die ursprünglich Bytown hieß, war von ganz untergeordneter Bedeutung, bis sie zur Hauptstadt erwählt ivurde. Zwei berühmte europäische Beispiele der künstlichen Schassung von Hauptstädten sind Petersburg und K o n st a n- t i n o p e l. Als Peter der Große den Plan faßte, seinem Lande eine neue Hauptstadt zu schenken, die«in Sinnbild der Hinwendung zur westlichen Kultur werden sollte, da ersah er als Stätte eine wüste sumpfige Gegend an den Usern der Newa aus. Wölfe waren damals die einzigen Bewohner der Wälder, die niedergehauen werden mußten. Noch heute ist die jetzt Leningrad genannte Stadt von einer Einöde umgeben. Seinen Ratgebern erschien diese Wahl als heller Wahnsinn, aber Peter war nicht umsonst der Selbst- Herrscher aller Reußen, und Widersprüche bestärkten ihn in seinem Entschluß. Infolge des ungesunden Klimas und der großen Schwierigkeiten starben Hunderte der Arbeiter, die sich zum großen Teil aus schwedischen Gefangenen zusammensetzten, aber die Stadt wurde gebaut und war 200 Jahre Rußlands Hauptstadt. Lluch Konstantinopel ist die Ncugründung eines Herrschers, nämlich Kon- stantins des Großen, der hier an der Stätte des alten Byzantium die neue Hauptstadt für sein Weltreich schuf. Ein internationales Bureau der Museen. Ueber ein vielseitiges Programm, mit dem die Kunstkommission des Völkerbundes hervor- getreten ist. wird in„Kunst und Künstler" berichtet. Danach soll ein internationales Buicau der Museen errichtet werden, das nicht nur den geistigen Austausch zwischen den einzelnen Instituten vermittelt, sondern auch einzelne Kunstwerke austauschen soll. Außerdem wird eine internationale Zeitschriftenschau geplant und die Errichtung eines Museums primitiver Kunst. Ein Völterbundkongreß für Volkskunst mit einer arohen Ausstellung soll stattfinden, dessen Ziel die Wiederbelebung der Volkskunst ist. Konseren; über die Frage der SOjähriqen literarischen Schuh- seist. Im Jahre 1927 wird in Rom eine Konserenz sämtlicher der Bcrner literarischen Konvention angeschlossenen Regierungen statt- finden, die sich ausschließlich mit der Frage einer einheitlichen Ver- längerung der Schutzfrist für literarische Erzeugniste aus 50 Jahre beschäftigen soll. Die deutschen Autorenverbände und großen Ver- lagsanstalten beabsichtigen ein« große gemeinsame Aktion zugunsten dieser Forderung durchzuführen; es wird u. a. darauf verwiesen, daß, falls diese Frage nicht einheitlich geregelt wird, die Gefahr be- steht, daß der Druck neuer Werke in größerem Umfange nach Frank- reich veraeben wird, das bereits ein 50jährige Schutzfrist besitzt. Das preußische Mitiisterium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung ist gegenwärtig damit beschäftigt, die Ansichten aller beteiligten Kreis« über diese Frage einzuholen. Rabindranalh Tagur, der berühmte indische Dichterphilosoph, kommt auf seiner Eurovareise heute nachmittag von Hamburg in Berlin an. Er wird am 13. September in der Philharmonie einen Vortrag halten. Tagur wird während seines Berliner Ausenthalte, vom Reichspräsidenten und vom Kultusminister empfangen werden. Dl« ersten Sonderveranstolwngen der volt»b«hoe bringen am 17. Erp' tember eine Vorlesung Hans ReimannS aus seinen eigenen tverken und am 2S. September eine Tanzmatinee, in der Rudolf L a b a n mit feiner Gruppe Glucks Ballett.Don Juan" mit Orchester- begleitung zur Auisflbrurn, bringen wird. Der Knricnvcrkaus sllr beide Veranstaltungen hat in den Zahlstellen der VoltSbühne it. V. bereit» begonnen. Staatsoper. Tino Pattiera tritt am IS. September sew Engagement an. Er wird zunächst gemeinsam mit Heinrich Echlusnu«, der gicichsall« hiermit seine diesjährige Verpflichtung beginnt, am 17. ta, O a i a»» t' und am 19. im.Troubadour- austrete». Hermann Molkenbuhr. Zu seinem 7Z. Geburtstage. Hermann Molkenbuhr vollendet heute sein 7S. Lebensjahr. Noch immer nimmt der Alte mit nie ermüdendem Pflichteifer seinen Platz im Bureau des Partcivorftandes ein, noch immer, trotz der Last der Jahre, steht er mit seinem klugen Rat und der Fülle seiner Spezialkenntnisse den jüngeren Kollegen helfend zur Seite. Es ist gewissermaßen der Typ des aus seiner Klasse.zur Führer- schaft emporgewachsenen Arbeiters. Aus dem kleinen Orte Wedel in Holstein, wo er am 11. September 1851 zur Welt kam, ist er den dornenvollen Weg des Proletarierkindes gegangen. Erst die kümmer- liche Volksschule seiner Heimat, dann«ine„Abendschule für die in Fabriken tätigen Kinder" brachten ihm die allernotwendigsten Kennt- niss« bei. Aber als er den Beruf des Zigarrenmachers erlernte, und in all den folgenden Jahren arbeitet« er unermüdlich an seiner Fort- bildung weiter. Ganz früh schon stand er mitten in der jungen Arbeiterbewegung. Kaum 23 Jahre zählt« er, als ihn die Orts- gruppen Ottensen und Lockstedt des Allgemeinen Arbeitervereins (Lassall«) zu dem Gothaer Einigungskongreß delegierten, der im Jahre 1873 die beiden Flügelparteien Lassalleaner und Eisenacher zur Einheitspartei verschmolz. Seit jener Zeit findet man den Namen Molkenbuhr immer wieder in der Parteigeschichte verzeichnet. Das Sozialistengesetz brachte ihm die Ausweisung aus dem Hamburger Gebiet«. Di« Wirtschastskrise trieb ihn über den„großen Teich" nach Amerika. Aber schon 1884 kehrt« er zurück, um an dem stillen zähen Kampfe gegen Polizeiwilltür und Bismorcksche Gewaltpolitik teil- zunehmen. 1891 trat er in die Redaktion des'Hamburger Echo' ein. Ihr gehörte er an, bis er 1904 in den Parteivorstand gewählt wurde und deshalb nach Berkin übersiedeln mußte. Als Abgeordneter— von 1890 bis 1924 gehörte er mit nur kurzen Unterbrechungen dem Reichstage an— wandte er sein Jnter- esse vor allem den sozialpolitischen Fragen zu. Auf dem Felde der Sozialpolitik war er bald unbestrittener Sachkenner. Lange Jahre gehörte er als erster Sozialdemokrat dem Reichs- ausschuß, späteren„Beirat für Arbeiterstatistik" an. Seine unbestech- liche Sachlichkeit, verbunden init außerordentlichen Einzelkenntnisicn, schafften ihm im Reichstage auch bei den Gegnern ein großes Ansehen. Die Schöneberger Genossen wählten ihn 1907 in die Rathaus- fraktion. 1913 wurde er unbesoldeter Stadtrat. Auch in der Internationale hat Molkenbuhr» Name einen guten Klang. Der erste internationale Sozialistenkongreß— 1899 in Paris— sah ihn als Delegierten. Auch von den später folgenden Kongressen dürfte er nur wenige oersäumt haben. Wir grüßen heute unseren alten Freund mit besonderer Herz- lichkeit und wünschen ihm noch lange Jahre geistiger Frische und frohen Schaffens. Wir sind überzeugt, daß die ganz« Sozialdemo. kratie sich diesen Geburtetagswünschen anschließt. Internationaler Gliickwnnsch. Genf. 10. September.(Eigener Drahtbericht.) Auf Anregung skandinavischer Genossen unter den Völkerbundsdelegierten ist heute folgendes Telegramm nach Berlin abgegangen: Sozialdemokratischer Parteivorstand, Berlin, Lindenstraße 3. Die sozialdemokratischen Mitglieder der gegen- wärtig in Genf tagenden Völterbundsversammlung senden dem oerehrten Vorkämpfer der deutschen und inter- nationalen Arbeiterbewegung, dem Genossen HermannMolken- buhr, ihr« herzlichsten Glückwünsche anläßlich seine« fünfund- siebzigsten Geburtstages. F. Borgbjerg(Dänemark). Boncour(Frankreich). Breitscheid(Deutschland). de Brouckere(Belgien). I. Engberg(Schweden). I o u h a u x(Frankreich). Niedzialkowski(Polen). Posner(Polen). Thomas(Arbeitsamt). U n d ö n(Schweden). Danderoelde(Belgien). Aus Molkenbuhrs sozialer Praxis, Auf dem Münchener Parteitag, 1902, begründet« Molkenbuhr eine das ganze Gebiet der Arbeitersicherung um- fassend« Resolution, in der eigentlich schon plasttsch die Idee der Existenzversicherung heraustrat. Zwölf Jahre später, 1914, sollte er auf dem Wiener Internationalen Kongreß über da- Problem der Arbeitslosigkeit sprechen. Bor der Tagung dieses Kongresses brach der Riesenbrand des Weltkriege» aus und legte in Asche alle die sorgfältigen Vorbereitungen zu einer Berständigung der Nationen für eine großzügig« staatliche Arbeits- losenverficherung. Die Molkenbuhrsche Resolution zum Arbeitslosen- problem betrachtete die Arbeitslosenversicherung als ein Mittel zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, und sie stellte die noch jetzt sehr aktuellen Forderungen auf: Die Arbeitslosigkeit kann vermindert werden: 1. Durch Steigerung der Konsumfähigkeit der Arbeiter. 2. Durch Regelung resp. Verkürzung der Arbeits- zeit. 3. Durch Ausführunug von Arbeiten, die im Interesse der Kultur geboten, wie Bau und Einrichtung von Schulen, Krankenhäusern, Genesungsheimen, Heilstätten zur Bekämpfung gemeingefährlicher Krankheiten, serner Bau von gesunden Ar- beitcrwohnungen. 4. Schaffung von Werken zur Förderung des Verkehrs, wie Bau von Eisenbahnen, Wasserstraßen usw. 5. Urbarmachung von Oedländereien. Dieses Programm Molkenbuhrs, das auf dem verhinderten Kon- greß nicht mehr beraten werden konnte, kann uns heut« noch als Wegweiser dienen. Fackelzug zu Mollenbuhrs Ehren. Unserem Parteiveteranen Molkenbuhr brachten gestern abend die Schöneberger Genossen einen Fackelzug dar. In der Dennewitzstrahe sammelten sich gegen 8 Uhr die Parteigenossen aus Schöneberg und das Reichsbanner aus den Bezirken Tiergarten und Schöneberg mit ihren Bannern und Fahnen, mit zwei Tam- bourkorps und einer Musikkapelle. Arbeiter, die von ihrer Arbeits- stelle kommen und den Grund de« Festzuges erfahren, schließen sich freiwillig an Nach einem langen Ummarsch durch Schöneberg hält der Zug vor dem Hause F e u r i g st r. 3 8. Oben auf dem Balkon im 3. Stockwerk flammen Fackeln auf. Brausende Zurufe schallen zu dem Funiuiidsiebzigjährigen empor, als er auf dem Balkon ficht- bar w'rd. Die Musik intoniert„In Kümmernis und Dunkelheit. Dann sprach Genosse Franz v. Puttkamer im Namen der Aersmnrnetten, mn den Geburtstag«ine» Mannes zu feiern, der über 30 Jahr« in der Partei für unsere Ideal« kämpft. In seinem Sie Krise der Rechtspfiege. Landeskongretz der Internationalen kriminalistischen Vereinignng. Bonn. 10. September.(Eigener Drahtbericht.) Nach der gestern abend erfolgten Begrüßungsfeier trat heut« morgen der Deutsche Lande skongreß der JKV. in den Räumen der Universität in seine sachlichen Verhandlungen ein. Gleich nach Erössnung der Sitzung verlas der Vorsitzende der Tagung. Reichsanwalt Dr. E b e r m a y e r, einen Brief des Genossen Prof. Dr. R a d b r u ch, dessen Inhalt auf die Versammelten sichtlich einen starken Eindruck machte. Er hatte folgenden Wortlaut: Herr Oberreichsanwalt a. D. Dr. Ebermayer, Leipzig. Hochverehrter Herr OberreichsanwaltI Ich sühle mich verpflichtet, Sie über die Gründe meine» Fernblei be ns von der Bonner Versammlung der JKV. in Kenntnis zu setzen. Die Innsbrucker Versammlung der JKV. hat einstimmig dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß die Frage des vertrauen» in die Rechtspflege auf die Tagesordnung der nächsten Versammlung der JKV. geseht werde. Der Vorstand hat diesem Wunsche nicht stattgegeben. Ich verkenne die Schwierigkeiten nicht, die den Vorstand dazu veranlaßt haben, aber mit einer Reihe einfacher Maßnahmen hätte ihnen begegnet werden müssen. Dieser Beschluß der Versammlung war eine rechts- politisch bedeutsame Kundgebung. Zum erstenmal zeigte ein Fachorgan der Rcchtsgelehrten Verständnis für die Beunruhigung weiter Voltskreise über die Rechtspflege, indem es sich bereit erklärte, den Gründen dieser Beunruhigung nachzugehen. Das Unterbleiben der Ausführung des der Oesfent- lichkeit bedeutsam gewordenen Beschlusses hat die günstige Wirkung inihr Gegenteil verkehrt und dem Ansehen der JKV. als eine im Geiste Franz v. List vorwärts treibende rechtsreformatorischc Organisation schweren Abbruch getan. Jnzwische haben neue Ereignisse, zuletzt der Magdeburger Fall, gezeigt, daß das durch den Beschluß der JKV. entstandene schwie- rige Problem doch wohl solcher Art ist, daß ein« Organisation, wie die JKV., nicht mit geschlossenen Augen daran vorbeigehen dürfte. Meine weitere Teilnahme an den Arbeiten der JKV. wird wesent- lich von der Haltung abhängen, welche der Vorstand in dieser sür die Zukunft der Strafrechtsreform entscheidenden Frage einnehmen wird, und ich bitte, dieses Schreiben der Bonner Ver- sammlung zur Kenntnis zu bringen. Als nach der Verlesung dieses Briefes der Vorsitzende meint, er habe nichts dazu zu sagen, bat Genosse Dr. Kurt R o s e n f e l d um« Wort. Der Vorsitzende bat, eine Diskusston erst nach der Erledi- gung der Tagesordnung vorzunehmen. Genosse Dr. Rosenseld er- klärte sich damit einverstanden, meint aber, daß er mit einer D i s- k u s s i o n über diesen Brief nur oermeiden wollte, daß der Brief einfach nurzur Kennt» i» genommen werde. Darauf erhielt als erster Berichterstatter Prof. v. Dohna das Wort zum Thema über das richterliche Ermessen. Im Verlauf« seines Vortrages fand er viele treffende Worte zur Charakterisierung des Mißtrauens weiter Volks- schichten zur Ju st iz. Er führt« u. a. au«: Es handelt sich darum, ob angesichts der Unfertigkeit und Unsicherheit der anzu- wendenden Methyde es dem Gesetzgeber empfohlen werden kann, den Richter mit so schwerer Verantwortung zu betasten und daß dabei das Maß des Vertrauen» mit in Rechnung gezogen werden muß, dessen sich der Richterstand erfreut. Mit Argwohn und Miß- trauen im Herzen darf der Gesetzgeber die Zügel'nicht aus der Hand geben. Tut er es, so soll er sich auch zu seinem Mut be- kennen und Sorge tragen, daß In der Seele des Richters die Bürde zur Würde werde. Im vollen Bewußtsein der großen Tragweite des Prinzips und der Gefahren, welche damit verknüpft find, bin ich geneigt, die Frage zu bejahen. Der ungleiche Zustand, in dem sich die Strafjustiz zurzeit befindet, wird und muß überwunden werden oder es sind Schäden zu gewärtigen, denen mit g e s e tz- geberischen Maßnahmen ohnehin nicht abgeholfen werden kann. Es darf gesagt werden, mit Argwohn und Mißtrauen im Herzen sei eine Reform des Strasrechts überhaupt nicht durch- zusühren. Die Ermöglichung weitgehender Individualität ist ohne bewußte Freigabe des richterlichen Ermessens nicht zu erreichen. Der Staat soll den Richter erziehen zur freien Betätigung und nicht Ketten schmieden, die sie er- sticken, er soll klar und deutlich das Ziel weisen, soll den Geist und Sinn erkennbar machen, in denen er die Ordnung wissen will, und Werkzeuge heranbilden, die sähig und willig sind, seinen Willen zu erfassen und in das Leben umzusetzen. Dazu mitzuhelfen, nicht aber die Grundlagen zu erschüttern, auf denen eine gesunde Rechtspflege sich allein entfalten kann, ist Pflicht und Beruf des Richterstandes. Wir haben schwere Erschütterungen de» Rechtsbewuhsseins erlitten und sind über die Gefahrenzone noch lange keineswegs hinaus. * IJ. R. Köln. 10, September.(Eigener Drahtbericht.) Während des ganzen ersten Verhandlungstages kam es immer wieder zu leb- haften Auseinandersetzungen. Trotzdem die Frage des Vertrauens in die Rechtspflege nicht auf die Tagesordnung gesetzt war, bildete gerade dieses Problem gewissermaßen den Angelpunkt aller Reden. Den Nagel auf den Kopf traf Genosse Dr. O b o r n i k e r in einem Zitat aus einer Lisztschen Arbeit vom Jahr 1906. Professor Franz v. L i s z t der Gründer der JKV., macht darin der Strafprozeß- tommission den Vorwurs, ihr« wichtigste Ausgabe nicht erfüllt zu haben. Diese Aufgabe, sagte er, ginge dahin, die Gründe klarzulegen. aus welchen— wie die Motive zu der Regierungsvorlage von 1893 zugeben— das Vertrauen de s Volkes in unsere Strafrechtspflege erschüttert ist, und damit die Richtung zu bestimmen, in der sich die R e s o r m v o r s ch l ä g e zu bewegen haben. Auch der zweite Berichterstatter, dos Mitglied des Reichstages, Londgerichtsdirektor W u n d« rl i ch- Leipzig, mußte zugeben, daß die Richter der Ausgabe, die das Strafgesetzbuch ihnen stellt, nicht gewachsen wären. Es müßten— so meinte er— Mittel und Wege gesunden werden, den Richterstand zu heben, nicht zuletzt durch die Schaffung eines leistungsfähigen richterlichen Nach- wüchse». Auch müßte der Richterstand materiell gehoben werden, damit die befähigten, ausstrebenden Juristen einen Anreiz hätten, die dornenvolle Richterlausbahn zu wählen. Noch vor der Mittagspause trat dann die Versammlung in die Diskussion über Prosessor Radbruchs Brief ein. Genosse Dr. Rosenseld forderte den Vorstand aus, die Gründe sür die Nichtansetzung der Frage de» Vertrauens in die Rechtspflege auf die Tagesordnung zu setzen. Professor v. L i l i e n t h a l erklärte, daß dafür der Umstand ausschlaggebend war, daß dieses Thema für «ine wissenschaftliche Behandlung nicht geeignet sei. Professor Rad- bruch habe sich mit Unrecht auf Franz v. Liszt berufen. Professor K o h l r a u s ch bekämpfte die Erklärung Prof. v. Lilienthals, indem er sich als ein Motiv für die Nichtansetzung des Themas aus die Tagesordnung berufe. Außerdem sei es unmöglich gewesen, einen Referenten zu finden. Genosse Dr. Rosenfeld meinte, der Vorstand habe in diesem Fall abgedankt. Genosse Dr. O b o r n i k e r äußert sich ungefähr in demselben Sinn. Schließlich erklärt Justiz- rat Drucker- Leipzig, daß man Prosessor Dr. Radbruch Unrecht tun würde, daß man ihm, der dieses Thema in Innsbruck in Bor- schlag gebracht hatte, irgendwelche parteipolitischen Gründe unterschieben wollte. Er sei es gewesen, der das freie richterliche Ermessen in dem Strafgesetzbuchentwurf eingeführt habe. So sei er auch zur Frage gekommen, ob das Vertrauen in die Justiz erschüttert sei. Die von Dr. R o s e n f e l d und Genossen eingebrachte Resolu- tion, die das Bedauern über die Nichtansetzung des Themas aus- spricht, wurde gegen 11 Stimmen abgelehnt. In der Diskussion über den Verhandlungsgegenstand hielt es kein einziger von den Rednern für angebracht, gegen die von den Berichterstattern ausgestellt« These des Mißtrauens in die Rechtspflege Einspruch zu erheben. Im Gegenteil: sieben Ver- leidiger der Erweiterung des richterlichen Ermessens(Prof. Freudenthal, Prof. R o s«n f el d-Mütfster, so auch deren Verneiner, Rechtsanwalt Al s b e r g- Berlin, Justizrat Drucker- Leipzig) unterstellten die Richtigkeit dieser These. Für Richterwahl trat Genosse Dr. Oborntker ein. Einen Rechtsertigungsversuch macht« der Vorsitzende des Deutschen Richterbundes, Senatspräsident Reichert. Er kon- statiert«, daß der Richterstand bei den Diskussionsrednern eigentlich sehr glimpflich davongekommen sei. Er gab zu, daß in der letzten Zeit eine ganze Reihe von Fehlsprüchen vorgekommen sei, doch es sei nicht richtig, daß die Richterorganisa- tion diese deckten. Es sei einfach unzulässig, daß eine private Organi- sation über die amtlich« Tätigkeit ihrer Mitglieder zu Gericht säße. Die Richterorganisation habe immer nach Mitteln und Wegen ge> sucht, die Kluft zwischen Justiz und Volk zu überbrücken. Ver- wunderlich sei es aber, daß dieselbe Partei, die immer für die Er- Weiterung des richterlichen Ermessens eingetreten sei, plötzlich gegen sie Front mache. Die deutschen Richter seien bereit, die Bürde des freien Ermessens aus sich zu nehmen. Als letzter Redner antwortete Genosse Dr. Rosenseld dem Senatspräsidenten Reichert. Er konstatiert«, daß die sozialdemo- kralische Stellungnahme notgedrungen durch die veränderte Haltung der Justiz verursacht sei. Cr bedauerte, daß die Richterorganisation zu den Fehlsprüchen ihrer Mitglieder n I e Stellung genommen hätte und dadurch das Mißtrauen gegen die Justiz nur erhöht worden sei. Er erinnerte u. a. an den Magdeburger Richterverein. der sich hinter K ö l l I n g gestellt habe. Er charakterisierte die Stel- lung einer großen Anzahl von Richtern gegen die Republik und berief sich auf den Vortrag des Grafen Dohna, der das Miß- trauen gegen die Justiz anerkannt habe. Die Abstimmung über die Resolution wurde auf morgen vertagt. Die Genossen R o s e n f e l d, Oborniker, Dr. Rubens. Dr. Holpert und Genossen haben ihrerseits folgende Resolution eingebracht:„Jede Aenderung des freien richterlichen Ermessens bei der tiefen Erschütterung des Vertrauens zur Rechtspflege, der jetzigen Vorbildung und Auslese der Richter, sowie der geltenden Gerichtsverfassung und Strafprozeßordnung ist abzulehnen. Hieraus folgt, daß der vorliegende amtliche Strafgesetzbuchentwurs in seiner grundsätzlichen Einstellung ab z u l e h n e n ist." Außerdem sind«ine Reihe von Resolutionen eingebracht, die zum Teil auf Aenderung verschiedener Paragraphen des Strafgesetzbuchentwurfs abzielen. wechseloollen Leben hat er mehr als einmal den Beweis dafür an- getreten, daß er für die Partei selbst die größten Polizcischikanen ertragen konnte. Diese Kundgebung vor Ihren» Hause soll zeigen, daß wir treu zu unseren Führern stehen. Ergriffen dankte der Gefeierte In einer Ansprache:„Als ich vor fünfzig Jahren in die Politik kam, haben wir das alte Lied„In Kümmernis und Dunkelheit" gesungen. Ich habe damals nicht ge- glaubt, daß ich es noch erleben werde, wie dies stolz« Banner uns bei unseren Kundgebungen voranwehen, daß es zum Symbol eine» neuen Staates werden würde. Wir haben einen neuen Staat. In ihm arbeiten wir sür die Erreichung unserer Ziele." Mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie und auf die Republik schloß Her- mann Molkenbuhr seine Ansprache. Entblößten Haupte» und unter dem Gesang unser«, alten Kampf- liedes, der„Internationale", marschierte der Zug, der rund fünf- tausend Personen uinfaßte, ob. Rumänische Zustande. Gefangenenmord und Judenverfolgung. In den letzten Tagen lausen Nachrichten aus Rumänien ein, die besagen, daß die Verfolgung der politischen Ge- sangenen in ungeheurem Maße verstärkt wird. Da» Völker- bundsmitglied Rumänien, das nun sogar in den Rat gewählt wird, scheut sich nicht, Methoden anzuwenden, die denen finsterster und fernster Vergangenheit mindestens gleichkommen. D'.e Volksführer Tkatschenko und Stefano aus Bessara- bien wurden vor einigen Wochen wieder festgenommen. Stefano wurde in den letzten Augustiagen in das berüchtigte Zuchthaus I i l a v a in Isolierhaft gebracht. In Rumänien werden die Ge- sangenen gefoltert, was zuletzt wieder in dem großen Ezerno- witzer Prozeß gerichtsnotorisch festgestellt wurde. Tkatschenko ist nach Auskunft der Siguranza(Staatspolizei), bereits— verschwunden, d. h. ermordet... Seit dem Einzug von elf Hakenkreuzlern ins rumänische Parlament werden auch die Juden immer stärker drangsaliert, obwohl Rumänien in mehreren internationalen Verträgen, freilich nur unter dem Druck der Westmächt«, alz dies« noch nicht sein« Verbündeten waren, anständige Behandlung der Juden feierlich gelobt hat. Seit 1923 wird an den Universitäten in Rumänien den jüdischen Studenten verwehrt, die Räum« der Hochschul« zu betreten. Jeder Versuch wird mit Gewalt verhindert. Als Einwohner A l t rumäniens können die gequälten Juden nicht einmal den Minderheitenschutz des Völkerbundes anrufen. Er sollte trotzdem sich fein neuez Ratsmitglied gründlich vornehmen. Kuba ist ein« selbständig« Republik, seitdem Onkel Sam, der es den Spaniern abgenommen, ihm das eilnub» hat. Der Präsident hat jetzt seinen Völkerbundsdelegicrten beauftragt, sich auf cinen „halbständigen' Ratssitz nicht ein- und niederzulassen, denn Kuba nehme nur einen st ä n d i g e n Ratssitz an. Neben dem berühmten Tabak scheinen dort auch ganz besonders große Rosinen zu gedechen. Der englisthe Gewerkschaftskongreß. Die Frage der gewerkschaftlichen Einheit. Vournemouth, 10. September.(Eigener Drahtbericht.) Im Mittelpunkt der Verhandlungen des vorlegten Tages des britischen Gervcrkschastskongresses stand die Frage der gewerkschaftlichen Ein- hcit. Auch in dieser Frage zeigte sich der Kongreß, sowohl in der Diskussion als in seinen Entschließungen, zurückhaltender als seine beiden Vorgänger, wozu nicht wenig das gestern übermittelte Telegramm T o m s k i s beigetragen hat, das unter einer großen Mehrheit des Kongresses außerordentliche Verstimmung gegen die Russen erzeugt hat. Der Kongreß verwarf mit er- staunlich großer Majorität eine ihm vorliegende Entschließung, in welcher der Generalrat beauftragt werden sollte, in Amsterdam aus die Einberufung einer Einigungskonferenz mit Amsterdam und Moskau hinzuwirken, die an keinerlei Vorbedingungen geknüpft sein sollte. Dagegen nahm der Kongreß eine im Namen des General- rats von P u r c e l l unterstützte Entschließung an, in der sich der Kongreß für die Notwendigkeit der Schaffung einer einzigen einheitlichen G e w e r k s ch a f t s i n t e r n a t i o- » a l e ausspricht, sein Bedauern darüber betont, daß die bisherigen Versuche nicht zum Ziel geführt haben und den Generalrat auf- fordert, seine Bemühungen fortzusetzen. In seiner Rede betonte Purccll, der bemerkenswerterweise gegen die radikale Re- s o l u t i o n polemisierte, daß ein internationaler Kon- g r e ß über gewerkschaftliche Einigkeit in diesem Zeitpunkt mehr Schaden als Nutzen stiften würde. Er versprach jedoch, daß der Gcneralrat weiter daran arbeiten werde, die Russen in die Amsterdamer Internationale hineinzu- bringen. In diesem Zusammenhang ist nun interessant, daß der Generalrat— wie nachmittags auf dem Kongreß bekannt wurde— trotz des Drängens der Russen beschlossen hat, in den nächsten drei Rionaten keine Zusammenkunft des anglo-russischcn Einigungskomitees stattfinden zu lassen. Aeußerst bemerkenswert war auch die große Diskussion, die sich an die gestern gemeldete überaus scharfe Antwort des Gene- ralrats an den russischen G c w e r k s ch a s t s b u n d knüpfte. Nachdem von radikalen Mitgliedern des Kongresses Zweifel darüber ausgesprochen waren, ob der Protest des Generalrates in Moskau die wirkliche Meinung des Kongresses widerspiegele, ergab eine Befragung des Kongresses eine überwältigende Zu- st i m m u n g zur Haltung des Gcneralrats gegenüber dem russischen Gewerkschaftsbund. Der Kongreß nahm außerdem einstimmig eine in schärfsten Worten gehaltene E n t s ch l i e h u n g an, in der g c g e n den Versuch der konservativen Regierung protestiert wird, eine antigewcrkschaftliche Gesetzgebung dem Parlament zu unterbreiten und besonders gegen den Versuch der Regierung, das Recht der staatlichen Beamten auf gewerkschaftliche Organisation zu beschneiden. internationale Kampfaktion üer Sergarbeiterl Tagung des internationalen Komitees. London, 10. September.(Eigener Drahtbericht.) Das Intcr- nationale Komitee der Bergarbeiter, das am Frcstag in London feine zweite Sitzung beendete, hat zur Frage der Unterstützung im Kampfe der britischen Bergarbeiter durch eine intcr- nationale Aktion folgende bedeutsame Entschli ehung gefaßt: „Im Hinblick auf die von verschiedenen Ländern erhaltenen Berichte über die Kohleneinfuhr nach Großbritan- n i e n beschließt das Internationale Komitee der Bergarbeiter, den gesamten internationalen Bergarbeilerorgnnisationen eine intcrnalionolc Streikaktion zur Unterstützung der englischen Berg- orbeilcr zu unterbreiten. Dos Komitee beschließt, daß eine weitere .Komiteesitzung ani 30. September statlfinden soll. Falls die vor- geschlagenen Verhandlungen für eine Beilegung des Kampfes scheitern sollten, wird das Komitee u n- mittelbar Gegenaktionen einleiten, zu welcher auf Grund der Berichte der angeschlossenen Verbände Vollmacht vor- liegen wird." Die für den 30. September beschlossene Komiteesitzung soll in Ostend« stailfind.m. Außer dieser Frage lag dem Internationalen Komitee«in neues Aufnahmegesuch der russischen Bergarbeiter in die Bergarbeiter-Internationale vor. Hier- zu wurde eine Entschließung angenommen, welche die rufst- scheu Bergarbeiter an die Beantwortung der Fragen erinnert, die bereits anläßlich eines früheren Aufnahmegesuches an sie gerichtet worden stnd. Die Russen sollen darin darauf Antwort geben, ob sie bereit sind, den V e r l e u m du n g s- f e l dz u g gegen die an die Bergarbeiter-Internationale ange- schlossenen Verbände einzustellen, und weiter darauf Antwort geben, ob sie bereit sind, die Rote Gewerkschafts- internationale zu verlassen. Die Rüsten werden ferner darauf hingewiesen, daß die der Bergarbeiter-Internationale ange- schlossenen Organisationen nicht zwei Internationalen an- gehören können. Ferner werden sie daran erinnert, daß eine selbst- verständliche Voraussetzung für ihre Mitgliedschaft eine A n e r- kennung des Statuts der Bergarbeiter-Internationale dar- stellt. Die Einigungsvcrhttndlungen der BeamtenverbLndc. (SPD.) Die offiziellen Einigungsverhandlungen zwischen dem Deutschen Beamtenbund und dem Allgemeinen Deutschen Beamten- bund haben am gestrigen Tage begonnen. In verschiedenen grund- sätzlichen Fragen konnte bereits in dieser ersten Besprechung eine Uebereinstimmung erzielt werden. Die Verhandlungen werden An- sang nächster Woche fortgesetzt werden. Wie BS. meldet, ist insbesondere in der Frage des Bekennt- nistes zur Republik eine Einigung erfolgt. Unternehmerterror im Einzelhanüel. Konventionalstrafe dem. der die Gehälter nicht kürzt. Die Einzelhandelsgemeinschaft hat Richtlinien aufgestellt, nach denen die Gehälter der kaufmännischen Angestellten und die Löhne der Handelshilfsarbeiter auf die Schiedssvruchsätzc herabgedrückt werden sollen. Neben den großen Warenhäusern sind jedoch nur vereinzelte Kaufhäuser und Spezialgeschäfte(fast lediglich kleine Pmtscherfirmen) diesen Richtlinien gefolgt, während der über- wiegende Teil der Spezialgeschäste und Kauf- Häuser, wie auch einige Warenhäuser, der Lohndruck- parole nicht gefolgt sind, sondern die alten Löhne und Gehälter, die ohnehin niedrig genug sind, weiterzahlen. Der Arbeitgebcrverband im Einzelhandel Groß-Berlin E. B.. Leipziger Straße 107, hat sich dabei nicht beruhigt, sondern seinen Mitgliedern, deren größter Teil der Abbauparolc nicht gefolgt ist, unterm 8. September den folgenden Utas zugehen lasten: „In unserer gestrigen außerordentlichen Mitgliederversamm- lung ist folgender Antrag einstimmig angenommen worden: „Der Ärbeitgeberverbond im Einzelhandel Groß-Berlin be- schließt, daß die Gehaltssätze aus Basis der gefällten Schiedssprüche für kaufmännische Angestellte und Handelshilfsarbeiter gezahlt werden müssen. Leistungszulagen in üblichem Umfange werden durch diesen Beschluß nicht berührt." Wir machen noch höflichst daraus aufmerksam, daß dieser Be- schluß für unsere Verbandsmitglieder bindend ist, und daß bei einer etwaigen Nichtbefolgung der Vorstand berechtigt ist, Konventional st rasen zu verhängen. Soweit nicht schon entsprechend nach obigem Beschluß ge- handelt wurde, bitten wir, vor Ergreifung neuer Maßnahmen in der Geschäftsstelle anzufragen. Hochachtungsvoll Arbeitgebcrverband im Einzelhandel Groß-Berlin E. V. Der Vorsitzende: Der Geschäftsführer: Heinrich Grünfeld. Dr. E. Hein." Was soll! der Zweck dieses Rundschreibens sein? Sollen sie auf den Weg der Leistungszulagen verwiesen und ihnen so un- nütze Schreibereien auserlegt werden, oder will man ihnen die Kulisse der Konventionalstrafe zur gefälligen Benutzung liefern, um sie zu verleiten, ihre Anständigkeit dahinter verstecken und unter Berufung auf die angedrohten Konventionalstrafen Gehaltsersparnisse machen zu können? Wenn die Herren vom Arbeitgebcrverband aber glauben, die Arbeiter und Angestellten des Einzelhandels oder gar die grundsätzkich Vertragstreuen Arbeitnehmerverbände NlMater des DW. Ihr müht vollzählig die wahlkörperversammlungea besuchen! durch den Hinweis auf diese vertraglich« Bindung der Unternehmer davon abzuhalten, sich mit allen gewerkschaftlichen Mitteln für an- ständige Löhne und Gehälter einzusetzen, dann befinden sie sich i m Irrtum. Die Lohn- und Gehaltsbewegung im Einzelhandel ist damit keineswegs beendet. Die gewerkschaftlich organisierten Arbeit- nchmer wissen, was sie ihrer vertraglichen ftettW.-ac.h Prsun,:h*. Art, Pfd ,1,35 Dolsl.Zenelaiw.B.stilsml ne 1,80 Kolonialwaren We'sse Sehnen Pfund 14p<. Linsen........... Piand 18pi. Tafelreis........ Pfund 24pi. Auszugniehl.,.. Ptand2«p, Welzengrless... Pfund 27p(. Makkaronl..... pfnnd 45pi. Gebr. Gerste.. Pfand ISlu. •Caffea-Era.-Mlaek.tlP'/fd.eSp). Obst Nur heute Sonnabend Gemüse Mcngenab�abc vorbehalten Verkauf soweit Verrat Griessülrnen...Pfand6pf. Sosenlimi8n....pfund5pf KongressbirnenpfdlZp.. Hambourßpfei �1�. Grauensteiner pfundlZpf. Blaue Pflaumen prd lOp>. ElaDeKurMeDp:dZ4p.. M.Tomoten pfu»d8pf. Pflaumenkonfi «Ire Eimer, ee.2PM.,«wwpi. OrangekonfltUre Eimer, ca. 2 Plund, Frisches Fleisch Starkes Rfickenffett pumdl03 Starke Liesen.......... Pfund 1 00 Eisbein ,«p»ii«t,. muspitrd«!»,»<>. 70:■ Rinderkamm......... pwnd 75rf. Fehlrippe u. Brust ptundSSrt. Gefrierfleisch Pa.Oehsensuppenfa.ptdSSpt Pa.Ochsenbaskeno.K.FidSSpf Pa. Ochsenschmorfleisch°b,. k-aad«», fm 90pr. Gehacktes............. pwnd 76pr. Schweineköpfe m.Bicke.PM46pf HSmmelfi.(Bicfce Rippe) P--.<> 78?-. Edamer........ Pfnnd 78Pi. TUsKer Tollfett, Plund 98Pt. Bayr. Schweizer Pfund 1,25 Margarine...... Pfund 55pf. DSn.Butter �-prd.-Sick 98p. Rflucherworenu.Flsche PettbUckllnge..Pfand 32?». Ahlbeck.Flundern p-d 32?,. Makrelen........ Pfnnd 40pf. r Frisch«gobr. Kaufee aus clg.P.öci.�40 Ptnnd von«£■: 35 JURIJSS frisch jreschlachfet, Pfund von S5pf, an Tduben............... stoek 7 fsn. Junge 8r«zthührter rvn H Suppenhuhner pfdvcnl.u Junge Enten....... rnndl30 % Veswn: JttewiÄg, i>en 13. Sept. Veswn: Monias, den 13. Sept. Vom Montax, den 13., bis Freitag, den 17. und Montag, den 20. September, vorm. 11 Uhr und nachmittags 4 Uhr, Leipziger Strasse, I. Stock, und Alexanderplalz, II. Stock, zeigen wir MODSN-VOHFUHRUNGEN In Damen-, Herfen- und Sport-Bekleidung Unsere MOflellhllt- Ausstellungen sind eröffnet{ Karten, soweit Vorrat, für die Vorführungen werden an den Kassen der Damen-Konfektion für sämtliche Tage im voraus kostenlos verabfolgt Nr. 42S ♦ 4Z,�ahrgang !♦ ÖCÖ �OPtDöttÖ Soanabenü, n. September? 4 26 was bringt Sie: Die. alljährlich im cherbst stattfindende große Funkausstellung in Wißleben hat schon einen festen Platz im Iahresprogramm der Berliner Bevölkerung gewonnen. Kein Wunder bei der Popu- larität des Radios, namentlich in Berlin, leben doch von den Mil- lionen chörern der deutschen Rundsunkgemeinde nahezu die chälfte in Berlin. Selbstgebaules Gerät. Daß auch die werktätige Bevölkerung lebhaft daran teilnimmt. zeigen die Ausstellungen des sunkentechnischen Per- b a n d e s sowie der Arbeiter-Radio-Klubs. Hier sind durchweg selbstgebaute Geräte ausgestellt, vom einfachsten Detektor- «mpsänger bis zum empfindlichsten S-Röhren-Tuper-Heterodyngerät. Und man kann nur mit Freude feststellen, daß zahlreiche Aussteller Arbeiter sind, und daß sie oft die besten Sachen geliefert haben. Manche werden es als natürlich betrachten, daß auf diesem Felde die Arbeiter Gutes leisten, weil ihnen handwerkliche Geschicklichkeit von Natur- und Berusswegen eigen ist. Aber das wäre ein Irrtum, Venn auch solche Berufe, die fern von Drehbank und Schraubstock leben, haben sich mit Erfolg betätigt. Einer der bemerken s- wertesten Fernempfängcr war z. B. von einem Backer ausgestellt, dessen Berus ihn doch ganz gewiß nicht Zehrt, mit Feile, Bohrmaschine und Lötkolben umzugehen. Roch verschiedene andere gleichartige Berufe waren mit Glück vertreten. Außerdem waren mehrfach Meßgeräte ausgestellt wie Wellenmesser, Kapazitätsmeßbrücken und anderes, deren Anfertigung nicht nur handwerkliches Geschick, sondern auch eine nicht ganz leichte Berech- nung voraussetzt, eine Ausgabe, die offenbar mit Erfolg gelöst worden ist. Man kann daran erkennen, welche wertvoll� Ausgabe dem Radio gestellt ist. Der an sich rein sportliche Wettstreit, ob Hansens oder Fritzens selbstgebauter Empfänger am meisten ent- lernte Stationen heranholt, wird zum Ausgangspunkt reger geistiger Entwicklung, die den daran Beteiligten sicherlich großen Nutzen bringt. In Amerika, dem Ursprungslande des Radios, haben wir es gesehen, wie Amateure der Entwicklung der Wisienschast große Dienste geleistet haben, daß es auch in Deutschland so kommen möge, wird jeder wünschen. fertiges Gerät. Was die diesjährige große Funkausstellung auszeichnete, war war allem die Tatsache, daß auf die Bedürfnisse des Bastlers in weitestem Maße Rücksicht genommen worden ist. Von den fertigen Geräten zu sprechen lohnt kaum, so- weit sie gut sind, sind sie für die werktätige Bevölkerung, namentlich »n einer Zeit großer Arbeitslosigkeit, zu teuer, soweit sie billig sind. ist ihre Leistung gegen frühere Zeiten kaum gesteigert. Immerhin sieht man zuweilen Geräte, die bei sehr mäßigem Preise doch Gutes leisten und unter besseren Empfangsverhältnissen, als sie in Berlin herrschen, wohl auch einen Fernempfang, wenigstens mit Kopfhörer gewähren. Ein Zweiröhrenempsänger mit einer Niederfrequenz- verstärkcrröhre kann schon in Berliner Vororten recht wohl guten Fernempfang geben, und ein solches Gerät ist in vorzüglicher Aus- führunz schon für 50 M. zu haben. Natürlich ist das noch sehr viel Geld, dann muß man eben seine Geschicklichkeit anspannen und sich so etwas selber bauen, die Schwierigkeiten sind nicht zu groß. Geht man zu 3-Röhren-Geräten über, die unter guten Empsangsver- Hältnissen schon Lautsprecherempsnng auswärtiger Sender liefern, so muß man sreilich gleich sehr viel mehr Geld anlegen, der Sprung ist gerade hier sehr groß. Lautsprecher. Für den Lautsprecher werden sich heute wohl viel mehr Funkfreunde entscheiden als noch vor einem Jahre. Es ist nicht zu verkennen, daß sie erheblich verbessert worden sind. Es hat sich eben ergeben, daß alle Kunststücke mit Vermeidung des gefürchteten Trichters nichts Wesentliches bringen, daß das, woraus es einzig und allein ankommt, sauberste Werkstattarbeit und gute elektrische Bemessung des Telephons ist. Dieser Weg ist zuerst von den Deutschen Telepbonwerken betreten worden, die durch ihre Ersahrungen aus dem- Gebiet der Herstellung von Telephonen dazu besonders befähigt waren, die anderen Firmen sind ihnen gefolgt. Nicht nur, daß man jetzt viel weniger trichterlose Lautsprecher sieht als früher, hat dieses Jahr eine Firma sogar einen Lautsprecher mit Trompetenhorn ausgestellt, in der gar nicht üblen Ueberleguna, daß das, was bei Musikinstrumenten gut ist, bei Radiomusik wahrscheinlich auch nicht schlecht ist. Erfreulicherweise sind sie auch billiger geworden, für 25 bis 30 M. ist schon ein ganz guter Lautsprecher zu haben. Bei der Stärke der heutigen Sender kann ein guter Detektorempfänger in der Nähe des Senders mit einem empfindlichen Lautsprecher recht wohl Empsang geben, was für viele Besitzer von Detektorgeräten— natürlich von guten, wohl- gemerkt— Veranlassung geben wird, sich die Lautsprecherfragc ernst- lich zu überlegen. Neben diesen Dingen sieht man Einzelteile zum Selbstbau. von Empfängern, Wellenmesiern usw. in ungeheurer Zahl. Der- glichen mit dem Vorjahre fällt vor allem die Zunahme der Qualitäts- arbeit auf. Welcher Bastler kennt nicht das Leiden mit den ewig schleifenden Kondensatoren, den durchgeschlagenen Transformatoren und den anderen, oft versagenden Einzelteilen? Heute sieht es doch etwas anders aus, die Münchener Fabrik von Förg, die mit dtm Bau von Präzisionskondensatoren Schule gemacht hat, ist nur noch eine in zahlreicher Gesellschaft, ebenso steht es mit den Trans- formatoren. Leider sind die guten Kondensatoren noch viel zu teuer, Preis etwa 12 bis 15 M. Die Transformatoren sind im Vergleich viel billiger. Die nächste Ausgabe der deutscheu Funk- industrie wird es daher sein, gute Ware zu erschwinglichen Preisen zu liefern. Auf Wiedersehen im nächsten Jahre! Dipl.-Ing. Dr. H. Große havelfahrt. Diesmal sollte die Fahrt etwas weiter hinausgehen, als im all- gemeinen die großstädtischen„Dampfer mit Musik" die Berliner bringen. Im Gegensatz zu der üblichen Fortbewegung auf dem Wasser konnten wir selbständiger auftreten. Ein Freund stellte ein Motorboot zur Verfügung und lud uns und unsere Sachen ein. Die Sache mit der Wettervoraussage klappte(ausnahmsweise!)— bald hatten wir Spandau hinter uns. Schwanenwerder, die Pfauen- infel, die Glienicker Brücke zogen an uns vorüber, alles bekanntes Gebiet, zu Wasser und zu Lande. Unser Führer steuerte die Krampnitz an. War bisher noch einiger Betrieb aus dem Wasier, so empfing uns hier die Stille, die die Nerven zur Erholung brauchen. Das hatten aber auch schon einige andere Wasserfahrer ausfindig gemacht, deren Boote weitgehende Rückschlüsse auf die Größe ihres Geldbeutels zuließen. Unser uns so nobel dünkendes Motorboot sank im Vergleich mit diesen Luxusjachten zum Arme- leutckahn herab, wobei wir uns aber mit dem Gedanken trösteten, daß sie schließlich trotz allem Protzentum hier draußen auch keine bessere Luft kriegten als wir. Eine herrliche Nacht im Boot unter herrlichstem Sternenhimmel, dann Morgentoilette im See und Morgenkaffee unter Buchen und Erlen— unser„Äöppcn* drängte zur Weiterfahrt. Von Potsdam sahen wir bei der Freundschasts- insel den alten Teil, der nicht nach Perückenpuder und Aktenstaub roch. Alte, ehrwürdige Häuschen, das Eigentum alteingesessener Fischersamilien, grüßten zu uns herunter: vorwärts ging's weiter der mittäglichen Rast am Luftschisfhafen zu. Bei Caputh kam der düster« Schwielvwsee in Sicht: wir hielten auf Baumgartcnbrück zu. Der tägliche Wcrdersche Obstschleppzug zeigte uns die Nähe der märkischen Obstkammer. Wir verzichteten auf„Bismarck"- und „Friedrichshöhe", sahen das freundliche Städtchen nur vom Wasser her und fanden bald in Alt-Töplitz bei freundlichen Wirtsleuten ein weiches Nachtlager im Heu. Am nächsten Tage führte uns das Gewirr der Havelkrümmungcn durch havellöndisches Luchland. Wasservögel aller Slrt stöberte unser Boot auf, die schwarzen, spitz- köpfigen Taucher senkten den schlanken Leib in die Fluten, Müven verfolgten uns lange Zeit, frischer Heuduft und Grasmahd würzten die Luft. Große Fuder Heu kamen aus zusammengekoppelten Kahn- fähren angeschlichen, Angler übten ihren nervenstärkenden Sport im Schilf, hier und da begegnet uns ein Schleppzug. Das alte, treu- herzige Fischerslädtchen Ketzin bleibt rechts liegen: noch einmal er- weitert sich der Fluß zum Trebelsee— dann nehmen uns spreewald- ähnliche Wasserarme auf und führen uns in ungezählten Bogen nach Brandenburg an der Havel. In rascher Fahrt treibt uns Motor und Strömung im Silokanal zum Landhaus der Soziali st ischen Arbeiterjugend am Quenzsee, wo uns spät abends Quartier und Kost für einige Rasttage geboten wird. Weitere Hestänüniffe des Naubmörüers ööttcher. Zwei Ueberfälle bei Zvuhlgarten. Die Schandtaten, die dem verhafteten Raubmörder Böttcher zur Last fallen, werden immer zahlreicher. Man fand bei ihm u. a. auch eine kleine Armbanduhr mit einem Ripsband. Es ergab sich, daß diese sich in einer Handtasche befunden hatte, die am 30. Mai abends um 10 Uhr einer Pflegerin der Anstalt Wuhlgarten auf dem Wege vom Bahnhof Biesdorf nach der Anstalt geraubt worden war. D«r Wegelagerer hatte außer der Uhr auch noch ein Portomonnaie mit 35 Mark erbeutet. Dieses Portomonnaie, da» Böttcher leer bei sich behalten hatte, und die Uhr. wurden von der Pflegerin als ihr Eigentum wiedererkannt. Der Verbrecher gab daraufhin auch diesen Ueberfall zu.— Am dritten Juni kehrte die 18jährig« Tochter eines Ange st eilten der Anstalt Wühl- garten mit einem Spätzuge aus Berlin zurück. Da sie Angst hatte. allein zu gehen, bat sie einen Schupobeamten, der mit seinem Hunde am Bahnhof stand, um Schutz. Der Beamte ging mit dem Hunde in einiger Entfernung hinter dem Mädchen her. Kaum hatte es, etwa Illv Meter weit an einem Roggenfeld entlanggehend, den mit dichtem Gebüsch besetzten Zaun der Anstalt erreicht, als aus diesem Buschwerk heraus ein Mann sprang und da» junge Mädchen am Halse würgte. Der Schupobeamte eilte zu Hilfe und machte auch seinen Hund lo». Dieser stürzte sich auch auf den Wegelagerer, der jedoch trotzdem in da» Kornfeld hinein entfloh und entkam. Der Hund lief ihm nach, kehrte aber nicht zu seinem Führer zurück. Böttcher will sich dieser Vorgänge bei seinen vielen Ueberfällen nicht mehr er- innern, gibt aber zu, daß er wohl der Täter gewesen sein werde. vle neue Vergnügungssteuer. Auf Grund neuer Reichsrotsbestimmungen sind die Gemeinden gehalten, ihr« Vergnügung» st euern einer radikalen Revision zu unterziehen. Auch die Stadt Berlin Hai deshalb «ine neu« Ordnung ausgearbeitet, die am 1. Oktober in Kraft treten soll. Der Berliner Magistrat hat sein« Vorlage in allen Einzelheiten an die Bestimmungen des Reichsrats angelehnt und mit Rücksicht aus die Finanzlage der Stadt die Höchstsätze vorgeschlagen. Dem hat sich gestern der Steuerausschuß der Stadtverordnetenversammlung nach längerer Debatte angeschlossen. Gegenüber dem bestehenden Zustand bedeutet die neu« Steuerordnung für die S p r e ch t h« a t c r eine Ermäßigung von 10 auf 8 Proz., für die L i ch t s p i e l- t h« a t e r sind Sätze von 15, 12?« und 10 Proz., je noch der Art de» betreffenden Film, festgesetzt. Es ist kein Zweifel, daß die Stadt- verordnetenverfammlung in ihrer nächsten Sitzung diesem Beschluß des Steuerausschusses beitreten wird. Wictzer ein Sittlichkeitsverbrechen! Unter der schweren Beschuldigung, sich an einem dreizehn- jährigen Mädchen vergangen zu haben, ist in L i ch t e n b e r g ein Fuhrwerksbesitzcr festgenommen worden. Das Mädchen, das bei den Eltern in der Kreuzberggegend wohnt, hatte zu der in der äußeren Luisenstadt wohnenden Großmutter gehen wollen und war von dort nicht wieder heimgekehrt. Aus die bei der Polizei ge- machten Vermißtenanzeige erhielt der Vater am nächsten Abend die Meldung, daß er sein Kind von einem Polizeibureau in der Frank- furtcr Allee abholen könne. Dort erfuhr der Vater von dem Mäd- chen, daß es den Rummelplatz an der Köpenicker Brücke besucht hatte und von einem fremden Manne aus seinem Fahrrad mitgenommen worden war. Der Mann habe dann, erzählte die Kleine, sie in einem Stall mißbraucht und sie bis zum nächsten Abend eingesperrt gehalten. Aus Grund der An- gaben des Kindes gelang es dem Vater, zwei Tage später nach vielen Bemühungen dos Haus zu finden, in das es verschleppt worden war. Mit Hilfe von Polizeibeamten wurde der Beschuldigte dann aus der Straße ermittelt und in Hast genommen. Ueber da» Ergebnis der ersten Vernehmung liegt noch kein« amtliche Mitteilung vor. ■u, Die Sigurantin. Roman eine» Dienstmädchens von Läon Jrapie. Autorisierte Uebersetzung aus dem Französischen von Kunde-Grazia. Ich wende mich also an ein Bermittlungsbureau. Bei meinem Eintritt sehen der Mann und die Frau einander an, sagen unfreundlich zu mir: „Wollen Sie zu Leuten geizen, die erwachsene Söhne im Alter von 20 bis 22 Iahren haben und ein hübsches Dienst- mädchen wünschen?" Ich lehne ab, da werden sie noch unfreundlicher und in heftigem Tone sagen sie: „Sie sind schwer unterzubringen, wenn Sie sich zu keinem Scherz hergeben wollen." Sie sind ein zu hübsches Mädchen, das ist genau so ein Fehler, wie wenn Sie zu häßlich, einäugig oder bucklig wären. Es darf keinerlei Uebermaß sein. Sie müssen be- greifen, daß kluge Leute um keinen Preis ein Mädchen mögen, das zuviel physischen Reiz hat." Sulette nickte mit dem Kopf: „Ja," ich habe einmal eine Dame gehört, die beim An- blick einer sehr hübschen Alesierin wie vor der Pest aufschrie: „Das will ich nicht, will ich nicht, ich habe keine Lust alle Hosen den Quartiers in mein Haus zu locken!" „In der Tat", ergriff die Gefährtin wieder das Wort, „war ich nach Ablauf meiner acht Tage ohne Stellung, sah mich also gezwungen, mit dem Koffer ins Hotel zu ziehen. Ungebeten nennt mir der Vermittler eins in der Nachbar- fchaft als billigstes. Ich gehe hin und entscheide mich für eine Kammer: Tag und Nacht 20 Sous. Ich ahnte noch nichts von dem Handel solcher Hotels, aber man mußte durch ein Zimmer mit Weinschrank gehen; Eigentümer wie Gäste hatten nichts Vertrauenerweckendes, dazu wechselten sie mit- einander verstohlene Blicke. Kurz, gleich am ersten Abend faßte ich. trotzdem ich doppelt verschlossen hatte, den Gedanken, mit Koffer und Fauteuil die Tür zu verbarrikadieren. Ich habe ruhig geschlafen. Den zweiten Abend, ich komme tot- müde nach Hause— den ganzen Tag war ich herumgelaufen, etwa ein Dutzend Adressen aufzusuchen—, verstelle noch meine Tür und lege mich sofolt nieder, lösche die Kerze, und fast im selben Augenblick schlägt draußen eine Wanduhr. Ich hatte vergessen, nach der Zeit zu sehen und ob meine Uhr richtig ging; da sie auf dem Nachtisch beim Licht lag, zünde ich ein Streichholz an, um auf sie zu schauen, werfe dann das Hölzchen weg. Ich glaube es ausgeblasen zu haben, aber es fällt, ohne verloschen zu sein, auf den Teppich. Jetzt beuge ich mich ganz über den Bettrand, es zu fassen— und im selben Moment, in der Stille, in dem von einem Lichtschein durchzuckten Dunkel, erblicke ich eine große Hand, die darauf sich legt." Eine Pause des Entsetzens. Sulette riß vor Schreck den Mund auf und prüfte instinktiv den ihr fremden Ort. Die andere fuhr fort:„Wie man einen solchen Schreck nur überleben kann! Ich wollte schreien, unmöglich! Auf- springen, unmöglich! Mich überkam es wie ein Schwindel, alles Blut wich aus meinem Kopfe, ich fiel in Ohnmacht." Sie schwieg abermals. „Als ich wieder zu mir kam, war es Tag. Ich glaubte zuerst an einen wüsten Traum. Nein, ich war gebraucht worden... ich hatte einen üblen Arzneigeschmack auf der Zunge. Da packte mich Furcht, Verzweiflung und Scham! Aber besonders die Furcht, die Furcht! Ich zog mich an und bin wie eine Wahnsinnige auf die Straße gerannt, hatte nur .einen Gedanken: fliehen. Bin lange Zeit gelaufen, dann habe ich mich auf eine Bank gesetzt, in einer Allee, wo wenig Leute vorbeigingen: da sind mir die Tränen gekommen. Was tun? Was sagen? An wen mich wenden, bei wem mich betlagen? Wie beweisen, was nützt es? Da begreift man erst, wie wenig ein Dienstmädchen in Pari? gilt, wie das be- wertet wird, was es erzählt! Und diest Einsamkeit, Un- kenntnis, dieses:„Nichts hllft dir!" „Ja," sagte Sulette. nachdenklich mit dem Kopf nickend, „es gibt Fälle, da kommt es einem vor, als wäre man in einem fremden Lande, dessen Sprach« man nicht verstände, so wird man sogar am Sprechen gehindert... Und mit solcher Sicherheit zu wissen, daß zu unseren Gunsten gar nichts existiert!" Die Gefährtin stand auf und begann sich auszuziehen, dabei ununterbrochen weiterredend: „Trotzdem glaub« ich, daß es mehr gute Menschen als schlechte gibt— man muß nur das Glück haben, auf gute zu stoßen. Hören Sie weiter: eine verschleierte Dame mit ganz gelber Gesichtsfarbe hat sich auf meine Bank gesetzt und mich gefragt, warum ich weine. Ich erzählte ihr das Verbrechen — nicht wahr, einer Frau, das war doch möglich? Ich hoffte, sie würde mich vielleicht mitnehmen, mich irgendwo unter- bringen. Aber Staunen und Schrecken ergriff sie, und ich glaube auch Abscheu... es mochte wohl ein altes Frchckm sein... hastig, hastig durchwühlte sie mit zitternden Händen einen Hundertfrankenschein, rief, ohne auf Wiedersehen oder sonstwas zu sagen, einen Kutscher an und eilte davon." Sulette richtete sich plötzlich auf dem Kissen empor, da sie im Winkel der Kammer etwas wie ein Geräusch von Mäusen vernahm. Die Gefährtin zuckte die Achseln: „Sie haben den Schieber gehört! Es ist einer da, der uns beobachtet... Ach! Wenn Sie die Wände noch so genau prüfen, Sie werden die Stelle nicht finden... Diese Vor- hänge, Gemälde und die mit Stoffen drapierten Spiegel sind eigens dazu da... das muß man ertragen oder eben drei Franken die Nacht bezahlen." Sie legte ihr Korsett weg— Busen, Arme zeigten die vollendeten runden Formen einer Marmorstatue. Ihre Stimme nahm gleichgültigen Klang an: „Ich hotte noch Glück in meinem Unglück: Folgen blieben aus, keine Krankheit, kein Kind. Allein, statt in meine Heimat zurückzukehren und mich zu verheiraten, bin ich in Paris ge- blieben." Sulette fragte: „Aber gleich nach Ihrem Unglück, was fingen Sie da an?" „Ich habe durch einen Dienstmann meinen Koffer holen lassen: ich kam aus Batignolles und sah mich jetzt hinter dem Lurembourg. Ich fand in diesem Quartier andere Vermitt- lungsbureaus und andere Hotels. Die Schwierigkeit, mich zu placieren, blieb auch in diesem Teil von Paris die gleiche, trotzdem er so unterschiedlich von dem andern erschien. End- lich stellte man mich eines Morgens, als ich allein im Sprech- zimmer des Bureaus war, einer noch jungen Dame mit feinen, regelmäßigen aber nicht belebten Zügen vor. Sie hatte schöne blaue Augen, von einem Zauber, wie ich ihn ähnNch nie gesehen. Ich gefiel ihr, und man fühlte, daß sie wünschte, mich wie ein Geschmeide, ein Juwel zu besitzen, sie betrachtete mich ganz selig und sagte:„Ach das schöne Geschöpf!" Dann fragte sie, ob sie mich allein sprechen könnte und nahm mich freund- lich bei der Hand.„Ich wäre sehr glücklich, würde Ihnen sehr donkbar sein, wenn Sie kämen... ich will Ihnen nur im voraus sagen, daß mein Mann ganz frei ist... ganz frei... ich mußte mich einer Operation unterziehen... nun sieht sich mein Mann gezwungen... da er sehr zärtlicher Natur... Oh! Aber er ist dreißig Jahre, Beamter, groß, brünett, vornehm." (Fortsetzlmg tzolgL) Nachwahlen zu den Elternbeiräten. Merkwürdige Entscheidungen des Provinzialschulkollegiums. Wie erinnerlich, hat es bei den diesjährigen Elternbeirats- wählen zahlreiche Wahlprateste gegeben, infolge des rigorofen Vor- gehen» christlich-unpolitischer Wahlvorstände, die völlig u n- gerechtfertigt die Listen„S ch it l a n f b a u" und„Kind in Not" für ungültig erklärten und so ihrer christlich- unpolitischen Liste zu einem„großen" Siege verhalfen. Den Be- Hörden wie den Eltern sind dadurch nur unnötig Arbeit, Scherereien und Kosten erwachsen: denn jcßt müssen die Wahlen an den bc- treffenden Schulen noch einmal wiederholt werden. Das Provinzial- Schulkollegium hat mittlerweile die Entscheidungen über die Wahl- Proteste gefällt und Neuwahlen angeordnet, die für die nächsten Sonntage, den 12., den 19. und den 26. September, festgesetzt sind. Die fortschrittlichen Eltern werden da Gelegenheit haben, bei den Nachwahlen den„Christlich-Unpolitifchen" die Zlntwort aus ihr Vorgehen zu geben durch Wahl der Liste„Schulausbau". Unsere Genossen haben natürlich nur da Wohlprotest erhoben, wo gegen die Liste„Schulausbau" offensichtlich Unrecht geübt wurde. Da, wo sie Fehler und Versehen in der Ausstellung der Listen begangen haben, z. B. Fehlen auch nur einer vorschrists- mäßigen Unterschrift u. a., haben sie selbstverständlich keinen Protest eingelegt, da ja formell in solchen Fällen durchaus eine Ungültigkeit»- erklärung der Listen berechtigt war. Nun werden aber Eni- scheidungen des PSK. bekannt zugunsten der Christlich-Unpolitischen, die die ganzen Wahlvorbereitungsformalien recht fragwürdig er- scheinen lassen. Auf Grund dieser Entscheidungen hätten auch unsere Genossen in jedem Falle von Listenzurückweisungen Einspruch erheben können. Es seien 2 Fälle unter mehreren angesührt. An der 1 S 9. G e m e i n d e s ch u l e reichen die„Christlich-Unpolitischen" am letzten Tage eine Liste ein, aus der jede Unterschrift und Kennzeichnung s e h l t und die nur«in« offen- bar in aller Eile von einer Person zusammengestellte Auszählung der Namen und Adressen von Kandidaten enthält, auch diese noch z. T. unrichtig. Der Wahlvorstand— auch die christlich-unpoliti- schen Wahlvorstandsmitglicdcr— erklärt e i n st i m m i g die Lifte selbstverständlich für ungültig. Nachträglich wird Wahlprotest er- hoben und das PSK. entscheidet zugunsten der Ehrl st- lich- Unpolitischen, obwohl die obigen Tatsachen nicht zu widerlegen sind.— An der 310. Gemeindeschule bekommt der Wahloorsitzende, ein in parlamentarischen Gebräuchen wohlerfahrener Genosse, die„christlich-unpolitische" Liste überhaupt erst am Wahltage zu Gesicht. Irgendjemand hat sie in der Schule nach Schluß des Einreichungstermins zum Aushang gebracht, wovon der Wahlvorsitzende auch nichts weiß. Das PSK. schließt aus dieser Totsache des Aushangs, daß„die Zurückweisung jedenfalls nicht folgerichtig durchgeführt worden sei" und daß es„den Anschein hatte, daß die L st e gültig wäre". Es gibt dem Wahlprotest statt und ordnet Neuwahlen an. Wenn diese ungewöhnlichen Begründungen Brauch werden, dann ist die Beachtung der Wahlordnung scheinbar überflüssig. Unsere Genossen sind jedenfalls nicht gewillt, sich mit diesen Ent- scheidungen. die zu einer Begünstigung der Christlich-Unpolitischen fuhren muß, zufrieden zu geben. Gestrauchelt. t Um Amt und Ehre gekommen. Ein Verstoß gegen seine Beamtcnpflichten führte gestern den Strofanstaltshilfswachtmeister K. vor das Große Schöffengericht Ber- lin-Mitte. Sein Vergehen kam durch Zufall zur Kenntnis der vor- gesetzten Behörde. Im Eifer der Verteidigung hatte eine weibliche, in Unter- suchungshaft befindliche Angeklagte, die zusammen mit ihrem Bräuti- gam wegen Diebstahls auf der Anklagebank saß, etwas zuviel gesagt. Sie gab an, daß sie vorher in der Zelle ihren Bräutigam gebeten Hab«, alle Schuld auf sich zu nehmen, dann käme er frei und würde sie heiraten. Als der Vorsitzende sie ungläubig fragte, wie sie denn al» Untersuchungsgefangene mit ihrem Bräutigam in der Vor- führungszelle habe sprechen können, bemerkte sie erklärend, daß sie dort mit ihrem Bräutigam zusammen von dem vorführen- den Wachtmeister«ingesperrt worden sei. Der sofort herbeigeholte Wachtmeister stellte dies ganz entscheiden in Abrede, und nun rückte die Angeklagte, ärgerlich darüber, daß sie als L ü g n e r i n hingestellt wurde, und zum Beweise dafür, daß sie die Wahrheit sage, mit einer schweren Beschuldigung heraus. Wie sie angab, hatte der Wachtmeister unsittliche Handlungen bei ihr vorgenommen. Auch diese Beschuldigung wurde von dem Wachtmeister bestritten, jedoch wurde er trotzdem unter Anklage gestellt. Auch vor Gericht hielt er seine Behauptung ausrechr. Der Staatsanwalt hielt ihn aber durch die Beweisaufnahme für überführt und beantragte ein Jahr Zucht- hau». Das Gericht war der gleichen Ansicht, belieh es aber, mit Rück- sicht darauf, daß der Angeklagte allem Anschein nach einer plötzlichen Versuchung erlegen sei, bei einem Jahr Gefängnis: Schwerer Strastenbahnzusammenstoft in Lichtenberg. Ein folgenschwerer Straßenbahnzusammenstoh ereignet« sich Freitag vormittag gegen%i2 Uhr an der Ecke Prinz- A I b e r t- S t r a ß e und Stadthaus in der Nähe des Augusta- Viktoria-Platzes zu Lichtenberg. Ein Wagen des Straßen- bahnzuges 113 entgleiste in der Weiche und fuhr einem aus entgegengesetzter Richtung kommenden Straßenbahnzug der gleichen Linie in d i e Flanke. Durch den starken Znsammenprall gingen die Scheiben in Trümmer. Mehrere Personen wurden durch herumiliegenden Glassplitter verletzt oder zogen sich Quetschungen zu. Eine Frau erlitt einen Nervenschock. Beide Wagen muß- ten aus dem Betrieb gezogen werden. Es ensstand eine längere Ver- kehrsstörung. Die Schuldfrage ist bisher noch nicht geklärt. e- Ein weilerer schwerer Zusammenstoß zwischen einem Personen- krastwagcn und einem Motorradfahrer trug sich gestern abend gegen 3 Uhr in Schöncberg zu. Der Kraftradfahrer Erich Duder st adt nus der Fidicinstraße 26 befand sich mit seinem Begleiter Hans H o f f m a n n aus der Blumenfeldstraß« 1.3 zu Tempechof. der auf dem Soziussitz saß, auf dem Heimweg. Vor dem Haus Badensche Straße 2 wurde das Rad von einem Personenkraftwagen erfaßt. Beide Fahrer wurden mehrere Meter weit fort geschleu- dcrt und blieben mit inneren Verletzungen und mehreren Brüchen bewußtlos liegen. Die Verunglückten wurden durch die herbeigerufene Feuerwehr in das St. Norbert-Krankenhaus gebracht. burger Tor und Karlplatz sowohl über Dorotheenstraße, Neue Wil- helmstraße, als auch über Friedrich-Ebcrt-Straße, Plag der Republik, Roonstraße, Karlstraße. Ferner wurde von jetzt auch die bisber berriebslose Strecke in der Gustav-Adolf- und Pistoriusstraß« in Weißensee wieder in Betrieb genommen, und zwar wird die Linie 71 von der Prenzlauer Promenade über diese Strecke bis zum Mirbachplatz weitergeführt. Jugendweihe der ArbeUersdiafi Qrofj- Berlins am Sonnfag, den 12, September 1926, vormittags 11 Uhr, im Groden Schauspielhaus, Karls tra�c. Mitwirkende: Berliner Volksdior: Leitung Dr. Zander• An der Orgel: Willi Jaeger» Cello-Trio: Armin Liebermann, Friia Hoppe, Karl Lenzcwtki» Weiherede: Dr. Lohmann* Der Sprcdi- cfaor der Proletarisdhcn Feierstunde, Leilcng Albert Floraih und Einzelsprecfaer Heinrich Witte» Eintrittskarten in den Dekannten Verkaufsstellen. Der erste Scgelslugzeugschuppen in Berlin, erbaut vom„Bran. denburgischen Flugsportverein c. D.", wird am kommenden Sonn» tag vormittag �11 Uhr auf den Püttbcrgen in Rahnsdorf ein- geweiht. Treffpunkt?»1v Uhr vor dem Bahnhof Rahnsdorf. Neben Segelflugvorführungen sind Modellwettbcwerbe vor- gesehen. Gäste herzlich willkommen. ver Wassersturz im vikloriapark(Kreuzberg) ist b i« zum 15. September 1926 täglich— außer Montags und Donners- tags— von 12 Uhr mittags bis 7 Uhr abends, vom 16. September bis 15. Oktober von 11 Uhr vormittags bis 6 Uhr abends in Betrieb. Eine Znkernalionale für Relkungswesen und Erste 5)ilfe. Der Gedanke des internationalen Zusammenschlusses auch auf kulturellen Gebieten schreitet fort. Auf dem internationalen Kongreß für Rettungswesen und erste Hilfe bei Unfällen ist die Errichtung einer internationalen Vereinigung für Rettung s- wefen und Erste Hilfe bei Unfällen beschlosien worden. Der vorläufige Sitz dieser neuen Vereinigung, deren Satzungen bereits von den Vertretern der verschiedenen angeschlossenen Länder ge- nehmigt worden sind, ist Amsterdam. ver vez'rksverband der SlelngSrtaer de» Bezirk« Llchkenberg veranstaltet in den Räumen de« Lokals Schwarz, Möllendorsilr., vom 12. bis lt. Sev- tember eine Gartenbauausstellung. Gezeigt werden sämtliche Kleingarten- erzeugniste, wie Obst, Gemüse und Blumen, ferner auch eine große Anzahl GebrauchSgerätschasten sür den Garten und wertvolles Ibcoretisches Material. Eröffnet wird die Ausstellung mit einem Umzug der Vereine, unter Mtt- sührung ausgeschmückter Wagen, durch die Straßen Lichtenberg». vi« Ordner der pro letarischen Feierstunden werden gebeten, am Sonn- tag, den 12. September, früh g Ubr, im Großen Schauspielhaus(Eingang Schiffbauerdamm) vollzählig zum Ordnerdienst zu erscheinen. Neuerungen im Straßenbahnverkehr. Seit dem 1. September dieses Jahres fährt die Linie„Stadtring" vom Brandenburger Tor anstatt durch die Dorotheen- und Neue Wilhelmstraße über Friedrich- Ebert-Straße, Platz der Republik, Roonstraße, Karlstraße. Zeit- karten für die Linien 1, 2, 24. 25, 51, 57 gelten zwischen Branden- Am Vormittag wurde die Ausnahme Deutschlands in den Völkerbund aus Genf übertragen. Mag man zu dem Rundfunk stehen, wie man will, mag man ihn ablehnen oder ihm begeistert zustimmen, in diesen Augenblicken muß man ihn al» ein« der größten Erfindungen bejahen. Zeit und Raum schwinden. Was bedeuten noch Entfernungen? Man wird zum Zeugen weltentfchei- dender Vorgänge, erlebt sie in Berlin mit genau so wie die Bewohner von Paris oder London. Das gecinigte Europa wird wenigstens hier zur Tatsache, der Rundfunk vereinigt die Völker, konzentriert ihre Aufmerksamkeit für Augenblicke auf einen einzigen Punkt. Man ist ausgesöhnt mit manchen Fehlern, die sonst der Rundfunk besitzt: — Abends begann wieder ein neuer Zyklus:„Die Entwicklung der deutschen Oper". Als Auftakt wühlte man Glucks „Iphigenie auf Tauris". Die Oper kommt in vielem dem Rundfunk entgegen: Einfachheit des Orchesters,— die menschliche Stimme führt immer,— Klarheit der Bühnenoorgängc,— das Geschehen rollt nur zwischen wenigen Personen ab,— und eine blühende Melodik, die Musik von hinreißender Schönheit, von edler Linie, der erste führende deutsche Opernkomponist war auch einer der größten. Heroisch allerdings wirkt diese Musik heute kaum noch. Die Romantiker und Wagner haben hier revolutionierend gewirkt, aber die Ruhe und Schönheit der Gluckschen Musik, die keine Stürme kennt, die allen Leidenschaften einen veredelnden Ausdruck gibt, ergreift heute noch. Die Uebertragung unter SMs überlegener Leitung war eine der besten, die der Rundfunk in letzter Zeit brachte. Orchester und Chöre klangen wundervoll ausgeglichen und abgestimmt. Pon den Solisten standen B ö r g e s e n und Emmy Bettendorf an erster Stelle. Das Rundfunkprogjamm. Sonnabend, den II. September. Auster dem üblichen Tagesprogramm: 12 Uhr mittags: Die Viertelstunde für den Landwirt. 3.50 Uhr nachm.: Hormann Vöste:„Der Bubenkopf und seine Gegner". 4.30—6 Uhr abends: Nacfamittegskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Franz v. Szpanowski. Anschließend: Ratschläge fürs Haus. Theater- und Filindionst, 6(30 Uhr abends: Medizinisch-hygienische Plauderei(Ministerialrat Dr. med. Alfred Beyer). 7 Uhr abends: Alice Matzdorff:„Eine Herbstwanderung mit der Kamera". 7.25 Uhr abends: Dr. Siegfried Nestriepke; „Fahrende Komödianten". 7.55 Uhr abends; Dr. Oskar Soheer: „Kartelle und Truste". 8.30 Uhr abends:„Rheinfahrt". Ein fröhliches Hörbild. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetterdienst. Sportnachrichten. Theater- und Filmdienst. 10.30—12 Uhr abends: Tanzmusik(Tanz- orchester Ettd). Königswusterhausen, Sonnabend, den II. September. 1.10— 1.40 Uhr nachm.: Dr. Leonhart Blast und Konzertvereinigung der Berliner Domsän�er: Aus nachklassischen und romantischen Dichtungen(Darbietungen für Schüler). 3—3.30 Uhr nachm.: Professor Amsel und Westermann: Einheitskurzschrift. 3.80— 4 Uhr nachm.: Garten Schulleiter Höhne: Die erzieherische Auswertung der Gartenarbeitsschule. 4—4.30 Uhr nachm.: Dr. Wilhelm Ebart: Luftbowegung und Obstbau. 4.30—6 Uhr nachm.; Mitteilungen des Zentralinstituts. 5—5.30 Uhr nachm.: Gewerbe- oberschullehrerin Walther; Getreideerzeugnisse in der Küche. 8.30 Uhr abends: Uebertragung aus Berlin. Der Memeler Niesenbetrug. Eine neue Verhaftung— Flucht eines Mittäters nach Loudon. Die Ermittlungen zur völligen Aufklärung des Riesenbetrugs. über den wir wiederholr berichteten, haben zur weiteren Verhaftung eines Kaufmanns Philipp Wüstenei in Lichterfelde geführt. während ein fünfter Mittäter namens Edler nach London ent» flohen ist. Gegen Wüstenei und den oft erwähnten Krotofchiner stellte der Vernehmungsrichter einen Haftbefehl aus, und beide wurden daraufhin in Haft genommen. In ihren Aussagen zeigen sich noch Widersprüche, die weiter geklärt werden müssen. Bisher wurde festgestellt, daß Wüstenei und Edler in dem groß angelegten Schwindel als Empfänger der u mf a n g- reichen Nachnahmesendungen auftraten. Wüstenei stammt aus M e m e l und besitzt dort ein Haus, in dem der in Zürich festgenommene Gütervorsteher Rudas wohnt.�Nach dem Ergebnis der bisherigen Ermittlungen sind fünf«en- düngen abgegangen, und zwar mit Patentfchlössern, landwirtschaftlichen Maschinen. Stahlfedern. Hosenknöpsen und Sägen. Der Auskäufer in Berlin war Krotofchiner. Wie die Betrügereien ins Werk gefetzt und durchgeführt wurden, fei beispielsweise an der Sendung Patentschlösfer dargemn. Krotofchiner kaufte diese in Berlin seiner Behauptung nach sür 20 000 Mark und sandte sie a n(ich selbst über Tilsit nach Memel. Dabei belastet« er sie mit einer Nachnahme von SO 000 M. Nachdem die Kisten als Nachnahmegut in Memel eingetroffen waren, kam von dort nach Tilsit die Nachricht von ihrer Ankunft. Darauf erhielt Krotofchiner in Tilsit eine Vorauszahlung von 3$ 000 2)1 Die,- gab er an Edelstein, der damit nach Memel fuhr und sie dort ein- zahlte, angeblich bei der Bahn, in Wirklichkeit aber wohl als Be- stechungsgelder an Rudas.?lach Tilsit wurde darauf berichtet, daß die Einzahlung von 30 000 M. erfolgt sei. Daraufhin geschah denn auch bald, was man hatte erreichen wollen: die restlichen 50000 Mark wurden in Tilsit an Krotofchiner ausgezahlt. Er fuhr damit nach Berlin, zog sich hier 20 000 M. als Einkaufspreis und 5000 M. für ieine Bemühungen ab und übergab die zweiten 25 000 M an Edelstein, der davon wohl einen gewissen 2. eil an Wüstenei hat abführen müssen. In den anderen Fällen trat Ed.er als Scheinkäufer auf. Seine Rollewird wohl erst näher geklärt werden können, wenn man feiner habhaft wird. Der Typhus in Hannover. vis Freitag 140 Erkrankunzen.— Auskunft wird abgelehnt. Hannover, 10. September.(TU.) Wie von amtlicher Stelle mitgeteilt wird, belauft sich die Zahl der Typhuserkrankungen be- reits auf 14 0. In besonders starkem Maße tritt die Epidemie imStadtteilLinden auf, wo hauptsächlich die a r b e i t e n d e Bevölkerung wohnt. Die Bevölkerung ist von ernsteren Be- sürchtungen erfüllt und rechnet damit, daß die Zahl der Ertran» tungen schon erheblich gröher ist, als angegeben wurde. Die S t a d t» Verwaltung hat gestern und heute die Mahnahmen beraten, die zur Bekämpfung der Typhusepidemie zu treffen find, namentlich hinsichtlich der Unterbringung und Isolierung der Erkrankten sowie der Aerzteversorgung. Die Unterbringung erfolgt zunächst im städtischen Krankenhaus I und im städtischen Krankenhaus Siloah- Linden, wo sowohl die Tnphuserkrankten als auch die Typhus- verdächtigen eingeliefert werden. Da hier dienormalenUnter- kunftsräume schon vorgestern abend erschöpft waren, so werden in den Krankenhäusern weiter« Räume frei- gemacht. Ferner wurde für hinreichendes Pflegepersonal, das geimpft wurde, und ebenso für Aerzte gesorgt. Ferner sind zur Vermeidung eines weiteren Umsichgreifens der Seuche von der Berliner Zentrale des Roten Kreuzes fünf Doeckerfche Baracken mit je 20 Betten angefordert, deren Em- treffen in den nächsten Tagen erwartet wird. Ueber die Ursache d e r E p i d e m i e ist man sick, noch nicht im klaren. Sie ist jeden- falls nach Slnsicht der zuständigen Stellen nicht in den Wasierverhalt- nissen zu suchen. Das Regierungspräsidium hat die Auskunsts- erteilung über den Verlauf der Seuche den polizellichen Stellen übertragen. Der zuständige Tlledizinalral Dr. Mangelsdorf lehnt jedoch unter Bezugnahme auf feine ärztliche Schweigepflicht jede Auskunflserleilung ab. Die Zahl der Todesfälle soll über drei noch nicht hinausgekommen fein. Die weitere Untersuchung des D-Zug-Mtentats. Di« beiden Attentäter von Leiferde, Otto Schlesinger und Willi Weber, wurden am Freitag vormittag in Hannooer Walter Weber gegenübergestellt. Beim Wiedersehen der beiden Brüder brach Walter Weber, der von dem Attentat seines Brudes gewußt und ihn angeblich vergebens davon abzubringen versucht hatte, in lautes Schluchzen aus und konnte zunächst fast kein Wort hervorbringen. Er schilderte dann, was er von dem Attentat seines Bruders und Schlesingers erfahren hatte. DerLotalterminan der Unfall st«lle ist nunmehr nach Abschluß der Vernehmungen aus Sonnabend vormittag festgesetzt. Ihm werden der Oberstaats- anwalt, der Untersuchungsrichter und Beamte der Reichsbahndirektion Hannover beiwohnen._ Zur Dampferkatastrophe im Rigaer Meerbusen. Die Zahl der Personen, die bei dem Untergang de» Küst«"' Kämpfers„Neibade" ums Leben gekommen sind, beträgt, wie aus Riga gemeldet wird, 38. Acht Personen, darunter der Kapitän, sind gerettet worden: sie wurden in besinnungslosem Zustande am Strand« aufgefunden. Di« sofort angestellten Wieder- delebungsversuch« waren erfolgreich. Das Unglück ist anscheinend auf «in« Ueberlastung des Dampfers zurückzuführen. Der Kapitän wurde verhaftet._ Sport. Lewanow startet am Sonntag aus der Rütt- Arena. Die ersten Dauer rcnncn hinter Motoreil aus der R ü t t- A r e n a am kommenden Sonntag Nachmittag versprechen, nach den Tralningsleiltungen zu urteilen. jenen hochinteressanten Verlaus zu nehmen. Die Schrittmacher Schulz und Human» erzielten gute Zeilen Neben dem populären Paul Koch. der fleißig hinter Schulz trainiert, spielend jedem Tempo solgt und an- scheinend zu den besten Hoffnungen als Tauersabrer berechtigt, ist jetzt als zweiter Steher der gerade aus Holzbabnen so vorzügliche Smil L e w a n o w verpflichtet worden, der ja bekanntttch in der Dorwiunder Aestsalen- Halle die deutsche Wintermetslerschait zu gewinnen vermochte. Die Verbandlungen mit zwei weiteren bekannten Dauersabrern stehen dicht vor dem Abschluß. Die Fliegerrennen werden gleichfall» eine erstklassige inter- nationale Besetzung erhalten. Wellerberich! der öffentlichen Wetterdienststelle für Berlin.(Nachdr. verb.) Noch etwa» wärmer, wolkig und zeitweise heiter, meist trocken— Aür Deutschland: In Süd- und Mitteldeutschland meist wolkig, sonst weiterhin ziemlich heiter, auch im Südosten etwa» wärmer. Benfe nadimiftagn. C|isi|lt|aMvprhrpitflintfi ffir die infernafionaie ge- morgen vormiffag riU�lllUU f Li III wcrksdiaifl. WerbewnAc Vollzählige Beteiligung der Parteigenossinnen und Parteigenossen wird erwartet. Ctitfcnbunses für dies« Rubrik sind «criio SD S», Lindeusirohe 3, Parteinachrichten Mtz. für Groß- Berlin sirt» au da» Scjirffsetrcterist. ?. H»f/ 5 Trep.»cht», zu rtcht«». Heute. Sonnabend. 11. September: SD« Senbssen, die nicht von Bezirksfiidrern einaeteilt ftnd, treffen ~.......'....." Sonnt»» ob 9 Uhr I. Abt. �WWM sich zur jslugblalwerbreitun» heut« ab 5 Uhr und «urinilta»» bei Malhia». Linienstr. 29. 3. Abt. Rachmittag» 4 Uhr und morgen früh 9 Uhr Fluobiattverbreitung. Tresfuunit Rikcr. Elrinmebstr. S«. U. Abt. Die von ihren Bezirlsfllhrcrn nicht einseleilten Genossinnen und Genossen treffen stch zur Fluodlaltverhrcituna nachmittag« b Uhr bei Berger, Levehowstr. 22. Desgleichen Sonntag iriih 9 Uhr. Sämtliche frei- aewerkichaftlich organisscrten Aollegen haben ssch«benfall» dort einzufinden. M. Abt. Ab 6 Uhr sslugblattverbreitung bei Schmidt, Wielfestr. 17. Alle Genossen und Genossinnen werden auigciorbert. sich daran zu beteiligen. Zl. Abt. Di« BezirksIUdrer holen die Mugblätter von 4 Uhr ad(bei Ztrollh Nachdem Flugblatlverbreitung von den bekannten Lokalen au». Jeder musi«rscheinen.— ». Abt. fflugblottverbreitung heut« nachmittag von!— 7 Uhr von folgenden Lokalen au»: Reuter, isährer Str. 13: Radza», Krtisseler Str.«3: Herm», Mitllersir. 26. 23. Abt. All« Genossen haben sich ab 6 Uhr bei Lewandowski, Seeftr. 19; Tieh«. Barfu»str. 9; Taube. Mllllerstrohe, zur Flugdlottverhreitung ei«. zufinden. »1. Abt. Achtung. Genossinnen und Genossen! Heute od 6 Uhr Alugblatt- Verbreitung von den bekannten Lokalen au». 32. Abt. Von 5 Uhr ab Islugdlattverbrcilung und Sonntag morgen von den bekannten Lokalen au». All« Mitglieder mllssen sich beteilige», auch G«. werlschaftsmitglieder, die nicht der Partei angehären, ftnd zur Rtlarbeit vcrvflichtet. »3. Abt. Rachmittag» von 5(4 Uhr ad beteiligen sich sämtlich« Parteigenossen an der sslugblaiiocrdreiluna bei Lästig, Bcimestr. 8: Wegner. Snalaucr Allee 31; Hoffmann. Ctralouer Allee 17; KicniS. Simon. Dach-E tr. 24. Die Beztrkifllhrer holen die Klugbiätter von Lästig. 34. Abt. Nachmittag» 5 Uhr sslugdiattveibreitung von den Lokalen Rosin, Gubener Strafte, und MUcke. Warschauer Str. 16, au». 36. Abt. Nachmittag» 5 Uhr und Sonntag srUH 8 Uhr sslugblattverbreitung von den bekannten Lokalen au». Montag. 8 Uhr. bei Teichert. Maltern- straft« 1, Zusammenkunft der Slterndeirät«. Wahl«ine» Abteilung». odmanne». 37. Abt. 1., 2. und 8. Bezirk bei Pfeiffer, SausdUrgstr. 2. 4., 5. und 6.»e. zirk bei Raschke. Matternstr. 16. Nachmittag, 5 Uhr Tlugblattverbreitung. Die Parteigenossen werden ersucht, pünktlich zu«rscheinen. De» weiteren wird die fugend Petersburger Viertel ersucht, stch resilo, zweck, Flug. blotlverdreilung einzufinden. 39. Abt. Bon 4 Uhr ob Flugblattverireitung vom Genossen Lucht, Linden. strafte 2, au». 44. Abt. Bezirlsführer: Abholung der Flugblätter nachmittag» 8(4 Uhr hei Eifert. Sranienstr. 196. Treffpunkt zur Flugblattverbreitung Sonntag früh 9 Uhr: 79. Bezirk bei Bogel,»riftcr Strafte(Lokal,. 80. vezirk bm Hag«. Skalisser Str. 19,». IV. 81. Bezirk bei Mäller, Rounnnstr. 46/47. 84. Bezirk bei Demnicker, Ziaungnsir. 28(Lokal,. 85. und 89. Bezirk bei Eifert, Oranienftr. 196. 87. Bezirk bei Echiedold, Admiralstr. 5. 88. Bezirk hei Jakob,«ottbusser Str. 2. 99. Bezirk bei Struftke. Marjannenstr. 17, ». IV. 91. Bezirk bei Nagel, Manteuffelstr. 47. 92. Bezirk bei Melchert, Manteuffelstr. 62. 47. Abt. Zlachmittag» 6 Uhr und Sonntag vormittag 9 Uhr Flugblattverhrei- tun» vom Lokal Siedentopf. Muekauer Str. 65, au». Beteiligung aller ist Pflicht. 48. Ab». Ab 6 Uhr«u»gab« der Flugblätter hei»eller. Türkenstr. 1. Eh-rlott-aburg. 54. Abt. Flugblattverdreitung Sonnabend und Sonntag bei Buchmann. Helmholftstr. 89. 6. und 7. Gruppe Jugendheim Rosinen str. 4. — 56. Abt. Di« Partei, und Gewerkfchaftsgenossen treffen«ich 6 Uhr: 6. Gruppe bei Eggert. Wallftr. 99. 9. Gruppe bei Reimer, W>Im«r»dorfer Strafte a. 19. Gruppe bei Bohne, Schloftstr. 45.— 67. Abt. Rachmittag, von 8—7 Uhr und Sonntag vormittag von 9—11 Uhr Entgegrnnahm« der Flugblätter: 1. Gruppe bei Arndt,»antftr. 51. 2. Gruppe bei Thunack. Wielandftr. 4.— 68. 9lit. Bon 5—7 Uhr Flugblätter abholen vom Ge- Nossen Frift Stein.- An-bacher Str. 29/21, Gartenhau» l part. 7». Abt. W>k«er»d»tf. 7 Uhr bei»roih». Holsteinisch« Str. 69, Flughlätter abholen. 76. Abt. Schöneberg. Sonnabend und Sonntag treffe» stch alle Genossen und Genossinnen zur Flugdlattverbreitung in ihren Lahlabendlokalev. Die Bezirlsführer holen ihre Flugblätter heul« von 5 Uhr nachmittag» bei Graft. Sedanstr. 17, ab. Die Wahl zum Elternbeirat an der 15. Gemeinde» schul« Tcmpelhofer Weg findet Konntag. 12. September, von 8 hi» 2 Uhr in ber Turnballe der Schule statt. Eltern, grht zur Wahl. Wählt Lifte „Lchulaufbau". Parteiwohllolal: Graft. Sedanstr. 17. Alle Funktionär« und Helfor müssen um 8 Uhr«rscheinen. 81. Abt. Friedenau. Ab 5 Uhr Flugblattverdreitung bei»lad«. Handserv- straft« 69/61. 62. Abt. Steglist. BezirWüHrer holen die Flugblätter mn 6—7 Uhr im Lokal von Wild. Düppelftr. 7, ah. Rtukill». 69. Abt. 6 Uhr Flugblattverbreitung von folgenden Lokale» an»: 1.-5. Bezirk bei Brofer. Sanderftr. 19. 6.-11. und 12. Bezirk bei Gräler, Ponnicr. Eck« Pflilgcrstrafte. 7.-8. Bezirk bei Bockmann. Reuterstr. 47. 9.— 19.. 18. und 19. Bezirk bei Fischer, Hobrech tstr. 64. Sonntag 7(4 Uhr srüb treffen sich die Genossen bei Bros« zur Eltrrndeirats-oahl.— 91. 9lbt. 6 Uhr Flugblattverbreitung von folgenden Lokalen aus: Stahmann, Mii». dienet Eck« Reuterskraft«. Mäufeler. Mllnchener Str. 23.»äsier,»arl». aartenstr. 4. Lüddecke.»arlsgartenstr. 12.— 96. Abt. Di« Bezirksführer dolen von t— 6 Uhr die Flugblätter von der Lorwitrlsspedition Siegfried. straft» ab. 166. Abt. Zohaoni»rt»dsziri hei Ander». 131. Abt. Riederlchinhansr». Die Bezirksführer holen die Flugblätter von der bekannten Stell« ah, Di« Parteigenossen stellen sich am Sonntag vor» mittag zur Verfügung. 186. Abt.»cinickendors.vft. Bon(,8—8 Uhr und Sonntag vormittag von 9— ll Uhr sind die Flugblätter abzuholen für de» 1.— II. Bezirk hei Dahle. Provinzstr. 66; 12.-21. Bezirk hei Bamberg. Residenzstr. 126. Morgen. Sonnlag. 12. September: 8. Abt. Di« Motvrhootfahrt muft wegen Berweigeruna der Erlaubni» zur Durchfahrt ber LScknI» nach Rüdersdorf, sialkberg«. Lokal Läffker,»erlegt w«rd«n. 68. Abt. Eharlottenbnrg. Di« Genossinnen werben gebeten, zur Berfamwlung schon um'49 Uhr am Untergrundbahnhof Ditlcnbergplaft pünktlich«in. zutreffen. 74. Abt. Fehlendoef. Di««»Nossen beteilige» sich vollzählig am Arbeiter. Sportfest I» Dannse». 88. 9lbt. Stegl-«. vormittag» 8(4 Uhr treffen sich die Genossen i» de» B«zirk»lokalen Mr Flugblattverb re i tun g. Erscheinen Pflicht. 84. Abt. Lankwitz. Di« Genossinnen und Genossen beteiligen sich reg« an dem Werbefest der Jugend. 91. Abt. RnikSOn. Bon 9—4 Uhr findet die Eltennbeiratswahl her 8. Schul« statt. Da» Schlepploial ist Lüddecke. Rarlsgartenstr. 12. Dort treffen sich alle Wahlhelfer von 8(4 Uhr ab. 198. Abt. ttipenick. Di« Genossen treffe» sich am Bahnhof Käpenick zur Bo- sichtigung der welrliche» Schul« Eotenhurger Ott. 2. Abfahrt 637 Uhr. 184. Abt. Buch. Vormittags S Uhr Treffpunkt bei Gebhardt zur Flugblatt. »«rhreltung. All« dienstfreien Genossen habe» zu erscheine». Jnngsoziallüe». Gruppe Süden: Fahrt nach Zossen.«»»,; Punkt 7 Uhr Pottum et Ringbahnhos.— Gruppe! Fahrt nach dem Ruppiner«anal. Treffpunkt früh 6'.4 Uhr Bhf. Tempelhos. Arteitagenmiufcheft der»lubersteuud«.«rei» Ritte:«rel�Heibstsest i» der Dalderholungsstitt« in Tegel. Treffpunkt 9(4 Uhr vormittag. Straften. hahnlint« 28 und 188 Haltestelle Tegel Waldschänie. Eltern. Genossen und Freund« unserer Bewegung find herzlich eingeladen. Sterbetafel der Sroß-öerliner Partei-Grganifatkon Sozialistische firbeiterjugenü Groß-Berlin. «euossinnen uu» Genossen, dir zur Jugendweihe«l» Ordner titig fein wollen, treffen sich am Sonntag vormittag 9 Uhr am Dioften Schauspielhaus, Eingang Schiffbouerdamm. Achtung. Abteiluag»lrit«r! Holt da, Werhemoterial ab. Wochenendkntsu» de, Serbebe, irk» Lsibahn: Am Sennabend/Sontag, 11.(12. September, in der Jugendherberg« Zossen mit folgenden Themen: 1. Wesen. Geschichte und Ziele unserer Bewegung. 2. Aufbau und praktische Arbeit. 8. Di« Stellung de, einzelnen in der Bewegung.— Da» Führer. Problem.— Decken. Eftgeschirr. Bleistift und Notizblock muft mitgebracht werden. heute. Sonnabend, 11. September: Helmholftplaft: Treffpunkt abend, 6 Uhr zur Flugblattverbreitung am Hclnidoltzvlaft.— Rosenlhaler Vorst«dt: Treffpunkt zur Flugblattverbreitung ���Rg« ftadt Iii Fahrt Ueberfe«. Treffvunkt 6 Uhr Bahnhof Gesundbrunnen— Mariendorf: Arbeitsgemeinschaft Jugendheim AU« Schul«, Dorsstr. 7.— Lenk. >ift: Generolvrob« in der Aula de» Lnzeum» Lankwift, Dillgeistrafte. Ale Genossen müssen unbedingt erscheinen.— ReukSI» III: Abend» 6 Uhr bei Günther. Schillerpromenad« 11, Treffpunkt zur Flugblattverhreisung.— Schön. benler vor ftadt>: Fahrt«remmencr Her. Treffpunkt 8 Uhr Bahnhof®c- fundbrunnen. werhebezirk«reuzberg: Jugendheim Lindenstr. 8 Arbeii�erneinfchoft. G». Nossen anderer Gruppen sind herzlichst eingeladen. Morgen. Sonntag. 12. September: Aelmholftplaft: Fahrt Frauensr«. Treffpunkt(46 Uhr. Fahrgeld 139 R.— Schönhauser Sarstedt I: 10 Uhr vormittag, Flugds-ttverhreftung hei Gold- schmid».— Schönhauser varstadt II: Fahrt. Treffpunkt(46 Uhr Bahnhof Gesundbrunnen.— Friedenau: Treffpunkt morgen» 7 Uhr und nachmittag, 1 Uhr am Friedrich-Wilhelm-Plaft(Kaltestelle) zur Teilnahm« an der Werde- feiet in Lankwift.— Wonnsee: Beteiligung am Werhefest in Lankwitz.— gehlen- Hprs-West: Treffpunkt(412 Uhr am Bahnhof Zehlendorf-Mitt« zur Ber- »nstaltung in W-nnlee.— Rentilln VI, Treffpunkt zur Treffahrt de. Werbe- h-zirk» 6 Uhr Bahnhof«aiser-Friedrich-Strafte.— Reukill» INt Treffpunkt zur Treffahrt(47 Uhr Bahnhof Hermannslrafte.— Lankwift: Werbefest. Treff- «unkt morgen,(48 Uhr Bahnhof Lichterfelbe-Oft. 9 Uhr Bahnhof Lankwitz. Rachmittag» 2 Uhr Demonstration durch Lankwitz. Ahmarsch 2 Uhr vom Sport. platz am Gemeindepark. Abend,(47 Uhr Werbefeier in ber Aula de, Lnzeum» in Lankwitz. Anschließend Fackelzug zum Bahnhof Lichterfelde-Ost. Unkosten- heitroa 89 Pf. »erb«»«, irk Renköll»: Treffahrt nach dem Plätzensee bei Bernau. Um 12 Uhr auf der Wiese am See Treffvunkt. Fohrvrri» 59 Pf. Werhebezirk Tellowkanalr Der Werdebezirk beteiligt sich geschlossen am Werbefest In Lankwitz. Zur«undgebun» um 2 Uhr müssen all« erscheinen. Fahnen und Mustkinstrvment« mildringen. 6. Adt. Unser Genosse Emil Büttner. Schwedter Str. 24, ist verstorben. Di« Einäscherung findet am Montag, 18. September, abend, 6 Uhr. im«re- matorium Gerichlstrafte statt. Reg» Beteiligung erwartet hie Adteilungsleitung. Vorträge, vereine und Versammlungen. Reichsbund her«rie-gbelchädigtt».»rfegvteUnchneer NN»»riegerhinter. btiebenea. Ortsgruppe Rentill»: Geschäftsstelle Dvnauftr. 128. Dienstag, 14. September, pünktlich 7(4 Uhr. In der Aula de» Realgmnnasium».«aiser- Friedrich�tr. 299/219, Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Die Wirt- fchaftskrls«. ihr« Ursachen und Bedeutung für die«riegsopfer. 2. Stellung- nahm« zum ordentliche» Gautag am 26. und 24. Oktober 1926. Im Interesse i-de» einzelnen Mitgliedes liegt e». zu dieser Versammlung bestimmt und pünktlich zu erscheinen Eingeführte ESst» haben Zutritt. Freireligiös« Gemeinde. Sonntag vormittag ll Uhr Pappelallee 15. Bor- trag de» Herr» Dr. R. Brie: I. Offenbach, der«lasstber der Operette(mit Erläuterungen am Flünek). Gäste willkommen. »rbetter-Ahstiuentenb»»», Ortsgruppe Berlin. Zum Gau treffen am 11. und 12. September in Rathenow fahren wir hrut« 2,24. 430. 832 Uhr ad Lehrter fferndahnhof. Zu allen Zügen roegtn der Fahrprei�rmäftlgung mindesten» (4 Stund« vorher am Fahrkartenschalter versammeln. Ja der Repuhlikanische»»«dnerverciaigusg spricht Deoosse Feliz Fechenbach am Dienstag. 14. September. 8 Uhr. Anhaltstr. U, über„Polkzes, Justiz und Fememord« in Bayern". Eintritt frei. - V 2-�6■ KauBonbons? Es ist ein Irrtum zu glauben, dass Kau-Bonbons ein Zeltvertreib für Kinder sind! Die Wrigley P. K-Kau-Bonbons sind ein hervorragendes Mittel, um Zähne und Mund zu reinigen. Als solches werden sie von Aerzten und Zahnärzten vielfach empfohlen. Wrigley P. K-Kau-Bonbons beseitigen das Durstgefühl und verleihen dem Atem dauernd ein angenehmes Aroma Sie regen den Appetit an und CFi fördern die Verdauung. Päckchen-4Stück-= lOPf. Ueberall erhältlich! )WtiOL£Y AKflCN- ÖC5CU5CHAFI. KF.URT.A.M Das tcfaömfe Geschenk zu Vafcrs Gcburfsfag: eine Schachfei MANOLi Zigfarcffcn Straflose IahrlWgkeit. Eine Lücke im Aktienrecht. Staatsanwalt Schröder, Mainz, schreibt uns: Ein Aktien st rafrecht, das den modernen Wirtschafts- anforderungen entspricht, bcsigen wir nicht. Die Aktiengesellschaft ist eine intensive Form der Kapitalsmassierung und birgt daher an sich eine Gefährdung gleichmäßigen Volkswohlstandes in sich. Na- tnrgemäß ist die Gefahr der Erschütterung des sozialen Gleichgewichts um so größer, je bedeutender der Kapitals- Zusammenschluß ist. Dies kommt besonders zum Ausdruck bei den modernen Konzernbildungen, den Kartellen und den Trusts ameri- kanischen Musters, denen wir entgegenzugehen scheinen. Pretsdittat für die Ware und Lohndiktat für die Arbeit sind erfahrungsgemäß oft die Folgen, obwohl eine Zusammenlegung von Betrieben an sich nicht als volkswirtschaftlich schädlich anzusehen ist. Das einzige nach der herrschenden Staatsausfassung anwendbare »wirksame Mittel, der Allgemeinheit gefährliche Auswüchse nach Mög- sichkeit zu unterbinden, besteht in der gesetzlichen Strafandrohung. Zunächst müßte wirksamer Schutz bei dem Ursprung der Unter- nehmung, der Gründung und Geschäftsführung der Aktien- gesellschaft, einsetzen. Kriegs- und Nachkriegsverhältnisie haben der Kaufmannschaft unzuverlässige Kräfte zugeführt und ehe- mals anständige Kaufleute verdorben. In der Tat haben sich die Fälle gehäuft, in denen durch leichtfertige Gründungen große wirtschaftliche Schäden verursacht wurden. Ein großer Teil der Bevölkerung Hai während und nach der Inflation ihr Vermögen in Aktien nngelegi. Darunter befinden sich zahlreiche Kleinaktionäre, Lohn- und Gehaltsempfänger, die ihre Ersparnisse vor Entwertung retten wollten. Leichtfertige Aktiengesellschaftsgründungen schädigen nun all diese Aktionäre und damit einen großen Teil der Bevölke- rung. Aber die Schäden entstehen nicht ollein aus diesem Gebiet. Die mit großem Reklamegeschrei in die Welt gesetzten unsoliden Gründungen ziehen erfahrungsgemäß Arbeits- und Dermal- tungspersonal aus soliden Betrieben und sicheren Arbeits- stellen, um später die übernommenen Arbeiter und Angestellten nach dem Zusamnienbruch auf die Straße zu setzen und sie und ihre Fa- Milien der Not preiszugeben. Wiederholt haben waghalsige, ehr- geizige leitende Angestellte einer Gesellschaft eine Konkurrenzfirma ou�getan und ehemalige Mitarbeiter zu verleiten gewußt, ihnen zu folgen. Ist das neu« Unternehmen nicht lebensfähig, so haben diese Mitarbeiter nicht nur ihre Arbeit verloren, sondern sie haben bei der gegenwärtigen Krise mit lanaandauernder Arbeitslosigkeit zu rechnen. Häufig spricht bei diesem Vorgehen die mehr oder weniger große Geschäfts- und Fachunkenntnis dieser Wirtschoftsabenteurer mit, die lediglich versuchen wollen, sich selbst zu bereichern, sich aber ganz und gar nicht bewußt sind, daß sie ein Glied der großen sozialen Wirtschaftsmaschine sind. Ihr Risiko ist angesichts der milden Konkursbestimmungen gering: ihre Gläubiger werden im Wege des Zwangsoergleichs mit einer verschwindenden Anteilsumme abgefunden, während die Wirtschastsraubritter ihren Kapitaleinsatz und die Gewinne längst im Ausland oder unter nicht faßbaren Deck- odressen in Sicherheit gebracht haben. Im Zusammenhang mit diesem prachtvollen Verfahren— ein Nachweis läßt sich juristisch selten erbringen— verkracht nicht selten die eine oder andere um hohe Rechnungsbeträge geschädigte Gläubiger firma und zieht weitere P e r s o n a l e n t l a s s u n g, Arbeitslosigkeit und Not rwch sich. Es sind daher genügend Gründe dafür"da. um olle Verantwortlichen scharf zu kontrollieren. Das Handelsgesetzbuch bedroht jedoch nur.absichtlich'" oder .wissentlich" begangenen Gründungsschwindel. Untreue oder Vermögensverschleierung(88 312, 313, 314) mit Strafe. Anläßlich des Zusammenbruchs vieler großen und kleinen Aktiengesellschaften mußte festgestellt werden, daß die strasrechtlich verantwortlichen Mit- glicdsr des Vorstands und des Aufsichtsrats sich grober Fahr- l ä s s i g k e i t schuldig gemocht hatten, ohne best rast werden zu können. Eine gerichtliche Sühne ist in den meisten Fällen aus- geschlossen, weil der erforderliche Nachweis des.wissentlichen" oder .absichtlichen" Handelns nur äußerst selten möglich ist. Ein Hinweis auf die komplizierte Buchführung eines modernen Betriebs und ein Leugnen der Beschuldigten wird meist genügen, um diese freikommen zu lassen, selbst wenn gröbliche Verstöße gegen kaufmännische Sorg- falt und Uebung nochgewiesen werden konnten. Die Aufsichtsräte pflegen ohne Ausübung des ihnen gesetzlich vorgeschriebenen Prüfungsrechts alles gutzuheißen, was ihnen Vorstand und.ge- schäitstüchtige" Generaldirektoren vorlegen. Die Straf- bestimmungen des Handelsrecht» müßten deshalb durch einen weiteren Paragraphen ergänzt werden:.Wer die in den 88 312 bis 314 genannten Taten aus Fahrlässigkeit begeht, wird bestrast..." Auch die Entwicklung der Aktiengesellschaften und anderer Ge- sellschastsunternehmungen in den Formen ihrer Zusammenschlüsse (Konzerne, Kartelle, Trusts) zwingt zu vorbeugenden Strafdrohun- gen. Anläßlich der kürzlich im Sand verlaufenen Preissenkungs- aktion der Regierung hatte man scharfes Einschreiten auf Grund der Kartelloerordnung vom 2. November 1923 vorgesehen: es blieb bei der Absicht. Durch das Gesetz über Steuermilderungen vom 31. März 1926 ging man in neuem Kurs sogar dazu über, durch Milderungen auf dem Gebiet der Gesellschasts-, der Grund- erwerbs-, Wertzuwachs-, Vermögens- und Körperschaftssteuer den Zusammenschluß zu Jntereflenoerbänden zu begünstigen. Schwer ist es, unter herrschendem kapitalistischem Regime typisch« kapitalistische Auswüchse zu bekämpfen, ohne den Gang der Wirtschast zu er- schweren. Es soll deshalb auf die zioilrechtlichen Möglichkeiten der genannten Kartellverordnung und die dort angegebenen Selbsthilfe- Möglichkeiten recht zweifelhaften Werte» nicht"eingegangen werden. Die einzige wesentliche Strofbestimmung(8 18) will lediglich einzelne Außenseiter vor Boykotthandlungen der Kartelle schützen. Ein Schutz der Allgemeinheit vor ungerechtfertigtem Preis- oder Lohndiktat findet sich jedoch nirgends. Dieser Mangel wird heute um so empfindlicher bemerkt, als ein Preisschutz durch die bekanntlich aufgehobene Preistreibereiverordnung nicht mehr möglich ist. Es müßte deshalb in das geltend« ständig« Handels- recht— die Kartelloerordnung hat nur vorübergehende Geltung— der vorgenannte§ 18 der Kartellverordnung(Boykott) und eine weitere Bestimmung etwa folgenden Inhalts ausgenommen werden: „Verantwortliche Leiter von Konzernen, Kartellen oder gleichem oder ähnlichem wirtschaftlichem Zweck dienenden anderen Verbänden werden bestraft..., wenn sie vorsätzlich oder fahrlässig für die von ihnen hergestellten oder vertriebenen Waren de» allgemeinen Gebrauchs oder Verbrauchs Preise f e st s e tz e n oder fordern, die volkswirtschaftlich als zu hoch nicht gerechtfertigt werden können, oder aus Eigennutz die Entgelte fiir Arbeitsleistungen ihrer Angestellten unangemessen herabsetzen." Eine Umwälzung ist im Werde», die die Bedeutung des Einzelindividuums herabmindert und die der Massen, der Der- bände, steigert. Ergreifen wir angesichts dieser Entwicklung nicht rechtzeitig Vorsichtsmaßnahmen, so werden wtr bald wirtschafts- kräftigen Trusts als Gegnern gegenüberstehen, Kapitalsverbänden, die Presse und Löhne nach ihrem Belieben zu diktieren suchen und da- bei womöglich noch durch Schutzzollgesetze unterstützt werden. Könnte sich die Gesetzgebung nicht rechtzeitig dem Gang der Entwicklung anpassen? Die Inflationszeit gab uns doch genügende Lehren. Nachwort der Redaktion. Wir geben die vorstehenden Ausführungen eines praktischen Iurssten wieder, weil sie zeigen, wie schwer das Fehlen einer strafrechtlichen Regelung aus den gekennzeichneten Gebieten bei der Ausübung des Rechtes empfunden wird. Der fahrlässigen Geschäftssührung müßte in der Tat«in Riegel vorgeschoben werden. Daß vorsätzlich« oder fahr- lässige Preishochhaltung und Lohnsenkung unter Strafe gesetzt wer- den, würde wahrscheinlich auch bei einer gesetzlichen Regelung auf große Schwierigkeiten stoßen. Ist diese Anregung auch eine Dis- kussion wert, so wird man sich doch darüber klar sein müssen, daß insbesondere die Verhinderung niedriger Löhne eine Angelegenheit des Machtkampfes zwischen Unternehmern und Ar- b e i t e r n bleiben wird, für den die Arbeiterschaft durch Stärkung ihrer Gewerkschaften Vorkehnrng treffen muß. Die verwenöung der preußischen Mmerika-swleihe. Vom preußischen Staate ist eine auf amerikanische Währung lautende, mit 614 Prozent verzinsliche Auslandsanleihe im Gesamtbetrags von 29 Millionen Dollar an ein Bankkonsortium, das unter Führung der Firma Haris, Fordes u. Company, New Port, steht, begeben worden. Die Anleihe gelangt unter der Be- Zeichnung:„614 amortisable Gold-Schuldoerschreibungen des Freistaates Preußen, Auslandsanleihe von 1926", in Stücken von je 1999 Dollar zur Ausgab«. Dem Konsortium gehören folgende Firmen an: Harris, Fordes u. Company, Brown Brothers u. Com- pany, The New Port Trust Co., The Equitable Trust Co. of New Park, sämtlich in New Pork, Mendelssohn u. Co., Amsterdam. Die Anleihe ist zum Ausbau der staatlichen Elek- trizitätswerke und Hasenanlagen bestimmt. Die Ver- Wendung ist etwa in folgender Weise vorgesehen: Rund SZ 999 999 Reichsmark für die Elektrizitätsunternehmun- gen: etwa 23 999 999 Reichsmark für Hafenbauten. Für die Anleihe ist eine Laufzeit von 25 Iahren vor- gesehen. Der preußische Staat hat sich indessen das Recht oorbe- halten, die Anleihe nach Ablauf der ersten fünf Jahre, das heißt vom 15. September 1931 ab, jederzeit mit sechswöchiger Frist zu einem Zinstermin im ganzen oder in Teilbeträgen zu kündigen. Sofern von diesem Rechte kein Gebrauch gemacht wird, müssen 59 Prozent der Anleihe, also 19 999 999 Dollar, vom 15. September 1932 in 29 Jahresraten bis zum 15. September 1951 getilgt sein. Die rest- lichen 19 999 999 Dollar sind sodann in einer Summe am 15. Sep- tember 1951 zurückzuzahlen. Die Zahlung des Gegenwertes wird voraussichtlich noch im Laufe dieses Monats an die preußische Fi- nanzoerwaltung gegen oorläusige Lieferung eine» Interimsscheines über den Gesamtbetrag der Anleih« erfolgen. Die endgültigen Stücke werden im Frühjahr 1927 im Austausch gegen den Interimsschein zur Ablieferung kommen. Das Bankenkonsortium beabsichtigt, die Anleihe bereits in den nächsten Tagen in Amerika zu 95 Prozent zur öffentlichen Zeichnung aufzulegen. Ein Teilbetrag von 2,5 Millionen Dollar ist für die Zeichming in Holland reserviert worden. Bei dem Zeichnungskurse von 95 Prozent ergibt sich somit eine Nettover- zinsung von nicht ganz 7 Prozent. Der Satz ist nur unwesentlich höher al» die Nettoverzinsung der Dawes-Anleihe zum gegenwär- tigen Kurse. Für den preußischen Staat ergibt sich unter Berück- sichtigung der gesamten Vertragsbedingungen eine Rettozinsenlast von etwa 7,4 Prozent. Di« Anleihe stellt sich mithin für den preu- ßischen Staat um rund 14 Prozent günstiger als alle bis- her zum Abschluß gebrachten, mit dieser Anleihe vergleich- baren deutschen Dollaranleihen. Stabile Zahlungsmittel tu Belgien? Trotz der letzten Schwankungen des belgischen Frankenkurses scheint die belgische Regierung für die Stabilisierung des Franken sehr zuversichtlich zu sein. Wie aus Brüssel gemeldet wird, hält die Rc- gierung an dem Siabilisierungskurs von 175 Fr. für ein englisches Pfund Sterling fest und trisft bereits Vorkehrungen zur Ausgabe von stabilen Zahlungsmitteln. Zunächst sollen Münzen im Wert eines halben Goldfranken(kranc ecu) in Umlauf gebracht werden, denen später größere Münzen folgen sollen. Die Bemühungen, auf dem anierikanischen und englischen Geldmarkt eine 79-Millionen-Dollar-Anleihe unterzubringen, dauern fort. Uebrigens wird das märchenhafte Angebot des belgischen Finanzmagnaten Löwen st ein, angesichts der Anleiheschwicrigkeiten dem belgischen Staat selbst 59 Millionen Dollar zur Verfügung zu stellen, von der belgischen Regierung dementiert. In der Londoner City hat man dieses Angebot mit der Bemerkung abgetan, daß Löwenstein besten- falls aus der Finanzierung der Geschäfte, die er sich als Gegen- dienst von Belgien garantieren lassen wollte, sein Angebot hätte wahrmachen können._ Die deutsche Girozentrale erhöhl ihr Kapital. Im Zusammen- hang mit der Äugsburger Tagung der deutschen Sparkassen, Giro- zentralen und Kommunalbanken wurden unbestimmte Mitteilungen über eine Erhöhung des Betriebskapitals der Deutschen Girozentrale und Deutschen Kommunalbank Berlin verbreitet. Wie jetzt bekannt- gegeben wird, erfolgt diese Erhöhung tatsächlich. Aber nicht um 2 Millionen bzw. 7)4 Millionen, wie gemeldet wurde, sondern um 8 Millionen, von 29 Millionen aus 28 Millionen Mark. Die Erhöhung wird sofort durchgeführt, und zwar durch Umlegung auf die der Zentrale angeschlossenen Verbände, von denen jeder eine halbe Million Mark übernimmt. Der Zweck ist vor allem in dem stark angewachsenen Emissionsgeschäft zu suchen. Eine Beteiligung fremder Banken und Geldinstitute kommt nicht in Frage. Wie wir hören, dürfte die Kapitalerhöhung damit noch nicht beendet sein. Es ist wahrscheinlich, daß in absehbarer Zeit eine weitere Ver- stärkung der Betriebsmittel folgen wird, auch unter anderen Moda- litäten der Durchführung. Die AEG. in der Braunkohlenindustrie. Der AEG.-Kon,z«rn hatte bisher in der von der AEG. beherrschten Kohlenveredelungs G. m. b. H.«in Uniernehmen, das für die Braunkohlenindustrie Berfchwelungsgeneratoren zur Braunkohlenveredelung baute.- Wie gemeldet wird, geht der AEG.-Konzern jetzt selbst zur Braun- kohlenveredelung über. Di« G.m.b.H. wird in eine Aktien- gesellschaft umgewandelt, das Kapital wird erhöht, die Gesellschaft auf anhaltisches Gebiet oerlegt. Dort soll eine neu« Veredelungs- anlag« mit 19 Generatoren und einer Tageskapazität von 1999 Tonnen Braunkohl« errichtet werden. Kohlenbafis ist die Tender- resero« der Grube Leopold und die Grub« Anna des Rütgers- Konzerns. Das Kapital der neuen Gesellschaft bleibt vollständig im Besitz der AEG. Für Dampfkessel und Gasometer 7 stall 5 JJroz. Dividende. Für die Dampfkessel- und Gasometerfabrik vorm. Ä. Wilke u. Co., Braunschweig, haben die letzten drei Monat« des am 31. März 1926 geschlossenen Geschäftsjahres bereits die Nachteile der Krisen- monate ausgeglichen. Das ist eine beachtliche Feststellung, die in der erhöhten Dividende übrigens bestätigt wird. Wie im Vorjahr wird von schärfster Konkurrenz um die Aufträge berichtet: besonders liege der Maschinenabsatz heute noch danieder. Die G c- winnrechnung zeigt eine Quelle des von 94 999 auf 136999 Mark gestiegenen Reingewinns besonders deutlich: obwohl der Ge- schäftsumfang offenbar beträchtlich erweitert wurde(die Forde- rungen stiegen von 9,54 auf 9,74 Milk.), gingen die Handlung»- Unkosten um den vollen Betrag der ausgewiesenen Gewinnsteige. rung zurück. Die beträchtlichen Gewinne waren ober offenbar höher als die ausgewiesenen, denn die Verpflichtungen erscheinen trotz der Geschästsausdehnung von 9,49 aus 9,25 Mill. gesenkt. Auch sind die Material, und Warenvorräte statt mit 9,47 nur mit 9,31 Mill. bewertet, was aus stille Reservenbitdung bei diesem Posten schließen läßt. Stillegung von Zuckerfabriken. In der bevorstehenden Zucker- kampagne 1926/27 werden zehn rübenverarbeitende Zuckerfabriken, wie die„Konjunktur-Korrespondenz" erfährt, den Betrieb nicht auf- nehmen. Neun davon werden dauernd stillgelegt. Die für diese Fabriken früher angebauten Zuckerrüben werden zum Teil von anderen Zuckerfabriken übernommen. Insgesamt wurden seit der Kampagne 1918/19 41 rübenverarbeitende Zuckerfabriken und vier Raffinerien dauernd stillgelegt. Durch den Vertrag von Versailles gingen außerdem für Deutschland 29 Zuckerfabriken verloren, so daß sich der Gesamtoerlust seit 1918/19 auf 74 Fabriken beläust. Ver- schieden« Fabriken werden in der Kampagne 1926/27 zum letzten Male arbeiten, um dann gleichfalls endgültig stillgelegt zu werden. Die Zahl dieser Fabriken scheint noch nicht festzustehen. Deutsche Zechengewinne am englischen kohlenstreik. Wie aus dem Ruhrgebiet gemeldet wird, hält die Absatzsteigerung für Ruhr- kohle infolge des englischen Streiks nachdrücklich an. Die Halden der Zechen sind fast vollständig geräumt: ebenso die Lager- Vorräte an Briketts. Selbst die erheblichen schwer absetzbaren Bor- räte an Feinkohle haben vollständig ihre Abnehmer gefunden. Die Koksoorräte find zivar noch groß, der August hat aber auch für den Koksabsatz mit 399 991) Tonnen eine Verdreifachung des Juliabsatzes gefunden. Für die Zeck�nbesitzer bringt die Englandkonjunktur na- türlich sehr große Gewinne, und zwar um so größere, als in den vielerlei Beständen, mit deren Absatz man nicht rechnen konnte, alle vorgenommenen Abschreibungen wieder zu vollen Gewinnen werden. Als Symptome für die inner- deutsche Wirtschast sehr beachtlich ist die Mitteilung, daß auch der Kohlenabsatz im Inland st«igt. Die Kohlenverkäufe ins unbestrittene Gebiet haben sich darart gesteigert, daß der Gesamt. absatz des Kohlensyndikats in das bestrittene Gebiet übertroffcn wird, obwohl letzterer durch die englischen Verhältnisse ohneh i höher liegt als sonst. BATY Eina/t iagti dam aruisnn-�ia. GoccoAot Lit nsu „er.... Unterhaltung unö Aöissen Natürlich! Der Deutschnationale: ,hm.., tfa.,. tfa also... also wir erklären uns zur Mitarbeit üurchaus bereit 1' Der verbrannte Christus. von Hans Aranck. Auf einer kargen Eifelhöhe, mehrer« mühsame Wegstunden von Manderscheid entfernt, lag bis zum Beginn des vierten Weltkriegs- jahres ein einsames Bauerngehöft. Wie man ihrer dortzulande— verstreut über die nur widerwillig der Bebauung sich fügenden Berge — manche antrifft: Haus und Scheune lassen sich nicht daran ge- nügen, mit wenigen halbblinden Fenstern finster ins Tal zu blicken. Ihre feldwärts gerichteten blauroten Klinkergiebel laufen in ändert- Haibmannshohe Mauern aus, die sie zu einem zweiflügeligen Gebäude zusammenzwingen. Ihr« Außenwände haben es schwerer, zueinander zu kommen: zweimal muß ihre Mauerverlängerung, das ganz« Wohn- grundstllck abgrenzend, sich rechtwinklig wenden. Aber sie geben nicht Ruhe, bis auch sie gleich den Giebeln beisammen sind und das Bauerngehöft einer verkümmerten Burg gleicht, die zu befürchten scheint, den geringen, in monatelanger Fron geborgenen Erntesegen wider Ueberfäll« von Wegelagerern verteidigen zu müssen. Hart ist in solcher Arbeitsburg das Leben. Und einförmig. Die Ackerbestellung ein unablässiger Kampf mit dem steinigen Boden. Die Tage gehen dahin, einer gleich dem anderen: Monate, Jahre. Jahr- zehnte, Generationen hindurch. Man schuftet, um essen zu können. Man ißt, um schuften zu können. Di« häufig« Ausübung der über- kommenen Frömmigkeit schafft tagtäglich die einzigen Ruhepausen. Denn vom Tisch stolpert man an die Arbeit, und wenn man sechzehn, achtzehn Stunden nach Tagbeginn mit der Arbeit innehalten muß, fällt man aufs Bett. In der Kirche aber und im Betschemel darf man, obwohl man sich seiner Pflicht, den Pfarrer zu hören, Mutter- Maria-Gebet« zu murmeln, nicht entzieht, die geröteten Augen schließen,«in wenig vor sich hinnicken. Und doch kann hinter solchen unerbittlichen Klinkermauern die Freude daheim sein. Und der Friede. Der Friede mit Gott und Mensch, mit Himmel und Erde, zwischen Mann und Frau, zwischen Eltern und Kindern, unter Brüdern und Schwestern. Auf dem Hüsgerthofe oberhalb Manderscheid gingen Freude und Friede ein und aus. Drei Söhn« wuchsen dort heran: lang, blond, starkknochig, arbeitswillig, ehrbar, gottgläubig. Wie hätte man nicht tagaus, tagein die Hände falten sollen? Zum Dank! Denn zu bitten hatte man nichts. Allerhöchst, daß es bliebe, wie es war. Aber warum Unnötiges aussprechen? Krankheit war nicht zu befürchten. Väter und Mütter hatten beiderseits erst als Siebziger und Achtziger diese Erde verlassen. Weil sie es müde, nicht weil sie krank geworden waren. Was also konnte den einträchtig ihr schweres lageroert vollbringenden Fünf auf dem Hüsgerthofe geschehen? Auch in diese Einsamkeit drang im August IS14 die Kunde, daß Krieg auf Erden sei. Eine Woche hernach war der älteste der drei Sühn«, Köbes, fort. Vater Hüsgert murrte. Mutter Hüsgert oerwies es ihm> Was fünf geschafft hätten, werde Bieren zwar sauer. Aber unschaffbar wäre es nicht. Eine Stunde früher aus den Betten, ein« Stunde später hinein, zum Essen nur des Abends heim, des Schweißes noch weniger geachtet als bisher: da werde es schon gehen. Murren sei Sünde wider Gott und seinen Sohn, die sich an ihnen rächen müsse. Als einen Monat später ein unfrankierter Brief kam, der meldete: Iacobus Hüsgert sei vor Maubeuge fürs Vaterland gefallen, hob der Bauer die geballte Rechte zum�Himmel. Di« Bäuerin, ohne eine Träne im Auge, riß sie herunter: Ob er von Sinnen geraten wäre? Sei gut so. Rein, nicht gut. Aber: sei in der Ordnung so. All« Väter und Mütter müßten, sag« der Pfarrer, mit dem Blut ihrer Söhne die allgemeinen Sünden zahlen. Woher sie dos Recht nehmen wollten, es besser zu haben als alle? Die Sache stimm«. Erst jetzt könne sie die beiden Daheimgebliebenen ohne Sorg« anblicken. Bisher sei die Wage nach einer Seit« ausgeschlagen. Nach der falschen. Denn sie hätten ihr schuldiges Opfer noch nicht hineingeworfen. Nun aber hingen beide Schalen in der Schwebe. Sie hätten bezahlt. Quitt mit dem Vaterland. Quitt mit Gott. Quittl Der Bauer, ohnehin der Schwächere im Haus, wurde von solchem verbissenen Eifer überwunden. Mit langsamem Kopfnicken stimmte er zu. Aber weder Vater Hüsgert noch Mutter Hüsgert waren, so oft sie es sich gegenseitig versicherten, daß sie durch den Tod ihres Acltesten vollauf bezahlt hätten und ihnen daher nichts mehr geschehen könnte, ihrer Sache im innersten Herzen gewiß. Der Mann versuchte das drohende Verhängnis mit Briefen in die Stadt abzuwehren. Einmal ums andere bewies er den Behörden, daß nicht nur sie keinen ihrer beiden zurückgebliebenen Söhn«— falls sie nicht ver- hungern sollten— entbehren könnten, sondern daß es auch besser fürs Vaterland wäre, wenn sie daheim blieben. Weil sie ihm durch die nahrungsschaffendc Arbeit ihrer Hände mehr zu nützen vermöchten als draußen im Felde durch Leib und Lebe». Die Frau schalt über die unnütze Schreiberei. Kein Mensch auf Erde» vermöge zu Helsen. Nur von Gott im Himmel und seinem Sohn könne Hilf« kommen. Sie hielt« sich ans Gebet. Das einzig sei von Nutzen. Und koste, auch wenn man die Zahl der täglichen Bitten verdoppele, verzehn- fache, immer noch weit weniger Zeit als die zwecklosen Brief«. Der Mann aber ließ sich nichts von der Frau bedeuten. Beider Worte wurden heftiger, häßlicher, härter. Ihr Schweigen weitet« sich zu einem Abgrund. Hüben und drüben liefen ihre Wege. Im Frühling des zweites Kriegsjahres kam eine Postkarte, die den Zweitältesten, den Sepp, ins Feld rief. Der ging frohen Mutes. Keine«sorge! lauteten sein« letzten Wort«. Er werde es besser machen als der Köbes. Werde wiederkehren. In der Tat kamen monatelang gute Nachrichten von ihn:. Anfangs aus der Garnison, dann aus dem Westen, zwischendurch aus dem Süden und Italiens Grenze, schließlich aus dem Osten. Im Spätsommer blieben Sepps Brief« und Karten aus. An einem Novembermittag keucht« der Briefträger mit einem Dienstschreiben zum Hüsgerthofe hinan. Nicht nötig, cs aufzureißen! Was anders konnte es enthalten als Unheil? Schließlich faßte der Bauer sich ein Herz und zerfetzt« den Umschlag. Es war. wie Vater, Mutter und Sohn vermutet hatten: Josef Hüsgert den Heldentot fürs Baterland gestorben zu— den Namen des Ortes konnte keiner der Drei aussprechen— zu? in den Karpathen. Vater Hüsgert reckte beide geballten Hände zum Himmel auf. Fluchte Gott und Welt, Kirche und Obrigkeit. Mutter Hüsgert riß feine Hände nicht herunter. Nur seine sündigen Worte verwies sie ihm mit tränenertämpsten Worten: Zugestanden, sie hätte sich geirrt. Mit dem Gleichschweben der Schuldschalen sei es nicht getan. Eine hätte herabgedrückt werden müssen. Welch« anders als die ihres Opfers? Nun hätten sie ihre Schuld bis auf den letzten Rest bezahlt. Nun— mm erst!— seien sie entsühnt. Ihrem Jüngsten könne nichts geschehen. Aber wieder mußte die Frau solchen sicheren Worten im Innersten mißtrauen. Länger, häufiger, heftiger betete sie. Manch- mal harrte die Arbeit ihrer vergeblich. Der Mann riß sie von den Knien hoch, wenn er sie außer der Zeit mit betend erhobenen Händen fand. Zerrte sie aus dem Haus« in die Scheune, ins Feld. Schalt: Ihr Beten sei sinnlos. Es gebe keinen Gott mehr. Der sei vor Altersschwäche gestorben. Wenn er noch lebte, könne er das wahnsinnstolle Morden ringsum dulden, ohne Schwefel und Feuer auf die Schuldigen fallen zu lassen? Kein Gott im Himmel samt seinem Sohn und dessen Mutter könnte helfen. Nur Menschen auf Erden vermöchten es. Und der Bauer handelte nach solchen Worten. Er ging wiederholt in die Stadt. Stets hochbepackt mit Eßwaren. Nie brachte er«inen Pfennig als Erlös dafür heim. Di« Frau forschte nach seinem Tun. Vergeblich. Sie zeterte dawider. Umsonst. Längst war nicht nur die Freude, war auch der Friede vom Hüsgert- Hofe geflohen. Schließlich brachte der Mann, nachdem er von Amts- stell« zu Amtsstelle gelaufen und ungewogen« Eßwarenmengen um gute Worte hingegeben hatte, die Botschaft aus der Stadt heim, daß ihr Jüngster auf sein Betreiben hin vorläufig als unabkömmlich zu- rückgestellt sei.„Vorläufig!" höhnte die Bäuerin, die nicht zugestehen wollte, daß der ungläubig Gewordene mit sündhaften Mitteln etwas Gutes erreicht hätte,„vorläufig!" Da schlug der Hüsgertbauer sein« Fi au, daß sie schwiege, mit der Faust auf den Mund. Im Januar des dritten Kriegsjahres wurde der dritte und letzte Sohn der völlig miteinander Zerfallenen vom Vaterland zu Hilf« gerufen. Der Bauer begleitet« das Pitterk« bis an die Grenze seines Feldes. Dort setzte er sich auf den Gemarkungsstein und blickte ihm nach. Als er im Tal verschwunden war, kehrte Hüsgert zum Hof zurück. Ging aber nicht in das Haus zu seiner weinenden Frau. Sondern in die Scheune zu Pferden und Kühen, zu Schweinen und Schafen. Weil er auch nach Stunden das Haus nicht betreten hatte, fing die Frau an ihn zu rufen. Aber die Antwort blieb aus. Also mochte er bleiben, wo er war! Sie räumte das kaltgewordene, unan- gerührte Essen vom Tisch und machte sich an ihre Hantierung. Auch zum Schlafen kam der Bauer nicht ins Haus. War gut so! Konnte keiner dem Anderen mit Worten, mit Stuimnsein wehtun. Erst als auch am nächsten Morgen ihr Rufen umsonst war. ging die Bäuerin in die Scheune. Der Mann lag unter der Egg« in seinem Blut. Er hatte das vielzinkige Ackergerät auf sich gerissen. Einer der Eisen- stacheln war ihm ins Herz gedrungen. Er atmet« nicht mehr. (Schluß foJgt.) Wachtel,Ernte�. Das Erstaunlichste unter all den Schauspielen des großen Vogelzuges im Herbst ist der Auszug der Wachteln von ihren Brut- gebieten in den weiten Steppen Rußlands nach den Winterquartieren in Afrika. Dieser Zug nimmt jetzt seinen Ansang und dauert etwa zwei Monate, wobei immer ein bis zwei Tage zwischen dem Aus- bruch der einzelnen riesigen Wachtclheere liegen. Das ist zugleich auch die Zeit der Wachtel-,.Ernte", die in den Ländern des südlichen Europa und des Mittelländischen Meeres ab- gehalten wird, durch die diese unzähligen Millionen von Vögeln kommen. In früheren Zeiten war auch Deutschland an dieser merk- würdigen Ernte beteiligt, und in der Umgegend von Leipzig be- sonders wurden viele dieser schmackhaften Lerchen erlegt, so daß neben den„Leipziger Lerchen" auch die„Leipziger Wachteln" bei Feinschmeckern berühmt waren. Heutzutage sind es hauptsächlich die Gebiete längs der nördlichen, westlichen und östlichen Küsten des Mittelmeeres, cin denen ein Netz, eine Schlinge, eine Falle neben die andere gestellt wird. Besonders ergiebig ist der Wachtelsang aus der Insel Eapri: dort werden bis zu 200 000 Tiere in jedem Jahre erbeutet, und die Bischöse. zu deren Sprengel das Eiland gehört, bezogen früher einen bedeutenden Teil ihres Einkommens aus dieser Ernte. Aus den Inseln des griechischen Archipels und an manchen Stellen des Pelcponnes sind Männer, Frauen und Kinder die ganzen zwei Monate mit dem Fangen und Einsalzen der Wachteln beschäs- tigt. Man fängt sie mit Fuß- und Halsschlingen, mit Klebe- und Steckgarnen, ja, die Knaben erschlagen sogar die recht fetten Tiere mtt Stöcken. Sie werden dann gerupft, Köpfe und Füße abgeschnit- ten, die Eingeweide herausgenommen, wie Heringe verpackt und Haupt- sächlich nach den Märkten der Levante versendet. Jenseits von Alexandria ist ebenfalls die Küste mit Netzen besät. Die Wachtel- sönger stellen sich schon etwa eine Woche aus, bevor die Vögel er- scheinen, und jeder Mann hat seinen bestimmten Jagdgrund. Un- geheure Massen machen in der Nähe von Konstantinopel halt, und die Wachtelernte wird hier als ein großes Volksfest gefeiert und sehnlichst erwartet. Die Wachteln sind sehr schlechte Flieger, und viele von ihnen fallen besonders bei widrigen Winden erschöpft ins Meer, in dem sie ertrinken. Außerdem aber werden noch zahlreiche Tier« die Beute von Raubvögeln. Glücklicherweis« gehören die Wachteln zu den fruchtbarsten Vögeln, sonst würden sie längst ausgerottet fein. Der Notjchrei von St. kilSa. Die 75 Kilometer von den Aeußeren Hebriden entfernte, im Atlantik einsam gelegene Insel St. Kilda ist ein Schmerzeuskind der Engländer, das soeben wieder die besorgte Aufmerksamkeit des Mutterlandes in Anspruch nimmt. Alles spricht dafür, daß die nur wenige Köpfe zählende Einwohnerschaft insotge des Knappwerdens der Lebensmittel, die ihr von Schottland aus zugeführt werden müssen, von ernster Hungersnot bedroht ist. Fischerboote, die in f leetwood ankamen, berichten, daß, als sie in der Nähe des Jnselchens ilda ihre Netze auswarfen, sie von der Insel aus durch eine Art primittves Megaphon angerufen wurden. Der Hilferuf schloß mit der bangen Frage, ob das Schiff, das in gemessenen Zwischenräumen die Insel mit Proviant versorgt und ihr die Post überbringt, unter- wegs sei. Die Fischer wußten darüber nichts zu sagen, und da die Insel weder ein Pier noch einen Landungsplatz hat und die Bran- dung überdies einem Boot die Annäherung unmöglich macht, konnten sie keine Hilfe leisten. Man muß damit rechnen, daß die Bewohner mit ihrem Vorrat an Nahrungsmitteln zu Ende sind, umsomehr, als die letzten Mitteilungen, die man von dem weltverlorenen Eiland erhielt, schon erkennen ließen, daß die Vorräte an Getreide und Zucker nahezu erschöpft seien. St. Kilda hat schon früher häufig unter den Heimsuchungen von Krankheiten und Entbehrungen zu leiden gehabt. Wiederholt mußten Hilfsexpeditionen in aller Eile ausgerüstet werden, um den Bewohnern Rettung zu bringen, die zuweilen länger als sechs Monate von der Welt gänzlich abgeschnitten sind. Im Jahre 1920 erkrankten sechzig von den achtzig Einwohnern an Influenza, so daß alle Arbeiten zum Stillstand kamen, und der Pfarrer der kleinen Gemeinde auch des Amtes als Totengräber walten mußte. Vor zwei Jahren brach in St. Kilda eine schwere Epidemie von Lungenpest aus: die Bewohner gaben damals einem norwegischen Walfischfänger durch Signale ihre Not zu erkennen und erbaten dringend Hilfe. Der Notruf wurde von dem Schiff« sunkentelegraphisch an das Festland weitergegeben, worauf eine Hilfsexpedition ausgerüstet wurde. wo Ellern- und Kindesmord erlaubt ist. Andere Völker, andere Sitten! Diese Sitten können uns freilich manchmal höchst inert- würdig vorkommen und unseren Glauben an die feststehende Geltung gewisser Sittenbegriffe erschüttern. Das ist z. B. bei den Eskimos der Fall, wo sogar der Eltern- und Kindcsmord für erlaubt gilt. Wie Professor Anderssen in der Leipziger„Illustrierten Zeitung" ausführt, gilt bei den Eskimos der Elternmord dann für zulässig, wenn die Eltern durch ihr hohes Alter zu hinfällig geworden fino, uni sich selbst zu ernähren. Die Entschuldigung für' diese grausige Sitte läßt sich darin finden, daß die Eskimos häufig an großem Nahrungsmangel leiden und, wenn sie weite Strecken mit ihren halbverhungerten Hunden aus ihren Schlitten zurücklegen müssen, die hilflosen Eltern nicht mitschleppen können. Aber auch ohne diese Notlage kommt die Tötung der Eltern öfters vor: man mauert sie bei der Abfahrt in der Eishlltte ein oder wirft sie während der Reife einfach aus dem Schlitten. Dieser Elternmord ist aber nicht so häufig wie der Kindcrmord. So wird von den Zwillingen grundsätzlich der eine getötet, bei Verschiedenheit des Geschlechts das Mädchen. In den ersten vier Tagen nach der Geburt haben die Eltern unter allen Umständen das Recht, die Kinder zu töten. Vom 5. Tage an wagen sie es nicht mehr, da dann nach ihrem Glauben das Kind eine «eele besitzt, die sich rächen könnte. Die Eskimo-Eltern empfinden diese Kindertötungen so wenig als unsittlich, daß sie ohne Scheu davon erzählen, und das ist um so verwunderlicher, als die Eskinw- mütter ihre lebenden Kinder sonst mit der größten Zärtlichkeit und Fürsorge umgeben. Der Ehebruch ist bei den Eskimos etwas ganz Alltägliches, denn die Ehe gilt nicht als dauernder Lebensbund, und wenn zwei Männer sich ihre Freundschaft bezeigen wollen, dann tauschen sie ihre Frauen auf längere oder kürzere Zeit aus. Gold auf der Straße. Die Straßen des großen Juwelierviertels zu Birmingham find tatsächlich mit Gold und Silber sowie andere» kostbaren Metallen gepflastert. Diese Behauptung ist keine Ueber- treibung: sie wurde kürzlich nachgewiesen, als die Inhaber eines großen Gotdwarenladens den Boden ihrer Werkftätt« und den vor dem Geschäft neu herrichten ließen. Die Holzliolsten, die fortgenommen wurden, wurden zu Asch« verbrannt, und diese dann genau untersucht. Dabei fand man soviel Gold- und Silberstaub, daß damit die Kosten der ganzen Neuanlage gedeckt wurden. Durch dies« Tat- fache ist man nun auf den Gedanken gekommen, die ganzen Straßen sorgfältig zu reinigen und den kostbaren Metallstaub zu sammeln, der sich durch viele Jahrzehnte hier angehäuft hat. Ein Körperteil als selbständiges Tier. Bekanntlich gibt es ver- schiedene Tiere, so z. B. gewisse Würmer und Schnecken, denen die Fähigkeit eigen ist, wenn sie vom Feinde angegriffen werden, die gefährdeten Teile ihres Körpers einfach abzutrennen und im Stiche zu lassen, was ihrem Fortbestehen auch weiter nicht schadet. Bei manchen Seesternen aber kann man eine Beobachtung machen, die wirklich verblüffend ist. Verliert nämlich«in solches Tier einen seiner den Körper strahlenförmig umgebenden Arme, so entsteht aus dem abgetrennten Arm binnen kurzem wieder ein neuer See- stern. Arbeitersport. gd5ffl?tttauictcin„SonTStts' Berlin 1897 e. B.&cji»pc Sites: ttm Sonn. tag, IS. Stpittnficr, frrbet das Abbodm im Alten Sui beuten hob, Slsiibei» fiwRe 14h, ftalt. Besinn vitnktllch 3 Uftr. ffiöfte BiHIommen. Eintritt frei. Noch dem Abdoden amonolose» Bcifornrnrnfeiit bei musifolischer Unterftoltuns. Belonnloobc der Uehnnqchtundrn in der SörwaldstroHe etfojjl In den nächsten Tosen durch die Presse. Sriefkaften öer Reöattion. U. S. 78. Di« Eebiibren richten sich nach der Höhe de» Dertzezenstdnder. ! Süx Schreiben«n Prinotpeisonen erholt der Äechtzonwolt llii der vollen Gebühr.— Reuiölln K. G. Der Wirt ist berechtigt, dos Wossergeld ouf die ! Mieter umzulegen. Die Ilmloge Hot noch dem Verhältnis der reinen Frieden». l miete ouf die selfistLndigen Wohnungen au erfolgen.— B, IS. 47. Die fllsit. I lichen Arbeiten gehören au den loufenden Instondsetzungsorheiten. Wenn der > Aousvirt stch weigert, ste Otts führen au lassen, so wollen Sie sich on doz Wohnungoomt wenden. Die durch die Beseitigung der Verstoviung entstehen. den Aosien tonn de: Houewirr von dem Mieter etstoltet Derlen gen, wenn diesen ein Verschulden trifft.— 388«. 1. Do, Eefetz ist noch in Srofr. Die Unterlogen, wie ste von der Behörde gefordert werden, mstsser. beschofft werden. 2. Die Aufwettunzesumme betrögt 23 Proz. des Gotdmorlbetroges. Ein An- trog ist nicht erforderlich. Sine Ermöhigung kann der Schuldner nur vor» langen, wenn dfes in Zlstckstcht ouf seine wirtschostlich« Loge zur Abwendung einer groben Unbilligkeit unobweiobar ctscheint. Tttealer f Litöfipieie * OfW. ■hmnmmnrrrrrvrnri Staats-Tlicater Opernhaus a. Platz d. Repuhl 7 U.: RÄscnkÄvalier Schauspielhaus 7 Unr Die Räuber Schiller»Theater 8. Die Welt, in der man sich lanpveüt »i» Opet Charloüenburp 7'/, Uhr: «tto und Tbeoitiiano Abonn.'Turnus II llEQltd!Et Norden 10334—38 8 Uhr: Androklu, und der Löwe Von Bernard Shaw Regie: Brich Enge Volks bilh ne Tb. an Sdilfstjoeidama Tbeittr zm B31owp!afi 8 Uhr: Oer MU Midiül Morgen 8 Uhr: Oer itsdie Midiel Täglich 8 Uhr: Das Oratna! dss uribekanDten Soldaten. AROSSStl SCHAUSPI�LHAUft KammGrspiele Norden 10131—38 h Uhr; Und Pippa tanzt... v(Zsrh.Hziiptrnanh Ptgi«: Heinz Hilpert Die Revue des ubarwaiti- genden Starensembies vertagst und inszeniert von ERIK CHARELL Tlgl.»I, Uhr EWaiS PRSZiSB II UWB Preiaa Mk.«. dl» Mk. 15.- SdCBtag» 3 Uhr unverfc. vorstalio»g zs crr.t. Preisen • 10 7 Uhr unur. Die Koffiödie Bismarck 2414, 7510 8 Uhr: Tis üelangene Von Boyroet Regie M Reinhardt StnunkT-liboea TMpaier HöniLOiriäix�tr. r.:Hascnliei(U2IU 8 Uhr- Zwtimal Oliver ttontödienhai;« fein Norden 0304 8 Uhr üErrv.lsint-O'oin Kunürst o456 « Uhr: Internat. YarielG Sonntet, a30 ru ermill.i'reis das volle Programm Oeutseäes «ünsi!.- Thealer sV. Uhr. Veronika LesslDD-Theater 8 Uhr: Gromwell Iii. a.Kutiarstenda3i!i! Heute 7 Uhr Premiere der Revue Es geht sdicn besser Lustsplelhaus tfh'f Kukuli O�T' *'ifi MomisdRic Cgtcr y Direktion. > Htnnn Otto Boiftn k* und Ernri* Scisler C Der proße Operetten er j ol~ ? 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Tage *» Töchter" Anfang 8 Uhr Thsater des Westens Uiplim: Sliltpi. 931 Täglich 8 Uhr: D I« Revue Der Zug nadi dem Westen Sonntag nachm 3 Uhr: Die ganze Vorstellung zu halben Preisen l ucrilnrr rhenser Uhr. M fllDDrika via RcinUliewdOTter Strafte Nach vollständiger Renovierung Sonnabend, den 11. September 1926 EröSnungs- Programm Zwei Schlagen Buster Keaton, der Mann mit den 1000 BrAuten Der große Rin-TIn-TIn-FIlm Der Kampf ums rote Gold Auf der BQhne: Hermann Mestrum der unerreichte Verwandlungshumorlst! Jugendliche haben Zutrittzu halb. Preisen lag>.o-/(Unr Theater im Admiralspalast Btesenerlolft Kallar- Jleuue An il Ans Preise von 2-16 M. I Vvnrluiil geiitabr f IftUKAUfl sehr gut! Sckerix: Kibari: flach* Gold fesie Packung dick ♦ rund oKns Mundsiück CTisa» Älioo �Lu�B(ir.T:TT4 Qaittungs-.Bsbat/- a.Reklamemarlkea gegen Nachahmung gesetzl gesch. (eitigt seit 45 Jahr. als Speiiolltät lonrad Müller chkendltz- Leipzig pollotkeater Friedrichstr 2lä fifispr. 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