Menöausgabe Nr. 463 ❖ 43. Jahrgang Ausgabe k Nr. 229 SHiifisSeMnflunsen und Anzelaenprtise find in der Morgenausgabe angegeben «sdarnoa: Sw. SS. Lindenitratze Z Zernsprecher: Dönhoff 292— 291 Tel.- Adressen Sozialdemokrat Berlin N0 f J Devttnev VolKsblstt Zentralorgan der Sozialdcmokrati fehen partei Deutfcblands (10 PffeKMla) Zreitag 1. G. m. b. H.■ CIiarlotlenbg.,Wlltnersdor!er Strafte 128.'- Eing.Sdtlilcrstr. Pianos 475,—, 525,—, in neuen große Auswahl, 50,— monatlich ohne An- »ahlung, verkauft Herer. Brunnen. straße 131, 1. Etage, am Rolcnthaler Plast. Kailee- nnd Le&ensmtilel-Tertrlelis-AKtien-fieseilsc&all MßX VÖLLER& Co. Zentrale und Engros-Lager MüllerslraBc 1663/167. Tel.; Hansa 6.34-6435 Nächste Verkaufsstellen: Mflllerstraße 167— Reinickendorfer Straße 14 Brunnenstraße 117— Beußelstraße 64— Qerichtstraße 73 SMttgcragc Jeden Donnerstag, Freitag u. 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Bevor noch der Reichstag seine Zustimmung zu dem Ankauf des.Faiserhof'-Hotels gegeben hat, ist den 3S0 Angestellten, worunter JK! kaufmännischen, zum 31. Oktober gekündigt worden. ZUrunter Leute, die ihre beste Knast Jahrzehnte hindurch im Dienste d«» Unternehmens verbraucht haben und keine Aussicht mehr haben, ein« neu« Existenz zu finden. Der Gesellschaft der Aktionäre, der es lediglich auf den Profit bei diesem Geschaäst ankommt, deswegen Porhaltungen zu machen, wäre natürlich nutzlos. Das Kapital geht fe-er die Leichen, die es schafft. Allein des Reiches wäre es unwürdig, im schreienden Gegensatz zu seiner Verfassung, wenn es um eines vermeintlichen oder wirklichen Vorteils willen die Brotlosmachung der„Kaiserhof". Angestellten mit der gleichen Skrupcllosigkeit in den Kauf nehmen würde wie die Verkäufer. Ob der Reichstag die Gründe für die Uebernahme des„Kaiserhofs" für derart wichtig hält, daß er den Ankauf bestätigt, anstatt neu zu bauen und umzubauen, neue Ar- beitsgelegenheit zu schaffen, anstatt die für 330 Menschen bisher vorhandene Arbeitsgelegenheit zu unterbinden, steht noch dahin. Bestätigt er aber den Ankauf des„Kaiserhofs", dann darf er sich der Verpflichtung nicht entziehen, die Angestellten je nach der Dauer ihrer Beschäftigung im„Kaiserhos" angemessen zu entschädigen. Streik üer Hamburger Hafenarbeiter. Hamburg, 1. Oktober.(WTB.) Trotz der Verbindlichkeits- erklärung des letzten Schiedsspruches der Schlichterkammer durch den Reichsarbeitsminister haben die Hafenarbeiter die Arbeit heute morgen nicht aufgenommen. Große Mengen von Schauerleuten und anderen Arbeitern kontrollieren die Schlepper und die Barkassen, die sonst dazu dienen, die Schauerleute an Bord des Schiffes zu bringen. Zahlreiches Schupoaufgebot beob- achtet die tausende am Hafen herumstehenden Arbeiter, die sich aber ruhig oerhalten und dieLagebesprechen. Die Schiffs- Malereien und die sonstigen Nebenbetriebe arbeiten weiter, ebenso fahren die Schleppdampfer zu den Werften. Die in Frage kommenden Sektionen des deutschen Verkehrsbundes haben für heute vormittag eine Versammlung einberufen, in der eine weitere Zlufkläning gegeben werden soll. Durch den Streik sind auch der A l t o n a e r und der Harburger Hafen in Mitleidenschaft gezogen. * »Trotz der Derbindlichkeitserklärung"— beginnt dieser offiziöse Bericht. Nein, eben wegen der Verbindlichkeitserklärung dieses Schiedsspruches, der die berechtigten Forderungen der Hafenarbeiter glalt brüskiert, haben die Hafenarbeiter die Arbeit heute früh des- halb nicht aufgenommen, weil sie sich in ihrer zu heute früh ein- berufenen Versammlung darüber aussprechen wollen, ob sie „trotz Verbindlichkeitserklärung" weiterarbeiten oder ober deswegen in den Streik eintreten wollen. Bis zur Stunde liegt der Versamm- lungsbeschluß noch nicht vor. Ende des Streiks bei den österreichischen �fintwerken. Wien, 1. Oktober.(WTB.) Die Arbeiter der Wagen- und Automobilfabrik in Heiligenstadt sind heute früh wieder zur Arbeit zurückgekehrt, nachdem der christlichsoziale Arbeiter, desien Weiter- beschöftigung die Ursache des Konfliktes war, heute nicht im Betrieb erschienen war._ Tagung üer Sergarbeiter-Internationale. Ostende. 1. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Das International« Vergarbeiterkomite« traf am Donnerstag hier zur Besprechung der englischen Streiklage ein. Anwesend sind für Deutschland: husemann, Berger, Waldhecker: für England: Smith, Cook und Richardson sowie der international« Sekretär hodges, ferner Vertreter aus Belgien, Frankreich, Holland, Spanien und der Tschechoslowakei, hodges berichtet« über den befriedigenden Fortgang der Stützungsaktion in allen Ländern. Richardson teilt« mit, daß der Britische Bcrgarbeiterverband bisher aus allen Quellen insgesamt 1261000 Pfund erhalten habe, davon 4000 durch Vermittlung des Internationalen Bergarbeiterverbandes, ebensoviel durch Vermittlung der Amsterdamer Gewerkschafts-Jnternationale, dagegen weniger als 4000 Pfund von der Internationalen Roten Hilfe. Das sei freilich bei der schweren Lage der kämpfenden Berg- arbeiter nach 22 Wochen lang« nicht genug. Protestiert wurde gegen die lügenhaften Pressebericht« über die angebliche höhe der Unter- stützungsgelder der englischen Kameraden. In Wirklichkeit bezieht eine Familie durchschnittlich höchstens 13 Schilling in der Woche und größtenteils viel weniger. Eine lange Diskussion entspann sich über die Kohleneinfuhr nach England. Die Einfuhr nimmt zu, ist aber noch immer unbedeutend im Verhältnis zum englischen Bedarf. Größere Mengen Kohlen kommen nur aus Amerika, ferner aus Polen, während Deutschland wenig nach England einführt, wohl aber die englischen Absatzmärkte versorgt. Cook berichtete über die Streiklag« und die Verhandlungen mit den Unternehmern und der Regierung. Di« Wiederaufnahme der Arbeit beginne immerhin einigen Umfang anzunehmen, die von den Unternehmern und der Regierung angegebenen Zahlen seien allerdings stark übertrieben. Alles in allem arbeiten heut« noch nicht 10 Proz. der gesamten englischen Bergarbeiterschaft. Die Aussprach« wird heut« fortgesetzt. Internationaler Lanüarbeiter-Kongreß. Genf, 30. September. Am 28. und 23. September fand hier der 4. Kongreß der Internationalen Landarbeiter. Föderation statt. Vertreten waren die angeschlossenen Organisationen von Dänemark, Deutschland, Holland, Polen, Oesterreich, von der Schweiz, von Schottland und der Tschechoslowakei(deutscher Verband, Sitz Dux), mit 20 Delegierten. Die nicht angeschlossen« tschechische Organisation (Sitz Prag), ließ sich durch zwei Gostdelegierte vertreten. Als weitere Gäste konnten zwei Vertreter des Internationalen Arbeitsamtes be- grüßt werden. Begrüßungsschreiben lagen vor von dem spanischen und schweizerischen Gewerkschaftsbund. Der Kongreß wurde von dem Vorsitzenden D u n c a n- Schott- land mit einer Ansprache eröffnet. Der Redner wies auf das 23jährige Bestehen des Internationalen Gewerkschaftsbundes hin und betonte, daß sich die Internationale Landarbeiter-Föderation, als das jüngst« Kind der internationalen Gewerkschaftsbewegung verpflichtet fühlen müsse, den internationalen Gedanken mft noch viel stärkerer Energie zu propagieren, hieraus nahm Frau M a t h a e i als Vertreterin des Internationalen Arbeitsamtes das Wort. Das Amt fei über das bisherige Zusammenarbeiten mit der internationalen Landarbeiterbewegung sehr erfreut und habe den Wunsch, daß auch für die Zukunft eine gute Verbindung zum Nutzen der Landarbeiter bestehen möge. Der Vorsitzende des Deutschen Landarbeiterverbandes, Georg Schmidt, in seiner Eigenschaft als internationaler Sekretär der JLF., gab den Geschäftsbericht. Die letzte Tagung des Völker- bundes beweise, daß sich die völkerversöhnende Politik der Arbeiter- schast immer stärker durchsetz«. Es gelt« auch weiterhin, im Sinne der Völkerversöhnung unermüdlich zu wirken. Der Mitglieder- st a n d der JLF. hat sich leider verringert. Die Schwierigkeiten, die den Landarbeitern in vielen Ländern gemacht werden, sind nicht gering. Trotzdem könne gesagt werden, daß die Stimme der Land. arbeiter immer stärker durchdring« und viele Kreis« zwing«, mit ihrer Organisation zu rechnen. Auch in Spanien, Frankreich und Portugal bestehen Landarbeiterverbindungen, doch sei es bisher noch nicht gelungen mit ihnen in Fühlung zu kommen. Von der tschechischen Organisation in der Tschechoslowakei(Sitz Prag), sei zu hoffen, daß sie sich der International« alsbald anschließe. An dem kommunistischen Treiben dürfe man nicht ganz vorbeigehen. Im„Roten Gewerkschafts-Bulletin" wurde behauptet, der polnische Landarbeiterverband stehe in Gemeinschaft mit der holländischen Organisation zu dem Deutschen Landarbeiterverband wegen seiner„nationalistischen" Einstellung in der Frage der aus- ländischen Wanderarbeiter in Opposition. Der gegenwärtige Kongreß würde deshalb in Genf abgehalten, um die Vertreter der „revolutionären Landarbeiter" fernzuhalten. Schmidt erklärte, das seien dumme Redensarten, die gemacht werden um im Trüben zu fischen und die Einheit der Bewegung zu stören. Es besteh« weder ein« Differenz zwischen dem Deutschen Lanidarbeiterband und der polnischen Organisation, noch weniger aber Furcht vor den Kommu- nisten. Di« Tagung in Gens entspringe lediglich praktischen Erwägungen. Mit dem Internationalen Arbeitsamt seien wieder- holt Aussprachen und Erörterungen gepflogen worden. Besonders sei darauf geachtet worden, das Amt mit ausführlichem Material über die Lage der Landarbeiter zu versorgen. Wie das Amt die Land- arbeiter würdige, gehe am besten aus dem Bericht hervor, der für die 8. Internationale Arbeitskonferenz bestimmt ist. Wenn an Deutschland gedacht werde, müsse man sagen, daß sich bisher keine Regierung zu solchen Bemerkungen über die Koalitionsfreiheit auf- gerafft habe, wie sie hier vom Arbeitsamte gemacht werden. Die Einstellung des Arbeitsamtes zu den Landarbeiterfragen führe zu der Pflicht, die Landarbciterinternationale zu einem noch stärkeren und damit einflußreicheren Faktor zu machen. In der dem Referat folgenden Diskussion srug h i l g e n g a- Holland, weshalb der Allgemeine Schweizerbund mit dem Sitz in Leipzig noch nicht Mitglied der Internationale sei. Zu dem Tele- grammwechsel der englischen Landarbeiterorganisation mit dem russischen Landarbeiterverband müsse gesagt werden, daß er wenig taktvoll ist. Schmidt erwiderte, daß der erwähnte Telegrammwechsel das Exekutivkomitee der Föderation zu dem Beschluß geführt habe, alle angeschlossenen Organisationen zur Vorsicht in dem Verkehr m i t M o s k a u zu ermahnen. Nach allen Beobachtungen stehe fest. daß die Kommunisten versuchen, auch aus den harmlosesten Dingen Honig zu saungen. L ö h r k e- Deutschland schilderte das Verhältnis des Deutschen Landarbeiterverbandes zu dem Allgemeinen Schweizerbund in Leip- zig und betonte, daß der Deutsche Landarbeiterverband der Absicht des Schweizerbundes, Mitglied der Internationale zu werden, nicht widersprechen werde. Man müsse den Rahmen der Internationale mit aller Kraft erweitern. Ein Blick aus die derzeitige Lage der Landarbeiter genüge, um die Notwendigkeit dieses Schrittes zu er- kennen. Der Redner legte dem Kongreß folgende Resolution vor: „Die in Genf versammelten Delegierten zum 4. Internationalen Landarbeiterkongreß anerkennen erneut die unbedingte Notwendig- keit des Zusammenschlusses aller Arbeiter in Land-, Wald- und Gartenbau als Voraussetzung für den wirtschaftlichen Aufstieg dieser Arbeitergruppen. Der Kongreß richtet an alle Organisationen der Welt, die Land- arbeiter im sozialistischen Sinne gewerkschaftlich zusammenfassen, den dringenden Appell, ihre Organisationen der Internationalen Landarbeiter-Föderation anzuschließen." K w a p i n s k i- Polen erklärt die Behauptung der Komm»- nisten, es beständen schwerwiegende Differenzen zwischen der polnischen und der deutschen Landarbeiterorganisation, für Unsinn. Die Beziehungen seien im Gegenteil überaus herz- l i ch. auch soweit die Frage der ausländischen Wanderarbeiter in Frage komme. Adolf- Prag schildert die Organisationsverhältnisse in der Tschechoslowakei. Der Wunsch gehe dahin, aus dem nächsten internationalen Landarbeiterkongreß als Einheitsorganisation der tschechischen Landarbeiter in Erscheinung zu treten. Mit diesen Aeußerungen waren die Beratungen über den ersten Punkt der Tagesordnung beendet. Die vorgelegte Resolution der deutschen Delegierten wurde einstimmig angenommen. GMästliche Mitteilungen. 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