Abendausgabe Nr. 449 ♦ 43. Jahrgang Ausgabe B Nr. 222 Se�aasBeiinaunaen unk?n»elaen»reif« lins in Ixt äüorgtnausanBe onaeatken Hettaflion: Zw. SS. Cinkenfftab« 3 Zetnsptechet: VSnh-fs 202— 291 XeL'Uktcffe: SojialOemoftal Setila Derlinev Volksvlakt (lO Pfennig) Donnerstag 23. September 1926 Verla« unb Anzeiaenabteilun«! Geschäftszeit 8H Bis 5 Uhr Setlegec: Oormätta-Seclag GmbH. Striin Zw, BS, CinBenfltab« 3 Zernfprecher: Dönhoff 292— 2flZ Zentraler gan der Sozialdemokrat» feben Partei Deutfcblands Erwerbslosenfragen vor üemLanötag. Beratungen im Hauptausschutz. Der Hauptausschuß des Landtages behandelt« heut« zunächst den Antrag der sozialdemokratischen Fraktion, den Bezirksfürsorgeverbänden für die Sonderunter st ützung für Kurzarbeiter 10 Proz. der Kurzarbeiterunterstützung vom Staatsministerium zur Verfügung zu stellen. Der Einheitlichkeit wegen soll diese Sonderunterstützung durch die Arbeitsämter aus- gezahlt werden. Der Berichterstatter, Genosse Christange und die Genossin hanna setzlen sich für die Annahm« des Antrages ein, mit der Begründung, daß es die Gemeinden zu stark belasten-würde, die 1k) Proz. Sonder- Unterstützung, die vom Reiche nicht erstattet werden, aus eigenen Mitteln zuzahlen. Da die Tobakindustrie sich auf nur wenig« Ge- meinden beschränkt, bedeutet die Sonderunterstützung für solche kom- munalen Körperschaften ein« außerordentlich starke finanziell« In- anspruchnahme. Der Regierungsvertreter erklärte sich gegen den Antrag, da Preußen nicht berechtigt ist, entgegen den reichsgesetz- lichen Bestimmungen eine Regelung zu treffen. Der Antrag wurde gegen die Stimmen der Sozialdemokralen, Demokraten und Kommunisten abgelehnt. Dagegen wurde ein Eventualantrag, der«ine Einwirkung auf die Reichsin stanzen nach der Richtung hin verlangt, daß die Sonderunterstützung für Kurz- arbeiter der Tabakindustrie vom Reiche getragen wird, an- genommen. Sodann folgte die Beratung eines kommunistischen Antrages, der eine Einwirkung auf die Reichsregierung verlangt, daß die von der H e r a b s etz u n g in der Erwerbslosensürsorge betroffenen Ge- meinden wieder in die alten Wirtschaftsgebiete bzw. Klassen zurückversetzt werden. Der Antrag stützt sich auf die Eingruppierung verschiedener Gemeinden in der Provinz Brandenburg im andere Wirtschaftsgebiete, die eine zweifellose Verminderung der bisher ausgezahlten Unterstützungen bis zu 3 M. pro Person zur Folge gehabt hätten, wenn nicht durch energisches Einwirken der Sozialdemokratischen Partei und der Gewerkschaften aus das Reichsarbeitsministerium die Ver- wirklichung dieser Absichten bisher oerhinderten. Genosse wende und Genossin Hanna machten aus die Wirkung aufmerksam, die eine Kürzung der bisherigen Bezüge bei den Erwerbslosen auslösen nüißte. Eine Aenderung der Gienzen der Wirtschaftsgebiete und damit eine Aenderung in der höhe der bisher bezogenen Unter- stützung sei besonders jetzt, wo über die Arbeitslosenversicherung bereits beraten wird, völlig unerträglich. Aehnlich äußerte sich auch der Vertreter der Demokraten. Der kommunistische Antrag wurde gegen die Stimmen der Sozialdemokraten. Kommunisten und Demo- traten abgelehnt. Angenommen wurde ein Antrag der Sozialdemokraten. bei Festsehung der Crwerbsloscnuntcrstühung sich etwa er- gebende Härten, die sich innerhalb eines wirlschaslsgebietes zeigen, auszugleichen. Eine längere Debatte löste der immer wiederkehrende Agitation?- antrag der Kommunisten aus, den verheirateten Erwerbslosen eine einmalige Beihilfe von 100 M., jedem Familienmitglied 10 M. und den Unverheirateten 50 M. zu zahlen. Genosse wende vertrat den Standpunkt, daß selbstverständlich eine Erhöhung der Unter- stützungssätze und ein« Verlängerung der Unterstützungs- dauer anläßlich der katastrophalen Rot der Erwerbslosen unerläßlich sei. Dahingehende Anträge sind ja bekanntlich im Reichstage wieder- holt von den Sozialdemokraten gestellt, ausgiebig behandelt und abgelehnt worden. Ob aber durch den kommunistischen Antrag wirk- liche Abhilfe zu schassen ist, bleibt mehr als zweifelhaft. Run ist ja damit zu rechnen, daß die Kommunisten aus rein agitatorischen Gründen über jeden herfallen, der nicht bedingungslos ihre meistens-un- durchführbaren Anträge unterstützt. Der kommunistische Antrag läßt übrigens die Frage offen, ob bei einer Arbeitslosigkeit von nur vier Wochen diese Beihilfe ebenso gezahlt werden soll, wie bei einer Dauer von einem Jahre. Ebenfalls ungelöst bleibt in dem Antrage die mindestens ebenso wichtige Deckungsfrage. Wirtliche Hilfe kann weder durch die unzureichende Unterstützung an sich noch durch einmalige Beihilfen geleistet werden. Die Erwerbslosen wollen Arbeit. Das vom Reichstag angenommene Arbeitsbeschaf- fungsprogramm muß deshalb schleunigst durchgeführt werden. Ergänzt wurden diese Ausführungen durch den Genossen Leid, der aus die große Zahl von Anträgen hinwies, die dem Hause über die Erwerbslosigkeit vorliegen. Mit Resolutionen ist nichts mehr zu machen. Ebensowenig sei den Erwerbslosen gedient mit Beschlüssen, die nur eine Einwirkung auf die Reichsregierung ver- langen. Immer ernster wird die Frage: was wird mit den Ausgesleuerlen? Roch springen die Gemeinden helfend ein und zahlen aus eigenen Mitteln weiter: lange kann das nicht mehr so weitergehen, hier muß der Staat eintreten und Mittel zur Verfügung stellen. Ein Vertreter des Zentrums schloß sich diesen Ausführungen in vollem Umfange an. Was der Staat bisher auf dem Gebiet« produktiver Erwerbslosensürsorge getan hätte, sei viel zu mangelhast. Di« Erwerbslofenfrage fei das ernsteste Problem der Gegenwart. Es bliebe für den Staat nichts anderes übrig, als die nötigen Mittel auf dem Weg« der Anleihe zu beschaffen. Ein Regierungsvertreter führte aus, daß die Staats- regierung sich des ganzen Ernstes der Lage bewußt sei. Deshalb sei das Finanzministerium bereit, größere Mittel als bisher zur Dekämpsung der Erwerbslosigkeit zur Verfügung zu stellen und in kürzester Zeit eine entsprechende Vorlage an den Landtag zu stellen. Der kommunistische Antrag wurde abgelehnt. Angenommen wurde ein Antrag wende sSoz.), der von der Reichsregierung eine Erhöhung der Crwerbslosenunterstühung und die Verlängerung ihrer Dauer verlangt. Der Wirtschaftsparteiler B i s ch o f f glaubte die Interessen der kleinen von der Arbeiterschaft abhängigen Ge- schästsleute dadurch besonders wirkungsvoll wahrzunehmen, daß er gegen die Erhöhung der Unterstützungssätze stimmte! Zum Ableben Richarö Zischers. Beileidskundgebungen von überall. Beim Parteivorstani, und bei der Redaktion des„Bor- wärts" laufen weiter zahlreiche Beileidsbezeugungen aus Anlaß des Ablebens unseres Genossen Richard Fischer ein. Die Auslandsvertretung der Sozialdemokratischen Arbei- terpartei Rußlands schreibt: Die russische Sozialdemokratie betrauert mit Ihnen den Tod des Genossen Richard Fischer, eines der v e r d i e n st o o l l st e n Veteranen der deutschen Arbeiterbewegung. Wir werden nie vergessen, daß Genosse Fischer es war, der vor fast einem Vierteljahrhundert, als unsere Partei ihre ersten Schritte machte und in Deutschland die Zeitung„Jskra� herausgab, uns in so m u t i g e r und wahrhaft kameradschaftlicher' Weise seine Hilfe lieh. Ehre seinem Andenken! Ferner liefen Beileidstelegramme ein vom Borstand der deutschen Zentrumspartei, von der Redaktion der„Berliner Volkszeitung", von der sozialdemokratischen Landtagsfraktion Bayerns, vom Vorstand des Einheitsverbandes der Eisen- bahner, vom Einheitsverband sozialistischer Handels- und Gewerbetreibender und von einer Reihe anderer Organisa- tionen und zahlreicher Einzelpersonen. Die Abrüstungskonferenz. Zusammentritt binnen Jahresfrist. Genf. 23. September.(WTV.) Die völkerbundsversamm- lung hielt heule vormittag eine Vollsitzung ab. In der ln erster Linie die Frage der Einberufung der internationalen A b- rüslungskonserenz besprochen wurde. ver französische Delegierte Paul voncour legte eine Entschließung vor, welche fordert, daß die Abrüstungskonferenz außer im Falle materieller Unmöglichkeil vor September 1327. also vor der S. ordentlichen Völkerbundsversammlung einberufen werde. Paul Voncour erinnerte an alle Bemühungen de» Völkerbundes, die vorbedingun- gen für eine allgemeine Verminderung der Rüston- g e a zu schaffen: diese Bemühungen müßten unermüdlich sortgesetzt werden. Da» Abkommen von Locarno habe den weg dazu geebnet und eine neue bessere Atmosphäre ln Europa geschassen. Die vorbereitende Kommission habe zusammen mit der technischen Unterkommission bereits wertvolle Vorarbeiten geleistet, so daß die Einberufung der Konserenz vor der nächsten Völkerbundsversammlung möglich erscheine und tatsächlich auch vorgenommen werden sollte. Stresemanns Dierabenüreüe. Weitere Pariser Prefsekritit. Pari«, 23. September.(Eigener Drahtbericht.) Die Presse be- spricht auch weiterhin ausführlich die Genfer Rede Dr. Stresemanns vor der deutschen Kolonie und kommt beinahe ein st immig zu dem Schluß, daß sie eine bedauerliche Entgleisung des deutschen Außenministers darstelle. Stresemann habe da in einigen kurzen Sätzen alle Forderungen der n a t i o n a l i st i s ch e n deut- schen Außenpolitik vorgetragen, so die Verneinung der Kriegsschuld, die Wiederherstellung der Souveränität des Reiches, also das Ende der Rheinlandbesetzung, die Rückgabe des Saargebiets, das Aufhören der Militärkontrolle, ferner das freie Recht der Völ- k e r, über ihre Staatsangehörigkeit zu bestimmen. In letzterem Punkte sieht die Presse eine Anspielung nicht nur aus das Saargebiet, sondern vor allem auf Oesterreich und die auto- nomistische Bewegung in Elsaß-Loth ringen. Die meisten Blätter vertreten deshalb die Ansicht, daß die Politik, die Strese- mann und Briand im Thoiry eingeleitet haben, von französischer Seite aus mit ausgesprochenem Mißtrauen unternommen wer- den müsse, und daß Frankreich nur Schritt für Schritt auf dem neuen, von Briand eingeschlagenen Weg« fortschreiten dürfe. Diese Ansicht findet man nicht nur in den nationalistischen Blättern der Rechten, sondern auch in mehreren Organen der Linken. Die Zresse erklärt jedoch auch, daß Stresemann den peinlichen Eindruck seiner Rede erkannt und durch die Ausführungen vor den Genfer Pressevertretern abzuschwächen versucht hat. Diese Erklärungen werden mit ausgesprochener Befriedigung wiedergegeben. Recht unö Volk. Nachwort zu den Juristenkongressen. Von Kurt Rosenfeld. Die Tagungen der beiden bedeutendsten Organisationen deutscher Fachjuristen— in Bonn die Konferenz der Internationalen kriminalistischen Vereinigung und in Köln der Deutsche Iuristentag— hatten bedauerlicherweise die Fragem der völligen Umgestaltung der deutschen Justiz nicht auf ihrer Tagesordnung. Die Vorstände von denen diese Tagungen vorbereitet waren, hatten offenbar nicht erkannt, daß juristische Versammlungen, die an der brennenden Frage der deutschen Iustizresorm schweigend vorübergehen, sich damit von selbst aus der Reihe der Organisationen aus- schalten, die maßgeblichen Einfluß auf die Fortbildung des Rechtes ausüben. Vom Iuristentage wird der entscheidende Anstoß zur umfassenden Neuformung des gesamten Rechts- wefens nicht ausgehen. Nicht einmal auf der Tagung der Internationalen kriminalistischen Vereinigung hätte, wenn es allein nach dem Vorstand dieser zu Liszt's Zeiten so angesehe- nen, so reformfreudigen Vereinigung gegangen wäre, die Frage der jetzt allgemein anerkannten Krisis der deut- � schen Rechtsfrage eine Rolle gespielt, obwohl der Vor- stand verpflichtet gewesen wäre, diese Frage zur Be- sprechung zu bringen. Denn die voraufgegangene Konferenz hatte auf Anregung unseres Genossen R a d b r u ch sogar e i n st i m m i g den Wunsch ausgesprochen,„daß die Fragen 1. ob das Vertrauen in die Rechtspflege erschüttert ist, 2. ob eine solche Erschütterung begründet ist, 3. was zur Wieder- Herstellung dieses Vertrauens dienen kann, auf die Tages- ordnung der nächsten Versammlung der Internationalen kriminalistischen Vereinigung gesetzt werden sollen." Zur Rede gestellt, erklärte der Vorstand, daß er diesen Beschluß nicht ausgeführt habe, weil befürchtet worden sei, bei Erörterung dieses Themas würden die Bahnen wissen- schaftlicher Erörterungen verlassen werden und es würde zu parteipolitischen Erörterungen kommen. Außerdem habe der Vorstand in ganz Deutschland keinen Referenten(!) finden können! Und diese Gründe erkannte die Versammlung an, indem sie den Antrag, das Verhalten des Vorstandes zu bedauern, mit etwa 100 gegen 9 Stimmen ablehnte! Mit diesem Beschluß hat sich die Internationale kriminalistische Vereinigung, in deren Geschichte auch wir Sozialdemokraten manches Ruhmesblatt finden, in hohem Maße selbst diskreditiert. Erreicht hat übrigens der Vorstand der Vereinig'/.ig sein Ziel, die Besprechung der Iustizkrise zu vermeiden, doch nicht. Denn bei der Erörterung der auf der Tagesordnung stehenden Frage des im Strafgesetzentwurf vorgesehenen freien richterlichen Ermessens des Richters platzten die Geister doch aufeinander. Der jetzt dem Reichsrat vor- liegende Entwurf will den Richtern weit größere Machtbefug- nisse geben, als sie nach dem geltenden Gesetz haben; er will sie von den ihnen in der Tat in vielen Gesetzesbestimmungen, angelegten Fesseln befreien und damit Gedanken durchführen, � die a n s i ch auch von uns richtig erscheinen, aber nur unter einer Voraussetzung: daß wir nämlich zu den Richtern das Vertrauen haben könnten, daß sie ihre Macht nicht miß-' brauchen. Auch Professor Graf zu Do h n a sprach auf der Konferenz aus:„Mit Argwohn und Mißtrauen im� Herzen darf der Gesetzgeber die Zügel nicht aus derHand gebe n." Die von sozialdemokratischen Juristen gerade unter diesem Gesichtspunkte vertretene Auffassung, daß Argwohn und, Mißtrauen gegen die deutsche Justiz b e st e h e n, auch durch die Praxis täglich neue Rabrung finden und daß infolge- � dessen bei der jetzigen unsozialen und antirepublikanischen Haltung der meisten Richter die Erweiterung des freien richter- lichen Ermessens nicht beschlossen werden dürfe, fand in der Versammlung wenig Berständnis. Es war charakteristisch, � daß die Konferenz nur in e i n e m Punkte das freie richterliche Ermessen ablehnte: nämlich in der Bestimmung, nacb welcher � die Richter unter Umständen trotz Feststellung einer strafbaren Handlung von Strafe absehen könnten. Die Richter sollen also freie Hand haben, wenn sie glauben, den Sünde;; scharf st r a fen zu müssen, sie sollen aber, wenn sie Milde walten lassen wollen, wenigstens insoweit beschränkt werden, daß sie unter keinen Umständen freisprechen dürfen. Rur ja nicht freisprechen! Unter diesem Zeichen standen die Beschlüsse der Internationalen kriminalistischen Vereinigung! Der Deutsche Iu r i st e n t a g bot ein wenigstens etwas freundlicheres Bild. Er beschäftigte sich auch mit' Fragen, die für Partei und Gewerkschaft von größter Wichtig- keit sind: mit den Befugnissen der parlamentarischen Untersuchungsausschüsse, mit der Behandlung des sogenannten Ueberzeugungsverbrechers im künftigen Strafgesetzbuch und mit der Haftung der B e- ru f s o e r e i n e der Arbeitgeber und Arbeitnehmer für un- zulässige Kampfhandlungen. Bei der Besprechung der Einrichtung der Unter- suchungsausschüsse galt es. einen reaktionären Bor- stoß, besonders der deutschen Richterorganisation, abzuschlagen. Diese Frage war nämlich auf die Tagesordnung gesetzt worden, weil ein Richterkongreß der Befürchtung Ausdruck gegeben hatte, daß die Unabhängigkeit der Richter und die Durchführung von Strafverfahren durch die Untersuchungsausschüsse beeinträchtigt werden köniue. Vor allem war es der sattsam bekannte bayerische Richter Müller, einst als Abg. Müller-Meiningen Vorkämpfer gegen die Reaktion, der den reaktionären Bemühungen um Ein- schränkung der Befugnisse der Untersuchungsausschüsse dadurch Vorschub leistete, daß er sich die unerhörte Be s ch i m p f u n g gestattete, man könnte durch ein parlamentarisches Unter- suchungsverfahren„auch Lumpen im eigenen Lager decken". Es gelang wenigstens, alle Angriffe auf die Unter- suchungsausschüsse zurückzuweisen und zu verhindern, day durch einen Beschluß Aenderungen des geltenden Ocseßes gefordert wurden, die eine Einengung der Befugnisse der Untersuchungsausschüsse bedeutet hätten. Die Abweisung dieser reakionären Anschläge ist das erfreulichst? Ergebnis des Deutschen Juristentages. Bei der Erörterung des Vorschlags, Angeklagte, die aus einer bestimmten Ueberzeugung heraus mit dem Gesetz in Konflikt geraten, vor Zuchthaus und Gefängnis zu schützen und nur zur Einschließung zu verurteilen, lehnte der Juristen- tag diesen vom Genossen Radbruch in ausgezeichneter Form vertretenen Gedanken ab. In der Frage derchaftungderGewerkschaften und Untern eh ni erverbände für Kampfhand- l u n g e n, die nach der Rechtsprechung als unzulässig an- zusehen sind, kam der Juristentag, trotz des Widerspruchs des Genossen Sinzheimer zu einem für die Arbeiter- bewegung recht ungünstigen Beschluß, nämlich zu der Forderung. daß die nicht rechtsfähigen Vereine— das sind die heutigen Gewerkschaften— ebenso für alle Schadenersatz- anspräche aus unzulässigen Kampfhandlungen in vollem Um- fange basten sollen wie rechtsfähige. Aus der ganzen Haltung des Juristentages und seinen Beschlüssen ging hervor, daß'man in den Kreisen der Fach- juristen noch sehr wenig Verständnis für die berechtigten Wünsche und Forderungen der Arbeiterschaft hat. Es waren in der Hauptsache die sozialdemokratischen und nur einzelne freigesinnte bürgerliche Juristen, die sich mit Wärme und Eifer für die Forderungen des Volkes einsetzten. Dabei sei besonders des Vorsitzenden des deutschen Richtervereins, des Senatspräsidenten' am Reichs- gericht Reichert gedacht, der selbst anerkannte, daß o f t Fehlurteile gesprochen werden, die auch die Richter- organisation bedauere. Wesentlicher als olle Beschlüsse der beiden Fachkongresse war die Konferenz der Vereinigung der s o z i a l d c m o- k r a t i s ch c n Juristen, die zu einer engeren Fühlung- nähme unserer über das ganze Reich zerstreuten Juristen untereinander und mit den erfreulicherweise auch aus Oe st erreich erschienenen parteigenössischen Juristen führte. Die Aufforderung dieser Vereinigung, welcher sich alle der Partei angehörenden Juristen baldigst anschließen sollten, daß, unabhängig von allen Bestrebungen bürgerlicher Juristen angesichts der in der letzten Zeit immer unerträg- licher gewordenen und mit der allgemeinen demokratischen Entwicklung in immer stärkeren Gegensatz geratenen K l a s- s e n. und P a r t e i j u st i z die Sozialdemokratische Partei mit aller Kraft für eine schleunige und umfassende Ju st iz reform eintreten möge, ist nur zu begrüßen. Wenn die sozialdemokratischen Juristen ihr Versprechen er- füllen, die Partei in der Lösung dieser Aufgabe zu unter- Zützen und ein Aktionsprogramm zur Justiz- r e f o r in vorzulegen, so würde der Kampf um die Justiz er- leichtert werden. Bald wird der politische Kampf von neuem entbrennen. Dann werden die Arbeiterklasse und ihre Vertretungen um eine durchgreifende Justizreform in erster Linie zu kämpfen haben. Nicht von gelehrten Juristenkongresien sondern nur von der Arbeiterschaft kann der entscheidende Anstoß zur Justizreform gegeben und die so bitter notwendige Justizrefonn durchgesetzt werden. Die Rußlanü-Delegierten. SPD.-Mitglied Bielig-Ztvickau— gibt es nicht. Unser Zrvickauer Parteiblatt, das.Sächsische Volks- b l a t t", hat die folgenden Feststellungen getroffen: „Die„Rote Fahne" berichtet in ihrer Nummer vom 21. Septem- ber über die Rückkehr der sogenannten 2. Arbeiterdelegation aus Rußland. Sie druckt dabei einige Aeußerungen von SPD.- Mitgliedern ab, die an dieser Rußlanddelegation teilgenommen haben. U. a. bringt sie dabei die Äeußcrung eines H o l z a r- beiters unter der Ucberschrift:„Bielig, Mitglied der SPD. Zwickau i. S." Wir stellen demgegenüber fest, daß es in Zwickau kein Mitglied der SPD. mit Namen B i e l i g gibt, daß auch von der Z w i ck a u« r SPD., trotz mehr- facher Bemühungen der Kommunisten, kein einziges Mit- g l i e d an der sogenannten 2. Arbciterdelegation t e i l g e- n o m ni e n hat." Zu dem„sozialdemokratischen Redakteur" Podien, der kein sozialdemokratischer Redakteur ist. kommt das SPD.-Mitglied B i e l: g, das es nicht gibt. Die Schauspieler im kommunistischen Rußlandtheater müssen sehr genau angesehen werden! „Entschiedene Linke." Ter Wirrwarr im kommunistischeu Lager. Die kommunistische Opposition besteht aus den verschiedensten Gruppen und Grüppchen. Links von der KPD. existiert seit langem die KAP D.,«ine ganz revolutionäre, entschieden anti- parlamentarisch« und antigewerkschaftliche Gruppe. Aus den Streitig- keiten in der KPD. hat diese Gruppe in letzter Zeit Vorteile gezogen. Als ihr Organ erscheint die.Kommunistische Arbeiterzeitung" jetzt zweimal wöchentlich. Aus ihren Reihen werden in kom- munistischen Parteiversammlungen meistens die Zwischenrufer gestellt. Neben ihm hat die Gruppe Korsch-Schwarz jetzt ihr bisheriges Diskussionsblatt.Kommunistische Politik" in ein neues Organ oer- wandelt, das den Titel„Entschiedene Linke" trägt. Dies« Gruppe will unter allen Umständen vermeiden, mit dem„schwäch- lichen, inkonsequenten Weber, mit den verlogenen, prinzipienlosen Führern Ruth Fischer- Maslow" oerwechselt zu werden, die ebenfalls„angeblich kommunistische Politik" treiben. Mit dieser Ge- sellschast wollen Korsch und Schwarz„nicht in«inen Topf geworfen werden". Ihr Kamps gilt„dem offenen und oersteckten Reformismus und dem offenen und versteckten Sumpf" der Kommunistischen Partei in Deutschland und in Rußland. Die Opposition in Rußland ist diesen Leuten nicht entschieden genug. Sie sei zwar ein wichtiges Symptom der wachsenden Radikalisierung der Proletariermassen, aber voll- ständig unfähig, die russischen Aufgaben in revolutionärem Sinn« zu lösen. Ihrer Zusammensetzung nach sei sie„ein haltloses Konglomerat" von Sinowjew zu Trotzt!, Rädel und Brandler. Dies« Opposition kennt nur«inen„kleinlichen Kamps" gegen die personelle Diktatur des Generalsekretärs Stalin. So ist es begreiflich, daß die KAPD. die Hoffnung ausspricht, in dieser„Entschiedenen Linken" demnächst einen Bundesgenossen zu finden. An dies«„Entschiedene Linke" reihen sich die beiden„Renegaten" und„Agenten der Bourgeoisie", Maslow und Ruth Fischer. Aus der KPD. find sie schon hinausgeworfen, zu einer neuen Organi- sation haben sie es aber noch nicht gebracht. Sie fungieren äugen- blicklich als illegale Zentrale der in der KPD. vorläufig noch verbliebenen oppositionellen Zellen. Sie stehen in engster Verbindung mit den 700 Unterzeichnern des bekannten Aufrufs gegen die KPD-Zentrale. Da mindestens hundert der maßgeben- den Unterzeichner demnächst aus der KPD. ausgeschlossen werden, wird sich um diese neuesten„Bourgeoisieagenten" zweifellos«in« neue Gruppe zusammenschließen, die der Kommunistischen Partei wahr- scheinlich am gefährlichsten werden wird, da sie in allen Organisationen ihre Verbindungsmänner behält und unterirdisch wühlt. Natürlich wird auch dies« Gruppe in absehbarer Zeü gez-ou.�-en Vm, mit einem eigenen Organ hervprzmret?". Jedes hat den Siein der Weisen gefunden und wird unwiderleglich Nachweisen, daß alle anderen Verräter sind. Volksbegehren in k>effen. Varmstadl, 23. September. sEigener Drahtbericht.) Der Untersuchungsausschuß zur Prüfung des Volksbegehrens hat seine Ar- beiten nach wochenlanger Tätigkeit beendet. Er hat festgestellt, daß von den 1S2 863 angeblich abgegebenen Stimmen weit über die Halste ungültig ist und hat damit ein p o l i t i s ch e s B c- trugsmanöoer der Rechten von größtem Ausmaß festgestellt. Als gültig wurden lediglich 62 000 Unterschriften anerkannt. Für das Volksbegehren selbst waren jedoch nur 42 500 Stimmen not- wendig, so daß nunmehr der?l n t r a g auf Auflösung des Landtages diesem zugeleitet wird, der über die Durchführung des Volksbegehrens und den Zeitpunkt der Auflösung zu entscheiden hat. Slinüe Justiz. Rechts milde, links scharf. Köln, 23. September.(Eigener Drahtb«richt.) In der De- freiungsnacht vom 31. Januar auf den 1. F«bruar wurde in Krefeld der Führ«r des dortigen Reichsbanners Oyen von nationalistisch«» Horden in seiner Wohnung überfallen und mißhandelt. Da die Täter einwandfrei festgestellt werden konnten, erfolgte Anzeige bei der Oberstaatsanwaltschaft. Nach monatelanger Untersuchung wurde jetzt mitgeteilt, daß der Oberstaatsanwalt das Verfahren ein- gestellt habe, weil nicht mit genügender Sicherheit festgestellt w«rdsn könn«, welche Personen oder welch« Gruppe den Streit be- gönnen und welche Gruppe sich in Notwehr befunden habe. Diese Entscheidung der Oberstaatsanwaltschaft zeigt deutlich, wi« auf- fallend milde Rechtsradikale bei derartigen Zusammenstößen behandelt werden, während gegen Anhänger von Linksparteien viel schärf«? vorg«gangen wird. Der Prozeß Sacco und vanzetti. Enthüllungen des Verteidigers. Miasio, 23. September.(Eigener Bericht.) Wie der„Avanti" aus New Jork erfährt, hat der Verteidiger von S a c c o und vanzetti in der Debatte über das Wiederaufnahmeverfahrcn verschiedene Regierungsagenten mit genauesten Angaben beschuldigt, mit der Staatsanwaltschaft des ursprünglichen Prozesses ein Komplott betrieben zu haben, das um jeden Preis die Todesstrafe gegen die beiden Unglücklichen herbeiführen sollte, weil diese Agenten in der Todesstrafe das beste Mittel erblickten, sich der beiden Revolutionäre zu entledigen, deren Deportation unausführbar war. „Der gerichtlichen Behörde", so erklärt der Verteidiger,„ist es nicht gelungen, sich die nötigen Beweismittel zu verschaffen, um die Deportationsstrafe aussprechen zu können. Die Agenten machten sich daraufhin an die Aufgab«, Beweiselemente aufzutreiben, die ge- statteten, Sacco und Vanzetti wegen Meuchelmordes zu verurteilen und auf den elektrischen Stuhl zu schicken." Der Advokat fügt hinzu, daß einig« von diesen Beamten jetzt noch in Staatsdiensten sind und daß jeder Amerikaner Scham empfinden müsse, wenn er erfahre, daß einige ihrer Be- omten in einer so nichtswürdigen Art und Weise ausländische Staats- angehörige behandelt haben. Zur Unterstützung seines Wiederauf- nahmeantrages hat der Verteidiger das Geständnis des Mörders Madeiras eingereicht, den Mord begangen zu haben, denen man heute Sacco und Vanzetti bezichigt. (Im Gegensatz zu dieser Information steht jedoch die Nachricht, daß die Revision der beiden Italiener immer noch geprüft wird und daß die Behörde noch nicht zu einer endgültigen Entscheidung ge- kommen ist.) Erhöhte proöuktivität. Von vl. Sostschenko. Ein schrilles Klingeln ertönte auf der Treppe. Ich stürzte zur Türe, um zu öffircn. Da drängte sich ein Mensch hastig ins Vorzimmer. Er war sichtlich nicht bei Sinnen. Sein Mund war geöffnet, der Schnurrbart hing herunter, die Augen blickten irr und der Schweiß perlte ihm von der Stirn. Die halb angezogene Jacke war zerrissen. „Der Gasometer?" röchelte wild der Mensch.„Rasch! Wo?" Ich ächzte vor Schrecken und hob den Finger gegen die Zimmer- decke. Der Mensch sprang auf ein Tischchen, zertrat einen neuen Damenhut und besah den Gasometer. „Genosse," fragte ich erschrocken,„wer sind Sie denn, mit Der- laub? Vielleicht Kontrollor?" „Kontrollor", sagte heiser der Mensch.„Jetzt sehe ich nach und muß gleich weiterlaufen..." Er sprang zu Boden, stieß mit dem Fuß an die Ecke einer Truhe und stürzte mit Stöhnen zur Aus- gangstür. «Genosse... Brüderchen..." sagte ich,„setzen Sie sich doch, ruhen Sie sich doch aus... Sie sehen so schlecht aus..." Der Kontrollor blieb stehen, schöpfte Atem und sagte:„Fu... Wirtlich... Ich bin hundsmüd« heute... Es sind doch hundert Wohnungen... Früher hatten wir nur 60 unter der Kontrolle und jetzt 80... Und wenn man mehr macht, so bekommt man eine Prämie... Heute will ich 150 kontrollieren und Schluß... Ich brauche nicht viel. Ich bin nicht habgierig." „Nun und haben Sie genug Zeit dazu?" fragte ich vorsichtig und richtete den zerdrückten Hut auf. „O ja," antwortete der Kontrollor.„Nur ist das Publikum an die Erhöhung der Produktivität noch nicht gewöhnt. Es erschrickt vor der Schnelligkeit.... Gestern lief ich in Nummer 7 hinein, und man dachte, ich wäre ein Räuber. Man schrie. In Nummer 0 zer- brach ich ein kleines Tischchen— wieder Geschrei und Unzufrieden- heit. Im Nachbarhause riß ich au» Versehen den Gasometer herunter. Der Wohnungsbesitzer wollte mir eine Ohrfeige geben. Ach, Genossen, wie schade, daß sich die Leute nicht anpassen können. Nur in Ihrer Wohnung ist es still und nobel.. Ist de? Hut noch zu gebrauchen? Habe ich ihn am Ende zerdrückt?" „Jawohl," sagt« ich delikat und band die gebrochenen Federn auf dem Hut zusammen. „Ja, ja, diese Damenmoden," sagte der Kontrollor unbestimmt und schüttelte vorwurfsvoll d«n Kopf. Er trampelte zur Tür und setzte hinzu:„Es ist ein Jammer mit dieser Erhöhung der Produktivität. Man strengt sich mit ganzer Seele an und das unkultivierte Publikum nimmt an dieser Schnellig- keit Anstoß... Fu... ich muß weiter laufen. Auf Wiedersehen.. Er riß sich vom Platze, klopfte sich auf die Knie, schrie auf, und mit einem Sprung befand er sich auf der Treppe. Die Produktivität stieg. (?luS dem Russischen von Elsa Brod.) Massenverüienft in üer Kunst. Das Titelbild in einem der letzten Heft« der„Funkstunde", „Professor Hugo Rädel in seinem Arbeitszimmer im Dom", hat wohl bei vielen Wissenden Erstaunen und Kopsschütteln hervorgerufen: Hugo Rädel nun auch noch Leiterdes Funkchors! Bisher war er„nur" Direktor des D o m ch o r s, Direktor des Staats- Opernchors und des Opcrnchors der Hochschule für Musik, Dirigent des Berliner Lehrergesangvereins. Ein fünftes Amt ist hinzugekommen, und Professor Rädel bewältigt alles. Da drängen sich unwillkürlich einige Fragen auf: I. Ist Deutschland so arm an guten Musikern, daß Professor Rädel allein imstande ist, sünf so wichtiae und sür Deutschlands musikalischen Ruf so verantwortungsvolle Aemter zu leiten? 2. Ist die Arbeitskraft eines Menschen überhaupt fähig, fünf so schwierige und darum hoch bezahlt« Aemter zu verwalten, oder erfordert jedes dieser Aemter nur so minimale Arbeitsleistung, daß ein Mensch sie nicht nur bewältigt, sondern noch nebenher Zeit findet, ausgedehnte und sehr einträgliche Reisen mit dem Domchor zu machen und den Chor der Bayreuther Festspiele zu l«iteu? 3. Muß in Zelten großer wirtschaftlicher Not» unter der auch die Musiker schwer leiden, ein Unersättlicher anderen die Der- dienstmöglichkciten rauben? Das soziale Gewissen Deutschlands schläft, sonst würde es der« artige Zustände nicht dulden! Professor Rädel wird als Direktor des Domchors nach einer Sonderklasse bezahlt. Wieviel das ist, ent- zieht sich der Kenntnis der meisten Menschen, sicher so viel, daß er ein standesgemäßes Leben damit führen könnte. Die Leitung des Funkchors soll, so erzählt man sich, die Kleinigkeit von 17 000(sieb- zehntausend) Mark einbringen: dazu kommt das Gehalt als Opern- chordirektor, des Hochschulprofessors, die Einnahmen von den Reisen des Domchors, die Vergütung für die Leitung des Berliner Lehrer- gesangvereins und der Bayreuther Festspiele. Trotz Revolution und Inflation hat es Professor Rädel vcr- stände, sein Glück auch in der Republik zu machen. Die Republik bietet auch ihm, dem treuen Anhänger Wilhelms von Doorn, die besten Lebensmöglichkeiten. Wieviel Stellen sind noch frei für ihn?_ E. S. Eine Mnlker von 60 k'ndern. Fälle von auhsrgrwöhnlicher Nachkommenschaff einer einzigen Frau sind im allgemeinen nicht sehr häufig. Es ist schon eine ungewöhnliche Erscheinung, wenn eine Frau mehr als 10 Kinder hat. Wenn die Zahl von 20 Kin- dern überschritten wird, so kann man schon sast von einem Wunder reden. Um so erstaunlicher ist ein Fall, aus den oer einiger Zeit die Wiener„Aerztliche Standeszeitung" hinwies, daß ein« Frau nicht weniger als 60 Kinder erzeugt hat. Es handelt sich in d«m besonderen Fall um ein Ehepaar, das offenbar ganz seltene Anlagen zur Erzeugung von Nachkommenschaft aufwies. Wenn nicht ein so angesehenes Blatt wie die oben genannte ärztlich« Zeitschrift den Bericht darüber gebracht hätte, könnte man an der Richtigkeit der Angaben zweifeln. Die Frau, die hier in Betracht kommt, hatte nie eine einfache Geburt, sondern viermal Vierlinge, sieben- mal gebar sie Drillinge und nicht weniger als 16mal Zwillinge. Der Gatte dieser Frau hatte insgesamt 87 Kinder, von denen 84 am Leben sind, denn nachdem seine erste Frau, die ihm die oben erwähnten 69 Kinder geschenkt hatte, ge- starben war, heiratete er zum dritten Male. Von seiner zweiten Frau hotte er noch 18 Kinder, und zwar in zwei Drillingsgebunen und sechs Zwillingsgeburten. Diesem Manne, der 87 Kinder erzeugt hat, steht unter den bemerkenswerten Erscheinungen der Beobachttm- gen in der männlichen Linie ein Deutscher am nächsten, der von zwei Frauen 82 Kinder hatte. Ein russischer Bauer hatte von seiner ersten Frau 57, van seiner zweiten Frau 15, im ganzen 72 Kinder, und zwar zum Teil in Drillings- und Zwillingsschwangerschastcn. In der älteren italienischen Literatur soll sich eine Mitteilung befinden über eine Frau, die nach 33 Schwangerschaften 53 Kinder gebar, ferner über eine 40jährige Frau, die Mutter von 42 Kindern war. In neuerer Z«it wird von einer Frau berichtet, die in 30jähriger Ehe 48 Kinder gebar. Derartige Fälle gehören allerdings zu den größten Seltenheiten. Ferner soll eine Brasilianerin, die ein Alter von 77 Jahren erreichte, nicht weniger als 44 Kinder geboren haben, von denen das erste im 15., das letzte im 47. Jahre geboren wurde. ohne daß jemals eine Mehrlingsg-burt zu oerzeichnen war. Eine Tochter dieser Frau soll 19 Kindern das Leben geschenkt haben, darunter wieder eine Tochter, die bei ihrem im 31. Lebensjahre erfolgten Tode 18 Kinder hinterlassen hat. Der Tod— ein Irrtum. Natürlich ist das«ine afrikanische Entdeckung, für' dsr«n Auswertung«in amerikanischer Arzt Dr. E. L. Fisk soeben ein« Propagandaschrift unter dem Titel„Weg mit d«m Tod«!" herausgegeben hat. Er erkennt als„zulässige Todesursachen" nur mechanische Verwundungen, Derbrenn«», Ertrinken usw. an. All« übrigen Tobesursochen, darunter auch Altersschwäche, sind „ein Unsug", mit dem das von Fisk begründete„Institut für Lebens- v«rläng«rung" endlich aufräumen will. Obwohl er zugibt, daß Krankheiten di« Folg« von Anhäufungen giftiger Stoff« im Organis- mus darstellen, behauptet«r, daß daneben und in erster Linie der Mensch überhaupt nur sterbe, weil ihm von Jugend auf die Heber- zeugung eingehämmert werd:, eines Tages sterben zu müssen. Wie wir also nur aus atavistischer Autosuggestion aufhören zu leben, so können wir nach Fisks Meinung durch einfache Umtehrung der Seche die physische Unsterblichkeit zu einer Daueremrichtung mach' i Hoffemlich beweist er's zunächst einmal an sich selbst. I>o''»bS!iiie koirir»"euNche roittibSdne. Die Berliner Boüsbübne t gepen die Deut che Pott-'blwi!--ine Klo e auk Unl-rlallmi, der S.-ze�nu- ,?e»ssche tl-lfebichM* eingeleitet und eine elmtweiNae veriügung beanifä» weil dm ch reu N-wen Teutiche BolkSdU ne vi' dach Ber» echilungen aor� getommen waren. Da»-Yericht hat dem Vlnling»attqegeben D e•' mei i>oltsbUhne veratüialtet Borste llungeo ansichttefclich m den ihr ardlr.icn Ibenlern am Biilowplah und am Schissbmierdamm. ferner in der Over om Platz der Republik, in den staatlichen SchaufpielhSusern und im Thalia-The.-.ter. INary wignuta wird vor Antritt einer Tournee dmch die östlichen Randfiaaten und durch Skandinavien Ihr neue» Programm»um ersten Male am 1. Ottober im v l L t h n« r s o a l zur Ausführung bringen. Die Politik öes Neichsarbeitsminifteriums. Tic ermangelt jeder Aktivität. Das Internationale Arbeitsamt in Genf veröffent- licht regelmäßig Uebersichten über die Ratifizierung von Ab» kommen, die von den internationalen Arbeitskonferenzen befchloflen worden find. Die letzte Ueberficht vom September 1926 ist sehr auf- schlußreich. Deutschland figuriert da mit insgesamt vier Ratifizierungen von 24 Abkommen. Zlbcr auch diese vier ratifizierten Ab- kommen sind— mit Ausnahme des Koalitionsrechts der Land- orbeiter— belangloser Art. Wenn wir von den südamerikanischen Staaten absehen, wo die Sozialgesetzgebung entsprechend der indu- stnellen Entwicklung noch sehr im Rückstände ist, dann rangiert Deutschland mit den Ratifizierungen von allen europäischen In- dustriestaaten so ziemlich an letzter Stelle. Mit dein Anspruch. sozialpolitisch an der Spitze der Nationen zu marschieren, sieht cs praktisch also sehr merkwürdig aus. In seiner Rede auf der Londoner Konferenz der Arbeitsministcr im März kündigte der Rcichsarbeitsminister Dr. Brauns an, daß das Arbeiterschutzgesetz, das auch die Bestimmungen über die A r b e i t s z e it enthält, noch im Sommer dem Reichs- kabinett zugchen würde. Dieses Gesetz sei so gestaltet,„daß aus seiner Grundlage die Ratifizierung des Washingtoner? Abkommens durch Deutschland erfolgen kann". Inzwischen ist es Herbst ge- worden, und man hört noch immer nichts von der Fertigstellung des Arbeiterschutzgesetzes. Es würde uns sehr interessieren, zu er- fahren, wodurch diese Berzögcrung verschuldet worden ist. Auch mit der längst fälligen Verlängerung der Bezugsdaucr der Erwerbslosensürsorge scheint man es im Reichs- arbeitsministerium trotz aller Konferenzen und„grundsätzlichen" Zu- stimmungen nicht sehr eilig zu haben. Ueber die Verzweis. l u n g s st i m m u n g, die sich der Erwerbslosen bemächtigt, dürste man auch im Reichsarbeitsministerium informiert sein. Man scheint sich aber dort nicht sonderlich darüber aufzuregen. Vom Arbeits- losenversicherungsgesetz, das endlich die Erwerbslosen- jürsorge ablösen soa, hört man überhaupt nichts. Das Reichsarbeitsministerium hätte viele Möglichkeiten, um der Arbeitslosigkeit zu steuern. Wie ist es z. B. möglich, daß nian im Ruhrbergbau in steigendem Maße Ucberschichten zuläßt, wäh- rcnd noch 4Z 900 Bergarbeiter arbeitslos sind. Ueberhaupt n.üßte das Arbeitslosenproblem, das im wesentlichen eine Folge der Rationalisierung des Lohnabbaus ist, ganz anders angepackt werden. Wenn in Reichsbetrieben der Achtstundentag systematisch überschritten wird, wenn bei der Reichsbahn unmenschliche und die Sicherheit gefährdende Dienstschichten eingeführt werden, wäh- rend gleichzeitig der Haushalt der Reichsbahngesellschaft mit der Zahlung von Wartegeldern an die abgebauten Beamten belastet wird, so sind das Zustände, an die man im Reichsarbeitsministerium ernstlich denken und gegen die man handeln müßte. Der Reichsarbeitsminister Dr. Brauns läßt ankündigen, daß br am Sonnabend vor den Vertrauensleuten und Vorstandsmit- gliedern des Christlichen Deutschen Gewertschaftsbundes einen Vor- trag holten werde, über die Arbeitnehmer in Staat und Wirtschaft in der Nachkriegszeit. Das Thema ist sehr weit gesteckt. Wir wllrdxn uns freuen, wenn der Rsichsarbeits» minister sich auf die wenigen, aber nichtsdestoweniger sehr wich. t i g e n Fragen, die wir hier ausgeworfen haben, beschränken wollte, und zwar nicht nur in seiner Rede, sondern vor allen Dingen in seinen Taten._ Schweiz und Internationale. Ter Bcitrittsbeschluh der Parteileitung. Wie bereits mitgeteilt, hat die erweiterte Parteileitung der Schweizer Sozialdemokratie mit 31 gegen 16 Stimmen beschlossen, dem Parteitag den Beitritt zur Sozialistischen Arbeiterinternationale zu empfehlen. In der Begründung dieses Antrages heißt es: Die Entwicklung der letzten Jahre bestätigt die Tatsache, daß auch in der Demokratie die Macht des Kapitals es der Bourgeoisie ermöglicht, die öffentliche Meinung zu leiten, die Mittel- schichten der Gesellschaft unter ihre Führung zu nehmen und dadurch das Proletariat niederzuhalten. Sie bestätigt ferner, daß mit der Zuspitzung der Klassengegensätze und dem Anwachsen der inter- nationalen Reaktion die Kampfbedingungen der Arbeiterklasie sich verändern und sie zur Anwendung von außerparlamentarischen Kamvsmitteln drängen. Unter dem Einsluß der steigenden kapitalistischen Entwicklung, der Verschärfung der internationalen Reaktion und nicht zuletzt durch die Erfahrungen ministerieller Koalitionspolitik vollzieht sich in den Reihen des internationalen Proletariats ein Läuterung?- prozeß: er wird gefördert durch die Vorgänge in Ruhland, wie innerhalb der kommunistischen Znkernakionale, deren schablonenhafte Ueber» trogung der Kampsmethoden gründlich scheiterte. Durch diesen Läutrningsprozeß werden jene Tendenzen innerhalb der Arbeiterklasse begünstigt, deren Ziel die Schaffung einer wirk- l i ch e n, allumfassenden, im Frieden wie im Kriege aktionsfähigen Internationale ist. Im Sinne dieser Erwägungen und mit der ausdrücklichen Ver- pslichtung ihrer Vertreter, gemäß den Grundsätzen des Parteipro- gramms im Rahmen der Internationale zu wirken, beschließt die Sozialdemokratische Partei der Schweiz den Beitritt zur So- zialistischen Arbeiterinternationale und beaustragt die Geschästs- icitung mit dem Vollzug dieses Beschlusies. Die Schweizer Sozialdemokratie hatte an der Konferenz von Zimmerwald während des Weltkrieges teilgenommen und sich jener „Arbeitsgemeinschast sozialistischer Parteien"(Zentrale Wien) an- geschlossen, die sich in Hamburg mit der Internationale der anderen sozialdemokratischen Parteien vereinigt hat. Entscheidungsschlacht in China. Tie Kantongegner ziehen sich zurück. London. 23. September.(Eigener Drahtbericht.) Nachrichten aus China besagen, daß eine große Entscheidungsschlacht zwischen Kanton-Truppcn und denen des Generals Suntschuanfang, der sich planmäßig in die Berge zurückzieht, in der Gegend von Kiukiang. etwa 350 Meilen von Schanghai entfernt, bevorstehe. Die Kanton-Truppen haben einen großen Teil der Provinz Kiangsi besetzt. Das Kabinett in Peking ist zurückgetreten, so daß Nor d- China zurzeit kein« Regierung besitzt. Russische Hilfe für?fenghnsiang. London. 23. September.(WTB.) Der diplomatische Korre- spondcnt des Daily Telegraph berichtet, der bolschewistische Reiter- general B j e n n y sei mit einem großen Stabe unter Führung des Generös Lebedcw nach der mongolischen Grenze unterwegs. Er solle möglicherweise Marschall Fengyusiang als Rat- gebsr oder in anderer Weise unterstützen. Alexandra kollonkai. die bekannte Schriftstellerin, ist zum russi- schen Gesandten in Mexiko ernannt. Früher vertrat sie Sowjet- rußland in Norwegen. Erziehung zur Sanftmut. Es ist recht traurig: eine Jugendillusion nach der anderen geht in die Brüche. Was war uns früher ein Dompteur?— Ein Halbgott in herrlich verschnürter Phantasieuniform, der den Bestien mit Stahlgabel, Peitsche und Revolver seinen Willen aufzwang. Haß und Furcht, die aus den Blicken der Raubtiere leuchteten, umgaben sein pomadisiertes Haupt mit einer Gloriole, er war der Jahrmarkts- apostel des Uebennenschen.— Ach, wie sich die Zeiten ändern! Im Zirkus Krone ist Probe. Brav wie Schuljungen sitze» acht große bengalische Tiger auf ihren Postamenten am Gitter des großen Manegekäfigs: und in der Mitte steht ein hemdärmeliger, blonder junger Mann und— redet seinen Tigern gut zu.„Komni her, Tibet: so gut, brav, ganz brav, schön leg' dich!" Und Tibet steigt langsam und gravitätisch von seinem Postament, geht mit wiegendem Katzenschritt ganz nahe zu seinem Dompteur und legt sich brav, ganz brav nieder. Auf die gleiche freundliche Aufsordcrung folgen ihm Nero, der„Verbrecher", Colombo und Radjo, bis alle vier in einer Reihe liegen. Nun greift der junge Dompteur in eine Seitentasche und wirft jedem ein Belohnungshäppchen rohes Fleisch zu... Den anderen vier wird manchmal die Sache ein wenig lang- weilig, und wie echte Schuljungen versuchen sie, über die Schulbank zu klettern, um eine private Rauferei anzufangen. Dann dreht sich der junge Mann um und oerweist ihnen vorwurfsvoll ihr schlechtes Benehmen, und„Bombay" bekommt einen richtigen„Anschnauzer". Manchmal knallt auch di« Peitsche des jungen Dompteurs Moni- baron, aber sie trifft nicht. Sie trifft nicht einmal den Verbrecher Nero, dessen Rauflust man gebraucht, um ihn den„wilden Mann" spielen zu lassen. Denn das Publikum hat nicht genug an der wirk- lichen Zähmung, es will es einfach nicht wahr haben, daß man auch aus„Bestien" ganz(freilich nur für den Dompteur) umgängliche Wesen inachen kann. So stürzt sich„Nero" auf den Dompteur, und unter seinem zermalmenden Biß splittert der vorgehaltene armdicke Holzstab. Auch dafür bekommt der„brave" Nero seine Belohnungs- Häppchen, trotzdem er dabei nicht übel Lust zeigt, aus dem Spiel ein wenig Ernst zu machen. Als er endlich in den Lausgang getrieben ist, kehrt er um und schlägt seine Zähne tief in die Planke, die den Abschluß des Laufganges bildet. Er ist doch noch nicht ganz„zivili- fiert".— Der junge Dompteur Montbaron ober erklärt radebrechend: „Haben Sie gesehen?— Ich schlage meine Tiere niemals! Immer geht Peitsche nur an sie vorbei! Wenn ich ihnen einmal schlage, verliere ich. Vertrauen von die Tiere, ohne Vertrauen ich kann nichts machen! Wenn ich ihnen habe ein Jahr, ich will gehen ohne Stange und Peitsche in dieselbe Käfig...." Ach ja, das ist Moni- baron, der jüngste Dompteur des Zirkus Krone, der vor wenigen Iahren noch Bereiter war: ein pädagogisch absolut nicht vorgebildeter Mensch!— Aber man wünscht unwillkürlich, er möchte einmal vor einer Versammlung von gewissen„Berufspädagogen" ein Privatisst- mum über Erziehung und Schläge lesen... denn es soll im Herren geben, die in der Beziehung noch etwas von dem jüngsten Dompteur lernen könnten! Ein Zigeuner als Massenmörder. Ter �eind seiner Vertvandten. Ein unheimlicher Schwerverbrecher wird von verschiedenen Strafbchörden seit längerer Zeit vergeblich gesucht. Es handelt sich um einen 35— 40 Jahre alten Zigeuner Hermann Johann Josef Herzberg, der wegen seiner Gemeingefährlichkcit auch von seinen eigenen Stammesgenosien allgemein gefürchtet wird. Herzberg wurde am 20. August 1918 aus dem Zuchthaus in Sonnenburg entlassen. Er hat dort wegen Totschlages an seiner Mutter 8 Jahre verbüßt. Seitdem treibt er sich wieder uncher und hat von neuem schwere Verbrechen verübt. Unter seinem richtigen Namen wird er kaum irgendwo austreten. Er nennt sich vielmehr Luti, Schmidt, Rose und Rosenbach. Diese Namen hat er von seinem Vetter Karl Roscnbach übernommen, den er in Hamburg erstach. Dem Toten schob er seine eigenen Papiere unter. So wurde Rosenbach unter seinem Rainen beerdigt, und er selbst galt zunächst als tot, bis die Unterschiebung aufgeklärt wurde. Am 3. August 1919 erstach Herzberg in Gülzow in Pommern seinen Onkel. Knapp zwei Jahre später erschoß er in Saalmnnde in Hessen seinen Schwieger- o a t e r. In Pommern schoß er einmal eineir Landjäger a n, der ihn festnehmen wollte, ergriff die Flucht und entkam. Was er sonst noch viel auf dem Kerbholz hat, ließ sich noch nicht bestinrmt feststellen. Herzbcrg, ein mittelgroßer zwei Zentner schwerer Mann, der auch Pferdehandel betreibt, führt unter den Zigeunern die Spitznamen„T o m m e r l i" und„B e s s o"(Dicker). Er hat stets zwei Pistolen bei sich, von denen er bei dem geringsten Anlaß Gebrauch macht. Eine Zeitlang soll er ei» Motorrad besessen und auch dementsprcchende Kleidung getragen haben. Im Sommer und Herbst vorigen Jahres ist er noch in der Gegend von Stargard in Pommern gesehen worden, im Mai dieses Jahres in der Gegend von Braunschweig. Er soll auch verheiratet und Vater von zwei Km- dern sein. Mitteilungen über sein Auktauchen, vielleicht auch auf Pferdemärkten, nimmt Kriininalrat Gcnnat, Inspektion A, ii» Polizeipräsidium entgegen._ Durchnäßt und hilflos. Vollständig durchnäßt und hilflos wurde gestern abend gegen 8 Uhr vor der Villa Seestraße 18 in W a n n s e e eine noch unbekannte jung« Frau von etwa 25 Jahren aufgefunden. Sie hatte an der Villa geklingelt und bat die Bewohner, sie für die Nacht aufzunehmen. Diese hielten es jedoch, weil die Unbekannte vollständig erschöpst war, für geratener, die Polizei zu benach- richtigen. Dies« brachte sie mit einem Rettungswagen nach dem Krankenhaus Nowawes. Die Frau, die den besser gestellten Kreisen anzugehören scheint, verweigert auch heute noch jede An- gäbe über ihre Person und über das, was ihr zugestoßen ist. Wahrscheinlich war sie irgendwo in den Wannstc gegangen, um sich das Leben zu nehmen, dann aber doch wieder aus dem Wasser herausgekommen. Darauf deutet auch hin, daß sie aus ihren Kleidungsstücken und der Wäsche alle Zeichen entfernt hat. Mit- teilungen zur Aufklärung nimmt die Kriminalpolizei des 162. Reviers in Zehlendorf entgegen. Oesterreich und der Polizeikongreß. Der dritte internationale Polizeikongreß vom 27. bis 30. September ist die Fortsetzung der Kongresie, die 1923 In Wien und 1925 in New Pork abgehalten wurden. Dies« Berliner Tagung ist auf einen einstimmigen Beschluß der unter Leitung des Wiener Polizeipräsidenten Schober stehenden internationalen kriminalpolizeilichen Kommission gelegentlich einer Wiener Tagung im April zurückzuführen. Beim ersten internationalen Polizeikongreß in Wien wurden die organisatorischen Grundsätze, nach denen die energisch« Bekämpfung des internationalen Ver- brechertums durch zielbewußtes Zusammenwirken der kriminal- polizeilichen Behörden im Interesi« aller Kulturstaaten eingerichtet werden soll, beschlosien. Mit der Durchsührung dieser Beschlllsi« wuri)e die internationale kriminalpolizeiliche Kommission in Wien betraut. Sie hat in den inzwischen abgelaufenen drei Iahren bereits namhafte, praktische Arbeit geleistet, die auch di« Anerkennung zahl» reicher Staaten gefunden hat. Nun soll der Berliner Polizeikongreß über die Weitersührung der eingeleiteten Aktion beraten. Bezeichnend für die hervorragende Stellung der österreichischen Polizei im Kreise der internationalen Polizeibehörden ist die Tatsache, daß eine über- aus große Anzahl von Referaten beim Kongreß von österreichischen Polizeifunttionären erstattet werden. U. a. referieren der C.W»es Wiener Sicherheitsbureaus, Hofrat Dr. Wahl, Polizeidirektor Dr. Bruno Schultz, Polizeidirektor Dr. Brandl, Hofrat Dr. Dreßler, Regierungsrat Dr. Vetter, Hosrat Dr. Reimer, Dozent Dr. Türkl, owie der Grazer Universitätsprofessor Hofrat Dr. Lenz. Die Sicherheit auf den Schienen. Ter Streifdicnst soll jetzt doch verstärkt werden. Der E e n e r a-l d i r e k t o r der Reichsbahn hat an alle ihm untergeordneten Dienststellen eine Verfügung erlassen, durch di: eine Erhöhung der Sicherheit im Eisenbahnverkehr her- bcigeführt werden soll. In der Verfügung heißt es: „Der S t r e i f d i e n st ist überall so zu verstärken, daß all« Strecken des Bezirks mindestens einmal bei Rächt vom Streifdienst möglichst mit Polizeihund begangen werden könneu. Die Streifdienstkräste müssen bei diesen Streisgängeu auch ein? Signalpseise, elektrische Taschenlampe und Knallkapseln bei sich führen, um bei Gefahr Züge anhalten zu könneu. Ebenso müssen die Streifdienstkräste mit der Bedienung der Streckens«rnsprech?r und ihrer örtlichen Lage bekannt gemacht werden. Die bisherige stille Arbeit des Streisdienstes soll jetzt auch nach außen in Er- scheiimng treten. Neben den Streisdienstkrästen, deren Tätigkeit zur Verhinderung von Verbrechen oder Diebstählen das Tragen von Zivilkleidcrn erfordert, müssen sich S t r e i s d i e n st b e a m t e in besonderer Schutzkleidung zeigen, um lichtscheue Elemente abzuschrecken und den Reisenden das Gefühl der Sicherheit zu geben. Die weiße Armbinde mit dem Aufdruck„Bahnpolizei" soll die Streifdienstkräste außerdem kenntlich machen. Wo die Vorbedin- gungen zur raschen Beweglichkeit des Streifdienstes(Fahrräder. Motorräder mit Beiwagen) noch fehlen, ist für Abhilfe zu sorgen. Mit der ärztlichen Ausbildung der Streisdienstbeamten in der erste» Hilfeleistung ist sorhzusahren. Oester« Probealarme sind geeignet, für den Ernstsall gute Vorarbeit zu leisten. Es wird er- wartet, daß die Streifdienstkräste durch taktvolles Austreten mit dazu beitragen, daß ihr Dienst auch als Dienst an der Allgemein- heit anerkannt wird." Die Verfügung ist das beste Eingeständnis dafür, daß der Sicherheitsdienst der Reichsbahn bisher viel zu wünschen übrig ließ. Es ist nur traurig, daß diese Erkenntnis erst nach erfolgten Unglückssällen mit zahlreichen Menschenopfern möglich wurde. Eiue Musikberatungsstelle. In letzter Zeit häufen sich die Klagen der F a ch in n s i k- l e h r e r über unlauter« Konkurrenz durch gewisse Musik- institute, deren Unterrichtspraxis eine schwere Gefährdung aller niusikbildnerischen Bestrebungen darstellt. E- ist vorgekommen, daß in solchen„Konservatorien" süns bis sechs, in einem Falle sogar fünfzehn bis zwanzig Schüler während einer Unter- richtsstunde vereinigt wurden. Daß dieser häufig iwch von im- qualifizierten Lehrern erteilte Unterricht oft zu völliger Ver bil- dung führen muß, liegt auf der Hand. Die Sicherheit, mit der die Leiter dieser Unternehmen austreten, läßt daraus schließen, daß hier mit einer Unkenntnis weiter Kreise in musikalischen Dingen gerech net wird. Durch niedrige Honorare und kostenlose Bekiesernng mit Noten und schlechten Instrumenten werden die Schüler ge- worden. Aber selbst das geringste Honorar hierfür ist vergeudet. Da? Volksbild n ngsamt Neukölln erachtet es für seine Pflicht, diesem Treiben gemeinsam mit allen Fachmusikern entgegenzuwirken. Zu diesem Zwecks wird eine städtische B e- ratungsstellc für Volks- und Jugend mufik- pflege eingerichtet, in der sowohl über alle Fragen musikalischer Ausbitdung, als auch über allgemeinere Fragen des Musiklebens unentgeltliche Auskunft und Rat erteilt wird. Die Sprechstunden werden jeden Dienstag von tbö bis 7 Uhr im Zimmer 256(2. Stock) des Rathauses abgehalten. wegen Ermordung ihre» neugeborenen Kindes wurde eine 22 Jahr« alt« Stütz« Marie K. aus der Ravensteiner Straß« in Köpenick von der Köpenicker Kriminalpolizei festgenommen. Sie ge- bar einen Knaben, ohne daß man im Hause etwas gemerkt hatte, und versuchte ihre Tagesarbeit fortzusetzen. Dabei siel aber ihr Zustand der Hausfrau aus, die nun die Kriminalpolizei benach richtigte. Jetzt stellte man sest. daß di« K. das neugeborene Kind erwürgt und in den Rcisekorb gepackt hatte. Sie wurde als Polizeigefangene nach der Charite gebracht. Der unheilbare kranke. In selbstmörderischer Absicht stürzte sich gestern abend der 68jährige Patient Friedrich Senfs aus der Bismarckstraße zu Hermsdorf vom Garten der U n i v e r s i t ä t s- k l i n i k, in der Ziegelstrahe 5/9, in die Spree. Vom Reichswaiier- schütz aufgenomnien« Berglingsversuche blieben bisher erfolglos. S. litt an einem unheilbaren Krcbsleiden, so daß er beschloß, freiwillig aus dem Leben zu scheiden. Tagure fliegt. Rubindranath Tagure kehrt am 25. September wieder nach Berlin zurück. Er hat für sich und seine drei Begleiter bei der Deutschen Lusthansa Plätze in dem Flugzeug der Strecke Düsseldors— Berlin belegt und wird Sonnabend mittag aus dem Flughasen Tempelhos eintreffen. Drei Arbeiter vom elektrischen Strom gelötet. Drei Arbeiter. die, nach einer Meldung aus Graz, aus dem Bahnhos U e b e l b a ch mit Ausbesserungsarbciten an der Drahtleitung beschäftigt waren, warteten die Ausschaltung des elektrischen Stromes nicht ab und kamen der Leitung zu nahe. Alle drei Arbeiter wurden getötet. Gänse als Feuermelder. In Trebuschitz bei Brandeis a. d. Elbe (Böhmen) machten schnatternde Gänse«inen aus Streife besindlichen Gendarm aus das Haus des Pächters S ch m« y k a l aufmerksam. Als der Gendarm nahe kam, bemerkte er, daß das Haus innen hell brannte. Durch die Martinsvögel waren die Be- wohner vom Verbrennungstod« gerettet und das Haus konnte teilweise erhalten werden. ' Zugentgleisung in Japan. Wie aus Osaka gemeldet wird, ist der Expreßzug Schimonojeti— Tokio entgleist. 28 Personen wurden getötet, 50 verletzt. Eisenbahnunglück In England. In der Nähe von Earlisle stieß ein Schnellzug mit einer Lokomotive zusammen. Fünf Reisende wurden getötet und eine große Anzahl mehr oder weniger schwer verletzt. Arbetker-ttalwr-karkell«roß-SerNn. ErNe» Arbeiter- Jinfonic' Konzert am Sonnabend, den S. Oktober, abend»'•/, Uhr, Im großen Taal der Pbilbarmonie, Vernburger Straße. Werke von Beethoven. Möhler. Etrawlnskh. Prci» der E i n, e I k a r t e 1,50 M. Alle vier Konzerte im Abonnement 5 M. Karlen sind in allen bekannien Veikaiiststcllen und im Bureau de« BeziikSbildungSauSichussc». Lindensir. 8. 2. Hof lk, Zimmer 8. ,u haben.— Wir bitien darum, schnellsten» die Sammellisten für die Konzerle znrückzureichen. vezlrk»bildnng»4. greis ReulSlln. Achtung! Die Versammlung der Abteiinngs-Mieterodleute und Mieieroerlreter findet nicht, wie irrtümlich angegeben, am Freitag, den 24. Erp» temder. sondern erst am Freitag, den« Ottoder, adrod» pünttitch 7 Uhr, im Zdeol-Kasiuo, Weichselstraße, statt. Sport. Eine neue Radrennbahn in Groß-Rerlin. Am 2 6. September wird die in aller Stille in W a n n s e e erbaute Radrennbahn vom Bunde Deutscher Rad- f a h r e r durch eine Kundgebung am Grabe des in Wannsee ruhen- den Weltmeisters August Lehr und durch ein Mannschaftsfahren um den„Lehr-Wanderpreis" eröffnet werden. In den Rennen werden die bekanntesten Vereine des Gaues Berlin im BDR. starten. Die 4 75 Meter lange Rennbahn liegt inmitten herrlichen Waldes an der Königstrahe als Bestandteil einer muster- gültigen Stadionanlage. Die Bahn ist von Mitgliedern der Sport- vereine Wannsees mit Unterstützung der Stadt Berlin erbaut worden. Beginn der Rennen um 2)4 Uhr. tzelst den englischen Bergarbeitern! Drei Millionen Menschen hilfsbedürftig. Der Internationale Gewerkschastsbund teilt mit: In einem an das Sekretariat des JGB. gerichteten Brief spricht der Sekretär des Britischen Gewerkschaftsbundes, C i t r i n e. im Namen des Generalrates seinen aufrichtigen Dank aus für die von den Mitgliedern des JGB. und speziell den Landeszentralen von Holland, Norwegen, Dänemark, Schweden, Deutschland, Belgien und der Schweiz geleisteten Beiträge zur Unterstützung der englischen Bergarbeiter. Die englischen Genossen wissen diese Leistungen gebührend zu schätzen, machen jedoch darauf aufmerksam, daß die Not sortdauernd sehr groß ist, da— die Angehörigen der Bergleute mitgerechnet— insgesamt 3 Millionen Me n s ch e n hilfsbedürftig sind. In England selbst wird alles getan, um den Bergleuten bei- zustehen. Fast in jeder Stadt und jedem Dorf sind lokale Komitees an der Arbeit, um in Betrieben und Fabriten sowie durch die Veranstaltung von Konzerten usw. Beiträge zu sammeln. Neben diesen lokalen Fonds gibt es einen nationalen Fonds der Berg- arbeiter und einen speziellen Fonds des nationalen Frauenkomitees im Betrage von 992 532 resp. 293 581 Pfund Sterling, deren Gelder ausschließlich für die Bergarbeiter oerwendet werden. Im Falle Englands muß jedoch in Betracht gezogen werden, daß es ungesähr 1 Vt Millionen A rb e i t s l o s e gibt und die Kassen der Verbände durch den Generalstreik um etwa 5 Millionen Pfund Sterling ge- schwächt wurden. Dazu kommen die durch den Streit indirekt wegen Kohlenmangels brotlos gewordenen Arbeiter in der Zahl von 759 999 sowie Tausende von Kurzarbeitern. Aus dem Fonds, den der Generalrat zur Unterstützung der durch den Generalstreik getroffenen Gewerkschaften errichtet hat. werden auch große Mengen von gemaßregelten und ins Gefängnis geworfenen Arbeitern und ihre Angehörigen unterstützt. Im Hinblick auf die durch diese speziellen Umstände geschwächte Finanzkraft der einzelnen Mitglieder sowie der Verbände sind die englischen Genossen ganz speziell aus Hilfe aus dem Auslande angewiesen. Die vom britischen Gewerkschaftskongreß angenommene Re- solution, in der national und international der Dank des Kongresses für die geleistete Hilfe ausgesprochen, und auf die Notwendigkeit der Verdoppelung der Anstrengungen hingewiesen wird, gilt deshalb vor allem auch für die Kameraden a u ß er h a l b Englands. Da sich nach dem entschiedenen Eintreten der Regierung für nationale Besprechungen die Aussichten doch zu bessern scheinen, besonders, wenn die Bergarbeiter während der cntscheidungsoollen Zeit auf die Möglichkeit weiteren DurchHaltens hinweisen können, werden alle Organisationen und Arbeiter noch einmal zur Erhöhung der Sammeltätigkeit aufgefordert. Tie AnWort der Grubenbesitzer an Baldwi«. London, 23. September.(TU.) Auf die Aufforderung Baldwins zur Beteiligung an neuen Verhandlungen mit den Bergarbeitern erklärten sich die Grubenbesitzer außerstande, sofort neu« Vorschläge auf einer Sonderkonscrenz in London zu diskutieren, da sich im Augenblick nur der Präsident Sir Evans William in London be- fintze. Sie feien aber bereits an ihre Bezirksorganisationen die Dorschläge aus schnellstem Wege zur Diskussion und Stellungnahme zu senden. Vertreter des Komitees der Grubenbesitzervereinigung seien auf dem Wege nach London, um sich für eine etwaige drin- gende Aufforderung der Downingstreet zu neuen Besprechungen bereit zu halten........... Zunehmenüe Ueberfihichten. Unverminderke Arbeikslosigkeit. Bochum, 23. September.(Eigener Drahtbericht.) Aus Essen wird gemeldet, daß die Auftragseingänge beim Ruhrkohlensyndikat alles bisher Dagewesene übersteigen. Das Ruhrtohlensyndikat ist für prompte Auslandslieferung auf 8 Wochen hinaus aus- verkauft. Die Förderung hat eine weitere Steigerung erfahren. Anstatt daß aber neue Arbeiter aus den 45 999 zurzeit im Ruhrgebiet arbeitslosen Br-gleuten genommen werden, werden die Belegschaften an zahlreichen Zechen gezwungen, Ueber- schichten zu verfahren. Infolgedessen wird das Heer der Arbeitslosen im Ruhrgebiet nicht kleiner. Es ist notwendig, daß die maßgebenden Instanzen hier eingreifen. Nur ein gesetzliches Verbot kann diesem Ueberstundenwahnsinn EinHall gebieten. Im Interesse der Gesamtwirtschaft ergibt sich die Pflicht, ein solches Verbot zu erlassen. Generalversammlung See öerliner Metallarbeiter. In der jüngsten Generalversammlung am 29. September in den Sophiensälen hielt Eggert vom ADG'B. einen längeren Vortrag über die internationalen wirtschaftlichen Probleme unter besonderer Berücksichtigung der internationalen Eisenkartelle. Die Metallarbeiterschaft müsse mit allem Ernst an diese Materie heran- gehen, der mit Klassenkampsdeklamationen nicht beizukommen sei. Es sei notwendig, sich auf diesem Gebiete die notwendigen Kenntnisse zu verschaffen, die Entwicklung der Dinge eingehend zu beobachten, nicht minder aber, die Reihen der Mit- g l i e de r so zu stärken, daß sie zu wirksamer Abwehr sähig sind. Von einer Beteiligung der Gewerkschaften an solchen Kartelloer- Handlungen sei keine Rede, wogegen man die Regierungen veranlassen müsse, verantwortliche Vertreter dazu zu entsenden. Auf- gäbe der parlamentarischen Parteien der einzelnen Länder sei es, die Tätigkeit ihrer Regierungen daraufhin zu kontrollieren. Auf- geklärte Arbeiter könnten derartige wirtschaftliche Erscheinungen nicht ignorieren. Wer bessere Vorschläge in dieser Frage zu machen habe, solle damit hervorkommen. Eine Diskussion über die mit großem Beifall aufge- nommenen Ausführungen des Referenten war nicht vorgesehen, wurde jedoch auf Antrag von Bernhard Krüger beschlossen. Ende rle gab zu, daß die Bildung von Jndustriekartellen nicht verhindert werden könne, doch müsse man die Forderungen der Ar- beiterklasse in den Vordergrund stellen. Er polemisierte dann gegen den Bundesoorsitzenden des ADGB., Genossen Leipart, wegen dessen Erwiderung auf die Ausführungen Silverbergs, um zum Schluß den Klassenkampf, d. h. was man in der KPD. je nachdem als solchen ausgibt, als beste Abwehr gegen das Unternehmertum zu empfehlen. Cr ve:las dann eine entsprechende Resolution, deren Annahme er empfahl. Sommerfeld wandte sich dagegen, da die ewige V e r- tröstung auf den Klassenkampf der KPD. die Massen auf die Dauer nicht befriedigen könne. Die KPD. oerlängere nur unnütz den Weg gemeinsamen Vorgehens. Die zur Gewerkschafts- e i n h e i t schließlich ja noch notwendigen SPD.-Massen andauernd als„Kapitalsknechte" zu beschimpfen, sei nicht geeignet, die Einheit zu fördern. In der Gewerkschaft sei das Einigende in den Vordergrund zu stellen und nicht das Trennende. Nach Annahme eines Schlußantrages nahm Eggert die Ausführungen Enderles unter die Lupe. Es feien allgemeine Plattheiten, wie er sie Endcrle nicht zugetraut hätte. Mit starken Worten fei der Arbeilerschaft, in solchen Fragen zumal, nicht gedient. An Hand des Kommunistischen Manisests wies der Referent die Folgerichtig- keit seiner Schlußfolgerungen aus den Kartellbildungen nach, womit auch die Haltung des JGB. als richtig erwiesen werde. Mit großer Mehrheit wurde hierauf die von Enderle einge- brachte Entschließung abgelehnt und die Generaloersamm- lung oertagt._ Henerasoersammlung der öuchdrucker. In der Generaloersammlung der Berliner Buchdrucker am Witt- wochabend im Gewerkschaftshaus berichtet« der Gauvorsitzende Braun über das letzte Quartal. Er führte aus, daß in der Lehrlingsabteilung eine er- freuliche Aufwärtsentwicklung zu verzeichnen ist. Man zählt jetzt rund 1699 organisierte Lehrlinge. Zu Bei- s i tz e r n im Zientraloorstand wurden Pegold, Krüger, Fiedler und Pieper gewählt. Der Verbandsvorstand hat sich wegen der Verbote von Zeitungen an den Reichsminister des Innern gewandt. In dem Antwortschreiben heißt es lediglich, daß es die Reichsregierung freudig begrüßen würde, wenn sich in Zukunft durch eine entsprechende Tendenz der Zeitungen Verbote erübrigten. Ueber die Lohnverhältnisse wurde eine Statistik aus- genommen. Die Zahl der in den einzelnen Berichtswochen vor- handenen Erwerbslosen ergibt ein wechseloolles Bild. Zuletzt waren insgesamt 1599 Kollegen arbeitslos: das sind für Berlin un- gefähr 1911 Proz. Für die englischen Bergarbeiter sind bisher über 8999 M. abgeliefert worden. Es ist notwendig, die noch in Umlauf befindlichen Sammellisten schnellstens abzurechnen. Broun gab der Hoffnung Ausdruck, daß man ebenso wie die anderen Jahre auch das Krisenjahr 1926 überwinden werde. Zur Festsetzung des Beitrages und der Gauzufchüss« führte Schleffler aus, daß der Verbandstag beschlossen hat, eine Erhöhung der Gaubeiträge nicht vorzunehmen. Es soll vielmehr da, wo es möglich ist, eine Herabsetzung durchgeführt werden. Der Gauoorstand empfahl daher, die bisher gezahlten 59 Pf. Extra- beitrag aufzuheben und dafür den G a u b e i t r a g um 19 Pf. zu erhöhen. Dadurch erhöhen sich auch entsprechend die vom Gau geleisteten Unterstützungssätze. Ferner soll ein Extrabeitrag von 29 Pf. pro Woche gezahlt werden. Davon sollen ausgesteuerte und durch- reisende Kollegen unterstützt werden. Der ab 26. September zu zahlende wöchentliche Beitrag erhöht sich demnach auf insgesanit 2,69 M. Schleffler wies noch darauf hin, daß die finanziellen Verhältnisse des Gaues als gut bezeichnet werden können. In der Diskussion sprachen sich fast alle Redner für die Vor- schlage des Gaüvorstandes aus. Gegen wenige Stimmen wurde» diese Vorschläge angenommen. Zum Schluß rechnete Braun mit den Kommunisten ab, weil sie sonst geyrn Unterstützungen waren, jetzt aber durch Beibehaltung der Mietunterstützung ihr„warmes Herz für die Erwerbslosen" be- kund«n wollen._ L Ter Streik bei Panzer beigelegt. Zwischen dem Deutschen Verkehrsbund und der Panzer A.-G. ist folgendes Abkommen getroffen worden: 1. Di« Arbeit wird am 23. September 1926 aufgenommen. Als Einstellungsdatum gilt dieser Tag. 2. Maßregelungen aus Anlaß des Streiks finden nicht statt. 3. Die neu eingestellte Belegschaft wählt einen Vertrauensmann, der der Betriebsleitung namhaft gemacht wird. Alle von Seiten der Arbeitnehmerfchaft erforderlichen Ver- Handlungen werden bis zur Schaffung einer gesetzlich-n Betriebs- Vertretung zwischen der Betriebsleitung und dem Vertrauensmann geführt._ Nach drei Jahren wieder Tarifvertrag. Hannover, 23. September.(Eigener Drahtbericht.) Zwischen dem Zentralverband der Maschinisten und Heizer und dem Arbeit- geberverband niedersächsischer Elettrizitäts-, Gas- und Wasserwerk« wurde am 29. d. M. ein Tarifvertrag nach dreijähriger Unter- brechung der tariflichen Regelungen abgeschlossen. Der Tarifvertrag hat Geltung sür die preußischen Kraftwerke Hannover A.-G. und bringt Verbesserungen in Urlaub und den sozialen Bestimmungen. Die Differenzen in Haverlands Feslfäle sind, wie uns der Zentralverband der Hotel-, Restaurant- und Caseangestellten mit- teilt, beigelegt. Die Spcrr« wird hienmt aufgehoben. Achtung, vauarbeilert Die Firma R e i n k e u. Co. weigert sich, für die Neubauarbeiten der Schule in Hermsdorf, Kaiferstraße, Ecke Werderstraße, den Akkordtarifvcrtrag anzuerkennen. Die Firma ist für Maurer gesperrt. Deutscher Baugcwerksbund, Baugewertschaft Berlin. Verantwortlich für Politik: Dr. tlurt Seqer! Wirtschaft: Arinr Saternu»: Sewerlschaflsbeweauna: I. Steiner: Feuilleton: Dr. Zolin Schikowoki: Lokale, und Eonstiaes: Frifi Narftädt: Anneiaen: Zh. Slo««: sämtlich In Verlin. Verla«: Vorwärto-Verla« G.m.b.H.. Verlin. Druck: Vorwärto-Buchdruckerei und Verlaasanstalt Paul Singer u. Co.. Verlin SW 66. Lindenstrafie Z. »lerlclnoie dintur- Sutter 1.80 II. Qualität.. 1.60 III.„.. l.»0 Weener, Berlin SO Mariannenstraße 34. Jcd. Freitag frische iunge Fett- Gänse« allererste Qualität Weener. Berlin>0 Manannenstraßc 34. »t, Berliner-Elettirfker- Genossensdiafl Berlin N 24, Elsüsser Str. 86-88| Filiale Westen, Wilmersdorf Fernsprecher. Norden 6323 u. 6S 26 I I.andhaussiraße4. Tel.; Pfalzbure 9S3I AatsteUanesraame and Lader Aiexanderttr. 39-40(Alexander- Pastade) TeL: MOnldttadt 540. Elektrische Anlagen jeder Art n. jeden Umfange* zu kulanten Zahlungsbedingungen. Beleuchtungskörper und Osram-Lampen zu Fabrikpreisen. Lebcnsiangüdie Garantie leiste ich als Selbsthersteller auf die bei mir ffekauften la. Eiderlettkase 0 Pfd. M 6,— frko. 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