«C.44S ♦ 43.5obra. Musgabe A Nr. 224 Bezugspreis. Wöchentlich 70 Pfennig, monatlich S.— ZIcichomarl voran»»ahlbar. Anter Kreuzband titr Deutlchland, Dainiia. Saar» und Memeloediet. Oelicrreich, Litauen. Lurcmbur, 4,50 Reichsmark, tiir da» Übrige Ausland 5,50 Reichsmark pro Monat. Der»Borwärt»' mit der tltulirier. lcn Eonntagsbeilag«»Volk und Zeit' towie den Beilagen»Unterhaltung uno Willen'.»Aus der Filmwelt', »israucnslimme'.»Der tkinder- treund'...Iugend-BorwSrts' und »Blick in die BUcherwclt' erscheint wochentäglich»weimal, Sonntag» und Montag» einmal. Telegramm-Adreffe: »Saztaldemokrot verlin' Morgemmsgave Derliner Volksvl�kt (lO Pfeania} Anzeigenpreise: Die« i n l v a l t l a« Ronvareille- »eile 80 Pfennig, Reklame»«!« 6,— Reichsmark.»Kleine An»eigen' das fettgedruckte Wort 25 Pscnnig (»uläfftg»wei fettgedruckte Worte!, jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche da,«rli« Wort 15 Pfennig, jede« weiter« Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buckl» staben»ählcn fiir»wei Watte. Arbcitsmarkt Zeile 00 Plennig. Familicnan»eigcn liir Abonnenten Zeile 40 Pfennig. An, eigen für die nächste Nummer Müllen bis Iii Uhr nachmittag, im Hauptgeschäft. Berlin SW 08. Linden. straheZ. abgegeben werden. Geöffnet von 8!4 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. �entralorgan cler Aosialclemokratifcken Partei Deutfcklancls Reöaktion und Verlag: Serlin EW. SS, Lindenstraße Z Fernsprecher: Tönhoff 2S2— SS7. Stresemanns /lbsthieö von Ansprachen und Pariser Kommentare. Gens. 22. September.(Eigener Drahtbericht.) Reichsaußen. minister Stresemann verabschiedete sich am Mittwoch vor seiner Heimreise von den Vertretern der Presse aller Länder und hielt bei dieser Gelegenheit folgende Rede: Aus Genf nehme ich Eindrücke der Genugtuung mit, und ich glaube dasselbe sagen zu können für die anderen Mitglieder der deutschen Delegation. In allen Fragen, die uns hier beschäftigt haben, ist die deutsche Delegation stets der gleichen Aussassung gewesen. Daraus mag man auch die Gewähr entnehmen, daß die von uns verfolgte Politik sich auf die grohe Mehrheit des Parla- ments und des deutschen Volkes stützen kann. Ich möchte mm zu einigen Gerüchten Stellung nehmen, die hier aufgetaucht sind in bezug auf eine Rede, die ich gestern vor der deutschen Kolonie gehalten habe. Ich habe nach der Begrützungs- anspräche des Vorsitzenden darauf hingewiesen, dgh wir in Genf einen großen Schritt vorwärts gekommen sind, und zwar, daß zwischen Frankreich und Deutschland weiter verhandelt wird, nicht über die Verminderung der Besatzung um irgendeine Ziffer, sondern um die ganze Frage der Rheinlandräumung und um das Verhältnis des Saargeblete» zu Deutschland. Damit habe ich keine Indiskretionen begangen, da mir die Havas- Meldung vorlag über den gestrigen französischen Ministerrat, in dem ganz offen von diesen Fragen gesprochen worden ist. Ich habe im Zusanunenhang mit der Regeluno der Saarsrage vom« e l b st- b e st i m m u n g s r e ch t der Völker gesprochen und damit die vielleicht stattsindendc Volksabstimmung im Saargebirt über feine Rückkehr zu Deutschland angedeutet. Ein Mailänder Blatt hat geschrieben, daß ich über die An- gliederung Oesterreichs an Deutschland und die Annexion Südtirols gesprochen hätte. Es ist die Frage ausgeworsen worden, ob man darüber in T h o i r y gesprochen habe. Die Per- Handlungen von Thoiry waren sehr bedeutungsvoll für die Politik; ober wenn man glaubt, daß dort eine neue Verteilung Europas besprochen wurde, so muß ich sagen, daß man diese Unterredung überschätzt. Andererseits soll man mich nicht unterschätzen und mir die Torheit zutrauen, eine Rede gehalten zu haben, wie sie heute verbreitet wird. Gerade gegenüber manchen Anfeindungen in meinem eigenen Lande bin ich mir klar geworden über den Grad des Fortschrittes der ganzen Beziehungen, der heute möglich ist. Ich freue mich, daß er stärker ist, als ich früher vermutet habe. Aber wer in meinen Worten irgendetwas sucht, was über die Fragen hinausgeht, oder wer aus meinem heiweis. daß man nunmehr im Völkerbund sich de» Selbslbettimmungsrechts. z. B. des Memellandcs annehmen müsse. eine Sensation machen will, der tut es aus Sensationslust oder bösem Willen. Ich glaube, wir alle können uns im Geiste des Völkerbundes der Fortschritte freuen, die die Verständigung der Nationen seit Deutschlands Eintritt gemacht haben. Ich freue mich besonders des For schritt» der Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich, weil ich darin den Kern der großen Frage der europäischen Verständigung sehe. �Aber wer diese Verständigung will, möge sie nicht durch solche Sensationen und unbegründete Gerüchte stören! Am Schluß erklärte der Reichsaußenminister, daß e r die Ber- tretung Deutschlands im Rat übernehmen werde. Seine Aus- führungen wurden wiederholt von einmütigem lebhaften Beifall begleitet. Eine Rede auf öem deutschen Sierabend... Genf. 22. September.(Eigcner/Orahtbericht.) Die deutsche Kolonie in Gens veranstaltete am Dienstag abend ein geselliges Zusammensein mit den Mitgliedern der deutschen Delegation. Bei dieser Gelegenheit ergriff Außenminister Dr. Stresemann das Wort. Er hob die ost schwere Lage der Deutschen im Ausland, vor allem während des Krieges, gerade auch in Genf und Lausanne hervor, um dann eingehend das Verhältnis Deutschlands zum Völkerbund darzulegen. Im Jahre 1919. so führte Stresemann aus, wurde unsere Ausnahme in den Völkerbund einstimmig abgelehnt, jetzt aber einstimmig warm begrüßt. Darin kommt der Ausstieg zum Ausdruck, den Deutsch- lond in den letzten sechs Jahren wieder genommen hat. Bedeutet der jetzige Ausnahmeakt im Völkerbund nicht, daß das deutsche Volk die ihm nach dem verlorenen Krieg auferlegte harte Probezeit gut bestanden hat? Hätten wir recht gehandelt, wenn wir wie ein trotziges Kind länger zur Seite gestanden hätten? Die Aufnahme, die uns bereitet wurde, war eine große moralische Genugtuung für Deutschland. Unseren Anspruch auf K o- l o n i e n machen wir geltend wie jedes andere Volk. Das Saar- gebiel und das Rheinland werden in kürze wieder frei sein und ganz zu Deutschland gehören. Nach dem Sturze der Mark haben wir wieder eine fest« Währung, während Siegerstaaten noch um eine solche kämpfen müssen. Die schweren Belastungen, die dos deutsche Volk übernehmen mußte, brauchen uns nicht zu erniedrigen. Die materielle Armut entscheidet nicht, auch der arme Mann soll jedem frei ins Augen schauen können. Für uns jetzige Generation gibt es allerdings kein Ausruhen, Wir find in xine schwere Zeit hineingeboren und müssen sie ertragen, um unseren Nachkommen eine neue Freiheit zu hinterlassen. Wir freuen uns, daß wir jetzt in Genf hierzu einen großen Schritt vor- w ä r t s gekommen sind. ... und die Wirkung eines havasberichts. Varls, 22. September.(Eigener Drahtbericht.) Die Rede Stresemanns auf dem Bankett der deutschen Kolonie in Genf, wie sie H a v as in großer Ausmachung verbreitet, hat mit einem Schlag dem bereits stark im Schwinden begriffenen Mißtrauen gewisser Parteien in den ehrlichen Annäherungswillen der deutschen Regie- rung Nahrung gegeben. Man sieht vor allen Dingen in der Rede Stresemanns einen Versuch, Briand fe st zulegen, trotzdem der deutsche Zluhenminister wissen müsse, daß Briand gerade bei gewissen Mitgliedern des gegenwärtigen Kabinetts große politische Schwierigkeiten überwinden muß, um zum Ziele zu gelangen. Das„Journal des Döbats" sagt, daß Stresemann, wenn er die bevorstehenden Verhandlungen zum Scheitern bringen wollte, nicht besser vorgehen konnte. Stresemann habe scheinbar mit Ab- sicht die Frage der Kriegsschuld wieder ausgerollt: der Teil der Rede Stresemanns sei eine Warnung, die zu außerordentlich opportuner Zeit daran erinnert, daß die ernstesten V o r s i ch t s- maßregeln zu ergreifen seien, bevor man sich mit einer Regie- rung einlasse, in deren Augen Wilhelm II. und seine Helfershelfer keinerlei Kriegsverantwortungen trügen. Es wäre zu hoffen, daß eine derartige Rede nicht ohne Antwort bleiben wird. Redcstoff für Poincars. pari», 22. September.(Eigener Drahtbericht.) Am nächsten Montag wird Ministerpräsident Poincare in seiner Heimat Bar- le-Duc den Generalrat eröffnen, dessen Präsident er ist, und bei dieser Gelegenheit eine polittsche Rede halten.' Man glaubt, daß der Ministerpräsident dabei seine Haltung zu den Besprechungen von Thoiry darlegen wird. Eine votschast an das Rheinland. Köln, 22, September.de»Iheoter» Da« Gotbacr Lande«- theater befindet stch in einer sehr kritischen Finanzlage. Eine Versammlung der Arbeit«gemeinjchast zur Erhaltung und Förderung der(»othaer Lande«- bübne stellte seit, dah eine grihere finanzielle Sicherslellung de« Theatei» notwendig sel, um die ungehinderte Durchführung der diesjährigen Spiel- zeit zu ermöglichen. SS sind Verhandlungen mit den zuständigen Stellen im Gange. «u neuer«ome«. Räch einer Meldung, die die Britische Astronomische Aesellichast erhalten hat. bat Professor Witt eine» neuen Kometen entdeckt. Der Komet ist bi« fehl mit keinem der bekannten Schweiisterne zu identifizieren; er ist beinahe mit bloßem Auge sichtbar, doch konnte feine Bewegung«- rtchtung noch nicht festgestellt werden. Satdeckung einer oorgeschichllichen Stadt lm kaukasu». Eine von der russischen Gclebrteiiges-llschaft iür Orieutkunde zu Studienzwccken in den Kaukasus entsandt« Erpedttion bat in der Umgebung von Mangiis in Zentralkaukasien die Reste einer Stadt aus vorgeichichilicher Zelt entdeckt. Au» den Ruinen läßt sich erkennen, daß e» sich um die sogen, kyklopische Bauart bandelt. U. a. wurden die Reste eine» Gebäude« gefunden, welche« nach Meinungen von Sachverständigen eine KuststäUe der Sonncnandelung gewesen ist. Steuerfragen im tzauptausschuß. Staffelung der Grundsteuer abgelehnt. Im Hauptausschuß des Landtags stand am Mittwoch zunächst ein Antrag der Volkspartei zur Beratung, der eine Neuregelung der Kraftfahrzeug st euer nach den Gesichtspunkten der wirtfchafllichen Leistungsfähigkeit der auf Kraftwagcnoerkehr ange- wiefenen Wirtschaftskreife oerlangt. Dasselbe soll gelten für die Vorausleistungen für den Wegebau. Der Antrag ist durch die im Reiche beschlossene Kraftfabrzeugsteuer bereits überholt. In Betracht kommt nur»och die Festsetzung des Verteilungsschlüssels für die vom Reiche überwiesenen Beträge. Die Regierung hat bereits einen Gesetzentwurf eingebracht, der eine wesentliche Ver- änderung der preutzischen Verteilung bringen soll. Genoste L e i n e r t wies daraus hin. daß die Provinzen die Krastsahrzeugsteuer in ihren Haushaltsplänen nach den jetzt geltenden Bestimmungen des Finanzausgleichgesetzes eingestellt haben. Wird eine andere Verteilung vorgenommen, so kommen die Haushalts' pläne in Unordnung, und es müßten zur Deckung der Aussälle durch die Provinziallandtage neue Umlagebeschlüsse gefaßt werden. Da die Kraftfahrzeugsteuer zur Unterhaltung der Straßen und zum Wegebau verwendet werden sollen, ist zur Beurteilung, ob die Länge der Provinziallandstraßen als Verteilungsgrundlage wegfallen kann, Material erforderlich. Bei Beratung des Gesetzes zur Aenderung des Finanzausgleichs sei deshalb nötig, zu wissen, wieviel an Einnahmen aus der Krastsahrzeugsteuer den Provinzen nach dem jetzigen Steuerverteilungsschlüssel zu- fallen und nach dem künftigen zufallen würden. Die Sozialdenw- kralic könne sich ohne diese Unterlagen»»cht festlegen. Es wurde beschlossen, daß die Regierung bei endgültiger Rege- lung der Kraftfahrzeugsteuer auf Beseitigung des Brücken. g e l d c s Bedacht nehmen soll. Sodann verhandelte der Ausschuß den Antrag der sozial- demokratischen Fraktion, nach dem das Staatsnünisterium ersucht werden soll, an die nachgeordneten Behörden Anweisungen zu geben, von Gemeindevertretungen beschlossenen, nach Art und Benutzung der Grundstücke gestaffelten Zuschlägen zur Grundvermögens st euer die erforderliche Genehmigung zu geben. Seine besondere Bedeutung erhielt der Antrag durch die in diesem Sinne von der Berliner Stadtverordnetenver» s a m m l u n g beschlossene neue Grundsteuerordnung. Der Berichterstatter, Genosse Meyer- Solingen, trat für die Annahme des Antrages ein und betonte ganz besonders die Not- wendigkeit der Stafselung mit Rücksicht darauf, daß infolge der Um- lcgung der Steuerbeträge auf die Miete von einer eigentlichen Realsteuer, die der Grundbesitzer zu tragen hat, nicht mehr die Rede sein kann. Insbesondere rechtfertige sich eine höhere Besteuerung des unbebauten baureisen Geländes, das zu Speku- lationszwecken jahrelang unbenutzt daliege. Bedauerlich sei die Haltung der Genehmigungsbehörden und der Staatsregierung, die die Berliner Grundsteuerordnung abgelehnt hätten, dagegen aber eine unsoziale Staffelung, z. B. in Hannover dahingehend, die un- bebauten Grundstücke mit einer niedrigen Steuer zu belasten, ge- nehmtaten. Hierin drücke sich ein schweres soziales Unrecht gegen- über den minderbemittelten Bcoölkerungskreisen aus und eine Aversion gegen die bodenreformerischen Bestrebungen. Gegen den Antrag wandten sich die Vertreter des Fi- n a n z- und I n n e n m i n i st e r i u m s, die ihn auf Grund des Kommunalabgabengesetzes nicht für zulässig erklärten. Wohl sei eine verschiedenartige Besteuerung nach bebautem und unbebautem Grundbesitz zulässig, jedoch nicht nach der Größe der Wohnungen, die sich auf bebautem Grundbesitz befinden. In ähnlichem Sinne äußerten sich die Vertreter der Deutschnationalen, der Volkspartei, des Zentrums und der Demokraten. Den Ausführungen der Regierungsvertreter und der bürger- lichen Abgeordneten traten die Genossen Leinert, Leid, M e y e r- Solingen und der Abg. Schwenk(Komm.) entgegen. Der sozialdemokratische Antrag wurde von der bürgerlichen Mehrheit des Ausschusses abgelehnt» ebenso csn gestellter Dcrmittlungsantrog, der bei der beoarstehenden Reform.des. Kommunalabgabengesetzes den Gemeinden die Möglichkeit geben will, die Staffelung zu beschließen. Es bleibt also beim alten. Notstandsmaßnahmen in Hamburg. 30 Millionen für Arbeitsbeschaffung.— Eine Auslandsanleihe. Hamburg. 22. September.(Eigener Drahtbericht.) Die Ham- burger Bürgerschaft genehmigte nach längerer Debatte am Mittwoch abend einen Senatsantrag über die Notstandsmaßnahm« n. Es sind rund Z l> M i l l i o n e n Mark für ein Arbeitsbeschafsungs- Programm vorgesehen. 11 Millionen Mark sollen außeretatsmäßig dem Wohlfahrtsamt zur Verfügung bedürftiger Personen gestellt werden. Außerdem sollen vier Millionen der Notstandskommission für Berufe ausgehändigt werden, die durch das Arbeitsbeschafsungs- Programm nicht erfaßt werden können. Die Kommunisten hatten zu diesem Programm mehrere Anträge gestellt, deren Durchführung etwa 500 Millionen Mark erforderte. Ihre Ablehnung wurde von den Kommunisten mit großer Entriistung aufgenommen. Mit dem Notstandsprogramm beschloß die Bürgerschaft die Aufnahme einer sechsprozcntigen hamburgischen Aus- landsanleihe im Gegenwert von etwa SO Millionen Reichsmark, die insbesondere für Eisenbahn-, Hafenbauten und Aufschluß von Staatsgeländ« bestimmt ist. Dazu ersährt unser Ham- burger Vertreter, daß diese Anleihe von einer Londoner und New Jorker Gruppe gegeben werden wird. Die Londoner Anleihe beträgt zwei Millionen Pfund Sterling, ist ZZjährig und ähnlich wie die kürzlich in New Pork aufgenommene sechseinhalb- prozentige preußische Anleihe tilgbar. Die in New Port auf- genommene Anleihe beträgt 10 Millionen Dollar, ist 2l>jährig und unterliegt keiner Tilgung. Dielmehr ist die Rückzahlung der Gesamt- summe erst bei Ablauf der 20 Jahre fällig. Der Hamburgische Staat hat das Recht, beide Anleihen nach fünf Iahren ganz oder teilweise zurückzuzahlen, die Londoner Anleihe zu 102 Proz. und die New Yorker Anleihe zu 100 Proz._ Der Artikel 1 6. Besorgnisse von Nachbarstaaten Rußlands. Einen Teil des Locarno-Dertrages bildet die Erklärung, daß bei Anwendung des Artikels 16 der Dölkerbundssatzung, d. h. bei einer militärischen Dölkerbundsaktion gegen einen dem Völkerbund nicht angehörenden Staat, die besonderen geographischen und militärischen Verhältnisie der in Betracht kommenden Völkerbundsmitglieder be- rücksichtigt werden: was praktisch bedeutet, daß Deutschland an einer Dölkerbundsaktion gegen Sowjetrußland nicht teilzunehmen braucht. Die Regierungen einiger westlichen Randstaaten Sowjetrußlands scheinen nun zu befürchten, daß sich Völkerbundsmitglieder diese Auslegung des Artikels 16 zunutze machen könnten, und deshalb hat sich im Lerfassungsausschuß des Völkerbundes(1. Kommission) sol- gendes abgespielt: Es wurde über eine Resolution des 3. Ausschusses beraten, in der die Grundsätze der Verträge von Locarno als geeignete Grundlage für die Außenpolitik aller zivilisierten Nationen be- zeichnet werden. Der Vertreter Finnlands nahm die Rcsoluiion zum Anlaß, um in einer längeren Erklärung zum Ausdruck zu bringen, daß er sich n i ch t der Auslegung des Artikels 16 anschließen könne, die zwischen den Signatarmächten von Locarno vereinbart und in der Anlage 1 Zu den Locarno- Verträgen niedergelegt worden ist. Sofort nach der Erklärung des finnischen Delegierten betonte der deutsche Vertreter Ministerialdirektor Arbeit und Ermüdung. Hauptversammlung der Gesellschaft für Gewerbehygiene. In Wiesbaden fand die dritte Jahreshauptversammlung der Deutschen Gesellschaft für Gewerbehygiene statt. Wie aus dem Jahresbericht ersichtlich ist, hat die Gesellschaft im verflossenen Jahre eine noch reichere und mannigfalligere Tätigkeit als vordem ent- wickelt. Die Zeitschrift der Gesellschaft, das„Zentralblatt für Ge- werbchygiene und Unfallverhütung", erschien in fast doppeltem Um- fange und konnte eine Vergrößerung der Abonnentenzahl ver- zeichnen. In den zwei von der Gesellschaft herausgegebenen Mono- graphiereihen erschienen 5 neue Hefte. Es wurden im Laufe des Berichtsjahres 2 gewerbehygienische Vortragskurse in Frankfurt a. M. und in Breslau und ein ärztlicher Fort- bildungskurs über gewerbliche Berufskrankheiten in Halle veranstaltet. Auch an den Organisationsarbeiten der„Gesolei* nahm die Gesellschaft regen Anteil bei der Bearbeitung der Gruppe Arbeits- und Gewerbehygiene, Unfallverhütung. Ebenso leistete die Gesell- schaft während der„Reichsgesundheitswoche" sehr werwolle Mit- arbeit. Im Vorstand sind Vertreter der Reichsämter, der Staats- Ministerien, der Wissenschaft, der Industrie, der Gewerkschaften und Verbände, der Berufsgenossenschaften und der Kranken- lassen. Als Beweis dafür, daß der Einfluß der Gewerkschaftsvertreter kein geringer ist, diene die Tatsache, daß. aus Grund eines kurzen Vortrages eines Gewerkschaftssekretärs(Genosse O. Streine), die Gesellschaft sich veranlaßt sah, durch den technischen Ausschuß das Thema„Die Beseitigung von Dünsten beim Tauchlack- und Spritz- verfahren" tiesschürfend bearbeiten zu lassen. Das zweite zur Be- arbeitung gestellte Thema betrifft„die Beseitigung der Asche in großen Kesselanlagen". Die Reihe der Hauptvorträge war dem Thema„Arbeit und Ermüdung" gewidmet und begann mit dem Referat„Physio- logie der Ermüdung" von Prof. Dr. Atzler, Berlin, Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Arbeitsphysiologie. Prof. Atzler be- sprach das Problem der Rationalisiening des Arbeitsprozesses und der Steigerung der Arbeitsintensität. Dirse Intensivierung, auf- gebaut auf Taylorismus bzw. Fordismus, eigne sich nicht für europäische Verhältnisse. Wir müßten den Arbeits- prozeß so gestalten können, daß einem Minimum von Energieauf- wand ein Maximum von Leistungen entspräche. Dazu bedürfe es aber einer genauen Kenntnis der menschlichen Natur und der Er- müdungserscheinungen. Dann können wir die Arbeitsbedingungen so stellen, daß ungünstige, weil ermüdende Arbeitsformen vermieden werden. Atzler umriß die Möglichkeitsgrenzen, in denen sich die junge Wissenschaft der Arbeitsphysiologie bewegt, und führte Bei- spiele mit Lichtbildern an. Es folgte ein Vortrag des Herrn Dr. Lehmann, ersten Assistenten desselben Instituts, der die Methodik und Apparatur be- schrieb, die bei den Untersuchungen der Ermüdung im Institut ge- braucht werden. In einem weiteren Vortrage behandelte Gewerbemedizinalrat Betke-Wiesbaden das Thema„Arbeit und Ermüdung, Ermüdung?- ausgleich, Erholung". Besonders der zweite Teil bot viel des Iyter- essantcn. Der Redner unterstrich die Notwendigkeit des A ch t st u n de n t a g e s, der richtigen und kräftigenden Ernährung. der sportlichen Entspannung, der Arbeitspausen, der Ruhe, der Bäder und der Wohnungskultur-Forderungen, die jeder Arbeit- nehmer unterschreiben wird. Als letztes Referat zu diesem Thema sprach Prof. Dr. Sachsen- berg-Dresden, Technisch« Hochschule, über das Thema„Ergebnisse wissenschastlicher Forschung aus dem Gebiet der Ermüdung und ihre Anwendbarkeit auf die Praxis". Dieser Redner unterzog die ver- schiedensten Untersuchungsmethoden der Ermüdung einer Kritik, legte aus Grund von Beispielen und Lichtbildern die Vorzüge und Nach- teile der einzelnen Methoden dar und zeigte die Richtung, in der weitergearbeitet werden mühte. Die zweite Vortragsreihe behandelte das Thema„G e w e r b- liche Ohrens chädigungen und ihre Verhütung". Sanitätsrat Dr. P e y se r- Berlin stellte in seinem Vortrag„Ge- werbliche Ohrenschädigungen" fest, daß in dieser Frage noch sehr wenige Tatsachen festgelegt seien, die meisten aber einer Lösung harren. Um eine solche Lösung zu fördern, machte Peyser schon 1910 auf dem zweiten internationalen Kongreß für Gewerbekrank. heiten in Brüssel den Versuch, die daran am meisten interessierten Kreise der Aerzte, Techniker und Industriellen für eine gemeinsame Arbeit zu gewinnen, doch der Krieg machte dies unmöglich. Jetzt hofft Peyser mit Hilfe der Deutschen Gesellschaft für Gewerbehygiene der Erfüllung seines Planes näherzukommen. Dieser Plan besteht darin, daß Peyser eine ständige periodische spezialärztlich« Unter- suchung der in Betrieben beschäftigten Arbeitnehmer veranlasien will, und zwar nach einem einheitlichen Muster. Ebenso soll auch das Material der ohrenärztlichen Polikliniken nach einem Einheit«- plan ausgewertet werden. Auch soll sich die Gesellschaft Deutscher Hals-, Nasen- und Ohrenärzte an diesen Arbeiten beteiligen. Gewerberat Dr. Mauö-Münster nahm vom Standpunkte de» Technikers Stellung zur Frage der Gewerbehygiene des Ohres. Die Bekämpfung der Geräusche und Erschütterungen liegt nicht nur im Interesse der Arbeitenden, sondern auch der An- lieger der Betriebe. Die Mittel zur Bekämpfung dieser Erschei- nungen sind: Vermeidung der Erzeugung von Geräuschen und Er. schütterungen an der Entstehungsstelle durch konstrukttve Maß- nahmen an den Maschinen und Werkstätten, serner Isolierung der Geräusche und Erschütterungen, und zwar, je nachdem es sich um Luftschall oder Bodenschall handelt, durch die Wahl eines entsprechen- den schalldämpfenden Baumaterials. An diese zwei Hauptvorträg« schlössen sich eine Reihe von kurzen Referaten an, die wir wegen Raummangels nur nennen können. Diese Referate betrafen die Berufsgesahren in der Glas-, Hut-, Gummiindustrie, in Sandsteinschleisereien, verschiedene beruf- liche Vergiftungen, Fortschritte der Belüftung, Abwässerklärung, Schutzgeräte, Rationalisierung, Aufgaben der Berufsschulen auf dem Gebiete der Gcwerbehygiene, Eindrücke aus dem Ausland« usw. Ohne Zweifel hat der Kongreß viele Anregungen gegeben. Dr. Gaus, daß er nicht auf die Erörtexungen eingehen könne, die früher»n Schoß de»-Völkerbundes Silber'&{ Auslegung des Artikels 16 stattgefunden hätten. Er IPnne stch-im Namen der deutschen Delegation lediglich an den Wortlaut der Rote halten, die von den übrigen Signalarmächten von Locarno an Deutschland ge- richtet und die in einer Sitzung des Völkerbundsrates in den Archiven des Völkerbundes niedergelegt worden sei. In der sich hieran an- schließenden D i s k u s s i o n in der der Vertreter Lettlands die finnische Erklärung u n t e r st ü tz t e, kam zum Ausdruck, daß die in dieser Erklärung ausgeworfene Frage mit der zur Beratung stehen- den Resolution des 3. Vcrsammlungsausschusses nichts zu tun habe. Im übrigen haben bei diesem Anlaß Vertreter der anderen Signatar- mächte von Locarno, insbesondere S c i'a l o j a- Italien und Fromagcot- Frankreich unzweideutig festgestellt, daß sie den Standpunkt des finnischen Delegierten nicht teilen und zu den Cr- klärungen stehen, die ihre Regierungen in der Locarno-Note Deutsch- land gegeben haben. Schließlich hat der Ausschuß dem von der 3. Kommission bereits angenommenen Antrag Jugoslawiens, wonach der Dölterbundsrat die Grundsätze der Locarno-Verträge allen Mitgliedstaaten des Völkerbundes empfehlen und den Abschluß ähnlicher Verträge möglichst fördern soll, nach langer Debatte zugestimmt. Den Zusatzantrag Finnlands, daß die Anerkennung der Locarno-Grund- sätze nicht auch eine Zustimmung zu dem besonderen Protokoll über die Ausnahmestellung Deutschlands in bezug auf Artikel 16 des Dölkerbundspaktes bedeute, soll der Berichterstatter nur in angemessener Weise erwähnen. Zwischenfall in üer �brüstungskommWon. Nordamerika gegen Politische Verquickung. Gens, 22. September.(Eigener Drahtbericht.) Di« vorbe- reitende Abrüstungstommission, die am Mittwoch ihre zweite Session begann, erlebte eine Ueberraschung. Der nordamerikanische De- legationschef G i b j o n erklärte, daß die Militärkommission A sich bei ihren Arbeiten viel zu sehr von politischen Rücksichten habe leiten lassen, anstatt sich streng auf dem ihr zugewiesenen Militär- t e ch n i s ch cn Boden zu halten. Er stelle deshalb den Antrag, daß die Militärtommisfion sich in Zukunft st r e n g an ihre Instruktionen halte und die bisherigen Ergebnisse ihrer Arbeiten bei der zweiten Lesung in diesem Sinne nochmals prüfe. Ferner soll die Militär- kommission A in ihrem Bericht alle besprochenen Auffaflungen ausführlich wiedergeben. Die spanische Regierung läßt ihre Ver- treter an der Vorbereitenden Abrüstungskonferenz weiter teilnehmen. Dagegen lehnt Brasilien jede Teilnahme an den Völkerbunds- arbeiten ab. Der Antrag der amerijpirjschen Delegation stieß in der Nach- mittagssitzung auf st a r 5 e ik W i d e r st a n d der Vertreter Italiens, Rumäniens und B e l g i e n a. Sie alle wehrten sich mit der Versicherung, daß die militärische Kommission sich� immer sehr gehütet habe, auf politische Nebenpfade zu geraten, und er- klärten, daß mit der Annahme des amerikanischen Vorschlages die ganze bisherige Arbeit der Konferenz gefährdet werden könnte. Lord Robert Eecil- England versuchte zu vermitteln, indem er vorschlug, einen sechsgliedrigen Ausschuh einzusetzen, um die Tätigkeit der technischen Kommission in Zukunft fortlausend zu beaufsichtigen. Gegen diesen Antrag wandte sich u. a. de Brouckere mit dem Hinweis, daß in einem solchen Ausschuß neben den fünf Großmächten die kleinen Staaten keine genügende Vertretung hätten. Schließlich einigte man sich auf die Einsetzung eines dreigliedrigen Ausschusses, der aus G i b s o n(Vereinigte Staaten), P e r ez(Argentinien) und de M a r i n i(Italien) be- steht. Dieser Ausschuß hat die Aufgabe, bis Donnerstag nachmittag den amerikanischen Antrag in einer annehmbaren Form vor- zulegen. Bemerkenswert war, daß die französische Delegation während der ganzen Debatte schwieg. Der Bierzehnerausschuß der Konferenz der Mitgliedstaaten des Internationalen Gerichtshofe s für die Prüfung der amerikanischen Vorbehalte hat einen Schlußbericht ge- nehmigt, der am Donnerstag dieser Konserenz vorgelegt werden soll. Das Ergebnis der Beratungen des Ausschusses ist, daß vier der amerikanischen Vorbehalte anerkannt werden können, während der fünfte als unannehmbar bezeichnet wird. Es handelt sich hierbei um die Bestimmung, daß der Internationale Gerichtshof in all den Fällen, an denen Amerika mitinteressiert ist oder zu sein behauptet, kein Gutachten ohne Z u st i m m u n g der Dereinigten Staaten ab- geben soll. polen ist zufrieden. Mit dem Verlauf in Genf. Warschau, 22. September.(Eigener Drahtbericht.) Außen- minister Zaleski erklärte dem Genfer Korrespondenten des »Kurjer Warszawski", er sei mit dem in Genf erzielten Ergebnis völlig zufrieden. Polen habe zwar«inen berechtigten An- spruch auf einen ständigen Ratssitz, aber die Entwicklung der Dinge seit der Märztagung habe deutlich gezeigt, daß die Verwirk- lichung dieses Anspruchs unmöglich gewesen sei und das De- harren auf dieser Forderung zum Austritt Polens aus dem Bunde geführt hätte. Darauf dürft« es Polen aber nicht ankommen lasten. nachdem Deutschland in den Bund eingetreten war. Opposition üer Rechten. Warschau, 22. September.(Eigener Drahtbericht.) In der Budgetkommission des Sejm stimmten in der zweiten Lesung des Budgetprovisoriums die Linksparteien für das Budget, die Rechts- Parteien beantragten Herabsetzung der Ausgaben um 32 Millionen und verlangten ein Gesetz, demzufolge die einzelnen Minister für eine Ueberschreitung der vorhergesehenen Ausgaben in ihrem Restort persönlich haftbar sein sollen. Finanzminstter Klarner trat dieser Forderung energisch entgegen und erklärte, es sei unmöglich, nur im Rahmen des Budgets zu wirtschaften, und Ueberschreitungen seien deshalb nicht zu vermeiden. Die Streichung der 32 Millionen betrachtet der Minister als eine politische Demonstration. Sollte die Herabsetzung beschlossen werden, so würde die Regierung demissionieren. Ministerpräsident Bartel schloß sich nach Rücksprache mit P i l s u d s k i der Auffassung des Finanzministers an. Die Entscheidung wird in der am Donnerstag stattfindenden Plenarsitzung des Sejm fallen. WIrlhs„Republikanische Union". Die von Dr. Wirth angeklln- digte neue Wochenzeitschrist wird zum 1. November unter dem Titel „Deutsche Republik" erscheinen, und zwar im Verlag der Republi- konischen Union G. m. b. H., Berlin und Frankfurt a. M. Die Ge- schäflsstelle befindet sich in Frankfurt a. M., Liebsrauenstraße-l, die Redaktion wird Dr. Wirth selbst führen. Ihr Bureau ist in Berlin, Lutherstraße 3. Die Rheinlandamnestie. Am Montag wurden aus dem französischen Militärgefängnis in Mainz 20 deutsche Gesangen« entlassen und den deutschen Behörden übergeben. Weiter hat die Rheinlandkommission drei der noch bestehenden Ausweisungen und ihren Einspruch gegen die Wiederaufnahme des Dienst«, einer An- zahl von Beamten ausgegeben. Einige wenige Wiederzulaffungen zum Dienst stehen noch aus. INustolini» Polizei mußte die anläßlich des Attentats auf Musto- lini in Rom verhafteten etwa 300 Personen sämtlich wieder«n t- lassen. In Bologna wurde der Vertrauensmann der Kommunisten verhaftet, in Mailand, zwei Kommunisten. Um die Haftbarkeit öer Gewerkfthaften Prof. Tinzheimers Vortrag auf dem Juriftentag. Da in dem Drahtbericht in Nr. 436 des.Vorwärts' über die Verhandlungen des Iuristentoges die Ausführungen unseres Ge nassen Sinzheimer über das Thema der Haftbarkeit der Ge- werkschasten nur kurz zusammengefaßt werden konnten, erscheint es angezeigt, sie hier ausführlicher wiederzugeben. Um so mehr, als der Juriftentag sich entgegen der Stellungnahme Sinzheimers zu der von dem Syndikus der sächsischen Mctallindustriellen, Dr. Ni tisch, vertretenen Auffassung bekannt hat, bei allen Haftfragcn seien die nicht rechtsfähigen Berufsvereine, das heißt insbesondere die auf die Rechtsfähigkeit verzichtenden freien Gewerkschaften, den rechtsfähigen Beru ssver. einen gleichzustellen, deutlicher noch- den Gewerkschaften einen Strick zu drehen. Las zweistündige, mit großem Beifall aufgenommene Referat des Genossen Prof. Dr. Sinzheimer kann in folgenden Hauptsätzen zusammengefaßt werden. Die vorliegende Frage hat nicht allein juristisch-technische Bs dcutung, sie ist grundsätzlicher Natur, und deshalb muß der Juriftentag zu ihr Stellung nehmen. Die Grundsätzlichkeit dieser Frage ergibt sich aus der Wertung der Berufsver- eine. Das geltende Recht unterscheidet zwischen Haftung rechts- fähiger und nicht rechtsfähiger Berufsvereine. Da die Arbeitgeberoerbändc in der Regel rechtsfähige Vereine find, die Gewerkschaften aber nicht rechts fähige Vereine, so kann man auch zwischen der Haftung der Arbeitgeberverbände und der Haftung der Ge- wcrks ch o f t e n unterscheiden. Die Haftung der Arbeitgebcrverbände ist nach gel- tendem Recht auf das Bereinsvermögen beschränkt. Sie haften nach§ 31 BGB. auch für das Verschulden ihrer Organe. Ihre Mitglieder hasten nicht. Lei den Gewerkschaften fällt zwar der§ 31 BGB. weg: ihre Haftung ergreist dos Dercinsvermögen und außer. dem auch das Vermögen ihrer Mitglieder. Ihre Haf- tung bestimmt sich nach Z 831 BGB.: allerdings scheidet in der Regel nach herrschender Rechtsprechung bei der VeNragshaftung die Haftung der Mitglieder aus. Dafür tritt aber nach§ 31 BGB. die pe r f ö n l i ch e Haftung derjenigen Personen, die im Namen der Gewerkschaften die Tarifverträge abschließen. Bei der Delikihaftung ist nach geltendem Recht auch die Hastung der Mitglieder mir ihrem Vermögen gegeben. Das Ergebnis ist, daß praktisch von einem Privileg der Gewerkschaften nach Z 31 nicht mehr btc Rede sein kann, und daß andererseits, im Unterschied zu der Hastung von Arbeitgcbcrverbänden, bei Vertragshastung noch die Haftung dtr Abschlußpersonen hinzukommt, und außerdem bei De- likten die Haftung der Vereinsmitglieder. So entsteht die unbe- dingte Notwendigkeit der Abänderung des geltenden Rechts, das eine Benachteiligung der Gewerkschaften bedeutet. Im Mittelpunkt der Forderungen muß die Forderung der Beschränkung der Hastung von Bcrussvereinen stehen. Die Notwendigkeit dieser Beschränkung entspringt aus der Tatsache, daß die Berussoereine, insbesondere die Gewerkschaften ge- scllschaftlich notwendige Funktionen erfülle.«. Die Erfüllung dieser Funktionen darf aber nid)! durch H a flu ng s- Prozesse gefährdet oder gar unmöglich gemacht werden. Die Frage der Beschränkung steht und fällt in erster Linie mit der Anerkennung des kollektiven Arbeitsrechts, dessen Träger die Gewerkschaften sind. Die Macht soll nicht außer- halb des Rechts stehen: ober Recht ohne Macht ist wert- l o s. Sind einmal die Gewerkschaften als Machtträger zerstört, so schwebt das kollektive Recht in der Luft. Die Gewerkschaften sind aber auch Träger der so- z i a l e n Verwaltung. Es ist völlig abwegig, zu glauben, daß sich die Funktionen der Gewerkschaften in ihrer Tätigkeit als Kampfvereine erschöpfen. Sie gewähren durch ihre Ein- richtungen ihren Mitgliedern selb st geschaffene soziale Lebensgüter(Unterstützungen aller Art), deren Spendung bei unbeschränkter Haftung gefährdet ist. Aber vor allem sind sie Körperschaften zur Disziplinicrung des sozialen Willens. Beseitigt die Gewerkschaften und ihr habt nicht mehr einen organischen Ausbau der Masse. Die Triebkräste aller einzelner sind dann entfesselt, die Grundlagen einer organischen Massencntwicklung z e r st ö r t. Den Gewerkschaften muß rechtlich die gleiche Be- Handlung angediehen werden, wie den Arbeitgeber- verbänden. Auch wenn sie nicht rechtssähige Dereine sind. müssen sie wie rechtssähige angesehen werden. Diese Gleich- st- l l u n g würde ihnen nicht nur K l a g e f ä h i g k e i t verleihen, die sie heute noch nicht haben, sondern es würde dadurch auch die Hastung der Mitglieder neben der der Verbände, wie auch die Hastung der Abschlußpersonen wegfallen. Gewiß würden dadurch die Gewerkschaften auch dem§ 31 BGB. unterstellt. Aber diese Unterstellung würde heute keinen praktischen Nachteil für die Gewerkschaften haben, nachdem durch die Rechtsprechung nach sj 831 BGB. ihre Hastung, der Haftung aus 8 31, praktisch gleich- gestellt ist. * So weit die Ausführungen des Genossen Professor Dr. Sinz- heimer, der bei seinen Darlegungen allein die Interessen der Ge- werkschasten, somit auch des Volksganzen im Auge hatte. Daß sich der zweite Berichterstatter, der Syndikus der sächsischen Metallindustriellen, energisch gegen diese Grundsorderungen wandte, ist selbstverständlich. Er vertrat den Standpunkt, daß kein Grund vorliege, den Gewerkschaften in der Haftung ein Privileg zu gewähren. Sie seien ja keine öffentlich- rechtlichen Verbände. Die Aussicht einer eventuellen u n- beschränkten Hastung sei eine viel bessere Gewähr für die Tariftreue und das rechtmäßige Verholten der Gcwcrk- schaften, als eine nur beschränkte Hastung. Im übrigen forderte er ein B e r u f s v e r e i n s g e s e tz, das eventuell unter direktem oder indirektem Zwang die Gewerkschaften verpflichten sollte, die Rechtsfähigkeit zu erwerben. Das Haupt- interesse der Arbeitgeber an den Tarifverträgen sei die Friedenspflicht. Lockere man diese, so schädige man das Interesse der Arbeitgeber an den Tarifverträgen In der Diskussion sprachen P o l t h o f, der die Frage der Haftungsregelung oertagt haben wollte, Rechtsanwalt Baum, der Gründe gegen die Beschränkung der Haft vorbrachte, aber ihnen einen erhöhten Vollstreckungsschutz geben wollt«, F l a t o w, der sich dem Grundgedanken Potthoss anschloß, und Nipperdey, der den Forderungen Sinzheimers grundsätzlich zustimmte und die Beschränkung der Hastung insbesondere daraus herleiten wollte, daß die Haftung der Berussoereine immer mehr einer G e f ä h r- dungshaftung zuneige. Von ganz besonderem Interesse und äußerst bedeutsam war die Abstimmung: die Thesen des Genossen Professor Dr. Sinz- h e i m« r wurden mit 3 4 gegen 3 2 Stimmen abgelehnt. Es war aber äußerst bemerkenswert, daß für diese Ablehnung die in großer Anzahl erschienenen Syndizi» der Arbeitgeberverbände stimmte»—; fic besorgten treu die Geschäfte ihrer Herren/ Für die Thesen Sinzheimers stimmten aber fast alle an- wesenden Vertreter der Arbeitsrechtswisfenschast: Nipperdey, Kreller, Groh, Lutz Richter, Planitz, H u e ck. Es wurden somit die Thesen Nikisch an- genommen, die ausdrücklich die Beschränkung der Has- tung der Berufsvereine ablehnen und die Gleichstellung der Gewerkschaften mit den rechtsfähigen Berufsvereinen fordern. Die Tatsach«, daß die Minorität für ein modernes G e- werkfchaftsrecht sehr groß war und daß diese Minorität die meisten anwesenden Vertreter der Rechtswissenschaft waren, zeigt mit erfreulicher Deutlichkeit, daß auch auf dem Rechtsgebiete die Idee der Gewerkschaften marschiert, sich jedoch gegen die Unternehmer und ihre Anwälte mit allen Kräften durchsetzen muh. was Sie Gasbetriebsgesellfthast kann. Und was sie nicht kann. Gestern fanden vor dem Schlichter ergebnislose Der- Handlungen statt, um die Löhne der Arbeiter der Gasbetriebs- gcscllschaft den Lahnen der Arbeiter in den städtischen Gaswerken anzupassen. Es handelt sich um die bescheidene Lohnerhöhung von 2 Pf. pro Stunde. Der Vertreter der Gasbetriebsgcsellschaft erklärte, diese sei außcrftande, die 2 Pf. Lohnerhöhung zu tragen. Die Wirtschafts- läge sei so ungünstig usw. Das alte, reichlich abgebrauchte Klagelied. Trotz dieser angeblich so düsteren Lage veranstaltet die Gas- betricbsgescllschast aber jetzt große Feiern aus Anlaß ihres hundertjährigen Bestehens. Bei diesen Feiern ist alles da. Auch Gäste aus England und Amerika, die auf Kosten der Gasbetriebs- gescllschaft 1. Klasse die Reis« machten und in einem Berliner Luxus- Hotel untergebracht sind. Solche Feiern kosten Geld, viel Geld, mehr Geld, als die Lohnerhöhung von 2 Pf. für sämtliche Arbeiter während eines ganzen Jahres beträgt. Kein Wunder also, daß die Gasbetriebsgesellschast, die unter der Last solcher Ausgaben stöhnt, außerstande ist, den Arbeitern 2 Pf. zuzulegen. Die Arbeiter sind leider so kurzsichtig, die unbedingte Notwendig- kcit solcher„Repräsentationspslichtcn" nicht einzusehen, ja sogar zu behaupten, daß die Gasbetriebsgesellschaft ihre Hundertjahrfeier viel würdiger begangen hätte, wenn sie dem gesamten Personal eine reichlich bemessene Zulage ihres Einkommens ge- währt haben würde. Wenn Geld für Luxusausgaben da sei, sagen die Arbeiter, dann müsse z u e r st Geld da sein für ein Stück Brot mehr für die Arbeiter. Und sie sind entschlossen, sich dieses Stück Brot gegebenenfalls zu erkämpfen. Die Entscheidung liegt zunächst beim Schlichter. 8 Vi Millionen für Mschinger. Arbeitslosigkeit für die Angestellten. Der Aschinger-Konzern hat bekanntlich eine große Anzahl von Hotel- und Kasfcehausbetrieben und Gaststätten in einer Hand ver- einigt. Jetzt hat der Konzern das Hotel K a i s- r h o f für S'A Mil- (tonen an das Reichsfinanzministerium verkaust. Der Betrieb wird stillgelegt und die dort Beschäftigten aus die Straße ge- setzt. Der Konzern steckt Millionengewinne in die Tasche, die Be- legschast ober wird der Not preisgegeben. Sie wird sich natürlich zur Wehr setzen. Am Freitag, den 24. d. M.. nachmittags Uhr, findet im Kewerkschaslshausc eine Versammlung der Belegschaften der gesamten Aschinger-Betriebe statt. Dort wird eingehend über die Forderungen der Belegschast und über die Maßnahmen, die zu ergreifen sind, gesprochen werden. Referent ist Genosse Saar vom Zentralverband der Hotel-, Nestau- rant- und Caft-Angestellten._ .Gesterreichische Militarmustk." Die Gesandtschaft der Republik Oesterreich teilt mit: Das wiederholte Auftreten uniformierter österreichischer Zivil- Musikkapellen, die sich die Bezeichnung„D e u t s ch m e i st e r- Kapelle" und„Oesterreichische Militärmusik de» Infanterieregiments Nr. 4" beilegen, zwingt dazu, die Oeffentlichkeit darauf hinzuweisen, daß diese Musikkapellen nicht dem österreichischen Bundesheere angehören. Insbesondere stehen die unter den erwähnten Bezeichnungen auftretenden Musikkapellen mit dem österreichischen Infanterieregiment Nr. 4 in keinerlei Zusammenhang. Die Gewerkschaftsfeier in Lesterreich. Wien, 22. September.(Eigener Drahtbericht.) Aus Anlaß des 25jährigen Jubiläums des Internationalen Gewerkschaftsbundes fand am Mittwoch im hiesigen Arbeiterheim eine Versammlung der Vor- st ä n d e aller freien Gewerkschaften Oe st erreich? statt, wobei der Nestor des Internationalen Gewerkschastsbundes, Genosse H u e b e r, die Entwicklung der Gewerkschasts-Jnternationale schilderte und die Aufgaben der Gewerkschaften in der heutigen Zeit darlegte. Er be- tonte besonders die Bedeutung des Achtstundentages. Internationaler Postbeaintenkongreß. Bari», 22. September.(Eigener Drahtbericht.) In der Mittwoch- fitzung des Internationalen Postkongresses begrüßte der Vorsitzende dieDelegiertenIrlands.DäuemarksundKanadas, deren Organisationen bisher keiner Internationale angehörten, die aber Wert darauf gelegt hatten, dent Kongreß beizuwohnen. Dann nahm der Kongreß die Berichte des belgischen Delegierten F r a i t u r e, des Berichterstatters der politischen Komission, an. Es handelt sich um Berichte über den Faschismus und über die Lage der Po st- und Telegraphenbeamten im Saar- gebiet. Endlich stimmte der Kongreß einer Resolution der poli- tischen Kommission zu, in der er den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund als den Beginn einer Friedcnsaera zwischen den Ländern Europas begrüßt. Die Entschließung wird dem Völkerbund und dem Internationalen Arbeitsamt zugehen. Der neue Präsident der englischen Gewerkschaften. London, 22. September.(Eigener Drahlbericht.) Der neuge- wählt« Gcneralrat der britischen Gewerkschaften wählt« am Mittwoch George Hicks zu seinem Vorsitzenden und damit für «in Jahr zum Präsidenten der britischen Gewerkschaften. Hicks ist fest 15)21 Generalsekretär de» damals au» der Zusammen- ! legung einer Reihe von Verbänden neugebildeten„Dereinigten britischen Bauarbeiterverbande s". Dessen Zustande- kommen ist hauptsächlich dos Verdienst von Hicks. Innerhalb der englischen Gewerkschaften ist Hicks«in führendes Mitglied des linken Flügels.__ vorverhanülungen im öergbaukonflikt. London, 22. September.(Eigener Drahtbericht.) Die Lösung des Kohlenkonflikts hat in den letzten 24 Stunden zu einer fieberhasten Verhandlungstätigkeit zwischen den Vertretern der Bergarbeiter und der Regierung sowie im Schoß der Berg- arbeiterexekutive selbst geführt. Die Besprechungen vom Dienstag zwischen den Vertretern der Bergarbeiter und dem Ministcrpräsi- denteu B a l d w i n dauerten bis in die frühen Morgenstunden. Am Mittwoch vormittag trat die Exekutive abermals zu einer Voll fitzung zusammen und nahm den Bericht über die Besprechungen mil der Regierung entgegen. Am Nachmittag hatten die Vertreter der Bergarbeiter zunächst eine Besprechung mit dem Arbeitsminister, worauf sie sich wiederum zum Ministerpräsidenten begaben, wo eine mehrstündige Besprechung mit dem Kohlenkomitee stattfand, dessen Vorsitz Baldwin selbst führt. Anschließend an die Besprechung mit den Vertretern der Berg- arbeiter hotte Baldwin eine Unterredung mit den Unternehmern. Ueber den Inhalt der Besprechungen, die am Donnerstag sortgesetzt werden, wird aus beiden Seiten Still- schweigen bewahrt. Bürgerliche Blätter wollen jedoch wissen, daß die Bergarbeiter dem Minislerpräsidenten neue Vorschläge für eine Beilegung des Konfliktes unterbreitet und insbefondcre auf die Einberufung einer Konferenz zwischen Unter- nehmern, Bergarbeitern und Regierung gedrängt haben._ Tie belgischen Bergarbeiter zur internationale» Aktion. Brüssel, 22. September.(Eigener Drahtbericht.) Der Vorstand des belgischen Bergarbciteroerbandes nahm am Mittwoch in Brüssel Stellung zu der Entschließung des internationalen Bergarbeiter- komitees, in der zur Unterstützung der englischen Bergarbeiter eine internationale Aktion empfohlen wurde. Nach aus- giebiger Aussprache fand eine Entschließung Annahme, in der sich der belgische Vorstand zu einer Unterstützungsaktion für die englischen Kameraden bereit erklärt. Als Bedingung wurde in der Entschließung festgelegt, daß auch die Kohlenaussuhr- länder, wie Amerika, Deutschland und Polen, eine ähnliche Aktion unternehmen. Die Entschließung wird zunächst den belgischen Bezirksverbänden zur Genehmigung unterbreitet.— Der Vorstand beschloß ferner, den englischen Bergarbeitern weitere 100 000 Franken zu überweisen. Der belgische Beitrag an die englischen Bergarbeiter erhöht sich damit auf eine halbe Million. Achtung, Zimmerer! Die Baustelle Eisberger Brücke, Spandau, der Firma Röhl u. Waßmann ist gesperrt. Die dort beschäftigten Zimmerleute haben Arbeiten aus dem Wasser ausgcsiihrt, wofür 20 Proz. Zuschlag auf den Tariflohn zu zahlen sind. Da die Firma diesen Zuschlag zu zahlen ablehnt, haben die Ka- meraden die Arbeit eingestellt. Kameraden, übt Solidarität mit den Streikenden. Meidet die Baustelle! Zentraloerband der Zimmerer, Zahlstelle Berlin. Jittit Sewerkschast-luyeiid örulf, Donnerztoz, 714 Uhr, Kifltit die® nippen: SRoabil:®rucrcnhciin Städtisches Iuqcndheim Bremer Elke Wiclesstrosie. Seimadend.— Köpenick: Iu«im Eriinauer Str. 5. Einfllhrunitsabend.— Tempelhos: Jugendheim GrrmaniaNr. 4 6. Lichtbildervortrag:„Streu» und «wer durch die Lllnedurper Heide".— Südosten: Jugendheim Reichenberger Straste 66.„Ernstes und Heiteres von der Walze".— Sesundbrnnnen: Jugendheim Gotenburger Str.! Leseabend:„Unser Jahresbericht".— Spandau: Jugendheim Lindenuser I. Distussionsabend.— Ritte: Zugendheim Neue ftänigstr. 21. Lichtbildervortrag:„Zichtesgebirge oder Zranken".-— Oft kreis: Jugendheim Tilstter Str. 4'5, Lichtbitdervortrag:„Sewerbeschud und Hngienr" —»chtting! ÄM ZreNag ist die Ztigendzentrase nur bi, Z47 Uhr geäfsnck' sBolksdähnc):........ Vtr-i____ ü:-n• Ingendgruppe des gMf. Heule. Donnerstag. 7%i Uhr. die Abteilungen:. Heesiassptat,: Zugendheim Kobrechtstr 64, Ecke Sondsrsttaste.„Privateigen. tum".— Treptow: Jugendheim Wildenbruchstr. S4 lKinderh"rt>. Bortrag: „Paneuropa"(Lange).___ Mus öer Partei. Der Bezirksparleltag für Ostsachsen, der in Dresden tagte, nahm nach einem Referat des Genossen Edel über:„Sozialdemo- kratie und Landtagswahl" die Aufstellung der Kandidaten zur Land- tagswahl vor. Die Vorschlagsliste mit der Spitzenkandidatur Artur> Ar». Ernst SrbuLte. ffron Thinnmel. Kurf? Arzt, Ernst Schulze, Frau Thümmel, Kurt Meckel führt 36 Kan- didaten aus. Die Landtagswahlen finden am 31. Oktober statt. Auch der Bezirksparteitag in Leipzig nahm die Auf- stellung der Landtagskandidaten vor. Die Kandidatenlsste enthält 25 Namen: als Spitzenkandidaten sind Genosse Hermann Liebmann, Genossin Martha Schilling und Genosse Max Mucker bestimmt worden. Die Alte Sozialdemokratische Partei Sachsens, die von der Partei abgesplitterten Dreiundzwanziger, hat ebenfalls aus einer Tagung ihre Kandidatenliste ausgestellt. An der Spitze steht Kreishauptmann Buck, ihm folgen die bisherigen Landtags- abgeordneten Wirth, Bethke, Frau Büttner. B-r-ntwortlich für Politik: Dr. Tuet Sepet; Wirtschaft: Artt» Saternu«: Gewerkschaftsbewegung: Z.«teineet sseuillrlon: Dr. Zohn Schikowski: Lokale, und Sonstiges: ffri»«arstädt: Anzeigen: Tb. Glocke: sämtlich in Berlin. Berlog: Borwärts- Verlag G.m.b.H.. Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerei und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co. Berlin SW 66 Lindenstrahe Z. _ Hierzu I Beilagen und..llnterbaltuna und Bisten" Nr. 44« ♦ 4Z.�ahrgakg I. Seilage öes Vorwärts Donnerstag, 2Z. September 7426 liiÄ'L/iel Die Neigung. Bogel in der Hau». lichkeit zu halten, wurzelt tief im Volksleben. Ihre erzieherische, sittliche und auch wirtschaftliche Bedeutung wird kein Einsichtiger oerkennen. Insbesondere in der Großstadt ist die Neigung zur TierpsKge weit ver- breitet. Ein oder mehrere Aquarien mit heimischen oder fremdländischen Fischen besetzt, ein Laubfrosch im Be- hälter, ein oder mehrere Käfige, die von unseren kleinen befiederten Freunden, den Vögeln, bewohnt sind, sollen nach de« Tages Last und Müh« Ablenkung von den täglichen Sorgen, Erholung und Freude an den zierlichen Geschöpfen der Natur bringen. So werden innerhalb des Häusermeeres von Berlin ein« größere Anzahl von Vögeln in den Käsigen gehalten und verpflegt und zaubern ihren Besitzern mehr oder weniger die Freiheit der Natur und ihrer Ge« schöpfe hervor. Di« Liebe des Volkes zu den Geschöpfen der Natur ist groß. Meist mühsam abgespart von dem wöchentlichen Arbeits- lohn, wird ein Vogel erworben und liebevoll verpflegt. Eher setzt der Pfleger seine Bedürfnisse an das Leben herab, che er seinen Liebling in irgendeiner Weis« vernachlässigt. Ausländische Vögel. Die Liebe de» Volkes zur Logelwelt wird offenbar, sobald man bedenkt, wie groß der Umsatz der üblichen Bedarssartikel der Vogel- pfleg«, wie Futtermittel usw. fit. Auch der jährlich» Umsatz an lebenden Vögeln gibt darüber Auskunft, allerdings wird davon ein Teil noch außerhalb versandt. Doch sind e, wiederum Verhältnis- mäßig wenige Handlungen, die sich auch mit dem Versand befassen. welch« Sögel finden wir in den Handlungen? Es ist bunt- zusammengewürfelte Gesellschaft aus aller Herren Länder, die da in den Käsigen haust. Da sind neben heimischen Arten Afrikaner, oft- mal» dicht gedrängt in langer Reihe nebeneinander auf einer Stange sitzend, ferner Australier. Amerikaner, Inder und sonstig» Asiaten. Sie haben häufig ein» lange Reis« hinter sich, eh« ste zum Verkauf kommen. Wohl am häufigsten find jene kloinen bunten und auch manches Mal grauaesarbten.Sencaalsinken" zu sehen, die in Nord- wcstasrika in den dürren Steppen Senegombiens gefangen werden. Vor allem handeln französisch« Finnen, dl» im französischen Kolonial- gebiet den Fang ausüben, mit diesen Vögeln. Sie verfrachten sie auf Seedampfer und bringen sie In die Hafenstädte Südfrankreich». Hier werden ste sortiert und nach einigen Tagen der Ruh»«nt- sprechend den eingelaufenen Bestellungen überallhin, namentlich nach Deutschland, v«rsandt. Meist sind e, farbenprächtige klein, Finken- vögel, wie der rot« Amorani. der blau« Schmetierllngssink und wie len« kleinen zierlichen und beweglichen Dögel sonst noch heißen. Auf- sollend, Erscheinungen sind die laagschwänzlge» widafinken und die ls häufig in prächtigen Farben prangenden Webervögel. Letztcrc sind nicht immer in ihrem bunten Prachtkleide. Außerhalb der Brutzeit sind sie häusig recht einfach g«> färbt, ähnlich den Weibchen, die niemals ein derartig buntes Fedcrkleid tragen. Auch kleine Taubenarte», Glanzstaare, Papageien und andere Dogelarten tom- men dorther. Infolge der großen Einfuhren an lebenden Vögeln in der Nachkriegszeit sind die preise für die üblichen Arten verhältnismäßig niedrig. Sie haben fast den Sland der Vorkriegszeit erreicht, so daß auch der von irdischen Glücksgulern weniger Bedacht» an den Erwerb«Iniger Vögel denken kann. Große Tiereinfuhren, sowohl an Grabtieren als auch an Vögeln kommen jährlich aus Südairika und Ilord- ofiaitifa, aus Australien, Südamerika und Indien. Sie gelangen meist in den Besitz weniger großer Firmen, von denen wieder der Verkauf an die deut- schen und ausländischen Handlungen erfolgt. Doch kommen diese Vögel für den allgemeinen Voaelmarkt weniger in Betracht, da sie namentlich ihrer höheren Preise wegen nur von verhältnismäßig wenig Begüterten erworben werden können. Große Mengen von KSfigvögeln liefert auch der asiatische Kontinent, namentlich der ajiatiichc Znselarchlpel. Hier kommen eine große Anzahl beliebter Swbenoögel her. die deni Volte wohlbekannt sind. Die blauarauen weißwangigen Reisslnken. die roten, weißgetupften Tigcrsinkcn, die hübschen Nonnen und Muskalfinten sind stets erhältlich und für die Händler ein lohnendes Absatzgebiet, da auch sie infolg« des großen Angebotes im Preise niedrig sind. Namentlich während der Sommermonate, aber auch im Winter, wenn der Handel mit hei- mischen Vögeln oerboten ist, sind jene kleinen Ausländer der Handels- artikel der zoologischen Handlungen. Die heimischen Stubevvögel. Im Herbst und Winter, vom 1. Oktober dl» zum t. März, finden wir in den Schaufenstern der Handlungen Vertreter unserer heimischen Vogelwelt zum Kauf angeboten, während de» Früh. sehrcs und der Sommermonat« ist der Fang und der Handel mit heimischen vogelarlen verboleli. um ihnen ein ungestörtes Brut- geschäft zu ermöglichen. Der Handel mit heimischen Vögeln hat lange nicht den Umfang angenommen, w!» der mit fremdländischen. Am begehrtesten von heimischen Arten sind Zeisige, Slieglihe und Buch- sinken. Sie werden vielfach gehalten. Auch der Sreufichmibel ist «in gern gesehener Gast. Während der Sommermonat« Ist die Nach- frag« nach jungen rabenorügen Vögeln groß. Namentlich Elstern und Dohlen, aber auch Krähen werden dann gern in noch unselb, ständigem Austande gekauft und ausgefüttert. Besonder» groß ist dann die Freud«, wenn der„Jakob" recht zahm und zutraulich bleibt und einige Worte nachplavpert. Dann werden gern die an. deren Unannehmlichkeiten, die die Haltung«ine» Rabenvögel» mit sich bringt, mit In den Kauf genommen. Wir sehen, daß der Vogel- Handel ein großer internationaler Erwerbozwelg ist, bei dem eine groß« Anzahl ron Menschen ihren Lebensunteryast erwirbt. Nicht zu vergessen sind die Nebenzweige dieses Gewerbes, wie die her- fielluvg von Käfigen, die Belieferung der Futtermittel, die Züchte- reien von Mehlwurmern. die Bäckereien von vogelbiskutt und alle die Berufe, welche die sonst noch nötigen Bedarfsartikel für die Vogel- und Tierhaltung liefern. Ein weiterer Erwerbszweig ist die Vogelzucht, namentlich die Zucht unseres gelben Hausfreundes, des Kaimcienvogels, und jenes tleinen grünen Papageie», de» Welle». flttichs. Sie ist oftmals ein Nebenerwerb, wird ober auch als einzige Erwerbsquelle in großem Umfange betrieben. Eine weniger. wich- tige, aber nicht zu oerachtend« Rolle spielt der Handel mit'selinereu Vogelorten, die meist in die Hände der zoologischen Gärten und der Vogelliebhaber gelangen, die sich mit der Pflege besonderer Voocl- arten abgeben und für den Händler, der bei so speziellen Wünschen auch einen höheren Preis verlangt, oftmals ein einträgliches Ge- schaft ist. * Die vertuste, die bei den Händlern durch Todesfälle eintreten, sind durchschnittlich weit geringer, als allgemein angenommen wird. Der moderne Logelhändler kennt und weiß seine Vögel richtig zu füttern und zu oerpflegen. Er muß sich durch richtige Pflege und Unterbringung gegen jeden Vertust schützen, da dadurch seine Ein- nahmen wesentlich verringert werden können. Im allgemeinen er- freuen sich die Logethandlungen Berlins eines gewissen Aus- schwnnges. Ihre Aufmachung an Reinlichkeit, Sauberkeit und Schön- heitssinn steht hinter denen anderer Geschäfte nicht mehr zurilck. Auch hier Hot die Nachkriegszeit energisch Wandel geschaffen. Natür- lich sind hin und wieder auch Hgndlungeu anzutreffen, die gerade nicht das Vertrauen eines Naturfreundes erwecken können. Doch hier kann da» Publikum selbst dazu beitragen, eine Aenderung herbeizuführe», indem man es oermeidet, in diesen Handlungen etwas zu kaufen._ Vorladungen zum Polizeirevier. Tin? neue Verfügung deS Polizeipriistdenten. Ein bekannt gewordener Fall, in dem ein Mann nur de»- wegen eine Dorladung zum Polizeirevier erhalten hatte, um hier Angaben über eine— verloren gegangene An- und Abmeldung zu machen, hat dem Polizeipräsident«» Veranlassung zu einer be- achtenswerten Verfügung gegeben. Nach dieser Verfügung sind Vorladungen von Personen nach dem Geschäftszimmer des Polizeireviers lediglich zum Zweck« der Auskunftserteilung im allgemeinen unstatthaft. Mit der Ein- holung solcher Auskünfte sind vielmehr die„Beamten zur beson- deren Verwendung" tox betrauen. Feststellungen geringfügiger Art, insbesondere bei ein,ach?n Meldestellenermittlungen, können indes auch von uniformierten Beamten erledigt werden. Sollte es sich jedoch um Ermittlungen bei Angelegenheiten von besonderer Wich- tigkeit handeln, so haben sich die Reviervorsteher oder deren Ver- treter selbst in die Wohnung der betreffenden Personen zu begeben. Wenn nach dem Beruf oder dem Bildungsgrade der in Frag« kommenden Personen angenommen werden kann, daß sie«ine klar und deutlich gestellt« Frage schrifttich beantworten können und werden, so können die betreffenden Personen auch durch Heber- sendupg«ine- Fragebogen» um Auskunft ersucht werden. Zur Rücksendung dieses Fragebogens ist ein mit der Anschrift de» Revier» versehener Freiumschlag beizulegen. In geeigneten Fällen kann schließlich ein« Auskunft auch durch Fernsprecher«ingeholt w»rd«n, wie denn telephonisch gegebene Auskünfte vom Revier auch ent- gegenzunehmen sind. Dem pflichtmäßigen Ermessen des Revier- Vorstandes bleibt es überlassen, in diesen einzelnen Fällen die Art der Auskunfterteilung zu bestimmen, wobei im allgemeinen zu be- achten fit, daß unnötige Belästigungen des Publi. tum» unter allen Umständen unterbleiben müssen. Schriftliche Vorladungen zum Erscheinen in den Ge- schästszimmern der Reviere dürfen nur auf Anordnung de» Revier- Vorstandes oder seines Stellvertreters in solche» Fällen ergehen, in denen die betreffenden Personen zu vernehmen sind oder sonst ein« Auskunft größeren Umfanges einzuholen ist. Die Vor- ladungen sind unter Beachtung der üblichen Höflichkeitsformeln ab- zufassen und sind durch die Post zu befördern. Sie sind von dem Reviervorstand oder seinem Bertreter zu unterzeichnen. Di, vor- Der Weg des blinden Bruno. 5) Roman von Ostac Baum, „Da, ist denn?'' fragte er leise. Lorenz antwortete nicht. Bruno schloß behutsam die Tür hinter sich, als er hinein- kam. und blieb stehen. Ln der Verwirrung wußte er nicht, wohin. Wortlos faßte ihn der Vater, führt« ihn neben sich zum Bettrand und ließ die kleine Hand nicht mehr aus der seinen. Keiner sprach«in Wort. Nur leise, mühsam unterdrückt hörte man Melli und die anderen weinen. „Warum spricht die Mutter nichts, wenn sie mich rufen ließ?" dachte Bruno. Was tat er hier? Wo war dt« Mutter? Ts becingstigts, umschnürte ihn die entsetzliche, gespensterhafte Vorstellung, daß die Mutter nicht da war. Er faßte auch mit der Rechten die Hand des Baters:„Wo ist die Mutter? Der Vater schrie auf. umschlang ihn, riß ihn zu seinem feuchten Gesicht empor und nach einem langen schrecklichen Augenblick stellte er ihn wieder auf die Erde, aber sagte kein Wort._ Da hört« man draußen Schritte. Sie klangen rücksichts- los, laut und grob. Es war der Doktor. Ohne Gruß trat er «in, ging mit schnellen Schritten zum Bett, stand da«ine Weile und tat wohl etwas, dann seufzte er tief auf, trat zum Vater und drückte ihm die Hand. Im Vorbeigehen strich er Bruno über den Kopf und war wieder fort. «• # Um nächsten Morgen saß Bruno überwach und blaß auf seinem Bett und hiett den Kopf zur Seite. Der Vater tonnte diese eigentümliche nachlässige Haltung, die die Blindheit des Knaben deutlich verriet, nicht leiden und verbot ihm immer sehr streng, sich so gehen zu lassen. Aber heute bemerkte er "Bruno, hörte, wie die anderen bei Tische saßen und früh- stückten. Er tonnte nicht begreifen, wie sie es über sich brachten. Es war ihm, als seien sie im Einverständnis mit dem Bösen, das um sie her vorging, als billigten sie es und willigten ein. Er schüttelte sich und wandte mit zuckendem Mund den Kopf weg. als man auch ihm zu essen brachte. Aber als der Vater später mit ihm noch einmal ins Schlafzimmer gehen wollte,-he man die Leiche überführte, flüchtet« er und hielt sich am Bettrand fest, als fürchte er Gewalt. Tiefer senkte der Dater das Gesicht und winkt« Melli fast zornig ab, die sich dem Knaben mit einem Gebet- buch näherte. Unten beim Hausmeister bat der Vater dann, als er fort- ging, man möchte eines der Kinder zu Bruno hinaufschicken, um ihn zu zerstreuen und abzulenken. Aber die Kinder weigerten sich trotz Drohungen und Versprechungen: sie hatten eine Scheu vor dem blinden Kinde. Rur Anni, die auch der Professor hauptsächlich gemeint hatte, legte die Schulbücher weg und ging hinauf. Bruno saß allein. Vor ihm auf dem Tisch lag der Bau- kästen, die Mappe mit Reliefblldern. seine sonst so geliebte Schachtel zerlegbarer Zinnsoldaten, sein Häuschen voll med- sicher Tischchen, Stühlchen, winziger Teppich«, Schränke und Sofas. Nichts berührte er. Er saß, den Kopf auf die Seite gelegt, und sann, eingezwängt in seine unbarmherzig an- drängenden Gedanken. „Wieso weiß man plötzlich nichts von dem, was doch weiter da ist. wie es war, ganz sol Nicht ein bißchen anders! Wieso ißt man nicht mehr und hört nicht» mehr und will nichts mehr, und das alles auf einmal, nicht nach und nach? Biel- leicht find meine Augen schon gestorben, und darum ist es so werkwürdig, daß ich doch weiß, ich habe sie: ich spüre sie, als ob sie ganz wären wie meine Hand und mein Ohr, und die Leute sagen, es fehle ihnen die Hauptsache: jeder hätte sie ganz anders! Wer weiß, was die Mutter von uns allen jetzt nicht begreift. Vielleicht kann sie nur nicht reden und sich bewegen und nicht sagen, daß sie noch hört und riecht!" Anni trat herein.„Guten Tag!" sagte sie und Bruno fuhr zusammen. Er erkannte sie nicht. Er glaubte, dies« hohe, fast singende Stimme nie gehört zu haben. Vielleicht war das die Mutter, die nur«ine andere Stimme bekommen hatte, weil die ihre gestorben war. Er war ganz verwirrt von den nach Zusammenhang ringenden Rätselfragen. „Hast du aber schönes Spielzeug," sprach Anni tapfer weiter und senkte den Blick auf den Tisch, um das auf die Seite gelegte Gesicht nicht zu sehen, das so traurig war mit den aufgeregten, beweglichen Zügen und den stillen, gleichsam nicht dazu gehörigen Äugen. Bruno öffnete den Mund, aber er sagte noch nichts. Er legte die Hände auf sein Spielzeug. Wer kam da zu ihm? „Heute freut mich das alles nicht," sagte er endlich. „Äch!" meinte das Mädchen betrübt,„aber ich bin doch hergekommen, mit dir zu spielen! Da werde ich wieder gehen!" „Nein," rief Bruno und richtete sich auf,„ich will ja gar nicht traurig sein. Bleib doch!" Anni wäre, auch gar nicht gegangen. Sie stand ganz ehrfürchtig vor einer solchen Menge herrlicher teuerer Sachen, die sie kaum je in den Schaufenstern beisammen gesehen hatte. .Was ist das?" fragte sie und zeigte auf ein kleines Zebra. „Was?" fragte er erstaunt, da sie ihm nichts in die Hand gegeben hatte.'. „Na, das dal" rief sie ungeduldig, ganz erfüllt von ihrer Neugier und sah schon auf die vielen anderen fremdartigen Gestalten der Menagerie,„das mit den schwarzen und gelben Streifen I" „Streifen?" dachte Bruno und sagte, ein wenig gedämpft. als fürchte er, die Zaubererscheinung zu verscheuchen:„wer bist du?" „Ick?" Sie lachte. Er war doch hundert und hundert- mal aus der Treppe, im Hausflur an ihr vorbeigegangen. �ich?" Er nickte nur zögernd, weil er au» dem Ton herauszu- hören glaubt«, daß es dumm war, danach zu fragen. „Was? Du weißt nicht, wer kch bin? „Was sind das Streifen?" fragte er schnell, um ihr« Auf- merksamkeit von seiner scheinbar so beschämenden Frage ab- zulenken. „Nein, was du alles fragstl" Sie lachte. Bruno senkte den Kopf. Wie sollte er nur mit ihr reden? .La, das ist herzig I" rief sie plötzlich entzückt. Ste hast« eine Hühnersteige entdeckt, in der auch Küchlein und Eier waren,„so genau ist das gemacht, als wenn es lebte!" „Was?" dachte Bruno, aber er getraute sich nicht mehr zu fragen. Hmmer wieder erblickte das Mädchen neue Herr- lichkeiten. Vor Bewunderung ganz außer sich, vergaß sie, daß sie in der Fremde war und stöberte dorm herum. Bruno bemühte sich vergebens zu erraten, was sie tat. „So was Niedliches, zum Küssen!" Er fühlte sich wie weggestoßen, der Beachtung nicht wert. Sie entfernte sich gleichsam von ihm. „Du, halt das mal! Ich möcht' es aufspannen," rief Anni, sprang voll Eifer zur Seite. Bruno streckte hilflos die Hand aus— aber da packte es ihn wild. Er wars sich zornig im Sessel zurück, duckt« den Kopf und das Weinen brach bitter los, gegen das er schon eine gute Weile angekämpft hatte. Anni fiel die Pappwand des Hauses aus der Hand, da« sie eben aufstellen wollte. Erschrocken sah sie auf ihre Hände herab und bekam ein schweres Herz. Sie hatte ja vor lauter Staunen über die schönen Dinge ganz vergessen, weshalb sie hergekommen war. „Bruno," sagte sie leise und setzte sich zu ihm,„du bist mir sehr böse?" Sie wollte ihm die Hände vom Gesicht nehmen—„geh, schau mich doch an!" Aber er weinte nur immer stärker, je mehr ste fich Müh« gab, ihn zu versöhnen._..(Fortsetzung folgt.) ladungen von Personen zum Erscheinen an Sonn- und Festtagen ist nur in besonders dringlichen Fällen zulässig, doch kann im Falle der Behinderung durch werktägliche Bcschästigung das Erscheinen an Sonn und Festtagen unter genauer Bezeichnung der Dienststunden freigestellt werden.— Es muß abgewartet werden, wie sich dieser Erlah in der Praxis auswirkt. Verkannt darf nicht werden, daß e-i sicherlich vielen Menschen unangenehm ist, wenn sie einen uni- sormierten Beamten in ihre Wohnung lassen müssen. der Storch in Oeelitz. Sine Patientin entbindet und niemand' merkt es. Am K. Mai wurde in einer Kiesgrube in der Nähe der Beelitzer Lungenheilstätte eine Kindesleiche ge- sunden. Die Leiche war in Packpapier gehüllt, das die Adresse einer Zöjähriacn Patientin der Lungenheilstätte trug. Die polizeilichen Nccherchen ergaben Zustände, die zum Himmel schreien. Die Patientin U. hatte, nachdem sie sich vier Monate als Kranke in den Heilstätten ausgehalten, am K. April d. 3. auf dem Abort der Anstalt ein lebendes Kind geboren, das sie nach der Geburt durch Aufziehen der Wasierleitung t ö t et e. Die Leiche des Kindes ver- steckte die U. drei Wochen lang im Schrank des gemein- schaftlichen Schlafsaales. Den Lerzten und Pflegerinnen «or der penetrante Geruch aufgefallen, aber man ging der Sache nicht weiter nach. Einen Tag vor ihrer Entlassung vergrub die junge Arbeiterin ihr Kind in der Kiesgrube. Weder Aerzte noch Pflegepersonal der Heilstätten haben bemerkt, daß die Patientin schwanger war und ein Kind geboren hatte. Daß diePatientin 14 Pfund von einem Tage zum anderen an Gewicht verloren hatte, wurde einfach binaenommen, als wenn nichts vorgefallen wäre. Eine körperliche Untersuchung unter» blieb. Auch als sich schweres Fieber einstellte, merkte niemand etwas von dem Vorgefallenen. Die Aermste hat sich tagelang quälen müssen. Sie ist jetzt wegen Kindesmordes angeklagt und in dos Potsdamer Untersuchungsgefängnis übergeführt worden. 3n nächster Woche wird sie sich vor dem Potsdamer Schwurgericht zu verantworten haben. Als Sachverständige sind Dr. Hagemeister- Treuenbrietzen, Oberarzt Dr. Riemann von der Brandenburgischen Pflegeanstalt zu Treuenbrietzen und der Potsdamer Gerichtsarzt Kreismedizinalrat Dr. Geisler geladen. Daß aber auch die Aerzte der Lungenheilanstalt und das Pflege- personal vor Gericht erscheinen müßten, darüber hat man nichts gehört._ Seim Impfarzt. Nicht über die Impfung selbst soll hier gesprochen werden. Die Ztehrzohl der Aerzte hält sie für notwendig. Der Staat verlangt seit langen Iahren, daß sich jeder rechtzeitig darum bemüht, seinen Kindern das notwendige Impfattest zu beschaffen. Er ist sogar lo entgegenkommend, seinen minderbemittelten Staatsbürgern gratis dazu Gelegenheit zu geben und sie schriftlich auf diese vorteilhafte Möglichkeit der Erwerbung der vorschriftsmäßigen Impfpocken auf» merkfom zu machen. Eines Tages bekommt man also«ine Kart«, in der man in einer Tonart, die an Gestellungsbefehle erinnert, aufgefordert wird, sich mit dem Impfling" in irgendeiner benachbarten Schule an dem und dem Tage einzufinden. In den Schulen ist gewöhnlich das Lehrerzimmer als Jmpfraum bereitgestellt. Praktischer Weise wird der Impstermin meist in die Mittagsstunden von 2 bis Z Uhr gelegt, in eine Zeit also, in der die Kleinkinder ihren Mittagsschlas halten. �Impflinge mit an- steckenden Krankhelten dürfen istcht in den Impfraum gebracht werden!" Aber vor dem Jmpfraum drängen sich die Mütter aus dem Schulkorridor. Bestenfalls ist«ine Klasie mit Bänken für 7- bis lll jährige Kinder als Worteraum für die Mütter bestimmt. Gesunde und oft genug krank« Kinder sind hier in drang- voller Enge beieinander. Keine Säuglingsschwester führt die Auf- ficht darüber, daß sich die Mütter mit kranken Kindern sofort ent- fernen Kein Schuldiener sorgt dafür, daß für die Mütter mit den Säuglingen auf dem Arm wenigstens bequeme Sitzgelegenheiten her. beigeschafft werden. Halbe und ganze Stunden warten so die Mütter. die von ihrer Wirtschofts- und Berufsarbeit kommen, die über- müdeten, weinenden oder im Impffieber jammernden Kinder im Arm, ungewiß, ob das Kind der Nachbarin, mit der sie Schulter an Schulter stehen, auch gesund ist, oder ob ihr Kind von dieser .volkshygienischen Maßnahme" nicht Masern öder Keuchhusten nach Haus« bringt. Wir sind gewohnt, daß man Uns die Erringung behördlich vor» geschriebener Zeugnisse nicht allzu leicht macht. Aber wir haben ein Recht, zu oerlangen, daß derartig« Maßnahmen wenigstens unter Umständen stattfinden, die eine Gesundhcitsgefährdung der Säug- ling« ausschließen. Die Entschädigung für Säuglingsschwestern, die die Kinder schon vor Betreten des Warteraums prüfen, würde den städtischen Etat nicht allzuschwer belasten, und sicher sind in jedem Schulhaus auch bequeme Sitzgelegenheiten gemig für die «artenden Mütter cmfzutreiben... Der Chanffenr schuldlos! Eine wesentliche Herabsetzung söiner gegen l?n erkannten Straf« erzielte der Privatchausfeur Hugo Heinrich tn der Berusungsinstanz. Er war wegen fahrlässiger Tötung angeklagt worden. In einer regnerischen Sommernacht fuhr er nach Mitter- nacht mit einem schweren Auw durch die Potsdamer Straße und geriet in eine Baugrube, in der sich in gebückter Stellung«in Arbeiter befand. Das Unglück wollte es, daß unmittelbar vorher die neben der Baugrube stehende Barriere nebst roter Lateme um- gefahren worden war. Statt nun die Arbeiten einstellen zu lassen, bis das Warnungssignal wieder hergestellt war. hott« der Vor- arbeiter die Leute ruhig weiter arbeiten lassen. Die Folge dieser Rachlässigkeit war, daß ein ölljähriger Steinsetzer durch das Auto des Angeklagten so unglücklich umgefahren wurde, daß er noch in derselben Nacht im Krankenhaus verschied. Das Schöffengericht Schöneberg hatte den Ehauffeur wegen fahrlässiger Tötung zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Gegen dieses Urteil hatte der Verurteilt« Berufung«ingelegt. Zu der neuen Ortsverhandlung mar Polizeihauptmann Engert als Aatomvbissachverständiger ge- laden worden. Der Sachverständige kam noch der eingehenden Beweisaufnahme zu dem Ergebnis, daß von einer Schuld des Chauffeurs keine Rede sein könnte, daß vielmehr die Olleinige Schuld de n Vorarbeiter träfe, der die Arbeiten ohne Laterne hatte fortsetzen lassen. Die B�rufungsstraf- Pommer unter Vorsitz von Landgerichtsdivektor P e l t a f o n kam nach längerer Beratung abermal» zu einer Verurteilung des Älhauffeurs, sah aber den Grad der bewiesenen Fahrlässigkeit so «uld« an, daß die Strafe wegen fahrlässiger Tötung aus 600 TO. herabgesetzt wurde. V»m eigenen Hund zerfleischt. Di« 25 Jahre alte Baronin von Carnmp-Bornheim in der Bendlerstraße in Berlin besaß seit längerer Zeit einen drei- jährigen russischen Windbund, der ihr geschenkt worden war. Da» Tier war sehr bissig und hatte erst vor einiger Zeit «ine Angestellte der Baronin und außerdem auf der Straße ein Kind und einen Polizeibeamten gebissen. Am Mitt- «och morgen stürzte sich da» Tier plötzlich und ohne besonderen Grund auf die Baronin, die noch im Deit log. und zerfleischte ihr Gesicht, Arm« und Leine. Auf ihre Hilferufe kam das Mädchen herbei, ohne ihr jedoch hellen zu können. Sie stürzte hilfefchreicnd auf die Straße und traf glücklicherweise einen Polizeibeamten. Als beide in das Schlafzimmer zurückkehrten mußten sie feststellen, daß der Hund noch immer seine Angriff« wiederholte. Dem Polizei- beamten blieb nicht» anderes übrig, als mit feiner Waffe den Hund niederzuschießen. Die Verletzungen der Baronin sind so schwer, daß sie in«in Kronkenhaus übergeführt werden mußt«, wo sogar an ihrem Aufkommen gezweifelt wird. Der ftäütische Nachtragsetat. Keine Tariferhöhung für Elektrizität und Gas. In der gestrigen Magistratssitzung ist man zu einer endgültigen Entschließung über die Einbringung des Nachtragsetats gekommen. Einer der Kernpunkte der Vorschläge des Stadtkämmerers Dr. Kar- ding war die Einsparung von zirka 15 Millionen Mark sachlicher Ausgaben aus den Etats der einzelnen Bezirke. Gewissermaßen zur Entschädigung sollte den Bezirken für den Rest ihres Etats eins größere Bewegungsfreiheit dadurch gewährt werden, daß sie das Recht auf Uebertragbarteit der für einzelne Positionen bewilligten Mittel erhalten sollten. Der Magistrat ist aber zu der Auffassung gekommen, daß ein solcher Vorschlag an die Stadtverordnetenoer- sammlung nicht ohne vorherige Anhörung der Bezirksbürgermeister erfolgen könne. Der Nachtragsetat ist deswegen um eine Woche zurückgestellt, er wird also auch heute in der Stadt- oerordnetenoersammlung noch nicht zur Vera- t u n g kommen. Ursprünglich war vorgesehen, daß Stadtkämmerer Dr. Karding ihn heute begründen sollte, worauf man ihn ohne Debatte dem Haushaltsausschiih überweisen wollte. Alle Angaben, die mit reichlicher Phantasie in bürgerlichen Sensations- blättern über den Nachtragsetat gemacht werden, sind fast ausnahmslos falsch. Die Höhe der neu zu beschaffenden Einnahmen steht noch keineswegs fest. Ebenso wenig ist die Frage geklärt, ob die vom Kämmerer gewünschte Einsparung möglich ist. Erst wenn der wirklich zu beschaffende Betrag feststeht, kann über die Wege der Deckung verhandelt werden. Eine Tariserhö» hung für Elektrizität und Gas, wie zum Beispiel die Nachtausgabe des.Tag" gestern abend meldet, kommt unter gar keinen Umständen in Betracht. Ernsthaft wird man über- Haupt zu all den aufgeworfenen Fragen erst Stellung nehmen können, wenn zuverlässige Ziffern bekannt sind. Wanvsecbahn— Stadtbahn. Man schreibt uns: Die bevorstehende Elektrisierung der Borortbahnen ist Ler- anlassung, darauf aufmerksam zu machen, welche geradezu vorsintflut- lichen Berhältnisse hier herrschen. Die Bahnhöfe Großgörschen st rahe und Schöneberg z. V. sind doch sicherlich dazu bestimmt, den Uebergang von einer Linie auf die andere möglichst zu erleichtern, und es wäre Pflicht der Eisenbahnbehörde, den allgemeinen Berhältnissen Rechnung zu tragen. Die Lage der Bahnhöfe, die das Publikum zwingt, ohne jeden Schutz gegen Witterungseinflüffe den Weg von einer Station zur anderen zu machen, und der speziell im Winter mit großen Schwierigkeiten für Kriegsbeschädigte und Beinkranke oerknüpft ist, gibt Deranlossung zu diesen Zeilen. Eine Zusammenlegung der beiden Bahnhöfe ist in sich gegeben, denn die Halle des Bahnhofs Großgörschenstraße braucht nur an die Uebergangstreppe, welche nach Friedenau zu einen weiteren Zugang erhalten müßte, heran- geschoben zu werden. Beschaffung von Gelände, große Bauten sind nicht erforderlich, denn das Gelände gegenüber der Ueberführungs- brücke Mischen den beiden Lohnhöfen ist Eigentum der Bahn- Verwaltung, so daß wesentliche Koston nicht entstehen. Ferner könnte mit Leichtigkeit ein weiterer Aufgang zur Monumentenbrücke geschaffen werden. Ist Herr La«bSberser zu spreche« f Mit eine« eigenartigen Trick arbeitete ein gewerbsmäßiger Dieb, der es nur auf große Anstalten abgesehen hatte. In der landwirtschaftlichen Hochschule, im Getreideprüfungsamt, in der Deuthfchule, im Berbandshaus der Deuffchen Zuckerindustrie, im Westend- und im Hedwigskrankenhaus und in anderen Anstalten erschien ein junger Mann, der sich.Dr. Schendel" nannte und sich, je nach dem, für einen Assistenzarzt oder für einen Ratio- nalökonomen ausgab. Er fragte höflich, ob er nicht auf einen Augenblick»Herrn Landsberger" sprechen könne. In diesen großen Betrieben kennt min der-Pförtner nicht imnier jeden Angestellten auch beim Namen. So muhre denn immer erst nach„Herrn Landsberger" henimgefragt werden, bis sich ergab, daß diemand dieses Namens da war. Die Zwischenzeit über ließ man den»Assistenz- arzt" oder den»Nationalökonomen", auf den niemand auch nur den geringsten Verdacht hatte, allein. Erst, wenn er wieder v>sg- gegangen war, entdeckte man, daß er die Gelegenheit fleißig de- nutzt hatte, um in seine Taschen zu stecken oder unter seinen Mantel zu verbergen, was er für mitnehmenswert hielt. »Dr. Schendel" nahm aber auch alles, was ihm erreichbar war, Okulare, Mikroskope, Regenschirme, ärztliche In- st r u m e n t e aller Art, Elektrisierapparate, sogar Bilder von der Wand. Aus dem Getreideprüfungsamt in der Amrumer Straße verschwand er sogar mit einem großen Getreidemcsser. Hier war er schon ein paarmal gewesen. Dem Pförtner dieses Amtes gelang es jetzt doch, des dreisten Diebes habhaft zu werden; er übergab ihn der Polizei, die den Ertappten als einen bereits vor- bestrasten Walter Schendel feststellt«, der vor zwei Iahren bereits ähnliche Streiche verübte und dafür ein Jahr Gefängnis verbüßte. In seiner Behausung in der Müllerstraße fand man allerlei Diebes- beute, die er noch nicht hatte zu Geld machen können. Den großen Getreidemesser loszuwerden, hatte er sich vergeblich bemüht. Der vierte Brand in einem Haus. Ein größeres Feuer kam gestern abend kurz vor S Uhr im Dachstuhl des Vorderhauses Landhaus st raßc 41 im Wil- merodors zum Ausbruch. Auf den Alarm eilten die Löschzüge Wil- mersdors, Schöneberg und Charlottenburg(Rankewache) unter Lei- tung des Baurats Spahn an die Brandstelle. Das Feuer hatte inzwischen eine ziemliche Ausdehnung angenommen. Durch starkes Wassergcben gelang es, den Dachsiuhl des Seitenflügels, der zeit- weiss bedroht war, zu retten. Ein großer Teil des Vorderhaus. dachstuhls brannte nieder. Die Entstehungsursache konnte bisher noch nicht einwandfrei geklärt werden, doch wird Brandstiftung vcr- mutet. Erst im Herbst vorigen Jahres, in der Zeit der Berliner Dachstuhlbrandepidemie, wurde das Haus innerhalb einer Woche von drei Dachstuhlbränden heimgesucht. An einem Tage wurde die Feuerwehr allein im Verlaufe weniger Stunden zweimal alarmiert. In allen Fällen wurde damals Brandstiftung festgestellt. Amerikanischer Seemavusbesuch. Im Flughafen Tempelbofer Feld kam gestern nachmittag 4,15 Uhr mit einem um 2,15 Uhr in Kiel gestarteten Sonderflugzeug der Deutschen Lufthansa der Kommandeur des in Kiel ankernden amerikanischen Kreuzers»Memphis", Captain De- lanau, mit zwei seiner Offiziere an. Er wurde von einem Direktor der Deutschen Lufthansa empfangen. Der amerikanische Admiral Wells ist gestern erst nach Hamburg gefahren und wird von dort aus am heutigen Donnerstag nach Berlin kommen.— Sodann werden am Sonntag, den 26. September, abend» 8,45 Uhr, auf Einladung der Stadt Berlin 10 Offiziere und 70amerikanische Matrosen des Kreuzers»Memphis" auf dem Lehrter Bahn- Hof eintreffen. Montag vormittag findet eine Führung durch die hauptsächlichsten Sehenswürdigkeiten statt. Mittags ist«in Empfang im Rathaus vorgesehen. Die Reichsbahn betriebssicher? Der Verwaltungsrat der Deutschen Reichsbahn-Gefellfchaft hielt in diesen Tagen in Berlin«ine laufende Tagung ab. in der er u. a. auch den Bericht über das Eisenbahnunglück bei Leiferde entgegen- nahm. Er bezeichnet die Unruhe, die über die Betriebs- ficherheit der Reichsbahn im In. und Ausland« entstand und sich ungünstig aus den Reiseverkehr in und nach Deutschland aus- wirkte, als unberechtigt und führt sie darauf zurück, daß«in Teil der Bevölkerung kein Verbrechen, sondern mangelnde Betrieb»- sicherhett angenommen hat. Aus den Berichten ging hervor, daß die Betriebssicherheit mindestens ebenso günstig ist als in Ker Borkriegszeit trnß baß ein Vergleich mit ben asslSnÄschen Bahnen in keiner Weis« zu scheuen ist. Zur Bekämpfung von An- schlügen soll der Streif- und Ueberwachungsdienst der Reichsbahn(der unvermutet austritt), noch weiter ausgebaut werden. Wie dann weiter mitgeteilt wurde, soll die Elektrifizierung der Berliner Stadt- wnd Borortbahnen beschleunigt durchgeführt werden..* Berlin hat gute Milch. Unter dem Einfluß der zahlreichen Mitteilungen über die Typhuserkrankungen in Hannover und an anderen Orten ist eine starke Beunruhigung der Bevölkerung entstanden, die z. T. darin zum Ausdruck kommt, daß in hohem Maße auf Milch- genuß verzichtet wird. Hierzu liegt jedoch nicht der geringst« Anlaß vor. Di« nach Berlin gelangende Milch wird von den Ge- sundheitsbehörden scharf überwacht und durchweg vor der Abgabe erhitzt. Wenn zur Vermeidung etwaiger nachträglicher In- setlion die Milch im Haus nochmals abgekocht wird, ist jede In- fektionsgefahr ausgeschlossen und ein Verzicht auf dieses überaus werwoll« Nahrungsmittel unnötig. Wenn nur die Milch in Berlin einen etwas höheren Fettgehalt als zurzeit aufweisen würde! Erfolgreiche Elternbeiratswahl. Einen bösen Reinfall erlebten die„Ehristlich-unpolitischen" in Blankenburg. Gegen die Wahl vom 6. Juni, bei der sie gänzlich ausgefallen waren, hatten sie Einspruch erhoben, dem das Provinzial- fchulkollegium stattgab. Bei der Nachwahl erhielt nun die Liste »Schulaufbau" dank der rührigen Arbeit unserer Partei- genossen 4 Sitz«, die von einem Lehrer der Schul« geführte „Gemeinfchaftslffte" 1 Sitz, während der„ch rist li ch- un p o l i t i- schen" List« gar kein Sitz zufiel. Ganze 15 Stimmen waren für sie abgegeben. Also auch in kleinen Orten geht's mit ihnen bergab.> 1100 Seite« Urteilsgründe. Die schriftliche Begründung des Urteils im Spritweber- prozeß. das am 30. Juni vom Schöffengericht Mitte gefallt wurde, fft nunmehr fertiggestellt worden. Die Urteilsgrunde um- fassen einen Riesenband von nicht weniger als 1100 Schreib- mafchinenfeiten. Dieses Urteil sst das umfangreichste, das je von einem Gericht abgefaßt worden ist. Wie bekannt, ist gegen das Schöffengerichtsurteil nicht nur von der Staatsanwaltschaft. sondern von' sämtlichen Angeklagten Berufung eingelegt worden, so daß der Prozeß noch ein zweitesmal die Berufung»- strafkammer des Landgerichts I beschäftigen wird. Dr. Paul Frank. Leiter des Stabtischen Reitlings. a m t c s. ist gestern nach fünfwöchiger Abwesenheit von seiner amen- konischen Studienreise nach Berlin zurückgekehrt. Dr. Frank hat u. a. in New Jork und Chikogo Lorträge über das Berliner Rettungswesen geHallen.'- Ein neuer Präsident der Reichsdlszipllnarkammer. Land- gerichtsdirektor Dr. Westerkamp vom Landgericht Pots- dam ist zum Präsidenten der Reichsdisziplinarkammer in Potsdam ernannt worden. Selbstmord eine» OdergefrÄlen der Reichswehr. Bor einem Hause an der Spree in Berlin wurde am Mittwoch morgen die Mütze eines Reichswehrsoldaten mit Leibriemen und Seitengewehr gefunden. Auf dem dabei liegenden Zettel stand:»Ich bitte den ehrlichen Finder, diese Sachen zur nächsten Polizeiwache zu bringen. Alles andere nehme ich mit. Ich konnte nicht anders. Otto Runge, 6. Wachtkompagnie, 2./I..R. 17" Die Leiche konnte noch nicht gefunden werden. ver verstorbene llniverfitälsprofessor Gustav Roelhe wurde gestern auf dem Allen Friedhof der Luisengemeinde am Bahnhof Westend zu Grabe getragen. Angehörige der Deutschnationalen Bolkspartei. des Stahlhelm» und der Bismarckjugend waren außer- ordentlich zahlreich vertreten. Auch Prinz August Wilhelm von Preußen und Prinz Wilhelm von Preußen waren anwesend. Der derzeilige Rektor der Berliner Universität. Professor Dr. Pompecky, betonte in seiner Gedächtnisrede, daß der Verstorbene der beredtste und glühendste Verkünder des deutschen Wesens gewesen sei. Gegen- über seinem Daterlandc sei er von tiefster Pflichterfüllung durch- drungen gewesen. Zu dem Selbstmordversuch des beinlosen Artisten Werner Lorscheidl teilt uns die Fürsorgestelle sür Schwerkriegsbeschädigte der Stadt Berlin mit. daß L. von ihr versorgt worden ist. Nach- dem der Arttst durch einen früheren Selbstmordversuch auch sein zweites Bein verloren hatte, wurde er in die Fürsorge der Stadt Berlin übernommen, die ihm Prothesen anfertigen lieh und es auch erreicht«, daß er bei einer Firma in der Ritterftraße Beschästigung in seinem früheren Beruf fand. Hier hatte er bis zum Eonnobend voriger Woche zur vollen Zufriedenheit gearbeitet. An dem gleichen Tage hatte er allerdings ohne Angabe von Gründen seine Arbeits- stelle aufgegeben. Seinen diesmaligen Selbstmordversuch hat er sicher in einem Anfall von Schwermut begangen; von einer direkten Notlage konnte nach dem oben Gesagten keine Rede sein. Er befand sich, wie die Fürsorgestelle betont, auch gegenwärtig noch im Besitz von durchaus gebrauchsfähigen Prothesen, die ihm sogar zeitweise das Stehen bei der Arbeit ermöglichten. Elternbeiralswohleu. Am Sonntag, den 26. September, von 8 bis 4 Uhr, findet in der 2. und 30. G eme i nd« f chu l«. Bob- dinstraße in Neukölln, die Wahl des Elternbeirats statt. Die Wahl ist von größter Wichtigkeit. Es werden deshalb alle Eltern ausgcfordert, an der Elternoersammlung teilzunehmen, die am Freitag, den 2 4. September, abends 8 Uhr, im Zeichensaal der Mädchenschule, Boddinstr. 5 2/5 3, stattsindet. Thema: Wanim Schulaufbau? Referenten: Ober- studiendirektor Dr. Fritz Karfen und Elternbeiratsmitglied R. Günther. Lie»lypoqraphla" wird am Eonnabend, den 25. September,»ach- mittags 3 Udr, im Krematorium Baumschulenweg dem verstorbenen Genossen Richard fttscher den Echeidegrug fingen. ES wird erwartet, datz die Sänger zahlreich und pünktlich zur Stelle sind. vezirtsdlldoiigsausfchah«roß-Seella. Nächste Theatervorstellung am Sonntag, den 24. Ottober, nachmittags 8 Uhr, tn der Volksbühne am vülowplatz.«uigrsührt wird»L h s i st r a I Komädle von Leo Sreiner. Preis der Karte»tnschllehlich Theaterzettel und Kleiderablage 1,20 9. Karten find tn allen bekannten DerkaulSstellen und im Bureau de« Br- zirkSbildungSmiSschusseS, Lwdenftr. 8,% Hof II, Limmer 8, zu haben. Wirbelstnrm in Südamerika. Ein furchtbarer Wtrbelsturm, ähnlich dem. der Florida vev- wüstete, hat in der Nacht vom Montag zum Dienstag die Stadt Encarnacion in Paraguay an der argentinischen Grenze heim- gesucht. Neun Zehntel aller Häuser wurden zerstört, so daß die Stadt einem Trümmerhaufen gleicht. Im Zentrum der Stadt wurden 20 Häuserblocke dem Erdboden gleichgemacht. Unter den eingestürzten Gebäuden befinden sich zwei Hotels, zwei Banken, da» Elektrizitätswerk und da» Zollamt. Die Stadt ist ohne Licht. Nach den einstweilen vorliegenden Nachrichten sollen 500 Menschen ums Leben gekommen sein; Hunderte von Personen sind ver- letzt. In der Hauptstadt wurden zum Zeichen der Trauer die Ber- gnügungsstätten geschlossen. Einführung der ii4-Stu«den>Aählung. Mit dem Inkraftreten des nächstjährigen Sommer» s a h r p l a n s werden im inneren und äußeren Dienftoerkehr bei der Deutschen Reichspost und der Deutschen Reich»« bahn die Stunden— um Mitternacht beginnend— durchgehend von 1 bis 24 bezeichnet werden, wie es bereits in fast allen Ländern des europäischen Festlandes geschieht. Dies« Maßnahme gill also nur für alle Dfensizwefge der Deutschen Reichspost und für den Eisenbahnbetrieb. In den sonstigen öffentlichen Verwaltungs- zweigen und im bürgerlichen Leben bleibt die hergebrachte Zäh- lung nach Vormittags- und Nachmittagsstunden von 1 bis 12 be- stehen. Stapellaus zweier Torpedoboote. Am Mittwoch mittag liefen auf der Marinewerft in Wilhelmshaven die beiden letzten Torpedoboote der Möweklasse vom Stapel. Sie er- hielten die Namen„C o n d o r* und„Falk e". Die Taufakts voll- zogen Frau jttara Mommsen(Charlottcnburg) und Admiral Behncke (Berlin). Die deutschen Ostasienslieger wieder in Moskau. Die beiden Junkers-Großflugzeuge der Ostasienexpedition der Deutschen Luft- Hansa sind am gestrigen Mittwoch nachmittag um 4.25 Uhr wieder in Moskau eingetroffen. Ihre Rückkehr nach Berlin ist für Ende dieser Woche zu erwarten. Typhusepidemie in Könitz. Im Kreise Könitz sind bisher 45 Fäll« von Typhuserkrankungen festgestellt worden, von denen fünf tödlich verlaufen sind. Sämtliche Erkrankten sind in ärzt- licher Behandlung. Es sind Matznahmen zur Isolierung und Ein- dämmung der Seuche getroffen worden. Eine Volksabstimmung über den Alkohol in der Tschechoslowakei. Die tschechischen Abstinenzverbände haben eine grotze Aktion be- schlössen. Sie wollen in der Tschechoslowakei eine Volksabstimmung über den Alkohol herbeiführen. Weil dies aber allein zu teuer wäre, hat man der Regierung vorgeschlagen, diese Abstimmung gemeinsam mit den Gemeinde- und Parlamentswahlen durchzuführen. Sinstnduag«» sSr dies» Staitil find Berlin SB 68, Lwdeastrob« 3, parteinachrichten für Groß-Serlin stets an da» B«,trk»setr«t-ri-t. 2. Has, 2 Step, recht», zu richten. Karten zur Trauerseier für den verstorbenen Genosten Richard Fischer sind ab heute im vezirkssekretariat. Lindenstr. Z. Zimmer 4. abzuholen oder anzusordern. Der Bezirksvorstand. geitunasklnanrigwaen Sro�-Betlia. Fteitoo, 2t. September, 7hi Uhr, Boll schling im Deme rtschaftshaus, Saal 1. Tagesordnung 1 1.„Wie der Sforroittts entsteht�. Referent Boiioiirlsredatteur Genosse Älüljä. 2. Unsere Werbearbeit in der„Seiten Woche". 1.»Mi« Mitte, ffreitog, 24. September. 7V6 Uhr, in den Sophiensilen, Sophienstr. 17/18, Areisdelegiertcnnersammlung. Vortrag: �Justiz in Deutschland". Referent Rechtsanwalt Dr. Alfred»lee. Alle Genossinnen und Genossen müssen unbedingt erscheinen. Der Werdezugausschuss trifft sich um 7 Uhr daselbsi.— Achtung! Die für ssreitag, 24. September, an- aesichte Siimiiq der Elternbeiräte mich umständehalber ausfallen und findet dafür am Freitag, 1. Oktober, statt. Näher« Mitteilung erfolgt noch. I. itrei, ZtreuzbMg. Abteilungsobleut, sowie Schulobleutc der sozialistischen Elternbeiräte: Freitag, 24. September, 8 Uhr, wichtige Sitzung bei Bieler, Dieffenbachstr, 76. Vollzähllges Erscheinen ist unbedingt erforderlich. 7.»reis Sharlottenbnrg. Freie Schulgeweinde und Elternbeiräte: Sent«, Donnerstag, 23. September, 7V4 Uhr, tm tzeichenfaal der 2S. Gemcindeschul«, Diebeftr. 53/5S, Versammlung. Tagesordnung: Vortrag:„Schule,»ind und Saus". Referentin Genossin Esten Beidler. Gäste willkommen. 14.»reis Reukälu. Di« Versammlung der Abteilungsmieterobleut« und Nieterverireter findet an, Freitag, 24. September, pünktlich 7 Uhr, im Ideal-Kasino, Weichselskrasse, statt. Erscheinen unbedingt erforderlich. heule, Donnerstag. 23. September: II. Abt. 7% Uhr bei Dijhstnq, Brunnenstr. 76, ausserordentlich« Funktionär- sttzung. Das Erscheinen d«r Betriebsvertrauensleut« ist ebenfalls unbe- dingt erforderlich. 24. Abt. Di« Gruppenführer werden ersucht, bis Sonntag, 26. September, all« Beitragsmarken beim Abteilungsiassierer abzurechnen. III. Abt. Treptow. 7ZH Uhr Mitglieder Versammlung im steichenfaal der Schul« Wildenbruchstrass«. Vortrag:„Die historisch« Bedeutung des Parteivro- gramms". Referent Bürgermeister Karl Bermulh. Mii.eilungen. Morgen. Freitag. 24. September: 45. Abt. 7 Uhr wichtige Funktlonärsttzung in der Wohnung de,«enoffen ''Mebcrt, Grünauer Str. 85. Alle Funktionäre müssen bestimmt erscheine». ' 62. Abt. Siemensstadt. 8 Uhr Mitaliederveifammlung im Lokal Sundheim. All« Genossinnen und Kenessen müssen unbedingt erscheinen. 83. Ab». Lichterseld«. AU« Genossen treffen ssch 3 Uhr zur Werbeversammlung für dos Reichsbanner im Restaurant„Kum Hirsch", Osdorfer Eck« Berliner Slrassc. Ministerpräsident o. D. Stelling hält das Referat. Di« nächste Mitgliederversammlung der Abteilung findet am 23. September in den Lichterfelder Feftsälen statt. »1. Ab«. SieukZln. 8 Uhr öffentlich« Eltcrnverfammlung im tzeichensaal der Gemcindefchule Boddinstr. 52/53. Referenten die Genossen Dr. Karsen und Rich. Güniher. Alle Genossen werden ersucht, an dieser Versammlung teilzunehmen. 124- Abt. Mahlsborf.Süd. 8 Uhr Mitgliederversammlung be! Dietz, Uhland- strasse 18. Erscheinen Ist Pflicht. Sounabend. 25. September: 46. Abt. Di» Beziriskassierrr rrchnen bestimmt am Eonnabend beim De- nassen Urban ab. Frauenveronstallunaen. 6.»ref«»reuzierg. Freitag, 24. September. 7lh Uhr, bei Wolfs, Gräfe. strasse 28, Funktioniirinncnsttzung. Jet« Abteilung muss unbedingt ver- treten fein. Auch die Arbeiierwohlfahrt ist bierzu eingeladen. 7. Abt. Di« Arbeitsgemeinschaft fallt aus. Nähere Mitteilungen auf dem nächssrn Frauenabend. Iungsozialisten. heule Donnerstag, 23. September: Grippe Treptow»»d Südost: Der Gruppenabend fällt heut« aus. Dir Genossen beiciligen ssch restlos an der Mitgliederversammlung der Partei 7sh Uhr in der Schule Dildenbruchstrasse. Vortrag:„Die historisch« Bedeutung de» Barteiprogramms". Referent Bürgermeister Karl Mermuth.— Gruppe Ehorlottrnbnrg: 8 Uhr im Jugendheim Rostnenstr. 4. Unsere Winterpläne. — Gruppe Nenköllu II: 8 Uhr im Jugendheim Rogatftr. 53 Fortsetzung der Diskussion über den historischen Motgriaiismu«. Jungsozialisten. Morgen, Freitag. 24. September: Gruppe Pankow: Pünktlich 8 Uhr im städtischen Jugendheim Kissingenstr. 48, Kimmer 5. Vortrog: Wariiitische Staatsauffassung". Referent Franz Lepinfki. Parteigenossen und Arbeiterjugend stnd eingeladen. Sterbetafel üer Groß-öerUner Pa?te:-Grgankfation 35. Abt. Neukollu. Unser Genosse Erich Arnold. Allerstr. 2(75. Bezirkl. ist am 17. September beim Rudern ertrunken. Einäscherung am Freitag. 24. Sep- tember, nachmittags Ith Uhr, im Krematorium Boumfchulcnweg. Rege Be- teiligung erwartet der Borstand. vortrage, vereine und Versammlungen. M W Reichsbanner.Schwarz-RotGold". Geschäftsstelle: Berli» S 14. Sebastianstr. 37/38, Kok 2 Te. »reuzdeeg: Fr., d. 24.. 7>4 Uhr.»reis-Bollverfammiuna mit An- gehörigen in den Zentvol-Festfälen. Alte Iakobstr. 32. Vortrag de» Sandiagoabgeordneten Gustav Haitinonn:„Genf und die inner« Poliiii".— Trept»» Sonntag, d. 26., Abfahrt nach Wildau: Treptow 12 Uhr, Baumschulenweg 12,15 Uhr. Schöneweide 12L0 Uhr, Adlershof 12,43 Uhr an den bekannten Stellen mit Lastaut».— Kipepick(»rei»): Sonntag, d. 26., Vropaga ndamorfch mit Mustkoerein Echo nach Schmöckwitz. Abmarsch 714 Uhr Bhf. Köpenick. Friedrichshagcn H7 Uhr Bhf. Friedrichshagen. Grünau und Bohnsdorf 8 Uhr ob Shf. Grünau.— Nei»ick»»d«rs l Kreis): So., d. 25., 6)4 Uhr, Antreten in Borsigwalde. Pflichtveronstvltung. Sonntag, d. 26., Bannerweihc in Borsigwalde. Antreten 1 Uhr Borstgwalder Festfäl«.— Wildan: Sonntag, d. 26.. Republikanischer Tag. Die Berliner Kameraden werden um recht rege Beteiligiing gebeten.— Pankow Fr., d. 24., 8 Uhr. Bollverfammlung bei Mever. Türkisches tzelt. Breite Str. 14. Nach- richtendienst ladet«i». Ohne Mitglied»usweis kein Zutritt. Deptfcher«fperanto-Bund. vrtagrnppe Berlip. Donnerst«. 23. September, 8 Uhr, Konditorei Dobrin. Hackefcher Markt: Urbungsabend. Gäste willkommen. ArbeltiigemeiPfchpst>ür Forsts chutz und Ratprkunb« E. B.. Berlin. Friedrich«. bogen. Sonnabend, 25. Sepicmber, Wanderung von Wendrnschloss noch Schmetterlingihorst, wo«in Bortrag Uber Earien- und Forstschädlinge statt- findet. Treffpunkt 414 Uhr Endbaltestell« der Strassenbahn(Linie 83). Verein der Freidenker kür Feuerbestattpng E. V. Bezirk II Zehlendors: Mittwoch. 23. September. 714 Uhr. im Lokal Lindenpark, Berliner Strasse. oberer Saal. Mitglieberversammlung. Referent Genosse König.— Bezirk II Pankow: Freitag. 24 September, 714 Uhr, im Pankow« Scfellschvft-Hou«, Berliner Str. 132, Mitglirderoersammlung. Thema:„Freidenker und Ehristen- tum". Referent Genosse Dr. Ausländer. Tvesterberlchi der össentstchea wetlerdievsffleste für Serlio. lNachdr. derb.) Meist dewölkt ohne ctheblichc Niederschläge. Tempcrawr nur wenig der- ändert.— FSr Deutschland: Im Süden trocken und zeitweise heiter, im Norden b-wötki und verewzett etwas Rege», überall ziemlich kühl. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Serlin. ».-«..Sitzung heut- 714 Uhr! heute Donnerstas. abeubs 7� Uhr: Norden: Schul« Putbusser Str. 3. Bortnag:.Arbeitsdienstjahr".— schön- hanser Voestadt l! Schul« Driesener Str. 22. Feierstunde:„Was wir wollen" und„Unsere Weidewoche".— Schönhauser Borstadt II: Schule Dunckerstr. 64 (nicht Eberswolder Strasse). Treffpunkt 348 Uhr vor der Schul«. Bortrag: ..Di« sexuelle Frage" 2. Teil.— Südost R..V.: Bei Gluck. Reichenberger Sr. 72, Funktionärverfammlung.— Zehlendors: Südschnle, Wilhelmsttasse. Vortrag: „Sexuelle Frage".— Erkner: Jugendheim an der Rundsiediung. Bortrog: -Kirch« und Arbeiterfugend" «Mbebeztrk Ofthahn: Bibliolhek in Lichtenberg, Deichserstrass«. Vortrag: „Ernsührung rn d>« sozialistisch« Literatur". h a y d n s volkstümliche Musik erweist sich immer wieder als besonders funkgeeignet. Sie wirkt so frisch und jung und ist dabei so unproblematisch, datz sie sicher dem musikalischen Laien so gut wie dem Musikgebildeten etwas zu sagen hat, ja, datz sie vielleicht über den Augenblickseindruck hinaus Freunde wirbt und Verftänd- nis weckt für Orchestermusik überhaupt. Denn diese echt österreichische Musikseligkeit, diese Freude an der Melodie kann nur den völlig Unmusitalischcn gleichgültig lasien. Es ist etwas von wunderbarer Leichtigkeit und kindlichem Frohsinn in allen Werken dieses grotzen Tonmeisters, in dessen groher G-Dur-Sinfonie der Paukenschlog die beinah« pathetisch anmutende Melodie wie in übermütiger Laune jäh zerreitzt. Selmar Meyrowitz brachte neben dieser be- kanntesten Haydn-Sinfcnie das v-Dur-Cellokonzert, das Adolf Steiner geschmackvoll spielte. Das Funkorchester gab unter der Leitung des allerdings manchmal zu temperamentvollen Dirigenten sein bestes her. D»e G-Dur-Sinfonie Johann Michael haydiis, die den Abend einleitete, zeigte, datz auch dieser Bruder Joseph haydns als Komponist recht beachtenswert war, obgleich die Welt ihn heute fast veraessen hat.— A. C. h u n o ld verstand zum 100. Todes- tage Johann Peter Hebels mehr als ein rein literatur- geschichtliches Interesse für den alemannischen Dichter zu erwecken. Er verzichtete auf die pastoral anmutenden Moralgedichte und -sprüche des Dialektdichters, auch auf die im Rundfunkprogramm bereits angekündigten Geschichten aus dem„Schatzkästlein". Statt dessen ließ er nach einer warmherzigen Einleitung die tiefempfunde- nen„Alemannischen Gedichte" sprechen. Sicher kannten viele Funk. Hörer diesen Hebel bis heute überhaupt nicht, dessen zarte Lyrik des- halb nicht leicht zugänglich ist, weil sie in dem wenig bekannten ale- mannischen Dialekt geschrieben wurde. Aber vielleicht erweckte diese gutgenutzte halbe Stunde doch in einigen Hörern den Wunsch, gründlichere Bekanntschaft mit diesem zu Unrecht gern in Borschul- lesebüchern verbannten Dichter zu machen. Das Rundfunkprogramm. Donnerstag, den 23. September. Äußer dem üblichen Tagesprogramm: 12 Uhr mittags; Die Viertelstunde für den Landwirt. 4.30 bis 6 Uhr abends: Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Franz v. Szpanowski. Anschließend: Ratschläge fürs Haus. Theater- und Filmdienst. 6.30 Uhr abends; Ministerialdirektor Dr. Ahegg:„Die Große PolizeiaussteUnng 1926". 7 Uhr abends: Hans-Bredow-Schnle(Bildungskurse). Abteilung Technik. Dr.-Ing. j3chroeder:.Entwicklung des Diesel- Motors". 7.25 Uhr abends: Heinrich Thal:„Gewerkschaftliche Kultnrarbeit". 7.55 Uhr abends: Hans-Bredow-Schnle(Hochschulkurse). Abteilung Wirtschaftswissenschaft. Chefredakteur Georg Bernhard:„Was können internationale Wirtechaftevereinbamngen leisten?(Die Regelung der internationalen Handelspolitik)". 8.30 Uhr abends: Leo Tolstoi: 1. Einführung in die Werke: Ger hart Pohl. 2. Rezitationen aus den Werken: Fritz Kortner 9.30 Uhr abends: Das Lied. II. Volkslieder ans Skandinavien 1. a) O. Wermcland(Schwedisch), b) Abendfrieden(Dänisch] c) Elvershöh(Dänisch), d) Hochzeitslied(Schwedischl, e) Fischer lied(Norwegisch), f) Mein Dirndl und ich(Schwedisch). 2. Grieg: a) An das Vaterland, b) Der Schwan, c) Bin Traum, d) Im Kahne, e) Ich liebe dich(Alfred Wilde, Tenor). Am Flügel: Bmno Seidler-Winkler. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Film dienst. 10.30—12.30 Uhr abends: Tanzmusik (Tanzorchester Ettd). Königswusterhausen, Donnerstag, den 23. September. 2.30—3 Uhr nachm.: Else 0 esterreicher: Verwendung von Birnen und Aepfeln in der Küche. 3— 3.30 Uhr nachm.: Professor Amsel und ODerschullehrer Westermann: Einheitskurzschrift. S.SO— 4 Uhr nachm.: Lektor Vilma Mönckeberg-Kollmar: Lebendiges Sprechen. 4— 4.30 Uhr nachm.: Lektor Vilma Mönckeberg-Kollmar: Der Spraohleib. 4.30—5 Uhr nachm.: Ans dem Zentralinstitut (Berichte). 6—6.30 Uhr abends: Dr. Stiegler-München: Ent- wickelung des Hopfonbaues in Deutschland. 6.30—7 Uhr abends: Handelsschullebrer Wieg: Volkswirtechaftliche Fragen für junge Kanfleute. 7—7.30 Uhr abends: Michail Wittels: Die frühen Sonaten Beethovens. 7.30—8 Uhr abends: Artnr Holitscher; Reise in China. I. Hongkongs Blockade. Ab 8 Dbr abends: Ueber- tragung ans München. 1. Sinfoniekonzert. 2. Heitere Musik. Kommt ein Vogel geflogen, Will sich niederlassen in Berlin. Liebe Berlinerl Daß Halpaus-Ggaretten besonders gut sind, beweist Ihnen die Tatsache, daß die meistgerauchte 4 Pfg. Cigarette Deutschlands unsere Rarität Nr. 200 ist. Das ist nicht das Ergebnis großer Propaganda; wir haben nur mit eiserner Konsequenz unsere Geschäftsgrundsatje verfolgt: in allem wahr und klar zu sein und alles nur auf Qualität einzustellen. Wir bleiben unseren Grundsätzen treu, wenn wir jetzt an die Oeffentlichkeit treten und Ihnen sagen:„UlSSCFC IflfilpällS flOCCfi", die wir jetzt nach Berlin bringen,|$( CllIC b€§Olltf€r$ aale DHU besonders preiswerte cigarette. HALPAUS-CIGARETTEN-FABRIK G. M. B. H. BRESLAU UND KÖLN MW Der isfs! � Dies ist der Mantel der ||| kommenden Saison) M Können Sic sich einen � schöneren wünschen? Es ist ein herrlicher Mantel aus schmiegsamer Velours-Ware in besonders guter Qualität. 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Es ist sein Verdienst. wenn das Unternehmen der Berliner Arbeiterschef« beute eins gesicherte und geachtete Stellung einnimmt Seit 1S93 vertret er die Interessen der Berliner Arbeiterschaft im Dentsohen Beiebsteg. Bastlos und selbstlos wer sein Wirken für die unterdrückte Menschheit Niemals wird das vergessen werden, wes Bichard Fischer für die Partei und Arbeiterschaft getan hat Ein ehrendet Andenken ist ihm gewiss, Bezirksverhand Berlin der SPD. Flrmenh-ägcr, Neunerkommission und ücschäitslcifung der Vorw&rts-Buchdruckcrci. Die Einäscherung findet am Sonnabend, den V. September, nachmittags 3 Uhr, im Krematorium Berlin- Baumcchulen weg, Kiefuolsskraß*. statt :.-i«■'>-i-V■ v-. vt.•„■.:•'■•> Plötzlich und uijekwhrtet«Btrifi uns der Tod unseren Obel Elchard Fischer Unermüdlich, trotz seiner Tätigkeit Im Dienste der Partei, war er in dem Bestreben, das von ihm geleitete Unternehmen von kleines Anfängen zu seiner jeteigeo Höbe zu bringen- Noch die letzten Stunden eelnee Lebens gelten der Sorge um den Vorwirtebetrieb. WJr verlieren in dem Verstorbenen einen gerechten Vorgesetzten, der stet» ein offene» Ohr für die Wünsche des Personals hatte, deren Erfüllung ja nicht immer von»einem guten WUlen»bhing. AI» Freu-d und Helfer hat er un» oft zur Seite gestanden und sich hierdurch die Herzen des Personals erobert Wir werden sein Andenken stete In Ehren halten. Da» Qe«amfper»onal. der Vorwärti-Budhdruckercl und Verlag»an»talt Paul Singer& Co.» Berlin SW6S. Königstr. 33 Chausseestr. 113 Amnhf.niesende'Bi-•etm etetlinar Vehahe« Oranienstr. 40 Am Or«nitn-t»leia I» Otz» kWOGt KtM 0 Qointftiaj tut Vertajungl- Itftrlfükht •kU ktrOduUüM wtrdMl Am Dienstag, den 81. September, abends 9 Uhr, verschied plötzlich und uner wartet nach kurzem Leiden mein innigstgeliebter und herzensguter Mann, unser treu- sorgender, lieber, unvergeßlicher Vater, Großvater, Schwiegervater, Onkel und Schwager Richard Fischer im 78. Lebensjahre. Im Namen der Hinterbliebenen Julie Fisdier geb. Wolf. Berlln-KHpenlck, Dahlwitzer Str. SS. Nürnberg— Manchen— Aagsbarg— Iranern. Die Einäseberung findet am Sonnabend, den 25. September, nachmittags 8 Uhr. im Krematorium Berlin-Baumschulenweg, Kiefholzstraße, statt Typographla An» Sonnaband. den 83. 8« naebn:;t»ag} 8 Uhr, findet im Berlin-Baumschulen weg die Ein 83. 8»ptemb»r 1983. , �..»t im Krematorium weg di» Einäscherung de« --------- L Tlecher statt. Die |.Typographia1' wird dem verdienten Kämpfer für die proletarisolje Freiheit den ScheidogmP »Ingen und wird erwartet, daß die Sänger zahlreich und pünktlich zur Stelle»Ind. Der Vorstand. BROCKHAUS Reisen and Abenteuer für Junge und Alle Jeder Bend Holblelnen M. XSÖ Ganzleinen M.$JSO Zur Erweltoning des Weltbilde« billige und spannende Lektüre! J, H- W. Dietz Nathf. G. m. b. H. Linden sirahe 2 sowie durd» die Vonrärfs-Ausgabeslellen. |.Baer, Berlin N20 Badstrofc 26» Ecke Prinzenallee Neuheiten lür Herbst und Winter in Serren- d. Knabenmoden Fertig und nach Maß Elcäanle Eiiueßnunßs-Anzöge Sport- u. Berulsbleidunä Trotz tmuper Preise■wOiialuaiivare Nr. 448 ♦ 4?. Jahrgang 2. Heilage öes vorwärts» �»--,»2. Um Sie �ktienrechtsreform. Juristcntan und Reichstag. II.') Tine besonder« Form der Abschöpfung von Unter- nehmungsgewinnen bei Aktiengesellschaften ist sehr oft mit der Erhöhung der Aktienkapitale verbunden. In der Regel soll bei einer Erhöhung des Aktienkapitals den bisherigen Aktionären die Möglichkeit gewährt werden, die neuen Aktien zu beziehen. In diesem Falle wird bei einer Ausgabe der neuen Aktien zu einem Kurse, der unter dem inneren Wert der Aktien liegt, der so aus- geschüttete Sondergewinn aus alle Aktionäre gleichmäßig oerteilt. Run hat sich besonders in der Inflationszeit, aber auch darüber hinaus, die Gewohnheit herausgebildet, daß bei Aktiengesellschaften Kapitalserhöhungen beschlossen werden in der Form, daß nur ein Teil der neuen Aktien den bisherigen Aktionären zum Bezug angeboten wird, während ein anderer Teil der Verwaltung oder einer ihr nahestehenden Finonzgruppe zur Verwertung in einem angebrachten Zeitpunkt überlassen wird. Mit der- ortigen Verwertungsaktien lasien sich nun in außerordentlich be- quemer und unkontrollierter Form S o n d e r g e w i n n e für die beteiligten Verwaltungs- und Bankgruppen abschöpfen. Insbeson- dere kann dies auch bei der Verwertung der Aktien zum Ankauf anderer Unternehmungen geschehen. Die Ausschließung eines der- artigen Verfahrens des heimlichen Abschöpsens von erheblichen G«< Winnen wäre nicht nur erwünscht um der Aktionär« willen, die oußenstehen, und die aus ehrlicher Ueberzeugung keinen Schwindel dulden wollen, bei dem sie nicht dabei sind, sondern auch um der Unternehmung willen, der auf diese Weise nicht selten Kraft ent- zogen wird zugunsten bestimmter, außerhalb der Unternehmung stehender Nutznießer. Außerdem verschleiert dieses System der Abzweigung von Finanzgcwinnen der Oeffentlichkeit den Einblick in die Gewinnrechnungen der Grohunternehmungen noch mehr, als es ohnedies der Fall ist. Der Wunsch, die Ausgabe derartiger Der- wertungsaktien zu unterbinden oder mindestens unter eine strenge Kontrolle zu stellen, die die Ausbeutung des Unternehmens zugunsten einzelner Interessenten verhindert, ist durchaus berechtigt und liegt auch ohne Zweifel im Interesse der Gesomtwirtschoft. Die dritte Frag« endlich betrifft das Stimmrecht, das die Bonken als Verwahrerinnen von Aktien im Namen der Aktionäre in den Generalversammlungen ausüben. Diese Ausübung von Stimmrechten für Aktien, die bei den Banken im Depot liegen, auf Grund einer Generalvollmacht In den Ge- schäftsbedingungen der Banken anstatt auf Grund einer von Fall zu Fall von dem Aktionär nach seinem Willen zu erteilenden oder zu verweigernden Vollmacht ist ohne Zweifel ein grober Miß- brauch, dessen Vereinbarkeit schon mit dem geltenden Recht um- stritten war, der aber durch das Reichsgericht sanktioniert worden ist, und auf dem eine Herrschafts st ellung der Banken im deutschen Aktienwesen beruht, die nicht erworben, sondern, wie man wohl sagen muß, erschlichen worden ist. Da nun unter all- gemcin-wirtschostlichen Gesichtspunkten es durchaus in vielen Fällen bezweifelt werden kann, ob der überragende Einfluß der Groß- danken auf die Attlenoerwaltungen segensreich ist, so liegt nicht der geringste Anlaß vor, ihnen die Sicherung diese» Einflusses durch die Ausübung des Stimmrechtes der bei ihnen im Depot liegenden Aktien weiter zu gewähren. Eine gesetzliche Vorschrift, die die Ausübung des Stimmrechts für einen anderen Aktionär abhängig macht von der in jedem Einzelfall erteilten Vollmacht, würde die Banken jeweilig zwingen, viel eingehender und viel vffsener, als es jetzt der Fall ist, ihre Interessen an der Vertretung fremder Aktien zu begründen. Es ist ganz begreiflich, daß es sich bei der Aufrechterhaltung des Depotstimmrechtes der Banken um einen Kampf der Banken für eine ihnen sehr wesentliche Machtposition in der deutschen Wirtschaft handelt. Außer diesem eigenen Interesse der Banken gibt es keinen Gesichtspunkt, der für die Au,-'echterhaltung dieses Mißbrauches sprechen könnte. Wir sehen, daß man aus losgelöst vom Streite zwischen den einzelnen kapitalistischen Gruppen im Interesse der Sauberkeit unseres Aktienwesens, die ihrerseits wiederum eine Voraussetzung der Kreditbasis der deutschen Aktienunternehmungen ist, und im Interesse der Gesamtwirtschaft zu einer Befürwortung einer Revision der deutschen Aktiengesetzgebung in den wesentlichen umstrittenen Punkten kommt. Viel wichtiger noch als die oben dargelegten Punkt«, die auf dem Kölner Iuriftentag im Vordergrund der Debatte standen, ist aber die dort nur gestreifte Frage der Verpflichtung der Aktienunternehmungen zur Publizität, zur Unterrichtung der Oeffentlichkeit. Es Ist heute auch in vielen Untcrnehmerkreisen modern, mit dem Hinblick auf das amerikanische Vorbild die Vorteile zu betonen, die eine stärkere Publizität der Unternehmungen für die Entwicklung der Gesamt- Wirtschaft hat. Es ist, wie gesagt, modern, von diesen vorteilen zu sprechen, aber es ist durchaus nicht üblich, nach dieser Erkennt- nis zu handeln. Man empfiehlt die Publizität den anderen und sucht selbst einen möglichst dichten Schleier über alle Vorgänge in den Unternehmungen zu ziehen. Das Interesse der Gesamtwirt- schaft, das sich in diesem Punkte wieder mit dem Interesse der außerhalb der Verwaltung stehenden Aktionäre berührt, erfordert eine starke Erweiterung und Verbesierung der Publizitätspslichten der Aktienunternehmungen. Geschäftsberichte, Bilanzen, Gewinn- und Verlustrechnungcn, die heute in zahlreichen Fällen zur Farce geworden sind, müssen so gestaltet werden, daß sie dem Außen- stehenden einen wirklichen Einblick in da» Unternehmen und seine Arbeit gewähren. Die stärker« Durchleuchtung der Wirt- s ch a s t s v o r g ä n g e bei den Großunternehmungen liegt sowohl im Interesse der Festigung des Kredites der wirklich Kreditwürdigen, als auch im Interesie der Ermöglichung tiefergehender Einsichten in das Leben der Wirtschast. Denn die Aktiengesellschaften sind die wichtigsten Zellen unseres Wirtschaftskörpers. Ihre Durchleuchtung muh als Grundlage für eine gesunde Wirtschaftspolitik dienen. In Köln hat«in Bankdirektor in Wahrnehmung seiner eigene» Interessen die Attacke gegen jede Reform des deutschen Aktienrechts geritten, und die mehr oder minder zufällig auf dem Iuriftentag in diesem Ausschuß zusammengekommenen Juristen haben ihm mit Mehrheit zugestimmt. Besonder- charakteristisch war in der De- botte als Argument eines Teiles der Redner gegen jeden Wunsch einer Aktienrechtsreform die Furcht vor dem Reichstag. Es könnte passieren, so meinten diese Herren, daß man einige Kleinigkeiten gern durch den Gesetzgeber geändert sehen würde, daß dann aber der Gesetzgeber die Gelegenheit benutzen würde, um über die gewünschten Kleinigkeiten hinaus Aendeningen des Aktien- Das Erbe eines Wirtsthastsführers. Hngenbergs Siedlnngspolitik.- Die Leidtragenden. Die Landbank- A.-G. Berlin, die heut« zu zwei Dritteln von der Provinz Grenzmark, dem preußischen Staat und der Preußischen Staatsbank beherrscht wird und eines der wichtigsten Instrument« zur systematischen Siedlungstätigkeit im Osten ist, muß saniert werden. Am 9. Oktober soll die entscheidend« Generalver- sammlung stattfinden, in der die Zusammenlegung des jetzigen Aktienkapitals von 1,3 Millionen Mark im Verhältnis 2 0:1 auf 65000 Mark und die Umwandlung der 100 000 Mark Vor- zugsaktien in Stammaktien vorgeschlagen werden wird. Außerdem liegt«in Antrag der Londbank bei der zuständigen Auswertungsstell« vor, der Landbank die Aufwertung 1,207 Millionen Mark Vor- kriegsobligationennr Staats-Theater Opernhaus a. Platz d.Republ. 7l/f: Maskenball Schauspielhaus 7U.: Amphitryon Schiller- Theater 8: Die Welt, in der man sich langweilt Stältlsdie Opn Charlottenbure 6'/, Uhr: Meistersinger von Nürnberg Abonn.-Turnus IV Die Komödie Bismarck 2414, 7516 x Uhr: Die Gefangene Von Bourdet Regie: M. Reinhardt WM IHM Norden 10334-38 8 Uhr: Androklui und der LOwe Von Bernard Shaw Regle: Erich Engel Kammerspiele Norden 10334-38 8V, Uhr; WeeK-end (üeber'n Sonntag) von Noel Coward Repic: Erich Engel Thalla-Thealer Uhr Der Biberpelz Kesie: Berth Viertel BanDwUr-SUDn nteoier HOnlfttraiz.»!-. T.:HasenheidJ110 8 Uhr: Zweimal OllTerl Homödleuliau« sei.: Norden 5304| 8 Uhr Dem. MM Kurfürst 6456 8 Uhr: Internat. Variete Kose-7heater SV, Uhr; Die Stecknadel im Heuwagen Volksbühne Theitir an Bfilovplati 8 Uhr; Der ilölsdie Midiei Morgen 71/, Uhr Äle: FaUSf Th. an Sdliffbauerilamiii Täglich 8 Uhr: Das Grabmal des unbekanntes Soldaten. ojorqorajnojrv-y� Jittmistftc Cgtcr Der große Operellenerfolg Jtdrienne Täglich S.Ii Uhr mit Sarah, 14 essa/y. Ihr Irl, Blase j Boettcber, Hell Vorterkauf ununterbr. r. 10 U. an 4 CAtINO- THEATEB» 8 Uhr; miB Liebe vermag Ab I. Oktober: Gräfin Tlppmamaell Gutschein 1—4 Pers Bei Vorrelg. der Annonce Faut. nur 1,09 Mk., Sessel I,5t [■ Neues Thealer am Zoo 8„Ich hab Dich lieb" 8 Park. 1-5 II Smel 6 M. Vomrk. ununterbr. Stpl. 5371 n 11 1 GROSSES SCHAUSPIELHAUS CHARELL REVUE VmWu/rut See Tßuynd' Täglich 8Vs Uhr Ende prhiise 11 Uhr Preise M. 1.00— 15.00, Sonntag! nnrhm.SUhrnnscWUnte Vor-I Stellung: zu crnillßlajt. Preisen neues! Abwechslung! SiihanlehtoDgin im Seplember- Spielplan! Lola Nenzeli p�I"». Rauchen gesiattel! Friedenspreise! Sonntags 3». 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Da sank diese lächelnd in die Kissen zurück und starb, indes die Sonne rot und groß im Morgengrauen über den Damm wuchs. Bei der Beerdigung sah Regina einmal zu Klaus(Brotjahn hinüber und wußte plötzlich, ootz sie es nicht halten konnte, was sie der Toten versprochen hatte. Sie erschrak sehr, denn es war ja ein Schwur, ein heiliger Schwur, den sie brechen würde. Roch am gleichen Abend sagte sie es Klaus Grotjahn. Er war gekommen, um alles mit ihr zu besprechen, und dachte nichts anderes, als daß es so geschehen würde, wie es Reginas Mutter bis zur letzten Stunde gewünscht und gesordert hatte: Klaus Brot- jahn würde Regina heiraten und Dagmar, das zwölsjährige Kind. Reginas einzige Schwester, würde weiterhin in dem kleinen, weißen Haus am Damm eine Heimat haben. Run begrisf er zuerst gar nichts, er stand nur schwer und wuchtig in der dämmrigen Stube und wollt« etwas sagen, aber als sein Blick über Reginas weißes Gesicht ging, schwieg er rmd wandte sich langsam zur Tür. Bebend sah sie ihm nach, wie «r groß und ein wenig gebeugt über den Boddersteg schritt. Sie trat zurück und stand lange am Bett der schlafenden, kleinen Schwester und horchte auf Stimmen, welche au» dem Dunkel zu ihr kamen, vielleicht auch vom Meer oder au« irgend- einer fremden Fern«...Welche Nacht/ dachte sie erschauernd, »welche Nacht". » Seitdem Regina ein Girl geworden war,«in Girl, dem— einer dunklen schweren Kappe gleich— das kurzgeschnittene Haar um den Kops gelegt war. gab sie sich Mühe, die Mutter zu ver« gcssen. Sie lächelte des Abends mit rosigem Gesichtchen und warf Kußhände in den Zuschauerraum, wenn nach Schluß der Girl- nummer das Klatschen ertönte. E» war eigentlich sehr schwer, die Mutter zu vergessen, aber mußte Regina denn nicht immer wieder versuchen, e» zu tun? Im Anfang war es jedesmal geschehen, sobald sich die schillernde Schlange der Girls in das Helle der Bühne wand, daß Regina«in Schlucken im Halse überwinden mußte, denn aus dem Zuschauerraum des»Kakadus", diesem aus rotem Halbdunkel glotzenden, riesigen Aug«, wuchs das kleine weihe Hau, Klau» Grotjahns auf, der weite Horizont überm Meer, die ganze still« große Heimat. Und jedesmal ertönten dann im Takt der Be- wegungen leise Worte mit. Worte einer müden, sterbenden Frau. Sie klangen im Rhythmus der Musik auf, drangen an Reginas gleitenden Gliedern empor, tasteten suchend durch ihren Körper, bi» sie traurig erstarben. O, Regina wußte es wohl, sie suchten nach der Seele, nach ihrer Seele. Und dies« Seele mit all ihrem Strömen und Wünschen hatte Regina in eine dunkle Ecke gelegt, damals, als sie ein Girl geworden war. Vorher, als Regina verzweifelt und hungernd und sehr einsam durch die große Stadt irren mußt«, vergeblich nach Arbeit suchend. ja, da klammerte sie sich wohl noch an dies« Seele, dennn dies« Seele bekam im Dämmern Flügel und wuchs empor über die steinernen Schächte der großen Stadt bis dorthin, wo der rote Abend wie ein Wunder in den Bäumen hing und ein Stern neue» Licht auf die tagmüden Wiesen legte. Dorthin flog die Seele und »ich will leben" sprach sie träumend oder verzweiselt. Aber nun war Regina ein Girl geworden und hatte ihr« Seele vergessen. Dafür hatte sie rechnen gelernt, denken, überlegen, hungern. »Es ist gut so," dachte sie oft, wenn sie in stillen Minuten am Fenster ihrer kleinen Stube stand und auf die graue, häßliche Wand des gegenüberliegenden Hinterhauses starrte.»Es ist gut so," sprach sie oft laut vor sich hin und sah in ihren Gedanken ein kleines, braunhaariges Mädchen froh umherspringen im Spiel mit anderen Kindern, oder sah den forschenden Kinderblick geneigt über ein Buch, sah ihn an den Augen des Lehrers sinnend hängen. Dagmar, das kleine Mädchen, war in einem Erziehungsheim auf dem Lande und hatte Wurzeln geschlagen in der neuen Heimat. Aus ihrer Gage zwang Regina die Kosten zusammen. » Etliche Jahre später war Regina kein Girl mehr, sondern eine bekannt« Tänzerin, die Gastvorstellungen in den großen Städten gab und das Publikum seltsam«rgrisf. Wie diese Wandlung ge- schehen, wußte Regina nicht mehr, denn Zeiten übergroßer Sehn- sucht und dunkler Rot hatten sie überwältigt und trugen nun da« Antlitz des Traumes für sie. Sie war aus diesen Zeiten eines Tage» erwacht, al» Peter Eretain, der Musiker, ihr Freund wurde. Vielleicht, daß damals ihr« Kunst geboren war, sremd und schmerzhaft zuerst, dann unier Schauern und Beben sich durchringend, bi» sie geläutert und klar au» den Wogen der großen Liebe emporstieg. Vielleicht auch. daß diese Kunst ihre letzte Reise, ihr« geheimnisvollste Tiefe er- reichte, als Peter Eretain eines Tages zu Regina kam und ihr sagte, daß er Dagmar liebe, da» aufblühende, junge Menschen- wesen, Regina» Schwester. Er stand vor ihr mit bittendem, zer- quältem Gesicht, und Regina konnte nicht anders, sie mußt« ihn schweigend zum letztenmal küsien. Dann ging er zu der jungen Schwester, zu Dagmar, welch« die Menschen glücklich machte, die sie ansah, welche wie ein Wunder im Herzen des Musiker» auf- geblüht war. Mit einem Lächeln Reginas wurde der Bund ge- schlössen. � Es geschah in den kommenden Iahren, daß die Tänzerin sehr einsam blieb trotz ihre» Ruhmes, ja, vielleicht noch einsamer wurde durch den Ruhm. All ihr« Sehnsucht war in ihrem Tanz wie ein fremde» und ferne» Lied, und nur, wenn sie vor dem menschen- gefüllten Saal zu schreiten anhub, wenn ihre Arm« in dem Glanz de» Scheinwerfers emporwuchsen wie die Zweige eines hohen und schlanken, sehnenden Baume«, vergaß sie Schwere und Alleinsein. Dann hörte sie das ferne Meer rauschen, dann kam ihr« Seele wieder zu ihr gegangen und begann wundersam in ihr zu klingen.... Einmal, als die Märzwolken wieder kamen und auch über die Stadt mit grauen, eiligen Segeln flatterten, dachte Regina plötzlich an Klau, Grotjahn. Vielleicht nur aus einer großen Müdigkeit heraus, die mit tem Atem der drängenden, lauen Vorfrühlings- tage über sie gekommen war. Wünsche stiegen in ihr auf. quillende, seltsame Wünsche. Sie wußte wohl, daß sie etwa» Unbegreifliches tat, aber sie tat es doch. sie fuhr in die Heimat. die Verständigung. \ \ Endlich haben ste begriffen, daß die Sonne ihnen beiden scheint r Es war schon Abend, als sie über den Damm daherkam und den Ruch des Meeres spürte. Ein paar Kinder spielten am Strand«, zwei blonde Jungen und«in kleines, lächelndes Mädchen. Regina sprach mit ihnen und fühlte Freude über sich kommen. Nach dem kleinen, weißen Haus am Ende des Dammes schaute sie hinüber.-- Wie Im Traum sah sie plötzlich«ine Frau herannahen. Aus dem weißen Hau» kam sie, aus Klaus Grotjahns Haus. Sie schritt hoch und ruhig einher, und ihr Haar war sehr blond in der letzten Sonne. Nach den Kindern rief sie mit klarem Ton, und Regina sah den kleinen Füßen nach, die ihr eilig entgegenliefen.—— Da wandte sie sich still wieder dem Meere zu und ging weiter, sie hatte nun alle» begriffen.-- Noch am gleichen Abend fuhr sie zurück in die Stadt. Sie stand am Fenster der kleinen Strand- bahn und horcht« aus den uralten Sang des Meeres, der die Sehn- sucht wußte und die groß« Ruh«. An ihre Kunst dachte Regina und an da, Leben und fühlte plötzlich ihre Seele wieder klingen in unbegreiflicher, wundersamer Kraft. Grenzen öer Wahrnehmung. Don Arthur M. Fraedrich. Eine mollige Müdigkeit umfing mich, zwanglos streckte ich mich und schloß die Augen..... Bunte Bilder und Gestalten jagten in ungestümer Schnelle an meinem Auge vorbei. Langsam gruppierte sich die schemenhaste Gestaltung. Nun sah ich mich in einem riesenhaften Vortragssaal, beengt von den vielen Menschen, die mit gesvannten Mienen nach dem erhobenen Bortragspult sahen und in eisiger Ruhe verharrten. Ganz sern hörte ich eine Stimme..... »Wie wird die Zukunft den Radiosilm sehen? Ist es über- Haupt möglich, daß wir Fernroumbilder übertragen können? Ich muh, bevor ich Ihnen meine persönliche Ansicht von dieser gigantischen, technische» Neuerung mitteile, etwa» zurückgreisen, da- mit ich Sie Schritt für Schritt dieser Materie näherbringe. Durch die Erfahrung mit den radioaktiven Substanzen haben wir gelernt, daß die Atome— bisher die kleinsten— weder physikalisch noch chemisch spallbaren Teile— noch wieder aus Welten von tausend- mal kleineren Teilen bestehen. Diese winzigen Teilchen, auch Elek- tronen genannt, kreisen nun um einen Kern, um da» sogenannte Uratom. Al» praktisch erwies es sich nun, dieses Uratom in einem Kraftwirbel, den diese kreisenden Elektronen bilden, zu sehen. Die Kroslwirbel sind e» auch, welche den Anschein der Substanz eine» Stoises hervorrusen. Daraus folgert man letzten Ende», daß jede Malle au» unendlich vielen Krafrwirbcln besteht. Diese Kraftwirbel täuschen un» demnach nur eine dauernde Substanz vor, während e» in Wirklichkeit dos Spiel eines Augenblicks, ein blitzschnelles Kommen und Gehen dieler charakterisierten Kraftwirbel Ist. Betrach- ten wir einmal einen Wasserfall aus Gischt, Schaum und Strudel. Diese Gebilde geben un« doch nur eine Täuschung eine» bleibenden Dinge». Genauer betrachtet bietet sich unserem Auge ständig ein Neue», ein fortwährender Wechsel der Form. Ununterbrochen löst ein« grotesk« Gestalt der sich hochausbäumenden Brandung die andere ab, unablässig stürzen Wassermassen in die Ties«: e» ist der Wasserfall und dennoch nicht derselbe. So ist es nun auch mit allen anderen Gestaltungen des Irdischen: wir sehen ein« Substanz: sekundlich ändert diese sich, und trotzdem ist sie für uns dieselbe Masse. Bewegt sich ein Mensch durch den Raum, so ist es nicht eine Bewegung seiner materiell kleinsten Teile, sondern er selbst ist ein Kraftwirbel. der sich ununterbrochen erneuert, doch dabei die ihm eigene Form bewahrt, die uns sichtbare Gestaltung behält.— Stoff- Untersuchungen haben ergeben, daß sich der menschliche Körper innerhalb sieben Jahren vollständig erneuert: keine organische Zelle und kein Atom seiner früheren Substanz hat sich an ihm erhalten und doch ist e» dasselbe individuelle Wesen. Aber nicht nur in sieben Jahren erneuert sich unser Körper, sondern— nach den modernen wissenschastliihen Anschauungen— in Bruchteilen einer Sekunde. aber wa» bleibt immer? Die wandelnde Gestalt! C» bleibt immer die Form und die sich ständig erneuernden Kraftwirbel passen sich unablässig dieser Schablone an.— Bleibt die Geschwindigkeit, mir der ich meinen Körper durch den Raum bewege, so gering, wie e» die un» verfügbaren Geschwindigkeiten sind, so muß auch meine Gestalt dieselbe bleiben. Selbst die Geschwindigkeit eine» Flug- zeuge«, ja, die der Erdkugel im Weltoll(30 Kilometer in der Se- kund«) ändert nicht» an meinem Körperbild. Sind sie doch im Ver- hältni» zur Lichtgeschwindigkeit kaum nennenswert.(Lichtgeschwin- digkeit 300 000 Kilometer in der Sekunde.) Wie reagiert aber mein Körper in dieser angestellten Betrachtung, wenn er mit Licht- geschwindigkeit durch den Weltenraum fliegen könnte? Dieses ist ein Punkt, wo sich die Einsteinsche Relativitätsphysik mit der Ver- wirklichung de« Radiosilm» berührt. Durch die enorme Geschwindig. keit würde ich in die Länge gezogen. Ich würde eine unendliche Läng«, doch keine Dick» haben. Diese Erscheinuna hat man mit dem Namen.Lorentz-Kontraktion" gekennzeichnet. Meine Bewegungen würden wie unte' einer Zeitlupe betrachtet erscheinen, weil ich doch mit fast Lichtgeschwindigkeit fliege und die Strahlen, die meine Be- wegung der Erde mitteilen wollten hätten einen immer längeren Weg zu durcheilen. Wenn ich aber auf dieser Fahrt ins Unendliche tatsächlich Lichtgeschwindigkeit erreicht hätte, würden meine Bs- wegungen auf Erden nicht wahrnehnibar sein: es hebe sich dann die von der Erde kommende und aus die Erde zielende Strahlung gegen- seitig auf. Ihre Differenz ist gleich Null; also nicht». Da» wäre in kurzen Warten die»Einsteinsche Zeitdehnung". Eine so folgen- schwere Reise plane ich nicht: sie ist heute auch noch unmöglich: ob sie je möglich wird, bezweifle ich: denn bei absoluter Lichtgeschwindig- keit würden nicht nur meine Bewegungen kaum glaublich langsam. sondern auch unüberwindlich schwer werden.— Gelänge uns aber das Gegenteil, die beliebige Herabsetzung der Strahlengeschwindig- keit de» Lichtes, dann würden sich die Ereignisse von allen Teilen der Erde, aus aller Welt, ja, aus dem ganzen Ko»mo», um uns ab- spielen. Wir würden unter der Menge sein, die den Prinzen von Wale» huldigt: wir würden de» Kaiser von Japan neben uns sehen. Der Negus von Abcssinien hielte vor un, seine Audienzen ab. Die Astronomen untersuchten die physikalischen Eigenschasten der Mars-Polartappen und-Kanäle. Wir würden..." Eine Möoe strich kreischend über meinem Lager binweg. Lang- sam öffnete ich die Augen und sah in ein Meer glitzernder Kiesel- steine, welches sich in ewiger Spanne über mir wölbt«. Fern hörte ich rhythmische Akkorde eines Walzers..... Der Leuchtturm sandte noch immer sein Licht meereinwärt» und die Wellen murmelten. Ich hatte geträumt..... wieviel wiegt Sie Lust ? Die Luft hat jetzt im kammenden Herbst und Winter für den Wärmehaushalt der Erde die größte Bedeutung, denn sie ist eine Art Pelz, der dafür sorgt, daß die im Sommer aufgespeicherte Wärme der Erde nicht in dem Weltcnraum verschwindet. Wir sehen daraus, daß die Lust ein Stoff ist, der natürlich auch alle Eigen- schoften eines solchen hat. Hauptsächlich interessiert uns ihr Gewicht. Die Lust hat ein recht erhebliches Gewicht, wenn auch der Mensch keine Empfindung dieser Last hat, weil er in der Lust zu leben gewohnt ist und einen Ausenthalt in einem luftleeren Raum nicht kennt. Es ist einleuchtend, daß die Luft an verschiedenen Stellen der Erde auch ein verschiedenes Gewicht besitzen muß. da die Lustsäule, die über einem bestiminten Platz ruht und da» Gewicht bedeutet, nicht überall gleichmäßig hoch ist. Am höchsten ist die Luftsäule am Meeresstrande, wo die Lust bei 0 Grad ein Gewicht von 1,2932 Kilogramm pro Kubikmeter aus- zuweisen hat, also für dieses flüchtig« scheinbar« Nicht»«in recht beträchtliches Gewicht, denn es sind nach alten Bezeichnungen bei- nahe drei Pfund. Man nimmt an, daß die Lust»ine Hohe von ungefähr 80 bis 100 Kilometer hat. Je höher die Luft gemessen wird, desto dünner ist sie bekanntlich und desto geringer ist auch das Gewicht. Bemerkenswert ist die Tatsache, daß in einer Höhe von 2000 Metern die Luft nur noch«in Gewicht von 1 Kilogramm hat, ein Zeichen dafür, daß die untersten 2000 Meter de» Lustgcwichtes sehr schwer sind, während die darüberstehende Mass«, die ungefähr da» Dreihigsache beträgt, nur dreimal so schwer ist, wie die ersten zwei Kilometer. Dies« Abnahme de» Gewichte« erfolgt, je weiter man in die Höhe fortschreitet, in fekr stark anwachsenden Zahlen. In 10 Kilometer Höhe hat die Lust nur noch ein Gewicht von 330 Gramm, also kaum den vierten Teil des Gewicht», das die Luft am Meeresstrande auszuweisen hat. Immerhin ist die Luft in dieser Höhe von 10 bis 12 Kilometern noch nicht g«nug, um den Menschen überhaupt da» Atmen zu ermöglichen. Wir wissen, daß der Lust- schifser Berson höher als 12 500 Meter geflogen ist, allerdings dabei unter den furchtbarsten Erscheinungen der Höhenkrankheit litt und den mangelnden Sauerstoff durch künstliche Atmung ersetzen mußte. Wenn man erfährt, daß da» Gewicht der Luft in dieser Höhe nur noch 300 Gramm beträgt, während e» normalerweis« 1200 Gramni beträgt, dann sieht man ein, welche ungeheuren Umwälzungen die Erhebung in solche Höhen aus den Organismus ausüben muß, denn der Luftdruck, der dabei eine Rolle spielt, hängt eng zusammen inst dem Gewicht der Luft. In weiteren Höhen nimmt die Lust an Gewicht rapid« ab und bei 50 Kilometern ist nur noch ein Gewicht von 3 Gramm festzustellen. Ueber die Beschaffenheit der weiteren Höhen sind wir noch sehr im unklaren, da wir nicht einmal genau wissen, wo die Luftsäule, die über der Erde ist, zu Ende ist. Nur da» eine wissen wir. daß die Luft durch die Anziehungskraft der Erde von dem Erdkörper festgehalten wird und daß sie, wie oben bemerkt, besonders im Herbst und Winter eine Art Wärmeschutz bedeutet, denn sie liegt wie ein Pelz um die Erde und gestattet nicht, daß die hier aufgespeicherte Wärme vollkommen in den Weltenraum hinausstrahlt.___ Neue Versicherungszweige. Nach dem Bericht eine» großen Londoner Versicherungsmaklers sind in letzter Zeit wieder«ine An- zahl neue Zweige des Versicherungsgeschäste» entstanden. So soll sich die Versicherung junger Eheleute gegen Zwillinge großer Be. liebtheit erfreuen, wobei die Prämie danach abgestuft wird, ob in den betreffenden Familien bereit» Zwillinge vorgekommen sind oder nicht. Vergeßliche Leute können sich gegen den Schaden ver- sichern, den sie au» dem Verlust in Gedanken stehen- oder liegen- gelassener Gegenstände erleiden. Die Versicherung gegen schlechtes Wetter während der Feiertage hat tn diesem Sommer starken Zu- lauf gehabt.(Neu und noch unerprodt ist die Versicherung gegen Magenstörungen nach festlichen Gelegenheiten.) Die Wahrheit über Mussolini. Von einem Faschisten ansgesprochen. Der faschistische Abgeordnete M a s s i m o R o c c a, heute Mitglied der Dissidcntcngruppe der Partei, verösfentlicht in einem Eammelheft des„Nuooo Paese", das natürlich im Ausland erschienen ist, einen Artikel unter der Ueberschrist:„Die Wahrheit über Musso lini." Da Roccns umfassende Kenntnis nicht nur des faschistischen Parteilebens, sondern auch der Persönlichkeit Mussolinis über jeden Zweifel erhaben ist, geben wir hier einen Auszug aus seiner Studie wieder. Rocca schreibt: „Benito Mussolini repräsentiert im öffentlichen Leben Italiens den klassischen geistlosen Demagogen, der nicht aus eigener Kraft triumphiert, sondern durch die Schmutzigkeiten einer verderbten führenden Klasse. Außerdem durch die politische und moralische Zweideutigkeit zuerst als Sozialist, und dann als Faschist zu wirken; durch eine Kühnheit, die sich nur gegen die wendet, die sie fürchten, ohne Mitleid gegenüber den Schwachen, die nicht widerstehen können, durch seine Dreistigkeit, die so weit geht, heute das zu leugnen, was er gestern behauptet hat, in der Hoffnung, daß die Betrogenen schließlich doch seine Doppelzüngigkeit vergessen werden. Er ist Gcwohnheitskomödiant jo weit, daß er das Bewußtsein eines eigenen Gesichts unter den verschiedenen Masken v e r> l i e r t, die er Tag für Tag den Bedürfnissen entsprechend wechselt. Stark in diesen negativen Eigenschaften und vor allem i» seinem Mangel jeden Gewissens, jeden Vertrauens auf Menschen und Ideen bar, dabei aber der Illusion hingegeben, ewig mit dem g u t e'n Glauben des Auslandes spielen zu dürfen, ist er von einer mittelmäßigen Kultur voll, die nicht dazu hinreicht, ihm eine gerade politische Linie zu gewährleisten. Aber sie ist so genügsam, seinen unausgestalteten moralischen Sinn mit revolutionären Vorwänden und der Verehrung dessen zu beruhigen, was an Schlechtem dem Macchiavellismus und den Methoden der Jesuiten nachgesagt wird. Dieser Verdcrber der Ideen Macchiaoellis und Loyolas hat seine politische Laufbahn damit begonnen, daß er gegen alle diejenigen kämpfte, die in der sozialistischen Partei größer waren als er, um sich über die Leichen der anderen hinweg einen Platz zu erobern. Zuerst hat er sich mit den Revolutionären verbunden, um die g e- m ä ß i gt e n Sozialisten aus dem Felde zu schlagen, hat sich dann aber seiner revolutionären Genossen unter antifreimaurerischen Vor- wänden entledigt, und schließlich, um den hemmungslosen Angriff auf Leute vorzubereiten, die, obwohl Sozialisten, ihm an Herz und Hirn gewaltig überlegen waren, wie Arturo L a b r i o l a, der „seinein" Generalstreik gegen den lybischen Feldzug nicht zugestimmt hatte, hat er, noch nicht ein ganzes Jahr, bevor er der Fahnenträger des nationalen Kampfes wurde, vorgeschlagen, die Fahnen in die Mi st gruben zu werfen, und einen Mannt vorher die abso- lute Neutralität im Weltkrieg propagiert; seiner Behauptung nach war es der Masse ganz gleichgültig, ob eine deutsche I n v a- s i o n Italien bedrohe. Die ganze Seele Mussolinis steckt in den Worten, die er sich zur Zeit vor dem Marsche nach Rom unklugerwcise hat entschlüpfen lassen:„Es ist das zweitemal, daß ich mir eine persönliche Macht schasse. Aber wenn der Faschismus mir nicht folgt, werde ich ihn zerquetschen!" Und tatsächlich ist ihm der Faschismus gefolgt, trotz der Bemühungen derjenigen, die seiner Bewegung einen ideellen Gehalt über jeden persönlichen Einfluß hinaus zu ver- leihen suchten. Der Faschismus diente ihm dazu, die Macht an sich zu reißen, obwohl er jede moralische und disziplinarische Bindung mit der Partei ablehme, die ihn stützte, und es auch verhinderte, daß diese sich einen theoretischen Inhalt gab. Und so kam es bis zum Marsch auf Rom, der dem ersten unreifen Schwarzhemde als ein revolutionäres Unternehmen hingestellt wurde, das der Erneue- rung Italiens dienen solle, aber, wie die Folgen gezeigt haben, nur das verabscheuenswürdlge Kompromiß eines gerissenen Demagogen mit den rückständigsten monarchistischen und den hohen finanziellen Kreisen war, um aus der Schwäche einer Regierung und eines einzelnen Menschen Nutzen zu ziehen. Dieser Mensch,„als Herrscher" ein sehr mittelmäßiger Statist ohne Klugheit und Genie, ist als Statist lediglich ein Provinz- journalist, der von der Hand in den Mund und unter dem Einfluß des letzten Küchenjungen lebt, der mit ihm spricht, als Journalist nur ein eintöniger Pamphletist ohne andere Beweismittel als Ueber- heblichkeiten oder die platten Verleumdungen der Vorstadtkneipe. Als Pamphletist und Verleumder ein Plagiator, der gestern Pao- lino Valera bestahl und heute Gabriele d'Annunzio bestiehlt. Dieser Mensch ist ein lebender Beweis»6 absurdum dafür, welches Mindestmaß von Kultur für einen modernen Staatsmann unumgänglich notwendig ist, ihm eine politische Linie zu oerschaffen, und auch der direkte Beweis dafür, wie weit ein Ignorant die Grenzen seiner eigenen Unfähigkeit ver- gessen kann. In Wirklichkeit ist Mussolini derjenige, der alles weiß, weil er gar nichts weiß, der die bedeutendsten und unabänderlichsten Entscheidungen unter dem Anstoß des Zornes, der Eitclkeil oder infolge der Schmeicheleien anderer improvisiert, wie er in die Abgeordnetenkammer kommt, um die letzten Stücke des letzten Buches der Geschichte der französischen Revolution zu rezitieren, die ihm zufällig in die Hände geraten ist. Die„imperialistisch« Politik" Mussolinis ist die eines an- maßenden Zeitungsschreibers, der heute das Publikum mit einer enormen Menge von Albernheiten, morgen mit Groß- sprechereien in Erstaunen zu setzen sucht, über die der Duce selbst zu lachen pslegt, ohne zu bemerken, daß die anderen, weil sie dax Spiel durchschaut haben, über ihn lachen. Es ist dos die Politik desjenigen, der gestern sich ernsthaft einbildete, Frankreich mit der wohlwollenden Neutralität Englands angreifen zu können das er für so dumm hielt, zugeben zu können, daß Biserta und Trapani ein und derselben Macht angehören, die Politik desjenigen, der sich vornahm, England im nahen Osten zu immobilisieren,»m sich mit den deutschen Nationalisten gegen Frankreich verbünden zu können, in letzter Stunde aber Hals über Kops nach Locarno eilen mußte, um nicht ganz isoliert zu werden, und dann noch die Unverschämtheit besaß, seine erzwungene und zögernde Be- teiligung als einen Triumph auszugeben. Es ist weiterhin die Politik desjenigen, der sich dafür, daß der Brenner die einzige, von niemandem übrigens garantierte Grenze zwischen Deutschland und Italien ist, dadurch rächt, daß er die Deutschen beleidigt und zu gleicher Zeit in seinen amtlichen Organen von den Fron- zosen Kolonien fordert. Seine Außenpolitik, ganz nach dem Mustek Mussolinischer Innenpolitik geformt, ist ohne Linie, ohne Beständig- keit, ohne Logik, ohne Klugheit und gleichzeitig ohne Größe, auch ohne die verwegene Kühnheit, die den authentischen N a p o l e rr mit einer Aureole umgeben hat, der bei Waterloo an einem heröi- schen Traum der Wiederherstellung des Unioersums gescheiteert ist. Das Ergebnis dieser Außenpolitik soll sein, daß„Italien am Ende als Gleichberechtigter mit den anderen Mächten sprechen", daß„die ganze Welt sich in die Beurteilung des faschistischen Phä- namens teile". Der Mussolinische Faschismus, ebenso wie der italienische Bolschewismus von 1919 haben eine degenerierende krankheil, die jedes andere Volk von sich stößt, aber den anderen gern gönnt. Als die Italiener von ihr angesteckt wurden, übernahmen sie in Europa dieselbe Rolle wie in Sparta jene Heloten, die man betrunken machte, um den anderen das Elend das Rausches vor Augen zu führen,«in Schauspiel, das der Zerstreuung der spartonischen Jugend diente. Man kann nicht ohne niederschlagende Traurigkeit eine derartige Wahrheit feststellen, die Mussolini nicht ertragen kann, da diese u n- heilbare Eitelkeit, die sich selbst für so unbesiegbar und wunderbar hält, daß sie mit eigener Hand und für die«igenen Zeitungen, aber ohne Unterschrift, Lobpreisungen über seine eigene physische Pracht und die Majestät seines Antlitzes schreibt, die winzigste Kritik so fürchtet, wie sie selbst die bescheidenen Minister des liberalen Regimes nicht fürchteten. Mißtrauisch aus kleinlicher Geistesschwäche und ewiger Unsicherheit über seine ethischen Urteile ist er unfähig, in der Handlung eines Freundes oder Feindes Treue oder Großmut zu erblicken, und er sieht nichts anderes als ein niedriges Motiv des Interesses oder der Furcht. Er führt jedes menschliche Gefühl auf die sterile und kleinliche Schlau- heit eines Lauern seines Dorfes zurück. Schlau von Beruf und daher taub und blind für alles, was die Menschheit an Aufrichtig- keit und Edelmut besitzt, eifersüchtig auf alle Menschen und Dinge, die seinem bäuerlichen Geist« nicht entgegen kommen, der sich nur mit einem Keulenschlage einschüchtern oder durch das Schweigegeld eines Tausenders beeinflussen läßt, durch seine eigene Schuld je den Ratgebers beraubt, der nicht Schmeichler oder Dummkopf ist, hat er niemals die Möglichkeit erkannt, daß jemand etwas von den Ideen besitzt, die ihm selbst fehlen, und sich mit ihm in Meinungsverschiedenheiten befinden könne, ohne ihm per- sönlich Haß entgegenzubringen. Revolutionär ohne Revolution. Imperator ohne Imperium. Eroberer ohne Eroberung, Führer von Banden statt einer Re- gierung. Außenminister, der nicht den Mut findet, Italien zu verlassen, aus Furcht, in jedem lebendigen und freimütigen Menschen einem Matteotti oder Amendola zu begegenen, hat Mussolim weder vor noch nach 1924 irgend etwas Geschichtliches oder Große» geleistet, was selbst mit der scheinbaren Staatsraison die Derurtei- lung eines Gegners zum Tode hätte rechtfertigen können. Der Faschismus hat sich in den Händen eines derartigen Menschen soweit erniedrigt und entehrt, daß er sich zu seiner Be- Währung an einer Anzahl von Verbrechen mitschuldig gemacht hat, die dem Interesse weder des Vaterlandes, noch der Regierung. noch der Partei entsprechen. Die Politik, die Moral, die Revolution und da»„Imperium" Benito Mussolini» werden völlig erschöpft in diesem Verse llgo Foscolos: „Mißtaten zeugt und strafet den Minister!" *31 -- M»*'* 5X % meic/veslt/a/lec! � Vfeiches Vchffersichert � billiges Wbfchen � Verkäufe flchNina,&ra6«nIo(iinifttn! 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