Nr.4Sö ♦ 43.?ahrfl. Musgabe A Nr. 225 Bezugspreis. � W-jch-nllich 70 Pfeuoi«. aunatltA 8.— Reichsmark Demut»cchlbar. linier Kreuzband für Deutschland, ST-cnsi«. Saat, und Memelgebiet. Oesterreich. Litauen. Luremdur« 4.S0 Reichsmark, für da» itbri«« «u»Iand 5,50 Reichsmark pro Monat. Set ,Sont>Jrt»" mit der ivultriee» len Sonntagsbeilage.Volk und Zeit' sowie den Beilagen.llnterdaltung und Wissen�,.Aus der Filmwell". ,!?toucnfltmme*,„Der Ätnbtt- frtunb*, �Jugend» Vorwärts� und JVtitt in tri« Bilchetwelt" erscheint Wochentaglich»weimal. Sonntag» und Montags einmal. Telegramm-Adreff«: �Sozinldemokrat verllo- Morgenausgabe (iv pksnnig) ß Anzeigenpreise: Die einspaltig« Nonpareille- »eile 80 Pfennig. Rcklainejeile 5,— Reichsmark,„»leine Anzeigen' das fettgedruckt« Wort 25 Pfennig (luläriig zwei fettgedruckte Worte), jedes wettere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erst« Wort is Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte übet 15 Buchstaben ziidlen für zwei Worte. Ardeitsinarkt iieile 80 Pfennig. gamilienanzeiaen für Abonnenten Lette«L Pfennig. Verlinev Volksbl�kt Zcntmlorqan der Sozialdemokrat! feben partei Deutfchlands Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis VA Übe nachmittag, im Kauptgeschiift, Berlin SW 88. Linde». ttrasse 8, abgegeben werden. Geöffnet von SVi Ubr früh bis S Uhr nachm. Neöaktion unö Verlag: Serlla SV. SS, �inöenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2S2— SS7. Donnerstag, den 1«. September I.SÄ6 vorwärts-verlag G.m.b.H.» Serlin EW. öS, Linöenffr.Z V-fttchecklontn! Berlin 8? 8ZI— Bankkonto: Bank der Arteiter, Angestellten und Beamten, wallftr. 85: Siskonto-Sefelltchaft. Depofitenkasse Lindenftr. 3. /Anerkennung üeutfther Sozialarbeit. Feierstunde im Internationalen Arbeitsamt. V. Seh. Genf. 15. September.(Eigener Drahtbericht.) Am Mittwochnachmittag waren im Konferenzsaal des Internationalen Arbeitsamtes die deutsch« Delegation und die deutschen Pressever- trcter zur Einweihung der kostbaren von P e ch st e i n geschaffenen Glasfenster versammelt, die die deutsche Regierung zur Aus- pattung des neuen Gebäudes dieses Amts gestiftet Hot. Beim Empfang im Konferenzsaal, bei dem auch leitende Be- amte de» Arbeitsamts erschienen waren, begrüßte die Deutschen der Direktor des Amts, Genosse Albert Thomas: Ihr Erscheinen im Internationalen Arbeitsamt bedeutet kein« Neuerung,«eit sieben Jahren arbeitet Deutschland im Jnter- nationalen Arbeitsamt mit, denn schon in den Zeiten des Dersailler V»rtragsabschluss«s erschien es unmöglich, daß Deutschland außerhalb der internationalen Organisation der Arbeit gelassen werde, einmal weil die Arbeiterklasse eines jeden Landes, als Schrittmacherin des Geistes der Ver- söhnung und der Brüderlichkeit, der heute die inter- nationalen Beziehungen beherrscht, schon damals die Anwesenheit Deutschlands forderte, ferner aber auch, weil ein jeder es als eine Unmöglichkeit empfand, außerhalb dieser Organisation gerade da» große Land der möchtigen Berussverbände. das Land der Sozialoersicherung, das Musterland der Sozialpolitik zu lassen. Wenn heute Skeptiker oder Pessimisten fragen, was aus dem Völkerbund nach dem Beitritt Deutschlands werden mag, so können wir auf Grund unserer eigenen Erfahrungen antworten: Seht, welche» die produktive Mitarbeit Deutschlands in den letzten sieben Iahren de» Bestehens des Arbeitsamte» ge- wesen ist. Selbst in den schweren. Stunden der Entscheidung des Völkerbundes über O b e r s ch le.s i e n und mitten in her R if h r- besetzung war es unser Stolz und unsere Ehre, daß wir mit Deutschland herzlich und wirksam zusammenarbeiten konnten. Auch in ganz besonders schwierigen Fragen der gegenwärtigen Wirtschaftslage, wie der Regelung der Arbeitszeit, waren wir in der glücklichen Lage, loyal und erschöpfend mit den Vertretern der Reichsregierung uns aussprechen zu können, und mit Deutschland die Einführung einer Politik zu erleben, die mehr und mehr den Bestimmungen des Washingtoner Abkommens entspricht. So begrüßen wir heute mit vorbehaltloser Freude die Mitwirkung Deutschlands am Gesamtwert des Völkerbundes. Aus den sieben Iahren gemein- famer Mitarbeit werden wir gemeinsam die Lehre ziehen, daß das Friedenswerk nur wirtlich dauerhaft ist, wenn es auf allen Gc- bieten geübt wird. Der Zwang der wirtschaftlichen Not. wendig keit ist gewiß«in ikriedcnsfaktor, aber er genügt als solcher nicht. Der Frieden muß auch ein Werk der menschlichen Vernunft und des menschlichen Willens sein, der Frieden kann nur verwirklicht werden mit Nationen, In denen der Menschengeist b e. freit ist von allem Elend und aller Bedrückung. Das ist die«igent- liche Rolle des Internationalen Arbeitsamtes. Wir wollen, wie andere Organisationen, friedliche Menschen schassen. Wir wollen, indem wir sie von dem Elend und von der Bedrückung befreien, die die in- duslrielle Entwicklung für die tohnempsänger mit sich bringt, Menschen formen, vernünftige, willensfähige und freie Menschen, die Willens sind, den Frieden zu sichern. Wir sind sicher, daß wir in diesem Sinne in vollem Einklang stehen mit den Vertretern der deutschen Nation. Die wunderschönen Glasfenster, die wir jetzt gemeinsam bewundern werden, stellen arbeitende Menschen dar, die unter menschenwürdigen Verhältnissen schaffen, während über ihnen die Glocke schwingt, die die Freude und die Hoffnung einer befriedeten Menschheit verkündet. Das ist das Sym- hol. das wir von Deutschland erhalten haben. Wir hoffen durch ansere tägliche praktisch« Politik«inen Weltfrieden zu verwirk- lichen, der auf der sozialen Gerechtigkeit beruht. Auf diese frei vorgetragene, mit starkem Beifall aufgenommene Rede Thomas, erwiderte Dr. Strefemann ebenfalls in improvisierter Ansprache u. a.: Sie wissen, welche Kämpfe der Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund vorangegangen sind. Um so mehr schätzen wir es in der Geschichte der Beziehungen Deutschlands zu anderen Nationen, daß unbeirrt von den großen Fragen der Wcltpolitik die großen Fragen des sozialen Friedens der Welt uns hier ve r e i n t gesehen haben mit anderen Nationen. Wohl in keinem anderen Lande' ist eine schnelle Entwicklung von dem sich selbst genügenden Agrarstaat zu dem Staat der Großstädte, der Arbeiter, der Industrie so unoermittelt vor sich gegangen, als bei uns in Deutschland. Ich bin nicht der Meinung, daß die Kultur der Menschheit dadurch ge- winnt, daß wir Großstädte und Konzerne als Bestandteile der Völker sehen. Doch um so wichtiger ist es, einen Faktor in der Sozialpolitik zu schaffen, der das große Staats- und Völkerinteresse wahrt gegenüber den Gefahren, die sonst in dieser Entwicklung Regen.'Wenn wir heute sprechen von der Rationalisierung her Industri«, so ist sie verknüpft mit einer Entwicklung, die »ur noch Milliardenunternehmvngen auf der einen Seit« und ganz »nder« Existenzen auf der anderen Seite sieht. Deshalb haben hie Staaten darüber zu wachen, daß nicht diese Entwicklung zu einem DtzO dir Menschheit wirb. Weim aus b�fcm Gebiet« ein Weit- bewerb der Notionen stattfände, um zu sehen, wer das Beste ge- leistet hätte, ich glaub«, es gäbe keinen edleren Wettbe- werb als diesen in der Zeit, in der wir leben. Es ist«in gut«r Gedanke des menschlichen Fortschritts, daß die verschiedenen Menschen in den einzelnen Völkern, in den einzelnen Erdteilen zu- sammenkommen, um Probleme zu lösen, um auf diese Weise Ab- machungen für eine gewisse soziale Tieflagelinie zu finden, damit die Schiffe der Völker der Erde unter der gleichen Belastung fahren und deshalb auf die Entwicklung der anderen Rücksicht nehmen müsien, was vielleicht einzelnen nützen, ober der Gesamtheit unzweifelhaft schaden muß. Und daß Sie hier die Gemeinschaft mit Deutschland gefunden haben, ehe noch die großen politischen Grund- fragen gelöst waren, zeigt vielleicht, wie tief der Gedanke des ge. Aufmarschplan für die Gewerkschasts-Kundgebung am Sonntag, den-19. September in Treptow siehe T.Seite der 2. Beilage meinsamen sozialen Wirkens hier an dieser Stätte Wurzeln gesaßt hat. Wenn Deutfchlands Mitwirkung gewünscht und freudig zugestanden wurde, so kann ich nur hoffen, daß, soweit das im Rahmen des Möglichen überhaupt liegt, die Intensität der Mitarbeit hier noch mehr gesteigert wird.(Lebhafter Beifall.) An diese kurze und eindrucksvolle Begrüßungsfeier, die sicherlich dazu beigetragen hat, die Idee der Genfer Arbeitsorganisation in Deutschland zu popularisieren, schloß sich ein« Besichtigung des neuen Amtsgebäudes an. vas Wahlverfahren einstimmig beschlossen. Genf. 15. September.(Eigener Drahtbericht.) Die Vollversamm- lung hat nach einer langen, recht überflüssigen Debatte, die zwei Sitzungen füllte, die Ausschußbeschlüsse über dos Wahlverfahren für den Völkerbundsrat e i n st i m m i g angenommen. Morgen vor- mittag beginnt die Wahl der nichtständigen Ratsmitglieder, deren es nunmehr drei Kategorien, mit ein- bis dreijähriger Mandatsdauer, gibt. veutsth-französtfche öefprechungen. V. Seh. Genf, 15. September.(Eigener Drahtbericht.) Briand und Strefemann dürften nicht vor Sonntag abreisen. Briand hatte am Nachmittag mit den Staatssekretären W e i ß m a n n und P ü n d e r von der Reichskanzlei eine längere Unterredung, die Detailfragen der Besatzung und der Militärkontrolle betraf. Preußens Erwerbslosenfürforge. Die prcußisch-hessische Gcfahrcngemcinschaft von Preußen gekündigt.— Was nun? Preußen hat die preußisch-hessische Gefahren- g e m e i n s ch a f t in der Erwerbsloscnsürsorge gekündigt. Als Grund für die Kündigung wird angegeben, daß die Gefahrengemcin- schaft in ihrer bisherigen Form infolge der katastrophalen Entwick- lung auf dem Arbeitsmarkt für lfZreuhcn finanziell nicht mehr zu tragen sei. Preußen will, wie wir hören, die Gefahrcngemeinschast nicht für die Dauer lösen, sondern lediglich ein anderes An- teilsverhältnis herbeiführen. Die Kündigung des Gefahrcnausgleichs, der seit 1324 bestand, hat bei der hessischen Regierung und ebenso bei den Gewerkschaften des preußisch-hessischen Wirtschaftsgebietes ernste Bedenken und Befürchtungen wachgerufen. Hessen war an dem Be- stand der Gefahrengemeinschaft, die einen breiteren Lastenausgleich ermöglichte, aufs stärkste interessiert. Auch besitzt Hessen kein eigenes Landesarbeitsamt: es gehört zu dem Arbeits- amt Frankfurt a. M. Für das preußisch-hessische Wirtschaftsgebiet ist eine Gefahrengemeinschaft eine unbedingte Notwendigkeit. Es ist ein einheitlicher Körper: Tausende von Arbeitern, die im Hessischen wohnen, arbeiten in Preußen und umgekehrt. Es muß erwartet werden, daß im Verlauf der Kündigungsfrist, die drei Monate be- trägt, die Gefahrengemeinschaft in einer für alle Teile tragbaren Form erneuert wird. Bei den Parlamentswahlen In Kanada hat die k o n s e r- oatioe Regierung eine schwere Niederlage er- litten. K konservativ« Minister haben ihre Mandate ver- l o r e n. Aller Voraussicht nach wird die bisherige konservative Regierung durch eine liberale ersetzt werden. Bisher sind auch vier Arbeiterparteiler gewählt. ver Tpphus in Hannover. Ein Beitrag zur methodischen Seuchenbekämpfung. � Von Stadtarzt Dr. Alfred Korach. Seit etwa einer Woche herrscht in der Stadt Hannover Typhus. Er breitet sich von Tag zu Tag mehr aus. Die Zahl der Erkrankungsfälle hat die Zahl IM) bereits überschritten. Glücklicherweise sind die meisten Erkrankungen leichterer Art. Immerhin hat der Typhus in Hannover bereits 3» Todesopfer gefordert. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß noch eine größere Anzahl von Sterbefällen sich ereignen wird, da ja die vom Typhus befallenen Patienten nicht selten an den Folgen von Darmgeschwürenstfterben, die sich erst in den späteren Krankheitswochen entwickeln. Man hat nun in den Zeitungen aller Lager recht zahl- reiche Berichte zu lesen bekommen. Es war wiederholt davon die Rede, der Höhepunkt der Erkrankungen fei bald über- schritten. Allerlei mehr oder weniger berechtigte„Be- ruhigungen" wurden von verschiedenen Seiten ausgesprochen. Wie liegen die Dinge? Bricht irgendwo eine Typhus- epidemie aus— und dies pflegt in Deutschland jedes Jahr in verschiedenen Gegenden der Fall zu sein—, so handelt es sich vor allen Dingen darum, nachzuforschen, auf welche Weise die Krankheit verbreitet wird, welcher Ursprungsherd der Seuche sich nachweisen läßt. Die meisten Typhus- epidemien werden entweder durck das Trinkwasser oder durch die Milch übertragen. Eine beoeutende Rolle spielen dann noch— im Zusammenhang mit den durch infiziertes Wasser und infizierte Milch hervorgerufenen Epidemien— die sogenannten Kontakterkrankungen, die Uebertragungen des Typhus von Mensch zu Mensch, vom Erkrankten auf den in seiner Umgebung befindlichen Gesunden. Man ist sich nun in Hannover darüber klar, daß der dort jetzt herrschende Typhus eine Epidemie ist, die durch infektiöses Trinkwasser hervorgerufen wurde. Die genaue Quelle der Infektion hat man aber offen- bar noch nicht aufgespürt, noch nicht„verstopft". Und solange dies nicht geglückt ist, kann nur ein schlechter Prophet sagen, der„Höhepunkt" der Epidemie sei„überwunden" oder die Ueberschreitung des Höhepunktes sei in Bälde zu erwarten. Man scheint sich im übrigen vollkommen darüber einig zu sein, daß die Trinkwasserleitungen der Stadt Hannover in vieler Beziehung veraltet sind und bei ihrer Gefährlichkeit für das öffentliche Leben schon vor geraumer Zeit hätten erneuert werden sollen. In ver mangelhaften Beschaffenheit der Trinkwasserleitungen, die auch nicht bestritten wird, liegt sicherlich ein bedeutsamer Grund des jetzigen Unheils. Was gilt es jetzt in Hannover zu tun? Welche Hilfs- maßnahmen sind bereits getroffen worden? Man hat einige Schulen als Hilfslazarette eingerichtet. Eine Reihe von Fahr- zeugen wurde behelfsmäßig als Krankentransportwagen für Typhuskranke eingerichtet. Seit einigen Tagen werden öffentliche Typhusschutzimpfungen veranstaltet. Man kann sich aber des Eindrucks nicht erwehren, daß die städtische Ver- waltung in Hannover außerordentlich langsam arbeitet. Man vermißt auch eine gewisie E i n h e i t l i ch k e i t des Vorgehens bei der Bekämpfung der Seuche. So hört man, daß der städtische Krankcnhausausschuß am Dienstag dieser Woche vormittags zur Beratung zusammentrat. Am Diens- tag abend wollte die Stadtverwaltung mit dem sozialhygieni- schen Ausschuß des ärztlichen Vereins Fühlung nehmen. Der städtische Ausschuß für Gesundheitsfürsorge wurde für Mitt- woch dieser Woche zur Sitzung zusammenberufen. Schon aus diesen Mitteilungen ersieht man, daß es ein einheit- lich organisiertes städtisches Gesundheits- wesen in Hannovernicht gibt, was auch der Fall ist. Alle diejenigen, die auf kommunalhygienischem Gebiete einigermaßen bewandert sind, wissen es aber ganz genau: die erste Voraussetzung für jede erfolgreich? Arbeit auf dem Gebietedes Gesundheits wesens ist die einheit- liche Zusammenfassung aller in dieses Gebiet fallen- den Verwaltungsmaßnahmen. Handelt man dieser Ersah- rung zuwider, so ergeben sich schon in„ruhigen Zeiten" sehr zum Nachteil der Bevölkerung arge Mißstände. Um wieviel mehr zu einöm Zeitpunkt, in dem eine große Stadt lawinen- artig von einer Epidemie befallen wird! Die Unterbringung der Kranken und Krankheitsverdäch- tigen in Krankenhäusern und Hilfslazaretten, die Veranstal- tung öffentlicher Impfungen, der Krankentransport, die hygienische Volksbclehrung, die Nutzbarmachung der Schul- gesundheitspflege bei der Bekämpfung einer Typhusepidemie, die hygienische Kontrolle der Wasserwerke, der Wasserleitun- gen und der Kanalisation, die Anordnung von Quarantäne und Desinfektion, olle diese und noch andere wichtige Maßnahmen müssen nach einheitlichen Ge- sichtspunkten und schnell getroffen werden. Es ist sehr bezeichnend, daß die Stadt Hannover keine eigentliche Spitze des Gesundheitswesens besitzt, keinen Stadtmedizinal- rat. in besten Händen alle Fäden der kommunalen Gesund- heitsverwaltung zusammenlaufen müßten. Zwar amtiert in Hannover als staatlicher Medizinalbeamter ein in weiten Kreisen recht vorteilhast bekannter Kreisarzt, dar sich um die Bekämpfung der Seuche verdient macht und auch in gewisien engeren Beziehungen zu der städtischen Gesundheitsverwaltung steht. Wie dem aber auch sei, von dem Vorhandensein einer einheitlichen städtischen Gesundheitsbehörde, die mit allen anderen Organen der Stadtverwaltung dauernd eng zusam- menarbeitet, wichtige kommunalhygienische Entscheidungen erwirkt und für alle für die Gesundheit der Bevölkerung bedeutungsvollen Dinge, um die die Stadt besorgt sein muß, verantwortlich ist, kann in Hannover keine Rede sein. Manche Maßnahmen, die in Hannooer getroffen wurden, geben zu gewissen Bedenken Anlaß. Vor allem muß die Üeberfüllung der Krankenhäuser hervorgehoben werden, die sogleich beim Auftreten der Epidemie sich sehr unangenehm fühlbar machte. Man sollt« hieraus überall die Lehre ziehen, sehr nachdrücklich dafür zu sorgen, daß in epi- demiefreien leiten eine größere Anzahl von Betten in den öffentlichen Krankenanstalten leer steht. Dem einen oder anderen mag diese, von feiten der Hygieniker so oft erhobene Forderung unwirtschaftlich erscheinen. Mit Nichten! Aus epidemiologischen Gründen ist dieses Verlangen vollauf be» rechtigt und seine Erfüllung eine öffentliche Pflicht. Aus den Nachrichten, die von Hannover kommen, ersieht man auch, wie dringend notwendig es ist, daß jederzeit eine größere Anzahl von Krankentransportwagen, die nach jedem Transport ohne weiteres desinfiziert werden können, zur Verfügung steht. Die Zahl der Schutzimpfungen scheint in Han» nover noch recht niedrig zu sein. Zwar wird gemeldet, es bätten sich im alten Leineschloß, Im Zentrum der Stadt, stündlich etwa 300 Menschen impfen lassen: bei der Größe der Einwohnerzahl Hannovers kann diese Inanspruch- nähme aber nicht als bedeutend bezeichnet werden. Bereitet es doch auch keinerlei technische Schwierigkeiten, mit Hilfe einer genügenden Anzahl von Aerzten weit größere Teile der Bevölkerung der Schutzimpfung zu unterziehen. Eine Typhusfchutzimpsung erfordert zwar etwas mehr Zeltauf- wand als eine Pockenschutzimpsung: es sei aber immerhin vergleichsweise bemerkt, daß ein auf dem Gebiete der Pockenimpfung besonders gewandter Arzt in Berlin während des Krieges längere Zeit täglich bis zu 3des Vorstoßes in Neuland, der Regieprobleme, des Wagnisses, wie der gestrig-modernen Oper von Strauß. Schreker, Busoni. Puccini sPd all jener Gebilde, die in Mozart ihren Brennpunkt haben. schließlich dessen, was an Händel für die Oper zu retten ist. Die Städtische Oper schließlich wird es jetzt bequem haben, das ihrem Grundriß Entsprechende herauszusuchen, der großen Aus- stattungsoper zu dienen, im Neuen und Alten das Spezifische, nicht auf intime Wirkung Eingestellte zu pflegen, das Ballettwesen zu reformieren. Beweis zu bringen für die Möglichkeit eines Star- ensembles und das Gästewesen abzuschaffen. An Wagner und Verdi wird keines der Opernhäuser»orbeigehen können. Der Kassen- Ta'?PJlr''a"',er �as Repertoire mit, nicht nur der künst- lerische Will». Aber Abgrenzung und Stilrichtung sind notwendig. Sonst konnten>m Ringen um die Palme alle drei Häuser zu Fall kommen. Daß bei Kroll auch das sozialistische Drama mit Musik (Krenek, Th'eslen. Strawinsky)«ine Stätte haben muh. ist selbst- redend. Jnteressengemelnschaft! Rettung für die Wirtschaft wie für den Geschmack und die Genußfreude der Hörer. Wenn sich Männer m,e. /. y.',. ech, Walter, Tietjens Harth erst einmal an den gemeinschaftlichen Berawngstisch setzen, so wird Gedankenaustausch mit dem Blick aufs Ganze allmählich zur Lösung der kritischen Opernsroge fuhren. Dieses Ganze aber heißt: der Ruf der Stadt Berlin. Daß im Laufe der letzten Jahre dos Opernrepertoire Berlin» irgendwie über das Niveau der Provinzopern herausgcragt hätte. kann ehrlich nicht behauptet werden. Auch im Konzertleben nicht. Stagnation der Programme. Festfitzen auf Namen, Ueberfteigerung der Pultvirtuosenoergötte- rung. Dernachlässigung des Werks auf Koste« der Wtrtenden.. Seit Herr v. Rohr in der reaktionärsten Zeitung, die es in Deutschland gibt, in der„Pommerschen Tagespost", einen Be- richt über diese Reise, der für uns um so interessanter ist, als sich der Weg dieser pommerschen„Iunkerdelegation" mit dem der deutschen„Arbeiterdelegation" verschiedentlich gekreuzt hat. Herr v. Rohr schreibt: Der zweiten deutschen Arbeiterdelegation sind wir in Moskau begegnet, als sie, von Beifallsstürmen begrüßt, unter den Klön- gen eines deutschen Armeemarsches den Sportplatz eines Arbeiterklubs betrat. Die Delegation scheint die Arbeit ihrer Vorgängerin fortsetzen zu sollen. Darauf deutet ein großes rotes Plakat, das gegenüber der deutschen Tribüne angebracht war und in riesigen Buchstaben den Satz brachte:„Deutsche, laßt Tuch nicht vom„Vorwärts" PotemNnsche Dörfer vormachen!"— Wir dürfen also einem Reisebericht entgegensehen, der wieder im wesentlichen auf einen Kampf gegen di« SPD. hinausläuft. Die Sowjetregierung trägt die Sofien eine» solche« Besuch». Man kann es ihr nicht verdenken, daß fi« dafür polt tischen Gewinn haben will. Schon auf dem Bahnhof beginnt's. Die von den Russen meister- hast gechandhabt« Massentechnik kloppt vorzüglich. Jubel braust auf. sobald die Delegierten sich dem Volte zeigen. Kommunisten drängen heran, schütteln die Hände, Rede auf Rede folgt, Hochs erschallen, die Musik bläst Tusch auf Tusch. Unter Fest- tagsstimmung wird Einzug gehalten. Echan hier vergißt mancher, daß die Ihn Umdrängenden nicht das russische Volt sind, und daß nicht der Festtag, sondern der graue Alltag den Lebensinhatt eines Voltes bestimmt. Bei den nun folgenden Besichtigungen, die sich in schneller Folge jagen und dem einzelnen zu persönlichen, unbeobachteten Studien kaum Zeit lassen, ist dafür gesorgt, daß die Delegierten sich immer i n der richtigen Begleitung befinden. Ein Beispiel von der Reise der vorigen Delegation: Eine Fabrik wird besichtigt. Der Name kann leider wegen zu be- fürchtender Rückwirkungen nicht genannt werden. Ein Direktor ist Deutscher, aber er hat den Befehl, für diesen Tag die deutsche Sprache zu vergessen und dem Dol- metscher die Verständigung mit den Delegierten zu überlassen. Einem Delegierten fällt die schlechte Kleidung der Arbeiter auf. Er fragt nach der Höhe der Löhne. Der Dolmetscher übersetzt zutreffend. Der Direktor antwortet ebenfalls richtig:„Der ungelernte Arbeiter erhält 50 Rubel monatlich." Der Dolmetscher aber gibt an den Delegierten nicht„50", sondern„150 Rubel" weiter.„Dann allerdings," sagt der Delegierte,„könnte de? Arbeiter auch dl« 100 Rubel für einen neuen Anzug aufwenden." Auch wenn einige Delegierte davon berichten, daß sie mit deutsch sprechenden russischen Arbeitern Privatgespräche geführt hätten, bringt uns da» der Wahrheit nicht näher. Kein Arbeiter wird sich der Gefahr aussetzen, daß eine von ihm getane abfällige Bemerkung über die Verhältnisse in Rußland nachträglich bekannt wird. Man macht sich außerhalb Rußland» von dem hier ausgeübten Terror kaum den richtigen Begriff. Ein deutschsprechender Werk- meister, den ich vor einem Psandamt, in dem er Sacken versetzte, traf, bat mich schon nach wenigen Schritten, die wir auf der Straße zusammen gingen, ihn allein zu lassen, da er nicht in meister Gesell- schaft gesehen werden dürfe. Ein höherer Angestellter gab nach löngerem Privatgespräch, da» wir in einem Privathause ohne Zeugen führten, auf di« Frage„Glauben Sie, daß der Bolschewismus in Rußland überhaupt noch wirklich« Anhänger hat?"— die Antwort: „Darauf darf ich nicht antworten!" Ein anderer ant- wartete auf die Frage nach den Gründen der furchtbaren Arbeit». losigkeit diplomatisch:„2)ie Gründe wissen Sie vielleicht besser als ichl" Wenn solche Borsicht schon un« gegenüber angewandt wurde, wo eine Kontrolle durch Sowjetagenten nahezu ausgeschlossen war, so kann man den Wert der von den Delegierten gemeldeten Privat- gespröche, die sich genau nachträglich feststellen lassen, ungefähr ermessen. Wir können leider nicht nachprüfen, inwieweit diese Dar- stellung auf Tatsachen beruht, denn unser Berichterstatter Jahren die gleichen Namen, die gleichen Werke. Die Programme von F u r t w ä n g l e r und Kleiber sind sprichwörtlich schlecht. altmodisch und zielunsicher. Das Vielerlei hat kein kulturelles Zentrum. Im Gedenkjahr Beethovens und Bruckners ist es be- quem, die Werke dieser Heroen auszuführen. Wer wird es sich ent- gehen lassen? Uebersättigung heißt die Folg«. Aber ist in Berlin wirklich Rot für mehrere Zyklen? Die Philharmoniker werden mit Reckt in den herrlichen populären Konzerten einen Ueberblick vecschaffen für alle, die hören wollen. Die Stadt Berlin kündet großzügig ihr B e e t h o v e n- F« st an. An Bruckner wird weder Furtwängler noch Kleiber noch Walter vorübergehen. Wozu aber dann noch besondere Reihenaufführungen? Gesundung der Wirtschast läßt hosfen, daß die Orchester besser als bisher beschäftigt werden. Ist auch zu erwarten, daß die Befähigten, die großen Talente durchgesetzt werden, wenn sie noch nicht etikettiert sind? Di« vielen Geiger, Sänger, Pianisten? Wer von den Berufenen hat die große, edle Geste, neue Namen herauszustellen? In Berlin gehen die Musiker Fried, Waghalter, Stiedry, Hildebrandt tatenlos herum. Engagiert werden Lert, Pollack: gibt es kein« Berliner Dankbarkeit, keinen Lokal- Patriotismus mehr? Mit Freude begrüßen wir es, daß das Ar- beiterkulturkartell den jungen Iascha Hören st ein vor größere Aufgaben stellt und daß es— unter der organisatorischen und künstlerischn Inittatioe von Albert Horlitz— ein muster- Haftes Programm von vier Orchestertonzerten verkündet. Die Volksbühne bleibt ihrer alten Gepflogenheit treu, das Beste vom Besten geben zu lassen. Auf die Einseitigkeit dieser Methode haben wir mehrfach hingewiesen. Aber wirtschaftliche Gründe sind für die Uebernahme der Staatsopernkonzerte im Voltsbühnenhaus trotz der verschiedenen Publikumorganisotion maßgebend. Inzwischen ist aber, während"wir noch wünschen und denken, die Konzert- und Opernsaison auf leisen Sohlen über Nacht nach Berlin geschlichen. In einer demonstrativen A i d a- Auffllbrung rivalisieren die Giannini und Onegin miteinander. Wobei -estgestellt wird, daß die Italienerin an Gesangsschönheit gewonnen, die Onegin ihren Alt auf Kosten eines groß ausladenden Sopran verloren hat. P r ü w e r spielt wieder in der Philharmonie. Hören st ein dirigiert an einem Festabend zu Ehren der „B u t a b" die Leonoren-Ouvertüre im Anfang sehr poelisch, dann nervös, dann großartig. Die Proben zum B a ch- F e st, das mehr den Auswärtigen als den Berlinern zugedacht ist. sind im Gange. Ende September ist alles in Fluß: große und klein.' Chöre üben an großen und kleinen Werken, letztere unbeirrt und unbelchrbar daiüber, daß nur ein Ziisamnienschliiß vieler zu eine»- Ganzen die Wirkung steigern, das Interesse erhöhen, das Defizit mckringern kann. Wagemutig stehen sie alle wieder da, mit einem herrlichen Schimmer von Hoffnung in den Augen, mit wachen und begeisterten Sinnen. Auch die Kritik wird nicht schlafen, und sie möchte gern, ach so gern, begeistert sein.__ Der Polemkin-Skandal geht weiter. Bayern und Württemberg haben gegen die neu zensierte und neu zugelassene Fassung des Potemkin-Filmes, die diesen und anderen Ländern zuliebe veran- staltet wurde, ein Berbotoerfahren eingeleitet. Die Verhandlung, die merkwürdig lange auf sich warten läßt, soll am 27. September vor der Oberprüfstelle stattfinden. turrf ja nach Rußland nichl hinein! Aber gar zu gerne möchten wir die echt leninistischen Grundsätze kennen lernen, nach denen die Einreiseerlaubnis nach Rußland erteilt wird! Muß der„Vorwärts" erst ein monarchistisches Junker- b l a t t werden, damit ihm die Sonne Moskaus ebenso hell scheint, wie der„Pommerschen Tagespost"? Reinholüs Griff ins Wespennest. Wehgeschrei der„Kreuz-Zeitung". Von.gut unterrichteter Seite", also osfenbar von den abge- bauten Beamten selbst, wird der.Kreuz-Zeitung" mitgeteilt, daß sich die Berwaltungsreform des demokratischen Reichsfinanzministers Rein hold als.eine nackte politische Maßnahme gegen rechts- gerichtete Beamte" darstelle. Folgende, sämtlich den Rechts- kreisen angehörenden oder nahestehenden Beamten seien„in einer nicht überbietbar rücksichtslosen Form" über Nacht in den einst- weisigen Ruhestand versetzt worden: Staatssekretär Dr. Fischer, Ministerialdirektor Schubert, die Ministerialdirigenten Schulze, Jacob», Kühnemann, die Ministerialräte Konopacki, Schmiedel, Rathusiu», die Oberregicrungsräte Gravcn- Horst und R u d e l i u s. Bon Rudelius erzählt aber die„Kreuz-Zeitung" dann weiter. er habe.bei seiner Abmeldung den Minister empört darauf aus- merksam gemacht, daß er auch der Partei de» Herrn Minister» angehöre", worauf ihm der Minister eine nochmalige Nachprüfung seines Falles zugesagt habe. Auch der Regierungsrat Dr. Baccloeco soll nur deshalb nicht abgebaut worden sein, weil das Zentrum drohend den Finger erhoben habe. Demgegenüber erklärt MTB..mit allem Nachdruck", die gs- troffenen Maßnahmen seien.in keiner Weise von politischen Er- wägungen beeinflußt". Nach dem.Dem. Zeitungsdienst" wird eine weitere Vereinfachung des Derwalwngsapparates am 1. April 1S27 mit der Auflösung des Reich»»ntschädigungsamtes statt- finden. � der Finanzausgleich vertagt. Staatssekretär Dr. Popitz über Steuerfragcn. Auf der 10. Tagung des Zentralverbandes de, Deutschen Groß- Handels führte Staatssekretär Dr. Popttz vom Reichsfinanz- Ministerium unter anderem aus: „Wenn die Wirtschaft heute über die Steuern klagt, so bezieht sich das wohl nicht auf die Steuersätze, sondern aus die Steuern selbst. Im übrigen Ist die Höhe der Sätze in erster Linie ein Problem des Finanzausgleiches zwischen Reich, Län- dern und Gemeinden, das zurzeit zu den akutesten gehört. Der Finanzausgleich ist im Jahre 1925 ungelöst geblieben und soll nach der gegenwärtigen Gesetzgebung am 1. April 1927 im Zeichen der Zuschläge zur Einkommensteuer und der Relation zwischen Eint»mmensteuer und Realsteuern gelöst werden. Der Reichsfinonzminister hat auf der Dresdener Industrie- tagung die Gründe dargelegt, weshalb der Termin nicht eingehalten «erden tonnt«. Da» siegt vor allem daran, daß die für di« Ent- scheidung de» Problems unumgänglich notwendigen Statistiken über Einkommensteuer, Vermögenssteuer und Real- steuern nicht rechtzeitig abgeschlossen werden konnten. Ferner ?t da» Hauszins st euerproblem, ein Kernstück des Finanz- ausgleich», noch nicht gelöst. Endlich kam, man auch Zweifel hegen. ob gerade die Verhältnisse des Jahres 1925 als Grundlage für die dauernd« Regelung geeignet sind, denn wichtige Berufsstände, wie z.B. di« Landwirtschaft, sind gerade 1925 weitgehend aus der Einkommensteuer herausgefallen. Bei solchen Berhält- nissen würden Einkommen st euerzuschläge in zahlreichen ländlichen Gemeinden doch keine Erleichterung, sondern eher eine Erschwerung Ihrer Lage bringen. Aus allen diesen Grün- den wird der gegenwärtige Steuerausgleich wohlnoch ein Jahr verlängert werden müssen. Selbstverständlich muß der«nd- gültige Entwurf im Frühjahr den gesetzgebenden Körperschaften vor- gelegt werden." Der neue Serliner Staatsoperintenüant. Seit Uebernahme der vormals königlichen Theater auf den preußischen Staat bestand bei den beteiligten Ministerien der Plan, an die Spitze der Verwaltung einen künstlerisch und verwaltungs- technisch bewährten Generalintendanten zu stellen. Dieser Plan wird nunmehr durch die Berufung des Intendanten Heinz Tietjen, der zurzeit die Berliner Städtische Oper leitet, zum Generalintendanten verwirklicht. Die Stellung der unter bewährter Leitung stehenden Berliner Staatsschauspielschule wird dadurch nicht berührt. Selbstverständlich wird Herr Tietjen seine vertrag- lichen Derpflichtungen der Stadt Berlin gegenüber erfüllen. Den Verhandlungen zwischen Staat und Stadt bleibt vorbehalten, eine Klärung aller schwebenden Fragen herbeizuführen. Die Oper „Unter den Linden" soll einen besonderen Öperndirektor erhalte», für welchen Posten der bisherige Opernspielleiter Prof. Ludwig Hörtb tn Aussicht genommen- ist: auch Ist geplant, die Oper am Platz der Republik unter einem eigenen Operndirektor organi- satorisch und künstlerisch selbständiger zu stellen. Wie die„Telegraphen-Union" in Ergänzung der Meldung des Amtlichen Preußischen Pressedienstes erfährt, läuft der Vertrag des neuen Generalintendanten Tietjen mit der Städtischen Oper nach bis 1. Juli 1928. Es sind aber Verhandlungen eingeleitet, die die praktische Mitarbeit Tietjens den Staatsopern schon früher sichern wollen, damit er an dem Neuausbau der staatlichen Opernbetriebe schon alsbald praktisch mitzuarbeiten vermag. * In dem Augenblick, in dem wir diese Nachricht erhalten, ist nicht zu kontrollieren, auf welcher Basis diese Ernennung Tietjen» erfolgt ist, nicht einmal, ob Tietjen diese Ernennung angenommen hat oder nicht. Derartige Pläne bestehen seit langem, man suchte ein Oberhaupt über die miteinander konkurrierenden Operninstitute, wobei die Selbständigkeit der Häuser gewahrt bleiben sollte. Man geht wohl nicht seht in der Annahme, daß„Unter den Lindsn" Kleiber und Hörth, bei Kroll Klemperer, in der Städtischen Oper Bruno Walter als Operndirettoren die Führung übernehmen sollen, und daß über ihnen, mit ihnen oerhandelnd, Tietjen thronen soll. Das wäre dann die ersehnte und auch wohl notwendige, in ihren Konsequenzen aber durchaus noch nicht absehbare Interessengemein. schast. Sie kommt sehr plötzlich, in einem Augenblick, da die Staaisoper wenig Möglichkeiten zu Taten und Einnahmen hat. Tietjens Vertrag mit der Stadt läuft bis 1928. Für das Aufblühen des Instituts der Stadt Berlin ist er sicher so verantwortlich wie Walter. Es werden sehr lebhafte Diskussionen mit der Stadt dar- über entstehen, ob diese prachtvolle Kraft abgegeben und zersplittert werden darf, wenn es sich um städtisches Kunstwohl und den geord- neten Gang der städtischen Oper handelt. Bei dem Charakter Tietjen» ist sicker, daß er nicht Uebereiltes tut und vorläufig eine rein abwartende Stellung einnimmt. Da, Deutsch« Hyglene-Atu«um. In den RelchSd-iuSbaltSvIan tilr tS27 soll ein Belraa von i Millionen Mart zum Bau de» Dcutlchen Hygiene- Muleum» in Dresden eingeled! werden. Einen Beilrag in gleicher HSd« bewilligte di« tächsslche Regierung.-Die«ladt Dresden wird einen Dar» betrag von«wer Mtlllon und den Bauplatz im Werte von einer Million zur Verfügung stelle». Der Stahlhelm für die Jememöröer. In Gemeinschaft mit dentschnationalen Abgeordneten? Der bekannte Stahlhelmführer Düsterberg in Halle erhielt den folgenden Brief: C r a n z o w, Kreis Soldin(Nrn.), 19. Juli 1926. Sehr verehrter Herr Oberstleutnant! Gestern auf einer Fahnenweihe des Stahlhelms riet mir ein Herr Otto Lohr- Magdeburg von der Bundesleitung des Stahlhelms, mich in folgender Sache an Sie zu wenden. Im Jahre 1923 nahm ich Alfred Afchcnkampf, welcher bei den Baltikum-Tru?pen gewesen war und durch Bolschewisten Vater. Mutter und Vermögen verloren hatte, als Feldschutzbeamten bei mir aus. Wahrend seines Hierseins hat er mir treue Dienste geleistet und sich durch sein Wesen und seine Führung die Sympathie aller meiner Beamten erworben. Besonders anzuerkennen war seine rührende Anhänglichkeit an meine Person. Aschenkampf ist ein grader, ehrlicher Mensch, eine brave Soldatennatur, der zu seinen Vorgesetzten ganz auf Treue und Gehorsam nach altpreutzischem Muster eingestellt war. Aschenkampf war durch einen Granatsplitter verwundet. Dies bewirkte, daß er an schweren Kopfschmerzen litt und in diesem Zustand teilweise unzu- rechnungsfähig(?) war. Dazu schien er dauernd an tiefer Schwermut zu leiden. Man merkte seinem ganzen Benehmen an, daß er Furchtbares durchgemacht haben mußte und eifrig bemüht war, durch treue Pflichterfüllung sich eine neue bürgerliche Existenz zu gründen. Am 1. Oktober 192S erschien hier in meiner Abwesenheit die Berliner Kriminalpolizei auf einem Auto und verhaftete ihn. Es ergab sich, daß Aschenkampf in den Döberiher Fememord verwickell war. Aschenkampf geHörle der Schwarzen Reichswehr an. In vaterländischer Begeisterung hatten sich die jungen Leute geschworen, der Entente gegenüber Verschwiegenheit zu wahren. Verräter sollten nicht lebend die Reihen verlasien. Ein gewisser Panier floh von der Truppe, wurde von der Polizei in Berlin verhastet und der Truppe in Döberitz wieder aus- geliefert. Ihrem Schwur gemäß sollte Panier nicht wieder lebend entkommen und erhielt gerade Aschenkampf von dem kompagniesührer durch den Feldwebel den Befehl, dies auszuführen. Aschenkampf hat darauf nach vielem Widerreden und innerlichem Widerstreben dem Panier mit der stumpsen Seite eines Beils einen Schlag auf den Kopf gegeben, hat darauf das Beil entsetzt fort- geworfen und sich schaudernd sortgewandt. Panier war durch den Schlag betäubt und versuchte sich wieder hochzurichten. Der Mord wurde dann von den anderen vollendet. Nach erfolgtem Tode gab der Feldwebel dem Aschenkamps einen neuen Besehl, bei dkr Ein- scharxung der Leiche zu helfen. In dieser Tatsache hat das Schwur- gericht eine fortgesetzte Handlung erblickt und das Vorliegen eines bereuten und aufgegebenen Mordversuchs verneint. Aschenkampf wurde zum Tode verurteilt, die Sie- Vision beim Reichsgericht am 13. d. M. verworfen. Damit sind alle vier jungen Soldaten endgültig zum Tode verurteilt. Nur ein Gnadengesuch kann sie retten. Es kommt daraus an, sie möglichst vor lebenslänglichem Zucht- haus zu bewahren und das furchtbare Unrecht zu verhüten, daß diese jungen Leute, deren Motiv Vaterlandsliebe war, ebenso bestrast werden, wie der gräßliche Lustmosienmörder Haarmann aus Hannover. Ich stelle Ihrem Urteil anheim, ob es angezeigt ist, in öffentlichen Versammlungen des Stahlhelm» und dergleichen die Volksmassen für die Sache zu interessieren. Vielleicht ist es aber richtig, erst einmal den Erfolg unseres Gna- dengesuchs abzuwarten, um die Behörden künftig vor dem Vorwurf zu bewahren, dem Druck der Rechtsgesinnten gewichen zu sein. Ich bitte Sie er- gebenst, mit der Bundesleitung des Stahlhelms zu prüfen, was unternommen werden kann, um die vier jungen Sol- daten vor dem Henker und lebenslänglichen Zuchthaus zu retten. Jedenfalls dürfte es richtig sein, möglichst viel Gnadengesuche mit Mastenunterschristen an den Herrn preußischen Iustizminister einzureichen. Das Akten- zeichen ist 13a � S/g 3J 863/25(1. 26 Sache c/a Schirrmann und Genossen). Mit der Bitte um baldigste Nachricht Ihr ergebener gez. v. G r a n a ch, Majoratsbesitzer. Dieses Schreiben sandte Düsterberg an die Bundes- leitung des Stahlhelm zur Weitergabe an b e ft i m m t e deutschnationale Reichstagsabgeordnete und bemerkte dazu wörtlich folgendes: „Es muß alles geschehen, es handelt sich um vier Menschen- leben! Männer, die um schnödes Geld unsere milit. Pläne dem Feind verraten haben und hierdurch den Tod von Tausenden ver- ursachten, spricht man frei und diesen armen Teufeln will man aus Leder." Wir wären begierig, zu erfahren, in welchen Fällen dt« von Düsterberg erwähnten Freisprüche ergangen sind. Si« bestehen offenbar nur in der Phantasie des Stahlhelmführers. Kennzeichnend ist es aber, den Stahlhelmführe« zusammen mit deutschnationalen Reichst« asabgcord» neten als Schützer und Retter gemeiner Äörd«>k tätig zu sehen. Wenn Gnadengesuche mit Massenunter» schriften an die preußische Regierung herankommen, so weis) diese jetzt genau, w i e diese Gesuche zu werten sind. Alle» ist bestellte Arbeit! Für die„Vaterlandsliebe", die die Verurteilten veranlaßt hat, einen Kameraden wie ein Stück Vieh abzuschlachten, haben vielleicht der Stahlhelm und deutsch- nationale„Frontgeist"-Träger Verständnis, normale Men» schen aber nicht! Der Zal! Iahnke. Enthüllungen eines chcinaligrn Mitglieds der O.E. im Fcmcansschnst. Der Femeuntersuchungsausschuß des Landtags hielt am Mittwoch nachmittag ein« öffentlich« Sitzung ab. Die Ange- legenheit Kube-Wulle-Ahlemann soll ruhen, bis die gerichtliche Vor- Untersuchung abgeschlossen ist. Der Ausschuß vernahm als Zeugen den 26jöhrig«n Kirnst- gewerbler Karl Schmidt, einen ehemaligen Unterführer der Organisation Consul, der gelegentlich einer Ver- nehmung am 9. Juli 1926 vor der Polizei bekundet hatte, daß er durch eine driite Person Kenntnis davon erhielt, daß der deutsch- nationale L a n d la g s a b g e o r d n e t e Iahnke zugegen mar, als zwischen Mitgliedern der OC. Veratungen über Atten- tatspläne auf Ebert, Stresemann und Severing gepflogen wurden. Der Zeuge ist bereit, auszusagen und erklärt: Die Person, die ich als Zeugen für die unbedingte Echtheit meiner Bekundung nennen kann, ist der 93! a j o r Buchrucker, mit dem ich am 28. September 1923 im Auftrage der OC. zu verhandeln hotte. Ich hatte nämlich die Aufgabe, bei der maßgebenden Persönlichkeit fcstzustellen, inwieweit Mitglieder der OC. am Kü striner Putsch beteiligt waren und ob der Putsch unbedingt zu dem ge- wählten Termin vor sich gehen mußte. Ich hatte damals u. a. auch die Rolle des Herrn v. Graefe bei dieser ganzen Sache aufzuklären. Das Ergebnis meiner Arbeit habe ich der Zentral« der OC. in einem Briefe mitgeteilt. Dieser Brief ist versehentlich mit der Unterschrift des Majors Buchrucker oersehen worden. Später hat Major Buchrucker. als die Gefahr bestand, daß dieser Brief, der nur für den inneren Gebrauch bestimmt war. an die Oeffentlichkeil käme, eine eidesstattliche Versicherung darüber abgegeben, daß der Inhalt des Briefes falsch sei. Ich bin leider heute gezwungen, zu erklären, daß diese eidesslaMiche Versicherung falsch ist. Auf Fragen gibt der Zeuge an, daß er den Befehl für sein« Auf- klärungsarbeit von der Zentral« der OC. über den Leutnant v. P a n n w i tz erhalten habe. Jetzt bestehe die OC. nicht mehr. Sie hätte sich in verschiedenen Wehrverbänden legalisiert und habe 1923 als bayerischer Ordnungsblock bestanden. Das politische Ziel der OE. sei die Bekämpfung der Republik mit ollen Mitteln. Diesem Ziel sei die OC. auch treu geblieben. Dabei sei unter„allen Mitteln" auch der politische Mord zu verstehen. Die Unterredung, in der Buchrucker dem Zeugen von der Teil- nahm« Jahnkes an den Attentatsverhandlungen berichtet haben soll, hätte zum Teil auch in Anwesenheit des Bruders von Buch- rucker, des Reichswehroffiziers Buchrucker aus Ludwigsburg, stattgefunden. Cs habe sich bei der Sitzung, an der Iahnke teilnahm, um die maßgebend« Besprechung zur Festsetzung des Termins zum Losschlagen gehandelt. Uebrigens fei die Rolle des Abg. v. Graes« dabei durchaus nicht einwandfrei gewesen. Graefe habe sogar später selbst zugegeben, dag er das Vertrauen Buchrucker» mißbraucht hätte. Iahnke nahm an dieser Sitzung teil, obwohl er Beauftragter des Ministeriums, d. h. der Reichstanzlei unter Hamm war. Iahnke wußte, was in den Ministerien vorging, und das war maßgebend zur Festsetzung des Zeitpunkts zum Losschlagen. Iahnke mußte wenigstens in großen Zügen über die Absichten der Putschisten, so auch über den Plan einer Beseitigung der Minister unterrichiet sein. Auf eine Frag« erklärte der Zeuge: Heber„Beseitigung" brauchen wir uns gar nicht mehr zu streiten. Es war so gemeint, daß man einfach mit dem Allto vorfuhr trnt> die-aMlH- fter erschoß. Höchstens den' Stadt kvmma»da nte n von- Berlin hätten wir einfach gesangengenommen. Äberlu« Reglern nge nüjUieder mußten erschossen werden, denn es ist ganz klar: Mit Hemmungen und unter'Beachtung von Lappalien kommt man nicht durch: ein« Revolution ist kein Kinderspiel. Für meine Person kenne ich kein« Hemmungen, wenn es gilt,«igen Befehl auszu- führen. Und man braucht sich auch nur die Mannschaften anzu- sehen, um zu wissen, daß sie auch so dachten. Es waren Klapp- roth und einige ander« von seinem Typ. Abg. Dr. Schwering(Z.): Sind Sie heute noch Mitglied eines sogenannten nationalen Verbandes? Zeuge: Seit dem Jimi o. I. verfolgt man mich von nationaler Seite. Dies hängt zusammen mit der Verteidigung des Schulz, die von mir aus mobilistert wurde. Es kam auch zu Komplikationen, weil das R e i ch s w e h r m i n i sie r i u m sich davon drückte, die Feme als offizielle Maßnahm« zum Landesschutze anzuerkennen. Es handelt sich da um ganz groß- grundsätzliche Aus- einandersetzungen. Ich will nur erwähnen, daß Major Buch- rucker bereit war, die volle Verantwortung zu über- nehmen. Das Reichswehrministerium sagte ihm aber, wenn er etwa» von den Dingen in die Oessentlichkeit bringen würde, würde er wegen Landesverrats festgesetzt werden. Auf weiter« Fragen erklärt der Zeug«: Wenn der Abg. Fahnke nicht glaubt, er habe die Rolle gespielt, die ich hier niilgeteilt habe, so kann er mich ja aus dem zivil- gerichilichen Wege belangen. Ich bin dann zur Erbringung auch der Leweise bereit. Wenn er schwört, daß er nicht an diesen Dingen beteiligt sei, so steht eben Eid gegen Eid. Iahnke hat keineswegs die Rolle eines bloßen Zuschauers gespielt. In dem vom Zeugen geschriebenen Brief sei der Name Jahnkes nicht ausdrücklich genannt worden. Es sei vielmehr die Bezeichnung„Verbindungs- mann mit der Reichskanzlei gebraucht worden; das sei Iahnke gewesen. Die Vernehmung Schmidts wird am Donnerstag fort- gesetzt. Ebenso soll Iahnke im Anschluß daran noch einmal Ge- legenheit zu einer Erklärung gegeben werden. Am Freitag will der Ausschuß den Major Buchrucker oernehmen, der sich zurzeit auf der Festung Gollnow befindet. Die D e u t s ch n a t i o n a l e n ver- suchten die Weitervernehmung Schmidts zu Hinlertreiben, indem sie für diesen Fall mit dem Austritt aus dem Ausschuh drohten. Der Ausschuß beschloß trotzdem mit 9 gegen 6 Stimmen die Wciterver- nchmung, die auf den gesamten Fememordkomplex ausgedehnt werden soll._ Stahlhelm ist Trumpf. Der Stahlhclmgeist in Prcnzlau. Prenzlau, 15. September.(Eigener Drahtbericht.) Stahlhelm ist Trumpf in Prenzlau. Die Reichswehr beteiligt sich, wie wir schon mitteilten, an den Sportfesten des Stahlhelm, bei den spart- lichen Wettkämpfen der Schulen konzertiert die Stahlhelmkapelle, das amtliche Kreisblatt hat eine besondere Stahlhelmecke eingerichtet, in der die Miteilungen des Stahlhelms veröffentlicht werden. Und auch die freiwillige Feuerwehr scheint aus Unparteilichkeit verzichten zu wollen. Heute abend veranstaltete nämlich die Feuerwehr, die von Kreis und Stadt Prenzlau jährlich erhebliche Zuschüsse bezieht, anläßlich ihres Stiftungsfestes einen Umzug durch die Stadt: voran die S t a h l h e l m k a p e l l c in Windjacke. Stahlhelmmützen und Abzeichen. Dann einige Zivilpersonen und zum Schluß die Mannschaften der Feuerwehr. Unter den Zivil- Personen sah man auch die beiden Bürgermeister Dr. Schrei- der und Dr. Schultz« und einige Magistratsmitglieder. Zu der Fahnenweihe des Reichsbanners, die im Frühjahr stattfand, waren keine Vertreter des Magistrats erschienen, da das Reichs- banner„politisch" sei. Gemeinsam hinter der Stahlhelmkapelle durch die Stadt zu marschieren, scheint aber unpolitisch zu sein. Abschluß Ües Juriftentags. Haftung der Gewerkschaften.— Auslieferungsgesetz. Vcrfasfungsstreitigkeiten.— Radbruch Mitglied der ständigen Deputation. Köln, 15. September.(Eigener Drahtbericht.) Mit der heutigen Plenarversammlung hat der I u r i st e n t a g seinen Abschluß ge- funden. Es wurden die Berichte über die Arbeiten der einzelnen Abteilungen erstattet. Die Resultate der Abstimmungen über die Thesen zu der Frage der Ueberzeugungsverbrccher und der parlamentarischen Untersuchungsausschüsse sind bereits mitgeteilt worden. Blieben also noch die Abstimmungen über die Hastung der Gewerkschaften bei unzulässigen Kampshandlungen, über die Schaffung eines Auslieser ungsgesetzes und über die Aus- dchnung der Befugnisse des Staatsgerichtshoses aus Ver- sassu'ngsstreit feiten. Zur letzten Frage wurde be- schlössen, die Kompetenz des Staatsgerichtshoses aus die Prüfung von Reichsgesehcn und Reichsverordnungen, z. B. solcher der Reichs- Präsidenten, auszudehnen. Zur Frage der Hastung der Gewerkschaften siegte mit geringer Majorität der Standpunkt der Unternehmer- verbände. Sowohl der erste Berichterstatter, Genosse Professor Dr. Sinzheimer, wie auch der zweite, der Syndikus der sächsischen Metallindustriellen, Dr. Nikisch, traten dasür ein, daß die nicht rechtsfähigen Berussvereine, d. h. die Gewerkschaften, in allen Hastungssragen den rechtsfähigen Vereinen gleichzustellen seien. Während jedoch Genosse Pros. Sinzheimer diese seine For- derung von der Erfüllung der anderen abhängig machte, nämlich der, daß die Hastung der Berussvereine in der Höhe zu be- schränken sei, und zwar in der Form einer Buße, sprach sich der zweite Berichterstatter gegen eine Beschränkung der Hastung der Höhe nach aus. Dieser letzte Antrag wurde auch schließ. lich mit 34 gegen 32 Stimmen angenommen, während die These Sinzheimers mit 37 gegen 34 Stimmen abgelehnt wurde, woraus mit 27 gegen 24 Stimmen beschlossen wurde, bei allen Haftung»- sragen seien die nicht rechtsfähigen Berufsvereine den rechtsfähigen gleichzustellen.' 2 is Problem des Auslieferungsrechtes geht dahin, daß bis zum Augenblick der Gefetzgeber nur die Pflicht zur Aus- lieserung festgelegt hat, während es sich nun darum handelt, fest- zulegen, in welchem Falle ein Recht zur Auslieferung besteht. Das zu schaffende Auslieferungsgesetz soll den Maßstab für künstige Auslieferungsverträge bilden. Das Auslieserungsgesetz selbst soll sowohl das Versahren wie die Voraussetzungen zur Aus- lieserung bestimmen. Für das Verfahren ist der Beschluß von besonderer Bedeutung, daß die Zulässigkeit der Aus- lieferung künftighin durch die Gerichte entschieden werden soll. Erklärt das Gericht die Auslieferung für unzulässig, so ist sie unmöglich. Erklärt jedoch das- Gericht die Auslieferung sür zulässig, so hat das A u ß e n m i n i st e r i u m zu entscheiden, ob dem Auslieferungsverlangen stattgegeben werden soll. In Verbindung mit dem Auslieserungsgesetz steht das Asyl- recht. Der Bearbeiter des Auslieserungsgesetzes bei der Reichs- regierung ging von der Aussassung der politischen Delikte au», die seinerzeit bei der Auslieferung der Mörder des spanischen Minister. Präsidenten Dato maßgebend waren. Unter Bezugnahme auf diesen Fall vertrat Genosse Prof. Dr. R a d b r u ch den Standpunkt, der auch derjenige des schweizerischen Gesetzes ist, daß es bei dem Asylrecht auf die politischen Beweggründe ankommen müsse, daß aber freilich bei Anwendung besonders oerwers- licher Mittel die politischen Beweggründe zurück- treten. Dieser Antrag, der mit gewissen Einschränkungen den Begriff des Ueberzeugungsverbrechens zum Ausdruck bringt, wurde angenommen. Bei den Wahlen der ständigen Deputation wurde durch den Vorsitzenden des Iuriftentaqe« Prof. Dr. Kahl an Stell» eines ausscheidenden Mitgliedes Genosse Pros. Radbruch tu Vorschlag gebracht. Bei dieser Gelegenheit führte er u. a. aus:.Dl« ständige Kommission hat in der gemeinsamen Sitzung mit den Ver. trauensmännern des Juristentages sich reiflich überlegt, welche Persönlichkeit sie in Vorschlag bringen könne. Ihre Wahl ist auf Pros. Radbruch gefallen. Politische Gesichtspunkte mußten dabei völlig ausscheiden. Es handelt sich allein um den Mann der Wissenschaft. Nach der Sachlage der Gegenwart, den Be- dürfnissen des Iuristentages wie der ständigen Deputation gemäß siel diese Wahl auf Professor Radbruch einstimmig." Daraufhin wurde Genosse Prof. Radbruch durch Zuruf ohne Widerspruch von der Versammlung zun, Mitglied der ständigen Deputation gewählt. Radbruch»ahm die Wahl an. Wege zum deutschen Einheitsstaat. Führertagung des Deutschen Republikanischen Rcichsbundcs. Am 25. und 26. September veranstaltet der Deutsche Republi- kanische Reichsbund im Rathaus zu Berlin eine Führertagung, zu der sich bereits eine große Reihe führender Persönlichkeiten au» Politik, Wirtschast und Wissenschast, sowie zahlreiche Vertreter von städtischen und staatlichen Behörden und Handelskammern ange- meldet haben, die sich mit der Frage beschäftigt: „Welche Wege führen zum deutschen Einheitsstaat? Ermög- licht cr stärksten Abbau des übermäßigen Verwaltungsapparates. Rationalisierung der Wirtschaft, Förderung der Sozialpolitik und dient er den nationalen Lebensnotwendigkeiten der deutschen Kultur?" Den Vorsitz führen Reichstagspräsident L ö b e und Oberbürger- nieister Dr. Luppe- Nürnberg. Die Referate werden erstattet von Generaldirektor Dr. F i ck(Präsidialmitglied des Hansabundc») über die geschichtlichen und wirtschaftlichen, Reichsminister a. D. Dr. G o t h e i n über die verkehrspolitischen, Gesandter z. D. Hildenbrand, MdR., über die allgemeinen politischen und staatsrechtlichen Fragen und Ministerialdirektor z. D. Dr. S p i e ck e r über die Fragen der Dezentralisation im Einheitsstaat. In der Aussprache werden vor allem auch die Probleme der Justiz und Polizeihoheit, sowie de» Reichskriminolpolizeiamtes und der Aussührungsgesetzgebung zu Zlrtikel 48 der Reichsverfassung behandelt. Der Deutsche Republikanische Reichsbund hat zu der Tagung eine Denkschrift ausgearbeitet, die neben einem, die regional« Gliederung Deutschlands nach Wirtschaft»- und Verkehrsgebieten be- handelnden Aufsatz Beiträge vom Reichskanzler a. D. Hermann Müller, Ministerialdirektor z. D. Dr. S p i e ck e r, General- direktor Dr. F i ck(Präsidialmitglied de» Hansabundes) und Ober- bürgermeister Dr. Luppe enthält. Durch die Beiträge der Herren Oberbürgermeister Dr. D e l i u s- Wesermünde und Architekt W ei tz e l- Frankfurt a. M. wird an Hand des Unterweserproblems und des südwestdeutschen Wirtschaftsbezirkes dargetan, wie die Bor- aussetzungen und Auswirkungen der Entwickelung Deutschlands zum Einheitsstaat im Einzelfall gelagert sind. Di« Denkschrift, die mit zahlreichen erklärenden Zeichnungen und Kartenmaterial ausgestattet ist, können Interesienten vom Deutschen Republikanischen Reichsbund. Lenaustr. 38, gegen Vor- cinsendung des Betrages oder gegen Nachnahme zu 3 M. beziehen. Zugleich bittet der Reichsvorstand des Deutschen Republikanischen Reichsbundes ihm alles Material, das mit der Frag« des Einheit». staates im sachlichen Zusammenhang steht, zugänglich zu machen, da weiter« Veröffentlichungen nach der Führertagung beabsichtigt find. Der Ausstieg der Gewerkschaften Lcipart vor den Berliner Funktionären. Der Ortsausschuß Berlin des Allgemeinen Deutschen Gctnert fchaftsbundcs hatte gemeinsam mit dem Asa-Ortskartell im Rahmen der gewerkschaftlichen Werbewoche zu gestern abend nach dem Lehrer- vereinshaus eine Versammlung sämtlicher Berliner Gewerkschaftssunk- tionäre einberufem Der große Saal und die Galerien waren lange vor Beginn der Kundgebung überfüllt, so daß viele keinen Einlaß mehr fanden und umkehren mußten. Eingeleitet wurde die Veranstaltung durch musikalische Darbietungen eines Orchesters des Deutschen Musikemerbandes und Gesänge der Berliner Gewcrkschastsjugcnd. Im Mittelpunkt des Abends stand das Referat des Borsitzenden des ADGB., Genossen Leipart, über„Die kulturelle und Volkswirt- schaftliche Bedeutung der Gewerkschaften". Leipart erinnerte eingangs seiner Ausführungen an die elende Lage der Arbeiterschaft, bevor überhaupt eine Gcwcrkschasts- bewegung bestand. Die Arbeiter waren seinerzeit völlig der Willkür der Unternehmer preisgegeben. Man muß sich in diese Zustände hineinzudenken versuchen, um die Schwierigkeiten würdigen z» können, mit denen die Gewerkschasten bei ihrer Entstehung zu känipfcn hatten. Der Widerstand der Regierungen, Behörden und Unternehmer, der den jungen Gewerk- schaften gegenüber bereitet wurde, machten das Wirken für und in den Gewerkschasten nicht ungefährlich. Und dennoch haben die Ge- wcrkjchaitcn trotz aller Hemmnisse ihren Siegeslauf fortgesetzt. Roch kurz vor dem Kriege wagte die Reichsregierung den Versuch, durch ein neues Gesetz und Strasoerschärfungen, das die berühmte Zuchthausnovelle noch weit Übertrag, die Gewerkschaft-- bewegung einzudämmen. Dieser Plan wurde aber durch den Ausbruch des Kriegs verhindert. Im Kriege begann man wohl auch in Regicrungskreisen die Bedeutung der Gewerkschaften einzusehen und machte ihnen Versprechungen, die aber, wie so manches, nicht gehalten wurden. Erst die Revolution brachte den Gewerkschaften die Anerkennung. Leipart zeigte die Erfolge der Gewerkschaften aus, die sie in langem, zähem Ringen in wirtschaftlicher und sozialpolitischer Hin- ficht errungen haben. Trotz aller Erfolge bleibt aber noch vieles, das noch erkämpft werden muß. Wohl gibt die Verfassung der Ar- bciterschost viele Rechte, um die in der Vorkriegszeit lahrzehntelang gekämpft wurde. Aber manches steht heute noch auf dem Papier. Die Verfassung sichert der Arbeitnehmerschast nicht nur die politische, sondern auch die wirtschaftliche Gleichberechtigung. Gegen die wirt- fchaftliche Gleichberechtigung hat sich dos Unternehmertum bis jetzt mit Zähnen und Klauen gewehrt, so daß wir heute noch weit entfernt von einer wirtschaftlichen Gleichberechtigung sind. Die Gewertschasten halten fest an der Forderung der Wirtschaft. l i ch e n Demokratie, die durchzuführen nicht nur im Interesse ihrer Mitglieder, sondern der gesamten Volkswirtschaft liegt. Die Gewerkschaften werden in ihrem Kamps um diese Forderung nicht erlahmen. Sie wissen aber auch, daß zur Erreichung" dieser Forderung starke Gewerkschaften notwendig sind. Es müssen daher alle Kräfte aufgeboten werden, um den Ge- wcrkschasten die Stärke zu verleihen, die ihnen die Möglichkeit gib». ihre Forderungen durchzusetzen. Um aber vorbereitende Arbeit zu leisten, müssen die durch die Selbsthilfe der Arbeiterschaft geschaffenen gern ei»wirtschaftlichen Unternehmungen, wie es z. B. die Konsumgenossenschaften, die Bauhütten und Wohnungsfürsorgegefellschaften sind, mit allen Kräften gefördert werden. Wir müssen auch die Behauptung der Unternehmer zurück- weisen, daß die Gewerkschasten sich nur in Kämpfen um die Er- höhung der Löhne erschöpfen, sich aber außerhalb der Writschasl stellen Wir stehen im Gegenteil mit beiden Füßen in der W i r t sch a s t und werden uns aus ihr auch nicht wieder oer- drängen lassen, sondern uns noch mehr Einfluß zu oerschassen wissen. Wir wünschen auch im Interesse der Arbeiterschaft eine Erhöhung der Produktivität. Wir fordern aber auch, daß eine vernünftige Lohn, und wirtschaslspolltik getrieben wird. Die Statistiken zeigen uns, daß von den zwölf Mil- lionen deutschen Arbeitnehmern, die im Jahre 1925 unter Tarisoerträgen arbeiten, nur etwa sechs Millionen gewerkschaftlich organi- siert sind. Sechs Millionen Arbeiter sind es, die die Früchte der Gewerkschaftsarbeit ernten, aber nicht säen wollen. Sie gilt es in der kommenden Zeit in die Reihen der freien Gewerk- fchaften einzugliedern, denn die Zukunft fordert mehr als bisher stark« Gewerkschaften. Nur mit starken Gewerkschaften werden wir unsere berechtigten wirtschaftlichen und kulturellen Forderungen durchsetzen können. Leipart beendete seine Ausführungen mit dem Mahnruf an alle Unorganisierten:„Schließt euch zusammen! Stellt euch mit in Reih' und Glied! Seid einig!" Mit dem gemeinsamen Song der Internationale fand die ein- drucksvolle Kundgebung ihren Abschluß. Verbekunügebuog öer Eisenbahner. Anläßlich des LSjährigen Bestehens des Internationalen � Ge- iverkschaftsbundes tagte am Dienstag in den„Andreasfestsälen" die Mitgliedschaft des Einheitsverbandes der Eisenbahner Deutschlands. Ortsgruppe Berlin. An Stelle des abwesenden Verbands- versitzenden Schessel hatte der Borsitzende des Verbandes der Gemeinde, und Staatsarbeiter, Genosse M ü n t n e r. dos Referat übernommen. Eingehend auf die Entwicklung der Ärbeiterbewegung der ein- zelnen Länder und die geschichtliche Entwicklung der Völker, führte er den Nachweis, daß seit dem 2Sjährigen Bestehen der internationalen Arbeiterbewegung Großes geleistet ist. Bis zum Kriegsaus- bruch haben wir uns in unermüdlicher und zäher Arbeit empor- gearbeitet. Gegen die konservative Einstellung der Kommunal-, Staats- und Reichsarbeiter haben die zuständigen Gewerkschaften bittere Kämpfe geführt. Heute wagt es kaum noch eine Stadt, sich gegen die Organisation der Gemeinde- und Staatsarbeiter auszu- lehnen. Weil aber die Arbeiter- und Beamtenschast dies« Betriebe bewirtschaftet(dazu gehören auch die Post und Eisenbahn), so hat sie das Bestreben, diese Betriebe m u st« r g ü l t i g zu gestalten. Für die Eisenbahner kann die jetzige Entwicklung zur Einheitsorganisation mir die richtige sein. Anläßlich der Zusammenballung aller im Verkehr und Handel liegenden Unter- nehmen und öffentlichen Körperschaften werden die in Frage kam- inenden Organisationen zu einer neuen Organisationssorm gedrängt. fIndustrieverband.) Auch die Borstände des Deutschen Verkehrs- bundes, des Einfteitsverbandes der Eisenbahner Deutschlands, des Verbandes der Gemeinde- und Staatsarbeiter und des Zentral- Verbandes der Maschinisten und Heizer sind überzeugt, daß die Zu- lammensassung dieser vier Organisationen durchführbar ist: Im nächsten Jahre wird in diesem Sinne die der Bearbeitung unterliegende Neuorganisationsform.zur Debatte unter den Hundert- taufenden von Mitgliedern des Deutschen Verkehrsbundes, des Ge- meinde- und Staatsarbeiterverbandes, des Einheitsverbondes der Eisenbahner Deutschlands und des Zentralverbandes der Maschinisten und Heizer stehen. Die Ausführungen des Genossen Müntn«r wur- den mit reichem Beifall belohnt. Der Bevollmächtigt« Genosse W i n k l e r schildert« noch in kur. zen Strichen die Unterschiede in lohnrechtlicher und arbeitsrecht- vte lugend und die Familie werden gesdittlzl dnrdi die Gewertodiatl! licher Beziehung von früher bis heute, die nicht nur den organl- sierten Eisenbahnern zugute gekommen sind, sondern vor allen den- jenigen, hi« immer sagen:„Wir brauchen kein« Organisation." Ge- rade sie hoben es dem Einheitsoerband.zu verdanken, daß der Kollektivvertrag überhaupt abgeschlossen und bis heute aufrecht ge- halten wurde. Mit einem dreimaligen Hoch auf die internationale Arbeiter- bewegung fand die Versammlung ihren Abschluß. Der Sau von Mrbeitsnachweisgebäuüen. Verzögert durch bureaukralifche Engherzigkeit. Der Streit zwischen dem Reich und Preußen über die F i n a n> z i e r u n g des Baus neuer Arbeitsnochweisgebäude ist noch immer nicht beigelegt. Das Reichsarbeitsministerium hat einen Erlaß her- ausgegeben, der folgende Regelung der Finanzierung vorschläg«: Das Reich stellt drei Millionen als Darlehen zur Der- fügung, unter der Voraussetzung, daß von den Ländern der gleiche Betrag bereitgestellt wird. Ein Drittel der Kosten muß von den Gemeinden ausgebracht werden, in denen ein neues Arbeitsnachweisgebäude errichtet wird. Die Darlehen sind m!l S Proz. zu verzinsen und haben«ine Lauffrist von lS Jahren. Von den drei Millionen des Reich«? entfallen etwa 1,8 bis 2 Millionen auf P r e u ß e n, so daß also vom preußischen Staat rund zwei Millionen zur Verfügung gestellt werden müssen. Der preußische Finanzmini st er will, daß das Wohlfohrts- Ministerium diese zwei Millionen aus seinem Etat nimmt. Da» Wohlfahrtsm inisterium aber erklärt, es Hab« ü b er I e i n e Mittel bereits verfügt und sei ganz außerstande, die not- wendigen zwei Millionen auszubringen. Der Bau von neuen Arbeitsnachweisgebäuden ist«ine so wichtige Sache, daß sich das preußische Finanzministerium nicht erst lange bitten lassen sollte. Zwei Millionen sind wirklich nicht die Welt. Au» Mitteln da« Haushalts müssen sie so oder so doch aut- gebracht werden. Daß man sie nicht dem Wohlfohrtsetat weg- nehmen kann, der im Hinblick auf die Schwierigkeiten des kommenden Winters wirklich nicht übermäßig mit Mitteln ausgerüstet ist, versteht sich eigentlich von selbst. Die Entscheidung liegt also nur in der Hand de» preußischen Finanzministeriums. Gibt es kein Geld, dann können in Preußen die dringend notwendigen baulichen Derbesserungen bei verschiedenen wichtigen Arbeitsnachweisen nicht vorgenommen werden. Wie viele Arbeitsnachweise unter der Un- zulänglichkeit ihrer Arbeitsräum« leiden, zeigt die Tatsache, daß sich eine ganze Reihe von Städten, wie z. B. Essen, Duisburg. Gleiwitz, Breslau, Berlin und viele andere für die Darlehen zum Bau von Arbeitsnachweisgebäuden gemeldet haben. Eine völkische Aktion. Aus dem AEG.-Konzern wird uns geschrieben: Bekanntlich haben völkisch eingestellte Angestellte des FKU.- Verwaltungsgebäudes am Friedrich-Karl-User die letzte Betriebsrats- wähl angefochten. Nachdem die Angelegenheit, die ja auch in der gesamten rechtsstehenden Presse wiederHoll erörtert wurde, zum Abschluß gelangt ist, hat der Gesamtbetriebsrat folgende Bekannt- machung an die Arbeitnehmerschast des AEG.-Konzerns heraus- gegeben: „Durch Flugblätter haben die FKU.-Angestellten Schult. H a n i s ch und Dr. H u ck st o r s der AEG.-Belegschaft im April mitgeteilt, daß sie gegen den Kollegen Wolfs und Genossen bei der Staatsanwaltschaft das Untersuchungsoerfahren wegen angeb- licher Wahlfälschung beantragt hoben. Der Staatsanwalt hat das Verfahren am 8. Juli d. I. eingestellt. Di« gleichen Angestellten haben eine Wahlonfechtungskloge abgewiesen. Wir werden in einer demnächst stattsindenden Konzernver- sammlung die Zusammenhänge dieser durch den Deutsch- nationalen Handlungsgehilfenverband unterstütz- ten Aktion klarlegen. Für die FKU.-Belegschaft machen wir im besonderen bekannt. daß der auf Seite 3 zum Schutze der nationalsozialistischen Belange gewählte Vertreter Schult bisher an keiner Sitzung während der laufenden Wahlperiode teilgc- nommen hat." Das ist echt völkische Gewerkschaftsarbeit. Da die Völkischen nicht den Mut haben, gegen die Unternehmer aufzutreten, versuchen sie, sich an ihren Kollegen zu reiben. Wobei sie allerdings auch keine Lorbeeren ernten._ Einigung im jugoslawijchen Steinkohlenbergbau. Auf kosten der Arbeiter. Belgrad, 13. September.(MTB.) Wie oerlautet, sst zwischen der Regierung und den Steinkohlengrubenbcsitzern ein Einvernehmen erzielt worden. Letztere haben dem vom Staat geforderten löpra- zcntigen Abbau der Kohlenpreise zugestimmt. Der Staat verpflichtet sich dosür, Lieferungsoerträge auf längere Zeit abzuschließen lauf ein Jahr) und den Unternehmungen in bczug auf das Arbeits- Verhältnis gewisse Zugeständnisse� zu gewähren. Die Arbeit sst heute in sämtlichen Gruben wieder aufgenommen worden. Durch die Gewerkschaften: Gesunde Arbeiterjugend. Di« Arbeitszeit wird um eine halbe Stunde ver»vf> länger». fDie Unternehmer hatten die Gruben stillgelegt, weil sie mit den Preisen nicht heruntergehen wolltkn. Das abgeschlossene Kompromiß aus Kosten der Bergarbeiter ist nur möglich, weil es mit der gewerkschaftlichen Organisation sehr traurig aussieht. Dos Beispiel sollt« zu denken geben.) Ter Schiedsspruch für den Erzbergbau verbindlich. Wie der„Industriekurier" meldet, haben die Lohnstreitigkeiten im deutsch-oberfchlejischen Erzbergbau nunmehr ihren Abschluß er- reicht. Der am 27. August gefällte Schiedsspruch der Schlichter- tammer, der die bisherigen Lohnsätze für den Erzbergbau um durchschnittlich 3 Proz. rückwirkend ab 18. August d. I. erhöht, wurd« durch den Reichsarbeitsminister auf Antrag der Arbeitnehmer für verbindlich erklärt. Achtung, Zimmerer! Da die Firma E. Weist aus Bad Kösen unsere entlassenen Verbandstameraden auf der Baustelle„Späths Baumschule" wieder in Lohn eingestellt hat, ist hiermit die Sperre ausgehoben. Zentralverband d:r Zimmerer Deutschlands, Zahlstelle Berlin u. Umg. gixie Se»e«Nchap»j»0»nb. K»utc. Donnerstag, adend TU Uhr tagen die prnnpen: Rsatit: Sruppcnhcim Städt. Jugendheim Bremer. s: Jugendheim Hobrcchtstr. Z4, Ecke Sander- strafte. Vortrag:„Das Betriebsrüteacseg". Die Sparkasse der Bank der Arbeiter. Angestellten«nd Beamten A. G., Berlin, Wallstr. 63, ist täglich mit Ausnahm« von Sonnabend von 9—2 Uhr und S— 7 Uhr. Sonnabend, von 9—1 Uhr geöffnet. Verantwortlich für Politik: Dr. E»rt»«i,er: Wirtschaft:«etur Saternu»: Wewrrkschaslsbewcgung: Z. Steiner! lseuiUeion: Dr. John Schikow,«: Lokale, und Sonstige,: itrift«arstädt:«nzeieen: Th.«loche: sämtlich in Berlin. Verlag: Borwlirts.verlag G. m. b. s.. Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckerel und V-rlaasanstalt Paul Sinaer u. Co. Berlin SW SS Lindenstroftc 3. Hier,» 2 Beilage»...U»i«rhaltu», und Wils«»-»«d„Traucnstimme". UM leßmders beliebt sum See und Wein! Sandtorte Gebacken mit Dr. Oetker*» Backpulver„Backin", Dr. Oetker's feinem StSrkepuder„Güstin** _ und Dr. Oetker's„Vanillin-Zucker". ■ j''re Zutaten, V, Pfond Butter, nngesalr. oder gewaschen,>/, Pfund Zucker, 4 Eier,>/, Pfund feinste, weirenraehl, V, Pfund Pl:.paNlrr's keiner Stärkepuder„Oustin", I Tee- löflel Dr. Oetker's Vaniüiii-Zucker, I Teeläftel Dr. Oefker'a Backpulver„Bacldn". Zubereitung! Die Butter wird etwas erwärmt und schaumig gerührt. Dann gibt man allmählich Zucker und den Vanillin-Zucker hinzu. Hierauf 1 Ei und etwa» Mehl, das vorher mit Oustin und dem Backin gemischt wurde. Ist dies gut verrührt, wieder 1 Ei und etwas Mehl- raischung. bis die Eier und die Mischung verbraucht sind. Die Mass« wird in eine mit Butler ausgestrichene Form gegeben und bei minierer Hill« rund eine Stunde gebacken. Sandtorte hält»ich lange Zeit Irisch und ist ein belieblet Uebäck rum Tee und Wein. "' I UHU iai cm ücucüic» vjcu«ck zum J CC UN» WCIn. VerUngcn Sie in den einichl Qeschiften die tifuen farbig Hluttr. RezeptbQcher, fl« ft nnfl/nn Rfolofolll Aufgabe P lur IS Pfennig, wenn nicht zu haben, gegen Einsendung von Marken von Iii« A« UGIK61\ DlvlBIBiu« Iw Berltner Hnuafrauen'Vcrelw kommt nur Dr. Oetker*« Backpulver„Backin*4 zur Verwendung. Nr. 436 ♦ 43. Jahrgang 1. Heilage öes Vorwärts Vonnerstag, 76. September 7426 Es gibt keine Arbeit, ob Handarbeit oder geistige Arbeit, die nicht einen bestimmten schädigenden Einflust auf den Körper aus- übt. Man kann in diesem Sinne sogar vom Bierkutscher als Opfer seines Berufs sprechen, wenn er, angehalten oder vcrsührt zum übermäßigen Bicrkonsum, schon im rüstigen Alter an schwerer Lebererkrankung dahinsiecht. Den sozial schlecht gestellten Berufs- arbeiter trifft aber der versteckte Feind viel härter als den Arbeiter in gehobener Stellung oder den Arbeitenden im selbständigen Beruf. Die schädigende Akkord- oder Stücklohnarbeit geschieht immer auf Kosten des Körpers. Der Nichtlohnempfänger kann beginnende Zeichen von Berufs- erkrankung viel schärfer beachten, viel früher kann er ausspannen, unter Umständen sich sogar neu umstellen: der Lohnempfänger da- gegen, dessen Körper und Nerven schon durch schlechte Ernährung und Sorgen zur Aufnahme der Bcrufskranthelr vorbereitet sind, kann mit Sicherheit damit rechnen, daß er ihr als Opfer anheimfällt. Sie springt ihn nicht an wie ein wildes Tier aus dem Dunkel, sie geht Schritt für Schritt mit ihm durch alle Arbeitsjahre hindurch. Er sieht den Kollegen an seiner Seite wanken, aber wie eine Ma- schine mit dem letzten Tropfen Osl im Gestänge plagt er sich weiter, bis dann die Reihe an chm ist. Die schlesischen Handweber waren ein bekanntes Beispiel, wie der Mensch durch seinen Beruf dem Schick- sal ausgeliefert ist. Eine Schande unserer Zeit ist und bleibt die Heimarbeit. Wie sestgestellt wurde, wird in manchem Erwerbszweig für L Pf. Slvndenlohn gearbeitet. Man müßte Kaufhäuser und Geschäftsleute zwingen, besonders jene Modehäuser, die teure Spitzen und Häkelarbeiten von schlechtbezahlten Arbellerinnen oerkausen, ebens'' die dem Staub in verschiedener Gestalt. " Wir sehen durchweg in den Betrieben al» erstes— Staub. In einem modernen Großwäschereibetrieb, wo naturgemäß überhaupt kein Staub hingehörte, konnte der Verfasser in den Räumen der Fcinplätterei und in den Trocknungsanlagen den Sktwb aus den Holzgestellcn fingerdick liegen sehen. Es ist errechnet worden, daß ein Arbeiter jährlich Z00 Gramm Staub einatmet. Die Unterschiede der Erkrankungshäufigkeit der Berufe illustriert am besten die fol- gende Feststellung: Er erkrankten jährlich von je 10 Buchbindern ö8, von Setzern 304, von Lumpensortierern 479, von Metallarbei- tern 439, von Holzarbeitern 529. Aus diesen verschiedenen Zahlen geht hervor, daß es bei den Erkrankungen auch auf die Art des Staubes ankommt. Der Staub, den der Steinmetz und ihm ver- wandte Berufsarten aus dem trockenen Schlagen des Steins auf- wirbelt, rafft 39 Pro?, ihres Berufs an Lungenschwindsucht hin- weg: er zerfrißt mit seinen körnigen Bestandteilen die Gewcbeteile der Lunge. Chemische Wirkung entfaltet der Aehkalkstcmb, der nicht nur die Schleiinhautpartien zerstört, sondern auch Sehstörungen ver- ursacht oder die nackte Haut an Fingern und Füßen angreist. Er- krankungen durch Chromalstaub zeigen sich auch durch Geschwüre an den Fingern, sie werden in Bleichereien, Färbereien, Beizereien, bei der Papier- und Glasfabrikation angetroffen. Zsiehlstaub icherzieht die Schleimhäute mit klebriger Masse, die sich zuletzt auch nicht mehr durch Aushusten abstoßen läßt, perlmulterstaub be- wirkt bei jugendlichen Pcrlmutterdrechslern immer wieder einsetzende Knochenentzündungen mit Fieber. Giftig wirkt der quccksilber- haltige Staub von karottierten Hasenhaaren, wie ihn Hutmacher schlucken müssen. Ebenso gefährlich ist der Lleislaub in Druckereien, Akkumulatorenfabriken, beim Emaillieren, beim Abkratzen von alten, bleihaltigen Anstrichen usw. Durchschneidet man die Lunge eines Heizers, Kohlenschauflers oder gar eine» Arbeiters aus dem Kohlenschacht, so ist man überrascht von der völlig schwarzen Farbe des Lungengewebes sowie der anliegenden Lymphdrüsen. Die Gistkrankheiten. Ein zweiter Krankheits verursacher sind die Gifte, die teils, wie oben schon bemerkt, durch Einatmung giftigen Staubes, teils durch Berührung oder durch campf- oder gasartige Stoffe in den Körper gelangen. Es würde zu weit führen, die etwa 23 Industrie- arten in ihrer Beeinflussung durch Gifte hier auszuzählen. Einige Beispiele werden genügen: Die Bierbrauer leiden an der Ein- almung von Kohlensäure im Gärkeller und Amoniak zum Kühlen. Blälterinncn atmen das Kohlenoxydgas, die Maler und Anstreicher erkranken durch Berühren der giftigen bleihaltigen Farben, ebenso die Schrislgieher und Buchdrucker durch den Umgang mit Blei. Es gibt über 199 Gewerbe, die mit dem Bleigift in Berührung stehen. Die Gerber arbeiten mit aiieniaen Säuren, Kalk und Zyanverbin� i düngen. Die Arbeiter der Eisenindustrie leiden an Kupolgasen, alsa' Kohlcnoxyd. Kohlensäure', Zinkdämpseu u. a. Die chemische Zn-> dustrie arbeitet mit allen möglichen Giften, die zum Teil als Aus- gangsmaterial, teils als Endprodukt, aber auch als Zwischenpro« bukt vorkommen. Zum dritten treten natürlich als Berufskrankheiten die Unfälle' in Erscheinung. Sie sind in ihrer Art zu abweichend von dem eigentlichen Thema, so daß sie besonders behandelt werden müssen.. Selbstverständlich wirken Ärbeiterschutzgesetze und Berufshygiene bei � den großen offenkundigen Schäden auf die Verminderung der Be- rufsgefahren hin. Sie auszubauen und iinmer mehr zum Besteir der Arbeiter zu vervollkominnen, ist eine Aufgabe des in dieser � Woche in Wiesbaden stattfindenden Kongresses der Deut«' scheu Gesellschaft s ü r Gcwcrbehygiene. » Zu gute? Letzt schützt sich der Tlrbeiter am besten selbst dadurch, daß er seine Arbeitskrast und seinen Körper nicht ausschließlich dem Unternehmer oerkaust. So klug muß er sein, daß er die ein- sachsten Erfordernisse der Hygiene, peinlichste Sauberheit im Be- trieb wie zu Hause, und Erholung in gesundsr frischer Luft nach der Arbeitszeit, nicht vernachlässigt. Erreichen kann er dieses Ziel, und besonders der weibliche Arbeiter muß dazu beitragen, nur durch straffen gewerkschaftlichen Zusammeyschluß, weil die Gewerkschasl den Kampf für die Gesamtheit um eine niedrige Arbeitszeit und um eine immer energischer werdende Fabrik- und Gewerbehygiene ausficht, einen Kampf, für den der einzelne zu schwach ist. Em Ersola des Arbeiler-Rädio-Klubs. Der von der Reichs-Rund« funk-Gesellschaft m. b. H. aus Anlaß der Dritten Großen Deutschen Funkausstellung ausgeschriebene Wettbewerb für die Her- stellung von Rundfunkgerät aller Art durch Bastler hat ein erfreuliches Ergebnis gehabt. Bon den zahlreichen Teilnehmern konnten insgesamt 31 mit zusammen 34 Preisen ausgezeichnet werden: drei Preisträger erhielten je zwei Preise. Von den 34 Preisen ent- fallen: aus den Deutschen Funktechnischen Aerband 1t>, darunter 5 erste und 2 zweite Preise, auf die Bastelgemcinschast der„Scn- düng" 12, darunter ein erster und drei zweite Preise, auf den Ar- b e i t e r- R o d i o- K l u b 5, aus die Bastclgeineinschast des„Deut- scheu Rundfunk" und„Radio" 1 erster Preis. 881 Die Sigurantin. Roman eines Dienstmädchens von Leon Frapie. Autorisierte Uebersetzung aus dem Französischen von Kunde-Grazia. Anfangs entschied sich Sulette dahin, sie wollte es nicht lieben. Aber wie widerstehen. Man ist nicht Herr seiner Gefühle. Nach vierundzwanzig Stunden schon überraschte sie sich dabei, daß sie den Pausback umarmte. Nach zwei Tagen schon härte sie anscheinend, um ihn länger zu behalten, nicht mehr die Frau rufen. Trotzdem, ein Punkt blieb unerklärlich: sie liebte Baby mit Bedauern, mit Furcht, fast mit Gewissensqual. Jedes- mal, daß sie es umarmte, dachte sie an.Das andere", an ihres, welches gestorben war, und sie empfand das Elend, die Ungerechtigkeit, die damals ausgestandene Pein. Sie hegte auch eine Besorgnis, ein schlimmes Vorgefühl, wie, wenn sie von einer ansteckenden Krankheit behaftet, das Kind ihrer Herrschaft nicht hätte umarmen dürfen. Die kleine Frau Fink unterhielt sich nachmittags, während der zukünftige Architekt draußen seinen unbegrenzten Pro- jekten nachjagte, mit Sulette, denn sie konnte schließlich nicht aufhören, von dem Kinde zu sprechen. „Setzen Sie sich hierher, Marie. Sie können mir die Nadeln reichen." Im Salon, beim Fenster, das Arbeitstischchen zwischen ihnen, plauderte die Frau unaufhörlich ganz dem Vergnügen des Ein- und Auswickelns von Baby sich hingebend. Man fühlte, daß sie nicht um Mariens willen sprach: das geschah ihrethalben nur, in Ermangelung von besserem würde sie für sich allein geschwätzt haben. Oft probte sie vor Marie die Bemerkung aus, welche sie zu den jungen Frauen, ihren Freundinnen bei Gelegenbeit des nächsten Besuches äußern wollte. Sulette beobachtete das mehrere Male: sie zitierte fliehend am folgenden Tage An- sichten über Kindererziehung, welche sie tastend, tags zuvor vor dem Arbeitstischchen entwickelt hatte. Das Lieblingsthema der Frau Fink, der Grundgedanke, den sie Marie ohne Aufhören und in allen nur denklichen Variationen darzulegen strebte, war die Freude, ein Kind zu baben. Ihre Sprache wurde zuweilen poetisch, begeistert, singend. Und nicht allein zeigte sie dem Dienstmädchen das ganze Glück, alle Wonnen, die aus dem Besitz eines Kindes hervor- gehen, sie bewies ihr auch die Unmöglichkeit, glücklich zu sein, die Zwecklosigkeit, ohne. Kind zu leben. �:..... Wider ihre Absicht und mit einer um so höheren und un- mittelbareren Wirkung realisierte sie die Grausamkeit eines Reichen, der feine Schätze vor einem Hungerleider ausbreitet und dessen Not verspottet, sie überrechnete wieder und wieder ihr mütterliches Glück. Nach Aufzählung ihrer Wonnen ging sie auf den aussichtslosen Kummer ein, der den Gegensatz bilden mußte. „Sehen Sie, Marie, eine Frau ohne Kind, das ist keine Frau. Und übrigens, die Nalur tritt ihre Rechte nicht ab. Mama machte mich oft darauf aufmerksam: unter unserem Bekanntenkreis gibt es Ehepaare, schon ältere, sie haben kein Kind: selbstredend wollten sie keins und sie freuen sich über das Resultat: wieviel Sorgen weniger, wieviel Ersparnisse usw. Nun, diese so befriedigten Leute wissen nicht, was sie für Mittel anwenden sollen, um die Kinder anderer in ihr Haus zu ziehen! Ja, unter allen möglichen Vorwänden sind sie darauf erpicht, ihre Neffen und Nichten sich zu leihen, sogar die kleinen Kinder der gewöhnlichen Bekanntschaft." Sie verschärfte ihre Grausamkeit noch: „Denken Sie doch, Marie! Keine Gegenwart könnte den Gedanken ausfüllen, wie es ein Kind tut. Das kann einen närrisch vor Freude machen: in jedem Augenblick, mit jeder Bewegung„gestaltet man die Zukunft". So schaffen Sie selbst, mit Ihren Händen— halt! Wie Sie zittern!— in diesem Augenblick, mit diesem Schwamm, in einem unendlich schwachen Grade, die Gesundheit, die zukünftigen Jahre, die Kraft des kleinen Paul, des Mannes, der dieser kleine Paul sein wird." Frau Fink redete nicht ins Blaue: sie würde diese Sprache nicht vor einem ledig gebliebenen Mädchen ohne Mitgift und Verehrer geführt haben, nicht vor einer Witwe, nicht vor einer kinderlos gebliebenen Frau: aber was! Warum sich vor Marie nicht in acht nehmen! Der Gedanke kam ihr gar nicht in den Sinn, daß Marie gegen ihre Mutterschaft von Neid erfüllt sein könnte und darunter litt, und, wahrhaftig, es lag nicht im Bereich der Vorstellung, daß Marie eine Vergangenheit hzben konnte, noch daß sie hoffnungslos eine andere Zukunft sich wünschen sollte, als ihre derzeitige Knechtschaft. Sulette konnte nicht anders, sie mußte den kleinen Paul lieben: dabei litt sie nicht allein daran, daß ihre eigene Mutterschaft hingemordet worden war, sie litt auch, kein Recht an dem Kinde der anderen, keinen Anteil an seinem Besitz zu haben, denn die Zärtlichkeitsausbrüche der Mutter schlössen sie unbarmherzig aus: „Wem gehört das Küchelchen? Seiner Mama. Möchten Sie es, Marie? Sie kriegen es nicht... Mmpfe dein Naschen, mein Schatz, um Marie zu oerjagen!" � Der Frau gegenübersitzend, lachte die eifersüchtige, oyn- mächtige Sulette, ohne sich zu regen: nichts zu machen, wenn sie nicht das Kind stehlen wollte und fliehen. Aber in ihrer Kammer brachte Sulette bisweilen Stunden damit zu, daß sie, wie ein wildes Tier im Käsig, hin und her lief. Sie hegte Zorn, nicht gegen Frau Fink selbst, deren Charakter in keiner Weise schlecht war, aber gegen das Glück der Frau Fink und gegen ihre Selbstsucht. Sulette bandelte unter dem Drange, sich zu rächen, ihre Herrin in Vergeltung der ihr zugefügten Wunden zu verletzen— unter dem Drange endlich, zu beweisen, daß trotz allem Marie ein lebendes Wesen. Das Spiel mit Baby war oft ein Spiel zu dreien. zwischen dem Herrn, der Frau Fink und Marie. „Marie, geben Sie mir das Kleine." sagte die Frau. „Ich untersage es Ihnen streng, Marie!" rief der Herr. „mir haben Sie es zu bringen!" „Ach! Aber ncinl Ich habe es zuerst verlangt, oerstan« den, Marie?" „Null, gnädiger Herr, gnädige Frau, um keinem Un- recht zu tun, ich behalte es." Der Herr antwortete nichts: während eines Augenblicks schien er ganz was anderes zu denken, heimlich jedoch näherte er sich Marien und nahm ihr unvermutet das Kindchen weg. Aber kurz darauf raubte es ihm Marie listig und gab es der Frau zurück. Daraus entspannen sich Vertraulichkeiten zwischen Marie und dem Herrn, gewisse unfreiwillige Berühningen, die aber. Begegnungen der Blicke, Messen mit den Augen, beinahe gegenseitige Herausforderungen mit sich brachten. Dann gab'.?— lange nach diesem Spiel— abends nach dem Diner Anflüge von Zärtlichkeiten, Lächeln herüber und hinüber, gleich Lockungen zu lustigem, gemeinsamem Be» ginnen. Auch der Schmerz entnervt, die Bitterkeit des Grolls riisk schließlich Aufregung der Sinne hervor. Eines Tage», als Frau Fink Sulette lange mit den Ausfällen mütterlicher Selbstsucht gequält hatte, geht sie aus., um mit Baby einen Besuch zu machen. Sulette überfällt in der Einsamkeit des Hauses eine entsetzliche Schwermut, und sie fühlt sich auch körperlich krank. Mit einem vagen Borbedacht setzt sie sich in halb liegender Stellung auf das Kanapee im Salon und. tausend Träume- reien hingegeben, erinnert sie sich an gewisse leuchtende Blicke des Herrn, sie denkt selbst an den Herrn, och seinen blonden Schnurrbart, die feinen Hände. (Schluß folgt.) flm der gewerksihastslosen Zeit. Es ist in diesen Tagen mehrfach daraus hingewiesen worden, wie die Gewerkschaftsbewegung und die politische Zusammenfassung der deutschen Arbeiterschaft in der Sozialdemokratischen Partei chand in Hand gingen. Wenn man also sich ein Bild von dem Zustand machen will, in dem sich das Leben des Arbeiters vor Errichtung der Gewerkschaften befand, braucht man nur die Erinnerungen jener Männer aufzuschlagen, die, meist selber aus dem Arbeiter- oder Handwerkerstande hervorgegangen, sich um die politische Hebung des Proletariats verdient gemacht haben. In' den Auszeichnungen Vahlteichs z. B. finden sich solche Schilderungen der Arbeiterverhält- nisse, wie sie heute dort, wo die Gewerkschaften sich betätigen konnten, nicht mehr möglich sind. Es heißt dort: „In den Fabriken wurde in der Regel von früh K bis abends i 8 Uhr gearbeitet, und es gab ein« Mittagspause von einer Stunde und halbstündige Pausen für Frühstück und Vesper. Die Hand- werter arbeiteten, soweit es anging, auf Stück, dann wurde die Arbeitszeit wesentlich verlängert und die Arbeitspausen verkürzt, auch Sonntags bis Mittag wurde gearbeitet... Der Lohn reichte auch für den bestbezohltesten und geschicktesten Arbeiter nicht aus, um, sofern er unverheiratet war, ein eigenes Zimmer zu mieten: die Gesellen schliefen in Bodenkammern, unmittelbar unter dem Dache, wo im Winter eine eisige Kälte, im Sommer eine entsell- liche Hitze herrschte. Verheiratete Handwerksgesellen gab es sehr wenige, und es haftete an solcher Ehe ein gewisser Makel: es sollte nach dem herrschenden Vorurteil niemand heiraten, der sich nicht selbständig machen tonnte. Die Lage der Verheirateten war natürlich noch schlechter als die der Ledigen... Männliche „ Fabrikarbeiter waren wenig geachtet, weibliche unterlagen einer vorurteilsvollcn Verachtung, womit nicht gesagt sein soll, daß sich die Handwerksgesellen einer besonderen Wertschätzung erfreut hätten. Ihr gesellschafiliches Verhältnis zu den Meistern war allerdings in vielen Fällen ein freundschaftliches, und es war z. B. Ehrensache für den Meister, den Gesellen über schlechte Zeiten hinwegzuhelfen, dagegen behandelte ihn die Gesetzgebung, und infolgedessen Gerichte, Polizei und die Verwaltungen von Krankenhäusern, als«in notwendiges Uebel, einen Gemeinschaden, ein Versuchsobjekt, kurzum als ein Geschöpf ohne Rechte, das man nach Belieben hudeln konnte. Die Arbeiter befanden sich, wie noch heute die Dienstboten, durchaus unker einer Ausnahmegesetz- gcbung. Die Pflege des Körpers wurde genau so vernachlässigt, wie die des Geistes. Die Nahrung war schlecht: der Genuß von sehr vielem trockenen Brot verursachte, außer anderen Uebel- ständen, besonders Sodbrennen, das man durch Kreidcessen bekämpfte... Es war vielfach Gebrauch, zu zweien in einem ' Bette zu schlafen." Wohlmeinende Leute in bürgerlichen Kreisen bemühten sich damals— Ansang der. 6ver Jahre— um die Besserung der Lag« der Arbeiter dur�b Bildung. So wurde 18K1 in Leipzig aus Be- treiben des Drofessors Roßmäßler«in Arbeiterbichungsverein be- gründet, in dem sich nun bald eine mehr bürgerliche und«in« mehr sozialistische Richtung befehdeten. Die Anhänger der letzteren schieden aus und begründeten den Verein„Vorwärts". Hier wurden die ersten Propagandaschristen Lassalles vorgelesen:„Der Eindruck— berichtet Bahlieich— war«in überwältigender. So etwas war eben noch nie gehört worden und kontrastierte zu vorteilhaft mit den Wasser- flippen, die bisher den Arbeitern geboten worden waren, als daß die Wahl darüber, wohin man sich mit seinen Sympathien wenden sollte, schwer gewesen wäre." Politisch führten die verschiedenen Strömungen, die in den kver Fahren die deutsche Arbeiterbewegung durchsetzten, zu dem fchließlichen Einigungswerk in der Sozialdemokratischen Partei, und gleichzeitig stiegen die Gewerkschaften empor, die den Rahmen der politischen Gesetzgebung mit sozialem Inhalt füllten. Auch die heutige Zeit, die unter dem Zeichen der Verarmung des Volkes und der Wirtschaft- lichen Depression steht, lehrt die Notwendigkeit des festen Zusammen- schlusses in Partei und Gewerkschaft. Mit berechtigtem Stolz kann die deutsche Arbeiterschaft sagen, daß alle erzielten Dorteil« und Ver- bcsserungen sowohl der sozialdemokratischen Agitation wie dem Ein- wirken der Gewerkschaften auf die sozialpolitische Gesetzgebung zu verdanken seien. Je stärker der Faktor auf der Seite des Arbeit- nehmers— desto geneigter wird der Gesetzgeber sein, auf den Arbeit- geber einzuwirken. „Ach, ich fahre doch so gern." Eine unangenehme Ueberraschung hatte der wegen Diebstahls vor dem Schöffengericht Charlottenburg angeklagte Autoschlosser Wilhelm Thiele einem Zechgenosien bereitet, in dessen Gesell- schaft er etwas zu viel dem Alkohol zugesprochen hatte. Plötzlich war Thiele vom Kneiptisch verschwunden und mit ihm die Auto- droschke seines Zechkumpans, eines Chauffeurs, die draußen vor dem Lokal auf der Straße stand. Als Autoschlosier war er mit einem Motor wohl vertraut. So hatte er den Wagen angekurbelt und war mit ihm davongefahren. Die Fahrt nahm jedoch ein vorzeitiges Ende. Unter dem Einfluß des Alkohols konnte der Angeklagte das Steuer nicht recht meistern, und so fuhr der Wagen im Zickzack- fürs die Earmerstraße entlang. Ein älterer, den Damm kreuzen- der Herr konnte gerade noch zur Seite springen, als der Wagen gegen einen Zaun prallte und stehen blieb. Als der Herr den leichtsinnigen Fahrer wütend anfuhr, antwortete dieser treuherzig: „Ach, ich fahre doch so gern!" Der inzwischen herbeigeeilte Besitzer verabreichte dann dem ungetreuen Zechgenossen zunächst eine gehörige Tracht Prügel und brachte ihn hierauf wegen Dieb- st a h l s zur Anzeige. Angesichts der geistigen und körperlichen Ver- fasiung des Angeklagten schien es zunächst zweifelhaft, ob überhaupt ein Diebstahl vorliege und die ganze Sache nicht nur eine eigen- mächtige Vergnügungsfahrt sein sollte. Da jedoch der Angeklagte kurz vorher ein Motorrad mittels Einbruchs gestohlen und weiter auch ein Fahrrad entwendet hatte, kam das Gericht zu der Ueberzeugung, daß ein Diebstahl von Thiele beabsichtigt worden wäre. Das Urteil lautete unter Einberecknung anderer Strafen auf neun Monate Gefängnis. Als der Angeklagte gefragt wurde, ob er sich hierbei beruhigen wollte, antwortete er wieder treuherzig:„Das Ist doch ein bißchen hoch, ich bin doch nur eine kurze Strecke gefahren!" Ende der Gerichtsferien. Die Gerichtsferien find mit dem gestrigen Tage zu Ende ge- gangen. Von heute ab wird also wieder der ordnungsmäßige Geschäftsplan Platz greifen, was für die Zioilgerichte von besonderer Bedeutung ist, da im Verlauf der Ferien nur sogenannte „geriensachen" zur Verhandlung gelangten und in anderen Klagen keine Termine stattfanden. Im Moabiter Kriminalgericht wird der Betrieb gleich voll einsetzen, wie überhaupt in den kommenden Monaten den dortigen Strasgerichten reichliche Arbeit bevor- steht.— Bereit» morgen beginnt vor dem Schöfsenaericht Berlin- Mitte unter Vorsitz des Landgerichtsdirettor» Schulze der große Bestechungsprozeß Ziffer und Genossen, der sich gegen 13 Angeklagte richtet. Sechs davon sind Zollbeamte, darunter der Oberzollinspektor v. Tilly, die übrigen Drogisten und Kaufleuke. Es handelt sich hier mn die bekannten vorgange beim Hauptzollamt Berlin Norden: dessen Angeklagte planten, Monopol- sprit gegen Entgelt unrichtig oder gar nicht vergällt zu haben. Der Prozeß dürfte etwa zwei Wochen dauern.— Am Sonnabend findet dann die Berufungsvcrhandlung wegen Urkundenfälschung gegen den Tierarzt Dr. Graul statt, der aus der Rüders- dorfer Fleischvergiftungsaffäre bekannt geworden ist, und am Montag nimmt am Landgericht I eine Schwurgerichtsperiode ihren Anfang. Ende Oktober bzw. November wird der andere große Spritprozeß vor dem Schöffengericht Tempelhof beginnen, in den wieder Hermann Weber oerwickelt ist. Er betrifft Branntwein- Monopolhinterziehung und sogenannte Branntweinmonopolhehlerei. Seine Dauer wird auf drei Monate berechnet. Koffer, Koffer, du mußt wandern... Das Scheckbuch als Verräter. Ein unangenehmes Erlebnis hatte im Juli d. I. eine Dame, die eines abends um 6 Uhr vom Potsdamer Bahnhof mit einer Auto- droschke nach Berlin-Lichterfelde fuhr. Am Ziel angelangt, ver- langte der Chauffeur nicht nur den Preis für die Hin-, sondern auch den für die Rückfahrt. Als sie sich weigerte, diesen auch noch zu zahlen, warf er seinen Wagen herum, fuhr wieder ab und nahm die beiden Lederkosfer der Dame mit. Diese war so bestürzt, daß sie zunächst nicht wußte, was sie beginnen sollte und sich auch nicht die Nummer des Autos merkte. Die beiden Koffer blieben verschwunden. Das war der Dame um so unangenehmer, als der eine ihr Scheckbuch und einen Barscheck über 30000 Mark, der zweite ein wertvolles silbernes Reise- Necessaire enthielt. Beide waren außerdem mit Kleidungsstücken gefüllt. Vor einigen Tagen nyn erschien ein biederer Schlächtermeister auf einer hiesigen Bank, iSn aus einen Scheck 1300 M. zu erheben. Der Scheck, der aus dem Buch der Dame stammte, wurde als gefälscht erkannt, sein Aorzeiger angehalten und der Kriminal- polizei übergeben. Dieser konnte aber bald nachweisen, daß er mit der Fälschung nichts zu tun hatte. Cr hatte den Scheck von einem 18 Jahre alten Siegfried R. für an diesen verkaufte Schweine in Zahlung erhalten. Jetzt wurde R. herangeholt, um Aufklärung zu geben. Er behauptet, daß er vor einiger Zeit an der Ecke der Berliner und Prinzregentenstraße in Wilmersdorf einen Koffer und darin u. a. den großen Barscheck und das Scheckbuch gesunden habe. Den Barscheck zu präsentieren, habe er gar nicht erst versucht, weil er vorausgesehen habe, daß er ihm doch nicht ausgezahlt werden werde. Dagegen habe er ein Blatt aus dem Buche benutzt, um den Schlächtermeister zu bezahlen. Bei einer Durchsuchung fanden die Kriminatbea'mten den Koffer unter allerlei Gerllmpel aus dem Boden der elterlichen Wohnung des jungen Mannes. Die Kleidungsstücke lagen noch darin, ebenso das Scheckbuch mit dem Rest der Blätter. Es war der eine Kosfer der Dame. Von dem zweiten wollte R. nichts wissen. Er leugnete, ihn zu besessen zu haben. Die weiteren Ermittelungen ergaben jedoch, daß er ihn nach Treptow auf ein Tanzsest mitgenommen und dort an einen Freund oerkaust hatte. Dieser besah ihn auch jetzt noch mit dem ganzen Inhalt. den Silbersachen und den Kleidern, mußte ihn aber zur Beschlag- nähme herausgeben. Nunmehr gab R. zu, daß er b e i d e K o f f e r gefunden habe. Ob es aber mit dem„Finden" seine Richtigkeit hat, ist noch sehr zweifelhaft. Darüber kann nur der Chauffeur Auskunft geben, und er wird deshalb ersucht, sich bei der Dienst- stelle 8 im Zimmer 6 im Polizeidienstgebäude in der Georgen- kirchstraße 30a zu melden. Bcrmutlich hat R. hie Droschke irgendwo unbeaufsichtigt stehen sehen und die Koffer heimlich herausge- nommen. Der Zoo hat Nachwuchs. Die Berliner Presse hat sich gestern den Tiernachwuchs i m Z o o angesehen. Es hatte aber fast den Anschein, als wenn sich die Tiere die Pressevertreter ansahen, so interessiert zeigten sich die jungen Bären und die kleinen Löwen und ihre Pflege- »lütter den Presseleuten gegenüber. Es sind aber auch zu reizende Dinger, diese kugelrunden Freunde Petz, die sich in den Zeiten einer mütterlichen Säugepause gegenseitig an den Ohren lutschen. Sie haben das Betteln von den Alten sehr schnell gelernt und machen reizende Männchen am Gitter. Elf junge Löwen haben die Löwen- mütter dem Zoo geschenkt, worüber die Direktion und das Publikum mehr erfreut scheint als die Löwenalten. Jedenfalls haben die meisten Jungen Ammen in Gestalt von Schäferhündinnen bekommen, die die untergeschobenen Kinder wie eigene behandeln. Die jüngsten Löwen sind erst fünf Wochen alt, allerliebste Kerlchen, die schon jetzt für 1500 Mark des Stück käuflich zu erwerben sind. Direktorial- assistent Dr. Lutz meinte, sie wären gar nicht so gefährlich! Die interesiantesten Tiere sind die Ameisenbären, die seit langer Zeit wieder einmal im Zoo zu sehen sind. Der Wärter führte so ein spitzschnäuziges Tier, dessen fächerartiger Schwanz länger ist als der ganze Körper, direkt unter die Gäste: ein Jahr später soll es mit dieser intimen Gesellschaft vorbei sein— wenn die Tiere erst die Menschen richtig kennen gelernt haben. Die aus Abessinien importierten Erdferkel bekommen die wenigsten Besucher zu sehen. Sie sind Nachttiere und empfangen daher am Tage keinen Besuch. Bei den Vögeln sind es besonders die verschiedenen Fasanenarten, die reichlichen Nachwuchs haben. Schade nur, daß die Besucher unseres Zoo nicht alle in den Genuß so eingehender Belehrungen kommen, wie sie den Presse- Vertretern zuteil wurden. Das Interesse würde dann noch größer sein. Der Geisteskranke auf dem Dach. Erhebliches Aussehen erregte gestern nachmittag ein Mann in den mittleren Iahren, der frisch und fröhlich ein vor Dem Grundstück Alexanderstraße 45 errichtetes Gerüst erklomm und bald das Dach erreichte. Hier vollführte er einige K u n st st ü ck e und oerübte allerlei Unfug. Polizeibeamte wurden benachrichtigt, die den Unbekannten zum Abstieg zu bewegen suchten. Gleichzeitig wurde die Feuerwehr herbeigerufen. Eine Leiter wurde in die Höhe ge- wunden und der Mann, der allerlei wirre Reden„Auto Ins Wasser gefallen"—„beinahe ertrunken" usw. führte, wurde nach kurzem Widerstand überwältigt und nach dem Virchow-Kranrenhaus geschafft. Bei der Aufnahme seiner Personalien stellte sich über- raschenderweise heraus, daß der Geisteskranke der Autodroschken- führer K. ist, der, wie wir berichteten, am Montag morgen gegen 4 Uhr mit seiner Kraftdroschke am Lützowufer, Ecke Genthiner Straße infolge Steuerdefektes in den Kanal fuhr, von Bor- übergehenden aber gerettet werden konnte. Durch den ausgestandenen Schreck hat der Kraftwagenführer wahrscheinlich einen Gehirndesekt erlitten. Auch der Norden hatte in den Nachmittagsstunden seine Sen- sation. Am Geländer der P a n k e in der G r o p i u s st r ä ß e im Norden Berlins sammelte sich eine größere Menschenmenge an, die einen im Wasser herumwatenden völlig bekleideten Mann beobachteten. Auch er führte wirre Reden. Die Feuer- wehr wurde herbeigerufen, die den Geisteskranken zur nächsten Rettungsstelle brachte. Ein schwerer Slraßenunsall mit tödlichem Ausgang ereignete sich gestern nachmittag an der Straßenkreuzung T e u p i tz e r und Schudomastraße. Der vierjährige Knabe Hör st Gärtner aus der Schudomastr. 11/12 hatte sich an ein Pferdegespann angehängt. Er löste sich los und lief in eine aus entgegen-,, gesetzter Richtung kommende Autodroschte hinein. Die Räder de» Kraftwagens gingen über das Kind hinweg, das auf der Stelle, getötet wurde. Die Leiche wurde nach der Buckower Friedhofs- halle geschafft.— Ein weiterer schwerer Unfall trug sich in den gestrigen Nachmittagsstunden in unmittelbarer Nähe des Bahn- Hofes Baumschulenweg zu. Der 50jährige Türschließer Karl Schmidt aus der B e h r i n g st r a ß e 2 zu Baumschulenweg wollte die Bahngleise überschreiten. Er übersah«ine in schneller Fahrt herannahende Lokomotive, wurde von dieser erfaßt und überfahren. Bereits auf dem Transport zum Buckower Krankenhaus trat derT o d infolg« schwerenSchädel- b r u ch e s und innerer Verletzungen ein. Die Schuldfrage ist noch nicht geklärt. Feuermelder mit Fingerabdruck. Ein Mechaniker Hans Schwaiger hat einen neuen, sinnreichen Feuermelder zur B e- kämpfung böswilliger Feueralarme konstruiert. Der Apparat kann nur iu Tätigkeit gesetzt werden, wenn der Meldende zuvor an einer drehbaren Kugel seinen Fingerabdruck als späteres Erkennungszeichen abgegeben hat. Weitere Ausbreitung 1212 Erkrankte, 30 Hannover, 15. September.(Eigener vrahlbericht.) Mi«. woch nachmittag 5 Uhr betrug die Zahl der in den Krankenhäusern der Stadl Hannover untergebrachten Typhuskranken 121 Z. Znsgesamt sind bisher 51? Männer. 514 Frauen und 17? Kinder vom Typhus befallen worden. Die in der vorigen Woche von Fachleuten ausgesprochene Erwartung, daß die Epidemie am Dienstag etwa Ihren Höhepunkt erreicht haben würde, scheint nicht in Erfüllung zu gehen: denn am Mittwochabend sind wieder zahlreiche neue Kranke eingeliefert worden. Der Polizeipräsident von hau- nover hat die hannoversche I e x t i l a u» st e l l u n g. die für den 2K. September in der Stodthalle angesetzt war. verboten, ebenso ist da» Abhalten des herb st j ahrmarkt» untersagt wor- den. Die össentlichcn Impfstellen, in denen die Schutzimpfung unentgeltlich vorgenommen wird, werden derartig bestürmt, daß die Bevölkerung anstehen muß. Die behördlichen Stellen haben selbst eine Vermehrung der össentlichen Zmps st eilen in Aussicht genommen. vie öettennot behoben. Glücklicherweise ist es den städtischen Körperschaften Hannovers nunmehr gelungen, der Unterbringungsschwierig- leiten und Bettennot Herr zu werden. Durch die Hilfsakttonen der anderen Städte und des Roren Kreuzes find die genügenden Betten nach Hannooer transportiert worden, so daß man wenigstens in dieser Beziehung vorläufig nichts mehr zu be- fürchten hat. Auch dem Mangel an Krankenwagen und sonstigen Beförderungsmitteln zum Abtransporr der Erkrankten in die Krankenhäuser und Hospitale in den Schulen ist abgeholfen worden. Die Stadt Hannover hat eine Anzahl von Krankenwagen zur Ver- fügung gestellt. Ferner sind verschiedene große Jndustriesirmen helfend eingesprungen und haben ihre Wagenparks der städtischen Verwaltung zum Krankentransport überlassen. Außerdem stehen auch in genügendem Maße Aerzte und geschultes Sanitätspersonal zur Verfügung. Vom preußischen Wohlsahrtsministerium weilt Ober- medizinalrat M a r m a n n seit Dienstag in Hannooer, um die An- ordnungen zur Bekämpfung der Epidemie nachzuprüfen. Vor ein!» gen Tagen war bereits eine Kommission des Wohlfahrtsministeriums m Hannover, die sich über die Wasserverhältnisse und besonders über der Tpphusepidemie. odesfälle in Hannover. das Ricklinger Wasserwerk informierte. Die Stadt Hannover zögert, das Ricklinger Wasserwerk zu schließen, weil die Werke von Graßdors und Elze den täglichen Wasserbedarf der Stadt nicht decken können. Große Anfrage üer Spv.-Zraktion im Lanütag. Die sozialdemokra tische Fraktion im preußischen Landtag hat eine Große Anfrage eingebracht, die vom Staats- Ministerium energisches Eingreifen zur Bekämpfung der Typhus- e p i d e m i e oerlangt, vor allem Klärung der Ursach« der Epidemie und Errichtung einer dauernden Kontrolle der Wasserversorgung der Stadt Hannover. In der Anfrage wird darauf hingewiesen, daß trotz wiederholter Aufforderungen in der Oefsentlichkeit, das aus dem Rickfinger Quellgebiet kommende Wasser genau zu unter- suchen, die Stadtverwaltung die Bevölkerung bisher immer mit der Erklärung beruhigt habe, daß das Ricktinger Wasser nur in harmloser Weise verunreinigt sei. Wie harmlos die Verunreinigung ist, zeigt jetzt die Typhusepidemie. Auch der Abg. Blank- Hannover, Mitglied der Zentrumsfrak- tion des preußischen Landtags, ist beim Wohlsahrtsministerium vor- stellig geworden mit dem Ersuchen, angesichts der von Stunde zu Stund« wachsenden Anzahl der Typhuserkrankten abermals eine Koni- Mission der verschiedensten Sachverständigen nach Hannover zu ent- senden, die im Einvernehmen mit den örtlichen, staatlichen und städtischen Behörden Ermittlungen über die Ursachen der Epidemie anstellen, die serner aber auch eine Nachprüfung der vorgenommenen Anordnungen zur Bekämpfung der Epidemie vornehmen soll. ver Tpphus in Magdeburg. Zu den bisher gemeldeten 30 Typhusfällen In Magd«. bürg sind zwei neue Erkrankungen hinzugekommen. Diese beiden Fälle sollen jedoch nicht auf verseuchte Milch zurückzu- führen sein. Obwohl«ine der an Typhus erkrankten Personen inzwischen gestorben ist, liegt kein Anlaß zur Be- fürchtung vor. Der Typhus stellt sich in jedem Jahre sporadisch ein und hat auch in diesem Jahre noch keine ernstere Form angenom- men. Sämtliche Typhuskranke befinden sich, soweit festgestellt wird. außer Lebensgesahr. Auf zum Mssenausmarsch der Gewerkfchasten nach Treptow am Sonntag, den 19. September 1926 Sturmlauf üer �lufwertungsschwinüler. Es ist an der Zeit, mit Nachdruck auf eine Bewegung hinzu- weisen, die zu einer Gefahr für Tausende zu werden drodt Wir meinen die unzähligen Jnslationsgeschädigten und vom Groß- kapital Beraubten, denen skrupelloser schwarzweihroter Wahl- schwindel goldene Berge versprach, und die dann namenlos ent- täuscht wurden, als die schönrednerischen Bauernfänger im Sattel sahen. Diese voll berechtigte Empörung der Ausgeplünderten und Betrogenen wird nun von recht fragwürdigen Elementen in eine Linie völliger Anarchie und ungezügelter Bernunftlosigkeit gedrängt. Einige Verbände, die sich untereinander aus Konkurrenzgrllnden aufs heftigste befehden, können in' marktschreierischer Propaganda für tOOprozentige Auswertung nicht genug tun, eine Versammlung jagt die andere, die Bereinigungen scheinen über unerschöpfliche lassen zu verfügen. Sonntag und Montag produzierte sich in Berlin in der.„Neuen Welt" und im„Elou" wieder jener wortreiche Be- triebsanwalt Winter aus Leipzig, der aus der Not der In- slaiionsverlierer anscheinend ein respektables Gewerbe macht. Jeden- falls macht er ganz Deutschland mit seinen ebenso billigen wie maß- losen Angriffen aus Regierung und Reichsbankpräsident Dr. Schacht unsicher. Noch weit radikaler ist die famose„Reichspartei für Auf- wertung und Recht", die der rührige Fabrikant Roll ins Leben gerufen hat, der sich wegen seiner Geldstrafe stolz den„Angeklagten" von Moabit nennt. Versucht es Winter immerhin noch mit dem Schein sachlicher Argumente, so ist bei Roll die wirrste Phrase Trumpf. Mit einen: Provinzialabgeordneten Beer aus Königsberg veranstaltet er jetzt eine Versammlung, die„allen Volksausräubern schärfste Kampfansage" bringen soll. Für die nächste Zeit planen die Verbändler eine 100prozentige Aufwertungsdemonstration im Lustgarten. Als ein besonders starkes Stück muß es bezeichnet werden, daß Roll seine Tiraden mit SO Pfennigen im Kurs notiert. Eine Schamlosigkeit ist es jedoch geradezu, von Er- w erbslosen, die sich als solche ausweisen können, 3 0 Pfen- »ige zu verlangen. Man sieht, das Geschäft blüht. Dr. Schacht als Kläger. Der Kampf der sogenannten„Reichsbankgläubiger" gegen Dr. Schacht ist gelegentlich der Breusungsverhandlung gegen den 'Handlungsgehilfen Herbert Schmidt, die vor der 2. Ferien- strafkammer des Landgerichts II stattfand, in eine neue Phase ge- treten. Schmidt war wegen Beleidigung des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht zu 10 Tage nGefängnis verurteilt worden, weil er ihn auf einer Postkarte als einen abgefeimten Betrüger bezeichnet hatte. Zur zweiten Beleidigung wollte Schmidt durch die bekannte Rede des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht in der General- Versammlung der Reichsbankaktionäre gekommen sein, weil dort die Agitatoren in diesem Kamps als Volksbetrüger bezeichnet worden seien. In der gestrigen Verhandlung ließ der Angeklagte nun durch seinen Verteidiger erklären, daß er den Wahrheitsbeweis für den Be- trug im landläufigen Sinne antreten werde und dementsprechend um- fangreiche Beweisanträge stelle. In erster Linie benannte er den gestern nicht erschienenen Dr. S ch a ch t als Zeugen darüber, daß dieser vor einem Jahr erklärt hätte, es feien nur 300 000 000 Tausend- inärkscheine im Umlauf, während er in einem Prozeß dann als Zeuge bekundet hätte, der Zlotenumlauf hätte im Äahre 1920 128 Milliarden betragen. Deswegen sei eine Meineidanzeige erstattet warben, so daß die Akten darüber herbeigezogen werden mußten. Ferner wurde be- antragt, die Zioilakten aus der Klage des Kapitänleutnants K l a h r gegen das Deutsche Reich herbeizuziehen. Schließlich wurde noch be- antragt, den Reichstagsabgeordneten Best als Sachverständigen zu laden. Das Gericht kam auch zu einer Vertagung und beschloß, Dr. Schacht und Best zu laden, serner den offiziellen Bericht über die Generalversammlung der Reichsbank herbeizuziehen. pollzel, Justiz und Fememorde In Bayern. Ueber dieses Thema sprach Genosse Fechenbach am Dienstag in einer Versiimmlung republikanischer Referenten im„Alten Askanier". Cr ließ die Feme- mordskandale in Bayern seit der Revolution nochmals Revue passie- ren. Man glaubte sich ins finstere Mittelalter oersetzt. Die Geschichte der Fememorde, so führt Fechenbach aus, geht weit zurück. Einige Tage vor der Revolution erklärte der jetzige bayerische Minister- Präsident Heidt, man könne sich nicht an das Schicksal des Reiches binden. Der Bauernführer Dr. Heim erstrebte später als Ersatz für die zusammengebrochene Donaumonarchie einen katholische» Staatenblock und unterhielt Beziehungen zu einem französischen General. Die Einwohnerwehren waren eine Truppe zur Durch- setzung bestimmter politischer Pläne. Man hatte in den Wehren eine Abteilung zur Unschädlichmachung von Personen, die Kenntnis von geheimen Waffenlagern hatten. So mußten die Hausangestellte Sandmeyer, der Kellner Härtung und der Student Bauer ihre Kenntnis von geheimen Waffenlagern mit dem Tode be- zahlen. Der Soldat D o b n e r entging mit Mühe dem Tode, und Genosse G a r e i s wurde meuchlings erschossen. Die Mordbubcn bekamen zum Teil recht geringe Geldstrafen oder wurden von der Polizei angeblich nicht gefunden.— Nach der Diskussion wandte sich Fechenbach gegen die Auffassung bürgerlicher Republikaner, die sagen: „Die Arbeiter werben es schon schaffen", und die damit ihre Passivität entschuldigen wollen. Straßenbahn, Linien 95 und 98. Vor einigen Tagen berichteten wir über Klagen aus unserem Neuköllner Leserkreis, daß die Straßen- bnhnlinien nach dem Venusplatz ab 11,30 nicht mehr verkehren. Wie uns jetzt die Straßenbahndirektion mitteilt, sind die Fahrzeiten dieser beiden Linien verlängert, und zwar sahren beide, die 95 und 98, bis nach 1 Uhr. Die letzten Fahrten der Linie 93 erfolgen um 12,24, 12,54, 1,24. Arbeiler-Sullur-Sariell Groß-LerNn. Erstes Nrbeiter-Sinfonie-Konzert am Sonnabend, den S. Oktober, abends 7'/, Uhr, in der Philharmonie SBtrle von Strawinski, Beethoven und Makler. Preis der Einzel- karte 1.59 M. Im Abonnement alle vier Konzerte SM. Karten sind in den bekannten VerkausSslellen und im Bureau deS Bezirks- bildunaSauSschusseS, Lindenstr. 3, 2. Hof IX, Zimmer 8. zu haben.— Drei Proletarische Feier st u» den im Großen Echan spiel- b a u S Sonntag, den 26. Dezember 1926 k2. Weihnachtstag», vormittags Wl Uhr: Ein NeibnachtSspiel für Sprcchchor mit SKrifik, Gesang und Sans Sonnlag. den 13. Februar, oormitlagS 119, Uhr:.Dynamo', Drama in musikaliichcn Rbytbmen von Friedrich Neubauer. Sonntag, den Ist. April 1927, vormittags 11>/, Uhr:.An die Erde". Weihespiele für Sprcchchöre von Bruno Schönlank. Lezlrt»bildung»ou»ichub Groh-BcrNn. Nächste Theatervorstellung am Sonntag, den 24. Oltober, nachmittags 3 Uhr in der Volksbühne am Bülowplap. Zur Aufführung gelangt die Komödie.Lhffstrata' von Leo Greiner(nach Aristophane»). Preis der Karte einschließlich Kleider- ablage und Theaterzettel 1.20 M. Karten find in allen bekannten Per« kaussstellen und im Bureau deS BezirtSbildungSauSschuNeS, Lindenstraße 3, 2- Hof Ii. Zimmer S, zu haben. Anschlag aus einen französischen Zug. Wie aus Paris gemeldet wird, hoben gestern drei im Alter von 11 bis 13 Jahren stehende Kinder auf der Vororistrecke Paris— Versailles einm Zug dadurch zum Entgleisen zu bringen versucht, daß sie größere Steine auf die Schienen legten. Gegen die Eltern der Kinder wird strafrechtlich vorgegangen werden. Entgleisung eines Güterzuges. Aus Breslau wird gemeldet, daß am 14. September 11 Uhr 25 Minuten nachts auf dem Bahnhos Ohlau beim Aussetzen eines Heißläufers sieben Wagen des Güter- zuges 6204 entgleisten. Ein Wagen wurde oölltg zer- t r ü m m e r t, ein Wagen schwer beschädigt. Personen sind nicht ver- letzt. Das durchgehende Hauptgleis Brieg— Breslau war innerhalb des Bahnhoss Ohlau bis 9 Uhr 50 Minuten vormittags gesperrt. Der Verkehr wurde durch Ueberholungsgleise geleitet. Der Zug 42(Ober- schlesien— Berlin) erlitt eine Verspätung von ungefähr einer Stunde. Die Fleischvergiftungen in Duisburg. Zu den bereits gestern gemeldeten Massenerkrankungen in Duisburg erfahren wir noch, daß diese aus den Genuß von Hackfleisch und Wurst aus Rindfleisch zurückzuführen sind. Die Zahl der Erkrankten beträgt 65, erhöht sich aber noch stündlich, so daß mit einer weit höheren Zahl Erkrankter zu rechnen ist. 32 Personen befinden sich in Krankenhaus- behandlung Wenn auch bei einigen der Erkrankten der Zustand be- sorgniserregend war, so darf jetzt doch damit gerechnet werden, daß Todesfälle nicht eintreten. Cholera-Epidemie in Litauen. Nach einer Meldung der.Litaui- fchen Rundfchau" aus Schauten ist in S e d u v a die Cholera aus- gebrochen. 300 Personen sind erkrankt. Schwerer Zechenunsall. Auf der Zeche„Helene" kamen nach einer Meldung aus Essen durch ein eigenartiges Mißgeschick zwei Leute zu Tode. Ein Schießmeister war im Betriebe schwer verletzt worden. Als ein Steiger bei der Bergung des Verletzten am Seil durch einen blinden Schacht fahren wollte, zerriß au» bisher unbekannten Gründen das Seil. Der Ver- letzte und sein Retter stürzten in den Schacht und wurden auf der Stelle getötet. Familienkragödie im Saargebiet. In dem Bergmannsort Hei- ligenwald gab die 2 6jährige Frau eines Eisenbahners auf ihre beiden Kinder im Alter von vier und fünf Iah- renundaufsichfelbstRevolverschüsseab. Die Frau war sofort tot, die Kinder schweben in höchster Lebens- g e f a h r. Man vermutet, daß die furchtbare Tat. die sich kurz vor der Heimkehr des Mannes ereignete, in einem Anfall geistiger Umnachtung geschehen ist. Sport. Borkampsabend des Polizeisport Vereins. Der Polkzeifportverein veranstaltete in den Germania- Sälen wieder«inen gutbesetzten Boxkampfabend. Di« Veranstaltung wurde mit einem Jugend-Leichtgewichtskampf zwischen Harafty (BSV.) und Nendsa(Heros) eingeleitet, der unentschieden endete. Besonderes Interesse fand der Halbschwergewichtskampf zwischen Ansorg(PSB.) und Biesentamp(Westdeutschland). Zwei harte, im Geben und Nehmen gleichstarke Gegner standen sich gegenüber. Es wurde unentschieden gegeben, obgleich Ansorg ganz knapp nach Punkten vorn lag. Der Mittelgewichtler Gaikowski(PSD.) konnte gegen Schiewe(PSB. Brandenburg) knapp nach Punkten gewinnen. Schiewe ist ein Mann, der zu den besten Hoffnungen berechtigt. Im Weltergewichtskampf wurde Pautz I(Anklam), der gegen Rie- iMutter sieh mal Hunderttausende Lfter«rstklaeslfi. Wein« golangen sunt Verkauf I« Apfelwein, eüÄ, et. l«0/a........ Liter 70 PL I a Johannlebeer, oa. 14°/«•••••••••» 80» la KIraohweln, eA£. ca. 14°/«•••••••. I.IO Echter Tarragono, oLee. ca. 18 e/«...... Liter 1.00 Echter Blalago, efiß, unvereo haltten 18°/«., m 1.50 Echter Insel Samoe lGr/0..........■> 1.0O Prima Eockenh. Sonsenberg WelAvela... PL 70 PI Prima WeiAveln Llebfraaenmlloli.••••«»05„ la Botveln Moctagne...........«»70» Prima Cot wein Boneelllon.......... m 1.19 Pelceler 20 er Bordcau ChAt Patin...... 1.60 Felnelc* 21 er VelAer Bordeaux Bant Sanlernoe» 2.20 Spezlalffein„Sanalo" macht mich fröhlich Ltr. 1.90 Peinetsr Welnbrand-Verecbnltt, ca. 38"/e.. Liter 3.20 Echter Weinbrand ca. 88«/«.......... 4.20 Pelnete Llkflre, alle Sorten ca. 38 0/o••..» 4.40 Die Preise rerstehen sich mit Steuer ohne Glan Ausschank vom Faß• Kostproben gratis. Achtung I 1 Liter enthält a|n Ltr, mehr.1. Vi r l.ach.l Eduard Süßkind Berlin N 31, Brunnenstr. 42/40. Humboldt 7011/1S und in den Verkaufsslellen. Berlin N, Müilerstr. 144. Teleph.; Moabit 519 Berlin O, Petersburger Str. 60- Teleph.: Kfinigstsdt 4505 Berlin M, Chausscestrafle 76. Teleph.: Norden 7813 Berlin O. KoppanstraBe 87 Teleph.: Königstadt 8075 Berlin SO, Grünauer Str. 15. Teleph.: Moritzpiatz 7232 Neukölln, Berliner StraBe 13. Teleph.: Neukölln 1994 Moabit, Wllsnacker Str. 25w Telaph.; Moabit 1105 Stegllts, SchloßctraBe 121. Teleph.; Steglitz 3664 Charlottonburg, Wilmorsdorfor Str. 157. Tol.:WUh. 821 Korättiöhel! Sonderangebot! An Private zu Engrospreisen. Eigene Fabrikate in gcdiecenen Ausführungen kaufen Sie in großer Auswahl und billig bei Wilhelm Schulze Honbijooplati 12, Hofpirt. Nähe Hackescher Markt Zablunsserlclchterang Telephon: AlexanderlHZ Dr.Bernard's BWftCalCerWCill gesetzlich geschützt— Seit länger als 60 Jahren«la Vorbeuguncsmittel erprobt und bewährt bei: Toberltiiiose.HelserKeU.BroiidüalKalaiTb Hosten, Asttun o. Magen- neu Dorm er Kr nmi mute« Erstaunliche Hebung des Appetits und des KSrper- gevichtal Besserung; des Allg;emelnbellBdeiis, Abnahme des Hustens. Orlglnaltiasche M. 2.50 Fünf Flaschen(eine Kur) M. 12. SO. Porto und Verpackung frei. Zu haben In allen Apotheken, wo nicht: Einhorn-Apotheke, Berlin SW 19, Kurstr. 34, Spittelmarkt.— Gegründet 1658. Bestandteile; Destillat des Buchenteers 1 6, Alkohol ZZJO, Enzian 4 0, Pomcranzenschale4 0, Weißw 1.50, Sirup 45 0 p mann I(PSB.) boxte, in der dritten Runde nach mehreren Ber- Warnungen disqualifiziert. In den übrigen Kämpfen blieb im Fliegengewicht Pyrentz(Post) über Beuger(PSB.), im Leicht- gewicht Blumel(PSB.) über Sing(Vineta), im Federgewicht Onderka I(PSB.) über Ebeling(Tenn.-Bor.), im Bantamgewicht Ginnekens(Westen) über Onderka II(PSB.), und schließlich im Leichtgewicht Pautz II(Anklam) über Köhler(PSB.) siegreich. Sechs vauerlahrer der Sovderklaffe aus der Olympia- Radren ndahn. Den reizvollen Rennprograrnmen der letzten Wochen folgt am kommenden Sonntag eine Nennvernnstallung, die trotz der in Ictzier Zeit gebotenen Elilcprogramme eine weitere Sleigerung derselben erkennen lätzt. In dem.Großen Preis de r JS x t r a l l a s s c' lallen dem sieggewohntey Karl W i t t i g und Waller S a w a l l mit F e j a und r u p I a t zwei deuische Dauerfahrer gegenübetlreien, die in den letzten Wochen durch gute Ersolge die Ausmerksamkeit der Radsvortireunde aus sich zu lenken ver- mochten. Diesem ausgezeichneten denischcn Steher quartclt tritt der Schweizer Paul S u t e r und der stets recht gut gcsnhrcne P a r i I o t entgegen. Die Rennsolge wird außerdem zwei sehr stark besetzte Flieger- rennen fiir Amateure, ein Fliegerrennen für Berusssahrcr und als bemerkenswerten Sonderwcilbewcrb ein Rennen auf Hochrädern ausweisen. Reimbeginn 4 Uhr. Wetterbericht der öffentlichen weiterdlenstslelle für Berlin. iRachdr.»erb.) Meist stärker bewölkt mit einzelnen leichicn Regensällen. Tempcraiurcn wenig verändert. Für Deutschland: Im Süden trocken und ziemlich heiter, im Norden bewölkt und regnerisch. Gejchastliche Mitteilungen. Das veotzkino Mercebes.Pnlast.Lichtspiele, Utrechter, Sie MiUlcrstrahe, eröffnet ont Donnerstag feine Pforten. Dos Theater zählt zu den größten Kinos Berlins und verfügt über 2500 Sitzplätze. Es ist mit den neuesten technischen Errungenschaften in der Heizung und Bentilation oersehen. Die 18 Ausgänge ermöglichen die Entloerung des oollbesetzten Theaters in etwa 2 Minuten. Neben der größten Orgel sorgt ein 5« Mann großes Orchester für musilalilche Darbietungen. Rasierklinge„Hertel-Klaffc". Ein neuer Weltrekordschlagcr wurde unter dieser Bezeichnung in den Handel gebracht. Hergestellt aus edelstem schwedischen Stahl, von Künstlern in ihrem ssoch geschlissen und gehärtet, besitzt dies« Klinge eine Feinheit des Schnittes und«ine lange Hebensdauer, die geradezu verblüffend wirkt. Jntereffenten wollen sich mit der Fa. H. Stroubel, Berlin SO. 83. Tabsrstr. 12, in Verbindung setzen. lEiehe Inserat.) Die Macht dee Gewohnheit ist«in stärkerer Faktor im Heben, a!» man ormeinhin anzunehmen geneigt ist. Welch großen Widerständen begegnen fast all« Fortschritte der Wissenschaft unb Technik, wie festgewurzelt find Meinungen und Urteil«, auch wenn längst schon dos Reue seinen Siegeszug durch die Welt angetreten hat. So wird auch heute noch— freilich nur von denjenigen, welch« st« noch gar nicht ernstlich versucht haben— die Feinkostmargorine ,. Blauband" oft als sogenanntes vurrogat geringschätzig abgetan, während der Kenner in ihr das oualitativ einwandfreie reine und für oll« Kreise wschtig«, weil sparsam« Haushastnahrungsmittel steht, dem die Palm« gebührt, und das totsächlich„wie Dutter" überall verwendbar ist. Sriefkaften öer Redaktion. v. S. 21. Fragen Sie bitte«inen Fachmann für Korbwaren. Fwei Wettende, zweifelhaft: nach unserer Anficht nein.— Erich Schneider. Di« Verteilung des fluschtages hat im Wege des Umlaqeverfahrens nach dem Verhältnis der Friedensmiete zu erfolgen. Die Erhebung von 2, 4 oder 6 Proz. ist unzulässig.— S. F. In Ihrem Falle«in Drittel des 20 M. Uber. steigenden Wochenbetrages. Di« Auskunft des Amtsgerichts ist also richtig. — M. 4. 1. Den Antrag auf Erhöhung der Unterstützung können Sie stellen. Ein« Pflicht zur Erhöhung des Betrage, besteht ober nicht. 2. Die Schwester. kann nur von den Eltern bzw. Großeltern UijtethffHsrente fordern. Die Geschwister kommen nicht kn Frage. Am 15 Srotemtier nttfdiUtf nach langem Leiden mein lieber Mann. naier guter Bater, Schwiegervater und Srajoater, der Schriftseger Franz Even im 68. Ledenajahre. Die« Heigt, um stA« Teilnahme bittend, tieibetrlibt an krau Luise Even geb. Heinrich nebst Angehörigen. Di» EinSscherung findet am Sonn. abend, den S. Sevtember, nachmittag« 3''i Uhr. im Krematorium Baum- schulenweg statt. stitseknist. Am 16. Sevtember verschied nach kurgem Krankenlager unsere lang- jöbrig, Sollegin. Frau LIse �rdettei' Mr verlieren in tbr eine lieb«, gute Kollegin und werden ihr Andenken stet» in Ehren hallen. Die Belegschaft der Berliner VclTetfabrlk M. Mengers& Söhne, KÖpenicker Str 18. DMrttallaiMMM *w vemMllgsMlledkt! Zreitag. IT. Sepfbr., abend» I Ahr ■■T" Sitzung"WA der Mittleren Orisverwallung. Achtung! sWiAleSviMe! Unserevranchennerlrauensmönner »»Uferenz sällt in vielem Monat au». VI» OrlsocnDalhuag. !S KOSTENLOS!! Hühneraugen� Qjualesi httCc cb faie&i, rnicA wozcAl' SolcrtigeEr�ÖSUR� durch JpScboU'sZinGPads 20000 PROBEN II KOSTENLOS II Senden Sie uns ein Iranklertes RBehkonvert. Wir senden Ihnen Dr. Schölls Zlno Päd. Deotsche Scholl-Werke BEBUST W 68 Rasierklinge. »Streubel's Feingold" sstüherH erttMastk) die immer anerkannt beste, tür verwöhnte Seibstranerer.o KitniU i. ihr-Fal, g-isi! U. gehörtet, iesttst diese Klinze eine Femh d. Schnitter, die geradezu verblühen dwirkh Igl. 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Noch der im Mai abgeschlossenen engen Interessengemeinschaft zwischen den fünf größten Linoleumfabriken Deutschlands, die außer dem kleinen Bedburger Außenseiter(Rheinisches Linoleumwerk- Bedburg) auch die einzigen find, war die Vertrustung zu erwarten. Aber sie kommt doch überraschend schnell. Da auch die Köln-Rottweil A.-G. ihre frühere Linoleumfabrikation an eine der Trustfirmen(Germanio-Linoleumwerke. Bietigheim) abgetreten hatte. wird in der Zukunft die gesamte deutsche Linoleumproduktion in dem neuen Trust oereinigt sein. Der kreis öer öeteillgten. Es werden folgende fünf Werke oereinigt, für die wir auch die Kapitalien und die zuletzt ausgeschüttete Dividende mitteilen: Kapital letzt« Dividende Bremer Linoleum-Werke..... 11,25 Mill. 12 Proz. Germania Linoleumwerke Bietigheim 7,00, 15, Delmenhorster Linoleumwerke... 4,80, 12, Deutsche Linoleumwerke Hansa... 4,90, 12. Linoleumfabrik Maximiliansau... 4,20, 12. Wie man sieht, handelt es sich nicht nur um relativ große, sondern auch um sehr rentable Werke. Diese Rentabilität ist absolut gesichert, weil die scharfe Kartellierung nicht nur die restlose Be- herrschung des Inlandsmarktes zur Folge hat, sondern diese durch Kartellabreden mit den Auslandserzeugern auch noch be- sonders gesichert ist. Es liegt hier auch der interesiante Fall vor, daß die Wirtschaftskrise keinerlei Anlaß zur Vertrustung gegeben hat; denn wenn die führenden Firmen 1926 auch nicht unbeträchtliche Anleihen ausgenommen haben, so erfolgten diese doch nur zum Ausbau, nicht zur Sanierung der lausend stark beschäftigten Werk«. Der Zusammenschluß wurde bedeutend erleichtert dadurch, daß die Bremer Linoleumwerke Delmenhorst(Schlüsselmarke) schon seit 1924 die Aktienmajoritäten von drei Werken besaß(Germania, Hansa. Delmenhorster Linoleum) und 1926 durch Zulauf von 0,90 Mill. Maximiliansau-Aktien auch über diese die Majoritäts. Herrschaft erlangte. Die treibende Kraft war demgemäß die Bremer Linoleumwerke A.-G. Von der Wirksamkeit der Jnter- essengemeinschaft. die knapp vier Monate bestand, vernahm man nur die Gründung einer zentralen Berkaufsorgonisation. Die Vertrustung geht durch die Schaffung einer Betriebs- g e m e i n s ch a f t unter einer neuen Firma und die Bildung einer Holdinggesellschaft vor sich. Sämtliche Betrieb« werden in der Germania-Linoleumwerke A.-G. vereinigt, die ihren Sitz nach Berlin verlegt und in Zukunft„Deutsche Linoleumwerke A.-G. Berlin" heißen wird. Die Gründerwerke werden durch neue Aktien der Deutschen Linoleumwerke(Germania) entschädigt, die zu diesem Zweck ihr 7-Mill.-Kapital auf 30 Mill. erhöht. Die Bremer Linoleum- werke, die bisherige Majoritätsbesitzerin, wird reine Holdinggesell- schaft, da auch sie ihre Betriebe abgibt und für ihre bisherigen Be- teiligungen entsprechende Aktienpakete der Berliner Trustgesellschaft erhält. Bemerkenswert dabei ist, daß sowohl die neue Trustgesellschast als auch die Bremer Holdinggesellschaft über den eigentlichen Bedarf neue Aktien ausgeben. Die Trustgesellschaft für 5,80 Mill., die Holdinggesellschaft für 3,25 Mill. Sie schaffen sich mit anderen Worten neue Betriebsmittel und sind offenbar über- zeugt, daß das Trustgeschäft auch für diese noch die entsprechend hohe Rente abwerfen wird. Für die Beobachtung der Trustbewegung ergibt sich daraus die interessante Feststellung, daß auch hier wieder einmal die Steigerung der Gewinne der einzige An. laß jener„Rationalisierung durch Vertrustung" ist, die zwar«ine tatsächliche Derbilligung der Produktionskosten bringt, diese aber nicht zur Steigerung des B«rbrauchs, sondern zugunsten des Profits verwendet. Much öer phototrust ist perfekt. In den Generalversammlungen der bekannten Photographischen Werke Ernemann-Werke, Contessa Rettel und Goerz wurde die Fusion beschlossen zu den Bedingungen, über die wir hier mehrfach berichtet haben. Der maßgebende Einfluß der Firma Zeih-Ieno kommt schon in dem neuen Namen zum Ausdruck, der Zeiß- I k o n- A.- G., Dresden, lauten wird. Die Goerz-Werke, Friedenau, und die Werke Contessa Rettel, Stuttgart, werden als Zweignieder- lassungen des Konzerns fortgeführt. Bekanntlich ist die Fusion durch die Notlage der beteiligten Gesellschaften oeranlaßt worden, und trotzdem wird das neue Unternehmen einen Aufsichtsratskörper von 24 Mitgliedern haben. Wie weit die Direktion abgebaut wird, steht bisher noch nicht fest, wie jedoch scheint, nicht in allzu großem Umfange. Reichszufthüsse für Reparationskohle. Preisausaleich.— Nicht Subvention. Nach den Versailler Friedensbestimmungen hat Deutschland bis 1930 bedeutende Kohlenmcngen jährlich an Frankreich. Belgien und Italien zu liefern. B e l g i e n hat auf diese Lieserungen bereits zum Teil verzichtet. Ueber den Preis dieser Repa- ratjonskohle bestimmt der Versailler Frieden, daß der deutsche In- landspreis fre i Gr übe gilt, daß er aber nicht den englischen" Kohlenoussuhrpreis übersteigen darf. Als nun die britische Regie.- rung bis vor einiger Zeit Subventionen an den englischen Bergbau zahlte, sank der englische Preis unter den deutschen Inlands- preis. Das rheinisch-westfälische Kohlensyndikat oerlangte vom Reich, daß es ihm die Differenz zahle. Das Reich lehnte ab, weil nach dem Dawes-Plan usw. die Leistungen Deutschlands sich auf die festgesetzten Johreszahlungen beschränken. Das Kohlensyndikat ging jedoch an das R e i ch s w i r t j ch a s t s g e r i ch t. und dieses hat entschieden, daß das Reich die Differenz zwischen dem Inlandspreis (den sogenannten Reichsanzeigerpreis) weniger 4 Proz. Rabatt und dem in Dersailles festgesetzten Preis zu zahlen hat. Nach diesem Urteil muß das Reich jährlich eine Anzahl Millionen dem Kohlen- syndikate zuzahlen, weil sich das Urteil auf den ganzen Zeitraum bezieht, wo der englische Kohlenpreis durch die Subventionen ge- senkt war. Das Kohlensyndikat hat sich in längeren Verhandlungen bereit gezeigt, ein Abkommen mit dem Reich auf mittlerer Linie zu schließen. Dieses Abkommen ist zu neunundneunzig Prozent fertig, da es jedoch noch nicht unterzeichnet ist, wird sein Inhalt, insbesondere die Höhe der Reichszahlungen, noch nicht mit- geteilt. Nach dem Wallenberg-Abkommen von 1925, das die deutschen Sa ch lieferungen regelt, kann Frankreich neben der Repa- rationskohle auch Kohle im freien Berkehr von deutschen Kohlen- bergwerken kaufen, und da hierfür der Weltmarktpreis gilt, der niedriger ist als der im Friedensvertrag festgesetzte Preis, so besteht für Frankreich ein starker Anreiz, von dieser Möglichkeit Gc- brauch zu machen. Denn die französische Regierung muß die von ihr erworbene deutsche Kohle w-e i t e r verkaufen und Hot von der im freien Verkehr getauften Kohle einen Borteil gegenüber der anderen Kohle. Das Kohlensyndikat steht seit langem im Streit mit der französischen Regierung, von der es verlangt, daß es Kohle nur vom Kohlensyndikat beziehe. Es ist möglich, daß das Ab- kommen zwischen Kohlensyndikat und Reich auch Aussichten auf eine Regelung dieser Streitsrage eröffnet. Selbstverständlich kommen Reichszuschüsse für Kohle, die im freien Berkehr verkauft ist. ebenso- wenig in Frage wie für Rcparationskohlc, deren Inlandspreis nicht höher ist als der englische Kohlenausfuhrpreis. Die Vertragsbc- ftimmungen über Sachlieserungen verpflichten zwar Frankreich nicht, eine bestimmte Menge Reparationskohlc abzunehmen, geben aber nichtsdestoweniger Deutschland einen Rechtsanspruch darauf, daß Frankreich deutsche Kohle nur vom Kohlensyndikat bezieht, wenn die Anrechnung auf Reparationskonto erfolgen soll. Soweit die Mitteilungen von zuständiger Stelle, auf deren In- halt bei Bekanntgabe des Vergleichs mit dem Synditat noch zurück- zukommen sein wird._ Nivalen öes Sroßhanöels. Wieviel Großhandelskartelle gibt es? Auf der Großhandelstagung in Düsseldorf machte Dr. Engel als Berichterstatter interessant« Mitteilungen über die Kräfte, die in letzter Zeit auf eine Ausschaltung des Großhandels hinwirken. Die Strukturveränderungen der Industrie haben zu einer Der- stärkung und Berttefung der Tendenz in der Richtung der Aus- schaltung des Großhandels sowohl-durch die Behörden und deren staatliche Betriebe, wie vor allem aus dem Gebiete der Drogen. Chemikalien, Eisen(Werkshandel) und Nah- rungsmittel gesührt. Die Stärkung der Syndikate Hot die Machtstellung der betreffenden Fachindustrien gegenüber dem Groß- Handel«rgrii�ert. Eine Untersuchung hat ergeben, daß im Großhandel selbst nur allein höchstens 50 kartellmäßige Gebilde von 234 Fachverbänden aufzubauen möglich gewesen sind, und die Fach- gebiete, auf denen die Kartelle entstehen konnten, beschränken sich wesentlich auf den Textil- und Eisenwarengroßhandel. In der ganz überwiegenden Mehrheit des Großhandels haben sich organisationsmäßige Sicherungen nicht schaffen lassen. Bon 50 be- stehenden Kartellen sst es nur 22 gelungen, mit der vor- gelagert.�.». SjU) u.ft r i t in Forst, von gegxnfeifigen Verträgen zu Verständigungen zu gelangen. Als Gegenwirkung der"Aüsschaltangstendenz den Industrie ist eine E i n i g u n g s st e I l e zwischen dem Reichsoerband der Deut- schen Industrie und dem Zentralverband geschaffen. Die Strukturveränderung im Einzelhandel in der Richtung weiterer Ausbildung der Warenhausbetriebe, Schaffung von Filialbetricben, hat seine besondere Ausprägung iu der forcierten Gründung von Einkaufsvereinigungen gefunden. Diese Konzentrationen des Einkaufs drängen ebenfalls auf ein« Aus- schaltung des Großhandels. Deshalb wird die Auseinandersetzung mit den Genossenschosten immer mehr zu einer der wichtigsten Aus- gaben des Großhandels. Die ganze Entwicklung zeigt jedenfalls, daß ein« Reihe von Tendenzen, die den Großhandel zurückdrängen, in der Gesamt- entwicklung der Wirtschaft begründet sind. Ohne diese Entwicklung zurückzuschrauben, wird man diese wachsende Rivalität von Werkshandel und Genossenschaften mit dem Handel nicht be- fettigen können. Der Großhandel tut also gut. damit zu rechnen. daß diese Rivalität eine dauernde und scharfe sein wird. Stellt er sich durch eine planvolle Rationalisierung darauf ein, lo wird er noch manche sonst bedrohte Position retten können. In diesem Puntte, nämlich soweit die Anpassung an die modernen Erfordernisse verlangt wird, ist auch dem Referat des Geschäfts- führers des Zentralverbondes, K e i n a t h, durchaus zuzustimmen. » Aus der großen Resolution, mit der der Großhandel die Ergebnisse seiner Tagung zusammenfaßte, ist die erfreulich scharfe Kritik an der.falschen Zoll- und Handelspolitik der Regierung hervorzuheben. In anderen Puntten fordert sie jedoch zu schärfstem Widerspruch heraus. Insbesondere zeigt die Ablehnung des Achtstundentags von einer Aussassung. die im strikten Wider- spruch zu der Erkenntnis von der Notwendigkeit der Rationall- sierung steht. Oder will auch der Großhandel nur zur Erhöhung der Gewinne rationalisieren und die erwerbslosen Angestellten weiter auf Brot warten lassen, während er dos noch beschäftigte Personal Urb erstunden— womöglich sogar unbezahlte— leisten läßt? Wirtschastsüeserteure. Seit einigen Tagen laufen Artikel interessierter Verbände durch die Presse, wonach sogar Behörden gewagt hätten, ausländische Waren zu kaufen, weil diese billiger sind. Im Italien Mussolinis hat man neuerdings Leute, die im Ausland kaufen, W i r t l ch a f t s- deserteure genannt. Das hat den deutschen Muslolini-Freun- den so imponiert, daß sie ihre Zeitungsglosse ebenfalls unter diesem Titel brachten. Die deutsche Schwerindustrie ist heut noch unter- beschäftigt. Vor ihren Toren stehen noch Tausende von Ar- beitslosen, die Arbeit verlangen. Es ist bekannt, daß ikre Lei. stungsfähigkcit noch weiter gesteigert wurde und heute längst nicht ausgenutzt wird. Jetzt liest man in derselben Presse, und zwar ohne jeden Kam- mentar, daß die deutsche Schwerindustrie Auslands- aufträge in die Tschechoslowakei, an, die Witkowitzer Werke, weitergibt, die infolgedessen neue Ar b e i t e r aus minder- beschäftigten Industriezweigen e-in stellen muß. Wir gestatten uns die bescheidene Anfrage: Wenn es schon ein Verbrechen ist, im Auslande zu taufen, weil das Ausland b i l- liger ist, was bedeutet es dann, wenn man sogar Arbeitsmöglich- keiten dem Ausland schenkt, gleichzeitig deutsche Arbeiter um ihr Brot bringt und obendrein die Behörden unausgesetzt um Aufträge bestürmt? Die Spareinlagen in Deutschlanö unö Rußlanö. Die russischen und die deutschen Verhältnisse vergleichen ist schwierig, wenn die Agitation der Moskauanhänger, wo es für sie günstig scheint, auch vor dieser Schwierigkett nie Halt macht. Schwierigkeiten sind gewiß auch für den Vergleich der Spar- tätigte it in den beiden Ländern vorhanden, die immerhin«in Maßstab für die W o h l st a n d s e n t w i ck l u n g sst. Aber die Tassache, daß auch Rußland, und zwar annähernd zum gleichen Zeitpunkt wie Deutschland, von neuem zu sparen be- gönnen hat, fordert zu«mem Vergleich der russischen Einlagen- Ziffern für Ende Juli mit denen Deutschlands heraus. Der Vergleich ergibt folgendes: Rußland verzeichnet End« Juli 1926 einen Einlagen- b e st a n d von 77 Millionen Rubel gegenüber 1913 mit 2 Mit- liarden Rubel. Das ist ein« wiederauffüllung des Sparvermögens in Rußland auf V« des Vorkriegsstandes. Deutschland hat End« Juli 1926 einen Einlagen- b« st a n d von 2470 Millionen Mark gegenüber einem Vorkriegsstand von rund 19 Milliarden. Das sst eine wiederauj- füllung auf ein Achtel. Die Spartätigkeit der Gesamtbevölkerung in Deutsch- l a n d, soweit sie bei den Sparkassen erscheint, war in Deusschland also dreimal so stark. Auf 1000 Einwohner Rußlands betrug der Einlagenbestand Ende Juli rund 1200 Mark, in Deutschland dagegen 38 600 M. Dabei hat Sowjetrußland große Anstrengungen zur Belebung der Spartätigkeit bei der Arbeiterschaft gemacht, wie sich aus der Zunahme der Sparkassen von 9742 auf 14 000 in einem Jahr« und aus der Tatsache ergibt, daß die russischen Einlagen zu % sich aus Lohn- und Gehaltsempfängern, und nur zum geringsten Teil aus Bauern bestehen. Run macht die schwer« Wirsschastslag« den deusschen Lrbettern, Angestellten und Beamten das Sparen wirklich sauer, und die freien Gewerkschaften werden weiter mit aller Energie für die Steigerung des Lohneint ommens kämpfen. Wer den deutschen Arbeitern aber einreden will, in Rußland habe es die Arbeiterschaft besser, den sollt« man doch aus dies« im ganzen recht ausschlußreichen Unterschiede in der Spartätigkeit hinweisen, die sich aus der Gegen- überftellung der sowjetamtlichen Angaben mit der deutschen Sparkassenstatisttk ergeben. Zur Lage der Textilindustrie. Das Spinn st offgewcrbe kann auch für die erste Septemberhälfte eine allgemeine Fort- setzung der Besserung berichten. So hatten die Tuchfabriken Brandenburgs durchweg beinedigende Beschäftigungsmöglichketten. Die Besserung hat sich auch auf die Streichgarnverarbeitung in Sommerfeld und Forst erstreckt. Di« Situatton in Schlesien belebte sich weiter: in den Kreisen Waldenburg, Lauban, Liegnitz und Schweidnitz fanden Arbeitereinstellungen statt. Dagegen ist es in Görlitz zu vorübergehenden Entlassungen gekommen. In Schifsbek arbeitet die Iutespinnerei und Weberei und in Bremen der über- wiegende Teil der Fabriken wieder voll. Im Bezirk Calbe haben die Tuchfabriken den Betrieb wieder aufgenommen. Auch in Thüringen waren die Werke weiterhin gut beschäftigt, die Färbe- reien arbeiteten noch mit Doppelschichten. Im Freistaat Sachsen war die Nachfrage nach Weberinnen und Webern, in Chemnitz, Reichenbach und Mylau ziemlich lebhast. Der Bedarf an Kamm- garnspinnern in Leipzig konnte nicht voll gedeckt werden. Auch die Gardinenwebereien in Faltenstein nahmen Arbeitskläfte an. In der Baumwollindustrie im Kreise Ahaus ging die Kurzarbeit zurück. Im Bezirk Eschwege hat sich der Geschäftsgang in der Woll- und Baumwollweberei gebessert. Auch Württemberg meldet über- wiegend Besserungserscheinungen. In Baden hält die Erhöhung des Beschäftigungsgrades im allgemeinen an. Sehr ungünstig ist die Lage der Seidenbandindustrie des Hotzenwaldes geblieben. Ein scharfer kapitalschnitt. Eine der größten Maschinenfabriken des Pfalz, die Dinglersche Maschinenfabrik A.-G. in Zweibrücken hat im Jahre 1925 fast ihr ganzes Aktien- kapital verloren. Sie muhte sich im Oktober 1925 unter Geschäftsaussicht stellen lassen, die erst aufgehoben wurde, als die Gesellschaft dem Verlangen der Gläubiger nachgebend eine Zusam- menlegung des Aktienkapitals aus ein Zehntel, nämlich von 3 Mill. M. auf 375 000 M. vornahm und die Gläubiger dann dem Zwangs- vergleich zustimmten. Für die Berluste macht die Verwaltung in ihrem Geschäftsbericht in der Hauptsache die Tatsache verantwortlich, daß die Gesellschaft durch die Sonderzollgrenze von ihrem natürlichen Absatzgebiet, dem Saar gebiet abgeschnitten war. Auch die nach der Sanierung für den 1. April 1926 aufgestellte Bilanz ist alles andere als flüssig. Sie weist Schulden in Höhe von 3 233 794 M. auf, denen an Waren und Halbfabrikaten, Reste und Buchsorderungen etwas über 2 Mill. gegenüberstehen. Der Wie- derausbau nach der Sanierung begann mit Stillegungen der Stahlgießerei und der Abteilung für restlose Vergasung. E n t- lassungen, die stattgesunden haben, nennt die Verwaltung in ihrem Geschäftsbericht„Anpassung der Zahl der Arbeiter und An- gestellten an die wenigen tatsächlich vorliegenden Austräge." Der Vorstand aber besteht immer noch aus drei Personen. Im Bierbacher Werk, das von Grund aus umgestellt wurde, und im Werk Zwei- brücken entsprechen die Eisenkonstruktions- und Kesselschmiedewcrk- stätten allen Anforderungen. Hefe für die Aktionäre. Das ist kein Witz, sondern Tatsache bei der Nord-We st- Deutschen Hefe- und Spritwerke A.-G. in Hameln. Sie bittet tatsächlich ihre Aktionäre, die zum Teil ihre Käufer sind, der Gesellschaft die Dividende zu belassen und dafür sofort gegen Bezahlung mit Dividendenscheinen Heje zu kausen. Die Sache ist nicht ungeschickt: Die Firma behält die Gc- winne als Betriebsmittel, sie stärkt den Absatz und spart die Re- tlame. Die Reklame spielt übrigens im Geschäftsbericht eine ganz besondere Rolle; nicht weniger als dreimal wird den Aktionären die hohe Qualität der von der Gesellschaft erzeugten Hefe versichert; wenn sie das jetzt noch nicht glanben und sich mit der Dividenden- Hefe nicht zufriedengeben, dann ist ihnen nicht zu Helsen. Es wird übrigens auf das 750 000 M. Kapital ein Reingewinn von 67 000 M. ausgewiesen, der eine Dividende von 7 Proz. erlaubt. Bestellungen des russischen Papiertrusts in Deutschland. Das nach Moskau zurückgekehrte Vorstandsmitglied des Papiertrusts des Zentralrayons. Styrmann, erklärte Sowjetpresseoertretern gegen- über, daß bei der deutschen Firma Voigt eine 6-Meter-Papicr. Maschine mit einer Leistungsfähigkeit von 70 bis 75 Tonnen täglich bestellt wurde. Die Maschine soll nach dem Muster der auf den Fabriken der Feldmühle-Papier- und Zellstosfwerkc A.-G. arbeiten- den Maschinen gebaut werde». Der Linkc-Hof mann- Lauch- Hammer A.-G., Abt. Füllnerwcrk, Warmbrunn, wurden zwei Maschinen zu 3,2 und 3,6 Meter in Auftrag gegeben. Die Gesamt- Produktion der drei Maschinen beträgt 125— 130 Tonnen Papier täglich. Ferner sind mehrere Holzmassemaschinen bestellt worden. Der Gesamtwert der Bestellungen in Deutschland erreicht etwa 2 Millionen Rubel. Gleichzeitig wurden bei der e n g l i- schen Firma Babcox u. Wilcox Hochdruckkessel im Gesamtwerte von 1,5 Millionen Rubel bestellt. Die englische Firma hat vier- jährigen Kredit zu 6 Proz. p. a. gewährt. Ferner wurde mit dem Verein Deutscher Papierfabrikanten ein Vertrag aus Lieferung eines großen Postens Zeitungspapier nach der Sowjetunion abgeschlossen. Deutscherseits wird dabei«in Kredit auf sechs Monat« eingeräumt. Aufmarschplan für die Gewerkschafts-Kundgebung am Sonntag, 19. September in Treptow. Zug 1: Mffl-öund, Grtskartell Serlin. : Vorckstraße— ab Großbeerenstrab« bis Bell«-Alliance- Straße und Gneisenaustraße— ab Belle-Alliance-Straße bis Zosscner Straße(Mittelpromenade).— Abmarsch: 1 Uhr. Vankangestellle. Sammelplatz. Französische Straße(Derbandshaus).— Abmarsch: 11% Uhr. Zug 2: öaugewerbe und Eteininöuftrie. (vaugewerksbund. Verband der Zimmerer. Verband der Sleinarbeiter. Verband der Maler.) hauplsammelplah: Engelufer— ab Michaelkirchplatz bis Adalbert- brücke.— Abmarsch: 1 Uhr. linterbezirke. Sammelplatz: Weberwiese, Front nach Große Frankfurter Strohe. (Sammelstelle sür die Bezirke: Osten I und II. Nordosten, Weißensee, Lichtenberg, Köpenick. Friedrichshagen, Friedrichs. selbe.) Führung: Bezirk Osten II.— Abmarsch: 12% Uhr. Sammelplatz: Gustav-Meyer-Allee, Front nach der Brunnenstraß«. (Sammelstelle für die Bezirk«: Wedding, Gesundbrunnen, Reinickendors-Ost und-West. Tegel, Heiligensee, Hennigs- darf, Pankow, Heinersdorf, Norden I und II, Moabit.)— Abmarsch: 11% Uhr. Sammelplatz: Horckstraße ab Katzbachstraße bis Großbeerenstraße. Front nach der Großbeerenstraße.(Sammelstelle sür die Bezirke: Eharlottenburg, Wilmersdorf, Friedenau, Schöne- bera, Lichterselde, Lichtenrade, Zehlendorf, Steglitz, Marien- dors, Marienfelde, Teltow, �.cmpelhof, Südwesten.)— Abmarsch: 12 Uhr. Sammelplatz: Reuterplatz. Front nach Kaiser-Friedrich-Straße. (Sammelstelle sür die Bezirke: Neukölln I, II und III.)— Abmarsch: 12% Uhr.— Die Bezirke Süden, Treptow, Baum- schulenweg, Niederschöneweide, Adlershof, Grünau, Spandau fahren direkt nach dem Hauptsammelplatz Engelufer. Nicht- genannte Bezirke schließen sich der nächsten Sammelstelle an. Steinorbiiter. Sammelplatz: Bethanienufer— ab Adalbertbrücke bis Engelbecken. Anschluß an Zug 2. Maler. Sammelplatz: Melchiorstraße über Michaelkirchplatz. Anschluß an Zug 2. Zimmerer. Sammelplatz: Bundeshaus Wallstraße Ecke Jnselstrahe. Anschluß an Zug 2.— Abmarsch: 12% Uhr. Zug 3: Sekleiüungs- und Textilindustrie. (Vekleibungsarbeilerverband. hularbeilerverband, Friseur- gehilfenverband. Textilarbeiterverband.) Sammelplatz: Lustgarten(nicht wie bisher angegeben Bundes- Haus).— Abmarsch: 1 Uhr. Zug 4: Chemische Industrie. Fabrikarbeiter. Sammelplatz: Andrcasplatz.— Abmarsch: 1 Uhr. Zug 5: Graphisches Gewerbe. l Verband der Lithographen und Steindrucker, Verband der Buchdrucker, Buchbinder und Verband der graphischen HIlss- arbeiler.) Sammelplatz: Sendarmenmarkt.— Abmarsch: 1 Uhr. Zug ö: Handel und verkehr. (Verkehrsbund und lkinheilsverband der Elsenbahner.) Sammelplatz: Mariannenplatz.— Abmarsch: 1 Uhr. Eisenbahner. Sammelplatz: Bethanienufer von Adalbertstraße bis Mariannen- platz. Anschluß an Zug 6. Zug 7: Holzindustrie. (Holzarbeilerverband. Verband der Böttcher.) Sammelplatz: Am Köllnischen Park.— Abmarsch: 1 Uhr. llnterbczirke. Zentrum: Vor dem Verbandshaus, Am Köllnischen Park. Süden: Oranienplatz(Ecke bei Maßen). Südosten: Lausitzer Platz, an der Waldemarstraße. Südwesten: Mittenwalder Straße 16. Osten I und Tlordosten: Frankfurter Allee Ecke Koppenstraße (Mittelpromenade). Osten II, III und östliche Vororte: Warschauer Straße, Ecke Frank- surter Allee(Mittelpromenade). Borden: Prenzlauer Allee(Promenade an der Bötzow-Brauerei). Bordwesten: Raven-straße(vor dem Lokal von Mecklenburg� Beukölln: Maybachufer, Ecke Kottbusser Damm. Weißensee: Vor dem Prälaten. INusikinstrumenlenarbeilcr: Wallnertheaterstraße(Wollner-Theater). Slockarbelter: Michacltirchstr. 29a(vor dem Lokal von Prasser). vergolder und Bahmenmacher: Adalbertstr. 21(vor dem Lokal von Kraatz). Stellmacher: Sophienstr. 5(vor dem Lokal von Hummel). Modell- und Zabriktischler: Neue Friedrichstr. 1(vor dem Lokal von Nehring). Kammacher: Wusterhausener Str. 17. Kisten- und Kofsermacher: Krautstr. 24 bei Nicksch. Schneidemüller und Sägereiarbeiter: Boekers Garten. Weberftr. 17. Abmarsch aller Unterbczirte und Branchen 12 Uhr.— Alle nicht ausgeführten Branchen und Bezirke treffen sich Runge- straße 3l>(vor dem Verbandshau' gehen zu den Treffpunkten ihrer Die arbeitslosen Kollegen ranchen oder Wohnbezirke. Zug S: Cebens- und Genußmittelindustrie. (Bahrungs- und Genußmittelarbeileroerband, Lebensmittel- und Getränkearbeiterverband, holet-, Restaurant- und Eas6- angestevlenverband, Verband der Fleischer. Tabakarbeiter- verband.) Sammelplatz: Rosenthaler Platz.— Abmarsch: 1 Uhr. Betrieb Hildebrandl. Sammelplatz: Brunnenplatz.— Abmarsch: 12% Uhr Zug 9: Lederindustrie. (cederorbeiterverbond. SaNlerverband, Schuhmacherverband.) Sammelplatz: Grimmpark, ab Dieffenbachstraße bis Urbanstraße.— Abmarsch: 1 Uhr. Zug 10: Metallindustrie. (ZNetallarbeilerverband, Verband der INaschinisten und Heizer, verband der Kupferschmiede.) Sammelplatz: Schloßplatz.— Abmarsch: 1 Uhr. Maschinisten und Heizer. Sammelplatz: Gewerkschaftshaus. Anschluß Abmarsch: 12 Uhr. an Zug 19.— Zug 11: Staatliche und kommunale Getriebe. (Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter.) hauplsammelplah: Stralauer Platz.— Abmarsch: 1 Uhr. Ilnterbezirke. Sammelplatz: Küstriner Platz(Osten, Nordosten— Bezirke 17, 18 und 19).— Abmarsch: 12% Uhr. Sammelplatz: Iohannisstraße(Norden, Nordwesten, Zentrum— Sammelplatz Bezirk« 8 und 20).— Abmarsch: 12 Uhr. elplah: Lausttzer Platz 14 und 15).— Abmarsl Lausttzer Platz(Süden, Südwesten— Bezirke 13, 15).— Abmarsch: 12% Uhr. Sammelplatz: Bülow-, Ecke Göbenstraße(Westen— Bezirke 7, 9. 10. 11 und 12).— Abmarsch: 11% Uhr.— Anschluß an Zug 11. Zug 12: Candwirtschast u. Gärtnerei, Theater u. Musik (Verband der Gärtner. Verband der Musiker. Deutsche Film- gewerkschafl.) Sammelplatz: Oranienplatz.— Abmarsch: 1 Uhr. » Alle Arbeiter und Angestellten werden aufgefordert, sich restlos an dieser Kundgebung zu beteiligen und sich pünktlich aus den Sammelplätzen einzufinden. Sozialistische firbeiterjugenö Groß-Gerlin. wanderleilerkonserenz. Aeut«, Douniwlas, abend» pünktlich Uhr, Im Znacntchrl» Liabrnstr.!>, 1. Lip-tbildervortrall de» Senoisea Dr. Hilter über„Rärlische Bauten*. 2. Bar- schicdrnes. Achtuna k>bteiln»g»lciter. holt das Derbcmatcrlal ob. Iunendgenosien! Betriliat euch am Sonntag, den 19. September, an der Sewcr.lchast»tandsebung. Sämtliche Veranstaltungen fallen an diesem Tage au». heute, Donnerstag, den Ib. September, abends 7% Uhr: Norden: Schule Vutbusser Str. z. ZIeichstagslitzung. Thema:..Arbeits- dienstiahr*.— Schönhauser Vorstadt I: Schule Driescner Str. 22. lO-Minuten. Referate.— Schönhauser Borstabt ll: Schule Ebcrsrralder Str. 10. Aussprache: „Die Gcwcrlschaste» und die arbeitende Jugend*.— szriedcnau: Jugendheim effenbachrr Str. bo. Vortrag:„Arbeiterluarnd im Wittschaflsprozeft*.— Lank- »ih: Schuir Schulstrvhc. Vortrag:„Heinrich Leine*.— Lichterselde: Jugend- beim Llchterfeldc-West, Albrcchtstr. IIa. Vartrag:..Sexuell- lrrogen—«eroc. bextrk Osten: Alle älteren Mitglieder der CAI und die jilngeren Vartetmit- glieder trefsen sich heute abend thb Uhr im Iugendhelm ekdcrtnstr. 12.— Weibebexirk«reuxberg: Freitag Beginn des Symnastitlursu» im Jugendheim Lindenstr.. Z. Werbebezirk Lichtenberg(Ostbahn): Jugendheim Lichtenberg. Weichsel- D straße(Bibliothek). Vortrag:„Einführung in die sozialistisch« Literatur", y Schöncbera 1: Achtung, nrne, Jugendheim Sauptstr. 15, btui-an che-onte*. In der chcmaligen stopelle, durch Zorrreq reckt«! Mö gen, Freitag, wichtig« Besprechung wegen de» neuen L-ims. Da» Erscheinen alle Mitglieder ist au, diesem Sruud« dringend notwendig. Allgemeiner deutscher Gewerkschastsbunö Allgemeiner freier �ngeftelltenbunö Orlsausschuh Berlin. Orkskarkell verlin. Audrans Operette„Die Puppe", früher viel gespielt, heute bei- nahe vergessen, erlebt im Rundfunk ihre Auserstehung. Vergleicht man sie mit Offcnbach oder den gleichzeitigen deutschen Operelten, wie etwa„Don Cäsar", so fällt der Vergleich zum Nachteil der „Puppe" aus, es fehlt der unerschöpfliche Reichtum musikalischer Erjindung, mit dem Osfenbach begnadet war, auch die Komposition ist primitiver. Audran setzt Arie hinter Arie, ohne sie zu oer- knüpfen? merkwürdig ist der Schluß des ersten Akts, der ohne En- femble endet mit dem gesprochenen Wort. Im zweiten Akt taucht der große Walzer auf, der bereits in der Ouvertüre anklingt, das Finale endet mit ihm. Aber das alles bleibt durchschnittlich, erst im großen Duett des dritten Aktes gewinnt Audran Format, findet süße Melodien, die durchaus die Tradition der französischen Spieloper zeigen. Bereits der Anfang dieses Aktes bringt eine hübsche Chor- szene. Im ganzen eine Operette, die uns etwas verstaubt erscheint und der Ossenbachs sprühender Geist fehlt, deren Melodien aber trotzdem heute noch gefallen, weil sie über Grazie und Innigteil verfügen. Unter den� Sängern siel ein neuer Mann auf: der Bassist Rudolf W a tz k e. Seine kultivierte Stimme klingt weich und ge- sättigt, in allen Lagen ausgeglichen. Violetta S ch a d o w In der Titelrolle meisterte mtt Virtuosität die Koloraturen, die sie als Puppe zu singen hat, die anderen, Franz Groß, Paul Horden und Robert Koppel, boten gute Leistungen. Leicht und beschwingt spielte das Orchester unter Seidler-Winkler. Vor dem Sende- spiel hielt Graf Coudenhave-Kalergi seinen Vortraa über Paneuropa, in dem er die Grundlinien seines großartige» Projekts klarlegte. vas Rundfunkprogramm. Donnerstag, den 16. September. Außer dem üblichen Tajresprogp-nmm: 12 Uhr mittags: Die Viertelstunde für den Landwirt. 4,30 Uhr nachm.: Ludwig Stomaux liest aus seinem Buch:„Schattenspiel in Weimar". 6—6 Uhr abends: Nnchmittagskonrert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Franz y. Szpanowski. Anschließend: Batschlügo fürs Haus. Theater- und Filmdienst. 6.30 Uhr abends: Dr. Heinrich Zellner;„Chemie im Dienst der Justiz".(1. Teil). 7 Uhr abends: Hans-Bredow-Schule(Bildungs- kurse). Abt. Technik. Bergrat Dr. E. Kohl;„Gefahren des Bergbaues und ihre Bekämpfung*. 7 25 Uhr abends: Frau Elsa Herzog:„Die Veränderungen der Mode im Herbst 1826". 7.85 Uhr abends: Hans- Bredow-Schule(Hochschulkurse). Abteilung Kulturgeschichte. P Gustav Höckel:„Deutschlands Kultnrbezienungen zu den ekand- navisohen Ländern im Wandel der Zeiten".(Das germanische Altertum). 8.30 Uhr abends: 200 Jahre Orohestermusik. III. Dem Gedenken Beethovens 1770— 1627. 1. Einführende Worte: Dr. Leopold Schmidt. 2. Sinfonie Nr. 1 C-Dur, op. 21— Adagio molto— Andante cantabile con moto— Monuetto— Allegro molto o vivace— Adagio— Allegro molto e vivace. 3. Konzert für Violine und Orchester, D-Dur, op. 61— Allegro ma non troppo — Larghotto— Rondo(Josef Wolfsthal, Violine). 4. Ouvertflio zu„Coriolan", op. 62(Berliner Fnnkorohester. Dirigent: Generei- musikdirektor Leo Blech). Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachricbten, Zeitansage. Wetterdienst. Sportnachrichten. Theater- und Filmdienst. 10.30—12,30 Uhr abends: Tanzmusik(Tonzorchoster Ettd). Königswusterhausen, Donnerstag, den 16. September. 3—3.30 Uhr nachm.: Prof. Amsel und Obersohullehrer Westcrmann; Einheitskurzscbrift. 3 30—4 Uhr nachm.: Direktor G. Lehmann; Die Taubstummen und die mcnsobliche Gesellschaft. 4 bis 4.30 Uhr nachm.: Oekonbmierat Lembke: Die Gemeinschaft. 4.30 bis 6 Uhr nachm.: Mitteilungen des Zentralinstitutes. 6— 6.30 Uhr nachm.: Qeheimrat Strauß: Ueber- und Unterernährung. 8.30 a. 10.30 Uhr abends: Uebertragang ans, Berlin. Rekord der Billigkeit! Herren-Ulsfer Jfl00 a. wock. Oiagooal-u. ri«:hgrit»iol. 38.— tterKst- II Ister 44«) «. dunk. gUtt u. gem. Sfoll. M. Abseite Moderner Ulster kl Hier Rücken ohne Niht, mit leiten- MckHsV) falten u. Otirt,» dezentgemustert. Stoffen K mit Abseite, je nach QualititTS.— ,ö5.— Paletots m. Samtkrag. mamgo Cheviot oder Khwtn Eskimo j>. m ml SalinelU oder Pl.idlutler, je n.ch A-Z QualiUi und Art. 00.—, 55.-, 50- Gummimäntel...eQo I. Damen u. Herren, verach. Stoffart., eu'e 1 1 Gummier. H'meapun v. 14.50, Köper v.■•" Gabardinemäntel.Ann Itlr Dunen u. Herren an» Wollgibtrdiae all Iflr Herren ron«k—. lür Dirnen von" We ttermäntel für Dunen u. 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Unterhaltung unö �Dissen.jizl Die perle. 3] Von Jack London Er landete mitten in einer treibenden Gewitterwolke, die so dicht war, daß er mit Huru-Huru zusammenstieß, ehe er ihn sah. .Zu spüt,� schrie Huru-Huru.„Mapuhi hat sie Toriki für vier- zehnhundert Chili verkauft, und Toriki hat sie Levy für fünfund- zwanzigtausend Franken verkauft. Und Levy will sie in Frankreich für hunderttausend Franken verkaufen. Hast du ein bißchen Tabak?" Raoul fühlte fast eine Erleichterung. Seine Unruhe wegen der Perle war vorüber. Er brauchte sich keine Sorgen mehr zu machen. wen» er auch die Perle nicht bekam. Aber er glaubt« Huru-Huru nicht. Mapuhi mochte sie wohl für vierzehnhundert Chili verkauft haben, daß aber Levy, der sich auf Perlen verstand, fünfundzwanzig. tausend Franken dafür bezahlt haben sollte, war denn doch ein bißchen stark. Raoul beschloß, sich bei Kapitän Lynch danach zu er- kundigen, als er aber das Hau» des alten Seemanns betrat, fand er ihn, wie er mit weit aufgerissenen Aug«n auf das Barometer starrte. .Was lesen Sie da heraus?" fragte Kapitän Lynch ängstlich, indem er seine Brille abwischte und wieder aus das Instrument sah. .Neunundzwanzig, zehn." sagte Raoul..Ich Hab'» noch nie so niedrig gesehen." .Das glaub Ich gern!" schnaubte Kapitän Lynch..Fünfzig Jahre habe ich alle Meere befahren, aber so tief Hab ich e» noch nie sinken sehen. Hören Sic!" Sie standen einen Augenblick regungslos, während die Bran- dung polterte und das Haus schüttelt«. Dann gingen sie hinaus. Die Bö war vorüber. Sie konnten die.Aorai" sehen, die in einer Ent- fernung von einer Meile In völliger Windstille lag und wie verrückt stampfte und rollte unter den fürchterlichen Seen, die in einer statt- lichen Reihe aus Nordost herankamen und sich wütend auf das Korallenriff warfen. Einer von den Matrosen im Boot zeigte auf die Mündung der Einfahrt und schüttelte den Kopf. Raoul blickte hin und sah«inen weißen Wirrwarr von Gischt und Wogen. .Ich denke, ich bleibe heut Nacht bei Ihnen, Kapitän." sagte er. Dann wandte er sich an den Matrosen und befahl ihm, das Boot auf den Strand zu ziehen und mit anderen Leuten Schutz zu suchen. .Rund neunundzwanzig," berichtete Kapitän Lynch, der mit einem Stuhl herauskam, nachdem er nochmals nach dem Barometer gesehen hatte. Er setzte sich und starrte das Schauspiel an, das das Meer jetzt bot. Die Sonne brach durch und vermehrte noch die Schwüle des Tages, und die völlige Windstille hielt an. .Ich verstehe nicht, woher dieser Seegang kommt," murmelt« Raoul verdrießlich..Es ist kein Wind, und doch, sehen Sie mal, sehen Sie bloß diesen Burschen da!" Meilenweit, mit einem Gewicht von Zehntausenden von Tonnen, erschütterte der Anprall der Woge das gebrechliche Atoll wie ein Erdbeben. Kapitän Lynch war bestürzt. .Großer Gott!" rief er aus, indem er sich halb von seinem Stuhl erhob und dann wieder zurücksank. .Aber es ist gar kein Wind," beharrte Raoul..Ich könnte es noch verstehen, wenn wir Wind hätten." Die beiden Männer saßen schweigend da. Der Schweiß trat ihnen in Myriaden winziger Perlen auf die Haut und bildete feuchte Flecken, die sich zu Bächen vereinigten und dann auf den Boden rropsten. Sie keuchten nach Atem, und namentlich der alte Mann mühte sich ab. Eine See fegte auf den Strand, leckte an den Kotosbäumen und setzte fast zu ihren Füßen ab. .Ein ganzes Stück über der Hochwasierlime." bemerkte Kapitän Lynch,.und ich lebe hier seit els Iahren." Er sah nach der Uhr. .Es ist drei." Ein Mann und eine Frau kamen mit einem bunten Gefolge von Kindern und Kötern verzagt angezogen. Hinter dem Hause machten sie halt und setzten sich nach kurzer Unschlüssigkeit in den -Sand. Wenige Minuten darauf kam von der anderen Seite noch eine Familie, deren männliche und weibliche Mitglieder mit den ver- schiedenartigsten Besitztümern beladen waren. Und bald waren mehrere hundert Menschen jeden Alters und Geschlechte» um den Wohnsitz de» Kapitäns versammelt. Er rief eine Frau an, die mit einem Säugling auf dem Arm gekommen war, und erfuhr, daß ihr Haus soeben In die Lagune gespült war. Sie befanden sich hier aus dem höchsten Punkt des Landes. und schon schlugen die großen Seen an manchen Stellen zu beiden Selten glatte Breschen in den schmalen Ring de« Atolls und brausten in die Lagune. Zwanzig Meilen im Umkreis maß das Atoll und war nirgends über fünfzig Faden breit. Es war mitten in der Taucherzeit, und von allen Inseln, selbst von Tahiti, hatten die Ein- geborenen sich hier versammelt. „Hier sind zwölfhundert Männer, Frauen und Kinder," sagte Kapitän Lynch.»Ich möchte wissen, wieviele es morgen früh noch sein werden." »Aber warum weht es nicht? Wenn ich das nur wüßte," sagte Raoul. .Keine Sorge, junger Mann, keine Sorge: das Unglück kommt schon früh genug." Im selben Augenblick traf eine mächtig« Wassermasie dos Atoll. Das Seewalser wühlte sich drei Zoll tief unter ihre Stühle. Ein dumpfer Angstrus entfuhr den zahlreichen Frauen. Die Kinder starrten mit gefalteten Händen auf die ungeheuren Seen und weinten kläglich. Hühner und Katzen, die oerstört durch das Wasier wateten. suchten, wie auf gemeinsamen Beschluß, fliegend und kletternd ihre Zuflucht auf dem Dache vom Hause des Kapitäns. Ein Paumotuaner klomm mit einem Korb voll neugeborener Hund« aus eine Koto»- palme und befestigte ihn dort zwanzig Fuß über dem Erdboden. Die Mutter watete jaulend und kläffend unten im Wasser. Und immer noch schien die Sonne mit aller Macht und die Windstille hielt an. Sie beobachteten die Seen und das unsinnig« Stampfen der.Aorai". Kapitän Lynch starrte sich an den unge- hcuren Wasserbergen, die hereinströmten, die Augen aus. Er be- deckte das Gesicht mit den Händen, um den Anblick zu verlöschen, und ging dann ins Haus. .Achtundzwanzig, sechzig." sagte er ruhig, al» er wiederkam. Ueber dem Arm trug er eine Rolle dünnes Tau. Er zerschnitt es in Stücke von zwei Faden Länge, gab«ins Raoul, behielt ein zweite» für sich und verteilte den Rest unter die Frauen mit dem Rat, sich«inen Baum zu wählen und hinauszuklettern. Ein leichter Wind begann aus Nordost zu wehen, und sein Fächeln erfrischte Raoul. Er konnte sehen, wie die.Aorai" Segel setzt« und in Se« stach, und bedauerte, daß er nicht an Bord war. Sie kam schon irgendwie durch, aber da» Zltoll-- Ein« See brach darüber und riß ihm fast die Füße unter dem Leibe fcrt. Dann fiel ihm das Barometer ein, und er lief zum Hause zurück. Er traf Kapitän Lynch, der denselben Gedanken hatte, und sie gingen zu- sommen hinein. „Achtundzwanzig," sagte der alte Seebär..Ein« schöne Hölle wird das hier— was war das?" Die Luft schien mit einem Rauschen erfüllt. Das Haus zitterte und bebte, und sie hörten ein mächtiges Dröhnen. Die Fenster klirrten. Zwei Scheiben krachten: ein Windstoß fuhr herein und traf sie, daß sie wankten. Die gegenüber befindliche Tür schlug so heftig zu. daß die Klinke in Stücke ging. Der weiße Türknauf fiel in Atome zerschmettert zu Boden. Die Wände des Raumes bauschten sich wie ein Lustballon, der plötzlich gefüllt wird. Dann kam ein neuer Ton, wie Gewehrfeuer: der Gischt einer Woge schlug gegen das Hau». Kapitän Lynch sah nach der Uhr. Es war vier. Er zog eine blaue Jacke an, nahm das Barometer vom Haken und verstaute Stümpert Ich habe üen Matteotti nicht verfehlt. (wiener.Arbeiter-Zei.ung'.j es in seiner geräumigen Tasche. Wieder schlug eine See mit dumpfem Schlag gegen da» Haus, und das leichte Gebäude kippt«, drehte sich im rechten Winkel um sein Fundament und brach zusammen' so daß der Fußboden einen Winkel von zehn Grad bildete. Raoul ging zuerst hinaus. Der Sturm erfaßte ihn und wirbelte ihn fort. Er bemerkte, daß der Wind sich nach Osten gedreht hatte. Mit großer Mühe warf er sich in den Sand, indem er sich duckte und seine Sache festhielt. Kapitän Lynch wurde wie ein Strowisch her- ausgefegt und fiel, so lang er war, über ihn. Zwei Matrosen ver- ließen eine Kokospalme, die sie erklettert hatten, und kamen ihnen zu Hilfe, muhten sich aber in unmöglichen Stellungen gegen den Wind lehnen und jeden Zoll Weges kriechend erkämpfen. Die Glieder des alten Mannes waren steif, und er konnte nicht klettern. Die Matrosen wanden ihn daher mit Hilfe von kurzen Tauenden in Zwischenräumen von wenigen Fuß den Baum hinauf, bi» sie ihn schließlich im Wipfel, fünfzig Fuß über dem Erdboden. befestigen konnten. Raoul schlang sein Tauende um den Fuß eines donebenstehenden Stammes und beobachtete. Der Wind war ent- setzlich. Er hätte sich nie träumen lassen, daß es so furchtbar wehen könnte. Eine See durchbrach das Atoll und ging ihm bis ans Knie, che sie sich in die Lagune ergoß. Die Sonne war verschwunden und bleifarbenes Zwielicht senkte sich herab. Einige wagerccht treibende Regentropfen trafen ihn. Ihr Anprall glich dem ge- schleuderter Kugeln. Ein Spritzer von salzigem Gischt traf sein Ge- sicht. Es war wie ein Schlag von Menschenhand. Seine Wangen brannten, und unwillkürlich traten ihm Schmerzenstränen In die Augen. Mehrere hundert Eingeborene hatten die Bäume erklommen, und der Anblick der auf de» Wipfeln wachsenden Menschenfrucht- bündel wirkte beinahe lächerlich. Dann umklammerte er als ge- borener Tahitianer den Baum mit den Händen, preßte die Fuß- sohlen gegen den Stamm und begann ihn zu erklettern. Im Wipfel fand er zwei Frauen, zwei Kinder und einen Mann vor. Ein kleines Kind hiell ein« Katze im Arm.(Fortsetzung folgt.) Was in Amerika für Zeltu.iqsinseraie ausgegeben wird. Nach einer Statistik, die die»Chicago Tribuna" vcrössentlicht, gibt es in den Vereinigten Staaten S9 große Firmen, von denen jede jährlich zh Million Dollar imd mehr für Inserate ausgibt. An erster Stelle steht Ford mit 3,2 Millionen, an zweiter Stelle Studebakcr mit 2,3 Millionen Dollar. Der Inseratenetat von zwei großen Tabak- iirmen beläust sich auf über 4 Millionen Dollar. Insgesamt haben diese 99 Firmen für Anzeigen in Zeitungen über 56 Millionen Dollar ausgegeben, für Anzeigen in Zeitschriften 46 Millionen. Bei der letzteren Zahl sind aber nur die 33 wichtigsten Magazine berücksichtigt, so daß auf die einzelne Zeitschrift die stattliche Summ« von 1,4 Millionen Dollar kommt. Das Rätsel öer Tpphusepiöemie. Von Dr. med. C. Mosbacher. In Hannooer ist eine Typhnsepidcmie ausgebrochen. Amtlich wird mitgeteilt, daß wahrscheinlich die Infektion eines Wasserwerkes als Ursache anzusehen ist. Zurzeit sei das Wasser jedoch frei von Typhuskeimen: der Einbruch der Typhusbazillen in die Leitung sei wohl schon vor einiger Zeit erfolgt: zwischen der Inseklion und dem Ausbruch der Erkrankungen seien— wie üblich— zwei bis drei Wochen verstrichen. Charakteristisch sür diese Typhusepidemie ist ihr Auftreten zu Ausgang des Sommers— einer Jahreszeit, zu der sich in allen Ländern die Typhuserkrankungen zu häufen pflegen. Ferner ist für Typhus kennzeichnend die örtliche Begrenzung der Epidemie auf Hannover: im Gegensatz zu Cholera, Flecksieber und anderen Seuchen, die, meist um sich greifend, ganze Landstrecken verheeren. Schließlich gehören der angegebene Insektionsweg, das Trinkwasier, sowie das explosionsartige Austreten der Seuche— es erkrankten in den ersten Tagen sofort mehrere hundert Perjonen— zum Bilde einer Typhusepidemie. Meist hält sich die Erkrankungs- Ziffer nur. kurze Zeit auf der Höhe oder steigt gar noch an. um bald abzusinken: und in wenigen Wochen ist die Epidemie erloschen. Ueber die letzten Ursachen der Typhusepidemien sind die Akten noch keineswegs geschlossen. Des genialen Schöpfers der Hygiene, Pestenkofers, seinerzeit aufsehenerregende Theorie, die die Häu- fung des Typhus von dem Stande des Grundwasserspiegels ab- hängig zu machen suchte, hat bei der Nachwelt keinen Anklang mehr gesunden und ist sür falsch erklärt worden. Sie zeitigte jedoch für München, die Heimatstadt des großen Forschers, das Gute, daß die bisher stark verseuchte Stadt eine einwandfreie Trinkwasser- Versorgung bekam, worauf dortselbst der Typhus fast völlig erlosch. Man bringt dieses Abklingen der Seuche nicht mit dem Grundwasser- stände, sondern mit der Beschaffenheit guten Trinkwassers in Ver- bindung. Die Lehre Pettenkofers würde dann von Koch und seinen Schülern, zumal nach der Entdeckung des Erregers, des Eberthschen Typhusbazillus im Jahre 1880, völlig in den Hinter- grund gedrängt. Der kranke Mensch wurde als Infektionsquelle, die Ausscheidungen als Infektionsträger angesehen. Mit den Darm- ausscheidungen gelangen die Bazillen in das Wasser, in Milch, auf andere Nahrungsmittel und unmittelbar auf gesunde Menschen. Aber auch diese Anschauung befriedigt nicht restlos, da sie das Auftreten, den Ausbreitungsumfang oder auch das Ausbleiben zahlreicher Typhusepidemien nicht erklärt. Wie kommt es, daß es beim Verschleppen von Typhuskeimen aus den Epidemiegebieten in typhussreie Orte gewöhnlich nicht au Erkrankungen kommt? Und, wenn sie auch vereinzelt ersolaen. warum gibt es dann keine Epidemie? In vielen Städten kommen zu jeder Jahreszeit einige Typhussälle vor. Wesbalb kommt es hier zu Epidemien und hier nicht? Wieso gibt es Häuserblocks, in denen trotz aller hygienischen Bemühungen immer wieder und wieder Typhuserkrankungen beobachtet werden? Weshalb endlich treten die Typhusepidemien mit Vorliebe im Spätsommer unb Herbst auf? Alle diese Fragen werden durch die Kochsche Lehre, daß jede Epidemie durch Uebertragung von Mensch zu Mensch oder durch Trinkwasser, Milch und andere Nahrungsmittel entsteht, nicht restlos beantwortet und harren noch der Lösung. Die Stimme!, mehren sich, die— mit Pettenkoser— eine H i l f s u rs a ch e annehmen. die neben den vorhandenen Infektionserregern erst dw Ausbildung der Epidemie ermöglicht. Oertlich bedingte Besonder- heiten des Bodens, klimatisch«, atmosphärische und sonstige Faktoren noch unbekannter Natur dürsten eine Rolle spielen. Die Bekämpfung der Typhusseuche muß sich also darauf be- schränken, die jeweilig greifbare Infektionsquelle unschädlich zu machen und den Infektionsweg zu sperren. Das bedeutet Absonde- rung des tranken Menschen und gründliche Desinfektion der Aus- scheidungen(Vernichtung der Erreger). Zurzeit einer Epidemie ist peinlichste Sauberkeit das oberste Gebot. Wasser und Milch sind vor dem Genuß abzukochen, rohes Obst oder roher Salat sind zu vermeiden,— abspülen und abwischen ist unzuverlässig. Die Gesundheitsbehörden werden die Badeanstalten schließen, sie werden die Wasserkontrolle und die Beaufsichtigung der Molkereien ver- schärfen und nach Bazillenträgern fahnden. Etwa drei bis sechs Prozent aller Typhuskranken werden zu Bazillenträgern, zu Menschen, die Typhus überstanden haben und nun weiterhin, ohne selbst mehr krank zu sein, Bazillen ausscheiden und somit Milch und andere Nahrungsmittel infizieren können. Schließlich sind unter den Vorbeugungsmaßnahmen noch die Typhusschutzimpfungen zu nennen, die zahlreiche Erkrankungen verhüten oder zum mindesten den Verlauf der ausgebrochenen Krankheit milder gestalten. Zwergmannchen bei Tiefseefisthen. Vor einiger Zeit veröffentlichte der am britischen Museum tätige Naturforscher Täte Regnn sehr bedeutsame Aussührungen über das Vorkommen parasitisch lebender Zwergmännchen bei Tiessee- fischen. Nach der Mitteilung von Groß in den„Naturwissenschasien" handelt es sich hierbei um Fische au, der Familie der CeratiideA. deren Körperbau zudem auch die Merkwürdigkeit zeigt, daß der erste Stachel ihrer Ruderslosse sich zu einer„Angel" ausgebildet hat, während er gleichzeitig mit einem Leuchtorgan verschen ist. Bei diesen Ceratiiden sind nun die mäkmlichen Tiere als ausgesprochene Zwergmännchen ausgebildet, da ihre Körpergröße nur etwa ein Zehntel bis ein Sechstel der Größe des Weibchens beträgt. Durch das ständige Schmarotzerleben haben sich bei diesen Zwergmännchen sowohl die zum Fangen der Beute dienende„Angel" als auch die Zähne völlig rückgebildet, ebenso wie auch der Darm stark ver- kümmert ist. Ihr Leben verbringen die Zwergmännchen festgehcstct an das weibliche Tier, ja schließlich sogar innig mit ihm verwachsen, so daß das Männchen, zumal da auch die beiderseitigen Blutgesäß- system« miteinander verbunden sind, ganz vom Weibchen ernährt wird. Das Festheften des Männchens geschieht in der Weise, daß sich an seiner Kopsspitze befindlich« Auswüchse der Ober- und Unter- lippe zu einem dicken ringförmigen Wulst zusammenfügen, der zuerst eine Hautausstülpung des Weibchens umfaßt, dann aber all- mählich mit ihm verwächst. Was die Ernährung der Zwerg- Männchen betrifft, so können indes nur Blutnährstosfe des weiblichen Tieres aufgenommen werden, nicht aber auch Sauerstoff, den die Männchen mit Hilfe des gut ausgebildeten Herzens und der Kiemen selbständig auszunehmen imstande sind. Als Ursache des eigenartigen und bei Wirbeltieren äußerst selten vorkommenden Schmarotzerlebens dieser Zwergmännchen muß man jedenfalls in erster Linie die durch den Zwergwuchs bedingte Schwierigkeit annehmen, die Weibchen aufzufinden, wie überhaupt die Mühsal ihres Daseinskampfes, der sie durch die parasitische Lebensweise natürlich völlig enthoben werden. Die Anhestung an die Weibchen erfolgt denn auch immer schon im Jungsischstadium. Frei umherschwimmende Zwergmännchen hat man dagegen bisher noch niemals beobachtet, was sich aber damit erklären läßt, daß die Männchen allein so hilflos sind, daß sie, falls sie kein Weibchen finden, überhaupt zugrunde gehen. Auf Wrund seiner Beobachtungen läßt der genannte Forscher übrigens die Möglichkeit offen, daß überhaupt nur jene Jungfische der Ceratiiden, denen es gelingt, sich rechtzeitig an ein erwachsenes Weibchen festzuheften, zu Männchen werden, während alle anderen Fische, denen diese Gelegenheit entgeht, sich zu Weibchen entwickeln. Es fände sich zu diesem Fall nämlich eine Parallele in der geschlechtlichen Lebensweise des marinen Wurms Bonellia viridis, bei dem das männliche Tier aleichfall» als Zwergmännchen lebenslang im Körper de» Weibchens schmarotzt. parteinachrichten Einsendungen sür diese Rubrik sind «erlin SÄS»«. Lindenftrab« d. für Groß-Serlin stet» an da» Bczirk»sekretartat> ?. Hof,: Trep. recht», zu richten. Voranzeige. Vienslag, de» 2t. September, abends 7 Uhr, findet in den Prachtfälen am Märchenbrunnen, Am Ariedrichshain Zg/ZZ, eine Allgemeine Junktionärverfammtung statt. Reichstagsobgeordneter Erispien und Stadtverordneter Reuter werden den.Kampf der Sozialdemokratie gegen die Arbeitslosigkeit" behandeln. Die �unk- tionäre werden ersucht, sich diesen Abend von anderen Partei- arbeiten freizuhalten. Der Bezirksoorsland. r- l. Arcia Riitlr. Dir für Flcitag, den 17. Srpirmbcr, angesrtzte Krri»- drlegicrtcnveisamnilung sindrt drr Grwcrkschastswoche wegen erst am Frei- tag. den 24. September, in den Sophien-Sälen, Sophienstr. 17— IS, statt. 1Z.»reis Tempelhas. Raricndors, Mari?nselde, Lichtenrade. Heute abend 7 Udr Sigi'n!! dca Nieisbildunasausschnsscs bei Niendorf, Mariendorf, Ebousfeestr. Ist. Unbedingter. Erscheinen Pflicht. 14. ltrei». Freitag, den 17. September, abends 7 Ustr, Sistuna der Obleute der sZeitungsksinmilston mit den Spediteuren in der Dorwarts-Epedition Reckarfr. 2. heute, Donnerstag, den IS. September: Ab». Tie Besichtigung der Weltlichen Schule kann umständehalber nicht stattfinde». z»«gs,,»allstlf», Bereiaigung. Strohe 52. Besprechung �. Prenzlaaee«ergt ZuEendhab» Kanzsger der Arbeitsgemeinschaft. Vortrag über„Das stentrum".— Srnppe Ehärlottenburg: 8 Uhr Rosinenstr. 4. Beteiligung an der Aussprache..SAI. und Reichsbanner".— Kruppe Rculölln II: 8 Uhr Jugendheim Nogalftr. äsi. Vortrag des Eenossen Dr. Bruno Löwen- berg:„Der historische Materialismus".— Gruppe Weisiensce: Jugendheim Roclcke-, Ecke Charlottenftrasie.„Neue Zukunftsarbcit". Arauenvsromftaltung: 57. Abt. Krunewald. 8 Uhr bei Wurzbochcr im Dahnhofsrestaurant Krün«- wald Zusammenkunft der Genossinnen. Säfte willkommen. Morgen, Jreilag. den 17. September: 30. Abt. 7 Uhr Funktionärkonferen, bei Schröter, Pappelallee»4. 33. Abt. Bereinigung für Schul- und Erziehungsfragen, Stralauer Tor: 8 Uhr Versammlung in der Aula Ehrenbcrgstr. 24. Thema:„Die Bedeutung des Eheglllcks für die Kindererziehung". Referent Dr. Dehme!. III. Abt. Bohnsdorf. 8 Uhr bei Heimann, Waltcrsdorfer Str. 100, Werbe» Versammlung. Thema:„Unsere Organisation". Referent Denosse Stadt- verordneter Lempcrt. Abt. 124a Mahlsdors-Süd. 8 Uhr bei Dietz, Uhlandstr. IL, Funktionärsitzung. Zungfozialiftische Vereinigung. Gruppe Pankow: 8 Uhr im städtischen Jugend- heim, Kissingenstr. 48, Zimmer 5, Vortrag der Genossin Cläre Meyer-Lugau Uber„Entstehung der Erde". Frauen Veranstaltung: 7. Abt. Die Teilnehmerinnen an der Frouenorbeitsgemeinschaft werden zu einer Besprechung Freitag abends 7Zj Uhr bei Köhler, Ticckstr. 23, ge- beten. Vorträge, vereine unö Versammlungen. D Reichsbanner„Schwarz Rol-Gold". Geschäftsstelle: Berlin S 14, Sebastianstr. 37/38, Hof 2 Tr. ssriedrichshain: sZr., d. 17.. abends 8— st Uhr, Platzkonzert Lands- beeger Platz, Alle Kameraden sind pünktlich zur Slelle.— gehlen- darf: Die MiIgI..Vcrs. am Donnerstag findet diesmal nicht bei Schnarre- sondern im Pcrcinszimmcr des Lindcnpork, Berliner Str. 1, statt.— Wilmers- dorf: iZr.. d. 17., abends Uhr. ousierordentliche Vers, der Radfahrer bei Funk- Lolsteinischc Strafte. Erscheine» Pflicht.— Rculölln-Britz: 2. Kameradschaft- Do., d. 16., abends 8 Uhr, Bers. bei Thomälcn, Hertzbcrgstr. 22. Bortrag de» Kam. Dipl.-Ldl. Erich Brce, Presfeieiter der Liga für Völkerbund:„Völkerbund und wir".— Lichtenberg nebst Untergruppen: So., d. 18., Stiftungsfest der Ortsgruppe ssriedrichsfclde bei Tempel, Friedrichsfelde, Prinzenallee. Erscheinen oller Kameraden dringend erforderlich.— Wasfersportabteiwug: Zug Havel und ssaltboot, Do., d. 15., abends Uhr, Zugsitzung bei Stephan. Blllow- ftraftc 58, am Dcnnewitzplatz. Zug Oberspree: �sr., d. 17.. abends Llh Uhr, Zugsitzung im Bootshaus.— Prenzlauer Berg: Nordkap, Fr., d. 17., abends Tli Uhr, bei Sachctzki. Sckiievcldeiner Str. 10, Vortrag über Dichter Löns.— Krenzberq: Heute abend SVe Uhr erster Badeabend mit Angehörigen im Stadt- bad Bärwaldstrafte.— Wilmersdorf: Jeden Do. 8—10 Uhr Turnen und Mann- schaftsllbungen in der Turnhalle der Oberrealschule am Seepark. Beteiligung Jugendlicher usw. Pflicht.— Lichtenberg nebst Untergruppen: So., d. 18.. abends 7 Uhr, Antreten zum kurzen llmmarsch mit Musik. Tambourkorps und Fahnen bei Paul Werner, Wilhelmstr. 3._ Pflichtantreten. Deutschee Esperanto-Buud, Ortsgruppe Berlin. Donnerstag, 15. Septem- der. 8 Uhr, Konditorei Dobrin. Hackescher Markt, Uebungsabcnd. Gäste will- kommen. Landsmannschaft der Schleswig-Kolsteiner zu Berlin 1892. Donnerstag. 16. September, 8 Uhr, im Restaurant von Jacob Esser, Köpenicker Str. 70», geschäftliche Sitzung verbunden mit plattdeutschem Unterhaltungsabend. Frisches Fleisch Kalbskammpinr.i SS�i.-keulei'mnd 1-0 Kalbsrucken u.-brüst...rw94pi. Subpenfletsch................ ptnndTS�r. Feklrippe und Brust......... pmn.i 85rt. Pa. Schmorfleisch°. Knochen, Plund 1-° Rouladen.................... piundl30 Hamraeivorderfleisch...pmnd 8€. HammelrScken................. 96,•(. SehweSneschulterblatt..... pmcdl 0 Kassier............................ pfnndl35 8*5dlCk ETlffStt broltei llg durchgelassen Ptnnd 99Pl. Eisbeine gepöbelt, mit spilrbeia..... Pfund 64pi. Liesen............................... pmndl00 Gefrierfleisch Pa. Ochsenbrust............. irnnd 58p/. Pa. Schmorfleisch»im- p,d 90 t Pa. Ochsenbacken ohne K»»»he».P!d S2pi. Pa. Hammelvorderfleisch p/d 76p/. Pa. Hammelrückenpfd S4, 90, f. Pa. Schweineköpfe mit v.ai-°. prd. 4Si>/. (Sehacktes......................... pmnd 76p/. Tauben........................ stocuTSpf. Suppenhühner........ pmndvon Junge Gänse......... p«und».»95 Junge Enten.................. Pfndl Pt »n 30 213 Mengenabgabe U/urstwaren Rot-y.Leberwurst p/o. 60pt. SOIzwurst....... p/und 85pt. Landleberwurst Pfand 95pi. Speckwurst..... Pfnnd 1.10 Fielschwurst..... piund 1,20 Knoblauchswurst.. rfd.1,25 Sasdwursl..... Pfund 1,30 MeltW, nach Braanschw. Irl, Pi(t.1,40 ff. Leberwurst..p/nnd 1.55 BolsLIomlBlw.n.tolcnri pfd 1.80 Teewurst......... p; und 1.80 Schinkenspeck..p/nnd 1.95 OrangekonfltUreQ Cnl timer. ca. 2 Plund- Pfiaumenkonfl- 4 05 türe Einer, ca. 2 Plund I Johannisbeer- 4 15 konftttlre: n«rea.2Ptd I Fische Schollen............... Pfand Zpi. Makrelen........... Pfund IOpi Seelachs o.Knl.Gnnz. f Pfund Grüne Heringe 4 ES Rotbars...........] i wn. Kabliau o. Ilopt, t. Sanr� Ptd. 1 7p/. KDuchGr�ssSren Räucherherings p/d.12p rettbücklinge...p,und2Sp: Schellfisch......... p/nnd 30:- Ahlbecker Flundern p/nnd 35i•. Seelachs............. Pfand 38pt. Rotbars............... Pfand 38p(. nur soweit Vorrat Butter u. Käse Margarine...... Pfund SSp/. Spelsetalg..... Pfand 58p/. Kokosfett i.pfd.-T»iei 65pf. Molk-Sutt.'/, p/d. Ltali 85p/. Teebutterv.-Pfd.-Stacii 92 p/. Dän. Butter>;,-Pfd.-stok.t05 Alis. Stanaenkäsep/d.CSri. Allg. Limburger pfnnd 75p,. HOllflnder...... Pfand 78p/. Edamer........ p/nnd 80p,. Slelnbuscher.. Pfand 90p/. Bayr. 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