Margenansgabe(10 Pfennig; Bezugspreis. A Anzeigenpreise: WSchentllch 70 Pscnni«, monalllch- Di« einivaltl«« Roiwareill«. 3.— Reichsmarl voraus iVlhlbar. AmÄBB\»eile 80 Pfennia. ReName, eil« Unter»r-u»danl>«ür Deullchlan».«»»«««-/"»■ I i, a. A v A. A' � H« 3.- Reichsmark..«leine«», eigen' Daiu,!,. Saar, und Memelaeb.en � iltx AX IMU� �KSLs Ax B das f.ttaedruckte Wort 2- Pfennig «usland 3.30 Rmchsmarkdra Monat. B B| B jV■ f WWW W M«7��« euOenaNuch.' ZT GM W! II I I 1||| 1�1 1� Eiriiei�i�Ä lowie den Beilagen..Unterlialtunq VWI I DW W W M W W W W W OB W ,'a�"" o, S, oir uns Wissen"..»»» der Kilmwel!'.-TB 1 B H flftl �L\ JBL\■■■■ H B AoS�Smf Ardcitsmarkt Seile w Pfennig. .Frauenstimme'..Der Kinder. KS I B Sl �0\ GWi» kMtlA*" JBL\ OB gamilienan, eigen für Abonnenten freund'...Iugend-LorwSrts' und IM I �M> � M» // Seilt 40 Pfennig. .Blick in die Büchermtlt' erscheint V � �MV>/ H- wochentaglich»weimal. Sonnto«, �W/ //.\ An, eigen für die nächste Rummer und Montag, einmal.__.... �__ 4 wüsten bis 4V4 Ubr nachmittags im -_AAJ.■.?■-•■•- 1«»» ,,■ U» V�.> � JT"C T/ KauotgefchSft. Berlin EM 08. Linden. Telegramm-Adreste:>> MM M*> r t|;■ Hm I I?-9�4 MM I MM strasteO. abgegeben werden. Geöffnet �»ozialdamokrak verlin- J�9 � T--A>JV�"V-% 4 V A-*"V-I VV-V V von 8li Ubr frstb bi, S Ubr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokrat» fcben Partei Deutfchlande Neüaktion und Verlag: S erlin EW. öS, Änöenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292—297. Im Hause der Partei ist tiefe Trauer eingezogen. Unser Richard Fischer ist nicht mehr. Seit längerer Zeit hatte ihm sein Herz zu schaffen gemacht. In den letzten Tagen schien es besser zu werden. Dann hat gestern abend 9 Uhr eine plötzlich eintretende Herzschwäche diesem Kämpfcrlebcn ein Ende bereitet. Von wenigen der noch Lebenden kann gesagt werden. daß sich die Geschichte der Partei so in ihnen verkörpert wie in unserem Heimgegangenen Freund. Er hat den ganzen Kampf unter dem Sozialistengesetz und gegen es mitgefochten. Mit den Großen der Partei, vor allein mit August Bebel und I g n a z Auer, verband ihn engste Freundschaft. 1893 vom zweiten Wahlkreis in den Reichstag entsandt, blieb er drei- unddreißig Jahre lang fast ununterbrochen einer der Vertreter Berlins. Schon drei Jahre zuvor war er in den Parteioor- stand gewählt worden, dem er mit einer Unterbrechung bis zu seinem Tode angehörte. Seit 1893 war er, erst als Leiter der Buchhandlung, dann seit 1902 als Leiter der„Vorwärts"» Druckerei an hervorragender Stelle in den Betrieben der Partei tätig. Schon als Einundzwanzigjähriger hatte er 1876 den Weg vom Setzerkasten zum Redaktionstisch gefunden. Nach zwei- jähriger Tätigkeit in seiner schwäbischen Heimat, am Augs- burger„Volkswillen", ruft ihn die Partei an die„Berliner Freie Presse", den Vorgänger des„Vorwärts". Im Jahre darauf ist die Parteiorganisation und ihre Presse durch das Sozialistengesetz vernichtet. Schon aber ist der Dreiund- zwanzigjährige erprobter Helfer der älteren Führer; als solcher geht er nach der Schweiz, um als Gehilfe Julius M o t t e l e r s, des„Roten Postmeisters", den Versand der illegalen Literatur nach Deutschland zu organisieren. Dann nach London. Er bewährt sich als einer der jugendlich Mutigen, den die Gefahr nur reizt. Nach dieser Sturm- und Drangperiode, nach dem Fall des Sozialistengesetzes beginnt seine ruhigere, organisatorisch aufbauende Tätigkeit. Es ist diesem stürmischen Temperament, das sich am liebsten in Kampf und Fehde auslebte, nicht leicht gefallen, sich hinter Geschäftsbücher zu setzen und den Rechen- stift zu handhaben. Aber die Partei brauchte an der Spitze ihrer Betriebe nicht nur einen tüchtigen Geschäftsmann, sondern vor allem auch einen Vertrauensmann, auf den sie sich unter allen Umständen verlassen konnte. Noch wirkte die Erinnerung an das Sozialistengesetz nach, noch war keine Sicherheit gegen seine Wiederkehr gegeben. Höchste Vorsicht war am Platze, um das Eigentum der Arbeiterbewegung, die Schmiede der Partei vor Zugriffen einer reaktionären Staats- gewalt zu sichern. Noch wurden in den Büchern des„Vor- wärts" die Mitarbeiter unter falschen Namen geführt, um sie vor Verfolgungen im Falle einer Haussuchung zu sichern. Wem konnte unter solchen Umständen die Leitung des Be- triebes anvertraut werden? Nur dem Treuesten der Treuen, nur dem Zuverlässigsten der Zuverlässigen, und der war eben Richard Fischer. Indem Richard Fischer dem an ihn ergangenen Rufe folgte, brachte er e i n O p f e r. In der Redaktionsstube und auf der Rednertribüne fühlte er sich wohler als im Kontor. Aber Richard Fischer biß die Zähne zusammen und fand sich in die neue Aufgabe. Er fand sich nicht nur in sie— er war nicht der Mann, irgend etwas halb zu tun. Mit ungeheurer Energie vollzog er die innere Umstellung, er stürzte sich in seine neue Arbeit, er verzehrte sich im Dienst. Denn alles, was er tat, tat er ja für das Wachstum und die Ehre der Partei, der er feit seinen frühen Iünglingsjahrcn ange- hörte, mit der er verwachsen war wie ein Kapitän mit seinem Schiff. So kam es, daß die politische F ü h r e r p h y- s i o g n o m i e Richard Fischers der jüngeren Generation immer mehr verschwand. Sie kannte nur nock den geschäftigen Alten, der im Hause Lindenstrnßz 3 mit sprunghafter Leben- digkeit treppauf, treppab lief, sich für alles intereffierte und sich um alles sorgte. Sie kannte nicht mehr den Kämpfer, der Mit den Waffen einer sprudelnd temperamentvollen Bered- Mittwoch, den ÄÄ. September 1926 samkeit auf der Rednertribüne seinen Mann stand. So hatten ihn nur die Aelteren noch gesehen, im Reichstag, im zweiten Berliner Kreis in der Bockbrauerei, Fidicinstraße, bei den großen Demonstrationen der Parteien neben Jean Iaurös und neben August Bebel, an dessen 70. Geburtstag in der Neuen Welt. Seine Bildung war von erstaunlicher Vielseitigkeit. Bis in das späte Alter hinein verbrachte er seine liebsten Stunden bei seinen Büchern. Hier war es die Geschichte, die ihn. den Politiker, vor allem fesielte. Denn ein durch mrd durch poli- tischer Monisch, und als solcher ein Sozialdemokrat durch und durch, blieb er bis zu seinem letzten Atemzug. Und das gewaltige Werk, das er als Geschäftsführer des„Vor- wärts" und als Leiter der Parteidruckerei vollbrachte, be- trachtete er durchaus als eine politisch? Aufgabe. In den inneren Kämpfen der Partei hat er stets eine exponierte Stellung eingenommen. Das trug ihm gewiß manche Gegnerschaft ein. Weil er lebhaft und bis in die letzte Konsequenz hinein das vertrat und das tat, was das Wohl der Partei nach feiner Ueberzeugung forderte, fand er auch lebhaften Widerspruch. Es ihm an Kraft des Tempera- ments gleich zu tun, fiel keinem leicht. Und doch liebten ihn die Berliner Arbeiter und vertrauten sie ihm, ihrem Ab- geordneten: denn sie wußten, daß er genau so war, wie er sich gab, und daß keine Falte in seinem Herzen war, in die sie nicht zu schauen vermochten. Man kann heute bedauern, daß dem Mann, der weit vorausschauend und weit ausgreifend zum Führer bestimmt war, in der letzten Zeit seines Lebens nur ein Verhältnis- mäßig enger Kreis der Wirksamkeit beschieden war. Aber in diesem Kreis war das Wirken um so intensiver, und wurden Freundschaften um so fester. Das ist kein guter Genosse, der nicht auch ein guter Kamerad sein kann! Ein guter Kamerad ist Richard Fischer allezeit gewesen, wie einst den großen geschichtlichen Persönlichkeiten der Partei, so dann später denen, die in der Jetztzeit mit der Leitung der Partei beauftragt sind. Der Parteivorstand verliert einen seiner Besten. Vonvärts-Verlag G.m.b.H., Serlin SV. öS, Linöenstr.Z Poftiche«!»nt»! Beeliu>7 33«— BenNouto: Ben» der«rbeitee.«»nestelten und Beamten,«allste,«5;»i»k°vt->.»elellich-it, Denasttenkaffe Lindenste, 3. Nun ist Richard Fischer in die Reihen derer eingetreten, mit denen er in seinen jungen Jahren Schulter an Schulter stand, in die Reihe derer, die der großen Bewegung des deutschen und internationalen Proletariats als Führer voran- gingen. Ein leidenschaftliches Kämpferherz, das mit jeder Faser der Sozialdemokratischen Partei gehörte, hat aufgehört zu schlagen. Nicharü Jifcher als Redner. Wenn er zu vielen sprach, befeuerte sein vulkanisches Tempera- ment die Worte. Man mußte ihn nicht nur hören, auch sehen— denn ihn litt es beim Reden nicht, auf einer Stelle festgebannt zu stehen— wenn er im Re i ch s t a g der kaiserlichen Vorkriegszeit zum Etat des Reichsamts des Innern sprach: Ob er bei der Sozial- Politik die Scharfmacher und ihre Versuche geißelte, nicht nur jeden Fortschritt zu hindern, sondern auch da? schon Erreichte rückwärts zu revidieren; ob er Streikpostenverbote und die sonstigen Miß- brauche des§ 153®0. brandmarkte; ob er gar die heimliche Spitze- lci oder offene Brutalität der wilhelminischen Polizei gegen die Arbeiterbewegung an den Pranger stellte— immer beseelte ihn der Zorn der freien Rede, und immer schlugen Fischers Reden ebenso wie im Hause, so draußen bei den Massen ein, denn auch gedruckt wirkten diese Sätze aufpeitschend, entstammend, kämpf- begeisternd. Welch scharfer Witz ihm stets schlagfertig zu Gebote stand— mancher Zwischenrufer von der Junkerrechten, ober auch mancher Widersacher auf unseren Parteitagen hat es schmerzlich erfahren, wenn ein einziger Zuruf Fischers das Objekt unfehlbar zum Gegenstand allgemeiner Heiterkeit machte. Diese ätzende Schärfe hatte Fischer mit Viktor Adler gemein; sie waren auch zeitlebens herz- lich befreundet, /We Zeit auf Posten! Vor wenigen Wochen»och saß Richard Fischer neben uns am Redaktionstisch, Sein Weg durchs Vorwärtshaus ließ ihn selten vorübergehen, ohne eine» Blick hineinzuwerfen und ein wenig über Altes und Neues zu plauschen. Bei seinem letzten Besuch war er der Erinnerungen voll. Denn er hatte eben in seinem Geschäfts- zirnmer„ausgeräu.nt", alte Briefschaften durchstöbert und— vernichtet. Briefe von sehr bekannten Soziulisten und Sozialistinnen, wie sie im Lause der Jahre vielfach geschrieben zu werden pflegen, Unversehens waren wir bei alten Erinnerungen. Selbstver- ständlich auch beim Sozialistengesetz. Zweifellos hat jeder der Alten in dieser Periode des ungeheuerlichsten staatlichen Gewaltsystems das Seine erlebt. Richard Fischer aber, der als Verantwortlicher der „Berliner Freien Presse" eine lange Gefängnisstrafe in Plötzensee abbrummte, als das Sozialistengesetz in Kraft trat, war bald nach der Entlassung aus der Slaatspcnsion in die Schweiz gegangen. Dort arbeitete er als Schriftsetzer in der Druckerei, die den„Sozial- dcmokrat" druckte. Frisch und wagemutig, wie er war, hat er mit dem alten„roten Feldpostmeister" Belli manches Husarcnftückchen ausgeführt. Aber besonders gern erinnerte er sich der E n t- l a r v u n g der königlich-bismarck-puttkamerschen Spitzel, an denen er hervorragend beteiligt war. Besonders den als Spitzel tätigen Gießer Haupt konnte er der Schweizer Polizei ausliefern, nicht zuletzt, weil der Züricher Polizeihauptmann Fischer sich ohnehin ärgerte, daß die preußischen Lockspitzel ihm in seinem Revier herum- pfuschten. So wurde die Verschwörung aufgedeckt, daß mit Hilfe preußischer Polizeigelder in der Schweiz die halbannrchistische Most- sche„Freiheit" gedruckt wurde, deren blutrünstige Phrasen dann Putt- kamer in Berlin als Material gegen die entrechtete Sozialdemokratie vorzutragen liebte. Die Aufdeckung des Spitzelsumpfes war für die Puttkamcrci der- artig niederschmetternd, daß der alte Komödiant ganz verdattert im Reichstag erklärte, er müsie ja vor Scham in die Erde sinken, wen« von den in Zürich aufgedeckten Ehrentaten auch nur einiges wahr sei, Was Fischer damals auszeichnete, sein Kampsmut und Kampfes- geist, das hat er bis in die letzten Tage sich bewahrt. Wir denken an sein frisches Zugreifen auch in der Druckerei, wenn politische Rot an Mann war. Denken daran, daß er in der Nacht, als Wilhelm vom Schloßbalkon seine Red« vom Niederreiten hielt und die Druckerei schon verlassen lag, zornsprühend erklärte:„Dem muß noch geant- wartet werden. Ich will es selber setzen!" und daß er abermals sich bereit erklärte, zum Winkelhaken zu greifen, um das berühmte „illegale" Extrablatt des„Vorwärts" gegen die Kappisten herauszu- bringen. Alle Zelt ans Posten? örianö soll weiterverhanöeln. Einstimmiger Beschluß des französischen Ministerrats. Pari«. 2t. September. lWTB.) 3n dem heule vormittag unter Vorsitz de» Präsidenten der Republik abgehaltenen Ministerrat erstattete Minister de» Zleusjeren B riand Bericht über die Haltung und die Arbeiten der sranzösis6)rn Delegation in Gens. Die Regierung beglückwünschte ihn zu den erzielten Resultaten. Briand sehte den Ministerrat gleichfalls In Kenntnis über seine B e- sprechungen mit Stresemann. Die Regierung war einmütiger Ansicht über das Interesse dieser Besprechungen und die Rühlichkeit. sie fortzusehen. In der nächsten Sihung des Kabinettsrais soll die Prüfung der technischen Probleme vorgenommen werden, die diese Verhandlungen mit sich bringen könnten. Ein Kabincltsrat findet nächsten Donnerstag und ein neuer Ministerrat am l. Oktober statt. » Mit welch einem Iubelgeheul hätte heute morgen die deutschnationale und die kommunistische Presse die Nachricht aufgenommen, daß die Richtung Poincarö-Tardieu-Marin den Außenminister Brictmd desavouiert haben würde! Was soll bloß aus der Partei des Grafen Westarp, was soll aus den„vaterländischen" Verbänden werden, wenn fetzt Poincar6 „oersagt"! Die von der frairzösischen Linkspresse in den letzten drei Tagen verbreiteten Alarmnachrichten über gefährliche Quer- rreibereien innerhalb des französischen Kabinetts gegen die Friedenspläne Briands haben sich scheinbar nicht bewahr» heitet. Indessen ist es durchaus möglich, daß die Vertrauens- männer des nationalen Blocks im Koalitionskabinett Poincar6 sich ursprünglich mit der Absicht trugen, gegen die Verein» barungen von Thoiry Protest einzulegen, daß sie es aber vor- gezogen haben, eine Kraftprobe zu vermeiden, zu der Briand für diesen Fall entschlossen war und die zweifellos zu seinen Gunsten geendet hätte, wenn er das Parlament als Schieds- richter angerufen haben würde. Mit dem gestrigen Ministcrratsbeschluß ist natürlich die geplante deutsch-französische„Gesamtlösung" noch keineswegs gesichert. Es ist lediglich das erste gefürchtete Hindernis schnell und leicht überwunden worden. Aber es werden im Laufe der Verhandlungen zweifellos noch viele ernste Schwierig- keilen auftauchen, es werden Spannungen und Rückschläge eintreten, bevor das Ziel der völligen Räumung des be- setzten Gebietes und der Rückgabe des Saargebietes erreicht fein wird. Von diesen unvermeidlichen Zwischenfällen wird nun die nationalistisch- kommunistische Agitation in den nächsten Monaten zu loben versuchen� sie wird sogar bestrebt sein, durch ihre Hetzereien die sich wieder versöhnenden Völker zu trennen und das Gesamtwerk der deutsch-französischen Verständigung zu zerstören. Aber das Ziel wird schließlich doch erreicht, das Werk doch vollbracht werden, weil in beiden Nationen die überwiegende Mehrheit hinter den Staatsmännern steht, die diese große Aufgabe übernommen haben. Dann wird es ober mit den extremen Parteien rechts und lenke rapide zu Ende gehen. Sie sind nur durch den Geist von Versailles, durch die Besetzung des Ruhrgebiets groß geworben— der Geist von Locarno, über den sie spotten, um ihre Unruhe zu verbergen, und die Räumung des besetzten Gebietes wird ihre Zertrüm» nrerung bedeuten. Denn an dem Tage, an dem die Befreiung des deutschen Bodens dank der vielgeschmähten Erfiillungs- Politik erreicht sein wird, wird den Jnslasionsparteien die EMenzgrundlage entzogen sein. Mögen die verantwortlichen Männer Frankreichs dies bedenken, wenn das Problem des „Ausmaßes der Konzessionen" an sie herantritt! » Varl«, 21. September.(Eigener Drahtbericht.) Da» Ergebnis des Ministerrats vom Dienstag hat gezeigt, daß die Befürchtungen. Poincarä und die anderen reaktionär-nationalistischen Parteien angehörenden Minister könnten die Briandsche Friedenspolitik sado- ticren, nicht ganz begründet waren. Der Ministerrat hat nich» nur Briand zu seiner Haltung in Genf beglückwünscht, sondern, wie das Gpernpolitik im Staat. Von Dr. Kurt Singer. Die Ueberraschung weicht der Erkenntnis. Aus Ahnen der Zu- sammenhänae wird Wissen. Und es baut sich au, Wünschen und Wisse» ein Zukunftsbild auf, das in seinen starken Konturen bereits settig vor unseren Augen steht. Man sieht nicht gern und man sieht nicht gut hinter die Kulissen, wenn man immer nur Zuschauer, nie Akteur ist. Jetzt ist aber die Sicht freigeworden für alle. Das wußte ein jeder: in der bisherigen Verschleierung und Unsicherheit geht es nicht weiter. Seit der Schillings-Krife gab es nur ein ratloses Warten, kaum den versuch eines Neubaues. Auch hier stieß man noch auf schlechtes Grund- wasser. Nun endlich hat der Minister Becker gehandelt, auf weite Sicht hin Arbeit getan. Wenn der Plan, großzügig gedacht, groß- zugig ausgeführt wird, ist für die Stadt Berlin und den preußischen Staat vorbildliche Kunstpolitit in die Wege geleitet. Was hier vor einigen Tagen, gerade am Vorabend der Entscheidung, gefordert wurde: einheitliche Linie für jedes der Opernhäuser, strenge Schei- düng des stilistischen Wollens, das kann nun eine Wirklichkeil werden. Zum erstenmal seit Bestehen der Republik wird an allen Stelle» des Opernbetriebs der Befähigtste«n den rechten Posten gestellt, unter eigener Berantwottung, mit dem Wunsch, daß er-ine große Cache unter Einsetzung seines gesamten Könnens und Wollen» verteidige, stütze, durchsetze. Die zwei staatlichen Häuser sollen, unter» l« i b e r und Klemperer al» künstlerische, Hürth und Winter als kunst- und vcrwaltungstechnische Leiter, ihre selbständige Funktion erhalten. Klemperer vor allem wird für die Volksbühne«ine große Arbeit des illustren Aufbaues zu oerrichten haben. Den Blick auf beide Institute gerichtet, wird T i e t j e n als Diplomat. Künstler, Organisator die Kompetenzen verteilen, ordnen, nivellieren. Bei seinem vorbildlichen Taktgefühl und seiner großen Arbeitslust ist ein Rivalisieren niederer Art ausgeschlossen. Er wird mit Kleiber so gut und so harmonisch zusammenarbeiten wie mit Hörth und Blech und Klemperer. Das ist der große Wert dieses Mannes, der als Regisseur und Kapellmeister Opfer brachte und seinen künstlerischen Ehrgeiz immer nur in Taten offenbarte oder hinter bescheidener Zurückhaltung versteckte. Kein Mißtraueu, das den unbekannten Mann vor einem Jahre noch grüßte, blieb haften. Er ist der Mann, der da» Herz de« Künstlers, den Kopf des Verwaltungsbeamten, die Fingerspitzen des Diplomaten hat. Ein Gewinn für Berlin, den sich der Minister und seine Referenten als republikanisch« Tat gut- schreiben dürsen. Mit dieser Persönlichkeit Tiesiens werven auch olle Resiortstreitigteiten und bureaukratischen Mißhelliateiten, wie sie der Fall Schillings offenbarte, hinfällig. Die Verantwortlichkeiten find abgesteckt: das Bureau des Generalintend«nten erstickt di» Bureau» der Kleinbetriebe. Der O b e r b ü r g e r m e i st e r hat dem Entschluß de» Mi- msiers zugestimmt. Es ist nicht zu zweifeln, daß er auch einem früheren Eintritt Tietsens in den Staatsbetrieb(also vor 1928) Billi- gung erteilt. Städtisches gegen staatliches Kunstinteresse— das gibt es nicht, das kennt Büß nicht. Daß Berlin wieder die prominenteste Musikstadt werde, da» ist sein Wunsch. Und daß durch die Reu- ordmrng der Dinge wieder Fremde nach der Reichsmonopole gezogen werden. Und das wird geschehen. Gegen eine so große Ausgabe. amtliche Kommuiuquü unterstreicht, einmütig seine Unterredung mit Stresemann gebilligt und sich für deren Weiterführung ausgesprochen. Der von den beiden Ministern In Aussicht ge- nommenen neuen Zusammenkunft zur Fortsetzung der in Thoiry begonnenen Diskussion über eine Generalliquidation aller zwischen Deutschland und Frankreich schwebenden Streitfragen und Interessen- gegensätze steht also vonFrankreichnichtsmehrimWege. Man hofft hier, daß der am Donnerstag in Berlin zusammen- tretende deutsche Ministerrat zu ähnlichen Beschlüssen gelangen wird. Die außerordentliche Bedeutung des heutigen Beschlusses liegt vor allem darin, daß die von Briand eingeleitete Politik der deutsch- französischen Annäherung auf dem Wege der restlosen Bereinigung a l le r aus dem Krieg entstandenen Konflikte und Reibungsflächen die Zustimmung einer französischen Regierung gefunden hat, in der die Parteien des ehemaligen Nationalistenblocks durch ihre bekannte- sten Führer vertreten sind und daß selbst Poincarü sich bereit ge- funlien hat, diese.Politik, die den Bruch mit seiner eigenen Vergangen he it bedeutet, mit seiner Autorität und seinem Prestige zu decken. Damit ist auch der Polemik, mit der die natio- nalistische Presse die großzügigen Briand-Stresemannschen Projekte totschlagen zu können geglaubt hatte, jeder Wind aus den Segeln genommen. Aus der anderen Seite allerdings wird man nicht glauben dürfen, daß nun tatsächlich bereits alle Schwierigkeiten und Hinder- nisse aus dem Wege geräumt sind. Die Zustimmung, die Briand» Initiative im französischen Ministerrat gefunden hat, ist zunächst nur grundsätzlicher Ratur. Das Kommunique läßt deutlich durchblicken, daß der Meinungsaus- tausch sich einstweilen nur auf die prinzipielle Seite der An- gelegenheit beschränkt hat und daß die Dctailfragen, die den Gegen- stand der bevorstehenden deutsch-französischen Auseinandersetzung bilden sollen, erst im nächsten Ministerrat eingehend beraten werden sollen. Gerade über da, Ausmaß der Konzessionen, die Frankreich einer Entente mit Deutschland zu bringen haben würde, gehen hier die Meinungen stark auseinander, und es liegt auf der Hand, daß auch innerhalb der französischen Regierung diese Meinungsverschiedenheiten nicht nur bestehen, sondern auch gelegentlich der angekündigten Fortsetzung der Diskussion zum Aus- trag kommen werden. Das Entscheidende aber ist jedenfalls, daß die jetzige französische Regierung mit Poincarü an der Spitze sich für die Politik eines engeren Zusammengehens mit Deutschland ausgesprochen hat. Das ist ein Ergebnis, das die größten Optimisten sich noch vor wenigen Wochen nicht hätten träumen lassen. Lreitag vericht Stresemanns. Der Reicheaußenminister reist am Mittwoch abend von Genf ab und trifft am Donnerstag abend in Berlin«in. Am Freitag wird er dem Reichskabinett über fein« Besprechungen mit Briand berichten. Di« Reichsregierung wird natürlich den vorläufigen Abmachungen vollinhaltlich zustimmen, so daß bereits Anfang Oktober gemäß den Vereinbarungen zwischen Briand und Stresemann die Sachverständigen der beiden Regierungen zu den vorbereitenden Besprechungen zusammentreten können. Es ist noch fraglich, ob das in Berlin oder Paris geschieht. danzigs Anteil an Polens Zöllen. Das neue Genfer Abkommen. Gens. 21. September.(Eigener Drohtbericht.) Das neue Zo llverteilungsabtommen. das am Montag zwischen dem Danziger Senatsprosidenten Dr. Sahm und dem polnischen Kommissar Dr. Strahburger in Danzig abgeschlossen wurde, umfaßt fünf Artikel und bildet eine Ergänzung zum Abkommen vom 27. Oktober 1V21. Im ersten Artikel wird festgestellt, daß der Danziger Anteil an den polnischen Zolleinnahmen in der Zeit vom 1. September 1926 bis 31. August 1928 im Minimum 14 Millionen und im Maximum 29 Millionen Daniger Gulden betrage. Bleibt wie sie jetzt Tietjen gestellt bekam, konnte sich niemand stemnien. Di« Persönlichkeit hat überrascht, hoffentlich nicht verstimmt. In der Kunstpolitit müssen jetzt Staat und Stadt zusammengehen. Durch Walters Positisn und Ruf ist auch der Ruf und die Qualität der städtischen Oper gewahrt. Hier darf auch durch mörderische Kon- kurrcnzgclüste von keiner Seite her gesündigt werden. Ein neuer Verwaltungsdirektor muß nach Eharlottenburg kommen. Und letztes Ziel müßte es sein, daß auch von hier aus zarte Fäden zu der Hand Tietjens führen, der das Haus wie wenige kennt. Eine lockere, nicht finanzielle und verwaltungstechniiche, aber künstlerische und nioralische Verbindung muß geschaffen werden. Damit die Rcpertoirefrage in Berlin großstädtisch, großzügig gelöst, im Aus- tausch von Solisten, Dirigenten, Ballett u. ä. keine Kleinlichkeit vorherrsche, damit aus dem Gegeneinander ein herrliches Miteinander werde, und damit Berlin am Anfang stehe einer musikalischen, einer Opern k u l t u r. Die Anzeichen sind gut. Wollen nun alle, so haben wir, Publikum und Kritik, endlich einen Ausstieg zu erwarten, wo das Sterben bereits begann. Zreie Sozialistische Hochschule. Am 13. Februar d. I. wurde vom Reichsausschuß für sozia- listische Bildungsarbeit die„Freie Sozialistische Hoch- schule" Ins Leben gerufen. Zunächst in Form von Wissenschaft- lichen Vorträgen, deren Aufgab« es war, über den Kreis der Partei- genossen hinaus werbend für die sozialistischen Ideen zu wirken. Die Ausnahm«, die diese Vorträge fanden, zeigte, daß die neue Kründung des Reichsausschusses einem starken Bedürfnis weiter Kreise der proletarischen Bevölkerung entgegenkam. Der große Saal des ehemaligen Herrenhauses war stets von Hörern überfüllt, die mit lebhaftestem Interesse den Ausführungen der Redner folgten. Es sprachen in den Monaten Februar bis Mai in diesen Ver- anstaltungcn Prof. H. S i n z h c im e r- Frankfurt, Prof. E. Le- derer- Heidelberg, Prof. G. Radbruch- Kiel, Dr. Karl Renner-Wien und Prof. Anna S t e m s e n- Jena. Ihre Dar- legungen trugen sicherlich dazu bei, das Interesse für Wissenschaft- lich« und kulturelle Fragen zu steigern und insbesondere den bil- dungshungrigen Elementen der Jugend neue Wege zu weisen. In dem bevorstehenden Wintersemester beabsichtigt der Reichs- ausschuß die Arbeit der Freien Sozialistischen Hochschule welter auszubauen. Reben den Vorträgen im Herrenhause, die Mitte Ok- tober wieder beginnen und in einem Abstand von zwei bis drei Wochen bis zum Mai fortgeführt werden sollen, werden im Rahmen der Freien Sozialistischen Hochschule fünf Seminare(Arbeits- gemeinschaften) eröffnet werden, in denen Genossen und Genossinnen, die in den Bildungseinrichtungen der Partei und den Gewerkschaften oder auch aus selbständigem Wege gewisse Vorkenntnisse erworben haben, in bestimmten Willonsgebieten eine gründlichere Ausbildung erlangen können. Diese Vorkenntnisse sind notwendig, damit ein annähernd gleiches Niveau der Hörer und ihre Mitarbeit in den Seminaren gesichert ist. Da die Seminare der Freien Sozialistischen Hochschule die Kurse und Arbeitsgemeinschaften der Arbeiter-Bildungs-Schule und der Berliner Gewerkschaftsschule sowie auch die entsprechenden Dildungs- einrichtungen der Sozialistischen Arbeiterjugend, der Jungsozialisten der Betrag gemäß dem geltenden Zollverteilungsschlüssel unter den 14 Millionen, so muß die Republik Polen die Differenz bezahlen? steigt er über die 20 Millionen hinaus, so verzichtet die Freie Stadt Danzig aus den Mehrbetrag. Der Artikel 2 regelt die Berechnung und Auszahlu?gsweise. Im Artikel 3 wird gesagt, daß die zwei- jährige Festsetzung des Danziger Zollanteils im Zusammenhang mit der Danziger Finanzresorm erjolgt und in keiner Weise der zukünftigen Regelung des Zolloerteilungsschlüssels vorgreife. Durch Artikel 4 wird bestimmt, daß die Freie Stadt Danzig einen Beamten der polnischen Zentralzollcrwaltung zu Besprechungen über die Zusammenlegung, Verlegung oder Konzentrierung der Zoll- absertigungsstelle hinzuzieht, sowie geplante Aenderungen der pol- Nischen Zentralzollverwaltung-mitteilt, die innerhalb vier Wochen dazu Stellung zu nehmen hat. Bei Meinungsverschiedenheiten in- folge von geplanten Aenderungen im Zollabseriigungsdienst kann die polnisch« Regierung, sosern dadurch der Schifss- und Eisenbahn- verkehr wesentlich verändert und die Interessen Polens berührt werden, die Entscheidung des Völkerbundkom- missärs in Danzig anrufen. Die Einjührung der geplanten Maßnahmen wird dadurch nicht aufgehalten. Ferner wird die Dan- ziger Zollverwaltung den zuständigen Organen Weisung dahin. achend erteilen, daß den Vorschlägen der polnischen Zollinspektoren auf zweckdienlich« Sicherung des durch sie festgestellten Tatbestandes bei Zollabfertigungen entsprochen wird. In jedem gegen einen Danziger Zollbeamten oder Angestellten eingeleiteten Ermittlungs- verfahren bei Verstößen gegen die Zollvorschriften(gemäß dem Genfer Abkommen von 1923) soll stet» ein polnischer Zollinspektor hinzugezogen werden. Das Abkommen tritt laut Artikel 5 e n d- gültig in Kraft, wenn das Finanzkomitee des Völkerbundes eine Anleihe für die Stadt Danzig nach Erfüllung aller vom Komitee festgesetzten Bedingungen empfehlen wird. Erfolgt diese Empseh- lung des Finanzkomitees nicht bis Ende März 1927, so wird das ganze Abkommen hinfällig. Im anderen Falle erlischt es am 31. August 1928. Der Danziger Anteil an den polnischen Zolleinnahmen war für das lausende Jahr mit 16.0 Millionen Gulden in den Danziger Staatshaushaltsplan eingesetzt worden. Infolge der Drosteiung der polnischen Einsuhr und der Entwertung des Zloty wird aber nicht einmal die Hälfte dieses Betrages der Danziger Staatskasse zustießen. Deutschland allgemeiner wirtschastsreferent. Genf. 21. September.(MTB.) Den deutschen Vertretern im Völkerbundsrat sind als besonderes Gebiet zur dauernden B-- richterftattung im Völkerbundsrat all« W i rt s ch a f t s s r a g e n überwiesen worden: also unt«r anderem zunächst auch die Bericht- erstattung über das wichtige Thema der Vorbereitung der Welt- w i r t s ch a f t s k o n s e r e n z. Unruhen in k>oUanS. Im Heer und gegen Offiziere. Amsierdam. 21. September.(MTB.) Gestern abend haben sich in der Garnison Assenern st«Zwischenfälle mit Reservisten des dortigen 12. Infanterieregiments ereignet, wobei es zu Schießereien kam und«in Teil der Kaserneneinrichtung zer- trümmert wurde. Bei den Schießereien wurden ein Unter» offizier getötet und verschieden« Soldaten wundet. Ueber die in Frag« kommenden Truppenteile ist Kasernenarrest verhängt worden.— Anlaß zu den Zwischen- fällen in Asien gab die Weigerung des Kontiuenwiris. wegen des� lärmenden Verhaltens der Mannschaften weiter Bier auszu- schenken. Von dem darauf aufgerufenen Wachkommando verwei- gcrte ein Teil der Mannschaft den Gehorsam. Di« Widerspenstigen wurden aus der Stelle verhaftet, worauf der Rest de» Wach- kommandos die Kantine räumte. Später wurde der Regimenis- kommandeur, der inzwischen da« Kommando über die Wache über» nommen hatte, von den vor der Kaserne versammelten und die Internationale singenden Aufrührern beschimpft und mit Steinen beworfen, worauf die Wache auf die Aufrührer scharf schoß. Die Ordnung ist wiederhergestellt. usw. ergänzen sollen, sind für sie Themen festgelegt worden, die jeweils ein bestimmtes Arbeitsgebiet umgrenzen, für das wiederum ein bestimmter Interessentenkreis in Frage kommt. Es werden ab Mitte Oktober folgende Seminare Ihre Tätigkeit beginnen: Prof. Heinrich Cunow:„Der Staat und seine Entwicklung"(Beginn 22. Ottober): Dr Carl Herz:„Verfassungz- und Berwaltungs- künde"(Beginn 21. Oktober): Fritz R a p h t a Ii:„Grundsragen der Wirtschaitspolitit"(Beginn 19. Ottober): Dr. Albert Sa- lomon:„Grundlagen der Soziologie"(Beginn 18. Oktober): A. Stein:„Sozialismus und Arbeiterbewegung"(Grundlagen de» Heidelberger Programms: Beginn 29. Oktober). Außer diesen Seminaren, die allwöchentlich von 7 bis 9 Uhr abends in den neuen Räumen des Reichsausschusses(Lindenstr. 3, 1. Hof l. 3 Tr.) abgehalten werden, finden einmal monatlich Ver- onstaltungen für die Teilnehmer sämtlicher Seminare statt, in denen die Genosien Baak«, Baluschek, Kestenberg, Re- st r i e p k e und Karl Schröder über künstlerische und literarische Fragen sprechen werden. Diese Versammlungen sollen nicht nur eine» engeren persönlichen Zusammenschluß der Teilnehmer und der Lehrer herbeiführen, sie sollen auch über den Kreis der wissen- lchastlichen Arbeitsgebiete hinaus die künstlerischen und literarischen Interessen der Hörer fördern und vertiefen. Da Arbeitsgemeinschaften nach der Art der jetzt vorgesehenen nur dann produktiv arbeiten, wenn jeder Teilnehmer außer be- stimmter Vorkenntnisie auch den festen Willen mitbringt, systematisch an der gemeinsamen Arbeit teilzunehmen, wird bei der Aufnahme der Teilnehmer eine gewiss« Auslese getroffen werden müssen. A n- Meldungen mit möglichst genauer Angabe des Bildungsganges, des Tätigkeits- und Interessenkreises sind zu richten an den Reichs- ausschuß für sozialistische Bildungsarbeit, Berlin SW68, Linden- straße 3. Letzter Termin der Anmeldung ist der 12. O t t o b e r. Es wird jedoch gebeten, die Anmeldungen möglichst frühzeitig ein- zulenden. da für jedes Seminar nicht mehr als 39 Teilnehmer vor- gesehen sind. Die Arbeit eines jeden Seminars soll sich, mit einer dreiwöchigen Unterbrechung während der Weibnachtszeit, über das ganze Wintersemester, also etwa bis Mitte April erstrecken. Die Teilnehmergebühr für jedes Seminar beträgt für das ganze Winter- lemester(etwa 29 Abende) 19 M.. die in zwei Raten zahlbar sind. Arbeitslosen wird die Hälfte' der Teilnehmergebühr erlassem Es Ist zu wünschen, daß die Genosien und Genossinnen, die die Lücken ihres allgemeinen Wissens ausfüllen oder sich in bestimmten Ge- bieten, in denen sie praktisch tätig sind, vervollkommnen wollen, von der neuen Bildungseinrichtung, die ihnen hier geboten wird, in weitgehendem Maße Gebrauch machen. Staatsoper. Richard Strauß wird am IS. und 28. vkt-ber zwei Extra- Sinsoniekonzerte der Staatsopernkapelle(mit Mittaa». tonzerten) dlriaieren. Im ersten gelangen.Zaratbustra« und .Alpenltntonie", t», zweiten.Don Ouixote' und.Do- m« st i ca' zum Bortrag. Den Slbonneiiten derSlnsonie-Mittaa». und Abendkonzerte ist ein cntsPtcchendc>Z BorkausSrecht und eine PreiSeriiiJlßiauna eingeräumt. Die können ihre Plätze zum gleichen Preöe wie bei de» Abonn-mc?lt«tonzerten in der Zeit vom 3. bi« 0. Oktober gegen Vorzeigung ihres Abonnement» an der Kasse de« Opernhauses Unter den Linden beheben. Rudolf Euckeu» Rachlah. Wie verlautet, hat Rudolf Tücken ein lertigcS Manujpript hmterlaffe». da« da» Problem der Unsterblichkeit behandelt. Slutiger Tag in Sreslau. Zusammenstoß zwischen Polizei und Erwerbslosen. Schwerverletzte und zwei Tote. Breslau. 21. September, l(Eigener Drahlberlchl.) 3n Breslau ist es am Dienstag nachmittag am Ring in der Röhe de» Rathauses zu schweren und blutigen Erwerbslosenunruhen gekommen. Eine von kommunistischer Seite einberufene Versammlung halte vor einigen Tagen eine Delegation gewählt, die sich am Dienstag zu der zuständigen Deputation der Stadt zwecks Verhandlungen über Maßnahmen für die Linderung der Erwerbs- losennol begeben sollte. Die Vcrsammlungsleitung halte zur Unter- stühung der Delegation unoernünftigerweise die Erwerbslosen aufgerufen, sich in der Rühe des Rings in Massen zu versammeln. Das war insofern von vornherein gefährlich, als der Ring um da» Rathau» als Bannmeile erNärt Ist und zu De- monstrationszügen nicht benutzt werden darf. Während die Sozialdemokratische Partei die ihr angehörenden Erwerbslosen in einer großen Versammlung im Gc- werkschaftshaus versammelt hielt und dort praktische Vorschläge zur Ergänzung der Erwerbslosensürsorge durch örtliche Hilfsmaßnahmen beriet, hallen sich die Anhänger der Kommunistischen Partei und zahlreiche unorganisierte Erwerbslose in der Röhe des Rings an der herrenstrahe angesammelt. Die Delegation begab sich ins Rathaus, die Massen suchten inzwischen, ohne planmäßige Angrisfsabsichlen zu zeigen, sich langsam dem Ralhause zu nähern, zumal sie längere Zeit warten mußten. Die Polizei mußte sie pslichl- gemäß am Betreten des Rings hindern. Dabei kam es zu Reibereien. Die Polizeibeamlen wurden mit Kistenbrettern und Steinen beworfen. Einzelne Beamte wurden genötigt, sich zur Wehr zu sehen. Angeblich sollen dann aus der Menge heraus gegen die PoNzei auch Schüsse gefallen sein. Schließlich glaubte auch die Polizei sich mit der Schußwaffe verteidigen zu müsien. Eine Anzahl von schwerverletzten und loten Opfern blieb auf dem Platze. Der Stellvertreter des gegenwärtig beurlaubten Pollzeipräsi denten leitete sofort eine Untersuchung der Vorsälle ei«. Breslau. 21. September.(Eigener Drahtbericht.) Als Opfer der Erwerbslosenunruhen am Breslauer Ring sind bisher zwei Tote und mehrere ernsthaft verletzte festzustellen. Es ist wahrscheinlich, daß sich eine Anzahl von verletzten überhaupt nicht gemeldet hat. Der stellvertretende PoNzeipräsidenl betont, daß seine Beamten erst gcschosien haben, als sie durch S t e i n w ü r f e von einem In der Rahe gelegenen Reubau angegriffen waren. Der kommandierende Offizier hätte wiederholt mit äußerstem Stimmauf- wand die Demonstranten gewarnt und anfgesordert. auseinander. zugehen. Andererseits wird von ARgenzeugen behauptet, daß die Menge sich zum Teil durchaus nicht darüber flargewesen sein kann, daß geschosien werden sollte. Die Untersuchung der Vorfälle Ist noch nicht abgeschlossen. Vemonftrationsverbot für öresiau. Breslau. 21. September.(WTB.i Das Polizeipräsidium hat im Anschluß an die Zusammenstöße zwischen Arbeitslosen und Polizei und mit Rücksicht auf die noch fortdauernde unmittelbare Bedrohung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung alle öffentlichen Versammlungen unter freiem Himmel und alle Umzüge bis auf weiteres v e r b o t« n/ Seznaöigung See Winzer von Sernkastel. Koblenz, 21. September.(WTB.) Alle an den Unruhen der Winzer in Bernkastel beteiligten und verurteilten Personen sind mit Bewährungsfrist begnadigt worden. �auptausschuß öes �anötags. 4O Millionen Zwischcnkrcdite für Siedlungszwelke in Preußen.— Die Not des Unterwcsergebietes. ?m Hauptausschuß des Landtages wurde am Dienstag zunächst der Gesetzentwurf für die Gewährung von Zjfiischentrediteil in H ö h'e von 40 Millionen Reichsmark bei Rentengut- griindungen und ein deutschnationaler Antrag behandelt, der für die Zeit von fünf bis zehn Jahren 10 Millionen Mark als zinsfreies Darlehen für Siedler verlangt, die nach dem Kriege angesetzt sind. Der deutschnationale Berichterstatter stimmte natürlich die üb- lichen Klagen der Landwirtschaft an. Genosse Peters- Hochdonn stellte dagegen am Preis für landwirtschaftliche Produkte fest, daß von einem ernsten lltotstand keine Rede sein könne. Er wandte sich darauf dem Problem einer planmäßigen und zweck» m ä ß i g e n S i e d l u n g s p o l i t i k zu. Im Interesse der Hebung unserer Wirtschaftslage sei es notwendig, auf dem Lande den Uebersluß an Menschen aufzufangen. Die Mittel müßten durch das Reich beschafft werden. Besonders die aus Polen vertrie- denen Siedler seien in einer schlimmen Lage: hier müsse dos Reich die Mittel so schnell wie möglich zur Verfügung stellen. Nach Zurückziehung des deutschnationalen Antrages wurde der Gesetzentwurf auf Gewährung von Zwischenkrediten einstimmig vom Ausschuß angenommen. Nach Erledigung einiger kleinerer Vorlagen behandelt« der Ausschuß die Eingaben des Magistrats der Stadt Wesermünde, be- treffend die Verhältnisse des Unterwesergebietes. Sowohl der Berichterstatter, Genosse L e i n e r t, als auch Genosse B r a n- de s- Geestemünde wiesen eingehend aus die große Notlage hin, in die Wcsermünde durch die Entwicklung gekommen ist und die es dieser Stadt unmöglich macht, die dringendsten kommunalen Auf- gaben zu erfüllen. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten dieses preußischen Hasens sind darin begründet, daß er nicht mehr so leistungsfähig ist, wie es den jetzigen Bedürfnissen entsprechend geboten wäre: vor allem fehlt ihm die nötige Tiefe. Durch die Konkurrenz des modern ausgestatteten Hafens von Bremen ist der Wesermünder Schisssverkehr katastrophal gesunken. Die ffolge ist Arbeitslosigkeit. Die Konkurrenz zwischen dem Bremer und den oreußischen Häfen bedeutet Vergeudung nationalen Eigentums. Die Reichsgesetzgebung hat eine einheitliche Bearbeitung der Hafenfrage unterbunden. Unter diesen Umständen ist es zweifelhaft, ob Wesermünde jemals wieder mit dem auf Uebcrseehandel eingestellten bremischen Staat konkurrieren kann. Die Verhältnisse würden wahrscheinlich auch durch einen Ausbau des Handels- Hafens von Wcsermünde nicht geändert. Deshalb müsse der Ausbau des Fischereihafens betrieben werden, um Weser- münde wirtschaftlich zu sanieren. Die Eingaben, die den Ausbau des Wesermünder Hafens in diesem Sinne verlangen und die Herbeiführung eines Lasten- ausgleichs zwischen Wesermünde und Bremen fordern, wurden der Regierung zur Berücksichtigung überwiesen.- Sozialdemokratie und Virtsihastsproblem. Konferenz der Berliner Funktionäre. Rundfunk und PollNk. Der Reichsminister des Innern hat jetzt auch den politischen Ueberwachungsausschuß für den Breslauer Rundsuntsendcr ernannt. Er setzt sich aleichsalls aus drei Herren zusammen und zwar aus einem höheren Reichsbeamten, der polltisch bisher noch nicht hervorgetreten ist, ferner Unioersitäts-Professor Dr. S« p p e l t, einem angesehenen Zentrumsmanu, und dem Oberschulrat Dr. Tschersig, einem bekannten sozialistischen Schulpolitiker. Der Bezirksverband Berlin der SPD. hatte zu gestern abend nach Kliems Festsälen«in« allgemeine Funktionäro«rsammlung«in- berufen. Die Genossen C r i s p i e n und Reuter sprachen über den Kampf der Sozialdemokratie gegen die Arbeitslosigkeit. Genosse C r i s p i e n gab zunächst einen Ueberblick über den Umfang der Erwerbslosigkeit in Deutschland. Die im Anfang 1S2S vorhandenen 200 000 Arbeitslosen vermehrten sich in einem Jahre auf 1,S Millionen, eine Zahl, die im März dieses Jahres auf rund zwei Millionen stieg. Wir haben heute ZOOSoo Erwerbslose, die länger als 50 Wochen im produklions- prozeß ausfielen und etwa 140 000, die schon 40 Wochen keine Arbeit haben. Nicht nur die Handarbeiter sind von der Erwerbslosigkeit betroffen, sondern auch Geistliche, Aerzte, Rechtsanwälte, Lehrer, Heeresangehörigc. Die Arbeitslosigkeit ist nicht etwa nur in de» im Kriege unterlegenen Staaten vorhanden, sondern in allen Ländern der Erde. Da» Znlernationale Arbeitsamt stellt etwa 10 bis 12 Millionen Erwerbslose fest, gegenüber ein bis zwei Millionen in Zeiten der Krise vor dem Kriege. Außer der Sozialdemokratie befaßt sich keine ernstzunehmende Partei grundsätzlich und programmatisch mit der Frage der Be- Hebung der Erwerbslosigkeit. Das heißt, unsere Partei treibt auf Grund ihres Parteiprogramms praktische Erwerbslosenpolitik. Cs ist klar, daß diese Politik bei dem kapitalistischen Charakter der Erwerbslosigkeit nur auf lange Sicht gemacht werden kann. Auf Grund der von den Regierungen erlassenen Gesetze und Ver» ordnungen hat die sozialdemokratische Fraktion sofort nach Einsetzen der Wirtschaftskrise eine umfassende Aktion zur Be» Hebung und Linderung der Erwerbslosennot b«> gönnen, und wir hatten die Genugtuung, daß der Reichstag unsere Anträge dem sozialpolitischen Ausschuß überwies, in dem eine mehr- malige Erhöhung der Unterstützungssätze erreicht wurde. Gleich- zeitig wurde die Weiterzahlung der Unterstützungen an die Ausgesteuerten durchgesetzt. Die Regierung machte allerdings Schwierigkelten, in- dem sie behauptete, den Etat nicht mehr balanzieren zu können, wenn die erhöhten Sätze in Kraft treten sollten, es gelang uns aber doch, manche Verbesserung zu erreichen. In der Frage der Arbeitsbeschaffung wurde von unseren Vertretern in den Landesarbeitsämtern ein Arbeits- beschaffungsprogramm ausgearbeitet, das vom Reichstag auch gut- geheißen wurde. Die vorgeschlagenen Arbeiten sollten etwa 500 000 Arbeitslosen Beschäftigung geben. Wir verlangten gleichzeitig, daß Reparationsverpflilytungen in den Rahmen des Notstandsprogramms aufgenommen werden und daß der Ueberfluh an täglichem Gelds ebenfalls dafür nutzbar gemacht wird. Die Regierung hatte es mit der Durchführung des Programms wirklich nicht eillg, und all unser Drängen hatte bisher wenig Erfolg. Finanzminister R e i n h o l d versagt« die Mittel aus laufenden Ctattiteln, was ihn aber nicht hinderte, alsbald nach feinem Amtsantritt mit dem A b.b a u von Steuern, insbesondere auch der Besitzsteuern, zu beginnen. Er verlangte die Beschaffung von außerordentlichen Geldniitteln und wollte durchaus Anleihen aufnehmen. Zu diesen Schwierig- keiten häuften sich die Hemmnisse, die bei den verschiedenen Länder- regierungen vorhanden waren. Selbst wenn alles nach Wunsch gegangen wäre, hätten im Best- falle eine halbe Million Erwerbslose beschäftigt werden können. Was soll aber, mit den anderen werden? Unsere. Wirtschaft muh unter xlleg. Ilmständcn dahin kommen, mit ihren Waren auf denz Welt- markt konkuilfenzfä'hig zu werden, besonders Amerika gegenüber. Dazu gehört ein konsequenter Ausbau der Leistungsfähigkeit der Betriebe. Vielleicht sollten wir auch zu einer allgemeinen Verkürzung der Arbeitszeit kommen! Eine Unzahl«on Betrieben arbeitet schon monatelang verkürzt, während Millionen andere gänzlich aus dem Produktions- prozeß ausgeschaltet sind. Sollte nicht eine weitgehende, umsichtige Verteilung der vorhandenen Arbeitsausträge vielen eine Be- schäftigungsmöglichkeit geben, die ihnen mehr einbringt als die Er- werbslosenunterstützung? Bei den Untersuchungen der Sozialpolitiker, besonders der uns nahestehenden, über die Behebung der Erwerbslosigkeit zeigt sich immer wieder, daß die Vorschläge von Karl Marx die richtigen find. Die Herstellung von Produktionsmitteln und von reinen Konsum- artikeln muß in ein bestimmtes Verhältnis gebracht werden, soll der Markt funktionieren. Genosse Crispien ging sodann aus den Wider- stand der Unternehmer und ihrer parlamentarischen Vertretungen gegen unsere Vorschläge ein und beschäftigte sich mit der kürzlich gehaltenen Rede des Industriellenführers Silverberg. Cr erklärte, bah er sich durchaus den Ausführungen der Gewert- schaftszeitung anschließe. Die von Silverberg konstatierte geistige Wandlung im Unternehmerlager bezieht sich nach allem Erlebten doch wohl nur daraus, daß die Unternehmer erkannt haben, daß mit einer völtisch-dcutschnationalen Revanche. Politik keine Geschäfte zu machen sind. Die Unternehmer verlangten eine Arbeitsgemeinschaft zwischen Arbeitern und Unter- nehmern, wobei sie allerdings die Führung beanspruchten. Dazu brauchen wir uns nicht erst zu äußern, wir müssen aber protestieren gegen den von den Unternehmern geforderten Abbau der Sozialpolitik. All das zeigt uns, daß diese Fragen Machtfragen sind und daß alle Kraft für eine grundsätzliche Aenderung der Wirtschaft ein- zusetzen ist. In der bevorstehenden Werbewoche werden wir daher dafür zu sorgen haben, daß Partei, Gewerkschaften und ihre Organe gestärkt und gefestigt werden. Nur so werden wir Wirt- schaftskrisen ändern können. Der nächste Redner, Genosse Reuker. betonte, daß die Sozialdemokratie schon vor Jahrzehnten in den Gemeinden mit sestumrissenem Arbeitsprogramm ausgetreten ist. Die jetzige Arbeitslosigkeit in Berlin unterscheidet sich von den früher beobachteten dadurch, daß sie besonders lange und in einem ganz besonderen Umfange auftritt. Trotz der Verhältnis- mäßig großen Selbständigkeit der deutschen Gemeinden haben sie aber doch keinerlei direkten Einfluß auf die Staats- und Reichs- Politik. Die Gemeinde Berlin kann sich also nur im Rahmen der geltenden gesetzlichen Bestimmungen bewegen. Ihre Hilfe für die Erwerbslosen kann deshalb auch nur zusätzlich sein, d. h. wir müssen uns in den Gemeinden mit einem Zlusbau der sozialpoli- tischen Einrichtungen beschränken. Reuter zeigte da» starke Anwachsen der Ausgaben für wohlsahrlszwecke in Berlin und kam zu dem Ergebnis, daß im laufenden Jahre ein Be- trag von etwa 180 bis 190 Millionen für Wohlsahrts- zwecke ausgeworfen werden muß. Das ist der fast sechsfache Betrag des Jahres 1914. Abgesehen von den vielen so- ziaspolitischen Lasten, die seit dem Krieg« den Gemeinden auserlegt wurden, ist es besonders die lange dauernde Arbeitslosigkeit, die die genannte hohe Summe erfordrt. Di Gemeinden müssen vor allem vom Reichstag eine alsbaldige Verlängerung der Unter st ützungsdauer verlangen, sollen nicht gerade durch die Unterstützung der Ausgesteuerten, die den Gemeinden obliegt, die städtischen Finanzen apss schärfste angegriffen werden. Reuter ver- langte von der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion, daß sie ein aufmerksames Auge auf die Finanzpolitik des derzeiti- gen Finanzministers habe, damit den Gemeinden das zu. komme, was sie brauchen. Auf die besonderen Verhältnisse in Berlin muß gebührend Rücksicht genommen werden. Seit im Herbst vori- gen Jahres eine Mehrheit ans Sozialdemokraten und Kommunisten im Rathause vorhanden ist, konnte oftmals den Erwerbslosen geholfen werden. Nach einer Aufzählung der verschiedenen beschlossenen Notstandsmaßnahmen zeigte der Redner, daß die kommanisten nur ein einzige» Wal die Sleuermlllel für produktive Erwerbslosenunterstützung bewilligt haben und bei der Et«tbe«Illigung zu guter Letzt wieder umfielen. Die Durchführung unserer städtischen Notfiandsprogromm« scheitert oftmals an dem außergewöhnlichen Bureautratismus d e r R e i ch s st e l l e n. Die Anerkennung der ausgeschriebenen Ar- besten als Notstandsarbeiten muß im Neichsarbeitsmini- steriuni schneller bewirkt werden und es muß ferner durchgesetzt werden, daß ssoiel Arbeiter wie irgend möglich als»ollkommen freie Arbeiter bei städtischen Arbeiten beschäftigt werden können, daß also der Begriff des Ratstandsarbeiters verschwindet. Geändert werden nvisfen auch die Verhältnisse bei der U n t e r- bringung städtischer Anleihen. Früher stand den Ge- meiden der Anleihemarkt restlos zur Verfügung und ein Kämmerer konnte aus lausenden Etatmitteln alle Arbeiten finanzieren, um dann im geeigneten Augenblick die Mittel durch eine Anleihe wieder einzubringen. Jetzt steht uns der Geldmarkt nur sehr schwach zur Verfügung. Da« hauptarbeilsgebiet der Gemeinde Berlin liegt auf dem Gebiet der wohnungssürsorge. Berlin hat bisher nicht das Nötige geleistet, wobei allerdings� das Geleistete nicht verkleinert werden soll. Natürlich werden nur uns bei der Durchführung" eines umfassenden Wohnungsbau-. Programms auch mit einer entsprechenden steuerlichen Be- lastung abfinden müssen, aber besser ist es doch schließlich, einige steuerliche Belastungen zu ertragen und nach etwa 15 Iahren eine wirkliche Entlastung von der Wohnungsnot zu erleben, als nichts zu trogen und nichts zu haben. Konform mit diesen Maßnahmen laufen die Aufgaben der Stadt Berlin aus dem Gebiete des V e r k e h r s a u s b a u e s. Der Aus- bau der stadteigenen Berkehrsmittel steht schon im gegenwärtig In Arbeit befindlichen Programm und dieses Programm wird fortgefetzt werden. Berlin Ifl gegenwärtig schon der Inhaber de» größten Zndnstrietrnst». Neben den bisherigen, im Besitz der Stadt befindlichen, Werte und Unternehmen tritt im Frühjahr nächsten Jahres das G r o h- traftwerk Rummelsburg. In all diesen Unternehmen wird eine große Anzahl von Arbeitern und Beamte» ständig beschäftigt, so daß Berlin allein schon dadurch der größte Arbeitgeber ist. Aus den städtischen Werken und Unternehmen werden in diesem Etatsjahr etwa 60 Millionen Mark in den Stadtsäckel fließen, d. h. Die Stadl deckt etwa 20 Proz. ihrer Elalausgaben au» den Ueberfchüssen der werbenden Unternehmungen. Darin finden wir eine Bestätigung unseres Berlangens, die städtischen Werke der Stadt zu erhalten. Daß uns da» allen Widerständen zum Trotz gelungen ist, ist ein Erfolg unserer Politik im Roten Hause, auf die wir stolz sein können. Wenn wir auch oft als die Partei hingestellt werden, die die Interessen der arbeitenden Bevölkerung mißachtet, so zeigen uns doch unsereErfolge, daß wir auf dem rechten Wege sind. Die Referate wurden mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Eine Diskussion fand nicht statt. Genosse L t e d t k e schloß die Versamm- lung nach einem Hinweis auf die bevorstehende Werbewoch« mit einem Hoch auf die Partei. Zur öie Weltwirtschastskonferenz. Rede Rheinbabens in der Vollversammlung. Loucheurs Verieht einstimmig genehmigt. Genf, 21. September.(Eigener Drahtbericht.) Die Völker. bundsversammlung begann heute vormittag mit der Eni- gegennahme und Genehmigung der Berichte ihrer Kommissionen. Das Hauptstück bildete dabei der Bericht Loucheurs und eine darauf folgende längere Rede des deutschen Bertreter» v. Rhein- b a b e n über die Einberufung der Weltwirlschoflskonfereuz. Der Bericht Loucheurs, den wir im wesentlichen bereits gestern ge- meldet haben, schloß mit dem Hinweis auf die vom Außenminister Stresemann getane Aeußerung, daß die Entwicklung der inter- nationalen Wirtschaft In den letzten Jahren die bisherigen Formen zersprenge und neue Formen für die wirtschaftliche Zusammen- arbeit gesucht und gefunden werden müssen. Reichstagsabgeordueter v. Rheinbaben redete französisch und erinnerte daran, daß Deutschland schon vor feinem Eintritt w den Bölkerbund bereit gewesen sei, an dieser Aufgabe mitzu- wirken und daß die deutsche Delegation den Bericht der Kommission u n t e r st ü tz e. Die allgemeine Krisenlage, welche durch die zer- störte Kaufkraft der Völker und durch die Arbeitslosigkeit, durch neue Grenzen und oerschärfte Zollschranken entstanden sei, zwinge zu einer gemeinsamen Sanierungsanstrengung, welche auf dem Wege einer Erleichterung des Internationalen Handels, einer Vereinfachung der Transportverhältnisse sowie durch bessere Organisatton der Produktion und de» Warenaustausches, durch internationale Kartellabkommen versucht werden müsse. Herr v. Rheinbaben erwähnte dann das neue deulsch-französische Eifenabkommcn, welchem auch Belgien und England beitreten werden. Die wichtigst« Ausgabe der Konferenz sei, die sofortige praktisch« Durchführung der von ihr gemachten Borschläge gründlich durchzuprüfen. Ueber die Zusammensetzung der endgültigen Wirtschastskonferenz unterstrich der Redner, daß die Regierungen durch die Wahl der Sachverständi- gen mit der Konferenz verantwortlich verbunden werden sollen, ohne aber daß diese an Instruktionen gebunden werden dürfen. Als Hauptsache für das Gelingen der Konferenz bezeichnete der Redner die Gewinnung der öffentlichen Meinung. Nachdem noch ein schwedischer Delegierter kurz da» Wort ergrissen hatte, um die möglichst rasche Einberufung der Konferenz zu empfehlen, wurde der Bericht einstimmig genehmigt. Eine griechische Arbeiterpartei. Unter Führung des früheren Premierministers. Athen, 21. September.(Eigener Drahtbericht.) Die linksstehende republikanische Union unter der Führung des ehemaligen Minister- Präsidenten P a p a n a st a s i u hat beschlsssen, sich in eine A r- beiter- und Bauernpartei umzuwandeln: sie betont das Solidaritätsprinzip aller Klassen und will auf dem Wege friedlicher Entwicklung eine bessere Verteilung der Einkommen erreichen. Die Lanöarbeiter-Internationale. Zu ihrem 4. kongreh in Genf. Dis Sekretariat der Internationalen Landarbeiterföderalion (MI.) legt dem in einigen Tagen stattfindenden 4. Internationalen Landarbeiterkongreß in Genf einen gedruckten Geschäfts- b e r! ch t vor für die Zeit vom September 1924 bis September 192(5. Im Vorwort wird erwähnt, daß Organisationen, die die in Land und Feld tätigen Arbeiter und Arbeiterinnen im s o z i a l i st i- fchcn Sinne in starke Gewcrkschaftsverbände zusammenfassen, erst in neuerer Zeit entstanden sind. Die Ereignisse des legten Jahrzehnts haben die Landarbeiter wohl aufgerüttelt, ihnen aber noch nicht allesamt die Erkenntnis von der Notwendigkeit des gewerkschaftlichen Zusammenschlusses vermittelt. Der Mitgliederstand der IL F. ist seit dem Kongreß von 448 000 auf 363 000 Mitglieder zurückgegangen. Bei näherer Be- trachtung der Arbeit in den einzelnen Verbänden muß dazu gesagt werden, daß die Verbände, die durch die Inflation de» größten Mit- gliederrückgang zu verzeichnen hatten, wie Deutschland, Oesterreich und Palen, sich innerlich wesentlich gescstigt haben und heule aus gesünderer Grundlage stehen, als es vor mehreren Jahren der Fall war. Die größte der der JLF. angeschlossenen Organisationen ist der Deutsche candarbeilerverbond mit 183 212 Mitgliedern Ende 1925. Ihm folgen die polnische Organisation init 30 000 Mitgliedern, der österreichische Land- und Forstarbeiterverband mit 40 000 Mitgliedern, der eng- liiche Landarbcitcrocrband mit 30 000 Mitgliedern, der schottische Landarbeitcroerband mit 13 000 Mitgliedern, der dänische Landarbeiterperband mit 13000 Mitgliedern, der lelt- l ä n d i s ch e Landarbeitervcrband mit 12 000 Mitgliedern, der Deutsche Gärineroerband mit 9000 Mitgliedern und noch verschiedene kleinere Verbände in Holland, der Tschechoslowakei, Ungarn, Litauen und Finnland. Das Sekretariat hat der 3. Internationale Kongreß im Septeniber 1924 dem Vorsitzenden des Deutschen Landarbeiter- Verbandes. Georg Schmidt, übertragen. Eine der wichtigsten Ausgaben des Sekretariats war, neue Grundlagen für eine ersprießliche internationale Tätigkeit zu schassen, was init wenigen Ausnahmen auch gelungen ist. In der Berichtszeit sind die Landarbeitcrverbändc in Finnland und Litauen der Internationale beigetreten. Das Exekutivkomitee iit in der Bcrichtszeit zweimal zusaniinengetreten. Auf der ersten Zusammenkunft im Oktober 1 925 in Berlin wurde insbesondere zur Behandlung der landwirtschaftlichen Fragen durch das Internationale Arbeitsamt Stellung genommen. Die zweite Tagung, die im Juli 1 9 26 in Köln stattfand, beschäftigte sich mit der Erörterung aktueller Landarbeiterfragen. Mit dem Internationalen Gewerkschaftsbund in Amsterdam fand ein reger Geschäftsverkehr statt. Eine wesentliche Bedeutung kommt der Zusammenarbeit mit dein Internationalen Arbeitsamt zu. Es saiidcn Aussprachen und Erörterungen über Fragen der laud- wirtschaftlichen Arbeitszeit, des Koalitionsrechts und der Kranken- und Unfallversicherung für Landarbeiter statt. Das Sekretariat hat wiederholt die Forderung erhoben, die Regelung des landwirlschaft- lichen Arbeitsverhältnisses erneut auf einer internationalen Arbeits- knnferenz zu beraten und Vorschläge zu machen, die von den Mit- gliedstaaten ratifiziert und auch eingehalten werden. Im Interesse der machtvolle» Gestaltung der Landarbeitennter- nationale muß noch sehr viel Arbeit geleistet werden. Die Land- arbeiterbewegung stellt heute erst eine mitteleuropäische Internationale dar. Es fehlen Verbindungen mit Frankreich und Spanien, während auf dem Balkan von einer Landarbeiter- bcwegung noch nichts zu merken ist. Im Osten bestehe eine gute Verbindung mit?l»snnhme Ruhlands, wo die Entwicklung abgc- wartet werden müsse. Di« künstige Entwicklung der Internationale» Landarbeitersöderaticui begleiten unsere, besten Wünsche. Möge sie sich zu einem Gebilde entwickeln, das sich würdig neben die. urler- nationalen Organisationen der industriellen und gewerblichen Ar- beiterschaft stellen kann. Lehrlingszuchterei im Schuhmacherhanöwerk. Obschon es bis in der letzten Hütte des Hinterlandes bekannt- geworden sein sollte, daß mit dem Schuhmacherhandwerk seit langem nichts mehr los ist. begehen Ellern immer noch die Unverantwortlich- keit, ihre Kinder dem handwerksmäßigen Schuhmacher- berufe zuzuführen. Die Ausbildung durch lange drei Jahre bleibt in den allermeisten Fällen nur an der Reparatur- arbeit haften, weil die Ncuarbcit in der Herstellung von Schuhen längst zur fast ausschließlichen Domäne der Schuh-Fabrikbetriebe geworden ist. Die H a n d w e r k s l e h r e hat aber für den etwaigen späteren Uebergang auf die Fabrikschuhmacherei für den Arbeiter gar keine Bedeutung. Er muß in der Fabik von neuem zu lernen ansangen, genau wie der ungelernte oder aus einem anderen Berufe aufgenommene Arbeiter. Die größte Zahl der Schuhmacherlehrlinge im Schuhmacher- Handwerk' sind aber kurz nach Beendigung ihrer Lehr- zeit genötigt, zu einem anderen Berufe hinüberzuwechseln, denn seit Jahrzehnten besteht ein beispielloser Lehr- lingsüberschuß. Die Neinen Mittelchen, mit denen d i e Schuhmacherinnungen in den letzten Jahren die Lehr- lingehaltung zu regulieren vermeinten, haben vollständig verschlagen. Immer noch besieht das paradox anmutende Verhältnis, daß die Lehrlingszahl im Schuhmacherhandwerk ungefähr halb so g r o ß i st, wie die Zahl der in der Schuhmacherei i n s g e- samt beschäftigten Gehilfen. Diese Tatsache wird jetzt wieder bestätigt durch eine S t a- t i st i k, die wir im Jahrbuch. des Zentraloerbandes der Schuhmacher für 1923(Seite 93) veröffentlicht finden. Nach dieser Statistik wurden im Schuhmacherhandwerk sestgestellt: Den Fachmann wird es wenig überraschen, daß von der Ge- samtzahl der Schuhmachereibetriebe nur ein kleiner Prozentsatz noch Gehilfen beschäftigt. Die übrigen arbeiten als A l l e i n m e> st e r. Nichtdcstoweniger fühlen sich nicht wenige dieser Klcinexistenzen, die noch nicht einmal einen Gesellen beschäftigen können, berufen, Lehrlinge auszubilden. Diese Ausbildung ist aber auch danach. Neuarbeit gehört zu den Seltenheiten. In Großstädten sind oft- mnls diese kleinen Firmen zeitweise nicht einmal in der Lage, ihre Lehrlinge voll zu beschäftigen. Hier hätten die Innungen ein Tätig- keitsgebict, derartige Unmöglichkeiten auszumerzen. Aus der vorstehenden Tabelle geht hervor, daß die Lehrling»- Haltung in dem legten Jahre nicht besonders nachgelassen hat. Am häufigsten ist die Lehrlingszüchterei noch in Bayern, in Sachsen und Schlesien, aber auch noch in Norwestdeutschland anzutreffen. Es gibt Kleinstädte, wo oft über zehn Lehrlinge neben nur einem bis zwei Gehilfen gezählt wurden. Selbst in reinen Schuhindustrie- orten, wo kein Gehilse anzutrefsen ist, find einige Kleinmeister mit Lehrlingen, ausschließlich mit Reparaturarbeiten beschäftigt, sestzu- stellen. Die erwähnte Statistik stellt noch fest, daß unter den ins- gesamt 3353 Lehrbetrieben noch 42 festgestellt wurden, die zu gleicher Zeit mehr als drei Lehrlinge halten, 718 hatten zwei bis zu drei Lehrlingen-, 2393 der Lehrbetriebe haben sich mll je einem Lehrling begnügt. Unverantwortlich ist es von Eltern, daß sie ihre Kinder in einem, durch den Fortschritt der Industrie überholten Berufe mehrere Lehrjahre vergeuden lassen, unverantwortlich von den dazu berufenen Stellen ober auch, daß sie gegen offenbar zutageliegende Mißverhält- nisse nichts Durchgreifendes unternehmen. der Mühlenarbeiterstreik beendet. Die Arbeit wird heute wieder ausgenommen. Die streitenden Mühlenarbeiter nahmen gestern, Dienstag, vor- mittags, in Büttners Festsälen zu der im„Vorwärts" bereits gestern morgen mitgeteilten vorläufigen Vereinbarung Stellung. Diese Ver- «inbarung sieht ein« Erhöhung der Löhn« der gelernten Arbeiter um 1,50 M., der Ungelernten um 0,30 M. und der Frauen um 1,30 M. pro Woche vor. Das bisherig« Lohnabkommen soll mit diesen Ver- änderungen bis zum 31. Dezember verlängert werden. Da durch die Diskussion in der Versammlung über den Vorschlag der Funktionär«, dieser Vereinbarung zuzustimmen, keine Klarheit erzielt werden konnte, wurde beschlossen, die im Statut vorgesehen« Urabstimmung noch am Dienstag in den Streiklokalen durchzuführen. Di« Urab- stimmung ergab die Annohme der Vorschläge gegen eine starke Minderheit. Die neuen Wochenlöhne betragen-18 Mark für Gelernte, 41 Mark für Ungelernte und 29 Mark für Frauen. der Hamburger Hafensthieüsspruch abgelehnt. Reue Verhandlungen am Freitag. Hamburg, 21. September.(Eigener Drahtbericht.) Eine Boll- vcrsainmlung der Hafenarbeiter beschäftigte sich am Dienstag mit der Gefanttentscheidung des Schlichtungsausschusies zu den Hafen- tarifcn. Der neue Schiedsspruch bringt insofern eine be- deutsame Verbesserung, als durch einen besonderen Passus das von den Hafenarbeitern stark bekämpfte Dovpelschichl- Unwesen wesentlich. erschwert wird. Die Verrichtung von Doppelschichten durch ein und denselben?lrbeiter muß künftig mit 13 Proz. Aufschlag vergütet werden. Weiter wurden für einige Gruppen der Hafenarbeiter wesentliche Verbesserungen der Zuschlags löhne erreicht. Die Vollversammlung der organisierten Hafenarbeiter lehnte jedoch die Entscheidung des Schlichtungsausschusses ab, weil bezüglich der fbauptlöhne kein Entgegenkommen gezeigt wurde. Auch die llnternehmerorganisation der Hafenbetriebsvereine lehnte den Schiedsspruch ab. Auf Antrag der Hafenarbeiter ist jetzt der Schlichiungsausschuß angerufen worden. Er wird sich am Freitag nochmals mst den Lohn- und Tarifvcrhältnissen im Hafen beschäftigen. Mit dem Abbau ging's rascher. Bochum, 21. September.(Eigener Drahtbericht.) Die zum Klöckner-Konzern gehörende, seit längerer Zeit stillgelegte Zeche ..General in Weitstär"(südliches Randgebiet)' wird wieder in Betrieb genommen. Die Koksöfen sind bereits wieder an- geblasen. Zunächst sollen nach und nach 23 0 Arbeiter neu angelegt werden._ Aussperrung in Bcrnburg. Vernbmg. 21. September.(WTB.) Hn dem Chlor kali- werk Soloayhall wurde heut« die gesamte Belegschaft von 230 Mann entlassen, weil sie die Forderung der Fabrik- leitung, zu den alten Bedingungen weiterzuarbeiten, namentlich Akkordarbeit zu leisten, nicht schriftlich anerkennen wollte. Ver- Handlungen zur Beilegung des Konflikts sind im Gange. Das Suüget ües Arbeitsamtes angenommen. Genf, 21. September.(WTB.) Der Budgetausschuß des Völkerbundes nahm heute das Budget des Internationalen Arbeits- amtes an. das in diesem Jahre sich auf 7 477 165 Franken beläuft. während es im Vorjahre 7 166 000 Franken betrug. Auf den grund- säglichen Antrag, eine Maximalgrenze für die Aus- gaben festzusetzen, wurde festgestellt, daß die Völkerbunds- Versammlung darüber zu bestimmen habe, welche neuen Ausgaben der Völkerbund erfüllen solle und daß die neuen Aufgaben neue Ausgaben bedingten. Die Festsetzung einer Maxi- malgrenze würde somit einen Eingriff in die souveränen Rechte der Völkerbundsversammlung bedeuten. * Der Beitrag, den die deutsche Republik zu den Kosten des Arbeitsamtes beiträgt, erhöht sich für den neuen Etat für 1927 auf 600 000 Franken gegen bisher 274 000 Franken. Internationaler Postbeamtenkongrc�. Paris. 21. September.(Eigener Drahtbericht.) Die Eröff- nungssitzung des 4. Kongresses der internationalen Postgewerkfchas- ten in der Aula der Pariser Sorbonne verlief sehr einfach, aber eindrucksvoll. Im Namen der Internationale hiest der Präsident B o w e n eine längere Eröffnungsrede. Dann richtete er einen Gruß an die italienischen Gewerkschaftler, deren Organisation der Faschismus ausgelöst hat und die deshalb nicht an dem Kongreß tellnehmen können.„In dem Augenblick," sagte er wörtlich,„in dem Frankreich von einer völlig ergebenen Presse gemeinsten An- griffen ausgesetzt ist. entsende ich im Namen des Kongresies den italienischen Brüdern einen Gruß und rufe ihnen Mut zu. Es ist ausgeschlossen, daß die Freiheit nicht siegt, denn ihre Idee ist zu stark." Nach Bowen sprach der Generalsekretär der Internationale Mayer. Auch er gab der Hoffnung Ausdruck, daß die italienischen Postgewerkschaften bald wieder ihren Platz auf dem internationalen Kongreß einnehnien werden. Die Nachmitagssitzung des Kongresies war der Besprechung des Berichts gewidmet. An der Aussprache betelligten sich u. a. die deutschen Delegierten Fräulein Kolshorn und Karg und Scherf. Der Bericht wurde einstimmig angenommen. Ausländische Gewerkschaftsführer in Mexiko. Wie wir dem amerikanischen Arbeiter-Pressedienst entehmen. haben die mexikanischen Gewerkschaften und auch der Arbcitsminister Moroms im Auftrage der mexikanischen Regierung den Präsidenten des amerikanischen Gewerkschaftsbundes Green nach Mexiko einge- laden, wo sich Arbeiterführer von allen Teilen der Erde zusammen- finden werden. Dieses Zusammentreffen wird nach dem Ansang Oktober tagenden amerikanischen Gewerkschaftskongreß statlfinden. Die rumänischen Gewerkschaften für Amsterdam. Amsterdam, 21. September.(Eigener Drahtbericht.) Der rumä- nische Gewerkschaftskongreß sprach sich abermals für den An- s ch l u ß an die Amsterdamer Internationale aus. Er beschloß ferner die Errichtung einer A r b e i t e r b a n k mil 20 Millionen Lei Kapital._ Zum englischen Sergarbeiterkampf. Roch immer kein Ende abzusehen. London, 21. September.(Eigener Drahtbericht.) Die Exekutive der Bergarbeiter hat sich am Montag, ohne einen Beschluß zu sasien, aus Dienstag vertagt. Es steht jedoch bereits fest, daß entweder eine Ablehnung der Borschläge folgen muß oder die Ein- berufung einer neuen Delegiertenkonferenz er- folgen wird, der die Exekutive die Ablehnung empfehlen wird. heule abend neue Besprechung. London, 21. September.(Eigener Drahtbericht.) Die Exekutive des Bergarbeitcrverbandes stimmte am Dienstag dem Wortlaut eines Schreibens ün den Ministerpräsidenten zu, das eine vernichtende Kritik der von der Regierung in der vergangenen Woche gemachten Vorschläge zur Lösung der Kohlenkrise darstellt. Dieses Schreiben war von einer Mitteilung des Bergarbeiterverbandes begleitet. in welcher die Exekutive ihrer Bereitwilligkeit Ausdruck verleiht, mst dem Ministerpräsidenten zu einer neuen Aus- spräche zusammenzutreffen. Die Mitteilung der Exekutive wurde von B a l d w i n umgehend mit der Bitte beantwortet, noch am Mittwoch abend mit ihm in eine neue Besprechung ein- zutreten. In dem Schreiben der Exekutive des Bergarbeiterverbandes an den Ministerpräsidenten wird einleitend daraus hingewiesen, daß die Vorschläge des Ministerpräsidenten vom Freitag einen«»e, ver- schärfte Lage geschaffen hätten. Die Exekutive stellt fest, daß Baldwins Vorschläge eine völlige Preisgabe des Prin- zips der nationalen Lohnregelung bedeuten würde», eines Prinzips, das der Kohlenbericht empfohlen und Churchill in, Namen der Regierung anerkannt hätte. Eine Wiederausnahmc der Arbeit unter der von Baldwin vorgeschlagenen Voraussetzung würde praktisch daraus hinauslause», daß die Unternehmer in den einzelnen Bezirken die Arbeitsbedingun- gen diktieren könnten. Das Schreiben beweist hieraus aus- führlich, unter Zuhilfenahme des Wortlauts des Kohlenberichts, daß eine bist rittsweise Lohnregelung im Bergbau eine Katastrophe für die Industrie darstellen und alle Hoffnungen auf einen wirklichen und dauernden Friedensschluß vernichten würde. Der Ministerpräsident wird mit größtem Nachdruck daraus ausmerk- sam gemacht, daß ein Beharren aus dieser Politik eine B e r l ä n- gerung des Kampfes im Bergbau bedeuten würde: die Ver- ontwortung hierfür fiele ausschliehsich auf die Regierung und die Unternehmer. In der Besprechung des Schreibens stellt-der„D a i l y H c r a l d�„ (est. daß der Regierung nunmehr die Gelegenheit geboten ihre Fehler wiedergutzumachen, da die Bergarbeiter gegen die Garantie eines nationalen Lohnabkommens bereit seien, einer unmittelbaren Verringerung der.Kosten der Arbeit" zuzu- stimmen. Unterstützt die Berkarbeitcr! Amsterdam, 21. September.(Eigener Drahtbericht.) Der Se- kretär des Britischen Gewerkjchaftsbundes hat dem Internationalen Gewerkschaftsbund mitgeteilt, daß in England einschließlich der Berg- arbeitersamilien drei Millionen Menschen hilfsbc- dürftig und 134 Millionen arbeitslos sind. Die Verbandskasse hat durch den Generalstreik 3 Millionen Pfund eingebüßt. Verlängerung der Sondervollmachten der Regierung. London, 21. September.(WTB.) Wie der amtliche britische Funkdienst meldet, wird das englische Parlament nächsten Montag zu einer Sitzung zusammentreten, um die der Regierung anläßlich des Bergarbeiterstreiks bewilligten Sondervoll- machten, die an diesem Tage ablaufen, zu v e r l ä n g e r n. In der Sitzung wird der Ministerpräsident einen Bericht über die Lage und die letzten Verhandlungen im Kohlenarbeiterstreik geben. Achtung,»a».«ckersttaze! Am lZreiwg. 24. Septtmter. nach. mittags Sl-i Mit. fict Leukchner. ArfcrFhr. 110, wichtige Bettammlung aller SPD.USenogen der 3äl>lerfatrik. Partei- und Verbandsausweis sind mitzubringen, ßablreichen Besuch erwartet Der �rartiansnorstand. Z-genbgrnn»« de« ZdA. Hmite. Mittwockt. 7% Übt. tagen folgende Abteilungen: Lichtenberg: Jugendheim Schule Gosilerstr.»I. Diskussionsabend: »Die Weimarer Verfallung".— Renkölla: Jugendheim Rogatstr. ZZ. Seim- abend.— Bedding.Kesnndbrunn«»: Jugendheim Schiinstedtstr. 1(Ledigenheim, Z Trennen). Leseobend:»Sine Reis« durch den Osten".— Tharlottenbnrg: Jugendheim Rosinenstr. 4. Vortrag:.Volk und Staat"(Lange).— Schineberg: Zugendheim Hauvtstr. Ii(slranlenlandzimmer). Kennabend. ssrele Sewertschastsjngend. Keute. Mittwoch. 7',i Uhr. lagen die Grunven: Reukolln l! Jugendheim Berqstr. CS, Kos. Auf. zum Beluch der Grunne Siid- weft.— Schinebeeg! Zuoendheim Rubensstrasie(Eporlvlah). Soldio(Spiel, cSesang und Tanz).— Südwesten: Jugendheim Bärwaldstr.»4. Vortrag:»Die Rationalisierung der Wirtschaft".— Norden: Jugendheim Sartenplah 4. Keim- abend.— R»rdring: Zugendheim Sberswalder Str. 10. Vortrag:.Kitrper und Kultur".—«harlottenburg: Zugendheim Berliner Str. 18?(Deutscher Kranken- iassenverdand).„Sosemann kommt!" Zimmerer, Bezirk 29! Keute, Mittwoch. 7 Uhr. Bezirksversammlung bei Kassuhn. Srk- Ecke Donaustrahe. Ilm vollzithlizes Erscheinen wird ersucht. Die Sparkasie der Bank der Arbeiter, Angestellten nnd Beamten A.-G., Berlin, AZallstr. 65. ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend von 9— 3 Uhr und 5— 7 Uhr, Sonnabends von 9— 1 Uhr geöffnet. Verantwortlich für Politik: Dr. Eurt Geyer; Wirtschaft: Artur Gaternu«; Gewerkschaftsbeweguna: Z. Tteincr: jscuilleton: Dr. John Echikowski: Lokal«» und Eonftiaes: ZsriK Sarstädt; Anzeigen: Th.(SUdc; samtlich in Verlin. Verla«: Vorwärts-Verla« G. m. b. H.. Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckerei und Berlagsanstalt Paul Sinaer u. Co. Berlin SD 58 Lindenftrahe Z. Kierzu 2 Beilaacn und..Uuterdaltuna und Wissen- Wohlbehagen-lebemfreude durch die gute ankmeh ZIGARRE PAUL JUHL Nr. 446 ♦ 4Z.?ahrgang 1. Heitage öes vorwärts Mittwoch, 22. September 1926 m 3_ P___ Jedem Naturfreund wird es schon aufgefallen sein, dah seine eigenen Beobachtungen und Betrachtungen über Wachstum und Erträgnis von Nutzpflanzen oft hinter seinen Erwartungen zurück- bleiben. Insbesondere glaubt der Stadtbewohner, daß das, was er günstige Witterungsoerhältnifss nennt, immer einem günstigen Erntestand entsprechen müßte. Nur aus den alarmierenden Nach- richten von Ueberfchwemmungen, Dammbrüchen, Hagel und Regen. einbrächen ermißt er, daß auch der Erntestand in den betroffenen Gebieten schlecht sein wird. Die Ursachen aber, die sonst in den klimatischen Veränderungen liegen, und den Pflanzenstand in seinem Wachstum, in der Blüte und Fruchtonfetzung beeinflussen, können nur dem Pslanzensachmann auf Grund eingehenden Studiums be. könnt sein. Daneben ist noch zu berücksichtigen der Einfluß der Witterung aus die Entwicklung von Pflanzenschädlingen und Krank. heiten. Pflanzen leiden ebenso wie Menschen und Tier« an an- steckenden Krankheiten, an Parasiten, von denen sie wie von feind- lichen Heeren überfallen werden. vke öiologische Nelchsanftalt. Di« Biologische Reichsanstalt in Verlia-Dahlem widmet sich vornehmlich der Erforschung der Lebensbedingungen der pflanzen, ebenso der Lekämpiung ihrer Krankheiten und ihrer Schädlinge. Auf großen Verjuchsselderu. im Laboratorium und in HSrlälea wird das Wesen der Pflanzen erforscht, werden am lebenden Ob- fett wie in einer medizinischen Klinik Bakterien und Krankheit». formen gezüchtet, unter dem Mikroskop und in Reagenzgläsern die Erscheinungen und die einzelnen Phasen einer Krankheit beobachtet. Die chemischen und bakteriologischen Bestandteile der Erde, auf der die Pslanze wächst, werden gemessen. Es wird geprüft, ob sie den Lebensbedingungen der Pflanz« entsprechen Reue Sorten werden aus Mderstaodssählgkeit erprobt, alte Sorten durch Auffrischung verbessert. Durch genaue Beobachtung der Pslanze werden die Schuhmittel ausgeprobt, die schon bestehenden verbessert und ver. billigt, und neue entdeckt. Anschließend an diese methodischen For- schungen, die auf Jahrhunderte alte Erfahrung aufbauen, versucht man die neuen Ertenalnisse der Wissenschaft, die Erfindungen auf dem Gebiet der Chemie und der Elektrizität dem Pflanzengedeihen und seinem Schutz nutzbar zu machen. Doch die Hauptsache ist die intensive Beobachtung der Pslanze an chrem Standort: man sucht die Wechselwirkung zu ergründen, die zwischen Witterung und Pflanzenwachstu n besteht. Bon privater Seite und von den öffent- lichen Stellen der Land- und Forstwirtschaft kommen aus allen Teilen des Reichs täglich Sendungen, die kranke Pflanzen, von Pilz und Wucherungen befallene Holzer. Käfer und Pflanzenschäd- lingc. Milben und Pilz« entHallen, damit sie hier untersucht werden und, wenn es angeht, Rat geschafft wird, wie dem Uebel am besten zu steuern ist. Festgelegte Ergebnisse werden in billigen Merk- blättern in den Krankheiisgebieten oerbreitet, damit die Betroffenen die Ratschläge der Reichsstelle befolgen können. Ost enthalten die Merkblätter auch ernste Warnungen und weisen auf die gesetzlichen Bestimmungen hin, die gegen Einschleppung von Pflanzenseuchen erlassen wurden: kurzum, man sucht allerorten Aufklärung zu ver. breiten. Ein Flugblatt, dos auch auf den ländlichen Bahnhöfen angeschlagen ist, weist dringlich auf das Vorkommen des Sartosfel- käsers hin, der von Kolorado nach Frankreich eingeschleppt, auch die deutschen Kartoffeläcker zu verseuchen droht, wenn nicht der Käser schon dort, wo er sicb zeigt, energisch bekämpft wird. Ein anderes Flugblatt wendet sicy gegen die Bisamratte, die 1905 aus Nord- amerika nach Böhmen zu Züchtunaszwecken eingeführt wurde, hier aber durch die Fahrlässigkeit der Züchter ihr Gefängnis durchbrach und nun auf dauernder Wanderschaft begriffen, schon in großer Vermehrung bis nach Norddeutschland gedrungen ist. Der Schaden, den dieses Nagetier verursacht, wenn es überhand nimmt, ist un> geheuer, denn kein Deich und kein Flußdamm ist vor der Unter- Höhlung durch die Bisamratte sicher, ja, sie bringt Eisenbahnbrücken und Häuser in die Gefahr des Einsturzes. Ein umfangreicher Schutzdienst zu ihrer Bekämpfung ist in allen größeren Städten organisiert worden und staatlich angestellte BIsamrattcnjaaer sind dauernd unterwegs, die schädlichen Tiere wegzusangen. Jeder, der Bisamratte» bemerkt, ist verpflichtet, das zu melden. Ebenfalls behandeln die Merkblätter die Krankheiten und Schädlinge der Nutzpflanzen: aus der großen Zahl feien nur einige heraus- gegriffen, die sich gegen die Brandkrankheiten des Getreides, den Stachelbeermehltau, den Wurzelbrand der Rüben, die Kleeseide, die Reblaus u. a. Pflanzenoernichter wenden. ver phäaologijche Nekchsökeost. Wie bereits hingewiesen, sind die meteorologischen Bedingungen aus das Pflanzenwachstum und auf die Bildung von Pflanzen- fchädlingen von großer Bedeutung. Dies zu erforschen und genau zu beobachten ist an die biologische Reichsanstalt der phänologlsche Relchsdieust angegliedert, dem die Aufgabe zufällt, die sährüchen Eulwicklungsphasen von Pflanzen und Tieren festzustellen. Man bedient sich zu diesem Zweck eines Meldekartensystem», auszufüllende Zettel mit Vordruck, die an Naturfreunde, an Gärtnereivereine und landwirtschaftliche Genossenschaften kostenlos abgegeben werden. Von diesen freiwilligen Helfern werden die Rubriken bis zum Jahresende ausgefüllt und als portofreie Dienstsache an das In- ftttut zurückaesandl. Die Fragebogen zeigen auf, wann das erste Schneeglöckchen blühte, die Kirschen, Birnen und Aepfel, wann die ersten Maitriebe an Kiesern und Tannen herauskommen, im Früh- sommer den Beginn des Schossens der Halmfrüchte, und so fort durch die Monate bis zur Reife der Beerenfrüchte, des Ernte- beginn» und die Zeit der Laub Verfärbung. Die Fragebogen wer- den im Herbst gesammelt und miteinander verglichen. Das je- weilige und örtliche Ergebnis wird mit den meteorologischen Beob- achtungen verglichen und es lassen sich dann aus dem Ergebnis sehr greifbare Schlüsse für die pslanzliche Entwicklung an sich oder die Entwicklung von Pflanzenschädlingen ziehen. So lassen— als in- terestante Feststellung— die Daten für den Eintritt der Blüte des Schneeglöckchens einen auffallenden Zusammenhang mit dem Ver- lauf der sich von Zeit zu Zeit einstellenden Feldmaueplagen er- kennen. Ebenso wurde gefunden, daß der Befall der Fruchtknoten fördert wurde. Einer starken Verspätung des Frühlings folgt eine verspätete Aussaat, die wiederum den Befall der jungen Saaten mit Getreidesliegen begünstigt. In zahlreichen Fällen werden erst die phänologischen Aufzeichnungen die Grundlage bieten oder doch wichtige Fingerzeige abgeben für die Klarstellung der Biologie und Entwicklungsgeschichte wichtiger und gefährlicher Krankheitserreger und Schädiger. Die Biologische Reichsanftall in Land- und Foiist- Wirtschaft hat sich außerordeniliches Verdienst erworben durch die Gründung dieses phänologischen Reichsdienstes. Manche» In- teressant« erfährt man noch bei dem Besuch in dem genannten In- stitut, so z. B., daß fast jede» Hahr seine besonderen Plagen auszuweisen hat. Wie man von einem Maikäserjahr svricht, so kann man von Mäusejahren sprechen oder von Insettenjahren, wie es das Jahr 1924 war, wo der Befall unserer Kiefernwälder durch die Forleule noch in jedermanns Gedächtnis ist. Die letzten Jahre machten sich durch da» rälselhafle Absterben der Ulmen in lvest- deutschland bemerkbar, eine Erscheinung, die noch nicht völlig ge- klärt werden tonnte. lgZS, mit seinem feuchten Sommer, könnte wohl als Pilz- und Vakterienjahr anzusprechen sein, ebenso hat das milde Frühjahr außerordentlich die Obstbaumschädlinge begünstigt. Di» unmittelbare Nutzbarmachung der Phänologie für die Land- Wirtschaft und damit für die Ernährung des deutschen Volkes liegt klar auf der Hand. Es wäre vielleicht eine sehr dankbare Anregung, die wir uns erlauben der Biologischen Reichsanstalt zu geben, wenn der Reichsdienft die älteren Schulklassen als freiwillige Beob- achter mit heranziehen wollte: das Wissen um diese Dinge würde den praktischen Anschauungsunterricht in den Schulen ungemein vertiefen und eine allgemeinere Kenntnis der wichtigsten Natur- Vorgänge vermitteln helfen. In der MkletSer-SammelsteUe. In der E b e r s st r. 9 2(Schöneberg) unterhält die Bezirks- ergeben, repariert, ausgefrischt, und gegen einen geringen Betrag für Reparaturspesen an Bedürftige abgegeben. Der Preis für ge- tragen« Schuhe solcher Slrt z. B. bewegt sich zwischen 50 Ps. bis 1,50 M.. Männerrock und Weste kosten 3 M.. ein vollständiger An- zug 5 M. bis 6 M., Kinderhosen 50 Ps. bis 1 M., Wäschestücke 20* Pf, 30 Pf, ein Oberhemd 60 Pf. usw. Die eingelieferten Stücke, die natürlich in noch tragbarem Zustande sein müssen, werden sorgfälttg ausgebessert, aus schadhasten Mänteln werden die guten Stoffteile herausgenommen und je nach Ihrer Größe zu Männer- oder Knabenhose» erarbeitet. Mit erstaunlicher Kunstfertigkeit ist oft solch' ein Kleidungsstück aus vielen Teilen zusammengesetzt und erfüllt dann im sauberen und reparierten Zustande noch eine Weile seinen Zweck. Die Rachsrane nach Mäimerkleidung ist heute eine so reg«, daß sämtlich« in Arbeit befindlichen Stücke bereits ihren „..._____________________ Abnehmer haben. Aus diesem Grunde veranstaltet die Sammel- der Obstblüten durch den Moailapilz speziell durch Spätfröste ge-| stelle in der Woche vom 27. September bis 2. Oktober eine S a m- Der Weg des blinden Bruno. 4) Roman von Oskar Baum. Ein Feiertagsmorgen. Alle schliefen noch. Die Sonne stand schon ziemlich hoch und lag voll auf Brunos Gesicht. Langsam schoben sich die Lider auseinander...Wie warm heute das Aufwachen ist," dachte Bruno und fand es behaglich. Bald aber wurde die Decke zu schwer. Er hob den Kopf vom Kissen, stellte sich auf und wanderbe am Bettrand hin, die Stange des Netzes wie ein Geländer in den Händen, hier und da mit leisem Klirren daran rüttelnd, wie er so oft sich vergnügte. Da kam er ans Fußende, blieb erstaunt stehen, wendete den Kopf nach links und rechts. Er vergrub die linke 5iand in fein« Locken und machte ein finsteres Gesicht wie immer, wenn er nachdachte. Da kam ihm ein Einfall. Er stapfte zum Kopfende zurück und wieder ans Fußende, blieb dann nahe der Mitte stehen, streckte die Arme weit und gerade aus und schaufelte die Luft von rechts nach links zum Fußende hin mit gekrümmten, wie schöpfenden Fingern und hohler Hand, eifrig, unablässig, angestrengt. Er war so in die Arbeit vertieft, daß er das Knarren der Tür nicht hörte und das Schlürfen der Pantoffel. Eine Weile sah der Bater dem Treiben zu. dann schlich er näher und ließ einen Rollvorhang herab. Verdutzt hielt der Kleine in seinen Bewegungen inne. „Das machst du denn da, Bruno?" Bruno war von seinem Problem so erMt. daß er sich gar nicht fragte, wieso der Bater plötzlich da war. Er tastete sich längs des Netzes wieder rasch bis ans Kopfende und blieb ratlos vor dem Bater stehen, der besorgt in dem Kindergesicht forschte, das jetzt sehr finster zusammengezogen war.„Du. Vater, wie komisch das ist! Bei mir war heute ein sehr warmes Auf- wachen. Aber ich gehe da ein bißchen hinunter und dort ist «s gar nicht so warm. Da glaube ich. es ist vielleicht so wie beim Wasser, wenn mich Mutti badet. Man muß das und das mit den Händen so zusammentreiben, und ich machte es so. aber es ging nicht. Hier war es weiter immerfort warm und wärmer und hier immerfort kalt und auf einmal war alles kalt." „Ja, woher kam das warme Aufwachen, Bruno? Was glaubst du wohl?" „Es war fast, wie wenn ich einen warmen Teller anrühre, aber schöner: kannst du dir das vorstellen, Vater?" Der Dater lächelte und zog den Rollvorhand empor. Der- zückt streckte der Kleine das Gesicht gegen die Scheiben: ,£)aa ist es, Vater. Schau, wie beim Ofen. Ist das kein Ofen?" „Nein, mein Kind." Der Bater lachte nicht mehr. Er hob Bruno auf den Schoß und begann im Märchenwn:„Hoch, hoch über uns, so weit, daß kein Mensch so lange lebt, um hinlaufen zu können, so fern brennt ein großes, heißes Feuer." „Weiter, als zu Tante Berta?" „Viel, viel weiter!" „Trillionenmal so weit?" Trillion war Brunos neuestes Lieblingswort, das einzige, das er kannte, well Lorenz es beständig im Munde führte. „Ja, und wer hat das Feuer angezündet?" „Das Feuer? Hm! Das... brennt schon so lange, daß sich niemand mehr erinnert, von wem es angezündet wurde. Als ich so klein war wie du. hat es auch schon gebrannt." „Schon damals?" Bruno konnte sich das nicht vorstellen. „Aber wie kann man das hier spüren, wenn das Feuer so weit ist? Wenn bei Tante Berta eingeheizt wird, spürt man das auch hier? Und wie kommt es, daß ich es bis heute noch nie gespürt habe?" Bruno dauerte die Beantwortung einer Frage viel zu lange: ihm brannten inzwischen schon wieder hundert andere auf den Lippen und es schien ihm fast mehr ums Fragen als um die Antwort zu sein. Immerhin aber drängte«r den Vater so in die Enge, daß er sich zuletzt nicht mehr anders aus der Klemme zu helfen wußte, als indem er die Unter- Haltung entschieden endigte:.,Ia, aber jetzt mußt du dich an» ziehen, Bruno." Der Knabe kleidete sich viel früher allein an, als Kinder sonst. Der Vater hatte es angeordnet. «» • Von Königsschlössern sprach Bruno gern und von Elfen. von Riesen, von Ungeheuern— von allen jenen Dingen, die auch nicvand anderes kannte, von denen keiner mehr wußte als er. Und er war so stolz, wenn er anderen etwas erzählen konnte, wovon sie noch nie gehört hatten. Da log er auch zuweilen kräftig und arglos darauf los. „Ein Zwerg war hier!" empfing er einmal die Ge- ichwister, als sie aus der Schule kamen,„ein Zwerg, der hatte an den Händen goldene Schuhe und an den Füßen Hand- schuhe, so rauh und unzerreißbar wie die euren." „Bruno, greif' dir an die Rase!" rief Lorenz gebieterisch, indem er in Ton und Gebärde seinen Lehrer nachzuahmen sucht«, weil ihm das ein unentbehrliches und unfehlbares Mittel schien, Respekt einzuflößen. Bruno zitterte vor der Feuerprobe des Nasendrucks. Er versteckte sich hinter dem Fenstervorhang und damit war das Märchen, zu dem er so behaglich ausgeholt hatte, zu einem porzeitigen Ende ge- kommen.-- Brnnos Eintritt in die Blindenanstalt verzögerte sich durch Mutters Krankheit. Man mußte jede Ausregung von ihr fernhalten und verschob darum Uebersiedlung und Ab- schied von einem Monat zum nächsten. Sein neunter Geburtstag war vorüber. Professor Grnitz machte sich Vor- würfe, seine Reife, seine Zukunft konnte einmal unter dieser verzögerten Ausbildung leiden. Wenn die Mutter sich schwach fühlte, entließ sie ihn nicht. Nicht einmal für wenige Stunden durste er fort von ihr. Sie hatte solche Ängsworstellungen, wenn er nicht bei ihr war! Die leicht konnte ihm ewas zustoßen! Er war allen mög- lichen Zufällen völlig wehrlos ausgeliefert! Und wenn sie starb— der Gedanke verließ sie nicht mehr— dann sollte er bei ihr sein. Sie würde nicht sterben können, wenn sie ihn nicht sah. Eines Nachts stand plötzlich der Vater vor Brunos Bett, rief ihn und faßte ihn beim Arm. Bruno wurde nicht gleich wach. Er war noch nie geweckt worden..Lieh dich an, Bruno!" Vaters Worte waren von eingr unterdrückten, bekämpften Atemlofigksit unterbrochen und konnten nicht her- aus: er war wie ohne Stimme. Bei der Tür wandte er sich dann nochmals um:„Ins Schlafzimmer! Der Mutter ist nicht wohl!" Und er ging wieder hinein. Bruno flog in die Kleider. Es war so seltsam, um diese Zeit sich anzuziehen! Ganz still war es unten auf der Straße und im Zimmer um ihn her. Die Geschwister mußten schon aufgestanden sein. Aber auch aus dem Scblafzimmer kam kein Laut. Mit der dunklen, unbegriffenen Angst mischte sich Neugierde: Weshalb rief man ihn? Der Mutter war schon öfters bei Nacht übel geworden. Er wußte es. Er hatte Türen zufallen, hin- und herlaufen gehört. Aber nie hatte man ihn gerufen: hatte nur immer nach dem Arzt geschickt. Er war schon angekleidet: aber nun zögerte er. Er wußte nicht, warum. Er fürchtete sich, ins Schlafzimmer zu gehen. Unschlüssig hielt er eine Stuhllehne umklammert und tat einen Schritt. Da knarrte die Tür. Er fuhr zusammen.„So komm doch endlich! Die Mutter hat nach dir verlangt!" Lorenz war es. Er weinte. Zitternd schlich Bruno hinter ihm drein. (Fortsetzung folgt.), m e l w o ch e. Die Not ist groß, der Herbst und Winter steht vor der Tür, und manchem, der nicht in der Lage ist, sich etwas Neues �u taufen, wird auf diese Weise ein Dienst erwiesen. Man ver> schenkt oft wahllos, infolge Platzmangel, alte Sachen, bei anderen wieder stapeln sich solche unbrauchbar gewordenen Stücke in der Wohnung auf, wahrend sie hier einer praktischen Bestimmung zu- geführt werden. Ganz Bedürftige erhalten die Sachen nach Mög- lichkeit kostenlos. Die Stücke werden, wie oben erwähnt, in der Kleidertammer selbst repariert, etwaige Aenderungen können daher gleich vorgenommen werden. Der kleine Preis, der gezahlt wird. dient ausschließlich zur Erhaltung des Arbeitspersonals. Ausgabe- stunden für diese wiederhergestellten Sachen sind: Montag von 9 bis 12 Uhr, Dienetag und Donnerstag von 2 bis K Uhr. Die Kleiderkammer selbst ist täglich von 8 bis 4 Uhr geöffnet. herbstliches Saöeleben! Eigentlich müßte man sich langsam aus Weihnachten vorbereiten, das immerhin in drei Monaten in Erscheinung tritt. Doch die Sonn« meint es so gut, daß einige Optimisten glauben, bis dahin noch Sonnenbäder nehmen zu können. Die Flecken scheinen der Sonne also gut zu bekommen. Kein Wunder, daß die liebe Erde sich wohlsühlt und sich ihren Leib recht warm bestrahlen läßt. Mögen die Nächte kühl sein, das Zvasier hält die Wärme fest, und so können die Badelustigen draußen tagsüber immechin bei 18 bis 19 Grad Celsius plätschern und schwimmen. Und finden sie ihre Badeanstalt geschlosien, wie beispielsweise die von Plötzen� see(sie wird erweitert), so springen und klettern sie sogar über die Planken, Männlein und Weiblein, Jungen und Mädchen, um noch eine Portion Sonnenbräune und Wasierfrisch« zu genießen. Im Freibad Wannsee fanden sich noch am Dienstag an die 1000 Menschen ein, von denen weit über die Hälfte ins Wasser ging. Auch Abteilungen von Dolksschulen sonnten und badeten sich, vom lieben langen Bormsttag bi» in die späten Nachmittagsstunden. Di« Borsichtigen begnügten sich damit, sich von der Sonn« bescheinen zu lasten, je nach Lust und Geldbeutel im Sand, auf dem Liege- stuhl oder gar in den Strandkörben. Der Strand selbst wirkte wundervoll leer, man brauchte kein« Angst zu haben wie in den heißen Sommertagen, seine Beine zu verwechseln. Wie lang« noch wird die Herrlichkeit dauern? Aengstlich schauen sie alle nach jeder dunklen Wolke oder orakeln sie über das Drehen de» Windes, denn jeder neue Badetag ist ja ein köstliches Geschenk,„vielleicht ist es heut« das letztemall', das läßt sie fast all« Sonne, Luft und Wasser tausendfach stärker genießen. Nur die ewigen Bader, die im Sommer und Winter da draußen ein Bad nehmen, die Ab- härtungsprohen in Großformat lächeln darüber, denn„ihnen kann ja keine Temperatur nichts". Wenigstens tun sie so, und ihnen sei der eiskalte Wannsee auch restlos gegönnt. Di« gewöhnlichen Sterblichen ohne Robbennatur aber wünschen sich weiter eine Reihe von solch schönen Tagen. Neues Zlußbaü an üer Gberfpree. Ein Badebecken mit gewärmtem Spreewasser. Im Verwaltungsbezirk Lichtenberg entsteht neben dem werdenden Großkraftwerk Rummelsburg«ine neue städtische Bade- anstatt, ein F l u h b a d an der O b e r s p r e e, das für die ein- gegangene städtische Badeanstalt des Rummelsburger Sees ein Ersatz sein wird. Der vom verstorbenen Stadtbaurat Gleye her- rührend« Bauentwurf für diese Stätte der Körperpflege fleht eine so umfangreiche Anlage vor, daß die Ausführung, in Anbetracht der Kosten, nur schrittweise erfolgen kann. Der erst« Bauabschnitt. der von der bauaussührenden Hoch- und Tiefbauftrma Paul Bin- inar im wesentlichen fertiggestellt ist, wurde am Montag von Mit- gU.h.™ hes Bezirksamts, der Dezirksverjammlung und der Bau- nerwättung, von Bcrtretern des Städtischen Badewesen» und des Schwimmsports besichttgt, wobei Stadtrat Stimming und Baurat Sander die Führung übernahmen. Aus dem sandigen Spreestrand«erde« vier Becken au»- gehoben, die von der Spree au» ihr Daffer erhalten, ein Sport- decken von 199 Meter Länge und 2S Meter Breite,«in Schul- decken von S9 Meter Länge und 26 Meter Breite, ein Plansch- decken von 26 Meter Länge und 26 Meter Brette und ein Warmbecken von 69 Meter Länge und 26 Meter Breite. Dieses Warmbecken ist unter den Flußbadeanlagen Berlins eine Neuerung, von der man erwartet, daß st« eine starke Anziehungskrast aus- üben wird. Das vom benachbarten Großkraftwerk aus der Spree entnommene Kühlwaster, da, nach der Benutzung angewärmt in die Spree zurückfließt, wird zum Teil in dieses Badebecken gelettet, um eine Art Warmbad unter freiem Himmel zu schassen. Durch dieses Berfahren soll ermöglicht werden, daß hier bis in den Spätherbst hinein noch im Freien gebadet werden kann. Kränkliche Leute, denen der Arzt kein richtiges Kaltbad erlaubt, werden das laue Wasser des„Wormbeckens" schon im Sommer gern zu einem Bade benutzen. Die Freunde des Schwimmsport» aber werden ihre Freude an dem großen Sportbecken haben, besten Sprungturm drei Sprunghöhen von Z Meter, 6 Meter und 19 Meter hat. Der anschließende Badestrand von 39 999 Quadrat- meter Fläche wird auch Gelegenheit zu Sonnenbädern bieten. An ihm werden sich die nötigen Baulichkeiten ausreihen, dte Au»- kleideräume, die Gastwirtschaft, das Verwaltungsgebäude usw. In den Auskleideräumen wird man Waschgelegenhett mit fließendem Warmwasser haben. Große Teile de» umfangreichen Badegelände», das nach Vollendung des Werkes einmal eine Ufersrvnt von S99 bi» 799 Meter Länge haben wird, sollen mit Grünanlagen au»- gestattet werden. Einstweilen ist aber ein Teil des Geländes noch mit der Schiffswerft Neptun besetzt, die zunächst beseitigt werden muß. Zum vollen Ausbau dieser neuen Flußbadeanlage fehtt es noch an dem nötigen Geld, doch wird im nächsten Frühjahr wenig- stens der bisher fertiggestellte Teil in Benutzung genommen werden. Man hofft, daß dann auch die ersehnte Straßenbahnlinie, die durch die Rummelsburger Hauptstraße und durch ihre Fort' setzung Köpenicker Chaussee fahren muß und auch für die Arbeiter- schaft der da draußen liegenden Industriebetrieb« dringend zu wünschen ist, nicht mehr lange auf sich warten lasten wird. Die schadhaste« Strahenbahnoberleitungen. Durch Zerreißen der Oberleitung der Straßenbahn an der Ecke der Potsdamer und Eichhornstraße entstand gestern nachmittag kurz vor 354 Uhr eine Berkehrsstörung, die sich in einer Zeit stärksten Verkehrs besonders unangenehm bemerkbar machte. In endlos langer Reihe standen die Wagen, bis es nach nahezu drei- viertel st ündiger Wartezeit gelang, den Schaden zu be- Großfeuer in einer wachsfihmehe. Die Kaulsdorfer Seifenfabrik völlig eingeäfchert. Ein verheerendes Großfeuer legte gestern nachmittag ein 70 Meter lange» und etwa 49 Meter tiefes Fabrikgebäude der Seifen- fabrik„Märkische wachsschmelze" Lecher u. Lechnlh In der Franksurter Ecke köpenicker Straße zu Saal»- d o r s in Asche. In Ka u l s d o r f unterhält die genannte Firma zweigrößere Fabriken, in denen vornehmlich Toiletten-, Wasch- und Schmier- seifen hergestellt werden. Eines der Fabrikgebäude befindet sich in der Nähe der Dorfkirche, während große Gebäude mit ausgedehnten anschließenden Kontorräumen in der Frankfurter Straße 4/6 liegen. In dem Eckgrundstück war in früheren Iahren ein Restaurant unter- gebracht. Unmittelbar über diesem liegen einige Wohnungen. An das Restaurant schloß sich ein großer massiver Tanzsoal an. Bor etwa eineinhalb Iahren übernahm die Firma„Märkische Wachsschmelze" die Restaurattonsräume und den anschließenden Tanzsaal, die zu Bureau- bzw. Fabrikräumen umgestaltet wurden. In dem Betrieb wurde noch gearbeitet, als plötzlich, kurz nach 4 Uhr, ein Arbeiter, der den Trockenofen bediente, in die Bureauräume gestürzt kam und erschreckt meldete, daß der Trockenofen in Flammen stehe. Im Nu hatte sich dos Feuer auf Kisten und Bretter ausgedehnt. Die übrigen Arbeiter verließen fluchtartig den brennenden Betrieb. Wenige Minuten später schon rückte die Freiwillige Feuerwehr von Kaulsdorf heran. Mit ungeheurer Schnelligkeit flotten die Flammen bereits den halben Betrieb ergriffen. Es er- olgten Explosionen von Lcnzlnkannen, größere Parasin- und Wachs- vorräle loderten auf. Sttchftammen von gewaltiger Größe schössen hervor. Die Kaulsdorfer Feuerwehr war dem entfesselten Element gegenüber machtlos. Nach einiger Zeit wurde der Ruf„Groß- f e» e r" nach Berlin weitergegeben. Inzwischen trafen die Frei- willigen Feuerwehren von Köpenick, Biesdorf. Marzahn und Mahls- dorf an der Brandstätte ein. In dem brennenden Fabrikraum selbst tobte das entfesselte Element mit unerhörter Gewalt und zwischen Brodeln und Zischen ertönten laute Detonationen der explodierenden Vorräte. Kurz nach 546 Uhr langten dann zur weiteren Hilfeleistung die Berliner Motorspritzen von Friedrichsfelde und Lichtenberg unter Leitung des Branddirektors Hammer, der die Oberleitung übernahm, in Kaulsdorf an. Mtt vereinten Kräften wurde jetzt das lichterloh brennende Gebäude von allen Seiten ein- gekreist. Der Bewohner des anschließenden Miethauses bemächtigte sich eine Panik. In chrer Angst um Hab und Gut wurde alles, was nicht festgenagelt war, Betten, Möbel und Kleidungsstücke, hinaus ins Freie geschafft. Eine Vorsichtsmaßnahme, die sich nachher als unnötig erwies. Das Feuer hatte sich inzwischen durch den ganzen Betrieb gefressen und ein gewaltiges Lager von Wachs- und Pa- rafinmassen ergriffen. Eine dicke, Ichwarze Rauchwolke wälzte sich zum Himmel. Wegen der dauernden Explosions- und Einsturzgefahr heben. Teilweise wurde der verkehr durch Umleitungen aufrecht- erhalten. Um die gleiche Zeit riß in der Warschauer Straße ebenfalls«ine Straßenbahnoberleitung, was eine halbstündige Der- kehrsstörung zur Folge hatte. In letzter Zeit häufen sich in auf- fallender Weise Verkehrsstörungen, die durch Reißen schadhafter bzw. erneuerungsbedürstiger Oberleitungen hervorgerufen wurden. Erst kürzlich entstand durch Zerreißen der Oberleitung in der P r i n z« n- st r a ß e eine längere Verkehrsstörung. Der Draht fiel in diesem ssiall auf den Straßenbahnwagen, es entstand Kurzschluß, und a ch t Personen wurden verletzt. Es erscheint dringend notwendig, die Oberleitungen einer genauen Prüfung zu unterziehen, um eine Wiederholung her Vorfälle, deren Auswirkungen immer auf Kosten der Fahrgäste gehen, zü verhüten. xzzafx*. •ssrsst.- Kinüermäücken mit Mnü verschwlmüem Unglücksfall oder Verbreche«? Das Derfchwinden eines Kindermädchens mit dem ihm anver- trauten kleinen Kinde beschäfttgt seit vorgestern die Kriminalpolizei, ohne daß es bisher gelungen ist, ein« Spur zu finden. Bei einem Dr. Behrend in der K a n t st r a ß« 132 zu Chor- lottenburg war seit 14 Tagen ein« 16 Jahre all« Erna Sannig als Kinderpflegerin in Stellung. Das nette anstellige Mädchen erhiett Montag vormittag um 19 Uhr den Auftrag, da» 154 Jahre alte Töchterchen der Familie mit de m Spar twagen nach dem Tiergarten spazieren zu fahren. In Charlottenhof sollte es mit der Mutter Dr. Behrcnds zusammentreffen. Dort er- schien es jedoch nicht. Die Großmutter der Kleinen wartete ver- gebticd einige Zeit und benachrichtigte dann den Bater von dem Ausbleiben. Dr. Lehrend wandte sich alsbald an die Polizei. Die Ermittlungen der Reviere, der Kriminalpolizei und der Ber- mißtenzentrale blieben jedoch bisher ohne Ergebnis. Wie fest- gestellt wurde, ist Erna Sannig am 12. August schon einmal ihren etrieben hatte, war aus ihr nicht herauszubringen. Das ver- hwundene Mädchen ist mittelgroß und von kräftiger Gestalt, hat ein volles Gesicht und einen dunkelbraunen Bubikopf und trägt ein lilagestreiftes Kleid, eine weiße Schürze, braun« Schuhe und ein« schwarze Pslegerinnenhaube mit weißen Rüschen. Das Kind ist hellblond und mit rosa Anzug, einem sogenannten Spielhöschen, beneidet. Tragödie eines beinlosen Artisten. Einen aufregenden Zwischenfall, riebt« Montag abend der Führer einer Kraftdroschke. Er fuhr gegen 1954 Uhr einen jungen Mann vom Bahnhos Heerstraße nach dem Zentrum Berlins. Der Mann war in der Begleitung eines jungen Mädchens. Schon war beinahe das Ziel erreicht, als der Führer an der Ecke der Prinz-Albrecht- und Wilhelmstraße in seinem Wagen einen Schuß fallen hört«. Er hielt an und sah noch, wie der junge Mann, während das Mädchen blutüberströmt auf dem Sitze lag. aus sich selbst einen zweiten Schuß abfeuerte. Schnell brachte er beide nach der Rettungsstelle, wo sich der Arzt der Berletzten annahm. Das Mädchen hatte einen gefähr- lichsn Schuß in die Brust erhalten, der junge Mann hatte nur seinen linken Arm getroffen. Die der Wagensührer glaubt. hat sich das Mädchen, da» laut aufschrie, noch zur Wehr gesetzt. Die Berletzten wurden nach dem Krankenhaus Am Urban gebracht. Der junge Mann wurde von der Polizei des 198. Revier, festgestellt als ein invalider Artist Werner Lorscheidt aus der Feilnerstr. 3. ein 26 Jahre alter Mann, der künstliche Beine hat. Seine schwer und der vor Hitze berstenden Umfassungsmauern konnte Brand- direktor Hammer nicht die Verantwortung aus sich nehmen, die Löschmannschaften in den brennenden Raum vordringen zu lassen. Lediglich von der Straße und den benachbarten Gärten wurde da» Flammenmeer au» 12 Rohren großen und kleinen Kaliber» bekämpft. Während es gelang, das Wohnhaus und vor allen Dingen den Dach- stuhl sowie die Bureauräume vor dem Feuer zu schützen, brannte die ganze Fabrik bis auf die Umfassungsmauern nieder. Das Innere bot einen wüsten Anblick. Zwischen verbogenen Maschinenteilen, Eisenträgern und niedergestürztem verkohltem Dachgebälk hatte sich eine Fettschicht gebildet, die ein Durchschreiten fast unmöglich machte, die letzten Spuren einer großen und mit Vorräten gefüllten Seifen- fabrik. Um 547 war die Gewalt des Feuers gebrochen und die Ab- löschungs- sowie einige notwendige Ausräumungsarbeiten konnten in Angriff genommen werden. Das Riesenfeuer hatte ein« unge- heure Zahl von Zuschauern angelockt: ein etwa 69 Mann starkes Schupoaufgebot hielt jedoch die Ordnung in mustergültiger Weis« aufrecht. Der Schaden soll sich nach vorläufiger Schätzung auf etwa «in« halbeMillionMark belaufen, ist aber größtenteils durch Versicherung gedeckt. Aus dem Bahnhof lagerten noch etwa 49 999 bis 69 999 Kilogramm Parafiue und Oele, die gestern der Fabrik zugeführt werden sollten. Es ist geradezu als ein Glücksumstand zu bezeichnen, daß dieser Antransport aus irgendwelchen Gründen am gestrigen Tage unterblieb. Besondere Anerkennung oerdient auf alle Aälle das umsichtige Verhallen des Führers Reiwe der Kauls- dorfer Freiwilligen Feuerwehr, der in richtiger Erkennwis der für das Wohnhaus drohenden Gefahr diese» unter allen Umständen zu schützen versuchte, was auch in vollem Maße gelungen ist. * Von anderer Seite wird un, gemeldet:... Als die Freiwillig« Feuerwehr Kanlsdorfs mit ganz geringer Besatzung eintraf, stand das Gebäude schon in ganzer Ausdehnung in Flammen. Anstatt sofort Großfeuer zu melden. versuchte � m®----—" Mittle Meldung v---—-------•. Wehren mußten sich darauf beschränken, die angrenzenden Wohn- gebäud« zu schützen. Räch zweistündiger Arbett, die durch starke Qualmentwicklung außerordentlich behindert war, konnte die Gesahr als beseittgt gelten. Die freiwilligen Feuerwehren in den Außenbezirken Berlin» können den ihnen ge- stellten Aufgaben keinesfalls gerecht werden. Das Großfeuer in Kaulsdorf liefert dafür wieder einen treffenden Beweis. Es sollte unbedingt darauf gedrungen werden, daß in den Außenbezirken Feuerwachen eingerichtet werden, die mit Berufs- feuerwehrleuten besetzt werden. verletzte Begleiterin ist eine 22 Jahre alte Hildegard Pasch k« aus der Ponnierstr. 21 zu Neukölln. In einem Brief, der. vor der Tragödie geschrieben und zur Post gebracht, bald danach bei der Polizei einging, teillc Lorscheidt mit. daß wirtschaftliche Schwierig- leiten ihn zwängen, au» dem Leben zu scheiden und daß das Mäd- chen ihm folgen wolle. Lorscheidt betättgte sich früher al» T r a p e z- künstler, brach aber bei einem Sturz ein Bein und fand kein Engagement mehr. Schon vor zwei Iahren verübte er einen Selbstmordversuch, indem er sich vor einen einfahrenden Zug der Untergrundbahn warf. Damals wurden ihm beide Beine ab- gefahren. Seit langer Zeit ohne Verdienst, war e, ihm n ich t möglich, sich neue Prothesen zu verschasfen. Die ,n dem Bliese gemachten Angaben wurden durch mundliche Aussagen des Paares, da» durch Beamte des Polizeiamt» Kreuzberg kurz ver- noimnen werden konnte, bestätigt. Sollte sich kein Menschenfreund finden, der dem Unglücklichen behilflich ist. sich ein Paar kunstliche Beine zu beschaffen?, der WW, Mtsgebäuüe See Republik. Abkomme« zwischen Reich und„Berliner Hotel- gescllschaft". Zwischen dem Reich und der»erliner Hotelgesellschaft. deren Aktienmehrheit im Besitz der Gebrüder Arnhold- Aschinger ist. ist ein Vertrag zustande gekommen, wonach das Reich da» Kaiserhof-Hotel köuilich erwirbt. Der Kauf steht im Zu- sammenhange mit dem Wunsch der Reichsregierung, die zum Teil noch verstreut liegenden Regierungsstellen in der Nähe des� Wik- helmplatzes zusammenzufassen. Da» Gebäude mit seinen über 89 9 Räumen ist nach Lage und Größenverhällnijsen besonders gut geeignet, diesen Zwecken zu dienen. Der Kaufpreis liegt mit 654 Millionen Mark angeblich unter dem Borkriegspreis. Damit würde die in der Bortriegszeit bekannteste Berliner Groß-Gaststätte oerschwinden. Ganz abgesehen davon, daß in unserer Zeit ein Hotelname wie Kaiserhos wenig und bei Ausländern schon gar nicht mehr zieht, war auch schon vor dem Krieg der Rimbu» des Hauses im Schwinden. Die mit dem letzten modernen internationalen Komfort ausgestatteten Riesen-Gaststätten wie Esplanade und Exzelsior hatten ihm schon damals den Rang abgelaufen. � Daß da» Lokal, das den anspruchsvollen Titel au» der Kaiserzett führt, nun- mehr zu einem Amtsgebäude der Republik wird, wirkt immechin wie ein Symbol, nachdem neuerdings die industriellen Unternehmer und mit mancher Einschränkung selbst die Juristen sich zu dem Gedanken de» neuen Staate» bekannt haben. Er wollte sich an Towjet-Rußland rächen. Internationale L o m b a r d b e t r ü g e r e i« n russischer Emigranten beschäftigten das Erweiterte Schöffengericht Charlottenburg. Der Kaufmann Gläser, jetzt einer der beiden An- geklagten, besaß in Leningrad, al» es noch Petersburg hieß, ein« chemische Fabrik. Bei der Etoatsumwälzung büßte er sein ganzes Vermögen ein. Er ging darauf nach Riga und suchte, wie er vor Gericht erklärte, nach dem Motto„W a s ein Dieb dir stahl, das stiehlst du dem Dieb" vermittel» einer Farben- Mischung eigenen Rezeptes einen Teil des Verlorenen zurück- Zugewinnen. Er wollte mit der Sowjet-Regierung Verträge über die Lieferung von Bleiweiß nach Ruhland abschließen und lagerte die Fässer zunächst in Hamburg ein. Als der Transport nach Ruß- land gerade abgehen sollte, sperrte die russische Regierung die Ein- fuhr von Bleiweiß. Gläser lombardiert« nun die Ware teil» bei der Londoner Firma Rodfearn Sons, teils bei Hamburger Groß- firmen für 4999 englische Pfund. In Wirklichkeit waren die Fässer Eine steht fest: Am billigsten und bequemsten werden fade Suppen schwache Fleischbrühe. Soßen, Salate und Gemüse im Geschmack gekräftigt und verfeinert durch Zusatz weniger Tropfen m M es» s e n m MAGGI5 Würze mit minderwertigem Schwerspat angefüllt und nur mit einer dünnen Oberschicht Bleiweiß bedeckt. Da Gläser die Fässer auch äußerlich nach Art der im Blciweißhandel üblichen massiven Verpackungen hatte herstellen lassen, so wurde die Täuschung erst beim Auspacken der Ladung in Südamerika, wohin sie inzwischen verschifft worden war, entdeckt. Das Schössen- gcricht berücksichtigte entsprechend den Aussührungen der Verteidiger das schwere Geschick der beiden heimatlos gewordenen Angeklagten und billigte ihnen trotz der Höhe des entstandenen Schadens und des bewiesenen Raffinements bei ihren Betrugsmanöoern mildernde Umstände zu. Gegen Gläser wurde auf zwei Jahre, gegen einen Mitangeklagten namens Goldberg, auf ein Jahr Gefängnis unter Anrechnung von je sechs Monaten Untersuchungshaft erkannt. Die Seamten öer Republik. »Republikanischer" Geist in der Schulaufstchtsbchördc. Ueber die deutschen Beamten und die deutsche Republik sprach Senatspräsident F r e y m u t h, der nach der Revolution zwei Jahre Staatssekretär im preußischen Justizministerium war, in der Ber- liner Bezirksgruppe der Arbeitsgemeinschaft Sozial» demokratischer Lehrer und Lehrerinnen. Die Re- publik habe, so führte er aus, sich zwar befestigt, aber bei vielen Beamten noch nicht. Verhältnismäßig am besten sehe es bei den dem preußischen Innenministerium unterstellten Beamten aus, wenn auch leider in diesem die wichtige Stelle des Personalreferenten in der Hand eines Deutschnationalen liege. Ganz schlimm sei es bei den Richtern. Unerhört sei der Beschluß des Deutschen Richter- Vereins, daß seine Mitglieder nicht dem Republikanischen Richterbund beitreten dürften. Der wichtigste Teil der Personalpolitik sei die Republikanisierung der S ch u l a u f s i ch t s b e h ö r d e n und der Lehrer. Der Minister Becker habe sich selbst anae- klagt, wenn er behauptet habe, republikanische Lehrer hätten oft ein Martyrium durchzumachen. Indem Freymulh auf die Hochschullchrer hinwies, erinnerte er an den Ausspruch Pro- fessor Schückmgs, daß anscheinend in Preußen die wisienschastliche Begabung links vom Jentrum aufhöre. Der Vortragende meinte, man müste sich Bismarck zum Muster nehmen, dem es gelungen sei, die liberalen Kreisrichter der siebziger Jahre restlos zu beseitigen. So müßten die republikanischen Parteien eine allmähliche Um- bildung der Beamtenschaft anstreben. Daß die repu- blikanischen Beamten, die oft nur dann befördert werden, wenn sie ihre republikanische Gesinnung verbergen, mit diesen Derhältnisien unzufrieden sind, sei verständlich. In der Aussprache wandte sich Oberschullehrer Kochanowski gegen die in dem Gesetzentwurf über die öffentlichen höheren städtischen Schulen enthaltene Bestimmung, daß die Lehrer der höheren Schulen ohne ihre Zustimmung in jede beliebige Stadt versetzt werden könnten. Dies würde dazu führen, republikanische Beamte aus großen Städten in ferne kleine Orte zu oersetzen, damit ihnen die Möglichkeit zur Betätigung im Sinne der Staatsform erschwert werde. Studienrat Dr. Witte erinnerte an die nach der Ermor- dung Rathenaus angenommene Entschließung des Preußischen Land- tages, nach der die Personalreserenten in allen Zweigen der Ver- waltung zuverlässige Vertreter der republikanischen Staatsform sein sollten. In dem Berliner Prooinzialschultollegium sei Referent für die Kandidaten der Oberschulrat Sachse geworden. der Erzieher der Söhne des letzten deutschen Kaisers, ein Gegner der republikanischen Staatsform, gegen dessen Tätigkeit sogar der Berliner Philologenverband Einspruch er- hoben habe, weil seine Urteile iedes gerechten Wohlwollens ermangeln. Es sei schon häufig vorgekommen, daß Leute zurück- gesetzt oder drangsaliert worden seien, weil ihre Anschauungen im Gegensatz zu denen der Mehrheit oder zu denen in der Verfasiung ver- ankerten gestanden hätten: Katholiken in evangelischen und Protestanten in katholischen Ländern, Juden in christlichen und Christen in mohammedanischen Ländern, Republikaner in Monarchien. Es sei aber- bisher noch niemals in der Geschichte der Menschheit vor- gekommen, daß Leute wegen ihrer Treue zur Per. fassung zurückgesetzt oder aus ihren Aemtern entfernt wurden._ Cm ungetreuer Staütfekretär. Unterschlagungen in der Heilanstalt Wuhlgarten. Vor dem Erweiterten Schöffengericht Lichtenberg hatte sich der 48 Jahre alte Stadtsekretär Paul Wolfs wegen f o r t g e» setzter Amtsunterschlagung und fortgesetzter schwerer Urkundenfälschung zu verantworten. Der Angeklagte, der dem Magistrat seit 24 Iahren angehörte, war in der Heilanstalt Wuhlgarten bei Biesdorf tätig, wo es ihm oblag, für das dort beschäftigte Pfleger- und Pflegerinnenpersonal die Angestellten- und Invaliden- marken in die dazu bestimmten Karten zu kleben. Verschiedene Unregelmäßigkeiten, die zu Klagen und Beschwerden Anlaß gaben. ließen im vorigen Jahr eine Kontrolle notwendig werden, bei der nmn Unterschlagungen auf die Spur kam, die nur dem Stadt- sekretär Wölfs zur Last gelegt werden konnten, und die bis in das Jahr 1V24 zurückgingen. Es fehllen für einen ganzen Monat die Ängeftelltenmarken im Werte von 1600 M. Um dieses Fehlen zu verschleiern, hatte Wölfs zu einem recht plumpen Mittel gegriffen, er haste einfach sämtliche Angestelltenkarten vorgenommen und deren berests entwertete Marten um einen Monat vordatiert. Diese Fälschungen wurden bei der Kontrolle entdeckt. Wolfs bestritt ganz energisch, sich irgendwie strafbar gemacht zu haben. Die Fälschungen gestand er ein. Bezüglick der fehlenden Marken behauptete er, daß dieselben ihm nur gestohlen sein können. Der Umstand, daß er einem Kassierer verschiedene Invalidenmarten zum Kauf an- geboten, mochte ihn besonders verdächstg. Das Gericht verurteilte den Angeklagten nach sehr eingehender Beweisausnahm« zu ins» gesamt 1 Jahr Gefängnis und 3 Iahren Ehrverlust. Ttahlhelmrnmmel gegen daS Reichsbanner. Der Stahlhelm veranstaltet« gestern abend im Kriegeroereins- Haus mit der Parole„Gegen den Entwaffnungsverrot des Reichs- banners" ein« Zlundegbung. Der Besuch war spärlich, nur 2vl)bis Zllll Stahlhelmer hatten sich eingefunden. Der Vor» sitzende eröffnete die Kundgebung mit der Mitteilung, daß nach den säuveren Anschuldigungen gegen das Reichsbanner ein Mitglied des- selben Gelegenheit hat, zu sprechen. Er tetlte aber sofort mit einer nicht mißzuoerstehenden Gebärde mit, daß der Stahlhelm das Haus- recht habe. Ein gewisser Walter Korady beschäftigte sich eine Stunde lang damit, den Minister Severing und das Reichsbanner onzu- schimpfen. Der Vorsitzende des Stahlhelms sprach dann über die Stahlhelmbewegung. Dies« Organisation sei nicht militärisch. Die Wehrs rag« ist Sache der Reichswehr. Zwei Sätze später versprach sich der Redner und meinte, die Wehrfrage muß vom Stahlhelm auf- gegriffen werden mit allen Mitteln und Möglichkeiten, da die Re- gierungen versagt hoben.„Wir wollen den deutsch- völ- tischen Freiheit? st aat." Ein Kommunist, der reden wollte, wurde liebevoll aus dem Saal gebracht. Nachher teilte der Vorsitzende mit. daß er den Kommunisten nicht habe sprechen lassen, weil sie — S t a h l he km und Kommuni st«n— ja doch am gleichen Strang« ziehen und in vielen Dingen die gleichen Auffassungen haben. Merkwürdigerweise wurden dies« Ausführungen von den sehr stark im Saal vertretenen Rotfrontleuten ohne Wider- s p r u ch aufgenommen. In einer Entschließung wurde verlangt von den Regierungen, da» Reichsbanner wegen Landesverrat unter An- klaa« zu stellen. Sin erhebsicher Teil der Versammlung blieb bei der Esd.tn.'.mung sitzen. Allee in allem war die Kundgebung«In kläglicher Mißerfolg._ Da« Verkehrszeichen auf de» Straßen bahufchieuen. Eine Ver- tehrsftörung von fast einhalbftündigcr Dauer entstand gestern abend in der Leipziger Ecke F ri e d r i chft ra ß e. An dc Straßenkreuzung ist fett einiger Zeit ein Verkehrszeichen an- gebracht, das in der Mitte der Straße schwebt und von mehreren Drahtseilen geHallen wird. Durch eine Erschütterung riß eines der H a l t e s e i l e und der Apparat stürzte auf die Schienen der Straßenbahn. Zwei vorübergehende Damen wurden von dem nieder- stürzenden Drahtseil getroffen. Während eine mit dem Schrecken davonkam, erlitt die andere eine erhebliche Fußverletz ung. Nach Anlegung eines Notverbandes auf der nächsten Rettungsstelle konnte sie in ihre Wohnung entlassen werden. Arbetter der Straßen- bahn beseitigten das Verkehrshindernis. Jugendweihen der Arbeiterschaft Groß-Berlins am Sonntag� den 20. September, vormittag* 11 Uhr i Im Großen Scfaauiplelhan*, KarUtraß«, ScfaiUeriheaier, Charlottenbnrg, Grolmantiraße, Aula de« Lyscum», Pankow, GArtchtiraße 42 Der Mitwirkende: Lellnaft Dr. TicMcn» Am Jan*r Chor; Cello-Trio I Armin Llebcrmann, Frit* rede: Artor CrUpiea, M. d. R. Feieriinmde, Lelttmn Albert Florath and Efaxelaprodter Weiherede; Dr. Et. lohoimmn» ChartoHeaborger Uedertaiel: Cbormel-ler Wider a- Trio: Heim Fritz Torrn enn(Qeläc), Oftkar Maaczk(Cello), Cläre Maaczk(Klarier)— Wetherede■ Job. Hak, Jtndtv er ordnet er Männer(bor SPD. Pankow i CbormeUter Franz» Fritz Wandt(Cello), Joseph Lnkowftki(Harmonium)» Spredzgemetasdftail~ Eintrittskarten In den bekannten Verkaufsstellen und an den Kassen vor Beginn der WeHie __ Orgel: WUÜ Jäger Itz Koppe. Karl Lcmewskl» Weibe- Der Sprechchor der EVoletartsd)! and ElazelsprecHer Hetarieb Witte rrtaiel: CbormeUl •r Maaczk(Ceilt i. Sind teer ordnet... ritz Wen dl(Cello), i NledcTsdbtobaazea Hunde« und Tierfreunde. Im schwächlich besuchten Blücher-Saal hielt der Bund der Tierfreunde Deutschlands eine Versammlung ab. Referent Nr. 1 berichtete in rührenden, liebevollen Kynologentönen über Zucht, Pflege und Ernährung der vierbeinigen Liebsing«. Ergrifien lauschten die Tierliebhaber seinem Bortrag, worin er den Lebenslauf des Hundes, angefangen vom Mutterslboß bi« zu seiner völligen Entwicklung, mit siebender Sorgsall begleitet« und den Ellern prak- tisch« Wünsche und Ratschläge erteilte. Dann beleuchtete ein tier- ärztliches Vorstandsmitglied die gesundheitlich« Tierfrag«, wettert« gegen Vergiftung usw. In der darauf folgenden freien D i s- k u s s i o n gab es zwischen zwei Hundemamos einen heftigen Disput. Die eine plädierte für Reinhaltung der edlen Vollblüter, Vermeidung flüchtiger Straßenbekanntschaften und der darauf folgenden Mes- alliancen, während die andere sämtlichen Bastards, den sogenannten „Promenadenmischungen" volle Existenzberechtigung zusprach. Di« Klingel des Vorstandes bracht« die erregten Gemüter dann wieder in Ruhestand. Zum Schluß kam die alt« Forderung um Herabsetzung der Steuer wieder aufs Tapet, Abschaffung der Ziehhund«, Be- strafung von Tierquälerei usw. Ein anwesender Venreter der Vier- beiner warf öfters Zwischenruf« in die Plädoyers, die aber anschei- nend beifallsfreudiger Natur waren. Di« Reden sollen auf ollge- meinen Wunsch gedruckt und so der Nachwelt erhalten bleiben. Die lelllönbischen Journalisten In Siemensstadt. Di« zurzeit auf einer Studienreise in Deutschland begriffenen lettländischen Journalisten besuchten am Dienstag die Siemenswert« in Siemens- stadt. Im Anschluß an eine Führung durch die sämtlichen Werte, das M s t a l l w e r k in Gartenfeld, das Kabelwerk, das Wernerwerk, das Dynamowert usw. fand ein Beisammen- sein statt. Bei dieser Gelegenheit gab der Vertreter der letl- ländischen Press« seiner Bewunderung der Leistungen der deutschen Technik Ausdruck. Die Katastrophe von Zloriüa. Der Wirbelsturm fordert weitere Opfer. Der Wirbelfturm, der die amerikanische Riviera heimgesucht h-.. wälzte sich inzwischen über Nordwest-Florida weiter und bewegt sich aus das M i s s i s s i p p i g e b i e t zu. wo in den Staaten A l a. b a ma und Louisiana zahlreiche Städte bedroht werden. Zum Glück hat die Wucht des Sturmes etwas nachgelassen. Dennoch gelten vor allem die Städte P e n s o c o l a und Mobile für stark gefährdet, Gerüchte wollen sogar wissen, daß die Stadt Pensacola, nach der alle Bcrbindunaen unterbrochen sind, ebenso zerstört sei, wie Miami. Bon dem Unwetter, das von heftigen Wolkenbrüchen begleitet war, wurde besonders auch Mobile betroffen. Der Eisen- bahnverkehr in diesem Gebiet mußte völlig eingestellt werden, da die Züge nicht mehr gegen den Sturm ankam in en konnten. Der Wirbelsturm hatte bis Montag abend eine Strecke von etwa 1000 Kilometern zurückgelegt. In Pensacola soll das zehn Stockwerk hohe Gebäude der amerikanischen Nationalbank unter der Wucht des Orkans zusammengestürzt sein. Im allgemeinen haben ssch die Wolkenkratzer jedoch als äußerst widerstandsfähig er- wiesen. So hat der Z e i t u n g s t u r m von Miami, das Wahrzeichen dieses Seebodes, dem Sturm standgehalten, ist aber Heuer Zyklon über Florida CU.S.A) regelrecht verbogen worden und steht jetzt völlig schief. In« zwischen ist e» gelungen, noch dem zerstörten Gebiet der Florida. küste vorzudringen und auch die telegraphische Verbindung mit Miami wieder aufzunehmen. Die Zahl der Toten schwankt zwischen 1SOO und 2000. Nach den amtlichen Listen forderte die Katastrophe in Miami 101, in Hollywood 33, in Fort Laudendale 25, in Merrehaven 40 und in Miami Beach 52 Opfer. Jedoch siegen noch zahlreiche Tote unter den Trümmern und längs der Küste, denn die meisten sind ertrunken oder unter den zusammen- stürzenden Gebäuden begraben worden. Als bei Beginn des Or- kons die hohen, auf Pfählen erbauten Wohngebäude und Hotels zu schwanken begannen, flüchteten die Bewohner in die Keller und fanden hier durch die vom Meer eindringenden Wassermassen den Tod. Auch das Meer schwemmt dauernd noch Leichen an. Die Toten von Miami wurden nach dem unversehrt gebliebenen Leichetr- " i'" DtülsdiHMIaMei-Waiii! Mimi WelMWe Mtg] --- Die für Donnerstag, btn 23. September, angefr�ttBrandicnoctfammlnna findet nicht statt. Dafür heate, Mittwoch, abends 7 Ahr 'MlrsvmmaMrttvfelevz. RammtfrionsmitgUtbrr um 6 Uhr. 9ccl(aa.24-Scplca>bcr. abcoba 7 Ahr. in unserer fialfarabteilaag, Claim- Rtaiioiozfgeccnübct bcntSettanbshaufe) Frauen«Versammlung. Tagtsotbnung; ftUnnsrtiügt: I. Die Jtontum-ffienofTenfdiaft Berlin unb Umgegcnb4. Etwa 35 Kreisärzte, die zum Teil von auswärts herangezogen wurden, untersuchen jetzt die Häuser und Wohnungen der besonders heimgesuchten Stadtteile, um festzustellen, ob irgendwo Kranke sich noch ohne ärztliche Hilfe befinden. Die letzte Leiche iu Gartz geborgen. Am gestrigen Dienstag nachmittag konnte durch die von der Staatsanwallschaft angesetzten Taucher bei Gartz auch die dritte Leiche aus der Oder geborgen worden: sie w« durch die Strömung nach dem Ufer zu getrieben worden, heut« morgen wird die Unter- sudjung weitergeführt werden, nachdem bereite gestern neue hervor- ragende Wasserbausachverständige eingetroffen sind. Die Lage des weggesackten Brückenpfeilers wird dann durch Peilungen festgestellt rdcn. bis die elektrischen Unterwasserlampen, die werd inzw s!ch o mitte ischen angefordert sind, in Gartz eingetroffen sind. Es erweist ils notwendig, die künstsichen Liäsiquellen für die genauen Er- ttslungen in Anspruch zu nehmen, da bei der Wassertiefe von S Metern in der Mitte der Brücke nur in den Mittagsstunden, und zwar bei Sonnenlicht auf kurze Zeit, sich sichere Wahrnehmungen machen lassen. Man nimmt an, daß die Untersuchung durch die Gerichtsbehörden in zwei bis drei Tage-n abgeschlos- s e n ist und daß dann bereits mit den notwendigen Vorarbeiten zum Wiederaufbau der Brücke begonnen werden kann. Das Flugzeug des Kapitäns Foack verbrannt. Beim Antritt des vom Kapitän Fonck geplanten Fluges von New Pork aus über den Atlantischen Ozean geriet das Flugzeug in Brand. Kapitän Fonck und der amerikanische Leutnant Curtain tonnten heraus- springen, während der Mechaniker und der Funker ver» brannten. Tausende Personen waren Zeugen der Katastrophe. Biel« Frauen fielen in Ohnmacht. Sport. Rennen zu Martendorf am Dienstag, de« 21. September. t. Rennen, ft. Monzanare«■, M. D. H. ?. Rennen 1. Arnfrieb(Przhrembey. 2. Kurfürst(SchlSber). S. Notula lF. Bahr).?o!o: 76:10. Platz: 21, 16, 28: 10. Ferner liefen: «Nichael,«enedici. Casimo, Terraria. Freibeuter, Minz. Nargentau, lludtrig. Erilva. Tele Marion. Langemorm. Maikönigin I.. Ludwig R.. Befsie, Ingrid Halle. Der Fahrer von Minz. � 3. Nennen. 1. Aga Don neritag, chugeo«: Sin. äscherung des verstorbenen Ülameraden ttnauer findet Donnerstag, abend» 7 Uhr, im Sreuiotorium Derlchtiiratze statt. Antreten 54« Uhr b« R»«ner. Einanuelkirchsirasie. Stark« Beteiligung erwünscht.— Pankow(ttzreio): Dt« für Mi., d. 22.. festgesetzte itreievollversommlun« findet umständehalber erst am ffr., d. 24., zur gleichen 3eit nn Lokal Meyer. Türkische» Zelt, statt,»ach. richtendienst ladet ein. Ohne Mitgliedskart« kein Zutrrtt. Versammlung. Ardeiter-Abstineutralunb. Bezirk Mvabit. Mittwoch. 22. September, 7)4 Uhr. Zusammenkunft im Zugendheim Wiclcfstr. S.S. Vortrag de« Genossen Dr. Ker- mann Duncker. Rcichozentrale der KPD., über:„Aistorischer M marode. B r a u n s ch w c i g, die sich ebenfalls mit der Fabri- kation von Backwaren und Schokoladen befaßt, und von der der Abschluß zum 31. Dezember vortiegt. Nur durch schärfste B e- schrünkung der Kreditgewährung sei es ihr gelungen, größere Verluste zu vermeiden. Die Schotoladenindustrie sei durch. den starten Wettbewerb, Notverkäufe und Derlustpreise erschüttert. Die Einrichtung der Geschäftsaussicht, die der Bericht die„chro, nische Krankheit" nennt, hätte den sonst verbliebenen Ge- winn verschlungen. Die in der Inflation gegründet« Gesellschaft, die immerhin«in Kapital von einer Million Reichsmark ausweist, treibt wohl etwas Schwarzmalerei, um die Aktionäre über den Verlust von 40 000 M. zu beruhigen Die Gewinn- und Derlustrcch- rung ist übrigens ein Unikum. Als Verlust werden die 40 000 M. Abschreibungen ausgewiesen. Die Gencralunkosten sind gegenüber dem Rohcitrag schematisch mit dem entsprechenden Dijse- renzbetrag ausgewiesen._ Der Zusammenbruch der vanksirma Eugen vab. Am Montag. den 20. September, fand im„Spatenbräu" die fflläubigeroersamm- lung der in Zahlungsschwierigkeilen befindlichen Berliner Bank- sirma Eugen Bab statt. Aus den Darlegungen des Bankiers Albert Friedländer ging hervor, daß die Ursache de» Zusammen- bruches in Finanzierung«» und Konsortialgeschäften zu suchen sei, welche nach der Stabilisierung erhebliche Verluste für das Unter- nehmen brachten. Der Status des Unternehmens ist sehr ungünstig. 237 944 Mark Aktiven stehen 698 783 Mark Passiven gegenüber. Für die Gläubiger sind nach der Bilanz höchstens 20 Proz. der Forderungen gedeckt. Im Falle eines außergerichtlichen Zwangs- vergleich» sollen unter Garantie einer solventen Firma 40 Proz. an die Gläubiger zur Ausschüttung gelangen. Nach langer Debatte wurde ein neunköpfiger Gläubigerausschuß eingesetzt, welcher den Schutz der Geschäftsaufsicht erwirken und die stille Liquidation durchführen wird. Gegen die Preisstellung In fremder Währung. In der Textil- industrie herrscht heute, nahezu drei Jahre nach erfolgter Währungs- festigung, immer noch vielfach der Brauch, in fremder Wäh- rung oder mit Dollarklausel zu oerkausen. Aus eine Eingabe des Reichsbundes des Tertileinzelhandcls hat. wie„Die Tertil-Woche" erfährt, der Reichswirischaftsminister zu dieser Frage grundsätzlich Stellung genommen. Er ist der Ansicht, daß die Preis. siellung und Fakturierung in einer ausländischen Währung oder in Goldmark aus Basis einer fremden Währung aus allgemeinwirt- schaftlichen, insbesondere aber aus währungspolitischen Rücksichten durchaus unerwünscht ist. Nachdem der Kartellzwang in dieser Hinsicht aufgehoben ist, sei es Aufgabe der Wirtschaftskreise, beini Abschluß des Einzelgeschäfts der deutschcn Währung und ihrem Willen in Reichsmark abzuschließen, Geltung zu verschossen. Es sei Sache der Abnehmer, im Verkehr mit solchen Einzelsirmen, die noch an der Prcisstellung in fester Währung jesthalten, Käuse auf anderer als Reichsmarkbasi» abzulehnen. Angesichts des in der Textilindustrie herrschenden Wettbewerbs werde es möglich fein, auf diese Weise noch etwa Widerstrebende zum Uebergang zur Reichsmark zu veranlassen oder sich anderweitig einzudecken. In denjenigen Fällen, in denen dieser Druck der Verbraucher versagen sollte, z. B. gegenüber solche» Firmen, die eine monopolartige Stellung einnehmen, stellt der Minister ein Eingreifen in Aus- ficht. Der Reichsbund des Textileinzelhandels fordert die Abnehmer auf, ihm Fälle, die ein Eingreifen des Ministerium« rechtfertigen würden, zu melden. ie fühlen dmv Unterschied Sdiüüen Sic ein wenig SUMA in Ihre Hand» Das weiche feine Anfühlen fagi Ihnen fofori, daß SUMA etwas Bef anderes iß, daß es keine fdiäd- liehen Chemikalien, keine Soda, kein W äff er glas oder gar Chlor enthält. SUMA ift eine neue Art Seife in pulverifierter Form, das prächtige Ergebnis langer eingehender Forfdiung. 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Viertel Kleines Th. ev,: Die ileißige Leserin Philharmonie 8 Uhr: Sinfonie-Kanz. d.Hhilharmon.Ürcti Diriß.: Prof. Prüwcr I.Sinr. Brahms,Vi6l.- Konz. E-Moli A\cn- delssohn(Spiwa,, Uhr: Vcronltea Lessinn-Tbealer 6 Uhr Cromweil Ib. a.KürförstcnilaDJfD b Uhr Eigoht sdianbtsstr Lastspielhäus Uhr Kukuli Aose-Theater 8'/. Uhr Die Stecknadel Im Heuwagen Ideatera.liattb.Toi Kottbusger Str. 6 6 Uhr. Gönnt S UHr Klitk- Zdnger inii! Rnselll |5U-Ct. bis 2.60 Sonnt uchi» t halbe Pteisr Raennrtapc eütun IUI ab ainnc*«IIZtIGE* Desonaers ,iwi!ntmLi°!!.,t hil!ni 0, JnUt- mt tntada nanrtatldi U1U1H 1 KRONE Nur noch_ WST bls5. Oktober IWU yfltCbr. 211ßO a d. JliIdeßRrdstraße ARUwl'JtliCC Kalie Berliner btr. Telephon PfaiaViurg 7916. 126 126 Preise, nur SitapUtze, von 6j Fi. bis 10 M. Vorverkauf untinterbrochen ab lOtJhr Circugkassen. A.. Wertheim und K d.W. Tierschau l Q raiieu, 24 Elefanten, 2 Seebaren, sowie Inder- und Abnormltätenschau tfiglich ab VplO Uhr geOffnel. Raubtlerlutterunp:• l Uhr. Bekanntmachung D.e anketorbcntlidir fflcnttaluetfainmlung der grmciunügtatn flau- nnb Sitbiimge- nenofirntdtatt„vi« linbciteld)» Famlllt' r®. m. b H. ju Sttlin finbtt am 8 Oha- der 1920, varmiliags 9 Uhr, im Rarbwesl» Rasino, flerUn,«Ill-Maabil 66/66. stall Tagesordnung: 1. IBesd>8fl»ber!d)> 2. Eagungsiinberung 3. Verfchledenee O.malb Coccn| flotstr.fiiDec des AulstchtsralA Auf Teilzahlungj MÖBEL CAMNITZE« Schönhauser Alle« B2 I am Hochbshnhol Nordring ANGEBOT Seide«»«, Samt Bh' vT.l n /Vi A Knnitselde, für Hste, neos moderne 4 25 UjJIllg IC Kerben..............-.......... Meter| |\o wi O O C Ck tdr Jeckenfutter, Ksnetselde mit 475 I�CililCiOdC BenmwoIIe.................. Meter| Satin de Chine sr.Ä, 2" �"'Kunstseide sä.,., 330 i lutsamt In vi.l.o P.rbn.........H«,«, Kleiderseide 4" Decken Diwandec k6n pereische n. Blumenmnbter Steppdecken 1 675 wÄDiwandecken«nIeB... 2800 Reisedecken 1 6 50 Teppiche : m_ tf �1_____ci.ia5f200 x«5!230 200/300 250/350 ems i Pa. 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Teleph.: Moabit 1105 Steglitx, SehloBstraB« 121. Teleph.; Steglitz 3664 Charlottonburg, Vyilmaradbrfer Str. 157. Tel.: Wllh. 821 Danksagung FNr die vielen Beweise herzlicher Teil- nähme anläßlich des Hinscheiblns meines lieben Mannes, des(Ähriflsetzers Franz Even sage ich allen Derrnanbten. ssreunben und Bekannten, inebetonbete der Eefchiists» leitung unb ben Kollegen der Finna Masse. dem Vcrstanb de» ZZeeein» Berliner Buch- brucker unb Echriftgieber, Herrn Julius Tie!« unb den Sängern der Typagraphia meinen herzlichsten Dank. 7vn>. Luise Sven unb»Inder Nsudan-Woiimmxeii 1 in Britz, eerl. Germanta-Promemde,| beste Lage, 2 u. 3 Zimmer, Bad, gr. I Loggia p. I. XN. 2ii ,u eeinnelen. Austunsi dorlselbsi stn BaudUra ober Nenköll» 741«. Unkerliranlte Prseen 51e Istren /irrt Od. A. Siegers Anti- diabeticum und verlangen Sie kostenlos diesbezBgl. hoch ntercssante Schriften durch Fr. 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September, starb intotge eines BootSunsalls unser lieber Mliarbeiler, der Packer Erleb Arnold Im 27. Lebensjahre. In der furzen fielt seiner SätlgfcK bei uns hat er sich durch sein tolleglale» und ruhige» Wesen die Achtung aller, die ihn fannlen, erworben. Wir werde» sein Anbenfen in Ehren halten. «escstüstslclfung und Personal der Voruaris-Iluchdruckcrel und Verlagsanstalt. Einäscherung am Freilag, den 24. September, nachmittags 1i£ Uhr, Krematorium Bauuischulenweg. Mdiei fiMarSeiter-yeM Verwaliungsstelle Berlin. Weacbraf. Am 18 September verstarb unser Kollege, der Schlosser Ott« Tonnies Oberschöneweide, Frischenstr. 35. Ehre feinem Anbenfen I Die Bestattung hat bereits stattge- sunden. Die Orisverwaltunct. Todesanzeige Allen Bermandten. Freunden und Befannien zur Nachricht, daß am Sonnabend, den 18. h. MtS.. mein lieber, guier Dalle, der Arbeiter krieliried llranse nach langem schweren Leiben Im Alier von 48 Jahren verstoiben Ist. Dies zeigt um stille Teilnahme bittend an Zrau»raufe, Sfatitzer Str. 53 d. Berlin, 21. Seplemder 1326. Einäscherung Donnerstag, 23. Septbr., nachm. 5 Uhr, Krem. Baumschuienweg. Slate jrcker vraonckerrn Anzeige Am dlontag, den 2V. September, nachmittags 3 Uhr, wurde mein lieber Mann unser guter Vater, Bruder, Schwager, Onkel, Großvater und Großonkel, der Räucherwarenhändler Julius Döring im 57. Lebensjahre stehend, von seinem schweren Leiden erlöst Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Ww, Johanna Döring, geb. Tode. Berlin O 27, Kleine Andrcasstr. 12. Die Trauerfeier findet am Freitag, den 24. September, nachm. 4 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. Shimpett R Teilzahlung, kulant, Möbel-Milch.�• Teilzahlung, billig, Röbel. Misch._• Teilzahlung. reell. Möbel- Misch. Droste Frankfurtersiraste 45/46.__» Gelegeuheit! Kleiderschranf 18.—. Bcrtiko 15.—, Waschtoileile 11.—. Nüst- baum»Schreibitsch 25.—, Küchen 24,—. Plüschsosa 15,-. Möbelhaus Gottiieb. 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Lein und Hirn starrten schon in Eis seit Nächten. Kein Laut der Lcrwunde- rung sprang auf, als plötzlich feindliche Reiter um sie wuchsen. Nur der Gedanke Mensch und die Wollust Wärme schwebte unbswuht leise vorbei. « Man trieb die Abgesessenen aus der Landstraße nach Osten. Zlrel, der blond« Mähre, glitt und stürzte. Monat« im Minsker Lazarett. Das Rauschen der Roten-Kreuz- Fahne in den Regen- nächten machte ihn wild. Lag wie»ine schwere, weiche Hand auf der Fieberstirn. In einem frühen Maiwind, halb lahm, wurde er als genesen verladen. Durch Orsha rollte der Zug, prustete schwarz in die niedrig« Bahnhofshalle von Kaluga. Der Blick au» dem Fenster fand keinen Halt in der matzlosen Ebene. Weite spann sich um Axels Schädel und brach ihm die Erinnerung. In Morschansk schmeckten die Fisch« faulig, aber die blanken Achseln der Bäuerin, die den Tee zum Wagen hinaufreichte, waren flaumig und zart wie die Lindes. Er genoß aufsteigend« Sehnsucht als sütze Traube im Mund. In Pensa blieb man eine Woche liegen. Die Karten der Konooiunterofsiziere klatschten ununterbrochen nieder. Ein Topf mit Unrat stürzte um. Die Jauche floß quer über den Boden und oerstank alle» bt» Busznek. Zu Fuh ging es nun. Man tonnte weiiigstens beim Marsch an Linde denken. Die Fütze schleiften im Schlamm, aber mit dem Kopf braust« man durch Wolken. Nacht schmolz in Tag. Vor der ewigen Weite der Felder wurden die Augen stumpf. Sehnsucht sang kleine Lieder in Axels Brust. Unabsehbar paradierten die Baumstämme der Chaussee. « In Karffun am trägen Sura gibt es einen Hof. Fünfzehn Meter breit, zwanzig Meter lang. Wenn er nicht Pantinensohlen schnitt, lief hier Axel die Mauer entlang. Reminiszierte da» be- rühmte.Tier im Käfig" und Wildes Zuchthausballade. Doch wurde ihm davon nicht wohler. Er biß sich in den Finger und mast« das Wort„Linde" auf den Kalk. Langsam fraß er den Namen. Nach zwei Monaten war er eingezogen. Manchmal begann Axel, war einmal Sonnenwetter, mit seinem Schatten um die Wette zu laufen. Der Schrei nach Lind? wuchs in ihm. Unerschütterlich stand«in stahlgrauer Himmel über dem Hof. Langsam bröckell« übrige» Denken ab. Di« Ecke, wo dürstiges Gras ein wenig von außen durch Mörtelritze kroch, nannte Arel„Platz der lieben Linde" und streichelt« die Lust darüber. Der Wächter schüttest« den Kops. t- Linde schrieb. Langsam steil:« die Kinderhand sich vorwärts. Ottokar sah über ihre zart«, flaumige Schulter und knist sie bisweilen in den Hals. Lind« schrieb:«— und wohl« Dir den Stern, der im rechten Winkel zum letzten de« Großen Bären scheint. Jede Nacht will ich aus ihn sehen und unser« Gedanken sollen sich dort oben treffen. So wird—* Hier Atzest« Otto kor» nah« streichender Schnurrbart sie so stark, daß sie erst am Abend den Brief mtt hastig hinzugefügten Grüßen in den Kasten warf. * Axel tanzt«. Er hatte einen neuen Freund. Stetig blinkte der Stern nun jede Nacht ihm Gewißheit von Lindes Liebe. Für zehn Kopeken ließ man ihn aus den Hof. Er lag auf dem Rücken im Sand. Die Sommerkühle schmeichelte wie ein Bad. Leise summt« Axel alte, kindliche Weisen, die Linde und er auf Wanderfahrten erfunden. Streckt« die Arm« empor. Griff mit der Hand in die Luft. Linde, süße Linde. Wie Küsse reMeten Strahlen auf ihn. Alle Gedanken kreisten konzentriert und dicht aus zum Stern Lind«. Allmählich begann er davor zu knien, und Gebet« entströmten ihm heiß. Sah«r nur hinauf, fühlt« er schon die Glieder in Wild« entspannt und empfand unendlich« Beglückung. Den übrigen Teil der Zett lag er stumpf auf der Pritsche und dämmert« der nächtlichen Begegnung zu. « Ein Freund, den er einmal sehr klein gesehen und gerettet hatte, schrieb dunkle Andeutungen. Schließlich: es sei einfach skandalös, Linde. Ottokor, er müßte verstehen, die lange Entfernung usw. Acht» undvi erzig Stunden lag Axel ohne Besinnung. Man goß ihm ob und zu eine Schüssel eisigen Wasser» über Stirn und Nase. Endlich erwacht« er. Gegen Abend übersiel ihn«in Zittern. Groß und fast roi zog der Mond auf. Axel« Hand prefchi« mit dem Blech- löfsel einen Wirbel auf den Hirseteller. Die Sommernacht schlug dick und in schwülem Dunst durch die Fenster. Der Wächter nickte ein, den Kops in einer Bretlache auf dem Tisch. Um da» Gehöft mauzten dl« Hunde brünstig und toll vom Dunst der Stepp«. Plötz- ltch heullen sie all« zu gleicher Zett auf, ein einziger wütender Laut. Der Wächter war, ohne zu wissen wie, im Nu unter der Tür. Ein Schuß dröhnte ihm im Ohr. Da— wieder. Zwei, drei, vier hintereinander. Der Hos schwelte dunkelglosig lm Mondseuer. Axel, breit aus die Beine gestemmt, stand in der Mitte und zielte, genau visierend, in den Stern am Himmel. Sein Gesicht lag leer und hölzern, eine entfärbte Maske. Roch zwei Schüsse löst« er. bevor der Wächter ihm da» gestohlene Gewehr entriß. Dann hakten sein« Knochen au» den Gelenken. Ein verwirrte» Lächeln strich ihm die Mundwinkel irr in die Höh«. Mtt grotesken Tanzschritten folgt« er in die Hütte. floeu ffitalmi»{** SBlt. Verla»»« fc*m v»ch».5*« orrtütrnt vncht" eMnonuum.) Jm Taifun. • Bon Volkmar Jro. .Liverpool", ein alter, schwarz und rot angestrichener Kasten von dreitausend Tonnen, hott« noch Mitternacht Schanghai verlaijen und ging mit einer Fracht von Holz, Häuten und Sieh nach Tokio. Ein Teil der O«hs«n war aus Deck verladen und lag matt zwischen großen Heubündeln, daneben ein Gewühl von Kulis, japanischen Hand- werkern. Weibern. Kindem. Di« leichte Ostbrise des Mittags weht« den Gestank de« Viehs und die Ausdünstunoeu des Menschenhaufen» gegen das Hinlerdeck, der Capston meiner' Pfeife war soft zu schwach für diese Gerüche. Dazu eine feucht«, für September ganz abnorme Hine. die voll- lammen lähmte. Beim Lunch sah der Kapitän, der fett zwanzig Iahren in den chinesischen Meeren fubr, ununterbrochen gegen Westen, kontrolliert« da» Barometer, sprach slüsternd mtt dem ersten Offizier und rief den Funker. Langsam wuchs der gelb« Streifen des Horizont«, eine schwarz« Wolkenwand schob sich höher. Da» Schiff änderte den Kurs und lief gen Süden, die sä, lote qualmten, die Maschinen gingen mit Volldampf. Der erste Offizier bestätigte meine Vermulung, daß ein Taifun im Anzug sei, und erklärte mir, daß man dem Zentrum de» mtt rapider Geschwindigkeit herannahenden Taifuns auszuweichen oerfucbe, da sein Durchmesser verhällnisinäßig gering sei. Allerding» wäre bei den alten Maschinen nicht viel Hoiinung. Er wie» ernst auf die bunt«, ahnungslose Fracht des Vorderdecks. Nur ein Zucken seiner schmalen Lippen verriet die Erregung. Dorne wurden die Deckpassagiere durch die Luken hinunter getrieben, was keinen Platz hotte, wurde rückwärts im Salon und in den Räumen der wenigen Kajütpafsogiere verstaut. Nur das Bich blieb. Es witterte die Gefahr und reckte brüllend die Hälfe. Ei» Zug Möwen fiel kreischend über da» Schiii. die schwarze Mauer stand jetzt senkrecht, zersetzte, grell gezackte Wolkenstreisen strichen gelb von ihr weg Schon»logen die ersten Sturmböen weißgckräulest herüber. In Minuten wälzten sich Wellenberge heran, unheimlich« Dämmerung fiel ein. Das Brausen des Sturmes wuchs zun, brüllen- den Orkan. Di« erst« Sturzwelle schwemmt« über das Hinterdeck, da» Heck hob sich hoch— die Schraube gina leer und rasselte— das Hinterschiff stampfte tief in ein Wellental, grün-fchwarze Wasser- massen schlugen herüber, Sturzwelle auf Sturzwelle. Dumpfer Donner, Aufflackern lodernder Blitze. Die Wut des Meeres steigert sich ins Ungeheure durch das Toben des Sturms, das Angftgebrüll des Viehs, das Stück für Stück vom Deck weg. gerissen wird. Im Salon Kreischen der Säuglinge, Schreien der gelben Weiber und Männer, die sich erbrechen, siedende Hitze, Gestank Hunderter zusammengevferchter Menschen, die übereinanderkriechen. weinen, beten, kleine Amulette in den Händen holten, durcheinander geworsen werden. Der Flaggmast geht krachend über Bord. Fetzen der Sonnen- plachen fliegen.Plötzlich flaut der Orkan ab. Da» Brausen legt sich, wir sind im windstillen Zentrum de» Taifun». Diese Gnadenfrist von Minuten ist fürchterlich, denn Blitz aus Blitz zuckt aus der Flnsterni», ringsum ist das Meer in schaurig-rote» Feuer getaucht, Krochen der Vonnerschläge übertönt das schwere Stampfen der Ma- schinen, ein Wolkenbruch geht nieder, fegt gegen die Luken. Zwei Rettungsboote sind weggerissen, da» Brüllen des Lieh» ist verstummt: Di« Hai« haben reiche Beute. Der erst« Osfizier stürzt vorbei, in den Maschinenraum hinab. Das Schiff läuft nur mehr mit halber Geschwindigkeit, lieg« quer zwischen den Wellen, kommt kaum vorwärts, die Blitze schlagen na«h«mander ein. In der flackernden Dämmerung ringsum angstverzerrte Gesichter. Ein englischer Steward bekreuzigt sich ununterbrochen, seine Hand zittert. Er beugt sich zu mir und nist mir in die Ohren, daß da» Aergste erst bcvorstehe, wenn wir in den zweiten Teil de» Taifun» geraten. Im nächsten Moment«in Stoß, der Orkan bricht wieder lo», diesmal unregelmäßig aus verschiedenen Windrichtungen, die S/e spüst von allen Seiten über Bord. Wie ein Laumklotz fällt der Schisfsrmnps in die Tieie« wird überschüttet, hochgehoben, drei Stock ttef schäumt unten Gischt, wälzt sich herauf, über da» Deck hinab. Wellenberge stürmen heran, brechen sich krachend an den Schiffs- wänden. Der erste Offizier kommt schweißtriefend zurück, mit ihm zw« gelb« Waschinssten. nackt bis auf den schmalen Lendenschurz, die aus- gemergelten Körper starren von Oel und Schmutz. Sie tosten sich an der Wand weiter.„Gefahr?" Der Offitter nickt.—„Der Maschinenraum überschwemmt, die Pumpen... Seine Wort« verklingen in dem Toben. E» sind fünfhundert Menschen an Bord, kein Rettungsboot, nur ein paar Dutzend Schwimmring«. Die nächste Küste hundertachtzig Kilometer. Da» schwer« Schiff wird wie ein Spielball hln und her ge- schleudert. Di« Eingeweide schmerzen vom stundenlangen Erbrechen, langsam kommt die Apathie der Erschöpsung. In der einbrechenden Nacht liegt olle» im vuntpl. Die Lichtanlag« ist zerstört. In der Finsternis nur das Wimmern der Kinder, Stöhnen, Jammern. Bete». Wir machen fast keine Fahrt mehr, die Maschinen stehen still. Regen peitscht gegen die Luken. Das Heulen de» Sturms wird schwächer, man merkt langsam den schwächeren Seegang. Der Schein einer Lampe fällt herüber. Der Kapitän kommt herein. Wir haben Funksignale«ine» Dampfer», der Kurs auf uns hast. Das Schiff hat ein Leck im Vorderraum, das Steuer ist verloren, die Pumpen funktionieren noch. Drei Matrosen und zwei gelbe Diehwärter werden vermißt. Das Licht verschwindet wieder. Nach Stunden, die endlos erscheinen, Schreien von oben, Kom- mando-, Bockbord tauchen ganz ferne zwei winzige Lichter auf, werden langsam größer, rot, grün— kommen näher Eine Sirene pieift. die Umrisse eine» großen Schisse««erden deutlich. Die Liverpool" ist gerettet.— Johann Peter Hebel. Zu seinem heutigen lvO. Todestage. Dialektdichter pflegen nur in ihrer engeren Heimat be- liebt zu sein. Man rümpft in Süddeutschland über Fritz Reuter und Klaus Groth und nördlich des Muins über einen Johann Peter Hebel die Nase— so als ging««inen der mtt seiner verschrobenen, unverständlichen Sprache nichts an. Da» kommt daher, bah man den Dialekt nicht als das einschätzt, was er wirklich ist: als die Bolls- sprach« einer bestimmten Landschait, sondern al««in minderwertiges oder gar verderbtes Hochdeutsch. Gewiß ist die Ueberbrückung aller landsmannschaftliche» Unterschiede innerhalb von Deutschland iwl- wendig gewesen auch auf sprachlichem Gebiet: die Schassung einer n Schriftsprache, die überall oerstanden wird. Aber man sollte � darüber nicht die Sprachwurzeln vergessen, wie sie ol» Produtt der einzelnen deutschen Lindschasien au» Dem Boden de» Volkstums er- wachsen sind: die Mundarten. Ei« haben vor der Schriftsprache die Vorzüge der organischen Entstehung voraus� sie sind n ä» au» einem Kompromiß, nicht aus Zweckmäßigkettsgründen entstanden, sondern aus innerer Notwendigkeit— so, wie Bäume und Blumen wachsen. Es ist kein Zufall, daß unsere Landsleute im Dialekt so viel anschaulicher und sesselnder erzählen, al» die Großstadtmenschen in ihrem Hochdeutsch. Sie verfügen über«in« Meng« von Ausdrücken, die sich nicht in die Schriftsprache übertragen lassen. Die sinnen. sälttge Bildhasttgkett de» Naturmenschen und de» Kinde» lebt noch in diesen Mundarten. Der badische Schulmann und Psarrer— man hielt damals noch streng auf die geistlich« Schulaussichtl—, der am 22. September 1826 in Schwetzingen bei Mannheim aus einer Inspektionsreise, 66 Jahr« alt, plötzlich gestorben ist, IohannPeterHebel. war nicht nur der beDeutendste deutsch« Dialektlq riter— wie ihm der äußerst kritisch« Goethe zugestanden hat in einer enthusiastischen Rezension—. sondern auch ein hochdeutscher Erzähler, den man unter die besten Anekdotenschreiber und herzhaftesten Humoristen einreihen muß. Er ist aus den nberrheinischen Bezirk beschränkt geblieben, den er nie in seinem Leben verlassen hat, außer zum Theolagiesludium in Erlangen. Aber wenn einer au» der Be- schrankung sich zum Meister gebildet hat, ist er e» gewesen. Sein fränkischer Zeit- und Zunstgenoss« Jean Paul hat sich ähnlich wie er an das Kleine und Rahe angeklammert— aber er hat es ins Mystische und ins Kosmische erhöht. Hebel war der tüchtige. vielleicht ein wenig hausbacken« Sohn seiner Scholl«, der sich kaum jemals auf» Spintisieren verlegt hat. Die?l l e m a n n« n haben diesen nüchtern-besä»aulichen Grundzug in ihrer Dichtung. Mau kann ihn selbst bei Gottfried Keller noch aufspüren. Am stärksten ist er wohl von allen Epikern dein Psarrer Albert Bitzius eigen gewesen, dem Epiker Jeremias Gott h elf. Ihm kommt Johann Peter Hebel nah« in der kleinen Form seiner Kolenderaeschichten. wie er sie im„Rheinländischen Hausfreund" oder dem„Reuen Ka- lender mit lehrreichen Nachrichten und lustigen Erzählungen" von 1808 an herausgegeben hat. Worin beruht das Geheimnis seiner Erzählunqskunst? Gewiß nicht auf einer bestimmten Technik. Die künstlerische Absicht dürste bei Hebel dos wenigste gewesen sein. E« ist sein« B o l k s t ü m- lichkelt, die keiner nach ihm w-eder erreicht hat—• es sei denn Im Roman Jeremias Gotthelf. Es ist jene von Luther schon ge- rühmte Gabe,„dem gemeinen Mann aus da» Maul zu sehen". Er kommt von der Dialektdichwng. Das ist sein besonderer Vorteil. Au« der alemannischen Lyrik entwickelt er seinen hochdeutschen Erzählungsstil. Er schöpft au» der eigenen unmittelbaren Beobach- tung, au» dem Erlebnis. Er weiß aber auch, wie er die Leute an- zupacken Hot, um, ohne in ermüdenden und ledernen Schulmeisterton zu verfallen, dennoch zu belehren. Er»st bei aller genauen Kenntnis de» heimischen Volkstums mehr al» ein Spaßmacher und Schnurren- erzähl er. Dieser Zeitgenosse von Jean Paul ist erfüllt und durch- tränkt von dem Humanitätsideal der Klassikerzeit. So kann er den Priesterrock abstreifen und jedem Volksgenosse» nahetreten, auch dem verachteten und gemiedenen. Di« Liebe, mit der er die Gaunertypen des Zundelfrieder. de» Zundelheiner und des Roten Dieter behandelt, macht nicht allein feinem Humor, sondern auch seiner Menschlichkeit olle Ehre. In der Kunst der Anekdote aber, der Technik, eine Begebenheit knapp und piasttsch zu gestalten. dürfte in jener Zeit nur einer mit ihm zu vergleichen sem: Heinrich von Klefft. Wie viele haben sich noch ihm bemüht, volkstümlich zu erzählen wie er. zumal Geistlich«: Schmitthenner, Hansjakob, sein« Land»- leut«, oder der Oesterreicher Roseagerl Aber wie weit bleiben sie hinter Ihm zurück. Das 10. Jahrhundert hat Stadt und Lan� aus- elnandergerissen. Mehr und mehr ist das Bauerntum der Literatur entglitten. Bei Peter Hebel ist es— am Vorabend der groß- städtischen Entwicklung— noch einmal, wie zum Abschied, fruchtbar und lebendig. Dr. Hermann Hleber. Einsendungen für dies« Rubrik sind «erli» SW Sit, Llndenftratze 3. Parteinachrichten für Groß-Serlin flet» an das«eztrtssetretartat. 2. Hos, 2 Tre». recht», ,o richte». SezirksvorftanS. Sonnabend, den 25. September, abends 6 Uhr. SIhrmg de» erweiterlen Bezirksvorstandes im Konserenzzimmer der.Vorwärl»"- Redaklion. Lindenstr. 3. Di» Anwesenheit aller Genossen ist er- sorderlich. * Achtung, Kassierert Mit dem 30. September 1926 verlieren die Rentenbantscheine zu 1 und 2 Rcntenmark mit dem Ausfertigung?- datum des l. November 1923 ihre Gültigkeit.— Es ist deshalb not- wendig, daß sich die Kassierer dieser Scheine rechtzeitig entledigen, weil sie nach dem 30. September von unserer Kasse auch nicht mehr in Zahlung genommen werden können. I. A.: Alex Pagets. • 4. fltcl» iperntlauer Seeg. Donnerstag, N. September, 7 Uhr, Sisiung der Elternbeiräte. Lisi«.Schulaufbau'', bei klug. Danziger Str. 71. e. Jtrei» WÖm«r«6»ts. Donnerotag. 33 September, 8 Udr, Nreismitglieder» Versammlung im Diktoriaaarten, Wilbelmsaue 114/115(kleiner Saal). Tageiardnung' �Svlinunemfürsorge und Housrin�teuer". Referent Her- mann Llldemänn, M. d. 2. Erschrinen isi Pflicht, insbesondere müsfen die an der Woblsahrt beteiligten Parteigenossen unbedingt erscheinen.— isrei« Schulgemeinde: Mittmoch, HZ. September, 8 lldr. Wllrttembergisch« Ecke Zähringer Strasse Versammlung. Einrichtung ein«« Lebenskundeunterricht» in Wilmersdorf. Säibe roiHlommerr t7.«rei» Lichtenberg.-Zraktton der sogialdemokvotifchen ElternbeirSt« und Lebrer: Donnerstag. 23. September. 8 Uhr, im Lokal von Seipk«, Eebarn. rneberstr. 47. Eck« llronprin,-nstrasse. wichtig« Sissun« der foriiald-mokroti. läan Elternbeiräte, Erfossleut« und Lebrer. Wichtige Tagesordnung. Mit- oliedsbuch dient als Ausweis. heule. Mittwoch. 22. September: 8. Ilbt. TM Ubr gablabend» in de« bekannten Lokalen. Wichtig« Tage««». nung. Ericheinen Pflicht. 18. Abt. Die Mr beute anberaumt» Versammlung findet nicht bei Müller. Usersiross«. sondern bri Sachs«. Lindower Str. 28, statt. 30. Abt. 7t4 Ubr Zab'nbend« in folgenden Lokalen: Hoffmann, Lvchener Str. 8; Vollst, Lvchener Eck« Staraarder Strasse: Schritt er, Pappelolle« 84: Hilgen- feldt. Carmen.Srlrxr-Etr. d. 44. Abt. 7't. Ubr bei Ewald, Skalisser Str. 1». Sissung der«brenamtlich tätiaen Mitolieder In drr Woblfabrt». und Jugend kommission sowie der Parteimitglieder, die mir Mitarbeit bereit sind. Vortrag:..Aufgaben und Arbelten in der Wobliachrtspflege*. Referent Dr. ssriss Schloss. Eharlottenburg. 83. Abt. TVi Ubr bei Triller, Perlichingenstr. 7. Mitglieder- verfammluna. Vortrog:«Llussenpolitik�. Referent' ssran, Woluga.— 88. Abt. 8 Ubr iZoblobend«. 8. Gruppe bei Eggert. Wallstr. gg. g. Gruppe: Reimer. Wilmersdorfer Str. LI. Der siablabend der 10. Gruppe findet «rsi am 29. September bei Bobne. Schfossftr. 4b, statt. 138. Abi. Reinickentvorf.Osi. 8 Ubr Abteilungsversammlung bei Messger, Resideniftr. 109. Tagesordnung:..So,iale und kulweelle Pedeutung der freien Gewerkschaften". Refrrent Ott« ssiska. Morgen. Donnerstag. 2Z. September: 1«. Abt. 7>4 Ubr wichtig« ffunktionärsissung bei Trümper, sslensburger Str.>. 22. Abt. Die Vezirksfilbrer rechnen am Donnerstag 7 Ubr beim Genossen Schmidt besiimmt ab. «1. Abt. 7� Ubr Abteilunarversarnmlung im Saal« von Bader« Restaurant, INterboaer Str. 7 sqeqrnsiber der Naserne), Tagesordnung:.Politisch« uud wirtschaftliche Tagesfraaen". Referent Martin Stein, All« Mtgliedee mlissen unbedingt erscheinen. 78. Abt. SckSneberg. V4 Ubr Abteilungsverfammlun» bei Rofentbol. Eber» strass« 00. Dortrag:»Di« international« Log« be» Proletariat»". Referent: Wrlbelm Semda. All« Mitglieder müssen unbedingt erscheinen. SSsie willkommen. 88. Abt. Tcmpelbof. 8 Ubr bei Stublmann, Dorfsir. 88, Mitgliederverfamm- lung. Vortrog:»Demokratie ein« Täufchunak" Referent Senoffe Rose»- seid. All» Mitglieder müssen unbedingt erscheinen. 123. Abt. ssauledors. Arbeiterwoblfobrt: 7«. Ubr im Lokal von Kübner. Vabn- bof. Ecke Wilbelmsirass«, Vortra«: �tinderer�iebung". Zkefrrenttnr Irma ssechenbach. All« Mitglieder müssen erscheinen. Zungsozialisten, heule. Mittwoch. 22. September: Sr»p»« Schöueberg: Iugendbeim Hauptsir. 18 im Tbilringenzimmer. Zungsozialisten. Morgen. Douaerslag, 23. September: Gr»«»««elsse-see: ssusammenbunft an der bebanirten Stell«.—.__________ lauer Berg: 7H Ubr im Iugendbeim Dan»ig«r Str. 82, Baracken. Bortrag: .Frankreich und sein« Krise". Referent Dr. Sturm. Arauenveranstaltungen am Donnerstag. 23. September: 78. Abt. schlneberg. Di« Genossinnen werden dringend gebeten, dt« TZss Übe bei Ref-ntbal. Eversitr.«8, siattfindend« Abtetlungsoerfammlnng voll»iblig IM besuchen rrveck» wichtiqer Besprechungen. 84. Abt. Lankwi». 7>4 Ubr bei ssrou Riedel. Altbafplas, 7. Aweitsgemet». schaft:.Di« ssrau und der SoeiaNsmu«". >38. Abt. Reivickend-rs.Vft. 7)4 Ubr im Seebad. Residenssivesse: L Bericht von der sfrauenkonferen,. 2. ssrei« Ausspvach». Di, Fuirktionürt»»» treffen sich bereit»«in« totibt Stande früher. «-belt»gemelnsch»fi»er»indersoennde. ttrei, v«,»»la»«. tag, LZ. September, 7)4 Uhr. im Kinderhei« Danziger Str. 82 sissuna. Busweis« sind mitzubringen. Sterbetafel öer Sroß-Seellner parteie Abteilungstassirrer! Heut« von 8—7 Ubr Abrechnung. heule. Mittwoch. 22. September, abends 7X Uhr: veddiag: Schul« Antonstrasse. Vortrag:.Antifaschismus".— Helmholgplass: Schul« Ederswaldcr Str. 10, Zimmer 11. Vortrag:„Sexuelle Fragen.—- Andreesplag: Jugendheim Grosse Frankfurter Str. 18. Literarischer Abend.— Südost R.-B.: Iugendhrim Rcichenberger Str. 00. Bortrag:„Jugend und Ge- werkschoft".— Tempelhos: Lvzeum Germaniastr. 4/0. Zehn-Minuten-Referat«.— «anasee: Schul« Charlottenstrass«. Bortrag:„Die politisch« Lage".— Lichte». der» Mitte: Jugendheim Dossesir. 22. Bortrag:„Arbeitersport".— I Ra-d: Iuaendheim Porkaue 1». Bortrag:„Die morxiftisch« Bederitung".— Baltenplass: Jugendheim Rigaer Str. 102/1«. Bortrag:„Da, Sozialiften. (jesess*.— Oftcu Fr- V.: Jugendheim Rigaer Er. 102/1«. Vortrag:„Das Volkslied".— Falk» lag: Di« Arbeitsgemeinschaft fällt au».—«eftra: Beteili- gung an der Mitgliederversammlung der Partei. Genoss« Mai Westphal spricht nn„National hos" über:„Die Jugend in der Gesellschaft". Treffpunkt 7 Uhr im„Rationalbof".— Lichienberg-Weft: Iugendbeim Dossestrosse. Mitglieder- Versammlung. Wertebezirk Neukölln: Jugendheim Sanner Strass«. Ueben des Sprechchor». Erscheinen jedes Mitgliedes ist Pflicht. Werbebezirk schöueberg: Zusammenkunft der Aelteren de« Werbebezirk» im Jugendheim Friedenau. Ofienbacher Str. 8a. Vortrag:„Die Entsiehruig«ine» Gefeges".(Reichsverfassung mitbringen.) ckss Millionen Kritisclier k62U8kr2uen j2kl-2U8. Mkrein un6 immer wieder gern gebrauchen— das muß schon etwas besonderes sein! Sic finden es in Pcrsil, jenem wundervollen Waschmittel, das in den 20 Jahren seines Bestehens einen geradezu beispiellosen Siegeslauf um den Erdball genommen hat, und dessen Freundeskreis sich Tag für Tag erweitert! v�rö,"c rilf d«r fifi mp K Sö urteilt ein hervorragender Fachwissenschaftler über Pcrsil. Und in der Tat— es gibt kein. Waschverfahren, das so viele äußert Ordentliche Vorteile biclcl wie die Pcrsil-? Methode, und es gibt kein Waschmittel, das bcsscrT.sein könnte als Pcrsil! Pcrsil ist das ideale Universal-Waschmittel für alles, was waschbar ist! Es ist so, wie eine begeisterte jiausfrau. schreibt: Waschmittel gibt es freilich1. Viel, allein es gibt nur ein erst Vorwärts"-Aiisgabestellen u. Inseraten-Annahme 99 Hauptexpedition: Berlin, Lrndenstrasse 8, Laben. Don» Host 2*2— ZW. �Zentrum: Ackerstr. 174, am KoppenVlatz. Nord. 181 Zö. „ Neumann, Grünstr. 81(ÄuSgabe: Kleine Kurstr. 4a). „ Walter, Wwe., Kronenftr. 8. Westen: Etealitzer Str. 37, Ecke Magdeburger Straße. "SSben: Barwalbftr. 47, a. d. Gncilenaustrosse. Hasen« Heide SstlS. „ Prinzenstr. 81, Hof rechts parterre. "Osten: MarkuSstr. 36. Alex. 9736. *„ Petersburger Platz 4. Alex. 9734. »Südosten: Lausitzer Platz 14/15. Mvl. 894. "Nordosten: Immanuelkirchstr. 24. Aler. 9736. „ Carmen-Sylda-Str. 67, G r 1 l m a n n. "Moabit: Wilhelmshavener Str. 48. Hansa 4996. „ Huttenstr. 67, bei Bitterling. "Wedding: Müllerstr. 34, Ecke lltrechter Str. Hansa 4084. "Rssenthaler und Oranienburger Vorstadt: Wattstr. 9. Humboldt 7876. "Gesunddrunnen: Bastianstr. 7. Humboldt 7874. 'Schönhauser Vorstadt: Greisenhagener Str. 22. Hum« boldt 7898. AdlerShos: Frl. Walter, GenossenschaftSstr. 6, Part. Blt-Glienick«: Frau N o ck a, Wendenstr. 34. "vaumschuleuweg: Strahl, Kiefholzstr. 179. Ober« schöneweid« 1S73. Verna«. Röntgentol. Zepernick, vchöndrück, Karow und Vach: Heinrich Nrsse, Bernau,«ühlenftr. d. vergsekde: l i l ch, Hohenneuendorser Strasse. Vieddors-Nord: W. Danneberg, viktoriastr. 11. vi«»d»rs-SSd:«eorg Winkler, Fortuna-SLe« 40. virkenwerder: Frau Zoor, Berkselder Str.«. Dahnsdorf: Karl«ulke, Eichbuschstr.». Borsiddorf: Oswald v»r»«r,«i«l. vorgidorf 36. vorfiawald«: Gebauer. Schnbertstr. 32. v. 3 Ir. "Buchholz-Blaakeabur»: Sagner, vurgwallstrasse 63. Pankow SSL. Cablo«, Neu« Mühl«: Jäkel, Eablow, Mühlenweg tS. Eaputh: Fritz Vau, Krughosttr. 88. Sharlottendnr« I: Sefenheimer Str. 1. Steiupl. 41»«. "Ehorlottrnbnrg v: EiSssekd, kam»«»« Str. U. Wichel« MV. "Eharlottenburg lll: I« a ch i m i. Kaiserda«« 96, Ein- gang Rognttzsirasse. Westend 3164. Eharlottendurg IV: Pusentak, LugZburger Str. 47, Portier. EharlotteubuV V: vchulss. Drohsenstr. 18, l. Garten- Haus 3 Tr. Eharlottenburg VI: T r e p t» w, Schillerstr. 66, v. 4 Tr. (Suiaabe Kantstr. 86, Portier.) Dabendorf: Walter Hohl«, Dabendorf. Provmzias- Ehansfe«. ISberitz: D i t t f e l d, Buchhandlung am Bahnhof. Eichwald«: H a n» D ü l l. Waldftr. 24/27. Siedl. DBB. Erkner: P v i k«. Flakenstr. 9. FIchienau: Kraessk«, BiSmarckstr. 1. Falkenderg: S a l j m« n n. Falkenberg, Gartenstadt- ftrasse 16. Fredersdorf-Vetrrsiog«»: Otts Wiliniki, Freders- darf, klrndtftrasse. Fried«»«»: veter«a«u, Rhein str. 2«, Ecke Rönne- berastrasse. Rheingau 9064 und 3027. riedrichthagen: Mitten zw ei, Lindenallee 14. rohnao: Adolf Zurlie«, HermSdors. Schlossstr. 8. irätzwalde: M Uhlbach, Fichtenau, Mitielstr. 14. Grünau: P f ü tz n e r, Köpenickcr Str. 166. Holens««, Grunewald, Eichkamp: Frau N o a ck, Kiosk Henriettenplatz. Privatwohnung: Kacharinenstr. 4. Hrinergdorf! Schulz, Hildestr. 28. HeunigEdorf: Frau Korbafiufki, Rathenaustr. 3. Hormtdorf:«ufta» Schleh. Mvllkeitr. 11. Hohcnnenendorf: Frau Reueud-rf, Berliner Str. 28. Hohenschaabonfe«: Margaret« Steffen, Freien- walder Str. t, Hof 2 Dr. Hoppegart«: R« u s ch, Hoppegorien-Birken stein, Par- zell« Nr. 119. Johzintlttzal: Leh««»n. Kaiser-Dilhelm-Str. 6. Larllhorst:«er» dt. Kioik. Bahnhofsplatz. SaulSdurf: Vogt. Bredereckstr. 19. SZalgäwosterhaufeu: G. M etz er, Potsdamer Str. 9. Köpenick, Hirschgarte», MahlSdorf-Süd: Schlag, Kö- penick. Kietzer Str. 6(Lad«»). »Ztchtenber, 1: Lichtenberg, warieubergstr. 1. Lichte«. "Lichteuberg N, Rummeltbur«. Stralau: voxhogener Strasse 62.«lex. 9737. Lichteuberg III, Friedrichfeld«: Fraukfurter Ell« 186, Laden. Lichterfelde-Oft, Lankwitz: H. Denzel, Lankwitz, Ztetenstr. 16. Tel.: Lichterfeld«». Ill Nr. 2703. "Lichtenrade: vriuk, l/Zndnhvsstr. 24a. Lichtenrade 191. Lichterfelde-Weft: Höhn, Zeblendorf, Deltower Str. 3. Telephon: Zehlendorf 1863. Mahlsdorf: Wilhelm Kurz, Hönower Str. 177: Maricndorf: August Leip, Ehauffeestr. 29. Marienfeld«: Greulich, Berlmer Str. 143. Ninenhagen: W e n» k e, Ziegelstr. 71. "Neukölln I: Ncckarstr. 2. Neukölln 67>17. 'Nensiilln II: Sieafriedstr. 28/89. Neukölln 5?<16. Neukölln Hl: W t n k l e r, Hobrechtftr. 46. v. I Tr. Renkolln-Vritz: Mittag, Britz, Ebausskestr. 82. Neu- kölln 2650. Ne»-Schulz«»d»rs: Wilhel« Kühl, Brunostr. 77. NiederfchSneweid«: FriedrichStankewitz, Spree- strane 4, b. 3 Tr. Niederlchönhaufeu-Oft: Frau G o l d b a ch, Schloss- aller 45, v. 3 Tr. NowaweS: Karl Krohnbera. Eifenbahnftr. 10. Oranienburg: Heinr. Leonhardt, Stralsunder Strosse 6. "Oberschöneweide: Paul, Dilhelmineuhosftrass« 44a. Oberschöneweid« 4321. Paukow: R i ss m a» n, Mühlenstr. 70. Potsdam: Gebr. Schubert, Breit« Str. 4. Rahnsdorf: Urbauiak, Rahnsdorf Mühle, Hohen- zollernstr. 136. Reiuickeudoef-Ost: Wahl«, Provinzstrasse 66. Ge- öffnet 8-6. Reinickendorf-West: B e n d t, Scharuweberstr. 114, Volk»- haus. Rofeuthal: Max Dehmel, Schillerstr. 13. Rudow: Ott» Kaiser, Dalterkdsrfer Ehauffee. Rüdersdorf. Kalkberge. Tasdorf: Adolf Sserke, Kalk- berge, Rhedenstr. 16. Sadowa.«aalidorf�lld: Heufchke, KanlSdorf-Süd, walhtzratz« 66. »Schmargendorf 1: N e h a b, Breit« Str. 3. Pfalz- bürg 3641. Schmargendorf II: Frau Schröder, Eunostr. 60. "Schöneberg: Belziger Str. 27. Stephan 7409. Senzig: Friedewald, Ehauffeestr. 64. Slemeusstadt: Stenzel, Brunnenstr. 6, v. I Tr. Staaken: B ö l k« l, Eschenwinkel 16. Steglitz: Frost, Schodenrute 2. Südende: Ludwig, HalSkestr. 36. Tegel, Tegelort: S p i e ss, Tegel, Schlieperstr. 62. Teltow: Hösel, Ritterstr. 29. Tempelhos: Harsdorf, Werderftr. 31 v. Part. Nentcmpelhof: Kandier, Hohcnzollcrnkorfo 6. Trebbin: G ö r i n g, Bahnhojstr. 62. "Treptow: Meckelburg, Grätzftr. 60. Mpl. 8048. Waidmannslust: Rohde, Oraniendamm 10. Wannfee: Schmidt, Kleine Seestr. 16. Weissenfe«: Reinknecht, Rölckestr. 176, u I Tr. Weissensee 978. Wildau, Hoherlehme: Rud. Lettow, Hoherlehme, Ehauffeestr. 66. Wilmersdorf I: Schubert, Wilhelmsaue 27, Hof l. Wilmersdorf II: F. Mafchke, Kurfürftendamm 137, r. Stfl. 3 Tr.(Ausgabe: Freie Turnerfchaft, Dürt- tembcrgifche Str. 54.) Wilhelmshagen, Heffeuwinkel: Schulze, Wilhelm»- Hägen, Wilhelmftr. 31. Witteoau: Z i b e l l, Hauptstr. 66. WolterSdorf: Fritz Erdman«, Schleufenstr. 24. »Zehleudorf. ZchlaÄ>?nscc. Nikolassee: Höhn, Zehlen- dorf, Teltower Str. 8. Zehlendorf 1863. ZeruSdorf. Niederlehme: Otto Ltefegang, Zern»- dorf. Aue 18. Seuthea. MIerSdorf: Alb. Behling, vahnstr. 2. offen: Witt, Baruther Str. IL. Sämtliche Literatur sowie all« wilfenfchastlichen Werke werden geliefert. Souutag« sind die«efchäst, stelle« geichlosseu. Die mit einem" versehenen SuSgabestelle« find nachmittag« von 2—6 Ubr unter der»gegebenen Num- x telephoulsch zu erreichen.