Abendausgabe Nr. 44743.Jahrgang Ausgabe B Nr. 221 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: Sw. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Tel- Adreffe: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Dolksblatt 10 Pfennig Mittwoch 22. September 1926, Berlag und Anzeigenabteilung Geschäftszett 8½ bis 5 hr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Für die deutsch- französische Abmachung Einmütigkeit der französischen Regierung. Paris, 22. November.( WTB.) Die Agentur„ Havas" keschäftigt sich in einer offiziösen Auslassung mit den Verhandlungen, die im geftrigen Ministerrat geführt wurden. Entgegen den pessimistischen Voraussagen habe sich, nachdem Briand seine Kollegen über den Verlauf seiner Besprechungen mit dem deutschen Minister des Auswärtigen in Kenntnis gefekt habe, teinerlei Meinungsverschiedenheit gezeigt. Aus dem offiziellen Kommuniqué ergebe sich ferner, daß, wenn im Verlauf der ersten Unterredung Briand mit Stresemann die Zukunftsmöglichkeiten geprüft habe, die sich für die deutsch- französischen Beziehungen an gesichts der augenblicklichen politischen Verhältnisse der beiden Länder ergeben, die Verhandlungen doch nicht den Rahmen der All. gemeinheiten überschritten hätten. Obwohl die offizielle Mit teilung nicht von den Gegenständen spreche, die die beiden Minister angeschnitten hätten, wisse man durch Pressemitteilungen, daß die Besprechungen namentlich die Räumung des Rheinlandes und die Rückerstattung des Saargebiets und als Gegenleistung die demnächstige kommerzialifierung eines Teils der Reichsobligationen betroffen haben. Der französische Minister des Aeußern habe sich wohl gehütet, irgendeine Berpflichtung hinsichtlich dieser Probleme zu übernehmen oder auch nur den geringsten Vorentwurf eines Abkommens auszuarbeiten. Briand selbst habe erklärt:„ Alles, was ich getan habe, läßt der Regierung ihre vollkommene Handlungsfreiheit, und das Kabinett hat heute davon in günstiger Weise Gebrauch gemacht." Nachdem also die Minister dem Grundsatz zugestimmt hätten, die gepflogenen Verhandlungen weiterzuführen, die den 3wed hätten, aufs beste in dauerhafter Weise die Probleme zu lösen, die die Anwendung des Friedens vertrags aufwerfe, habe eine Diskussion eingesetzt über die Entwick lung, die durch die Initiative der beiden Minister des Außern ein geleitet werden könne. Richard Fischers letzter Gang. Die Einäfcherung unseres verstorbenen Borfämpfers und Freundes Richard Fischer findet am Sonnabend, 3 Uhr nachmittags, im Krematorium Baumschulenweg statt. Genoffe Wels wird die Gedächtnisrede halten. Die Berliner Partei veranstaltet am Sonntag, den 26. September, vormittags 11 Uhr, im Blüthnersaal, Lüßowstraße, für ihren langjährigen Vertreter im Reichstag eine Gedächtnisfeier, bei der Genoffe Hermann Müller sprechen wird. Beileidskundgebungen. Der Parteivorstand hat an Frau Fischer folgendes Telegramm gerichtet: „ Der Tod Ihres lieben Gatten hat wieder einen unserer Alten und Besten aus unseren Reihen gerissen. Der Vorstand der sozial demokratischen Reichstagsfraktion, der Richard Fischer mehr als drei Jahrzehnte seinen flugen Rat lieh, übermittelt Ihnen und Ihren Rindern das herzlichste Beileid. Wer den temperamentvollen Kollegen Fischer in unserer Mitte tätig fah, dem wird sein Wirken undergeßlich bleiben." * Beim Parteivorstand und den Familienangehörigen des ver storbenen Genossen Richard Fischer sind zahlreiche Beileidstelegramme Don Parteiorganisationen, Zeitungen und Partei genoffen eingegangen. Reichskanzler Dr. Marr hat der Witwe und den Kindern des verstorbenen Reichstagsabgeordneten Richard Fischer zugleich im Namen der Reichsregierung sein herzlichstes Beileid telegraphisch übermittelt. Ausklang der Genfer Delegationsarbeit. Breitscheid über die Zusammenarbeit mit Stresemann Genf, 22. September.( BTB.) Bei einem Dienstag abend von den parlamentarischen Mitgliedern der deutschen Delegation veranstalteten geselligen Beifammensein mit den übrigen Delegationsmitgliedern und einem kleineren Kreis von Gästen hielt der Abg. Dr. Breitscheid eine groß angelegte Rede über die Zusammenarbeit zwischen den parlamentarischen Mitgliedern und der Delegationsführung. Dr. Breitscheid verglich dabei den gegenwärtigen Augenblic mit demjenigen des Einlaufens des Schiffes in den in der Ferne fichtbaren Hafen. Die Meinungsverschiedenheiten der Parteien über das anzusteuernde Ziel feien nach leberwindung der Stürme und Schwierigkeiten, denen das ganze Schiff ausgesetzt war, beseitigt und nur das gemeinsame 3iel stehe allen vor Augen. Wir hoffen", so sagte Dr. Breitscheid, ,, dem Ziele näher gekommen zu fein und damit auch dem Willen unferes Auftraggebers das ist das deutsche Bolt entsprochen zu haben!" Dieses Ziel in feiner letzten Formulierung sei die Sicherung des europäischen Friedens, eines Friedens, in dem ein gleichberechtigtes Deutschland neben den anderen Mächten stehe. Mit der Resultante der von Haus aus verschiedenen Meinungen seien alle einverstanden, und er fühle sich veranlaßt, dem Kapitän, dem Führer, dem Reichsminister des Aeußern den Dant der parlamentarischen Delegationsmitglieder Offiziöse Mitteilung. Artikel 431 des Friedensvertrags von Versailles gestatte die Räumung des Rheinlandes vor den vorgesehenen Zeitfristen, aber unter der Bedingung, daß Deutschland alle seine Verpflichtun gen erfüllt habe. Was die Reparationen betreffe, so erfülle das Reich bis jetzt getreu die Verpflichtungen nach dem Dawes- Plan, aber es scheine nicht, daß nach dem jüngsten Bericht das gleiche Er gebnis hinsichtlich der Entwaffnung erzielt worden sei. Die Regierung werde also im Einverständnis mit ihren Sachverständigen die Bedeutung dieser Verpflichtungen abschätzen und festzustellen haben, in welchem Maße sie die Fortsetzung der Belegung als Sanktion rechtfertigen. Die Rückerstattung des Saargebiets an Deutschland vor der vorgesehenen Frist von 15 Jahren und die damit im Zusammenhang stehende Boltsabstimmung sei durch den Versailler Vertrag vorgesehen. Die Bedingungen dieser Operationen und ihre Folgen jeder Art müßten sehr eingehend geprüft werden. Was die teilweise Motilisierung der Reichseisenbahno bli gationen betreffe, so sei fie sehr wünschenswert, aber ihre Verwirklichung ergebe Schwierigkeiten finanzieller und politischer Art, die eine eingehende Prüfung erforderten, da der Beistand Deutsch lands nicht allein für den Erfolg dieser Operation genüge. Man müffe auch mit den Dispofitionen des Weltmarties rechnen. Diese ganz schematische Aufzählung genüge, so schließt Havas seine Mitteilung, um die Bielseitigkeit und Bedeutung der Lösungen, die eintreten sollen, aufzuzeigen. Unter diesen Umständen sei es vollkommen natürlich, daß sich die Regierung mit allen unerläßlichen Garantien umgeben wolle. Erst nachdem sie im Besige aller technischen Elemente der Dispositionen sei, könne der Ministerrat in seiner demnächstigen Sitzung die Prüfung der offiziellen Be dingungen einer deutsch französischen Abmachung, als deren Anhänger er sich jedoch schon jetzt er als deren Anhänger er sich jedoch schon jegt er Läre, fortsetzen. für die vertrauensvolle Zusammenarbeit auszusprechen. Die Rede Dr. Breitscheids flang in den Wunsch aus, daß Dr. Strefemann auf diesem Wege weitergehen möge. Er, Breitscheid, glaube, ihm versichern zu können, daß die in Genf vertretenen Parteien ihn auf diesem Wege, unbeschadet der sonstigen parteimäßigen Scheidung, begleiten und unterstützen würden. Gegen die, die sich ihm entgegensetzen, werden wir fämpfen, und die, die nörgeln und zaghaft nebenher laufen, fönnen wir auf diesem Wege nicht brauchen." Auf die warm empfundenen und unter dem Eindruck der Stunde mit der bekannten rednerischen Gewandtheit vorgetragenen Worte erwiderte Reichsminister Dr. Stresemann mit einer Ansprache, in der er seinen Dank für die Ausführungen Dr. Breit scheids und seine Freude über den schönen Ausgang gemeinsamer Arbeit aussprach. Er erinnerte an die Schwierigkeiten des Weges, der nach Genf führte, und stellte ihnen wirksam die Empfindungen entgegen, die alle Teilnehmer der gegenwärtigen Bölkerbundstagung notwendig beseelen müssen. Der Minister nahm die Feststellung vertrauensvoller Zusammenarbeit durch den Vorredner mit Bergnügen zur Kenntnis und dankte seinerseits für die wertvolle Unterstügung, die dem gemeinsamen Werk aus der Zusammenarbeit zwischen beamteter und parlamentarischer Delegation zuteil geworden sei. Diese Mitwirkung der BoltsDertreter habe im vollen Umfange das gehalten, was er sich bei ihrer Inanspruchnahme davon versprochen habe. Dr. Stresemann schloß mit dem Hinweis darauf, daß er für die Verschiedenheiten der Methoden und die Kritik an ihnen volles Verständnis habe, und mit dem Wunsche, daß in einer Frage es teine Barteien geben möge, in der Frage des außenpolitischen Weges, den Deutschland beschritten und weiter zu gehen habe. Ein Kampf ums Recht. Berufungsverhandlung im Finsterwalder Prozeßt. Heute vormittag hat in Rottbus die Berufungsverhandlung im Finsterwalder Prozeß begonnen. Der Stahlhelm veranstaltete im Oktober vorigen Jahres in Finsterwalde einen Stahl helm tag. Bei dem Umzug des Stahlhelms wurde die Bevölkerung fortgesetzt beschimpft und als einige Rot- Front- Leute sich dagegen wehrten, ging der Stahlhelm zum„ Sturm" vor und fäuberte" die Straße. Die bürgerliche Heßpreffe benutzte diesen Borfall, um auf die Polizei und auf den damaligen Bürgermeister Ostromsti zu hetzen. Im Stil von Greves. Greves mühlen wurde ein Prozeß aufgezogen, 35 Mitglieder des Rot Front und Reichsbanner unter Anklage gestellt. Entlastungs3eugen wurden nicht gehört und die Aussagen der schla genden Stahlhelmer waren Beweis genug, um einen Angeklagten mit 9, einen mit 8, vier mit 7. zwei mit 4, einen mit 3 und einen mit 2 Monaten Gefängnis zu bestrafen. Alle Angeklagten hatten gegen ein solches Urteil, das Schöffen gefällt haben, die vorher schon gegen das Resbanner Schimpfreden geführt haben, Berufung eingelegt. Bei der Berufungsverhandlung find insgesamt 105 3eugen geladen, durch deren Bernehmung hoffentlich endlich die politischen Hintergründe des Prozesses aufgeklärt werden. Nachfolger Richard Fischers im Reichstag als Vertreter von Berlin ift Genoffe Hermann Baeger, Leiter der Beamtenzentrale der Partei Die Reichsbahn- Obligationen. Wie mobilisiert man sie? Als durch das Gesetz über die Deutsche Reichsbahngesellschaft vom 30. August 1924 entsprechend den Vorschlägen des Dames- Planes die Eisenbahn zum Unterpfand der Reparationen gemacht wurde, handelte es sich darum, zunächst die jährlichen Zahlungen Deutschlands im Rahmen seiner voraussichtlichen Leistungsfähigkeit festzusetzen. An die Uebertragung großer Beträge aus den Kapitalschulden, die zur Sicherung der Ansprüche der Reparationsfommission eingetragen worden waren, dachte wohl damals fein Mensch; sonst hätte man nicht den 3ins fuß für die Reparationsschuldverschreibungen der Reichsbahn ebenso wie diejenigen der Industrieobligationen mit 5 Broz. um volle 3 Proz. niedriger halten können, als den Zinsfuß der internationalen Stabilisierungsanleihe, die zur gleichen Zeit beschlossen und ausgegeben wurde. Jetzt ist durch die Finanznot Frankreichs mit einem Schlage das Problem der Kapitalübertragung akut geworden. Die jährlichen Reparationsleistungen Deutschlands verteilen sich auf eine zu große Zahl von Gläubigern, als daß Frankreich daraus eine fühlbare einmalige Entlastung feiner Staatsfinanzen erwarten könnte. Daher ist in den deutsch- französischen Berständigungsverhandlungen zu Thoiry das Projekt wieder in den Bordergrund getreten, einen Teil der Kapitalschulden Deutschlands aus dem Reparationsvertrag von London zu mobilisieren, und zwar dachte man zunächst an einen Teil der 11 Milliarden Mark Reparationsschuldverschreibungen der Reichsbahn, die heute in Reichsmark verzinst und getilgt werden müssen. Diese Verzinsung beträgt vom 1. August 1928 ab 5 Prog. jährlich, wozu noch 1 Proz. Tilgung fommt. Augenblicklich ist der Zinssatz mit 4 Proz. eingesetzt. Würde man 1½ Millarden Mark diefer Obligationen. unterbringen und dabei einen angemessenen Kurs erzielen, so wäre sicherlich eine ganz gewaltige Entlastung des fran öfischen Staatshaushalts zu erwarten. Borausseßung ist natürlich, daß die übrigen Reparationsgläubiger einem derartigen Abkommen zustimmen und mindestens den weitaus überwiegenden Teil des Erlöses zur Zahlung an Frankreich freigeben. Es bedarf also schon zur Festlegung einer derartigen zwischenstaatlichen Abrede der Zustimmung der übrigen Ententeftaaten. Aber damit sind die Schwierigkeiten, die sich einer derartigen Regelung entgegenstellen, noch nicht erschöpft. Um das Rechtsverhältnis dieser Schuldverschreibungen gegenüber der Reichsbahn festzustellen, ist folgendes zu bemerken: Das Grundkapital der Reichsbahn beträgt 15 milliarden Mark. Davon sind 13 Milliarden Mark Stammattien in den Händen des Reiches. Außerdem gibt es 2 Milliarden Mark Vorzugsaktien, von denen 500 Millionen Mark zur Erfüllung der Reparationsschuld zu verwenden waren, während die restlichen 1½ Milliarden der Reichsbahn selbst zur Kapitalbeschaffung zur Verfügung stehen. Ein Teil der Vorzugsaftien wurde bereits vom Reich übernommen. Die erwähnten 11 Milliarden Mart Schuldverschreibungen sind die Generalhypother auf die Reichsbahngesellschaft, die der Sicherung der Ansprüche der Reparationsgläubiger dient. Es sind zu diesem Zweck Schuldtitel in Höhe von 11 Milliarden Mart dem Reparationsireuhänder übergeben worden, und zwar in Form einer Anweisung, die alle Sicherungen, Zinsund Tilgungsmodalitäten der Schuldverschreibungen enthält. Der Reparationsagent hat demnach aus den Obligationen nur einen Anspruch auf 3insen und Tilgung. Will er das Kapital dafür mobilisieren, so muß er diese Anweisunfapitalmarkt unterbringen. Bei der gegenwärtigen gen oder entsprechende andere Papiere auf dem WeltHöhe der Zinsen für festverzinsliche Anlagen ist allenfalls damit zu rechnen, daß heute bei einer Unterbringung eines Teiles der Anleihen ein Ausgabekurs von 76 bis 77 Broz. zu erzielen ist, wovon wahrscheinlich noch die Provisionen der Banten abgehen. Dieser Kursverlust macht es erklärlich, daß man bisher von einer Verwertung der Reichsbahnobligatio= nen abgesehen hat. Die Papiere selbst stellen ungefähr die sicherste Kapitalanlage dar, die es auf der ganzen Welt gibt. Obwohl die Reichsbahn formell eine Privatgesellschaft ist, ist fie doch durch den Reichsbesitz an dem Bermögen der Privatgesellschaft ebenso wie durch ihre Unentbehrlichkeit für die gefamte Bolkswirtschaft mit dem Gedeihen Deutschlands unlösbar verknüpft. Es ist daher durchaus wahrscheinlich, daß auf die Dauer der Parifurs( 100 Pro3.) erreicht wird, wenn nicht abnorme Berhältnisse am internationalen Kapitalmarkt eintreten. Ein Kapitalverlust ist also bei einer Ausgabe der Reichsbahnobligationen unter allen Umständen zu gewärtigen. Dieser Berlust geht aber auf Kosten der Reparationsgläubiger, da die deutsche Leistungspflicht mit der Ausfchreibung Berzinsung und Tilgung der Obligationen erschöpft iſt. Bon außerordentlicher Tragweite sind auch die Fragen, die sich an die Sicherstellung des Kapitaldienstes in frember Währung fnüpfen. Deutschland hat bekanntlich nur in Mart zu zahlen. Wie der Reparationsagent diese Mark in Dollars, Pfunde oder Franken umschlägt, das ist bisher feine eigene Angelegenheit. Verpflichtet ist er jedoch, die Käufe an fremben Devisen einzustellen, sobald die deutsche Währung dadurch erschüttert wird. Der internationalen Finanz würde wahrscheinlich nicht damit gedient sein, daß 3insen und Tilgung der international gehandelten Papiere wahlweise in Mark oder in fremder Währung erfolgen. Aus diesem Dilemma muß ein Ausweg gefunden werden. Ob überhaupt der internationale Rapitalmarkt in der Lage ist, einen so großen Betrag an Wertpapieren mit einem Male aufzunehmen, muß mindestens bezweifelt werden. Die Ausgabe wird vorsichtig und schrittweise erfolgen müssen, wenn der Kursverlust bei der Ausgabe der Papiere nicht noch größer werden soll. Eine Mitwirkung der internationalen Banken ist dabei unerläßlich. Wie man sieht, fnüpfen sich an das Problem der Eisen bahnobligationen schwierige Fragen in großer Bahl. Sicher ist, daß diese Fragen bei gutem Willen aller Beteiligten gelöst werden können. Ebenso sicher ist aber, daß die Regelung im einzelnen eine Unmenge von Borberatungen erfordert, bei der auch die Rivalität der einzelnen Reparationsgläubiger erft überbrückt werden muß. Aber es ist nur zu wünschen, daß auch die übrigen be teiligten Staaten begreifen, was in Genf und in den folgenden Berhandlungen als Gemeingut der deutschen und der französischen Staatspolitit zum erstenmal in Erscheinung getreten ist: nämlich daß eine Rettung aus der Zerrissenheit Europas, aus seiner Isolierung in Weltwirtschaft und Welthandel nur dann möglich ist, wenn zunächst in diesen Fragen eine Berständigung erzielt wird. Es ist ein Stück Wiederaufbau der Wirtschaftssolidarität der Bölfer, was hier getrieben wird eine Aufgabe, der sich kein Land entziehen kann, ohne auf die Dauer seine eigenen Interessen zu gefährden. In den Bereinigten Staaten steht man dem Projekt einer Auflegung der Reichsbahnobligationen mit einiger Zurüd. haltung gegenüber. Eine WTB.- Meldung aus New York berichtet dazu: Wie Journal of Commerce" aus Washington meldet, hat zwischen Coolidge und Mellon eine Besprechung stattgefunden. Mellon soll erklärt haben, er halte die wirtschaftliche Basis in Europa für gesünder als bei seinem vorhergehenden Besuch. Mellon hält die amerikanische Stellungnahme gegenüber den europäischen Schuldnerstaaten für gerechtfertigt. Die Meldun 1 nisse beweisen, den man bei früheren Anlässen ihnen nachgerühmt hat. Die Auflegung der Eisenbahnobligationen würde fraglos der New Yorker Hochfinanz fein schlechteres Geschäft bringen, als ihr die Reparationsanleihen gebracht hat. Bolitisch aber würden die Vereinigten Staaten viel stören und manches Bertrauen zer stören, wenn es mit allzu fleinlichen Bedenken ein Mittel der wirtschaftlichen Annäherung Deutschlands und Frankreichs zerschlüge, ohne ein besseres an seiner Stelle zu bieten. Das Gebäude kracht. Revolutionsdrohung von Kommunisten gegenkommunisten Die fommunistische Zentrale fann das Chaos in der KPD. und in der Moskauer Internationale nicht mehr verborgen halten. Sie sieht sich gezwungen, in der Roten Fahne" gegen eine oppofitionelle Resolution zu polemisieren, die ihr wie eine Fanfare in den Ohren geflungen hat. Diese Resolution lautet: " Die Mitgliedschaft der Betriebszelle Konsum" erkennt: 1. in der Maßregelung des Genossen Sino wje w und anderer Führer der linken Opposition in Rußland, 2. in Massenausschlüssen innerhalb der KPD. den Anfang der Liquidlerung der Romintern, die in Wirklichkeit schon früher begonnen, jetzt aber in eine entscheidende Phafe eingetreten ist, so flar ersichtlich ist, daß. die Weltpartei Lenins auf das ernsthafteste bedroht ist. Weiter erkennt die Zelle„ Konsum", daß die gesamte Staats- und Gesellschaftsordnung in Rußland schon heute unter dem nicht mehr verschleierten Zeichen der Reaktion steht und die profetarische Dittatur ganz offen abgebaut wird. Klar und deutlich tritt in Erscheinung, daß die in Rußland durchgeführte Rationalisierung fast vollständig auf Kosten des Proletariats durchgeführt wird, und daß alle Abwehrmaßnahmen des Proleta. Diese Auffassung steht in vollständigem Widerspruch zur leninistischen Theorie und zu den Grundsäzen des internationalen Kommunismus, der die Union Sozialistischer Sowjetrepubliken als den ersten siegreichen proletarischen Staat in der Weltgeschichte, als das erste Land des sozialistischen Aufbaus betrachtet. Die Auffassung der Opposition steht auch in trasfem Widerspruch zu den prattischen Schlußfolgerungen des linten sowjetfreundlichen Teiles der so. zialdemokratischen Arbeiterschaft, die in folgender Erklärung der foeben zurückgekehrten zweiten deutschen Arbeiterdelegation niedergelegt sind: ,, Die von allen Seiten angefeindete Diftatur des Proletariats hat sich fegensreich für die Arbeiter- und Bauernklasse der Sowjetunion ausgewirft. Hier in Rußland herrscht der Arbeiter; er baut feine sozialistische Wirtschaft auf." Dagegen steht die Gesamteinschätzung der proletarischen Diktatur burch unsere linke Opposition völlig im Einklang mit den Ansichten des internationalen Menschewismus." Die Opposition bezichtigt die Stalin- Diftatur und die Zentrale der KPD. des Arbeiterverrats, die Zentrale bezichtigt die Opposition des Menschewismus. Der Weg der Opposition, so ruft die Zentrale, geht zu Dan und Kautsfy, geht zur 2. Internationale! Der Weg der Zentrale, so ruft die Opposition, geht zum Kulaten. tum und zur Nep- Bourgeoisie, zur Unterdrückung der Arbeiterschaft. Der Kampf in der KPD. ist so erbittert, daß aus der Opposition der Ruf nach dem bewaffneten Aufstand kommt nach dem bewaffneten Aufstand gegen die derzeitigen. Moskauer Diktatoren. Dieser Krach fann durch keinerlei Ablenkungstheater mehr verborgen werden. Ablenkungstheater. Gegen Einlaßtarten hatte die KPD. gestern abend im Lehrervereinshaus den fälligen Rummel mit der sogenannten Arbeiterbelegation" aufgezogen. Wir stellen gerne feft, gen betreffend den Vorschlag, die deutschen Eisenbahnobligationen riats mit allen Mitteln der Staatsmacht unterdrüdt werden. daß es der KPD. gelingt, wenn sie den nötigen Drud ausübt, zwei auf den Markt zu bringen, ließ Mellon unkommentiert. Es hat indessen den Anschein, als ob amtliche Kreise die Zeit noch nicht für gelommen erachten, um solche Schritte zu unternehmen. Es wird darauf hingewiesen, daß beträchtliche Zweifel darüber herrschen, ob der Weltmarkt in der Lage ist, alle Obligationen aufzunehmen, ohne zugleich ihren Kurs zu drücken. Sollte andererseits nur ein Teil der Obligationen auf ten Markt geworfen werden, so würde die Verteilung des Erlöses nicht genügen, um unter den gegenwärtigen Umständen als irgendeine Hilfe bezeichnet werden zu können. Wie verlautet, wird in amtlichen Kreisen die Meinung vertreten werden, daß sich in kurzer Zeit die Verhältnisse der artig ändern werden, daß die in Vorschlag gebrachte Veräußerung der Obligationen durchführbar ist. In anderen Kreisen erfläri man wiederum, daß eine Besserung der wirtschaftlichen Lage den Verkauf der Bonds unnötig machen würde. Gegenüber diesen sich widersprechenden Meinungen ist loch darauf hinzuweisen, daß die Frage der Auseinanderfeßung der europäischen Reparationsgläubiger mit ihren Schuldnern je de andere Behandlung ver trägt als die eines Aufschubs ins ungewisse. Wenn sich zwei Staaten wie Deutschland und Frankreich mit Zustim mung Englands und anderer Länder auf ein Programm der politischen Befriedung und wirtschaftlichen Konsolidierung einigen, so haben auch die Geldgeber Deutschlands, die Bereinigten Staaten, ein Interesse daran, daß diese Entspannung nicht durch nationalistische Quertreibereien gestört wird. Ein Blick in die Hugenberg- Bresse würde den Amerikanern genügen, um zu zeigen, wie bereits jede noch so leise Andeutung einer Ablehnung des Konsolidierungsplanes durch die Amerifaner von unseren Reaktionären ausgenutzt wird. Es wäre daher nur zu wünschen, daß die Amerikaner bei der Behandlung des Reparationsproblems denselben Sinn für die politischen Zusammenhänge und wirtschaftlichen ErforderDer Mehrwert des Mikado. Bon Frik Ohrfmann. In unserem Prozentzeitalter haben auch die Monarchen den Mammon nicht meiden mögen, die Kronen bedienten sich des bes liebten ehrlichen Matlers ebensosehr auf den Börsen wie in der Diplomatie. Der Marxismus hat dem jeweiligen ausmünzbaren Effekt solchen gewinnbringenden Strebens die etwas unverhüllte Bezeichnung Mehrwert aufgeprägt. Die Kapitalisten aller Länder haben zwar diesem nackten Begriff eine prächtige Garderobe geschenkt, aber selbst mit Zins, Dividende, Bonus, Tantieme und all der anderen Mehrwertmaskerade wollen die ihnen assoziierten Monarchen aller Länder nichts zu tun haben. Bei ihnen handelt es sich nicht um Mehrwert, sondern um Mehrgeltung. Sie spekulierten munter drauf los, in Kongowerten, Chiesen, Diamanten shares und Spielbankanteilen, aber dies geschah selbst verständlich beileibe nicht um der privaten Schatullenschwellung, sondern um der nationalen Vermögensvermehrung willen. Natürlich war auch der Mikado mit von der Partie. Die rapide Industrialisierung des feudalen Japans hat in der kaiserlichen Schazkammer eine gründliche Revolution angerichtet. Wo einst metallener Reichtum funfelte, liegen heute dicke Aktienpakete, deren unsichtbare Kräfte die arbeitenden Untertanen des Inselreiches in ciner viel wirksameren Billfähigkeit halten als vormals der sichtFare Glanz der Dynastie. Aber in den Tiefen des Staates grollt ein Erdbeben, das der herrschenden Bureaukratie viel gefährlicher ist als alle Einbrüche an der pazifischen Küste. Bei den nächsten Wahlen wird die neugegründete Arbeiterpartei Japans ihren ersten Masseneinzug ins Parlament halten, und den proletarischen und bäuerlichen Massen wird es immer deutlicher, daß die grausam geübte Macht des Mikado nicht auf dem Willen der Götter, sondern auf Tresore und Tants gegründet ist. Der Mikado hat sich deshalb zu einer radikalen jozial- ethischen Geste entschlossen, die in den Hausministerien feiner europäischen Kollegen teine geringe Berwirrung auslösen wird. Der Herrscher Japans will das Odium des Mehrwerts furzerhand von sich abstreifen, fein japanischer Lohnsflave soll in Zukunft seinem Kaiser Dividenden erschusten, denn der gefamte Besitz der Krone an Industriepapieren wird mit allerhöchstem Auftrage abgestoßen. Es wird der Kaiser mit dem Volke gehen, die verführten japanischen Proletariermassen werden aufs neue ihrem angestammten Herrscher zujubeln und ihre gewissenlosen Führer werden schleunigst Haratiri machen. Bu schade nur, daß die bösen Margisten es nicht unterlassen werden, inmitten der allgemeinen Begeisterung ihre finsteren Gedankengänge weiterzufpinnen. Was 3. B. geschieht mit den Mehrwertanteilen, auf die der Mikado so großmütig verzichten will? Die speziellen Mehrwertpartikel, die bisher dem kaiserlichen Kapitaliſten zuflossen, werden fünftighin von den Gruppen angeDie Belle Konsum" erklärt sich politisch und wirtschaftlich entrechtetsten Proletariermassen und fordert diese auf, den verschärften Klaffenkampf in Stadt und Land zu beginnen und damit vorzubereiten die zweite Revulotion zum Sturze der Macht des Kulafenfums und der NepBourgeoisie und aufzurichten die wirkliche Diktatur des Proletariats. An alle wirklichen Revolutionäre der Weltpartei Lenins ergeht der Ruf, dem schwergeprüften russischen Proleta riat in seinem schweren Kampfe beizustehen und alles zu tun, um Weltbourgeoisie und den Weltimperialismus." dem Weltproletariat zum endgültigen Siege zu verhelfen über die Also ein unverhüllter Aufruf zum Sturz der Diftatur Stalins! Er geht aus von dem früheren Pol- Leiter des Wedding, Giwan, der, wie die Rote Fahne" fagt, bis heute noch ein Mitgliedsbuch der KPD. befigt". Die Bentrale der KPD. polemisiert gegen diesen Aufruf, dem sie große Bedeutung zuschreibt. Sie nennt ihn, ben volltomme nen Ausdruck einer bis zu Ende ausgereiften menschewistischen Ideologie". Sie gibt zugleich zu, daß es nicht nur oppofitionelle Gruppen in der PD. gibt, nicht nur die Entschließung der 700, fondern einen geschlossenen Oppofitionsblod". Ueber die Gesamtauffassung des Oppositionsblocks schreibt sie: " ,, lleber alle besonderen Gruppierungen und Schattierungen hin weg besteht eine Gesamtauffassung der Opposition von der proletarischen Diktatur. Die Gesamtauffaffung läuft auf die These hinaus, daß die Ergebnisse der bisherigen neun Jahre des Bestehens der Sowjetmacht nicht zur Herrschaft der Arbeitertiaffe, sondern zu ihrer Unter drückung durch die Reaktion, nicht zum Beginn des fozia liftischen Aufbaus, sondern zur Wiederherstellung des Kapitalismus auf Kosten des Proletariats" geführt haben bzw. führen werden. häuft, die seine Aftienpakete erwerben. Der Mikado aber wird den Gelderlös auf seine Bank tragen. Im Augenblick aber, wo er sich mit angeefelter Miene von dem Mammon fortwendet, beginnen ihm die Zinsen nachzulaufen. In ihnen erscheint wieder der vermaledeite Mehrwert. Wenn der mehrwertflüchtige Mifado dahinter kommt, wird er vielleicht sich den ganzen Bazen wieder auszahlen lassen. Damit wird er der Wirtschaft seines Landes zunächst eine gelinde Kreditkrise zufügen, mit Absaßstockung, Arbeitslosigkeit und Vermögensumschichtung innerhalb der befizenden Klasse. Am Ende wird eine etwas fleinere Gruppe von Kapitalisten ohne ihn den vorhandenen Produktionsapparat unter sich neu aufgeteilt haben und denselben jährlichen Mehrwert herausscheffeln wie ehedem. Wenn der Mifado es aber vorgezogen haben sollte, den ganzen schnöden Mammon in Banknotenform gelegentlich eines brillanten Balaftfeuerwerks einen fröhlichen Raub der Flammen werden zu laffen, so wird die japanische Notenbank in gleichem Umfange auf Grund der unveränderten Gclbdeckung neue Noten in Form von Krediten in die Wirtschaft leiten: der ominöse Mehrwert zerfällt dann in Notenbankzinsen und Unternehmergewinn. Wenn aber der Erleuchtete auf den letzten Ausweg verfallen sollte, in Zukunft nicht mehr aus der Arbeit seiner gelben Untertanen, sondern aus den Knochen irgendwelcher weißen Teufel Profite zu schinden, so wird dies darauf hinauskommen, daß der japanische Herrscher Dividenden aus ausländischen Unternehmungen bezieht, während irgendwelche englischen oder amerikanischen Gruppen dafür japanische Betriebe fontrollieren. Auf die Gefahr hin, das Gemüt des Mikado unheilbar zu verdüstern, wage ich ihm zu eröffnen, daß der Mehrwert in der gegen wärtigen Wirtschaftsstruktur jeder noch so mittelbaren Vermögensform anhaftet, aber vielleicht vermacht er sein Riefenvermögen einer Rethe autonomer Stiftungsbetriebe, in denen der jährlich anfallende Mehrwert statutarisch zur Hebung des Lebensstandards der Be schäftigten verwandt wird. Doch ich hege den leisen Verdacht, daß man am Hofe von Tokio nur einen Kostümwechsel der kaiserlichen Profitmethoden im Auge hat. Für diesen Fall empfehle ich dem Erleuchteten, sich auf amerikanische Kanonenwerte zu legen. Mit diesen wird sich vielleicht in nicht allzuferner Zukunft dann nicht nur die Arbeit, sondern auch das Leben seiner Untertanen ihm bezahlt machen. Richard Fischer und die Spitzelenthüllungen. Sehr wesentlichen Anteil hat Richard Fischer an der Entlaroung des verbrecherischen Buttkamerschen Lockspizzelsystems, das namentlich in den Jahren 1884 bis 1887 in Hochblüte stand. Richard Fischer hat persönlich in Genf dem Spigel Haupt die Maske vom Gesicht gerissen, der eine sehr lebhafte aufreizende Propaganda in sozialDemokratischen Kreifen der Schweiz trieb. Die Spitzel wurden meist im Sozialdemokrat" von der Eisernen Maste" gebrandmarkt. Ueber diese Eiserne Maste" find vielfach sehr irrige und widerspruchsvolle Berichte verbreitet | mittelgroße Säle in Berlin zu füllen. Da man unter sich war und störende" Richtigstellungen nicht zu fürchten brauchte, fonnte man die russische und die deutsche Sozialdemokratie und dazu noch die deutschen Gewerkschaften in Grund und Boden reden. Der Hauptredner, Friß Körber, unterstrich noch seine Aus führungen, die wir bereits gestern abend festgestellt hatten. Er erzählte, daß unsere Genossen in den Gefängnissen von Tiflis na ch der legten Pariser Mode getleidet feien, gebügelte Hofen tragen, fich frei bewegen fönnen( in einem Gefängnis!) und daß fie der armen ausgehungerten Delegation Pfirsiche zur Erfrischung anbieten konnten. Der zweite Berichterstatter, ein gewisser Feig, war erheblich weniger lyrisch. Er gab zu, daß in Rußland in bezug auf die Arbeitsmethoden und die technischen Einrichtungen vieles sehr rüd ständig fei. Er bemängelte auch, daß die Löhne zu start gestaffelt feien. Das läge daran, daß zu wenig qualifizierte Arbeiter da feien und diese also einen viel höheren Lohn als die anderen Arbeiter erhalten müßten. Auch im Wohnungs. wesen läge es noch sehr im argen. Das tomme aber daher, weil der russische Arbeiter eine Ansprüche an die Woh nungen stelle! Körber schloß seine Ausführungen mit dem Bekenntnis, daß er fich verpflichtet habe, für die gewerkschaftliche Einheitsfront aller Arbeiter, nicht nur der freigewertschaftlichen, tätig zu sein. Diese Erklärung ist in der„ Roten Fahne" folgendermaßen umgebogen: Kämpft in den Gewerkschaften gegen das kapitalistische System! Kämpft für die internationale Gewerkschaftseinheit!" Körber hat freilich nicht hinzugefügt, in welchen Gewerfschaften er für die Einheitsfront" tämpfen will. Sicherlich nicht in den freien Gewerffchaften. Sonst hätte er nicht, bevor er nach Rußland reiste, den Bersuch gemacht, seine Berufs. follegen aus dem Deutschen Bertehrsbund herauszuziehen. Das ist der Klaffentampf" und der Kampf für die Einheitsfront" des Vorsitzenden dieser Arbeiterdelegation". worden. Ich veranlaßte daher Richard Fischer im Juni 1926, fic über die„ Eiserne Maste" einmal schriftlich zu verbreiten. Unter dem 18. Juni 1926 schrieb Richard Fischer an mich: Lieber Genosse Rampffmener! Soweit ich unterrichtet bin, war die Eiserne Maste" der Dec name für einen auf dem Berliner Polizeipräsidium beschäftigten Sekretär namens Hirsch, der in dem Zimmer gearbeitet haben soll, in welchem der Schrank stand für die Aften der sogenannten " Agenten", so daß er die Möglichkeit hatte, gelegentlich Einblick in diese Aften zu nehmen. Hirsch hatte sich an den Genoffen Baul Singer gewandt, der seinerseits Genossen Jakob Bamberger mit den weiteren Verhandlungen betraute. Bamberger traf sich zuweilen mit Hirsch und nahm von diesem die Berichte persönlich entgegen. Längere Zeit nach den Veröffentlichungen im" Sozialdemokrat" schien ein gewiffer Verdacht auf Hirsch gefallen zu sein. Ohne daß irgendein Berfahren eingeleitet worden wäre, ward Hirsch faltgestellt. Ob die Polizei ihm eine Falle gestellt oder ob er sich etwas im Dienst zuschulden kommen ließ jedenfalls wurde er entlassen, später in einen Betrugsprozek verwickelt und zu Zuchthausstrafe verurteilt. Er soll auch im Zuchthaus gestorben sein, wenigstens hörte ich von Singer, daß die Witwe sich wiederholt an ihn gewandt habe. Ich möchte nicht verfehlen, bei der Gelegenheit zu betonen, daß alle von der Eisernen Maste", also von Hirsch, gemeldeten Angaben fich als richtig herausgestellt haben. Begreiflich! Die später von Schneidt und anderen wiederholt gemachten Versuche, die Angaben der Eisernen Maste" zu diskreditieren, blieben erfolglos. Der Fall Schüssel- Rohmann liegt ganz einfach. Schüffel war eines Tages auf dem Polizeipräsidium gewesen und von Hirsch gesehen worden. Hirsch hat ihn für Rohmann gehalten, so daß die Annahme nicht ausgeschlossen erscheint, daß Schüssel, ohne Kenntnis feines P. K. Affociés Rohmann, der Polizei Dienste geleistet hat. Das Bölferbundstheater in Genf. Bei den Böllerbundstagungen stellt sich immer von neuem heraus, daß die Stadt Genf bei diesem Anlaß regelmäßig eine starte Anziehungskraft für hervorragende Theatertruppen besitzt. So hat die jetzige Tagung Anlaß gegeben für Gastspiele einer deutschen Truppe unter Leitung von Moissi, für Vorstellungen des Theaters der italienischen Schauspielerin Grammatica und für Aufführungen der English Players". In Völkerbundskreisen soll man daher in Erwägung ziehen, ein eigenes Theater des Völkerbunds in Genf zu errichten, das fünftig derartige Gastspiele organisieren würde. Olto Klemperer vom Etaatstheater in Wiesbaden ist zum Dperndirektor der Berliner Staatsoper am Platz der Republik ernannt worden. Meyerhold fucht ein Berliner Theater. Der russische Regisseur Meher. bold plant für Anfang nächsten Jabres ein längeres Gaftspiel in Berlin, wofür er auch eigene Inszenierungen deutscher Stüde vorbereiten will. Das Gastspiel soll sich auf eine längere Zeit erftreden. Beronita", das Repertoirstid des Deutschen Künstler- Theaters siedelt von Sonnabend an ins Lessing- Theater über. Ein kongreß der Taubflummen. Dieser Lage begann in Mo& tau ein Stongres det in einem Verbande organisierten Taubitummen. Er findet im Selubhause der Taubstummen des Arbeiterstandes statt. der uneigennützige Ehrenmann. Sechstausend Mark verlangt— aber nichts verkauft! Ehren-Schlichting hat dem„B. X.' eine Berichtigung gesandt. in der folgendes zu lesen steht: ,,Es ist unwahr, daß ich Anklagematerial gegen Herrn Minister Severing verkauft habe. Ich Hobe weder von Herrn Bocmeister noch von irgendjemand, der ihm nahesteht, irgendeinen Preis oder ein Geschenk für die von ihm be< nutzten Mitteilungen erhalten. Das Material, dos Herr Bac- meister verwertet hat, erhielt er von meinen Ver. wandten, denen ich wegen schwerer Erkrankung die Vertretung meiner Ansprüche gegen ehemalige Parteifreunde in Bollmachl übertragen hatte." Hierzu können wir folgendes mitteilen: Einige Wochen vor Beginn des V«rleumdungsfeldzugs gegen Severins erschienen bei dem Leiter eines Lankinstituts, das mit einer rechtsstehenden Angestellten. organisation zusammenhangt, drei Herren. Der eine von diesen war der rühmlichst bekannt« Assessor Kußmann, der vordem von dieser Bank ein Darlehen genommen hatte und hierdurch mit dem Leiter des Instituts in persönliche Beziehungen gekommen war. Herr Kußmann stellte die beiden anderen Herren als B a c m« i st« r und S ch l i ch t i n g vor und erklärte als Zweck des Kommens, daß Herr Schlichting sich um ein Darlehen von 6000 M. bewerbe, für das er jedoch eine sachliche Deckung nicht geben könne. Als der Leiter des Instituts erklärte, daß er sich auf derartige Gefälligkeitsdarlehen nicht einlassen könne und ordnungs- mäßige Deckung verlangen müsse, beschwor ihn K u ß m a n n, doch ein Freundschaftsdarlehen zu geben. Er begründete dies ausdrücklich damit, daß Schlichting Material gegen Severing habe und dieses nur gegen Gewährung des Darlehns herausgeben wolle. Der Leiter des Bank- instituts lehnte jedoch diese Pslichtwidrigkeit ab, das Ansinnen des Herrn Kußmann erschien ihm um so seltsamer, als der frühere Staatsanwaltsasicsior Kußmann ja mit der Kreditgewährung der Preußischen Staatsbank hauptsächlich befaßt gewesen war. Die Herren entfernten sich darauf mit der Bemerkung, daß sie dann das Geld anderswie auftreiben müßten. O ja, sie sind Ehrenmänner, die Herren Bocmeister, Schlich. ting, Kußmann! Luftwechsel auf kleine Kuchen. Oder: Kleiner Lehrgang des deutsch-französischen Skats. In der»Politischen Wochenschrift" der Deutschnationalen schreibt »der politische Beauftragte der Deutschnationalen Bolkspartei" T r«. o i r a n u s(bekannt unter dem Namen Gallimathias Treoiranus) in einem Aufsatz»Politische Weichen st ellung" das folgende: Aus dem Verhandlungsbericht von Thoiry ist zu entnehmen, daß de"- fierr Außenminister der französiichen Forderung zugestimmt hat. mit der Auslieferung der deutschen Eisenbahnobligaiionen ernst zu machen. Ueber Wirkung und Folgen solchen Vorgehens wird zu reden sein, wenn Einzclver- Handlungen erfolgt sind. Zunächst ist das ein Luftwechsel. Herr Stresemann hat das Recht, auch gewagt« Spiele anzulegen. Wir haben aus unserer Verantwortung heraus die Pflicht, bei dem hohen Einsatz der Zukunftsaussichten unseres Volkes ihm' in der Hinterhand zuzuspielen und die Trümpfe der nationalen Opposition auszu- werten. Daneben ergibt sich die Pflicht, zu verhindern, dag Spielerehrgeiz Staatewohl gesährdet, daß aus persönlichen Prestigerücksichten reale Trümpfe verschenkt werden. Wir ver- langen nicht, daß Deutschland kleine Küchen geschenkt werden. Der politische Kannegießer, Holbergs köstlich« Crsindung, hätte da» auch nicht schöner sagen können. die Sreslauer Ausammenstöße. Tie Auswirkung der Erwerbslosigkeit. Breslau, 22. September.(Eigener Drahtbericht.) Die Zu- sammenstöße am Dienstag in Breslau haben den stellver- tretenden Polizeipräsidenten zu einem Verbot aller öffentlichen Veranstaltungen und aller Umzüge veranlaßt. Am Dienstag. abend kam es noch zu kleineren Zusammenstößen. Wie sich herausstellt, ist unter den Opfern doch nur ein Todesopfer zu beklagen: eine Arbeiterin, die sich am Demonstrationszuge beteiligte. Neun der Verletzten mußten in Krankenhausbehandlung genommen werden. 30 Teilnehmer der Demonstration wurden verhaftet. Die Breslauer Presse macht am Mittwoch den Führern des Demonstrationszuges, von denen einer bis vor kurzem noch dem »Stahlhelm" angehörte, Vorwürfe, weil sie wissen mußten, daß das Betreten des Ringes verboten war und die Demonstration des- halb nicht dorthin hätte führen dürfen. Unser Partciblatt weist aber darauf hin. daß mit der Schuldfrage für da, gestrig« Blutver. gießen die Sache nicht erledigt sein kann, solange die Not der Erwerbslosen fortdauert und die Derzweislungsstimmung sich mehrt. Auf sozialdemokratisch« Initiative hin wer. den am Donnerstag von der Stadtverordnetenversammlung weitere e00000 M. für sofortig« örtliche Notstandsarbeiten bewilligt werden. Zu beheben ist durch solch« einmaligen öffent- lichen Arbeiten die umfangreiche Erwerbelosigkeir aber gerade in Schlesien nicht, wo der de u t s ch. p o l n! s ch e Zollkrieg in manchen Gewerbszweigen die Dauer der Erwerbslosigkeit noch be- sonders oerschärst hat._ Zur die Opfer der Tfcheka. Vorstellungen HendersonS. London, 21. September.(Eigener Drahtbericht.) Di« Arbeiter- pari«i teilt mit, Vaß yenoss« Henderson durch Vermittlung der Lon- doner Sowjetvertretung wegen einer Anzahl in Rußland«ingesperrter sozialdemokratischer Führer in Moskau vorstellig geworden sei. In«. besonder« habe sich Henderson nach dem Schicksal Georg K u t s ch i n s erkundigt, der seit zwei Jahren in Einzelhaft sitzt. Kutschin ist kürzlich in den Hungerstreik getreten, um seinem Gesuch nach Unterbringung in einem anderen Gefängnis Nachdruck zu verleihen und um die Er- laubni» zu erwirken, den Besuch seiner Frau zu empfangen, die nach Turkestan abgeschoben worden sei. Die italienische Handelsflagge in Korsika niedergeholt. Mehrcrc tausend Personen begaben sich vor das italienische Konsulat und sor- den«n den Generalkonsul auf, die italienische Flagge einzuziehen. Als er sich weigerte, warfen sie mit Steinen die Scheiben ein und rissen das italienische Wappen herunter. Die Polizei war machtlos. Es mußten Soldaten zum Schutze des Konsulats herbeigeholt werden. Die Menge begab sich dann nach dem Hafen, wo drei italienische Dampfer lagen. Man zwang die Kapitäne, die französische Flagge zu hisien. Reue deutsche Konsulate ln Frankreich. Bereits In den nächsten Tagen wird das deutsche Generalkonsulat in Marseille eingerichtet, in den nächsten Wochen folgen deutsche Konsulat« in Bordeaux. L e H a v r e. Lyon und Algier. Ueber die Errichtung deutscher Konsulat« in Tunis und Beyruth wird mit der sranzosischen Regierung noch verhandelt,..... /lebetterjugenö auf dem Vafter. Zur Kriegszeit war es. Am Ausgang des Müggelsees hart an der Fähre ein Segelschiff: ein großes Schiff, wie man es in Hafen- ftädten sehen kann. Es hatte manche Seereis« gemacht und manches Gut über das Meer getragen, bis es als unbrauchbar dazu, seinem jetzigen Zwecke dienstbar gemacht wurde. Es bekam den stolzen Namen„Vaterland" und fand als Schulschiff Verwsnlmng. Am Mast wehte dis schwarzweißrote Flagg« und die S«g«l blähten sich im Winde als wollten sie das Schiff vorwärtstreiben. Vlies der Wind auch noch so sehr— es bewegt« sich nicht: denn es stand auf Grund. Die Jugend wurde auf ihm im Seekrieg ausgebildet. Sie benahm sich kriegsmäßig, als wäre sie vor dem Feinde, und über da» Wasser erschollen Kriegslieder:„Stolz weht die Flagge... dem Feinde weh, der sie bedroht." Dann kain die Revolution. Eine Filmgesellschaft ließ das Schiff in die Luft sprengen, seine Trümmer wurden zu Brennholz zer- schlagen. Aber es war auch morsch das Schiff und hätte sowieso nicht mehr lang« gehalten. Nur zwei Rud«rjoll«n sind der Ver- nichtung entgangen. Sie dienten ehemals der„Vaterland" als Rettungsboote. Die Jugend übernahm sie und setzte sie notdürftig instand. Es nkiren die Jungen und Mädel der Sozialistischen Arbeiterjugend. Sie hatten noch nie gerudert. Ging«s auch in der ersten Zeit nicht so glatt wie bei den Jungens vom»Vaterland", so sagten sie sich doch:„Uebung macht den Meister," und kämpften mit den Wellen frisch darauf los. Wenn sie über den großen Müggelsee fahren, dann weht am Bug der rote Wimpel und sie singen fröhliche Lieder. Das zweite Boot aber liegt im Bootshaus eines bürgerlichen Ruderklubs, treulich bewacht und wenig gebraucht. Nur ab und zu sieht man es auf dem Wasser. Seine Insassen hassen die rot« Fahne. Die Arbeiterjugend aber rudert mit kräftigen Armen, und munter klingt das Lied:„Mit uns zieht die neue Zeit." Das verlorene Kind wiedergefunden. Der„Spaziergang" nach Beelitz. Wie uns aus Beelitz gemeldet wird, ist dort heute morgen das verschwundene Mädchen mit dem Kinde in der Behausung von alten Leuten aufgefunden worden. Beide sind wohlbehalten. Außer einem Oberstadtsekretär, der das Mädchen mit dem Kinderwagen auf der Chaussee von Beclitz-Heilstätten nach Beelitz-Ort sah und alsbald die Polizei benachrichtigte, fiel das Mädchen in der Pflegerinnentracht auch noch anderen Leuten auf. Es war mit dem schonen Kinderwagen in Beelitz eine u n g e- wohnte Erscheinung. So wurde auch die Gattin des Rechtsanwalts Dr. Jäger in Beelitz auf einem Spaziergang aufmerksam. Sie folgte dem Mädchen und beobachtete, daß es zu einem Friseur fuhr. Während der Wagen draußen stehen blieb, ließ die junge Pflegerin von dem Friseur nicht nur sich, sondern auch dem kleinen Mädchen einen Bubikopf schneiden. Frau Dr. Jäger beschäftigte sich mit dem niedlichen Kinde und fragte auch die Pflegerin nach diesem und jenein. Erna Sannig schwindelte ihr dabei allerlei vor. Sie erzählt«, daß sie allein die volle Aufsicht über das Kind habe. Die Mutter kümmere sich kaum um die Kleine und überlasse alles ihr. So sei sie denn mit der Kleinen, zu der sie eine große Zuneigung gefaßt habe, am Montag einmal ins Freie gefahren. Auf die Frage, wo sie denn die Nacht über mit dem Kinde geblieben fei, erwiderte sie, sie habe mit ihm im Hotel gewohnt. Alle Rechnungen und Kosten würden von dem Charlottenburger Arzt bezahlt. Die Fror» gewann wohl den Eindruck, daß das Mädchen nicht ganz normal sei und machte sich auch Sorgen um das Kind. Sie konnte aber doch nichts unternehmen, weil noch keinerlei Verdacht vorlag. So fuhr denn das Mädchen mit dem Kinderwagen den Tag über in dem Ort herum und suchte auch mehrere Bekannte ihrer Familie auf. Erst gestern spät abends erhielt Frau Dr. Jäger durch Funkspruch Kenntnis von dem Verschwinden des Mädchens mit dem Kinde. Weil die Pflegerin auch von alten Leuten als Bekannten ihrer Familie gesprochen hatte, so unternahm sie mit ihrem Manne sofort alle Schritte, um diese alten Leute zu ermitteln. Das gelang denn auch. Diese alten Leute sind ein früherer Schuh- machermeistcr und sein« Frau, die in Beelitz auf dem Altenteil wohnen. Bei diesen beinahe 80 Jahre alten Leuten entdeckte man das Mädchen und das Kind. Erna Sannig wurde auf Anordnung der hiesigen Kriminalpolizei in Beelitz vorläufig festgenommen. Sie ist in der Tat wohl nicht ganz normal. Abonneutenversicherung! Zu den Lockmitteln, mit denen manche Zeitungen und Zeit- schrtsten ihre Abonnentenzahl aufzubessern versuchen, gehört die Abonnentenoersicherung. Wer abonniert, der trieot als„Gratis- zugäbe" ein« Unfall- oder Todesfalloersicherung, die für ihn der Verlag bezahlt. Bei diesem Geschäft profitiert auch die Bersicherungsgeselljchast, da sie auf einem Umwege einen Ver- sicherungsnehmer gewinnt, der sonst für sie nicht zu haben gewesen wäre. Freilich mutz, wer sich durch solchen Köder sangen läßt. recht aufmerksam die Bedingungen lesen, deren Tragweite nicht immer sogleich erkannt wird. Aus Anlaß eines Vorkommnisse», das uns gemeldet wird, halten wir für nötig, wieder einmal zur Vorsicht zu mahnen. Eine Frau war von dem redegewandten Werber eines Zeitschriftenverlags zu einem Abonnement bewogen worden, ihr Ehemann aber, der erst später davon erfuhr, schrieb dem Verlag, daß er lein Geld zum Wciterbezug der Zeitschrift habe. Ais Antwort erhielt er«inen Brief von einem Rechtsanwalt, der ihn belehrte, die Zeitschrift sei a u'f ein volles Jahr bestellt und könne nicht vorzeitig ab- bestellt werden, da die Firma selber für jeden Abonnenten die Ver- sicherungsprämi« für ein volles Jahr im voraus zahlen müsse. Für den Fall weiterer Weigerung, vertragsgemäß die Zeitschrist abzu- nehmen, drohte der Rechtsanwalt mit Klage» erhebung. Wir wollen es uns versagen, hier den Zeitschriftenoerlag oder die Versicherungsgesellschaft zu nennen, die vielleicht die Nennung gar noch als erwünschte Reklame begrüßen könnten. Uns kommt es auf diesen Einzelfall allein nicht an, sondern wir wünschen, daß in jedem Fall die von den Abonncntensammlern heimgesuchten Frauen gegenüber dem Angebot einer Abonnent enver» [icherung größte Vorsicht üben. Trotz der Fülle von Versicherungsgesellschaften aller Art, mit denen wir gesegnet sind, fehlt es bisher noch an einer Versicherungsgesellschaft zum Ersatz von Schaden aus Reinfällen, die man mit einer Abonnentenvcrsichening erleben kann. Das beste Schutzmittel ist die Selbstversichening nach dem Rezept:„Augen auf und Taschen zu!" Die J?irrtu mit der Gckieintodpistole. Die Treppen des Hochbahnhofe» Danziger Straß« hinab- tcrkelt, offenbar gänzlich betrunken,«in etwa'3Sjährig«r Mann. Er fingt mit borstiger Bierstimme unenträtselbare Lieder, stößt sich wie«in Uebereifriger beim Selbsttraining in die Seiten und bändelt schließlich mit einer Frau an, die gerade in Eile die Treppen über- qu«n. Sein W«rben ist w«nig zart, die Antwort der Frau sehr deutlich. Ais darauf der Mann aagressio wird, zieht dis Frau kalt- blütig einen Reooloer. Es knallt durchdringend. D«r Trunkene torkelt, überschlägt sich, rollt über den Boden, steht auf und läuft dann hilfeschreiend davon. Schreckensrufe von allen Seiten de» Bahn- Hofs, Bahnbcamt« eilen herzu, schnell angesammeltes Publikum dis- kutiert aufgeregt, es herrscht Lynchstimmung, die nur nicht nxiß, gegen w-en sie sich wenden soll. Jetzt nah!«in Polizist, der der Frau eincit Waffenschein abverlangt. Neugierige stehen in dichten Mengen. Man murrt: Wie konnte die Frau dem harmlosen Süffel sofort mit dem Revolver entgegentreten. Auf dem Polizeiöureau enträtselt sich die Sache: das beschlagnahmt« Schießzeug war«in«— Scheintod» Pistole, zu deren Besitz kein Waffenschein erforderlich ist. Die Frau wird entlassen, der alkoholisch geladen« Krakeeler, der den Wirbel verursacht«, auch. Wenn die Frau jetzt gegen ihn klagt, wird man wegen tätlicher Beleidigung gegen den Burschen vorgehen. Ein« ernst« Frage ist aber hierbei angebracht: Was sind dos für Zu- stände in der Weltstadt Berlin, wenn sich einzeln gehende Frauen, um sich vor Belästigungen zu schützen, mit Pistolen ausrüsten müssen?! Ist es nicht ein Beweis, daß die Frau, die sich mit einer solchen Waffe versieht, bereits daraus verzichtet hat, von den öffentlichen Ge- walten Schutz zu erwarten und sich nur auf Selbsthilfe verläßt? Beraubte Wertbriefe. Ein im Dienst ergrauter Beamter, der Postossistent Karl H. aus Moabit, wurde in Magdeburg festgenommen, weil er Einschreib«. briefe und Wertsendungen beraubt hat. Seit vielen Jahren fuhr er auf verschiedenen Strecken als Bahnpoftbeamter, zuletzt auf der Strecke Berlin— Magdeburg. Hier verschwanden feit einiger Zeit wiederholt Einschreibe- und Wertbrief«. Ein Postrat der Unter- siichungsabteilung der Ob«rpostdir«ktion fuhr nun vorgestern noch Magdeburg und nahm eine ganz unvermutete Kontrolle vor. Hierbei zog er H.«inen soeben von ihm unterschlagenen Ein- schreibebrief aus der Tasche. Der Ueberraschte könnt« nun nicht mehr leugnen. Di« weiter« Untersuchung ergab, daß er auch stark oersiegelte Briefe geöffnet und den Inhalt herausgenommen hatte. Er hatte sie so geschickt wieder verschlossen, daß«in Bruch der Siegel gar nicht zu merken war. Der Verhastete wurde nach Berlin gebracht. Er hat 16 Fälle bereits zugegeben, wahrscheinlich aber fallen ihm SS bis 30 Fälle zur Last. H. will durch Krankheiten in seiner Familie i n N o t geraten und dadurch zu den Veruntreuungen gekommen sein. Großfeuer in Fürsteuwalde Gestern abend gegen 8 Uhr wurden die Feuerwehren von Fürstenwalds und sämtlichen umliegenden Orffchaften auf den Ruf Großseuer alarmiert. Aus dem Holzlagerplatz der Firma Walter Friedrich war auf noch unaufgeklärte Weise ein Feuer ausge- brachen, welches unter anderem«inen großen Holzlagerjchuppen mit reichem Holzoorrat vollständig vernichtet hat. Dadurch, daß der Benzintank eines unter dem Schuppen stehenden Lastautos explo- dierte, griff das Feuer mit rasender Geschwindigkeit um sich. Den Anstrengungen der Feuerwehr gelang es, das Feu«r an dem Uebergreifen auf die in der Nähe befindlichen Baulichkeiten zu ver- hindern. Auf viel« Kilometer Entfernung im Umkreis« ist das Feuer durch einen roten Schein am Himmel sichtbar gewesen. Di« ganz« Nacht hindurch hatten die Feuerwehrmannschasten mit dem Ab- löschen und den Aufräumungearbeiten zu tun. Der Schaden, der teilweise durch Versicherung gedeckt sein soll, beläuft sich aus mehr als 100 000 Mark. 100 Millionen in der Berliner Sparkasse. Die Einlagen der Berliner Sparkasse haben im Monat August die Summe von 100 Millionen Mark überschritten. Die Einlagen zählten am Ultimo August 101,7 Millionen. Zum gleichen Zeitpunkt des Jahres 192S betrugen die Einlagen 66 Millionen, im Jahre 1924 16 Millionen. Der Unlcrverband Brandenburg des Reichsstädtebunde» hält seine diesjährige Tagung am 24. und 26. September in Perle- b e r g ab. Syndikus Dr. H a e ck e l, Berlin, spricht über d i e wichtig st en Fragen der kommunalen Praxis. Ferner wird u. a. verhandelt über: Umgestaltung der Höheven Mädchen- schulen, Errichtung einer Beamtensachschule für die Provinz Bran- dcnburg, Neueinrichtung von Registraturen, Melde- und Wahl- karteien, Teerstraßenbau in der Klein- und Mittelstadt, Aenderungen und Ergänzungen der Satzung des Brand«nburgischen Sparkassen- und Giro-Derbandes. Die SPD.-Vertreter versammeln sich zu einer Vorbesprechungen am Donnersjag, den 23. September, nachm. 5 Uhr. im„Bürgergarten". Zeugen gesuckill Vasfanten, welche am 13. I u n! nach der Demonstration der nationalistischen Verbände im Lustaarten beobachtet baden, wie bei einer Ansammlung Unter den Linden iNabe ZcugbauS) ein Jugendlicher von einem Schuvobeamten mit dem Gummiknüppel zu Boden geschlagen und ein jnrgeS Mädchen, welche« Ibn nusbob, unter der Bclchuldiguno, fi» bade mit Steinen geworsen, sisiiert wurde, wollen sich umgebend bnes- lich oder mündlich lS— k> Uhr, Mittwoch und ltreiiag 9—7 Uhr) im Jugend- selrelmiat, EW. 68, Lindenstr. 3, 2. Hos, II Tr., Zimmer 11, melden. Eile tut noli Unkosten werden erstattet. Zum Gartzer Brückeneinsturz. Die Allgemeine Bau-A.-G., die die zerstörte Oderbrück« bei Gartz errichtet hatte, gibt folgende Erklärungen ab: „Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Gartz hat in ihrer außerordentlichen Versammlung am 21. d. M., abends 8 Uhr, be- schloffen, den am 19. September gefaßten Beschluß, das Vermögen der ausführenden Firma der Allgemeinen Bau-A.-G. zu beschlag- nahmen, einstimmig wieder aufzuheben. Ein Verschulden der Bau- firma am Brückeneinsturz konnte nicht festgestellt werden, lieber die Ursache des Brückeneinsturzes gehen die Ermittlungen weiter. Man nimmt an, daß der Einsturz durch die im Flußbett der Oder vorkommenden wandernden Moore verursacht worden ist. Auch rechnet man mit der Möglichkeit von Bodenverwersun« gen durch Hochwassercinslüsse. Ein ähnliche» Vorkommen ist vor etwa 4 Wochen bei der Eisenbahnbrücke in Rcglitz bei Podejuch fest- gestellt worden, wo ein für die Eisenbahnbrücke hergestellter mäch- tiger Pfeiler Infolge Vodenverwersungen versank. Mit den Auf- räumungsarbeitcn beim Brückeneinsturz ist bereits begonnen worden. Di« Nenherstellung der Brücke dürste in nicht allzu langer Zeit zu erwarten sein. Bezüglich der ungelernten Arbeiter wird mitgeteilt, daß diese nur aus Beranlassung der Stettiner und Gartzer Behörden Verwen- dung finden mußten und daß diese Arbeiter seldstoerständlich nur z» Htlssarbeiten, also Transport von Materialien, Brüstungen und Geräten herangezogen wurden. Auch die Mitteilung, daß die Ar- bester 12 bis 14 Stunden täglich arbeiten mußten, entspricht nicht den Tatsachen. Der Tag ist in drei Schichten von je 8 Stunden eingeteilt gewesen, so daß Beschäftigungen üb«r diese Zeit hinaus nicht stattgefunden haben können." Die Untersuchung des Unglück» wird ergeben, inwiewest die Be- hauptungen der Firma im einzelnen zutreffend find. Eifenbohaunfölle in Schlesien. Gestern abend gegen 10 Uhr fuhr beim Bahnhof C z e r w i o n k a der von Kattowitz kommend« Personenzug, wahrscheinlich infolge Nichtbeachtens der Signal«, auf einen mit Kohlen beladenen Güterzug auf. Zwei Wagen des Güterzuges wurden vollkommen zertrümmert, drei Wagen stürzten die Böschung hinab. Die Lokomotive des Personenzuges blieb an der Birawkabrück« über einem etwa zehn Meter tiefen Abgrund hängen. Menschenleben sind nicht zu beklagen, doch trugen einig« Personen Verletzungen davon. Der Personen- verkehr wird durch Umsteigen aufrecht erhalten. Die Sturmkalaslrophe in Amerika. Wie au» Mobil«(A l a- b a m a) gemeldet wird, dauerte der Orkan in der Stadt 19 Stunden. Der angerichtete Sachschaden ist auch hier beträchtlich, doch sind Menschen nicht ums Leben gekommen. Wie aus New Orleans ge» meldet wird, verlor der Orkan im südlichen Teil de» Staates Miffiffippi an Stärke. Der Sachschaden In Pensacola ist sehr groß. Verluste an Menschenleben sind hier nicht zu verzeichnen. Der brt der L o u i s v i l I c- and N a s h v t l l«- E i s« n b a h n angerichtete Schaden beträgt schätzungsweise eine Million Dollar. „ Das Bezirksamt Neukölln entfendet einen Vertreter. Man schreibt uns: Die kommunistische Parole Kongreß der Werftätigen" zündet absolut nicht. Deshalb werden täglich in der Roten Fahne" in möglichst großer Aufmachung Nachrichten gebracht, wonach dieser oder jener Betrieb die Beschichtung beschlossen haben foll. Wie es gemacht wird, beweist eine solche Meldung in der Nummer vom 17. September mit der fnalligen Ueberschrift: Das Bezirksamt Neukölln entsendet einen Vertreter." Danach soll die Bezirksversammlung des Verwaltungsbezirks Neukölln beschlossen haben, das Bezirksamt möge einen Bertreter zu oben genanntem Kongreß entsenden. Diese Meldung ist unwahr. Der Vorgang, um den es sich handelt, spielte sich wie folgt ab: Es lag ein entsprechender fommunistischer Antrag vor, der von einem Rebner der KPD.- Fraktion begründet wurde. Da sonst niemand das Bedürfnis verspürte, fich zu dem Unsinn auszusprechen, ließ der Vorsteherstellvertreter Radday, ein Kommunist, abstimmen. Für den Antrag stimmten nur die anwesenden Kommuniften, etwa ein Dutzend. Alle übrigen Mitglieder der Versammlung, es waren etwa 30 im Saale, stimmten dagegen. Darauf ohren betäubender Lärm von den hinbestellten Tribünenbesuchern mit den üblichen Schimpfworten, die ja bekannt sind. Während dieses Getöses hat, wie jetzt festgestellt, der Vorsteherstellvertreter die Annahme des Antrages proflamiert. Von der Arbeiterwohlfahrt. Am Freitag, den 24. September 1926, dem Vortag der öffentlichen bevölkerungspolitischen Tagung des Hauptausschusses für Arbeiterwohlfahit e. V., die am 25. und 26. September im Voltshaussaal in Jena stattfindet, tritt nachmittags 3 Uhr der Hauptausschuß zu seiner zweiten Reichs fizung in Jena( fleiner Saal des Boltshauses) zusammen. Die Tagesordnung ist den Mitgliedern des Hauptausschusses für Arbeitermohlfahrt bereits bekanntgegeben Teilnahmeberechtigt find die im Sinne des Beschlusses der Vertreterfonferenz vom 4. Januar 1925 in Berlin gewählten Vertreter der Bezirke und die Mitglieder des erweiterten Arbeitsausschusses( Borsigende der einzelnen Fachtommiffionen des Hauptausschusses und deren Stellvertreter). Anträge der Bezirks- oder Orisausschüsse für Arbeiterwohlfahrt zur Reichssigung des Hauptausschusses sind durch Rundschreiben bis zum 5. September d. J. angefordert worden. Die Wohnungskommission der Arbeiterwohlfahrt in Jena ist am Wieder Achtstundentag! In den städtischen Kranken- und Pflegeanstalten. Die Sektion Gesundheitswesen des Verbandes der Gemeinde- und Staatsarbeiter hatte zu Dienstag abend nach den Sophienfälen für ihre Mitglieder eine Versammlung einberufen, in der zuerst der Geftionsleiter Schulz einen ausführlichen Bericht über die Reichsfonferenz in Düsseldorf gab. Es folgte dann eine längere Dis fuffion über den auf Anordnung der Zentrale der KPD. in allen Versammlungen eingebrachten Antrag, Delegierie für den foge= nannten Rongreß der Werttätigen" zu wählen. Der Antrag wurde zwar abgelehnt, aber es wurde doch soviel erwirkt, daß ein Teil der Versammlungsbefucher vorzeitig die Verfammlung verließ. Immerhin ein Erfolg für die KPD. Genosse Rochowski behandelte dann die wichtigste Trage: ,, Wiedereinführung des Achtstundentages in den städtischen Kranten und Pflegeanstalten." Er schilderte zunächst die Vorfriegsverhältnisse in diesen Anstalten, wo, begünstigt durch die damals bestehende Gesindeordnung, eine unmenschlich lange Arbeitszeit und völlige Unfreiheit des Personals bestand. Erst durch die Revolution wurde hier Wandel geschaffen. Das Bersonal, das inzwischen auch die Notwendigkeit des festen organifatorischen Zusammenschlusses erkannt hatte, bekam die achtstündige Arbeitszeit. Die im Jahre 1923 beginnende Flucht aus den Gewerschaften, die auch im Gemeinde- und Staatsarbeiterverband einsetzte, rächte sich auch an dem Pflegepersonal. Im Reiche wurde 1924 allgemein die zehnstündige Arbeitszeit eingeführt; nur in Berlin gelang es durch die Organisation und durch die Bemühungen Dr. Gilbersteins, eine Verlängerung der Arbeitszeit über 9 Stunden zu verhindern. Die Organisation ruhte aber nicht, das Verlorene wiederzuholen. Nach langen, schwierigen Verhandlungen ist es dem Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter nunmehr gelungen, den Magistrat zu einer Verfügung zu veranlaffen, wonach für das Pflegepersonal, soweit dazu feine besonderen Mittel notwendig find, bis zum 1. Oktober die achtstündige Arbeitszeit wieder eingeführt werden muß. Wo Neueinstellungen erforderlich sind, foll die Berkürzung bis zum 1. November durchgeführt sein. Des weiteren wurde in gesamte Haus- und Wirtschaftspersonal der Achtstunbentag wiedereingeführt werden soll. Diese Umstellung soll bis zum 1. Januar 1927 durchgeführt sein. der Borschläge, die nur Aenderungen redaktioneller Natur find. Die über die Neufestsegung des Aufmaßes gemachten Borschläge sowie die Forderung der Unternehmer, die Preise für Schlemm- und Filzarbeiten zu reduzieren, wurden einstimmig abgelehnt. Die Versammlung brachte zum Ausdrud, daß sie eher einen tariflosen Zustand als eine Neufestlegung des Aufmaßes hinnehme. Da am Donnerstag nochmals Verhandlungen mit den Unternehmern stattfinden, wird eine neue Versammlung dann die endgültige Entscheidung treffen. Ein neuer Verräter. Der englische Bergarbeiterführer Cook. Die Rote Fahne" bringt in großer Aufmachung ein im„ Daily Herald" veröffentlichtes Interview mit Coot über die Lage im englischen Bergarbeiterstreit. Die" Rote Fahne" knüpft an diese Ausführungen, die ziemlich pessimistisch gehalten find, folgenden Kommentar: „ Diese Ausführungen Cooks flingen in feiner Weise kämpferisch. Sie sind sicherlich nicht geeignet, die durch die furchtbaren Entbehrungen gedrückten kämpfenden Bergarbeiter aufzumuntern. Cook scheint nach diesen Ausführungen die vollkommene Kapitula. tion der Bergarbeiter vor den Unternehmern im Auge zu haben." Also schon wieder ein Verräter! Der große Cook, den die KPD. wiederholt nach Deutschland berufen hatte, um hier die deutschen Gewerkschaften in Grund und Boden zu reden, entpuppt sich als ein ganz gewöhnlicher ,, Agent der Bourgeoisie", der die ,, vollkommene Kapitulation der Bergarbeiter vor den Unternehmern" im Auge hat. Das find die großen Leute der Bolschemisten, die heute von Moskau als Messias der neuen Heilslehre aufgeputzt, morgen als verbrauchter Strohwisch in die Ede gestellt werden. Internationaler Transportarbeiterkongreß. Fimmen als Generalsekretär unter Borbehalt bestätigt. Paris, 22. September.( WTB.) Der Internationale Transportarbeiterverband hat gestern abend seine Arbeiten beendet. Die gestrige Sigung wurde fast vollkommen von einer Aussprache über die Tätigkeit des Generalsekretärs Fimmen in Anspruch genommen, dem insbesondere von belgischer Seite bolschewistische Tendenzen vorFreitag, den 24. September, nachmittags ab 2 Uhr, im Hotel Bum erneuten Verhandlungen am Dienstag erreicht, daß auch für das geworfen wurden. Schließlich wurde ein Antrag der deutschen DeleLöwen", ab Eonnabend früh im Boltshaus zu sprechen. * " Eine neue fozialdemokratische Zeitschrift. Der Hauptaus schuß für Arbeiterwohlfahrt e. V. gibt vom 1. Oftober ab 14tägig eine Zeitschrift heraus: die Arbeiterwohlfahrt". Die Zeitschrift wird die sozialdemokratischen Forderungen auf dem Gebiet der Wohlfahrtspflege vertreten, neue Ereignisse der Gesetz gebung, Verwaltung und innerhalb der freien Wohlfahrtspflege kritisch würdigen, den Bezirks- und Ortsausschüssen und den einzelnen Mitarbeitern ein Führer in Theorie und Praxis der Wohl fahrtspflege fein. Sie wird die Arbeits- und Berufsintereffen des Wohlfahrtsbeamten und Angestellten behandeln. Sie wird die Er fahrungen, die innerhalb der Organisation gemacht werden, vermitteln. Und sie wird nach dem Wort der Vorsitzenden der Ar beiterwohlfahrt, Genoffin Juchacz, ein Kampforgan fein. Be stellungen find zu richten an den Hauptausschuß für Arbeiterwohl. fahrt, Berlin SB. 61, Belle- Alliance- Blak 8. Preis für die Einzelnummer 3 M., für das Bierteljahr 1,80 m. Buschriften an die Redaktion find zu richten an die Genossin Hedwig Wachenheim, Berlin W. 15, Emser Straße 37. T = „ Der Jugendhelfer, Taffachen und Forderungen", ist Gegenstand einer öffentlichen Tagung, die der Bund entschiede ner Schulreformer in den Tagen vom 2. bis 5, Ottober im Schöneberger Rathaus veranstaltet. Unter den Rednern sind Brofeffor Paul Oestreich, Ministerialrat Dr. Gertr. Bäumer, Volkshochschuldirektor Dr. Paul Honigsheim Köln, Stadtrat Walter Friedländer, Berufsberater 3iesler, Heimleiter Prof. Dr. E. von Dühring Frankfurt a. M., Lehrerin Lisa Rieß, Stadtarzt Dr. Kurt Bejach, BolizeiwohlfahrtsstellenLeiterin Margarete Dittmer, Frauenhilfsstellen- Leiterin Char Lotte Wieling, Landgerichtsrat Dr. Gerhard Danziger, Amts richter Dr. Otto Naegele- München, Jugendgerichtshelferin Charlotte Meyer, Lic. Dr. Sigmund Schulze, Dezernent Dr. Egon Behnte, Dr. Kurt Bondy Altona. Die Teilnehmer. farte fostet 6 M. für die ganze Veranstaltung, 1 M. für den einzelnen Halbtagsabschnitt. Programme und Karten durch die Wertfreude", Berlin B., Kurfürstenstr. 104. W Eine Besichtigung der Siedlung für finderreiche Familien in Hohenschönhausen an der Landsberger Chaussee, die von der Gemeinnüßigen Bau- und Siedlungsgenossenschaft Die finder reiche Familie" in Berlin N. 4 erbaut wird, findet am Sonntag, den 26. September 1926, nachmittags 3 Uhr, statt. Es werden hierzu alle Mitglieder der Genossenschaft sowie Parteigenossen, die finderreich find, eingeladen, daran teilzunehmen. Stillstand der Typhusepidemie. Die Zahl der Erkrankungen nicht gestiegen. Hannover, 22. September.( BS.) Nach den amtlichen Mit teilungen ist die Zahl der Kranten und Typhusverdächtigen in den städtischen Krankenhäusern und Hilfshofpitälern nicht gestiegen, sondern beträgt unverändert 1721. Es ist dies allerdings nur ein relotiver Stillstand, der dadurch entstanden ist, daß 12 Personen bereits als geheilt aus den Krankenhäusern entlassen worden sind und weitere 8 Personen der Seuche erlegen sind. Die 3 ahl der Todes opfer ist nunmehr auf 88 gestiegen. Während des gestrigen Tages wurden 20 neue Typhusfälle in die städtischen Krankenhäuser eingeliefert. Großfeuer in Limburg a. d. Cahn. Heute nachmittag entstand in der hiesigen Kunstmanufattur ein Großfeuer, deren Gebäude vollfommen niederbrannten. Die Feuerwehren hatten schwer zu fämpfen, um ein Uebergreifen des Feuers auf benachbarte Fabritgebäude zu verhindern. Das Feuer entstand durch die Fahrlässigkeit eines fünfzehnjährigen Knaben, der sich sein Feuer zeug mit Benzin füllen wollte. Allgemeine Ortskrankenkaffe Berlin Lichtenberg. Cinladung gur außerordentlichen Ausschuß- Gizung zum Mittwoch. den 29. Geptember 1926, nachmittags 5 Uhr, im Raffenlofal Magda lenenstraße 16, vorn 1 Treppe( Badeanstalt). Tagesordnung: 1. Borlegung der Entwürfe für bas neu zu errichtende Berwaltungsgebäude. 2. Beschlußfaffung darüber. 3. Raffenangelegenheiten. O. Geitel, 1. Borsigender. Rasierklinge. Streubel's Feingold"( früher Hertelflaffe) Die immer anerkannt beste, jür verwöhnte Selbstranterer, v Rünftl i. ihr. Fach geschliff. u. gehärtet, befigt diese Klinge eine Feinheit b Schnittes, die geradezu verblüffend wirkt Tägl. Lob. u. Dantschreib. beweisen die erst tlaifige Qualität Jn 800 Geschäften GroßBerlins erhältlich, wo nicht, beim Fabrit. H. Streubel, Berlin 33, Taborftr. 12. Dies versendet 10 Kling.2,75 M., babei 1 Rafier apparat ob. Geife ob. Klingenfchärfer gratis.! OPEL Fahrräder Die Weltmarke Nur MR. wochentl Teilzahl herabPreise gesetzt Genosse Rochowski wies aber auch darauf hin, daß der Er folg der Organisation nur möglich war, weil in den städtischen Kranken- und Pflegeanstalten wieder ein gutes Organisa tionsverhältnis besteht. Die Mitglieder müssen durch rege Agitation dafür sorgen, daß auch in den privaten Berliner Heil anstalten das Organisationsverhältnis wieder ein besseres wird, damit auch dort, wo tie Verhältnisse meist sehr im argen liegen, wieder menschenwürdige Lohn. und besonders Arbeitsverhältnisse eingeführt werden können. Tarifkündigung im Verkehrsgewerbe. Berschleppung der Verhandlungen. Die Berliner Ortsverwaltung des Berkehrsbundes hat zum 30. September sämtliche mit den Berliner Verkehrsgesellschaften ab geschlossenen Lohntarife gekündigt. Die Tarife wurden im No: vember vorigen Jahres neu abgeschlossen und blieben bis jetzt un= verändert bestehen. Der Direktion der Straßenbahn ist die Forderung überreicht worden, eine Zulage von 8 Pf. pro Stunde zu gewähren, was ungefähr einem Ausgleich für die seit Abschluß des legten Lohntarifes eingetretene Teuerung gleichtäme. Trotzdem der Berkehrsbund schon mehrmals um Verhandlungen nachgesucht hat, ist die Direktion der Straßenbahn bis jetzt jeder Verhandlung ausgewichen. Das Bersonal ist nicht zu unrecht über die Verschleppungspolitik ungehalten, zumal die in diesem Sommer erzielten Berdienste nur durch die äußerste Arbeitsanspannung des Personal erzielt werden konnten. Tarifkonflikt der Puzzer. Um die Löhne. Die im Baugewerksbund organisierten Puzer beschäftigten sich in einer überfüllten Versammlung am Dienstag in den Residenzfestfälen mit dem Ergebnis der nochmaligen Berhandlungen über den Abschluß eines neuen Tarifvertrags. Betanntlich hatten der Verband der Berliner Baugeschäfte und die Arbeitsgemeinschaft der deutschen industriellen Bauunternehmun gen den bestehenden Tarifvertrag zum 30. September gekündigt und eine Anzahl Abänderungsanträge gestellt. In den Berhandlungen am 23. August war in den meisten Punkten, in denen es sich hauptsächlich um redaktionelle. Aenderungen handelte, eine Einigung erzielt worden. Keine Einigung wurde erzielt über die Vorschläge der Unternehmer, das Aufmaß ( Akkordberechnung nach Quadratmetern) neu festzusetzen. Sie for derten u. a., daß bei den Innenpuzarbeiten sämtliche Türen sowie Fenster mit über 4 Quadratmeter Flächeninhalt nicht mehr mit gerechnet werden sollen, ohne daß für den dadurch entstehenden Verdienstausfall eine entsprechende Erhöhung der Preise für Innenpug erfolgen sollte. Unternehmer abgelehnt hatten, erflärten sich die Unternehmer Nachdem die Pußer in einer Versammlung diese Vorschläge der in der Berhandlung am 6. September bereit, den Preis für Innenput um 5 Bf. pro Quadratmeter zu erhöhen, wodurch der durch den Wegfall der Fenster und Türen entstehende Verdienstausfall mit wenigen Ausnahmen ausgeglichen wird. Der Fachgruppenleiter Genoffe 2ehnig empfahl der Versammlung, dem Verhandlungsergeb. nis zuzustimmen, da es den Unternehmern nicht gelungen sei, einen Lohnabbau durchzusetzen. Die darauf vorgenommene Abstimmung ergab die Annahme SHERLOCK- GES.m.b.H. OPEL- NIEDERLAGE Alexanderstr. 27a, II. Hof, Tel. Kgst. 9610-12 Berliner Elektriker Genossenschaft angeschl. dem Verb. soz. Baubetriebe Berlin N. 24, Elsässer Str. 86-88 Fernsprecher: Norden 6525, 6526 Filiale Westen, Wilmersdorf Landhausstr. 4. Tel.: Pfalzburg 9831 Ausstellungsräume und Lager: Alexanderstraße 39-40( Alexander Passage), Telephon: Königstadt 540 Herstellung elektr. Licht-, Kraft- und Signalanlagen. Verkauf aller elektr.Bedarfsartikel Ausführg. sämtl. 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Trog aller Bemühungen des Betriebsrats war eine Einigung nicht zu erzielen. Am 17. September wurde im Beisein des Vertreters vom Deutschen Metallarbeiterverband eine Verhandlung geführt. Auch dort erklärte der Inhaber Schulz, für die ftrittige Arbeit der Mundstücke nicht mehr zahlen zu können. Es wurde der Vorschlag gemacht, die strittige Arbeit in Lohn auszuführen. Trotzdem die Schleifer bei dieser Lohnarbeit gegenüber der Akkordarbeit 30 Pf. pro Stunde meniger verdienen, wurde auch dieses abgelehnt. Bei dieser Aussprache hat sich der frühere Schleifer und heutige Schieber Albert Kal be besonders hervorgetan. Dieser gute Mann plagte wie das große Tier im Porzellanladen hinein, indem er erklärte, daß es doch unerhört wäre, andere Leute, die billiger arbeiten wollen, davon abzuhalten. Er drohte, daß von einer an deren Firma bereits ein Strafantrag gestellt wäre. Der Vertreter des DMV. Otto Koch I hat diesem würdigen Bertreter des Kapitals die gebührende Antwort gegeben. Nach der ersten Verhandlung hat der Organisationsvertreter fich nochmals bemüht, eine Einigung zu erzielen; diese scheiterte jedoch an dem Widerstand des Firmeninhabers. Es wird nochmals betont, daß für die ftrittige Arbeit bei anderen Firmen ein weit höherer Preis gezahlt wird und daß demnach auch die Firma diese Arbeit höher bezahlen fönnte. Der Betrieb ist demnach für alle organifierten Schleifer und Berufsgenossen bis auf weiteres gesperrt. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin, Achtung Portiers! Wohnungsuchende! Seit einigen Tagen erscheinen in der bürgerlichen Presse Inserate folgenden Inhalts: ,, Bortierstellen, tauschlose Wohnung, vermittelt Portierverband, Baruther Str. 7." Meldet sich nun ein Wohnungfuchender auf dieses Inserat, so muß er erst die Mitgliedschaft zu einem„ Verein der Hauswarte und Bortiers" erwerben. An Beitrag und Aufnahmegebühr sind 2,50 M. zu entrichten. An die Stellung resp. Wohnung ist natürlich nicht zu denken. Wir haben bereits das Landesarbeitsamt sowie das Polizeipräsidium auf diese Schwindelgesellschaft, die aus drei Herren und einer Dame besteht, aufmerksam gemacht. Deutscher Portierverband, Seftion 7 des deutschen Berkehrsbundes, Berlin W. 30, Bayreuther Str. 31. Die Verhandlungen im englischen Streik. London, 22. September. Reuter.) Die Besprechungen des Premierministers Baldwin mit den Bergarbeiterführern wurden um 1 Uhr früh vertagt. Berantwortlich für Bolitit: Dr. Curt Geyer; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lotales und Sonstiges: Frik Raritädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts.Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckeret und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin EW 68, Lindenstraße 3. URANIA Monatshefte für Naturerkenntnis und Gesellschaftslehre Gratis- Prospekte durch d. Annahmest. und die Botenfrauen des Vorwärts" Teilzahlung! Kulante Bedingungen! 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