flbenöausgabe �(10 Pfennig) llt. 429 ♦ 43. �al>egoitg 1�8 � �- Sonnabenö M»0-b. S N-. 2,2 jS W Ii I I I 1 II|?| jj� U. Ccptcmbcr 192ö Bwfl.Wlinm.na«,, und«mtWrtHt B B H«.rla«»«d ,n,.ig..abt«,Iun«: knd in txr aitcratnauayd« cnaegfStn MM( BBRy BB®tfd)ä(tsjclt 8Mi bis 5 Ul)t ncöartiott: sv.es, CintcnflTafie 3 X Dct(«flcc: Dotroatla-Bcclan fflmblj. Sernfprrd,«: V-»h°ff 23J-29I �_____ V D.rlln-w. SS. c>nd-nftr°b. 3 I«l..«»r-sl--Soz>aId-moeraIver»» JC� V T'�TY�'t� jV| M'ISlTVTcY f l* S-rospr-ch-r: VSnhoff 282-28: Zetitralorgan der Sozialdemokrat» feben parte» Deutfchlands Spanien kündigt. Austrittserklarnng überreicht— wirksam in zwei Jahren. Genf, II. September.(Eigener Drahtberichi.) Das Völker- bundssekretariak teilt mit: Der Generalsekretär des Völkerbundes erhielt heule vormittag durch Vermittlung de» spanischen Konsuls in Seof eine Note der spanischen Regierung. Sie teilt darin mit, dah gemäß Art.§ t des Völkerbundpakte» Spanien den Lundesvertrag kündigt und nach Ablauf der Kündigungsfrist von Zwei wahren aus dem Bunde ausscheiden werde. Die Rote der spanischen Regierung ist allen Mitgliedern des Völkerbundes mitgeteilt worden. Spaniens Kündigung des Völkerbundsvertrages wird in Genf absichtlich in dem Äugenblick überreicht, wo die Völker- bundsvcrsammlung ihre Beratungen über die Zusammen- setzung des Rates beginnt. Das Kompromiß der Studien- kommission hatte halbständige Sitze im Hinblick vor allem auf Spanien geschaffen. Die Versammlung hat bereits der Vermehrung der nichtständigen Sitze zugestimmt. Es war bisher die allgemeine Absicht gewesen, Spanien, trotzdem es seinen Vertreter bereits aus Genf zurückgezogen hat, in den Rat wieder hineinzuwählen. Diese Absicht durchkrerlzt die Regierung Primo de Riveras. Dennoch ist mit der Klln- digung der Austritt noch nicht vollzogen. Zwei Jahre sind eine lange Frist, um Zeit zur Besinnung zu geben. Das spanische Volk wird noch genug Gelegenheit haben, im Inter- esse Europas den Schlag wiedergutzumachen, den fein jetziger Herrscher Europa oersetzt. Genfer kommiPonsarbeit. V. 8cb. Genf. 11. September.(Eigener Drahtbericht.) Nach der festlichen Stimmung des gestrigen Tages herrscht heute morgen wieder dos übliche Alltagsleben der Genfer Iahresoersamm- lung. Statt Feierlichkeit Kommissionsgeschästigkeit und Besprechun- gen. Inzwischen tagen die A u s s ch ü s s e, vor allem der von der juristischen Kommission eingesetzte Unterausschuß, in dem Deutschland durch den Ministerialdirektor Gaus vertreten ist. Dort werden die Modalitäten des von der Studienkommission des Völker. bundesrats vorgeschlagenen Wahloerfahrens der nichtständigen Rotsmitglieder bzw. ihre Wiederwählbarkest erörtert. Die Oppo- s i t i v n der kleinen Staaten, die sich gegen den Entwurf wenden, ist nicht sehr lebhaft, zumal einige von ihnen durch das Veto Mottos und Sjöborgs gebunden sind. Die Opposition ist auch im übrigen nicht einheitlich. Die beiden Wortführer der Opposition sind der Holländer Limburg und der Norweger Vogd. Aber in wichtigen Punkten divergieren die Auffassungen der beiden. So ist kaum daran zu zweifeln, daß das Projekt der Studienkommission mit großer Mehrhest angenommen werden wird, höchstens mit gewissen formalen Modalitäten, die die Wünsche der kleinen Staaten berücksichtigen. Man hofft, die Wahlen Dienstag oder späte- stens Mittwoch vornehmen zu können. Ein fittentatsverfuch gegen Mussolini. Die Bombe trifft weder ihn noch den Wagen. Rom. 11. September.(EP.) Als Mussolini heute vormittag von seiner Sommerwohnung im Kraftwagen nach dem Außen- Ministerium fuhr, schleuderte unterwegs ein junger Mann eine Bombe gegen das Automobil Mussolinis. Die Bombe explo- vierte auch, aber Mussolini blieb unversehrt und nicht ein- mal sein Wagen wurde getroffen. Durch die Explosion wurden«in Zeitungsvertäufer und ein Straßenkehrer verletzt. Letzterer stürzte sich sofort auf den Attentäter und hielt ihn fest. Es entstand ein großer Menschenauflauf. Die Menge droht« den Attentäter zu lynchen. Weitere Einzelheiten sind noch nicht bekannt. » Eine Genfer Meldung der TU. stimmt inhaltlich mit dieser Depesche überein. Delegierte der Völkerbundsversammlung haben die italienische Vertretung in Gens zu dem Mißlingen des Attentates beglückwünscht. Die Nachricht über das mißglückte Bombenattentat auf Mussolini ist das Gespräch in den Wandelgängen. Der Anschlag wird, wie unser Korrespondent drahtet, allgemein lebhaft bedauert, da die Vollversammlung des Völkerbundes nicht umhin können wird,«ine Sympathiekundgebung für Musiolini zu veranstalten, was zu Mißdeutungen über die wahren Gefühle der Völkerbunds- delegierten gegenüber dem faschistischen Diktator führen könnte. Stresemann und Westarp. Die Wendung ins Innenpolitische. Die deutschnationale Presse geht zum Angriff auf Strese- mann über. Änlaß dazu gibt ein Vorfall auf dem gestrigen Genfer Bankett, der im„Tag" folgendermaßen geschildert wird: Mit einer Ueberraschung, die sich deutlich auf den' Gesichtern aller Delegierten ausmalte, sprach Stresemann von einem Tele- gramm, das er über die Rede eines deutschen Parteiführers— jemand ruft. Westarp!— erhalten habe. Dieser Partei- führer habe den Geist von Locarno ironisiert. „llch sehe keinen Anlaß, diese Ironie mitzumachen." Das war alles, was Stresemann sagte, aber der Hieb saß. Demonstrativer Beifall aller, die eine deutsche Rechtsregierung fürchten, und das ist nun einmal die Mehrheit des Auslandes. Stresemann hatte nunmehr für die fremden Journalisten den Weg zu jener großen Geste gebahnt, mit der er dann nach einigen weiteren Bemerkungen über den Unterschied der Politik von 1919 und heule auf Briand zuging und mit ihm anstieß. Der„Tag" behandelt diese doch wirklich nicht sehr aggressive Bemerkung in einem ganzen Leitartikel, in dem gesagt wird: Herr Dr. Stresemann hat dann am Nachmittage des unheil- vollen 19. September versucht, gewisse taktische Unter- lassungssünden durch eine Rede gutzumachen, die wahrscheinlich den ausländischen Zuhörern besser gefallen hat als weiten Kreisen des deutschen Volkes, die gewiß nicht die schlechtesten sind. Man erlebte das unerhörte Schauspiel, daß der Minister eines großen Landes die eigene Opposition lächerlich zu machen suchte, ihre Argumente mit einer Handbewegung als unreif abtat, um ausländischen Zuhörern einen Ohrenschmaus zu bereiten. Gerade daraus, daß dieser Ausfall praktisch völlig unberechtigt war, ergibt sich der zwingende Schluß, daß ganz allein innerpolitische Absichten diesem Vorstoß zugrundclagen. Während der deutsch- nationale Parteitag sich erneut für die Bildung einer großen Rechten aussprach und die Bemühungen der Herren von G a y l und I a r r e s mit allen Kräften zu unterstützen versprach, hatte Herr Stresemann nichts Besseres zu tun, als gerade in diesem Augenblick eine Kluft zwischen der Mitte und den Deutsch- nationalen aufzureißen und damit eine Verbeugung vor der Linken zu machen, deren publizistische Vertreter in Genf diese unschöne Geste mit begreiflichem Beifall begrüßt haben. Westarps Parteitagsrede gegen den Völkerbund war nach Genf telegraphiert worden und hatte dort lebhaftes Aufsehen erregt. Der deutsche Außenminister tat das wichtigste, was er tun konnte, wenn er ganz nebenbei zum Ausdruck brachte, daß er die Auffasiungen des deutschnationalen Parteiführers nicht teile. Da aber der deutschnationale Parteitag den Grafen Westarp zumDiktator und Partecheiligen erklärt hat, ist es offenbar einem Minister nicht erlaubt, in irgend- einem Punkte anderer Meinung zu fein als er. Der deutschnationale Diktator selbst hat sich inzwischen in einer neuen Rede zum Schluß des Parteitags über das E r- eignis von Genf folgendermaßen geäußert: Wir sind nicht in der Lage, aus diesem Ereignis den Schluß zu ziehen, daß nun um des Völkerbundes willen eine bessere Zeit für Deutschland heraufkommen werde. Nein, dazu wird ge- hören, daß sich Deutschland auf seine eigene Kraft, sich auf seinen eigenen festen Willen besinnt, daß unser deutsches Volk endlich einmal lernt, daß nicht und niemand in der Welt ihm helfen wird, wenn es nicht selbst den Entschluß und die Kraft sindel, mit eigener Krasl sich seine Freiheit wiederzuholen.(Lebhafter Beifall.) lind so können wir nicht einstimmen in die Posauncntöne des Optimismus, aber wir denken an die Kräfte, die in unserem Volke vorhanden sind, wenn sie auch manchmal zu schlummern scheinen, und die wir zu erwecken haben. Wir oermögen nicht optimistisch in die Zukunft zu sehen, wenn wir dabei rechnen sollen auf den guten Willen, die Freundschaft und das Wohlwollen der Welt. Wir fühlen uns nach wie vor verpflichtet, unserem Volke zu sagen, daß es auf Ver- söhnung und Verständigung nicht rechnet und nicht rechnen kann, so lange ein feindlicher Soldat deutschen Boden am deutschen Rhein betritt, solange wir unterderFremd- Herrschaft des Versailler Vertrages leben und leiden müssen. Das ist in aller Form eine Kriegserklärung an den Völkerbund und an die deutsche Außenpolitik, die in den Völkerbund geführt hat. Es ist dem Sinne nach nichts anderes als das, was die„Deutsche Zeitung" in noch gröbern Worten so ausdrückt: Der Freitag in Genf war ein Freudentag der Inter- nationale aller Schattierungen, der schwarzen, der roten und der goldenen, und es nimmt daher kein Wunder, daß die He- b r ä e r aller Länder jubeln und in Verzückungen sich gebärden. Die Internationale feiert einen Sieg, den Sieg über Deutschland, und der größte Teil der deutsch geschriebenen Presse stimmt in dieses Jubelgcschrei ein. Damit ist die Lage gekennzeichnet, in der sich� Deutschland durch seinen Eintritt in den Völkerbund begeben hat. Es soll nicht bestritten werden, daß derartige Aeuße- rungen ganz in der Linie der sogenannten Politik liegen, die die Deutschnationalen seit sieben Jahren getrieben haben. Sie würden auch gar kein besonderes Interesse beanspruchen können, wenn nicht die Deutschnationale Partei aus solchen Leistungen den Anspruch herleiten würde, schleunigst wieder in die Regierung aufgenommen zu werden. Mit einander zusammengehalten, bilden diese Leistungen und dieser Anspruch geradezu ein Stück aus dem Toll- haus. Gibt es maßgebende Stellen im Reich oder führende Politiker der Mittelparteien, die dieses groteske Treiben begünstigen? Einstweilen ist nicht zu sehen, worauf sich die Hoffnung der Deutschnationalen stützt, mit dem plumpsten Manöver, das sie jemals aufgeführt haben, zum Ziel zu kommen! Die Tagung öer Techniker. Zum 5. ordentlichen Bundestag des Butab. Die Einheitsorganisation der deutschen Techniker, der Bund der technischen Angc st eilten und Be- a m t e n(Butab), hält vom 12. bis zum 11. September in Berlin seinen fünften ordentlichen Bundestag ab. Der Butab ist als Einheitsorganisation der Techniker aus dem revolutionären Umgestaltungsprozeß der deutschen An- gestelltenbewegung am Ende des Weltkrieges hervorgegangen. Im Mai 1919 verschmolzen sich zu' diesem Einheitsverband der bereits 1884 gegründete Deutsche Techniker-Verband und der 1994 gegründete Bund der technisch-industriellen Beamten. Die starke gewerkschaftliche Rote brachte der Bund mit. Aus einem leicht erklärlichen Grunde. Der Industrie- techniker ist in viel stärkerem Maße dem sozialen Gegensatz zwischen Kapital und Ärbeit und den aus diesem Gegensatz resultierenden Kämpfen ausgesetzt wie der Behördentechniker. Im industriellen Hochkapitalismus, der den modernen Industrietechniker als Lebensnotwendigkeit er- zeugte, und dem er feine gigantische Entwicklung verdankt, ist kein Raum für Klassenharmonie fanden nur für Aus- beutung auch der hochwertigsten geistigen Arbeitsleistung. Kein Wunder, daß diese junge Technikerorganisation von den Unternehmern rücksichtslos verfolgt und in scharfe Kämpfe verwickelt wurde. Im Kampfe mußte sich die Solidarität der Techniker erproben, reifte die junge Organisation zu klaren gewerk- schaftlichen Erkenntnissen. Dieses Gut als geistige Grundlage der Bewegung mußte bei der Verschmelzung erhalten bleiben. Es war deshalb kein leerer Prinzipienstreit, daß der Bund als programmatische Grundlage an dem unüberbrückbaren Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit festhielt. Nach langen Auseinandersetzungen kam dann auch auf dieser Grundlage die Verschmelzung zustande. Aus der Erkenntnis des Klassengegensatzes erwuchs das Bekenntnis des solidarischen Verbundenseins mit den Ar- beitern. Enge Gemeinschaftsarbeit besteht mit den freien Arbeiterorganisationen, die ihren sinnfälligsten Ausdruck im Organisationsvertrag des Afa-Bundes mit dem All- gemeinenDeutfchen Gewerkschaftsbund findet. Im AfSl-Bund und seinen Vorläufern arbeitete der Bund von Anfang an tatkräftig mit. Ein vorbildAches Zusammen- arbeiten besteht namentlich in den Betriebsrätefragen mit dem Deutschen Metallarbeiter-Verband. Wenn der Butab in diesen Tagen seine fünfte Heerschau abhält, dann darf er mit Stolz feststellen, daß die Einheits- organisation der deutschen Techniker allen Stürmen der letzten Jahre standgehalten hat. Die deutschnationalen Versuche, die Einheitsorganisation der Techniker durch eine Neugrllndung auf sogenannter christlich-nationaler Grundlage unter aus- giebigem Appell an die bürgerlichen Instinkte zu sprengen. sind gescheitert. Es gibt nur eine ernsthafte Interessen- Vertretung der Techniker: den Butab. Sein Geschäftsbericht über die Jahre 1924 und 1925 beweist es deutlich. Die vordringlichste Aufgabe aller freien Gewerkschaften nach der Stabilisierung der Währung mar es, die äußerst gesunkene Lebenshaltung der Arbeiter und An- gestellten zu heben. Das ist auch dem Butab in den Iahren 1924/25 immerhin um durchschnittlich 50 Proz. gelungen. So unbefriedigend dieses Ergebnis, gemessen an den Lebens- Notwendigkeiten, fein mag, es lehrt doch den großen Wert der fiewerkschaftlichen Organisation. Zur vollen Geltung kommt ie jedoch in Zeiten der Not, die gleichzeitig Zeiten der Prüfung der gewerkschaftlichen Presse sind. Nicht alle bestehen die Prüfung. Spreu sondert sich vom Weizen. Und so beklagens- wert es ist, daß die Getreuen kämpfend auch die Position der Fahnenflüchtigen halten müssen, dieser Opfermut ist doch auch gleichzeitig das Beglückende in der gesamten deutschen Ar- beiterbewegung, aus ihm gründet sich zuverlässig unsere Siegesgewißheit. Wenn es heute gelungen ist, den Tarifvertrag auch für die Techniker zu erhalten, die Verschlechterung der Arbeits- bedingungen zum größten Teil abzuwehren, so darf auch das als ein großer Erfolg der Organisation gebucht werden. Ohne den Widerstand der Gewerkschaften hätten die Unternehmer eine erhebliche Senkung der Löhne und Gehälter durchgesetzt. Das wird nur zu leicht übersehen. Die Angestellten im allgemeinen und die Techniker im besonderen führen diesen Kamps unter bisher ungewohnten Bedingungen. Eine Arbeitslosigkeit von beispiellosem Umfang besteht unter den Angestellten, die früher Arbeitslosigkeit nicht kannten. Am schlimmsten ist es gegenwärtig bei den Technikern. Die. amtliche Erhebung am 16. Juli 1925 erfaßte rund 7000 stellenlose technische An- gestellte, von denen 53,9 Proz. also mehr als die Hälfte über 4V Jahre alt waren. Heute sind rund 40 000 technische Angestellte arbeitslos. Auf eine offene Stelle kommen 33 Arbeitsgesuche. So wütet die„Rationalisierung" unter den technischen Angestellten. Deutlicher kann nicht demonstriert werden, wie rücksichtslos die Angestellten vom kapitalistischen Arbeitsschicksal erfaßt sind. Eine vorausschauende Arbeitsmarktpolitik würde an- gesichts dieser katastrophalen Lage den Zustrom zu den technischen Berufen, der sich verdoppelt hat, längst eingedämmt haben. Verdoppelter Zugang und ver- nrinderte Arbeitsgelegenheit, das reimt sich nicht zusammen, ist volkswirtschaftliche Verschwendung. Im Wintersemester 1913/14 war die Zahl der Besucher der tech- nischen Hochschulen 12 800, im Wintersemester 1924/25 dagegen 22 500. Zlehnlich verhält es sich bei den technischen Fachschulen. Kein Wunder, daß nach zuverlässigen Mitteilungen von den Schülern der Berliner Beuth-Schule, die Ostern entlassen wurden, fast niemand Anstellung gesunden hat. Und doch sollen vielfache Voranmeldungen bis 1930 vorliegen. Die Behörden sollten endlich die vom Butab vorgeschlagenen Ab- hilfemaßnahmen durchführen. Die große Stellenlosigkeit stellt an die Finanztraft des Butab erhebliche Anforderungen. In den verflossenen acht Monaten dieses Jahres wurden allein an Stellenlosenunter- stlltzung 480 000 M. an Unterstützungen Insgesamt gezahl. In solchen Notzeiten geht es nicht ohne besondere Beitrags- belastung: der Bundestag wird sich dieser Aufgabe gewachsen zeigen. Die arbeitenden Bundesmitglieder haben bereits feit einigen Monaten durch Extrabeiträge dem Bund die Erfüllung seiner Verpflichtungen gegenüber den stellenlosen Kollegen ermöglicht: kein Zweifel, daß die Mitglieder die Not- wendigen Opfer auch in Zukunft bringen werden. Der Bundestag wird sich neben den inneren Bundes- angelegenheiten mit der Krise des Tarifgedankens und des Schlichtungswesens beschäftigen. Das einleitende Referat hält der bekannte Arbeitsrechtler Prof. Dr. E r d e l. Der Leiter der sozialpolitischen Abteilung des Bundes, Dr. Fritz P f i r r- mann, wird über«Das Erfinderrecht der technischen An- gestellten und Beamten" sprechen. Die Vorschläge des Arbeits- rechtsausschusses beim Reichsarbeitsministerium haben den Butab zur Ausarbeitung eines Gegenentwurfes veranlaßt, der in Fachkreisen erhebliches Aufsehen erregle. Ueber manche erfolgreiche Arbeit wird der Bundeevor- sitzende Ingenieur Schweitzer berichten können. Nicht zuletzt über die im Reichstage unter Führung der sozialdemokra- tischen Reichstagsfraktion in Angriff genommenen Schutz- maßnahmen für die Angestellten. Es gehört zu den Selbst- Verständlichkeiten, daß die Sozialdemokratische Partei die politische Interessenvertretung oller Werktätigen und somit auch der Techniker ist. Dieser politische Kampf wird wirksam gefördert, wenn starke freigewerkschaftliche Organisationen dahinter stehen. Und so wünschen wir, daß der Bundestag zu einer weiteren Stärkung der freigewerkschaftlichen Organi'- sation der Techniker beitragen möge. Eine Zrage an Sie Unternehmer. Stegerwald und Silverberg. In einem Aufsatz, den er in der„Kölnischen Voltszeitung" veröffentlicht, beschäftigt sich Adam.Stegerwald noch einmal mit Herrn Silverberg und der Wendung, die im Unternehmerlager sich zu mindestens anzubahnen scheint. Stegerwald anerkennt die Ehrlichkeit der Gesinnung Silver- bergs als unbestritten, fährt dann aber fort: „Auffällig ist der gewaltige Ge g e n s a tz, der sich kund- gibt zwischen der praktischen chaltung zahlreicher Jndu- strieller und den Siloerbergschen Ausfuhrungen. Beides steht zeitlich so in einem Zusammenhange, daß wohl die Frag« am Platze ist, ob man denn in der Industrie von gestern auf heute u m g e» lernt hat. Die Weigerung zum Abschluß von Tarifverträgen und die sich wiederholenden Versuche, sogenannte werksgemelnschasten zum Träger von Tarifverträgen zu machen, bekunden den Gegen- satzzwischenWortundTat, ebenso wie die Angrisse auf dos Reichsarbeitsministerium, eben weil e» die Gewerkschaften als berufene Arbeltervertretung auch gesetzlich onerkennen will. Nur elne Möglichkeit scheint es zu geben, die deutschen Jndu- ftriellen und ihre Organisationen von dem Lorwurf der Zwie- s p ä l t i g k ei t zu befreien: die nochmalige schriftlich« Vereinbarung mit den Gewerkschaften, daß nur die Geivertschasten al» berufene Vertretung der Arbeiter anerkannt werden, analog den Abmachun. gen vom November 1918, und die sofortige Einstellung aller mote- riellen und ideellen Förderung der gelben Werkvereine. Sind dazu die oder alle deutschen Wirtschastsführer und die Derbände der Ar- beitgeber bereit?" Stegerwald erwartet von einer eindeutigen Bejahung' dieser Frage zugleich die Entscheidung über andere Dinge. Grundsätzlich könne es zwischen Unternehmern und Gewerk- schaften nichts anderes geben als die G l e i ch b e r e ch t i- g u n g. Die«Führung", die Silverberg für das Unternehmer- tum in Anspruch nimmt, würde praktisch dort liegen, wo das größte Maß von Einsicht und Verantwortung für die Gesamtinteressen des deutschen Volkes zu finden find. die Kcdcn öes fferrn dr.Reinholö. Eine bezeichnende Richtigstellung. Der Finanzminister Dr. R e i n h o l d gehört zu den sprachbegabten Ministern des Kabinetts. Er entwickelt eine ungewöhnlichen Rührigkeit im chatten von Reden und im ununterbrochenen Ankündigen weiterer Steuer- ermäßigungen zugunsten der von ihm vertretenen Kreise. Dazu kommt, daß die ihm nahestehende Presse mit b e- wundernswerter Kritiklosigkeit die Werbe- trommel für ihn rührt. Seine letzten Reden in Dresden und Bremen, oder genauer gesagt, die Berichte über seine letzten Reden scheinen aber doch verschiedenen Leuten auf die Nerven gefallen zu sein. Wolffs Bureau oerbreitet nämlich die folgende, sehr bezeichnende amtliche Richtigstellung: Aus den Reden, die der Reichsminister der Finanzen Dr. R c i n h o l d in Dresden, Hamburg und Dreinen in den letzten Tagen gehalten hat, find besonders die Stellen beachtet worden, in denen er sich mit der Steuergesetzgebung und der Finanzpolitik der Jahr« 1gZ4 und 192S und mit der gegenwärtigen Lag« der Reichsfinanzen befaßt hat. Die Ausführungen des Ministers zu diesen beiden Fragen sind vielfach falsch dargestellt worden. Sie sollen deshalb hier in ihrem Wortlaut wiedergegeben werden. Seine Darlegungen über die Finanzpolitik hat der Minister mir folgenden Worten«ingeleitet: „Meine Herren! Ich will über Vergangenes hier, das werden Sie von mir verltehen, nicht urteilen: ober dazu bekenne Ich mich rückhaltlos, daß in den Jahren 1924 und 1925 die Sorg« um die Stabilisierung und dann die Stabilerhaltung unserer Valuta in den Lordergrund gestellt werden mußte, und daß In dieser währungsgefährdeten Zeit, wo man noch dazu keinerlei Ikberblick über die vermutlichen Steuereingänge hatte, auch ein zu scharfes Anziehen der Steuerschraube um unserer Währung willen berechtigt war. Aber daß man, trotzdem zu sehen war, wie bei gleichzeitiger Verarmung der Wirtschast die östent- lichen Kassen sich füllten, überall in Deutschland dies« Steuerpolitik aufrechterhalten hat, da«, glaub« ich, war— retro- fpektiv wenigstens müssen wir das feststellen— gegenüber der deutschen Wirtschaft ein schwerer Fehler." Zur Finanzlage hat er folgendes gesagt: „Wenn O p t i m i st fein heißt, daß ich die Lage der Finanzen günstig ansehe, so muß ich leider mit aller Energie dieser Aus- fassung widersprechen. Zwar/ übernehm« ich, solang« ich Reichsminister der Finanzen bin, die voll« Verantwortung dafür, daß der Etat im Gleichgewicht bleibt und eine Finanzkata- strophe, die von manchen Seiten leichtfertig an die Wand gemalt worden ist, in keiner Weis««intrifft: ober ich werde außer- ordentlich« Mühe hoben, dafür zu sorgen, daß ein De- f i z i t im Reichshaushalt vermieden wird, und werde hart an der Grenz« des Defizits hinstreifen. Von einer günstigen Loge der Reichsfinanzen kann deshalb leider keine Rede sein und wird auch trotz relativ sehr hoher Steuern solange kein« Red« sein können, solang« wir die inneren und äußeren Lasten de» verlorenen Krieges tragen müssen." Aus diesen beiden Teilen der Rede des Reichsministers der Finanzen ergibt sich, daß er die aus wöhrungspolitischen Gründen nötig gewesene Finanzgebahrung der vergangenen Jahre durch. aus gebilligt hat und hinter die Politik der damaligen Reichs- regierung getreten ist, und daß er von einer optimistischen Auffassung über die Lag« der Reichssinanzen weit ent- fernt ist. Man sieht, der Herr Reichsfinanzminister hat immer ein merkwürdiges Pech. Gerade die ihm ergebene Presse versteht ihn immer anders als wie er es selber nachher gemeint haben will. Im übrigen unterläuft Dr. Retnhold auch ein kleiner aber sehr wichtiger Irrtum. Es ist nicht richtig, daß man in den Jahren 1924/25„ü b e r a l l in Deutschland" die von ihm kritisierte allzuschane Steuerpolitik aufrecht erhalten habe. Zu einem großen Teil sind vielmehr Länder und Gemeinden erst unter dem Druck der dauernden Steuer- ermäßigungen des Reichs zugunsten bestimmter Kreise g c- z w u n g e n worden, die ihnen verbliebenen Einnahme- quellen stärker auszuschöpfen. Die gerade von Dr. Reinhold in Dresden kritisierte starke Anspannung der R e a l st e u e r n ist nicht etwa ein„logischer Widerspruch" in seiner Steuer- Politik, sondern ihre unvermeidliche Konsequenz. Dem früheren sächsischen Finanzmini st er dürften diese Zusammenhänge bekannt gewesen sein, wenn sie auch der A g i t a t o r vor den Industriellen vergessen hat. Stahlhelm und Sozialpolitik. Eine verspätete Richtigstellung. Bor einigen Tagen erinnerten wir an die unverschämte B e. s ch i m p f u n g, die in dem Bundesorgan des Stahlhelmbundes gegen die Mitglieder der Knappfchaftskassen aus- gesprochen war. Es wurde von den Bergarbeiter» behauptet, sie bekämen an Krankengeld mehr als sie bei normaler Arbeit ver. dienen könnten. Das Knappschaftsgesetz wurde im.Stahlhelm" als .sozialer Unsinn" und als ein.Freibrief der Faul- h e i t" bezeichnet. Der.Stahlhelm", das Bundesorgan, dessen Hauptfchriftleiter bekanntlich wegen An st istung zum Fememord in Unter- suchungshaft sitzt, ist gegenwärtig noch immer verboten wegen seines Schmähartikels gegen die Weimarer Ler- fassung. Aber in dem Organ des„Jungdeutschen Ordens" finden wir jetzt eine Berichtigung, Aie von der Schrifleitung des.Stahlhelm" ausgeht. In ihr wird über jene Knappfchaftsnotiz solgendes gesagt: „Unsere Ausführungen beruhten auf Unterlagen, die uns von einer Z e n t r a l st e l l e zur Verfügung gestellt waren, die sich bisher als absolut zuverlässig erwiesen hatte und von der wir wissen, daß sie sich in keiner Abhängigkeit von irgendwelchen Ar- beigebern befindet. Wir müssen nun jetzt feststellen, daß im vor- liegenden Falle sich die Angaben und damit auch unsere Schlußsolgerungen als unrichtig erwiesen haben. Durch das Verbot unserer Zeitung sind wir leider verhindert, den Artikel sofort zu berichtigen und wir bitten, auf diesem Wege da- van Kenntnis zu nehmen, daß wir unsere Notiz ganz außer- ordentlich bedauern und ihn(soll wohl heißen„sie"? Red. d.„v.".) mit seinem ganzen Inhalt zurücknehmen." Es ergibt sich also diese erfreuliche Situation: Der„Stahlhelm" bringt eine die Arbeiterschaft schmählich st herab- setzende und beschimpfende Notiz. Sie stammt aus einer„Zentralstelle", die angeblich„nicht von Arbeitgebern abhängig" ist. Leider wird die Adresse dieser VeUeumdungszentral- stelle nicht angegeben. Der„Stahlhelm" druckt diese arbeiter- feindliche Notiz mit Wonne ab. Er muß erst aus seinen eigenen Anhängerkreisen darauf ausmerksam gemacht werden, daß es nichr zu seinen Aufgaben gehöre, die Gepflogenheiten de» unselig ent- schlafencn„Reichsoerbandes zur Beschimpfung der Sozialdemokratie" fortzusetzen. Deswegen jetzt das„außerordenlliche Bedauern". Cs fällt aber auf, daß der Schmähartikel gegen die Weimarer Verfassung auch nachträglich al«„von unbekannter Seite eingeschickt" bezeichnet worden ist. Es scheinen im Bundes- organ der Stahlhclmer merkwürdig« journalistische Gepflogenheiten zu herrschen. Vielleicht glaubt man, es könne alles genau so g e- druckt werden, wie man in Stahlhclmoersammlungen redet, ohne dabei Widerspruch oder Kritik zu erfahren. Wohlgemerkt: diese Methode ist zur Hauptsache erst eingerissen, seit iin� Stahlhelm die rechtsradikalen Offizierskreise die Führung an sich gerissen und dies« Tatsache auch durch den Stahlhclm-Heinz nach außen zum Ausdruck gebracht haben. warum öas Herz schlägt. Die Entdeckung des Herzhormons. Seit altersher ist die Tatsache bekannt, daß ein aus dem Wirbeltierkörper herausgeschnittenes Herz einige Zeit weiter schlägt, und daraus ergibt sich, daß der Anreiz für den Herzschlag in diesem Organ selbst zu suchen ist. Daß dieser Anstoß auf ein«» chemischen Reiz zurückgeht, Ist auch schon seit langem angenommen worden. Aber erst in neuester Zeit ist es gelungen. In die chemischen Bor- gänge, die die Herzbewegung hervorrufen, einen näheren Einblick zu gewinnen. Der Brüsseler Psychologe I. D e m o o r stellte durch seine Versuche fest, daß wässerige Extrakte aus dem rechten Dorhof des Hundeherzes an demselben Herzteil des Kaninchen» pulsaus- lösende sowie pulsbeschleunigende und pulsverstärkende Wirkungen ausüben. Unabhängig davon hat der deutsch« Gelehrte, Prof. L. Haberlandt, ähnliche Versuche mit Froschherzen vorge- »ommen und einen Erregungsstofs nachgewiesen, durch den der Herzschlag ausgelöst wird. Ueber diese» von Ihm entdeckte„Hormon der Herzbewegung" macht Haberlandt in der Wochenschrist„Die Umschau" nähere Mitteilungen. Läßt man den herausgeschnittenen und völlig entbluteten obersten Teil eines großen Froschherzens in einer geeigneten Salz- iösiing, der sogenannten Ringerlösung, längere Zeit weiterschlagen, so erhält diese Flüssigkeit pulsauslösende, pulsbeschleunigend« und pulsverstärkende Eigenschaften. Auch wenn die Froschherzen bereits feit 2 bis 3li Tagen aus dem Körper entfernt und schon ganz schlaglos waren, konnten sie durch die mit dem Herzerregungsstoss angereichert« Salzlösung zu erneutem Schlagen wiederbelebt werden, während dies mit der gewöhnlichen Ringerlösung nicht möglich war. Durch Kontrollversuche konnte Haberlandt nachweisen, daß diese Wirkungen durch einen besonderen Herzreizstoff bedingt sein müssen. Dieser Stoff hat die chrarakteristischen Eigenschaften der im Körper gebildeten Reizstoffe, die man Hormone nennt. Er ist in Alkohol löslich und kann demnach kein Eiweißkörper sein; seine chemisch« Zusammensetzung ist sicher keine hochmolekulare. Im Aether erwle» er sich als vollkommen unlöslich, so daß e» sich auch um keinen fett- artigen Stoff handeln kann. Er zeigte sich al» hitzebeständlg, wie alle Hormone. Die Wirkungen des Herzerregungsstoffe» stimmen mit denen de» Adrenalin, de» inneren Sekret» der Nebenniere weitgehend über- ein. Doch ist das Herzhormon mit dem Adrenalin nicht identisch: es unterscheidet sich auch von dem von O. Loewi entdeckten Herz- nervenstoff, der die Bewegung de» Herzen« fördert, aber nicht hervorbringt. Das Herzhormon gelangt zur Entstehung In der lpezifisch differenzierten Muskulatur des obersten venösen Anteil», dem sogenannten Linus venosu», und in der Ventrikelbasis. Der Ort der normalen Herzcclzerzeugung ist in dem obersten venösen Abschnitt d«s Herzen» zu suchen. Wa» nun die Verwertung dieser Entdeckung für Heilzwecke anbetrifft, so glaubt Haberlandt, daß diese in absehbarer Zeit erfolgen wird, wenn e» gelungen ist, diesen Stoff ln genügender Reinheit und Menge aus den Herzen großer Schlachthausticre fabrikmäßig herzustellen. Man wird dann ein pysiologische» Herzmittel als natürlichen Anreger zu schwacher Herztätigkeit besitzen, der allen bisher angewandten Herzgtftstosfen überlegen ist. Spießige Theoterei! Di« Deutsche Volksbühne erfüllt im Theater in der Kam- Mandanten st raße die ethische Aufgabe, uns mit den schönen Auswirkungen einer sublimen Moral bekannt zu machen, so daß wir nach dem Genuß des Schauspiels„Der schwarze Engel" ge- rührt, erbaut und mit einer wertvollen Belehrung behaftet, das Theater verlassen. Der angelsächsische Autor Guy B o l t o n zeigt uns in seinem Gesellschaftsdrama, wie selbst in einer sittlich ver- worfenen Umgebung jungmädchenhafter Edelmut wuchern kann. „Die Lilie im Sumps" würden deutsche Autoren derselben Geistes- richtung ihre Dichtung nennen. Kitty(der schwarze Engel) hat allerdings einen Flecken auf ihrer jungfräulichen Ehre. Sie hat sich ihrem Bräutigam, bevor er in» Feld zog, hingegeben. Erster dramatischer Konflikt. Obwohl er als gefallen gemeldet ist, ist fix, des Fehltritts wegen, willens, ibm imnierdar die Treue zu halten. Sie liebt aber einen anderen. Zweiter Konflikt. Nun bemüht der Dichter den Zufall, einen dritten und vierten Konflikt zu schassen. Dieser für den Dramatiker stets dankenswerte Zufall bringt cs a» den Tag, daß der Gefallene in Wahrheit lebt. Weil er aber blindgeschossen ist, läßt er die Mär von seinem Tod bestehen und lebt inkognito und im Verborgenen, um nicht da� Glück seiner Kitty zu gefährden. So edel ist er. Und Kitty, vor der er seine Blindheit geschickt verbirgt, hat sich schon ihr Wort von ihm zurückgeben lassen, als sie von ihrem neuen, ebensall» überaus edlen Verlobten auf sein Gebrechen gestoßen wird. Da begint denn im dritten und letzten Akt der Hauptkonflikt des sinnreich konstruierten Drama». Der Dichter wirst hier endlich einmal das große Problem der Liebe »zum Kriegskrüppel auf. Während wir aufs äußerste gespannt sind, läßt es der Autor in seiner vornehmen Art zugleich unbeantwortet liegen. Da» ist sehr sinnig. Der Regisseur hat viel Mühe auf da» traute Schauspiel ver- wandt. Die Hauptdarstellerin Getrud Könitz allerding» fand nur Halb- und Dierteltöne, so daß sie häusig überhaupt nicht zu hören waren. Dafür sah man aber an'ihr einen seltenen Reichtum von Ziererei und Gewolltheit. Wolf K e r st e n benahm sich wie ein herzensbrecherischer, märchenhast vornehmer Kinoliebhaber und Richard Leopold oerlieh einem Schurken aus der Gesellschaft mit Erfolg die Züge eines Varietekomikers. Die übrigen Darsteller aber standen auf bemerkenswerter Höhe, besonders L e i b e l t als liebenswürdig vornehmer Lord und Richard D u s ch i n s t i. der die Rolle de» armen Blinden spielte. Sein leerer Blick und die tasten- den Gebärden waren ebenso überzeugend wie rührend. _ Ernst Segne r. JUarirn S«rN hat im Laufe diese» Jahre» ein neue» Drama„Die salsche Münz«' geschrieben und da» Verl dem akademischen Theater in Leningrad zur Urausjührung überlassen. Komische Oper.„Adrienne". Di« Liebe der berühmten Tänzerin Adrienne Lecouvreur zu Moritz von Sachsen, die Rivalität Annas, Herzogin von Kurland, und d«r jung« Liebhader Baron Keyserling — das siyd die Ingredienzien der Operette, in der«in bißchen weitschweifig und bunt Liebe und Politik durcheinander gewürfelt sind. Zuweilen unternimmt.sie auch«inen Ausslug in da, fran- zösische groß« Theater de» Scrib«, ob«r si« ist geschickt in der Ver- teilung der Roll«n und bi» zum Schluß des zweiten Aktes unter- haltsam g«l>aut. Da» Musikalische zu dieser historischen Angelegen- heit(von Milo und Dido) liefert Walter W. Götz«,«r hat«in« außerordentliche Grazie in der Hand, die Noten schreibt, er ist wienerisch weich, hat kleine gut« Einfäll« und findet auch für lustige Pointen einen tresf«nden Ton. der noch nicht abgegriffen ist. Mit seinem Potsdamer Militärmarsch, der glücklich ins Humoristische um- gebogen wurde, mit dem dreimal wiederholten Kußli«d„Macht keinen Unterschied" war der Erfolg der Operette entschieden. Schönheitsfehler: der langatmig durchkomponiete Text, da» Schwer- blütlg« einer Instrumentation im Dialog, der, in Musik getaucht, geradezu banal wirkt. Weg mit dieser allzu reichhaltigen Musik im Unterhaltungsstück, weg von der Operl Dann wollen wir die paar Fledermauserinnerungen gern vergessen und das kecke französische Spottlied nachsingen. Aufsallend hübsch waren die Kostüme, di« bunten Rersröck« der Damen, die sich so freigebig küssen ließen, und die Uniformen der Herren. Der ebenso elegant« wie elastische Erik W i r l, die schauspielerisch hochbegabte Maria S e r a k und di« outriert singende, aber halbblütige Molly Wessely waren stark« Stützen einer Aufführung, di« fast in jeder Nrimmer ein schärfer anpackendes Tempo vertragen hat»«.' In der Roll« ein«» Tänzer» holt« sich Hermann Böttcher«inen Sonderersolg mit der wasch- echten, tränenfeuchten E,z«n« des alternden Mimen und Artur R«ll betonte das lieblich« Element in der uniformierten Männerbrust. Dirigent: Franz Schönbaumsfeld. K. S. Eine Gegend, in der et vier Zahre nicht geregnet hat. Wie au» dem nördlichen Kapland gemeldet wird, herrscht dort eine Trocken- heit, wie man sie seit 59 Iahren nicht mehr erlebt hat. In einigen Gegenden ist seit vier Jahren überhaupt kein Tropfen Wasser mehr zur Erde niedergegangen, und in Beaufort-West war«in kleiner Platzregen, der im Monat Dezember vorigen Jahres fiel, das einzige Labsal für die ausgetrocknete Erde. In Fraserburg zeigt sich seit 89 Monaten auch nicht da» kleinste Wölkchen am Himmel. Dos Vieh verendet aus Durst, und die Schakale zeigen, durch den Durst immer rasender gemacht, eine immer drohendere Haltung._ Erstomlühraagen der Woche, vlenslag. Städtllche Oper:„K I d e l i o'' Metropoitveal«r:„WiederMetropott.— Frellag. Nesidenilheatcr' „Dn< l'lbfteigcquactiec*. Itranla Veranstaltungen. Täglich(5 a 9):.Unter Asten und Palmen."(7):„Wege zu Kraft und Schönheit" II.—■ Im H öri a a I ab Montag:.Die Schweiz." Dienst., Dona, Soanab.: „Die Pflege der G a st I i ch i- l t." G-lerie Eduard Schulte CUnter den Linden 7S»7S). Tie erste Herbitantstcllung enlbält Kollctlionrn von Han» Dieter, Mcci Zdurg. Job. Gg. D r« y d o r I s. Kreseld, Paul Herrmann-Walburg, lkbenbausen, T. Heinr. L u c a», Grunewald, Karl Gtratbrnann, München, Franz T r t« b s ch, Srrlin und EiSbith Z i e r h» l d, Sbenhausen. Kampf öem Schmutz- unö Schunögefetz Das geplante Attentat gegen das freie Schaffen in Kunst und Literatur hat eine tiefgehende Empörung hervorgerufen. Das von der bürgerlichen Majorität geplante„Gesetz gegen Schmutz und Schund" bricht in Wahrheit dem ungehemmten Terror der Finsterlinge aller Schattierungen freie Bahn. Gegen diese neue„Lcr Heinze" war eine stark besuchte Protest- Versammlung der„Vereinigung linksgerichteter Verleger" im Saal des ehemaligen Herrenhauses gerichtet, in der eine Anzahl Vertreter des deutschen Geisteslebens ihre warnende Stimme gegen das Gesetz erhoben. Das Interesse war stark genug, um auch eine Parallel- nersamnilung zu füllen. Jahlrotche in der Versammlung verlesene Zustimmungskundgebungcn matzgebender Schriftsteller bewiesen, bah in dieser Frage die kulturell Schaffenden einmütig zusammen- stehen. Unter anderen wandte sich Hans Josö Rehftsch gegen die„Dunkelmänner", die Schmutz und Schund nur vorgeben, um andere Ziele zu erreichen. Pros. B a l u s ch e ck sprach sich In aller Schärfe gegen das geplante Zensurgesetz aus. Walter v. Molo schrieb, datz«r als erster den Kampf gegen den Gesetzentwurf auf- genommen habe, derSchmutzundSchundsei. Dafürhabe man ihn beschimpst. Klabund bezeichnete das Schmntz- gesctz als„den grotz angelegten Versuch der Reaktion, die politische und kulturell« Linke mundtot zu machen". Thomas Mann wandte sich mit aussallender Schärfe gegen die„unglückseligen Polizei- menschen",„Antiidealisten" und„RUckwärtser", die„unter faden- schcinigem Vorwand" die Kunst terrorisieren wollen. Weitere Kund- gedungen waren eingelausen von Prof. Albert E i n st e i n, Alfons P a q u c t, A. M. Frey, Dr. Magnus H i r s ch f e l d u. a. Der erste Redner, Rechtsanwalt Pr e u tz, behandelte das fragwürdige Gesetz von der juristischen Seite. Frau Maria Krisch« betonte, datz, solange Hungerlöhne gezahlt würden, Kamps gegen„Schmutz und Schund" eitel Heuchelei sei. Genosse B e t h g e von den enl- schiedcnen Schulrcsormern bezeichnete die geplante Zensur als poll- zeiliche„Kleinkindermotznahme" und forderte Erziehung zum kulturellen Menschen. Schmutz und Schund aus den beut- scheu Lehrbüchern zu entfernen, sei eine ungleich wichtigere Aufgabe als eine Aktion, die scheinbar die Pornographie meine und in Wahrheit die Kunst treffe. C. E. K i s ch wandte sich gegen den Poltzeigeist und bezeichnete das Gesetz als einen Schutz der Lüge gegen die Wahrheit. Prof. Fries sprach sehr lyrisch und nicht ganz verständlich. Wieland H e r z f e l d e sprach für die Verleger und gegen den Schmutz und Schund der heutigen ösfent- lichen Moral. Es sprachen noch der Schauspieler Gärtner, der eine temperamentvolle Anklagerede hielt, Heinrich Wandt, der über seine Erfahrungen mit der deutschen Justiz berichtete. Arthur H o l i t s che r und der Syndikalist Rocker. Rhetorisch sehr wirkungsvoll sprach Julius B a b, der sich nicht gegen ein Schund- und Schmutzgesetz, jedoch gegen seine mihbräuchliche antikünstlecisch« Auslegung wandte. Als Vertreter der sozialdemokratischen Reichs- tagsfrattion, die durch die Genossen Hildebrand und Stadtschul- rat Dr. L ö w e n st e t n, sowie der Landtagsfraktion, die durch den Genossen Otto Meier vertreten war, betonte' Dr. L ö w e n st e i n, daß die Sozialdemokratie mit unermüdlicher Energie s e i t I a h r e s- f r l st gegen das Schmutzgefetz gekämpft habe— zu einer Zeit, als sich die Verleger bedauerlicherweise noch nicht gerührt hätten. Von einiger Heiterkeit war, als der Kommunist R o s e n b a u m mit elegantem Rösselsprung auf die zurzeit fällige Devise, den„Werktätigenkongretz" zu sprechen kam. Eine Protest- resolution wurde einstimmig angenommen. Zu einem u n g l a u b- lichen Vorfall kam es am Schluß der Kundgebung, als der Versammlungsleiter Wintler die Taktlosigkeit beging, die geladenen sozialdemokratischen Gäste zu be- schimpfen. Dieses beispiellos skandalöse Vorgehen, gegen das die Genossen Meier und Löwcnstein in grötzter Er- rcgung protestierten, führte zu wilden Szenen, in deren Verlauf die ebenso hysterischen wie unreifen W i l d- W e st- I ü n g l i n g e des Romanischen Eafe» die Abg«> ordneten in wirklich zweckentsprechendster Weise anpöbelten! Radikale Clowns. Und dabei propagieren sie— Einheitsfront! Frieöensschluß am Rhein. Amnestievcrtrag Deutschland-Rhcinlandkommission. Verhandlungen, die seit der Räumung Kölns geführt worden sind, haben am gestrigen Tage in Koblenz zum Abschluß eines Abkommens zwischen dem deutschen R e i ch s k o m m i s s a r für die besetzten Gebiete und der Interalliierten Rheinlandkom- Mission gesührt. Der Inhalt des Abkommens, dessen Wortlaut in> Reichsgesetzblatt verösfentlicht werden wird, ist folgender: t. Die Vefatzungsmächte haben sich verpflichtet, Straf- f r e i h e i t für alle Straftaten zu gewähren, die bis zum 1. Februar 1!t2ö im besetzten Gebiet begangen wurden, ausgenommen gemeine Verbrechen und Spionage. 2. Die im besetzten Gebiet in Haft befindlichen Deutschen, die im Ruhrgebict und dem sonstigen früher besetzt gewesenen, sowie den noch besetzten Gebieten wegen Straftaten verfolgt oder ver- urteilt sind, werden den d e u t sch e n Behörden a u s g c- liefert, es sei denn, daß sie Verbrechen gegen das menschliche Leben mit Todessolg« begangen hätten. Z. Die sogenannten Schutzordonnanzen der Rheinlandkom- Mission Rr. 27, 7t), SO, 116, 292, 293 und die Anweisung Nr. 26 werden aufgehoben. Dem gegenüber hat die deutsche Regierung übernommen: 1. Vergeltungsmaßnahmen für Vorkommnisse im besetzten Gebiet aus der Zeit vom Beginn der Besetzung bis zum 29. Januar 1923 und vom 1. Dezember 1924 bis zum 1. Februar 1926, die sich als Dienstleistungen oder Gehorsam gegenüber den Vc< satzungsbehörden, sowie als Beziehungen zu diesen darstellen, zu verhindern, es sei denn, daß Mittel der Verwaltung zu solcher Verhinderung nicht ausreichen oder Hochverrat, Landesverrat oder Spionage in Frage kommen. 2. Gewiss« Entscheidungen der Rheinlandkommission im nun geräumten Gebiet nicht mit rückwirkender Kraft für die Zeit vor der Räumung' unbeachtet zu lassen, insbesondere nicht Zahlungen von solchen Personen einzufordern, die durch derartige Entscheidungen der Rhcinlandkommission von solchen Zahlungen befreit waven. Das Abkommen, das noch weitere Milderungen enthält, bc- stimmt für Meinungsverschiedenheiten den Ausgleich durch VerHand- lungen und gegebenenfalls Entscheidung eines Schiedsgerichts. Soweit bis jetzt festgestellt werden tonnte, wird die Zahl der frei- zulassenden oder den deutschen Behörden zu übergebenden Personen rund 54 betragen. Wieviel Personen durch die sonstigen Bestim- mungen betroffen werden, muh erst noch festgestellt werden. Das Echo ües öeutschen Eintritts. Pari», 11. September(Eigener Drahtbericht.) Die Pariser Blätter geben>n großer Aufmachung die Meldungen ihrer Genfer Berichterstatter über die Aufnahnie Deutschland» in den Völkerbund wieder und betonen einstimmig, daß dieser Tag einer der größten und historischsten der Nachkriegszeit gewesen sei. Er habe zum erstenmal der Welt das öfsentliche Bild der wahren deulsch-sranzösischen Versöhnung geboten. Im„Quotidien" wird betont, daß jetzt alle» davon abhänge, wie dieser deutsch-französischen Versöhnung Rechnung getragen wird. Im Völkerbund, meint das Blatt, dürfe es keinen anderen Erfolg geben, als den Frieden, und für niemanden ein höheres Prestige, als da», der b e st e Arbeiter an dem Ausbau des Weltsriedens zu sein. Es blieben ohne Zweifel noch zahlreiche Schwierigkeiten zu überwinden, aber heute sähe man wenigstens, wie sie überwunden werden können.„Ere Nouvslle" betont, daß der gestrige Tag den ersten großen Schritt dem großen europäischen Frieden gegenüber bedeutet habe. Frankreich und Deutschland haben sich über die Gräber und über die noch schlecht vernarbten Wunden sowie über die Vorurteile vor der ganzen Welt die Hände gereicht. Dieses ist eine Geste. Die Zukunft wird zeigen, ob man aus dieser Geste einen A k t machen kann. Der Völkerbund kann nur handeln, wenn er als Basis die endgültige Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich hat. In dem Gewcrkschaftsblatt„Peuple" wird darauf hingewiesen, daß die deutsch-französische Versöhnung In Genf angesichts der ganzen Welt dazu angetan sei, um die Unruhen zu zerstreuen, die noch aus der Welt lasteten und den Glauben derer zu verstärken, welchen der Krieg nicht ein unvermeidliches Ucbcl ist. Ohne Zweifel wird die Aufnahine Deutschlands in den Völkerbund nicht genügen, um alle Probleme zu lösen. Aber der gestrige Tag hat bereits bewiesen, daß die Schwierigkeiten nicht unüberwindbar sind. Sie können mit gegen- seitigem guten Willen und Glauben gelöst werden, und sie werden es um so eher, als die Völker sich nicht darauf beschränken werden, ihren gegenseitigen Standpunkt einander entgegenzustellen, sondern es mit dem Willen tun werden, dem internationalen Recht, das langsam in Gens ausgearbeitet wird, Geltung zu verschaffen. In den Rechtsblättern kann man eine leichte E n t t ä u- s ch u n g feststellen, daß der gestrige Tag nicht die Z w> s ch e n- fälle gebracht hat, die man nach Meinung der Blätter erwartete. Man hatte geglaubt, daß Stresemann herausfordernde oder nur peinlich« Hinweise auf die Vergangenheit machen werde. Das hätte der nationalistischen Presse Gelegenheit gegeben, von neuen« die Aufnahine Deutschlands in den Völkerbund zu kritisieren. Leider ist aber, wie e« auch diese Blätter zugestehen müssen, die Rede Strcsemanns außerordentlich korrekt und taktvoll aus- gefallen, und die Blätter können darüber eine leichte E n t t ä u- s ch u n g nicht verbergen. Sie begnügen sich deshalb, darauf hin- zuweisen, daß Frankreichs Prestige in Genf gestern einen schweren Schlag erlitten habe, und daß die nächsten Monat« bcreits zeigen werden, daß Frankreich sich nicht zu der Aufnahm« Deutschlands in den Völkerbund zu beglückwünschen haben wird. Die gegenseitige deutsch-französische Aussöhnung sei nur ein Resultat der Furcht, die man vor Deutschland habe, und jedes Entgegenkommen Deutschland gegenüber werde nur dazu beitragen, die Forderungen Deutschlands zu erhöhen._ Moskau einverstanöen. Moskau. 10. November.(WTV.)„Iswestlja" s-"'' a-.iS: Der»zurückhaltende Ion" der deulschen Presse bei vespre-? der Ausnahme Deutschlands in den Völkerbund sei daraus zurückzuführen, daß dieses Ereignis stark verspätet eingetreten sei und daß in letzter Zeit die innere sowie die internationale Lage Deutschlands sich erheblich gefestigt habe, so daß Deutschland zurzeit bedeutend mächtiger dastehe, als während der Konferenz von tocarno. Das vlotl spricht die Hoffnung au», daß die Teilnahme Deulsch- lands am Völkerbund die genaue Einhaltung der gegenüber der Sowjetunion übernommenen Verpflichtungen nicht b e« l n l r ä ch t i g e n und die Freundschaft Deutschlands mit der Sowjetunion wie bisher festbleiben werde. Coudenhove- Kalergi spricht am Mittwoch, den 15. Sep- tcmbcr, 7 Uhr 25 Min. abend», im Deutschen Rundfunk über da» Thema„Paneuropa". Der Vortrag gewinnt besondere» Interesse im Hinblick auf den vom 3. bis S.Oktober dieses Jahres jn Wien stattfindenden ersten Paneuropa-Kongreß. Lokaltermin in Leiferüe. Otto Schlesinger und Willy Weber, die nach dem Tatort gebracht worden waren, wurden nach Besichtigung der Oertlichkeit nach dem Bahnhof Meinersen gesührt. Hier sind Trümmer des entgleisten Zuges und alles Material, das die Kriminalpolizei und die Eisen- bahnüberwachungestellc am Tatort bereits gesunden und befchlag- nahmt hatten. Auf dem Bahnhof war auch ein Gleis hergestellt worden, an dem nun die Verbrecher, besonder» Weber, zeigen mußten, wie sie „gearbeiict" hatten. Sie mußten gewissermaßen das Verbrechen an einem Versuchsobjekt noch einmal ausführen, natürlich ohne Eni- gleisung. Schlesinger zeigte, wie bisher, keine Spur von Reue oder Bewegung. Er sühllc sich immer mehr als der Mittelpunkt einer Tat, die ungeheueres Aufsehen erregte. Weber dagegen, der als Techniker hauptsächlich die Pläne des Urhebers ausführen mußte, ist jetzt sehr niedergeschlagen. Die kleinen Widersprüche in den Aus- sagen der beiden, die zum Teil in Berlin bereits geklärt worden waren, wurde» durch den Ortstermin und durch die Vernehmungen an Ort und Stelle unter Zuziehung von Zeugen und Sachverftändi» gen auch bis auf den letzten Rest behoben. Das große Verbrechen ist jetzt auch in allen Einzelheiten vollständig ausgeklärt. Die beiden Verbrecher, die während des Transportes, der Ortebesichtigung und der Arbeiten in Meinersen auseinandergehalten wurden, find auch bisher einander noch nicht gegenübergestellt worden. Nach Be- endigung de» Termins werden sie nach dem Gerichtsgefängni» in Hildesheim gebracht werden. In Meinersen hatte sich eine größere Menschenmenge angesammelt, um die Verbrecher zu sehen. Sic wurden durch Landjäger und Kriminalbeamte in gehöriger Eni- fernung gehalten. Neue EisenbahuattentatSversuche. Auf der Verbindungsstrecke zwischen den Bahnhöfen H a m- dorn und Neu mühle wurde ein Anschlag auf einen Eilen- bahnzug verübt. Unbekannte Täter hatten einen Teil des Eisen. oeländer» derart in die Strecke gebogen, daß ein vorüberiahrender Zug das Geländer erfassen mußte. Tatsächlich riß auch ein Güter- zug ein etwa 19 Meter langes Stück des Geländers weg. Die Loko- motive wurde beschädigt. Ein zweiter Zlnschlag wurde auf der Eiscnbahnstreck« Hamborn— Wesel zwischen den Stationen Möllen und Spellen oerübt. Hier hatte man Steine auf dl« Schienen gelegt. Da» Hindernis wurde aber glücklicherweise vom Zugpersonal noch rechtzeitig bemerkt. �unkaussteklung und Neichs.qasttvirismesse. Heute, Sonnabend, und morgen, Sonntag, ist die große deutsche Funkausstellung im Hause der Funk- i n d u st r i e am Kaiserdamm, die bi» gestern einen noch nie da- gewesenen Erfolg zu verzeichnen hatte, bis 19 Uhr abend» geöffnet. Das Funkturmrestaurant, das sich gleichfall, außer- ordentlichen Zuspruchs erfreut, ist dem Publikum ebenfall» bi» 1 Uhr nachts zugänglich. Die in der alten AutoHalle stattfindende Reichs- gaftwirtsmesie ist ebenfalls am Sonnabend und Sonntag bis 19 Uhr abends geössnet. Während die Funkausstellung am morgigen Sonn- tag Ihre Pforten schließt, bleibt die R e i ch s g a st w I r t s m c ss e noch den ganzen Montag über bis 8 Uhr abends geöffnet. Zentralmarkiholle erst ab 5 Ahr geSssnet. Dem Drängen der Interessenten nachgebend, hat die Markihallendirektion die Oeffnuna der Zentralmarkthalle, die bisher um 4 Uhr morgens erfolgte, auf 5 Uhr morgens verschoben. Feuer am Engelufer. Mehrere Löschzüge der Feuerwehr wurden heute früh gegen V66 Uhr nach dem Hause Engelufer 19 gerufen, wo auf dem Hose des Industrietomplexes der Dachst Ahl eines ehemaligen Kesselhauses, in dem feit geraumer Zeit eine Auto- repnraturwerkstätte untergebracht ist, in Flammen stand. Beim Ein- treffen der Wehren unter Leitung von Baurat M ä d e r hatte dccs Feuer, das sich in dem trockenen Gebälk mit großer Schnelligkeit ausbreitete, ziemliche Ausdehnung angenommen. Ts mußte aus einem B- und zwei E-Rohren Wasser gegeben werden. Nach länge- rer Läscharbeit gelang es, das Feuer niederzutämpsen. Die Aufräumungsarbeiten dauerten mehrere Stunden. Die Entstehungs- Ursache ist unbekannt. Sonntag an die Ostsee! Der für morgen. Sonntag, vorgesehene Sonntagssonderzug nach Swinemllnde. Ahlbcck, Heringsdorf, ab Stetiiner Bahnhof 6 Uhr 39 Min. vormittag» wird, wie wir soeben erfahren, bestimmt verkehren. Fahrkarten find bis kurz vor Abgang des Zuges an den Fahrtartenausgaben de» Stettiner Bahn- Hofs und des Bahnhofe Gesundbrunnen zu haben. Freibad Müggelsee. Das idyllisch gelegen« Freibad am Nord- ufer des Müggelsees bleibt bis zum Spätherbst geöffnet. Wenn da» Wasser zum Baden nicht mehr für jedermann warm genug ist, so bietet sich hier Gelegenheit zu Luft- und Sonnen- bädern. Sport und Spiel kann ebenfall» am Strand aetrleben werden. Ein besten» eingerichtete» Restaurant sorgt für Erfrischungen am See. Familien können Kaifee kochen. Da» Freibad ist vom Bahnhof Rahnsdorf nach viertelstündiger Wanderung durch Herr- lichen Laub- und Nadelwald zu erreichen, ZlSSSo Mark für ölinüen-NunSfunkgerät. Das Ergebnis der Reichspsstfammlung. An der von der Deutschen Reichspost veranstalteten Sammlung zur Versorgung der Blinden mit RiindsunkempfongS- gerät haben sich bisher neben den Oberpoftdirektionen in Bayern und der Oberpostdirektion in Stuttgart noch 27 Oberpostdirektionen des ehemaligen Reichs-Post- und Telegraphengcbicts beteiligt. Da» Ergebnis, das bisher aus 25 Oberpostdirektionsbeürken vorliegt, ist ein sehr erfreuliches. Es beträgt 2 56 5 7 6,99 M. und erheb- liche Sachspenden, darunter u. a. über 4Zl Rundiunk- empfongsapparate(teilweise Röhrenapparate) und 572 Köpfsern- Hörer. Die Sammlung hat es ermöglicht, daß in mehreren Ober- postdirektionsbezirkcn alle bedürftigen Blinden mil einer Flinkernpfangsai, lag« versorgt werden können. Es liat sich auch teilweise ermöglichen lassen, daß den infolge von Kopfschüssen erblindeten Kriegsteilnehmern, die infolge ihres Leidens keine Kopsfernhörer tragen können, gut« Röhren- apparate mit Lautsprecher zur Derfügung gestellt und den Blinden« organisationen auch Mittel für die Unterhaktnnq der Anlagen über- wiesen werden konnten. In einigen Oberpoftdircktionsbezirken sind noch zahlreiche bedürftige Blinde vorhanden, die bisher nicht haben versorgt werden können. Den beteiligten Obcrvostdirektionen ist anheimgestellt worden, die Sammlung unter Umständen zu wieder- holen. Da? Gesamtergebnis der von der Deutschen Reichspost(ein- schließlich Bayern und Württemberg) gesammelten Spenden beläuft sich außer den erheblichen Sachsvenden auf 319 397.99 M. Der Reichspostminister spricht allen Spendern, die mit dazu bei- getragen haben, daß auch den Aermstcn der Armen Gelegenheit oegcbcn werden kann, durch den Rundfunk wieder teilzuhaben an, Weltgesätehen und ihr Dosein durch gute Unterhaltung abmechs- lungsvoller zu gestalten, zugleich im Ramen der Blinden feinen wärmsten Dank aus. »Volk und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Postauslage bei. Die Tpphusepiüemke in Hannover. Weitere Erkrankunzen. Hannover, 11. September.(WTB.) Ueber den Stand der Er- trankungen und den wahrscheinlichen Verlaus der Typhusepidemie wird von zuständiger Seite mitgeteilt: Di« Zahl der Erkrankungen steigt weiter. Es sind bis jetzt, 9 Uhr vormittags, 25 9 Fälle zu verzeichnen. Es ist damit zu rechnen, daß m i n d e st e n s eben- soviel Fälle den Behörden nicht bekannt sind. Bis jetzt sind drei Todessälle zu verzeichnen. Nach den bisherigen Erfahrungen sterben ungefähr 19 Proz. der Erkrankten. Das An- wachsen der Erkrankungszifser wird voraussichtlich bis etwa Mitte nächster Woche anhalten, und erst dann kann man mit einem Ab- nehmen der Erkrankungsziffer rechnen. ährigen Stiefsohn in der Wohnung erschossen. Dann hat er s e i n e Frau auf der Arbeitsstelle nieder- peschossen und daraus seinem Leben durch Erschießen ein E n d e g e m a ch t. Die Tat dürste darauf zurückzuführen sein, daß dem Mörder gester» die Verwaltung über da» Vermögen seiner Stiefkinder entzogen worden war. Schtveres Unglück in einer Kokerei. In der letzten Rocht erfolgte, nach einer Meldung au» Glo'- witz, au« bisher unaufgeklärter Ursache in der Kokerei der staoi- lichen Gleiwitz- Grube eine starke Explosion. Die Kokerei ae- riet in Brand, und da« Kondensationsgebäude stürzte vollständig z u s a m in e».. Von der Belegfchait werden zwei Mann vermißt, die wahrscheinlich unter den eingestüxzten Mauern liegen. Der Kokereibetrieb kann aufrecht erhalten werden. «chlttag Rennfahrer de» ARv.Solidarität«. Im Rahmen de« A> heiter- Sports, sie» aus dem Sportplatz in Manns« finden aus der Radrennhabn einig« Rennen ilat'. Alle Rennfahrer und Dellsahrtauchibiisimitgiledcr miissen zur Stelle sein. Sammelslart: mittag» 12 Uhr, im.Reichsadler". Mannsee. Könlgstr. 27.__ Groß- Serkmer Parteinachrechten. 3. ÜU. Di- am Sanntag pattflndende Motorbootfahrt muh wegen Verwelge- run« der Srlaubni» zur Durchfahrt der Lölknitz nach Zilld-rebarf.Kattbecg-, Lokal von Löffl-r, verlegt werde». 74. Abt. gehkendors. tzrrunde unserer Bewegung und die Parteigenoslcn, wrtchr nicht morgen»um Svorlse» nach Wannsee fahren, tressen sich vor. mittag» 1t Uhr Bahnhof Zchlenhors-Mittc zur gemeinlamen Hinfahrt. IM. Abt. Rirderfchoneweide. S-Mi- H Uhr ahendo vom R-iiaurant Thirie ou». Berliner Str. 38. wichtige stlugblaitverbreiNina. 114.«f. Lichtenberg. Sonntag früh» Uhr im Lokal Schwarzer,«dabricl. Mar-Sir. 17. glugblotiverhreitung. I«»gf»zialis»-N.»-U«-« Lichtenberg! deute oben»«H Uhr Steffen am«ahn. Hof Etralau.Rurnmelsduvg zur Fahrt nach Zossen. Wochrnendkursu» der c«3. 17.»reis. Wohnungsbau für Handarbeiter, Schafft Mietwohnungen, nicht ZlLerkwohnunge«. In dem Arbeitsbeschafsungsprogramm, das der Reichstag kurz vor seinem Auseinandergehen verabschiedete, ist auch der Bau von Landarbeiterwohnung vorgesehen. Das Reich gibt dafür 30 Millionen Mark unter der Voraussetzung, dah die Länder den gleichen Betrag zur Verfügung stellen. Diesen Absichten kann nur zugestimmt werden, besteht doch nun- mehr endlich die Aussicht, dah ein entscheidender Schritt zur Bc- Hebung des fürchterlichen Wohnuugselends auf dem Lande getan wird. Hoffentlich folgt den Worten bald die Tat. Eines haben die Landarbeiter jedoch mit Befreistden zur Kenntnis genommen, und das ist, daß die ausgeworsencn Mittel auch für den Bau von Werkwoh nungen Verwendung finden sollen. Die Frage der landwirtschaftlichen Werkwohnungen ist leb- Haft umstritten. Sie gab auch der letzten Generalversammlung des Deutschen Landarbeiteroerbandes Veranlassung, sich damit zu be- schästigen. Der Beschluh, der dabei gefaßt wurde, besagt: Freie und unabhängige Wohnungen für alle in der Land- und Forstwirtschaft sowie im Weinbau beschäftigten Arbeiter und Ar- beiterinnen. Für die in dem Beschluß der Generaloersammlung des Deutschen Landarbeiterverbandes zum Ausdruck kommende Auffassung ist die Tatsache maßgebend, daß sich die Werkwohnungen im Besitze der landwirtschaftlichen Unternehmer befinden. Das ist ein sehr un- erfreulicher Zustand, der die Bewegungsfreiheit und Unabhängigkeit der Landarbeiter arg in Mitleidenschast zieht. Er gibt dem Unter- nehmer die Möglichkeit, mit der Drohung operieren zu können, der Arbeiter werde unbarmherzig aus die Straße gesetzt, wenn er nicht das tue. was von ihm verlangt wird. Mit beson- derer Vorliebe läßt man den Landarbeitern ihre Abhängigkeit von der Gnade des Unternehmers fühlen, die sich als Vertrauensmänner des Verbandes beiätigen oder die Absicht haben, sich an Wirtschaft- lichen oder politischen Bewegungen zu beteiligen. Die Vorgänge beim Volksentscheid geben einen guten Anschauungsunterricht. Was die Landarbeiter wollen, ist die Wohnsiedlung in Ge- meinden mit freier Selb st Verwaltung. Der Gedanke, so- genannt« Landarbeitereigenheime zu schassen, erscheint ihnen weniger diskutabel, weil auch diese Heime in manchen Fällen eine zu starke Fesselung an die Scholle darstellen werden. Soll an die Schaffung von Landarbeitcreigenheimen herangegangen werden, wäre vorher zu prüfen, ob die dort unterkommenden Ar- beiter die Möglichkeit haben, zwischen mehreren Arbeitsplätzen zu wählen. Diese Darlegungen, die sich aufs viele Erfahrungen stützen, sollten von den behördlichen Stellen nicht übersehen werden. Man sollte sie eingehend erwägen und sich fragen, ob es nicht das klügste und zweckmäßigste ist. sie als Richtlinien gelten zu lassen. vie»Mitropa�. Ihre Kehrseike für die Slngeslellken. Ueber die Größe, die Einrichtungen und die Bedeutung der „Mitropa"(Mitteleuropäische Schlaf- und Speisewagen-A.-G.) gibt ein in den letzten Wochen in der Tages- und Fachpresse erschienener Artikel, der zweifellos von der„Mitropa" selbst stammt, der Oeffent- lichkeit Aufschluß. Nach den in diesem Artikel gemachten Angaben sind bei der„Mitropa" zirka 250 Speisewagen mit je neun Personen Besatzung(Aufseher, Oberkellner, drei Wagenkcllner, Abteilkellner, Koch, Kuchengchilsin und Silberputzer) und 300 Schlafwagen mit je etwa M Betten im Betrieb. Die Zahl der auf den Schlafwagen (jicnsttuenden Schlaswagenschafsner wird mit 300 angegeben. Die ge- amte Belegschaftsziffcr beträgt �000 Personen(3600 im Betrieb und 400 in den Reparaturwerkstätten). Die„Mitropa" wurde, als im Kriege das Zusammenarbeiten mit der JSG.(Internationale Schlaf- und Speisewagen-Gesellschaft) wegfiel, im Jahre 1916 im Einoernehmen mit der österreichischen und ungarischen Staatsbahnverwaltung gegründet. Trotzdem, so heißt es in dem Artikel, die„Mitropa" am Ende des Krieges die ausländischen Linien verlor, ist das Unternehmen von Jahr zu Jahr gewachsen. Es steht also zweifellos fest, daß sich das Unternehmen gut rentiert: was übrigens bei den„bescheidenen Preisen" kein Wunder ist. Trotzdem und trotz der schweren aufreibenden Arbeit, welche die Angestellten zu oerrichten haben, sind die Lohn- und Arbeitsbedingungen sehr verbesierungsbedürflig. Von sozialem Geist ist in dem Betriebe kein Hauch zu spüren. Ob- wohl in den Jahren seit Bestehen der Gesellschaft umfangreiche Reu- anschasfungen wie der Erwerb von Häusern, Grundstücken usw., Ver- mehrung des Wagenparks und Auffüllung der Warenläger möglich waren und dabei für die Aktionäre noch ganz anständige Gewinne herauskamen, sind die Forderungen des Fahrpersonals und der in den Lägern beschäftigten Arbeiter nach einer be- scheidenen Lohnerhöhung seit IVt Jahren stets kategorisch abgelehnt worden. Ja, die Gesellschaft hat es sogar — dem„sozialen Zuge der Zeit" folgend oder auch weil es so„Mode" war— im Frühjahr 1926 mit Hilfe des Reichsarbeits- Ministeriums fertig gebracht, den Angestellten ihren Urlaub und die Zeit, für die sie bei Krankheit einen Züsch ußzumKranken- g e l d bekamen, ganz erheblich zu kürzen. Die tarifliche Arbeitszeit wird von vielen Abteilungsleitern nicht b e- achtet, und die Angestellten werden zur Leistung von vielen u n- bezahlten Ueber st unden gezwungen. Die Behandlung ist ein Kapitel für sich. Die Herren Ab- teilungsleiter spielen sich in ihrem Machtbereich als die Herren im Hause auf, und der Ton, den sie im Dienst gegen die Angestellten anschlagen, ist der auf dem Kasernenhof übliche. Darüber braucht man sich aber nicht weiter zu wundern, wenn man weiß, daß die meisten dieser Herren(frühere Untcrosfiziere, Feldwebel usw.) ihren Bildungsunterricht auf dem Kasernenhof empfangen haben. Hinzu kommt noch die dauernde SchikanierungderAnge st eilten durch die unzähligen Kontrolleure und Gehcimkontrollcure. Die vielen, mittlerweile zu einem umfangreichen Aktenbündel ange- wachsenen, willkürlich von der Direktion erlassenen Dienstvorschriften sind sicherlich dazu angetan, den Angestellten ihren schweren Dienst „zu erleichtern" und ihre„Arbeitsfreudigkeit zu heben". Diese Mißstände müssen beseitigt werden. Von der Direktion haben die Angestellten nach dieser Richtung hin nichts zu erwarten. Helfen kann hier nur eine starke gewerkschaftliche Or- g a n i s a t i o n. Deshalb müssen sich die Ange st eilten der „Mitropa" noch fester als bisher im Zentralvcrband der Holel-, Restaurant- und Eafe-Angesteliten zusammenschließen. 5üe öas frühe Wochenenüe. Im Eisenbahnausbesserungswerk Tempelhof. Gestern fand in der Schloßbrauerei Schöneberg eine Volloer- sammlung der Belegschaft des Eissnbahnausbefserungswerkes Tempelhof statt. Die Versammlung beschäftigte sich in der Haupt- fache mit der notwendigen Verkürzung der Arbeits- zeit als Folge der intensiven Arbeitsleistiing Die Belegschaft forderte ein« Verlängerung des Wochenendes bzw. Arbeitsschluß am Sonnabend um 1 Uhr. Von der stark besuchten Versammlung, die einen durchaus fach- lichen und harmonischen Verlauf nahm, wurde eine entsprechende Entschließung«in st immig angenommen und beschlossen, diese sowohl der Werksleitung wie auch der Ortsverwaltung des Einheitsverbandes der Eisenbahner zu übennilteln. Hervorgehoben zu werden verdient, daß die Versammlung ein- berufen war vom Vorsitzenden des Betriebsrats, H o l l m a n (KPD.), der die Forderung auf Verkürzung der Arbeitszeit in durchaus sachlicher Weife begründete und auch sonst nicht die geringste Anspielung auf den sogenannten Kongreß der Werktätigen machte, obwohl er als Mitglied der KPD. dazu verpflichtet ist. Sein« Sachlichkeit und sein Uebergehen des famosen Kongresses der Werk- tätigen erklärt sich sehr einfach aus der Tatsache, daß die Ver- sammlung sehr stark, besonders aber auch von unseren G e- nassen und Mitgliedern des E i n h« i t s v« r b a n d e s besucht war. Wie man sieht, können auch kommunistisch« Betriebs- ratsmitglieder durchaus fachlich arbeiten, wenn ihnen von unseren Genossen— sagen wir einmal, der Rücken gestärkt wird. ver Lohnabbau in NußlaoS. Senkung des Reallohns. Seit Herbst 1926 ist in der Sowjetunion die aussteigende Be- wegung der Lohnkurve im großen ganzen zum S t i l l st a n d ge- bracht worden. Die Lebenshaltungskosten sind aber seither wesent- lich g e st i e g e n und der Lebenshaltungsindex steht, trotz einer ge- ringen für Rußland charakteristischen Senkung in den Sommer- monaten, heute noch um 18 Proz. höher als am 1. Oktober 1926 (am 1. Oktober 1926 192,3, am 1. Mai 1926 238,6, am 1. Juli 228,9), so daß der R e a l l o h n in allen Berufen� empfindlich herabgedrückt worden ist. In den leitenden Sowjetkreisen war man trotzdem bis vor kurzem geneigt, die Lohnsätze bis zum Herbst 1927 unverändert zu lassen. Die wachsende Unruhe, die sich der Arbeiterschaft bemächtigt hat, und das Bestreben, die oppositio- nellen Regungen innerhalb der regierenden Kommunistischen Partei abzuschwächen, haben die Sowjetregierung nunmehr bewogen, ihren Widerstand gegen die Erhöhung des Arbeitslohnes aufzugeben. Am 17. August hat der Rat der Volkskommissare den Beschluß gefaßt, einen Ausschuß einzusetzen, der innerhalb zwei Wochen„den Um- sang und den Zeitpunkt der eventuellen Erhöhung der Löhne" fest- zusetzen hat, wobei sich diese Lohnerhöhung lediglich nur auf„jene Arbeitergruppen, deren Löhne zurückgeblieben sind", zu erstrecken hat(„Trud" vom 18. August). Am folgenden Tage wurde ein« gemeinsame Sitzung des Zen- tralrats der Gewerkschaften der Sowjetunion mit den Zentraloor- ständen der Gcwerkschaftsverbände abgehalten, die sich, im Anschluß an den Beschluß des Rates der Voltskommissare, mit dem Lohn- Problem befaßte(„Trud" vom 19. August). T o m s k y erstattete den Bericht und betonte ausdrücklich, daß die Lohnerhöhung sich nur auf die Metall-, Berg- und Transportarbeiter sowie aus die Post- angestellten erstrecken darf.„Die übrigen müssen warten": es darf nur höchstens ein gewisser Ausgleich für die u n o e r h ä l t- nismäßig niedrig bezahlten ungelernten Kräfte geschaffen werden. Dabei wiederholte Tomskn ständig und mit großem Nachdruck, daß bei der Erhöhung der Löhne„äußerste Vorsicht" geboten sei. In der sehr lebhasten Debatte beklagten sich die Vertreter der Textilarbeiter, der Nahrungsmittelarbeiter und der Arbeiter der chemischen Industrie über den generellen W i d e r st a n d in bezug auf die Lohnerhöhung für diese Arbeiter- gruppen, trotz der relativ günstigen Lage der betresfenden In- dustrien. Besonders bitter waren aber die Klagen der Angestellten des Gesundhcits- und Volksbildungswcsens sowie überhaupt der Lohnempfänger, die aus den Mitteln des„örtlichen Budgets", d. h. aus den Kommunalmitteln, entlohntt-werden. Diesen letzteren ist der Zentralrat der Gewerkschaften insoweit etwa ent- gegengekommen, als er seinen Vertreter in dem vom Rate der Volks- kommissare eingesetzten Ausschuß beaustragt hat,„aus die besonders schwierige Lage der Angestellten und Arbeiter, die aus den Mitteln des örtlichen Budgets entlohnt werden, hinzuweisen". Ausdrücklich hat sich d-er Zentralrat nur für die Lohnerhöhung derjenigen Gruppen der Arbeiter ausgesprochen, für die bereits Tomsky in seinem Bericht eintrat. Die Wünsche der Textilarbeiter, der Nahrungsmittelarbeiter u. a. blieben unberücksichtigt. Zum Lohnkampf in der sndbayerischen Textilindustrie. München, 10. September.(WTB.) Ueber die Annahme oder Ablehnung des am 30. August vom Landesschlichter gefällten Schleds- spruches für die füdbayerische Textilindustrie hatten sich die Par- teien bis zum 8. September zu erklären. Während der Schieds- spruch von den Unternehmern abgelehnt wurde, wurde er von den Vertretern der Arbeitnehmer angenommen. Von diesen wurde die Verbindlichkeitserklärung beantragt. Theater öee Woche. vom 13. bis Äv. September 1926. »ollibShi-.e: 12. und 16. idet dlltkche Mich-l. 13., 18. und 20. sfoufk. 14., 15., 17., 19. IudiiI,.— Oper nur PIa6 der Republik: 12. Ricnzi. 13. Ritter Blaubart. 14. Tristan. 15. Die lustigen Weiber. 16. Di- tzauberfiöte. 17. Ca. »allcria Rusticana. 18. Der lliegendc Solländcr. 19. Der Troubadour. 2». Ode» ron.- Staatliche, Schauspielhaus: 12.. I4„ 16„ 18., 19. Die Räuber 13., 15., 37. Amphilrion. 20. Kqrih.Pnritz.— Schiller-Theater: 12.. 14., 16.. 18. und 19. Die Welt, in der man sich langweilt. 13., 15. und 17. Di« ffahrt nach der Cildsce. 20 Peer Ennt.— Teutschrs Theater: Rndrokius und der Läwe.— tiamme-spi-le: Und Pipva tanzt.— Die«omödie: Di- Gefangene.— Lrlsino- Theater: Cromwell.— Theater in der»äniggräher Strah«: Zweimal Olioer.— D-utscheo Opernhaus: 12. und 17. Alba. 13. tzatinitza. 14. und 20. gidelw. 15. Fledermaus. 16. Walküre. 18. Tristan und Isolde. 19. Die Jüdin.— Grahe» Schauspieltau,: Bon Mund zu Mund.— Theater be» Westen,: Der Zug nach dem Westen.— Theater am Rolleudorsplati: Di« leichte Isabcll.— Die Tribüne: Unterwegs.— Deutsch», stnnsller. Theater: Beronika.—»omädien- Haus: Lerr non Eaint-Obin.— Berliner Theater: Miß Amerika.— Reue, Theater am Zoa: Ich Hab dich lieb.— Refid-nz.ZH-ater: Das golden- st-Ib. Ab 17. Das Absteigequartier.— Trianon-Theater: Der mllde Theodor.— Theater in der stommandantenstrahe: Der schwarz« Engel.— Theater am Schlsfbauerdamm: Das Grabmal des undckannlcn Eoldaten.— stomlschc Oprr: Adrienne.— Lnstspielhau«: Kukuli.— Metrapol-Thrater: Dir große Revue: Wieder Meiropol— Thalia-Theaser: Der Biberpelz.— Theater in der Lühow- strahe: Epreewalbmädel.— Theater am Äursürstendamm: Es geht schon besser. — stlcinc» Theater: Di- fleißige Leserin.—«allner-Theater: Hasemanns Töchter.— Theater in der stlosterftraß-: Schneider Wibbel.— Rose-Theater: Die Siecknadcl im Seinoagcn.—«afino-Theater: Was Liebe vermag.— Theater im Adwiral-palast: An und aus!— Apallo-Theater: Bariettprogramm und Wilhelm Hartstein.— S-ala und Wintergarten: Internationale» BarieW. Nachmittag,»orstellungcn. Staatlich-» Sch-uspielhaus: 12. und 19. Doppelselb simord.— Rose-Theater: 19. Hanna Günther.— Theater im Admiralopalast: 12. und 19. An und ausl Aus den gewaltigen Warenmengen nur guter Qualitätswaren einige Beispiele weiß Ualetf aflle � Stickerei.......... w//t Mnon-Gmliut S95 Sti P'. ///// 1 D'ct'bett' 2 Ksten,«f ll Ptim tteon-Snu. ms Pj fW/.' 3 Kissen, J 1 tlUMeti— i Tut SUekerei. Ansatz.... 9 3 PJ. W,' DtcU*t- 2*****•-.'#<* TfemtibelakleM 450§. Saaiast-CmHur 1950% moderne Form nu Stick*- Ansatz w' Deckbett, 2 Kissen.... ffQp ////� KadHheaitl Kitncnojor*, 175 m$btiüfyeT 195 mix Stickerei- AnsaU.... 9 i//,/, f'ster Wäschestoff..... t prlnzeßiotk 750 m Bstiätber 705 M und Spitze ngarnierang... mit sturkfädig, äußer U haltbar. Wäsche iOffilBltlO rmt Träger und Stickerei-Ansatz., Tfemdsnliidi. Qualität, SO an breit. Meter �00 Pf. LlilQU, leinen griffig, 80 cm breit..... Meter§ nfPf. 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