Hr. 440 ♦ 43. �ahrg. �lussabe A Nr. 225 Bezugspreis. Wöchentlich 70 Pfennig, monatlich Z,— Reichsmarl voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutichland. Deuzili, Laar» und Memelaediet. Oeilcrreich, Litauen. Luremburg 4.50 Reichsmark, für da» übrige Ausland 5,50 Reichsmari pro Monat. Der..Borwörts' mit der illustrier- ten Sonntagsbeilage»Lolk und Zeit' ioune den Beilagen»Unterhaltung und Wissen*.»Aus der Filmwelt*. »Frauenstimme*.»Der Kinde» freund*.„Iugend-Dorwärts* und »Blick in die Büchermelt* erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm-Udreff«: „Sajlolttcmelcal Berlin- Morgenausgabe W G> Verliner Volttsvlakk Pfennig) Anzeigenpreise: Die einfvaltia« Nonpareille. »eil« 80 Pfennig. R-klamezcile 6,— Reichsmark.»Kleine Anzeigen* das fettgedruckt« Wort 25 Piennio (zulässig zwei fettgedruckte Wortes, jedes weitere Wort 12 Pfcnn.g. Stellengesuche das erste Wo.t 15 Pfennig, jedes weitere Bert 10 Pfennig. Worte über 15 Buch. stoben zählen für zwei Wort«. »rbeitsmarkt steile 80 Pfennig. g-milienanzeigen für Abonnenten steil«<0 Pfennig. Anzeigen für die nächste Rümmer müssen bis 4lh Uhr nachmittags im Sauptgefchäft, Berlin SW 08, Linden. stradeZ. abgegeben werden. Geöffnet von SVd Hin früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdetnokratifchen Partei Deutfcblands Neöaktion und Verlag: Serlln SV. 68, Linöenftraße 3 Fernsprecher: Tönhoff 292-297. vorwarts-verlag G.m.b.H., Serlin SV. 68, �inSenstr.Z Poftscheckkontn: Berlin 87 504— Bankkonto: Penk der Arbeiter. AageftellteW und Beamten, wallftr. 85: Disknata-Sefellschaft, Depssttenkass« Lindenstr.». Ein Abkommen Stresemann-örianö. Vorbehaltlich der Zustimmung der Kabinette: Gesamtlösung der deutsch-sranzöfischen Fragen. G e n f. 17. September.(WTB.) liebet die heulige Zusammenkunft zwischen Reichsminisler Dr. Stresemann und dem sranzösischen Minister des Zleußera B r i a n d ist heute abend sieben Uhr folgende gemezpsam vereinbarte amt- liche Mitteilung ausgegeben worden: Der deutsche Reichsaußeuminister Dr. Stresemann und der französische Außenminister Vriand trafen sich zum frühstück in Thoiry. Sie hatten dort eine mehrstündige Unterhaltung. dieivherzllchfierweise verlief. Im Verlauf dieser Unterhaltung prüften sie der Reihe nach alle ihre beiden Länder interessierenden fragen und suchten gemeinsam nach den geeignetsten Mitteln, um die Lösung dieser fragen in deutschem und französischem Interesse und im Geiste der von ihnen unterzeichneten Vereinbarungen sicherzustellen. Die beiden Minister brachten ihre Auf- fassungen über eine Gesamtlösung der Frage« in Einklang, wobei sich jeder von ihnen vorbehielt, seiner Regierung darüber Bericht zu erstatten. Venn ihre Auf- fasiungen von ihren beiderseitigen Regierungen gebilligt werden, werden sie ihre Zusammenarbeit wieder aufnehmen. um zu den gewünschten Ergebnissen zu gelangen. * lieber den G e s a m t p l a n, den die beiden Minister zur Lösung der zwischen Frankreich und Deutschland schwebenden Fragen vereinbart haben, kann natürlich offiziell nichts gesogt werden, solange die Zustimmung der beiden Regierungen fehlt, die für sein« Verwirklichung die Voraussetzung ist. Wenn aber, wie der offizielle Bericht mitteill, a l l e die beiden Länder interessierenden Fragen in die„Gesamtlösung" ein- geschlossen sind, so müssen dazu sowohl die Aufhebung der Besatzung an der Saar und am Rhein gehören wie auch die Erleichterung der finanziellen Schwierigkeiten, in denen sich Frankreich befindet. Daß die Besetzung deuffcher Gebietsteile durch alliierte Truppen nach dem Eintritte Deuffchlands in den Völkerbund und nach dem Inkrafttreten des Vertrags von Locarno eine vollendete Sinnlosigkeit geworden ist, darüber besteht unter vernünftigen Menschen nur eine Meinung. Briands Ruf:-»Zurück die Kanonen, Platz für den Frieden!" gewinnt erst dann praktische Bedeutung, wenn die Kanonen. die jetzt a m R h e i n stehen, zurückgezogen werden. Nachdem Deutschland durch den Dawes-Plon für seine Zahlungen und durch den Patt von Locarno für die Sicher- heit Frankreichs alle im Bereich des Möglichen liegenden Garantien gegeben hat, entfällt für die Fortdauer der Be- satzung jeder Grund. Trotzdem wird Briand in seinem Lande noch manche Schwierigkeit zu überwinden haben, die wir uns ja leicht vorstellen können, wenn wir an unsere eigenen Nationalisten denken Man wird daher gut tun, sich Hinsicht- sich des Tempos, in dem die angestrebte Gesamtlösung er- reicht werden wird, keinem voreiligen Optimismus hinzu- geben. Daß Deutschland und Frankreich aufeinander w i rt» sch a f t l i ch angewiesen sind, daß jedes dieser beiden Länder an geordneten Verhältnissen in dem anderen Lande lebhaft mit interessiert ist, diese Auffasiung fft hier schon immer ver- treten worden. Das gilt ganz unabhängig von der Besatzungsfrage, die eigentlich längst keine Frage mehr fein sollte. Abgesehen von der Befriedigung einer platten Schaden- freude, die nur für Dummköpfe gut ist, hat Deutschland vom Sinken des Franken keinen Vorteil. Ebensowenig hätte Frankreich einen Vorteil davon, wenn Deutschland unter einem Uebermaß von Lasten zusammenbräche. Werden die weiteren Verhandlungen in solchem Geiste geführt, so kann jetzt schon gesagt werden, daß die Sozialdemo- kratie ihr Ergebnis gutheißen wird. * Senf, 17. September.(Eigener Drohtbericht.) Zu der amtlichen Mitteilung über das Ergebnis der Besprechung Briond-Stresemonn meldet der Sonderkorrespondent des„Sozialdemokratischen Presse- dienstes": Aus dem gemeinsamen Kommunique ergibt sich, daß der französisch« und deuririm Außenminister, wie Briand«s bereits in einem Interview mN de« Bertreter des„Sozialdemokratischen Presse- Mostes" ankündigte, die zwischen chren Ländern schwebenden Fragen in ihrer Gesamtheit besprochen haben. Das Kommunique läßt weiter erkennen, daß mit der Lösung dieser Frage sowohl deutsche wie französische Sorgen behoben werden sollen, und über die Art dieser Lösung der französische Außenminister mit Stresemann im Prinzip einer Auffassung ist. Das läßt vor allem der vorletzte Satz des' Kommuniques erkennen, in dem es heißt, daß die Minister ihre Gesichtspunkt« miteinander in Einklang brachten. Welcher Art sind diese Gesichtspunkte? Sie laufen praktisch daraus hinaus, die Lag« in Europa mit den Verträgen von Locarno in Einklang zu bringen. Voraussetzung hierzu ist, daß die zunächst zwischen Deutschland und Frontreich schwebenden Probleme«in« endgültige Regelung erfahren: denn ohne si« wird Europa auf die Dauer ni« zur Ruhe kommen. Darüber sind sich Briand und Stresemann völlig einig. Aber noch wichtiger ist, daß der französisch« Außenminister auch fest entschlossen ist, aus dieser Erkenntnis s o- bald wi« möglich di« Schlußfolgerung zu ziehen. Er ist des- halb unter allen Umständen gewillt, wi« wir bereits vor wenigen Tagen meldeten, die deutschen Sorgen durch eine baldige Freigabe des Saargebietes und eine noch schnellere rest- lose Aushebung der Rheinlandbesahung beheben zu helfen. Die Aufhebung der Militärkon- trollkommission wurde zwar zwischen den beiden Ministern nicht besprochen: aber«» ist selbstverständlich, daß auch dies« Frage vor einer Bereinigung steht. Vielleicht bringt uns schon der 1. Oktober die Erfüllung dieser von allen deutschen Parteien er- hobene Forderung. Di« vorbereitenden Besprechungen hierzu haben ebenfalls am Freitag in Genf stattgefunden. Vorerst sind von deut- scher Seite noch gewiss« Bestimmungen zu erfüllen. Es war also nicht zuviel gesagt, als wir vor wenigen Tagen behaupteten, daß die Früchte von Locarno zu reifen beginnen. Davon ist nicht nur Dr. Stresemann überzeugt, sondern alle Mit- glieder der deutschen Delegation teilen nach ihren Eindrücken in Genf diese Meinung. Sie sind ebenfalls der Auffassung, daß auch Deutsch» lond aus dieser Situation zu lernen hat und Frankreich dort zur Seite treten muß, wo es der Hilf« bedürftig ist. Das ist vor allem auf wirtschaftlichem Gebiet und in erster Linie in rein finanzieller Hinsicht der Fall. Die französische Währung schwankt und schwankt trotz aller Sanierungsmaßnahmen Poincares immer noch, so daß auch ihm nichts anderes übrig bleiben wird, als ausländisch« Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die Möglichkeit der Reichsregierung hier einzuspringen, besteht durchaus. Wie das ge- macht werden soll, ob durch Flüssigmachung der Eisenbahnobligationen oder auf ander« Weis«, wird von weiteren Beratungen abhängen. Es ist nun die Frage, in welcher Zeit dieser großzügige und von einem erfreulichen Friedensgeist getragen« Plan der Gesamtlösung seine Verwirklichung finden wird. Man muß sich von vornherein klar darüber sein, daß derart groß« Problem« nicht von heut« auf morgen zu lösen sind. Dazu bedarf es einiger Monate, vielleicht sogar vieler Monat«. Ein« ganze Reih« technischer Schwierigkeiten muß überwunden werden, eh« dem Saargebiet und dem Rheinlande die endgültige Befreiung winkt. Aber zunächst ist der Ansang gemacht, und daß ihm sobald als möglich ein Ende folgt, ist nach der Ueberzeugung de» Reichs- außenministers der fest« Wille Briands. End« September wird er seinem Kabinett Bericht erstatten und dann sollen ver- schieden« technische Kommissionen die Einzelfrogen durchberaten. Wir hoffen, daß sie zu einem guten Abschluß gelangen und damit die letzten Folgen des schrecklichen Krieges endgültig überwunden werden. Dieses Werk wurde vorbereitet von der internationalen Sozialdemokratie. Wenn es schon spruchreis ist, dann haben daran maßgebende Sozia- listen Deutschlands und Frankreichs durch ihre Mitarbeit in Locarno und Genf wesentlichen Anteil. Immerhin wäre es trotzdem nicht mög- lich gewesen, ohne di« Mitgliedschaft im Völkerbund heut« schon die Bereinigung von Problemen zu sprechen, an di« noch vor einem halben Jahr kein Mensch gedacht hat. Die Sesprechung auf französischem öoöen. Gens, 17. September.(Eigener Drahtbericht.) Am Freitag fand in Thoiry, einer wunderschön gelegenenen Ortschaft auf französischem Boden unmittelbar an der französisch-schweizerischen Grenze. 20 Minuten von Genf enffernt, die Besprechung Briands und Dr. Stresemanns statt. Der Aufenthaltsort der beiden Staats- männer wurde bis zur Rückkehr geheimgehalten. Die Entdeckungs- fahrten einzelner Journalisten blieben erfolglos. Die beiden hatten vormittags gegen 11� Uhr Genf verlassen und sind nach mehr als sechsstündiger Abwesenheit um Uhr in ihre Standorte zurück- gekehrt. Dr. Stresemann führte an seinem Merredes-Wagen d t e schwarzrotgoldene Flagge. d»e so auf fnmzöslsche« Boden flatterte. Er wurde b»i seiner Rückkehr von allen hier wei- lendm deutschen Pressevertretern erwartet, sagte aber kein Wort über seine Eindrücke. Um 7 Uhr abends erstattete der Reichs- außenminister der deutschen Delegation einen oertraulichen Bericht über die Aussprache mit Briand. /leußerungen örianös und Stresemanns. Genf, 17. September.(Eigener Drahtbericht.) Der französische Außenminister empfing am Freitag abend kurz vor seiner Abreise die Presstoertreter aller Länder, denen er zuerst das gemeinsame Kommunique vorlas, wobei er besondere Betonung aus den Satz legte, daß die beiden Minister ihre Auffassungen in Einklang gebracht haben. Im Laufe des Frage- und Antworffpiels erklärte Briand, daß er natürlich aus Einzeifragen nicht eingehen könne. Er oerwies darauf, daß er im nächsten Dezember anläßlich der Ratssitzung sich wieder mst Stresemann in Genf treffen werde. Es sei keineswegs ausgeschlossen, daß es auch schon vorher geschehe. wenn es die Umstände als nützlich erscheinen lassen. Briand betonte die Korrektheit und loyal« Art, mit der Stresemann die Abmachungen «ingehalten habe, und er sprach die Hoffnung aus, daß sein deutscher Kollege das gleiche von ihm sagen werde, wi« er«s zu verdienen glaube. „Sind Sie zufrieden mit der Unterredung?" fragt« schließlich jemand. Briand antwortete:„Sehr zufrieden. Nicht weniger als vier Stunden haben wir miteinander gesprochen. Das allein dürfte ein Beweis dafür sein, daß wir uns nicht gerade in die Haare geraten sind, da man in solchen Fällen nicht so lange zusammenzu- bleiben pflegt. Kaum hatten wir uns an den Tisch gesetzt, da ha:, wohl uns zu Ehren, der Montblanc seine Wolkenkappe abgesetzt und sich uns in seiner vollen weißen Pracht gezeigt. Wie wir ihn so sahen. haben wir beide. Her» Stresemann und ich, die Empfindung gehabt, daß sein Gipfel nicht weißer war als di« Ansicht in unseren Seelengründen... Jedenfalls haben wir uns tüchtig aus- gesprochen und ich bin überzeugt, daß die praktischen Auswirkungen nicht auf sich warten lassen werden. Daß die Session des Völkerbundes uns Gelegenheit zu dieser Aussprach« verschafft hat, ist einer der vielen Beweise dafür, wie unendlich nützlich die Genfer Institution ist." * Auch der Reichsaußenminister erklärt« sich in einer Be- sprechung mit den Pressevertretern über das Ergebnis der Aussprache mst Briand„außerordentlich befriedigt", ohne nähere Einzelhesten mitzuteilen. Er verwies darauf, daß Briand zunächst einen kurzen Urlaub antritt, und dann ebenso wi« er End« Sep- tember dem Kabinett über die Besprechung Bericht erstatten wird. Insbesondere lobte Stresemann das große Verdienst des fran- zösischen Außenminister» für die Lage Deutschlands und seinen« n t- schlossenen Willen, den jetzigen Zuständen sobald als mög- lich«in Ende zu machen. Todesurteil gegen Schröder. Tes Mordes in Tateinheit mit schwerem stiaub schuldig. Um 7� Uhr verkündete der Vorsitzende in dem Rlagde- burger Rlordprozetz. Landgerichlsdirektor Dr. Löwenthal. folgendes Urteil: ..Der Angeklagte wird wegen Betruges in Taleinheit mit Urkundenfälschung in zwei Fällen zu einer G e- fängnlsstrase von insgesamt 6 Monaten verurteilt. von der Verleitung zum Meineid wird er freigesprochen. Der Angeklagte wird wegen Mordes in Talein- hellmitschweremRaubezumTodeverurteilt. Die bürgerlichen Ehrenrechte werden ihm auf Lebenszeil ad- erkannt. Die zur Tat gebrauchte Waffe wird eingezogen. Die Kosten des Verfahrens, soweit Freisprach erfolgte, trägt die Staatskasse, soweit Verurteilung erfolgte, der Angeklagte." Ein gemeiner Raubmörder ist in Magdeburg nach zwei- tägiger Verhandlung zum Tode verurteilt worden. Die Gerichtsoerhandlung hat bestätigt, was die Oeffentlichkeit nach dem Geständnis des Mörders Schröder längst erkannt hat: im Magdeburger Fall handelt es sich um den Fall eines Raubmordes durch einen einzelnen ohne jede weiteren Be- Ziehungen. Dieser Mord mag für den Kriminalpsychologen von einigem Interesse sein. Ppn einigem Interesse, aber nicht von übermäßigem. Die Person des Mörders ist so wenig übermäßig interessant, wie es die Tatumstände sind. Es ist kein Fall, der in den neuen Pitao�l, in die Sammlung merk- würdiger Kriminalfälle aller Zeiten hineingehört. Und doch ist die Oeffentlichkeit der Gerichtsverhandlung m Magdeburg mit der größte« Spannung gefolgt. Der Aus- gang war vorauszusehen. Die Spannung aber galt nicht dem Schicksal des Mörders. Sie geht zurück auf die Sensation, die unfähige Kriminalbeamte und unfähige Richter im Bunde mit der Rechtspresse mit diesem Mordfall gemacht haben. Bei der Aufklärung des Mordes an dem Buchhalter Helling haben Krüninalpolizeibehörden und richterliche Untersuchungsbehör- den in einer Weise versagt, wie es in der modernen Krimina- listik selten ist. Die Untersuchung gegen den Mörder Schröder hat den Weg zur Aufklärung des einfachen Falles selbst ver- baut. Und mehr noch, sie hat sich jeder Aufklärung bewußt und böswillig in den Weg gestellt. Die Akten des Disziplinar» Verfahrens gegen den Magdeburger Kriminalkommissar ten Holt und den Untersuchungsrichter Kalling sind nicht ab- geschlossen— aber die Oeffentlichkeit ficht im Berlauf des Prozesses gegen Schröder und in dem Schuldig gegen den Mörder zugleich die Verurteilung des Vorgehens beider Beamten. Der Fall eines gemeinen Raubmordes ist von einer Partei benutzt worden, die dunkle, reaktionäre Geschäfte besorgen wollte. Haß gegen die Republik, Antisemitismus, Haß rechtsstehender Beamter gegen republikanische Zentral- behörden waren die Triebkräfte ihres Vorgehens. Soviel Unfähigkeit wie jetzt ten Holt und Köllina zugeschrieben wer- den müßte, wenn man ihr Treiben aus Unfähigkeit erklären wollte, gibt es nicht. Es bleibt nur die Erklärung, daß Trieb- kräfte, die außerhalb des Bereichs ihrer Pflichten lagen, die beiden Beamten in ihrer halsstarrigen Stellung gegen die Wahrheit bestärkt haben. Es gab in der Voruntersuchung über den Mord an dem Buchhalter Helling eine Partei von reaktionären Beamten, deren Hintermänner heute nur zum Teil bekannt sind. Das Ziel dieser Partei deckte sich nicht mit dem Ziel des ordentlichen Untersuchungs- Verfahrens. Es war nicht gerichtet auf die Ueberführung des Mörders, sondern auf die Vernichtung eines anderen, der von dieser Partei gewaltsam in die Mordaffäre hinein- gezerrt worden war. Bei diesem Treiben hat diese dunkle Partei Unterstützung gefunden bei der r e ak t i o n ä r e n P r e s s e. Die Berliner Hugenberg-Presse hat dieser Partei das Rückgrat gestärkt. Sie hat sie getrieben und in dem Kampf gegen die Wahrheit weitergehest. Die reaktionäre Presse hat alles getan, um die Justiz in Magdeburg in einen Justizmord an dem Kaufmann Haas hineinzutreiben. Der stärkste Eindruck aus der Gerichtsverhandlung gegen den Mörder Schröder ist der, daß dieser junge Bursche kalt- blütig mit Menschenleben gerechnet und kaltblütig Menschen- leben vernichtet hat, ohne moralische Hemmungen, ohne auch nur eine Spur von Reue zu empfinden. Den Beobachter mag angesichts dieser Tatsache Entsetzen überkommen. Noch größeres Entsetzen aber müßte es von Rechts wegen in der gesamten Oeffentlichkeit hervorrufen, daß eine dunkle Partei aus reaktionären Beamten kaltblütig mit dem Leben und mit der Ehre eines Unschuldigen gespielt h a t, der wochenlang in einer Untersuchungshaft saß, die härter war, als die, die der eigentliche Mörder hat über sich ergehen lasten müssen. Diese dunkle Partei hat bestanden. Sie hat gekämpft gegen den Unschuldigen, gegen den Kaufmann Haas. Sie hat den Mörder Schröder als Werkzeug dieses Kampfes benutzt. Sie hat ihr verwerfliches Spiel fortgesetzt, nachdem eine unbeeinflußte Untersuchung bereits die Tatbestände klar- gelegt hat. Sie hat den Feldzug der Verleumdung gegen den Unschuldigen mit Hilfe Schröders bis in die Gerichts- Verhandlung, bis in die Stunde vor der Fällung des Urteils hinein fortgesetzt. Nachdem der überführte Mörder vor Gericht seine Schuld eingestanden hat, nachdem er erklärt hatte, daß nur er allein den Mord geplant und durchgeführt hatte, hat er trotzdem noch versucht, dunkle Fäden anzudeuten, die sich zwischen ihm und dem Unschuldigen, dem Kaufmann Haas spinnen sollten. Er mag aus seinen Erfahrungen in der Bor» Untersuchung der ten Holt und der Kölling vielleicht den Schluß gezogen haben, daß er mit solchen Andeutungen und Verdächtigungen eine Resonanz finden würde, die seine Richter milder stimmen würde. Ein letzter Rettungsversuch eines gemeinen Verbrechers, der kaltblütig ein Menschenleben vernichtete und dem es im Kampf um seinen Kopf auf die Beschmutzuno der Ehre eines anderen nicht mehr ankam. Aber bei diesem Versuch hat er Resonanz gefunden, zwar nicht bei seinen Richtern, aber bei seiner Verteidigung und bei dem großen Rückhalt, der die reaktionäre dunkle Partei gedeckt hat, bei der reaktionären Presse. Begierig hat noch gestern abend die„Nachtausgabe" des„TagJ des Herrn Hugenberg die letzten krampfhaften Versuche Schröders auf- gegriffen. Man fühlt in ihrem Bericht eine letzte leise Hofs- nung, daß zum Schluß doch noch einige Flecken auf der Ehre des Kaufmanns Haas haften bleiben möchten. Dieser letzte Versuch ist zerstört worden durch die Ver- nehmung des Kaufmanns Haas am Schluß des Prozesses. Als er vor die Schranken des Gerichts trat und unter seinem Eid alle dunklen Andeutungen energisch zurückwies, da end- lich hat die Partei gegen die Wahrheit ihr Spiel verloren gegeben. Daß Schröders Kopf verfallen war, das wußte sie sehr wohl, Ihr Kampf ging am Schluß nicht um den Kopf Schröders, er ging gegen die Ehre eines Unchuldigen. Der Fall des gemeinen Raubmörders Schröder ist zu Ende. Die Akten über den Justizskandal von Magdeburg aber sind damit noch nicht geschlossen. Die überaus ernste Frage bleibt bestehen: Was wird geschehen, um in das Treiben jener Magdeburger Partei Segen die Wahrheit und gegen die Ehre eines Unschuldigen ineinzuleuchten? Was wird geschehen, um volle Aufklärung zu schaffen über das Verhalten des Kriminalkommissars ten Holt und des Untersuchungsrichters Kölling? Das ist eine Frage, die sich an die zuständigen Behörden richtet. Die andere Aufgabe besteht darin, jener Presse, die sich zur Bundesgenossin eines Mörders gegen die Ehre eines Unschuldigen gemacht hat, das Handwerk zu lege�, Diese Aufgabe kann durch keine Behörde erfüllt werden. Hier hat die Oeffentlichkeit selbst die Pflicht, für Reinigung zu sorgen! * In der Urteilsbegründung führte der Lorsstzmde u. a. aus: Hinsichtlich des schwersten Vorwurfes der Anklage, des M o r- des, verbunden niit schwerem Raube verwies der Vorsitzende zunächst darauf, daß der Angeklagte in der fraglichen Zeit in großer Not gewesen sei, und daß ihm aus diesem Grunde der Gedanke gekommen sei, sich auf strafbare Weise Geld zu o e r s ch a f f e n. Landgerichtsdirektor Löwenthal würdigte dann in längeren Ausführungen noch einmal das ganze Ergebnis der Beweisaufnahme. Nach der Würdigung der Beweisaufnahme kam Landgerichts- direktor Löwenthal zu dem Schluß, daß der Angeklagte voll- kommen überlegt vorgegangen fei. Durch die Aufgabe des Inserates suchte er ein Opfer, dos Geld befaß. Wenn er auch vielleicht im Anfang noch die Absicht hatte, nur einen Raub zu vollführen, so faßte er, als Helling fein Haus betrat, dort den festen Entschluß, sein Opfer zu ermorden. Die Zeugin Hilde- gard Götz« habe nach dieser Richtung hin Bekundungen gemacht, die unzweifelhaft erschienen. Planmäßig habe der Angeklagte Helling an sich gelockt, planmäßig habe er ihn niedergeschossen, und planmäßig die Leiche bei» seitegeschafft. Der AngeNagte sei nicht nur des Mordes schuldig, sondern er habe auch die Leiche beraubt und infolge- dessen war Schröder des Mordes in Tateinheit mit schwerem Raube schuldig zu erkennen. Der Angeklagte habe im letzten Wort an die Milde des Gerichts appelliert. Da« Gericht sei jedoch keine Gnadeninstanz, sondern ein Institut der Gerechtigkeit. Aus diesem Grunde war der Angeklagte der Todeefirafe schuldig zu sprechen. Schröder nahm das Urteil mit vollkommener Ruhe auf, ebenso seine Braut. Retlame'Rupprecht. Er will nur die Krone Bayerns— auf die Krone Englands verzichtet er gnädig. Rupprecht o. Wittelsbach hat sich zu se nem eigenen Reklamechef ernannt. In der Wiener„Neuen Freien Presse" läßt er durch George Silvester Viereck einen Reklameartikel über seine Meinungen und Taten veröffentlichen. Folgendes wird den Wienern erzählt: „Ich saß dem früheren Kronprinzen Rupprecht von Bayern in seinem Münchner Schlosse gegenüber. Ueber seinem kurz- geschorenen Kopf schweben zwei Kronen. Die eine ist die Krone von England, die die jakobitischen Diehards in London noch immer für ihn beanspruchen. Die andere ist die Krone Bayerns, die ihm nach der Ansicht vieler politischer Kenner der bayerischen Hauptstadt gehören würde, falls er den Wunsch danach äußerte. Das Volt Bayerns nennt Rupprecht seinen„König". Seine Anhänger sprechen von„Sr. Majestät". Die augenblickliche bayerische Regierung erkennt ihn natürlich ossiziell nicht an. Bei ö f f e n t- lichen Anlässen jedoch, bei denen Rupprecht zugegen ist, lassen ihm die Vertreter der Regierung den Vortritt." „Rupprecht wird wohl niemals König sein, doch seine Meinung wiegt schwer. Ich konnte der Versuchung nicht widerstehen, i h n an den anderen Thron zu erinnern, der seiner jenseits des Kanals wartet... Kronprinz Rupprecht war von meiner Erzählung belustigt.„Sie halten also immer noch daran fest", sagt« er.„Es stimmt, daß ich von selten meiner Mutter auf zweierlei Weise mit den Stuarts verwandt bin. Aber in dieser Richtung habe ich keinen Ehrgeiz." Rupprechts Ehrgeiz zielt auf die bayerische Krone, die er nach der Meinung des Herrn Viereck haben könnte, wenn er wollte. Er hat sie oft genug haben wollen— nur waren die Trauben immer zu sauer. Die Krone Bayerns ist ihm nicht erreichbarer als die Krone Englands— trotz der gegenwärtigen auchrepublikanischcn Regierung in Bayern. Warum aber Rupprecht-Reklame ausgerechnet in! Wien? Spukt wieder einmal der Plan der katholischen Wittelsbacher bayerisch-österreichisch-ungarifchen Monarchie? der Eifentruft noch immer nicht fertig. Reue Unterbrechung der Verhandlungen. pari«, 17. September.(UJIB.) Die Verhandlungen zur Bll- dung der intern atlonalen Bohfiahlgemeinfchaft konnten heute nicht zu Ende geführt werden, da die den belgischen Vertretern angebotene Beteiligungsmenge de« Forderungen dieser Gruppen nicht entsprach. Die belgischen Vertreter müssen deshalb inlern die An- gelegenheit neu besprechen. Die deutschen Vertreter reisen heule abend wieder ab. Ein Zeitpunkt für den VZiederzusammentcitt der Konsereoz ist nicht sesigesetzl worden. Ueber die Vernehmung des deulschnaNonalen Abg. Zahnke im preußischen Femeaueschuß erfahren wir noch, daß Jahnke erklärte, daß er zu seinen früheren eidlichen Auslagen steh« und denselben nichts hinzuzufügen habe. Von Attentatsplänen gegenüber Seoering und Strefemann habe er keine Kenntnis gehabt. Volemkin-IIlm und Staatsrat. Anläßlich der abermaligen Ueberprüfung des Potemkin-Films am 27. September soll, wie wir hören, die auf das Verbot des Films beuigliche Anfrage im Preußi- fchen Staatsrat unverzüglich nach Ausnahme der Sitzungen des Staatsrates behandelt werden. windischgräh gepfändet. Im Palais des Frankenfälschers Windischgrätz wurden Kunstschätze und Antiquitäten wegen einer Spielwechselschuld von 900 Millionen Kronen gepfändet. Die Wechsel hatte er lange vor der Beschaffung ausländischer Zahlungs- mittel gegeben. Es handelt sich hierbei um Wechselschulden des Prinzen, die er zur Begleichung von Verlusten im Kartenspiel lange vor der Frankenfälscheraffäre eingegangen ist. Zirkus. Von Arnold Wasserbauer. Immer wieder zieht die Manege des Zirkus mit ihrem un- definierbaren Gemisch von Pferde-, Raubtier-, Menschenschweß-, Lohe- und Parsümgeruch die Menschen aller Stände an. Das Licht der Vogenlampen leuchtet festlich herab, auf die Zuschauer und auf die armen dressierten Menschen und Tiere. Alle Artisten haben Nomen: Dolly sisters, Myriam und Hafis, auch wenn sie in Wirk- lichkeit Piefke oder Nawratil heißen, hier ist ihr Reich— und selbst der ansonsten nüchterne Zuschauer glaubt oft und oft in den Slugen der Akrobaten, Equilibristen und Todesschleifenfahrer einen schier unnahbaren Stolz zu lesen, wenn sie ihre Attraktion abgespielt, sich für den Applaus bedankend, nochmals mit Charme und scheinbar ganz gewichtlos in die Manege tänzeln. Ein eigenes Kapitel im Verband der Zirkusleute aber sind die Clowns. Dieselben Pausen, die in Theatern das Publikum»--rch Fallen des Vorhangs veranlassen, sich von den Plätzen zu erheben. am Büfett einen kleinen Imbiß zu nehmen, Bekannte zu begrüßen usw.— eben dieselben Pausen muß im Zirkus der Clown ausfüllen. Darum ist er auch meist namenlos, er hat nur selten noch den veralteten Beinamen„der dumme August" oder einen ähnlichen, nichtssagenden Namen. Er muß die Leute zum Lachen bringen und nicht» ist quälender in unseren Tagen, al» mitanzusehen, wie un- endlich viel Mühe sich diese Armen geben, diese« Ziel zu erreichen. Keine Erniedrigung erscheint ihnen diffamierend genug zu sein— wenn nur die erwünschte Lachsaloe folgt. In Budapest hat sich vor einigen Tagen folgendes ereignet: Im dortigen Volksgartenzirkus erreichte ein Clown einen ungewöhnlich starken Heiterkeitserfolg. Er trat mit zwei seiner Kollegen in die Manege, torkelte mit den beiden ein wenig hin und her, dann rief er plötzlich:„Halt, niemand rührt sich!" Er bleibt mit gespreizten Beinen stehen, die beiden anderen stellen sich ganz verblüfft ihm gegenüber auf, er zieht aus der Tasche ein weißes Papiersäckchen, entnimmt ihm ein Puloer und schüttet es voll Andacht in den weit geöffneten, zu einer Fratze verschminkten Mund, schon wenige Sekunden später stürzt er zu Boden und windet sich unter kon- vulsivischen Zuckungen am Boden, während die beiden anderen. zuerst sprachlos und noch weißer als ihre weiße Gesichtsschminke dastehend, um ihn herumtänzeln. Aber es scheint etwas nicht zu stimmen— obwohl das Publikum begeistert grölt, applaudiert und da capo ruft. Einer der beiden Clowns nähert sich mit verzerrtem, mitleiderregendem Gesicht zwei an der Barriere stehenden Dienern, die ihm helfen, gemeinsam mit seinem Kollegen den schon etwas weniger um sich stoßenden Clown, der aber noch immer schreit, aus der Manege zu tragen. Die Applausszene will sich nicht beruhigen, so sehr hat dies« emjach«. ulkige Szene gewirkt. In der nächsten Minute kehren die beiden anderen Clown» in die Manege zurück, um zu verkünden, ihr Kolleg« habe so viel geschrien, daß er nicht mehr herauskommen könne. Di« Vorstellung geht weiter: al» nächste Rummer kommt die Drahtseiltänzerin Santorelli.... Draußen aber, im Dienstzimmer des Inspektionsarzt«« haucht eine arme, gequälte Komödiantenfigur, ein Bajazzo, das Leben au». Der Clown Mervai— es ist der Bericht des Totenbefundes, der diesen Namen zum ersten Male nennt, nicht etwa da» Programm des Zirkus— hatte Gift genommen, in der Arena, vor allen, die er mit seinen Scherzen ergötzen wollte. Er hat Familie und der Direktor hatte seinen Kontrakt nicht erneuern wollen. Arbeitslosig. keit— wie hart ist da» Leben. Draußen aber, in der Manege geht's flott weiter. Es fand sich nicht einmal ein Tonio, der etwa gerufen hätte: „Geht ruhig heim, das Spiel ist aus!" kein Angebot auf Wilhelm. Wilhelm der Letzte in Doorn wird nun auch die letzte Hoffnung fahren lassen müssen. Die Hosschranzen werden mit chm auf das undankbare Volk schimpfen, dos wirklich verdient hat, daß er ihm seine Rückenseite zugekehrt hat. Es hat sich Furchtbaves ereignet: Bei der großen Auktion„berühmter Namen aus der Literatur, Gescbichte und Kunst", die in Berlin bei Henrici u. Stargardt unter Andrang von Sachverständigen und Liebhabern stattsond, wurden Briefe und andere Schrissstück« mehr oder minder berühmter Männer zu teilweise großen Preisen ver- kaust. Daß Briefe von Schiller und Goethe 330, 450 und 500 M. wert erschienen, mag verständlich sein: daß«in Vierzeiler des ver- femten Heinrich Heine jetzt 1440 M. wert ist, mag den Heine-Ver- ehrer erfreuen und zugleich nachdenklich stimmen: daß Briese und Unterschriften Bismarcks zwischen 6 bis(500 M. gewertet wurden. ist aus der historischen Bedeutung der Briefe erklärlich. Was sich allerdings von einem Briefe Ludendorffs, der für 10 M. einen „Liebhaber" fand, nicht behaupten läßt. Vielleicht soll er al» Haupt. schmuckstück neben alten Stahlhelmen, Seitengewehren und anderen Schaustücken die Hinterstube einer deutschvöl tischen Kneipe zieren. — Nun aber das Schreckliche: für den Namenszug Wilhelms des Letzten wollt« kein Mensch auch nur einen Pfennig geben! Der Auktionator versuchte vergeblich. Wilhelm für ganze 8 M. an den Liebhaber zu bringen, legte sogar umsonst die Unterschrift von Viktoria zu. Es half nicht». Kein Liebhaber meldete sich. Für die versammelten Kenner schien Wilhelm überhaupt nicht in die„Abtei- lung berühmter Namen aus der Literatur, Geschichte und Kunst" zu gehören. Da blieb dem Auktionator nichts übrig, als Wilhelm» Schnörkel wieder in die Schublade zu schieben. Ita lagert er nun mit der Maria von Medici als„nicht gefragt"!— Deutlicher kann nicht demonstriert werden, wie der Mann, der seine Deutschen mit Ausnahme der Vaterlandslosen„herrlichen Zeiten" entgegenführen wollte, im Kurse gesunken sst. Und schmerz. lieber noch wird die Angelegenheit für alle Monarchisten dadurch, daß ein Brief von Lassolle(nur an Fanny Lewald geschrieben) mit 80 M. bezahlt und«in Schreiben von Karl Marx„in ganz flüch- tiger Schrift" mit IIS M. begehrt wurde. Die eebensfähigkeil der Typhusbakterie». Angesichts der zahl» reichen Typhuserkrankungen in Hannover drängt sich unwillkürlich die Frage auf, ob und inwieweit Typhusbakterien durch Nahrungs- mittel übertragen werden können. Nach den jüngsten Untersuchun- gen steht es fest, daß Typhusbatterien durch Nahrungsmittel über- tragen werden können, da sich die Bakterien in manchen Nahrungs» Mitteln nicht nur aufhalten, sondern auch sogar vermehren, wenn- gleich solche Fälle glücklicherweise nicht häufig sind. Am gefährlich- sten ist hier die rohe Milch, in der sich die Bakterien verhälmismäßig lange halten, wogegen sie, wenn aus der infizierten Milch z. B. Poghurt bereitet wird, nach 24 Stunden zugrunde gehen. Ferner müssen als sehr gefährliche Ueberträger der Typhusbatterien Rohobst und Robgemüfe betrachtet werden, namentlich Obst, an dem sie sich so lang« lebend halten, als das Obst überhaupt genießbar ist. Auch rohes Fleisch kann als Ueberträger in Betrocht kommen, indem die Bakterien an solchem Fleisch bis zu 12 Tagen lebensfähig bleiben können. Dazu kommt, daß auch durch Fette, sowohl tierische wie pflanzlich«, die Infektion mit Typhusbatterien ermittelt werden kann: selbst in Käse— sog. ausgereistem— kann ihre Lebensfähigkeit 10 bis 14 Tage anHallen. Gelangen Typhusbakterien in Bier, so bleiben sie auch hier 2 bis 4 Tage lebensfrisch. Aus diesen Darlegungen erhellt also, daß man sich in gefährdeter Zeit vor allem vor dem Genuß roher oder nicht ganz frischer Lebensmittel zu hüten hat: ebensowenig soll man Lebensmittel, wenn sie z. B. eine Zell- lang im Straßenstaub gelegen haben, ungereinigt verzehren. vi« Beiller-G. m. b. h. tu Rußland. Die russische Press« berichtet von einein ungeheuren Anwachsen der Bettelei in den Hauptstraßen Moskaus und Leningrads. Die Bettler in Moskau haben sich bereits straff organisiert. Sie besitzen sogar ein eigenes Haus, in dem es abends nach beendeter Arbeit recht lustig zugeht. Ein Korresoondent der„Prawda" hat nämlich beobachtet, wie die blinden Volkssänger, die auf den Marktplätzen und auf den Straßen Moskaus tagsüber fromme geistliche Lieder singen, abends in ihrem Hause„Valencia" und ähnlich« Schlager zum besten geben und dabei feurige Tänze aufführen. Abends können sie allerdings sehr gut sehen. Eine andere Betllergesellschoft„arbeitet" als Krüppel in den Straßenbahnwagen und bringt reiche Einnahme» nach Hause. Die Bettler in den Straßen verfahren dabei sehr diplomatisch. Wenn sie einer kommunistisch aussehenden Person be- geanen, bitten sie um eine„kommunistische Gabe für einen In« validen des Bürgerkrieges, der an der roten Front als Held ge- kämpft hat und zum Krüppel zerschossen ist". Bei einer bürgerlich aussehenden Dame oerwandelt sich der Held in ein„Opfer des roten Terrors und ein Anhänger de« grausam ermordeten Zaren". Das Bettlerhandwert, so schließt die„Prawda", bringt viel mehr ein al» die Arbeit in einer Fabrik oder in einer Sowjetbehörde. Esperoal« lu der Schule. In der KtederlSndilchen Zweiten Kamwer wird bei der Beratung des Gemeindeichulgelede» von der Eenoifin Delter- man und einigen anderen Abgeordneten der Antrag eingebracht werden, da« Esperanto al» Wahlsach im Schulunterricht emzusühren. Ao,kunft»st-lle sslr Aeitvagskund«. An dem„Deutschen Institut sür ZeitungSkunde- an der Unioerfrlät Berlin ist eine bibliographstche Au«- tunstSstelle errichtet worden. Die Stelle bearbeitet regelmäßig Zeitungen, Zeitschritten, Bücher, insbesondere die vordandenen Bibliographien und die vom Börseuverem betamrtgegebenen Reuerjcheinuugeu. deutscher Staötetag. Die Gemeinden und die Finanzreform. L. k. Slettta. 17. September.(Eigener Drahtbericht.) Unter srarker Veteiligung begann heute vormittag in Stettin die diesjährige Tagung des i}auptausschu|ses des Deutschen Städtetages. Unter den Gästen bemerkte man u. a. den Reichsinnenminister Dr. Külz und den preußischen Innenminister, Genossen S e o e r i n g. Auch die Ministerien wie die Presse waren aus der Tagung zahlreich vertreten. Das erste Referat hielt der Präsident des Deutschen Städtewges Dr. M u h l e r t über das Problem der Reichssinanzresorm. Dr. M u h l« r t ging bei seinen Ausführungen von der These aus, daß die deutschen Städte und Gemeinden, deren starte finanzielle Notlage er im Gegensatz zu der in der Oefsent- lichkeit weitverbreiteten Auffassung schilderte, und durch Beispiele belegte, bei einer endgültigen Regelung de« Reichsfinanzausgleichs unbedingt wieder nicht am zu formeller, sondern auch zu materieller Selbstverwaltung kommen müßten. Er forderte infolzedesien bei der demnächst bevorstehenden Reu- rcgelung die Rückkehr zum Zuschlagsrecht der Ge- m e i n d e n. Muhlert polemisierte eingehend gegen die starke Kom- munalfremdheit der Instanzen in Reich und Ländern und ins- besondere auch gegen die Angriffe, die von der privaten Wirtschaft gegen die Gemeinden erhoben würden. Er wies auch ein« Reihe einzelner Behauptungen de» Reichsfinanzminister« Dr. R« i n h o l d in seiner Dresdener Rede zurück. Insbesondere betonte er den Zu- fammenhang zwischen den Steuererhöhungen der Städte und der späteren Anspannung der Realsteuern und dem Steuerabbau de» Reiches. In seinem vorsichtigen nach allen Seiten hin sorgfältig ab- gewogenen Referat ließ Muhlert die Frage offen, ob es nicht möglich sei, daß das Reich bei der Reichseinkommen st euer von seinem jetzigen 25 Proz. betragenden Anteil wieder auf den früheren Satz von 15 Prozent zurückgehen könne, um die finanziellen Schwierigkeiten der Gemeinde zu erleichtern. Sehr stark betonte er die Notwendigkeit einer definitiven Regelung der Hauszinssteuer. Er kündigte zum Schluß das Erscheinen einer Denkschrift der deutschen Städte an. indersiezuden wichtigsten gegenwärtigen innerpoktischen sie berührenden Problemen Stellung nehmen werden. Im Verlauf der Debatt« ergriff». a. auch der preußische Innenminister Severing das Wort und erklärte, daß er auf Grund seiner Ersahrungen und al» Kommunalaufsichtsminister sich für oer- pflichtet halte, die Semeinden gegen die scharfen Angriffe, die gegen sie gerichtet werden, zu verteidigen. Wenn die Gemeinden zur Zeit ihrer größeren Geldflüffigkeit eine gewisse Bodemwrratswirffchaft getrieben hätten, und wenn sie ferner Sportplätze, Stadion» und ähnliches angelegt hätten, dann hätten sie damit nur eine weitsichtige und dem wirklichen Jnteresien der Bevölkerung dienende Politik gcirieben. Er bekannte sich persönlich al» Anhänger der Rückkehr zum Zuschlagsrechl der Gemeinden. Auch der Reichsinnenminister Külz fand freundlich« Worte für die Bedürfnisse der Kommunalwirtschaft. Den Standpunkt der Industrie oertrat der frühere Relchswirl- schastsmlnister Hamm, auf dessen Red« hin allerding« Oberbürger. meister Löß feststellte, daß auch nach diesem formell«nrgegmkom- Menden Ausführungen Hamms die Industrie und die Wirtschaft immer noch nicht den Gedanken aufgegeben haben, auf dem Wege über gesetzgeberische Maßnahmen die Bewegungsfreiheit der Ge- meinden einzuengen. Hamm hatte betont, daß der Gegensatz der Wirtschaft zu den Geineinden noch Einführung de» allgemeinen Wahlrechts oerschärft worden sei. Für die sozialdemokratischen Delegierte» fpmch der Berliner Sladlverordneke Genosse Reuter. Er betont«, daß es eine Rückkehr zu den früheren Methoden der Kommunalwirtschaft vor dem Kriege nicht mehr geben könne, und daß namentlich auf ftädte- baulichem und wohnungspolitischem Gebiet den Gemeinden Aufgaben erwachsen seien, die als unabweislich bezeichnet werden müssen. Er wie« darauf hin, daß die Rückkehr zum freien Zuschlagsrecht nur dann Sinn hoben würde, wenn die Verleihung de» Zuschlogsrecht» ohne Klausel und ohne Begrenzung noch oben hin erfolge. Unter allen Umständen müsse kalegorisch der Gedanke de» Reich». sinanzminister» abgelehnt werden, de« Gemeinden den bisher steuerfreien Betrag de» Existenzminimum» zur Einkommen- besteuern ng bei dieser Gelegenheit frei zu geben. Auch er betonte die Notwendigkeit, zu einer endgültigen und dauernden Regelung zu kommen, auch auf dem Gebiete der hauszwssteuer. damit die Gemeinden für längere Zeit ein« sichere Basis für ihre wichtige Arbeit haben. Die bis in die Mittagsstunden sich hinziehende Diskussion endigte mit der einstimmigen Annahme einer Resolution. deren Wortlaut während der Verhandlung festgestellt worden war. In dieser Resolution wird aus die Verschlechterung der Finanzlage der Städte hingewiesen, ein« endgültige Regelung de» Finanzausgleich» gefordert und auf die Notwendig. keit der Herstellung eine» gleichen einheitlichen und systematischen Lastenausgleich» hingewiesen. Im ollgemeinen tonnt« man aus der Tagung nur den Eindruck gewinnen, daß die deutschen Städte und Gemeinden nach den jahrelangen An- griffen der Wirtschast gegen sie sich endlich auch in der Oeffentlichteit zu einer energischeren Gegenoffensive aufraffen. Frankreichs Iruppenmacht an der Uasienischea Grenze ist, nach amtlicher französischer Erklärung, nicht verstärkt worden. Rückwirkungen von �ocarno. Ausführungsbcstimmungen des Rheinland- Befriedungsabkommens. Koblenz, 17. September.(TU.) Di« Verordnung Nr. 310 der Rheinlandkommission, die als.Verordnung zur Aushebung der ge- samten Schutzverordnungen' bezeichnet wird, hat folgenden Wort- laut: Die Rheinlandkommission verordnet in Erwägung dessen, daß die Abmachungen von Locarno in den besetzten Gebieten ein« Atmosphäre der Entspannung und der An- Näherung herbeiführen sollen, in Bekräftigung ihre« Wunsches, die gedeihlichen Beziehungen zwischen der Bevölkerung und den deutschen Behörden einerseits und den Befatzungsstreitträsten andererseits zu fördern und am Werke des Frieden» zwischen den Nationen mitzuwirken auf Grund des Abkommens vom 10. Septem- der 1920 folgendes: Die Verordnungen Nr. 27, 70, 90, IIS, 292 und 293 sowie die Anweisung 25(die sogenannten Schutzoerordnungen) werden aufgehoben. Die Verordnung Nr. ZU der Rheinlandkommission, die als «Verordnung zur Ausführung gewisser im Anschluß an die Räumung der sogenannten Kölner Zone vereinbarten Maßnahmen' bezeichnet wird, hat folgenden Wortlaut: Di« Rheinlandkommission verordnet auf Grund der am 10. September 1926 zwischen den in der hohen Interalliierten Rheinlandkommission vertretenen alliierten Regierungen einerseits und der deuffchen Regierung andererseits erfolgten Vereinbarungen, die am 17. September 1926 in Kraft treten und die Maßnahmen betreffen, welche aus Anlaß der Räumung der sogenannten Kölner Zone beiderseits ergriffen werden können, um gemäß dem Geiste der Abmachungen von Locarno, die von beiden Seiten gewünschte Befriedung zu fördern, in Erwägung dessen, daß e» der hohen Kommission zusteht, Bestimmungen zu treffen, um in dem besetzten Gebiet die Ausführung gewisser Maßnahmen sicher- zustellen, wo» folgt: Artikel 1: In den zwei Wochen nach dem Inkrafttreten der oben er- wähnten Abmachungen übergeben die zuständigen alliierten Behörden in dm verschiedenen Besotzungszonm den deuffchen Be- Hörden die deutschen Reichsangehörigen, die in den Gefängnissen der besetzten Gebiete in Haft sind und von den Militärgerichten wegen Taten verfolgt werden bzw. verurteilt wordm find, die sie im R u h r g e b i e t, in den Brückenköpfen Duisburg, Ruhrort und Düsseldorf und in der sogenannten Kölner Zone begangen haben. Ausgenommen sind nur solche Personen, die ein Ler» brechen gegen da» menschlich« Leben mit Tode»- erfolg begangen habe«. Artikel 2: Alle vor dm alliierten Gerichten bwz. vor dm deuffchm Ge- richten, vor letzterm in Sachen, w welchen sie auf Grund der Verordnungen der Kommission befaßt wordm sind, anhängigen Strafverfolgungen anläßlich von Straftaten, die seit Beginn der Besetzung bis zum 1. Februar 1926 in dm besetzten Gebietm begangen wordm sind, werden endgültig einge- stellt. Eine neue Strafverfolgung kann aus Gnind dieser Straftaten nicht eingeleitet werden. Die wegm solcher Strastatm ver- urteilten bzw. verfolgtm und in den Gefängnissen der befetztm Ge- biete in Haft befindlichen Personen werden freigelassen. Vorstehende Bestimmung betrifft nicht Strafverfolgungen oder Verurteilungen wegm Straftaten de» gemeinen Rechts oder der Spionage. Inzwischen beglichme Geldstrafm oder Ge- richtstoste» werden nicht erstattet. Artikel 3-. Diese Bervrdmmg ist im»rückmkops Kehl anwendbar. Artikel 4: Diese Verordnung tritt am 17. September in Kraft. Richter unü triminalpolizeiliche Praxis. Einführung sknrfe in die Tagesarbeit der Kriminalpolizei. Der Amtlich« Preußisch« Pressedienst schreibt: Es ist erwünscht, daß den Beamten der Staatsanwaltschaft und den mit der Sttasgerichtsbarkeit betrauten Richtern mehr als bisher Gelegenheit gegeben wird, die Tätigkeit der Kriminalpolizei durch unmittelbare Anschauung kennen zu lernen, hierdurch sollen Kenntnisse aus einem für die Rechtspflege wichtigen Gebiete vermittelt, und es soll zugleich ein enge» und oerständ- nisoolle» Zusammenarbeiten zwischen Justiz- behörden und Polizei gefördert werden. Nach einer Allgemeinen Verfügung des Justizministers beab- sichffgt dieser daher im Einvernehmen mit dem Minister des Innern, >« nächster Zeit eine Anzahl stoatsanwaltschaftlilher Beamten und von den richterlichen Beamten zunächst einige Untersuchungsrichter zu einer einmonatigen I n f o r m a t o- rischen Beschäftigung bei den kriminalpoli�ei- lichen Dienststellen einiger größerer Polizeiverwaltungen ab- zuordnen. Die Beschäftigung soll sich nicht auf das bloße Anhören von Vorträgen und auf die Besichtigung kriminalpolizeilicher Einrichtungen beschränken, sondern es soll den Beamten ein gründ- licher Einblick in die praktische Tagesarbeit der Kriminalpolizei vermittelt werden. Zu diesem Zwecke ist geplant, die Beamten den Leitern der verschiedenen kriminalpolizei- lichen Dezernate, besonders den mit der Bekämpsung des gewerbs- und gewohnheitsmäßigen Verbrechertums betrauten Dezernatsleitern, den Leitern des Revierdienstes, des Erkennungsdienste», des Fahn- dungsdienstes usw. zur Unterweisung und Mitarbeit zuzuteffen. Auch wird ihnen Gelegenheit gegeben werden» a n p r a t- tischen triminalpolizeilichen Ermittelongen tetl- zunehmen. Bei der Auswahl der abzuordnenden Beamten wird maßgebend sein müssen, daß die bei der Kriminalpolizei gewonnenen Ersahxungen eine möglichst weitreichend« praktische Verwertung finden. Ferner wird Wert darauf zu legen sein, daß die abzuordnen- den Beamten geeignet sind, dos Gelernte durch Vorträge einem weiteren Beamtenkreise zu vermitteln. Demgemäß werden von den staatsanwaltschaftlichen Beamten in erster Linie Abteilungsvorsteher wegen ihres größeren Wirtungskreises tn Bettacht kommen. Doch sollen besonders tüchffge und geeignete Dezernenten nicht aus- geschlossen sein. Für die Abordnung von Untersuchungsrichtern konunen vorwiegend jüngere Beamte in Frage, deren Beschäftigung als Untersuchungsrichter über den 1. Januar 1927 hinaus in Aus- ficht genommen ist. Don den abgeordneten Beamten wird nach Ab- lauf der Beschästigungszett Bericht über ihre Wahrnehmungen und Erfahrungen gefordert werden. Die gefürchteten Emigranten. Auch Primo de Rivers find sie fatal, Madrid. 17. September.(WTL.) Amtlich wird«in Tele- gromm bekanntgegeben, das Primo de Rivers an den spanischen Botschafter in Pari», Ouinone» de Leon, gesandt hat und in dem es u. a. heißt, südfranzösische Tageszeitungen sprächen von Verfolgungen, die direkt aus dem französischen Gebiet durch spanische Agenten gegen Emigranten gefühtt würden. Dies sei vollkommen unwahr. Derorffge Bersolgungen sänden nicht einmal in Spanien selbst statt.(Da gibt» ja auch keine spanischen Emigranten. R. d. B.) Die spanische Regierung beschränke Ihre Beschwerden bei der französischen Regierung auf ein Mindestmaß. weil sie den guten und freundschaftlichen Willen kenne, mit dem die französische Regierung ihrer Pflicht zur Ueberwachung der Emtgranten, die de facto Ber- schwörungen anzettelten, nachkommen. Die sponssche Regierung erkenne auch den großen demotraffschen Geist Frankreichs und seiner Regierung gegenüber allen denen an, die ihre Gastfreund- schast in Anspruch nähmen. E» sei bedauerlich, daß man da» polittsche Regime in Spanien ungeprüft und ohne genaue Kenntnis verurteile. Dieses Regime habe auf seine Art einen d e m o- kra tischen Kern, den seine Gegner eine» Tage« erkennen würden. Die spanische Regierung vernachlässige die Ueberwachung der revolutionären Emigranten nicht, handle aber nicht selbst außer- halb Spaniens und übertreibe Beschwerden nicht, da sie den guten Willen anerkenne, mit dem alle Regierungen ihren Pflichten ans diesem Gebiet nachkämen. Neuer Terror in Bulgarien. Ei« Appell a» die Oeffentlichkeit. •"ms Di« Berliner Gruppe der.Bulgarischen volksstudentenschaft km Ausland' ersucht uns um Berössentlichung folgender empörender Tatsachen, deren ttaurig« Wahrheit uns auch schon aus anderen Quellen bekannt Ist, so au» unserem Sofioter Bruderblatt, dem .Rarod'(Da» Bolk), und auf die wir bereits kurz hingewiesen haben: Die.Demokratie' Ljaptschesf» zeigt ihr wahre» Gesicht. Was m Bulgarien bis jetzt kaum vorgefallen ist, wird nun nach rumänischem Borbild eingeführt: Judenverfolgungen! So wurden in Sofia friedlich« Juden, bulgarische Staatsbürger, ge- wartet: ein Jude sst vor der russischen Kirche in Anwesenheit der Polizei mißhandelt worden: in Rasgrad wurde dem Rabbiner zum Hohn der Bart abgeschnitten. In L o m— gemarterte Juden—, in Laos ene ein Jude, Mitglied des Konststorialrates, gemartert. Es reihen sich imk Einzel- und Massenmorde: in Sttoen, Jet es na. Ljala-Woda, Lasurs, Kurudjiewe, Gabrowzi, Lechffchewo. Lresnik. Radomir wird gemartert, einge- äschert, Blut vergossen. Im Dorf Ielesna begeht die Polizei Brandstiftungen und Massenvernichtungen, wobei der Gemeindevorsteher, ein 70jöhriger (Brei», grausam mißhandelt wurde. Ansang» August ist in Sofia der Arbeiter C h r i st o f f in seiner Wohnung durch Schlagrrnghiebe ermordet worden. Die Mörder sind.nicht ermittelt'. Am 5. September sind mehr als 400 junge Arbeiter darum oerhaftet worden(wie da» offizielle Regierungsorgan„Präpo- ret»' meldete), weil sie Vorbereitungen für einen Iugendtag gett offen und Aufrufe gegen den Raffonalismus verbreitet haben. Die faschistischen Offiziere haben auf ihrem letzten Kongreß die Re- gierung ausgesordert, die Jugend im nationalen haß, Chauvinismus, Kasernengeist und religiösem Obskurantismus zu erziehen. Jeder. der es wagt, die reaktionäre Poliffk der heuffgen Regierung nicht zu billigen, wird al» Kommunist und Verräter hingestellt, und das genügt, ihn außer Gesetz zu stellen. Darum verhastete man auch den 55jährigen Schriftsteller A. St r a s cht m i r o s f, der sein gan- zes Leben für den Ausbau der bulgarischen Raffonalkuttur gearbeitet hat: ober er fft kein Anhänger der Ljapffchess und Zonkoff. Er hat ihnen ins Gesicht geworfen, daß sie„ihr eigenes Bolk so hinge- schlachtet haben, wie e» die Türken nicht getan haben', daß sie da» Land in millrlalkerssche Dunkelheit stoße«. Die Regierung aber wirst den kranken Straschimirofs ins Ge- fängni»! Hunderte müsien den Weg durch die berüchffgten bulga. rischen Polizeiwachen nehmen, um nachher Invaliden zu bleiben. Andere kommen vor Gericht und werden in die Kerker geschickt. Wieder andere werden—„beim Fluchtversuch" für immer da» Land der Ljapffcheff-,. Demokratie" verlassen. Die bulgarischen Volksstudentenschaften appellieren an die fortschrittliche öffentliche Meinung Europas, eine mächtige Protest- welle zu organisieren, um die Abrechnung mtt diesen schamlosen und die Kultur schändenden Borgängen m Bulgarien zu erkämpfen? Schwere Anklagen gegen üie Reichsbahn. Auf dem Vcrbaudstag der Lokomotivführer. Dortmund. 17. September.(Eigener Drahtbericht.) Die General- Versammlung der Gewerkschaft deutscher Lokomotiosührer, die von über 1600 Funktionären und Vertretern ausländischer Bruder- organisationen beschickt ist, wurde durch eine bemerkenswerte Be- grühungsansprache des Vorsitzenden N e u m a n n eröffnet. Der Redner bedauerte, daß die Versuche, zu einein K a r t c l l v e r- h�ä l t n i s mit dem Zentralgewerkschaftsbund zu kommen, durch die Schuld der Gegenseite gescheitert seien. Trotzdem werde und müsse einmal diese Einheitsorganisation kommen. Schwere Kritik übte der Vorsitzende an dem Verhalten der Reichsbahngesellschaft gegenüber ihrem Personal. Die Reichsbahn berufe sich bei ihre» Maßnahmen auf die Bindung durch das Dawes-Gutachten. Dieses besagt aber, daß kein deutscher Eisenbahner schlechter stehen soll als ein solcher der Siegerstaaten. Die Reichsbahn hätte sich gegen die Dienstdaucrvor- schritten sträuben sollen, so aber treibe man Raubbau an Be- amten- und Arbeiterschaft. Der Vorsitzende W a r st e i n referiert« über die inneren Ver- haHpisse des Verbandes und über die Beziehungen des Personals Die kapitalistische Internationale. zur Reichsbahnverwaltung. Unter den diktatorischen Maßnahmen habe der Lokomotiosührerbund mit am meisten zu leiden. Man mag über die zahlreichen Unglücksfälle in der letzten Zeit denken, wie man will, das letzte Jahr wäre jedenfalls weniger unglücklich gewesen, wenn alte bewährte Einrichtungen nicht abgeschafft worden wären. Abgesehen von einer mangelhaften Lahnbewachung, ohne auf den Unglücksfall in Leiferde anzuspielen, sind uns Miß- stände bekannt, die unsere Auffassung bestätigen. Wir sind in der Lage nachzuweisen, daß auf der Strecke Ofsenburg— Basel der Oberbau sich in keinem guten Z u st a n d e befindet, wie das kürzlich von der Hauptverwaltung behauptet wurde. An einer Stelle konnte man vier Schwell enschrauben mit der Hand aus den Holzschwellen herausziehen und weitere acht mit bloßen Fingern lösen. Die Versammlung nahm dann den Bericht der Kommission über die Ein-Mann-Bcsetzung der elektrischen Lokomotiven ent- gegen. Die Reichsbahnverwaltung versucht bekanntlich die elektrischen Lokomot?ben mit nur einem Mann zu besetzen. Der ständige Be- glciter, der den Dampflokomotiven beigegeben ist, soll fortfallen. In einer sehr scharfen Entschließung wurde die Maßnahme der Reichs- bahnoerwaltung wegen der durch sie bewirkten Gefährdung des Betriebes und des Publikums entschieden zurück- gewiesen. Im weiteren Verlauf der Verhandlung wurde über die D i e n st- bau er geklagt. Die Generalversammlung nahm zu den Dienst- zeitfragen eine Entschließung an, in der von Reichsregicrung und Reichstag dringend gefordert wird, den Achtstundentag für das gesamte Zugbeförderungs- und Maschinenpcrsonal g e s e tz l i ch f e st- u l e g e n und das Washingtoner Arbeitszeitab- ommen zu ratifizieren. Die Generalversammlung stellt fest, daß die laut Schiedsspruch vom 13. März 1925 angeordneten Nachprüfungen der Dienstdauer des Reichsbahnperso» »als beendet sind. Die Nachprüfungen haben ergeben, daß wesent- liche Erleichterungen in den Dienstverhältnissen möglich sind, ohne die Wirtschaftlichkeit der deutschen Reichsbahn zu gefährden. Trotzdem steht die Hauptverwaltung den berechtigten Forderungen größtenteils ablehnend gegenüber und verschiebt die Verhand- lungen unnötig. Hiergegen erhebt die Generalversammlung schärfsten Protest und fordert, daß diese Verhandlungen bald zu einem befriedigenden Abschluß geführt werden. Das Lokomotiopersonal hat in aller Oeffentlichkeit erklärt, daß es bei den jetzigen Dienst- Verhältnissen keine Verantwortung für die Betriebs- s i ch e r h e i t bei der Deutschen Reichsbahn tragen könne. Im weiteren Verlaus der Entschließung bittet die Versammlung alle maßgebenden Instanzen, mit beizutragen zur Hebung der Betriebs- ficherheit, um dadurch die Reisenden zu schützen. Eine weitere Ent- schließung wendet sich gegen das Prämien- und Zulage- system, dos als unmoralisch zurückgewiesen wird. i verhanülungen im englischen Streik. Die Vermittlungsaktion der Regierung. London, 17. September.(Eigener Drahtbericht.) Nachdem der englische Ministerpräsident Baldwin am Morgen den Präsidenten der Gnibenbesitzerorganisationen für eine Stunde empfangen hatte, begann er um 11% Uhr mit den Vertretern der Bergarbciterschaft zu verhandeln. Di« Besprechungen zogen sich mit einer kurzen Mittagspause bis in die späten Abendstunden hin. Nach Abschluß der Besprechung faßte Baldwin seine Vorschläge in einen an die Exekutive des Bergarbeiterverbandes gerichteten Brief zusammen. Zur Stunde ist über den Inhalt des Briefes nur soviel zu ersahren, daß Baldwin eine provisorische distriktweise Rege- lung des Arbeitsverhältnisses im Bergbau bis zur gesetzlichen Schaffung eines Schiedsgerichtes auf zentraler Basis vorschlägt. Ueberall dort, wo die Distrikroerhandlungen eine mehr als siebenstündige Arbeitszeit vorsehen, soll ein Appell an das Schiedsgericht möglich sein. Baldwins Vorschläge wurden im Berg- arbeiterverband als außerordentlich befriedigend bezeichnet. Wie Cook der Presse mitteilt, wurde die gesamte Bcrgarbeiterexekutive für Montag nachmittag zur Entscheidung über Baldwins Vorschläge einberufen. Sie Hilfsaktion. Beim Generalrat der britischen Gewerkschaften sind am Donnerstag weitere 7000 Pfund Sterling vom Internationalen Gewerkfchaftsbund für die Bergarbeiter eingelaufen. Der Inter- nationale Gcwerkschaftsbund hat damit 16 000 Pfund in den letzten drei Wochen gesandt. In seinem an den Sekretär des Jnternatio- nalen Gewertschaftsbundes gerichteten Dantbriefe stellt der Generalsekretär der britische» Gewerkschaften fest, daß einschließlich der Berg- arbeirer und ihrer Familien zumindestens drei Millionen Personen dringend hilfebedürftig sind. Nach einer jüngst gemachten Schätzung bedarf es wöchentlich(in Goldmark ausgedrückt) einer Summe von 900 000 M., damit auch nur jede im britischen Bergbau beschäftigte Person wöchentlich eine einzige Vterdt Rekruten für das Heer der Arbeit! Goldmork erhält. Nachdem der Generalsekretär auch der Dankbarkeit der britischen Arbeiter für die selbstlosen Opfer Ausdruck gab, welche die kontinentale Gewerkschaftsbewegung aufgebrocht hat, bat er den JGB. dringend, seinen Appell an alle angeschlossenen Organi- � sationen zu erneuern und seinen Mitgliedern die Notwendigkeit regelmäßiger täglicher oder wöchentlicher Beitragsleistungen für die britischen Bergarbeiter vor Augen zu führen. tfa Schieösfpruch für Sie SchwerinöuftrieUen. Die Arbeiter lehnen ihn ab. E f f e n, 17. September.(Eigener Drahtbericht.) In der Schtichtungsverhandlung am Freitag für die Lohn- und Arbeitszeit- rrgelung in der Metallindustrie Nordwestliche Gruppe, die die Betriebe von Hamm bis Düsieldorf umfaßt, wurde mit den Stimmen der Unternehmer folgender Schiedsspruch gefällt: 1. Das Lohnabkommen wird ab 1. Oktober 1926 u n- verändert wieder In Kraft geseht und kann erstmalig gekündigt werden am 1. Mai zum 31. Mai 1927. 2. Das Arbeitszeit- abkommen wird ebenfalls unverändert ab 1. Oktober 1926 wieder In Kraft geseht und kann erstmalig gekündigt werden am IS. Juni zum 31. Juli 1927. 3. Die Erklärungssrist läuft bi» zum 18. September, mittags 12 Uhr. Die Metallarbeiterverbände haben den Schiedsspruch sofort abgelehnt. Schieösfpruch für öie Hamburger Hafenarbeiter. Keine Lohnerhöhung. Hamburg. 17. September.(Eigener Drahtbericht.) Nachdem am Mittwoch durch den Hamburger Schlichter für die Werftarbeiter ein Schiedsspruch gefällt worden war, wurde am Donnerstag durch den Hamburger Schlicht'— isausschuh auch im Lohn- und Tariskamps der Hamburger Hos>' rbeiter eine Entscheidung gefällt. Auch diese Entscheidung i�urde unter Stimmenthaltung der beiden Bei- sitzer nur mit der Stimme des Vorsitzenden getroffen. Die Lohn- abbauanträge der Unternehmer wurden zwar abgelehnt, ab- gelehnt wurde aber auch die Forderung der Hafenarbeiter auf Er- h ö h u n g der Löhne. Im übrigen bringt die Entscheidung eine ganze Reihe Aenderungen zu dem umfangreichen Tariswerk über die Ar- beitsverhältnisse im Hamburger Hafen, zu denen die Organi- sationen noch Stellung nehmen müssen. Beide Parteien haben sich daher eine Erklärungsfrist bis zum 21. September ausbedungen. Kvnögebung öer Sankangestellten. Für Achtstundentag und Gehaltserhöhung. Di« Ortsgruppe des Allgemeinen Verbandes der Bankangestellten veranstaltete gestern abend in den Kammersälen eine sehr zahlreich besuchte und außerordentlich eindrucksvoll verlaufene öffentliche Kund- gebung. In einem einleitenden Referat über die Gegenwart?- fragen der Wirtschafts- und Sozialpolitik führte Reichstagsabge- ordncter Genosse A u f h ä u s e r aus, daß trotz steigender Kon- junktur der soziale Druck fortbesteht. Die Gewerkschaften müssen fordern, daß die Rationalisierung nicht dazu benutzt werden darf, die Gewinne zu vergrößern, sondern daß sie die Produktion billiger gestalten muß. Die Großbanken, die immer vorschützen, das öffentliche Interesse zu vertreten, haben trotz der gewaltigen Erträgniffe, die sie erzielt hoben, nichts dazu getan, die Kaufkraft ihrer Angestellten zu stärken. Eine Wirtschaftspolitik kann heut« nur international unter dem Gesichtspunkt der einheitlichen euuopäischen Wirtschaftspolitik getrieben werden. Es muß verlangt werden, daß in dem aufgestellten Arbeitsbefchaffungs- Programm auch die A n g e st e l l t e n Berücksichtigung finden. Zu fordern ist eine zentrale Regelung der Ar beitsoermittlung, die Regelung des Erwerbslosenproblems mit Hilf« einer Arbeitslosenversicherung. Auch in der L o h n f r a g e und im Tarifrecht muß eine Reform eintreten und die Gewerk- schaffen müssen sich immer größeren Einfluß auf die Rechtsprechung verschaffen. Marx wies in seinem Referat auf die Notwendigkeit einer starken Organisation hin. Ueber die Forderung der Bank- angestellten sprach E m o n t s. Er wies darauf hin, daß durch die Furcht vor dem Abbau es den Banken möglich war, die Ar- beits- und Lohnbedingungen der Bankbeamten dauernd zu ver- schüchtern. Bei der Deutschen Bank z. B. werden zirka 18 000 Tarif- angestellte beschäftigt, deren Gehalt nur die Hälfte des Unkostenkontos ausmacht, während die andere Hälfte durch die Bezahlung der über- aus hohen Gehälter des Leitungsapparats in An- spruch genommen wird. Am Montag finden Schlichtungsverhandlun- gen statt. Es wird oerlangt werden, daß die Gehälter, die jetzt 110 bis 320 M." betragen, auf 150 bis 360 M. erhöht werden. daß im Betriebe wieder acht Stunden pro Tag gearbeitet wird und in den Maschinenabteilungen sieben Stunden. Gerade in bezug auf die Arbeitszeit herrschen in den Bankbetrieben schlechte Zustande. Es werden Ueber st unden geleistet, die n i ch t g e- za h l t werden. Die Angestellten drängen dazu, weil sie den Ab- bau fürchten. Einen gerechten Lohn, so führte Emonts aus. gibt es nicht. Die Bankangestellten haben den Lohn, den sie sich er- kämpfen. In einer e i n st i m m i g angenommenen Entschließung stellt der Verband fest, daß die grundsätzliche Anhängerschaft zum Achtstunden- wer zerbricht ihre Macht? Die Internastonale der Arbeit! � tag, welche deutsche Regierungsvertreter mehr als einmal bei � offiziellen Anlässen gefunden haben, in Wirklichkeit nicht vorhanden fein kann, denn sonst würden nicht vom Reichsarbeitsministerium ! bestellte Schlichter dem leistungsfähigsten Gewerbe, dem Bank- ! gewerbe, die 54stündige Arbeitsutoche auch ohne Entlohnung � der Ueberarbeit, als zu recht bestehend erklärt haben. Die Ent- schließung richtet zum Schluß einen Appell an die Bankangestellten, iich der freigcwerkschaftlichcn Organisation des Bankgewcrbes. dem Allgemeinen Verband der deutschen Bankangestellten, anzuschließen. Die Lage in Set SisenmSbclbranchc. Die in der Eisenmöbelbranche beschäftigten Arbeiter und Ar- beiterinnen hielten am Donnerstag abend im Dresdener Garten eine Versammlung ab, in der die wirtschaftliche Lage in der E"ei>- Möbelindustrie besprochen wurde. Genosse Fuchs, der das Referat hielt, gab einen Ueberblick über die Tarifbewegung i» der Branche und behandelte anschließend daran die wirtschostliche Lage. Danach besteht heute noch dos Lohnobkommen, das am 18. Mai 1925 abge- schloffen wurde. Die Organisation Hot wiederholt versucht, ein festeres Organisationsverhältnis in den Betrieben herzustellen, um dann einen Vorstoß gegen die Unternehmer zur Erreichung höherer Löhne zu machen. Leider wird von vielen Kollegen der Wert und der Zweck der gewerkschaftlichen Organisation immer noch verkannt. Die Unternehmer haben die Bedeutung des organisatorischen Zu- sommenfchlusses viel besser erkannt: sie legen nicht einen Pfennig von selbst zu: sie fühlen sich stark in ihrer Organisation.- Ihr Vorstoß gegen die Löhne der Eisenmöbelarbeiter tonnte abgewehrt werden, trotzdem sst höchste Wochsomtcit geboten, denn der Lohnabbau- gedante verläßt die Unternehmer nicht. Die wirtschaftliche Loge in der Eisenmöbelbranche hat sich gebessert. Im Anfang des Jahres 1925 herrschte Hochkonjunktur, dann trat eine Abschwächung ein, die zu teilweisen Betriebseinschränkungen führte: jetzt macht sich wieber eine Belebung bemerkbar. Die firmen sind mit Aul- trägen reichlich v e r s e h e n. fa. es ist der Organisation nicht unbekannt, daß verschiedene Firmen über Lagerbcstände überhaupt nicht verfügen: die Ware geht sofort an die Kunden ab, wenn sie fertig ist. Die Unternehmer sind also sehr wohl in der Lage, höhere Löhne zu zahlen.' �. In der Diskussion wurden die Ausführungen des Referenten durch Kollegen aus den Betrieben ergänzt. Es wurde bestätigt, daß die wirtschaftliche Lage der Branche sich jetzt bessert, die lliiter- nehmer gute Gewinne erzielen, stellenweise täglich 12 und 14 Stunden arbeiten lassen, und auch Sonntags der Betrieb nicht ruht. Die Unternehmer können mehr zahlen als jetzt, wo der Durchschnitts- akkordverdienst für Arbeiterinnen nur 43 Pf. pro Stunde beträgt. »l« Gemeinde- nn»«iantenebeitee de* S.««Wf» treffen N» orn Sonntag um U Uhr auf dem Nettelbeckplatz, Dahn Hof Wedding,»um Abmarsch nach der Achtung? �zf-nncree»am«etirk II Keule abend 7 Uhr findet unser- De- ,irk»v«rsammlung im Lata! non Rott, Siraßmannstr. 29, statt. Um vol�ähiigeZ Erscheinen wird ersucht. Die Bezlrk-leitung. Verantwortlich für Politik: Dr. Gurt Geqer: Wirtschaft: Artnr Saternn«; Eewerktchaftsbeweguna: I. Steiner: geuMeton: Dr. Iodn Schikowski: Lokales und Sonstiges: Frist»arstädt: Angeioen: St. Gloeke: sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Berlag G. m. b. K.. Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckerei und Berlagsonstalt Paul Singer u. Co.. Berlin Sffl S8, Linden straste 3. sie«,» 2 Beilagen und..llnterbaltuug und Wisten". Ein Würfel nur 4 Pfennig- Nr. 440 ♦ 43. Jahrgang 1. Seilage öes vorWärts Sonnabenü, IS. September 142S Die Hbchfthule ües öeutfthen Arbeitersports. Zur hentigen Eröffnung der Bundesfchnle in Leipzig. Die Geschichte des deutschen Ar. beiter-Turn- und Sport- b u n d e s steht in diesen Tagen vor einem Wendepunkt von großartiger Be. deutung. Heut« wird das neuerbaute Bundesschulgebäude in Leip. zig eingeweiht. Neben dem Bundesvorstand, den Behördenver- tretern und den taufenden Dereinen des Bundes wird die Arbeiterschast Deutschlands und der ganzen Welt an diesem Feste teilnehmen, die einen direkt, die anderen im Geiste, alle aber sicher in dem Bewußtsein, eine große Tat, eine Kulturtat vollendet zu sehen. Das neue Schulhaus. Auf dem zwischen Fichte- und Kant. straße in Leipzig gelegenen, käuflich erworbenen Grundstück wurde 1912 das Bundeshaus des Arbeiter. Turn- und Sportbundes er- richtet. Es besteht neben Wohnhäusern aus dem Geschäftshaus, in wel- chem sich die Räume der Organisation, des Berlags und der Druckerei befin- den. Als Uebungsraum wurde die 11X8 Meter große Turnhalle er- richtet, die auch gleichzeisig den Arbeits- räum des Bundestechniter» darstellte. Zu jener Zeit hatte die Organisation rund 1(59 000 Mitglieder. Da» Anwachsen der Mitgliederzahlen sowie die Aielgestaltigkeit der Betriebsweise oer- langten gebieterisch eine Aenderung der Baulichkeiten. Aus den kleinen Uebungstlassen heraus reifte 1922 der Plan, ein« eigene Schule zu errichten. Am 21. September 1921 wurde, nachdem der Bundestag in Kassel seine Zustlm. mung zum Bau der Bundesschule ge. geben hatte, der erste Spatenstich getan, und am 28. September 1924 fand im Beisein des Bundesvorstandes unter großer Beteiliguno der Leipziger Vereine die Grund st einlegung statt. Die Hauptmaste des Bau gel- des wurde aufgebracht durch die einge. gangenen Sonderbeiträge und durch die Ueberweisungen des Bundes und des Arbeiterturnoerlags. In diesem Zu- sammenhang sei auf einen Beschluß des Reichstags hingewiesen, aus dem hervorgeht, daß für den Bau des Deutschen Sportforums in Berlin be. reits eine Million Mark verausgabt worden ist. Ein von unserem Bundes- vorstand gestellter Antrag um einen Z u- schuß zur Bundesschule wurde zwar in der Form einer Resolutton dem Reichsministerium des Innern zur Er- ledigung überwiesen, von dem aber bis jetzt trotz mehrfach gegebener Ber- sprechungen noch kein Bauzuschuß überwiesen wurde. Das Gebäude umfaßt außer den Wohnungen des Schulleiters und Hausmeisters die sportliche llnlersuchung». und Deralungsstelle. hör- und Lehrsäle, Sitzungszimmer. Ausstellungsraum und Archiv. Bibliothek, photo- graphische» Atelier und serner Arbeitsräume für die technischen Bundesbeamlen und für die Lehrer der Schule. Im 3. und 4. Stock sind die Bäume für die Sursusteilnehmer mit Küche, Aufenthalts- räum und allen sonstigen Einrichtungen. Di« Uebungshalle ist 28 X 24 Meter groß. Das 13 X 8 Meter große Schwimmbecken steht mit einer Wasserreinigungs-, Chlor- und Wänneanlwze indirekter Verbindung, so daß durch ständiges Umstürzen des Wasiers seine Sauberkeit ohne weiteres gewährleistet ist. Sporthalle. Ruderlehrbecken und Uebungsplah vervollständigen die ganze Anlag«, die rund 2000 Quadratmeter bebaut« Fläche aufweist. Die Schassung einer eigenen Sportplatzanlag« wird die nächst« Ausgab« sein, die zur Bervollständigung des ganzen Werkes führt. Die Aus- bildung der Kursisten geschieht in kurz- und langfristigen Lehrgängen, die jeweils nach der Eigenort der Aufgaben berufen werden. Als Lehrer werden namhafte Führer aus allen Gebieten unterrichten. der Geschichte der Schule. Dreiunddreißig Jahre nach der Gründung des Bundes ist es ihm möglich, ein eigenes Lehrerbildungsinstitut in Betrieb zu nehmen. Wer die Geschichte des Bundes kennt, wird sich mit Stolz beiterspottler auch mit teilnehmen an den staatlichen Bildungslehrgängen, man stellte Plätze und Uebungshallen zur Berfügung und gewährte sinanzielle Bei- Hilfe. Geben wir ruhig zu, daß das in der ehrlichen Absicht geschah, die Ar- beitersportbewegung als staatswichtig anzuerkennen und zu fördern. Eins ist seitdem aber unverkennbar: die neuen Massen, die uns zugeströmt sind, haben zum weitaus größten Teil den tiefe- ren Sign des Arbeitersports noch nicht begriffen. Unsere Uebungsleiter, die früher mit 18 Jahren ganz selbstverständlich der Sozialdemo- kratischen Partei angehörten, vergessen das heute sehr oft. Aus alledem ergibt sich die Naturnotwendigkeit, daß unsere Bundesschule Uebungsleiter heranbildet, die neben technischer Tüchtigkeit auch wissen, daß sie als Arbeitersportler für den Sieg des Sozialismus tätig sein müssen. Nicht nzit lautem, aufdring- lichem Phrasengeschrei, aber in stiller per- sönlicher Ausklärungs- und Werbearbeit. Darin liegt die ideelle Bedeutung un- serer Bundesschule. Der Sternlauf. Den Höhepunkt der aus Anlaß der Einweihung der Leipziger Bundesschule allerorts stattfindenden sportlichen Ber- anstaltungen bedeutet zweifellos der Sternlaus der Arbeltersportler nach Leipzig. Er stellt nicht nur eine außer. gewöhnlich« sportliche Leistung dar, sondern ist gleichzeitig die denkbar großzügigste Propaganda für die Arbeitersportbewegung. In diesem Stafettenlauf werden Arbeitersportler schon Tag« zuvor, Tag und Nacht, durch verschiedene Landesteile die Stafetten- stäbe mit den Glückwunschschrei- b e n der Kreise des Bundes und des Auslandes von Mann zu Mann tragen, um rechtzeittg zur Bundesschul- einweihung einzutreffen. Sieben Läufe sind vorgesehen. Der e r st e L a u f be. gann bereits am Sonnabendnachmittag, von Linz(Oesterreich) aus: die Ge- samtstrecke von Linz bis Leipzig beträgt 1123 Kilometer, Laufzeit von der Zug. spitze bis Leipzig 48>4 Stunden. Dar z w e i t e'L a u f beginnt in der Schweiz.. Die Hauptfront des Hauses in der Fichtestraße zu Leipzig. erinnern, wie sofort nach der Gründung des Bundes die„Techniker" daran gingen, in eigener Weise System, Methode und Uebungs- spräche zu vereinheitlichen und zu verbessern. Jeder der damals tonangebenden bürgerlichen Turnlehrer hatte sein eigenes Turnbuch mit eigener Methode und eigener Uebungsbezeichnung. 1893 fand dann der erste Bundeslehrgang in Gera statt. Die Idee einer eigenen Schule wurde schon damals besprochen. Vom Lehr- gang in Gera entwickelte sich unsere technische Sonderstellung gegen- Der Hörsaal. Die Rückansicht. über der Deutschen Turnerschast immer deutsicher. Und während die Deutsche Turnerschast noch lange Jahre um Einheitlichkeit in der Uebungsfprache mit ihren„Größen" rang, hatten die Ar- b e i t« r turner in aller Stille ihr erstes Lehrbuch, den„Ratgeber für angehende Vorturner", fertiggestellt. 1908, 1910, 1912 und 1914 bereits holten wir die Kreisturnwarte zu praktischer theoretischer Arbeit zusammen. Diese„B u n d e s k u r l e" bedeuteten damals außerordentlich viel. Man begann bereits über den rein technischen Rahmen hinaus auch alle Möglichkeiten zu prüfen, wie unsere Tech- niker und Iugendführer neben und mit ihrer rein technischen Tätig keit in feinsinniger Weise auch die ideellen Ziele der Arbeiter-Turn- und Sportbewegung pflegen können Man hatte ganz richtig schor. damals erkannt, daß der bloße Name Arbeitersportler und allein d» Absonderung von den Bürgerlichen ganz zwecklos ist, wenn nichi mit dem Namen und dem eigenen Verband die geistige Veeinflussun,: im sozialistischen Sinne einhergeht. Die Vorturner und Uebungsleiter hotten tausend Möglichkeiten, die Jugend für den Sozialismus zu gewinnen Das wußten unserer damaligen Feinde ganz genau darum bekämpften sie ja auch die Arbeiterturner auss heftigste. Das war bitter für die Bettossenen. aber der Sache hat es genützt. Man sah die klare Linie: Hier A r b e i t e r s p o rt. der dem Sozialis. mus die Bahn bereiten will, dort bürgerlicher Sport, der dem Nationalismus dient. Nach der Staatsumwälzung stellten sich unsere ehemaligen ofsenen Feinde anders ein. Man ließ die Ar- Der Start des dritten Laufs ist in Frankreich. Der Weg führt über � Belgien nach Aachen, wo am 18. tember nachts 2 Uhr die Uebergabe an die deutschen Arbeitersportler stattfindet. Die Strecke von Aachen bis Leipzig betrögt 69S Kilometer, Lauszeit 36 Stunden. Bon Apenrade(Dänemark) nimmt der vierte Lauf seinen Ausgang. Gesamtstrecke 690 Kilometer, Lauszeit 26 Stunden. Der fünfte Lauf dehnt sich über die w e i t e st e Landesstrccke aus. Er beginnt in Riga(Lettland) und führt über Tilsit— Königsberg— Danzig— Lauenburg— Stolp— Belgard— Stettin— Berlin— Jüterbog— Torgau— Leipzig. Die gesamte Strecke ist 1178 Kilometer lang, Lauszeit 71 Stunden. Bon Breslau stattet der sechste Laus, der siebente Lauf stattet in klagen surth(Oesterreich). In Leipzig führt der Lauf am Volkshause und dann am Bundes- bause vorbei. Am Bundeshause übernehmen die anwesenden Schluß- läuser der Kreise die Kreisurkunden und lausen zum Vorwätts- sportpark, wo die Stäbe geöffnet und die Urkunden oerlesen werden. * Mit der Einweihung der Dundesschule eröffnen sich für die Arbeitersportler ungeahnte Aussichten, über deren Ausmaß heuie fast nur prophetisch gesprochen werden kann. Fest steht: der Bund hat sich durch die Errichtung der � Schule freigemacht von allen bürgerlichen Ausbildungsmöglichkeiten und hat sich dabei leiten lassen von der Idee Karl Marx': Die Befreiung der Arbeiterklasse kann nur ihr eigenes Werk fein. Die Bundesschul« ist das lebendigste Beispiel des Opfersinnes und der Solidarität. Möge der Bau bis in ferne Jahre ein stolze» Wahrzeichen der Arbeiterschaft und im be- sonderen des Arbeitersports sein. x —-— Das Schwimmbecken. Der letzte Tag im Moröprozetz Schröder. B. S. Magdeburg, 17. September 1926. In dem weiteren Verlauf der Verhandlung gegen Schröder er- klärte der Oberstaatsanwalt Rasmus plötzlich: Mir wird hier ein Schreiben vorgelegt, in dem Herr Fabrikant. Haas vernommen zu werden wünscht. Herr Haas will bekunden, daß er Schröder zum erstenmal bei der Gegenüberstellung im Gefängnis kennen gelernt, daß er ihn vorher niemals gesehen oder in Beziehungen zu ihm gestanden hat. Bei den mysteriösen Andeutungen, die Schröder heute ivicder gemacht hat, benenne ich Herrn Haas selbst als Zeugen, um endlich mit dem immer wieder genährten Verdacht der Mittäter- schaft oder der Anstiftung gegen Herrn Haas endgültig aufzuräumen. R.-A. Dr. Z a e p e r: Dann beantrage ich, Herrn Kriminalkommissar t e n Holt als Zeugen darüber zu hören, daß trotzdem schon vor dem Fall Helling-Schröder Beziehungen zwischen Herrn Haas und Herrn Schröder bestanden haben.— Vor Diesen Antrag müssen Sie näher begründen, denn der Angeklagte hat doch selbst immer wieder zugegeben, daß er allein als Täter in Frage komme. Sodann erstatteten die Sachverständigen ihre Gutachten. Zu- nächst berichtete Medizinalrat Dr. Thomas-Magdcburg über den Zustand, in dem die Leiche Hellings gefunden wurde. Ja dem Schädel worden zwei kugeln gesunden. die offenbar nur geringe Durchschlagskraft gehabt haben. Die ver- suchte Verbrennung mit so primitiven Mitteln sei sinnlos und ein Zeichen erheblicher Verwirrung und Aufregung. Das gleiche gelte für die Längsschläge an den Gliedmaßen der Leiche. Die Ver- wirrung beziehe sich auf die Zeit nach der Tat. Mcdizinalrat Dr. Boretius- Magdeburg äußerte sich über die Feststellungen, die hinsichtlich der Geistesverfassung der Eltern und Großeltern Schröders getroffen wurden. Der Vater, c i n T r i n t e r, der in der Trunkenheit durch Sturz von der Keller- treppe verunglückte.' Schröder oerfüge über eine erstaunliche Intelligenz und logisches Denken. Das innige Ver- hältnis zu seiner Mutter beweise, daß auch das ethische Gefühl bei ihm ausgebildet sei. Der Angeklagte habe eine starke Suggestiv- kraft. Er habe zu jedem Zeitpunkt das Strafbare seiner Handlungs- weise voll crmessen können. Eine nennenswerte Verminderung seiner geistigen Kräfte läge nicht vor. Zusammenfassend erklärte Dr. Boretius, daß§ 51 bei Schröder keineswegs zutreffe. Auf eine Frage des Verteidigers, ob der Mord im Affekt geschehen sein könne, antwortete der Sachverständige ablehnend. Das Gericht zog sich hierauf zu einer längeren Beratung zurück. Nach Wiedereröffnung der Verhandlung verkündete Landgerichts- direktor Dr. Löwenthal, daß das Gericht beschlossen habe, die Zeugin Hildegard Götze nicht zu vereidigen, da sie der Teilnahme verdächtig sei. Das Gericht habe beschlossen, den Fabrikanten Rudolf Haas und den Kriminalkommissar ten Holt zu oernehmen, um ihnen Gelegenheit zu einer Rechtfertigung zu geben. In der Nachmittagsverhandlung wurde unter ollgemeiner Spannung der Fabrikant Rudolf Haas als Zeuge aufgerufen. Haas, ein uMerfetzter jüngerer Mann mit gesunder Gesichtsfarbe wurde vom Vorsitzenden zunächst darauf aufmerksam gemacht, daß er auf Fragen, durch deren Beantwortung er sich einer strafrechtlichen Verfolgung aussetzen würde, die Auskunft verweigern dürfe. Dann fuhr Landgerichtsdirektor Dr. Löwenthal fort: Sie waren in diese Sache verwickelt und haben eine ganze Zeit in Untersuchungshaft gesessen. Wollen Sie mir sagen, wie Sie in sie hineingekommen sind? Zeuge Haas: Ich bin am 18. Juni d. I. von Kriminal. kommissar ten Holt verhaftet worden. Bei meiner Vernehmung wurde mir gesagt, ich sei wegen der Sache Helling festgenommen, und bei weiteren Verhören ließ ten Holt durchblicken, daß Helling eventuell als Zeuge in einem Steuerverfahren gegen die Firma Haas hätte auftreten sollen. Vors.: Sie sind dann Schröder gegenübergestellt worden und haben erfahren, was er von ihnen behauptete? Zeuge Haas: So war es nicht ganz. Bei der Gegenüber- stellung hat der Untersuchungsrichter Kölling den Schröder gefragt, ob ich Haas fei. Schröder antwortete: Za. da» ist.Adolf". Er behauptete dann auch, daß ich bei ihm in Groß-Rottmersleben gewesen sei und erklärt habe, zuerst seien die Schecks herange- kommen, jetzt kämen auch die Uhren Hellings heran. Vors.: War Ahnen bekannt, daß Schröder Sie als den An- stifter bezeichnete? Zeuge Haas: Jawohl, das habe ich dann erfahren. Vors.: Der Angeklagte behauptet jetzt, daß er etwas Unrichtiges gesagt habe, er sei aber nicht derjenige gewesen, der Sie bineingebracht habe, er hätte Sie nur zu seinem eigenen Schutz nicht herausgebracht aüs der Sache. Er behauptet auch, daß Sie an dem Mord beteiligt seien, er will Sie aber kennen und mit Ihnen in irgendwelcher Verbindung gestanden haben. Sagen Sie mir zu- nächst: Wissen Sie etwas von dem Mord an Helling? ZeugeHaas: Ich wußte von dem Mord an Helling nichts. Ich habe nur über fein Verschwinden das gehört, was in der Zeitung stand. Erst vier Wochen vor meiner Verhaftung habe ich von dem Mord erfahren und auch gehört, daß mir eventuell die Verhaftung bevorstehe. Später hat es mir denn auch ten Holt vorgehalten. Vors.: Sind Sie vor dem Mord jemals mit Schröder zu- fammengewefen? Zeuge Haas(sehr entschieden): Nein, niemals. Ich habe Schröder zum ersten Male bei der Gegenüberstellung gesehen. Ich bestreite sehr entschieden, ihn jemals vorher gesehen zu haben. Ebenso habe ich nie eine Verbindung mit ihm gehabt. Vors.: Angeklagter Schröder, wollen Sie selbst eine Frage an Herrn Haas richten? Angekl.(ziemlich zögernd): Nein, ich habe ja gesagt, daß Haas mit dem Mord nichts zu tun hat. Ich gebe weiter keine Er- klärung ab. Vors.(sehr ernst): Angeklagter, Sie haben Ihre Mutter fahr- lässig getötet und trotzdem haben Sie den Mut aufgebracht, noch ein Menschenleben auszulöschen. Es wäre geradezu ungeheuerlich, wenn Sie jetzt gar einen Schuldlosen in irgendeinen Verdacht bringen würden. Sie müssen den Mut haben, der Wahrheit die Ehr« zu geben. Angekl.(sichtlich nervös): Aber ich habe doch gesagt, daß Haas mich nicht angestiftet hat, noch daß er an dem Mord beteiligt war. Das muß doch genügen. Vors.: Sie haben aber behauptet, Sie kennen Herrn Haas. Angekl.: Daß Haas mich kennt, habe Ich nicht behauptet. (Große Entrüstung im Zuschauerraum, der Vorsitzende rügt das scharf.) Der Angeklagte fährt fort: Aber ich, ich kenne Herrn Haas, weiter will ich nichts erklären. R.-A. Z a e p e r(zum Zeugen): Es ist doch ein merkwürdiger Zustand, daß gerade Helling an dem Tage ermordet wurde, als er vor dem Steuerinspektor Liebing als Zeuge bestellt wurde. Zeuge Haas: Das habe ich vorher gar nicht gewußt, das habe ich erst später erfahren. Vors.: Nach den Akten haben Sie am 8. Juli von diesem Steuerverfahren erst etwas gehört. ZeugeHaas: Jawohl, um der Wahrheit die Ehre zu geben, muß ich allerdings feststellen, daß wir zu unserer großen Ueber- raschung schon vierzehn Tage vorher in einem Schriftsatz dunkele Andeutungen darüber erhielten. R.-A. Z a e p e r: Es ist doch von Ihrer Seite auch der Antrag gestellt worden, Zeugen darüber zu vernehmen, daß Helling noch lebe, während er wirklich schon ein Vierteljahr tot war. Zeuge Haas: Ten Holt hat mir bei der ersten Vernehmung gesagt, er wisse gar nicht genau, ob Helling tot sei. Vielleicht sei er in der Tschechoslowakei. Vors.: Nach den Akten haben sich tatsächlich Zeugen gemeldet, die Helling noch lange nach seinem Tode gesehen haben wollen. Dann war die Vernehmung Rudolf Haas' beendet und der Vor- sitzende ließ den Kriminalkommissar ten Holt als Zeugen ausrufen. Vor der Tür des Schwurgerichtssaales hatte sich inzwischen ein Spalier von Publikum gebildet, so daß ten Holt bei seinem Auf- ruf ironisch sagte, ob er hier vielleicht Spießruten lausen müsse. Die Vernehmung des Kommissars ten Holt war nur kurz. Der Vorsitzende fragte ihn, ob er Material hätte, um erklären zu können, daß der Fabrikant Haas an dem Morde beteiligt sei. Kriminalkommissar ten Holt gab jedoch ausdrücklich die Versicherung ab. ihm seien keinerlei Talsachen betannl. außer denen, die er von Schröder erfahren habe. Damit war die Ver- nehmung ten Holt? beendet. Dann erhielt Dr. M a r c u s e- Berlin das Wort zu seinem psychiatrischen Gutachten, in dem er zu dem Schluß kommt, daß der Angeklagte weniger intelligent, als an- passungsfähig mit snobistischem Einschlag sei. Eine wesentliche Herabminderung seiner Zurechnungsfähigkeit fei jedoch nicht vor- banden und 8 51 sei überhaupt nicht anwendbar. Auf weitere Zeugenvernehmungen wurde verzichtet und die Beweisausnahme geschlossen. Oer Gberftaatsanwalt beantragt Todesstrafe. Darauf ergriff Oberstaatsanwalt Dr. Rasmus das Wort zur Anklagered«. Er wies auf das riesige Aufsehen, auf dem leidenschaftlichen Pressestreit hin, den dieser Fall im ganzen Reiche hervorgerufen hat. Deswegen fei der Tag der Hauptoerhandlung herbeigesehnt worden, weil er Klarheit bringen sollte. Erst als die Braut des Angeklagten Ausschluß gab, kam die Untersuchung in die richtige Bahn. Ich habe dann sofort die Berliner Beamten Dr. Rio- mann und Braschwitz nach Köln geschickt, um bei der Götz« Haus- suchung vorzunehmen und sie nach Magdeburg zu bringen. Schon unterwegs legte sie«in Geständnis ab, das sie dann in Magdeburg wiederholte. Ich war von ihrer Glaubwürdigkeit so überzeugt, daß ich sofort die Aufhebung der Haftbefehl« gegen Haas, Fischer und Reuter beantragte, was auch erfolgte. Ich stehe nicht an, von dieser besonderen Stell« aus zu erklären, daß auch nicht die Spur eines Verdachtes gegen Haas und die anderen mehr besteht. Wer das nicht glaubt, der kann oder will nicht belehrt werden. Und das Letztere ist das Schlimmste! Der Anklagevertreter legt« dann zunächst die juristischen Voraussetzungen für einen Mord dar, der automatisch die Todesstrafe auslöse. Dann befaßte er sich eingehend mit dem Hergang der Tat, wie ihn die Beweisaufnahme ergeben hat. Oberstaatsanwalt Dr. Rasmus schloß sein Plädoyer mit den Worten:„Der Angeklagte ist de» INordes schuldig und ich fordere von Ihnen, meine Herren Geschworenen, seinen Kops.(Be- wegung.) Die Welt hat an diesem Menschen nichts verloren, wenn er ausgetilgt wird. Ich erinnere Sie, daß gut« und tapfer« Menschen in den Jahren des Krieges schuldlos sterben mußten. Ich beantrage gegen Schröder die Todesstrafe. Bezüglich der Verleitung zum Meineid an Hildegard Götze beantrag« ich«in« Zuchthausstrafe von 1 Jahr und 6 Monaten, wegen Scheckschwindeleien eine Ge- sängnisstras« von 6 Monaten, umzuwandeln in 4 Monate Zuchthaus, so daß«in« Gesamtstrafe von 2 Jahren Zuchthaus und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit beantragt wird." Nach einer kleinen Pause hielt dann der Offizialverteidiger. R.-A. Zaeper-ZNagdeburg, sein Plädoyer. Er nahm zu den Angriffen Stellung, die von einem Teil der Presse gegen die Unabhängigkeit der Richter und der Justiz erhoben worden seien. Dann ging der Verteidiger aus die Tat des Angeklagten ein, die unbedingt zu verdammen sei und von keinem anständigen Menschen vertreten werden könne. Zweifelhaft sei nur, ob es sich um Tot- schlag oder Mord handele. In längeren Ausführungen suchte der Verteidiger darzulegen, daß Schröder den Helling nicht mit Ueberlegung niedergeschossen habe, daß also nur Totschlag in Frage kommen könne. R.-A. Jaeper oertrat die Ansicht, daß Schröder die Tat infoig« seiner vollkommenen Hemmungslosigkeit be- gangen und den Mord in einem Augenblick vollbracht hat, in dem ihn jede Ueberlegung verlassen habe. Der Verteidiger bat die Ge- schworenen, nicht auf die Todesstrafe zu erkennen und mildernde Umstände zuzubilligen. Der Angeklagte Schröder betont« dann im letzten Work«nt- schieden, daß die finanziell« Not ihn zu der Tat gezwungen hätte. „Feige," so erklärt« er,„bin ich bei dem Morde nicht gewesen. Auch habe ich nicht aus Feigheit den Fluchtversuch unternommen. Vielmehr hatte ich Bedenken, mich in Magdeburg dem Gericht zu stellen, denn ich fürchtete, hier nicht objektiv behandelt zu werden. Ich habe immer mit der Person des„großen Unbekannten" operiert und mich selbst damit gemeint. Lediglich meine Braut wollte ich schützen, solang« es ging. Das ist mein Leitmotiv gewesen. Ich bin wirklich nicht der verstockt« Lügner, als der ich hier hingestellt wurde, und, angesichts der drohenden Todesstrafe erklär« ich Ihnen: Ich habe keineswegs «ine Verleitung zum Meineid oersucht. Ich habe das schwerste Der- brechen begangen, dos nach dem Slrasgcsetzbuch mit dem Tode be- straft wird, und muh sterben. Das sehe ich ein. Ich hätte hier ja eine Komödie vorspielen können, aber, wie Sie sehen, habe ich Ihnen nichts vorgeheuchelt. Sie werden über meine Ruh« erstaunt gewesen sein, aber bedenken Sie, daß ich zahllose Male in meiner sieben. monatigen Untersuchung vernommen worden bin. Das hat mich abgestumpft. So konnte mich auch der Strafantrag nicht erschüttern. Ich bitte nochmals, beurteilen Sie mich objektiv, obwohl dieser Pro- zeß große Schatten vorausgeworfen hat, und jeder von Ihnen sich wahrscheinlich ein« wüste Meinung zu meiner Ungunst'gebildet hat. Prüfen Sie, mein« Herren, ob ich mein Leben verwirkt habe!" -i- t Nach kurzer Beratung fällte dann das Gericht das an anderer Stelle wicdergegebene Urteil. Der Weg des blinden Bruno. Roman von Oskar Baum. Morgengrauen liniierte durch Rollvorhänge das lang- gestreckte schmale Schlafzimmer. Frau Görnitz glitt vom Bett und zog sich geräuschlos an. Ihr Mann schlief so ruhig! Spät abends war er abgespannt und zerärgert aus einer Sitzung gekommen: da hatte sie ihm die Nachtruhe nicht nehmen wollen. Und so hatte sie einsam gewacht und geweint die langen Stunden der Dunkelheit. Erschrocken riß er jetzt die Decke weg und sprang auf den Bettvorleger:„Wie spät ist es schon?" Er wußte, daß seine Frau ihn eher die Schule versäumen ließe, als ihn zu wecken. „Noch Zeit, Paul!" Sie atmete tief.?jetzt mußte sie es ihm sagen. Mechanisch strich sie mit der Hand über eine Ecke des Toilettentischchcns vor sich. Die runde, glatte Fläche tat ihren Fingern wohl:„Du, Dr. Glaser war noch gestern abend hier." „Na, warum?" � „Ohne, daß ich ihn hätte rufen lassen!" „Was wollte er denn?" Mit schwerem Herzen sah sie seine unachtsamen, eiligen Bewegungen, in denen er sich beim Sprechen nicht unterbrach. Die Wichtigkeit, die das Anziehen, die Schule, die Uhr hatte, war heute so schrecklich! War sie nicht im Begriffe, einen ahnungslosen Menschen hinterrücks mit einer Mordwaffe zu überfallen, die ihm alle Freude seines weiteren Lebens ab- schneiden mußte? Es würgte sie, die Wangen zuckten, aber sie tonnte sich noch beherrschen:„Es betrifft den Kleinen!" „Bruno?" Professor Görnitz ließ den Schuh fallen, den er eben anziehen wollte. Er wandte sein erschrecktes Gesicht nach ihr. Sie konnte es nicht ansehen. Krampfhaftes Schluchzen schüttelte sie und einiges, das sie sagen wollte, wurde von ihren unregelmäßigen Atemstößen zerrissen: es klang er- barmungswürdiger in seiner Unverständlichteit. Er stand auf und ging um die Betten, den Tisch und die Stühle, aber als er bei ihr war, nahm er sie nicht in die Arme, sie zu streicheln.„So rede doch! Du folterst mich!" Es klang fast roh in seiner dringenden nervösen Unruhe. Und er wußte doch, was sie ihm sagen würde: er mußte es doch w'ssen! Ihr jüngstes Kind, das dritte, der Knabe Bruno, erst wenige Monate alt, war blindgeboren. Der Arzt hatte anfangs nur den Vater vom vollen Um- fang der Wahrheit unterrichtet. Lorenz und Melli, die schon halb erwachsenen Geschwister und die Mutter ahnten es nur. Das Unglück, das so ganz unerwartet, ganz unmöglich schien, drängte sich zwischen die Glieder der kleinen Familie, rückte sie voneinander. Keines getraute sich, mit dem anderen mehr als nötig zu reden. Jeder beobachtete sich genau und fürch- tete, den anderen jetzt zu lustig, dann wieder zu traurig zu scheinen. In jedem harmlosen Satz fühlt« man eine An- deutung. Es hing so schwer und dicht über ihnen! Wußten sie ja, morgen, nächste Woche oder in einem Monat wurde es von ollen beim Namen genannt, besprochen und die lastende Beklemmung würde sich von ihnen nicht mehr rühren. Brunos Augen waren klar, und wenn auch ohne viel Bewegung, nicht ganz ohne Ausdruck. Wenn ein Geräusch an sein Ohr drang oder wenn er beim Erwachen die Lider hob, hätte man schwören können, daß er einen ansah. Jeder Schrei des Säuglings, jedes Wimmern erfüllte die kleine Wohnung hoch oben in der vierten Etage mit Angst und Aufregung. Als er an einem Darmkatarrh erkrankte, zitterten alle, waren übermäßig besorgt, und jeder hielt gequält die Möglichkeit von sich fern, er könnte es ganz tief im Herzen irgendwo vielleicht für besser ansehen, wenn er stürbe. Er wurde aber ein kräftiger Knabe voll Leben und Ge- sundheit. Fühlte er sich wohl— und das war sehr oft— schlug er Hände und Beine ohne Rhythmus wild in den Raum und gurgelte dazu feine, weiche, rollende Laute, �schon ganz menschliche, keinem mechanischen Geräusch oder Tierlaut auch nur im Entferntesten mehr zu vergleichen. Größtes Glück, wenn hierbei die Silberrassel an ihrem langen Faden über dem Bett ins Baumeln kam. Augenblicklich hielt er still, in welcher Lage die Glieder auch gerade waren, und lauschte mit verzücktem stummen Lachen dem laut aufklirrenden und immer leiser verschwindenden Klingeln. Und nicht, nein, gar nicht lange dauerte es und er hatte den Zusammenhang zwischen seinem Strampeln und dem Klingeln heraus. Frau Görnitz behauptete überhaupt und belegte es mit Beweisen genauester Daten, daß keines ihrer älteren Kinder so rasch sich entwickelt habe. Wurde er zu Ende der grausamen vier Stunden zwischen den Mahlzeiten ungeduldig, und die Mutter betrat nur sein Zimmer— der Hunger dauerte ja noch immer kort— verwandelte sich schon sein Weinen in übermütige Schreie und Lachen und er zappelte so glücklich mit allen Vieren, daß sie ihm d'e Flasche kaum zum Munde brachte, ohne zu verschütten. Die Menschen, wie sehr auch Staunen und scheue Er- regung sie bewegte, sprachen nie miteinander über das Wunder, das da zwischen ihnen geschah: daß es Mutters Schritt war, den er erkannte, daß ihn ihre Stimme beruhigte, wenn er sie im Nebenzimmer hörte Jede Berührung bedeutete für Bruno eine Ueberrafchung, Schrecken. Oft bei einem Kuß fuhr er zusammen und begann zu weinen. Die plötzliche Begegnung seiner Wange oder Stirn mit einem feuchtwarmen Druck, wenn er ahnungslos dalag! Zuweilen war er so reizbar, daß er schon in Erregung geriet, wenn man sich zu ihm niederbeugte. Es war wie ein Schatten, der sich über ihn legte, noch ehe er den fremden Atem an sich vorbeistreichen fühlte. Und derlei mußte sich nur immer mehren. Die Mutter gewöhnte sich wohl, ihn anzureden, ehe sie ihn auf- oder zu- deckte, ihn trocken legte. Aber er verstand ja die Worte nicht. Hierin besserte sich vieles, als er an Stuhlbeinen. Sofa- ecken und Bcttkanten sich aufzustellen und zu kriechen versuchte, selbst schon zur Berührung mit den D-ngen der Welt beitrug. Vater ordnete an, seinen immer begierigen hurtigen Reisen auf allen Vieren in Zimmer und Küche(unter Beobachtung) uneingeschränkte- Freiheit zu lassen.„Er soll selbständig werden," sagte er, und seine Frau bat ihn nicht, näher zu erklären, wie er das meinte, obgleich sie durchaus nicht ver- stand, was für eine Entwicklung der Selbständigkeit das ein- leiten sollte. Gerade aufgerichtet, ganz den Beinen vertrauen, und mit leeren Händen frei daherzulaufen, darauf wäre Bruno selbst vielleicht nie gekommen, obgleich er kräftiger war als Kinder seines Alters sonst. Er begriff nicht, was man von ihm wollte. Man mußte ihn mit List und Strenge geradezu dazu zwingen. Vielleicht eben, weil solches Drängen nach Betätigung und so viel Neugier in ihm war, und er auf Vieren v'el schneller und sicherer vorwärtskam. Das Vorbild der Erwachsenen. beirrte ihn nicht. Wenn Bruno sich an einer scharfen Ecke das Köpfchen stich, die Hand in eine Fuge klemmte oder mit dem Fuß unter einen schweren Gegenstand geriet, ließ ihn Frau Görnitz lange nicht von der Hand und machte dem Vater Vorwürfe. „Meinst du es gut mit ihm, darf dir das nichts machen! Auf welche andere Weise könnte er Vorsicht lernen? Und die ist ihm nötiger als allen!" Die harte Methode war nicht von ihm ersonnen. Fedor Kapetan. Oberlehrer der Landesblindenanstalt draußen hinter dem Villenviertel, der viel über Verbesserung der bestehenden Scbulgrundsätze nachdachte, hatte mit Professor Görnitz lange Gespräche über Erziehung der ersten Lebensjahre. (Fortsetzung folgt.) Kollege! „Herr Kollege" und„Kollege"!— nur ein Wörichen unter- scheidet— aber Welten liegen zwischen dem, was Beamte seierlich oder Akademiker in der Besessenheit ihres Standesdünkels als An- rede gebrauchen, und dem, was die Masse frisch und schlicht als Gemeinschaftswort anwendet. Ja, das lateinische Wort, uralt wie Zlkademikertum und Standesdünkel, ward einmal so ängstlich be- hütet, daß es nur innerhalb der einzelnen Fakultäten galt— und gilt. Zwei Aerzte sprechen sich als Kollegen an— Doktoren verschiedener Wissenszweig« aber müssen es beim„Herrn Doktor" be- lassen. Aber selbst beim„Herr Kollege" wird der Nachdruck auf das erste Wort gelegt, denn man weiß, kraft akademischen Vollbluts, was man sich selbst schuldet, und was man anderen schuldet, darauf kam es in diesen Kreisen niemals an. Anders denkt das Volk— und anders handelt es. Wieder einmal warf es über den Haufen, was die Glatzköpfe und Perücken von zwei Jahrtausend geheiligt. Das Volk der körperlichen Arbeit erfand fein„Kollege!". Das gewerkschaftliche Begrüßungswort gilt für den Maurer und Schlosser ebenso wie es vorher einem Geheimrat unter Geheimräten zukam. Di« da gemeinsam zur Ernte des Volkes sammeln(das enthält das lateinische Wort), sind unter sich Sammler, d. h. Kollegen. Enger Klassenbegriss wurde entstaubt und ins Reinlich-Volksmäßige übertragen. So blieb, um Entfernung zu wahren, nur das allzeit helfende„Herr"— und zwischen„Herr Kollege" und„Kollege" weitete sich der unüberbrückbare Abgrund. Hier Katheder und Aktenregal— dort weltumspannend« Arbeit. In diesem Sinne wählt« die Gewerkschaft gut. Und sie tut gut daran, das„Herr" auszutilgen. Und wie frisch hat Volkslebendigkeit den o l l e x" geschaffen! Man redet heut« im Volke als Kollegen an, wer danach aussieht, dem nützlichen menschlichen Arbeitsgeschlecht anzugehören. Einem Fremden gegenüber— man spannt den Begriff weit— klingt Vertraulichkeit auf. Immer aber kommen Gefühl und Geist einer Zusammengehörigkeit zum Ausdruck— jenes gewaltigen Verbundenseins, das, vorgebildet in Kreis und Wesen des Gewerkschaftlichen, brüderliche Einheit der arbeitenden Welt ersehnt. Was wären die meisten von uns ohne dies wärmende und stärkende„Kollege"? In einer schroffen Welt der menschlichen Maschinen, die aus dem Herzen heraus so gar nichts für uns übrig hat? Aber wer einmal den Weg zur großen Arbeitsfamilie gefunden hat, den begleitet das Wort wie Sonnenleuchten durch all die Wege voll Schatten. Wen erschüttert es nicht zuweilen, wenn er liest: es starb der Kollege... und wenn dann auch Unbekannt« einem Toten das Geleit« geben, nicht als ob. nein, weil er wahrhaft«in Bruder war. Es ist die schmerzlich entbehrt« Menschlichkeit, die vom Banner der Gewerk- schaften leuchtet, und darum muß sie zur Menschheit führen. Kollege! Verstehst du die Macht des Wortes, das dir immer und überall zugerufen wird? Es ist«in Ehrentitel, und wer sich nicht Kolleg« in diesem Sinne nennen lassen darf, dem geht etwas ab, was zu Heim und Familie freier Weltbürger gehört. Und etwas dürftet in uns, zu immer mehr Mitmenschen des unermeßlichen Arbeits- kreifes das schlicht vertraute und doch kämpferischstarke Gemein- schastswort zu sprechen._ Sranüunglück in einem Wohnwagen. Eine Person schwer, zwei leicht verletzt. Ein folgenschweres Brandunglück ereignete sich gestern am Spätnachmittag auf dem Grundstück Köpenicker Straße 27, nahe der Köpenicker Brücke, wo sich zurzeit ein Vergnügungspark befindet. Auf dem umfangreichen Platz haben die Schausteller außer ihren Attraktionen gleichzeitig eine größere Zahl von Wagen, darunter einige Wohnwagen ausgestellt. In dem Wohnwagen des 43jährigen Schaustellers Weidemann kochte auf dem Herd stehendes Fett über und geriet in Brand. Eine Stich- flamme schoß hervor und erfaßte W-, der sich in diesem Augenblick im Wagen befand. Seine Kleider standen im Augenblick i n Flammen. Laut um Hilfe rufend, versuchte er das Freie zu ge- Winnen. Auf feine Hilferufe eilten seine 21jährige Tochter Dora und ein Angestellter des Platzes herbei, die die Flammen zu etzticken suchten. Hierbei zogen sich beide erhebliche Brandwunden an den Händen zu. Inzwischen war die Feuerwehr erschienen, die das Feuer, das sich auf die Möbel auszubreiten drohte, löschte und Weidemann in schwerverletztem Zustande mit Brand- wunden am ganzen Körper in das Bethanienkrankenhaus schaffte. Dora W. und der Angestellte erhielten von den Fcuerwehrsamaritern erste Hilfe und konnten nach Anlegung von Notoerbänden auf dem Platz verbleiben. Bevölkerungspolitische Tagung. Die öffentliche bevölkerungspolitische Tagung, die der Haupt- ousschuß für Arbeiterwohlfahrt e. D. am Sonnabend, den 23. und Sonntag, den 26. September 1926 in Jena oer- anstaltet, oerspricht einen sehr iMeressanten Verlauf zu nehmen. Den einführenden Vortrag über„Sozialismus und Bevölkerungs- Politik" unter besonderer Berücksichtigung der geschichtlichen Entwick- lung hält Dr. für. Maz Li u a r ck, Dozent an der Universität Frank- furt a. M. Ueber„Säuglings- und Mutterschutz" sollte der leider vor kurzem verstorbene ärztliche Dezernent des Berlin-Neuköllner Gesundheitswesens, Stadtmedizinalrat Dr. med. S i l b e r st e i n, der ebenso verdienstvolle wie erfolgreiche Vorkämpfer gegen die Säuglingssterblichkeit, sprechen. In seinem literachchen Nachlaß fanden sich große Teile seines Referats, das nun Dr. med. I. Zadek, der Senior der sozialdemokratischen Aerzte, fertiggestellt und— zugleich als ein Vermächtnis des Verstorbenen— in Jena zum Vortrag bringen wird. Der„Schutz der schwangeren Arbeiterin im Betriebe ist in den letzten Jahren immer mehr in den Vordergrund der öffentlichen Erörterungen gerückt. Diese Referate halten Reichstags- abgeordneter Dr. med. Julius Moses und Landtaasabgeordnete Gertrud Hanna. Sekretärin des ADGB.„Prostitution und Reglementierung" heißt das Thema, über das Dr. med. A. V. K n a ck, Mitglied der Hamburger Bürgerschaft, und Reichstagsabgeordnete Luise Schroeder, Altona, sprechen werden. Der letzte Verhandlungs- gegenständ betrifft die Frage der„Schwangerschaftsunterbrechung und-Verhütung". Als Referenten wurden Dr. med. Karl K a u t s k y, Wien, der Sohn des großen sozialistischen Theoretikers, und Land- tagsabgcordncte Elisabeth Kirsch mann-Röhl, Köln, gewonnen. Am Vortag der bevölkerungspolitischen Tagung tritt der Haupt- ausschuß für Arbeiterwohlsahrt in Jena zu seiner zweiten Reichssitzung zusammen. Am Sonnabend, den 23. September, findet abends eine Besichtigung des Planetariums statt. Am Man- tag, den 27. September, bietet sich für die Teilnehmer Gelegenheit, verschiedene Heime der Arbeiterschaft in nächster Umgebung Jenas zu besuchen und kennenzulernen. Anmeldungen zur Teilnahme an der Tagung sind baldmöglichst zu richten an den Hauptausschuß für Arbeiterwohlsahrt, Berlin SW. 61, Belle-Alliance-Platz 8. Woh- nungsbestellungen nimmt die Wohnungskommission in Jena, z. H. des Herrn August Striebing, Jena, Teichgraben 411. entgegen. Es können Hotel- und Privatquartiere bestellt werden. Ein folgenschweres Paddelboolunglück ereignete sich gestern vor- mittag gegen �12 Uhr auf der Oberspree in der Nähe des Ruder- klubs„Brandenburgia". Der Arbeiter Erich Arnold aus der Pallasstraße 2 zu Neukölln unternahm mit seiner 24jährigen Ehefrau und seinem vierjährigen Töchterchen zum ersten Male auf einem erst kürzlich gekauften Paddelboot eine Fahrt. Aus bisher in allen Einzelheiten noch nickt geklärter Ursache kam er zwischen einen in ziemlichem Tempo aufwärts fahrenden Schleppzug. Das Paddelboot wurde mittschiffs getroffen und kenterte. Die In- fassen fielen in» Waffer und gingen sofort unter. Während es Schisfern gelang. Frau Arnold und das Kind zu reiten, geriet ihr Ehemann unter einen Schleppkahn unv ertrank. Er konnte von dem hinzueilenden Reichswoiserlchutz nur noch a l» Leiche ge- borgen werden. Die sofortige Untersuchung de» bedauerlichen Vor- falles ist vom Reichsroasserichutz eingeleitet worden. Vermutlich wollte A., der aus dem Wasser völlig unkundig war, sich an einen Schleppkahn anhängen, was ihin aber infolge der hohen Gcschwindig- kcit des Schleppers nicht gelang. In der Verwirrung verlor er dir Herrschaft und geriet vor den Bug des nachfolgenden Schleppkahnes. Jugendweihe der Arbeiterschaft Grofj-- Berlins am Sonntag, den 19. September 1926, vormittags 11 Uhr, Im Groden Schauspielhaas, Karlstra�e. Mitwirkende; Der Junge Chor: Leitung Dr. Heuen* An der Orgel: Willi Jacger* Cello-Trio: Annin Liebermann, Fritz Hoppe. Karl Lenzewski* Weiherede: Otto Meier, M. d. L.» Der Sprechchor der Proletarischen Feierstunde. Leitung Albert Florath und Elnzeisprecher Heinrich Witte» Eintrittskarten in den bekannten Verkaufsstellen und an der Kasse vor Beginn der Weihe. Eine �fabelhaste� Sache. Der Dollarmacher aus Mexiko. Fabelhaften Reichtum hatte der Mexikaner Leo K i w a dem Inhaber eines Restaurants am Bahnhof Friedrichstraße in Aussicht gestellt, wenn er sich an seinem Unternehmer beteiligte. Die Sache erwies sich dann auch ntzrklich als so fabelhaft, daß sich Kiwa jetzt vor dem Einzelrichter des Amtsgerichts Berlin-Mitte wegen Betruges verantworten mußte. Als der Angeklagte nach Deutschland gekommen war, und sich in Berlin aufhielt, oerkehrte er täglich in dem genannten Restaurant. Dadurch mit dem Wirt bekannt geworden, machte er diesem zunächst im Laufe der Unterhaltung dunkle Andeutungen, daß er in kurzer Zeit„fabelhaft reich" werden könnte, wenn er sich an feinem Unternehmen beteiligte, und er, der Angeklagte, etwa 36 000 M. zur Verfügung gestellt bekäme. Aus die Frage des neugierig gewordenen Wirtes teilte ihm der Angeklagte dann schließlich geheimnisvoll mit, daß er mit einem Amerikaner in Verbindung stände. Dieser habe eine Methode entdeckt, mit der Geldscheine jeder Sorte auf dem Wege einer chemischen Reproduktion einfach und sofort vervielfältigt werden könnten. Trotz der glänzenden Aussichten bat jedoch der Mexikaner den Wirt, ihn(nur vorläufig) in seinem Restaurant umsonst essen zu lassen, eine Bit«, die durch Hergabe von 80 M. ihre Ver- wirklichung fand. Eines Tages erfolgte dann im streng verschlossenen Privatzimmer des Wirtes die Probe aufs Exempel. Auf dem Tisch standen Flaschen und Fläschchen mit allen möglichen Säuren und Mixturen und serner ein kleiner geheimnisvoller Apparat. Unter allerlei Hokuspokus wurde eine gemischte Flüssigkeit hineingegossen, ein Flämmchen angezündet und eine Dollarnote von dem Angeklagten hineingelegt. Schon nach wenigen Minuten brachte der Mexikaner eine zweite, funkelnagelneue Note aus dem Apparat zum Vorschein und überreichte sie dem Wirt. Dieser aber brachte sie, eine Fälschung vermutend, zu dem Kriminal- kommissar von Liebermann, der sie aber nach genauer Untebsuchung als echt bezeichnete und weitere Beobachtung des Ange- klagten empfahl. Als schließlich zugegriffen wurde, entpuppte sich der dollarspendende Apparat als eineinfacherJnhalations- a p p a r a t. Durch einen Taschenspielertrick hatte der Mexikaner eii« zweite Dollarnote in den Apparat hineingebracht. Seine famose Erfindung, die vom Gericht nur als versuchter Betrug angesehen wurde, mußte er mit einem Monat Gefängnis, verbüßt durch die Untersuchungshaft, bezahlen. Den Spielkameraden angeschossen. Beim Hantieren mit einem Desching wurde gestern abend gegen 1�7 Uhr in der Verlängerten Jnselbrückenstraße der 14jährige Schüler Rudolf M ö b i s aus der Ebersstraß« 43 von dem 16jährigen Schüler Erwin Schulz aus der Ebersstraß« 42 in den Unterleib geschossen. Schwer ge- troffen brach Möbis blutüberströmt zusammen. Als der Täter sah, was er angerichtet, flüchtet« er. M. wurde in das St.-Norbert- Krankenhaus übergeführt. Der Zustand ist e r n st. Erklärung ües Magistrats Hannover. Das Wasser soll keimfrei sein. Die Zahl der Typhuserkrankungen in Hannover ist im Laufe des gestrigen Freilag von 1414 aus 1504, also wieder ganz erheblich gestiegen. Die Zahl der Todesfälle hat sich gleichfalls vermehrt, und zwar um 2, so daß jetzt insgesamt 42 Todesopfer der Epidemie zu verzeichnen sind. Auch die dritte in ein Hilfskrankenhaus umge- wandelte Schule in der Henningfenstraß« ist nunmehr infolge des neuerlichen Anwachsens der Neucrkrankungcn belegt worden, und zwar haben hier bereits 63 Kranke und Typhusverdächtige Auf- nähme gefunden. Der Magistrat Hannover nimmt cktzt übrigens in einer Erklärung zu den Angriffen Stellung, die'im Zusammenhang mit den Maßnahmen zur Bekämpfung der Seuche ergriffen worden sind. In der Erklärung heißt es: „... Borweg fei festgestellt, daß ein exakter und sicherer Beweis für die Verursachung der Typhuserkrankungen durch den Nachweis von Typhuskeimen im Wasser auch heute noch nicht vorliegt. In vielen Kreisen werden die Meinungen geteilt, daß die Ursache in der Beschaffenheit des Wassers aus dem Recklinger Wasserwerk liege. Dieses Werk ist seit über 30 Jahren im Betried, ohne daß sich jemals gesundheitliche Schäden daraus ergeben haben, obwohl das Wassergewinnungsgelände im Winter fast regelmäßig vom Hoch- wasser überflutet gewesen ist. Das Wasser des Werkes wird feit Jahren werktäglich vom Staatlichen Medizinaluntersuchungsamt durch Chlorgas usw. keimfrei gemacht. Niemand hatte bis zum Ausbruch der Epidemie- Grund zu der Befürchtung, daß das in Recklingcn gewonnene Wasser gesundheitsschädlich sein könne. Richtig ist nun, daß das Wasser Mitte August während einiger Tagc eine größere Anzahl von Keimen enthalten hat. Am 20. August wurde vom städtischen chemischen Untersuchungsamt mitgeteilt, daß das Wasser nicht mehr einwandfrei er- scheine und am selben Tage wurde vom Staatlichen Medizinaluntersuchungsamt erklärt, daß die letzte Wasseruntersuchung eine erhöhte Keimzahl ergeben hätte. Daraufhin hat die Direktion der Wasserwerke noch am selben Tage die Chlolisierung oer- doppeln und an den beiden folgenden Werktagen sämtliche Brunnen untersuchen lassen. Bei der ersten Untersuchung ergab sich, daß alle im Betrieb befindliche Brunnen eine höhere Keimzahl hatten. Diese Brunnen wurden sofort abgestellt und sind seitdem nicht wieder in Betrieb genommen. Die verdoppelte Chlorisierung hatte den Erfolg, daß das Wasser keimfrei gemocht wurde. Seit dem 20. August sind dann neben den schon seit Jahren regelmäßig werktäglich vorgenommenen bakteriologischen Unter- suchungen auch regelmäßige chemische Untersuchungen eingeführt. An allen Stellen des Leitungsnetzes hat sich gezeigt, daß das Wasser einwandfrei ist. Auch dos Wasser der Brunnen der Gewinnungsgelände wird regelmäßig untersucht. Von allen unter- suchenden Stellen, besonders von den Bertretern des Wohlfahrts- amtes, wurde auch festgestellt und wiederholt durch öffentliche Ver- lautbarungen ausdrücklich erklärt:„daß das Wasser feit dem 20. Zlupust einwandfrei ist und ohne Schädigung genossen werden kann. Der Verwaltungsausschuß der Städtischen Betriebswerke hat sich einstimmig auf den Standpunkt gestellt, daß eine Stillegung des Wertes nicht in Frage kommt." In der Erklärung des Magistrats wird des weiteren betont, daß bei den bakteriologischen Ilniersuchungen des Wassers niemals Krankheitserreger, auch»iemai» Typhusbazillen feflgestellt worden seien. In der AerzlefchNfl sei man über die Ursache der Epidemie geteilter Meinung. Ein besonderes Sachverfländigenkollegium werde in der nächsten Zeit zujanimcntreten, um diese strittige Frage restlos zu klären. * TyphWälle in Mähren. In letzter Zeit ist, wie aus Brünn gemeldet wird, der Typhus in verschiedenen Orten Möhrens, ins- besondere im Boskowitzer, Proßnitzer und Olmützer Bezirk ausgetreten. Amtlich wurden in der kleinen Gemeinde Repech allein 10 Fälle gemeldet. Ver Kanal wieder durchquert. Dem britischen Schwimme? D o r h a m aus Southend gelang es am Donnerstag, bei einein zweiten Versuch den Kanal zu durchschwimmen. Er brauchte 13 Stunden 36 Minuten. Bei seinem ersten Vei-such am 3. Septem- ber war Dorham 1414 Stunden im Wasser, mußte aber seinen Ver- such in nächster Nähe der englischen Küste wegen allzu dichten Nebels aufgeben. Fünffacher Kindesmord? Einem fünffachen Kindesmord glaubt die Polizei in der Gegend von Halle auf die Spur gekommen zu fein. In Hadmersleben lebte der russische Arbeiter S ch e k o und die Oesterreicherin P e p e r n i in wilder Ehe, der fünf Kinder entsprossen. Diese Kinder starben jedoch immer sehr rasch, nachdem die Wochenhilfe aufgehört hatte. Als jetzt das fünfte Kind starb, griff die Gendarmerie ein und verhaftete die Eltern unter dem Verdacht des Kindesmordes. 30 Personen ertrunken. In der Nähe von Batum stieß das russische Postschiff„Sergiew" auf eine Mine und sank. 30 Per- sonen sind ertrunken. Schissszusammenstoß aus der Maas. Aus Amsterdam wird gemeldet, daß der deutsche Dampfer„Esting I" auf der Neuen Maas mit einem belgischen Schiff zusammengestoßen ist. Die Frau des Kapitäns des letzteren und ihr dreijähriges Kind stürzten über Bord und ertranken. Sport. Rennen zu hoppegarken am Freilag. den 17. September. t. Rennen. 1. Schneewittchen iA. Torkel, 2. PctroniuS(Schulz), Z. WinmSou Mnger). Toto: 21:10. Plnd: 11. 39. 36: 10. Ferner Uesen: Rornreise, Katasirophal, Nina, Eigitsaga, Paladin, Regina II. 2. Rennen. 1. Orgel fHugaenin), 2. Marchesa(O. Schmidt) 3. AcoluS(Bleuler). Toto: 3«: 10. Plad: 13. 12. 53: 10. Ferner besen: Mitra, OrdeiiSkanzler, Poltllet, Tarnhelm, Lusitania, Milon, Altpreufzc, Wolga II. 3. R e n n e n. 1. Diktator(Bleuler). 2. Tante Lotte(Zachmeier), 3. Nikotin(H. Blume). Toto: 53: 10. Platz: 72, 72. 37: 10. Ferner lirsen: Frigga II, Prolpero, Löwenher, II, Fürst Emmo, Mädchentraum, Mistral. Noto, Rofcnkelch. Sleazar, Sonnenwende, Rom. 4. Rennen. I. Rheinwein tW.TarraZ). 2. Marduck(H. Brown) 3. Coriolan(Hahnes). Toto: 14: 10. Platz: 11, 15: 10. Ferner liefen: Csampae, Florestan, Patrizier. 5. R e n n e n. I. Mah Jong(2. Darga), 2. Ausbund(D. Schmidt). 3. Bockenback(W. TarraS). Toto: 35: 10. Platz: 15, 12: 10. Ferner liefen: Ostrau, Libertas. 6. R e n n e n. 1. Engadln(Williams), 2. Willa(Hl. Jentzlch). 3. Nutria (D. Schmidt). Toto: 123: 10. Platz: 42, 43, 17: 10. Ferner Uesen: Formosa, Magharin, Reisende Frucht, Trianon, Herzog Christoph, Viktoria, Heliotrop, Die. Königin, Mene», Ouilon, Irrlehre, Thalyfia. 7. R e n n e n. 1. Farren(O. Schmidt), 2. Bision II(Grabsch), 3. Licht- strahl(M Jentzsch). Toto: 25: 10. Platz: 14, 110. 31: 10 Ferner liefen: Dompfaff, Alida, Goldalma, San Marco, Der Harz, Stella mariS. rnmoi Warum soll man kau 6� en; Die aus den besten Rohmaterialien hergestellten, von Aerzten und Zahnärzten empfohlenen Wrigley P. K.-Kau-Bonbonssind einvorzüglichesMittel zurReinhal- tung der Zähne und des Mundes. Sie verleihen dem Atem dauernd ein erfrischendes Aroma, besonders nach dem Essen, Trinken und Rauchen. 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Führung: Bezirk Osten II.— Abmarsch: 12 Uhr. Sammelplatz: Gustav-Meyer-Allce, Front nach der Brunnenstraße. (Sammelstelle für die Bezirke: Wedding, Gesundbrunnen, Reinickendors-Ost und-West, Tegel, Heiligensee, Hennigs- dorf, Pankow, Heinersdorf, Norden I und II, Moabit.)— Abmarsch: 11 Uhr. Sammelplatz: Vorckstraße ab Katzbachstraße bis Großbeerenstraße. Front nach der Großbeerenstraße.(Sammelstelle für die Bezirke: Charlottcnburg, Wilmersdorf, Friedenau, Schöne- berg, LichteiTelde, Lichtenrade, Zehlendorf, Steglitz, Marien- dorf, MarMifclde, Teltow. Tempelhof, Südwesten.)— Abmarsch: 12 Uhr. Sammelplatz: Reuterplatz. Front nach Kaiser-Friedrich-Straße. (Sammelstelle für die Bezirke: Neukölln I, II und III.)— Abmarsch: 12% Uhr.— Die Bezirke Süden, Treptow, Baum- schulcnweg, Niederschöneweide, Adlershof, Grünau, Spandau fahren direkt nach dem Hauptsammelplatz Engelufcn Nicht- genannte Bezirke schließen sich der nächsten Sammelstelle an. Slelnarbeiker. Sammelplatz: Dethanienufer— ab Adalbertbrücke bis Engelbecken. Anschluß an Zug 2. Maler. Sammelplatz: Melchiorstraß« über Michaelkirchplatz. Anschluß an Zug 2. Zimmerer. Sammelplatz: Bundeshaus Wallstraße Ecke Inselstraße. Anschluß an Zug 2.— Abmarsch: 12% Uhr. Dachdecker. Sammelplatz: Bethanienufer, ab Adalbertstraße bis Engelbecken. Anschluß an Zug 2. Aug Z: öekleiöungs- unü Textilindustrie. (Bekleidungsarbcikerverband. hularbcilerverband, Friseur- gehilfenverband, Texkilarbeilerverband.) Sammelplatz: Lustgarten(nicht wie bisher angegeben Bundes- Haus).— Abmarsch: 1 Uhr. Aug 4: lthemifche Industrie. Favrikarbeiler. Sammelplatz: Andreasplatz.— Abmarsch: 1 Uhr. Zug 5: Graphisches Gewerbe. (Verband der Lithographen und Sleindrucker, Verband der Buchdrucker, Buchbinder und Verband der graphischen Hilfsarbeiter.) Sammelplatz: Gendarmenmarkt.— Abmarsch: 1 Uhr.• Zug 6: Handel unü verkehr. (Verkehrsbund und Einheitsverband der Eisenbahner.) Sammelplatz: Mariannenplatz.— Abmarsch: 1 Uhr. Eisenbahner. Sammelplatz: Bethanienufer von Adalbertstraße bis Mariannen- platz. Anschluß an Zug 6. Zug 7: yolzinüustrie. (holzarbeiterverband. Verband der Böttcher.) Sammelplatz: Am Köllnischen Park.— Abmarsch: 1 Uhr. llnterbezirke. Zentrum: Vor dem Verbandshaus, Am Köllnischen Park. Süden: Oranienplatz(Ecke bei Maßen). Südosten: Lausitzer Platz, an der Waldemarstraße. Südwesten: Mittenwalder Straße 16. Osten I und Nordosten: Frankfurter Allee Ecke Koppenstraße (Mittelpromenade). Osten II. III und östliche Vororte: Warschauer Straße, Ecke Frank furter Allee(Mittelpromenade). Norden: Prenzlauer Allee(Promenade an der Bötzow-Brauerei). Nordwesten: Raoenestraße(vor dem Lokal von Mecklenburg). Neukölln: Maybachufer, Ecke Kottbusser Damm. Weißensee: Vor dem Prälaten. Musikinstrumentenarbeiler: Wallnertheaterstraße(Wallner-Theater) Stockarbelter: Michaelkirchstr. 29a(vor dem Lokal von Prasser). vergotder und Rahmenmacher: Adalbertstr. 21(vor dem Lokal von Kraatz). Stellmacher: Eophienstr. S(vor dem Lokal von Hummel) Modell- und Fabriktlschler: Neue Friedrichstr. 1(vor dem Lokal von Nehring). Kammacher: Wusterhausener Str. 17. Kisten- und Kosfermacher: Krautstr. 24 bei Nicksch. sträße ZlTsoor dem Verbandshaus). Die arbeitslosen Kollegen gehen zu den Treffpunkten ihrer Branchen oder Wohnbezirke. Zug 8: Lebens- unü GenußmittelinÜustrie. (Nahrungs- und Genußmiktelarbeilerverband. Lebensmittel- und Getränkearbeiterverband. Hotel-, Restaurant- und Eafd- angeftelltenverband, Verband der Fleischer, Tabakarbeiter- verband.) Sammelplatz: Rosenthaler Platz.— Abmarsch: 1 Uhr. Betrieb Hildebrandt. Sammelplatz: Brunnenplatz.— Abmarsch: 12% Uhr. Zug 9: Leüerinüustrie. (Lederarbeiterverband. Sattlerverband. Schuhma«herverband.) Sammelplatz: Grimmpark, ab Dieffenbachstraße bis Urbanstraße.— Abmarsch: 1 Uhr. Zug 10: Metallinüustrke. (Metallarbeilerverband, Verband der Maschinisten und Heizer. Verband der Kupferschmiede.) Sammelplatz: Schloßplatz.— Abmarsch: 1 Uhr. Maschinisten und Heizer. Sammelplatz: Gewerkschaftshaus. Anschluß Abmarsch: 12 Uhr. an Zug 10.— Zug 11: Staatliche unü kommunale Getriebe. (verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter.) hauptsammelplah: Stralauer Platz.— Abmarsch: 1 Uhr. llnterbezirke. Sammelplatz: Küstriner Platz(Osten, Nordosten— Bezirke 17. 18 und 19).— Abmarsch: 12% Uhr. Sammelplatz: Iohannisstraße(Norden, Nordwesten, Zentrum— Bezirke 8 und 20).— Abmarsch: 12 Uhr. Sammelplatz: Lausitzer Platz(Süden, Südwesten— Bezirke 13, 14 und 15).— Abmarsch: 12% Uhr. Sammelplatz: Bautzener Straße(Westen— Bezirke 7, 9, 10, 11 und 12).— Abmarsch: 11% Uhr.— Anschluß an Zug 11. Zug 1 2: Lanüwirtschafi u. Gärtnerei, Theater o. Musik (verband der Gärtner. Verband der Musiker, Deutsche Film- gewerkschast.) Sammelplatz: Oranienplatz.— Abmarsch: 1 Uhr. * Alle Arbeiter und Angestellten werden ausgesordert. sich restlos an dieser Kundgebung zu beteiligen und sich pünktlich aus den Sammelplätzen einzufinden. Die Kunügebung nimmt folgenüen verlauf: Punkt 2% Ahr eröffnet ein große» Orchester de» Deutschen Musiker-verbande» die Kundgebung mit dem Vortrag eine» Musikslücke». hierauf folgt Chorgesana, vorgetragen von Gesangvereinen de» Arbeiter-Sängerbünde». Nach dem Gesang werden 10 Redner der Würde des Tage» entsprechende Ansprachen halten. E» sprechen die Genossen: Hermann Müller, Willy Eggert. Otto Z i» k a, Otto O r t m a n n. Karl p o l e n» k e, Hermann Harnisch, Wilhelm p l o o g. Willy Drügemüller. Hans G o t t f u r ch t und Paul Rothe. Die Zugführer haben dafür Sorge zu«ragen, daß die Züge von ihren Sammelplätzen pünktlich abmarschieren. damit auch die Kundgebung in Treptow pünktlich deginnen kann. Die Führer der Bezirks- und ll n t e r- gruppen müssen auch dafür sorgen, daß diese rechtzeitig an den hauptsammelplähen eintreffen. Allgemeiner Deutscher Gewerkschastsbunö /lllgemeiner freier ftagestelltenbunö Ortsausschuß Berlin. Ort»kartell Berlin. Einsendungen sür diese Rubrik sind Berlin SA 6S. Lindenstrahe 3, Parteinachrichten für Groß-Serlin stet» un da» Bejirkrsekretarwt. 2. Hos, 2 Treu, recht», zu richten. Z. Zkrci» Wedding. Die bestellten Opernkarten können ab heut« beim Ge- nassen Schmidt, Tegeler Str. Zl. abgeholt werden. M. ikrei» Reulölln. Jugendweihe. Die Ordner treffen sich Sonntag 7 Uhr in der Neuen Welt. Jede Ablnlung stellt vier Ordner. Eintritt»larteu sind in den„V»rtoLrts".Sp«ditionen sowie im Parteibureau noch zu haben. Heule, Sonnabend, den 18. September: U.«bt. Die Gruvrcnfiihrer wollen bestimmt beute abend ab 6 Uhr wichtige» Material vom Abteilungskasstcrer in Empfang nehmen. 2S. Abt. B«zirk»fllh:er,»auslisten abholen bei Burg ab b Uhrl W. Abt. Zempelhos. Die Iugendgenosstwnen und-genolsen sowie die Jung- sozialistin, welche stch zum Schreiben bcrciterklilrt haben, treffen stch heut« nachmittag 3 Uhr beim Genosscn Wille.«aiserin-Augusta-Str. 11, 1 Tr. 118. Abt. Lichtenberg. Gruppe s-rnung: 8 Uhr Extrazahladend bei Tempel, Eudrunstr. 7. Morgen. Sonntag, den IS. September: »8. Abi,»enOttu, Di« KunktionSr« treffe» sich heut« frilh» Uhr bei Raddoh, Put. »rieit»ge«?4 Uhr am Bhf. Treptow iMilchhalle).— Schänhauser Vorstadt I: Treffpunkt 11 iü Uhr Bhf. Schönhauser All««.—»«»estea: Treffpunkt Uhr»lisch« rpla» (Rotwaluhr). vortrüge, vereine unö Versammlungen. D Reichsbanner.Schwarz Rot-Gold". Seichäftsstell«: Berlin S 14. Sebastianstr. 31138. Hof 2 Tr. Steglift ikrei»): Mo., d. 20., abends 8 Uhr, Kreisvers, im Albrechts- bof, Schutiensaal. Eintritt nur gegen Vorzeigung der Mitglieds» karte.— Vrift-Reukölln: 1. Kameradschaft, 1. Zug, Mo., d. 20., pllnktl. 7% Uhr. Kugvers, im Rest. Bockmonn, Reuterstr. 47, Ecke Lcnaustrafte.— Treptow fkreis): Pflichtveranftaltung fiir den gesamten Kreis in Wildau am 20. Sep» tember. nicht Alt-Londsberg am Z. Oktober.— Pankow fkreis): Mo., d. 20., abends 8 Uhr, Wollankstr, 181. Das Ucben auf dem Sportplaft fällt aus.•— Weddiug: Heute. S. d. 18., abends 7 Uhr, Badeabend in der Gerichtstrafte, Stadtbad Wedding._ Kar Förderung de, beruslichen Ausstieg, ehemaliger V°lk»Ichüler veranstaltet die Autodidakten-Vereinigung Abendkurse zur Vorbereitung auf die Reolschul- SchluftprUfung sEinjährigenexamen). Anmeldung und Auskunft: Dienstags und Freitags von 7!4-�8 Uhr im Schulgebäude, Jimmer 21, Gipsstr. 23a, Hof 1 Tr., oder schriftlich an den Deschäftssllhrcr der Vereinigung Robert ftrenzel. NO. 55, Prenzlauer Allee 175. 1 Tr. Unterricht: zweimal wöchentlich von 8— 10 Uhr abends. Dauer: 3 Jahr«. Honorar: 0 M. monatlich. Bücher: 1 M. monatlich. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag vormittag 11 Uhr, Pappelallee 15, Bor- trag de, Herrn Dr. H. Hasse:„Die heiligen Lehrbücher der Religionen, 1. Der Talmud". Harmonium: Choral. Gäste willkommen. westerbericht der öffentlichen Wetterdienststelle für Berlin. iNachdr. vrrb.) Wärmer, ziemlich heiter und trocken.— jäc Veuffchland: Nur im Osten noch stärkere Bewölkung und strichweise leichte Regcnsälle. Sonst überall ziemlich heiter nnd trocken. Südweftdeutschland vielsach wolkenlos. Der zweite Sonatenabend vereinigt Kompositionen von Kuhnau, Scarlatti, Philipp Emanuel Bach und Haydn. Die Sonate in R-Dur von Kuhnau aus dem Jahre 1696 ist alter Stil. Jeder Satz ein Thema. Das Andante in seinen wuchtigen Akkorden klingt, als ob es für die Orgel bestimmt ist. Scarlatti ist leichter, liebenswürdiger. Die Sonate in O-Dur bewegt sich in beinahe graziösen Tanz- rhythmen, wenn man sie mit den Kompositionen Kuhnaus ver- gleicht. Scarlatti erledigt sie in einem Satz. Für unser Empfinden haftet dieser Musik von Kuhnau und Scarlatti etwas Starres, Er- müdcndes an, das aber nicht die Weihe des Feierlichen erhalten hat. Sie ist einfach, weil die neue Ausdrucksform noch nicht ge- funden war, aber sie ist nicht einfach, weil hier großes Fühlen spricht. Wie gelöst dagegen klingen die Sonaten Philipp Emanuel Bachs oder Haydns. Erwin Bodky spielt Kuhnau mit kraftvollem Anschlag, unterstreicht noch die Gleichförmigkeit der Sätze und Themen, aber er mildert auch bei Haydn nur wenig seinen Anschlag, pielt hier stellenweise zu schwer und hart, allerdings arbeitet er klar die einzelnen Figuren heraus, nur in den Prestosätzen wird er manchmal unklar.— Vorher Adalbert von Chamisfo als sechster in der Serie«Wort und Lied". Ida O r l o s f spricht Balladen in sehr gedehntem Tempo, sie setzt zu wenig Akzente und weiß nicht zu steigern. Geregori dagegen erweist sich wie immer als Meister der Sprechkunst, wenn auch einer Sprechkunst, die heute nicht mehr als modern gilt. Welchen Humor entwickelt er z. B. in dem Gedicht«Der rechte Barbier". Schön und ausgeglichen ist der Alt Elf« Jansens, die Schumannfche Vertonungen von drei Ge- dichten Chamifsos singt. Das Rundfunkprogramm. Sonnabend, den 18. September. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 12 Uhr mittags: Die Viertelstunde für den Landwirt. 4.30 bis 6 Uhr abends: Nachmittapskonzert der Berliner Funkkapello. Leitung; Konzertmeister Franz v. Szpanowski. Anschließend: Ratschläge fürs Haus. Theater- und Filmdienst. 6 30 Uhr abends: Notar Dr. A. Hirschowitz:«Aufwertung und Rückenverbung verschwundener Vermögenswerte". 7 Uhr abends: Dr. Otto Grautoff: «Süddeutsche Malerei". 7.30 Uhr abends; Otto Zarek: Einführung zu dem Sendespiel:«Der G'wissenswunn". 8 Uhr abends: Sendespiele:«Der G'wissenswurm", Bauemkomödie mit Gesang in drei Akten von Ludwig Anzengruber. Leitung: Alfred Braun. Grill- hofer, ein reicher Bauer; Emil Lind; Düsterer, sein Schwager_: Ferdinand Bonn; Wastl, Michl, Rosl, Annemirl. Dienstleute bei Grillhofer: Fritz Kampers, Florian Kienzl, Martha Hartmann, Grete Bäck; Die Horlacherlies: Irmgard Richter; Leonhardt, Fuhrknecht; Robert Müller; Poltner. der Bauer an der kahlen Lehnten: Max Zilzer; Sein Weib: Eleonore Ehn; Nazi, Hans, deren Söhne: Heinrich Sohnitzler, Karl Haas; Knechte n�d Mägde im Grillhoferschen Hause. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetterdienst. feportnachrichten. Theater- und Filmdienst. 10.30—12 Uhr abends: Tanzmusik(Tanzorohester Ettö). Königswusterhausen, Sonnabend, den 18. September. 1.10—1.40 Uhr nachm.: Dr. Leonhard Blaß und Konzertvereinigung Berliner Domsänger: Rezitation und musikalische Darbietungen lür Schüler. 3— 3.30 Uhr nachm.: Prof. Amsel und Westermann: Einheitskurzschrift. 3 30—4 Uhr nachm.: Garten- Schulleiter Hübne: Die Pflege des Gemeinschaftssinnes in der Gartenarbeitsschule. 4— 4.30 Uhr nachm.: Dr. Wilhelm Ebert: Die Phänologie im Dienste des Obstbaues. 4.30—5 Uhr nachm.: Mitteilungen des Zentralinstitutes. 5— 5 30 Uhr nnchm.: Dipl.-Handels- lehrer Wieg: Nahrnngsmittelwirtschaft im Weltverkehr. 7.45 Uhr abends: Uobertragung aus Leipzig. M ' V::*>v". _- NESTLE* IDEAL-MILCH ist ideal wie ihr Name Frei von schSdlidien Keimen, ist sie besonders In den von Epidemien gefährdeten Städten unentbehrlich in Jedem Haushält. Ihr Reichtum an Rahm und ihr(eines Aroma rechtfertigen vollauf den Namen„IDEAL' MILCH". Sie slammt aus dem bayerischen Allgäu, dem besten Milchgebiet Deutschlands, und wird unter strengster Kontrolle sowie unter Beobachtung moderner Hygiene hergestellt. IDEAL• MILCH mit abgekochtem Wasser vermischt, ergibt eine kelmtrcle und wohlschmeckende Trinkmilch, IDEAL' MILCH unverdünnt, eignet sich vorzüglich als Zusatz zu Katiee, Kakao und Tee usw., sowie zum Backen und Kochen. Prakiisdie Hausfrauen gebraudien nur noch Ueberau erhäUUdil NESTLE1 liEAl MILCH Verkaufsdirektion: „LINDA"- GESELLSCHAFT»"». Berlin W 57, BGlowsh-afje 56 Nr.»4H» 43. Jahrgang � 0l � C5£� SonnabenS, 7S. September?H2H WirtMastskrife unö Unternehmertum. Eine neue Situation.— Kein neues Programm. Daß das wirtschaftliche Interesse der deutschen Unternehmer ihre Politik bestimmt, nicht umgekehrt die Politik ihr wirtschaftliches Interesse, entspricht dem einfachen Grundgesetzen des kapitalistischen Systems. So mag es zwar sein, daß die politischen Er- klärungen Dr. Siloerbergs sehr bedeutungsvoll und auch das interessanteste an der Dresdener Tagung des Reichsverbandes der deutschen Industrie waren. Die Erklärungen des Geheimrats Kastl, der das Wirtschaftsprogramm des Reichsoerbands vortrug, ziehen jedoch den Erklärungen Silverbergs die Grenzen. Das alte Programm.— Duisburg bestätigt das Fiasko. Vor aller Politik ist doch die Frage entscheidend, was wird aus der W i r t s ch a f t s k r i s i s, mtb was gedenken die Unter- nehmer für ihre Heilung zu tun. Hört man Dulsberg, so ist„eine entscheidende Wendung zum Besseren leider nicht festzustellen�. Dulsberg erblickt mit Recht das entscheidende Symptom der Wirt- schaftslage in der fortdauernden Stagnation der Verarbei- tungs- und Fertigindustrien. Nimmt man die nur vor- übergehend wirkenden Aufträge aus den Notstandsarbeiten hinzu, so ergibt sich auch für den Arbeitsmarkt der Schluß, daß die Besserung der letzten Wochen nur Zufallsmomenten zu danken sein kann. Die Wirlschoslskrisis dauert also fort: aus der Depression wird kein Auf- schwung zur Konjunktur. Das ist eine außerordentlich ernste Tat- fache, um so ernster, als bereits über% Jahre angestrengter und kostspieligster Krisenheilungsoersuche hinter uns liegen. Fragt man nun nach den Vorschlägen des Reichsverbandes, so ergibt sich etwas Ucberraschendes: der Reichsverband antwortet mit seinen Vorschlägen vom Dezember vorigen Jahres. Obwohl in Deutschland ?i Jahre nach der Dezember-Denkschrift des Reichsoerbandes Krisen- Politik gemacht worden ist, obwohl Dulsberg dem Reichsverband das Fiasko selbst bestätigt, das Programm ist dasselbe. Ja noch mehr, daß die Depression fortdauert, das schiebt der Reichs- verband äußeren Faktoren zu. Er läßt es so scheinen, als ob in den% Jahren nur noch nichts oder bei weitem nicht genug geschehen sei, um sein Programm zum Erfolg zu führen. Die private Kapitalblldung sei„allzu lange behindert oder unmöglich gemacht worden', Ungeheurer Aufwand ohne Erfolg. Wäre der Umschwung zur Konjunktur durch Erleichterung der privatenKapitalbildung möglich, er müßte längst da sein. Bon den Schutzzöllen für Industrie und Landwirtschast, die Aus- landskonkurrenz und Preisdruck im Inland fernhalten und die Privatwirtschaft rentabilisieren sollten, wollen wir noch schweigen. Co offensichtlich ihr Mißerfolg ist, die Unternehmer haben in der Schutzzollpolitik des Auslands Entschuldigungsgründe. Aber es gibt tatsächlich keinen Posten in der Bilanz der Privatwirtschaft, der seit dem Ausbruch der Krise nicht ein« starke Entlastung oder ausdrückliche Förderung durch staatliche Maßnahmen gefunden hätte. Die Exportkreditoersicherung ist eine Ristkoentlastung für das Auf- suchen neuer Märkte: die Rusiengarantie schuf die Boraus- fetzungen für zusätzlichen Export. Die Getreidehandelsgesell- schaft, die Ausfallsgarantien bei der Düngerlieferung, die Lombar- dierung der Ernte sollten den produktiven Verbrauch i m I n- l a n d steigern, die Preise schützen und den Absatz fördern. Durch Steuermilderungen wurden der Jndustri« 700 Millionen jährliche Generalspesen abgenommen. Der D i s k o n t satz der Reichsbank erfuhr in knapp 7 Monaten viermal Herabsetzungen, der Lombardsatz sogar fünfmal bis annähernd auf den Vorkriegs- stand. Auch die Zinsspanne wurde mindestens um 1%' Proz. verkürzt. Nach Kastl wurden in diesem Jahre 12S0 Will, private und 900 Millionen öffentliche Anleihen im Inland untergebracht. Auf der ganzen Linie, ob für kurze oder lange Sicht, für In- dustrie oder Landwirtschaft, für Inlands- oder Auslandskredite, find die Finanzierungskosten gesunken. Seit Jahresfrist sind 16000 Firmen verschwunden, die als Konkurrenzfaktor wegfallen. Notstandsarbeiten sind in erster Linie eine sozial- politische Notwendigkeit, dem Staat und die Gemeinden tosten sie nur. D«m Privattapital aber bringen sie Gewinne, und weil Auslandskonkurenz ausgeschaltet ist, höhere Gewinne als sonst. '— Das sind Förderungen der Privatwirtschaft, wie sie in der Ge- schichte des kapitalistischen Systems und in der Krisengeschichte un- erhört sind. Ohne Ausnahme mußten sie in der Richtung der Produktionskostensenkung wirksam werden, und wenn das Rezept de» Reichsverbandes richtig wäre, durch Kostensenkung und Maßnahmen zur Absatzstärtung die private Kapitalbil- d u n g fördern,— Deutschland mühte in Dividenden schwimmen, die Arbeitslosen müßten in die Betriebe zurückgesaugt, die Krise müßte geheill sein. Die W i r t l i ch k e i t zeigt aber das Gegen- teil. Ralionalisierung, die ihren Zweck verschtt. Es ist aber nicht nur ein ungeheurer Aufwand zur Senkung der Produktionskosten von außen erfolgt, sondern auch von innen. Die deutschen Unternehmer haben unter dem Druck der Krise anerkennenswert viel zur Rationalisierung der Produktion getan. Der Staat hat diese Rationalisierung gefördert. Die Ge- wertschaften haben nach dem Urteil von Kastl die Rationalisierung „ohne Doppelzüngigkeit' gutgeheißen: die Arbeiterschaft hat nach dem Urteil von Silverberg große Opfer zu ihrer Durchführung auf sich genommen. Die Rationalisierung der Betriebe hätte, weil die Ersparnis aller Art die Produktionskosten senkt und nach Unter- nehmeransicht die Kapitalbildung fördert, als mächtiger Auftrieb zur Konjunktur wirken müssen. Die kostensparenden Möglichkeiten der Konzentration kommen hinzu. Durch Trustbildung, Fusionen, Jntevessen-, Verkaufs- und Spezialisterungsgemeinschaften, durch Sttllegungen, technischen Ausbau, Automatisierung, Serien- bau und Fließarbeit, durch Verkürzung der Absatzwege im Inland und durch international« Kartelle ist jeder Posten der Betriebs- kaltulation auf die Vermeidung von Falschkosten und die Steige- rung der Gewinne abgestellt worden. Aber diesen An- strengungen, die sehr viel altes Kapital zerstört und neues gekostet haben, fehlt der Erfolg. Der Absatz fehlt, der den Auf- wand rechtfertigt, und die A u s t r ä g e fehlen, die die gesteigerte Leistungsfähigkeit durch Aufsaugung der Arbeitslosen auszunutzen erlauben. So fehlt der Rationalisierung der Produktion bis heute ihr vernünftiger Sinn. Richtige Mittel, aber falsche Zielsetzung. In einer Volkswirtschaft, die zu ihrem normalen Gleichgewicht sich erst zurück finden mußte, in der der Widerspruch zwischen Produktions- und Absatzmöglichkeiten, Gewinnanspruch und tatsäch- licher Rente so weit klaffte, wie in Deutschland, da dursten eben nicht private Kapitolbildung und Gewinnsteigerung, da mußten bewußt Preissenkung und Konsum st ärtung zum Ziele gesetzt werden. Da mußte von vornherein der Gewinn- anspruch den GewinnmSgNchkeiten aus dem vorhandenen, nicht dem gewünschten Absatz angepaßt bleiben. Da mußte das Kapttal nach dem tatsächlichen und zunächst möglichen, nicht nach dem für die Zukunft erhofften Ertrag bestimmt werden. Da durften vor allem die Vorteil«, die die Rationalisierung der Pro- duktion bringen konnte, nicht durch künstlich hochgehaltene Preise und durch Ueberkapitalisterung der Betriebe ihrer Wirkung be- raubt werden. Es waren ja nicht uur der„Vorwärts' und die Marxisten, die das den Unternehmern fortwährend predigten. Es war ein so gut kapitalistisch gesinnter Mann, wie Professor Bonn, der immer wieder die alte kapitalisttsche Unternehmerweisheit unterstrich, daß in einer V e r l u st Wirtschaft Kapital abgeschrieben wer- den, und daß auch aller N e u a u f w a n d verloren gehen muß. be- vor das geschehen ist. Und es ist der gutnationale, von den Kon- seroativen einst so hochgeschätzte Professor Sering, der für die Land- Wirtschaft dasselbe fordert. Zur Forderung der Kapitalabschreibung aber fügten sie die nach niedrigen Preisen im Inland und nach- drücklicher Konsumstärkung. Auch der Allgemeine Deutsche Gewerk- schastsbund, der schon im Januar dieses Jahres die Unzulänglichkeit des Reichsverbandsprogramms vom Dezember nachwies, befindet sich also in bester Gesellschaft von Kennern der kapitalistischen Wirtschaft. Von allen diesen Dingen aber steht in der Rede des Gchcimrats Kastl nichts. Der Reichsverband der deutschen Industrie bleibt bei der gefährlichsten Illusion, daß die Krise nur durch die Förderung der privaten Kapitalbildung gelöst werden kann. Damit aber wird die Feststellung Duisbergs, daß man in Deutschland d a b e sei, „den Arbeitsprozeß, den Verkaufsapparat sowie die Generalspesen zu verbilligen, um so die Waren dem Verbraucher preis- werter liefern zu können', ein frommer persönlicher Wunsch. Nichts ändert sich an der alten Haltung der Unternehmer, die für alle Wirtschaftspolitik und alle Krisenmaßnahmen den Vorrang des Dividenden st andpunktes fordern. Um so mehr mutz die Arbeiterschaft darauf dringen, daß Rattonalisierung der Industrie einer Steigerung des Massenwohlstandes nutzbar gemacht wird. ic— r. vom �rbeitsmarkt See Jabritarbeiter. Nach der Arbeitslosenstatistik des F a b r i ta r b e i te r verban- des und des Keramischen Bundes ist entgegen der allgemeinen Senkung der Erwerbslosenzahl eine teilweise Verschlechte- rung des Beschäftigungsgrades eingetreten. Die Kurz- arbeit hat allerdings eine stärkere Abnahme erfahren. Alles in allem zeigt aber die Arbeitslosenstatistit dieser Organisation, daß von einer allgemeinen Besserung der Arbeitsmarktlage kaum gesprochen werden kann.. r Insgesamt wurden von der Statistik 363 016 Mitglieder erfaßt. Hiervon waren arbeitslos 43 025 männliche und 13 042 weibliche, insgesamt 56067 Mitglieder. Verkürzt arbeiteten 29 680 männliche, 14 299 weibliche Mitglieder, insgesamt 43 979 Mitglieder. Auf je 100 männliche Mitglieder entfielen 15,3 Arbeitslose und 10,5 Kurzarbeiter, auf je 100 weibliche Mitglieder 15,8 Arbeitslose und 17,5 Kurzarbeiter, auf je 100 Mitglieder insgesamt 15,4 Arbeitslose und 12.1 Kurzarbeiter. Der Arbeitsmarkt liegt für die weib- lichen Mitglieder noch schlechter als für ihre männlichen Kollegen. Ein Vergleich mit den Ergebnissen der Arbeitslosenstatistik der Vormonate ergibt ein wenig erfreuliches Bild über die Entwicklung des Arbeitsmarktes. Von je 100 Mitgliedern Fabrikarbeiterverband lBisheriger Unnang).. Gruppe Glasindustrie: früber GlaSarb.-Verband Gruppe Porzellanindustrie: früber Porzellanarbeiter- Verband...... I Die Arbeitslosigkeit im Fabrilarbeiterverband(bisheriger Um- fang einschließlich in Gruppe G r o b k e r a m i k) stieg von 14,7 Ende Juli auf 15,1 Ende August. Die Kurzarbeit hat immerhin«inen Rückgang erfahren von 11.4 auf 9.7 Proz. Die Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit in der Glasindustrie zeigt gegenüber Juni eher eine Ver- fchlechterung. Zwar fiel der Anteil der Vollerwerbslosen von 19,2 auf 19.1. dagegen stieg der Anteil der Kurzarbeiter von 7,0 aus 19,1 Proz. In der Porzellanindustrie zeigen die statistischen Erg4nisse ein« erfreulich« Besserung an. Der Anteil der Voll- erwerbslosen fiel von 17,5 Ende Juni auf 14,6 Ende August, der Anteil der Kurzarbeiter von 25,0 auf 22,6 Proz. Inimer sind noch 25, 30, ja fast 40 Proz. der Mitglieder voll- ständig arbeitslos oder durch Kurzarbeit in ihrem Verdienst be- schränkt. Besonders groß ist die Arbeitslosigkeit immer noch in der Gummiindustrie, in der bayerischen Glasindustrie, in der sächsischen Papiererzeugungsindustrie und in der Spielwarenindustrie des Sonneberger Bezirks. weitere öesserung in der Montanindustrie. Günstige Rückwirkungen auf die Reichsbahn. Während die Lage der deutschen verarbeitenden Industrie fort- gesetzt ungünstig bleibt, hat für die Steinkohlen, und Eisen- i n d u st r i e der Fortsall der englischen Konkurrenz und die Be- lieferung der früher von England beherrschten Märkte weiterhin günstige Wirkungen. Die monatliche Ruhrkohlenförderung ist in den fünf Monaten von April bis August von 7,76 aus 9,80 Millionen Tonnen oder um 26 Proz. gestiegen, die Oberschlesiens von 1.2 auf 1,56 Millionen Tonnen oder um 30 Proz. Die werktägliche Förderung im Monat August beträgt für das Ruhrgebiet 396 000 Tonnen und hat damit die werktägliche Höchstleistung von 1913 mit 389 500 Tonnen um 1,7 Proz. überholt. Die außerordentlich günstigen Förderziffern werden noch Übertrossen von den Absatz- zissern, da gleichzeitig auch die Zechenlager geräumt werden. Die Haldenbestände des Ruhrbsrgbaues allein sind von Mai bis Ende August von 2,1 auf 0,7 Millionen Tonnen, das ist auf ein Drittel zurückgegangen. Die Kokshestände gingen im August ebenfalls, und zwar zum erstenmal, fühlbar von 3,4 auf 3,0 Millionen Tonnen zurück. Ueberraschend groß sind die Veränderun- gen In der Kohlenhandelsbilanz. Von April bis Ende Juli, also in vier Monaten, ist die monatliche Kohlenausfuhr Deutsch- lands von 1,28 auf 3,64 Millionen Tonnen, also das dreifache gestiegen. Die Kohleneinsuhr ging in der gleichen Zeit von 0,33 auf 0,12 Millionen Tonnen, das ist fast ein Drittel, zurück. Der Ausfuhrüberschuß, der 1913 im Monatsdurchschnitt 2,19 Millionen Tonnen betrug, stieg April bis Ende Juli von 0,95 auf 3,52 Millionen Tonnen, also fast das Vierfache und übertraf denjenigen.von 1913 um über 60 Proz. Es ist verständlich, daß angesichts dieser glänzenden Absatzentwicklung, die ein« ebensogroße Gewinnst« ig erung bedeutet, die Ruhrzechenbesttzer bestrebt sind, st i l l g e l e g t e Zechenanlagen schnellstens wieder in Betrieb zu setzen. So wird aus den letzten Tagen vom Lothringen konzery, als auch von der Gelsenkirchencr Berawerksgesellschaft die Wiederinbe- triebnahme mehrerer Zechen gemeldet. In der E i s e n i n d u st r i e liegen die Dinge ähnlich, wenn die Produktionssteigerung auch noch nicht so groß ist, daß schon für Oktober«ine neuerliche Herabsetzung der Einschränkungsquote zu erwarten wäre. Jedensalls hat nach„Stahl und Eisen' im August die Roheisengewinnung mit 850 208 Tonnen die des Monats Juli(767 862 Tonnen) wieder um mehr als 10 Proz. und damit auch die günstigen Ziffern vom Juli vorigen Jahres übcrtroffen. Wie stark auch diese Entwicklung von den englischen Verhältnissen beeinflußt ist, zeigt die Tatsache, daß die Zahl der in England noch unter Feuer gehaltenen Hochösen auf sechs und die englische Roheisenerzeugung im August dieses Jahres aus 13 600 Tonnen zurückgegangen ist gegenüber 444 500 Tonnen im gleichen Monat des Vorjahres. Für die Wagenge st ellung und damit die Einnahmen der Reichsbahn ergaben sich naturgemäß sehr günstige Folgen. Der Bericht der Reichsbahn führt selbst die arbeitstägliche Mehr- anforderung von Wagen für August(4800 Wagen) in der Haupt- fache auf die Konjunktur der Ruhrindustrie zurück. In der Ein- nahmen- und Ausgabenrechnung der Reichsbahn blieb im Juli zum erstenmal seit Jahresbeginn eine Mehreinnahme: die Juli- einnahmen stiegen gegenüber von 372,66 auf 410,59 Millionen. während die Ausgaben nur von 379,75 auf 400,95 Millionen an- wuchsen. Der Staatskredit in der Sowjetunion. Sest 1922 werden in der Sowjetunion wieder st a a t l i ch« Kreditoperatiouen vorgenommen. Die Bedingungen für die Unterbringung der Anleihen in der Sowjetunion waren in der ganzen Zett höchst ungünstig. Die ununterbrochenen Wirtschafts- kiscn, die schwankende Währung, der Kapitalmangel im Lande usw. hindern die Herstellung einer normalen Kreditwirtschaft. In den ersten Iahren konnten die Anleihen nur auf dem Zwangs- w e g e hereingebracht werden. Die Ergebnisse waren dementsprechend sehr kläglich, so daß das Finanzkommissariat sich gezwungen sah, zum System der sogenannten freiwilligen Anleihen überzugehen, wobei die staatlichen Institute nach wie vor einen Teil ihrer Mittel in staatlichen Kreditpapieren anzulegen haben. »Ekonomitscheskaja Shisn', die sowjetamtliche Wirts chasts- zeituna', gibt in ihren Nummern vom 24. August und 5. Sepiember eine llebersicht der Kreditwirtschaft in der Sowjetunion. Die Staatsverschuldung erreichte am 1. Juli 1926 die Höhe von 689,Mill. Rubel. Abgesehen von der Wirtschaftsaufbauanlcihe, die dazu bestimmt ist, den Wirtschaftsorganen die notwendigen Mittel zur Wiederherstellung des Grundkapitals zu beschaffen, beträgt die Verschuldung 406,6 Mill. Rubel. Der mittlere Zinssatz beträgt 12 Proz., ein kleiner Teil der Anleihen wird mtt weniger als 10 Proz. verzinst, ein wesentlich größerer mit über 15 Proz. Das Budgetjahr 1925/26, d. h. das erste Jahr, auf das wesentliche Zahlungen zur Tilgung der Anleihen entfallen, weist ein negatives Ergebnis der Kreditwirtschaft auf: Die Ausgaben(zur Tilgung der Anleihen) in Höhe von 137,8 Mill. übersteigen wesentlich die vorgesehenen Ein- nahmen in Höhe von 120 Mill. Rubel. Für das Jahr 1926/27 sind zur Tilgung der Anleihen 92 Mill., für das Jahr 1927/28 187 Mill. und für das Jahr 1928,29 119 Mill. Rubel vorgesehen. „Ekonomitscheskaja Shisn' klärt gleichfalls darüber auf, wie sich die Anleihen zwischen den staatlichen Organen und den Privat- Personen verteilen. Danach entfielen am 1. Mai 1926(ohne die Wirtschaftsaufbauanleihe) auf die Staatsorgane 68,8 Proz. und auf Privatpersonen 31,2 Proz. der Staatsanleihen. Als tatsächliche Anleihen sind jedoch nur diejenigen Summen zu be- trachten, die von Privatpersonen ausgebracht werden und die in Wirklichkeit neu herangezogenes Kapital darstellen, im Gegensatz zu den von den staatlichen Organen erhaltenen Summen, die keinen neuen Zuwachs der Staatsmittel bilden. Reuartige Absahfinanzierung. Nach dem erfolgreichen Vorbild der amerikanischen Konsumfinanzierungsgesellschasten ist. wie„Die Textilwoche' mitteilt, erstmalig in einer für deutsch« VerhälMiss« ge- eigneten Form mit Unterstützung der Banken unter der Firma Kundenkredit G. m. b. H., Königsberg i. P., von 23 namhaften Königsberg«? Einzelhandelsgeschäften«in Unternehmen begründet worden, das direkt an Verbraucher Kredite auf die Dauer von 3 bis 12 Monaten gewähren soll, um Angehörigen aller Schichten der Bevölkerung notwendige Anschaffungen von bleibendem Gebrauchswert auf dem Kreditweg« zu ermöglichen. Die Kreditgewährung erfolgt in folgender Form: Der Kreditnehmer er- hält nach Vorlegung von Ausweisen, Beibringung von Sicherheiten usw. in der Geschäftsstelle der Gesellschaft einen Warenkredit- b ri« f in der gewünschten Höhe für die Zeit von 3 bis 12 Monaten. Dieser Kreditbrief enthüll ein« Reih« von Zahlungsanweisungen, die an den Kassen der angeschlossenen Geschäfte wie bares Geld in Zahlung genommen werden. Der Käufer hat also die Gewähr, genau wie jeder ander«, gegen Barzahlung kaufende Kunde ohne Preis- a u s s ch l a g bedient zu werden, da er die Schecks erst nach er- folgtem Einkauf an der Kasse des Geschäfts in Zahlung gibt. Die Waren werden zwecks Verhütung von Mihbräuchen niemals per- sönlich mitgegeben, sondern nur ins Haus geliefert. Di« Gesellschaft berechnet für die Hergabe der Kredite eine Verwaltungs- gebühr von monatlich 1 Proz. des jeweiligen Schuldbetrages, was einer Verzinsung des Gesamtbetrages von etwa 6Mi Proz. jährlich entspricht. Di« Abzahlung erfolgt in gleichen Monatsraten, deren pünktliche Jnnehaltung Voraussetzung des ganzen Systems ist. Der Kreis der angeschlossenen Geschäfte erstreckt sich mif fast alle für die Ratenzahlung geeigneten Waren. Die Finanzierung des Unter- nehmens ist durch ausreichende Bankkredite gesichert. Elettrizllälslleserungsgesellschasl. In der gestrigen außerordent- lichen Generalversammlung der Elektrizitätslieserungsgesellschaft wur- den die Anträge der Verwaltung über Erhöhung des Grundkapitals um 5 Millionen Mark Stammaktien auf 25 Millionen Mark einstimmig genehmigt. Dabei wurde mitgeteilt, daß während der ersten sechs Monate des laufenden Jahres die Ueberschüsse der Betriebe denen des Borjahres entsprechen, wobei eine erheblich« Steige- rung der Anschlüsse zu verzeichnen ist. Die der Gesellschaft nahestehenden Unternehmungen haben bisher der Wirtschaftslage cnt- sprechend die Ergebnisse des Vorjahres nicht erreicht, doch müssen die für das Stromlieferungsgeschäft wichtigen Resultate des 2. Semesters abgewartet werden. Wenn nicht unvorhergefelien« Verhältnisse«in- treten, wird mit der gleichcn Dividende wie im Vorjahre gerechnet werden können. Amerikanische lendenzmeldungen über Aufträge nach Deutschland. Aus amerikanischer Quelle wurde kürzlich gemeldet, daß von amerikanischen Einkäufern aus der jüngst stattgehabten Nürnberger Spielwarcnschau Aufträge im Gesamtbetrage von 1,5 Mill. Dollar gegeben worden seien. Der„Konj.-Korr.' wird hierzu von zu- ständiger Seite mitgeteilt, daß an dieser Nachricht kein wahres Wort ist. Es wurde lediglich ein einziges Schaustück im Werte von 300 M. verkauft. Rückgang der Bestände des Branntweinmonopol». Im August wurden vom Reichsbranntweinmonopol 23 596 Hektoliter Weingeist hergestellt. Der Absatz war wesentlich größer, so daß die Bestände, die Anfang August noch 1 433 833 Hektoliter betragen hatten, sich auf 1 217 832 Hektoliter ermäßigten. \i\ Berlin. " 30 Kinos Die Unehelichen Alhambra-Llchtsplele, Berlin, Müllerstraße 136(ab 24. 9. 26) Alhambra-Llchtsplele, Berlin, Koppenstraße 29(ab 24. 9. 26) Amor-Llchtsplele, Wilmersdorf, Uhlandstraße 8t(ab 24. 9 26) B. T. L.-Llchtsplele. Berlin, Potsdamer Straße 33(ab 24. 9. 26) B. T. L.-Llchtspiele, Moabit Turmstrafle 12(ab 24. 9. 26) B. T. L.-Llchtspiele, Friedenau, Rheinstraßo 14(ab 17. 9. 26) Concordia Palast Spandau, Klosterstr. 13 15(ab 24. 9. 26) Colosseum-Llchtsplele, Berlin, SchönhauS,.-Alleo123(ab 24. 9.26) Excelslor-Llchtsplele, Neukölln, Bergstraße 136/37(ab 21. 9. 26) Flimeck-Llchtsplele, Berlin. Ska- litzer Straße 94(ab 24. 9. 26) Filmburs-Llchtsplele, Steglitz, Schloßstraße 92(ab 17. 9. 26) F. T.- Lichtspiele, Berlin. Hasenheide 28/31(ab 21. 9. 26) Humboldt-Theater, Berlin. Badstrafle 19(ab 24. 9. 26) Kant-Lichtspiele, Charlottenburg, Kantstraße 54(ab 24. 9. 26) Kukuk-Llchtspicle, Neukölln. KottbusserDamm 92(ab 17.9. 26) Metropalast Berlin, Chaussee- Straße 30/31(ab 24. 9. 26) Prater-Lichtsplele, Berlin, Kastanlenallee 7/9(ab 24. 9. 26) Rollkrus-Llchtsplele, Neukölln, Hermannplatz(ab 24. 9. 26) Residenz-Lichtspiele, Potsdam (ab 17. 9. 26) SQdstem-Lichtsplele, Neukölln, Knesebeckstr. 113(ab 24. 9. 26) Schwarzer Adler, Lichtenberg, Frankfurt Allee 99(ab 17. 9. 26) Siern-Llchtspiele, Neukölln, Hermannstraße 49(ab 17. 9. 26) Turma-Palast Schöneberg, Hauptstraße 144(ab 17. 9. 26) Ufa-Theater, Berlin, Weinbergsweg 16/17(ab 17. 9. 26) Ufa-Theater, Weißensee, Antonplatz(ab 17. 9. 26) Ufa-Theater, Berlin, Am Frie- drichshain(ab 24. 9. 26) Union-Theater, Cöpenick, Cöllnischer Platz(ab 24. 9. 26) L'nlon-Theater, Tegel, Bahnhofstraße 2(ab 24. 9. 26) VIktorla-Llchtsplele. Lichtenberg, Frankfurt. Allee 48(ab 24. 9. 26) Wittelsbach-Lichtspiele, Wilmersdorf, Berliner Str. 166(ab 24. 9. 26) % Für Oktober haben den Film bisher schon weitere 40 Kinos � 6«rlin Idealer Llcdllplelel OIW. Staats-Theater Opernhnu» a. Platz d.Republ 8 U.: Der fliegende Holländer. Schauspielhaus 8 Unr Die Räuber Schiller- Theater 8: Die Welt, in der msn sich Isneweilt SWiidie IM Charlottenburg 6>/, Uhr: Trislan und Isolde Abonn.-Ttirr.us III Dentsdiet Theater Norden 10334-38 4 Uhr Androklut und der Löwe Von Bernard Shaw Regie: Erich Enge Kaounerspiele Norden 10334—38 8l/4 Uhr: WeeK-end (Ueber'n Sonntag) von Noel Coward Regie: Erich Engel Die Komödie ÖismarcK 2414. 7516 H Uhr: die Gefangene Von Bourdet Regie M. Reinhardt Sffü Kurfürst 6456 8 Uhr: Internat. Variete Sonntags S*1 zu ermäß.Prels das volle Programm Volksbühne Iii. am Säilfbaiienlamm Täglich 8 Uhr: Das üraiiinal des onbekannteo iheater am Bülowplah 7'/, Uhr: Faust Morgen 8 Uhr: Judith Soldaten. «HOS« ES SCHÄI.'SPIELHOUS Täglich 8-/a Uhr Ende präzise 11 Uhr Preise M. 1.00—15.00. Sonntag nachni.3 Uhr nncekürzte Vorstellung zu crniHßiart. Preisen cYyv-yv�nrvirv-yvTp-vTyTfyvr JKomiscSke Cpcr Direktion: Hanns Otto Boyen Der große"J Operettenerfolg � Jidwienne Allabendlich 8 Uhr ■'- nd fc r W"» Die neue MALIER- REVUE unbCLUy Theater i. AAniralspalasi TA glich<3 Vi Uh r Täglich tS1/* Ohr Sonntags 2%%Uu�:Ur Nachmittags die ganze Vorstellung xu Halben Preisen/ Und das Ist Revue, meine C er r scharten 2 Auädies» m Kampf quellen in lex-hem Jilrom die üpnig- eten. pbantaslißchsten Bilder... Und es putatedt flu Rausch in Farben, Stoffen und Formen, wie er nicht üppiger geträumt werden kann. Mi tue) Wallner-Tb- Direkt: F. Meysei Heute u. folg. Tage „Basemann's Töchter" Anfang 8 Uhr Relchshalien-Theater vlabeudlich 8 Uhr und Soirataq nachmittags 3 Uhr Slelfiner Sänger Singende Bäume Nachmittes halbe Preise, volles Programm! Oonhofr-Brett'l (Saal c.Gart.); Varletö-Konzert-Tanz Lola Menzel! das unerrelcbteTanzphänomcn im Rahmen des großen ISegtember-Spielplansl Friedenspreise! Rauchen gestattet! Sonntags 3»°. ErniäSigte preise! KRONE _ Nur noch Pf bis S.Oktober Kaiser-jltlee Telephon Pfaleburg 7915, Täglich abends 8 Uhr Sonnabend u Sonntag MW" 2 Vorstellungen 1MU nachm. 4 und abends 8 Uhr Preise, nur Sitzplätze, von 6b Pf. bis 10 M. Nachm. Kinder bis 12 Jahre halbe Preise! Vorverkaul ununterbrochen ab lOUhr Circuskasson. A. Wertheim und K d W. Tierschau 6VJ."0ni.'c.he 2 Giraffen, 24 Elefanten, 2 Seebären, sowie Inder- und Abnormitätenschau tätlich üb Vi 10 Uhr seSffnet. 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Viertel Kleines TN.«»/, Die fleißige Leserin Theater des Westos Iiictln»: Stiinpl. 931 Täglich 8 Uhr: Die Revue Der Zug nadi dem Westen Sonntag nachm 3 Uhr: Die tanze Vorstellung zu halben Preisen: Birmnkr-Sihna Theater itODiBgraizAtr. TcHasenheidZUO 8 Uhr: Zveimal Olim Tele Norden 6304 8 Uhr Hose-Theater 8'/. Uhr: Die Stecknadel im Heuwagen T&eafera.Hoftß.Tor Kottbusser Str. 6 8 Uhr, Sonnt 3 Uhr Elite- Sänger mit Bnselli SOPf.tus 2.60 Gönnt nchm halbe Preise ÜOttDU S Uhr,(- i T» in � Oealscbes (finsd.- Thealer h'/, Uhr: Veronika Lessing-The&ter 8 Uhr; Cromwell Th. a.Kurfürstendaniin 8 Uhr; Lustspielhaus ultr Kukuli Unterhaltung unö �Vissen Vie perle. 61 Von Jack London. Um drei Uhr morgens war dem Orkan das Rückgrat gebrochen. Um fünf Uhr wehte nur noch eine steife Brise. Und um sechs Uhr war es totenstill, und die Sonne schien. Die See hatte sich gelegt. An dem noch unruhigen Rande der Lagune sah Mapuhi die zer» fleischten Leichen derer, denen die Landung mißglückt war. Zweifel- los waren Tefara und Rauri unter ihnen. Er ging suchend am Strande entlang und fand seine Frau, die halb im, halb über dem Wasser lag. Er setzte sich nieder und weint« mit den tierischen Lauten primitiven Kummers. Da bewegte sie sich unruhig und stöhnte. Er blickte genauer hin. Sie lebte nicht nur, sie war sogar unverletzt. Sie schlief. Auch sie hatte das Glück des einen von zehn gehabt. Von den zwölfhundert, die die Insel am Abend zuvor belebt hatten, waren nur dreihundert übrig. Der Mormonenmissionar und ein Polizist nahmen die Zählung vor. Die Lagune war mit Leichen übersät. Nicht ein Haus, nicht eine Hütte stand mehr. Auf dein ganzen Atoll war nicht ein Stein auf dem anderen geblieben. Von je fünfzig Kokospalmen stand noch eine, aber auch sie waren Wracks, und auf keiner war auch nur eine Nuß geblieben. Es gab kein frisches Wasser. Die Brunnen waren mit Salzwasser gefüllt. Aus der Lagune wurden drei durchnäßte Mehlsäcke gefischt. Die Ueber- lebenden schnitten das Mark aus den gestürzten Kokospalmen und aßen es. Hier und da krochen sie in winzige Hütten, die sie machten, indem sie Löcher in den Sand gruben und sie mit Resten von Blechdächern überdeckten Der Missionar oerfertigte einen rohen Brennkolben, konnte aber nicht genug Wasser für dreihundert Menschen destillieren. Als Raoul am Ende des zweiten Tages in der Lagune badete, entdeckte er, daß sein Durst dadurch etwas ge. stillt wurde. Er. rief die Neuigkeit aus, und gleich darauf konnte man dreihundert Männer, Frauen und Kinder bis an den Hals im Wasser stehen und durch die Haut die Feuchtigkeit aufsaugen sehen. Ihr« Toten schwammen um sie her oder lagen auf dem Grunde, so daß man auf sie trat. Am dritten Tage wurden sie begraben, dann setzte man sich hin, um aus die Hilfsdampfer zu warten. Inzwischen erlebte Rauri, die der Orkan ihrer Familie ent- rissen hatte, ein Abenteuer aus eigene Faust. An eine ungehobelte Planke geklammert, die sie oerletzte und quetschte und ihren Körper mit Splittern zerriß, wurde sie quer über das Atoll ins offene Meer geschwemmt. Unter dem erstaunlichen Schwoll wahrer Berge von Wasser entglitt ihr die Planke. Sie war eine alte Frau, nahe an die sechzig, aber sie war in Paumotu geboren und hatte ihr ganzes Leben am Meere verlebt. In der Finsternis schwimmend, kämpfend, erstickend, nach Luft schnappend, erhielt sie einen heftigen Schlag an die Schulter von einer Kokosnuß. Im selben Augenblick war ihr Plan gefaßt, und sie ergriff die Nuß. Im Lause der nächsten Swnde fischte sie noch sieben dazu auf. Zusammengebunden. bildeten sie einen Rcttungsgürtel. der ihr zwar das Leben rettete, sie ober gleichzeitig kurz und klein zu stoßen drohte. Sie war eine fette Frau und leicht zu quetschen, aber sie wußte mit Orkanen Be° scheid, und während sie zu ihrem Haigott um Schutz vor Haien betete, wartete sie darauf, daß der Wind sich legen sollte. Um drei Uhr war sie jedoch so erstarrt, daß sie die Besinnung verlor. Als es um sechs ruhig wurde, merkte sie auch nichts davon. Sie erwachte erst aus ihrer Bewußtlosigkeit, als sie auf den Strand geworfen wurde. Mit aufgerissenen, blutenden Händen und Füßen grub und stemmte sie sich gegen den Rückschlag der Wellen, bis sie aus ihrem Bereiche war. Sie wußte, wo sie sich befand. Dies Land konnte nichts anderes sein, als die kleine Insel Takokota. Sie besaß kein« Lagune. Nie- wand lebte auf ihr. Hikueru war fünfzehn Meilen entfernt. Sie konnte Hikueru nicht sehen, wußte aber, daß es gegen Süden lag. Die Tage oergingen, und sie lebte von den Nüssen, die sie über Wasser gehalten hatten. Sie dienten ihr als Trinkwasser und Speise. Aber sie trank und aß nicht so viel, wie sie gern gewollt hätte. Di« Rettung war zweifelhaft. Sie sah den Rauch des Hilfs- dampfers am Horizont, es war aber nicht daran zu denken, daß er etaw hierher nach dem einsamen unbewohnten Takokota kam. Vor allem wurde sie von Leichen gequält. Die See schleuderte sie hartnäckig aus ihr kleines Fleckchen Sand, und, solange Nauris Kröste reichten, warf sie sie ebenso hartnäckig wieder ins Wasser, wo die Haie an ihnen zerrten und sie zerrissen. Als ihre Kräfte nachließen, bekränzte sich der ganze Strand mit Leichen, und sie zog sich, soweit sie konnte— was indessen nicht sehr weit war— von ihnen zurück. Am zehnten Tage war ihre letzte Kokosnuß oerzehrt, und sie schrumpfte vor Durst ein. Sie schleppte sich den Strand entlang aus der Suche nach Kokosnüssen. Es war merkwürdig, daß so viele Leichen angeschwemmt wurden und gar keine Kokosnüsse. Es mußten doch mehr Nüsse als Leichen herumschwimmen. Schließlich gab sie es auf und blieb erschöpft liegen. Das Ende war gekommen; es blieb nichts übrig, als auf den Tod zu warten. Als sie nach kurzer Bewußtlosigkeit wieder zu sich kam, wurde sie gewahr, daß sie auf ein Büschel rotblonden Haares auf dem Kopfe einer Leiche starrte. Die See warf die Leiche heran und riß sie wieder fort. Dann wurde sie umgedreht, und Nauri sah, daß sie kein Gesicht hatte. Und doch war etwas Bekanntes an diesem rot. blonden Haarbüschel. Eine Stunde verging. Sie zerbrach sich nicht den Kopf darüber, wer es sein könnte. Sie wartete auf den Tod, und es war ihr gleichgültig, welcher Mensch dieser Gegenstand des Schreckens einst gewesen sein mochte. Als die Stunde um war, setzte sie sich jedoch langsam auf und betrachtete den Leichnam. Eine ungewöhnlich hohe Welle hotte ihn in den Bereich der kleineren geworfen. Ja, sie hatte recht, dieser Büschel roten Haares konnte nur einem einzigen Manne auf den Paumotuinseln gehören. Es war Levy, der deutsche Jude, der Mann, der die Perle gekaust und auf der„Hira" weggebracht hatte. Nun, jedenfalls war die„Hira" untergegangen. Der Gott der Fischer und Diebe hatte den Perlenhändler im Stich gelassen. Sie kroch zu dem toten Manne. Sein Hemd war zerrissen, und sie konnte den ledernen Geldgurt um seinen Leib sehen. Sie hielt den Atem an und löste die Schnallen. Leichter, als sie erwartet hatte, gaben sie nach, und, den Gurt hinter sich hcrschleppend, kroch sie hastig über den Sand. Eine Tasche des Gurtes nach der anderen öffnete sie und fand sie leer. In der allerletzten aber entdeckte sie die einzige Perle, die er auf dieser Reise gekaust hatte. Um dem Leichengeruch zu entgehen, kroch sie einige Schritte weiter und untersuchte dann die Perle. Es war die, die Mapuhi gefunden und Toriki diesem geraubt hatte. Sie wog sie in der Hand und rollte sie zärtlich hin und her. Aber sie sah nicht ihre innere Schönheit. Was sie sah, war das Haus, das Mapuhi, Tefara und sie so sorgsam in Gedanken erbaut hatten. Jedesmal, wenn sie die Perle betrachtete, sah sie das Haus in allen Einzelheiten, einschließ- lich der achteckigen Wanduhr. Das war etwas, wofür es schon wert war zu leben. Sie riß einen Streifen von ihrem Ahu und band sich die Perle sorgfältig am Halse fest. Dann ging sie keuchend und stöhnend, aber entschlossen, nach Kokosnüssen suchend, den Strand entlang. Bald fand sie eine, und als sie sich umsah, noch eine. Sie brach die eine auf, trank die Milch, die modrig schmeckt«, und aß das Fleisch bis auf den letzten Rest. Ein wenig später fand sie ein zersplittertes Kanu. Der Ausleger fehlte, aber sie war guten Mutes, und ehe der Tag um war, hatte sie ihn gefunden. Jeder Fund war ein glückliches Vorzeickien. Die Perl« war ein Talisman. Spät am Nachmittage sah sie eine Holzkiste tief im Wasser schwimmen. Als Heisterbesthwörung in öer Kpv. .Lenins Geist?� .Ich weih nicht, es sieht eher au» wie eine Spaltung!" sie sie auf den Strand zog. rasselte der Inhalt, und sie fand Dosen mit eingemachtem Lachs darin. Durch Hämmern auf das Kanu öffnete sie eine davon. Sie macht« mit Mühe ein Loch und trank den flüssigen Inhalt. Dann brauchte sie mehrere Stunden, um den Lachs herauszubekommen, indem sie hämmerte und jedes Stückchen einzeln herauspreßte. Noch acht Tage wartete sie auf Hilfe. Unterdessen befestigte sie den Ausleger wieder am Kanu, indem sie ihn mit allen Kokosfasern, deren sie habhaft werden konnte, und den Ueberresten ihres Ahus festsurrte. Das Kanu war bös mitgenommen, und sie konnte es nicht wasserdicht machen, aber sie verstaute als Schöpseimer an Bord eine Kalebasse, die sie aus einer Kokosnuß machte. Schwere Mühe bereitet« ihr das Ruder. Mit einem Stück Blech sägte sie sich alles 5iaar dicht an der Kopjhaut ab, flocht ein Seil daraus und band mit diesem Seil ein drei Fuß langes Stück von einem Besen- stiel an ein Brett von der Lachskiste. Mit den Zähnen nagte sie Keile und keilte damit die Sorring fest.(Schluß folgt.) Das Schaffen Gskar Saums. Von Max B r o d. Ich lernte Baum durch einen gemeinsamen Freund kennen. Das geschah vor vielen Jahren. Damals wußte ich von Oskar Baum nur, daß er in srüher Jugend durch einen unglückseligen Zufall erblindet und in einem Wiener Blindeninstitut erzogen war, wo er durch seine außergewöhnliche literarische und musikalische Begabung sowie durch die ihm von Natur aus zufallende Führerrolle unter den Zöglingen die Aufmerksamkeit der Lehrer aus sich lenkte. Ich war also darauf gefaßt, eine interessante Persönlichkeit kennenzu- lernen. Immerhin hatte ich mir ihn anders vorgestellt: nicht so aufrecht, so heiter und durchaus oersöhnt, mit so viel überschüssiger Kraft der Seele, die immer daraus ausgeht, immer mehr Gegen- ständliches in ihren Bereich zu reißen und unermüdlich an einer eigenen Welt zu bauen. Der erste Eindruck dieser ganz starken Lebens- und Schaffens- kraft scheint richtig gewesen zu sein, denn er hält nun beinahe zwei Dezennien bei mir an und erneuert sich bei jedem neuen Werke, das der Dichter hervorbringt. Ja, er erneuert sich bei jedem Zusammentreffen. Jedesmal strömt Tapferkeit und Stärke von Baums schönen Kopf dem Besucher entgegen, ein herrlicher Atem von Gesundheit, der den Gedanken an sein Gebrechen gar nicht auf- kommen'läßt. Gewiß, es ist seltsam, daß Baum, der von der Natur Mißhandelte, unter uns gleichaltrigen Freunden der erste war, der es wagte, allen dunklen"Mächten zum Trotz ganz festen Fuß auf der Erde zu fassen, indem er sich ein Weib nahm, eine Familie be- gründete, in deren Heim man sich bald wohlsühlt. Und dieselbe Entschlossenheit. Kurzangebundenheit, dasselbe Vertrauen zum Leben, wie er es in seinem Tun erquickend bewährt, kommt auch in seinen Schriften zur Gestaltung, in zweifacher Weise: in der Eigenart der Helden, die er am liebsten darstellt, und in der Art seiner Dar- stellung. Aus derselben Quelle entspringt seine leidenschaftliche Sprechweise, die Fülle von Problemen, die ihn beständig umslattert wie ein dunkler aufgeregter Vogelschwarm. Es ist eine Lust, mit ihm zu debattieren, zu streiten, seinen überraschenden, oft naiven, meist schlagenden Einwendungen sich entgegenzustemmcn. Seine Erzählungen sind brausend, sein Lachen kommt so heftig und uner- sättlich, wie ich mir das Lachen Flauberts vorstelle. Er unterbricht gern den anderen, er spricht:.Wart' einmall": er wiegt sich, daß die Sessclbeine knacken: er fragt nach tausend Dingen und gestaltet zehn- tausend neue zum Entgelt: in allem das kraftvolle Wesen eines Mannes, der der Welt viel abzuverlangen hat, der aber auch sein ganzes Ich einsetzt, um viel in sie hlneinzuformen. Daß Baum blind ist, hat ihm vielleicht ä u ß er l ich manchen literarischen Erfolg gebracht(namentlich an den Vorlesetischen): in der allgemeinen literarischen Beurteilung aber hat es ihm gewiß geschadet. Es hat nämlich diese Beurteilung den Kritikern etwas zu leicht, zu sensationell gemacht. Ein Blinder, der gute Romane schreibt, der Landschaften besser als mancher sehende Dichter aus- breitet, der eine spannende Erzählung mitten ins Lastertreiben der Großstadt, sogar mitten unter Sehende leitet: welch' ein Anlaß für banale Paradoxal Wenige Rezensenten ließen und lassen sie sich entgehen. Ich bin nicht Aesthet oder irgendwelcher Theoretiker genug, um zu leugnen, daß aus Baums Blindsein und aus seiner Blindenersahrung über sich selbst wie über unzählige Schicksals- genossen ein eigenartiger stofflicher Reiz seiner Werke solgt. Auch ich habe bei der Beurteilung seiner ersten Schöpfungen den Fehler begangen, diesen Reiz allzu ausschließlich in den Vordergrund zu stellen. Ich sprach damals von dchi neuen Konflikten der blinden gegen die sehende Welt, die sich ihm darbieten, von der wunderbaren Anschaulichkeit seiner unanschaulichen Welt, von all dem Eindrucks- vollen, das man über Werkzeuge, Taschenuhren, Visionen, Wollungen der Blinden erfährt. All dies bleibt richtig. Aber es ist nicht das Wichttgste an der Persönlichkeit Baums. Und dennoch hängt auch dieses Wichttgste, das ich jetzt an ihm sehe, mit seinem Blind- sein zusammen, wie eben Seele und Körper zusammenhängen.— Da mir nämlich heute acht Bücher Baums vorliegen, hat sich meine Ansicht mehrfach ergänzen müssen. Ich glaube jetzt, daß sein Eigen- tümliches. Wesentlichstes die neue eigene Welt ist, die er in seiner Seele aufbaut, und die Energie, mit der er sich diesem Ausbauen hin- gibt. In einer Novell«.Von den Togen des Arbeits- tosen" hat er selbst geschildert, wie ein Blinder, der viel allein ist, eine phantastische Welt rings um sich schafft und sich in ihr bald sicherer bewegt als in seiner realen Umgebung. Diese Novelle(deren Grundidee Baum in seinem phantastischen Roman«Die v e r-, wandelte W e lt" ins Gigantische vergrößert hat) gibt einen, Hinweis auf die Psychologie seines eigenen Schaffens. Nur daß sein Schassen nicht müßiges Träumen bleibt, sondern verwobenes � Leben, Krostäußerung ati Wirklichkeiten, Expression seiner leiden-! schaftlichen Künstlersormungskraft. Nichts ist ihm natürlicher, als Menschen zu erfinden, Situattonen entstehen zu lassen, ganze Heere. von agierenden Geschöpfen gegeneinanderzusühren. Gleich in seinem ersten Novellenband.U f e r d a s e i n" tritt er j mit diesem eigentümlichen erobernden Griff auf, der aus sich heraus, nicht beliebige reliefartige Räume setzt, sondern eine tüchtige Räum-. lichkeit mit vielen Türen, Treppen aus und ab, lange Gassen, die wirklich ineinander führen, mit Höfen und richtigen Hofzimmern,- aus denen man wirklich hinüberfieht. Sein hieraus entstandener, Roman.Das Leben im Dunkeln", der das Erziehen und i Erzogenwerden in einem Blindeninstitut darstellt, ist ein Meister- werk raumhafter Darstellung. Baums kraftvoller Reichtum konnte. es wagen, in feinen weiteren Romanen:.Die Memoiren der � Frau Marianne R o l l b e r g" und.Die böse Unschuld" (beide aus der Welt der Sehenden) eine ganze Stadt, ein Sommer- frischendorf zu umspannen. In seinem Roman„Die Tür ins Unmögliche" und dem stoffverwandten Drama„D a s Wunder" hat er in dichterischer Verlebendigung ein soziales Problem in eigenartiger neuer Weise zu lösen oersucht. Wie unrecht die Zweifler und Sensationsjäger haben, die auch der Darstellung der normalen Welt durch diesen Dichter nur den Wert einer Spezialität einräumen wollen, und überall das spezifisch Blinde zu erkennen behaupten, wurde jüngst bei einem Preisaus- schreiben unwiderleglich bewiesen. Unter den zwölf Romanen, die aus ZOO anonym eingereichten ausgewählt wurden, befand sich auch ein bunter Gegenwartsroman von Baum,.G. F., der Aben- teurer", ohne daß einem der Preisrichter, denen u. a. auch Ricarda Huch, Blunck und Bernhard Kellermann angehörten, etwas von einer eingeengten oder absonderlichen Weltbetrachtung des Autors aufgefallen wäre. * In seinem neuesten Werk:.Der Weg des blinden B r u n o', mit dessen Abdruck der.Vorwärts" heute beginnt, schildert der Dichter zum ersten Male das Leben eines Blindgeborenen, vom ersten Erwachen des Kindesbewußtseins bis zur Höhe der Mannes- reife, zu Liebesglück und fruchtbarem Schassen. In allen Stadien dieses nur anderen, gleichsam um eine Dimension schmälern Daseins überraschen die geheimnisvollen Kräfte seiner bunten und reich- haltigen Eindrücke, seiner vielsälttgen Arbeitsmöglichkeit und Lebens- sreude. Wie in seinen anderen Romanen aus der sehenden Welt würde auch hier der greifbaren Gegenständlichkeit der Darstellung niemand anmerken, daß der Autor das Sichtbare nur aus blasser Erinnerung kennt. Rast am Gletsther. Von Leopold Loeske. Zweitausend Meter über dem Meere. Vor uns ragende Drei» tausender, hinter uns das tiefe Hochtal. Dazwischen weite, glitzernde, erstarrte Wellen, Firn- und Eisfelder, von dunklen Felsrippen zackig durchrissen. In Frost gebannte Seen und Flüsse, die ringsum die Hänge und Mulden der Gewaltigen umgeben, sich mit breiten Zungen gegen die Täler senken, bis sie plötzlich abbrechen und aus ihrem Untergrunde die Schmelzwässer enfiassen, die tosend über das Gefelse schießen. Was die Wucht der Gletscher, im langsamen Vor- schreiten, unter sich mahlend zermalmt, das führen sie, in gelblicher Trübung zu Tal, und erst weit unten klärt sich das wilde Gewässer. Wir haben den blaugrün schillernden Abbruch des Gletschers gerade über uns. Große Eisblöcke haben sich von ihm gelöst und sind auf das Schneefeld unter ihm gefallen. Einer dieser Blöcke liegt recht handlich. Den Mantel darüber und Rast gehalten! Es wird ja nicht gleich wieder solch ein Eisklotz herabsausen— man wird ein bißchen sorglos in dieser ungebändigten Natur, die ungezählten Jahrtausenden trotzt. Die Sonne steht hoch am Himmel, und der Schnee blendet das Auge, das wir dann nur den grünen Matten und den dunklen Wäldern im Tale zuzuwenden brauchen. Das Rauschen der Gletscher- wässer ist der einzige Laut. Durch seine unendliche Melodie scheint er sich selbst auszulöschen, so daß wir ihn zeitweise aus dem Be- wußtsein verlieren und außer der ergreisenden Einsamkeit eine ungeheure Stille uns zu bannen scheint. Dann wirkt es wie Er- lösung auf den einsam Rastenten, wenn endlich ein Trupp Gipfel- stürmer, mit Seil und Eispiärln, die Serpentinen herausklimmt: langsam und schweigend, denn die Kräfte müssen gespart werden. Eine Weile später kreuzt wieder ein Mensch das Gesichtsfeld. Ein Eingeborener, der Vorräte für die noch ein paar hundert Meter höher gelegene Alpenvereinshütte hinaufbringt. Er trägt über Kopf und Schultern ein Brettgestell, das den Druck der schweren Last ver- teilt. Mit einem„Grüß Gott!" zieht er gebückt vorüber. Der Pflanzenwuchs des Tales hat anderen Gestalten Platz gemacht. Hier und da manch großblütige, farbensatt« Alpenblume. Nicht jede verrät sogleich Nam* und Art. Noch mehr Rätsel gibt uns das Reich der Moose und Flechten hier oben auf, die auf den eisigen Höhen noch ihre Plätzchen suchen. Wenn die Sonne sich senkt oder eine Wolke sie verhüllt, weicht die Wärme plötzlich einem kalten Hauch, der den Mantel über die Schultern zwingt. Schneebedeckte Kämme schwingen sich zu überwältigender Höhe gegen den König dieser Wildnis, den kleinere, abvr nähere Trabanten dem Blick entziehen. Aber an all diesen Majestäten nggen die Gletscherwässer. Sie rauschen und tosen ohn' Unterlaß, Tag und Nacht. Sie haben die Täler geschaffen, und durch die Täler schassen sie die Riesen zu Tal. Sandkorn um Sandkorn, Jahrtausend um Jahrtausend— so wandern die Berge zu Tal, zu Grabe... a» W" Eleg. Mantel} Fescher Mantel v45 - b«tt.CC .Iitr.es.: 75 95 Hemdentuch krUUge QutMt.. Renforce SQddeatHiM Waes....Mr. SS, Pt Maicotin®---> m.«r bannr. Lslbwkaob«.,, Mtr. IS, ff Rein Mako tg/ptiaahe BaanvoBa.Mr. l.tS � pf. LinOn»- brrtt«Ir Ba«. co v&ache......... Str. TS. p{, Linon QC .............. Mtr. 1.46. Pf. Bettsatin»-*«-, qc ............ Ute.«.tO, 7«? Pt Bettsatin HZ Köper-Barchend 7K tO cm Drcit, Toligeblelcat, Mtr. OS, M Pf. Haustuch>£».££: i OC 4 Uge QoaliUU....Mtr. 1.66. tmärn� Inlett»-* Ml-rvaUSt.4 � C 80 cm braU.... Mtr. 1.80,|B®T J Inlett O ISO cmdraS...... SSS, fc, J J Tashemd. Klöppei-ft»-«ad An Tashemd. reicher Stickeret. Hemden leinÄdjgen Qaalitfttni. Hemdhosen�Sä oder KJöppi'igarnltur... S.TA Nachthemden-» Spttr. ad. VUckcrat. 6.76, 6.66 RrimeS-Röcke m. dreiter Stickerei, 3. TS, 2� Garnituren Beinkleid..... fi-SO, S.T8 Hemdhosen k-dm. seidentrikote m. Spitaeo. 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Sepletober. in der Zeil von S— II Uhr vorm., findet im Jlartercc- faal de» Oecbandsbanjes, Linien- (tcafje 83 85, eine Urabstimmung Uber das„Relchsvrbellsabfvmmen für die Montage na» Zentralheizungs- anlagen- statt. Adilimmungsberechilgt ist jeder Kalleae, der mit seinen Beitrügen nicht über sechs Wachen rückstündig ist. DaZ Mitgliedsbuch Ist vorzulegen. Montag, den 20. September, nach- miiings 57, Ahr, Im|>«rferrefaal besOcrbanbebaufes.Cinlcnftr.BS/BS Branchen Versammlung der Bau- und Geldschrautschlossrr. Tagesordnung: 1 Bericht der Branchenlommisfion. 2. Branchenangr iegenhesten. 3. Verschiedenes. Pflicht eines jeden Kollegen ist es, in dieser Versammlung zu erscheinen. Ohne Mitgliedsbuch fein Zutritt. Montag, den 20. September, nach mittag» 4 Ahr, Im Lokal»an Bf anj litt, Obcrlaabftrab* 1 und vlenntag, den 21. September,»ach. mittags 4 Ahr, Im Lakai»an Lange, Blagbahnffrah» 4 Zwei Jugend-Versammlungen des Bezirks 6(Tempelhos). Tagesordnung:.Der iuternafio> nole Demerlschastsdund und die Jugend". Lehrlinge, jugendliche Arbeiter und Ardeiierinnen der Beiriebe in Tempelhos, erjcheint restlos in dieser Versammlung. Bringt die unorganiflerten Arbeits- tollegen ntill Sic Ortsoenoattang. Verkäufe Trost Teilzahlung sofort«lappsport- wagen, Kinderwagen. Kinderdetten. drei- monatlich. Diskretion zugesichert. Ball, Grofie ssrantfurtsrftrafie 47._• Teppich. Schräg er»erteuft Teppiche. Lüuferstoffe, Tischdecken, Diwandecken, Steppdecken, Gardinen, Stores. Bettbecken. Beauemste Zahlungsericich te» rung. Ztwalidenstrafie 141.• Bcldeiäunqssliicke. Wische us* Wenig getragene, teils auf Selbe ae- arbeitete, erstklassige Jackettanzllae. Krack- anzllge. Smokinganziige. 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