Abendausgabe Nr. 435 43. Jahrgang Ausgabe B Nr. 215 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: Sm. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Dolksblatt 10 Pfennig Mittwoch 15. September 1926 Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 8% bis 5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Curtius über die Handelspolitik. Der goldene Mittelweg. Kein abschließendes Urteil über das Ergebnis. Düffeldorf, 15. September.( WTB.) Auf der Tagung des| für unsere Handelspolitik zurzeit maßgebenden Richtlinien, so wird deutschen Großhandels führte Reichswirtschaftsminister Dr. Curtius von anderen Kritikern und Ratgebern an dem führenden Geunter anderem folgendes aus: danken der Meist begünstigung heftige Rritit ge. Auf dem Felde der Handelspolitik liegt eine Periode inten- übt. Man sucht das Heil in einer Umgestaltung unseres Zolltariffiofter Betätigung hinter uns; auch die nähere und weitere Zu- schemas, in der Einführung eines Doppeltarifs, in der Einführung funft wird eine angespannte Tätigkeit bringen. Die Schwierig des Reziprozitätssystems u. a. m. Dazu muß ich auch heute wieder feiten, welche unserer Ausfuhr auf dem Weltmarkte begegnen und fagen, daß mir jetzt nicht der Zeitpunkt geeignet erscheint, die organische deren Beseitigung das Ziel unserer Handelspolitik ist, sind Ihnen Entwicklung unserer Handelspolitik durch fragwürdige Experimente wohl bekannt. Den schlimmsten Widerstand bieten die protet. 3u unterbrechen. Troß mancher mißlichen Erfahrungen glaube ich, tionistischen und autartischen Bestrebungen, die daß die Befolgung des Meiftbegünstigungsgrundfaßes am ersten gefich sowohl in den außereuropäischen Ländern breitmachten, die eignet ist, uns dem Ziele näher zu bringen. Wir müssen jedenfalls mehr und mehr zur Selbstverarbeitung ihrer Rohstoffe schreiten als am bisherigen System so lange festhalten, bis die noch fehlenden auch in den europäischen Ländern, wo der wirtschaftliche Na. Handelsverträge abgeschloffen find. tionalismus manchmal wahre Orgien feiert. Wohin wir blicken, geradezu ein Gewirr von Schranken und Stacheldrähten, die abgebaut werden müssen. Natürlich ist die Reaktion auf die Erstartung der wirtschaftsnationalistischen Tendenzen nicht ausgeblieben. Der protektionistische Wettlauf hat dem Gedanken der europäischen 3ollunion zu neuer ungeahnter Lebenskraft verholfen und selbst Kreise in seinen Bann gezogen, die ihm bisher steptisch gegenüberstanden. Deutschland wird, so wie es geographisch in der Mitte liegt, so auch zwischen diesen beiden Extremen fühl und verständig, unbeirrt von Schlagworten und nur von seinen eigenen Intereffen geleitet, den rechten Weg fuchen müssen. Daß dieser Weg von dem überspannten Protettionis mus, der den Kampf aller gegen alle bedeutet und an dessen Ende die Zertrümmerung der europäischen Wirtschaft durch den amerikanischen Wirtschaftsfoloß steht, daß dieser Weg vom wirt schaftlichen Nationalismus in der Richtung einer um fassenderen Wirtschaftssolidarität der nächst betroffenen Böller hinzuführen hat, darüber fann man wohl faum im Zweifel sein, auch dann nicht, wenn man das letzte Ziel, das auf diesem Wege liegt, die europäische Zollunion, als eine Utopie an fiebt. Diesen Weg geht unsere Handelsvertragspolitif, die wir unter dem Grundsatz der uneingeschränkten Meistbegün ft i gung mit Tarifabreden führen. Stehen die Neuhausschen sowie die Riedlschen Vorschläge zum mindesten nicht im Gegensatz zu den Die Reichsfinanzen im August. Erstmalig hohe Besitzsteuererträge. Der Uebersicht über die Steuereinnahmen des Reichs im Monat August, die das Reichsfinanzministerium foeben veröffentlicht, tommt diesmal teine besondere Bedeutung zu, weil es sich um einen Zwischenmonat handelt, in dem nur die Monats. zahlungen und nicht die Bierteljahrszahlungen auf die großen Steuern fallen. Er entspricht in seiner Bedeutung etwa dem Monat Mai. Erst wenn auch der Abschluß über den Monat September und damit das Ergebnis des ersten halben Jahres des Rechnungsjahres 1926 vorliegt, wird man mit größerer Sicherheit ein Urteil über die Entwicklung der Reichsfinanzen fällen fönnen. Bon den Ergebnissen der einzelnen Steuern verdienen folgende besondere Beachtung: Das Aufkommen der Lohnsteuer ist mit 93 Millionen etwa ebenso hoch wie in den Vormonaten. Wenn man die Erstattungen hinzurechnet, betrug es im Juni 92,6 Mil lionen, im Juli 94,5 Millionen. träge. Erstmalig bringen jetzt auch die Besitzsteuern erhöhte Er Go tamen aus der veranlagten Eintommensteuer 122 Millionen, aus der Körperschaftssteuer und aus der Vermögenssteuer je 57 Millionen auf. Insgesamt haben also diese drei Steuern im August 236 Millionen gebracht gegen. über 214 Millionen im Juli. Diese hohen Erträge sind auf die Es wird noch eine geraume Zeit dauern, bis wir in der Cage sein werden, wirklich zuverläffig die Ergebnisse unserer bisherigen Handelspolitik zu übersehen. Bor allen Dingen auch ein Urteil darüber zu gewinnen, wie die noch taum ein Jahr in Kraft befindliche 3011tarifnovelle und das auf dieser Grundlage und auf Grund der letzten Handelsvertragsverhandlungen gewonnene Vertragszollsystem, das noch durch die bevorstehenden und schwebenden Verhandlungen ( Polen, Tschechoslowakei, Frankreich) manche Ausgestaltung er fahren wird, sich auswirken. Erst wenn wir über ausreichende und zuverlässige Erfahrungen verfügen werden, wenn ferner die noch notleidenden europäischen Währungen wieder gefestigt sind und wenn Klarheit über die Richtung der französischen und englischen Handelspolitik um nur diese zu nennen wir an das eigentliche große Handelsvertragswert, an den Aufbau herrscht, werden eines langfristigen und lüdenlofen Handelsvertragsfyftems herangehen tönnen, zu dem aber vorher noch in dem neuen Zolltarif ein brauchbares Instrument geschaffen werden muß. Bis dahin werden Streitfragen, wie Meistbegünstigung und Reziprozität, Doppeltarif oder Einheitstarif, geflärt werden müffen. Bis dahin werden hoffentlich auch schon Fortschritte in der Richtung von Rollektivverabredungen vorliegen und privatwirtschaftliche Verein barungen den Weg zur dauernden Gestaltung des Güteraustausches geebnet haben. Das Ziel unserer Handelspolitik wird aber auch bann bleiben, Nationalwirtschaft und weltwirtschaft in Eintlang zu bringen und mit der Forderung der ersten gleichzeitig der letzten zu dienen." entsprechenden Ziffern im Mai waren nur 19 und 21 millionen. Insgesamt hat sich dadurch der Ertrag der Zölle und Verbrauchs. abgaben auf 189,5 Millionen erhöht. Das Gesamtergebnis des Monats Auguft erreicht die beachtliche Höhe von 651,4 Millionen; es übertrifft damit das Ergebnis des Monats Mai um mehr als 200 Millionen, das des Monats Auguſt 1925 um rund 130 Millionen. Dieses günstige Er gebnis ist diesmal größtenteils auf die erhöhten Erträge der Be listeuern zurückzuführen. Aber diese erhöhten Erträge, die wiederum in dem Abschluß der Veranlagungen für das Jahr 1925 ihre Ursache haben, kommen nicht unerwartet, sie werden nötig sein, damit diese Steuern ihre Boranschläge erreichen. Eine allgemeine Besserung der Reichsfinan en tann daher aus dem Ergebnis dieser Steuern noch nicht geschlossen werden. Diejenigen Steuern aber, die unmittelbar unter dem Einfluß der Wirtschaftskrise stehen, weisen gegenüber den Vormonaten, soweit darin keine Vierteljahrs. zahlungen enthalten find, feine wesentliche Verbesserung auf. Lohnsteuer, Umfaßsteuer und Beförderungs. steuer brachten etwa dieselben Erträge wie im Juni und Mai. Von einer Besserung der Wirtschaftslage ist deshalb bei diesen Steuern im Monat August ebenso wenig zu merken wie im Bormonat. Das Attentat von Leiferde. Die Reichsbahn nun gerechtfertigt? Bon J. Schaffner( Hannover), M. d. R. Ein hörbares Aufatmen mag. durch die Amtsstuben der Reichsbahngesellschaft gegangen sein, als die Nachricht von der Feststellung der Attentäter von Leiferde ins Land gefunkt wurde. Auch das deutsche Volk würde mit Freuden aufatmen, wenn es das sichere Gefühl haben könnte, daß mit der Dingfestmachung zweier entgleister Menschen nun ja wieder alles gut geworden sei. Doch weit gefehlt. Herrscht doch in den allerweitesten Boltstreifen auch in den der Reichsbahn sonst wirklich wohlgesonnenen die felfenfeste Ueberzeugung, daß auch der Erfolg des Attentats von Leiferde im wesentlichen als Ausfluß eines fehlerhaften Systems zu werten ist. Das ist nun einmal die einhellige Meinung fast des ganzen Voltes. Sie ist selbst in der Rechtspresse zum Ausdruck gefommen; also in den Kreisen, die sich gewöhnlich durch die Lektüre von Zeitungsnotizen, nach denen ein oder mehrere Menschen auf dem Schlachtfeld der Arbeit verbluteten, ihr Frühstück und ihre gute Laune faum verderben lassen. Eisenbahnkatastrophen pflegen mit ihrem rohen Arm selbst Gewiß, es handelt sich hier ja nur um Arbeiterblut. Aber vor Besitzenden nicht halt zu machen. Gegen eine solche Schicksalsgemeinschaft und eine solche Gleichmacherei muß man sich wenden. Die nette und anständige Gesellschaft hört also in solchen Fällen etwas deutlicher als das sonst der Fall zu sein pflegt. Man kann ja nie wissen... sein, wenn sie die besorgten Stimmen aus dem Volke in den Die Reichsbahngesellschaft müßte sehr schlecht beraten Wind schlagen wollte. Sie muß sich wieder erinnern, daß es Eigentum des deutschen Volkes ist, das sie verund Gesundheit des deutschen Volkes in ihre Hand gegeben, waltet. Sie darf nicht vergessen, daß Gut und Blut, Leben von dem Ansehen der Reichsbahn in der Welt gar nicht zu reden. Die Reichsbahn hat also die moralische Ber pflichtung, alle Maßnahmen zu unterlassen, die die Be triebssicherheit beeinträchtigen und damit Gesundheit und Ansehen des Boltes gefährden. Daß fie diesen Verpflichtungen immer nachgekommen, läßt sich leider nicht behaupten. Sie hat Personalabbau betrieben in einem Maße, das den geordneten Betrieb der Bahn in Frage stellt. So wurde nach unten hingespart"; nach oben hin wurde das Geld der Reichsbahnfunden mit Scheffeln geschanzt. material und Stredentontrolle wurden ver Bahnnachlässigt. Wenn dem aber nicht so sein soll, ja warum in aller Welt verbietet man denn den Eisenbahnern den Mund? Laßt doch die Eisenbahner reden! Untersucht ihre Angaben durch eine unparteiische Instanz! Sie sind übrigens ebenso glaubwürdig wie die Reichsbahnder Reichsbahn ihn zu tun vorgibt. direktionen. Sie tun ebenfalls Boltsdienst, wie die Leitung der Reichsbahn sagen, wenn nach einer WTB.- Meldung in Was soll man zum Beispiel gegenüber den Beteuerungen einer Sigung der„ Gewerkschaft Deutscher Eisenbahner", der Gewerkschaft Technischer Eisenbahnbeamter" und des„ Einheitsverbandes der Eisenbahner Deutschlands" in Hagen unter anderm ein Fall angeführt wurde, in dem ein Gleis durch ein Signal dauernd gesichert werden müßte, weil es in so schlechtem Zustande sei; 120 Kilometer Gleis innerhalb des Direktionsbezirks Elberfeld und 56 Weichen seien mit dem Umbau im Rückstande". So oder so ähnlich scheint es nach zuverläßlichen Nachrichten an sehr vielen Stellen des Reiches zu sein. Ich persönlich habe mich auf einigen Abschnitten der Strede Berlin- hannover im Beisein des Bezirkssekretärs des Einheitsverbandes der Eisenbahner Deutsch lands, Herrn Winter, überzeugen müssen, daß ein erheblicher Teil aller Schwellen schrauben so lose sigt, daß die Unterleg scheiben mit der Handnach Beliebenzudrehen und häufig 2 bis 3 millimeter zu heben sind. zeug, also mit bloßen Fingern und ohne jede Kraftanstrengung herausgeschraubt, ja fast herausgehoben werden. Es fällt mir nun nicht ein, zu behaupten, daß diese Umstände die Ursache für Eisenbahnunfälle sein müssen. Aber alle Eisenbahn- ,, Fachmänner" vermögen nicht hinwegzuleugnen, daß sie beim Auftreten gewisser ungünstiger Faktoren, 3. B. besonders Streden die Ursache für Entgleisungen sein können. Daß heftigen Schleuderbewegungen, selbst auf völlig geraden die Gefahrenquelle in Rurven eine wesentlich größere ist, ist selbstverständlich. Die Herren Eisenbahnattentäter werden übrigens für die leichte Lösbarkeit der Aufgabe der Schienenlösung gewiß recht dankbar sein. Abschlußzahlungen zurückzuführen, die jetzt allgemein auf Die Ratsreform vor der Vollversammlung. Schwellenschrauben tönnen ohne jedes Werf Grund der Steuerbescheide für das Jahr 1925 zu leisten sind. Während die Einkommen- und Körperschaftssteuer schon im Vormonat ähnliche Erträge gebracht hatten, weist die Vermögenssteuer in diefem Monat zum erstenmal ein Auftommen auf, das dem Boran Schlag entspricht. Hierbei ist zu beachten, daß die Vorarbeiten für die Veranlagung zu der Vermögenssteuer besonders viel Zeit in Anspruch genommen haben, daß aber die Veranlagung diesmal zugleich für zwei Jahre gilt. Lebhafte, aber fruchtlose Tebatte. V. Sch. Genf, 15. September.( Eigener Drahtbericht.) Heute morgen begann in der Böllerbundsversammlung die Distuffion über die Ratsreform. Bundespräsident Motta legte als Berichterstatter der Kommiffion die Gründe dar, die für die Annahme der Rom. miffionsfompromisse sprechen. Die Diskussion war lebhaft, aber sie hatte keinerlei neue Gesichtspunkte. Sie konnte heute morgen noch nicht zu Ende geNeben diesen Steuern nimmt sich der Ertrag der Erbschafts. steuer, die eigentlich die vierte große Besitzsteuer fein follte, unführt werden. erhört fümmerlich aus. Ganze 1½ Millionen sind in diesem Monat, taum 10 Millionen in den ersten fünf Monaten des Rechnungsjahres aufgekommen, während nach dem Boranschlag für diese Zeit 25 Millionen erwartet wurden. Die Erbschaftssteuer bleibt also am weitesten hinter dem Voranschlag zurück. Die Umfaßit euer brachte ebenso viel wie im Mai, nämlich 61,9 Millionen. Die Beförderungssteuer wies im August ein Aufkommen von 28 Millionen gegenüber 21 Millionen im Mai auf; diese Steigerung ist vor allem auf die erhöhten Einnahmen aus dem Personenverkehr in der Reisezeit zurückzuführen. Sehr hohe Mehreinnahmen sind bei den Zöllen und Verbrauchssteuern zu verzeichnen. Die 3ölle brachten 64,8 Millionen auf, das sind 10 Millionen mehr als im Mai und 24 Millionen mehr als im August 1925. Der Ertrag der 3udersteuer beläuft sich auf 27,9, der Ertrag der Biersteuer auf 26,2 Millionen. Die • Amerikas Tribute an Europa. Die Milliardenausgaben amerikanischer Touristen. Washington, 15. September.( EP.) Das Staatsdepartement teilt mit, daß die amerikanischen Touristen in Europa bis Ende dieses Jahres 700 Millionen Dollars ausgegeben haben werden gegenüber 500 Millionen Dollar im Vorjahre. Außerdem seien von den europäischen Emigranten in Amerika 900 Millionen Dollar nach Europa gesandt worden. Wenn man annehme, daß im Durchschnitt jedes Jahr durch die Emigranten und die amerikanischen Touriſten 1,2 mil. liarden Dollar nach Europa gelangten, so ergebe sich, daß in zehn Jahren so viel amerikanisches Geld nach Europa tomme, als Europa in 68 Jahren an Amerita bezahlen soll. Die Reichsbahndirektion scheint sehr verliebt zu sein in ihre bis in die neueste Zeit hinein wiederholte Behauptung, daß auch eine wesentlich vermehrte Streden. begehung an den Unfällen nichts ändern könne. Trifft das zu, dann bitte ich um Beantwortung der Frage, wa rum nach unwidersprochenen Pressemeldungen bei der Reise des Herrn Reichspräsidenten nach Dietramszell für jeden kilometer Gleis. länge ein wachthabender Stredenwärter aufgestellt worden ist? Hiernach scheint es, als ob selbst die Reichsbahn verstärkte Streckenmache bzw. Streckenbegehung als ein Mittel zur Erhöhung der Verkehrssicherheit zu würdigen weiß. Vielleicht gibt sie bei dieser Gelegenheit trächtlicher Anzahl demnächst hinausgeschmissen werden. Das ist natürlich beileibe keine Spaltung der KPD., das ist selbstverständlich nur eine Stärtung der einzigen klassenbewußten Arbeiterpartei. auch Auskunft, wer die 5 Minuten dem Präsidentenzuge| zogen hat. Man kann also damit rechnen, daß die Agenten in bevorauslaufende Lokomotive bezahlt hat und welcher Betrag dafür geleistet worden ist? Daß die Lokomotive die rund 700 Kilometer lange Strecke zu Lasten der Reichsbahn gefahren haben sollte, fann doch bei der bekannten Sparsamfeit im Reichsbahnbetriebe nicht angenommen werden. Alles in allem: Die Attentäter von Leiferde sind gefunden. Das System, dessen Gefahren wie Damoflesschwerter über den Häuptern der Reisenden schweben, ist noch nicht gewandelt. Daß es gewandelt werde, ist heiligste Aufgabe aller Kräfte und Kreise, die Einfluß auf diese Dinge haben, insbesonders der Gefeßgebung. Bersprechungen der Reichsbahn allein fönnen in diesem Stadium nicht mehr genügen. Das Mauerblümchen. Klage des Herrn v. Graefe über mangelnde Respektierung. Nach dem Parteitag der Völkischen folgt der Katzenjammer. Da hat Herr von Graefe einen Parteitag abgehalten, damit die Welt erfährt, daß er noch da ist und noch so etwas wie Rudimente einer Partei hat. Er hat selbst eine Rede geredet, und hat dann mit heißem Bemühen in der Presse geforscht, ob sein Gesang gebührend gewürdigt worden ist. Doch ach, er hat vergebens geforscht. Bitter flagt er im ,, Deutschen Tageblatt": Bemerkenswert ist ferner, daß ausgerechnet die Kreuz3eitung", die doch unseres Wissens immer noch als offizielles Organ der Konservativen gilt, einen auffallend latonischen Bericht bringt, was nicht recht har moniert mit den freundschaftlichen Worten der offiziellen fonfervativen Führer zu unserer Bewegung. Sollte vielleicht die Situation hier ähnlich sein, wie bei der Deutschen Tageszeitung", die nur noch nominell das LandFemeausschuß des Landtages. Beweisbeschluß im Falle Jahnke. Der Femeausschuß des Preußischen Landtags verhandelte heute morgen über die Fortsetzung der Beweisaufnahme im Falle Jahnke. Die Verhandlung ist dadurch hervorgerufen worden, daß im Ausschuß die Aussage eines Runstgewerblers Paul Schmidt aus den Bolizeiaften verlefsen wurde. Diese Aussage berichtet von einer Sigung, an der Buch ruder, Oppen und andere Butschiften teilgenommen haben sollen. In dieser Sigung sei die Beseitigung Don Severing und Stresemann entweder durch Verhaf= tung oder Ermordung als Einleitung des Butsches besprochen worden. Schmidt hate im Auftrag der D. C. diefe Sigung zu über. machen, hat ihr jedoch nicht beigewohnt, sondern stüßt sich auf die Aussage eines Gewährsmannes, den er vor der Polizei nicht genannt hat. Der Ausschuß hat beschlossen, Schmidt zu vernehmen und nach seinem Gewährsmann zu fragen. * Zu den Aussagen des 3 schauer über die Rolle des Rechtsanwalts Dr. Sad, über die wir gestern berichteten, schickt uns Dr. Sad folgende Berichtigung:. Immer wieder die Reichswehr. Vaterländische Konzerte am Sedantag. Der Fall Reichswehr scheint hoffnungslos. Die unteren Dienststellen können es scheinbar nicht lassen, Dummheiten zu machen. In einem Göttinger Lokalblatt lefen wir folgendes: Baterländisches Konzert zur Erinnerung an Sedan. Gestern abend wiederholte unsere Reichswehrkapelle im Garten des Stadtpark ihr schon vor 14 Tagen mit großer Bes geisterung aufgenommenes vaterländisches Konzert, das wegen der beiden historischen Potpourris weit aus dem Rahmen der übrigen Veranstaltungen emporragt. Die gestrige Musik war ganz und gar dem Tage, dem es geweiht war, angepaßt, und durch und durch von deutschem Geist getragen. Echt deutsche Opern von Kretschmar Beethoven, Wagner u. a. waren im ersten Teil der Auftakt zu den beiden im Mittelpunkt des Abends stehenden Potpourris, das chro= nologische von Kaiser und Deutschlands Erinnerungen an 1870/71 von Saro. Diese beiden Meister= werke militärisch- historischer Kompositionen sind von ganz eigener und erhabener Art, die ganz besonders rührende Empfin dungen in einem deutschen Herzen erzeugen. Auch diesmal ließ die Wiedergabe der Kapelle es an nichts fehlen und lieferte eine an sich ganz außergewöhnlich großen Zuspruchs erfreuende Musik. Den Höhepunkt erreichte man unter all den Raketen, Sprühregen, Rot- und Grünfeuer mit dem Stahlhelm und eisernen Kreuz. Auch hier nahm der Beifall und die Bewunderung fein Ende. So ist der große Tag von Sedan mit einer würdigen Feier begangen worden. 10 In Genf verhandelt der verantwortliche Reichsaußenminister gung beider Länder. Die Reichswehr aber feiert Sedanfeste. Das alles nennt sich deutsche Politik. Mörder des Ministers Rathenau in irgendwelcher Weise an einer ,, 1. Es ist unwahr, daß ich mich in dem Verfahren gegen die Begünstigung, Fluchtbeihilfe oder Vermittlung von mit dem Vertreter Frankreichs über eine Dauer verständi. mordplänen beteiligt habe oder Mitwisser von Mordversuchen gewesen bin. 2. Es ist insbesondere unwahr, daß ich an Techow, Tillissen oder sonst wen Rasfiber ins Gefängnis geschmuggelt habe. 3. Es ist insbesondere unwahr, daß ich für die Flucht des Mieterschutz in Mecklenburg. bundorgan" ist, während die hinter dem Berlage stehenden Finanz- echow ein Motorrad, einen falschen Baß oder Geld bereitgestellt Die Härten des deutschnationalen Regimes werden freise als politische Herren im Hause unter der die Leser täuschenden alten Firma ausgesprochen antivöltische, um nicht zu fagen versteckte Stresemann- Politit treiben? Man denkt beim Lesen des Kreuz Zeitung"-Berichtes jedenfalls nicht ohne Unbehagen an die befannten Berhandlungen des Berlages mit Rechberg zurüd!" Auffallend lakonischen Bericht? Die gereizte Primadonna antwortet mit kleinen Bosheiten. Sie will nicht nur im trauten Beisammensein, sondern auch in der Oeffentlichkeit gefannt und anerkannt werden. für Parteieinheit. hatte. vergiftetem Konfekt zur Ermordung des Günther etwas 4. Es ist unwahr, daß ich dem Techom über die Herstellung von mitgeteilt hätte oder daß mir von einem solchen Mordplan überhaupt etwas bekannt gewesen wäre. 5. Ebenso unwahr ist, daß ich dem Techow von einem Be ber Welt zu schaffen, Mitteilung gemacht hätte; auch ein solcher Beschluß der Organisation Consul, lästige Mitwisser aus schluß ist mir unbekannt. 6. Unwahr ist, daß ich an einem Rasfiberverfehr unter dem Stichwort Moselwein" mit Techom mich beteiligt hätte. 7. Unwahr ist, daß ich an einem Rasfibervertehr mit Tillessen unter dem Stichwort Saalec" mich beteiligt hätte. 8. Unwahr ist, daß ich mich an einer Korrespondenz, durch die ein Fluchtplan des Techom vorbereitet werden sollte, bes teiligt hätte. Die Spalter Aus dem kommunistischen Diskutierklub. Leider sind unsere Beziehungen zur kommunistischen Opposition doch nicht so eng, wie die" Rote Fahne" es in jeder Nummer aus sehr begreiflichen Gründen annehmen möchte. Deshalb find wir auch noch nicht im Befihe des Memorandums" der oppisitionellen Gruppen der KPD. Nach Angaben der" Roten Fahne" ift dieses Memorandum eine Broschüre, die innerhalb der Kommunisti schen Partei von den Linken verbreitet wird. Das zentrale Blatt bezeichnet sie als eine offizielle Ausgabe der Weddinger Oppo sition" und der Urbahns- Gruppe". Troß heißen Be mühens fällt es schwer, aus der Schilderung der Roten Fahne" genau festzustellen, was in diesem furchtbaren, verabscheuungswürt hen Dokument an menfchemistischen Gemeinheiten enthalten Offenbar beschäftigt sich das Memorandum hauptsächlich mit der theologischen Diskussion über den Charakter des russischen Staatsfapitalismus. Die bloße Beschäftigung genügt aller dings, um das Memorandum zu einem menschewistischen Machwerk zu stempeln. Wichtiger scheint uns eine Resolution eines Berliner Berwaltungsbezirks, die offenbar parte ioffiziös ist. Darin wird festgestellt, daß die" Agenten und Beauftragten der ausgeschlossenen Renegaten Maslow und Fischer" auf Parteispaltung hinarbeiten und daß diese Bezeichnung vor allen Dingen auf diejenigen Unterzeichner der bekannten Erflärung zutrifft, die führende Post en in der Partei bekleiden. Das ist diefelbe Linie, wie sie Wilhelm Bied in seinem wehmütigen Artikel beschwerde als unbegründet zurüdzuweisen. stüd Techow für sich das Amt eines Femerichters oder Boll9. Es ist unwahr, daß in irgendeinem an mich gelangten Schrift. streders über den Mitverurteilten Günther erbeten hätte. Unrecht als stud. ing., Offizier und dergleichen bezeichnete, im 10. Unwahr ist endlich, daß der Technifer Zschauer, der sich zu Rathenau- Prozeß als Angeklagter freigesprochen worden ist, er ist vielmehr in einem Prozeß wegen Landesverrats an Frankreich vom Reichsgericht zu 3½ Jahren Zuchthaus verurteilt worden." ift. Fidelio" in der Städtischen Oper Bruno Walter brachte gestern als Gabe zu seinem 50. Geburtstag Fidelio" in der Städtischen Oper heraus. Eigentlich hätte das eine mufitalische und darstellerische Neueinstudierung zu Ehren des 100. Todestages Beethovens werden sollen. Aber Geburtstag hin, Todestag her: man fonnte Bruno Walter und sich selber und Beethoven zu dieser Auferstehung einer großen Schöpfung beglückwünschen. Das Wesentliche, das wesentlich Neue war eine musikalische Regie. Wer Walter in den Proben beobachtet hat, der wird ihm das Zeug zu einem hervorragenden musikalischen Regiffeur, zu einem Erben Mahlers nicht absprechen können. Der Kapellmeister als Regisseur, das ist der wichtigste Mann, den augen blicklich die Oper braucht. Walter weiß aus dem Sinn, der Ruhe und der Exaltation eine Partitur, den für die Spieler notwendigen Wechsel von Bewegung und Stille, von Aufrechtstehen und Hin schleichen, von Resignation und Begeisterung der Mienen herauszulefen, weiß es in die Menschen, die da eigene Rollen fingen wollen, freundlich und nachdrücklich als Bewegungsmelodie hineinzutreiben. Es scheint das Bewußtsein, einer großen Sache zu dienen, wichtiger als das Paradieren mit Stimme und Spiel. Kein Licht, kein Schatten, keine falsche Blickrichtung scheinen ihm zu entgehen, jede Stellung ist mit dem Auge und dem Dhr für das beste Klingen erspäht. Auf dem Gefang ruht die Aufführung, die ein Meister des Bel canto leitet. Die Charakterisierung der Stimmen geht zuweilen an den Flüsterton heran, die Stimmung der Luft ist die der Instrumente, das Orchester wird Dienerin und Herrin all dessen, was menschlich ergreifen soll. So ist Musikregie geschaffen. Wort und Töne, auf Deutlichkeit und Schönheit gestellt, tlingen in Herzen hinein, die vielleicht noch nie fo freudig und beglückt das Wert hinnahmen. Eine einzige große Szene brachte auch bei Walter nicht den Geist, nicht die Gefchloffen heit und Größe zutage, die sie verdient, die sie in sich trägt und atmet: die Gefangenenszene. Auch hier war wundervoll gearbeitet, mit sparfamen Rückungen gingen Kopf und Hände dem Gesang der Gesangs linie nach, und die gebrüdte Stimmung lebte sich gehalten, leicht, demütig aus. Dennoch war die Dekonomie des Chors hier zu uniform, es wollten sich nicht die große lebendige Echtheit und Feinheit her. stellen, die im Gefanglichen fo wohltat. Das Problem des chorischen Singens und Agierens, ohne Bordrängen, ohne Drill, bleibt noch zu lösen. Das Orchester mufizierte unter Walter mit fubtiler Annahme und Uebersetzung all seiner Wünsche. Daß diese vor der Einfügung der dritten Leonore- Ouvertüre nicht halt machten, soll ihm verziehen werden. Wenn auch der dramatische Zusammenhang reizt, fo wird in diesem herrlichen Konzertstück doch die freiheitliche Stimmung fo rein und groß gefündet, daß jedes Publikum hingeriffen ist. In den Kostümen und in den Bühnenbildern, von denen der Kerfer und der Gefängnishof wundervoll die Freiheit des Raumes mit Gedämpft heit der Atmosphäre zu verbinden wußten, präsentierte sich Alfred Roller aus Wien als einfühlendes Theatergenie. Soweit hatte man Ausschau gehalten, um ein möglichst Bollendetes zu erzielen. Auch der Prunk an solistischen Stimmen hatte etwas Geburtstagsfeierliches. Bender, Rode, Kipnis, Helene Wildbrunn, Lotte Schöne welche Stimmpracht, welche vornehme Das Verbot der„ Standarte". Preußisches Innenministerium gegen jede MilSerung. Bei dem preußischen Minister des Innern ist die Beschwerde gegen das Berbot der Standarte, Wochenschrift des neuen Nationalismus", eingegangen und, den gesetzlichen Bestimmungen entsprechend, an den Vorsitzenden des Staatsgerichtshofes zum Schuße der Republik weitergeleitet worden. Der Minister hat sich dabei dahin geäußert, daß er nicht in der Lage sei, das Verbot aufzuheben. Vielmehr tritt er der Auffassung des Oberpräsidenten in allen Punkten bei und hält die Verbotsdauer von drei Monaten im Hinblick auf die Schwere des Verstoßes noch für sehr gering bemessen. Der Minister beantragt daher beim Staatsgerichtshof zum Schuße der Republik, die BeSingefultur! An ihnen, auch an Florestan- Destoig und dem Jofuni Gomberts, merite man, wie systematisch Walter an folgen bereit und befähigt ist. einem Ensemble gearbeitet hat, das seinen Anweisungen so ganz zu strebenden, weife gewordenen Mufiter zu danken, der noch den großen Man hat alle Ursache, diefem mit 50 Jahren noch raftlos romantischen Schwung der Begeisterung von sich aus auf die Bühne und Publikum übertragen kann. Er wurde herrlich gefeiert und mit Dant überschüttet. Kurt Ginger. Rudolf Eucken. Euden an einer Lungenentzündung gestorben. Euden wurde Wie aus Jena gemeldet wird, ist dort der Philosoph Rudolf am 5. Januar 1846 in Aurich geboren. Nach Absolvierung des Gymnasiums studierte er in Berlin und Göttingen und widmete sich dann als Gymnasiallehrer dem praktischen Schuldienst. 1871 wurde ging 1874 von dort an die Universität Jena, wo er bis zum Frühjahr er als ordentlicher Professor der Philosophie nach Basel berufen und 1920 wirfte. Dann trat er von seinem Lehramt zurück, um sich ganz seinen wissenschaftlichen Arbeiten widmen zu können. 1908 wurde ihm der Nobelpreis für Literatur verliehen, 1912 erhielt er einen Ruf als Austauschprofessor an die amerikanische Harvard- Universität, dem er Folge leistete. In seinen philosophischen Arbeiten verfolgte Euden das Ziel, den Menschen das gute Gewissen zu einem Glauben an eine höhere Art der Menschheit zu geben. Mehrere seiner religions- philosophischen Werke sind ins Englische und Französische überfeßt und er hat auch feinen Haupteinfluß in Frankreich, England und Amerika gehabt, da dort die Neigung zu einer im Religiösen gipfelnden Philofophie un gleich stärker ist als in Deutschland. Indessen gewann Eudens Philosophie auch bei uns immer mehr Anklang, seitdem sich die Forderung nach neuem religiösen Leben auszubreiten begann. Mit dem Sozialismus versuchte sich Eucken in einer Schrift: Der Sozialismus und feine Lebensgestaltung" auseinander zu setzen. Die Titel seiner wichtigsten Schriften sind:„ Der Rampf um einen geistigen Lebensinhalt"," Der Wahrheitsgehalt der Religion"," Der Sinn und Wert des Lebens"," Die Lebensanschauungen, der großen Denter". Vor einigen Jahren veröffentlichte er seine Lebenserinnerungen". Die„ Staatliche Hochschule für Handwerk und Baukunft, Weimar", beginnt am 1. Oftober ihr neues Semester. Sie ist eine Hochschule für junge, begabte Handwerker und Architekten. Sie stellt sich die Aufgabe, handwerkliches und technisches Können und Wissen zu ent wickeln und durchzubilden, formbildende Kräfte freizumachen und sie der Wirklichkeit einzuordnen. Die Schüler lernen auf der Grundlage wirklicher Aufgaben und schließlich durch Mitarbeit an wirklichen Aufgaben. Die Schule besteht aus: 1. einer Bauabteilung mit dem Bauatelier und der Modell- und Versuchswerkstatt, 2. den Werk stätten: Keramische Werkstatt, Tischlereiwerkstatt, Metall- und Glaferwerkstatt, Baumalerei, Weberei und Färberei, Werkstatt für Bühnen gestaltung. Für die Aufnahme entscheidet grundsätzlich die Be | beseitigt. burgische Ministerium des Innern hat folgende Berordnung zur Schwerin, 15. September.( Eigener Drahtbericht.) Das medlenBerbesserung des Mieterschutes erlaffen:„ Unter Aufbildung wird angeordnet: 1. Die gesetzliche Miete beträgt vom hebung der Bekanntmachung vom 25. Juni 1926 über Mietzins1. Oktober d. J. ab 101 Pro3. der Friedensmiete, wovon 30 Proz. als Instandsetzungskosten zu rechnen find. 2. Die gesehliche Miete für Räume, die ausschließlich für gewerbliche oder ge schäftliche Zwede benützt werden, beträgt mit Wirkung vom 1. Ottoüber die Frage, ob im Einzelfall ein Raum ausschließlich für gez ber d. 3. ab 110 Proz. der Friedensmiete. Bei Streitigteiten werbliche oder geschäftliche 3wede benutzt wird, sowie bei Streitig.. Zwecken dienenden Räume entfallenden Teiles der Miete, falls zufeiten über die Höhe des auf die gewerblichen oder geschäftlichen gleich Wohnräume mitvermietet sind, entscheidet das Mieteinigungsamt. 3. Die bisher geltenden 3uschläge im Falle der Untervermietung fallen mit Wirkung vom 1. Oftober 1926 ab fort.( Diese betrugen bisher 22½ Pro3. der Friedensmiete.) Die gefeßliche Miete für Räume, die in Bade-, Kur- und Erholungs. orten an Bade, Kur- und Erholungsgäste abvermietet werden, beträgt gleichfalls, und zwar bereits mit Wirkung vom 1. Juli d. J. ab 101 Proz. der Friedensmiete( bisher 115 Broz.)" Durch diese Verordnung der neuen Regierung werden verschiedene Härten beseitigt, die von der Brandenstein- Regierung auf dem Gebiete der Wohnungswirtschaft verursacht worden waren. Dresden: Eine große Anzahl der führenden Persönlichkeiten des Die Spaltung im„ Jungdeutschen Orden". TU. melbet aus Jungdeutschen Ordens in der Lausih hat sich zu einem Jungdeutschen Bunde zusammengeschloffen unter Austritt aus dem Jungdeutschen Orden. Aus dem übrigen Sachsen und aus Teilen Schlesiens liegen bereits Anmeldungen zu diesem Bunde vor. unter ihnen Meighen, haben ihre Size verloren. Nach den letzten Liberaler Wahlfieg in Kanada. Sechs alte fonservative Minister, Ergebnissen entfallen auf die Liberalen 116, auf die Konservativen 88 und auf andere Parteien 30 Size. gabung. In der Regel wird vorausgesezt: für die Bauabteilung Abschlußprüfung einer anerkannten Baugewerkschule oder Boregamen einer technischen Hochschule, für die Werkstätten Gesellenprüfung in einem einschlägigen Handwerk. Ausnahmsweise werden Lehrlinge Weberei. aufgenommen, insbesondere in der Keramischen Werkstatt und in der Jahre 1438 bekannt, eine Ausnügung von Ebbe und Flut im großen Das erste Gezeiten- Kraftwerk. Die Flutmühle war schon im aber ist erst durch die Entwicklung der elektrischen Arbeitsübertragung möglich geworden. Auf diesem Gebiete, auf dem auch deutsche Gelehrte, wie z. B. Geheimrat Rasch in Heidelberg, sich mit Erfolg betätigten, hat man nun in Frankreich einen prattischen Versuch Mitteilungen berichtet. gemacht, über den die Wiener Geographische Gesellschaft in ihren Die Société financière pour l'industrie hat dabei die natürliche Beschaffenheit der Küfte in der Bretagne und in der Normandie benutzt, die mit ihren zahlreichen Einschnitten die Schaffung von Staubecken und Staudämmen sehr erleichtert, wie im Mündungstrichter eines fleinen, fich ins Meer ergießenden Waffer fie zur Regulierung der durch die Gezeiten hervorgerufenen Niveauschwankungen notwendig find. Zunächst hat man nördlich von Brest laufs ein solches Werk angelegt. Die mögliche mittlere Krafterzeugung wird auf monatlich 1300 PS im Sommer, 2100 PS im Winter geschätzt. Umkehrung der Abstammungslehre? Auf der Anthropologentagung in Salzburg hielt der Kustos des Pathologischen Museums in Berlin, Prof. Mag Westenhöfer, einen aufsehenerregenden Vortrag, in dem er aus gewissen Tatsachen der Morphologie innerer Organe und aus der Geschichte der Entwicklung des menschlichen Gebisses, des Kinnes und der Sprunggelente, die den aufrechten Gang ermöglichen, eine vollkommene Umfehrung der Darwinschen Abstammungstheorie ableitete und den Menschen als die älteste Säugetierform bezeichnete. Man wird die weitere Diskussion über Westenhöfers Formulierungen abwarten müssen. Sollten sie sich bestätigen, so dürfte aus ihnen einerseits eine vollfommene Umgruppierung der einzelnen Etappen der Abstammungstheorie, andererseits und vor allen Dingen eine definitive Widerlegung der Häckelschen Abstammungslehre resultieren. tember bis 15. Dttober farbige Wiedergaben der Photographischen Gesell Die Buchhandlung Arthur Collignon, Wilhelmstr. 69, zeigt bom 15. Sepschaft von Gemälden aus Berliner Museen. Eintritt frei! Die Jugendweihe der Freidenfer in Tempelhof- Mariendorf findet am Sonntag, den 19. September, vormittags 10 Uhr, in der Oberrealschule in Mariendorf. Staiserstraße, statt. Mitwirkende: Weiherede Lehrer Witthauer, Musit: Künstler- Trio, Gesang: Boltschor Tempelhof- Mariendorf. Eintrittsfarten 0,80 Mart in den Unterrichtsstunden Mittwochs 3-5 Uhr, Schule in Mariendorf, Kaiserstraße und in den Kansumverlaufsstellen. Berderstraße in Tempelhof, Donnerstags 3-5 11hr, Schule Königstraße, einrichtungen sind auf Beranlassung der Hygiene- Seltion des Böllerbundes Die Sanitätszustände in den Offfeehäfen. Bur Untersuchung der Hafen Nach Abschluß der Reise, die sich über sämtliche größeren Häfen der Nordetwa 15 Aerzte in Riga eingetroffen. Sie begeben sich von hier nach Libau. und Ostsee erstrect, wird in Genf über einheitliche Maßnahmen gegen die Einschleppung von Seuchen und zur Verbesserung der gesundheitlichen Einrichtungen der Häfen befchloffen werden. Der angeklagte Springer. Die Typhusepidemie in Hannover. Der Höhepunkt noch nicht erreicht. Nötigung und Beleidigung- aber Freisprechung! Mehrfach haben wir uns mit dem Amtsgerichtsrat Springer in Poltwig beschäftigen müssen, der nicht nur als Hüter der Gerechtigkeit auf dem kurulischen Sessel thront, sondern auch als nationalistischer Agitator Großmeister im Jungdo spielt. Bekannt ist das Urteil, das er eines Tages gegen getroffenen Feststellungen die Annahme bestätigt, daß bei der Mitte an Lymphe, sondern auf rein medizinische Gründe zurückzuführen. Ueber die Ursache der Erkrankungen haben die am Dienstag[ impfung erst jetzt begonnen worden ist, ist nicht etsa auf den Mangel einen nationalistischen Burschen fällte, der eine sozialdemokratische August beobachteten Verunreinigung des Ricklinger Wasserwerks auch Wählerversammlung absichtlich durch Klavierspiel und Beranstaltung eines Massengebrülls gestört hatte. Typhusfeime in die Leitung gelangt find. Faft alle Erkrankten Dieser Springer sprach den Hausfrieden sbrecher frei mit der Be- flammen aus den Stadtteilen, die von dem Ridlinger Wasserwerk mit gründung, daß man in Wählerversammlungen ja ohnehin feine ernsthafte Belehrung erwarte, und daß deshalb jeder nationalistische ernsthafte Belehrung erwarte, und daß deshalb jeder nationalistische Rowdy das Recht habe, in solchen Wählerversammlungen soviel Lärm zu machen, wie er Lust habe. Ein Hausrecht stehe dem Ein berufer der Versammlung feineswegs zu. " 1 Diese im Gerichtsurteil ausgesprochene bewußte Verhöh= nung derjenigen, die nicht auf seinem politischen Boden stehen, ist aber nur ein Teil der Gesetzesverachtung, die diesem Gesetzeshüter allgemein eigen zu sem scheint. In seiner Eigenschaft als Großmeister des Jungdeutschen Ordens leistete er sich, wie wir seinerzeit berichteten, noch ganz andere Dinge. Mit den Brüdern" in Oberzauche war er in Pijferenzen geraten, mit der Wirkung, daß eine Reihe von ihnen dem Jungdeutschen Orden den uden kehrt. Darauf lud er sie vor das sogenannte ,, Ordensgericht". Als sie nicht erschienen und vielmehr vor Gericht mit dem Erfolge flagbar wurden, daß ihnen gerichtlich bestätigt wurde, sie seien aller Verpflichtungen gegen den Orden ledig, da schrieb Großmeister und Amtsgerichtsrai Springer ihnen einen Schreibebrief, in dem er bedauernd darauf hinwies, daß er sie nicht mehr ordensrichtern dürfe. Dann aber fuhr er fort: Ich habe jedoch, da mir triftige Gründe für Ihr Ausscheiden nicht vorliegen, das Recht, Sie, so off ich es für nötig halte, unter Namensnennung aus erzieherischen Gründen den Ordensbrüdern als warnendes Beispiel für Wort- und Treuebrüchigkeit zu bezeichnen." Wegen seiner politischen Urteile schwebt gegen den Amtsgerichtsrat ein Disziplinarverfahren. Seit einigen Wochen ist er mit der Hälfte feines Gehalts vom Dienste suspendiert. Wegen der Bedrohung und Nötigung seiner ehemaligen Ordensbrüder war er als Großmeister jetzt vor dem Schöffengericht in Glogau angeklagt. Er behauptete dort, er habe das Recht, auch auf seine ausgeschiedenen Ordensbrüder moralisch" und erziehe risch" einzuwirken. Seine Drohungen seien ,, im Interesse des Ordens und nicht zuletzt im Interesse des Vaterlandes" geschehen. Lehrer Strempel in Bollwig, der ebenfalls aus dem Orden ausgetreten ist und ebenso wie andere den erwähnten Brief bekommen hat, sagte als Zeuge aus, Springer habe auch erklärt: Wenn Ihr aus dem Orden austretet, so werdet Ihr in den Stahlhelm nicht aufgenommen. Dann bleibt Euch nur noch das Reichsbanner mit seinen jüdischen Hintermännern übrig. Der Jude Scheyer in Glogau und andere stiften ja schnell mal dem Reichsbanner einige hundert Mart." Der Staatsanwalt erblickte in dem Vorgehen des Großmeisters die strafbare Handlung der Nötigung in sechs Fällen und der Beleidigung in einem Fall für vorliegend. Er beantragte deshalb insgesamt 60 Mart Geldstrafe! Das Gericht aber Trinkwaffer versorgt werden; alle Erkrankungen datieren von Anfang September, d. h. etwa 16 Tage nach der beobachteten Verunreinigung; diese Frist stimmt genau mit der Intubationszeit überein. Die Gesamtzahl der Erkrankten hat sich auf 1097 erhöht; davon sind 477 Männer, 465 Frauen und 155 Kinder. Bericht des Preußischen Regierungskommissars. Berlin, 15. September. Dem Amtlichen Preußischen Pressedienſt wird aus Hannover von einem dorthin entfandten Kommiffar des Preußischen Wohlfahrtsministeriums gemeldet: Uebergreifen des Typhus in die Provinz. Hannover, 15. September.( TU.) Die Typhus- Epidemie dehnt fich über das Weichbild der Stadt aus. Wie aus Barsing. hausen, Empelde, Egestorf, Letter und Seelze im Landkreise Linden gemeldet wird, sind auch dort Typhusfälle zu verzeichnen. Die behördlichen Stellen sind bemüht, weit. gehende Sicherungen zu schaffen. Der Städtische Krankenhausausschuß hielt eine Sigung ab und beschäftigte sich mit den Maßnahmen zur Bekämpfung der Typhusepidemie. Es wird immer mehr Raum zur Unterbringung der Kranten erforderlich, so daß hieraus gewiffe Schwierigkeiten entstanden sind. Ebenso reichen bei dem zunehmenden Bedarf die vor. handenen Betten nicht aus. 300 Betten sind seit gestern abend und Die Zahl der Typhusfälle betrug Dienstag abend rund 1000, heute nacht von Berlin mit Lastkraftwagen unterwegs. Weitere die Zahl der Todesfälle 30. Leider muß nach menschlichem 900 Betten gehen heute und morgen als Eilfracht von Berlin und Ermessen mit einem weiteren Ansteigen der Erkrankungen Münster in Westfalen nach Hannover ab. In der Städtischen Heilgerechnet werden, da die Inkubationszeit, d. h. die Zeit vom Beginn stätte Heidehaus" wurden heute morgen 100 Betten dadurch freider Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit, noch nicht abgelaufen gemacht, daß leichterkrankte Personen, die ihre Kur ohne Gefährbung ihres augenblicklichen Zustandes auch später fortsegen können, ist. Ebenso muß leider mit weiteren Todesfällen gerechnet mit ihrer Zustimmung aus der Heilstätte vorläufig entlassen worden werden, da der Verlauf der Erkrankungen zum Teil ernst ist. Außer sind. Um die Beförderung der Kranken zu beschleunigen, hat die den genannten 1000 Kranken, die bereits in Krankenhäusern und Stadtverwaltung noch zwei neue Krantenwagen beschafft, die gleich Schulen isoliert sind, dürften mehrere 100 Erfrankte in den anderen von der Feuerwehr bedient werden. Der Kranten. den Wohnungen untergebracht sein. Für Unterbringung auch ausschuß billigte die von der Stadtverwaltung getroffenen Maßdiefer Erfrankten in Krankenhäusern und Schulen ist gesorgt, für nahmen und war der Meinung, daß ohne Rücksicht auf die Kosten alles geschehen müsse, was im Rahmen der Zuweitere Erkrankungen find ebenfalls Unterbringungsmöglichkeiten vorhanden. Sowohl mit dem Wehrkreiskommando wie mit dem Robert- ständigkeit der Stadt in dieser Frage zu geschehen habe. Oberbärgermeister Dr. Menge teilte mit, daß in den Schulen die WasserKoch- Institut find Maßnahmen vereinbart zur Stellung von nötigen- leitungen gesperrt seien, nicht weil die Verwaltung eine leberfalls Tausenden von Betten. Ebenso ist Lymphe in tragung von Krankheitserregern durch das Waffer befürchte, sondern völlig ausreichender Menge vorhanden, Aerzte und weil verhindert werden soll, daß durch übermäßigen Genuß von Pflegepersonal stehen genügend zur Verfügung: Rotes Kreuz und Waffer die Schüler oder Schülerinnen, namentlich in Verbindung Arbeiter- Samariterbund leisten wirksame Hilfe. Die mit Obst, anfällig, b. h. für die Aufnahme von Krankheitserregern Ueber die Ursachen der TyphusDurchführung der Desinfektion durch Bereitstellung von Desinfektions- besonders empfänglich werden. mitteln und Personal ist gesichert; die Vermehrung der bakteriologi- ertranfungen fonnten auch heute im Krankenhausausschuß keine beschen Untersuchungsmöglichkeiten ist im Aufbau. stimmten Mitteilungen gemacht werden. Die verunreinigten Brunnen sind ausgeschaltet und das gesamte Wasser wird gechlort und behördlich kontrolliert. In den letzten 14 Tagen ist die keimzahl gleich null. Sämtliche benußten Wasserwerke liefern einwandfreies Waffer. Es ist nicht anzunehmen, daß vom Wassergenuß weitere Infektionen auftreten; immerhin ist es möglich und in gewiffem Grade wahrscheinlich, daß durch konfaft noch weitere Erkrankungen vorkommen. Hannover, 15. September.( Eigener Drahtbericht.) Wie vom Landratsamt inden amtlich mitgeteilt wird, beläuft sich die Zahl der Typhustranten im Landkreis heute auf vierzehn. In Betracht kommen die Ortschaften Barsinghausen, Egestorff, Empelde, Seelze, Letter. In den beiden letzten Orten, die am nächsten bei Hannover liegen, ist die Zahl der Erfrankten am größten. Man rechnet mit einer weiteren Ausdehnung der Seuche. Die bisher Erfrankten werden vorläufig den Krankenhäusern in Hannover zugeführt. Sollte aber eine Steigerung der Krankheitsfälle eintreten, so wird dem Vernehmen nach das Krankenhaus in Barsinghausen für die Unterbringung der Thyphuskranken vers Die von den städtischen kollegien getroffenen Maßnahmen sind von den Regierungsvertretern eingehend geprüft und als vollkommen einwandfrei befunden worden. Die Schuhimpfungen haben am Dienstag begonnen und werden unter ftarlem Andrang der Bevölkerung durchgeführt. Daß mit der Schuh- wendet. sprach den amtsrichterlichen Großmeister mit der Begründung frei, Großfeuer in der Genossenschaftsbrauerei. vernichtende Urteil eines vernommenen Revisors erkennen. Der man fönne ihm nicht widerlegen, daß er sich berechtigt ge. glaubt habe, auch den ausgeschiedenen Ordensbrüdern noch Vorhaltungen machen zu können. Er fönne deshalb ,, aus fubjettiven Gründen nicht bestraft werden. Dieser Freispruch ist, wenn er nicht noch durch die Berufungsinstanz beseitigt wird, geradezu ein Freibrief für nationalistische Richter, fich in politischen Ungezogenheiten zu bewegen. Sie werden immer auf Freispruch rechnen dürfen, weil man ihnen subjektiv" keine Gesegesverlegung zutraut. Nehmen wir an, ein Sozialdemokrat hätte solche Briefe geschrieben, wie der Springer von Boltwik, so wären die Urteilsfäße über den „ sozialistischen Terror" wahrscheinlich für ewige Zeiten ein hoher Genuß für alle gut Kaiserlichen geworde Benesch gegen die Faschisten. ,, Legionäre, reinigt die Politik!" Prag, 15. September.( Eigener Drahtbericht.) Nach Masaryk greift nunmehr auch Außenminister Benesch in die heftigen Rämpfe ein, die in verschiedenen bürgerlichen Parteilagern zwischen Faschisten und Demokraten im Gange find. In einem Brief an die Legionäre erklärt Benesch, daß die Faschisten seit zwei Jahren eine Politik der Intrigen betreiben, die ein einzigartiges Beispiel von moralischer und politischer Gewissenlosigkeit darstellt. Er, Benesch, habe bisher versucht, des gesamtstaatlichen Interesses halber zu schweigen, müsse sich aber nun seiner persönlichen Ehre wehren und auch im Interesse des Staates aufdecken, mit welchen Mitteln der Kampf gegen die Burg"( d. h. Masaryk und Benesch, die auf dem Hradschin amtieren. Red. d. ,, B.") betrieben werde. Ausführlich schildert Benesch seinen Kampf gegen Gajda, den er seit vielen Jahren beobachtet und den auch Marschall Foch als gefährlich bezeichnet habe.( Und trotzdem machte man ihn zum Generalstabschef? Red. d." B.") Sehr heftig wendet sich der Außenminister gegen die Presse der Nationaldemokraten und der Klerifalen, die in dem persönlichen Kampf gegen die demofratischen Politiker führt. An die Legionäre richtet Benesch die Auf forderung, für die Reinheit der Politik zu kämpfen. In Spanien. Das Kriegsgericht arbeitet. Madrid, 15. September.( Havas.) Das Kriegsgericht in Segovia hat den Leiter der Artillerieſchule zum Tode verurteilt. Auf Vorschlag der Regierung hat der König diese Strafe auf dem Gnadenwege in eine lebenslängliche 3uchthausstrafe umgewandelt. Etwa 30 Offiziere derselben Schule wurden zu längeren Freiheitsstrafen verurteilt. Deutsch- afghanischer Freundschaftsvertrag. Gefiern find in Stabul die Ratifikationsurkunden des deutsch- afghanischen Freund schaftsvertrages ausgetauscht worden. Gesandtschaften beider Länder bestehen schon seit längerer Zeit, aber jetzt erst sind die diplomatischen Beziehungen vertragsmäßig festgelegt. Der Vertrag bestimmt, daß ewiger Frieden" zwischen beiden Ländern bestehen foll, er regelt die gegenseitige diplomatische Vertretung und nimmt für die nächste Zeit Berhandlungen über ein Wirtschaftsabkommen in Aussicht. Ein Indianerüberfall fand in Merito auf einen 3ug statt, in dem sich der frühere Präsident General Obregon befand. Es entspann sich ein dreistündiger Kampf zwischen den Angreifern und den Truppen, die den Zug begleiteten. General Obregon wurde gefangen genommen. Er soll inzwischen wieder freigelassen worden sein. Man nimmt an, daß der Anschlag unternommen worden ist, weil General Obregon für die fürzlich erfolgte Berhaftung mehrerer Führer der Jacui- Indianer verantwortlich gemacht wurde, Mehrere Dachstühle eingeäschert. Ein verheerendes Großfeuer beschäftigte geffern nacht viele Stunden lang fieben Löschzüge der Feuerwehren in der SeeStunden lang fieben Löschzüge der Feuerwehren in der Seeftraße 23 zu Friedrichshagen. In verhältnismäßig furzer Zeit standen die Dachstühle eines ganzen Brauereifompleges in Flammen. Nur unter den größten Schwierigkeiten gelang es den Wehren, eine Katastrophe, die die Einäfcherung der Gebäude zur Folge gehabt hätte, zu verhindern. In der Geestraße 23 befindet sich seit mehr als 20 Jahren die Friedrichshagener Genossenschaftsbrauerei. Bor einiger Zeit wurden umfangreiche Neu- und Umbauten vorgenommen, die jetzt vor ihrer Vollendung standen. Kurz vor 2 Uhr nachts wurde bemerkt, wie aus dem Dachstuhl über dem Gärraum Flammen herausschlugen. Die Friedrichshagener Feuerwehr wurde sofort alarmiert, zu deren Unterstützung noch die freiwilligen Feuerwehren von Köpenick und Niederschöneweide herbeieilten. Die Wehren waren zunächst dem entfesselten Element gegenüber machtlos. Der Dachstuhl brannte lichterloh, und die Flammen griffen auf den benachbarten Da ch ft u hl der Böttcherei über. Kurz nach 24 Uhr wurde dann der Alarm„ Großfeuer" eilten in Begleitung von Oberbranddirektor Gempp, Branddirektor weitergegeben. Die Berliner Löschzüge 7, 20 und Lichtenberg II Bofdziech und Baurat Bösselmann nach Friedrichshagen. Inzwischen war auch ein Feuerlösch boot, das noch auf den Albatros werfen lag und furz vor der Ablieferung und Indienstnahme stand, zur Hilfeleistung herbeigeeilt. Mit vereinten Kräften gelang es jegt, das Feuer, das immer größere Ausdehnung anzunehmen drohte, zu umfassen und ein Weitergreifen zu verhindern. Insgesamt wurde aus neun Rohren und von dem Lösch boot aus mit drei Rohren größten Kalibers Wasser gegeben. Das Feuerlöschboot hat übrigens seine Feuerprobe sehr gut bestanden. Auf dem Hof der Brauerei wurden mehrere mechanische Leitern in die Höhe gewunden und der Dachstuhl der anschließenden Mälzerei unter Wasser gehalten. Durch diese Maßnahme wurde das Feuer aufgehalten. Die beiden Dachstühle gingen vollständig nieder. Gehr viel Gerüftmaterial, das sich auf den Böden befand, wurde vernichtet. Einige im Dachgeschoß befindliche Werkstätten wurden gleichfalls ein Raub der Flammen. Auch ein hohes Baugerüst, das die neueren Umbauten umgab, wurde von den Flammen ergriffen und zum großen Teil vernichtet. Hier mußten die Löschmannschaften besonders vorsichtig zu Werke gehen, da fortwährend glühende Balkenstücke durch die Luft fauften. Gegen 25 Uhr morgens war die Hauptgefahr beseitigt, und die Aufräumungsarbeiten fonnten in Angriff genommen werden, die bis morgens 7 Uhr dauerten. Der Schaden ist sehr beträchtlich. Bis jetzt fonnte die Entstehungsursache noch nicht einwandfrei festgestellt werden, doch wird Brandstiftung vermutet. Trotz der späten Nachtstunden hatte sich in dem stillen Friedrichshagen auch aus der Umgegend eine ungeheure Zuschauermenge eingefunden, die von dem gewaltigen Feuerschein, der weit in die Nacht hinaus leuchtete, angelockt worden war. Die Unterschlagungen im Zellengefängnis. Mit den umfangreichen Unterschlagungen im Bellengefängnis in der Lehrter Straße hatte sich das Schöffengericht Berlin- Mitte zu beschäftigen. Während der Angeklagte, der Kanzleiangestellte Glaß in der Boruntersuchung zugegeben hatte, die gesamten ihm zur Last gelegten Beträge in Höhe von 39 000 m. unterschlagen zu haben, tam er jetzt mit der Behauptung, daß den Hauptanteil sein früherer Vorgesetzter, der im vorigen Jahre verstorbene Justizoberinspettor Wegener, erhalten hätte. Er selbst wollte nur ungefähr 10 000 bis 15 000 M. für sich veruntreut haben, die er in der Hauptsache vertrunken hätte. Aus den Büchern geht aber hervor, daß sogar 50 000 m. veruntreut worden sind. Wie dies möglich war und welche Zustände in den Büchern der Arbeitsinspektion des Bellengefängnisses geherrscht haben müssen, ließ das Staatsanwalt hielt daher die Angaben des Angeklagten für glaubhaft, daß ein größerer Teil der Unterschlagungen mit Zustimmung des Borgefeßten Wegener erfolgt wären; benn sonst hätte ein volles Chaos im Bellengefängnis herrschen müssen. Das Gericht war auch der Ansicht, es sei dem Angeklagten nicht zu widerlegen, daß mindestens Wegener einen Teil der unterschlagenen Summen erhalten hätte. Mit Rücksicht darauf, daß die mangelnde Kontrolle es dem Angeklagten sehr leicht gemacht hatte, erkannte das Gericht nur zu 1 Jahr 4 Monaten Gefängnis unter Anrechnung von 7 Monaten und 2 Wochen auf die Untersuchungshaft. Schülerselbstmord im Auto. In der letzten Nacht gegen 1 Uhr verübte der 18jährige Schüler Heinz Bühring aus der Pariser Straße 18a in einer Autodroschte vor dem Hause Budapester Str. 9 Selbstmord durch Erschießen. Der junge Mann bestieg eine Autodroschte und gab dem Chauffeur Anweisung, ihn nach der Rettungsstelle 7, die in dem Hause Budapester Straße 9 untergebracht ist, zu fahren. Sier angelangt, bat er den Chauffeur, die Nachtglocke zu ziehen. Diesen Augenblick benutzte B., um sich eine Kugel in das Herz zu schießen. Er war sofort tot. Anklageerhebung gegen Baron v. Oppen. In der Potsdamer Gesellschaft sieht man mit sehr gemischten demnächst das Potsdamer Schöffengericht beschäftigen wird. Dem Gefühlen einem neuen Sensationsprozeß entgegen, der Baron Oberleutnant Hermann v. Oppen aus Potsdam, der sich seit Jahresfrist im Botsdamer Untersuchungsgefängnis befindet, ist die Anklage wegen Heirats- und Scheckschwindeleien zugestellt worden. Der Baron war sechs Wochen zur Untersuchung der Landesirrenanstalt Görden bei Brandenburg überwiesen worden. Jetzt befindet er sich wieder im Potsdamer Untersuchungsgefängnis. v. Oppen spielte seinerzeit auf dem Potsdamer Parkett eine große Rolle. Zu dem Brozeß werden etwa 20 Beugen geladen, darunter auch viele mit hochtlingenden Namen. Die Potsdamer Teftamentsfälschung. Die Verhandlung gegen die 41jährige Professorsgattin Hesso! de Schnabel findet nicht vor dem Potsdamer Schwurgericht, sondern vor dem Potsdamer Justizrat R. Josephfohn übernommen. Schöffengericht statt. Die Berteidigung der Profefforsgattin hat Ueber 1500 Scharlacherkrankungen in Warschau. Warschau, 15. September.( mtb.) Die Schariachepidemie den in Warschau hat derartig um sich gegriffen, daß jeht bereits 751 Warschauer Krankenhäusern liegen. Scharlachkranke in Mindestens ebensoviel Kranke sind in privater Pflege. Boraussichtlich werden aus fanitären Gründen die Schulen vorübergehend gefchloffen. getötet und 50 schwer verlegt. Das Unglück ist dadurch verursacht worden, daß sich von einem Büterzug vier beladene Wagen loslösten und mit einer Geschwindigkeit von 100 Kilo= metern bergab liefen. Der Schnellzug, mit dem sie zusammenstießen, hatte eine Geschwindigkeit von 65 Kilometern. Die Maschine und der erste Wagen des Schnellzuges blieben unbeschädigt, dagegen wurde der zweite Wagen, der außerordentlich dicht besezt war, vollkommen zertrümmert. Bei einem Eisenbahnunglüd in Australien wurden 26 Personen Kampf in New York wurde der deutsche Bormeister Franz Diener Franz Diener in Amerika geschlagen. In einem Zehn- RundenKampf in New York wurde der deutsche Bormeister Franz Diener von dem amerikanischen Borer Bob Gorman geschlagen. Groß- Berliner Parteinachrichten. Heute, Mittwoch, 15. September, abend: 76. Abt. Dahlem. 8 Uhr bei Schelling, Rönigin- Luife- Str. 42, Mitglieder. versammlung und Zahlabend. 118. Abt. Lichtenberg. Gruppe Hornung: Wegen anderweitiger Befezung des Saales Extrazahlabend am Sonnabend, 18. September, 8 Uhr, bei Tempel, Gudrunstr. 7. Sozialpolitik mit Vorbehalt. Von der deutschen Bauwoche. nur der Kommunistischen Partei sei, ist unerheblich, denn das Ge richt weiß nicht, worauf sie sich stüßt, möglichenfalls kann sie auf einem unwahren Bericht beruhen. Auch die Beteiligung des Klägers an dem Umzuge beweist nichts für seine Parteizugehörigkeit. Aber durch seine Aeußerung gegenüber dem Major Lindau:„ Das ist meine politische Ueberzeugung", sieht das Ge richt als erwiesen an, daß sich der Kläger zur Kommunist i= Ihen Partei bekennt. Hiernach ist seine Entlassung mit Recht erfolgt. Es ist richtig, wie der Kläger sagt, daß nach der Verfassung jeder das Recht der freien Meinungsäußerung hat und daß er deswegen nicht benachteiligt werden darf. Nach§ 84.des Betriebsrätegesetzes ist der Einspruch gegen die Entlassung begründet, wenn sie megen politischer Betätigung erfolgt. Aber§ 85 des BR G. schließt das Recht des Einspruches in dieser Hinsicht aus in solchen Betrieben, die gewissen, unter anderen politischen und militärischen Bestrebungen dienen. Um einen solchen Betrieb handelt es sich im vorliegenden Falle. Die Reichswehr und ihre Einrichtungen dienen dem Schutz der Verfassung, es darf also in ihnen niemand geduldet werden, der den Umsturz der Verfassſſung anstrebt. Mitglieder sowohl rechtsradikaler wie linksradikaler Verbände haben in der Reichswehr nichts zu suchen. Es ist zu wünschen, daß die Reichswehrleitung den den Verfassungsfeinde ebenso energisch aus ihren Reihen entfernt, wie sie es mit dem anscheinend ganz harmlosen, des Kommunismus verdächtigen Arbeiter getan hat. Es ist übrigens nicht einzusehen, wieso ein Mitläufer der Kommunisten, wenn er in der Werkstatt des Zeugamts Gerätschaften der Reichswehr anstreicht, der Staatssicherheit gefährlich werden könnte. Aber Reichswehroffi. ziere, die sich offen als Gegner der Republik bes fennen, und dieser Ueberzeugung bei jeder Gelegenheit Ausdruck geben, bilden ohne Zweifel eine wirkliche Gefahr für die Ordnung und Sicherheit des Staates. Solche Elemente find bekanntlich zahlreich in der Reichswehr vertreten. Also bitte: Gleiches Maß für die Ümstürzler von rechts wie gegen die von links. In der Zeit vom 7. bis 12. September veranstalteten die bau| Zwangswirtschaft der Tarifverträge. Man dürfe nicht irgend gewerblichen Unternehmerorganisationen in Köln eine deutsche einem Amtsrichter die Entscheidung über die Löhne Bauwoche. Die drei Hauptorganisationen der Unternehmer diejes im Baugewerbe überlassen, dies schädige den Tarifgedanken. Gewerbes nennen sich Deutscher Arbeitgeberbund für das Auch der Umbildung der Erwerbslosenfürsorge zur staatlichen Baugewerbe, Deutscher Wirtschaftsbund für das Baugewerbe Arbeitslosenversicherung sei zuzustimmen, und Innungsverband deutscher Baugewerksmeister. Am 9. müsse man sich dabei vor Ueberspannungen hüten. Der Redner ging und 10. September hielten diese Organisationen öffentliche Ta dann auf die bekannte Rede von Dr. Silverberg in Dresden gungen ab, um eine Anzahl für das deutsche Baugewerbe und ein. Auch dieser habe sich zur Sozialpolitik bekannt. Er, Grundmann, darüber hinaus für die gesamte deutsche Wirtschaft hochbedeutsame tönne jedoch nicht soweit gehen, die sozialdemokratische Vorträge aus dem Munde maßgebender Männer des Baugewerbes" Bartei in die Reichsregierung mit einzubeziehen. halten zu lassen. Von Interesse für die Arbeiterschaft ist der Vortrag, Dafür lägen feine Gründe vor. Auf die Flut roter Stimmzettel bei den der Verbandssynditus Dr. Grundmann, der geistige Leiter Wahlen tomme es nicht an. Man müsse die Gesamtstellung der der genannten Unternehmerorganisationen zur Tarifvertrags Sozialdemokratie zum Staat beachten. Unter feinen Umständen und Sozialpolitit gehalten hat. Dr. Grundmann folgte dürfe die Wirtschaftsmaschine zerstört werden. Die Unternehmer wenn auch errötend den Dresdener Spuren Silverbergs. fönnen bolschewistische Methoden nicht mitmachen. Gewiß gebühre Er lehnte die Sozialpolitik und deren Fortführung nicht schlechtweg dem vierten Stand ein Mitrederecht und Mitbestimmungsrecht, das ab. Allerdings sei seit der Kriegsbeendigung der demokratische Mehr habe sich auch einst das Bürgertum gegen Adel und Geistlichkeit erheitswille dem objektiven Recht gleichgestellt worden, was der So- fämpfen müssen. Ueber das Maß dieses Mitrederechts müsse allerlegten Saz des Urteils besonders beherzigt und die rechtsstehenzialpolitik nicht zum Vorteil gereiche. Trotzdem dürfe man dem dings noch besonders entschieden werden. Gemeinsamkeitsarbeit sei heutigen Staat nicht grundsäglich die Mitarbeit an der So- nötig, jedoch müsse zialpolitik verweigern. jedoch dürfe die Sozialpolitik nicht nur einer Klasse zum Borteil gereichen, auch müsse man dem Beteiligten an der Sozialpolitik das Recht der Selbstverwaltung geben. Das Verständnis für Sozialpolitik sei überall vorhanden; Sozialpolitik müsse man treiben, dies sei nötig, um alle Arbeitskräfte zu höchster Leistung zu entwickeln und alle Volksgenossen für den Staat zu gewinnen. Das Ausmaß der Sozialpotit müsse insoweit beachtet werden, daß die Wirtschaft dieses Ausmaß er= tiagen fönne. Von diesen Gesichtspunkten ausgehend, können auch die Unternehmer bei der Sozialpolitik mithelfen. Zur Lohn und Tarifpolitit im Baugewerbe bemerkte der Redner, die Arbeiter des Baugewerbes bedürften eines höheren Cohnes als die übrigen Industriearbeiter. Allerdings sei die Gleichmacherei in den Löhnen zu verwerfen, Facharbeiter müßten einen höheren Lohn erhalten als ungelernte Arbeiter. Ferner müsse im Baugewerbe nach Leistung bezahlt werden, weshalb 2fforbverträge angestrebt werden müssen. Daß die Bau arbeiter in die Erwerbslosenfürsorge mit einbezogen find, sei richtig, dies sei ihnen trotz der höheren Löhne zu gönnen. Der Redner befannte sich auch zur Tarifpolitit. Er mies darauf hin, daß es nächst dem Buchdruckgewerbe das Bauge werbe gewesen ist, das zu erst zur Tarifpolitik übergegangen ist. Auf dem Standpunkt des Reichstarifvertrages stehen die Bauunternehmer noch heute. Allerdings sei der schematische 2 ch tst un de ntag für das Baugewerbe abzulehnen. Regen und Frost verhinderten vielfach die geregelte Fortführung der Bauarbeit, so daß bei Einhaltung des Achtstundentages bei weitem nicht täglich durchschnittlich 8 Stunden gearbeitet werde. Das sei ein unhaltbarer Zustand. Hoffentlich würden sich die Bauarbeiterorgani fationen in der Frage der täglichen Arbeitszeit noch zu einer anderen Auffassung befehren. Das Baugewerbe sei ein Saisongewerbe. Von Gefeßeswegen müssen im Baugewerbe Abweichun gen vom Achtstundentag zugelassen werden. Allerdings seien Bauunternehmerorganisationen Gegner jeder jeder staatlichen die Ein Krautjunker, wie er im Buche steht. Der Freiherr von Marschall in Sollstedt. dem Unternehmertum die Führung verbleiben. Sozialpolitt, wie sie sie meinen, Achtstundentag, wie sie ihn auffassen und Mitbestimmungsrecht, soweit sie es für gut halten. Immerhin, die Unternehmer im Baugewerbe haben in ihren Kämpfen mit der organisierten Bauarbeiterschaft einige Erfahrungen gewonnen, aus denen sie ihre Schlüsse ziehen. Sie müßten aber auch wissen, daß die Bauarbeiter in der Frage des Achtstundentages teine Veranlassung gegeben haben, die die Unternehmer zu Hoffnungen in dieser Beziehung ermunterten. Denn trotz des Achtstundentages gebrauchen die Bauarbeiter 10, 11 und noch mehr Stunden, um ihre Arbeiten auszuführen. Der Bauarbeiter arbeitet nicht in einem bestimmten Betriebe, er arbeitet heute dort, morgen wo anders, er fann feine Wohnstätte nicht in der Nähe des Betriebes haben, sein Arbeitsort wechselt beständig, so daß er vor allem in Großstädten vielfach zwei bis drei Stunden täglich braucht, um zur und von der Arbeitsstätte zu gelangen. Dies rechtfertigt auch schon zum Teil die höheren Löhne" der Bauarbeiter, über die so viel in bürgerlichen Rreifen gezettert wird. Der Bauarbeiter braucht weit mehr Regie fosten als ein Industriearbeiter. Aber daran denken ja diese Herren nicht, fie lassen sich nur vom eigenen Interesse leiten. Uebrigens haben sich die Bauarbeiterorganisationen schon stets bereit eitlärt, am schematischen" Achtstundentag nidjt festzuhalten, enn sich irgend wo in einem Landesteil oder einer Stadt das Bedürfnis zur Längerarbeit herausstellt, d. h. wenn Arbeitskräfte fehlen, und nicht aus anderen Gegenden herbeigeführt werden tönnen. Dann kann zeitweilig durch freie Ber. einbarung unter den Vertragskontrahenten eine Berlänge. rung der Arbeitszeit über acht Stunden täglich hinaus beschlossen werden. Natürlich ist dabei Bedingung, daß die über acht Stunden täglich hinausschießende Arbeitszeit höher entlohnt wird. Aber dies lehnen die Bauunternehmer ab, sie wollen eben die Beseitigung des Achtstundentages. Doch davon kann, im Baugewerbe zumal, die Rede nicht sein. Die starke Fauft nach links. In einem Reichswehrbetriebe. Bie die Geistesverfassung der Krautjunker auch heute noch beEin Anstreicher N., der 244 Jahre im 3eugamt Spandau, fchaffen ist, zeigt die Antwort des Freiherrn von Marschall in einem Betriebe der Reichswehr beschäftigt war, wurde enilaffen, weil man ihn an zuständiger Stelle für einen Sollstedt( Thüringen) auf ein höflich gehaltenes Schreiben des Kommunisten hielt. Diese Annahme ist zurückzuführen auf Deutschen Landarbeiterverbandes, in dem gefragt wurde, ob der Freiherr dem Schiedsspruch über die Gewährung einer Erntezulagen. einmal in einem Demonstrationszuge sah, dessen Teilnehmer die Beobachtung eines Unterfeldwebels, der den Anstreicher beitreten will. Die Antwort hat folgenden Wortlaut: Abzeichen des Roten Frontfämpferbundes trugen. Daß auch N. ein Abzeichen getragen habe, hat der Unterfeldwebel nicht ge,.Rittergut Sollstedt. Sollstedt, den 5. August 1926. An den Deutschen Landarbeiterverband, Gau Erfurt, Erfurt. Auf Ihr unaufgefordert zugefandtes Schreiben vom 29. Jull 1926 teile ich mit, daß ich zur Regelung der Angelegenheiten zwischen mir und den beim Ritter beschäftigten Arbeitern Ihrer Ratschläge nicht bedarf, und daß ich mir jede unerbetene Einmischung ihrerseits verbitte. Ich schlage Ihnen vor, anstatt sich um fremder Leute Dinge zu fümmern und unnötige Schreiben in die Welt flattern zu lassen, sich nützlich zu machen und an der Bergung der Ernte mitzuhelfen. Im übrigen mache ich Sie darauf aufmerksam, daß Sie auch in der Republit, bis heute wenigstens, selbst nicht als Gewert. schaftssekretär, die Berechtigung haben, mich um irgend etwas zu ersuchen. Wenn Sie irgend etwas von mir wollen, dann haben Sie mich darum zu bitten. Unterschrift: gez. Freiherr von Marschall, Rittmeister a. D." Das ist echter Juntergeist. Der Geist von Jena, der Geist, der das einstige Bolk der Dichter und Denter in den Ruf von Hunnen und Barbaren gebracht hat. Dieser Freiherr lebt offenbar noch im Mittelalter, wo der Feudalherr fast unumschränkter Gebieter über Leben und Eigentum seiner Leibeigenen war. Nicht einmal moderne Umgangsformen hat er sich angelernt. Bas würden wohl die landwirtschaftlichen Unternehmer und ihre Organisationen fagen, wenn sich ein Landarbeiter in ähn lichem Tone wie der Herr Rittmeister a. D. äußert? Helfen fann einer solchen Rücksichtslosigkeit gegenüber nur eins: Die Landarbeiter müssen den Deutschen Landarbeiterverband so start machen, daß die landwirtschaftlichen Unternehmer sich jedes Wort den Arbeitern und ihrer Organisation gegenüber zehnmal überlegen. Diesen Lümmeln müssen ihre Arbeiter Höflichkeit beibringen. Berliner- Elektriker- Genossenschaft Berlin N 24, Elsässer Str. 86-88| Filiale Westen, Wilmersdorf * Fernsprecher Norden 65 25 u. 65 26 Landhausstraße 4. Tel.: Pfalzbure 9831 Ausstellungsräume und Lager Alexanderstr. 39-40( Alexander- Passage) Tel.: Königstadt 540. 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Im zweiten Ter min erklärte der Vertreter, er fönne nunmehr auf Grund einer Austunft vom Reichswehrministerium po fitip behaupten, daß N. eingeschriebenes mit. alied der Kommunistischen Partei in Spandau sei. daß er nicht eingeschriebenes Mitglied der KPD. sei. den Borfizenden des Gerichts erklärte er sich bereit, zu beschwören, Der Kommandeur des Zeugamts Spandau, Major Lin. dau, wurde als 3euge gehört. Er jagte, er habe N. vor dessen Entlassung gefragt, ob er dem Roten Frontkämpferbund angehöre, und als N. dies verneinte, habe der Major gesagt:„ Dann sind Sie Mitglied der Kommunistischen Partei, Sie sind doch mit einer roten Armbinde und mit einer roten Fahne gesehen worden." Darauf darüber, und über das, was ich nach Feierabend tue, habe ich keine habe. geantwortet:" Das ist meine politische Ueberzeugung, Auskunft zu geben." N. behauptete dagegen, er habe nur gefagt, über seine po. litische Ueberzeugung und seine Tätigteit nach Feierabend habe er teine Auskunft zu geben. Der Bertreter des 3eugamts berief fich auf eine Berfügung des Reichswehrministers vom 18. August 1924, welche befagt, daß Mitglieder von Parteien, die den Umsturz der Reichswehr nicht beschäftigt werden dürfen. Reichsverfassung erstreben, in den Betrieben der Das Gericht, unter Borsiz des Obermagistratsrats Schulz, erkannte auf Abweisung der Klage mit der Begründung: Die Auskunft des Ministeriums, wonach der Kläger Mitglied Der gute KapitänKautabak ist in den meistar seschäften erhältlich C. Röcker, Berlin Lichtenberger Straße 22. Kgst. 3861 DER KLEINE BROCKHAUS Preis M. 23, Auch in Ratenzahlung Zu beziehen durch Adolf Hoffmann Episoden und Zwischenrufe aus der Barlaments- und Minifterzeit. Preis 1 Marz Porto 5 Pfennig Borrätig in allen VorwärisAusgabestellen. Sport- Stiefel J. H.W. Dietz Nachf. G. m. b. H. Wanderstiefel:: Bergsteige Berlin SW. 68, Lindenstraße 2 ( Abteilung Sortiment) und sämtl. Vorwärts- Ausgabestellen nur in dem bekannten Spezialgeschäft Berlin v. b. Brüde H. Bähr Spiffelmartt Noch eins: Wenn das Reichswehrministerium die Mitglieder. listen der KPD. zu fennen glaubt, dann steht es doch wohl durch Spiel mit den Kommunisten in Verbindung. Englischer Bergbaukonflikt und Regierung. Morgen neue Schritte. Nach der Rückkehr Baldwins wird die Regierung beraten, was nach der Entscheidung der Grubenbesitzer gegen ein nationales Abtommen zu tun ist. Man nimmt an, daß die Bezirksverbände der Grubenbefizer aufgefordert werden, Vertreter nach London zu entfenden. Baldwin will mit ihnen prüfen, welche Löhne und Arbeitsbedingungen miteinander übereinstimmen, um sie als Grundlage eines Nationalabkommens zu benüßen. Dabei ist wohl an einen Manteltarif gedacht, der die eigentliche Lohnregulierung in die Distrikte verweist. Den Bergarbeitern würde damit nicht gedient sein. die von der TU. verbreitet wird, hat die Zahl der Arbeitswilligen Nach einer Meldung des arbeiterfeindlichen ,, Daily Telegraph", Bergleute wieder arbeiten. im englischen Bergbau erheblich zugenommen. Bis jetzt sollen 72 320 Regierung gegen Generalftreit. London, 15. September.( RD.) Die englische Regierung wird demnächst im Unterhaus einen Gesezentwurf einbringen, dem zufolge es den Exekutivkomitees der Gewerkschaften untersagt ist, die Streifparole auszugeben, ohne vorher eine geheime Abstimmung durchgeführt und die Zustimmung einer bestimmten Mitgliederzahl der in Frage kommenden Gewerkschaften erlangt zu haben. An jich ist gegen die geheime Abstimmung über die Arbeitslieber, in die die Regierung sich nicht einzumischen hat. einstellung taum etwas einzuwenden. Es handelt sich hier jedoch um eine Angelegenheit der Gewerkschaften und ihrer mit Offenbar ist sie infolge des Generalstreits auf diese Absicht verfallen. Die Entscheidung über einen Generalstreit aber durch Urabstimmung herbeizuführen, bedeutete die Berhinde. rung jedes Generalstreits, selbst wenn über 75 Proz. der Mitglieder dafür stimmten. Die englischen Gewerkschaften haben bei ihrem Generalstreit Erfahrungen gemacht, die zu einem zweiten Generalstreit in absehbarer Zeit faum ermuntern. Um so mehr fann die Regierung auf eine Bevormundung verzichten und die Zeit dafür verwenden, sich mit den Grubenbesizern zu beschäftigen. Finanznöte einer englischen Gewerkschaft. London, 15. September.( TU.) Die schwierige finanzielle Lage der englischen Gewerkschaften, die infolge der langen Dauer des Streits eingetreten ist, ergibt sich u. a. auch aus der Tatsache, daß die Gewerkschaft der Kesselmacher und Schiffsbauarbeiter Bankschulden im Betrage von 173 600 Pfund hat. Es ist infolge dessen vorgeschlagen worden, die Gehälter aller Beamten der Gewertschaften um durchschnittlich 15 Proz. herabzusehen, wodurch man 31 000 Pfund jährlich zu ersparen hofft. 8immerer! Morgen, Donnerstag, 7 Uhr, in den Mufilersälen( Großer Saal), Raifer- Wilhelm- Str. 31, große Mitgliederversammlung. 25 Jahre inter nationale Gewerkschaftsbewegung". Das Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht! Die Bezirksleitungen werden ersucht, eine halbe Stunde früher zu erscheinen, Der Borstand. um das Werbematerial in Empfang nehmen zu können. Metalltransportarbeiter! Morgen, Donnerstag, 7 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engelufer 24/25, großer Saal, Berbeversammlung aller Transportarbeiter aus sämtlichen Groß- Berliner Metallbetrieben. Vortrag des Landtagsabgeordneten Genossen Wilhelm Krüger über: Weltkapitalismus und Internationaler Gewerkschaftsbund". Zu dieser Bersammlung haben alle Metalltransportarbeider ohne Unterschieb ihrer Organisationszugehörigkeit Zutritt. Ganz besonders find bie unorganisierten Mitarbeiter zu dieser Bersammlung eingeladen. Werbezettel und Werbematerial wird am Gaaleingang für die Betriebe ausgegeben. Deutscher Berkehrsbund, Gektion 5. Berantwortlich für Politik: Dr. Curt Geyer; Wirtschaft: Artur Gaternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lokales Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckeret und Sonstiges: Frik Karstäbt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. und Berlagsanftalt Baul Ginger u. Co., Berlin G 68, Lindenstraße 3. Hausmusik auf Kredit! Erstkl. Sprech- Apparate mit Plattenzugabe. Geringe Anzahlung und kleinste Rate Platten aller Marken zu Listenpreisen in großer Auswahl. Musikhaus E. Feldhammer Berans 42, Ritterstr. 34. Telephon: Danbo 2334 Fordern Sie kostenlosen Prospekt ein oder besichtigen Sie meine Vorführungsräume von 9-7 Uhr( auch Sonnabends) Kaufen Sie nur in einem Spezial- Sprechmaschinen- Geschäft!