Nr. 43� ♦ 43.?ahry. Ausgabe A Nr. 211 Bezugspreis. WZchentNch 70 Pfennl«, menatluS S,— Reich»marl oonm« ücfctlKJ*. Unter Äxeuitanb für Deutschland. Daniiq, Saar» und Mcmelaebiet, Oesterreich, Litauen. Luiembur, 4.50 Reich-mart, für da» ildrio« Ausland 0�0 Reichsmark»ro Monat. Der.Borwilrt»' mit der MuKrier- ten Sonntagsbeilage»Boll und Zeit' sowie den Beilagen.Unterhaltung und Wissen*..Aus der Filmwelt*. .Frauenstimme*..Der Kinder- freund*,„Iugend-BorwSrts* und .Blick in die BitcherweU* erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telrgramm-Adreff«: „SojIalOcmoltaf Berlin* Morgenansgabe Nerlinev Volksvl�lt �10 Pfennig) iilnzeigenpreise: Die« i n s n a lti g« Ztonoareille- zeile 80 Mennig. Rcklamezcile 6,— Reichsmark,.«leine Anzeigen* das fettgedruckte Wort 25 Pfennig szufitsfig zwei fettgedruckte Worte), jedes weiter« Wort 12 Pfennig. Stellengesuch« da» erst« Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch- ftabcn zählen fltr zwei Worte. Arbeitsmarkt steile 00 Pfennig. Famtlienanzeigen für Abonnenten steil« i!S Pfennig. Anzeigen für die nächst« Nummer müssen bis V,i Uhr nachmittags im Kauvtgefchäft. Berlin EWOO.Lindcn. strafte 0. abgegeben werden. Deäsfnct von 8'/. Uhr früh bl» 5 llbr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratifcbcn parte» Deutfchlands Neöaktion und Verlag: ö erlin SN). öS, �inöenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff SSS— SS7. � Dienstag, den 14. September 19Ä6 vorwärts-verlag G.m.b.H., Serlin SM. öS, LinSenstr.Z Postscheckkonto: Berlin 07 530— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestelte» «ad Beamte». WaUstr. 05; Diskonto-S-selllchast. Deoosttenkast« Liadenftr, 0. Um Polens Wahl. Dentsch-französische Besprechungen in Genf. V. Zell. Genf. 13. September.(Eigener Drahtbericht.) Man muß bei den gegenwärtigen privaten Besprechungen zwischen Stresemann und den anderen führenden Staatsmännern zweierlei Dinge unter- scheiden: Die Beratung der reinen Völkerbundsfragen, ins- besondere der Frage der bevorstehenden Wahl der nichtständigen Ratsmitglieder und die Erörterung der Probleme, die Deutsch- lond ganz besonders berühren, also vor allem der Rhein- und Saarfrage und alles dessen, was aus wirtschaftlichem, finan- ziellem und hygienischem Gebiet mehr oder weniger direkt damit zusammenhängt. Die R a t s f r a g e hat bisher im Vordergrund der Besprechun- gen gestanden, da sie innerhalb der nächsten 48 Stunden endgültig geregelt werden muß: sie ist aber keineswegs die für Deutschland wichtigere. Ob sie in einer formellen oder in einer offiziösen Sitzung des Rates besprochen wird, wie das manchmal früher— allerdings unter ganz anderen und viel einfacheren Verhältnissen ge- schah— oder ob sie Gegenstand privater Unterhandlungen ist. kann für Deutschland völlig gleichgültig sein. Daß Polen zu den Gewählten gehören wird, steht fest. Und daß es auch für„wieder- wählbar" erklärt werden wird, ist so gut wie sicher, besonders, nachdem durch das Ausscheiden Brasiliens und Spaniens die Zahl der ernsthaften Bewerber um die Wiederwählbarkeit sehr stark zu- rückgegangen ist. Die deutsche Delegation steht nun vor der Frage, wie sie sich zu der Wahl und zu der Wiederwählbarkeil des polnischen Slaates stellen soll. Sie kann sich demgegenüber kühl und mißlaunig oer- hallen, als gelte es, ein unabwendbares Mißgeschick Hinzupehmen, sie kann aber auch durch eine aktive und positioc Haltung zu der Kandidatur Polens ihre moralische Stellung im Völkerbund be- trächtlich stärken. In den führenden Kreisen der deutschen Delegation herrscht die durchaus richtige Auffassung, daß Deutschland an einem etwaigen Durchfall Polens keinerlei Interesse habe, da dadurch wesentlich für Frankreich und die anderen Staaten die Perpslichwng erwachsen würde, Polen auf anderem Gebiete schadlos zu halten, und das würde sicherlich nicht zum Porteil Deutschlands geschehen. Wenn dem aber so ist, warum zieht man nicht daraus die logische Konsequenz und p a t r o n i e r t man nicht ostentativ neben Frankreich, England und Italien die polnische Kandidatur? wie wäre es, wenn Stresemann von sich erklärt:„wir sind bereit, zu den fünf Staaten zu gehören, die die Wiederwählbarkeit Polens beantragen müßten?" Zu einer solchen Haltung gehört allerdings Mut vor allem gegenüber den deutschnationolen Hakati st en, die noch immer in dem Wahnbefangen sind, Polen stehe vor dem Zusammen- bruch und werde davon lediglich durch seine Wahl in den Völker- bundsrat gerettet werden. Eine solche mutige Haltung Stresemanns würde sich schon des- halb für Deutschland lohnen, weil abgesehen von der politisch und wirtschaftlich gleich dringend wünschenswerten Besserung der deutsch- polnischen Beziehungen auch die Erfüllung der deutschen Wünsche am Rhein durch Frankreich erleichtert werden würde. Die Befreiung des deutschen Westens von fremder Besetzung, die baldige Lösung des Saarproblems und der Frag« Eupen-Malmedy sollten für Deutschland das Primäre sein. Die Erreichung eines späteren Ausgleichs mit Polen ist das Sekundäre und muß einer ferneren Zukunft überlassen bleiben, die sich entsprechend den Fort- schritten der deutsch-französischen Verständigung gestalten wird. Die Erörterung der spezifisch deuksch-fremzöfischen Fragen. die am Sonnabend zwischen Stresemann und Brian d bzw. Vanderoelde begonnen hat, soll in den nächsten Tagen fort» gesetzt werden, wobei Chambexlain und G r a n d i, als Ver» treter von Signatarmächten des Rcheinpaktes von Locarno, auf dem Lausenden gehalten werden. Selbstverständlich sind diese Besprechun- gen, die für Deutschland unendlich wichtiger sind als die Frage, ob Polen einen wiederwählbaren Sitz und P e r f I e n oder S i a m überhaupt einen Sitz im Rate erhalten sollen. Sogar die Kam- missionsberatungen, so nützlich sie im einzelnen sein mögen, sind im Vergleich zu der Kardinalsrage der deutsch-französischen Be- Ziehungen, wie sie durch die mutige Rede Briands aufgeworfen worden ist, recht nebensächlich. Aber die Wichtigkeit des Problems steht zurzeit im umgekchrten Verhältnis zu feiner Fähigkeit, öffentlich erörtert zu werden. Für den verantworwngsbewußten Genfer Prcsseberichterstatter er- wächst daher die Ausgabe, darüber einstweilen möglichst wenig zu schreiben, selbst auf die Gefahr hin, für weniger„unterrichtet" als andere gehalten zu werden. Schon jetzt ist durch gewisse Jndis- kretionen oder vielmehr Kombinationen, die gerade das Werk„na- tionaler" Telegraphenagenturcn waren, ernsthafter Schaden an- gerichtet worden. Neuwahl DotZnerstag. Gens. 13. September.(Schweizerische Depeschenagentur.) Die Neuwahlen für die nichtständigen Ratssttze werden voraus- sichtlich Donnerstag stattfinden. Die Lage ist heute unge- fähr folgende: Südamerika wird drei Sitze erhalten, und zwar die Staaten Chile, Kolumbien und Uruguay. Fünf Sitz« wird Europa erhalten, und zwar Holland den erledigten Sitz Schwedens, Rumänien den der Tschecho- slowakei. Außerdem werden Belgien und Polen«inen Sitz erhalten. Ueber den fünften Sitz steht die Entscheidung noch nicht fest. Ein weiterer Sitz ist für China vorgesehen. ver Papst gegen üen Faschismus. „Die Lage ist gefährlich. Die Regierung ist Gefangene der faschistischen Miliz." Paris. 13. September.(Eigener Drahtbericht.) Der„Corriere degli Italiani" teilt mit, daß die vom Papst« persönlich angeordnete Aufhebung des internationalen katholischen Turnfestes, das in diesem Monat im Vatikan stattfinden sollt« und zu dem die Teilnahme von 7000 katholischen jungen Männern aus allen europäischen Ländern feststand, die Katholiken sehr erregt hat. Der Sekretär des franzö- fischen Bundes katholischer Jugendorganisationen, Thibaudeau, ist ermächtigt worden, über dies« Angelegenheit folgende Er- klärungen abzugeben: „Als die Entscheidung des Papstes", fügt Thibaudeau hinzu, „der"italienischen Regierung bekannt wurde, hat diese aus Furcht vor dem ungünstigen Eindruck aus das Ausland alles Möglich« getan, damit das Turnfest doch noch stattfinden könne. Di« Vor- stellungen beim Vatikan enthielten die Versicherung, die Re-� g i« r u n g gewährleiste die Ausrechterhaltung der Ordnung. Der Papst hingegen blieb bei seinem Entschluß, da er der Aus- fassung war,„die Regierung vermöge nicht das Äe- ringst« gegen die faschistischen Milizen, deren Ge- fangen« sie sei." Thibaudeau bat darauf den Papst, zu- mindesten» zu gestatten, daß die jugendlichen französischen Turner sich als emscche Pilger nach Rom begeben dürsten.«Die Situation ist zu gefährlich!" hat der Papst entschlossen er- widert. Aber der Papst, so fährt Thibaudeau fort, hat erklärt,„e r werde diesen Zwischenfall dazu benutzen, über den Rücken der in Italien waltenden Zensur hin- weg der Welt die Wahrheit bekannt zu geben. Die italienische Press« muß schweigen: die Freiheit ist ihr genommen, das Ausland ist falsch unterrichtet und weiß nicht, was in Italien vor- geht, wo die Milizen ihre tyrannisch« Gewalt aus- üben. Die Regierung, die ihnen alles verdankt |4«£««( ffre< XSHgf«it esigieri, ig ohn- mächtig ihnen gegenüber..Ihr« Häupter sind derartig« Tyrannen, daß es nicht gut tut, ihnen widerstehen zu wollen." Der Papst setzt sich mit äußerster Energie dafür ein, daß die 'katholischen Vereinigungen keinerlei polstischen Charakter besitzen. Aber seit dem Beginn ihrer Herrschaft haben die faschistischen Führer oersucht, sie zu ihren Retrutendepots zu machen und zu absorbieren, indem sie sie zwangen, in ihr« Reihen«inzutreten. Die Katholiken haben sich dem widersetzt. Aber die Zusammenstöße haben sich ohne Unterbrechung wiederholt. Der Papst will, so schließt Thibaudeau sein« Erklärung, daß die ganz« Welt erfährt, daß die katholischen Vereinigungen nichts mit dem Faschismus zu tun haben. Mussolini maßregelt die Polizei. Politische Verhaftungen. Rom, 13. September.(WTB.) Blättermeldungen zufolge sind der Generaldirektor der italienijchen Polizei und der Polizeidirektor in Rom ihrer Posten enthoben worden. Eine Reihe von Anhängern der extremen Parteien, dar- unter auch der Anarchistenführer Malaie st a, ist ver- haftet worden. Wie nunmehr von der„Agenzia Stesani" bestätigt wird, hat der Urheber des Attentats auf Mussolini bei seiner Berhaftung falsche Personalien angegeben. Er heißt in Wirklichkeit Gino L u c e t t i und ist im Jahre 1900 in Aoenza geboren. Lucetti soll, wie weiter verlautet, bereits vor acht Tagen noch Rom ge- kommen sein, um das Attentat vorzubereiten. Tie schreien nach dem Henker. Rom, 13. September.(EP.) Die römischen faschistischen Ab- geordneten haben sich in der Kammer versammelt und wegen des Attentats auf Mussolini beschlossen, von der Regierung die so» fortige Ausnahme der Todesstrafe in das Straf- gefetzbuch zu fordern. Gewerkschaften und Staat. Znr gewerkschaftlichen Werbewoche. . Von Peter Graßmann. Pflichten gegenüber dem Staat zu erfüllen, wird dem nicht allzu schwer fallen, der überzeugt sein kann, daß diese Pflichten nach Maßgabe der Kräfte gleich verteilt sind, und daß auch die den Pflichten entsprechenden Rechte nur denen zeitweilig vorenthalten werden, die die Gesetze verletzen, keinesfalls ober ganzen Schichten oder Klassen. Geht man von der staatsbürgerlichen Gleichheit aus, so haben die in den Gewerkschaften organisierten Arbeitnehmer im alten O b r i g- k e i t s st a a t herzlich wenig Ursache gehabt, diesem Staats- wesen Achtung und Sympathie entgegenzubringen. Auf Schritt und Tritt stießen sieaufVorrechtederanderen: wie sollte auf solchem Boden das Gefühl der Zuneigung und der Aufopferung für solchen Staat entstehen oder gar gedeihen? Die aus der Umwälzung im November 1918 erwachsene demokratische Repirblik brachte zwar nicht die Erfüllung der auf Errichtung eines wirklichen Volks- sta a t s abzielenden Hoffnungen— dazu fehlen vor allem die wirtschaftlichen Voraussetzungen—, aber sie stellt eine Staatsform dar, die alle Möglichkeiten einer Entwicklung zu diesem Volksstaat gewährleistet und sie reißt— zum mindesten politisch— die Schranken der Vorrechte nieder, die den Ausstieg der sogenannten unteren Klassen in früherer Zeit so außerordentlich gehemmt haben. „Alle Gewalt geht vom Volke aus" sagt die Weimarer Ver- fassung. An die Stelle des Gottesgnadentums, der nur ihm verantwortlichen Minister und der von diesen wieder abhängigen Verwaltungsorgane, an die Stelle der K l a s s e n- Parlamente und der„geborenen Gesetzgeber" ist als Quelle der Macht das Volk getreten. Sache des Volkes also ist es, von dieser Macht den geeigneten Gebrauch zu machen. Die Gewerkschaften, als die berufenen Vertreter der Arbeiter aller Kategorien, sind hieran besonders interessiert. Ihrem Wesen wie ihrer Tendenz nach ist für sie die Dem o- k r a t i e die gegebene Form für die Bewältigung öffentlicher Aufgaben, die R e p u bl i k an Stelle der Monarchie die stärkste Bürgschaft für inneren und äußeren Frieden, für die freie Bahn der Kräfte bei Auseinandersetzungen wirtschaftlicher Art. Sie sind daher Gegner der Gewalt, gleichgültig, ob sie von einem einzelnen oder einer Klasse ausgeht, weil sie wissen, daß Gewaltanwendung immer nur von kurzer Dauer ist und regelmäßig gegen den Anwendenden ausschlägt. Nicht nur mit Worten, sondern tausendfältig mit der Tat, mit dem Einsatz von Leben und Existenz haben die deutschen Gewerkschaften bewiesen, daß sie zu diesem Staat stehen, ihn sich von niemand entreißen lassen, in und an ihm weiterbauen wollen. Das Verbundensein mit diesem Staat, die Erkenntnis der ihnen obliegenden geschichtlichen Mission, im Verein mit ihrem wachsenden Verantwortlichkeitsgeffihl haben die Gewerk- schaften bewogen, auch das Mitbestimmungsrecht in der Führung der Wirtschaft zu fordern. Die Zu» stände in der deutscheen wie in der Weltwirffchaft, die Er- fahrungen während der Jnsflationsjahre, die offenkundige Unzulänglichkeit der Wirffchaftsführer, eine baldige Acnde» rung der verfahrenen Verhältnisse herbeizuführen,' der man- gelnde Wille, selbstsüchtige Interessenvertretung hinter Notwendigkeiten für die allgemeine Wohlfahrt zurücktreten zu lassen: das steigende Elend der Erwerbslosen und Kurzarbeiter, wie die drückenden Verpflichtungen Deutschlands aus dem Versailler Vertrag usw. erhärten zur Evidenz die Berechtigung und Zweckmäßigkeit dieser gewerkschaftlichen Forderung. „Es kann heute nicht mehr gegen die Arbeiterschaft regiert werden!" sagte der Reichskanzler Wirth:„es kann nicht ohne die Arbeiterschaft regiert werden!" führte der Generaldirektor Dr. S i l v e r b e r g auf der Dresdener Tagung des Reichsverbandes der deutschen Industrie aus. Diese Erkenntnis bestätigt die Richtigkeit des Vorstehenden, obschon sie zunächst nur nach der politischen Seite bin gemeint ist. Weder eine ruhige Aufwärtsentwicklung im Innern (Hebung der Kaufkraft,' damit Besserung des inneren Marktes, Schaffung vermehrter Arbeitsgelegenheit), wie eine gesunde Außen-, d. h. Handelspolitik mit den anderen Völkern läßt sich rein politisch„machen". In beiden Fällen muß jeder Versuch scheitern, der etwa ohne oder gar gegen die Arbeiter unternommen wird, der ihre Kenntnisse, i!'re Erfahrungen und erst recht ihren guten Willen außer Betracht läßt. Man wird sich also mit der Arbeiterschaft verständigen. sich ihrer Mitwirkung versichern müssen, wenn man den Worten„Volksgemeinschaft',„Schicksalsgemeinschaft" Leben und Inhalt geben, wenn man Volk und Staat besseren Tagen entgegenführen will. Praktischer Mitarbeit haben sich die Gecwrkschaften nie entzogen. Frei von ver- stiegenen Illusionen, war in den Jahrzehnten ihres Bestehens die Arbeit der Gewerkschaften immer Gegenwart?- arbeit, die trotzdem die Zukunft nie aus dem Auge verlor. Darum haben sich die wirtschaftlichen Organisationen der Ar- »eiterschaft nie. namentlich nicht in den letzten Jahren, auf »loße Kritik beschränkt, sondern ihre eigene Auffassung, ihre ngenen Vorschläge zum besseren in aller Oesfentlichkeit ver- echten. Manches ist erreicht, manche Anregung erst spät ver- virklicht worden, oft nach anfänglich hartem Widerstand. Gerade ihr Bekennen zum eigenen Volk, zum Staat war »ine der stärksten Triebkräfte der Gewerkschaften zur eifrigen Pflege guter internationaler Be Ziehungen init iem Ziel der friedlichen Annäherung der Völker. Diese Be- ;iehungen haben unendlich beigetragen zum steigenden Ver- ■tändnis unserer Nachbarvölker für die drosselnden Bestim- nungen, die die Friedensverträge mit allem Drum und Dran Deutschland auferlegten. Sie tragen aber auch dazu bei, die llrbeitsbedingungen in allen Ländern einander möglichst an- zugleichen, räumen also eine der Hauptbeschwerden der Wirt- rhaft aus der Welt, sie könne wegen der niedrigen Löhne usw. ier anderen Länder ihre Verpflichtungen auf dem Weltmarkt richt einhalten. Ignoranten und Böswillige zeihen die Gewerkschaften der skaats- und Wirtschaftsfeindlichkeit, usurpatorischer Gelüste und schonungsloser Führung des Klassenkampfes. Die Klassen ind keine Erfindung der Gewerkschaften, sondern eine Schöpfung der bestehenden Wirtschaftsform. Jede Klasse ver- icht ihre Interessen,„kämpft", um sie durchzusetzen.' Die Zewerkschaften tun nichts anderes, sie haben aber im Gegensatz >u mancher anderen Klassenvertretung viel häufiger Opfer ür die Allgemeinheit gebracht, getragen von ihrem Wirklich- ieitssinn, von ihrem Verantwortungsgefühl, von ihrem Alauben an eine Zukunft, die jedem Bürger das relativ höchste Maß an Wohlergehen bringen wird. Schwarzweißrote Religion. Docring, das Schreckenskind Westarps. Nach dem Katolikentag von Breslau begann Graf W e st a r p sein Werben um das Zentrum mit einer tiefen Verbeugung vor katholischer Toleranz. Er schrieb in der LreuMitung": „Auch das soll nicht unerwähnt bleiben, daß auf diesem Katholikentage bei aller selbstverständlichen Betonung des katholischen, 'onsessionellen und kirchlichen Standpunktes nach den vorliegenden Berichten kein Ton einer Störung des konfessio- -teilen Friedens erklungen ist. Im Gegenteil, man hat wiederholt ernste und zutreffende Worte über die Notwendigkeit zefunden, ihn zu wahren und im Schlußwort' eine Aeuherung Ze» verstorbenen Kardinals Fischer auf einem früheren Katholiken- mg in Düsseldorf angeführt, deren Inhalt auch wir uns voll zu eigen machen: „Die Spaltung im Glauben ist.das beklagenswerte Mißgeschick unseres Vaterlandes und unseres Vo'stes. Aber ste ist eine Tatsache, Sie Gott zugelassen hat, die wir einstweilen nicht ändern können. Aber wehe dem, der dieses Mißgeschick ausbeuten, und der Ke Kluft, die mitten durch das Herz unseres Volkes geht, zu einer noch mehr klaffenden machen wollte! Wer das tut, »er ist ein Verräter am V a t« r l a n d e." Dies Bekenntnis zur Toleranz in konfessionellen Fragen wird illustriert durch die Tagung des Evangelischen Bundes in Dresden. Dort hat der Berliner Domprediger Dr. D o e r i n g mit Haßgesängen gegen den Katholiztsmus geantwortet. Diese Haßgesänge waren schwarzweißrot und nationalistisch verbrämt. Die Glanzstellen waren nach einem Berichte der„Germania": Deutschtum ist gleich Luthertum, also wer katholisch ist, ist nicht deutsch: Ultramontanismus ist gleich Bolschewismus: an Rom sterben die Völker. Erbittert stellt die„Germania" fest:„Das erste an der Riligion ist die Politik". Sie bescheinigt Doering, daß seine Religion gleich schwarzweißrotem Nationalismus sei. Der Domprediger Dr. D o e r i n g hat einen dicken Strich durch die wohlberechneten, die Toleranz predigenden Worte des Grafen Westarp gemacht. Kleinbürger. Das dunkle Geheimnis um MaSlow. Die„Rote Fahne" tobt gegen die Erklärung der 700 wie ein wildgewordener Spießbürger. Um abzulenken, beschimpft ste die bereits Ausgeschlossenen, lieber Maslow schreibt sie: „Der Versuch eines Maslow, sich als„ehrlichen r»- volutionären Genossen' hinzustellen, bedeutet den Gipfel der Frechheit. Dieser„Revolutionär" machte bei seiner Verhaftung im Jahre 1921 vor der Polizei die erlogene Aussage,„er sei von Lenin und Trotzt! nach Deutschland geschickt worden, um die Partei zu führen". Dieser Maslow erklärte im Jahre 1925 vor dem Staatsgerichtshof, er habe mit Moskau nichts zu tgn und die deutsche Revolution sei für zehn Jahre begraben. Niemand, auch kein oppositioneller Genosse weiß, wer ZNaslow Ist. woher ZNaslow kommt, und was ZNaslow bis zum November 1918 getrieben hat." Dieser letzte Satz soll ahnen lasten, hinter Maslow verberge sich ein duntels Geheimnis. Also was ist's mit Maslow: Räuber oder Mörder, Ochranamann oder Zuhälter? Die in der„Roten Fahne" so schreiben, müsten misten, wer, woher und was. Maslow war immerhin seit End« 192Z bis zu seiner Verhaftung, und selbst dann noch, der Führer der KPD. Ist es ein dunkles Geheimnis, das sich hinter Maslow verbirgt— wie konnten sie,„ehrliche, revolutionäre Genosten", die sie doch sein wollen— damals schweigend ihn dulden, und ihn duldend schweigen? Ist es ein dunkles Geheimnis— was war dann die KPD. und was ist sie dann? Wir misten nicht, ob ein dunkles Geheimnis sich hinter Maslow verbirgt. Aber wir ahnen, was die„Rote Fahne" andeuten will. Diese„Revolutionäre" sind so befangen in kleinbürgerlichen An- schauungen, daß sie Maslow für unehrlich halten, so wie man früher Schauspieler für„unehrliche Leute" hielt. Das„dunkle Geheimnis" dieser Spießbürger entpuppt sich als Pointe gegen das Varietö. Wer Maslow ist, woher er kommt, was er getrieben hat? Man sagt, er sei A r t i st gewesen. Das ist weder ehrenrührig noch herab- setzend, weder unehrlich noch gegenrevolutionär. Ist das die Pointe .der„Roten Fahne"? Ist man dort schon so verbürgerlicht, daß man um deswillen sich von dem„Unehrlichen" abkehrt? Ist es nicht das— warum dann keine offene Sprach«, sondern eine dunkle Verdächtigung? Ist es sonst ein kommunistisch-bol- ichewistisches Staatsgeheimnis? Umbttöung ües Reichsfinanzministeriums. Eine nachgeholte Bsreinigung. Die Umbildung des Rcichsfinanzministeriums, die auf Grund einer Verordnung des Reichspräsidenten durchgeführt wird, be- schränkt sich lediglich aus die Zentralbehörde, also das Reichsfinanzminlstorium selbst. Mit dem noch bevorstehenden Abbau einiger Ministerialräte und Amtmänner dürfte die Umbildung zunächst erledigt sein. Die weitere überzählig werdenden Be- amten sollen in die Außenverwaltung versetzt werden. Die von weiten Kreisen der Beamten der mittleren und unteren Gruppen gehegte Befürchtung, daß mit Anwendung des Z 24 des Rcichsbeamtengesetzes durch Verordnung ein zweiter all- gemeiner Beamtenabbau vorgennommen werden könnte, geht, wie wir zuverlässig erfahren, fehl. Man steht auch im Reichsfinanzministerium auf dem Standpunkt, daß es zu einer Umbildung der Steuer- und Zollverwaltung und Versetzung einer größeren Zahl von Beamten in den Wartestand eines ordnungs- gemäßen Gesetzes bedarf. An einen solchen Abbau wird aber weder in den genannten noch in anderen Reichsoerwaltungen gedacht. Es ist vielmehr bestimmt anzunehmen, daß die im Z 3 der Verordnung des Reichspräsidenten vorgesehen« Anzeige über die Beendigung der Umbildung des Reichsfinanzministeriums alsbald ergehen wird. Damit ist verbunden, daß der§ 24 des Reichsbeamtengesetzes künftig ebenso wie bisher nur angewandt werden darf, wenn das von den Beamten versehene Amt zu bestehen aufhört. Bei dem Umbildungs- prozeh im Reichsfinanzministerium ist zu berücksichtigen, daß dieses die einzige Reichszentralbehörde und einzige Reichs- behörde überhaupt gewesen ist, an der der Personalabbau spurlos vor- überging. Dr. Luther und v. Schlieben haben stets ihre schützende Hand über ihn gehalten, so daß das Ministerium schließlich derart unübersichtlich wurde und eine Umbildung zur Notwendigkeit wurde. Der korrigierte tzelö. Eine Rede in zwei Auflagen. München. 13. September. �Eigener Drahtbericht.) Der bayerische Ministerpräsident Dr. Held hat auf dem am Sonntag in Kempten abgehaltenen schwäbischen Katholikentag neuerdings eine im deutsch- nationalen Sinne gehaltene AttackegegendenVölkerbund gerichtet und dabei erklärt,„daß der Völkerbund und die p a z i- fistische Weltanschauung, wie sie heute Geltung habe, nicht die Billigung des deutschen Volkes finden könne". Seine ganze Stellungnahme gegen den Völkerbund hat aber nicht die Billigung des bayerischen Ministeriums des Aeuhern gefunden, das am Montag nachmittag die Rede in ihren entscheidenden Stellen umkorrigierte. Nach diesem nun offiziellen Wortlaut hat Dr. Held folgendes gesagt:„Ich bekenne mich als Anhänger eines Völkerbundes, aber nicht eines solchen, der mit der Verfolgung einseitiger Interesten niemals das erfüllen kann, was sein Name sagt. Ich bekenne mich als An- Hänger eines Pazifismus, aber nicht eines solchen, der die Interessen eines Vaterlandes und der Nation vollständig aus dem Auge läßt. Welchen Wert hat ein Völkerbund, in dem die größte moralische Macht der Welt nicht vertreten ist? Verschwommene inter- nationale pazifistische Anschauungen und darauf beruhende Auf- fassungen über den Völkerbund, wie sie heute vielfach gehalten wer- den, können niemals die Billigung des deutschen Volkes finden. Als Christ und' als Deutscher muß man fordern, daß der Völkerbund nicht zum Werkzeug der Staaten gemacht wird, die man einst „Siegerstaaten" nannte. Was wir fordern, ist ein universaler Bund, eine wirkliche Gemeinschaft der Völker. Der Vertrag von Versailles raubt aber dem deutschen Volk die elementarsten Rechte, als gleichberechtigte Großmacht am Völkerbund zu wirken." Da» bayerische„Ministerium des Aeußern" wird von Held selbst ver- antwortlich geleitet. Während er in Kempten redete, haben seine Beamten den Allgau-Schmuß wieder einrenken müssen, damit nicht allzu viele Scherben entstünden. Zntematiottale getverkschastliche Werbetvoche! völkisches Delirium. Von Hans Bauer. Handwert hat schließlich goldenen Boden, und gelernt ist ge- lernt: so gistig-dumm dieser berufsmäßig ausgeübte Antisemitis- mus auch ist. so wenig wollen wir ihm doch die Stunden herz. erquickender Fröhlichkeit vergessen, dl« er uns schon beschert hat. Neuerdings beschert er uns diese Stunden seltener, denn die Ge- wohnheit hat uns gegen unfreiwillige Scherze des Antisemitismus reichlich abgestumpft, um so dankbarer wollen tvir ober immer der Novitäten auf diesem Gebiete gedenken und den Sinn für Spitzen- leislungen uns nicht trüben lassen. Der eine der Attentäter von Leiferde heißt Weber, der'' andere Schlesinger. Das scheint für die tiefer« Würdigung der Größe ihrer Verbrechen so nebensächlich zu sein wie die Tatsache, daß zwei der viehischsten Mordbuben der deutschen Kriminalgeschichte Haarmann und Denke hießen. Aber da hakt nun die völkische Presse ein, und so wenig sie daran dachte, dies- beiden der Religionsgemeinschaft an die Rockschöße zu hängen, der sie zufällig angehörten, so wenig denkt sie natürlich auch daran, den Namen Webers in Verbindung mit seinem Bekenntnis zu bringen. Jedoch Schlesinger! Klingt das nicht jüdisch? Es klingt so, ist es aber in diesem Falle zufällig nicht, aber das schiert die Völ- tischen natürlich keineswegs, und statt schlechchin„der Verbrecher", sogen sie, weil dieser christliche Name das Pech gehabt hat, auf einem Blatt Papier vielleicht einmal neben dem eines wirklichen .Israeliten gestanden zu haben:„der Iud"! So etwas sind wir gewöhnt, und unser Humorbedürfnis wird dadurch wenig befriedigt. Aber nun kommt es wirklich lustig. Irgendein Blatt hat rein als Referat Angaben wiedergegeben, die Schlesinger über seine Her- kunft gemacht hat und geschrieben, daß er der„Sohn einer Witwe" sei. Da haben wir's ja, platzt das„Deutsche Tageblatt" heraus, und blitzlichtartig findet es die Situation beleuchtet. Wie aber ist die Situation? Ei, Schlesinger, von dem wir bislang annahmen, daß - in ihm, dem greulichen Attentäter, kein Mensch in Deutschland etwas anderes sähe als einen gervissenlosen Verbrecher, Schlesinger soll auf dem besten Wege sein, das Ijätschelkind, der Liebling, da» Protektionspüppchen der Judenschaft aller Schattierungen zu wer- den! Uns stockt der Atem und wir lallen ein entsetztes: Wieso denn? Nun, die Leute Wulles, die sich von der Mehrzahl der Juden zum Beispiel auch darin unterscheiden, daß sie im Alten Testament so heimisch sind, wie ste es in den Ministerien gern werden möchten, haben ausgeknobelt, daß der Erbauer des Salomonischen Tempels ein gewisser Hiram war, aus dem Stamme Naphtali, und daß er eine Witwe zur Mutter hatte. Demnach also habe das zitierte Blatt ein Notsignal an alle mit der Judenheit verbundene Welt losgelassen, einen Hilferuf, dem Blutsgenossen jetzt beizuspringe», ihn zu schützen, ihn rauszuhauen, sein« Schande auf da» deutsche Volk abzuwälzen. Uebrigens... Uebrigens habe auch der Sohn des Breslauer Synagogenvor- stehers Selbstmord begangen. Breslau? Wir wissen im Augenblick nicht gleich, wa» e« damit auf sich hat. Aber mit dem grenzenlosen Kombinations. vermögen, das die Lektüre völkischer Zeitungen uns anerzogen hat, ahnen wir düstere Zusammenhänge. Gewiß hat jener den Freitod auf sich genommen, weil der Kindermord der Aufklärung ent- gegeneilte. Aber nein, er beging den Selbstmord,„bevor" der Kindermord aufgeklärt ist... Es ergibt sich also, daß ein Nichtjude mit einem Namen, wie ihn manche Juden tragen, zur selben Zeit eines Verbrechen» über- führt wird, da ein Jude au» einer Stadt, in der ein unaufgeklärtes Verbrechen begangen worden ist, Selbstmord verübt, während gleichzeitig die vom„Deutschen Tageblatt" als jüdisch bezeichnete Presse feststellt, daß der Nichtjude mit einem alttestamentlichen Tempelbauer die Witwenschaft seiner Mutter gemein hat. Frage: Wenn dem allen so ist, wieviel Kölling» haben dann im Oberstübchen Wulles Platz, vorausgesetzt, daß 17 Schröder auf einen Tenhold gehen? Ein Irauenkreuzzug in Lrankreich. Man schreibt uns aus Paris: Mannigfach sind die Dinge, um die es im privaten und öffentlichen Leben zu kämpfen gilt. Was in einem Lande längst alltäglich geworden, das wird im anderen erst schwer erkämpft. In Frankreich ist es die Frau, die noch an den Ueberrcften einer allen Zeit zu tragen hat und vergebens oersucht, als gleichberechtigte Bürgerin angesehen zu werden. Noch immer haben die Frauen ihr Wahlrecht nicht erkämpft und all ihr Reden und Fordern begegnet dem skeptischen Lächeln der Besserwisser: das Volt sei noch zu weit davon entfernt, der Frau politische Rechte zu geben und die Frau selber verlange ja gar nicht danach. Einige energische Vorkämpserinnen der Frauenrechte sind nun in dem Be- streben, das Volt mit der Idee der Gleichberechtigung der Geschlechter vertraut zu machen,.auf die Methode versallen, die Einbildungstrast der kleinen Leute durch eine Straßenpropaganda zu beeinflussen. Man darf ja nicht vergessen, daß der Franzose außerordentlich empfänglich ist für das Straßenschauspiel, für alles Gesehene, das sich bildlich in seine Erinnerung eingegraben hat. Man veranstaltet also eine Propagandafahrt, einen modernen Krcuzzug der Frauen über ganz Frankreich, über die entlegensten Städte und Dörfer. In einem großen Autowagen fahren elf unternehmende Damen in Hüten umher, auf denen in goldenen Buchstaben der Propaganda- satz geschrieben steht:„Die Frau will das Stimmrecht haben!" und die Unterschrift der Frauenliga. Man sagt, die Frauen reden viel. Bei diesem Kreuzzug be- weisen sie jedenfalls das Gegenteil: alle Worte sind durch große Ausschristen ersetzt, die, sobald man in einem Städtchen oder Dorf angelangt ist, um de» Wagen herumgestellt und manchmal hier auch zurückgelassen werden. Sie bleiben dann lange an einer Mauer hängen und erinnern daran, daß dort, im fernen Pari», die Frauen sich etwas Neues in den Kopf gesetzt haben, etwas Neues, das vielleicht doch nicht gar so arg wäre, denn um die Kranken- Häuser, die Mütter- und Säuglintzsfürsorge, die Schulen und vieles ander« könnte es besser bestellt sein. So denken die Frauen in der Provinz und reden wohl auch abends mit ihren Männern darüber. Jedenfalls vergißt man im Städtchen und Dorf den großen Wagen mit den elf Damen, den golden schimmernden Hüten, den großaz Anschlägen:„Die Frau will stimmen!" lange nicht. Um aber vollends die Volksphontasie zu beeinflussen, hat man jenen Feind der Freiheit der französischen Frau und ihrer Gleichberechtigung im Gebiete des Privatrcchts, den Code Napoleon, bildlich und recht grauenhaft dargestellt: ein abgemagerter Grenadier auf Krücken dient als Sinnbild und die Ausschrist lautet:„Napoleon, der die Franzosen aufs Schlachtfeld schickte, hat auch die Frauenunterdrückung geschaffen: ihm verdanken sie den Code, der sie beschränkt: Franzö- sinnen, vereinigt euch, um die Revision des Code zu erlangen!" Hin und wieder bleibt der Autowagen stehen, aber auch da werden keine Reden gehalten, sondern die Domen zerstreuen sich, besuchen Kirchen, Wirtschaften und Markthallen und kommen ins Gespräch mit den Einheimischen._ S. K. Stallstlk der Uraufführungen. Eine Uebersicht über das Spiel- jähr 1925126, die aus den Zusammenstellungen des„Deutschen Bllhnenspielplans" zu entnehmen ist, ergibt, daß da» Spieljahr 1925/2S mindestens 394 Uraufführungen zu verzeichnen hatte: es ist »nöglich, daß diese Zahl durch einige gemeldete Premieren sich noch erhöht. Diese Uebersicht bezieht sich auf rund 300 Theater Deutsch- lands. 75 Vertriebsanstalten beschäftigten sich mit dem Vertrieb von Bühnenneuheiten: man kann annehmen, daß die gemeldeten rund 400 Uraufführungen etwa die Hälfte der Werke umfassen, die von diesen Anstalten angenommen worden sind, und daß die Zahl dieser Annahmen vielleicht ein, höchstens zwei Prozent der von den Autoren eingesandten Produktion ausmachen. Die größte Zahl der Uraufführungen hat die Komödie mit etwa 80 zu verzeichnen, ihr folgt die Operette mit ungefähr 30 Uraufführungen, ierner Ballett, Tanzspiel und Pantomime, die mit mindestens 26 Urauf- sllhrunacn stark gegenüber den Vorjahren im Aufschwung begriffen sind. Ernste und komische Oper und musikalisches Drama find alles in allem mit 35 Premieren anzusetzen. Schwank, Burleske, Groteske und Posse mit etwa 40 Neuerscheinungen. An Revuen waren 12 Uraufführungen zu oerzeichnen. Zn der vottsdübne, Tbcater am Bülowvlatz. beginnt in der DIen»tag abendi 8 Uhr, ilatlstndendcn Judilbaussüdiung SlgiieS straub mit der Titelrolle ihr Siigageineut an der Volksbühne. Den HoloserneS jpiclt Leo Reuh, den Spbraim Ernst Körchow, die Aürja Rose Liechtenstein und den Daniel Erwin Kaitler. Martin Loagen, der vruder de« schon bor mehreren Iahren verstor- bencn.SimPlici.nmuS'.Verleger«, Aibert L., ilt im 60. Lebensjahr in Berlin gestorben. Er hat eine grohe Anzahl Dramen versaht, von denen einige ohne»enneiiSweltem Erfolg aus der Bühne erschienen sind. 3m Lessing-Museum spricht Donnerstag 8 Uhr Dr. Haut Lebede über Shakespeare auf der deutschen Lüh»«. SsMlöemotratijche Juristen. Dritte Reichskonferenz in Köln. L. R. Köln, 12. September.(Eigener Bericht.) Unter zahl- reicher Beteiligung fand am Sonntag in Köln die dritte Reiche» konferenz sozialdemokratischer Juri st en statt. In seiner Erössungsrede begrüßte als Vorsitzender Dr. Kurt Rosen- s e l d die anwesenden Vertreter des Vorstandes der deutschen und österreichischen Sozialdemokratischen Partei, der Gewert- s ch a f t e n, der Arbeitsgemeinschast sozialdemokratischer Lehrer und des Verbandes sozialdemokratischer Studenten. Im Namen der ö st e r r e i ch i s ch e n Partei begrüßte die Kon- ferenz Genosse E i s l e r. Im Namen des Parteivorstandes sprach Genosse S t e l- l i n g. Er stellte fest, daß die Vereinigung sozialdemokratischer Ju- risten sich in ihrer Arbeit auf richtigem Wege befind« und daß der Parteivorstand gewillt sei, sie in allen Bestrebungen zu unterstützen, die geeignet erscheinen würden, sie vorwärt» zu bringen. Nach kurzen Begrüßungsreden des Genossen Meerfeldt im Namen der Kölner Parteigenossen und eines Vertreters der sozial- demokratischen Studenten stellte Genosie R o s« n f e l d fest, daß gerade die Erfahrungen der letzten Kriminal! st entagung in Bonn erwiesen hätten, daß die sozialdemokratischen Juristen viel geschloflener al» bis setz! an den vorarbeiten zur Strafrcchtsresorm teilnehmen müßten. Es folgte der Geschäftsbericht des Vorstandsmitgliedes Genosien Rüben. Er oersuchte, das Wesen und den Ausgabenkreis der Vereinigung der sozialdemokratischen Juristen festzulegen. Die Vereinigung, so führte er au», ist ein dienendes Glied der politischen und gewerkschast- l i ch e n Arbeiterbewegung. Sie war sich auch besten bewußt, daß die Lösung der großen Aufgaben des Rechts und der Justiz kein Privileg allein der sozialdemokratischen Juri st en sein kanni es galt, sich der allgemeinen Klassenausgabe unter- zuordnen. Aus dieser Aufgabe entsprang auch die Organjsations- form: einerseits mußten die juristisch vorgebildeten G e'- n o s se n zusammengefaßt werden, andererseits hieß es, mit den Arbeiterfekretären, Vermalt ungsbeamten usw. zusammenwirken, die«in hohes Maß praktischer Erfahrung besitzen. Die Arbeit der Vereinigung verlief in der Hauptsache In dreifacher Richtung:«Z mußte die juristische Behandlung derjenigen Probleme gefördert werden, die sich aus den sozialdemotratischcn Krundanschauungen ergeben: ferner die Ausbildung der Arbeiter- schuft zur Uebernahme des Staatsapparates bewerkstelligt und schließlich an der praktischen Politik mitgearbeitet werden. Die Cr- ■füllizng dieser drei Aufgaben erfordert aber die Erfassung sämtlicher parteigenössischer Juristen. Es stehen jedoch noch andere Aufgaben vor der Vereinigung: so die Beein- slussung des juristischen Nachwuchses, die ssühlungnahme mit den sozialistischen Studentenarganisationen und den Referendaren, die Benennung geeigneter Anwärter für Aemter, die Heranbildung von Laienrichtern, die Teilnahme an der Vorbereitung der parlamen- tarischen Arbeit u. a. m. Die Anwerbung von korrespondierenden Mitgliedern in allen deutschen Ländern.die Strasrxchtsreform, die Reform des Scheidungsrecht», des Elternrechts, die Frage der Schaffung eines sozialistischen Wohnungsrechts usw. stellen der Der- einigung große Aufgaben. Es gilt auch, sich aktiv an der Arbeit»- gemeinschaft für die Reform des Strafvollzugs und an der sozialen Gerichts Hilfe zu beteiligen. All diesen Anforde- rungcn gerecht werden kann die Vereinigung nur, falls es ihr ge- lingen wird, die Mitglieder der Vereinigung zur regen Mitarbeit zu gewinnen. Eine Diskussion über den Geschäftsbericht fand nicht statt. Als erster erhielt darauf Genosse R a d v r u ch da» Wort zum Problem der „Einschließung- für Ueberzeugungsverbrecher Als solcher dürfte nach seiner Ansicht jeder Verbrecher aus Pflicht- gefllhl, aus Verfolgung einer höheren Norm bezeichnet werde.'. Die Strafe kann in diesem Falle weder den Vergeltung»-, noch den Vesterungs-, noch den Abschreckungszweck verfolgen. So muß sie auch unter gänzlich anderen Voraussetzungen vor sich gehen, al» dieses in bezug auf gemeine Verbrecher der Fall ist. Bei Derbüßung der Strafe im gleichen Gefängnis würden die letzteren jedoch nie verstehen können, daß sie anders behandelt werden al» die Ueber- zeugungsverbrecher. So entsteht die Forderung der besonderen S t r a f o e r b ü ß u n g: der„E i n s ch l i e ß u n g", der ehrenvollen Haft. Es ist nicht zu verkennen, daß hierbei eine ganze Reihe schwie- riger Probleme entstehen, nicht zuletzt dasjenige, woran der lieber- zeugungsverbrecher zu erkennen sein würde. Das Referat des Ge- nosten Radbruch stieß bei einer Reihe Genossen auf Wider- s p r u ch: dagegen sprach sich für seine Gedankengänge Genosse E i s l e r- Wien aus. Von großem Jntereste war der Dortrag des Genosten Prof. Slnzhcimer-Frankfurt a. M. über „die Haftung von Berufsvereinen der Arbeitgeber und Arbeit- nehmer für unzulässige Kampshandlungen-. Bei der Aufstellung seiner Thesen ging er davon au», daß die G e- werkfchaften Träger notwendiger sozialer Funktionen sind, die durch etwaige Prozeste nicht ökonomisch vernichtet werden dürfen. Deshalb fordert er, daß die Haftung der B« r u f» v e r e in e in einer gewisse» Höhe beschränkt sein und die Form der Buhe haben solle. Unter dieser Voraussetzung seien auch die nichtrechtsfähigen Vereine— so die Gewerkschaften— in allen Haftungsfragen den rechtsfähigen gleichzustellen. Die Hastung der Berussoeretne soll durch eine subsidäre gesamtschuldne- rische Haftung der Vereinsmitglleder neben Ihren Vereinen gesichert sein. Prof. Sinzheimer behauptet nämlich, daß die Arbeitgeberverbände in der Regel kein Vereinsvermögen be- sitzen, um so größeres aber ihre Mitglieder, während es bei den Gewerkschaften gerade umgekehrt der Fall ist. Er sieht voraus, daß eben deshalb, wie auch aus anderen Gründen, die Vertreter der Unternehmerverbände auf dem Juristentag gegen seine Thesen cm- schieden Front machen werden. Aus der Konferenz selbst wurden gegen den dritten Satz des Referats Einwendungen gemacht. Als dritter Referent sprach Genosse Dr. Kurt Rosenseld über parlamentarische Untersuchungsausschüsse. Es gilt, die Ausschüste, die in vielen Ländern seit Jahrzehnten existieren und auch in Deutschland mit Erfolg ihre Tätigkeit aus- üben, gegen reaktionäre Vorstöße zu schützen. Die Behauptung, daß sie«ine Gefahr für die Unabhängigkeit der Richter bedeuten und in«in schwebendes Strafverfahren eingreisen, würde zur Forderung führen, die Ausschüste erst nach Erledigung des Strafoersahrens in Aktion treten zu lasten. Das wäre mit einer Kalsttellung der Aus- schüste gleichbedeutend. Von diesem Standpunkte aus werden auch die Sätze des Referenten des Juristentages zu bewerten sein. Genosse Dr. Kurt Rosenberg sprach darauf kurz zur Frag« des Auslieferungsrechl«. Er forderte eine Reichsregelung dieser Materie und glaubt, daß die Schassung eines entsprechenden Kollektiogesetzc» in inter- nationalem Maßstabe im Rahmen des Völkerbundes zu befürworten fei. Im Zusammenhang mit dem Auslieferungsrecht stehe das A s y l r e ch t. ' Als letzter Referent in dieser Reihe kam schließlich Genosse Dr. Gustav Goldschmidl zum Thema: „Zuständigkeit des Staatsgerichtshofe» bei Verfassungsstreitigkeiten- zu Worte. Die Befugniste des Staatsgerichtshofes seien zu er- weit«rn. Es sei aber dafür zu sorgen, daß ihm nicht allein die Prüfung von Reichsgesetzen, sondern auch von Reichsverordnungcn aus ihre Verfassungsmäßigkeit übertragen werde. Bei der Gesinnung .der Richter dürfe ihnen die Prüfung der Gesetze nicht in die Händ gegeben werden. Damit waren die Referate erschöpft, und das Wort erhielt Ge- noste Eisler-Wien zur Frage der Strafjustiz und der Schaffung eine» Allgemeinen deutschen Strafgcsehbuches. Trotzdem Oesterreich ein Strafgesetzbuch besitzt, das über 100 Jahre alt ist, so führte er aus, ist die österreichische Bruder- parte! dagegen, im Augenblick ein neues Strafgesetzbuch zu schassen. Die politische Situation ist zu ungünstig. Wohl stt die sozialdemo- kratische Fraktion im Rationalrat stark genug, um durch Anwendung de» Mittels parlamentarischer Obstruktion da» Zustandekommen un- liebsamer Gesetze zu verhindern, sie ist aber zu schwach, um Gesetze durchzudrücken, die in ihrem Geist« wären. Andererseits vermeidet ober die österreichische Brudcrpartei, gegen den Entwurf zum neuen Strasgesctzbuche Front zu machen, da dieser Entwurf einerseit» wlrk- lich vieles aufweist, was als fortschrittlich zu nennen ist und e» andererseits unter dem Zeichen der Rechtsangleichung unter Dach und Fach gebracht werden soll. Die österreichische Bruderpartei ist aber der Meinung, daß es andere Rechtsgebiete gibt, die sich in höherem Maße al» das Strafrecht für eine Rechtsangleichung eignen, z. B. das E h e r« ch t, das Verkehrs- und Arbeitsrecht. Schließ- lich bedeutet auch in Oesterreich der Richterstand eine Gesahr für die Rechtsprechung, und zwar eine noch größere al» in Deutschland, da der Nachwuchs noch reaktionärer ist, als der jetzig« Richter- bestand. So steht die österreichische sozialdemokratische Partei vor der konkreten Frage, wie ein demokratischer Nachwuchs zu schaffen wäre. Jedenfalls könne von einer Reform keine Rode sein, so lange, man aus den Bestand des Richtertum» keinen Einfluß ausüben kann. Genosse Oborniker pflichtet« im großen und ganzen den Aus- führungen des Vorredners bei. Ihren Abschluß fand die Konferenz in der Annahme folgender Resolution: „Die dritte Reichskonserenz sozialdemokratischer Juristen erklärt, daß es angesichts der in der letzten Zeit immer unerträglicher wer- denden, mit der allgemeinen demokratischen Entwicklung in immer stärkeren Gegensatz geratenden, Klassen- und Parteijustiz Ausgabe der Sozialdemokratischen Partei ist, mit aller Kraft für«ine schleunige und umfassende demokratische Justizrosorm einzutreten. Die sozialdemokratischen Juristen versprechen, die Dar- tei in der Erfüllung dieser Aufgabe zu unterstützen. Eine vom Vor- stand einzusetzende Kommission wird beaustragt, unverzügltch ein Aktionsprogramm zur I» st t z r e f o r m auszuarbeiten und dem Parteivorstande und der Rcichstagsfraktion zu unter- breiten.- Sazilles polizeilaften. Unredliche Ucbervortcilung der Gemeinden. Slultgarl. 13. September.(Eigener Drahtbericht.) Der Der- -waltungsgerichtshof für Württemberg hat eine aufsehenerregende Entscheidung gefällt. Die größeren Städte des Landes haben gegen das Ministerium des Innern wegen der Höhe der Polizeitosten(nicht weniger als 100 Proz. der früheren Aus- gaben!), die von den Gemeinden an den Staat zu ersetzen sind, einen Prozeß geführt und diesen nun vor dem Verwaltungsgerichtshof gewonnen. Nach dem richterlicher Spruch hat das Ministerium durch künstliche Erhöhung der Ausgaben und tun st- liche Erniedrigung der Einnahmen eine Mehrbelastung der Städte über das Polizciverwaltungsgesetz hinaus erzielt. Die Finanzkünste der Regierung Bazille-Bolz-Dehlinger bestehen seit Jahren darin, daß der Staat einen Teil seiner Lasten auf die Ge- meinden abwälzt, um dadurch seinen Etat zu balancieren. Am schlimmsten wurde dies« Methode mit den Schullasten und den Polizeikosten geübt. Zum Entsetzen der Städte sind nun in den letzten zwei Jahren die Polizeikosten ungeheuer gestiegen. Die Stadt Stuttgart z. B. hat in diesem Jahr über 4 Millionen Mark an Polizeilasten sür den Staat auszubringen,«in Betrag, der um ein Vielfaches höher ist als zu der Zeit, wo die Polizei noch nicht verstaatlicht war. Der Verdacht lag schon immer nahe, daß die Gemeinden über Gebühr zu den Polizeilasten heran- gezogen werden. Nun hat es sich also bestätigt, daß die Gemeinden nicht nur ihren Anteil, sondern darüber hinaus einen erheblichen Mehrbetrag durch den Staat angerechnet erhielten. Ftnanzkünste eines deutschnationalen Finanzministers, der im ganzen Lande mit dem Märchen hausieren geht, daß die Ordnung der Staatsfinanzen und die Beseitigung des Defizits im Staatshaushalt sein V e r- d I e n st seien! �ejsens Zinanznot. Vereinbarungen mit dem Reichsfinanzminister. Darmsladl. 13. September.(Eigener Drahtbericht.) Zwischen der hessischen Regieruig und dem Reichsfinanz- Ministerium werden seit längerer Zeit Verhandlungen geführt über den Ersatz der durch die Besatzung dem Lande entstan- denen Ausfälle an Einnahmen. Der Reichssinanzmintster Dr. R e i n- hold stattete am Montag der hessischen Staatsregierung einen Be- such ab. Dabei ergab sich die Gelegenheit, auch die hessische Finanz- lag« zum Gegenstand einer eingehenden Aussprache zu machen. Bei dieser Besprechung kam die grundsätzliche Geneigtheit der Reicks- regierung zum Ausdruck, den besonderen Verhältnissen Hessens Rechnung zu tragen. Man kam daher überein, daß die Reichsregierung und die hessische Regierung gemeinsam in einer Kommission die gesamte Finanzwirtschaft des Lan- des einer Prüfung unterzieht, die sich insbesondere auch darauf erstrecken soll, wieweit die besondere Notloge Hessens aus die Besetzung eine» großen Teiles des Landes zurückzuführen Ist. Der Reichsfinanzminister erklärte sich bereit, bis zum Abschluß dieser Prüfung Vorschüsse insoweit bereitzustellen, al» e» zur Deckung des dringendsten Staatsbedarf» erforderlich ist. Durch diese Ver- einbarungen mit der Reichsregierung hat die hesiische Regierung der Weimarer Koalition wiederum«inen Erfolg sür da» Land zu ver- zeichnen. Als Ergebnis dieser Besprechungen darf wohl auch aus- geführt werden, daß die Hetze des Ordnungs- und Wirtschaftsblocks gegen die hessische Regierung vollkommen unbegründet ist. verüienter Neinfall. Das Ende einer völkischen Hetze. Schlesinger— völkischer Agitator! Kaum war die Kriminal- Polizei auf die Spur der beiden O-Zug-Attentäter gekommen und waren ihre Namen bekannt geworden, da begann in der rechts- radikalen, vor allem der völkischen Presse eine antisemitische Hetze, weil einer der Täter den Namen Schlesinger trägt. Solch eine gemein« Tat könne nur von einem Juden aus- geheckt und durchgeführt sein. Nachsorschungen in Stuttgart hatten zwar sehr rasch ergeben, daß Schlesinger und seine Vorfahren weder der Rasse noch der Konfession nach Juden sind. Was die völkische Presie aber natürlich nicht abhielt,, ihre Hetze weiter zu betreiben. In Bamberg wurde sogar die Behauptung vom„Juden Schlesinger-, geschmückt mit den nötigen Kraftau«drücken, in einem Anschlag an den Säulen wiederholt. Dieser Vorgang gab aber Anlaß, auch in Bamberg eine nähere Untersuchung über die Person des Attentäters Schlesinger anzustellen. Dabei stellte sich heraus, daß Schlesinger vor 6 Jahren einige Zeit in Bamberg weilte, und zwar als Mitglied der Ortsgruppe Bamberg des„B ö t- tischen Schutz, und Trutzbunde»-. Damals, am 2. Jult 1920, wurde Schlesinger, der jetzige Eisenbahnattentäter, durch rechtsträftt'gen Strafbefehl des Amtsgerichts Bamberg wegen nicht genehmigter Verbreitung von Flugschriften antisemitischen Inhalt» zu 35 M. Geldbuße, eventuell 7 Tagen Gefängnis verurteilt. Das Märchen vom LinkSmord. Ein völkischer Schwindel ist zusammengebrochen. In Frank- furt a. M. fand in der Nacht vom 3. zum 4. August der Artist L I p p o l d den Tod. Er wurde mit einem schweren Schädelbruch am Fuße des Gutenberg-Denkmals aufgefunden. Seine Begleiter erklärten der Polizei, Lippold sei das Opfer eine» politi. fchen Ueberfalls geworden. Lippold war bekannt als Führer rechtsradikaler Verbände. Also setzte im Lager der Rechten eine ungeheure Hetze gegen die Linksparteien ein, deren Anhänger als„politische Mörder" Lippolds angeprangert wurden. Die rechts- radikalen Bünde setzten Lippold» Beerdigung aus den Bersassungs- tag an und gestalteten sie zu einem wüsten nationali st i> s ch e n R u m m e l. Die Untersuchung, die die Frankfurter Polizei über den rätselhaften Tod Lippolds anstellte, hat jetzt zu einer Klärung geführt. Einwandfrei ist sestgestellt, daß Lippold seinen Tod s e l b st verschuldet hat. In angeheitertem Zu st and hatte er in jener Nacht mit seinem Anhang eine Wette abges hloisen und das Gutenberg-Denkmal erklettert. Dabei stürzte erab und zog sich die tödliche Verletzung zu. Aber schon als die Polizei eintraf, hatten sich die Rechtsradikalen da» Ver- leumder märchen von dem Ueberfall politisnjer Gegner zurechtgemacht._ Hrianü und Locarno. Er betont die Größe der Hindernisse. Genf. 13. September.(Eigener Drahtbericht.) Der Sonder- berichterftatter de»„S o z. Pressedienst" in Gens hatte am Montag Gelegenheit, dem französischen Außenminister eine Reihe von Fragen zu stellen, aus die B r i a n d mit der folgenden s ch r i f t- lichen Erklärung antwortete: «Ich mache kein Hehl daraus und ich habe es schon selbst gesagt, daß wir im Lause der Besprechungen, die ich mit Herrn Skresemanu hier z» haben gedenke, Mittel und Wege prüfen werden, die am geeignetsten sind, um eine fruchtbare Zusammen- arbeit zwischen Frankreich und Deutschland im Geiste der Ver- träge von Locarno zu ermöglichen. E» ist also sehr wahrscheinlich, daß wir Fragen behandeln werden, die die Rhetnlandbe- s e tz u n g und die noch nicht beendete Durchführung der E n t w a f f- nungsklausel des Friedensvertrages betreffen. Wir haben sicherlich olle den Wunsch, der Tätigkeit der K o n t r o l l k o m- Mission in Deutschland so rasch wie möglich ein Ende zu bereiten. Aber da» Datum ihrer Abberufung hängt, wie es die Botschasterkonserenz schon bei verschiedenen Gelegenheiten gesagt hat, von dem Augenblick ab, in dem die verschiedenen Punkte, die den Gegenstand der Abmachungen vom 16. November v. I. bilden, durchgesührt sein werden. Ich zweifle nicht daran, daß, wenn man auf beiden Seiten in loyaler Weise guten Willen zeigt, das er- wünschte Ergebnis nicht auf sich warten lassen wird. Aber es hieße das Problem der französisch-deutschen Beziehungen verkleinern, wenn man darin nur eine gewisse Anzahl technischer Schwierigkeiten sehen wollte. Es gilt, sich über die Einzel- sragen zu erheben, die alle progressiv Ihr Lösung finden werden, und das Problem in seiner Gesamtheit ins Auge zu fassen. Die Verträge von Locarno haben die unerläßliche Vorbedingung geschossen sür eine Besserung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern auf politischem Gebiet. Ich hoffe, daß es nicht allzulange dauert, bis ein langfristiger Handelsvertrag ermög- lichen wird, ihr« wirtschaftlichen Beziehungen«bensall» auf ein« stabile Basis zu stellen. Ich lege andererseits den zwischen den einzelnen Industrien geträsfenen und In anderen Zweigen der Industrie in Vorbereitung befindlichen Abmachungen die größte Bedeutung bei, da sie eine Zusammenarbeit der beiden Länder auf dem wirtschaftlichen Gebiet erlauben und gejährliche Reibereien auf dem internationalen Markt verhüten werden. Die französisch-deutsche Annäherung ist die unerläßliche Bor- bedingung für Frieden in Europa und in der ganzen Welt. El» liegt auch im Interesse der beiden Länder. Es gilt, für sie zu arbeiten, mit Geduld, ohne sich Illusionen zu machen über die Größe der Hindernisse, die noch überwunden werden müssen, aber mit der Ueberzeugung, daß es in der Politik keine unüberwindlichen Schwierigkeiten gibt. Was seit einem Jahre vorgegangen ist, beweist das am besten." Saar-SozialSemokraten bei örianü. Genf, 13. September.(Eigener Drahtbcricht.) Der französische Außenminister empfing die hier seit einigen Tagen weilende D e l e- gation der Saarländischen Sozialdemokratischen Partei. Es wurden verschiedene brennende Fragen besprochen, wie z.B. die allgemeine wirtschaftliche Lage der Arbeiter- s ch a f t im Saargebiet. Aus die Versicherung der sozialdemokra- tischen Saardelegierten, daß die Arbeiterschaft alles daransetzen werde, um das deutsche Saargebiet zu einem Boden der Annähe- r u n g zwischen den beiden Nachbarvölkern zu machen, wie» Briand auf die h o h e M i s s i o n hin, die gerade die Arbeiterschaft in allen Ländern habe, und zwar als natürlichster Träger des Friedens- und Derständigungsgcdankens. Die Preußenanleihe überzeichnet. Die gestern in New Park zur Zeichnung aufgelegten 20 Millionen Dollar ü�prozentigen Bonds de» preußischen Staate» sind unmittelbar nach Eröffnung der Zeichnungsliste stark überzeichnet worden. Die Zeich- nungen stammen aus allen Landcsteilen. Die türkischen Behörden haben den wegen einer Dampserkolli- sion verhafteten französischen Schifseoffizier sreigelassen. Die Pariser nationalistische Presse hatte bereits scharfe Maßnahmen gegen die Türkei gefordert. Gewerkschaften und Wirtschaft. Eine Antwort an Tilvcrbcrg. Düsseldorf, l.?. September(Eigener Drahtbericht.) Am Montag fand in Düsseldorf eine Konferenz der freien Gewerkschaften für Rheinland und Westfalen statt, die sich mit der im Westen Deutschlands besonders drängenden Erwerbslosenfrage befaßte. Die Konferenz wurde eröffnet durch Gesänge englischer Bergarbeiter, die sür die ausgesperrten englischen Berg- arbciter im westlichen Deutschland 5)ilfspropaganda betrieben. Der Borsitzende der Konferenz, Genosse Dr. Meyer, drückte den Willen zur Solidarität aus, von dem die Massen der Arbeiter in Rheinland und Westfalen gegenüber ihren im Kampf befindlichen englischen Kampfgenossen getragen sind. Zum Erwerbslosen Problem sprach Genosse S p l i e t h vom Bundesvorstand des Allgemeinen Deutschen Gewerkschafts- bundes, der die Tatsache unterstrich, daß gerade im rhcinisch-west- fälischen Industriegebiet die Unternehmer besonders tätig seien, die Arbeitslosensrage noch weiter zu erschweren. Während aus wirt- schaftspolitischen Erwägungen die Gewerkschaften die Auffassung vertreten, daß eine Lösung der Arbeitsmarktkrise nur möglich sei durch eine Verkürzung der Arbeitszeit und Hebung der Kaufkraft der werktätigen Massen, versuchen die Unter- nehmer eine Verlängerung der Arbeitszeit und eine Kürzung der Löhne durchzusetzen. Gelänge es den Unter- nehmern. ihre Absicht zu verwirklichen, so würde bestimmt keine Linderung der großen Krise eintreten, sondern umgekehrt eine weitere Verschärfung. Die Arbeiterschaft hat für eine Hebung der Löhne einzutreten, damit der Widerspruch zwischen Produktiv- kapozität und Kaufkraft nicht zur offenen Katastrophe werde. Wenn Teile der Arbeiterschaft noch immer Ueberorbeit leisten, um den zu niedrigen Lohn um ein Weniges zu heben, dann sei es Pflicht aller Gewerkschaften, dagegen anzukämpfen. Splieth wandte sich weiter gegen die sozialreaktionären Ten- venzen, die sich auf der Jndustriecllentagung in Dresden bemerkbar Ohne Erwerbslofenunterstühung: Obdachlosigkeit und Hunger. gemacht haben. Silverberg habe das böse Wort von dem„F Ü r f o r g e st o a t" gesprochen, in den wir angeblich hinein- schlittern. Das Unternehmertum wird auf den Widerstand der Arbeiterschaft stoßen, wenn es dazu übergeht, die soziale Fürsorge des wtaates abzubauen. Die Gewerkschaften fordern V e r b e f f e- ru n g und Verlängerung der Unter st ützungsperiode für die Erwerbslosen, Druck auf den Preis und Erhöhung der Löhne, Verkürzung der Arbeitszeit und sozialpolitische Maßnahmen für die arbeitslosen Massen. Jstach einer kurzen Debatte nahm die Konferenz eine Resolution im Sinne der Ausführungen des Referenten an. Die Entschließung sardcrt, daß sofort die Arbeitszeit ganz allgemein und für alle Berufe und Betriebe durch gesetzliche Mahnahmen aus höchstens acht Stunden täglich festgelegt wird. Die Behörde» werden aufgefordert, viel mehr als bisher zur Bekämpfung der Arbeilslofigkeit durch Gewährung von Notstandsarbeiten zu tim. Den Schluß der Konserenz bildete eine Rede des Mitglieds im Vorstand des Internationalen Gcwerkschaftsbundes, Genossen Mertens- Brüssel, über die Notwendigkeit und die Aufgaben der gewerkschaftlichen Werbewoche. Der Bundestag der Techniker. Zweiter verhandlungslag. Zu Beginn der Tagung am Montag begründete Aas Vorstands- Mitglied Gramm- Berlin in längeren Ausführungen die Auf- ftellung des Haushaltsplanes für das Jahr 1927. Er trat der Auffassung einer Anzahl von Mitgliedern entgegen, die dahin- geht, einen einheitlichen Beitrag für olle Mitglieder fest- zusetzen, um die Mittel zur notwendigen Finanzierung des Bundes sicherzustellen. Solch eine Maßnahme würde die niedrig b c- zahlten Ange st eilten gegenüber den höher bezahlten z u stark belasten. Er schlug im Austrage des Bundesvorstandes eine Erhöhung der Beiträge in jeder Beitragsklasse u m eine Mark pro Monat vor. Anschließend daran folgte ein Vortrag des Professors Dr. E r d e l-Mannheim über „Die Krise de» Tarifgedankens und de» Schlichtungswesens". Der Referent trat einleitend der von Clemens Nörpel in der „Gewerkschaftszeitung" vertretenen Auffassung entgegen, als be- fänden wir uns in keiner Krise des Tarifrechts. Es handele sich in dieser Meinungsverschiedenheit nach feiner Auffassung nur um einen Streit um die Bezeichnung des bestehenden Zustands, den man eben als Krise bezeichnen müsse. Da seit der Schlichtungsordnung vom 1. April 1924 dos Tarifoertragswesen und das Schlichtungswesen eng oerkettet worden sind, trifft die Krise beide Dinge. Die Krise besteht zunächst in dem Zustandekommen von Tarifverträgen. Die Unternehmer gehen dazu über, den Abschluß von Tarif- vertrügen genau wie in der Vorkriegszeit grundsätzlich abzulehnen. In der Durchführung der bestehenden Tarifverträge ergibt sich dasselbe Bild. Die Unternehmer sabotieren die Tarifverträge vielfach. Wenn Zwangslarise abgeschlossen werden, ergehen von Untcrnehmerverbändcn an ihre Mitglieder Anweisungen, sich an die Zwangstarise nicht zu halten. Man könnte nun sagen, dies seien Angriffe gegen die Gesetze, gegen die sich die Angestellten und Arbeiter durch Klagen bei den Gewerbe- und Kaufmannsgerichten wehren könnten, von einer Krise des Tarisrechts könne trotzdem noch nicht gesprochen werden. In der jetzigen Zeit der wirtschaftlichen Depression kann man aber den Arbeitern und Angestellten nachfühlen, daß sie gegen ihre Arbeitgeber nicht klagbar vorgehen. Sie fürchten die Entlassung, gegen die sie wohl durch ihre Betriebsvertretung, wenn eine solche besteht, Einspruch erheben können, gegen die sie aber auch die Gerichte nicht schützen können. Die Unternehmer können, wenn sie die Entschädigungssumme nicht scheuen, die ihnen unbequemen Arbeiter und Angestellten trotzdem entlassen. Wenn man sich das vor Augen hält, soll man es sich überlegen, ob man nicht in das neue Arbeitsgerichtsgesetz eine Bestimmung aufnehmen solle, durch die die Verbände aktiv legitimiert werden, auch die Rechte ihrer Mitglieder aus den Tarifverträgen vor Gericht vertreten zu können. Ob dies aber erreicht werden wird, erscheine zum mindesten sehr zweifelhaft. Man müsse daher oersuchen, dieser feindlichen Bewegung gegen das Tarif- und Schlichtungswesen mit anderen Mitteln zu begegnen. Der Referent zeigte an Hand vieler Beispiele, mit welchen juristischen Spitzfindig- leiten sich die Unternehmer den tarifoertraglichen Bestimmungen zu entziehen versuchen. Die Rechtsprechung der heutigen Gerichte ist nicht dazu angetan, die Unklarheit in der Auffassung über Tarif- recht zu beseitigen. Es muß daher dringend gesordert werden, daß baldmöglichst die neuen Arbeitsgerichte geschaffen werden, und zwar im allgemeinen auf der Grundlage des Regierungsent- wurfs zum Arbcitsgerichtsgesetz, jedoch unter stärkerer Wahrung der Selbständigkeit und Unabhängigkeit der Arbeitsgerichte und unter Benutzung der reichen Erfahrungen und Anwendung des bewährten Verfahrens der Gcwerbegerichte und der Kaufmanns- gerichte. Eine die Grundgedanken des Referats enthaltende E n t- s ch l i e ß u n g fand einstimmige Annahme. In einer weiteren einstimmig angenommenen Entschließung wird die Erwartung ausgesprochen, daß der Reichsarbeitsminister und die Schlichter den Versuchen, die Unabdingbarkeit der Tarifverträge praktisch aufzuheben, mit mehr Nachdruck als bisher entgegentreten werden. Die Entschließung kommt zu folgendem Schluß: „Dabei ist sich der Bundestag bewußt, daß es sich bei dem Kampf um die Aufrechterhaltuno und den Ausbau der Tarif- vertrage und des Schlichtungswesens nicht nur um eine Rechts-, sondern vor allem um eine Machtfrage handelt, die nur durch leistungsfähige Gewerkschaften zugunsten der Arbeitnchmerschast entschieden werden kann. Demgemäß richtet der Bund an olle noch unorganisicrken technischen An- gestellten die Ausforderung, sich dem Bunde anzuschließen, um gemeinsam mit ihren bereits organisierten Berufsgenossen den »er SdlitinvaN der Arbeitersdiad sind die freien fiewcrksdiaifen! Kampf für einen fortschrittlichen Ausbau der Tarifverträge und des Schlichtungswesens zu führen." Beschlossen wurde, von einer Diskussion über das Referat Abstand zu nehmen und das Referat entweder durch Abdruck in der „Deutschen Technikerzeitung" oder in einer Broschüre den Bundes- Mitgliedern zu übermitteln. Der Bundestag trat dann in die Besprechung der Borschläge für die Wahl des Bundesvorstandes sowie in den einzelnen Ausschüssen in die Vorberatung der Anträge und des Haushaltsplanes ein._ keine Einigung zwischen unü döö. Der DBB. und die Christlichen. Der Allgemeine Deutsche Beamtenbund schreibt uns: Die zwischen dem Deutschen Beamtenbund und dem Allgemeinen Deutschen Beamtenbund geführten Verhandlungen über die Grün- dung einer einheitlichen Beamtenspigenorganisation sind gescheitert, und zwar an der O r a a n i s a t i o n s f r a g e, in der sich tief- greifende Meinungsverschiedenheiten ergaben. In der letzten Verhandlung vom Freitag war vom Deutschen Beamtenbund die Erklärung abgegeben worden, daß er nur dos Prinzip der reinen Beamtenorganisation anerkennen könne und deshalb unter Zulassung einer bestimmten Uebergangs- zeit von den Spitzenverbänden, die Arbeiter bzw. Angestellte und Beamte organisierten, die Loslösung der bei ihnen organisierten Beamten fordert. Demgegenüber wurde vom Allgemeinen Deutschen Beamtenbund betont, daß in den Borbesprechungen von Ansang an die Voraussetzung bestanden habe, daß die Beamtenabtci- lungen der gemischten Verbände ebenso wie sie jetzt dem ADB. ange- schlössen sind, in Zukunft auch der neuen einheitlichen Beamten- organisation angehören müssen, damit eine restlose Erfassung aller Beamten gesichert ist. Der ADB. hat in den Verhandlungen an diesem Grundsatz festgehalten, während dem DBB. unzulässig erscheint, daß dem neuen Gebilde gemischte Verbände ange- hören, die mit ihren Arbeiter- und Angestclltcnteilen gleichzestig Jen freien Gewerkschaften angeschlossen sind. Vom DBB. wurde be- fürchtet, daß durch diese enge Verbindung mit den auf sozialistischem Boden stehenden Richtungsgewerkschaften die Neutralität in Gefahr kommen könne, da man die freien Gewerkschaften als an die Sozialdemokratische Partei gebunden ansieht. Das ist der gleiche Standpunkt, den der Deutsche Beamtenbund 1922 eingenommen hatte und der damals ein Hauptanstoß zur Gründung des Alkge- meinen Deutschen Beamtenbundes war. Aus derselben Haltung heraus ergaben sich auch grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten über die Zusammenarbeit mit den Spitzenorganisationen der Arbciter und Angestellten. Der ADB. hatte gefordert, daß nur mit solchen Spitzenorganisationen zusammengearbeitet werden soll, die„zur Anerkennung der Grundsätze des neuen Bundes bereit sind", weil er nur in der gemeinsamen Grundstimmung die Voraussetzung für ein erfolgreiches Zusammenwirken sehen kann. Er hat be» zweifelt, daß der christliche Deutsche Gcwcrkschaftsbund für diese Zusammenarbeit auf Grund seiner bisherigen Haltung gegen- über dem Berussbeamtentun, und seiner Auslegung des Begriffes der parteipolitischen Neutralität, die einseitig gegenüber der Sozial- dcmokratie aufgehoben wurde, die Gewähr für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit bieten kann. Aus den Verhandlungen ging ferner hervor, daß zwischen dem DBB. und den Verbänden des christlichen Gesamtoerbandes bereits eine weitgehende Ueberein- st i m m u n g erzielt worden ist, sowohl in den grundsätzlichen als auch in den organisatorischen Fragen. Die seit Jahres- frift bestehenden Annäherungsversuche zwischen diesen ve:dcn Richtungen dürften also zum Er f o l g geführt haben. Soweit die Zuschrift des ADB. Wir hatten bis zuletzt gehofft, daß es noch zu einer Einigung kommen werde. Keinesfalls konnte man im DBB. erwarten— und also durfte man es nicht ver- langen—, daß die bestellenden Einhcitsorganisationen bei der Reichsbahn und der Post wieder zerschlagen würde». Auch im DBB. muß man wissen, daß selbst bei einer vollständigen Trennung der beiden Gruppen ein gemeinsames Vorgehen bei Fird.'.'ungm die Voraussetzung jedes Erfolges ist. Wenn man sich den Ehristllchen gegenüber schon soweit engagiert hatte, wie aus vyxstehender Zu- jchrift hervorgeht, dann mußten die Verhandlungen scheitern... die englischen Aechenbejltzer wollen nicht. Gegen einen Reichstarif. London. 13. September.«r acwcrk» S- W schaftlichen Werbervoch« dienen soll, mSglichst sofort erfolgen.- i Der Zraktioa-oorst-nd.. J Butab iillirglieder! Zum D-monstrationsfestzug zur Kundgebung nach der Treptower Spielwiese am Sonntag, den lg. September, nehmen alle B•nd«»- Mitglieder in der Zeit von ,2 bi» ,2,30 Uhr in der Kncisenaustraße, öpihe Rostizstrahe. Aufstellung, ffltr da» anschließende Gewerkichaftsfest in den Trep. tower Lokalen iBsA-Lokal: Zenner) sind Eintrittokarten bei der Ortsrxrwo iima erhaltlich. Butad, Ortsvcrwaltung Bern». Deutscher Werkmeister. Verband, Brzlrt Den ssunklionSren zur Nor richt, daß die Teilnehmerkarten für die Beranstaltung in Tcplow am ,S. Septem� r in der Ncschiislsstelle, Nnrfilrstensrraße„l, in Empfang genommen werden kr»n. Die Karten kosten pro Stitlt 50 Pf. und werden nur gegen sosortige Bez:r 9 abgegeben. Di« Gcschiistbslelle de» Bezirk» lll, gez.?!c Deutscher Vaiigrwrrk-buub, Vaugewerischaft Brrli», Iugrndabteilun- n Mittwoch, den 13. September, abend» 7 Uhr. Bersammluna im Gewcrkl hau», Eligeiufer 24/25, Saal ll. Am ,5. September Besprechung sllr uns-..» teiligung und Aufstellung am 1». September zur internationalrn Sewcrki kuiidgebung. Unorganisierte Jugendkollegen sind eingeladen. Die J»>I. i. kommisfion. Are!»>Scwerkschaft»jugenb. Heute, Dienalaa. abend» 7� Uhr. tu" die Gruppen: LandsbergerPIaß: Jugendheim Diestelmeierftr, 5. E: heim geschlossen. Siehe Krei»veranstaltung. Frankfurter sil.ee: Jugendheim Tilsiter Straße 4/3 l, Kreisveransialtuilg. L i ch t e n b e r r: Jugendheim Dossestraße 22, Vortrag:„Berufsberatung. Berufswahl". T- r. tow: Iugeiidheim Wildenbruchstr. 53/54, Diskussionsabend:„Warum bin ich in de: FGI." Spandau: Jugendheim Lindenufer ,, Spielabend. O st k r e>»: Abend» 7% Uhr, Cchulanla Petersburger Str., Filmvortrag:„Die neue Graz- macht." Unkostenbeitrag 20 Pf. Verantwortlich für Politik: Dr. Enrt»«>i«r! Wirischakt:«rtur Satervu«: Erwrrkschafisbcwcguna: Z. Stria«»: Fruillrtvn: Dr. John Schik»w»k!: Lotale, und Sonstige»: Friß Karstadt: Anzeigen: Th. Glcdc; sämtlich in Berlin. Berlaa: Borwärla-Berlag G.m.b.H.. Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckerel und B«rlagsanstalt Paul Singer u. Eo. Berlin SW 08 Lindenslroße 3. Hierzu 2 Beilagen und..Uuterbaltuna»ad Wisse»-'. 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Ueber die wahr» scheinliche Ursache der Epidemie hat sich jetzt in verschiedenen Zei- tungen auch Regierungsmedizinalrat Dr. Mohrmann geäußert. Dr. Mohrmann erblickt die Ursache der Epidemie in einer Verna- reinigung der Ricklinger Brunnenwasserleitnäg. die sich fünf Tag« lang in einem zu beanstandenden Zustand befunden hätte. Diese Verschmutzung sei verursacht durch den schlechten Untergrund des Brunnengeländes. Ferner kämen dafür die durch das Hochwasser im letzten Sommer veranlaßten Verhältnisse in Betracht, die schon seit Wochen zu epidemischen Darmerkrankungen geführt hätten. Die Ricklinger Brunnen liegen direkt an der Leine und Ihme »nd der Untergrund sei nicht einwandfrei; darüber sei auch schon früher von der Militärverwaltung geklagt worden. Der schlechte Untergrund habe die Filtrierfähigkeit der Wasserleitung beein- trächtigt, das Hochwasser und die schwüle Witterung hätteir ein übriges dazu getan. Auch die Kläranlage des Städtischen Wasser» werks hat in den kritischen Tagen nicht genügend funktioniert. Nach Ansicht Dr. Mohrmanns wird die Massenerkrankung bis Mitte nächster Woche noch anhalten und erst dann ist mit einem Abflauen zu rechnen. Aber bestimmt wird es noch Wochen, vielleicht Monate dauern, in denen mit zahlreichen Einzelfällen zu rechnen ist. Zurzeit arbeitet man fieberhaft an dem Bau von Krantenbaracken. Auch mußte eine weitere Schul« geschlossen und provisorisch als hilfs» lrankenhaus in Benutzung genommen werden. Die Zahl der Toten hat sich aus 16 erhöht. Die Stadtverwaltung hat das städtische Schwimmbad geschlossen und in verschiedenen Stadtteilen vier öffentliche I m p f st e l l« n eingerichtet. Bon einer Zwangs- schutzimpsung soll zunächst noch Abstand genommen werden. Die Aufklärung der Oeffenllichkeit durch den Magistrat über die von den Behörden getroffenen Maßnahmen zur Bekämpfung der Seuche, läßt sehr zu wünschen übrig. Oberbürgermeister Dr. Menge hat bis heute weder der berufmen städtischen Körperschaft, der städtischen Gesundheitskommission. Mitteilungen gemacht, noch sonst wie in einem größeren Kreise über die Aussichten und Maßnahmen der Gesundheitsräte und über die Vorschläge der Aerzte irgendwie Bc- richt erstattet. Don anderer Seite wird uns aus Hannover gemeldet: Der Magistrat bezweifelt noch immer, daß die Typhus» keime durch infiziertes Trinkwasser verbreitet worden sind. Die Wasserwerke werden nach wie vor aus den Tiefbrunnen in der Umgebung der Stadt, aber auch aus den Pumpstationen an der Leine gespeist. Der Magistrat erklärt, daß er zunächst dos Gutachten der von der Regierung beauftragten Aerzte abwarten will, che man sich zu anderen Maßnahmen entschließt. Man will ferner eine scharfe Kontrolle der nach Hannover eingeführten Milch vornehmen, da ein gewisser Verdacht besteht, daß ähnlich wie im vergangenen Jahre in Hanau erkrankte Kühe Bazillenträger sind. Wie wir weiter erfahren, werden voraussichtlich schon am Dienstag, spätestens aber am Mittwoch, die von den Regierungsärzten ange- stellten Untersuchungsergebnisse bekannt gegeben werden. Soweit bisher verlautet, sind die Aerzte der Ansicht, daß der Jnfektions» Herd sich in dem Ricklinger Wasserwerk befindet. Die Brunnen dieser Pumpstation liegen in unmittelbarer Nähe der Leine und Ihme, sind jedoch nach Ansicht der Fachleute zu flach angelegt, so daß das Grundwasser der beiden Flüsse durch Triebsand usw. unmittelbar in die Brunnenbasis hineingespült wird. Die Chemiker nehmen an, daß durch das Hochwasser auch gewisse Sink st off« in die Flüsse getragen worden sind, die einmal eine starke Der- schmutzung der Flußläuse selbst hervorgerufen haben und daß even» tuell sich unterirdisch« Kanäle gebildet haben, durch die nicht das durch den Sandboden bereits zum Teil gefilterte Flußwasser in den Brunnen gelangt, sondern auch Wassermengen, die oben sich einen direkten Zugang zu den Brunnen gebahnt hoben. Die Stadt Hannover wird wahrscheinlich veranlaßt werden, diese Brunnen- anlagen sofort zu sperren, um einmal eine weitere Ber- seuchung des gesamten Röhrensystems zu unterbinden. Dann aber wird man sich mit der viel schwierigeren Frage befassen müssen, wie das zweifelllos schon heute stark verseucht« Röhrennetz der Hannover- schen Wasserleitung so zu reinigen ist, daß eine weiiere Gefahr für die Bewohner nicht mehr besteht. Nach dieser Richtung schweben bereit» Untersuchungen, die jedoch im Augenblick noch zu keinem greifbaren Ergebnis geführt haben. Das öerliner Wasser einwandfrei. Die Berliner Städtischen Wasserwerke A.-G. teilen mit: „Ein Berliner Montogsblatt brinot im Anschluß an eine Mit- teilung über die Typhusepidemie in Hannover in fettem Druck die Behauptung,„auch Berliner Wasser ist gefährlich'. Diese ganz unerhörte, durch nichts begründete Alarmnach- richt ist auf das schärfste zurückzuweisen. Da» Berliner Wasser zeichnet sich im Gegenteil seit Bestehen der Berliner Wasserversorgung stets durch größte Reinheit, Bekömmlich- keit und geringste praktisch erreichbare Keimzahl aus. Seit Bestehe» der Berliner Wasserversorgung, die in den Jahren 1892 bis 190S ausschließlich aus Oberslächenwasser gedeckt wurde, ist noch nie ein Krankheitsfall, der aus Beschaffenheit des Wassers zurückzuführen wäre, eingetreten. Dieser Zustand größter Betriebssicherheit besteht auch jetzt noch, und es wird durch ein Höchstmäh von Kontrollen dafür gesorgt, daß das Wasser der Bei- liner Bevölkerung stets in bester Befchasfenheit zugeführt wird. Nach dem Zeitungsartikel soll die dort behauptete Gefährlichkeit des Ber- liner Wassers daraus zurückzuführen fein, daß ein Teil des von den Wasserwerken der Stadt Berlin geförderten Wassers Oberflächen- wasser ist. Im Jahre 1925 sind von 137 Millionen Kubikmeter ae- förderten Rohwassers 12.7 Millionen— 9 Proz. Oberflächenwasser und 124,3 Millionen Kubikmeter Grundwasser gewesen. An Spitzen- tagen, d. h. an Tagen besonders hohen Wafserbedarss, steigt der Anteil an Oberflächenwasser auf etwa 20 Proz. Wir bereit» oben ge- sagt, ist Berlin 15 Jahre ausschließlich mit Oberflächenwasser ver- sorgt worden. Zu diesem Zweck sind unter Mitwirkung der größten wissenschaftlichen Kapazitäten auf dem Gebiet der Hygiene: Robert Koch und Rudolf Birchow, die in der Welt in ihrer Ausdehnung e'wziz dastehenden biologischen Filteranlagen in dem Werk Müggel- see errichtet worden. Ist der Keimgehall des Müggelseewassers in- folge der Größe und der geringen Waffertiefe des Müggelsees bereits ein außerordentlich geringer— er beträgt im Durchschnitt wenige hundert Keime, während verschmutztes Wasser bis zu mehreren hunderrausendcn oder Millionen Keime enthält—, so wird durch die Lanysamftltrat-.cn in den biologischen Filtern in Berbindung mit einer schwachen Chlorung des Wassers dessen Keimzahl auf 0 bis ctwr 8— 9 Keime höchstens reduziert. Die in dem Zeitungsartikel hervortretende Aufsafsung, daß Keime a n sich etwas Ge- 'undheitsschädlichc» seien, ist völlig haltlos. Di« ogenannten Wasserbakterien sind völlig harmlose und der Ge- ündheit nicht abträgliche Lebewesen, während lediglich die Erreger der bekannten ansteckenden Krankheiten die menschliche Gesundheit gefährden können; derartige Keime kommen aber in filtriertem Wasser nie vor. Auch das sillrierte Grundwasser enthält Keime, die eben- fall» zu den harmlosen Wasserbakterien gehören. Da» in da» Rohr- netz geschickte aus Oberflächen- und Grundwasser bestehende Misch- wasser hat einen Keimgehalt, der zwischen 9 und etwa 5 Keimen im Kubikzentimeter schwankt. Die bakteriologischen Untersuchungen werden täglich durchgeführt und vom städtischen hauptgefundherts- amt und dem Polizeipräsidium überwacht. Die Berliner Bevölkerung bat daher nicht im mindesten Ver- aulassung, sich wegen der veschassenheil de» Trinkwassers zu beunruhigen. Der weitere Ausbau der Grundwasserwerke ist in vollem Gange. Nur unterscheidet sich Wasser von der Elettri.- zität dadurch, daß für die Gewinnung von Wasser das natürlich» Vorkommen Boraussetzung ist, während ein Elektrizitätswerk in jeder beliebigen Größe erbaut werden kann. Das Grundwasservor- kommen in der Umgebung von Berlin ist aber nicht, wie vielfach an- genommen zu werden scheint, unbeschränkt. Zurzeit ist der Ausbai. de» Wasserwerks Stolpe an der Oberhavel als Grundwasserwerl großen Umfanges im Gange.' Gekochte Milch ungefährlich. Im Hinblick auf einige Typhusfälle in Pommern ist von anderer Seite darauf hingewiesen worden, daß die Milch, die au- Po m m e r n in Berlin eingeführt wird, eine gewisse Gefahren- guelle biete. Wie uns von unterrichteter Seite mitgeteilt wird kann unter den bestehenden Verhältnissen davon zunächst keim Rede sein, da es sich bei dein Borkommen der Krankheitssälle nur um ein eng begrenztes Gebiet handelt, das bisher nich! überschritten worden ist. Die Ansteckungsgefahr auf diesm Wege ist aber auf jeden Fall ausgeschlossen, solange die Berliner Milch nur in gekochtem Zustande genosser wird. Es ist das ein« Vorsichtsmaßregel, deren Anwendmix sich auch unter normalen Verhältnissen empfiehlt. Zu Besorg- nissen liegt also auch hier für Berlin kein Anlaß vor. Lei der Arbeit schwer verbrannl. Der in der Franzer-Kajern, mit Reparaturarbeiten beschäftigte 16jährige Malerlehrling Walter Raschle aus der Bismarckftr. 5.zu Spandau kam beim Leim kochen der Fwmme zu nahe. Sein« Kleider fingen Feuer unt auf die Hilferufe des Unglücklichen eilten Arbeitskollegen herbei, dir die Flammen zu ersticken suchten. R. hatte aber bereits so schwer, Verbrennungen am ganzen Körper erlitten, daß er sofort durch einen Wagen de» Städtischen Retwnqsamtes in da- Urbankrankenhaus gebracht werden mußte. Der Zustand ist ernst Auf zum Mffenausmarsch der Getverffchasten I nach Treptow am Sonntag, den 19. September 1926 I « 36, Die Figurantin. Roman eines Dienstmädchen» von Leon Frapie. Autorisierte Uebersetzung aus dem Französischen von Kunde-Grazia. „Lustig, Kinder,' gebot er,„seht da eine Faschings- mäste!' Gellendes Hohngelächter erhob sich wie Geschrei in der Unterrichtspause. Das war die Schmähung heller Stimmen, blauer Augen und kleiner Mündchen. Aber Sulette flüchtete aus dem Festtrubel: die Kinder verfolgten sie nicht, bemühten sich nur, Kieselsteine auszuheben. Ein einziger traf, übrigens schwach, ihr Kleid. „Das war Melie! schrien sie, in die Hände klatschend. Melie war ein etwa zehn Jahre altes, schwächliches, ärm- lich gekleidetes Blondinchen mit unregelmäßigem, intelligen- tem Schulmädchcngesicht. Sie hatte des Kreuz. Sulette, lief, bis sie erschöpft au dem Abhang eines Grabens hinsank. Sie hatte die ungleichmäßigen, krampf- haften Atemstöße eines zu Tode gehetzten Tieres; in ihrem Schoß selbst wurde das Leben erschreckt. Glücklicherweise war der Ort einsam. Nach und nach ver- langsamte sich ihre Atmung. Der Körper hatte nicht mehr die Bewegung eines Blasebalgs. Sulette vermochte ihre Zunge zurückzuziehen, den Mund zu schließen, schulternde?ewe- gungcn zu unterdrücken. Ganz ermattet nahm sie nur noch den wilden Schlag ihres Herzens wahr, das sich unaufhörlich zu leeren schien.. � Halb auf dem spärlichen Rasen hingestreckt, durchströmte jetzt ein Trostgefühl ihren ganzen Körper; in ihre Gedanken kam wieder Leben. Die Erde flößte ihr das Gefühl ein, als habe sie eine duldsame und hilfsbereite Verwandte wiederge- funden. Ein unbestimmtes Bedauern quälte sie: warum hatte sie niemals in ihrer Kindheit die Güte der Erde empfunden? Das junge Korn bedeckte eine ungeheure Fläche mit zartem, den Äugen wohltuendem Grün, alte Stämme senkten längs des Grabens ihre Aest« mit den noch dunklen Knospen herunter. Von Zeit zu Zeit jagte ein Wagen im Galopp vorbei. Sulette ließ sich nicht stören. Ein gegenüber aus dem Telephondroht sitzender Vogel schaute nach ihr. piepste, be- wegte die Schwanzfedern, wendete den Kopf der Länge der Straße zu, als wenn er den Wächter machte, sah sie wieder an und versicherte sie mit einem leisen zarten Ton. Kein Fußnänger nahte. Der Führer eines kleinen, mit Brettern und einem leeren Faß beladcnen Rollwagens ließ, um seine Pfeife in Brand zu setzen, das Pferd im Schritt gehen. Das war«in beleibter Mann mit Ueberzieher und rundem Hut, der, nach der stehen- den Redensart, das wohlhabende Aussehen eines Großkauf- manns in Schweinen hatte; seine kleinen Augen und die Rase verloren sich in dem au.vcrgnatischen bärtigen und ge- sunden Gesicht. Er schwang die Peitsche. „He! Kleine Mutter, steigen Sie doch hinten auf, wenn Sic meine Richtung gehen!' rief. er freundschaftlich. „Ich gehe bis sMillzrat," antwortete Sulette, sitzenbleibend, denn sie glaubte nicht mehr an die Gefälligkeit der Menschen. „Das ist der Mühe wert! Ich kann Sie gut 15 Kilometer mitnehmen, dazu durch den Wald!" Sulette erhob sich, immer noch mißtrauisch. Aber das derbe Gesicht des Wagenführers drückte nur eine behagliche Gutmütigkeit aus, da beeilte sie sich. „Sie tun mir einen großen Gefallen!' Mit Mühe nahm sie hinten aus dem Fuhrwerk Platz; die Beine herunterhängen lastend, hielt sie sich mit einer Hand am Pfosten. Das Pferd verfiel in ziemlich lebhaften Trab, und das heftige Stoßen des Wagens verursachte Sulette stechende Schmelzen in den Seiten, Ziehen im Rücken und den Lenden. Aber trotzdem welches Glück! Sie konnte noch am Abend in Millerat eintreffen, statt unter freiem Himmel zu schlafen. Während zwei Stunden sprach der Fuhrmann kein Wort, wandte sich nicht nach ihr um; wenn sich Sulette zur Seite bog, sah sie seinen breiten Rücken und mußte den Rauch der Pfeife einschlucken. Wo der Weg nach Poissy abzweigte, stieg sie herunter. Die Straße führte eben und einsam zwischen Bäumen hin. Sulette ging, von Anstrengung und Hunger geschwächt, wie eine Greisin. Bei jedem Grenzstein setzte sie sich. 23. In der Dämmerung endlich hoben sich die Umrisse von Millerat aus nächster Nähe ab. Der Geruch der heimatlichen Erde übte auf Sulette eine herzstärkende Wirkung aus. Sie erkannte die Äepfelbäume auf den Feldern, vor den Häusern wieder. Bei der ersten menschlichen Gestalt, die sie wahr- nahm, kam ihr ohne Zögern ein Name auf die Lippen. Aber auch sie konnte wiederum das Dorf nicht durch- gehen, ohne erkannt zu werden, so hob der helle Mondschein ihre schwarze Silhouette von dem Weiß des Mauerwerks ab. Da gab es eine beträchtliche Aufregung, olle möglichen Gesten. Anrufe. Herzulaufen: ..Da die Sulette! Der Brugnotte ihre Tochter?' Sie eilte mitten durch die Ausruf«, ohne zu antworten. Ehe sich ein Schwärm hatte bilden können, erreichte sie dir Behausung ihrer Mutter, die fast in der Mitte des Dorfes lag Die Bewohner von Millcrat muhten ihre Ungeduld bi« zum folgenden Morgen verschieben. Äber zur allgemeinen Enttäuschung blieb Sulette an: andern Tage und ebenso die folgenden unsichtbar. Die Brug- notte hielt Tür und Fensterläden fest geschlossen und ver- weigerte jede Auskunft. Das konnte gleichwohl nicht so einfach hingehen! Dil Leute hatten Augen, sie wußten, was sie gesehen! Ah, da- erledigte sich nicht so rasch! Sie ließen sich nicht hintergehen Die Dörfler waren gegen Sulette aufgebracht, weil sw nicht mehr ihrer Welt, ihrer Klasse, ihrem Schlage angehör»- Sie grollten, daß sie nicht wenigstens im Dorfe ihren Fehl- tritt begangen. Roch vor kurzem, beim Weggang, hatte man sie beneidet jetzt, bei der Rückkehr, hielt man sich schadlos. Ah! Sulette war nach Paris gegangen in Dienst! Und nur brachte sie ihr Bündel mit! Die waren saubcn, die Dienst- mädchen von Paris. Äuch zürnte man, daß es ihr so schnell gelungen war. sick im Haus der Brugnotte zu verbergen und dem unerläßlicher Skandal zu entrinnen. Manche würden gleichgültig gebliebcr sein, wäre alles normal vor sich gegangen: hätte der öffentlich« Skandal stattgefunden, dann würden sie nicht weiter gedräng' haben. Aber für den Augenblick fühlten sie sich gekränkt. Was find das für Manieren! Man weiß doch, was eir schwangeres Mädel ist! Was fürchtet denn Sulette? Die Leut« waren keine Wilden, man hätte sie nicht totgeschlagen.. Sie trug keinen königlichen Prinzen... Das ist eine Art, di< Menschen zu behandeln... Madame versteckt sich, will nie- mand sehen... Hat sie Furcht vorm bösen Blick? Kurz, jeder trug einen Groll mit sich herum, den er gern befriedigen wollte, indem er Sulette, ihre unförmliche Gcstali vor Augen, ins Gesicht lachte. Jeder hielt»inen rohen Schern in völliger Bereitschaft. Man wird in Paris sehr tüchtig genährt!— aber mar, hat ungleichen Nutzen davon) das Gesicht bleibt mager... Sie begriffen, daß Sulette sich erst nach ihrer Niederkunsi zeigen würde. GutI Sie sollte durchs Warten keinen Verlust haben, wenn auch die Mißgestalt verschwunden, lachen würder sie trotzdem: hatte man doch das Kind, diesen schmutzigen Bastard, ein hübsches Erzeugnis! Run wartete das ganze Dorf, mit Mißgunst das Hau« der Brugnotte bewachend. „An einem oder dem anderen Tage wird's wohl erscheinen müssen,' sagte man mit Nachdruck. (Fortsetzung folgt.) Retoröläufer. Zwei englische Meilen, gleich 3218 Metern, sind von dem neuen üDeltrekordmann Wide in S: 01,4 Minuten gelaufen worden, ein ungeheures Ereignis, das die bürgerliche Presse rein aus dem Haus- chen bringt. Wenn es möglich wäre, was ober unmöglich ist, die Leistung eine Stunde durchzuhalten, so würde die Geschwindigkeit eines Bummelzugs von 2S Kilometern erreicht werden. Die mensch- liche Laufmaschin« humpelt also beträchtlich hinter der Schnellzugs- geschwindigkeit hinterher. Doch was tut's! Ein neuer Rekord,«in Weltrekord! Heil uns und unseren Kindern, die in unserer Rekord- zeit leben können. Wie waren wir früher so bescheiden, als der Wettlauf um eine Wurst oder einen Sechser die Kinder entslammt«, eine Zeit ohne ateinraubende menschliche Rekorde, hinter der alle Großtaten des Geistes und der Technik sich verkriechen müssen. Das Schicksal der Menschen liegt fortan in ihren Beinen und in einem starken Läuferherz. Der menschliche Körper lehnt sich auf gegen die Materie. Und sie kommen an in Scharen, in Autos, in der Unter- grund, mit der Straßenbahn, die Läufer womöglich mit Flugzeugen, um gegen die Technik zu demonstrieren. Da hallen sie es alle, ins Moderne übertragen, mit Mephistopheles in Goethes Faust, wo es nach altmodisch heißt: Wenn ich sechs Hengste zahlen kann, Sind ihre Kräfte nicht die meinen? Ich renne zu und bin ein rechter Mann, Als hält' ich vicrundzwanzig Beine. Und trotz dem neuen Weltrekord menschlicher Beine trampelt sich die Menge ihr« kostbaren Hühneraugen entzwei, um nur ja mit der Bahn mitzukommen, anstatt eilenden Fußes nach Hause zu laufen. Im Ernst, es ist ein Affentheater, das durch die breiten Leit- ortikcl und Schmockiaden nicht besser wird. Dies ganze Getöse ist das Krankheitssymptom einer Zeit, die ununterbrochen Aeußerlich- keiten nachjagt und den Rekord körperlicher Leistung als ihren neuen Gott erwählt. Ein Knien vor dem trainierten Bizeps, statt har- manischen Zusammenklingens von Körper und Geist. Die ästhetische Wirkung des Schnellaufens zugegeben, der Rekordfimmel, dem immer wieder der eigene Rekord zu schlagen bleibt, wird immer mehr zu einer widerwärtigen Zeiterscheinung. Und die anständigen Zeitungen, die doch immerhin ihrer Zeit dienen sollten, sollten end- lich aufhören, den Rummel noch künstlich zu steigern. vor öem pfanühaus. Bargeld für nichts. Bor dem Großen Schöffengericht Berfin-Mille hatten sich gestern zwei raffinierte Gauner, der.Schlosser' Parske und ein gewisser Schiller zu oerantworten. Beide gehörten einer well verbreiteten Schieberkolonne an. Schiller war eines Tages an einen Ingenieur, der in der Pjandlainmer in der Schönhauser Straße etwas kaufen wollte, heran- llilreten, hatte� ihm seine Not geklagt und ihn dann gebeten, ihm 10 0 M a r k für kurze Zeit zu leihen, damit er billige Ware erwerben konnte. Da der Ingenieur eine„goldene Uhr' und einen „Brillantring' und einen zweiten Ring als Pfand in die Hand gedruckt bekam, glaubte er sich gedeckt und gab die 100 M her. Ehe er sich dann durch einen Blick in seine Hand davon über- zeugen konnte, daß die Ware Talmi war, war Schiller mll dem Gelde verschwunden. Aehnlich erging es einem Kellner in einem Auktionslokal m der Wallstraße. Er sollte auf Veranlassung des Schiller für diesen einen ihm übergebenen Karton mit Goldwaren tur 2 60 Mark verkaufen, weil der Verkäufer, natürlich ein Komplice, nicht wisien sollte, daß er, Schiller, der eigentliche Käufer wäre. Wahrend dann der Kellner das Geld aufzählte, stellte sich Schiller mit gezückter Brieftasche neben ihn. als könne er ihm den Betrag gleich wieder erstatten. Statt dessen waren aber dann l�1..'F rVn5 �er Verkäufer in dem ersten günstigen Moment, unter Zurucklasfung des Pappkartons mit seinem sich als wertlos erweisen- m,it öcn 260 Mark verschwunden. Am übelsten spielte schließlich Parske einem Italiener mit. Dieser ließ sich durch die er. fonnc eine Möbeleinrichtung billig kaufen, verleiten. 3 0 0 Mark herzugeben. Als er dann dos Geld aus einem Um- schlag nahm, und Parske sah. daß sich»och 4 0 0 Mark darin be- fanden, packte er auch dieses Geld, obwohl der Italiener widerstrebte ?" Sudlander konnte sich aber nicht rühren, weil einige Genossen des Parske ihn umdrängten und jede Bewegung unmöglich machten. Als er endlich etwas Luft bekam, waren Parske und das Geld fort Angesichts dieses Gewaltaktes kam das Gericht bei Parske. nicht, wie früher, zu einem Schuldig wegen Betruges, sondern es verurteilte ihn wegen Raubes zu 1 Jahr Gefängnis. Schiller kam mit 6 Monaten Gefängnis davon. 5ahnenweihe. Reklamezettel, die einem unterwegs in die Hand gedrückt werden, pflegt man meist ungelesen dem großen öffentlichen Papier. korb zu uberantworten. Diesmal war es die übergroße Geschäf- tigteit der edlen Spenderin, die sich von dem devoten Gebaren der Zettelverteiler-Professionals unterschied und es tatsächlich fertig. brachte, daß man ihrem papiernen Händedruck Bcachiunq schenkte Auf dem ominösen Wisch war zu lesen: Einladung zum Stiftungsfest mit Fahnenweihe, Berliner Bock- brauerei, Musik, Tanz, Tombola, Festreden, Festaufführung, immer feste, feste, feste! Die Deutschnationale Arbeitergruppe lud die weiblichen Straßenpasfanten ein. Anfang 7 Uhr, Ende S Uhr morgens. Also es wird lustig, es dauert lange und— was die Hauptsache: E« wird feudal!!! Auf der Einladung steht doch schwarz auf weiß: Da hoher Besuch erwartet wird, bitten wir um zahlreiches Erscheinen. Wer wollte denn nicht gern - nach all der langen Zeit wieder mal stramm stehen und feste Hurra , brüllen dürfen? Ein bisset Bauchkriechen und Buckelkrümmen tut ! doch auch wieder wohl, man ist ja ganz steif geworden. Das Fest , beginnt! Die Hauskapelle intoniert Stechschrittweisen, dann erscheint , Festredner Rr. 1 und verkündet das Nichtvorhandensein der Partei- führer. die augenblicklich Köln beglücken.(Pom nichteingetrofsenen „hohen Besuch» kein Sterbenswort.) In Abwesenheit der Chess sprach also die zehnte Garnitur. Sprechen ist ein zu sanftes Wort. denn sie brüllten, daß der Kalk fast von der Wand bröckelte und die weihevolle Stimmung in alle Winde zerstob. Die Fahne soll die steinige Wüste Deutschland in einen Garten Eden verwandeln, die j Fahne soll Arbeit geben, Einigkeit schaffen. Kraft und Mut oer- leihen. Tenor der Sache:- die alten Farben sollen wieder auf. leben, der edle Hohenzollerngeist soll wallen und so fort mit Grazie. Nachdem das Deutschlandlied vor, während und nach der Suada stieg, folgte die Fahnenweihe mit Fahnenjungfrau, Stiftungsnägeln . und allen erforderlichen Requisiten. Die Fahnenjunker marschier. - ten, daß die Erde bebte und die Bierseidel wankten, eisernen Ge- � sichte, starren Blickes, jeder Zoll Kanonenfutter. Nachdem der seriöse Teil glücklich beendet, ging's dann in friedlichen Frohsinn über. Die schwarzweißrote„Arbeitergruppe" übt sich im fremd- ländischen Jazz. Der Tchmachteuhagener Mord. Die Schmachtenhagener Mordaffäre, die bis zum Jahr« ISIS zurückreicht, und durch den Selbstmord der Frau Brzicky eine traurige Wendung nahm, befindet sich zurzeit immer noch im Stadium des Vorverfahrens. Wie erinnerlich, wurde im Jahre ISIS der Ba ue r n g u t s b« s i tz« r Jan son in Schmachtenhagen bei Oranienburg ermordet aufgesunden. Fünf Jahre später wurde dann sein Nachbar, Johann Brzicky, unter , dem Verdacht des Mordes verhastet, weil er Differenzen mit dem Toten gehabt und verdächtige Aeußerungen gemacht hatte. Nach > L J einigen Monaten jedoch wurde er aus der Unters uchungsdast entlassen und das Verfahren eingestellt. Im Mai 1926 erfolgt« aus Grund anonymer Anzeigen plötzlich die abermalig« Verhaftung des Johann Brzicky und seiner Frau Marie unter Verdacht des Mordes, bzw. der Beihilf«. Jedoch wurde die Frau im Juli d. I. auf Antrag von Rechtsanwalt Dr. Mendel wieder ent- lassen, weil angenommen wurde, daß sie überhaupt von dem Tode des Janson erst später gehört und von dem Treiben ihres Mannes nichts gewußt Hab«. Ihr eigener Mann dagegen hatte sie nicht nur schwer belastet, sondern auch selbst eingestanden, den Mord an Janson begangen zu haben. Dieses Geständnis widerrief dieser später mit der Behauptung, ein Handwerksbursche K r ä n d e l, der auch daraufhin in Untersuchungshast genommen wurde, habe den Mord begangen. Ferner hatte er den Verdacht aus die eigen« Ehe- frau des Janson gelenkt, die zu Lebzeiten ihres Mannes ein illegitimes Liebesverhältnis unterhalten habe. Frau Brzicky nahm sich dann vor kurzer Zeit das Leben, weil sie es sich sehr zu Herzen genommen hatte, von ihrem Manne in dieser Weis« belastet zu werden. Frau Janson konnte noch nicht vernommen werden, weil ihr Aufenthalt zurzeit unbekannt ist._ Das eigene �aus angezünüet. Tat einer Geistesschwachen. Die freiwillige Feuerwehr von Niederschön hausen wurde gestern nachmittag nach der Waldowstraß« L alarmiert, wo aus einem Einfamilienhaus starke Rauchmassen drangen. Vorüber- gehende wurden stutzig und versuchten durch Klopsen Einlaß zu er- halten. Als niemand öffnete und die Rauchentwicklung immer stärker wurde, rief man die Niederfchönhaufener freiwillig« Feuerwehr her- bei, die nach kurzer Zeit unter Leitung de» Oberbrandmeisters G« i f e l e r erschien. Di« Türen mußten gewaltsam geöffnet werden. Den«indringen- den Feuerwehrleuten, die infolge der äußerst starken Vergualmung nur mit Rauchschutzapparaten vorgehen konnten, schlugen bereits die hellen Flammen entgegen. Mit zwei L-Rohren wurde das Feuer, das an Möbeln und Kleidungsstücken reichliche Nahrung fand, be- kämpft. Nach«instündiger Tätigkeit war die Hauptgefahr beseitigt. Ein Zimmer ist ausgebrannt, die danebenliegenden haben gleich- falls stark gelitten. Als die Löschmannschaften in die Küche ein- drangen, fanden sie eine ältere Frau mit einem Gasschlauch im Munde, den Kops auf dem Küchentisch liegend, vor. Sofort ange- stellte Wiederbelebungsoersuche waren von Erfolg gekrönt. Wie fest- gestellt wurde, hatte die Frau, die gerstig nicht ganz normal ist, während der Abwesenheit ihres Ehemannes und der Tochter, das Feuer angezündet. Sie hatte die Absicht, das Haus in Flammen aufgehen zu lassen, um zu verhindern, daß die Tochter, deren Möbel sich gleichfalls in dem Haufe befanden, eine von ihr nicht gewünscht« Eh« eingehen wollt«. In der Küche nahm sie dann den Gasschlauch in den Mund, um S e l b st m o r d zu oerüben. Ein weiteres gefährliches Feuer, da» nur durch da« schnell« Er- scheinen und tatkräftig« Eingreifen der Feuerwehr kein« allzugroß« Ausdehnung annehmen konnte, beschäftigte mehrer« Löschzüg« der Feuerwehr unter Leitung von Baurat M ö d« r in der Wuster- haufener Straße 17. Durch die Unvorsichtigkeit eines Arbeiters in einer im Dachgeschoß gelegenen Zelluloidsabrik geriet eine leicht- brennbar« Flüssigkeit in Brand. Ein« Stichflamme nahm ihren Weg durch mehrere Räum«, die kurz darauf in Flammen standen. Die Feuerwehr war etwa zwei Stunden an der Brandstelle tätig. Ein großer und zwei kleiner« Räum« sind ausgebrannt. Auch die darüber liegende Dachkonstruktion wurde von den Flammen ergriffen und zum Teil vernichtet._ Die Clternbeiratswahlen auf Weüüiag. Dl« am Sonntag auf dem Wedding in den Gemeinde- schulen 54. 131 und 276(Ofener Straße) vollzogenen Nachwahlen zu den Elternbeiräten, bei denen der„christlich-unpolitischen" List« eine gemeinsame Liste der Linken(SPD., KPD., Freidenker) gegen- überstand, haben folgende Ergebnisse gehabt: Schule 54: Wahlberechtigte 956, abgegeben« Stimmen 380, davon die„Christlich-Unpolitischen' 245(8 Mandant«), die Linke 135 (4 Mandate). Schule 131: Wahlberechtigte 817, abgegeben« Stimmen 397, davon die.Christlich-Unpolitischen' 271(7 Mandate), die Linke 125 (3 Mandate). Schule 276: Wahlberechtigte 478, abgegeben« Stimmen 224, da- von die.Christlich-Unpolitischen' 140(4 Mandate), die Linke 81 (2 Mandate). In den Schulen 54, 131, 276 hatten bei den Hauptwohlen, weil die gemeinsame Listen der Linken aus formalen Gründen als„un- gültig' zurückgewiesen worden waren, die.Christlich-Unpolitischen' kampflos sämtliche Mandate eingeheimst. Durch die Nachwahlen, die nach Anerkennung des Protestes der Linken angeordnet werden mußten, ist den.Christlich-Unpolitischen' wenig st ens«in Teil ihres Raubes abgejagt worden. Daß sie an allen drei Schulen immer noch zwei Drittel der Mandate behaupten konnten, verdanken sie der bedauerlichen Gleichgültigkeit, die viele linksgerichtete Eltern gegenüber den Elternbei- ratswahlen bekunden. Wie wäre es sonst möglich, daß in Berlin- Nord mit seiner ausgesprochen proletarischen Bevölkerung, wo politische Wahlen stet» eine Mehrheit für die Linke ergeben, bei den Elternbeiratswahlen die Reaktion trsiimphiertl Diese Eltern sollten endlich begreifen, daß hinter der so harmlos klingenden Bezeichnung„Cbristlich-Unpolitische' tatsächlich die Reaktion steht. • Ein Erfolg der Liste„Schulaufbau'. Für die diesjährige Clternbeiratswahl war— in Charlottenburg zum erstenmal— auch an einer Mittelschule, der Städtischen Elisabeth- schule, von der republikanischen Elternschaft eine eigene Liste mit dem Kennwort„S ch u l a u f b a u' aufgestellt, vom Wahlvorstand jedoch aus nichtigen Gründen zurückgewiesen worden. Das Provin- zialschulkollegium gab dem Einspruch gegen die Zurückweisung statt und beraumte Neuwahl des Elternbeirates an. Diese fand nun am 12. September statt und brachte der Liste„Schulaufbau' einen überraschend guten Erfolg: während die Christlich-Un- politischen auf der bisherigen Einheitsliste fast ganz unter sich waren, erhielten sie diesmal von 17 Sitzen mit 440 Stimmen nur 11; die Liste„Schulaufbau' errang mit 240 Stimmen 6 Sitze— für den ersten Versuch ein glänzendes Ergebnis. Berlin— Königsberg in 2'/- Stunden. Das von der Doruluft auf der gemeinsam mit der Deutschen Lufthansa betriebenen Flugstrecke Berlin— Königsberg— Moskau eingestellt« Verkehrsflugzeug Typ Dornier-Merkur, ausg«- stattet mit einem 450-?S.-BMW.-Motor, startete am gestrigen Man- tag unter Führung der Besatzung Planert-Zinsmair im Flughafen Tcmpelhofer Feld um 12.10 Uhr nachts und landete bereits nach 214 stündiger Fahrt um 14,40 Uhr(2,40 nachts) im Flug- Hafen Königsberg. Von einem Kraftrad überfahren. Ein folgenschwerer Straßenunsall ereignete sich gestern an der Ecke B u d a- p e st e r und Wichmannstraße Ein Motorradfahrer, der in schneller Fahrt herannahte, wollte einem Personenkraftwagen aus- weichen. Infolge der Geschwindigkeit kam da» Kraftrad ins Schleudern: der Führer verlor die Gewall über sein Gefährt und geriet auf den Bürger st«ig. Hierbei wurden zwei vorübergehende Damen erfaßt und überfahren. Ein Fräulein Charlotte Neumann aus der Burggrafenstr. 13 zog sich einen Schädelbruch zu und Ihre Begleiterin, Fräulein Rita Rojenberg aus der Mcincckestr. 23 erlitt erhebliche K o p s v e r> l e tz u n g e n und einen Nervenschock. Beide fanden im Westender Krankenhaus Aufnahm«. Der Motorradfahrer, der unverletzt blieb, wurde von der Polizei festgenommen. Vie stSötksthea Notfianösarbeitea. Der Ausschuß für Angelegenheiten der Erwerbslosen hat sich gestern mit den Dringlichkeitsanträgen über Notstandsmaßnahmen und Erwerbslosenfürsorge beschäftigt. Unter anderem nahm er einen Antrag an:„der Magistrat wird ersucht, alle geplaaleu Arbeiten sofort In Angriff zu nehmen, weitere Tlotstandsprojekte der Stadtverordnetenversammlung vorzulegen und die Erschließung besonderer Arbeitsmöglichkciten für weibliche Arbeilsloje und erwerbslose Au- gestellte dabei zu berücksichtigen". Weiter wurde ein Antrag an- genommen, wonach der Magistrat ersucht wird, beim Landesarbeits- .amt sowie beim Preußischen Staat dahin zu wirken, daß bei allen Unterstützungsempfängern, insbesondere- bei der Erwerbslosenhilfe bei der Berechnung des Existenzminimums für Erwerbslose und ihre Angehörigen der etwaige Verdienst anderer Familienmitglieder nicht mehr in Anrechnung gebracht wird. Ferner wird der Magistrat beauftragt, nachprüfen zu wollen, ob der Stichtag beim Bezug von Unterstützungen, die sich aus den Richtlinien der Erwerbs- losenhilfe ergeben, nicht zu ändeni ist. Der Magistrat wird weiter aufgefordert, für die erwerbslosen Jugendlichen geeignete Räume zur Verfügung zu stellen. Der Ausschuß mußte wegen der vorgerückten Zeit seine Arbeiten vertagen. Einen bösen Veinsall erlebte gestern ein Pferdedieb. Ein der Schloßbrauerei Schöneberg gehörendes, mit Bierfässern voll bela- denes und mit zwei prächtigen Schimmeln bespanntes Fuhrwerk, das auf dem Nollendorfplatz einige Augenblicke unbewacht stand, wurde von einem freckiden Manne gestohlen. Der Dieb gelangte bis nach der Stromstraße, wo er einem dort zufällig anwesenden Bierkutscher der Schöneberger Schloßbrauerei verdächtig vorkam. Dieser stellte ihn, worauf der Dieb kräftig auf die Pferde einHieb, um davon zu kommen. Der Bierkutscher fiel den Pferden in die Zügel und hielt den Wagen an. Es kam zwischen ihm und dem Diebe zu einem regelrechten Ringkampf. Der letztere wollte endlich die Flucht ergreifen. Er wurde aber von der Polizei ergriffen. Der Sonntags- Sonderzug nach Swinemünde— heringsdorf, der Sonntag früh 6� Uhr Berlin verließ und kurz nach 10 Uhr seinen Bestimmungsort erreichte, hatte wieder eine außerordentlich gute Besetzung aufzuweisen. Auf elf 4.-Klasse-Wagen verteilten sich etwa 600 Ausflügler. Der weitaus größte Teil der Sonderfahrer verließ den Sonderzug in Swinemünde. Vom Fremdenverkehrsverem der Ostseebäder war ein Herbstprogramm ausgestellt worden. U. a. war eine Besichtigung einiger Kriegsschiffe, die an den Herbst- Manövern in der Ostsee teilgenommen hatten, vorgesehen. Im Hasen von Swinemünde waren außer einigen Torpedobooten die Linienschifse„Schleswig-Holstein",„Hessen" und die beiden Kreuzer „Amazone" und„Nymphe" vor Anker gegangen. Die übrigen Reisenden fuhren weiter nach Ahlbeck und Heringsdorf, um bei dem herrlichen, sonnigen Spätsommerwetter, da» leider w den Nachmittagsstunden ein lokales Gewitter mit einem tüchtigen Regenschauer brachte, zu baden und sich im sonnendurchwärmten Sande zu erhblen. Pünktlich 12 Uhr nachts landete die große Schar der Ausflügler auf dem Etettiner Bahnhof. Am kommenden Sonntag, den 19. September, wird die Reichsbahndirektion Berlin, genügende Beteiligung vorausgesetzt, einen Sonntagssonderzug 4. Klasse zu ermäßigten Fahrpreisen nach Tbale i. Harz verkehren lassen. Der Zug oerläßt Berlin um 6?4 Uhr vormittags, Potsdam um 7.13 Uhr und trifft in Thale um 11.07 Uhr vormittag» ein. Die Rückfahrt erfolgt ab Thale um 7)4 Uhr abends: der Zug trifft in Potsdam 11.21 Uhr und in Berlin. Potsdamer Bahnhof, 11.55 Uhr nachts wieder«in. Die ermäßigten Fahrpreise für Hin- und Rückfahrt betragen von Berlin 10,30 M und von Potsdam 9 M. Der Fahrkartenverkauf beginnt am Dienstag, den 14. September, bei den Fahrkartenaus- gaben im Potsdamer Bahnhof und Potsdam sowie bei den Aus- gabestellen des Mitteleuropäischen Reisebureaus Potsdamer Bahn- Hof, Bahnhof Friedrichstraße, Unter den Linden 57/58 und Kaufhaus des Westens. Die„kleinen Kleidchen". Auch In der Leipziger Straß« rüstet man zum Saisonbeqinn. Im blumengeschmücklen Ausstellungsraum des Warenhauses Tietz führten Mannequins, darunter zwei männlichen Geschlechts für die Herrenbekleidung, die neuesten Schöpfungen auf dem Gebiet der Straßen-, Sport- und Abendkleidung vor. Man zeigt hier vor ollem die sogenannten„kleinen" Kleidchen, d. h. Kleider, die dem Zwecke des täglichen Gebrauches dienen. Preiswert und zugleich geschmackvoll in der Ausführung waren leichte Stoff- und Seidenkleidchen, wogegen die Preise der Stoffmäntel, die sich meist dem zweiten Hundertmarkschein näherten, etwas hoch gegriffen erscheinen. Dann gab es Morgenröcke in leuchtendsten Farben für den frühen Morgen ein wenig prunkvoll gehalten und auch entsprechend kostspielig. Abendkleider. Pelzmäntel, dazwischen als äußerst amüsante Abwechslung ein weibliches Boxerdreß(man kann auch damit mensen- dieken). Bei Musikbegleitung defilierte das Amozonenkorps, Blumen in die Menge streuend, vor vielen Frauenaugen gemessenen Schrittes, den Preis der vorgeführten Robe als Brustschild tragend. Nun wissen wir, was„man trögt'— jetzt noch das nötig« Kleingeld. Der Tod im Boxring. Bei einer Faustkampfveranstaltung des Boxringe« Augsburg ereignete sich am Sonntag ein schwerer Unfall, wie er im Borsport zu den größten Seltenheiten zählt. Der slldbayerische Meister Heichlinger(Turnverein Augsburg) schlug in der dritten Runde Lorter(Boxring Augsburg) durch Kinnhaken zu Boden. wobei Lotter mit der Halswirbelsäul« rückwärts gegen die Seile fallend, vom Ringrichter ausgezählt wurde. Lotter mußte weg- getragen werden. 15 Minuten später trat der Tod infolge Ge'nickbruchs ein. Sportleidcnschast. Ein merkwürdiges Ende nahm in Tepsitz das Fußballwetispiel mit einer Präger Mannschaft, wobei Teplitz katastrophal(2: 11) geschlagen wurde. Nach dem Spiele richtete das Publikum Dro- Hungen gegen die Prager und den Schiedsrichter. Die Polizei mußte den Mann begleiten, wurde aber selbst tätlich angegriffen und be- schimpft und mußte blank ziehen, um sich der Demonstranten zu erwehren. Sehr schwierig war auch die Absohrt der Prager, da es nur mit Mühe gelang, den Bahnhof von der aufgeregten Volks- menge zu räumen. Auch das Auto der Prager war m i t Steinen bombardiert und beschädigt worden. Eisenbahnunglück in Rumänien. Auf dem Dahnhof von Con- tesci ist, nach einer Meldung aus Bukarest, ein Schnellzug mit einem anderen Zug zusammengestoßen. Fünf Person en wurden getötet, dreißig verletzt. Schwere Ueberschwemmungskalastrophe in Japan. Einer Meldung' aus Tokio zufolge ist die 120 000 Einwohner zählend« Stadt Hiro- shima im Südwesten von Nippon in der vergangenen Nacht von einem schweren Regensturm heimgesucht wordem 20000 Häuser wurden vollkommen überschwemmt. 30 Tote, 20 Äer- mundete und 30 Vermißte sind bisher gemeldet. Infolge der Ueber- schwemmung sind zahlreiche Erdrutsche und Brückeneinstürze zu ver- zeichnen. Die Stadt gleicht einem See. Sport. Drei» der ErirnNaff« aus der Olympia-Radreanbahu. Di« nächst«» Rennen aus der O l h m p i a- R a d r e n n b a b n. die am Sonntag, de» tS d. M. flatlfinden. versprechen wieder auf der ganzen Linie großen Sport. Die beiden Doucrrennen über 40 und S0 Km. haben mit unserem neue» Stehermeister Wittig, dem Matador der Olhmpiabahn Walter Sawail. dem wieder in großer Form befindlichen Er-Wcltmeisler S u t e r, dem Franzoicn P a r i l o t und dem beliebten Franz K r u p k a t eine ganz ausgezeichnete Besetzung gesunden, die Ipannende Kämpfe erwarten läßt. Nihrere Fliegerrennen für Amateure und Berufsfahrer vervoll« ständige« da» Programm. Dt« Rennen beginnen um 4 Uhr. 'Ich stelle mich Ihnen vor als,, SOMÄ die jüngere Schwester ■von SUNLICHT Ornneilich spnten erst heiss Jn lanzv armem Wasser auflösen USir bringen Ihnen ein hervorragendes Erzeugnis: SUMA, die neue Art Seife in Pulverform. Damit iß aus jahrelangen Forfdiungen ein vollkommenes Wafdimiitel hervorgegangen, das weiße wie bunte Sadien, fowie lVo//e gründlich reinigt und die W&fdie fdiont SUMA iß öbfolut retn; Wtr verwenden zu feiner HcrßcUung weder Soda and Wafferglas, nodt Chlor oder andere künflliche Bleidimitiel. SUMA madhi das Wo/dien leicht: kein Einfeifcn, kein Bürfien, kein Körper und Wafche zermürbendes hartes Reiben; der mild und natürlich reinigende SUMA-Schaum löfl alten Schmutz. SUMA wirkt im Kodike/fel Wunder; es macht Ihre Wafche fchneeweiß.- Ihren farbigen Sachen erhält es Schönheit und Frifche, Ihren Wollfachen zarte Weichheit. 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Vortrag: ..Alkohol und Nikotin".— Schönhauser Vorstadt I: Schule Driesener Etr. 22. Vortrag: ,.EAI. und Gewerkschaften".— Sasenheide: Badeanstalt Barwald» strafte«4. Vortrag:„Arbeiterjugend".— Südwest: Jugendheim Belle-Allianee- T Iah 1. Satirischer Abend:„Sie lmyerische Volksseele".— Südost(R. V.): Treffpunkt»um Abschluftadend der Iugendweiheteilnehmer nachmittags H45 Uhr vor dem Jugendheim Neichenberger Sit. 66.— Friedenau: Zur Werdebezirks- veranstaltung Treffpunkt läd Uhr Lauterplah.— Wilmer»dors: Jugendheim Kildegordstr. 4. Vortrog:„Sie deutsche Reichsverfaffung".— Neukölln I: Jugendheim Sonder-. Scke Kobrechtskaft«. Bortrag:..Zugend»n« Gewers. fchaj:".— Neukölln III: Schule Weise str. 19. Vortrag:„Was ist Kapitalismus?" — Neukölln V: Fugendhe.m Nogaistr. SS. Vortrag:„Sie internationale Ge- werlfchaftsbewegung".— Sermsdarf: Neue Bismarckstr. 42. Vortrag:„Sozialrs. mus— Kommunismus". Derbebezirksmilgliederversammlungea 8 Uhr: Thema:„Die Ledeukung der Gewerkschaften". W«?bebe»i>k Schöaeberg: Jugendheim Hauptstr. IS,„Slaloon che»ante". Ne. ferent Genosse Eottfurcht. W«rbeb»»Irk Teltowkaaal: stugCndhrim Martendorf, Alt« Schirl«, Sorsstr. 1. Referent Genoff« Walter Maschke. «erbebe»!'? Lichtenberg: Sie Genossin, die an, Versehen ein« Seck« der Serderg« in Zossen mitgenommen hat. wird gebeten, dieselbe umgehend im Sekretariat ab»uliefern. Gesthastliche Mitteilungen. Der Luna-Park erhebt am heutigen Srenstag lllr den Eintritt in den Park sowie filr Benuhun« seiner sönitliche» Attraktionen einen Eesamtprers von 1 M. und bietet lomit feinen Besuchern die auftergewöhnliche Möglichkeit, die«an»« Serie der beUebte» Fahr- und Schau-Attraktionen ohne Sonderau». gaben»u dtfuchen. Im Tagesprogramm steht neben einem sllnfstündigerr Kon»ett ein groftes Brillantfeuerwert, die Leuchtfontane fowie eine artistische Sensation ersten Ranges. Am Mittwoch wird der Eondertog nochmals wiedeiholt. „Ein praktischer Wegweiser", so präsentiert sich der neu« A-Upttatalog der Beitfederasadrik Eusta» Lustig in Berlin. Prinzenstraße, Turmerte Sebastian- strafte. Zum 40. Male bietet er der Frauenwelt in erschöpfender Auswahl sämtliche Bettartikrl dar. Zahlreiche groß« Abbildungen erhöhen den Wert dieses Angebotes. Fordern Sie daher den Iudiläumskatalog grarr» und franko. lvelterberichl der öffeallichrn DetlerdlenststeUe für Berlin.«Nachdr. verb.» Ziemlich kühl bei wechielnder Bewöllimss und frischen nordwelUichen Winden! noch einzelne leichte Regenschauer. Aör Deutschland: Veränderliches, lühleS und windiges Welter m:t Strichregen. raea'er uhr: Miß firne Kleines TU.«' Oiedeigeleseri aesläenz■ TBeat. 8'.'4 Uhr; Das goldeRe Kai U>fc l&rnende zumTfocIiea, örabenJacken. daibÜÜQerG, mmCoc&fät Umi Thalla-Thealer uhr: OarBIM Reeie: Berth. 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Verschiedene» Es wird erwartet, daft fich die In der Branche tätigen Kolleginnen und Kollegen resttos an der Veriammlung beteiligen. Oonnetslae, Arn 16. Srpirmber. nachmittags 5 Uhr. Im Saal 3 Ar» Gowrreichasls Hauses, Engelaser Branchenversammlung der Meloll- und Revolvridrrhei sowie Dreherinnen. Tagesordnung: 1..Wirtschaft»- Irise und die Arbeiterklasse". Reterent: Kollege Kahmana. 2. Diskusfion 8, Branchenangelegenheiten und Ber- schieden«». DieBersammtunq wird pllnktlich eröffnet. weit der Saat um 7 Uhr geräumt sein mutz Um rege Beteiligung wird ersucht W£eörnnfle.jaseDö-w lidje Albeiler v. liiDeiterlnopn Donarrsfafl, den 10. Sar'awbrt. nachmilfago st"; Ahr. In Eiar-id, Verelnshaas, SCaliher Stragc 126 und Zreilaa. Ata IT. Srplcmber, nach mllkags 4'', Uhr. Im Lakai„3um UlrxanAriner". SHcganAriaenslt.SZa Zwei Jugendversammlungei! des Bezirks 8a vom vmv. Tagesordnung: Der Znteraatlo- uale Sewerifchaslsbund und die Jagend. Iugendtichel Ericheint in dieser non der Lrganimtion einberufenen Verfamm- tung resttos. Keiner dars sehten DI« Ortsarrrnaltaag. Bettenoeekanf! Neue Betten 15.50, 19�0. ZZchOI Prachtvoll« 27,50. 80,-1 Holbdannen 39,50! Kinderbetten 8.73! Bettwäsche! Gardinen! Steppdecken! Delzwaren. alle, spottbMigl Keine Lombardwar«! Leihhau» Brunnen dr. 47. Federbetten verkauft billig Leihhau» Moritzplatz 58».» Möbel i. Möbel-Baebel. vronienstr. 58 lMoritz- platzl. Fabrikgebäude. Aeufterst niedrige Preise kllr einfache und elegant« Schlafzimmer. Speisezimmer. Herrenzrm- mer. Küchen, Bücherschränke. Schreib- tische. Büfetts, Anrichte», runde Tische. Standuhren, Ankleideschränke, alle Krö. ften, Sofas. Ruhebetten. Eventuell Zahlungserleichterung._____* Ehaiselongue«. Metallbetten. Äuflege- Matratzen, Patentmatratze». Walter. Stargarderstrafte achtzehn. Epezial- aelchaft.____» «nkleibeschrä-ke 75,—, mit Spiegel 105,—, Bettstellen, Waschtoiletten, Pol- stermäbel. Küchen. Zahlungserleichterung. 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Da diese Güteklassen noch heute gel- ten, ergaben sich im Verlauf der Zeit solche Ungerechtigkeiten, daß das Ergänzungssteuergesetz vom 14. Juli 1893 inso- fern regelnd eingreifen mußte, als der ursprünglich ermittelte Grund- steuereinertrag eine Verbindung mit der Steuer nach dem gemeinen Wert eingehen mußte. / In der Nachkriegszeit arbeitete man ergänzend mit dem Wehr- beitragswert und dem berichtigten Wehrbeitragswert. Durch die Novelle vom 28. Februar 1924 zum Gesetz über die Erhebung einer vorläufigen Steuer vom Grundvermögen ist nun dem preuß!- schen Staatsministerium die Verpflichtung auferlegt worden, „eine neue Berechnung des Wertes vom Grundvermögen in die Wege zu leiten und die Werte der einzelnen Boden- arien nach ihrer Ertragsfähigkeit unter Mitwir- kung der Landwirtschaftskammern feststellen zu lassen'. Die schon in Angriff genommenen Arbeiten wurden zunächst einmal gestört durch das zu gleicher Zeit vorbereitete Reichs- bewertungsgefetz, das sich ebenfalls mit der Materie be- schäftigte und sogenannte E i n h e i t s w e r t e für die Vermögens- bcsteucrung durch das Reich, die Länder und die Gemeinden um- schrieben hat. Es war abzuwarten, ob dieses Reichsgesetz die Dis- Positionen des erwähnten preußischen Gesetzes nicht ändern würde. Ein« Aenderung ist denn auch insofern eingetreten, als mit dem vor- geschriebenen Einheitswert sich eine„neue Berechnung des Werte» vom Vermögen' durch die Landesgesetzgebung erübrigt hat. Da- gegen ist der Auftrag verblieben,„die Werte der einzelnen Boden- orten nach ihrer Ertragsfähigkeit feststellen zu lassen". Diesem Zwecke soll nun ein jetzt dem Preußischen Landtage zugeleitete„Entwurf eines Gesetze» über die Nachprüfung und Berichtigung der auf Grund de» Gesetzes, betreffend die anderweite Regelung der Grundsteuer, vom 21. Mai 1861, erfolgten Einschätzung der Liegenschaften' dienen. Aber auch dieser Gesetzentwurf war inhaltlich so zu ge- stalten, daß seine Bestimmungen die Absichten de» Reichsbcwertung»- gesetzes nicht irgendwie durchkreuzten, sie vielmehr nach Möglichkeit unterstützen. Prüft man die Vorlage in dieser Hinsicht, so wird man erkennen, daß auf diese Punkte vollauf Bedacht genommen worden ist: daß die Vorlage aber auch ohne das Reichsbewertung-- gefetz denselben Inhalt hätte bieten können. Das Reichsbewertungsgesetz bezweckt für die Be- steuerung landwirtschaftlicher Vermögen die Inanspruchnahme aller Vermögensbestände de« Betriebes. Das vorgelegte p r« u ß I- s ch e Gesetz jedoch hat es n u r mit dem Vermögensobjekt Boden zu tun. Also mtt einem Teil des landwirtschaftlichen Vermögens, allerdings dem Hauptteil. Und das ist zugleich sein Vorzug. Denn es steht noch völlig dahin, ob der durch das Reichsbewertungs- gefetz vorgeschriebene Einheitswert auf lange Zeit brauchbar sein wird: ob man nicht vielmehr über kurz oder lang dazu übergehen muß. die Besteuerung des landwirtschaftlichen Betriebsvermögens in der Weife zweckmäßiger zu gestalten, daß man das ganze auf die Landwirtschaft entfallende Vermögens steuersoll ausschließ- lich auf die insgesamt vorhandenen landwirtschaftlichen Bodenwerte verteilt. Gegenwärtig sollen die ins Werk zu fetzenden Bestimmungen des geplanten preußischen Gesetzes dazu dienen, die Deranlagungs- maßnahmen des Reichsbewertungsgesetzes zu unterstützen. Später können sie geeignet fein, die wünschenswerte Grundlage für eine reine Bodenbesteuerung herzugeben. Im großen ganzen ist alfo die Vorlage zu billigen und zu be- grüßen. Im einzelnen wird man Einwendungen erheben können. Der Gesetzentwurs will an den durch das Gesetz vom Jahre 1861 geschaffenen Grundlagen nichts ändern. Die Bodenbewerlung der sechziger Jahre soll, wo m Kulturart und Kulturzustand w e s e n t- lich« Aenderungen nicht«ingetreten sind, weiter bestehen bleiben. Im übrigen sind Berichtigungen der Klassifikation vorzunehmen, und zwar nach dem früheren Tarif. Danach werden die Flächen eingeteilt in Ackerland. Gärten, Wiesen, Weiden, Holzungen, Wasser st ücke. Oedland und Unland. Für jede Flächenart können in den einzelnen Ver- anlagungsbezirken bis zu acht Bonitätsklasien gebildet, werden. Für jede Parzelle wird in das Grundsteuerkatastcr der Grundsteuer. rein ertrag eingetragen. „Als Reinertrag ist anzusehen der nach Abzug der Bewirt- schaftungskosten vom Rohertrag verbleibende Ueberschuß. welcher von den nutzbaren Liegenschaften nachhaltig erzielt werden kann.' Der damit umschriebene Begriff de» Rein- ertrage» wird sich also im ollgemeinen mit dem decken, was man sonst auch mit Bodenrente(oder Grundrente) bezeichnet. Vergegenwärtigt man sich diesen Umstand, dann wird man sogleich daraus gestoßen, daß die Boden- rente nicht immer gleich bleibt. Darum ist zu billigen, daß nach einer Mittellinie gesucht wird, die für einen längeren Zeitraum die ge- schätzte Höhe dieser Rente anzeigt. Schon bei den früheren Schätzungen wurde nicht etwa nur die Bodengüte an sich als ausreichend angesehen, sondern man zog auch die durchschnittlichen Kauf- und Pachtpreise von Grund- stücken mit in Betracht, und zwar diejenigen der letzten zehn Jahre vor der Boniticrung. Die demnächst vorzunehmenden Bericht!- gungen können nun erklärlicherweise mit den Kauf- und Pachtpreisen seit 1915 überhaupt nicht rechnen: es läßt sich auch« nicht voraus- sehen, wann hier wieder ein Zustand eintreten mag, der in früherem Sinne als normal und als verhältnismäßig stabil anzusprechen wäre. Ob es aber zu vertreten ist, für den Zeitraum der nächsten 15 Jahre. wie die Vorlage das will, die Durchschnittskauf- und-pachtpreise der Jahre 1895 bis 1906 zu verwenden, das ist eine sehr be- denkliche Frage. Denn bekanntlich hatten in jenem Zeitraum die Kaufpreise für landwirtschaftliche Grundstück« einen ganz besonderen Tiefstand. Di« Kauf- und Pachtpreise für die Bo-nitierung mit zu ver- wenden, hat schon an und für sich starke Bedenken. Man braucht sich bloß vorstellen, daß erfahrungsgemäß der Preis von Boden- flächen ein um so höherer ist, je kleinere Betriebe damit verbunden sind. Die Differenz beträgt zuweilen das Vier- bis Neunfache. Nimmt man nun an, daß der wirk- liche Ertragswsrt etwa mit den Kauf- und Pachtpreisen der Mittel- betriebe ausgedrückt wird, dann geraten die Kleinbetriebe in Gefahr, daß ibr Boden z u h o ch bewertet wird, während die Großbauern- und Gutsbesitzerbetriebe mit ihren Bodenwerten zu niedrig ein- geschätzt werden. Zu überlegen wird auch sein, ob e» nicht geboten wäre, die Zahl der Bonitätsklassen zu erhöhen oder inner- halb der einzelnen Klasse wenigstens Unterstufungen zuzulasien oder vorzuschreiben. Der landwirtschaftliche Fruchtbau ist heute ja erhev- lich komplizierter, als er vor sechzig Iahren war. Demgemäß ver- langen die verschiedenen Bodeneigenschaften eine entsprechend feinere Beurteilung. In Anbetracht des vielfachen Auf und Ab der erzlelbaren Bodenrente dürfte es am Ende zweckmäßiger sein, die Rein- e r t r a g s z a h l e n ganz fallen zu laffen und dafür durchschnittliche Rohertragszahlen einzustellen. Dann würde man es tn die Hand bekommen, die Grundsteuer von Jahr zu Jahr der Höhe der Bodenrente anzugleichen. Verwaltungs- mäßig mag das umständlicher sein: der Kostenvoranschlag für den Staatshaushalt wird dann gewiß auch öfter nicht mit den wirk- lichen Ergebnisien übereinstimmen. Die Wirtschaft jedoch könnte dabei viel besser fahren, weil die Steuer- leistung der Steuerkrast besser angepaßt sein würde. Es gibt bedeutende Fachmänner, die von einer Bodenbewer- tung für Steuerzwecke sehr wenig oder gar nichts halten. Sie meinen, es sei nicht bloß einfacher und billiger, sondern auch viel verläßlicher, wenn(ebenso wie beim städtischen Boden bzw. bei Boden, der Bau- und Gewerbezwecken dient) der g e m e.i n e Wert als Grundlag« verwendet wird. Man kann zugeben, daß dies be- dingungsweise zutrifft. Als Bedingung würde nämlich zu stellen fein: die vorherige Ausbalancierung der Kauf- und Pacht- unterschiedspreise zwischen Groß-, Mittel-, Klein- und Kleinftbesltz. Geschähe das nicht(bisher ist da» nämlich nicht geschehen), dann käme solch« Einschätzung und Veranlagung nur dem G r o ß b e s i tz zugute, während der Klein- und Kleinstbesitz das Weniger des Grohbesitzes mtt aufgeladen erhält. Einerlei nun, wie man sich grundlätzsich zu der Frage verhält, ob Steuerveranlagung nach Ertrags- oder noch gemeinem Wert: Dis auf weiteres muß man sich jedenfalls mtt dem Ertragsweit abfinden, weil dieser durch das Reichsbewertungs- gefetz vorgeschrieben ist. Es kann also nur darauf ankommen. die be st möglich st e Einschätzung ausfindig zu machen, und zwar auch für die einstweilige Betriebswertveranlagung. Sie wird für die Beteiligten um so erttäglicher werden und sich um so ge- rechter auswirken können, je gewistenhafter die Bodenbewertung ersolgt, die die Unterlage dazu hergibt. Später wird man meine« Erachtens zwingend dahin gedrängt werden, die Betriebsbesteuerung zugunsten einer reinen Bodenbesteuerung aufzugeben. Nicht bloß in Preußen, sondern auch in den anderen Ländern der deutschen Republik. Otto Albrecht. 114 Monaten ihre Werke Ramersdorf sowie die von ihr erworbenen Romvlerwerte in Augsburg an die Bayerischen Flugzeugwerke A.-G. in Augsburg veräußert hat. Don dieser letzteren Gesellschaft hat da» Reich die Aktienmajorität. Der Roman öer Riebeck-Nlontanwerke. Zum Geschäftsbericht tS2S/2ö. Wenn die A. Riebecksche Montagwerke A.-G. in Halle ihre Geschichte der letzten Jahre schriebe, es würde ein Jndustrieroryan von selten spannender Gewalt. Aus den Höhepunkten der Inslation der Angriffspunkt des alten Hugo Stinnes, der über die Riebeckfchen Oelhandelsgesellschaften(Api-Olea) und seine Hamburger Abteilung für Seeschiffahrt und Ueberjeehandel seine Pläne auf die Schaffung einer großen eigenen Oelindustrie in Ar- g e n t i n i e n richtete, ist die Riebecksche Montan A.-G. heute der Angelpunkt einer neuen gewaltigen Weltkombination geworden. Die Aktienpakete von Stinnes sind in die Hände des C h e m i e t r u st s gewandert und die zur Deutschen Gasolin A.-G., Berlin um- firmierte Hugo Stinnes-Riebeck Oel-A.-G., Berlin(vereinigte Api und Olea) stellt die Verbindung des Deutschen Chemietrusts zu Standard Oil und Royal Shell her, den größten Oelproduzenten der Welt. Dazwischen aber liegt das Praktischwerden der größten technischen Revolution der letzten Jahre, der synthetischen Oel- gewinnung au» der Kohle. Es ist ein einfacher Personenwechsel im Aufsichtsrat, der im Gefchäftsbericht für 1925/26 der Riebeck-Montan Zeuge dieser epochalen Umwälzung ist, ein Personenwechsel allerdings, der ohne Beispiel ist in der Wucht der Machtverschicbungen und technischen Neuschichtung der Industrie die hinter den Personen steht. Die demnächst erfolgende Beschlußfassung der Riebeck-Aktionäre über den Jnteressengemeinschaftsoertrag mit der I. G. Farben- industrie, der Riebeck bekanntlich sechs Zehntel der Chemietrust- dividende garantiert und ab 1930 den Umtausch der Riebeck- in Farbenaktien vorsieht, wird nur der formale Abschluß des großen Geschehens sein. Der Geschäftsbericht selbst ist ebenso sachlich und nüchtern wie der früherer Jahre, denn weder im Werksausbau, noch im Vorstand der Gesellschaft brachte da» letzte Jahr größer« Der- änderungen. Trotz der allgemeinen Wirtschaftskrise wird der Ge- schäftsverlaus als einigermaßen befriedigend bezeichnet. Brikett» und Grudekoks fanden guten Absatz. Nur der Absatz an Rohbraunkohle und in der letzten Zeit der Absatz der chemischen Erzeugnisse blieben etwa» zurück. Die Produktionsziffern lassen allerding» keinen Rückgang erkennen: im Gegenteil: 1926/26 1924-25 1928/24 Kohlenförderung. 6.68 Mill. Ton. 6,66 Mill.Ton. 6,69 Mill.T. Brikettherstellung. 1,53„, 1,62,, 1,87,, Naßpreßstein«.. 68,100 Tonnen 64,400 Tonnen 62,200 Tonn. Nach der Gewinn- und Verlustrechnung, die übrigens keinerlei Kostenrechnung bringt, sondern neben Reinuberschüssen nur die Ab- schreibungen ausweist, sind die Gewinne noch stärker ge- stiegen als die Produktionsziffern. Die Reinüberschüsse sind von 4,13 auf 4.93 Mill., die Abschreibungen von 2,6 auf 2,40 Mil. er- höht. Der Reingewinn ist gegen das Vorjahr von 1,72 auf 2,88 Millionen g e ft i e a e n. Die Einwände der Gesellschaft gegen die Lohn- und Soziallastensteigerung, die das letzte Jahr nach dem Geschäftsbericht gebracht habe, sind also au» der Entwicklung der gestiea Soziallast Gewinnziffern nich zentigen Dividende Angelegenheit, da i tensteigerung, die das letzte Jahr nach dem icht gerechtfertigt. Die Ankündigung einer 4pr»- de(1924/25 keine Dividende) ist nur eine formal« Ingelegenheit, da den Aktionären schon für dieses Jahr nach dem Vertrag mit dem Chemietrust auf die 50 Mill. Aktienkapital 6 P r o z. Dividende zustehen. Die Bilanz zeigt keine auffallenden Veränderungen. Es scheinen nicht unbeträchtliche Neuaufwendungen für Anlagen erfolgt zu sein, über deren Finanzierung aus der Bilanz keine Schlüsse zu ziehen sind. Jedenfalls geht es der Gesellschaft finanziell sehr gut. Die Forderungen(11,71 Mill.) und die Lagerbestände(3,35 Mill.) sind gegen das Vorjahr erhöht. Die laufenden Verpflichtungen sind von 8,56 auf 7,18 Mill. zurückgegangen. Die Bilanz ist so günstig, daß sogar die im Vorjahr gebildete Sonderreserve von 1 Million Mark verschwiegen werden kann: sie ist in der Bilanz überhaupt nicht aufgeführt. ftrfte Ergebnisse öer öerufszählung. Die Zeitschrift»Wirtschaft und Statistik' veröffentlicht soeben die ersten Ergebnisse der Berufszählung vom 16. Juni 1925. Zwar lasten sich au» den bisher vorliegenden Zahlen nicht allzuviel Schlüsse ziehen, da bisher exst die Zahlenangaben für Bayern, Hamburg, Oldenburg, Anhalt, Lübeck, Mecklenburg-Strelitz und Schaumburg-Lippe durchgerechnet und mit den früheren Ergeb- nisten verglichen sind. Abgesehen von Bayern sind es also durchweg kleinere Staatsgebiete, bei denen übrigens der agrarische Charakter stark vorwiegt, wenn man von Hamburg und Lübeck absieht. Trotzdem zeigt sich schon in diesen Zahlen, daß der Anteil der Erwerbstätigen in der Gesamtbevölkerung gegenüber der letzten Zählung von 1907 beträchtlich gestiegen ist, so zum Beispiel in Bayern von 51,7 aus 53,7 Proz., in Hamburg von 46,2 Proz. auf 50,9 Proz., in Oldenburg von 42,0 auf 51,6 Proz., in Anhalt von 40,4 auf 46,8 Proz., in Lübeck von 43,5 auf 47,4 Proz., in Mecklenburg-Strelitz von 43,2 auf 48,4 Proz. und in Schaumburg- Lippe von 41,6 auf 48,8 Proz. Ebenso hat die Zahl der erwerbs- tätigen Frauen zugenommen. Im übrigen ist die Steigeruna IST DIE o Orion! UND DOCH HUR Eine Zi von Rang Schon probiorl? fiie SnwcfeSBfateB auB«d» Folge 5» rf rfr« u« der Bevölkerung: infolge de» Seburtenousfall» der Zkrieg»- und Tkachkriegszeit stehen heute von der Gefamtbevölkerung Verhältnis- mäßig viel mehr Menschen in dem Alter, in dem mon berufstätig M fein pflegt, lteberall fft die Zahl der A n g e ft e l l t e n stark ge- wachsen..Auch die Zahl der Arbeiter und der mithelfenden Familie»- angehörigen dürfte nach den vorliegenden Ergebnissen allgemein ge- stiegen sein. Dagegen ist die Zahl der Hausangestellten überoll mit Ausnahme von Oldenburg zurückgegangen. Die sür die einzelnen Ländcrgebiete durchgeführten Vergleiche der sozialen Gliederung lassen vorläufig noch wenige Schlüsse auf da» Gesamtreich zu. haben also mehr örtliches Interesse. Bemerkens- wert ist ober, daß der Anteil derland- und sor st Wirtschaft- lich Berufstätigen an der Gesamtzahl der Erwerbstätigen überall, mit Ausnahme von Oldenburg und Mecklenburg, also auch in Boyern, zurückgegangen ist. Die Tendenz zur Industrialisterung bolt also an. Auffallend ist, daß der Handel und Berkehr in allen Ländern ein starke« Wachstum zeigt, und zwar hat hier sowohl die �ahl der selbständigen Existenzen— wahrscheinlich infolge der Zu- nähme de,' Handelsbetriebe— als auch die Zahl der Ängeftelltsn sich wesentlich vermehrt. Aus den genannten Gebieten liegen ferner wichtige Ergebnisse über die landwirtschaftlich« Betriebszählung vor, wobei besonders in die Augen springt, daß die Zahl der Parzellen- l betriebe mit einem Grundbesitz unter zwei Hektar sich wesentlich! vermehrt hat. Das liegt vor allem an der Zunahme der! Kleingärten, die diesmal von der Statistik vollstöndia erfaßt> wurden im Gegensatz zu früher. Für die Beurteilung der landwirt- schostlichen Produktionsverhältnisie ist ein Schluß wichtig, den dos «tatistischc Reichsamt auf Grund der vorliegenden Teilerqebnisie ausspricht: Gegenüber der Borkriegszeit find die Großbetriebe in stärkerem Ausmaß zum Anbau von Handelsgewächlen wie Oelfrüchten und Gemüse in feldmäßiger Kultur übergegangen. Dos ist eine intensive Form der Bewirtschaftung. Wenn also die Großagrarier heut« noch immer über angeblich unzulängliche Getreidepreise klagen, wird man auf Grund der landwirtschaftlichen Betriebszählung, wenn erst alle Resultate vorliegen, die Frage auf- werfen müssen, ob und inwieweit etwaige Ausfälle in den anderen Fruchtarten durch diesen intensiveren Anbau von Handelsgewöchsen wettgemacht werden. Die Ergebnisse der gewerblichen B e tr i e b» z ä h lu n g aus den genannten Ländern eignen sich vorerst zu einer Darstellung nach nicht, da Bergleiche mit der letzten Zählung vorläufig schwer zu ziehen sind„ich die eigentlichen großinduftriellen Gebiete bisher nicht berücksichtigt werden konnten. Wir werden auf diesen Teil der Statistik, wenn weitere Ergebnisse vorliegen, zurückkommen. Verlagsgesellschaft denkscher Konsumvereine. Der Bericht der Bersagsgesellschaft deutscher Konsumverein« für das zweite Viertel- lohr lS2K stellt einen Gesamtumsatz von 2 2Sl 655 Mk. fest, gegen l«7» 245 Mk. im zweiten Bierteljahr 1325. Am Gesamt- vierteljohrsumsatz 1326 war die Druckerei- und Papierwarensabrik meÖr)' das Versicherungswesen mit Mill., die Abschreibungen mit 0,26 (OM) Mill., der Reingewinn mit OVO(1,43) Mill. Mark. Die Bilanz bleibt nach wie vor sehr flüssig, wenn auch in diesem Jahre ähnliche Rückstellungen wie im Borjahr(.530 000 Mk.) nicht möglich sind. Die Abschreibungen auf Maschinen, Inventar, Licht-, Kraft- und Wosseranlagen sind mit IS— ZZzj Proz. wieder sehr beträchtlich. Die Woreyläger sind mit 3,80(2,37, Mill. M..vorsichtig' bewertet. Jedenfalls blieb die Lage der Dresdener Gardinen- und Spitzen- Manufaktur A.-G. trotz der Krise ein« sehr zünftige. Polen und die ehemal» deutschen Slickstoffwerke Chorzow. Die Stickstoffwerke Chorzow waren bekanntlich Gegenstand eines inter- nationalen Rechtsstreites, der jetzt durch das Haaaer Schiedsgericht entschieden wurde. Dieses bei Beuthen in Oberschlesien gelegene Kolkstickstoffwert gehörte dem Reiche, gelangte dann bei der Ab- trennung Ostoberschlesiens unter polnische Gebietshoheit, wurde von Polen enteignet, bis dies« Enteignung von Deusschland angefochten wurde. Das Haager Schiedsgericht hat dann das Vorgchen Polens für unberechtigt erklärt. Die Wichtigkeit dieses Wertes für die Stickstofsproduktion geht aus dem Jahresbericht für das Jahr 1325 hervor. Das Jahr 1325 brachte für die Stickstoffwerke in Ehorzow eine erhebliche Zunahme der Produktion. Die Erzeugung betrug: 1925 1924 Stickstoffdünger....... 84 738 Tonnen 61 026 Tonnen Karbid.......... 70 600, 44 462, Verarbeitung von Stickstoffdünger 11 960, 44 462 Salpetersäure....... 4 622, 1 147 Natronsalpeter....... 2 718, 122 Ammonsalpeter....... 1702, 2 718 Der Reingewinn sür den Staat betrügt 3,15 Millionen Zloty. Die Arbeiterzahl belies sich auf 1837 und in den neuen An- lagen auf 290. Die von Deutschland geforderte Entschädigung hat Polen bisher oerweigert. Die DeZirksfrauenkonftrenz. Frauen und Erwerbslosigkeit. Als Auftakt zur Winterarbeit hatte der Berliner Bezirksfrouen- ausschuß im Einverständnis mit dem Bezirksvorstand am Sonntag die Funktionärinnen zu einer Konferenz nach dem ehemaligen Herrenhaus berufen. Genosse Dr. Broeker sprach als Hauptreferent über»Das Pro- blem der Arbeitslosigkeit". Nach ausführlichen Darlegungen über Umfang und Ursachen der Mossenerwerbslosigkeit von heute ging Genosse Broeker über zur Erörterung der Mittel ihrer Bekämpfung. Partei und Gewerkschaft setzten sich übereinstimmend und gemeinsam ein für Einführung einer Arbeitslosenversicherung, um an die Stelle der jetzigen Fürsorgeunterstützung. verbunden' mit der Bedürstigkeitsprüfung, einen klaren Rechtsanspruch aus Unterstützung zu setzen, dessen Höh« zu bemessen sei nach der Leistung des gezahlten Beitrags, also nach Lohnklassen. Eine Zwischensrage sofort beantwortend, ging Genosse Broeker ausführlich ein aus die Schwierigkeit der Beschaffung von Notstandsarbeiten für erwerbslose Angestellte und sür Frauen. Hier Mittel und Wege zur Abhilfe zu finden, sei ein bis jetzt noch nicht gelöstes Problem. Wenn in den Jahren 1930 bis 1934 der Geburtenausfall der K r i e g s j a h r e sich in der auf die Hälfte der sonst üblichen Zahl zur Schulentlassung kommenden Jugendlichen auswirke, dann werde eine Entlastung des Arbeitsmarktes eintreten. Auch die gesetzliche Festlegung des Achtstundentages wie die Hebung der Kaufkraft der Bevölkerung durch bessere Löhne, aber insbesondere die Soli- darität aller Arbeitenden im Kamps um besser? Lohn- und Arbeitsbedingungen durch ihre Sammlung in starken gewerkschaftlichen und politischen Organisationen werden Helsen können, die Arbcitskrise mit der Zeit zu überwinden. Reicher Beifall dankte dem Redner sür seinen außerordentlich instruktiven Vortrag. Von den folgenden Diskussions rädne- rinnen wurde das Erwerbslosenproblem von den verschiedensten Seiten beleuchtet. Genossin Dohm- Schach berichtete ausführlich von der Tätigkeit der Reichstagsfraktion auf diesem Gebiet, die bei den Werktätigen selbst leider nicht immer Berständnis und Unterstützung gesunden habe, daß insbesondere viele Frauen, statt ihre Männer im Widerstand gegen Durchbrechung des Achtstundentages zu stützen. sie direkt verleiteten, dies zu tun. Immerhin konnte Genossin Schuch von einigen Erfolgen be- richten, wie z. B. die Erhöhung der Unterstützungssätze, die Wieder- einführung der Unterstützung für Kurzarbeiter und vor allen Dingen von der Gleichstellung der erwerbslosen Arbeiterin mit ihren männ- lichen Kollegen. Ausführlich behandelte Genossin Schuch das Problem der erwerbslosen Jugendlichen. sür die zwar Roturaloersorgung gegen Ableistung einer bestimmten Fortbildungsschulpflicht erreicht sei, deren Entwicklung, Erziehung zu produktiver Arbeitsleistung, Berufsausbildung, Heranbildung zu Oualitötsarbeitern noch unendliche Mittel und ernstes Wollen er- fordern. Düsseldorf und Berlin haben bereits vorbildlich in dieser Richtung gewirkt, doch bleibe das meiste noch zu tun. Dazu gehör« vor allen Dingen völliges Verbot jeglicher Kinderarbeit. Genossin Tode n Hägen behandelte die Leistungen der Gemeinde versty auf dem Gebiet der Erwerbslosenfürsorge, die ihre Grenzen in den Mitteln der Gemeinden fänden. Genossin weyl spricht in der Hauptsache von der neu einsetzen- den Unterernährung der Kinder und Jugendlichen und der Unmöglichkeit ihrer Landverschickung wegen Mangel an Mitteln. Die folgenden Rednerinncn hanna, kühn, Schenkalowski, Henri- quez gehen auf Einzelwirkungen der Erwerbslosennot ein. Ge. nossin Scheibenhuber folgert die politische Abhängigkeit aus der jetzigen Unterstützungsform. Noch einem kurzen Schlußwort des Referenten wurde noch- stehende Resolution einstimmig angenommen: „Die am 12. September 1326 im ehemaligen Herrenhaus tagende Bezirkssrauenkonserenz der sozialdemokratischen Frauen Berlins fordert vom Reich, Staat und Ge- meinden ein« energische Durchführung des Programms für die Not- standsarbeiten unter restloser Jnnehaltung der für den Ar- beitsmarkt geltenden Tarisbestimmungen. Sie weift die Reichsregierung darauf hin. daß Berlin mit 7V Proz. Erwerbslosen den Reichsdurchschnitt weit übersteigt. Die Konserenz erwartet, daß dieser Hinweis die Reichsregierung dazu veranlassen wird, Berlin bei der Zuteilung von Notstandsarbeiten aus Reichsmitteln entsprechend zu berücksichtigen. Die Frauenkonserenz fordert serner Regierung und Reichstag auf, in dem vorliegenden Gesetzentwurf über die Arbeitslosen- Versicherung'!, eine gerechte Bemessung der Unterstützungssätze, 2. an Stelle der Bedürstigkeitsprüfung einen klaren Rechts- a n s p r u ch und 3. eine gerechte Regelung der Kurzarbeiter- Unterstützungen zu sichern." Sodann erstattete Genossin Dlichaeli» einen in Rücksicht auf die vorgerückte Stunde nur kurzen Bericht über den Frauen- kursus in Friedrichroda. Zum Schluß sprach Genossin Todenhagea über unsere winlerarbeil. die mit der Gewerkschastswerbewoche eingeleitet, in der Partei- werbewoche im Oktober ihre Fortsetzung und in der regsten Mitarbeit der Genossinnen in Partei und Gewerkschaft ihre Aus- Wirkung finden müsse. Genossin Wurm richtete zum Schluß die Mahnung an die Ge- nossinnen, den Sozialismus im Kopfe und im Herzen zu trogen, von unten auf zu kämpfen um Ausstieg wie um Macht, Klassen- solidarität zu üben, ob Mann ob Weib, auch über die Grenzen hinweg. Den engli'schen Bergarbeitern in ihrem schwe- ren Kamps wünsch« sie namens der Konferen,; vollen und baldigen Erfolg. Dann erhoben sich die Genossinnen, und feierlich klang die Internationale durch den Saal als Abschluß dieses reichen Tages. Am Sonntag mittag brachte„Die Stunde der Lebenden" Kompositionen von Tiessen, Iarnach und Strawinski. Adolf Weiß- mann betonte in seiner Einführungsrede, daß die vornehmste Ausgabe des Rundfunks darin bestehe, unbekannten Talenten den Weg zu ebnen. Unbekannt sind nun die drei Komponisten nicht mehr, am wenigsten der Russe Strawinski mit seiner„Geschichte vom Soldaten". Packend vor allem Iarnach. Wilhelm G u t t- mann sang seine Lieder mit schöner, gesättigter Stimme. Ueber „Die Wunder des amerikanischen Alltags" sprach nachmittags Dr. Manfred Georg. Es war vielleicht einer der besten Vorträge, die in letzter Zeit vor dem Mikrophon gehalten wurden. In ein- fachen, klaren Worten umriß Georg dos Leben des amerikanischen Menschen. Vor allem sprach er sprühend und fesselnd. Danach cnd- lich ein„Bunter Abend" von Niveau. Zuerst rezitierte Adele P r ö c s l e r spielend und leicht zwei Märchen des dänischen Schrift- stellers Evald, dann sang Adolf D i m a n o italienische und fran- zösische Arien, Reißer, die nie ihre Wirkung verfehlen, wie die Kawotine des Faust oder die Arie Caninos. Ein kräftiger, in der Mittellage schön klingender Tenor, der in der Höhe aber gepreßt wird. Und dann fehlt Dimano die Meisterschaft iu der Kantilene, die Phrase wird manchmal zerrissen, störend besonders in der Arie Rudolfs aus der„Boheme", überhaupt ist die Stimme für den Belcanto zu wenig schmiegsam. Neben ihm die Sopranisten A l e x a n d r o w o, die in' der großen Latme-Arie des Delibes geschliffene Koloraturen sang. Alle überragend aber Prof. Hein- rich G r L n s e l d mit seinem herrlichen Cellovortrag kleinerer Dinge von Tschaikowsky, Dawidofs, Nordini und Godard. Am Montag abend die Uebertrogung des..Ritter Blau- b a r t" von R e z n i c e k aus der Staatsoper. Man denke an das zweite Bild: Blaubart vor den Särgen seiner Frauen. Geige spielend, den Köpfen zärtliche Worte zuflüsternd. An der Seite steht der blinde Diener Josua, zitternd und nichts begreifend. Ein Bild, das durch seine Grauenhaftigkeit erschüttert, die Musik untermalt die Bühnenvorgänge. Oder: Judith stürzt aus dem Hause, sie hat das Geheimnis Blaubarts gesehen, die Musik illustriert ihr Hasten durch ein wildes Krefzendo, und dann Blaubart nach dem Mord an Judith, er wälzt sich stöhnend auf der Erde Die Oper hat keine Arien, der Hauptakzent liegt auf dem Orchester, das aber erst durch die Bühnenvorgäng« die letzte Deutung erfährt. Man muß den „Ritter Blaubart" sehen. Gut. mon kann diese Uebertrogung als ein Experiment des Rundfunks gelten lassen, wenn auch die Frage berechtigt ist, welchen Zweck hat denn dieses Experiment? Allmäh. lich könnte der Rundfunk wissen, welche Opern sich für die lieber- tragung eignen, vor ollem doch solche, deren Musik auch für sich ohne Bühnenbild wirkt, Opern mit einem Minimum an Handlung und vielen Arien. Bielleicht wollte auch der Rundfunk seine Hörer mit Reznicek nur bekannt machen, aber die Uebertrogung vermittelt kein Bild von dem Wert, von seiner stürmischen, gewaltsamen Handlung, entstellt dos Bild de? Komponisten, der n'.ie in den Orchesterzwischenspielen voll zu seinem Recht kommt. Das Rundfunkprogsrarnrn. Dienstag, den 14. September. AtiDer 19' September 102Ö soll die Bundesschule rhrer Bestimmung übergeben werden. Ein langgehegter Wunsch wird zur Wirklichkeit. Unter vielen Mühen und harter Arbeit ist da» Werk entstanden, da» nun der Arbeit Preis ist. In schlichter, erhebender Feier soll die ofstzi.lle Einweihung am Sonnabend, •Vr September, vor sich gehen. Am Sonntag werden Tausend« m Leipzig sein, um ihr Wert zu sehen. Aber fern der feierlichen Statte werden hunderttausende In örtlichen Veranstaltungen die Bedeutung des Tage» würdigen. Au» allen Gegenden Deutschlands werden, verbunden mit den Läufern des im sriedlichen Wettstreit mit uns stehenden Auelande», einer großen Gemeinschaft gleich, d.« Laufer durck Stadt und Land, bei Tag und Nacht eilen, um die Gruße nach veiozig zu bringen. Nicht jeder Ort, nicht jede Stadt kann von dem Laufen berührt werden, aber allerort», wo Arbeiter- turner und Sportler sich vereint haben, soll die Freud- an der Groß- tat oerlautbart werden. Um würdigen Ernst, gepaart mit Kampfe». mut und Siegeezuoersicht. sollen die Bundesgenossen sich zusammen. finden, um Zeugnis abzulegen von dem Geist, der sie beseelt. Die Dollendung de» Baue» bedeutet noch nicht den Sieg der Arbeiter si» f V. 1,»*X /*_'Fi.______., Ort die Verhältnisse besonders ungünstig für den Arbeitersport liegen schließlich mit vollem Recht von einem starken und unbestrittenen Erfolg des Arbeitersportes gesprochen werden kann. turn- und Sportbewegung. Er ist nur eine Etappe auf dem Wege Schulung, aus dem Wege zur Sammlung aller Kräfte. tl� m t« A« � 2 ijt A:_._«*___ V<**_a___< r n r der eigenen.—--»>» gu.«u»»»«-»« aurr ntajie. Aber doch ist«» bereit» eine glänzende Beweisführung Totkraft, die In unserer Organisation steckt. Noch keine bürgerliche Turn- und Sportorganisation hat trotz weitestgehender Unterstützung aller In Frage kommenden Instanzen und Behörden etwas Aehnliches au» e i a e n e r K r a f t geschaffen. Noch Größere» zu schassen und noch Bedeutsamere» zu leisten wären wir in der Lage, wenn erst olle Arbeitsbrüder und-schwestern den Ernst der begnfstn und den Weg zu unserer Organisation gefunden hatten. Aber auch dieser bedauerliche Mangel soll und darf un, nicht klein sehen. Im Gegenteil, mit heiligem Ernst soll un» alle der Tag der Biinde-schuleinweihung beseelen. An diesem Tage wollen wir auf» n»ue geloben ,u kämpfen sür unser- Idee, für den großen Gedanken der Menschlichkeit._ Arbeikersporllerfest in Wannsee. ..De/ Wannseer Arbeitersport hatte Glück, denn er hatte sich«inen der schönsten Sonntage de» Jahre, au»gtsucht. Der Sportbetrieb de- " it fanden nn bereit« am frühen Morgen um Ü9 Uhr. Um diese Vierkämpf« der Männer und Dreikämpfe der Frauen und der Jugend süüt. Nachmittag» punkt Uhr setzt« sich der Zug der Sportler vom Reichsadler au» in Bewegung, voran«in« stattlich« Anza'----- tätiradfahrer, gefolat von etwa vereinen mit ihren Bannern und Fah schlagenheit und fast krankhast« Deir zeigt« sich soalelch auch hier. Denn trotzd den Roten Frontkämpfern und— äußerst defremden , Solidari- rbeitersport- 14 verschiedenen________ Ir... .....„«ihnen. Die Hinterhältigkeit. Der- schlagenheit und fast krankhaft« Demonstriersucht der Kommunisten scJl«lch.auch. hier. Denn trojjdem dl« vportpiatzkommisflon «itzmnachen________ m dem Festzug« unmittelbar an. DI« paar Reichsbanner den Aufmarsch sich Rot Front tro ht der Kommunist«! Sportplatzkommilsioi . emdend— auch dem verboten hatte, schloß .....-u------»... y«,.g�. A...,»tt«lbar an. Dl« paar Männer mit ihren Knäblein hatten sich nämlich in aller.Heimlichkeit abs«It» aufgebaut und tappten nun mit klappernden Trommeln, quietschenden Flöten und einer Pauk«, die sich wie«ine Neger- trommel anhörte, mit. Di» auf den Sportplatz gingen die Zu. und Aufdringlichen zwar mit, wagten ober nicht den Austnarsch auf den grünen Rasen. Nach dem ergangenen Verbot hätte unbedingt ver- hindert werden müssen, daß Rot Front sich dem Zuge überhaupt anschloß._ Vor den Sportgenossen und dem zuerst nicht sehr zahl- lnnse« den reichen Publikum sprach Sportgenoss« Fl.______________ Willkommensgruß und kennzeichnet« die Schwierlateiten. mit denen der Arbeitersport in dem feudalen deutschnationalen Wannse« zu kämpfen hat- Der Bewei», daß«» trotzdem oorwärt» und aufwärts geh«, fei durch den heutiaen Tag erbracht. Darauf ergriff Stadtrat Genosse Matern- Ae Hiendorf, der eigentlich« Schöpfer de» Sportplatz«» Wannse«. da» Wort und begrüßt«, mit besonderer Freude, daß"«, dem Arbeitersport gelungen sei,«in eigen«, Sportfest auszurüsten. nachdem vor 14 Tagen der bürgerlich« Sport aufmarschiert sei. Dann begannen die sportlichen Darbietungen mit recht gut gelungenen Frei- Übungen und setzten sich mit Handball und Stafetten fort. Eine besonder« Augenweide bot der Achterfarbenreigen de» LIchterselder Vereine. Die genauen Ergebnisse werden noch mitgeteilt werden. der ,Meisterläufer� und die firbeitersportler. Geschmalklosigkelken Dr. Delhers. Der Arbeiter spart hat sich ohne Mittel, chne die Pro tektion besitzender Leute, die den bürgerlichen Svortverbänden be kanntlich im reichlichsten Maße zur Verfügung stehen, zu dem eut wickelt, was er heute ist: Einer machtvollen,' weitverzweigten Or ganisation der sportlich interessierten Proletarier, die den festen Willen haben, durch körperliche Ertüchtigung, durch Training in allen Sparten, dem gefährlichen Raubbau des Kapital» an der körperlichen und seelischen Substanz des Arbeiters nach Kräften entgegenzuwirken. Ueber die sportlich oft hervorragenden Leistungen de» Arbeitersports hat selbst die bürgerliche Presse, die ihm natürlich au» Grundsatz ablehnend gegen- übersteht, oft lobend berichten müssen. Herr Dr. P e l tz e r, der vielgepriesene Reklameläufer des deutschen bürgerlichen Sports, greift die Arbeitersportoerbände in einem Organ des pommerfchen Landbundes wie folgt an: .Geht hinein in die guten, allgemeinen Sportvereine, aber nicht in die sogenannten Arbeitersportvereinigungen, die s p o r t- ltch b e d e u t u n g» l o« und politisch international e I n g« st e l l t sind." Mit dem.Meisterläufer' über die sportlichen Qualitäten der Arbeitersportvereine zu diskutieren, erscheint uns bei seiner Vor- eingenommenheit als zwecklos. Mt einem politisch Verrannten kann man sich eben nicht sachlich auseinandersetzen. Recht geschmacklos und darüber hinaus auch lächerlich ist Peltzers Bemerkung von den .International eingestellten" Arbeitersportvereinen. Peltzers Ratio- nalismu», der au» diesen Zeilen spricht, ist allerdings zweifelhafter Art, sobald sein Gportrenommee In Frage kommt. Da kann der Herr sehr International sein, wie seine Betätigung am Sonnabend und Sonntag in Berlin bewie». Gr würde seinen Titel auch sicher gegen einen Vertreter der Nation verteidigen, die ihm und seinen Kreisen heut« noch al» Erbfeind erscheint. ..Pokalspielei' Bemerkenswerte Vorgänge bei der Berliner Turn, und Sportwoche schildert in folgenden Ausführungen«in Arbeiter- sportler: Am Montag, den 30. August, spielten auf dem Sportplatz Eitelstraß« in Lichtenberg im Rahmen der Turn- und Sportwoche der Turnverein.Friedrichsberg' gegen die.Turnqemeinde Jahn' Handball. Da e» sich um ein Pokalspiel handelte, wurde ziem- lich hart gespielt. Al» durch dauernde« unfaires Spielen de» Recht»- außen von„Friedrichsberg' der Läufer von.Jahn' diesen an- rempelte, versetzte der Rechtsaußen von.Friedrichsberg' dem Läufer«Ine derartige Ohrfeige, daß er etwa 10 Minuten ohne Besinnung im Sande lag. Die Iahnmannschaft stürzte sich nun auf den Rechtsaußen von.Friedrichsberg' und umgekehrt. Und so kam e« eine» Pokal» wegen zu einer wüsten Schlägerei auf dem Sportplatz. Rur durch da» Eingreifen der Zuschauer konnte größere» Unheil verhütet werden. Yerbstwettfahrten öes„freien Segler-verbanSes�. Die Herbstwettfahrten der Gruppe Ost im Kreis Berlin de» FSV. fanden am ö. und 12. September auf dem Langen und S e d d i n s e e statt. Während am K. September bei einer mini- malen Windstärke von höchstens 2-Sekunden-Mitern gesegelt wurde, konnten die Boot am 12. September bei einer durchschnittlichen Windstärke von S-S«kunden-Metern die Wettfahrt bestreiten. Wer da behauptete, daß bei der ersten Fahrt.Glücksbrisen' dt« Boote u ihren Siegen vcrhalsen, wurde am zweiten Tage Lügen gestrast, enn dieselben Boote waren wieder in Front. E» muß also doch. trotz der Glücksbriscn, auch die Kunst des Steuermanns eine Roll« gespielt haben. Jedenfalls konnte man die Wettfahrt am 12. Ssp- tember al»«inen guten Abschluß der offiziellen Derbandssegelsaison ansprechen. Am S. September war das Boot„Maikäfer(Berg- mann. TSG.) das schnellste Boot der Wettfahrt, am 12. September tonnt«.Falke'(Poscharsky, STF.) als schnellstes Boot die Wett- fahrt beenden, wenn auch nur mit einem Vorsprung von sieben Sekunden vor der schnellsten llÜ-Ouadrameter-Rennjolle Z 14 .Kismet'(Kretschmer, ST. 1898). Man tonnte bei den herbstwett- fahrten auch wieder einmal die alten Kämven vorn liegen leben. ..Frechdachs' dl 1 belegte an beiden Wettfahrten als ältestes Poot seiner Klasse den ersten Platz, für das Alter des Bootes und die scharf« Konkurrenz der modernen Rennjollen eine beachtenswerte Leistung. Auch bei den A» s gl« i ch» k l a s s e n konnte man fest- stellen, daß die Kunst der Steuerleute immer noch der ausschlag- gebende Faktor bei der Wertfahrt ist. Gerade bei den Flautenwett- fahrten fallen Ruhe. Umsicht und Berechnung am schwersten ins Gewicht, da die Steuerleute gewissermaßen schon vorher wissen müssen, wo die nächste Bris« herkommt. E» sind also Flautenläufer ebenso wie Boote, denen ein schwerere» Wetter mehr behagt, auf ihr« Kosten gekommen. Wenige Tag« nur trennen uns von dem offiziellen Abschluß, dem Absegeln, um den Booten die woblver- diente Ruhe zu gönnen. Wünschen wir, daß«in schöner herbst un« noch recht lange Gelegenheit gibt, den schönen Segelsport aus- zuüben. DI» AetZenl»!«« der Li«»» tn den«IitjeTnm Magen war«nn 5. S-plein- der: 1. fltojTf„ffatf«'(WidatITii, Eckst.): 3, Möge:„Dlalßfrc*(Jkrfltnann, TS«.!! 8.«tag«:.Smnm«rIIrd«'(Drtn«, Eck. 1898); 4.«lag«!„Ttaurn II* ID-n-lU.«6«.):«».Mage-.Diana* cP«»-ld. TSS.)! d. Mag«!..«uin-Dum* tS-I»r!-kis. Eck. 1898);».«tage: 1..». Eck. 1899), 4..mimet* tltrittchmer, Eck. 1898). 8.»Varwürt,* iR°ibWmm, SB»)! 1. Mag«:.Hohlba* tMrdldorn. tEE.): 8. Masse: 1.streKdach»* tNdntq, Eckst.), 4..statu' (StuifA, DE».). 8..S»a,t'atter'(«.«in„r. st«M.). 4..4SI«n»rIn* tN-itzet. �SOT.), 8., Sdirmccf-n*(ßann» u. Natg-a»», DS®,), 8.„tztrotfA*(Eregert, TS®.): 4. mag«!.©Iissi n* Gut»«s«.): 10. Mag«: 1..Sri»* tSach». Eckst.), 4..Vandrrturs»«(fi Win�r. stSM.): 11. Masse: 1..«uti* iTtama». stSM), 4..EaminerN«»»»(fiilfAmt, Eck 99): 12. Mass« 1..«dUH* lMIHn. r«®.). 4..Pivifar» TS®.): 18. Masse: ,.«ltlu»*(UBracn, Eckst.)! 14. Mag,:.strohsinn*(Iaafch, Eckst.)! 14U.Mass«!„Dagatund*(stcMft, TS«.): 15. Mass«:„fwtunt, N* TSatasse.®«9}): 16. Mag,:.Sdda II* ffticptt, 8(14#.)! 17 Mass«:.T,uf«I* lSalass«,>34)81.)! 18. Mag«:.Marianne* fSot», Eckst.)! 1». Masse- 1..«all* IMrof» 4!>4)«.). 4..cksta* s4?»'>A«r. 95«»). 21): 46. Masse:.Onlrt«dl* cUmtrei», Eck».). 2..Ee>n-I«»aduTrcnndk*. zentral««ie».>tt. Dienslaa. 14. Seat«n der. 8 Uhr, Jugendheim ckdertnitr. 12 Dolr»wn»abend.—«dt. striedenan: Dienstaz, 14. September, heim Sffendacher Str. 5». Leseabend.— Abt. Rarden: Dien»»«», 14. Seatemder. tilllt«»,.—«dt. Ziergarten: Dienstag.» Uhr. Seim Wiclefftr. 5. S- 8...Ssz>ale Etclluna der strau*.—«dt. Trepww: Dienstag. 14. September, 8 Uhr. Heim Essen ttr. 8. Heimabend.—«tt. Wedding: Dienstag. 14. September.» Uhr. Heim Lllttichee Sir. 47-48, Seschästliche».—«dt. Dren�a-ee D-r«: Donners- taa. 16. S-piember. 6 Uhr. Seim Danzizer Str. 28, Dortrag:..Dr. E. Lang«: ..Die stamilie*. Eintritt frei, streund« der Bewegung herzlichst wlllkominen. —«bt. Licht-nb-rg: Donnerstag. 16. September,«bendspaziergana mit Musik. —«bt. Reinickendorf: Donnerzta», 16. Eepiember,» Uhr. in Reinickendorf- West. Seidelfttasie. Ärdeiterdichtung.—«dt. st,icdrich»ha»«a: Donnerstag. 8 Uhr. im Heim Sanderstr. U, S-imab-nb.— Ort»!>r-a»e Barlin: Mittwoch. 15. September» Uhr, in der Aula de- Sophien-Lnzeums, Bortnaz-abend: Dr. Lange spcickt Uber„Nalur und«ultur de» Menschen*.—«erbebe,»rk Rorden, Chor: streitaa. 17 September. 8 Uhr. In der Dan, ig«! Str. 62. Baracke 8. Uedunaoftunde. E» werden nach Mitglieder gesucht. Aampfabend de» Eck. Siegfried Ct. Boxen und Ringen. Der Eck.®>eg. frted 6g—8i9 Uhr und Dicn,tog»-on ,49—16 Uhr statt. Eintrittskarten sind nehmen. Regen Besuch der gesamten Mitgliedschaft wird«rwartet. Aufnahme nehmen. Regen Besuch de gesamten Mitoliedschaft wird erwartet. Aufnahme neuer Mitglieder auf den llebunasabenden. Nichtschwimmer werde» bei Er» werdung der Mitgliedschaft kosienlo» ausgebildet. Serolina- Kampfabend. streitaa. 17. September, 8 Uhr»eranstaltet Eck. Berolina-ReukSlln in der Turnhalle Thoma-stra»« in ReukZlln«inen Iffent- lrchen Kampfabend im Ringen unter Teilnahm« bester Berliner Rinaer. Achtung, Renufahrer. ARB. Eoltdaritätl Donnerotag, 16. September. TH Uhr, Zusammenkunft oller Ziennfahrcr bei Prasser, Richaelkirch.. Ecke Wusterhausener S trabe. streie Schwimmer Eharlottenburg»4.«. v. Sonntag, 1». September, 2 Uhr.»«ranstaltet der Verein sein dieeiilhrige» Ah baden im Schwimmbad Dolkspark Zunafcrnheide. Schwimmen, strauenreigen. Wasserballspiel, per- schieden« humoristische Darbietungen. Strandorchefter, Lampionreigen. Ein aemlltliche, zusmnmensein wird den Ablchlub Hilden. Elnttitt 25 Pf. Um 1 Uhr-am Wilhelmvlab gemeinsamer Abmarsch mit Musik. De, Berliner Arbeiter. Tchachtlnt eröffnet in ckharlotienburg ein«, weise «bteiluna..Westend*. Schachspieler oder die e» werden wollen, finden Spiel- und Lernaelegenhcit und sind herzlich«inaeladen. Die«ht. 4S«st«nd spielt ieden Donnerstag abend 8 Uhr in der Potodomer«laufe, ckharlottcnburg, Pot«d*mer Str. 12. «WZ.(«rbei'er.Winttripottinttressenaemeiuschatt ckttob. Berlin). Sitzung de» erweiterten technischen«uaschussc» am Donncr-tag. 16. September.>48 Uhr. stlchse-Sport-latz. Tttptow. Ave Lehrer werden dringend ersucht, doch zu er- scheinen, cklcich�iii» machen wir darauf aufmerksam, datz unser« Auehildunq für den Skisnort im nächsten Monat beginnt und werden Anmeldungen für die Trockon-Ekikittse. besonder«»on Zugendadteilungen der«rteiter.Eport. vereine, in oben aenonnier Eibuna entgeaengenommen. Mitgliedeheitröge direkt an den Kassierer Mai Kuoll, Bttlin O.. Löwestr. 17,». 4 Tr. Partemachrichten für Groß-öerlin Einsendungen sür dies« Rudrii sind Berlin 393 68, Liadenstratz« 3, stet,«» da» Bezirtiseketarwr. 3. Hol. 4 Trep. recht»,»u richten. 8. Krei, Webding. Bilduna-au-fchub: Heute. Dienrtag. 7H Uhr. Sitzung bei Schal,,«dolssir. 12. Z-de Adieilung mutz vertreten fein. neu« Büchetkreit-Buch gelangt für stimmte» Erscheinen erwünscht. Heule. Dienstag, den 14 September: Znngsoziallsten. Gruppe Zempelhof-Mariendorf: 8 Uhr im Zugendheim Tempelhof, Eermaniaste. 4—6, Bortrag de» Genossen Bruno Reuwanu über„Sie Bedeutung de« Generalstreik»*.—®rnpp« Lichtenberg: 7% Uhr Im Jugendheim Dölkau« 10 Bartroa:..Zugendaewttkschaflen*. «ebeit-gemeinschaft de« Kinderseeund« Steglitz: Rachmiltog» 4 Uhr Spielen im Helm«lbrechtstr. 47. Frauenveranstaltungev: 23.«dt. TV, Uhr Im Lokal Zhlek«.«arfuastr.». Thema:..strauen und Mütter und die Dewerkschatten*. (S.«dt.«enlilln. tVi Uhr wichlige Sitzung aller Bezirkosühreriunru, Helfe- rinnen usw. bei Hllrtltt. Prrnz.Kandjern�Stt. 34. Morgen, Mittwoch, den IS. September: 31. tzldt. 8 Uhr bei Soldschmidt, Stolpisch« Stt. 36. stunkiionörsitzung. Er- scheinen aller Pflicht. 4». tzldt. iSchwerhZrigc). TV, Uhr im Zugendheim Lindeirftr. 3 B orttag de, Senosscn Dr. streund ober„Soziale Umschichtung I« Deutschsand seit 1918". 5».«ht. Spandau. Lokal pon Weriher. Bismarck str. 59. Bortrag de« Genossen Lempert über..Völkerbund*. 74. tzldt. z«hlcnd»rf. 8 Uhr Mitgliederuersammlung im Lokal Mickley. Doi»- damer Str. 25. Dortrag de» Genossen v. Putikamer:„Da» rot» Wien*> Eingefvhrte Söst« haben zutritt. Da» die Abonnenten zur Ausgabe. 81. tzldt striedenan. 8 Uhr zahlabend: 1. dl« 3. Bezirk bei Klag«, Händlern- strotze 66-61. Unser Senoss« Pankow spricht üdee dl» alt« und neu« Schul«. 4. di» 6. Bezirk bei Baginski. Taunusstt. 6. Eck« Studenrauchsttobe. 82. Abt. Steglitz. TV, Udr Miigliederversammlung bei Sck'cllbas»,«hornsttatzc. Bortroa de» Genossen Wilhelm Richter über„Republikanische Union*. 83.«tt. Lichterfeld«. S Uhr im Lokol Schmidt. Hindenburgdamm, Ecke Roon» fttatze. Sitzung der Elierndeiröt«. Do-irag de» Genossen Rekior Dölitz über „Rechte und Pflichten der Gliernhelröie*. Gösse willkommen. 117. tzldt. Lichtenberg. 7>b Uhr«kriraiwhlabenb hei Brunn, Tllrrfchmldtstr.»0. Donncrsiaa abend 71, Uhr hei Klose, Ruprecht«. Ecke Eitelstratze. 122. tzldt. DIesdorl. 8 Uhr Mitgliederversammlung hei Poraih. Marzahner Etratz« 31. Bortrag de» Genossen Breuer über.Judentum und Sozia- lismu»* 138. tzldt. Hermsdorf. 8 Uhr Milgsseberversammlung In Bellevn«. Referent Genosse Henke. 2. Bllrgermeifisr:..Rtpuhlik und Koalittonipassttk*. Er- scheinen aller Mitglieder Plickt. Rowawe». 8 Uhr im Stsendahnhotel Miigltederversnmmlung. Barttag de» »«Nossen Dr. Mlerendors über da» Tbema„Der Elnttitt Deutschland« in den Völkerbund,«tn Derdiensi der Sozialdemokratie*. Znngsozialtften. Gruppe Ziergarten: 8 Uhr in der vorwört-.Epedltion Wil- Helm»ha vener Str. 48 gemeinsame Lektüre und Besprechung oon Kurt Geyer:..stührer und Mass« in der Demolrotic". Arauenveranslaltungea: 25.«dt. Treffpunkt zur besprochenen Echulsvhrung S% Uhr Vrnmoalher Platz. Haltesiell« der Stratzenbahn. Göste. auch au» anderen tzihteilungen. herz. lich willkommen. 78.«dt. Echönehcra. 8 Uhr bei Gtttz, Sedanstr. 17, Vortrag der«rnpssin Ellen Beidler über„Genf*. * 82.«dt. RenkZlln. strau«nau»ffu» nach cklchwalte Sonnekitt«, 18. Septem- der. Treffvunk, morgen,» Uhr Katser-ftrledrich-. Eck« Geyger siratze. «i-»e>t.»c.b-nd sozialisttsch«, Kandel- nnd«dewerbetteidendee nnd s-nsti-e- «eens», Sitz Leipzig, Dettgrnppe«totz.tzVrlin. Donner«tag. 18. Sep. ♦emlet, Monat-nersammluna bei Schillina,«ungestr. 89. Thema:.Soziale, Recht»ine» zurzeit erwerbslosen Gewerbetreibenden*. Sterbetafel üer Sroff-Serliner Partel-Grganlfotkon j mn Jf?r 0?�?°«- n Kr1*"0fl Genosse Oetta Kabln, Reu- fölln, ffielfesiT. 21. Die Beerdigung findet am Mittwoch nachmittag, m Uhr auf drm Jerusalemer strtcdhos, Hermannsiratze. stttt. Vorträge, vereine und Versammlungen. if Äd«än» fmttr Cotti«farV�lt ckÄ1"«-«"iekRttlllln: Donn.r.tag, 18. Sep. «fÄ i aT-WisS- jwssr oftasut**- «-'lin-Mitte. Di. Uetung.siund.«m Donnern � D�Wr Dfllchfmitwlrtung de! der Werbever. «nd?«ä»Nr" Hutardetiernerhande» 7zh Uhr in den«ndraos-Fesisölen. »heenamtlich Uitlqen«ees-nen, Ehar. Monat«sistunq 16. Septemder. 8 Uhr, im Sitzungszimmer s de, Rathaues» Eharlottenburg. Bortrag,»«st« wtlllomme». < ,"'2:',"'.*'°otnos tt» Uhr. auf einer neransiaituna de, «rdeiter-Radio.Klub, in Thiele» Berelntlolal, Schreueberg, Gdersstr. 19,«Inen in!" m. tunktechnischen Vortrag mit dem»olkiillmltchen Thema:„Au, der Praxi» für die Praxi«.* Der«tntritt Ist frei. MIeterbnnd de» Bee««ltt»g»b»,Irl» 14 lSteglitz) ,. B. Donner»»ag. 18. Eep. temder, 8 Uhr. tm Restaurant.Lum Htndenburg*. Lichterfelde, Hindenburq. iamm 115, össentllch« Bersammiung.«mterat wtltz spricht über:„Dil Lockerung �89 Mletttschu�esitzgebung, d« weitere Ansturm der gesamten Hau«besitzer. oerbönde zur völligen Beseitigung de, Mieterschutze,, ernste Gefahren für die Rieterscyast.