ttt. 456 ♦ 43» Jafytg. Ausgabe A Nr. 235 BezugSpre'.s. Wöch«ntlich TO tSftnnia, monatlü 3,— fltidisntcrf voraus jailbor. Unter Rttiubanb für Deutschland, Daiutin, Saar- und Mcmeiaediet. Oesterreich. Litauen. Luicmbur« 4,20 Aeichsmark, tllr da, itdria« Ausland d.SO Reichsmark»r» Monat. Der.BorwZrt� mit der illustrier» len Sonnta»sbeilai>«»Boll und geU" iawi« den Beilagen..Unterhaltung und Wissen",»Aus der isilmwelt", .!krauc»stimme",.Der Linder- ireund"..Iugend-BorwSrts" und .Blick in die Bllchcrwelt" erscheint wochenlaglich»weimal, Sonntag» und Montag»«tnnial. Telegramm-Adrels«: .SoziatdeMotra» Berlin- Morgenausgabe Verlinev VolKsvlakt (10 pksnnis) Anzeigenpreise: Die«insvalttg« Nonpareille. »eile 80 Pfennig. Reilame,«ile S,— Reichsmark..Lleine An»eigrn" das settgcdruckte Wort?Z Diennig knilSssig»wei setlgedruckte Worte). jedes weitere Wort IZ Pkennla. Stellengesuche das erste Wort 13 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte ttber 12 Buch» stoben»Shlen für zwei Worte. Arbcitsmarkt Lcile 00 Pfennig. ssamiljcnan, eigen wr Abonnenten Keile 4S Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4)0 Uhr nachmittags im Hauptgelchäkt, Berlin SW 08. Linde». ftrohe 3. abgegeben werden. EcSfinct von 8lb Uhr früh bis s Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokrati fcben partei Deutfchlands Neöaktion und Verlag: SerUn EW. öS, Linöenstraße Z Fernsprecher: Tönhoff 292—2'J7. vorwärts-verlag G.m.b.H., öerlin SW. 68, Linöenstr.Z Postscheckkonto: Berti» 37 034— Banklo»t»: Bank der Arbeiter, Angestelte» und Beamten. W-llstr. 40: Diskonto-Eclellschast. Dcposttrnkaste Lindenstr. 3. Das baperisthe Möröerneft. Der Bericht des Abgeordneten Dr. Levi im FemeausschnH. Der Femeausschuß des Reichstastes trat stestern zusammen. Bor Eintritt in die Tastesordnung werden Mittcilunsten verlesen, u. a. ein Gutachten des Reichsjustiz mini st eriums über die Zustöndistkeit der Untersuchunstsausschüsse, ferner eine Kor- respondenz mit dem bayerischen Staatsministerium des Aeußern über die Dernehmunst öfsentlichcr Beamten durch den Ausschutz. Dann bcschöftistte sich der Ausschuß mit einem Schreiben des Innenministers. Darin ist mitsteteilt, daß die bayerische Regierung bei der Reichsregierung wegen der Angrisfe des Abg. Leo! aus die bayerische Justiz vorstellig geworden ist. Di« Reichsregierung wünscht vor De- o n t w o r t u n g die Stellungnahme des Ausschusses kennen zu lernen. Der Borsißende vertritt die Auifasiung, daß Derösfenr- lichungen aus den Akten erst nach abgcschlosiener Beweisausnahme erfolgen dürfen. Abg. Levi wünscht die Stellungnahme bis nach Abschluß der Berichterstattung zurülkzustellen. Man müsse sich auf Grund der Berichterstattung erst ein Bild machen, ob die Behauptungen wahr sind, die sich auf die Staatsanwälte beziehen. Dieser Verlagungeontrag wird mit großer Mehrheit angenommen. Räch kurzer Beratung einigte sich dann der Ausschuß darauf, daß bU Zeugenvernehmungen in München durchzuführen seien. Beginn der Ausschußsißungen am?. Oktober nachmittags 2 Uhr im ehemaligen Bcrkehrsministerium in München. Der Ausschuß trat nun in die Behandlung der Femefälle, dl« mit den bayerischen Einwohnerwehren zusammenhängen, ein. Berichkerstatter Dr. Paul Levi führte fosgende? aus: Zunächst mich festgestellt werden, daß die bayerischen Einwohnerwehren sich aus der Organisation Esche- rich �nd aus der Organisation Kanzler entwickelt haben, die bereits 1SI9 gegründet wurden. Wir haben es hier vor allem mit der L a n d e s l e i t u n g der Einwohnerwehren zu tun. Landes- bauptmann war cherr Escherich, stellvertretender Landeshauptmann Herr Kanzler. Die Landesleitung war in zehn Abteilungen geglie- dert. Die W'rtschafrsabteilung hatte». a. die Aufgabe, Waffen für die Einwohnerwehren zu beschaffen. Waffen zu oerräumen, wenn Verrat eines Lagers zu befürchten war. Am 6. Ottober 1920 wurde im Forstcnrieder Park das Dienstmädchen Maria Sandmeycr erdrosselt an einer Fichte hängend ausgesunden. Die polizeilichen Festste'- lunoen haben ergeben, daß die Sandmeyer bereits im Anto er- d'.ossett wurde, und daß man dann die Leiche zu dem Baum hin- oeschleift hat. Am 7. Ortober meldete sich der Kaufmann Zell er. Leiter der 12. Abteilung der Einwohnerwehr, bei der Münchener Polizei und sagte aus: Am 2Z. September 1929 sei zu ihm ein Wehrr�ann seines Bezirks in sein Bureau mit einer Frauensperson gekommen und habe erklärt, er habe auf der Straße das Waffen- ablieferungsplakat gelesen. Darauf sei er von der Frauensperson gefragt worden, wo man Waffen angeben müsse. Das Mäd- chen erklärt« in meinem Bureau, es fei im Schloß cholzen bei dem Grafen Treuberg in Dienst, und dort befänden sich Kanonen und Gewehre. Als ihren Namen gab sie an: Sandmann aus Odels- Hausen. Wenigstens Höne ich es so. Ich verständigte sofort die Landesieitung der Einwohnerwehr. damit die Wakscn geborgen werden konnten. Am 7. Oktober meldete sich die Jungfer Maria Schneidt von Rordhausen. die beim Konsul Kämmerich in München in Dienst war. Sie sagt« aus, daß die Sandmeyer am 1. Oktober 1929 eben- falls bei Kämmerichs in Dienste trat. Dann schilderte sie, was wir bereits im„Vorwärts" ausführlich berichtet haben, wie am Abend des 5. Oktober um 91� Uhr ein fremder Man» kam, der mit der Sandmeyer sich eine Viertelstunde lona unterhielt, und daß dann die Sandmeyer an diesem Abend nach 19 Uhr gesehen worden sei, wie sie aus ihrer Wohnung weggegangen sei. Daraushin wurde in Odelsbausen nachgesorscht. Das Ergebnis war, daß am 5. Oktober eine Mannsperson in Odelshausen nach' einem Fräulein Sandmann gefragt habe, die in Schloß Holzen in Dienst sei. Der Mann stellte sich als ein Herr Mederer aus Augs- bürg vor und gab an. die Sandmann sei ihm vom Grafen Treu« bcrg empfohlen worden. Als ihm gesagt worden war, daß es zwar keine Sandmann, aber eine S a n d m e y e r im Ort gebe, inelnre er, sie könne auch so heißen, der Graf schreibe ein« so entsetzliche Pfote. Am IZ. Oktober ging bei der Polizei folgend« Meldung ein: Am 5. Oktober, mittags 1'/i Uhr, fuhr ein Auto 2» 1894 beim Ringhotel in München lSrtz der LandesleUu»g der Einwohner. wehr) vor. Auf Beranlasiung des Oberleutnants Broun wurde da« Auto noch einem Sestenausqong in die Blumenftrahe dirigiert, gan, gegen sonstige Gepflogenheit. In das Auto stiegen zwei Per- fönen ein. Der Chauffeur überließ dem Oberleutnant Broun den Wogen. Am S. Oktober morgens fand der Chauffeur de« wage« l« fürchterlichem Zustand. Er war vollständig durchnäßt und mit Urin beschmutzt. Erst im Jahre 1924 kam der Münchener Polizei eine Aeuße- rung des Rechtsrats Weinbrecht aus Nürnberg zur Kenntnis, daß 1921 bei dem Nürnberger Fest der..Reichsflagge" man sich auch über den Fall Sandmryer unterhalten habe. Dabei sei die Aeuße- rung gefallen: „Da» Saumensch hat auch noch ins Auto geschifft." Weinbrccht ist Inzwischen an einem Schlaganfall gestorben, so daß dies« Spur nicht weiter verfolgt werden konnte. Ueber die Teilnehmer an der Autofahrt konnte festgestellt wer- den: Der Student Max Uebeleisen gibt zu, daß er der Lenke« de» Autos war. Am Ringhotel waren bei ttfr Abfahrt Leutnant S ch w e i k a r t und B er cht hold, die mit in die Türken- straß« 54 gefahren seien, zur Wohnung des Studenten Alois Schneider. Dort seien sie ausgestiegen, und Alois Schneider eingestiegen. Alois Schneider sogt aus, das Uebeleisen die Fahrt mitgemacht Hab«. Er verschweigt aber Berchthold und Schweikart. Auch Oberleutnant Braun oerschweigt den» Namen Schweikart. Leutnant Berchthold erklärle. er stehe mit der Leitung der Einwohnerwehr in keinerlei Zusammen- hang. Von der Fahlst wisse er nur vom Erzählen. Er sei im Ringhotel anwesend gewesen, als das Auto anfuhr. Am 5. Otto- ber, nachmittags 1 Uhr, sei das Auw vom Chauffeur angefahren worden. Uebeleisen und Schneider übernahmen den Wagen und fuhren nach der Türkcnstraße 54. Ich und Schneider saßen im Auto. Dor der Wohnung des Schneiders erklärten die beiden, nach Traun st ein zu fahren. Abends 9 Uhr war das Auto wieder in der Türkenstraße. Dort war eine Herrengesellschaft. Am 29. Oktober wurde Berchthold nochmals vernommen. Dabei gab ei zu, daß er vom 15. bis 19. Oktober 1929 einen Herrn in seiner Wohnung beherbergt habe. Als seinen Namen gibt er Erich Wagner aus Nürnberg an Den Leutnant Schweitart kenn« er nicht. Auch sein Nome sei ihm nicht erinnerlich. Dagegen hat der Mietgeber des Berchthold ausgesagt, Berchthold habe öfter von Schweikark gesprochen, Schweitart habe wohl auch Berchthold wiederholt besucht. Alois Schneider gibt Uebeleisen als Mitfahrer an, ebenso den Studenten S ch u st e r, nicht aber Berchthold unv Schweitart. Am 18. November 1924 hatte Alois Schneider bei poincare reöet vom Jrieüen... Ohne ihn unmöglich zu machen! Paris, 27. September.(Eigener Drahtbericht.) Man wird wohl auch in Deutschland nicht erwartet haben, daß die jüngste Entwicklung der deuffch-französischen Beziehungen P o i n c a r 6 von einen Saulus zu einem Paulus, den Mann des Vertrages von Versailles und des Ruhreinbruchs zu einem überzeugten Apostel der Bölkerversöhnung und-Verständigung verwandelt habe. Was man von ihm erwarten konnte, war lediglich, daß er durch seine Reden die von Briand und Stresemann in Thoiry eingeleitete Politik des Ausgleichs nicht unmöglich machen werde. Das war denn auch tatsächlich der Fall. Poin- rare hat sowohl in seiner Sonntagsrede auf dem Kongreß der französischen Kriegsverletzten wie in seinen Ausführungen, mit denen er am Montag die Session des Generalrates seines Departe- ments in Bar-l»-Duc eröffnet hat, mancherlei gesagt, was in Deutschland sicherlich als wenig freundlich empfunden werden und was vor allem den deutschen Nationalisten willkommene Ge- legenhcit geben wird, neue Argumente gegen die Politik von Thoiry vorzubringen. Das Entscheidende aber ist, daß er nicht nur nichts gesagt hat, was die Fortsetzung der einleitenden Aussprache zu er- schweren geeignet wäre, sondern daß er sich zu dem Gedanken einer Politik der Annäherung und gegenseitigen Verständigung bekannt hat. Daß er auf den jüngsten Versuch SKesemanns, die Kriegs- s ch u l d f r a g e aufzurollen, in sehr unversöhnlichem Ton« antwortet, wird um so weniger Wunder nehmen dürfen, als Poincarö selbst an dieser Frage direkt interessiert ist insofern, als eine Lossprechung Deutschlands von dem ihm gemachten Vorwurf, den Krieg provoziert zu haben, die Verurteilung seiner eigenen Vorkriegspolitik bilden muß. Die am Montag gehaltene Rede Poincares hatte vor- wiegend innerpolitischen Charakter. Poincarä setzte sich darin zunächst eingehend mit den Gegnern seiner Finanzpolisik aus- einander, um erst am Schluß auf die außenpolitischen Probleme zu sprechen zu kommen. Ueber die Politik gegenüber Deutsch- l a n d führte er aus: Keine Nation sei entschiedener dem Frieden zugewandt als Frankreich, dessen Regierung alles Menschenmögliche getan habe, den letzten Krieg zu oerhindern. Keine Nation sei durch den Krieg so schwer mitgenommen worden wie Frankreich, dessen reichste Provinzen zum Schlachtfeld der mobilisierten Völker ge- worden seien. Seit dem Abschluß des Friedensvertrages sei Frank» reich? ausschließliches Bemühen daraus gerichtet gewesen, dessen Bestimmungen getreulich zu achten und über deren Innehaltung durch die anderen zu wachen. Frankreich, das wie keine andere Nation mit Eiser und Enthusiasmus zu dem Friedens- werk des Bölkerbundes beigetragen habe, verlange nichts als die dauernde Erhaltung seiner wiederhergestellten Territoriums und die regelmäßige Bezahlung der versprochenen Reparationen. Es Hobe sich niemals geweigert, loyal mit Deutschland über alle Fragen, die eine» der beiden Länder interessieren könnten. zu ve r h a n d« l n. So berechttgt auch seine Beschwerden in der vergangenhett gewesen sein mögen, so Hab« es doch niemals(I) versucht, dem Gegner von gestern gegenüber eine Politik der Ranküne und des Hasses zu verfolgen. Heute wie gestern sei Frankreich zu jedem Versuch einer An- Näherung bereit unter der Bedingung, daß dieser mit den Verträgen und Bündnissen im Einklang steht und daß er die Berantwortung der kaiserlichen Regie- rung am Kriegsausbruch außer Zweifel lasse und daß seine Aus- richtigteit durch schlüssige und im voraus zu erbringende Beweise der moralischen und materiellen Enlwassnung Deutschlands gerechtfertigt werde. Frankreich schulde es sich selbst und seinem Ansehen, schulde es vor allem dem durch einen vierjährigen Krieg zerrütteten Europa und allen Völkern der Welt, daß es alles in seinen Kräften Stehende tue, um der Menschheit eine bessere Z u k un st zu sichern. Frankreich werde sich dieser Per- pflichtungen nicht entziehen, aber man werde andererseits sich nicht wundern dürfen, wenn es angesichts der Ungewißheit der Zukunft weder seine vertraglichen Rechte opfern noch seine Wachsamkeit einschränken wolle. Schon nach der Sonntagsansprache Poincaros schrieb der Pariser„Quotiüien":„Nun aber Schluß!" Diesem Ruf können mir uns nur anschließen. Insbesondere möchten wir Dr. Stresemann und die übrigen Mitglieder der Reichs- regisning ermahnen, auf keine der beiden Reden des franzö- fischen Ministerpräsidenten zu antworten. Es ist durch die Gambrimis-Improvisation Stresemanns schon genug Schaden angerichtet worden und eine Fortsetzung dieses Rededuells könnte unheilvoll werden. Es ließe sich zwar manches auf die Reden Poincares erwidern, ober wozu? Mit sechsundsechzig Jahren lassen sich die Menschen nicht mehr ändern. Poincarr, hat in seinem öffentlichen Leben noch nie ein wirklich warmes Wort gesprochen, er ist ein Mensch, der eisige Kühle erzeugt. Er hat zwar im eigenen Lande viele Bewunderer, aber keinen einzigen Freund. Niemals ist seine Herzlosigkeit so grausam geschilderl worden, wie in dem vor einigen Monaten erschienenen Schlüsselroman„Bella", der den jetzigen Presse- chef des französischen Auswärtigen Amtes, Girandux, zum Verfasser hat.— Um dem deutschen Leser einen Begriff von der Wesensart Poincarös zu geben, sei nur gesagt: er weist starke Aehnlichkeiten mit dem Grasen Westarp auf, er ist womöglich noch unsympathischer, wenn auch entschieden intelligenter.' Unter diesen Umständen kann man es als einen Erfolg und ein Glück betrachten, daß PoincarH in seinen zwei Reden nichts kaputt gemacht hat. Die Richtlinien dieser zweiten Rede sind bekanntNch im Kabinett einmütig gebilligt worden: sie stehen auch an sich nicht im Widerspruch mit den Besprechungen von Thoiry. Dagegen tragen die Form und der Ton der Rede den persönlichen Stempel Poincarcss Zum Glück werden wir es bei den Verhandlungen nicht mii Poin- cars, sondern mit Briand zu tun haben, den eine ganze Well des Temperaments von seinem MmisterpräTibenten trennt. Inner Besprechung in Gegenwart des Staatsanwalts Kresse dem Kriminaloberinspektor Reingrubcr erklärt, es sei eine Weisung von oben gekommen, die Sache nicht ausstiegen ,u lassen. Er glaube, vom Oberleutnant Braun. Die Weisung besagte, daß Leutnant Schweikart nicht genannt werden sollte. Dr. Levi stellte nun noch fest, daß an dem Herrenabend am S. Oktober 1920 in der Türkenstraße die Gruppe Böhm-Neun- jicrt anwesend gewesen sei, und zwar: Cermac, Böhm, die Brüder Schneider, Schuster, Uebeleisen. Diese Namen werden von allen Vernommenen zugegeben. Nur bei Berchthold und Schwei- kart gehen die Aussagen auseinander. Die«inen behaupten, Schweikart sei nicht anwesend gewesen, die anderen geben die Möglichkeit der Anwesenheit Berchtholds zu. wieder andere bestreiten auch Berchtholds Anwesenheit. Als Leutnant S ch w e t k a r l später verhaftet war und über diesen Herrenabend vernommen wurde, sagte er aus, daß er anwesend war und die ganze Nacht dort gewesen sei. Dr. Levi gibt dann eine kalendarische Zusammenstellung der Daten. Danach gibt Schweikart zu, am 5. Oktober vom Franziskaner nach dem R i n g h o t e l gegangen zu sein und bestreitet, an der Tat mit dem Auto beteiligt gewesen zu sein. Es ist aber festgestellt, daß er am 5. abends nicht zu Hause gewesen ist. Am t>. und 7. Oktober ist er In der Waffenbergungsangelegenhett ab- wesend gewesen. Der 8. Oktober ist nicht belegt. Am 9. Oktober hat er sich von der Polizeidirektion München einen Paß ausstellen lassen, der, entgegen den Gepflogenhelten de, Amtes, am selben Tage beantragt und ausgestellt worden ist. Am 12. Oktober ist er in einer Waffenangelegenheit nach Neu- bürg a. d. Donau gefahren, am 13. bei der Rückkehr von Neuburg am Bahnhof von Berchthold empfangen und ersucht worden, nicht nach Hause zu gehen. Am 13. war auch bei der Polizei die Autofahrt bereits gemeldet und bei Oberleutnant Braun die Rückfrag« eingeleitet worden. Bom IS. bis 19. Oktober hat Schweikart bei Berchthold genächtigt, am 19. Oktober wurde Berchthold von der Polizei vernommen. Am 20. Oktober verschwand Schweikart. Schweikart hielt sich in Münster bei Leutnant Heinz unter dem Namen.Ha n s Lange" auf. Die Umstände sprechen dafür, daß mehrere Täter an der Tat beteiligt gewesen sein müssen. Wenn aber ein« Gruppe an dem Mord beteiligt war, dann erhebt sich die Frage, warum S ch w e i k a r t aus München fliehen mußte, wenn die anderen blieben. Das Rätsel löst sich zwanglos, wenn man bedenkt, daß die Täter unter sich sicher waren, und gefährlich nur der eine werden konnte, der Irrtümlich nach.Sandmann" ge- fragt hakte. Der Betreffende konnte bei der Gegenüberstellung er- kannt werdei,. Das Ergebnis dieser am 30. Oktober erfolgten Gegenüberstellung war, daß der Lehrer Mahl aussagte: das Bild Schweikarts habe große Aehnlichkeit mit dem Mann, der vorsprach und sich nach„Sandmann" erkundigte. Er möchte fast behaupten, daß der Abgebildete der Betreffende gewesen sei. Auch andere Zeugen haben so ausgesagt. Die Therese Sand- meyer sagte, sie erkenn« ihn an dem schmalen G e s i cht. Aus diesen Umständen erklärt sich also zwanglos, warum die Gruppe ein Interesse an Schweikarts verschwinden hatte. Gegen Ende November wurde er an die österreichische Grenze gebracht. Bei der Frage nach der Bewertstellung der Flucht interessiert besonders die Frage nach der Beschaffung der finanziellen und technischen Mittel. woraus sich weitere Schlüsse auf die Interessenten ergeben. .Die Mittel dazu kamen nach Aussage des Studenten Allmeier in Gestalt einer telegraphischen Geldanweisung aus München über 2000 M. an Heinz. Als Absender wurde ein gewisser Max Kreher in München er- mittelt, gegen den wegen Begünstigung Haftbefehl erlassen wurde. Ob der Haftbefehl vollstreckt wurde, ist aus den Akten nicht ersichtlich. Dieser gab an, das Geld von dem Tattersallbesitzer Böhm erhalten zu haben, gegen den aber kein Haftbefehl erlassen wurde. Böhm sagte aus, er habe Kreher nicht beaustragt, gab aber dann zu, er sei in einer Verfassung gewesen, in der er Blödsinngkeiten gemacht habe und er nannte als veranlassung Oberientnank Braun. Am 5. September 1922 sagte Allmeier weiter aus: Ich bekam in München den Auftrag:»Sie fahren nach Münster zu Heinz, im den Schwei kart zu holen und bringen ihn nach Landshul. wo Sic sich an die Landesleitung wenden." Der Austrag kam von .Braun. Er sagte:.Sie kennen Schweikart, Sie holen ihn aus der Glanz öer Kaiserzeit. Von Jodok. In einem Berliner Rechtsblatt war jetzt, anläßlich des vor- gesehenen Verkaufs eines großen Hotels an das Reich, ein« recht wehmütige Betrachtung über Berliner Vergnügungsmöglichkeiten zu lesen. In Gastwirtskreisen, hieß es, wundere man sich gar nicht dar- über, daß die Hotels zur Hälft« leer stünden. Es fei ja nichts mehr los in Deutschland und deshalb blieben die Ausländer fern. Sie per- mißten in Berlin den„Glanz der Kaiserstadt". Früher seien sie zu uns gekommen ob der Paraden, ob des Aufzichens der Schloßwache, um Hoffestlichkeiten beizuwohnen, um die Mitglieder der Fürsten- Häuser zu sehen. Sogar für die im Herzen doch so gut republikani- scheu Amerikaner sei dies alles doch ein Anziehungspunkt gewesen und ein Grund, in Deutschland zu verweilen. Heute erledigten sie eilig ihre Geschäfte und trollten sich dann. Nun weih man ja, wie das rechts gemacht wird.„In Gastwirtskreisen" wird geschrieben, und wirklich gesagt hat das gelegent- lich einmal ein vereinzelter Gastwirt. Immerhin, es mag an dieser Resignation schon etwas Wahres sein. Gewiß gibt es Ausländer und Inländer, die, wenig interessiert an dem politischen Gehall, dessen Ausstrahlung da» Brimborium der Kaiserzeit war. dieses um seiner selbst willen liebten, denen sein farbiges Trara eine Augenweide be- deutete, eine Belustigung und eine Unterhaltung. Aber das ist es ja eben: Paraden und Schloßwachen, Hoffeste «nd Spaliere an Fürstenequipagen waren kein« Staatsnotwendig. ketten, sondern Schauspiel, waren Ausputz, Firnis. Gebärde. Zu- gegeben, die Amerikaner blieben stehen, wenn die Schloßwoche ihre umständliche Zeremonie exekutierte, und einige mögen sogar herüber- gekommen sein, nur um es mit eigenen Augen zu sehen, wo und unter welchen Umständen der lauteste Mann Europas residierte. Aber wie unterschiede sich dann dieses Interesse von einem, das etwa wir den Tarditionen eines rückständigen Kaffernstammes entgegen- bringen! O, wenn wir einmal in den schwarzen Erdteil führen, wir machten unser Interesse für fremde Lebensgewohnheiten auch gewiß nicht von unserem Einverständnis mit ihnen, von unserer Hoch- schätzung für sie abhängig. Im Gegenteil: Das Ausgefallenste wäre uns das Liebste, das Absurdeste zöge uns am meisten an. Es ist auch wahr, daß hierzu Lande manche seit der Revolution etwas vermissen, aber es ist ihnen doch leicht gefallen, sich einiger- maßen Ersatz zu schaffen. Statt der strammen Kaisergardistenbeine bewundern sie letzt die der Tiller-Girls und ihre überschüssige Lungen- kraft versckiwenden sie in Hurras auf Peltzer, statt, wie früher, auf Wilhelm. Es kommt ja alles auf eines hinaus. Heut« wie früher wollen sie den Rummel, den Betrieb, die Geschäftigkeit, den Krakeel, den äußerlichen Effekt, wollen sie die Sensation statt der stillen Gediegenheit. „Der Glanz der Kaiserzeit", das war all der oberflächliche und nur fürs Auge berechnete Flitter, das war ein süßlicher Pudding zur Münster, seine Adresse weih ich noch nicht." Levi erinnert daran, daß gegen Lroun auch in diesem Stadium keinerlei Schritte gemacht wurden und kein Verfahren eingeleitet wurde. Es ist nun nur noch die Frage des Zustandekommens des Passes von Bedeutung. Nachdem Schwcikart am 12. Oktober 1921, ein Jahr nach der Tat, in Ienbach(Pertisau) verhaftet worden war. wurde er Ende Oktober vernommen und sagte bei der Befragung über den Paß aus, daß sei eine Privatsache, er verweigere die Auskunst. an wen er sich bei der Polizei gewandt habe. Am 15. bis 1ö. Okto- ber fei er nochmals auf der Polizeidirektion gewesen bei demselben Beamten wie vorher schon und zwar bei dem Polizeibeamten Glaser. Später sagte er,«r sei einem unbekannten Beamten auf dem Gang begegnet. Der Beamte habe ihm liebenswürdig ge- bolfcn, und so sei es gelungen und er habe den Paß erhalten. Das Paßformular für die Ausstellung dieses Passes trägt den Vermerk: „Ausgestellt auf Ersuchen der Abteilung Via(Glaser)." Glaser erklärte später, er könne sich nicht daran erinnern. Abg. Levi verliest dann die Darstellung des österreichischen Gendarmeriepostens in Ienbach über die Verhaftung des Schwei- kart. Bei dieser Gelegenheit w»rde ein Herr vernommen, der mit Schweikart zusammen dasselbe Zimmer bewohnt hatte; es war der Leutnant Berchthold. Dieser erklärte: Schmidt habe einmal in München im Hotel„Deutscher Kaiser" gewohnt, ob es sein richtiger Name sei, wisse er nicht. Berchthold wohnte zusammen mit einem gewissen Heinz von Wangenheim, mit dem er entgegen seinen Ankündigungen noch am Abend nach der Verhaftung von Schweikart tn Richtung Innsbruck abgereist ist. Schwelkart hat bei seinen verschiedenen Vernehmungen immer wieder andere Angaben über die angeblichen Motive seiner Flucht gemacht. Schweikart wurde dann am 20. Dezember 1922 wieder aus der hast entlassen: die Ermittlungen gingen weiter. Abg. Levi teilt dann eine Notiz des Landgerichtsrats Saal- berg vom 15. August 1925 mit, worin über die neuerliche Ver- Haftung des Allmeier gesagt wird, sie sei deshalb erfolgt, weil Kreise, die dem Allmeier nahestanden, das Verfahren zu beeinflussen suchten. Diese Kreise gingen von der Auffassung aus, daß Morde an Landesverrätern eine vaterländische Tat seien und die Mörder der Strafe entzogen werden müßten. Dann behandelte Abg. Levi die verschiedenen Arten von Hilf?- stellungen, die dem Schweikart zur Verfügung standen. Die erste Hilfsstellung ist die Paßbeschasfung durch die Polizei. Aus einem Protokoll vom 13. Dezember 1922 geht hervor, daß Schweikart geleugnet hat, den Glaser je gesehen oder gesprochen zu haben. Ueber die Beschaffung des ungarischen Passes geht aus den Akten die interessant« Tatsache hervor, daß Schweikart zuerst mit dem Chef des ungarischen Generalkonsulat» in München verhandelt hat, der dann den zuständigen Beamten anwies, den Pah auszustellen. Visum und Grenzstempel auf diesem Paß, der auf den falschen Namen Janas Schmidt lautet, sind gefälscht. Der wirtschaftliche Delegierte beim ungarischen Generalkonsulat hat bei seiner Vernehmung am 20. Oktober 1924 ausgesagt, daß der Paß nur auf Empfehlung einer einflußreichen deutschen Persönlichkeit ausgestellt sein könne. Schweikart be- hauptet, den Paß von Professor Stempfle(früherer Pater, dann Redakteur des„Miesbacher Anzeigers") erhalten zu haben, der das seinerseits wieder bestreitet. Auch Polizeipräsident P o e h n e r und der völkische Oberamtmann F r i ck haben jeden Zusammenhang mit der Paßangelegenheit bestritten. Aus der Aussage eines Beamten de» Münchener Fremden- amtes geht hervor, daß auch der fassche Paß für SapitSnleolnanl Ehrhardt durch Poehner besorgt worden ist. Polizcisekretär Glaser hat auf Vorhalt ausgesagt, daß zur Zeit, als die Einwohnerwehr noch bestand, wiederholt vom Wehrkreiskommando der Reichswehr beschleunigte Anträge auf Paß- ausstellung gestellt wurden. F r i ck habe diese Anträge an Glaser gegeben, der sie dann an das Fremdenamt weiterleitete. Hier wirft Genosse Levi die Frage auf, warum Frick diesen Umweg über Glaser gegangen sei. Als zweite Hilfsstellung für Schweikart bezeichnet Genosse Levi Schwei karts Beziehungen zum Wehrkreiskommando. Aus einer Unterredung, die Hauptmann Obermaier vom Wehrkreis- kommando mft Schweikart geführt hat, hat der Hauptmann in seiner Vernehmung mitgeteilt, daß er zu Schweikart gesagt habe, es sei gut, wenn man Waffendenunziationen ab- unverdaulichen Hauptspesse, ein Stück ewigen Faschings als Gaudium für romantische Backfische und schaulustige Amerikaner. Vielleicht ist der die„deutschen Gastwirt streift" repräsentierende vereinzelte Herr Gastwirt der„Deutschen Zeitung" Besitzer einer an einem ehemaligen Paradefeld gelegenen Schankstätte. Insofern wäre ja dann freilich die heiß« Trän«, die er dem versunkenen Glanz nach- weint, geistig hinreichend fundiert, denn was hat es zu sagen, daß die republikanische Idee auf der Linie der Höherentwicklung des Menschengeschlecht» liegt, wenn dabei die Frequenz einer Bicrbude nachläßt. Das Konfett. Die nochfotaen!»« Sdjildmma enchStt«in« wortgetreue Ueber- setzun» au» der dvischewistischen„ltra»nata©afeta*. Auf der großen Anklagebank— gleich einem winzigen Fleck— die in sich zusammengesunkene Gestalt eines Knaben. Das ist der Dieb Semjonoff—„Schurta Saschalka". Dem Aussehen nach kann man ihm 12 Jahr« geben— in Wirklichkeit ist er 17. Der Gesichts- ausdruck ist kindisch, erschrocken düster. Die schmutzigen Finger knüllen nervös das Wützchen. Cr kam zur Schwester in die Stadt gefahren. Aber die Schwester hat geheiratet und ist fortgezogen, irgendwohin, hatte den Knaben allein gelassen in der großen furchtbaren, unbekannten Stadt. Und Schurka geht auf die Straße. Auf dem Prospekt hat er Bekanntschast geschlossen mit Wanta und Sergunka, die zusammen 26 Jahre zählen. Zusammen wohnen sie nun auf dem Boden: dann„verziehen" sie in den Keller, denn im Keller befindet sich die Dampsheizung und es ist dort warm. Nun siedelt sich bei ihnen der zwölfjährige Mischa Bog- danoff an, der seiner Mutter entfloh. Man muß leben! Das ist's, was diese zwölf- bis vierzehnjährigen Burschen eint. Zu Anfang denken sie daran, auszugehen, um„das Glück zu suchen". Aber wohin? Dorthin, wo der Wein wächst. Aber der Wein wächst in weiter Ferne— wann mag man ihn erreichen? Doch esftn muß man noch heute? Die Knaben entscheiden sich für den Diebstahl. Sie schleichen sich bei Bogdanoffs Mutter ein und stehlen— eine Pastete. Auch ein Ringlein gerät in ihre Hände. Sie nehmen„nebenbei" auch das Rinalein und verkaufen es für 3 Rubel. Es ging gut ab. Sie wurden nicht erwischtl Neu« Tat reift: ein Einbruch in das Koope- ratio. Manka und Sergunka steigen durchs Fenster und Schurka steht Schmiere. Der zwölsjährige Wanka und der vierzehnjährige Sergunka gehen vor wie regelrechte Plünderer. Doch selbst Diebe sind, zwölfjährig, noch Kinder. Die Plünderer tragen Konsekt heraus. Zwar haben sie auch 12 Rubel in barem Geld« an sich genommen. aber wichtiger ist— Konfett, viel Konfett, die Taschen voll, die Bluse, ja,«inen ganzen Sack voll. Mit dem Konfekt sind sie auch hereingefallen. Zwei der Plün- derer haben sich in die Kommission für Minderjährige begeben. Schurka Semjonoff steht vor Gericht. Es ist der Hereingefallene. Doch er leugnet und versucht alle Schuld aus die abwesenden Freunde abzuwälzen. Es war ihrer Hände Werkl Stockend und finster, als schäme er sich, erzählt er vom Hunger, vom Boden, auf dem es kalt, vom Keller, in dem es warm gewesen war, von der Straß« und von den Kindern und dem wohlschmeckenden Konfekt. biegen könnte. Er habe die Mittel nicht dazu. Vielleich' könne sich Schweikart an kapitalkräftige Leute wenden. Das war kurz vor der Ennordung der Sandmaier. Levi trägt dann weiter Aussagen aus den Akten vor, aus denen hervorgeht, daß Schweikart auf Empfehlung des Gene- r a l s E p p von der Gräfin Törring-Jettenbach bei dem b a q e- rischen Herzog Ludwig untergebracht wurde. Ein Mün- chener Kriminalbeamter, der Schweikart dort beobachtet hat. gibt der Meinung Ausdruck, daß Schweikart deshalb in der Gunst des Herzogs stehe, weil er sich allmählich zum Erpresser gegen seine Mlwisser auswochse, die möglicherweise Freund« des Herzogs seien. Eine weitere Hilfsstellung fand Schweikart bei der I u st i z und der Landesleitung der Einwohnerwehr. Dem Oberregierungsrat M e u t e l vom bayerischen Justizministerium ist während der Hast des Allmaier 1921/22 mitgeteilt worden, man solle bei Allmaier vorsichtig sein, da er Material habe, das den vaterländischen Kreisen unangenehm sein könne. In diesem Sinne habe sich eine hochstehende Persönlichkeit, auf deren Namen er sich nicht entsinne, im Justizministerium verwendet. Eines Tages erschien Dr. Gademann beim Staatsanwalt Detter und erklärte ihm, wenn die Forstenrieder Mordsache so weitergeführt werde, dann würden Leute der Regierung Kahr in die Sache hineingezogen werden, Poehner, Kahr und Kaufleitte sowie Industrielle. Auch ein anderer politischer Mord würde dann aus- gedeckt werden, für den auch die Forstenrieder Attentäter in Frag« kämen. Mitwisser sei Zustlzminister Roth. Es könnten asso Mitglieder der Regierung Kahr aufs schwerste kompromittiert werden. Als Oberstleutnant Triebet über sein Wissen um die politischen Morde befragt wurde, berief er sich auf das Schweigever- sprechen, das er dem Landeshauptmann der Einwohnerwehr, Herrn Escherich, gegeben habe, weigerte sich aber, selbst dann Aussagen zu machen, wenn das Schweigeversprechen aufgehoben würde. Escherich selbst erklärte sich nicht bereit, das Schweigever- sprechen zurückzunehmen. Obergeometer Kanzler, der stellvertretende Landeshaupt- mann der Einwohnerwehr, gab in seiner Vernehmung an. daß die Einwohnerwehren im engsten Zusammenarbeiten mit dem Reichs- wehrkommando die Bergung von Waffen besorgt haben, um sie dem Zugriff der Entente zu entziehen. Er selbst habe sich damtt nicht befaßt, um sich als Mitglied der Landesleitung der Einwohner- wehren nicht zu kompromittieren. Aus einem Brief Kanzlers an den Reichstagsabgeordneten Dr. Heim liest Genosse Levi folgende Ausforderung vor: „Bearbeite weiter die Sache Z„ es gibt sonst einen Höllen- skandal." Nachdem Levi noch festgestellt hat, daß erst im März 1925 Anklage gegen Schweikart, Allmaier und Genossen wegen Ermor- dung der Sandmaier erhoben wurde, die Beschuldigten aber wieder außer Verfolgung gesetzt worden sind, wird die Sitzung auf Diens- tag, vormittags 10 Uhr, vertagt. Die üeutfthen Sauern wehren sich. Ein Organ gegen Großgrundbesitz und Landbund. Seit Iahren schon kann erfreulicherweise festgestellt werden, daß die früher so schwerbewegliche Masse der deutschen Klein- und Mittel- dauern gegen die politische und wirtschaftliche Führung der land- wirtschaftlichen Interessen durch den Großgrundbesitz und besonders den Landbund sich auflehnt. Die Bauern werden sich mehr und mehr sowohl der Unabhängigkeit ihrer Interessen gegenüber dem Großagrariertum bewußt, als auch der Tatsache, daß sie zur Verteidigung Ihrer Interessen die Republik brauchen. Nicht den Führer, sondern den Verführer erblickt das Bau: n- tum heute in Großagrariertum und Landbund, deren Schlagwort- Politik die Klein- und Mittelbauern vielfach zur Preisgabe der eigenen Interessen veranlaßt hat. Es ist deshalb sehr zu begrüßen, daß die deutschen Klein- und Mittelbauern nun auch durch ein eigene» Organ in der Oeftentkichkeit ihre Wirtschaftsinteressen gegen das Großagrariertum verteidigen und dazu beitragen werden, in der Bauernschaft noch mehr als bisher den republikanischen Gedanken gegen die Reaktion zu festigen. Wie wir erfahren, wird der Reichs- verband deutscher Klein- und Mittelbetriebe ab 1. Oktober bereits die neu« Wochenzeltschrist erscheinen lassen. Das Gericht lmter dem Vorsitz des Genossen Ronkin verurteilt ihn zu drei Iahren, zieht jedoch seine zurückgebliebene Entwicklung, die Erstmaligkeit der Verurteilung und die Not in Bettacht, vermindert die Strafe auf 6 Monate, setzt sie schließlich wegen Minder- jährigkeit auf 4 Monate herab, unter Anrechnung der Unter- suchungshaft. Der Knabe ist ftei._ Znlelligenzprüsung der Schnecken. Um Tiere auf ihre geistigen Fähigkeiten zu prüfen, bedient man sich in letzter Zeit der Methode, daß man ihnen aus dem Wege zur Nahrung oder zum Lager zwei Möglichkeiten zur Wahl stellt. Entscheiden sie sich für die eine, so erreichen sie ihr Ziel: wählen sie aber den anderen Weg, so erhalten sie einen leichten elektrischen Schlag. Bei den meisten Versuchstieren hat man beobachtet, daß sie nach längerer oder kürzerer Zeit nur noch den einen, den„richtigen" Weg wählen, der sie zu ihrem Ziel führt, und diesen längere Zeit im Gedächtnis bewahren. Amerika- nifche Gelehrte haben nun auch, wie in der„Umschau berichtet wird, solche Prüfungen mit Schnecken vorgenommen. Die Tiere wurden in den Langbalten eines T-fönnigen Weges eingesetzt und konnten sich an der Gabelung nach rechts oder links wenden: rechts fanden sie einen ihnen zusagenden dunklen Ausenthaltsraum, links erhielten sie einen elektrischen Schlag. Bei einigen Tieren erstreckten sich die Versuche aus 43 Tage. Die Schnecken mußten sünfmal in der Woche, täglich zwei- bis sechsmal den Weg zurücklegen. Hierzu brauchte ein Versuchstier anfänglich bis zu einer Stunde. Nach den: 13. Tage kroch es gleich weiter, ohne anzuhalten, und nach dem 56. Versuch machte e» nur ein einziaesmal einen Fehler. Bei den Schnecken ließ sich beobachten, wie die Zahl der Irrtümer ganz ollmählich ab- nahm und wie sich der richtige Weg immer fester einprägte. Eine Umfrage nach den Unsterblichen. Auf die Aeußerung Kip- lings hin. daß von allen Dichtern und Schriftstellern der Welt- literatur höchstens zwölf den Ruhm der Unsterblichkeit besäßen, hat eine New Yorker Zeitung fünfzehn namhaften Schriftstellern, dar- unter sechs Amerikanern, drei Engländern, zwei Franzosen, einem Deutschen(Georg Kaiser), einem Italiener, Spanler und Schweden die Frage nach den zwölf Unsterblichen vorgelegt. Nach einem Bericht der„Literarischen Welt" erhielt Shakespeare 13 Stim- men, Dante und H o m e r je 11 Stimmen. Dann folgten Virgil mit 9 Stimmen, Balzac, Cervantes und Goethe mit je 7 Stimmen, M o l i ö r e mit 6, P l a t o n mit 5, Dickens und Voltaire mit je 4 Stimmen. M i l t o n als Zwölfter erhielt 3 Stimmen._ StSdNiche Oper. Maialda S a I v a ti n i tritt lbr Engagement am Mittwoch, den R. September an. Sie singt an diesem Abend in„Tiefland* die Rolle der Martha. fie Kiewer Synagoge ol» Arbellerklab Aus Antrag einer Arbeiter- e bat die.grciZerckutivc von Kiew die Umwandlung der Gvnagogc In ein Klubbau» für Arbeiter angeordnet. Die Towjetregierung der Ukraine hat den Leschluh bestätigt. Aaffindnng eine, Alesenmammut». Im Transbaikalgouvernement ist in den ewigen EiStchichten ein gut erbaltcner Mammuttadaver aufgesundcn worden. Der Fund wurde nach Leningrad an die Akademie der Wissen- schatten zu wissenschastlicher Untersuchung abgesandt. Gffiziersbluttaten im besetzten Gebiet. Ein Deutscher erschossen» zwei lebensgefährlich verletzt Germersheim, 27. September.(2BTB.) Nach dem bisherigen Verlauf der heute vornnttag aufgenommenen und von einem im Auftrag der bayerischen Staatsregierung aus Speyer nach Germers- heim entsandten Regierungskommissar geleiteten Ermittlungen über die Germersheimer Bluttat bildete die erste Veranlassung der Wortwechsel Zwischen zwei französischen Leutnants in Zivil und dem Schuhmacher Richard ch a l z m a n n. Im Verlauf dieses Wortwechsels griff der eine der beiden französischen Offiziere zum Revolver und gab auf Holzmann einen Schuh ab, der den Unterkiefer durchschlug. Dieser Vorfall spielte sich am Lud- wigstor ab. Nach der Tat bogen die beiden französischen Offiziere in die Sandstrahe ein und überließen den Verwundeten seinem Schicksal. Der Landwirt und Fuhrmann Nathes und der Ar- bciter Emil Müller, die sich zufällig in der Nähe, jedoch nicht in der Begleitung des verwundeten Holzmann befanden und daher mit dem Streit nicht das geringste zu tun hatten, eilten, als der Schutz fiel, dem Verwundeten zu Hilfe. Sie liefen dann den beiden französischen Offizieren nach, um ihre Persönlichkeiten festzustellen, ahne jedoch zu wissen, dah es sich um Angehörige der französischen Besatzungsbehörde handelte, weil die beiden Franzosen Zivilkleidcr trugen. Gegenüber der Post, das sind 300 bis 400 Meter vom Ludwigstor entfernt, holten die beiden Deutschen die beiden fron- zösischen Offiziere ein. Der Verlauf der sich nunmehr sehr rasch abspielenden Ereignisse ist im einzelnen zur Stunde noch nicht vollständig geklärt. Doch steht fest, daß der Arbeiter Richard Müller von einem aus nächster Nähe abgegebenen Schutz nieder- gestreckt wurde, er war sofort tot. Der Landwirt und Fuhr- mann Nathcs wurde durch einen Schutz ins Gehirn lebensgefährlich verletzt. Die Untersuchung darüber, ob beide sranzösische Offiziere geschossen haben und w e r den tödlichen Schutz auf Müller und den Schutz auf Nathes abgab, ist noch nicht abge- schlössen._ „Kein Zeichen ües Zusammenbruches." Wuchtige Anklage Macdonalds gegen Baldwins Doppelspiel. London, 27. September.(Eigener Drahtbericht.) Die kurze Parka m entstagung, welche für eine einmonatige Verlänge- rung des Ausnahmezustandes einberufen worden war, gestaltete sich dank der Initiative der Arbeiterpartei zu einem gewaltigen Angriff auf die Regierung Baldwin wegen ihres Verhalten, in der Kohlen- krise. Macdonald benutzte die Gelegenheit zu einer groß ange- legten Rede, in der er die Regierung, auf das riesige und überaus belastende Material der letzten Wochen gestützt, anklagte, in ihrein ganzen Verhalten im Kohlenkampf kein ehrliche» Spiel mit den Bergarbeitern getrieben zu haben. Insbesondere verwies Macdonald auf das darin bestehende Doppelspiel, daß die Regierung den Bergarbeitern gegenüber den Eindruck erweckt hätte, sie werde sie bei dem Zustandekommen einer nationalen Lohnregelung unterstützen, während die Regie- rung schon einen Monat vorher die Unternehmer habe wissen lassen, daß sie auf nationale Lohnverhandlungen kein Gewicht legt. Macdonald regte an, datz die Regierung da» Gesetz über den Achtstundentag aus eine unbestimmte Zeitdauer s u s p e n- d i e r e n solle, um ein Mittel in Händen zu haben, die Unternehmer zur Nachgiebigkeit zu veranlassen. Ein solcher Schritt würde den Kampf um zwei Monate verkürzen. Macdonald schlotz unter Unruh« .ags der Negierungsbank mit dem Hinweis, datz kein wirklich ernstes Zeichen dasür vorhanden sei, daß die Bergarbeiter zu tapitulicrcn gedächten und daß■' kein Anzeichen eines ernste» Zusammenbruch» vorhanden sei. Der Rede Macdonalds war eine Rede Baldwin» voraus- gegangen, In welcher er sich darauf beschränkt«, die Kohlenlagt historisch zu überblicken und die in einem Eingeständnis gipfelte, daß es der Regierung nicht gelungen sei, eine Schlichtung des Kohlen- tampfes herbeizuführen. Churchill sagte unter Widerspruch der Arbeiterpartei, die Regierung habe de» Bergarbeitern niemals ein nationales Abkommen versprechen können. Es liege nicht tn der Macht der Regierung oder des Parlaments, ein nationales Abkommen herbeizuführen. Neben den parlamentarischen Verhandlungen ging eine Reihe von Besprechungen im Lager der Arbeiterpartei her, welche darauf ausgehen, den Bergarbeitern in ihrer gegenwärtigen schwierigen Lage alle möglich« Hilfe von der Gesamtarbeiterbewegung zu sichern. So beschlotz die Fraktion der Labour Party, nach einer Besprechung mit den Führern der Bergarbeiter, in der großen Kampagne der grohen britischen Gewerkschaften zugunsten der Bergorbeiter alle ihre Mitglieder voll und ganz zur Verfügung zu stellen. Auf einen Beschluh der Fraktion der Arbeiterpartei ist es auch zurückzuführen, daß die Regierung gezwungen worden war, die parlamentarische Sitzung, welche lediglich zum Zwecke der Verlängerung des Ausnahmezustandes gedacht war und nur einen Tag dauern sollte, auf zwei und möglicherweise sogar drei Tage auszudehnen, um dem Parlament Gelegenheit zu geben, die Kohlensituation in voller Ausführlichkeit zu besprechen. Ein Reihe von Gewerkschaftsgruppen der Bergbaudistrikte hat sich während des Wochenendes mit der Polemik C o o k- F r a n k H o d g e s befaßt und Resolutionen angenommen, in denen teil» der Rücktritt des internationalen Sekretärs der Bergarbeiter Frank Hodges gefordert wird, teil» verlangt wird, daß sich Hodges in Zukunft auf seine eigenen Aufgaben al» Sekretär der Bergarbeiter» Internationale beschränken möge. Preußen und üie Notftanösarbeiten. Amtlich wird mitgeteilt: Das preußische Staatsministerium be> handelt- in seiner Sitzung am Montag die Inangriffnahme großer Notstandvarbeiten.. Auf Grund van progra.n- matischen Darlegungen der Minister für Handel und Gewerte urd für Landwirtschaft, Domänen und Forsten wurden insbesondere die schwebenden Wasserstratzenfragen, die Möglichkelten rationier Bodeverbesserungen, Kultivierungen und Flußregulierungen zur Verhütung von Hochwasserschäden durchbcraten. Die beteiligten Ressorts(Handelsministerium, Landwirtschaftsmlnifterium, Wehl- fahrtsministerium) werden in gemeinsamer Arbeit mit dem Finanzminsster in kürze detaillierte pveutzisäi« Vorschläge aus den genannten Arbeitsgebieten zusammenstellen, die der Reichzrcgie- rung zur Berücksichtigung bei der Ausführung ihres Arbeit?be- schaffungsprogramms vorgelegt werden sollen. Italienisches dement!. Keine Flottendemonstration vor Tanger. Rom, 27. September.(Stefan!.) Die von einigen Zeitungen oerbreitete Meldung von der Beteiligung Italiens an einer angeblichen Flottenkundgebung vor Tanger entbehrt jeder Grund- löge. Sevölkerungspolitik unö Mbsiterfthast Tagung der Arbeiterwohlfahrt. Jena. 27. September.(Eigener Drahtbericht.) Als der grotzherzogliche P o l i z e i st a a t einst den Sozialdemokraten Jenas die Säle abtreiben ließ, errichtete der große Philantrop und Wissenschaftler Ernst Abbe— mit August Bebel gut be- freundet— als trotzigen Protest gegen die muckerische Bösartigkeit das V o l k s h a u s mit der Bestimmung, es stets als Tagimgsraum sämtlichen geistigen Strömungen zu öffnen, vor allem ober den Sozialisten. Drei sozialdemokratische Parteitage glän- zenden Stils hat dieses Volkshaus dann gesehen und das ernste geistige Ringen um Form und Inhalt der deutschen Arbeiter- bewegung einer nun schon fast ganz verblichenen großen Generation miterlebt. Sonnabend und Sonntag war er der glücklich gewählte Tagungsort der bevölkerungspolitsschen Debatten des Haupttnis- fchusse« für Arbeiterwohlfahrt. Begrüßt von den roten und schwarzrotgoldenen Fahnen der Häuser der Arbeiterbewegung hielten an SS0 Vertreter aus allen Teilen der deutschen Republik, Oe st erreiche und der Tschechoslowakei Einzug in die von dem Pseudonym Abbes„Karl Zeiß" beherrschte Stadt. Am Freitag abend fand zunächst ein« intern« Sitzung des Hauptausschusses für Arbeitenvohlfahrt statt. Die Sonnabendiagung wurde eröffnet durch die Genossin Juchocz, die zuerst dem leider viel zu früh verstorbenen Genossen Dr. Silber- stein einen würdigen Nachruf widmete. Sie ging dann kurz auf den Zweck der Tagung ein. Ein möglichst umfassendes Gebiet solle auf ihr oerhandelt werden, Der starke Besuch beweise die Wichtigkeit der Veranstaltung. Der erste Punkt der Tagesordnung .Sozialismus unö Sevolkerungspolitik' wurde von dem Genossen Dr. O u a r ck- Frankfurt behandelt. Er ging davon aus, daß seit jeher enge Beziehung zwischen Bevölkerung und Wirtschaft bestanden habe, um dann darzulegen, wie jede Zeitepoche sich ihre eigenen Anschauun- gen über das Bevölkerungsproblem gebildet Hot. Ein« groß« Rolle spielt auch heute noch dabei das Malthussche Gesetz, das besagt, daß die Bevölkerung stärker zunimmt, als«s der Nahrungs- spielraum zuläßt. Mit dam Aufkommen des wissenschoftsichen Sozialismus wurde die Erklärung immer unbefriedigender. Marx und Engels widerlegen in ihren Werten gründlich diesen Standpunkt. In bürgerlichen Kreisen haben sich nur wenige Gelehrte gesunden, die ihre Arbeit dieser Frage widmeten und auf Grund wissenschaftlicher Durcharbeiten die alt« Malthussche Lehre, die auch heule noch grohen Einfluß ausübt, oblebnten. Unter ihnen sind besonders zu nennen Franz Oppenheimer, Mombert und Brentano. In fozialistsschen Kreisen ist man zu einer Neuorientierung noch dem Krieg« durch die Arbeiten des Berliner Hygienikers Genossen G r o t j a h n gekommen. Sein Standpunkt, daß di« menschliche Fortpslamzung nicht mehr dem Zufall überlassen bleiben dürse, sondern nach den vorhandenen Produktions- und Lebensmöglichkeiten geregell werden müsse, kann für di« Uebergangszeit zum Sozialismus anerkannt werden. Die österreichischen Parteigenossen sind an die Lösung der be- oölkerungspolitischen Fragen am tatkräftigsten herangegangen. Si« verlangen in ihrem Programmentwurf die Errichtung öffentlicher Be- ratungsstellen, die zur Auskunft über gesundheitsschädliche, Mittel zur Verhütung der Empfängnis dienen soll. Die Abgabe dieser Mittel sollen durch die Krankenkassrn ersolgen. Die Unterbrechung cher Schwangerschaft, soll nicht.ö.prch Saasen, fondern durch fa z ia lchy g+e n if che Maßnahmen verhindert werden. Zusammenfassend kann man also sagen, daß in der Entwicklung von Marx bis zum österreichischen Programmentwurf ein weiter, aber sicherer Weg ist. Der Sozialismus ist die größte Befreiungsbewegung, die durch Umwandlung des Kapitalismus in die gemeinwirtschaftliche Produktionsweise jeden an den ihm zukommen- den Platz stellen will. Dazu brauchen wir denkende Menschen. Infolgedessen dürfen wir Bevölker ungspolitit nicht quantitativ, sondern qualitativ treiben. (Beifall.) Unmittelbar darauf folgte der zweiie Vortrag über .Säuglings- und Mutterschutz� durch Genossen Dr. Zadek nach' einem Manuskript Silber« st e i n». Die Entwicklung zur Großindustrie hat di« Auflösung oer Familie herbeigeführt. Als Folgeerscheinung trat ein« große Säuglingssterblichkeit auf. Ihre Bekämpfung gehört mit zu den vornehmsten Aufgaben der sozialen Fürsorge. In der Säuglingsfürsorge soll allein der Arzt und die Gesundheitsfürsorge den bestimmenden Einfluß hoben. Die gesamte Säuglingsfürforge muß einheitlich zusammengefaßt werden, damit nicht verschiedene Ressort» auf demselben Gebiet nebeneinander arbeiten. Das kann am besten durch Gesundheitsämter geschehen. Zur Herab» 'drückung der Säuglingssterblichkeit ist es notwendig, die soziale Hygiene von der Wohlfahrts- und Armenpflege zu trennen. Das Sinken der Säuglingssterblichkeit, das wir gegenüber früheren Iahren zu verzeichnen haben, ist mit ein Erfolg des durch die Fürsorge er- reichten Selbststillens der Mutter. Hierzu ist eine Erhöhung und Verlängerung auf fünf Monate dringend notwendig. Große Sorgen bereiten uns die unehelichen Mütter. Die Sterblichkeit ihrer Kinder ist viel höher als die der anderen Frauen. Die Schaffung von Säuglings- und Mütterheimen Ist hier anzustreben. Unsere allgemeinen Krankenhäuser sind mit ihren grohen Sälen ohne Muttermilch weder für gesunde noch für krank« Kinder geeignet. Ferner ist die Fadnkarbeit der schwangeren Frau für sie selbst und ihr Kind äußerst schädlich. Anzustreben ist ein Arbeits- oerbot der werdenden und stillenden Mutter. In der Gegenwart ist der Mutterschutz auf mindestens drei Monate auszudehnen. Der Kapitalismus hat da« Weib al» Mutter am schwersten betroffen. Die Folgen sind sieche, kraftlos« Mütter und lende Kinder. Die Reaktion ist nicht ausgeblieben. Mit dem Ersturken der politi- schen Bewegung erkennt das Weib, daß e» nicht nur Pflichten, sondern auch Rechte hat. Ihr in diesem Befreiungstampfe zu helfen, muß unsere vornehmste Ausgabe sein.(Beifall.) In der Debatte sprachen die Genossen Dr. L ö w e n st e i n, Dr. Drucker, Direktor Cohn- Berlin, Direktor H e l l m a n n- Hamburg, Dr. K a n t o r o w i cz. Kiel, Dr. E p pst e i n- München. Dr. Kor och, Frau Wygodzinsti. Die Distussionsredner trugen zu den einzelnen Ausführungen des Genossen Zadek wen- volle Ergänzungen vor. In seinem Schlußwort faßte Genosse Zadek die Gedankengänge der Aussprache noch einmal zusammen und be- tonte, daß außer vielen anderen Faktoren die W o h n u n g f r a g e in der Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit eine sehr große Rolle spielt. Ueber den «.Schutz üer Schwangeren im Setriebe' referierte Genosse Dr. Moses. Er schilderte zunächst di« Aktion, dicderDeutscheTextilarbeiteroerband zugunsten seiner schwangeren Mitglieder in den Betrieben der Fabriken unternom- men hat. In der T e r t i l i n d u st r i e sind zwei Drittel weibliche und nur ein Drittel männliche Arbeitskrätt« beschäftigt und von den weib- lichen sind noch genauer Statistik des Textilarbeiterverbandes 37,3 Prozent verhelrrilete oder verheiratet gewesene Frauen. Aus Grund einer genauen Umfrage mit Hilfe von Fragebogen, die von kundigen Fachärzten aufgestellt wurden, hat man dann Wissenschaft- lich einwandfreies und brauchbares Material bekommen, um auf Grund der Ergebnisse dieser Enquete und unter Zuhilfenahme von ärztlichen Gutachten an die Reichsregierung, den Reichstag und die Parlamente der einzelnen Länder heranzuireten mit den Forde» rungen: 1. Verbot der E r w e r b s a r b e i t der schwangeren Personen für die letzten drei Monate der Schwangerschaft, 2. Beschränkung der Erwerbsarbeit schwangerer Personen tm 5. und 6. Monat der Schwangerschaft und höchstens vier Stunden pro Tag mit zwei« stündiger Pause, 3. Vergütung des entgehenden Ar» beitsverdicnstes aus Mitteln des Staates oder einer zu schaffenden obligatorischen Kollektivversich e- rung, und als weitere Maßnahmen des Schwangcrenschutzes wur. den vom Te�tilarbeitererband gefordert: Slhassung von Siggelegen- hellen, Einrichtung von Kantinen, Einrichtung von ärztlichen Sprechstunden für Sch wangere in Großbetrieben u. a. m. Daß in der Textilindustrie der Einfluß der Erwerbsorbeit auf Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Kind«in unheil- voller ist, namentlich wenn die Arbeiterin noch bis zum 0., 7. oder gar 8. Monat in der Fabrik tätig ist, bedarf keiner weiteren Beweis- erhebung. Nichtsdestoweniger hat auch nach dieser Richtung hin die Enquete des Textilarbeiterverbandes geradezu grauener. regende Zustände ergeben. Wenn im Reichstag im Sommer dieses Jahres das bisher gültige Wochenhilfcgesetz jetzt schon, vor Ratifizierung des Washingtoner Abkommens, zwei wesentliche Der. besserungen bringen konnte, einmal die Gewährung u n e n t g« l t> licher Hebammenhilfe und zweitens di« Verlängerung de» Schwangerenschutzes für die erwerbstätigen Frauen, so kann einen aroßen Teil dieses Fortschrittes der Textilarbeiterverbond sich zu- schreiben. Moses erklärte schließlich: Gesundheilspolitik ist zu einem großen Teil Lohnpolitik und Wohnpoliiin Bei unzureichender Entlohnung der Arbeiterschaft, bei unzureichen- den Ernährungsmöglichkeiten und vollständig ungenügenden Woh- nungeoerhältnissen ist jeder Versuch, eine vernünsttge Gesundheits- und Bevdlkerungspolitik zu treiben, von vornherein zum Scheitern verdammt, einschließlich aller Bemühungen, hygienische Bolksbeleh- rung in die Massen zu bringen. Schwangerschofl und Fabrlkarbelt sind unversöhnliche Gegensätze und mit dem Wesen einer richtig verstandenen Gesundheit»' und Be- völkerungspolitik unvereinbar. Wir verlangen eine Ausdehnung des Schwangerenschutzes und müssen alle unsere Energie auf den einen Punkt konzentrieren, nämlich da» gröhie Kapital eine» Staates, den ZNenschen. zu holten, zu erhalten, zu kräftigen und zu stärken. Am Schluß seiner Ausführungen kam Moses auch auf die übrigen Berufe, in denen weibliche Arbeiterinnen beichästigl sind, zu sprechen, auch auf die traurigen Verhältnisse in der Heim- arbeit, und sagte zum Schluß: Je größer die Widerstände von feiten der Wirtschaft gegen de» Schutz der Schwangeren im Be- triebe, um so mehr muß die Arbeiterschaft ihre Anstrengungen ver- doppeln, verdreifachen, versechsfachen! Hier ist das ureigenste Tätigkeitsgebiet der Frau aus dem Proletariat! Darum soll auch von dieser Stelle aus der Ruf an die Frau des Proletariats gerichtet sein: Hinein in die Organisation! Stärkt die polltischen und ge- wcrkschaftlichen Organisationen des Proletariats! Das ist die not- wendige Voraussetzung für eure Arbeit zum Schutze der Schwange- ren in den Betrieben!(Starker Beifall.) Darauf spricht Gertrud Hanna über das gleiche Thema: Die Frauen stellen einen erheblichen Teil der Arbeitskräfte in Deutschland. In gewerblichen Betrieben dürsten zirka 4 Millionen Frauen beschäftigt sein. Auch in Zukunft muß man mit umfang- reicher Frauenarbeit rechnen, nicht nur weil häufig die Männer erwerbslos find, sondern weil auch der Reallohn gesunken ist. Darum müssen besondere Schutzmaßnahmen für Schwangere getroffen werden, weil die Schädigungen des Berufs sich auch auf das Kind ausdehnen. Der heutige Mutterschutz ist unzureichend und belastet außerdem zum großen Teil die Arbeitnehmer. Anzustreben ist eine Mutterschostsversicherung! denn mit dem Verbot der Frauenarbeit ist es nicht getan. Notwendig ist die Ratifizierung des Washingtoner Abkommens. Neben den Bestrebungen zur Erleichterung der Arbeit durch Einrichtungen, wie Räume zum Ausruhen und dergleichen, muh für den Ausbau der Gewerbcaussicht gesorgt werden. Ueber allem ober steht die Sicherung des Existenzminimum«, da sonst Gesetze und Verbote wirkungslos bleiben. Darum Stärkung der gewerkschaft- lichen und politischen Organisationen.(Beifall.) In der Aussprache, die sich an die beiden Referate anschloß,' kamen die verschiedensten Gesichtspunkte zur Darstellung. Ins- besondere wurde dos Landarbeiterproblem und di« G e- werbeaufsicht behandelt. Gegenüber sehr weitgehenden For- dcrungen erklärte schließlich Genossin Hanna im Schlußwort, daß man bei aller Energie des Schwangerenschutzes auf die zu über- windenden Widerstande bedacht sein und überlegen müsse, wie weit man mit aktuellen Forderungen gehen darf. Damit war die Tagesordnung für Sonnabend erledigt. Für die Gäste schloß sich daran eine Besichtigung de» Jenaer Planetariums. Die ruPj'che Zreiheit. Sine Erklärunq Kurt Heinigs. Don dem Genossen Kurt Heinig, der augenblicklich außer- halb Berlins weilt, erhalten wir folgende Zuschrift: Erst heute lese Ich. daß die„Rote Fahne" die alte«diplo- matische" Lüge wieder aufwärmt, daß ich den Zweck meiner Reise nach Rußland verheimlicht und nur wegen dieses„Der- trauensbruches" die Einreisegenehmigung nicht erhalten hätte. Was ich schon einmal öffentlich festgestellt habe, unterstreich« ich heute nochmal«: Meine Einreise nach Ruhland ist von kommu» nistischer Seite in voller Kenntnis der beabsichtigten Berichterstat- tung für„Dorwärt»", Partei, und Gewerkschaftspresse und mit Erfolg befürwortet worden, denn Ich habe ja die Einreise« erlaubnis gehobt! Nachdem die Einreiseerlaubnis wieder zurückgezogen war, mußte ich zu meinem Erstaunen feststellen, daß der Sekretär der „Gesellschaft der Freund« des neuen Rußland", der, wie eben er- wähnt, meinen Reisezweck bis in» einzelne kannte, von der rus- fischen Botschaft vor der Zurückziehung der Erlaubnis darauf auf. merksam gemacht worden ist, daß ich etwa»„verheimlicht" hätte. (Das wäre zwar Unsinn gewesen, denn seine«esürwortung war ja in voller Kenntnis meiner Eigenschaft als sozialdemokratischer und freigewerschastlicher Berichterstatter erfolgt; es hätte aber doch gezeigt, daß man über mich nicht Bescheid gewußt hatte!) Es bleibt mir nur eine Erklärung: Man hat es sich aus Angst vor freier sozialdemokratischer Bericht- er stattung ander» überlegt, und zog dte Erlaubni, d e-- wegen zurück. Da es bei den russischen verantwortlichen Stellen billiger zu sein scheint, zu verleumden, als die Wahrheit zu sagen, wurde der ..Vertrauensbruch" konstruiert. Da mich dieser Lügenkrieg schon im ersten Augenblick anekelte, hätte ich gern geschwiegen; nachdem c aber von der kommunistischen Press« fortgesetzt wurde, nehm>' an, daß sie nunmehr den Mund halten wird. Herrn Vr. Srauns Verteidigung. Tie ist so schwach wie seine Sozialpolitik. Der Reichsarbeitsminister Dr. Brauns hat am Sonnabend in Köln vor dem Ortsausschuß des christlichen Deutschen Gcwerk- schaftsbundes die angekündigte Rede über die„Arbeitnehmer in Staat und Wirtschaft" gehalten. Im Verlaufe seiner Rede beantwortete der Reichsarbeitsminister auch die Fragen, die wir ihm in der Abendausgabe vom 23. September gestellt hatten. Wegen der Arbeitsbeschafsung erklärte Dr. Brauns nach dem Bericht des Wolff-Bureau, daß er„als End- und Gesamt- crgebnis der unmittelbaren und mittelbaren Aus- Wirkungen die Beschäftigung von mehreren hunderttausend Menschen erwarte". Run sind aber gegenwärtig noch über 2 Millionen Er- «? r b s l o s e bei den Zlrbeitsnachweisen eingetragen. Wenn der Reichsorbeitsminister selbst als mittelbare und unmittelbare Wirkung des Arbeitsbefchasfungsprogramms nur die Beschäftigung von einigen Hunderttausend Erwerbslosen erwarte, wo bleiben dann die anderen? Wir haben auf die Tatsache hingewiesen, daß im Kohlenbergbau im st«igen den Maße Ueberschichten verfahren werden, während gleichzeitig 45 000 Bergarbeiter arbeitslos sind. Wir beben weiter darauf hingewiesen, daß in Reichsbetrieben der Achtstundentag systematisch überschritten wird, daß die Reichsbahn unmenschliche und die Sicherheit gc< führdende Dien st schichten eingeführt hat. Darauf antwortet der Rcichsarbcitsminister, daß er auf die Reichsbahngesellschaft keinen Einfluß habe, daß er mit Hilfe des Gerichts die Reichsbahngesellschaft zur Anerkennung eines für verbindlich erklärten Schiedsspruches zwingen mußte. Damit gesteht Dr. Brauns selbst zu, was er zunächst bestreitet! daß er durchaus die Möglichkeit hat, die Rcichsbahngcsellschaft zur Anerkennung der deutschen Gesetzgebung zu zwingen. Allerdings muß diese Gesetzgebung so gestaltet sein, daß Dienstschichten von 12 und 14 Stunden und darüber und daß eine regelmäßige Ar- beitszeit von mehr als acht Stunden nicht zulässig sein dürften. Auf unseren Hinweis, daß die Ratifizierung des Abkommens von Washington noch immer auf sich warten lasse und daß Deutsch- land von allen europäischen Industrieländern bezüglich der Ratifizierung der internationalen Abkommen so ziemlich an letzter Stelle stehe, erwidert der Reichsarbeitsminister, daß das Arbeiterschutzgefetz „in allernächster Zeit an dos Kabinett komme". Eine derartige Erklärung hat der Reichsarbeitsminister schon wiederholt abgegeben. Wenn wir aus der Vergangenheit auf chdie Zukunft schließen dürfen, dann bedeutet für den Reichsarbeits- minister„in ollernächster Zeit" mindestens einige Jahre. Unseren Hinweis auf das Arbeitsloscnversicherungsgesetz bcont- wartete der Reichsarbeitsminister dahin, daß dos Gesetz schon im Jahre 1922 beendet war, im Juni 1923 dem Reichstage vorlag, wegen des Ruhrkampfes zurückgestellt wurde und bei der Reichstagsauslösung unter den Tisch fiel, aber auch daß„die Kreise um den„Vorwärts", bis in die parlamentarische Vertretung hinein, mit zu denen gehörten, die die Ausführungen der Ideen für heißes Eisen hielten". Den neuen Entwurf habe das Reichskabinett schon 1925 angenommen. Beim Reichswirtschoftsrat blieb er ein ganzes Jahr liegen und nun endlich schwebten im Reichsrat Beratungen. Wir wi'sen nicht, was die dunkeln und in jeder Beziehung un< berechtigten Angriffe gegen„die Kreise um den„Vorwärts" mit der Tatsache zu tun haben, daß der Reichsarbeitsminister es angesichts der ungeheuren und andauernden Wirtschaftskrise es an Initiative und Tatkraft fehlen läßt. Wenn man dos sozialpolitische Faz:� der langen Tätigkeit des Reichsarbeitsministers zieht, dann kommt außer dem Abbau des Achtstundentages herzlich wenig heraus. Wir befinden uns nicht mehr in der Inflation und nicht im Ruhrkampf. Jetzt ist die Zeit, die höchste Zeit zu sozial- polilischen Taten. verbanüstag üer polizeibeamten. Für die Einigung mit dem ADB. Der 4. ordentliche Verbandstag des Verbandes der preußischen volizeibcamten, der dem Deutschen Beamtenbund angeschlossen ist, nahm gestern im Kaisersaal des Zoo seinen Anfang. Als Vertreter des preußischen Innenministeriums waren erschienen Reg.-Rat Dr. Kopp und Kriminalrat E o n r a d i. Von den Parlamenis- Vertretern sah man u. a. den Landtagsabgeordneten Genossen Z a ch e r t und den Reichstagsabgeordneten und Leiter der Be- amtenzentrale der SPD., Genossen Hermann W a e g e r, die in kurzen Ansprachen der Tagung einen guten Verlaus wünschten. Des weiteren waren anwesend Vertreter der dänischen und der ö st e r r e i ch i s ch c n Polizeibeamten. Die Begrüßungsansprache des Verbandsvorsitzendcn Schräder mar ein starkes und eindrucksvolles Bekenntnis für die Einheit des Reiches und für die Republik. Nach der Wahl der Verhandlungsleitung und der einzelnen Kam- Missionen zur Beratung der Anträge erläuterte der Verbandsvor- sitzende Schräder den gedruckt vorliegenden Geschäftsbericht und legte in längeren Ausführungen dar, daß es der Organisation während der Berichtszeit gelungen sei, die beamtenrcchtlichen, wirt- schaftlichen und innendienstlichen Verhältnisse der Polizeibeamten zu verbessern. Wenn nicht immer ein voller Erfolg erzielt werden konnte, so lag es auch mit an der allgemeinen mißlichen Wirtschaftslage. Eine innere Festigung der Organisation kommt auch in den Mitgliederzahlen zum Ausdruck. Nach dem Geschäftsbericht zählte die Organisation am 1. Januar 1925 insgesamt 58 130 Mitglieder, am 30. Juni 1926 60 801. Schräder wies in seinen Ausführungen immer wieder daraus hin, wie not- wendig eine einheitliche Organisation, zumindest aber ein einheitlicheres Zusammenarbeiten der Polizeibeamtenverbände sei. um die berechtigten Forderungen der Polizeibeamtenschast bei den Behörden nachdrücklicher vertreten zu können. Dem Bericht folgt««ine ausgedehnte Diskussion, in der mit ziemlicher Schärfe, aber mit aller Sachlichkeit die Mißstände nicht nur in der Besoldung, fondern auch in der rechtlichen Stellung und der Behandlung der Polizeibeamten kritisiert wurden. Anerkannt wurde auch das Verständnis des preußischen Ministers Severing für die Polizeibeamtenfragen, was auch in einer einstimmig an- genommenen Entschließung zum Ausdnick kam, m der dem er- krankten Minister baldige Genesung gewünscht wird, damit er. wie es in der Entschließung wörtlich heißt, „die Demokratisierung der Staatsverwaltung. die Republikanisierung und EntMilitarisierung der Polizei zur Durchführung bringen und das neue Polizei- beamtengesetz im Sinne und Geiste der Weimarer D e r s a| s u'n g schaffen kann." Nach dem dann erstatteten Kassenbericht wurde den. Der- stand einstimmig Entlastung erteilt. Bei der dann folgenden Be- sprechung organisatorischer Fragen und Erledigung der Anträge nahm der Vorsitzende des DBB. Flügel das Wort und verteidigte die Stellungnahme des Bundes nach den g e s ch e i- t e r t e n Einigungsoerhandlungen mit dem A D B., die bekanntlich zu der Einigung mit dem Gesamtverband der christlichen Beamtenorganisationen geführt haben. Der Verbandstag folgte seinen Ausführungen mit einer eisigen Ruhe und zollte ihm wenig Beifall. Seine Mahnung, den ersten Absatz der folgenden Entschließung abzulehnen, wurde nicht be- herzigt und diese mit allen gegen acht Stimmen angenommen: „Der Verband der preußischen Polizeibeamten bedauert schmerzlich das Scheitern der Einigungsoerhandlungen zwischen DBB. und ADB., nachdem über die grundsätzlichen Fragen voll- kommene Einigung erzielt worden war. Eine solche Einigung ist aber unbedingt not- wendig, um dem berechtigten Verlangen weitester Beamten- kreise nach Beseitigung der organisatorischen Zersplitterung und Be- seitigung der damit verbundenen Schäden zu entsprechen und um eine wirksame Abwehr der dem deutschen Berussbeamten- tum drohenden Gefahren zu ermöglichen. Die Voraussetzung für die Schaffung der Einheitsfront aller Arbeiter, Angestellte« und Beamten ist der Zusammenschluß aller Beamten in einer einheitlichen großen Beamtenspitzenorgo.nisation. Die Polizeibeamten rufen des- halb in dieser Schicksalsstunde der Arbeitnehmerbewegung allen Be- amten zu, sich in ihrem Einigungswillen durch keine Quer- treibereien beeinflussen zu lassen und die Einigung herbeizuführen, selb st wenn es über die Köpfe der Führer hinweg sein sollte. Wir rufen die Gewerkschaftsführer auf, im Jntereste der jetzt mehr als je notwendigen Zusammenfassung der werktätigen Be- völkerung zum Kampfe gegen die wachsende Macht der Wirtschaftsmächte ihren ganzen Einfluß für die Schaf- fung der Einheitsfront in die Wagschale zu werfen." Einstimmig und ohne Diskussion angenommen wurde am Schluß de? ersten Verhandlungstages noch folgende Entschließung: „Der Verbandstag kann den zwischen dem DBB. und dem Ge- samtverband der Beamtengcwerkschaften(GdB.) einseitig getrosse- nen Organisationsabmachungen nicht zustimmen. Wenn der Verband auf seiner Tagung im Mai 1925 in Elber- feld den Beschluß faßte, den DBB. zu Verhandlungen mit dem Allgemeinen Deutschen Beamtenbund zu bewegen, so dachte er dabei an eine Wiedervereinigung der bis zum Jahre 1922 im DBB. organisierten Kräfte. Eine solche Vereinigung auf die Beamten des GdB. auszudehnen, hätte der Verband begrüßt. Da nun eine Einigung mit dem ADV. infolge seiner Forderung auf Anerkennung der gemischten Organi- satione» gescheitert ist, dagegen eine Vereinigung mit dem GdB. zustande gekommen ist, die über diesen Zustand hinaus noch die nichtbeomteten Mitglieder der betreffenden Leamtenorganisationen in den DBB. aufnimmt, besteht die Gefahr, daß dem DBB. vor- geworfen wird, er habe sein bisheriges Organisations- prinzip und die neutrale Linie verlassen. Der Verbandstag betrachtet die Einigungsverhandlungen mit dem ADB. als nicht endgültig abgeschlossen und erwartet deren Fortsetzung nach jeder Seite, um eine einheitliche Beamtenspitzen- orpanisation unter strikter Neutralität in parteipolitische? und ton- fessioneller Hinsicht wieder erstehen zu lassen." ver VSS. und die christlichen Herverkschasten. Sie wollen sich verschmelzen. Auf dem Anfang Oktober tagenden Bundestag des Deutschen Beamtenbundes wird, wie die Zeitschrift der christlichen„Deutschen Postgewerkschaft" mitteill, eine Verbindung des Deutschen Beamtenbundes mit dem Christlichen Gesamtver- band der Beamtengewerkschaften, der bekanntlich zum christlichen Gewerkschastsbunde gehört, vollzogen werden und zwar„aus der Grundlage der Staatsbejahung und der Volks- gemeinschaft". Das Blatt erklärt, daß diese neue Beamtcnspitzen- organisation keine Verbindung zum freigewerkschast- lichen ADB. haben wird und hofft, daß es auch gelingen wird, den Reichsbund der höheren Beamten in diese neue Spitzen- organisation mit einzubeziehen. Damit ist klargestellt, warum die Einigungsoerhandlungen mit dem ADB. zum Scheitern kamen. Die Unterhändler des DBB. haben ganz offenbar so gehandelt, daß diese Verhandlungen scheitern mußten. Schiedsspruch für das Saugewerbe in Serliu. JlidjH gehauen und nicht gestochen. Für das Baugewerbe des Wirtschaftsbezirks Groß-Berlin fanden gestern im Reichsarbeitsministerium Verhandlungen statt, da bekanntlich di« bezirklichen Lohnoerhandlungen gescheitert waren. Das zentrale Schiedsgericht kam zu einer Ablehnung der Anträge sowohl der Arbeiter wie der Unternehmer. Danach bleiben die Löhne in ihrer bisherigen Höhe für das gesamte Bau- gewerbe in Berlin bestehen. ver Tarifkonflitt im öaukgewerbe. Die Verhandlungen im Reichsarbeitsmiaislerium. Gestern fanden im Reichsarbeitsministerium unter Vorsitz des Reichswirtschastsgerichtsrats Dr. Königsberger Verhandlungen zur Beilegung des Tarifkonflikts im Bankgewerbe statt. Die Ver- Handlungen gestalteten sich außerordentlich schwierig und zogen sich bis in die späten Abendstunden hin. Zunächst begründeten die Vertreter der Bankangestelltenoraani- sationen, des Allgemeinen Bankbeamten-Vereins und des Deutschen Bankbeamten-Vereins ihre Anträge aus Erhöhung der Ge- h ä l t« r und eine für die Angestellten günstigere Formulierung der Arbeitszeitbe st immun gen. Der Vertreter des Reichs- Verbandes der Bankleitungen erklärte dann, daß die Bankleitungen angesichts der schlechten wirtschaftlichen Lage außcrstaitde seien, die geforderten Gehaltserhöhungen zu bewilligen, noch bezüglich der Aibeitszeitbestimmungen Zugeständnisse zu machen. Es kam sodann zu äußerst lebhasten Kontroversen zwischen den Vertretern der beiden Parteien. Die Verhandlungen, die um 1411 Uhr ihren Anfang nahmen und nur während der Zeit von 2— 3 Uhr durch eine einstündioe Mittagspause unterbrochen wurden, zogen sich bis V-5 Uhr nach- mittags hin. Da sich auch zu diesem Zeitpunkt keine Einigungs- formet finden ließ, wurde ein S ch l i ch t u n g s a u s s ch u ß zu- sammengesetzt, dem sechs Beisitzer angehören uno zwar drei Unter- nehmer- und drei Angcstelltenvertreter, um einen Schiedsspruch zu fällen.• In später Abendstunde fällte der Schlichtungsausschuß einen Schiedsspruch, wonach die Gehälter im Bankgewerbe bis zum Ab- lauf des Tarifvertrages unverändert bleiben sollen. Dagegen empfiehlt er dem Reichsverband der Bankleitungen, Ende Dezember d. I. den Angestellten ein halbes Monatsgehalt zu zahlen, dafür dann aber vom Januar 1927 ab zur Ultimo- gehaltszahlung überzugchen. Die Arbeitszeitbestimmungen sollen unverändert bleiben. Tie Jüdische Gemeinde als Unternehmer. Der für die Arbeiterschaft des Jüdischen Friedhofs in Weißensee bestehende Tarifvertrag sah eine neue Lohnrege- lung vor, falls nach dem 1. Januar dieses Jahres der Lohntarif der preußischen Verwaltungsarbeiter eine Aenderung erfährt. Eine Neuregelung dieser Löhne wurde im Preußischen Bcsoldungsblait vom 8. Juli d. I. bekanntgegeben. Die Lohnerböhung betrug für Berlin rückwirkend ab 3. Januar d. 2. 1 bis 3 Pst Di« Arbeiterorganisationen, Verband der Gärtner und Gärt- nereiarbeiter, Deutscher Verkehrsbund, beantragten � daraufhin die Anberaumung einer Verhandlung, um die tariflich festgelegte neue Lohnsestsetziing nach Maßgabe des preußischen Verwaltungsarbeitcr- Tarifs treffen zu können. Darauf ging eine Antwort überhaupt nicht ein. Auf telephonisch« Anfragen wurde erklärt, daß vur der Rückkehr des Vorsitzenden der Friedhosskommission, der sich in der Sommerfrische befand, keine Entscheidungen getroffen werden können. Bevor jedoch eine Verhandlung stattfand, wurden Mantel- und Lohntarif gekündigt. Nach mehrfachen Bemühungen der Organi- sationen kam endlich am 23. August eine Verhandlung zustande. Die Vertreter der Gemeinde erklärten jedoch, daß eine Lohn- erhöhung unter keinen Umständen zugestanden werden könne. Sollte die Gemeinde genötigt sein, den Tarifbcftim- mungen Rechnung zu tragen, würde man zum nächsten zulässigen Termin die Lohne entsprechend herabsetzen, um einen Aus- gleich herbeizuführen. Die Verhandlung wurde vertagt, nachdem die Vertreter der Gemeinde erklärt hatten, nach Prüfung der erforderlichen Unter- logen eine neue Verhandlung anzuberaumen. Im Hinblick auf die bisherigen Berschleppungsmanövcr bezweifelten die Organisationen diese Bereitwilligkeit zur rechtzeitigen Erledigung dieser Ange- lcgenbcit. Wie recht sie hatten, beweist das weitere geradezu skandalöse Verhalten des Vorstandes der Gemeinde. Obwohl ein weiterer Monat ins Land gegangen ist, ist es nicht möglich gewesen, eine mündliche oder schriftliche Antwort über die Stellungnabme der Ge- meinde zu erfahren. Man scheute sich nicht, auf mehrfache tele- phonische?lnfragen geradezu kindische Ausrehen zu gebrauchen. An- scheinend können die Arbeiter nach Ansicht der vcraitwortlichen Vor- stondsmitqlieder warten, bis diese geruhen, das tariflich Vereinbarte auch durchzuführen. Wenn hier nicht gründlich Remedur geschaffen wird, muß die Jüdische Gemeinde die Folgen dieses stockreaktionären Berhaltens tragen._ Grsolgreicher Streik in den Walfisch betrieben. Der Streik in den Wolfischbetrieben, den Gastwirts- betrieben„Zum Walsisch", Köpenicker Straße 30 und 71, und Prinzenstraße 98, ist mit vollem E r s o l g beendet. Die Forde- rungen der gastwirtschastlichen Angestellten sinh durch Verhandlungen der Organisationsleitung des Zentralverbandes der Hotel-, Restaurant- und Caföangestellten mit Herrn 2. Kutscher am Sonnabend restlos bewilligt worden. Auch der Schlächter- meifter Berg, Küchenpöchter in den Walfischbetriebcn, hat den für das Gastwirtsgewerbe geltenden Tarifvertrog in vollem Umfange anerkannt.. Der Streik ist somit beigelegt. Die Sperre wird hiermit aufgehoben. Streikbeschluß der Hamburger Hafenarbeiter. Gegen den Schiedsspruch. Hamburg. 27. September. slVTB.) 3n einer heule abend erfolgten Urabstimmung der Hasenarbeiter, In der über den lchkcn Schiedsspruch Beschluß gesaßt wurde, ist der Streik mit Dreiviertelmehrheit beschlossen worden. Die Sparkasje der Bank der Arbeiter, Angestellten»iid Beamten A.-G.. Berlin, Wollstr. 65, ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend von ö— 3 Uhr und 5— 7 Uhr, Sonnabend» von 9— 1 Uhr geöffnet. AStunji, D». Po»! zijey«», Dr-ncheimer Straß«: Am Dirnstog nochmittaa 4'4 Uhr bei Fritjch. Dronth«im«r Str. 8, Fraktionssißune aller Parteizenassen. Wichtige Tagesordnung. All« C-enoficn mujscn «rsch«inen.» Der israttio»»»»« stand Achtung. SVD.-tzlleischer! Am Mittwoch, 20. Ekirtember,? Uhr, bei Etoinmel. Neu« IZricdrichltr. t. bußerst wichtige Fraktionssißung der SPD.-iZIctscher. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Hirsch. 2. sZraitionsangelegcnbeitcn. Unbedingtes Erscheinen ist Psticht. Ohne Mitgliedsbuch»er Partei kein Zutritt. Der ssrattionsuorstand. -44 k j.t M 4-i i l ifreie Eiewerkschaflsjugend. Heute, Dienstag, abends 7Vi Uhr, tagen die Gruppe»: Landsberger Plaß: Jugendheim Diestelmeyerltr. S. Spiel- und Tanz- abc»d.— Uranksurter Allee: Jugendheim Tilsiter Str. 4— 5, 1 Tr. Mark-Twain- Abend.— Lichtenberg: Jugendheim Dossestr. 22. Bortrag:„Lohntheorien— Lohnpolitik".- Treptow: Jugendheim Dildenbruchstr. 53— 54. Leseabend:„Die rote ssrldpost" von Belli.— Spanban: Jugendheim Lindcnufer 1. Spiel- und Tanzabend. Deutsch«, Bangewerkebnnd. Baugeweekschaft Verli», ikachgrup?» de« Tllpfer. Heute nachmittag 5 Uhr findet bei Petsch. Landsberger Str. 31.«in« Mit- gliebernersammlung statt. Di» Tagesordnung wird in der Berfammlung be- kanntgrgeben. Bollzohliges Erscheinen erwartet di« H»ch«ruppenleilung. Verantwortlich fllr Politik: Dr.«uet Geper: Wirtschaft:«et»» eateenu»; Gewerkschostobewegung: Z. Steiner: Jeuilleton: Di. Zeh» ech!k»i»»kt: Lokale, und Sonstiaes: Zeiß Karstadt: Anzeigen: Tt.»loeke: sSmtlich in Berlin. Berlaq: BorwZrts-Berlag G. m. b. L.. Berlin. Druck: Porwijits-Buchdrnckerel und Berlagsan stall Paul Singer u. Eo. Berlin LW 68 Lindcnstraße 3. Hierzu 2 Bcilaaca und..Unierdaltuno und Willen". schmecken alle Speisen gut. Beachten Sie deshalb bitte auch beim Zubereiten von MAGG!5 Suppen die Jedem Würfe! aufgedruckte Hochanweisung, die naturgemäß nicht für jede der vielen Sorten die gleiche sein kann dann schmecken MAGGP Suppen vorzüglich. !Tr. 456 ♦ 43.�o()cgatig ��9 ��Olr 1901��9 Dienstag, 28. September?H2H „Aktweiberscmrmer" sagen wir, wenn fein« Fäden in Wald und Feld schweben, wenn junge Spinnen auf ihren ersten Ausslügen vom Rest sich in die weit« Welt wagen, auf Gras oder Hecken landen und munter über Blüten und Stengel hin- und herlaufen. Dann werden ihr« seidenen Schifflein vom Lusthauch in fliegende lang« Fäden ausgezogen. Ihre grohe Feinheit macht dies« Fäden nur sichtbar, wenn sie von der Sonne beschienen werden. ,weber und wanüerer.� Es soll hier ausdrücklich hervorgehoben werden, daß die Spinnen in unseren Häusern und Gärten Glieder einer großen Familie sind, in der man zwei Gruppen unterscheidet, die Weber und die Wanderer, und daß sie nach Größe und Form, Farbe und Lebensart die größte Mannigfaltigkeit aufweisen. Von diesen wollen wir nur die Weber hervorheben, welche verstehen Netze herzustellen und N« st« r zu bauen. Merkwürdig ist, wie sie ihre Spinntunst den äußeren Umständen anzupassen vermögen. Zeitweise kann man das Wort von den„garstigen* Spinnen hören und vielleicht hat mancher schon den Äinderreim gesprochen: „Webe, Spinne, nicht bei mir! Fort, du Langbein, fort von hier!* Di« Bauten der Spinnen sind wahre Kunstwerke. Das Wert- zeug, dessen sie sich bei der Herstellung der Netze oder Nester be- dienen, ist der Fuß und das Material hierzu, eine flüssige Spinn- scide. wird in eigenen Drüsen, den sogenannten Spinndrüsen, erzeugt imd durch dazu bestimmt« Kanäle, die Spinnröhren, an die Luft be» fördert, worauf sie zu feinen Fäden erhärten. Di« Füße sind mit starken kammartigen Klauen versehen und mit einer äußerst feinen Tastempfindung begabt. Sie bill>en nicht nur treffliche Spinnwerk- zeuge, sondern werden auch beim Fassen der Beute benötigt und sehr oft zur Säuberung gebraucht, denn die Spinne hält ihren Körper und ihr Haus sehr sauber. Das Spinnen. Beim Spinnen spielt der Fuß die wichtigste Rolle. Stets leitet die Spinne ihre Fäden mit dem wunderbar empfindlichen, kämm- artigen Instrument, in das der Fuß ausläuft. Mit seiner Hilf« zieht sie die Fäden«in und macht sie straft. Die Klaue der Rodspinne besteht aus drei hornigen gezähnten Kämmen. Einer davon, die Vor- und Asterklau«, ist beträchtlich kleiner als die anderen und hat drei Zähne, während die größeren Kammklauen 1 5 oder 1 6 habe». Außerdem haben viele Spinnen noch ein bis drei Paar Hilssklauea. eine Art von gezähnten Borsten, die sie nach den Klauen zu bewegen können. Auf dies« Weise ersetzen sie den Daumen und befähigen die Spinn« zum festen Fassen ihrer Fäden. Vermittels ihrer Klauen kann sich die Spinne an ihren allerfeinsten Fäden aufhängen. Ebenso erleichtern sie ihr dos Auftteigen, wenn ihr Faden rasch«in- gezogen und unter ihr wie ein loser Seidenball zusammengerollt wird. Die Spinnröhren, aus denen die Seidenföden hervorkommen, liegen dicht am äußersten End« des Hinterleibs. Sie sind hier zu den sogenannten Spinnwarzen oereinigt. Diesem Spinnapparat« verdankt die Spinne ihren Namen und Ruhm. Die Kreuzspinne hat sechs Spinnwarzen mit etwa SSO Röhren. Durch Muskeln können die Warzen von der Spinne bei der Ausübung der Spinntätigkeit willkürlich bewegt werden. Wir können drei Arten von Drüsen unterscheiden, die je nach ihrer Bestimmung oerschieden« Seiden liesern. Zuweilen erzeugt sie«in freies lustiges Gewebe,«in ander- mal liefert sie zähere Tröpfchen zur Herstellung des Rehes. Gill es ober«in ins Netz geratenes Insekt zu fesseln, muß sie dicke Fäden verwenden. In der Zeit der Fortpflanzung werden goldene Fäden erzeugt und zu Schuhdecken für die Eier gewoben. Für die An. legung ihres Netzes wählt die Spinne solche Stellen aus, die zur Erlangung der zum Lebensunterhalt nötigen Beut« am geeignetsten sind, so z. B. die Ufer ruhig fließender Gewässer, die Grenzmauern zwischen Feldern, die Weißdorn-, Brombeer- und Rosenhecken und endlich das Wasser selbst. Zunächst webt die Spinn« einen Versuchs- faden. Vom Lusthauch wird dessen loses Ende an einen Stamm oder Zweig geweht. Dabei spielt ein kleiner Streifen klebriger Seid« am Ende die Roll« eines winzigen Fallschirmes. Dieser Faden bildet die Grundlage des Rehes. Den losen Teil des Fadens zieht die Spinne mit den Vorderfüßen ein und spannt den Faden straff an. Hierauf bringt sie in veischiedenen Richtungen Stühsädcn an, damit der Faden dem Wind, Tau und Regen oder t«m Anprall der Insekten standhalten kann. Nicht immer läßt die Spinn« den Ber- slichsfaden durch den Wind oerankern. Zuweilen kriecht sie über Büsche, schleppt dabei ihr« Fäden mit und oerankert von Zell zu Zell die Grundlag« des Netzes mittels ihrer Spinnmaschine. Sind die Grundfäden gut und recht angelegt, so verbindet die Spinn« die Um- fassungsfäden durch«inen diagonal gespannten Faden, von dessen Mittelpunkt sie dann die neuen Fäden wie die Speichen eines Rades zieht. Von der Nabe ihres vielspeichigen Rades aus verstreicht sie nun ihr Gerüst mit konzentrischen Ringen, die im Mittelfeld das eigentliche Zentralnetz, die Warte, bilden. Zuletzt fetzt die Spinn«, am äußersten Umhang des Netzes beginnend, dessen wichtigsten Teil, eine Nebrige Spiral«,«in, die die Leute sestleimen soll. Beim Weben eines vollen Randnetzes leimt eine Spinne mehr als 1000 klebrige Fäden an die Radspeichen. Dabei arbeitet sie so geschickt, daß das ganze Reh in einer Stunde fertig ist. Das gefährliche Netz. Di« gummiartige Masse hastet an den Flügeln und Deinen der Insekten, die sich in dos Netz verirren und hält die Gefangenen fest, bis die blutdürstig« Netzstellerin aus ihrem Versteck hervoreilt und die Beut« fesselt. Eilig hüllt sie die Gefangenen in ein seidene» Leichentuch und bringt das wehrlvs« Opfer als sichere Beute in ihr Der Weg des blinden Bruno. 9s Roman von Oskar Baum. Dankbar, auf so unerwartete schmeichelhafte Weise von einer gedrückten Einsamkeit erlöst zu sein, horchte Bruno voll reudiger Spannung, ja Begeisterung auf, was Herr Alex agte. Den hatte ihm Gott gesandt! Das war vielleicht ein Ersatz für Anni. Jedenfalls mußte es ein sehr lieber und kluger Mensch sein, wenn er so gar nicht hochmütig war. Alex erkundigte sich nach Melli. Ja. Melli hatte auch öfters von ihm gesprochen, erinnerte sich Bruno. „Ihr hattet zusammen französische Prioatstunde, nicht wahr?" Bruno wußte nicht recht, was er reden sollte, und so fragte er darauf los, um zu zeigen, daß er trotz seiner Jugend ganz wohl wisse, wie man eine Unterhaltung führe.„Warum lernt ihr denn nicht mehr zusammen?" „Das ist so eine Geschichte." Alex lachte ein wenig ver- legen, wie Bruno vorkam, aber doch immerhin selbstgefällig, „hat Melli nie zu Hause über mich Uebles geredet?" „Uebles?— Sie hat einmal sehr mit Lorenz gestritten, weil er nicht zugeben wollte, daß du Primus in der Schule seiest." „Bin ich auch nicht." meinte Alex triumphierend und lachte dabei in einer sonderbaren, beinahe schadenfrohen Art durch die Nase,„das blies ich ihr nur so ein." „Und daß niemand so gut französisch spricht in eurem Kursus und niemand ein so elegantes Auftreten, so ein hübsches Benehmen hat." „Das sagte sie?" „Ja, wie ein Gentleman, sagte sie. Ich erinnere mich an das Wort." „Wirklich?" Alex drückte Bruno die Schultern herunter. so hing er sich im Uebermut an ihn, und Bruno hatte großes Vergnügen von dem unverhofften Eindruck seines Berichts. „Lorenz ließ aber gar nichts gelten," fuhr er eifrig fort, „Melli berief sich darauf, daß du für jedes..Sehr gut" eine Mark bekämest, und anders könnte es auch gar nicht sein. Woher hättest du sonst so viel Geld? Du verschenktest immer die feinsten Bonbons, jeder käme zu dir, sich Geld ausleihen und einmal hätte sie selbst zugesehen, wie du ein Zehnmark- stück bei einem Kastanienboum auf der Straße wechseltest. Aber dos Schlinmftte war— ja, jetzt fällt's mir ein—" Bruno stockte. Er hatte damals dem Wortwechsel der Ge- schwister kaum zugehört und wunderte sich, wie es in seinem Gedächtnis haften geblieben war. Es stieg aus einer unbekannten dunkelen Tiefe herauf und strömte ihm so sicher und fließend zu, als stünde jemand hinter ihm und flüsterte es ihm ein. Die Aufmerksamkeit des Zuhörers, das Interesse, das so darauf wartete, lockte es aus ihm hervor.„Als du nicht mehr in die französische Stunde kamst, da behauptete Lo- renz... warst du vielleicht mit ihm oerfeindet?" Alex lachte:„Nein, nur so! Wir konnten uns nicht leiden. Er ist ja übrigens viel älter als ich. Er kommt doch schon auf die Universität. Aber was erzählte er denn? Du kannst es mir ruhig anvertrauen. Ich werde ihn deswegen nicht an- rempeln." „Nein," lachte Bruno errötend,„ich kann es wirklich nicht..." „Daß ich mir das Honorar für die Stunden behielt, was? Statt es dem Lehrer abzuliefern?" „Woher weißt du..." Bruno schrak zusammen. Wie das der mutige Junge so laut und kräftig heraussagte! „Das haben damals alle gesagt, die unverschämten Lumpenkerle, die mich beneideten. Hat es Melli geglaubt?" „Ach wo! Sie hat wegen dieser Sache vielleicht acht Tage nicht mit Lorenz gesprochen!" Alex faßte ihn unter beide Arme und hob ihn hoch: „Mordsjunge, der du bist! So ein kleiner Kerl und kann einen schon so anschwatzen, daß man es für wahr hält! Schwöre, daß kein Wort gelogen ist." „Anschwatzen?" dachte Bruno verwirrt und erschrocken, „was denkt er denn auf einmal?" Alex hob ihn langsam immer höher, hielt ihn zuletzt mit ausgestreckten Armen hoch über seinen Kopf. „Ich schwör's, ich schwör's!" Lachend setzte ihn der starke Bursch wieder auf den Boden, aber Bruno war erbittert über eine solche Tyrannei und wußte wirtlich nicht ganz sicher, ob alles haargenau stimmte, was er, ohne daran zu denken, daß es so wichtig genommen würde, nur weil es Alex ja Freude zu machen schien, möglichst ausgeschmückt und gedehnt erzählt hatte. Er stellte sich, auf dem Boden angelangt, einen Schritt von Alex weg, senkte den Kopf, wie immer, wenn er einen Angriff des ältesten Hausbesorgersohnes daheim im Hof zu gewärtigen hatte, und sagte mit zusammengebissenen Zähnen: „Nichts ist wahr, gar nichts! Und Lorenz hatte ganz gewiß recht, und wenn du glaubst, daß ich mich vor dir fürchte, so irrst du dich sehr!" Und er stand, die kleinen geballten Fäuste „Speisezimmer". Motten bilden für hungrige Spinnen eine sehr annehmbare Mahlzeit und ihr« Ueberrest«, zerzauste Flügel und dergleichen, sieht man oft außen am Netz hängen, während im Sommer zahlreiche Käfer, Schmetterlinge und Fliegen eine leicht« Beute der Spinne werden. Zuweilen, z. B. bei andauerndem Regen- wetter, versagen die Nohrungsquellen der Spinne. Dann sitzt die Weberin tag«, ja wochenlang geduldig und gleichmütig in ihrem Versteck« und erwartet„ohne Klage" den Anbruch besserer Tage. In Zeiten des Ueberflusses jedoch legen vorsichtige Spinnen etwas von dem Vorrat für künfttge Zeiten zurück. Das erbeutete Insekt wird zu diesem Zwecke mtt flockiger Seide umschnürt und umsponnen, um für schlechte Zeiten bewahrt zu werden. Bei der Anlegung des Netzes lasstn sich jene Spinnen, die in der Dunkelheit arbeiten, nich- vom Gesichts-, sondern allein vom Tastsinn leiten.' Dieser ist bei den Spinnen außerordentlich entwickelt. Hauptorgan« des Tastsinnes sind die fünfgliedrigen sogenannten Kiefertaster, die verkürzten Beinen gleich an die Mmrdteile gefügt sind. Sie entsprechen den Fühlern der Insekten und dienen mtt den Borderfüßen zusammen als Fühler. Die Taster des Weibchens sind mtt einer Klau« ver- sehen und unterscheiden sich wesentlich von jenen des Männchens, welche ein sonderbar keulenförmiges Aussehen haben. Mit den Kieser- tastern dreht und wendet dos Spinnenweibchen das Opfer, um es willenlos zu machen, faßt es ferner die Eiersäckchen oder Kokons an, die von einigen Spinnenarten wochenlang herumgetragen werden. Der Mund befindet sich unmittelbar hinter den Kiesern und ist nur zrnn Saugen eingerichtet. Die Augen der Spinne sind sogenannle Punktaugen, ähnlich den einfachen Augen auf einem Bienenkopse. Ihre Anzahl beträgt bei«inigen Arten zwei, bei anderen sechs, bei dSn meisten acht. Mit diesen Augen vermag eine Spinne aus- reichend zu beobachten. Spinnen, die in Höhlen leben, sind zuweilen augenlos. Als Wertzeug zum Töten ihrer Opfer und als Waffen zum Abwehren der Feinde dienen ihr« gezähnten und giftigen Fänge. die Kieserfühler. Diese Werkzeug« sind hart und hohl und haben unweit der Spitze ein« klein« Oesfnung, durch die das Gift austritt. Man kann öfter die Radspinne bei der Arbeit des Insektenfanges beobachten. Manchmal sitzt sie in ihrem Radnetze und hält mit ihren Klauenfühen die von der Mitte ausstrahlenden Fäden straff. So vermag sie vermittels ihrer femfühligen, mtt Tasthaaren versehenen Füße die geringste Bewegung in jedem Teile ihre» Rehe» zu er- kennen. Oesters hall sie sich auch in einem Schlupfwinkel(unter einem Blatte oder einem Rindenstücke) oerborgen. Dann steht sie mit dem Netz durch«inen straften Faden in Verbindung, der ihr jede Bewegung des Netzes verrät. Blitzschnell stürzt sie hervor, wenn es gilt, ein Infekt als willkommene Beute zu fesseln. * Di« Lebensenttvicklung ist bei den Spinnen anders als bei den Insekten. Während zum Beispiel der vollkommen« Schmetterling aus der Puppe hervorgeht, nachdem er«inen längeren Zwischen- zustand als Larve durchlaufen hat, geht aus dem Spinnen«! direkt vor der Brust, die Füße gespreizt und fest an den Steinrand eines Beetes nach rückwärts gestemmt. „Tust mir nur leid!" sagte Alex spöttisch nach einet spannenden kleinen Pause,„sonst würde ich dich zwischen Daumen und Zeigefinger zerreiben wie einen Floh, du win- ziges Zornpinkel du! Jetzt gestehst du mir aber gleich genau, was an alledem gelogen war, sonst—; ich werde mir ohne- hin zwei oder drei Tage überlegen, wie ich dich strafen soll. Frage nur oben deine Kameraden, wie man mir zu gehorchen hat! Ich bin der Alex, verstanden?— Jedenfalls gehe ich keinen Schritt weiter mit dir, denn mit einem Lügner, das siehst du doch ein!"-- „Ich geh' nicht mit dir!" Bruno lachte und bemühte sich, ihm in der Geringschätzung des Tones nicht nachzustehen. Alex blies ein kurzes stummes Lachen äußerster Berach- tung durch die Nase und ging. Hartnäckig blieb Bruno stehen und wartete, bis feine letzten Schritte verklungen waren. Der Kerl sollte nicht merken, wie schwer es Bruno wurde, sich allein wieder ins Haus zurückzufinden. Er war selten erst und immer in großer lärmender Gesellschaft der Altersgenossen im Garten gewesen, hatte auch heute, ins Gespräch vertieft, nicht einmal auf die Richtung geachtet, in der sie sich vom Hause entfernt hatten. Die Hände vorauszustrecken, war ihm schon vom Vater als sehr häßlich abgewöhnt worden, und es hätte ihm ja auch wenig genützt. Aufs Geratewohl ließ er den Fuß am Wegrand entlang gleiten, geriet in Strauchwerk; Zweige schlugen ihm ins Gesicht: seine Wangen strichen an Nadeln und scharfen Blättern vorbei. Ja, wenn er nur wüßte, wo er da hinkam!— Vielleicht entfernte er sich noch mehr vom Hause: vielleicht ging er immerfort um das Haus herum. Es war ja sicher, daß kein Weg und auch die Garten- mauer nicht bis an die Wand des Haufes reichte und auf welche andere Weise könnte er sich dann hintasten? Fernher von der Anstalt hörte er läuten. Das Mittag- essen!— Wenn er da nicht zur Zeit oben war!-- Gestern ist Jakob so gezankt worden, weil er erst mitten im Tischgebet kam, und er kam nun überhaupt nicht. Man würde ihn wohl suchen. Was sollt« er nur sagen, wenn man ihn antt?f? „Wo bist du hingekommen, Tollpaftch?" Alex selbst wvt es. der ihn holte. Verächtlich, mit zwei Fingern nur. als fe; er klebrig, faßte ihn Alex beim Rockärmel und zog ihn hinter sich her. Bruno überrieselte es heiß vor Zorn und Scham, als er dabei sagte:„Verhungern will ich dich ja doch nicht lassen, klägliches Geschöpf!" Und Bruno riß sich los.„Bitte!" Alex lachte und ging rascher.(Forisewmg svkgt.) tiie fertige, wenn auch Nein« Spinn« hervor. Das Spinnen«! liegt mit vielen seinesgleichen eingebettet in einem von der Spinnenmutter kunstvoll hergestellten Gewebe, dem sogenannten Kokon. Di« junge Spinn« erhält freilich erst nach mehrmonatlicher Häutung, die etwa neun- oder zehnmal stattfindet, die Geschlechtsreis« und die Fähigkeit des Webens. vatermorü oöer Muttererlösung. Ein menschliches Urteil. Es gibt Gerichtsverhandlungen, die den Zuhörer bis in das Innerste erschüttern. Immer wieder sucht man vergeblich die Ge- sühlsaufwallungen niederzuringen. Voll Grauen sieht man, wie ent- setzlich Menschliches sein kann. Die Tat des Angeklagten war kein Verbrechen, sie bedeutete Erlösung. Werner L. war«in zarter Junge, geistig vielleicht nicht sonderlich entwickelt! er hing mit abgöttischer Lieb« an der Multer und las ihr jeden Wunsch von den Augen ab. Kein«. Arbeitsleistung sür's Haus n>ar ihm zu schwer. Aus der Familie lastet« wie ein Verhängnis der Vater. Werner konnte es nicht begreisen, warum dieser stets die Mutter aus die häßlichste Weis« beschimpste. Eine Szene aber prägt« sich ihm besonders tief ins Gedächtnis. Er war damals erst 9 Jahre alt, die Mutter machte dem Vater Borwürfe, daß er sich mit anderen Frauen herumtreibe. Sein« Verwandten kamen und redeten auf die Mutter«in, daß sie doch den Vater gewähren lassen möge. Auch konnte Werner es nicht verstehen, warum der Vater ihn, der so folgsam war, so«mfetzlich züchtigte— ihn und seine kleine Schwester. Werner arbeitete fleißig bei einem Installateur, ver- vollkommne!« sein Wissen durch lesen von Lüchern und brachte es kaum achtzehnjährig zum Monteur. Der Vater aber, der Schlaffer war, hatte schon seit langem sein« Stellung ausgegeben. Er verfucht« ohne Erfolg selbständig zu arbeiten. Nie gab er der Mutter Kostgeld. Seit den ersten Tagen der Ehe war die Frau aus eigenen Verdienst angewiesen. Vor zwei Jahren fielen dem damals noch nicht siebzehnjährigen Werner Briefe in die Hände, die von der Untreue des Vaters der Mutter gegenüber Zeugnis ablegten. Er sah ihn auch in Gesellschaft von Dirnen, hörte ihn sich seines Verkehrs mit ihnen rühmen, wurde immer wieder Zeuge der unflätigsten Beschimpfungen der Mutter. Ganz unerträglich gestaltete sich aber das Verhältnis, als dies« die Ehescheidungsklage einreichte. Schon früher hatte der Vater sein« Frau und seinen Sohn nicht allein bedroht, sondern war auch gegen sie tätlich geworden. Nun aber wurde das Zu- sommenleben ganz zur Hölle. Mutter und Sohn zogen in das Nebenzimmer zu ihrem Untermieter. Das steigerte aber nur die Wut des Unholdes. Er trieb es so weit, daß sie die Verbindungstür aus Angst vor ihm besonders sicherten, daß sie sich nicht mehr ge- trauten, in seiner Anwesenheit, die Ltüche oder die Toilette zu be- treten, oder ebenso durch den Korridor in ihr Zimmer zu gehen. Er bedrohte nun auch den Untermieter mit Beil, Dolch und Revolver. i Zu wiederholten Malen wandten sich die Bedrängten wie auch Haus- bewohner an die Polizei, in der Hoffnung, hier gegen den anscheinend Geistestranken Schutz zu finden. Die Antwort ober lautet«:„So lang« nichts passiert ist, können wir nicht einschreiten." Rur einmal nahm sie ihm einen Revolver weg. Er kaust« sich jedoch einen anderen und drohte ständig, zu schießen. Diesen zweiten Revolver sollte der Sohn eine Woche vor der Tat aus dem Zimmer des Vaters genommen haben. Schon seit sechs Wochen schlief Werner nicht anders, als angekleidet. Weil er fürchtete, daß der Vater die schlafende Mutter nachts über- rumpeln könnt«, tat er größtenteils kein Aug« zu. Der 12. März brachte dos Verhängnis. Die Mutter lag krank im Bett«. Eine Nachbarin war zu Besuch. Werner hatte eben erst für die Mutter die Milch gekocht, da begann der Voter, der den Jungen schon in der Küche angerempelt hatte, zu toben; er schlug mit einem eisernen Drahtstock gegen die Tür. Werner wollte in �diesem Augenblick die Toilette aufsuchen. Aber schon stand der ?Baterihm gegenüber, mit dem eisernen Stock in der Hand Werner fühlte sich bedroht. Er zog den Revolve'r: '»Schieß nur, schieß!" höhnte es ihm entgegen. Der Schuß ging los, ein zweiter folgte auf den Liegenden. Der er st«war tödlich. Werner aber stürzte zur Mutter:.Jetzt wirst du Ruhe haben.".Mein Sohn, was hast du getan?".Weine ' nicht, Mutter, ich komme zurück." Werner L. hatte sich gestern vor dem Landgericht I zu verant- warten. Er wurde aus der Haft vorgeführt. Der Staatsanwalt - plädierte auf Totschlag und forderte die M i n d e st st r a f e— �10 Jahre Zuchthaus. Der Verteidiger Dr. T h e in a l machte jür den Angeklagten Notwehr geltend und plädierte auf Frei- j p r u ch. Das Gericht erkannte auf Notwehr und sprach Werner L. frei. Durch den Zuhörerraum ging ein Seufzer der Erlösung. Ein menschliches Urteilt 'Vergebliche Suche nach den Juwelenränbern. Die Suche nach den Iuwelenräubern aus der TT a u e n tz i e ii st r a ß e, die von einem Heer von Beamten durch- geführt wird, hat auch bis jetzt noch keinen Erfolg gehabt. Es : sind noch eine Reihe von Zeugen vernommen worden, und es ' werden auch mehrere Spuren verfolgt. Eine besonders ausgeprägle • aber ist bisher noch nicht gefunden. Leider sind die vom Erken- • nungsdienst auf der Schaufensterscheibe und anderen Gegenständen , festgehaltenen Fingerabdrücke durch den Niederschlag der explodieren- � den Feuerwerkskörper und die starte Rauchentwicklung so sehr bcein- "trächtigt, daß ihre Verwcrtbarkeit herabgesetzt ist. Unter zahlreichen anderen Sistierungen erfuhr auch ein Pfarrer aus Polen heute die Unannehmlichkeit, festgenommen zu werden. Der geist- liche Herr, der der deutschen Sprache nicht mächtig ist, war mit einer Perlenschnur nach Berlin gekommen und bot sie einem Juwelier � zum Kauf an. Der Geschäftsmann, dem der Handel im Hinblick � auf die Ereignisse des vergangenen Sonnabends verdächtig vorkam, ! ließ den Verkäufer festnehmen. Aus dem Polizeipräsidium stellte jsich jedoch bald die völlige Unschuld des Pfarrers heraus, und mit ''Entschuldigungen wurde er wieder auf freien Fuß gesetzt. Versuchter Gattenmord. Der 38 Jahre alte Korbmacher A u g u st Bauer, der mit seiner Familie In der Iasmunder Straße 13 wohnt, oersuchte am Sonnabend, seine Frau und seinen C Jahre alten Sohn Hans mit Salzsäure zu vergiften. Der Mann, der der Einwirkung des Alkohols sehr leicht zugänglich ist, mißhandelte, wenn er betrunken war, wiederholt seine Frau und zertrümmerte Ein- richtungsstücke. Am Sonnabend abend kam er wieder betrunken nach Hause und fing Streit an. Die Frau, die durch Näharbeiten zum Lebensunterhalt beiträgt, war mit ihrer Arbeit noch in der Küche beschäftigt. Als der Mann zu loben begann, ging sie zum S3. Polizeirevier und bat um Schutz. Inzwischen hatte Bauer in das auf dem Herd stehende Gericht aus grünen Bohnen und Hammel- fleisch, das zum Abendessen für die Familie bestimmt war, eine halbe Flasche Salzsäure gegossen. Bald nach der Rück- kehr der Frau oerlangte der kleine Hans zu essen. Die Mutter. der der sonderbar beißende Geschmack der Speise aufsiel, vermutete gleich, daß der Mann Böses gegen sie und das Kind plane und ließ das Elsen stehen. Sie begab sich wiederum zur Polizei und erstattete Anzeige wegen versuchten Giftmordes. Bauer wurde fest- genommen. Er gibt zu, die gefährliche Flüssigkeit in das Essen gemischt zu haben, behauptet aber, daß es in der Trunkenheit ge- schehen sei und daß er sich der Verantwortung nicht bewußt gewesen sei. Er wurde der Kriminalpolizei zugeführt und in Haft beholten. Arbeitslos— verzweifelt. Eine schreckliche Ueberroschung er- wartete gestern abend eine Frau Sänger in der Niemetzstraße 1-l zu Neukölln bei ihrer Rückkehr. Sie fand ihren 6 9 Jahre allen Mann tot an der Türklinke hängen Der alte Mann war fell Ostern vorigen Jahres arbeitslos und hatte in her Der- zwefflung seinem Leben ein Ende gemacht. Stennenöe Kraftwagen. Die gefährlichc Zigarette. Ein schwerer Autozusammenstoß, wie er in seinen Folgen glücklicherweise nur vereinzelt dasteht, ereignete sich gestern abend gegen 7 Uhr in der Tiergartenstraße. Vor dem Hause Tiergartenstraße 32 fuhr eine Kraftdroschke mit voller Wucht auf einen Privatkraftwagen. Durch den Zusammenprall wurde der Benzintank zertrümmert und die leichtbrcnnbare Flüssigkeit ergoß sich auf die Straße. Einige Neugierige hatten sich eingefunden, als plötzlich eine Flamme heroorfchoß: das auf der Straße rinnende Benzin war in Brand geraten. Ein bisher noch unbekannt gebliebener Zuschauer hatte gedankenlos eine brennende Zigarette fortgeworfen. Das Feuer sprang auf die beiden Kraftwagen über, die im Nu lichterloh brannten. Ein dritter Krastwagen, der durch den Zu- sammenstoß zum Halten gezwungen war, fing gleichfalls Feuer. Es gelang aber deni Kraftwagensührer, den Brand rechtzeitig zu er- sticken. Nach kurzer Zeit erschien die herbeigerufene Feuerwehr unter Leitung des Branddirektors F l ö t e r. Nach längerem Wasser- geben aus einer Schlauchleitung und unter Zuhilfenahme von Schaumlöschapparaten gelang es, die brennenden Wagen abzulöschen. Zwischendurch waren noch einige kleinere Benzin- erplosionen erfolgt. Glücklicherweis? kamen keine Menschen zu Schaden. Durch den großen Feuerschein, der weit hinaus in dos abendliche Dunkel des Tiergartens leuchtete, hatten sich zahlreiche Schaulustige eingefunden, die die Schuldsrage eifrig diskutierten. der Zaffaüenkletterer. Die Juwclenausstcllung am Kaiscrdamm. Der 26 Jahre all« Bäckergeselle Fritz Wald ist einer der inter- esiantesten Einbrecher. Er ist Fassadenkletterer von Beruf, intelli- gent, ein scharfer Denker, oerschlagen, mutig und geisteszegenwärtig. Er hat durch seine geradezu oerblüsfende mehrjährige Arbeit zur Bereicherung der Polizei-Ausstellung beigetragen. Vor allem sind Juwelen zu sehen, die die Kriminalpolizei in mühevoller Arbeit er- mittelle und seinen Hehlern wieder abnahm. Jetzt sollen mit Hilfe der Ausstellung Ihre Eigentümer gesucht werden. In den letzten Iahren wurden in Berlin. Dresden und Hamburg bei reichen Leuten Wohnungseinbrüche oerübt, die man sich lange nicht erklären konnte. Es war rötselhast, wie der Dieb in die Räume hatte hineinkommen können. Oft schien es nicht anders möglich ge- wesen zu sein, als daß Hausangestellte ihre Hand im Spiele gehabt hätten. Mehr als«inen großen Einbruch hielt man zunächst auch für fingiert. Da wurde End« Oktober o. I. in einem Billenviertel von München ein junger Mann auf frischer Tat er- tappt, der in Frack, Zylinder, Lackschuhen uns Abendcape zur Nachtzeit einem Kommerzienrat einen„Besuch" machte. Nach einer Schießerei ergab er sich in sein Geschick. Zehn Minuten vorher halle er bereits«ine andere Lilla heimgesucht. Dieser junge Mann im Gesellschastsanzug entpuppte sich als der damals 25 Jahre alte Bäckergeselle Fritz Wald, der aus Jeßnitz im Kreffe Dessau stammt. Pei ihm fand man ein« Liste mit Namen aus den ersten Gesell- schaftskreisen in München und anderen deuffchen Großstädten. Er gab zu, daß er auch den Trägern dieser Namen noch seinen un- erbetenen Besuch zugedacht hotte. Man zweifelte nicht, daß man es hier mit einem„Prominenten" der Perbrecherwelt zu tun hatte, und seine Zukunllsabsichten legten es nahe, daß er in der Der- gangenheit auch schon bei Angehörigen der gleichen Gesellschaftskreise gearbellet habe. So kam man auch aus die rätselhaften Einbrüche in Dresden, Hamburg und Berlin. Während der Ermittlungen in München, die der dortige Kriminalobcriiffpektor T h u m a n n leitete, schrieb der Berhastcte an den Berliner Kriminalkommissar Trettin, daß von hier ein Beamter nach München entsandt werden möge, weit er auch über einige Berliner Vorkommnisse Auskunft geben wolle. So wurde von der hiesigen Kriminalpolizei Kommissar Trettin, von Dresden Kommissar Haferkorn und von Ham- bürg Kriminaloberinspektor R e h m a n n nach München enffandt. Die Annahme, von der man ausgegangen war, bestätigte sich durch die Ermittlungen eines ganzen Jahres in immer größerem Umfange. Die drei großen Einbruch« in Dresden wurden zunächst aufgeklärt und von Wald eingeräumt. Durch das enge Zusammenwirken der Kriminalbehörden der genannten Städte gelang es dann nach und nach auch das ganze Treiben Walds aufzudecken. Jetzt fand man die Erklärung für dt« rätsethasten Einbrüche. Das Ermittlungsverfahren wurde in Berlin konzentriert. Fast ein ganzes Jahr lang hatte die Berliner Kriminalpolizei in Zusammenarbeit mit den anderen Behörden zu tun, um alle Spuren zu verfolgen und endlich auch an die Hehlernester heranzukommen. Aus der großen Menge der Einbrüche sei folgender sehr interesiante Fall erwähnt, der die Geistesgegenwart des Fassadenkletterers kennzeichnet. In der Nacht zum 23. November 1924 brach er in eine große Villa in der Tier- gartenstraße an der Ecke der Friedrich-WIlhelm-Stroße ein. Hier waren zur Nachtzeit Asphaltarbeiter beim Straßenbau beschäftigt, aber seine Geistesgegenwart und seine Kühnheit halsen ihm doch noch aus der Klemme. Hier erwachte ein Kaufmann, der im 1. Stock schlief, durch das Klappen einer Zimmertür. Er dachte gleich an einen Fassadenkletterer, da ein Fenster aufgestanden hatte. Wald aber hatte ihn bereits eingeschlossen und war nach dem Salon an der Tiergartenstraße gegangen. Der Eingesperrte machte sich einem Fräulein, das in einem der Nebenräuine ichlief, bemerkbar. Dieses befreite ihn, und er nahm nun die Verfotgung des Einbrechers auf. Als Wold merkte, daß nicht nur die Hausbewohner, sondern auch die Asphaltarbeiter alarmiert wurden, versuchte er durch den Hinterausgang zu entkommen, fand diesen aber verschloffen. Jetzt erbrach er die Tür zum Kohlenteller, kletterte nach einem oer- geblichen Versuch, die Hintertür mit einer Kohlenschausel zu öffnen, vmn Keller aus den Lichffchacht hinaus, stieg wieder in ein Schlafzimmer des 1. Stockes ein, schloß dieses ab, ging zum Fenster wieder hinaus und entkam, nachdem er die Verfolger, darunter die Arbeiter mit ihren Hämmern und Stampfern in den Keller gelockt und eingeschlossen hatte. In der Nacht zum 28. August 1925 kletterte er in der Rauchstraße einen Baum hinauf, schwang sich von diesem auf den Balkon der Villa eines Fabrik- befftzers, der oerreist war, drang durch die Balkontür ein, suchte in der Küche vergeblich nach einem geeigneten Werkzeug, um einen Wandschrank zu erbrechen und mußte sich so mit einigen Brillanten im Werte von mehreren tausend Mark, die er unveischlossen fand, begnügen. Welche Einbrüche noch weiter durch die Iuwelcnausstel- lung am Kaiserdamm aufgeklärt werden mögen, bleibt abzuwarten. Ciu Schießstand für Hatcnkrenzlcr. lieber merkwürdige Schießereien im Tegeler F o r st berichtet uns ein Lcser- unseres Blattes. Am gestrigen Vormittag fuhr der Genannte, der arbeitslos ist, mit seinem Rade durch den Tegeler Forst, uni nach Pilzen Umschau zu halten. In der Nähe des früheren Munitionslagers hörte er Schüffe fallen und gleichzeitig pfiffen ihm auch Kugeln um den Kopf. Bald darauf wurde er von Schupobeamten festgehalten und als angeblicher Schütze verdächtigt. Auf einem freien Platz, wohin mau ihn brachte, fand er drei junge Burschen vor, die ebensalls von der Polizei festgenommen worden waren. Unser Gewährsmann konnte sich ausweisen und glaubhaft machen, daß er als Schütze nicht in Frage komme. Ange- sichts der anderen Festgenommenen erinnerte er sich aber auch gleichzeitig, daß er ihnen etwa zwei Stunden vorher im Forst be- gegnet war. Er erkannte sie an der u n i f o r m m ä ß i g e n Klei- dung wieder und besonders daran, daß einer der Burschen eine Armbinde mit einem Hakenkreuz trug und daß sie sich im Besitze einer phoioqraphischen Kamera befanden. Es handelte sich also offenbar um Angehörige einer rechtsradiknlcn Organisation, Sie den Forst als Schicßübungsplafc benutzt hatten. Diese Per- mutung wurde denn auch dadurch beftätiot, daß die Beamten etwas abseits drei Leibriemen fanden, die mit Ä r m e e r e v ol v c r n und Futteralen dazu ausgestattet waren. Unser Gewährsmann konnte der Polizei noch mitteilen, daß er bei der ersten Begegnung diese Ausrüstungsgegcnstände bei den Hakenkrcuzlern beobachtet hatte. Die Hakenkreuzlcr wurden in Haft behalten, den Radler ließ man. nachdem man sich entschuldigt hatte, wieder lausen. Mit Recht sragl unser Gewährsmann, ob nicht von der Polizei Vorkehrungen getroffen werden können, daß rechtsradikale Jugendlich- überhaupt nicht in den Besitz von Waffen kommen und diese gefährlichen Werkzeuge in unverantwortlicher Weise gebrauchen können. Hoffentlich sieht sich die Polizei die Leutchen etwas genauer an._ Eine Kinöesmoröerin. Milde Richter. Bor dem Schwurgericht des Landgerichts III hatte sich die un- verehelichte Anna Latus aus Spandau wegen Kindes- mordcs zu verantworten. Die Angeklagte verdiente sich ihren Lebensunterhalt als Auswäscherin in einer Gastwirtschaft. Trotz ihrer Unansehnlichkeit hat sie ein« Reihe von Liebe-affären gehabt. Das erste Kind erreicht««in Alter von drei Jahren. So lange wurde es bei den Eltern der Angeklagten erzogen. Kaum war es bei der Mutter, als das Kind angeblich durch einen Unfall ums Leben kam. Ein zweites Neugeborenes verstarb gleich noch der Geburt. Schon damals entstand der Verdacht des Kindesmordes. Das Verfahren mußt« aber wegen Mangel an Beweisen eingestellt werden. Im Februar d. I. wurde hinter einem Zaun die Leiche eines Neugeborenen, in«in« Schürze gewickelt und in«inen Karton gestopft, ausgefunden. Die Polizei ermittelt« die Angeklagte als die Mutter des Kindes. Trotzdem die ganze Stube voller Blut- spritzer war, leugnete die Angeklagt«. Gewalt angewendet zu haben. Sie behauptete, daß das Kind auf dem Wege zur Aufwarte- stelle ihr aus den Armen gerutscht und ums Leben gekommen fei. Deshalb hält« sie die Leiche beiseitegeschafft. Nach der Annahm« de? ärztlichen Sachverständiger muß die Angeklagte das Kind gleich noch der Geburt an den Beinen gepackt und mit dem Kopfe gegen die Kochmaichine geschlagen haben. Schließlich lies? sich die Angeklagte zu einem teilweisen Geständnis bewegen mtb gab zu, ihr Kind vorsätzlich getötet zuhaben. Sie behauptet« aber, daß es nicht in der Wohnung, sondern aus dem Wege zur Arbeicsstelle geschehen sei. Mit einem von der Siroßc aufgehobenen Knüppel hätte sie dsm Neugeborenen einen Schlag auf den Schädel gegeben. Der Verteidiger bat die soziale Notlage der Angeklagten und ihre geistige Beschränktheit im Urteil als Milderungsgründe zu berücksichtigen. Das Schwurgericht folgt« auch darin dem Verteidiger und gab der Angeklagten mildernd« Umstände, glaubte aber, in Anbetracht der Begleitumstände über die Miiideststrase hin- ausgehen zu müffen. Di« Angeklagte wurde zu drei Jahren Gefängnis verurteitt und im Gerichtsfoal in Hast genommen. Jugendweihe der„Freien Schulgemeinde". Die Jugendweihe für die Schulentlassenen der 2 4 6. und 25 4. we l t l i ch e n Schule in der Waldenser- und Bremer Straße fand am Sonntag im Usa-Palast, Turmstraße, statt. Der Ufa-Palast ist für diese Feier wie geschaffen. Gedämpftes Licht und Scheinwerfer in allen Farben, Innenarchitektur und Orgel schufen eine der Stunde entsprechende Feierstimmung, die leider durch Un- ruhe der Versammelten etwas beeinträchtigt wurde. Ein �zutes Konzerlprogramm, Prolog und Kinderchor umrahmcen die»jeicr. Die Kinder sangen..Die Sonn' erwacht" von Weber. Dos Ufa- Orchester spielte die Ouvertüre zu„Die Geschöpfe des Promeiheus" von Beethoven. Rektor Trink aus hiett die Wecherede. Er wies die IugerÄ auf dos weltgeschichtliche Ereignis dieser Tag- hm: den Eintritt Deutschlands in den Bölkerbund. Die Völker haben gelernt zu denken, und die Jugend solle auch denken, dann werde» die Zeiten des Krieges nicht wiederkehren. Was man als richtig erkannt hat. dafür fall man auch eintreten. Wir leben in einer schweren Zeit und brauchen willensstarke Menschen. Serie Rede war getragen von der Ermahnung an die Kinder,.n� ichweren Zelten nicht zu verzagen, sondern für eine beffere Zukunff zu sor- gen. Orgelspiel beendete die ernste Weihestunde. Handarbeits-AuSstellung. In unserem Zeitalter der Mechanik und Maschinen, der weiter- gebräunten, spart- und energiebeseetten Frauen, die den Männern auf den verschiedensten Gebieten den Rang streitig zu machen suchen, fühtte man sich plötzlich in eine andere West oersetzt. Frauen, mu zarten Fingern emsig über den Stickrahmen gebückt und mühsam einen Faden an de» anderen reihend. Unter ihren sleißigen Händen erstanden wahre Wunderwerke. Das Warenhaus Tietz führt-n seinen Äusftellungsrärnnen gelegentlich einer Handarbeits- Ausstellung uitter Verwendung neuen Material«» ganz eigenartige, neue Muster vor. Kiffen aus Gold- oder Silberbrokat mit Metallfäden und bunter Seide bestickt, wirken direkt fremdartig reiz- voll. Auch die Ilachstichstickerei bietet viel Neues. Man hat durch Musterung und Farben Zusammenstellung eine regelrecht« Imitation der Kelemarbeit in leichter, zarterer Ausführung zustande gebracht. Neben den schönen, kostbaren Filetarbeiten für Wäschegegenstänoe. arbeitet man jetzt auch Wallsilet für Kissen. Deckchen usw. Die so- genannten„Münchener Neuheiten" sind Kiffen in ganz eigenartig wirkenden Färb- und Materialkombinationen. Japaniscbe Seide»- Malerei auf zarten, spinnwebdünnen Seiden, Stickerei aus schweren. leuchtenden Stoffen, zu Kiffen, Kimonos verarbeitet, Bastarbeiten. handgemalte Gobelins, kurz eine unendliche{jülle der prächtigste» und'verschiedenartigsten Modelle weiblicher-yandarbeitskunst sind hier in geschmackvoller Weise zur Schau gestellt. Die Mitte des Ausstellungsraumes schmückt ein blühender Goldregenbaum, an dessen Stamm sich einige Schlänglein hinaufwinden: unten tummeln sich in sröhlicher Gcmeinschast— unter zarter Baumblüte— Pelikan und Krokodil und bei näherem Hinsehen entpuppt sich die gan.ze Szenerle ebenfalls als kunstvolle Handarbeit. Der Besuch ist ein sehr reger und beim Hinausgehen flüsterte ein« Angestellte, der man Pewunderung über die Reichhaltigtett der Ausstellung zollt, leise: Ja, wir müssen viel bieten, die Damen mackzen jetzt wieder selbst ihre Handarbetten. Wer hätte das wohl gedacht? » Deuffche Spitzen und Stickereien. Als Auftakt der Werbe- wochefürdcutscheSpitzenundStickereien fand gestern ein« Besichtig ungs-Rundfahrt der dekorierten Schau- senster statt. Wie bereits mitgeteilt, haben sich die Kaufhäuser und Spezialgeschäste beretterklärt, innerhalb der Zeit vom 27. September bis 3. Oktober zur Unterstützuna der Spigeuindustr!« in diesem Sinne mitzuwirken und dem Publikum Anregung zu neuen Ideen sür den Wettbewerb, der im Rahmen der Werbewocbe stattfindet, zu bieten. Gerade diese hochwertige und alte deutsche Industrie kämpft gegen überstarke, durch Valutataumel begünstigte Auslandskonkurrenz einen verzweifelten Kamps und Tausend« von Schassenden dieser Fabrikation sind arbeitslos. Die heutige Mode hat der Spitze wieder nach langer Zeu das Wort erteilt und wir sehen in den Schaufenstern schöne Modelle in gesärbter und ncttursarbener Spitze in den verschiedenartigsten neuen Musterungen. Ein Opfer des.AnHängens". Die üble Unsitte von Kindern. sich an ein Gefährt anzuhängen, hatte gestern nachmittag in Zehlendorf vor dem Hanse Potsdamer Strazc 1«inen t ö d- lichen Straßenunsall zur Folge. Di« öierjährige I r m. gard R. aus der Spandauer Str. 96 hängte sich in jugendlichem Uebermut an einen Möbelwagen. Das Kind sprang plötzlich ab und lief blindlings in ein« aus entgegengesetzter Richtung kennnend« Kraftdroschke hinein. Die Räder gingen über die klein« R. hinweg, so daß der Tod auf der Stelle eintrat.— Don einer Kraftdroschke wurde gestern abend die Ehefrau Franziska R e n i a l aus der Margarethenstr. 16 lo'gesahrcn. Fra» R. wollte an der Ecke der Margaretcnstr. 16 totgefahren. Frau R. wollte an der Ecke sie von einer herannahenden Kraftdroschke erfaßt und über» fahren wurde. Mir schweren inneren Verletzungen wurde die Verunglückte in das Krankenhaus übergeführt, wo der T o d kurz nach der Einlieferung eintrat. Die amerikanischen Seeleute im Rathaus. Testern mittag statteten t>ie amerikanischen Seeleute unter der Führung des Kommandanten Leck dem Ralhaufe einen Besuch ab. Noch einer eingehenden Be- sichtigung nahmen sie in dem mit amerikanischen Föhnchen und den Flaggen Berlins geschmückten Vorsaale des Gebäudes Platz, wo ihnen«in Frühstück gegeben wurde. Im Auftrage des zurzeit ab- wesenden Oberbürgermeisters hieß Stadtrat Dr. Richter die amert- konischen Gäste auf's herzlichst« willkommen. Er betonte die guten Beziehungen, die zwischen Amerika und Deutschland wieder ange- knüpst worden sind und schloß seine Rede mit einem dreifachen Hoch auf das amerikanische Volk, die amerikanische Marin« und die hier anwesenden Venreter des großen Volkes. Daraus ergriff der Kommandant des amerikanischen Kreuzers„Memphis" das Wort, un> für die Aufnahme, die er und feine Kameraden hier gefunden haben, zu danken. Er trank fein Glas auf das Wohl der Stadt Berlin, des deutschen Volkes und der deutschen Marine. Ein dreifaches chipp- Hipp-Hurro der amerikanischen Gäste folgte. Das beslohlene kriminalgcrichl. In der Zeit der Inflation, wo jedes Stückchen Metall hohen Wert hatte, waren Diebstähle in den K r i in i n a l g e r i ch t s r ä u m e n eine häufige Erscheinung. Am Freitag früh stellte sich heraus,' daß in dem sogenannten „Schwindsuchtsgang", einem lang gewundenen Verbindungsgang zwischen dem alten und dem neuen Kriminalgerichtsgebäude, samt- liche Glühbirnen gestohlen worden waren. Ein Molorfahrzeug In den llnlergrundbahnschachl gestürzt. Beim Legen von Kabeln vor dem Hause Kottbusser Str. 17. wo gleichzeitig Ausschachtungsarbeilen für die im Bau befindliche Untergrundbahn vorgenommen werden, durchbrach kürzlich ein schweres Motorsahrzeug des Telcgraphenbauamtes den Bodenbelag, der der überaus großen Belastung nicht gewachsen war und stürzte mehrere Meter lies in die Baugrube. Die Feuerwehr sowie eine Hilssabteilung der Berliner Straßenbahn wurden herbei- gerufen, um das Fahrzeug zu bergen. Erst nach mehrstündigen an- gestrengten Arbeiten gelang es, das schwere Motorfahrzeug, auf dem sich noch eine Kabelwinde befand, an die Oberfläche zu befördern. Ilrbcrsallkommando und Aulobus. An der Ecke Manteufsel. und Walde murstraße stieß gestern abend gegen 9 Uhr ein Kraftwagen des Ueberfallkommandos mit einem Autobus der Linie 21 zusammen. Glücklicherweis« wurde niemand oerletzt, lediglich einige Scheiben des Autobus wurden zertrümmert. Ellernbeiratswahlen. Auch im 5. Bezirk haben die Christlich- Unpolitischen bei den Nachwahlen schiecht abgeschnitten. An der 6 6. Schule hatte sie im Juni die Mehrheit verloren. Durch eine Neuwahl hofften sie die Mehrheit wieder zu erlangen und legten Protest ein. Es hat nichts genützt, die Nachwahl hatte bei starker Wahlbeteiligung das gleiche Ergebnis wie die Wahl am 6. Juni: Liste„Schulaufbau" 6 Sitze(1921: ö Sitze), Christlich-Unpolitische 5 Sitze(1924 6 Sitze). An der 2 3. Schule hatte der christlich- unvolitische Wahlvorstand bei der Hauptwahl die Liste„Schul- aufbau" ungerechtfertigt lür ungültig erklärt und so seiner Liste 11 Sige„erkämpft". Die auf Protest unserer Genossen angesetzte Neuwahl brachte den Christlich-Unpolitischen einen Verlust von drei Sitzen bei nachstehendem Ergebnis: Liste„Schiilausbau" 5 Sitze (1924: 2 Sitze), christtich-unpolilische Liste 6 Sitze(1924: 9 Sige). Wenn unsere Genosien und fortschrittlichen Eltern überall so rührig sind, werden die letzten Nachwahlen am kommenden Sonntag der Liste„Schulaufbau" weitere Erfolge bringen auf Kosten der Christlich-Unpolttischen. Die Nochwahl zum Elternbeirat brachte in den Neuköllner Gemeindeschulen 2 und 39(Boddinstrnhe) einen harten Wohlkampf. Trotz„christlich-ilnpllütijchcr" Lügen ist es uns gelungen, an der 2. Schule fünfSitze und au der 3 9. Schule 4 S i tz e zu gewinnen. Elternbund, Lehrer und Schulleitung hatten olles aufgeboten, das zu verhindern. Zum ersten Male ziehen in diesen Schulblock Vertreter der Liste„Schulaufbau" ein. Ihre erste Aufgabe wird sein, der«chulrcaktion zu zeigen, wie praktische Arbeit zum Wohl der Kinder aussieht. Fahnenweihe in Borsigwalde. Am Sonntag fand in dem mit vielen roten und schwarzrotgoldenen Fahnen geschmückten Barsig- walde die Fahnenweihe der dortigen Reichsbannerkameradschäjt statt. Weit über 1000 Kametadcn der Berliner Kreise waren er- schienen. Die Festrede hielt Genosse Erich Fraenkel. Das Reichs- banner, so sagte er. wird an erster Stelle mitarbeiten, den Welt- frieden zu erhalten und die sranzösisch-deutsche Erbfeindschaft für alle Zeiten zu begraben. Die Fahnenweihe nahm Kamerad Nowak vom Gauvorstand vor. Mit begeisterten Hochrufen auf die Republik fand die imposant« Kundgebung nach einstündigem Ummarsch, an dem sich die Tegeler' und Reinickendorfer Kameraden mit ihren Bannern beteiligten, ihr Ende. Zn dem Artikel„Denkmäler de» ZNllilarlsmns", den wir im„Vorwärts" Nr. 408 am 31. Sluguft veröffentlichten, wurde erwähnt, daß in der B e l l e- A l l i a n c e- S t r a ß e die ehemalige Dragonerkasern« in ihrem Keller«ine Mittel- standstüche des Vaterländischen Frauenvereins vom Roten Kreuz be- herbergt. Unsere nebenbei gemachte Bemerkung, daß es in dem Keller„muffig riecht und Hühnergegacker zu hören ist", und die angefügte Frag«,„warum die ehemaligen Fürstinnen, die im Vor- stand dieses Vereins sitzen, nicht eins ihrer Schlösser dazu hergeben", veranlassen die stellvertretende Vorsitzende der Gruppe Kreuzberg des Vaterländischen Frouenvereins vom Roten Kreuz, unter Berufung auf Z 11 des Pressegesetzes die Aufnahme einer Erwiderung zu fordere. Die Dam« wiegt sich, wie alle Pressegesctznichtkenner, In dem schönen Wahn, daß man sich nur forsch aus den berühmten 8 11 zu berufen brauche und dann die Aufnahme von allem mög- lichen fordern dürfe. Obwohl in dem Artikel mit keiner Silbe von den Besuchern der Küche gesprochen wurde, erzählt sie, daß die Küche „fortgesetzt sich steigenden Besuches eines gediegenen Publikums er- freut". Auf unsere Frage nach den zur Verfügung zu stellenden Schlössern antwortet sie mit der Gegenfrage, wie man den asten und teilweise gebrechlichen Gästen den beschwerlichen Weg zumuten solle. Darüber aber, ob es in dem Keller muffig riecht und Hühner. gegacker zu hören ist, sagt die Erwiderung nicksts. Der h-mplausschub für vrbelterwohlfahr« bittet uns mitzuteilen: Der Nachichulunsislebrgang deS HauptauSschulsoS sür Rrbeiterwoblsabrt für männliche WohIsahrlSpsleger muh wegen Verzögerung der Herausgabe de« Erlaifes in den, die Ausbildung für männliche WohIIabrtSpfleger geregelt wird vom IS. Oltober oui den 1. N o v e m b e r verlegt werden. Dieter Termin liebt endgültig fest. Der Lebrgang dauert vier Monate. Männ- liifie«oblfabrtspfleger, die eine dreifährige vernfspraxis mil einem um- faffenden Gebiet der SoblfadrtSPslege babcn, können Antragsformulare und nähere AuSkunlt einfordern beim HauptauSfchuh für Arbeiterwohlfahrt, Berlin SW 61,«elle-Mtance-Platz 8. UoISfnrfe l» Englisch. Zronzösifch. Spanisch. Anfang Ostober beginnen w b«r Sprachichule für Proletarier die neuen Abendklrrfe w Snglffch, Iran, östich und Tpanifch sowohl lür Anfänger ohne Vorkenntnisse als auch iür TeUn-hmer m i t Vorkennlnifscn. Anmeldungen: Dienstag, den 28. September und Mittwoch, den LI. Sedtember, abends 6 b'S 8 Ubr, in der Schule tLipzstr. 83 a. Zimmer 18(nahe AlexandcrptaS und Vahnhof Börse). Der Mnterfafirplaa tritt in der Nacht vom 2. zum 3. Oktober m.ffralt �_ chels Telegraph_ daS Kursbuch für AuSIandreifen— erscheint neu, -S enthält den gesamten deutschen und-uropSifchen Verkehr. Au» d?m Zug geworsem Am Sonufag vormittag wurde nach einer Meldung aus Köln aus dem Bahnkörper der Strecke T r o i s- dort— Wahn eine weibliche Leiche aufgesunden. Di« Nachforschungen ergaben, daß die Tot« die LOiöhrige L u i s e R u e b- f a m e n au« Daaden ist. die von einer bisher noch Unbekannten in verbrecherischer Zlbsichf aus dem Eilzug geworfen worden war. Wenn man von der llebertragung der Plotzmusik des Lunapark- orchesters absieht, so verdient da» musikalische Sonntagsfunkpro- grannn diesmal Lob. Der Gedanke, Oratorien durch den Rund- funk verbreiten zu lassen, lag nahe. Denn die ganze, oft recht dramatisch bewegte Handlung liegt ja bei diesen Werken in der Musik und im gesungenen Wort, und diese vor Jahrhunderten eni- standenen Tonschöpfungen sind also eigentlich ideale„Sendespiele". Handels„Judas Maccabäus" eröffnete die Reihe—, denn noch sieben weitere Oratorien sollen an anderen Abenden folgen. Dr. Kurt Singer schickte dem Werk eine knappe, aber ausschluß- reiche Einleitung voraus über die geschichtliche Entwicklung der Oratorien und gab in einer Erläuterung des Werkes wesentliche thematffche Hinweis«. Prof. Hugo Rudel bewies sich als starker Nachgestalter dieses kraftvollen Händsl-Werkes. Der wundervoll ob- gestimmte Chor der Berliner Funkstunde und das vortreffliche Funk- orchester brachten unter seiner Leiwng eine Aufführung zustande, die sich den besten Darbietungen im Konzertsaal als ebenbürtig an die Seite stellen konnte. Auch ausgezeichnetes Soliftenmaterial war aufgeboten worden. Rudolf Laubenthal sang die Partie des Judas Maccabäus, Albert Fischer den Simon, und E m m y von Stetten setzte ihren kultivierten Sopran sür die Erste Israelitin ein.— Der Nachmittag bei Johann Strauß, der von dem Enkel des Walzerkönigs dirigiert wurde, war in der Idee glücklicher als in der Ausführung: an der„Stunde der Lebenden", die Werke von Kaminsti, Manuel da Falla und Hmdemith bot, wäre nur zu rügen, daß sie in der Zeit von 1 bis 2 Uhr nachmittags allzu ungünstig plaziert wurde. Don der Sendespiel-Operette dieses Montag« läßt sich in der Hauptsache dasselbe sagen, wo» für alle Operettenübertragungen durch den Rundfunk gilt: da« fehlende Bühnenbild bleibt hier stets ein fühlbarer Mangel, denn allzu sehr ist jede moderne Operette von ihm abhängig. Dabei soll nicht verkannt werden, daß Oscar S t r a u s letzter Walzer ein musikalisch gefälliges, melodienreiches Werk ist— mit einem recht banalen Textbuch sreilich, das kaum sehr geschickte Darsteller auf der Bühne schmackhaft machen können, dos ober im Hörbild völlig unwirksam bleiben muß. Doch Oscar Straus, der sein Werk selber dirigierte, bot wenigstens in der guten musikalischen Aufführung einen Ausgleich, und Bernhard Bötel und E r n i I o l o n waren stimmlich recht annehmbare Darsteller. Franz Groß' und Olga Engls Komik verpufften auch im Sendespiel nicht völlig. Auch die übrigen Rollen waren gut besetzt.— Leider war das Nachmittagstonzert diesmal nicht ganz auf der Höhe. Frau Flocke-Hagcmann verfügt zwar über einen ganz umfang- reichen Sopran, doch fehlle es ihr an Stimm- und Sprechkultur. Egbert Drake aber hatte sich mit Werken von Schumann eine Aufgabe gestellt, für die weder seine Technik noch seine Ausdrucks- kraft völlig zureichten. vas Kundtunkpr-oxrarrim. Dienstag, den 28. September. Außer dem üblichen Tejresprogramm: 12 Uhr mittags: Die Viertelstunde kür den Landwirt. ♦ Uhr nachm.: Uektor A. Hauschild:„Die Berufswahl psychopathischer Kinder". 4.30— 6 Uhr abends; Nachmittagsbonsert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Franz v. Szpanowski. 6.30 Uhr abends: Stunde mit Büchern. 8.55 Uhr abends: Georg Enders:„Arbeit und Eigentum". 7.20 Uhr abends: Hans-Bredow- Scbnle(Bildungskurse). Abteilung Volkswirtschaftslehre. Dr. O. Stillieh:.Einführung in die Nationalokonomio"(Zweck und Bedeutung dieser Wissensobaft). 7.45 Uhr abends: Hochschulkurse. Abteilung Kulturgeschichte. Dr. Gustav Neckel:„Deutschland? Kulturbeziehungen zu den skandinavischen Ländern im Wandel der Zeiten(Neuzeit)'. 8.15 Uhr abends: Professor Oskar Bis: Einführung zu dem nachfolgenden Orchesterkonzert. 3 30 Uhr abends: 200 Jahre Orchostermusik. V. Dir.: Dr. W. Buschkötter. Solist: Kammersfinger Lanrits Melchior. Tenor. 1. v. Weber: Ouvertüre zu der Oper„Oberon". 2. Aus den Wesendonk-Liedern: a) Wagner: Träume, b) Wagner: Schmerzen. 3. Wagner: Siegfried-Idyll(Lanrits Melchior). 4. Wagner: Siegmunds Liebeslicd, aus der Oper„Die Walküre", b) Wagner: Gralserzählung aus der Oper„Lohengrin*(Laurita Melchior). 5. Berlioz: Aus„Faust' Ver- darmnung": a) Sylphentanz, b) Tanz der Irrlichter, o) Ungarischer Marsch(Berliner Funfcorchester). Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst Königswusterhausen, Dienstag, den 28. September. 3—3.30 Uhr nachm.; C. M. Alfieri und r. Eyseren: Spanisch. 3.30—4 Uhr nachm.: Professor Dr. Lewandowski: Das nervöse, das blasse, das sitzenbleibende Kind und seine Bedeutung. 4.30— 6 Uhr nachm.: Aus der pädagogischen Welt 6—6 Uhr abends; Manfred v. Ardenne: Wie höre ich die deutsche Welle? 6— 6 30 Uhr abends: Prof. Matsohoß: Große Männer der Technik. 7— 7.30 Uhr abends; Dr. phil. Wegner: Nistkästen lür Höhlenbrüter. 7.30—8 Uhr abends: Dr. Fischer: Das Lebenswerk von Arno Holz. Ab 8.15 Uhr abends: Uebertragung aus Berlin. ,'.L-"L-.. Qi D .Ä:■-V Kommt ein Vogel geflogen, Will sich niederlassen in Berlin. Liebe Berlinerl Unsere„Haipaus Mocca" ist eine besonders besonders preiswerte Cigarette. Ihre Verpackung ist einfach, fachlich einwandfrei, genau wie bei anderen. Ihre Fabrikation geschieht mit eben solcher Liebe und eben solcher Sorgfalt, genau wie bei anderen. Das für die„Halpaus Mocca" verwendete Papier ist das Beste, was man bieten kann, genau wie bei anderen. Was wir anderen aber voraus haben, ist unsere im Verlauf von lahrzehnten mit großen Kosten aufgebaute Tabak-Einkaufsorganisation. Auf den Tabak aber kommt es an. Damm ist unsere„Halpaus Mocca" eine besonders gute und besonders preiswerte Cigarette. HALPAUS-CIGARETTEH-FABRIK G. M. B. H. BRESLAU UND KÖLN öaüen und Schwimmen im Vinter. N-ich dem Gutachten vieler Asrzte ist das Schwimmen die ge- sündefte Ceibcsübunsj, vereinigt es doch in sich die Körperpflege mir der Körperübung, die körperliche Reinigung zugleich mit einer all- seitigen Betätigung und damit vorzügliche Durchbildung der inneren und äußeren Organe des menschlichen Körpern Das Schwimmen ist von hoher praktischer Bedeutung: es bietet neben seinem gesundheitlichen Wert Schutz gegen die Gefahr des Ertrinkens, und der Schwimmer hat außerdem die Fähigkeit, andere vor dem Tode des Ertrinkens zu retten.' Das Schwimmen sollte auch im Winter, soweit es irgend möglich ist, praktisch ausgeübt rr-erden Gewöhnlich wird in der kälteren Jahreszeit das Schwimmen sehr vernachlässigt oder gar nicht de- trieben. Es scheint fast, als ob im Winter das Schwimmbedürsnis bei vielen Menschen vollkommen erloschen sei. Beim Baden im Freien sollte im allgemeinen darauf gesehen werden, daß das Wasser eine Temperatur von mindestens IS bis 18 Grad hat. Eine niedri- gere Temperatur erzeugt für den im Wasser sich befindenden Men. schen eine übermäßig große Wärmeentziehung und schwerwiegende gesundheitliche Schäden können die Folgen allzu kühner, unüber- legter Handlungen sein. Da in Berlin 14 Hollenschwimm. b ä d e r bestehen, ist die Möglichkeit des Badens und Schwimmens auch in der Winterzeit gegeben. Leider wird diese sich bietende Schwimmöglichkeit von der Arbeiterschaft nicht genügend beachtet und ausgenützt. Man sollte auch im Winter nicht vergessen, daß alljährlich in den Sommermonaten Tausende von Menschen durch Ertrinken den Tod finden. In fast allen Fällen war die Ursach«, daß die Ertrunkenen nicht schwimmen konnten. GewiH, auch ein tüchtiger Schwimmer kann durch einen organischen Fehler oder 'sonstige Einwirkungen ertrinken. Meist jedoch sind es Nichtschwim- mer oder weniger geübte Schwimmer, die ihre Fähigkeiten über. schätzten, infolge Ermattung untergingen und ihr Leben in den kühlen Fluten verloren. Diese von Jahr zu Jahr in der Zahl sich steigernden tödlichen Unglücksfälle sollten für jeden Nichtschwimmer eme Warnung und zugleich Mahnung sein. Wer der Gesahr des Ertrinkens entgehen will, muß sich rechtzeitig durch das Erlernen des Schwimmens gegen sie schützen. Regelmäßige Schwimmübun- gen— auch in den Wintermonaten— werden dazu beitragen, die erforderliche Sicherheit in der Schwimmkunst zu erlangen. Ganz besonders gilt dies für Jugendliche und Kinder, die mit Vorliebe an Flüssen und Seen spielen und im überschäumenden Temperament der sie bedrohenden Gefahren nicht achten. Gar zu leicht und allzu oft sind Kinder beim Spielen verunglückt und er- trunken. Für das Wohlergehen ihrer Kinder tragen die Eltern die Verantwortung. Es ist ihre Pflicht, wollen sie nicht den Vor. wurf der Fahrlässigkeit in der Erziehung ihrer Kinder hinnehmen, diesen das Schwimmen erlernen zu lasten. In fast allen Städten sind Arbeiterschwimmoereine oder Schwimmabteilungen von Arbeiterturnoereinen vorhanden, die in vorzüglicher Weise nach neuzeitlichen Methoden unentgeltlich Schwimmunterricht erteilen. Zum Schwimmunterricht eignen sich besonders die Hallenschwimmbäder, in denen wohltemperierte Lust und Wasser, selbst bei grimmigster Kälte, einen angenehmen Ausent- halt bieten. In Ermangelung winterlicher Badegelegenheiten oer< schasse man sich durch geeignete Vorübungen, sogenanntes Trocken. l ch w i m m e n, die theoretische Grundlage des Schwimmens. Es ist sehr wesentlich für jeden Anfänger, daß er Schwimmtempi und Atmung theoretisch und prakrtsch beherrscht. Damit ckürd eine bedeutende Erleichterung für den dann im Frühjahr im Freien de- ginnenden praktischen Schwimmunterricht erreicht. Diese vorb». reitenden Schwimmiibungen, mit Lockerungs- und Freiübungen oer. Kunden, dienen bei zweckmäßiger Anwendung hervorragend der körperlichen Durchbildung. Auch hier sind die Ärbeiterschwimmver. eine die besten Bemter, da sie in den Wintermonaten den Trocken- schwimmunterricht in der zweckentsprechendsten Weste anwenden. Die Beherrschung der Schwimmkunst ist für jedermann eine Lebensnotwendigkeit. Wer Schwinnnsport treiben will, darf nicht in den Winterschlaf oerfallen. Der Ruf:.Lernt schwimmen, schützt euch gegen die Gefahr des Ertrinkens!' ist auch im Winter ein de- achtenswertes Gebot.__ Adolf Bu ck. Sunüesschule und internationale. Die Bundesschule ist in erster Linie ein Lehrinstitut des Ar. beiter-Turn- und Sportbundes: erst in zweiter Linie kommt sie auch den übrigen in der Zentralkommission für Ar- beitersport und Körperpflege vereinigten Verbänden zugute. Dennoch dürfen wir ihr auch eine internationale Bedeutung beimessen. Denn die Arbeitersportbewegung ist so stark international oerankert, daß die Errungenschaften eines Landes zugleich allen anderen dienen. Handelt es sich noch dazu um ein Lehrinstitut, dos auch der Forschung dienen soll, dann ist das noch in höherem Maße der Fall. Die internasionale sportliche Zusammenarbeit, ganz besonders bei den Olympiaden und internationalen Wettkämpfen, verlangt auf allen Gebieten der Leibesübungen eine weitgehende lleberemstimmung in den Uebungsmethoden. Welch eine schwierige Arbeit liegt doch schon in der Aufstellung internationaler Wett> kampfregeln, wie sie eben jetzt für den Arbeitersport in Arbeit sind. Um aber dafür eine Basis zu bekommen, muß ein Institut vor. Händen fein, das die Materie fachwissenschastlich bearbeiten tonn. Diese Arbeit wird die Arbeiter-Turn- und Sportschule zu übernehmen haben. Damit ist aber der Schule nur eine praktische Gegenwart»- aufgäbe zugewiesen. Viel wichtiger, aber auch unendlich schwieriger ist die Aufsindung besonderer Formen und Methoden der Leibes- Übungen siir den werktätigen Menschen, unter Berücksichtigung seiner sozialistischen Weltanschauung. Bisher ist es nicht gelungen, auf diesem Gebiete eigene Wege zu gehen. Im Gegenteil: die Ein- führung des Wetturnens, wie es besonders in Oesterreich geschehen ist, kann unmöglich als eine sozialistische Neuerung angesehen werden. Fachtechnisch gesehen, ist es ein Rückfall in veraltete Formen. Man kann nur hoffen, daß für diese gegenwärtig wohl notwendige Er- scheinung bald die politische Voraussetzung entfallen möge. Unsere Aufgaben liegen auf ganz anderem Gebiete. Wir müsten den Men- schen aus der körperlichen und seelischen Verkrampfung befreien, die ihre Hauptursache im gegenwärtigen kapitalistischen V r o d u k- t i o n s p r o z e ß hat. Die Tastache, daß die moderne Gymnastik ganz aus Elastizität und Rhythmus gestimmt ist, kann unmöglich als ein Zufall gewertet werden. Es sind denn auch manche Anzeichen vorhanden, die auf eine Beziehung zum Arbeitsprozeß hindeuten Rhythmus bedeutet fliehende Bewegung. Daß diese weit weniger ermüdet als ein dauernd ablausender und stets von neuem einsetzender Bewegungsprozeß, ist ohne weiteres erficht- ltch. Es ist, als ob ein Eisenbahnzug jeden Augenblick halten und immer wieder von neuem anziehen muß. Es kann als sicher an- genommen werden, daß der Bewegungsvorgang im Arbeiteprozeß der Zukunft ein fließender fein wird. Damit wäre der Gymnastik der Weg gewiesen. Ein solcher Weg aber müßt« zu ganz neuen Zielen fuhren, nämlich zur Ausbildung eines ganz neuen Menschentyps: des geschmeidigen, elastischen, abgerundeten Men< lchen, im Gegensatz zu dem verkrampften, kantigen und eckigen Menschen der Gegenwart. Hier erblüht unserer Schule eine Aus. gäbe von Weltbedeutung. Wir dürfen überzeugt sein, daß sie unsere Hoffnungen nicht täuschen, sondern dem gesamten internationalen Proletariat einen unschätzbaren Dienst erweisen wird. Hautreffe« üer Naturfreunöe in kottbus. Die Hauptstadt der Niederlausitz K o t t b u s stand kürzlich unter dem Zeichen der Arbeiterwanderbewegung. Der Gau Branden. bürg des Touristenvereins„Die Naturfreunde', Zentrale Wien, hatte feine Mitglieder zu einem großen Gautreffen zusammengerufen, das, vom besten Wetter begünstigt, einen glän- zenden Verlauf nahm. Schon am Sonnabend trafen trotz der Wirstchoftsnöt« über 200 Berliner Naturfreund« und fast die gleich« Anzahl au» den Gruppen der Lausitz, des Frankfurter und des Brandenburger Bezirks in Kottbus ein. Der Garten des Volkshauses vereinigte alle in Gemeinschast mit zahlreichen Kottbuser Arbeiterfamilien zu einer einfachen, aber inhaltreichen Begrüßungsfeier, bei der die Musikgemeinschaft der Ortsgruppe Berlin erfolgreich mitwirkte. Begrüßungsansprachen hielten der Vertreter der Eozialdemokatischen Partei, des Ortsaus- schusses des ADGB., des Kartells für Volksbildung, Kultur und Arbeitersport sowie Stadtschulrot Geile als Vertreter der Stadt Kottbus. Genoste B u l a n> Berlin wies darauf hin, daß das. Treffen vor allem den Geist der Zusammengehörigkeit stärken und lebendiger gestalten solle. Der Sonntag brachte am Bormittag die Eröffnung der Naturfreunde. Au» st«llung im städtischen Jugendheim. An Hand von gutem geologischen, botanischen und vorgeschichtlichen Material erbrachte man hier den Beweis, daß in den Naturfreundekreilen eifrige naturwisienschrst- liehe Arbeit geleistet wird. Vorzügliches stellten ferner die Ber- liner Photographen de» Vereins zur Schau. Zu einem starten Er- lebnis wurde für die zahlreichen Teilnehmer— au» der Provinz waren am Morgen noch neue Scharen von Naturfreunden eingetroffen— die Naturfreunde. Morgenfeier im Stadt- theater. Die Berliner Musikgruppe zeigte sich hier vollkommen auf der Höbe. Ein Sprechchor brachte„Die Streiter' und die Gesangs- gemeinschast aus Nowawes gute Lieder zum Vortrag. Rezitationen, Volkstän,z« und vor allem gut vorgetragene Lieder zur Laute runde- ten das Gesamtbild ob. Es bleibt nur zu wünschen, daß die Natur- freunde allerorten und des österen der Arbeiterschaft derartig Gutes bieten._ Die russischen Ringer kommen nichts Der Arbeiterathletenbund hatte sich eine russische Ringermann- schaft nach Berlin bestellt, die auf einem Kampsabend gegen eine hiesig« Mannschaft kämpfen sollt«. Di« Russen waren aber am Donnerstag zum angesetzten Empsangsabend nicht erschienen und sie fehlten auch a» Kampfabend. Ll» Ersatz fanden Ringkämpfe der Meisterrige de» IV. Kreise» gegen ein« kombinierte Mannschaft au» verschiedenen Arbeitersportvereinen statt. Die zweit« Ent- täuschung brachte die Mitteilung, daß der russische Mittelgewichts- boxer Gradopoloff wegen Unwohlseins gegen den Berliner Mittel- gewichtler Adamkiewicz(Nordost) nicht in den Ring gehen konnte. Der Abend wurde durch Darbietungen der Hebemannschaft der Sportlichen Bereinigung Lichtenberg-Friedrichsfelde eingeleitet, in denen recht beachtlich« Leistungen gezeigt wurden. Es wurden einig« Versuche angestellt, in verschiedenen Gewichtsklassen bestehend« Lundesrekord« zu überbieten. Im Federgewicht gelang es R o ß- b a ch, den Bundesrekord von 210 Pfund um volle 10 Pfund zu drücken. Der Bantamgewichtler Epliestößer vermochte den Bundesrekord von 180 Pfund zu überbieten. Er streß beidarmig 18S Pfund. Im Anschluß wurden einige Boxkämpfe gezeigt. Lehmann. Nordost(118 Pfd.) punktete Karow-Nordost(122 Pfd.) in fünf Minuten aus. Adamkiewiez-Rordost(141 Pfd.), der gegen Blank-Nordost(142 Pfd.) für den mchterschienenen russischen Mittel- gewichtsboxer durch die Seile kletterte, mußte in der zweiten Rund« aufgeben. Adamkiewicz war seinem Gegner hoch überlegen und schlug ihn nach einem Nahkampf am Ende der zweiten Runde durch die Seile. Sodann fanden Jiu-Iitsu-Kämpfe statt. Zum Schluß des Abends fanden Ringkämpfe in allen Gewichtsklassen statt. Die Meisterringermonnschaft des Kreises IV tonnte überlegen mit 10: 4 Punkten gewinnen. Die gebotenen.hiesigen' Leistungen entschädigten durchaus für die am Start nicht erschienenen Russen, was auch im Beifall der zahlreich erschienenen Sportgemeinde zum Ausdruck kam._ der Kanufahrer als Einbrecher. Braune Gesichtsfarbe ein verbrechermerkmal. Der nachstehende, empörende Vorfall wird uns aus Arbeiter- sportkreiscn berichtet: Die Mitglieder eines Arbeiterkanuvereins liegen mit ihren Booten am Zeuthener See. Ungestört, niemand zur Last fallend, leben die Sportgenossen in der freien Natur. Konttollen von Forstbeamten verlaufen, da Zeltscheine vorhanden, in Ordnung. Erscheint da im Zeltlager eine Person angetan in grauer Uniform, umgeschnallt mit Revolver und Gummiknüppel. In be- sehlsmäßigem Tone will er von einem allein anwesenden Sport- genossen die Herkunft verschiedener Gegenstände wie Spiritusslaschen usw. wissen. Die gegebene Auskunft Icheint der Person nicht zu genügen, das im Polizeiton geführte Verhör endet mit:„Ziehen Sie sich an. kommen Sie mit.' Der Spottgenosse nimmt an, es mit einem Polizeigewaltigen aus Schmöckwitz zu tun zu haben, geht mit: wird dem Polizeirevier Schmöckwitz, Berliner Straße 11, zu- geführt und erfähtt hier den Grund seiner eigentlichen Verhaftung. In Schmöckwitz, Lindenstraße, soll ein Einbruch verübt sein: als Täter sollen Paddler, welche auf der anderen Seite vom Zeuthener See liegen, in Frage kommen. Ein diesbezügliches Pro- tokoll wird aufgenommen, es stellt sich heraus, daß die Person, welche sich angemaßt hat einen Sportler ohne weiteres zu oer- haften, nicht ein Beamter der Polizeibehörde ist, sondern einer privaten Wachgesellschaft angehört. Zwei Stunden wird der Spottgenoss« auf dem Polizeirevier festgehalten: während dieser Zeit wird das Zeltlager— insgesamt sechs Zelte, acht Boote— vollkommen durchwühlt, das unterste nach oben gekehtt. Der Erfolg dieser Aktion war natürlich negativ. Gefunden werden einig« Lichte— auch diese werden im Zelt gebraucht, die„leider" keine Aehnlichkeit mit den in Schmöckwitz gestohlenen haben. Der aus der Polizeiwache sestgehaltene Spottgenoss« muß sich eine gründ- liche Leibesuntersuchung gefallen lassen und der Herr Ober- Wachtmeister macht folgende Aeußerung:„Nach dem Aeuheren zu urteilen, scheinen Sie dringend verdächtig, der Täter zu sein!" Nach der Durchsuchung des Zeltlagers wird der Genosse wieder entlassen. Die Mitglieder des Vereins, von diesen Maßnahmen unterrichte'. sind empört und benachrichtigen den Spattenvorsitzendcn der Kanu- sahrer in A.-T. u. Sp.-B- Auf dem Polizeirevier in Schmöckwitz wird dem Vorsitzenden der Kanufahrer bestätigt, daß die Maß- nahmen getroffen wurden, da in Schmöckwitz ein Einbruch verübt wurde, verdächtig erschienen die Paddler, da am Tage des Einbruchs spät abends auf dem Zeuthener See ein Paddelboot(!) gesehen wurde. Es konnte jedoch keine Auskunft gegeben werden, wer der Wachbeamte ist, der sich anmaßte, ohne Polizeigewall zu besitzen, Arbeitersportler zu oerhaften. Der Name des Wachbeamten bzw. der Wachorganisation sei der Polizei nicht bekannt. Man bedenke, diese Person fühtt jemand der Polizeiwach« zu, ein Protokoll wird aufgenommen und die Polizei will diese« Menschen nicht kennen, von der Ausfertigung eines Protokoll, aber auch nichts wissen. Dem Spartenoorsitzenden der Kanusahrer wird vom Oberwochtmeister in Zcugengegenwatt ebenfalls gesagi. daß der Spottgenosse aus Grund seine» äußeren Ansehens dringend verdächtig erschien, der Täter zu sein. Der Spartenvorsitzende war durch dies gewaltige Beweismaterial natürlich geschlagen. Von Schmöckwitzer Einwohnern erhielten die Sportgenossen deit tarnen des Wachbeamten und der Wachorganisation, der er angehörre und die die Polizei nicht wissen und auch nicht kennen will. Es Handel: sich um einen Beamten vom„Deutschen Wachkommando, Ableitung L a n d s ch u tz, Erkner, Berliner Straße 32'. Der Name des Be- amten ist Paul Sasse. Weitere Schritte in dieser Angelegenheit sind von dem betroffenen Verein eingeleitet, denn es kann nicht an- gehen, daß irgendjemand mit Revolver und Gummiknüppel bewaffnet Verhaftungen vornimmt, ohne Polizeigewalt zu besitzen. Fußball: Ukraine Aegea Berlin 2: 3. Berlins StZdirmannschaft a«rons ts mn Ssnnto», die ukrainisKen ffuß- boller mit Z: 2 ,u irfiloficn. Di« Ukrainer, di« zum erstenmal zusammen. spielten, lsaben diese Riedrrlas« nur ihrem Sturm zu«erdanken. der vor dem To« den niitiaen Torschuh vermissen lieh. Berlin» Vertreter«oaren dagegen sehr gitnstig-usgedaut. troh der itberau» kurzen zeit, und deshalb i't der Sieg d-pvelt zu bewerten.—«eitere ssuhbalresultote vom Sonnt«,. Beznk Norden: Eiemensssadt gegen Nauen Z: 2. Birienioerder gegen Fichte. Nord 2:.. Nordiska gegen Arminia»: 1. Nord-Vraniendur« gegen BormSrts.Scnnigs. darf 1: 141 Pankom m gegen Adler 12 6:2. Adler 06 konnte gegen Fichte. Gesundbrunnen troh reichlichem Ersah, da vier Mann in der Städtemannschast spielten, mit 6:2 gewinnen. Amateur«, die Alemannia-Bezwinger. verloren gegen Blau-Weih 0: 1. Tegel 34 gegen Union-Pankow 6: 1. Biktoria-Ehcre- waide gegen Alemannia 1: 10. Waäer 20 gegen Ficht« 24 4: 0. Ioochimstbal rqea Sowjet 0; 6. Bernau gegen Borussia 7: 1. Einigkeit gegen Htlvetia : 0.— Bezirk Osten: Askania gegen Britannia 0: 0. Sadowa. die gegen Britannia nur knapp mit»: 6 verloren, muhten gegen Stralau mit 1:8 die Segel streichen. Treptower Ballspiel-Elub gegen Wriezcn 8: 1. Tosmania gegen«etschendorf 6: 6. vorwärts 20 aegen Berein fltr Bewegungsspiele 1: ö. Bertha 22 gegen Lultig-ffidel 4: 1.«eihensee gegen Brandenburg 02 1: 2. Tasdorf gegen Woltersdoif 0: 2. Johannisthal gegen Berliner Sportverein 16 6: 0. Sparta gegen Friedrichshaaen 6: st. Adlershos gegen Berliner Sport- »«rein 22 4: 1. Germania gegen Frisch-Frei 2:1.— Bezirk Siibwesten: Teltow aegen Eintracht 28 6: 0. Luckenwalde ll gegen Neuköllner Ballspiel-Elrh 5: 0. Bervlina gegen Berlin XII 8: 1. Kirchmöser gegen Wannsee 2: 5. Biktrrio- Tempelhos gegen Fortuna 26 4: 4. Schmargendorf gegen Union-Beelih 4: 2. Lankwi» gegen Kolzenhurg 2: 2. Schönederg gegen Reulölln-Brih 0: 3. Bri- tannia-Neukdlln gegen Nuhlsdorf 6: 2. Woltersdorf gegen Stern-Marienfeld'e 5: 4. Bollspieb-Elub gegen Luckenwald« V 0: 2.— Im Gesellschaftsspiel gewann Lindenhos gegen Kreuzberg mit 6: 0. Ausschreibung zum Herbstwaldlauf. Die Leichwshletik.Bcreinigung de» 1. Kreise» veranstaltet am 24. Oktober. nachmittag,!>», Uhr. im Friedrichshagener Forst einen Herdftwoldlous Da» Laufen findet in folgenden Klasse» statt:»> der L.»B. angeschossenen Berein«. dj Turner. Schwimmer. Fuhballer. All« ausgeschriebenen Konkurrenzen gelten auch fstr die übrigen Sparten im 1. Kreis. Als Anfänger gelten die in einem Langstreckenlauf lBahn, Stroh«. Wold) noch keinen ersten, zweiten oder dritten Pia» delegt haben. Der Lauf wird als Einzel» wie ol» Mann'chastslauf ge» wertet. Di« Mannschaft besteht au» vier Läufern, von denen die ersten drei «ewertet werden. Der zuerst«inkoinmende Läufer jeder Klasse erhält«inen Punkt, der zweit« zwei Punkte usw. All« Läufer, di« in einer Mannlchast mitlaufen, werden zugleich als Einzelläufer qewertei, ohne Erhöhung dl» Etartqelde». Die Mannschaft braucht nicht geschlossen da» Ziel zu passieren. Einzel- wie Mannschoflsläufer m ll s s« n namentlich aemelört werden: des» gleichen auch di« Zahl der Provagondaläuser. Beim Propagandolouf müssen di« Abteilungen und Bereine den lehten Mann aus die Beine bringen. Star'» gelb pro Teilnehmer, gleich ob Einzel, oder Monnschaftsläuscr, Männer 20 Ps.. Jugend und Frauen 10 Pf. Meldeschsuh 15. Oktober. Nachmeldungen und Meldungen ohne Startgeld werden nicht ongenonrmen. Meldungen find zu richten an Grich L i p p e r t. Berlin-Lichienberg. Mozartssr. 7. Bon dort sind auch all« Einzelheiten der Ausschreibung zu bezieh«». »estdter, r»r»e» Berti»,. Der Städtewettkampf Breslau— Berlin findet nun bestimmt am 24. Oktober statt. Rächst», Zusammenturnen Dienstag, 28. September, Ausscheidungsturnen 5. Oktober, beide» Turnhalle Prinzenstrahe. Beginn 8 Uhr. Die Frei« Tneneischaft Neuköllu-Brih feiert ihren 61. Gründungstag Sonn- abend, 2. Oktober, 8 Uhr, im Grohen Saal der Neuen Welt. Hasenheid«, wozu Bruderverein« und Organisationen herzlichst eingeladen stnd. Eintritt 1 M. Boge»»»d Ni»ge» bei Rord.vst. Freitag, l. Oktober. 8 Uhr. veranstaltet die Sportliche Bereinigung Nord»Ost im Kampfring der Sporthalle Ehristburoer Strasse 7 sehr gut besehte KSmvse im Boren und Ringen gegen Bertreter der Bereine Lurich. Nord-West, Norden. Wilmerrtwrfer BoxNub u. o. Eintritt 60 Pf.. Jugendlich« und Erwerbslose 60 Ps. Freie»»»»sahrer Berti»,». B. Die nächste Mitgfiederverfammlung findet am 28. September. SM Uhr. in der Idrol-KIause, Neukölln, Mareschstr. 14, statt. T»»risle»»ee«in„Die N«t»rsrr»»de-. Zentrale Wien. Abt. Friedrichshain: Dienstag. 28. September,>48 Uhr. Jugendheim Ebertvstr. 12, Geschäftliches.— Abt. Frieden»»! Dienstag, 28. September, 8 Ubr. Iuacndheim Ossenbacher Strasse 5».»undrr Abend.— Abt. Norden: Dienstag, 28. September. 8 Uhr. Heim Sonnenburger Str. 20. Z. 5. Vortrag:..Humor und Satire-'.—«dt. Tie,. garten- Dienstag. 28. Sevlember. 8 Uhr. Heim Dielefstr. 5. Z. 6, Singsang- abend.— Ab». Treptaw: Dienstag. 28. September, 8 Uhr, Heim Elsenstr. 3, Gesangsgrupp«.— Abt.«edding: Dienstag. 28. September, 8 Uhr. Heim Llltticher Str. 47—48. Volkstanzobend.— Mnfikgemeinichast: Mittwoch. 29. September. 8 Uhr, bei Lehmann. Gaudnstr. 21. Uebungsswnde.—«dt. Prtnz. la»«e De««: Donnerstag. 60. Sevtember, 6 Uhr. Heim Dsnziger Str. 26, ..Hochtouristik".— Abt. Lichtenberg: Donnerstag, 60. September. 8 Uhr. Heim Parkaue 10. Brettsvielabend.— Abt. Friedrichshage»! Donnerstag. 60. Septem. her.>48 Uhr, bei Frev, Friedrichftr. 76.— Abt. Gesnndbrnnnen: Donnerstag, 68. September. 8 Uhr, Schiller-Lnzeum. Pank.. Eck««ättcherstrasse. Faust. 2. Teil. Borlefuna mit Erläuterungen.— Abt. Reinickendart: Donnerstag 30. Sevtember. 8 Uhr, In Reinickendorf.ON. Seebad. Vortrag.— Abti Nenkötln: Donnerstag. 30. Sevtember. 8 Uhr. im Heim Sandetstr. U, Vortrag:„Bio- chemie".—«intertportabteilnng: Dienstag. 28. September. 8 Uhr. im Heim Treptow, Elsenstr. 3, Beschaffung von Schneeschuhen, Trockenkursu», Weihnacht». fahrt. �s�>enn man infolge Aeberarbeitung, Krankheit, Nervosität zc. "vXj das Bedürfnis nach einer gründlichen Kräftigung und Auffrischung verspürt, dann versuche man das wohlschmeckende Biomalz. Es gibt wohl kein einfacheres, bequemeres und an- genehmeres Mittel; keines erfreut sich einer gleich großen und uneingeschränkten Beliebtheit wie Biomalz. Neben der Äebung des Kräftegefühls tritt fast immer eine auffallende Besserung des Aussehens ein. Man fühlt sich geradezu verjüngt. Verlange nur das echte Biomalz, nichts anderes angeblich �Ebeufogutes". Achte genau auf das Etikett. Erhältlich in Apotheken, Drogenhandlungen und einschlägigen Geschäften. Preis einer Dose Biomalz 1.90 M., mit Eisen (zur Stärkung für Blutarme und Bleichsüchtigel 2.20 M., mit Kalk extta(zur Stärkung für Lungenleidende) 2.50 M., mit Lebertran(überraschend angenehm im Geschmack) 2,50 M. mit Lecithin 5.— M. Biomalz-Schokolade, je 100-Gramm. Tafel 60 Pf. und Biomalz-Bonbons, bestes Linderunqs- mittel bei Küsten und Keiserkeit, je Beutel 30 Pf., Dose 50 Pf. Ausführliche Druckschriften und den illustrierten Prospekt „Biomalz- Prämien" kostenfrei von Gebr. Patermann, Teltow b. Berlin Hl Nr. 456 ♦ 45. Jahrgang 2. Heilage öes Vorwärts Dienstag, 28. September 1926 Der Kampf um üas Recht auf Arbeit. Enteignung der Zeche„Vereinigte Margarete" gefordert. Der Stumm-Konzern hat, wie erinnerlich, an den Re- gierungspräsidenten in Arnsberg den Antrag gestellt, den Abbruch der Zeche„Vereinigte Margarete' zu genehmigen. Es handelt sich hier um eine durchaus moderne Kohlenförde- r u n g s a n l a g e, die bis dahin rentabel gearbeitet hat, deren Förderung ober für den Stumm-Konzern weniger Profit bringt als ein Ramschgeschäft. Die Stillegung soll nämlich dem Ziel« dienen, die Produktionsquote der Zeche„Vereinigte Margarete' aus die übrigen Zechen des Konzerns zu übernehmen. Seit Monaten gehen die Auseinandersetzungen über diesen einzigartigen Fall. Jetzt hat der Landtagsabgeordnete Genosse Otter an den Reichswirtschasts- minister den Antrag gestellt, die Zeche„Vereinigte Margarete' in die Gemeinwirtschaft zu überführen unter Berufung auf das Sozialisierungsgesetz vom 23. März 1919. Es erscheint angebracht, die beiden wichtigsten Paragraphen dieses Gesetzes in die Erinnerung zurückzurufen. Der§ 1 lautet? „Jeder Deutsche hat unbeschadet seiner persönlichen Freiheit die sittliche Pflicht, seine geistigen und körperlichen Kräfte so zu betätigen, wie es das Wohl der Gesamtheit erfordert. Die Arbeitskraft als höchstes wirtschaftliches Gut steht unter dem besonderen Schutz des Reiches. Jedem Deutschen soll die Möglichkeit gegeben werden, durch wirtschaftliche Arbeit seinen Unterhalt zu erwerben. Soweit ihm Arbeit nicht nachgewiesen werden kann, wird für seinen notwendigen Unterhalt gesorgt. Das Nähere wird durch besondere Reichsgesetze bestimmt." Im Z 2 wird bestimmt: „Das Reich ist befugt, im Wege der Gesetzgebung gegen angemessene Entschädigung 1. für eine Vergesellschaftung geeignete wirtschaftliche Unter- nehmungen, insbesondere solche zur Gewinnung von Boden- schätzen und zur Ausnutzung von Naturkräften, in Gemein- Wirtschaft zu überführen, 2. im Falle dringenden Bedürfnisses die H e rst e ll u n g und Verteilung wirtschaftlicher Güter gemeinwirt- schastlich zu regeln.' Im Gesetz über die Kohlenwirtschaft, das gleich- zeitig der Oeffentlichkeit übergeben wurde, hat man von dem Ent- «ignungsrecht bekanntlich keinen Gebrauch gemacht und auch später sich über die Gutachten der Sozialisierungskommission hinweggesetzt, die mehr oder minder scharfe Eingriffe in das Eigentumsrecht der Bergherren vorsahen. Wenn aber ein Vorkommnis einen solchen Eingriff berechtigt, so ist es gerade der gegenwartig« Fall der Zeche „Vereinigte Margarete'. Genosse Otter führt zur Begründung des Antrages folgendes aus: Der Antrag auf Stillegung und Abbruch der Zeche„Vereinigte Margarete' ist von der Verwaltung mit der Unrentabilität der Zeche und den dauernden Zuschüssen begründet worden. Di« Nachprüfung durch den Staatskommissar, Oberbergamtsdirektor Dr. Weise in Dortmund, hat ergeben, dqtz bis zur Stillegung(Ende Mai 192«) der Betrieb wirtschaftlich gearbeitet und sehr erheblichen Gewinn gebracht hat. Durch cherrn Dr. Weise ist einwandfrei festgestellt worden, daß seit der Markstabilisierung 578 009 M. in Bankguthaben und 90 000 M. an Beteiligungen von der Verwaltung aus dem Zechenbetrieb verzinslich angelegt worden sind. Außerdem wurden in dieser Zeit Neuanlagcn im Werte von etwa 130 000 M. «'schaffen. Insgesamt sind es 7 95 0 00 M. Gewinn, die der < cchenbetrieb abgeworfen hat. Die Verwaltung der Zeche„Vereinigte Margarete' hat somit i em Stillegungsantrag an den bercn Regierungspräsidenten eine w ssenllich unwahre Begründung gegeben. Einen Reflektanten(Käufer) für die Zeche„Vereinigte Marga- «'tr' und auch den lierrn Regierungspräsidenten hat der S t u m m- Konzern schriftlich wissen lassen, daß er weder bereit noch gewillt sei, die Zeche zu verkaufen. "-v Wille des Stumm-Konzerns geht dahin, die Zeche„Vereinigte '..'largarete' abzubrechen, um die B e t e i l i g u n g s z i f f e r am Äehlensyndikat, die auf der Zeche„Vereinigt« Margarete' ruht, auf die übrigen Konzernzechen zu übertragen. Das Vor. gehen des Stumm-Konzerns ob der Angabe über Unrentabilität der Zeche„Vereinigte Margarete' steht beispiellos in der ganzen Stillegungsfrage. Im Kreise Hörde sind die Zechen: Kaiser Friedrich, Glückaus-Tief- bau, Hamburg, Wiendahlsbank. Admiral, Freier Pogel, Glückauf- Segen, Schllrbank und Charlottenburg stillgelegt worden. Nach den Wünschen des Stumm-Konzerns soll auch noch die Zeche„Vereinigie Margarete' zum Erliegen gebracht werden. Dieses Beginnen de» Stumm-Konzerns hat«ine große Empörung und Erbitterung in die dortige Bevölkerung gebracht. Die Zlrbeiter, Angestellten, der gewerbliche Mittelstand, die Gemeinde Sölde und das Amt Aplerbeck sehen ihre Existenz be- droht. Die Erbitterung der Bevölkerung findet eine bestärkte Be- gründung in der großen Nachfrage nach kohlen auf dem Weltmarkt. Im Jahre 1926 bis zur Stillegung des Betriebes(Ende Mai 1926) haben die Belegschaftsmitglieder der Zeche etwa 20 000 Schichten und im Jahre 1925 etwa 60000 Schichten wegen Absatz- Mangel feiern müssen, aber trotzdem den hohen Rein- gewinn erzielt. Bei einer vollen Beschäftigung verspricht der Zechenbetrieb noch größeren Gewinn. Infolge der großen Nachfrage nach Kohlen aus dem Weltmarkt und der langfristigen Verträge, die das Rheinisch-Westfälische Kohlensyndikat abgeschlossen hat, macht sich die Wiederinbetriebnahme der bereits vor längerer Zeit stillgelegten südlichen Randzechen bemerkbar.„Alte Windmühle' in Sprockhövel, Zeche„General" in Weitmar u. a. m. Diese Zechen sind vor längerer Zeit stillgelegt worden, weil ihre Rentabilität damals nach Ansicht der Besitzer nicht vorhanden war. Die Bevölkerung sagt sich mit Recht, daß unter der heute erfreulichen Nachfrage nach Kohlen, die sich bis zur Kohlenknappheit gesteigert hat, eine moderne Zeche, wie„Ver- «inigte Margarete' es ist, wo mit der Kohlenförderung sofort begonnen werden kann, nicht abgebrochen wer. den darf. Es kommt noch hinzu, daß ein etwaiger Abbruch der Zeche„Vereinigte Margarete" durch die Wasserzuflüsse nach der Zeche Caroline in Holzwickede, die sich einer guten Entwicklung erfreut, sie schwer gefährdet, ja sogar zur Still- lcgung zwingen würde. Dadurch würde der Nation ein großer Ver- lust an Naturschätzen entstehen, weil die aufgeschlossenen Erdschötze im dortigen Gebiet kaum jemals aufgeschlossen und abgebaut werden könnten. Da sich der Stumm-Konzern weigert, die Zeche„Vereinigle Margarete' zu verkaufen oder selbst in Betrieb zu halten, so bitte ich die Reichsregierung dringend, auf Grund des Sozialisierungs- gesetzes vom 23. März 1919, Reichsgesetzblatt Nr. 68, die Zeche .Vereinigte Margarete' in Sölde(Aplerbecker Aktien-Verein für Bergbau) gegen angemessene Entschädigung in die G- mein- Wirtschaft zu überführen. Diese Begründung spricht eigentlich für sich. Hervorzuheben ist jedoch, daß in der letzten Zeit die Verhältnisie am Kohlenmarkt dazu geführt haben, daß das Kohlensyndikat seine Absatz. Möglichkeiten nicht mehr voll wahrnimmt. Am süd- deutschen Kohlenmarkt wird die Nachfrage nicht mehr voll befrie- digt, sondern den Händlern nur diejenige Kohlenmenge zur Der- fügung gestellt, die sie in den Sommermonaten abgenommen haben. Das Kohlensyndikat verzichtet auf den Verkauf, anstatt mit der Erweiterung seines Absatzes seinen Arbeitern Beschästigungs- Möglichkeit zu schaffen. Bei dem Reichswirtschaftsministerium siegt der Antrag, wie uns auf Anfrage mitgeteilt wird, noch nicht vor. Der Reichskohlenrat ist für seine Behandlung nicht zuständig, da die Ausübung der gesetzlichen Enteignungsgewalt ihm nicht übertragen worden ist. Es ist ein Kampf um das Recht auf Arbeit, daß die Bergarbeiter führen. Das Reichswirtschaftsministerium wird zu entscheiden haben, ob es den Bestand und die Aufrechterhaltung der Produktion dem Profitinteresie eines einzelnen opfern will. Es ist seit langem der erste Fall, wo dieser Konflikt zwischen Allgemein- interesie und Profitinteresse mit solcher Deutlichkeit zutage tritt. Noch vor wenigen Monaten tonnten sich die Zechenherren darauf berufen, daß die allgemein« Lage des Absatzes die Weiter- führung der mindergeeigneten Betriede auf lange Zeit hinaus aus- sichtslos mache. Heute trifft dieses Argument nicht mehr zu. Man wird daher gespannt sein müsien, wie das Rcichswirt- lchaftsministerium sich zu diesem Antrag stellen wird und ob es den im Gesetz ausgesprochenen Gedanken, daß die Arbeitskraft gegen die Auswüchse des Profitinteresies zu schützen ist, in die Tat umzusetzen gedenkt. Gegen die Stillegungen bei der Donnersmarck-hütte. Die schweren Schädigungen, die die Stadt Hindenburg von der geplanten Stillegung des Hochofenbetriebes und der Einschränkung des Kokereibetriebes in der Donncrsmarck-Hütte befürchtet. hat die Stadtverwaltung zur Annahm« eines kommunistischen Antrages veranlaßt, der die Zurücknahme des Beschlusses der Verwaltung wegen der Stillegung des letzten Hochofens und die Inbetriebsetzung der bereits stillgelegten Werks- anlagen der Donnersmarck-Hütte verlangt. Der preußische Staat wird bei der Behandlung dieses Antrages Schwierigkeiten haben, weil er als Darlehensgeber des oberschlesi- schen Eisentrustes daran interessiert ist, daß dieses Unternehmen rentabel arbeitet. Die Stillegungen sind ein Teil des Rationa- lisierungsprogramms, obne dessen Durchführung die Verlustwtrl- schaft der beteiligten Betriebe sich ins ungemessene auswachsen würde. Au» diesem Grunde geht der Antrag in der vorliegenden Form sicherlich zu weit, wenn er schematisch die Ingangsetzung der Betriebe in ihrer früheren Form oerlangt. Der preußische Staat wird hingegen sorgfältig zu prüfen haben, inwieweit er seinen Ein- fluß bei dem Trust dahin geltend machen kann, um u n- nötige Härten bei der Rationalisierung gegenüber den be- trosfenen Bevölkerungsschichten zu verhindern. Ein Vorläufer Ser Montanabschlusse. Eschweiler Bergwerksverein 14 Proz. Dividende. Wir haben mehrfach darauf hingewiesen, daß man den Ge- schäftsberichten der Montanindustrie zum 30. Juni und 30. Septem- der in diesem Jahre wegen der Auswirkungen der England- konjunktur auf die Gewinnziffern mit ganz be- sonderem Interesse entgegensehen darf. Der durch seine Mittler- stellung zwischen dem Belgisch-Luxcmburgischen und dem Ruhr- montangebiet besonders interessante Eschweiler Bergwerksverein in Kohlscheid, der als Koksbasis des„Arbed'-Konzerns wohl als erster die organische Verbindung von westlichem Eisen und rheinischer Kohl« wiederherstellt«, kann nun zwar gerade für die Gewinn- entwicklung durch die Englandkonjunktur nicht als typisch an- gesehen werden. Einmal ist seine Dividende bekanntlich durch den Hauptaktionär, eben die„Arbed"(Acieries Röunis de Burbach. Eich- Dudelange) mit 14 Proz. garantiert; zum anderen ist er weit- gehend Wertslieferant für den Arbed-Konzem. Aber seine Ent- Wicklung im letzten Jahre, besonders in den Monaten April- Juni 1926 gibt doch unzweifelhaft Zeugnis für den stark gewinn- bringenden Charakter der unerwarteten Zusatzkonjunktur. Bis zum April nennt der Geschästsbericht die Lage der Werke alles weniger als gut. Die Haldenbestände nahmen einen solchen Umfang an, so daß kaum noch Lager möglich- leiten vorhanden waren. Der Auslandsabsatz ging durch die Jnflationskonkurrenz der Frankenländer und die Frachterleichterun- gen für die holländischen Limburggruben stark zurück. Die schwierige Lage wurde offenbar mit einem Schlage seit April dieses Jahres ins Gegenteil verkehrt: obwohl die Kohlenförderung am Jahres- schluß mit 2,86 Millionen Tonnen gegen 2,44 Millionen im Vor- jähr und 1,50 Millionen 1923/24 bedeutend stieg, wurden die Halden weitgehend geräumt. Die Iahressördcrung erreichte mit 97 Proz. fast die von 1913/14. Zwar weniger stark, aber doch fühlbar, wurde die Produktion der Brikettsabriken, Hütten- und Walzwerke gesteigert: Koks 662 000 gegen 633 000 Tonnen, Briketts 104 000 gegen 93 000 Tonnen, Roheisen 30 400 gegen 16 100 Tonnen. Der Gesamtumsatz wurde von 33,32 auf 57,68 Millionen e r- höht. Die durchschnittliche Belegschaft wuchs von 13 939 auf 14 523 Arbeiter. Infolge der finanziellen Interesiengemeinschaft mit der„Arbed" geben Gewinnrechnung und die Bilanz natürlich nur in b e- schränktem Umfang Zeugnis für die Gewinnentwicklung. Man weiß nicht, ob der beträchtliche Aufwand für Neubauten— mehr als 3,71 Millionen— aus Betriebsüberschüssen finanziert worden ist, dafür spricht die geringe Steigerung der lausenden Verpflichtungen von 19,2 auf 20,83 Millionen Mark, oder ob u n- sichtbare Kr e d i t e der„Arbed' vorliegen. Aber auch so sind Gewinnrechnung und Bilanz günstig. Die Dividende von 14 Proz. ist zwar festgelegt. Während im Vorfahr aber ein Zuschuß der „Arbed" von 3,27 Millionen für Dividende und Aufsichtsrots- tantieme ausgewiesen wurde, sind es 1925/26 n u r m e h r 2.11 Mii- lionen. Nimmt man zu dieser Belserung der Eschwejler Gewinn- Ziffern um 1,16 Millionen die Ausgaben für Neubauten mit 3,72 Millionen hinzu, die nach der ganzen Bilanz doch wahrschein- lich„über Betrieb' gemacht wurden, so ergibt sich eine Bilanz- Verbesserung von rund 5 Millionen, die wesentlich der gebesserten Konjunktur zu danken sein wird. Im übrigen ist drs Entwicklung seit Juni unverändert günstig. Dem im März wieder in Betrieb genommenen Hochosen ist im August das lange stilliegende Stahlwerk gefolgt und in Mariendorf bei Kohlscheid wird eben eine neue große Britettieranlage errichtet. So ist der Eschweilerabschluß als erster größerer Abschluß der westlichen Montanwerke wohl geignet, die berechtigt« Spannung zu erhöhen, mit der die Oeffentlichkeit die Montanabschlüsie erwartet. Man wird bei deren Kritik übrigens zu beachten haben, daß der Eschweilsr Bergwerksverein eine viel ungünstigere Frachten- löge hat als die Ruhnverke; ein Nachteil, der durch die Interessen- Verknüpfung mit der„Arbed" keineswegs als voll ausgeglichen an- gesehen werden darf. Bon dem Hösch-Köln-Neucssen-Konzern werden Dividenden von 8 und 6 Proz. angekündigt. Will Rosterg die kaliherrsthast monopolisieren! krach im Ivintershall-konzern. Der Gencraloersommlungsreigen im Wintershall-Konzern endete mit einem Mißton. Generaldirektor R o st e r g, der die Zusammenfassung der zahlreichen Unternehmungen im Wintershall-Konzern zum größten deutschen Kalitrust durchgeführt hat, überwarf sich bei seiner Machtpolitik mit dem Kommerzienrat Fritz R e ch b c r g, dem Grubenoorstandsvorsitzenden der Gewerkschaft Wintershall, des Stammwerks des jetzigen großen Konzerns. Rosterg hatte die Mehrheit der Gewerkschaft Wintershall an sich gebracht und jetzt bewirkt, daß Fritz Rechberg sein Amt niederlegen mußte. Nachdem Rosterg schon früher eine Reihe von selbständigen Ge- neraldirektoren aus dem Konzern herausgedrängt hat, kann«r jetzt als der Alleinherrscher des Wintershall-Konzerns gelten. Diese Herrschaft hat er sich überdies gesichert, indem er die Mehrheit der WinterShall-Kuxe in eine neue Gewerkschaft über- geführt hat, wodurch oerhindert wird, daß diese Anteile am Markt erscheinen. Der Streit zwischen Rosterg und Rechberg erhält durch Erklä- rungen, die Rechberg über seine Ursachen oerössentlicht, allgc- meine Bedeutung. Rechbcrg Erklärt, er habe sich davon überzeugen müsien, daß Herrn Rostertzs Streben auf die Beherrschung der ge- samten deutsckien Kaliindustrie gerichtet sei. Wiederholt seien Vorschläge, die deutsche Kaliindustrie unter Verteilung des «Iis Kervorraqende Quolllälsxiqarolle> in vornehmer ftusflaHunq— für nur ©roloerl sofoirl jedes Uci u clicrhcn. HE «st echt Einflusses auf die verschiedenen Kali-Konzerne zu konzen- tricren, an dem Widerspruch Rostergs gescheitert. Er sei der Ueber- zeugung, daß es für die Kaliindustrie sachlich unrichtig wäre, wenn sie als Mo n opc� in die Hände eines e t n z e l n e n und seiner Gssolgschaft känje. In einer weiteren Erklärung Rechbergs wird die intcr- essante Mitteilung gemacht, daß er gemeinsam mit dem englischen Bankhaus I. Henry Schroeder-London eine Anzahl Wintcrshall- Kuxe gekauft habe, um auf diese Weise gegen Rosterg seinen Vla» der restlosen Zusammenfassung der Kaliindustrie durchzusetzen. Das Bankhaus Schrceder-London hat bekanntlich 240 Millionen der 300-Millionen-Kalianleihe aufgelegt. Nach Rechbera habe es sich ebenso wie ein anderes Grohgewerke verpflichtet, seine Kuxe bei einer„vernünftigen" Konzentration der Kaliindustrie mit- einzubringen. An diesen recht undeutlichen Erklärungen ist jedenfalls eines deutlich: Herr. Rechberg wie Herr Rosterg wollen einen deutschen Kalitrust: nur niöchte ihn Herr Rechberg offenbar etwa in der Form des Stahltrusts, Herr Rosterg aber als Resterg. Trust, d. h. durch die einseitige Herrschast seines Wintershall-Konzcrns. Daß die zwei Männer sich streiten, ist schließlich nicht wichtig dabei. Von öffentlichem Interesse ist zunächst allein die Behauptung Rrchbergs. daß Rosterg aus diesen Trust hinarbeitet. Herr Rosterq, aber auch das Kalisyndikat werden sich auf diese Behauptung zu äußern haben._ Um den Hansakanal. Eine Eingabe, die sämtliche Reichs- tagsabgeordnete des rheinisch-westfälischen Industriegebiets — mit Ausnahme der Kommunisten und Völkischen— der Reichs- regierung unterbreitet haben, beschäftigt sich mit der Frag«, wie die von der Ruhrkohle gewonnenen Absatzmärkte auch künftig gehalten werden können. Die Abgeordnete», denen sich auch der preu- ßische Innenminister Severing angeschlossen hat, kommen zu dem Schluß, daß sich das Reichswirtschasts- und Bertehrsminifterium unverzüglich der Frage des seit langem umstrittenen Hansa- kanals zuwenden mögen. Durch den Bau dieses Schissahrts- wegcs würde die Möglichkeit gegeben sein, der Ruhrkohle günsti- gere Wettbewerbsbedingungen gegenüber der englischen Kohle zu geben. Nach den angestellten Berechnungen würde sich bei Be- Nutzung des projektierten Wasserweges die Fracht für eine Tonne Kohle vom Ruhrgebiet bis zu den Hansastädten auf etwa 4,5 0 M. belaufe», wodurch der englische Frachtvorsprung nicht nur ein- geholt, sondern sogar um eine Mark überholt werden könnte. Wenn es gelänge, die englische Kohle nur um 3 Millionen Tonnen jährlich aus Deutschland zu verdrängen, so würde das eine V e r m e h- r u n g der Ruhrbelegschaft um rund 10 000 Arbeiter bedeuten. Der kaliabsah im September. Soweit bis jetzt zu übersehen ist, wird der Kaliabsag im Monat September mit ungefähr 200 000 Doppelzentner vierzigprozentigem Kali- Düngesalz hinter den Lieferungen im Monai September 1925 zurückbleiben. Wenn nicht eine Steigerung des Absatzes eintritt, ergibt sich in dem laufenden Wirtschaftsjahr gegenüber dem vorigen ein Lieferungsausfall von ungefähr 1,6 bis 1,7 Millionen Doppelzentner. 9er Prozeß Kußmann-Knoll. Landgerichtsrat Peltzer wegen Verdachts der Mittäterschaft nicht vereidigt! In der Fortsetzung seiner Vernehmung vor der Strafkammer erklärte der Allerweltsassessor Kußmann weiter: Die Aushändigung des Holländer Bandes der Akten an Knoll geschah mit Wissen des Herrn O.b erstaatsanwalts Linde. Herr Easpary hat Herrn knoll das Protokoll. herausgegeben. Mir oder irgend- einem anderen kam dabei nicht der Gedanke, etwas Unrechtes zu tun. Es war absolut eine staatsanwaltschostliche Handlung. Wenn ich eine politische Schiebung machen wollte, dann hätte ich doch nicht dem Herrn knoll durch die Kriminalpolizei den Weg in Holland ebnen lassen.— Vors.: Warum haben Sie in der V o r u n t e r- suchung eine ganz andere Darstellung gegeben?— K u ß m a n n: Ich wußte, daß ich aus dem Dienst scheiden mußte und daß ich falle» sollte. Ich hatte sofort Mißtrauen gegen den Staatsanwalt Tetzlafs, der die Untersuchung führte, weil er mir erklärte, er solle ein Disziplinarverfahren gegen mich einleiten. Herr Staatsanwalt Tetzlafs war in meinen Slugen nicht der objektiv ermittelnde Beamte der Staatsanwaltschaft, sondern der Exponent der Sozialdemokratie, die mich zu Fall bringen wollte. Jeder, der gegen die Barmats vorgegangen war, mußte über die Klinge springen, voran Oberstaatsanwalt Linde. Sogar gegen die Bücherrevisoren hat man ja Anklage erhoben. Ich habe Herrn Tetzlafs gesagt:„Wenn Sie etwa gegen Knoll vorgehen wollen, dann werde ich die Wahrheit sagen."— Staatsanwalt Tetzlafs: Herr kußmann hat eben die Unwahrheit bei den Der- nchmungen gesagt, als er behauptete, er habe knoll die Akten nicht gezeigt. Herr Easpary hat zu Kuhmann wiederholt gesagt:„Ich sage doch die Wahrheit."— Vors.(zu Kußmann): Objektiv hoben Sie die Unwahrheit gesagt. Sie haben ja auch Herrn Knoll sogar belastet, anstatt ihn zu entlasten.— Kußmann:„Herr Tetzlafs hat mir sein Ehrenwort gegeben, daß gegen Knoll nicht vorgegangen würde und daß gegen mich nichts Kriminelles vorläge.— Staats- �gstwalt Tetzlafs sausspringend): Ich gehe nicht so leicht- fertig mitmeincmEhrenwortum.das stimmt nicht. Der Angeklagte knoll bestritt mit eisexner Stirn, Beziehungen zur Presse zu haben! Man habe ihm vorgeworfen, er habe die B a u e r- B r i e s e veröffentlicht. Das sei ein Irrstim. Der Autor sei ein höherer Beamter. Er habe sich mit Ermittlungen besaßt, weil er gesehen habe, daß Deutschland ein Misthaufen sei, auf dem wohl Beamte ihre Stellungen ausnutzen, um sich zu bereichern.(Der Vorsitzende rügte diese Bemerkung ebenfalls wie den Ausdruck „Schweinerei").„Die wirklichen Zusammenhänge in der Barmat- schen Riesenschweinerei werden sich ja noch herausstellen." Der Vor- sitzende rügte auch diesen� Ausdruck. Er, Knoll, habe Kußmann Material in der Barmat-Sache gegeben, so einen Brief des Deut- schen Generalkonsulats und eine Verfügung des Ministerialdirektors Abegg. Auf Grund dieser Unterlagen habe Kußmann erst gesehen, wo die Widerstände saßen, und er, Knoll, habe Kußmann seine Hilfe angeboten. Wenn er politisch hätte tätig sein wollen, so hätte er nur die Denkschrift der Ober st en Rcchnungs- k a m m e r zu veröffentlichen brauchen, denn darin ständen haar- sträubende Dinge über oberste Beamten und Amtsstellen. Ich habe auch nicht einen Artikel oerfaßt gegen Herrn Marx. Das hat einer behauptet, der brillant lügen kann, nämlich Herr K u t t n e r. Vor f.: Geben Sic zu, daß Sie den Helländer-Band einmal aus den Räunien der Staatsanwaltschasl herausgenommen und mit nach Hause genommen haben?— Knoll: Rein. 3ch habe da» damals in her Voruntersuchung dem Staatsanwall Tchlasf gesagt, weil ich eine gebundene INarschroutc hatte und die Wahrheit nicht sagen konnte. Ich habe schließlich auf Kußmanns Veranlassung jede weitere Aussage vor Herrn Tetzlafs verweigert.— Staatsanwalt Tetzlafs: So liegen die Dinge nicht, ich habe Herrn Knoll nicht gedrängt, mir etwas zu sagen, vielmehr war es Kußmann, der Knoll zu den Einzelheiten der Aussage veranlaßte.— Knoll erklärte weiter, er lzabe dem Staatsanwalt Tetzlafs deshalb auch solche Angaben gemacht, weil er fest glaubte, daß ein Verfahren gegen ihn nie durchgeführt werde! Schließlich schilderte der Angeklagte noch, wie er zum Geheim- bericht der Rcchnungskammer gekommen sei. Im Ge- spräch mit Staatsanwalt P e l g e r habe er geäußert, daß die Korruption bis auf das Reichsschatzministerium unter Kautz zurück- reicht. Damals habe Staatsanwalt pelßer seine Aktentasche aus dem Tisch liegen lassen und sei aus dem Zimmer gegangen mit den Worten:„daß djejes Aktenstück knoll stark interessieren werde". Er habe diesen Wink verstau'».«» und das D o k« m e n t an sich genommen, das dann kopiert wurde. Dagegen weigerte der Angeklagte sich, anzugeben, von wem er einen Kammergerichts- beschl'uß in der Sache Barmat kennengelernt habe, da er ehrenwörtlich gebunden sei, zu schweigen. In der Nachmittagssitzung wurde Assessor Dr. Easpary als Zeuge vernommen, der bekanntlich Knoll das„Isaak-Protokoll ausgehändigt hat. Dr. Easpary betonte auch heute wieder, daß er das Protokoll ausdrücklich nur gegen die Versicherung aus der Hand gegeben habe, daß der Inhalt nicht in die Press« gelange. Er habe keine Bedenken gehabt, das Aktenstück an den Vertrauens- mann zu geben, da auch andere Staatsanwältejnit Privatdetektiven arbeiteten. R.-A. R ö t t e r: Sie find vom Staatsanwalt Tetzlafs öfter vernommen worden. Hat er nicht auch öster gesagt, daß er die Aussagen Knolls unglaubhaft fände? Zeuge: Er be- zeichnete sie jedenfalls als seltsam. Staatsanwalt T e g l a f f: Herr Easpary hat leider bei seiner Vernehmung auch nicht erzählt, daß er den wahren Sachverhalt kenne. Haben Sie nicht Herrn Kußmana selbst ermahnt, die Wahrheit zu sagen? Zeuge: Kußmann und Knoll befürchteten aber, daß ihre Aussagen in den „Vorwärts" kämen. Angekl. Knoll: Herr Easpary wollte der Untcrsuchungsbehörde die volle Wahrheit mitteilen. Zch halte ihn gebeten, das nicht zu tun, da er sonst unsere Taktik gestört hätte. Zeuge: Ich möchte außerdem hinzusügen, daß auch Herr Generalstaatswalt Lindow uns damals wiederholt erklärte, der außergewöhnliche Fall erfordere außergewöhnliche Mittel! Landgcrichtsdirektor Linde: Nach dem Beschluß des Kammer- gerichts, die Akten abzugeben, habe man in seinem Dezernat die noch notwendigen Ausräumungsarbeiten vorgenommen. Er selbst habe sich gehütet, noch etwas zu verfügen, doch habe Kußmann als Sachbearbeiter sich dazu aus Pflichtgefühl heraus berufen gefühlt. Generalstaatsanwalt Lindow: Wenn nun. Herr Zeuge, der Sie doch eigentlich die Untersuchung leiteten, Herr Kußmann Sie gefragt hätte, ob er an Knoll das Jjaac-Protokoll geben sollte, was i?ätten Sie dann getan? Zeuge: Dann hätte ich Ihnen, Herr Generalstaatsanwalt, den Fall vorgetragen und Ihre Entscheidung erbeten.(Heiterkeit.) Gcheimrat Namslau vom Obersten Rechnungshof schilderte das Zustandekommen der Denkschrift über Korruption bei verschiedenen Behörden. Staatsanwall pelher habe zur Zelt der Barmat-Untersuchung ihn um das Material gebeten. Er Hobe das Material für die Denkschrift zusammengetragen, die später eine wesent- lich andere Form erhallen habe. Staatsanwalt Peltzer habe um ein Exemplar des Entwurfes gebeten. Der Zeuge habe es jedoch erst herausgegeben, als der Staatsanwalt mit einer Beschlagnahme drohte. Landgerichtsrat Peltzer wurde hierauf über die Heraus- gäbe de� holländischen Protokolls vernomn�zn. Er verneinte die Frage, ob Knoll Akten mit nach Haufe genommen habe. Der Zeuge betonte, er wünsche über alle Punkte vernommen zu werden, da er im parlamentarischen Untersuchungsausschuß und auch vom Kammcraericht in die Rolle des Mitangeklagten gedrängt worden sei.„Wir mußten mit Vertrauensleuten arbeiten, denn die Tatsache, daß Herr Richter verdächtigt war, genügte ja, unsere Stellung gegenüber der Polizei klar zu erkennen. Die Zu- sammcnarbeit mit Vertrauensleuten bedeutete aber eine Erleichterung unserer Arbeit. Ein Abgeordneter des Reichstagsausschusjes bat mich um Uebcrlassung der Rechnungshofdenkschrift. Ich verweigerte das, weil ich auf dem Standpunkt stand und noch stehe, daß die Tätigkeit des parlamentarischen Ausschusses unsere Aufgaben nicht gefördert, sondern geradezu erschwert hat. Vors.:„Glaubten Sie, daß die Untersuchung gefördert würde, wenn Knoll die Denk- s ch r i s t des Rechnungshofes kannte?" Zeuge:„Jawohl, ich möchte auch noch betonen, weshalb ich Herrn knoll die Denkschrift so merkwürdig in die Hände gab. Wir wurden auf Schritt und Tritt bewacht, auch hier im Dienst- gebäude. Vors.: Wenn man hört, daß sie augenzwinkernd aus dem Zimmer gingen, damit Knoll die Denkschrift an sich nehm«, könnte nmn glauben, daß sie die Sache sehrgeheim halten wollten. Zeuge: Als Staatsanwalt konnte ich das öffentlich tun. ober ich verheimlichte es wegen der Spitzel, die uns umgaben. Staats- anwalt Tetzlafs: Die Denkschrift war Zhnen zu streng amtlichen Zwecken persönlich anvertraut. Zeuge: Der Beamte, der mir die Denkschrift brachte, sagte mir, ich könne damit inachen, was ich wolle. Bei der Frage der Vereidigung erhob Generalstaotsanwalt Lindow Bedenken, da Landgerichtsrat peltzer der Mitbeleiligung bei einer Akten- befeitlgung verdächtig war. Der Vorsitzende erklärte, daß dies mit der Glaubwürdigkeit des Zeugen nichts zu tun habe. Nach längerer Beratung des Ge- richts verkündete Landgerichtsdirektor Wernau, daß aus forma- len Gründen auf Grund des Paragraphen 57 der Zeuge, Land- gerichtsdirektor peltzer, nicht vereidigt werden könne. Diese formale Entscheidung laste jedoch keinerlei Rückschluß aus die Glaubwürdig- keit des Zeugen zu. Nachdem noch kurz die Stenotypistin Erna K l a f f e r t vernommen worden war, die in dem Bureau des Angeklagten Knoll gearbeitet hat, die sich ober heute nicht mehr zu entsinnen vermochte, ob sie Abschristen aus amtlichen Urkunden vorgenommen habe, wurde die Verhandlung auf Mittwoch vormittag 10Vb Uhr vertagt. Unserem lieben»enossen � Stadtrat Sagen Nofemann, Iablonsllltr. 3, zu seinem«o.�Sebiirtstag« die besten Glückwünsche Die Genossinnen u. Genossen der 24. Abli«. Wirkliche Wohnliehkeit ist am besten mit echt neuzeitlichen MSbeln zu erzielen. Sie schaffen aber auch gleichzeitig echte Vornehmheit— Wohnungen dieser Art zeigt die Ausstellung Tauentzien- straUetO. Besuch erbeten. 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Herr Augu$< Adtilles entrissen. Wir betrauern in ihm einen Kollegen, der mit seiner rückhaltlosen Hingabe an den ihm übertragenen Posten allen ein Vorbild war, und werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Angestellten und die Arbeiters chafl der Karmitri Zigarettenfabrik A.-G. Weiße Zähne erzielen Sie schon durch 1-2 maliges Putzen mit der herrlich erkrischend schmeckenden Zahnpaste Chlorodont, sie beseitigt sofort üblen Mundgeruch. Uberallzu haben. vlenstag 28. September 1926 Unterhaltung unü �Nissen Seiloge öes vorwärts Unser kinö. Don Lajos Nagy. Marie, unser Mädchen für alles, bekam ein Kind. Das Kind kam im Dienstbotenzimmer zur Well, bei der Tause erhielt es den Namen Franz. Ich und meine Frau sagten der Marie, das Kind möge bei uns bleiben und uns ollen drei gehören: wir sind eine Familie, der Bub wird eine Mama, eine Tante und einen Onkel haben. Ich dachte auch daran, doch sagte ich es dem Mädchen nichr, das Kind später zu adoptieren und ihm meinen Namen zu geben. Marie dankte weinend, sie wollte unsere große Güte— wie sie sagte— gar nicht annehmen. Man hat mit solch einem Kleinen viel Unannehmlichkeiten, wir werden die Sache bereuen und auch auf sie böse werden: das Kind möge nur bei irgendeiner Frau auf dem Lande aufwachsen, es gibt gut« Landweiber. Ich erklärte Marie, daß wir wohl keine schlechten Menschen sind, daß uns jetzt aber auch der Egoismus leitet, wenn wir das Kind haben wollen. Wäh- rcnd unserer zehnjährigen Ehe wurde uns kein Kind geboren, je mehr unsere Jugend vergeht, um so sehnlicher wünschen wir es, daß dieses kleine Gut bei uns bleibe, zu unserer gemeinsamen Sorge und gemeinsamen Freude.> Das Kind war gesund und schön: zu Marie sprachen wir nicht davon, hier will ich es aber verraten, wie bestreitbar unsere„Güte' war, denn wäre das Kind häßlich oder krank gewesen, hätten wir es sicherlich nicht angenommen. Wir hätten das Kind bedauert, hätten der Marie geholfen, aber ihren Sohn hätten wir nicht als gemeinsames Kind haben wollen. So aber war der kleine Franz gottlob ein einwandfreies Geschöpf, ein starkes, temperamentvolles Menschlein, er lachte oft und weinte selten: seine Fröhlichkeit er- füllte dos ganze Haus, zu weinen pflegt« er nur aus tristigen Gründen, dann aber kräftig und ausgiebig. Seine Herrschaft beschränkte sich natürlich nicht bloß auf das Dienstbotenzimmer und auf die Küche, ihm gehörte die ganz« Woh- nung. Als er schon sitzen konnte, aß er an unserem Tisch, als er schon gehen konnte, drehte er sich überall herum, in unserem Schlaf- zimmer, in unserem Speisezimmer und in meinem Arbeitszimmer. Alles, was wir hatten, war auch sein Eigentum mit sehr unbedeu- tenden Beschränkungen, so zum Beispiel, daß er meine Bücher nicht zerreißen, das Tintenfaß nicht zur Erde werfen und die Schuhe der Tonte nicht in den Mund stecken durste. Diese Verbote schränkten die Freiheit des kleinen Menschen stark ein, und er empörte sich auch manchmal aus solchen Anlässen. Wenn er in mein Zimmer kam und er, nachdem er mir die Hand gereicht hatte, meine Feder zerbrechen wollte und ich diese seiner krampfhast zusammengepreßten Hand entreißen wollte, wurde er zornig, er warf sich in eine trotzige Positur, streckte die Brust heraus, ballte seine rechte Hand, warf den Kopf zurück, stampfte mit dem rechten Fuß auf und schrie geradezu brüllend:.O-o-ahh!' Seinem Trotz war anfangs schwer bcizukommen, als er aber schon zwei Jahre alt und sehr verständig war, erklärte ich ihm in jedem einzelnen Fall, zu was dieses Ver- bot nötig ist, warum es zum Beispiel nicht erlaubt ist, die Feder zu zerbrechen, Zündhölzer zu esien und die Finger einem anderen in die Augen zu stechen. Er verstand meine Ausführungen und er überzeugte sich auch davon, daß das, was. ihm nicht erlaubt ist, auch weder mir, noch seiner Mama, noch der Tante gestattet ist, und er fügt« sich auch in diese Verbot«. Sein Trotz blieb ihm jedoch und er kam immer zum Ausbruch, wenn sein„Alles-Hoben-Wollen' aus neu« Hindernisse stieß. Der kleine Franz liebte uns, sowohl mich, wie auch meine Fra»: er machte zwischen der Mama und der Tante keinen Unterschied, er verteilte seine Gunstbezeigungen gleichmäßig aus beide Frauen: man kann sagen, daß er zwei Mütter hatte. Er liebte mich und meine Frau so sehr, als wäre er uns für die schöne und große Wohnung, für dos oute Essen, für den Schutz, dankbar gewesen, als hätte er gewußt, daß wir dazu nach Recht und Gesetz nicht ver- pflichtet wären, wir geben es ihm dennoch, möge er nur alles haben. Die Kleinen wissen doch viel mehr, als die Großen von ihnen vor- aussetzen, und auch ihr Unterbewußtsein birgt viel mehr Wissen in sich, als sie selber mit ihrem kleinen Verstand denken würden. Wissen doch auch die Tiere, ein kluger Hund oder eine liebe Katze, unendlich viel. Der Verstand des kleinen Menschen entwickelte sich prächtig, und wir erzählten unseren Bekannten, ganz als wären wir seine Eltern, von seinen aufgeführten Sachen und Aussprüchen. Der kleine Franz war zweiunddreißig Monate alt, als ich ab- gebaut wurde und zugleich auch die in einem Staatsgebäude inne- gehabte Wohnung verlor. Infolge der schlechten Wohnungsverhält- niss« bekam ich keine neue Wohnung und war gezwungen, mit meiner Frau als Untermieter zu gehen. Mein Haushalt löste sich auf, Marie mußte von uns fort, konnten wir ihr doch nicht einmal «ine Schlasstätte geben. Sie bekam in einer kleinen Provinzstadt einen Posten und nahm das Kind mit sich. Mein« Frau konnte sich von dem Kinde kaum trennen. Es schmerzte uns sehr, unser kleines Kind zu vermissen. Wir konnten uns ganz und gar nicht darein finden, daß wir es ver- loren haben. Marie schrieb von Zeit zu Zeit beruhigende Briese. Sie hatte es dort natürlich nicht so gut, wie bei uns. Sie hatte wohl alles auf ihrem neuen Posten und in Ueberfluß lebten auch wir nicht, eher sehr bescheiden, ober die Freundschaft und das schöne Verhäftnis der Seelen vermißte auch sie schwer. Der kleine Franz wächst im übrigen schön heran, er spricht schon und befindet sich wohl. Aber uns genügte das nicht. Wir wollten Franz wiederhaben, und so fuhr ich kurzer Hand hinunter zu Marie, ohne vorhergehende Korrespondenz, um mit ihr die Sache mit Worten auf einmal zu erledigen. Ich sagte ihr. daß ich ihr dos Kind wegnehmen und es mit in die Hauptstadt bringen werde. Es ist besser so, als wenn der Bub mit ihr auf einem fremden Platz bleibt, wo sie dient, wo sie ja immerhin doch nur ein Dienstbote ist. Wir werden bald wieder eine Wohnung haben, und Hann kann auch sie zu uns zurück- kommen. Die Mutter weinte vor Schmerz, aber auch vor Glück- seligkeit. Franz kam mutig, ja sogar doller Freude mit mir. Er hat sich in der kurzen Zeit, die er von un» fort war— ungefähr zwei Monate— schön entwickelt, er war klüger geworden, und das zeigte sich besonders, als ich mich mit ihm auf der Bahn länger' befreundete. Mir gegenüber war er ungezwungen, offen, mutig und intelligent. Als aber Fremde in unser Abteil kamen. Männer und Frauen,«ine Mutter mit ihrem Kind, bemerkte ich, daß Franz furchtsamer wurde. Er war nicht mehr so stolz und allmächtig, als wie er noch bei uns war. Er verkroch sich zu mir, wie um Schutz gegen unbekannte Angriffe, und er schlug vor den fremden Blicken die Augen nieder. Zwei Monate hatte er unter Leuten verbracht, bei denen seht« JRntter als Dienstbot« angestellt war— und da» war ihm schon anzusehen. Erst jetzt kam es mir in den Sinn, jetzt erst fiel es mir auf, daß ich bei ihm während dieser zwei Tage, die ich im Dorfe seiner Mutter verbracht hatte, weder dort, noch auf der langen Wagensahrt, weder aus dem Bahnhof, noch in der Restau- ration, oder im Zug auch nicht«in einziges mal die trotzige Pose gesehen oder sein sich widersetzendes Schreien:„O-o-aHH!" gehört habe. Franz ist schon eine Woche hier bei uns, aber er hat noch nicht ein einziges mal„O-o-ahh!" gerufen. Ob seine Seele wohl wieder zu sich kommen wird? Ob er wohl unter uns wieder frei werden und die zwei Monate der Knechtschaft vergessen wird? Ich warte besorgt darauf. cAutoris,-rt- U-b-rs-tung von M-uru- OTcjci.) Westarp.- »Ich bin bankrott. Klar liegt's zu Tag. ®b man mir hier wohl helfen mag!" Das»Unterelektron". Auf der Naturforfcheroersammlung, die in Düsseldorf vom Zl). bis 26. September tagt«, hielt in der Abteilung für Physik der Wiener Physiker Prof. Ehrenhaft einen Vortrag, den er bescheiden „über Beobachtungen und Messungen sehr kleiner elektrischer Ladungen und sehr kleiner Magnete' nannte, der aber geeignet ist, aus dem wichtigen Gebiet der Elektronen auf unsere Anschauungen umwälzend zu wirken. Es ist ja bekannt. daß man heut« ollgemein annimmt, die Elektrizität fei in derselben Weis« atomistisch zusammengesetzt wie die gewöhnliche Materie, d. h. daß«in« kleinst« elektrische Ladung existiert, das sog. Elementar- quantnm, von der alle übrigen nur ganzzahlig« Vielsache sind, sir daß eine l'A- oder 2f-sach« Ladung nicht vorkommen könne und ebenso- wenig die Hälfte oder ein anderer Bruchteil dieser Elementarladung. Man hat sie als„Elektron' bezeichnet und im weiteren Verlaus der Forschung die Anschauung ausgebildet, daß dies« Elektronen sogar die letzten Bausteine der Materie sind. Allerdings sind sie negativ elektrisch geladen, die Atome der Materie müssen aber auch positiv« Ladungen besitzen, welche die negativ« Ladung der Elektronen in ihrer Wirkung nach außen aufheben, so daß sie unelektrisch erscheinen. Man hat daher neben den Elektronen noch positiv geladene sog. „Protonen' als Bausteine der Materie eingeführt. Nun trat vor 16 Jahren auf der Notursorscherversammlung, die damals In Königsberg tagte. Ehrenhaft auf und berichtete über Berfuche, die ihm zu Ladungen geführt hatten, welche kleiner waren als die Elementarladung, also kleiner als das Elektron. Diese Mit- teilung erregte damals ungeheures Aufsehen, war sie doch geeignet, die Vorstellungen über das Elektron, die zu einem festen Bestände unserer physikalischen Grundanschauungen geworden war, sehr stark zu erschüttern, wenn nicht gor ganz über den Haufen zu werfen. Natürlich erhoben sich Stimmen, die zunächst an der Tatsächlichkeit der von Ehrenhast beobachteten Erscheinungen zweiselten. Die Ver- suche nach der von Ehrenhast ersonnenen Methode gehören ja zu den subtilsten, die die Physik überhaupt kennt, denn es werden die Bewegungen von Körperchcn an der Grenze des mikroskopisch beob- achtbaren in einem elektrischen Feld untersucht, und aus der Art und Größe der Bewegungen, die zufolge der Schwere und der auf die Körperchen wirkenden elektrischen Kräfte erfolgt, wird auf ihre Ladung geschlossen. Daher wurden die Versuche an sehr vielen Stellen wiederholt. Dabei stellte sich ganz deutlich heraus, daß Ehren- Haft zuverlässig beobachtet hatte, daß an der Tatsächlichkeit der Er- scheinungen, die er angegeben hatte, gar nicht gezweifelt werden kannte. Ich nenne hier besonders Versuche des amerikanischen Physikers M i lli k a n. Es blieb nur noch der Ausweg, den Versuchen eine andere Deutung zu geben als Ehrenhaft getan hatte. Ehrenhaft hatte seinen kleinen„Probekörpern", wie er die kleinen von ihm unters» ästen Teilchen nannte, die Eigenschaft des Stoffes zugeschrieben, au« denen sie bestanden, also das spezifische Gewicht oder die Dichte, die dieser Stoff z. B. Gold, Silber usw. besaß. Man wandte ein, daß das nicht zulässig sei, die Stoffverteilung in so kleinen Körperchen(es handelte sich um Kugeln, deren Durchmesser nur wenige Tausendstel eines Millimeters betrug) sei eben anders als in den Maßen, mit denen wir es gewöhnlich zu tun haben. Weiter wand?« man ein, daß es auch keineswegs bewiesen sei, daß die Probekörperchen wirk- lieh Kugelgestalt hätten. Die Zahl der Abhandlungen, die in den verflossenen 16 Iahren über die Ehrenhastschen Untersuchungen ge- "rieben worden sind, ist nicht gering, sie hat t«ms«nd bereit» über- ' m. Auch Ehrenhaft selbst hat unverdrossen weiter gearbeitet und berichtete nun über neue Versuche, die daraus gerichtet waren, die Kugelgestalt und normale Dichte seiner Probekörper nachzuweisen und dadurch den erhobenen Einwänden die Grundlage zu entziehen. Das scheint ihm nun in der Tat gelungen zu sein. Er vermochte es — er war ursprünglich Ingenieur—, einen Elektromagneten von einer Kleinheit zu verfertigen, wie er bisher noch niemals beob- achtet worden ist. Die Pole, die verschieden stark sind, stehen nur 2 Millimeter voneinander ah, und in diesem kleinen magnetischen Kraftfeld wurde eine Reihe von Probekörpern der verschiedensten Art unteersucht und in ihren Bewegungen oerfolgt. Aus die Einzel- heilen der Apparatur und der Rechnung kann hier natürlich nicht eingegangen werden. Einwandfrei ergibt sich daraus die Kugel- gestalt der Probekörpcr und die normale Dichte, wie sie auch größer« Mengen der betreffenden Stoffe haben, aus denen sie be- stehen. Damit wären aber Ladungen als vorhanden nachgewiiesen, die kleiner als das Elektron sind, das„Subelektron"(Unterelektron) wäre Tatsache. Ehrenhaft hebt mit Nachdruck hervor, daß er keine theoretischen Schlüsse aus seinen Beobachtungen ziehen will, er wolle nur be- stimmte Tatsachen feststellen. Werden diese Tatsachen als solche an- erkannt— und das müssen sie, wenn sie der Nachprüfung standhalten wie das bisher bei allen Beobachtungen Ehrenhafts geschehen ist—, dann ist es ja ganz selbstverständlich, daß unsere Anschauungen sich nach den Tatsachen richten müssen, nicht umgekehrt die Tatsachen nach unseren Anschauungen. Unsere Anschauungen sind ja immer nur Bilder, die wir uns von der Wirklichkeit machen, und müssen je nach den Tatsachen, die wir kennen lernen, geändert werden: ganz zutreffend werden diese Bilder wohl niemals sein, denn„ins Innere der Natur dringt kein erschaffener Geist". __ Dr. B. Borchardt. Oer erste haushunS. Den ersten zahmen Hund, der von den alten Aegyptern in vor- geschichtlicher Zeit zum Haustier gemacht wurde, will'der sranzösische Aegyptologe Hippolyte Boussa i» altägyptischen Darstellungen auf- gefunden haben, wie er in der Pariser„Nature" berichtet. Der Ur- sprung der Hunderasse und sein erstes Erscheinen als Haustier haben die Gelehrten schon viel beschäftigt.„Nach den Funden der Palöon- tologie", schreibt Boussao,„ist das Erscheinen der Hundefamilie in der Tertiärperiode am Ende des Eozän festgestellt, also vor etwa zwei Millionen Jahren. Aber daraus folgt noch nicht, daß unser Hund auf eine so frühe Epoche zurückgeht. Wir finden am Ansang des Miozäns den„Amphycion" als eines der bezeichnendsten Fos- silien der Tertiärzeit. Durch sein Gehirn, seine Zahnstellung und andere Eigenheiten ist dieser Vierfüßler mit dem treuen Freunde des Menschen so nahe verwandt, daß die Paläontologen in ihn: den Ahnen des Hundes erkannt haben. Doch erst seit Beginn des Plio- zäns ist in Europa die Gattung Canis deutlich erkennbar. In Nordofrika erschien sie noch später. Spuren vom Hunde als Haus- tier treten uns jedoch erst in der jüngeren Steinzeit in den.Lüchen- Haufen" Dänemarks, in den Funden der Schweiz und der italie- nischen Hochlande entgegen. Nach der Ansicht mancher Gelehrten stammen alle Haushunde von einer einzigen Art ab, aber diese Theorie hat bei der weiten Verbreitung dieser Gattung über die Erde wenig Wahrscheinlichkeit.. Unser Vierfüßler ist so klug und so gelehrig, daß der Mensch, wo er sich niederließ, ihn rasch zum Haus- tier machte. Bevor aber noch irgend eine solche Möglichkeit vor« handen war, gab es zahlreiche Arten von wilde» Hunden, und von ihnen stammt die große Anzahl der Haushunde ah, die sich bis auf unsere Tage erhalten haben. Die Aeffiipter hatten zahme Hunde der verschiedensten Arten, die auf de» ältesten Denkmälern därgesteilt sind: diese führen fast bis w'die jüngere Steinzeit zurück,' da jirttje Ursprünge der ägyptischen Kultur über Isisisi Jabre zurückreichen. Di« Aegypter werden also wohl mit die ältesten Menschen gewesen sein, die Hunde zähmten. Nun gibt es�unter den heilige» Tieren ihrer Religion ein Geschöpf, das dem Set-Typhon, dem Geist des Bösen und Herr» der Schatten, geweiht war. Dieses Tier, über das sich die Gelehrten seit fast einem Jahrhundert den Kopf zerbrechen, ist ein eleganter Vierfüßler von hellbrauner Färbung, mit langen, nervösen Beinen, langen viereckigen Ohren und einem schlanken Schwanz, der am Ende gespalten oder geknotet ist: die Füße haben Zehen wie bei einem Hund. Das Tier des Set trägt ein breites Halsband, ein Zeichen daiür, daß es gezähmt war." Boussao will nun in diesem Tier den ältesten Haushund der Welt erkennen, bei dem Schwanz und Ohren phantastisch umgeformt waren. Wenn man diese unwirklichen Zutaten abzieht, so ist die Aehnlichkeit mit den Hunden, die heute noch wild an den Küsten des Roten Meeres lebe», vollkommen. Dieser ältesten Gattung des Haushundes hat der Gelehrte den Namen Canis Thyhonicus nach dem Gott, dem er heilig war, verliehen. Tothungern und Tolmässen. Der Mensch kann sich ebensogut tot- hungern wie totmästen. Bisher fehlte jedoch eine zuverlässige Fest» stellung, bis zu welchem Grad der Nahrungsmangel und die Ueber- mostung gehen dürfen, um das Leben zu gefährde» oder gar zum Tode zu führe». Dieses inieressanie Problem hat nun ein Forscher — Oeder— mit Erfolg gelöst. Seine Untersuchungen gingen von den Körpergewichtszahlen des Menschen aus, da das Körpergewicht, wie man we'ß, ja hauptsächlich von der Nahrungsaufnahme bestimmt wird. Maßgebend ist hierbei sowohl das Normalgewicht des Men- schen, jenes Gewicht, das er nach seiner Größe, seinem Alter usw. haben sollte, und das daher als das„Sollgewicht" bezeichnet wird, als auch das Gewicht, das sein Körper in Wirklichkeit besitzt, also sein„Istgewicht". Da vor allem die Frage wichtig war, welche Ge- wichtsabnahme oder-Zunahme das Leben des Menschen in Gefahr bringt, hatte sich der Forscher eine Dergleichszohl ausgerechnet, die dadurch zu erhalten ist, daß man das Istgewicht durch das Soll- gewicht dividiert. Diese feste Zahl nun ermöglicht es tatsächlich, zu erkennen, wie weit die Grenzen der Abmagerung und Verfettung des menschlichen Körpers gehen dürfen. Als Beispiel hierfür sei ein Fall angeführt, bei dem der Patient ein Jstgewicht von 31,4 Kilogramm besaß, während sein Sollgcwicht 57,5 Kilogramm betrug. Die aus diesen Zahlen gewonnene Ver- gleichszahl war li,546, was eine Verminderung des Körpergewichts um 45 Proz. bedeutet. Die weiteren Feststellungen ergaben, daß die untere Lebensgrenze, die sogenannte„Verhungerungsgrenze", sich zwischen den Vergleichszahlen 6,618 und 6,546 bewegen dürfe: der Tod tritt ein, wenn der Körper etwa 56 Proz. seines Sollgewich's verloren hat. Das Gegenteil hiervon stellen jene Fälle dar, bei denen das Leben des Menschen durch Uebcrmästung gefährdet ist. Bei diese» Untersuchungen zeigte sich, daß die obere Lebensgrenze, das heißt die Totmästungsgrenze, bei der PergleichszaKl 1,679 erreicht ist, wie es zum Beispiel bei einem Istgewicht von 134,3 Kilogramm gegen 86 Kilogramm Sollgewich! der Fall wäre. Demnach bewegen sich die äußersten Lebensgrenzen der lieber- und Unterernährung des Men- schen wohl ziemlich in allen Fällen zwischen den Zahlen 6,566 und 1,756. Selbstverständlich muß man aber auch mit Ausnahmen rech- nen, da sich absolut und allgemein gültige Zahlen schon wegen der großen Perschiedenheit der durch Muskelkraft, Geschlecht, Alter usw. bedingten Einzelfälle nicht ausstellen lassen. Für die normale Ar- beitssähigkeit de- Menschen kann man ungefähr 6,876 als untere und 1.350 als obere Grenzen annehmen. Die Mumie wird durchleuchtet. Das neueste Anwendungsgebiet der Röntgenstrahlen ist die Untersuchung der Mumien. Ohne die Bandagen zu lösen, können jetzt die Besonderheiten jeder Mumie im Durchleuchtungsversahren festgestellt werden. Einsendungen für diese Rubrik sind Berlin S« 68, Lwdenstr-ße 3, Parteinachrichten ffMh für Groß-Serlin stet» tu da» B«zirt»selretariat. 8. Hof, 2 Zrep. recht», ,u richte». Achtung, Genossinnen! Zu der am Mittwoch, den 2S. September, abends 7 Uhr. in den Musikersälen, Kaiser-Wilhelm-Slrahe Zl. slailsindenden Vorstände. konserenz werden die Kreis, und Abteilungslelterinnea gebeten. ebenfalls anwesend zu sein. Der Bezirksvorstand. * 12. Ittels etcglifc, Lichterfeld«, Lankwitz. Dienstag 8 lldr«reisnorliandtOtzung an bekannter Stelle. 1Z. Kreis Tempelhof. Mariendarf, Marienfclde, Lichtenrade. Die Sitzung de» Bildungsausschusses findet wegen der Kreisvorslandssitzung erst am Mitt. wach. September, 7 Uhr, bei Niendorf, Mariendorf. Chausseesir. IT, statt. 17. Kreis Lichtenberg. Donnerstag, so. September,» Uhr, in der Bibliothek. Weichselstr. 28, Sitzung des Bildungsausschusses. Vortrag. Alle Mitglieder müssen unbedingt erscheinen. 19. Kreis Pankow. Heute. Dienstag. 28. September, TZH Uhr, Sitzung der Zeitungskommifsson bei Mcehs. Berliner Strasse. Jede Gruppe mutz und«- dingt vertreten sein. henke. Dienstag, den 28. September: 25. Abt. Die Bezirksführer werden gebeten, die Hauslisten umgehend vom Genossen Wilhelm Güdc abzuholen. 102. Abt, Baumschulenweg. 7Vi Uhr outzerordentlich wichtige Sfunktidnürsitzung bei Hotz. Baumschulcnstr. 72, 118. Abt, Lichtenberg. 7sb Uhr bei Rothe, Frankfurter Alle«, Eck« Sutrunstratze. wichtige Funktioniirsstzung und«leichzeitig Abrechnung. All« Funktionär« müssen unbedingt erscheinen. Abt. 12U Mahlsdorf-Süd. 8 Uhr bei Dietz, Uhlandstr. 18, wichtig« Funktionär. sstzung. Morgen, Mittwoch, den 29. September: 17. Abt. 7ZH Uhr Abteiliingsvcrsannnlung bei Schreiber. Triftstr. 83. Vortrag des Genossen Stadtrat Karl Fadiunke. Alle Mitglieder müssen er- scheinen. 31, Abt. 7sj Uhr Fahlabend« bei Goldschnlitt, Etolpisch« Str. 8«: Meitzner, Schioelbeiner Str. 84: Ritz, Schivelbeiner Str. 22, 38. Abt. 7 Ubr Sitzung der Bezirtsführer mit den Revisoren bei Bartusch, ffriedenstr. 88. Sämtliches Material ist mitzubringen. Erscheinen unbedingt notwendig. Falls verhindert, Vertreter entsenden. 43. Abt. Von 6 Uhr ab wichtiges Werbemateriol abholen von Eichholz, Eittkrh» strotze 28. Es ist Ehrenpflicht jedes Genossen, bestimmt zu erscheinen. Eharloitenburg. 5t. Abt. 7ZH Ubr bei Schellbach, KSnigin-Elisabeth-Str. 8, Abteilungsvcrsammlung. Vortrag:„Das rote Wien". Referent Franz von Puttkamer. Sämtlich« Mitglieder müssen erscheinen,— 55. Abt. 8 Uhr Fahlabende: 8. Gruppe bei Eggert. Wollstr. SO: S. und 10. Gruppe bei Bohne. Echlotzstr. 45. Tagesordnung:„Die rote Woche". 77. Abt. SchLneberg. 7VH Uhr bei Will. Martin-Luther-Str. 69, Mitglieder- Versammlung. Vortrag:„Genfer Eindrücke". Referent Dr. Friedländer. 81. Abt. Friedenau. 8 Uhr bei Klabe, Sandiernstr. 69—61. Sitzung sämtlicher Elternbeiräte. Erscheinen aller Elternbeiratsmitglieder unbedingt er- forderlich, 83.«dt. Sichterfelde. 8 Uhr In den Lichterfelder Fesssälen, Fehlendorfer Str. 8, Mitgliederversammlung. Vortrag:„Deutschland, Stellung im BSIkerbund". Referent Studienrat Erwin Morouardt. Bei der Wichtigkeit der Tages- ordnung und der bevorslrhenden Werbewoche ist«Z Ehrenpflicht aller Mit» glieder. unbedingt zu erscheinen. 128./136. Abt. Pankow. 7V8 Uhr im Türkischen Felt, Breite Str. 14, Mit- «liederversammlung. Bortrag:„Völkerbund und Sozialdemokratie". Rose- rcnt Dr. Tichauer. Alle Mitglieder müssen bestimmt erscheinen. Bernau und Umgegend. 8 Uhr im Lokal von Modisch, Koiserskratz«, Gruppen. konserenz. Es spricht Landgerichtsrat Dr. Seligsohn über„Justiz und Sozialismus". Erscheinen oller Funktionär« ist Pflicht. 5cauenveranstaltungen l Abteilungsmieter Obleute I Am Freitag, den I. Ottober, abend» 7 Uhr. findet im oberen Saal« de» Graphischen Vereinshause» fheauing), Alexaadrinenstr. 44, eine Versammlung statt mit der Tagesordnung: 1. ver Kongreß des Belchsverbandes Deutscher ZNietseinigungsämler in Düsseldorf: 2. Der internationale Wohnungsbau- Kongreß in Wien: Z. verschiedenes. In Anbetracht der großen Wichtigkeit der zur Beratung stehenden Punkte ist tS Pflicht aller AbteitungSmieterobleuie und aller Genossen, die im Groß- Berliner Wohnungswesen tätig sind, diese Persammlung zu besuchen. 1. Kwi»«iite. Donnerstag, 39. September. 7Z4 Uhr, bei Fschlessng. Acker. ssratz« 1, Funktionärinnenkonferenz. Jungs«, ialisteu und Arbeiterjugend sind«ingeladen. henke, Dienstag, den 28. September: 55. Abt. Eharlotkenbnpg. 7ZH Uhr bei der Genossin Lang«, Rosinenstr, 6. Fraucnobend. Bortrag:„Was tut Charlottenburg für die erwerbslose Jugend?" Niedcrschövhauseu. Der heiter« Vortrog findet in der Schul« Bismarck- strotze statt. Morgen. Mittwoch, den 29. September: 24. Abt. 7V4 Ahr im Altersheim, Danziger Str. 62. Heiterer Abend. Rezita. tionen, Lieder zur Laute, Ansprache des Genossen Rachow. Sässe herzlichst willkommen, 27. Abt. 7sh Uhr bei Bogdanowitz, Eonnenburger Str. 1. Vortrag:„Unsere Kinder und die weltlich« Schule". Referent»enoss« Grosse. Im Anschlutz daran: Heitere Rezitationen vom Genossen Heinz Barth«!. Gäste herzlichst willkommen. Abt. 124« Mahlsdorf-Süd. 71h Uhr bei Dietz. Uhlandstr. 18, Vortrag:„Die Arbeit der Frau im Parlament". Referentin Luise Kahler, M. d. L. » Arbeitsgemeinschaft der Kiuderfreund«, Kreis Mitte: Mittwoch, den 29. September. pünktlich 8 Uhr. Generalversammlung im Beritner Raihaus. Fimmer 199. Es ist Pflicht aller Mitglieder, bestimmt zu erscheinen. Gäste willkommen.— Kreis Steglitz(82. Abt.): Heute, Dienstag, nachmittag von 4—6 Uhr Spieleu im Jugendheim Aldrechtstr. 47. Zungsozialiften. heute Dienstag, den 28. September: Gruppe Lichtenberg: 7,,4 Uhr im Jugendheim Parkaue 19 Ausspracheabend. Geburtstage. Jubiläen usw. 87. Att. Eharkottendurg, Heut« friert unser langjähriger»rnppenleilcr Gustav F a l k« w i tz, Wielandstr. 43, mit seiner Gatt:n das Fest der Silber- Hochzeit. Wir gratulieren ihm herzlichst.— Die Abteilungsleitung. Sterbetafel üer Groß-öerliner Partei-Grganifation 12. Abt. Am Freitag, 24. September, verstarb plötzlich unser treuer Genosse Friedrich B o r a i s, Emdener Str. 35. im 52. Lebensjahre. Einäscherung am Mittwoch, 29. September, nachmittags 3 Uhr. im Krematorium Gerichtst:atzc. Vollzähliges Erscheinen ist Ehrenpflicht. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Serlin. heute, Dienstag, den 28. September, abends 7� Uhr: «efnadbrnuneni Rote Schul«. Sotenbutger Str. 2. Vortrag:„Weltpolitisch« Fragen".— Weddiug-Rord: Schule Müllerstr. 48. Bortrag:„Stammt der Mensch vom Affen ab?"— Balkan: 396. Gemeindeschule. Mandelstrotze. Vor- trag:„Gemeinschaft und Reform",— Schönhauser Vorstadt I: Schule Driesener Strotze 22. Ernste und heiteve Rezitationen.— Kasenheid«: Badeanstalt Bär- waldstratze. Heiterer Abend.— Südwest: Jugendheim Bellc-Allwncc-PIatz 1. Literarischer Abend:„Dichter der Revolution".— Schöneber« II: Jugendheim Hauptstr. 15. Vortrag:„SAJ. und Reichsbanner".— Wilmersdors: Jugend- heim Hildegardstr. 4. Bortrag:„Unser Kampf gegen die Kirche".— Marien- darf: Alte Schul«. Dorfstr. 7. Bortrag:„Toplorismus".— Steglitz I: Jugendheim Aldrechtstr. 47. b-Minuten-Referate.— Fehleudorf: Südschule. Wilhelm- Bub und Wäbel"(Fortsetzung).— Neukölln I: Jugendheim _______,.___:«chtstrotz«. Vortrag:„Der Bauernkrieg".— Neukölln III: Schule Weisestr, 19. Aussprach«:„SAJ. und Kirche".-» Neulill» IV: Jugendheim Nogatstr. 53. Funltionörsstzung.— Reulöllu VI: Jugendheim Nogatstr. 53. Bvrtrag:„Zugendbewegung links von uns".— Werbe bezirk Osten: Sämtliche Genossinnen und Genossen treffen sich zur Demonstration pünktlich W Uhr im Jugendheim Tiifiter Str. 4. Friedrichshain und SIralauer Viertel grotze Fahnen mitbringen I_ vortrage, vereine und Versammlungen. Reichsbonner»Schwarz-Rot-Gold". Geschäftsstelle: Berlin S 14. Sebastianstr. 37/38.»of 2 Tr. Weddiag: Kameraden, die am Sonntag, 3. Oktober, nach Brietzen mitfahren wollen, treffen ssch zu einer kurzen Besprechung am Fr., d. 1,. abends 8 Uhr. dei Müllcr. Utherstratze. Kameraden unter 24 Jahren vom 1., 2., 4. und 5. Bleck treffen sich Mi„ d. 29„ TA Uhr abends, bei Müller, Utberstr. 12._ Verband Eherechtsteform. Oeffentlich« Versammlung Donnerstag, 39, Sep- tembcr. 8 Ubr. im Restaurant Greiffenberger, Berlin, Jerusalemcr Str. 8 (unterer Saalj, Arbeitsgemeinschaft entschiedener Nepublikauer, Geschäftsstelle N. 29. Prinzen. alle« 69. Donnerslog. 39. September, 8 Uhr. in der Konditorei Dönhoffplatz. Kommandantenstr. 84. öffentliche Sitzung des Arbeitsausschusses. Entschiedene Nepublikoner aller Parteien willkommen, Bund freier Menschen im Veibnnd«olksqesundheit, Landesverband Berlin- Brandenburg. Dienstag. 28. September,(48 Uhr, Schnlaula Lange Str. 31, Gaumitgliederpcrsammlung. Longiellow Engiis« Oebaline Club, W., Bülowstr. 194. Mittwoch, den 23., 8 Uhr, Dr. Erna Dietei:„.Juvenile Courts". Gesthästliches. Das kredithaus B. Feder hat den Konfektionsoerkauf vom Stammhaus Bninnenstraße 1 losgclöft und hierfür eigene Räumlichkeiten am Rosen thaler Platz, Brunnenstraße 197, ein- gerichtet. Das Teilzahlungsgeschäst im allgemeinen hat ja in letzter Zeit ungeheuer an Umfang zugenommen und man kann ruhig sagen, es ist zu einer lebensnotwendigen Einrichtung für viele Menschen geworden. Die Firma Feder, die zu den bedeutendsten Geschäften dieser Art zählt, hat aus Anlaß der Eröffnung des Konsektions- Hauses eine noch weitgehendere Kaufoergünstigung eingeführt. Aus alle Käufe, die vom 27. September ab getätigt werden, ist tAr die Folge nur ein Sechstel des Kaufpreises anzuzahlen, währe-ib der Rest in acht Monatsraten beglichen werden kann. Die Firma hofft, daß von dieser Höchstleistung an Entgegenkommen auch recht reichlich Gebrauch gemacht werde. Die neuen Verkaufsräume— durch den Architekten Rosold geschaffen— sind modern und zweckdienlich ausgestattet und enthalten Empsangsräume, Anprobier-Kabinen, Ab- steckzimmer usw„ kurz alles, was zu einem gediegenen Konfektions- Haus gehört. Die Einrichtung der Räume besorgte die Firma Emil Heinrichs A.-G. „Dega", Deutsch« Saststötteu-S.«. b. H.. eröffnen heute eine Fischback. stub« in der Friebrichstr. 29, Ecke Besseistratz«. Kostproben von gebacken em Fisch werden bis auf weiteres gratis abgegeben, ffiir empfehlen unseren Lrsern den Besuch dieser Gaststätte. Sriefkasten der Redaktion. Minna 14. Kaiser-Wilhelm- unh Augusta-Stift, Berlin N„ Echulstr. 97—98. Wetterbericht der öffenliichen Wetterdienststelle für Seriin. sNachdr. vecb. Meist stärker dewölkt und etwas Regen: später zeitweise ausheiternd, weiterbin kühl.— Jüt Deutschland: In der nördlichen Hälfte Deutschlands noch strichweise Regen, sonst allmähliche Aufheiterung. TUeajer Udiffplele ■iW, iiiiiiiktiiiiu Staats-Theater Opernhaas a. Platz d.Republ. TVjUhr; O b ero n Schauspielhaus 8 U.; Amphltryon Schiller" Theater 8 Uhr- Fahrt nach der SQdsee VoBks büh ne rheiter im Bülowplati 8 Uhr: Der dDische Midiel Morgen 8 Uhr Oer dötsdie Midie! Id. in Sdiiffbinenlinn Täglich 8 Uhr: Das Crabinal Städlisds Opir Cbarlo.tcnburg T/, Uhr: Abonn.-Turnus I Deatsüies TDeater Norden 10334—38 8 Uhr: Androkln» ond der Löwe Von Bernard Shaw Regie: Erich Engel Kammerspiele Norden 10334—38 8'/, Uhr; WeeK-end (Ucber'n Sonntag) von Noel Coward Regie; Erich Engel Die Komödie Bismarck 2414, 7516 8 Uhr: Zum 25. Male Die Gefaiigene Von Bourdet Regie.- M. Reinhardt Seutsehes Sflnstl.-Theaier 8 Uhr: Das große Abenteuer Lesslog-Thealer öl/4 Uhr; Veronika Id. a.lMntenilanim 8 Uhr: Revue; Es geht sdwi besser Luslspielhaus uL'f Kukuli Kuriürst 6456 8 Uhr; Internat. Variete Adilnngl Ab I. Okt auch Sonoabiad cadunilt. 3» die uanie Vorsteilg. zu ermäßigt Preisen 1 F jj C" Neues Theater am Zoo 8„Ich hab Dich lieb" Park. 1-5 M Smsl 6 M. Vonrerk. nnuoterbr. Stpl. 5371 -i ß Tigl. 8l/4Uhr � Tbeater Im Admiralspalast RleseneriolS Kaller- jleirae Ann. ans Preise von 2-15 M Ni lamknf ineMr. I Philharmonie 8 Uhr: Sinionie-Xonz. d. Philharmon Orch. virig,: Prof. Prüwer an irr geil Mihn'rt.»an Frau Prof. Kwast-Hodapii Klav.-Konz, D-Moll Brahms(Rwiit(ioda«i), Sinf. Q-Moll Mozart CASIMO- THBATEB» 8 Uhr: was Liebe verauu Ab I. Oktober; arätin Tippmamsell Qulscheln 1—4 Pers Bei Vorzeig, der Annonce Faut. nur 1,09 Mk„ Sessel MO ino|rv-i)i-»-)jrio)rM-iyv-i[i-v-y-in(n<-y-ir jfiomisdke Cper| Direktion: Hanns Otto Boyen � Der große Operettenerfolg» Jidrienne] Täglich 8.15 Uhr mit Serak, Wessely, Wlrl, Blase � Boettcher, Hell» Vorverkauf ununterbr. v. 10 U. an*1 I GROSSES SCHAUSPIELMAuTI See flZeurid' Täglich SV» Uhr Ende prHzise 11 Uhr Preise M. 1.00— 15.00. Sonntag narhm.SUhrun sro kürzte Vor- steliung' zu orniiiOiet. Preisen APOLLOTHEATER' vis. Otto Kreimeyer 8 Dlir Nur kurze Zeit: 8 Ulir Hartstein Stolz der 3. Kompagnie Vorher: , ClSniemles Speilaimien-Proisr., Cikus Busch Tgl.71/, Nur kurz. Herbst-Gastspiel! TT? Ircua* Sensationen nBi�TustTgen1 J1 Anekdoten vom ollen papa Mrangel zum SchiuS: Grot e Was» erschau Sonnabd.� Oki.-d Ferien-Sond.- nachni.MolD.I» Vorstellung Kinderbelustlgungiacschenkvcrtellg. Indianerspiele| Bonbonregen drotls! Pony- und Eselrclten Das umiekflrzle iUendprogramm mit Papa Wrangel u.Wasserschau > bei halben Preisen d Dienstag, den 28.Septbr, nachmittags 2 Uhr Relchshalien-Theater Ailibzndüdi 8 Utr n4 SoiBtag udaittsp 3 Ulr Slefflner sanger Singende Btae Nachmittes halbe Preise, volle» Programm! Oönhoff-Brelt'i Varietd- Konzert-Tanz KRONE Nur noch 8 Tage AM?- bisö. Oktober Kaiser- Allee Nfthe Berliner Btr. Telephon Pfalzbarg 7915, Ö Sonnabendf,uch 1 abend» lUhr Uhr Sonntag» 126 Sensationen 126 Preise, nur Sitiplitzc, von 60 Pf. bis 10 M. Vorverkauf ununterbrochen ab 10 Uhr Circuskassen, A. Wertheim und K. d.W. Tierschau Einlas von Dienstag bis Freitag einschl. v.9U. vorm. bis 7 U. nachm. Hallenräumung: 8 Uhr, Einlas an allen Sonn- t abend. Sonn- ," tagen u. Mon- 11 17r I'"fien von 9 Uhr vorm. bis jlLUNG't'hr abends; BERLIN 1926 rlumungrtOU. kTHmUSE» BIS 17, OKTOBER Berlin er Theater uhr: Miß flnwiko meines Th. sv, Die«BiBise Leierin Der gBfe«LyttSv- KamaöarÄÄ- C. Rtteker, Berlin' Lichtenberger StraSe 22, Kgst. 3861 Metropol- Theol. Täglich 8 Uhr: Di« gieße Revue Wieder Mefropol Keswenz-Th. 8l/l Absielgequartler Eintritt Jtiraiilidiiii rtrtctai Ttuuia-Thenlcr uhr: Der Biberpelz Regie: Berth. Viertel Tlieatef des Westens Teil, tun: Sitilgl. 931 Täglich 8 Uhr: Dia Rcrne Der Zag nadi dem Westen tmrtul unantsrtrodur Preise 2—16 Mark Biremüy-KilmD Theater HOnlMrAtz.*tr. Letzte Aufführungen I 8 Uhr Zweimtl Oliver Sosoibnd BaiinitDditrt! Urs. Cheneys Ende UomiXUentiau« Latjti iafföhrnngra I 8 Uhr Sbd. zum I.Male: Einbruch Kriminal groteske Id. i. nollendorfplatz Gastspiel d. Moskauer künstler. Theaters Habima Freitag; Erött- nungs Vorstellung Oy" Vbuk Rose-Theater 8'/, Uhr: Die Stecknadel im Heuwagen Wallner-Th. Allabendlich 8 L dcrcrolteErfoIg d. Volksstackes ..Hasenanns Kditer" ParkJ.-,II.Rang Vorverk.TheaL-K. u.bel A.Wertheim. Tbealera.Koltb.Tor Kottbusser Str. 6 6 Ul)r, Sonnt 3 Uhr Elite- Sänger ?mit Buseil! I 50 Pt. bis 2,50 1 Sonnt, nchm. ' halbe Preise Inserate im A Vorwärts sichern Erfolg! Siitllinigi- l VirtstkaftsaigoneDsdiaft Bohnsdorf Eingetr, Genossenschaft m. befchr. Haftpflicht ölvevil.GennalversWllilvl!g am Montag. XI. Ottober, abb». T Ahr bei giehbort, Haidestraße, Tagesordnung: 1, Genehmigung der Bilanz per 3 September 1926, 2. An- trag de» Vorstandes und Aussichisraies Auilösung der Genossenschaft, Gemätz824 der Satzungen findet um 8 Ubr am selben Tage, den tt. Oktober 1926. eine anstetoebrnft. tSeneralaecfammlung mit folgender Tagesordnung statt: l, Be- stätigung de» Beichtusse» der ordentlichen Generalversammlung über Auflösung der Genoffenschost. 2, Verschiedene», Der Vorstand. Der Aussichtsrat. P. Meister. MShrtng. naiwüMliM-stsW Die 8can(heno«rfamm(nng der Flgarettenmaschlnensührer und Betrieb»- Handwerker findet der Tarisverhandlungen wegen am Donnerstag, den 39. September. nicht statt._ Cannctsfog. Hon 30. September. abends T Ahr. im„BofenIQolec Hof-. Hosenlholec S krähe 11/12 9W Allgemeine'•B Klempnerversammlung Tagesordnung: L Vortrag de» Kollegen Eggert:.Die Stellung der Gewerkschaften zur Red, Dr. Stlverberge und der deutschen Industrie". 2, Di»- kulflon. 3. Verband»- und Branchen- angetegenheiten, Pflicht eine, leben Kollegen ist e». in dieser Versammlang zu erscheinen, da unter Brauchenangelegenheiten wichtige Mltteilungen zu machen find. Sonnersiag, 30. September, abend» SVi Ahr, in unserer Aullurableilnng. Cinlenftc. 197(gegenüber Berbandshausl Branchenversammlung aller in der Grlbmelall-Zndustrle beschäsligten Drücker-. Gürtler-, Mrtolldrrher-, Former» und Schleifrrlehriingr. Tagesordnuna: 1. Branchen- angelegenheiten. 2. Filmporträge. Aus dem Programm: Der Traum des Ingenieur» Dinhuber— Da» Motorrad— In der Eisenschmeize— Die Radial dotzr- maschine— Eine ftdel« Schwimmstunde— Der Schwiegersohn mit den dicksten Kartoffeln. Iugenblollegen! In dlesenBranchen- oersammiungen darf keiner fehlen Bringt auch die unorganisterten Kollegen mit. Wir wollen in den nächsten Monaten für >be Branche Versammlungen abhalten, -eiste! gute BorardeiieL dann wird e» gelingen. Die Orksaermaltnng. Verkäufe Achtung, Lauben kolo nisten! 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