flbenöausgabe Nr. 455» 43. Jahrgang Ausgabe B Nr. 225 St«ufl«titb!nauni|(n und Zlnzelaenvreik lino in b« äüorotnausflabc angeneben Rebafliaa; 310.68. Cinbenftcabe 3 ?»rnspr«ch«r: VSnhoft 2S2— 267 XcL-HbrcncSojialbemottal verlin Devlinev Volksblstt (10 pfsnibig) Montag 27. September 1<)2b Seria« unb Anzeizenabteiiuns Eeschöst-zelt bis S Uhr Verleger: Vorivürts-Veriag«mbH. Serlla 370. 68. Linbenslratz« 3 Fernsprecher: Vvnhoss 262— 267 �entralorgan cier 8o2>alclemokratis<�en Partei Veuttcklancks poincare an Stresemann. Unnütze Erinnernngen an die Vergangenheit. pari», 27. September.(Eigener Drahtbericht.) Ministerpräsi- dent P o i n c a r t hielt am Sonntag in St. Germain-en-Laye eine Rede vor Kriegsoerletzten, in der er auch auf die Frage der B e r- antwortung für den Krieg zu sprechen kam und u. a. aus- führte:„Ihr Kriegsverletzten kennt viel zu sehr die Schrecken des Kriege», um nicht treue Diener des Friedens zu fein. In der Stunde, wo die Mittelmächte über die ganze Welt ein Unheil ohne gleichen entfesselten, ist euch nicht der Gedanke gekommen, samt- lich« Deutsche ohne Unterschied für diesen Angriff verantwort- lich zu machen. Ihr habt auch nicht allen deutschen Offizieren und Soldaten die Schuld zugeschoben für die Barbarei, die in unseren besetzten Gebieten begangen worden ist, daß der Krieg auf unserem Boden geführt worden ist dank der Verletzung eines neutralen Staates, und daß der Krieg nach dem Befehl des deutschen G e n e r a l st a b s mit mitleidsloser Grausamkeit geführt wurde." „Wenn da» Deutschland von heute"— schloß PoincarS—„offen gewisse Machenschaften des Deutschland von gestern des- avouierte, dann wäre es auch leichter, die Augen von euren Wunden zu wenden und die Hand dem Urheber eurer Wunden ent- gegenzustrecken. Ihr wollt ja nur die Sicherheit unserer Grenzen, die Unabhängigkeit unserer Politik und die Sicherheit der täglichen Arbeit." Diese Rede Poincar dakteur in den Dienst der Parteipresse stellte. Nachdem er 1878 Redakteur an dem Berliner Parteiorgan, der„Freien Presse", gc- worden war, hatte er nach wenigen Monaten schon elf„Straf- taten" beisammen. Sieben Monate Gefängnis trugen sie ihm ein, und den Herbst und Winter 1878/79 verbrachte er in der Bastille am Plötzensee. Als er herauskam, war es Nacht geworden um Deutschlands Freiheit: das Sozialistengesetz lastete auf ihr. Bismarck hatte seit Anfang der siebziger Jahre alle Höllenhunde gegen die sozialistische Bewegung losgelassen und nur erreicht, daß die beiden getrennt marschierenden Gruppen der So- zialisten sich 1875 vereinigten. Die Attentate von 1878, die in keinem Zusammenhang mit der Sozialdemokratie standen, machten das Bürgertum willig, dem� von Bismarck seit langem ersehnten Sozialistengesetz zuzustimmen. Ein« wütende Hetze gegen die So- zialdemokratie begann, über Berlin wurde der kleine Belagerung?- zustand verhängt, Scharen von Sozialdemokraten erhielten die A u s w e i s u n g s o r d e r. Auch Fischer wurde, aus dem Ge- iängnis kommend, selbstverständlich sofort ausgewiesen. In Süd- deutschland fand er wieder Arbeit als Setzer. Von da ging er nach der Schweiz und er diente dann dem„Sozialdemokrat", dem neuen Organ der deutschen Sozialdemokratie, das zum Ersatz der in Deutschland unterdrückten Parteipresie dort herausgegeben wurde. Zur Ueberwindung der großen Schwierigkeiten, das Blatt in Deutschland zu verbreiten, mußte auf immer neu« Mittel ge- sonnen werden. Unser Genosse Fischer hat an jene Zeit, in der er an der Aufrechterhaltung der deutschen Sozial» demokratie mitarbeiten durfte, stets mit Freude zurück- gedacht. Es leben nur noch wenige derjenigen, die damals dafür lorgten, daß die Fäden nicht zerrisien. Fischer war einer von il-nen. Er beteiligte sich auch erfolgreich an der Entlarvung der Lockspitzel, die von der preußischen Regiening nach der Schweiz neschickt wurden. Bismark erreichte schließlich, daß die Schweizer Regierung die an der Herausgabe des„Sozialdemokrat" beteiligten Genossen auswies. Mit Ed. Bernstein, Tauscher und Schlüter ging Fischer nach London, und dort trat er in engere Beziehung zu Friedrich Engels. Aus dem nur noch kleinen Kreis derjenigen, die dem Begründer des wissenschaftlichen Sozialismus nahe standen, ist uns in Richard Fischer wieder einer genommen worden. Noch dem Fall des Sozialistengesetzes kehrte Fischer nach Deutschland zu- rück, und er wurde dann in die neue Parteileitung gewählt. Bald "Wide ihm die Leitung der Pa r t e i b u ch h a n d l u n g übertragen, ■-■ie für den Kampf der Sozialdemokratie die Massen zu liesern ' stte. Als später der„Vorwärts" eine eigen« Druckerei mkt e'geneni Heim erhielt, stellte man Fischer als den richtigen Mann an die Spitze dieses Unternehmens, das er mit Einsetzung seiner ganzen Kraft zu fördern sich bemüht hat. In den Reichstag kam Fischer erst 1393, aber er wurde dort bald einer der mar- kantesten Führer unserer Partei. Er führte einen vernichten- den Kampf gegen die Zuchthausvorlage, die das Koolititmsrecht der Arbeiter bedrohte. Er rccknetc bei der Reichs- nersicherungsordnung mit den Scbarsmachern aller Parteien ab. Im Reichstag und auch auf unseren Parteitagen war Fischer einer von denen, die nur reden, wenn sie etwas Rechtes zu sagen haben. Wenn er sprach, kam es aus einem großen und guten Herzen, mochte es auch manchmal hart klingen. Auf Parteitagen hat er stets die Not- wendigkeit der Einigkeit betont. 1998 mahnte er in Nürnberg die süddeutschen Genossen, einzulenken. Damals sprach er das Wort, das fein Wesen und sein Leben kennzeichnet:„Für die Partei kann man alles!" Fünf Jahrzehnte hat er der Partei gedient. Manches von dem, was weitschauende Politiker, wie Richard Fischer, vorausgesehen haben, hat sich erfüllt. Wir nehmen, schloß der Redner, Abschied von unserem Richard Fischer. Wir grüßen noch einmal den alten Kämpfer und Genossen, aber wir handeln in seinem Sinne, wenn wir den Schmerz verbeißen. Wir bleiben dem Sozialismus treu, wie«r ihm treu geblieben ist. Der Tag wird kommen, an dem der Sozialismus lebendige Wirklichkeit wird. Und an diesem Tage werden wir Richard Fischers gedenken. Die aus dem Herzen des Freundes kommenden Worte machten auf die Trauergemeinde tiefen Eindruck. Mit dem Trauermarsch aus Beethovens„Eroika" endete die ernste Feier, die— erfüllt vom Geiste des toten Kampfgenossen— uns vorwärts wies. Sluttat in Germershelm. Ein französischer Soldat als Revolverheld. Speyer, 27. September.(MTB.) Di« Regierung der Pfalz in Speyer verbreitet über einen Borfall in Germersheim folgende amtliche Meldung: In der vergangenen Nacht hat ein in Zioilkleidung befindlicher Angehöriger der französischen Besatzung in Germersheim mit einem Revolver zunächst in der Nähe des Weißenburger Tores den Schumacher Richard Holzmann schwer am Kopfe oerletzt und dann im weiteren Verlaufe des Streites vor dem Postgebäude den 22 Jahre alten Arbeiter Erich Müller durch Kopfschuß getötet und den Fuhrmann Joseph Mathes ebenfalls durch Kopfschuß so f chwer oerletzt, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Der Täter wurde alsdann von einer französischen Wache in Hast g e- n o m m e n. Erhebungen durch die deutschen und französischen Be- Hörden sind im Gange. Ein Regierungskommissar befindet sich an Ort und Stelle. Dumini verhastet. Wegen Beleidigung Mussolinis. Mailand. 27. September.(EP.) Die Blätter geben lakonisch bekannt, daß Dumini, der Mörde r Matteottis, in seiner Wohnung in Rom wegen Beleidigung des Regierungs- chefs verhaftet worden fei. Dumini hatte die für seine Tat erlittene milde Strafe bereits seit einiger Zeit abgesessen, wurde nach der Entlassung aus dem Zuchthause von der faschistischen Partei k a l t g e st e l l t und gemieden. Er war daher zu einem e r- ditterten Antifaschisten geworden und soll unlängst auch die Flucht noch Frankreich geplant habe». Internationaler 30 Staate Ilm 11 Uhr fand heute im Plenarsaal des Herrenhauses die Eröffnungssitzung des Internationalen Polizeikongresses und der Allgemeinen Polizeikonferenz statt. In der Anwesenheitsliste des Kongresses haben sich 56 Teilnehmer in Vertretung von 14 Staaten eingetragen. Zur Allgemeinen Polizei- k o n f e r e n z haben sich 85 Teilnehmer angemeldet. Nm Namen der Reichsregierung begrüßte Reichsinnenminister Dr. Külz die Anwesenden. Er sprach seine Genugtuung darüber aus, daß der Kongreß in Deutschland stattfindet und wünschte, daß seine Arbeiten nicht allein der internationalen Bekämpfung des internationalen Verbrechertums dienen mögen, sondern auch der allgemeinen Völkerverständigung. Er hob ferner die Verdienste des Bundeskanzler a. D. des Präsidenten Dr. Schober, um das Zu- standekommen des Kongresses hervor und meinte zum Schluß, daß Deutschland zum neuen nationalen Wollen emporstrebt, auch immer bereit sei. sich im Dienste der intenwtionalen Gemeinschast zu stellen. Im Namen der preußischen Regierung begrüßte die Versammlung der Innenminister Severing Zu Beginn seiner Ausführungen betonte er, daß es kein Zufall sei, daß das Deutsche Reich als föderatives Staatswesen laut der Weimarer Verfassung die Exekutive und die Polizeiverwaltung den einzelnen Ländern in die Hand gegeben habe. Ein Zustand, der die Verfolgung von Verbrechen nicht erleichtere, mit dem man sich aber für längere Zeit hinaus wird abfinden müssen. Es ist nicht an- zunehmen, daß um dieses Zustandes willen das föderative Prinzip ausgehoben werden würde. Das Verweilen in Preußen und die Eröffnung des Kongresses gerade im Herrenhause, das srüher ein Teil der preußischen Legislative bedeutete, ruft den Wunsch wach: Wäre doch dieser internationale Polizeikongreß auch mit legislativen Vollmachten ausgerüstet, damit er dekretieren könnte. Kriege dürfen nicht mehr geführt werden: wer sie sühn wird bestraft. Der Gedanke ist zu grotesk und man weiß, die Entwicklung geht nur schrittweise vor sich, deshalb muß in diesem Augenblick an dieser Stelle die Hoffnung ausgesprochen werden, daß die Arbeiten des Kongresses weit über den Rahmen der Bekämpfung des inter- nationalen Verbrechertums hinaus den Gedanken vertiefe und fortpflanze, daß nicht im Kriege, sondern in der Zusammenarbeit der Völker auf allen Gebieten, im edlen Wettbewerbe das Heil der Menschen liege. Als dritter begrüßt die Anwesenden der österreichische Dundeskanzler a. D. Präsident Schober. Er stellt fest, daß allein schon die Tatsache, daß dieser Internationale Kongreß während der Polizeikonserenz und der Polizciausstellung tagt, die Möglichkeit der Arbeit miteinander und nebeneinander er- weise. Die Arbeit dient eben der Idee, die von Dr. Külz und Seve- ring geäußert wurde. Wenn der Verbrecher keine Grenzen kennt, so dürfen auch für den Polizisten keine existieren. Er muß überall eine helfende Hand finden, um den Bürger vor dem gemeingesähr- lichen Verbrecher schützen zu können. Die Erkenntnis der Notwendigkeit der internationalen Zusammen- arbeit selbst aus diesem Gebiet der Vcrbrecherbekämpfung dient der Völkerversöhnung. Sie dient dem Gedanken, daß alle Brüder und Freunde in gemeinsamer Arbeit sich die Hände reichen. Zum Schluß dankt er der Reichsregierung wie auch der preußischen Re- öerlin— Peking— öerlin. Tic Ankunft der Ostasicnflieger. Gestern vormittag um 11,45 und 11,59 Uhr sind die Berlin— Peking— Berlin-Flieger, über deren Flugleistung wir mehreremal berichteten, auf dem Flughafen Tempeihofer Feld gelandet. Die Lufthansa bereitete ihnen einen repräsentativen Empfang. Mehrere hundert geladene Gäste hatten sich eingefunden. Von staat- lichen und städtischen Behörden waren erschienen: Reichsverkehrs- minister Krahne, Gcheimrat Fisch(Vcrkehrsministcrium), Mini- sterialrat Brandenburg, Vertreter der übrigen Reichsministerien, der Bureaus der Reichskanzlei und des Reichspräsidenten, des preu- hifchen Ministeriums für Handel und Gewerbe, Botschafter K r e st i n s k i von der U. d. S. S. R., der chinesische Gesandte Sunt chou Wei, der lettische und litauische Gesandte sowie die Dirck- toren der Lufthansa und Derulust, Vertreter von Junkers und den Luftsahrorganisationen. In kurzen Abständen rollten die zwei dreimotorigcn Junkers-Großslugzeuge Typ E. 23 an(l. 2 Motorc zu 259 LL.). Der übliche Sturm der Enthusiasmierten auf die Besatzungen(Dr. Knaus, Schnäbele, Steidel, Ernstberger und v. Wintcrfeldt, Joldi, Riedel, Eichentopf) begann, die Photo- graphen kurbelten von allen möglichen und unmöglichen Seiten, und es gab Blumensträuße in Masse. Dam: sprach Rcichsverkehrs- minister Krahne: er würdigte die große Leistung der Ostasicn- flieger und konnte es sich leider nicht versagen, zum Schluß mit einer ein wenig kriegervereinspatriotischen Geste von„deutscher Zähigkeit, Tat, Kraft und Wcltstellung" zu reden. Beim Frühstück zu Ehren der Flieger wurden eine Anzahl Reden gehalten. Es sprachen Herr v. Staust für den Aufsichtsrat der Lusthansa, ein Vertreter der Junkers-Werke. der russische Botschafter K r e st i» s k i, der betonte, daß Ruhland den großen Erfolg der wissenschaftlichen und wirtschast- lichen Pekingexpcdition wie einen Fortschritt der eigenen Lustschiss- fahrt begrüße, der chinesische Gesandte Sunt chou Wei, der in seiner Ansprache seststellte, daß bei den chinesischen Wirren das Leben keines Deutschen verletzt worden sei. Die fremdcnfeindliche Be- wegung richte sich ausschließlich gegen jene Nationen, die veraltete Verträge mißbräuchlich ausnutzten. Es sprachen sodann der lettische Gesandte W o i t sowie der Vertreter Litauens. Der Reiseweg ging von Berlin über Kowno— Smolensk— Moskau— Kasan— Sarapul—Kras- no_ Ufinsk— Kwigau— Omsk— Babrinski— Nowo- Sibirsk— Jrtutsk— Peking. Die 19 999-Kilometer-Strecke Berlin— Peking wurde in 19 Tägesetappen in 72 Stunden Flugzeit zurückgelegt. Die vor- aussichttiche Reisedauer im künstigen regelmäßigen Tagesluftverkehr beträot 5 Tage, im Tag- und Nachtluftverkehr 3 Tage. Keine Spur von öen �uwelenräubern. 15 000 Mark Belohnung. Der Raub in den, Juwelengeschäst von Marotti u. Frcirck in der Tauentzienstraße hat natürlich weit über Berlin hinaus das größte Aufsehen erregt. Noch am Sonnabend abend wurde das Publikum durch den Rundfunk über alle Einzelheiten unterrichtet, während durch Telegramme und Polfunk sämtliche Polizeistationen und Bahn- Höfe in Kenntnis gesetzt wurden. Der Chef der Kriminalpolizei, Regierungedirektor Dr. Weiß, hat für die Aufklärung und die Er- greifung der Räuber eine Belohnung von 3999 Mark ausgelobt, der beftohlene Geschäftsinhaber eine solch« von 12 999 Mark. Am Tatort wurden zwar Fingerabdrücke festgestellt, nach denen aber eine Identifizierung der Täter noch nicht möglich war. Außerdem wurde noch ein Hut eines der Täter gefunden, der aber auch keinen Anhalt gewähren könnte. Durch das Entgegenkommen der Eiscnbahndirektion Berlin war es möglich, in kürzester Zeit auch alle Eisenbahnstationen zu benach- richtigen. In Berlin wurden bereits mehrere Leute angehallen, auf die aus de» Publlkum heraus aufmerksam gemacht worde»' polizeikongreß. vertreten. gierung für das Verständnis, das die Arbeit des Kongresses ge- funden hat. Polizeipräsident Genosse G r z« s i n s k i gab feir.ür Fre.de darüber Ausdruck, daß der Kongreß diesmal in Berlin einberufen wurde. Es wird ihm eine Genugtuung fein, den Kongreßmitgliedern die Möglichkeit zu geben, die Polizeiverwaltung Berlins kennenzu- lernen. Es folgten noch die Begrüßungen der Vertreter Belgiens, Irlands, Hollands, Englands, Polens, der Tschechoslowakei, Däne- marks, Spaniens, Ungarns, Danzigs, Chinas, Bulgariens, Rumä� niens usw. Um 12 Uhr mittags begann die Arbeit des Kongresses� Massenbesuch am Kaiserdamm. Die Große International« Polizeiaus st ellun.g in den Ausstellungshallen am Kaiserdamm erlebte gestern ihren ersten Sonntag mit einem Massenandrang des Publikums. V«r allen Eingängen stauten sich riesige Schlangen. Die Kassen wurden belagert und die Umgebung glich, von oben gesehen, einem auf- gescheuchten Ameisenhausen. Sehr starker Betrieb herrschte in Halle 1, in der die fremden Staaten ihre Kojen haben. Neugierige stauten sich vor der geschlossenen. Abteilung des Reichsfinanz- Ministeriums, in dem sehr raffinierte Schmuggel- und Fälschungs- kunststückchen zu sehen sind, die sür die breitere Oeffentlichkeit nicht gerade geeignet scheinen. Wahre Schlachten werden vor dem Eingang jenes dem Publikum verweigerten und daher mysteriös� Teils der Ausstellung geschlagen,' die sich über die Galerie der 3. Halle hin erstreckt. Immer wieder sucht sich jemand durchzu- schmuggeln, immer mißlingt es. Die Kontrolle ist sehr scharf und unerbittlich. Lehrreich sind die Auslagen in der Zensurabteilung der oormärzlichen Zeit. Ist da nicht jener neller Besehl des vom Zirkus Busch so auf Popularität gesetzten„Papa W r a n g e l s", seines Zeichens General der Kavallerie und Oberbefehlshaber in den Marken, der am 13. November 1848 die konstitutionellen Gazetten verbietet und den Belagerungszustand verkündet? Von dem der „Kladderodatsch" feststellte, daß er wieder einmal sein Wort ge- brachen habe? In der politischen Abteilung erfreuen sich Haupt- sächlich die Waffen, die. wie die Rubrizierung angibt,„im politischen Kampf unserer Tage Verwendung fanden" und die an Vielseitigkeit mit jeder Folterkammermaterie konkurrieren kann, allgemeiner Aufmerksamkeit. In der Zeit von 3 bis 7 llhr war der Andrang der Menge am stärksten. Rund 25 999 Besucher haben die Kontrolle passiert. verbandslag der Polizeibeamten. Im Marmorsaal des Zoclogifchen Gartens fand anläßlich des diesjährigen Verbamdstagcs der preußischen Polizei- beamten e. V., Gau Groß-Berlin, ein Begrüßungsabend statt. Das 69 Mann starke Sinfonieorchester der Schutzpolizei unter der Leitung von Professor Saal von der Staatsoper brachte alte und neu« Weisen wirkungsvoll zum Vortrag. Im Verlauf der ver- schieden«« Ansprachen ergriff auch ein Vertreter der holländischen Kollegenschaft das Wort und sprach sich über die Einrichtungen sehr lobend aus. Es folgten verschiedene künstlerische Darbietungen— Konzertsänger van der Wyk fang Arien und Lieder mit angenehmer, geschulter Stimme, Claire Waldosf und der sächsische Komiker Ruselli vertraten den Humor. Der dichtgefülltc Saal spendete reichlichen Beifall. Unter Absingung des Deutschlandliedes und einem Hoch auf die Pepublik nahm die Feier Ihren Abschluß. war. Sie kommen aber für das Verbrechen nicht in Betracht und wurden wieder entlassen. Auf telegraphischcm Wege wurden auch alte Großstädte benachrichtigt, London, Paris, Brüssel, Antwerpen, A m st c k d a n,, die Zentrale des Diamantenhandcls, Wien usw. Eine bestimmte Spur ist, wie entgegen einer anders lautenden Meldung festgestellt sei, noch nich't gesunden. Man versolgl auch alle Fingerzeige von früheren Raub- anfüllen ähnlicher Art. Der Fall erinnert übrigens lebhaft an jenen Ileberfall auf den Juwelierladen von Bonncck in der Schönhauser Allee nah« am Hochbahnhof Danziger Straße am II. März d. I., bei dem die Täter auch mit Kanonenschlägcn Angst und Verwirrung stifteten und Gelegenheit hatten, Kostbarkeiten aus beu: Schaufenster zu rauben. Die Nachforschungen der Krinnnalpolizei, die nm Sonn- abnd bis in die Nachtstunden hinein sortgesetzt wurden, haben er- geben, daß der Raub planmäßig ausgeführt und von langer Hand vorbereitet gewesen sein>nuß Es konnte festgestellt werden, welcher Art die Juwelen sind, die die Räuber erbeutet haben. Es befinden sich darunter insgesamt sechs Perlen- ketten, die ausnahmslos Brillantschlösser haben. Eine dieser Ketten, aus 89 Perlen bestehend, hat einen Wert von 7299 Mark, eine andere, die aus 86 größeren Perlen zusammengestellt ist. einen Wert van 17 999 Mark. Andere Ketten umfassen 237, 165 und 297 Perlen. Weiter stahlen die Räuber 12 Armbänder in den ver- schiedensten Formen, die mit Brillanten, Saphiren, Rubinen und Meinen Rosen besetzt sind. Alle Steine sind in Platin gefaßt. Der Gesamtwert der gestohlenen Kostbarkeiten beträgt 129 999 Mark. Die V e r r ä u ch c r u n g s b o m b e, die sie zur Deckung ihre« Rückzuges in Brand steckten, war von ihnen aus inehrcrcn Kanonen- schlügen zusammengestellt und mit einer Zündschnur versehen worden. Verpackt war die ganze Höllenmaschine in ein röhrenartiges Etui aus Steifpappe, die wiederum mit bläulich-grllnlichem Papier um- hüllt war. Reste dieses Papiers und der Feuerwcrkskörper wurden noch qefundcn und sichergestellt. Ohne Zweifel handelt es sich bei den Räubern um„schwere Jungen" Ihre Tot erinnert an ähnliche dreiste Räubereien, wie sie in Breslau, Frankfurt o. M., Par-s und Brüssel in der letzten Zeit verübt wurden. Die Vermutung liegt nahe, daß man es mit einer internationalen Bande von Junxlen- räubern zu tun hat, die in den Großstädten einzelne Eeschiisie auss Korn nehmen und mit allem Raffinement vorgehen. Der Er- kennungsdienst hat am Tatort Fingerabdrücke gesunden, l ,c wohl von den Verbrechern herrühren. Allerdings sind in de» Registern dieser Dienststelle die Abdrücke nicht gefunden worden. Die Her- kunft der Feucrwerkskörper ist auch noch nicht festgestellt. Der Ver- käufer wird dringend ersucht, sich bei der Kriminalpolizei zu melden. Dachftuhlbrand in Steglitz. Am Sonntag abend, kurz vor'AS Uhr, wurde die Feuerwehr nach der Hackerstr. 21 in Steglitz alarmiert, wo im Dachstuhl des Vorderhauses Feuer ausgebrochen war. Da die Meldung von ver- schieden«» Seilen zu gleicher Zeit erging, rückten fünf Lösch- z ü g e unter Leitung des Baurats Berg und L i n d n e r herbei. Dem schnellen Erscheinen und tatkräftigen Eingreifen der Lösch- Mannschaften ist es zu verdanken, daß der Dachstuhl in seiner ganzen Ausdehnung nicht ein Raub der Flammen wurde. Eine Mansardenwohnung und ein großer Teil des Dachstuhls brannte aus. Die Ausräumungsarbciten dauerten längere Zeit. Die Entstehungsursache ist bisher noch unbekannt. Die Sl«dlverordnelenvers«mmlunz hat in dieser Woche keine Sitz un|. Di« nächst« Sitzung findet am 7. Oktober statt. Amerikanische ZNakrosen In Verlin. von der Besatzung de, amerikanischen Schulkreuzers„Memphis" trafen 19 Osfiziere und 79 Mann gestern abend mit dem fahrplanmäßigen Zuge von Kiel um 8,45 Uhr auf dem Lehrter Bahnhof in Berlin ein. Die Kapelle der Reichsweyr spielte die amerikanische Nationalhymne, woraus Stadtrat Wege die Gäste im Nomen der Stadt Berlin herzlich willkommen hieß. Die Ossiziere und Mannschaften wurde« sodann» ihre Hoteis geleitet. Reichs- Seifenmssse. Gestern mittag wurde in den GesamtrSmnen der„Neuen Welt" im Beisein zahlreicher Vertreter der Behörden und der Presse die Reichs-Scisenmesse eröffnet. Di« Schau vermittelt einen guten Eindruck über die Leistungen der Seifenindustrie. Im großen Saal«ehebt sich eine fast in natürlicher Größe ganz von Seife ausgeführte Lokomotive, zu deren Aufbau 120 Zentner Seife not- wendig waren. Wo das Auge hinschaut, gewahrt es Burgen von Seifen. Daneben find selbstverständlich auch all die Dinge augestellt. die zur Körpcrpsleg« nun einmal gehören. Hauswirtschastsartikel aller Art füllen die Stände weiter aus. Auch die Christbaumschmuck- industri« ist stark vertreten. Die Messe, als deren Veranstalter die Clnkaufszentrale der Seifenhändler von Groß-Berlin,«ingetr. G. m. b H., der Einkaufsverein Berliner Seifenhändler G. m. b. ch.. der Schutzverband deutscher Seifenhändler e. V. und endlich der Zentral- verband der Seifenhändler Deutschlands zeichnen, bleibt heut« bis 10 Uhr abends und am Dienstag voo 3 bis 10 Uhr abends geöffnet. Wenn der Chauffeur beti unken Ist. Am Sonntag nachmittag fuhr der Führer einer Kroftdicschke, Alfred N. aus der Gericht- straße, mit feiner Kraftdroichke, in der sich noch zwei Personen befanden, vor dem Hause Chausseestr. 04 gegen einen Straßenbahn- mast. Die beiden Fahrgäste, der tzOjährige Walter Fröhlich, Boqen- straße 38 wohnhaft, und der Si ährige Händler Erich Schreiber, Boyenstr. 38 wohnhaft, erlitten erhebliche Verlenungen. Sie wurden zur Rettungsstelle und dann in das Augusta-Hofpital gebracht. Die Schuld trifft den Führer, der ange- trunken war. Genosse piorrer Vieler spricht am Dienstag, den LS. September, abends'1,8 Uhr, in der gailcr-Fricdr ich- Schule, Chartottenburg, Knesebeck- -strakc 24 tSnvhgnipIatzf über das Thema:.Warum sind wir Gegner dcS Militarismus?* Unkollenbeitrag£0 Pf.— Slm Sonntag, den 3. Oktober. 10 Uhr, spricht Ken. Blei er im Rahmen einer religiösen Feierstunde tn der TrinitatlSkirche Charlottcnburg. Sammlung getrogener Kleidungsstücke. Die vczirkSarbeltSgemclnschast der öffentlichen und privaten Wohlfahitspssege Berlin- Schöncbcrg. veran- staltet in der Woche vom 27. September bis 2. Oktober eine Sammlung ge- tragenec KieidungSitücke. 88 wird hauptsächlich gebeten um Herrensachen, Mäntel, Stiesel und Wäsche, Sammelstellen sind: Rathaus Schöneberg, Rudels Wildeplatz. Woblsahrtsamt; Pestalozzi-Fröbei-HauS, Karl-Schrader- stratze 7/8; Klciderkammcr, Baracke Cbersstratze 92. Bei Angabe von tzldresscn werden die Sachen auch abgeholt. Ansängerlurse ln Englisch, Feanzösis», Spanisch, Russisch, Auf Wunsch zahlreicher Genossen und Konossmnen fallen vom 1. Oktober an tn allen Stadtteilen neue Ansängcrkurfe lAbenduntmtcht) In. den obigen Sprachen eingerichtet werden. Ferner werden besondere Kurse sllr Kinder kNnchmittagsunterricht) zuiammengestellt, Anmeldungen sür alle Kurse bt« zum 6. Oktober schristllch oder persönlich bei der Geschäftsstelle der Sprachenschulc W 67, Ziethenstraße 6, 1. Etage(nahe Nollendorsplatz), Postraub in London. Ein Londoner Postauto,'in dem sich Diamanten, Perlen, Zahlungsanrr-cifungen und Schecks im Betrage von rund 1600 000 Mark befanden, ist Sonntag nachmittag ausgeraubt worden/ Das Auto wurde in der Nähe von King Croß aufgefunden. Der Chauffeur, der erst feit kurzer Zeit im Dienst der Post stand, ist flüchtig D»Zust Wien-Berlin entgleist. Infolge Senkung des Bahndamms durch starke Regen. alle, die das Erdreich unterspülten, entgleisten in der Nacht zum "ontag gegen 2 Uhr mehrere Wagen des D-Zuges 153 Wien— Paffau— Berlin. Der Unfall ereignete sich kurz vor dem Einfahrts- signal der Station Schwandorf, einer Station zwischen Regensburg S und Weiden i. V. Reisende sind glücklicherweise nicht zu Schaden gekommen. Das Gleis mußte gesperrt und der Verkehr zwischen den Stationen Heidhof und Schwandorf eingleisig fort geführt werden. Die Reisenden, die mit dem Schrecken davonkamen, konnten die Reise mit dem nachfolgenden Zug v 23 fortfetzen. Schwerer Ttrastenbahnnnfall in Bremen. Am Sonnabend abend ereignete sich in dem Vorort O s l c b s- Hausen bei Bremen ein schwerer Zusammenstoß zwischen einem Straßenbahnwagen und einem Lastkraftwagen. Dabei wurde der vordere Perron des Straßenbahnwagens völlig zusam- mengeschoben. Auch der Lastkraftwagen wurde schwer be- schädigt. Aus den Trümmern des Strahenbahnperrons wurden vier Schwerverletzte sowie eine große Anzahl von Leicht- verlegten geborgen._ gericht Joses 3 Das Mannenbacher Loolsungllick vor Gerlchi. Vor dem Schössen- in Konstanz wurde gegen den 25jährigen Hilfsarbeiter Franz osef B i ck aus Reichenau oerhandelt, der am 4. Juli d. I. das furchtbare Bootsunglück vor dem Schweizer Unterseedorf Mannenbach verschuldete, dem 6 Personen zum Opfer sielen. Das Gericht verurteilte den Angeklagten wegen fahrlässiger Tötung gemäß dem Antrag des Staatsanwalts zu drei Jahren Gefängni.s Bergwerksunglück in Amerika. Nach einer Meldung der „Chicago Tribüne" sind in I n w o o d(Michigan) 35 Bergleute infolge Seilbruchs eines Förderkorbes ums Leben gekommen. Orkankakastrophe ln Brasilien. Einer Meldung des„New Park Herald" zufolge ist die südbrasilianische Provinz Sao Paulo von einem Orkan heimgesucht worden. Die Stadt Jtambe wurde vollständig zerstört; bisher wurden 2 00 Tote geborgen. Groß- Serliner parteinachrichten. 13. Kreis Temprlhok, Mariendori, Mnrlenirlbr, Lichtenrade. Di« SitiUNl, bes Blidunasausichusfe» finvet wkgen der Kreisvoriiandsützung er» am Miiimoch. den so, Sevlemd-r, abend» 7 Uhr bei Nlendori, Marieiidorl, Chausieestr, 19.(Inti 53. Abt. Eharlottenburg. Achtung! Der Frauenabend der»3 Abt halb« Preise Krause- Pianos xur Miete Ansbacher Str. I, fjuKerfünlmtrite stbec Art liefert preiswert Paul Uollots, vorm. Retart Mmr. Mariannenstrauc 3. Ecke Naunynftraße Amt Moritzpl. 10303 > OROBSE» SCHAUSPIELH AU8*1 Täglich 8'/, Uhr Ende prEsise 11 Uhr Preise M. 1.00— 15.00. Sonntag nachm.dUhransrekürate Vor- Stellung: zu ernittBigrt. Preisen 3f£omisdke Cper\ Direktion: Hanns Otto Boyen � Der große Operettenerfolg» Jidwienne] Täglich 8.74 Dhr l» mit S»rak, Westaly, Wirl, BUu 4 ■ Boettcher, Hell, E Vorterkau} ununter br. e, 10 U. an 4 Reichshallen-Theater Vlataallldl 8 Uta und Sontig udiaittigi 3 Ohr Slefflaer Sander Singende Bäume Nachmittgs halbe preise, Tolle» Programm! Dönhokf-BretCI Variete-Konzert-Tanz ■ Neues Theater am Zoo i 8„Ish hab Dich lieb" Pari. I-S N Snull N Vonrerk. unantrrtir. Stpl- illl Morgen zum 23, CaSlHO-THEATEB» SUhr Was Liebe vermaö Ab I, Oktober: GrAlln Tlppmarasell (iutschcin 1—4 Pers Bei Voraelg. der Annonce Faul, nur 1,00 Mk., Sessel 1,50 KRONE Nur noch 9 Tage bisS.Oktober VülCOI*. ülloo» d- Hildegard»traße /«liwto N&he Berliner Str. Telephon Pfalzburg 7915, IM? 8 Sonnabend Uhr Sonntags [auch tu h r Preise, nur Sitzplätze, ron 60 PI. bis 10 M. Vorverkauf ununterbrochen ab lOübr CircuskasBen. A.Wertheirn und K. d.W. 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Wenn das Funktionärfystcm und der gesamt« Apparat des .Lentralgewertschaftsbundes deutscher Reichs- bahnbeamten und- anwärter" noch nie funktionierte, dann wurde bei der für die Vorbereitung der Beamtenratswahlen zu leistenden Arbeit der Beweis erbracht, daß diese„Auch-Gewerkfchast" alles andere darstellt als«ine Organisation. Der Vor- stand das ZGDR. hat an jeden W a h l v o r st a n d ein Bittgesuch gerichtet, dem die Äimmzettel des ZGDR. beigefügt waren und in dem zum Ausdruck gebracht wurde, daß derWahloorstand doch die Verteilung der Stimmzettel übernehmen möchte. Ein solches Geschäftsgebaren ist so recht bezeichnend für die Stärke und vor allen Dingen für die Sicherheit dieser„Großorganisation" und es soll hier nicht untersucht werden, ob es die Angst vor der eigenen Courage gewesen, die den Vorstand des ZGDR. zu solch „ehrlichem" Vorgehen vermckoßt hat, oder ob er kein« oder nur noch sehr wenige Funktionäre hat, deren Aufgabe es gewesen wäre, die Stimmzettel an die Mitglieder des ZGDR. zu verteilen. Der Bundesbezirksvorstand hatte zum gestrigen Sonntag zu einer Mitgliederversammlung in„Haoerlands Festsälen" eingeladen. Dies« Bersammlung, zu der der Eintritt nur gegen Vorlage des Mitglieds- buches gestattet war, sollte hinter verschlossenen Türen stattfinden, weil man nur so den Mut hatte, den Mitgliedern die S0proz«ntig« Verwaltungsinteressenidee aufzutischen und es nicht wagt«, der ge- samten Beamtenschaft der Reichsbahn dieses Programm vorzutragen. Di« Bekanntmachung der Versammlung war unterschrieben von dem BundeSbezirksoorftand, bestehend aus drei Personen und den Vor- ständen der dem ZGDR. angeschlossenen Fachgewerkschaften. bestehend aus zehn Personen. Die Bersammlung war v o n S8 Eisenbahnern einschließlich des genannten 13köpfigen Bezirksvorstandes, besucht. Da 4S Mitglieder dieser„Großorganisation" dem Rufe des aus 13.zugkräftigen Größen" bestehenden Bezirksvorstandes Folge geleistet haben und unter diesen 45 Mitgliedern sich noch mehrere Funktionäre befanden, so ergibt sich daraus, welch„ungeheuren" Anhang der Zentralgewertschaftsbund deutscher Reichsbahnbeamten und-anwärter bei den rund 200l)l)Wählern zum Beamtenrat im Bezirk Berlin noch hat. Dem Vorstand des ZGDR. wird nun endlich klar geworden fein, daß die verwaltungsfreundliche„Großorganisation" endgültig a b g e- wirtschaftet hat und daß die Reichsbahnbeamten und-anwärler eine andere Interessenvertretung haben wollen, als die nur noch aus Trümmern bestehende„Jnspe k t o r e n-G e w e r ts ch a f t" sie predigt. Di« Beamten und Anwärter der deutschen Reichsbahn wer- den infolgedessen heute und morgen den Verrätern der Beamtenschast beweisen, daß sie nicht gewillt sind, sich noch länger nasführen zu lassen und deshalb die Listen des„Einhellsverbandes der Eisenbahner Deutschlands" wählen. Generalversammlung öer Holzarbeiter. Am Donnerstag, den 23. September, tagte im„Berliner Club- haus" die Vierteljahres-Generalversammlung, in der zunächst Ge- nosse G ö r i n g vom Afabund den Arbeitsgerichtsgesetz- e n t w u r f behandelt«. Göring kennzeichnete die Mängel des vor- liegenden reaktionären Entwurfs und Pellte ihnen die Forderungen t>er frelön Gewerkschaften lind die Beschlüsse des Vorläufigen Reichs- wirtschaftsrats entgegen. Die Regierung will weder die Vorsitzenden itr Gewerbe- und Kaufmannsgerichte als Vorsitzende der Arbeits- gerichte berufen, wozu sie nur diesem Rechtsgebiet fernstehende Be- russrichter für geeignet hält, noch will sie der Forderung»ach- geben, daß in der unteren und mittleren Instanz je zwei Arbeit- geber- und Arbeitnehmerbeisitzcr sitzen sollen. Das Verlangen, den berufenen Beisitzern den Titel Arbeitsrichter zu verleihen, wurde mit der Motivierung abgelehnt, daß leicht eine Verwechselung mit den ordentlichen Richtern entstehen könnte. Bezüglich der geplanten Zulassung von Rechtsanwälten in der untersten Instanz zeigte der Redner aus der Praxis der heutigen Rechtspfleg« in Deutschland, wie verwerflich es sei, wenn diese Bestimmung in dem kommenden Gesetz verwirklicht würde. Auch die Forderung, den Beisitzern feste Speien zu zahlen, scheint die Regierung nicht erfüllen zu wollen. Besonders umstritten sei auch der Gedanke, Beisitzerausschüsse nach bestimmten Richtlinien zu schassen, die ein Mitbestimmungsrecht bei der Berufung der Vorsitzenden auszuüben haben. Die Rc- gierung betrachte diese Berufung als ihr Privileg. Die Mehrheitsbeschlüsse des Vorläufigen Reichswirtschastsrats sandep bei der Weiterberatung keine Beachtung, vielmehr soll auch dieses Gesetz unter Beibehaltung ganz reaktionärer Bcstinnnungcn, die keineswegs der veränderten Staatsform und der bestehenden Verfassung des Deutschen Reiches Rechnung tragen, verabschiedet werden. Da außerdem noch weitere Gesegentwürfe recht reaktionären Charakters bereits vorbereitet sind, so ergibt sich daraus für die freigewerkschastlichen Organisationen die Notwendigkeit, alle chebel anzusetzen, um ein Arbeitsrecht zu schaffen, das den wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen Rechnung trägt. In der anschließenden recht regen Diskussion machte der Land- tagsabgeordnete Pieck den Arbeiterführern den Vorwurf, daß sie bereit seien, mit dem Unternehmertum gemeinsam zu arbeiten, nicht für die Arbeiter, sondern gegen sie, für die Unternehmer, Darum der Ruf des Unternehmerwnis auf seiner letzten Tagung in Dresden zum Eintritt der Sozialdemokratie in die Regierung. Nach Heranziehung der verschiedensten Vorgänge, die mit dem vorliegenden Thema nichts zu tun hqtten, reichte Pieck eine Ent- schließung ein, die die Reichstagsabgeordneten der sozialdemokra- tischen Partei auffordert, den vorliegenden Gesetzentwurs abzulehnen und an seine Stelle für den von der kommunistischen Reichs- tagsfraktion eingebrachten Entwurf einzutreten. Im weiteren Verlauf der Diskussion trat der Kollege Harnisch dem kom- munistischen Redner entgegen, und auch der Referent rechnete in seinem Schlußwort mit Pieck und seinem Anhang gründlich ab. Nur ein geschlossenes Auftreten der Arbeiterschaft könne dazu beitragen, die Rechtslage aus dem Gebiete des Arbeitsrechts und der Arbeitsgerichtsbarkeit besser zu gestalten. Angenommen wurde eine zweite Entschließung, die die Durchführung eines einheitlichen Ar- beitsrechts und die Schaftung einheitlichr Arbeitsbehörden verlangt und die zum Ausdruck bringt, daß bei der jetzigen Fassung des Entwurfs die Mehrheitsbeschlüsse des Reichswirtschaftsrats nicht berücksichtigt wurden, fordert, daß die Anträge der freien Gewerk- schasten zu den einzelnen Paragraphen des Entwurfs durch die Fraktionen der Arbeiterparteien bei den Beratungen im Reichstag vertreten werden. Aus dem Geschäftsbericht vom zweiten Quartal, den der Bevollmächtigte Freigang gab, ging hervor, daß die Arbeits- losigkeit gerade in der Berliner Holzindustrie im Gegensatz zum Reiche gewaltige Dimensionen angenommen hat, so daß Ende Juni 44.9 Proz. der Berliner Mitglieds chosl arbeitslos waren. Diesen Umstand glaubten die Unternehmer ausnützen zu können, um die Lohn- und Arbeitsbedingungen abzubauen: aller- dings ohne die Rechnung mit dem Holzarbeiterverband gemacht zu haben. Die Holzarbeiter, die trotz der obwaltenden Krise in den verschiedensten Betrieben in den Ausstand traten, wiesen ein solches Vorgehen zurück. Die der Generalversammlung eingereichten Anträge wurden abgelehnt, und so zeigte sich, daß die Holzarbeiter keineswegs nach der Pfeife der Kommunisten tanzen. Tie fünftägige Arbeitswoche bei s?ord. Die Ford-Merke in Detroit haben nach mehrmonatigen versuchen die sünftägige Arbeitswoche bei achtstündiger Arbeitszeit eingeführt. Die Produktion soll durch die Verkürzung der Arbeitszeit keine Verminderung erfahren, aber auch der Arbeitslohn soll für die Fünftagewoche derselbe wie für sechs Tage bleiben. Schlechteren Arbeitern sollen eventuell die Löhne gekürzt werden. Internationale der Polizeibeamten. Die Internationale Polizeikonferenz Rotterdam beschloß grund- sptzlich die Errichtung einer Polizeibeamteninternationale auf der internationalen Tagung in Luxemburg im Mai 1927. Organisierter Rückzug der englischen Bergarbeiter? London, 27. September.(MTB.) Der Bergorbeitersllhrer Cook erklärte in einer Rede vor Bergarbeitern in Somerset, er glaube an einen organisierten Rückzug, und wenn man sich zurückziehen und ein Kompromiß anempfehlen müßte, so müßte man dies in einer disziplinierten Weise tun. London. 2S. September.(III.) Cook erklärte gestern abend in einer Rede, die er in Radstock hielt, daß er an einen organi- sierten Rückzug der Bergorbeiter im Kohlenkonslikt glaube. Wenn sich die Bergarbeiter zurückzögen und zum Abschluß eines Kom- promisses bereit erklärten, so müßten sie das in guter Disziplin tun. Aus freien Stücken werde ein Rückzug der Bergarbeiterschast nicht erfolgen, sondern nur durch Zwang. Wir behalten uns vor. nach der Konserenz der Bergarbeiter- delegierten am Mittwoch aus.die Angelegenheit zurückzukommen und registrieren nur noch eine Meldung der„EP." vom Sonnabend: „Die Kontroverse zwischen dem Grubenarbcitersekrelär Cook und dem Generalsekretär der Bergarbeiter-Internationale, Frank H o d g e s, dauert an. Letzterer erklärte heut«, die Interessen der Bergarbeiter würden tatsächlich durch die Inkompetenz Cooks geopfert. Die Arbeiter müßten darüber abstimmen, ob sie die Arbeit zu anderen als den von den Extremisten des Vollzugs- ausschusses diktierten Bedingungen wieder aufnehmen wollten." Hosferrtlich ist der organisierte Rückzug noch möglich. Cook hat sich inzwischen zur Demission bereit erklärt. Eine regierungsossiziöse Auslassung deutet an, daß die Bergarbeiter günstigere Bedingungen erreichten, wenn sie ihre Führer wie Cook entlassen würden. Stellungnahme im Unterhaus. London. 27. September.(Ep.) Man nimmt an, daß in der heutigen Unterhaussitzung, die sich mit der Fortsetzung des Aus- nahmczustandes befassen wird, Bnldwin«ine längere Erklärung über die Krise abgeben und darauf bestehen wird, daß die Vorschläge der Regierung vom 17. September weiterhin als Unterhandlunosbasis dienen sollen. Nach ihm werden voraussichtlich Macdonald und Lloyd George das Wort ergreifen. Jür die Landarbeiter in Molinella. Prokefl beim Internationalen Arbeitsamt. Amsterdam, 27. September.(Eigener Drahtbericht.) Der Exekutivausschuh des Internationalen Gewerkschaftsbundes be- schloß, bei dem Internationalen Arbeitsamt in Genf gegen die aus den 29. September festgesetzte Vertreibung von 259 italie- nischen L o n d a r b e i t e r f a m i l t en aus ihren Woh- nungen in Molinella durch Faschisten, weil sie den Anschluß an den faschistischen Verband ablehnten, zu protestieren und forderte die Arbeitergruppe des Verwaltungsrats des Arbeitsamtes auf, die Angelegenheit in der Sitzung vom 14. Oktober zur Sprache zu bringen. Tlrdeiterentlasiungen bei 5iat. Die Landarbeiter verlassen das Land. Ehiasso, 27. September.(Eigener Bericht.) Arnaldo Mussolini. der Bruder des„Duce", richtet an den Herausgeber der Zeitschrist „Jl Podestä", des Organs der italienischen Gemeinden, ein Schreiben, in dem er u. a. sagt: „Nachrichten aus Turin zufolge hat die Automobil- fabrik Fiat fast 7909 Arbeiter entlassen, indem sie dazu vorzugsweise diejenigen gewählt hat, die ursprünglich Landarbeiter gewesen sind. Das ist ein Vorgang, der ausmerk- samste Beachtung verdient. Wenn wir darin übereinkommen können, bei den Kündigungen die Landarbester in erster Linie zu berück- sichtigen, so müssen wir auch anerkennen, daß es weit vorteilhafter und lobenswerter wäre, die Landarbeiter bei ihrer ursprünglichen Arbeit zu belassen. Die Bürgermeister der ländlichen Gemeinden müssen sich für diese Frage interessieren, damit das Land nicht ohne Arbeitskräfte bleibt." Dieser Brief gibt also offen die in der italienischen Industrie herrschende Krisis zu. Die groß« Anzahl der Kündigungen bei einem großen Unternehmen wie der Automobilfirma Fiat ist ein beredtes Zeichen für die Lage. Was die Frage der Land- nrbeiter betrifft, so muß darauf hingewiesen werden, daß die ihnen gewährten Löhne äußerst niedrig gehalten sind und sie zwingen, die Feldarbeit zu verlassen. Die italienischen Grund- besitz er, die dem Faschismus, viel verdanken, haben die Gunst der Verhältnisse eben lediglich dazu benutzt, die Lebensbedingungen ihrer Arbeiter herunterzudrücken. Verbot der Arbeitersolidarität in Italien. Ehiasso, 27. September.(Eigener Bericht.) Die Direktion eines des größten Buchdruckunternehmens in Rom hat mehrere Arbeiter entlassen, die dabei überrascht wurden, als sie S a m m e l- listen für die Landarbeiter von Molinella unter ihren Arbeitsgenossen rundgehen ließen, welch erftere sich nicht unter die Zlvangseinverleibung in die faschistische Gewerkschaft beugen wollen und daher arbeitslos sind. Da weder im Betriebsreglement, noch im Arbeitsvertrag, noch Im Gesetz irgend- welche Klauseln enthalten sind, um derartige Sammlungen zu ver- bieten oder zu verhindern, hat man diese Entlassungen mit der bezeichnenden Begründung„wegen Indisziplin" zu moti- vieren versucht. In diesem Zusammenhange sei erwähnt, daß demnächst eine Verordnung erscheinen wird, die jede Sammlung ver- bietet, die nicht vorher durch die Präventivzensur des Präfetten genehmigt worden ist. Diese Verordnung wird auch die Anzeige der Uebertreter vorschreiben, die wegen„M ißbrauch fremden Geldes" zur Verantwortung gezogen werden sollen. Diese Maß- nähme allgemeinen Charakters soll den Zweck haben, die von dem italienschen Gewerkschaftsbund eingeleitete Sammlung für die Landarbeiter von Molinella z u v e r e i t e l n. Im Grunde ist es klar, daß die Regierung mit dieser Politik die völlige Aus- hungerung der schon mit allen diktatorischen Mitteln folgten und bedrängten Landarbeiter von Molinella anstrebt. ver- Die faschistischen Antigewerkschaften. Rom, 26. September.(Stefan!.) Wie das amtliche Organ der faschistischen Partei meldet, sandte der Generalsekretär der faschistischen Vereinigungen in Turin. Meledandri, an Musso- lim ein Telegramm, in dem er ihm mitteilte, die Leitung der P r o< oinzialvereinigung der Vertreter der Metall- arbeitergewerkschaften habe auf eine Lohn- erhöhung vcrzichtet und erklärt, es sei für sie eine Ehre, unter dem heißgeliebten Duce in der großen wirtschaftlichen Schlacht des Vaterlandes mitkämpfen zu dürfen. Mussolini antwortet:„Ihr Telegramm beweist mir, daß die faschistischen Gewerkschaften in Turin sich vollkommen von der For- derung der Stunde wie von den Zielen des wirtschaftlichen Kampfes Rechenschaft ablegen. Ihre Gebärde des Verzichts bedeutet eine feierliche Mahnung an alle die undisziplinierten Egoismen, die namentlich in diesen Tagen ein beklagenswertes Schauspiel der Kurz- sichtigkeit boten. Indem die faschistischen Gewerkschaften von Turin sich heute der Pflicht des Verzichts»nterwersen. zeigen sie sich ihrer begründeten Rechte würdig. Herzliche Faschistengrühe an Sie und an alle Arbeiterkameraden." Diese Komödie nimmt auch in Italien kein denkender Mensch ernst. Auch die wirklichen Gewerkschaften in anderen Ländern haben mitunter auf eine Kündigung ihres Lohnabkommens und damit auf Lohnforderungen verzichtet, wenn dies sachliche Gründe geboten er- scheinen ließen. Die Mussolini-Gewerkschaften ober, die den Verzicht auf günstigere Lohnbedingungen zu einer prinzipiellen Erklärung machen, charakterisieren sich damit selber. Die italienischen Arbeiter werden noch mehr als bisher auf solche„Gewerkschaften" und Schmo- rotzer wie Meledandri verzichten. Bäckcrjzefcstenstrcik in Neapel. Rom, 27. September. In Neapel streikte kürzlich ein Teil der Bäckergehilfen, weil einige Bäckermeistcr sich weigerten, die von den Behörden bewilligte 8-Lire-Erhöhung täglich wegen Mehrarbeit bei Herstellung des neuen Brottyps zu bezahlen. Die B e- Hörden haben gegen die Meister Maßnahmen ergriffen. Die Sparkasse der Dank der Arbelker, Angestellten und Beamten A.-tv., Berlin, Wallstr. 65. ist täglich mit Ausnahm« von Sonnabend von 9—3 Uhr und 5— 7 Uhr, Sonnabend» von 9—1 Uhr geöffnet. Aufbau der deutschen Wirtschaft. Auch Sie können daran mithelfen, denn durch Einkauf nur deutscher Reifen vermindern Sie Arbeitsnot und Steuerlast. 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