ttr.4»S»4A.7ahrg. Musgabe A Nr. 22b Bezugspreis. .#* WStentlich 70 Pfenui«, wonakvt S.— R-ichsinarl voran»»ahlbor. Unier 5trcu»bailh für Deutschlan». ikci�ia. Saar, und Remrlaobiot. � rürrreich. Litauen, Lurembure ».ZV Reichsmarl, fttr da» üdrifl» Ausland 5�0 Reichsniarl pro Monat. Scr.Vorwdrt»' mit der Muyriev- Kn Sonntaosdeilag««Boll und Zeit" iomi: den Beilagen»Unterhaltung und Willen*.»Au» der ffilmwelt*. ..llrauenltimui«*.»Der Kinder» lreund*, �Iugend-BorwZrts* uud »Blick in di« SüdictroeU" erscheint mcchrntäolich zweimal. Sonntag, und Montags einmal. T clegromm-Adreff«: �Soztoldematro« Berlin* Sonntagsausgabe (iS Pfennig� � Anzeigenpreise: Dir e I n s v a l t I g« Roiivareille. »eil« 80 Pfennig. RrN-nnezeile 8.— Reichsmark.»Kleine An, eigen* da, fettgedruckt« Wort 28 Pfennig fzulüfsia»wei fettgedruckt« Worte). iede» weiter« Wort 12 Pfennig. Stellengefuch« das«rst« Wort 18 Pfennig, iedes weiter« Wort 10 Pfennig. Worte über 18 Buch- haben»üblen ftlt»wei Wort«. Arbeitsniarkt geil« 60 Pfennig. isamilicnonzeigcn für Abonnenten Zeil«<0 Pfennig. Devlinev Volksvl�kk Zcntralorgan der Sozialdemokratifcbcn Partei Deutfchlands Anzeigen für die n Ich Ii« Rümmer lnttffen bis m Uhr nachmittag» im SaugtgefchSft, Berlin EW 68, Linden. hroheZ. abgegeben wgrden. ibeiffnet von SM Uhr früh ti» 8 Uhr irochm. ReÜaktion unö Verlag: Serlin SV. öS, Linüenftraße Z Fernsprecher: Tönhoff 292—297. Sonntag, den 19. September 1926 vorwärts-verlag G.m.b.H., Serlin SV. öS, Linüenstr.Z Poftfcheckkonto:«erlin z? 83»—«ankkouto:«»»I der Arbeit««, Angeftrltea und Beamte». Wallftr. 68t Diskonto.»esellichaft. Deiohtenkalle Lindenftr.>. Auf nach Treptow! Abschluß der Werbewoche: Massenaufmarsch der Gewerkschaften. ver Ullgemeiae veuische Gewerk- schastbbund, Orlsousschuh Verlin, und der Zl l l g e- meine sreie vngesielltenbund. Ortskariell Verlin. erl äffen zum Heuligen Tage folgende Kundgebung: Fünfundzwanzig Jahre internationale Gewerkschafts- arbeit bedeuten fünfundzwanzig Jahre Kampf um die elementarsten Rechte der Arbeitnehmerfchaft. Die heutige Kundgebung der Berliner Gewerkschaften in Treptow soll erneut Kunde geben von dem unbeugsamen Willen der organisierten Arbeitnehmerschaft, fest und entschlossen, allen Widerständen zum Trotz, diesen Kampf weiter zu führen. Arbeiter, Angestellte! Noch stehen die Grund- rechte die euch die Verfassung gewährleistet, nur auf dem Papier. Sie werden erst dann lebendig und Wirklichkeit werden, wenn die Arbeitnehmerschaft ihre Macht erkannt hat und diese Macht zu gebrauchen versteht! wenn die gesamte Arbeitnehmerschaft ihre Klassenlage erkannt und ihrzumBcwußtsein gekommen ist, daß sie n u r e i n i g und geschlossen sich aus den Niederungen des Lebens erheben, zu höheren tultur- und menschenwürdigen Zuständen emporsteigen kann. Nicht eure Schuld ist es, wenn die arbeitende Klaffe immer noch in Wirtschaft, Staat und Gesellschaft nicht den Platz einnimmt, der ihr, als der Trägerin der Gesellschaft, gebührt. Ihr habt den Weg und die Mittel erkannt. die euch aus eurem Elendsdasein heraus und einer besieren Zukunft entgegenführen. Ihr habt erkannt, daß Weg und Mittel dazu d i e Organisationen sind, und zwar starke und machtvolle Organisationen. Schuld an allem, was heute die Arbeitnehmerschaft noch zu tragen und zu leiden hat, sind jene, die heute noch abseits stehen und mit verschränkten Armen gleichgültig zusehen dem Kämpfen und Ring� ihrer organisierten Klassengenossen. Das ist das große Heer der In- d i f f e r e n t e n, das immer nur erntet ohne zu säen. Ohne Arbeit keine Ernte, ohne Kampf keinen Sieg! Euren Willen zum Kampf für eure Menschenrechte! Eure Entschloffenheit. weiter mitzuarbeiten an dem Aus- bau und der Stärkung der gewerkschaftlichen Organisationen, die allein den Sieg verbürgen, das sollt ihr durch die Kund- gebung heute in aller Oeffentlichkeit demon- st r i e r e n! Allen Abseits st ehenden und Gleichgültigen sollt ihr sichtbar und deutlich kundtun, daß auch sie in eure Reihen gehören, daß sie sich an ihrer Familie und an ihrer Klasse versündigen, wenn sie noch weiter in ihrer Gleichgültig- keit verharren. � Arbeiter, Angestellte! Ihr wißt, wofür ihr demonstriert. Ihr kennt die Ziele der Gewerkschaften: denn sie sind klar«nd eindeutig: wirlschafilicher und sozialer Aufstieg! Gleiche, Recht! Zeit uud Muhe für Lebensfreude und Lebensgenuß! Gleichberechtigte Anteilnahme an allen Errungenschaften der Kultur! Arbeiter und Angestellte! Das Ziel ist des Kampfes wert. Aber d i e A u f g a b e n, die wir zur Erreichung dieses Zieles zu erfüllen haben, sind groß. Wir werden es schaffen, wenn wir nur wollen: wenn wir einig und geschlossen mit nie verzagendem Mute, die Bahn weiter schreiten, die uns d i e Gewerkschaften, oereint mit der gesamten Arbeiter- bewegung, gewiesen haben. Arbeiter und Angestellte! Diesem Wollen gilt der heulige Tag. Darum heraus zur Kundgebung in Treptow, bei der kein organisierter Arbeitnehmer, ob Mann. ob Frau, ob Jugendlicher, fehlen darf! Das einigende Band. Gewerkschaften, Partei und presse. Auf dem historischen Boden des Treptower Parks wird heute das arbeitende Volk Berlins aufmarschieren. D i e Gewerkschaften haben gerufen, das arbeitende Volk wird ihrem Rufe folgen. Die internationale gewerkschaftliche Werbewoche findet damit für die Hauptstadt der deutschen Republik ihren macht- vollen Abschluß. Noch einmal wird denen, die noch immer unschlüssig beiseite stehen, in eindrucksvoller Weise gezeigt werden, welche Macht in der Vereinigung liegt. Auch dieses Gewaltige, das in dem Massenaufmarsch nach Treptow in Erscheinung treten wird, ist binnen wenigen Jahr- zehnten aus geringen Anfängen entstanden. Und wenn wir heute ehrend der L e g i e n, der H u e, der B ö m e l b u r g und der unzähligen Namenlosen gedenken, die.dieser großen Bewegung vorangeschritten sind, so wollen wir auch nicht ver- gessen, daß ihnen die Flamme der sozial! st ischen Erkenntnis auf ihrem Wege vorangeleuchtet hat und daß sie ebenso gute Sozialdemokraten wie Gewerk- schaflsgenossen gewesen sind. Gewerkschaften und Sozialdemokratie sind in Deutschland durch die Gemeinsamkeit ihrer Geschichte auf das engste ver- bunden. Es ist kein großer gewerkschaftlicher Kampf geführt worden, in dem sich nicht das Plut der Partei mit dem der Gewerkschaften gemischt hätte. Das Soziali st engesetz traf die Anfänge der gewerkschaftlichen Bewegung ebenso schwer wie die Anfänge der Partei, von seinem Fall her datiert der ungestüme Aufschwung auch der Gewerkschaften. Das Zuchthausgesetz sollte die Gewerkschaften ver- nichten. es war die Sozialdemokratische Partei, die— weil ihr die Waffe des politischen Kampfes anvertraut war— vorsprang und den Ueberfall vereitelte. Als die Republik durch den Ka p p- P u t s ch bedroht war, da waren es die Gewerkschaften und Sozialdemokratie zusammen, die durch den Generalstreik der Gewaltherrschast in wenigen Tagen ein ruhmloses Ende bereiteten. Und so eng wie die Partei selbst ist auch ihr Blatt, der „Vorwärts", mit der gewerkschaftlichen Bewegung Ber- lins und ganz Deutschlands verbunden. Seine Bände sind auf nicht wenigen ihrer Seiten eine Geschichte der deutschen und der internationalen Gewerkschaftsbewegung. Roch immer gilt das Wort, daß das arbeitende Bolk nur auf die eigene Kraft vertrauen kann und daß es sich daher in seinen wirt- schaftlichen und politischen Kämpfen auf keine andere Presse stützen kann als auf die Arbeiterpresse. Bon ihr bildet die eigentliche Gewerkschaftspreffe eine wichtiges Glied, aber die Gewerkschaften können ihre Kämpfe nicht führen ohne die Waffe der politischen Tagespresse. Disse allein, d. h. die sozialdemokratische Tagcspreffe allem bildet das einigende Band, das mit jedem Tage alle gewerkschaftlich Organisierten umschließt und dem ungeheuren Körper der Organisation die nötige Beweglichkeit sichert. So hat es der„V o r w ä r t s" stets als eine seiner vor- nehmsten Aufgaben betrachtet, sich in den Dienst der gewerk- schaftlichen Bewegung zu stellen Er hat stets den Stand- punkt vertreten, daß beide Zweige der Arbeiterbewegung, Gewerkschaften und Partei, i n n e r l i ch g e s ch l o s s e n und mit einander einig sein müssen, wenn die Sache des werk- tätigen Volkes vorwärts gebracht werden soll. Er war auch stets mit den Gewerkschaften einig in der grundsätzlichen Ueberzeugung, daß der Siegespveis im Kampf gegen die kapitalistische Ausbeutung nicht von hoff- nungslos oerelendeten, verzweifelten Massen, sondern nur von einer kräftigen, zuversichtlichen, auf der Stufenbahn des Er- f o l g e s aufsteigenden Arbeiterklasse gewonnen werden kann. Er hat darum auch stets den Wahn bekämpft, daß sich die soziale Befreiung des Proletariats vollziehen könne als eine Kette von Rebellionen gegen die eigene Führung. In diesem Sinne wissen wir uns eins mit den Massen, die heute in Treptow aufmarschieren, um allen Gegnern und Gleichgültigen eine Vorstellung davon zu geben, was der Geist der organisatorischen Disziplin, der Geist der Ar- beitersolidarität zu leisten vermag. Wo gewerk- schaftlich organisierte Arbeiter und Angestellte marschieren und wo sie kämpfen, da marschieren und kämpfen auch die Sozialdemokraten und die Leser der sozialdemokratischen Arbeiterpresse. Für sie alle gilt nur eine Parole. Im Kamps gegen das kapitalssttsche System, für die Freiheit der Arbeit: B»rw«irts? Aufmarschplan der Gewerffchasten. Aug 1: MfM-Sunü, Grtskartell Serlin. Sammelplatz: Norckstraße— ah Grohbeerenstrahe bis Belle-Zllliance- Straße und Tneisenaustraße— ab Belle-Alliance-Straße bis Zossener Straße(Mittelpromenade).— Abmarsch: 1 Uhr. Bankangestellte. Sammelplatz: Französische Straße(Berbandshaus).— Abmarsch: UV, Uhr. Zug 2: Saugewerbe und Steininöustrie. (Vaugewerksbund, Verband der Zimmerer. Verband der Steinarbeiter. Verband der Maler.) hauptsammelplah: Tngeluser— ab Micha et kirchplatz bis Adalbertbrücke.— Abmarsch: 1 Uhr. llnterbezirke. Sammelplatz: Weberwiese. Front noch Groß« Frankfurter Straße. (Sammelstelle für die Bezirke: Osten l und II. Nordosten, Weißensee, Lichtenberg, Köpenick, Friedrichshagen, Friedrichs- selbe.) Führung: Bezirk Osten II.— Abmarsch: 12 Uhr. Sammelplatz: Gustav-Äeyer-Allee, Front nach der Brunnenstraße. «Sammelstelle für die Bezirke: Wedding. Gesundbrunnen, Reinickendorf-Ost und-West, Tegel, Heiligensee, Hennigs- darf, Pankow, Heinersdorf, Norden I und II, Moabit.)— Abmarsch: 11 Uhr. Sammelplatz: Norckstraße ab Kaßbachstraße bi« Großbeerenstraße. Front nach der Großbeerenstraße.(Sammelstelle für die Bezirke: Charlottenburg, Wilmersdorf, Friedenau,«schöne- bera, Lichterfelde, Lichtenrade, Zehlendors, Steglitz, Matten- darf, Marienfelde, Teltow, Tempelhos, Südwesten.)— Abmarsch: 12 Uhr. Sammelplatz: Reuterplatz. Front nach Kaiser-Friedrich-Straße. (Sammelstelle für die Bezirke: Neukölln I, II und III.)— Abmarsch: 12% Uhr.— Die Bezirke Süden, Treptow, Baum- schulenweg, Niederschöneweide, Adlershof, Grünau, Spandau fahren direkt nach dem Hauptsammelplatz Engeluser. Nicht- genannte Bezirke schließen sich der nächsten Sammelstelle an. Steinarbeiter. Sammelplatz: Bethanienufer— ab Adalbertbrücke bis Engelbecken. Anschluß an Zug 2. Maler. Sammelplatz: Melchiorstrahe über Mtchoelkirchplotz. Anschluß an Zug 2. Zimmerer. Sammelplatz:. Bundeshaus Wallstraße Ecke Inselstraße. Anschluß an Zug 2.— Abmarsch: 12� Uhr. Dachdecker. Sammelplatz: Bethanienufer, ab Adalbertstraße bis Engelbecken. Anschluß an Zug 2. Zug Z: Sekleidungs» und Textilindustrie. (Vekleidungsarbeitervsrband. Hutarbeiterverband. Zriseur- gehilfenverband. Textilarbeiterverband.) Sammelplatz: Lustgarten(nicht wie bisher angegeben Bundes- Haus).— Abmarsch: 1 Uhr. Zug 4: lthemisthe Industrie- Fabrikarbeiter. Sammelplatz: Andreasplatz.— Abmarsch: 1 Uhr. Zug 5: Graphisches Gewerbe. < Verband der Lithographen und Steindrucker, Verband der Buchdrucker, Buchbinder und Verband der graphischen Hilfsarbeiter.) Sammetplah: Gendarmenmartt.— Abmarsch: 1 Uhr. Zug 6: hanöel und verkehr. lVerkehrsbund und Einheitsverband der Eisenbahner.)- Sammelplatz: Mariannenplatz.— Abmarsch: 1 Uhr. Eisenbahner. Sammelplatz: Bethanienufer von Adalbertstraße bis Mariannen. platz. Anschluß an Zug 6. Zug 7: Holzindustrie. (Holzarbeilerverband. Verband der Böttcher.) Sammelplatz: Am Köllnischen Park.— Abmarsch: 1 Uhr. Bnterbezirke. Zentrum: vor dem Verbandshaus, Am Köllnischen Part. Süden: Oranienplatz(Ecke bei Maßen). Südosten: Lausitzer Platz, an der Waldemarstraße. Südwesten: Mittenwalder Straße 16. Osten I und Bordoslen: Frankfurter Alle« Ecke Koppenstraße (Mittelpromenade). Osten II, III und östliche Vororte: Warschauer Straße, Eck« Frank» furter Allee(Mittelpromenade). Borden: Prenzlauer Allee(Promenade an der Bötzow-Brauerei). Bordwesten: Raoeneftraße(vor dem Lokal von Mecklenburg). Beukölln: Maybachufer, Ecke Kottbusser Damm. UZeißensee: Vor dem Prälaten. Musikinstrumenlenarbeiler: Wallnertheaterstrahe(Wallner-Theater). Stockarbeiler: Micha elkirchstr. 29a(vor dem Lokal von Prasser). vergolder und Rahmenmacher: Adalbertfir. 2k(vor dem Lokal von Kraatz). Stellmacher: Sophienstr. 5(vor dem Lokal von Hummel). Modell- und(fabriklischler: Neue Friedrichstr. k(vor dem Lokal von Nehring). Kammacher: Wusterhausener Str. 17. Kisten- und Kosfermacher: Krautstr. 24 bei Nicksch. Schneidemüller und Sägereiarbeiler: Boekers Garten. Weberstr. 17. Abmarsch aller Unterbezirke und Branchen 12 Uhr.— Alle nicht aufgeführten Branchen und Bezirke treffen sich Runge» straße 30(vor dem VerbandshausX Di« arbeitslosen Kollegen gehen zu den Treffpunkten ihrer Branchen oder Wohnbezirke. Zug 8: Lebens» und Genußmittelindustrie. (Bihnmgs- and Genußmiktelarbeiterverband. Cebensmittel- und GetrSnkearbelterverband. Hotel-, Restaurant- and TaftS- angestelltenverbaad, verband der Fleischer. Tabakarbeiterverband.) Sammclptatz: Rofenthaler Platz.— Abmarsch: 1 Uhr Betrieb Hildebrandt. Sammelplatz: Brunnenplatz.— Abmarsch: 12% Uhr. Zug st: Lederindustrie. ( Lederarbeikerverband. Sattlerverband. SchuhmocherverbaadH Sammelplatz: Grimmpark, ab Dieffenbachstraße bis Urbanstraße.— Abmarsch: 1 Uhr. Zug 10: Metallindustrie. (Metallarbeitervcrband. verband der Maschinisten und Heiner, Verband der Kupferschmiede.) Sammelplatz: Schloßplatz.— Abmarsch: 1 Uhr. Maschinisten und Heizer. Sammelplatz: Gewerkschaftehau». Anschluß an Zug 10.— Abmarsch: 12 Uhr. Zug 11: Staatliche und kommunale Getriebe. ,(verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter.) hauplsammelplah: Stralauer Platz.— Abmarsch: 1 Uhr. llnlerbezirke. Sammelplatz: Küstriner Platz(Osten, Nordosten— Bezirke 17, 18 und 19).— Abmarsch: 12)4 Uhr. Sammelplatz: Johannisstraße(Norden, Nordwesten, Zentrum— Bezirks 8 und 20).— Abmarsch: 12 Uhr. Sammelplatz: Lausitzcr Platz(Süden, Südwesten— Bezirke 13, 14 und 15).— Abmarsch: 12% Uhr. Sammelplatz: Bautzencr Straße(Westen— Bezirke 7, 9, 10, 11 und 12).— Abmarsch: 11% Uhr.— Anschluß an Zug 11. Zug 12: Landwirtschaft u. Gärtnerei, Theater u. Muslk (verband der Gärtner, Verband der Musiker, Deutsche Film- gewerkschafi.) Sammelplatz: Oranienplatz.— Abmarsch: 1 Uhr. die Kundgebung nimmt folgenden Verlauf: Punkt 2% Uhr eröffnet ein großes Orchester des Deutschen ZNusikerverbaades die Kundgebung mit dem Vortrag eines Musikstückes. hierauf folgt Chorgesang, vorgetragen von Gesangvereinen des Arbeitersängerbunde». Bach dem Gesang werden 10 Redner der würde de» Tage» entsprechende Ansprachen halten. Es sprechen die Genossen: Hermann Müller, Willy Eggert, Otto Z i s k a. Otto O r t m a n n. Karl P o l e n» k e. Hermann Harnisch. Wilhelm Ploog, Willy Vr-ügemüller. Hans G o t t s u r ch t und Paul Rothe. Dle Zugführer hoben dafür Sorge zu trogen, bah die Züge von Ihren Sammelplätzen pünktlich abmarschieren, damit auch dle Kundgebung in Treptow pünktlich beginnen kann. Die Führer der Bezirk,- m,d Untergruppe« müssen auch dafür sorgen, daß diese rechtzeitig an den hauplsammelplähen eintreffen. wovon man nicht fpricht. Gelbe, Pommersche Junker und„Rote Fahne". Als dem Derichterstater des.Vorwärts", dem Genossen H e i n i g. die Einreise nach Rußland nicht gestattet wurde, veröffentlichte das hiesige Organ der russischen Botschaft die faulen amtlichen russischen Ausreden. Wir wiesen darauf hin, daß dem Führer der Gelben. dem Deutschnationalen G e i s l e r. die Einreise gestattet worden sei. Dazu schwieg das hiesige Organ der russischen Botschaft. Da dies Organ vorgibt, Arbeiterinteressev zu vertreten, durfte es die freundlichen Beziehungen der russischen Regierung zu den Gelben nicht erwähnen. Wir veröffentlichten weiter den Bericht zweier deutsch» nationaler Junker, der Herren v. Rohr-Haus Demmin und v. Brockhausen» Mi ttelfelde über ihre Rußland» reise. Sie hotten die Einreiseerlaubnis erhalten. Auch davon spricht man im hiesigen Organ der ruffischen Botschaft ukcht. Dafür spricht darüber jetzk die.Aommunlstifche Arbeit crzejtun g": „Es liegt uns fern, die preußischen Junter al» Krön- zeugen für die Wahrheit über Rußland heranzuziehen. Wir geben auf ihre Bericht« so viel, wie wir aus die Berichte der sazialdemokratischen Arbeiter- delegation geben. Kein Mensch nimmt heute die Bericht« der ersten deutschen Arbeiterdelegation mehr ernst! Sie war vor dem 14. Parteitag der Bolschewik! in Rußland anwesend, und hat von den Problemen, die für den russischen Aufbau von entscheidender Bedeutung sind und die gesamte bolschewistische Partei in eine tiese � Krise stürzten, nichts gemerkt, und damit dokumentiert, daß st» blind war sür die Dinge, die für das Proletariat wichtig silid. Aber wir erlauben uns die Frage: Wie kommt Geisier, der Führer der Gelben, wie kommen die Herren von und zu nach Rußland? Wenn ein revolutionärer Staat die erbltterfften Feinde der proletarischen Revolution fernhält— dazu gehören in erster Linie die Sozialdemokraten—, wäre dos sein gutes Recht. Aber die Sozialdemokraten fernhal- t e n mit der Begründung, daß sie konterrevolutionär seien und die Revolution diskreditieren, und dem sonstigen gelben und Monarch! st ischen Geschmeiß die Tore zu öffnen, erscheint uns etwas eigenartig. Wir können verstehen, daß die„Rote Fahne", die sonst so laut kräht, beharrlich schweigt. Hier ist Schweigen, wenn auch nicht gerade Gold, so doch bester wie Reden. Noch eine andere Frage ist in diesem Zusammenhang wichtig. Jeder Arbeiter kennt die revolutionäre Tradition und die Ber- gangenheit der KAPD.. Die KAPD. hat anläßlich der „Crstendeutschen Arbeiterdelegation" sich selb st bereit erklärt, und. das Verlangen brieflich und durch die Presse an die maßgebenden Instanzen gerichtet, s e l b st eine Delegation zu organisieren. Man konnte natürlich nicht d i e Argumente bringen, die für die Sozialdemokratie zutreffen, denn diese Demagogie hätte nicht verfangen. Man zog es vor, un» nicht zu antworten, und überlieferte die Briefe dem Papierkorb! Ein Beweis dafür, daß man nicht an das kritische Verständnis revolutionärer Arbeiter appelliert und die konterrevolutionären Eindringlinge zurückweist, fondern daß man im Auge hat, den Delegationen der Kapitalisten, der Junker. der Gelben usw. zu beweisen, daß Rußland ein Land musterhaster Ordnung ist, von dem in revolutionärer Beziehung nichts mehr zu fürchten ist. Sie kehren alle befriedigt zurück, und der zynische Hohn der Herren von und zu über die„zweite Arbeiterdelegation" spricht geradezu Bände." Was dem Führer der Gelben, was den dcutschnationalen Junkern gestattet wurde, blieb also auch der Kommunistischen Arbeiterpartei verweigert! Das hiesige Organ der russischen Botschaft wird auch davon nicht sprechen. Wollte es reden, es müßte— gewollt oder nichtgewollt— die zweite Rußlanddelegation, die es jetzt zu feiern verpflichtet ist, in einer Front mit Herrn G e i s l e r und den pommeiffchen Juntern zeigen. Ueberwachung des Rundfunks. Einsetzung eines Politischen Ausschusses. Auf Grund eines besonderen Paragraphen in der Genehm!» gungsurkunde für die F u n k st u n d e in Berlin zur Benutzung der Funksendeanlage der Deutschen Reichspost für die Zwecke des Unterhaltungsrundfunks ist jetzt o»m Reichsminister des Innern et» politischer Ueberwachungsausschuß eingesetzt worden. Dieser Ausschuß setzt stch aus folgenden drei Mitgliedern zu- sammen: Oberregierungsrat Erich Scholz(Reichsministerium des Innern), Ernst Heil mann, M. d. L., Generalsekretär Oswald Riedel» M.d.L. Die beiden letztgenannten Mitglieder sind von der preußischen Staatsregierung bestimmt worden, während Ober- regierongsrat Scholz von der Reichsregierung eingesetzt ist. Die Tätigkeit des Ausschusses bezweckt die politische U e b e r- wachung des Vortrags- und Nachrichtendienstes der Berliner Sendegeselllchast.' Der Ueherwachungsausschuß■ hat ferner dl« Entscheidung über alle mit der Programmgestaltung zu- sammenhängenden politischen Fragen in Händen. vi« mexikanischen Bandilen, die an der Ermordung des Amen- koners R o> e n t h a l beteiligt waren, stnd festgenommen worden. Sie waren geständig und wurden nach dem Ort der Tat trans- portiert. Wie die Polizei erklärte, versuchten Anhänger der Bon- dkten die Festgenommenen zu befreien. Im Verlaus des Kampfes wurden 13 Banditen getötet. /Ilania feis panier! von Paul Gut mann. Do» Ideal der Backfische und grünen Jungen waren in Deutsch- (and seit altersher der Leutnant und der Couleurstudent. Bunte Farben tragen, die Hocken vorm HShergestellten zusammen kloppsn, den Untergeordneten frech durchs Monokel beäugen, nachlässsg mit schnarrender Stimme Antwort und Befehle zu erteilen, das galt als schneidig, ebenso wie der studentisch« Comment mit seinem Drum und Dran von mittelolterllchem Firlefanz al» der Gipfel männlich vornehmer LetSttgung angesehen wurde und wird. So mancher Jüngling, der stch hüten muß, in seinem Beruf dem Kunden mit dem Rasiermesser auch nur die Wange zu ritzen, würde einen halben Monatsgehalt opfern, wenn er stch das Gesicht nach Art der Korps- studenten zerhacken lassen könnte. Saufen und grölen, ein wüstes Leben führen, aber immer unter einer Art militärischen Drills, immer mit Bierjungeneifer gegen das höhere und mit Lierjungen» frechheit gegen da» jüngore Semester, das ist dem Burschen seine höchste Freud. Schneidigkett ist gleichbedeutend mit Roheit und scheinheiliger Unterwürfigkett. Was stch da vor den Schranken in Magdeburg abgespielt Hot, ist unter anderem auch die Tragödie des dummen Jungen, der, zu jeglicher Arbeit zu faul und überdies von einem kläglichen Dünkel befallen, den Proletarier, unter den er sozial tief gestellt ist, überlegen verachtet. Jen« Schicht Entgleister und Verkommener hatte eine Blütezeit, als da» völkische Landstnechttum triumphierte, sie mußte sich»ach anderer Betätigung umsehen, als dle Kurse des militaristischen Rowdyunwesen» gefallen waren. Man tonnte nicht mehr den Schnösel herausbeißen, man mimt» nunmehr den Akademiker. Mit Schmissen im Geficht, selbst wenn sie künstlich beigebracht sind, läßt sich in Deutschland viel erreichen. Man ge- winnt Mädchenlieb« und Kredit, man wird überall al» Respekts- persen behandelt. Der Titel:„Herr Doktor" entfacht da» Höchste an Gefühlen. Selbst hohe Gerichtspcrsonen lassen sich von akademischer Scheingeistigkeit betören. Da» Können und der Geist werden durch mdianerhaste Tätowierung bekundet, und ein mit Schmissen bedeckter Idiot ist etwas ganz andere» als etwa ein Sattler, selbst wenn er es bis zum Präsidenten gebracht hat. So hat der Kümmerling, der ein paar Wochen durch die um ihn aufgeführte Tragikomödie von Magdeburg aus die zivilisierte Welt in Atem gehatten hat. den Geist seiner deutschen Mitwelt gut erfaßt. Das faffch« Korps Alania war nicht nur der Tummelplatz jugendlicher Affen, e» sollt« da» Sprungbrett zu bürgerlichen Ehren sein, genau wie ein echtes Korps. Nur da« bunte Eouleurband, der keck« Bierzipfel, verbindet mit jener die guten Stellungen besitzenden und vergebenden Gesellschaft, so war dem Mörder von Groß- rottmersleben klar, nicht etwa die mangelhaft bezahlte proletarische Leistung. Und wieviel vornehmer ist solch ein Biername wie „Tonne" oder �lmor" als Müller oder Schröder! Jene mickrigen jugendliche« Spießer, dle in der Scheinver- bindung Alania ihr« Mensuren fochten, wie mögen sie über dl« ehrsamen Verwandten und Bekannten sich erhaben gefühlt haben, denen das Schicksal das Mal anständiger Arbeit auf die Stirn ge- drückt hat. Wie lechzten sie danach, von einem Assessor oder gar Landgerichtsrat als seinesgleichen behandelt zu werden, dessen geistige Befähigung durch legitim erworbene Schmisse betundet zu sein pflegt. In dieser Sphäre leuchtete dem Mörder Schröder sogar einen Augenblick die Gunst des Schicksals, als es ihm, dem Falsch- spieler. gelang, der amtlich abgestempelten Intelligenz Zeugendienste zu leisten. Die Dummejungenverbindung Alania, die Schröder zu den Ihrigen gezählt hat, ist aber nicht nur ein Zerrbild studentischer Gebräuche: in diesem Fäulnisprodukt spiegelt sich eine Gesellschaft, die den Schein anbetet und Roheit mit Männlichkeit oerwechselt. Gustav Noethe. Der LUeraturhistoriker m» der Berliner Univerlltttt Bros. Roethe ist am ilrelto« nachmittoq in Bad Gastein tm»». Lesteneiahr einem S*r,,schla« erlesen. Gr war Pritstdent der»««tde-Gesellschoft und stilndiger SekretSr der Vrrusti scheu Akademie der Wissenschoftru. Als Gustav Roethe vor unaelähr 25 Iahren nach Berlin ckam, stand der liebenswürdig», menschlich so wertvolle und allen Freun- den der graziösen Wissenichast hochwillkommene Erich Schmidt auf der Höhe seines akademischen Ruhmes. Erich Schmidt lehrte den modernen Teil der Germanistik, Roethe sollte die jungen Menschen in die althochdeutsche und mittelhochdeutsche Literatur einführen. Die Studenten fürchten den Mann, der aus Göttingen kam und als eine große Leuchte des gelehrten Alexandrinertunis galt. Man er- zählte sich, daß Roethe, der wenig gechrieben hatte und auf kein großes Werk der Zusammenfassung und großzügigen philologischen Gliederung hinweisen konnte, trotzdem alle Mysterien der Genna- nistit in seinem Kopf herumtrug. Wirtlich, wir Studenten, die wir uns in seinem Seminar abmühten, waren deprimiert und gleich- zeitig von tiefem Respekt bewegt durch die Unsumme von stupenden Kenntnissen, die Roethe stets bei der Hand hatte. Doch die lern- eifrige Jugend, die ihn anstaunte, fühlte sich von ihrem Ordinarius der Germanistik stets etwas gezwiebelt. Man bewunderte die Liebe des Lehrers zum Detail, man wunderte stch aber, daß der deutsche Geist von einem seiner bedeutendsten Träger durch soviel I-Punkte und philologische Spitzfindigkeiten oerbarritadiert wurde. Man lernte viel bei Roethe, man lernte nur nicht die Liebe zur Dichtung und zu dem großen blühenden Leben der Dichter. Roethe setzte eigentlich fort, was unsere Gymnasialpauker an uns verbrochen hatten: er verekelte die deutsche Literatur. So sehr war Roethe ein fanatischer Schriftgelehrter, daß man diesen Deutschtümler oft als einen Talmudtsten der Germanistik bezeichnen hörte. Vor 25 Jahren war die Zeit des beginnenden Frauenstudium». Die meisten Berliner Professoren, die in Einklang mit dem humanen Geist der Zeit kommen wollien, eröffneten den Studentinnen freudig die Hörsäle. Roethe allein schloß die Frauen von seine» Borlesungen und Uebungen aus, und er tat es so bissig und reaktionär und ohne Sinn und verstand, daß er sehr schnell zur komischen Figur wurde. Erich Schmidt hatte die entzückenden Germanistenabende eingerichtet, an denen sich die Jugend und das Alter traf. Auch Roethe' erschien dort manchmal: aber die Atmosphäre wurde eisiger, sobald er Plag nahm. Der große Man auf seinem Ehrenplatz schrumpfte nicht nur vor seinen sarkastischen Kollegen zusammen, er wurde auch bald sür die jüngeren Leute vom Bau ein Gegenstand des geheimen oder offenen Spottes. Trotzdem war er der Gewaltige, und man ver- mutete bis zum Weltkriege nicht, daß Roethe ganz tief in die Riede- rungen der schlechten DeMgogie hineinsteigen wurde. Roethe war stolz darauf, daß die besseren Köpfe in Deutschland über ihn lachten, er verserkerte noch an der Universität und in der Akademie herum, aber er war doch schon zum toten Mann in den Augen aller ge- worden, die da meinen, daß blinder Fanatismus nicht gerade zu den Tugenden eines Lehrers der edlen Germanistik gehört. M. H. Skandal im Residenzlhealer. Im Restdenztheater kam es bei der Ausführung de» französischen Schwankes„Absteigequartier" zu einem Skandal. Man stritt über die Zuläsfigkeit oder Unz,- lässiakeit von einigen Schweinereien. Die Polizei entschied gegen die Pfuiruser und nahm den Houptschreier in Gewahrsam. Der Theaterkrttiker kann sich auf die Mitteilung dieses Ereignisses be- schränken, denn die Zote ist in dem Stück Selbstzweck, und man spekuliert so stark auf Dummköpfe und sexual« Psadsindcr, daß durch besonderen Anschlag Jugendlichen der Eintritt oerboten wird. Es ist möglich, daß auch die letzten Lebegreise das Beispiel der Jugend nachahmen und hübsch zu Hause bleiben. m. b. Mehr Volk! Ein Photooraphenkunststück, das um seiner Originalität und um seiner sonstigen Bedeutung willen bekannt zu werden verdient, hat die kürzlich stattgefundenc Nürnberger Armee- und Marinefeier gezeitigt. Ein nationalistisches Blatt brachte von diesen Feiern photographische Ausnahmen eines Teiles des großen Festzuges. Die„Münchener Post" berichtet über diese Bilder:„Bei näherem Zusehen entdeckten wir, daß ganze Gruppen von Zu- schauern zweimal hintereinander zu erkennen sind. Der rassinierte Retoucheur hat sich ein niedliches Schwindelkunsfftück geleistet. Er hat von zwei gleichen Photographien einen Teil herausgeschnitten, die Stücke entsprechend anelnandergeklebt und Hoch einmal photo- graphiert. So staffeln sich auf dem Bilde dicht gedrängt hinterein- ander die Zuschauermassen und man hat den Eindruck, als ob der Bürgersteig bis rückwärts an die Häuser vollgepsropst gewesen wäre. In Wirklichkeit säumte nur ein recht magerer Strang von Zuschauern den Bürgersteia." Man kann nicht'umhin, daran zu denken, wie einst Kaiser Wilhelm aus einem Bilde des Berliner Moler» Skarbina von einer Balkonrede Kaiser Wilhelm» vom Berliner Schloß„Mehr Volk!" zu sehen wünschte. Eine deutsche Vlbliothek. Zu der Unioersal-Bibliothek der Verlagsbuchhandlung Philipp Reclam ist jetzt ein ausführlicher Schlag- und Stichwortkatalog herausgekommen. Der Katalog er- möglicht es, sich in dieser Bibliothek, die jetzt bereits über'6600 Nummern umfaßt, zurechtzufinden, und man stellt mit Erstaunen von neuem den umfassenden Charakter der Sammlung fest. Dle Memolrea der Witwe Lenin». Die Witwe Lenin», N. 5kruvskaja, hat soeben ihre Leben« erwnerungen veröffentlicht. Sie sind in Buchform im Moskauer Staats oerlag erschienen. Stäötetag und Erwerbslose. Bessere Fürsorge für die Ausgesteuerten! k. Sleitln, 18. September.(Eigener Drahtbericht.) Im Mittelpunkt der heutigen Verhandlungen des Aädtetages stand das Thema Arbeitslosigkeit. Bedauerlicherweise hatte man als Referenten einen reinen Theoretiker, den Professor Z w i e- d e n e ck- Südenhorst, gewonnen, der In seiner akademischen Vor- tragswdse sich weder nach Form noch Inhalt auf die Teilnehmer des Städtetages einzustellen vermochte. Um den Geist seiner Aus« führungen zu tcnnzeichnen, genügt«s, darauf hinzuweisen, daß seine Leitsätze, die er klugerweise aber im letzten Augenblick zurückzog,«inen scharfen Angriff auf die Arbeitslosenversicherung enthalten. Demgegenüber fand das Korr«ferat unseres Genossen, Stadt- verordneten G ö r l i n g e r- Köln, die weitest« Beachtung und leb- hafte Zustimmung. Gärlinger verlangte sorgfältigere Führung der Statistik der Arbeitslosen, Ausdehnung der Erhebungen auf die Fest- stellung von Beruf und Alter sowie auf die Dau«r der Arbeit»- losigkeit. Ferner Schaffung einer Fürsorge st ati st ik auf Grund der Fürsorgcpflichtverordnung und d«s Reichsjugend- wohlfahrtsgesetzes. Gärlinger wies auf die großen Volkswirtschaft- lichen und sozialpolitischen Gefahren der Erwerbslosigkeit hin. Er verlangte zur Bkhebung der Arbeitslosigkeit volle Ausnutzung der Produktionsfahigkeit unserer Wirtschaft und Steigerung des Aus» landsabsatzes, Bekämpfung des Raubbaus der Arbeitskraft, Durchführung der Arbeitslosenversicherung. Er trat serner für die Durchführung des Arbeitsbeschaffungspro. grainnis der Regierung ein, wies aber darauf hin, daß dieses Programm für die großen Städte keine wesent- liche Entlastung bedeute. Für diese komme in erster Linie energische Durchführung des Wohnungsbauprogramms in Frage. Daneben spiele noch die Frage der inneren Kolonisation und der Ersetzung ausländischer Wanderarbeiter durch inländische Kräfte eine größere Rolle. Nach einem weiteren Korreferat des Rechtsanwalts Klein- dienst- Augsburg mußte wegen der vorgerückten Zeit auf eine Debatte verzichtet werden. Der Städtetag faßte seine Stellung- nähme zur Arbeitslosigkeit in einer Resolution zusammen, in der es unter anderem heißt: „Die Arbeitslosigkeit kann nicht allein durch Abhilfemaß- nahmen der Gemeinden überwunden werden. Mit Notstands- arbeiten kann immer nur ein kleiner Bruchteil von Arbeitslosen beschäftigt werden. Zielbewußte, einheitliche Wirtschast»- und Handelspolitik zwecks Wiedereinführung der deutschen Volkswirt- fchaft in Weltverkehr und Weltwirtschaft nach außen und Ver- ringerunq entbehrlicher Einfuhr, Finanz- und Steuerpolitik, die die Wirtschaft in ihren Wiederaufbaubestrebungen unterstützt nach innen und Steigerung der Kaufkraft der breiten Massen, sind die wichtigsten Maßnahmen. Das Ziel muß dl« Erschließung dauernder wirtschaftlicher Arbeitsmöglichkeiten fein. Als vorläufige Z w i f ch e n m a ß n a h m e ist der Versuch der Reichsregierung, durch Aufstellung eines Arbeitsbeschaf- sungsprogramms zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit bei- zutragen, begrüßenswert, wobei es zweifelhaft bleibt, ob die durch die Art der Ankündigung ausgelösten Erwartungen erfüllt werden können. Die Arbeitsbeschaffung selbst muß in erster Linie auf solche Wirtschaftszweige abgestellt fein, von deren Wiederbelebung auch andere mit angeregt werden. Reben den in Aussicht genom- Mib. menen Notstandsarbeiten, wie(Eisenbahn., Straßen-, Kanal-, Deich- und Dammbauten, sind— unter Zurückstellung der seither seitens des Reiches gemachten grundsätzlichen Einwendungen— außerordentliche Mittel, insbesondere auch der pro- duktioen Erwerbslosenfürsorge für den Wohnungsbau und son- ftige zum Bau und damit für das Baugewerbe als Schlüssel- gewerbe zur Verfügung zu stellen. Die planmäßige Durchführung eines Wohnungsprogramms muß» geradezu in den Mittel- punkt aller Maßnahmen zur Ueberwindung der Arbeits- losigkeit gestellt werden. Eine großzügige Siedlungspolitik und die dauernde Rückfiedlung von Landarbeitern kommen als weitere wichtige Mittel hinzu. Die Erwerbslosen- fürsorge muß baldigst in eine gesetzliche Arbeitslosen- Versicherung, die die gesamten hierbei zu berücksichtigenden Fragen einheitlich regelt und die notwendigen Rückwirkungen der Gemeinden klarstellt, übergeführt werden. Die moralischen und gesetzlichen Verpflichtungen des Reiche», beschleunigt zu einer befriedigenden Regelung der Unterstützung der ausgesteuerten Arbeitslosen zu gelangen, sind unbestreitbar. Die Gemeinden müssen die bisher vom Reich in Aussicht genommene F ü r s o rg e o e r o r d n u n g zu- gunsten der ausgesteuerten Erwerbslosen als durchaus unzureichend und finanziell für die Städte nicht tragbar ablehnen." Im übrigen würde die Verhandlung des wichtigen Themas vor dem Forum des Städtetages noch mehr gewonnen haben, wenn man von vornherein anstatt eines stundenlangen professoralen Referates einen Praktiker der Kommunaloerwaltung hätte reden lassen, der die besonderen Gesichtspunkte, die die Gemeinden und Städte aus ihrer Erfahrung heraus vorzubringen haben, deutlich herausgestellt hätte. Auch die Diskussion hätte dann weitere Anregungen geben können. Jedenfalls zeigte aber das Verhalten des Hauptausschusses, daß er gewisse reaktionäre Anwandlungen in dieser Frage entschieden ad- lehnt._ �anütagsbegmn am H. Oktober. Der Aeltestenrat des Landtages beschloß, daß die erste Plenarsitzung des Landtages nach der Sommerpause am Mittwoch, den 6. Oktober, nachmittags 2 Uhr, stattfinden soll. Für die ersten Tage des Wiederzusammentritts sollen vor allem auch die I u st i z- Vorgänge in Magdeburg im Rahmen der großen An- fragen der Sozialdemokraten und Kommuni st en, zu deren Be- antwortung sich die Regierung bereit erklärt hat, sowie die Inter- pcllation über die Typhusepidemie in Hannover zur Besprechung gestellt werden._ Kommunisten-Maifeier. x Gefilmter Heldengeist.— Arbeiter als Opfer. Vor dem gemeinsamen Schöffengericht in Leipzig hatten sich wegen Nötigung und schwerer Körperverletzung der kam- munistische Stadtverordnete Friedrich Dasecke, der kommunistische Parteisekretär Artur Vogt, und sieben kommunistische„Genossen" zu oerantworten. Am 1. Mai dieses Jahres kam es vor dem Eingang des Aus- stellungsgeländes zu schweren Zusammen st ößen zwi- schen den roten Frontkämpfern und den SPD.- Festzugsteilnehmern. In gemeinschaftlicher Sitzung zwischen SPD. und KPD. war beschlossen worden, daß nur die an der Maifeier teilnehmen, die eine von der SPD. und den Gewerk- schaften herausgegebene Maifest karte hatten. Bereits unterwegs hatte sich in den Festzug der SPD.»in großer Trupp rote Frouttämpfer hineingedräugt. Das Ergebnis von Thoiry. Briand in Paris freudig begrüßt. Paris, 18. September.(Eigener Drahtbericht.) Briand ist am Sonnabend morgen aus Gens in Pari» eingetroffen und am Bahn- Hof von zahlreichen Ministern, Behördenvertretern und dem pol- nischen Botschafter empfangen worden. Eine große Menschenmenge begrüßte ihn freudig. Trotzdem über die gestrige Besprechung Briand-Stresemann nichts weiter bekannt geworden ist, kommentiert auch die Abendpresse ihren mutmaßlichen allgemeinen Inhalt, näm- lich die Schaffung der Mittel, die Frankreich und Deutschland ge- statten könnten, auf allen Gebieten zu vernünftigen Beziehungen zurückzukehren und zwischen den beiden Ländern eine enge w i r t- schaftliche und politische Zusammenarbeit zu schassen. Die Blätter verhehlen nun keineswegs, daß ein so großzügiges Unternehmen nicht mit ein paar kurzen Worten erledigt werden kann und betonen, daß dem beiderseitigen Verständigungswillen sich noch zahlreiche Schwierigkeiten entgegenstellen«erden. Jedenfalls sei aber eine fruchtbare Arbeit nur bei gegenseitignn Ent- gegentommen und auf Grund gegenseitiger Kompensationen möglich. Daß die Rheinlandbesatzung den größten Teil der Opfer werde darstellen müssen, die Frankreich bringe, damit hat sich der größte Teil der Presse abgefunden. Der Linkspresse fällt das um so leichter, als sie die Besetzung zum Teil sehr scharf bekämpft hat und weiß, wie gleichgültig der größte Teil der öffentlichen Meinung Frankreichs einer Abkürzung dieser Besetzung gegenübersteht. Nationalistische Blätter wie die„Libertö" äußern sich sehr resigniert und geben zu, daß das Aufgeben der Rheinlandbesetzung bei dem französischen Volt noch viel weniger Widerstand oder nur Kritik hervorrufen wird als seinerzeit die Räumung des Nuhrgcbiets. Der„Temps" widmet der Besprechung von Thoiry einen Leit- artitel, in dem er die französische und deutsche öffentliche Meinung vor übertriebenen Hoffnungen warnt.„Immerhin ist es aber Tatsache," führt das Blatt aus,„daß die Besprechung unter den Bedingungen, unter denen sie vorbereitet wurde und mit dem Charakter, den man ihr gegeben hat, eine bedeutende Etappe in der Entwicklung der deutsch-sranzösischen Beziehungen darstellt und Aussichten eröffnet, die man nicht so schnell zu entdecken hoffte, selbst nach dem, was in Locarno erreicht worden war. Man befindet sich jetzt an einem entscheidenden Wendepunkt in der Entspannungspositik." Loucheur kommt nach Berlin. Senf, 18. September.(Eigener Drahtbericht.) Zur technischen Vorbereitung der neuen deutsch-französischen Verhandlungen wird Loucheur Im Austrage der französischen Regierung schon A n- fang Oktober nach Berlin reisen. Die neuen Verhandlungen sollen in einer besonderen Konferenz geführt werden, die wahrschein- lich in Basel oder Köln stattfinden wird. Ueber die Arbeiten der Völkerbundsoersammlung der nächsten Tage vernimmt man, daß am Montag eine Ratssitzung stattfinden soll, in welcher u. a. auch die Danziger Anleihefrage zur Behandlung gelangen wird. Am Dienstag sollen dann wieder die Vollsitzungen der Versammlung beginnen, mit deren Schluß kaum Ende der Woche zu rechnen ist. Auhennrinifter Stresemann soll am Mittwoch Genf verlassen wollen. Die Abrüstungsfrage.— Beratungen im Ratskomitce. Gens, 18. September. �.(Eigener Drahtbericht.) In der Sitzung de» Ratskomitees für Abrüstungsfragen erstattete Paul Bon- rour einen eingehenden Bericht über den von der vorbereitenden Abrüstungskonferenz dem Völkerbundsrat überwiesenen Antrag Frankreichs, der eine technische Vorbereitung der m den Artikeln IS und 16 des Völkrrbundspakts vorgesehenenMaß- nahmen bezweckt, um eine möglichst rasche Anwendung zu ge- währleisten. Nach einer längeren Aussprache, an der sich Lord Robert Cecil, v. Schubert, de Brouckere u. a. beteiligten, wurde beschlossen, durch das Völkerbundssekretariat eine Reihe von Fragen beantworten zu lassen. Sie lauten: In welchen Fällen hat sich der Völkerbundsrat mit internatio- nalen Krisen zu befassen gehabt? Welche Maßnahmen hat er ergriffe»? Welche Schwierigkeiten waren dabei zu über- winden? Welche Vorschläge können eine Verbesserung des Der- fahren« herbeizuführen? Waren die Beförderungsmittel in jedem Falle ausreichend? Wie kann die Einberufung des Völker- bundsrats in Fällen von Krieg oder Kriegsgefahr innerhalb einer sehr kurzen Frist gesichert und wie kann der Draht- verkehr der Regierungen mit dem Völkerbundssekretariat möglichst beschleunigt werden? De Brouckere wurde ferner beauftragt, für die nächste Sitzung des Ratskomitees, die Mittwoch oder Donnerstag stattfindet, einen Bericht vorzubereiten über eine Aenderung des von der zweiten Bölterbundsversammlung(1921) festgelegten Verfahrens für die Anwendung von Artitel 16 des Völkerbundpaktes. In der dritten Kommission wurden bis Sonnabend abend die Arbeiten der vorbereitenden Abrüstungskonferenz weiter besprochen. Paul Boncour gab eine U e b e r s i ch t über die Wetterführung ihrer Arbeiten. Die Einberufung der endgültigen Abrüstungskons«- renz gilt als innerhalb Jahresfrist, d. h. vor der nächsten Völler« bundsversammlung, möglich, wenn die technischen Kommissionen ihre Arbeiten bis Ende November und die vorbereitende Abrüstungs- konferenz die ihren bis Ende de» Jahres oder Anfang 1927 be- endigen können. Anschließend sollen die Regierungen noch Gelegen- hcit zu Aeußerungen über die Beschlüsse der Kommissionen und der vorbereitenden Konferenz erhalten. Der Vertreter Jugoslawiens brachte eine Ent- schließung ein, in der unter Berufung auf die Locarnovcrträge die Hoffnung ausgesprochen wird, daß sämtliche Länder die gleichen Grundsätze befolgen mögen, und der Völkerbundsrat aufgefordert wird, dm Staaten den Abschluß entsprechender Ab- kommen zu empfehlen und dabei seine Hilfe anzubieten, damit da» öffentliche Vertrauen als Grundlage des Friedens gestärkt und die Herabsetzung der Rüstungen ermöglicht wird.— Am Montag setzt die Kommission ihre Beratungen fort. Ein weiterer Trupp rote Frontkämpfer war an der Spitze des Fest- zuges marschiert. Am Eingang des Festplatzes wurde von jedem einzelnen Teilnehmer dic Fcstkartc' verlangt, und da"die rotett Frontkämpfer und Kommunisten nicht im Besitz von solchen waren, wurden sie zurückgewiesen. Sofort schlugen diese Leute auf Reichsbannerkameraden ein, auch andere Fcstteilnehmer wurden von den Rowdys zu Boden geworfen und mit allen möglichen Werkzeugen bearbeitet. Selbst Frauen und Kinder wurden geschlagen und mißhandelt, und es waren eine Anzahl Verletzte zu verzeichnen. Die Kommunisten hatten einige Tage zuvor diesen Ueberfall beschlossen und zu diesem Zweck einen Filmoperaleur Herangehott, der diesen Zusammenstoß im Bilde aufgenommen hak. Dieser Film ist dann von den Komintern oerbreitet worden, um den Sowjelaposleln in ZNoskan zu zeigen, daß bei den Leipziger Kommunisten der alte revolutionäre Geist noch vorhanden ist. Vor Gericht wälzten die Führer alle» aus die Arbeiter ab und waren zu feige dazu, sich zu ihren Taten zu bekennen. Das Gericht verurteilte die Angeklagten wegen Nötigung, und zwar Dasecke und Vogt zu je einem Monat Gefängnis, vier Angeklagte zu je einer Woche Gefängnis, drei Angeklagte wurden freigesprochen. völkische Morühetze. Was in Bayern alleS erlaubt ist. Ein Musterbeispiel völkischer Mordhetze bietet die Nr. 204 (4. September) von Hitlers national-pathologifchem Organ, dem „Völkischen Beobachter". In einem Aufruf an die bodischen völki- schen Gesinnungsgenossen, in dem sich der„Beobachter" über die Aus- enthaltsverweigerung für Hitler ereifert, finden sich in der Manier übelster Hintertreppenrcklame folgende gesperrt gedruckte Schlag- zeilen: Ein Zeichen erbärmlicher Feigheit und Schwäche— de» badischen Innenministers Adam Remmele— ist das Perbot der Anwesenheit Adolf Hitlers in Baden.—„A n den Galgen mit den Ministern des heutigen Staatesl Nie- der mit der Geldsackrepublik!" Diese unoerhüllte Aussorderung zu Ministermord und Umsturz- attentaten hat das Hakcnkreuzorgan geschickt, aber sehr eindeutig in den Text des Aufrufs hineinverflochten(der Ruf nach dem Galgen repräsentiert sich als— angeblich kommunistische« Zitat!). Zur Revoloerpolitik der Hakenkreuzbuben gesellt sich als bezeichnendes Symptom die Feigheit, offen Farbe zu bekennen, was die gemein. gefährliche Sudelei nur noch widerwärttger macht. Mussolinis Polizei rast. Massenverhaftungen. Rom. 18. September.(MTB.) Die Polizei verhastete in der letzten Nacht w i e d e r u m 571 Personen und nahm etwa 1000 Haussuchungen vor. Auch in 300 Restaurant» und anderen össentlichen Anstalten wurden Haussuchungen durchgeführt. Die Ausburgerung der Emigranten. Chiasso, 18. September.(Eigener Drahtbericht.) Di« Kommission für die Anwendung des Gesetzes gegen die politischen Emigranten ist in Rom zusammengetreten und hat über den vom Innenminister in Uebereinstimmung mit dem Außenminister, d. i. Mussolini, unter- breiteten Vorschlag beraten, das Gesetz gegen 15 Italiener onzu- wenden, die sich im Auslande befinden. Unter den hiervon Be- troffen«» befinden sich die früheren sozialistischen Abgeordneten Pro- sessor Salvemini, Francesco Ciceotti, d« Ambrt», F r o l a. der ehemalige Direktor des„Popolo" und jetzige Heraus- geber des„Corriere degli Italiam", Dr. D o n a t i, der frühere Dtessechef'MüssorinlS. Cefäre R o s s i. der ehemalige Privatsekretär de» Duce F a s c i o l o, der frühere Leiter des„Nuovo Paese", Professor B a z z i, der abtrünnig« faschistische Abg. Massimo R o c c a und der Präsident der italienischen„Liga für Menschenrechte". T r i a c a. Der Vorsitzend« der Kommission hat die Untersuchung gegen die genannten Persönlichkeiten für eröffnet erklärt, wobei er die möglichste Beschleunigung dieses Verfahrens anordnete. Schweizer Mussolini-Dienst. Genf, 18. September.(Eigener Drahtbericht.) Das„Droit du Peuple" in Lausanne berichtet, daß der ehemalige Pressechef Mussolinis, Cesare R o ff i, in einer Broschüre eine Reihe von Artikeln vereinigt hat, die Mussolini zu der Zeit geschrieben hat, da er noch Sozialist war. Diese Broschüre wird in Frankreich offen verkauft, da sie nichts Beleidigendes enthält, im Gegenteil eine Huldigung vor Mussolini, dem sozialistischen Schriftsteller, dar- stellt. Dieser Tage ist ein früherer Abgeordneter der italienischen Kammer auf Schweizer Boden angelangt und trug etwa 50 dieser Broschüren bei sich. Die Zollbehörden beschlagnahmten sie im Austrage des Generalprokurators der Bundesregierung. Was also in Frankreich ohne jede Einschränkung verlaust werden kann. kann scheinbar nicht in der Schweiz verkauft werden, deren Behörden heute mehr denn je vor den Faschismus auf dem Bauche liegen. Das Blatt fügt hinzu, daß in Genf ein vollkommen organisierter faschistischer Spionagedienst besteht. tzilferüing- so ein Kerl! Er hat Silverbergs Rede gemacht! Die„Bergisch-Märkische Zeitung" des rühmlichst bekannte« Herrn B a c m c i st c r hat eine neue Entdeckung gemacht, die nicht verfehlen wird, ungeheures Aussehen zu erregen. Es wird von ihr „einwandfrei versichert", daß„der Inspirator, wenn nicht der Urheber' der Red«, die S i l o e r b e r g aus dem Industriellen- tag gehalten hat, kein anderer ist als„der sozialdemokratische Reichs- tagsabgeordnete Dr. Hilferding". Hilferding erfreu« sich„sehr enger Beziehungen" zu dem Zentrumsabgeordneten L a m m e r s, der im Reichsoerband eine ausschlaggebende Rolle spiele. Zwischen ihnen beiden sei der Plan entstanden, den Reichsoerband parteipolitisch auf die Koalition mit der Sozialdemokratie -festzulegen, und Silvcrberg habe sich als Vollstrecker dieses Plans zur Verfügung gestellt. So werden die geheimsten Zusammenhäng« Nor: Siloerberg ist Hilferding, und Hilferding ist Siloerberg. Der Reichsverband der deutschen Industriellen tanzt an den Fäden, die von einem inter- nationalen Marxisten gezogen werden. Aber die Sache hat noch eine andere Seite. Silverberg hat bekanntlich als Bedingung für die vorgeschlagene Zusammenarbeit verlangt, daß die Sozialdemokratie auf den Klassenkampf verzichtet. Run aber steht fest, daß Siloerberg gar nicht Siloerberg ist. sondern Hilferding. Wir empfehlen den Fall angelegent- lichst der Aufmerksamkeit der kommunistischen Presse. Also etwa Schlagzeile für den Straßenverkauf, erste Seit«:„H i l f e r d i n g in Silverbergs Maske. Er fordert Preisgabe des Klassenkampfe." Jedermann wird zugeben, daß man für zehn Pfennige nicht mehr verlangen kann! Solfihewiftijche Spaltungslügen. Purcell entlarvt die Verleumder. Der ADBG. schreibt uns: In einem Interview, das der Dar- sitzende des IGB. A. A. P u r c e l l einem Mitarbeiter der Berliner „Roten Fahne" gewährte und das am 29. August verössentlicht wor. den ist, wurde der Anschein erweckt, als hätte Purcell auf die Frage, welchen Standpunkt er zur Anleihe des ADGB. gegen Zinsen ein- nehme, folgende Antw-ort erteilt: „Die englischen Gewerkschaften, die durch den Generalstreik sinanziell schwer getrofsen sind, waren genötigt, eine Anleihe beim ADGB. aufzunehmen, um den Verpflichtungen ihren Mitgliedern gegenüber nachzukommen. Obwohl es die englischen Gewerkschaften lieber gesehen hätten, daß ihnen der ADGB. diese Anleihe zinsfrei gewährt, wie das in England üblich ist, wenn eine Gewcrkschast der anderen Geld leiht, mußte sie doch, um nicht eine teurere An- leihe bei einer Bank zu machen, auf die Bedingungen des ADGB. eingehen. Dieser verlangte, nackdem man eine höhere Forde- ruüg(!) abgelehnt hatte, 4)4 Proz. Zinsen. Die Anleihe be- trägt lOVOo Pfund." Es war von vornherein anzunehmen, daß Purcell diese Aeuße- rung nicht getan haben tonnte, da sie den Tat- fachen widersprach. In den Pressemitteilungen des IGB. ist bereits der Lüge widersprochen worden, daß bei den Besprechun- gen, die in Amsterdam gepflogen wurden, zunächst ein höherer Zinsfuß in Vorschlag gebracht worden wäre. Die Vereinbarung ist vielmehr ohne Diskussion zustande gekommen. Purcell hat nun zu der Verdrehung seiner Ausführungen in dem Interview in folgendem Schreiben an den Sekretär des Inter- nationalen Gewerkschaftsbundes Sassenbach Stellung genommen: „Bezugnehmend auf Ihr Schreiben vom 3. d. betr. die oben- genannte Angelegenheit(das Interview in der„Roten Fahne") möchte ich bemerken, daß der betreffende Absatz auf bloßer Er- findung beruht. Ich habe weder eine Zahl noch eine Summe genannt. Von dem Interviewer wurde allerdings die Frage gestellt, ob ich die für die Anleihe verlangten Zinsen nicht üb e r m ä ß i g hoch fände. Ich antwortete darauf, daß es, wenn überhaupt Zinsen bezahlt werden müßten, jedenfalls besser sei, diese an unsere eigenen Leute zu zahlen als an kapitalistische Banken. Darüber hinaus babe ich keinerlei Aeußerungen getan. Ich muß hier beifügen, daß dieser Absatz eine Anzahl Punkte umfaßt, deren Diskussion von irgendeinem Gewerkschafter mit einer Person, deren Zuverlässigkeit er nicht absolut sicher ist, gelinde ausgedruckt einem sehr tadelnswerten Vorgehen gleichkommen würde, beson- ders im Einblick auf seine offiziellen Beziehungen zu der Gewerk- schaftsbewegung, der nationalen und internationalen. Endlich muß ich es als äußerst taktlos bezeichnen, daß solche Mei- uungen in einem Augenblick ausgedrückt werden, wo die Unterstützung der britischen Arbeiter von so großer Notwendigkeit ist. Mit kameradschaftlichem Gruß A. A. P u rc e l l." Dieses Schreiben entlarvt eine in der Geschichte der Arbeiter- bewegung wohl einzig dastehende Lüge. Diese Lüge konnte nur den Zweck haben, die deutschen Gewerkschaften in Gegensatz zu bringen zu den englischen Gewerkschaften und be- sonders zu best englischen Bergarbeitern. Die englischen Bergarbeiter befinden sich in einem beispiellos schweren Kampfe. Sie haben deshalb an die chllfe der Gewerkschasts- internationale appelliert. Diese Hilfe ist ihnen bereitwilligst zn- gesagt worden. In diesem Augenblick veröffenlicht die„Rote Fahne" ein angebliches Interview von Purcell, das geeignet war, innerhalb d�r deutschen Gewerkschaften die größte Erbitte- rung hervorzurufen. Wir find gewiß mißtrauisch gegenüber allen Behauptungen, die von bolschewistischer Seite kommen. Wir hätten aber doch nicht gc- glaubt, daß die„Rotelfahne" ihre traditionelle Verleumdungssucht gegenüber den Amsterdamer Gewerkschaften so weit treiben würde, um dem Vorsitzenden des IGB. Behauptungen in den Mund zu legen, die dieser nie gemacht hat, Behauptungen die geeignet sind, die Hilfsaktion zugunsten der englischen Berg- arbeiter zu sabotieren. Das Schreiben Purcells läßt gar keinen Zweifel darüber, daß es den Bolfchewisten nicht nur höchst gleichgültig ist, wenn durch solche Aeußerungen Gegensätze innerhalb der Arbeiterbewegung ent- stehen, sondern daß sie geradezu darauf ausgehen, durch E r f i n- dung der gemein st en Lügen solche Gegensätze zu erzeugen. Das Schreiben Purcells bereitet uns eine tiefe Ge- nugwung. Die gemeinen Lügen der„Roten Fahne" aber geben wir der Verachtung aller gewerkschastsich Organisierten preis. Der Kampf üer englisthen Bergarbeiter. Baldwins Vermilllungsvorschläge. Loudon, 18. September.(WTB.) Im Anschluß an seine Be- sprechu«S)en mit dem Borsitzenden der Vereinigung der Bergwerks- besitzer und mit dem Vollzugsrat des Bergarbcitervcrbandes hat Ministerpräsident B a l d w i n an den Sekretär des Bergarbeiter- Verbandes Cook ein Schreiben gerichtet, in dem er ausführt, es sei der Regierung nicht möglich gewesen, eine gemein- schaftliche Konferenz mit den B e r g w e r k s b es i tz e r n zustande zu bringen, da diese sich geweigert hätten, an einer solchen Konserenz teilzunehmen. Indesien Hab« der Verband der Bergwerksbesitzer doch die Bereitschaft zum Ausdruck gebracht, die wichtigsten Leitsätze, die unter anderen Umständen Gegenstand eines Arbeitsabkommens für ganz England sein würden, zu be- achten. Weiter heißt es in dem schreiben, eine zufrieden- stellende Regelung des Konflikts müsse Bezirkslohn- abkommen mit einer für ganz England geltenden ü b e r g e- ordneten Kontrolle vereinigen. Wenn die Bergarbeiter be- reit seien, sich mit den wirtschaftlichen Verhältnissen, wie sie tatsäch- lich in der Kohlenindustrie vorliegen, abzufinden, so wäre die Regierung bereit, auf dem Wege der Gesetzgebung ihrerseits die Sicherheit dafür zu schaffen, daß durch die B e st e l l u n g eines Arbeitsschiedsgerichts für ganz England den obenerwähnten Leitsätzen zu angemessener Geltung verholfen würde. Die von Baldwin gemachten tatsächlichen Vorschläge sind die folgenden: l. Sobald die Arbeit aus Grund vorläufiger Abkommen lokaler Art wiederaufgenommen sein sollte, wird die Regierung ein Gesetz durchbringcn, durch das ein Schiedsgericht für die Arbeitsbedin- gungen im Kohlenbergbau für ganz England geschaffen wird, es fei denn, daß durch das vorherige Zustandekommen eines Abkommens für ganz England ein solcher Schritt sich erübrigen sollt«. 2. Jede-der an irgendwelchen provisorischen Abkommen be- teikigten Parteien kann in dem Fall, daß dieses provisorisch« Ab- kommen eine Verlängerung der Arbeitszs4t vorsieht, sich an das zu schaffende Schiedsgericht wenden, um die Ueber- Prüfung aller solcher Punkte zu erreichen, die bis jetzt durch ein Arbeitsabkommen für ganz England geregelt sind. 3. Das Schiedsgericht hat Befugnis, derartige provisorische lokale Abkommen zu bestätigen, oder abzuändern und alle Bergleute w einer Grube, wo längere Arbeitszeit herrscht, haben, wenn sie durch eine derartige Entscheidung des Gerichts betroffen werden. dos gesetzliche Recht auf Löhne, die der Entscheidung des Schiedsgerichts entsprechend festzusetzen find. Mgemewe Ablehnung Üer vorschlage. London. l8. September.(Eigener Drahtbericht.) Baldwins neue Borschläge sür die Lösung des Kohlenkonsliktes haben eine vnge- wohnlich schlechte Presie gefunden. Zunächst finden sie wegen ihres Mangels an Klarheit scharfe Kritik.„Daily Chronicle" faßt die Ein- wände zusammen, wenn sie feststellt, daß nichts über die Zusammen- setzung und die Grundsätze gesagt werde, nach denen das einzusetzende nationale Schiedsgericht vorzugehen habe. Ferner hebt„Daily Chronicle" hervor, daß zwischen dem Brief und dem Memoraichum insofern geradezu ein Widerspruch bestehe, als nach dem Wort- laut des Memorandums das Schiedsgericht lediglich angerufen werden dürfe, wenn ein Distriktsabkommen eine längere als die alte Arbeitszeit vorsehe, während nach dem Wortlaut des Briefes das Schiedsgericht sich mit allen in einem zentralen Lohntarif geregelten Fragen zu befassen haben werde. ZLährend„Morning- post" für die Grubenbesitzer deutlich' abwinkt, vermeidet es„Daily Herald", vor der Sitzung der Exekutive der Bergarbeiter letztere fest- zulegen. Es kann jedoch kaum zweifelhaft sein, daß die Exekutive Baldwins Vorschläge als völlige Kapitulation vor den Unternehmern ablehnen wird, wenn sie auch olles vermeiden wird, was eine Fortsetzung der Besprechungen gefährden müßte. Wie Cook sie aufnahm. London, 18. September.(WTB.) Auf die neuen Regicrungs- Vorschläge, die Baldwin in einem Schreiben dem Bergarbeitersekretär Cook mitgeteilt hat, hat dieser in einer heute veröffentlichen E r- k l ä r u n g geantwortet, daß man einer Regelung des Kon- fliktes nicht nähergekommen fei als am ersten Tage. Dennoch wird in bestimmten Kreisen der Hoffnung Ausdruck ge- geben, daß die gemäßigten Elemente in dem Exekulivausschuß der Bergarbeiter sich bemühen werden, die zu treffende Entscheidung zu beeinflussen und daß auf diese Weise eine aus der von der Re- gierung vorgeschlagenen Grundlage erfolgende Lösung stattfinden werde._ Schieüsspruch für üie bayerische Textilinüusirie. Don Sozialministerium verbindlich erklärt. ZNüncheu, 18. September.(Eigener Drahtbericht.) Der be- kannte, Ende vorigen Monats vom bayerischen Landesschlichter ge- fällte Schiedsspruch sür die südbayerische Textilindustrie, der infolge der provozierenden Haltung und der Starrköpfigkeit des Unter- nehmertmns notwendig geworden wor, wurde bekanntlich von den Arbeitern angenommen, von den Unternehmern dagegen a b- gelehnt. Infolgedessen hat nunmehr das Sozialministerium den Schiedsspruch für verbindlich erklärt. Die Bedeutung des. Schiedsspruches liegt im wesentlichen darin, daß mit Wirkung ab 27. Sepiember die normalen Studenlöhn«, die tariflichen Akkord- durchfchnittslöhne mit Ausnahme der Akkorddurchschnittslöhn« in der Baumwollweberei, sowie die Zeitlohnzufchläg« nach Maßgabe des Schiedsspruchs vom 14. Oktober 1923 wieder in Kraft gesetzt werden. Damit ist der Versuch der Unternehmer, der Arbeiterschaft einen weit- gehenden Abbau der Löhne zu diktieren, abgeschlagen. Die neue Lohnregelung gllt zunächst unkündbar bis zum 26. März 1927. Verantwortlich fllr Politik: Dr. Eurt Wirtschaft:«rwr Satern-»: Sewerkschaflslicweauiia: Z. Steiner: Feuilleton: Dr. John Schikow-ki: Lokoleo und Sonstiges: gri»«arftädt: Pn,cigen: Th.»>««: sämtlich in Berlin. Verlag: Borwärts-Berlog G.m.b.H., Berlin. Druck: Vorwärts-Vuchdruckerel und Verlagsanllalt Paul Singer u. Co. Berlin SW 68 Lindenftrabe 3. Hier,- 4 Beilagen,..u-terbalt-na»nd Wissen'»nd..«u, der Uilm-Welt'. Xbch&: See/and Qeptr>audtenstP.20l21 XssaS: Herbst-Neuheiten Kleid reinwollener -Ä 19.50 Kleid odg.d.cH» rÄ27.50 Mantel reiawofl. Veloundelaine mit Biberette- QQ_ kragen... Oc/»" Jumper-Bluse Ö- 2.50 Jumper-Bluse karierter*7*7 tZ Wollstoff l. I D Morgenrock Flauschstoff mit S" 4.50 r- Damen-MQte I FUzhut tufesrfr... 3.45 1 i Plüsch Hut 6.50 i |S'"rthutsLS�..... 9.75 Ansteck-DlMiMen l Veilchen-Tuff Nelke Bese odOrchUe« 1 0.35 0.60 0.75 •(MiMMfiiiittnMtiMimuMtgwwtgftm« t•!•?••••OTtrftrttrtft» Stricmgleldiing Rcimu. Pullover- Kleid gestrickt, moderne Q'T C Farben, wde Abb. 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September 1�26 Die Industrie ist für die Kunst entdeckt. Di« ..neue Schönheit", das Loblied der Jweckmöhigkeit, triumphiert, und mehr als ein elegantes Herrenzimmer ist mit den Industriebildern moderner Künstler geschmückt. Es gibt ober einen Zweig der In- dustrie, bei dem die oerhüllende Kulisse der»Schönheit" und»Zweck- Mäßigkeit" absolut fehlt: seine Darstellung ist auch nicht salonsähig. Don ihm wissen nur die, die bittere Notwendigkeit zwingt, das letzte, was dem Proletarier bleibt, sein eigenes Heim dem gefräßigen Polypen„Unternehmerprofit" auszuliefern. Das ist die letzte Schicht der Arbeiter und Arbeiterinnen, die in Heimarbeit dem Kapital fronen.—„Heimarbeiter!"— Aber ist denn dos noch ein Heim, das zur Werkstatt gewordene Wohnloch des Proletariers, in dem ihm sein ohnehin knapp bemessener Wohn- und Schlasraum noch von seinem Arbeitsmoterial eingeengt wird, in dem Berufsarbeit und Hausfrauentätigkeit die Kraft der Frau frühzeitig erschöpfen. die Kinder verkümmern, in dem das Elend ständiger Gast ist? Der Heimarbeiter steht dem Unternehmer einzeln gegenüber: nicht wie im Betrieb kann sich die Masse der Arbeitnehmer verständi- gen, jeder sitzt abgeschlossen in seiner Bude, selbst wo die Gewerk- schoft schon Tarife auch für die Heimarbeit durchgedrückt hat, kennen sie die Unorganisierten nicht, selbst wo die Möglichkeit besteht, die zu wenig crhckltenen Lohnsummen einzuklagen, machen die wenigsten von diesem Recht Gebrauch. Und dann die anderen, die diesen Äermsten noch Konkurrenz machen, die,»die es eigentlich nicht nötig haben", oder doch so tun, als ob sie de»»leichten Der- dienst man ebenso mitnehmen". Psennigweise wird der Lohn heruntergedrückt, bis am letzten Ende der Lohn der Heimarbeiter nicht mehr ein Hungerlohn, sondern nur noch zum Wahrhaftig! Auch dos vielen unentbehrlichste Gcnußmittel, die Zigarre, wird, selbst in Berlin, noch in Heimarbeit herge- stellt. Noch arbeiten in Berlin über l00 Roller mit den dazugehörigen Wickelmachern in Heimarbeit. Wie sieht dos aus? Was heißt das? Hier arbeiten meist Mann und Frau zusammen, die Frau als W i ck e l m a ch e r i n. Saß die Frau einmal»im Tabak". dann saß sie für immer drin, und auch die Kinder wurden drin groß. Der Arbcitsraum ist meist die Küche, denn wer wird sich denn die Stube mit dem staubigen Zeug einschmutzen wollen! Und so sitzen in einem Raum von etwa 12 Quadratmeter Bodcnslächc Mann und Frau sich am Arbeitstisch gegenüber, aus dem Herd kocht das magere Essen, die kleinen Kinder krabbeln zwischen dem Tobak her- um. Die»Großen" vom achten Jahr ab ober mästen helfen. Ab- rippen oder Aussetzen, denn nur, wenn er noch irgendeine andere Arbeitskraft außer seiner Frau zu Hille nehmen kann, ist es dem heimarbeitenden Zigarrenmachcr möglich, 2H Tausend Zigarren in der Woche zu liesern. Dafür sitzen dann Mann, Frau und Kind vom Morgen bis in die sinkende Nacht an der Arbeit im Staub und in dem beizenden Dunst, der auch die ganze Wohnung durch- dringt. Was sie verdienen?— Wenn Tariflohn gezahlt wird, wenn keines der drei aussetzt, und wenn sie länger als acht Stunden arbeiten, die fürstliche Summe von ungefähr 40 w. wöchentlich!— Das erste.Wenn" trifft aber in den seltensten Fällen zu, denn viele Heimarbeiter sind unorganisiert! Und von der Höhe der ihnen ge- zahlten Löhne kann man sich eine Borstellung machen, wenn man erfährt, daß der Tabakarbeitcrverbond kürzlich für einen Arbeiter 24ll M. eintlagte, die dieser im Laufe emes Jahres zu wenig Lohn erhallen hatte!— Ach, wenn mancher Raucher wüßte, wie und wo seine»Haoonna-Ersatz" hergestellt wird, er würde wohl lieber einen Pfennig mehr geben— vorausgesetzt, daß nicht der Unternehmer- prosit diesen Pfennig schluckte! Pioniere. Jawohl, sie sind Bahnbrecher, die 500 organisierten Mäntel- näherinnen, so bescheiden auch ihre Zahl gegenüber den 20 000 Beschäftigten ist!— Der Vekleidungsarbeiterverband klagte im letzten Jahre in 6S klagen 4200 TN. zu wenig gezahlten Arbeitslohn ein— oiertausendundzweihuridert Stich um Stich verdiente Mark! Manche dieser Arbeiterinnen haben den Mut, zwei-, sogar dreimal in einem Jahre klagbar zu werden. Natürlich sind sie bei jeder Klage ihre Arbeits st elle los, aber es ist ja Saisonarbeit, und wenn»tote Saison" ist, dann liegt auch die»brave Unorganisierte" auf der Straße, und bei einsetzender Saison findet di« gute Arbeiterin immer wieder Stellung. Dann oerdient sie wohl 40 M. und darüber, aber dafür muß dann auch zehn bis zwölf Stunden gearbeitet werden, und natürlich muß auch jede Hilfskraft, die irgend angespannt werden kann, mithelfen, denn die tote Saison gibt Zeit genug zu unerwünschter Ruhe... Die anderen aber, die Unorganisierten, arbeiten oft genug für 40 Proz. weniger Lohn, und aus dem Mindestlohn von 50 Pf. pro Stunde werden dann höchstens 30 Pf. Dann darf die Maschine nachts nur wenig Stunden still stehen, und ihr wird das Oel reichlicher zugemessen. als der Arbeiterin dos Esten! Slufcn und Kleider. Die Zwischenmelsler der Schürzenbranche haben gestreikt! An- geblich, weil sie von den Fabrikanten so wenig Lohn bekommen, daß sie ihren Arbeiterinnen nicht den gesetzlichen Mindestlohn von 42 Pf. die Stunde zahlen können. Mit einer Rührungszähre werden die Arbeiterinnen der Bllisen- und Kleiderkonfektion davon Kenm- nis genommen hoben, die Arbeiterinnen, die in der»Schundkon- sektion" oft nur 12 bis 15 Pf. Stundenlohn haben.— Billig, billig ist di« Parole, und die»sparsame Hausfrau" freut sich der ver- hältnismäßig niederen Preise der Stapelkonfektion. Und sie denkt nicht daran, in welch üblen Wohnungen manchmal diese„Gelegenheitskäufe" hergestellt werden. Auch hier das alte Lied: Mutter muß arbeiten, und die Kinder müssen helfen... Und so kniffen di« kleinen Finger Blenden, nähen die Größeren Knöpfe an, so sitzt oft die ganze Familie, um in 14stündiger täglicher Arbeitszeit 20 bis 25 w. zusommenzuschasfen!— Unterbrechungen darf es nicht geben, eine Aufsicht über die Räume der Heimarbeiter gibts nicht: und wird eines krank, braucht man jeden Groschen doppelt. Manches Mädel, das nicht weiß, wo es den lästigen Ausschlag erwarb, manch« Der Weg des blinden Bruno. si Roman von Oskar Raum. Bruno hatte eine besondere Borliebe für den Schaukel» stuhl. Erst gab er ihm immer einen Stoß, so daß er schon bei sechstem Wogengang nicht ohne Beschwerden hinauf- kletterte, legte sich dann tief hinein und jauchzte immer glück- licher, je schneller und höher er flog. Aber beim Hinunter- klettern— er hatte selbst zum Schaukeln nicht lange Geduld — konnte so leicht die Kant« der Sitzfläche mit voller Wucht gegen seinen Kopf schnellen, im verschnörkelten Holzgewinde an der Seite sein Fuß hängen bleiben! Die Mutter litt Todesangst, wenn er in die Ecke lies, wo er den Stuhl wußte, die Mauer entlang tastete, bis er mit einem Freudengeschrei das Ende der uorgebogenen Lehne in der Hand hielt und nach seiner Gewohnheit zärtlich ein kleines Wiedersehen feierte, schmeichelnd seine Wange an das Holz schmiegte, ehe er den Stoß gab und hinauftroch. Dem Bater bereitete diese Wildheit helle Freude: nur wenn er abwesend war, durfte die Mutter, wußte sie sich nicht anders zu helfen, das gefährliche Spielzeug verstecken. Es war ja das einfach: Man stellte den Stuhl an einen anderen Ort. Aber einmal sah die Mutter, wie Bruno mit sicherer Erwartung in seine Ecke zwischen Fenster und Sofa stapfte. vergeblich mit seinen Händen hin und her suchte, langsam die Wand hinstrich, wieder zum Sofa zurück-und bis zum Fenster. Das Gesichtchen verzog sich in gespannter Der- wunderung. Er hielt inne im Suchen und es war. als denke er mit verzweifelter Anstrengung nach— da stürzte die Mutter hin, küßte ihn stürmisch, führte ihn zum Stuhl, half ihm hinauf und hielt ihn dort so lange er wollte. Sie ließ die Milch in der Küche überlaufen, der üble Geruch drang bis ins Zimmer, ließ das Mädchen, das vom Einkauf kam. läuten und ging ihr nicht öffnen, bis er freiwillig wieder hinunter wollte. Und niemals wieder hinterging sie ihn. Oft noch nachher weinte sie, wenn sie sich daran erinnerte, wie sie, feine eigene Mutter, fast nur aus Bequemlichkeit, sein Ge- brechen gegen ihn ausgenützt hatte! Welche schlimmen Be- sürchtvngeii stiegen ihr da für seine Zukunft auf! Mein Gott, unter fremden Menschen, wo jeder nur auf seinen eigenen Dorteil bedacht ist! > Uebkich« Spielzeug: Soldaten, Puppe», Vehikel. Dach. ahmungen einer Wirklichkeit, des Straßenbildes, das er nicht kannte, verstand er nicht. Langeweile, unerträglichste Qual aller Kinder, war bei ihm noch schwerer abzuweisen. Er konnte niemandes Beschäftigung absehen, konnte nicht Dienst- mann, Kohlenmann. Kutscher spielen: nicht mit einem Scheit- chen Holz den Fußboden scheuern wie andere Kinder! Aber sein Geist und sein Temperament waren zu rege, um in Stumpfheit hinzudämmern und zu vertrocken. Er begann oft verzweifelt zu weinen und zu klagen, und fragte man ihn besorgt, warum, wurde er nur noch wilder, weil er ja selbst nicht wußte, was ihn quälte. Er warf sich tobsüchtig zu Boden, chlug sich und zerkratzte auch wohl seine Nase und Wangen. Bater hatte festgestellt, daß er strenger als ein vollsinniges Kind zu behandeln sei, da man sonst seinen Launen und unerfüllbaren Wünschen bald ohn- mächtig gegenüberstünde: aber anderseits betonte man, er werde in seinem späteren Leben eines besonderen Maßes von Energie bedürfen und irgendein berühmter Pädagoge, den Kapetan oft zitierte, warnte vor Verkrllppelung der Kinderenergie durch allzu starre Autorität. Schwanken zwischen diesen beiden Erwägungen, wurde es dem Bater leicht, auch bei schlimmsten Ausschreitungen keinen günstigen Augenblick zur Züchtigung zu sehen. So lernte Bruno von dieser Seite her die Furcht nicht kennen. Bon sern erkennen, beobachten und messen können, war für Bruno das größte Rätsel und blieb auch später noch von allem, was er unbegriffen hinnehmen mußte, etwas, das ihn am meisten beschäftigte. Seine Welt war die der Nohwirkung. Mit seinen Händen umspannte er den winzigen Tatsachen- kreis, das Stückchen Wirklichkeit, das er vollkommen als sein Reich beherrschte, als den sicheren Schauplatz seiner Sinnes- tätigkeit. Wie konnte es eine Verbindung von fern geben? Der Schall war kein« plastische, keine gleichsam gestaltende Wahrnehmung. Er konnte sich nur eine materielle Ver- bindung vorstellen, einen Bindfaden sozusagen, der von dem erblickten Gegenstand zum Auge leitet, ein übertragenes Berührungsgefühl etwa, eine Tastempfindung des Auges, das die Luft überträgt wie die Wellen des Schalls, wie einen fernen Duft. Aber Neid gab es bei Bruno nicht oder vielmehr: Es kam dem Kinde von selbst nie ein derartiger Gedanke, der auch im Grunde sehr fernliegend fast unnatürlich ist�wenn die vor- haodeae. auch ungleiche Stellung Mi» Möglichkeit aller Menschen des Umkreises, in den wir hineingeboren sind, muß uns billig und gerecht erscheinen. Er regte sich nur auf, wenn man jede seiner ganz un- bekümmerten Fragen(über Verschiedenheit derselben Farben. z. B. bei Milch und Silber, Himmel und Pflaumen, die Farbe des Wassers, der Luft) aus Mitleid oder Ratlosigkeit umging oder überplauderte. Alles mußte man ihm beantworten und jeder Sache ging er so weit wie möglich auf den Grund. Das beste Beruhigungsmittel, wenn er kein Obst mehr essen durfte oder sonst ein Unglück über ihn hereinbrach, war, ihn auf das Fensterbrett hinter das Gitter.»u setzen, daß er die Geräusche des Hofs und der Hinterhäuser höre. Er ahmte das Sägekreischen. Kistenvernageln. das Rollen eines Handwagens, das Pfeifen und Singen der Arbeiter nach. Da kam einmal ein Geräusch darunter, das in ungleichmäßigen Abständen immer wiederkehrte, ein Ruf„Wawa!" Das Kind wurde darauf aufmerksam, lachte zuerst, aber die Eintönigkeit und unaufhörliche Wiederkehr des neuen Lautes machte ihn unruhig...Was ist das?" fragte er ängstlich und da die Mutter und auch sonst niemand von der Familie gleich wußte, daß es ein Papagei war. gab man ihm ausweichende ANt- warten. Und als es nicht aufhören wollte, begann Bruno zu weinen, flüchtete zur Mutter, versteckte sich angstvoll bei ihr, verstopfte, umhüllte sich die Ohren mit ihrer Schürte und drückte sich ganz klein zusammen. Es war schwer ihn zu beruhigev. Manchmal, mitten im Spiel, fiel es ihm plötzlich ein: „Mutti. Wawa!" Wenn er vom Schlafen aufkam, wenn er etwas Neues, Gutes aß: es war wie ein Einwand gegen die abgerundete zufriedene Dafeinsmöglichkest. Die Verkörpe- rung des bösen Elements. Gottheit des Bösen! Den ganzen Tag mußte man die doppelten Fenster geschlossen halten, und wenn er es trotzdem hörte, lief er wie aufgescheucht hin und her. versteckte sich in einem Winkel und war ganz mäuschen- still. Nie war er so brav und folgsam gewesen nre in diesen Tagen: doch die Eltern beunruhigte das sehr. Sie machten den Eigentümer des Papageis ausfindig, was bei den vielen Parteien der umliegenden Häuser nicbt leich war, und erlangten mit Geld und vielen Bitten die Entkerming des Vogels. Aber lange noch wirkte das Erlebnis nach. Das Dienst- mädchen machte es sich zunutze, wenn die Herrschaft aus- gegangen war, und der Kleine ihr Schwierigkeiten bereitete. Mit„Wawa" ymrde kommen, brachte sie ihn leicht zu allen� was fie our(Fortsetzung folgt.t j fnvgfame Mutter, d«ren Kind„unb«greiflich«rweise' plStzlich an Masern oder Scharloch erkrankte, könnte das Rätsel lösen, wenn sie nur in die enge Wohnung der Heimarbeiterin sehen könnte, die Stoischen dem Bett des kranken Kindes, dem Kochtopf und der Maschine hin- und hcrgehetzt, in iiherlanger Arbeitszeit den Hungerlahn erwarb! Die„besseren Damen". Um Gottes willen! Man macht keine„Heimarbeit", man ar- beitet„kunstgewerblich", irgendetwas, Lampenschirme, Sofa- tissen oder gehäkelte Jumper! Früher ging's ums„Taschengeld". Aber die Zeiten haben sich geändert, längst sind alle Zimmer ver- mietet; die„Dame" aber silst im Mädchenzimmer", und um sie herum leuchtet Seide, stammt bunte Wolle und glänzen Melallbordcn, bunt uiio voll Flitter, wie ihr Leben voll buntem Flittcrkram und 'Richtigkeit war. Echtes Elend und falscher Glanz! Von diesen Arbeiterinnen, die noch nicht einmal zur Erkenntnis ihrer Lage sich aufschwingen können, findet keine den Weg zur Organisation, und so arbeiten sie denn auch noch heute in Berlin zu Löhnen, die unter 12 Pf. für die Stunde liegen... 0 Heimarbeiter— die Parias des Proletariats, wie viele sind darunter, denen selbst von den Mindestlöhnen noch 5, ja 10 M. wöchentlich durch den Unternehmer abgcqucscht werden, die alle», eigene und der Kinder Gesundheit dem gefröstigen Polypen der Heimindustrie opfern— aber denen das Opfer weniger Groschen für die Organisationen ihrer Klasse untragbar erscheint? ?lrbeiter-SataiUone.* Die Tatsache, daß Berlins Bevölkerung in der überwiegenden Mehrzahl sozialdemokratisch gesinnt ist, hat sich in den Wahlen und Manifestationen so deutlich ausgesprochen, daß die einst gehegte Hoffnung der reaktionären Elemente, Berlin„erobern" zu können, begraben ist. Auch der heutige Aufmarsch der Gewerkschaften wird wieder jene Masten sehen, von denen man nicht mehr sagen kann, daß es Arbeitcrbataillonc sind, auch nicht Armeekorps, sondern Heer- zöge im vollsten Ausmaß des Wortes. Wer in Berlin so ein halbes Jahrhundert ansässig ist, wird sich erinnern, wie schon die ersten, fast spontan zustande gekommenen Masscnansammlungen von An- hängern der Sozialdemokratie auf die Philisterbürger gewirkt haben. Es war vor dem Erlaß des Sozialistcngeseßes, im Jahre 1877, daß im Janna? Reichstogswahlen stattfanden. Das die Fortschritts- parte! und den ganzen Klüngel von Regierung, Adel und Beamten- tum verblüffende Resultat des ersten Mahlganges vom 10. Januar war die Eroberung des vierten und sechsten Wahlkreise» durch di« Sozialdemokratie. Fritzsche und Hasenclever gewählt!— Das setzte für das damalige Berlin kaum saßbare Massen in Bewegung, alles strömte nach dem Tivoli, wo unter dem Vorsitz von August Hainsch die Versammlung stattfand, in der die Wahlresultate bekanntgegeben wurden.„Nach polizeilicher Schützling waren nicht weniger als 22 000 Mann dort versammelt— und die bürgerliche Preste sprach von dem Tritt der Arbeilerbataillone, den man nächtlicherweile bei der Rückkehr der begeisterten Massen gehört hoben wollte. Wenig mehr als ein Jahr später mußte dieselbe Presse bereits von dcni Armeekorps der Sozialdemokratie berichten. Am 7. März 1878 war August Hainsch, erst Zljährig, gestorben, ein Opfer jener aufreibenden Agitationsarbcit, die zu den Siegen von 1877 geführt hatte. Am Sonntag, den 10. März, wurde er bestattet und Taufende und aber lausende folgten im Leichenzuge, dessen Aufstellung und Abmarsch vom Trauerhause ein Stunde dauerte. Bernstein hat in seiner Geschichte der Berliner Arbeiterbewegung mit Recht darauf hingewiesen, daß diese starke Beteiligung„keine beabsichtigte politische Demonstration gewesen ist". Die Massen ehrten den toten Ge- nosten, der seine letzte Kraft im Dienste des Volkes geopfert hatte. Rührend ist es, wenn man die Nummer des damaligen Partei- ..attes, dek„Berliner Freien Preste", betrachtet, wie alle Gswerke ihren Mitgliedern den Versammlungsort mitteilen, von dem ans sie zum Begrädnisplatz sich begeben. Da finden wir die Zimmerleute, die Sattler, die Schuhmacher, die Stuhlarbeiter, die Tischler, den Buchbinderverein, den Schmiedeverein usw., daneben den Arbetter- sängerbund, viele Klubs u. a. m. Eine politische Demonstration wurde aber die nur wenige Wochen später, am 28. April 1878, erfolgte Beisetzung des trotz schweren Leidens im Gefängnis bis kurz vor seinem Tode sestge- haltenen Redakteurs Dentler von der„Berliner Freien Presse". Wiederum hatten viele Tausende das Zeugnis ihrer Treue zur Partei gegeben, trotzdem der Verstorbene der großen Mäste nicht so bekannt geworden war. wie der Agitator Hainsch. Das war vor fünfzig Jahren— schwere Kämpfe kamen dann gleich unter der Herrschaft des Sozialistengesetzes und später bei den Versuchen, die Straßen und die Plätze den Zwecken des Pro- teftes und der Bekundung des eigenen Willens dienstbar zu machen. Dieses Recht ist jetzt ein sicherer Besitz, und die frechen Versuch- der Rechts- und Linksputschisten, gleichzeitig bei solchen Massenauf. zügen ihr Süppchen zu kochen, sind stets an dem Umfange der Demonstration und der Disziplin der Teilnehmer gescheitert. So wird es auch diesmal sein. Der Magistrat über öie Schlackensteinwerke. >- Zu den Vorkommnissen bei den städtischen Schlacken- steinwerken wird die Stadtverordnete noersamm- l u n g demnächst Stellung zu nehmen haben. Für die nächste Stadt- verordnetensitzung(am Donnerstag uyt"ÄS Uhr) stehen auf der Tagesordnung unter anderem die Bilanz der Werke per 21. März 1925, die der Magistrat zur Genehmigung vorlegt, und eine von der Deutschen Volkspartei wegen jener Vorkommnisse schon im Januar d. I. gestellte Anfrage, die der Magistrat jetzt beantworten will. Die Bilanz per 31. März 1925 schließt ab mst 209 M., die Gewinn- und Verlustrechnung ergibt einen Verlust von 109850 M. In oer bereits vom 27. August d. I. datierten Vor- läge über die Bilanz wird mitgeteilt, daß der Magistrat am 19. Mai d. I. die Fortführung des Betriebes für ein Jahr ohne neues Be- triebskapital zugesichert hat und daß der Betrieb seit Anfang Juni d. I. wlederausgenommen ist. Zugleich meldet die Vorlage:„Der ehemalige Geschäftsführer Schaube und der ehemalige Prokurist Bauer stehen nicht nichr in Diensten der Gesellschaft. Schaube, der rls Stadtoberbauführer auf dreimonatige Kündigung angestellt war, ist mit dem 1. Juli d. I. auch aus dem Dienst der Stadt entlassen worden. Bauer war lediglich Angestellter der Gesellschaft. Gegen den ehemaligen Buchhalter Hannmann und gegen Schaube ist bei der Staatsanwaltschaft die Eröffnung eines Strafverfahrens beantragt worden." Der Magistrat teilt weiter in seiner Vorlage mit, er habe den Aufsichtsräten der städtischen Eesellschasten empjohlen, sich durch monatlich« Berichte der Vorstände bzw. Geschäfrsführer über die Lage ihrer Gefell- schoflen genauestens unterrichten zu lassen. Eine weitere Vorlage über die Bilanz per 31. März 1920 soll bald folgen. Eine DreizchnsShrige v-rmißt. Seit dem 15. d. M. früh 7 Uhr 30 Minuten wird die 13 Jahre alte Schülerin Hildegard Aü'l- n e r, wohnhaft Seumeslraße 2 2. vermißt. Sie befand sich auf dem Wege zur Schuie. Wer hat das Kind am Mittwoch I Am 19. September 1926 sind 100 Jahre vergangen, fett die Straß«„Unter den Linden" in Berlin zum ersten Male im Glanz« des Gaslichtes erstrahlte. Was dos für«ine Stadt wie Berlin be- deutete, können selbst wir Jüngeren ermessen, die wir die Jahre der Kriegsbeleuchtunz miterlebt haben. In den größeren Städten waren nur die wichtigsten Plätze und Straßen durch spärlich brennende Oellampen ausgezeichnet, im übrige» mußte der nächtliche Wanderer seine Laterne selbst tragen. Der Anfang der Straßenbeleuchtung. Als der Groß« Kurfürst im Jahre 1677 anordnete, daß„alle Berliner«in« Laterne, darinnen«ine Kerze stecke, aus jedem dritten .Haus« heraushängen sollten, also, daß die Lampen von den lieben Otachbarn abwechselnd besorgt werden", da fand er bei den Berlinern so wenig Verständnis und. Gegenliebe für dies« Neuerung, daß kurz darauf die Laternen auf Pfähle gesteckt wurden und ein„Inspektor der Stadtleuchten" ernannt werden muß!«. Trotz mannigfacher Ver- besscrungen wurde diese Art der Straßenbeleuchtung noch fahr- zchntelang als verschwenderischer Luxus empfunden. Sie fetzte in den Sommermonaten völlig aus und"auch im Winter wurde an den Tagen vor und nach Vollmond mit Fleiß an dem kostspieligen Oele gespart. Die Vorstädte gar entbehrten überhaupt jeglicher Beleuch- tung, und di« Finsternis gab Anlaß zu Gefahren verschiedenster Art: „Wie manchem Wagen ist so im Dunkeln an den Prellsteinen der Ehausieen ein Rad zerschellt, der Weg von Berlin nach Schöneberg, besonders der Teil zwischen dem Potsdamer Tor« und der Brücke, welcher über den Schasgroben führt, ist deswegen berüchtigt, er ist sehr srcqu«nt, häusig müsien die Wagci? einander ausweichen, da wird dann im Finstern zur Freude der Wogner manch« Kutsche um- geworfen, manckzes Rad zerbrochen, was aber nicht immer zur Freude der Einwohner geschieht: auch ist der Fußsteig hier so übel, daß man bei Regenwetter, selbst am Tage, fast bei jedem Schritte besorgen muß, in den kotigen Graben zu sollen: wie viel mehr ist dies nicht im Finstern zu fürchten." Es was ein Berliner Dozent, der vor 100 Jahren dies« ergötzlich« Schilderung gab. Die Gasbeleuchtung. Unter solchen Umständen ist es begreiflich, daß die Erfindung und Einführung der Gasbeleuchtung von 100 Jahren als ungeheure Umwandlung, wie der Anfang einer neuen Zeit, wie ein Wunder gewirkt haben muß. Man brannte nicht mehr Talg. Wachs oder Oel, wobei die unverbrauchten erstickenden Dünste dös Zimmer er- füllten, sondern erzeugt« das gebrauchsfertiz« Gas an anderem Orte und leitete es in Röhren auf Straßen und in Häuser. So vermied n'.an das Schädliche und Unangenehm«, hatte den Vorteil einer größeren Ersparnis und konnte noch— um mit einem Zeitgenossen vor 100 Jahren zu reden— durch die neue Beleuchtung„pracht- und feenartige Zauberei'«ntfolt«n. Etwos Zauberhaftes, Mystisches wurde noch jahrelang mit der Gasbeleuchtung verknüpft; die Wisien- schaft hatte Mühe, es zu zerstreuen. Das gut bürgerliche Gemüt freilich war aufs tiefst« erschrocken ob der Wagehalsigkeit der neuen Einrichtung, die die Ordnung alles bisherigen Geschehens auf den Kopf zu stellen droht«. Wenn man auch nicht wie in früheren Jahr- Hunderten di« Schöpser und Verfechter dieser technischen Neuerung als Ketzer verbrannte oder gar auf den Scheiterhaufen schickte, so warnte man doch öffentlich in der Press« vor der verwerflichen neuen Gasbeleuchtung: weil sie in die Ordnung Gottes ein- greise und di« Nacht zum Tag« verkehre, well sie die Allgemeinheit indirekt besteuere und manchen in seinen Ver- richtungen störe, weil sie das nächtliche Verweilen auf den Straßen erleichtere und dadurch den Bürgern Erkältungen auf den Hals zieh«, weil sie das Grauen vor der Fmftsrni», das die Schwachen von der Sünde abholte, verscheuch«, den Trinker in den Zechstuben gesehen? Wer hat dem Kinde die Bücher„Arm Annchcn und Back- fischtraum" geliehen oder geschenkt? Da- Kind ist stark entwickelt, hat dunkelblondes, langes ofsenes Haar von einer Spange gehalten, graublaue Augen, starke schwarze Brauen und ist von der See stark gebräunt. Bekleidet ist das Kind mit weißer Achselbandwäsche, lila Schlüpfer, lila Strumpfbändern, langen schwarzen Strümpseii, schwarzen Spangenschuhen, schwarzem Kleid, blauem Strickmantel. Die Schulbücher tragen die Aufschrist„Hildegard Büttner. 18. Gem., Kl. 2".— Es wird dringend gebeten, etwaige Beobachtungen sofort den besorgten Eltern mitzuteilen oder die nächste Polizeiwache zu benachrichtigen._ Erkrankungen im Kinüerheim Such. Kein Grund zu ernsteren Besorgnisse«. In der st ä d t i s ch e n K i n d e r h e i l a n st a l t Buch ist vor einigen Tagen eine auffällig hohe Zahl von Durchfällen beobachtet worden. Don 850 jetzt in der Anstalt verpflegten chronisch kranken Kindern erkrankten am 16. und 17. September etwa SO an Magen- und Darmstörungen, die mit Durchfall und Erbrechen auftraten. Der Verdacht, daß es sich um Typhus handelte, hätte sich in dieser Zeit allgemeiner Typhusfurcht naheliegen können. Es wird aber sür sehr wahrscheinlich gehalten, daß di« Störung auf Nahrungs- mittel ziirückzusühren ist, und zwar gilt als am meisten verdächtig ein Klopsgericht, das am 16. September gegessen wurde. Die Krankheitserscheinungen waren leicht, und dl« Mehrzahl der Kinder ist bereits so weit wiederhergestellt, daß sie als gesund angesehen werden können. Erwartet wird, daß in wenigen Tagen auch bei den übrigen Kindern die letzten Nachwehen der Erkrankung geschwunden lein werden. Obwohl als sicher angenommen wird, daß Typhus- vcrdachl völlig unbegründet ist, sind doch alle Vorsichtsmaßregeln getroffen worden. Die notwendigen bakteriologischen Untersuchungen stellt das Hauptgesundheitsamt an, und das Ergebnis wird in einigen Tagen vorliegen. Heute Elternbeiratswah!! Eine Nachwahl zum Elternbeirat findet heute In der B e r- lincr 8. Gemeindeschule(Gipsstraße) statt. Sie ist nötig geworden, weil an der 8. Schule die Wahl vom Juni für ungültig erklärt wurde. Mit dieser Ungültigkeitserklärung und Neuwahlanordnung wird dem Einspruch der„Christ. lich-Unpolitischen" stattgegeben, die hier im Juni in der OTinderh-it blieben. An der im selben Hause untergebrachten 63. Schule wurde von der Linken gegen die Wahl vom Juni Einspruch erhoben. Er wurde mit denselben gegen den„chrjst. lich-unpolitischen" Wahlvorsteher gerichteten Rügen begründet, hotte aber keinen Ersolg. Man sieht, wie unberechenbar die Entjchei- düngen der Schulbehärde sind. An der 8 Schute erhielten im Juni die link-gerichteten Listen„Schulautbau" und„Kind in Not" zu- sommen mehr Stimmen als die„chnstlich-unpolitifche" Liste. Dies- mal hat die Linke eine gemeinsame Liste unter der Be- Zeichnung„Proletarische Einheitsliste" aufgestellt, um den„Christlich- Unpolitischen", die in den letzten vier Jahren allein im Elternbeirat dieser Schule oertreten waren, den Sieg streitig zu machen. Alle aufgeklärten Eltern von Kindern der 8.«chnle haben die Pflicht, nur dieser linksgerichteten prolctart. s ch e n Einheitsliste ihre Stimme z u geben. Partei- genossen und die Arbeiterjugend werden dringend gebeten, sich zur Wahlhilfe von 9 Uhr morgens ab in der Sebule beim Genossen Enstat zu melden. »erliner Gas. zum Schwelgen anhalte und verliebte Paare oerkuppele, weil sie die Pferde scheu und die Diebe kühn mache und schließlich— weil sie das Nationalgesühl schwäche, das durch Jlluminalionen bei öffent» lichen Festen geiveckt� durch allnächtlich« Quasiilluminationen aber abgestumpft werde. So wurden also alle guten Geister zusammengerufen, um dem neuen Teufel zu Leibe zu rücken. Natürlich fehlte es auch nicht an warnenden Stimmen vor den großen Gefahren der Gasbeleuchtung, wobei es begreiflicherweise vorwiegend die Talg- und Oclhändler nxiren, di« aus Furcht vor der Schädigung ihres Erwerbes die erschrecklichsten Geschichten ersannen. Als man irr Berlin die ersten Röhren in die Straßen versenkte, behauptet««in besonders Aengstlicher, man ginge jetzt nicht mehr auf den Straßen, sondern auf den Pulverminen Congreoes, die olle Augenblicke in die Luft stiegen könnten! Trotzdem lockte die am 19. September 182lZ zum ersten Mal« Unter den Linden in Berlin gezeigte Gasbeleuchtung ein« groß« Menge Neugieriger herbei, und der überraschte Bewunderer dieses Schauspiels war ehrlich genug, seiner Berliner Zeitung zu berichten:„Heller haben wir selbst bei glänzenden Jllumi- Nationen di« Linden nicht gesehen. Nicht in dürftigen Flämmchen, sondern in handbreiten Strömen schießt das blendend« Lich! hervor, das so rein ist, daß man in einer Entfernung von 20 bis 25 Schritt «inen Brief prächtig lesen kann." Gas überholt! Bon Laien hört man immer wieder, daß dos Gas heute oer- ästet und durch die Eleltriznät überholt sei. Der so Urteilende weiß nicht, daß gerade in den letzten Jahren der stetig sich weiter«nt- wickelnden Gasindustrie immer neue Verwendungsmöglichkeiten des Gases geschaffen wurden: in der Industrie und im Gewerbe, in Bäckereien, Schlächtereien und Schmieden, in Wäschereien, Bädern und Krankenhäusern, überall wird Gas in beständig' steigendem Maße oerwendei. Während in den großen und kleinen Küchen mit Gas sowohl gebacken und gebraten als auch gekühlt wird, erobert sich die Heizung mit Gas- und neuerdings auch die Gasfernheizung ein neues Absatzgebiet nach dem anderen.„Nasch— sauber— billig" sind die werbenden Kcnnworte des Gases. Wer weiß im übrigen— wofern er nicht gerade Fachmann ist—, daß bei der Straßenbeleuchtung immer noch die Anwendung des Gafes die des elektrischen Stromes erheblich überwiegt? Welcher Berliner weiß. daß heute noch der Atexanderplatz und die Königstraß«, die Pols- damer Straße, die Friedrich-Ebert-Straße, die Simsonstrohe am Reichstagsgebäude— um nur di: wichtigsten zu nennen— mit Gas erleuchtet find?! Di« ursprünglich fast ausschließlich zum Zwecke der Straßen- und Häuserbelcuchtung eingesichrt« Gaserzeugung hat lange schon neben den genannten übrigen Berwendungsmöglichkeiten des Gases weitverzweigt« Industriegebiet« erstehen lasten, die einen breiten Raum im heutigen Wirtschaftsleben einnehmen. Die Ver- wendung und weiter« Verarbeitung der Te«re und Oel« bis zu den feinsten Fabrikaten der Farben- und Medikamentenindustrie, die Gewinnung von Stickstoff beim Waschen des Gases, der unserer Landwirtschaft und chemischen Industrie zugeführt wird, von Schwefel und Blau aus der trockenen Gasreinigung für die Zellstoff- und ffielbkalisabriken und nicht zuletzt die den örtlichen Bedarf völlig befriedigende Erzeugung des Gaskoks, dieses hochwertigen rouch- freien Brennstoffes für Zentralheizungen und löousbrand— das alles sind nur einig« in großen Zügen angedeutet« Nebengebiete einer Industrie, deren Nutzen und Wirkungen wir uns aus dem heutigen Wirtschaftsleben überhaupt nicht mehr wegdenken können. 0 Di« Berliner Gasinduftri« kann mit Stolz das-heutige 100jährige Jubiläum seiern und wir können ihr im wohlverstandenen Allgemein- intereste nur wünschen, daß sie auch im neuen Säkulum zum Heile unserer Wissenschaft und Wirtschaft mit gleich gesunder Kraft weiser aufblühen möge. Die KPD. gegen Sie Sezirksverfammlungen. Slrin in Arm mit den Bürgerlichen. Die Lezirksverfammlung Pankow beschäftigte sich erneut mit mehreren Anträgen der SPD.» und KPD.-Fraktionen zum Erwerbs- lofenproblem. Die Errichtung einer Schuhbefohlanftolt und einer Rasier» und Frisierstube wurde beschlosten. Die Schuhmacher- und Friseurinnung verwahren sich gegen die Errichtung solcher Anstalten und verpflichten sich zu billiger Bedienung der Erwerbslosen. Ein «ingesetzter Ausschuß wird einer späteren Versammlung geeignete Vorschläge unterbreiten. Eine Anfrage der Deutschen Volkspartei gab dem Bürgermeister Dr. Meißner Gelegenliest, eine lange Rede über die M ü l l a b l a- gerung bei Schildow in dem Tegeler Fließtal zu halten. Cr behauptete, daß, entgegen den früheren Abmachungen, di« damals festgelegten Grenzen heute schon überschritten sind, und damit eine Gefahr für die Erhaltung des eigenartigen Fließtalcs gegeben ist. Unser Redner konnte auf den Märkischen Naturschutztag hinweisen, auf dem ein einmütiger Protest gegen das Borgehen der Berliner Müllgesellschaft angenommen wurde. Die Bezirksversammluug stimmte der vorgelegten Entschließung zu und erwartet von der Stadt Berlin, daß dieses herrliche Fließtol als Naturschutzgebiet den Naturfreunden erhalten wird. Die Fraktionjter Demokraten beantragte die Einsetzung eines Ausschusses zur Stellungnahme zu der vom Magistrat geplanten Umgestaltung der Berwal- tungsorganifation. Unsere Genosten sprachen gegen die Einsetzung des Ausschusses. Die Kommunisten wollen die B e f e i t i- pung der Bezirksverfammlung. Darauf wurde Ein» sctzung des Ausschusses beschlossen. Auf der Tagesordnung standen eine ganze Reihe wichtiger und umfangreicher Bauvorhaben zur Beschliißsastung. Unsere Fraktion hatte eine Reihe weiterer Notstandsorbeiten vorgeschlagen, die euch von der Bersammlung angenomnun wurden. Die Borlage des Bezirksamts zur Erweiterung des dritten Friedhofs ging der Der- sammlung zur Kenntnisnahme zu. Die großen Vorlagen zur U m- gestaltung der Schönholzer Heide,©au einer Desinfektionsanstalt, Bau einer Berufsschule, Erweiterungsbau der Schule und Bau einer Turnhalle in Buch. Erweiterungsbau des Pankower Krankenhauses, Errichtung einer Dauerkleingartenkolonie, waren technisch oom Bezirksamt so wenig vorbereitet, daß auf Grund unserer Kritik sofort zwei Vorlagen zurückgezogen wurden. Inzwischen batte sich herausaestellt, daß die bürgerlichen Vertreter mit einer Stimme in der Mehrheit waren. Als 14. Punkt der Tagesordnung stand nochmalige Beschlußfassung über die B e r- vachtung des Bürgerparkrestaurants. Die Mehrheit sollte benutzt werben, um diesen Bertrag, der von der Linken ab- gelehnt war, ,vir Annahme zu bringen. Daher wurden die wichtigen Bauvorlagen durchgepeitscht. Ein Redner konnte dazu sprechen, dann wurde vom Bezirksvorsteher Bicrnat lDDp.) Schluß beantragt. Um den Schein zu wahren, gingen die Vorlagen an einen Ausschuß. Bezirksoerordneler Schwien hatte zu Beginn der Sitzung beantragt. die Sitzungen pünktlich zu beginnen und um 10 Uhr beenden zu lasten. Als nach 10 Uhr von unseren Genosten auf Grund dieser Anregung Schluß der Versammlung beantragt wurde, stimmten Herr Schwien und alle übrigen bürgerlichen Vertreter dagegen. Nach 12 Uhr kam dann der Antrag 14 der Tagesordnung zur Ver- Handlung. Unsere Genossen beantragten, in einem Ausschuß den Vertrag so zu gestallen, daß Sicherheit gegeben ist. daß die Der. anstaltt't'gen des Dächters nicht geaen die Auffastung weiter repu- blikan-fchcr Kreise verstoßen Die Mehrheit lebnte diesen Vorschlag ab. Daraus wurde auf Grund der Toqesotdnung von unseren Ge- nosten ein« zweite Lesung beantraot. Alle?lnstrengungen der bür- gerlichen Vertreter waren damit vergeblich gewesen. Die Versamm- fuiifl fand ffepen 1 Uhr ihr Ende, kfür nächsten Mittwoch isk auf Antrap der dürperlichen Fraktionen eine außerordentliche Versamrn- lung einberufen. Sie hoffen, auch dann noch über die Mehrheit verfügen zu können._ - Der Stolz üer �rbeitersportler. Tic Besichtigung der Bundesschulc in Leipzig. Leipzig, 18. September.(Eigener Drahtbericht.) Die Einrichtung der B u n d e s s ch u l e des Arbeitcr-Turn- und Eportbundcs wurde den Teilnehmern des Weiheaktcs(über den wir gestern ausführlich berichteten) bei der eingehenden Besichtigung des neuen Gebäudes gezeigt. Wuchtig, ein Symbol der Solidarität erhebt sich das Vordergebäude in fieben Stockwerken bis zu 3Z Meter Höhe. Auf Stufen gelangt man zum Portal, durch dieses in einen großen, stilvollen Borraum. Rechts führt eine Treppe hinauf zum Turm. Glasfenster mit bunten Malereien fesseln die Augen. Im ersten Stockwerk befindet sich der große Hörsaal mit Tribüne und Kinoeinrichtung.(Es erscheint unnötig zu betonen, daß das ganze Haus mit allen inodernen Einrichtungen der Beleuchtung, Heizung und Hygiene ausgestattet ist.) An den großen schließt sich der kleine Hörsaal an, dann folgen Sitzungsraum, Lehrer- und Modellzimmer. Der zweite Stock beherbergt die Bibliothek, L e h r m i t t e l z i m m e r, eine Küche für die Angestellten der Bundesschule und Räume für die Leiter der verschiedenen Abteilungen. Das dritte Stockwerk wird mit den Schlafräumen für 30 männliche Kursusteilnehmer ausgefüllt, selbstverständlich mit den vorbildlichsten Betten, Waschräumen usw. Speise- und Aufenthaltszimmer fehlen nicht. Hier befindet sich auch die Küche für die Schüler und Schülerinnen. Im vierten Stock schlafen die Kursusteilnehmerinnen. Der fünfte Stock hat ein photographifches Atelier, das auch Kinoaufnahmen dienen soll. Hierzu die nötigen Räumlichkeiten. Außerdem befinden sich hier mehrere Reservezimmer. Das sechste Stockwerk wird von Böden und Lagerräumen ausgefüllt und das siebente bildet der Turmausbau, von dem man die gleiche ausgezeichnete Rundsicht genießt, wie vom Leipziger Volkshausturm. Abends erstrahlt der Turin in roter Beleuchtung als Wahrzeichen der Bundesfchule weit- bin ins Land. Unmittelbar an das Vordergebäude schließen sich die U e b u n g S h a l l e n mit der großen Bühne an, die durch eine Roll- wand geteilt werden kann: die natürlich ebenfalls mit ollen tech- nifchen Errungenschaften ausgestattet ist. Reben der« p o r t h a l l e und dem R u d e r l« h r b e ck e n ist die mächtige B a d e h a l l c unzweifelhaft das Glanz- und Prunkstück des neuen Werkes. Das 13 mal 8 Meter große Sch wimmbecken ist 1,10 bis 2,70 Meter tief. Weiß und fmaragdglänzende Fliesen im Verein mit den ge- malten Fenstern, auf denen neckische Badeszenen dargestellt sind, Zur guten Verdauung nehme man nach jeder Mahlzeit einen halben Kaffeelöffel voll Biferirte Magnesia in ein wenig warmen Wassers ein. Biserirte Magnesia verhindert die Ansammlung schädlicher Gase im Magen und sichert fo eine vollständige Assimilation der Nahrung. Di« An- sammlung überschüssiger Magensäure ist stets eine Begleiterscheinung oder gar eine Ursache von Dyspepsie, Verdauungsbeschwerden. Sod- brennen, Hypochondrie usw. Biserirte Magnesia neutralisiert die überschüssige Säure, beruhigt die Magenwändc und sichert so eine normale und gesunde Verdauung. In allen Apotheken erhältlich. BZichtlftt Slserlrke Magnesia wird ln drei verschiedenen Vervacknog». größen gelieserl; in Pulver- und Tablelsenform zu Hl. 1.50 da» Zläschchen und in größeren Flasche» mit Pulver zu IN. 3.00 die Flasche. lassen den Raum zu einer harmonischen Einheit zukommenfkießen. Im kristallklaren dauernd zu- und abfließenden Wasser spiegelt sich die vorbildliche Helle des Bades wider. Die entsprechenden Bade- räume sind reichhaltig und zweckentsprechend eingerichtet. An die Schwimmhalle schließt sich ein Spielplatz für Leicht- a t h l e t i k an. Das Ganze mit den schon vorhandenen zwei Wohnhäusern und dem Gebäude des Arbeiterturnverlages ist ein Werk, auf das die gesamte sozialistische Arbeiterschaft mit vollem Recht stolz sein muß. Dienstag, Sen 21. September 1926, abenüs 7 Uhr In Erbes Westfalen, Hasenheibe 1Z/t5 Meise MWMMsamlW für fämiliche Partei- und Setrlebssunktionäre der SPD. Tagesordnung: M fionipf der SaziMenwrralle gegen die ArdeiMgleit. Referenten: ReickStagSabgeordneter Arthur Crispien und Stadl- verordneter Ernst Revier.— Funklionärausweis für 1926 und Parteibuch legitimiert.— Fahrverbindung Nord-Südbahn bis Hermannplatz. Der Bezirksvorstand. Jost 1 600 Tpphuserkrantungen in Hannover Die Zahl der Typhuserkrankungen in Hannover ist während des gestrigen Sonnabends von 1539 auf 1593 gestieg en, und zwar liegen in den städtischen Kronkenhäusern und Hilfshospitälern 669 Männer, 705 Frauen und 219 Kinder. Die Zahl der Todes- fälle hat sich abermals umzweierhöht.so daß jetzt insgesamt 49. also fast ein halbes Hundert Todesopfer der furcht- baren Seuche zu beklagen sind, deren Ende immer noch nicht obzu- sehen ist. Hannover. 18. September.(Eigener Drahtbericht.) Um ver- schiedene Unklarheiten in den Auffassungen über die Typhus- erkrankungen zu beseitigen, hat die Redaktion des hannoverschen „Bolkswille" zahlreiche Aerzte aus allen Stadtteilen befragt und gibt die wichtigsten Erfahrungen wieder: Zunächst sind alle Aerzte ohne Unterschied der festen Ueber- zeugung. daß die Ursache der Evidemie in der Wasser- Verunreinigung zu suchen ist und daß unsere bakterio- logischen Untersuchungsmethoden dringend der Nachprüfung und Verbesserung bedürfen. Das Massenauftreten der Erkrankungen am 8. und 9. September beweist einwandfrei, daß die Erkrankung aus das von ollen Leuten genossene Wasser zurückzuführen ist. Eni- gegen den Ableugnungsversuchen de» Magistrats halten die meisten Aerzte das hier beliebte Bertufchungssystem für die schwerste Unterlassungssünde. Wäre da» Aerztebureau sofort auf die erhöhte Keimzahl im Trinkwasser aufmerksam gemacht und dadurch in die Lage versetzt worden, die Aerzte allgemein aus die darin liegende Gefahr hinzuweisen, dann hätte die Aerzteschaft rechtzeitig für die nötigen Borsichtsmaßregeln auch gegenüber dem etwaigen Austreten von Typhus sorgen können. Darüber hinaus beklagen sich die Aerzte, daß ihre feit langen Jahren geforderte Bestellung eines städtischen Gesundheitsarztes nicht erfolgt ist. Denn der hätte bei enlsprechender Arbeit in den Straßen der Stadt viel Unsaubcrkeit beseitigen und die Gefahren von Epidemien zum mindesten eindämmen können. Daß die Epidemie einen so großen Umfang annehmen konnte— die Aerzte schätzen die Zahl der Erkrankungen auf über 5 000 und man beachte den Unterschied dieser Schätzung zu den amtlichen Verlautbarungen über die Zahl der in den Krankenhäusern Untergebrachten—, liegt an den allgemein ungünstigen sanitären Verhältnissen in Hannover. So besteht zum Beispiel in der Süd- stadt ein fast alljährlich zum Aurbruch kommender Typhusherd in der sogenannten Q u e st c n h o r st. Hier spotten die gesundheitlichen Acrhältnisse jeder Beschreibung. Bei den: Hause 6a spielen an etwa 30 Kinder direkt im Kot herum. Auch sonst ist die Mehrzahl der Erkrankungen in denjenigen Stadtteilen zu oerzeichnen, wo die Wohnungsverhältnisse und die Zlbortanlagen modernen Anforde- rungcn nicht entsprechen. Die Verbreitung der Epidemie von Mensch zu Mensch wird also durch die Wohnverhältnisse stark gefördert.- Daher sind die meisten Typhusfälle in der Altstadt, in der die Arbeiterviertel liegen, und in ähnlich veralteten Vierteln oorge- kommen. Ein Siebzigjähriger. Ein in weiten Kreisen bekannter Partei- genösse, der sich immer in selbstloser Weise für die sozialistische Bc- wegung ein Mcnschenalter hindurch verdient gemacht hat, der Partei- genösse Eduard Warnst, Ravenestr. 8, feiert heute seinen siebzigsten Gcburtstag. Genosse Warnst bekleidet seit langen Jahren das Anit als Aorfigcndcr des Ausschusses der Landesoersicherunas- anstatt Bertin und ist Mitglied des Schiedsgerichts beim Reichs- vorsicherungsamt. Als solcher hat er sich um die sozialpolitische Gesetzgebung reiche Verdienste erworben. Wir wünschen dem olren Kämpen noch eine lange Reihe van Jahren ungetrübter Schasfens- freude. Erweiterung der Zuglelephonie. In den nächsten Wochen soll ein« Reih« neuer fahrplanmäßiger Schnellzüge mit Zugtelephonie ausgestattet werden. Man rechnet damit, daß bis Anfang des nächsten Jahres sämtlich« Hauptver- t e h r s st r e ck e n mit Zugtelephonie versehen sein werben. 1 258 199 Funkleilnehmcr. Die Zahl der Rundfunkteilnehmer in Deutschland hat sich im Monat August um 21 136 erhöht; die Gesamtzahl beträgt somit nach dem Stande vom 1. September 1 258 199. fA'a/vm bosfei ein Vabef Di1, fäompson's Seifen pu Ivei1 Hui-SO-Vfg? Weil hierxu eine fhebung gencutr- mat wind, die so einfaeh und billig wie nun irgend mdglieh id. An den Ghebung wird olles, am JnhaH ni&hfs gespart Leipziger Platz König str. Rosenihaler Sir. Moriizplatz SdiriftUdie Bestellungen an die Versand- Abteilung Berlin W 9 (ßtHtSM pt Bf Weingtasgarnituren Bleikristall Sditltt„Scrte-, Stiel»etdiUtteo, rn'i Weinen Fehlen. Portweinglas.. 95«. Sektgias...... 1ss Rotweinkelch..."Iis Likörglas.... 75n Römer....... 175 Selterbecher.. 65 Pf. FUdscnschlitt. mit kleinen Fehlen.(Nur Lel?ii?er SlraBe). Portweinglas... 250 Sektglas.... Rotwefnkelch 275 3 m Likörglas... Bowlenglas.... 375 Bierbecher-- Römer....... 395 Selterbecher- Schleifglas„Meteor*1 Schalen-- 40pf.i>isl7o Käseglocken.•- 295 Teller«-m.... 44pt. Butterglocken.. Iso Vasen �TOpi. 28em95pf. Kristallservice„Elektra**■ 1 25 Teekannen..— 58, 68p». Tassen mit Untertassen 18-»» Steingut-Kaffee- u. Teegeschirr Baueradekor„Pdlkao" Tassen........ 55pf. Zuckerdosen... 85pf. Teller......... 35 pf- Kuchenteller..... 1 25 Kaffeekannen I65b.240 Eierbecher..... 30pr. Teekannen 140 loo 225 Butterdosen..... 1io Milchtöpfe 55wa75pf. Kakaokannen 120b. 2m In dleserWoche Extra-Preise SoweU Vorrai. Mengenabgabe vorbehalten iMemgut Weißes Porzellan Spelseteller nach 40 pt. Saiatieren 50 Pt. ws 1 ss Speiseteller fl«f. 45 w. Platten ovai 35 pr. i», 1 so Dessertteller.. 25 pt KaffeekannenSO�leo Terrine...... 450 Teekannen 40 pr. w» 160 Kartoffelschüssel 175 Milchtöpfe 15 pf.w» 1 io Saucieren.... 130 Tassen.. 22 pt. 2L»r. Für OaatstBtteni Teller ,h,chma� ,leI 35 pt Einsatztassen. 35 n. Dekoriertes Porzellan Frühstückservice HU- z Pamonen, 5 Teil....... 1 95 Kaffeeservice 6 Personen. 9 Teile 3 55 dünne Tassen 7 IS Kaffeeservice mr% pT�°ntn 1 275\V™rn 1 7 so Tafelservice wr 6 Personen, A Teile.. 1750 2150 2950 Tafelservice �.1«. 85 m � 95 m Küchengarnitur 22 Teile............ 16so Obstservice.? i-eiie 1 so Tassen?�d' 28 pr. 35 pt. 0bstte!lerf63�iMj 35 pr Tassen dekoriert.. 38 pr. Porzellan-Tafelgeschirr Teller tief o. nach... 65 pt Saucieren.. 265 3 lo Dessertteller.. 40?'. Bellageschalen 80 pr. Kompotteller.. 30 pr Platten ovai. I30bis420 Terrinen ovai. 625 975 Platten«er, nach, rund' 375 Kartoffelschüssel 320 Salatieren«ld;l20bis22o Porzelian-Kaffee- u. Teegeschirr „La France", rolc Rote mit Goldrand Kaffeekannen 1{)*245 Teekannen Iss ma 245 Zuckerdosen60b90pr. MÜchtöpfe 30 bis 65 p;. Kuchenteller«L«», 1 10 Butterdosen 65»ä 1 w Brotkörbe.... I10 Marmeladendos.60 pl UntersetzerKann'en 45 pr. DesseritellerSS, 40 pr. Tassen � 45 dünn 65 pl Mokkatassen 35, 45 pr. Hejchästliches. Spitzcn-Werbewoche. Eine Reihe von Jndustrieverbänden der Textilbranche hat sich entschlossen, Werbewochen in Form von großangelegter Schaufensterdekoration in alsen einschlägigen(Bc> schäften ganz Deutschlands zu veranstalten, um dem großen Publikum Gelegenheit zu geben, sich von der stets fortschreitenden Verooll, kommnung ihrer Erzeugnisse zu überzeugen. Eine solche Werbewoche vom 26. September bis 2. Oktober veranstaltet der W e r b e a u s- schuß für Deutsche Spitzen und Stickereien. Daran schließt sich ein W e t t b e w c r b, zu dem sämtliche Frauen einge- laden sind. Die Jnteressentinnen, die in der Woche vom 26. Sep- tember bis 2. Oktober In den Schaufenstern und Spezialabteilungen der Berliner einschlägigen Geschäfte, Modefinnen und Kaufhäusern jeve Art von Spitzen, Stickereien und ihre Verwendbarkeit sehen können, sollen Anregungen zur neuaNigen Verarbeitung von Spitzen und Stickereien an Kleid, Hut, Wäsche, Kissen, Bettwäsche usw. bringen. Die Bitte um Beteiligung an diesem Wettbewerb ergeht außer an alle Privatpersonen, besonders an Kunstgewerbler und Künstler, Mode- und Wäschefachleute. Der Werbeausschuß hat außer vielen Geld- und Wertpreisen im Betrage von insgesamt 60M M. noch einen Ehrenpreis von 1606 M. ausgesetzt. Die Spigenmode— wohl eine der ältesten Modebewegungen— hat im Laufe der Zeiten die mannigfaltigsten Wandlungen� durchgemacht, ohne jemals ganz zu verschwinden'. Die Spitzemndustrie in chrcr Vielseitigkeit und der langen Zeit ihres Bestehens verfügt über eine kulturelle Tradition. Sie ist heute Volkskunst und fast ebenso wertvoll als künstlerisches Jnduftrieerzeugnis. Gardinenausstellung. Im Rahmen der jetzt stattfindenden Warenschau der verschiedenen Textilfirmen lud auch die Firma G r ü n f e l d zur Besichtigung ihrer Gardinenausstellung ein. Man ist bemüht, leichtere, billiger herzustellende Stossarten zu wählen, die durch hübsche Musterung, Haltbarkeit und Lichtunempsindlich- keit Effekt erzielen. Dem neuen zweckmäßigen Baustil der Häuser entsprechend, wählt man auch einfache Behänge für dre Fenster. Auch die Art der Drapierung ist schlichter und stilreiner geworden. Für Siedlungsbauten, Sommerhäuser, Veranden usw. sind Kombinationen von bunten, leichten Gew«ben aus Tüll, Etamine, für Herren- und Speisezimmer solche aus Madras und Rips besonders bevorzugt. Der Vorteil besteht nicht nur in ihrer erheblich billigeren Beschaf- fung, fondern auch in der bequemen Art der Reinigung. Die schweren Stoffbehänge weisen die verschiedenartigsten Dessins in bunt oder rein, teils auch mit Kunstseide kombiniert, auf. Die Gardinenstoffe bestehen aus glatten oder gemusterten Geweben, be. fonders begehrt ist eine neue Art von gegittertem Stoff in vielerlei Mustern, der sich durch besondere Haltbarkeit auszeichnet. Ileueste herbst- und Ivinlcrmoden führte die Firma Cords ihren Kunden und Gästen durch eine Anzahl liebenswürdiger und eleganter Mannequins vor. Es war außerordentlich erfreulich zu sehen, daß Werl darauf gelegt wurde, eine nicht unbeträchtliche Anzahl sehr wohlfeiler Jackenkleider, Kostüme und Mäntel neuesten und unbedingt geschmackvollen Stils vorzuführen. Die Winter- mode zeigt die Kleider an den Hüften eng anliegend. Schottenmuster und Moirä werden anscheinend sehr bevorzugt. Auch schwarze Wollstofse spielen eine Rolle. Mit gutem Geschick versucht die Firma sodann, ihrer Preisliste die tötende Langeweile der monotonen Auszählung Hunderter von Gegenständen zu nehmen, indem sie durch eine gefällige, pointenreiche Plauderei Seite mit Seite ver- binden läßt. Da»«i-,!«« llaleraehmen, dos die Bedinqunaen der Sewerkschastea»oll und qana erfüllt, ist die Hoffnung, G. rn. b. H., Brunneagr. 188. Wir ver- weisen unser« Leser auf da» heutige Inserat. übergibt man nur dem Nachwei« b«4 Deutsch. Mulikeiverbanoe», Berlin 027, SlndttaSfir. 21 fStönigftadt 4310, 4048). GeschästZzeit 9 bi« 5, Sonntags 10 WS 2 Uhr. Aul Wunsch Dcrtretcrbesuch Vorträge, vereine unö Versammlungen. Reichsbanner.Schwarz-Rol-Gold". Seschllftsliclle: Berlin S 14. Sedastiansir. 87/38, S°s 2 Tr. Ziergartrn: Mo., d. 20., abends 8 Ilhr. Antreten aller aktioen und passiven Moobiter Kameraden Turnholle Echleswiger Ufer.— isriedrich�aiai Di., d. 21., abends 714 Uhr, Mitgl.-Berf., Comenius-Sal«.— Kreuzberg! Nächste Funktionärkonferen, mit erweitertem Kreisvorstand Di., d. 21., abends 8 Uhr, Isuhlbritgg«. Noftizstr. 2S. Nächste Kreisvollvers. Fr., d. 24.. abends 148 Uhr, in den Ientrol-ZestsLIen, Alt« Iakobstr. 32. Bortrag übet Völkerbund.— Tharlottcnbueg: Di., d. 21., abends 8 Uhr, Echillersoal, Bismarckstr. III, Kreisvers, mit Gasten und Damen. Borkrag des«am. Marlin Schneider!.Lllrine Fahrt durch Frankreich und Belgien". Unterhaltung»- musik.— Steglitz(Kreis): Mi., d. 22., abends 7>,4 Uhr, Antreten sämtlicher aktiven und vassiven Kameraden LichIerfelde»Ost, Kranoldplatz. ,mn Werde- umzug. SvieNeut« vallzädlig zur Stelle.— NeuUllv-Britz: Mo., d, 20.. 3. Kameradschaft, 1. Zug, Monatsvers, bei Kösier, Karlsgarten», Ecke Wissmann- strafte: Zug Gbert, 8 Uhr bei Rudolf, Hermannstr. 1öS:<. Kameradschaft, Beckers Gesellschaftsbaus, Thausseestr. 87, Monatsvers. Anschiieftend gemütliches Bei- sammenfein mit Damen.— Pavlaw: Mi., d 22., abend» 714 Uhr, Kreisvollvers. bei Meier, Türfische, gelt. Breite Str. 14. Ohne Mitgliedskart« kein gutritt.— Reuköün. Britz: 2. Kameradschaft. I. Zug. Mo., d, 20,, abend, 8 Uhr, Monats- vers. bei Schittler. Weichselsir. 5. Bor trag des Bezirksverordneten»ornemann. 2, Kameradschaft, 2. tzua, M»., d, 20., abends 8 Uhr, Monatsoers, bei Thomälen, Sertzbergftr. 22. Vortrag über Alt-Nürnberg. »erliaee Biochemischer Betet«. Am Nvntag, 20. September, abend» 8 Uhr. Schwarzer Adler. Frankfurter Alle« 99. Referent Herr Küchel. Arbeiterverein für Bio che mir»ab Leben, rcsorm i. B. V. Bezirksmonatsversammlungen. Bezirk Lichtenberg: Montag, 20. September. Lokal Wertalla, Hohenlohesir. 3.<2. Schwenk«:..Wie sollen wir uns ernähren".— Bezirk Mitte: Montag. 20. September. Lokal Rentwich, Linicnftr. 19S. O. Fälder: ,.Au» der biochemischen Prodis".— Bezirk Prenzlauer Berg: Montaq. 20. September, Lokal Gliesche. Kopcnhagener Str. 74. H. Kuchel:„Frauenleiden".— Bezirk Weiftense«: Mittwoch, 22. September, Lokal Mittendorf. Streu-, Scke Wilhelm- strafte. H. Pfarrer:„Nieren- und Blasenleiden".— Bezirk Zepernick: Mittwoch, 22. September. Lokal Naft. am Bahnhof. P. Krämer:„Aus der bio- chemischen Praxis". Beginn überall pünktlich 8 Uhr abends. Freie Aussprache. Gäste willkommen. Arbeiter-Nabio-Klnb Dentschlanb», e. B.. Berlin SO. 36, Vvanienstr. 182. Bezirksgrmip« Berlin: Am Mittwoch, 22. September. Technikersitznng.— Gruppe Charwtttnburg: Jeden Dienstag Wielandftr. 4.— Gruppe Friedrichshain: Jeden Montag Warschauer Str. 88— 59. Am Montag, 20. September, Bastel- und Bersuch-obend. Am Dienstag. 21. September, reger Besuch der Gruppe bei der Beransioltung Lichtenberg, erwünscht.— Gruppe Kottbusier Tor: Jeden Donnerstag Adalbertsir. 21.— Gruppe Lichtenberg: Jeden Dienstag Krön- prinzenslr. 27. Am Dienstag, 21. September, Wcrbeabend. verbunden mit Ausstellung felbsigebauter Apparate.— Gruppe Lickierfelde-Dsi: Jeden Freitag Lorcnzftr. 56.— Gruppe Neukölln: Jeden Freitag Prinz- Handjery-Str. 70.— Gruppe Prenzlauer Berg: Jeden Donnerstag Schönhauser Allee 134d. Am Donnerstag. 23. September, findet im Gruppenwkal ein allgemeiner Baftel- abend statt.— Grupv» Echöneberg: Jeden Donnerstag Sebonstr. 53.— Kruppe Südost: Jede» Donnerstag Sorauer. Gcke Görlitz«? Straft«.— Gruppe Wedding: Jeden Donnerstag Pasewalker Sit. 3.— Gruppe Wilmersdorf: Jeden Freitag Augustastr. 18. Gäste überall willkommen. Reick, bnab der Krieg-besch-bigte», Kriegst« klneh wer»»d Kriegrrhinter. bNebenea. vrt»gr»pp« Norbeu 14. Dienstag, 21. Seviember, 8 Uhr, Mit- gliederverfammlung in Büttner» Festsälen. Schwedter Str. 23. Bortraa stber „Neue Bersorgungsangelegenbeiten". Referent Bundesleftetär Kamerad Raa. Berliner Ssprraata-Bereiaignng Dienstag. 21. September, 3 Uhr. Monat». Versammlung im Restaurant.„Zum alten Askanier", Anhaltstr. lt. Bortrvg des Herrn Rektor Wilhelm Wittbrodt über„Moderne Pädagogik". Eintritt frei. Gäste herzlich willkommen._ Sport. Rennen zu Akariendorf am Sonnabend, den 18. September. l. Rennen. 1. Konsul(39. Heckert), 2. Dentmünze(®. Lautenberg), 3. Rotula(F. Bahr). Toto: 119:10. Platz: 16. 13. 14:10. Ferner liefen: Anna Laura. Terraria, Peter A.. Siegleicht, Besfi«, Indianer, PoftumuS, Katzbach. Erst. Walsers. Ocean tsttrl. Ouera. 2. Rennen, 1. Kopeke(B. Schuller), 2. Turlddo«H. Lautenberg). 3, Baron Silver(A. Finn). Toto: 34:10, Platz: 11, 13, 12: 10. Ferner liefen: Edelsteins Sohn, Cofimv, JngriS Halle, Natal, Gerhard, Michael, Mentor I. Sphinx. 3. Rennen. 1. Hippologe(G. Lautenberg), 2. Wintermärchen (E. Tieuberz), 3. Rehosertn(W. Freundt). Toto: 7S: lO. Platz: 22,15, 13:10. Ferner liefen: Halma. Eitelsried', Einsicht. Eilento, Großmogul, Leuchtsackel, Lucie Halle. Ebarade, Diana Magowab, König Robert, Armenier. 4. R c n n e n. 1. Antenne(EliaS). 2. Petrufchla(Cb. Mills). 3. Per aspera(M. RingiuS). Toto: 29:10. Platz: tl, 11, 13: 10. Ferner liefen: Ida Palos, Ehrcnberg, Mary Guy. Regenbogen, Theodora. 5. Rennen. 1. Abteilung: 1. Jdaia(Irmer), 2. LuWwg Ä- (W. RöSlcrl. 3. Dante(A. Flickt. Toto: 33: 10. Platz: 14. 15. 17: 10 Ferner licsen: Leuchtlaser, Hersteller. MonostatoS. Jram. Gladiator, Quitte Salome, Langemann, Kronprinz I.— 2. Abteilung: 1. Venus(Jürgens).. 2. Freibeiiler(Retzli), 3. Vetronella A.(Hanta). Toto: 46: 10. Platz: 19, 17, 26: 10. Ferner licsen: Kürassier. Sonntagsprinz. Leuchtturm. Lu. Holstein. Novelle I, Meisterstück, Ilona D.. Radiola. 6. Rennen, t. ColoncI Bosworth verkürzten Arbeitszeit lagen. Die Vertreter der Arbeiter und Ange- f stellten aller Richtungen, besonders die Gnossen Steiger H a l b f e l l und M a r t m ö l l e r wiesen hingegen darauf hin, daß in der ganzen Zeit nach dem Kriege bis zum August 1924 so anormale Ver- h ä l t n i s s e auf die Arbeitszeit einwirkten, daß eine Isolierung der Arbeitszeitverändcrungen als Ursache der Leistungsveränderungen ganz unmöglich erscheint. Nach Erörterung zahlreicher Gesichtspunkte, die bei den Einzeluntersuchungen zu berücksichtigen sein werden, wurden die Sachverständigen ersucht, im Ausschuß möglichst gemein-' sam Betriebe der Montanindustrie zu benennen, die sür die Einzeluntersuchungen geeignet erscheinen. Am Nachmittag wurden dann in einer geschlossenen Sitzung de» Ausschusses u. a. die Beratungen des eingehenden Arbeitsplanes für die Einzeluntersuchungen zum Abschluß gebracht, so daß jetzt in diesem Ausschuß die Bahn frei ist sür den Beginn der eingehenden Erhebungen. Ihre Cille wirbt � faßlich neue freunde Ui tltaflato/JZß�e tst U Die Konzentration in üer Nühleninöusirie. ' Die Konzentration in der deutschen Mühlenindustrie macht neuerdings graste Fortschritte. Den Versuch der Getreide- kommisstons A.-G. Düsseldorf, vom Getreide Handel her einen Mühlenkonzern des Wcser-Cmsgebietes zu schaffen, kann man nach dem Selbstmord ihres geistigen Urhebers Hugo Meyer und nach den inzwis6)en erfolgten Verkäufen der meisten Aktienpakete wohl als gescheitert betrachten. Aber in Berlin hat sich bald darauf der bekannte Trust der vier großen Dampfmühlen gebildet(Berliner Dompfmühlen, Viktoria, Humboldt, Solomon), und zwischen den Großmühlen des Ober- und Niederrheins laufen bedeutsame Zu- sammenschlußbcstrebungen, die schon zu dem Erwerb der Aktien- und Anteilsmehrheiten zweier Großmühlen in Köln und Düffel- darf durch die I l l k i r ch e r Großmühlen(Straßburg i. E.) geführt hat. Diese Straßburger Gruppe beherrscht ihrerseits wieder zu- sammen mit dem Blumensteinkonzelm weitgehend den Berliner Mühlentrust. Eine bisher unabhängige Berliner Mllhlengruppe, der Kampfmeyerkonzern, schritt nun ebenfalls zur Aus- dchnung und Abnmdung seines Großmühlenbesitzes. Wie die Straßburger und Blumensteingruppe griff auch sie bei dem bis- herigen Aktien- und Anteilsbesitz der Getreidekommissions-A.-G. Düsseldorf zu und erwarb die Majorität der Weser-Mühlen- A.-G. in Hameln, die ihr zugleich die Großmühle Ley- sieffer u. Lietzmann A.-G. in Köln miteinbringt. So löst sich der Konzern der Getreidekommissions-A.-G. Düsseldorf zu- gunsten der Straßburg— Blumenstein— Mühlcntrustgruppe und der Kampfmeyergruppe auf; seine Teile scheinen in Straßburg und Berlin neue Konzentrationspunkte zu finden. Für den engeren Zusammenschluß der 49 Großmühlen des Rheingebiets kann die Preiskonvention, die gegenwärtig durch tägliche tele- phonische Verständigung wirksam ist, von besonderer Bedeutung werden. Preußens Einfluß bei der Braunkohlenindustrie A.-G. Zukunft. In der Generalversammlung der Braunkohlenindustrie A.-G. Zukunft, Weisweilcr, deren Aktienkapital von 12,5 Mill. seit Jahresbeginn in der Hand des preußischen Staates sich befindet, ist" der von uns kürzlich geforderte Aufsichtsratswechsol zugunsten des Staatseinflusses nunmehr erfolgt. Der gesamte bisherige Aufsichts- rat, an dessen Spitze Dr. �-olmssen von der Diskontogcsellschaft stand, ist zurückgetreten. An dessen Stelle wurde, was begrüßenswert ist, ein verkleinerter A u f s i ch t s r a t(bisher 25, jetzt IS Mit- giicder) gewählt, von dem lt) Mitglieder, also die Mehrheit, den preußischen Staat und verschiedene Landkreise und Gemeinden ver- treten. Den Vorsitz führt Ministerialdirektor Jacques vom preußischen Handelsministeriuni. zweiter Vorsitzender wurde Dr. Solinsien von der Diskontogesellfchast. An der Umstellung fällt auf, dost die Aussichtsratsvertretuiig der öffentlichen Hand in keiner Weise dem Stimmenverhältnis entspricht. Schon nach der Verteilung des Aktienkapitals hätte der preußische Staat einen Anspruch auf wenigstens 14 von den 13 Mitgliedern. Da, n-ie wir hören. Preußen auch über die achtstimmigen 700 009 M. Vorzugs attien verfügt, hätte die Geltendmachung der preußischen Stimmenmacht bei der Aussichtsratsbesetzung noch näher liegen müssen. Im umgekehrten Falle würde gewiß keine privat- kapitalistische Gruppe auf Einfluß zugunsten des Staates verzichtet haben. Nun ist es zwar richtig, daß die Verteilung der Aufsichts- r.-.tsposten für die Beschlüsse der Generalversammlung, die Preußen mit seinen Stimmen beherrscht, nicht entscheidend ist. Aber der Nachdruck, mit dem Dr. Solmssen die preußische Bereitwilligkeit unterstrich, die privatwirtschastliche Beweglichkeit des Unter- nehmcns zu erhalten, legt doch die Möglichkeit nahe, daß die Bewcgungs- und Entschlußfähigkeit Preußens im Auffichtsrat be- hindert werden kann, was besonder» bei der Begebung von Anleihen wichtig wäre. Co wenig ein Grund besteht, daß der Staat gegen- über dem Prioattapital eine unfreundliche Haltung einnimmt, wenn dieses die Interessen des Staates gelten läßt, so wenig braucht unseres Erachtens der Staat auf Vorteile zu verzichten, die das Privatkapital für sich als selbstverständlich beansprucht. Achlprozentige Goldmarkpfandbriefe der preußischen Landes- pfandbriesanstal». Verlin. Laut Bekanntmachung im Inseratenteil bietet die Preußische Landespfandbriefanstalt, Berlin SW. 68, Schützenstraße 26. ihre reichsmündelsicheren 8proz«ntigen Goldmark- Pfandbriefe zum Kauf an. Die Pfandbriefe sind in Stücken zu 100, ?00, 500, 1000 und 5000 M. erhältlich und mit im Januar und Juli fälligen Zinsscheinen ausgestattet. Der Ausgabekurs ist 100 Proz. vor einem Waggonbautrust. Di« Zusammenschlußbewegung macht in Deutschland geradezu rapide Fortschritte. Jetzt wird ziemlich überraschend von Verhandlungen berichtet, die eine Reihe leistungs- fähiger Waggonfabriken zwecks Bildung eines einheitlichen Unternehmens führen. Das Ziel ist die vollständige Verschmelzung folgender Werke: Linte-Hofmann-Lauchhammer in Breslau, va» der Zypen � C h a r l i e r in Köln, Waggon- und Maschinenfabrik-A.-G. vorm Busch in Bautzen, G o t h a e r Waggonfabrik in Gotha, Waggonfabrik-Ä.-G. Uerdingen, Eisenbahn. Verkehrsmittel- A.-G. in Berlin, T a l b o t- Eifenbahnwoggonsabrik in Aachen. Di« Gesellschaften umfassen«in Aktienkapital von insgesamt rund 116 Millionen Mark. Es liegt hier also das Muster eines ausgesprochenen Horizontaltrusts vor, der mir Werke gleichartiger Branche zusammenfaßt. Die Form des Zusammenschlusses steht noch nicht fest. hervorragend bewährt bei: Gicht, Rheuma, Ischias, Grippe, Nerven- und Kopfschmerzen, Erkältungskrankheiten. Toqal stillt die Schmerzen und srtieidel die HarnsZur, cm». Keine schiidlichen Nedenwirlungen.— Fragen Sie Ihren StrjU— I» allen«pothelen erhiUUch. Bestandteile; 12,6 lith. 0,46 chln. 74,3 seid, acet sal. ad 100 arnyL Sozialistische Brbeiterjugenö Groß-Gcrlin. Senasstnnen und Seuogcn, die zur Jugendweihe als Ordner tätig sein wollen, treffen stch heute, Sonntag, vormittags 0 Uhr, am Drohen Echausviel- Haus. Eingang Schiffbauerdamm. heute, Sonnlag. den 19. September: Iugcndger.ofsenl Beteiligt euch an der Serocrlschaftskundgebung. Eänit- liche Benplstaltniigen fallen ans. Trefft euch an den Sammelvnntten eurer jewetlige» Ecwcrtjchaft. Werbcbezirk Osten: Sämtliche Mitwirkend« an Tollcrs„Masse Mensch treffen stch vormittags S Uhr pänktlid? im Jugendheim Tilstter Etr. 4.— Westen; Treffpunkt nach der Ecwerkfchaftskundgebung in Treptow um>44 Uhr am Bhf. Treptow fMildchalle).— Schonhanfrr Vorstadt I: Treffpunkt UVi Uhr ?hf. Schönhauser Allee.— Südwesten: Treffpunkt>412 Uhr BlUcherplast fSlormaluhr). Morgen, Montag, abends 7� Uhr: lsricdcuau: Jugendheim Offenbachcr Str. da. Aussprache:„Unsere Zeit» schrift".— Schöncberg III: Jugendheim Hanptstr. 16.„Politische Umschau.�— Westen: Iuacnddeim Sauptstr. 16. Lichtbildervortrag:„Schönheiten der Mark". — Zohonnisthal: Rothaus am Königsplah. Funktionärsttzung. Werbebezirk Tiergarten: Städt. Jugendheim Bremer Straße. Bortrag:„Die Entwicklung der internationalen Dcwcrkschostsbewegung". Serbebe, irk Kreuzberg: Jugendheim Lindcnstr. Z. Zusammenkunft oller an der Illngerenarbeit interessierten Genassen. Di« Ordner der proletarsichen Fei erstunden werden gebeten, heute. Sonn- tag, den 19. September, früh 9 Uhr. im Groben Schauspielhaus(Eingang Schisibauerdamm) vollzählig zum Ordncrdicnst zn erscheinen. Am Wochenende sollte der Rundfunk keine Sendespiele geben. Die sogenannten heiteren Hörspiele sind allerdings noch überslisisiger. Also man fühlte sich verpflichtet, Anzengrubers„G' w i f f e n s- wurm" als Sendespiel zu übertragen. Hierzu einige prinzipielle Bemerkungen. Der österreichisch« Dialekt, aus der Bühne in Rein- kultur gesprochen, bereitet dem Norddeutschen bereits Schwierigkeiten genug, aber im Rundfunk wird er manchmal vollkommen unser- stöndlich. Der Rundfunk muß mit Hörern rechnen, die Anzengruber nicht kennen, nicht mit denen, die ihn kennen und die vielleicht nur ein paar Szenen anhören. Allein um den Dialekt zu verstehen, muß der Hörer sich manchmal derart anstrengen, daß er den Sinn des Ganzen nicht mehr versteht. Hinzukommt ein anderes Moment: Anzengruber ist nicht im geringsten Literat. Er schafft durchaus für die Bühne. Man hört die Worte, doch es fehlt die Geste, der mimische Ausdruck, der den Worten erst das Leben verleiht. Und dann müßte sich d>? Rundfunk einmal darüber klar werden: Die Läng« des Stückes spielt eine Hautprolle. Man soll sich nichts vormachen, ein mehraktiges Bühnendrama ermüdet bei der Uebertragung.„Hannelcs Himmel- fahrt" und„Der Ackermann und der Tod" erzielten die stärksten Wirkungen, nicht zuletzt deshalb, weil diese Stück« kurz sind. Der Rundfunk sollte einmal di« Frage der Spieldauer reiflich überlegen. Die Uebertragung des„G'wisienswurm" selbst war ausg«, zeichnet. Die Darsteller wie Lind, Bonn und Irmgard Richter gaben ihr Bestes, trotzdem war das Spiel ermüdend. Das kunäkunkproxl-smm. Konnlag, den 19. September. 9 Uhr vorm.: Morgenfeier. 11.30—12.59 Uhr nachm.; Platz- nvnsik, ausgeführt vom Berliner Fanfarenbläserhorps. Leitung; Martin Middeldorp. 1. Schröder: Unterm Kyffhäuser, Marsch für Heroldstrompoten und Kesselpauken. 2. SuppÄ: Ouvertüre zu der Operette»Leichte K.a.vpUßoa", 3. Wiedecke: Paraphrase über Leitzings Lied ,E« war eirrn köstliche Keif. 4. Wagner: 55ug der Frauen zum Münster, aus der Oper.Lohongrin". 5. Teilen: Nur ein Versuch, Walzerrondo. 6. Simon: Küraesiormarsch(Großer Kurfürst). 7. Hcckling: Weidmannsjuhol. Quadrille. 8. Franz: Bunt durcheinander. Potpourri. 9. Bizet: Introduktion und Chor aus der Oper„Carmen". 10. Meißner: Zum Städtle hinaus, Marsch. 1.10 Uhr nachm.: Die Stunde der Lebenden. Frank Thieß. 1. Einleitende Worte: Heinz Stroh. 2, Rezitationen; Edith Ester Korten. 3 Uhr nachm.: Hans-Bredow-Sohule CBildungskurse'). Abteilung Landwirtschaft. Dipl.-Landwirt Dr. Lieckfeld:.Die Schlempe in ihrer Bedeutung als billiges Kraftfuttermittel". 8.30 Uhr nachm.: Funkheinzelmann.Puntheinzelmann bei der Waldmaus" von Hans Bodenstedt. Erzählt vom Funkheinzelmann. 4.30— 6 Uhr abends: Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman. Anschließend; Ratschläge füps Haus, Theater- und Filmdienst. 6.30 Uhr abends: Dr. Friedrich Springer:.Oesterreichs Land und Leute"(Von der Großstadt in die Wunderwelt des ewigen Eises). 7 Uhr abends: Dr. Adrian Mohr:.Mit deutschem Fischdampfer ins Eismeer". 7.25 Uhr abends: Reichsbahndirektor Wochmann:.Der elektrische Zugbetrieb der deutschen Reichsbahn". 7.55 Uhr abends: Dr. Bruno Birnbaum: Amerikanische Wirtechoftsfragen". 8 30 Uhr abends: Heiterer Abend. 1. Siede: Stadionmarsch(Mitglieder der Vereinigten Finkeschen Mandolinenohöro.Sempre vivo", .Symphonie",.Heimatklänge",„Santa Lucia*. Leitung: Wilhelm Finke). 2. a) Leo Fail:„Komm. Held meiner Träume", Walzer aus der Oper„Der tapfere Soldat", b) Walter W. Gootze:.Ein bißchen Talent muß man haben", aus der Operette„Adrienne" (Angola Sax, Sopran). 3. a) Joh. Strauß:„Sei mir gegrüßt, du holdes Veneria, aus der Operette„Eine Nacht in Venedig" (Ernst Marischka), b) Capua: Marie, Marie(Bernsdorf), o) Granich- staedten:.Pflück die Blumen", aus der Operette„Die Bacchusnacht"(Marischka)(Alfred Strauß, Tenor). 4. a) Czi- bulka: Herzen und Blumen, Lied, b) Zikoff: Romaneska, Fantasie(Mitglieder der Vereinigten Finkeschen Mandoliuen- chöre). 5. Drei russische Volkslieder: a) Kuckuck und Nachtigall, b) Ei Uchnem, c) Marsch„Eins zwei"(Kuban-Kosaken-Chor, Dirigent: S. Ignatiew). 6. a) Franz Sohnberta Krdenfahrt(Text und Musik Willi Kollo), b) Walter W. Goetze: In Potsdam, im Bürgerquartiere, ans der Operette„Adrienne"(Bibo)(Angola Sax). 7, o) Raymond: In Rüdesheim am Rhein(Nenbach), b) May: In Rothenburg an der Tauber(Neubach), c) Dauber; Blond muß mein Mädel sein(Beda)(Alfred Strauß). 8. a) Kahnt: Romanze C-Dur. b) Joh. Strauß: Schatzwalzer(Mitglieder der Vereinigten Finkeschen Mandolinenchore). 9. Drei russische Volkslieder: a) Wolgalied, b) Abendklänge, e) Auf dem Felde stand ein Bäumchen(Kuban-Kosaken-Chor). Am Flügel: Theodor Mackeben. .......| Tag' Anschließend: Bekanntgabe der neuesten Tagesnaohriohten, Zeitansage. Wetterdienst. Sportnachrichten. Theater- und Ff 10.30—12.30 Uhr abends: Tanzmusik(Tanzorohester Ett4). Königswusterhausen, Sonntag, den 19. September. v 9 Uhr vorm., 11.30. 1.10, 3.30, 4.30, 8,30, 10,30 Uhr abends: Uebertragung aus Berlin. Montag, den 20. September. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4 Uhr nachm.: Zehn Minuten für die Frau(Marg. Caemmerer: „Menschen untereinander"). 4.30 Uhr nachm.: Novellen. Ludwig- Anzengruber-Schnurron. Gelesen von Fritz Kampera. 5—6 Uhr Anzengmuer-ouiuiurruii.»jc-cdd**.---— c---■------ nachm.: Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Franz v. Szpanowski. Anschließend: Ratschläge fürs Haus. Theater- und Film dienst. 6.10 Uhr abends: Ober-Ing. Alexander Siowert:„Die Detektorkapsel„Bioulus"»vd der Netz- nnschluß-Kraftverstärker„Diritt"(Werbevortrag der Charlottenburger Lehrmittelanstalt). 6 30 Uhr abends: Prof. Otto Baschin: „Eine Sommerreise zu den Grönland-Eskimos". 7. oll Uhr abends: Hans-Bredow-Schule(Hochschulkurse). Abteilung Kunstwissenschaft Dr. Max Osborn:.Meister der klassischen Kunst(Cor- refffirio nnd Giorgione)u. 8 Uhr abends: Einführung zu dem Sendespiel-Die Zauberflöte* am 21. September. 8.30 Uhr abends: Kammermusik. II. 1. Josef Haydn: OKtett für zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Fagotte und zwei Hörner. Allegro maestoso Andante con variazioni— Menuetto— Allegro. 2. Mozart: Serenade für zwei Oboen, zwei Klannetten, zwei Fagotte und zwei Hörner. Es-Dur K. V. 375— AUegro maestoso— Menuetto— Adagio— Menuett— AUegro(Bläserkammermusik: Prof. Fritz Flemming, Oboe; Georg Zell, Oboe; Prof. Leonhard Kohl, erste Klarinette; August Heydiri, 2. Klarinette; Prof. Louis Scheiwem, 1. Fagott- Heinrich Lange. 2. Fagott; Prof. Paul Rembt, 1. Horn; Anton Stengel, 2. Horn). 9 30 Uhr abends: Lyrik unserer Zeit 2. Abend. Mombcrtr— Dauthendey. 1. Einleitende Worte: Oskar Loorke. 2. Rezitationen: Friedrich Kayßler. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachnchten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Film dienst. 10.30 12.30 Uhr abends: Tanzmusik(Kapelle Kermbach. Leitung: Kapellmeister Otto Kermbach). Königswusterhausen, Montag, den 20. September. 9 Uhr vorm.: Uebertragung der Eröffnungsfeier der 89. Versammlung der deutschen Naturforscher und Aerzte, Düsseldorf. 2 50-Z Uhr nachm.: Hilde WeigeJ: Obsternte. Einlagern des Obstes zum Eigengebrauch. Verkaufsobst. 3—3.30 Uhr nachm.; ,Stud.-Rat Friebe!, Lektor Mann: Englisch für Anfänger. 3 30 bis 4 Uhr nachm.: Studien-Rat Friebel, Lektor Mann: Englisch für Fortgeschrittene. 4—4.30 Uhr nachm.: Dr. Felix Behrend: Arbeits- schule und Arbeitsunterricht. 4.30— 5 Uhr nachm-: Dr. Klopfer: Wesen, Aufgabe und Formen der modernen Erziehungsberatung. 5—8 Uhr abends: E. Nebermann: Schach für Anfänger. 6— 6.30 Uhr abends: Rittergutsbesitzer v. Lochow-Petkus: Die Notwendigkeit der Saatgutveredelung. 6.30-7 Uhr abends: Dipl.-Handelslehrer Wieg und Kattbain: Buchführnng für das Kleingewerbe. 7 bis 7 so Uhr abends: Dr. phil. W. Heinitz: Afrikanische Musik. 7 86 bis 8 Uhr abends: Rcg.-Rat Dr. Mario Krammer: Das Problem der deutschen Kultur in der neueren Zeit. 8 Uhr abends; Uebertragung aus Berlin. Woolworth in Berlin. Es gibt wohl keinen Menschen, ob klein, ob groß, der jemals amerikanischen Boden betreten hat, und der nicht irgend einen Gegenstand in einem der zahlreichen Woolworth-Läden gekaust hätte. Diese Woolworth-Läden, 1423 an der Zahl, sind über die ganzen amerikanischen Staaten verbreitet. Es werden dort tagein, lagaus Millionenumsätze erzielt und trotzdem wird kein einziger Gegenstand zum«erkauf gebracht, der mehr als 10 Cts. im Laden kostet. Das kleine Tippfräulein der City deckt ihren immer großen Bedarf an kosmetischen Artikeln und Parsümereien bei Woolworth. Die Hausfrau geht in den nächsten Woolworth-Laden, wenn sie neue Teller oder Geschirr zu kaufen hat; der Arbeiter holt sich seine Kragen und seine Strümpfe bei Woolworth, und auch die elegante Dame besucht gern und häusig die Woolworth-Läden, weil sie weiß, daß die Gegenstände, die sie dort kaust, von erstklasiiger Qualität sind. Ja, sogar der vielbeschästigt«, immer eilige Geschästsherr kmifi rasch im Vorbeigehen bei Woolworth,- dewn hier smdet er. ohne an Kasse- und Wartetisch viel Zeit zu verlieren, immer das Passende.. � Ganze Fabriken sind in allen Ländern für Woolworth tätig und können so, da immer und immer wieder der gleiche Artikel hergestellt wird, Waren zu Rekordpreisen Herousbringen. Strenge Konzentration auf nur zwei Preislagen: immer und immer wieder nur 25 und 50 Pfennig ist das Geheimnis dieses einzigartigen Er- folges. So wird dem Fabrikanten ein reibungsloses Arbeiten ermöglicht, dessen Segen dem kausenden Publikum allein zugute komnit. Es wäre eine durchaus irrige Annahme, wollte man glauben, daß dem Publikum hier für diese billigen Preise nur Ramschware oder sogenannte Restposten geboten werden. Es wird ganz im Gegenteil darauf geachtet, nur Waren herauszubringen, die laufend regulär nachzuliefern sind. Schon dadurch wird dem Publikmn Gewähr geboten, daß es in qualitativer Hinsicht nur tausendfack) erprobte Artikel erwirbt. Es ist naturgemäß nur dadurch möglich gewesen, zu diesen Minimalpreisen etwas Ansehnliches zu liefern. daß man eine Organisation geschaffen hat, die einen minimale» Apparat an Spesen ersordert. Es hat nun auch diese geniale amerikanische Idee sich ein deutsches Unternehmen zu eigen gemacht. Die deutsche Firma er- richtet.zurzeit unter dem Namen.HADEPE"-Haus der Einheits- preise m. b. H. eim Netz von Verkaufsstellen über alle deutschen Großstädte. Es wurde vor einigen Wochen die erste Berkaufsstelle in Hamburg eröffnet, die einen derartigen Anklang gefunden hat, daß wochenlang Polizei aufgeboten werden mußte, um den Andrang des Publikums zu regeln. Auch in Berlin wird diese Firma eine Reihe von Läden eröffnen, das erste soll schon in den ersten Tagen in der Wilmersdorfer Straße 54- dem Publikum übergeben werden. Ein zweiter folgt zwei Wochen später in der Leipziger Straße,«in dritter in der Großen Frankfurter Straße. Weitere Läden an den Brennpunkten Berlins sind in Aussicht genommen. Auch hier gibt es. ähnlich wie in Amerika, nur zwei Preislagen: 25 und 50 Pfennig. Besteck« und Teller, Strümpfe und Krawatten. Schreib- und Spielwaren und vieles mehr ist zusammengetragen worden und wird nach dem Prinzip verkauft:„Kein Gegenstand über 50 Pfennig.— Mindestpreis.— Höchstleistung." Es ist nur allzu verständlich, daß man der Eröffnung dieser Geschäfte mit großer Spannung entgegensieht und sicher ist, daß die breitetesten Schichten des Berliner Publikums diese Neu- erscheiming mit Freuden begrüßen werden. Die ideale Bettfüiiung: Echt chinesische Monopoldaunen (Gesetzlich geschätzt) S50 Seh 40 Jahren bewährt I mlw/fti'•itrotzt \MissuWii-jttn.«j '(iSdmort fiJUf s/SW •'> T* Oöer/aAe, Vf.n 'e/chbes/zefft. M. jfc � ca.155x205 cm. 1 iSoMW # PrinzenjlL�k Ü- Vi Steppdecke{ einseitig Satin, In di*. 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Genosse Hermann Wäger schreibt uns: Die Tinigungsverhnndlungen zwischen dem ADW und dem DBS. sind, ergebnislos abgebrochen" worden, nachdem über alle wichtigen grundsötzlichen Fragen in den Vorverhandlungen Uebereinstimmung erzielt worden war. Insbesondere waren sich die beiden Spitzen- organisalionen einig in der Stellung der neuen Beamtenorganisation zur Republik, zum Berufsbeamtentum, zur Wirtschaftspolitik und in bezug auf den Ausbau der neuen Beamtenorganisation auf gewerk- schafilicher Grundlage. Es besteht kein Zweifel darüber, daß auf beiden Seiten der ehrlichste Wille zur Verständigung vorhanden war. Die Einigung ist lediglich gescheitert an der O r g a n i fa t i o n s- frage, die von beiden Organisationen zum Prinzip erhoben wurde, und an der Frag« des Z u f a m m e n a r b e i t e n s des neuen Bundes mit den übrigen Arbeitnehmerspitzenorganisationen. Es taucht die Frage auf, ob bei der weitgehenden Ueberein- stimmung in grundsätzlichen Fragen der Zirsammenschluß beider Organisationen scheitern mutzt«. Der ADB. befand sich hinsichtlich der Organisationsfrage in einer schwierigen Situation, weil die ge- mischten Verbände sich kurz vorher auf die Einheitsorganisation der Arbeiter, Angestellten und Beamten festgelegt hatten. Die grotze Masse der gesamten Beamtenschaft lehnt diese Organisationssorm jedoch als unzweckmäßig ab. Der DBB. hätte der schwierigen Situa- tion des ADB. mehr Rechnung tragen können, zumal er— nach dem Prinzip der Vertikalorganisation ausgebaut— auch dem entgegensetzten horizontalen Prinzip bereits Konzessionen machen mußt« und in Zukunft vielleicht noch mehr machen muß. Man Hütte es ruhig der Entwicklung überlassen können, welche Organisationsform sich in Zukunft herausbilden würde. An dem an sich richtigen Prinzip der reinen Beamtenorganisation, das auch dem ADB. bei seiner Gründung vorgeschwebt hat, braucht« dadurch nichts geändert zu werden. In der zweiten Frage des Zusammenarbeitens der neuen Beamtenspitze mit den übrigen Arbeiinehmerspitzenorganisationen hat sich der ADB.„päpstlicher als der Papst" erwiesen. Wenn der ADGB. nichts darin findet, mit dem christlichen deutschen Gewerk- fchoftsbund zusammenzuarbeiten, obwohl ziwschen beiden genau die- selben Gegensätze bestehen wie zwischen dem DBB. und den Christen, brauchte der ADB. nicht die Forderung auszustellen, daß die Christen die Gnmdsöjzc des neuen Bundes anerkennen müßten, wenn mit ihnen gearbeitet werden sollte. In Beamtenkreisen kann man sich des Gefühls nicht erwehren, daß es besser gewesen wäre, wenn in den inoffiziellen Verhandlungen in all diesen Fragen bereits ein« Klärung eingetreten wäre, bevor man sich an den offiziellen Verhandlungstisch setzte. Di« Einigungs- freunde in beiden Lagern halten es für unmöglich, daß an diestn verhältnismäßig untergeordneten Fragen das große Werk der Eini- gung scheitern soll. » Diese Zuschrift stellt die Dinge richtig dar, den letzten Punkt allerdings ausgenommen. Ein Zusammengehen von Fall zu Fall ist etwas anderes als ein« Arbeitsgemein- s ch a f t, die ein« Bindung voraussetzt. Der Unterschied ist um so augenfälliger, weil man im DBB. gar nicht daran denkt,«ine gleich« Arbeitsgemeinschaft mit dem ADGB. und dem AfA-Bund einzugehen. Da die Verhandlungen mit den Christlichen vor den VerHand- lungen mit dem ADB. stattfanden, so wäre das Ergebnis der Vor- schlage des DBB. folgendes gewesen: Die in den sreigewerkschaftlichen Verbänden organisierten Beamten würden aus diesen herausgezogen und in Organisationen übergeführt worden sein, die mit den Christlichen in einer Arbeitsgemeinschaft verbunden sind, den freien Gewerk- fchaften gegenüber sich aber völlig„neutral" verhalten hätten. Praktisch also ein« Rechtsschwenkung. Vielleicht war sie nicht beabsich- tigt. Di« wahrscheinlich gute Absicht würde aber an dem schlechten Resultat nichts geändert haben. Verbeversammiung der Holzarbeiter. Die gespaltene..Opposition". Am Donnerstag hatte die Berliner Verwaltung des Deutschen cholzarbeiterverbandcs für den Bezirk Charlottenburg eine öffenr- liche Werbeversommlung im Lokal von Tunack, Wielandstraßc 4, .einberufen. Der gute Besuch zeugte davon, daß auch die Jzolz- arbeiter Charlottenburgs sich ihrer in der jetzigen Zeit zu erfüllen- den Aufgaben bewußt sind. Der Bevollmächtigte der Berliner Ver- waltungsstelle, Genosse B o e se, referierte und erntete reichen Beifall für seine ausgezeichneten Ausfühningen. Zu der Versammlung hatten sich die beiden ausgeschlossenen Holzarbeiter Bolze und L i s k e eingefunden. Letzterer mit einem Stab getreuer Anhänger der„11 n i o n*. In recht vorsichtiger Weise kritisierte zunächst Bolze den internationalen Gewcrkschastsbund und schlug die gedämpfte Werbetrommel für Moskau. L i s k e, che- maligcr Angestellter der Berliner Verwaltung des deutschen Holz- arbeiteroerbandes, versetzte die Versammlung durch sein« dramatische Vortragsweise in eine humoristische Stimmung. Er verurteilte die Wciinarer Verfassung, nahin Stellung gegen die heutige Staatssorm und verglich die Gewerkschaften während des Krieges niit Bezirks- lommandos der Militärbehörden. Er brachte das Märchen von den Kriegsanleihen der Gewerkschaften auf, so daß man unwillkürlich die Frage stellte, ob man es noch mit einem geistig normalen Menschen zu tun hatte. Die Schlußfolgerungen seiner theatralischen Darstellung gipfelte darin:„Hinein in die revolutionären Industricoerbände. Diese Ausführungen forderten den ersten Diskussionsredner Bolze heraus, der nachzuweisen versuchte, daß sein ehemaliger Parteigenosse und Oppositionskollege stark daneben haut. Worauf Liste energisch replizierte. In seinem Schlußwort ging der Referent auf die in der Debatte vertretenen grundsätzlichen Meimingsv«'- schiedenheiten ein, die nur zeigen, daß die freien Gewerkschaften aus dem richtige» Wege sind, was auch ihre Entwicklung beweise. Er setzte die beiden ranipflustigen Opponenten gehörig in den Sand. Der Beifall, den die Versammlung dem Referenten zollte, zeugte davon, daß auch in diesem Bezirk ein gesunder Sinn für die freie Gewerkschaftsbewegung Wurzel gefaßt hat und sie alles daran setzen werden, die Organisation, den Deutschen Holzarbeiterverband, zu stärken._ Kundgebung der Spandauer Gewerkjchasten. Anläßlich der Werbewoche hatte die llnterkommission Spandau des Berliner Ortsausschusses des ADGB. die organisierte Arbeiter- schaft Spandaus am Freitag zu einer Kundgebung in der Pichels- dorfer Straße aufgerufen. Der Saal der Markthalle erwies sich als zu klein, so daß viele keinen Einlaß mehr fanden und im Garten warten mußten, um sich dann dem Fackelzug anzuschließen. Die Kundgebung wurde eingeleitet durch Vortrag einiger Freiheitslieder von einem starken Chor aus den Mitgliedern der Arbeitergesangvereine. Landtagsabgeordneter Harnisch gab einen Rückblick auf die Ent- Wicklung der Gewerkschaften und ihre intcriiationale» Beziehungen und erinnerte an die künftigen Ausgaben, unter denen die B e- kämpfung der Arbeitslosigkeit und die Sicherung des Achtstundentages an erster Stelle stehen. Er ermahnte zu festem Zusammenschluß in den Gewerkschasten, wodurch auch die Tätigkeit der Vertreter der Arbesterschast in den Parlamente» begünstigt werde. Die Versammelten formierten sich dann zu einem Fackelzug, an dem sich etwa l5M Personen unter Musik und Gesang be- teiligten. Gegen 10 Uhr fand die Demonstration nach würdigem und ungestörten Verlauf ihr Ende. vie Verbewoche in Gesterreich. Wien, 18. Seplenrber.(Eigener Drahtbericht.) Die österreichisch« Gewerkschastskommission wendet sich am Sonnabend mit einem Auf- ruf an oll« Arbeiter und Angestellten, worin sie sie aus Anlaß der 2S-Iahr-F«ier des Internationalen Gewerkschaftsbundes zu einer großen Werbeaktion für die freien Gewerkschaften auffordert, die am 3. Oktober beginnen soll und voraussichtlich den ganzen Oktober Hauern wird. Am Mittwoch, den 22. September fintiet im Arbeiterheim im Favoriten eine groß« Festversammlung der Vorstands- Mitglieder aller österreichischen Gewerkschasten statt, an der auch Der- treter des Parteivorstandes und der Gewerkschaften teilnehmen werden. Die Festrede wird der Obmann der Gewevkschastskommision, Genosse Hueber, halten._ Wer nach Rußland reifen darf. Christliche Jungmänaervereme. Die Vorliebe der russischen Machthaber für Besucher, die mit der sozialistischen Arbeiterbewegung nichts zu tun haben, bleibt an- scheinend nicht auf Deutschland beschränkt. Die Zulassung des Gelben Geislcr und der pommerschen Junker spricht für uns deutlich genug. Jetzt erfahren wir aus Nordamerika, daß sich gegen- wärtig eine Studienkommission unter der Leitung des Mr. Sherwood Eddy, einem Führer der Christlichen Vereine junger Männer, in Moskau befindet. Die amerikanische Arbeiterpresse bringt diese Delegation in Zusammen- bang mit der erneut einsetzenden russischen Propaganda für die Anerkennung der Sowjetherrschast durch die Vereinigten Staaten: der Sprecher der erwähnten christlichen Delegation hat auch in einer Rede in Moskau zum Ausdruck gebracht, daß er hofft, sie seien nur die Vorläufer einer offiziellen staatlichen Kom- Mission und der Anerkennung der gegenwärtigen russischen Regierung durch Amerika. Man sieht, daß die Sowjetherrscher sehr tolerant sein können, wenn es darum geht, Klassenfeinde der Arbeiterschaft für ihre Intcr- esien zu gewinnen. Mit Sozialisten kann man schon weniger zart umgehen. internationaler Transportarbeiterkongreß. Stellungnahme zum englischen Streik. Paris, 18. September.(Eigener Drahtbericht.) In der Sonnabendvormittagsitzung des. Transportarbciterkongresfes gab Fi m m e n einen Bericht über den englischen Berg- a r b e i t e rst r e i k. Er stellte fest, daß bei dieser Gelegenheit die internationale Unterstützung der Streikenden in der Geschichte der Gewerkschaften eine bisher nie erzielte Höhe erreicht habe. Der englische Delegierte B e v i n, Generalsekretär der englischen Transportarbeitergewerkschaft, wies in einer längeren Antwort auf die Opfer hin, die die englischen Streikenden in den 18 Wochen gebracht haben und erklärte, die Bewegung sei noch nicht zu Ende. Jedenfalls fei diesmal alles ins Werk gesetzt worden. Rur sei der Streik nicht genügend vorbereitet gewesen. Das nächste Mal müsse man eine solche Bewegung mehr zentralisieren. Er betonte am Schluß, daß der englische Bergarbeiterstreik ein sozialer Konflikt war und keineswegs eine politische Revolution. Der deutsch« Delegierte Schumann entwickelte dann den Standpunkt der deutschen Gewerkschaften und verlangte u. a. die Festsetzung von internationalen Direktiven, Ab- machungen und Kollcktivkontrakten auf internationaler Basis durch den Kongreß. Der Bericht Fimmens wurde dann e i n st i m- mig angenommen. Er wird nicht veröffentlicht werden. Darauf hielt der Generalsekretär des französischen Gewerk- schaftsbundes I o u h a u x eine Rede, in der er die Versammelten im Namen der französischen Gewerkschaften begrüßte.„Die Kriege sind zu Ende," führte er aus,„die Stimme der Vernunft kann, sich endlich Gehör verschossen. Die Menschheit ist auf dem Wege einer neuen Welt entgegen. Nichts wird sie da aushalten Ausammenschluß in der Tschechoslowakei. Der deutschen und der tschechischen Gewerkschaften. In Karlsbad fand eine Beratung der Vertreter der tschechoflo- wakifchen und der deutschen Gewerkschaftszentrale unter dem Vorsitz des Sekretärs des internationalen Gewerkschaftsoerbandss, Genossen Oudegeest,- statt, in der die Richtlinien für die gemeinsame Arbeit beider Verbände durchberaten wurden, um eine verläßlich« Grundlage für den künftigen Zusammenschluß beider Zentralen vor- zubereiten. Die Richtlinien unterlagen noch der Genehmigung der Präsidien der Verbände beider Zentralen. Nach Genehmigung der Vereinbarung findet in der nächsten Zeit die erste Beratung der ver- einigten Landesgewerkfchastszentralen statt. Tlf/l-Grdner sür Sonntag! Alle AfA-Ordner, welche vom AfA-Ortskartell Berlin für Sonn- tag an besonderes Schreiben erhalten haben, haben sich ausschließlich an dem Ort einzufinden, der in diesem Schreiben vom Ortskarlell angegeben worden ist. Alle müssen pünktlich sein! Das Schreiben dient als Ausweis. AfA-Ortskartell Berlin. üttit Gkwcrklchattiiuocnd.?>« M>t«liedkr der Freien Sewcrlschajttiuftcnd treffen sich bei ihren Verbünden. Treff?unkt siehe Tngespresic. Keteiliqun« an der Demonstrntion ist Pflicht aller Iuerendkovesienl Znarnbgi>i»p« de» 3dA. Die Iuaenomitalieder beteiligen sich an der Deman. stration der Berliner Gcwcrtfltiaflen. Treffpuntt punttliÄ U>- Uhr auf der Promenade gegcniidcr dem Verbandsbnreau, Bellc-Alliance-Llr. 7- 10.— Morgen, Montag,«bendo V,i Uhr, Abt. R-rdeni Jugendheim Schule Danziger Strosic 2Z, Bunter Abend. Deutscher Bauqeuxrlsbund. Fachgruv»« der PuHer. Dienstag. 21. Scp ern. her. nachmittags 5 Uhr. in den Aendenz.Fcsisäten, Landsberger Str. ZI, Mit- gtiederverfainnilung. Bericht über die weiteren Tarifoerhandlungen und Ab» stimmung darildcr. Fachgruppenangrlegcnheitcn. Erscheinen ist Pflicht. Mit- glicd-buch legitimiert. Kesamtbeiricbsrat de» Magistrat». Mitiwoch. 22. Scvtembcr. nachmitiaza 1 Uhr, Bolloersammlungen der Mitglieder der Bezirk», sowie Einjeldctrirb». rätc der städtischen Betriebe und der Berwaltnngcn des Magistrais Berlin, siir die Arbeiter im Bsirgcrsaal, sllr die Angestrlltrn im.Zimmer IN» des Berliner Rathauses. Portrag dcs Kollege» Schaum. Neuwahl des tSesawlbklrtcbsra.s für 1826/27. Die Bezirks, sowie Sittzcihctriebsrätc haben in diesen Bersatfini- lungen zwecks Anfstcllttna der Kandidaten aus ihren»ärperschaften Barschlügc zu machen. Als Legilimalion gelten die amtlichen Belrirdsralsansweifk. Grewerksctaf'ter Ganzleinen 8 Mark A BRAUN R.SEIDEL Gewerkschaften nach dem Kriege V'.'iV.,'�2.. Ä-Pft fi''■* und die übrige Gewerkschaftsliteraturl Beachten Sie unser Fenster!— Besuchen Sie unser Sortiment! Ganzleinen 6 Mark Verlag J.H.W. Dietz Nchf.(Sortiment), Berlin SW68, Lindenstr.2 Parteinachrichten für Groß-Serlin Cinfcnbungen für bltf« Rubrik sind 11 ÖW if•" d'»e»ltl«f«»rttari Z.#ttf» Wcddiug. Montag, den 20. September, abend« 7V4 Uhr, in den Pharu«.Sälen, MUIlerstr. U2,»reisfunttionärkonferenz. 1.„Me SPD. und die Organisation der Wirtschaft". Referent Senoss« Dr. v. Ungern» Sternbcrg. 2. Dt« Rote Woche. ;. Jhti» Preu, lauer«erg. Montag, den 20.. abend« 7% Uhr, Sitzung de, Kreiabildungsauefchuffes bei Klug, Danjiger Str. 77. Sämtliche Ab» trilungsauslchtiffe müssen vertreten sein. Donnerstag, den 2Z., abends 7 Uhr.«ersammlunn oller ElternbeirSte der Liste„Schillaufbau" bei Nluq, Kanziaer Str. 71. i. Rrei»«ri«drich-»hai». Dien»tog. den 21. September. Sitzung de,»eamtrn. werbeausschuffes bei Tocpper, Ecke Rtgaer und«roskauer Strotze, abend» 8 Uhr. Die Obleute der Abteilungen wollen da»u besonder» einladen. 10. ftrri» Tempelhof, Morieudarf, Marienfeld«, Lichtenrade. Senofsen, die zur Opernaufsiihrung„Pique-Dame" von Tschoikowskt am Sonnabend, den ?». September, Städt. Over, Preis mit Programm und Theater�ltel 1.ö0 M., noch«arten wünschen, wollen die» bi» spätesten« 20. September dem Genossen Otto Günther, Mariendorf,«Urfürstenstr. 10, 1 Tr., mit» teilen. Auf den am Sonnabend, den 0. Oktober, stattfindenden«unstabend: ..Seiter« Mullk. Gesana und Tanz", unter Mitwirkung bedeutender«ünftler und Künstlerinnen, wird schon setzt hingewiesen. Desgl. aus den am 1». stattfindenden Vortrag:„Die Entstehung einer Tageszeitung vom Rachrichtenbureau bi» zur Ablteferun« an den Leser" mit-nschlietzcndcr Führung durch die Vorwärts-Druckerei......._„,., 1«.«rei» Reukölln. Montag, den 20., abend» 714 Uhr. Vollversammlung sämt. licher SPD.»Elternbeiräte und Lehrer der Weltlichen Schulen IN der Rüth- Schul«, Riltlistratze. Wichtig« Tagesordnung. 10.«rei, Paukaw. Montag, den 20. September, abends 014 Uhr, Sitzung der Fraktion mit den Bürgcrdeputicrten im Rathaus Pankow. Zimmer 17. heule. Sonnlag. den 19. September: M. Abt. Die Dezirksführer werden ersucht, sofort wichtiges Material von ihren Gruppenführern abzuholen. Z». Abt. Die Genossen der Bezirke 188, 184. 185, ISS. 187, 188 beteiligen sich an der Wahlarbcit der 06. Schule. Treffpunkt 0 Uhr Friedcnstr. 16. Jugendweihe der ArbcUersdiaft Grofj- Berlins Henie, Sonntag, den 19. September 19M, yormittagi 11 Uhr, Im Grohen Scfaanepielhaai, KarUfrahe. Miiwirkende: Der lange Chor: Lclhmg Dr. TleMea» An der Orgel i Willi Jaeger• Cello-Trio: Armin Llcbermann, Fritz Hoppe, Karl Lcnzewtki• Weiherede: Otto Meier, M. d. L.» Der Spreebdior der Proletarl sehen Feleninndc, Leitung Albert Horath und ElnzcUprecher Heinrich Witte Eintrittskarten an der Kasse vor Beginn der Weihe. Iungfszialisten. Gruppe Tempelhof-Mari-ndorf: Heute nachmittag 1214 Uhr pünktlich Treffpunkt zur Gewerkschoftsdemonstration Tempelhof. Kaiserin- Augusto-Strafte.— Dienstag abend 8 Uhr im Jugendheim Germania- stratze 4—6 spricht Dora Fabian über„Neutrale oder politische Erziehung". Interessierte willkommen. Morgen, Montag, den 20. September: 8. Abt. 8 Uhr wichtige Funktionärsitzung bei Rickert. Steinmekstr. 86». 48. Abt. 8 Uhr sämtliche Funktionäre bei Asbohe. Reichenberger Str. 06. 86. Abt. Eharlsttenburg. 8 Uhr Funktionärverfammlung bei Liersch, Kant- stratze 02. 116. Abt. Lichtenberg. 8 Uhr autzerordentlich« Funktionärkonferenz bei Morr, Reu« Bahnhofltr. 18. Ausgabe der Kauslisien. 127. Abt. Lohenfchönhansen. 8 Uhr erweiterte Vorslandssitzung bei Bolatzk?. Iuuglozialiften. Achtung! Die Gesamtveranstaltung findet umständehalber erst am Montag, den 27. September, statt. Näheres wird noch bekanntgegeben. Arbcitsgemcinfchalt der«inderfrennde.«rei» Mitte: Pünktlich abends 8 Uhr Helfersitzung im Heim Blumenstr. 77. Tagesordnung:„Unser« Winter- arbeit".— Bezirk Webding, Schillerpgrk: EUernversammluna in der Turn- halle Lütticher Str. 4. Aussprache Über„Unsere Tätigkeit im vergangenen Jahre". S rauenveranstaltungen: 14.«rei» Reukäll». 7!4 Uhr Sitzung bei Schräder, Steinmetzstr. 82. Eck« Schillerpromenade. Vortrag:.Warum müssen wir die weltlich« Schul« fordern?" Referent Genosse Schmidtbauer. 14. Abt. 7>4 Uhr bei Gottschalt. Putbusser Str. 24.„Wirtschaktsf ragen." Im Apschlutz daran aemütliche» Beisammensein. Gäste willkommen. 21. Abi. 8 Uhr bei«roll, Utrecht«! Str. 21. Dr. Sturm spricht über„Die Schulsroge". 26. Abt. 7-.h Uhr bei Steile». Prenzlauer Allee 280.„Da»»olfslied"(mit Erläuterungen am«lavier). Dr. Brie. 20. Abt. 714 Uhr bei Burg. Prenzlauer Allee 18».„August Bebel." Referent Genosse Fächert. 81. Abt. 7th Uhr bei Soldschmidt, Stolpische Skr. 86.„Die Sewerkschaft». bewegung." Referent Genosse Etzkorn. Gäste willkommen. 27. Abt. 71h Uhr bei Gerosch, Ebertpstr. 10.„Religion und Sozialismus." Referent Genosse Franke. 80. Abt. 71h Uhr in der Juristischen Sprechstunde. Lindenftr. 8.„Die Frau und die Gewerksckiaft." Referentin Gertrud Hanno. 4«. Abt. 7U Uhr bei Vättcher. Hagelberger Str. 0.„Wohnungspofittk." Referent Stadtrat Herme». 44. Abt. 71h Uhr bei Ewald. Ckalitzer Sie. 126...Län».»I>«nd.' Refer-nt Heinz Vartil. Gäste willkommen. 48. Abt. 716 Uhr bei Winzier. Reichenberger Str. 104.„Wohnungspolittk." Referent Genosse Most.' Gäste willkommen. 48. Abt. 7M. Uhr im Restaurant Alerandrino, Alexandrinenffr. 87».„Brief- und Vekennfniss« au, Gefängnissen". Referentin Dr. Hilde Vierhober. 87. Abt. Eharlattenburg. 8 Uhr bei Thunack, Wielandstr. 4. Lichthilderoor- trag:„Die Franzlsslch« Revolution". Referent Senosse I. Pufch.»äste willkommen. 74. Abt. Zehlendoef. 714 Uhr bei Schnorre, Potsdamer Str.».„Der sitt- liche Gedanke in der foziallsttfchen Weltanschauung." Referentfn Genossin Todenhagen. Sterbetafel See Sroß»Serliner partel»>-.„ Rofenthal. Schäneberg, Ebersstraße 66, 12.,„ Borchmann, Steglitz, Rheinstraßc 40, 11».» Regenaburg, Gartostr. 78. Wir ersuchen die Kollegen, sich recht reg» an der Agitation zu beteiligen. _________ DI» Srksnerrnattnng. Von der Reise zurück Dr. med. N. Brann tpcilalarsi(ür Bainlcidea FriedrichstraBe 108. Frauenarzt Dr. Lewisoh n _Grettgwaldfr StraBe 41, zurück. r n Knie: 5 MK. an"� ca. 280 Landparzellen, prima Carlen- boden 20 Minuten vom Bahnhol Vertreter lägt im Rest.„Zu den drei Linden" direkt a. Bahnh. Fredersdorl. JAI» HleRer, Berlin C, Oontarttoti s t RAUCHER-UMFRAGE DER REEMTSMA A.-C. Vereinzelt wird, zugleich mit der freudigen Anerkennung nnserer Idee, die Frage an ans gerichtet, ob das Ergebnis der Raucher-Umfrage, d.h. die Möglichkeit der Befriedigung aller individuellen Wünsche der Raucher, durch die hohen Prämien nicht zu teuer erkauft würde. Hierzu teilen wir in aller Oeffentlichkeit folgendes mit: Etzer Einkaufs- Apparat, der dieReemtsma-Tabake zusammenbringt, kaufte in den letzten 12 Monaten für unseren Konzern über 16000000 Kilo Tabak- 530000 Ballen. Itzie gleiche Organisation wertet da« Ergebnis nnserer Raucher-Umfrage aus.*SePrämiea von M. 105000,_ bedeuten also eine Belastung von 19,8 Pf. pro Ballen. Da aus einem Ballen durchschnittlich 23000 Cigaretten hergestellt werden, kommt also auf 1000 Cigaretten eine Belastung von weniger als 1 PL oder genauer; DI« Vartauarung der Kalkulation einer Schachtel Cigaretten im Verkairftwaii von M. 1,- bis N. 1,50 betrfigt nur'/«, Pfennig. Für diesen winzigen Betrag holen wir das Letzte ans dem Orienttabak heraus, indem wir dem Raucher statt einer farblosen Allerwelts-Cigarette die auf seinen persönlichen Geschmack eingestellte Spezial-Cigarette bieten. Der deutsche Raucher gewinnt folgendes: Die grösste deutsche Einkaufs-Organisation für Orienttabake deckt ihren Bedarf nicht nur auf Grund eigener fachmännischer Erfahrung, sondern auf Grund genauester Kenntnis der Ansprüche fast aller deutscher Raucher. Die Rentabilität der Prämien In H&he von insgesamt M. 105.000,00 steht damit völlig ausser Frage. REEMTSMA A..G. 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Wir gehen im folgenden einen Auszug aus den Ausführungen des Gc> nassen Auer wieder. * 31« rechtsradikalen Verbände gingen vom Jahre 1921 an immer ossener zur Propaganda der gewaltsamen Beseitigung der Reichs- und Landesregierungen über. Die Lage war im Frühjahr 1923. wie schon früher mehrere Male, so gespannt, dah man, nach eidlichen Zeugenaussagen, jeden lag mit einem Putsch rechnen muhte. Gewisse bayerische Behörden waren mit verfassungs- feindlichen Elementen durchseht. Diese haben ihre Gesinnungsfreunde von Anzeigen verständigt und sogar die Aufdeckung gemeiner Perbrechen aus politischen Gründen zu durchkreuzen gemuht. Anzeiger gemeiner verbrechen wurden von den benachrichtigten Aebeltätern bedroht. Pslichtgetreue Beamte bei solchen Behörden konnten sich nicht mehr durchsehen. In den folgenden Iahren wurden die Verhältnisse noch schlimmer. Eine Reihe geheimnisvoller politischer Mordtaten und sonstige Verbrechen waren in Bayern begangen worden, ohne daß man die Täter ausfindig machte. Die Erzberger-Mörder hatten in München ihren Sitz und wurden, nicht ohne verschulden der Behörden, nach der Tal nicht crgrissen. Vom Oberreichsanwalt steckbrieflich Verfolgte gingen bei bayerischen Behörden nicht nur ungeschoren aus und ein, es wurden ihnen sogar amtliche Pässe aus falsche Namen ausgestellt. Das Vertrauen in die Verfassungstreue und Korrektheit bayerischer Be» Hörden mar im ganzen Reiche vollkommen erschüttert. Die UnHalt- barkeit jener Verhältnisse wird heute auch von den maßgebenden bürgerlichen Parteien nicht mehr bestritten. Hat doch der gegenwärtige Ministerpräsident im Frühjahr 1924 öffentlich ausgesprochen, dah Bayern zu einer Unordnungszelle ersten Ranges geworden, in der kein anständiger Mensch mehr seines Lebens sicher ist. ver§aU Sauer. Nach diesem allgemeinen Ueberblick habe ich auf die.Anklag«' des Herrn Staatsanwaltschoftsrates S ch a e f f e r folgendes zu erwidern: Herrn o. Puttkamer habe ich etwa um das Jahr 1922 als Journalisten kennengelernt. Der Wahrheit halber inuh ich gegenüber der Behauptung des Herrn Dr. Schaeffer feststellen, dah von einer„intimen Freundschaft' zwischen Puttkamer und mir nicht die Rede sein kann. Unsere Beziehungen erstreckten sich ausschließlich auf das politische Gebiet. Seine« Wagemut be! der Auskundschaftung rechtsradikaler Anschläge und selNc Opferwilligkeit für die Sache der Republik habe ich hoch geschäht. Puttkamer hat bei seiner Tätigkeit Aufwendungen gemacht, die ihm wie die Auslagen eines jeden Journalisten in üblicher Weise ersetzt wurden. Die Unterstellung des Herrn Dr. Schaeffer, dah Arbeitergroschen verschleudert oder überhaupt verwendet wur- den, weise ich als unwahre und böswillige Erfindung mit allem Nachdruck zurück. Zu der Anschuldigung des Herrn Schaeffer, daß der Stu- dent Bauer zu einen, Mordanschlag auf©(Heide mann vcr- anlaht werden sollte, habe ich folgende Feststellung zu machen: Der nach Schaeffer„moralisch entgleiste junge Bauer mit patho. logischem Einschlag' war. bevor er nach vkünchen kam. Vor- slandsmitgiied der Deutschnationolen Landespartei für Mecklenburg. Er war in München Mitglied des Blücherbundes, einer Organisation, die satzungsgeniäh sogenannte politische Verbrecher unterstützte, d i e ihre Mitglieder auch zum politischen Mord ver- pflichtete. Der Fall Bauer-Zwengaur ist hierfür der schlüssigste Beweis. Im Fuchs-Machhaus-Prozeh ist durch Zeugen- eid festgestellt worden, daß der Blücherbund eine Keimzelle des Landesverrats, daß der fraizzösische Oberstleutnant Richert Mitglied dieser Organisation war und dah die Organisation mit französischem Geld gearbeitet hat. Am 3. Februar 1923 erklärte der Führer dieses Blücherbundes vor versammelter Mannschaft, dah die Kampsfahnen de» Bunde» fich noch vor der nächsten Baumblüte im Blutvergietzen bewähren müsten. Die Vorbereitungen und der Aufmarsch zum I. Mai 1923 zeigten, wie ernst dos gemeint war. Der ermordete Bauer hielt in den geschlossenen Versammlungen die wüstesten Drohreden, in denen wiederholt zum Ausdruck kam, dah er gegen Scheidemann einen Mordplan durchzuführen gedenke. Diese Tatsache wurde mir gemeldet. Als die Sache ernst wurde, veranlahte ich, dah Scheidemann, der damals krank war, einige Zeit von Kassel weg kam. Ich habe mich persönlich um die Sicherung gekümmert, und es waren Maßnahmen getroffen, durch die jeder Anschlag un- möglich gemacht war. Selbstverständlich hat Schcidemann von diesen Maßnahmen nichts erfahren. Da Bauer stets behauptete, er bekomme, wenn er das Attentat durchgeführt habe, von einer bestimmten Quelle Geld, so lag viel daran, diese Quelle zu ent- decken. Ob Puttkamer dabei zu weit gegangen ist. weiß ich nicht. Das Bolksgcricht hat es angenommen. Bemerkenswert ist, daß ich b�i der Verhandlung gegen Puttkamer vom Volksgericht nicht als Zeuge vernommen worden bin. Ich bin überzeugt, die Be- gnindung des Urteil» gegen Puttkamer wäre unmöglich gewesen, oenn ich wußte in der Sache mehr als Puttkamer. von dem vorhaben des Bauer sowie von einer Anzahl Verbrecherplänen waren die Behörden durch mich unlerrichtet. Richtig ist eine Behauptung des Herrn Schaeffer, nämlich. die, daß bei der Münchener Polizei keine Anzeige erstattet wurde. Grund dafür war, daß bei der München« Polizei das anständige und kor- rckte Element von einer kleinen, aber absolut' bestimmenden Beamtengruppe vollkommen handlungsunfähig gemacht worden war. Durch die Aussage eines Münchener Polizeibeamten ist der Untersuchungsausschuß und damit auch Herr Dr. Schaeffer genau davon unterrichtet. Nun einige Tatsachen zur I l l u st r i« r u n g des Treibens in dieser Zeit: Polizeibeamte nehmen einen Nationalsoziali st en in Haft, weil er eine verbrecherische Handlung begangen hatte. Der Mann gab die Tatsache zu. Am nächsten Tage widerrief er seine Aussage vom Tage vorher und erklärte zynisch, er habe die falsche Aussage gemacht, um dem wirtlichen Täter die gewünschte Zell zu verschaffen. Ver Mann wird entlassen, die Sache ist abge- schlosse«. Ein R a t t o n o l s o z i a l i st kam vor das V o l k s g e r i ch t.. Bei der Verhandlung wurde festgestellt, daß ein Aktenprodutt, das eine Anzeige eine» Polizeiwachtmeister» enthielt, in der Polizei- direktion überklebt worden war, damit der Richter die Anzeige über- sehen sollte. In Mannheim und München wurden mehrere Attentate mit Sprengladungen ausgeübt. Die Herstellung der Sprengladungen war überall die gleiche. Die Mannheimer Polizei stellt den Hersteller der Sprengladungen fest, in seiner Wohnung in München werden Sprengstosse usw. beschlagnahmt: der Zlnlrag, gegen den Hersteller eine Untersuchung wegen der Münchener Atteniate einzuleiten, wird aber abgelehnt, weil„der Mann in der Nacht, als das Attentat durchgeführt wurde, nicht in München ge- wcsen sei'. Ein Nationalsoziali st. der im Verdachte stand, über eine Sache geplaudert zu hoben, tollte aus Anlaß einer Hitler-Verfamm- lung im Zirkus Krone zu Boden geworfen und dann sollte ihm der Kopf zertreten werden. Da die Umgebung des Mannes in der Versammlung, die zur Ausführung der Tat beauf- tragt war, sich nicht sicher fühlte, unterblieb der Mord. An der Vorbereitung dieser Untat ivar auch ein Rottmeister der Landes- Polizei beteiligt. Der Fall wurde in der„Münchener Post' be» sprachen. Der mit Namen genannte Rottmeister wurde— wohl aus Anerkennung— zur Polizeischule Eichstätt kommandiert. Ein Polizeibeamter wird in einer Prioatwohnung vom Wohnungsinhaber f e st g e n o m m e n, als er daran war, aus einem Schreibtisch politische Akten zu stehlen. Mit Hilfe des Dienstmädchens, mit dem er ein Verhältnis eingegangen hatte, war der Herr in die Privatwohnung gelangt. Als er ge- fangen war, erklärte er, im Auftrag feines vorgesetzten gehandelt zu haben. Auf Anruf des Wohnungsinhabers bei dem Vorgesetzten in der Polizeidircktion werden die Angaben des im Klosett ein- gesperrten Polizeibeamten bestätigt. Bei einer politischen Zeitung werden unter den faden- scheinigsten Gründen Haussuchungen durchgeführt, wie nun festgestellt ist zu dem Zweck, um aus diese Weise in den Besitz bestimmter Akten zu kommen. Bei einem Zivilprozeß wurde sest gestellt, daß ein Kriminalbeamter vom Polizeipräsidenten Auslrag erhielt, sich an einer nächtlichen Betriebszerstörung zu beteiligen und zu schauen, ob er nicht bestimmte Akten erwischen könne. Anzeigen von Verbrechen, die bei der Pollzeidirektion München erstattet waren, standen zwei Tage daraus im n a t i o»> a l s o z i a l i st i s ch c n Blatte. Ein Nationalsozialist, der wegen nächtlichen Ucberfalls vom Volksgericht zu einer Gefängnis strafe verurteilt war, die Strafe auch abbüßt-, erschoß bald nach seiner Entlassung bei einem kleinen Krawall aus der Straße in München einen anderen Mann Da er im Besitze eines Ausweises der Not- Polizei war, unterblieb ein Slrasversahren. Derartige Beispiele ließen sich in Unzahl vermehren. Daß es sich um ein System in großem Rahmen handelte, zeigt mit ein Brief, den der Führer der„Vaterländischen" Verbände ge- schrieben hat, der folgende Stelle enthält: „Die Nationalfoziolistische Deutsche Arbeiterpartei gehörig zu den Dereinigten Vaterländischen Verbänden Bayerns und die Ver- bände müssen in ungerechtfertigten(!) Angriffen gegen Hitler zugleich Angriffe gegen die gemeinsame vaterländische Arbeit erblicken...." „Es ist abzuwarten,' so hieß es in dem Brief weiter,„wie die Regierung unter der Leitung von Exzellenz v. K n i l l i n g ihre Arbeit auffassen wird.' Der Brief zeigt, dah die damalige Regierung der Gefangene dieser Organisalionen war. daß Pöhncr unbeschränkt in Bayern regierte. Republikaner waren vogelfrei. Täglich durfte in der„vaterländischen' Presse zu ihrer Er mor d u n g aus- gehetzt.werden, ohne daß eine bayerische Behörde eingeschritten wäre. Ausführliche Denkschriften über rechtsradikale Hochverrats- pläne und Verbrechen, die ausschließlich den zustündigen amtlichen Stellen, auch bayerischen Ministern, unterbreitet wurden, blieben gänzlich unbeachtet. Darum. Herr Dr. Schaeffer. erfolgte im Falle Scheide- mann keine Anzeige bei der Polizeidirektion München. Das Verhalten des ehemaligen Münchener Polizeipräsidenten Pöhncr ain 8.'9. November 1923 hat das nachträglich vollkommen gerechtfertigt. Die Geschichte selbst hat ihr Urteil über die bayerischen Zustände der Jahre 1929 bis 1924 bereits gesprochen, und alle rechtlich Den- kenden werden die Beschönigungsversuche des Herrn Staatsanwaltschaftsrats Schaeffer, der die Schuld an den bayerischen Mordtaten von den Ätördern auf deren Opfer ab- wälzen will, mit aller Entschiedenheit ablehnen. EINE WOCHE SEIDE Brokat f.elegante Nachmittags---j Q50 kleiderusw. 85cm breit M. 29.50 21.--LO Brokat kür grobe Abendtoiletten Q/") u. Mäntel, 80/82 cm breit M.46.- 33.- Lam<§ goid- und silberfarbig, changeant 90 cm breit..... M. Velours-Jacquard in neuesten Farbentönen, fliebendes gemustertes Samtgewebe auf Krepp--j Q Georgette, 90 cm breit M. 34.-32.- J.O»" V elours de Lyon vornehmes zwei- und mehrfarbiges Velours- Chiffon- Gewebe mit Georgette- denn die Herbstneuheiten sind eingetroffen!!! 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September der2. Mady ChrlstiansFilm der Aafa mein Herz ruft nach Dirl und viele andere In wenigen Tagen populflr gewordene Schlager In der CHARELL REVUE Iii MWMW Dl« Revue der überwältigenden Starbeselzung Alma Barnes, Erika Gldssner, Clalre Waldoff, Wilhelm Bendow, Curt Bols, Louis Douglas. Hans Wassmann, Marlon Palfl Bernard Ett6s Dazr Symph. Orchetter 1 90 Oeutache Girls. 400 Mitwirkende DI« geaehniackyollste, lutigate n.piäobtigit« Schau, dl« bisher im Großen Schauspielhaus gezeigt wurde. Veriasat und in«»enlcrt won ERIK CHARELL Oqta �itspiäts« im grössten nnd echonsten Theater Berlins vqn Hk. 1.— an Beginn: 8!|, Uhr Bnde präzise 11 Uhr Sonniag nachm. 3 Uhr ungek. Vorst zu srmäss. Prelten silMg.MM Xollbusaer Str. ö S Uhr. Sonnt Z UHr Liite- 8ö«ger Zmit«useui lS0Pi. bis 2.50 Sonni ndim > Halb- Preise H ED Wl G.WANGEL- H ILFE E. V. Kllndw.Scharw.-Snal t Sonnabend, 25. 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Tage „nasentanns Töchter" Anfang i Uhr 8r: Miß Iwrika BesidenZ'Tbeal. ßiMißSüiiaiiißf Eiltritt JsgndliC;!« yotetta Ausschneiden Kleines M. 8»/, Uhr: Die fleißige Rsvae in 24 Bildern Musik v.Paul Strasser Vorzeiger dieses zahlen auf allen Plätzen halbe Kassenpreise f Hose-Theater 4 Uhr: Villli Radiuititig 8V, Uhr: Die Stecknadel im Heuwagen Deutsches (änstl.-Theiter 8'/, Uhr; Vcroniha Lessing-Thesler 8 Uhr; Cromwell Tb, a.Kurförslenilam 8 Uhr: EsgghtsdiBiiter Lustspieihaus ' KukuH Uhr: >,««�»««««»«»»»»»»»»» | UFAPALAST SLORIAPALAST KURFÖRSTEHDAMM HOZARTSAAL TAUENTZIENPALAST UFA-PAVILLON hUHMERUCHTSPiELE FRIEDRICHSTRASSE t TÜRMSTRASSE KÖNIGSTADT VVEINBERGSWE6 SCHÖNEBERG Der Wolaaschlfter Ein Film aus der nmiicben Rtvolulion Adolph« Menjou In Qurchlaucht macht eine Anleihe Die Kaneä im ääzacaKein Oetsktlv-Grotesk« In Cliusf cid Kirmi Sbeznr Des- Karr nnd aliee Dlme In Ciiagif und darin Sturer Der Harr and dZ« Därne Ben ÜfleBr Der Veit tertitidt. Film U'Daodi In OcfaErr Susalloo. Tragidle nt. Wasser Brsecdsdlfäer Euronas Ein Beitrai zur Krisgiscf-üldlCje Oes! Ccuralda in Die Kleine vom VarletA Ossi Oswalda in Olo Kleina vom Vsrlatd/ Bühnenrchau Öls Unehelichen tladertragidla ia 7 Utea Ozsi Oswalde In Die Kleina vom Varietö Philharmonie TV, Uhr: KONZERT d.Pbilbirmon.Orcb Dirig; Prof. Prüwer Prachtsäle am Märchenbrunnen Am Känigstor(Schwelzergarten) Am Friedricüshain 29-32 "U* Münchener Hätz ml. Schorsch Ehrengruber* Wochentags 8 Uhr. Eintritt 0.80. Sonntags 4 Uhr Jiomisefkc Cper Direktion: Hanns Otto Boyen Der große Operettenerfolg Jidrienne Allabendlich 8 Uhr m. Martha Serak, Molly\V essely 4 ßrik Wlrl, hermana öoettcher. Vonerkauf ununterbr. r. 10 U. an* Heul« 2 Vorstellungen 2 Nachm. 3.30 Ermääigt. Preise! mit lila Mtneli dem Tani|iliiiioiiii!i und dem Abends 8 Uhr Friedens- Preise! neuen— abwecfaslongirefcben September-Spielplan. Raacheo gestattet I CAglHO. THEATER 8 Unr: Was Liebe vermag Ab 1. Oktober: Gräfin Tlppmamsell Gutschein 1—4 Pers Bei Vorceig. der Annonce Faul, nur 1.01 Mk., Sessel 1,53 lohn ESagenheffi's Nur nocli kurze Z�ltl»» MijiJJ EWMUSNSAWTMÄ! Eintritt I M., Kinder SO Pf. Ctmis Busch Allantis Dil Hgtorjigd Sonnlag 2 X Bistrewa Der Mann n. durdi dit Loft I*+ T'» I nenZKSpf» u. die fibr. Qualitäis-Erdfin-Atirakl, SPapaWrangel�tM zum Schluß; Gr. Wasscrsclinu Allotria auf d kummelsburger See �Apollotheater� Frledrlchstr. 218 firjipr. tiunh, 1806 Täglich 8 Uhr: Der Stolz der 3, Kompagnie. Lachstürme! Laehstürme! Vorher: Das gr. Spezialltllen-Programm D Ein Spätsommertag Im| Hüft-, �»4 Q• Rheumu. ilezenschuii. Hellung nachweist, durch das anerk. erfolgrcienste, v. maKg. ärztl, Autoritäten er.lhtas«!� begutachtete und bevorzngte Tlverlahren in 2— lä Behandlung. Letf mann, Genthiner .12, 4.— 7,_sonntags tl— l. Straße 14. tü Meie Orthopäd, oder Streckverlahren. stom MdecKen leppldie Rrfiffieu, NdUeistoUe Ricscniager qJZ** Läufer q. TeuDiöistoöe E!no Aniobl TCPPfCltC Diwan- und Jlsdidedten sw mit Fehlern MTeppiMgalMi Voller lidrlcb | Nachm.- u. Abend-Konzert Eintritt 80 Pfennig [ Uhr BOXkamitf Uhr 1 Brandl— An tono witsch Kiaotch— h a übe Relchshallen-Theatar tlUKlrflidi 8 Uhr ist Ssestjj wdimittigs 3 Uhr Sieldner sanger Singende Baume N'achmlttss halbe Pre sc, »oJlcs�Programm: Döyihoff-Brett'l (Saal D.fiart.): Varief�-Konzert-Taaz efOvre «. m. b. U. Berlins. Seit 1882 ggf OraHttnsir. tss Keine Bezielmnö inr Firaa UleidiegNaisensPolSlIanierSIr. SawiaffiaiaüiümisiNUs Femsüi.HiuiiihÜil— Sonntag 19. September 1926 ,ver Narr und öle virne.� lMozarlsaal.) Selma L o g e r l ö f s Novelle„Jons Heimweh" gab di« An- ''�gung zu dem t5ilm. Aber der Film ist in Amerika gedreht, und wenn auch sein Regisseur Victor S j ö st r ö m früher zu den besten schwedischen Regisseuren gehörte, so ist es doch kein Schwedenfilm geworden. Di« Stimmung der Landschast, all da» kleine Drum und Dran, das man mehr ahnt als steht, und schließlich auch die Menschen, haben nicht den spezifisch schwedischen Hauch. Aber trotzdem, obwohl weder die Lagerlöf ins Bjldliche übersetzt Ist, noch das besondere Ineinander von schwedischen Menschen und Landschaft getroffen ist, wurde ein Film vop kraftvoller Eigenart und starkem Eindruck geschaffen. Alles Interesse ist konzentriert aus zwei Personen, den Bauern, einen schweren, in stch verschlossenen Arbeiter der Scholle. und seine Tochter, die zuerst Freude in sein Leben gebracht hat und nun von ihm zur Prinzessin erklärt wird. Aber eines Tages muß sie ihn verlassen, um in die Stadt zu ziehen und Geld für den Dater zu verdienen, der den schuldigen Pachtzins nicht mehr aufbringen kann. Run beginnt leine Tragödie. Felsenfest ist er überzeugt, daß seine-i-ochter zum festgesetzten Termin zurückkehrt. Aber sie kommt nicht, und statt ihrer bringt der junge Gutsherr Nachricht, daß nicht nur die Pacht bezahlt, sondern auch Hau» und Hof von der Tochter erstanden ist. Aber sie selber, di« Vielersehnte, kommt nicht! Tag für Tag steht der Alte an der Schiffslände, um sie abzuholen, und wird im Laufe der Jahr« darüber zum Narren. Da» Schicksal des Mädchens in der Stadt erleben wir nicht. Wir erfahren nur vom Hörensagen, daß sie den anderen Weg einschlagen mußte, um das Geld zu schaffen. Aber eines Tages ist sie plötzlich da, um ihren armen Eltern dauernd Wohltaten zu erweisen. Die Mutter weist sie mit Kälte von sich, aber der Vater triumphiert, daß seine Prinzessin zurückgekommen. Jedoch die ganze Herrlichkeit bricht zusammen. Die ganze„Ehrbarkelt" des Dorfes wendet sich gegen die Gefallen«. Sie beschließt, in die Stadt zurückzukehren: ver- zweifelt folgt ihr der Vater und springt ins Wasser, als er das Schiff nicht mehr erreichen kann. Aber auch der Gutsherr, der sie zuerst verführte, findet dabei seinen Tod. Die Prinzessin steht einsam und verlassen aus dem Schiff.(Das Programm gibt statt dessen noch einen weiteren Verlauf mit Verlobung an.) Ergreifend sind die Schicksale der beiden Menschen gestaltet. Lon E h a n e y hat den erdgebund«n«n Bauern, der sich ein Reich der Phantasie- schafft, in Kindersreude und nachher in Narrheit mit zwingender Gewalt verkörpert. Wir fühlen mit ihm sein hartes Los und empfinden mit ihm die Freude am Kind, zu dessen Pate er die Sonne nimmt, und wir können ihm folgen, wenn er au» den Bezirken der Wirklichkeit flüchtet in s«in erträumtes Kaisertum von Portugallien. So entzückend Normo S h e a r e r als junges Mädchen war und so sehr sie sich in die Situation der zurückgekehrten Gc- sallenen hineinvertieft. so vermag sie hier doch nicht das Letzte zu geben. Von eisiger Starrheit ist die Mutter, nichts als«in Arbests- tier und ein Opfer der Dorfmoral. Sjöström liebt es, die Handlung Zügen zu umranken. Er ist ein Meister ! Beine von Sie zieht den Pflug, den mit kleinen symbolhaften Zügen zu umranken. Er ist ei des andeutenden Details. Wunderbar, wenn er z. V. die Beine von Mann und Frau beim Pslügen zeigt. M''| er lenkt. Dieser amerikanisch« Schwedenfklm gibt das beste Zeugnis von dem alten Sjöström, der zu den Traditionen seiner Heimat zurück- gekehrt sst. D. »vie hanö im dunkeln.� (Ufatheater Hurfürstendamm.) Die seit«inigen Jahren leider ganz vernachlässigte und eigent- lich nie recht geachtete Gattung des D e t e k t i v f i l ni s scheint neue- sten» wieder mehr in Aufnahm« zu kommen. Da wäre etwa an das Stück von Griffith zu denken, das hier in der legten Woche lief, demnächst wird man sehen, was den deutschen Regisseuren Lupu Pick und Dr. Wendthausen auf diesem Gebiete gelungen ist. Auch „Die Hand im Dunkeln" stellt eine groteske Unterart davon dar. Ganz abgesehen von dem Vergnügen kombinatorischer Spielerei und von den Spannungsreizen, die es gerade dem logischen Kopfe bieten kann, entspricht das Detektivgenre in seinen elgentümlichfien Motiven, denen des verwickelten Geheimnisses und der schrittweisen Aufhellung, der Bersolaung und der Ueberraschung, durchaus den besonderen Ausdrucksmoglichkeiten de» Streifen». Wenn bisher ein hochwertiger Detektivfilm noch kaum sichtbar geworden ist, so muß es seinen Grund wohl in der gewissen Geringschätzung haben, mit der die Gattung gern al» Hintertreppe" abgetan und demgemäß auch ohne künstlerischen Ehrgeiz behandest wird. Auch da» vorliegende Beispiel überragt kaum das Niveau rascher Unterhaltungsware. Immerhin sind ein paar originelle Lichter aufgesetzt und gute Ansätze gemacht. Verschiedene Hände tauchen auf': ein« knipst den elektrischen Draht durch, eine andere stellt die Verbindung wieder her, eine maust di« kostbare Perlenkette, um die es hier geht, eine andere legt sie(oder eine Nachahmung?) wieder an Ort und Stelle, der Schatten einer Hand mit Revolver erscheuit, ein anderer mit einer Axt. Man weiß nicht, wem die Hände zu» gehören. Die UnHeimlichkeit ihres rätselhaften Ag'.ercns ir«are noch ganz anders gesteigert zu denken.. Zu solchen Konsequenzen ist der Einsall jedoch nicht getrieben. Außerdem bleibt jene Präzision der Verwicklung zu vermissen, die nach erfolgter Aufklärung plötzlich olles bis ins einzelne kristallklar und restlo, erscheinen ließe. Brei- ten zerdehnen. Possenhumore verdünnen die Spannung. Wieder einmal gehe» die billigen Witze und aufdringlichen Textbemerkungen der deutschen Bearbeitung aus die Nerven. Andererseits erquickt die überaus drollige Erscheinung eine» steisbewealichen Diener», der ein wahrer Meister der absolut unverständlichen Zeichensprache ist. Den Namen dieses Darstellers möchte man sich gern einprägen, aber die jetzt zum„Magazin" avancierten Programmhefte der Ufa ha en ein Verzeichnis der Mitwirkenden immer noch nicht iur ersorderlich. Regie führt unter der Oberleitung Cecil de Milles W. K. H o. ward: für Rod la Rocque in der Hauptrolle ist wenig�enug ,Rob!n Honö/ (CapifoL) Zuerst hat man Furcht, daß diese fröhlichste und lustigste Figur der oltenglischen Sage, den das Volt mit einem Kranz von Balladen umgeben hat, in einem historischen Film mit all dem Plunder der Kostüme und Sittenschilderung versinkt. Dos Leben am Hofe von Richard Löwenherz, der freilich als eine Art König Gambrinus dargestellt ist, wird breit geschildert, ein mittelalterliche» Turnier, in dem der Graf Huntington, der spätere Robin Hood, siegt, wird mit allen Schikanen vorgeführt. Auch die Betehrung des weiber- scheuen Grafen zur Liebe, fein Auszug mit seinem König und seine Flucht nach England erweckten noch kein besonderes Interesse. Aber dann kommt Fahrt und Farbe in die Szene. Das alte lustige Eng- lond wird wieder lebendig, die Bande Robin Hoods. die g«gen die Grausamkeiten des angemaßten Königs Johann einen fröhlichen Guerillakrieg führt, tummelt sich in den grünen Wäldern, allen voran Robin Hood selber, den Fairbanks Douglas mit dem ganzen Charme seiner Persönlichkeit ausstattet. Er bringt geradezu eine tänzerische Beschwingtheit in den lustigen Burschen, den Aushecker von tausend Streichen und Hort der Armen und Verfolgten. Man versteht aus seiner Schöpfung heraus, wie das englische Volk sich diese Lieblingsfigur schaffen konnte, der ein Mann der Freiheit und ein Stück Eulenspiegel zugleich Ist. Wie er die braven Soldaten des Königs Johann anführt, wie feine Leute von den Bäumen aus auf die gepanzerten Ritter springen und sich statt ihrer in den Sattel setzen, oder wie Robin mit drei Mann die Stadt Nottingham er- obert, das ist wirklich ergötzliche Geschichte. Aber die Hauptprobe besteht der in allen Satteln Gerechte erst in der Burg seine» Feindes, die er tollkühn erklettert, um seine geraubte Geliebte zu schützen, und in der«ine gegen hunderte dank seiner Gewandtheit den Kampf besteht. Auf dem Höhepunkt, als er, endlich überwältigt, als Ziel für die Bogenschützen aufgestellt ist, erscheint natürlich sein getreuer Richard, um die Pfeile mit seinem Schilde aufzufangen. Auch unter den Kumpanen Robin Hoods sind viele prächtige Gestalten, deren Bekanntschaft aus Scoots immer noch lesenswerten„Joanhoe" man gern in der bildlichen Leibhaftigkeit erneuert. r. ,Sranöstister Europas.* (Ufalheater Ariedrichstraße.) Was die Spatzen längst müde geworden sind, von den Dächern der Archive zu pfeifen, nämlich die zahlreichen, darum aber noch nicht belangreichen„dokumentarisch verbürgten" Einzeldegebenheiten aus der Wirksamkeit der großfürstlichen Kriegspartei am russischen Hose— all das wird hier zu einem Film zusammengestückelt. Er herausgekommen dabei. rühmt von stch, ein Beitrag zur Kriegsschuldlüge zu sein. Er will also historisch« Wahrheit mit Hilfe dargestellter Episoden vermitteln. Nun, in einer Episode kann zuweilen tiefste historische Wahrheit wetterleuchten— aber aneinandergereihte Episoden ergeben nur ein banales Zerrbild der Geschichte. Und«in Regisseur mit Ein- lühlungsgabe kann aus einer Episode einen Film gestalten, hinter dessen Personenkonflikten gesellschaftliche Kräftespannungen er- scheinen— aber zusammengeklebte Episoden liefern nur einen lang- weiligen Bildstreifen. Mit der historischen Wahrheit und mit dem ! Filmwerk ist es also beide Male nichts. Was der streifen schonungs- los enthüllt, ist die Armseligkeit einer Regie, die Max N e u f e l d führte, während er zugleich der Dämonie des BauerMönches Rasputin mit einem großen Aufwand au Besoffenheit, Siimesgier und Argwohn zum Flilnmerdafein oerhals. Auch sonst sind sie alle, alle do— oder wenigsten» ihre Masken, di« von.mittelmäßigen Schauspielern herumgereicht werden, u. a. der famos« Oberst Redl vom k. u. k. Gcneralstab, der sich gleich erschießen darf, nachdem er den Aufmarschplan an das verführerische Weib ausgeliefert hat. An Motiven sind bei den dargestellten Personen, die doch immerhin Exponenten der herrschenden Schicht eines gewaltigen Reiches waren, einzig erkennbar: der Schnaps, die Weiber und ein Patriotismus, der ein Sublimat au» beiden ist. Am Schluß wird sodann Lenin heraufbeschworen, der gelegentlich einer Begegnung mit dem fliehen- den Großfürsten dessen Knute mit einem theatralischen Effekt zer- brechen darf. Kasperletheater der Weltkriegsgejchichte. R. R. , Durchlaucht macht e!ne Anleihe.* (GloriaValc'.st.) Die Amerikaner können beim besten Willen keinen Füisten ernst nehmen. Si« staunen ihn an, wie eine merkwürdige Abart der menschlichen Gattung, wie ein Fabelwesen. Wenn ein Fürst mit einem �>«rmelinnian>el auftritt, so macht er sich meistens selbst über seine Thentergardcrnbe luftig. Er weiß in diesem Augenblick nicht, wie die Beine zu halten sind, das Käppi sitzt nicht, wie«» sitzen soll, und sogar Adolf Menjou verliert seine ielbstoerständliche Eleganz unter dem Gewicht erdrückender Würde, die er tragen muß. Sonst aber sst er ein wirklich netter Mensch. Die Valuta seines Landes ist ins Bodenlose gesunken, und um eine Sanierung herbcizusühren, reist er nach Amerika. Der Oelmagnat Arthur Trent beleiht auch die Oelfelder in TransoleitanieN, aber unter Bedingungen, die den Kön:g zu einem armen Mann machen. Den Vertrag muh er jedoch unter- schreiben, sonst inszeniert Trent einen großen Skandal, denn er hat den Könlg mit einer jungen Am«rikanerin in einer prekären Situa- tion überrascht. Am Schluß heiratet der Fürst eine unwahrscheinlich reiche und häßlich« Erbin, und die junge Amerikanerin macht mit ihrem Bob in Familienglück. Das letzte Bild ist sogar koloriert, da« Paar wandelt stimmungsvoll unter Rosen. Wie Menjou diesen Fürsten spielt, sst für eine» anderen unerreichbar. Ein zurückhaltender Schauspieler von einer Unausdringlichkelt und selbstverständlicher Liebenswürigkeit, von einer bezaubernden Eleganz und Wandelbar- keil, die in dieser-Einfachheit wirtlich einzig dasteht. Reben ihm verblassen die anderen Darsteller. Grete Love sst nur sacharinierte Lieblichkeit. Grete Rissen spielt eine Halbweltdame. wie sie in Kabaretts vergangener Zeiten auftrat, und die Herren beschränken sich auf mehr oder minder gelungene Typen. F. S. Seilage öes vorwärts ,Ver Wolgafchiffer/ (Ufa Palast am Zoo.) Ein« Liebesgeschichte, die zur Zeit der russischen Revolution spielt. Die Revolution als Milieu oder auch nur als Hintergrund haben sich bereits Theater und Oper erlaubt. Als Austakt sieht man, wie der Verlobte der Prinzessin Vera, ein Fürst, einen Wolgaschisser demütigt. Der zahlt die Demütigung der Prinzessin heim, als er Herr ihres väterlichen Schlosses ist. Er lall sie sogar töten, kann das ober nicht und bringt sie in Sicherheit. Da fällt da» Paar den Weißen in die Hönde, und der Bräutigam der Prinzessin spricht dem Rot«n das Todesurteil. Run bekennt sich Vera zu ihm, will mit ihm gemeinsam sterben, doch die Bolschewisten kommen und bringen dem Todeskandidaten die Rettung. Das rote Tribunal läßt die Wahl: Anpassung an das neue Rußland oder Verbannung. Vera bleibt beim Wolgaschiffer, und der Fürst zieht in die Fremde. Cecik de Mille, Amerikas großer Regisseur, läßt diesen Film i in wunderbaren Bildern abrollen. Wie tief ersaßt sst diese Stimmung an der Wolga! Die Schiffer, die da» Schiff vorwärts ziehen, find prächtig als Einzeltypcn, und doch find alle die gedrückten, die ge- tretenen Menschen, keuchend im Joch. Roch als er den Palast stürmt, hat Fedor, der Wolgaschisser, den schweren Tritt dos Lasttiers. Und wie bildlich fein sind sie geschildert, die Wolgaschisser als Herren dcz Palaste»! Die Füge, die schweren Flußsand gewöhnt sind, sie tasten unbeholfen in den weichen Fellen, die den Fußboden bedecken., sie gleiten aus aus dem glatten Parkett. Schleppend sind freilich die Szenen, wie der junge Schisser die Prinzessin töten soll, wie er sie quälen will und wie dann ihr persönlicher Mut seine Wirkung nicht verfehlt. Aber diese breite Ausmalung ist sür diesen Regisseur Rotwendigkest, denn er betrachtet die Revolution nicht al- ein soziale» Problem, sondern als einen Komplex begreiflicher Rache- taten. Hervorragend sind auch die tollen Vergnügungen der Auf- ständischen im Palast verbildlicht. Ganz große Mamenie sind dam» wieder, wenn das Schiff, auf dein unterm Persenning Revolutionäre j und Munition verstaut sind, die Wolga entlang gezogen wird. Die»>!> heimliche Spannung löst sich, al» ein Volltreffer in den Palast fällt und einen Kronleuchter zu Boden schmettert. Gut gezeichnet sind die Träger der Hauptrollen. Der Fürst, der Wolgaschisser, die Prinzessin, sie sind alle drei tavfere Menschen. Der Fürst kann nicht au» seiner Erziehung und die Prinzessin kann das nur, weil für sie die starken Gefühlsmomente ausschlaggebend sind. William B o y d und Elinor Fair spielten ohne Mätzchen, das ist in diesem Falle für sie das höchste Lob. Als man zum letztenmal im Film da« Schiff sah, und zwar die Revolutionäre an Bord und die Daincu i im Flitterkleidchen und die Herren in Uniform in's Joch gespannt,. geriet bei der Uraufführung die Publikumsseelc in's Kochen. Es wurde auf Hausschlüsseln gepfiffen uiid es wurde Beifall getobt. Alles in allem aber, wenn ein Amerikaner ein solches Thema bei- artig gestalten kann, daß es für Europäer überhaupt ertragbar, ja packend ist, dann hat er für die Produktion seines Landes eine Spitzenleistung vollbracht._ e- b- »Hohe-t tanzt Walzer.* (Ulhambra.) Während das Fllrstenpaar seine hohe Brautnacht bei erleuchteten Fenstern im Schloß begeht, seufzt unlen im Park der Hoskapell- meister, der einst die Durchlaucht liebt« und spielt zerknitterten Herzens zum letzten Male den Schönbrunner Walzer. Die Leinwano lauscht in die Höhe, und auf der Bühne steht Walter Rilla im roten Hoskapellnieiftersrack, feine Geige schluchzt, ein riesiger Lorbeer» kränz kommt auf die Bühne gerollt, und da» Publikum rast vor Be- geisterung. Denn dieser Film ist so richtig für Gartenlaubenherzen gemacht. Er spielt in der Zeit der herzigen Habsburger. Sie ist Prinzessin und er nur ein begabter Musiker. Sie liebt Extravaganzen »iid er ebenfalls, und auf einem Boll für biedere Bürger lernen sie sich kennen und lieben, lind dann kommt da« Schicksal in Gestalt eines obskuren Baikanprizen, und sie müssen sich trennen. Fritz Frcisker und Jack Bachrnch entnahmen den Stoff der Aschcrschen, gleichnamigen Operelte. F r e i e l c r führt auch die Regie. Der Film setzt so nctt uiid witzig ein. Der Kapellmeister spielt einen Walzer auf seiner Veranda, und uiiten aiss dem Hof tanzt danach groß und klein. Hübsche Bilder und gute Photographie. Die stillen Spitzweg- straßen de? Biedermeiei» erwachen zu neuem Leben. Prachtvoll ist dos Milieu getroffen, die Handlung läuft schnell ab, man lacht über spaßige Einfälle. Alles ist unbeschwert und heiter, voll tänze» rischer Grazie, aber dann am Schluß w'rd es ganz schlimm. Regisseur und Schauspieler verlieren ihre Haltung, nur auf den Publikumserfolg wird hingearbeitet. Sentimentalität um jeden Preis! Unterdrücktes Schluchzen, wenn die jung vermählte Fürstin' den letzten Walzer tanzt mit fchmerzverzerrtem Gesicht, und ihr Ge- � liebter, der das Orchester dirigiert, auf der Estrade einen Herzkrampf. erleidet. Der Film, der verhelßunasvoll einsetzte, versandet. Und. was kümmern uns heute noch die Schmerzen dieser Fürftlichkeiteu. � Don den Darstellern an erster Stelle Walter Rilla, der sich- wenigsten» auch bei onischiedcnster Rübrseligkeit um männlicho, Haltung bemüht. Prägnant in Nebenrollen Ehrl« und Eugen Neuseld. Eläre 31 o mm er aber, am Ansang von ausgelassener Laune, kostet zu stark die Sentimentalität aus. F. S.• .Hölle der Liebe.* (Schauburg.) Soll man wieder bloß das Treiben aus d«n Tanzdielen im' ewig gleichen Rhythmus und die Rarrcnstreiche junger reicher Leuie' auf der Filmwand sehen, die das Geld ihres Stammhauses nachts' verspielen, in dem Banne irgendeiner Talmigöttin? 31cin, der Manu- j skriptverfasser Erich Herzog rafft sich auf und gibt der Hand- � sting, die damit einen falschen Titel führt, einen lieferen, ans Tragische. führenden Sinn. Freilich muß man dabei eine Menge Unwahrschcin-• > DEM-'":*i M IWenn Siemlrfah: schmecken muss dann fauchen.Sie die ein Cnvcr L- Iichtelten und ein gehäuftes Mah von RührfeNgfett w Kauf nehmen. Die Tat des jungen Mannes hat Folgen. Statt feiner wandert der alte treue Prokurist der Firma ins Gefängnis, und es ist das Schick- fal dieses Mannes, dem Georg John eine ergreifende und ins feinste abgestufte Darstellung gab, das uns rührt und ergreift. Die Heldin hat es der Mutter des jungen Mannes, der übrigens feine Tat durch Selbstmord sühnt, verraten, daß der Prokurist unschuldig ist, aber sie schweigt, bis der zunächst schwer verwundete Sohn ge- storben ist. Packend ist das Zusammentreffen der Mutter, die aus Liebe zu ihrem Sohn fehlt, mit dem aus dem Gefängnis zurück- gekehrten Prokuristen, der den Tatbestand erfahren hat und nun auf Rache sinnt, an'der Leiche des Sohnes geschildert. Die beiden Alten versöhnen sich, und zum Trost für die Zuschauer gibt der brave Sohn des Hauses der Tochter des Prokuristen, die inzwischen Zuflucht und Fürsorge bei seiner Mutter gefunden hat, seine Hand. Die Mutter ist Olga Engl, die diesmal allzu aufgeregtes Hände- spiel ins Bild bringt. Die Tochter des Prokuristen gibt Claire Lotto sehr gefühlvoll. Gut sind Vioian G i b s o n als Ballkönigin und Kaifer-Titz, während Dieterle als braver'Sohn nicht recht viel mit seiner Rolle ansangen kann. Em paar vortreffliche Chargen boten Siegfried B e r i s ch und Emmy W q d a als ulkiges Braut- paar. Die Regie hatte Bruno Bahn, der auch dem verbrauchten Genre ein paar neue Roten abgewann. r. , Achtung harrpl flugen aufl' (Marmorhaus.) In diesem regelrechten Kintoppschlager steht Harry Piel, der selbstbewußte, im Bordergrund einer jeden Szene. Man reihte wohl hundert Zufälligkeiten aneinander und schaffte so die tollsten Auf- regungen. Harry will Reporter werden, wird aber vom Chef- redakteur nicht vorgelassen. Da betätigt sich der zukünftige Reporter einfach als Fassadenkletterer, und nachdem er sich auf diese Weise Einlaß verschafft hat, darf er schreiben. Er wählt das Thema„Sechs Wochen unter Apachen", und nun Zuschauer, mach' die Augen auf, damit dir keine Attraktion entgeht. Im ersten Abschnitt werden durch Harry zwei Mörder festgenommen. Als hüpfender Sack zeigt er den Polizisten die Spur. Der Verleger findet die Berichte sehr nett er- dacht, aber nicht erlebt. Prompt brechen die Apachen in seine Villa ein. Einstieg hintere Wasserseite, damit man eine nächtliche Boot- fahrt mit Fackelbeleuchtung als gruselig schönes Bild bringen kann. Harry erscheint im rechten Moment, um noch schnell eine Blitzlicht- aufnähme machen zu können und dank der großen Wasfensammlung an den Wänden den Geldschrank zu retten. Im Abschnitt drei läßt die Tochter der Verlegers sich in Liebeshändel ein, und beinahe wäre sie und eine ganze Tanzgruppe als Menschensleisch verschachert worden, wenn nicht der dauerhafte Harry die Jacht gekapert hätte. Dazu sind freilich die tollsten Abenteuer und Bravaurtaten nötig. Zuin Schluß beginnt Harry mit der Jacht seine Weltumsegelung und nimmt die Verlegerstochter mit, die eine unschöne Filmnase hat. Das ist ein echter Harry Piel, voller Tempo und sabelhast aus- genutzter Steigerungsmöglichkeit. Die Zuschauer bekommen Herz- klopfen und Zlngstzustände.— K- BWfeltattidlS «26 Verband der Maler Lackierer. Ansireicher, TQncher und Weißblndcr Deulscbf., Filiale Berlin Unser langjähriges Mitglied Emil Bernau ist an Herzschlag verschieden./, Uhr. in Baumschulenweg. Rege Beieitigung der Kollegen erwartet vi« ortoveriaalhing. Am 16. September verstarb nach langen schweren Leiden im 67. Lebens- jähr mein lieber Mann und guter Onkel, der Lackierer »ermsvn Warnke Dies zeigt tiefbetrübt an EUa�KetK Warnke geb. Peter». Die Einäscherung findet am Dien»- tag, den 2t. September, nackim. I Uhr, im Krematorium Derichtstr. 37/66 statt. Kranzspenden nicht erwünscht. g€€#d«e«> Unserem lieben Genossen A» Eduard Warnst Ravenestr. 8. zu seinem heutige 70. Geburtstage die herzlichsten Glückwünsche. Die Genosünnrn n. Genossen der Bezirke 743 44'4Z und die Funktionäre der 18. Abt. SPD. F herzlichen Vank allen lieben Genossen und Bekannten für! freundliche» Gedenken anläßlich unserer Silberhochzeit KOpenick-WolfSf-artcn Hennaim Dod Luite Grnliert Keb. Bartelt Mit vorstehendem verbinde ich meine herzliche Danksagung für die mir von so vielen lieben Genossen zu meinem 87. Geburtstage dargebrachten Glückwünsche. ViUielm Barlelt fe VlMWe cMMaMliMW Körperschaft des öffentlichen Recht» Berlin STB 68, Schiitzenstraße 26 Zur Kapitalanlage werden empfohleu die an der Berliner Börse amtlich notierten 8% igen reichsmündelsicheren Goldmarkpfandbriefe der Preußischen Landespfandbriefanstalt Wer Sars Uli°/° unkündbar bis lSZtt, Rückzahlung 100°/, Der Verkauf erfolgt zum jeweiligen Berliner Börsenkurs durch Vermittlung aller Banken, Bankiers und Spar» kästen, sowie durch die Anstalt selbst. Oime Jede Anzahlung liefert altrenommiertes Möbelhaus Möbel kompl. Zimmer sowie EinzelmSbel, Kücticn in allen Farben, Anklcidescbrinke, Kleiderschränke, Sofas; Bücberscbränke, Bettstellen in Holz und Metall, Teppiche und vieles andere bei denkbar bequemsten Ratenzahlungen! Beste Qualitäten!» Billigste Preise! Gel. Anfragen unter N. 28 an die Expedition des„Vorwärts", Lindenslraße* Einwanderer nach Nord-Amerika brauchen nicht mehr nach EHIs Island Seit Elufahrung der neuen Regelung In . der Erteilung amcrikanisdisr Sichtvermerke ab I. Juli diese, Jahres sind alle mit Dampfern der Hamburg- Amerika Linie beförderten deutschen Passagier* in New York ohne weiteras zur Landung zugelassen worden und nicht einem einzigen wurde die Landung in New York verweigert. Passagier*, die mit einem nach dem t. Juli dieses Jahres in Deutschland ausgestcUtenSlcfalvenaerk versehen sind, brnudien, auch wenn sie in der dritten Klasae reisen, nicht mehr nach Ellls Island, sondern können nach Ankunft der HAPAC- Dampfer In New Y ork, ebenso wie die Passagiere der ersten und »weiten Klasae sowie die der Kajüten- k lasse, sofort an Land gehen. Heute Ist es also fast ausgasdilossen, daß Passaglere der Hamburg- Amerika Linie, die Ihr Hab und Gut verkauft haben. In die Heimat zu rück kehren müssen, weil ihnen die Landung verweigert wird, wie es früher der Fall war. Auskünfte in allen Reiscangelegenhelten werden kostenlos erteilt von der HAMBURfi-IHERiXA LINIE Hamhurg I, Alsterdamm 25 in Berlin W. 8, Unler den linden 8. nnd VerltetirsbanR a.-6„ HnrfOrskea- Camm 231. FratniaMkOnlte erteilt das Schillsfrach icnkontor O. m. b H,, Berlin W 8, Unter den Linden 8. Fernspr: Zentrum: 5448-49. 9197-99 r I I HOFFNUNG 99 Bekleidungs-Industrie G. m. b. H. N 54, Brininenslr. 188/90 Elegante Herrenbekicidunä fertig und nach Maß M\.M QnteUeH Soliiie Preise! Anzüge zur Jugendweihe in allen Größen und Preisen' J£oden~ und &ummi~JKünte$ Herbsl�iind Winler-Palelols in großer Auswahl am Lager Windjacken in allen Gröben und Formen Herren-Artikel: Oberhemden, Krawatten, Hüte, Stöcke, Schirme usw.zu billigst. Preisen Zur Inlemanonalen GewerKsdiaftswothe empfehlen wir unser gut sortiertes Lager In Fahnen aller Art. dusnahnie-Wodic! 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Muncliener5tr.l9. do. üärtner.Wissmannstr. 14 do, Kikolaisen.tlertuirUpU . es,«. Unterhaltung unö AAlssen � vom Sinn der vittatur. .Du muht den Nacken beugen lernen, Zwaut" .Tiefer, tiefer, immer noch tiefer.. damit du dich vor den Herren Deu-schnationalen...".... und vor Mussolini richtig zu benehmen vermagst!" die perle. Don Jack London. (Schluß.» Um Mitternacht des achtzehnten Tages schob sie das Kanu durch die Brandung und machte sich nach hikueru auf. Sie war eine alt« Frau. Die Mühen hatten sie ihr Fett verlieren lassen, so daß kaum mehr al» haut und Knochen und wenig« zäh« Muskeln übrig» geblieben waren. Das Kanu war so groß, daß zum Ruder« drei kräftige Männer gehört hätten. Aber sie schaffte es allein mit ihrem Notruder. Auch leckte das Boot schwer, so daß sie den dritten Teil der Zeit mit Schöpfen oerbringen mußte. Bei Tagesanbruch blickte sie vergebens nach hikueru aus. hinter ihr war Takokota fast unter dem Rande des Meeres versunken. Die Sonne schien auf ihren nackten Körper und preßte ihm alle Feuchtigkeit aus. Sie hatte noch zwei Dosen Lachs, und im Laufe des Tages schlug sie Löcher hin- ein und trank die Flüssigkeit. Das Fleisch herauszuziehen und zu essen, hatte sie keine Zeit. Eine Strömung führte sie nach Westen, und nach Westen fuhr sie, mochte sie auch, soviel sie wollte, nach Süden steuern. Früh nach Nachmittage sichtete sie, aufrecht im Boote stehend, hikueru. Sein Reichtum an Kokospalmen war verschwunden. Nur in weiten Zwischenräumen tonnte sie hier und da die armseligen lleberreste von Bäumen sehen. Dennoch ermunterte der Anblick sie. Sie war näher, als sie gedacht hatte. Die Strömung führte sie nach Westen. Sie ruderte und kämpfte dagegen an. Die Keile in der Sorrung des Ruder» lösten sich, und sie verlor viel Zeit mit dem Befestigen. Dazu kam da» Schöpfen. Don drei Stunden mußte sie eine mit Schöpfen oerbringen. Und immerfort trieb sie nach Westen. Bei Sonnenuntergang log hikueru dreiviertel Meilen östlich. ?s war Dollmond, und um acht Uhr befand sie sich genau östlich von der Insel. Sie war mitten in der stärksten Strömung; das Kanu war zu groß, das Ruder zu mangelhaft, und sie mußte zuviel Zeit und Kraft mit Schöpfen verschwenden. Dazu war sie sehr schwach und wurde immer schwächer. Trog ihrer Anstrengungen trieb das Kanu nach Westen. Sie sandte ein Gebet zu ihrem Haigott, glitt über Bord und begann zu schwimmen. Das Wasser erfrischte sie, und schnell ließ sie das Kanu hinter sich zurück. Nach Verlauf einer Stunde war sie dem Land« merklich nähergekommen. Da kam der Schrecken. Ge- rode vor ihren Augen, keine zwanzig Fuß entfernt, durchschnitt eine große Flosse das Wasser. Sie schwamm standhaft darauf zu, und die Flosse glitt langsam fort, indem sie rechts abbog und sie umkreiste. Sie heftete ihre Augen auf die Flosse und schwamm weiter. Der» ichwand die Flosse, so senkte sie das Gesicht auf das Wasser und wartete. Erschien die Flosse wieder, so nahm sie das Schwimmen wieder auf. Das Ungeheuer war träge— das konnte sie sehen. Zweifellos hatte es seit dem Orkan genug zu fressen gehabt. Wäre e, hungrig gewesen, so hätte e» keinen Augenblick gezögert, sich auf sie zu stürzen. Es war fünfzehn Fuß lang, und ein Biß hätte sie, wie sie wußte, in zwei Teile schneiden können. Aber sie hatte keine Zeit, sich mit dem Hai aufzuhalten. Soviel sie auch schwamm, die Strömung trieb sie doch immer wieder ab. Ein« halbe Stunde verging, und der Hai begann dreister zu werden. Als er sah, daß er von ihr nichts Böses zu erwarten hatte, zog er in immer engeren Kreisen näher und blickte sie im Vorbeigleiten unverschämt und verschmitzt an. Sie wußte gut, daß er früher oder später genügend Mut aufbringen würde, um auf sie zu stoßen. Da beschloß sie, ihm zuvorzukommen. E» war eine Verzweiflungstat. Sic war eine alt« Frau, ollein im Meere und schwach vor Eni- behrungen und Mühsal, und doch mußte sie dem Angriff dieses Tigers der Meere zuvorkommen und ihn selber angreifen. Auf eine günstige Gelegenheit wartend, schwamm sie weiter. Da schwamm er träge in einer Entfernung von kaum acht Fuß vorbei. Sie tat, als ob sie ihn angreifen wollte und stürzte sich plötzlich aus ihn. Er schlug wild mit dem Schwanz«, während er floh, und sein« fand- papierartige Haut traf sie und scheuerte ihr die Haut vom Ellbogen bi» zur Schulter ab. In immer weiteren Kreisen schwamm er schleunigst fort und oerschwand schließlich. *** In der mit Vlechstücken bedeckten Höhle lagen Mapuhi und Tefara und zankten sich. „Hättest du getan, wie ich dir sagte," beschuldigt« Tefara ihn zum tausendsten Male,„die Perl« versteckt und niemandem etwas davon gesogt, so hättest du sie noch." „Aber Huru-Huru war dabei, als ich die Muschel öffnete— habe ich dir da» nicht wieder und wieder und immer wieder gesagt?" „Und nun bekommen wir kein Haus. Raoul hat mir heut« gesogt, wenn du die Perle nicht verkauft hättest, so „Ich Hab' sie nicht verkauft. Toriki hat sie mir gestohlen." „— wenn du die Perle nicht oerkaust hättest, so würde er dir fünftausend französische Dollar gegeben haben, und da» sind zehn» tausend Chili." „Er hat mit seiner Mutter gesprochen," erklärt« Mapuhi.„Sie versteht sich auf Perlen." „Und nun ist die Perle verloren," klagt« Tefara. „Dafür bin ich Toriki nicht» mehr schuldig. Dos macht immer- hin zwölfhundert, die ich bekommen habe." „Toriki ist tot!" rief sie.„Man hat nichts von feinem Schoner gehört. Er ist mit der„Aorai" und der„Hira" verloren gegangen. Bezahlt Toriki dir die dreihundert, die er dir al» Kredit versprochen hat? Nein, denn Toriki ist tot. Und würdest du Toriki heute die zwölfhundert schulden, wenn du die Perle nicht gesunden hättest? Nein, denn Toriki ist tot, und einen toten Mann kannst du nicht bezahlen." „Aber Leoy hat Toriki nicht bezahlt," sagte Mapuhi.„Er hat ihm ein Stück Papier gegeben, da» in Papeete für das Geld gut war: und jetzt ist Toriki tot und das Papier mit ihm verloren, und die Perle ist mit Leoy verloren. Du hast recht, Tefara. Ich habe die Perl« verloren und nichts dafür bekommen. Nun laß uns Ichlafen." Er hob plötzlich die Hand und lauschte, von draußen kam ein Geräusch, wie wenn jemand schwer und mühsam atmete. Eine Hand tastete an der Matte, die al» Eingangstür diente. „Wer ist da?" rief Mapuhi. „Nouri," lautete die Antwort.„Kannst du mir sogen, wo mein Sohn Mapuhi ist?" Tesara schrie und packte den Arm ihre. Manne». „Ein Gespenst!" klapperte sie.„Ein Gespenst!" Mapuhis Gesicht war fohl wie der Tod. Er klammerte sich entsetzt an sein« Frau.______„ „Gute Frau," stammelte er und bemüht« sich, sein« Stimme zu verändern,„ich kenne deinen Sohn gut. Er lebt auf der Ostseit« der Lagune." Von draußen kam ein Seufzer. Mapuhi fühlte sich erleichtert. Er hatte das Gespenst genarrt. „Aber wo kommst du her, alte Frau?" fragt« er. „Aus dem Meere," lautete die verzagte Antwort. „Ich wußte es! Ich wußte es!" schrie Mapuhi und schüttelle sich. „Seit wann hat Tefara ihr Lager in einem fremden Hause?" erklang Nauris Stimme durch die Matte. Mapuhi blickte sein Weib furchtsam und vorwurfsvoll an. Ihre Stimme hatte sie verraten. „Und seit wann verleugnet Mapuhi, mein Sohn, sein« alte Muster?" tönte die Stimme wieder. „Nein, nein, ich habe— Mapuhi hat dich nicht verleugnet," rief er.„Ich bin nicht Mapuhi. Er ist auf der Ostseitc der Lagune. sage ich dir." Ngakura setzte sich im Bette auf und begann zu weinen. Die Matt« zitterte. „Was tust du?" fragte Mapuhi. „Ich komme hinein," sagte Nauris Stimm«. Ein Ende der Matte wurde gelüftet. Tefara versuchte unter die Lecke zu kriechen, aber Mapuhi klammerte sich an sie. Er mußte sich an etwa, festhalten. Miteinander ringend, zitternd und mit hervorquellenden Augen blickten sie zusammen auf die Matte, die sich hob. Sie sahen Nauri, von Seewasser triefend, ohne Ahu herein» kriechen. Sie sielen nach hinten, rollten übereinander und kämpften um Ngakuras Decke, um sich darunter zu verstecken. „Ihr könntet eurer alten Mutter einen Schluck Wasser geben," sagte da» Gespenst kläglich. „Gib ihr einen Schluck Wasser," gab Mapuhi den Befehl an Ngakura weiter. Und gemeinschaftlich holten sie Ngakura unter der Decke hervor. Al» Mapuhi eine Minute darauf verstohlen ausblickte, sah er da» Ge» spenst trinken. Als er dann gar die Hand ausstreckte und st« in die seine legte, fühlte er ihr Gewicht und überzeugte sich, daß es kein Geist war. Da tauchte er auf, zerrte Tefara hinter sich her, und nach einigen Minuten lauschten alle Nauris Erzählung. Und al» sie von Leoy sprach und die Perle in Tesaras 5zand gleiten lieh, war auch si- mit der Wirklichkeit ihrer Schwiegermutter ausgesöhnt. „Morgen früh." sagte Tefara.„oerkaufst du Raoul die Perle für fünftausend französische." „Und das Haus?" warf Nauri ein. „Er wird das Haus bauen," antwortete Tefara.„Er sagt, e» kostet viertausend. Außerdem will er noch einen Kredit von tausend geben." „Und es wird sechs Faden lang fein?" zweifelte Nauri. „Gewiß." antwortete Mapuhi,„sechs Faden." „Und im Mittelzimmer wird die acheckige Wanduhr sein?" „Gewiß, und der runde Tisch auch." „Dann gib mir etwas zu essen, denn ich bin hungrig," sogre Nauri zufrieden.„Und dann wollen wir schlafen, denn ich bin müde. Und ehe wir die Perle morgen verkaufen, wollen wir weiter über das Haus sprechen. Es ist besser, wir fordern die tausend in bar. Geld ist immer besser als Kredit, wenn man von den Händlem kaufen soll." lBkrrchtifltl Utberfciiunq von 8t»in M a s n u«.) Oer Marchensammler bei üen Zigeunern. Auch in unseren nüchternen Zeiten blüht noch die uralt« Romantik des Zigeunerwesens. Erst kürzlich ist ein berühmter „Zigeuernerköniq" in einem kleinen tschechoslowakischen Dorf im Alter von 109 Iahren gestorben. Ali Zilgra hinterließ 32 Kinder von mehreren Frauen: seine letzte hatte er mit 90 Jahren geheiratet. Er war ein Patriarch, der unter seinen Stommesgcnossen das größte Ansehen genoß. Mitten in der Großstadt Berlin begegnet man diesen abenteuerlichen Gestalten, aber es ist schwer, ihnen ihr« Geheimnisse abzulauschen und in ihr verschlossenes Wesen einzu- dringen. Nur wer selbst zum Zigeuner wird, kann die Poesie dieses Volkes erfassen, und deshalb haben hervorragende Gelehrte, die sich eingehend mit dem Studium der Zigeuner beschäftigten, wie Heinrich von Wlislocki und der Rumäne Barbu Constantinescu, einen großen Teil ihres Lebens unter ihnen oerbracht. Auch der neueste Sammler der Ztgeunermärchcn, Martin Block, ist selbst zum Zigeuner geworden, wie er in seiner Einleitung zu dem von Walter Aichele herausgegebenen Band„Z i g e u n e r in ä r ch e n" der bei Eugen Diederichs in Jena erscheinenden großen Sammlung„Die Märchen der Weltliteratur" erzählt.„Ich selbst weilte mit Unterbrechung so manchen Monat bei den Zigeunern," schreibt er,„indem ich mich ihrer Lebensweise völlig anpaßte, mit ihnen wanderte, schlief, aß und trank und so manche Nacht unter gestirntem Himmel am lodern- den Feuer in ihrer Gesellschaft verbrachte. Auf diesen Wände- rungen und Fahrten hatte ich oft Gelegenheit, den unversiegbaren Born von Liedern und den ungeahnt reichen Schatz an Märchen, den sie besitzen, zu bewundern und wenigstens einige davon der Ver- gessenheit zu entreißen, die ich hier zum ersten Male der Oeffentlich- keit wiedergebe. Solch ein Sammeln Ist nicht leicht. Läufe und das Urteil der Gesellschaft darf man dabei nicht fürchten. Ebenso wenig darf man mit Glacehandschuhen oder in der Kutsche kommen, wenn man die Zigeunerseele verstehen will. Di« Zigeuner sind Primitive im wahrsten Sinne des Wortes, und al» Naturvolk wittern sie in jedem Fremden stets Argwohn." Man darf sich von den Zigeunern nicht unterscheiden, wenn man ihr Vertrauen erringen will.„Er muß in Dir einen seinesgleichen erkennen, wenn er sich so geben soll, wie er ist� unbeobachtet. Da heißt es, Bleistift, Feder, Papier weglegen. Dein zivilisiertes Ich vergessen und Dich zerlumpt, unge- kämmt und ungewaschen unter sie mischen. Rur wer so al» Zigeuner unter ihnen einmal gelebt hat, wird ermessen können, welchen Aufwand von Energie, Ueberwindung und Geduld e» kostet, einen, wenn auch nach so kleinen«chntz an originellen Liedern und Märchen schriftlich aufzunehmen. Zum Erzählen kann man den Zigeuner nicht zwingen, denn dann wird die Erzählung gekünstelt. So etwas kommt spontan. Ein glück- ltcher Augenblick gebiert eine Erzählstimmung am Herdfeuer. Und wenn einmal das Erzählen beginnt! Dann geht es die Reihe herum, und jeder muß erzählen und sitzt, bis die Sonne die Morgen- dämmerung verjagt. Da lauscht der„heimliche Forscher" gleich den malerisch ums lodernde Feuer sitzenden und hockenden Zigeuner- gestalten auf jedes einzelne Wort. In allen Gesichtern malt sich die Spannung, mit der sie den Ereignissen folgen, und die sich plötzlich durch den Einwurf eines Witzboldes oder unvorhergeahnte Wendung der Schicksale des Märchenhelden durch ein Lockern der Gesichts- muskeln entlädt, das dann in ein befreiendes Lachen oder Lächeln ausklinkt. Der Zigeuner erlebt die Erzählung mit, er weint und lacht mit dem Helden, er empfindet wie er Furcht und Angst in Not und Gefahr. Und wenn dann an mich die Reihe kam zu erzählen— ich galt bei ihnen als ein dem Heeresdienst entlaufener Zigeuner— und ich mit meinen beiden auswendig gelernten Märchen in ihrer Sprach« aufwartete, da löste sich ihre Zunge: die letzte Spur von Mißtrauen verschwand endlich auch bei den weißbärtigen Zigeunerst, die noch iminer die größte Zurückhaltung mir gegenüber bewahrt hatte». Ihr Herz schloß sich auf. Alt und Jung siel mir um den Hals und küßte mich. Auf diese Weise gewann ich ihr volles Vertrauen und hütet« mich, es wieder zu verlieren, was durch ein unvorsichtige» Hervorziehen eines Bleistiftes oder durch sonst eine andere unüberlegte unscheinbare Handlung hätte sehr leicht geschehen können: erst wenn ich glaubt«, von ihnen nichts Interessantes mehr erfahren zu können, entfernte ich mich eines Nachts plötzlich vom Zigeunerlager, holt« mir den besten Märchenerzähler und sagte ihm, ich könne �esen und schreiben und wolle diese Märchen mitnehmen, wenn ich wieder zu meinen Brüdern, den Zigeunern»ach Deutsch. land, käme. Nach langem Hin und Her brachte ich ihn dann endlich zum Erzählen und verschwand spurlos mit meiner Beute, um in einer anderen Gegend bei einem anderen Stamm wieder aufzutauchen und dosjelbe zu versuchen. Hüten muß man sich aber, daß man sich nicht allzu sehr in da» frei«, ungebundene Naturleben des Zigeuner» einlebt und daß au» dem„heimlichen Forscher" nicht ein wirtlicher Zigeuner wird. Es umfängt und zieht einen in feinen Zauberbann, ohne daß man es merkt: man vergißt sich und läßt sich vom Strom des Alls, der Natur, tragen. Wehe dem, der nicht den richtigen Augenblick des Zurück aus dem Zigeunerleben keim»! Die allzu lange und enge Berührung mit diesem rätselhasten Völkchen, da? Nirgend und Nie. das Rubeiose, übt auf das Nerven- lyftem eines Kulturmenschen einen unwiderstehlich fesselnden, aber zugleich seltsam zerrüttenden Einfluß aus." Unfruchtbarmachung Krimineller und Geisteskranker. Im Rahmen der Tagung der deutschen Landesgruppe der „Internationalen Kriminalistischen Aereini» g u n g" hielt Prozessor Dr. H ü b n c r. Bonn einen Vortrag über das in der letzten �eit viel erörterte Thema, inwiefern Geisteskranke und Kriminelle der Sterilisation oder Kastration unterzogen werden sollen. Während die Kastration eine Entfernung gewisser Teile der Geschlechtsorgane bedeutet, die auch einen Ausfall der Sekretion bestimmter Drüsen, somit auch Verminderung des Geschlechtstriebes bedingt, ist die Sterilisation lediglich eh« Unterbindung der Samenstränge, die die Möglichkeit der Befruchtung verhindert. Die letztere Operation stellt, rrin physisch genommen, einen geringfügigen Ein- griff dar. Es lag für die Wiffenfchaftler und Praktiker nahe, in Erwägung au ziehen, ob aus eugenischen, d. h. rassenverbessernden, medizinischen, sozialen und prophylaktischen Gründen in dem einen oder anderen Falle nicht geboten erschiene, je nach der Lage der Dinge, einen der beiden operativen Eingriffe am kranken Individuum vorzunehmen. Amerika, das Land der entschiedenen Neueningen aus jedem Gebiete, hat diese Frage praktisch durch Gesetze gelöst, die in weit- gehendstem Maße die Vornahme derartiger Operationen nicht allein gestatten, sondern in gewissen Fällen selbst zwangsweise vorschreiben. hinterher schreckten ledocb einige Staaten vor dem eigenen Mut zurück und machten auch die entsprechenden Gesetze rückgängig. In der Schweiz sind die operativen Eingrisse zwar erlaubt, doch können sie nicht ohne Einwilligung der in Frage kommenden Per- sonen vorgenommen werden. In Deutschland war es ins- besonder'« der Zwickauer Arzt Dr. Boetsrs, der in seiner Forderung der gesetzlichen zwangsmätzigen Dornahme der Sterilisation und Kastrorion äußerst weitging und auch selbst auf die Gefahr hsin, mit dem Strafgesetzbuch in Konflikt zu geraten, die yperativen Eingrisse bewerkstelligte. Er ging dabei von dem Gesichtspunkte aus, daß die Zeugung von Kindern durch minderwertige oder geisteskranke Per- sonen eine Verschlechterung der Rasse bedeute und dem Staate unnütze finanzielle Lasten auferlege. Professor Dr. chübner, der sich seit Jahren mit diesem Problem befaßt und auch auf Grund der Erfahrungen, die er speziell bei der von ihm durchgeführten Eheberatung erworben hat, kam in seinem Bortrage an Hand eines großen Tatsachenmaterials ungefähr zu folgendem Ergebnis: Es handle sich in erster Linie darum, festzustellen, wie groß die Zahl derjenigen Individuen sei, die für die Sterilisation und Kastro. tion in Betracht kommen. Eine vom Vortragenden angestellte Rund- frage bei Neurologen und Psychiatern, die allerdings eugenisch nicht interessiert waren, ergab einen in Frage kommenden Fall auf dreilausend Kranke. Auf Grund seines eigenen Kranken- Materials gelangte jedoch Prof. chübner zu dem Ergebnis, daß etwa J Proz. seiner männlichen Patienten und 2 Proz. der weiblichen für den operativen Eingriff in Frage kommen konnten. Das bedeutete aber noch lange nicht, daß auch in allen diesen Fällen ein operativer Eingriff vorgenommen werden müßte. Aus Gründen der Volksvermehrung kann man auf die Nachkommensckmft der Psychopaten nicht verzichten. Legt man sich ober die Frage vor. unter welchen Umständen die Operation angezeigt erscheint, so steht die eugenische Indikation, d. h. rhr Anaszeichsein aus rossenoerbesse- rischcn Gründen an erster Stelle. Da ist z. B. eine schwangere Frau, eine periodische Melancholikerin. Sie hat bereits vier Kinder zur Welt gebracht, von denen drei Epileptiker sind. Auch das viert« ist nicht gesund. Der Mann, ein Arbeiter, ist kaum in der Lage, seine Kinder zu ernähren, die Frau wegen ihrer Krankheit nicht imstande, für die Kinder zu sorgen. Stirbt der Vater, so fallen die Kinder dem Staate zur Last. In diesem Falle wäre ein operativer Eingriff bei der Frau angcheich. Dann folgt die sozial-medizinische Indikation. Schwachsinnige yder Hysterische, durch eine innere Unruhe, deren Ursache sexuelle Prozesse sind, sozial unbrauchbar und für die Gesamtheit lästig, können au» der Anstalt entlassen werden, nachdem ein operativer Eingriff ihren Geschlechtstrieb vermindert hat. Die kriminelle Indi- kation: Etwa bei Dieben, die nicht aus Eigennutz, sondern aus sexuellen Motiven immer wieder rückfällig werden, oder bei Sitt- lichkeitsoerbrechern, nicht jedoch bei Homojeruellen. Die prophylak- tische Indikation: etwa bei schwachsinnigen Mädchen, die sich wahllos jedem Manne hingeben, wiederholt geschwängert werden und eine Ansteckungsgefahr bedeuten: oder bei jungen Leuten, die immer wieder Kinder in die Welt setzen, ohne Alimente zahlen zu können; bei gewissen periodischen Erkrankungen, die durch die Schwanger- schaft stets von neuem zum Durchbruch kommen; bei schwer chyste- nschen, die eine Schwangerschaft nicht allein auf Monate hinaus leistungsunfähig, sondern auch unerträglich für ihre Umgebung macht. Und schließlich die rein medizinische Indikation: bei Va- ttenten, deren Zustand durch einen operativen Eingriff gebessert werden kann. Das sind scdoch nur äußerst seltene Fälle. Die Operation selbst ist für die physische Gesundhell des Pa- tienten ohne jede schädliche Folge. Psychisch kann jedoch der Kastrierte durch gewisse seelische Veränderungen und auch durch die Situation, in die er der Umwelt gegenüber gerät— das Hinkemann- Problem— großen Schaden erleiden. Der Arzt wird daher unter Umständen hinterher schwere Vorwürfe zu gewärtigen haben. Man wird sich aus diesem Grunde hüten müssen, zu dieser Operation zu raten. Erfolgen dürste aber die Operation aus eugenischen Gründen nur dann, wenn die Vererbungsgefahr einerseits und eine konkrete Krankheit andererseits vorliegt. Das eugenische Problem steht aber in engster Beziehung zur Eheberatung. Bevor zwei Menschen eine eheliche Verbindung eingehe», haben sie die Pflicht, sich zu fragen: Dürfen wir Kinder haben; sind wir im- stände, eine psychisch gesunde Nachkommenschaft in die Welt zu letzen? Dies« Einsicht setzt aber eine Verbreitung der elementaren Kenntnisse über Geisteskrankheiten und Eugenik unter den weitesten Schichten der Bevölkerung voraus. Die Erfahrungen der Che- beratung zeigen, daß in all den Fällen, wo die Partner entgegen dem ihnen erteilten Rate die Ehe ein- gingen, diese für die Eheleute wie für die Nachkommenschaft böse Folgen hatte. Eheberater kann aber nur ein äußerst erfahrener und speziell vorgebildeter Arzt sein. Der Gesetzgeber wird sich über kurz oder lang mit dem Problem der Kastration und Sterllisation befassen müssen. Entscheidend dürsten für ihn folgende Gesichtspunkte fein: Aus prophylaktischen und sozial-medizinischen Gründen wird die Aufhebung der Rechtswidrig- keit der in Frage kommenden operativen Eingriffe festzulegen sein. Die Entscheidung über die Zulässigkeit wird einer besonderen Kom- Mission übertragen«erden müssen. Doneben sollte der gesetzlich« Vertreter das Recht erhalten, die Operation anzuregen, oder ihr zuzustimmen. Die zwangsweise Operation an Sittlichkeitsverbrechern oder Rückfälligen würde jedoch zu weit führen. In erster Linie ist aber eine großzügig? Aufklärung der Bevölkerung über die Bedeu- tung pathologischer Zustände zu fordern, damit der Arzt in die Lage käme, beizeiten eingreisen zu können. Andererseits sollten For- schungsmöglichkeiten geschaffen werden, damit das nötige Tatsachen- Material zusammengebracht werde.. Die Lösung der wissenschaftlichen und praktischen Probleme der Eugenik befindet sich aber erst im Anfangsstadium; allein ibre Bertiesung und Erweiterung wäre im- stände, die notwendigen Grundlagen für die gesetzgeberische Lösung der Frage der Kastration und Sterilisation für Kriminelle und Geisteskranke zu liefern. L. R. Man lernt nie aus. Die Tellfage hat ihren Ursprung in der altgermanischen Eigill- sage, welche ihren König Nidung gleichfalls zwingt, einen Apfel vom Haupte seines dreijährigen Kindes zu schießen. « England war das erste Land, in welchem für Erfindungen Patente oerliehen wurden. Jakob 7. erließ dort 1623 das erste Patentgesetz. Deutschland folgte 1791 in Bayern und 1815 in Preußen diesem Beispiele. Das Liebesleben der Spinnen. Wie ja überhaupt die Spinnen sowohl in bezug auf ihren Körperbau wie auch auf ihre Lebensweise zu den interessantesten Objekten der Tierforschung gehören, so ist auch ihr Liebesleben für die Forscher von besonderem Reiz. Daß hier besondere Verhältnisse vorliegen, findet äußerlich seinen Ausdruck schon darin, daß die Loge der männlichen Bcgattungsorgane besonders eigentümlich ist. Gewöhnlich stehen die männlichen Begattungsorgane, welche die Aufgabe haben, die Samenflüssigkeit auf die meistens noch im Körper des Weibchens befindlichen Eier zu übertragen, in unmittelbarem Zusammenhang mit den eigenen Geschlechtsdrüsen, befinden sich also am Hinterleibe. Bei den Spinnen ist das ganz anders. Die eigent- liche männliche Gefchlechtsöffnung, aus der der Samen austritt, be- findet sich natürlich auch am Hinterleib. Aber das Begattungsorgan sitzt am Kopfe. Die Spinnen besitzen sechs Paar Gliedmaßen, davon vier Paar Beine und zwei Paar Mundgliedmußen, von denen das eine als Kieferfühler, das andere als Äiefertaster bezeichnet wird. Die letzteren nun sind in eigenartiger und häufig außerordentlich kompli- zierter Weise zu Begattungsorganen umgestaltet, mit denen die Samenflüssigkeit auf das Weibchen übertragen werden kann, und auch der Laie kann unter den Spinnen ein ausgewachsenes Männchen immer sofort an der Verdickung der Kiesertaster erkennen. Weiterhin zeigt sich dann, wie vielfältig im Leben der Spinnen ihre Fähigkeit, Netze zu fertigen, Anwendung findet. Nicht nur, um Beute zu fangen, werden Netze gebaut— wie es ja überhaupt viele Spinnenarten gibt, die Fangnetze niemals bauen, sondern ihre Beute im Laus oder Sprung erhaschen—, sondern auch in vielen anderen Fällen machen die Spinnen von ihrer Kunst Gebrauch. Wenn nämlich das Männchen die Samenflüssigkeit von der Ge- schlechtsöffnung in den Behälter übertragen will, der sich am Kiefer- taster befindet, so baut es erst«in besonderes Netz, Spermweb. fetzt «inen Tropfen der Samenflüssigkeit mit dem Hinterleib darauf und tupft ihn mit dem Kiefertaster auf, um nun das Weibchen zu erwarten. Dielfältig ist die Art und Weis«, in der sich das Weibchen um das Männchen bemüht. In Laienkreisen ist vor allem die Auffassung verbreitet, daß das Männchen dabei sehr vorsichtig zu Wycke gehen muß, da es sonst von dem sehr viel größeren und immer hungrigen Weibchen aufgefressen wird. Dazu muß gesagt werden, daß diese Darstellung im allgemeinen übertrieben ist. Kannibalismus ist bei den Spinnen allerdings nicht sehr selten; aber daß während der Hochzeitsfeierlichkeiten" das Männchen besondere Angst vor dem Weibchen haben müßte, trifft nur für wenige Arten zu. In vielen Fällen führt das Männchen vor dem Weibchen Werbe- tänze auf, indem es mit den Fühlern winkt und mit dem Hinter- leibe und den Beinen heftig auf den Boden schlägt. Die Männchen mancher Spinnenarten ziehen heftig an den Fäden des Netzes, in dem das Weibchen sitzt, um dieses auf sich aufmerksam zu machen oder suchen es sonstwie an sich zu locken. Am merkwürdigsten sind aber die Fälle, in denen man beobachtet hat, daß dem Weibchen durch das Männchen ein richtiges Hochzeitsgeschenk überreicht wird. Auf diese Weise pflegen regelmäßig die Männchen der Spinnenart Li,»uro mirsbili, da? Herz ihrer Erwählten ZU bestürmen. Sie fangen eine Fliege, hüllen sie in ein weißliches Gespinst ein und gehen, diese Beute im Munde vor sich haltend, auf das Weibchen zu; da» Weibchen ergreift die Beute, wird davon in Anspruch genommen. die Flieg« auszusaugen— eine Gelegenheit, die das Männchen benutzt, um die Degattiiug ungestört zu vollziehen. So ausgeprägte Fälle eines Hochzeitsgeschsnkes wurden aller. ding» nur bei wenigen Arten beobachtet: häusiger kommt es vor,' daß das Männchen abwartet, bis das Weibchen selbst durch ein Beutetier in Anspruch genommen ist und nun sicher sein kann, daß e» nicht selbst dem hungrigen Weibchen als Nahrung dienen muß. Auch, für die eigentliche Begattung werden oft besondere Netze gebaut, auf die das Weibchen gelockt wird und die nur diesem einen Zweck dienen, nach der Begattung dann einfach wieder verlassen werden. B. S. WaschrniHe Beinahe täglich hören Sie neue Namen, und eins will besser sein als das andere. Bewahren Sie sich Ihr kritisches Urteil: experimentieren Sie nicht mit Ihrer Wäsche herum, die wirklich zu schade dazu ist Sie können sicher sein: etwas vollkommeneres als das Ihnen seit langen Jahren bekannte Persil gibt es nicht! Das werden Ihnen auch die vielen Hausfrauen bestätigen, die gelegentlich etwas anderes Ausprobierten, aber immer wieder auf Persil zurückgekommen sindl Es ist in der Tat so: Waschmittel gibt es freilich viel— allein es dibf nur ein Persil O t?" ojVS I i i \i\ X