!Tl Cr. 430 ♦ 4Z.?ah?g. Ausgabe A Nr. 220 Bezugspreis. Wöchentlich 70 Pftunla. monatlich B.— Sieichsmarl voraus»ahlbar. Unter«reuichand für Deutfchlanb, DaiUtia, Eaar» und Mnnelaediet, Lellerreich. Litauen. Luremdur« iM Zteichsmari, für da« Obrifle Ausland 5�0 Reichsmarl pro Monat. Der.BoroStt»* mit der wuftrler» tcn Sonntagsbeilage»Volk und Zeit" lowie den Beilagen.Unterhaltun« und Wissen�,»Au, der Filmwelt", »Frauenstimme'.»Der Kinder» freund',„Iugend-Borwärts' und »Blick in die Bücheriselt' erscheint reochentäglich»weimal. Tonntag, und Montag, einmal. Telegramm-Adrefse: �oztaldeMokro» verlla- Sonntagsansgabe Nevlinev Volksvlertt pksnnis� Anzeigenpreise: Die« i n s v a l t i a e Nonpareille- »eile 8» Vsennia. Neflaine»eile d.— Reichsmark.»Kleine Antigen' dos fcttaedruckte Wort 25 Vkenni» l»uläMa»wei fettgedruckte Worte). fedes weitere Wort 12 Pfennig. Ttellengefuche das erste Wort Ib Pfennig, jedes weitere Wort lO Pfennig. Worte über 15 Buch- fiaben»ählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Feile KN Pfennig. gamilienanieigen für Abonnenten Feile<0 Pfennig. Ansteigen für die nächste Nummer wüsten bis iVi Uhr nachmittag» Im chouptaefchäft, BerlinSWSS. Linden. ftrasteZ, abgegeben werden. Deöffuet »on 8'.» Uhr früh bis 5 Uhr nachm Zcntr&Xorgnn der Sozialdemokrat» feben parte! Deutfchlands Reöaktion und Verlag: S erlin EW. HS, Hinöenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297. Sonntag, den 12. September 19546 Vonvärts-Verlag G.m.b.H., Serlin SV. öS, �inüenftr.Z Postscheckkonto: Perl!» 37 ZZ«— Bankkonto: Bank der«rteiter, Angestellten »nd Beamten. A> allste«3: Diilonto-Seselllchast. Denofitenkast« Lindenftr. 3. ii» Werbewoche der Gewerkschasten Kampf dem Zndiffereniismus!— Werbt für Solidarität! Die gewerkschaftliche Werbewoche, die heute beginnt, ruft olle Sozialdemokraten auf den Plan. Wir brauchen unseren Lesern nicht die Bedeutung, die Tätigkeit und den Einfluß der freien Gewerkschaften klarzumachen. Die Sozialdemo- kratie stand an der Wiege der deutschen Gewerkschaftsbewe- gung und hat es immer als ihre wesentliche Aufgabe be- trachtet, die Forderungen der Gewerkschaften in allen öffent- lichcn Körperschaften zu vertreten. Darum heißt es auch in unserem in Heidelberg beschlossenen Parteiprogramm, daß mit dem Druck und mit den Gefahren des Hochkapitalismus auch der Widerstand der stets wachsenden Arbeiterklasse steigt und daß dieser Widerstand zunimmt nicht nur durch den Me- chanismus des kapitalistischen Produktionsprozesses selbst, son- dern auch durch die st ete Arbeit der Gewerk- s ch o f t e n und der Sozialdemokratischen Partei. Unsere Leser wissen, daß sich der„Vorwärts� bei allen michligen Borgängen in der Gewerkschaftsbewegung in den Dienst der Gewerkschaften gestellt hat, wie jetzt auch die Partei zur Flugblattoerbreitung während der Werbewochc ihre Mitglieder und ihren Apparat in den Dienst der Gewerk. schaften stellt. Die Erklärung, die der unvergeßliche B ö m e l- bürg vor zwanzig Jahren als Borsitzender, des Gewerk- fchaftskongresses abgegeben hat:„Partei und Gewerk- schaften sind eins" hat manche Erörterung taktischer und prinzipieller Natur heroorgerusen. Schließlich war sie aber doch nichts anderes als der Ausdruck einer Erkenntnis, die jedein Genossen selbstverständlich ist: der Erkenntnis, daß Partei und Gewerkschaft unzerreißbar zusammengehören. Nicht on die Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei, nicht an unsere Leser wenden wir uns heute also, sondern über die Köpfe unserer Leser hinweg und durch ihre Köpfe richten wir einen ernsten Mahnruf an alle, die den Gewerkschaften noch fernstehen. Der Gründe sind viele, die der Unorganisierte vorbringt, um zu entschuldigen, daß er wohl ernten, aber nicht säen will. Bald sind ihm die Beiträge zu hoch, bald braucht er keine Organisation, weil er schon allein vorwärts kommt. Dann wieder gibt er vor, daß er von einem oder dem anderen ge- kränkt öder verletzt wurde oder aber er nacherzählt gläubig die Lügen über die verpraßten Arbeitergroschen. Wieviele ober haben überhaupt keine Gründe vorzubringen, so wenig stichhaltig diese auch sein mögen. Sie leben dumpi und ge- drückt von einem Tag in den anderen und nehmen ihr Schick- sal al� Arbeitssklaven des Kapitals hin wie eine göttliche Fll- gung. gegen die jede Auflehnung vergebens ist. Andere wieder haben das Gehirn verkleistert mit natio- nalistischen Phrasen und haben noch nicht begriffen, daß es das Gegenteil von nationalem Volksbewußtsein ist, wenn man außerhalb der großen nationalen Gemeinschaft der freige- wcrkschaftlich organisierten Arbeiter und Angestellten bleibt. Nur in der großen Gemeinschaft kann die Einzelpersön- lichkeit wirken und zur Geltung kommen, wie die Nation nur in der großen internationalen Gemeinschaft ihrer Bedeutung und ihrem Einfluß Geltung machen kann. Gerade der Ein» tritt Deutschlands in den Völkerbund hatte die Bedeut ing des Deutschen Reiches und des deutschen Voltes in der ganzen Welt sichtbar werden lassen. Die Mißmutigen, Dumpfen. Mißleiteten gilt es aufzi'- rütteln! Ihnen gilt es zu zeigen, daß der Weg zu ihrem wirtschaftlichen Aufstieg und zu ihrer wirtschaftlichen Be» freiung nur durch die Gewerkschaften gehl. Denen, die da glauben, daß sie sich an die gedeckte Gewerk- schaftstafel setzen können, ohne ihren Teil zur Aahl-ing r-T Zeche beizutragen, muß aufgezeigt werden, daß diese Rech- nung eine falsche ist. Gewiß sind die Erfolge der Gewerkschaften groß: aber alle Erfolge stehen stets im Verhältnis zur Mitgliederzahl. Der Unternehmer weiß genau, wieviele seiner Arbeiter und Angestellten hinter den freien Gewerkschaften stehen. Er chätzt genau ab den Grad des Widerstandes, auf den er toßen wird, wenn er eine Herabsetzung der Akkordlöhne oder onst eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen einzu- iihren gedenkt. Wehe dem Unorganisierten aber, wenn er mit dem Unter- nehmer in Konflikt gerät! Keine Gewerkschaft wird ihm roten, keine Gewerkschaft wird ihm vor dem Gewerbe- oder Kaufmannsgericht zur Seite stehen. Keine Organisation wird ihn unterstützen, wenn er in Rot gerät. Wenn aber ein äffe- ntr Kampf ausbricht, wenn es gilt, durch die Arbeitsniederlegung besserer Löhne und Gehälter durchzusetzen oder!Ber- schlechterungen abzuwehren, wenn die Unternehmer eine Aus- fperrung vornehmen, um ihren Willen der Arbeiterschaft auf- zuzwingen, dann bleibt dem Unorganisierten nur die Möglich- kcit, ein elender Streikbrecher, ein Verräter gegenüber seinen Kollegen zu werden oder ohne jede Unterstützung zu hungern. Selbst diese beiden Möglichkeiten, wovon weder die eine noch die andere verlockend ist, bleiben den Unorganisierten nicht immer. Wenn die Unternehmer aussperren, dann machen sie keinen Unterschied zwischen Organisierten und Unorgani- sierten. Wenn die Masse der Arbeiterschaft streikt, dann können auch ein paar unorganisierte Streikbrecher nicht den Betrieb aufrechterhalten. Der Unternehmer wird sie heim- schicken, weil er mit ihnen nichts anzufangen weiß. Es ist also eine falsche Rechnung, die die Unorggnisicrten aufstellen, wenn sie glauben, daß ihnen die Erfolge der Gewerkschaften zugute kommen, auch ohne daß sie ihre gewerkschaftliche Pflicht erfüllen. Furchtbar ist das Schicksal des Unorgani- sierten, wenn er zwischen die Mühlsteine eines Wirtschafts- kampfes gerät. Den Mißmutigen, den Unzufriedenen und Enttäuschten, die aus der Gewerkschaft wieder hinausliefen, weil es ihnen nicht schnell genug ging oder weil ihnen dies und jenes nicht gefiel, denen muß man die Frage stellen, ob es denn durch ihre Fahnenflucht besser geworden ist. Es muß ihnen gezeigt werden, daß die Kapitalisten sich zusammenschließen, ohne Unterschied ihrer politischen oder religiösen Meinung, ohne viel nach den guten oder schlechten Charaktereigenschaften ihrer Mitglieder zu fragen. Daß die Kapitalisten die Arbeiter- schaft ausbeuten, ohne einen Unterschied zu machen nach dem politischen oder religiösen Bekenntnis, nach guten oder schlechten Charaktereigenschaften. Den Unzufriedenen muß auch gezeigt werden, daß die Flucht aus der Gewerkschaft ins W e g l o s e führt. Ihnen wie den Dumpfen, den Ergebenen iiyd Gedankenlosen muß klargemacht werden, daß die Arbeiterschaft, wenn sie nicht im Elend versinken will, gar keinen anderen Ausweg hat, als den des gewerkschaftlichen Zusammenschlüsse», um, wie es in unserem Parteiprogramm noch heißt, als gewaltig erstarkte Arbeiterbewegung, groß geworden durch die opferreiche Arbeit von Generationen sich dem Kapitalismus als ebenbürtiger Gegner gegenüber- zustellen. Diese Position des ebenbürtigen Gegners haben sich die Gewerkschaften bereits erkämpft. Kein anderer als der Groß- kapitalist Silverberg hat dies noch vor wenigen Tagen im Namen des Vorstandes des Reichsverbandes der Deutschen Industrie verkündet. Dieses Eingeständnis, diese Aner- kennung ist den Unternehmern gewiß nicht leicht gefallen. Sie hat der Arbeiterschaft schwere Opfer gekostet. Bon dem ursprünglichen Willen zur Vernichtung der Gewerk- schaften bis zur Anerkennung ihrer Gle ich berech» tigung führt ein langer und steiniger Weg. Nun wir auf breiter Heerstraße'marschieren, in geschlosie- nen Kolonnen zu Hunderttausenden und zu Millionen, nun gilt es für die Nachzügler, den Anschluß nicht zu verpassen. Heran ihr Zaudernden und Mutlosen! Je größer das Heer der Gewerkschaftsmitglieder ist, desto gewaltiger werden die Erfolge der Geiverkschaften, desto schneller wird auch der Sieg der Arbeiterklasse sich vollenden. Hewerksthasten unö Unternehmer. Eine Antwort Leiparts ans Silverbergs Rede. Das Unternehmertum hat durch die Rede des General- direktors Silverberg auf der Dresdener Jndustriellentagung an die Arbeiterschaft di« Aufforderung gerichtet, wieder aktiv an der Regierung teilzunehmen. Die Industriellen haben dabei ihre Kritik an den Gewerkschaften und ihrer sozialpolitischen Einstellung erneuert, aber im Gegensatz zu früher auch die Leistung der Ge- wcrkschaften anerkannt. Da die Kundgebung des führenden Unter- nehmeroerbandes von den Gewerkschaften nicht unerwidert bleiben kann, haben wir den Vorsitzenden des Allgemeinen Deutschen Ge» werkschastsbundcs, Genossen Theodor Leipart, gebeten, uns über seine eigenen Eindrücke von der Tagung und über seine Beurteilung der Schwenkung im Unternehmerlagcr Mitteilungen zu machen. In einer Unterredung mit einem unserer Mitarbeiter erklärt« Genost? Leipart auf die an ihn gestellten Fragen folgendes: Frage: Wie beurteilen Sie das Bekenntnis der Unternehmer zur Republik und die Anerkennung der Arbeiterrechte im Staate? Antwort: Nach meiner Kenntnis der sührcnden Personen im Reichsverband der Deutsche» Industrie glaube ich nicht, daß ihr Bekenntnis zur Republik nur«in taktischer Schachzug ist. lherr Silverberg hat in seiner Rede mehrfach betont, dah sich bei de» Unternehmern eine ,.W andlung der Geister" vollzogen habe, und dah sie die feste Einstellung zum jetzigen Staat„nach schweren inneren Kämpfen" gewonnen hätten. Ob diese Wandlung schon endgültig abgeschlossen ist, weih ich freilich nicht. Aber ich glaube dach, dah die Erklärungen, die Herr Silverberg im Austrage des Gesamtvorstandes der Industriellen in Dresden abgegeben hat. der Ausdruck einerinneren Ueberzeugung sind. Dah diese Ueberzeugung von der Einsicht in die vorhandenen Macht- Verhältnisse eingegeben ist. scheint mir allerdings nicht zweiselhai». Der Einfluß der Arbeiterfchajt In Staat und Wirtschaft ist zu stark geworden, ats daß die Unternehmer ihn noch leugnen oder gar wieder beseitigen könnten. Ebenso ist die deutsche Republik schon so gefestigt, dah man wirklich auch von den Unternehmern ihre Anerkennung endlich erwarten durste. Silverberg hat aber, was nicht übersehen werden darf, durch seinen liinweis auf die jetzigen Bcstiinmunge» der Reichsversassung, die»ihre Aenderung in manchen gewollt oder ungewollt unklaren Punkten vorsehen," einen Porbehalt gemocht. Was damit gemeint ist, machte Silverberg durch seinen nächsten Satz etwas deutlicher, indem er von denjenigen Verteidigern der Republik sprach,»die in der Verfassung heute noch vornehmlich ein Instrument wirtschaftsrevolutionärer Ziele sehen". Also Aenderung der Verfassung, und zwar vielleicht auch des Artikels ISS, der die gleichberechtigt« Mitwirkung der Arbeiter in der Organisation der Wirtschaft verspricht? Erblickt das Unternehmertum in dieser Mitwirkung der Arbeiterschaft und in dem Verlangen der Gewerkschaften nach paritätischer Umgestaltung der öffentlich-rechtlichen B e r u f s t a m m e r n diose wirr- sitzastsrevolutionären Ziele? Ein« klare Antwort hierauf wäre für die Gewerkschaften von größter Bedeutung. Denn ich sind« es sehr ausfällig, daß keiner der Redner' in Dresden auf die Frage der Mitbestimmung der Arbeiter in der Wirtschaft auch nur mit einem Worte eingegangen ist. Auf der vorjährigen Tagung des Reichsverbondes in Köln hatte Gehelmrat K a st l den Gewerkschaften den Vorwurf gemacht, dah sie»sich nicht organisch eingliedern in die volkswirtschaftlichen Ge- samtziele", sondern sich»erschöpfen in Bestrebungen zur Erhöhung der Einkommen und zur Verminderung der Arbeitszeit". Von den Unternehmern aber sagte er, dah sie„heule weit mehr Organe der Gesellschaft" seien, ihre Führer mühten„gesellschaftlichen Blick" haben, wenn sie nicht an der Verfolgung reiner Eigenintcressen scheitern wollten. Aehnlich wie Herr Kastl in Köln hatte schon die V e r- einigung der deutschen Arbeitgederverbände In dem Geschäftsbericht für das Jahr 1924 den Gewerkschaften vor- geworfen, dah sie die nach der Währungsstabilisierung notwendig geworden«.�Umstellung auf die Probleme der Produktion" nicht vollzogen hätten, und dah sie deswegen aus dem organischen Zu- sammenhange des Volkslebens und der Wirtschaft herausgefallen seien. Die Gewertschasten haben dies» Vorhat tun- gen natürlich als völlig unbegründet zurückweisen müssen. Denn sie haben oft genug bewiesen, daß sie ml« beiden Füßen in der wlrlschasl stehen. Wir haben uns im letzten Herbst auf dem Gewertschasts- kvngreh in Breslau sehr eingehend mit den Fragen der Wirtschast besaht und mit aller Bsstimmtheit die W i rt s ch o f t s d c m o- kratie oesordert. Die Gewertschasten verlangen also, in die Volkswirlschast organisch eingegllcdert zu werden, und in der ge- samten Gewerkschaftsbewegung wird dies« Forderung seit langen Monaten eifrig erörtert. Der Reichsverband der Industrie hat hier- von auf seiner Tagung keinerlei Notiz genommen. Die Unternehmer sollen aber nicht glauben, dah diese einmütig« Forde- rung der Tewersschaften aller Nichtungen etwa durch Totschweigen abgetan werden könnt«. Frage: Stimmt die Haltung der Unternehmer überein mit ihrer Stellung zu den sozial- und lohnpolitischen Forderungen der Arbeiter? Antwort: Ueber die sozial- und lohnpolitischen Forderungen der Gewerkschaften hat Herr Silverberg sich in Dresden überhaupt nicht geäußert. Dagegen hat Herr K a st l in seiner Rede die Frage des Lohnes und der Arbeitszeit behandelt, und zwar in der gleichen Art, wie wir es von der Vereinigung und ihrem Vorsiszenden, Herrit v. Borsig, auch gewöhnt sind. Nicht durch Lohnerhöhungen, sondern nur durch erhöht« Leistungen und hierdurch ermöglichte Verbilligung der Arbeitsprodukte könne eine Stärkung der Kaufkraft erzielt werden.„Wir wollen durch eine Erhöhung der Leistungen auf der Grundlage der Werksgemeinschaft zu höheren Reallöhnen gelangen, und wir� lehnen die schematische Anwendung des Tarifsystems ab, weil usw.' Schon auf der vorjährigen Tagung des Reichsverbandes hatte Herr Kastl sich gegen die angebliche schematische Anwendung des Tarifsystems gewendet, womit er die„Gleichförmigkeit und Nivellierung der Löhne' treffen wollte. Er verlangte die Ab- stufung der Löhne nach der Leistung des einzelnen, gestand aber im vorigen Jahre zu, daß es innerhalb dieser Begrenzung nützlich sei, wenn hohe Reallöhne gezahlt würben und„damit die Kaufkraft aller Voltsschichten gehoben' werde. Ich finde also, daß Herr Kastl sich vorige» Jahr in Köln entgegenkommender geäußert hat als jetzt in Dresden. Seine jetzige Empfehlung der Werksgemeinschaft können wir doch auch nicht etwa als ein Entgegenkommen an die Gewerkschaften auf. fassen, da jedermann weiß, daß der Gedanke der Werksgemeinschaft direkt im Gegenjatz zu den Gewerkschaften steht. Einen Fortschritt erblicke ich dagegen in der diesjährigen Stellungnahme des Reichsverbaad« zum Achtstundenlog. ! Noch in seiner bekannten Denkschrift vom Dezember 1S2S hatte der i Reichsverband die Forderung aufgestellt, daß die Gesetzgebung„sich jedes schematischen Eingriffs zu enthalten' habe, daß die„betrieb- liche Regelung' im Einvernehmen mit der Belegschaft nicht durch � Tarifzwang gehemmt werden dürfe, und daß eine„internationale 1 Schematisierung' der Arbeitszeit, wie sie durch das Washingtoner i Abkommen erstrebt werde, für die deutsche Wirtschaft„selbstverständ- I lich nicht in Betracht kommen kann'. Diesen Standpunkt hat auch ' die Vereinigung der deutschen Arbettgcberverbände bisher stets ver- - treten. Demgegenüber beschränkt sich die neue Entschließung, die der Retchsverband jetzt auf setuer Dresdener Tagung ge- faßt hat, auf«ine Warnung„vor verfrühten Bindungen auf dem Gebiete der Arbeitszest'. Es wird also nicht mehr die Ratifizierung des Wafhirwtoner Abkommens überhaupt abgelehnt, sondern nur vor einer„vorzeitigen Verabschiedung' des geplanten Arbeitsschutzgesetzes gewarnt. Dementsprechend gebrauchte Geheimrat Kastl in seiner Dresdener - Rede auch die Wendung:„Die Zlmvendung des Achtstundentag« � darf nicht schematisch sein und muß sich dem Grundsatz der Be- l Messung des Lohnes nach der Leistung anpassen.' Herr Kastl 'rechnet also schon mit dem Achtstundentag und ge- braucht nur noch einmal das alt« und oft genug widerlegte Schlag- wort von der schcmatischen Anwendung. Aber er fügt« dann un« mittelbar noch hinzu:„Die betriebliche Regelung der Arbeitzeit im Einvernehmen mit der Belegschaft darf durch öffentlichen Zwang 'weder unterbunden noch gehemmt werden.' Dieser Satz scheint mir entscheidend zu sein. Er hebt die in der Eni. schllehung ausgesprochene Zustimmung zu der in einer späteren Zeit erfolgenden Ratifizierung de» Washingtoner Abkommen» wieder völlig aus. Denn wenn mit der Verabschiedung d« Arbeitsschutz- gesetzes d«r gesetzliche Achtstundentag wieder«ingeführt ist, bleibt für eine betriebliche Regelung der Arbeitszeit im Sinn« des Herrn Kastl selbstverständlich kein Raum mehr. Frage: Liegen Anzeichen dafür vor, daß die Unternehmer i bei Arbeits streitigketten au» der kundgegebeneu Sfmws- i änderung praktische Konsequenzen ziehen? > Der poetische Spaziergänger. 50. Todestage von Anastasius Grün am t2. September. Von Paul W. Eifold. Im Jahre 1831 erschien im Verlag Hoffmonn u. Campe in Hamburg ein schmales Büchlein Dichtungen, das den harmlosen Titel „Spaziergänge eines Wiener Poeten' trug, aber keinen Verfassernamen aufwies. Es enthielt«ine Anzahl im erneuerten „Nibelungen'-Versmaß verfaßter Gedicht«, die, obwohl von«cht österreichisch- potriotsscher Gesinnung, dennoch in ihrer Tendenz revolutionär waren und heftig gegen das zu dieser Zeit in Oesterreich- Deutschland herrschende System geistiger Unterdrückung rebellierten. Dieses System, der Ausdruck finsterster Reaktion nach den söge- nannten Freiheitskriegen, das mit dem Namen„Metternich' charakterisiert erscheint, gefiel sich bekanntlich in der gewaltsamen Unterdrückung jeder auch nur entfernt freiheitlich aussehenden Regung, betrieb eine geistmordende Zensur auf allen Gebieten der Kunst und suchte durch geheimes Oeffnen der Brief« seine Existenz zu rechtfertigen und aufrechtzuerhalten. Wie lächerlich sich diese Knebelung des Geistes gebärdet«, möge daraus hervorgehen, daß Lcssings„Emilia Galotti' und Goethes„Faust' überhaupt verboten waren und die„Räuber' und„Tell' sich sehr wesentllch« Aenderungen und Streichungen gefallen lassen mußten I Zudem wurde jedes Manuskript vor dem Druck geprüft und die Einführung etwa im „Auslande' hergestellter Bücher war verboten. Daß den Diktatoren der Borniertheit ein iveitverzweigtes Spitzelheer zur Verfügung stand und somit die ganze Pandorabüchs« menschlicher Semeinheit ihre ver- derblichen Dünste entließ, versteht sich am Rande. In diese muffig« Atmosphäre schlug nun, von allen Freiheitlich- . gesinnten mit Begeisterung begrüßt, das Büchlein wie eine Bombe ein. In prächtigem Impetus wandten sich die feurigen Strophen gegen alle geistfesselnden Einrichtungen des Staates und der Gesell- schaft in Oesterreich. Die Zensur, das Spitzelwesen, die„Nodderer', wurden ebenso angeprangert wie der„Mauthkordon', der die Grenzen abschließen sollt« gegen das Eindringen jedes Gedankens, der ent- sprossen fremdem. Boden, fremdem Licht". Mit Distelköpfen wollte der Dichter die Pfaffen aus dem Land„hinausbombardieren'. Ja, " ä'tjert« fogor den allgewaltigen Fürsten Metternich, der das „Prachtschiff Austria am Steuer lenkt', wie ihn das Volk anfleht' „Dürft ich wohl so frei sein, frei zu sein?', und selbst an den Kaiser wandte er sich in unechört kühnen Versen(Fürsten sind nicht immer weise...) Natürlich wurde das Buch in Oesterreich sofort oerboten. Trotz- dem aber«rtzmgte es ein« ungeheure Verbreitung. Di« Polizei fahndete eifrig nach dem Verfasser— sogar Grillparzer wurde der Autorschaft verdächtigt—. aber sie vermocht« die Anonymität nicht zu lüften, wie es auch der Verlag nicht tat. Antwort: Aus der neueren Zeit vermag Ich solche Anzeichen nicht anzuführen. In der Lohnsrage wird der an sich natürliche Gegensatz zwischen Unternehmerverbänden und Gewerkschasten auch wohl immer bestehen bleiben. Ebenso scheinen die Unternehmer ihre Stellung zur allgemeinen Sozialpolitik vor- läufig nicht ändern zu wollen, wie die Dresdener Tagung wieder gezeigt hat. Herr Silverberg hat große Klagen darüber geführt, daß Deutsch- land zu einem ,F ü r s o r g e st a a t' zu werden drohe. Auch Herr Kastl meinte, der Staat dürfe nicht immer mehr zu einer reinen „Dersorgungsanstalt' werden. Selbst Herr Duisburg erhob den Vorwurf, daß durch die Häufung der sozialpolitischen Gesetze„die schon weit geschwächt« Selbständigkeit und Sclbstveran�vortlichkeit des einzelnen immer mehr untergraben' werde. Die Unternehmer vertreten also die Ansicht, daß die sozial« Fürsorge einen moralisch wie volkswirtschaftlich gleich bedenklichen Einfluß auf Arbeitseifer, Sparsinn und rationelle Lebensweise der breiten Massen ausübe. Natürlich ist diese Ansicht falsch. Es ist bezeichnend, daß irgendwelche Beweisgründe für die aufgestellte Behauptung von keinem Redner in Dresden vorgebracht worden sind. In den sozialpolitischen Auffassungen bestehen also die Gegensätze ungeschwächl fort. Ebenso natürlich auch in den grundsätzlichen Wirtschaftsfragen, auf die ich bereit» hingewiesen habe. Frage: Wird an die Wiederaufrichtung der Zentral- arbeitsgemeinschaft gedacht? Antwort: Für die Gewerkschaften muh ich diese Frag« ver- n e i n e n. Ich glaube aber auch nicht, daß dieser Gedanke bei den Unternehmern vorhanden ist. Frage: Glauben die Gewerkschaften an die Möglichkeit, daß bei Zusammenarbeit in einer Regierung die sozialen, stcuer- lichen und wirtschaftlichen Ansprüche der Arbeiterschaft mit größerer Aussicht auf Erfolg sichergestellt werden, oder nicht? Antwort: Ich verrate kein Geheimnis mehr, wenn ich auf diese Frage offen erkläre, daß die verantwortlichen Führer der Ge- werkschasten in ihrer übergroßen Mehrheit für die praktische RUtarbeik in der Regierung sind. Wir haben die Uebcrzeugung, daß« möglich ist, die be- rechtigten Ansprüche der Arbeiterschaft durch Beteiligung an der Regierung und direkte Einflußnahme auf die Regierung»- maßnahmen erfolgreicher wahrzunehmen, als durch Be- harrung in der Opposition. Die Entscheidung über diese Frage hat jedoch die Sozialdemokratische Partei zu treffen. Frage: Kann« für die Arbeiterschaft eine Unter» wersung unter die Führung des Unternehmer» t u m s geben, wie sie Silverberg gefordert hat? Antwort: Davon kann natürlich keine Rede sein. Ich halte diese Wendung in der Rede Silverberg» auch für durchaus unlogisch. Denn wenn er, wie er es mit so großer Entschieden- Heft ausgedrückt hat, die politische Mitarbeit und Mitver- antwortung der Sozialdemokratischen Partei apstrebt, kann er irnmöglich im Ernst gemeint haben, daß wir uns der Führung d« Unternehmertums unterstellen sollen. Denn von einer Rlit- Verantwortung könnte ja in diesem Falle nicht gesprochen werden. Frage: Wie stellen sich die Gewerkschaften zu dem ge- forderten Verzicht auf den Klassenkampf, auf gemein- wirfschastliche Bestrebungen Und auf sozialpolitischen Forffchritt? Antwort: Wir lehnen natürlich jede« solchen Verzicht ab. Der gegenseitige Kampf der Klassen ist«ine ganz natürliche Er- scheinung in der kapitalistischen Gesellschaftsorganisatio» und wird von den Unternehmern ebenso wie von den Arbeitern geführt. Er hat für uns natürstch mft Klassenhaß nichts zu tun.— Was die ge-meinwirtfchaftlichen Bestrebungen anbelangt, so finde ich, daß ihr Fortschritt auf zahlreichen Gebieten unverkennbar ist, und ich glaube auch nicht, daß dieser Fortschritt a u f g e- halten werden kann. Die Gewerkschaslen werden nicht nachlassen. die Entwicklung zur Gemcinwirtschaft mii allen Kräften zu fördern.— Ueber die Notwendigkeit wetteren sozialpokltischen Fortschritts besteht in den Gewerkschaften keinerlei Meinungsverschiedenheit. Sie werden auch nicht davon ablassen, mit der wetteren Erstartnng ihrer Kräfte Me So zia-tp o lit it weiter vorwärt» zu treiben. Wer war nun eigentlich der Dichter der„Spaziergänge?' Die Enthüllung dieses Namens bedeutet« für weit« Kresse ein« Sensation. Es»ar der Graf Anton Alexander Kluerfperg, am 11. April 18(* in Lorbach geboren, der zur Zeit der Veröffentlichung der„Spaziergänge' auf feinem Schlosse Thurn 'am Hart(unweit lilgram) faß nnd vergnügt das Durcheinander, das er angerichtet hatte, betrachtet«. Schon vorher war der Dichter unter dem Decknamen Anastasias Grün an die Oeffenllichteit getreten mft den„Blättern der Liebe' und dem Zyktes„Der letzt« Ritter'. Der revolutionär« Graf als Verfasser blieb freilich lange Zett der großen Welt unbekannt, ja, selbst seinen Freunden offenbart« er sich erst spät. In kurzer Folge ließ Grün neue Dichtungen erscheinen:„Schutt', „Nibelungen im Frack'„Pfass von Kahlenberg', die, witzig und immer leicht politisierend, wohl außerordentlich« dichterische Schönheiten aufwessen, an den Erfolg der„Spaziergänge' aber nicht mehr heranreichen. Der Staatsmann und Politiker in Grün-Auerfperg trat immer mehr in fein« Rechte, der, als Dichter am 70. Geburt»- tag« noch einmal hochgefeiert, am 12. September 1876 in Graz starb, ein edler, liebenswürdiger Mensch,«in großer Baumeister am schönen Gebäude der Menschlichkeit und Freiheit. Ein Plagiator. In dem soeben erschienenen Septemberhest der„Buche r- warte' lesen wir: Im kommunistischen„Neuen Deutschen Verlag', Berlin, er- schien vor kurzem in einer Bücherfolge„Re dner der Revo- l u t i o n' als zehnter Band eine Abhandlung über August Bebel. Abhandlung ist eigentlich schon zu viel gesagt. Denn das Heftchen enthält außer fünf Seiten Vorred« nur 84 Textseiten, auf denen insgesamt 28 Zitate aus verschiedenen Reden Bebels auf- geführt sind. Als Herausgeber dieser Sammlung und Verfasser des Vorwortes zeichnet Herr Kurt Kerften. Als alte Bebel-Vcrehrer nahmen wir das Heft mit Interesse zur Hand, denn Bebels Reden sind immer packend, oft hinreißend, auch wenn sie Jahrzehnte zurückliegen. Das kindlich-naive Vorwort störte uns wenig, obfchon es groteskerweise dem Nachweis gewidmet ist, daß„Bebel einer der größten Dorbereiter des Klaffen- k a m p f e s'(!) gewesen sei, und daß— Lenin größer fei als Bebel es war! Wir beschäftigen uns hauptsächlich mit der getroffenen Auswohl aus Bebels Reden. Die meisten dieser Stellen sind ausgezeichnet, wenn sie sich auch durchaus nicht alle mit der Revolution befassen, worauf der Buchtitel schließen läßt. Aber eine Reihe der Zitate kam uns merkwürdig bekannt vor. Wir mußten sie erst vor kurzer Zeit in ähnlicher Zusammenstellung gelesen haben. Neugierig ge- worden schlugen wir deshalb das im Verlag I. H. W. Dietz Nachf. erschienene B e b e l b u ch von Franz Klühs auf, das zum zehnten Todestage des großen Sozialiften erschienen war. Dort fanden wir unsere Vermutung bestätigt. Nicht weniger als 12 der insgesamt 28 Zitate fanden wir, zum Tell mft den gleichen Ueber- Nationaliftis�es Sallfpiel. Die Hetzpresse arbeitet gegen die Verständigung. Nach den Reden Stresemanns und Briands in Genf las man in der deutschen nationalistischen Presse, Herr B r i a n d. glänzender Redner, erfüllt von ungeheurer innerer Lebendig- keit, habe einen oratorischen Triumph über S t r e s e m a n n gefeiert. In der Pariser nationalistischen Presse la» man es anders: Gegenüber der überlegten und disziplinierten pol:- tischen Beredsamkeit Stresemanns habe Briands Rede übertrieben und sentimental demagogisch gewirkt. Die deutschen Nationalisten loben den französischen Außenminister, um etwas auf Strefemann jag�n zu können, die französischen Nationalisten loben den deutschen Außenminister, um Briand herabsetzen zu können. Da dies nun so geschehen ist, beginnt die nächste Serie des Ballspiels. Die französischen Nationalisten loben Sirelc- mann, also heißt es in der deutschen nationalistischen Presse: „Frankreich mit Strefemann zufrieden!' Da seht ihr, der„Feind" ist mit ihm zufrieden, also muß er uns verraten haben! �_.. In der Pariser Rechtspresse werden wir lesen: Deutsch- land mit Briand zufrieden! Der Freund der Boches! So wirft man sich die Bälle über die deutsch-sranzoistche Grenze zu. damit der Stoff für die nationalistische Verhetzung der Völker nicht ausgehe._ Sie laufen nicht nach. Sie machen nur lange Hälse. Es kommt häufig vor, daß abgewiesene Liebhaber dem Gegenstand ihrer Neigung mit dem Revolver drohen. Die Deutschnationalen haben um die Gunst des Zentrums ge- warben, um in die Regierung zu kommen. Sie fanden kühle Absage und„freundschaftliche Ratschläge'. Nun droht die „Kreuz-Zeitung' mit dem Revolver, aber mit was für einem Revolver! Sie schreibt: Die Eventualankündigung einer grundsätzlichen Oppo- sition war wohl deshalb nicht am Platze, weil eine solche erst im Spätherbst aktuell werden könnte, wenn das Verhalten der an- deren Parteien klarer zutage liegt. Sie wird aber unseres Erachtens in dem Augenblick eintreten müssen, wo sich etwa die jetzige schwache Minderheitsregierung nachdermarxistifchenSeite hin erweitert. Sollten die Mittelpartelen die politische Lage so stark verkennen, so wird ihnen Gelegenheit gegebe» werden müssen, im oerzehrenden Feuer de» Marxismus solange zu schmoren, bis die Vcr- nunft die Oberhand gewinnt. Das mag eine Elsenbart- kur sein, zu der man sich nur schwer entschließt. Aber gegen po> litische Blindheit gibt es schließlich kein anderes Mttel. Das verzehrende Feuer des Marxismus als knackenden Revolver! Schreckliche Drohung das. die im Grunde ge- nommen auf die Ankündigung hinausläuft: wenn ihr uns nicht in die Regierung nehmt dann, ja dann— werden wir draußen bleiben., Die Sehnsucht ist groß. Aber: Die Deutschnationale Bolkspartei drängt sich nicht auf. Sie ist nicht gewillt, dem Zentrum, das ja die Entscheidung in dieser Frage mehr oder weniger in der Hand hat, irgendwie nach- zulaufen. Jede Nummer de.r„Kreuz-Zestung", jede Rede des Grafen Westarp wandelt das Leitmotw ab, wie das Zentrum. für die Regierungsteilnahme der Deutschnationalen zu gewinnen sei. Das ist kein Nachlaufen und kein Aufdrängen, gewiß nicht. Sie wollen sich nicht aufdrängen, sie wollen nur in die Regierung und machen lange Hälse— w e der Fuchs vor den Trauben. Das Aussühntngsgejeh zum Artikel 48 wird, wie das Reichs- innenminlsterium mitteilt, wenn nicht unvorhergesehene Zwischen- fälle eintreten, noch im Lause de» September oder Oktober vorn Kabinett verabschiedet werden. schriften und Titelzellen, alle aber mit den gleichen Sperrungen, gleichen Auslassungen, die durch Punkte ersetzt sind, kurz in der gleichen Auswahl und Auszeichnung wieder. Nach Feststellung dieses Dutzends völlig gleicher Zitate hatten wir die Lost zu weiteren Forschungen und Vergleichen verloren. Da» Buch von Klühs über Bebel ist 1923 erschienen. Es ist deshalb nicht anzunehmen, daß ihm die Revolutionsrednerserie des kommunistischen Berlages zur Grundlage gedient hätte. Das Um- gekehrte liegt naher. So blieb uns denn der erhebende Ein- druck, daß wir hier durch Zufall einem literarischen„Kom- mnnismus' auf die Spur gekommen waren, der in seiner Primitivität sicher sogar den Urchristenkommunismus übertrifft. Es war zwar nicht» Neues mehr, daß die Kommunisten„vcr- räterische' Ideen anderer nach Belieben ausschroten. Aber daß sie ganze Buchseiten mit allen Unterstreichungen. Kürzungen und lieber- schriften einfach abschreiben, das Ganze dann mit dem Bermerk: „Alle Rechte vorbehalten. Copyright usw.' versehen, das erschien uns doch so neuartig, daß wir hier die Frage an unsere Leser richten müssen, ob jemand uns zuverlässig sagen kann, in welcher Resolution des„Ekki' solch literarischer Kommunismus amtlich vorgeschrieben ist. Slaalstheater:„Die Räuber'. Der Regisseur P i s c a t o r glaubt, daß sich aus einem Klassiker ein guter Kintopp heraus- quetschen läßt Die Frage, ob er recht hatte und ob die Operation gelang, muß noch sehr sorgfältig untersucht werden. Die zähen Be- wunderer des tapferen und phantasievollen Regisseurs stimmten u». bedingt zu und stellten sich vor Begeisterung auf den Kops. Es ist nicht sicher, ob der Regisseur nicht auch seinen Dichter Schiller auf den Kopf gestellt hat. Doch von alledem am Montagabend. M. H. „Es geht schon besser', die Saltenburg-Reoue von S ch a n z e r und Wehlisch im Theater am Kurfür st endo mm, schwirrt« gestern vor einem ausnahmesreudigen und sehlustigen Publikum In schmissigem Tempo vorüber, ein Feuerwerk von Licht, Farbe und Melodien mit nur wenigen Versagern. Eine Leitidee verbindet sogar lose die einzelnen der 42 meist prächtigen Bilder. Ueber die leeren Stellen half stets der Schwung der Nelson scheu Musik hinweg. Die stampfenden Klänge des Paraguay-Liedcs werden morgen der Saisonschlager sein. Dgr. Staa Mich« kunslblbgolhet. Im Zusammenbanz mit der im LIchtbof de? ebcmalizen Kunstzewerbe.Mu'cum« stattfindenden AuZstellunz.?a» ffeaucnklcid in llVode und Malerei" werden in der Staallichen Kunstbiblia« tbck noch salzende zwei Vorträge Im Hörsaal. Prinz-Albrecht-Slraße 7a, veranstaltet: 13. September, abend» 8 Uhr, D r. Karl Koch: D:c Mode in derMalerei deSIg. Jabrh.; 20. September, abend» 8 Uhr, Pros. Rudolf Rosselt:.Gegenwart und Mode". Sine« Tanzabend von Efther Raparfiok(Finnland) veranstaltet da» BolkSbildungSamt-Jugendamt Prenzlauer Berg am 14., abend» 8 Ubr, in der Aula der König städtischen Ober- r e a l s ch u I«, Pastcurstr. 44/46. Ausstellung von werten dänischer ArchikeNen. Durch da» Entgegen- komme» der Königlichen Akademie der schönen Ziünsle in Kopenhagen in e» der Schrislleilung von.WaSmuth» ManatSheiten sllr Baukunst" gelungen, in ihren AuistellungSräumen Markgrasen- st r a tz e 3 t eine Schau neuer Arbeiten dänischer Architekten zu pereinigen. Die Au»steIIung ist vom 13. September ti» zum S. Ottober werftäglich von 10— S Uhr geöffnet. Der Eintritt ist von 18—«'J, llhr frei(moegea» 1 Ml.). Mentat aus Musjolmi. Bombenwurf gegen den Wagen. � Mussolini unverletzt. Rom, 11. September.(Stefan!.) Als heute vormittag kurz nach 10 Uhr das Automobil Mussolinis, der von der Villa Torlonta zurückkehrte und sich auf dem Wege nach dem Palazzo Chigi befand. den Platz der Porta Pia durchfuhr, warf ein junger Mann namens Ernesto Giovanni, von Beruf Steinmetz, eine Bombe gegen den Wagen. Die Bombe traf das Seitenfenster des Automobils, fiel danm auf die Erde und explodierte, während der Wagen seine Fahrt fortsetzte. Durch die Splitter wurden vier vorübergehende Personen leicht oerletzt, die in ein Spital gebracht wurden. Giovanni wurde sofort durch die Polizisten, die Mussolinis Automobil begleiteten, verhaftet. Giovanni, der im Jahre 1908 in Eaftelnuooo di Carfagnana geboren'wurde, erklärte, er sei an diesem Morgen vom Auslande zurückgekehrt und besitze keinen Paß. Mussolini ist gänzlich unversehrt.— Das Direktorium der faschistischen Partei richtete an die Parteimitglieder eine Botschaft, in der u. a. gesagt wird: Gott hat Italien noch einmal gerettet. Mussolini blieb unversehrt und nahm sofort seinen Platz auf der Kommandobrücke wieder ein: er befahl, daß kein« Repressalie geübt werden solle. Man muh dem Befehl des Führer» gehorchen. Die Kundgebung schließt mit den Worten: Es lebe Italien! Es lebe Mussolini! Giovanni erklärte auf der Polizei, daß er au» Frankreich eigens zu dem Zwecke gekommen fei, um das Attentat auszu- führen. Er habe in einem Cafä in der Nähe der Porta Pia die Stunde der Vorbeifahrt Mussolinis abgewartet. Giovanni trug einen Revolver mittleren Kalibers und Dum-Dum-Geschosse bei sich. * Da es unmöglich ist, direkt aus Italien wirklich zensur» freie und darum glaubhafte Nachrichten zu erhalten, müssen wir zu den römisch-offiziösen Attentatsmeldungen unseren Vorbehalt aufrechterhalten. Wir können zurzeit noch nicht wissen, ob die Bombe gegen das Auto Mussolinis bestimmt war, ihn zu töten oder ob es nicht vielleicht ihr Zweck war, Mussolini wieder einmal papillär zu machen. Es ist nicht zu verkennen, daß die Aktien des faschistischen Geschäfts in der letzten Zeit einen Kursrückgang infolge der inneren Streitig- keiten in der Faschistenpartei, wie der ungünstigen Finanzen Italiens zeigen. Wir betonen auch einem Attentat auf Musso- lini gegenüber, daß die Sozialdemokratie nach wie vor alle Akte des persönlichen oder' sachlichen Terrors verwirft, selbst wenn er gegen so brutale Gewaltpolitiker wie Mussolini gerichtet ist, der während seines ganzen politischen Lebens, sei es als Sozialist wie als Faschist, in zynischer Weise die Gewaltanwendung gegen den politischen Gegner verteidigt hat. So schrieb dieser„Duce" 1910 in der„Lotta di Classe" (Klassenkampf) anläßlich des Bombenwurfs im Theater Co- lumbus zu Buenos Aires: „Wenn eine republikanische oder eine kaiserliche oder eine bourbonische Regierung dem Volke einen Maulkorb anlegt oder«s außerhalb der Menschheit stellt, so braucht man nicht über Gewalt zu schreien, die der Gewalt antwortet, auch wenn einige Unschuldige zum Opfer fallen* In dem gleichen Blatt definierte Mussolini den indioidu- ellen Terror folgendermaßen: Sind die Terroristen Helden oder Narren? Fast immer sind e» Helden, Narren sind es nie... Man muß im Gegenteil an> erkennen, daß Terrorakte ihren Wert haben und manchmal den Beginn sozialer Umwälzungen anzeigen." Am 23. September 1911, nach der Ermordung des rufst- scheu Ministerpräsidenten S t o l y p i n schrieb Mu s s o l i n i: „Stolypin hat sein Schicksal verdient. Der Mann, der die hei- lige Geste des Rächers gemacht hat, muß verherrlich: werden." Man könnte uns entgegenhalten, daß all dies der revo- lutionäre Mussolini geschrieben habe: aber für seine Fa- schistenzeit genügt die Sammlung von Verteidigungen der systematischen Gewaltanwendung aus dem„Popolo d'Italia" unter der Leitung Mussolinis. Wir beschränken uns darauf, wiederzugeben, was Mussolini in seiner Rede auf dem Fa- schistenkongreß 1924 gesagt hat: .Ihr wißt, wie ich von der G e w a l t denke. Diese ist für mich durchaus moralisch, jedenfalls moralischer als Kompromiß und Kuhhandel." Und am 13. März 1924 schrieb Mussolini einen Artikel mit der Ueberschrift:„Tod dem Verräter!" Ob vielleicht der Attentäter aus diesen Artikeln den Entschluß zu seiner Tat gefaßt hat?... Mussolini künöigt Nache an. Rom, 11. September.(TU.) Mussolini erklärte heule nach. mittag, daß er entschlossen sei, mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln zukünftigen Attentatsversuchen ei« Ende zu bereiten. Es sei ihm gelungen, Streike zu verbieten, es werde ihm auch gelingen, die periodischen Anschläge gegen sein Leben zu verhindern, nicht wegen seiner eigenen Person, sondern um der Ruhe des Landes willen. Verbrecher am italienischen Volk dürften der gerechten Strafe nicht entgehen. Der Terror beginnt. Rom. 11. September.(Eigener Drahtbericht.) Die Gebäude der wenigen o p p o s i t i o n e H.e n Zeitungen sind bald nach dem Bekanntwerden des Attentats mit starker militärischer B e- s e h u n g belegt worden. Ob zum Schuhe gegen faschistische Heber- fälle oder au» welchen Gründen sonst, darüber wird man erst später etwas erfahren. Der Bombenwerfer wird al»„Anarchist" bezeichnet. Es wird behauptet, daß er, trotzdem er(nach Stefan!) erst IS. nach späteren Meldungen 22 Jahre zählt, schon während de» Kriege»— also als Zwölf- oder Sechzehnjähriger!— sich als„Agitator" be- tättgt habe. Ehrungen Molkenbuhrs. Zur Feier seines fiinfundsiebzigsten Geburtstages. Zum fünfundsicbzigsten Geburtstage des Genossen Molkenbuhr haben zahlreiche Arbeiterorganisationen ihre Glück» wünsche dargebracht, teilweise durch persönliche Besuche, durch zahlreiche Blumenspcnden und durch Telegramme. Ungefähr alle gewerkschaftlichen Organisationen haben Glückwünsche geschickt, desgleichen zahlreiche parteigenössische und demokratische P o l i t ik e r. Bon den vorliegenden Telegrammen erwähnen wir die folgenden: Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion telegraphiert:„Dem verdienstvollen Vorkämpfer der deutschen Ar- beiterklasse und der deutschen Sozialpolitik sendet zum fünsundsieb- zigsten Geburtstag die herzlichsten Glückwünsche." Reichskanzler Marx telegraphierte:„Zur Vollendung des fünfundsiebzigsten Lebensjahres sende ich Ihnen in Erinnerung an Ihre langjährige Zugehörigkeit zum Deutschen Reichstag herzliche Glückwünsche. Reichskanzler Marx." Der Reichsarbeitsmini st er telegraphiert:„Anläßlich Ihres fünfundstebzigsten Geburtstages gedenkt Ihrer mit herzlichen Wünschen und Grüßen Reichsarbeitsminister Dr. Brauns." Genosse Albert Thomas, der Direktor des Internationalen Arbeitsamts in Genf, telegraphiert:„Habe mit allen anläßlich der Völkerbundsversammlung in Genf anwesenden sozialistischen Freunden das Telegramm zu Ehren Ihres fünfundsiebzigsten Ge- burtstagcs unterzeichnet. Mochte dem ein bewegtes Gedenken an die mährend unserer Jugend in Deutschland gemeinsam verbrachten Monate beifügen. Möchte serner die herzliche Dankbarkeit aller aus- drücken, die mit Ihnen für die Arbeiterversicherung und den Ar- beiterschutz arbeiten, sowie für die hervorragenden Dienste, die Sie von Anfang an unserer Bewegung geleistet haben. Albert Thomas." Auch die Parteiorganisationen der Wahlkreise, die Molkenbuhr früher im Reichstag vertreten hat, haben sinnige Angebinde geschickt. ffugenberg-Nethoüe auf Reisen. Das Ausland wird angelogen. Ein Sonderberichterstatter Hugenbergs bereist Asien und be- richtet darüber im ,L o k a l- A n z e i g e r". In der indischen Hafen- stadt K a r a ch i besuchte er ein Cafö, wo er sich als Deutscher zu erkennen gab. Der Bericht über diesen Besuch sieht so aus: „Seit dem Kriege hatten sie keinen Deutschen mehr gesehen. Im Augenblick hatten mehr als zwanzig ihre Stühle herbeigerllckt und fingen an mich auszufragen und machten Augen wie Tee- tasten und dann wie Wagenräder, als ich ihnen von den großen Kanonen und den gewaltigen Flugzeugen erzählte, die wir leider nicht haben. Da leuchteten alle Augen. Ein Summen ging durch den Saal.— Ah, Deutschland! Ah, der Kaiser, Rußland, Hindenburg, Mustafa Kemal Pascha! Roch eine Weile log ich weiter. Aber das Lügen fiel mir schwer. Diese Leute glaubten wenigstens noch an etwas. Wer glaubt noch an etwas bei uns?" Der„Lokal-Anzeiger" auf Reisen. Methode Hugenberg auf Reisen. Es wird gelogen im Inland« wie im Auslands. Es wird gelogen, daß sich die Balken biegen. Und man prahlt auch noch damit. Echt„Lokal-Anzeiger". Echt Hugenberg. Freilich:„Wer glaubt noch an etwas bei uns?" Ein etwas unfreiwilliges Ge- ständnis, aber ein sehr beschämendes Geständnis. Das Eingeständnis des völligen moralischen Bankerotts. flbstbluß üer Kriminaliftentagung. Beleidigung. Feststellungsverfahren, Strafverfahren. Richterliches Ermessen. Bonn, 11. September.(Eigener Drahtbericht.) Di« Kriminalisten- tagung nahm heute ohne weitere Zwischenfälle ihr Ende. Zu betonen wäre höchstens di« persönliche Bemerkung des Genossen Dr. Kurt R o s e n f e l d, in der er gegen die gestern aufgestellte Behauptung Pros. Kohlrausch's, al» habe er in seiner Rede in der Juristischen Gesellschaft die unheilvolle Debatte über das Vertrauen zur Justiz heraufbeschworen, Stellung nahm. Genosse Rosenfeld er- klärte, daß es gerade Prof. Kohlrausch gewesen sei. dessen eigenartige Verteidigung des E be r t- U r te i l s einerseits und dessen Ausspruch über die Füll« der angeführten Fehl- sprüche— sein diesbezügliches Goethe-Zitat:„Getretener Quark wird breit, nicht stark"— zur Erwiderung herausgefordert haben. Prof. K o h l r a u f ch brach darauf In seiner Entgegnung seiner gestrigen Behauptung die Spitze ab, indem er erklärt«, daß er bereit sei. zuzugeben, daß auch er am fraglichen Abend«in« temperament- volle parteipolitische Rede gehalten Hobe. Im übrigen war der Äcrhandlungstag der Anhörung der Vor- träge des Justizrats L o w e se nst e i n- Berlin und Prof. Engel- Hardt- Heidelberg zum Thema„Wahrheitsbeweis und Wahr- nehmung berechtigter Interessen nach dem Strafgesetzbuch 1925" unter Abstimmung über di« Anträge zu den beiden Verhandlungsgegen- ständen gewidmet. Di« T hese n der beiden Referenten gipfelten im großen und ganzen in folgenden Sätzen: Die leichte Beleidigung sei für straflos zu erklären, aber das gesetzliche Strafminimum zu erhöhen. Ferner seien die leichtfertigen Beleidigungen auch dann für strafwürdig und strafbar zu erklären, wenn in ihnen berechtigte eigene, fremde oder össentliche Interessen wahrgenommen werden. Schließlich sei gegenüber der Ausstellung oder Verbreitung ehren- rühriger Behauptungen dem Verletzten, ohne Rücksicht auf ein Ver- schulden des Beleidigers eine Feststellungsklage dahin zu gewähren, daß die Behauptung sich nicht bewahrheitet habe. Das Fest- stellungsoerfa ren kann mit dem Strafverfahren nicht verbunden werden. Das Feststellungsverfahren soll be- sonderer Regelung unterliegen, u. a. dann, wenn die ehrenrührige Behauptung von einer Behörde oder einem Beamten in Ausübung seiner Amtsbefugnisse aufgestellt wurde. Die Klage wurde dann oeacn die Behörde, andernfalls gegen die Person des Beleidigers zu richten fein. Gegenüber Urteilsfeststellungen in einein Versahren, an dem der Verletzte als Angeklagter oder Partei beteiligt war, soll die Feststellungsklage nicht stattfinden. Da» Gericht soll bezüglich des Unifangs der Beweisaufnahme auf die Anträge der Parteien nicht beschränkt sein. Endlich soll auch der Presse die Mög- licbkeit gewährt werden, für sich den§ 193, der die Wahrnehmung"b e r e ch t i g t e r Interessen zubilligt, in Anspruch zu nehmen. � � zzxf, reuten fanden nur zu einem gewissen Teil die Zustimmung der Versammlung. Größeres Interesse beanspruchte die Abstimmung über die An- träge zum Thema„Ri chterliche» Ermesse n". Wie nicht anders zu erwarten war, wurde der Antrag des Genossen R o s« n s e l d u. Gen. der die Erweiterung in das richterliche Er- messen zurzeit für unzulässig erklärt, abgelehnt. Desgleichen wurden auch die einschränkenden Anträge Alsbergs- Berlin und Drucker. Leipzig abgelehnt. Zugestimmt wurde nur der festeren Umgrenzung der Tatbestände und der These, di« dahin ging, daß das Absehen von der Strafe mit dem Prinzip der Strafrechtspflege unvereinbar sei— ein Unverstand- licher Rückschritt, der mit der modernen Strafrechtstheorie unocr- einbar ist und dem Geist der JKB. ins Gesicht schlägt. Die oben angenommenen Anträge stellen sich im allgemeinen auf den Boden des Entwurfes und bedeuten ein Zugeständnis an die Erweiler»«« richterlich»» Erwesseos. Bemerkens- wert ist die Annahme des Antrages Pr o f. Hippel», der sich für die Haftung de» Täters, für die unverschuldeten Folgen feiner Tat ausspricht— auch ein Rückschritt. So trennt man sich von der diesjährigen Kriminalistentagung mit dem Gefühl des llnbcfriedigtfeins. Es ist ihr die Klärung der komplizierten Frage des richterlichen Ermessens nicht gelungen. Sie hat die Erwartungen enttäuscht. Die Nichtbefolgung des Wun- sches der Jnnsbrucker Versammlung, das Problem des Vertrauens in die Strafrechtspflege auf die Tagesordnung zu setzen, hat sich bitter gerächt._ flusschußberatungen in Genf. Verteilung der Aufgaben. Genf. 11. September.(Eigener Drahtbericht.) Die von der ersten Ikommission eingesetzte Unterkommission, die sich mit den Einzelheiten der neuen Bestimmungen für die Wahl des Rates zu beschästigen hat, einigte sich im Prinzip über folgend« Punkte: Die Dauer der nichtständigen Mandate wird auf drei Jahre fest- gesetzt. Jedes Jahr wird ein Drittel dieser nichsständigen Mandate erneuert. Im Prinzip sind die nichsständigen Mitglieder nach Ablauf ihres Mandats nicht sofort wieder wählbar. Eine Aus- nahine kann nur mit Zweidrittelmehrheit der Voll- Versammlung beschlossen werden, jedoch höchstens für drei der nicht- ständigen Mandats. Der Uebergangsbestimniung, daß ausnahms- weife die Wiederwühlbarkeit der 1929 ausscheidenden nichtständigen Mitglieder schon bei ihrer kommenden Wahl festgelegt werden soll, wurde zugestimmt. Ter norwegische Vertreter erklärte sich jedoch nur unter Vorbehalt einverstanden. Er wird zunächst noch einmal mit seiner Regierung in Verbindung treten. Man hofft, daß er dann am Montag seinen Vorbehalt zurückzieht. Als 1929 wiedcrwählbare nichtständige Ratsmitglieder kommen zunächst Polen und China in Frage. Das bisher von Dr. B e n c f ch vertretene nichtständige Mandat wird der r u m ä- nische Gefangencnmörder-Ministerpläsident Averescu übernehmen. Das bisher schwedische Mandat erhält Holland. Belgien behält sein bisheriges nichtständiges Mandat auf ein weiteres Jahr. Die Untcrkommission setzte zur Formulierung der oben gekenn- zeichneten Vereinbarungen ein Redaktionskomitce ein, das bis Mon- lag alnmd seine Arbeit beendet haben soll. Am Dienstag wird dann die Vollkoinmission sich mit diesen Formulierungen befassen, so daß am Mittwoch vormittag die Vdlkerbundsversammlung die Beschlüsse verabschieden kann. Ain M ittwoch oder Donnerstag dürfte die Wahl des Rates erfolgen. In der fünften Kommission(für soziale Angelegenheiten) be- grüßte der Vorsitzende den deutschen Vertreter, Genossen Breit- scheid, mit herzlichen Willkommenswortcn. Breitscheid wurde von der Kommission für die Vollversammlung als Berichterstatter über die russischen Flüchtlinge bestimmt. Der französische Senator Pame begrüßte diesen Beschluß und hieß gleichzeitig den Genossen Breitscheid herzlich willkommen. * V. Seh. Genf, 11. September.(Eigener Drahtbericht.) Das Re- daktionskomitce besteht aus Scialoja, Loucheur, Motta und dem Holländer Limburg. L o u ch e u r- Frankreich machte noch einen Vorstoß, um die Wahlaussichten Polen» zu vergrößern, indem er beantragte, daß abgegebene weiße Stimmzettel bei der r�est- stellung der Zweidrittelmehrheit nicht mitgezählt werden dürften, er fiel aber damit durch. Ferner wurde beschlossen, daß die Wieder- Wählbarkeitskandidaten entweder von dem kandidierenden Staat selbst oder von einer Gruppe von fünf anderen Staaten vorbereitet werden müssen. Theoretisch ist demnach alles geregelt, praktisch dürfte es aber noch erhebliche Schwierigkeiten geben. Sie sind verstärkt durch den angekündigten Austritt Spaniens. Es ist nicht zu leugnen, daß die ganze Reform des Dölkerbundrates vor ollem darum vorgenommen wurde, um Brasiliens und Spaniens, mehr noch als Polens Ansprüche zu befriedigen; jetzt, nachdem dies« beiden lateinischen Staaten ausgeschieden find, erkennt man auf einmal, daß man viel zu viel nicht st ändige Sitze geschaffen hat. Man weiß tatsächlich nicht, wie man sie eigentlich vernünftigerweise alle besetzen soll. Dies um so mehr, als drei Staaten nur auf ein Jahr gewählt werden. Und es schemt bei keinem der bi» jetzt in Aussicht genommenen Staaten die Neigung zu bestehen, diese undankbare Rolle zu spielen. Deshalb ist man neuerdings bemüht, die Länder, die nach den Vereinba- rungen ausscheiden sollten, dafür zu gewinnen, daß sie sich bereit erklärten, für ein weiteres Jahr zp bleiben: das sind Schweden, die Tschechoslowakei und Uruguay. Es wird nicht allzu große Mühe kosten, die Herren Benesch und Guani zum Bleiben zu bewegen. Aber die schwedische Regierung erklärt, daß sie an den Bestimmungen des Turnus f e st h a l t e und nach einer vierjährigen Ratstätigkeit entschlossen sei, nicht wieder zu kandidieren. Sesuche in Genf. Gens, 11. September.(Eigener Drahtbericht.) Stresemann tauschte heute Besuche mit Dandervelde, Briand und Ehamberlain aus. Diese Besuche sind als Einleitung der für kommende Woche, noch vor der Abreise Briands und Chamberlains, in Aussicht ge- nommenen Verhandlungen über die Rheinland- b e s a tz u n g und andere wichtige Fragen zu betrachten. Der Reichsaußenminister äußerte sich über das Ergebnis der Bcsprechun- gen sehr b es r i e d i g t. * V. Sch. Gens, 11. September.(Eigener Drahtbericht.) Bei dem kurzen Höflichkeitsbesuch Briands wurde nur wenig über Po- litik gesprochen; es werden ihm aber mehrere Zusammenkünfte folgen, die ernsteren Charakter haben dürften. Bedeutend länger war die Unterredung, die V a n d e ro e l d e mit Schubert hatte und an der zuletzt auch Stresemann teilnahm. Das erklärt sich schon daraus, daß Vandervelde sofort nach ihrer Beendigung ab- reisen mußte. Hier war die Unterhaltung schon wesentlich kon- kreterer Natur. Soviel kann mit Bestimmtheit gesagt werden, daß sie auf beiden Seiten einen vorzüglichen Eindruck hinterließ. Die ausgezeichneten Bcrmittlerdienste, die Genosse Vandervelde schon in Locarno geleistet hat, sind noch in bester Erinnerung und trugen zu der Verbesserung der deutsch- belgischen Beziehungen erheblich bes. Oer Athener Monarchistenputsch. Erlediflt und«ibgetan. Paris, 11. September.(Eigener Drahtbericht.) Au» Athen wird gemeldet, daß d i« Z a h l d e r O P f e r bei dem jüngsten Aus- stand über 50 betrage, die Zahl der Toten allein über 39. Ueber 12 Stunden dauerte der Straßenkampf. Es war den Ausständischen eine Zeitlang gelungen, alle Verbindungen zwischen den Regierungs- truppen und der Provinz abzuschneiden. Zahlreiche Munitlons- depots und Arsenale wurden geplündert. Mehrere hundert Offiziere und Mannschaften werden vor den Kriegsgerichten erscheinen. Ge- neral K o n d y li s soll im Besitz von D o k u me n t e n sein, die beweisen, daß die„Republikanische Garde" mit den Monarch i- st e n unter einer Decke steckte. Zahlreiche Kommunisten wurden. besonders in Athen und Saloniki, verhaftet. Die Nachricht, daß General Plastiras mit Truppen gegen Ath»n marschiere, hat sich als unrichtig herausgestellt, vielmehr hat Plastiras ein Glück- wünsch telegramm an Kondylis gesandt. E» scheint festzu- stehen, daß das ganze Komplott von der monarchistischen Partei ins Wert gesetzt worden ist. Kondylis beabsichtigt, am 24. Oktobe r allgemei ne Wahlen stattsinden zu lassen. Internationale Werbewoche. Massendemonstration am nächsten Sonntag? 3n diesen Wochen besteht der Internationale Gewertschaftsbund 25 Zahre. Dieses Zubiläum wird vom 13. bis lg. September durch eine große Internationale Werbewoche begangen. In allen Ländern der Welt demonstrieren in diesen lagen Zl> Millionen organisierte Arbeiter und Angestellte! Sie wetl- eisern miteinander, der Gewertschostsinternationale neue Scharen von Mitkämpfern zuzuführen. Arbeiter unü Angestellte Serlins! Auch ihr habt die Derpflichtung, eure ganzen Kräfte einzusetzen, alle unorganisierten werktätigen Männer und Frauen als Kämpfer sür die gemeinsame Sache zu gewinnen. An die Arbeit! Alle eure Verbände rufen euch in diesen Tagen zu werbeversamm- l'- ngen aus. Mit dem Besuch dieser Versammlungen allein ist es aber nicht getan. Unermüdlich müht ihr in euren Fabriken. Werk- statten und Bureaus und wo es immer sei, aste Fernstehenden und Gleichgültigen aufrütteln. ausNären und organisieren. Glicht» dürft ihr unversucht laffea, uasere Reihen auszufüllen! Denkt an eure elenden Löhne! Vent an die An- Denkt an eure elenden Löhne! Denkt an die Angriffe der Unternehmer gegen den Achtflunden- und a» eure Kinder! An eure Zukunft! wenn ihr oll« Mühseligkeiten und Lasten der schlechten deutschen Wirts haslsloge aus euren Schullern»ragen müht, so liegt dos nur an der Indisserenz und an der Feigheit derjenigen, die noch nicht Energie und Mut genug ausgebracht haben, sich gewerlsüzastlsch zu organisieren. Ruft alle abseits stehenden Kollegen und Kolleginnen immer wieder zusammen. weckt die Energien der Säumigen! Stärkt den Wut der Schwachen! kielst ihnen, den weg zu finden zu dem grohen Heere der Arbeit. Seht aus eure Unternehmer! Ihre Organisation und Disziplin sei euch Beispiel für euer Vorgehen. Macht, politischer Ein- fluh. wirtschaftliche Gleichberechtigung erringt ihr nur. wenn eure Organisationen groh und geschlossen sind. Am Sonnlag. den 19. September, demonstriert die gesamte gewerkschaftlich organisierte Arbeitnehmer- schaft Berlins in einer Massenkundgebung in Treptow sür die Ziele der Gewerkschaslsinlernalionale. für nalionale und internationale Solidoriläl und Kampfgemeinschofl. Die verbände marschieren zu dem Versammlungsort industrie- gruppenmeife In geschlossenen Zügen. Am 19. September muh Berlin unter dem Zeichen der ge- wertschafllichen Demonstration stehen. Gewaltig muh die Zahl der Demonstranten sein, die unter einem Meer von roten Fahnen und Bannern der Oessentlichkeit Zahl und Mach» der Gewerkschaften zeigen. Kollegen und Kolleginnen, iaht nichts unversucht, den letzten Mann und die lehtc Frau in die Armee des proletarischen ve- sreiungskampfe» einzugliedern. 3n der Werbewoche muh euer ganzes Denken und Sinnen auf die Stärkung der Gewerkschaftsbewegung gerichtet sein! Sorgt auch dafür, dah am Sonntag, den lS. September, der alte historische versammlungsplah der Berliner Arbeitencbnit. die Treptower Spielwiese, einen wasseaaufmarsch erlebt, wie Ihn Berlin noch nicht gesehen hat. Auf zur Werbearbeit sür gewerkschaftliche Einheit. Geschlossen- heil und Gröhe. sür den Internationalen Gewerkschaslsbund! Für die Verbrüderung aller Arbeiter der Welt! Allgemeiner freier Angestelltenbund. Ortskartell verlin. Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund. Ortsausschuh Berlin. Streik üer SerUtter Mühlenarbeiter. Wi« uns berichtet wird, sind di« Terliner Mühlenarbeiter am Sonnabend mittag wegen Lohnstreitigkeiten in den Streik ein» getreten Warnung vor leichtfertiger Wanderung ins Ausland. In der letzten Zeit ist es wiederholt vorgekommen, daß sich deutsche Arbeitssuchende nach dem Ausland, insbesondere auch nach der Tschechoslowakei, begeben haben, wo sie dann, da sie die gewünschte Beschäftigung nicht fanden, dezi dortigen deutschen chllssorganisationen zur Last gefallen sind. Do die letzteren den an sie gestellten Ansprüchen nicht nrehr gewachsen sind, so sind viele Auswanderer der Not preisgegeben. Es wird deshalb wiederhol« dringend davor gewarnt, dah deutsche Arbeits- suchende sich nach dem Auslände begeben, bevor sie dort eine ent- sprechende Beschäftigung gesunden haben. Die Bedeutungslosigkeit der Melden. Die gelben Möchtegerne werden in den Siemens-Betrieben be- sonders gehegt und sind hier wohl auch am stärksten vertreten, so dah sie kürzlich in ihren, Bereinsblättchcn großmäulig mit ihrer Stärke und ihrem Einfluß prahlten. Wie es damit' bestellt ist, zeigten wieder einmal die Wahlen am Dienstag und Donners- tag zu den Arbeiter- und Angestellten-Konsuinvereinen der Wer- nerwerke und de? Blockwerks der Siemens u. chalske A.-(B. Es waren fünf Listen aufgestellt. Die Wahl zeitigte fol- gendes Ergebnis: Liste I streik Gewerlichaften 7773 Stimme»=- II Werkegenieinschast sGelbe) 1078.= , III Weyer-llnion..... 2515.---- . IV Gcdag iDeulschnationale) 247. „ V Bereinig, leitend. Angrst. 520, Das Ergebnis zeigt allerdings, dah noch viel Gelbe da sind, nicht hundert Stimmen dürften diese Schädlinge der Gewerkschailen ausdringen. Die Weyer- Union, die ebenso 37 Mandate 8 IS v zu viel überflüssig wie die Gelben, konnte bei dieser Wahl auch' keine Lorbeer» ernten. Bei der Wohl zun, Gesamlbetriebsaus. schuh im Sicmens-Konzern, bei der sie bekanntlich mit den Deutichnotionalen ziiiammenging, hat sie deutlich gezeigt, wes Geistes Kind sie ist. Bei solchem Radikalismus ist es nicht ausgeschlosicn, dah sie be! der Wahl des Konjumoereinsvorftandes ihre„Einheitsfront mit den Deutschnationalcn und Gelben zu- sommen macht._ Der Orlsausschuh des ADGV. hat zum kommenden Mittwoch eine Funktionärkonferenz in den großen Saal des Lehrer- Bereinshauses, Alexanderstr. 41, einberufen. Der Bundesvor- sijzende des ADGB., Genosic Theodor Leipart, wird einen Bor- trag halten über die kulturelle und volkswirtschaftliche Bedeutung der Gewerkschaften. Zum Eintritt berechtigt die den Funktionären von ihren Gewerkschaften übermittelte Einladung nebst Mitglieds- karte.— Am Donnerstag, den 16. September, findet i» den An- dreas-Festsälen eine Gewerkschaftsversammlung der Taubstummen statt. Zum Verbands tag der Arbeitsinvaliden ersucht uns Genosse August Karsten, der Borsitzende des Verbandes der Arbeitsiiwoliden, unseren Bericht in einem Punkt zu berichtigen. Der kommunistisch« Delegierte Alfred M a t t h« s, der die Zulasiung und Begrüßung des kommunistischen Abgeordneien Buchmann verlangt«, ist nicht idmtisch mit den, Verbandsgeschäftsführer Mar Matthes, sondern dessen Bruder. Max Matthes ist Sozialdemokrat. Di« Auseinander- setzung mit Matthes bezog sich aus den erster«», nicht auf den Mit- Vorsitzenden._ Achtung, SDD. Detriebsfuukliouäre! ..Der»impf«'«r. S ist erschieue» o»d ttnn lofatt im torntttn Stüde«- ftraße ,V Zimmer in, hl Srnpfann«fttornnjen werden. Besonder» die Vertreter der Mixet. u»d»leinbetrird« werde» ersucht, d« Metcrlut adz-dote». Diese Nummer enttztiu rntchti«»» Material ist«ewerkschaftliche» Werbewachc. Da» Betriebiselrrtariat. Nchtunft. Bezirksamt gricdrichshain: Am Montag, den 1Z. Sep. temder. nachmitraa, 1 Uhr. an der dekanntcn Stelle Nonferenz aller SBD.-gunklionäre. Erscheinen aller Senofsen uiibedinat erfarderlich. Der Zrattion»>»>rsland. griscnrgedilfe»«nd-gedilsinnen! cheut«, Sonntag, nachmittag 5 Uhr in chaverland» sZetisitten. Neue iZriedrichstrafte. Eingang Rochstraß«, Werdeadend der Hachadteilung. »erbeauolchuß der Post- and Telegraphenbematen»nd-anwörter. Morgen. Montag, abend 8 Udr in Havcrland, isestsllen. Reue ssriedrichstra4e. öffentlich» Postbeamdennersammlung. Wichtige Tagesordnung. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Deutscher Bangewerksbund. Zachgruppe Stuck,»ad Sipaban. Morgen, Man- tag. abend 7 Ubr im Dresdener Saline. Dresdener Str. 98, Milgliederverfamm- luna. Bollziidiige» Erscheinen der Kollegen ist notwendig. Mitgliedsbuch l»gi- timiert, ohne dasselbe kein Zutritt. Die Fachgruppenleltung. Verband der Sattler. I-pezierer»ad Borteseuiller. Zu einer»sfentlichen Generalversammlung sind all« organisierten und unorganisierten Berufs- tolleginnen und»toNkgen zu morgen. Montag, abends 1 Uhr.«ingeladen. „Die Entwieklung, die Bedeutung und die Aufgaben der Gewerkschaften." Die Ortsverwaltnng. jsreie Semeitfchaftsingend. Montag, den 18. September, abend» 7>4 Uhr, im Sitzungssaal des Melollorbeiterverbande». Linienffr. 88—85. Zusammen- tunkt der Grupvenleitungrn. 1. Wesen und Werden des Internationalen Ge- wertfibatisbundr,. 2. Das«ewertschaftsfesi. S. Mitteilungen. Erscheinen aller sZunktionäre ist Pflicht. sZuntüonLrlort« und Mitgliedsbuch legitimiert. Gemeinde, und Staatsarbeixr de» 3. Bezirk, lWedding). Dienstag, den 14. September, abend» 7 Uhr, wichtig« dffenNiche Bezirksversammlung IN der Schulaula Pankstr. 17.„Die wirlschaftlich« Lage der städiischen Arbeiter und Angeslellten." Reierent Sladtv. Kolleg« Gnadt. Die Bezirksleitung. Bcranlwortlich für Politik: Dr.«»rt»«v'! Wirtschaft: Art«, Satcr»«,-, Gewerttchattsbeweguna: 3. Steiner: IeuillCon: Dr. John Schikawaki: Lokale» und Sonstiges: isritz Karstadt: Anzeigen: rh. Glaile: sllmtlich in Berlin. Bcrlaa: Borwärts-Verlag G. m. b. S.. Berlin. Druck: Lorwärts-Buchdruckirel «nd v-rlags-nstalt Paul Singer u. Co. Berlin EW 68. Lindensirahc 3. Bier»» 4 Beilagen...Unterhaltung-nd Willen"»nd..«u» der tkilm-Welt". II-: SK5PM815'- BERLIN C* SPAN DAUER STRASSE* KÖNIGSTRASSE Gttrdinen-Verttauf zu extra bllliaen Preisen Garäinenstoffe Tüllgardinen Tn"Z.. M, 030 Tüllgardincn s|rt\..M.. 1.25 EtamineiTfS.»..... M..0.60 Mull r.......». 0.75 iVlädrSS dunkelgrundig, 4 A /"N indanthrenfarbig, c«. 130 cm Mtr. A•jC\J Gardinen- Vorlagen ----- 0.50 0.75 1.10 Halbvorhänge Halbvorhang 0.90 Halbvothang äÄ™ 1.85 Halbvorhang SrÄ.'„ 3.90 Halbvorhang � FL 6.00 Halbvorhang Eumin« mit Q'rc GrobfiUt-Ornnmcnten u. Höhlt. O» l O Halbvorhang Q OC haarigenrbeiteten Ornamenten.£/o>£0 Halbvorhang Lumisa mit r\f\ breitem Filet-Frie« u. Spitie. Iv.UU Halbvorhang tt«min« mn« a antik. Fol in Grobfilal...... X* aU U Halbvorhang£•■■»»• mit o ceboomm FiUt-Frie»«.Spttm ZU. UU Elfenbeins. Garnituren Garnitur gewebt Tüll....... I.SO Qamitnr.. 2.60 Garnitur gewebt Ton....... 6.75 Garnitur 5.50 Garnitur 9.75 Garnitur 11.50 j Etamine-Querbehängc buntfarbig, gewebt» mit Fransen. 0.901 Buntfarbige Garnituren Garnitur 2.50 Garnitur fZ« 8.50 Garnitur 12.00 Gamitn, 12.00 Madras-Dekoration mod. Form m. Perlposunenten l�.UU Messing-Garnitur»r Gardine«. 150 cm lang, komplett mit n QC 10 Ringen.................. �>»00 DIMMNMIsilNUIsllMUwMIUItMUlMsiMMIsNMMsilNINtti'ftttlllftMII« |Vier StocKwerKe Möbel| | Einrichtungs- Haus i iBa»ondar«( Einpang Kinigctr. 7| Bettdecken Bettdecke aus gewebtem Teil für 2 Betten 7«00 für 1 Bett 3*33 Bettdecke Etamine mit Mittelstück für 2 Betten 3«23 für I Bett 3*00 n,.,, Etaminc mit DettdeCRe Filet-antique-MitteUtück für 2 Bett 12*30 für I Bett 9*7 3 ister-Garnituren a llivorliange -Bettdecken zur Hälfte des Preises Diwandecken Gobelin geuiebe 1A 7Z Verduremuster. 140x280 cm X�* l O Gobelingeutcbe 1ö OC Persermuster. 150x300 cm...XO*d�O Mohärplüsch gewirbelt in vielen Farben, schwere Qualität. Oö 150x300 cm............... Zt/.OU Wollmokcttcrt».»«. kw. � r fvrv g«lia», Vorduiwn. ttw, 00X300 c«*•-). UU Steppdecken Steppdecke doppelseitSatin 4 7 d Handarbeit, 150x200 cm.... 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Es sind fast 25 Jahre verflossen, seitdem der Stuttgarter Gewerkschastskongreß im Jahre 19l>2 die C i n s ü h- r u n g einer Arbeitslosenversicherung forderte, einer Arbeitslosenversicherung, zu der die Unternehmer auch ihr Teil bei» zutragen hätten. Das war damals eine utopisch« Forderung, die in einem nichtsozialistischen Staate zu oerwirklichen kaum möglich schien. Schon damals mußten manche Berufe«ine monatelange Arbeits- losigteit als.Berufsrisiko" tragen. Nur die von den Gewerkschaften selbst gezahlle Unterstützung sicherte den davon Betroffenen während dieser Zeit wenigstens ihr notdürftiges Auskommen. Der ungeheure Aufschwung, den die Gewerkschaften nach dem Kriege nahmen, er. möglichte die Durchführung der Arbeitslosenfürsorge. Aber noch immer wird vom Unternehmertum gerade gegen diese Einrichtung Sturm gelaufen, und immer wieder halten es die Herren für nötig, den Staat liebevoll vor„zu weit getriebener sozialer Fürsorge" zu warnen. In Wirklichkeit sind die Sätze doch kaum hinreichend, um den notdürftigsten Lebensunterhalt zu sichern, und es bedarf eines unablässigen Drängens der organisierten Arbeiterschaft zum weiteren Ausbau der Unterstützung. Das ist eine Forderung, die weit über das persönliche Leben des einzelnen hinaus Bedeutung hat: denn mit einer im Lumpenproletariat oersinkenden Arbeiterschaft baut man keine neue Welt auf. Aber noch ist der Holt, den die Erwerbslosen- Unterstützung dem langfristigen Arbeitslosen gewährt, so schwach, daß es kaum begreiflich erscheint, wie dieser Strohhalm in dem Mahlstrom der Wirtschaftskrise eine Hilse fern kann. Und doch halten sich daran viele Tausende lange Monate.... Morgen aber können weitere Tausende hineingerisien sein. Darum sollten sie heute schon sorgen, daß sie einmal einen besseren Halt finden, heute schon begreifen, daß der Arbeiterschaft nur eins übrig bleibt: organisatorischer Zusammenschluß bis auf den letzten Mann, bis auf die letzte Frau, die im Er» werbsleben steht! Auf dem Arbeitsnachweis drängen sich die Alten und die Jungen, und neben dem klassenbewußten Arbeiter, der gegen alle.Instanzen" sein Recht aus menschenwürdiges Leben verficht, steht der unorgani» sierte Alte, der die Zeit nicht mehr begreifen kann, der Unorganisierte, der noch nicht sieht, daß er mit eigener schwacher Kraft machtlos ist und daß engster Zusammenschluß da» Einzig« sst, was dem Proletariat heute übrig bleibt. der Nlte. Ein großer alter Mann: schneeweiß da» Haar, peinlich sauber ist der„gute Anzug". Ach. er hatte sich heut so gut zurechtgemacht, wie es irgend möglich war, denn ihm war heute Arbeit in Aussicht gestellt worden. Plakate sollte er tragen, den ganzen Tag, vielleicht zwei, drei Wochen lang, und ihm war die Arbeit bestimmt versprochen worden, dreimal schon war er zu dem Unternehmer hinausgefahren. und er und vier andere alte Männer hatten alle anderen Arbeits- losen unterboten.-- Ja, unterboten! Aber die vier Mark und fünfzig Pfennig täglich wären für ihn ja ein Königreich ge- wesen, dafür hätte er gern seine alten Knochen durch Sonne, Wind und Regen geschleppt!— Und nun hat, weil der Unternelchier so spät anrief, eine andere Gruppe die schöne Arbeit bekommen--- und des alten Mannes Stimme bricht vor Schmerz, bittere Träne» springen aus seinen Augen--- Sechsundsechzig Zahre ist er alt: seit dem 21. Zonuar 1925 aobeilslos. d. h. einmal fand er durch einen unerhörten Glücksfall eine Aushilfsarbeit, die sogar ein ganze» Dierteljahr anhielt..?ür sich und seine Tochter(sie sst 34 Jahre alt) bekommt er Ii M. Erwerbslosenunterslühung wöchentlich. 27 M. wären für die Zweizimmerwohnung ohne Mietzinssteuer zu zahlen, aber zum Glück wohnt ja noch sein Sohn mit(frau und Kind hei ihm. Der Sohn hat nach eurer Arbeitalosiglat von eurem halben Jahr den kühnen Sprung gewagt und— sich selbständig gemacht. Run ist er fliegender Wursthändler, arbeitet Schicht mir seiner Frau, und dabei oerdienen beide einen ganzen Taler am Tag... Und an dem halben Tag. an dem die Frau am Wurstkessel steht und Vater und Sohn noch einem Eelegenheitsoerdienst nachjagen, betreut die Schwachsinnige des jährige Kind... Der Atte ist steif, ist unge- wandt und findet nicht den Weg, um irgendeine Extraumerstützung für sich und die schwachsinnige Tochter zu erreichen. Die soziale Fürsorge aber findet niemand, der Alle Tag für Tag auf dem Nachweis. nicht sucht: und so sitzt der Oer Junge. Er ist zu alt. Denn er sst schon 24 Jahre oft, und in diesem vorgeschrittene» Lebensalter findet ein Hausdiener aus der Kon- scktionsbranche keine Stellung mehr, wenn er Tariflohn beansprucht. Welcher Unternehmer wird denn 38 M. wöchentlich geben, wenn ihm eine jüngere Kraft dieselbe Arbeit für 22 M. leistet? Also ist er seit dem 1. August 1925, seit über emem Jahr, arbeitslos, nur einige Aushilfen hat er gehabt. Er wohnt bei dem Vater, hat für sich, Frau und. Kind ein Zimmer, für das er 29 M. monatlich zahlen soll. 16.35 2iL kriegt er Unterstützung. Davon kann er die Miete nicht zahlen, der Vater verdient bei Siemens 122 M. monatlich und kann die Wohnungsmiete nicht allein ausbringen. Befreiung von der Mietzinssteuer wurde ihm abgeschlagen. Für das Kind gibt die Säuglingsfürsorge täglich% Liter Milch. 8 bis 10 M. zahlt er dem Dater, um dem die Miete etwas zu erleichtern. Der Rest der Unterstützung reich« kaum zum Leben für die drei: al» die Eni- bindung bevorstand, war für Kindeimäsche kein Geld da... Da ging er zur Zentrale für private Fürsorge", um seiner Frau vor ihrer schweren Stunde doch die Sorge vom Herzen zu nehmen. Schließlich kam auch eine Recherchentin, bedauerte die Lage der Familie außerordenttich und oersprach, Arbeit zu verschaffen: der Arbeilslosc solle nur noch dem Arbeitsnachweis der nationalen Der- bände gehen. Er hatte den Mut, abzulehnen, selbst als er eine Karte dieses Arbeitsnachweises erhielt, in der ihm sofort Arbeit in der Knorrbremse in Aussicht gestellt wurde, er solle nur einmal kommen... Auch das Wohlfahrtsamt wollte ihm Gartenarbeit vermitteln, für täglich 3 M.i und als er ablehnte, dafür zu arbeiten, fand man, daß er nun auch die begehrten Stiefel wohl entbehren könne.— Ein Jahr arbeitslos: wie lang« wird er es noch aus- hallen? Auch er kämpft gegen den Drachen der. Wirtschaftskrise mit den alten Waffen des organisierten Proletarier«... möge er viele Kampfgenossen finden! Das Menetekel der Arbeitslosigkeit. Eine„Stempelkarte". Arbeitsnachweis Berlin Portiers u. Fahrstuhlführer Elngrfrjfrn«m: y Kontn>n-;4f voter und Rind. Der kleine Junge ist den Gang zur Gormannstraße schon ge> wohnt, denn valer nimmt ihn immer mil, damit er an die Lust kommt. Den weiten Weg von der Frankfurter Allee her laufen sie, und Mutter zieht dem Jungen den Anzug an, den einzigen voll- ständigen Anzug, den er besitzt: richtig„wohlhabend" sieht er dann aus, und fest fußt er Vaters Hand bei dem Spaziergang, der des Kindes einzige Erholung ist: die.Landpartie" nach dem Arbeitsnach- weis. Wie ist der Etat dieser Familie?— Der Dater ist seit dem 31. August 1925, also seit einem Jahre, arbeitslos. Drei Kinder. Das älteste, 9 Jahre, ein Stiefkind: dafür zahlt das Wohlfahrtsamt 12 M. monatlich Unterstützung. Für Mann, Frau und die beiden anderen gibt es 13,70 AI. Unterstützung. 20 M. kostet die Wohnung, Stube und Küche. Das Bengclchen ist 4 Jahre, das Jüngste 1� Jahre alt. Täglich gibt es einen Liter Milch vom Wohlsahrts- amt. Die Familie legt Wert daraus, zu den„ordentlichen Leuten zu gehören, es ist kein INietsrücksland, die 12 M. werden immer für die Miete zurückgelegt. Wie wirtschaftet die Frau, um die fünf Mäuler satt zu machen?—„Manchmal gibt es in der Woche auch Fleisch, das kocht meine Frau mit Gemüse, dann essen wir abends das Viertelpfund Fleisch als Belag!— Und die Kinder essen jetzt immer Margarinestullen mit Birnen, die sind jetzt ja billig..." Spielend hebe ich den kleinen Bengel hoch und erschrecke, als ich ihn in steifem Arm hoch über meinem Kopf schwenke: durch den sauberen dünnen Waschanzug fühle ich die Rippen. 27 psund wiegt der vierjährige Junge...„Die Neunjährige ist nur einen halben Kopf größer: viel schwerer ist sie auch nicht!" meint der Vater. Er hat nicht mehr viel Hoffnung, dauernde Arbeit zu bekommen: er ist schon 43 Jahre alt:.und die Gelegenheitsarbeit, die ich früher bei Leuten aus der Gegend hatte, hat ganz aufgehört: ich mache alles, aber es hat ja niemand Geld!" Wie lange werden es die Kinder wohl noch aushalten?" Auf der letzten Tagung des Reichsverbandes der deutschen In- dustrie warnten die gewichtigen Herren auch vor einer„zu weit gehen- den Ausgestaltung der sozialen Abgaben". Und das auf der gleichen Versammlung, die eine Anerkennung der Macht der organisierten Ar- beiterschaft brachte, freilich mit dem deutlich merkbaren Bestreben, dieser Macht Schranken zu ziehen und sie soweit als möglich zu ent- mutigen. Nun ziehe man einmal die Summe aus den oben ange- führten einfachen Rechenexempeln und beantworte dann die Frage: Wie würde das„soziale Verständnis" des Unternehmertums sich wohl auswirken, wenn der Druck der organisierten Arbeiterschaft dein Staat nicht wenigstens dieses Mindestmaß von sozialer Fürsorge abzwingen würde, wenn diese Herren die„überspannten" Sozial- lasten nach eigenem, uneingeschränktem Belieben abspannen dürsten? — Und das Resultat dieses Exempels, richtig gerechnet, zeigt jedem Proletarier: Solidarität bis zum Letzten, engster Zusammenschluß, das ist das einzige, was der Arbeiterschaft heut übrigbleibt— um ihrer selbst, um ihrer Kinder willen! Seit fast einem Jahr arbeitslos J Die Iöee. Wenn eine Erscheinung des Lebens zwei Menschenalter hindurch allen Stürmen trotzend sich zu immer besserer Gestaltung durch- gerungen hat, muß die Idee, die ihr zugrunde liegt, eine gute sein. Wahrlich— das gilt in vollkommenster Weise von der Gewerkschasts- bewegung, die in den Dezennien, seitdem die neuere Regung in der Arbeiterschaft sich zu zeigen begann, in allen Kulturländern festen Fuß gefaßt hat und so weit erstarkt ist, daß sie ein Faktor im polittschen, sozialen und Kulturleben geworden ist. Der grundlegende Gedanke: all« für einen und einer für alle— diese- echteste Menschlichkeit ausstrahlende Idee muß auf jeden arbeitenden Menschen faszinierend wirken. Der einzelne, der nur sein« Arbeits- kraft in die Wagschale zu werfen hat, gleicht dem Strohhalm, der vom Winde, den die kapitalistische Ordnung erzeugt, hin- und her- getrieben wird— die Gesamtheit der Arbeitsgenossen der Garbe, die sich dem Windhauch kräftig entgegenstemmt. So ist es begreiflich, daß politisch« Arbeiterbetätigung und gewerkschaftliches Zusammen- halten fast zu gleicher Zeit geboren wurden. Für Berlin hat Genosse! Eduard Bernstein in seiner trefflichen„Geschichte der Berliner Ai»' beiterbewegung" auch diese gewerkschaftliche Seite gestreift. Das Jahr! 1868 ist der Zeitpunkt, der sich für die Ausbreitung der Idee ergibt., Die damals noch sich wichtig nehmenden Fortschrittler suchten die Bewegung unter den Arbeitern nach dem Vorbilde der damals un- politischen englischen Trades-Unions sür sich einzusangen: diesem. Treiben gegenüber schien es der Leitung des„Allgemeinen Deutschen Arbeiter-Vereins" notwendig, den sozialistischen Standpunkt zu offen«! baren. Zwar lehnte der Derein— gegen eine sehr starke Minder- heit— ab, die Veranstaltung eines„Arbeiterkongresses zur Be-i gründung von allgemeinen Gewerkschaften" zu berufen, doch wurde! Schweitzer und Fritzsche gestattet, von sich aus einen solchen Kongreß!! zu veranstalten. Die Versammlungen, in denen in Berlin die Dele- i gierten gewählt wurden, ergaben meist Mehrheiten für solche Ar- s beiter, die als Sozialisten bekannt waren. Nur die Maschinenbauer! wähtten zwölf auf eine Resolution des Fortschrittlers Max Hirsch oerpflichtete Delegierte. Der Kongreß wurde am 26. September 1868 im Vauxhall-Etablissement, Berlin, Dresdener Straße, eröffnet. In-> folge von Meinungsverschiedenheiten über die Bewertung der Dele--! giertenstimmen begann der Kongreß stürmisch, bis Schweitzer dien fortschrittlichen Delegierten ausschloß. Die Zurückbleibenden zählten� 206 Delegierte aus 110 Orten, die 142 000 Arbeiter vertraten- 1 Berlin hatte 27 Delegierte, die von 5412 Arbeitern gewählt waren- j Der Effekt der Beratungen war, daß auf dem Kongreß sich zehn< Organisationen konstituierten, von denen drei(Schuhmacher-, Bäcker-�.; Buchbinder-)Vereine ihr Präsidium in Berlin hatten. Trotz des Evti folges des Kongresses gingen die Organisationsarbeiten nur sehr � langsam von statten.„Die gewerkschaslliche Organisation der Ar--' bester", so schließt Bernstein sein Lapstel,»sollte noch lange zu rui j Die Tpphllseplöemie in Hannover. Bedenkliche Ausbreitung.— Bereits über 4:00 Fälle. Hannover. 11. September.(Eigener Drahtbericht.) Die Typhus» epidemie hat wieder erhebliche Fortschritte gemacht. Ilm Sonnabend mittag waren bereits über 400 Fälle in den Kranken- Häusern bekannt, einschließlich derjenigen, die der Einlieferung harrten. Ständig fahren die Automobile der Feuerwehr vor den Gebäuden der Krankenhäuser vor. Die Betten der städtischen Kronkenhäuser waren wiederholt ausnahmslos belegt. Maßnahmen, die in aller Eile von der Stadtverwaltung zur Unterbringung der Kranken getroffen wurden, zeigten sich immer wieder als unge- ntigend. Zuletzt war man gezwungen, die in der Genesung besind- llchen andersartigen Kranken rigoros aus dem Krankenhaus zu ent- lassen und sie zur endgültigen Besserung in ihre Wohnungen zurück- zutransportieren. Diese Halbgeheilten bedürfen teilweise der Krankenhauspflege noch dringend und mußten nur der Not ge» horchend zurückgeführt werden. Um dem Andrang von Kranken- transporten zu genügen, hat die Stadt nunmehr eine Schule in der halleahorstflraße unmittelbar gegenüber dem krankenhau» 1 räumen lassen. Die Schule wird sofort mit 200 Betten belegt. Die amtliche Bekämpfung der Seuche beschränkt sich zunächst auf die Zmpsung der Angehärigen der kranken. Von hannoverschen Aerzten wird un» verschiedentlich versichert, daß die den Krankenkassen und Aerzten gemeldeten Fälle fast alle aus Linden und aus de�S ü d st a d t stammen, also au» dem Versorgungsgebiet der berüchliglen Bicklinger Wasserwerke. Da» Ricklinger Ueberschwemmungsgebiet und die Verseuchung der Wasierbrunnen rücken mit dieser Tatsach« wieder in den Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion. In einigen Straßen de» Stadtteils Linden sind teilweise noch keine Kanalisationsanschlüsi« vorhanden. In jener Gegend steht das Grundwasier oftmals höher als die Gruben für die Sbwäsier. Sollten da Zusammenhäng« mit dem verdorbenen Wasser bestehen? Amiliche Darstellung der Ursachen. Nach einer telegraphischen Meldung der Regierung in Hannover betrug, wie dem Amtlichen Preußischen Pressedienst aus dem Volks- wohlfahrtsministerium mitgeteilt wird, am Sonnabend mittag die Zahl der Typhuserkrankungen 270, von denen bisher 3 tödlich ver- laufen sind. Als Ursache der Erkrankung ist wahrscheinlich die Infektion eines der drei Hannover mit Wasser versorgenden Wasserwerke anzusehen. Bereits vor mehreren Wochen wurde anläßlich zahlreicher plötzlich auftretender Magendarmerkrantungen festgestellt, daß da» Wasser dieses Werks eine Zeitlang eine hohe Keimzahl aufwies. Aus Anlaß dieser Erkrankungen wurde eine Reihe verdächtiger Brunnen aus der Förderleitung ausgeschaltet und für einwandfreie Funktion der bereits bestehenden Chlorierungsanlage Sorge getragen. Seitdem ist das Wasser der betreffenden Walserleitung wieder einwandfrei. Das preußische Wohlfahrtsmini st erium hat im An- schluß an diese Vorkommnisse die Landesanstall für Wasser-, Boden- und Lufthygiene mit einer Nachprüfung der Verhältnisse an Ort und Stelle beauftragt, die bereits vor einiger Zeit erfolgt ist. Die Landesanstalt hat die von der Regierung in Hannooer getroffenen Maßnahmen in vollem Umfange gebilligt. Offenbar ist aber vor mehreren Wochen gleichzeittg mit dem Eindringen von Keimen, welche die Magendarmerscheinungen bedingten, auch ein Ein- bruch von Typhusbakterien in die Leitung erfolgt. Das Inkubattonsstadiuni, d. h. die Zeit von der Aufnahme der Jnfektions- erreger ab, dauert bei Typbus 1— 3 Wochen. Infolgedessen kommt die vor mehreren Wochen erfolgte Infektion erst jetzt zum Ausbruch. Die eigentliche Infektionsquelle ist aber durch die be- reit» vor mehreren Wochen getroffenen Maßnahmen beseitigt, und es ist nicht anzunehmen, daß sich zurzeit noch Keime in der Wasserleitung befinden. Immerhin muß mit weiteren Erkrankungen gerechnet werden, da es möglich und in gewissem Grade sogar wahr- scheinlich ist, daß die Krantheitskeime vor einigen Wochen von zahl- reichen Personen aufgenommen worden sind. Insbesondere muß auch mit Kontaktfälllen gerechnet werden, d. h. mit solchen Erkrankungen, die durch Berührung mit den setzt Erkrankten ver- ursocht sind. Es ist von den Behörden alle» geschehen, um das Auf- treten derartiger Kontakttnfektionen zu vermelden. Soweit die Isolierungsstationen in den einzelnen Krankenhäusern nichi aus- reichen, wird für Bereitstellung geeigneter Absonderungsräum« in Schulen usw. Sorge getragen. Das Wohlfahrtsministerium hat zur Unterstützung der örtlichen Medizinalbeamten einen weiteren Me- dizinalrat und zur Unterstützung des Bakteriologischen Untersuchunas- amt» einen weiteren Bakteriologen sofort nach Hannover entsandt. haben, bi» sie es zu dauernd kekstung»Mlgen Schöpfungen beucht«, bis sie völlig festen Boden unter den Füßen erhielt. Wechselfälle aller Art standen ihr bevor. Aber sie war jetzt da, und, obwohl noch ein« junge Pflanz«, sollte sie bald die polittsche Bewegung auf ein« bisher noch zu keiner Zeit erreichte Höhe emportragen helfen." Wenn heute der Gesamtzahl der Mitglieder der zur Richtung Amsterdam zählen- den Gewerkschaften, etwa 17?l. Millionen, die kommunistische Rich- hing 7K Millionen gegenüberstellen zu können erklärt, so hat sie davon über 6)4 Millionen allein in Rußland durch die Gewatt zur Gefolgschaft gezwungen. Die freiwilligen Mitglieder in den öst- lichen Ländern machen also nur einen verschwindenden Bruchteil aus. Der Spaltpilz ist dem Siechtum verfallen. Allen aber, den Freien wie den Unterdrückten, leuchtet die Idee der Selbsthilfe als das Symbol des werktätigen Leben» vorau»: „Alle für einen und emer für alle!" Großfeuer auf Staötgut Laute. «ine Scheune eingeäschert.— Brandstiftung? Ein Großfeuer entstand gestern nachmittag auf dem städttschen Gut Lank« bei Bernau, und legte in kurzer Zeit eine etwa 70 Meter lange massive Scheune in Asche. Die Scheune, In der erhebliche Mengen Getreide und Stroh lo- aerten, liegt inmitten der Wirtschaftsgebäude und Stallungen des Gutes. Gegen 1 Uhr nachmittags sahen Gutsangestellte aus der Scheune Rauchschwaden aufsteigen. In einem Teil der Scheune war aus bis- der noch unbekannter Ursache Feuer ansgebroclien. Die freiwil- ligen Feuerwehren von Lank«, Bernau, Biesenthal und Lade- bürg wurden alarmiert, die aber nicht rechtzeitig zur Brandstelle gelangen konnten, da ein Teil der Wehren mit den Mannschaften gleichfalls mit der Ablöschung eines großen Scheunenbrandes auf dem Gut Kellmühle bei Biesenthal beschäftigt waren. Au» diesem Grunde mußt« die Berliner Feuerwehr um Hilfeleistung er- sucht werden. Zwei Ueberlandmotorspritzen in Begleitung von Brand- direktor Hammer begaben sich unverzüglich nach Lanke. Das Vach- � gcbälk der Scheune brannte bereit» lichterloh und die freiwilligen Feuerwehren schienen der Macht des entfesselten Elementes gegen- über machtlos. Da es von vornherein ausgeschlossen erschien, von der brennenden Scheune etwas zu retten, muhte alles Augenmerk auf die Wirtschaftsgebäude und Ställe gerichtet werden. Durch In- tcnsives Wassergeben aus vier Rohren größten Kali- bers der Berliner Motorspritzen und fünf Rohren der freiwilligen Feuerwehren gelang es wenig- st en s, dieGefahrdesUebergreifenszu verhindern. Mit großein Getöse stürzte schließlich die Scheune ein. Rur die Um- kassungsmauern, schwarz verräuchert und durch die gewaltige Hitze stark brüchig geworden, ragen noch hervor. Aeusterst schwierig ge- staltete sich die Wasferbeschaffung. Da s Wasser mußt« aus einem ziemlich entfernt liegenden Bach entnommen werden, so daß lange Schlauchleitungen nötig waren. Die Hauptgefahr war gegen 6 Uhr abends beseitigt, die Aufräumungsarbeiten dagegen zogen sich noch bis in die späten Abendstunden hin. Die glimmenden Korn- und Strohvorräte mußten von den Mannschaften ausein. andergerissen werden, um«in neues Auflodern zu verhindern. Es liegt der Verdacht nahe, daß Brandstifter am Werte waren. Die Landgendarmeri« ist mit den nötigen Ermittlungen betraut worden und hat bereits Untersuchungen nach verschiedenen Rich- wngen hin angestellt. * Borken, 11. September. In der Gemeinde Gemenwirthe (Regierungsbezirk Münster) ereignete sich«Ine schwere Brand- katvstrophe. Aus bisher noch unbekannter Ursache entstand in dem Anwesen eines Landwirt» ein Brand, der in kurzer Zeit Wohn- hastÄ, Scheune und Stallungen vernichtete. Die im Schlafe liegenden Bewohner mußten erst durch Rufe der herbei- gceilten Nachbarn geweckt und auf die Gefahr aufmerksam gemacht werden. Während es dem Ehepaar und sechs Kindern gelang, sich zu retten, kamen drei Kinder im Alter von 6. 7 und 12 Jahren in den Flammen um. Ein Knecht konnte sich nur durch einen Sprung au» einem Fenster des zweiten Stockes retten; ein z w e i t e r K n e ch t, der in der abgebrannten Scheune geschlafen haben soll, w i r d n o ch v e r m i ß t. Die drei Kinder fand man am Morgen vollkommenoerkohlt auf. Don den Nachbarn konnte das meiste Vieh und ein Teil des Mobiliar» gerettet werden, während sämtliche Ackergeräte ein Raub der Flammen wurden. 8-, Die Figurantin. Roman eines Dienstmädchen» von Leon Frapie. Autorisierte Uebersetzung aus dem Französischen von Kunde-Grazia. Als ich nicht sogleich antwortete, umarmte sie mich unter heißen Tränen, und es übte auf mich eine ganz eigene Mr- kung aus: das war gut, mütterlich; ich fühlte wie einen Schutz. Da sagte ich zu... Und ich fand ein Hau», das jedem andern gleich— außer, daß der Herr in meine Kammer in der Sechsten jede zweite Nacht beinahe kam. Und wenn wir allein waren, die Frau und ich, dann warf sie sich plötzlich an meinen Hals und umarmte mich weinend, ihr ganzer Körper wurde wie von Krämpfen durchschüttert.* Die Normannin richtete, nur vom Hemd bekleidet, vor dem Spiegelschrank Ihr Haar, goldschimmernd fiel es über did Schultern, die erhobenen Arme zeigten einen rosigen Hauch. j Ahr üppiger Körper war von so großer Schönheit, daß Su- lette sich aufrichtete und auf den Rand des Bettes setzte. „Ziehen Sie sich doch aus/ sagte das schön« Mädchen, „was kann das Ihnen hin, wenn man zusieht I Man hat Sie zur Unterhaltung hierher gebrocht, für den komischen Teil des Schauspiels/ In Wirklichkeit hätte Sulette nicht gewagt, neben dem . weißen und üppigen Leib ihrer Gefährtin den armseligen, j bräunlichen und leidenden Körper unter der gleichen Decke auszustrecken. „Sind Sie lange in dem Hause, von dem Sie sprachen, geblieben?" fragte sie. „Achtzehn Monate— dann ist die Frau in«in Sana« wrium der Provinz, wider ihren Willen, glaube ich. gebracht worden. Der Herr bot mir sofort an, meine Kammer in der Sechsten zu verlassen und das Schlafzimmer zu beziehen. Aber, ich weiß nicht, das flößte mir eine abergläubische Furcht >«in, die Wohnung beängstigte mich, wie wenn ein Gespenst j darin umginge. So oft ich allein war. hatte ich Furcht. Furcht ! wie«in Kind,«in Bangen, hinter die Türen, hinter die Schränke zu blicken. Einmal, da war ich überzeugt, die Frau müßte sich in einem dunklen Raum, ganz hinten in der Wohnung erhängt haben, ich bin mit einem Licht nachsehen gegangen... Schließlich konnte ich das nicht mehr ertragen: ich hatte meinen Lohn bekommen, da ließ ich in Abwesenheit de» Herrn meinen Koffer fortschaffen und bin weggelaufen/ Die Normannin verlöschte das Gas. und sich neben Su- lette unter die Decke legend, sagte sie noch: „Ist da» drollig! Bon dem Tage an, wo die Frau mich nicht mehr umarmte, machte ich mir Vorwürfe und es vider- strebte mir ganz und gar. den Herrn zu zerstreuen/ Die Banpolizei wartet. Man sagt, daß die Baupolizei nicht mit sich spaßen läßt, sondern unerbittlich auf die Durchführung Ihrer Anordnungen besteht. Doch auch auf sie läßt sich der Satz anwenden, daß nicht alles so heiß ge- gessen wird, wie es gekocht wird. In Berlin-Südost liegen Bewohner des Hauses Lausitzer Str. 83 im Kampf mit dem Eigentümer des Grundstücks Lausltzer Str. 22, der einen Pferdestall durch offene Fenster nach Lausitzer Str. 23 entlüftet. Die Düste, die dem Stall entweichen, und die Fliegen, die von ihm ausschwärmen, sind begreiflicherweise ein« arge Belästigung für Nachbarn. Be- wohner von Lausitzer Str. 23. die unter dieser Plage leiden, haben die Baupolizei angerufen und haben erwidert, daß diese Behörde den Eigentümer von Lausitzer Str. 22 zur Beseitigung der in der Brandmauer angebrachten gensteröff- nungen aufforderte. Mitte Juli teilte die Baupolizei das Wh Beschwerdeführern mit, aber auf«Ine erneut« Eingab« ungeduldi- ger Mieter antwortete sie, die dem Eigentümer gestellte Frist zur Beseitigung der Fensteröffnungen müsse zunächst ab g e w a r t e t werden, bevor weiteres veranlaßt werden könne. Im Hause wird erzählt, daß die Frist mit Mitte August abgelaufen sei. Obwohl seit sener ersten Mitteilung setzt schon zwei Monate vergangen sind, hat ssch noch Immer nicht, geändert— und noch immer wartet die Baupolizei. Mit ihr warten die geplagten Be- wohner von Lausltzer Straße 23, nämlich darauf, wann endlich die Baupolizei lange genug gemattet haben wird. Anscheinend ist der Eigentümer entschlossen, Mieter und Baupolizei noch recht lange warten zu lassen und Himmel und Hölle in Bewegung zu setzen. um die Durchführung der baupolizeilichen Anordnung abwenden zu können._ Konzert des Könistsberqer VolkschorS. Der gemischte C�or de» Vo l k« ch o r» Königsberg gab gestern abend im großen Saal der»Reuen Welt", Hasenheide, ein 82. Sulette unternahm die Reise an einem Sonntag. Ihr gelber Teint, die seltsam leuchtenden Augen, die dunkle Fülle der von flatternden Löckchen umrahmten Haare gaben ihr das Aussehen einer Zigeunerin. Sie trug anstatt der Frisur ein Tuch auf dem Kopf; das ausgebesserte, geflickte, von der Abnutzung entfärbte schwarze Kleid war vorn lächerlich kurz und schleppte hinten nach. Sie fürchtete sehr, daß die zerrissenen, absatzlosen Schuhe sich nicht von Paris trennen wollen. Sie lief ohne Unterbrechung bis zur Avenue de la Grand-Armee, wo sie sich auf eine Bank zur Seite des Fahrdamms setzte, weil so wenigstens die spöttische Heiterkeit der Radfahrer ein Weilchen jene der Fuß- gänger ablöste. Der Frühling brachte im Bannkreis von Paris unauf» hörllch Kirmessen an den Sonntagen mit sich. Nachdem sie noch ein großes Wegstück zurückgelegt, dann auf einem Steinhaufen sich ausgeruht'hatte, wo sie den letzten, vorsorglich mitgenommenen Bissen Brot verzehrte, sah sich Sulette gegen zwei Uhr nachmittags mitten unter vergoldeten Masten, Fahnen, venezianischen Laternen und Rosengirlanden für Faschingsochsen. Ein Fest versperrte die Landstrahe... die Orgeln der Karusselle begleiteten all die Belusttgungen. Schon bewegte sich die Menge in Staubwolken und im Brodem von Ge- backenem; die Restaurationstische breiteten sich bis zur Fahr- straße aus. In der Nähe der Schießbuden, wo mit Pistolen geschossen wurde, gab es eine Atmosphäre von Tabak, Alkohol und Heldenmut. Sulette beeilte sich, aus dem Gewühl herauszukommen. aber plötzlich blieb sie beunruhigt stehen: ein pomphafter Auf» zug marschierte, den freien Raum völlig versperrend, ihr ent» gegen. Riesengroße Schilder in Fleischton setzten sie in Kenntnis: man feierte offiziell die Trauung eines Rosen» Mädchens, die am selbigen Abend vollzogen werden sollte. Da» Rosenmädchen hatte die Aussteuer empfangen, die dazu antrieb, die Keuschheit als Ersparnis anzulegen und Herzenssachen nach dem Tarif zu berechnen. Nach der Feier. lichkeit der Derabfolgung auf dem Rathaus und in der Kirche sollte das Rosenmädchen, von ihrem gesetzmäßigen Eigen- tümer geleitet, auf ollen Wegen der Gemeinde einer möglichst großen Anzahl von Menschen gezeigt werben. Dann würde ein Bankett, bei Essen, Trinken und Absingen anregender Lieder, die Stimmung des Paares erhöhen. Endlich sollten sich das Rosenmädchen und ihr Gatte zur behördlich festge» setzten Stunde nach Haule begeben, und wenn das Zubett» gehen der Braut bewerkstelligt wäre, im selben Lugenblick, in dem der Begattung, würde symbolisch ein Feuerwerk zu Gastkonzett. Der Chor ist Mitglied des Deutschen«rbeiter-Sänger- blindes. Selten wohl hat ein Konzett von auswöttigen Arbeiter- sängern In Berlin«inen so großen Erfolg gehabt. Di« Königsberger können ssch nicht über den Empfang in Berlin bettogen, man nahm ihr« Votträge begeistett auf, vieles mußte wiederholt werden. Be- reit» vor Beginn de» Konzerte» waren die meisten Plätze besetzt. Und der Chor verdient da» Interesse, da» man ihm hier bei uns entgegenbrachte. Im Grunde bedeutet das Gastspiel eine« wenn auch noch so renommietten Chores au» der Provinz immer ein Wagnis, man ist hier an gute Leistungen gewöhnt. Die Chöre de» Arbeiter- Sängerbundes haben in Berlin durchaus Niveau, manch« können überhaupt jede Konkurrenz aufnehmen. Worin ssch die Königsberger auszeichnen, ist vor allem die Ausgeglichenhett der Stimmen und der ausdrucksvolle Vortrag. Der Dirigent Erwin F e u st e l legt auf ein zartes Piano den Hauptwert. Sehr schön und innig darum der Ansang des Haslerlchen Liedes„Feinslieb, du_ hast mich g'fangen". Und von diesem Piano aus weiß Feustel überzeugend zu steigern, es gibt bei ihm keine plötzlichen Uebr-rgänge. Er läßt allmählich die Stimmen wachsen: dadurch erreicht er den Eindruck, al» ob die Besetzung de» Chor» größer sei, al» sse tatsächlich ist. Die Technik und Virtuosstät des Chors zeigte ssch besonders in Or- lando di Lasso» Chor.Echo" in der Ruancleruna der Stimmen. Im ganzen ein Konzett, da» durchaus weltstädtischen Charakter. trug. Man kann den Königsbergern für da» Gastspiel dankbar sein. Im Anschluß an das Konzett fand ein festlicher Empfang der Königsberg«? Gäste durch die Berliner Bundesgenossen statt. Sezltt»blrdung»av»schaß«roß-?ttNn. Nächste Theater» orstellunq am Sonntag, den Li. Ottoder, nachmittags 3 Uhr In der volksbiihn« am«ülowplatz. Zur AnWhrung gelangt dle Komödie.Shstltrata" von Leo Grelner lnach AristopbaneS). Preis der Karte einschließlich Kleiderablage und Ibeaterzettel l,L0 M. Karten sind in allen bekannten Ver« kausSstellen und im Bureau des BezirtSbildungSauSschusseS, Lindenstraße S, 2. Hos XI, Zimmer 8, zu haben. Ehren der Jungfräulichkeit abgebrannt werden. Nach dem mehrfachen Ansturm bescheidener Feuerkörper sollte«ine riesige Siegesrakete am Himmel emporsteigen und den Funkensamen ausstreuen. Die leuchtende Märzsonne hatte etwas von der remen Freude des lachenden Kindes. Zur Rechten war dort die Mauer eines Kuhstalles, dessen Rückseite mit dem Straßen» rand abschloß, und zur Linken, ttefer liegend, ein mit dem Kot von Paris gedüngtes Feld, in dem tausend Scherben aus der dunklen Erde aufblitzten. Bon der Magerkeit Sulettes hob sich die natüttiche Last wie ein Aushängeschild ab, und diese schreiende Mutterschaft ließ den Jammer des Körpers, des Gesichts, der Kleidung noch mehr hervortreten. Der Zug kam näher. Sulette drängte sich dichter an die Mauer des Stalles, der Sonnenschein folgte, an ihrem Leibe hafteyd, dahin. Und plötzlich erhob sich aus der Menge, die die Feier der Moral in Aufregung versetzte, ein Geschrei roher Lustigkeit. Da gab es keine Täuschung: man hatte eine Land» streicherin vor sich, die ihre körperliche Unförmigkeii doppelt strafbar machte. Diese Bettlerin trug in ihrem schamlosen Schoß irgend etwas Ungeheuerliches, würde bald eine ent- setzliche, widernatürliche Handlung vollbringen: sie war schwanger, würde bald niederkommen! Jede einzelne Abteilung stellte die Tatsache von sich aus fest. Da war die stolze Verachtung des Rosenmädchens, das dem Herrn Bürgermeister den Arm gab, und die erstickte Wut dieser Magistratsperson. Dann brachen Personen mit Ehren- zeichen in spöttische Rufe aus: „Ah, das ist gut, wirklich! Bon wettem dachte ich, sie will die Trommel schlagen!"— ..Ein Faustschlag würde genügen, um das Kaninchen rauszubringen!" Aber die �Empörung herrscht« vor. „Hu! hu!" schrien rohe Stimmen,„wirst du machen, daß du weiterkommst!" Dle Patronatsdamen, die an diesem Abend, im Augen» blick, als die sieghafte Rakete aufftieg, schmachteten und die Augen verdrehten— denn der Ehemann war ein hübscher Bursche—, machten sich in entrüsteten Bewegungen Luft und einigten sich mit lauter Stimm« über folgende Punkte: es genüge nicht, die Tugend hervorragend zu ehren, man müsse auch das Laster durch große Veranstaltungen öffentlich brand- marken, um den Unterschied zu zeigen. Eine Schar Straßensungen schloß sich dem Zug« on. Ein großer, vergnügt dreinschauender Mann drehte sich um; et war ein Spender milder Gaben für die Mohltätigkeitskassen der Schulen.(Fortsetzung folgt.) Gefrierfleisch unentbehrlich! Weitere Freigabe für die September-Einfuhr. Trotz der schnellen Verbreitung, dir das Gefrierfleisch in Deutsch- land gefunden hat, ist sein Anteil an der Fleischoersorgung noch recht gering. Von dem gesamten Fleischoerbrauch im Reich, der nach einer Berechnung des Statistischen Reichsamts für 1S24 und 1925 auf 26,46 und 29,42 Millionen Doppelzentner geschätzt wird, beträgt der Gefrierfleischanteil 1924 3,85 Proz. und 1925 4,20 Proz. Der Verbrauch der Bevölkerung beträgt für die beiden Jahre 42,60 und 47,09 Kilogramm an Fleisch überhaupt, wovon nur 1,65 und 1,98 Kilogramm Gefrierfleisch waren. Um die Frage des Ler- brauch» von Gefrierfleisch in Preußen im einzelnen zu klären, hat das Preußische Statistische Landesamt an zahlreiche Gemeinden Umfragen gerichtet. Die Hauptfrage,.Wird Gefrierfleisch in nennenswertem Um- fange verbraucht?� wurde dabei von 54 Gemeinden be» j a h t, von 50 verneint. Von diesen 50 Berichtsorten hatten 27 überhaupt noch keinen, oder keinen Gefrierfleischhandel mehr (Februar 1926). Die Städte mit größerem Verbrauch liegen meist in di cht besiedelter Indu st riegegend, während im land- wirtschaftlichen Osten und Norden infolge des größeren und billigeren Frischfleischangebots das gefrorene Fleisch gar nicht, oder nur in ganz geringen Mengen von der Bevölkerung verlangt wird. Nur sechs von den 54 Städten mit nennenswertem Gefrierfleischverbrauch liegen östlich der Elbe, nämlich Berlin, Stettin, Stralsund, Breslau, Görlitz und Weißwaffer. In den mittel- und oftdeutschen Städten wird Gefrierfleisch im allgemeinen erst seit Herbst 1925— dem Beginn der zollfreien Kontingentierung, aber auch der Wirtfthasts- krife— gehandelt. In den westlichen Gemeinden dagegen hat sich der Gefrierfleischgenuß schon bedeutend früher eingebürgert, zum Beispiel 1918 bis 1920 in Wiesbaden. Barmen, Esten, Köln. Biele» feld, Hamm(Wests.), 1921 bis 1923 in Hannover, Münster i. W., Bochum, Hagen i. W., Dortmund, Frankfurt a. M., Duisburg. Düsseldorf. Aachen. Ein beständiger Gefrierfleischverbrauch findet in 34 von den etwa 100 Gemeinden statt, und zwar fast ausfchließ- lich in w e st l i ch e n I n d u st r i e o r t« N. Die wachsend« Arbeitilosigteit fft je noch den örtlichen Verhältnisten die Ursach« für den gesunkenen oder gestiegenen Verbrauch an Gefrier- fleisch. In Städten mit Bevölkerungsschichten von niedriger Kauf- krast mußte die größere Arbeitslosigkeit die Kaufkraft weiter schwächen, so daß sie nicht einmal mehr für da» billigere Gefrier- fleisch ausreichte. In anderen Gemeinden, deren Bewohner bisher meist in der Lage waren. Frischfleisch zu kaufen, wandte sich der Verzehr dem Gefrierfleisch zu, da die durch die Arbeitslosigkeit ge- schwächte Kaufkraft nicht mehr zum Bezug von Frischfleisch aus- reicht«. Ein bemerkenswertes Ergebnis der Umfrag« ist, daß der Derbrauch auch gegenwärtig noch stark davon abhängt, ob die Be- uölkerung gelernt hat. das Vorurteil gegen die Gefrierfleisch. Nahrung zu überwinden. So berichten einzelne Gemeindebehörden, daß der Gefrierfleischhandel aufgegeben sei, da trotz der mehr- maligen Versuche die Bevölkerung nicht zum Kauf zu bewegen wäre. Das Mißtrauen gegen das neue ausländisch« Nahrungs- mittel wird oft nur von einzelnen Bevölkerungskreisen geteilt. Beamtenschaft und Arbeiterbevölkerung, die einzigen Abnehmer für Gefrierfleisch, sind regelmäßige Verbraucher des Gefrier- fleische». » vor einigen Tagen wiesen wir darauf hin, daß neuerdings bereit» wieder ein« Knappheit an Gefrierfleisch zu ver- zeichnen ist. well das Reichsernährungsministerium seine Zusage, ab Juli monallich zehntaufend Tonnen Gefrierfleisch zollfrei zur Ein- fuhr zuzulasten, nicht eingehalten hatte. Erfreulicherweise hat man den Beschwerden nun doch Raum gegeben. Au? � dem Reichs- ernährungsministerium wird uns mitgeteilt:/ l' .Für das dritte Kolenderviertestahr 1926 ist entsprechend den ursprünglich für die Zeit vom 1. Oktober 1925 bis 30. September 1926 geltenden Grundsätzen eine Menge von 21 00 0 Tonnen Gefrierfleisch verteilt worden. Anfang Juli d. I. hat Minister Dr. Haslinde im Reichstag zugesagt, in Zukunft rund 10 000 Tonnen monatlich zollfreien Gefrierfleisches zur Verfügung zu stellen. Dem- entsprechend ist für das dritte Kalendervierteljahr noch ein Zusatz- t o n t i n g e n t von 10 000 Tonnen oerteilt worden, so daß ins- gesamt 31 000 Tonnen für die genannte Zeit zur Verfügung standen. Auf die Vorstellungen aus Verbrauchertreiscn, daß in der zweiten Junihälfte eine Knappheit an zollfreiem Gefrierfleisch eintreten werde, ist seinerzeit allerdings erlaubt worden, daß die für das dritte Kalendervierteljahr ausgestellten Berechtigungsscheine auch schon in der zweiten I u n i h ä l s t« in Anspruch genommen werden. Dabei war die Erwartung berechtigt, daß aus natürlichen Gründen in den darauf folgenden Sommermonaten der Gefrier- fleischverbrauch zurückgehen würde. Bereits Anfang September machten sich jedoch Anzeichen dafür geltend, daß diese Erwartung sich nicht erfüllen werde. Die sogleich vom Minister angeordnete Prüfung der Verhältnisse hat ergeben, daß an manchen Stellen aus- reichende, wenn nicht überreichliche Mengen an Gefrierfleisch zur Verfügung stehen, daß aber in einer Reihe anderer Städte. darunter auch Berlin, die Gefriersleischvorrät« noch vor dem 1. Oktober zu Ende gehen dürsten. Mit Rücksicht aus den mutmaßlichen Iuniverbrauch aus dem Kontingent des dritten Vierteljahres ist daher jetzt für den September ein Ausgleichs- kontingent in Höhe von 5000 Tonnen erteilt worden.� Da» Ministerium macht damit einen Fehler gut, der nicht be- gangen zu werden brauchte, wenn man rechtzeitig oorgeforgt hätte. Wie notwendig die Erweiterung des Kontingente» ist, geht daraus hervor, daß manche Berliner Fleischer infolge mangels an Angebot ihren Gefrierfleischbedarf nicht decken konnten. Die Berliner Fleischer fordern daher aufs neue diegänzlichezollfreieZu- l a s s u n g von Gefrierfleisch zur Einsuhr. anstatt de» bisherigen Kontingentssystem». Ei« Bootshaus deS Reichsbanners. Mit einer sehr ansprechenden Feier weihte bei prächtigstem Detter das Berliner Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold gestern das neue Bootshaus seiner Wastersportabteilung in Köpenick-Wenden- schloß ein. Man iah Bezirksbllrgermeister Kohl, die Stadträte Brühl und D i t t m e r, Regierungsrat Meyer, Ministerialrat Haentzschel u.a. Oberbürgenneister Böß hatte sein« besten Wünsche überbringen lasten, mit der große Freude erweckenden Zu- sage, nach seiner Helmkehr ein Boot zu stiften. In Vertretung des Polizeipräsidenten war Major Limberger erschienen. Der Gau- Vorsitzende Fritz Koch hielt die Weiherede und betonte, daß das Reichsbonner nicht daran denke, einen eigenen Sportbetrieb zu er- öffnen. Aber der Drang der Jugend nach körperlicher Betästgung sei so stark, daß er nicht allein durch Aufmärsche und Bannerweihen befriedigt werden könne. Man müste ihm in anderer Weise nach- geben. Wenn das Reichsbanner also hier eine Wassersportabteilung eröffnet, der sehr wahrscheinlich bald auch andere in W a n n s e e und Erkner folgen werden, so tue es das, um den republikanischen Staatsbürgern, die sich den unmittelbaren Schutz der Republik durch das Reichsbanner als Aufgabe erkoren haben, im Rahmen des Reichsbanners Gelegenheit zu körperlicher Betätigung zu geben. Diese Gruppen sind nichts weiter als gewistermaßen sportlich« Vorschulen, von denen in späteren Jahren die gereiften jungen Leute in die anderen Sportvereine übergehen werden. Weiterhin hat die Wastersportabteilung die bedeutsame Aufgabe, auf den märkischen Wasser st raßen ganz anders, als es bisher ge» schehen ist, die F a h n e d e r R e p u b l i k zu zeigen. Die bisherigen Leistungen der Wastersportabteilung unter Leitung de? Kameraden Leistungen der Wastersportabteilung oerdienen Dank. Der Redner schloß mit einem begeistert ausgenommenen dreifachen„Frei Heil!" für Vater- land, Republik und Schroarz-Rot-Gold. Unter Trommelwirbel wurde dann ein neuer großer, von der Fahnenfabrik Fischer gestifteter Ver- bandswimpel gehißt. Mit herzlichen Begrüßungs- und Glück- wünschen nahm sodann Bezirksbürgermeister Kohl vom Bezirksamt Köpenick Gelände und Gebäude der Wasferfportabteilung in die besondere kommunale Obhut. Es gehört, so sagte er, Be- kcnnermut dazu, um heutzutage aus dem Wasser unsere Farben zu zeigen. Wenn aber jeder, der innerlich bereits zu dieser Fahne steht, sie auch nach außen hin zeigt, dann würden wir bald überall Schwarz- Rot-Gold sehen. Möge die Zeit nicht mehr fern sein, wo wir auf Seen und Meeren die E i n h e i t s f l a g g e Schwarz- Rot-Gold sehen. Dann schloß sich eine Besichtigung des neuen, sehr oesällia ausgestatteten Bootshauses an, das bereits heute etwa fünfzig Boote birgt und noch für weitere hundert Raum hat. In dem anheimelnden und gemütlichen Klubhaus blieben die Ka- meraden und Gäste in anregender Geselligkeit noch bis in den späten Abend hinein beisammen. Eine Büchnerstraße. In den Straßennamen einer Stadt drückt ein Stück Geschichte sich aus. Die Herrschaft der Monarchen und ihrer Hoffähigen ist vorbei. Vorbei ist auch die Benennung von Straßen nach Helden des Schwertes(die nicht selten das Gegenteil von Helden waren). Es mehren sich die Benennungen von Straßen nach Männern, die in der monarchischen Zeit geächtet waren. Im Verwaltungsbezirk Pankow hat das Bezirksamt einem Beschluß der Tiefbaudepu- tation zugestimmt, für die noch unbenannte Straß« 57 nach dem Dramatiker Büchner den Namen„B ü ch n e r st r o ß e' zu wählen. Das Bezirksamt hat serner den weiteren neuen Stroßenbenennungen zugestimmt. Es sollen heißen: a) die zwischen Neukirch, und Jdunastraße in Berlin-Heinersdorf gelegene Verbindungsstraße von Heimdall- bis Kronprinzenstraße„H e l g e st r a ß e", b) in Nieder- schönhausen und Nordend: Straße 34(nach dem nördlich dieser Straße befindlichen Rollberg)„Am R o l l b e r g", Straße 114(nach Gut und Schloß Dammsmühle am Mühlenbecker See).Damms- mühler Straße". Das billige Obst.' Wir haben in Nummer 427 unseres Blattes die billigen Preise veröffentlicht, zu denen der Großhandel Obst und Gemüse oerkauft, und unserer Verwunderung darüber Ausdruck gegeben, daß der Konsument an diesen Preisen gemessen einen lOOprozentigen Aufschlag bei den Kleinhändlern zu zahlen hat. Aus Klein- händlerkreisen wird uns nun mitgeteilt, daß die oeröffent- lichten Preise durchaus den Tatsachen entsprechen. Es handelt sich hierbei aber und zum allergrößten Teil um minderwertige(?) War«, die ein Käufer, der Wert aus Qualität legt, nicht abnimmt. Die böhmischen Pflaumen z. B. seien bitter und hätten meistenteile durch den langen Transport und durch das Lagern gelitten. Die Birnen werden gewöhnlich so verpackt, daß obenauf gute Ware liegt, daß aber nach der Mitte und nach unten zu die Qualität sich oerschlechtert. Gerade das letztere wird durch die Praxis, durch'die Erfahrungen, die der Käufer vielfach beim Straßenhandel macht, bestätigt; aber während der Verbraucher gewöhnlich sachkundig genug ist, sollte der Gemüse- und Obstkleinhändler, d?r doch die Praxis des Großhandels kennt, auf derartige Methoden kaum hineinfallen. Uns will es scheinen, als ob hier doch etwas faul beim Kleinhändler ist. Vielleicht liegt es daran, daß der Umsatz bei vielen nicht groß genug ist, daß also der absolute Verdienst zu gering ist als daß hierauf der Kleinhändler sein« Existenz aufbauen kann und daß er sich dadurch durch einen größeren Aufschlag auf die Umsatzeinheit schadlos hallen muß. Wetterbericht der SffenMchen Wetterdienststelle für Berlin. sNachdr. derb.) J6t Berlin: Noch warm. Bewölkungszunahme, jedoch noch keine erheblichen Regensällc.— Für Deutschland: Nordwesldeutschland cliva» Mkilblung und leichte Regensäll«, sonst weiterbin warm, jedoch in Süd- und MjtleldeuIIch. land von Westen nach Osten sortschreitende Bewölkungszunahme. Jn�Südd»� dentschland weiterhin war»». -ir ■HS Alßertheim LEIPZIGER PLATZ föSÄ KÖNIGSTR. ROSENTHALER STR. MORITZPLATZ WiMsK�U Verkauf Sardinen Wetfren Teppiche Darunter; Holbvorhange kariert Etamine, m. gewebt«D.. Tüllfuß......... Jbi" gewebt Tüll, mit Blumen- korb-Moti?....... Etamine, m. Filet-guipure- Motiv, Spitze und Einsatz gewebt Tüll, Rosenmuster mit Volant....... 550 Etamine, mit Fiiet-antique- Motiv u.VoIant..... Etamine, mit Filet-antique- Motiv, Klöppel-Eins., Stück gewebt Tüll, Vogel-Motive und Volant....... Etamine, starkfädig mit Filet-Motiv u. Spitze, Stck. Bettdecken kariert Ctamine, mit Tüll-. Motiv. Eins. u. Vol., 165/200 �90 kariert Etamine, mit Filet-£* guipure-Mot.u. 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Bei den Verhandlungen hatte man den Unterhändlern der„Schag* zu verstehen gegeben, daß eigentlich dos Baugelände sür.ver- m ö g e n d e Leute vorgesehen sei". Die sachlichen Ein- wände, die man brachte, waren, dreigeschossige Bauweise und den Bau an unfertigen Straßen nicht zu gestatten. Des weiteren wollte die.Gehag" in dem Baugelände Platz für einen Untergrundbahnhof lassen, der projektierten Verlängerung der Dahlemer Untergrundbahn nach Zehlendorf-West. Gegen diesen Teil des Projekts wandte sich Zeblendors, weil die Verlängerung der Untergrundbahn nicht nach Zehlendors-West, sondern nach Zehlendors-Mstte gehen müsse. In dem Bauprojekt war vorgesehen, die dreigeschossigen Bauten in Straßcnlängen von 160 Metern auszuführen. Hiergegen wandte sich das Bezirksamt, weil ein« solche Bauweise.völlig den Eindruck von Straßen der Innenstadt mache". Der Hauptgrund der Ab- l e h n u n g des Bauvorhabens war, daß die„Gehag", mit einer Ausnahme, ihre Bauten an nicht vorhandenen Straßen ausführen wolle. Di« Zehlendorfer Bauvorschriften oerbieten aber den Bau an unfertigen Straßen. Die„Gehag hat dem Bezirksamt Zehlen- darf einen Straßenbauoertrog unterbreitet, durch den der Straßen- bau geregelt werden sollte. Schließlich hat das Bezirksamt Zehlendorf mit Kriminalbeamten und Schupos zu verhindern ge- wüßt, daß die bereits angefangenen Arbeiten der„Gehag" weirer- geführt wurden. Die.Gehag" hatte sich darauf beschwerdeführend an die Gutachterkom Mission des Berliner Mo- g i st r a t s gewandt. Diese Kominission hat einen B e r m i t t- lungsvorschlag ausgearbeitet, über den gestern im Beisein der Baukommission, von Vertretern der Polizei, des Bezirksamts, des Wohlfahrtsministeriums und des Oberpräsidenten verhandelt worden ist. Der Einiglingsvorschlag, der wahrscheinlich sein« Annahme finden wird, bestimmt, daß die dreigeschossige Bauweise nickst aus- geführt werden darf. Auch der vorgesehene Baublock an der pro- lektierren Untergrundbahn muß verlegt werden, und in den 160 Meter langen«traßen muß,.um die Monotonie zu verhindern". die Gliederung der Front geändert werden. Der Einigungsoorschlag ist ein Kompromiß zwischen den Anschauungen der neuzeitlichen Architekten Bruno Taut und Dr. Martin Wagner und den aslhetischen Wünschen des Zehlendorfer Bezirksamts. Durch die Spezialwünsche des Zehlendorfer Bezirksamts verteuert sich nunmehr der Bau(weil ein Geschoß fehlt) um 40 0 0 00 M. Wir brauchen aber billige Wohnungen sür die arbeitende Bevölkerung, und es kann dem noch immer sehr exklusiven Zehlendors gar nichts dort auch einmal einfache schlichte Wohnungen schaden, wenn einfache Leute erstellt werden. sür fMMW� e p b berg vernichtete in der Nacht zum Donnerstag ein Großfeuer sieben Bauergehöfte mit sämtlichen Wirtschaftsgebäuden. Der Schaden ist nur zum Teil durch Versicherung gedeckt. Nur dem Umstände, daß der Wind während des Brandes umsprang, ist es zu oerdanken, daß nicht das ganze Dorf abbrannte. Starke Nachts röste. Auf den Höhen der Eiset ist ein starker Temperatursturz eingetreten. Das Thermometer sank in den letzten Nächten bis auf 4 Grad unter Null. Wiesen und Felder waren mit Reif bedeckt. Einem der ältesten Parteiveteranen, dem in Berlin-Ost tätigen Genossen Wilhelm Bartels, der im Hause Große Frankfurter Straße 21 wohnt, gilt heute unser Gruß und Glückwunsch..Vater Bartels", wie er in Parteikreisen genannt wird, vollendet am heu- tigen Sonntag sein siebenundachtzigstes Lebensjahr! Er kann auf ein Leben voll treuer Arbeit für die Partei zurück- blicken, und noch jetzt läßt er, ein Muster und Vorbild für die Jüngeren, in seinem Bezirk keinen Zahlabend, keine Mitglieder- Versammlung und keine Flugblattoerbreitung vorübergehen, ohne daß er sich daran beteiligt. Mit dem engeren Kreis der Genossen und Genossinnen seines Bezirkes wünschen wir dem Allen von Herzen, daß er die gleiche Rüstigkeit noch viele Jahre hindurch be- halten möge. Die Partei schuldet ihm Dank für seine Treue! /lchtung! Konsumgenossensthastswahlen! Für die folgenden vier warenabgabestellen der Konsum- gen olsenschaft finden heute. Sonntag, von S bi» 1 Ahr die Wahlen der Vertreter zur Generalversammlung statt. ISO. Abgobeslell«(Lerlla, vreibaadstr. S/b); Dohllokal: Restavranl Voigt, Vrelbuvd.ir. il 183. Abgobestelle Meakölln, Siedlung Dammweg): Wahllokal �Zam VSrwIatel", Steindockftr. 20 184. Abgobestelle(lempeldof. Germanlaflr. 43/4«): Wahllokal: Restavran« UHIemaav, Rohdeftr. IS 187. Slbgabestelle«Srlh, haaaemavnslr. 34): Wahllokal: Vestanravt Schünemaaa, Zranz-Sörncr-Str 13a Pflicht aller in den vier Bezirken wohnenden Genossenschaft»- Mitglieder ist es, ihre Stimme für die Lifte.Genossenschaft»- aufbau" abzugeben. Spv.-Frattion.Geuofsenschaftsaufbau" Die Stadtverordnetenversammlung hat in dieser Woche keine S i tz u n g. Die für den 14. September geplante Sitzung fällt aus. Die nächste Sitzung wird am 23. September stattfinden. Ellernbeiralsneuwahlen 15g. Gemeindeschule! Das Provinzial- schulkollegium hat die Evernbeiratswahl vom 6. Juni für ungül. t i g erklärt und die Neuwahl zum Sonnt ag, den 2 6. Sep, t e m b e r, angeordnet. Alle Eltern werden darum aufgefordert, am Dienstag, den 14. September, die zweite Wahl- Versammlung zu besuchen, wo sie genauere Aufklärung er- hallen werden. Wählt am Sonntag, den 26. September, die Ein- h e i t s l i st e der SPD., KPD. und Freidenker mil dem Kennwort.Proletarische Einheitsliste". Billige Fischlage. Am Montag, den 13., und Dienstag, den 14. September d. I. finden billige Fischtage statt. Es kommen zum Verkauf: frische Makrelen, pro Pfund 20— 30 Pf., je nach Größe. Es werden 3 Pfund von SO Pf. an abgegeben. Die Der- kaufsstellen sind durch Plakate kenntlich gemacht und befinden sich in den Ladengeschäften, in den Markihasten und auf den Wochen- Märkten. Makrelen sind besonders schmackhaft in Gelee gekocht. Freimilchgewährung an Kinder der Erwerbslosen. Mit Rück- stcht auf die außerordentliche Notlage der Erwerbs- losen ist von den städtischen Körperschaften beschlossen worden, an Kinder von Erwerbslosen Freimilch in erheblicher Menge zu gewähren. Es sollen erhalten: Kinder bis zu zwei Jahren 1 Liter, Kinder bis zu sechs Jahren 1�4 Liter täglich. Der Gesundheits- zustand der belieferten Kinder ist regelmäßig durch die Aerzte der zuständigen Säuglings- und Kleinkindersürsorgestellen zu überwachen, die auch im Einzelfalle die Gewährung von Nährpräparaten statt Milch anordnen können. Für die Durchführung der Aktion sind zunächst 160000 Mark bereitgestellt worden. Die Ordner der proletarischen Feierstunden werden gebeten, beute. Sonn- tag, den 12. September, früh 9 Ubr. im Großen SchousPiethauS(Einganz Schiffbauerdamm) vollzählig zum Ordnerdienst zu erscheinen. Arbeiler-Sultar-ttarteo«Sroh-JJerllu. Erste» Arbeiter-Sinfonle-Konzert am Sonnabend, den 9. Oktober, abend» 7>/, Uhr, in der Philhannoni« Werk« von Strawinski, Beethoven und Mahler. Pret» der Einzel. l a r t e 1.50 M. Im Abonnement alle vier Konzerte SM. Karten sind in den bekannten DerkausSItellen und im Bureau de» Bezirk»- bildungSauSschusse», Lindenstr. 3, 2. Hos II, Zimmer 8� zu haben.— Drei Proletarische Feierstunden im Großen Scharr spiel- bau». Sonntag, den LS. Dezember 192«(2. WeihnachtStag), vormittag» 11'/, Uhr: SM WeihnachtSsPiel sür Sprechchor mll Musik, Gesang und Tanz. Sonntag, den 13 Februar, vormittag» 11'/, Uhr:.Dynam»», Drama in musitaiischen Rhhlpmen von Friedrich Neubauer. Scnruaz. den 10. April 1927, vormittags 11'/, Uhr:»An die Erde". Weihcspiele sür Sprechchöre von Bruno Schönlant. Elite-Säager(Theater am Kotlbusser Tor) bringen in ihrem September- Spielplan wieder neue Couplets zum Vortrag. Als Einleitung gab es eür Potpourri.Achtung— wir sind wieder dal", das großen Beuall fand. In der Groteske.Sie kommen", ein Erntefest in der Laubenkolonie, glänzte Herr Bornemann mit Schorsch Ruselli, dem urlomischen Sachsen. EM Lieder Iptel.Abend im Walde' wurde recht bübsch gesungen. Deu SchMß bildete eme Burleske»Der Heiratsstuhl' von Max Neumarm. Der Lokaltermin von Leiferde. Der Lokaltermin von Leiferde verlief ohne Zwischenfall und wurde um 12)4 Uhr mit der Aufnahme eines Proto- kolls abgeschlossen. Er hatte auch eine Reihe von Kino- operateuren und Photographen und viele Journalisten herangezogen. Eine Zeugin, eine Bäuerin, erkannte in den Verbrechern bestimmt die jungen Männer wieder, die sie wiederholt in der Gegend gesehen hatte. Prozeß Jürgens. Stettin, 11. September.(BS.) Wie wir erfahren, ist dos Hauploerfahren gegen Landgerichtsdirettor Jürgens und feine Gattin nunmehr eröffnet. Beiden wird bekanntlich Meineid, Betrug in einer ganzen Reih« von Fällen und dem Ehemann außerdem noch Hehlerei zur Last gelegt. Der Prozeß wird vor dem Landgericht Stettin voraussichtlich in den ersten Wochen des Monats Ottober seinen Anfang nehmen. Sin Zwischensender für Köln. Offenbar im Zusamrnenhang mit den Borstellung«» einer Abordnung des Kolner Radioklubs bei den zuständigen Berliner Stellen wegen Errichtung eines Zwifchenfv.ders bei Köln teilt die Kölner Oberpostdirektion mit. daß die geplante Errichtung eines Zwifchensenders in Köln demnächst durch den Rund- funkkommissar erörtert und mit den in Betracht kommenden Kreisen besprochen werde._ Wasche . wJH ieh auch Jhneti verraten: Koehen SieJhre Wä sehe mit Paket �'SJiompson's S erftripulver u. ementSbket Sei fix -- weiter nlehtst für wird Jhre Wäsche bjendend weiß und- was ebenso wie/ff ig ist- sie wird geschont! MW «DMW» WVi M .NatürlichrnGsscnSieimkommendcnWui- � ler einen Manlcl aus„Otloman" trafen, M diesem durch seine Läntfs- oder Quer-| Rippe winterlich schwer wirkenden Stoff, der durch die Verwendung von besonderem Material etwas so solides und doch dabei vornehmes in sich trägt. Mit Pelz verbrämt und garniert stellt er das Höchste dar, was die kommende Mode zu bieten vermag, und wie Sie sehen, finden Sie diesen Mantel bei uns in auficrordcnllich vielseitiger Aufmachung, immer gleich vornehm wirkend, immer gleich elegant, und immer— gerade bei uns— gleich niedrig im Preis! »> N\ WS /S'V�S: Cü'«O»0n� t« dC„ 2nt 8'«- man; flo,,. r,0"«»- form; fel/co; ä*"cn. L«' OlberJh i.1�- steil, Könlgstr. 33 Chausseest.113 Oranlenstr. 40 ««»>.». Ai«.a„d..-puu sali* iumui«» Bahnhof Am Oranienplati via odlgaa Angebolo alehan Ihoan ab MUmlAjl zu« Varlügungl� SchriiUlcha Bestalluivgan könnan nicht barücksfchtfgt werden! Hr.*30 4 43. �ahegaag � Sonntag, 12. Septemberisss GewerWasten Der Kampf um den Lohn— ein K Als das kapitalistische System im Namen der Freiheit des ein- zelnea die alten feudalen und genossenschaftlichen Bindungen srü- herer Jahrhunderte zerschlug, da behaupteten seine Vertreter, daß auch der einzelne Arbeiter frei sein müsse, und daß er nicht berech- tigt sei. dieser individuellen Freiheit durch Irgendeine Bindung mit seinen Arbeitsgenossen zu entsagen. Unter diesem Vorwand v e r- bot die französische Revolution, verbot das frühkapitalistische Eng- land die Koalition der Arbeiter, die Gewerkschaften. Aber diese Verbote blieben erfolglos und mußten schließlich unter dem Druck der Arbeiterschaft aufgehoben werden. Seitdem so das Koalitionsrecht den Arbeitern eingeräumt wurde, schlössen sie sich in immer stärkerem Umfange zu Gewerkschaften zu- sammen, und heute sind die gewerkschaftlichen Verbände die größten Massenorganisationen freiwilliger Art, die die Geschichte je gekannt hat. Der Zusammenschluß der Arbeiter galt der Erhöhung des Lohnes. Wie auf dem Markt der Waren die freie Konkurrenz die Preise der Waren ständig herabdrückte, so drückte die Konkurrenz der Anbieter der Ware Arbeitskraft den Preis dieser Ware, den Lohn, aus ein unerträgliches Niveau. Gegen diesen Lohndruck richtete sich der ge- werkschaftliche Gegenstoß. Worauf e» ankam, war eine Steigerung des Lohnes mit dem Ziel, daß den Massen eine einigermaßen kultur- würdig« Lebenshaltung ermöglicht wurde. In der Erfüllung dieser Aufgabe hat die Gewerkschaftsbewegung große Erfolge zu rer- zeichnen gehabt. Blicken wir nur auf die letzten zwei Jahre deutscher Wirtschaftsentwicklung zurück, so können wir ohne Ucbertreibung sagen, daß der gewerkschaftliche Kampf die Cesamtlohnsumme der Arbeiterfchaft um Milliarden zu steigern vermocht hat. Oft genug wird aus Unternehmerkreisen der Gewerkschaft!?- bewegung der Lorwurf gemacht, sie entbehr« des Idealis- m u s. und sie vernachlässige die Interessen der Gesamtwirtschaft über dem egoistifchen Lohninteresse. Es wäre eine allzuleichte Ab- wehr diese» Angriff», wenn man daraus hinwiese, daß auch die Unternehmer ja um des Profit» willen produzierten, daß all der„Dienst*, den sie behaupten der Volkswirtschaft zu erweisen, nicht um s«lner selb st willen geleistet werde, son- dern um d«s Erwerbs, um des Profits willen. Denn erstens wird gerade die Arbeiterschaft nicht leugnen dürfen und können, daß es Unternehmer gibt und gegeben hat. denen wenigstens für ihre eigene Person und letzten Endes auch für das Unternehmen, das sie lei- teten. weniger der Prosit, weniger der Erwerb als die wirkliche Produktivität am Herzen lag. Zweiten» aber erhebt die modern« Arbeiterbewegung den Anspruch, daß sie nicht nur als Vertretung von materiellen Interessen einer gedrückten und ungerecht behau- bellen Masse von Menschen zu betrachten sei. sondern daß sie in der gesellschaftlichen Wirklichkeit der Gegenwart eine neue Gesinnung, die Gesinnung des Sozialismus vertritt. So haben denn auch die Gewerkschaften keineswegs nur die Aufgabe, die materiellen Interessen allein des Proletariats wahrzu. nehmen, sondern sie sind sich bewußt, daß gerade bei Wahrneh. myng dieser materiellen Interessen sie auch die valkswlrtschaflllchen Gesichtspunkt« nicht außer acht lassen dürfen. Es ist kein Zweifel, daß in der Gegen- wart die Gewerkschaften die«tsrigsten Vertreter de» Ra- tionalisierungsgedankens schon zu einer Zeit waren. in d»r da» deutsche Unternehmertum sich noch Watte in die Ohren stopfte, um da» Wort.Rationalisierung* nicht zu hören, das sie aus dem altgewohnten Gleise ihrer Tätigkeit herauszuzwingen drohte. Ebensowenig ist es ein Zufall, daß in England in diesem Augenblick der Bergarbesterstreik nicht zum mindesten darum geführt wird, durch gefetzliche Maßnahmen di« Bergwerkunternehmer zur Rationali- sierung ihrer Betriebe, zur Steigerung der Produktivität zu zwingen. Zunächst sind sich ja di« Gewerkschaften der Tatsache bewußt, daß eben gerade die Lohnsteigerungen, die sie erkämpfen, einer der wichtigsten Antriebe zur Steigerung der Produktivität sind. Längst schon haben Detailuntersuchungen in England, in Deutschland, w Amerika gezeigt, daß die Besserung der Lebens- hollung der Arbeiter ihr« Loistungssähigkest steigert, und daß der Zwang zu erhöhten Aufwendungen für die Beschaffung der Ware Arbeitskrast den Unternehmer zwingt, sparsamer, rationeller mit ihr umzugehen. So bedeutet schon allein der Lohnkampf«ine» der Mittel zur Produktivstätssteigerung der Gesamtwirtschaft. Aber darüber hinaus haben es die Gewerkschaften stets für ihre Pflicht unö wirtfthast. impf NM bessere Wirtschaftsformen. gehalten, sich für diejenigen wirtschoftspolitischen Maßnahmen ein- zusetzen, die ihnen geeignet erschienen, die Produktivität der Gesamt- Wirtschaft zu heben. So sind die Gewerkschaften stets dafür eingetreten, in Europa den großen Binnenmarkt zu schaffen, dessen Fehlen uns gegenüber Amerika benachteiligt, und haben dementsprechend in den letzten Jahren gegenüber der unsinnigen Schutzzollpolitik der Reichs- regierung den Standpunkt des Freihandels vertreten. In gleichem Sinne find sie stets für eine rationelle Finanz Politik ein- getreten. Die wichtigsten Augenblicksforderungen haben sie vor etwa einem halben Jahre in einer Denkschrift„Gegenwartsaufgaben deutscher Wirtschastspolitik" gegenüber den Forderungen der Unter- nehmer zusammengestellt. Dabei lag freilich— weniger aus Neigung als au» Not— das Schwergewicht des gewerkschaftlichen Kampfe» stet» bei der Lohnpolitik, und dort wird sein Schwergewicht auch in der Zukunft liegen müssen. Darum sei an Deutschlands jüngster Vergangenheit erläutert, von welch hervorragender Bedeutung die Erhaltung und Steigerung des Lohnes im Rahmen der Gesamtwirtschaft ist. Uns allen sind noch die Zeiten der I n f l a ti o n erinnerlich, in denen der gewerkschaftliche Kamps trotz aller Aufopferung nicht mehr in der Lage war, den Reallohn des deutschen Arbeiters und Angestellten auf einer ange- messenen Höhe zu hallen. Was war die Folge? Die Flucht in die Sachwerte. Das deutsche Unternehmertum, dem die Inflation ge- stastete, Hungerlöhne zu zahlen, benutzte die riesenhaft ge- Ichwollenen Gewinne zur Anlage von Produktions statten, die zum Teil unmodern ausgestattet waren, zum Teil selbst in der Inflation schon beschäftigungslos dastanden. Die plötzlich eintretende Verschiebung in der Verteilung des Volkseinkommens bewirkte, daß Millionen von Arbeitern, die bisher für den Massenbedarf tätig gewesen waren, im Dienste dieses unrationellen Expansionsdranges des deutschen Unternehmertums arbeiteten. Weil die deutschen Ar- beiter hungerten und schlecht bekleidet herumlaufen mußten, waren die Unternehmer in der Lage, Milliardenwert« zu oer» schleudern. Als der Inflationsschleier von der Wirtschast fortgerissen wurde, zeigten sich die Folgen de» Spekulationstaumels, unter denen wir noch heute leiden. Fabriken mußten stillgelegt werden, Maschinen hatten nur noch Schrottwert, Lokomotiven und Eisenbahn- wagen stehen nutzlos zu Tausenden aus den Schienenwegen der Reichsbahn, kurz: der Scheinkonjunktur der Inflation, die auf dem Lohndruck und auf den Riesenprofiten der Geldentwertung aufgebaut war, folgte die schwere Krise, die noch immer nicht überwunden ist. Ohne den gewerkschaftlichen Lohntampf. ohne das stete Bemühen, den Lohn auf dasjenige Niveau herauszubringen, das der Produk- tivitist der menschlichen Arbeit entspricht, würden die kapitalistischen Krisen dauernd jenen katastrophalen Charakter annehmen, den die gegenwärtige Krise in Deutschland hotte, als sie auf ihrem Höhepunkt stand. Hier liegt die gesamtwirtschaftliche Bedeutung de» Lohnkampfe». Die Nationalökonomen haben vielfach die Frage erörtert, woher es komme, daß der Wechsel von Krise und Hochkonjunktur in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts und im Beginn des 20. Jahrhunderts nicht mehr so heftig war wie in den Krisen der ersten drei Viertel des 19. Jahrhunderts. Sie übersehen dabei stet», welches Verdienst hieran gerade dem gewerkschastlichenKamps zu- kam. Der Kamps um den Loha ist der Kamps gegen die Fehl- spetulationcn der Unternehmer, di« unfehlbar dann eintreten, wenn ihre Profite zu stark steigen. Das Beispiel der deutschen Inflation Hot die Richtigkest dieser Behauptung aufs deutlichste erwiesen. So erfüllen die Gewerkschaften schon in der modernen Wirtschaft durch chren Interessenkampf zwei wichtige Ausgaben: die Lohn- steigerungen. die sie erkämpfen, haben einen günstigenEinfluß auf den Produktivitätsgrad der gesamten Wirtschast. Die Lohn- steigerungen, die sie erkämpfen, oerhindern wenigstens einen Teil der Verschleuderung von Einkommensteilen, die sich au» der ungleichen Verteilung der Einkommen ergibt. Dr. Kurt Bloch. Die Berliner Vankfirma Eugen Sab u. Eo.. die insbesondere in der Inflation durch Einrichtung zahlreicher Zweiggeschäfte äußer- iich einen starten Aufstieg durchmachte, ist jetzt m eine Zahlung»- stockung hineingeraten, die sie zwingt, einen außergerichtlichen Ler- gleich mit ihren Gläubigern anzustreben. öefferung am Serliner /lrbeitsmarkt. Die langsame Entlastung des Berliner Arbeits« Marktes nimmt, nach dem neuesten Wochenbericht des Landes- arbeitsamts Berlin, ihren Fortgang. Die Zahl der Arbeit- suchenden hat rund 4500 Personen abgenommen und beträgt jetzt 260 340 Personen. Auch die Zahl der Erwerbslosen- unierstützungsempfänger weist annähernd den gleichen Rückgang auf. Eine Besserung der Beschästigungsoerhältnisse in den maßgebenden Industrien ist unoerkennbar, jedoch� em- fällt ein nicht unerheblicher Anteil auch auf die erhöhte Jnangriff- nahm« von N ot st a n d s a r b e i t e n. Die Zahl der bei diesen Arbeiten Beschäftigten hat sich in einer Woche um 700 erhöht und dürfte in allernächster Zeit weitere Steigerungen erfahren. Cs waren 260 340 Personen bei den Arbeitsnachweisen ein- getragen, gegen 264 885 der Vorwoche. Darunter befanden sich 169 081(172 520) männliche und 91 259(92 366) weibliche Personen. Unterstützung bezogen 128 103(130 448) männliche und 63 783(65 205) weibliche, insgesamt 191 886(195 653) Personen. Außerdem wurde noch an 36 091(35 281) Personen Erwerbslosen- Hilfe gezahlt und 5071(4372) Personen bei Notstandsarbeiten be- schäftigt. Die Lage in der M c t a l l i n d u st r i e ist im allgemeinen gegen die Vorwoche nicht wesentlich verändert. Die Arbeitslosigkeit hat einen weiteren Rückgang erfahren. Die Nachfrage nach weio- lichen Arbeitskrästen ist trotz des größeren Bedarfs an Spezial- arbeiterinnen für die Taschenlampenindustrie im allgemeinen zu» rückgegangen. Für Rohrleger bieten sich gute Arbeitsmöglichkeiten. Im Spinnstoffgewcrbe setzt die Saison in der Stickeret. brauche lebhast ein. Maschinenstickerinnen wurden in Verhältnis- mäßig großem Umfange angefordert. An Handstickerinnen blieb die Nachfrage nur vereinzelt. Bemerkenswert ist, daß eine größere Firma der Stickereibranchs ihren Betrieb wieder aufgenommen hat. Der Bedarf an männlichen Kräften blieb nur sehr gering. Die Zellstoff- und Papierherstellung und ver« arbeitung verzeichnet für die Karton- und Kartonnagenbranche einen guten Geschäftsgang, dagegen bieten Buchbindereien nur wenig Beschäftigungen. Der Arbeitsmarkt der Lederindustrie und Industrie l«derartiger Stoffe zeigt sich ausnahmefähig für Polsterer der Magazinbranche und auf Zellenmatratzen. Sattler, Portefcuiller und Gerber können nur sehr schwer untergebracht werden. Im Holz- und Schnitz st offgewerbe hält die Besserung in der Möbelindustrie an. Für Bautischlereien ist in der Aiiforde- rung von Kräften ein Stillstand eingetreten. Dagegen macht sich in der Musikinstrumentenindustrie ein Aufstieg bemerkbar. Im Bekleidungsgewerbe ist die Damenkonfektion gut beschäftigt. In der Damcnwäschebranche herrscht starke Nachfrage nach Heimarbeiterinnen. Eine weitere kleine Belebung des Arbeits« Marktes weist die Schuh- und Schäfteindustrie auf. Gute Derinittlungsergebnisse wurden im allgemeinen im Bau« g« w e r b e erzielt. Größere Anforderungen lagen für Notstands« arbeiten vor. An Dachdeckern, Stukkateuren, Spannern und Rabitz« putzern besteht der Mangel fort. Ein großer Auftrag Rußlanüs. Errichtung von Kraftanlagen durch deutsche Firma«« Wie di«.Konjunktur-Korrespondenz* von unterrichteter Seite, erfährt, haben bisher Preisdifferenzen zwischen der Handels« Vertretung der UdSSR, in Deutschland und der deutschen elektro- technischen Industrie bestanden, die dazu geführt haben, daß von den Aufträgen in Höhe von zirka 70 000 000 M., die bisher auf Grund des vom Reiche und den Ländern garantierten Kredites erteill worden sind, nur zirka 1 Million, also nur ein minimaler Prozentsatz, auf elektrotechnische Artikel entfielen, während zur gleichen Zeit von der UdSSR, erhebliche Bestellungen in England. und zwar unter anderem für 79 000 Kilowatt Ueberlandzentralen (Turbinen, Motoren, Turbogeneratoren) erteilt werden konnten. Die Preisstreitigkeiten mit der deutschen elektrotechnischen Industri« führten sogar dazu, daß ein Mitglied der Verwaltung der Handel» Vertretung nach Moskau resste, um dort eine anderweitige Be»» teilung der russischen Austräge zu veranlassen. Die Preisdifferenzen scheinen aber nunmehr behoben zu sein, es wurde in diesen Tagen von der Handelsvertretung«in Auf« trag für 107 000 Kilowatt Ueberlandzentralen und sonstig« elektrotechnische Artikel an die deutsche Elektroindustrie vergeben. Die Inanspruchnahme der Reichsbank steigt. Der Ausweis der Reichsbank für die erste Septemberwoche zeigt die bemerkenswerte Tatsache, daß der W e ch s e l b e st a n d höher ist als zum Monats- ultimo. Das ist eine Erscheinung, die in der Geschichte der Reichs- dank wohl einzigartig dasteht. Sie dürste zurückzuführen sein auf die Beweglichmachung des Markkurses, auf das anziehend« In- londsgeschäft und besonders auf die anziehenden Zinssätze am Gold- markt, die die Spanne zwischen dem Reichsbantsatz und den Privat- Zinssätzen verringern. Die gesamte Kapitalanlage ging infolgedessen nur geringfügig, um 62.6 auf 1386,4 Mill., zurück. Die Lombard» bestände nahmen um 92,6 auf 7,5 Mill. wieder ab. Daß die An- spannung auf dem Geldmarkt wächst, zeigt die geringe Zunahme der Kundcngelder auf Girokonto: sie nahmen um nur 31,5 auf 573,4 Mill. zu. Der Rückfluß von Zahlungsmitteln war dement- sprechend geringer als sonst: Reichsbantkonten(123,4 Mill.) und Rentenbankscheine(17,1 Mill.) flössen insgesamt 146,5 Mill. zurück, so daß der Banknotenumlauf mit 3,16 Milliarden einen sehr hohen Stand behielt. Die Goldbestände zeigen(durch Käufe in. Amerika) seit langer Zeit wieder eine größere Steigerung: sie wuchsen um 25,8 auf 1518,7 Mill. Die deckungsfähigen Devisen gingen um 14,5 auf 483,1 Mill. zurück. Die Deckung der Roten'durch Gold beträgt 49 gegen 46.3 Proz., die durch Gold und Devisen 64,5 gegen 64,5 Proz. Eine unrationelle Goldumstellung. Die Maschinenfabrik A.- G. Kappel in Chemnitz-Kappel legt zwei Jahre nach dem Bilanztermin(1. Juli 1924) ihre Golderöfsnungsbilanz vor. Die Gründe liegen in an sich nicht belangreichen Anfechtung?- klagen einer Aktionärsmindcrheit gegen Verwaltung und General- Versammlung, die erst im März dieses Jahres vor dem Reichsgericht zur Entscheidung kamen. Das Interessante an dem Fall liegt wo anders. Der Goldumstellungsbilanz zum 1. Juli 1924 ist nämlich ein Jahresabschluß für 1924/25 beigefügt, der mit einem Verlust von 81 666 M. schließt(früher wurde einmal ein Verlust von 75 666 Mark gemeldet). In dem Abschlußbericht für 1924/25 wird nun gesagt, daß der Stick- und T ü l l m a s ch i n e n b a u infolge der schlechten Lage der vogtländischen Stickerciindustric das ganze Jahr hindurch vollständig brach lag. Im Jahre 1925/26 hätten sich die Verhältnisse weiter verschlechtert. Bei Abfassung des Berichts, am 4. Mai. 1926, seien für eine Besserung noch keinerlei An- zeichen vorhanden. Nach der Geschäftslage ist das schlechte Ergebnis also erklärlich. Der eingetretene Verlust, die unabsehbare Fortdauer der schlechten Latze raten zur größten Vorsicht in der Anlagenbewer- tung und Kapitalbemessung. Je niedriger das Kapital, desto besser die Rentabilitätsaussichten. Man sollte erwarten, daß die Gesell- schaft ihre Erfahrungen durch N i e d r i g h a l t u n g des Kapitals bei der Goldumstellung berücksichtigen würde. Sie hätte die Ge- lcgenheit dazu, denn ihre Generaloersammlung vom 23. September 1926 wird über die Goldumstellung erst beschließen. Davon aber ist keine Rede. Obwohl offenbar ist, daß die Gesellschaft vor- erst weiter mit Verlust arbeiten muß, ist in der jetzt zu beschließen- den Goldbilanz das Kapital(3,61 Millionen) ebenso hoch belassen worden, wie es die B e s ch l ü s s e vom Oktober 1924 vorsahen. Man weiß heute, daß die technische Rationalisierung oft versagt, weil sie vielfach eine finanzielle Rationalisierung zur Voraussetzung hat. Die einzigartige Gelegenheit dazu, wie sie hier gegeben wäre, wird also versäumt: versäumt aus dem Wunsch, die Goldsubstanz möglichst hochzuhalten. Zum erstenmal ohne Dividende. Die Gardinenfabrik Plauen A.- G. in Plauen meldet zum erstenmal seit ihrem Be- stehen in ihrem Geschäftsbericht zum 36. Juni 1926 einen Abschluß ohne Dividende. Das ist um so auffälliger, als die Gesellschaft im vorigen Jahre noch eine Dividende von 12 Proz. verteilte. In ihrem Bericht nennt sie dafür mehrere Gründe: das plötzliche Aussetzen des Geschäfts im vorigen Herbst nach starker Eindsckung mit Ma- terial, zahlreiche Zahlungseinstellungen, die auf einen großen Absatz eingestellte kostspielige Neumusterung, Lagerwertoerluste durch Rück- gang der Baumwollpreise um 66 666 M., höhere Steuern, unge- nügcnd ausnutzbare Lohnsummen zur Erhaltung des gelernten Ar- beiterftamms und endlich noch eine nie dagewesene Preis- schleuderet in Buntgardinen durch die Errichtung zahlreicher neuer Betriebe. Die aufgezählten Gründe sind sämtlich sehr plau- sibel und geben ein gutes Bild von den betriebswirtschaftlichen und finanziellen Wirkungen des vorjährigen Kon- j u n k t u r u m s ch l a g s. Die Erfahrungen der Plauener Firma brauchen nicht typisch zu sein für die Baumwollfertigindustrie: aber da die Gardinenfabrtk- Plauen eine der ersten Textilgesellschaften ist, die über den ganzen kritischen Abschnitt voni vorigen Herbst bis Ende Juni berichtet, haben sie symptomatischen Wert. In der Bilanz und der Gewinnrechnung sind die Krisenwirkun- gen sehr deutlich sichtbar. Der ausgewiesene Warengewinn ist von 1,54 Millionen auf 6,58 Millionen, also fast auf ein Drittel zurückgegangen. Die Generalspesen sind mit 498 666 M. gegen 918 666 M. zwar auch fast auf die Hälfte gesunken, und statt 393 666 M. im Vorjahre werden jetzt nur 69 666 M. ab- geschrieben, aber der ausgewiesene Reingewinn ist mit 17 666 M. gegen 248 666 M. im Vorjahr doch sehr geringfügig. Der Reingewinn wird vorgetragen. Die Bilanz summe ist, ein seltener Fall," zurückgegangen von 2,92 Millionen auf 2,64 Millionen. In der Hauptsache ein Zeichen solider Finanzwirtschaft, wie sich aus dem Rückgang der Gläubiger von 6,71 Millionen auf 6,58 Millionen ergibt. Die Außenstände und Bankguthaben sanken von 1,13 auf 6,73 Millionen, sind also noch beträchtlich höher als die Verpflichtungen. Die Material- und Warenbestände sind mit 6,92 Millionen gegen 6,87 Millionen noch ausfällig hoch be- wertet. Natürlich wird dieser Rückschlag einer Gesellschaft in gar keiner Weise gefährlich, die, wie die Plauener Gardinenfabrik, durch niedrige Slnlagebewertung und starke Abschreibungen sehr große stille Reserven bereit hat. Die Eisen- und Stahlwarenindustrie zeigt im Solinger Bezirk gegen August eine geringfügige Belebung, auch in der Rcmscheider Werkzeugindustrie melden einige Betriebe eine leichte Besserung des Jnlandmarktes. Im Zusammenhang mit der Bau- tätigkeit berichtet auch die Velberter Schloß- und Beschlagindustrie eine geringe Besserung der Geschäftslage. Ebenso liegen die Be- schäftigungsverhältnisse in Thüringen etwas günstiger. Im ganzen wird die Lage jedoch noch für die gesamte Eisen- und Stahlwaren- Industrie als schlecht hingestellt, und von einem Konjunktur- uigschwung kann vorläufig noch gar keine Rede sein. Ein Filmmonopol In Rumänien. Die vmnänische Regienmg hat beschlossen, ein Filmmonopol mit maßgebender Beteiligung der Regierung zu gründen, das die Filmproduktion und den Filmvertrieb besorgt und auch die Einfuhr der Filme kontrolliert. Mus öer Partei. Warnung! In Mitteldeutschland versucht ein Reisender, der sich als Dr. Sander ausgibt, unter Hinweis darauf, daß er Redakteur des „Vorwärts" gewesen und zurzeit noch sozialdemokratischer Landtags- abgeordneter sei, mit Parteigenossen Geschäfte abzuschließen. Hierzu sei bemerkt, daß ein Dr. S. zu keiner Zeit„Vorwärts"- Redakteur war und ebenfalls nicht dem Preußischen Landtage als Mitglied angehört. Da uns genaue Angaben über seine Wohnung sehlen, können wir nicht feststellen, ob S. überhaupt Mitglied der Berliner Sozialdemokratischen Partei ist. Dem Bczirkssekretariat in Berlin ist ein Mitglied Dr. Sander nicht bekannt. Bezirks- sekretariat der SPD. Berlin, Lindenstraße 3. Krille. „Vücherwarte" und„Arbeiterbilduug". Das soeben erschienene Septemberheft der„Bücherwarte" ver- öffentlicht eine Abhandlung von Karl Schröder„Der Roman als Gesellschastsspiegel", der einen Querschnitt durch die deutsche Romanliteratur des 19. Jahrhunderts gibt und den Versuch macht, die literarischen Strömungen der Neuzeit vom Standpunkt des historischen Materialismus zu analysieren. Die Arbeit dürste sicher- lich jedem willkommen sein, der sich in der Literatur des 19. Jahr- Hunderts zurechtfinden will. Außer diesem Aufsatz enthält die „Büchorwarte" Besprechungen der wichtigsten Neuerscheinungen aus folgenden Gebieten: Auswärtige Politik. Erzählende Literatur, Ge- schichte des Sozialismus. Kommunalpolitik, Länder- und Völker- künde, Philosophie, Politik, Rechtswissenschaft, Volkswirtschaft und Weltpolitik. Die„Zeitschriftenschau" gibt diesmal eine Uebersicht über die wichtigsten wirtschaftlichen Zeitschristen, die jedem Interessenten eine gute Orientierung in der schier unübersehbaren Zeitschriftenliteratur ermöglicht. Das Scptemberheft der„A r b e i t e r b i l d u n g"(die als ständige Beilage zur„Büchorwarte" erscheint) enthält neben einer ausführlichen Vortragsdisposition von Johann Sassenbach „Zur 25-Jahr-Feisr des Internationalen Gewerkschaftsbundes" eine Reihe aktueller Artikel über Fragen der Arbeiterkulturbewegung, so den Artikel von Richard Seidel„Die Aufgaben der Arbeiter- kulturkartelle", von P. V o o g d„Das holländische Arbeiterbildungs- institut", von Alfred Kleinberg„Brauchbare Volksbildungs- gesetze" usw. Die„Bücherwarte' mit Beilage„Arbeiterbildung" ist zum Preise von 1,56 M. für das Vierteljahr durch die Post zu beziehen. Bestellungen werden auch durch die Buchhandlung Dietz, Linden- straße 2, sowie durch alle„Porwärts'-Speditionen entgegenge- nommen. Einzelnummern sind zum Preise von 75 Ps. erhältlich. Aafienischer Programmentwurf. Der Vorstand der Sozialistischen Partei der ita- l i e n i s ch e n Arbeiter hat soeben das Programm und die Richt- linien für die Taktik veröffentlicht, die auf dem nächsten National- kongreß beraten werden sollen. Das Programm besagt u. a.: Die italienischen Arbeiter wollen frei sein, das ist ihr gutes Recht. Es ist ihre Pflicht, ihre Mission gemeinsam mit den Ärbei- tern der ganzen Welt zu erfüllen. Sie wünschen daher die politische Einigung ihrer Klasse in der Ueberzeugung, daß die oerschieden- artigen Aufsassunaen über die Methoden eine enge und ehrliche gewerkschaftliche Zusammenarbeit im Allgemeinen Gewerkschasts- bund nicht verhindern dürfen. Der Kampf gegen alle Mächte, die sich heute zur Unterdrückung zusammenschließen, ist eröffnet. M o- narchie und Faschismus hängen so eng zusammen, daß sie heute nicht mehr voneinander unterschieden werden können. Wir wollen ein Regime ausrichtiger, tatkräftiger und kampserprobter Demokratie. Wir wollen das Terrain des politischen Wettstreits von jedem Hinterhalt und von jeder konstitutionellen Lüge frei- machen. Die sozialistische Partei der italienstchen Arbeiter glaubt nicht, daß man den Sozialismus mit einem Handstreich verwirk- lichen kann. Er verdankt seine Fortschritte der Evolution und dem Reifwerden des kapitalistischen Regimes, dem er sich voll und ganz widersetzt. Aber nach seiner Aussicht ist ununter- drückbar und mit allen für wirksam erkannten Mitteln zu fordern das Recht, in friedlichem Wetfftreit mit allen anderen Parteien zu arbeiten. Der sozialistischen Arbeiter-Jnternationale angeschlosien, nimmt die Partei deren Grundsätze und allgemeine Aktion an, insbesondere in den Beziehungen mit den Proletariern der ver- schiedenen Länder. Die sozialistische Partei der italienischen Arbeiter wendet ohne jede grundsätzliche Beeinträchtigung die Lehre und die Methoden der Tradition den wirklichen Verhältnissen gegenüber an, die die ungestüme reaktionäre Bewegung geschaffen hat. die der Faschismus dem italienischen Volke aufgezwungen hat. Sie leugnet nicht die politische Niederlage des Sozialismus in Italien. Aber sie erblickt in ihr nicht eine Widerlegung, vielmehr die tragischste Rechtferti- gung ihrer Grundsätze und zieht daraus die Folgerung, daß eine gemäßigte Organisation der proletarischen Kräfte notwendig ist. Wir versichern es wiedenim: Sozialismus ist Frei- h e i t. Selbst die von ihm geforderte Disziplin in der Organisation widerspricbt nicht diesem Postulat, da sie die Idee einflößt, die Diszi- plin der Freiheit geläufig zu machen. Die sozialistische Partei der italienischen Arbeiter zweifelt nicht an der Güte des Prinzips der Demokratie, dessen Existenzbercch- tigung man nicht streitig machen kann, wenn es einmal umgestoßen worden ist. Die Partei hat von dem Sozialismus die Auffassung, daß es eine Verdichtung der Demokratie und ein« Verwerfung aller erzwungenen und diktatorischen Regimes ist. Er stellt sich hinter Faschismus und Kommunismus, Feind jeder Dil- tatur und Gegner beider, aber mit gleichen Methoden. Aus demselben Grunde kann unsere Partei den Abwegigkeiten der italienischen Maxiwalistenpartei nicht folgen, die vom Kommunismus die antidemokrafifchen Anschauungen übernommen hat, ohne sie, im Widerspruch mit dem Geiste der Freiheit, zu ihrer logischen An- wendung zu bringen. Für uns muß sich Italien zur Arbeit erst eine neuerstandcne Freiheit schaffen. Die wahre Ordnung ist nichts als die Harmonie der Freiheit. Die Partei will aus sich heraus ohne Ansehen der Opfer alles für eine politische und moralische Erziehung tun. Daß diese Arbeit nicht vergeblich ist, beweist die Erfcktternng der rtlckstcht�o�e» ner. Haben wir den Boden vom heutigen Schutt befreir, werden wir den Grundriß des neuen Baues mit unerschütterlichem Vertrauen legen. Die Erinnerung an unsere Märtyrer wird unser« Sache einen Anstrich ehrlichster Wahrheit verleihen und gewShv. leistet ihr den unausbleiblichen Triumph. parteinachrichten für Hroß-Serlw Einl-ndungen für diese Rubrik gab Berti» EW 68, Liadeustrab- 3, slet, on da» Bezirkssekrrtariat. 2. Hos, S Trep. recht», ,u richte». ,. Nrci, Nreuzberg. Mitwoch. den 15 S-»t«mb«r.-bend»« Ar- Krcisvorstandssitmnq in Ewalds Verernshaus, Skalitz>. Uhr Strohenbahnlinien 28 und 12«, Sallestelle Teg�. Wakdschonke. Parteigenossen und freunde unserer Bewegung stnd herzlich eingeladen. Morgen. Montag. 13. September:_____ 28.«bt. Die Genossinnen und Genossen beteiligen sich an der Bestat�ng �e, Genossen Emil Dütwer. Treffen;%6 Uhr im«rmnatorium �"»tstrahe. 35. Abt. Abeechnung mit den Bezirksführern abend» 7 Uhr im Loial Schreiner» strahe 3«: 8 Uhr dafelbst KunktionSrkonferenz._ 82. Akt. Steglitz. Vorstandsmitglieder. Agltationskouiinlkfloa uu» Elter»- beträte gemeinsame Sitzung abend» 8 Uhr im Lokal von Wild. Düppel- 85.«bt?° Tempelhos. 8 Uhr engere Vorstanb»sstzung in der Lind«. Werte r-, Ecke Friedrich. Karl-Etrahe. Die Dezirkssühr« werden gebetrn, Montag die Sauslisten in Empfang zu nehmen._. Jungsozialisten. Gruppe Weihensee: Jugendheim Roelcke», Ecke Eh-rwtienstrah«. Montag abend Vortrag über..Religionsfragen'. Arbeitcgemeinfchast der ssindcrsreund«. strei» Mitte: Rotgen. Montag, vllnkt. lich 8 Uhr abends, im Seim Blumenstr. 77, Aussproche illier den Resuch der RiitU-Schul«. Diskussionsleiter Genosse Soffmann. Lehr« d«.Rütli- Schule. Frauenveranftaltungen: 28. Abt. 7 Uhr H-I Altmann. Rnkesir. 2, Vortrag de,««noffen Dr. Longe: ..Mutterrecht und Mutterpflicht". Erscheinen aller Genossinnen unbedingt 82. Än�litz. 8 Uhr bei Thiel. Ecke Ring- und Albrechtstrah«. Seiterer Fpauenabend mit Ünterststhung des Frauen�efanssvereins. Um pttimliche» Erscheinen wird gebeten. Dienstag. 14. September: 7.«bt. Tih Uhr Mitgliederversammlung in LIHler» KestsSlen, SVckstr. 24. Bort rag„Deutschland als Mitglied im B»lk«bundseot". Was ver- sprechen wir UNS dooon? Referent Genosse«ckardt. Ausgabe der Ein- trittskarten zu unserem Herdstsest am 9. Okiob«. 27.«bt. 7 Uhr Zusammenkunft der Sruppensührer wegen Reueinteikung d« Bezirke beim Abteilungsleiter.„_.,__ 38.«bt. Anfchliehend on die Versammlung d« SPD.»Tlt«rnb«iriite Bor- Nondssstzung um!> Uhr abends.- Abend, 8 Uhr bei Wachs Versammlung der Elternbeiräte unserer Partei von den Schulen 23, 33, o9. 66, 94, IZd, 137 139 und 161. Keiner darf fehlen. Mittwoch 7h Uhr unter stützen die Parteigenossen unseren Redner in bn Wahl-Elternpersammlung in d« 6». Schul«, ssriedenstr. 16._ 79. Abi.«chlneberg. 8 Uhr bei Zetilitz. Sedanftr.«, Vorstand»fttzung. Hierzu müssen auch alle Bezirksführer erscheinen. 198.»bt.»Ipenick. 8 Uhr öffentliche«ersamtnltrag i» Stadt. N theater:„Die weltliebe Schule'. Referent Senoss« Rektor Krruziger. Vollzählige» Erscheinen wird erwartet. Junglozialifien. Gruppe Süden: 8 Uhr Gruppenabend in d« Juristischen Sprechstunde.„Die Probleme der russischen Revolution." Kinde. freund« Neukölln. Selferre.sammlung in d« Ganqboferstrahe um 7'-j Uhr. Um 6h Uhr daselbst Borstandssitzung. Wir besprechen unsere Winterarbeit. Alle Helfer müssen ihre Ausweise»>rc Abstempelung mitbringen. Am Mittwoch bitten wir alle Kinderfreundekossierer. zur Regelung der Kassierung mit sämtlichem Material 5—8 Uhr zur Sprech- stund« zu kommen. Frauenveranfialkungen: 2«. Ab». Th Uhr Schulstr. 74. Bericht von der B«,irk-Lrau-nkonf«pe»9. 85.»bt. Tempelhos. 8 Uhr Trouenabend hei Bus«, W«d«., Eck« Kaiser- Wilhelm-Strohe. Referent Genossin Albrecht. III.?lbt. V»hn»dors. 8 Uhr bei Heimann, Walter-horf« Str. 198.„Arbeitev- dichter." Referent Genosse Schumann. 123. Abt. Kaulsdorf. 7h Uhr im Lokal Eschrich, Sek« ffronkfurt« und Dorf- strasi». Heiterer Abend. 123». Abt. Kaul»do.I-SSd. Die Genossinnen, dl« sich Dienstag«tut ffrauen- obend(Abt. 123) beteiligen, treffen sich 6% Uhr Birken-, Ecke Ulmen. strotze. Rochzllgler im Lokal Eschrich. 128./130. Abt. Pankow. 8 Uhr im Lokal Reetz, LIndenpromenad«. Eck« Ver- liner Stratze.„strauentrankheiten und deren Verhütung." Referent Ge. noss«' Dr. Arensberg. Zahlreiche» Erscheinen der Senoffinnen Pflicht. Gäste willkommen. 138. Abt. Reinickendarf-vst. 7h Uhr im Seebad, Nesiden, strotze, FunktionZ. rinnenkonferen,. E» mutz sllr den Aufstieg unser« ffrauengrupp« ge. arbeitet werden. An alle Genossinnen ergeht hiermit ein dringend« Mahnruf._ übergibt man nur dem Rachwei» d»I Deutsch. MufikerverbandeS, Berlin 027, AndreaSstr. 21(Königftadt 4310, 4048). GeschästZzeii 9 618 5, Sonntags 10 bi< 2 Uhr. Aul Wunsch ZZertreterbesuch 1 /.iMndesdtnali läluiUn Hvticd ä StangiU 59.~ 2Beltilfllenm.Zuugend in der ISB-Woche". Reserent Kollege Franz Reumann. 2. Der Arbeiterfilm: »Die neue Grogmacht".».Organisatorische». Jugendtollegenl Erscheint restlos in dieser Bersammiung. Bringt die unorga- nisierten Arbeilstollegen mit. Die Zugendtommlsslon. NM! VnlzeiiWMer üm! VAU- Die Zusammenkunft der Kall der Kleinbetriebe fällt am Montag, 13. September, aus. Kollegen ■ cn Die am Donner»tag, den 1«. Septbr., slatttufindende Vertrauensmöuner- »onferenz der Zigarettenmaschinenlührer und Belriebshandwerker findet umstände- Haider erst am 23. September statt. «WBettieösrotKleoer w Dienstag den 11 September, abend» t Ahr, imZngenbhelnr de» verband» Hanse». Linlenstr. SZ SS Tagesordnung? 1. Lei Abschluh eines Tarijverlrages mit dem BBMJ. und die Stellung der Betriedsrohrleger 2. Di«- tussion 3. Die Ausbreitung unserer Organisation. Pflicht oller organifierten Rohrleger ist e». tn dieser Versammlung zu erscheinen. Wüngj MoQiaaikEr. Opliker, Dbrmadier, Eiüier DDd EidieiiDDUil Stittnoch. den IS.September. abend» T Ahr(Ansang pünktlich V/, Ahr) tn unterer«tnltnrabteilong, Linien- strahelSIsgegenllber demBerdandshause) Vollversammlung Tagesordnung: I. Borlllhrung Technische und Kulturfilme. 2. Branchen angelegenheilen. Mitgliedsbuch, mit ewem der obigen Berufe versehen, legitimiert. Die Orisoern-olknag. Milte WMM-teM Berlin. Andreasskr. 17. Stickereibranche. 2>littn»och. den 15. September 1925, abend» S Ahr bei Aomattnik, Lange Strohe 30(Nähe Schlestscher Bahnhof) braMWersllmmlvvg. Tagesordnung: Brauchen wir G» wertschasten?— Stellungnahme zum Tarif. Einladung zur flttöerotDeoli. AusWWuug der BelriebsfronrenfaffeHSfabf Berlin am Montag.». 20. September 1»2S nachmittags S Uhr. Im Ralhause zu Be,lin. Königltr. 1b/i»,Ei»g Illdenslr.,gimmer 109. Tagesordnung: 1 Tätigkeitsbericht. 2 Satzungsänderungen lZS 12, 17, 22 u. 30) 3. Berschiedene». Antragen oder Beschwerde», zu deren Erledigung«kteaelnsicht»der anderwette Feststellungen erforderlich sind, müssen mindesten» 3 Tage vorher beim Vorsitzenden de» Porstandes esagereicht werden. Vor der Sitzung findet um 2 Uhr in demselben Zimmer de» Rathauses dir übliche Vorbesprechung unter den Ausschuß- Mitgliedern lidIL. Pünktliches Erscheinen ist dringend not- wendig, da die Benutzungszeit des Zimmers beschränkt ist. B e r l i n. den 9. September 192». Der Vorsitzend« de» Vorstaude» der Betrlebekranteakafie der Stadt«er«» iZent BKK/26 Brühi_ � I eilialilnng monatlich 20 Mark liefere elegante nach Matz. Schne-dermeifter Dreibundstrage 47 l»ll»le|m6ecc� M4€Mim ■ i�SlTELLUNG Beginn Montag, 13. Sept. «»iMMNi iit �ir- Gardinen EforninC buni gewebi, Halbstores Efamine elfenbetn. in vendiiedenen Atu/ährun- // QCTlf von••••••••«•«# ä/I Gewebt Tüll elfenbetn, � I Eiamine elfenbebt. mit& � dreitcitia. Fenster von,.. Osm handgearbeitetem FUet, von sjean < A7S dreiteilig, Fenster von... an Etamine etfenbein,__ dreiteilig, Fenster von...Uran Bettdecken Etamine etfenbein, syio für 1 Bett, von......... an Gewebt Tüll etfenbein, 075 für 1 Bett, von....... sj an Dekor ationsstoff RipS bunt gestreift (wasch-, licht- und lujtedii),£* "TSO cm brcii«••••••#•# �W«; iW Landeshuter Le inen- u.G e b i 1 dwe b erei EVGrünfeld BerlinWs.Leipziger Str% Verkäufe Ti»p>ch«. Diwandicken. Tisckidocken. Nettvorleacr. Liiulersiatke.»eackitavUe Auswabl. crtra billiae Heleaendeiten. Conrad ssischer, seit 1W4 Potsdamer. ftt«ft«_109.__ Zivoich-Schraq«. .M WWW, verkauft Tevoiche, Liluferstoffc, Tischdecken, Dtwandocken,' Steppdecken, Sardinen. Siore», Kett» decken. Beaucmste �ohlunsserleichtc. rung. 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Seilage öes Vorwärts Sokntag,?2. September 1920 y\n die Arbeit! Was jcdcr tun mutz. Das große Wecken hat begonnen. Auf dem ganzen Erbball wird etnc Woche long die Werbetrommel geschlagen werden für den Ein- tritt in die Armee bei gewerkschaftlich organisierten Arbeiterschaft. Die Gewerkschaftsleitungen haben bereits den Auftakt gegeben in ihren Funktionärversammlungen und treten in der kommenden Woche durch den Mund ihrer Vertrauensmänner und Mitglieder, durch Plakate und Flugschristcn an die Unorganisierten heran, sie zum Eintritt in die freien Gewerkschaften zu bewegen. Fast alle Gewerkichasten lassen ihre wöchentlich erscheinenden Gewerkschastszeitungen, die auf die Werbewoche beson- dcrs zugeschnitten und in vergrößerter Auflage gedruckt worden sind, in und vor den Betrieben verteilen. In Branchen- und Betriebsversammlungen, die auf der ganzen Linie ab- gehalten werden, ist alles abgestimmt auf den Ton:»Hinein l>: die freien Gewerkschaften!" Besonderes Gewicht legt man auf die Gewinnung der I u g e n.d- l i ch e n, denen man in besonderen Versammlungen den Wert und die Notwendigkeit des gewerkschaftlichen Zusammenschlusses klar zu machen versucht. Jede Gewerkschaft, ohne Ausnahme, hat sich bemüht, die Werbewoche zu einem durchschlagenden Erfolg für die Gewerkschaftsidee zu gestalten. Auf die Art und den Umfang der Werbetätigkeit einer jeden Gewerkschaft einzugehen, würde hier zu weit führen: alle hoben ihr möglichstes getan. Jetzt liegt es an den Funktionären und Mitgliedern, in den Betrieben, in der Familie, überhaupt überall dort, wo sich Gelegen- heit bietet, in den Unverstand der Massen, in den Indifferentismus Bresche zu legen. Es gilt vor allem, die zurück zu gewinnen, die schon einmal Mitkämpfer waren und aus irgendwelchen Gründen der Fahne wieder untreu wurden. Sagt ihnen, daß es falsch war sich von der Organisation wieder abzuwenden, weil ihre Blütenträume nicht in Erfüllung gingen. Zeigt ihnen, was die Gewerkschaften geleistet haben, er- klärt ihnen, was sie nicht leisten konnten, weil noch so viele ihnen fernstanden. Sagt ihnen auch, daß vieles von dem durch die Revo- liition Gewonnenen wieder verloren ging, verloren gehen mußte, nur weil so viele desertierten. Führt ihnen vor Augen, daß auch die Wirtschaftskrise nicht so tiefe Wunden hätte schlagen können, wenn sich nicht so viele abseits gestellt hätten und, anstatt mit den Arbeitsbrüdern in der Gewerkschaft Schulter an Schulter zu stehen im Kampf gegen das geschlossene Unternehmertum, die Gewerkschaften zu schmähen und von„Berrat der Arbeiterschaft" zu reden. Sieh dich in deiner Familie um, ob nicht deine eigenen Kinder der Gewerkschaft noch fernstehen. Sieh dich nur gut um, du wirst viele finden, die mit zu den Bleigewichten zählen, die der Gewerkschaftsbewegung anhängen. Du brauchst nicht immer die Flugblätter deiner Gewerkschaft zur Hand nehmen, um den Un- organisierten überzeugen zu wollen, denn du kennst aus deiner eigenen Erfahrung genügend Beispiele, wie sich die große Zahl der Unorganisierten, mit denen man bei jeder Bewegung rechnen muß, als Hemmschuh des Fortschrittes gezeigt haben Zeige den Unorganisierten, daß auch die Unternehmer einzusehen beginnen, daß auf die Dauer gegen die Gewerkschaften keine Wirtschastspo-kittk gemacht«erden kann, und daß sie ein gleichberechtigter Faktor in, Wirtschaftsleben find. Wenn ober die Anerkennung der Gleichberechtigung der Gewerkschaften zur Mitarbeit an der Gestaltung der Wirtschast keine platonische Liebeserklärung bleiben soll, dann müssen auch die Gewerkschaften die genügende organisatorische Stärke haben,»m der Gleichberechtigung auch den genügenden Nachdruck oerleihen zu können. So gibt es viele Dinge, die ihr anführen könnt und die über. zeugen müssen. Geht emsig an die Arbeit, macht es euch zur Pflicht, mindestens ein neues Mitglied für die Organisation zu werben. Die Werbewochc muß Erfolg bringen! die �rbektsiosigkeit See Jugenölichen. Eniweder Arbeit oder Fortbildung. Für die jugendlichen Erwerbslosen ist die Arbeitslosigkeit eine noch größere Gefahrenquelle als für die erwachsenen Arbeiter. Die furchtbare Verirrung der Leiferder Eisenbahnattentäter ist ein neuer Beweis dafür. Tausende und aber Tausende junger Leute irren heute mittel- und beschäftigungslos in der Well um- h e r und gehen allmählich in de» Kreisen des Verbrechertums zu- gründe. Die ungeheuren Gefahren, die aus der Arbeits- losigkeit für den Arbeiternachwuchs entstehen, alarinieren die O e f- fentlichkeit, und wieder einmal ist deswegen die Frage auf- geworfen worden, wie es denn eigentlich mit den, Problem der Unterstützung. Fortbildung und Umschulung der jugendlichen Erwerbslosen steht. Vor einigen Wochen— bei der Aufstellung des Arbeitsbeschaffungsprogramms— hatte es den Anschein, als ob nun endlich eine größere Hilfsaktion für die jugendlichen Arbeitslosen unternommen würde. Aus einer Besprechung aber, die zwischen dem Reichsarbeitsministerium und Vertretern der Länder und Städte stattfand, hat man von irgend- einem Anlauf zur Neuregelung der Unterstützung' und Fortbildung der jugendlichen Erwerbslosen nichts beobachten können. Wohl wird, wie wir hören, in der nächsten Zeit ein Erlaß des Reichs- arbeitsministeciums herauskommen, der den Anregungen des Städte- tages bis zu einem gewissen Grade entgegenkommt. Aber eine gründliche, systematische Neugestaltung der Fürsorge für die erwerbslose Jugend bringt, soweit man sieht, auch dieser Erlaß nicht. Etwas straffere Regelung der Fortbildung, Zu- sammenfassung der verschiedenen Änreizmöglichkeiten zur Betäti- gung: mehr Betonung der Arbeit in den Werkstätten, des Beruss- schulunterrichts und dergleichen und weniger jugendpslegerische Maß. nahmen! Auch neue Mittel zur Fördening der Fortbildung sollen bereitgestellt werden. Wie hoch diese Mittel sind, darüber ver- lautet einstweilen noch nichts. Bei der Unterstützung denkt man weniger an Barunterstützung als an Naturalien und Spei» s u n g. Bis jetzt erhalten die jugendlichen Arbeitslosen unter 16 Jahren keine Unterstützung und die vom 16. bis 18. Jahr nur dann, wenn nach der Ansicht der obersten Landes- behörde für sie so gut wie keine Aussicht aus Arbeit besteht. Daß die Unterstlltzungspraris bei den jugendlichen Erwerbs- losen sehr scharf gehandhabt wird, ist bekann«. Man sollte deshalb einmal an Stelle der vielen Wenn und Aber in der Unterstützungs- frage klare Situationen schaffen. Entweder Arbeit oder Fortbil- dung: die Fortbildung aber muß mindestens der Pflichtarbeit gleich. gemocht werden. Und wer arbeitet oder lernt, muß bezahlt oder unterstützt werden. Die Fortbildungs- und Umschulungsfrage ist zweifellos mit Schwierigkeiten verknüpft. Die Zusammenfassung der jugendlichen Erwerbslosen ist nur dann von Vorteil, wenn von vornherein ge- nügcnd Sicherheit dafür besteht, daß in den Kursen und Werk- stätten etwas gelernt wird. Die Forlbildung und Umschulung soll ja der Qualifizierung der Arbeitskraft dienen: denn zahllos sind die Fälle, wo sich heute jugendliche Erwerbslose oft um Stellen be< werben, für die sie auch nicht entfernt die entsprechenden Kennt- nissc und Fertigkeiten mitbringen. Mit den vom Reichsarbeitsministerium in Aussicht genommenen Verbesserungen der Fürsorge für die jugendlichen Erwerbslosen kommen wir, wenn die materielle und sittliche Notloge der heran- wachsenden Erwerbslosenjugend ernsthaft gemildert werden soll, nicht aus. Sobald der Reichstag zusammentritt, muß deshalb in der Frage der jugendlichen Erwerbslosen gründlich Wandel geschaffen werden. ,Nur ekn Monat Generalstreik!� Um den Kapitalismus niederzuzwingen. Moskau. 11 September.(DE.) In einer Sondersitzung, die der Sowjet der Moskauer Gewerkschaften zu einer nochmaligen Be< sprechung über den Streik in England und die Ausgaben des anglo- russischen Komitees einberufen hatte, erschienen als G ä st e die in Moskau weilenden Delegierten der englischen Bergarbeiter und der deutschen Arbeiterinnen. Als Hauptredner trat T o m s k i aus. Ironisch wies er darauf hin, daß er eigentlich jetzt in Bournemouth auf dem Kongreß der englischen Gewerkschaften als Redner auftreten müßte, doch sei es nicht dazu gekommen. Doch glaube er, daß seine heutige Red« nach England hinüberschallen würde, nicht zum Nachteil der englischen Arbeiter. Es folgten dann neue heftige Angriffe gegen den Generalrat der englischen Ge- wcrkschasten, wobei Tomski behauptete, daß auch nur ein Monat General st reik genügt hätte, um den Kopi- talismus niederzuzwingen. Sodann verteidigte Tomski die Sowjetgcwerkschaften gegen den Vorwurf der aufdringlichen Ein- Mischung in die inneren Angelegenheiten der englischen Gewerk- schafteu: in Moskau hätte man eben die groß« international« Bedeu- tung der Borgänge in England begriffen und im übrigen habe ja die soviel angegriffene Einmischung in einer sehr wesentlichen Unter- slützung der streikenden englischen Arbeiter bestanden. Di«se Moskauer Generalstreiktheorie kann nicht laut genug zu den englischen Arbeitern„hinübrrschallcn", damit sie deutlich er- tennen, woran sie mir den Strategen sind, die sich als ihre Lehr- iiieister aufspielen möchten. Das Kindische dieser Generalstreikein- falt wird selbst durch die Anmaßung nicht übcrtroffen, auf Grund der llnterslützungsstinimen für die Bergarbeiter zur Aevornnindung der englischen Gewerkschaften berechtigt zu sein. Selbstverständlich wurde die Rede von Tomski„mit Beifalls- stürme» aufgenommen, an welchen sich ganz besonders die anwcjen- den englischen Bergarbeiter und die deutschen Arbeiterinnen bctei- ligtcn." Weil sie ohnehin nicht einmal die Sprache dieses Schwätzers verstanden, geschweige denn ihren Sinn. Fimmcn als russischer Mittelsmann?. Nach einer Meldung der TU. ist Fimmen vom Zentralrat der russischen Gewerkschaften noch Moskmi eingeladen worden, um als Vermittler zwischen den nissischen und englischen Gewerkschaften aus- zutreten. Schlutz des englischen l�ewerkschaftskongresies. London, 11. September.(Eigener Drahtbericht.) Der eng- tische Gewerkschaftskongreß in Bournemouth erörterte am letzten Derhandlungstage die Kriegsgefahr im kernen O st c n auf Grund einer von den Bergarbeiterdclegicrten eingebrachten Eni- schließung. In dieser wird' behauptet, daß General Tschongtsolin auf Grund zugesagter Hilfe der konservativen Regierungen Englands und Japans«chiffe in Besitz genommen habe, die der Zowjetrepu-! blik gehörten. Der Kongreß wird gebeten, gegen das Borgchen der imperialistischen Regierungen, das die.Kriegsgefahr im fernen Osten oder im Westen heraufbeschwöre, zu protestieren. Die Politik der Regierungen sei von dem Wunsche beeinsluht, die Sowjet- regierung zu stürzen, wobei die Hilie der russischen Arbeiter an die britischen Bergarbeiter die feindlichen Maßnahmen der englischen Regierung mit beeinflußt hätte. Der Führer der Postgewerkschaft, Ammon, sprach gegen die Annahme dieser Entschließung und b e> zeichnete es als lächerlich und Unsinn, das Vorgehen Eng- lands im fernen Osten mit der russischen Hille für die Bergarbeiter in Verbindung zu bringen. Die Entschließung wurde trotz- dem gegen eine bedeutende Minderheit an- genommen. Die Neuwahl des Gencralrats der Gewerkschaften er- gab seine W i e d e r w o h l mit Ausnahme von zwei Mitgliedern. Diese Wahl bedeutet eine indirekte Billigung der Hal- tung, die der abtretende Generalrat während des General- st r e i k s«ingenommen hat. Die Entscheidungen der englischen Grubenbesitzer. London, 11. September.(WTB.)„Die ersten Entscheidungen der. Bezirksvcrsammlungcn der Grubenbesitzer über die von Chur- chill gemachten Vorschläge zur Wiederaufnahme nationaler Verhandlungen liegen nunmehr vor. Wie zu erwarten wrn, sind sie vorwiegend ablehnend, obwohl z. B. der Bezirks- verband Weftyorkshire für eine Annahme eintrat." Man wird das Gesamtergebnis der Umfrage abwarten müssen. um zu sehen, ob die Unternehmer selbst in diesem Punkte nicht nachgeben...........- Der Fleischermeister Georg Klohn, Sieglitz, Miquclstr. 24, will von organisierten Fleischergesellen nichts wissen und wird sich in Zu- kunft von jedem Gesellen, den er einstellt, schriftlich bestätigen lassen. daß er nicht sreigcwerkschastlich organisiert ist. Warum? Weil ein organisierter Geselle nicht damit einverstanden war, daß ihm 1.1 Wochen lang je 1,64 Mark Lohn zu wenig gezahlt wurde. Dem Tatbestand zufolge wurde �Klahn gezwungen, die Differenz nachzuzahlen. Konsequent, wie Fleischermeister immer sind, wird Herr Klahn auch in Zukunft an freigewerkschastlich organisierte Ar- beiter, Angestellte und Beamte keine Fleisch- und Wurstwarcn mehr verkaufen. Wir bitten die Steglitzer freigewerkschastlich organisierte Arbeilnehmcrschaft, hiervon Kenntnis zu nehmen. Die letztere hat die Möglichkeit, ihren Bedarf an Fleisch- und Wurstwaren in der 7. Flcischobgabestel!« der Konsumgenossenschaft Berlin und Um- gegcnd, Steglitz, Albrechtstr. S3a. zu decken. Sie Hot dabei die Ge- wißheit, daß das dort beschäftigte Personal sreigewerlschaftlich orga- nisiert ist und den Bestimmungen des Tarifvertrages entsprechend arbeitet und entlohnt wird. Z en t r a l v« r b a n d der Fleischer, Ortsverwaltung Berlin. Ve? zKisse Modeschuh ans prima Lackleder Mit Durokbracli und esitlichem Gummi..up. mit Blockabsatz, auch Louis XV Für die Herbstmonate brauu, echt Boxcalf, Spangen- gÖhulitt ir.it Scitendurch- bmoU und amerik. AbaaU, pi ima Qual. n. AnsiUhrg. Herren-Halbschuhe prima Lacklador in neuer,»losranter fonn. wo 1 1- a, eckt gedoppelt ■ rann, in allerr.cnester Form, prima Eabmenarrolt, aakr gutes Fabrikat Billige Damen-Strümpfe Vein Makko, t-ehr praiit. djr jflr den Herbat........... ö J 1 1- allerbest. Seloenflor In ▼lelen1 4 45 modernen Farben........... I •ohte Bembergeeide In mod. 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Mit Hilfe sinnifter Lieder, wie„Ein rheinisches Mädchen", oder„Q-udesmus igitur* und der„Lorelei" wird Stimmung aemacht, unentwegt den ganzen Abend über. Wenn den Ver» sassern überhaupt nichts mehr einfällt, dann stellt ein Lied zur rechten Zeit sich«in. Im Rundfunk singt man mit zäher Ausdauer während der ganzen Rheinfahrt, hinzukommen Erinnerungen an Burgen, Schlösser und Weine. Leider sang übrigens niemand„0 StoUen- sels am Rhein", ein Lied, das unbedingt in den Rahmen dieses Hör> bildes hineingepaßt hätte. Das Unglück der Hörbilder begann mit den„Berliner Höfen. Bemüht« man sich hier wenigstens, so etwas wie Milieu z» geben, wenn auch für den Kurfürstendamm zurecht- frisiert, so gab man nachher auch diese Bemühung auf und beschränkte sich allein auf eine mehr oder minder geistreiche Sammlung von Witzen. Allerdings erreichte das Hörbild erst mit der.Rheinfahrt" seinen tiefsten Stand. Ämmer wieder dieselben Personen, dasselbe Schema. Wa» soll»ur diese Uebung? Sie ist vollkommen zwecklos, st« interessiert keinen Menschen mehr. Natürlich kann etwa» au» diesen Hörbildern gemacht werden, aber man muß sich vor allem einmal darüber klar sein, was man geben will. Vielleicht ist hier tatsächlich ein neuer Weg gewesen, doch die augenblickliche Form oder besser Unform bleibt unmöglich Sie ist nichts weiter als ein« An- Häufung von Witzen, Sentimentalitäten rmd Liedern. Der Rundfunk müßte endlich an eine Reformiening dieses Genres denken oder die Hörbilder aus seinem Programm streichen. vss Rundfunkprogramm. Sonntag, den 12. September. 9 Uhr vorm.: Morgenfeier. 11.30—12 50 Uhr nachm.: Streichorchester des Obcrrnnsikmeistors a. D. Adolf Becker. 1, Richard Wagner: Freihcitsmarsoh der Römer aus der Oper.Hionxi". 2. Mac Roland: Flötenserenade aus dem Filmwerk„Pnedericus Rex*(Flöte: Herr Müller). 3. Köler Bela: RÄVAcy-Onrertüre, 4. Karl Millöcker: Fantasie ans der Operette„Der Peldprediger". 5. Adolf Beeker: IHe Bettlerin, Serenade. 0. Johann Strauß: Wiener Bonbon», Walzer. 1. Gertrud Ballni: Mignona 9. Nieo- demns Blasius: Prinz Karneral. Ouvertüre. 1.10—? 10 Uhr nachm.: Die Stunde der Lebendon. 1. Einfilhronde Worte: Professor Adolf WeiDmann. 2. Heina Tiessen: Duo für Violine und Klavier, op. 35; I. Satz; Allegro non troppo(Prilndium), 2. Satz: Andante quasi Adagio. 8. Satz;(Pinale) Allegro molto vivace. 0. Philipp Jer- naoh: Lieder au» op. 7 und 15; at Rilke; Lied vom Meer, bl Aus „Des Knaben Wnnderhorn", c) Heine: Der wunde Ritter, dl Falke: Das mitleidige Mädel. 4. Strawinsky: Die Oeschiobto vom Soldaten 1 Suite de l'Histoire du Soldat! fiir Klarinette, Violine und Klavier: Marohe du Soldat— Le violon du Soldat— Petit Conoert— Tango— Valso— Rag— La dnnse du Diablo. Ausführende; Wilhelm Guttmann, Bariton; Stefan Frenke), Violine; Leonhard Kohl. Klarinette; Philipp Jarnach, Klavier. 3 Uhr nachm.: Hane-Bredow-Sohule(Bilanngskurael. Abteilung Landwirtschaft. Regierungsrat Dr. Riehm:.Bekämpfung der Getreidekrankheiten durch Saatbeize". 3 30 Uhr nachm.:.Punkheinzelmann.„Funkheinzelmann am Teufelssoo" von Hans Bodenstedt Erzählt vom Funkheinzelmann. 4.30—6 Uhr abends: Blasmusik. Leitung: Kapellmeister Karl Woitschach.(Bei gutem Wetter üebertragnng an» dem Hanse dar Funkindustrie! Anschließend: Ratschläge fürs Haus. Theater- und Filmdienst 6 30 Uhr abends Studienrat Dr. Alfred John:„Wanderfahrten durch das Heilige Land"(1. Teil). 7 Uhr abends: Dr. Manfred Georg:„Die wunder des amerikanischen Alltags"(1. Teil). 7.25 Uhr abends: Hans Georg Albrecht:.Die Literatur Finnlands". 8 Uhr abends: Alfred Bchattmann: Einführung zu der Ueher- t ragung ans der ßtaatsoper am Platz der Republik am 13. September. 8.30 Uhr abends; 1.„Die Erde und der Komet". 2. Karl Ewald:„Der Regenbogen und der Storch"(Adele Proesler, Rezitation). 9 Uhr abends; Bunter Abend. 1. Bellini: Ach, einmal nur noch sehen, Arie der Anino aus der Oper„Somnambule" (Alezandrine Alexandrowa, Sopran). 2.»! Nardini: Adagio, b) Go- dard: Berceuse, o) Simonetti: Madrigal(Prof. Heinrich Grünfeld. Cello). 8.»ÜMeverbeer: Ihr Wangenpaar. Romanze des Raoul ans Oper„Die Hu Donizetti: Engel■ des Fernando ans der Oper„Die Favoritin", o) Verdi: Sie wurde der Oper„Die Hugenotten", b) so rein, Arie mir entrissen, Rezitativ und Arie des Herzogs aus der Oper „Rigoletto"(Adolf Dimano, Tenor). 4. a! Tschaikowsky: Chanson triste, b) Davidoff; Chanson»ans paroles(Prof. Heinrich Grün- feld, Cello). 6. a) Meyerbeer: Du leichter Schatten, Arie der Dinorah an» der Oper„Dinorah", b) Delibes: Glockenarie ans der Oper„LakmA", e) Gonnod: Mireille, Walzer(Älexandrine Alexandrowa, Sopran). 6. a) Uounod; Gegrüßt sei mir, o du heilige Stätte, Cavatine des Faust aus der Oper„Margarethe", b) Goldmark: Magische Töne, Lied des Assad aus der Oper„Die Königin von Saba", o) Puocini: Wie eiskalt ist dies Händchen, Arie des Rudolf aus der Oper„Boheme", d) Leomcavallo: Hüll' dich in Tand, Arie dos Canio aus der Oper„Bajazzo"(Adolf Dimano. Tenor). Am Flügel: Bruno Seidler- Winkler. Anschließend; Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetterdienst. Sportnachrichten. Theater- und Filmdienst. 10.80—12.30 Uhr abends; Tanzmusik(Taniorchester Ett4). Köni�swusterhausen, Sonntag, den 12. September. 9 Uhr vorm.. 11 30. 1.10, 3,30, 4.30, 8. 8,80, 9, 10,30 Uhr abends: TJebertragung aus Berlin. Montag, den 13. September. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4 Uhr nachm.: Zehn Minuten für die Frau(Dorothea Goebelerl .Die Frau als Friedensetiftorin in der Familie"). 4.30 Uhr nachm.: Novellen:„Die Schmiede seines Glückes", von Gottfried Keller. Gelesen von Karl Ebert. 5—8 Uhr abends; Nachmittagskonzort der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Franz v. Spa- nowski. Anschließend: Ratschläge für» Haus. Theater- und Film- dienst. 6.30 Uhr abends: Hans-Bredow-Schule(Bildungskurse). Abt Technik. Technische Wochenplanderei(Ingenieur Joachim Boehmer). 7 Uhr abends: Branddirelttor Paul Hammer: ,75 Jahre Berliner Berufsfeuerwehr". 7.25 Uhr abends: Hans-Bredow-Schule (Hochschulkurse) Abteilung Kunstwissenschaft Dr. Max Osborn: „Meister der klassischen Kunst(Leonardo da Vinci)". 7,45 Uhr abends: Inhaltsangabe und Personen Verzeichnis zu der Heber- tragung aus dem Staatstheater am Plata der Republik. 8 Uhr abends: Uebertragung aus der Staatsoper am Platz der Republik. Spielzeit 1926/27. 5. Uebertragung.„Ritter Blaubart". Bin Märchen- stück in drei Aufzügen von Hermann Eulenburg. Musik von E. N. v. Reznicok. Ritter Blaubart; Graf Nikolaus; Werner, sein Sohn; Judith. Agnes,»eine Töchter � Josua, der blinde Diener Blaubarts; Der Planer; Ratte, Heinz, Leichendiebe. Diener. Hochzeitsgäste, Leidtragende, ein Totengräber usw. Ort der Handlung: Der Wasgenwald. Anschließend; Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage, Wetterdienst. Sportnachrichten. Theater- und Filmdienst. Danach: Tanzmusik(Kapelle Kermbsch. Leitung: Kapellmeister Otto Kermbach). Königswusterhausen, Montag, den 13. September. 1.10—1.40 Uhr naqhm.: Stud.-Rat Friebel, Lektor Mann: Englisch für Schüler. 1.45— 1.55 Uhr nachm: Mitteilungen des Reichs- städtebundes. 8— 3.30 Uhr nachm.; Stud-Rat Friebel, Lektor Mann: Englisch für Anfänger. 3 80— 4 Uhr nachm.: Stud.-Rat Knebel. Lektor Mann; Englisch für Fortgeschrittene. 4—4.30 Uhr nayhm.: Dr. Hans Lebcdo; Theater der Gegenwart. 4.80—5 Uhr nachm.! Mitteilungen dos Zentralinstituts. 6— 5.80 Uhr nachm.; Else Steup: Praktische Bücher zur Vorbereitung auf hausfrauliche Tätigkeit. 8.30 Uhr abends: Uebertragung aus Berlin. Lcbcnsianilldic Garantie leiste ich als Selbsthersteller auf die bei mir gekauften Diiection der Disconto- Gesellschaft. Berlin Trauringe xu billigsten Preisen Preisliste 1° � lAA ÜMsüIW gratist n SllnSlz c«. 3000 St. aul l.szer•: Hermann Wiise, Birlin VSKH Ges. geschätzt | M OatSD* sii An flina slr jrtaettn RIhi ImrtiH lim iatro iio wlln Pnhi nrUtmann. I nach Dollar .cinschl i voSlerVen pflegung in dcrDrltlen Klasse ÄbllQ.fBrTwteteH: 115 Für Oescb&fU- and Bcsachsrciscn gsax besonders sa cnpfchlcn NOMWCIITSCIER LLOYD BRCNEN es«»«las Vstltetssgea In BerKu: Norddeutseher Lloyd Agentur Berlin Q. m.b.H., KajOten- bureau Unter dien Linden I(Hotel Adlon). ., F. 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Die Ab- I# teilung spricht dem in der Par- m tel sehr tätigen Genossen ihre » besten Glückwünsche aus »»ftoeeoe««1 RaslcrhlinSe. „etreuber* gciagslb"(früher HerteMasse die immer anertanut beste, lür verwöhnte Selbstrasierer, v Rllnltl L Ihr. Fach eeschliff. u.(teboetet, befigt biete Rtinoe eine Feinheit b. Schnittes die getabeju verblüffen b, wirtt Säal. Lob» u. Dankschrelb. beweisen bie erst- llaffige Qualität In 800 Geschäften(Brost- Berlins erbältiich. wo nicht, beim Fabrik. H. Strenbel, Berlin 33, Tabsrftr. 12. Dies versenbei 10 Kling S.75M.. babei i Raster- appaeal»b. Seile ab klingenschärfer geoti, Bettfedern aas ftfttt Hand, Vfb. grau 60 Bs, geschi. 00 Pf, 31lIPl ---- 1.7s, Halbbanne 2.7S, 4, weist Fiaumrupf 4, belle 5, Daune 7, weist 8-lO,SchIeistdaune 4. Oberbett, la ccbtfäcb. Räper, 8 Psb. 18. 18, Rissen. 3 Pfd. 3 50, 5 50 . aeaen Nachn. Muster. Peeisi. frei, ..... 9Ilf{fo. Süditpaßenb juriict Böhm. Beltlederaspezislhaus Sachsel& Stadler, Berlin C 12. Landsberger Str. 41 □Bn M., um die die Klage gehen sollte. Die Gcwerbegerichte waren erst im Entstehen begriffen. Als in Frankfurt a. M. z. B. ein Gewerbegericht längst vorhanden war, tonnte ein Geselle, der in Bolkenheim beschäftigt war, nur bejm Amtsgericht klagen. Die Polizei soll hier nicht vergessen sein. Denn sie Hot sich redlich um die„Ordnung" bemüht. Daß sie die Bescheinigungen über die Anmeldung einer öffentlichen Versammlung nicht rechtzeitig ausstellte und dann die Abhaltung der Versammlung verbot, weil die Bescheinigung sehlte, war ein gewöhnlicher Trick. Sic hatte auch die Pflicht, sich sorgfältig darüber zu vergewissern, ob das vor- gesehene Versammlungslokal den feuerpolizeilichen Vorschriften ent- sprach, ob der Saal nicht etwa baufällig war und dergleichen mehr. Sie mußte die Versammlungen gut bewachen, ob nicht etwa Jugend- liche sich eingeschlichen hatten, ob die Redner den Staat nicht in Gefahr brachten oder sonstwie die Ordnung zu stören beabsichtigten. Ihr Pflichteifer ging aber noch weiter. Die Fachverbände waren als politische Vereine oerpflichtet, der Polizei die Mitglieder und die Vorstandsinitglieder anzumelden, wie jeden Wechsel im Vorstand. Die Fluktuation brachte es mit sich, daß in den Borständen häufig Lücken entstanden, die wieder ausgefüllt werden mußten. War nun ein junger Gewerkschafter stolz darauf, daß er als Revisor, als zweiter Schristsührer oder gar als Vorsitzender gewählt worden war, dann hatte er es gleich mit der Polizei zu tun. Er wurde ihr ge- meldet und sie schickte am nächsten Tage schon einen uniformierten Beamten zum Meister, der sich recht auffällig nach dem Gesellen D. erkundigte. Der Bestürzung des Meisters und des Gesellen ob dieser Nachfrage machte der biedere Hüter des Gesetzes ein Ende durch die harmlose Frage an den Gesellen, ob er derjenige sei, welcher in der Versammlung des Zcntraloerbandes der Hufschmiede am soundso- vielten im Lokale von Ilebelmeier gewählt worden sei. Dann sei es gut. In derart hinterhältiger, sonst aber legaler Weise wurde der Meister polizeiamtlich davon benachrichtigt, daß er einen Roten, einen Aufwiegler und Hetzer in seiner Werkstatt habe, dessen be- sondere Gefährlichkeit sich aus seiner Wahl in den Vorstand ja ohne weiteres ergebe� Die Polizei hatte ihre Schuldigkeit getan und es lag sicher nicht an ihr, wenn der Meister den Gesellen trotzdem nicht fortschickte. Es wäre falsch, zu behaupten, daß diese Politik der Nadelstiche immer angenehin gewesen sei. Doch wie alles, hatte sie auch ihre gute Seite. Die Gesellen sahen die Zusammenhänge deutlicher, preßten die Zähne zusammen und sagten sich: Nun erst recht! Sie waren ja jung und die Welt stand ihnen offen. Diese Kleinigkeiten und Kleinlichkeiten gingen mit der Erfassung der Industriearbeiter und der Schaffung der llnternchmeroerbände ins Große. Ein alt gewordener, jüngst pensionierter Syndikus der Arbeitgebervereinigung empfahl dieser in seiner Abschiedsrede die Erneuerung der„bewährten Einrichtungen", die man vor 30 Iahren zur Bekämpfung der Gewerkschaften getroffen hatte: Unternehmer- arbeitsnachweise in Verbindung mit schwarzen Listen als Kontroll- stellen, Förderung der Getben, Bearbeitung der Regierung und Be- einflusiung der so unparteiischen Rechtsprechung. Denken wir an die Schikanen gegen Streikposten, die Einhaltsbesehle, die unverständ- lichen und doch so oersländlichen Urteile, insbesondere auf Grund 8 133 GO., die Versuche der Hastbarmachung der Gewerkschaften, die Schadenersatzklagen, das Vorgehen gegen die Gcwerkschafts- und Parteipresse, dann zeigt uns all das, daß den Gewerkschaften das Leben wahrlich sauer gemacht wurde. Trotz alledem sind sie eine Macht geworden, mit der wohl oder übel zu rechnen ist. der verbrannte Christus. Von Hans Iranck. (Schluß.) Als die Hüsgertbäuerin von der Beerdigung ihres Mannes heim- kam, schritt sie geradeswegs zu dem Betschemel im Herrgottswinkel ihres Hauses. Ueber dem hing ein gekreuzigter Christus: grob, lmgelsnk aus dem Eichenholz herausgeschnitten: oerzerrt, roh fast in seinem Schmerzensausdruck: und doch voll wilder Wucht und Kraft. Die allein auf dem Hof Zurückgebliebene beugte ihr Knie nicht vor dem geschnitzten Abbild des Gottessohnes. Aufrechten Hauptes trat sie vor den hölzernen Christus hin und macht« einen Pakt mit ihm. So wie man mit einem Nachbarn einen Pakt macht um«in Ackerfeld. um«in Stück Vieh. Schützt du mir mein Pitterke, hieß dieser Pakt, daß er gesund an allen Gliedern zurückkehrt, dann soll die Wachs- kerze zu deinen Füßen niemals ausgehen. Nicht Sommer— nicht Winter, nicht Tag— nicht Nacht. Bis an mein Lebensende. Die ein« Kerze will ich immer an der anderen anzünden, jede dick wie ein Kinderarm. Und du kannst mich mit der ewigen Verdammnis strafen, wenn ich es je oersäume. Schützt du mir aber mein Pitterke nicht, dann-- Di« Bäuerin sprach diesen Satz nicht aus. Sie dachte ihn nicht zu Ende. Immer wieder riß beim Dann-- ihr Denken, ihr Fühlen, ihr Dasein ab. Vom Pitterke kamen häufig Karten. Nicht frohen Inhalts wie vom Sepp. Aber ergeben und fchickfalswillig. Nie sandte er einen Brief. Das hatte die Mutter sich ausbedungen. Auf einer Karte tonnte man mit einem Blick sehen: Pitterkes Hand! War wichtiger als was dvauf stand. Aber bei jedem Brief, wenn man ihn zufällig verkehrt überreicht bekam, erst zittern: Vom Pitterke— nicht vom Pitterke? und wenn nicht vom Pitterke minutenlang ohne Herzschlag sein, bis man ihn aufgerissen und entfaltet hotte--- nein! das vermochte sie nicht. Es ereignete sich mit dem Pitterke dos Gleich« wie mit dem Sepp und dem Köbes: Wochenlang kein« Karte. An einem Dezember- mittag kam der Postbote mit einem markenfreien, von fremder Hand geschriebenen Brief. Die Mutter riß das Schreiben nicht auf. Sie wußte, was drin stand: Peter Hüsgert den Heldentod fürs Vaterland gestorben. Wo? Gleichgültig! Wann? Noch gleichgültiger! Gefallen! Gefallen!! Die Hüsgertbäuerin geleitete den Briefträger an das Hoftor und sah ihm nach, bis er ihren Blicken-entschwunden war. Dann ging sie in den Herrgottswinkel ihres Hauses und trat hochgereckt vor den hölzernen Christus über dem Gebetschemel hin.„Du hast," begann sie,„dein Wort nicht gehalten!" Ihr« Faust, auf das scharfkantig« Holz hinabsausend, gab diesen Worten Nachdruck.„Hast mich be- logen!" Wieder«in Faustschlag.„Betrogen!" Beide blutenden Fäuste trafen den Gekreuzigten.„Ich hätte mein Wort nicht gebrochen. Bis an mein Lebensende. Und wenn ich tausendmal- tausend Jahre alt geworden wäre! Du aber— pfui! pfui!!" Di« Bäuerin bespi« das hölzern« Abbild des Herrn. Aber Schelte, Schläge, Besudelung schafften den Wortbrüchigen nicht aus der Welt. Er hing noch immer zu ihren Häupten. Sah höhnisch auf sie herab. Lacht« ihrer. Für Schmerz hatte sie die Verzerrung seiner Züge jahrelang angesehen? Lachen war es! Lachen über die Torheit der Menschen, die an ihn, der sich selber nicht vor dem Tode schützen konnte, glaubten als an den Heiland, den Retter der Welt. Di« Hüsgertbäuerin zerrte das Kruzifix von der Wand herunter. Lief damit zum Ofen. Riß dessen Eisentür auf. Di« Kohlen fielen heraus. Sie achtete dessen nicht. Verbrennen wollt« sie den Betrüger der Menschheit. Dann war er gestrast. War er nicht mehr da. Lichterloh flammte das ausgedörrt« Holz in der Glut des Ofens auf. Di« Flammen schlugen nach außen. Was macht« es aus. Schon war der Verhaßte ohne Dornenkrone, ohne Haar. Jetzt schwanden Stirn und Augen. Zu langsam. Viel zu langsam. Mit aller Macht stieß die Rasende das Kruzifix in die Tiefe des Ofens. Die Flamm« fiel ihr« Hände an. Tat wohl. Tiefer hinein ins Feuer! Tiefer! l Bis der Gekreuzigte nichts als Asche war! Als die Kleider der Bäuerin Feuer fingen, floh sie nicht. Sie lachte wutverzerrt auf. Noch immer hatte der mit Menschenleid Erbarmungslos« Lech und Bein« und Füße. Zuhauf, ihr Flammen, daß er endlich hinschwindet! Zuhauf! Zuhauf!! Erst nachdem das Christusbild bis zu den Zehenspitzen Asche geworden war, verließ die lichterloh brennende Hüsgertbäuerin Haus und Hof. Vor dem Tor hob sie beide feuerumzingelte Arm« gen Himmel. Leute, die sie vom Tal her sahen, meinten, sie rief« um Hilfe. Aber die Verbrennende sang. Sie hatte sich gerächt. Sie war auf dem Wege zum Frieden. War auf dem Weg« zur Freud«. Heut« noch würde sie in jenem Lande sein, in welches ichr VLum wrrfi Hrr Köbes, ihr Sepp und das Pitterke vorausgegangen waren. Wie ein flammendes Fanal stand die brennende Hüsgertbäuerin vor der blauschwarzen Mauer ihres Hofes oberhalb Manderscheid. Als man aus dem Tal zur Hilfe kam. schlugen aus Haus und Scheune Flammen. Di« gemarterte Mutter war längst— gleich dem verbrannten Christus— ein Häuflein Asche. vlebeshomor. Diebe und Einbrecher zeigen bei ihrer gefährlichen Tätigkeit nicht selten gute Laune und treffenden Witz. So öffnete vor kurzem en, bekannter englischer Einbrecher, der letzt im Gefängnis über ferne Taten nachdenkt, eine Stahlkammer in einem Londoner Juwelier- laden und räumte den Inhalt aus. Die Firma benutzte das zu einer Reklame: st« stellte die Stahlkammer nämlich im«chaujenster aus und schrieb dazu:.Dieser billige Safe wurde durch Einbrecher ge- öffnet: wir haben ihn durch einen völlig diebessicheren ersetzt." Damit aber war der Ehrgeiz des Einbrechers angestachelt: er öffnete auch die neue Stahlkammer und hinterließ in ihr einen Zettel mit den Motten:.Danke für die Mitteilung von dem neuen Safe. Sie müssen noch bessere anschaffen. Dieser ist nur eine Sardinen- büchse!" Ein andermal wurde in einem Kleidergeschäst eingebrochen, in dem gerade Ausverkauf war. An der Tür war ein großes Plakat angebracht:.Nie wiederkehrende Gelegenheit, sich das Beste auszusuchen!" Die Einbrecher hatten darunter geschtteben:„Dank für die Aufforderung, wir haben sie befolgt." Ein andermal brachten die Diebe selbst ein solches Ausverkaufsplakat mit, das sie zu ihrer Entschuldigung zurückließen: sie statteten dem Schaufenster eines Iuwelenladens einen nächtlichen Besuch ab, und als die Angcftcllien am nächsten Morgen hinkamen, da fanden sie im Innern des Fensters eine große Tafel mit den in flammendem Rot gedruckten Motten:.Unser Lager muß geräumt werden." Guten Humor be- wiesen auch die Einbrecher, die nach Ausräumung eines Ladens das Plakat:.Wir haben unsere Preise rücksichtslos herabgesetzt" durch die Worte ergänzten:.Und wir Ihre Gewinne." Aber auch Geschäftsleute haben Sinn für Humor und stehen den Dieben nichts nach. Eines Tages warf ein Mann rntf einer Hauptverkehrsstraße in Southampton einen Stein durch das Fenster eines Porzellangeschäftes, ergriff eine wertvolle Base und entfloh. Eine qroße Menschenmenge sammelte sich, und sofott erschien im Fenster eine Tafel, auf der groß mit Tinte geschrieben stand:.100 M. Belohnung! Diese Belohnung wird demjenigen ausgezahlt, der Mitteilung machen kann über die Person, die den Stein ins Fenster warf und unsere Preise herunterbrachte! 10 Proz. Ermäßigung auf alle ausgezeichneten Waren im Fenster." Diese Reklame schlug ein, und es wurde binnen kurzem soviel gekauft, daß. dadurch mehr als der Schaden gedeckt war. Gefängnis. Von Klabund. Nun wird es wieder dunkel. Kein Stern tritt mit Gefunkel In meine Zelle ein. Die Wände schier erblasien, Und grüne Hände fasten Nach mir wie zum Gespensterreih'n. Wie wird es morgen werden? Kein Himmel hier auf Erden. Die Nacht so sanfte Wellen schlägt. Ich sinke wie verloren Umhüllt von schwarzen Floren In einen Fluß, der mich vön bannen trägt. * Draußen singt ein Vogel in der Welt. Draußen blüht ein blaues Frühlingsfeld, Draußen geht ein Mädchen Arm in Arm Oesterlich geputzt mtt dem Gendarm. Draußen sitzen satt im Restaurant Bürger bei Musik und Gobelklang. Auf der Burg von Nürnberg spielt ein Kind Mit den Wolken und dem Himmelswind. Und der Untersuchungsrichter streicht Seiner Frau das blonde Haar vielleicht. Draußen lächeln sie einander an: Greis und Säugling, Mädchen oder Mann. Draußen lieben sie einander sehr: Reh und Wiese, Sonnenschein und Meer. (Mit Erlaubnis des I. M. Spaeth-Vettages, Berlin, den.Ge- dichten" von Klabund entnommen.) vas bekannte haus See Großen weiten Kleiderstoffe Pullover-Stoffe em-ro<>ffz,w-d«, Meter 1.45 1.25 Neinwollene Karos neue Muster unö Zarben- O 0«% In* stell, ingen..... Meter �.80 1.95 Nips u. Nips-Papillon 190«>» breit, fBr RIeIber n.tt.IUi«», In«Uen in»». Znrbrn, rein« lv.U, Meter 8.20 7.50 4 SO Ottomane, Nopal-.Rips mit Velour»- Nückseite, ölt große Mantel-Neuheit, in hochapact. 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Im internationalen Treffen der Meisterläufer Zturmi-Finnland. Widc-Schweden und Peltzer-Deutschland über die ISOO-Meterstrecke siegte gestern auf der Lahn SC. Charlottenburg Dr. Peltzer-Stettin in neuer Weltrekordzeit von 3,S1 M i- nuten vor Wide lind Nurmi. Der Lauf war eine Sensation, und der Sieg Peitzers, der erst im Endspurt die Führung übernahm und mit VA Meiern vor Wide das Zielband erreichte, ein außer- ordentlich eindrucksvoller. Nurmi blieb weitere Meter hinter Wide zurück. „verufsboxkämpfe." In den Kammersälen in der Teltower Straße fanden „Berufsboxkämpfe" statt, für die als Beranftalter ein Herr N. Steff- gen verantwortlich zeichnete. Eine sogenannte„wilde" Veranstaltung, in der die Zuschauer— ebenso wilde„Box"°Kämpfs(lies: Schläge- reicn) zu sehen bekamen. Es war noch ein Glück, daß der große Saal nur mit knapp 100 Personen gefüllt war, sonst hätte es Tumultszenen gegeben, wie sie vielleicht im Boxsport noch nicht dagewesen sind. Dem Publikum präsentierten sich im Kampfring Boxer ohne For- mat, ohne Namen, von denen man nicht weiß, ob sie nach den Darbietungen überhaupt Boxer sind. Noch schlechter waren die Ringrichter und der Zlnsager, die überhaupt keine Ahnung von Bor- Veranstaltungen zu haben schienen. Die Kämpfe selbst arteten in wilde Schlügereien m-s. Obgleich nur mit Achtunzenhand- schuhen geboxt wurde, ging bestimmt einer der Gegner(vielleicht wegen der schlechten Gage) schon in der ersten Runde zu Boden. Dieses Theater wiederholte sich in allen Kämpfen. Ein Mittel- gewicht von 148 Pfund trat gegen einen mindestens 180 Pfund schweren Gegner an. den er trotz des Uebergewichtes in der zweiten Runde zur Aufgabe zwang. Wiederholt kam es zu recht erquick- lichen Szenen, die an Abschnitte aus amerikanischen Groteskfilmen erinnerten. Es ist dringend zu fordern, daß derartige Veranstal- tungen, die dem Ruf des Boxsportes ungemein schaden, in Zukunft unterbleiben. Rennen zu Karlshorst am Sonnabend, den 11. September. r. Rennen. 1. Abteilung: t. San Marco lBiedcrmannl, 2. Ainorette(Zachmeier). 3. Malbe(PetzeU). Toto: 197: 10. Platz: 57� 21, 64: 10..Zern er liefen: Mulatte, MenelaoS, Silberkotze. Loifach. Orla, Medina, Jliade.— 2. Abteilung: 1. Easter Liltz(Safch). 2. Miffion lW. Behrens), 3. Semper idem. Borcke). Toto: 359:10. Platz: 30, 13. 13: 10. Ferner liefen: Fateider, Fruhi, Entschlug, Theos, ges., Nero. 7. Rennen. 1. Prosper»(Moritz), 2. BenSberger Kadett(Oertel). 3. Gegenwart(Mannchen). Toto: 25: 10. Platz: 14. 32, 22: 10. Ferner Uesen: Majoran, GaurSbart, Blumberg, Enzian, Ciothilde. Die h euligen Rennen auf der Rütt- Arena versprechen schönen Sport. Erstmalig werden h eule aus der Holzbahn Rennen hinter Motoren vor sich gehen. Am Start werden Lewanow, Thomas, Paul Koch und Gölte erscheinen. AIS Schrittmacher fungieren W i t t i g, Humann, Schulz und W i e w e r a l I. Ein ersttiassiges i n t e r- national besetztes Fliegerseld wird ebcnsalls für spannende KampseSmomente zu sorgen wissen. Rcnnbcainn Z Uhr.—„Rund um Berlin". Der lalact des klassischen S t r a tz c n r e n n e n S ist heute früh b1], Ahr vor dem Grunewald-Stadion. Die Rennstrecke be- trägt 255 Kilometer.— Oer San Berlin de» BOR. veranstaltet anläßlich der Ankunft der Straßensahrer„Rund um Berlin" Bahnrennen im Stadion, die um 3 Uhr beginnen. Vorträge, vereine unü Versammlungen. # Reichsbanner„Schtoarz-Rot-Gold". «eschlftsstelle: Berlin® 14, Eebastianstr. 37/38, Hof I Tr. Tiergarten: llameradschaft Sans«, Mi., d. 15., abends 8 Uhr. bei Berger. Zusammenkunft.— Weddiag: Abt. 1, Di., d. 14., abends 8 Uhr, Abt.-Berf. bei Srllger, Huksttenstr. 34. Tagesordnung wird dort be- ianntgsgeben. Mitgliedskarte lcgUimiert.— Zieutölln-Britz: 1.«ameradschaft, 2. Zug. Mo., d. 13., abends pünktlich 8 Uhr, Zugvers, bei Bähte, Wildenbruch-, Ecke Wcserslratze. Erscheinen oller aktiven und passiven Kaineraden Pslicht.— Schövebera-iZriedenou: Komcradsäiait Rathaus, Di., d. 14.. abends 8 Uhr, Kanieradschaftsvers. bei Knopf. Mlthlenstr. S. Alle Kameraden, auch passive, sind eingeladen. Kameradschaft Nollendorf, Mi., d. 15., abends 8 Uhr, im Lokal Treptow, Kyffbäuler-, Ecke ffranlenstratze, Kamevadschoflsvers. Wegen der wichtigen Tagesordnung ist es Pflicht oller Kameraden, zu erscheinen. Große Knndgcbuua des Reicheverbandes des Lohngewerbes der deutschen Textit- und Bekleidungsindustrie(Bezirksgrupve Berlin und der Provinz Brandenburg) am Mittwoch, 15. September. 8 Uhr, in den Musiker-Festsä/cn, EW. Kaifer-Wrlhetm-Str. 31. Tagesordnung: 1.»> Der Streik in der Leicht» konfektion(Sckillrzen- und Unterrockbranche). d) Di« rechtsverbindlichen gach- ausschusilähn« und deren Ziichterfitllung durch die ssabrikanten. c) Di« unhaltbar« Stellung der Lohngewerbetreidenden in der Berliner Bckleidnngsinduftri«. Referenten: Herr Berbandssekretär Richard Hochschild und Herr Berbandsvor» sitzender. Emil Drews. 2. Frei« Aussprache. 3. Entschlictzuna. Berei« der Zreidenker stir iscuerbestattun». 131. Abt. Ricderschönhausea. Die Zahlstoll« ist jetzt beim Genossen Rochier, llhlanbskr. 3. Zahlftunden Dien»- tag» und ffreitag» von 7—8 Uhr abends. «rbeiter-Radio-Klnb Dentschlanb-,«. Berlin SO.«. Oraniensir. 182. Bezirksgruppe Berlin. Nächste erweitere Bo-stanbssitzung Mittwoch, 15. Sep. tember. Gruppe Eharlottenburg: Jeden Dienstag Äielanbsir. 4.— Gruppe lZriedrichohain: Jeden Montag Warschauer Str. 58— 59.— Gruppe Kottbusser Tor: Jeden Donnerstag Adalbertstr. LI. Voranzeig«: Am A). September großer kultureller Bortrag.— Gruppe Lichtenberg: Jeden Dienstag Kronprinzenstr. 27. Ba ranzige: Am 21. Seviember Werbeabend mit Aufstellung sclbstgrbauter Apparat«.— Gruppe Lichterfelde-Ost: Jeden Freitag Lorenzsir. 56.— Gruppe Reuiöllu: Jeden stzreitog Prinz-Handsery-Str. 70. Voranzeige: Am f). und 10. Oktober veranstaltet die Gruppe eine Allsstellung im Lokal Gambrinu«, Kaiser-ssriedrich-Str. 86, Inhaber Max Rudolph.— Gruppe Prenzlauer Berg: Jeden Donnerstag Schänhauser Alle« 134d. Am 16. September Fortführung der Bortragsreib«„Bom Schwachstrom zum 5tadio". Dozenr E. Auguftin.— Gruppe Sch-neb-rg: Jede» Donnerstag Sedanstr. SS. Am 16�Sep,«mber Vor- trag des Dipt.-Ing. Mendelsobn.— Gruppe Südost: Jeden Donnerstag Sorauer, Ecke Görlitz«« Straß«.— Gruppe Weddiug: Jeden Donnerstag Pasiwalker Straße 8.—»rnppe«ilmersdors: Jeden Freitag Augustastr. 18. Ktjstr Überast willkommen l' Sozialistische Arbeiterjugend Groß-öerlin. Genostinuen und Gcnoffen. die zur Jugendweihe als Ordner tätig fein wollen, tieften sich heute, Sonntag, vormittag 9 Uhr am Großen Schauspielhaus, Eingang Schiffbaucrdamm. Heute. Sonnlag. 12. September: Schönhauser Vorstadt I: 10 Uhr vormittags Flugblattverbreitung bei Gold- schmidt.— Friedenau: Treffpuntt nachmittags 1 Uhr am Friedrich-Wilhelm- Platz(Haltestelle) zur Teilnahme an der Wcrbefeier in Lankwitz.— Wannfee: Beteiligung am Werbefest in Lankwitz.— Zehlendors-West: Tresspunkt',512 Uhr am Bhf. Zchlendorf-Mitte zur Beranstoltung in Wannsee.— Lankwitz: Werbe» fest. Tresspunkt morgens'�8 Uhr Bhf. Lichterfelde-Ost. S Uhr Bhf. Lankwitz. Nochmittaos 2 Uhr Demonstration durch Lankwitz. Abmarsch 2 Uhr vom Sport- platz am Gemeindevark. Abends(47 Uhr Wcrbefeier in der Aula des Lgzeums in Lankwitz. Anschließend Fackelzug zum Dahnhos Lichterfelde-Ost. Unkosten- beitrag 30 Pf.— Südost(Görlitzer Viertel): Treffpunkt zur Flugblattver» breitung 8 Uhr früh bei Eichholz. Cuvrnstr. 23. Werbebczirk Reuköll«: Treffahrt nach dem Plötzcnsec bei Bernau. Um 12 Uhr auf der Wies« am See Treffpunkt. Fahrpreis 50 Pf. Werbcbezirk Teltowkaual: Der Werbcbezirk beteiligt sich geschlossen am Werbesest in Lankwitz. Zur Kundgebung um 2 Uhr müssen alle erscheinen. Fahnen und Miisilinstrument« mitbringen. Rlorgen, Montag, 13. September, abends 7� Uhr: Moabit IT: Gemeindeschule am Stephansplatz. Bortrog:„Jugend und Großstadtxefahren".— Südwesten: Bunter Abend im Jugendheim Lindenstr. 3. — Frjedenan: Jugendheim Ostenbacher Str. 5a. Amstetdarn-Abend mit Lichtbildern.— Schoneberg III: Jugendheim Hauptsir. 15. Vortrag:„Arbeiter. jugend und Gewertschast".— Westen: Jugendheim Hauptsir. 15. Bortrag:„Der Streik al» politisches Kampfmittel".— Hetacholtzplatz: Rote Schule, Greifen» Hagener Straße. Vortrag:„Der Marxismus"(Fortsetzung). Werbebezirk Neukölln: Jugendheim Eanner Straße. Uebe» de» Sprech chor» zur Werbefeier. Alle Genossen müssen sich beteiligen. Werbebezirksmilgliederversammlungen Dienstag. 8 Uhr: Werbebezirk Schöneberg: Jugendheim Hauptstr. 15.„dialoou ä«»otd". R� fcrent Genosse Wolter Moschke. Werbebezirk Teltowkanal: Jugendheim Mariendorf, Ate Schul«. Dorfstr. 7, Referent Genosse Sottsurcht. Thema:„Die Bedeutung der Gewerkschaften". Gefthäftliche Mitteilungen. „Herbst- und Winierncuhetten" lautet das heutig« Inserat de» Kaufhauses Fr. Hahn am Alexanderplatz in der vorliegenden Zeitung. Wenn das warm« Wetter oucki noch den entschwundenen Sommer vortäuscht, so trennt uns nur noch«ine klein« Anzahl von Tage» vom Herbstanfang. Das damit«insetzend« kühle und kalte Wetter erfordert die entsprechende Kleidung für Damen, Herren und Kinder. Aber nicht erst beim Eintritt des Bedarfs fvlllc man sscki diese, schon Uber 100 Jahr« bekannten Kaufhauses erinnern, sondern bereits setzt für den kommenden Herbst Vorsorgen und das heutig« Inserat des Kaufhauses Fr. Hahn am Alexandervlotz genau beachten. An alle Rauche:! Mit Recht beansprucht die neue Zigarette Massaru Perl« zu 4 Pf. das Stück die volle Beachtung des Raucherpublikums. Es ist erstaun- lich, mit welcher Schnelligkeit die Zigarette populär geworden ist. Bei der Her- stell ung werden nur rein orientalisch« Tabake verwendet, so daß die Mossary Perle mit Recht eine orientalisch« Perl« genannt werden kann. Di« Rachfraae steigt von Tag zu Tag,«in Beweis, daß die Zigarette die Herzen aller er- obcrt hat. hervorragend bewährt bei: Gicht, Rheuma, Ischias, Grippe, Nerven- unü Kopfschmerzen, L Erkaltungskrankheiten. Togal stillt die Schmerzen und srfieide.' die Harnsäure aus. Keine schädlichen Nebenwirkungen.— Fragen Sie Ihren Arzt!— In allen Apotheken erhältlich. Bestandteils: 12,6 lith. 0,46 chin. 74,3 acid. acet sal. ad 109 arnyl. 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Der Film soll mehrer« Millionen Dollar gekostet haben, Zehntausende von Menschen sind bei ihm beschäftigt worden, unzählige Kilometer Film werden gedreht, aus denen schließlich vier herausgeschnitten werden. 50 Kameras sollen gearbeitet haben usw. Fabelhaft war der Erfolg in Amerika. Da» begreift sich, denn der Film ist ja echt amerikanisch. Seine Lorlage, der gleichnamige Roman von Lew Wallace, hat Millionen Leser drüben gefunden, eine dramatische Bearbeitung ist zu ungezählten Malen über die Bretter gegangen, und so mußte auch der Film, der die szenischen Wirkungen ins Kolossale steigerte, gefallen. Ja. er ist echt amerikanisch, er entspricht den bigotten Bedürfnisten, in» dem er ganze Szenen aus dem neuen Testament, wie die Reise nach Bethlehem, das Erscheinen des Sterns, die Weisen aus dem Morgenland« und die Hirten sowie später die legten Tage Christi in Jerusalem mit den Szenen vor Pilatus sowie Wundertaten wäh» rend der Kreuztragung vorführt. Diese biblischen Bilder sind nach berühmten Gemälden von Rubens, Leonardo da Binci(Das Abend- mahl) und Munkacsy zusammengestellt und werden nach dem Trikoloreverfahren farbig vorgeführt. Während die biblischen Geschichten den Hintergrund abgeben— Christus erscheint nur mit seiner Hand, die ganze Figur darf nicht gezeigt werden!—, füllen den Vordergrund die Schicksale des jüdi- schen Prinzen Ben Hur und seiner Familie. Er wird, von der Höhe seiner Stellung herabgestürzt, zum Sklaven auf einer römischen Galeere, findet Gelegenheit, den römischen Feldherrn Arrius zu retten, wird von ihm adoptiert und steigt aus zu dem berühmtesten Wogenlenker Roms. Aber die Sehnsucht treibt ihn in die Heimat, um das Schicksal seiner Mutter und Schwester, die im Gefängnis schmachten, zu erfahren. In Antiochia siegt er in dem großen Wagenrennen und triumphiert über seinen ehemaligen Freund und späteren Todfeind, den Römer Mestala. Von jetzt ab berührt sich Ben Hurs Geschichte mit der Bewegung Christi. Ben Hur sammelt Legionen, um Christus zum jüdischen Königwm zu verhelfen, aber er muß erfahren, daß dessen Reich nicht von dieser Welt ist, und findet Ersatz in der Liebe der blonden Esther und der wieder- gefundenen Mutter und Schwester, die Christus auf seinem letzten Wege vom Aussatz befreit hat. Echt amerikanisch ist das Liebes- Verhältnis von Ben Hur und Esther: sie könnten beide aus der 5. Avenue sein. Der dritte echt amerikanische Faktor des Films sind die Mastenszenen, die wirklich im gleichen Umfange noch niemal» geboten worden sind. Wir sprechen nicht von dem wimmelnden Marktleben und dem Einzug der römischen Legionen in Jerusalem, nicht von dem Aufgebot von afrikanischen Mauren, von Rubiern und Arabern, von Juden. Römern und Griechen. Es gilt, die große Seeschlacht und das Wagenrennen in Antiochia gebührend zu würdigen. Eine ganze Flotte wurde in Livorno gebaut, römische Galeeren, in deren Bauch in drei Reihen übereinander die Sklaven angekettet das Ruder führen, und die Schiffe der Piraten. Mit ungeheurer Wucht stürzen sich die Piraten aus die römische Flotte, entern die Schiff« und setzen sie in Brand. Unerhörtes Detail grausiger und brutaler Szenen wird gezeigt, um den Eindruck der Echtheit zu erwecken. Ganz im Stil« Bornum» und Baileys, die bekanntlich den Monstrezirkus erfanden und von allem, was es auf der Welt Merkwürdiges gab, das Meiste und Größte hatten, ist das Wagenrennen in Antlochia. Wenn die Quantität entscheidend wäre, wäre dies das größte Filmerlebnis der Welt. In einer Riesen- arena, in der Zehntausende von Zuschauern sitzen, geht der Kampf der Viergespanne vor sich. Das bewußte amerikanische Tempo ent- artet zur Raserei, und die technischen Aufbietungen, die man machen mußte, um die tollen Szenen aufzunehmen, gehen in» Groteske. Automobile fahren neben den Gespannen, um sie aus der Nähe auf- zunehmen, Einbauten sind geschaffen, um die jagenden Roste von unten zu photographieren. Die schönsten weißen Hengste, die söge- nannten Lipizzaner, hat man sich aus Wien verschafft, und sie wirken in der Tat wunderbar. Wer von den Kolostalszenen nicht ganz erschlagen ist, wird viel Schönes an den stilleren Punkten der Handlung finden. Packend ist der Zug durch die Wüste, den jüdische Gefangene unter römischer Eskorte antreten müssen, geschildert, unheimlich das Tal der Aus- sätzigen, ergreifend die Szene, da Ben Hurs Mutter, die Aussätzige, ihrem schlafenden Sohn sich naht und doch ihn nicht zu berühren wagt, fowu __ owie manches andere. Aber sowohl das Biblische(Kunst aus zweiter Hand), wie das Amerikanische(die Liebesgeschichte) und das Schwelgen in Mastenaufgeboten lasten uns innerlich kalt. Man ist erstaunt und erregt, aber eine innere Teilnahme wird nicht lebendig. Gewiß muß man die Leistungen des Regisseurs Fred N i b l o bewundern, der das Unmöglichste möglich machte. Gewiß ist der Vertreter des Ben Hur Ramon N o v a r r o ein Mensch von sellener Schönheit und durchaus nicht von der süßlichen Art, der seinen gestählten Körper wunderbar in der Gewalt hat. Und auch Seilage des vorwärts Frances B u s h m a n stellt einen kraststrotzenden Römer von präch- tigster Gestalt dar. Dagegen ist Mae Mc A v o y als Esther die typische süße Amerikanerin. Pon den Darstellern der biblischen Szene ganz zu schweigen, die ganz im Konventionellen stecken bleiben. Rassig ist nur Carmel M y e r s als ägyptische Courttsane. Die Ufa wollte hinter den Amerikanern nicht zurückbleiben. Sie bot große Ausmachung mit Jupiterlampen vor der Tür, die alle Zelebritäten aufnahmen und durch das Rattern der Motore össent- liches Aergernis erregten, und einem entzückenden Blumenbeet, das in wechselnder Beleuchtung auf der Bühne ausgebaut war. O. ,Vie Unehelichen.� (Capilol.) In diesem Film liegt ein tiefer Ernst. Man wollte ein soziales Problem gestalten und ließ amtliches Material des Vereins zum Schutz der Kinder vor Ausbeutung und Mißhandlung bearbeiten. Das Manuskript verfaßte L. Heilborn-Körbitz. Sie ist routiniert im Zusammenschreiben eines Filmmanuskripts, doch ist es chr nicht gelungen, das soziale Problem zu erfassen. Ihr Text ist salbungsvoll, und ihre Errettung aus dem Sumpf ist die Wohltätigkeit der Reichen. Drei Ziehkinder haben bei ihren Pflegeeltern, einem Säufer von Mann, einer Schlampe von Frau, die Hölle auf Erden. Der Aeltefte, ein Junge, muß für den Trunkenbold arbeiten. Als der Ziehvater einmal in einem Tobsuchtsansall das Kaninchen, die einzige Freude der Kinder, au» dem Fenster wirft und so das Tier tötet, begehrt der Junge gegen ihn auf Der entmenschte Mann schlägt ihn furcht- bar. und der Flurnachbar, ein Schneidermeister, droht mit der Polizei. Beim Begräbnis des Kaninchens erkältet sich Lotte, das Zweitälteste Mädchen, wird nicht gepflegt und verkommt an Lungen- entzündung. Der Jung« sälschl den Totenschein, weil er.verhungert" darauf schreibt. Als er behördlich gefragt werden soll, entflieht er und gerät unter ein Automobil. Nachdem er aus dem Krankenhaus entlasten, nimmt eine sehr reiche Dame sich seiner an. Nun schwelgt er im Luxus, bis der uneheliche Vater seinen Sohn adoptiert, da er auf seinem Kahn eine Hilfe braucht. Auch dieser Schiffer ist ein Säufer. Peter entilieht, wird zurückgebracht, stürzt sich ins Wasser und landet schlicßluy in den Armen der reichen Dame. Dem jüngsten Ziehkind geht es auch gut, denn es ist zu einem Mühlenbesitzer ge- bracht. Also, die Armen, wie die Zieheltern, auch die zwei Freundinnen der Ziehmutter, selbst der Schiffer sind verkommene Subjekte, aber die.gehobeneren" Stände, wie der Schneider, der Müller, die reich« Frau sind die wannherzig Guten. Beim Schiffer hätte die Schnapsslasche ganz bestimmt fehlen können. Zwischen härtester Arbeit und üppigstem Wohlleben gibt e» sowieso Konflikt- hätte die Schnapsslasche ganz bestimmt fehlen können. stoffe genug. Dennoch, Gerhard L a m p r e ch t schuf einen hervorragenden Film. Wie dieser Regisseur die geringste Kleinigkeit sorgfältig aus- malt, ohne durch sie den Gesamteindruck des Werkes zu stören, ist wunderbor. Lamprecht liebt nicht die Tendenz, er ist nicht furchtbar in seiner Anklage, aber er ist ein Milieuschilderer von unwidersteh- licher Eindringlichkeit. Vier Kinder beschäftigt er für den Film. Ralph Ludwig, der den Peter spielle, war schauspielerisch vorgebildet. Er wartete mit einer reifen Leistung auf. Die anderen drei Kinder, Alfred Grosser, Margot Misch und Fee Wachsmuth, entdeckte der Regisseur für diesen Film. Lamprecht ließ ihnen dankenswerterweise ihre volle Natürlichkeit, er förderte bei ihnen nicht den begreiflichen Wunsch, irgendwie zu glänzen. Sie sind Kinder, weiter sollen und brauchen sie nichts sein. Die Schauspieler Bernhard Goetzle, Hermine Stcrler, Max Maximilian, Margarete Kupfer, Eduard Rothauser und Elsa Wagner gaben ihr bestes Können, und so entstand, trotz mangelhaften"Manuskripts, ein Kunstwerk von imponierender Ge- schlostenhcit. wohl imstande, größtes Aufsehen zu machen und, was noch wichtiger ist. den einen oder den anderen zum Nachdenken anzuregen._ e. d. „Die Tat ohne Zeugen.' (Ufa-Palast am Zoo.) In dem Augenblick höchster Not. als das Opfer keinen Weg zur Rettung mehr findet,— die Verbrecher zerschlagen bereits die Tür—, da hilft diesmal der Himmel selbst. Ein Zyklon setzt zur rechten Zeit ein, knickt Bäume, fegt Häuser fort und begräbt die Verbrecher unter splitternden Balken. Nur das kleine Mädchen, das ihren Geliebten vom Mordverdacht reinigen will und sich deshalb bei einer berücktigten Einbrecherbande einschlich, kommt mit dem Leben davon. Das glückliche Ende ist da, der Polizeichef von Chi- tago ist jetzt von der Unschuld des Geliebten überzeugt. Und der brave Mann hat wirklich nichts Böses getan. Seine Frau ist von einem anderen erniordet worden, nämlich von Clarke, dem Haupt der Verbrecherbande, mit dem sie ein nicht gerade einwandfreies Verhältnis angeknüpft hatte. Das Schicksal belohnt die Tugend- haften.... Die Sache wäre bei einer braven, deutschen Regie un- erträglich, die Amerikaner lasten wenigsten» die Handlung in wildem Tempo herunterrasen. Der Film setzt ganz schlimm ein mit Mode- Vorführungen, mondänes Tanzunterhaltungen und ähnlichen Ueber- flüssigkeiten. Eifersuchtsszenen und Mordanschläge, geballte Fäuste und verweinte Augen fehlen selbstverständlich auch nicht. Aber zum Schluß wird es bester. Das Tempo steigt, die Situationen werden immer verwickelter. Manchmal sieht es aus, als ob der Regisseur D. W. G r i f f i t h eine Parodie auf das übliche Abenteurerdrama stellen wollte. Einige Situationen, wie die Verfolgungen im Hause der Verbrecher, erinnern an Fix- und Fax-Grotesken, auch die über- trieben« Mimik der Darsteller läßt die Vorgänge ebenfalls als nicht besonders ernst erscheinen. Trotzdem handelt es sich hier nicht um einen witzigen Parodiesilm. Die ausgezeichnete Regie, die keine Hindernisse kennt, die«rstNassige Photographie vor allem in der Zyklonszene täuschen über die Verkitschtheit des Manuskript nicht hinweg. Immerhin wirken diese amerikanischen Machwerke nicht so vernichtend wie deutsche Sentimentalitätsausbrllche, denn der Regisseur denkt immer filmisch. Aber der Wert eines guten Manu- jkripts zeigt sich immer wieder. Man konmit schließlich zur ent- schieden«« Ablehnung dieser amerikanischen Fabrikate trotz ihres Tempo», trotz der geschickten Verknüpfung der Handlung, trotz der Spannung, denn der Stoff ist seit langem abgedroschen und bietet dem Europäer nichts mehr. Die Darstellung war durchschnittlich, Carola 2) em pst er kokettiert mit ihrem neckischen Lächeln und entwickelt große, akrobatische Fähigkeiten... F.®. ,6pf$en." (Alhambra.)' Der Untertitel de» Film» ist gleichzeitig lein« beste Chorakte- ristit. Er nennt sich.eine 5triminalafsäre au» Schloß und Spe- lunke". Warum man diesen verschollenen Roman von Paul Lindau wieder ausgegraben hat, ist unerfindlich, es sei denn, man hätte au» der Kontrastierung der vornehmen und der Verbrecherwelt be- sondere« Kapital schlagen zu können vermeint. Aber diese In- terieurs, diese Bälle und Feste, diese Bilder au» den Verbrecher- kellern, solche Gerichtsverhandlungen und solche Duelle sind ja alle schon dagewesen. Nur aus dem Höhepunkt weiß der Regisseur Holger-Madsen wirklich zu spannen und da» Interesse zu konzentrieren, wenn bei der einst geliebten Frau Juliane Gräfin Jseneck Fürst Ulrich von Engernheim nachts zu Besuch ist, während von nebenan das Safe der Gräfin von Dieben, unter Beihllfe ihrer Dienerschaft, erbrochen wird. In diesem Safe sind die ganzen Klein- odien und vor allem ein kostbares altes Spitzentuch, an dem sie besonders hängt. Aber sie lehnt alle Versuch« ihre» Freundes von einst, ihr zu helfen, ab, weil sie ihn in keinen Verdacht oer- wickeln will. Der Einbruch kann ruhig vor sich gehen, damit der Fürst Zeit gewinnt, ungesehen zu entweichen. Die Diebe werden trotz aller Vorsichtsmaßregeln gepackt und zu schweren Strafen ver- urteilt. Vergebens haben sie versucht, den Fürst in die Affäre zu ziehen. Durch einen Meineid schwört er sich frei. Juliane hatte in jener Nacht die Freunstschast des Fürsten wiedergewinnen wollen. da sie sich in ihrer Ehe mit ihrem viel älteren Gatten unglücklich fühlt. Aber über all den Wirkungen ist sie irrsinnig geworden, ihre einzige Freude ist es, Spitzen zu klöppeln. Die Affäre nimmt ihren Fortgang, als die Verbrecher ihre Straße abgesessen haben und nun mit Erpressungen weiter arbeiten. Ein übel beleumunde- ter Etandesgenosse, der von dem Fürsten schlecht behandelt wurde, greift ein. Es kommt zu einem Duell zwüchen dem Grafen und Fürsten, in dem der Füllst erschossen wird. To endigt die Kriminal- affäre. Elisabeth P i n a j e s f ist die vUnachlässigte und später irrsinnige Gräfin Juliane. Sie vermag vuf die Dauer durch den ewig gleichen Gesichtsausdruick nicht zu sesteln. Da» Entzücken aller sungen Mädchen ist Egon v,onJordapals Fürst. Evelyn Holt, seine Braut, hat nicht viel m chr zu tun, als hübsch zu sein. Charak- teristische Typen der Verb» echerwelt sind durch Arthur B e d e r, Dagmar Murzewa uni> Arne Werl vertreten. Adalbert v o n S ch l e t t o w ist ein seihr routinierter Kriminalkommissar, r. ,§räulein Jofottt— Meine Jcou." (U. X. kursürsicadamm.) Pierre Gerault schuf einst ein lustiges Bühnenwerk, und es ist! viel wert, daß der Film ihm nicht», von seiner Lustigkeit nahm. Da- f bei jchrieb Hans Jakob kein knalliges Filmmanuskript, im Gegenteil, er steckt tief in der Literatur: doch gab er dem Regisseur Gaston Ravel Gelegenheiten genug, ein leichtbeschwingtes Werk zu schassen. Wie nett erzählt der in fechs Akten die Geschichte eines Ehever- träges. Und der beglückende Sichluß mit den drei Paaren, die sich zusammensetzen aus Patenkind und Scheinehemann, au» gedachtem Ehemann und Orientalin und aus Hausfreund und Hausfreundin, � ist nicht nur der Erwartung(jemaßt, er befriedigt das Publikum zugleich. Das hat sich bis dahin gut unierhalten, denn die Innen- aufnahmen find von auserlessnem Geschmack, die Landschaftsous- nahmen von seltener Schönheit und die Darsteller von ansteckender. Irohlaune. Allen voran Dolly Davis. Sie ist glaubhaft als Sieb- zehnjährige, kindlich, unausgeglichen, halb Range, halb Dame: ein Schmollmäulchcn, ein paar Zlugenaufschlägs, ein paar Handbewe- gungen sind wertvollste Erläuterungen. Alles in allem: sie ist eine Filmkünftlerin. Livio P a v a n« l l i war glänzend als Andre Fer- nay. Einem solchen Mann kann es nicht schwer fallen, trog feines Alters noch Erfolge zu erringe». Auch die anderen Darsteller und der Photograph Otto Kanturek trugen das Ihre zum Erfolge des f Films bei.— g. � Tliealcr LlChifplele ulw. Staats-Theater Opernhaus a. Platz d.Republ. 7 Uhr; Rienri Schauspielhaus ZVa Uhr: Doppel« Selbstmord 8 Uhr. Die Rauber Schiller-Theater 8: Die Weit, in der man sich langweilt Wws Oper Charlottenburir 7 Uhr: Aida Abonn.-Turnus II Deoldiss Theater Norden 10334—38 ii Uhr; AndrokPut und der Löwe Von Bernard Shaw Re gie; Erich Engel Kanmerspiete Norden 10334—38 H Uhr: Und Pippa tanzt... v. Gerh.hi aiip! mann Reg«: Heinz Hilpert Die Koinodie Bismarck 2414, 7516 8 Uhr; Die Gefangene Von ßourdet Regie: M. Reinhardt Kurfürst 0456 8 Uhr: Internat. Variete Sonntacs 330 zu ermall.!� reis. das volle Programm (Der Eid des Fürsten Ulrich) Nach dem Roman von Paul Lindau Regie: Holger Madsen In den Häuptrollen: Elisahcih Pinajeff/ Olaf Fönss Evelyn Holt/ Egon v. Jordan/ Robert Scholz/ Hanni Reinwold/ Heinrich Peer National- Film A.-G., Berlin Urauffii&rumg SÄ6»«S s. 7, g» Hans May dirigiert Kurfürstendamm 63 EinHWür-3Dbwi ineaier HOniwrejzJir. T.:Hasenheid�llC 8 Uhr- Zweimal Oliver KomOdientiani Telj Norden 6304 8 Uhr üerfv.Jaint-OblD Deutsches KQnstl.-Theater h'/4 Uhr; Veronika Lessina-Thealer 8 Uhr; Cromweli Ttu LlDtfüntadinin 8 Uhr: Lostspielhaus IV."" Uhr Kukuli Philhanoali � Uhr Eieiipsta des Philharm.Orch. Dirig Proi. Prfiwer Das Oberwälilgende Staransemblei Alma Barnes» Erika Gläßner• Clalre Waldoff. Wilhelm Bendow Curt Bols» Louis Douglas Hans W aß mann. Marion Palfl 150 Girls 150 400 Mitwirkende Bemard Ettö'a Jaxz- Symph onle-Orchester 45 Solisten Anfang S'/«/ Ende präc. 1 1 Uhr Out» SHxplBtzo Im grCSIan und achönstun Theater Oeutachlanda vottM. t— mm. Sonntag nachm. 3 Uhr ungeh. Yoraiellung im arm. Pralsan. GROSSES SCHAUSPIELHAUS Volks kühne Tb. am Sdiiffbaueirianin Theater aci Sülowplali 8 Uhr: Ger iWe Klidnü Morgen 7'/, Uhr; Paust TSglich 8 Uhr; Bas Graimal des unkehannteii Soldaten. | gK03K4Et SeH»'JSfl.Tt.HAUsl c ��urjyuE Die Revue des überwältigenden Starensembles verfasat und Intatnlart von ERIK CHARELL rs,I.»1, Uhr ENaa PaaraiSE 11 UMII Pro« MK.«. DU Mk. is— so«!»!» 3 Uhr•uiwwrk. Vontollng n arm. freuen Vorrartul«m U? nr HanKrtranSM Th. Im Admlralspalant Die neue HJILLER REVUE Dar unUhartraffhara Erfolg j HtlltO O Vorstallungani UBUIK � Su. an. Uhr. Nachm. I d. ganze Vorst z. halben Preis.| Hfl Vorverkauf ununterbr.\ KRONE Kaüer-» �BÄrsS! Telephon Pfalzburg 7915, TEgltch abends 8 Cbr Heute, Sonntag M- 2 Vorstellungen-W ndiumlttcü« 4 und abends 8 Ihr Preise, nur Sllzplätie, ron 68 Pf. bis IG M. Naduniltias Hinsel bis 12 Jahre halbe Preise! Vorverkauf ununterbrochen ab lOUhr Circuskassen, A. Werthemi und K. d.W. Zoologischer_~ siS5GlrsSSS. and Inder-Schau täglich ab VilO Uhr geSftnet. R a u b 1 1 e r t G 1 1 e r a n g I I Uhr. Dil Reldcagccang von doncecherTredM Manuskript i Jungk und Urgies Regie Rudolf Meincrc JVomriscfte Cper Direktion: Bonns Otio Bogen und Enoin Heuler Der große Operettenerfolg Jidvienne* Allabendlich 8 Uhr*1 p MW üfll Sonntag, d. 12. Septbr. nachmittags 2 Uhr Wailner-Th Direkt.; F. Meysel Heute u. folg. Tage „Hasemann's Töchter" Anfang 8 Uhr Casioc-IMer. Is Uhr Letzter Monat Was Liebe vermag Vorher Bumer Teil Gutschein 1-4 Pers Bei Vorzeigung der Annonce zahlen Sie Paut. u. Balkon 1 M. Loge u. Sessel 1 SO Tbuwr«TWÄ. Ter KaMaaw Str. S XOgllcb 8 UOtt astrhnash ■in Ihren nnew rtlrhion btütunoen- T reite 40 itf»16 2.80, So: nizi, S a.: Erste Mtetiafbv V orst ellBeg tu rnmta. Prellen m, ooßema6enb.-tBtoan Berlin; r Thealer uhr; MiS laisrlka ätetues th.»•/, Sie lloiüiiß Leserin Thaila-Thealer u'r DiTSilieriKlz Regie: Berth. Viertel la. Ei Wräie » Pfd. M frko. Damplküselabrllc Rendaburg. Bestdeiu> neai. 8'/. Uhr; Sas sfiiüsiie Kall! Heute 2 Vorsldlunöcn 2 mit Lbli Menell dem TanphsaiDn und dem neuen- ab wcchs lunSs reichen September-Spielplan, Rauchen gestattet I Nachm. 3.30 Ermdbigt. Preise! Abends 8 Uhr Friedens- Preise! UFA-THEATER TURMSTRASSE UND WEIN BERGSWEG WOCHENTAGS 7 u. 9 UHR SONNTAGS 5, 7 u.9 UHR Reichshallen-Theater lilabndllib 8 lilr and Simta, udusittat; 3 Utr Slelfiaer sanier Singende Bäume Nachmittgs halbe Preise, tolles Programm! Oönhoff-Brett'l (Sul n.0art.|: VarietC-Konzcrt-Tanz es Neues Theater am Zoo 1 8„Ich hab Dich lieb'< Put i-SI InttlEN Vurt-k mijimrtir.stjl 5311 «i neiit' BUS | SS.KPT. 7'2 UHR I BUS«HK,MSJraD| Apoilotheater Friedrichsir 218 Ftmu baueti. tM6 Täglich 8 Uhr: Hartstein Der Stolz der S. Kompagnie. LachttOmc! Lachstflrme! Vorher: Das gr. SpezialUiten-Progrämm Theater des Westeis leletltn ShiuL 931 Täglich 8 Uhr: D I e Revue Der Zug naöt dem Westen Heute rachmiltg l Uhr Die ganze Vorstellung zu halben Preisen! Rose-Theater S1/. Uhr Die Stecknadel im Heuwafier. 4 Uhr Der Mord der Hanna Günther Z0010& Carlen Täglich ab 4 Uhr Konzert Äqaarium geö:fnet v.9— 7 U Tlcrkunst- Ausstellung UFAPALAST 6L0RIAPALAST KURFORSTENDAMM MOZARTSAAL TAUENTZIENPALAST UFA-PAVILLON :;KAMMERLICHTSPIEIE FRIEDRICHS TRASSE TURMSTRASSE KONIGSTADT Di. Tat ohne Zeugen Ell spancrnCer KrialszI-PUe tu Im Siimpi in Ctluga Die Abenteuer des Prinzen Achmed FrL Josette meine Frau Ein mondäner Film Deal Oswalde ia Die Kleine vom Variete Deal Oswalde in Ola Kleina vom Variete Ben Bar Her Veit tewsläist.Fihn jwan Mostukm In Oer Kurier des Zaren Ossi Osswalda in Die Kleine vom Variete Die eil Schlll'sctien Offiziere 3 wen Mosjukln In Der Kurier d. Zaren Bühnontchau