Nr.»HS ♦»Z.�ahra. Mvsgade£* Nr. 235 Bezugspreis. SSMltntlid) 70 Pfennl«. motwtlidi S,— ScidiämatJ voraus Milbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Stiuiq, Saat- und M-melaebic: Cdierteid). Litauen. Luiembur» 4,00 Zicichomark, für das ttbriae Ausland 5,50 Reichsmark pro Monat. Der„Vorwärts' mit der illustrier. trn Eanutapechetlag«»Boll und Zeit* sowie den Leilagen.Unterhaltung und Wissen*..Aus der Mlmwelt*. «Frauenstimme*..Der Kinder- freund*..Lugend-DorwSrts* und .Blick in die Bllcherwelt* erscheint wochenvSglich ztoeimol, Sonntags und Montags einmal. Telegramm-Adresse: „Sazlatdenicktea« Sarli»- Morgen ansgabe BPTTgffinEigM— BIMBCMHrJESaBn———— Derliner Volksblatt (�10 Pfcnnia; Anzeigenpreise: Die einspaltige Nonpareille- »eile 80 Pfennig. Reklameseile B,— Reichsmark..Kleine Anzeigen* dos fettgedruckte Wort 25 Plennis kzulässsg zwei fettaedrnckte Worte«. iedes weitere Wort lZ Pfennig. Stellengesuche da» erste Wort 15 Pfennig, jede» weitere Wort 10 Pfennig. Worte llber 15 Buch- stoben zählen fitr zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile«0 Pfennig. Familienanzeigen flir Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen fllr die nächste Nummer müssen bis Uhr nachmittags im Dauptgefchäft. Berlin SW 68. Linden- straheZ, abgegeben werden. Geäffnet von Ol-, Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zcntralorgan der Sozialdemokrat! feben parte! Deutschlands Reöaktion und vertag: Sertin EW. öS, Linüenftraße Z Fernsprecher: Tönhoff 292—297, Donnerstag, den 30. September 195J6 vorwärts-vertag G. m. b. h., Sertin EW. öS, Linöenstr.Z Postscheckkonto: Berlin 87 53»— Bankkonto: Bank der Arbeiter. Angestelten und Beamten. Wallftr. I5> Diokonio-Deselllchalt. Deposttenkasse Lindenstr. 3. Die Oluttat von Hermersheim. Große Erregung der Bevölkerung.— Das Verfahren gegen den Täter. Gcrmcrshcim, 29. September.(TU.) Wie amtlich mitgeteilt wird, ist der französische Unterleutnant Rouzier im Laufe des gestrigen Tages in chaft genommen und am Abend nach Landau übergeführt worden. In der Annahme, daß sich Rouzier, der am Nachmittag verschiedentlich zu Vernehmungen über die Straße ge- führt wurde, noch immer auf freiem Fuß befinde, hatte sich in den Abendstunden eine größere Menschenmenge vor dem Kafino eingefunden, in dem die Abschiedsfeier des 31t. Artillcriercziments stattfand. Den Bemühungen des Oberamt- manns Keiler vom Bezirksamt Gcrmersheim gelang es, die Menge zu beruhigen und zu zerstreuen. Immerhin ist die Erregung in der Bevölkerung über die Vorgänge nach wie vor sehr stark. Gestern fand zwischen dem stellvertretenden Regierungspräsidenten der Pfalz, Regierungsdirektor S t ä h l e r, und Oberstaatsanwalt König als Vertreter der Justizbehörde auf der einen und dem französt- schen Platzkoni Mandanten von Germersheim auf der anderen Seite eine Aussprach« über die Vorfälle statt. Auf die Vorstellungen der deutschen Vertreter, die der Trauer und Empörung de? Bevölkerung über den Lorfall Ausdruck verliehen, v e r- sicherte der Platzkommandant, daß auch die sran- zösischen Behörden Trauer über die Vorfälle empfänden, und gab die Erklärung ab, daß das Gerichtsver- fahren gegen den Täter aufs eingehendste und gewissenhafteste durch- geführt werden solle. Ein für gestern abend angesetzter Unter- offiziersball wurde vom Platzkommandanten verboten; ferner hat er angeordnet, daß sämtliche Militärpcrsoncn, mit Ausnahme der Patrouillen, von neun Uhr ab die Straßen nicht mehr betreten dürsett. Die weitere Untersuchung der Angelegenheit hat ergeben, da» Rouzier auch als der Verantwortliche bei den durch die Unter- fuchung bestätigten Mißhandlungen des 17jährigen Klein eine Hauptrolle spielte und sich dabei persönlich mit der Reitpeitsche betätigt hat. Der Vorfall mit Klein spielte sich bekanntlich etwa drei Stunden vor dem nächtlichen Zwischenfall ab. Außerdem ist festgestellt worden, daß Rouzier nach dem Vorfall mit Klein und ehe er mit Holzmann zusammentraf noch einen gewissen Ewald Meyer auf der Straße ohne jeden Grund angerempelt hat. Das Artillerieregiment 311, dem Rouzier angehört, wird morgen nach Vcrdun abtransportiert und durch das in Speyer befindliche Bataillon des Infanterieregiments 171 ersetzt werden. Rouzier bleibt jedoch bis zur Erledigung des gerichtlichen Verfahrens in Landau. Die Beerdigung des ermordeten Müller, die heute nach- mittag stattfinden sollte, ist von den Franzosen nicht genehmigt, sondern auf morgen verschoben worden. Es ist anzunehmen, daß dies mit Rücksicht auf den Abtransport des Artillerieregiments 311 gescyehen ist. Der Gesundheitszustand des schwer verletzten Matthcs hat sich immer noch nicht gebessert. Das Bewußtsein kehrt immer mf für kurze Zeit zurück. Ein Appell an den Bölkerbund. Germersheim, 29. September.(Mtb.) Die Stadt Germersheim Hai an den Völkerbund, an die Reichsregierung und die bayerische Regievang folgenden Notruf gerichtet: „Seit acht Jahren schmachtet die Pfalz unter dem Joche der französischen Besetzung. Was die Bevölkerung in dieser langen Zeit gelitten hat, ist mit Worten nicht zu schildern. Trotz aller Friedens- und Versöhnungsreden, trotz Locarno und Genf ist das französische Bcsatzungsregime zu einer wahrhaften Geisel der Be- v ö l k e r u n g geworden. Die Stadt Bermersheim namentlich ist der Willkür der französischen Truppen seit langem preisgegeben. Der Bürger ist seines Lebens nicht mehr sicher. Neben den wiederholten schweren Verfehlungen von Angehörigen der Besatzung sind jetzt in der Nacht vom 2t). zum 27. September drei brave wehrlose Bürgersöhne der ruchlosen und kalt berechnenden Mörderhand eines französischen Offiziers gänzlich schuldlos zum Opfer gefallen. Die aufs höchste erregte Bevölkerung der Stadt Germersheim erhebt vor aller Welt flammenden Protest gegen die einer Kulturnation unwürdigen Mißhandlung seitens einer fremden Macht. Sie macht den Völkerbund ver- antwortlich für alle gegenwärtigen und künftigen Opfer. Die gesamte Einwohnerschaft fordert einmütig unbedingte Sühne für das scheußliche Verbrechen an drei ihrer Söhne; sie fordert die sofortige Einsetzung eines unparteiischen Schiedsgerichts zur Untersuchung der Bluttat, sie fordert schleunige Entfernung, aller französischen Truppen aus den Mauern ihrer Stadt." * Der Appell der Stadt Germersheim an den Völkerbund ist aus der berechtigten Empörung der Bevölkerung verstand- lich, er ist aber völkerrechtlich nicht richtig durchdacht. Eine Verantwortlichkeit des Völkerbunds für Ausschreitungen des französischen Militärs im besetzten Gebiet besteht nicht. Auch kann der Völkerbund auf das Ansuchen einer einzelnen Ge- meinde hin nichts unternehmen. Germersheim kann Hilfe nur in V e r l i n suchen, dos ja wegen dieses traurigen Falles mit Paris schon unterhandelt, nicht aber in Gens. Aber, wie gesagt, daß die Germercheimer in ihrer Er- »gung ihre Worte nicht auf die Gvidwagc legen, ist verstand- lich. Anders steht es mit einer gewissen Presse, die offensichtlich bestrebt ist, die Leidenschaften bis zur Siedehitze aufzupeitschen. Diese Presse, die sich im Fall von Konflikten zwischen Militär und Zivil grundsatzlich stets auf die Seite des Militärs gestellt hat, wenn es sich um deutsches Militär handelte, scheint uns nicht legitimiert, bei der Erörterung des Germersheimer Falles den Ton anzugeben. Man kann diesen Fall auf zweierlei Art behandeln. Ent- weder so, wie wir es tun, indem man aus ihm für die Räumung des besetzten Gebiets die sich von selbst ergebenden Argumente zieht, oder aber so, daß die Frage der Räumung zu einer Frage des sogenannten„militärischen Prestiges" gemacht und auf diese Weise die Räumung nicht erleichtert. sondern erschwert wird. Wir halten nach wie vor unsere Methode für die richtigere. Regierungskrise in Danzig. Rücktritt der parlamentarischen Senatoren. Danzig, 29. September.(Eigener Drahtbericht.) Die heutigen Verhandlungen des Landesparlaments über das Sanierung s- wert endeten abends gegen 19 Uhr mit einer Rücktrittser- klärung der parlamentarischen Senat oren, die von den Mittclparteien und Sozialdemokraten gestellt war. Die Veran- lassung zum Rücktritt lag in der Ablehnung eines Teiles der Finanz- resormgesetze. Diese waren Ende August mit knapper Mehrheit angenommen und mußten jetzt auf Grund eines ablehnenden Be- schlusses des Danziger Finanzrates(verfassungsmäßige Begut- achtungsinstanz) noch einmal zur Abstimmung gestellt werden. Dies- mal kamen die Gesetze mit 56 gegen 50 Stimmen zur Ablehnung. Die Initiative zur Neubildung der parlamentarische» Regierung fällt nunmehr den Deutschnationalen zu, ohne daß bisher feststeht, wie sie eine regierungsfähige Mehrheit zustande bringen werden. Der Papiersranken bleibt vorläufig. Poincarö jetzt ncgcn die Goldwährung— für die Schuldcnabkommen. Poris, 29. September.(Eigener Drahtbericht.) lieber die am Dienstag stattgefundene einstündige Unterredung, die P o i n c a r e mit dem belgischen Finanzminister F r a n c q u i hatte, ist lediglich bekannt geworden, daß es die französische Regierung endgültig a b- gelehnt hat, schon jetzt, dem Beispiel Belgiens folgend, die ein- geleitete Stabilisierungsaktion durch Rückkehr zur Gold- Währung abzuschließen. Es scheint vor allem die Furcht vor den unvermeidlichen Folgen einer überstürzten Sanierungspolitik zu fein, die die französische Regierung dazu bestimmt hat, e i n st- weilen den Paptersranken beizubehalten. In unterrichteten Kreisen versichert man darüber- hinaus, daß Poincarä sich nach längerem Widerstand nunmehr doch entschlosien habe, dem seinerzeit auf Verlangen Eailloux' ausgearbeiteten Plan der Experten in allen Einzelheiten zu folgen. Das ist um so wahrscheinlicher, als Poinearc in seiner Rede von Bar-le-Duc sehr unzweideutig auf die Notwendigkeit einer baldigen Ratifizierung der Abkom- men von Washington und London angespiell hat. Er hat am Mittwoch den Präsidenten der seinerzeit von der Kammer ein- gesetzten Untcrkommission zur Prüfung der Schuldverträge Dariac gebeten, dem Parlament so rasch als möglich den von der Kommis- sion zu erstattenden Bericht über das Ratifikationsgesetz vor- zulegen. Diese wird bereits am 15. Oktober zusammentreten, um darüber zu beraten. der Juwelenräuber verhastet! Aufklärung deS Verbrechens in der Tauentzienstrnpc. Verhaftung in Breslau. Der Kriminalpolizei ist es gelungen, den Haupttäler des Juwelen raubes in der lauenhienstraße in der Person des Zgjühri- gen Handelsmann» Johannes Spruch zu ermitteln und in Breslau festzunehmen. Spruch ist geständig, er bezeichnet seine stüchtige Braut Sonja Zgniatew als feine Gehilfin. Ueber Einzelheiten wird im Berliner Teil unseres Blattes be- richtet. Di« Nachricht selbst wird manche Kreise schmerzlich berühren. Hat doch die alldeutsche„Deutsche Zeitung" schon am Sonntag unter der Ueberschrift„Der Raubüberfall in der Tauentzienstraße— ein Sinnbild Severingscher Aufbau- arbeit" gejubelt:„Die Verbrecher endgültig entkommen". Daß man den Haupttäter nun doch erwischt hat, ist also sozusagen gegen das rechtsradikale Programm. Und so wird man jetzt im Hause Elaß über die Verhafwng eines gemeinen Iuwelcnräubcrs nicht wenig:? trauern, als wenn es sich um einen rechtsradikalen Mörder zchondett hätte. Einigung oSer Spaltung! Der Wendepunkt in der deutschen Beamtenbewcgung« Von Theodor Kotzur. Seit der Staatsumwälzung gärt und brodelt es in der deutschen Beamtenschaft. Gleich den Arbeitern und An- gestellten suchen auch die Beamten nach der zweckmäßigsten gewerkschaftlichen Organisationsform. Die rückläufige Be- wegung auf dem Gebiete der Rechts-, Besoldungs- und Wirt- schaftsverhältnisse, die ihren beredten Ausdruck findet in dem Abbau zahlreicher Reichs-, Länder-, Gemeinde- und Reichs- bahnbeamten, in der Beseitigung der achtstündigen Dienstzeit und in der völlig ungenügenden Besoldung der Beamten der unteren und mittleren Besoldungsgruppen, hat in weiten Kreisen der Beamtenschaft die Auffassung hervorgerufen, daß nur der Zusammenschluß zu einer gemein- samen Spitzenorganisation eine Wendung zum wirtschaftlichen Wiederaufstieg bringen kann. Vor allem aber ist es der rücksichtslose Kampf, der von gewisser Seite gegen das Berufsbeamtentum geführt wird, der innerhalb der Be- amtenschaft das Losungswort, das jetzt täglich von Mund zu Mund geht, erzeugt hat: Erhaltung des Berufs- beamtentums! Um die Bedeutung dieses Vorganges richtig würdigen zu können, ist es notwendig daran zu erinnern, daß der Ver- waltungsrat der Deutschen Reichsbahngesellschaft den Per- sonalabbau zu einem Dauerzustand erhoben hat. Mehr noch: als einer der Totengräber des Berufs- beamtentums überführt er ununterbrochen Beamte auf niedere Dienstposten oder darüber hinaus ins Arbeiterver- hältnis. Er handelt damit im Sinne jener Konferenz der deutschen Länderregierungen, die im Januar 1922 in Darm- stadt tagte und ein Referat von dem preußischen Ministrialrat F i m m e n über das Thema hörte:„Ist die Schaffung je eines besonderen Beamtenrechts für die Hoheits- und Be- triebsverwalwngen anzustreben?" Fimmen forderte damals, „unter Umkehr zu den bewährten Grundsätzen früherer Zeiten die Hoheitsoerwaltungen personalpolitisch von den Betriebsverwaltungen zu trenne n". Nicht mit Unrecht befürchten weite Kreise der deutschen Be- amtenschaft, daß das, was sich jetzt systematisch bei der Reichs- bahn vollzieht, zunächst seinen Fortgang bei der Reichspost und später bei anderen Verwaltungen nehmen wird. Das ist der Hindergrund, von dem aus das Streben nach der neuen, alle Beamten umfassenden Spitzenorganisation beurteilt werden muß. So erfreulich nun auch diese lebhafte Bewegung zugunsten der gewerkschaftlichen Konzentration aller Kräfte ist, so drängt sich uns aber doch die Frage auf: Ist es überhaupt m ö g li ch, die Beamten aller Besoldungs- gruppen mit ihrer ganz verschiedenartigen Weltanschauung und Parteizugehörigkeit in eine gemeinsame gewerkschaft- liche Organisation zu bringen, ohne hierdurch mehr als den „Koloß auf tönernen Füßen" zu schaffen? Eine jahrzehntelange Erfahrung hat gelehrt, daß es weder den Arbeitern noch den Angestellten gelungen ist, eine derartige Gewerkschastsmacht aufzurichten, die zweifellos bester als die jetzt bestehenden verschiedenen Gewcrkschafts- richtungen in der Lage wäre, erfolgreiche Wirtschaftskämpfe zu führen. Auch der Deutsche Beamtenbund hat seit seiner im Dezember 1918 erfolgten Gründung feststellen müssen, daß es zurzeit ausgeschlossen ist, die gesamte Beamtenschaft or- ganisatorisch zu erfassen und mit ihr entscheidend auf Regie- rung und Parlamente einzuwirken. Als er in den Kapp- Putschtagen des Jahres 1929 den Versuch unternahin, sich schützend vor die deutsche Republik zu.stellen, bezahlte er das Experiment mit einer Spaltung, die ihm 199 99 Beamte der höheren Besoldungsgruppen kostete. Als es dann weiter im Jahre 1922 zu dem bekannten Lokomotivführerstreik kam und dadurch die Streikrechtsfrage für die Bamten akut wurde, kam es zu einer neuen Spaltung, hervorgerufen durch die ge- hobenen mittleren Beanite«, die in großer Zahl fluchtartig den Deutschen Beamtenbund verließen. Es spricht vieles da- für, daß auch künftig nach der Schaffung der angestrebten neuen Beamtenspitzenorganisation starke Meinungsver- schiedenheiten in der Beurteilung taktischer Maßnahmen auf- treten würden, die dann eher lahmend als fördernd für die Organisation sein könnten. Darum muß einmal mit aller Deutlichkeit ausgesprochen werden, daß eine neue, möglichst alle Beamten umfassende Spitzenorganisation nur dann noch größere Erfolge als die Arbeiter- und Angestelltengewerk- schaften aufzuweisen haben würde, wenn in den Mitglieder- kreisen weiteste Uebereinstimmung über die aufzustellenden .ß i e l e und die Mittel und Wege zur Erreichung dieser Ziele vorhanden ist. Wer in der Beamtenbewegung Bescheid weiß, kann kaum annehmen, daß diese Uebereinstimmung, die eine Voraus- setzuna gewerkschaftlicher Erfolge ist, bei den Beamten kräfti- gere Wurzeln gefaßt haben kann als bei den Arbeitern und Angestellten. Darum wird der angestrebte zweckmäßige Aus- bau der gewerkschaftlichen Beamtenorganisation davon ausgehen müssen, olle jene Beamten zu erfassen, die bereit und entjchlossen sind, den von der neuen Organisation ausgestellten Zielen völlig solidarisch nackzustreben. Diese. Auffassung hat der Allgemeine Deutsche Beamtenbund seit seiner Grün- dung vertreten. Er befindet sich mit ihr in Ueberinstimmung mit den freigewerkschaftlichen Organisationen der Arbeiter und Angestellten. In der Oeffentlichkeit ist in den letzten Wochen viel ge- schrieben und gesprochen worden über die Versuche, an die Stelle der bisherigen Beamtenspitzenorganisationen einen neuen Bund der geeinten Beamten zu setzen. Die„Berliner Voltszeitung" veröffentlicht in ihrer Nr. 457 vom 28. September einen Artikel unter der Ueberschrift„Was geht im Deutschen Beamtenbund vor?". Darin wird u. a. folgende Behauptung aufgestellt: „Grund zum Abbruch der Verhandlungen war letzten Endes die Behandlung der sogenannten gemischten Organisationen. Der neue gemeinsame Bund wollte lediglich die Berufsbcamten dieser Organi- sationen, nicht aber die Angestellten und Arbeiter übernehmen; der ADB. wollte dagegen diese Organisationen geschloffen mit ein- bringen." Es erscheint uns an der Zeit, diese immer wiederkehrende irrige Auffassung einmal richtigzustellen. Das von den drei freigewerkschaftlichen Spitzenorganisationen der Arbeiter, An- gestellten und Beamten vertretene Organisationsprinzip er- kennt die sogenannte Dreifäulentheorie an. Danach sollen die Arbeiter dem ADGB., die Angestellten dem AfA-Bund und die Beamten dem ADB. angehören. In der Praxis hat das genannte Organisationsprinzip dazu geführt, daß sämtliche gemischten Organisationen ihre Arbeiter dem ADGB., ihre Angestellten dem AfA-Bund und ihre Beamten, die sie entweder in Beamtenabtcilunqen oder in Veamtensektionen zusammengefaßt haben, dem ADB. anschlössen. Diese Fest- stellung läßt ganz klar erkennen, daß der Allgemeine Deutsche Beamtenbund heute genau so wie bei seiner Gründung eine reine Beamtenorganisation ist. Was aber der Deutsche Beamtenbund will, ist, daß die gemischten Or- ganisationen sich spalten und ihre im Laufe der Jahre gewerkschaftlich geschulten Mitglieder den weniger gewerk- schaftlich geschulten Mitgliedern der im Deutschen Beamten- bund vorhandenen reinen Beamtenverbände zuführen. In diesem Zusammenhange sei gleich noch eine Legenden- bildung zerstört. Ständig wiederholte sich in den legten Wochen die Behauptung, der Allgemeine Deutsche Beamten- bund habe so ziemlich alle seine Mitglieder verloren und sei finanziell zusammengebrochen. Es braucht wohl kaum bc- tont zu werden, baß diese geflissentlich genährte und weiterverbreitete Behauptung den Wunsch zum Vater des Gedankens hatte. Fest steht, daß die Mitgliederziffern der Verbände des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes seit mehr als eineni Jahre st a b i l geblieben sind, hier und da sogar Ansätze zu einer neuen Aufwärts- entwicklung zeigen. Dementsprechend waren auch die Bei- tragseingänge stabil. Hinzu kommt, daß sämtliche Verbände verhältnismäßig pünktlich ihre Beiträge zahlen, so daß es wirklich nicht die Sorge vor dem drohenden Zusammenbruch war, die die Führung des Allgemeinen Deutschen Beamten- bundes veranlaßt?, sich an den Einigungsverhandlungen zu beteiligen. Es ist ja auch nicht gut einzusehen, warum aus- gerechnet eine frsigewerkschaftliche Beamtenbewegung in Deutschland zum Untergang verurteilt sein soll, während die freigewerkschaftliche Arbeiter- und Angestelltenbewegung sich trotz gelegentlicher Rückschläge erfreulicherweise aufwärts entwickelt. ' In dem erwähnten Artikel der„Volkszeitung" wird dann noch die weitere Behauptung aufgestellt, daß der Deutsche Beamtenbund, getreu seiner geschichtlichen Mission, nach dem Scheitern der Einigungsverhandlungen mit dem ADB. den christlichen Gesamtverband der Beamtengewerkschaften zu Verhandlungen eingeladen habe. Hierzu muh festgestellt werden, daß diese Behauptung völlig falsch ist. Der Deutsche Beamtenbund hat die Verhanblungen mit dem christlichen Gesamtverband begonnen, bevor er mit dem Allgemeinen Deutschen Beamtenbund Konzertanfang. Der Beginn des Musitwinters läßt bereits erkennen, daß ein- tritt, was hier vorausgesagt war: 1926 als genaue, wenig retuschierte Photographie von 1925. Da die Sehnsucht nach einer wirklichen Musik k u l t u r immer scrtjchreitet, so ist solch negattoer Abklatsch eines trüben Bildes ein übles Vorzeichen. Dt« Bequemlichkeit, mit der man sich das gut Eingeführte zum Programm wählt und die Zu- fallsdaten der Jahrhunderfeiern als Lorwand für Beethoven-Be- geisterung nimmt, vereint sich mit einer wahnsinnigen Hochstaffelung der Preise. Wer wundert sich da noch über eine künstlich« Abtötung des Konzertlebens? Bedenklicher Eindruck, daß im ersten Furt- wängler-Konzert eine Menge der wertvollste» Plätze, nämlich der unnumerierten Sitzplätze, frei geblieben sind. Furtwängler leitete die Saison mit«inem freundlichen, üblichen Programm ein. Er war in bester Form, gesund, elastisch, hiebsicher, eifernd und überlegen. Einer geistigen Ueberlegtheit be- durfte es allerdings der D-Moll-Sinfonie von Cäsar Franck gegen- über nicht. Diese Sinfonie ist äußerlich reizvoll und gefällig, sie klingt gut und ist vorzüglich gebaut. Das Orchester wird etwas mäßig behandelt, doch wejß Franck, der berühmte Orgelspieler, auch aus dieser Dicke des Klangs noch besondere Effekte zu ziehen. Mit der sonatenhasten Struktur der drei Sätze geht eine besondere Nei- gung zu harmonischen Feinheiten und Ueberraschungen Hand in Hand, die auch bei anderen Werken von Cäsar Franck besonders in feinen Orgelwerken und seiner Geigensonat« gelegentlich aussallen. Auch diese Sinfonie ist einmal als Geigensonate umgearbeitet war- den, was auf die besondere Betonung des Stteichcharakters hinweist. Buscmi hat sie vor etwa 36 Iahren einmal in Berlin aufgeführt, und man begrüßt daher dieses etwas antiquierte Werk mit der Freundlichkeit, mit der man bei lieben alten Bekannten Furchen im Antlitz entdeckt. Die Thematik ist flüssig und reizvoll, doch hat kein Thema eigentlich den Atem, sinfonisch ausgestoltet zu werden. Statt Entwicklung Wiederholung, statt Hochsteigerung nur ein freund- liches Ummalen und Umspielen. Das gilt besonders für die sehr mar- lialisch auftretenden Ecksätze. In der Mitte steht ein gesangliches Allegretto, das Furtwängler mehr als ein Andante auffaßte und dadurch beschwerte. Das Scherzo innerhalb dieses Satzes huscht elfenhaft vorüber und gibt der Getragcnheit des wehmütigen Satzes ein besonderes Profil. Hier wie im Finale meint man«in Stück Brahcksfcher Musik zu hören, allerdings mit der Einschränkung, daß die grundlegenden Motive»iel weniger wählerisch sind und in ihrer Gefälligkeit die Abgrenzung gegen die Trioiolität nicht ganz gefunden haben. Nach der Sinfonie wirkte das Ss-Dur-Konzert von Beethoven wie eine Kraftprobe, allerdings unter den Händen der Ell! Ney, die selbst dem schwärmerischen, glänzenden Nebenton des Werkes noch eine männliche Herbheit verleiht. Sie leitete die unglückseligen Beethoven-Monate jedenfalls glücklich mit dem glück- haftefte« feiner instrumental«! Konzerte ein. eine inoffizielle Verständigung suchte. Er hat auch während der ganzen Dauer der inoffiziellen und offiziellen VerHand- lungen mit dem Allgemeinen Deutschen Beamtenbund mit dem Gesamtverband weiter verhandelt. Auf das Er- gebnis der Einigungsverhandlungen zwischen Deutschen Be- amtenbund und oem christlichen Gesamtverband braucht hier nicht näher eingegangen zu werden. Wird es vom Bundes- tag des Deutschen Beamtenbundes bestätigt, dann ist— darüber kann es eine Täuschung nicht geben— die dritte Spaltung im Deutschen Beamtenbund fällig. Die Klärung auf dem Gebiete der gewerkschaftlichen Be- amtenorganisation in Deutschland ist jetzt da. Wenn nicht alle Anzeichen trügen, stehen wir vor dem entscheidenden Wendepunkt der Beamtenbewegung. Mag die Entscheidung ausfallen wie sie will, die freigcwerkschaftliche Beamtenbewe- gung wird sich einen neuen Weg zum Aufstieg bahnen._ Nußlanü und der �vorwärts'". Eine Zuschrift von Erich Baron. Der Vertreter der Gesellschaft der Freunde des Neuen Rußland, Erich Baron, schreibt uns: Zu der Angelegenheit Kurt Heinig bitte ich Sie um Aufnahme folgender Richtigstellung: Die Befürwortung der Einreiseerlaubnis ist nicht von m i r ausgegangen. Ich habe nur bei zufälliger Gelegenheit bei einem der Herren der Botschaft das Gespräch auf sein Gesuch ge- bracht und dabei betont, daß Herr Hcinig Mitglied der von mir vertretenen Gesellschaft der Freunde des Neuen Rußland ist. Ferner ist es nicht richtig, daß ich von vornherein in voller Kenntnis der beabsichtigten Berichterstattung für„Vor- w ä r t s", Partei- und Gewerkschaftsprcffe war, sondern ich habe davon erst erfahren, als sich Herr Heinig persönlich wegen der anfänglichen Verzögerung der schriftlichen Einreiseerlaubnis so- wie der nachherigen Ablehnung an mich wandte. Ich hatte vorher von seiner Reise nur als von einer volkswirtschaftlichen Studienreise Kenntnis. Erich Baron. Wir müssen es dem von Berlin abwesenden Genossen Kurt Heinig überlassen, ob er sich mit Erich Baron weiter aus- cinandersetzen will. Wir möchten nur betonen, daß Genosse Heinig an der Verlegenheit, in der sich Erich Baron befindet und die aus jedem Wort seiner Erklärung spricht, keine Schuld trägt. Baron hat in der russischen Botschaft über das Einreise- gesuch gesprochen und dabei betont, daß Hcinig Mitglied der Gesellschaft der Freunde des Neuen Rußland ist. Das soll nun keine Befürwortung der Einreiseerlaubnis gewesen sein! Baron, der noch während des Krieges Redakteur eines sozialdemokratischen Parteiblatts war und der Heinig winde- stens feit fünfzehn Iahren kennt, hat in seiner reinen Seele nicht geahnt, daß Heinig über seine Rußlandreise etwas für den„Borwärts" schreiben könnte. Er hat es aber dann doch erfahren, als sich Heinig wegen der anfänglichen Verzögerung der— ihm schon zugesagten— Einreiseerlaubnis an ihn wandte. Erfahren hat er es offenbar von H e i n i g selbst, der natürlich aus seinen Absichten nie ein Hehl gemacht hatte. An dem Tatbestand wird, durch die Erklärung Barons nicht das mindeste geändert. Ursprünglich bestand die Absicht, Heinig reisen zu lassen. Dann machten sich stärkere Kräfte geltend, um die Reise zu hintertreiben. Als man sah, was man angerichtet hatte, erfand man die läppische Ausrede, Heinig hätte die Absichten, die er mit feiner Reise verband, heimtückisch verschwiegen. Die russische Regierung könnte die Sache aus der Welt schaffen, wenn sie erklärte, daß es sich im Fall Heinig um eine Dummheit untergeordneter Stellen handle und daß den Vertretern der sozialdemokratischen Presse der Weg nach Ruß- land selbstverständlich offen stehe. So lange aber der Zustand bestehen bleibt, daß Kapitalisten und Vertreter kapitalisttscher Zeitungen in Moskau mit Kratzfüßen aufgenommen werden, Das erst« Konzert der Kuban-Kofaten lehrte uns eine herrliche Disziplin auch unter diesen Sängern schätzen und lieben. Die ausdrucksvolle Hand des Semjon I g n a t i e w führte die kleine Schar zu großem Erfolge. Es sind nicht die gleichen Kosaken, die wir im vorigen Jahr gehört haben und sie erreichen auch an Kraft nicht ihre Vorgänger. Gelegentlich klingen auch die solistischen Stimmen etwas gequält und zu wenig kultiviert. Immer aber fällt die Aehnlichkeit russischer Volkslieder mit liturgischen, synagogalen Gesängen auf. Die Bruinmstimmen im Wolgalied können nicht sauberer und stärker empfunden zu uns hinklingen, und das Hinein- gleiten von Einzelstimmen>n chorische Gebilde geschieht mit einer Sicherheit, die mit Recht zu Beifallsstürmen hinreißt. K. S. Der Schutzheilige der Journalisten. Die französischen Journa- listen haben sich, wie C. A. Bratter in der.Deutschen Presse" erzählt, durch Abstimmung einen Schutzheiligen zugelegt, und zwar wurde Voltaire mit sehr großer Stimmenmehrheit gewählt. Dieser große Schriftsteller, der seine Feder so oft in den Dienst des Tages stellte, oerdient gewiß diese Auszeichnung. Aber neben ihm erhielten noch andere Kandidaten zahlreiche Stimmen, und zwar nicht nur weltliche Größen, wie Diderot, St. Simon, Roche- fort und Victor Hugo, sondern auch.heilige Männer", deren Zu- sammenhang mit dem Journalismus eingehend begründet wurde. So bekam der hl. Paulus sieben Stimmen, weil„sein Leben an Aufregungen so reich gewesen sei, wie das eines Korrespondenten aus Beruf und Neigung". Ein anderer Heiliger, der sich als Schrift- steller hervorgetan hat, ist der hl. Franz von Sales, den schon Papst Pius X. als Schutzheiligen der Journalisten empfahl. Außer- dem wurden u. a. vorgeschlagen Moses, der hl. Antonius von Padua und die„Verfasser der Bibel". Die amerikanische Einwanderung 1S2S— 1926. Nach einer Statistik des amerikanischen Einwanderungsbureaus wurden im Jahre 1925 bis 1926 496196 Ausländer zugelassen: hiervon waren 157 432 Ouotcn-Einwanderer, d. h. 95 Proz. der Zahl überhaupt zulässigen Einwanderer unter dem Quotengesetz. Länder wie Kanada und Mexiko, die nicht unter dieses Gesetz fallen, schickten 159 229 Einwanderer. Deutschsprachige Einwanderer, also aus Deutschland, Oesterreich, Schweiz und anderen Landern, bildeten die zahlreichste Gruppe der europäischen Einwanderung: die Zahl betrug 58 675, d. h. 4469 mehr als im vorhergehenden Jahre. Für mehrere Voltsstämme ist eine bettächtliche Rück- Wanderung zu verzeichnen. Während die Zahl der deutschen Rückwanderer nur 4599 betrug, stand einer italienischen Einwände- rung von 9734 Personen eine Rückwanderung von 29 994 gegen- über. Es wanderten 3175 Polen ein, während 2833 zurückgingen. Fast ebenso»iele Kroaten und Slowenen gingen zurück, als ein- wanderten, was auch von den Finnen ffilt. Während 1385 Griechen hierher kamen, verließen 5188 die Vereinigten Staaten. Auch Slo- waken, Rumänen und Portugiesen stellten mehr Auswanderer. Von der Landung ausgeschloffen wurden in dem Jahre nicht weniger als 29 559 Slüsländer und 19 994 wurden deportiert. Die Zahl der nicht zugelassenen und der deportierten Deutschen war verhältnismäßig gering. Ausgeschlossen wurden 1175 und depor- tiert 855 Deutsche. während man sozialistischen Pressevertretern die Türe vor der Nase zuschlägt, bleibt der Fall Heinig eine u n- geheure Blamage für das ganze Moskauer System. Zeitfreiwilliger hohenzollern. Der„Prinz" und die Reichswehr. Wie immer hat das Reichswehrministerium auch die Nachricht bestritten, daß der älteste Sohn des Ex- k r o n p r i n z e n bei der Reichswehr Dienst getan Hobe. Dazu schreibt jetzt die„Franks. Ztg.": Die Meldung, daß der älteste Kronprinzensohn in das Potsdamer Infanterieregiment Nr. 9 eingestellt worden sei, ist vom Reichswehrministerium dementiert worden. Die weitere Be- hauptung, daß der frühere Kronprinz selbst vom Eintritt seines Sohnes in die Reichswehr dem Königsberger Professor Schreiber erzählt habe, wird von diesem gleichfalls als völlig grundlos erklärt. Damit könnte die Sache abgeschlossen sein, und die Presse, auch unser Blatt, hätte nur noch ihr Bedauern auszudrücken, daß eine unrichtige Information weitergegeben wurde. So könnte es fein — wenn nicht das Ministerium selb st zugegeben hätte, daß der Prinz„den Sommer über in einem Hotel in Münsingen gewohnt" habe. Wer dieses Münsingen kennt, der lächelt bei dem Gedanken, daß ein junger Mann bloß zum Vergnügen oder zu seiner Erholung den Schloßpark von Oels mit diesem unscheinbaren, nur durch Zementfabriken ausgezeichneten Städtchen auf der kahlen Hochfläche der Rauhen Alb vertauscht haben soll. Wer dieses Münsingen kennt, der weiß, daß kein Mensch dort„den Sommer über in einem Hotel" wohnt zu irgendwelchem anderen Zweck, als um an militärischen Uebungen auf dem daneben liegenden Truppenübungsplatz teilzu- nehmen. Der Kommandeur des immer noch als besonders „feudal" geltenden Potsdamer Reichswehrregiments ist vorsichtig genug gewesen, den dereinstigen Kronprätendente«, nicht gerade offiziell„einzustellen": der Prinz würde ja wohl auch keinen Wert daraus gelegt haben, den vorgeschriebenen V e r p f l i ch- tungsschein de» Soldaten auf zwölf oder den des Offiziers auf 25 Jahre zu unterschreiben. Aber hat man nicht in den letzten Iahren von einer, freilich gesetzwidrigen Institution etwas läuten hören, die als die der Z« i t- freiwilligen bezeichnet wurde? Von vertrauenswürdiger Seite wird in der Berliner Presse berichtet, der Kronprinzensohn habe nicht bloß an den Uebungen, sondern auch am inneren Dienst de» Regiments teilgenommen. Wetten wir, daß dies in der T r a d t t i o n s k o m p a g n i e des 1. Garderegiments zu Fuß geschehen ist, des Regiments, in dem traditionell noch jeder preußische Königs- und Kronprinzensohn seine militärische Ausbil- dung erhielt? Wir sehen aber darin keinen Scherz und keine Harmlosigkeit, daß die Reichswehr der Deutschen Republik den Mut hat, diese dynastische Tradition, wenn auch unter leichter Vernebelung, fortzuführen. Es werden offenbar immer stärkere Belastungsproben, denen die Staatsautorität von dieser Seite her ausgesetzt wird. Wie lange wird sie ihnen noch standhalten? Wie lange muh überdies die Flagge eines demokratischen Ministers diese Belastungsprobe decken? Diese Fragen sind schon sehr oft gestellt worden. Aber eine erschöpfende Antwort ist bisher noch niemals erfolgt. Sie wird erst dann gegeben werden, wenn die Reichstags- mahlen den bürgerlich-republikanischen Parteien endlich den Rücken gesteift haben. Bis dahin darf die„Tradition" des Wilhelmismus in Potsdam wie in Goslar weiter betrieben werden.__ n» Der HaudelspoMIfche Ausschuß des Reichstags ist zun, 5. Oktober einberufen worden. Zluf der Tagesordnung stehen die Verordnung über die Aufhebung des Gesetzes über die Wert- beftimmung der Etnfuhrfcheine sowie die Erhöhung des Zuckerzoll». Auf Grund der Koblenzer Derelnbarung hat die Rheinland- kommiffion die Ausweisungsbefehle gegen 29 höher« Beamte des besetzten Gebietes zurückgenommen. 23 weiteren Beamten hat die Rheinlandkommission die Genehmigung zur Wieder- aufnähme ihrer Tätigkeit im besetzten Gebiet erteilt. können Vögel Kinder entführen? Dieser Tage gingen wieder Berichte durch die Zeitungen, in denen von dem Raub kleiner Kinder durch große Raubvögel gemeldet wurde. So soll in den Anden«in Kondor ein zweijähriges Kind entfühtt haben, und das- selbe wurde von«inem Steinadler aus Tiflis gemeldet. Diese Un- taten, von denen so häusig die Rede ist, werden von Naturforschern vielfach in das Reich der Fabel oerwiesen. Der englische Ornitho- löge C. W. R. Knight, der sich hauptsächlich mit dem Studium der großen Raubvögel beschäftigt und als erster den Steinadler gefilmt hat, nimmt dazu in einer Fachzeitschrift Stellung.„Ist es möglich, daß ein Adler ein Kind fortträgt?" fragt er.„Meine Beobach- tungen gehxn dahin, daß ein Steinadler, der mit Leichtigkeit einen neunpfündigen Hasen vom Boden aufhebt, ebenso gut ein neu- geborenes Lamm oder Kälbchen als Beute in die Lüfte entführen kann. Ein solcher Vogel, der von einer Bergesspitze nach Nahrung Ausschau hält, ist zweifellos auch imstande, wenn er ein viel schwereres Opfer entdeckt, dieses emporzuheben, da seine Krast durch die Gewalt des Niederstoßen» vermehrt wird. Ob er freilich ein 2 Jahre altes Kind emportragen kann, ist ein« andere Frage. Aber wenn man bedenkt, daß der Kondor eine Flügelbreite von etwa 12 Fuß hat, so kann man einem solchen Riesenvogel die Entführung eines kleinen Kindes wohl zutrauen. Verglichen mit einem Vogel- riefen wie dem Kondor ist der Steinadler freilich nur«in kleiner Vogel, denn seine Flügelbreite beträgt nur 7 Fuß. Aber im Ver- hältnis zu seiner Größe ist er überaus stark, und die Greifkraft seiner Krallen ist so mächtig, daß sich wohl auch ein Kind ihm nicht entwinden könnte. Wenn ein Baby in nicht allzu großer Ent- sernung von dem Nest eines Steinadlers unbeaufsichtigt gelassen wird, so Ist jedenfalls die Wahrscheinlichkeit eines Raubes nicht von der Hand zu weisen."_ Da» kleine Theater spiell al« Beginn einer Reibe von Kinber-Märchcn- Vorstellungen am Sonnabend und Sonntag nachmittag 4 Uhr:„Schnee- wittchcn und die sieben Zwerge-. ?«rlblldungskurse sür Dirigenten von Chorgefangverelnen. In der Zeit vom 27. September f>U zum 9. Oktober findet in der Hochichule iür Mustk in Cbarlottenburg«in vom Kultusministerium eingerichteter Fortbildung»- kursuS für Dirigenten von llhorgelangvereinen statt. Dozenten find zumeist Professoren der Staatlichen Hochschule: die 40 Kursisten sind vom Deutschen Söngerbundt und vom Arbeiter-Singerbunde aus Deutschland und Oester« reich ausgewählt und zusammcnberusen worden. Deutscher OrienlaNstenlaz in Hamburg. Homburg steht in diesen Tagen im Zeichen des von der Deutschen Morgentändstchen Geseltschatt veranstalteten 4. Deutschen Orientaltstenlage«, zu dem etwa 800 Teilnehmer nach Hamburg gekommen find. Etn veakmol der Arbeit. In Brüssel wird veabfichilgt, die Arbeiten für da» Denkmal der Zirkelt, die grofiartiaste, leider unvollendet gebltevene Echiipsuna de» verstorbenen belgischen Älldbauer» Eonstantin Weunier, tmedcrtmfjmichmen. Dir Entbllllung soll im Jahre tS.30 anläblich der Hundertjahrscicr de» Neichens eines selbständigen belgischen StaaicS erfolgen. Das metrische System In Rußland. Einer sranzösitchcn Gruppe wurde von der Sowjetrcgicrung da» Recht überlassen, Rußland mit den neuen Ae- Wichten und Maßen zu versorgen. ES soll eine gemischte russisch-sranzöfische Gesellschaft mit einem Kapital von 2 Siilltone» Rubel gegründet«erden. Kundgebung für Severins. Die Polizeibeamtcn für ihren Minister. In der Hochschule für Musik fand gestern abend anläßlich der großen Polizeiausstellung eine große Kundgebung der Polizei- beamten für den Minister Severins statt. Vor dem überfüllten Saal sprach der Verbandsvorsttzende Schräder als Leiter des Verbandes preußischer Polizeibeamten. Er stattete dem Minister Severing den Dank für seine im Dienste der Republik geleistete Arbeit aus. Die Polizeibeamten haben— so erklärte er— Ihnen. Herr Minister, das Vertrauen der gesamten Polizeibeamtenschaft auszusprechen. Wir knüpfen hieran den Wunsch, daß es Ihnen sehr bald wieder vergönnt sein möge, in alter geistiger Frische auf Ihrem verantwortungsvollen Posten im Dienste des Swatcs weiter- zuarbeiten. Wenn heut« unser Blick zurückschweist und wir das geleistete Werk des preußischen Innenministers überblicken, so können wir nur bekennen, daß Großes geleistet worden ist. Als Severing das Amt eines preußischen Innenministers übernahm und gleichzeitig damit die Polizeigewalt erhielt, da waren die Ber- Hältnisse in Preußen s e h r t r ü b e Mit dem Zusammenbruch der o-.rii tic Autorität der Bevölkerung gegenüber den staatlichen Einrichtungen geschwunden Mit dem Kriegsende war die Unsicherheit in Deutschland erheblich gestiegen. Unsicherheit und unruhig« Zeiten wie der K a p p- P u t f ch stellten die Polizei vor fast unüberwindliche Aufgaben. Mit sicherem Blick für die kommen- den Aufgaben der Schupo begann Severing sein Werk der Um- Organisierung. Hemmnisse aller Art stellten sich bei dem ordnungs- gemäßen Ausbau der Polizei ein. Und doch hat der Minister es geschafft, aus dieser kleinen Truppe die Polizei zu entwickeln, zu dem, was sie heute ist, ein Instrument der Staatsautorität. Es sind seine Verdienste, die in der Polizei schlummernden Kräfte ge- weckt und für den richtige» Dienst der Sache brauchbar gemacht zu haben. Als 1»2z Putschgerüchte durch das Land gingen, da tonnte Severing im Parlament stolz bekennen, solange„ich aus dem Posten als P o l i z« i m i n l st e r stehe, duldet die Polizei keinen Putscht. Die gesamte Beamtenschaft stand hinter diesem Bekenntnis ihres Führers. In Deutschland sind immer nur die Helden des Schlachtfeldes geehrt worden. Die Geschichte wird aber an den Taten des preußischen Innenministers Severing nicht vorbeigehen können. Severing ist der Mann der friedlichen Durchdringung und des friedlichen Ausbaues. Schräder schloß mit einem Hoch auf den Minister, in das die Versammlung begeistert einstimmte. Minutenlanger Beifall empfing Minister Severing. � als er zu einer gedankenreichen Erwiderung vor feine Beamten trat. Tiesgerührt über die anerkennenden Worte, so begann er, die Ihr Vorsitzender für meine Tätigkeit gesunden hat, muß ich ihm doch in einigem widersprechen, was mir übertrieben scheint. Ich bin jedoch nicht bescheiden genug, um nicht ein Neines Verdienst iür die nunmehr erreichte Konsolidierung der wirt- schaftlichen und politischen Verhältnisse in P r e u ß en in Anspruch zu nehmen.•Mein Wirken wäre aber sruchtlos gewesen, wenn nicht ein Stab zuverlässiger und innerlich interessierter Mitarbeiter meine Arbeiten verständnisvoll unterstützt hätte. Wenn wir in diesem Jahre den Mut fanden, eine Ausstellung vom Umfange und der Art der Internationalen großen Polizeiauestellung z» organisieren, so ist das ein« Art Schlußpuntt hinter eine Entwicklung. der Abschluß der Sturm- und Drangperiode Preußen- Deutschlands. Es war mit den kümmerlichen Polizeiresten, die uns nach dem Zu- hmmenbmch verblieben, bitter schwer eine zuverlässige, Staat u«» Volk ergebene. Polizeitruppe zu schassen. Damals. als wir begannen, fang und musizierte man in der Beamtenschast »och nicht, spiett« man auch nicht Tennis. Di« Organisierung des Beamtenkörpcrs aus den Rudimenten des Alten erforderte inten- livste Arbelt. Daß wir uns heute planmäßig mit der kulturellen Heb ung des Beamtenstandes beschäftigen können, ist ein Beweis dafür, daß wir aus„lllichts-als-Soldaten" Beamte herangebildet haben. Polizeibeamte, die nicht mit Maschinengewehr und Hand- oranate, sondern mit der weit mächtigeren Waffe des Geist es ihre Aufgaben erfüllen. Ich danke Herrn Schräder sür den Wunsch, meine Gesundheit bald wiederhergestellt zu sehen. Das ist auch mein sehnlicher Wunsch. C» gehört schon etwas dazu, in Preußen 7 Jahre Polizeiminister zu sein. Man muß da Nerven wie Ächiffstaue haben. Was mir notwendig scheint, ist«in Abbau des Höffes und der Vorurteile. Intereffengegensätze wlrd es immer geben, schärfster geistiger Kampf ist notwendig, um«in Volk vor Stagnation zu bewahren: Kritik, um Fehlerhaftes aufzudecken und unbarmherzig bloßzulegen. Aber die Verzerrung dieses Warnungskampses hat bei uns zu reinem Haß geführt, den abzubauen mir gerade die Polizei am trefflichsten geeignet erscheint. Di« Polizei als zuverlässiges Instru- ment der verfassungsmäßigen Regierung muß streng unpolt- tisch fem. Ich habe das beste Gewissen, für ein« materielle Besser- stellung der Beamtenschast alles getan zu haben, was ein Ressort- m i n i st« r, der auch noch S t a a t s m i n i st e r ist, tun und ver- antworten kann. Seien Sie gewiß, daß ich für' Sie das tun werde, was in meiner Macht und meinen ministeriellen Kräften steht. Nehmen Sie, meine Kameraden, diese Worte nicht als einen unsicheren Wechsel auf die Zukunft, sondern als das f e st e Ver- sprechen, unermüdlich bemüht zu sein, der großen Gefahr Ihres Berufes Rechnung zu tragen, nicht nur durch große Worte, sondern durch reformierende Taten. Lelbstvertrauen, da» köstlichste, was der Mensch besitzt, muß auch ln der Veamtenschast lebendig sein. Die Ausstellung am Kaiserdamm ist eine Bilanz der polizeilichen Technik, Gliederung, des Einsatzes und der Erfahrung. Dies Konzert in der Hochschule sür Musik ist eine Ausstellung der geistigen Kräfte der Polizei, ttebcrall bei uns arbeitet die Polizei an sich selbst. Sicherlich ist sie, wie jener Satz lautet,„Das Auge de» Gesetzes". Aber das Gesetz rst hart, manchmal hart. Ich möchte, daß die Polizei darüber hinaus zu einem Auge der Menschlichkeit wird. Wir wollen jeden einzelnen Beamten zu einem guten Käme- raden und einem Freund des Volkes erziehen. Die heute hier auf- gcpslnnztc» Forden der deUiche» und preußischen Republik sind Symbole dieser Arbeit, die Verfassung des republik a- nischen Staates, ist Pfand und zielgebender Weg, den die Polizei bei ihrer Arbeit unbeirrt wandeln muß. In diesem Sinne danke ich Ihnen für Ihre herzlichen Worte des Vertrauens und der Kameradschaftlichkeit. In diesem Sinne wollen wir gemeinschaftlich für Staat und Volk arbeiten.(Stürmischer, langanhaltender Beifall.) tzintergrünüe üer Zeme. Zeuge Wurster verdächtigt— Zeuge Schmidt rechtfertigt sich. Der Femc-Ausschuß des Landtages beschloß gestern in nicht- ösfentlicher Sitzung, die als Zeuginnen vernommenen Steno- t y p i st i n n« n Engelhardt, Donnich und Hartwig aus ihre Aus- sagen zu vereidigen: die Zeugin P o g u n t k e soll jedoch u n- vereidigt bleiben. Nach Wiederaufnahme der öffentlichen Sitzung am Nachmittag gibt zunächst herVertreterderKriminalpolizei, Assessor Schmidt, nähere Einzelheiten über Schmidt selbst. Daraus geht her- vor. daß Schmidt zwar einige Angaben über Wurster bei einer Gegenüberstellung zurückgezogen hat, daß aber im übrigen nichts Nachteiliges über ihn bekannt ist und daß er vor allem nicht von amtlicher Seite als Lügner bezeichnet werde, während gegen wie zu erwarten war... Kuhmann-Knoll wieder freigesprochen. Im weiteren Verlauf des Revtsionsprozesses Knoll- K u ß m a n n sagt Kriminalkommissar Gaus über seine Reise mit Kuß mann aus, um Material gegen die Barmats beizu- bringen. Zwischen Kußmann und Knoll hätten auch außerhalb der Reisen Beziehungen bestanden. In Sachen Sklarz habe Kußmann einmal ein Telegramm aus Wien erhalten. Außerdem sei er mil kußmann und knoll auch privaiim oft zusammengewesen: man habe gemeinsame Fahrten aus Kuhmanns Segelboot gemacht. An den nächsten Zeugen, Kaufmann Richter, stellt General- staatsanwalt Lindow die Frage: Ist Ihnen bekannt, daß sich Ver- treter der vaterländischen Verbände verabredet hatten, daß das Barmat-Material zu Angriffen gegen linksgerichtete Politiker Verwendung finden sollte und daß man auch dicserhalb an Kußmann und Knoll herangetreten ist? Zeuge: Es sollte Licht in die Angelegenheit gebracht werden. Es war uns natürlich darum zu tun, jede Korruption zu bekämpfen. Angekl.: Richter, entsinnst Du Dich nicht, daß ich Dir sagte, es handle sich um eine durchaus vertrauliche Sache und daß man diese durchaus nicht veröffentlichen dürfe. Zeuge: Ja, das stimmt. Es sollte der Press« nichts gegeben werden. Angekl.: Hast Du mir nicht auch daraus Dein Wort gegeben? Der Zeuge bestätigt das. Sodann wurde der Hauptschriftleiter und Verleger der.Bergisch- Märkischen Zeitung", Dacmeister, gehört, der zugab, die Akten der „Deutschen Werke" in die Hand bekommen zu haben. Er habe seinerzeit Kapitänleutnant Kautter mit der Bearbeitung und Sich- tung des Materials betraut und sei auch mit Knoll in Verbindung gekommen. Er habe ferner den kammergerlchlsbeschluß in der Parmas- Angelegenheit erhalten und zwar von einem höheren Staatsbeamten, den er nicht nenne, allerdings nicht zur verösfenllichung in der Presse, sondern nur zur vertraulichen Znsormation. Der Zeuge nab weiter zu, daß ihm auch das Zsaac-Prolokoll und die Denkschrift des Obersinanzhofe» bekannt geworden seien. Die letztere habe er aber nicht von Staatsanwalt Pcltzer oder von Knoll bekommen. Eeneralstaatsanwalt Lindow: Herr Kußmann hat früher immer bestritten, sich parteipolitisch betätigt zu haben. Das muß sich aber in der letzten Zelt geändert haben. Da soll er sich nämlich gerade mit diesen Dingen sehr ausgiebig beschäftigt haben und in den linksgerichteten Zeitungen wird ihm zum Vorwurf gemacht, daß er bei dem Schlag gegen den Minister Severing die Hand im Spiel gehabt und den Geld- geber für Schlichting vermittelt habe. Zeuge Vaemrtster: Es ist vollkommen ausgeschlossen, daß Kußmann. Schlichting und ich in dieser Sache unter einer Deck« stecken. Schlichting. der uns diese Tipps gegeben hatte, betreffend die Bankverbindungen SeoeriNgs, hatte natürlich wirtschaftliche Schädigungen zu erwarten und da habe Ich einmal gelegenlllch Kußmann gefragt, ob er nicht eine Bank wisse, in der ein nallonaler Mann Kredit erhalten könne. Kußmann empfahl mir darauf den Bankier Weichsler. Generalstaatsanwalt Lindow: Ist Ihnen bekannt, Herr Zeuge, daß Politiker der vaterländischen Verbände beschlossen haben, die Bar- mat-Untersuchung zum Anlaß für Angrisse gegen links gerichtete Politiker zu nehmen. Zeuge Bacmelster: Z u diesen Politikern gehöre ich auch. Wir hatten es uns zur Ausgabe gemacht, den politischen Sumpf trocken zu legen. Der folgende Zeug« krantz bekundete, daß Knoll sich seiner Be- Ziehungen zu Assessor Kußmann gerühmt habe. Damals habe Knoll gesagt: Was kußmann weiß, da» weiß auch Ich und umgekehrt. Zeuge Mühlbcrg, der eine eidesstattliche Versicherung abgegeben hatte, auf Grund derer eine Untersuchung gegen Kuhmann und Knoll in Gang gebracht worden war, gab auf Vorhalt des Vorsitzen- den on, daß er zu dieser Sache. ein« falsche eidesstattliche Versicherung gegeben habe, um die verleidiger Barmats, Proell und Werthauer, hineinzulegen. Nach einer kurzen Pause.ergriff der Generalstaatsanwalt Lindow das Wort zu seiner Anklagerede. Einleitend wies er darauf hin, daß es ihm nicht leicht falle, die Anklage zu vertreten, die sich gegen ein Milylied der Staatsanwaltschast richte, das in die Irre gegangen sei. Die Verhandlung habe ergeben, daß grobe Verstöße vorgekommen seien, und des wetteren habe sie nicht den Verdacht beseitigen können, daß noch andere schlimmere Verstöße sich ereignet hätten. Der Generalstaatsanwalt gab dann einen Ueberblick über die Ermittlungen in der Barmat-Sache und betonte dabei, Kußmann habe immer gesagt:„Ich bin der Darmat- Staatsanwalt, ich habe die Sache geworfen." Das fei nun doch nicht der Fall. Kußmann sei unter der Leitung des Oberstaatsanwalt» Linde nur einer der Beamten gewesen, möglicherweise einer der eifrigsten und geschicktesten, die mit der Ermittlung im Falle Barmat betraut gewesen seien. Er hätte sich aber an die Vorschriften des Gesetzes und besonders an die des Strafgesetzes halten müssen. Generalstaatsanwalt Lindow ging dann noch darauf ein, daß die Angeklagten zunächst alle» in Abrede gestellt hätten, und daß vielfach an der Wahrheil vorbeigeredet worden fel. Den Angeklagten sei von der ihnen nahestehenden Presse Indianer- schlnuheit nachgerühmt worden, weil sie die Behörde auf eine falsche Fährte gelenkt hätten. Die Angeklagten hätten sich schämen müssen, wenn sie auf ein solches Niveau gestellt würden, und so etwas trage dazu bei, daß immer noch der Eindruck bleibe, an der Sache müsse doch etwas dran sein. Aus die strafrechtlich« Seite ein- gehend, betonte der Generalstaatsanwalt, daß nur in zwei Fällen der Anklage eine Schuld der Angeklagten erwiesen worden sei, während eine ganze Reihe anderer An. tlagepunkte, so der Hausfriedensbruch Knalls, sowie der Vorwurf, daß Kußmann Geld erhalten habe, fallen gelassen werden mußten. Erwiesen sei lediglich die Schuld der Angeklagten in zwei Fällen, nämlich bezüglich der Beiseiteschassung des Isaac» Protokolls durch Kußmann und Knoll und die Beseitigung de» Entwurfs des Oberrechnungshose», den der frühere Slaalsanwall Pcltzer dem Angeklagten knoll In einer Weise in die Hände gespielt Hab«, daß man aus eine böse Ab- ficht aus beiden Selten schließen müsse. Der Generasstaatsanwalt beantragte gegen den Angeklagten Kuß. mann eine Gefängnisstrafe von S Monaten und gegen Knoll in zwei Fällen je 2 Monate Gefängnis, die gleich- falls zu 3 Monaten zusammenzuziehen seien. Das Urteil. Es folgten die Plädoyers der Verteidiger und die Schlußworte des Angeklagten. Nach etwa einstündiger Beratung verkündete dann Landgerichts- direktor Bernau, daß der Revision der Staatsonwalt- schaft gegen dos freisprechende Urteil der ersten Instanz nicht stattgegeben werden könne, und daß die Freisprechung der Angeklagten bestätigt werde. Zur Begründung be- tonte er, daß bezüglich des Isaac-Protokolls und des Entwurfs dP Rechnungshofes von einer Beiseiteschassung nicht ge- sprachen werden könne, da der amtliche Gewahrsam nicht auf» gehoben sei und«ine Gebrauchsoercitlung der Dokumente nicht in Frage komme. Die Freisprechung hätte ersolgen müssen, weil der Tatbestand der ZZ 133 und 348 nicht vorliege. Die Kosten des Ver- fahrens fallen wegen Abweisung der Revision der Staatskasse zur Last. Das Urteil wurde im Zuhörcrraum, aus dem schon während der Schlußworte der Angeklagten Beifallsbezeugungen ertönten, mit Beifall aufgenommen, den der Vorsitzende rügte. * Berliner Richter sitzen zu Gericht über einen ihresgleichen. Der ehemalige Asseffor bei der Staatsanwaltschaft, jetzige An- gestellte Hugenbergs, Kußmann, ist des Vergehens der Aktenbeiseiteschaffung beschuldigt und jener Knoll, der sich auch Kluge nannte und unter diesem Namen einen Ber- leumdungsladen gegen die Sozialdemokratie unterhielt, ist wegen Beteiligung an diesem Vergehen mitangeklagt. Man kennt die Leute nun schon zur Genüge. Sie rühmen sich immer wieder, wie sie andere angelogen haben, wie sie dem Untersuchungsausschuß„blauen Dunst" vormachten, wie sie dort„Theater" aufführten, wie sie den Staatsanwälten, die sie endlich unter dem Druck der öffent- lichen Entrüstung vernehmen muhten, bewußt die Unwahrheit in die Akten diktierten. Sehr glaubwürdige Leute, Der Kußmann und der Knoll! Aber da ist ja auch der Oberstaatsanwalt L in d e. der Kußmanns Vergehen als fein Vorgesetzter deckte. Er ist jetzt Landgerichtsdirektor und soll selbst Recht sprechen, nicht bloß anklagen. Da ist auch der Herr P e l tz e r, seinerzeit Staatsanwalt- schastsrat.«ine besondere Rummerl Er ließ den Minister Höste in ein Meineidsverfahren verstricken. Er war ja allmächtig. Er lieferte dem Knoll eine geheime Druck- sch r i f t aus, damit dieser sie zu seinem Pressefeldzua benutze. Er verschwieg das Wesentliche vor dem Untersuchungs- ausschuß und vor der ersten Gerichtsinstanz unter Eidesleistung. Dieser P e l tz e r ist jetzt Landgerichtsrat, er soll jetzt Recht sprechen und nicht nur anklagen. Man wird zu diesen Rich- tern, den Linde und Peltzer, in Zukunft ein besonderes Ver» trauen haben... Linde und Peltzer sind befördert, sie sind durch Ueberführung ins Richteramt unabsetzbar geworden. Rur der Kußmann muß sich mit einem mageren Pöstchen bei Hugenberg begnügen und auf seiner Jacht„Schwalbe" mit dem Stander des„Kaiserlichen Jachtklubs" leibliche und sonstige— Vergnügungen suchen. Schließlich sind die Linde, die Peltzer, die Kußmann coch auch Fleisch vom Fleisch der deutschen Justiz. Wenn der Kußmann und sein Trabant jetzt zum zweiten Male von Berliner Richtern aus formalen Gründen freigesprochen wurden, so wundert sich niemand mehr darüber. Der dcut- schen Justiz ist im Volke längst das Urteil gesprochen. Und in diesem Urteil sind auch die Linde, die Peltzer, die Kuß- männer mit einbegriffen! Wurster ein Verfahren wegen Beamtenbestechung schwebt. Im weiteren Verlaus der Sitzung wiederholt W u r st e r seine Anschuldigungen gegen Schmidt, den er als Erpresser, Lügner, Kokainschieber, Dieb bezeichnet. Er kann seine Behauptungen nicht beweisen und verweigert im übrigen jede Auskunst über seine eigenen Beziehungen zur Schwarzen Reichswehr und zu illegalen Verbänden. Aufsehen erregt es, als der deutschnationale Abg. D e e r- b c r g die Aussageverweigerung unterstützt, indem er erklärt: Der Zeuge ist nach meiner Aussassung nicht verpflichtet, über das, was er in seiner Eigenschast als Soldat erfahren hat, hier aus- zusage».(Zurufe links: Als Soldat?) Der Soldat hat da dieselbe Stellung wie der Beamte, und er braucht über die in dieser Eigen- schaft gemachten Wahrnehmungen nichts auszusagen.(Hört, hört! links und Rufe: Wir brauchen ein Gutachten des Reichswehr- Ministeriums!) Vors.: Soldat der Reichswehr war er ja nicht, wir hoben ihn immer nur über sein Verhältnis zur Schwarzen Reichswehr gefragt. Zeuge Schmidt erwiderte auf die Beschuldigungen Wursters: Die Versuche, mich als Zeugen unschädlich zu machen, entspringen dem Bestreben, eine Ausklärung zu verhinoern. Die ersten Ver- dächtigungen meiner Person tauchten auf, als ich den Urheber eines Fememordversuches belastete. Die Anschuldigungen, daß ich An- züge unterschlagen hätte, stimmt nicht. Ich habe nur aus Gutmütigkeitanderenausgeholfen. Ich habe auf mich genommen, daß ich Kokain gebrauchte. Ich mußte seinerzeit falsche Pässe besorgen: die konnte ich nur in den dunkelsten Gegenden Berlins erhalten und mußte mich dabei des Kokains be- dienen, wie es da üblich ist. Ich halte auch daran fest, daß Klapp- roth bei Wurster gewohnt hat und von ihm unterstützt wurde. Dem Major S o d e n st e r n habe ich seinerzeit gesagt, ich würde ihn decken. Jetzt tue ich das nicht mehr und erkläre, daß er Geld bekommen hat für kriminelle Zwecke der Schwarzen Reichs- wehr. Auf eine Frage, wie er die Berufsbezeichnung„Kunstgewerb- lcr" rechtfertige, erwidert der Zeuge, er könne zeichnen, schnitzen und sei mit bildhauerischen Arbeiten vertraut. Zurzeit beschästige er sich, wie er weiter erklärt, schriststellerisch. Er sei ein alter Militär- zögling und hätte einen bestimmten Bergs nicht erlernt. Hiermit schließt die öffentliche Sitzung. Die nächste öfsentsiche Sitzung wird am Donnerstag vormittag stattfinden. Vor üer Entscheidung üer Hergarbeiter. Geteilte Ansichten über die Rcgierungsvorschläge. London, 29. September.(Eigener Drahtbericht.) Der Lande». delegiertenkongreß der Bergarbeiter billigte am Mitt- wach einstimmig die von der Bergarbeiterexckutive in den letzten vier Wochen unternommenen Schritte und trat hierauf in eine Diskusston über die Regierungsvorschlläge ein. Aus Gesprächen mit den Delegierten ging hervor, daß die Meinung der Delegierten über die weiter einzuschlagenden Schritte geteilt sind, bis die morgige Versammlung der Konferenz vermutlich die letzte Entscheidung über Ablehnung oder Annahme der Re- gicrungsvorschläge den Bergbaudistrikten zur Acußerung vorliegen wird. Wenn auch die von Untcrnehmerseite veröfsenttichten Ge- samtziffern über die Rückkehr der Arbeiter irreführend sind, so ist doch unoerkennbar, daß in den letzten drei Tagen die Rückkehr zur Arbeit in gewissen Distrikten zugenommen hat. Am Mittwoch sollen hauptsächlich in Lancashire zirka 9000 Arbeiter zur Arbeit zurückgekehrt sein. Weitere 120 000 Textilarbeiter betroffen. London, 29. September.(EP.) Die Spinnereien von Lancashire werden der Kohlenteuerung wegen all« zwei Wochen ihre Betriebe schließen und nur in der dritten Woche arbeiten lassen. Von diesem Beschluß der Arbeltgeber werden 120000 Arbeiter betroffen. Ramsey Maedonald richtete nach dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund an Stresemann einen Gliickwunschbrief, auf den der Rcicheaußenminister jetzt geantwortet hat. Stresemann spricht in seinem Telegramm». a. mit Befriedigung, mit der er ans die ver- gangcnen Tage in Gens zurückblickt und stellt sest. daß er de» großen Anteil nicht vergessen habe, der Macdonald n» dieser Entwicklung zukomme. Es lebe der Klassenkampf! (Sein Bekenntnis des Syndikus Dr. Brauweiler. Erfurt. 2g. September.(Eigner Drrchtbericht.) Auf einer Tagung des ZZereins der Mitteldeutschen Industrie war neben dem Geheim- rat Dr. K a st l, Syndikus des Reichsverbandes der Deutschen Inda- strie, auch der Nachfolger Tänzlers als Syndikus der Veremi- gung der deutschen Arbeitgeberverbände erschienen, der früher« Regie- rungspräsident Dr. Brau weiler. Dieser hielt«ine bemerkens- werte« progronnnatifche Rede über„W irtfchaft und Sozial- p o l i t i r. Di«„hohen Soziallasten" machten ein« dauernde Nach- Prüfung notwendig. In der Tarifpolitit dürfe der Kol- lektiogedank« nicht ausgedehnt werden, wenn auch keine grundsätzlich« Gegnerschaft gegen den Tarifgedanken de- rhe. Au verlangen sei, daß nicht eine Monopolisierung des arifgedankens gesetzlich festgelegt werde. Ein« Erhöhung der Löhne zur Erhöhung der inneren Zkaufkraft sei nicht das richtige Mittel, das das gewünscht« Ergebnis zeitigen würde. Zwischen uns und Amerika bestünden groß« Unterschiede, wenngleich man von den Amerikanern viel lernen könnt«. Vom Washingtoner Abkommen sei zweifellos festzustellen, daß es in einer Richtung dlirdjbrochcn werde, die auch in der Richtung der Einstellung der deutschen Industrie liege. Die weiter« Ratio- nalisierung bringe zweifellos eine weiter« Arbeits- losi gleit mit sich, die aber damit beweis«, daß mit großer Arbeitslosigkeit uicht eine bedrückte Lage der Wirtschaft verknüpft sei. Das Kündigungsgesetz sei als«in Versuch der Jwangsbewirt- schaftung der Arbeitskrost anzusehen. Dieser müsse stellenweise b e> kämpft, jedenfalls ober in andere Bahnen gelenkt werden. Das soziale Wahljahr müsse die Unternehmer auf dem Posten finden. Politische Interessen müßten hier ausscheiden, die Unternehmer Hütten die Aufgabe, hier zu rekonstruieren(Ortstranken- kcssen). Der Gegensatz von Unternehmertum und Ar- beiterschaft sei verständlich und auch notwendig. Ohne Kampf sei kein Fortschritt zu erreichen und diesen Kamps müsse es immer geben. Das warme Gefühl für die Arbeiter habe die deutschen Unternehmer nie oerlasien. RurdieArbeiterschaftseiunoernünstig. Ter abstrakte Kollektivismus müsse aufgegeben, der Arbetter wieder an seinem Betrieb und dessen Wohlergehen interessiert werden. Dies« individuell« Behandlung des Arbeilerz könne besonders der kleine Unternehmer pflegen, während bei den großen Unter- nehmungen dieses schwierig sei. Der Unternehmer müsse natürlich die geistig« Führung be halten, denn das Ziel sei die Hebung des kulturellen und materiellen Wohles des Volkes. Ueber Tempo und Form der Entwicklung müsse immer der Unternehmer entscheiden, hier dürfe er sich dag Heft nicht aus den Händen nehmen lassen. Die Austragung der Gegen- sätze, die bestehen und diehaifentlichauchimmer bestehen bleiben, müsie auch weiterhm erfolgen. * Aus diesen Ausführungen ist besonders das wiederholte Bekennt- nis herauszuheben, daß der Klassenkampf ein« Notwen- d i g t« i t ist. vomit räumt der neue Syndikus der Vereinigung der deutschen Lrb« i tgeberv« rbänd« mit der alten Phrase der„Volts- gemeinschaft* auf. Freilich stellt sich Herr Dr. Braurveiler diesen Kampf so vor, daß die Unternehmer immer entscheiden und die„un- vernünftigen" Arbeiter sich zu fügen haben und vor ollem den ver- dämmten Sozialismus abschwören müßten. Sehr schön ist auch der Ausspruch, daß groß« Arbeftslosigkeit keineswegs für«in« bedrückt« Lage der„Wirtschast" zeug«. Q'Etat c'est tnoi, der Staat bin ich, sagte Ludwig XIV. Di« Untenrehmer setzen sich an die Stell« der abgebauten absoluten Monarchie und ver- künden„Die Wirtschast sind wir!" Wir. die Großoerdiener, denen es glänzend geht, wenn auch Millionen hungern. Uns geht es gut: also blüht und gedeiht die„Wirtschaft". Wir wären undankbar, wenn wir .Herrn Dr. Brauweiler zu seiner Rede nicht beglückwünschten. Württembergische Gewerkjchaststonferenz. Die Dekämpfuag der Arbeitslosigkeit. Stuttgart, 27. September.(Eigener Bericht.) Am 2C. September tagte im Stuttgarter Metallarbeiterheim«ine Konserenz des ADGB. für Württemberg. Den Hauptpunkt der Tagung bildet« das Referat des Genossen S p l i e d t vom Bundes- verstand, der das Thema„Die Arbeitslosigkeit und ihr« Bekämpfung" in ausgezeichneter Weise behandelt«. Wenn nach Durchführung des ArbeiK-beschafiungsprogramms etwa 500 000 Arbeitskräfte Defchäftiaung finden können, so bleiben immer noch anderthalb Millionen Arbeitskräfte übrig, die unter- gebracht werden müssen. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, in größerem Umfange die Belebung der Produktion zu - Redner, daß die von der Regierung vorgesehen« Regelung der Ueber» groß för dern. Zu der Frag« der Ausgesteuerten erklärte der Weisung der Ausgesteuerten an die Wohlfahrtspflege unmöglich ist. Es wird Aufgabe des Reichstages sein, die Berlängerung der Unte rstützungsdauer zu beschließen. Di« Erwerbslofenunter- stützung muh erhöht und in Beziehung zum früheren Lohn gebracht werden. Ein besonderes Problem ist die Fürsorge für erwerbslos« Jugendliche. Di« Steigerung der Macht der Gewerkschaftsbewegung durch den Ausbau der Gewerkfchastsorgani- sationen wird es ermöglichen, von der Lohnseit« mid der der Arbeitszeit dem Erwerbslofenproblcm beizukommen. Weimer erstattete anschließend ein« Uebersicht über die Zahl der in Württemberg beschäftigten Rotstandsarbei- t e r. Am 15. September 1926 waren von 43 104 unterstützten Erwerbslosen 5514 als Notstandsarbeiter beschäftigt. Bei dem Neckar- regulierungsprojekt hat es den Anschein, als ob die württembergische Regierung dieser Frage wenig Verständnis entgegenbringe. Reg.-Rat Burthardt vom Wüctt. Arbeitsministerium führte aus, daß in Württemberg der Stand der Beschäftigung Erwerbsloser bei Nofttandsarbeiten erheblich besser sei als im Reich. Was das Projekt der Neckarregulierung bei Cannstatt-Münster anlangt. so liegen die Schwierigkeiten nicht bei der württ. Regierimg, sondern im Zusammenhang mit dem Erwerb des Eannstatter Wasens, der Eigentum des Reichsmilitörfiskus ist, durch die Stadtgemeinde Stuft- gart. Weiter« Maßnahmen zur Beschäftigung Erwerbsloser sind in Ausführung oder Lorbereitung, insbesondere Eisenbahn, und Straßen- bauten. Die Zusammenlegung der Arbeitsämter m Württemberg zum Zweck der Schaffung leistungsfähigerer Arbeits- nachweise muß als notwendig bezeichnet werden. Doch wird sie vor- ausstchtlich nicht erfolgen können, ehe Klarheit über die Frag« der anderweitigen Abgrenzung der Oberamtsbezirke besteht. Im Schlußwort betonte S p l i« d t, daß die Arbeitslosigkeit in Württemberg besonders bedrohlichen Charakter anzunehmen drvljc, da die hier vorhandenen Qualitätsarbeiter zur Ab- und Auswanderung gezwungen werden. Der Bildung von Er- werbslosenausschüssen könne nicht zugestimmt werden. Die Verwirk- lichung dieser Forderung führe abseits von dem notwendigen Wege, der beschritten werden muß zur Stärkung der gewerkschaftlichen Organisationen. Zur Arbeitszeitfrage bemerkt« Tp'iedt, daß die Einführung des gesetzlichen Achtstundentags als nächstliegende zu bezeichnen sei. Die Masse hat sich nach der Revolution für den Acht- stundentag begeistert, aber vielfach die falsch« Rechnung aufgestellt, daß durch freiwillig« Ueberstundenarbett ihre Lage verbessert werden kann. Wenn die Maschinen so weiter rasen, wird auch die Lösung des Problems im Siebenstundentag oder in der Fünf- tagewoch« liegen müssen. Notwendig fei aber vor allem immer wieber das klare Erkennen der Macht. Stärkung unserer Positionen durch den Ausbau der Gewerkschaftsbewegung und deren innere Festigung. Eine Entschließung im Sinn« dieser Ausführungen wurde ein- stimmig angenommen. verbonöstag der Polizeibeamten. Dritter Verhandlungstag. Zu Beginn des 3. Berhandlungstages nahm der Berbondstag zu den Richtlinien fü r die Verschmelzung des Bundes der staatlichen Polizeioerwaltungsbeamten Preußens mit dem Ver- band Preußischer Polizeibeamten Stellung. Der Derbandstog stimmte diesen Richtlinien zu, die im wesentlichen eine Z entroll- s i e r u n g der Polizeibeamtenorganisationen bezwecken. Es folgte dann ein Referat des Ministerialrats B a ch m a n n vom preußischen Innenministerium über.Die Besoldung der Polkzeibea inten", der den Polizeibeamten in Aussicht stellte, daß bei der Neuregelung der Besoldung der Polizeibeamten eine materiell« und soziale Besserstellung erfolgen werde. An dieses Referat knüpfte sich eine längere Diskussion, in der u. o. auch der Ministeraldirektor Dr. A b e g g die Forderungen der Polizeibeamten auf ein« bessere Besoldung und sozial« chebung der Polizeibeamten anerkannte. Ein« einstimmig angenommene Entschließung legt schärfst« Verwahrung ein gegen die Heranziehung von Polizeibeamten zum Arbeitsdienst, der nicht zu den Aufgaben eines Polizeibeamten gehört. In der Entschließung wird betont, daß die Polizeibeamten die anderen Bevölkerungsschichten die Verdien st Möglichkeit nehmen, nie das Vertrauen der Bevölkerung besitzen werden. Nach der Erledigung weiterer organisatorischer Angelegenheiten wurde die Wohldes Berbondsvorstandcs, des Verbands» ausschufies und der Rechnungsprüfer vorgenommen. Lohnbewegung im 5uhrgewerbe. Lohnerhöhung oder Lohnabbau. Die Funktionäre des Fuhrgewerbcs hatten sich vor einigen Tagen mit dem Ablauf des Lohnabkommens zum 30. September beschäftigt und beschlossen, der Fuhrhcrreninnung eine Forderung auf Erhöhung der Löhne um 10 Proz. zu unter- breiten. Die Fuhrherreninnung hat jedoch Verhandlungen über diese Forderung abgelehnt und mitgeteilt, daß sie eher einen Abbau der Löhne für angebracht hielte. Der Dcrkehrsbund Hot darauf den Schlichtunasaueschuß ange- nifen, der sich voraussichtlich am Montag mit dieser Angelegenheit beschäftigen wird. Die Arbeiter des Fuhrgewerbes denken nicht daran, sich von der etwas abgebrauchten Taktik, eine Forderung aus Lohnerhöhung durch eine gegenteilige Forderung zu beantworten, bluffen zu lassen. Wenn der Fuhrherreninnung nichts Gescheiteres einfällt, dann soll sie ihre Bude zumachen. ver verrat üer Kommunisten. An die englischen Bergarbeiter. Es nimmt ja kein Mensch mehr die„Rote Fahne" ernst, be- sonders wenn sie über den„Verrat" der Gewerkschaften schreit. Da das Blatt sich aber gegenwärtig besonders anstrengt, um über den „Verrat" in den eigenen Reihen hinwegzutäuschen, wollen wir es ausnahmsweise zitieren. In einem Leitartikel, der als Beigabe zu einem„Balken" den„Verrat der Husemänner" brandmarken soll, schreibt das Blatt unter anderem: »Es gibt keine Arbeiterschicht, die mit der Förderung und den, Transport der Kohle beschäftigt ist, die nicht bereit wäre, auf das Signal zum Kamps sofort die Arbeit niederzulegen." Doch, verehrte„Rote Fahne", es gibt eine solche Arbettcrschicht. Es gibt in Frankreich bekanntlich einen kommunistischen Gewerk- schaftsbund, dessen hervorragendste Stütze ein kommunistischer Berg- arbeiteroerband ist. Dieser Vergarbeitervcrband hatte Ende Juli einen pompösen Beschluß gefaßt, in dem angekündigt wurde, daß die französischen Bergarbeiter am 18. August in den Generalstreik aus Solidarität mit den englischen Bergarbeitern treten würden— wenn die französischen Zechcnbesitzer nicht die Löhne um 5 Franken pro Tag erhöhten. Seitdem hat man von diesem Generalstreik nichts wieder gehört. Vielleicht ist die„Rote Fahne" so freundlich. uns mitzuteilen, warum diese kommunistischen Verräter noch nicht mit dem Bannstrahl Moskaus belegt sind. Schund- und Akkordarbeit bei PH. Holzniann. Die.-i der Firma PH. Holzmann beschäftigten Zimmerer nahmen am Dienstag in einer Betriebsversammlung, die im Gewerkschasts- haus stattfand, Stellung zu den Borgängen im Betrieb. Bon 10 Bau- stellen waren 113 Zimmerer anwesend. Der 2. Vorsitzende der Zahfftell«, Schilf, als Leiter der Versammlung, betonte, daß die gemeldeten Zustünde hicr in Berlin genau solch rückständiges Bild zeigen, wie in den anderen Orten oder im Ausland, wo die Firma Holzmann Aufträge ausführt. Ueber st unden und Sonn- t a g s a r b e i t seien an der Tagesordnung. Erst vor ein paar Tagen habe der Bauführer auf der Baustelle an der Stadtbahn(Zoo) das oerlangt. Die Zimmerer hoben das Verlangen der Firma a b- gelehnt, sich jedoch bereit erklärt, in z w e i Schichten zu arbeiten, denn Arbeitslose seien genug vorhanden. Auf dieser Bau- stelle wird jetzt so gearbeitet; dasselbe muß auch auf den anderen Baustellen geschehen, wo die Notwendigkeit für Schichtarbeit vorliegt. In einer längeren, aber scharfen Aussprache, die jedoch rein lachlich über das verschärfte Verlangen der Unternehmer zur Einführung der Akkordarbeit geführt wurde, konnte festgestellt werden, daß die überwiegende Mehrheit nicht gewillt ist, sich die verschärfte Aus- beutungsmethode der Unternehmer aufoktroyieren zu lassen. Der Zahlstellenvorsttzende Repschläger betonte noch, daß der Direktor Kniitel von der Firma Boswau u. Knau er bei der letzten Bcrbandlung im Zentralschiedsgeiicht erklärt habe, daß sich bei de? Akkordarbeit der Arbeiter im erhöhten Maße an- strengen muß, die Arbeft aber an sich minderwertig sei. Bei der Finna PH. cholzmann werden meistens solche mindcrwcriigen Ar- beiUn geliefert. Er erinnerte an die Bauten in der Holländischen Straße(Am Sckillerpark), wo jelbs Wochen long 8 bis 10 Zimmerer die Dachverbönde nachgcmurkst hätten. Der Akkordschinder dieser Baustelle, Bauführer Steinmetz, sei ja nun von der Firma weg- gejagt. Genau solche Schundardeft jei nach der Siedlung Britz geliefert worden, er ermnerte an die Hunderte von Dach- und Keller- treppen in den bereits bezogenen Häusern. Jetzt werden wieder die Balken- und Dachoerbände der neuen Häuser in Britz in Akkord zusammengehauen. Die Firma hat also von der Attordmurkserci noch nicht genug. Erlauben rann sie es sich, weil der Berliner Bau kommissar und die Wohnunasfürsorgcgescllschaft diesen Zuständen gegenüber den Kops in den Sand stecken. Die meisten Redner warnten die Kameraden, sich nicht von den Unternehmern, indem sie sür die Akkordarbeit jetzt mehr zahlen, ködern zu lassen, denn nie und nimmer verlangen die Unternehmer diese neue Arbeitsmethode zugunsten des Arbeiters. Auch dürfe aus keinen Fall die von der Firma einseitig hergegebene A r- beitsordnung unterschrieben werden, denn hierdurch versuche die Firma den Neunstundentag einzusührcn. Alle Zimmerer waren sich einig darüber, aus diese Dinge oerschärst zu achten und sie zurück- zuweisen._ Achtung, Töpfer! Wir machen unsere KoNrgrn daraus auf. merksam, daß laut Tarifvertrag sowie Polizeiverordnung vom 1. Oktober bis 1. April nur in zugsichcr verglasten Räumen gc- arbeitet werden darf. Unsere Kollegen müssen strikte aus die Ein- Haltung dieser Bestimmungen achten. Etwaige Verstöße dagegen sind sofort im Verbandsbureau zu melden. Gleichzeitig ersuchen wir dringend, alle neu begonnenen Arbeiten— auch Prioatarbeiten — sofort dem Bureau zu melden unter Angabe der Zahl der Be- schäftigten, der Organisationszugehörigke.it und Anzahl der zu fetzenden Stücke._ Die Fachgruppenleitung. ZufteiidgnlPp« de» 3 KU. Heut«. Donnerstag, abend T6 Ufir:«it. Zeeplnw: Jugendheim Dildcnbruchstr. St sginderbort). Bolkulanzabend.— Abt. K«r. wannplag: Jugendheim Hobrechtsir. S4(€tfc Eanderstrage). Zortrag:„(Sc- merkschaflen und Wirtschaftspolitik". ffteu Semerklchaft-jugend Heute. Donnerstag, Uhr, tagen die Gruppen: Moabit: Sruppenhcim EtSdt. Jugendheim Bremer-, G-ke Wicirfstrahe. Bor- trag:„Weltlirlx Schulen— Schulreform".— Lichtenberg: Iugcndhe.m Part- aue Id. Oeffentlicher Werbe» und Einflthrungsadenb.— ftipeniik: Jugend- heim Grünauer Str. s. Helmbefprechun» und Diskulsian:..Rechte und Pflichten unserer Mitglieder".— lempclhat: Jugendheim Germgniastr. t— d. Heimbesprechung.— Südaste«: Jugendheim Reichcnherger Str. 6«. An« Zorit und islur.—«esnudbruanen: Jugendheim Gotenburger Str. 2. Vortrag: ..Religion und Sogialiomu»".— Spandau: Jugendheim Lindenufcr t. Bor. trag:„Arbeiterdildungswesen".— Mitte: Jugendheim Reue Zlönigstr. 2t. Luftige» Wochenende. Bntab, Ortaxerroaltung Berlin. Alle Seneralversaininlungsdelegierten und lrunti-onäre nehmen an der Generalaersammluna am Freitag. 1. Oktober. 7a Uhr, in den Armin-Sitlen. Kommandanten sirahe, teil. Verantwortlich für Politik: Dr. sturt Geyer! Wirtschaft:«rtur Saternu«: Gewerffchafisbeweguna: I. Steiner: Feuilleton: Dr. Zohn Schitowski: Lotales und Sonstiges: Frig starstäbt:«nreioen: Tb. Glocke: fiimtlich in Berlin. Berlag: Borwilrts-Berlag G.m.b.H.. Berlin. Druck: Bvrwiirts-Buchdruckerei und Berlagsanftalt Paul Singer u. Co. Berlin SW SS. Lindensirahe 3. Hierzu 2 Beilagen...Unterhaltung und Wiste»" und„Frauenftimme". GAMATY ir'ds 90 wiauo«. „Seii dum, Cerwu&ormiMmqin votxSaboi' Nr. 460 ♦ 43. Jahrgang 1. Heilage ües Vorwärts Donnerstag, 30. September 1426 .Morgen ist Waschtag!" Wer erzitterte nicht vor dieser Hiobs- botschaft mit all ihren Schrecken und einschneidenden Bestimmungen? Vom frühen Morgen an war der ganze Haushalt auf den Kopf gestellt. Die Hausfrau kroch möglichst schon mit den Hühnern aus den Federn, durchraste mehrmals die Wohnung nach etwa noch vor- handenen schmutzigen Wäschestücken, Türen flogen auf und zu. und bald darauf durchströmte ein Duft von ganz besonders kräftigem Kaffee zu früher Morgenstunde das Haus. Endlich klingelt« es: Die Waschfrau! Lebhaste Begrüßung, ein Frühstück und dann gings fix an die Arbeit. Mittags fand man eine aller Zierdeckchen beraubte Wohnung, notdürftig aufgeräumte Zimmer, ein ebenso rasch wie lieblos serviertes Essen und eine stark erhitzte, schlecht gestimmte, reizbare Hausfrau. Man war bloß geduldet, jedwede Unterhaltung stieß auf völlige Interesselosigkeit, etwaige Reklamationen aber auf heftigste Zorncsausbrüche. Und dies alles— nur wegen der Wäsche! Dies Kapitel gehört heute, im Zeitalter der praktischen Zeitersparnis und Vermeidung zweckloser Anstrengung, zum größten Teil der Der- gangenheit an. öerlinec Wäschereinigungsinöusirie. Berlin besitzt heute zirka lS0 Dampfwäschereien. ISO Motor- Wäschereien und mehrere hundert Plättgeschäste. Letztere lasten die Wäsche ebenfalls in den Großwäschereien waschen und besorgen bloß das Bügeln. Die eingelieferte schmutzige Wäsche kommt zuerst in den Zeichenraum. Hier sind, je nach Größe des Betriebes, eine kleine oder größere Anzahl Frauen damit beschäftigt, die Wäschestücke zur "' na des Ve Zu diesem Vermeidung des Vertauschen» mit einem bestimmten Garn zu zeichnen. Zu diesem Zwecke sind 80— 90 Farbtöne an Garnen vor- Händen. Hierauf wird die Wäsche sortiert, erstmal die weiße von der bunten Eiafche getrennt, dann wird die weiße Wäsche nochmals nach Leib-, Tisch-, Küchen- und Bettwäsche auseinandergehalten. Jede dieser Wäschesorten bedarf nämlich ihrer Bestimmung nach einer anderen Mischung des Wajchwasters auf Seifengehalt. Küchen- Wäsche, dann auch Leibwäsche bedürfen infolge ihres Gehalts an schmutzigen Fetten einer schwächeren, dagegen Tisch- und Bettwäsche einer stärkeren Seifenmischung. Die Wäsche oersenkt man nun in die verschiedenen großen Dampf-Waschkessel, worin sie gleichzeitig ge- waschen und gekccht. dann gründlich gespült und geblaut wird. Durch Ab- und Zulaufvorrichtungen wird der Wäsche— ohne De- rührung mit der Hand— das gebrauchte Wasser entzogen und frisches Wasser in genügenden Mengen zugeführt. Die Erhitzung des Waschwassers, die ja nicht durch Kesselfeuerung, sondern durch Dampf- betrieb erfolgt, wird genau reguliert und ein Anbrennen der Wäsche unmöglich gemacht. Jetzt kommt die von allem Schmutz befreite Wäsche aus den Waschmaschinen in die Zentrifugen. Diese bestehen aus einem feststehenden Außenmantel und einem sich um die eigene Achs« drehenden kupfernen Jnnenkessel. Durch die zentrifugale Be- wegung wird das Wasser, bis auf einen ganz geringen Teil, aus der Wüsche herausgeschleudert, indem die Wäsche an die durchlöcherten Seitenwandungen angedrückt und auf diese Weise vom Wasser befreit wird. Die Tätigkeit der Zentrifuge ist eine viel unschädlichere, als das Auswringen der Wäsche mit der bloßen Hand, wo bekanntlich durch ungeschickte Handhabung das Gewerbe oft sehr stark leidet. Der Nachteil der früher verwandten Wringmaschinen besteht unederum in der Beschädigung der Knöpfe und in weiterer Fistge des Wäschestückes. Von der Zentrifuge wandern die glatten Wäschestücke, wie Bett- und Tischwäsche, Handtücher usw., in die Dampsmanqel, das Alpha und Omega jeder Großwäscherei. Hier liegt die Hauptstarte der Wäschebetriebe. Innerhalb kurzer Zeit derartige Mengen schöner, glattgeplätteter Wäsche zu liefern(eine Dampsmangel verarbeitet zirka IS Zentner fertiger Wäsche pro Tag), wäre ohne diese Ma- schinen unmöglich. Abgesehen davon, daß sich in der Stadt vor allem schwer ein Platz für das Trocknen solch großer Wäschestücke fände, würde das Plätten mit der Hand eine vielfache Zeit- und Un< kostenerhöhung bedeuten. Die Dampfmangel ist ein großer Stahl- Zylinder im Durchmesser von 1 Meter, an die kleine Walzen, die mit Wollfries und Nessel überzogen find, durch Dampfkroft gedrückt werden. Dadurch wird die Wäsche geglättet und erhält ein schönes, frisches Aussehen. Leibwäsche, Gardinen, Blusen usw. machen den die durch Ventilatoren der Plälterel für Kragen gibt es eigene, durch Dampf geheizte Maschinen, für Oberhemden sogar SpezialMaschinen. Die übrige Plättwäsche wird mit Plätteisen, die durch Preßgas geheizt werden und fort- während heiße Eisen ermöglichen, fertiggestellt. In einem eigenen Raum wird das Ausbestern der Wäsche besorgt. Ausbessern von Gardinen erfolgt unter sachkundiger Leitung nach Plauener Art. Hierauf wird die fertige Wäsche sortiert, in körbe verpackt und der Kundschaft zugestellt. Kunst- oöer Rasenbleiche. Noch ein Wort über das so überaus gefürchtete und verhaßte Bleichoerfahren auf künstlichem Wege. Das älteste, natürliche und beliebteste Verfahren, die Rasenbleiche, ist nur dann von Dorteil für die Wäsche, wenn die Temperatur durch Regen oder fortwährendes Begießen mit Wasser auf einem ganz bestimmt niedrigen Stand gehalten wird. Dieses ebenso umständliche wie zeitraubende Ver- fahren, das außerdem ungemein viel Platz erfordert und ganz� und gar von der Jahreszeit abhängig ist, kommt für gewerbliche Wäsche- rcien natürlich nicht in Frage. Die Chlorbleiche, deren Schädlichkeit bei Anwendung in heißem Zustande offensichtlich ist, ward in Acht und Bann getan und man bleicht heute mit der Ozonbleiche. Aus- gehend von der Rasenbleiche, diesem natürlichen, unschädlichen Mittel, dessen bleichende Kraft hauptsächlich im Ozon liegt, ging man daran, das bereits seit langem für technische Zwecke erzeugte künstliche Ozon auch für Bleichzwecke nutzbar zu machen. Da» auf elektrischem Wege erzeugte Ozon(gebundener Sauerstoff) wird durch Röhrenleitung in das letzte Spülwasser der Wäsche hineingeleitet. E» hat die Wirkung der frischen Luft an der Sonne und ist der Wäsche vollkommen unschädlich. Im Zusammenhang mit der Geschäftsführung der Wäscherei- betriebe mag noch folgendes erwähnt werden: Die Orgonifalion der wäschekukscher— angegliedert dem Deutschen Trans- portarbeiterverband— die eigens geschultes Personal in den Dienst der Kundschaft stellt, führt Klage darüber, daß die Ber- liner Hausfrauen spät abends, oft noch nach 7 Uhr das Abholen oder Zustellen der Wäsche verlangen. Die Wäschekutscher haben eine wöchentliche Dienstzeit von 4L— 54 Stunden. Sie treten morgens um 7 Uhr den Dienst an und sind bis nachmittags 4— 5 Uhr ununterbrochen unterwegs. Da Ueberftundcn nicht bezahlt werden, so genügt wohl dieser Hinweis, um die Berliner Hausfrauen zu ver- anlassen, nicht unbillige Forderungen an die Großwäschereien zu, richten, die letzten Endes doch nur von den Arbeitnehmern getragen werden müssen. « Das veraltete Lorurteil gegen die sogenannte„lieblose" Be- Handlung der Wäsche in den Großwäschereien ist heute im großen und ganzen wohl ungerechtfertigt. Es wird nur gute, fetthalttge Seife zum Waschen verwendet. Das Waschwasser wird bei Beginn der Waschprozedur enthärtet, ein Vorgang, der im Haushall über- Haupt undurchführbar ist. Die Wasserzu- und-ableitung ist infolge der großen maschinellen Anlagen eine außerordentlich reichliche, was dem Reinigungsprozeß bekannllich sehr zustatten kommt. Die Hand- habung der verschiedenen Wäschearten durch geschultes Personal er- folgt auf Grund jahrelanger praktischer Erfahrungen. Es mag noch erwähnt werden, daß die maschinelle Reinigung der Wäsche in Großbetrieben in anderen Ländern, z. B. in Amerika und England, bereits viel mehr zur Gewohnheit geworden ist, als bei uns. Nichts- destoweniger stehen die deutschen Großwäschereien technisch durchaus vollkommen da und es geht nicht an, sie für weniger leistungsfähig zu halten, als die des Auslandes. Schwerer Unfall auf einem Reubau. Ein folgenschwerer Unfall ereignete sich gestern auf einem Neubau in der Innsbrucker Straße 53 zu Schöneberg. Der Steinträger Emil S t e i n b e r g aus der Erdmannftraße 10 kam dem Transportfahrstuhl zunähe und geriet mit dem linken V e i n in das Aufzugsfeit. Auf die Hilferufe eilten Arbeitskollegen herbei, die St. aus seiner entsetzlichen Lage befreiten. Das linke Bein wurde ihm bis zum Oberschenkel abgerissen. Der Verunglückte wurde durch einen Wagen des Städtischen Rettungsamtes in das St. Norbert-Krankenhaus ge- schafft, wo er sehr bedenklich darniederliegt. Der Weg des blinden Bruno. Roman von Oskar Raum. Alex sandte die Kleinen mit allen möglichen Botschaften zu anderen Zöglingen, zu den Dienern und Dienstmädchen und selbst zu Vorgesetzten, auch wenn es nicht etwas Wichtiges betraf, ließ sich von den Kindern die Schuhe putzen, wenn das Dienstmädchen keine Zeit hatte und er gerade irgendwohin eilte. Alle mußten ihm.Herr Kapetan" sagen und die devo- teste Unterwürfigkeit an den Tag legen. Er erfand oft irgend- ein Bergehen: Man grüßte ihn nicht höflich genug, kam nicht schnell genug auf seinen Anruf herbei. Bestrafen war seine Spezialität, sein beliebtester Sport. Etwas hundertmal abschreiben, eine halbe Stund- lang mit dem Gesicht gegen die Wand im Winkel, mit rückwärts gekreuzten Armen soundso viele Minuten mitten im Zimmer stehen und kein Glied rühren oder eine Stunde lang knapp vor ihm her durch den Garten gehen(die ausgesuchteste Pein für einen Blinden, jede seiner Bewegungen genau und von solcher Nähe unaus- gesetzt beobachtet zu wissen.) Bruno schlich aus dem Saal, weil er sich schämte, noch länger unbemerkt zuzuhören, und er gelobte sich, was auch kommen möge, die Hoffnungen nicht zu enttäuschen, die seine Mitschüler auf ihn setzten. Und er verbrachte die nächsten Tage in ausgeregter Erwartung. Aber nichts geschah. Pickelt rief ihn in der Schule wie immer, übergab ihm nach einiger Zeit sogar zwei andere Neulinge zur Unterweisung in der Brailleschen Punktschrift und im lateinischen Reliefdruck, der sogenannten Antiqua- schrift. Ja, Alex erteilte ihm sogar keine Strafe, und es war auch mehrere Tage nichts von irgendeiner sonstigen Form der Rache zu merken. Da ging Bruno selbst zum Angriff über, als Alex die allgemeine Fröhlichkeit einmal durch sein Erscheinen störte und irgendwelche Strafen diktieren wollte. Er sagte, mäh- rend die Unterhaltung der anderen sich aus Respekt vor Alex dämpfte, mit lauter Stimme einen Ausspruch, den Brunos Vater öfters im Munde führte:„Wie der Schuster oft zer- risiene Schuhe und der Schneider zerrissene Kleider trägt» so haben die größten Pädagogen oft die ungeratensten Kinder." Tiefe Stille herrschte nach diesem Wagnis, und auch Alex sagte kein Wort. Es war ganz offensichtlich, daß er diesen mutigen Jungen fürchtete. Und Brunos Ansehen stieg gewaltig. Alex wußte nur zu wohl, daß es ihm nicht leicht gelingen würde, Bruno bei seinem Vater anzuschwärzen, da ja Pro- fessor Görnitz und Direktor Kapetan Freunde waren, und der Direktor Bruno, dessen Kindheit er mitüberwacht hatte, gleichsam als sein besonderes geistiges Produkt betrachtete: überall, wo er ihn traf, sprach er ihn freundlich, ja zärtlich an, und selbst den Bericht über sein ungebührliches Betragen bei jenem Mittagessen hatte er lächelnd entgegengenommen. Darum versuchte Alex, Michel Klumm und andere seiner Ge- treuen gegen Bruno aufzuhetzen, und es entstand ein ganz ausgewachsener kleiner Krieg der beiden Parteien. Aber dadurch wurde der Respekt vor Alex noch mehr untergroben. Man wagte es, woran früher nie zu denken war— als Ankläger gegen Alex vor Herrn Pickelt und selbst vor dem Direktor aufzutreten. Und Alex wurde ein immer seltenerer Gast im Klassenzimmer. Er verteilte nur noch weiter hier und da Schokolade und Zuckerwerk an seine An- Hänger, um die anderen neidisch zu machen; aber Strafen verteilte er nicht mehr. Unter Brunos Schützlingen war besonders einer, der ihm die Errettung vom Joche des Direktorsohnes nie vergaß.— Es war Alwin, ein schwächlicher stiller Knabe, der als Mu- fiter bei Zöglingen und Vorgesetzten in großem Ansehen stand, sonst aber in allen Dingen ganz außerordentlich un- geschickt war und viel unter dem allgemeinen Spott zu leiden hatte. Legte einer ein Schreiblineal schief ein oder schon das Kopierpapier beim Heboldtschreiben verkehrt in den Apparat, so daß er vergebens sich abmühte und kein Buchstabe auf das Papier kam, oa nannte man das Alwinsche Methode. Eine Sanze Gruppe Unfähiger, zu der auch Hannes Stripp, der diot, gerechnet wurde, hieß die Alwmsche Sekte. Und Alwin lachte dazu, gebrauchte scherzhaft selbst die Ausdrücke, ohne daß er auch nur die geringste Anstrengung machte, sich zu bessern, sich diese oder jene Ungeschicklichkeit abzugewöhnen. Er konnte sich dazu nicht aufraffen. Er hatte nicht die mindeste Energie. Es war, als ginge er im Schlaf umher. nd Bruno zog es sehr zu diesem seltsamen Knaben hin, der wortkarg und unaufmerksam, in ollen Bewegungen lang- sam und unsicher den Eindruck eines dummen unbrauchbaren Geschöpfes machte und nur, sobald er die Tasten eines Klaviers oder den Violinbogen berührte, plötzlich ein anderer, völlig Verwandelter war. Sein Gesicht, sein ganzer Körper belebte sich. Der Ausdruck der Musik spiegelte sich in seinen Zügen: alles an ihm bewegte sich im Rhythmus hin und her. Die Stücke, die er spielte, waren ja allen wohlbekannt, da nur ein ziemlich beschränkter Stoff in der Anstalt gelehrt wurde, aber wenn er sie spielte, klangen sie neuartig, fast als wenn es andere Stücke wären. Je reicher ein Jahr, ein Häuflein Jahre an Eindrücken, Arbeit und Wachstum ist, desto kürzer scheint es. Bruno wurde siebzehn Jahre alt. War er nicht eben erst durch luftigen Frühherbstmorgen an Vaters Hand die Freitrepe zum Haupttor heraufgestiegen?— In ein, vielleicht zwei Jahren, würde er austreten. Es sprach niemand gern davon, denn was sollte mit seiner Zukunft werden? Wer wußte einen richtigen sicheren Plan? Und er war doch ohne Anstrengung ein so guter Schüler, neben Franzi Torpas immer vor vornehmen Anstaltsbe- suchern ein Glanzpunkt der Unterrichtsergebnisse. Professor Görnitz war stolz darauf, aber es ergab keine praktische Hoff- nung für Brunos späteres Leben. Ein akademischer Beruf? Es gab wohl in der Welt einzelne blinde Universitätsdozenten der Volkswirtschaft, Philosophie, Mathematik, Sprachenlehrer, auch Prediger, Rechtsanwälte: aber durch notwendige Hilfe Sehender verteuert, brachte solche Berufsarbeit allein wohl keinem ein behagliches Auskommen: und Kapetan war sehr gegen extravagante Ziele, deren Erreichung schon so unnütz viel Geld verschlang. Musik allein lernte niemand im Hause: auch Bruno mußte tagsüber etliche Stunden Bürsten binden und Stühle flechten. Daß es die Hand schwer, die Fipger un- gelenk und, durch Jahre fortgesetzt, zu höherem Klavierspiel für immer untauglich machte, fiel nicht in die Wagschale. Musik, die nicht Gottesdienst, also Orgelspiel betraf, fand Kapetan sehr unwichtig, befürchtete von ihr unmoralischen Einfluß. Verführung zum bequemen Verdienst der Bettel- musik. Er verhütete darum gründliche Ausbildung und duldete das Studium der einzelnen Instrumente nur so weit, als es für die Orchesterdarbietungsn nötig war, die die repräsen- tabelften Nummern der alljährlichen öffentlichen Schluß- Prüfung bildeten. Der Liebling des Musiklehrers Opprecht war von der ersten Lektion an Alwin Rüde. Wo aber das Fortkommen weniger Sache der Ohren, des Gefühls, der Finger war, wo es Hirnarbeit wurde, blieb er zurück, und Bruno mußte ihm helfen.\(Fortsetzung folgt.) Der Juwelenräuber in öreslau verhastet. Der zweite Täter war— feine Braut. Schneller, als nach allen äußeren Umständen erwariek werden tonnle. ist es gelungen, den Täter zu fasten, der am Tage der Eröffnung der Berliner Bolizei-Zlusstellung den Raub in dem 3 u w e l i e r- g es chä fl in der Tauentziensirahe verübt hotte. Um 2 Uhr nachmittags verhaftete gestern die Breslauer Kriminalpolizei in einem Restaurant in der Graupenstrohe den Zgjährigen Handelsmann Johannes Spruch. Berlin, Kopernikus- st Ca he 2 8, wohnhaft, wir erfahren darüber folgende Einzelheiten: Die Breslauer Polizei hatte gleich allen anderen Polizeibehörden Deutichlands vom Polizeipräsidium Berlin die Meldung von dem Iuwclenraub in der Taucntzienftraße erhalten und lieh durch ihre Beamten besonders den Bahnhof und feine Umgebung überwachen. Daneben aber wurden bsfonders die kleineren Hotels über- wacht. Am Dienstag abend kam Spruch, den feine Geliebte, die Prostituierte Sonja Jgniatew, begleitet hatte, in Breslau an, und begab sich allein in ein Hotel, wo er sich als Kaufmann aus Frank- furt in das Fremdenbuch eintrug. Spruch schlief bis zum Mittwoch morgen und ging dann in die Stadt, wo er sich mehrere Stunden aufhielt. In dem Augenblick, als er dos Hotel verließ, wurde er von einem Vertrauensmann der Breslauer Polizei erkannt und oerfolgt. Als Spruch, in eine Gastwirtschast ging, um dort ein Glas Bier zu trinken, telephoniert« der Vertrauensmann die Kriminal- Polizei an und sofort begaben sich mehrere Beamte im Auto nach dem bezeichneten Lokal. Sie kamen jedoch erst an, als Spruch die Gastwirtschaft bereits wieder verlassen hatte. Es gelang den Kri- minolbeamten, den Bcrtrauensmann wieder zu finden und man be- obachtete nun, daß Spruch ein Lokal in der Graupenstraße betrat, um dort Mittag zu essen. Die Kriminalbeamten umstellten das ganze Lokal und der Pollzeifekretär Zimmermann setzte sich unausfällig an den Tisch des Juwelenräubers. Spruch ahnte offenbar nicht. daß er umstellt sei, denn er erschrak furchtbar, als der Beamte ihn plötzlich mit den Worten anredete:.Run. Sie sind nichi weit gekommen. folgen Sie mir ohne Aufsehen." Spruch, der leichenblaß geworden war. erhob sich und sagte nur:.wie haben Sie mich so schnell herausbekommen?" Er folgte jedoch durchaus gutwillig und legte bei feinem Verhör im Breslauer Polizeipräsidium ein offenes und volles Geständnis ob. Johannes Spruch, der am 22. August 1897 in Ratibor geboren, also 29 Jahre alt ist, ist ein mittelgroßer, schlanker Mann von nicht unsympathischem Aeußeren. Er hat volles, braunes Haupthaar und ein scharfgeschnittenes, energisches Gesicht. Bei der Verhaftung war er mit einem grauen, eleganten Anzug, Herbstulster und braunen Schuhen mit grauem Wildledereinsatz bekleidet. Er wurde sofort auf das genaueste untersucht, und in einem Lederbeutel fand man bei ihm einen Teil der Beule, goldene und Platinuhren. Leider hatte Spruch nur den geringeren Teil des Rauboutes bei sich, während feine Braut mit den wertvollsten Stücken sich noch aus freiem Auh besindek? Bei seiner Vernehmung erklärte Spruch, daß er die Tat mit seiner Geliebten' Sonja allein ausgesührl habe. Spruch, der in Berlin sich früher als Handelsmann betätigt hat, war schon seit längerer Zeit arbeitslos und lernte, wie er behauptet, vor etwa .8 Monaten in der Friedrichstraße die im Jahre 1905 zu Warschau geboren« Sonja Igniatvw kennen. Das Mädchen, das unter Sitten- kontrolle steht, wunde sein« Geliebt«, und mit ihr zusammen will er die Tat bis in die letzten Einzelheiten geplant und ausgeführt haben. Spruch schilderte, daß er das Juwelengefchäst in der Tauentzien- straße längere Zeit beobachtet habe. Dabei sei ihm der Gedanke gekommen, nach dem Muster der Räuber vorzugehen, die im Norden Berlins ein Juweliergeschäft bekanntlich auf ähnliche Weise aus- geplündert haben. Er verabredete mit der Sonja, daß man, sobald der Plan gelungen sei. sich aus der Straße bei der Flucht trennen solle, um so etwaige Verfolger einzuschüchtern. Sowohl sein« Braut. als er hatten Revolver gehabt, und er habe das Mädchen auch im Gebrauch der Schußwaffe unterwiesen, lieber die Art und Weise. wie es ihm und der Zgniatew gelungen ist, aus dem Kaufhaus des Westens herauszukommen, hat sich Spruch noch nicht näher geäußert. Er behauptete, daß seine Braut bei der Tot einen seiner eigenen Anzüge angehabthabe. Da das Mäd- chen einen kurzyeschorenen Bubcnkopf trug und die Sportmütze tief ins Gesicht gerückt Habe7 sei auf der Fahrt nach der Tauentzien. straße niemand auf den Gedanken gekommen, in der Polin eine Frau zu sehen. Auf die Frage, wo das Mädchen sich aufhalte, erklärte Spruch, daß die Zgniatew in Kottowitz Verwandt«, und zwar «inen Onkel wohnen habe. Sie habe ihm den Vorschlag gemacht. mit der Beute dovshin zu fahren, wo sie die Wertsachen dann ver- bergen wollt� Ob freilich diese Aussage Spruchs wahr ist, steht noch voprua;» wayr l]l, icyr noa bahm. Die Breslauer Kriminalpolizei Hot die Grenzstationen ange- � verdächtig erscheinenden Frauen sxstzuhalten. da man der Ansicht ist, daß die Braut des Räubers nach Warschau zu fliehen ' v'«w,,. ,,u"7-tuuisusuu mcnen versuchen werde. Aber auch m Kattowitz hat man alle Vorfichtsmab- regeln getrosten, um der Diebin Habhost zu werden. Auf die Frag« aus welchem Grunde Spruch feine Flucht in Breslau unterbrochen habe, erklärte er, daß er versuchen wollte, zu Fuß über die polnische Greiwe zu gelangen. Er habe vermutet, daß alle Grenzstationen Ichars Obacht geben würden und wollte sich deshalb auf anderem Wege in Sicherheit bringen. Die Breslauer Polizei vermutet aus dieser Aeußerung. daß Sonja Zgniatew nicht nach Kattowitz, sondern o u f d e m W e g e n a ch W a r s ch a u ist. Die Berliner Kriminal- Polizei hat sofort Beamte nach Breslau gesandt, um weitere Nach- sorschungen anzustellen. Spruch wird wahrscheinlich noch i m L a u f e des Donnerstags nach Berlin übergeführt werden. Ein vielseitiger Räuber. Wie wir zu der Verhaftung des Juwelenräubers Spruch weiter erfahren, sind die Eltern des Räubers vor einem halben Jahre aus Breslau, wo sie in der Reuschestraße wohnten, nach Berlin gekommen und hotten hier mit einer Berliner Familie die Wohnung getauscht. Der Vater, Josef Spruch, bezeichnet sich als Handelsagent. Hans Spruch, der Täter, der in der ganzen Gegend wegen seines liebenswürdigen, meist ernsten Wesens sehr beliebt ist. wird als ein oft verschlossener ruhiger Mensch geschildert. Er nannte sich Handelsmann und zog jeden Morgen mit einem ......,.................. fast jeden Abend mit seiner Schwester oder seiner Braut in irgendeinem Kino zu sehen war. Hans Spruch ist ein offenbar sehr vielseitiger Mensch. Er erklärt, daß er in Breslau sich eine Zeitlang als B o x e r betätigt, den Sport aber aufgegeben hybe, weil er mehrere Der- letzungen, darunter Rippenbrüche erlitten habe. Außerdem soll er ein Maler von Begabung sein. So hat er dem Hauswirt ein Bild der Braut geschenkt, das künstlerische Züge zeigt. Nach diesem Pastellgemälde zu urteilen ist Sonja Jgniatew eine ungewöhnlich schöne schlanke Frau mit schwarzen Locken. Hausbewohner, die sie oster gesehen haben, behaupten, daß es sich um eine geschieden« Frau handle, die in der Kopernikusstraße wohnt. Die Berliner Polizei mißtraut der Angabe, daß Spruch mit seiner Braut allein die Tot' ausgeführt habe. Es steht nämlich fest, daß Hans Spruch einen Freund besitzt, der in der Kouernikus- straße unter dem Namen Harry bekannt ist. Dieser Harry ist cin kleiner untersetzter Mensch mit dunklen 5)aaren und brünetter Hautfarbe, auf den die Beschreibung der Zeugen des Raubes genau zutrifft. Harry wird ebenso wie Hans Spruch jest Sonnabend vermißt und von der Polizei eifrig gesucht. Der Vater de» Täters hatte zu Hausbewohnern schon am Freitag geäußert, daß sein Sohn„auf einige Tage verreisen müsse". Ob Spruch sen. von dem Vorhaben des Räubers gewußt hat, bedarf noch der näheren Aufklärung. Die Kriminalpolizei kannte den Räuber. Spruch war der Berliner Kriminalpolizei nicht mehr unbe- kannt. Am Tages des Raubes meldete sich ein Zeuge, dem auf dem Bahnhof Zoo zwei Leute aufgefallen waren, die Fahrkarten 4. Klosse nach Hindenburg i. Schl. lösten. Sie gebürdeten sich ziem- lich ausgeregr und da sie bis zur Abfahrt des Zuges um 4.25 noch geraume Zeit zu warten hatten, so verließen sie den Bahnsteig wieder. Der Zeuge hatte keine Gelegenheit, festzustellen, ob die beiden Verdächtigen den Zug 4.25 wirklich benutzten. Die Mittei- lung eines anderen Zeugen bestätigte diese ersten Wahrnehmungen. Danach konnte ermittelt werden, daß Johannes Spruch bei seinen Eltern in der Kopernikusstraße 28 wohnte. Im Hause war nicht bekannt, womit er sich seinen Lebensunterhalt oerdiente. Sein bevorzugter Verkehr waren zwei junge Männer, cin früherer Matrose, von dem nur der Vorname Hermann bekannt ist und ein Schmied mit Vornamen Paul. Der Schmied hatte in seinem eigenen Beruf keine Arbeit finden können und eine Aushilfsstelle bei einem Schuhmacher in der Posener Straße angenommen. Seit zwei Tagen wurde die Wohnung des Spruch überwacht und eine entsprechende Nachricht mit der Beschreibung des Mannes an die Stationen der Breslauer Streck« gegeben. Aus Breslau wird weiter telegraphisch gemeldet: Nachdem sich die Breslauer Kriminalpolizei mit der Berliner in Verbindung gesetzt hatte, wurde Johannes Spruch, der in das Breslauer Polizei- gefängnis eingeliefert worden war, durch Kriminalrat Polle und seine Beamten noch einmal einem eingehenden Verhör unterzogen. Der Verhaftete gibt seine B e k a n n t s ch a s t mit dem M a- trosen-Hermann und dem Schmiede-Paul zu. Sie hat- ten gemeinsame Raubüberfällc aus Juwelengeschäfte geplant und wiederhost besprochen. Es war auch der Ankauf von Feuerwerks- körpern erfolgt. Zuerst beabsichtigten sie ein Iuwe» l i e r g es ch ä f t in der Friedrich straße in der Nähe der Leipziger Straße zu berauben, enstchieden sich dann aber für die Tauentzienstraße, weil es ihnen im Zentrum der Stadt zu ge- fährlich erschien. Als am 25. September, dem Tage des lieber- falls, die drei Männer zusammenkamen, hatten Matrosen-Hermann und Schmiede-Paul plötzlich den Mut verloren. Sie trennten sich bald von Spruch und ließen ihn allein zurück. In der Mittags- stunde traf der Enttäuschte sich mit seiner Freundin Unter den Lin- den an der Ecke der Friedrichstraße. Ihr erzählte er von dem Fehl- schlage seines Planes und zeigte ihr auch die Feuerwerkskörper, die er bei sich hatte. Das Mädchen machte ihm sofort den Vorschlag, an die Stelle der beiden abtrünnig Gewordenen zu treten. Spruch nahm das Anerbieten gern an. Sonja Jgniatew besorgte sich MännerNeidung, zog sich um und mochte sich mit ihrem Freunde auf den Weg nach dem Westen. Nachdem der Raub gelungen war, blieben beide noch einige Tage in Berlin, doch mied Spruch die Wohnung seiner Eltern. Wie er behauptet, soll es seiner Helfershelferin gelungen sein, einige kleinere Beutestücke in Berlin abzusetzen. Dann traten sie gemeinsam die Reise nach Breslau an. Von hier reiste die Jgniatew weiter über Kattowitz nach Warschau, wo sie herstammt. Nach Aussage des Spruch hat sie den Löwenanteil der Beute mit sich genommen. Internationaler Polizeikongreß. Die Bekämpfung des internationalen Verbrechertums Der gestrige Tag des Pclizeikongresies war in der Haupstache dem zweiten Punkt der Tagesordnung, der Frage der energischen Bekämpfung des internationalen Verbrecher- tums gewidmet. Präsident Dr. Palitzsch vom Landeskriminal- amt Dresden sprach über:„Die Gründung der deustchen kriminal- polizeilichen Kommission und über die Ergebnisse ihrer bisherigen Tätigkeit im Rahmen der Bekämpfung des internationalen und interlokalen Verbrechertums." Auf den Inhalt seiner interesianten Ausführungen wird noch näher zurückzukommen sein. Dr. Ramsauer vom Wiener Landesgericht referierte über: „Die Bedeutung der einzelstoatlichen Rechtspflege für die inter- nationale Bekämpfung des Verbrechertums." Man wird ihm wohl darin zustimmen müssen, daß Gerichtsoerfasiung, Strafprozeßord- mung, die materiellen Strafgesetze und der Strafvollzug in ihren Auswirtungen nicht die Tätigkeit der Polizei abschwächen oder gar zunichte machen dürfen. Auch darin wird man ihm recht geben müssen, daß eine Verei n h« itli chu ng der Strafrechts- pflege im internationalen Maßstab nur wünschenswert ist. Auf entschiedene Ablehnung muß aber die ganze Grundtendenz des Vortrags stoßen, die einen durchaus reaktionären Geist atmete, in einer Verstärkung der Strafen das Allheilmittel sah und der Abschaffung der Schwurgerichte und der Todesstrafe das Wort redete. Anders der Vortrag des Wiener Polizeidirektors Dr. Schultz. Er versuchte mit viel Geschick den Begriff des internationalen Verbrechers festzulegen. Cr will im internationalen Moment des Verbrechens ein Kriterium für die Gefährlichkeit des Täters sehen und verlangt, daß die Strafgesetz- bücher den Begriff der InterNationalität des Verbrechens in einem besonderen Artikel aufnehmen. Der internationale Ver- brecher soll vom Gesetz schärfer angefaßt werden. Er sprach sich auch für da» Weltstrasrechtsprinzip und für einen Weltauslieferungsoertrag aus und besür- wartete die Anwendung der Maßregel der Besserung und Sicherung auf die internationalen Verbrecher. Aeußerst interessant war der Vortrag des Hofrats Wahl von der Polizeidirektion Wien. An einer ganzen Reihe äußerst lehrreicher Beispiele illustrierte er die großen Erfolge, die durch die Schaffung eines Nachrichten» dien st es über die internationalen Verbrechen (internationale Evidenz) und durch die internationale Fahndungs- eoidenz gezeitigt worden sind. Es handcste sich dabei um Fälle, in denen die Wiener Polizei dank den Nachrichten, die sie von ver- schiedenen Polizeibehörden über internationale Verbrecher von oußerstaatlichen Polizeibehörden erhalten hatte, mit großer Schnelligkeit Feststellungen treffen und Klarheit schassen konnte. Schließlich wäre noch das Referat des Regierungsdirektors Dr. S ch l a n b u s ch, des Leiters der Kriminalpolizei in Hamburg, zu erwähnen zuin aktuellen Thema der Bekämpfung des unerlaubten Handel» mit Rauschgiften. Nachdem er die ungeheure Ausbreitung des Schmuggels mit den Rauschgiften und die Entwicklung der Bekämpfung der Rauschgifte geschildert hatte, unterbreitete er einige Vorschläge, die den Zweck haben sollen, den internationalen Kampf gegen die Rauschgifte zu stärken. Die Bekämpfung des illegalen Rauschgifrhandels sei in die Hand der Kriminalpolizei zu legen. In jedem am internationalen Opium- abkommen beteiligten Staate sei eine Polizeibehörde als die Straf- stelle für Rauschgiftsachen zu bestellen. Hier müßte das ganze Nachrichtenmateriol über den internationalen Rauschgifthandel zu- sammenfließen. Ferner sei die Einberufung einer internationalen Konferenz der in Frage kommenden Kriminalpolizeibehörden zu empfehlen.— In dem Vortroge wurde leider«in Gedanke vermißt, nämlich der, daß alle Polizeimaßnahmen so lange unfruchtbar bleiben ............ Al~ Mehr Lust! bkommen nicht die Pro- selbst auf das notwendigste Mindestmaß müssen, als durch ein internationales duktion der Rauschgifte beschränkt würde. Heute gehen die Beratungen' des Kongresses zu Ende. Als„R a u ch st i n k e r" läßt der von der Reaktion gemordete Schriftsteller Hans Paasch« in einem launigen Kolonialbuch die Hälfte der Europäer von einem Neger, der seinem König Bericht erstattet, bezeichnen. Und beim dunkelsten Afrika, er hat recht! Trotz der schönsten Marken, die in unerschöpflicher Phantasie von den Zigarettenfirmen geschaffen werden, es stinkt ganz herrlich in den Raucherwagen der Straßen-, Hoch- und der Stadtbahn. Im edlen Wettstreit stinken sie Rauch, die Männer der Schöpfung, mit Ziga- retten, Zigarren und Pfeisen voll mehr oder weniger köstlichen Tabaks. Der höchste Gestank ist erreicht, wenn der Rauchschwaden sich abgekühlt und der kalte Tabaksdust schier den Atem versetzt. Jedenfalls ein erstaunliches Zeichen für die Widerstandsfähigkeit der Berliner Lungen, die aus den überfüllten und rauchgeschwängcrten Abteilen doch noch den nötigen Sauerstoff herausziehen. Ja, es gibt sogar einzelne Nichtraucher als prinzipielle Besucher der Rauchstink- wagen, die unter der Voraussetzung hineingehen, in solchem Qualm hielten es nur ganz gesunde Menschen aus. Ja, es gibt sogar Leute, denen es in der Untergrund noch zu luftig ist. So richtet unter der Spitzmarke„Die zu offene Hochbahn" eine ängstliche Seele mit Luftscheuklappen einen bewegten Appell an die Hochbahn, vor dem 1. Oktober die Luftklappen und Fenster zu schließen, da eine höchst unangenehme Kälte in den Wagen herrsche. Es wäre zu wünschen, daß die Hochbahn ihre Beamten darauf hinweise, daß es nicht nur einen Kalender, sondern auch ein Thermometer gäbe. Dem Schreiber enthält anscheinend die Lust in der Hoch- und Unter- grundbahn immer noch zu viel Ozon. Glücklicherweise gibt es keine Sauerstoffmesser in den Wagen, sowohl in denen für„Rauchstinker" wie in denen für„Nichtstinker", sonst würden die meisten vor Angst, mit wie wenig Lust sie auskommen müssen, noch Luft schnappen wie aufs trockene geworfene Fische. Vielleicht aber ist der Schreiber auch ein passionierter Raucher, der sich nur in ganz dicker Luft wohl- fühlt. Auf jeden Fall aber, ob der Appell für Raucher oder Nicht- raucher gedacht ist, der Hochbahn, die nicht die Fenster, wo.'l aber die Klappen noch offenhält, kann man nur Dank wissen, daß sie wenigstens für etwas Luftzufuhr Sorge trägt. Noch besser freilich wäre es, wenn außerdem noch durch eine größere Zahl von Wagen für jede Nase mehr Luft gegeben würde. Ein Angriff auf den Staatsanwalt. Eine empfindliche Straf« erhielt der frühere Fürsorgezögling, der 20jähng« W. wegen einer groben Ausschreitung, die er als An- geklagter vor dem Schöffengericht Mitte verübt hatte. Er war im Frühjahr wegen schweren Straßenraubes angeklagt und erhielt auch dafür Jahre Zuchthaus. Der Staatsanwalt hott« das mildeste Strafmaß beantragt, als W. auch schon über die Schranke der Anklagebank hinübergrisf, einen Stuhl erfaßt« und diesen nach dem Staatsanwalt schleudert«. Im Publi- kum hatte sich der Anhang des Angeklagten«ingefunden und nahm ein« drohende Haltung«in. Die allgemeine Verwirrung fuchte W. zur Flucht zu benutzen. Mit einem Satz war er über die Schrank« hinweg und wollte zur Tür des Gerichtssaales hinaus, indem er die Justizwachtmeister mit Fauslfchlägen und Fußtritten zur Seit« stieß. Mit Hilf« ihrer Gummiknüppel gelang es aber den Justizwachtmeistern, den Verbrecher unschädlich zu machen. Jetzt war er vor dem Amt»- geeicht Mitte aus Anlaß dieser Ausschreitung angeklagt des Wider- standes gegen die Staatsgewalt. Auf die Frage von Amtsgerichtsrat Nicolai, ob er wieder so etwas machen wolle, er- klärt« der Angeklagte, der sich diesmal ganz ruhig verhielt, daß er von dem einen Male genug habe. Er hätte die Schläge noch tagelang gespürt. Das Urteil gegen ihn lautete auf 1 Jahr Ge- fängnis. Der Fall des Tierarztes Dr. Gaul. Der Fall des Tievarstes Dr. Gaul aus Kalkberge wird auch noch das Reichsgericht beschäftigen. Die Staatsanwaltschaft hat gegen das Urteil der Strafkammer des Landgerichts III, die in Ve- stärigung des Urteils des Schöffengerichts Lichtenberg Dr. Gaul von der Anschuldigung der Urkundenfälschung und des Verstoßes gegen das Reichsfleischbeschaugesetz freigesprochen hatte. Revision an- gemeldet. Wegen des anderen Falles, in dem Dr. Gaul zur Ver- antwortung gezogen werden soll, weil er Schuld an den Massen- erkrankungen infolge von Fleischoergistung in Herzfeld« haben soll, steht das Ermittlungsverfahren unmittelbar vor dem Abschluß. Es wird gegenwärtig noch nachgeprüft, ob auch der Tod mehrerer erkrankter Personen auf die fahrlässig« Handhabung der Fleisch- beschau durch Dr. Gaul zurückzuführen ist, und ob dann auch gegen ihn nicht nur wegen fahrlässiger Körperverletzung, fondern auch wegen fahrlässiger Tötung Anklage zu erheben ist. Ein„nationaler" Schulrat. Ein Vorkommnis von der diesjährigen Verfassungsfeier soll für eine weltliche Schule Berlins, für die 2 4 0. Gemeinde- f ch u l e in der Waldemarstraße. jetzt ein sonderbares Nachspiel haben. Dort hatten am Schluß der Verfassungsfeier die Lehrer mit den Schülern die beiden ersten Strophen des Arbeiterliedes „Brüder, zur Sonne, zur Freiheit" gesungen. Als hier- von der S ch u l r a t Reis Kenntnis erhielt, erschien er in der Schule, machte den Lehrern Vorhaltungen und erklärte, er als nationaler Mann kann nicht dulden, daß in� der Schule Klassenkampflieder gesungen werden. Merkwürdigerweise will das Bezirksamt Tiergarten, dem von irgendwem über den Frevel berichtet worden ist, seinen Zorn auf den Lehrer Dörnbrack entladen. Weil das Arbeiterlied gesungen wurde, soll er unwürdig sein, Konrektor der Schule zu werden. Will man ihm zum Vorwurf machen, daß er den Vortrag des Liedes nicht verhindert hat? Hätte er vielleicht gar zu Herrn Schulrat Neis laufen und selber ihm dieses furchtbare Verbrechen melden sollen? Die E lt e r n ich ast und das Lehrerkollegium stehen zu Herrn Dörnbrack, dem angeblich„Unwürdigen". Die Schuldeputation der Bezirke I— VI und das Prooinzialschulkollegium für Berlin und Brandenburg sollten einmal den Schulrat Neis darüber aufklären, daß eine freie weltliche Schule mit anderem Maß gemessen werden muß als die Kirchenschule der Vor- kriegszeit._ ssasiadenkleklerer. Am Dienstag nachmittag kletterten der 24 jährige Schauspieler Eduard Wast und der 24 jährig« Jockei Herbert Michaelis an der Front des Hauses Unter den Linden 50/51 bis zum dritten Stock empor. Sie wurden von Polizeibeamten heruntergeholt und zum Polizeirevier geführt, wo sie angaben, im Austrage einer Filmgesellschaft gehandelt zu haben. Es hatten sich etwa 1000 Personen vor dem Haufe angesammelt. vrim K>ul von Bohnermasse darl nicht der Preis den Aosschlag«eben; denn Erhältlich In allen einschlägigen Geschäften. » �Sechs bis zehn Prozent monatlich/ Gut gelebt auf Kosten anderer. Ein bedenkliches Verfahren wandte die Marktfrau Minna Enge an, um ihr Geschäft zu vergrößern. Ihr genügte ihr Fleischver- kaufsstand in der Markthalle nicht und ihr Streben ging danach, ein elegantes Feinkostgeschäft zu eröffnen. Die Mittel suchte sie dadurch zu erhalten, daß sie in verschiedenen Zeitungen inserierte, sie suche Beteiligung an ihrem schuldenfreien gutgehenden Geschäft gegen monatliche Verzinsung von 6 bis 1l> Proz. Die guten Verdienstaussichten lockten zahlreiche kleine Leute. Aeltere alleinstehende Frauen und Witwen, Rentner, Musik- lehrer, Schauspieler und viele andere Leute brachten ihr Vertrauens- voll ihre Ersparnisse hin. Von den ersten Eingängen richtete Frau Enge auch das Feinkostgeschäst ein. Änsgesamt erlangte sie auf diese Weise 40 000 Mark Darlehen. Als Sicherheit wurde den Gläubigern das angeblich schuldenfreie Geschäft nacheinander immer wieder verpfändet. Anfänglich hatte sie auch pünktlich die hoben Monatszinsen bezahlt, dann aber verkaufte sie das Geschäft. Von dem Erlös schaffte sie sich ein Auto und Rennpferde an, und verjubelte dos Geld in Vergnügungs- lokalen und in Spielklubs. Wenn die Gläubiger nach vielen Äe- mühungen ihren Verbleib ausgekundschaftet hatten und mit dem Gerichtsvollzieher auf der Bildsläche erschienen, beschimpfte sie die Geschädigten noch und drohte ihnen, sie würde ihren Bräutigam holen, und dieser werde aus ihnen Hackepeter machen. Frau Enge hatte sich wegen Betruges vor dem Schöffengericht Mitte zu verantworten. Zu der Verhandlung hatte sich die große Schar der geschädigten kleinen Leute eingesunden. Der Verteidiger wendete ein, daß es sich um ein Wuchergeschäft gehandelt habe, und daß die Geschädigten ihren Verlust sich selbst zuzuschreiben hätten. Das Schöffengericht kam auch nur zu der milden Strafe von sechs Monaten Gefängnis und stellte der Angeklagten nach Ver- büßung eines Teiles der Strafe für den Rest Bewährungsfrist in Aussicht. 5Z000 Mark im Aulo verloren. Zwei Beamte des Auswärtigen Amtes, die bei der Reichshauptkasse den Betrag von 353 000 Mark erhoben hatten, ließen eine Aktentasche mit 5 300 0 M. in der Autodroschke liegen, die sie zum Amt gebracht hatte. Als sie ihren Verlust bemerkten, war die Autodroschke bereits fortgefahren. Verlegung von haltchkellen in der Leipziger Straße. In Ver- bindung mit der polizeilichen Verkehrsregelung durch Lichtsignale werden die Straßenbahnhaltestellen in der Leipziger Straße in die Mitte zwischen zwei Querstraßen oerlegt. Die Verlegung hat bereits begonnen und wird voraussichtlich Ende dieser Woche durchgeführt sein. Die deulschnalionalen veamtensreunde. Zu unserem Bericht über die Stadtverordnetenversammlung in der vorigen Woche, in dem gesagt war, daß die.deutschnationalen Beamtenfreundc' gegen die seinerzeit zurückgestellten Aenderungen der B e a m t c n b e s o l- dungsordnung gestimmt hätten, bittet uns der Vorsitzend« der deutschnationalen Stootvcrordnetenfraktion, Iustizrat Lüdecke, mitzuteilen. daß hier dem Berichterstatter ein Irrtum unterlaufen sein muß. Die deutschnalionale Stadtverordnetenfraküon hätte vielmehr in ihrer Fraktionssitzung am 21. dieses Monais einstimmig be- schlössen, dem fraglichen Antrage der SPD. zuzustimmen. Wenn einige deutschnationale Stadtverordnete nicht mitgestimmt haben, so hätte das da�an gelegen, weil sie die Frage des Vorstehers nicht verstanden haben. Gegen den Antrag habe kein einziger deutsch- nationaler Stadtverordneter seine Stimme abgegeben. Arbeiter. Aulwr. Kartell Sroh verlw Erste» Arbeiter. Sinfonie- Kon» e r t am Sonnabend, den 9. Ottober, abend» 7'/, Ubr. im grohen Saal der Philharmonie, Bernburger Straße. Werke von Beethoven, Mahler, Straivinsky. Preis der E i n z e I k a r t e t,S0 M. Alle vier Konzerte im Abteilungs-Mieterobleute Am Freitag, den 1. Oktober, abend» 7 Ahr, findet im oberen Saale des Graphischen vereioshauses thenning), Alexandrinevstr. 44, eine Versammlung statt mit der Tagesordnung: I. Oer Kongreß des Aeichsverbandes Deutscher Mclseinigungsärnler in Düsieldors: 2. Ver internationale Wohnungsbau- SS Kongreß in Wien: 3. verschiedenes. Ml In Anbetracht der großen Wichtigkeit der zur Beratung stehenden Punkte ist cS Pflicht aller ZIbteitungsmieler-Oblcute und aller Genossen, die im Groß. Berliner Wohnungswesen tätig find, diese Versammlung zu besuchen. Abonnement 5 M. Karten sind in allen bekannten Verkaufsstellen und im Bureau des BcznksbildungsausschusseS, Lindenftr. 3, 2. Hos II, Zimmer 8, zu haben.— Wir bitten darum, schnellstens die Sammellisten sür die Konzerte zurückzureichen. Lezirksbildungsaiisschuß Groß-Serlin. Zlächste Thealervorstellung am Sonntag, den 24. Oktober, nachmittags 3 Uhr. in der Volksbühne am Bülowplatz. Zur Ausführung gelangt die Komödie.Lysistrala' von Leo Greincr(nach Aristophanes). Preis der Karte einschließlich Kleider- ablage und Theaterzettel 4,20 M. Karten find in allen bekannten Ver. kausSstellcn und im Bureau des BezirkSbildungSauZschufleS, Lindenfiraße 3, 2. Hos II, Zimmer 8, zu haben. Die Zugeudablcilung de» wännerchor» Harmonie, Charlottenburg, ver. anstaltet am Sonntag, den 3. Okiober, nachmittag» 3 Ubr, im großen Saale des.Spandauer Bock' anläßlich de» 4. SlistungssesteS ein Konzert unter Mitwirkung des MänncrchorS. Eintritt 30 Pf. Alle Freunde der Jugcndchorbewegung sind srcundlichjt eingeladen. Zwei Todesurteile. Dos Breslauer Schwurgericht verurteilte gestern den früheren Reichswehrgefreiten Viktor Schön- b o r n aus Carlowig bei Breslau, der am 5. April 1925 seine Braut, die Näherin L e i b n e r, erschossen hatte, wegen Mordes zum Tode und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte. Das Schwurgericht Hannover verurteilte den Tischler Heinrich W o t h wegen Mordes und �versuchten schweren Straßenraubes zum Tode und den Arbeiter Strohosfer wegen versuchten schweren Straßenraubes zu vier Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehren- rechtsverluft. Die beiden, die bereits längere Zuchthausstrafen ver- büßt haben, überfielen im November v. I. auf der Straße Han- nover—.Harenberg einen Radfahrer, um ihn zu berauben. Woth feuerte drei Schüsse auf den Uebersallenen ab, der später im Kran- kenhause seinen Verletzungen erlag. Der staalsgcsährllche Rosegger. Man schreibt uns aus Deutsch- böhmen: Peter K. Rosegger, der erklärte Freund des 1. Prä- sidenten der tschechoslowakischen Republik Masaryk, der Dichter der Alpen, dessen Werke die staatlich approbierten Schulbücher der Tschechoslowakei schmücken, fit dennoch noch staatsgefährlich. Die deutsche Elbstadt Aussig erhielt den oberbehördlichen Befehl, den Roseggcrpark umzutaufen, da der Name Rosegger un- statthaft sei. Die Stadt hat jedoch sofort die Beschwerde an das Innenministerium ergriffen. Und dieses Ministerium hat ebenfalls dekretiert, daß der Name als staatsgefährlich zu ver- schwinden habe. Die Stadt betritt jetzt den letzten Weg und geht an den obersten Gerichtshof, der hoffentlich die Würde des Staates nach außen wahren und ihn vor der Lächerlichkeit gegenüber dem Auslande bewahren wird. Vera Eruz durch Wirbelsturm zerstört. Die Stadt Vera Cruz (Mexiko) ist am Dienstag morgen durch einen furchtbaren Wirbel- stürm nahezu vollständig zerstört worden. Gleichzeitig wurde die Stadt durch eine Flutwell« IVj Meter tief unter Wasser gesetzt. Sämtliche Verbindungen mit Vera Cruz sind gestört, die Züge gelangen nur bis 25 Kilometer westlich der Stadt. Man be- fürchtet, daß zahlreiche Menschen ums Leben gekom- in e n sind. Der Sturm hat in einer Breite von 120 Kilometer zwischen der Küste und dem Gebirge große Verwüstungen angerichtet. Mus öer Partei. Der Bezirksparleitag für Oberbayern-Schwaben, der in Mün- chcn tagte, leistete in zwei Tagen Beratung wertvolle politische und organisatorische Arbeit. Der Tagung wurde durch ein liesschürfendes Referat des Landtagsabgeordneten Genossen Dill über„Wirt- s ch a f t s k r i s e und Ar beiterklassc" und durch einen Vor- trog über„Die politischen V e r h y l t n i s s e in Bayern und im R e i ch" ein besonderes Gepräge gegeben, wozu noch eine Rede des Genossen Erhardt Auer beitrug, in der er ein, sicher nicht für die Oessentlichkeit bestimmtes Dokument über die bayerische Monarchistenbewegung bekanntgab. Die Aussprache der Delegierten zu den Tagungsordnungs- punkten bewegte sich in durchaus sachlichen Bahnen und zeugte von politischem Verständnis und guter organisatorischer Kenntnis. Der Sezirtsvorstand dankte für die wertvollen Anregungen und die Delegierten sprachen dem Vorstand Anerkennung für die geleistete Arbeit aus. Bei der Konstituierung des Bezirksvorstandes, dem auch Genosse Auer angehört, wurde Genosse G r u b c r wieder zum Vor- sitzenden ernannt. Die Tagung fand in einem ihrer Bedeutung ent- sprechenden Rahmen statt: Rednerpult und die Tische des Bureaus waren mit den Forben der Partei und der Republik geschmückt. parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik sind Berlin TW SS. Lindenstraße 3, für Groß-Serlin stet» an da» Bezirkasekretariat, 2. Hos, 2 Trep. recht», ,« richten. t. Kreis Mitte. Achtung! Die kür Treitag, 4. Ottober, angesebie Eiftnn» der Elternbeiräte findet uinständclialber erst am iZrcitag,». Oktober, IVb Ubr, bei Junlkc. Artillericslr. 44, statt. Portrag de» Genossen Leflrer Richard EchrSter. Asse Mitglieder müssen an diesem Tage unbedingt er- scheinen. 4, Arei» Prenzlauer Berg, ssreitog. 4. Oktober, 6 Uhr. im Zimmer 2g de» Bezirksamt, roichtiae ssraktionssshuno. ö. Krri» griedrichshaiu. Achtung l Die Adresse de» Kreiskassierer» Paul Ben ist seit heute Gosilrrssr. 4, vorn 3 Tr. 7. Kreis Eharlattenburg. Arbeitcrwahlfahrt: Am 4. Oktober, 8 Uhr, im Rothaus. Zimmer 3, Sipung aller in der Wohlsährlspslege tätigen Gr» nassen und Genossinnen. Referent Genosse Stein. heule. Donnerslag, den 30. September: 21. Abt. Die Bezirksführer tverden gebeten, wegen Quartalsschluß alle Marken schnellstens abzurechnen. 33. Abt. Die Adresse des Äassserers Panl Ben ist seit heute Goßlerstr. 4- vorn 3 Tr. 84. Abt.(Zriedenau. Alle Genossinnen nnd Genossen beteiligen sich heute an der Werbefcier der Eozialisliiäcn Arbeiterjugend um 8 Uhr im Jugend- beim Ofscnbacher Str. Sa. Eintritt frei. ZNorgen, Freitag, den 1. Oktober: 28. Abt. Uhr bei Büttner, Cchwedtcr Str. 23, Sihung sämtlicher Funk- tionäre. * 9. Abt. Sonnabend, 2. Oktober, pünktlich 7st> Ubr. wichtige Borstaudsssßung bei Lusenbach, Perleberger Etr. S<. Erscheinen aller, auch der Frauen- leitung. unbedingt erforderlich. Jungsozialisten, heute. Donnerstag, den 30. September: Gruppe Weißense«: 7W Uhr im Jugendheim Vortrag:„Alltag und Lebens» kunsi".— Gruppe Prenzlauer Berg: lVi Uhr im Jugendheim Danziger Strafte 82, Baracken, wichtige Mitgliederversammlung.— Gruppe Reu. kölln II: 8 Uhr im Jugendheim Rogalsir. S3 Vortrag:„Entwicklung und Wesen des Staates". Relerent Bruno Rcumann.— Gruppe Eharlatte»» bürg: 8 Uhr im Jugendheim Ronnenstr. 4 Aussprache über die Werbe- woche. Jnngsozialislen. morgen. Freitag, den 1. Oktober: Gruppe Rarbeu: Zb8 Uhr im Jugendheim Orthstr. 40. am Drunnenplaß. Au Stell« de» ivcaen Krankheit der Genossin Michaelis ausfallenden Vor. trag«» Aussvrachcabcnd über unsere Blätter. Erscheint»ahlreich.— Gruppe Pankow: Pünktlich 8 Uhr im Städtischen Jugendheim, Kissingenstr.«8. Zinnner 8. Leseabend. Genosse Mehring liest au»„Kreatur" und anderem. Beginn des}ubilaunist Freitag, den l. Oktober iiiiinniiHmiiii� Zur Beachtung! Einsender oder tlberbringer dlefes Ausfchnitte« erhält geg. Zahlung von M. 4.20 ausgehändigt oder franko Innerhalb Dcutfdilands geliefert: I Pfd. Hinz f? Küftei» Jubiläums- Kaffee in künstlerischer Bledidofe oder folgendes Jubiläums-Paket: »/» Pfd. Hinz£? Küsters Jubiläums-Kaffee.. M.t.OS 4/i»Pfd.H.«?K.TeeNr.O engl., edelste Sorten„ t,— i/j Pfd. H. e? K. Kakao „Spcziol" � I.— I Pfd. Malzkaffee„ 0-50 I Glas Vanille, feinste Bourbon, 2 Schoten. ,, 0.65 M. 4.20 I Paket Nähnwiebadc\ unbe- 3 Tafeln Schokolade/ redmet Zentralbüro] Charlottcnburg, Berliner Str. 13-14 50 lange Jahre haben wir in Ehren unsere Geschäfte geführt und den Ruhm unserer Firma als beste Kaffee- Handlung Deutschlands aufgebaut! Dank fagen wir Ihnen und allen verehrten Kunden, von denen viele jahrzehntelang mit uns durch gute und schlechte Zeiten gegangen find. 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Verkaufsgefchäfte t Berlin N, Müllcrftraße 181 N, Friedrichftra&e II8-II9 N, Schönhauser ÄHee G-7 N, Schönhauser Aüec 106 N, Rofenthaler Str. 40-41 W, Potsdamer Strabe 75 W, Linkftrabc Nr. 37 W, Friedrich st rake 85a KW, FIcnsburgcr Str., Bg. 414 NW, Wilsnackcr Strabe 16 O, Gr. Frankfurter Str. 146 S, Cottbuffcr Damm Nr. 14 Charlottcnburg, RankcfiraBe 7 Charlottenbg.,BerlincrStr.I3-I4 Charlottenbg.,WiImersd.St.III Wilmersdorf, Uhlandstr. 89-90 Sdiöneberg, Ko'onnenflra&c 2 Neukölln, Bergftra&e5 Steglitz, AlbrechtftraSe 2 Steglitz, Schlobftra&e 119 Spandau, Potsdamer Str. 37 « Zum Jubiläum neu eröffnet: N, Brunnenftraße Nr. 67 NW, Turmftraßc Nr. 37 O, An der Jannowitzbrudce 4 SO, Faldcenficinstraße Nr. 36 S' A« Kaffee c Araaenveranfialtuvge»: U Ktci* Mitte,«chwnal Dir für heilt«, Donvereta».»>. Sevtemher.«i- «cseilt« FmiktionSriniiensttiuna findet nmständeholber erst am Montag, 4. Oktober, bei Zschiesing, Ackerstr. 1.»llnktliih 7� Uhr, statt, MI. Abt. Dchöncb-rg. öeule, Donneretag. 30. September, g Uhr, Frauen. lefeabend bei GUrlich. Segosstr. 1. Dortraa:„Frauenleben und Frauen. «cftoHtn aus dem alten Griechenland'. Referentin Senofstn Dr. Lui. Diejenigen Genossinnen und Genossen, welch« bei den Schreibarbeiten ,ur Werbewoch« helfen wollen, werden gebeten, bereit» um 7 Uhr zu erscheinen. Sterbetafel üer Groß-öerliner Partei-Grganifation 37. Abt. Friedenau. Unser lanaliihriger Genosse Ferdinand Paasch« ist verstorben. Di« Doerdigung findet am Freitag, 1. Oktober, nachmittag» Shi Uhr. auf dem Friedhof Blanke Kdll« in SchSneberg statt. Mir bitten um recht rege Beteiligung._ Sozialistische Arbeiterjugend Groß-öerlin. Auf de« stursu» in ssosse» a» iS./t*. August Trinkbecher gefunden. Ab- zuholen im Iuaendsekretariat. Achtung. Abteilungeleiter, nehmt die noch ausstehenden Abrechnungen vor! Die Genossen, di« anliisilich der internationalen Kundgebung„Arbeiter- nd'-Zeitungen vertrieben haben, werden ersucht, dies« umgehend adzn- tMntb' rchnen. heute, Donnerstag, abends 7� Uhr: Schönhauser Vorstadt I: Schule Driesener Str. 22. Bortvag:„Sozialistische Erziehung'.— Südwesten: Jugendheim Lindenstr. 3. lk>.Minuten- Referate.— Friedenau: Jugendheim Offenbacher Str. Sa. Berbeabend mit Lichtbildern: „Die Jugend gehört zu uns'. Moabit I: Iugendfeier MS Uhr in der Aula der Kirchner» Oder, realfchule. Fwinglistr. 2. Liedervorträg« vom„Jungen Thor'. Sprech, i-! chor:„Die Erlösung', Brun» Schönlank, Fahnenweihe. Fest, und Weiherede: Genosse Franz Ksinstser. Einlag 7 Uhr. Unkostenbeitrag 30 Pf. Werbebezirk streu, berg: Beim Genossen Seim», Markgrafenftr. Ikl, Werbe» bezirksvorstandssihunq. Wichtige Tagesordnung.— Werbebezirk Neukölln: Jugendheim Eanner Strasse. Aeusserst wichtig« Funktioniirversammlung. Werbebenirk Osten: Seute abend Treffpunkt zur Demonsttation pünktlich Uhr im Jugendheim Tilsster Strasse. sFlugblätter mitbringen.l— Werbe. bezirk Teltowkanal: Freitag, pünktlich 3 Uhr, im Jugendheim Steglitz, Albrecht» strasse 47, Fusanrmenkunft der Aelterengruppe. Besprechung de» Arbeitsplan». All« älteren Genossen müssen«rscheinen. Lichter.be rg-Mitte und»West: Freitag. 1. Oktober, in der Aula de» EZeilien-Lnzeums. Rathausstr. 3. Feierstunde. Musik, Gesang. Rezita- tionen, Ansvrache, Tänze, Sprechchor. Einloss 7 Uhr. Eintritt Anfang 3 Uhr. fefel UI ,1' I ±Jr_± la.�J- UnterbezirkeZugendtag Tarn im- Uckermark am 2. und 3. Oktober in Bernau. Sonnabend abend 3 Uhr Fackelzug. Sonntag vormittag Mll Uhr Proletarische Feierstunde. Abfahrt der Züge: 3,10 Uhr, MV Uhr fall« th Stunde). Teil- nehmergebühr 30 Pf._ Vorträge, vereine und Versammlungen. Reichsbanner„Schwari-Rok-Gold". Geschäftsstelle: Berlin S 14, Sebastianstr. 87/38,»af 2 Tr. Tiergarten: stameradfchaft Armialu», Fr., d. J., 7th Uhr, Boll- verf. bei Schmidt, Wiclefstr. 17. Ref.«am. o. Puttkamer. stame- rabschaft Westen I. Vers, am Fr., d. 1., fällt au» und findet am Fr., d. 3„ 3 Uhr, bei Stephan, Blllowstr. 33. statt, stre i»: Sonntag, d. 3., Pslichtver» anstaltung Blankenfelde. Antreten: Westen l 914 Uhr Magdeburger Plag, Westen II 9V4 Uhr Porckstressr. Moabit S Uhr Kleiner Tiergarten.— streuz» derg: Fr., d. 1., 8'ch Uhr, Berf. der Abt. 1 bei Seehak. Vortrog be» Bezirks- verordneten Sie»«:t. Sonntag, d. 3., mittag» 12 Uhr, Antreten zur Fahrt nach Blankenfelde am Potsd. Ringbbf.. Zossener Bahnsteig. Fahrkarten » 30 Pf. bis Mahlow lösen.— Reutölla-Brig: 3. Kameradschaft(Iungm.) Monat»vers. Fr., d. 1., 8 Uhr. bei Balewski, Boddinstr. 37.—«aumschnlenweg: Fr., d. I., 7>ch Uhr. Mitgk..Bcrs. bei Dorgmann. Bortrog:„Demokratie oder Diktatur?' Ref. Reichstagsabg. Karl Sildenbrand. Säst« willkommen.— Treptow sstreis): Di« Sport- und Spielübungen finden von jegt ob seden Sonn» tag vorm. oon 10—12 Uhr statt. Sonntag, d. 3.. Faustdallwettkampf gegen Thomas Mann»„Fiorenza' ist als Sendespiel weniger ein Experiment als vielleicht Grabbes.Theodor, Herzog von(Bothland". Nach Julius B a b» klaren und instruktiven Worten kennt der Hörer den Gedantengehalt der Dichtung, weiß, aus welcher Einstellung heraus sie entstanden ist, er erfährt auch, daß das Drama„Fiorenza" seinem im Grund« epischen Charakter nach auf der Bühne wenig wirkt und das es des Bühnenbildes entbehren kann, so vorbereitet erwartet der Hörer nun die Uebertragung. Es tritt folgendes ein: Der Anfang interessiert, die sprachlich herrlich gestalteten und ge- schlisfenen Dialoge packen, nein, man vermißt nicht das Bühnen- bild, man würde es auch nicht bei einem platonischen Dialog ver- misten, aber trotzdem tritt allmählich Ermüdung ein, man kann nicht mehr den Gedankengängen genau folgen, vieles wird unklar, und man fragt sich, warum wird überhaupt„Fiorenza" übertragen. Auf- richtig, man hat mehr oon der Lektüre als oon der Uebertragung. Der Rundfunk ersetzt weder Buch noch Bühne. Aber immer wieder muß darauf hingewiesen werden, ein Teil der Schuld an dieser Ermüdung, an diesem Nachlasten der Aufmerksamkeit und geistigen Spannung trägt die Länge des Dramas(überhaupt ein Fehler der Sendespiele). Zwei Stunden sind zu viel, erst in der letzten Szene, in der die beiden Großen, Savonarola und Lorenzo. der Medizäer sich gegenüber stehen, der Sieger und der Sterbende, wird der Hörer oon neuem gepackt. Hier kämpfen zwei Welten mit- einander, die doch am Schluß sich im Gefühl ihrer Größe beinahe versöhnen. Wundervoll wird diese Szene übertragen: Wegener und K o r t n e r sprechen. Schon in der Färbung der Stimmen 'charakterisieren sich die Gegner. Wegener Kreit ausmalend, schwer, erdverbunden, Baß, Kortner gestrafst, spitz, im Tempo gepeitscht. Tenor. Schläger und Florett. Ja, zwei Welten, zwei Stile, aber beide gleich groß. Die Stimme Tilla Durieux' eignet sich dagegen nicht sonderlich für die Uebertragung und Lothar M ü t h e l ist nicht der liebenswürdige Giovanni. Das Rundfunkprogramm. Donnerstag, den 30. September. Außer dem üblichen Tagesprognimm; ♦ Uhr nachm.: Studienrat Dr. Alkred John;„Wanderfahrten durch das heilitre Land", 2. Teil. 4.30 bis 6 Uhr abends: Konzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Franz t. Szpanowski. 6.15 Uhr abends: Prof. Dr. Franz Ludwig Hörth von der Staatsoper: Einführung zu der Uebertragung aus der Staatsoper. 6.45 Uhr abends: Inhaltsangabe und Personenverzeichnis zu der Uebertragung aus der Staatsoper. 7 Uhr abends: Uebertragung aus der Staatsoper(Platz der Republik):„Tristan und Isolde", von Richard Wapner. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage. Wetterdienst. Sportnachrichten. Theater- und Film dienst. Danach Tanzmusik(Tanzorchester Ettd). Königswusterhausen, Donnerstag, den 30. September. 2.30—3 Uhr nachm.; Neue Küchenoinrichtungen und deren Systeme. Zentrale der Hansfrauenvereine Groß- Berlins. 3—3.30 Uhr nachm.: Prof. Amsel und Oberscbnllehrer Westennann: Einheitskurzschrift. 3.30—4 Uhr nachm.: Lektor Vilma Mönokeberg- Kollmar: Auffassung oder Erfassen. 4— 4.30 Uhr nachm.: Lektor Vüma Mönckeberg-Kollmar: Mittel des Erfassens und de» Ausdruckes. 4.30—5 Uhr nachm.: Aus dem Zentralinstitut fBeriohte). 6- 5 30 Uhr abends: Landwirt Blum-Krefeld: Inte- essenfragen der. Kleinlandwiitschaft. 6 30— 7 Uhr abends: Dipl Handelslehrer Wieg' Volkswirtschaftliche Fragen für junge Kaufleute. 7—7.80 Uhr abends: Mihail Wittels; Die frühen Sonaten Beethovens. 7.30—8 Uhr abends: Arthur Holitscher: Reise durch China. 2. Das revo- lutionäro Kanton. Ab 8 Uhr abends: Uebertragung aus Leipzig. Sinfoniekonzert. Tempklbof. Alle streisfporfler ssnb«ingelaben.— statlshoest: Fr., b. 1., 3 Uhr, Monatsverf. im BrS>i-€tUbl. Treskowollce 83.— Pankow(«tcl»): Rieberschön» b guten Fr., b. 1., 7tt Uhr, stamerabschaftsvers. bei stubasch. UHIandstrasse. Nachrichtendienst ladet ein.— Weddiog: In der Not:, vom Diensiag muß e» beissen: stameroden, die an der Fahrt nach Wriezen(nicht Brieten) teilnehmen, treffen sich Fr„ d. 1., 3 Uhr, bei Müller, Uferstrasse.—»ameradfchaft Tier» garten: Do., b. 80.. 7 Uhr. Aufstellung der Sportriegen in der Turnhalle. Terbaad Tollsgesundheit. Orteverein Berlin. Donnerstag, 80. September, 3 Uhr, Schule IMandstr. g. spricht Genosse»arl Barten, über„Die kommuni» ftffche Leben sreformerssedlung in Kanada'. Gäste herzlich willkommen. Frei» tag. I. Oktober, Keimabend der Jugend im Jugendheim Gosslerstr. 31. Deutscher Arbriter-Theateiband, Gruppe weddiag. Donnerstag. 80. Septem» ber, 3 Uhr. im Lokak Rass. Marstr. 12. F-rts-ssuna drr Vortragsreihe. 3. Abend. Tbema:„Die politisch« Entwicklung von 1318 bl» heut«'. Interessenten und Gäste willkommen. Maudolincaloazcrtl Am Sonntag, 3. Oktober, veranstaltet der Arbeiter. Mandellnen.Elub Giern(Mitgl. d. DAMB.) in der Aula de» Frledrich-Werder» schen Gvinnassum«, Bochumer Str. 3d, ein Mandolinenkonzert. Beginn pllnkt- lich 6 Uhr. Eintritteprei, 30 Pf. Di« erst vor kurzer Feit in» Leben ge» rufen« Iugendabteilung wird hier zum ersten Mal« mitwirken. Alle Arbeiter» eitern Moabit», deren Kinder Luft und Liebe für Mandoline- oder Gitarre» spielen haben, fordern wir hiermit auf, diefe zu UN» zu schicken. Spielabend« der Iugendabteilung jeden Sonnabend oon 5—7 Uhr im Jugendheim Wiclef- strosse. Eck« Bremer Strasse._ Gesthästttche Mttsilungen. .Utreuzzug de» Weide»." Der neu« gross« Artur-Ziehm�ilm:„itr«uzzug de« Weib«»', dessen Manuskript Dofio stoffler und Martin Berger schrieben, bebandelt«in seltenes Thema, da» überall auf da» stärkste Interesse Nossen bürste. Dieser Film seht stch mit dem ss 218(Abtreibung) auseinander. Er bemüht sich, dem Standpunkt de» Gesessc» gerecht zu werden, sofern dessen Sinn ist. gegen moralische Derlotterung«inen Damm zu bilden. Da jedoch da» Ge» seit in seiner jehigen Fassung Sorten enthält, di« diesen Sinn oft in» Gegen- teil veriehren. wird für rücksichtsvollere Fassung geworben. E» ist felbstver- ständlich, dass man an diese» heikle Thema mit dem gebührenden künh�irischen Ernst herangetreten ist. Der bekannte Komponist Friedrich Holloender hat zu dem Film eine Originalkomposition geschrieben. Die bekannte stasfee-Geosseöfterei Sin, a. Küster begeht am 1. Oktober ihr öojShrigc» Iubiiäum. Die Firma hat e» in den 30 Iahren verstanden, sich einen guten Ruf zu schaffen, indem sie nur Oualilätsware auf den Markt brachte. Sinz- u. Küster-Kasfce, nach eigenem Röftverfohren hergestellt, ist wohl jedem Berliner bekannt. Di« Firma unterhält in allen Stadtteilen Filialen. Wir verweisen auf di« heutige Anzeize, betr. Iubiläumsverkauf», der Firma noch besonder» hin. Die Waren-Ercdl.-Anstalt A.-».. Abt. Rirolau» Piudo, Pla»«U.Ger«.Auer. dach, rräffr.ete in Berlin am Sackcschen Markt 1 ihr vierte» streditunternehmen. Mit der Parole„kulant, billig, mobern und neu' zeigt die Gesellschaft in 1200 Ouadraimeter grossen und modern«ingerichteten Räumen eine Riesenous- wähl in Serren. und Damenkonfektion neuester Modelle sowie Pelzmäntel au» Pariser Werkstätten. All« Ansvrüch«. vom billigsten Genre di» zu den fein- ften Massanfetiigungen, können hier mit wenig Geld bei weitestgehender Kredit- bewilligung besttedigt werden. Ein Rundgang durch da» Geschäft deweist, dass Berlin um«in grosszügig«, Unternehmen bereichert ist. Ein fünfte»«eschäst dürft« bereit» Ende de» Monat» in der Frankfurter Strasse eröffnet werden. Klug« Kau»sr»ueu wissen, dass Bohnerwach»«in Artikel ist, bei dessen Ein- kauf nicht ausschlaggebend sein darf, ob er einig« Pfennig« mehr oder weniger kostet. Und warum? Weil Versuch« ergeben haben, dass oon billigen vohner- massen des Sandel» beim Bobnern zwei- und dreimal mehr draufgeht als von gutem Bohnerwachs, wie Wichsmädel, da, infolg« feine» hohen Gehalte» an festen Edelwachfen nur hauchdünn aufgetragen werden darf. Es besitzt«inen milden, angenehmen Geruch und ergibt überraschend schnell prachtvollen Hoch» glänz, der Solz und Linoleum für lange Dauer schllpt. Sie dürfen daher im Geschäft nicht sagen: Ich möchte«ine Dos« Bohnermass«, sondern Sie müssen ausdrücklich«ine Dos« Wichsmädel verlangen und billig«, geringwertig« Wachse, die ssch so schnell aufbrauchen, ,ur0ckwcisrn. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle für Seefin.(Rachdr. derb.) Dielsach nebelig, sonst trocken und ziemlich heiter, morgen» und abend» recht kübl. am Tage ein wenig wärmer.— Für venkschsand: Teil» heiter, teil» nebelig, aber keine Niederschläge, sehr kühle Nächte, in den Tage»- stunden etwa» wärmer. Mäntel Hübsche, kldcbamer!gin«enofien Fritz und Hedwig Sctiaper herzliche SlLckwünsche zur Stlberhochzett. % Ol« 131. Kbfellnnn Zli»d«rsih«»haof»». Ära 23. SepK starb dar frühere Charlottenburger Stadtverordnete und spätere Friedenauer OerneindescbSlfe, Genosse Ferd. Paasche Gen. Passobe hat der Partei fast 40 Jahre angehört und sein Andocken wird bei uns immer in hohen Ehren gehalten werden. Vorstand der 81. Abt. Friedenau.« Stach Udermentchtichem, mit-roster«eduld getragenem Lelden im Ztamvke mii heirnlitckikcher Kranihetl ist meine innigltgeliedte SaUin, meine Irene, gute LeUenokameradin. meine iiede Schwester, Schwägerin un» Tante, grau Berta Vetter, woi« sanft enischlasen. Ftir die trauernden Hinterbliebenen i nndoll Vettee Berti»< Lichtenberg. Reue vahnhosstr.»1, vom IV Die Einlischeeung erfolgt ffrettag, den t. VNobee. abenoe G Uhr Im Krematorium Baumschulenwrg. ff Mutter, sieh mall Kostproben gratis!- Ausschank vom FaBI Hunderttausende von Litern •ralSiiaealgar Wem« gelangen su na Varkaaitl reinster eOSee Aftelweta, es.>41..... Uler 7g PI. Feinster eOOer Jehennlebeerweln, es.>41, Liter gg P( Sei» er Tarregeue, unreeeaboUte». ce.14% Wer 1.30 Sedier Malege, nnrereehellten, es.>8... Liter 13« Seater Hei. Weraalk............ Liter I.7S Sobter Insel fease, uaTereebnltten. en. IT'), Wer t.gc Sebter Osaro Periweta, aarer«et>a.. es. III, Liter g.go felnt'er(aeslalweis fgr Krankt.Saaetn". Liter 1.»o feinater Welnbrana„Vereobnltf,*01.,. Ltr 3.20 taler Ueelreker»elnbranO. MI,.... Ltr. 4.20 Site MsUihSre. See Pelneie. en. MI.... Ltr. 4.4» Felneter relellqnerlt. Sl'l,........ Ltr. 2.28 Grstklet«. Jemelke-Rom, Vereebn., en. 441, Lir. 4�48 FsloeL Tnn-iamelke-aom. Verte«». ea. 441« Ltr. 8,20 Zur gefälligen Aufklärung I"Ws Liter enlhilt tlu Liier mehr aia 1/1 Pleeehe Feinste deoisclie, snanEeöe o.(Miscbe FlasstieeweiDe He 1, Fleer.be 78, 88 FL. 1.18, 1.80. 1.20 and 3.3 b Die v reise rereiebee sieb alt Siener ebne(Mab Eduard Süßkind Hauptgeschäft H 31, Bruunenstr. 43. IT-lt anrlln N, MOIIeratr. 144. telepb. Msean 9tS Onrlln O, Petenberger Str. 40 Telepb. KSnlgstadt 440« Berlin N, CbaueseestraBe 74. Telepb. Herden 74)3 dsriin O, Koppeneirete 87 telepb. KAnigetedt 4076 Sarlln SO, Gronauer Str. IS telepb.: Merltiplatr 7231 Neukölln, Berliner StreBe 13 Telepb. NeukSlla 1994 MaaMt, Wileneeker Str. 25 Telepb. Moefeit tIM SlngHBa, Scblaletrala ttt. Telepb.: Staglll« 344. Che Hott«„barg, Wllaerederfer Str. IST. Tel. Wllb. 321 um iinii»i(�i> ii, ntiiniii 1, tili tliitmiit llüitiii, llllllll■■■• II M II, ■III llllllll llllllll Das sind die großen Vor/üge der Persil wasche: Wäsche, Bleiche und Desinfektion in einmaligem kurzen Kochen! 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Der Wahlvorichlag der Ardeiinehmer de- ginnt mit dem Namen Fritz Meeredach und endigt mit dem Namen Bruno Tegge, Die auf den 25,»nd 28, Oktober 1928 anderamten Wahlen finden daher nicht statt, Die SUltigkeit der Wahl kann innerhalb eine» Monats nach der Detannimachung de» Wahlergednllse« angefochten werden, Zlnlechlunge» find bil dem Borstand oder dem Perstcherung»amt anzubringen Bertin, den 29 September 1928. Vor vorstand: Fr Meersbach. Herm, Ehrlich, Vorfitzender Echriftliihrer. �mdjadceiA in allen GrÖtzcn und Formen Herren- Artikel: Oberhemden, Krawatten, Hüte, Stöcke, Schirme usw. zu billigst. Preisen Arbeilcr'Benifsklefdnntf für jeden Beruf MMMW Di« in der Feit vom l. Juni bis 81. Zuli 1925 versetzten Pfänder find versteigert worden. Uederschäsfe sind bis 81. März 1927 abzuheben. Staatliches Leihamt. VtIMlslimi> ca. 130 Waggon la Holstein«! Stamm- war« in jeder Menge lieferbar. WelknactitZdaum-Vertrieb Berlin 5« Luiaenufer 51, III r. Telephon; Morltzpiotz 10768. 44 P«. 50Pf. 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Uhr: WeeK-end (Uebcr'n Sonntag) von Noel Coward Regie: Erich Engel Die Komödie Bismarck 2414, 7516 X Ühr: Die Gefangene Von Bourdct Regie. M. Reinhardt Wallner-Th. Allabendlich 8 LI der groBeErfoIg d. Volksstückcs „Nasemaiins Töditci" Park.2.-,II.Rang 1.- Vorverk.ThcaL-K. u. bei A.Wertheim. Dose-Theater SV. Uhr Shriiche Arbeit Kurfürst 6456 8 Uhr: Internat. Tariett Adilnndf Ab 1. Okt auch Sogoaäeai oadunitt. 3» die daaaze Vorstelle, iu er- mlBIgt Preisen! Metrojaoi- Theat I aglich 8 Uhr: Die gioSe Revue Wieder Hefrepel HeiicsRi-TU. sv, Absteigequartier fishttt JaawdüJaii nitatn Tnello-Thrnler uhr. DerSiderpelz Regie: Benh. Viertel Theater de; Weeses TiMn: jtdapl. 931 Täglich 8 Uhr: Die Revue Der Zog nadi dem Westen VtmrLwf cosslirtnditi Preise 2—16 Mark Binmkr-IShsn Tlaealer Häniuiiranjtr. Letzte Atif- führungenl 8 Uhr Zweimal OilTer Sonnibend NMintidiert I Hrs.[heaefl Ernte Homdtileiilian« iahii ADtfaknigjn! 8 Uhr Serrf.iaiDl-O&io Sbd. zum l.Male: Einbruch Kriminal grotsske Th. a. Hclleodorfalati Gastspiel d. Moskauer künstler. Theaters Habima Preitag: Eröffnungsvorstellung �o�bulc� B Tägl. 8'/. Uhr b Theater im Admiralspalast Blesencrlau Msr-Zlevne Ann. aus Preise von 2-1 6 M. � Vonmlia; unlniir. B Ii]eatera.X8tti).Toi Kott busser Str. 6 6 Uhr, Sonnt 3 Uhr I Elite- Sänger mit Baasem 50 PI. bis 2« Sonnt ndim "" Preis. Zfäutb kZn lustiger Abctatenerfilm tob Eisenbahnrügcn, Fingzoogen und Detektiven RfeferwQold wynsMeyer FULn im Veriefh der PsSufamet Marshall Neil an Heuptdamssllen Sally OTMoill Uraufführung Morgen[Yj und\s\ Uhr UfawTbeator Mozartsaal UfesThcatcr T auentzienpa last ♦ /AAty DEL/CttAFT* WCUMa&KBAVSr ♦ HABW UftOTKE ♦ CONRAO VCIOT ♦ REGIE: MARTIN BERGER Orlginalmuslk: Friedrich Hollaender Uraufführung ab Freitag, den 1. Oktober, In der ALHAMBRA- KliRFURSTENDAMM 68 PRIMUS-PALAST POTSDAMER STR. 19 Tägüch S, 7 und 9 Uhr Volksbühne fkafai an Mlowplaft VI, Uhr: iÄ: ijiljfrala Morgen 8 Uhr: gysistrala Th. id Sdillftaaerilainr' Täglich 8 Uhr: Das GraliBai das BiMannta Soldaten. \ ewoese« SCHAUSPieLHAU»" CHARELL REVUE Täglich 8V. Uhr End« prExls« 11 Uhr Preise M. 1.00— 15.00. Sonntag nsohm.SUhrnnzeUlirBte Vorstellung zu er mftBlet. Preisen •vyvdr« e» e« ♦ ii'jb'n-yv i Jießmistfkc Cper j. Direktion: Hann» Otto Bogen Der große Operettenerfolg Jtdrienne Täglich 8.15 ühr {. mit Serak, Wently, Wlrl, Blass Boettcber, Hell 1* Vonerkauf unanterbr. v. 10 U. an LÄK�Merda-SetfeE L e«stcht.«. b«jru»l ßmP."», Lachmunn w llobtzlln. W6«u se fchrebt:.»�l tsin «tbs.O.lf« Wrisse Pocht«»i. sali.» „l«bt«a btnnm 1» Ts««»««hdlt und .In« qcns fler. 3atrt Borhanben lst,|a«. ich low. mein.?r»u ixn d.st.n Dan?. M«:n« öchwoitcr. welch« i.ch.|ich, r»I.?i-ck.n bunt sjiSr&ÄVM «IÄslhÄ.* A'epii! d'»sd [■ Neues Tbeoier am Zoo S„Ich hab Dich Heb" Plrt 1-5 B WSair9nrvt.iMlMir.SlaI.i37l ü Ümisßusch Sonnabend nachm. i Uhr *; I Ersutn nisk tista 1 T-Vorgtllg l balbe Preise| Klnderbvlustlg., Ponjrrelien, Gadnk- »r/üioig und ungekürzt d. vollcCIrcusprogr. m. Sonn reg 2 X 3+ 71/, Uhr Circus-Attraktlonen Berlin lacht Ober die lustig. Anekdoten des__ Z. Schi.; Die große Wasserschau. Nachm. halbe Preise ClilHO- raBBTÜB• a Uhr; was Liehe vermag Ab 1. Oktober: arAltn TApi>atani9Dtl Gutschein 1—4 Per« Bei Vor/ elf. der Annonce Fant, nur 1,00 Mk., Seö&ei iJM Eerfcsf. fiasiplrl bb H. flkf. üer Reichshailen-Theater IIIiMMi 8 Uhr ni Sentit udaltlip 3 Ohr Sfettincr sanier Singende Bäume 60 Pf. bis 2. SO M. Nacnmittes halbe Preise, /SSI volles Programm! Dönhoff-Brett'! ' Varietä-Koniert-Tani Kennen zu KarlsM Donnerstag, den 30. September nachmittags l'/i Uhr -: PreuQen-Prols. Elnlafi von Dienstag bis Freitag einschl. v. 9U. vorm. bis 7 U. nachm. Hallenräumung: 8 Uhr. Einlaß an allen Sonn- BÄPPPabend, Sonn- TwcDL tagen u. Mon- 1 ITpl. tagen von 9 , hffl, i, Uhr vorm. bis IUI NG 4 Uhr abends; riumung:10U. KRONE Nur noch 6 Tage SW" bisS. Oktober Vnlcor. RIIOO a- � HiHegardstraß« jvaucr* JlllCC NÄhe Berlluor Str. Telephon Pfalzburg 7916. TDältdl fi SonnabendfB4rt fi abends V Ot>r bonniags 126 Sensationen 126 Preise, nur Sitzplätze, tob 60 Pf. bis 10 M. Vorverkauf ununtorbrochcn ab JOUhr Circaskassen, A, Wortheim und K. d.W. Tierschau Mütter und Kinder! Seif Jahr und Tag sind die Sonntag• Nachmittagsvorstellungen der S c a I a von Famtlienpublikum und Kin» dein überfüllt. Es ist ja auch kein Wunder, da zu ermäßigten Preisen genau dasselbe Programm gezeigt wird wie in den Abendvorstellungen, und außerdem werden von Zelt zu Zeit die Kinder durch Ge» schenk« überrascht. Um weit« st en Kreisen diese Porstellung zugänglich zu machen, hat sich die Direk» Hon der Scala entschlossen, ab 1. Oktober 1926 außer Sonntags auch Sonnabend nachmittag 3.30 Uhr zu er- mäßigten Preisen Borstel- lungen stattfinden zu lassen. Die erste G 0 n n a b e n d- N a ch- mittagsvorstellung findet statt am 2. Oktober 1 9 26. Degueliei IBdsH.- Theater 8'/. Uhr; Itaa«roße Abenteuer Leasing-Theater «>/, Uhr feronlka Tk. i.lufSrstfsdJM 8 Uhr: Revue: Es jehtsdiM besser Lnstsplelhaos Uhr Kukuli icfontfcrs «Irksam sind die KLEINEN ANZEIGEN in derüestmt- auf läge des „Verwäni- uad troizdem nvuiiitn �TTräüse1� Pianos ZUI Miete AnsbselierStr. I mt.rt.m-h.B Vonnerstag 30. September 1920 Unterhaltung unö Vellage ües vorwärts Abenteuerliche gapockjagö. Von William Beebe. (Schluß.) Der gedämpfte Knall unserer tleinen Flinte hatte den Chor der -Ameisenvogel nicht im mindesten gestört; aber als die Abenddämme- rung Hereinbroch, sangen sie leiser und leiser, nicht etwa, weil sie sich entfernten, sondern weil sie nacheinander verstummten. Ehe der legte schwieg, begann ein paar Meter ab ein neues Konzert— das steigende, sanfte.Hu-iep! Hu-iep!" einer erwachenden Well von Fröschen, die nun die schläfrigen Ameisenvögel ablösten. Selbst die verhältnismäßige Nähe des Kanals, der Geschütz- stände und der Menschen war vergessen, als irgendeine Urwoldi katze— ein Ozelot oder Jaguar— zweimal flußaufwärts fauchte; unser Gefühl der Weltabgeschiedenheit wurde noch erhöht durch dumpfes Donnergrollen und einen flüchtigen Windstoß, der jedes Blatt schüttelte. In den letzten zehn Miniuten des Tageslichts sah ich zwei Nester über das Wasier hängen. Ich erreichte das etfte und fand, daß es die alte Wohnung eines Kolibris war, aus WoC samen gewebt, die ausfaserten und ein zweites Mal zur Erde trieben. Den Baustoss des anderen hatte ein gelber Fliegenschnäpper au» dem ausgelesen, was die Strömung vorbeitrieb: es schaukelte, als ich es zuerst entdeckte. Ehe ich es erreichte, schoß eine Eidechse heraus und lief den Ast entlang. Es war ebenfalls ohne Eier und alt. Die Nacht brach unvermittelt herein, und eilig trafen wir unsere Zurüstungen für die Dunkelheit. Ich wollte es mit elektrischem Licht oersuchen, mein Jagdgenosse benutzte eine Azetylenblendlaterne, die um seine Stirn baumelte. Nunmehr bestand unsere Welt nur noch aus dem kleinen Kreis, den unser Licht aus Wasser, Fels oder Gebüsch heraushob. Alles andere war undurchdringliches schwarzes Dunkel,— das wir nur durch das Gefühl, das Gehör oder den Geruch wahrnehmen konnten. Ueber Abwechselung im Gefühl brauchten wir nicht zu klagen; denn wir bewegten uns eine kurze Strecke an zwei Bächen auf und ab und verbanden jede aussichtsreiche Napockstelle mit längeren oder kürzeren Gängen durch dichten Urwald. Die Löcher, die sich bei Tageslicht so deutlich abhoben, verschmolzen nunmehr mit dem schlüpfrigen, wasierüberflossenen Gestein; und so mußten wir uns bei jedem Schritt vortasten, wollten wir nicht Gefahr lausen, ein Bad zu nehmen. Als wir bis auf die Haut durchnäßt waren, schnitten wir kleine Löcher in unsere Taschen und Rucksäcke, daß das Wasser abfließen konnte, und suchten nur das Licht und die Flinte über die Oberfläche zu halten. Als später Regen einsetzte, machten wir uns auch darüber keine Gedanken mehr. Wir wurden eben selber zu Dapocks, und, so wenig ich auch von ihnen weiß, ich habe wenigstens viele ihrer Empfindungen am eigenen Leibe erlebt. Luft und Wasser waren gleich angenehm warm; jeder Augenblick war voller Spannung: jede kommende Sekunde konnte eine neue Entdeckung bringen. In einer solchen Zeit wachsamer Erwartung versuchte ich mir einen Platz aus der Welt vorzustellen, wo ich lieber wäre—; ich hätte keinen gewußt. In ein Loch zu fallen, war mir nur deshalb unangenehm, weil ich nie wußte, wie tief und breit es war. Wenn man ttef in ein enges Loch einbrach und nach der Seite siel, oerstauchte man sich unbedingt arg den Fuß, und die Unmöglichkeit, die Muskeln richtig einzustellen, ie nachdem man nur fünfzehn Zentimeter oder zwei Meter fiel, hatte etwas ungemein Lästiges. Gleich nach Dunkel- werften trat ich aus dem seichten Wasser auf einen kurzen, halb«in- getcrnchten Baumstamm, als der Baumstamm zu einer Feder wurde, die mich in ein 2 Meter tiefes Wasserloch zurückschnellte. Als ich herauskletterte, sagte mein Gefährte, soviel er sehe, sause dos junge Krokodil, das unter mir losgegangen sei, mit Bolldampf fsuß- abwärts, noch mehr erschreckt als ich. Geradeso, wie der enge Kreis des unmittelbar von uns Be- leuchteten alles umschloß, was wir mit dem Auge wahrnehmen konnten, so wurde die genaue Stelle, wo sich ein Urwaldbewohner aufhielt, durch einen Widerschein seines Auges angezeigt—; der Farbstoff und das reiche Geflecht der Blutgesäße der Netzhaut glühten wie Feuer im Licht unserer Laternen. Wir hatten kaum angefangen, leise flußabwärts zu gehen, als Sachen passierten und beobachtet wurden, die so ganz anders waren, als wir Tagesmenschen gewohnt sind. Der Wechsel von Tag zu Nacht wurde zufällig vom Stöhnen einer Eule eingeleitet, dem legten Ton, ehe mich das lunge Krokodil ins Loch beförderte. Hinter dem oberen Teil eines plätschernden Gefälles leuchtete ein einziges glühendes Auge auf, das nie zu zweien anwuchs. Nach langem Hinstarren feuerte mein Genosse, den mein Fall etwas ängstlich gemacht hatte, an seinem Licht entlang und erlegte— eine Unglück- liche Aga, eine Kröte, die mit einer Gefährtin aus das Moos heraus- gekommen war, um Nahrung zu suchen. Sein Aerger war groß; denn er hatte die Stelle viele Male abgeleuchtet. Zehn Schritte weiter schoß ich auf zwei Lichtpunkte, die sich ständig über die Felsen bewegten. Ich stürzte zu der Stelle hin— wunderbarerweise ohne dabei in ein Nest von Löchern zu fallen, das dazwischenlag, und fand, daß ich auf der Leiter der nächtlichen Jäger noch tiefer gesunken war; ich hatte«inen gewaltigen Krebs zer- schmettert, der auf der Oberfläche eines flachen Tümpels entlang gekrabbelt war. Axr kauerten uns schweigend nieder und warteten. Der Tümpel beherbergte viele Mancholas, längliche, getüpfelte Fische, die ganz fest mit weit offenen Augen schliefen, mit dem Köper aus schmalen Stellen ruhend, Kops und Schwanz oft ungestützt. Ueber den Boden krochen Scharen kleiner Garnelen, jede mit einem Paar glühender Stielaugen, so daß der Tümpel voller nnrulsiger Rubine erschien. Dicht hinter mir hallt« ein Loch von fröhlichem„Hu-iep! Hu-iepl* wider, und als ich allmählich den Lichtschein aus sie richtete, ließ man sich nicht weiter dadurch stören; es war für sie bloß der vorzeitig ausgegangene Mond. Platt auf der Oberfläche lagen zwei Schrei- froschmännchen, Onpcmpbix pustulosus, hellbraun und jeder— körperlich wie geistig— nichts als Stimme. Ihre Körper waren geschwollen, bis sie wie durchsichtige, runde Quallen aussahen. In Pausen von zwei Sekunden quoll ein riesiger Stimmsack aus der Kehle heraus, der fast dem Durchmesser des ganzen geschwellten Leibes gleichkam; sobald er sich dehnte, ertönte es„Hu-iep!", und wenn er zusammenschrumpfte, erklang zwei- oder dreimal ein eigen- artiges, kurzes, metallisches Knarren, als ob irgendein Teil des Werks einen Tropfen Oel benötigte. Das„Hu-iep" war die Haupt- sache, das andere nur ein Nebengeräusch. Auf einem Blatt saß das Ziel ihrer Bemühungen— ein kleines Weibchen, das blöde und gleichgültig zuhörte. Im selben Loch waren viele ausgewachsene Kaulquappen und ein einziger langschwünziger Frosch. Eine große Kaulquappe stieg an die Oberfläche, um Luft zu schnappen, warf das Weibchen um, das gegen die Wand des Loches sprang, die Männchen sielen zusamemn und tauchten, und mit dem Frolchbild war es aus. In anderen Löchern schwammen kleine Mengen Laich und Larven mit Kiemen; aber die Mehrzahl der Insassen in beiden Bächen waren ausgewachsene Kaulquappen, die beim ersten Guß der Regenzeit aus eigenen Füßen stehen tonnten. Der Froschchor übte munter weher, bis der Regen einsetzte, dann verstummte er allmählich. Nach ein paar Minuten in einer meiner Flaschen wurden die Froschmännchcn olioengrün und zeigten eine saultierähnliche Rückenzcichnung, einen schwarzen Kreis mit einem Herzen von grauweißer Färbung. Eh- wir von der ersten Stell« fortgingen, hatten wir das auf- regendste Erlebnis der Nacht. Wo sich am frühen Abend noch eine klare Sicht stromauf geboten hotte, war jetzt eine schwarze Höhle bis auf die Stellen, die wir mit unseren dünnen Lichtstrahlen auf Fels und Strudel ableuchteten. Ohne Lorboten eines Windes oder Campe unö Leidig. (Jrri nach Wilhelm Bosch) Sie zieh'n mit knurren unö Gekrächz, Der eine links, öer anöre rechts! fernen Donners kamen plötzlich fünf lang dauernde Blitze. Als ob wir es erwartet hatten, waren unsere Augen daraus eingestellt, zufällig schauten wir in die nötige Richtung, und wir erspähten »ntAchalb des Strudels— drei Opossums. Eins war eine ver- tleinerte Ausgabe unserer virginischen Art; die anderen waren die gesuchten Aapocks. Der kleinere drehte uns den Rücken zu, und jeder Blitz zeigte das unoerkennbare Muster. Den größeren sahen wir von der Seite; er saß auf den Hinterbeinen und verzehrte etwas, wahrscheinlich eine Garnele, die er in seinen Opossumhänden hielt. Beim dritten Blitzstrahl erhoben wir uns und krochen langsam stromauf, und beim fünften hatten uns die Tiere erblickt und eilten zum User, einen flachen Tümpel hinter dem Strudel durchschwimmend. Als wir in Schußweite kamen, war nichts zu sehen außer dem kümmerlichen weißen Opossum, das fauchend langsam über die Felsen zurückschlich: es vermied das Wasier und zeigte nicht eine Spur des scheuen Wesens jener anderen, die wir so sehr begehrten. Um unseren Aerger vollzumachen, fielen wir beide jeder in ein besonderes Loch, und als ich herausgekrabbelt war, plumpste ich in ein anderes. So setzten wir un», um das Wasser ab- und heraussließen zu lassen und schöne Erwägungen darüber anzustellen, was alles hätte sein können, wenn wir ein weiter tragendes Gewehr mitgenommen hätten. das tzaus mit 480 Wohnungen. Bon Karl Goatter, Innsbruck. Da standen wir nun und konnten uns nicht sattsehen. Prächtige, parkähnliche Höfe, umschlossen von archttektonisch reich gegliederten Ännensronten, künstlerisch ausgestattete Laubengänge, idyllische Ruhe- platze, ein Bild himmelweit verschieden von dem, das die tristen langwelligen Mietskasernenblöcke der großen Städte bieten. Wir standen nämlich im„Fuchsenfeldhof", diesem schönsten unter den vielen schönen Wohnhausbauten, die die sozialdemokratische Gc- meindeoerwaltung Wiens aus den Erträgnissen der Wohnbausteuer zur Milderung der Wohichausnot gebaut bat. Inmitten von hohen grauen Mietskasernen und alten, kleinen oerschrumpsten Vorstadthäusern steht der stolze Bau. Ein ragendes kraftvolles Zeugnis sozialistischen Gemeinsinns. Kein nüchternes. kalles Dutzendhaus, das in seiner trostlosen Eintönigkeit abstößt. Bierhundertachtzig Wohnungen enthält der Fuchsenseldhof. Lauter Ein- und Zweizimmerwohnungen, alle nett und heimelig. Keine ohne Sonne. Die Küchen sämtlich zu Wohnküchen ausgebaut. Sie sind 16 bis 26 OuadrGtmetcr groß, beim Fenster gibt es eine Sitznische, wo mittags und abends die Familie'essen kann und nach- mittags die Mutter ihren Arbeitstisch hat, die Kinder ihre Schulauf- gaben machen können. Als Kochstelle dient ein Gasherd mit Brat- rohr, Nachwärmestellen, Abstellplatten und Tellcrwärmer. Dadurch entfällt die lästige Plage mit Ruß, Asche und Rauch In der von der Küche, aus zugänglichen Spüle, einem kleinen, abgeschlossenen Raum, kann das Gemüse und Fleisch gewaschen, das Geschirr in dem ein- oder mehrteiligen Abwaschtrog mit direktem Wasserzufluß ge- reinigt werden. Dann sahen wir etwas, was die Genossinnen über das ganze Gesicht lachen machte: die zentrale Waschküche. Dort können die Hausfrauen ihre Wäsche waschen, trocknen und wringen. Die Waschküche besitzt nämlich sämtliche Einrichtungen einer modernen Dampfwäschcrei. Der Hausfrau wird warmes Wasser zum Waschen und Auskochen der Wäsche geliefert. Waschmaschinen und Zentri- fugen stehen ihr zur Bersügung. Zum Trocknen der Wäsche sind mit Dampf geheizte Trockenapporate vorhanden. Zum Mangeln der Wäsche gibt es neben den EinspritzvorrichMngen elektrisch angc- triebene Wäscherollen. Bei jedem der zwanzig Waschstände steht ein mit Dampf geheizter Waschkessel. Die Waschtröge haben direkten Zufluß von kaltem und heißem Wasser. Zeyn Waschmaschinen und Schleudcrmaschinen, die elektrisch betrieben werden, warten darauf, daß sie von den Frauen benützt werden. Das Waschen geht so flott, daß in vier Stunden die Wäsche von vier Personen und von vier Wochen gewaschen und getrocknet ist, und man sie nur noch zu plätten braucht. „Sowas sollten wir auch haben, dann wäre das Waschen ein Vergnügen," meinten angesichts solcher Herrlichkeiten die Provinz- genossinne», die den Fuchsenseldhof besichtigten. Neben der Waschküche, blitzblank und einladend, das Bad für die Hausbewohner. Wannen und Brausebäder, denen der große Waschküche-Dampfkessel das Wasier liefert.- Der Fuchsenseldhof hat drei große Höfe. Zwei sind je 1566. einer 1266 Quadratmeter große. Ueberall schön aepslegte Wege, Bäume, Sträucher, Sitzplätze. Inmitten eines der Höf« ein großes Wasserbecken, dort baden und plantschen im Sommer die Kinder, im Winter dient es als Eislaufolatz. Im Fuchsenseldhof sind Kinder nicht mehr den Gefahren der Straße ausgesetzt. Ihr Hof mit den Spielplätzen bietet soviel Schönes, daß sie leicht und gern auf die Straße als Spielplatz verzichten. Und wenn das Wetter den Aufcnt- halt im Freien nicht gestattet, steht ihnen als Tagesaufenchaltsraum ein prächtiger Spielsaal und eine Kinderbibliothek zur Lerfügung, wo inan nicht nur lesen, sondern auch seine Hausausgaben machen kann. Sehr lehrreich ist die Anschlagtafel bei einem der Tore zu lesen. Man erfährt dort nämlich, daß das Haus eine„Hausgemeinschaft der Hausbewohner" besitzt. Die„Hausgemeinschaft" schließt die Bewohner zu einer großen Familie zusammen, arrangiert in dem schönen Saale, in dem sich bei Tag die Kinder aufhatten können, und der drcihundertsünfzig Sitzplätze enthält, künstlerische und wissen- schafllich« Veranstaltungen. Aus der Anschlagtafel ersah man, daß am letzten Sonntag vormittags unter Mitwirkung erster Künstler eine Sonntaasfeier der Hausgemeinschaft" stattfand. Und daß am Abend Berdis„Eine Nacht in Venedig", Darsteller erste Wiener Opernkräfte— über die Bühne des Haussaales ging. Der Rein- ertrag der Borstellung war für das Kinderheim des Fuchsenfeld- hoses bestimmt, der nebenbei bemerkt auch eine eigene sozialdemo- kratische Jugendorganisationsgruppe besitzt. Aber nun kommt die Hauptsache: Der Fuchsenseldhof bekommt einen Bruder. Gegenüber dem Fuchsenfeldhos geht nämlich ein Bau der Bollendung entgegen, der sich„Am Fuchsenfeld" nennt und der noch größer ist, als der Fuchsenfeldhos selbst. Enthäll er doch über 666 Wohnungen. Dieses prächtige Riesenhaus— oder soll man es eine kleine Stadt nennen?— ist einer der größten Bauten, der von der roten Gemeinde Wien jemals aufgeführt wurde. Dabei kostet der Bau aber auch„bloß" 156 Milliarden Kronen--- Achtunddreißig Stiegenanlagen werden aus den gärtnerisch ausgestalteten Höfen zu den Wohnungen führen. Außer den 666 Wohnungen werden niehrere Geschästslokale, Ateliers, Werkstätten und eine Apotheke eingerichtet. Eine große zentrale Wäscherei und die Bode- anlagen werden selbstverständlich auch nicht fehlen. Für die Kinder ist auch hier gesorgt durch zwei Kinderausenthaltsräume, einen städti- schen Kindergarten, der vier Beschäftigungszimmer, zwei Spiclsäle, einen Speisesaal für die Schulspeisung, einen Kinderspielplatz mit Sand, Kästen, Blumengarten, Plantschbecken und Kinderbad haben wird. Das Haus bekommt auch eine große Bücherei mit einem Lesesaal, der auch als Versammlungslokal für die Hausbewohner dienen soll. Ferner ist die Einrichtung einer Mutterberatungsstelle geplant. Der Neubau wird mit dem Fuchsenseldhof ein einheitliches Ganzes bilden. So wird eine kleine, etwa 5666 Einwohner zählende Aolks- stadt entstehen, die, im wohltuenden Gegensatz zu den umliegenden Spekulationsbauten stehend, ein dauerndes Zeichen der segensreichen Tätigkeit der roten Stadtverwaltung darstellen wird. So gewallig die beiden Bauten sind, sie sind nur ein kleiner Teil dessen, was das sozialistisch verwaltete Wien in den letzten Jahren zur Beseitigung der Wohnungsnot getan hat. Wurden doch bis zum Jahve 1826 insgesamt 25 666 Wohnungen durch die Ge- meinde Wien fertiggestellt. Darunter der Reumannhof, der seinen Namen nach dem ersten sozialdemokratischen Bürgermeister Wiens hat, und in 8 Stockwerken 1266 Wohnungen enthält, ein bei aller Wucht und trotz seiner gigantischen Ausmaße ruhig und harmonisch wirkender Bau, der vor kurzem seiner Vollendung entgegenging. So arbeitet das rote Wien am Wiederaufbau, um aus eigener Kraft die Wunden der Kriegs- und Nachkriegszeit zu heilen. Wird angesichts des Wiener Beispiels die Mahnung Beachtung sinden, die eine der ersten deutschen Fachzeitungen, die„Deutsche BauzeiMng", im Anschluß an eine Schilderung der Wiener kommu- ualen Wohnbautätigkeit den deutschen Städten zuruft: »Hoffen wir, daß sich auf diese Weise recht viele deutsche Städte durch Wien anregen lassen. Da das Deutsche Reich vorläufig nicht genug für den Wohnungsbau tut, so sorgt denn selbst für euch, ihr deutschen Städte, wie Wien." Pilzvergiftungen. Das Weinlaub beginnt sich zu röten, und einzelne gelb« Blätter zeigen uns selbst auf dem Lande schon den kommenden Herbst an. Di« Tag« der Pilze, der Schwammerling«, sind gezählt zum großen Kummer der vielen Liebhaber von Schwämmen und zur Freude derjenigen, die jahraus, jahrein mit Bedauern feststellen müssen, daß die Pilzvergiftungen immer noch nicht aus der Welt geschafft worden sind. Gerade in diesem Jahre, das kein gutes Pilzjahr ist, haben wir von fo entsetzlichen Vergiftungen durch selbstgefammelte Pilz« ge- hört, daß man sich wundert, wie so etwas möglich ist. Früher, vor dem Kriege, war das Sammeln von Pilzen auf gewisse Gegenden beschränkt, ober während des Krieges ist die Bevölkerung überall auf das schönst« aller Wildgemüse mit allen Mitteln hingewiesen worden. Man hat selbst in großen Städten, auch in Berlin, Sammel- «xkursionen unter sachverständiger Leitung veranstallet, man hat Aus- stellungen veranstaltet, wo man die giftigen Pilz« neben den guten, ähnlichen, sehen konnte; man hat Auskunftsstellen eingerichtet, wo man unentgeltlich sein« Pilze bestimmt bekam, Bücher mit den schönsten Abbildungen sind erschienen und trotzdem immer und immer wieder die Zeitungen voll von Berichten über Erkrankungen und Todesfälle durch den Genuß giftiger Pilze! Für jemanden, der unsere eßbaren und giftigen Pilze kennt, ist es natürlich unbegreiflich, wie so viel« Irrtümer entstehen können. Aber diese wirklichen Kenner sollten sich der Zeit erinnern, da auch sie noch zu den Unwissenden gehörten und sie sollten daran denken, daß auch sie oft in Zweifel waren, ob sie es mit einem eßbaren oder gefährlichen Pilz zu tun hatten. Leider muß man nämlich immer wieder konstatieren, daß Leute, die Pilze kennen, auch in der Oeffem- lichtest behaupten, die Sache sei gar nicht so schwer. Di« meisten Erkrankungen kämen nach dem Genuß verdorbener oder nicht mehr frischer Pilze vor; in Deutschland wüchsen ja nur sieben wirklich giftige Pilze und die könne man doch leicht kennen lernen. Das ist alles ganz gut und schön, ober die Erfahrung lehrt doch, daß dos Kennenlernen nicht gar so einfach ist. besonders dann nicht, wenn man keinen wirklich Sachverständigen als Lehrer hat und versucht, nach Büchern zu bestimmen. Man lernt aber niemals Naturwissenschaften aus Büchern allein, Bücher sind nur Hilfsmittel. Jeder angehende Botaniker weiß, wie schwer es ist, wenn man kein« Vorkenntnisse besitzt, ein« Pfianze zu bestimmen trotz vieler guter Bücher, man muß immer wieder Sach- verständig« fragen und sich hie richtige Pflanze zeigen lassen.— Es sollt« kein Laie versuchen, nur nach Büchern oder Abbildungen Pilze zu bestimmen, aber immerhin ist es besser, wenigstens gute Abbildungen und ein einfaches Bestimmungsbuch zu besitzen als gor keins. Wir werden die Pilzvergiftungen nicht eher los, alsbisdiePilzkundeeinobligatorifcherLehr- gegenständ in allen Schulen geworden Ist. Und zwar muß der Unterricht nach lebenden Pflanzen erteitt werden. Pflanzen- künde wird überall gelehrt und da kann es doch nicht so schwer sein, diejenigen Lehrer, die in Pflanzenkunde uiKerrichten wollen, zu zwingen, die Pilze kennen zu lernen, damit sie ihr« Wissenschast den Schulkindern beibringen können.— Solange dieser Wunsch aber noch nicht verwirklicht ist, sollt« man in Gegenden, wo Pilze gesannnett werden, wenigstens das Merkblatt des Reichsgesundheitsamtes, dem eine Tafel mit farbigen Abbildungen beigegeben und das für wenige Pfennige zu taufen ist, in den Schulen zur Berteilung bringen. Wenn wir ja auch immer noch nicht wie in Amerika freie Lehrmittel haben, so könnten die Gemeinden sich die Kosten der Anschaffung diese« Merkblattes wohl leisten, wenn sie dadurch bewirten, daß die ständige Rubrik: Pilzvergiftungen aus den Spaden unserer Tageszeitungen verschwindet. Dr.W.W. 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Anstellung als Gemein debeamter der Stadt Berlin nach den Bestimmungen de» Anilellungsorlsgesehe» Bewerber sollen die staatliche Turn-, Schwimm- und Ruder- lchrerprliiung abgelegt haben, Eriabrung im Schulturnunterricht besigen, an leiten- der Stelle in der Turn- und Svort- verein»- und-Berband»bew»gung oeftan- den haben und über dl- Er-ordernlsse bei Anlage. Einrichtung und B-rwallung von Turn, und Sportstätten und Badraniialien wohl unterrichtet lein. Er soll möglichti bereit» al, Turn-Aussichtsbeamier tätig gewesen sein._ t Bewerbungen sind unter Beifügung eine» Lebenslaufe» und beglaubigter geua- nisadschriiten bi» zum 20. Oktober lg2S dem Perjonalbureau. Abteilung V, 1. Berlin C 2, Rathaus, stönigflr., einzureichen. Berlin, de« 24. September 1926. Der Direktor bei de« Magistrat.