flbenöausgabe Nr. 431 ♦ 43. Jahrgang Ausgabe B Nr. 213 Scjufiäbtbinnunaen unk«njtlatnpteif« lind in kft Morgenausgabe angegeben Keftattion: Sw. SS. Lintenstrab« Z Ferniprechcr: VSnhoff 292— 297 XcL-Ubteff c: Sojialbcmorial verlin r�> � Devlinev VolksblÄtt (10 Pfennig) Montag 13. September 1�2b Verla, und«nzeizenabteilun« Seschäü-zett»lb bi, b Uhr Verleger: vorwÄrlo-verlng«mdy. verlln SV». SS, Lindenslrnb« i Fernsprecher: VSnhosf 292— 29! Zentralorgan der Sozialdcmokratifcben Partei Deutfchlands Die Genfer öefprechnngen. Ausschuhberatungen. V.?eb. Genf, 13. September.(Eigener Drahtbericht.) Das Redaktionskomitee des Verfassungsunterausschusses hat seine Arbeit beendet. Bis auf Norwegen, das seine Vorbehalte noch nicht völlig aufgegeben hat, ist die Entscheidung aus der Grundlage des Vorschlages der Studienkommission niit unwesent- lichen redaktionellen Aenderungen fertig. Die Wahl der nichtstün- digen Ratsmitglieder wird aber frühestens am Mittwoch abend oder Donnerstag morgen vorgenommen werden. Die nächste Voll» fitjung ist auf Mittwoch vormittag festgeseizt. Nach den neuesten Versionen soll auch Kanada einen nichtständigen Rats- sitz erhalten, womit Nordamerika zum ersten Mal« im Rat ver- treten wäre, dagegen läßt B« n e f ch entschieden verstchern, dast die Tschechoslowakei die Wiederwahl ablehnen würde. Von den heutigen Kommissionsberatungen war die des Aus- schusses zur Kontrolle des Waffenhandels, der im Jahr« 1925 auf Antrag Macdonalds eingesetzt worden ist, die wichtigste. Die Arbeiten dieses Ausschusses sind schon sehr fortgeschritten, nur ist inzwischen der Ausschuß zur Vorbereitung einer Weltabrüstungs- konferenz eingesetzt worden. Die Frage war: Soll der Ausschuß zur Kontroll« des Waffenhandels und der Waffenfabrikation seine Arbeit, die sich auf ein beschränktes Gebiet erstreckt, fortsetzen oder soll sie mit der des Ausschusses zur Vorbereitung der Weltabrüstungs- konferenz verschmolzen werden. Darüber wurde heute mittag de- battiert. Lange-Norwegen und vor allein Markowitsch-Südslawien vertreten die«rstere Auffassung. Gras B c r n st 0 r f f> Deutschland, der im Namen der deutschen Delegation loyale Mitarbeit an allen Abrüstungsbestrebungen des Völkerbundes versprach, meinte, es wäre aus technischen Gründen besser, die Arbeiten des allgemeinen Aus- schusses zum Abschluß zu bringen unter Berücksichtigung der Er- gebnisse des besonderen Ausschusses zur Kontrolle des Waffenhandels und die Detailfragen auf der geplanten Konferenz mit zu regeln. Dem schloß sich Paul-Boncour- Frankreich vollständig an. Schließlich brachte der französische Gcwerkschastssührer Jouhaux den Vermittlungsantrag ein, daß man bestrebt sein , nüsse, zu einer allgeni einen Abrüstungskonferenz zu gelangen, bei der auch die Teilfragen der Waffenfabrikation und des Waffenhandels erledigt»Verden müssen, daß aber, sall» nicht in einein Jahre die Einberufung der allgemeinen Abrüstungskonferenz möglich sein würde, man ein« besondere Konserenz zur Be- tämpfung des Waffenhandels und zur Einschränkung der Waffenfabrikation abhalten müßte, auf der Gruno- lasse der bisherigen Ergebnisse dieser Spezialkommission. Die Ab- stimmung über diesen Antrag, der mit großer Mehrheit, wenn nicht sogar einstimmig angenommen werden wird, ist heute nachmittag. * Die südamerikanischen Delegationen haben sich geeinigt, für den dritten ihnen zustehenden nichtständigen Ratssitz C 0 l u m- b i e n in Vorschlag zu bringen. Außerdem soll Uruguay weiterhin im Rat auf ein Jahr nichlständiges Ratsmitglied bleiben. Tie spanische Lppofition völkerbundStreu. V. 8cK. Genf, 13. September.(Eigener Drahtbericht.) D?r Präsident der Vollversammlung des Völkerbundes hat ein Tele- gramm des in Frankreich in Verbannung lebenden spanischen Schrift- stellers Blanco Jbanez erhalten, des geistigen Führers im Kampf gegen das Regime Primo de Riveros. Dieses Telegramm erklärt, daß die spanische Oeffentlichkcit gegenwärtig geknebelt ist und zur Ausschlußerklärung der spanischen Regierung nicht Stel- lung nehmen könne. Die Nachfolger des diktatorischen Regimes würden als eine ihrer ersten Handlungen den W t e d e r e i n.t r i t t Spaniens in den Völkerbund vollziehen. die Unterredung Strefemann-vandervelüe. Wirtschaftsfragen. vrüsicl, 13. September.(Eigener Drahtbericht.) Außenminister Pandervelde kehrte am Sonntag morgen aus Genf zurück. Ueber sein« Unterhaltung mit Stresemann erklärte er. daß es sich um einen Höflichkeitsbesuch gehandelt habe, bei dem flüchtig über verschiedene Fragen gesprochen worden sei. in der Hauptsache über die Ausfuhrbedingungen für Waren aus Luxem- bürg nach Deutschland, vor allem Wein, sowie über das Stahlkartell. Der Minister glaubt versichern zu können, daß die Verhandlungen gut vorwärts schreiten. Er fügte hinzu, daß die Unteihandlungen zwischen den belgischen Metall- industriellen weiter gehen und seit Freitag auf dem besten Weg« sind. Wichtige Werte von Charleroi seien für das Kartell ge- wonnen._ Industrielle für �errkot. Gegen die Lyoner Tozialisten. Varl», 13. September.(Eigener Drahtbericht.) Der Angriff der sozialistischen Fraktion des Lyoner Gemeinderates auf den Bürger- meister Herrtot macht den Lysner Wirtschaftskreisen Sorgen. Umernehmerverbände oecösfentlichen ein Manifest, das er- tlärt, die politischen Gegensätze im Stadtrat dürften nicht zu einer Schädigung der allgemeinen Interessen führen, Herriot habe sich um die Stadt Lyon im höchsten Maße verdient gemacht: Handel, In- dustrie und Wirtschaft hätten zu ihrem Bürgermeister Herriot ab- solutes Vertrauen und sprächen ihm öffentlich ihren tiefften Dank aus. Man erwartet für heute abend in der Genieinderatssitzung, an der Herriot teilnehmen wird, einen neuen Angriff der sozialistischen Fraktion. Rebellion in öer KW. Erklärung von 700 Funktionären gegen die Zentrale. Die kommunistische Zentrale hat versucht, die große Auseinandersetzung in der Kommunistischen Partei, die durch den Zusammenbruch der kommunistischen Ideologie gegenüber den harten Tatsachen der Geschichte unvermeidlich geworden ist, im Dunkeln zu halten. Entsprechend den russisch-diktatorischen Methoden behandelt sie die kommunisti- schen Mitglieder als eine nicht denkende, willenlose Masse, die gehorsam der Führung zu folgen und nicht nach dem Sinn des politischen Handelns zu fragen hat. Diese diktatorischen Methoden der Unterdrückung jeder Diskussion haben zu einer Explosion geführt. Die kommunistische Oppo- s i t i o n hat sich schweigend gesammelt und tritt nun m i t einem Stoße geschlossen in die Oefsentlich» k e i t. Sie wird sichtbar. Man erkennt, wer zu ihr steht, was sie will und zugleich, daß sie überraschend stark ist. Sie veröffentlicht eine Erklärung, die eine Solidaritäts- aktion für die russische Opposition darstellt. Die politische Plattform dieser Erklärung ist niedergelegt in der Resolution zur russischen Frage, die die Opposition in der Zentrale der KPD. am 6. August 1926 eingebracht hat. Diese Resolution steht auf der Grundlage des Glaube ns an die Weltrevo- l u t i o n und des Willens zum Weitertreiben der Welt- revolution. Sie wendet sich gegen eine Lockerung der Diktatur in Ruhla ii d gegenüber der Stadt- und Dorsbourgeoisie und betont, daß das Jndustrieprole- t a r i a t und die Dorfarmut die privilegierte Klasse bleiben müsse. Sie wendet sich gegen die Idealisierung der russischen Wirtschaft als sozialistische Wirtschaft, damit de moralisiere man nur die Arbeiterklasse der ganzen Welt. Sie protestiert gegen Uebertreibungen der Rep und fordert schließlich D i s k u s s i o n s f r e i h e i t für die Oppo- sition und innerparteiliche Demokratie. Der Sinn dieser Resolution ist, den Leninismus in seiner ursprünglichen Prägung wieder lebendig zu machen. Sie wollen zurückkehren zu jenem radikalen theoretischen Programm, das durch die geschichtlichen Notwendigkeiten der russischen Entwicklung unhaltbar geworden ist. Die kommunistische Opposition sieht den ungeheuren Widerspruch, der zwischen der Theorie und der Ideologie des Bolschewismus in der ursprünglichen Lenin- schen Prägung und den staatlichen, wirtschaftlichen und ge- sellschaftlichen Tatsachen in Rußland besteht. Sie betont Theorie, und Ideologie und wendet sich gegen die russische Praxis. Vom Standpunkt der reinen Theorie aus sieht sie in der russischen Staatspraxis und in der Praxis der russischen Partcimehrheit gegen die russische Opposition einen ein- zigen großen Akt der Liquidierung des Leninismus, der sich nicht nur in Rußland, sondern in allen Parteien der Komintern auswirken muß. In der Erklärung der Opposition heißt es: „Wenn der Vorsitzende des Präsidiums des Ekki als Spalter der bedeutendsten Sektion der Komintern beschuldigt wird, wenn derselbe S i n o w j e w, der von der Gründung der Komintern an ihr Präsident ist, angeblich an der Spitze einer illegalen Fraktion stehen soll, so müssen diesen Anschuldigungen Dinge von weittragender Bedeutung vorausgegangen sein. Wenn der Präsident der Komintern und eine Reihe anderer alter und bewährter Bolschewiken aus dem Politbureau und Zentralkomitee der wichtigsten Partei der Komintern gejagt, vrr den Augen einer entzückten Bourgeoisie unter dem Jubel aller Menschcwisten in- und außerhalb der Komintern durch die Gos>c geschleift und durch die Presse sämtlicher kommunistischer Parteien init Schmutzkllbeln überschüttet werden, dann kann das nicht ohne die ernstesten Folgen für die Komintern sein." „Durch derartige Methoden kann man die Komintern nur r u i n ie r e n! Die Bedeutung dieser Vorgänge für die Komintern liegt aus der Hand. Die hetze, die seht gegen Sonowjew usw. enlsallel wird, ver- steht jeder politisch denkende Arbeiter al» den versuch, die Komintern als revolutionäre Organisation des wellprolelarials zu liquidieren... Besonders katastrophal muß sich diese Methode in unserer Partei, der KPD., auswirken. Man darf nicht vergehen, daß der Ekki-Brief vor einem Jahre angeblich die Partei normalisieren sollte. Seine Folgen waren«ine vollkommen« Desorganisation und Atomisierung der KPD. und eine restlose Restaurierung der Rechten" „?ür die deutsche Arbeiterschaft ist Siuowjcw der Mann von halle. Seine Absägung wird verstanden als nachträgliche Desavouierung von halle." „Wir weisen jede Revision des Leninismus auf das entschiedenste zurück. Zurück zu Lenin, zum wirklichen, echten, unver- fälschten Leninismus!" Soweit die Erklärung. Sie ist eine Rebellion gegen den Gang der Geschichte, damit aber auch ein Todesurteil gegen die bolschewistisch-kommunistische Ideologie. Zugleich ist sie eine Rebellion gegen die diktatorische Leitung der Kommu- nistischen Partei und gegen die Methoden der kommunistischen Diktatur. Diese Rebellion ist von großer Bedeutung, denn schwerer noch als der Inhalt der Erklärung wiegen die Unter, schriften. 700 verantwortliche Funktionäre der Kommünistischen Partei, die zum großen Teil an erster führender Stelle stehen, haben diese Erklärung unterzeichnet. Wir geben im folgenden, nach Bezirken geordnet, die wichtigsten Namen der Unterzeichner wieder. Hinter dem Namen der Unterzeichner ist das Jahr angegeben, seitdem der Betreffende zur Kommunistischen Partei resp. zur Unab» hängigen Sozialdemokratie oder zur Sozialdemokratie ge- hört. Aus dieser Angabe erkennt man, daß es sich um die Rebellinon der Kerntruppen der Kommunistischen Partei handelt. Bezirk Berlin-Brandenburg. Max Schütz, 1911, M. d. R., Werner Schalem, 1912, M. d. R., Max Schlüter, 1919, Stadtoerordn., Reinhold Busch, 1913, Bezirksverordn., Hermann W i tz k«, 1910, Stadtoerordn., Karl K y n a st, 1997, Bezirksverordn., Max Riese, 1919, Pol. Leiter des 3. Bezirks, Hans Weber, 1917, Mitglied der Zentrale der KPD., Max Müller, 190S, Bezirksvorst., Heinrich W iniler, 1910, Mitglied der Bezirksleitung Berlin-Brandenburg, Max Hesse, 1912, Stadtoerordn. und Pol. Leiter des 7. Bezirks, Kunow, 1919 Be- zirksoerordn., Selma Schütz, 1911, Bezirksverordn., H. Z a u l i g. 1912, Bezirksverordn., W. Fieber, 1918, Bezirksverordn.. Otto S i e m s ch, 1919, Bezirksverordn., Hermann Krüger, 1919, Stadt- rat, Fritz S ch i m a n s k i, Kandidat des Zentralkomitees, Pol. Leiter des 14. Bezirks, Bezirksverordn., Anton Grylewirz, 1912, M.d.L., Paul Schlecht, 1900, Mitglied des Zentralkomitees, M.d.R„ Paul P r e i ß i n g, 1904, Stadtoerordn., Paul K o w a l ke, 1903, Bezirksverordn., Stadtrat, H. L i e b i n g, 1893, Stadtoerordn., Be- zirksvorft., Paul Böttcher, 1912, Pol. Leiter des 18. Bezirks, Be- zirksoerordn., Lina Pilz, 1908, Frauenleiterin und Bezirksverordn., Paul R i e ge r, 1908, Bezirksverordn., Gustav P r i p p e n a u, 1905, Bezirksverordn., H. H ü t t k ö p e r, 1912, Bezirksverordn. Ortsgruppe Rathenow. Wilh. G ö r n, 1909, Stadtoerordn., Branchenleiter im DMV., Her- mann Jonas, 1905, Stadtoerordn., August Ritter, 1900, Stadt« rat. Otto Weber. 1917, Stadtoerordn., Mitgl. des Proo.-Ausschusses, Bezirk B erlin-Brandenburg- Lausitz. Hermann Schade. 1918, Hauptbezirkssekretär, Gustav Müller, 1900, M. d.L., Arthur W ö l k, 1919, Mitglied der Bezirksleitung Berlin. Brandenburg, Prooinziallandtagsabgordn., Karl G e h r m a n n, 1900, M. d. L., Sekretär für Berlin-Brandenburg. Bezirk Ruhrgebiel. S z y m z a k, 1918, Buer. Mitglied der Bezirksleitung. Schwan, M. d. R., Eugen Eppstein, M. d. R., W. S ch ü p l e r, Gelsen. kirchen, Provinziallandtagsabgrdn., Erich H ä g e m a n n, M. d. Di., Karl F r e be l, Leiter der komm. Fraktion Dortmund, C. Krone- Dortmund. Mitglied des Vorstands des Deutschen Verkehrsbundes. Bezirk wasierkanle. Peter Umland, 1912, Mitglied der Bezirksleitung, Wilhelm Jarren, 1897, Unterbezirkslester, Kreistagsabg., Stadtrat, Hugo U r b a h n s, 1918, M. d. R., Mitglied des Zentralkomitees, I. Skjellerup, 1890, M. d. L. Außerdem noch: Wolfgang Bartels. 1917, M. d. L., Otto Kilian. 1902, M. d. L., Hedwig Krüger, 1908, M. d. L. Gegenüber dieser starken Opposition, die an den Kern» punkten der kommunistischen Organisatio- n e n steht, ist der Zentrale der Kommunistischen Partei die bequeme Methode des Einzelhinauswurfs nicht mehr möglich. Die Auseinandersetzung wird also beginnen, wenn nicht, falls die Zentrale der Kommunistischen Partei bei ihren bisherigen Methoden bleibt, die Spaltung der Kommu- nist�chen Partei die Folge ist. Entsetzen üer kommunistischen Zentrale. Der Schreck über das geschlossene Auftreten der kommunistischen Opposition ist der Zentrale der KPD. in die Glieder gefahren. Die ..Rote Fahne" spricht von einem„h o ch st a p l e r i sch e n Bund" von M a s l o w, Ruth Fischer und Korsch. Sie fälscht den wahren Charakter des Dokument» und sucht ihren Lesern zu verheimlichen, worum es sich handelt: um eine Erklärung von 700 namhaften Kommunisten. Von M a s l a w. Fischer und Korsch ist dabei nicht die Rede: Im übrigen schimpst die„Fahne" hemmungslos: Es handelt sich um ein Schanddokument von der limmsten antibolschewistischen Sorte: Wa» den nhalt des Schau ddokuments anbelrisst, so enthält er nur eine noch krassere Wiederholung der bekannten Hetzparolen und Lügen des Maslow-Kreises.... Die„Erklärung" der Renegaten ist ihrem Inhalt nach eine Sammlung der schlimm st en kautskyanischen Gedankengänge, ihrem praktischen Sinn nach ein V o r st o ß zur Partei- s p a l t u n g, ihrem taktischen Zweck»och ein Betrugs- manöver, um die parteitreuen Teile der Opposition für die Parteifeinde zu gewinnen." Die hemungslose Wut und die Taschenspielertunststllcke der „Fahne" lassen erkennen, daß es sich um eine ernste Rebellion handelt. K" o n. Furistentag in Köln. ReichSjustizministcr Dr. Bell über die Vertrauenskrise in der Justiz. Köln. 1Z. September.(WTB.) In dem mit den F a r b e n d« r Länder schlicht geschmückten Großen Gürzenich-Saole wurde heute von Senotsprösident, Universitätsprofessor Dr. Wieruszowsti-Köln der Deutsche Juristentag eröffnet. Unter den Ehrengästen befanden sich Kardinal-Erzbischof Dr. Schulte, Neichsjustizminister und Minister für die besetzten Gebiets Dr. Bell, zahlreiche Vertreter der Reichs- und Staatsministerien aller Länder und der Freien Städte, Venreter Oer deutschen juristischen Vereinigungen in Deutschösterreich und der Tschechoslowakei und schließlich Vertreter der Unioersttäten Köln, Bonn und Jena. � Auf den Vorschlag von Professor Wieruszowski wurde durch �iruf Unioersitätsprofessor. Geheimer Justizrat Dr. Wilhem Kahl, M. d. R., zum Vorsitzenden des Juristentages gewählt. Kahl gab das Gelöbnis ab, daß der Deutsche Juristentaa Schildhalter für Freiheit und Recht sein wolle, und daß er den Brüdern und Schwestern überall in der Diaspora Treu« und Dankbarkeit bewahren werde in guter und böser Zeit. Oberbürgermeister Dr. Adenauer hieß den Deutschen Juristen- tag namens der Stadt Köln herzlich willkommen. Dann hielt Neichsjustizminister Dr. Bell eine Rede, in der er u. a. ausführte: Gesetzgebung und Rechtsprechung dürfen keine Fremdkörper im Volksorganiomus sein, sondern müssen tief im Volksbewußtsein wurzeln und gesunder Vollsanschaun.rg entsprechen. Rechtsentwick- lung und Rechtsreform müssen unlösbarer Bestandteil des großen deutschen Wiederaufbauprogramms sein. Von einem großen Zuge muß das gesamt« Reformwerk der Rechtsentwicklung beherrscht sein. Di« durch'Krieg und Kriegswirkungen verursachte chyper- trophie der Gesetzgebung muß tunlichster Verein- f a ch u n g in den Grundgedanken und Zusommensossung in den Zweckbestimmungen den Platz räumen. Dabei dürfen Rcchisfindung und Rechtsprechung der Fortentwicklung in Slooi und Grsellscha t Ivlrlscharl und Sozialleben nicht nachhinken, sondern müssen mit ihnen in gleichem Schritt marschieren. Von staatspolitischer, wirt- stchchtücher und sozialer Fortentwicklung sollen auch die auf den ver- schiedenen zivil- und strosrechtlichen Gebieten gelagerten Reformwerke durchdrungen fein, die jetzt in Vorbereitung find und der möglichst baldigen Verabschiedung cntgegengeiührt werden sollen. Di« Arbeiten der Reform des Aktienrechtes sind im Gange und sollen unter Verwertung der Erfahrungen des Auslandes mit oller Beschleunigung durchgeführt werden, da wir keinesfalls hinter den berechtigten Anforderungen der Wirtschaft und des Verkehrs zu- rücksiehsn wollen. Die Reform des Slrafrechts ist in vollem Gang«, fo daß bereits zu Beginn des kommenden Monats der Reichsrat an die mündliche Beratung des ihm vorgelegten Entwurfs herangehen wird. Wir werden alles daran setzen, daß nicht im Reichsrat. sondern demnächst auch im Reichstag die Beratungen mit möglichster Beschleunigung so fortgeführt werden, daß eine die o'.lßerorfccntlich« Schwierigkeit des Stoffes und die Fülle der aus- gleichenden Gegensatz« befriedigende und für das Volksganze crspneß- Ii che Lösung gesunden werde. In gleichem Zusammenhang sind unter den Reformarbeilen die Regelung eines durchgreifenden Ehrenfchutz«» und die Revision des Strasprazeßr« ch�l s sowie die Erledigung des den Stufen- strafoollzug festlegenden Strasoollzugsgcsetzcs herauszu- heben. Neuregelung der Untersuchungehaft und darüber hinaus der Voruntersuchung wird sich auch mit dem besonders wichtigen und.zeit- f.'Mäßen Thema der Kriminalpstichologie und der kriminellen Vor- ildung und Ausbildung der für die Voruntersuchung zuständigen Organe zu beschästigen haben. Dabei gilt es, unter Auswertung aller kriminellen Erfahrungen und kzeranziehung kriminalistisch geschulter Kräfte im Interesse gerechter Strasrechtspflege klar« Richtlinien zu schaffen und mhcülichfs wie zielbewußtes Zusammenwirken herbei- zuführen. Sich-rung der Strosrcchtszwecke bedeutet zugleich nach- drücilich« Wahrung und Schutz berechtigter Interessen des Ange- schuldigten. Tiefer Schmerz erfüllt alle an der Rechtspflege beieiliglen Organs angesivzts der Derlrauenskrlse, die unsere Rechtspflege bedroht. Aus lebhaften und zum Teil leidenschaftlichen Erörterungen klingt der Ruf: Das Recht in Not! All« Mann an Bord!— Wenn diese Sorge berechtigt ist. wenn Wunden am Rechtskörpsr zu heilen sind. so liegen hier Aufgaben, an deren Lösung jeder deutsche Jurist sein Bestes setzen soll. Im vaterländischen Interesie gebietet sich aber die beschwörende Mahnung, bei aller Kritik den Boden der Sachlichkeit nicht zu oerlassen und sich vor verallgemeinernden Schlußfolgerungen zu hüten. Verhängnisvolle Ungerechtigkeit würde es vor allem fein, den deutschen Richterstand für Verfehlungen und Mißgriffe einzelner, die uns mit ernster Sorge«rsüllen, verantwortlich zu machen. Mit Freude haben wir es daher auch begrüßt, daß die Organisationen des deutschen Richterstandes den Richtern dringend ans Herz gelegt haben, rückhaltlos Selbstzucht und Selbstkritik zu üben und dadurch zur Festigung des Vertrauens in unsere Rechtspflege beizu- tragen. 2n die Gewlssensfreihsil der deutschen Richter darf nicht eingegriffen werden, vor ihre Unabhängigkeil werden wir uns nach wie vor schützend stellen. Denn wir wissen alle, daß den deutschen Richtern ihr« Unabhängigkeit nicht als einseitiges Vorrecht gewährt ist, sondern als Mittel zur Erfüllung ihrer höchsten richterlichen Auf- gäbe, nämlich des gleichmäßigen Schutzes aller Staatsbürger und der unparteiischen und gerechten Rechtspsleg«. Treue Hingabe zum Staat und zur Reichsverfassung muß den Richier, der Im Namen des Staates Recht spricht, an erster Stelle auszeichnen und ihm die Stoatsoerbundenheit zur Gewissens- Pflicht machen. Unsere Parole soll lauten, und das fei auch des Juristenkages Losung: Wir müssen ringen um die Seele des Volkes! In seinem' Schlußwort erklärt« Geheimrat Kahl, daß der Iuristentag mit besonderem Dank Kenntnis nehme von der Kund- gebung des Reichsjustizministers über die Beschleunigung der Straf- rschtsreform. Die vom Minister erwähnt« Vertrauenskrise in der Rechtspslege sei die beständige Sorg« der deutschen Juristen. Hier h-'scn nickst Rilttel der Gesetzgebung, hier komme es aus den Geist an. Darum richte er einen lebhaften Weckruf an das Rechtsgewissen des ganzen deutschen Volkes. Wulle-Veftarp. Wulle ekelt sich. Im„Deutschen Tageblatt" bespricht Wulle die Stellung der Deutschnationalen zum Völkerbunde. Klagend gesteht er, er habe seinerzeit W e st a r p in Potsdam zum Mandat verHolsen, weil er Westarp für den Mann der nationalen Opposition hielt, und nun? Run erklärt Westarp, der Eintritt in den Völkerbund sei auch für die Deutschnationalen bindendes Völkerrecht. Dazu schreibt Wulle: „Las ist also der Weisheit letzter Schluß.... Wir haben verlernt, uns zu wundern über die Wandlungen der deutschnationalen Politik, aber man verzeihe mir das Wort:„Der Ekel würgt an der Kehl c." Also: Wulle ekelt sich über die Politik Westarps, der mit völkischem Borspann deutschnationaler Abgeordneter geworden sei. Das amerikanische Seispiel. Rede Tilverbergs ans der Kölner Herbstmesse. Köln, 13. September.(Eigener Drahtbericht.) Die Kölner Herbstmesse wurde am Sonntag morgen mit einer schlichten Feier in der Rheinparthalle der Messe eröffnet. Bemerkenswert war, daß bei dieser Eröffnungsfeier Vertreter der Industrie das Wort er- griffen, die sich mit Nachdruck für das Fortbestehen der Kölner Messe einsetzten. Außer Generaldirektor Dr. Siloerberg sprach der Vorsitzende des Industriellenverbandes Geheimrat Duisburg. Siloerberg betonte, daß seine Ausführungen eine notwendige Ergänzung dessen seien, was er bereits in Dresden gesagt habe. Es müsse möglich werden, den Uebersluß an Arbeitskraft, der in Deutsch- land vorhanden sei, aus dringendem nationalen Interesse zu nutz- barer Arbeit zu verwenden. Gerade den deutschen Industriellen, die in den lehlen TNonalen sehr eingehend die amerikanischen Arbeits- Methoden studiert hätten, sei Im vollen Umfange zur Erkenntnis ge- kommen, wao der Absah in einem Lande von 120 Millionen Einwohnern, in dem sich Handel und Wandel ungestört durch staatliche, nationale und Zollgrenzen vollziehe, bedeutet. In Deutschland müsse sich die Erkenntnis durchsehen, daß Kartelle und Syndikate den Handel nicht ersehen könnten, sondern nur organisch zur Produktion gehören, daß aber darüber hinaus alle weitere Verteilung und alle Uebcrsührnng der waren In den Konsum Aufgabe des Handsl» sei, der durch jahrhunderlealle Tradition sich bewährt habe. Es gebühre der Kölner Messeleitung Dank, daß sie bei ihrer diesmaligen Schau Wscators„Räuber*. (S t a a t s t h e ä t e r.) Theater, nur Thealer! Die Devise wird so laut, daß die zag- basten Dramaturisen sich vor Schreck die haare ausraufen, und die Schulmeister, die immer noch rm Faden der Vergangenheit baumeln und taumeln, spucken wie tobsüchtig Warnungen und Wehmut und Zorn. Demgegenüber wäre zu sagen, daß die Devise gut und zeit- gemäß ist. Wir wollen im Theater nicht schlafen, sondern in Er- rezung schlemmen. Das sanfte, säuselnde und abgebrauchte Theater ist seit einigen Jahren bankrott. Allein das Theater der Sensation kann noch leben. Die Notwendigkeit des primitiven Massentheaters, das auf die Leute einpaukt, wurde zuerst in Rußland erkannt. Meyerhold, der»er- wegenste unter den sowjetroten Theatermagnaten, hat eben den Eid geleistet, daß er seine Landsleute um jeden Preis amüsieren wird. Er verpflichtet sich hoch und heilig, sogar aus einem schlechten Text- buch ein unterhaltsames Theaterstück zu«schassen. Meyerhold und auch fein treuer und kongenialer Kunstgcstnnungsfreund Erwin Piscator nennen solches Kunststück: Regie. P i s c a t o r ist kein Schillerphilologe. Er kürzt den Text, er stellt Szenen um. er fügt sogar Worte hinzu. Bei ihm läuft alles auf den Effekt hinaus, der in das Parkett hineindröhnen und die Gallcrie auf die Köpfe schlagen muß. Der Jammer des Schrift- gelehrten stört ihn nicht. So wirft er eine Kohorte von Banditen durcheinander, um den tollsten Spektakel zustande zu bringen. Aber der Spektakel reißt mit. Ianischarenmusil und Katzenmusit und Jazzmusik, Operettenmarsch und altes und neues Tschingderadada betäuben. Das Knallen der Flinten, das Torkeln, Lärmen, Schreien, Rülpsen, Randalieren und Renommieren der Räuber in den böhmi- schen Wäldern, das alles nimmt den Sinn mächtig in die Zange. Spiegelberg ist halb Lenin, halb Adolf höltz, die anderen stecken in Pluderhosen und Windjacken. Sie tragen Ludenmützen. Der Re- gisscur, der mit seinem Bühnenbildner Traugott Müller die ganze Stromerherrlichleit fabelhaft ausbaut, wird durch donnernden Beifall an die Rampe befohlen. Er hat es wohl verdient. Und Schillers„Räuber", die Immerhin auch etwas sind? Da läßt sich streiten. Von der Moral des Stückes wird das meiste verwischt und oerwcschen. Der Regisseur will nur Regierosinen aus seinem Texte herauspolten. Der 22jährige Klassiker malte 1781 das „Gemälde einer verirrten großen Seele". Der Regisseur verwandelte mit einem Riesenpinsel das Seelengemälde in ein Kinoplakat. Natür- lich hatte der 22jährige Schiller auch das Kino und die Kolportage Im Blut, und er hatte dazu noch die Seele. Piscator unterschlägt die Seele. Oater peceavi bekennt er aber nicht. Cr ist eben absolut unhistorisch. Er wilt es sein und hält nur zu den jüngsten Strö- munoen. Sogar von den Dadaisten entlehnt er manches. Als in Zürich das erste Dadaiftenkabarett„Voltaire" gegründet wurde, rezi- tierten der schnurrige Oberdada Tzara und die kuriose Bäntcl- sängerln Marietta, Frank Wedekinds ulkigste Prophetin, und Emmy Hennings, die von einer Dirnendichterin zur katholischen heiligen bekehrt wurde, die sogenannte„Poesie«imultanee", man brabbelte irgend etwas Deutsches und Französisches und Riggermähiges, das gar leinen Sinn hatte, wild durcheinander. Piscator ahmt das nach. Und läßt den allen Mohr und Franz und Amalie Monolog- setzen durcheinanderrasseln. Man sperrt sich erst dagegen, dann be- lennt man doch, daß allerhand hetzender Theaterklamauk dabei her- auskommt. Der Dtchtergeist wird beschädigt. Das Verbrechen ist ganz offenbar. Die deutsche Dichteralademie von 192S hätte sogar Grund zum Protestieren. Und die Radikalen könnten Piscator wiederum vorwersen, daß er feige ist. Er wendet seine Methode nicht so folgerichtig an wie die Russen. Cr macht schließlich ein Kompromiß, weil ihm vor seiner eigenen Regie bange wird. Man wird ihn falsch verstehen, in den Himmel heben oder zertrampeln. Slbcr man wird sich auch seinetwegen prügeln. Theater in den Köpfen, Theater auf der Bühne. Bergessen können wir's nicht. Falk, E b e r t, Faber, Bildt. Harlan, Fraulein Koppen- h ö f e r, Herr F l o r a t h und Herr P a t r y müssen sich dem Re- gisseur unbedingt unterwerfen. Cr stoppt ihr Temperament, aber er holt es auch herauf. Verballhornung oder Uebersinn: der Schau- spiel« darf nicht danach fragen. Der Regisseur ist sehr anspruchs- voll und erzieht Marionetten, deren Temperament er nach Belieben fördert oder brachlegt. Max hoch dar f. Revue— Revue— Revue! Am Sonnabend ist die vierte Berliner Revue vom Stapel ge- laufen:„Es geht schon besse rl", das Schaustück des Theaters am Kurfürstendamm, das Herr Saltcnburq den Herren Rudolf Schanzer, Ernst Welisch, Rudolf Nelson und Benno v. Arent in Austrag gegeben hat. Daß man ein Bühnenwerl bestellen kann, wie einen Anzug od««in Slbendessen. besagt noch nichts gegen seinen künstlerischen Wert. Revue ist Angelegenheit der Kunstgewerbler. Was sie wollen: ein prunkendes Fest von Farbe, Licht und Glanz zu arrangieren, ist ihnen gelungen. In ihrem„Es geht schon bester" haben sie einen jubelnden Hymnus auf die Lebensfreude angestimmt und lasten nun allabendlich Tausende von Menschen an dein schönen Fest teii- nehmen. Im ersten der 42 Bilder steht Lätitia, die Lebensfreude, als Angeklagte vor Gericht. Ihr ausgelassenes Treiben paßt nicht in den Ernst der Zeit. Das wirft man ihr vor. Dagegen wendet sich der Verteidiger in einer stammenden Rede. Lange genug hätten Not und Kümmernis die Freude verbannt. Heute aber sei dl« Zeit nicht mehr so trübe. Das Gericht solle sich nur im Leben umsehen, dann werde es in den Jubelrus einstimmen: Es geht schon besser! Die folgenden Szenen stellen nun sozusagen die informierenden Lokaltermine dar. Ein erstaunlich guter Einfall. Da sind die be- rückenden Möglichkeiten für eine Nevue. Es treten die Mode, die Ausgelassenheit, die freie Liebe und was weiß ich sonst noch auf. Natürlich personifiziert durch Frauen mit den schönsten Beinen in entzückenden Kleidern, und Kinopaläste und der Presseball und andere Bälle und die Bölkerbundsmitglieder zeigen sich, immer in Gestalt kostbar an- und freigiebig ausgezogener schöner Mädchen. Da sind berauschende Farbentlänge in effektvollen Vorhängen au» glitzerndem Flitter und kostbarem Silber und herrliche Straußen- federn, und alles zusammen soll«in Bild von unserer Gegenwart dafür Sorge getragen habe, daß vor allem gute deutsche Oualitäts- arbeit zur Ausstellung komme. Für die Erhaltung der Produktion, für Absatz und Absagwerbung sei darum der Messegcdanke unent- behrlich. Von Köln ausgehend, seien sehr dankenwerte Anregungen nach anderen Städten ergangen, um eine Verständigung in bezug auf Messe- und Zlusstellungswesen herbeizuführen. Es sei zu hoffen, daß dieser Rationalisierung Erfolg beschieden sei. Geheimrat Dulsberg unterstützte die Ausführungen Silver- bcrgs. Gleich am Sonntag vormittag setzte ein lebhafter Andrang zur Messe ein. Das ist wohl nicht zuletzt dem Umstand zuzuschreiben, daß die diesmalige Messeschau mehr Ausstellungs- als Messe- charakter hat. Besonders die technische Messe, in der die drei Sonder- ausstelliingen„Fließarbeit".„Hochspannung" und „Lichtwirtschaft" besonderes Interesse erregen, finden starken Zulauf. In der Textilmcsse, in der zum ersten Male die französische Textilindustrie mit ihren neuesten Modeschopfungen vertreten ist. brachte bereits der Sonntag vormittag eine Reihe bemerkenswerter Geschäftsabschlüsse._ Die Irar.kreichhetze üer Zafchiften. Protest der sranzösis6,en Regierung. pari». 13. September.(WIV.) Nach den Alorgenblällcrn soll der französische Geschäslslräg« in Rom. als er dem kabinells- chef Riustolinis die Glückwünsche d« französischen Regierung zum Mißlingen de» Attenlals gegen den Duce zum Ausdruck brachte. gleichzeitig dagegen prolesll«t haben, daß die Jaschislenpresse eine Kampagne gegen die den italienischen Emigranten in Frankreich gewährte Gastsreundschaft sührk: er soll erklärt haben, er hoffe, daß die italienische Regierung Maßnahmen. ergreisen werde, um in Zukunft derartiges zu verhindern. Der Urheber des Allenlai« sei zwar aus Frankreich gekommen, aber nichtsdestoweniger I k a l i e n e r. Mailand. 13. September.(CP.) Bei den Smpathiekundgebun- gen für Mussolini in Mailand erschollen aus der vieltausendlöpfigen Menge wiederholt Rufe:„Nieder mit Frankreich!" Der Faschistenführer griff diese Worte auf und sagte:„Sollte der Duce den Marschbefehl ausgeben, so könnte kein Hindernis den hinreißenden Bor stoß der Faschisten aufhalten, denn die Faschisten sind jederzeit bereit, für den Duce in den Tod zu gehen." Der O b e r k o m m i s s a r von Mailand. Belloni, verlangte die Einführung der Todesstrafe und sagte u. a., der Duce müsse sich mit einem Gürtel von Wachtposten umgeben, die sein Leben be- schützen. Mussolini werde entscheiden, was gegen die fa- schistenfeindlichen fremden Staaten zu unter- nehmen sei. Das Boll von Mailand werde ihm immer gehorchen. — Der„Popolo d'Jtalia" meldet aus Rom: Aus den ersten An- gaben des Attentäters und der bisherigen Untersuchung gehe hervor, daß das geschickt vorbereitete Attentat nicht die Tat eines Irr- sinnigen oder Anarchisten sei. Bor allem sei es nicht möglich, daß der Attentäter so ohne weiteres nach Italien zurückkehren konnte, wie er glauben machen wolle, und daß er bei dem ersten Waffenhändler die Bomben und den Ravolocr erstanden habe, sowie daß er auf Grund knapper Angaben das Automobil Mussolinis auf den ersten Blick erkennen konnte. Welmehr sei anzunehmen, daß der Attentäter das Werkzeug einer umfangreichen polt- tischen Organisation sei, die ihm die Mittel zum Attentat geliefert habe. Wahrscheinlich handle es sich um eine Verschwörung, deren Fäden unter den politischen Flüchtlingen in Frankreich und ihren heimlichen Korrespondenten in Italien zu suchen seien. Die Enteignung de« Silckstoffwerkes Ehorzow durch Polen hat, wie man weiß, das haager Schiedsgericht für unberechtigt erklärt. Nach langer Nichtbeachtung deutschen Verlangens, dlescin Urteil zu entsprechen, hat Polen jetzt Verhandlungen über Entschädigung vorgeschlagen. Die Gens« Sicherheitspolizei verhaftete am Frostog einen gewissen Leopold Grünberg, von Beruf Schneider, russischer Abstabi- mung, geboren in Zürich. Er ist Epileptiker und soll Dra- Hungen gegen Bundesrat Motto und Advokat Theodor Aubert aus- gesprochen und erklärt haben, daß er den seinerzeit ermordeten rus> sischen Diplomaten Worowsky rächen wollte. geben. Das leider ist den Schanzer und Welisch weniger gelungen. Dabei ist es kein Kunststück, eine kleine Zeitsatire zu schassen. Man braucht nur ein paar Zeitungen aufzuschlagen, um zu erfahren, was aktuell ist und einschlägt. Dafür hat sich aber Saltenburg Rudolf Nelson als Komponisten verschrieben, dessen melodiöse Musik den Erfolg des Abends besiegelte. Seine Einfälle sind charmant, sei» Rhythmus reißt mit, die leichten prickelnden Weisen laden zum Mit- singen ein. Und wo die Komposition getragen und schwer wird, da bewahrt Nelson die tändelnde Linie durch lustige jazzmähige Instrumentalion mit ausgiebiger Verwendung des Saxophons. Zwei Schlag«, deren Texte nicht übertrieben geistvoll sind, ..Paraguay" und„Adalbert, was hast du in der Tüte?", eroberten sich im Augenblick die herzen der Hörer. Die Lebensfreude vertritt Emmy Sturm voll Lebensfreude, voll Temperament und Rasse, V«lörperung von Anmut und prächtiger Laune ist Charlotte Ander, von Eleganz und Ge- lenkigleit Harald Pausen. Max Adalbert wünscht man sich ausgiebiger beschäftigt zu sehen. Seine Schlagsertigteit und sein trockener Witz lassen besonders in der Maurcrszcne den Zu- schauer vor Vergnügen quietschen, hervorzuheben sind noch die russischen Tänzer P a r t s- Og i n s k y in einer lustigen Parodie auf den modernen Tanz und L i t t l e B I oä a, die alte Ballett- Virtuosität mit heutigem Rhythmus verbindet. Sieht man von einigen Geschmackentgleisungen ab, wie«iniaen iiberslüssigen Zoten und dem törichten Bölkerliundsbild, so kann man doch nicht umhin, sich zur Rcope zu bekennen. Der Slbend war kein restloses Gelingen, aber er war wesentlicher als manches ernstgemeinte Drama. Die Revuebilder sind gewiß oberflächlich»od äußerlich. Aber was ist das für eine berauschende Aeußcrlichkcit und schimmernde Oberflächlichkeit! Sie kommt dem Schaubedürfnis der Masse entgegen, so daß sie drei Stunden lang die Umwelt oer- xcssen und den Märchcnzauber der Sinne genießen läßt. _ Ernst Segne r. Dr. Ignaz Iaskrow, Professor der Nationalökonomie an der Berliner Universität und der erste Rektor der Handelshochschule Berlin, begeht heute seinen 7 0. Geburtstag. Prof. Jastrow, ein Schüler Mommsens, hat seine Laufbahn als Historiker begonnen und war mehrere Jahre Assistent bei Ranke. Sein lebhaftes Interesse siir die soziale Frage zog ihn jedoch zur Nationalökonomie, hier widmete er sich vor allem sozialpolitischen und Verwaltungswissen- schaftlichen Fragen. Unter anderem war er jahrelang Herausgeber der„Blätter für soziale Praxis". Grundlegend waren seine Arbeiten über die Konjunktursorschung aus dem Arbeitsmarkt. Die Zeitschrift„Der Arbeitsmarlt" wurde von ihm ge- gründet und lange Zeit geleitet. Gelegenheit zu praktischer Verwal- tungsarbeit fand Jastrow In fast ISjährlger Tätigkeit als Stadtrat in Ckarlottenburg. Wie wir hören, wird ein Kreis von Schülern und Freunden Iastrows ihm zu seinem Geburtstage unter dem Titel „Sozialpolitische Studien" eine Festgabe darbrinnen, für welche die Mitarbeit hervorragender Theoretiker und Praktiker auf diesem Gebiete gesichert ist. Städtische Oper. Heute abend wird wegen Erkrankung bcS Fräulein Schuiz-Dornburg statt.Fatinitza» die Oper»DerFreis-hütz' gegeben /tufüeckung großer Kotainschiebungen. 15 Personen verhaftet. Qtme vielköpfige Bande von Kokainschiobern, deren Treiben sich über ganz Europa erstreckte, konnte jetzt endlich unschädlich gemacht und hinter Schloß und Riegel gesetzt werden. Der Kampf des Sonderdezernats der Kriminalpolizei gegen das lieberhandnehmen des Kokanigenusses ist einer der schwierigsten, den die Behörde aus- zufechten Hot. Jetzt endlich ist es nach langen Beobachtungen gelungen, zwei der Händlerketten bis zum Anfangspunkt auszurollen. Man ge- langte zu überraschenden Ausschlüssen. Ein Berliner Apotheker Hahn wurde als Kokaingroßhändlcr entlarvt und fest- genommen. Von ihm bezogen durch Vermittlung eines Drogisten Leseritz und eines Russen namens Michailow eine Reihe von Emi- granten das gefährliche Gift, das sie für eigene Rechnung teils in Deutschland verkauften, teils nach Paris und im Osten nach Riga verschoben. Man gab sich in diesen Kreisen nicht mit Kleinigkeiten ab. sondern bezog stets 300 bis S00 Gramm. Der Haupt- macher war ein ehemaliger russischer Landwirt Otto von S i e w e r s. Mit zwei oder drei Helfershelfern reiste er von Berlin nach Paris und verstand es, das verbotene Gift über die Grenze zu schmuggeln. Als Siewers am vergangenen Donnerstag abend aus Paris nach Berlin zurückkehrte, wurde er auf dem Bahnhof Zoo von Kriminalkommissar Rebe in Empfang genommen. Bei dem Berhafteten fand man noch 2 Gramm Kokain und 25 Centime. Von der in Paris erzielten Einnahme, die etwa 10 000 Franken betragen batte, war dies der klägliche Rest. Alles andere hatte er verjubelt. Er hatte die Absicht gehabt, in Berlin gute Freunde anzupumpen, um neue Geschäfte in Riga tätigen zu können. Außer reinem Ko- kain verschob Siewers aber auch minderwertiges gefälschtes Zeug, hauptsächlich salizylsaures Natron oder Borax. Bisher wurden 15 Personen, meist russische Emigranten, die an den Schiebungen beteiligt sind, festgenommen, �, Das Enöe einer zerrütteten Ehe. Mordversuch und Selbstmord. Einen blutigen Abschluß fand am Sonntag morgen die Ehe des 33 Jahre alten Bankbeamten Helmuth Voigt, der mit seiner 27 Jahre alten Ehefrau Charlotte in der Rigaer Str. 0 4 wohnte. Am Sonntag früh, gegen 6% Uhr, hörten Hausbewohner ln der Wohnung des Paares mehrere Schüsse fallen. Sie benachrichtigten die Polizei und die Beamten fanden Voigt mit schweren Echußverle Hungen am Kopf und in der B r u st be- sinnungslog am Boden liegen. Die Frau war spurlos verschwunden. Da der Mann noch schwache Lebenszeichen von sich gab. brachte man ihn sofort in das Krankenhaus Am Friedrichshain. Auf dem Tisch im Zimmer fand man einen Brief der Frau Voigt, in dem sie mit- teilte, daß sie in den Tod gehen und ihre beiden 12 und 5 Jahre � alten Kinder, die sich zurzeit bei dem Großvater in Altenburg be- finden, mitnehmen werde. Zur Ausführung dieses Entschlusses ist sie aber nicht gekommen. Gegen 9 Uhr besuchte sie, wie festgestellt wurde,«ine bekannte Familie in der Brückenallee 22. Sie klagte dort über die Zerrüttung ihrer Ehe und entfernte sich schließlich mit dem Bemerken, daß sie noch Einkäufe zu besorgen habe. Statt dessen aber lief sie in dem Hause die Treppe hinauf bis zum Boden und stürzte sich aus dem Fenster auf den Hof hinab, wo sie mit zerschmetterten Gliedern tot liegen blieb. Wenige Stunden später, um 3 Uhr nachmittags, erlag im Kranken- haus auch der Mann seinen Verletzungen. Das gefürchtete Neberfallkommando. Am Sonntag nachmittag beehrten Einbrecher eine Wohnung In der Regensburger Straße im Bezirk Charlottenburg. Sie erbrachen di, Eingangstür, durchstöberten sämtliche Schubfächer und Schränke, und als sie in das letzte Zimmer gelangten, wurden sie durch Hilferufe einer darin befindlichen Hausangestellten gestört und oerließen fluchtartig über den hinteren Ausgang den Schauplatz ihrer Tätigkeit. Die Wohnungsinhaberin war abwesend, das Mäd- chen, das in der Wohnung war, konnte vor Schreck kaum Worte finden, sie hatte niemand gesehen, wußte natürlich nicht, ob noch einer der Verbrecher in der Wohnung war oder wohin sich die Bande begeben hatte. Das ganze Haus war in hellster Aufregung, aus allen Fenstern sahen bestürzte Gesichter, ein wüstes Durcheinander- schreien verängstigter Menschen. Unten aber, im Hausflur, stand stillvergnügt der Herr Hauswart, sichtlich erstaunt ob all der aus- geregten Leutchen. Auf die an ihn ergangene Aufforderung, sofort das Ueberfallkommando zu alarmieren, erwiderte er:„Fällt mir gar nicht ein, das kostet 25 M.* Auf weiteres Drängen eines Haus- b-wohners schnauzte er diesen mit den Worten an:„Zahlen Sie die 25 M., dann rufe ich für Ihre Rechnung an."' Es rief dann eine andere Person das Ueberfallkommando an, wobei sich herausstellte, daß die Sache mit den 25 M. natürlich nicht stimmte. Man kann verstehen, daß der gemütliche Herr wegen einigen lumpigen Ein- brechern, die nicht mal einen abgemurkst hatten, sich in seiner Sonn- tagsruhe nicht stören lasten wollte. Ilm die neuen Stadträte. Der Achtzehnerausjchuß der Stadtverordneten, der sich heute mit der Borbereitung ocr Wahl eines besoldeten Ma- g i st r a t s in i t g l i e d e s und des S t a d t s ch u l r a t e s zu be- schäftigen hatte, beschloß gegen zwei Stimmen, von einer Aus- s ch r e i b u n g der Stellen abzusehen. Für die Ausschreibung des politischen Stadtrates stimmten die Vertreter der Deutschnatio- nalen und der Deutschen Volkspartci, für di« Ausschreibung des Stadtschulratcs stimmte nur der Vertreter der Wirtschaftspartci. Vorgeschlagen wurde für den politischen Stadtrat von der Sozial- demokratischen Partei das bisherige unbesoldete Maglstratsmitglied, der Genosse Stadtrat Schlichtin g. Als Stadtjchulrat wurde von der Deutschen Dolkspartei der bisherige unbesoldete Stadtrat B e n e ck e vorgeschlagen. Die Fraktionen werden in den nächsten Frattionsversauimlungen dazu Stellung nehmen. Windhosenfttirm irbcr Nauen. Am Sonntag morgen, zwischen 2 und 3 Uhr, wütete ein Wind- Hosensturm in der Gegend der G r o ß f u n k st a t i o n Nauen. In der Stadtforst Nauen wurden etwa 100JahrealteEichen und starke hohe Kiefern entwurzelt und zum Teil auf die Berlin— Nauener Ehaustee geworfen. Die Fernsprechleitungcn wurden unterbrochen. Personen sind nicht zu Schaden gekommen. Durch sofort vorgenommene Absperr- und Aufräumungsarbeiten wurde erreicht, daß die Straße am Sonntag mittag für den Ber- kehr wieder frei war. Der der Stadt ensttandene Schaden ist nicht unbeträchtlich. In der G r o h f u n k st a t i o n selbst hat der Shmn keinen Schaden angerichtet. Reichsbanncrtag in Oranienburg. Unter starker Beteiligung der Oranienburger Bevölkening ver- onstaltete gestern das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold in Oranien- bürg eine gewaltige Kundgebung. Am Sonnabend oersammelten sich Kameraden und Gäste zu einem Begrüßungsabend, zu dem auch die Stadt Vertreter entsandt hatte. Am Sonntag marschierten die Züge— ungefähr 4000 Kameraden— und die Partei unter starker Beteiligung der Oranienburger Bevölkerung aus dem Schützenplag auf. Nach einem Begrüßungswort des Kreisvereinsvorsitzenden S ch w ä r tz k e sprach der Bürgermeister Dr. Hör r. Seine sym- pathischcn Worte, die starken Beifall fanden, sind deshalb be- merkenswert, weil Dr. Horr den Reckitspartcien nahesteht. Er setzte sich warm für den neuen Staat ein. Senatsprüsidcnt G r o ß m a n n, der Festredner, erinnerte die Kameraden daran, daß seit einigen Tagen in Genf die schwarzrotgoldenen Banner wehen. Dr. Stresemann hat geerntet, was Männer wie Ebert. jLat he Ann und ErzberPex.begonnen. Diese Männer�wm/ weitere Zunahme der Tpphusfätle. 6Ä3 Kranke in den Hannoverschen Krankenhänsern. Die Typhusepidemie in Hannover greift immer erschrecken- der um sich. Am Sonntag morgen waren bereits 481 Kranke in den Krankenhäusern liniergebracht, bei denen ein- wandsrei Typhus fe st gestellt war. Sieben davon waren bereits gestorben. Bis Sonntag abend 7 Uhr hatte sich die Zahl der Erkankten auf 523, die der Toten auf 9 erhöht. Unter den Kranken befinden sich 268 Männer, 202 Frauen und 53 Kinder. Es macht sich bereits ein Mangel an Aerzten und Schwestern- personal fühlbar. Von den Universitäten Frankfurt, Kiel und Göttingen wurden Aerzte nach Hannooer gebeten, auch Kranken- schwestern sollen von auswärts herangezogen werden. Die Bade- anstalten wurden geschlossen. Der Herd der Erkrankung ist immer noch nicht gefunden. Hannover, 13. September. Nach Mitteilung von amtlicher Seite betrug am heutigen Montag früh um 7 Uhr die Zahl der gemeldeten Typhus, und typhusverdächtigen Fälle 6Z0. Davon sind bis- her insgesamt 1Z Fälle tödlich verlaufen. Was die Ursache der Epidemie betrifft, so sind nach Mitteilung aus Hannover die Unter- suchungen der dorthin entsandten Berliner Kommission noch nicht völlig abgeschlossen, so daß es bisher nach wie vor zweifelhaft sein soll, ob es sich um eine Infektion des Trinkwassers handelt. Die Stadt Hannover bezieht ihr Trinkwasser in der Hauptsache von den Wasserwerken in Elze, einem kleinen Heidedors, Grasdorf und Reck- lingen. Die Tatsache, daß in Hannooer die Typhuserkrankungcn einen so bedenklichen Umfang angenommen haben, beschäftigt naturgemäß auch alle anderen großen Stadtverwaltungen, und besonders auch die Berliner Gesundheitsbehörde. Wenn auch im Augenblick noch nicht feststeht, daß die Verbreitung der Typhusbazillen durch das in der Tat kcimhaltige Trinkwasser in Haimooer hervorgerufen worden ist, so besteht doch der Verdacht, daß entweder das Leitungsnetz oder ein Oberslächenreserooir in Hannover von Typhusbazillen verseucht worden ist. Die Berliner städtischen Behörden haben, wie uns mitgeteilt wird, ihrerseits sofort alle Borsichtsmaßnahmen getroffen, um ähnliche Vorkommnisse in der Reichshauptstadt vorzubeugen. Durch Chemiker werden gegen- wärtig sowohl Proben aus den Tiefbrunnen geförderten Wassers, als auch Proben aus dem Müggelsee auf Kcimfrejheit untersucht, die Kieselgurläger, die Filter usw. werden auf Keimsreiheit ganz besonders scharf beobachtet. Berlin erhält sein Trinkwasser zu 90 Prozent aus den riesigen Tiefbrunnen, die die Berliner und die Charlottenburger Wasserwerke an der Peripherie der Großstadt an- gelegt haben. 10 Prozent des Trinkwassers werden jedoch dem Müggelsee entnommen und mit dem Tiesbrunncnwasser vermischt. In Zeiten erhöhten Wasserbedarfs wird sich das Mischungsver- hältnis allerdings ungünstiger gestalten, da dann erheblich mehr Oberflächenwasser in das Berliner Rohrnetz geleitet wird, als unter normalen Umständen. den für einen Gedanken in den Tod gehetzt, mit dem heute selbst die Deutschnationalen sich abzufinden beginnen. Die deutsch« Repu- blik hat einen Sieg errungen. Mit einem Hoch auf die freie Repu- blik schloß Großmann seine Ansprache. Nach dem Festakt marschier. ten die Kameradschaften in einem Umzüge, bei dem 52 Banner mit- geführt wurden und 12 Tambourtorps spielten, durch Oranienburg. Mit öem �tuto in üen Lanüwehrkanal. Sechs weitere Autounfälle. Heute früh gegen 4 Uhr fuhr eine Kraftdroschke am Lützowuser, Ecke Genthiner Straß«, in den Landwchrkanal. Der Führer wurde gerettet, das Auto von der Feuerwehr herausgezogen. Die Ursache des Unglücks soll auf Steuerdefekt zurückzusühren sein. In der Sonntagnacht stieß eine Kraftdroschke mit einem Motor- rade, Führer Friedrich Kurth aus Rosenthnl, Hauptstraße, an der Ecke Kurfürstendamm und Brandenburgische Straße zusammen. Dabei wurde Fräulein Lotte Altmann aus Wilmersdorf, Mecklen- burgische Straße, vom Soziussitz des Motorrades geschleudert und erlitt schwere innere und äußer« Verletzungen. Sie verstarb auf dem Transport zum Krankenhaus Westend. Kurth erlitt leichte Bein- Verletzungen und konnte nach seiner Wohnung entlassen werden. Die Schuld trifft den Führer des Motorrades.— Auf der Kreuzung der Französischen und Mauerstraße stießen gestern abend gegen 7%i Uhr ein Kraftwagen und ein Kraftrad mit voller Gewalt zusammen. Der Fahrer des letzteren, der 26 Jahre alte Kaufmann A r n ol d M a a ß aus der Rosenheimer Straße 33 in Schöneberg, erlitt einen Schulterknochenbruch, und seine Begleiterin, die 22 Jähre alte Hedwig Feuerhak aus der Neuen Winterfeld- straße 22, Quetschungen des linken Fußes.— Nachts gegen 11% Uhr juhr der Führer eines Personenkraftwagens in der Graf-Rödern- Allee in Reinickendorf gegen eine vorschriftsmäßig beleuchtete Straßensperre. Während das Auto vollständig zer- l r ü m m e r t wurde, kam der Chauffeur mit leichten Verletzungen davon.— In der vergangenen Nacht gegen 1 Uhr fuhr in R e I» n i ck e n d o r f vor dem Hause Präsidentenstraße 124 ein Kraftwagen die 51jährige Frau Elisabeth W i e r s i g, die in Neukölln, Laubestraße 8. wohnt, an und schleuderte sie zu Boden. Die Der- unglllckte fand mit schweren Verletzungen im Reinickendorfer Krankenhause Aufnahme.— In der Berliner Straße in Span- da u. Am Grützmachcr-Grabcn, stieß der 20jährige Motorradfahrer Artur Leister aus Staaken mit einem Pferdegespann des Händlers Rudolf Kreuzberg aus Wittenau zusammen. L. trug Kopfverletzungen davon und wurde nach dem Spandaner Kranken- hause gebracht. Sein Rad wurde stark beschädigt.— Um 1 Uhr nachts stießen in der K ö p e n i ck e r Straße vor den Preßluft- werken ein Personenkraftwagen und eine Kraftdroschke zusammen. Die Kraftdroschke wurde umgeworfen und stark beschädigt. Personen sind nicht zu Schaden gekommen. Licbestragödie in der Neanderstraße. Ein« Liebestragödie spielte sich in der Nacht zu Sonntag gegen 2% Uhr in der N e a n d« r st r a ß e 2 1 ob. Hier wohnte als Unter. mieter der 34 Jahr« alte Schauspieler Otto Kautz zusammen mit der 20 Jahre alten Tänzerin Charlotte Zick. In der letzten Zeit war es zwischen dem Paar wiederholt zu hefngen Zwistigkeiten gekommen. In der Sonnabendnacht hörten die Wirtsleute wieder lebhaften Wortwechsel und bald darauf einige Schüsse. Sie eilten in das Zimmer und fanden die Tänzerin mit Schubverletzungen in der rechten Schläfe blutüberströmt im Bett und den Schauspieler, ebenfalls mit«inem Schläfenschuß. auf dem Fußboden liegen. Beide wurden in das Urbankrankenhaus gebracht. Wie ermittelt worden ist, soll Kautz, der sich als Schauspieler bezeichnet und früher Haus- diener war. den Strafbehörden bereits bekannt sein. Schon früher ein..Freund" von Mädchen, lernt« er vor einiger Zeit die Tänzerin kennen, nahm sie zu sich in fein« Wohnung und sucht« sie auf Abweg« zu bringen. Daraus entstanden die sortgesetzten Streitigkeiten, die endlich zu dem blutigen Auftritt führten. 20 000 Sonntagsgäste in der Funkausstellung. Die Große Deutsche Funkausstellung am Kaiserdamm, die dritte ihrer Art, ist die ertragreichste gewesen. Der l e tz t e T o g der Ausstellung brachte noch nahezu 20 000 Besucher. Wahrend der Leichtathlethik-Veran- staltungen im Stadion des Sportklubs Charlottenburg, zu Füßen des Funkturms, mußte das Funktunnrestaurant, das den besten Blick über die gesamte Sportanlage bietet, wegen des unerhörten Andranges sowohl am Srnnabend wie am Sonntag vorübergehend geschlossen werden. Die in der alten AutoHalle stattfindende Reichs- g a st w i r t s m e I s e, die ebenfalls Sonntag außerordentlich starken Besuch aufzuweisen hatte, bleibt noch den Montag über bis abends 8 Uhr geöffnet. Feuer im Polizeiamt Schöneberg. Heute vormittag kurz vor 11 Uhr wurde die Schöneberger Feuerwehr nach dem Polizeiamt Schöneberg, Gothacr Straße, gerufen, wo in«inem Papier- lagcrkeller Feuer ausgebrochen war, das ein« ungewöhnlich stark« Rauchentwicklung zur Folg« hatte. Die Mannschaften mußten mit Rauchschutzgeräten und Gasmasken vorgehen und löschten das Feuer bald ab. Der Arbeiter-Esperanlo-vund für das deutsche Sprachgebiet Ortsgruppe Berlin, beginnt in dieler Woche mit einer Reih« neuer Kurse in der internationalen Hilfssprache Esperanto. Montags 7%— 9K Uhr Wedding. Schule Ruhcplatzstraße. Rei- n i ck e n d o r f, Schule Lctte-Allee, Norden, weltliche Schule Puttbuser Straße. Mittwochs 7�—9% Uhr Norden, Schule Danziger Str. 23, Donnerstags 7%— 9% Uhr Osten, Jugendheim Am Ostbahnhof 17. Freitag 8—10 Uhr Zentrum. Schul« ,.......... yMck Achlung, Stadlverordnetensraklion! Die nächste Fraktion?» sitzung findet Dienstag, den 21. September, statt. Neuer Anschlag auf einen Eisenbahnzug. In der Nacht zum Sonntag wurde auf der Strecke O p p e l n— Carleruhe in Oberschlesien ein Anschlag versucht. Kurz vor Karlsruhe bemerkte der Lokomotivführer des Personenzuges 1209 eine Störung. Da sich beim Einlausen in die Station Carlsruhe an der Maschine kein Schaden herausstellte, wurden die Schienen untersucht und festgestellt, daß an jener Stelle im Walde die Laschen von den Schienen gelöst und die Schienen gehoben worden waren. Ermittlungen mit einem Polizeihund wurden sofort aufgenommen. Man ist den Tätern bereits aus der Spur. Sport. Viöe schlägt Nurmi in Weltrekorüzeit. Am zweiten Tage des internationalen Sportfestes des SCC. wurde der Finne Nurmi im Laufen über zwei englischen Messen (3218 Meter) von Wide-Schweden in der neuen Weltrekordzeit von 9: 01% geschlagen. Auch Nurmi unterbot noch die alte Welt- Höchstleistung des Amerikaners Shrubb von 9: 09,6 mit 9: 05. Der in Berlin lebende Finne K a tz wurde dritter in 9: 22V4, während der Amerikaner Goodwin geschlagen auf dem letzten Platz endete. Steher auf der Rulk-Arena! Di« Rütt-Arena hat nun ihre Steher premiere hinter sich. Schade, daß nur eine schwach besuchte Bahn Zeuae dieser Premiere war. Das ungewisse Wetter mag ausschlaggebend gc- wesen sein. Die drei Dauerrennen über zweimal 15 und einmal 30 Kilo- meter nannte man„Steher-Premiere". Dem Debütanten Paul Koch gelang es, die beiden ersten Läufe zu gewinnen. Den ersten Lauf fuhr er in 16 Min. 17,3 Sek. gegen öewanow(130), Golle (250) und Thomas(1250 Meter zurück). Den zweiten Lauf gewann Koch in 16 Min. 13,1 Sek. vor Golle(40), Lewanow(120) und Thomas(370 Meter zurück). Lewanow vermochte dann den dritten Lauf über 30 Kilometer zu gewinnen. Er fuhr die 30 Kilo- meter in 31 Min. 09,4 Sek. Zweiter wurde Koch(270) vor Thomas (520) und Golle(980 Meter zurück). Im Gesamtergebnis ging Lewanow(59,750 Kilometer) als Sieger hervor. Den zweiten Platz— nur 20 Meter zurück— belegte Koch 159,730 Kilo- meter). Dritter Golle(58,730 Kilometer) vor Thomas(57,850 Kilo- meter gefahrenl.— Im Gesamtergebnis des Mannschafts- O m n i u m s Rütt-Fricke gegen Hahn-Tietz wurde die Sechstage- Mannschaft(46 Punkte) von Rütt-Fricke mit 54 Punkten geschlagen. — Im„Willi-Hinz-Erinnerungspreis", einem Handicap über 500 Meter, siegte Stolz, während der„Preis von Tempelhof", ein Mannschaftsrennen nach Sechstageart, von De Martini- Longardt gewonnen wuäde. Der Italiener siegte dann noch im Verfolgungsrennen gegen Passenheim. Renne« zn Rlariendorf am Sonntag, den 12. September. 1. R e n n e n. 1. Peter 51(Weih). 2. Notula, 8. GonntagSprinz. Toto: 45: 10. Platz: 23, 98, 31: 10. Ferner liefen: Hersteller, CoriolanuS. Min,, Bessio, NIpenlönig, MalmS, Harlekin, Delnbrand, Sphinx I, Jeanette, Tudora. 2. Rennen. 1. Mary Guy(I. MillS). 2. Aga. 3. Malteser. Toto: 45: 10. Platz: 10, 10, 11:10. Ferner liefen: Quintessenz, Sadana. Erster Seehofer, Regen boizetT. 3. Rennen. 1. SIliqold f®. StiaS), 2. Prinzeb Fortung. 3. Höhensonne. Toio: 40:10. Platz: 19, 43, 20:10. Ferner liefen: Divisionär, Ilona W.. tterrigan jr.. VenuS. Jimiene. Srbgras. Bergschwalbe, Ouera, «orrona, Mr. tttnney. Jiitercssent, Ludmill I,«llpensex. WainSca, Jessries jr., Fenewn�Hettnann. � Stechen: 1. Florentiner(llb. MillS), 2. St. Ro- bert». 3. Billy Bunker. Toto: 24:10. Platz: 14, 20. 10:10. Ferner tiesen: Fei», Mary H., H.«lack, Ilm jr., Satyre. Dorilha, Peter Speedway.— 2. Stc ch e n: 1. Peter Sycedwnli(E. Treuberzi. 2. Billi Bunker, 3. St. Roberts. Toto: 25:10. Platz: 22. 19, 17: 10. Ferner liefen: Floreniincr, FclS, Mary H.. Black, Jim jr., Toritha.— 3. Stechen: 1. Pcler Speed- way iTrouhcr,), 2. St. Roberts. 3. Billt Bunler. Tolo: 20:10. Platz: 17, 17, 14:10. Ferner liesen: Florenttner, Fel», Mary H.. Dorilha. 5. R e n n e n. 1. Cleo Polo(Ch. Mills), 2. Gcroslrat, 3. Manzanares. Toio: 17: 10. Platz: 14. 22. 21: 10. Ferner lieien: Denkmünze, Belwin, Jmporialion, Königsadler. Barmaid. The ftilly, Ouiniora, Willy A S. Rennen. 1. Aderglaube/, Uhr, m Baumschulenweg. Der Sunöestag öer Techniker. Der S. ordentliche Bundestag des Bundes der technischen Angestellten und Beamten wurde am Sonnabend abend durch eine vom AfA-Ortskartell veranstaltete Begrüßungsfeier in der Bhilharmonie eingeleitet. Begrüßungsansprachen hielten der Vor sitzende des AsA-Ortstartells, Genosse F l a t a u, der Oberbürger- meister Boß, Gauleiter Günther vom Dutab sowie der Bundes- Vorsitzende Ingenieur Waschow. Genosse 21 u f h ü u s e r sprach über:„Freie A n g e st« l l t« und 23 o l k s st a a t". Er legte in seinem Vortrag dar, warum auch die Angestellten in der demokrati- schen Republik den für sie günstigsten Boden sehen, auf dem sie ihre Forderungen in sozialpolitischer, wirtschaftlicher und kultureller Hin- ficht durchzusetzen suchen. Wenn in der heutigen Republik zwar noch die formelle Demokrati« herrsch«, so werden doch die Angestellten die Republik an jedem Tag« so schützen, wie sie es beim Kapp-Abenteuer 1920 in Gememschaft mit den anderen Gewerkschaften getan haben. Das Ziel der freien Gewerkschaften, und somit auch des Butab sei die Erringung eines wirklichen Volksstaates, wo an Stelle der Privat- Wirtschaft die Gemeinwirtschaft herrscht. Den 2lbend beschloß das Sinfonieorchester mit einigen Sätzen aus„Fausts Verdammung". 1. Verhandlungslag. Der Bundestag, der im festlich geschmückten Saal des Lehrer- vereinshauses abgehalten wird, wurde am Sonntag vormittag von dem Bundesvorsitzenden Waschow eröffnet. Außer den 150 Delegierten, Vorstandsmitgliedern, Gauleitern usw. sind Vertreter von SZehörden, Parlamenten und von befreundeten Organisationen er- schienen. Nach der Zusammensetzung des Bureaus durch Mahloi» Berlin und Mcer-Essen zu Berhaüdlungslcitern und der Wahl einiger 2lucschüsse erstattet« Genosse Schweitzer den Geschäftsbericht. Er beschränkte sich aus einig« Ergänzungen des gedruckten Geschäfts- berichte 1924 und 1925, der in der Abendausgabe des„Vorwärts" vom Sonnabend bereits behandelt wurde, und beleuchtete besonders eingehend das Problem der Arbeitslosigkeit der tech- tzischen Angestellten. Ende Juli waren bei den Arbeits- nachweisen 41 210 stellungslos.: Techniker eingetragen gegen 20?1i im Dezember 1925. Es ist geradezu«in« Tragödie, wenn man bedenkt, daß besondere die älteren Techniker, dt« srhr schwer wieder in Stellung zu bringen sind, aus der Straß« lagen. Rund 50 Proz. der stellungslosen Techniker sind über 40 Jahr« all. Auf ein« Besserung der Arbeitsmarktlage der Techniker ist in absehbarer Zeit gar nicht zu rechnen, es ist im Gegenteil zu erwarten, daß insrlg« der fortschreitenden Konzentration in der Industrie mit einem weiteren Personalabbau zu rechnen ist. Hinzu kommt der starke Andrang zu den technischen Berufen. Di« Be- sucherzahi der öffentlichen und privaten technischen Lehranstalten ist gegen die Borkriegszeit fast um das Doppelte gestiegen. Die Behörde» haben dieser Rot der Angestellten lange Zeit tatenlos gegenüber- gestanden. Erst seit dem 1. Januar d. I. wurde die öfsentliche Erwerbslosensllisorge aus alle versichcrungzpslichtigen Angestellten aus- gedehnt, das Schutzgesetz für die älteren Angestellten wurde geschaffen und ein Arbeitsbcschaffnngsprogramm aufgestellt. Der Redner wies an einer Reihe von Zahlen nach, wie die Organisation durch Selbsthilf« in Form von Unterstützungen, die durch Sonderb«- träge aufgebracht wurden, die Rot ihrer Mitglieder zu lindern be- strebt war und ist. Die Organisation ist bemüht, ihre Mitglieder in ihrer Rot zu schützen, trotzdem die schwere Wirtschaftskrise ihre Eni- Wickelung hemmt. Schweitzer geht auch auf die R e d e S i l v e r- l> c r g s in Dresden ein und warnt vor diesen in aller Oesfentlichkeit den Gewerkschasten gemachten Liebeserklärungen. Diese Worte der Unternehmer sind mit ihren Taten bis in die jüngst« Zeit nicht zu rereinbaren. Es mutet sonderbar an, daß Leute von der Arbeiter- schaft die Aufgab« des filassenlampfes fordern, die bis vor kurzem selbst die brutalsten Klassenkämpfer waren. Die Gewerkschaflen werden jedenfalls den Umernehinern nicht in die so weit geöffneten Arme laufen. Schweitzer schloß sein« Ausführungen mit einer Auf- frrderlmg an die Teilnehmer, die gelverkschaftlich« Werbewoche zu einem Erfolg für den Bund zu gestalten. Nach einer kurzen Diskussion, in der an dem Geschäftsbericht fast keine Kritik geübt wurde, wurden zwei Entschließungen angenommen, deren«ine gegen die arbeitsrechiliche Schlechlerslellung der Techniker gegenüber anderen Berussgruppen, insbesondere den Handlungsgehilfen, protestiert. In der zweiten Entschließung wurden folgende Forderungen gestellt: 1. Di« schleunigst« Schaffung eines Arbeitslosenverstcherungs- gefetzes mit Einbeziehung aller Angestellten auf der Grundlag« wirk- licher Selbstverwaltung, mit Rechtsanspruch aus die Leistungen unter 2l>isscholtung der Bedürstigkeitsprüfung, gemäß den Vorschlägen der freien Gewerkschaften. 2. Durchführung der vom Unterausschuß des Neunten Ausschusses des Reichstages zur Behebung der Notlag« der älteren Angestellten beschlossenen Leitsätze über Regelung der Arbeitsvermittlung durch Einführung des Melde- und Benutzungsznmnges, Bekämpfung des Unwesens der Ehiffre-Anzeigen, Beschästigungsverpflichtung, Ein- stellunoszwang, ungleiche Kündigungsfristen und Abkehrgeld, Be- kämpfung des übermäßigen Andrangs zum Beruf durch geeignete Maßnahmen, insbesondere auch durch Kontrolle des Fachschulwesens. 3. Anrechnung der Zeit der Stellenlosigkeit auf die lSeitragszeiten jn der Sozialoei-sicherung. 4, Bei der Durchführung des Arbeiisbeschaffungsprogramms ist auf die Schaffung geeigneter Beschäftigungmöglichkeitsn für technische Arbeitskräfte zu achten. 5. Technisches Denken und technisch« Arbeit sind nicht nur in den Dienst der unmittelbaren Produktion zu stellen, sondern es ist ihnen, gegenüber der Vorherrschaft rein kaufmännischer und burcaukratischer Allein bist du nichts. Vereint, eine Macht! Denkweise, auch maßgebender Einfluß auf allen Gebieten der öffent- lichen und privaten Wirtschaft und Verwaltung einzuräumen. Es folgte dann ein Vortrag des Vorstandsmitgliedes Dr. Fritz P f i r r m a n n über: „Das Erfinderrecht der technischen Angestellten und Beamten". Er legt« in seinen längeren Ausführungen dar, wie rechtlos lzeute in Deutschland die Erfinder sind und daß das deutsch« Erfinderrecht gerai-ezu nach einer Reform schreie. Lebhaft« Empörung löste es bei den Teilnehmern aus, als der Referent mitteilte, daß die AEG. ihren Technikern einen Revers zur Unierschnst vorlege, in dem die Firma sich all« Recht« an Erfindungen, ZZerbesserungen usw., die in ihrem Betneb« gemacht werden, vcrbehäli, den Erfinder also gänzlich rechtlos macht. Das sehr interessante Referat, dem«in« nur kurze Diskussion folgt«, fand in einer«instimmig angenommenen Entschließung seinen Niederschlag, in der die gesetzliche Regelung des Erfinderrechts gefordert wird, im Rahmen des allgemeinen Arbeitsrechts. „Der fünfte ordentliche Bundestag sieht in dem vom Bundes- vorstand ausgeardeiteten(Degenentwurf zu den§§ 121 bis 131 des vom 2lrbeitZrechtsausschuß aufgestellten Entwurfs eines allgemeinen Arbeitsvertragsgesetzes die geeignete Grundlage zu einer befriedigen- den Regelung des Erfinderrechts im Rahmen des künftigen Arbeits- Vertragsgesetzes und fordert den Bundesvorstand auf, all« Schritt« zu tun, um die rasche Gesetzwerdung dieser Borschläg« herbeizuführen." Damit schlössen die Zserhandlungen des ersten Tages. Reichskonferenz üsr Sergarbeiter. Um die Beschlüsse der International«. Bochum. 13. September.(Eigener Drahtbericht.) Der Deutsche Bergarbeiterverband wird demnächst eine Rcichskonferenz nach Düsseldorf einberufen, um zu den Beschlüssen der Bergarbeiter- internationale Stellung zu nehmen.(Diese Beschlüsse brachten wir in Nummer 428 des„Vorwärts" am Sonnabcndmorgen.) Ueberfchreitung ües gesetzlichen Arbeitszeit. In Aschingcrs ßondilorei. „Die regelmäßige tägliche Arbeitszeit in Bäckereien und Kondi- toreien darf acht Stunden nicht überschreiten." So sagt die Ber- ordnung vom 18. Dezember 1918. Jn Aschingers Kondito- r e i aber, die 20 Konditoren beschäftigt, wird täglich neun Stunden gearbeitet. Diese Ueberfchreitung der Arbeitszcitoerordnung kam vor dem Gewerbegcricht zur Sprache, wo ein bei Aschinger beschäftigt gewesener Konditor Einspruch gegen seine Entlassung erhob, die angeblich wegen Arbeitsmangel erfolgt war. Der Vertreter der Firma behauptete, die neunstündige Arbeits- zeit sei zwischen der Firma und ihrem Personal vereinbart. Die Beweisausnahme ergab jedoch, daß die fragliche Vereinbarung sich nicht auf die Konditoren bezieht. Der dem Kläger zur Seite stehende Vertreter des Ber- Höndes der Lebens- und Genußmittelarbciter berief sich daraus, daß der Achtstundentag in den Bäckereien und Konditoreien durch Vcr- ordnung fsstgelegtes öffentliches Recht sei. das durch private Vereinbarungen nicht geändert werden könne. Es würde auch ein unhaltbarer Zustand sein, wenn der große Aschinger-Betrieb eine längere Arbeitszeit haben dürfte, als die kleinste Konditorei innezuhalten verpflichtet sei. Wenn in Aschingers Konditorei statt neun nur acht Stunden gearbeitet werde, wie es das Gesetz ver- lange, dann könne der Kläger weiter beschäftigt werden. Das Gericht(Kammer 12) verurteilte die Firma, den Kläger wieder«inzustellen oder ihm eine Entschädigung von 259 M. zu zahlen. Jn der Urteilsbegründung wurde gesagt, es möge dahin- gestellt bleiben, ob ein 2lbbau notwendig war. Unbestritten bestehe im Betriebe der Beklagten der Reunstundentag im Gegen- satz zu der Arbeits. zeitverordnung, wonach die achl- stündige Arbeitszeit nicht überschritten werden dürfe. Diese Bor- schrift müsse die Beklagte befolgen. Wenn ihre 20 Konditoren eine Stunde weniger arbeiten, dann könne auch der Kläger weiter be- schäftigt werden. Die Entlassung sei also unbegründet. Nach diesem Urteil wird sich die Firma Aschinger wohl ent- schließen müssen, in ibrer Konditorei die gesetzlichen Bestimmungen über die Arbeitszeit zu beachten. Durch ihre Ueberschreitung hat sie sich übrigens strafbar geuiacht. Die englischen Grubenbesitzer geben nicht nach. D?r Dollztigsansschub der Bergarbeiter einberufen. London. 13. September.(Eigener Drahtbcricht.) Die bisher vorliegenden Ergebnisse der Urabstimmung unter den Vergbauunter- nehmern über die Stellung zur Frage eines nationalen oder bezirrs- weisen Lohnabkommens im Bergbau deuten darauf hin, daß sich die Mehrheit der Unternehmer gegen ein nationales Lohnabkommen entschieden hat. Cook erklärt« am Sonntag abend in einer Rede kategorisch, daß die Bergarbeiter nicht geschlagen seien, und daß sie unter keinen Umständen die Vorschläge der Unternehmer annehmen würden. Die Exekutive der Bergarbeiter ist für Montag provisorisch einberufen, um' sich für die Konferenz mit der Regierung bereit zu halten. London. 13. September.(WTB.) Den Blättern zufolge haben alle Bezirksverbände der Grubenbesitzerorganisation es abgelehnt, dem Vergwertsverband Vollmacht für VerHand- lungen zwecks Regelung der Streitigkeiten im Kohlenbergbau auf nationaler Grundlage zu erteilen. * Die Herrschaften spekulieren offenbar auf den Zusammen- b r u ch der Abwehrbewegung der Bergarbeiter. Ihre skandalöse Stellungnahme wäre sonst unerklärlich. Um dieser Brutalität. die auf eine willkürliche Lohndrückern, auf eine bedingungs- lose Unterwerfung der Bergarbeiter hinausläuft, zu begegnen, müssen die Anstrengungen zur Unterstützung der aus- gesperrten Bergarbeiter verdoppelt werden! Selbst die englische Regierung ist über dieses„unversöhnliche" Verhalten der Grubennutznießer verstimmt, und sie beabsichtigt daher— nach einer EP.-Meldung— das Achtstundengesetz für die Gruben zurückzuziehen und eine Regierungs- k o n t r o l l e über die Gruben zu fordern. Infolge der Ver- schärsting der Lage hat B a l d w i n beschlossen, nach London z u- rückzu kehren, wo er am Mittwoch oder Donnerstag erwartet wird._ Allgemeiner Deutscher Beamtenbund. Ortsausschuß Berlin. Die juristische Sprechstunde, die regelmäßig Montag und Mittwoch in der Zeit von 5 bis 7 Uhr stattfand, wird fortab in den Räumen der Reichsgewerkschaft Deutscher Kommunalbeamten, Georgen- st r a h e 4 6a(nicht Johannisstraße 14/15) abgehalten. Verantw-rllich fllr Politik: Dr. T»rt,er; Wirtschaft:«rwr vatern-o; Ecwcrtschasisbewcciuna: I. Strincr: ssruilleton: Dr. John Schikooeki; Lokalc» und Sonsiiaco: Krih karstüdl: An,ei-en: Th. Sloche: sämtlich in Brrlin. Verlan■ Borwärto-Verla» G. m. b. H., Verlin. Druck: Vorwärlo-Vuchdruckerct und Verlaasanstalt Paul Sinacr u. Co.. Brrlin SW 68, Lindenslroh« 3. Kaffee Hag, der eoffeinfreie Bohnenkaffee. kann Lungenkranken, die immer zu beschleunigter Herztätigkeit neigen, nicht genug empfohlen werden. 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