nt.444 ♦ 45. �ahrg. Ausgabe tk Nr. 227 Bezugspreis. Wöchentlich 70 Pscnnis, monatlich S>— Reichsmarl voraus zahlbar. Unter Kreuzband fUc Deutschland, Danziq. Saar» und Memclaebiet, teiterreich. Litauen. Lurcmburz 4.ÖQ Reichsmarl, fUr da» tibriae Ausland S.S0 Reichsmark vro Monat. Der.Vorwörts� mit der illustrier. Icn Eonntagsbeilag«„Volk und Zeit' lowie den Beilagen„Unterhaltung und Wissen'.„Aus der ssilmtrelt', „ssraucnstimme'.„Der Kinder» sreund'...Iugend-Borwärts» und „Blick in die Dilcherwelt' erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegromm-Adresse: »Sozialdemolrat Berlin- Morgenausgabe Derlinev Volksvlatt Pfennig) Anzeigenpreise: Die elnsvaltige Nonpaioille- zcile M Vfennia. Rcllamczdile Reichsmark.„Kleine Anzeigen' das settaedrucktc Wort 2S Dirnnia lzulässig zwei fettgedruckte Wortes. jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erlie Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte Uber 15 Buch- Naben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 00 Pfennig. ssamilienanzeigcn für Abonnenten Zeile<0 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4M Uhr nachmittags im Hauvtgcschäft, Berlin SW OS, Linden. strassc Z, abgegeben werden. Geöffnet von 8V5 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokrat» feben parte» Oeutlchlands Redaktion und Verlag: Serlin EW. 68, Lindenftraße 3 Fernsprecher: Tönhoff 292—297. Paris, 20. September.(Eigener Drahtbericht.) Der morgigen Ministersitzung in Paris sieht man in allen poli- tischen Kreisen, besonders auch in s o z i a i i st l I ch e n, mit größter Spannung entgegen. Wie man die Lage dort aussaßt, ergibt der folgende Bericht: Dem Ministerrat, der am Dienstag stattfindet und in dem B r i a n d über Genf und seine Besprechungen mit dem deutschen Außenminister Stresemann Bericht erstatten wird, kommt bei- nahe eine so große Bedeutung zu wie einer entscheidenden Paria- nientssitzung. Der Mini st erpräsident Poincare wird sich gezwungen sehen, zu bekennen, ob er tatsächlich, als er das gegenwärtige Kabinett bildete, nur an die Stabilisierung des Franken dachte oder ob er seine jetzige Stellung benutzen will, um auch aus dem Boden der Außenpolitik seine alten Ideen zu versechten. Kein Geringerer wird der Interpellant sein als Briand in Person. Nach allem, was in den letzten Tagen hinter den Kulissen vorging, nach der Hetze, die von einer Reihe bekannter blocknationalistischer Tages- organe gegen den Minister des Auswärtigen unternommen wurde und vor allem nach der zweistündigen Unterredung, die Briand am Sonnabendnachmittag sofort nach seiner Rückkehr aus Genf mit Poincare hatte, muhte sich Briand darüber klar wer- den, daß er die Politik großzügiger Liquidierung der Kriegsreste, wie er sie plant, nicht ohne inneren Kampf zum sieg w.rd verhelfen können. Weil er wünschte, jede öffentliche Stim- mungsmache gegen diese Politik vor der Ministerratssitzung am Dienstag unmöglich zu machen, und weil er der Gcsamtregicrung, "-vincare an der Spitze, ihre volle Verantwortung überlassen wollte, b'lte Briand darauf gedrängt, keine Einzelheiten über seine Verhandlungen mit Stresemann in die Oefsentlichkeit gelange» zu hissen und die Abmachungen ad referendum getroffen. Aber ehe Briand den Ministerrat ossiziell über den wahren Sachverhalt der Besprechungen von Genf und Thoiry unterrichten konnte, hat auf der ganzen Presserunde die Polemik eingesetzt. So ungehalten Briand in der ersten Stunde darüber sein mochte, so wenig irrt man wohl, wenn man annimmt, daß er sich schon völlig darauf eingestellt hat und zum Kampf gegen seine Widersacher bereif ist. Seine Stellung ist außerordentlich stark, da er nicht nur aus die Unterstützung der gesamten Linken rechnen darf, sondern auch mindestens auf ein passiv wohlwollendes Verhalten eines Teiles des früheren Nationalen Blocks. Denn genau wie in Deutschland ein Teil der Großindustrie, der in anderen Zeiten durch dick und dünn mit Herrn Westarp zu marschieren pflegt, heute die Stresemannjche Politik aus wirtschaftlichen Gründen gutheißt, sind auch in Frank- reich jene I n d u st r i e k r e i s e, die seit Monaten mit den oer- sel icdensten Zweigen der deutschen Industrie in Verhandlungen liegen, nicht mehr geneigt, Poincarös außenpolitischen Prinzipien zu huldigen. Vor allem aber wäre die Linke zum Kampf bereit, wenn sie ihre Außenpolitik, die im Mittelpunkt des Wahlkampfes von 1924 stand und fürdieHerriotundPainlcvcvorBri a n d bahnbrechend gewirkt haben, in blocknationalistischer Gcsahr sähe. Das zeigt u. a. besonders klar der vom„Qnotidien" begonnene Feldzug gegen diejenigen Minister, die dem sranzösisch-dcuisdien Ausgleich, wie ihn Briand plant, ablehnend gegenklbcrstehcn. An sich ist es nicht erstaunlich, daß Briand innerhalb des gegenwärtigen Kabinetts aus widerstände stößt, da ja nicht nur Poincarö an dessen Spitze steht, sondern B a r t h o u, der Präsident der ehemaligen Großen Reparations- kommisiion, das Vizepräsidium hat, T a r d i e u, der Haupturheber des Versailler Vertrags, im Ministerium für ösfcntliche Arbeiten sitzt, B o k a n o w s k i, der ehemalige Generalberichterstatter, der der Bloc-National-Mehrhcit den Handel verweigert, und der Vor- sitzende der blocnationalistischen Muttersraktion, Louis Marin, dem Pensionsministerium vorsteht. Briand selbst hat nicht an- genommen, daß alle diese prominenten Persönlichkeiten der � ehemaligen Rechtsmehrheit, die durch die innerpolitische Zersetzung des Linkskariells wieder ans Ruder gelangt sind, sich ohne weiteres mit seiner Außenpolitik einverstanden erklären würden. Als er sich vor seiner Abreise nach Genf jedes Hineinreden von Poin- carä verbeten hat, mußte er sich doch sagen, daß in dem Augenblick, in dem die von ihm in aller Unabhängigkeit festgelegten außenpolitischen Linien ratifiziert werden sollten, die alten Gegensätze wieder ausleben mühten. Aber wenn Briand sich trotz der Zusammensetzung der gegenwärtigen Regierung nicht davon abschrecken ließ, die Dinge so weit zu treiben, so darf man daraus schließen, daß er zum Kampf entschlossen ist. Für die Hemmungen, die Poincarä empfinden mag, kann man psychologisches Verständnis aufbringen. Handelt es sich doch für ihn um die beinahe ironisch-Historische Verpflichtung, die konstituuo- neve Verantwortung zu übernehmen für die endgültige Liquidie- rung jener Politik, deren aktivster Vertreter er einst als Minister- Präsident und Führer des Nationalen Blocks gewesen war, während Briand von sich sagen darf, daß Gens und Thoiry, wie vorher Lsarm, die logische Fortsetzung einer Politik de- Dienstag, den 21* September 1926 deuten, die er— von einer oder zwei heftigen, aber kurzen Schwan- kungen abgesehen— seit langen Iahren systematisch verfolgt. Sollte es jetzt der Ministerpräsident wirklich auf den Kamps ankommen lassen, sollte er sich nicht etwa darauf beschränken, griesgrämige, miß- iranische Kommentare zu den Vorgängen in Genf und Umgebung zu inachen, sondern versuchen, der vollen Auswirkung der Locarno- Verträge einen Riegel vorzuschieben, so wird es schon vor dem erst für Ansang November vorgesehenen Zusammentritt der Kammer zu einer Regierungskrise kommen. Entweder wird sich Poincarä gezwungen sehen, wenn er innerhalb des Kabinetts für seine Anschauungen keine Mehrheit fände, zu gehen, oder Briand, wenn er von seinen Kollegen im Stich gelassen würde, müßte Abschied nehmen, um eine raschere Einberufung der Kammer herbeizuführen, vor der dann der Endkampf aus- gefachten würde. Auf der Rechten dürfte man sich aber klar dar- über sein, daß dieser Endkampf eine Bestätigung der Locarno-Politik, ein.en Sieg Briands bringen w ü r d«„ Ter Qffiziosus spricht: Paris, 20. September.(MTB.) Havas veröfseutlicht mit Bezug auf den morgige,: Ministerrat, in dein Brians über seine Genfer Besprechungen, insbesondere üher die mit Reichsminister Dr. S t r e- semann, Bericht erstatten wird, eine Erklärung, in der es heißt: In gewissen Pariser Kreisen ist heute das Gerücht im Umlauf ge- wesen, daß innerhalb und außerhalb der Regierung U n st i m m i g- leiten hinsichtlich der von Briand eingeleiteten Verhandlungen beständen. Dieses Gerücht entbehrt jeder Begrün- d u n g, zumal Minister Briand bisher den übrigen Kabinettsmit- gliedern keine Darstellung über den Deslauf dieser Verhandlungen gegeben hat. Briand hat bisher lediglich dem Ministerpräsidenten im Laufe einer kurzen Unterredung die großen Linien der Be° sprechungen von Genf und Thoiry dargelegt. England für deutsch'französische versiänöigung. c o n d o n, 20. September.(HJIB.) 3n hiesigen maßgeben. den Kreisen wird die von gewisser Seile auf dem Kontinent ver- breitete Ansicht, die in den letzten Tagen erfolgte Annäherung Deutschlands und Frankreichs sei der brilischen Regierung keineswegs angenehm, da sie eine Spitze gegen England enthalten könnte, als„vollkommen absurd" bezeichnet. Es werde noch belont, daß ein großer Teil der Tätigkeit Chamberlains der Erreichung des erwähnten Zieles gewidmet gewisen sei und her- vorgehoben, ein wie großes Interesse England besonders jetzt, wo es durch die Locarnovcrträge an die Schicksale Europas gebunden sei, an an allem habe, was zur Förderung des europäischen Friedens und zur Beseitigung einer Kriegsgesahr auf dem kontinent b-itraar Loucticurs Rcisc nach Berlin. Der französische Großindustrielle und zweite Delegierte Frank- reichs zum Völkerbund, L auch cur, läßt in einer Havas-Mci- tung erklären, daß der von ihm im Oktober geplante A U f c n l- halt in Berlin mit den Besprechungen zwischen Briand und Stresemann in Thoiry in keinem Zusammenhang steht. Er sei schon vor mehreren Monaten von der Berliner H a n- de l s k a m m e r zu einem Vortrag eingeladen worden und beab- sichtige, diesem Ersuchen im Oktober zu entsprechen. Es mag sein, daß der Aufenthalt von Loucheur mit den Be- sprechungen in Thoiry nicht in direkten Zusammenhang ge- bracht werden kann. Aber es ist andererseits nicht von der Hand zu weisen, daß sowohl er, als auch andere sranzösischc Industrielle sich bereit erklärt haben, die ersten vorbereitenden technischen Besprechungen über die Mobilisierung der Eisenbahn obligationen in Berlin zu führen. In Genf vertrat man nach dem Ergebnis der Unterhaltung zwischen Briand und Stresemann die Ansicht, daß sich hierzu schon im Oktober Gelegenheit bieten würde. Voraussetzung ist natürlich eine Klärung der augenblicklichen innerpolitischen Verhältnisse Frankreichs. sprechenden Aufruf erlassen, der gewiß im tschechischen Volke stark beachtet werden wird: sind doch die Legionäre jene Krieger, die als Teile der Ententeheere die Anerkennung des tschechoslowa- tischen Staates erkämpft haben. Gleichzeitig mit diesem Aufruf rückt der Vizepräsident der Nationaldemokratischen Partei, Abg. Brabec, in einem Interview für die offiziöse„Prager Presse" vom Faschismus deutlich ab. Vertrauensvotum für Bcncsch. Prag, 20. September.(Eigener Drahtbericht.) Der Parteitag der tschechischen Nationalsozialen brachte ein« große Auseinander» setzung zwischen dem demokratischen und dem faschistischen Flügel der Partei. Sie endete mit einem vollständigen Sieg der Demo- k r a t i e. Der Führer des faschistischen Flügels, der frühere Heeres» minister S t r i b r n y, wurde mit seinen Anhängern aus der Partei a u s ge schlössen. Der Parteitag beschloh dann ein Vertrauensvotum für den Außenminister Benesch. der zum erstenmal auch in die Exekutive der Partei gewählt wurde� Die Führung der Partei bleibt in der Hand des Senators Klofatsch. Damit ist die Gewähr für eine demokratisch« Politik der Partei gegeben. Die Beteiligung an einem L in t s b l o ck mit den tschechischen und deutschen Sozialdemokraten wurde jedoch mit der Begründung abgelehnt, daß die Partei grundsätzlich für die Mitregierung im Staate sei und nur vorübergehend m einer ungebundenen Opposition verbleiben könne. Der mit großer Spannung erwartete Parteitag brachte im übrigen die Ausdeckung weiterer Skandalaffären tn der tschechisch-bürgerlichen Politik. Vor allem erregte die Mitteilung Aufsehen, daß der nunmehr ausgeschlossene Stribrny schon als Heeresminister unter ständiger Beobachtung stand, weil er ge» meinsam mit General Gajda einen U m st ur z plante. Die Tschechoslowakei hatte also gleichzeitig einen Heeresminister und einen stellvertretenden Chef des Generalstabes, die unter B e o b« a ch t u n g standen. Mit der Reinigung der Nationalsozialen Partei sind die letzten Hofsnungen der tschechischen Faschisten zusammen» gebrochen. Der Kampf um die Chorzower Stickstoffwerke Lenkt Polen endlich ein? Am Tage nach der Unterredung in Thoiry frühstückte der Reichsaußenminifter u. a. mit dem polnischen Außen- minister Zalesti. Auch dieses Frühstück hatte politische Bedeutung, da alle zwischen Deutschland und Polen schweben- den Fragen einer Erörterung unterzogen wurden. Die Rück- gäbe des riesigen Chorzower Stick st ofswerles spielte dabei eine besondere Rolle. Das Riesenwerk Chorzow ist eine Kriegsgründung und liegt in dem heute polnischen Teil Oberschlesiens. Der Grund und Boden gehörte ursprünglich dem Reichsfiskus, ebenso die Gebäude und Anlagen. Aber noch 1919 übereignete das Reich dieses Werk einer privaten Gesellschaft. Die polnische Regierung sah diese Uebereignung jedoch nicht alsrechts- gültig an. Einmal war ihrer Ansicht nach das Reich gar nicht mehr befugt, nach dem Waffenstillstandsvertrag eine solche Uebereignung vorzunehmen, da dieser die Beräußerung von Reichsbesitz der Reparationsforderungen wegen untersagte. Außerdem wurde von polnischer Seite der Verkauf des Werks an private Hand überhaupt als ein Scheingeschäft, als eine Schiebung bezeichnet. Nach polnischer Ansicht war das Werk also rechtlich noch Staatsbesitz, und die polnische Regierung enteignete es daher kurzerhand auf Grund eines pol- nischcn Gesetzes vom Juli 1920, da» die Landesbehörden zur Uebernahme derartigen Besitzes ermächtigt und anweist. Das Genfer Abkommen über Oberschlesien regelt auch den Uebergang von fiskalischem Besitz und bestimmt dabei als ent- scheidende Instanz in Streitfällen den Ständigen I n t e r- nationalen Gerichtshof im Haag. Bei diesem höchsten Gerichtshof der Welt klagte die deutsche Regierung, und nachdem der Gerichtshof sich im Sommer 1925 ent- gegen dem polnischen Einspruch für zuständig er- klärt hatte, fand vom Februar bis Mai des Jahres die Ge« richtsverhandlung in dieser Sache statt. Der Gerichtshof ver- trat den Standpunkt, daß Polen aus dem Waffenstillstands- vertrage keine Rechte herleiten könne, da es zur Zeit des Abschlusses dieses Vertrages noch gar nicht bestand, und erklärte außerdem die Uebertragung des Werkes an eine private Firma für legal und tatsächlich. Demgemäß gab er der deutschen Klage statt und erklärte die E n t e i g- nung für rechtswidrig. Polen hätte das Werk nur auf dem Wege der Liquidation an sich nehmen können, wofür der Bersailler Bertrag volle Entschädigung der pri- vaten deuffchen Besitzer vorschreibt. Dieser Entscheidung zufolge verlangte die deutsche Re- gierung die Rückgabe des Werks an die deutschen Besitzer und eine Entschädigung für diese für die Benutzung der An- lagen und der Patente. Polen ließ die deutsche Note drei Monate unbeantw ortet. Als sich schließlich in der deutschen Presse wegen dieser Haltung der polnischen Regie- rung Lärm erhob, antwortete die polnische Regierung aber im wesentlichen ablehnend. Sie verweigerte die Rückgabe des Werkes, sagte nur zu, daß das Werk mit den deutschen Borbesitzern wegen einer Entschädigung unter- handeln würde und ignorierte überhaupt in weitgehen- dem Maße die von dem Haager Gerichtshof gefällte Ent- scheidung. Der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund hat diesem Zustand endlich ein Ende gemacht. In persönlichen Ber- Handlungen der zuständigen Außenminister, die nur infolge ihrer Anwesenheit in Genf möglich waren, hat die Angelegenheit des Riesenwerkes in Chorzow ebenfalls eine gewisie Klärung erfahren, so daß mit ihrer baldigen Regelung im deutschen Sinne zu rechnen ist. Die anderen schweben- den Probleme zwischen Deutschland und Polen dürften nach unseren Informationen aus Genf auch bald einer Klärung entgegensehen._ Memel�Danzig�völkecbunü. Erstes Eingreifen Teutschlands im Rat. Gens. 20. September.(Eigener Drahtbericht.) Der Völker- bundsrat beschäftigte sich heute mit M emel und D a n z i g. Die Memeler Angelegenheit betrifft«ine Beschwerde der litaui- schen Regierung, die dem Generalsekretär des Völkerbundes das Recht b e st r e i t e t, Beschwerden des Memelländischen Land- tage» an die Unterzeichner des Memelabkommens weiterzuleiten. In der Aussprach? über das vom Juristenkomitee ausgearbeitete Gutachten«rgriff zum erstenmal Reichsmini st er Dr. Strese- mann in öffentlicher Ratssitzung das Wort und unterstrich als wesentlichen Punkt die Feststellung, daß jede im Rate vertreten« Macht berechtigt ist, die Frage einer Verletzung der Memelstatuten auszuwerfen. In der Annahme, daß eine freundschaftliche Regelung zwischen Memel und Litauen erfolgt, wurd« die strittige Frag« i n der Schwebe gelassen. Darauf erfolgte die Behandlung der Danzigcr Finanz- frage. Für die Gewährung einer Anleihe an die Stadt Danzig Hot das Finanzkomitee mehrere Bedingungen aufgestellt, wie Ver» Minderung der Beamt«nzahl, Herabsetzung der Mitgliederzahl des Danziger Parlaments, sowie der Zahl der Senatoren und deren Gehälter. Wenn diese Bedingungen bis zum Dezember erfüllt find, ist das Finanzkomitee bereit, eine Anleih« von 30 Millionen Danziger Gulden zu befür- wort«n. Den Standpunkt Danzigs legte Senatspräfidcnt S a h m dar, indem er den schlechten Stand der Danziger Finanzen u. a. mit der allgemeinen Wirtschaftskrise und der Entwettung des pol- nifchen Zloty begründete. Es fei ein« schwere Enttäuschung für die Stadt Danzig. daß der Betrag einer geplanten Anleihe von 60 Millionen Gulden auf die Hälfte herabgesetzt werden soll. Das Ersuchen Danzigs geht vor allem dahin, bis zur Dezember» tagung des Rats kurzfristige Anleihen aufnchmen zu dürfen. Der deutsche Reichsaußenminifter ergriff nochmals das Wort, um die Darlegungen Sahms zu u n t e r st ü tz e n. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß die direkten Verhandlungen zwischen Danzig und Polen zu einem guten Ergebnis führen werden. Unter Hinweis daraus, daß di« kurzfristigen Kredite, die Danzig einst- weilen«halten hat, aus Deutschland stammen, versicherte Dr. Stresemann, daß, wenn der Zollkrieg zwischen polen und Deutschland in absehbarer Zeit zu Ende sein werde. auch der Freien Stadt Danzig in ihrer schwierigen Lage wieder geholfen werden könne. Die Erwerbslosen Danzigs könnten unmöglich ohne Unterstützung gelassen werden. An den Bericht- erstatter des Rats, unseren belgischen Genossen de Brouckcre. richtete Dr. Stresemann am Schluß die Frage, ob nicht in der Zwischenzeit bis zum Dezember das Finanzkomitee die Auf- »ahme von kurzfristigen Anleihen durch die Stadt Danzig empfeh- len könne. De Brouckere erklärte, daß eine solche Empfehlung jederzeit von Danzig bei dem Vorsitzenden des Finanzkomitee» nachgesucht werden könnte. Nach diesem Bescheid wurde der Bericht de Brouckeres einstimmig genehmigt. Abkommen Danzig-Polen. Genf. 20. September.(Eigener Drahtbericht.) Das neue Abkommen zwischen der Freien Stadt Danzig und Polen über die Verteilung der Z o l l e r t r ä g e des Danziger Hafen» wird am Dienstag zwischen Vertretern Danzigs und der polnischen Dele». gation unterzeichnet werden. Die Neuverteilung der Zölle sieht für Danzig ein Minimum von 14 Millionen und ein Maximum von 20 Millionen Danziger Gulden vor. Die Veltwirtschastskonferenz. Loucheurs Bericht im Genfer Völkerbundsausschuß. Gens, 20. September.(Eigener Drahtbericht.) Die zweite Kommission hat den Bericht Loucheurs über da» Programm und die Einberufung der Internationalen Wirtschafts. k o n f e r e n z genehmigt. Es wird darin den bisherigen Arbeiten der vorbereitenden Wirtfchaftskonferenz beigepflichtet in dem Sinne, daß es notwendig gewesen sei, bei der Programmausstellung alle wichtigeren Zeitprobleme zu berücksichtigen, daß aber das endgültige Programm der Wirtfchaftskonferenz sich auf eine kleinere Anzahl der wichtigsten Fragen beschränken solle, über welche die Konferenz zu praktischen Ergeb- nissen zu kommen Aussicht habe. Ueber die Zusammensetzung der Konferenz wird gedacht, daß die Vettreter weder den Charakter von ganz freien Sachverständigen, noch denjenign von instruierten Regierungsvertretern haben sollen, sondern daß eine Mittel- stell un g ßefunden"wttdkn müsse.in der Art, wie hie Mitglieder der Brüsseler F i n o n z k o n f er e n z seinerzeit ernannt wur- den, die bekanntlich durch die Regierungen der vom Völkerbundsral bezeichneten Staaten delegiert wurden.. Von einer Fe st setzung des Datums für die Einberufung der Konferenz wird a b g e- sehen, um der vorbereitenden Konferenz, welche am 15. Novem- ber wieder zusammentritt, nicht die Hände zu binden. In der Diskussion kam immerhin stark der Will« zum Ausdruck, daß die Konferenz im nächsten Jahre abgehalten werden solle. Die Entschließung, welche der Böltcrbundsversammlung vorge- schlagen wird, stellt fest, daß die wirtschaftliche Weltlage dring- l i ch e r als je die Abhaltung der Weltwirtschaftskonferenz e r. fordere und ihre Einberufung sobald wie möglich stattfinden solle. Frankreich für Beschleunigung der Abrüstungs- konfercnz. Genf. 20. September.(TU.) Die dritte Kommission für Ab- rüstungsfragen beschloß in ihrer heutigen Sitzung, di« Ab- rüstungskonferenz, wenn nicht materielle Schwierigkeiten eintreten, bis September 1927 einzuberufen. Dieser Beschluß bedeutet einen Sieg des französischen Standpunktes gegen den englischen und italieni- schen, der eine weitere Hinausschiebung der Konferenz gern gesehen hätte. De Jouvenel begründete den französischen Standpunkt mit folgenden Worten: Uebernehmen wir die uns zukommende Ver- antwortung. Ich bin bereit, im Namen der französischen Delegation meine Verantwortung zu übernehmen. Unsere Sachverständigen sind fertig. Locarno ist ratisiziett. Deutschland ist da. Laßt uns den Zusammentritt der Abrüstungskonferenz beschleunigen. Ich bin der festen Ueberzeugung, daß wir nicht den Weltkrieg erlebt hätten, wenn wir rechtzeitig die notwendigen Mahnahmen getroffen hätten. Es gibt keine technischen und keine politischen Schwierigkeiten mehr. Laßt uns mit der Arbeit begmnen. Brcitschcids Bericht über die Flüchtlingsfrage. Gens. 20. September.(Eig. Drahtber.) In der fünften Kom- misiion der Dölkerbundsversammlung erstattete am Montag Ge- nosse Breitscheid Bericht über di« Versorgung der russischen und armenischen Flüchtling«. Der Bericht wurde ohne Aussprache«in st immig gutgeheißen. ßauler Zauber. Ei» zweifelhafter Rußlandenthüller. Vor einiger Zeit ist in Berlin ein gewisser Jakob B a d i a n aufgetaucht, der mit öffentlichen Vorträgen und Enthüllungen über den russischen Bolschewismus austritt. Dadian ist ein gewesener Bolschewik, der verschiedene Aemter in der russischen Provinz bekleidet hat, nun aber aus der Patte! ausgetreten ist und eine„rechte Arbeiteropposition" in der KPR. zu vertreten be- hauptet. Gleich nach seinem Erscheinen in Berlin setzte er sich jedoch in Verbindung mit der russisch-bürgerlichen Zeitung„Rul" und tritt in seinen Vorträgen, die von einem Redakteur der„Deutschen Zeitung ins Deutsche übersetzt werden, unter dem Jubel der Monarchisten außerordentlich heftig nicht nnr gegen den Bol- schewismus, sondern auch gegen den Sozialismus auf. Die' Aus. landsverlretung der russischen Sozialdemokraten, an die Badian herangetreten ist, bevor er noch seine Votträge hielt, Hot jede Mitarbeit mit ihm abgelehnt, da die von ihm gemachten Angaben sich als nicht zutreffend erwiesen und sein« Persönljchkeit in zweifelhaftem Licht erschien. Wie wir effahren, beabsichtigt Badian, jetzt eine Vortragstourne« durch das Reich zu machen und hat sich zu diesem Zwecke bereits an einige unserer Parteiorganisationen und Redaktionen gewendet. Vor jeder Verbindung mit ihm wird gewarnt! pangalos mußte weg. � Er wollte einen neuen Türkenkrie« anfangen. Der auf einer kretischen Festung gefangen sitzende früher« griechisch« Diktator P a n g a l o s hat Enthüllungen gemacht. Ein Journalist, der Zutritt zu dem ehemaligen Diktator erhielt, teilte diese Enthüllungen der Oeffentlichkeit mit. Pangalo» soll erklärt haben, nicht der Verlust der Macht an sich, sondern der Zeitpunkt, zu dem der Verlust der Macht eingetreten sei, habe ihn schmerzlich berührt. Denn gerade am 25. August habe er den großen kriege- rischen Vorstoß gegen die Türkei unternehmen und Ostthrazien so rasch besetzen wollen, daß keine ausländisch« Macht Zeit zur Intervention gehabt hätte. Am 25. August sei auch eine„bedeutende militärische Persönlichkeit" eines anderen Balkanlandes(gemeint ist Südslawie n) in Athen erwartet wor- den, und diese Macht sei zur H i l se bei dem griechischen Vorstoß bereit gewesen. Wenn die Angaben des Cxdiktators richtig sind, dann beweisen sie nur, daß es h ö ch st e Z e i t war, ihn zu stürzen. Denn der Vorstoß gegen die Türkei, der vielleicht im Frühsahr gewiss« Aussichten auf Unterstützung durch England und Italien gehabt hätte und damals wahrscheinlich sicher auf dem gemeinsamen Pro- gramm Mussolinis und Pangalos' stand, wäre zu dem von Pangalo« genannten Zeitpunkt ebenso ein P r e st ig e v er l u st für Griechen- land geworden, wie im vorigen September der Vorstoß gegen Bul- garien. Und so wenig Südslawien damals den Griechen half, s« wenig oder vielmehr noch weniger würde es geholfen haben, wenn es gegen die Tüttei gegangen wäre, mit der Südslawien heut« kein» Streitpuntte mehr hat. Freilich würde die Gewinnung Ostthrazie»i Ansiedlungsmöglichkeit für die griechischen Flüchtlinge schaffen, abc: die Frage ist eben, ob diese Gewinnung durchführbar war, und daß man diese Frage in Athen schließlich verneint hat, ist ein Beweii von Besonnenheit. Der Polizist als Falschmünzer. Neues Warschauer Kriminalkapitel. Warschau. 19. September.(OE.) Größtes Aussehen erregen neue Enthüllungen des Pilsudfti nahestehenden Blattes„Gloi Prawdy" über die Verbrechen vpn Warschauer Kriminalpolizisten Ein gewisser Bachrach-Macher soll seine Stellung als Leiter einer Abteilung zur Bekämpfung der Falschmünzerel dazu mißbraucht haben, um sich selb st an der Fälschung von Note» der Dank Polski zu beteiligen. In die Redaktion des„Gloe Prawdy" ist ein amtliches Schreiben der polnischen Gesandtschafi in Wien gelangt, die das polnische Außenministerium schon Ansang September davon in Kenntnis setzte, daß die Wiener Polizei Bachrach seit längerer Zeit als vermutliches Mitglied der Fälscherbande beobachte: die Wiener Polizei erkläre sich bereit, auf Wunsch der polnischen Regierung eine Untersuchung über di« Tätigkeit Bachrachs(der sich häufig in Oesterreich ausgehalten hat) einzuleiten. In ihrem Schreiben teilt die Gesandschaft weiter mit, daß auch ein höherer K a t t o w i g e r Polizeibeamter in die Geld- fälschungsaffäre verwickelt sei. Hoffnung auf Debenep... ... den französischen Gcncralstabschef. Em Redakteur des Hauses Hugenberg erwachte jüngst schweiß- triefend aus einem fürchterlichen Traum. Ihm hatte geträumt, die Franzosen hätten über Nacht das besetzte Gebiet und die Saar frei- gegeben, und er müßte nun einen Leitartikel Ichreiben, um den Lesern des„Lokal-Anzeigers" zu beweisen, daß die Politik, die nach Locarno und Genf führte, nichts tauge, vielmehr die Politik der Deutschnatio- nalev stets die ttchtige gewesen sei. Glücklicherweise aber konnte er bei seinem Erwachen in seinem Blatte ein Pariser Telegramm lesen, wonach der zweite Chef des französischen Generalstabs, General D e- bency in einer Rede bei einer Heldengedenkfeier erklärt haben soll, aus der Räumung dürfe nichts werden: Debeney feierte den„Sieg der Franzosen bei Berdun", wandt« sich dann der Frage der Rheinlandbesetzung zn und erklärte wärt- lich:„N och neun Jahre lang geben uns die Verträge das Recht, das linke Rheinuser besetzt zu halten. Unsere Ausgabe ist es, diese Frist zu benutzen, um unsere Kräfte wiederherzustellen, unsere Finanzen zu sanieren und unser Heer zu organisieren/� .- Frankreich dürfe auf ckeinen Fall vor Ablauf der iin Friedensvertrag von Versailles festgesetzten Zeit die besetzten Ge- biete räumen. Diese Nachricht gab dem armen Mann wieder Mut zum Leben. Solange noch in irgendeinem Lande der Welt die Militärs Politik machen, brauchen deutschnationale Redakteure die Hoffnung nicht auszugeben. Setämpfuag öer Arbeitslosigkeit. Beschlüsse im Stadtverordnetcuausschuß. Der S t a d t o e r o r d n e t c n a u s s ch u ß für Angelegenheiten der Erwerbslosen beschäftigte sich am 29. September mit den ihm von der Stadtverordnetenversanimlung überwiesenen Anträgen und hat folgende Beschlüsse gefaßt: Der Magistrat wird ersucht, bei der Reichsregierung dahin- gehend vorstellig zu werden, daß 1. eine fünfzigprozentige Erhöhung der Er- werbslosenunterstützung und Unterstützung für die ganze Dauer der Erwerbslosigkeit ohne jede Karenz- zeit gesetzlich festgelegt: 2. die Bestimmungen über die Bedürftigkeitsklausel und die Pflichtarbeit aufgehoben werden: Z. dem Reichstag unverzüglich ein Gesetzentwurf vorgelegt wird, der als tägliche Hilfsarbeitsleistung Stunden- tage festsetzt und Ueberarbeit oerbietet. Eine weitere Verkürzung der Arbeitszeit unter acht Stunden bei gleichem Lohn in solchen Betrieben oder Betriebsabteilungen zwingend vor- sieht, in denen die Arbeitsintensität durch Rationa- lisierungsmoßnahmen gesteigert worden ist. Das Gesetz soll weiter enthalten, daß bei bereits rationalisierten Betrieben die Verkürzung der Arbeitszeit sofort durchzuführen ist, und daß die W i c d e r e i n st e l l u n g der infolge der Rationali- sicrungsmaßnahmen entlassenen Arbeiter bestimmt wird. Den Ge- werbcaufsichtsbehörden soll das Recht gegeben werden, die Ver- kürzung der Arbeitszeit auf Antrag der Betriebsräte und Gewerkschaften anzuordnen: 4. eine Verordnung erläßt, die vorsieht, daß weitere Betriebs- stillcgungen und Entlassungen, die als Rationalisierungsmaßnahmen oder als Folge der Rationalisierung und der Steigerung der Arbeits- intensität vorgenommen werden sollen, verhindert werden und gleichzeitig vorsieht, daß für Betriebsstillegungen und Entldsiungen die Zustimmung der Betriebsräte und G e w e r k- schalten erforderlich ist. Es wurde ein weiterer Antrag angenommen, wonach der Ma- gistrat ersucht wird, um Exmittierungen in Zukunft zu vermeiden, den in Rot geratenen Unterstützungsbedürftigen Mietbeihilfe zu gewähren. Ein weiterer Antrag besagt: Da die große Rot der arbeitenden Bevölkerung Berlins infolge der lang andauernden Ar? beitslosigkeit gegen den vorigen Winter sich keinesfalls ver- mindert hat, ersucht die Stadtverordnetenversammlung den Magistrat, die Rotaktio» des vorigen Winters weiterzuführen und die notwendigen Mittel den Bezirkswvhlsahrtsämtern zur Verfügung zu stellen und der Versammlung eine Borlage zu unterbreiten. Am Donnerstag bereits wird im Plenum über die Tätigkeit des Aus- schusses Bericht erstattet. Ueberschichtenunwesen im Ruhrbergbau. Wie die Arbeitslosigkeit künstlich gesteigert wird. Die schwere Krise der vergangenen Jahre führte dazu, daß die deutschen Bergbauunternehmer, ganz besonders im Ruhrgebiet, einen Teil ihrer Betriebe stillsetzten. Aus den noch in Betrieb gehaltenen Zechen wurden Massenkündigungen vorgenommen. Außerdem war- den die Leistungen gewaltig gesteigert. In erschütternder Weise hat sich dies für die Arbeiterschaft bemerkbar gemacht. Das Heer der Erwerbslosen stieg immer niehr an. Die erwerbslosen Arbeiter waren mir ihren Familien der Rot und dem Elend preisgegeben. Durch das neue Arbeitsbeschaffungsprogramm soll dieser Zustand beseitigt werde». Unverständlich aber muh es erscheinen, daß trotz des großen Heeres der erwerbslosen Bergarbeiter im Ruhrrevier die Bergbau- Unternehmer nun auf der ganzen Linie dazu übergegangen find, das Berfahren von U e b e r s ch i ch t c n zu oerlangen. Es wäre zunächst viel richtiger, erst einmal wieder die arbeitslosen Berg- a r b e i t c r in den Betrieb aufzunehmen. Welchen gewaltigen Umfang dieses Ueberschichtenunwesen angenommen hat, geht aus folgendem hervor. Auf der Zeche„M i n i st e r Stein" wurden an Ueberschichten verfahren: im Monat unter Tage über Tage Insgesamt Juni 1926... 4006 223t 6237 Juli 1926... 6339 2103 8442 Rechnet man die verfahrenen Ueberschichten für einen Arbeiter um, den Monat zu 25 Arbeitstagen, so ergibt dos 249 Arbeiter, die im Monat Juni und 337 Arbeiter, die im Monat Juli mehr beschäftigt werden konnten. Im gesamten Ruhrbergbau hat sich die Rekordzifser von 1,93 Ueberschichten pro Kopf im Mai auf 1,38 im Juni erhöht. Diese Zahlen erhielten dann in den darauffolgenden Monaten eine weitere Steigerung. Betrachtet man einmal die Auswirkungen des Verfahrens von Ueberschichten, so zeigt sich, daß im Monat Juni rund 20 000 Mann mehr erforderlich gewesen wären, wenn die Arbeiterschaft keine Ueberschichten verfahren hätte. Der Ausfall an Arbeitern seit Januar 1926 infolge der lieber- schichten beträgt: Januar 1926... 18 297! April 1926... 13 242 Februar 1926...13 693 Mai 1926... 17 751 März 1926... 11008 Juni 1926...20 790 In diesen Zahlen spiegelt sich eine Tragödie im Leben der Berg- arbciter wieder. Die Bergarbeiterschast wird solange gedrückt sein, solange sie sich nicht selber dagegen wehrt. Sie muß sich den Platz in der Gcsellschast erkämpfen der ihr ihrer Bedeutung gemäß zukommt. Diese Zahlen aber zeigen auch, daß bei gutem Willen der Bergbau- Unternehmer von den noch vorhandenen 40 000 erwerbslosen Bergarbeitern rund 50 Proz. wieder Arbeit gegeben und die Erwerbslosengelder gespart werden konnten. Es ist daher die Pflicht der Regierung, hier einzugreifen und ein gesetzliches Verbot der Ueberarbeit herbeizuführen. Ein solches Verbot schafft Arbeite gelegenheit, wie es dem Arbeitsbeschaffungsprogramm entspricht. der Streik in üer öerliner Mühleninöuftrie. Vereinbarung aus Erhöhung der Löhne. Der Vorsitzende des Schlichtungsausschusses Groß-Berlin berief gestern die streitenden Parteien zu einer Vergleichsoerhandlung zu sammen. Nach langwierigen Verhandlungen wurde vorbehält- lich der Zustimmung der Mitglieder nachstehende Ver- einbarung getroffen: Zwischen dem Arbeitgeberverband der Berliner Mühlenindustrie einerseits und dem Verband der Lebensmittel- und Getränke arbeiter und dem Zentralverband der Maschinisten und Heizer an- dererseits wird folgende Vereinbarung getroffen: 1. Der Streik wird sofort abgebrochen, die Arbeit in den Betrieben wird so schnell wie technisch möglich wieder auf- genommen. Sämtliche bei Ausbruch des Streiks befchäf- tigten Arbiter werden wieder eingestellt. Maßregelungen finden nicht statt. Hinsichtlich der Ansprüche aus dem Manteltaris- vertrage wird der Streik als Unterbrechung des Arbeitsverhältnisses nicht angesehen. 2. Der tariflich« Wochenlohn in der Lohnklasie wird mit Wirkung vom Tage der Wiederaufnahme der Arbeit auf 48 M. festgesetzt. Hinsichttich der Löhne der übrigen Gruppen ver- bleibt es bei den Bestimmungen des Manteltarifoertrages. Das Lohnabkommen gilt bis einschließlich der Lohnwoche, in die der 31. Dezember d. I. fällt. Hinsichtlich der Kündigung verbleibt es bei den Bestimmungen des Manteltarifvertrages. Dieses Angebot der Arbeitgeber bedeutet für die Lohngruppe A «ine Zulage von wöchentlich 1,50 M. Eine zu heute ein- berufene Versammlung der Mühlcnarbeiter wird sich über Annahme oder Ablehnung schlüssig werden. Eine zu gestern abend einbe- rufene Funktionärversammlung hat nahezu e i n st i m m i g be- schlössen, der Vollversammlung die Annahme des Angebots zu empfehlen. Zum Tarifstreit im öonkgewerbe. Verhandlungen am 27. September. Wie der Allgemeine Verband der Bankangestellten mitteilt, haben die für gestern im Reichsarbeitsministerium angesetzten Schlichtungs- Verhandlungen wegen Erkrankung des unparteiischen Vorsitzenden mcht stattfinden können. Der Schlichtungsausschuß wird nunmehr am 27. September unter dem Vorsitz von Reichswirtschaftsgerichts- rat Kammergerichtsrat a. D. Dr. K ö n ig s b e r g e r zusammen- treten. Zuban sperrt aus. Um die Arbeitsbedingungen zu verschlechtern. Der deutsche Tabakarbeiterverband schreibt uns: Von jeher hat dei Zigarettenfabrik Zuban in München den größten Wert darauf gelegt, ihre Fabrikate auch in den Kreisen der Ar- beiterschaft abzusetzen. Harmlose Menschen könnten daraus solaern, daß sie dashalb nicht nur den Konsumenten, sondern auch den Pro- duzenten im Arbeiter achten würde. In Wirklichkeit liegen die Dinge anders. Trotzdem ein Hauptvertrag für die Zigarettenindustrie aus- drllcklich vorschreibt, daß in den einzelnen Orten bezw. Bezirken Lohntarife zu vereinbaren sind, lehnte die Firma Zuban den Abschluß eines neuen L o h n t a r i f s ab. Erst durch eine Entscheidung des Mllnchener Schlichtungsausschusses mußte sie sich belehren lassen, daß tarifliche Bestimmungen auch für die Geltung haben. Jetzt ist die Firma aus einen neuen Ausweg verfallen. Sie hat der gesamten Belegschaft zum 1. Ottober getün- d i g t. Wer gewillt ist, die von der Firma vorgelegte Arbeitsordnung anzuerkennen, soll sich am 4. Oktober zur Wiederausnahme der Ar- beit melden. Di« Firma verfügt also eine ausgesprochene Aussperrung, um die Arbeitsbedingungen zu verschlechtern und die Arbeiterschaft zu sieben: denn von den rund 1200 Beschäsigten s o l l e n 200 nicht wieder einge- stellt werden. Die Zigarettenarbeiter werden alle Mittel anwenden, um das Vorgehen der Zuban-Zigarettenfabrik scheitern zu lassen. Es könnte aber auch nicht schaden, wenn die V e r b r a u ch e r der Er- Zeugnisse der Firma Zuban ihr verständlich machen würden, daß st a n d > it solchem e n sind. Scharf m achert um nicht einver- Um Sie Reformisten in Verlegenheit zu bringen. Aus Königsberg wird uns geschrieben: Kürzlich fand eine Versammlung der Funktionäre der ostpreußischen, im Deutschen Eisen- bahnerverband organisierten Kommunisten statt, die sich damit be- schäftigte, wie man das lecke Schiff der Kommunisten wieder flott- machen könne. Vor uns liegt ein Protokoll aus dieser Versammlung, durch das offenbar wird, wie es mit der KPD. auch im Eisenbahner- oerband rapide abwärts geht. Man oerspricht sich Hilfe nur von einem Rezept, nach dem den„Reformisten recht viel Schwierigkeite u" gemacht werden sollen. Besonderes Interesse in dieser Hinsicht verdienen die Ausführungen des Bezirks- l e i t e r s der. KPD. für Ostpreußen, des Landtagsabgeordneteu K o l l w i tz, der nicht dem Deutschen Eisenbahnerverband angehört. Er verlangte von den Eisenbahnern, daß sie„unbedingt etwas unternehmen" müßten, um nach außen hin zu zeigen, daß die Kommunisten den englischen Bergarbeitern helfen wollen. Er erklärte aber weiter, daß es ihm wohl bekannt ist, daß praktisch nichts unternommen werden kann, um den englischen Bergarbeitern zu helfen, aber irgendetwas müsse unter- nommcn werden, um die Reformisten in Verlegenheit zu bringen!— Das Rezept ist zwar furchtbar einfach. Die?loi der Bergarbeiter in England ist den Kommunisten gerade recht, ihr Parteisllppchen zu kocheii._ internationaler Transportarbeiterkongreß. Paris. 20. September.(Eigener Drahtbericht.) In der Montag- sitzung des Transportarbeiterkongresses wurde fast ausschließlich die Frage der Arbeitsbedingungen bei den Eisenbahnen be- sprachen. Im Namen der deutschen Delegierten kritisierte Scheffel die Mißbräuche. zu denen die Umstellung der deutschen Eisenbahn in eine Eisenbahngesellschast Anlaß gegeben habe. Man zwing« dort die Arbeiter, oft 10 oder sogar 12 Arbeitsstunden zu leisten, ohne daß sie sich auf die internationalen Abmachungen berusen könnten. Scheffel gab dem Wunsch Ausdruck, daß alle Mächte. die die Londoner Abmachungen unterzeichneten, gezwungen würden, in ihren Eisenbahnen die Arbeitsbeding u n gen«in- zuführen und anzuwenden, die in anderen Ländern üblich seien. Mehrer« Delegierte, darunter der Sekvetär der französischen Eisen- bahnergewerkschaft. unter st Ltzten diese Forderungen und wiesen dcircms hin, bafj die deutschen Eisenbahnen die genaue Kopie, was die Organisation anbelangt, der französischen Eisenbahnen seien, daß die französischen Eisenbahner also die gleichen Gründe hätten, sich zu beschweren. Auf Vorschlag des deutschen und franzosi- scheu Delegierten beschloß der Kongreß,«in« Eingabe in diesem Sinne an das Iaternarionale Arbeitsamt in Genf zu machen. Vicrtcljahrhundcrbieicr in Potsdam. Die vom Ortsausschuß veranstaltete Feier am Sonntag vor- mittag im Konzerlhaus nahm einen würdigen Verlauf. In An- betrocht des schönen Wetters und des starken Zuspruches, wurde die Kundgebung im Freien abgehalten. Hierzu bot die beste Gelegen- heit der zum Lokal gehörige Garten, der lange vor Beginn über- füllt war. Darbietungen des Arbeiter-Sängerbundes hatten die Feier eingeleitet, und dann hielt Genosse L a n d a die Festrcdc, welche die bisherigen Erfolge und die zukünftigen Aufgabep der Gewerkschaften gegenüberstellten, und die ausklang in den Worten: Hinein in die Gewerkschaften, Proletarier oller Länder vereinigt euch! Mit einem brausenden Hoch auf die„Internationale" fand die imposante Veranstaltung ihren Abschluß. Gcwcrkschnftskundacbung in Breslau. Breslau, 20. September.(WTB.) Aus Anlaß der 25. Jahr- seier der Internationalen Gewerkschaftsbewegung veranstalteten die Breslauer Gewerkschaften am Sonntag vormittag auf dem Messe- geländ« in Scheitnig eine Massenkundgebung, die einen störungsfreien Verlauf nahm._ Internationaler Poftbeamtenkongrep. Paris, 20. September.(TU.) In der Pariser Sorbonne wurde heute vormittag der vierte Internationale Kongreß der Postbeamten eröffnet. Aus dem Kongreß sind 19 Länder mit 29 nationalen Gruppen vertreten. 480 000 Postbeamte haben Delegierte zu dem Kongreß entsandt. Die deutschen Delegierten vertreten 89000 deutsche Postbeamte. Zum erstenmal nahmen auch Vertreter der mittelan'.erikanischen Postbeamten an dem Kongreß teil. Achtiinii. B«»irk»amt Prinzlaucr Berg. Am Mittwoch, nochmittn? j z Uhr Versammlung aller EPD.-Arbeiter,»Angestellten und-Beamten j im Altersheim. Danziger Ltr. c>t. Dr. Lohman» spricht Uber„Beniner-t Zlemmunalpolitil". Regen Besuch erwartet Der Urakti»ns»orstanb. isreie Sewerkschastsjngend. Sente, Dienstag. 21. läeptemhfr. T' j Uhr. tagen die Snivven: Landsberger Plagt Jugendheim Diestelmenerstr. 5. Der Gruppen» abend fällt aus.— jfraatfnrter Allee: Jugendheim Tilsttcr Etr. 4/Z, 1 Treppe. Der Gruppenabend fällt aus.- Lichtenberg: Jugendheim Dossestr. 22. Dis» lufsionsabend Uber gewerkschafiliche Frage».— Treptow: Zugendheim Wilden» bruchstr. 53 M. Drsrufsionsabendt„Unsere Mildchcnarbeit-'.— Spandau: Jugendheim Lindenufer I. Heimabend. Bcrantwortlich fllr Politik: Dr. Gurt Geger: Wirtschaft:«rtrrr Saterou«: Gcwrrliclioslsbewcguna: 3. Steinet: Feuilleton: Dr. Zahn Schikowski: Lokales und Loiistiges: Frih itarstädt: Anzeioen: Th. Glocke: sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts-Berlag G.m.b.H., Berlin. Druck: BorwärtZ-Buchdruckerei und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co. Berlin SW 68. Liudenftrahc 3. Sierrn 2 Beilagen und..Untrrbaltuna und Wilsens HAG Die Patienten finden im Kaffee Hag, dem coffeinfreien Bohnenkaffee, den gleichen Geschmack des Kaffees ohne eine Erregung des Herzens zu spüren. Qeheimrat Excelienz». Leyden / / 3 L Abteilung Herrenulster Fuchgrltcnminter, Sdiwedenionn Damenulster aus guten rUmchsloSen Kerren-Sakkoanzüge Nadelalreien in versebieä. bardeo Herren-Sportanzüge'Z ö°?.7?i�t°»ea. a». 8,«�, Gummimäntel für Damen und Herren, Köper u, ilomesput Cutaway und Weste marengo Cheviot........ 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Es wäre noch viel zu wenig gesagt, spräche man bei einem Gefüge von der Einwohnerzahl Württembergs und Badens zusammen von einer selbständigen Provinz, denn Weltstädte haben die Eigentümlichkeit, das Leben auch eines großen Landes und Reiches in mehr als nur symbolischer Art darzustellen und zu konzentrieren und dabei doch eine stark ausgesprochene In- dividualität zu bleiben. weltstaüt und Land. tan wird Groß-Berlia am ehesten gerech», wenn man neben dem städtischen Wesen auch das tandgebiet ernstlich ins Auge saßt. Dies« Weltstadt umfaßt, es ist nicht zuviel gesagt, große Landschaften von einem Reiz, wie man sie nicht sck leicht wieder findet, auch wenn man sich weit in das eigentliche Land hineinbegibt, und diese landschaftliche Seite ist noch viel weniger abgeschlossen als die rein städtische, und hier dürste auch die neueste und breiteste Zukunst der Entwicklung gegeben sein. Man braucht nur an den einzigartigen Seenbesitz im Südosten der Stadt zu denken, um sich eine der Haupt- ädern neuen Lebens, aber auch von Lebensfähigkeit vorzustellen. Wie hier der Riese in das flache Land hineingreift, wie er erobernd vordringt, natürlichsten Lebensbedürfnisien folgend, das ist für die Betrachtung und Bewertung ungemein reizvoll. Das gibt aber auch für den Kampf neuen Sinn und erweiterte Kraft. Es ist neue Zeit, die mit einer alten und überlebten ringt, zu ringen weiß, und es ist zugleich neues Volk, das hier seine Kampfmittel heranführt. Die öürgerjladt. Auf der einen Seite der schmalen Straße, die kein besonderer Verkehrsweg ist, liegt Groß-Berlins Grund, auf der anderen ein« freie Landgemeinde, besser gesagt: eine Aneinanderreihung von soviel Villen, daß dabei eine Gemeinde von fünftausend Einwohnern herauskommt. Aber das eigentlich Selbständige fehlt, und der Be- griff eines Gemeinwesens will sich nicht einstellen. Der Allgemein- heit gehören die Straßenumfassung durch Bäume, die beiden Kirch- türme, vielleicht auch noch der Bahnhof. Schon das Rathaus liegt versteckt und weltfremd gleich all den anderen Häusern, und aus dem einzigen Platz, der Gemeinschaftsgeist atmen könnte, macht sich vor der leblosen Kirche ein bis zur Todesstacre verschlafenes Krieger. dentmal breit. Es scheint, als bemühte sich hier jeder der Bürger, feinen Besitz ängstlich vor der übrig-en Welt zu verstecken und so einsam wie nur möglich zu sein. Es ist dies eine Stadt der Planken. der Gitter und des unendlichen Stacheldrahts. Kein Haus paßt zum anderen, gemeinsam ist nur die Stillosigkeit von der künstlichen Ruin« über das vielfach vertretene Schweizerhaus bis zum fenster- losen orientalischen Bauversuch. Es ist hier eine köstliche Fülle der Plülenpracht, und wer Glück hat, der bekommt sie durch eine Zaun- lücke zu sehen. Wem Mut eigen ist, der wagt auch die Heerscharen gipserner Gnomen, Rehe und anderer Unwesen anzublicken. Es ist alte, furchtbar alte Zeit, was hier gähnt und faule Glieder streckt, und wir sind besonders bös aus sie zu sprechen, weil ihre Selbstsucht die Ufer des wunderschönen Sees gepachtet hat, und selten und dann nur in unerfreulich geringem Ausmaß einen Blick über die erquickenden Wasserflächen Raum und Weg gewährend. Die wenigen Proletarier, die es an diesem Ort gib», wohnen in den Dachstuben der ivenigeo Gasthöse. und für die unzulänglichen Räume zahlen sie eine erschreckend hohe und fast unerschwingliche Miete. Das scheint zum Wesen dieser Villengemeinde zu gehören, deren ausgesprochene Bürgerlichkeit trostlos zu nennen wäre, läge nicht auf der anderen, auf der Berliner Seite der unscheinbaren Straße eine Siedlung, die sich Volk der Arbeit selbst erdacht, erkämpst und erbaut hat. Mit wahrer Erleichterung flüchten wir aus dem Schreckhaften einer alten Zeit und West in die Schlichtheit und Ursprünglichkeit neuer Menschenwege.' proletarische Siedlungen. ' Es ist, als hätte die freundlichen Häuser, die zwar in Reih und Glied zu stehen scheinen, aber doch weiten Raum zwischen sich haben, kein Baukünstler ersonnen. Sie können— mit einer besonderen Berücksichtigung des Kindlichen— ganz gut aus Märchenbüchern genommen sein, und das ist recht so. denn wer wirklich in der Rasur wohnen, das heißt mit ihr vertraut werden will, der muß bloßen Fußes mit kindlichen Augen in die Welt schauen, wenn er endlich zu fröhlicherem Tagesbeschließen der häßlichen Streitsucht und Eigen. liebe von Maschinen entronnen ist. Di» wackeren Häuser stehen da mit ganz unlvahrscheinlich hohen roten Dächern, und die Fenster scheinen Augen zu sein, die dem Fremden mit mitleidiger Liebe nachgucken. Es ist viel Blütenpracht vor den Häusern— besonders die Sonnenblumen lasten es sich angelegen sein, gute und stattliche Hüter zu spielen—, aber der Blick zerbricht nicht an Gittern, und Stacheldraht ist hier ein widerwärtig Fremdes, was man draußen an den fernen Stätten der Mordsucht gelassen hat. Die»oeiße Holz- umzäunung ist so niedrig, daß jeder der kleinen Hunde— fast alle ohne Stolz und Raste, dafür aber sehr freundlich und keiner davon ein Kläffer— ohne Mühe darüber hinwegsetzen kann— genau so wie die Kinder, die hier eine Gemeinschaft bilden und vom frühen Morgen bis zum Abend lustig auf den fahrzeuglosen Straßen spielen. Und auch die Erwachsenen kennen und achten sich. und. einander helfend, tragen sie Gemeinschaft der Arbeitsstätte in Licht und Freude.. Das ist guter Weltstadtgeist, und das ist neue Zeit. Es ist Vorpostenstellung unserer Kämpfer. Und in ihnen wird die Masse die Selbstsucht eines nicht mehr lebenssähigen Bürgertums überwinden, schrittweise Boden fastend, und überall, wo er Raum und Weg zu Gemeinschastsbesitz gewonnen hat, unsere Fahnen in Freude und Freiheit entfaltend. Der beste und hoffnungsreichste Weg, den Groß-Berlin hat, führt über sein Landgebiet. Das wissen erst wenige, aber die es wissen, werden nicht ermatten und rveiterschreiten. Der neue und- freie Mensch wartet draußen, wo der Friede von Wäldern noch einige der wunderschönen Seen behütet, die noch von bürgerlicher Selbstsucht um ihr Recht, allen Freude zu bereiten, betrogen sind. Der Weg des blinden Bruno. 31 Roman von Oskar Baum. Langsam nur, nach Monaten, geriet das Gespenst in Vergessenheit. Und wieder tauchte es auf, als einmal ein neues Mädchen, das nichts von„Wawa" wußte, sich mit dem wilden Jungen nicht zu helfen vermochte— er warf vielleicht Brocken einer fetten Speise aus dem neugebohnerten Fußboden umher oder wollte auch zu vorgerückter Stunde nicht schlafen gehen— da erzählte sie ihm von einem großen, schlimmen Mann, der ihn in seinen Sack nehmen und fortwerfen würde, und sie klopfte dabei mit dem Schuhabsatz stark gegen die Tür. Als die Mutter heimkam, erzählte er ihr,„Wawa" sei dagewesen und die ganze Nacht war er unruhig, wachte immer wieder auf'und schrie. Und von diesem Tage an fürchtete er sich, wenn er allein war, natürlich auch bei Tage, wenn es sehr still wurde. Einmal kroch er lustig und munter auf den Möbeln im Kinderzimmer umher, allerhand unerkennbare Melodien bc- geistert vor sich hinsingend, da schrie er plötzlich wie gestochen: �.Mutter!" Und als Frau Görnitz hereinstürzte, kauerte er angstvoll zusammengedrückt in der Sofaecke, die Knie an den Leib gezogen, das Gesichtchen geduckt. Er war ein nasser Schwamm auf dem Sofa vergessen worden, und er war zu- fällig darangekommen: die weiche, feuchtkalte Berührung hatte ihn erschreckt, vieleicht geekelt. Er kannte die Existenz eines solchen Dinges nicht: es war eine ganz andere Berührung, wenn man ihn damit wusch. Doch woher kam ihm diese Furcht vor Gegenständen, die ihm ja nie etwas angetan hatten und wohl in keiner Weise mit„Wawa" oder dem„Großen Mann" zusammenhingen? Viel Kopfzerbrechen bereitete Bruno seinen Erziehern, als er so weit war, durch Fr-gen alle Verlegenheiten seiner Unkenntnis auf die Erwachsenen zu überwälzen:„Warum nennt man eine bestimmte Zeit„Tag" und eine andere „Nacbt", Bater? Wie erkennt man, wann das eine anfängt und das andere nicht mehr ist?" „Wenn man schläfrig wird, da ist es abend, Kind." „Aber Lorenz ist doch dann sehr dumm! Immer, wenn er morgens aufsteyr, ist er schläfrig...." „Mutter. Mutter, komm her! Jemand hat das Fenster geheizt. Jag' ibn fort: er hat mir die Hand verbrannt!" Frau Görnitz'ließ die Nollvorhänae herab, und mittags, als der Vater es hörte, biß er den Schnurrbart und berief für abend den Freund zu sich- „Das geht so nicht mehr," sagte er und sein ganzes Gesicht war in erregter Bewegung,„ich muß ihm doch etwas davon zu erklären versuchen, sonst verwickeln sich seine Begriffe und die Widersprüche lockern ihm die Grundlage aller Logik, lassen ihn später einmal den Wert der Wahrheit vergessen. Und er wird lebenslang vielleicht zu keinem klaren Weltbild kommen." Kapetan klappte, in Nachdenklichkeit verloren, das Porte- monnaie in seiner Tasche aus und zu:„Daß er eine Ausnahme ist, meinen Sie?" Professor Görnitz klemmte die Lippen zwischen die Zähne:„Daß er viele Begriffe ohne weitere Erklärung hinnehmen muß." Der Oberlehrer lachte kurz und derb auf:„Verehrtester, da müßten Sie ihm zuerst erzählen, was ein Begriff ist.— Ich glaube nicht, daß Sie ihm dergleichen ausdrücklich sagen müssen. Ich habe wohl hierin nicht mehr Erfahrung als Sie: die Zöglinge, die bei uns eintreten, wissen schon Bescheid über ihr Schicksal: ich meine: Sie wissen so viel, als ihnen jemand darüber sagen kann. Was sie von anderen trennt und unter- scheidet, wird ihnen ja doch niemand in Worten begreiflich machen: sie müssen das allmählich lernen, wie wir es lernen: Indem sie weiterleben." „Er ist auch noch zu jung für so aufregende Eröffnungen," sagte Görnitz und dachte:„Kann man jemals alt genug dazu sein?" „Ja, man überläßt so etwas einer gelegenen Stunde," entschied Kapetan. als fei nun jeder weitere Einspruch aus- geschlossen, mit feiner breiten, tiefen, immer vibrierenden Stimme, in der alles gemütlich klang, auch Zorniges und Grobes:„Wird es sich einmal als notwendig ergeben, so wird es sich eben ergeben und dann wird es zum Wundern einfach und glatt ablaufen. Es ist überhaupt ganz unnatürlich zu glauben, dem Kinde werde solche halbverstandene Enthüllung besonders wehtun. Jetzt fehlt ihm ja nicht. Das, was man da herumredet, ist für ihn nicht etwas, das ihm fehlt. Frau Görnitz sollte in die Kur. Dr. Glaser drängte: „Alles lassen, packen und fahren!" Er bestritt zwar nach- drücklich, daß sie einen Herzfehler habe, aber leise verschwamm ein spöttisches Lächeln um ihren Mund, wenn er alles nur für„gesteigerte Nervosität" erklärte. Einmal konnte sie wieder vor Herzklopfen nicht schlafen. Die Tropfen nahm sie nur im äußersten Notfall, da sie von ihrer wohltätigen Beruhigung, gleichfam aus Unglauben an eine unbezahlte Annehmlichkeit eine BerWilimmming ihres Leidens befürchtete. In diesem schlaffen Zustand neigte sie zur Rührung, zu Tränen, auch ohne Grund. Langsam schlich fie ins Kinderzimmer und setzte sich cm Brmwe L«tt. Sie würde doch nach Nauheim gehen, wie schwer es ihr auch wurde, ihn volle vier Wochen fremder Pflege zu überlassen. Sollte er, der die Mutter doppelt brauchte, sie früher noch als andere Menschen verlieren? Sie beugte sich seitwärts ins Netz, ihren anderen Kindern ihr nasses, zuckendes Gesicht nicht zu zeigen. Bruno lag so still und glücklich da, rund und rotbackig. schlief: man merkte nicht, daß er atmete. Melli stand eine Weile ratlos und blickte nach der rasch fortschreitenden Uhr. Dann huschte sie unter dem Tisch durch, ins Badezimmer: Konnte sie es nicht einmal allein mit ihrer Frisur versuchen? Das wird eine Ueberraschung! Lorenz suchte seine Schulbücher zusammen und schlüpfte in die Küche, steckte aber nur sein Brot ein: der Kaffee war zu heiß. Da die Mutter sie heute nicht geweckt und an- getrieben hatte, war es zu spät geworden. In den Anblick des Kindes versunken, das so geborgen aussah, fiel Frau Grönitz alles Tröstliche ein, das ihr Mann über dessen Zukunft ihr beizubringen bemüht war. Vielleicht sprach er wahr: reicheres Geistesleben, natürlichere Höher- entwicklung der anderen Sinne.— Ihre Erregung löste sich in sanfte Müdigkeit, schlaffe Ergebung. Wie nach jedem, auch dem geringsten Gesühlsaufwand, überkam sie eine Schwäche wie nach schwerster Arbeit. Da sprang Melli übermütig herein:.Mutter!" Bruno fuhr auf und weinte. Verweisend blickte die Mutter sie an und beugte sich über Bruno. Schmollend zog sich Melli zurück und verwand es lange nicht, daß die Mutter ihre Frisur nicht bewundert hatte. War es denn solch ein Unglück, wenn der verknautschte Bruno ein- mal mehr weinte? Der wurde verwöhnt! Und sie beneidete ihn um den Vorzug seines Unglücks. Wie war es schön, so von allen bedauert und mit Zärtlichkeit überschüttet zu werden! Und sie grübelte auf dem ganzen Schulweg über die verschiedenen Seiten einer Sache. Wer weiß, was ein Unglück für einen anderen ist! Manche Leute sind unglücklich, sagte der Lehrer, wenn sie kein Auto haben können. Manche sind glücklich, wenn man ihnen ein Stückchen Brot schenkt. Und wenn man nicht sieht, erspart man sicher das geometrische Zeichnen: vielleicht sogar die Schule überhaupt! Bruno weinte nicht lange:„Mutti, bist du bei mir?" Und schon streckte er lachend die Arme aus. Glücklich beugte sich Frau Görnitz über ihn:„Was denn. Kleinchen?" „Du bist auch schon da und ich bin auch schon da." plapperte er fröhlich, als wäre er über Nacht irgendwo weg gewesen. (Fortsetzung f«lgt.) Morüversuch durch Gasvergiftung. Tic Rache der mißhandelten Geliebten. Das Schwurgericht des Landgerichts I begann gestern seine erste Tagung nach den Gerichtsfcrien unter dem neuen Schwur- gerichtsoorsitzenden Dr. M a r s ch n e r. Der erste Fall, der zur Ab- urteilung gelangte, betraf«ine Anklage wegen versuchten Mordes. Angeklagt war die tlljäbrige Frau Luise H. Sie wurde be> schuldigt, im Mal d. I. versucht zu haben, sich ihres Liebhabers, des 7l)jährigen cheizors W. zu entledigen. Das Verhältnis zwischen dem ungleichen Paare hatte sich mit der Zeit sehr unerquicklich gc- staltet. Es gab fast täglich Zank und Streit. Der jäh- zornige betagte Liebhaber soll auch mehrfach recht handgreiflich geworden sein, so daft die Frau wiederholt zu Hausbewohnern flüchten mußte. Nachdem wieder einmal eine recht unerquickliche Szene vorgekommen war, kehrt« er eines Nachts spät von der Arbeit heim. Die ffiiche war von innen verschlossen, und er bekam auf sein Klopfen keine Antwort. Cr legte sich alsdann ins Bett. wachte aber morgens schon um 6 Uhr auf und fühlte sich be- nommen. Beim Aufstehen fiel er bewußtlos zur Erde, erwachte aber wieder und konnte sich mühsam zur Tür schleppen. Er hat durch die Elasvergiftung neun Wocben krankgeleaen. In- zwischen war die Anaeklagtc um 5 Uhr früh aus dem Hause gc- qangen, um eine Aufwartestelle zu besorgen. Nach der Anklage soll sie vor dem Wegganoe den Haupthahn in der Küche geöffnet baben, nachdem sie das Gleicke schon am Abend vorher mit dem Elasbabn an der Ampel des Schlafzimmers des W. gemacht hatte. ?ln Haft genommen, gestand sie ihre Tat ein, versuchte aber in der Verhandlung, sie zu widerrufen. Das Leben sei ihr unerträglich gewesen, und sie habe sich von ihrem Peiniger befreien wollen. Das Schwurgericht hielt die Anaeklagtc des versuchten Mordes schuldig und verurteilte sie mit Rücksicht aus ihr« Geistesbeschränkt- heit zu der Mindeststrafe von drei Jahren Zuchthaus und drei Jahren Ehrverlust. >Upätsommerfahrt in den Har.�. Die Sonntagssondcrfahrten der Reichsbahndirektion Berlin führen ießt mit vorgeschrittener Jahreszeit mehr in südlicher Rich- tung. So wurde für den Zug, der am Sonntag früh den Pots- damer Babnhof verließ, Thale im Harz als Ziel auscrfehen. Das prächtige Spätsommerwetter hatte den Zug auch bis auf den letzten Platz gefüllt, und von Thale aus ergoß sich der Strom der Berliner Wanderer durch die frischen Wäldwege, die zum Teil neues Grün angesetzt bitten, in die bekannten Ziele: Hexentanzplatz, Roßtrappo usw. Zum Schluß gab es für jene, die noch nicht müde waren, eine Wanderung, durch das fagenreiche Badeta? mit seiner romantischen Umgebung. Die Rückfahrt wurde program'näßig gegen 7 Uhr von Tkale angetreten. Leider kam es etwa 20 Minuten nach Abfahrt des Zuges zu einem sehr unliebsamen Zwischenfall, dessen Ursache die meisten der Ausflügler nicht feststellen konnten. Einige Wagen in der Mitte des Zuges neigten sich plötzlich so heftig auf die Seite, daß ihr lim- stürzen befürchtet wurde. Es qab Entsetzensschreie und bleiche Ge- sichter. Der Zug wurde durch Notbremsen zum Stehen gebracht. worauf die Wagen wieder in ihre natürliche Lage zurückfielen. Es war trotz aller Bemühungen nicht festzustellen, was die Ursache dieser Fahrtunterbrechung gewesen sein mochte. Ein Gerücht ver- zeichnete das Versagen einer Weichenanlage, wodurch sich die Rad- kränze der Wagen auf die Weichenzunge schoben. Zwei Personen sollen bei der Durcheinanderrüttelung leichte Schäden erlitten haben. Trotzdem lief lzer Zua pünktlich auf dem Potsdamer Bahnhof ein. Es wäre in solchen Fällen bester, wenn die Eisenbabndirektion schon an Drt und Stelle beruhigende Auskünfte über die Art des Unfalls geben würde. Tie Erkrankungen im Kinderheim Buch. Die Erkrankungen in der städtischen Kinderheilanstalt Buch sind, wie das Nachrichtenamt des Magistrats melden kann, besei- t i g t. Neue Erkrankungen sind nach dem 17. September nicht mehr vorgekammen, und alle erkrankten Kinder sind wieder woblauf. Die bakteriologische Untersuchung ini Houptgesundheitsnmt der Stadt hat ergeben, daß es sich um«Ine Infektion mit Paratnphus- b a z i l l e n handelte. Das sind die gewöhnlichen F l e i s ch v e r- a ist er, die mit dem echten Tnphusbazillus nichts zu tun haben. Angenommen wird, daß durch ein Küchenmädchcn. das vorher an Darmkatarrh erkrankt war. eine Infektion des an sich einwandfreien zu Klops verarbeiteten Fleisck>cs erfolgt ist. Tatsächsich tonnten Pnratyphusbazillen sowohl bei diesem sogleich isolierten Küchen- mädchcn, wie mich in den zubereiteten Klops und In den Ent- lcerungen der erkrankten Kinder nachgewiesen werden. Dos Nach- richtenämt hebt hervor, daß durch sofortige Bekam osung»- maßnahmen und schnelle Ermittelung der Infektionsquelle weiteres Unheil verhütet worden sei. Die Preise in den Treptower Lokalen. Die vorgestrige Veranstaltung der Gewerkschaften bedeutet« für die Lotalinhaber an der Spree von vornherein ein zumal für diese Jahreszeit recht gutes Geschäft, selbst dann, wenn d i e Preise mit Rücksicht auf das Arbeiter- und Angcstelltenpublikum, worunter nicht wenige Erwerbslose, etwas mäßiger gehalten worden wären. Im Drange der Geschäfte hattxn die Ortsausschüsse es offenbar verabsäumt, in dieser Beziehung eine Regelung zu schassen, sondern es der Einsicht der Lokalinhaber überlasten, ihre Preise entsprechend einnirichten. Eine Tasse Kaffee 50 Pfennig, ein Känn- chen mu zwei Tassen 00 Pfennig, ein viertel Liter einfaches Helles Bier 35 Pfennig, alles einschließlich der Bedienungsprozente, ent- sprechend hohe Preis« für Selterwasser und Limonade, stt zweifellos zu hoch. Manchen Familien, die in de» Lokalen am Wasser sich niedergelassen hatten, um da» Feuerwerk zu sehen, und deshalb schon auf das übliche Kaffeekochen verzichten mußten, wurde der Aufenthalt finanziell erschwert, wenn nicht gar verleidet. Für die Zukunft muß in solchen Fällen die nötige Vorkehrung getoffen werden, da der Verlaß auf die Wirte sich als verfehlt er- wissen hat. „Aufwertungs-??rontsoldaten." Die gestiige L u st g a rt e n-„D e m o n st ra t i o n' der Auf- wertungsverbändler t»ar ein ideales Experiment für den Tages- Psychologen. Nachdem der Manager des selten geschmacklosen Rum- mels, Herr Roll, In drei Saalveranstaltungen die Spesen seiner Harlekinade gedeckt hatte, rückten vom Norden, Süden und Westen drei Fähnlein der Jnslationsopfer in offensichtlicher Erregung auf dem Schauplatz an. Es mögen etwa 400 Demonstranten und wohl 200 Neugierige gewesen sein, die sich vor der Museumstreppe auf- gestellt hatten. In den Zügen wurden Schilder und Transparent« mit folgenden Aufschriften getragen:..Schließt euch der Lustgarten- dcmonstration der Jnslationsopfer an!"„Fort mit Schacht!"„Auf- lösung des Reichstages!"..Heb' immer Treu und Redlichkeit!" u.a. Dazwischen warb ein Plakat der ernsten Bibelforscher für den bal- digen Weltuntergang. Fortwährend ertönten Hoch- und Nieder- rufe.„Nieder mit dem Betrüger st aat",„An den Gal- gen mit Schacht",„Knüpft den Schuft auf", und das unvermeidliche stereotype:„Die Juden— die Juden..." waren so die Symptome der beispiellos skrupellosen Hetze, mit der einige nicht ungefährliche Demagogen oerzweifelten alten Leuten die Köpfe verdreht hatten. Jenen„Unpolitischen", die trotz ihrer anarchistischen Stimmung mit Fridericus-Rex-Geklingel ankamen und — als sie sich weidlich ausgeschimpft hatten— in seeliger Krieger- vereinsharmoni« die beiden ersten Strophen des Deutschlandliedes sangen. Nachdem Herr Roll sehr richtig festgestellt hatte, daß „nicht das ganze deutsche Volk" seiner Parole gefolgt sei, bezeichnete er seine Gefolgschaft als den..Strumtrupp" der Aufwertung«- „Frontsoldaten". Di? Volksvertreter hätten sich als Volks- oerräter demaskierte Der Reichsbankpräsident habe das Volt be- logen und betrogen, der Terror der internationalen Großfinanz und chrer undeutschen Agenten ruinierte Bürger und Staat. Roll schloß Heute, Dienstag, den 21. September, abenös 7 Uhr in Erbes Aestsälen, Hasenheide 13/15 Mmne MlMlMsSMW für sämtliche Partei- und Betriebssunktionäre der SPD. Tagesordnung: Der fiuWs Der SoilalDetnofrotie gegen Die MeitMgleik. Referenten: ReickiStagSabgeordneier Arthur Erisplen und Stadt- verordneter Ernst Reuter.— Funktionärausweis für 192S und Parteibuch legitimiert.— Fahrverbindung Nord-Südbahn bis Hermannplatz.' ver Bezirksvorstand. in markiger Pose mit dem Rütlischwur. Der Provinziallandtags- abgeordnete Beer forderte Annullierung des Dawes-Paktes, Strei- chung der Abgeordnetendiäten. Anklageerhebung gegen einige Dutzend Minister, Amtsenthebung des„sogenannten Reichsbankpräsidenten" und ähnliche Niedlichkeiten. Das Publikum reagierte auf jeglichen Kohl leidenschaftlich. Nach der Versammlung bildeten sich wilde Gruppen: Hier suchte der Synditalist Fichtmann für seine Ideen Jünger zu züchten, dort krakeelten einige Femephysiognomien über das„Judengestndel" und fabelten vom Auszug der Kinder Isreal nach Palästina. Was die„Führer" der Hundertprozentigen eigentlich wollten, weiß kein vernünftiger Mensch. Die Tcmpelhofer Feld-Siedlunq. Gestern nachmittag fand eine Besichtigung der Siedlung der Gemeinnützigen Tempelhofer-Feld-Heimstätten- Gesellschaft statt, an der u. a. der preußische Minister des Innern, Genosse Severing, der Staatssekretär Scheidt, Vor- sitzender des Aufsichtsrats der Gesellschaft, und der Polizeipräsident, Genosse G r z e s i n s k i, teilnahmen. Di« Siedlung, zweifellos die größte und wohl eine der schönsten Siedlungen, die nach dem Kriege entstanden sind, umfaßt«in Gelände von 916 000 Quadratmetern. Zwei Drittel der Gesamtfläche ist, wie der Geschäftsführer, Bürger- meister W i e f e n e r, ausführte, der Errichtung von 1600 Eigen- Heimen vorbehalten, wovon bereits 700 Häuser fertiggestellt und Sogar«in Kosaken-Ehor belebte am Sonntag den festeren Abend", allerdings klingen das Wolgalied oder Abendtläng« eher melancholisch als heiter. Ein vereinigter Mandolinenchor, der mit Walzern, Märschen und Romanzen aufwartet«, dürfte einer Menge Hörern gefallen haben, als Kunstleistung kann er aber beim besten Willen nicht gewertet werden. Angela S a x sang dann Lieder aus mehr oder minder modernen Operetten. Ihr hübscher Sopran reicht dafür aus, auch ihr Vortrat) ist graziös und liebenswürdig. Aber dem Komponisten der„Adrcenne", Walter W. Goetze, scheint nicht allzuviel einzufallen. Und der Tenor Alfred Strauß zählt be- stimmt nicht zu den prominenten Vertretern seine» Faches. Heitere Abende können nicht oft genug gegeben werden, aber in anderer Aufmachung. Auch die moderne Operette hat einiges Gute hervor- gebracht, viele Opern, neue, auch alte, zeichnen sich durch wunder- volle Walzer und heiter« Arien aus. Man könnte vielleicht wieder einmal darauf zurückkommen und das Programm mit erlesenen Dingen füllen, und die besten Sänger sind für den Rundfunk noch nicht gut genug. Die„Stunde der Lebenden" befaßt sich mit dem Schriftsteller Frank T h i e ß. besten Romane„Die Verdammten" und „Der Tod von Falern" großes Format zeigen und ihn in die erste Reihe deutscher Erzähler stellen. Die Einführungsrede Hein, Strohs bringt nichts Erschöpfendes trotz ihrer Ausdehnung.. Edith Ester Korten liest die Novelle„Voghi aus dem Band«„Kampf mit dem Engel" manchmal zu überhastet, ohne die ruhige und über- legene Haltung, den der Vortrag epischer Werke erfordert. Ein Fortschritt im Programm des Rundfunks ist festzustellen. Die Nooellenstundc am Montag hat ihren Charakter geändert. Di« parfümierten Feuilletons find verschwunden. An ihrer Stell« kommt nach Gottfried Keller Anzengruber zu Wort, den Fritz K a m p e r s saftig und vyr allem mit richtigem Dialekt liest. Am Abend die Fortsetzung des Zyklus„Lyrik unserer Zeit". Auf Dehme! folgen Mombert und Dauthendcy. Man spannt den Zyklus sehr weit. denn es ist fraglich, ob Dauthendcy trotz aller Vollendung in der Form, trotz Neuauflagen seiner Werke und trotz des Reichtums seiner Sprache uns heute noch viel bietet. Mombert, beinahe vergessen, wartet auf.seine endgültige Anerkennung. Oskar L o c r k e spricht von dem Lyriker des Alls mit begeisterten Worten, sieht in ihm einen der tiefsten und umsassendsten Dichter der jüngsten Vergangen- heit. Karl E b e r t rezitiert darauf an Stelle des verhinderten Fried- rich Kayßler. Etwas trocken spricht er die blühenden Verse Dan- thendeys, aber für Mombert brinat er Verinnerlichung mit. Vorher der zweite Teil der Kammcrmusikfolge: zwei Oktette für Bläser von Haydn und Mozart. Hervorragend die Wiedergabe. Flemming, Zell, Kohl,'Heydiri, Scheiwein, Lange. Rembt und Stengel ver- einigen sich in einem müstergültigen Zusammenspiel, glanzvoll Ist der Klang der Instrumente. Dss Rundfunkprogramm. Dienstag, den 21. September. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 12 Uhr mittags; Die Viertelstunde für den Landwirt. 4.S0 Uhr nachm.: Johann Christian Günther: Vortrag und Roiitationen von 0. M. Röhn. 5— 6 Uhr abends: Naohmittapskonzert der Berliner Fnnkkapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kanffraan. Anschließend! Ratsehläge fürs Haus. Theater-" und Filmdienst. 6 30 Uhr abends: Stunde mit Büchem. RenA Schickele:„Ein Erbe am Rhein". Jack London:„Der Seewolf und„Lockruf des Goldes". Raymond Rodiguet:„Den Teufel im Leib" und„Das Fest". Gudmundur Kamban;„Ragnar Finsson". 7 Uhr abends: Gustav Hochstetter:„Es herbstelt". 7.25 Uhr abends: Hans- Bredow-Schule(Hochschnlkursel. Abteilung Kulturgeschichte. Dr. Gustav Keokel:„Deutschlands Kulturhczienungen zu den skandinavischen Lfindem im Wandel der Zeiten(Mittelalterl". 8 Uhr abends: Sendespiele. Die Entwicklung der deutschen Oper: II. „Die Zauberflöte". Oper in zwei Teilen von W. A. Mozart. Text von Emanuel Schikancdor. Dirigent: Georg SzAU von der Berliner Staatsoper, Leitung: Comelis Bronsgeest Sarastro: Otto Helgers; Die Königin der Nacht: Sabine Weyen; Pamina. ihre Tochter: Greta Stückgold; Erste Dame; Maria Hussa-Greve; Zweite Dame: Gertrud Runge; Dritte Dame: Hildegard Gajewska; Erster Knabe: Emmy Göttinger; Zweiter Knabe: Isa PaUaach; Dritter Knabe: Lilli Dreyfuß; Tamino: Rudolf Lenbenthal; Sprecher: Louis van de Sande: Papageno: Comelis Bronsgeest; Papagena: Tilly de Garmo; Monostatos, ein Mohr: Waldemar Henke. Priester, Damen. Volk, Sklaven. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tage-.nach richten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. Königswusterhaosen, Dienstag, den 21. September. 8— 3.80 Uhr nachm.: C. M. Alfleri und v. Eyseren: Spanisch. 3.30—4 Uhr nachm.: Prof. Dr. Lewandowski: Einfluß der Schule auf die Gesundheit der Schulkinder. 4—4.30 Uhr nachm.: Dr. Bans Lebe de: Klassische Dramen auf der Bühne. Shakespeare. 4.30—5 Uhr nachm.: Aus der Pädagogischen Welt. 5—8 Uhr abends: Dr. Muckermann: Die Krisis in der Menschenrassen- künde der Gegenvait. 7— 7 30 Uhr abends: Dr. phil. Wegner: Aufgabe und Notwendigkeit des Vogelschutzes. Geschichtliches uud Gesetzliches. 7.30—8 Uhr abends: Dr. Fechter: Die Selbstbiographie Levis Corinthe. 8 Uhr abends: Uebettragnng ans Berlin. bis auf elf bezogen sind, während weitere 166 Häuser demnächst fertiggestellt werden. Die Grundfläche mit Garten eines jeden Hauses beträgt durchschnittlich 300 Quadratmeter. Außerdem errichtet die Gesellschaft, die aus der Stadt Berlin und dem Freistaat Preußen gebildet ist, M i e t h ä u s e r zur Randbebauung mit Zwei- und Dreizimmerwohnungen. Diese Häuser sind nicht zu verwechseln mit den Hochhäusern an der Berliner Straße, die von der Berlinischen Bodenqesellschaft hergestellt werden. Während die Eigenheime bei einer Anzahlung von 6000 bis 7000 M. durchschnistlich 26 000 bis 30 000 M. kosten, werden sich die Wohnungen, die erst im Hochbau fertig sind, erheblich billiger stellen. Eine Wohnung von zwei Zimmern, Küche, Badezimmer usw. wird voraussichtlich, bei einem einmaligen Baukostenzuschuß von etwa 700 M., etwa 60 M. monat- sich Miete kosten. Die Siedlung, die man als Mittelstands- siedlung ansprechen muß, zeichnet sich ganz besonders durch ihre schöne gärtnerische und architektonische Anlage aus, sowie durch die Tatsache, daß sie sozusagen inmitten der Großstadt eine kleine rei- zende Gartenstadt für sich bildet. Bildungsarbeit im Grünen. Der Bezirk Berlin-Brandenburg des Reichsausschusses für sozialistische Bildunsarbeit hat jetzt erneut einen Versuch unternommen, fern von Berlin, und doch in leichter Erreich- barkeit, einen Vortragskursus zu veranstalten, der der Vertiefung der wichtigsten Fragen des Sozialismus dienen soll. Der unermüdlichen Arbeit der Genossin Schmidt in Falkenberg war es gelungen, in dem Waldlokal Oberkietzmühle des Genosten Wagner bei Freien- walde ein ruhiges, idyllisches Plätzchen zu ermitteln. Hierher pilgerten am Sonntag unter Führung des Genossen D ö b l e r etwa 24 Genossen und Genossinnen verschiedener Altersstufen. Der Nach- mittag oereinigte alle zu Spaziergängen in der prachtvollen Um- gebung. Der sinkende Abend sah jung und all im großen Kreis beisammen. Volkslieder aus frischen Kehlen klangen durch den stillen Wald. Nach erquickendem Schlaf in einer Stille, die den Berlinern ganz unwahrscheinlich vorkommt, war man schon um 6 Uchr früh auf den Beinen. Mit dem ersten Frühzug erschien der Kursusleiter, Genosse Dr. Karl Schröder, der vom Montag, den 20., bis Sonntag, den 26. September, in einem siebentägigen Kursus das Hauptthema„Marxismus in der Gegenwart" abhandeln wird. Ein Versuch, so sagte der Vortragende in seiner Ein- leitungsansprache, soll dieser Kursus fein, in den Hörern etwas aus- zulösen, was nicht nutzlos verpufft, sondern sie anreizt, das Auf- genommene und innerlich Erlebte auch in die Tat umzusetzen. Kein Buchstabenwissen, kein Gedächtnisballast soll vermittelt werden, sondern lebendiae» Wissen. Es wird weniger gelehrt als gefragt werden. Die Hörer werden reden und diskutieren, werden sich aussprechen, werden, immer im Rahmen der Grundidee: W i e lassen wir Sozialismus lebendig werden? alles das zur Sprache bringen, was ihnen auf der Seele liegt, was ihnen keine Ruhe läßt und' worüber sie zur Klarheit zu kommen trachten. Auf diese Weise wird man dazu kommen, zu erkennen, daß nur so das Wort: Wissen ist Macht! Sinn bekommt. Es geht um das richtige Wissen, nicht um jenes, das die bürgerliche Welt nur durch ihre Schulen und Hochschulen verbreiten läßt. Mit diesen Worten hatte der Redner sofort seine Zuhörer gepackt und so begann ein frohes lustoolles Arbeiten, über das noch zu sprechen sein wird Straßenbahn und Siedlung Britz. Man schreibt uns: In überraschend kurzer Zeit sind große Flächen de» von der Stadt Berlin gekauften Ritterguts Britz bebaut worden, und wo vor einem Jahre noch Felder waren, dehnt sich heute ein ganze» Netz neuer Straßen aus. Hunderte von neuen Wohnungen sind schon bezogen, und von Monat zu Monat gehen neue Bauabschnitte der Vollendung entgegen. Leider hat die Straßenbahn, die als einziges Verkehrsmittel hier draußen in Frage kommt, dem sich täglich stelgeinden Verkehr in keiner Weise Rechnung getragen. Lediglich zwei Linien, die 1 7 und 147, vermitteln in Abständen von je einer halben Stunde den Verkehr zum Zentrum der Stadt. Da beide Linien schon von Rudow bzw. vom Krankenhaus Neukölln kommen, ist die Bahn am Buschkrug schon immer voll besetzt. Warum wird nicht die 48, die jetzt an der Iohnstraße endet, bi» zum Buschkrug verlängert, wenn man schon nicht eine der vielen am Bahnhos Neu- kölln endigenden Linien bis Britz, Buschkrug verlängern will? Jedenfalls wird man verlangen dürfey, daß dem großen hier vor- liegenden Verkehrsbedürfnis von der Straßenbahn recht bald in ausreichendem Maße Rechnung getragen wird! Obftverkauf im Straßenhandel. Der Reichsoerband ambulanter Gewerbetrei- b e n d e r schreibt uns zu unserem Artikel„Billiges Gemüse und Obst" folgend«»: Wenn der Großhandel in Obst und Gemüse die Mitteilung ge- bracht hat, daß die Zufuhren an Obst und Gemüse stark sind, so triff: dies wohl zu, wenn aber behauptet wird, daß der Verbraucher 100 Proz. Zuschlag zahlt, so ist das bei keinem unserer Organisation angeschlossenen Kollegen der Fall. Die Einkaufspreise, wie diese im Artikel angegeben, sind richtig, jedoch die Verkaufspreise sind vielleicht im Lädenkleinhandel zutreffend. Es muß beim Straßenhandel festgestellt werden, daß er nach dem Aussortieren der schlechten Ware, welche 20 Proz. und teilweise mehr beträgt, bei einem Einkauf des Obstes von 7 bis 8 M. pro Zentner das Pfund mit 10 bis 12 Pf. und sogar noch billiger verkauft, so daß häufig nestle'S IDEAL-MILCH die keimfreie� ideale Milch ohne Zusatz von Zucker oder sonstigen Konservierungsmitteln Die In leUler Zelt häufiger aufgetretenen TyphUSepidemiCD mahnen zur Vorsicht beim Genuli von Gelränken. Um allen Gefahren zu entgehen, nehme man Jetzt NESTLE'* IDEAL' N1LCII undvermisdie diese mit abgekochtem Wasser Man erhalt so eine vollständig keimfreie und wohlschmeckende Trinkmilch. NESTLE'* IDEAL-MILCH stammt aus dem bayerischen Allgäu. dem besten Mllchgeblet Deutschlands. Sie Ist reine unverfälschte Alpenmilch, welcher lediglich Wasser entzogen worden ist. Während des.ganzen Herstellungsverfahrens, das auf höchster Stufe modemer Hygiene steht, kommt die Milch nie mit der menschlichen Hand in Berührung und es Ist mithin Jede Oarantie tür völlige Keimfreiheit gegeben. Aufgeklarie Hausfrauen verwenden im Haushalt nur noch NESTLE s IDEAL MILCH Verkanfsdirektton i „LINDA"-GESELLSCHAFT■" IttEAiMilÖ1 B H. Ueberau erbSIUldh! Berlin W J7, Bülowstratze 56 nur 2 bis 3 ißf. pro Pfund, einschließlich der Unkosten für Anfuhr, Mieten, Stall, Remise usw. verbleiben. Ganz besonders müssen wir uns dagegen wehren, daß das Publikum beim Straßenhandel viel- fach schlecht bedient wird. Ausnahmen sollen vorkommen. Aber gerade die dem Reichsverband ambulanter Gewerbetreibender an- geschlossenen Straßenhändler machen es sich zur Aufgabe, dem Publikum und ganz besonders dem arbeitenden, welches hauptsächlich Käufer im Straßenhandel ist, gute Ware zu billigen Preisen zu liefern. Ferner ist der Straßenhändler ein wichtiger Faktor im In- teresse der Volksernährung. Denn Obst und Gemüse, welches in Eilgüterzügen in Berlin eintrifft, kann eine längere Lagerung nicht vertragen: um nun diese gerade für die Arbeiter und Angestellten so hochwichtigen, die Gesundheit fördernden Nahrungsmittel nicht verderben zu lassen, müssen diese sofort und in vollem Umfange und hauptsächlich zu erschwinglichen Preisen von den Straßenhändlern umgesetzt werden. Nach einer aufgenommenen Statistik beträgt der Umsatz des Obstes in Berlin durch den Straßenhandel allein gegen 70 Proz. Wir wollen hierzu bemerken, daß von dem Straßenhandel in beiden Beiträgen nicht die Rede war. Wir haben stets anerkannt, daß der Straßenhandel als preisreguliercnder Faktor im Wirtschaftsleben der Großstädte unentbehrlich ist. Wäre er nicht vorhanden, so mühten die Verbraucher die Ware noch teurer bezahlen als es jetzt schon der Fall ist. Die Sladkverordnetcnverfammlung hat ihre nächste Sitzung am Donnerstag um?L5 Uhr. Auf der Tagesordnung steht unter anderem eine lange Reihe Anfragen. Verkehrsstockung am willenbergplah. Wer gestern um die sechst« Nachmittagsstunde die Tauentzienstraße am KdW. ent- lang passieren mußte, geriet in ein« ganz unglaubliche Menschen- menge, die weder vor- noch rückwärts sich bewegte, sondern vor dem KdW. Posten faßt«. Der Wagenverkehr stockte, die Schupo hatte nicht genügend Anne, mn den Knäuel halbwegs zu dirigieren. Was war geschehen? Nichts weit und breit zu sehen. Weder ein erzählender Straßenhändler, noch«in streikendes Pintscherl. Also: Es gab zu wohltätigen Zwecken Schauspielerbedienung im KdW. Nun stand man da und erwartete die„Lieblinge". Und da heißt es immer, die Berliner wären blasiert. Billige Aischlag. Dänemark, lassen Di 1«. Andauernde große Fänge, insbesondere aus en preiswerten Verkauf auch in dieser Woche durchführen. Es kommen am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag vom LI.— 23. September zum Verkauf: frische grüne Heringe pro Pfund 20— 30 Pf., Goldbars pro Pfund 25— 30 Pf., Seelach» pro Pfund 20 ißst, im ganzen Fisch, im Anschnitt emsprechend teurer, Mittelzander pro Piund 90 Pf. Die Verkaufsstellen sind wie immer durch Plakate kenntlich gemacht. Doppelselbstmord eine« Ehepaare». Der in dem Hause K o t t busser Straße 4 wohnende KLjährige Wilhelm Heer wurde zu- sammen mit seiner SSjShrigen Ehefrau Rosa gestern in seiner mit G a» gefüllten Wohnung leblos aufgefunden. Ein hinzu- gerufener Arzt konnte bei dem Ehepaar nur noch den T o d fest- stellen. Der Grund zu dem Derzweiflungsschritt ist noch nicht geklärt. wieder Geschichlsunlerrichl im Zirku» Busch. Die Hauptakteure eines Zirkusfes bewegen sich von jeher auf vier Beinen. Ihretwegen geht man in der Hauptsache hin und freut sich ihrer Gelehrigkeit. Als Apotheose erwartet der Zirkusbesucher ein Manegeschaustück init kräftigen Momenten, als da sind: Vor allem ein Massenaufgebot, darunter wieder sehr viel Getier, verwegene Reiter, prächtige Balletts, möglichst einen großangelegten Trick in Form eines Elementar- ereignifse«: Wasser, Feuer oder dergleichen, worin die ganze Riesen- schar öffentlich zu oerschwindcn hat. Warum seit Iahren der Historienkitsch von Preußens Ruhmestagen? Die Witze sind vor- sintflutlich, die Darsteller blödeln in unverantwortlicher Art und Weis«— ganz zu schweigen von der„Tendenz"!!! Geschichte im Zirku» wirkt provozierend blöd. Diesmal marschierte der gute, alte Wrangel auf— so eine Art preußischer Kaiser Joseph II. Die vorgeführte„ergötzliche" Anekdote, deren der gute Wrangel eine ganze Legion besitzt, behä'ndest seine vuartierzeit auf Schloß Krus- b e st o l p«, allwo die Preußentruppen auf ihrem siegreichen Vormarsch gen Norden<1864) Station machten. Hier erlebt er, oder besser gesagt inszeniert er allerhand komisch sein sollend« Situationen. Vielleicht wirkten sie damals— in Premierendesetzungl Heute lachte— die Claaue ausgenommen— kein Mensch mehr darüber. Das einzig Genießbore war noch das vorkommende Ballett. Das vorangegangene Zirkusprogramm hatte neben gutem Mittelmaß eine„Zugnummer" zu verzeichnen: die Ichmanns, ein akro- batischer Lustakt irt höchster Vollendung. Eine grobe Geschmack- losigkeit war die Vorführung eines„Wundermannes mit zwei Köpfen", der aus zwei zusammengeschnallten einbeinigen Invaliden bestand, die nachher getrennt ihre Künste zeigten. Seit wann ran- gieren denn Krüppel unter Abnormitäten? Das edle, direktoriale Preuhenherz geht nach der verkehrten Seite! Verhimmelung der toten Krieger und Verhöhnung der Lebenden, indem man ihr Ge- brechen zur öffentlichen Schaustellung degradiert! Die Naturkatastrophe in ßloriöa. SO 000 Obdachlose.— Ein riesiger Trümmerhaufen. Die furchtbare Wirbclsturmkatastrophe, die am Sonnabend gegen 2 Uhr morgen» Florida, die„Blüten"-Halbinsel am äußersten Südosten der Vereinigten Staaten, heimsuchte, hat, wie wir bereits mitteilten und wie jetzt auch feststeht, mindestens 1200 Todesopfer gefordert, während mehrere tausend Personen verletzt wurden. Rund 50000 Menschen sind obdachslos, da der größte Teil der Häuser mehr oder minder zerstört wurde. Der Schaden, soweit er sich Überhaupt bis jetzt feststellen läßt, wird auf 1 Milliarde Dollar geschätzt. Die K Ü st e Floridas, dieses Landstrichs mit immer- währendem Frühling, ist zum zweitenmal in diesem Sommer von einem Wirbelsturm betroffen worden. Die jetzige Katastrophe gilt als das größte Unglück, von dem die V e r- einigten Staaten jemals heimgesucht worden sind. Furchtbar gelitten haben vor allem die berühmte» Seebäder der amerikanischen RIviera. Miami und Palmbeach. die Stätten, wo die oberen Zehntaus end der Neuen Welt ihren größten Luxus entsaltete» und das Uebertriebenfte an Hotel- bauten und Privatvillen in den letzten Iahren entstanden ist. All diese Pracht bildet einen einzigen Trümmerhausen. Selbst die Wolkenkratzer aus Eisen und Beton vermochten dem Druck des Windes und der Fluten nicht standzuhalten. Die Ver- beerungen sind so furchtbar, daß es zunächst schwer war, überhaupt in da» zerstörte Gebiet vorzudringen. Die ersten B e o b- Achtungen wurden vom Flugzeug aus gemacht. Der An- blick war furchtbar. In den Städten und längs der Küste sah man in dem Trümmerfeld Haufen von Leichen. Zwar sind zahlreich« Hilfszüge aus allen großen Städten des südlichen Amerikas unter- wegs nach dem Unglücksgebiet, aber sie kommen nur sehr schwer vorwärts, da die Bahnanlagen ebenfalls zerstört wurden. Don der Gewalt des Sturmes kann man sich eine Vorstellung machen, wenn man hört, daß Schiffe vom Hafen Miami mitten in die Stadt hineingeschleudert wurden. So erging es u. a. dem früheren „Meteor" Wilhelms II. Unter den Besitzungen, die zerstört wurden, befinden sich auch die Villen von Ford und Edison. Deutsches Beileid zur kiakaslrophe in Florida. Berlin. 20. September. hat. Tochterfadriken bestehen in Genthin(bei Magdeburg) uich? raffeln < Schweiz)._ Sriefkasten der Redaktion. 9L C. 1. Unsere» Wissen« ja. 2. Schreiben Sie-ach Breslau.— K. 7». Die Erhebung von destimmien Brozenifähen ist unzuliissig. Die Borteilung be« Gemeindezuschlage« hat im Wege de» Umlageverfahren» nach dem Ber- hältni» der Friedensmiete zu erfolgen, gnr Kürzung de« Hundertfotze» ffir Schdnheitsreporaturen dürften Sie nicht berechtigt sein.— V. K. IM. 1, und 2. Stein. 8. Gibt es nicht. heiße Haipaus Mocca"! ich bin zu Hause in Yr«lay in der Ggarcttcnfabrik Halpatis, tifc) muß nach Berlin. Man raucht dort gern gute und preiswerfe C<84* retten.• Idi bin eine besonders gute Und besonders preiswerte Cigarette. ASMAüO 4i weihetage in Leipzig. �ls am Freitagmorgen die Mitglieder der Bundesverwaltung Zu ihrer ersten Tagung im neuen Hause zusammentraten, waren noch viele fleißige Hände am Werk, um das prächtige Bauwerk für den Weiheakt herzurichten. Am nächsten Morgen präsentierte sich dann das schöne Haus prächtig geschmückt, bligsauber den erwar� tungsvollen Gästen, die schon in hellen Scharen aus allen Gegenden des Reiches herbeigeeilt waren. Meist waren es ältere Bundes- Veteranen, die es trotz aller Nöte der Zeit möglich gemacht hatten, an der denkwürdigen Feier teilzunehmen. Stolz und Freude leuchtete allen aus den Apgen über das nun vollendete, über alles Erwarten großartige Werk. Wohl selten hat es im Leben deutscher Arbeiter schönere, harmonievollere Tage gegeben als diese vom herrlichsten Sonnenschein überleuchteten Tage von Leipzig. Dem erhebenden Eindruck, den dieses fast ganz aus eigenen Mitteln des Bundes geschaffene Werk aus den Beschauer macht, kann sich niemand entziehen. Nicht nur das Acußere des Baues, so die schön gegliederte Sandsteinsront, ist voll köstlicher Anmut, sondern auch die innere Einrichtung, von den prächtigen Hör- und Uebiingsräumen bis zu den blitzsauberen, lichten Schlafzimmern, fugt sich zu einem selten schönen Einklang der Formen und des Stils. Das Vestibül mit seiner schönen, äußerst geschmackvoll ver- wendeten Keramik ninimt das Augs des Besuchers gesangen. Dieser Eindruck oerstärkt sich, je weiter man in das Innere des großen Baues vordringt. Ein Rundgang durch dieses Haus müßte selbst den ärgsten Griesgram heiter stimmen. Der W e i h e a k t vollzog sich in würdiger Festesstimmung. Nach dem Festgesang der allzeit bereiten Thonberg-Stötteritzer Sänger unter ihrem rühmlichst bekannten. Dirigenten Paul Michael trug eine junge Sportlerin mit künstlerischer Vollendung einen von Fritz Wildung verfaßten Prolog vor. Hierauf leitete der Bundcsvorsitzende die Feier mit wenigen guten Worten ein und gab dann dein verdienstvollen Schulleiter, Genossen Bencdix, das Wort. Nur wenige, die dem bescheidenen Manne zuhörten, ahnten wohl, daß hier ein Mann sprach, der auf dem Gebiete der neueren Körpererziehung ein Sucher und Neuerer von hohem Rang ist. Seine näheren Freunde aber wissen es: Solange dieser Mann das Institut leitet, wird es nur Aufstieg geben. Unter den nun folgenden Gratulanten sind zu nennen: Wirtschaftsminister E l s n e r, der für die sächsische Regierung sprach, Stadtrat Stahl» Leipzig, der den verreisten Oberbürgermeister vertrat und zugleich im Namen des Präsidenten des Deutschen Städtetages sprach. Ihnen folgte Genosse L i- p> n s k i im Namen der Partei, und dann die deutschen und aus» ländischen Brudcrverbände. Die Reichsminister Dr. Külz und Dr. Ncinhold hatten telegraphische Glückwünsche übersandt. Der Sonntag war der Tag der Massen. Den Leipziger ' Einwohnern dürsten noch lange die Ohreck gellen von der fast be- täubenden Wucht der Trommeln und Pfeifen des 4000 Mann starken Bundcstambourkorps. Das Spielen dieses Ricsenorchesters auf dem schönen Augustaplatz war eine Sensation. Auf dem reizend gelegenen Waldsportplag des Vereins„Vorwärts-Süd* bewegte sich dann später eine vieltausendköpfige festsreudige Menge, die besonders die sämtlich pünktlich eingelaufenen'S t a f e t t e n herzlich begrüßte. Wohl kaum einer unter all den Tausenden dürft« je schönere Festtage mit«riebt haben als die sonnigen Weihetage von Leipzig. Mögen sie noch lange leuchten weit hinein in eine glückliche Zukunft der deutschen Arbeiterbewegung. » Unter den alten Parteigenossen, die zur Einweihung der Bundes» schule nach Leipzig gekommen waren, befand sich auch Otto Görtz aus Brandenburg. Ihn dürfen wir heute als Vater des Ar» beiler-Turn und Sportbundes bezeichnen. Wohl keim» ten seinerzeit allknthalben die Sanienkörner zu fruchtbarer Saat, aber Gartz brachte mit anderen Brandenburger Genossen einen Aufruf zur Gründung eines„Märkischen Arbeiter-Turnerbundes". Der Aufruf hatte ungeahnten Erfolg. Am 18. September 1892 wurde diese Gründung vollzogen: gleichzeitig erfolgte auf Antrag von Leipzig, Gera, Hamburg und anderen Orten der einstimmige Beschluß, dos Wirkungsgebiet auf ganz Deutschland auszudehnen, was auch Pfingsten 1893 in Gera durch Gründung des„Arbeiter- Turnerbundes" geschah. Brandenburg ist somit die Wiege des Bundes. Die Freie Turnerschaft Brandenburg entsandte ihren alten, noch heute als Kindcrturnwart und Frauenturner tötigen Gartz, samt ihrem Vorsitzenden S i e d e n t o p p, der der Bundes» schule im Auftrage d�s Vereins ein großes Bild von Gartz zum dauernden Gedenken überreichte. Neben Gartz waren die ersten Vorsitzenden des Bundes erschienen: Moritz Fromm, Hermann Rauh und Emil Mauer: Turngenosse Frey war leider ver» hindert, hatte aber ein Glückwunschtelegramm gesandt. Saalsportfest ües /l-N.-ö. Soliüarität. Der Arbeiter-Radfahrerbund„Solidarität", Gau 9, ver- vnstaltete sein diesjähriges Gausaalsportfest am Sonnabend in der„Neuen Welt". In der Mitte des Saales war für die Vorführung ein freier Raum abgesteckt, der übrige Saal war dicht besetzt mit Mitgliedern und Freunden des Bundes. Mit«ineni Vierundzwanziger-Begrüßungsreigen der Orts- gruppc Berlin wurden die Vorführungen eröffnet. Ein Sechser- S ch u l r e i g e n der Damen aus der Gruppe Reinickendorf folgte. Di« gut gelungenen Schleifen und das Gruppenfahren gefielen all- gemein. Zwei junge Kunftfahrer S o r g a n und G ü t l i n g, ernteten reichen Beifall mit ihren artistischen Leistungen auf dem Rade. Hermann S ch l i« b n e r vollführte mit seinen drei Söhnen Balanceakte. Auf hohen Gestellen, di« über das Rad montiert waren, turnten seine Söhne. Nach einem Auszug der Banner- gruppen und der Ausfahrt der Saalmannschasten sprach der Bundes- kafsierer Zimmermann: Der Bund will durch sein heutiges Fest zeigen, daß die Reigenmannschaften des Gaues gute Leistungen vollbringe» können. Wir wollen für die V o l k s e r t ü ch t i g u n g und Gesundheit der arbeitenden Schichten wirken. In unseren sportlichen Arbeiten bleiben alle politischen Auseinander- setzungen beiseite. Die Brüderlichkeit gilt als oberstes Gebot bei uns; wir haben uns den Namen„Solidarität" gegeben als Symbol: Einer für alle, alle für einen. Aus dem sehr reichhaltigen Pro» gramm wären noch zu nennen das Kunstfahren von B o« i s e n und Bier und des Bergarbeiters G r o g u l a. die Leistungen zeigten, die selbst in guten Varietes selten sind. Das Radpolo- spiel zwischen den Ortsgruppen Tegel und Berlin 8. Abteilung ergab einen äußerst spannenden Kampf. Tegel ging mit einem Borsprung von fünf Toren in die Halbzeit, doch tonnte die 8. Ab- teilung, in der zweiten Halbzeit stark ausholend, noch vier Tore für sich buchen. Die Berliner Ortsgruppen gaben in Sechzehner. Reigen ihr Können zum besten, wobei das harmonische Zusammen- wirken der Fahrer besondere Anerkennung fand. Der Achter- Reigen der Ortsgruppe Luckenwalde denutzte zur Vorführung aus- schließlich das Hinterrad und di« Lenkstange als Sitzplatz. Das Stäi>t«r a db«l l s p i«l Wien— Berlin gewann nach äußerst heftigem Kampf Berlin mit 5: 3. Die stürmischen Zurufe während des Spiels und einige Ungetlärtheiten veranlaßten den Schiedsrichter, über die gewöhnlich« Spielzeit hinaus noch fünf Minuten weiter spielen zu lassen. Di« Veranstaltung war ein gelungener Werbeabend für den Radfahrerbund„Solidarität". /lbbaüen Ser Jrmn Schwimmer Charlottenburg. Das Abbaden der„Freien Schwimmer Eharlotten- bürg" und der aus Siemensstadt war diesmal trotz der späten Jahreszeit von einem Wetter begünstigt, wie es sich zu solchen Ver- anstoltungen nicht bester wünschen läßt. In gemeinsamer Arbeit haben diese Vereine ein Fest aufgezogen, das sich beinahe mit früheren Leistungen der Charlottenburger sehen lasten konnte. Nach einem Aufmarsch aller Startenden mit Festgesang und Ansprache folgte ein F r a u e n r e i g e n, den die Mitwirkenden mit Rosen- bügeln versehen schwammen. Auch ein flottes Wasserball- spiel und Stafetten wurden mit Jntereste verfolgt. Ret- tungsvorführungen zeigten di« ernste Seite des Schwimm. sports und wurden als solche gewürdigt. Mit Wasserspielen und Wasserscherzen, die in reichhaltigem Maße gezeigt wurden, begann der heitere Teil des Festes. Die Höhe des Humors brachte eine Wasserpantomime, di« Revue „Welle 504!�" mit beinahe 100 Teilnehmern. Was hier an Vielseitigkeit geboten wurde, war großartig. Funkturm mit Restaurant und Fahrstuhl, Strandtheater. Strandbad, Altweibermühle, Jugend- bronnen war zu sehen, ferner kam ein richtiger Raddampfer namens „Ludendorff" mit blauer Brille am Schornstein, der zum Schluß abbrannte. Das Lachen wollte kein Ende nehmen, wenn zum Schluß olles im mehr oder weiiiger eleganten Bogen ins Wasser fiel. Alles in allem können die Dereine mit ihrem Erfolg zufrieden fein. Wenn auch noch nicht alles so war, wie man es früher bei den„Freien Schwimmern" gewohnt war, so muß man doch mit Genugtuung feststellen, daß auch in Eharlottenburg nach einer Zeit des Still- standes, in der politisches Renegaten- und Mau'heldentum glaubte, etwas erreichen zu können, wieder neues Leben und neue Tatkraft im Aufkeimen ist. Es wirkte direkt wohltuend, daß die Sendlings aus der KPD.-Zentrale von der Bildfläche verschwunden sind. Dem Verein, an beste» Aufbau schon vor mehr als 22 Iahren unser« Porteigenossen ihr Bestes verwandten, ist dsr beste Erfolg zum weiteren Aufstieg und zur vollen Gesundung zu wünschen. die �ltersriegen in vessau. Die diesjährige„Wanderung" der Altersturner wurde in er- höhtem Maße zu einem W e r b e f e st. Rund 3000 der Alten, zu einem großen Teil leitende Funktionäre, waren aus Leipzig(über 800), Anhalt(600) und Berlin(über 1400) herbeigeeilt, der Bundes- vorstand war stark vertreten, nur von der Leitung des 1. Kreises, der die Mark Brandenburg umfaßt, war technisch wie geschäftlich wenig zu sehen. In Dessau, wo am gleichen Tage ein schwarzweißroter Armee- und Marinetag stattfand, wurde aus der turnerischen Heer- schau eine Solidaritätskundgebung mit der Gesantt- arbeiterschaft. Rot und Schwarzrotgold standen in Reih und Glied gegen die Repräsentanten des alten monarchischen Obrigkeits- staates. In schlichter, aber sehr eindrucksvoller Form feierte der große sozialistische Gedanke einen Triumph! Die Leipziger langten bereits am Sonnabend in Destau an, wo ein Werbeabend im großen Saale des Dolkshauses stattfand. Die Berliner fuhren am Sonnabend zunächst nach Coswig, wo ein kurzer Kommers im schwarzrotgold und rot geschmückten Volks- Haus stattfand. Ein Teil der Altersturner konnte es sich nicht ver- sagen, den Kommers bis in den frühen Morgen fortzusetzen und durch Lärmen allen anderen die Nochtruhe zu nehmen. Dabei ereignete sich leider ein schwerer Unglücksfall. Man sollte diesen Bacchus- anhängern in oller Deutlichkeit zu oerstehen geben, daß diese Eni- Würdigung des Arbeitersports nicht mehr geduldet wird. Am Sonn- tag enolgte frühmorgens Abmarsch nach dem Park von Wörlitz, der in kleinen Gruppen unter Leitung von Führern besichtigt wurde. Sechs Stunden waren hier dem Wandern und Besichtigen gewidmet, woran die inzwischen eingetroffenen Leipziger teilnahmen. Nachdem die Kleinbahn alle Teilnehmer nach Destau gebracht hatte, erfolgte hier ein wirkungsvoller Umzug durch die Stadt. Hakenkreuzler und Rechtsverbände waren zum Armee- und Marinetag versammelt, durch Beflaggung der Häuser in schwarzweißrot und den anhaltischen Landesfarben grünrotweiß sollte Dessau im Zeichen der Rechts- Putschisten stehen. Aber als der lange Zug der Altersturner mit den roten Vereinsfahnen, mehreren Musik- und Tambourkorps an- marschierte, strömte die Bevölkerung in großen Scharen herbei und bildete Spalier. Dicht gedrängt versammelte sich eine unübersehbare Menge auf dein Marktplatz. Die Destaucr Arbeitersänger bewill- kommneten alle Anwesenden durch ihren Gesang, Begrüßung?» ansprachen folgten, und als der Gesang der Internationole über den weiten Platz schallte, war es wie ein Gelöbnis, daß freie Turner und Gelamtarbeiterschaft eins sein müssen, um dem Ansturm der Reaktion, besonders in der Provinz, einen festen Damm entgegensetzen zu können. Im eigenen Heim der Destauer Arbeiterschaft, dem großen Tivoli-Garten nebst Sälen, bildete ein gutes� Programm den Ab- schluß des Tages. Auf dem danebenliegenden Sportplatz der Destauer Arbeitertuner fanden Spiele statt. Ein Faustballspiel Leipzig gegen Groß-Berlin-Süd konnten die ersten knapp mit 52:34 Punkten für sich entscheiden. Um 8 Uhr abends brachten Sonderzüge dann die Teilnehmer wieder in ihre Heimat. Der Leitung der Peranstaltung, ebenso den mitwirkenden Musikkapeoen, Sängern usw. kann für die organisatorisch wie technisch gute Durchführung die Anerkennung nicht versagt werden. Die Verpflegung und Unterbringung der Masten brachte aber reichliche Schwierigkeiten, die besonders in Coswig nicht ganz überwunden werden konnten. Die alte Turner- stadt Destau werden die Alterstuner noch lange in guter Erinnerung behalten._ Turnspiele. Innerhalb des Stiftungsfestes Wilmersdorf fand am Sonn- abend ein Handballspiel Groß-Derlin, Vereinsmannschast, gegen Adlershof statt. Beide Mannschaften traten vollzählig an. Mit dem Anwurf von Adlershof entwickelt sich ein flottes und oer- teiltes Spiel. Nach 10 Minuten kann Adlershof durch Haldlinks zum ersten Tor«insenden, dem Groß-Berlin bald durch Halbrechts den Ausgleich entgegenfetzen kann. Adlershof kann bis Halbzeit noch drei Tore einsenden. In der zweiten Hälft« befindet sich Groß- Berlin oft vor dem Adlershofer Heiligtum, kann aber keinen Tor- erfolg erringen, denn Halbrechts schießt viermal daneben. Adlers» Hof kann das Resultat auf sieben erhöhen. Mit«inbrechender Duntelh-it beendet der Schiedsrichter, welcher dos Spiel vollständig in der Hand hatte,«in trotz großen Eifers faires Spiel. Sonntag vormittag betraten die Turnerinnenmann» fchaften der Bezirke Süden und Wedding den Platz. Bis zur Halbzeit konni« Wedding drei Tor« erringen und es später bis auf vier Tor« bringen. Süden konnte dem nichts entgegensetzen. Der Halblinken von Wedding wäre zu empfehlen, das Protestieren während des Spieles zu unierlasten. Am Nachmittag« konnte Süden im Männerfauftball Wilmersdorf mit 23 zu 44 Angaben schlagen, während im Trommelball Wilmersdorf Süden mit 66 zu 84 Angaben besiegte. Sport und SSrperkrafi. Bei dem Arbeitersportfest in Teplitz- Schönau wurde»-rft- malig sportärztliche Untersuchungen der leichtathle- tischen Teilnehmer vorgenommen. Sie bezogen sich auf Vorunter- suchungcn zum Zweck der Ausschaltung ungeeigneter Sportler und Nachuntersuchungen, um den Einfluß der sportlichen Betätigung au? den Organismus festzustellen. Das Gesamtkon st itutions- bild wurde von den Aerzten als nicht ungünstig bezeichnet, wober allerdings die Sportlerinnen bester abschnitten als die Turner, bei welchen Untergewicht und verminderte Körpergröße vereinzelt festgestellt wurden. Hieraus ergibt sich die Schlußfolgerung, daß die Leiter von Turnvereinen periodische Messungen an den Turnern vornehmen lassen müssen, um den fördernden oder nachteiligen Einfluß der vom einzelnen geforderten Leistung auf die Körper- Verfassung feststellen und danach das Maß der sportlich erlaubten Belastung für den einzelnen bestimmen zu können. Auch Hinsicht- lich der Kreislaufverhälinisse der Sportler waren die Feststellungen erfreulich. Sportler, bei denen die Eiweißausscheidungen über das Normale hinausgingen, wurden von den weiteren Wettkämpfen zurückgehalten und ihnen eine Nachuntersuchung durch ihren Arzt empfohlen. In dem Protokoll der beiden Aerzte hieß es am Schluß:„Wird das L-istungsmatz. das der Organismus selbst be- stimmt, überschritten, so wird nicht nur das sportliche Durchschnitts. resultat, sondern der einzelne schwer an seiner Gesundheit getroffen. Der an den Sportbetrieb naturgemäß geknüpfte Wettbewerb mit seiner Forderung nach persönlicher Höchstleistung muß dem ärztlichen Beobachter bedenklich erscheinen. Er wird gefahrlich. wenn nicht obligatorische Voruntersuchung aller Teilnehmer sich be» müht, ein gerechtes Verhältnis zwischen Sporleifer und Lelstungs- vermögen eines jeden herzustellen." Auhballspiel..Nord- Süd". Während in Leipzig di-„Bundeslehrschulc" ihrer eigentlichen B-ftimmuns Übergeben wurde, trafen sich in Berlin die Anhänger der �rbeiter-Fußball- bewegung, um diesen Tag durch ein Spiel zweier Auswahlmannschaften sestlichi zu begehen. Nach einer ziindcndcn Ansprache des Sportgenossen Zobel erSsfnet„ di->. Mannschaft das Spiel. Langsames Abtasten nach schwachen Punkten laßt da, Spiel zunächst offen. In der 6. Minute gibt Rechloausicn von B. den»all gut zur Mitte. Hier streiten sich aber Halblint» und Mittelstitriner, wer das ersie Tor machen soll, bis der Ball vom Torwart, als lachendem Dritten, auf- genommen und zur Mitte gegeben wird. Jetzt wird«. tangsam itberlegen� Sin scharfer Schutz des Rechtsautzen verfehlt nur lnapp fem Ziel. Schnell lau» Linksoutzen durch. Seine gut eingegebene Flanke lenkt der Mittelnllrmcr ins Tor. 1: 0 fllr A. Nach Wicderanstotz geht A. wieder vor, doch reicht»» nur zur S-ic. di- aber nichts einbringt. Bei B. vcrmitztc man im Sturm jeglichen Zusammenhang. In der 2Z. Minute hat A. ein- gute Gelegenheit zum Erfolg, doch Rechtsautzen„onkell". Schnell lauft Rechtsautzen von B. vor und kann die Verteidigung gerade noch zur Eike lenken. Gut getreten, faustet t>cr Torwart jedoch noch besser. Wieder geht der A.-e-turm vor. Eine scharf- Flank« Linksaußen geh, dicht am Tor entlang und Halbrechts lauft am Ball vorbei. somit wieder eine gut- Gelegenheit verpassend. Einen scharfen Schutz des BalM- linken hält der Torwart blendend. Gleich darauf der Tvrwart«ichltch Giu-k. da der Ball scharf vom Pfosten abprallt. Doch S Minuten spater erreicht ihn das Schi-lfal. Rechtsautzen von A. läuft zur Mitte. Der T-rwart wirft sich dem weit vorgeltotzenen Ball entgegen, ver, ehit ihn jedoch. Rechte-utzen fetzt nach und sendet scharf ein. 2: 0 fllr A. Weiter bleibt A. im Borteil. In der«0. Minute erringen sie das dritte Tor, dem in der iZ. das»ircte fol�.— Nach der Paule ist das Spiel verleilt-r. Nur dein vollkommen planlosen Spiel des B.-Swrms.hat es A. zu verdanken, daß Erfolge ausbleiben. Die Linter- Mannschaft von B. ist jetzt auch besser geworden und kann A. dadurZ, aiich keine Tore mehr erzielen. Schon glaubt alle», datz" b'' i'£!. f°' bleiben werde. Kur, vor Schlug erringt B. ein« Eike, die vom Mitt-Näufer unhaltbar eingeköpft wird. Dann ist Schlug eines autzerst fairen Spiels,-as vorher ftatlgekundene Schlllerspiel gewannen die Wilmer-dorfcr Mit«. 1 über M-Msdors. Das Spiel der..Alten Herren" endet« unentschieden 2.- «eitere Resultat-! Spandau konnte gegen Bri-sel-ng nur mit 3. 2 g«. minncn. Eine S: V-Niederlage mutzte sich flnritz von Rathenow gefallen lassen. Eachs-nbanr-n gelnna es. gegen �anw-Soh-ssneuendorf unerwartet Mit s.l zu siegen. Zossen holte sich gegen Kirchmöser eine 3: 1. Niederlage. Woltcradorf gewann gegen Ruhlsdorf mit 4: 2. Wintersport und Naturfreunde. Ein an Enttäuschungen reicher Sommer geht zu Ende. Damit auch für manchen Wanderfrkund die Zeit, in der Rucksack und Wand-rstgd den Win�r. schlaf beginnen. Mit Unrecht! Denn nie wandert es sich schöner durch den stillen schweigenden Wald als wenn der Schnee fein weiges Tuch Uber Papier» reit« und Berbotstafeln breitet. Die ganze Schönheit des Winters offenbart sich aber er« dem Ski-Läufer. Es gibt nichts Schöneres, als an Schnee- fonntagen mit den Breitern bewaffnet der Grotzsiadt zu eniflichen und droutzen die winterlich« Natur zu genietzen. Di« Ratursreund« haben ein« Gemeinschaft der Schn-efchuhl-ufer ins Leben qerufen und wollen IN diesem Wmter ver- suchen, bei genügender Beteiligung systematische Arbeit zu leisten! Trocken- kursus, Weihnachlsfahit und andere«. Nähere Auskunft erteilt Emil Korbrich. Neukölln. S-rmannftr. l2Z. Nächsie Zusammenkunft am Dienstag. 28. September. Z48 Uhr. im Jugendheim Treptow. Elsenstr. 3(am Bahnhof Treptow). Oänderringkampf Ruhland— Deulfchlaud. Fllr die Interessenten der Schwerathletik wirb am Freitag. 24. September, in den Sermaniasälen. Chausseeftr. 110, ein autzerordentliches sportliches Er- eignis geboten werden. Eine Rinqermannfcbaft aus Ruftlarvd unternimmt eine Tournee durch Deutschland und wird erstmalig in Berlin mit ellirr komblnier- ten Kreismannschaft in den Kampf treten. Bon deutscher Eeite ist alles getan worden, um ehrenvoll diesen Kampf zu bestehen. In 16 Städten werden dre Russen unseren deutschen Mannschaften grgenlibertreten. Dle Feuertaufe sollen ste in Berlin bekommen, wo sie beweisen sollen, was sie können. Beranftaitcr dieser Kampftournee ist der Arbeiter-Athletenbund Deutschlands. Dauerrudern der ArbeitenvassersporHer. Di« letzte grötzer» sportliche Berauflaltung der„Freien Ruderer und Kanu- sabrer" ist auch in diesem Jahre das Dauerrudei» über 17,5 Kilomrter auf der Strecke Bootsbaus„Borwäris" bis Nohrwallinsel Köpenick und zurück»mir Bootshaus„Vorwärts". Zu dem Rennen der Ruderer haben alle Berliner Arbeiter-Rndervrrcine gemeldet, so datz die stattliche Anzahl van 34 Booten an den Start geben wird. Die Kanusahrcr haben es gar auf 40 Meldungen gebracht. Vor allem sei hervorgehoben, datz auch die jüngslen Glieder der Arbeilrr-Ruderbewegung, der Rudcivcrei»„Vulob" lBund drr technischen An- gestellten und Bcamteni und„Recomania" vertreten sind. Es starten beispiels- weife im„Iunior-Ricmenvierer" zehn Boote und im„Iunior-Doppcl- vierer" neun Boole. Autzcr dem Rennen im„Dovpelkajak sllr gemischte Manntchasten" gehen auch die Kanufahrer Uder hie 17,5 Kilo- Meter lange Strecke. Abgesehen von der Länge drr Strecke stellt da» Dauer- rudern dcsondere Anforderungen an die Mannschasicn, da durch den Start- abstand von 2 Minuten zwischen den einzelnen Booten die„Konkurrenz" wenig oder gar nicht sichtbar ist. Jede Mannschaft mutz also o», sich selbst zur böchsten Leistung kommen. Ader auch an die Steuerleute werden beim Dauer- rudern böchste Anforderungen gestellt, da«S sich hier nicht um«ine abgesperrte Strecke handelt und sich jeder den nächsten Wea suchen mutz, natürlich unter Rücksichtnahme auf den übrigen Perkehr. Di« Rennr» beginnrn am Sonntag vormittag Ii Uhr. Start und Ziel am Bootshaus„Porwärls" in Oberfcköne- weide. Wilhelmftrand. Fahrvcrbindung bis Baumschulenweg, dann übersetzen lassen.__ Tsuriftrnverei»„Die Ratursrenvd«"(Zentrale Wien). Abt. Zrledrichshai»: Dienstag. 21. September, Z48 Uhr. Jugendheim Edertqstr. 12 Leicabend. Frei- tan, 24. September, iili Uhr. Lichtbildervortrag in drr Schule Lange Str. 31: „Die Mark Brandenburg". Eintritt 30 Pf.— Abt. Friedenau: Dienstag. 21. September, 8 Uhr, Jugendheim Offcnbacher Str. 5». Naturschutz und Naturfrcnnde.— Abt. Norden: Dienstag, 21. September, 8 Uhr. Heim Sonnen- burgcr Str. 20, Zimmer 5. Borlefung:„Srnsics und Heiteres".— Abt. Ti«r. garten: Dienstag, 21. September. 8 Uhr. Heim Wiclefftr. 5, Zimmer 8. Ar- beiterdichtiinqen. Abt. Treptow: Dienstag, 21. September, 8 Uhr, Heim Elsrnftr. 3 Gesangsgruppe. Freitag, 24. September. 8 Uhr,„Ernstes und Heiteres aus dem Parlament". Ref.: Gen. Adolf Hoffmann.— Abt. Wedding: Dienstag, 21. September. 8 Uhr. Heim Lütiicher Str. 47/48. Foltbootwandern. — Mufikgemeinschaft: Mülwoch, 22. Ervtembcr, 8 Uhr. bei Lehmann, Saudy- strotze 21, Uebunosstundc.— Abt. Prcinlauc: Berg: Donnerstag. 23. September, Besuch der Urania. Treffpunkt 7 Uhr Alexanberplatz(Berolinaj.— Abt. Lichten. beig: Donnerstag, 23. September. 8 Uhr. Heim Parkau« 10 Vortrag.— Abt. Friedrichshagen: Donnerstag, 23. Eeplcmber.>ä8 Uhr. bei Frey. Friedrich- stratzc 73.— Abt. Scsnndbrunnen: Donnerstag. 23. September. 8 Uhr, im Schillei-Lyzeum. Pank- Ecke Böttcherstratze, Lichtbildervortrag:..Märkische Land- schalten"— Abt. Rcinickcndols: Donnerstag, 23. September. 8 Uhr, im Heim Reinickcndorf-Ost. Seebad. Heiterer Abend.— Abt. ReuksUu: Donnerstag, 23. September. 8 Uhr, im L-im Sanbrrstr. 11 Heimabend. Freilag. 24. Sep- tember, im Heim Kopfstr. 55 Lief Ibildeivortrag:„Mit Käfch«! und Lupe".— Ortsgruppe Berlin: Mittwoch. 22. September, Zh8 Uhr, in der Sichu?« Pankow, Wollankftr. 130. Lichtbildervortrag mit farbigen Lichtbildern:„Die Lüneburg«- Heide". Referent Dr. Klose. Musik, Gesang sLönslieder). Au» der Bewegung. Eintritt 40 Pf. Die Abt. Osten de» Berliner Arbeiter.Schachbnndc» verirgt ihr Spiellokal von Paul-Sineer-Str. 21 noch Wcbcrftr. 8 bei Botz. Dienstag. 21. September. ihb Uhr. findet dort ein« Werbeveranstaltung statt. Meiltrr Osten wird an ollen verfügbaren Brettern simultan spielen. W. Grothe. Berlin, spielt gleich. zeitig an vier Brettern blind. Gäste willkommen. Spieltag der Abt. Osten jeden Dienstaa. Sportliche Vereinigung.Rorbost". Reue Anfängcrkurse im Iiu-Iiisu. Abt. Nordost Montag und Donners'»« 7— 10 Uhr Turnhalle Ehristdurger Str. 7. Obt. Oft Dienstaa 8—10 Uhr Turnhalle Ehrcnbergftratze tBohnhof Warschauer Strotze). Kein« Kursus- oder EondeegcbUhrrn, nur übliche Beiträge. Berliner Arbeiter-Schach-Klub. Die Obleute werben nochmal» aufgefordert, die noch fehlenden Mitgliedskarlen und die Liste» mit Beruf, Eintritt und Geburtstag für alle obgegebenen Karten einzusenden. Revenche-Borkan-pf. Dienstag, 21. September. 8 Uhr, kämpft der russische Miticlcewiestisnteistrr Sradopclow in der Revanckc geaen Sckrnlz< Nordwest). Im ersten Kampf mit dem russischen Meiste: mutz'« Sckml, in der 4 Runde eine ko.-Niederlage hinnehmen. Der Kampf geht»der 5 Runden zu 2 Minuteu m der Turnhalle Bromberger Str. 12/14. Nr. 444 ♦ 43. Jahrgang 2. Seilage öes Vorwärts dlenstag, 21. September 1924 Konjunkturbesserung in üer Textilindustrie. Aber noch immer Lohndruck und Ueberstunden. Die Besserung der Geschäftslage in der Textilindustrie hat auch im Monat August angehalten. Mit Ausnahme der Leinen- industrie sind von der Entspannung alle Branchen mehr oder weniger ergrisfen worden. Bon Tag zu Tag wird die Geschäftslage belebter. Im ganzen jedoch gesehen ist man noch weit davon entfernt, von „gutem Geschäftsgang" zu reden. Die Arbeitslosenzählung des Deutschen Textilarbeiteroerbandes ergibt noch immer 16,5 Proz. Arbeitslose gegenüber 18,4 im Juli und 36,9 Proz. Kurzarbeiter im August gegenüber 41,4 im Juli. In dieser Zählung spiegelt sich die Gesamtlage der Textilindustrie wider. Die seit zehn Monaten andauernd« Wirtschaftskrisis war hart und schwer, und«» ist begreiflich, wenn einige Berichterstatter des Deutschen Textilarbeiterverbandes übereinstimmend schreiben:„Ein fühlbares Ausatmen Hot die Textilarbeiterschaft ergriffen." Die chofsnung, bald wieder Arbeit zu erlangen, hat die arbeits- losen Textilarbeiter erregt wie Schiffbrüchige, die auf einem Schiffs- wrack treiben und Land sehen. Hoffentlich werden sie nicht wieder enttäuscht. Die lange Krisis hat die Position der Arbeiterschaft ohne Zweifel stark geschwächt. Bon überoll her kommen Klagen, daß die Unternehmer bei Wiedereinstcllung von Arbeitern bei Wieder- erössnung der Betriebe die Löhne zu drücken versuchen oder im anderen Falle die Anzahl der zu bedienenden Maschinen— in den Spinnereien die Spindel- oder Seitenzahl— zu erhöhen. Die längere Zeit arbeitslos Gewesenen sind leider vielfach geneigt, nur um Arbeit zu erlangen, unter verschlechterten Arbeitsbedin- gungen die Arbeit aufzunehmen. Die bestehenden T a r i f v e r> träge bilden für die Textilunternehmer durchaus kein Hinder- n i s. die Löhne herabzusetzen.„Treu und Glauben" sind für sie nette Begriffe der Geschäftsmoral, aber nur dann, wenn der andere Kontrahent sich durch sie gebunden fühlt. Die Textilunternehmer selbst pfeifen darauf. Don den einzelnen Produktionszweigen hat sich der Geschäfts- gang in den Baumwollspinnereien und-Webereien besonders belebt. Die leichten Ansätze zur Besserung, die im Monat Juli eingetreten waren, haben zu einer allgemeinen Auswärtsentwicklung geführt. Dieser Entwicklung in der Baumwollindustrie kommt vor allen Dingen auch zugute, daß die Ernteaussichten für Baumwolle wieder recht günstig sind. Nach den Berichten über die amerikanische Baum- wollernte kann man annehmen, daß das vorjährige Ernteergebnis von 16 Millionen Ballen wieder erreicht, wenn nicht gar übertrofsen wird. Diese günstigen Ernten haben wesentlich auf den Baum- wollpreis gedrückt, so daß dieser jetzt 10 Proz. unter den Preisen des Borjahres liegt. Im allgemeinen sind jedoch die Baum- wollpreise noch 33'� Proz. höher als die Borkricgspreife. Zum anderen darf nicht außer acht gelassen werden, daß die Webereien dazu gekommen sind, ihren alten sicheren Geschäftskunden wieder 90 Tage Ziel einzuräumen. Selbstverständlich sind auch noch eine Anzahl Betriede vorhanden, die noch schlechten Geschäftsgang verzeichnen. Diese Erscheinung beobachtet man jedoch auch in Zeiten der Hochkonjunktur. Mangelnder Geschäftsgeist oder sonstige Rück- stävdigkeit sind meist die Ursache. Auch in der B a u m w o l l- a b s a l l s p i n n e re i hat sich der Geschäftsgang weiter gebessert. Die Kammgarnspinnereien hatten mit verschwindenden Ausnahmen volle Beschäftigung, ebenso die D a m e n t u ch- Webereien Greiz, Gera, Glauchau und Meerane. Infolge kurz- sristiger Aufträge hat dort das Ueberstundenwesen stark eingerissen. Die Wollstreichgarnspinnereien zeigen allgemeine Der- besserung. Die gute Beschäftigung in der T u ch i n d u st r i e hat weiter angehalten. In der G a r d in e n-, Tüll-, Spitzen- und Stickereibranche ist endlich auch der Bann gebrochen. Eine leichte Besserung ist eingetreten. Der Stickereiindustrie, die geradezu hoffnungslos daniederlag, ist es zu wünschen, daß die jungen Triebe einer Besserung sich weiter entwickeln, damit diese Industrie und deren Arbeiterschaft wieder geregelte Berhältnisse bekommt. Beachtlich sind die Bericht«, wonach die Auslandsaufträge wieder zunehmen. ?a üer kunstselüeinüustrie, die natürlich ganz andere Bedingungen hat al» die organische Textilindustrie, hat die relativ reichliche Beschäftigung bekanntlich auch während der schwersten Krifcnmonate nicht sonderlich gelitten. Sie ist auch heute gut beschäftigt und scheint insbesondere auch im Ausland stark konkurrenzfähig zu sein. Anders als bei der organi- fchen Textilindustrie hat die Kunstseide-Jndustrre die Gestaltung der Rohstoffpreise weitgehend in der Hand, und die groß« Kapitalstärke auch der deutschen Unternehmungen gestattet bei der immer noch sehr großen Gewinnmarge Ausfälle im In- londsmarkt im Auslandsabsatz gegen die Welrmarktkonkurrcnten leichter auszugleichen. Ueberraschcnd ist dabei die starke Ausnahme- sähigkeit der asiatischen Märkte, besonder« Indiens. Die Einfuhr an Kunstseidegarnen nach Indien hat sich von April bis Juni 1926 gegen die gleiche Zeit des Aorjahrs mit 1,06 gegen 0,48 Millionen englische Pfund mehr al» verdoppelt. Die Einfuhr deutscher Gewebe wuchs dabei, unter schärferer Herausbildung des Direkthandels gegen da» zolloerteuernde Durchfuhrland England, mit 419 000 gegen 89 000 Pards aus über das Vierfache. Auch in Kanada und in den Vereinigten Staaten sind die deutschen Kunst- seideprodukte erfolgreich, da sie den amerikanischen Preisherab- setzungen folgen konnten. Wie es bei der stark kartellierten Jndu- strie natürlich ist, wird der deutsche Markt zur Stützung des Aus- landskampfes herangezogen: die Auslandskonkurrenz wird durch Erhöhung der Rabatt« ferngehalten. Immerhin wird für die grö- beren Garne berichtet, daß stark italienische Kunstseide gekauft wird, was schließlich, wenn es nicht Folge der deutschen Preiskonvention ist und wenn gleichzeitig der deutsche Auslandsabsatz für Fein- garne und Feingewebe steigt, kein Schoden zu sein braucht. Ueber öilanzen unö Abschlüsse der Textilindustrie haben wir fortlaufend berichtet. Da die meisten Textilfabriken zum 31. Dezember abschließen und die Abschlüsse des Vorjahrs noch auf der guten DreivierteljahrSkonjunktur von 1925 basieren, wird man für die Krisenwirkungen auf die Gewinne und Dividenden noch etwas warten müssen. Eines aber lassen die Ab- fchlüsse, die zum 31. März und 30. Juni 1926 herausgekommen sind, schon erkennen: so hart der Einbruch im vorigen Herbst und im Winter für das ganze Geschäft war, die gute Konjunktur von 1924 und 1925 hat so große Reserven gehäuft, daß die Belebung, die jetzt wieder vorliegt, die Einbringung der Krisenver- luste bald ermöglichen wird. Außerdem hat die deutsche Textilindu- strie, wenn sie sich nicht wieder wie 1924 und 1925 das Geschäft durch unsinnige Kartell- und Zollverteuerung verdirbt, auf Jahre hinaus einen aufnahmesähigen Inlandsmarkt. Die Löcher, die Krieg und Inflation im Wäsche- und Kleidungsvorrat der arbeitenden Massen gerissen haben, sind noch lange nicht aus- gefüllt: dasselbe gilt für die Ausstattung mit Vorhängen, Tisch- und Bodenbelag und Möbelstofsen. Di« Textilunternehmer haben e» also weitgehend in der Hand, ihre eigene Konjunktur zu .mache n". Nur dürfen sie nicht dos D ü m m st e tun, was sie tun können: Kurzsichtig, wie die anderen Unternehmer, auf die Löhne und Gehälter drücken und damit den Lebensstandard der Massen herabdrücken. Sie kommen damit aus die Dauer doch nicht durch und schneiden sich nur ins eigene Fleisch! vle Höhe üer inüuftriellen Selbstkoste» l» Sowjetrußlanü. Noch dem amtlichen Bericht der Handelspolitischen Abteilung und des Preisbureaus beim Ober st en Volkswirtschafts- rat der UdSSR, haben zwar im Wirtschaftsjahr 1924/1925 die technischen Verbcsserungen in den Betrieben und eine Reihe von anderen Maßnahmen eine Senkunader Selbstkosten in der industrieclln Produktion um 13,3 Proz. herbeigeführt, trotzdem übersteigt jedoch der Selbstkostenpreis der Produktion im Jahre 1924/ 1925 noch immer den Selbstiostenpreis der Vor- kriegszeit um 70 bis 100 Proz. Als Ursachen führt der amtliche Bericht an: Abnutzung und Veraltung der technischen Aus- rüstuna. Steigerung des nominellen Arbeitslohnes im Vergleich zur Vorkriegszeit um fast das Doppelte, geringere Produktivität der Arbeit im Vergleich zur Vorkriegszeit, die Höhe der sozialen Ab- gaben der Industrie, welche die der Vorkriegszeit um das Acht- bis Elffache übersteigen, die hohen Steuern und die großen Aus- gaben für Remontearbeiten usw. Dazu käme noch die„u n r a t i o- n e l l e Wirtschaftsführung" bei der Ausnutzung der Roh- stoffe, des Heizmaterials, der Arbeitskraft usw. Im Wirtschaftsjahr 1925/1926 wurde die Lage noch dadurch ver- schlimmert, daß bisher stilliegende, in technischer Beziehung man- gelhaft ausgerüstete Unternehmen wieder in B e- l»ieb genommen und schlecht qualifizierte Arbeitskräfte zu diesem Zwecke eingestellt wurden. Dazu kam die Kürzung der Einfuhr von Maschinen und technischen Ausrüstungsgegenständen, Verteuerung des Heizmaterial» und der Rohstoffe, Erhöhung der Akzise und der Eisenbahntarise usw. Infolgedessen wurden die programmatischen Voranschläge, die eine Senkung der Selbstkosten in Höhe von 5 bis 8 Proz. vorsahen, in der Praxis nicht durchgeführt, und in den meisten Industriezweigen trat nicht nur nicht eine«enkung, sondern eine Steigerung der Selbstkostenpreise ein. Die größte Steige- rung des Selbstkostenpreises ist in der Holz- und h o l z b e a r- beitenden Industrie(um 33,6 Proz. in der RSFSR.) ein- getreten. Eine starke Steigerung der Selbstkostenpreise ist zu ver- zeichnen: in der G u m m i i n d ü st r i e(16 Proz.), in der Koks- Bcnzol-Jndustrie(um 5,4 Proz.) in der M e t a l l u r- g i s ch c n Industrie(um 8,5 Proz.), in der Erz in du strie <7,8 Proz.), in der Z e m e n t i n d u st r i e(5,6 Proz.), in der Glasindustrie(um 7,8 Proz.) usw. Geringfügige S e n k u n- gen des Selbstkostenpreises sind im Jahr« 1925/1926 in der Stein- kohlenindustrie(um 3 Proz.), in-der Salzindustrie (um 5,61 Proz.), in der Te r t i l i n d u st r i e(je nach Branchen um 0B. 2, 4,5 Proz.), in der Z u ck e r i n d u st r i e(uni 19,5 Proz.), in der chemischen Industrie(um 0,44 Proz.) eingetreten. Nach einer eingehenden Aussprache über diesen Bericht nahm das Präsidium des Obersten Dolkswirtschaftsrates eine Entschließung an, in der.die Gefahr, die der gesamten Volkswirt- schaft der UdSSR, aus der Steigerung der Selb st- k o st e n p r e i s e e n t st e h t". unter Hinweis auf die beschränkten Reserven, die die Industrie zur Senkung der Selbstkostenpreise im Jahre 1926/1927 hat, scharf betont wird: den Wirtschaftsorganen wird die Senkung der Selbstkosten in der energischsten Weise zur ersten Pflicht gemacht._ kohlenstreik unü Außenhandel in wesen sein, die Bankkredit« für die Wirtschast sehr erschweren. Um so ernster wird sich natürlich der Fall der Rorske Bank fühlbar machen. Starke Derlgste bei der Deutsch-Asiatischen Bank. Die Deutsch- Asiatische Bant, eine Gemeinschastsunternehmung deutscher Groß- danken zur Förderung des deutsch-asiotischen Geschäfts und zur Ver- tretung deutscher Fmcrnzinteressen in China, Indien und Japan, be< richtet von erheblichen Verlusten. Die Gesellschaft hat seit Iahren keine Bilanz ausstellen können, da ihre asiatischen Filialen seit 1914 zum Teil beschlagnahmt, zum Teil geschlossen wurden. Im Lause des letzten Jahres hat sie die Bücher der teilweise als Agenturen wieder eröffneten Filialen endlich erhalten. Inwieweit die gemeldeten Der- luste auch mit den chinesischen Wirren zusammenhängen, läßt sich nicht sagen. Jedenfalls scheint von dem Kapital von 7,5 Millionen chinesischen Tocls ein Drittel verloren zu sein: außerdem die Reserven mit 785 000 Taels. Das Kapstal wird infolgedesien auf 5 Millionen Taels zusammengelegt: außerdem wird eine neue Reserve von 900 000 Taels gebildet. Das Kapital soll wieder erhöht werden, wobei sich die Großbanken natürlich beteiligen werden. Den Großbanken tut die Zusammenlegung nicht weh. da die Beteiligung abgeschrieben ist. Wie Banken Aktiengesellschaften knebeln. Ein sehr beachtens- rrertes Beispiel dafür, wie die Privatbanken sich lukrative Finanzierungsgefchäfte sichern und ihr« Macht ausdehnen, deckte die Generaloersammlung her A.-G. für Licht, und Krafterzeugung in München auf. Das Dresdener Bankhaus Gebr. Arnhold wollt« durchsetzen, daß seine lOOO-Mark-Stannnaktien in Vorzugsaktien umgewandelt werden und die Satzungen folgende Bestimmungen er- Hollen: solange Gebr. Arnhold die Vorzugsaktien besitzen, ist die Ge- fellschaft bei der Ausführung von Bankgeschäften an diese Bank ge- b u n d e n. Finanzielle Transaktionen find in« r st e r Linie dem Bankhaus Arnhold anzubieten, und wenn andere Banken dann günstigere Vorschläge machen, hat die Arnhold-Bank dos Ein- t r i t t s r c ch t in diese Bedingungen. Die Hinterlegung von Aktien — für die Machterweiterung in der Generalversammlung bedeut- fem—, die Einlösung von Dividendenscheinen und Obligationen sowie ive Dörseneinführung neuer Aktien wird dem Bankhaus Arnhold übertragen. Endlich müssen im Fall« einer Fusion in de r Z u< t u n f t der übernehmenden Gesellschaft die gleichen Verpflichtungen zur Bedingung gemacht werden.— Das ist Nichts Ueberrafchendes und wohl auch nichts Neues. Wo die Banken mit der Industrie nach ihrem Willen„arbeiten" können, wird es sehr oft so sein. Das Bei- spiel ist lehrreich für das System. Uebrigens hat das Bankhaus nachträglich auf die ausdrückliche Satzungsänderung verzichtet und sich mit einem Vertrag mit dem Auffichtsrat begnügt. Di« Sache bleibt natürlich dieselbe. Preisherabsetzung für Aluminium. Der Preis für Original- Hüttenaluminium wurde mit Wirkung vom 17. September 1926 um 2 6 0 M. die Tonne herabgesetzt. Danach stellt sich der Preis für prima Originalhüttenaluminium 98- bis 99prozent g in Walzbarren auf 2140 M. pro Tonne von 1000 Kilogramm (gegenüber bisher 2400 M.). der Preis für prima Originalhüttcn- aluminium 98- bis 99prozentig in Blöckchen auf 2100 M. pro Tonne von 1000 Kilogramm(gegenüber bisher 2360 M.).— Die deutschen Rohaluminiumproduzenten haben sich nach Fertigstellung des Jnnenwerkes in Töging, in welchem das Aluminium mit Hilfe des durch Wasserkraft erzeugten elektrischen Stromes gegenüber dem bisher mit Kohlenkraft erzeugten Strom billiger erzeugt wird, sowie nach Durchführung der Rationalisierung in den übrigen deutschen Er.zeugungsftästen entschlossen, diese erhebliche Preisermäßigung ein- treten zu lassen, in der Erwartung, damit dem Aluminium noch weitere Verbreitung zu verschaffen. Deutschland Zweiter im Bußlandhandel. Nach amtlichen Mos- kauer Angaben betrug der Gesamtbetrag des russischen Außen- Handels während der ersten zehn Monate 1925/26(Oktober— Juli) 1064'Millionen Rubel. An erster Stelle steht dabei noch England mit einem Gesamtumsatz von 259,1 Millionen Rubel. Dann folgt dicht Deutschland mit 242,4 Millionen Gesamtumsatz, an dritter Stelle folgen die Vereinigten Staaten mit 109,1 Millionen Rubel, dann Lettland(61,65). Frankreich(52,9 Millionen) usw. Amerika hatte bisher mit 187,7 Millionen die zweite, Deutschland die dritte Stelle. Der russisch-deutsche Handel hat in diesen zehn Monaten also eine starke Ausdehnung erfahren und ist auch von den Ziffern des rufsifch-englischen Handels nur noch wenige Millionen entfernt. Die Rusfengarantie des Reichs und der Länder dürfte sich hier noch nicht sonderlich ausgewirkt haben, da sie erst in den letzten Monaten wirksam wurde. Um so höher muß das Gewicht der Veränderungen angeschlagen werden. Die howaldkwerkc liquidiert— Berkaus der Anlage. Die Howaldtwerkc in Kiel, eine früher sehr bekannte Werft, die bekanntlich eine der verlustbringenden Erwerbungen der Rom- bacher Hüttenwerke war und seit langem stillag, hören auf zu existieren. Die Generaloersammlung hat die Liquidation der ,rirma beschlossen, die Werst wird zum Weiterbetrieb zusammen mit kleinen Aktien für 1,75 Millionen an die Kieler Firma Dr. Dietrichsen verkauft. Der Aufsichtsratsoor- sitzende hob hervor, daß weder eine Kapitalerhöhung durchzu- setzen war. weil der Hauptaktionär Rombacher Hüste die Beteili- gung verweigerte, noch eine Stützung durch die öffentliche Hand. Die Reiherstiegwerst Hamburg wurde seinerzeit übrigens ganz ähn- lich vom Phönixkonzern im Stich gelassen, nur daß der Phönixkonzern im Gegensatz zur Rombacher Hütte niemals in ernsten Finonzschwierigkeiten war.— Wie gemeldet wird, sind ham- burgische Ueberseereedereien an dem Kauf der Howaldtwerst nicht beteiligt. Es liegen also bereits Reparaturausträge von solchen Reedereien vor, die für 600 Mann Beschäftigung geben wollen. Die Sparkasse der Bank der Arbeiter. Angestellten»nd Lcamleu A.-lsz Berlin, Wallslr. 65, ist täglich mit Ausnahm« von Sonnabend poa 9—3 Uhr und 5—7 Uhr, Sonnabend» von 9—1 Uhr geöffnet. für Hroß-Serlln stet»>»» da» B«»irt»s«kret-iiat. 2. Hos, 2 Step, recht», ,u richte». parteinachrichten Sinfenbnvgen für diese Rairik fi»d Berti» SW 08, Lwdeustrotze 3, U. Jttei««cvQOb. Mittwoch. 22. September. 7 Udr. Versammlung der«ltern- beiräte der böheren Schule». Thema:„Schutaeldkroze. Im«aller- ffriedrich-Reolgymnalium.«aiser-IZriedrlch-Str. 216. 14.«rei» Reulölln. Arbeitersrwrtler. die der SPD. angehören, treffen sich ,u einer Besvreckiung am Mittwoch, 22. September, TA Uhr. im Partei- bureou Neckarstr. Z.,., ,,. 17.«rei» Sichtendee«. Fraktion der sozialdemokratischen ElternbeirSle und Lehrer: Donnerstaa. 23. September, 8 Uhr, im Lokal Seipke, Schorn weder- strafte 47, Ecke«ronprin�enstrofte. wichtige Siftung der sozialdemokratischen Elternbeieate. Eesaftleute und Lehrer. Wichtige Tagesordnung. Mitglieds- buch dient als Ausweis....... 18.«rei»«eiftensee. Mittwoch. 22. September. 8 Uhr. bei Sallas. Lehder- llrafte.«rrismitgliederversommlung. Wir erwarten Erscheinen samtlicher Mitglieder. Wichtige Tagesordnung. Mitgliederversammlungen und Zahlabende am Mittwoch: 3.«dt. VA Uhr gahlabende bei«rüger, Engelufer 23, und bei Schulz, 7.«bt��Tuin gohlobende bei«übe. Strelifter Str. SS: Döhl, Berg ffr. 71 lVortraa des Genossen Riese): Dahms. Echlegelstr. S: Beirau. Pflugstr. 1: Diele, Sovenstr. IS.___,., 8.«dt. VA Uhr im Nationalhof. Vlllowstr. 37, Bortrag:.Die Jugend in der Gesellschaft". Referent Mar Westphal. ».«dt. 7>A Uhr Zahl- und Diskutierabend bei Hufenbach. Perlederaer Str. 64. Lriter: Genosse Soffmann. Die Rezirksfllhrer müssen bis dahin da» Material für die Sauslilten fertig beisammen haben. Aufterdem erfolgt Abrechnung mit den«assiereen daselbst.._.... 14. Abt. 7H Uhr in der Schulanla Putbusser Str. 3 Vortrag:.Dl« Wirt- fchoftspolitifche Lage". Referent: Heinrich Löfflet._ 15. Abt. VA Uhr bei Soldbach. Binetoplaft 7, Bortrag:.Barte, und Reich»- danner". Referent Iran, von Buttkamer. Gösle können eingeführt werden. Die Bezirkskührer müssen einladen........ 18. Abt. VA Uhr bei Müller, Uferstr. 12. Bortrag:.Rrpuhlikamsche Union*. Referent Wilhelm Richter...._. 1». Ab». VA Uhr in der Grauen Schule, Golhenduraer Str. 2, Borkrag: .Wirtschaftsnot und Arbeilslolenproblem*. Referent Ott- Au st. 2«. Abt. 7H Uhr im Lokal Wende,«olonieftr. 147. Bortrag:.Weg« zur Iörderun« des internationalen Gedankens". Referent W. Floerie. Samt. lich« Mitglied«! müssen«rschrinen. 21.«dt. VA Uhr im Schradrrhau». Malploguetstr. 14/16, Bortrog:.Streif- züg« in das Gebiet der«ommunalpolitik". Referent Bürgermeister«arl Leid. 24.«dt. Di« Mitglied«rverommlung fällt in di«sem Monat aus. Alle G«- nossinnen und Genossen werden aufgefordert, stch restlos an der am Mon» tag. 27. September, stattfindenden öffentlichen Bersammlung der Freien Schulaemeinde s«eei» Prenzlauer Berg) zu beteiligen. Nähere, wird in den nächsten Tagen bekanntgegeben. 25. Abt. VA Uhr im Soalbau Friedrichshain. kleiner Saal. Dortrag:.Die weltliche Schule im Bezirk Prenzlauer Berg*. Referent Lehrer Mar «reuziqer. Borwärtslrfrr und olle«andidaten der List«.Schulaufbou" sind eingeladen. 26.«dt. 7-4 Uhr bei Büttner. Schwedter Str. 23, Mitgliederverlammwn«. Die Bezirkssührer müssen di» zum 26. September bei dem Genossen Waller abrechnen. 27.»dt. 7-4 Uhr in den Schönhauser Feslsälen. Schönhauser«llee 129. Bor- trag:.«ulturpolitit". Referent: San»«omm 28.«dt. 7>.4 Uhr bei Dütlner. Schwedler Str. 23. großer Saal. Bortrag: „Die weltlichen Schulen und ihre Bedeutung für das Proletariat*. Re- ferent: Wilhelm Miethke. Erscheinen dringend erforderlich. Die Bezirks. führet müssen zu der Bersammlung einladen. 3t.»dt. Die Iahladende fallen au» und finden am Mittwoch. 29. September. statt. Dafür Funktionärstftung mit den BertrauenSleuten und den Eltern. beirälen 8 Uhr bei Goldschmidt, Slolpische Str. 36. 32.«dt. 7-4 Uhr bei Schmidt. Fruchtsir. 36a, Bortrag:.Reichsbanner und Sozialdemokratie". Referent Genosse Jona». 33. Abt. 7-4 Ubr in der«Uta der Grmeindeschule Soheiilohestr. 109 1, Bor- Irag:„Deutschlonds Stellung im Bölkerdund". Referent Erwin Marguardt. S-udienrat. Alle Mitglieder müssen unbedingt erscheinen. Die Bezirk». führet holen Mittwoch vor der Äitgllederversammlnng von der Wodnung de» Genossen Paul Ben. Bevmeste. 25, Material und da» neue Buch de, Bucherkreise, ob.«einer darf fehlen, evtl. Veetreter schicken. 34.«dt. 714 Uhr wichtige Siftung sämtlicher Funktionäre Eadiner Str. 10. Die Fragebogen sind sofort abzuholen. 33. Abt. 7-4 Uhr in der Schule Samariterstr. 20 Bortrag:»Die«inder- freundedewegung". Referentin Irma Fechendach. 38.«dt. 714 Uhr in der Aula Etraftmannstr. 6 Vortrog:.Pan-Eurepa*. Re. ferent: Martin Stein. 37.«dt. 7-4 Uhr in der Paftrnhoser Brauerei. Landsberger«llee. Bortrag: „«ulturf ragen". Referent Simon«aftenstein. Die Genossinnen und Genossen werden dringend ersucht, hestimmt und pünktlich zu erscheinen. Die Funktionäre treffen sich eine Stunde früher. 38.«bt. 7>.4 Uhr bei Schmidt. Fruchtstr. 36. Bortrag:„Die Gewerkschaften und das Problem der Wirtschaftskrise". Referent Adolf Wuschik. Sämt. liche Mitglieder müssen erscheinen. 3«.«dt. 714 Uhr in der Iuristilchen Sprechstunde. Linden str. 8, 1. Bor- trag. 2. Organilatzonsfrageii. 42.«dt. 8 Uhr in den Btüchersälen, Blücherstr. 62. Borkrag: Lugend»nb Partei". Referent Genosse«urt«rneld. 43.«dt. 714 Uhr bei Robe. Fichtestr. 29, Borkeaa der Genossin Elar»»ohm- Schuch, M. d. R. Sämtliche Mitglieder müssen erscheinen. 45.«dt. 7-4 Uhr in der Schulanla Forster Ecke Reichenderger Strafte Bcke» trog:„Der Bölkeebund*. Referent Otto Bach. 46.«dt. Die«ahlabende fallen am Mittwoch aus. 47.«dt. 7-4 Uhr bei Rowock. Manteuffetstr. 9, Bortrag:„Genf*. Referent Biktoe Schilf. Sämtliche Genossinnen und Genossen müssen unbedingt erscheinen. Ehorlottrndnrg. 53.«dt. 714 Ubr der Triller, Berlichinaenstr. 7, Bortrag de» Genossen Erich Froenkel. Alle Mitglieder müssen erscheinen.— 58.»dt. 8 Übe bei Ioskowiock. Solftendorffstr. 20. Bortrag des Genossen Eharlinfki. — 57.«dt. 7-4 Uhr bei Tbunack, Wielandstr. 4, Vortrag:.«irche und Doziaideinokratie". Referent Dr.«urt Löwenftein. Gäste können ein- aefübrt werden., tL«dt. Frieden»». 7-4 Uhr im Raiskeller.«esellfchasiMrmmer. Am Sau!»«. via». Vortrag:„Wirttchaftspolitische zeitfragen". Referent San, G-tt- furcht. Alle Mitglieder müssen erscheinen. 83. Abt. Lichiertelde. Alle Genossen treffen sich 714 Uhr auf dem»ronoldplaft zum Weldeumzug für das Reichsbanner in Lichterfeldr-Ost und»Süd. 86.»nd 67. Abt. Mariendoef-Marienselde. Gemeinsame Mitqliederversamm» Inn, 714 Uhr im„Alten Gosshos". Mariendorf,, Dorfsir. 1. Borkroa de, Genossen Wille:„Die Aufgaben der Presse*. Die Bezirksführer müssen dazu bestimnit einladen.----- Renkölln.«2. Abt. Pünktlich 8 Uhr bei Wolff. Kaiser-Friedeich.Sir 173, Ecke Rvsegaerstrafte, Abteilungsfunktioiiärsitning, zu der alle Funktionäre der Abteilung ganz bestimmt und rechtzeitig erscheinen müssen.— 95.«dt. 8 Uhr bei Kustmann. Steinmeftstr. 78. Siftung des Borstande,, der Bezirksführer und Bezirkskassierer. Jeder Bezirk muft unbedingt»ertreten fein, sonst Stellvertreter entlenden. 124.«bt. Mahlsdors. 8 Uhr im Sofas Anders. Bahnhofstrafte. Bortrag de« Genossen«arl Felaentreu. Alle Mitglieder müssen erscheinen. 128.1130.«dt. Pankow. 714 Uhr Extra.zahlabend der Gruppe BSlckel bei Mews, Berliner Strafte Ecke Lindenpromenade. 141.«bt. Rosenthal.Riederschänhaulen.West. 7-4 Uhr im Lokal Frische. Riede«. strafte, wichtige Funktionärssftung. Besondere Einladungen erfolgen nicht. Donnerstag. 23. September: 41.«bt. 714 Uhr«bteilungsverlammlung im Saale von Bader» Restanrani. Iüterboger Sir. 7 sgegenüder der«olerne). Tagesordnung:„Politische und wirtfchafiliche Taaesfrogen". Referent Martin Stein. Sämtliche Mitglieder müssen unbedingt erscheinen. Arauenveranstaltungen. heute Dienstag. 21. September: 14.«reis Renkölln. 7-4 Uhr Funkiionärinnrnstftung bei Schröder, Sieinmeft» strafte 52. Ecke Echillerpromenade. Vortrag:„Warum müssen wir die weit- liche Schule fördern?* Referent Genosse Schmidthauer. 1.«dt.. 8 Uhr bei Iuntke.«rtrllerieftr. 11. Bortrag: Liebe— Rhe— 1.«dt. 8 Uhr bei Iuntke, Artilleriestr. 11, Dortrag:„Liebe— Ehe— Beisammensein. 21.«bt. 8 Uhr bei«roll. Utrechter Str. 21. Bortrag:.Schulfragen*. Refe- rrnt Dr. Sturm. Alle Genossinnen müssen erscheinen. Zungsozialiffen. heute. Dienstag. 21. September: Stttpvt Lichtenberg: 7-4 Ubr Lustiger Abend mit Robert«ever über:„Un- gezieter. Bosbriien. Affentheater unb Koftenjaunner*, im Jugendheim Bark- aue 10,.«immer 2.— Gruppe Süden: 8 Uhr Gruppenabend in der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr. 3. Borteag:„Die Bereinigten Staaten von Europa*. Zrauenveranstaltungen. Morgen, Mittwoch. 22. September: 94.«dt. Ae»kZll». 714 Uhr bei Günther. Schillervrvmenade 11. Bortrag: „Der Völkerbund*. Reserenlin Ellen Seibiet. Gäste willkommen. 116.«bt. Sejinan. 7-4 Uhr bei Werner,«övenicker Str. 1ZZ. Bortraa:.Di« Wirtschaftskrise in Europa und Amerika". Referent Wilhelm Lando. * «rbeitsgemeivschaii der«inbetfrenttbe Drift. Mittwoch. 23. September. findet unsere Elternversammlun» im Iuaendbeim um 8 Uhr statt. Bor trog: .Da» wird mit unseren Schulentlassenen?* Sozialistische flrbeitersugenö Groß-Serlin. «edeitsgemeinschaii Abraham. Dienztaogruppe tagt heute wieber pstnvlich 714 Uhr im Jugendheim Lindenstr. 3. heute. Dienstag, abends 7� Uhr: «ilmersdarf: AufterordentNche Miigliederpersammlung. Thema:.Der eil»- zelne und die Bewegung". Jugendheim Kildeqordftr. 4. Infolge der wichtigen Tagesordnung muft jede» Mitglied vertreten lern. «edding-Raed: Schule Müllerstr. 48. Bortrag:..August Bebel*.— Ball«»! Schule Mandelstrafte. Bortrag:„RrforinNeidung".— Senefelder-Biertel: Jugendheim Schule Eberswalder- Str. 10.«immer 12. Bortrag:„Alkohol und Nikotin*.- Hasenheide: Badeanstalt Bärwaldstr. 64. Hans-Reimann-Abend. — Schönederg II: Jugendheim Hauptstr. 15. Glaftbrenner-Adend.— Renköl» N: Schule Weiseste. 19. Bortrag:„Bürgerliche Jugendbewegung und proletarisch« Jugend".— Renköl» Vi Iuaendbeim Rogatstr. 53. Tage»pol!t!sche Au». tvrache.— Mariendoes: Alte Schule. Dorfftr. 7. Löns.Abend.— Moabit li Sprechchorprobe bei«rüger. Putliftstr. 16. Jeder muß erscheinen. vortrage, vereine unS Versammlungen. Reichsbanner»Schwarz-Rok�Sold". Geschäftsstelle: Berlin S 14. Sebastian str. 87/38, Hof 2 St. Prenzlauer Seeg:«ameradschgft Balkan am Fe., d. 24., Werbeversammlung Altersheim Danziger Sie. 62. Referent H. v. Gerlach. —«eeuzberg: Mi., d. 22., 148 Uhr, Bersammlung aller lporttreibenben«ame. roden mit den Vorständen der Iungmannschaften bei Reim, Urbonftr. 29, Do., d. 23., 8-4 Ubr, Badrabend mit Angehörigen in der Badeanstalt Bärwald- strafte. Bon ieftt ob ieden Donnerstag.— Steglift(«reis): Fe., d. 24., Tftj Uhr. Werbekundgebung in Lichterielde-Süd. Restaurant zum Hirsch. Berliner Eck» Oadorter Strafte. PflichtveranKal-UNg.— Reintckendort(*tei«�: ffr., J|._24.. Bhf. wchönhr-lz, 8 Ubr, bei Ramlow, am Bollversammlnng. Erscheinen Pflicht. Freunde der internationalen«leinaebeit.«m Mittwoch, den 22. September. spricht im Borwärtshau«, Lindenstrafte 3 sim Jugendheim), abend» 8 Uhr, Oberstudiendirektor Dr. F.« a r s e n über„Erlebnisse mit dem Auslände*. Die«rbeitsgemeinschaft entschiedener Repudlikanee— Geschäftsstelle R. 20, Prinzenallee 6g— hält ihren 19. republikanischen Abend Donnerstag, 23. Gep. teinder, 8 Uhr, im Askonier, Anhaltstrafte 11, ad. Thema:„Die soziale Frage*. Referent: Dr. Oskar Stillich. Republikaner aller Parteien willkommen. In der Siftung de« Beeein» zur Betördeeuag de« Geweedfleifte«. Montag, 4. Oktober 714 Uhr im Hosmann. Sause in Berlin, Eigismundstr. 4. wird Ge» heimer Finanzrai«llhnast einen Lichtbildvortrag halten über„Die Wirtschaft- liche Brdruiuno des Warenzeichens". Gäste haben unentgeltlich zutritt. Lonttellow Enelish Debaiine Club, BÜlowsir. 104. Mittwoch, ZL, 8 Uhr, Rektor Wepner;„The Ruskln Movement". iAGet&vScettontuis Wäsc�oSSten, X&c&cfrmascfrmen, diese und in 6 Moneten Jhr Ggentwn AufWJfiSc/i Sonder Prospgkt !%/lcuDtdcäz�(& ßarün HVÖ. Catßagvstr£3?-Ä2S Rasierklinge. „Streudel» Feingold"(früher Hertelklasse) die immer anerkannt beste, lür verwöhnte Selbstrasierer, v.«llnlll i. ihr. 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September 7 H2H Unterhaltung unö ÄVissen Seilage des vorwärts Klaviersonate. Von Albert Leilich. Die Luft flimmerte von Bläue und es war so still: alles schimmerte, blitzte, sprühte. Blätter, Zweige, Stämme, olles glitzerte von Feuchtigkeit: jeder kleine Tropfen zersplitterte und zerstäubte in tausend feinen Perlen. Der Frühling des Jahres 1818 drängte sich mit Ungestüm auch an die Mauern und Wälle der Stadt an der Donau, um mit denen hinter den düsteren Toren, die ein harter Winter in die engbrüstigen Häuser zwischen schmalen Gasien gezwungen hatte, ein frohes Wiedersehen zu seiern und sie dorthin zu locken, wo seine Herrlich- keiten und Freuden sich am meisten und beglückendsten offenbarten: in den Wiener Wald. Tag sür Tag warb er mit tausend Wundern zu froher Fahrt und Wanderung. Bei diesem Werben und Locken guckte der holde Wunderknabe eines Maienmorgens auch in die Stube eines Hauses hoch über der Bastei, in der einer sasi und seine nervigen Finger in die Elsenbeintosten eines Pianofortes grub und mit den Füßen den Takt dazu trommelle. Brausend stürmte eine Melodie auf wie Gold, gehämmert von einer Titanensaust aus Erz und Stein, und zerschellte wie Meeres- wogen an selsichtem Userrand, an den Stubenwänden. Sein Ohr vernahm zwar die Klangwunder nicht, die dem Instrument«nt- stiegen, aber alle seine Fibern waren mit ihm oerwoben und ein jeder Herzschlag fühlte sie. Beethoven war es, der Große, der Reiche, der Arme. Jetzt flogen seine Fäuste über die Tasten, von der letzten bis zur ersten, von der ersten bis zur letzten, ein Furioso dröhnt« aus, zerbeulte an der Zimmerdecke, dann jähe Stille. Langsam löste sich der Dann von der Seele des Tongewaltigen und allmählich fand er sich aus der Himmelsnähe in die Erdenwirklichkeit zurück. Er wischte sich den Schweiß aus der zerfurchten Stirne und stand auf, trat an das offene Fenster— und sah dem Frühling mitten ins Gesicht. Wohin Beethoven seine Blicke wenden mochte, hinunter in den Stadtgraben oder hinüber in das breite Wiesenband, das die Borstädte vom alten Wien schied, noch den Gärten oder wieder nach den Hügelwellen, die im HiMergrund dieses Stück Welt liebevoll umschlangen, von überoll kam und sah ihm der Frühling entgegen und weckte auch in ihm die Sehnsucht wach, sich ihm hinzugeben, wo er am schönsten war und am freudigsten seine Gaben oerteilte. Und da erinnerte er sich, daß er schon vor Wochen, als von den Kuppen und Höhen noch die Winterwinde brausten, nach dem alten Babenberger Städtchen Mödling gefahren war, sich dort für die kommenden Monate um ein Quartier umgesehen, daß er«in solches im Hasnerhaus wirklich gefunden, gemietet, und mit dem Eigentümer vereinbort habe, die Küche und die beiden Zimmerchen zu beziehen, wenn die Maienzeit ihren blühenden Segen über diesen Erdenfleck schütte. Daran erinnerte sich Beethoven, als er beim Fenster stand und dem Frühling in das Gesicht schaute, und darüber kam eine freudige Hell« in seine vom Schicksal zerwühlte und oertrotzte Seele. Er oerließ die Wohnung, um den Fuhrmann anzunehmen, der ihm so bald al» möglich sein Mobiliar und den notwendigsten Hausrat nach Mölding schaffen sollte. Am nächsten Sonnabend schwankte das Gefährt die Straße dahin, die noch Mödling lief, um Beethovens Habseligkeiten in sein diesjähriges Sommerquartier zu bringen. Während der magere Gaul vor dem Wagen mühsam den Wiener Berg hinantrottete, ging hinter dem Wagen der große Meister der Töne, watet« im mehligen Straßenstaub, stolperte über Radsurchen und gab acht, daß sich die Stricke nicht lösten, die um Kisten und Kasten gezogen waren, und etwa dieses und jenes Stück in den Straßengraben kollerte. Einige- male forderte ihn der Fuhrknecht auf. aufzusitzen, aber Beethoven hatte für diese Einladung nur ein Schütteln seines wild zerrauften Hauptes oder«in Knurren, daß besagen sollte: Fahr Er zu und scher Er sich nicht um mich. Und er fuhr auch zu. manchmal schneller, manchmal langsamer, wie es eben ihm und dem Gaul behogte, und kümmerte sich nicht um den sonderbaren Menschen, der zwei Stunden hinter und neben dem Wagen lies, bald stolperte, bald stille stand und sich den Schweiß aus dem erhitzten Gesicht wischte. Als er in Reudorf anhielt, um in seiner Schenke einzukehren. und sich und dem Pferde eine Ruhepause gönnen wollt«, da hatte er den tauben Musikanten verloren. Wohin er geraten, ob er am Wege erschöpft liegen geblieben, ob er quer über Felder und Wiesen den Weg zu seiner Sommerbehausung kürzte, er wußte es nicht. Wie groß aber war des Fuhrmanns Aerger, al» er vor dem Hafner- hause ankam und seinen Auftraggeber nirgends entdecken konnte. Er goß etliche Gläser über sein Bedürfnis hinter die Bind« und kam dann auf den Einfall, Möbel und Hausrat kurzerhand vom Wagen abzuladen, kunterbunt auf die Straße zu stellen und davon- zufahren, ohne sich weiter um das Schicksal der von seinem Besitzer so sorgsam gehüteten Güter zu kümmern. Und als eine Weile nachher der einzige Hüter der Sicherheit dieses kleinen Städtchens, der Grundwächter, beim Hafnerhause oorüberkam, erkannte er, daß er hier seines Amtes walten müsse und er scheuchte die liebe Mödlinger Jugend davon, die sich der Kisten und Kasten bereits bemächtigt hotte und mit ihnen allerhand Allotria trieb.— Dieweil sich solches vor dem Hasnerhaus zutrug, stand Beethoven im Gefelse der Klausen, hoch über dem Städtlein. Mit verzückten Blicken und einer Seele, von der sich aller Trotz und alle Daseinslast gelöst hatten, sog er sich an dem Wunderbilde fest, das sich von allen Seiten an ihn drängte, und alle seine Gedanken liefen weit weg von oller Irdischkeit und oerklärten sich zu dem Hymnus:„Allmächtiger im Walde! Ich bin selig, glücklich im Walde! Jeder Baum spricht durch dich! O Gott, welche Herrlichkeit in solcher Waldgegend! In den Höhen ist Ruhe! Ruhe, dir zu dienen!" Weit streckte er die Arme von sich, als müßte er das Stückchen Welt, das er sah, umfassen und an seine Brust drücken, dann sank er auf einen Felsen und starrte vor sich hin. Was durch sein Innere» ging und wie lange er in das Antlitz Gottes geschaut, wer wußte das? Schotten spannen sich vom Tal zum Gefelse empor und Schleier wollten um Baum und Strauch, als er sich jäh aus der Gottesnähe riß und in die Nüchternheit des Alltags zurückfand.— Um dieselbe Zeit war es, daß an der Glocke de» Mödlinger Pfarrhauses so heftig gerüttelt wurde, daß das Quartett, das in des Pfarrer» Stube für den nächsten Sonntagsgottesdienst die letzt« Probe hielt, zusammenschrak. Räch einer Weil« trat die Haushält erin.eip und rief dem Chirurgen Amadeus Balthasar Johandl, der die Flöte spielle, zu, daß..» Das sagte sie ihm ganz leise ins Ohr. Der ließ über das Gehörte sein Spiel fallen, daß es unter des Pfarrers Spinett kollerte und lief schnurstracks davon, gerade, daß er noch die Worte hinter sich werfen konnte:„Ein Bub ift'sl*, � Ein Bub ist's I... Gott sei Dank!" Und fort war er, das Pfarrgäßchen hinab, den Körnermarkt hinunter, daß ihm die Rockschöße um die Lenden nur so flatterten. Da blieb er mit einem jähen Ruck stehen. Beim Hosnerhaus stand ein Mcnschenknäuel beisammen. Einer mit gerauftem Haar war mit dem Grundwächter in einen argen Konflikt geraten, weil dieser seinen Worten, daß die Möbel und der Hausrat, die da auf der Straße standen, sein Eigentum seien und er Beethoven wäre, keinen Glauben schenken wollte. Ganz nahe waren die Beiden an- einander geraten und wer weiß, welches Ende der Streit genommen hätte, wenn sich der Herr Chirurgus nicht ins Mittel gelegt und bestätigt hätte, daß dies wirklich der Herr von Beethoven sei, den er Anno Bierzehn seine Schlachtensinfonie im Redoutensaal zu Wien dirigieren gesehen. Er, der Grundwächter, möge sich trotten, sonst könne ihm passieren, daß er in den Kotter gesteckt werde und nicht Der Uebergangene. M Holling:.Merkwürdig, alle schreiben sie.Tode»nrkell gegen Schröder"— und dabei ist es doch mein Todesnrteil.. der f)erf Beethoven, wie er diesem gedroht hat. Wenn er sich einen Gulden verdienen wolle, sollte er lieber mithelfen, das Mobiliar ins Haus zu schassen. Als diese kernige Rede über die Lippen des Herrn Chirurgen kam, schnitt der Grundwächter eine andere Miene auf, und ehe noch eine Stunde um war, waren die Küche und die beiden Zimmer im Hasnerhause eingerichtet, der Grundwächter hatte seinen Gulden und Johandl hastete nach Hause, um sein erstes Kind auf den Arm zu nehmen. Wie Beethoven die erste Nacht im Hafnerhause zugebracht, wußte niemand zu sagen, aber am nächsten Morgen, als die Winzer auf dem Wege zu ihrer Arbeit in den Rieden waren, sahen sie einen, den sie noch nie in ihrem Städtchen angetroffen und der so aufgeregt tat, als hätte er weiß Gott was auf dem Gewissen. Ist das ein Narren- tattel, meinte der alte Buchgraber und wich ihm aus, als er ihm vorbei kam. Der junge Nicderoll aber, der schon in der Welt draußen gewesen war, stellte sich ihm quer in den Weg und fragt« ihn, ob er krank sei und einen Arzt brauche. Wo der Chirurgus Johandl wohne? Dort und dort. Die Glocke am Hause de« Chirurgen Johandl schrillte aus und Johandl, der sich eben in seinem Garten erging und noch ganz freude- voll über die Ankunft seines ersten Kindleins war, eilte zur Pforte, um sie zu öffnen. „Herr Beethoven! Diese Ehre!" rief er aus. Der taube Musikant, der gestern ganz vergessen hatte, Johandl sür den erwiesenen Dienst zu danken, reichte ihm die Hand, sagte nichts, sondern hielt ihm ein Zettelchen vor die Augen, auf dem geschrieben stand: Dank! Sagen, ob ich dem Herrn mit etwa» eine Freude machen kann. Da besann sich der Herr Chirurgus Johandl nicht lange, sondern schrieb unter Beethovens Worte: Meinem ersten Kindt ein Taufpat sein. Als Beethoven diese Worte gelesen, legt« er seine Hand in die des Chirurgen und nickte zu dessen Bitte kräftig sein Einverständnis. Und dann stürmte er wieder davon. So ist Beethoven beim ersten Kindt des Mödlinger Chirurgen Johandl Taufpate gewesen. Als er es den Zeremonien gemäß in der Kirche über das Taus- becken hielt und der Psarrherr das Becherlein Wasser über de» Kind- leins Köpfchen schüttete, da bräunte in de» tauben Meisters Seele etwas auf, das ihm eine heiß« Träne in das Auge drängte. Wußte niemand von den Umstehenden, was der glitzernd« Tropfen an seinem Augenlid zu bedeuten hatte, wo» er mit den Worten sagen wollt«, die über seine Lippen bebten, als er das Kindt wieder der Hebamme in die Arme gab: Und ich ollein... alles vorüber... und nach mir keiner. Al» der Taufschmau» im Doktorhause vorbei war, da ging Beethoven, ehe er wieder in seine Einsamkeit zurückkehrte, zum Spinett und seine Finger glitten über die Tasten und eine Melodie rauschte auf, die alle in ihren Bann zog, daß sie den Atem anhielten und die Blicke nicht wegzuwenden vermochten von dem Meister, dessen Seele solche Akkorde entstiegen. Dann riß er sich jäh von dem Instrument und citte aus dem Hause. Es waren die ersten Eingebungen zu seiner großen Klaviersonate in B-Dur, Op. 10S, die in jenem Sommer achtzehnhundertachtzehn im Hasnerhause in Mödling entstand, «*■' v. ♦•."tf.''*.-»"'" vV? T Das Ereignis. Bon Else Feldmann, Wien. Nie noch hat sich mir menschliche Gedankenlosigkeit eindring- licher als Herzlosigkeit offenbart, als gestern an einem strahlenden Spätsommertag. Der liebe Bürger hat die Eigenschaft einer besonders großen Schaulust: es ist einerlei, ob es sich um einen handelt, der ins Walser gefallen ist, oder ob einem Kind der Lustballon weggeflogen ist, der Bürger bleibt gern stehen und gafft stundenlang mit aufgerissenem Mund: dazu haben die Guten immer Zeit. Man läßt Geschäft sein, Liebende vergessen ihr Rendezvous: sogar die kleinen Schulkinder verspäten darüber die Schul« und gasten, wenn es etwas gibt. Gestern gab es etwas. In einer belebten Straß« stand vor einem niedrigen, alten Eckhaus, das in ein kleines Seitcngöhchcn mündet, ein Wagen der Rettungsgcsellschaft. Es war sonst eine hübsche, für die Menschen, die� dort wohnten, ziemlich wohlwollende Gegend— es war ein Stückchen Parkanlage dort, und wenn es auch nur ein winziges Stück war, so sahen sie doch mit ihren Augen ein wenig Wiese, die jetzt ganz weiß von Blumen war und süß duftete in all den Straßen- staub hinein. Und etwas weiter bogen sich Bäume und Sträuchcr aus einem Parkgitter— es war durchaus nicht die übelste Gegend— und jetzt lag alles im klarsten Mittagssonnenschein. Mit einem Male wurde es bunt von Menschen rings uni den Wagen herum— und jeder fragte neugierig: Was ist's? Was ist's? Und er bekam meist eine witzige oder lügenhafte Auskunst. Bei diesem Anlaß zeigte sich auch der verbreitete Hang zum Phantasieren und Großsprechen, eine ganz aufsollend gut entwickelte ollgemeine Mcnschentümlichkeit. Und aus den Fenstern des Hauses, die alle offen standen, reckten sich neugierige Köpfe hinunter nach dem Wagen und dem Menschenauflauf. Dieselbe„gemütliche" Un- tättgkeit im Gewimmel auf der Straße wie in den Fenstern oben— und doch mußte ja im Hause etwas geschehen sein— bei irgendeinem Nachbar... Nur zwei Fenster waren fest verschlossen, dort zeigte sich niemand, wie lebhaft es auch zugehen mochte: dort blieb es tot und stille: es waren keine blanken Fenster, sie waren mit einer Staub- schickst bedeckt und hatten grüne Stoffvorhänge. Es war ein altes Haus mit abgebröckeltem Mauerwerk— mit viel Armut und Elend, mit vielen Streitigkeiten, Unfrieden, Tränen, Schmerz und trogischen Begebenheiten wie überall, wo viele Menschen eng beisammen wohnen müssen, sich einander am liebsten beißen möchten vor Haß und Widerwillen. Als erste kam die Hausbesorgerin heraus, ein ungesund schwam- miges dickes Weib in schlampiger Kleidung, sah sich triumphiereird um, nach den vielen, die vor„ihrem Hause" standen— aller Blicke hingen an ihr: Was ist's? Was ist's?— Sie aber kehrte sich stolz um, nachdem sie sich vor der Menge gezeigt hatte, und ging wieder zurück ins Haus— vorher(ehrte sie noch: Tor zu! und jemand schloß sogleich das Tor. Nun war die Neugierde aller ausgesperrt. Bis jetzt hatten sie durchs offene Tor hineingelugt, und zwei halbwüchsige Burschen hatten jeden Augenblick die Leute gefoppt, indem sie laut und lachend riefen: Sie kommen! Und sie erzählten, wie es war, als der „Peter" bei einer Rauferei erstochen wurde: sie waren dabei. Und kaum waren sie damit fertig, erzählten sie einen anderen Schreckens- fall mit aller Ausführlichkeit: alle Umstehenden hörten ernsthaft zu: sie hatten sich mitten auf der Straße ein Neines, grausiges Per- gnügunasunternehmen eingerichtet— ein Kino im kleinen, und die beiden Jünglinge im Lehrlingsalter hatten Zeit über Zeit. Junge Mädchen» Freundinnen kommen Arm in Arm, bleiben stehen und sie flüstern und lächeln miteinander und ihre Blicke gehen nach allen Seiten: und wo immer im Frühling junge Mädchen in hellen dünnen Kleidern stehen, sieht man aus sie und sonst nichts: Was ist gc- schchen? Immer wieder der Ruf. Manche haben vergessen, warum sie hier stehen. Eine Gruppe großer Gymnasiasten mit griechischen und latei- nsschen Büchern unterm Arm spricht vom nächsten Fußballmatch... Die Ansammlung wird größer und größer. Es ist ein ganzer Erlustigungsort geworden. Man geht auf und ab. Mädchen fahren mit Kinderwogen vorbei. Unbekannte bleiben zu längeren Gesprächen stehen und alle warten gespannt aus das Ereignis: Wenn die Rettungsgesellschafts- ärzte herunterkommen. Endlich in einem Knäuel ein aufgeregtes Geschrei: er ist tot: ich Hab' ihn gesehen, beim Mund ist die Kugel herein, beim Kops heraus, das Gehirn mit. Wie alt, fragt man. Bierundzwanzig Jahre. Hatte er Eltern? Nein, nur eine Tante, die alte Frau, er war der Neffe, wurde überflüssigerweise hinzugefügt. Die Schuljugend unterhielt sich glänzend, die Buben standen Kopf vor Bergnügen. Die Schulmädchen hatten kleine Zweige Flieder für die Botanikstunde in Händen: daran rochen sie und riefen einander zu: Er ist tot. Und sie rückten nah zusammen und sahen auf das geschlossene Haustor. Einer kam aus dem Haustor und machte laut die Mitteilung, daß nichts mehr zu machen sei: aber sie, die alte Frau, um sie wären die Aerzte nunmehr bemüht— wenn sie sie nur nicht gleich mit- nähmen mit ihrem Starrkrampf. Einer fing sofort zu lügen an— natürlich, er kannte ihn, sie hätten zusammen studiert. Man konnte es ihm ansehen, wie er log und nur sprach, um aus Sekunden die Aufmerksamkeit aus sich zu lenken. Es wurden Stimmen laut: Warum hat er's getan?— Nicht ganz gescheit im Kopf— Und die meisten stimmten bei. Ein kühner Jugendlicher sagte errötend und hielt sich die Hand vor den Mund, als fürchte er eins darauf zu bekommen: Unglückliche Lieb«. Gelächter und Lächeln. Das Tor wird aufgerissen, die Leute von der Rettungsgesell- schast kommen allein heraus, steigen in den Wagen— der Arzt setzt sich zurecht, die anderen nehmen Platz, sprechen lebhaft, einer lacht auf, der Wagen fährt davon. Aber die Menge bleibt noch. Unverdrossen und geduldig wartet sie bis zum Schluß des Schauspiels: der städttsche Totenwagen wird gleich da sein. Jemand sagt: Es war ein Student der Medizin. Seine Tante war arm und alt und krank. Er schrieb auf einen Zettel: Ich bin diesem Kamps nicht gewachsen. Ein Mann schaut sich wie irrsinnig um und sagt zur Frau an seiner Seite: Ist es möglich, mitten unter Menschen muß einer zugrunde gehen, mitten unter un» allen muß sich einer das Gehirn heraus- schießen? Und er blickt um sich und sieht auf lauter lachende Menschen, die den Totenwagen erwarten. wandernde Pflanzen. Durch die Heereszüge im Dreißigjährigen Krieg« wurde der giftige Stechapfel bei uns«ingeführt, während im Derlauf der im 17. Jahrhundert stattfindenden Türkenkriege der Samen der Kalmuspslanze nach Europa gelangte. In ähnlicher Weise wurde ferner durch die Kriegszüg« Napoleons«in russisches Steppentraut, der sogenannt«„Wanzensame"(Cornpermum mar- schallii) nach Deutschland gebracht: die bis dahin ganz unbekannt« Pflanze tauchte damals eines Tages in Danzlg auf, worauf sie in einiger Zeit allerdings wieder verschwand, um sich in Schwetzingen in Baden anzusiedeln, wo sie seither in den ausgedehnten Spargel- feldern massenhaft austritt. Auch das Knopfkraut(Qalinsoxiaea par- viflora), das mittlerweile ebenfalls zu einem lästigen Unkraut ge- worden ist» kam einst mit dem napoleonischen Heer« nach Deutschland. Sport. Autozuoerlässigkeilsfahrl nadj Reustrelitz. Der Reichsverband der Deutschen Automobil- industrie hatte zum Zwecke der Vorbereitung für die neue Automobilausstellung am Kaiserdamm die Berliner Presse zu einer Kreissahrt nach e u st r e l i tz in Mecklenburg geladen. Es sollten auf dieser Fahrt keine Rekordzeiten gestellt, sondern die Zuverlässigkeit einer Anzahl von Wagen verschiedener deutscher Fabrikate erprobt werden. Im Durchschnittslempo von etwa 60 Kilometern ging es durch die spätsommerlich gefärbt« Land- schaft, durch das märkische Land mit seinen Stoppelseldern, über Fiirstenbera nach Reustrelitz. Die guten Straßen der Hinfahrt wurden aus der Rückfahrt vermieden. Man suhr über Rheinsberg, Reuruppin, zum Teil durch recht unwegsames Waldgebiet. Auf den Wegen hatte sich Wasser gesammelt, trotzdem nahmen sämtliche Wagen die Straßen in durchweg guter Form. Am späten Abend führte der Weg durch einsame Gegenden, die nur durch die Schein- werfer der großen Gefährte erhellt wurden. Später setzte schlechtes Wetter ein, und etwas durchnäßt und erfroren langten die Teil- nehmer gegen 9 Uhr abends wieder in Berlin an. Der Zweck der Fahrt, die Zuverlässigkeit der Wagen zu zeigen, war jedenfalls er. reicht worden. Renä B ermandel-Belgien gewinnt das Rennen der Straßen- sahrer aus der Avus. Am Sonntag fand auf der Avusbahn das Rennen des Industrieringes für Straßenrennen (Ibus) statt. Der Besuch war nicht besonders. Um 6 Uhr früh wurde das 42 Mann starke Feld auf die 275 Kilometer betragende Strecke geschickt. Im Endspurt ging der Diamantsahrer Richard Huschte mächtig los, konnte sich jedoch gegen den stark auf» kommenden Belgier Vermandel(Opel) nicht wehren. Um Handbreite wurde Huschte von dem Belgier geschlagen, der die 275 Kilometer in 8 Stunden 10 Minuten 14 Sekunden suhr. Dritter wurde Rörenberg(Mifa) vor Ville-Frankreich(Opel), van Hevel-Belgien(Opel), C. Rotter-Schweiz(Mifa), H. Guter- Schweiz Tbenl. ZMcheMl Eiilhtt Jcgerdlidieo nrMn TKalto-Titsaler Uhr: M öW Regie: Berth. Viertel Kleines Tb. 8>/,: Die flsißiss Leserin Theater des Westens! Iiliphon: Steint. 931 Täglich 8 Uhr: Die Revue Der Zug natfif dem Westen Hormhif cncnlerijreArn IJ Preise 2—16 Mark! FLACH*GOLt> FESTE PACKUNG SCHEMF W E N E S T i Heiropoi• Tbeot Täglich 8 Uhr: Die große Revue Wieder ffetropoi Die Komödie Bismarck 2414, 7516 * Uhr: Die Gefangene Von Bourdet Regie: M. Reinhardt Üuwnkr-Blihsu Tbealer KönlDäratxJtr. TaHasenheld�tlO 8 Uhr: Zveimai Oliver KoaiOdienanus Teta Norden 6304 8 Uhr Derrv.ialnt-Oiiin Kuriürst 6456 8 Uhr: Internat. Yariete Deutsches ROnstl.- Theater 6V. Uhr; VeronlKa Lesslnc-Theater 8 Uhr: Cromwell Id. LRufttrstendänin 8 Uhr: Listsplelhans Uhr: Kukuli Mißfarbene Zähne entstellen das schönste Antlitz, übler Mund- geruckt wirkt abstoßend. Beide Schönheitsfehler werden sofort in vollkommen unschäd- lickier Weise beseitigt durch die erfrischende Zahnpaste Chlorodont. überall zu haben. 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Oönhoff-Brett'l (Saal g.lart.): Varletd- Konzert- Tanz Csmis Büsch Rar knrz.Herbsl-CasIsp. a ErSlfnungs-itlrakllonen B Artlstlsch-clrcens. Höchstleistung. W Rur Gualllits-Darblelungen* I�.PapaWrangftlÄÄ"® oooo— ooc g Tägl. S'/.Uhr g Theater im Admimlspalast Biesecertoig Kailsr- toe Sil 83. AUS Preise von 2-16 M_ R VorrpUnl anintcir I Tiisaiefa.Honiiloi Kottbasser Str. 6 S Uhr, Sonnt S U!;rl «iite- Söngek imil Uuscli: [50$f. bis 2.5U ' Sonnt, nchm - halte» Pzeift ROSSE Ilizei� BERLIN 1926 ?! ifPM/CKT AUSSTELIUNGSHAUEN KAIJERDAMM Der gule iSapuan- KaulabaKn'Ä'Srl C. KUcker, Itcrlln Lichtenberger Straße 22, Kgst. 386t l>MM!IIe!ZlsSll!»->Ml! Wsl SesseWmieöe«ctim! Hennt 5tzt Den Schmerz voa �doiar? Da» ��mwmrrra., Oiesen Bald«« und Oberhaupt Alle«. die Wert auf«chöne und gedlofle«« Kleidung xu äußerst niedrigen Prei- sen lege«, kann geholfen werden. in einigen Tagen verraten wir mehr! s' Unserem linden Kollegen Ä Raul Schubset«g bit Herzlichsten»lstckwUnsche zu 4li « seinem 80.«edurlsiog 0/ % 5. S. w. 2B. ffl. Schlofferei$ o o eeesee«-5, n Dienstag, 21. September nachmittags l1/. Uhr Oonnerslag, 23. September, obenbs IIb», bei Sachse. Ciabaraer Slrahc 2«(am Bahnhof W-dding) Branchenversammlung Oanneralag, bea 23. September hmittaga s Ahr. Im JJarfcrr». il bea Scrbanoshaafcfl, Cinien. ffrahe 83 83 Branchen Versammlung aller in der Branche beschäftigten Kolleginnen und Sollegeu. Tagesordnung: Die wirttchaff. liche Lage. 2. Branchenangelegenheiten Verschiedene». Um mSgtichst nollzdhliges Erscheinen der Kolleginnen und Kollegen mied ersucht. voaaerofag. 23. September, nach. mittag» 4",»Hr. Im»Aeicheaberger yof.»eicheavergee Strohe 242 Branchenversammlung der Gürtler, Monteure, Kronenschlosser. Klempner. Brouzeure. Brouzeuseu und Monliererinnen. Tagesordnung:..Wie oerdeiseri da» Proletariat seine witfschaftllche Lage?» Neserenl: Kollege Nudots Dom». Da» Erscheinen jede» Branchenange- HSrigen wird, der wichtigen Tage». Ordnung entsprechend, erwartet. vi« Ort, pera» olfiusH. Verkäufe Leiterwaaen. Schlauchwaaen. Schub fairen. Einzelräder. Achsen, ltedern. Globus. DresdenerNrake 55. Morikplck 12738.________________ Tepplch-Schragee»erfaust Teppiche. Läusersiosse. Tischdecken. Diwandecken, Steppdecken, Gardinen, Store». Beiit dicken. Beauemste tzahtungoerleichte� rnng. Involidenstrahe 241.' Belileiitung55lucl Husikinstniaiente Piano» preiswert. Link. Brunnenstrafte 55 Klapiermache: ?ianaa, Harmoniur rrer, Ehauileestraßl >». Teilzahlung 105.- Gonderangebaf. 43,—, 55.—. 68,— Kaifeprei». ffabritneue Fahrräder, komplett, solange vorrätig. 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