Nr. 46$ ♦ 43. Jafyg. Masgabe A Nr. 239 Bezugspreis. � Wöchentlich 70 Psennla. monatlich Z,— Reichsmark voraus»ahlbar. Unter Kremiband titr Deulichland, Dan»ia. Saar- und Wcmeiaebiet Oeslerreich. Litauen. Luremdur, 4,50 Reichsmark, tili das iibriae Ausland 5,50 Reichsmark vro Mono!. Der.Vorwärts' mit der illustrier. le» Eonnlagsbcilag«»Volk und Zeit' towie den Beilagen„Unterhaltung uno Wissen',„Aus der Filmwelt'. „Frauenstimme".„Der Kinder- treund".„Iugend-Vorwärls' und „Blick in die Bllcherwelt' erscheint wochentäglick, zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegromm-Adreffe: «Sozialdemokrat Berlin' Morgenausgabe (io ) Berliner Volkrsblskk Anzeigenpreise: l Di««insvaltig« Nonpareille. »eile 80 Vfennia, Reklamezeile 5,— Reichsmark,.»leine Anzeigen' da» icttgedruckte Wort 25 Mennig lzuläsiig zwei scttacdrucktc Wort»), jedes weitere Wort 12 Mennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch- stoben»Lhlen silr zwei Worte. Arbcitsmarkt Zeile 60 Pfennig. Familienanzcigcn fiir Abonnenten Zeile 40 Psennig. Anzeigen fllr die höchste Nummer müssen bis iWi Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, BcilinSW 08, Linden» strafte 8, abgegeben werden. Geöffnet von 8VH Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zcntralorgan der Sozialdernokratircben parte» Deutfchlands Neöaktion unö Verlag: Serlin SV). öS, Linöenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 5292—297. Dienstag, den 5. Oktober 1926 vorwärts-verlag G.m.b.H., Serlin SV). öS, Linüenftr.Z Postscheckkonto!«erlin Z7 5Z»—«ankkonto:«ank der Arbeiter, Angestellten und«eomten. Walstr. 05: Dlskonto-Sesellschast, Deposttenkaste Lindcnftr. 8. vor neuen Maßregelungen in Moskau. Nnklage gegen Sinowjew, Trotzki, Radek, Pjatakow, Smilga, Sapronow. Moskau. 4. Oktober.(Telegraphenagentur der Sowjetunion.) Die Oppositionsführer Sinowjew. Trotzki, Radek, Pjatakow. Smilga und Sapronow begaben sich trotz der Re- schlösse der kommunistischen Partei über die llnzulässigteil von Diskussionen über die Partei in die Moskauer Fabrik Avis pribor, um dort eine Diskussion einzuleiten. Die kommtlnislischen Arbeiter dieser Fabrik bezeichneten dies als eine fraktionelle Handlungsweise der Opposition und nahmen eine Enlschliehung an, die das Auftreten der Oppositionsführer verurteilte. Das Moskauer Komitee forderte das Zentralkomitee aus, gegen die Mitglieder des Zentralkomitees, die die Parteibeschlüsse verletzt haben. Matznahmen zu tressen. Geheime Seschlüsse ües Aentralkomitees. Moskau, 4. Oktober.(Ost-Expreß.) Dis'zuerst am IS. Oktober einberufene und dann auf den 25. Oktober verlegte Konferenz der Kommunistischen Partei wirft ihre Schatten voraus. Der Kampf zwischen der Opposition und der Parteileitung, von dem im Früh- herbst wenig zu hören war, ist wieder aufgelebt und dürfte in nächster Zeit noch mehr von sich reden machen. Das Zentral- k o m i t e e der Partei hat eine Sondersitzung abgehalten, deren Beschlüsse unbekannt sind, sich aber jedenfalls auf die erhöhte Aktivität der Opposition beziehen, die schon vor einigen Wochen in der Moskauer Parteigruppe von dem Vorsitzenden Ugla- now mit Besorgnis festgestellt und besprochen wurde. ch- Die lakonische Meldung der Mostauer Telegraphen- agentur ist die Ankündigung eines neuen Parteiprozesses gegen die namhaftesten Führer der Opposition in der russischen kommunistischen Partei. Er wird sich diesmal nicht gegen den Kreis um Sinowjew richten, sondern gegen die Führung der gesamten Opposition einschlietzlich Trotzki. Diese Opposition ist so uneinheitlich, daß man sich schwer vorstellen kann, daß sie zusammenhalten könnte, wenn sie an die Macht gelangen wütde. Trotzki und Sinowjew als Führer einer Opposition— dabei handelt es sich nicht um gemeinsames positives Wollen, sondern um gemeinsame Gegnerschaft gegen die innerpolitische Diktatur Stalins. Jede führende Personengruppe, die heute in der KPR., und damit im russischen Staate an die Macht gelangt, kann von den wesentlichsten Zügen der gegenwärtigen ökonomischen Sowjetpylitik nicht abweichen, ohne Rußland in neue revo- lutionäre oder gegenrevolutionäre Erschütterungen zu stürzen, die alle Ansätze des wirtschaftlichen Wiederaufbaues zerschlagen würden. Es liegt eine gewisse Tragik darin, daß die gegen- wärtigen Machthaber durch die Anwendung diktatorischer Methoden, die die Opposition zur Konspiration treiben, die Gefahr von Erschütterungen heraufbeschwören, die ihrem Lande und seiner Entwicklung zum Aufstieg in der Demo- kratie gefährlich werden können. Sunüesausschuß öes /ldGS. Englischer Bergarbeiterstrcik.— Arbeitslosigkeit. Ucberstundenproblcnt. Der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund schreibt un«: Der Bundesausschutz des Allgemeinen Deutschen Gcwerk- schaftsbundes versammelte sich am Montag im Sitzungssaale des Vorläufigen Reichswirtschastsrates zu seiner fünften Sitzung. Er nahm zunächst den Bericht des Genossen L e i pa r t über die Tätig- keit des Bundesvorstandes entgegen. In der Debatte brachten alle Redner zum Ausdruck, daß die Sammlungen für die streikenden englischen Bergarbeiter, an die Leipart bereits in seinem Bericht erinnert hatte, mit Nachdruck sortgesetzt werden müssen. Diese Mahnung fand allge- meine Zustimmung. Am Schluß der Debatte stellte Genosse Leipart daher fest, daß sich der gesamte Bundesausschuh in der Erkenntnis der großen Bc- deutung des Streiks in England der in der Diskussion zum Aus- druck gekommenen Aufforderung, die Sammlungen mit verdoppeltem Eifer fortzusetzen, anschließt. Ferner beschäftigte sich der Bundesausschuh mit Matznahmen zur Linderung der Arbeitslosigkeit, darunter zunächst mit dem Schutze der älteren Arbeiter. Hierzu hatte der Bundesvorstand eine Reihe von Vorschlägen unterbreitet, die beraten und den zentralen Vorständen zur Prüfung überwiesen wurden. Sodann beriet der Bundesausschuß die Frage der gesetzlichen Bekämpfung der llcberslunden. Die Beratungen darüber werden am Dienstag fortgesetzt. ßemeausschuß in München. Neue Hetze des bayerischen Hugenberg-Blattes. München. 4. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Mit der Ueber- siedlung des Femeausschusses des Reichstags nach München, der seine Sitzungen am Dienstag nachmittag hier auf- nimmt, hat sich auch der b a y e r i s ch e M i n i st e r r a t besaßt. Die Regierung stellte sich auf den Standpunkt, den anitlichen Verkehr mit dem Ausschuß aus das Mindestmaß zu beschränken, das durch die Abnticklung der technischen Geschäfte(Verfügung- stellung des Sitzungssaales, Polizeischutz usw.) unbedingt geboten ist. Zur Teilnahme an den Verhandlungen des Ausschusses sind für die Presse 36 Plätze reserviert. Die sogenanntevaterländischePresse Münchens, die seinerzeit aiff Geheiß des bayerischen Ministerpräsidenten gegen die Uebersiedlung des Ausschusses nach München in leidenschaftlichen Protestartikeln Stellung genommen hatte, schweigt sich jetzt aus. Lediglich der„Völkische Beobachter" hetzt mit den bekannten Beschuldigungen gegen den Genossen Dr. Leoi, den Berichterstatter des Ausschusses. Außerdem läßt auch das bayerische Hugenbcrg- Blatt, die„M ü n ch cn> A u g s b u r g e r A b e n d z e i t u n g", es sich nicht nehmen, die Oeffentlichkeit gegen Dr. Leoi scharfzumachen. Der„Mentor" des Blattes, der Hohenzollernpfarrer Traub, schreibt in der Dienstagnummcr einen eigenen Artikel, der den be- zeichnenden Satz enthält:„Wir hoffen, daß diesem Dr. Levi hier, wie man auf gut deutsch sagt, das Maul gestopft wird." Da- mit macht sich Dr. Traub zweifelsohne der Aufforde rung zu Tätlichkeiten, wenn nicht gar zu Mord, schuldig! denn die vaterländischen Jünglinge und Hakcnkreuzritter, an die dieser Satz gerichtet wird, wissen schon, wie er gedacht ist. Was gedenkt die Staatsanwaltschaft gegen diesen Verstoß gegen die Gesetze zu unternehmen? die Revision üer Hamburger öombenwerfer Vom Reichsgericht verworfen. Leipzig, 4. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Am Montag be- schäftigte sich der 2. Strafsenat des Reichsgerichts nochmals mit den beiden rechtsradikalen Bombenattentätern Both- mann und R ie d r i ch, die vom Schwurgericht in Hamburg am 12. Juni 1926 wegen Sprengstoffattentats verurteilt worden waren. Die beiden Angeklagten, die der Formation„Kopp e" und „K i l l i n g e r" angehörten, hatten im Juni 1922 versucht, auf dem Friedhof Hamburg-Ohlsdorf das Revolutionsdenkmal in die Luft zu sprengen. Außerdem hatten beide ein Attentat auf die Hamburger „Voltszeitung" verübt und einen weiteren Handgranatenanschlag auf die Wohnung des Reichstagsabgeordneten Thälmann in Ham- bürg gemacht. Frau Thälmann hatte dabei einen Nervenschock er- litteii. Das Schwurgericht in Hamburg hatte Bothmann zu fünf Iahren Zuchthaus und Niedrich zu fünf Iahren drei Monaten Zuchthaus verurteilt. Die gegen das Urteil ein- gelegte Revision wurde am Montag vom 2. Strafsenat des Reichs- gerichts verworfen. Enttäuschung über Curtius in Paris. Im Gegensatz zur Aufnahme der Stresemann-Rcde. Paris, 4. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Im Gegensatz zu der Kölner Rede S t r e s e m a n n s, die in Frankreich einen un- gewöhnlich freundlichen Widerhall gefunden hat und deren von aufrichtiger Verständigungsbereitschaft getragenen Tendenz selbst von einem großen Teil der Rechtspresse unumwunden anerkannt wird, haben die Ausführungen des Reichswirtschaftsministers C u r t i u s hier sehr stark enttäuscht. Die von ihm der Politik von Thoiry gegenüber an den Tag gelegte Reserve und seine gegen eine Verquick ung der Reparationen mit den inter- alliierten Schuldenfragen gerichteten Erklärungen haben hier um so unangenehmer berührt, als man gerade in dem Reichs- wirtschaftsminister diejenige politische Persönlichkeit sieht, die den Frankreichs Interessen berührenden Teil eines eventuellen A b- kommens zwischen den beiden Ländern durchzuführen bestimmt wäre. In den Kommentaren der Blätter wird die Rede Curtius' als wenig ermutigend bezeichnet und man gibt dem Erstaunen darüber Ausdruck, daß Strescmann sich in dieser Weise die von ihm angebahnte Verständigungspolitik von einem Mitglied seines Kabinetts durchkreuzen lasse. hei lewet noch! i Die Wicderavfcrstchung des Rationallibcralismus. Die Zeit, in de� höchste Herrschaften inkognito reisten, ist' längst vorbei. Lindström hat längst die blaue Brille abgelegt und heißt wieder Ludendorff. Der konservative Partei- führer Graf Westarp ist Diktator der deutschnationalen � Partei, die sich somit als Nachkriegsgeburt der alten konser-! vativen Partei zu erkennen gegeben hat. Kein Wunder, daß auch Herr Stresemann in Köln das Inkognito lüftete und schlankweg erklärte, die neue„Deutsche Volks- Partei" sei doch eigentlich nichts anderes als die gute alte Nationalliberale Partei. Trifft diese Feststellung zu, was keineswegs bestritten' werden soll, dann erhebt sich die Frage, warum die National- liberale Partei einige Jahre lang ihren eigentlichen Namen: verbergen mußte. Die Antwort lautet: Sie mußte es des-1 halb tun, weil sie während des Krieges zu wenig, liberal gewesen war. Es war ihr nicht gegeben, die Zeichen der Zeit zu erkennen. Sie unterstellte sich, auch politisch, der militärischen Leitung und wirkte mit den Konservativen zusammen für einen annexionistischen Siegsrieden. Den Notwendigkeiten der Demokratie wider-� setzte sie sich: ein preußisches Pluralwahlrecht mit Privilegie- rung von„Bildung und Besitz"— manche sagten auch: „Besitz und Bildung"— war für sie das höchste der Gefühle..' So konnte es nicht ausbleiben, daß die Sturmflut des Herbstes 1918 über ihrem Haupte zusammenschlug. Als sie wieder Land gewann, war sie nicht mehr die Nationalliberale Partei, sondern die Deuffche Volkspartei. Daß sie sich jetzt wieder ihres Libemlismus mehr er-� innern will, ist erfreulich, und wir sind gern bereit, auch nach' dieser Richtung ihr Gedächtnis zu stärken. Die National- � liberale Partei ist jetzt genau sechzig Jahre ast, denn es war im Oktober 1866, als sich der rechte Flügel der Fort-- schrittspart ei unter der Führung v. U n r u h s, v. Forckenbecks, Hammachers, Laskers u. a. von der Mutterpartei absplitterte und die Nationalliberale Partei begründete. Die Traditionen der Fortschrittspartei reichen' aber bis auf das Jahr 1848 zurück. Kein Wunder also; daß Herr Stresemann in Köln das Lyb des Revolutions- r e i ch« t a g s sang, der 1848 in der Frankfurter Paulskirche unter schwarzrotgoldenem Banner tagte. � Die liberale Partei in ihren verschiedenen Formen war. von Hause aus eine richtige Klassenkampfpartei. Sie führte den K l a s s e n k a m p f des Bürgertums gegen die herrschende adlige Großgrundbesitzerklasse. Man stelle sich vor— obwohl es sich vorzustellen nicht leicht ist—, daß in dem Jahr, in dem der gegenwärtige Präsident der Deutschen, Republik geboren wurde, ein Deutsches Reich noch nicht' existierte, PreußeYi aber eine absolute Monarchie war. Es gab kein Parlament und keine Preßfreiheit, ynd jede politische Parteibildung war gegen schwere Freiheitsstrafe verboten. Verständnislos stand das Junkertum und die ihm versippte Bureaukratie den wirtschaftlichen Notwendigkeiten des sich mächtig entwickelnden Kapitalismus gegenüber, und noch kurz vor der Revolution konnte es passieren, daß Elberfelder Fa- brikanten, die in irgendeiner Zollangelegenheit vorstellig zu werden wagten, aus Berlin die hochnäsige Antwort erhielten, sie sollten sich um ihr Geschäft kümmern, nicht aber um staat- liehe Angelegenherten. Allerdings hat das deutsche Bürgertum seinen Klassen- kämpf mehr um materielle als um ideale Dinge geführt.-Es genügte ihm in der Hauptsache, wenn den Notwendigkeiten der kapitalistischen Entwicklung Rechnung getragen wurde, was ja auch bald in ausreichendem Maße geschah. Und in demselben Maße, in dem die wirtschaftliche Saturierung er- folgte, wurde das Mäntelchen der liberalen Ideologie blasser und blasser. Dem preußischen Junkertum freilich, da-s gewohnt war, aufs Ganze zu gehen, blieb immer noch alles verdächtig, was auch nur entfernt nach Liberalismus roch. So erklärt sich das Bekenntnis Stresemanns, er wünsche nicht die Zeit zurück, in der die Ernennung eines nationalliberalcn Land- rats schon als eine„Konzession an das Bürgertum" erschien. Das System des preußischen Obrigkeitsstaates ist damit als eine Klassenherrschaft schlimm st er Art hin- reichend charaterisiert. Und dieses System konnte bestehen lange noch nach 1848. Ist die Nationalliberale Partei frei von Schuld daran, daß dem so sein tonnte? Und war sie es, die mit diesen Zu- ständen aufgeräumt hat? Sie, die noch heute— als„Deutsche Volkspartei"— unter schwarzweißroten Fahnen tagt, und die 1866 vor Bismarck ihren Fußfall getan hat?' Herr Strefaprnt sagt, die Nationalliberalen seien zwar Monarchisten gewesen, aber keine Byzantiner. Dieser Behauptung muß man leider aus Gründen der geschichtlichen Wahrheit widersprechen. Eher noch konnten die Junker das von sich behaupten: deqn sie, die schon vor den Hohen� zollern ins Land gekommn waren, wußten zwar den Mon- archen zu Zwecken ihrer Klasfenherschaft zu benutzen, ober sie fühlten sich ihrem König einigermaßen gleichwertig. Nicht so das emporgekommene Bürgertum, das dauernd gegenüber allem, was gekrönt und adelig war, an Minderwertigkeits- komplexen litt. Eine Gestalt, wie die des„Untertan" in Heinrich Manns vielgelesenem Roman ist erst in der bürgerlichen Aera möglich geworden. So erklärt es sich auch, daß die Nationalliberale Partei während der dreißigjährigen Wahnsinnsherrschaft Wil- Helms II. vollkommen versagte. Wohl konnte B a s s e r- mann gelegentlich Bebel sagen, der oben sei wieder ein- mal ganz verrückt, oder konnte Witting sich zu Frank äußern, die Sozialdemokraten müßten„gegen diesen Narren" noch ganz anders vorgehen wenn es zum Klappen kam, versagte der nationalliberale Mannesmut vollständig. Man überschlug sich in Kundgebungen der Ergebenheit vor dem Allerhöchsten Herrn—, damit nicht etwa die K o n s e r- v a t i v e n zuvorkommen könnten! Auch dieses Wettkriechen vor dem Thron war also so- zusagen ein Stück„Klassenkampf" zwischen Bürgertum und Junkertum, wenn auch ein Stück recht absonderlicher Art! Ueber alledem aber lag die Angst vor der Sozial- d� m o k r a t i e, die Angst vor der aufsteigenden Arbeiter- klaffe. Der Zentralverband der Industriellen finanzierte die Partei und auf einer seiner Tagungen konnte der Syn- dikus Rocke- Hannover den zynischen Ausspruch wagen, die Nationalliberalen müßten nach der Pfeife des Zentralver- bandes tanzen, denn sie seien ja von ihm bezahlt. Damals wollte der Zentralverband die Sozialdemokratie und die Ge- werkschaften zerschmettern und vernichten. Heute, zum„Reichs- verband" umgewandelt, ist er in der Lage, die organisierte Macht der Arbeiterklasse als einen mitentscheidenden Faktor der Politik anerkennen zu müssen. Auch das erklärt manches. Wenn sich jetzt die Deutsche Volkspartei zum Namen und zur Geschichte der Nationalliberalen Partei bekennt, so kann sie aus dieser Geschichte so manches lernem Auch Herr Strese- mann hat ja schon manches gelernt, leider nicht genug. Sonst hätte er das Gerede über die Klassenkampfpolitik der Sozialdemokratie sein lassen. Die marxistische Erkenntnis, daß die Geschichte eine Geschichte von Klassen- kämpfen ist, wird von der Geschichte der Nationalliberalen Partei selbst bestätigt. Und wenn heute Klassenunterschiede keine Unterschiede des Staatsbürgerrechts mehr in sich schließen, so ist das ein Erfolg, der nicht von der National- liberalen Partei, sondern g e g e n sie erkämpft worden ist. Die alte Nationalliberale Partei pendelte stets zwischen rechts und links, das heißt immer mehr nach rechts als nach links. Großblock in Baden und Sammelpolitik in Sachsen und anderwärts kennzeichneten damals die äußersten Schwin- gungsgrenzen. Die wieder auferstandene Nationalliberale Partei wird weiterpendeln. Sie bleibt in einer schwierigen Situation, über die persönliche Führertriumphe des Augen- blicks auf die Dauer nicht hinwegtäuschen können. Stahlhelm gegen Steefemann. Das Ende einer Freundschaft. Zu wiederholten Malen hat der Reichsaußenminister Dr. Strese- mann Veranlassung genommen, sich verteidigend vor den„Stahl- Helm" zu stellen, und er hat erklärt, man täte diesen Leuten bitter unrecht, wenn man sie für wilde rechtsradikale Putschisten und nicht für verantwortungsbewußte deutsche Männer hielte. Glaubte sich Herr Stresemann hierzu doch um so mehr berechtigt, als fein Freund und Fraktionskollege, der Magdeburger Reichstagsabgeordnete Dr. K u l e n k a m p f f, der selber dem„Stahlhelm" angehört, ihn in seiner guten Meinung eifrig bestärkte. Der„Stahlhelm"— dies Kind, kein Engel ist so rein!— scheint freilich Herrn Stresemann nur äußerst wenig Gegenliebe zu bezeigen: Ausgerechnet in Magde- bürg hat eine Versammlung der Landesverbands- und Gauführer eine Entschließung angenommen, die aufs schärfste gegen Strese- manns Ausführungen auf dem Kölner Parteitag der DVP. Stellung nimmt.„Der Minister Stresemann", so heißt es bombastisch,„hat öach-Zest. Prinzipielle Betrachtung von Dr. Kurl Singer. Es dürste keine Stadt in der Welt geben/ die ungeeigneter wäre für ein Bach-Fest, als Berlin. Mitten in eine aus Notwendigkeiten, überflüssigen, geschäftlichen und künstlerischen Imponderabilien zu- sannnengewürfelte Musitsaison kann eine Kombination mehrerer Bach-Abende auch nur den Wert von besonders gut studierten Auf- führungen in sich tragen. Damit ist uns aber nicht gedient. Bach-Kult will Weihe haben, will als Voraussetzung schon hochgestimmte, aus- geruhte Menschen, will das Außergewöhnliche in außergewöhnlicher Form betont sehen. Bach-Kult will wachsen und nicht äußerlich er- rungen sein, in seiner Kunst drängt alles fort vom Virtuosenhasten zur Verinnerlichung, vom Klangepränge zur Idee, vom Gefälligen zum Starken. Wirkende und Hörende müssen in der Religion Bachs groß geworden sein, ehe sie festlich in einer Bach-Feier eins werden können. Der Krieg hat gerade die ersten festen Spuren, die sich unserem künstlerischen Gewissen wieder einprägen wollten, verwischt. Das Pultprimadonnentum überwuchert die Sachlichkeit und nirgends muh diese Eitelkeitskomponente, die manches im Musikleben einer Großstadt reizvoll gestaltet, zu solcher Vernichtung des Künstlerlebens führen, wie bei der Aufführung Bachscher Werke. Die Quantität macht es nicht, sondern die Beseelung. In mancher Dorfkirche dürfte eine Kantate schöner, religiöser, menschlicher und stärker wirken, als in dem rasenden Tempo berlinischer pompöser Knnstabfertigung. Allerdings sind hier Vorbedingungen technischer Art gegeben, wie vielleicht nur in wenigen anderen Städten Deutschlands," Oesterreichs, Hollands. Technik und Ausdruck haben sich in großen Chorgemein- schaften zu feinster Harmonie verbunden und Dirigenten von ver- schiedenster Ausprägung des Temperaments, der Lebensart, des Schwungs zeigen beispielhaft, wie universell das Werk Bachs ist, wie universell es wirken kann. Auslegungsfragen verstummen allmählich, wo sich die reife Ruhe einer Darstellung gegen die Leidenschaft des Darstellers durchsetzt, wo die moderne Lust an dramatischen Effekten nivelliert wird durch die Versenkung in das Edle, Klare, Festgefügte polyphoner Massenwirkung. Deutsche Sitte, deutsche Unsitte, solchen Festen immer noch und immer wieder ein philologisch bildendes Mäntelchen umzuhängen: gefährlicher die Manier, im allzuvielen auch ein Gleichmaß, ein Ermüdendes Bachscher Kunst auszudeuten. Kammermusik, Orgel, Kantaten, Passionen, Konzerte, Suiten, Solo- gesänge Bachs, dazu die Vorläufer Tunder, Buxtehude, die Söhne Bachs, und Schützens Wunderwelt all das in drei Tagen. Die Arbeit siegt über die Erbauung, das Metier will sich bewahren und bewährt sich in einer Reihe großartiger Konzertabende. Wurde es ein Bach-Fest, eine Bach-Feier? Je weiter wir uns zeitlich von Schütz und Bmh entfernen, desto stärker wirkt ihr Wort und ihre Musik auf uns. Je mehr uns Klassik und Romantik als bewußter Besitz in die Herzen eingegangen ist, um so erhabener entfaltet sich die kristallklare Gefühlswelt Bachs. Musik will hier nichts anderes mehr sein, nichts anderes mehr wirken, als musikalische Empfindung, Musik übermitteln. Zwischen Werk und Hörer ist der Raum ausgefüllt nur durch das hundertfältig gestufte Erlebnis reinen Satzes, Leben gewordener Stimmführung, frei und hochgsfügten Bauwerks. Ohne äußeren Schmuck steigeworden niemals während des vierjährigen Krieges an der Front ge- st a n d e n, und nur so ist es begreiflich, daß er die Ungeheuerlichkeit behaupten konnte, daß Antimarxismus und Marxismus im Schützen- graben gemeinsam das Vaterland geschützt hätten." Diese Ausfllh- rungen„zeugen von Unkenntnis", denn im Graben waren bekanntlich nur die Antimarxisten, während die Marxisten sich der- weilen mit dem Dolchstoß beschäftigten. Und zum Schluß heißt es: „Wir nehmen als Bund der alten Frontsoldaten das Recht für uns in Anspruch, uns nur für diejenigen Parteien einzusetzen, die sich nach unserer verantwortlichen(!) Prüfung für die Freiheit des deutschen Volkes im Sinne der Frontkämpfer betätigen", — nicht also demnach für die Deutsche V o l k s p a r t e i, die sich klar und unzweideutig zu einer Politik internationaler Verständigung bekannt hat.„Belehrung von Nichtsoldaten", so wendet man sich noch einmal recht patzig an Stresemanns persönliche Adresse, „über die Pflichten des alten Frontsoldaten lehnen wir mit aller Entschiedenheit ab." Da hat er es nun, der Herr Stresemann! Ein starker Tobak in der Tat! Echter Feldtobak, Marke 1918! Beabsichtigt er, sich auch noch weiterhin zu diesen wackeren deutschen Männern zu bekennen? Eisenpatt unö Verständigungspolitik. Vögler über den Gisenpakt. Auf der Tagung des Industrie- und Handelsausschusfcs der Deutschen Nolkspartei, die im Anschluß an den Parteitag in Düffel- dorf stattfand, sprach der Generaldirektor der Vereinigten Stahlwerke Dr. Vögler über die internationale Wirtschaftsverständigung. Zu- nächst über die Möglichkeit internationaler Verein- barungen in der Kohlenwirtschaft: „Wir haben diese Verständigung nicht heute, sondern schon vor Jahren gewünscht. Wir glaubten auch, einen Weg gefunden zu haben. Aber die Engländer lehnten die Verständigung ab, indem sie die. Verhandlungen immer weiter auf die lange Bank schoben. Jetzt müssen wir abwarten, wie sich drüben die Verhältnisse entwickeln." Ueber den internationalen Eisenpakt äußerte Vögler:„Die Quote, die wir bekommen haben, ist nicht gut. Wir haben aber trotzdem geglaubt, dieses Abkommen schließen zu können, weil wir o p t i m i st i s ch sehen bezüglich der Weiterentwick- lung. Aus dieser Verständigung wird ein starker Wirtschaft- licher Impuls entstehen. Die Bedeutung des Abkommens liegt, von der wirtz'chaftlichen abgesehen, darin, daß diese wirlschastliche Verständigung nur einen dauernden Bestand haben kann, wenn auf sie die politische Verständigung folgt. Das eine ist nicht ohne das andere möglich. Der Eisenpakt kann nicht bestehen bleiben, wenn Stresemann seinen politischen Pakt nicht zustande bringt. Wir haben den Optimismus, daß wir einer gesunden Zeit entgegengehen. Mit diesem Wirtschaftspakt wird auch der Gang der Stabilisierung im W e st e n gefördert." Sreöts Anklage gegen Michaelis. Dr. Philipp in Bedrängnis. Vor ein paar Monaten wurde das Gutachten des Führers der Wirtschaftspartei, Prof. Dr. B r e d t, über den Reichstag im Kriege veröffentlicht. Bredt hat darin den dokumentarischen Nachweis er- bracht, daß der kaiserliche Reichskanzler Michaelis den Reichs- tag in der Angelegenheit der Friedcnsintervsntion des Papstes und der Freigabe Belgiens gröblich hinters Licht geführt hatte. Jetzt erscheint, wie ein Ton aus Münchhausens Posthorn, eine anonyme, aber offenbar aus den Vorsitzenden des Untersuchungs- ausschusses, den Abg. Dr. Philipp zurückzuführende Erklärung, in der alles mögliche„widerlegt wird", was nicht behauptet wurde. So, daß das Gutachten Bredts nicht ein Gutachten des Ausschusses sei, sondern ein Gutachten Bredts. Ob Bredt recht habe, müsse der Ausschuß noch untersuchen, wozu die Vernehmung von Michaelis und K ü h l m a n n notwendig sei. Die Deutschnationalen waren schon immer mit Dr. Philipp un- zufrieden, weil er ihnen unbequeme Feststellungen zuließ. Wozu, denken sie, ist er denn Vorsitzender? Die Erklärung, die jetzt in die Welt gesetzt wird, ist offenbar das Ergebnis von Verhandlungen, die seit Monaten geführt wurden. vom Handwerklichen, abseits aller Bedenklichkeit und Berechnung weist sich Bachsche und Schützschc Musik aus als höchstes Wunder von Logik und Lebensechtheit, Reichtum und Bescheidung, Prunk und Demut. Deutungslos klingt Musik und umsängt uns, die wir eben noch nervös und modern, gehetzt und erregt waren. Ruhe und Halt im Wogen der Zeitenstile, Menschheitsreligion, Reinheit, Sachlichkeit, die geladen ist mit natürlicher Sinnenlust, Jubel und Zerknirschung, letzte Fornischönheit, Harmonie zwischen Ruhe und Bewegung, Besinnung auf Endgültiges und Ewiges— das ist Bach. So wirkt er, wenn die Seele, die jeder seiner Noten einen Hauch verleiht, gegen eine akademische Steifigkeit durchdringt, wenn die Tradition des Gelehrten, Papierhaften dahinschmilzt vor der Wahr- heit seiner üppigen Melodie, seiner in der Darstellung noch so selten erlösten und sreigewordenen Erotik, seiner blühenden Koloristik, wenn das objektiv Starre, Metronomisierte endlich ganz der subjek- tiven Erkenntnis seiner Gefühlswelt weicht. Denn auch das gehört zum Stile Bachscher Kunst, daß, wenn auch ohne Willkür und ohne persönliche Gefälligkeit oder Laune, der Dämon glühend unser Inneres packt. Wird erst die Leidenschaft Bachs offenbar im Werk, so sind wir auch leidenschaftlich im Bekenntnis zu ihm. Dazu kann ein Bach-Fest dienen. Leistete unser Berliner Fest etwas für die musikalische Kultur? Lebt er und sein geniales Wert in uns? Das ist die Frage, die wir zu stellen haben, nicht aber, ob die Auf- führungen gut waren. Wir wollen sehen!_ Ein„Milchberg". Die zahlreichen Bäche und Quellen, die die Nordwestseite des über 2909 Meter hohen Sparfeldgebirgsstockes bei Admont in Steiermark herabrieseln, führen jetzt nicht mehr klares Wasser, wie seit Menschengedenken, sondern miichig gefärbtes. Ueberall scheint es, als ob nur Milch herunterfließe, und vergeblich sucht der Tourist in dem stundenweiten, von breiten Gräben und Wasserrinnsalen durchzogenen Gelände nach gutem Trinkwasser. Das Geheimnis dieses„Milchberges" enthüllt Dr. Josef Draxler in der Leipziger„Illustrierten Zeitung". Die Gewässer führen alle Kalk- milch aus dem Innern dieses Berges. Der regenreiche Sommer hat mächtige, mit breiigen Kalkmassen gefüllte Höhlen, die sich in dem stark zerfressenen Berge befinden, zum Ueberqucllen gebracht, so daß der gelöste Kalk alles Wasser trübt. Werte Formationen des Berges sind erweicht: ein gegen diese Kalkwände geworfener Bergstock bleibt stecken wie ein Wurfspieß im Fleisch des Jagdtieres. Das steile Ge- lände ist zum großen Teil mit Hechwald bedeckt. An den Stellen, wo der Waldboden an die noch feststehenden Felsmaueru stößt, be- merkt man ringsum am Fuße der Mauern einen frisch blohgelegten weißen Streifen, der am Felsen genau die frühere Höhe des seit dem Frühjahr gesenkten Bodens anzeigt. Beim Durchklettern der steil- sten Teile des Waldes zeigen sich tiefe Spalten, die weit ins Inner« des Berges reichen und unheimlich aufgähnen. Am Fuße oer mitten im-Wald aufragenden, 199 Meter hohen, überhängenden Wand des sogenannten„Dreieckfelsens" liegen 6 Meter hohe, herab- gestürzte Felstrllmmer. Das unerforschte Kanada. Vor kurzem wurde gemeldet, daß in Britisch-Nordamerika, in der Provinz Ontario, ein See von 459 Kilo- meter Länge entdeckt worden sei. Auf den ersten Blick erscheint diese Meldung ziemlich phantastisch, nicht nur unter Berücksichtigung der Monarchisten stnü schlechte Menschen. Die schlimmsten Bedrücker... Bemerkenswerte Einzelheiten berichtet eine Berliner Zeitung über die Zusammensetzung des neuen polnischen Kabinetts. Da lesen wir, daß Landwirtschaftsminister„ein Monarch! st aus W i l n a wurde, der sich in den letzten Jahren auf dem den Deutschen in Posen geraubten Grundbesitz angesiedelt hat und zu den größten Deutschenbedrückern gehört". Und Justizminister wurde „ein anderer M o n a r ch i st", der„sich als Bedrücker der litauischen Bevölkerung heroorgetan hat". Nun, worum wird es sich da han- dein? Sicherlich hat irgendein Blatt der bösen Linkspresse die Ge- legcnheit benutzt, um zu„Hetzen" und monarchistische Gesinnung in der Welt in Mißkredit zu bringen. Aber mit Erstaunen stellen wir fest, daß ausgerechnet der—„Berliner Lokal-Anzeiger" so unerfreuliche Dinge aus monarchistischen Kreisen auszuplaudern hat. Nun wissen wir es also aus der berufenen Feder eines leib- haftigen Hugenbergjüngers: Monarchisten sind schlechte Menschen, wenigstens, soweit es sich nicht um deutsche Monarchisten dreht. Unsere deutschen Monarchisten sind natürlich nach wie vor die bc- rufenen Retter des Vaterlandes, die einzig wahren Hüter öffentlicher Moral und persönlicher Sauberkeit! Der Schutz öer älteren Angestellten. Besprechung im Rcichsarbeitsministcrium. Am Dienstag findet im Rcichsarbcitsministerium eine Au?» spräche über den Schutz für ältere Angestellte statt. Das Ministerium hat für die Aussprache eine ganze Reihe von Organisationen aus dem Arbeitnehmer- und Arbcitgeberlager eingeladen. Das Problem des Schutzes für die älteren Angestellten ist bis jetzt nur in einer Teilfrage zu lösen versucht worden. Man hat einen Künd-gpngsschutz geschaffen. Es bleiben aber noch eine ganze Reihe von wichtigen. Fragen zur Klärung übrig, so die Frage der Ein- stellungspslicht, die des Abkehrgeldes, die Frage der Festsetzung einer Höchstzahl vo» Lehrlingen und dergleichen mehr. Neben dem Schutz für die älteren Angestellten müisen auch Schutzbestimmungen für die älteren Arbeiter geschaffen werden. Auch' der ältere Arbeiter läuft heute infolge der Umstellung der Industrie von Tag zu Tag mehr Gefahr, vom Arbeitsmarkt verdrängt zu werden. Dem älteren Arbeiter geht es jetzt in Dsuischland ähnlich, wie es dem älteren amerikanischen Arbeiter in der Vorkriegs- zeit bereits gegangen ist. Sind einmal die 49 überschritten, dann hält es schwer, wieder eine dauernde Beschäftigung zu erhalten. Auch zur Sicherung der Beschäftigung der älteren Arbeiter ist es daher notwendig, einen Meldezwang und einen begrenzten Ein- stellungszwang zu schaffen. Ebenso muh erwogen werden, ob nicht die Betriebe veranlaßt werden müssen, die Einstellungen so vor- zunehmen, daß auf eine bestimmte Zahl der Belegschaft jeweils ein älterer Arbeiter komint. Der Schutz für den älteren Angestellten und Arbeiter ist eine überaus ernste soziale Angelegenheit. Wer den älteren Arbeiter und Angestellten nicht schützt, zerbricht und ruiniert Taufende von Familien. Harmat-Prozeß Anfang 1�27. 64 Bände Akten. Im Zusammenhang mit dem nunmehr in zweiter Instanz durch- geführten Kußmann-Knoll-Prozeß ist von verschiedenen Seiten erneut die Frage aufgeworfen worden, wann die Verhandlung gegen die Gebrüder Barmat und die übrigen in dieser Affäre verwickelten Per- sonen zu erwarten ist. Wie die BS.-Korrespondenz hierzu von unter- richteter Seit« erfährt, kann mit der Anberaumung des Hauptoer- Handlungstermins gegen Barmat und Genossen mit ziemlicher Sicher- heit mit Anfang des kommenden Jahres gerechnet werden. Bis dahin dürfte das Schöffengericht Berlin-Mitte unter Vorsitz von LandgerichtKdirektor Neumann das Studium der bisherigen 64 Bände Akten beendet haben. Gröbenverhältnisse an sich, sondern auch deshalb, weil es schwer fällt, sich vorzustellen, in Britisch-Nordamerika könnten jetzt noch Entdeckungen von solchen Ausmaßen überhaupt gemacht werden. Wenn man jedoch die Auskunft liest, die ein Vertreter des kana- dischen Generalkommissariats in Paris, Oberst Herkules Barry, einem Zeitungsberichterstatter gegeben hat, wird diese Nachricht ver- ständlicher.„Die Entdeckung eines Sees von solcher Größe bedeutet keineswegs eine Ueberrafchung," sagte der Oberst.„Sie müssen wissen, daß noch heute drei Fünftel des ganzen kanadischen Gebietes unerforscht sind. Das dürfte angesichts der gewaltigen räumlichen Ausdehnung des Dominion verständlich erscheinen. Wenn Sie sich einen richtigen Begriff von den Größenverhältnissen machen wollen, brauchen Sie nur"daran zu denken, daß die Provinz Quebec allein eine Ausdehnung von 1 839 699 Quadratkilometer hat. Die Trapper und Pelzjäger machen häusig auf ihren Streifzügen die merk- würdigsten Entdeckungen. Bald stoßen sie auf einen See, bald auf einen Fluß, und wenn sie zurückkehren, setzen sie die Regierung von dem, was sie gesehen haben, in Kenntnis, und die Behörden schicken dann besondere Missionen zur kartographischen Aufnahme der neuen Entdeckung aus. Man sieht, hier ist noch ein weites Betätigungsfeld für abenteuerliche Naturen, die von der Welt und den Gestalten Fenimore Coopers träumen." Beschränkung der Studenkenzahl in Estland. In Estland machen sich schon seit längerer Zeit Bestrebungen geltend, die Zahl der Studierenden an der Universität Dorpat einzuschränken. Vom Unterrichtsministerium ist bereits einmal daraus hingewiesen worden, daß der Andrang zur Universität die Ausbildung einer übergroßen Zahl von Akademikern zur Folge hat, welche später nur teilweise eine Berufsstellung finden können, da Estland einen so großen Bedarf an Juristen, Medizinern usw. nicht hat. Jetzt hat nun der estnische Finanzminister der Regierung eine Denkschrift eingereicht, in welcher er eine Einschränkung der Zahl der Studenten verlangt. Es ist noch nicht bekannt, welche Mahnahmen ergriffen werden sollen, um diesen Plan auszuführen. Der Senat der Universität Dorpat hat bereits vor einiger Zeit eine Kommission gebildet, die sich mit der Frage bisher aber nur theoretisch beschäftigt hat. Im cessing-vluseum findet am 7., 8 Uhr, der zweite Nezitationsabcnd von Franz Conrad H oefert statt:„Alte deutsche Schätze'. Dazu Musik unserer klassischen Meister von Bach bis Schubert. Yoette GuIIbert wird am 17. Oktober im Theater am Kur- für sten dämm, nachmittags i'/. Uhr auftreten. Sie verspricht sür diesen Dortrag eine neue Nuswahl ihrer Chansons. „Die vrautsahrt-, eine Tanzdichtung von Kurt Joost, wird den Sauptteil des Programms bilden, das die Tanzgruppe des Münsterschcn Stadttheaters in der zweiten Tanzmatince der Volksbühne. am Sonntag, den 17. Oktober, vorm. II'/, Uhr, im Theater am Bülowplatz zur Vorführung bringen wird. Austerdem werden Szenen aus den.Larven' getanzt. Einlastkarten in den Verkaufsstellen der Volksbühne zum Preise von Mt. 1,30 erhältlich. Mederherstellung de» Vesta-Tempel». Die Stadtverwaltung vo» Rom hat eine Summe von 55 000 Lire ausgcworsen, um den Tempel der Vesta aus dem Forum wiederherstellen zu lassen. Die Regierung hat sich bereit erklärt, zu diesevi Betrag noch eine weitere Summe beizusteuern, um, wenn nicht den ganzen Tempel, so doch seine IL Säulen mit de« Resten der Friese wiedererstehen zu lassen. weitere Enthüllungen über Mussolini. Fememord und Bombe. Die sozialistische Kulturtagung. 'Der Abschluß. KX Blankenburg(Thür.), 3. Oktober. Die Tagung des Sozialistischen Kulturbundes, über deren Be- ginn mir berichteten, wurde am SonNtagvormittag mit sehr instruk- tioen Referaten der Genossin Marie Juchacz und des Genossen Dr. K n a a k aus Hamburg über die Zusammenhänge der Volks- wohlfahrt und V o l k s g e s u n d h c i t mit der sozialistischen Kultur svrlgesetzt.. Wohlfahrtspflege— Volksgesundheit. , Genossin Juchacz behandelte besonders die Fragen der Wohl- fahrtspflege in weitestem Sinne. Die Sozialdemokratie habe sich zweifellos Verdienste erworben um die Ausgestaltung der Sozial- Politik, deren Pionier sie war. Aber für das große Gebiet der Dinge, die nicht mit der Sozialpolitik in engstem Zusammenhange stehen, muß diese Pionierarbeit noch geleistet werden. Da ist die Gleich- berechtigung der Frau, zwar geschriebenes Gesetz, aber incht praktische Wirklichkeit. Im Hause auch unserer Arbeiter ist die Frau vielfach noch das Lasttier. Es gehört auch zur sozialistischen Kultur, daß diese ungleiche Verteilung der Lasten aufhört. In der Ehe sollen beide Teile sich bemühen, sich gegenseitig die Lasten abzunehmen und zu erleichtern, damit auch für die Frau überhaupt erst der Wille zur tzultur erwachen könne. Die Wohlfahrtspflege in ihrer großen be- r.ölkerungspolitischen Bedeutung, in ihrer demokratischen Selbstge- ktaltung," bezweckt nicht„Wohltätigkeit" an verarmte Schichten zu .rteilen, sondern planmäßig das soziale Dasein und damit die soziale Kultur neu zu gestalten. Dr. K n a a k- Hamburg behandelte das große Gebiet der so- zialen G e s u iCb h e i.t s p s l e g e, das bei weitem noch nicht' ge- nllgend von der Sozialdemokratie beachtet wird. Es gehört dazu die Frage der Geburtenregelung, die Seuchenverhütung, die Berufs- berätung und Ueberwachung der Arbeit in gesundheitlicher Bszie- hung, also der Gesundheitsschutz für Erwachsene, die soziale Neurege- lung der ärztlichen Versorgung usw. Selbstverständlich, daß hierher auch die wichtige Frage der Wohnungspolitik gehört. Denn sozia- llstijche Kultur ist nicht möglich ohne gesunde Wohnungen und ohne eine gesunde Bevölkerung. In der Diskussion unterstrich Genosie Dr. I. M a rc u s e diese Darlegungen und erweiterte sie noch in der Richtung der Bekämp- fung des Alkoholismus und der Förderung des Arbeitersports. In der weiteren Aussprache wurde besonders die Frage des Kampfes gegen den Alkoholismus besprochen. Genossin S i e m s e n- Jena wies auf die Notwendigkeit hin, durch besondere Schulen Proletarier in den öffentlichen Wohlsahrtsdienst zu bringen. Bisher besteht der unmögliche Zustand, daß fast nur die Töchter des Bürgertums, die keine Ahnung vom Ärbeiterleben haben, durch die staatlichen Schulen ausgebildet und dann als Wohlfahrtspflegerinnen und in ähnlicher Stellung auf die Proletarierwohnungen losgelassen werden. Reich, Staat, Gemeinde. Nach den allgemeinen Abhandlungen über„Sozialismus und Kultur" folgten drei Vorträge, die mehr Einzelheiten der Mittel und Wege der sozio li st ischen Kulturarbeit betrafen. Zunächst sprach Genosse M e e r s c l d- Köln über die Aufgaben von Reich, Maat und Gemeinde. Er betonte dcngemeinschaftsbildenden Charakter des Staats, wie er sich seit dem Mittelalter unter schweren Erschütterungen langsam herausgebildet hat. Der Gemeinschafts- gedanke führt uns dazu, das Einheitsreich zu fordern, weil die bunte Länderkarte des heutigen Deutschlands den Bildungs- und Kulturbestrebunaen durchaus nicht förderlich ist. Was das Reich unter heutigen Umständen tun kann, wird sich fast immer in Rahmengesetzen erschöpfen und die Ausführung partikularistischen Strömungen der Länder überlassen. Di« Länder freilich können heute auf dem Kultur- gebiete vieles tun, z. V. hinsichtlich des Schulwesens, der Förderung der Volkshochschulen und der Volkstheaterpslege. Den Gemeinden in ihrer Vielgestaltigkeit bleibt ein großes Maß von Aufgaben� die kulturellen Bestrebungen zu unterstützen und zu fördern. Aber alles das hängt ab von dem Maß der Macht und der Einflußnahme, die die sozialistischen Massen im Reich, Staat und Gemeinden anzuwenden in der Lage sind. Wir müssen den öffentlichen Gewalten die Erkennt- nis einhämmern, daß der heutige Ärbeitstypus für ein schwer um sein Dasein ringendes Volk nicht mehr genügt, daß auch sie im ureigensten Interesse mitarbeiten müssen an der Beseitigung der Spannung zwischen unseren lebenswichtigen Aufgaben und dein Kulturstand der breiten Schichten des Volkes. Die Aufgaben der Organisationen. Genoffe Heinrich Schulz sprach über die Aufgaben der Organisationen für die sozialistische Kulturarbeit. Er wies vor alleni darauf hin, daß bisher sür die allgemeine Volksbildung im Etat des Reiches erstaunlich geringe Mittel vorhanden sind. Die bestehenden Volksbildnngsorganisationen haben einen Zusammenschluß zur gemeinsamen Förderung gemeinsamer Interessen bisher nicht gesunden. Zusammenschluß sei aber notwendig, auch innerhalb der sozialistischen Weltanschauungskreise. Es komme für unsere Organisationen mich darauf an, daß sie in den neutralen oder „überbündischen" Organisationen mitarbeiten, um unseren Einfluß in sozialistischer Richtung geltend zu machen. Der Möglichkeiten dieser Art gibt es viele. Es sei nur erinnert an die Notgemeinschast deutscher Wissenschafter, an die Mitarbeit Hilferdings im Kaiser-Wilhelm-Jnstitut, wo es seiner Anregung zu danken ist, daß das Institut für Konjunkturforschung errichtet wurde. Eine Orgam- sation zu schaffen, die die Verwendung der von uns geforderten öffentlichen Erziehungsbeihilfen überwacht oder selbst ver- waltet, scheint auch eine Aufgabe zu sein, der wir unsere Aufmerk- samkeit zuteil werden lassen müssen. Zusammenarbeit ist Not- wendigkeit, und in dieser Zusammenarbeit den sozialistischen. Ge- danken zu jeder Zeit wirkungsvoll zu vertreten, ist eine dankens- werte und erfolgversprechende Aufgabe. Die Pflichten der Einzelnen. Im Anschluß hieran sprach Genosse C r i s p i e n über die Pflichten der einzelnen in der Gemeinschaft. I» der sozialistischen Kulturbewegung muß ein jeder durchdrungen von der Aufgabe sein, die der Bewegung gestellt. Alle Organisationen der Arbeiter sind nicht nur ein Mittel zur Verbesserung der Lebens- läge der Arbeitermassen, sondern ouch gleichzeitig ein Machtmittel im Staate. Auch der Sozialistische Kulturbund ist ein solches Macht- mittel, wenn wir auch nie vergessen dürfen, daß man in jeder Zeit sich über den Umfang der jeweiligen Macht der Arbeiterklasse Rechen- schaft ablegen muh. Es ist falsch zu sagen, daß man früher nur agitierte und jetzt praktisch arbeiten müsse. Auch früher wurde praktisch neben der Agitation gearbeitet und zwar in großem Maße. Vor allem müssen wir darauf achten, daß die Funktionäre mög- lichst sozialistisch durchgebildet werden, daß in den Diskussionen � innerhalb der Partei diejenige Zurückhaltung zu übe» ist, die gerade für sozialistische Körperschaften verständlich sein sollte. Es ist auch zu warnen vor einer gefährlichen„Kulturschwärmerei", wie sie sich leider vielfach breit macht, wobei die sozialen Gebundenheiten des Werdens oft vergessen werden. Der einzelne von uns muß sich als ein Stück der Organisation betrachten und suchen, immer die Kraft der Organisation zu stärken und die Anziehungskraft der Organisation zu starken, das heißt dafür zu wirken, daß Außen- stehende nicht abgestoßen werden durch die Heftigkeiten der Dis- kussionen, wie sie sich heute gerade im kommunistischen Wahn, leider aber vielfach auch bei uns noch zeigt. An die drei Referate schloß sich eine eingehende Aussprache, in der die angeschnittenen Probleme vielfach abgewandelt wurden. Nach einem kurzen Schlußwort des Vorsitzenden, wurde die bedcu- tungsvolle Tagung am Sonntag nachmittag geschloffen. Benesch aus Urlaub. Der tschechische Außenminister hat einen mehrwöchigen Urlaub angetreten: wahrscheinlich wird ihn der Ge- sandte in Berlin. Prof. K r o f t a, vertreten. Das von den ehemaligen faschistischen Mitarbeitern Mussolinis herausgegebene Organ„Jl Nuövo Paefe" wird in seiner nächsten Nummer auch belastende Dokumente enthalten, die auf den Mord an den Faschisten Bonservizi ein neues Licht werfen. Bonservizi war der Pariser Vertreter des„Popolo d'Jtalia" und der Leiter der Pariser Faschistengruppe. Er wurde im Frühjahr 1924 in einem italienischen Restaurant in Paris durch die Revolverschüsse eines angeblichen An- archiften Bonomini getötet.. Es besteht nun ein d i e n st l i ch e r Bericht des der italie- nischen Botschaft in Paris zugeteilten Polizetkommissars S a b b a d i n i, aus dem hervorgeht, daß Bonomini durch safchistischc Agenten, die sich ihm gegenüber als Kommunisten ausgegeben hatten, zu dieser Tat angestiftet wurde. Die Faschisten verfolgten damit einen doppelten Zweck: sie wollten sich einerseits des ihnen lästig gewordenen Bonservizi entledigen und brauchten andererseits einen Vorwand, um in Italien Vergeltungsmaßnahmen gegen die Opposition zu«greisen. So wurde Bonomini zu ihrem blinden Werkzeug. In Rom wußte man in der Umgebung Mussolinis von Anfang an g ä n z genau, wie die Dinge in Wirklichkeit lagen, da man darüber durch den offiziellen Bericht des Polizeikommissars Sabbadini unterrichtet war. Doch befahl Mussolini, daß man dar- über strengstes Stillschweigen wahre, damit die faschistische Politik den Mord für ihre eigenen Zwecke ausschlachten könne. Denn dieses Verbrechen bildete ja einen wertvollen V o r w a n d zur Rechtfertigung von späteren faschistischen Morden. Und so kam es auch, daß man in C h i e t i beim Prozeß gegen die Mörder Matteottis dem Hauptangeklagten D u m i n i das Argument sugge- rierte, er habe Matteotti für den Schuldigen an der Ermordung des Bonservizi gehalten! Weitere Enthüllungen des j,Nuovo Paese" beziehen sich auf eine Zeit, in der der Faschismus noch nicht regierte, sondern lediglich eine kleine Schar bildete, die sich um den Chefredakteur des„Po- Die Maßnahmen für jugenülicheErwerbslofe Günstige Ergebnisse. Die Not der jugendlichen Erwerbslosen steht noch immer im Vordergrunde des Interesses. Der preußische Mini st er für V o l k s w o h l f a h r t hat in seinem bekannten Runderlaß vom 23. April 1926 Wege zur Abhilfe gewiesen und Mittel für die Ein- richtung von Kursen und sonstigen, der beruflichen Fortbildung und Slllgemeinbildung dienenden Veranstaltungen bereit- gestellt. Wie der„Amtliche Preußische Pressedienst" von zustän- diger Stelle erfährt, sind die Ergebnisse dieser Maßregeln all- gemein als s e h r g ü n st i g anzusprechen. In vielen, auch kleineren, Gemeinden Preußens find neue Einrichtungen zur Fortbildung jugendlicher Erwerbsloser geschaffen worden, und es hat sich gezeigt, daß die jungen Menschen meist mit Lust und Liebe an die Arbeit herangehen. Die Werkturse der männlichen Jugend haben verschiedentlich die Vermittlung in dauernde Arbeit«tlkichtert, die Mädchen, die an Haushaltlmgakurfen teilnahmen, werden ihre Kenntnisse als �Frauen und Mütter verwerten können. Die Maßnahmen werden zweifellos im Winter eine weitere Verstärkung erfahren und dazu beitragen, der Jugend über'den schweren Winter der Arbeits- losigkeit ohne Schaden an Leib und Seele hinwegzuhelfen. poincare und öas Schuldenabkommen. Starke Widerstände.— Krise in Sicht? Paris, 4. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Die Abendblätter bringen eine vermutlich aus englischer Quelle stammende Jnfor- mation, welche besagt, daß bei dem letzten, vor wenigen Tagen er- folgten Besuch des amerikanischen Schatzsekretärs Mellon in Paris zwischen diesem und P o i n c a r 6 eine Vereinbarung ge- troffen worden sei, wonach die Diskussion über die Ralisikalion des Washingtoner Abkommens bis nach den amerikanischen Senatswahlen zurückgestellt wer- den solle. In hiesigen unterrichteten Kreisen stößt die Richtigkeit dieser Darstellung auf st a r k c Z w e i f e l. Es spricht dagegen vor allen? die Tatsache, daß Poincare erst vor wenigen Tagen in seiner Unterredung init dem Abgeordneten D a r i a c aus die r a s ch e Ver- a b s ch i e d u n g des Ratifikationsgesetzes gedrängt hat. Poincare scheint sich dabei nicht nur von der Rücksicht auf das von ihm unter- nommene Werk der Stabilisierung, sondern inehr noch im Hinblick auf die deutsch-französischen Verhandlungen leiten zu lassen. Obwohl er bisher nichts unternommen hat, was auch nur als der Versuch zur Sabotage der von Briand in Thoiry eingeleiteten Politik der deutsch-französischen Annäherung angesehen werden könnte, so scheint Poincarä doch unter allen Umständen verhindern zu wollen, daß Frankreich für die finanzielle Unter- stützung, die es zur Sanierung seiner zerrütteten Finanzen und seiner Währung bedarf, Deutschland in Anspruch nimmt. Gegenüber der Möglichkeit, daß Deutschland die finanzielle Notlage Frankreichs ausbeuten könne, soll er, nach der Versicherung gut informierter Kreise, die Unterwerfung unter die amerikanische Forderung als das kleinere U e b e l ansehen. Allerdings dürste Poincarä dabei auf sehr starke innerpolilische widerstände stoßen. Sein ursprünglicher Plan, die Vorbehalte hinsichtlich der Garantie- und Transferklausel? die von den Amerikanern abgelehnt worden sind, in dem Ratifikationsgesetz selbst festzulegen, ist jenseits des Ozeans auf schärf st e Zurückweisung gestoßen. Eine vorbehält lose Ratifikation dürfte sowohl im Parlament wie innerhalb des Kabinetts selbst auf die schärfste Ablehnung stoßen, nachdem die meisten Parteien und an ihrer Spitze mehrere Mit- glieder der jetzigen Regierung sich auf das entschiedenste f e st g e- legt haben. Es ist unter diesen Umstände» keineswegs aus- geschlossen, daß es über die Schuldenfrage früher oder später zum Ausbruch einer neuen Regierungskrise kommen wird, von deren Möglichkeit in parlamentarischen Kreisen hier übrigens bereits seit Tagen gesprochen wird. Die Opposition gegen die Sparsamkeitsreformen. Paris, 4. Ollober.(Eigener Drahtbericht.) Die Finanz- k o m m i s s i o n der Kammer ist am Montag zusammengetreten, um ihre Vorberatung des Budgets zu beginnen. Sic hat zunächst ihr Arbeitsprogramm festgelegt und eine Entschließung angenommen, die eine unzweideutige Demonstration gegen da» polo d'Jtalia", nämlich Mussolini, gruppierte. Damals— das war im Jahr 1919— betrachtete es Mussolini als seine Hauptaufgabe, den Sozialisten zu schaden, eine P a n i k zu erzeugen und im Trüben zu fischen. Zu diesem Zweck kam er auf den ungeheurerlichen Gedanken, eine Bombe dem Erzbischof von Rlailand, kardinal Ferrari, zu senden. Er beauftragte einen Kollegen aus seiner Redaktion, A r t u r R o s s a t o, damit, die Adresse des Kardinals Ferrari auf ein bereits versiegeltes Paket zu schreiben. Rossato wurde zunächst stutzig, doch gab ihm Mussolini beruhigende Erklärungen. Musso- lini trocknete sorgfältig mit einem ganz neuen Löschblatt die Anschrift. Die Bombe traf beim Erzbischof ein, explodierte jedoch nicht. Der arme Teufel, der das Paket überbracht hatte, ohne zu wissen, was es enthielt und von wem es stammte, wurde verhaftet. Rosiato las die Geschichte in den Zeitungen. Er machte Mussolini die schwersten Vorwürfe, der als einzige Antwort ihm das Löschblatt zeigte, auf dem deutlich die Handschrift Rossa- t o s mit der Adresse des Erzbifchofs zu erkennen war. Rossato bekam es mit der Angst zu tün und schwieg zunächst. Später jedoch, gelegentlich einer journalistischen Untersuchung gegen Mussolini, teilte er den ganzen Tatbestand dem Ehrenrat des Presse- Verbandes der Lombardei mit. Einst unü jetzt... Mailand, 4. Oktober.(EP.) Die Jahrhundertfeier des Heiligen Franz von Assisi hat in Gegenwart des päpstlichen Ge- sandten und des italienischen Unterrichtsministers Fedele am Sonn- tag ihren Höhepunkt erreicht. Dem mit einem Sonderzug der italienischen Regierung reiseirden Legaten Kardinal Merri del Val wurde bei seiner Ankunft in Assisi von einem Kommando In- fantene die inilitärischen Ehren erwiesen und zum Gruß die p ä p st l i ch e Hymne gespielt. Kabinett Poincare bildet. Sie hat an die Regierung die Aufforderung gerichtet, ihr einen ziffernmäßig belegten Bericht über die finanziellen Rückwirkungen der von dieser auf dem Verordnungswege eingeleiteten Reform der Ver- waltung und der Justiz zu unterbreiten. Man zieht daraus den Schluß, daß Poincaräs Dekrete innerhalb der Kommission mit einer sehr scharfen Opposition zu rechnen haben werden. Die spanische Dbftimmungskomödie. Wie die Behörden die Ja-Stimmcn verdoppelten. Die strenge spanische Zensur hätte alle näheren Mitteilungen über den Verlauf der sogenannten Volksbewegung für öder gegen die Diktatur an das Ausland verhindert. Erst jetzt werden bezeich- nende Einzelheiten bekannt. Der„Manchester Guardian" veröffent- licht folgende Darstellung eines nach England zurückgekehrten Reisenden: „Der Bezirk, über den ich berichte, ist der Vorort einer P r ovinz Hauptstadt, den die Bauern aus den umliegenden Dörfern zu passieren haben, wenn sie ihre. Erzeugnisse zum"Markt bringen. Am 19. September(die Abstimmung fand am 11., 12. und 13. September statt) unternahm ein Vertreter des Alcaldcn (Bürgermeisters) einen Feldzug durch den Bezirk. Er ging von Tür zu Tür und setzte die Haushaltungsvorstände in einer Sprache, deren amtliche Strenge den Mangel an kastiliantscher Reinhen ersetzte, in Kenntnis, daß alle Personen über 15 Jahre im Schulhaus ein Dokument unterzeichnen müßten, um ihre Genugtuung darüber auszudrücken, daß die jüngst aufgetretenen Schwierigkeiten ohne Waffengewalt und Blut- vergießen überwunden worden seien. Am Samstag jubelte die Schuljugend, denn die S ch u l c f i e l b i s z u m D i e n s- tag aus. Die Bälcr hingegen gingen angstvoll und zitternd ins Schulhaus. Für Leute von durchschnittlicher Bildung ist eine Namensunterschrift kein Beinbruch: hier aber handelte es sich nicht um Leute von durchschnittlicher oder überhaupt irgend welcher Bit- dnng, denn inan kann ohne Ucbertreibung sagen,' daß 7 5 P r o z. all derer, die unterzeichneten, n i ch t s a l s ihren Namen zu schreiben vermögen... Der„Präsiden."— im gewöhnlichen Leben der D o r f a r z t— gab zuerst seine Unterschrift, dann folgten die Lehrerin und der P o st h a l t c r. Das erweckte einiges Ver- trauen, und so gaben denn auch Tulano, Menaano und Sutano und alle anderen ihr Autogramm, vielfach auch ihre Frauen. Gegen 19 Uhr hatten alle Ortseinwohner ihre Namen auf die Liste gesetzt. Doch jetzt wurde die Sache erst interessant. Die Milchhändlerinn'en begannen, init ihren Eimern am Abstimmungslokal vorüberzukommen.„Holla!" ruft der Doktor.„Kannst du deinen Namen schreiben?"„Ja, Herr Doktor!"—„Dann komm' und� unterzeichne!" —„Aber ich habe ja schon in der Stadt beim Zollhaus unter- zeichnet!"—„D a s macht nichts— dort ist A. und hier ist B., »nd du wohnst ja näher bei B Komm' herein und schreib'!"— So erhöhte sich die Zahl der Unterschriften den ganzen Tag über ununterbrochen. Kleine Kinder, Bettler, Walz. brüder und Kausleute, kurz alles, was in Sicht kam, wurde ins Abstiminungslokal hineingelotst und mußte unterschreiben.... Ich fragte jeden einzelnen, ob er wisse, was er unterzeichne. Zlußer einem Chauffeur und einer Bäuerin gaben alle zu, es nicht zu wissen. Die Bäuerin aber erklärte mit Tränen im Auge, es geschehe, damit ihr Sohn aus Marokko glücklich heimkam m e." Die Regierung hatte als Zlbstimmungsergebnis verkündet, daß sechs Millionen für die Diktatur ihre Namen in die Listen geschrieben hätten, das war ein Drittel etwa der Stimmberechtigten. Wie groß muß die Abneigung gegen die Diktatur sein, wenn bei solchen Methoden nicht mehr als ein Drittel der Stimmen herausspringt! Schweres Grubenunglück. New Jork. 4. Oktober.(MTB.) Zn der Röhe von Rockwood(Tennessee) hat sich in einer Kohlengrube der Roane- Gesellschask eine Explosion ereignet. Eine größere Anzahl von Bergleuten ist durch die Explosion verschüttet worden lln der Grube waren zur Zeit des Unglücks b5 Bergleute beschäftigt. Eine sofort eingesetzte Rellungsmannschast hat wegen gisclger Gase bisher zur Unglücksstelle noch nicht vordringen können. Selbstmord des Nettors der UniversttätIena Zena, 4. Oktober.(MTB.) Gegen abend erschoß sich in seinem caboratorium der Rektor der Universität 3ena. Professor der Chemie Dr. Gutbier, aus bisher unbekannter Ursache. Z der Lohnstreit im öaugewerbe. Verhandlungen des zentralen Schiedsgerichts. Im deutschen Baugewerbe besteht seit dem 13. Februar ds 3s. «in Vertrag, wonach bis zum 28. Februar 1927 Lohnkämpf« ausgeschlossen sind. Beide Parteien haben das Recht, im letzten Monat jedes Quartals, spätestens bis zum 8. das Lohn- abkommen zu kündigen. Dann haben bezirkliche Ver- Handlungen einzuschen, die bis spätestens zum 20. des gleichen Monats erledigt sein müssen. Kommt bei den bezirklichen VerHand- lungen eine Einigung nicht zustande, so muß bis zum 2l>. das zentrale Schiedsgericht in Berlin zur endgültigen Eni- scheidung angerufen werden. Der Beschluß dieses Schiedsgerichts ist bindend sür beide Teile. Die U n te rnehm e r o rga n isati one n im Baugewerbe, die früher für langfristige Tarifverträge schwärmten, machen von dem vierteljährlichen Kündigungsrecht reichlich Gebrauch. 3etzt genügt ihnen ein vierteljährliches Lohnabkommen. lind so standen denn bei den diesmaligen Verhandlungen vom 25. bis 29.©eptember im Reichsarbeitsministerium manche Unternehmer- gruppen zum dritten Male vor-dem Schiedsgericht, um durch Lohn- abbauanträge die immer noch daniederliegende Baukonjunktur„an- zukurbeln". Die bezirklichen Verhandlungen haben feit Be- stehen des Abkommens noch nie zu einer Einigung ge- führt. Die Unternehmer verließen sich aus das Schiedsgericht und hielten es bisher für willig genug, ihren Lohnabbauwünschen Rechnung zu tragen. Diesmal sind die Herren nicht«ruf ihre Rechnung gekommen. Zu entscheiden war über das Rheinland, über die Lohngebiete Brandenburg n.d. Havel und. Rathenow, über Pom- mern, über Groß-Berlin, den Freistaat Sachsen, über Schlesien, über Westfalen-Ost-Lippe, und über die Tiefbauarbeiterlöhne in Hamburg-Lübeck-Schleswig-Holstein und Mecklenburg. Man kann nicht sagen, daß die Unternehmer bei ihrem Begehren auf Lohn- abzug bescheiden waren. Stellenweis« verlangten sie, den Stunden- lohn auf über 30 Pf. zu kürzen, wie in Westfalen-Ost-Lippe. Die Syndizi der Unternehmer erklärten in diesem Falle, die Wirtschaftslage habe sich in ihren Bezirken„katastrophal" entwickelt. Das sei ein„Notstandsgebiet ersten Ranges". Ihr« ganze„Wirt- schaftswissenschast" nutzte den Herren nichts. Die Arbeitslosigkeit durch Einschränkung der Kaufkraft zu beheben, erscheint ernsten Volkswirtschaftlern nicht einleuchtend. Am schärfsten wogte der Redekampf um die Löhne im Freistaat Sachsen. Hier galt es, für 85900 Bauarbeiter zu«nt- scheiden. Auf der ganzen Linie verlangten die Unternehmer Lohn- a b b a u, während die Arbeiterverbände Lohnzulagen beanspruchten. Ein besonders temperamentvoller Syndikus sah in den Lohnforde- rungen der Arbeiter eine„Beunruhigung" des Baugewer- bes. Das gleiche sagten auch die Syndizi im Berliner Streitsall. Dies« Herren sehen in ihren Lohnabbauanträgen keine Beunruhigung des Baugewerbes. Bei diesen Verhandlungen kam auch die vielfach unerhörte Lehrlingszüchterei zur Sprach«. So beschäftigt in G e i t h a i n ein Bauunternehmer 18 Lehrlinge im Alter von 17 bis 40 Iahren bei drei Ge- feilen, von denen der älteste— 76 Jahre alt ist. Man kann es verstehen, daß unter solchen Umständen die Unternehmer die Lehr- lingslöhne nicht tariflich festlegen möchten. Di« Anträge beider Par- teien im Freistaat Sachsen verfielen der Ablehnung. In Groß-Berlin verlangten die Unternehmer für alle Hilfsarbeiter einen Lohnabbau von 6 Pf. je Stunde, die Arbeiterorganisationen verlangten dagegen für alle Bauarbeiter 10 Pf. Lohnzulage. Herr Dr. Mielenz vertrat in tempera- mentvoller Weise die Lohnabbauwünsche seiner Auftraggeber: die Vertreter der Bauarbeiter blieben dem Herrn selbstverständlich nichts schuldig. Es wurde nachgewiesen, daß ein Lohnabbau in Groß- Berlin auf die Gesamtbaukosten fast völlig eindruckslos bleibe. Zu- dem sind die Bauverträge für dieses Jahr im großen und ganzen bereits abgeschlossen, so daß ein Lohnabzug nur dem Privatsöckel der Bauunternehmer käme. Auch in diesem Falle wurden vom Schiedsgericht all« lnträge verworfen. Zu erwähnen wäre noch die Verhandlung für das Lohngebiet Hamburg-Schleswig-Hoistein-Lübeck. Hier wurde für die Tiefbau- arbeiter ein Lohnabbau gefordert. Die Herren erklärten, sie fühlten sich in ihrer E x i st« n z„b e d r o h t", weil Staats- und Gemeinde- bchörden bei niedrigeren Löhnen mehr und mehr Arbeiten in eigener Regie ausführten. Dabei bewegt sich die„Konkurrenz" solcher Behörden auch heute noch in den seit Jahrzehnten beobachteten Bahnen. Es arbeiten 90 Proz. aller Tiefbauarbeiter bei Pri- v a t u n t e r n e h m e r n. Die Arbeiter verlangten 10 Proz. Lohn- erhöhung für alle Tiefbauarbeiter des Bezirks Norden. Das Schieds- gericht entschied hier zugunsten der Unternehmer. Di« Tief bauarbeiterlöhne sür Hamburg I und II, Kiel, Lübeck, Kuxhaven(Stadt) und Flensburg verblieben in der alten Höh«, doch wurden sie in den übrigen Bezirken um 3 Pf. je Stunde ab- gebaut. Dies war der einzige„Erfolg" der diesmaligen Lohnabbau- kampagne der Bauunternehmer. Alle übrigen Lohnabzugsanträge wur- den vom Schiedsgericht abgelehnt. Aber auch den wohlberech- tigten Ansprüchen der Arbeiter, die für einige Bezirke Anträge auf Lohnerhöhungen gestellt hatten, ist in keinem Falle entsprochen worden. Das Schiedsgericht, das sich„unparteiisch" nennt, beachtete, daß außer den stark gesteigerten Wohnungsmieten und nicht in der letzten Zeit im Arbeiterhaushalt sich vieles bedeutend verteuert Hot. Das zentrale Lohnabkommen läuft am 28. Februar 1927 ab. Die Bauarbeiter dürften wenig Neigung haben, das Abkommen zu verlängern. Das zentrale Schiedsgericht hat sich leider zu oft als Lohnabbaumaschine zu erkennen gegeben. Sollt« im Bau- gewerbe ein ähnliches neues Abkommen getroffen werden, so werden die Bauarbeiterorganisationen vor allen Dingen Garantien be- anspruchen müssen, die solche Vorkommnisse, wie sie in diesem Jahre vielfach beobachtet werden mußten, von vornherein ausschließen. zugute kä Anträi Der Anhalter Güterbahnhof verstopft. Seit einigen Wochen ist ein stetiges Anwachsen des Güterver- kchrs festzustellen. Ein erfreuliches Zeichen wirtschaftlichen Auf- stieges. Wenig erfreuliche Dinge aber spielen sich auf den Güter- abfertigungen und Umladehallen Groß-Berlins ab, auf denen der Gllteranfall anläßlich stillgelegter Güterabfertigungen seit Monaten konzentriert wird. So auf dem Anhalter Güter- b a h u h o s. Der Speicher I zeigt ein Bild wüsten Durcheinanders infolge Ueberfüllung. 60 Neueinstellungen innerhalb der drei letzten Wochen haben nicht vermocht, das dort bestehende Chaos zu be- seitigen. Die Karrwege sind völlig verstopft, wodurch das Aussuchen des Gutes praktisch unmöglich wird und für das ordnungsgemäße Be- reitstellen und Uebergeben des Gutes an die Interessenten zu aller- Hand Unregelmäßigkeiten führt, Daß unter einer derartigen„Ord- nung" physische Anforderungen an das zur Srllckgutbewegung vor- handene Personal gestellt werden, die über die Normalleistung der jy den Gedingegemeinschaften arbeitenden Güterbodenarbeiter ganz beträchtlich hinausgehen, ist selbstverständlich. Das von der Reichs- bahndirektion angeordnete E i n m a n n g c di n g e, um möglichst hohe Tonnenlcistungen zu erzielen, unterstützt durch die Kulissen- arbeit des AEV., hat seinen Zweck völlig verfehlt. Daß sich durch dieses Ausbeutungssystem die Erkrankungsfälle häufen, her- vorgerufen durch VerHebungen und Stoßauswirkungen, braucht nicht besonders erörtert zu werden. In der Vorwoche sind auf dem An- Halter Güterbahnhof 53 Erkrankungsfälle einschließlich 6 Betriebsunfällen zu verzeichnen bei einer Belcgfchafts- stärke von 428 Köpfen. Bereits in der Berichtswoche vom 12. August bis 26. August 1926 sind die Erkrankungsfälle unter den Güterbodenarbeitern von 6,86 auf 7,47 Proz. gestiegen. Ist den verantwortlichen Beamten nicht bekannt, daß bei Ar- beitsformen, die sich auf ein enges Feld beschränken, die Gefahr be- sonders groß ist, daß sich bei dauernder Ueberfpannung der Kräfte und unter falschem Arbeitsrhythmus chronische Ermüdungen ein- stellen? Was geschieht nun mit diesen auf der Walstatt der Arbeit verunglückten Arbeitern? Nach den bisherigen Erfehrungen fliegen sie einfach auf die Straße, weil sie nicht mehr voll leistungs- fähig sind. Wir fragen aber auch den Herrn Amtmann Rothe, wie lange diese Schinderei und die auf dem Anhalter Güterbahnhof angewandten Methoden einer oberflächlich durchdachten Organisation der Arbeit anhalten soll? Ist ihm bekannt, daß durch dieses System große Teile seiner Güterbodenarbeiter während der Pausen sich in einem völligen Ermlldungszustand befinden? Ist ihm weiter be- kannt, daß selbst eine Anzahl Unterbeamte dieser Schinderei mit Ekel gegenüberstehen? Auch durch Erhöhung der Kopfzahl der Aufsichts- beamtcn wird an diesem System nichts geändert. Es gibt nur einen Weg, der ist, möglichst schnelle Inbetriebsetzung des stillgelegten Potsdamer Güterbahnhofs, Verkürzung der Arbeitszeit von 54 auf 48 Stunden, lieber die viel gerühmte Arbeitsorgani- sation auf den Berliner Güterabfertigungen und Umladehallen wer- den wir zu gegebener Zeit berichten. Eine ähnliche, aber in ihrer Auswirkung viel gefährlichere Schinderei herrscht auf dem Rangierbahnhof' Tempelhof. Wir werden, sobald die Verhandlungen betr. Schadenersatzpflicht gegenüber einigen Rangierern abgeschlossen sind, auch diese Zustände, die gegen die Rangiervorschristcn verstoßen, mit aller Klarheit be- handeln. Zur Ablehnung des Vankcnfchiedsspruches. Zu dem Beschlüsse der Zentralverwaltungssitzung des Allge- meinen Verbandes der deutschen Bankangestellten, den wir in der Abendausgabe mitgeteilt haben, erfahren wir noch: Die Tatsache, daß der Schiedsspruch hinsichtlich der Arbeitszeit im Bankgewerbe keine Verkürzung vorsieht, wirkt sich bereits so aus, daß übereinstimmend aus allen Teilen des Reiches mitgeteilt wird, daß der Abbau im Bankgewcrbe wieder auf- lebt, und zwar sind es in erster Linie wiederum verheiratete und kinderreiche Angestellte, die von den Banken zur Entlassung gebracht werden. Das geschieht, trotzdem nach der Statistik des Beamtenversicherungsvereins für das deutsche Bank- und Bankiergewerbe die Ziffer der oerheirateten Angestellten im Bankgewerbe heute bereits mehr als 50 Proz. hinter der normalen Ehefrequenz der Privatangestellten zurückbleibt. Der Allgemeine Verband der deutschen Bankangestellten wird diese Zustände in einer Eingabe an das Reichsarbeitsministerium, die auch der Oeffcntlichkeit zugänglich gemacht wird, zur Kenntnis bringen. Zimmerer, geht nicht nach Irland! Bereits vor einem Jahr haben wir alle Kameraden gewarnt, sich von Siemens-Bauunion, Berlin-Siemensstadt, nach der Bau- stelle L i m e r i ck(Irland) anwerben zu lassen. Der Lohn ist von 100 M. die Woche a u s 9 0 M. g e k ü r z t. Zu gleicher Zeit aber die Arbeitszeit auf Grund eines neuen Vertrages von 50 Stun- den a u f 5 6 Stunden pro Woche verlängert. Durch die sklavenmäßige Behandlung des reaktionären Baurats Hcinze wird jede berechtigte Forderung der Arbeiter abgelehnt. Wer dennoch darauf besteht, wird mit der Polizei von der Baustelle in Limerick vertrieben. Infolge dieser üblen Zustände sind erst in der letzten Woche 23 deutsche Facharbeiter von der Baustelle Limerick(Irland) zurückgekehrt. Die Firma sucht erneut Zimmerer nach Irland. Keiner lasse sich anwerben! (Alle Arbeiterblätter werden um Abdruck gebeten!) Zentralverband der Zimmerer Deutschlands Zahlstelle Berlin und Umgegend. Oer Proteststreik üer Hamburger Hafenarbeiter. Keine Dreiviertelmehrheit für Fortsetzung. Hamburg, 4. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Die Lage im Hamburger Hasen war auch am Montag morgen noch unverändert. vor Schichtbeginn sammelten sich große Massen von Hafenarbeitern an der Wasserkante, die es aber ablehnten, sich zur Arbeit vermitteln zu lassen. Tin kleiner Teil von Arbeitern, der sich anfangs geneigt zeigte, die Arbeit wieder auszunehmen, ließ sich durch die allgemeine Stimmung der Sollegen dazu bewegen, ebenfalls im Streik auszu- harren. 3n diesem Entschluß, nicht an die Arbeit zu gehen, zeigt sich die Verbitterung der Hafenarbeiter über die Verbindlichkeits- crNärung des Schiedsspruchs. Zn einer Erklärung der Streikleitung wird betont, daß die Hafenarbeiter immer den Parolen ihres Vertrauenskörpers gefolgt seien, daß aber die Verbindlichkeitserklärung dem Faß den Voden ausgeschlagen habe. Der Reichs- arbeitsminister müsse für die Folgen allein verantwortlich gemacht werden. Die Erklärung wendet sich dann gegen den von k o m m u. nistischer Seite propagierten Gedanken der Einheitsfront im Streik mit den Werstarbeitern. Die S o m m u n i st e n machen über- Haupt fieberhafte Anstrengungen, die Bewegung für ihre Zwecke auszunutzen. 3n einer Versammlung am Sonnlag, zu der sie als besondere Zugkraft T h ä l m a n n eigens nach tzamburg bemühten, wurde eine einzige Hetze gegen die Gewerkschaften, die Sozialdemokratische Partei und deren Presse entfaltet. Am Montag nachmittag tagte eine Versammlung der organisierten Hafenarbeiter, in der vom Hasenbetriebsrat die Erklärung abgegeben wurde, daß er von sich aus die Arbeiterschaft«ich! zur Wiederausnahme der Arbeit veranlassen könne, da et auch nicht zur Arbeitsniederlegung ausgefordert habe. Der Hafen- belriebsrat macht aber darauf aufmerksam, daß durch die verbindlichkeitserklärung dem Betriebsrat das Recht genommen ist, S t r e i t i g k e i l e n, die sich aus der jetzigen Arbeitsniederlegung ergeben, zu schlichten, da alle Arbeiter, die nicht zur Arbeit erscheinen, sich ihrer tariflichen Rechte begeben. Er ersucht die verbandsleitung serner. zum nächstmöglichen Termin die Löhne zu kündigen und die jetzige unbefriedigende: Regelung zu beseitigen und empfiehlt den Arbeitern, den Proteststreik abzubrechen und die Arbeit am 5. Oktober wieder aus- zunehmen. Auf Grund dieser Empfehlung des Hasenbetriebsrats wurde in einer großen Versammlung der organisierten Hasenarbeiter am Montag nachmittag eine Urabstimmung über Fort- führung oder Abbruch des Streiks beschlossen. Die überwiegende Mehrheit stimmte für Fortsetzung des Sampfes, Aber die nach gewerkschaftlichen Grundsähen zur Forlsetzuyg des Streiks erforderliche Dreiviertelmehrheit wurde nicht erreicht. Das bedeutet, daß nach dem Beschluß der organisierten Hafenarbeiter der Kampf abgebrochen und die Arbeit am Dienstag morgen wieder ausgenommen werden muß. Es ist anzunehmen, Senz diesem Beschluß am Dienstag auch cnlsprochen wird. Der englische öergarbeiterkampf. Die Regierungsvorschläge abgelehnt. London. 4. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Die Gesamt- ergebnisse der Urabstimmung in den Distrikten liegen am Montag noch nicht vor: doch ist nach den vorliegenden Berichten eine M c h r- h e it für die Ablehnung der Vorschläge zu erwarten. So hat Schottland, Südwales. Yorkshire und Nord- Cumberland die Regierungsvorschlägc abgelehnt, was für den letztgenannten J8crg- baudistrikt deshalb besonders bemerkenswert ist, als die Führer dieses Distrikts den Arbeitern die Annahme der Vorschläge emp- sohlen hatten. Die Unternehmer melden heute mit dem Be- ginn der neuen Woche die Rückkehr von 9000 Arbeitern zur Arbeit, jedoch steht diesem Rückstrom eine entgegengesetzte Entwicklung in Melbeck und Nottingham gegenüber. Dort haben 7000bis 8000 Arbeiter neuerdings die Arbeit niedergelegt. D-r „Daily Herald" vom Dienstag schreibt in einem Kommentar zu der neuen Arbeitsniederlegung in der Zeche Melbeck, dieser Vorgang sei weniger um seiner selbst willen als seiner Perspektiven, die er eröffnet, von großer Bedeutung. Wenn Arbeiter, die schon zur Arbeit zurückgekehrt seien, in der Art auf die unerträglichen Ar- beitsbedingungen der Unternehmer reagierten, so ließe sich leicht voraussagen, daß ein wahrer Guerillakrieg im Kohlen- gebiet zu erwarten sei, wenn die große Majorität, die bisher noch Widerstand leistet, zur Arbeit auf der Basis der Unter. nehmerbedingungen gezwungen werde. Baldwins Politik fei geschaffen, die Unruhe im Kohlengebiet zu verewigen. Der Sekretär der Bergarbeiter, Cook, der am Sonntag in drei Versammlungen gesprochen hatte, ist während der letzten Vcr- sammlung in Glasgow infolge Ueberau st rcngung zu- fammengcbrochcn und mußte ohnmächtig abtransportiert werden. Sein Befinden hat sich inzwischen gebessert, jedoch war er noch nicht in der Lage, nach London zurückzukehren. Landsberg fpniche....................— 1 Treppe. Heimbesprerfmng(Mitgliedsbuchkontrolle).— Llchtenberg: Jugend- Heim Tossestr. 22. Heimbesprechung(Heimousweise und Mitgliedsbücher mit- bringen).— Treptow: Jugendheim Wildenbruch str. 53/S4. Heimbesprechung.— Spandau: Zugendheim Lindenufer 1. Spiclabend. Verantwortlich für Poli'.ie: Dr. Cuxt Geyer? Wirtschaft: Arwr Saternns? Gewerkschaftsbewegung: I. Steiner? lveuiUeton: Dr. John Schikowskl? Lokales und Sonstiges: Trist Karstadt: Anzeigen: Tb. Glorke? sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlag G.m.b.H.. Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckerel und Verlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SW 68. Lindenstraßc 3. Hierzu 2 Beilagen und„Unterbaltung und Wissen�. ...einzig erfrisclieiid Heute, Im Zeitalter des Sports, ist derur{3esünils„eclite Kaitireiner4 � das Getränk der Millionen. . v;;;■ v.'■•■ä; n-l, Das beste Küchenhilfsmittel ist und bleibt HüdClg* Würze! Nicht überwürzen! Wenige Tropfen genügen, da sehr ausgiebig. — Man verlunge ausdrücklich Maggi's Würze.— »vJ••.*% V Nr. 46S ❖ 4Z.Iahrgang 1. Heilage öes vorwärts Dienstag, S. Oktober 1926 öaldurs letzte Jährt. „Baldur". den Namen des schönsten der altgermanischen Götter, trägt bekanntlich ein neuartiges Kabinengroßschiff, das jetzt seit zwei Jahren über die Gewässer der Havel fährt. Tausende von Berliner Schulkindern hat es im letzten Sommer in die lockende Ferne getragen und ihnen zu unvergeßlichen Eindrücken verHolsen, denn der„Baldur" ist nicht nur Vergnllgungsschiff schlechthin, er ist eine Art schwimmendes Haus, ein Hotel, eine Jugendherberge. Man bleibt auf ihm in hübschen Kabinen die ganze Nacht und ist morgens frisch ausgeschlafen. Nun ist die Saison und der Sommer zu Ende und„Baldur" geht in Winterquartier. So war das am Sonntag seine letzte Fahrt in diesem Jahr. Es sah früh morgens recht ungemütlich in Spandau aus. Nebel fern und nah, und bei seiner Ausfahrt warnte die Wasserpolizei. Ihr werdet nicht weit kommen. Bald bot sich am Spandauer Ge- münde ein seltsames Phänomen: Wasser, Himmel, Wald und Horizont verschwommen zu einem ungeheuren Urnebel, der wie ein uferloses Meer aussah. Gespensterhaft glitten Ruderer und Segler hin und her. Aber der„Baldur' vertraute seinem siegreichen Nomen, fuhr gemächlich weiter und ließ in der Tat die Nebel über Spandau und der Heerstraße. Der noch immer sogenannte Kaiser-Wilhelm- Turm stand allerdings noch in etwas zittrigem Licht, aber am Großen Fenster war schon gute Sicht, Schwanwerder ließ die Dächer und Zinnen seiner Bankdirektoren-Millionärs-Villen gut erkennen. Der Waiinsee sah aus, als ob die Berliner ihr« gesamtes Stullen- papier hineingeworfen hätten. Das waren die Hunderte von Segeln, die bekümmert ohne Wind logen. Hinter Pfaueninsel wurde die Sicht ganz klar, und siegreich begann einer der schönsten Herbst- tage aufzustrahlen. Da rief der Gong zum Mittagesien: Kasseler Rippespeer mit Sauerkohl— lecker und reichlich— für eine Mark und 23 Pfennig. Als man sich erhob, war ringsum ein flammendes Bild von Gold und Blau und Grün. Hier draußen ist noch kaum ein Blatt gelb angekruftet. Mäntel flogen abwärts, Pullower köpf- wärts, denn es war eine liebenswürdige und anheimelnde Mittags- wärme da. Aber es ging noch weiter. Am stillsten Ufer der stillen Krampenitz schurrten die Anker zur Tiefe, ein bequemer Laufsteg verband Schiff mit Ufer, und alles lief in den Wald. Als nach zwei- stündiger Sonnenrast die Anker wieder in die Höhe stiegen und der „Baldur" feine Heimfahrt antrat, da zeugten vier nasse Damenbade- trikots, die über der Reeling hingen, und kein nasses Herrentrikot, daß das schwächere Geschlecht das stärkere gewesen war und gebadet hatte. Heimwärts pflügte gemächlich das Schiff, und niemals sah man wohl in diesem Jahr mit so innigem Vergnügen hinter der Pfauen- insel die weite bergige Landschaft des Grunewalds sich entfächern als an diesem verwunschen schönen Herbsttag. Hastig und nervös trommetten die Motorboote vorüber, eilig fauchten die Dampfer. Der„Baldur" hielt seinen Kurs weiter voller Ruhe. Denn die Männer, die ihn hinausbringen und die ihn lenken, haben in ihren Seelen den Wunsch, mit ihm Ruhe, Freude und wahre Erholung den unsteten Menschen der Großstadt zu bringen. Mit diesem Programm wird er im nächsten Jahr seine Fahrten wieder auf- nehmen._ Zum Falscheid getrieben. Die Schneiderin B. hatte sich zu verantworten, weil sie in ganz unverständlicher Weise vom Richter in der Hauptverhandlung vereidigt worden war. Man merkte es der Frau an, daß sie mit psychischen Defekten behaftet war. In diesem Sinne äußerte sich auch der psychologische Sachverständige. Die B. lag mit ihrer Hauswirtin in einem Zivilprozeß, von der sie wegen Nicht- bezahlung der Miete oerklagt worden war. Die Wirtin hatte nämlich das Mietsgeld aus irgend einem Grunde der B. zurückgesandt. Die B. erklärte nun vor Gericht, das Geld durch die Post nicht erhalten zu haben. Die Wirtin schob ihr den Eid darüber zu. Die B. weigerte sich, den Zeugeneid zu leisten. Der Richter bestand aber darauf, daß sie ihn leiste: auch die Wirtin provozierte sie dazu auf jede erdenkliche Weise. Die B., eine aufgeregte und zerfahrene Person, leistete ihn schließlich. Kaum war sie zu Hause angelangt und hatte ihrem Mann von der Gerichts- Verhandlung erzählt, so veranlaßte er sie, dem Richter schriftlich mitzuteilen, daß sie von ihrem Eid zu ücktrete. Es war jedoch schon zu spät. Die Wirtin hatte bereits bei der Staats- anwaltschaft Anzeige wegen Meineides gemacht. Das Unerhörteste war— und das mußte die W i r t i n in der Verhandlung zugeben—, daß sie im Augenblick, wo sie der B. den Eid darüber zuschob, daß diese das Geld nicht empfangen habe, sie die Bescheinigung der P o st über den Empfang des Geldes durch die B. in Händen hatte. Der Staatsanwalt forderte ein Jahr Zuchthaus. Das Gericht erkannte wegen fahrlässigen Falscheides auf sechs Monate Gefängnis und gab der Angeklagten Bewährungsfrist. In der Urteilsbegründung erklärte das Gericht, daß die Angeklagte eigent- lich nur um eine Pferdelänge zu spät gekommen sei; denn hätte die Wirtin eine Stunde später ihre Anzeige gemacht, so wäre der§ 158 in Anwendung zu bringen gewesen, der bei Widerruf einer falschen Aussage Straflosigkeit vorsieht. Das Gericht fand aber kein Wort der Verurteilung für den Richter, der eine kranke Frau eine Tatsache beschwören ließ, die durch eine entsprechende Erkundigung bei der Polizei ohne- weiteres hätte festgestellt werden können. Es fand aber auch kein Wort der Rüge für eine Zeugin, die ihre Gegnerin geradezu in das Verderben hineingetrieben hat. Der Revolchrrhelü von Hrünheiüe. Totschlag Wege» eines eingefrorenen Wasserrohrs. Vor dem Schwurgericht des Landgerichts III begann gestern der auf mehrere Tage berechnete Tosichlagsprozeß gegen den Fabri- kanten und Dillenbesstjer Franz Pautsch aus Grünheide, der des vollendeten und des versuchten Tosichlaas angeklagt ist. Die Blut- tat, der ein Menschenleben zum Opfer stel, während ein zweites schwer gefährdet wurde, erregte seinerzeit großes Ausiehen. Die Voruntersuchung hat sich jahrelang hingezogen und hatte eine wechselvolle Porgeschichte. Pautsch ist wiederholt von Gerichts- ärzten und in Irrenanstalten auf seinen Geisteszustanv untersucht worden. Er stand mit aller Welt in Feindschaft. Sein Hauspersonal wechselte ständig, und er erstattete gegen alle Welt Strafanzeige. Wegen seines gewalttätigen und streit- süchtigen Charakters war Pautsch allgemein gefürchtet. Kurz vor dem 19. Februar 1922, an welchem Tage die Revolver- attentate des Angeklagten verübt wurden, waren der Pförtner Georg Magnus und die Wirtschafterin Elise Wolter in der Villa von Pautsch in Grünheide neu in Dienst getreten. Wie alle Porgänger, hatte Magnus auch bald mit seinem' Dienstherrn schwere Differenzen. An jenem Tage war infolge Frostes das Wasserrohr geplatzt. Obwohl der Handwerker, der die Reparatur vornahm, Magnus von aller Schuld freisprach, machte Pautsch ihm die hefttgsten Vorwürfe. Es kam gegen Mittag zwischen Pautsch und Magnus in der Küche nochmals zu einer heftigen Auseinandersetzung. Pautsch zerrte den Portier in den Keller hinunter. Als die beiden zu lange wegblieben, ging die Wirtschafterin ihnen nach und hörte an der Kellertür, wie Magnus rief:„Die Ohrfeige wird Ihnen teuer zu stehen kommen.� Pautsch entgegnete:.Was willst du, frecher Lümmel." Die Wirt- schafterin sah in der geöffneten Kellertllr, wie Pautsch zugleich einen Revolver aus der Tasche zog und auf Magnus zwei Schüsse abgab. Magnus fiel zu Boden ohne noch einen Laut von sich zu geben. Auf den Aufschrei der Wolter drehte sich Pautsch zu ihr um und sie lief, von Schrecken gepackt, davon. Pautsch verfolgte sie und feuerte unter Schimpsworten auf die vor ihm Fliehende auch zwei weitere Schüsse ab. Die Wolter erhielt schwere Schuhoerletzungen, von denen sie erst nach längerem Siechtum genesen konnte. Wegen dieser beiden Taten hat sich nun Pautsch vor Gericht zu verantworten. In weit- schweifigen Ausführungen schilderte der Angeklagte, ein Mann im 32. Lebensjahre, die..schweren Verfolgungen", denen er angeblich sett Jahren seitens seiner Angestellten, der Hausgenossen und der Nachbarn ausgesetzt gewesen sei. Cr behauptete, daß Magnus ihn mit einem Hausschlüssel angegriffen hätte und daß er in der Not- wehr zur Schußwaffe gegriffen habe. Er hatte selbst auch eine Schußwunde im Unterarm und will zuerst angeschossen worden sein. Der Vorsitzende hielt ihm aber entgegen, daß Magnus keine Schuß- waffe besessen habe und daß aus der Pistole des Angeklagten fünf Patronen fehlten, so daß anzunehmen sei, daß er sich selbst nach- träglich, um Notwehr vorzutäuschen, den Schuß beigebracht habe. Nach den ärztlichen Gutachten ist Pautsch eine hypomanische Natur, ein Krakeeler, Zänker und Rechthaber und furchtbar boshaft. Trotz starker Minderwertigkeit wird Pautsch aber für seine Tat verantwortlich gehalten. Die einzige Augcnzeugin der Tötung des Pförtners Magnus, Frau Wolter, ist, wie schon berichtet, von Pautsch ebenfalls angeschossen worden. Nach ihrer Angabe hat Pautschnicht inNotwehr gehandelt. Die beiden Männer standen sich im Keller Brust an Brust gegenüber. Magnus habe Pautsch nicht angegriffen, als dieser den Revolver zog und den Pförtner niederschoß. Auf Antrag des Verteidigers wurden eine Reihe von Zeugen vernommen, die gegen die Glaubwürdigkeit der Belastungszeugin auftraten. Von der Staatsanwaltschaft sind da- gegen zahlreiche Zeugen geladen worden, die Aussagen über den all- gemein gewalttätigen Charakter des Angeklagten machen sollen. Die Verhandlungen werden heute sortgesetzt werden. versuchter Gattenmorü. Tötungsversuch aus leidenschaftlicher Liebe. Einen Mordanschlag auf ihren Ehemann oerübte in der vorver- gangenen Nacht die 48 Jahre alte Ehefrau Klara Anders aus der Anzengruberstraße 11 zu Neukölln. Der Mann, ein 50 Jahre alter Magistratsinspektor, bezog während der Sommermonate mit seiner Frau eine Laub« an der Stubenrauchstraße. Dort wohnte und schlief das Paar auch. Am Sonntag morgen erwacht« der Mann, weil er Schüsse fallen hörte und sah seine Frau mit einem Revolver in der Hand an seinem Bett stehen. Ehe er sich noch ganz ermuntern konnte, feuerte sie noch zwei Schüsse auf ihn ab, die ihn in den Kopf und die P r u st trafen. Trotz der nicht ge- ringen Verletzungen raffte Anders sich auf, kleidete sich an und ging selbst nach dem Krankenhaus in Buckow. Die Kriminalpolizei nahm bald daraus die Täterin fest. Merkwürdig ist das Motiv, das sie für den Mordversuch, den sie nicht leugnet, angibt. Wie sie be- hauptet, hat sie den Mann aus leidenschaflicher Liebe töten wollen. Es wurde festgestellt, daß sie schon früher Mord- versuche an dem Manne gemacht hat. Sie versuchte damals, ihm mit seinem Rasiermesser die Kehle zu durchschneiden, doch erwachte der Mann rechtzeitig und trug nur leichte Schnittwunden an den Händen davon. Ein anderes Mal schoß sie auf ihn, doch versagte die Waffe. Di« Verhaftete hatte einen Äbschiedsbries hinterlassen, aus dem hervorgeht, daß sie ursprünglich die Absicht gehabt hat, sich auch selbst zu töten. Dazu hat ihr Mut wohl nicht mehr gereicht. Frau Anders wurde dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Die Sorge um die Jugenü. Der Bund entschiedener Schulreform er hat im Anschluß an seine Bundesversammlung in Berlin eine öffentliche Tagung zur Erörterung der vorbeugen- den oder heilenden Arbeit des I u g e n d h e l f c r s veranstaltet. In einleitenden Worten betonte der Vorsitzende Prof. Paul O e st r e i ch(Berlin) die Wichtigkeit einer Aenderung der Jugenderziehung. Erringung wirtschaftlicher und politischer Macht setzt recht erzogene Menschen voraus. Ministerialrätin Dr. Gertrud B ä u m e r(Berlin? forderte in ihrem grundlegenden Vortrag über die Ausbildung des Jugend- Helfers, daß neben der notwendigen Kenntnis des Formalen das schlichte Können eines menschlich Helfenden stebt und dies das Beherrschende ist. Es folgten Vorträge von Volkshochschuldirektor Dr. H o n i g s h e i m(Köln? über die Iugendhilfe als soziologische Funftion(Iugendhilfe müsse aus dem Geist der Jugend- bcwegung geboren sein), von Stadtrat Walter Fricdlander (Berlin-Prenzlauer Berg) über die erzieherischen Ausgaben des Jugendamtes(die es ohne Jugendhelfcr nicht erfüllen könne), von Berufsberater Z i e s l e r(Berlin) über Berufsberatung als Lebens- Hilfe. Der zweite Tag brachte einen Vortrag von Prof. Dr. E- v. D ü ri n g(Frankfurt a. M.) über Psychopathie als Erziehung?- und Schulfolge. Der Redner vertrat den Standpunkt, daß nicht die Anlage eines Kindes schicksalbestimmend ist, daß vielmehr die U in g e b u n g, in der es aufwächst, den Ausschlag gibt. Im wesentlichen handelt es sich um S ch w e r e r z i c h b a r k c i t, die auf Erziehungsfehler von Haus und Schule und dadurch bc- wirkte ungünstige Entwicklung der Anlage zurückzuführen ist. Weiler sprachen Lehrcrkii Jäisa Rietz(Berlin! über Schulhilfe an den Geistesschwachen, Stadtarzt Dr. B e j a ch(Berlin-Kreuzberg) über den Schularzt als vorbeugenden Jugendhelfer(Schulpolikliniken seien nötig). Die Mitarbeit der Berliner Polizei bei der Iugendhilfe schilderten Frl. D i t t nlVr, Leiterin der Wohlsahrtsstellc am Polizeipräsidium, und Frl. Wieling, Leiterin der Frauenhilss- stelle am Polizeipräsidium. Am dritten Tag wurde die heilende Tätigkeit des Jugendhelfers erörtert in Vorträgen über Jugend- gericht, Jugendgerichtshilfe, Fürsorgeerziehung. Die Tagung war gut besucht. Im Rahmen der Tagung fand unter sehr starker Beteiligung Der Weg des blinden Bruno. 15] Roman von Oskar Baum. Sie lachte. Sie wußte eigentlich nicht recht, was für einen Scherz er damit meinte, aber es kam ihr schon das spaßig vor, daß in dieses Haus, in dieses Zimmer Schuler kommen könnten: vielleicht kleine Mädchen aus reichen Häusern in Begleitung ihrer Gouvernanten?! „Es erscheint dir komisch, daß ich dich ernähren will? Glaubst wohl nicht, daß ich es könnte?" sagte er mit einer � gewissen verständnisvollen Ueberlegenheit,„sollte es mft den Stunden nicht gehen, kann ich ja stimmen, in Wirtshäusern, bei Tanzstunden aufspielen---" „Oder im Kino, nicht?" Sie lachte. „Ja, ja gewiß!" Er nickte eifrig. „Also sei nicht so dumm und zieh' dich an," sagte sie ein wenig ungeduldig, als wäre alles andere ja auch nach seiner ernstlicheren Meinung Unsinn und Komödie. Und sie stülpte ihm den Hut aus. „Na, nicht doch!" meinte er mit gelindem Vorwurf, fast beleidigt, und streifte den Hut wieder hinunter.„Du hältst mich vielleicht für zu jung, die Tragweite solchen Schrittes zu verstehen. Ich weiß, was ich rede und du darfst nicht glauben, keineswegs, daß ich mein Leben für gering achte. Ich habe eine hohe, eher zu hohe Meinung von den Dingen, die mir vorbehalten sind.— Warum sagst du nichts?" „Wie?" fragte sie aus einiger Entfernung.„Ich richte mir die Frisur." Und man hörte, daß sie den Kopf abgewendet hielt und sich angelegentlich beschäftigte. Etwas hielt sie zwischen den Zähnen.„,. Nach einer kleinen Pause begann er wieder nachdenklich: „Ist es nicht sonderbar, daß zwei Menschen, die nie von ein- ander wußten und ein grundverschiedenes Leben führten, plötzlich, kaum sie sich völlig ungesucht und ungewünscht trafen, sich unlösbar zusammengehörig, gleichsam aneinander- gewachsen fühlen?"„,„ „Also ich bin fertig, sagte sie. Vielleicht hatte sie gar nicht zug.yört..,.. „Ich kann von hier nicht fortgehen."—„Daß du das nicht fühlst!" wollte er sagen, aber es hätte zu bitter ge- klungen.„Fühlst du nicht, daß es dich adelt?" hätte es ge- heißen, und er schämte sich dessen. Wie konnte man dieses gute Mädchen verachten? Eine süße zärtliche Lust, sich ihr zu unterwerfen, durchdrang ihn: von ihr hochmütig behandelt, gescholten, getreten zu werden. „Du, es ist neun vorbei. Wenn du noch vor Nacht zu Hause sein willst, mach' keine Geschichten!" Er schwieg. Es war ihm klar, daß sie eine Antwort ver- langte, daß es sie reizte, wenn er schwieg. Er senkte den Kopf und erwartete ihren Zorn... „Ja, was denkst du dir denn eigentlich?" Sie wollte eben zum Tisch gehen, etwas holen, und blieb auf dem Wege stehen. „Aber geh' doch!" schmeichelte er,„tu' nicht, als ob es dich so sehr wunderte! Du willst es ja vielleicht auch, gibst es nur nicht zu!— Glaubst du, daß es nicht klug ist?" „Aber was denn, was denn?" schrie sie.„Ich weiß nicht, was du willst?" „Nun, einfach bei dir bleiben möcht' ich: ist denn das so schrecklich?" Sie stampfte auf:„Jetzt ist's aber genug!" Sie weinte beinahe. In ihm zog es sich zusammen. Am liebsten hätte er sich vor sie hingeworfen und das Gesicht auf ihre Schuhe gelegt. Aber er war zu streng erzogen, nicht gewohnt, seinen Ein- gedungen zu folgen, auch wenn er von der ernsteren Bedeu- tung ihrer Gründe durchdrungen war. „Ich geh' weg," sagte sie endlich kurz und bastelte auf ihrem Kopf herum— wahrscheinlich setzte sie den Hut aus— „kannst dich dann hier meinetwegen im Sauern einmachen!" Geräuschvoll klappte sie die Klinke nieder, aber noch ohne zu öffnen. „Finde ich dich hier, wenn ich zurückkomme, so rufe ich den Schutzmann." Sie würde sich hüten! Aber das konnte er ja nicht wissen, dachte sie. Sie sagte es auch nicht hauptsächlich als Drohung. Sie hoffte, seine wunderlichen Gefühle durch solche Schroffheit abzukühlen. Wie oft hatte sie sich gesehnt, daß einer ihrer Besucher mehr als vorübergehend Gefallen an ihr fände! Stand nicht öfters in den dünnen Heftchen, die ihr als Romanproben von Hausierern in die Tür gesteckt wurden, von so einer Liebe? Aber diese kindische Demut war nichts dergleichen. Es verwirrte sie das Fremde, Unverständliche seiner unterwürfigen Ergebenheit:„Also ist geh'!" Plötzlich erhellte sich etwas blitzartig in seinen Gedanken. Sein Antrag schien ihr erniedrigend, eine Zumutung, und sie fürchtete vielleicht, er könnte sie überreden� zwingen, sich für ihre Weigerung rächen! Wie hatte er vergessen können, was ein Blinder galt? Sein Gesicht veränderte sich seltsam: nur vorübergehend sammelte sich unnachsichtiger Spott um seinen Mund, dann warf er aufspringend den Mantel um und stand schon bei der Tür. Er sprach kein Wort, stieß selbst die Tür auf und ging davon, als sei sie nun nicht mehr da. Er schritt in dem fremden Korridor mit wilder, verzweifelter Hast entlang der Mauer achtlos vorwärts. Jetzt kam er schon ganz nahe der Treppe. Unrettbar mußte er hinabstürzen. Sie eilte ihm nach. Sie sah ihn schon unten liegen! Eben sanken die Füße, die den erwarteten Grund nicht fühlten, und er griff entsetzt mit den Armen um sich— sie faßte ihn, hielt ihn. Aber er zuckte zusammen, schüttelte sie schaudernd ab. Zusammengekauert lehnte er am Geländer und kühlte das heiße Gesicht an der Wand. „Warum hast du dann aber gerade mich auf der Straße aufgelesen, wenn du es so mit mir meinst? Sag es m'r!— Warum? Ich geh' dann gleich! Gleich geh' ich, wirklich!" Wie krank liegt er da, redet in die Mauer hinein, als fürchte er, dabei angesehen zu werden, dachte sie. Armes Kerlchen! Und sie wunderte sich über ihren Aerger vorhin. „Wenn ich heiraten wollte, würde ich nur dich heiraten." sagte sie schnell.„Du siehst meinem ersten Liebsten ähnlich, dem Grafen. Darum Hab' ich dich mitgenommen. Das war kein schlechter Mensch: der hat mich lieb gehabt! Er wollte mich heiraten. Ja, meiner Scel! Und er hat sich erschossen, weil seine Eltern es nicht erlaubt haben." Bruno hob das Gesucht, richtete sich auf und ging lang- sam mit ihr die Treppe hinunter. Sie sprach sehr angelegent- lich, wurde gar nicht leiser, auch als sie schon auf der Straße waren. Er horchte mit gesenktem Kopf, staunend und begierig. Nicht, daß er alles geglaubt hätte, obgleich er es auch nicht eben für reine Erfindung hielt. Er fühlte nur, wie sie alles aufbot, um ihn nicht auf den Gedanken kommen zu lassen, es könnte sein Gebrechen der Grund sein, weshalb er nicht bei ihr bleiben konnte. „... und da Hab' ich geschworen, nie, nie, was auch käme, zu heiraten. Na ja, du kannst dir denken, daß einen so was aufregen kann!" Und sie sprach, von seiner gerührten Aufmerksamkeit mit- gezogen, immer eifriger, erregter. (Fortsetzung folgt.) eine öffentliche Versammlung statt. Eine lange Reihe von Rednern sprach über das Mahnwort„Deutsches Volk, deine Jugend ruft", u. a. Oestreich, Gertrud Bäumer(die von rechter Jugendhilfe eine Erneuerung des ganzen Volkes erhosst), Pfarrer H. Francke, Honigshcim(der von der Jugend die Völker- Versöhnung erwartet), Hellmuth von Gerlach(die Jugend dürfe es nicht wieder zu einem Krieg kommen lassen), Senatspräsident Frey- muth(die Jugend müsse der Vortrupp für das Recht sein, das mit uns geboren ist), Dr. Siegfr. Bernscld(bis zum 17. oder 18. Lebensjahr müsse die Jugend aus der wirtschaftlichen Produktion heraus- gelöst werden). Einstimmig wurde eine Entschließung ange- nommen. die in der Hauptsache sagt: In der Erkenntnis, daß Deutschlands größter Besitz und wichtigster Zukunftswert die deutsche Jugend ist, fordert die Kundgebungsversammlung, daß dieser Jugend durch Pflege, Schutz, Erziehung und volle begabungsmäßige Ausbildung zu ihrer Totalität verholfen wird. Sie verlangt diese Förderung in erhöhtem Maße für die sozial gefährdete und erkrankte Jugend. Sie fordert zu diesem Zweck, daß unverzüglich an eine großzügige Reform der Ausbildung von Jugendhelfern herangegangen und daß so geschulten Jugcndhclfern überall die Möglichkeit intensiven von allen bureaukra- tischen Fesseln befreiten Wirkens geboten wird, damit olle im Volke schlummernden Kräfte zur Mitarbeit am Werke der Jugend geweckt werden._. der Riesenspritschmuggel. Haftbefehl gegen kiommerzienrat Linnemann. Die Ermittlungen des Grenzzollkommissariats und der Kriminal- Polizei in dem soeben aufgedeckten großen Spritschmuggel der Motor- sachten„Inge" alias„Nixe" sind noch immer in vollem Gange. Zu- nächst wurden die in dieser Affäre bisher festgenommenen Personen, und zwar in erster Linie die Brüder Lindemann auf dem Polizeipräsidium sehr eingehenden Vernehmungen unterzogen, die so belastendes Material ergaben, daß der Vernehmungsrichter, Amts- aerichtsrat Dr. Struckmann, die Haftbefehle sowohl gegen Kommerzienrat Karl Lindcmann. wie gegen seine Brüder Otto und Gustav bestätigte. Das gleiche gilt für den bei der Ueberrumpelung der„Inge" ebenfalls verhafteten Dentisten R ö ß l e r. Frau Bauer, der 19jährige Bauer jun. und der Boots- mann Stahnke aus Schwedt a. d. O., der ebenfalls verhaftet worden ist, werden voraussichtlich im Laufe des heutigen Dienstags vom Vernehmungsrichter verhört werden. Ingenieur Bauer selbst konnte nochimmcrnichtgefaßt werden, obgleich man mit allen Kräften nach ihm forscht. Man nimmt an, daß er sich in der Um- gebung Berlins in einer Laubenkolonie versteckt aufhält. Im übri- gen wurden ini Laufe des gestrigen Tages zahlreiche weitere Per- fönen, die in diese Affäre teils direkt, teils indirekt verwickelt sind, zu Vernehmungen vorgeladen, nach deren Abschluß sie zunächst wie- der auf freien Fuß gesetzt wurden. Es handelt sich dabei um einen Kreis von etwa 20 Beteiligten, und zwar sowohl Sprit- Händlern wie Spritfabrikanten und Inhabern von Automobilbotrie- ben. Die letzteren haben nach dem jedesmaligen Eintreffen der „Inge" den Abtransport des geschmuggelten Sprits bewerkstelligt. Inwieweit aus den Reihen dieser Beteiligten an der Schmuggel- affäre noch weitere Verhaftungen zu erwarten sind, werden erst die Ermittlungen der nächsten Tage ergeben. Fest steht jedenfalls, daß dieser Fall von Tag zu Tag weitere Kreise zieht, so daß die Unter- suchung noch geraume Zeit in Anspruch nehmen wird, bevor über den Umfang der Schmuggelei restlose Klarheit erzielt ist. «Pelikan" wavlel vergeblich auf«Inge". Der flüchtige Ingenieur Bauer ist schon seit langem auf dem Hamburger Hauptzollamt„Ericus" als gewerbsmäßi. ger Schmuggler bekannt. Auf die jetzt erfolgten Veröffent- Eichungen über Bauer melden sich neuerdings zahlreiche Personen, die sich von ihm betrogen fühlen. Ferner ist es gelungen, den Kapi- tän der dem Kommerzienrat Lindemann gehörenden Jacht„Pelikan" festzustellen, mit welchem Schiff bekanntlich aus hoher See die Ab- gäbe der geschmuggelten Spritmengen an die Motorjacht„Inge" er- folgte. Es handelt sich um einen Kapitän Kowitz aus Kiel. Wie wester ermittelt wurde, liegt die Segeljacht„Pelikan" seit dem 29. September wieder außerhalb der Zehnmeilengrenze, ungefähr in der Höhe der Swinemünder Bucht unweit des Feuer- schiffes„Adlersgrund". Dort wartet der„Pelikan" mit einer neuen Spritladung aus Danzig immer noch auf die„Inge"/ die schock unter polizeilicher Aufsicht im Berliner Westhafen liegt. Der Kapitän des„Pelikan" hat anscheinend von der Perhaftung seiner Schmugglergefährten und dech ihm drohenden Schicksal noch keine Ahnung. Das Schiff wird zurzeit von Fahrzeugen der Reichsmarine und den zuständigen Hafenpolizeibehörden beobachtet. Alle deutschen Ostseehäsen sind bereits benachrichtigt worden, daß die Jacht beim Erscheinen innerhab der Zehnmeilengrenz« sofort zu beschlagnahmen ist. Auch Dänemark und Schweden hat man ver- ständigt, welche beiden Länder bekanntlich ebenfalls ein Sprit- Monopol haben und deshalb immer auf der Jagd nach Schmuggler- schiffen sind. Eröffnung Ser preußischen Polizeiwoche. Gestern vormittag wurde im großen Hörsaal der Berliner Uni- versität vom preußischen Minister des Innern, S e o e r i n g, die 4. preußische Polizeiwoche eröffnet, die von der preußischen Verwaltungsakademie Berlin und der„Freien Vereinigung für Pollzei- und Kriminalwissenschaften" mit Unterstützung des preußi- sehen Ministeriums des Innern veranstaltet wird. Ueber 730 Teil- nehmer aus Preußen und aus ganz Deutschland beteiligen sich an den Vorträgen und Führungen dieser Polizeiwoche. Genosse S e o e- ring begrüßte die Teilnehmer mit einigen rückschauenden Worten über die Entwicklung der Polizei und wies auf die große Polizei- ausstellung hin, die Presche in den Wall des Mißtrauens gegen die Polizei gelegt hat. Die Zahl der Polizeibeamten sei durch die Vor- schriften der Entente festgelegt. Unser Streben müsse es sein, man- gelnde Quantität durch Qualität zu ersetzen. Ein Mittel zur Hebung der Qualität seien die Kurse der Polizerwoche, von denen angestrebt werden müsse, sie zu einer dauernden Einrichtung für die Polizei zu machen. Noch Dankesworten des Leiters der preußischen Vermal- tung, Regierungsrat P i e t s ch, eröffnete Regierungsdirektor Dr. Weiß die Reihe der Fachvorträge. Er referierte über das Thema„Polizei und Politik". Dann sprach Professor Dr. Litten von der Universität Königs- berg. Er gab einen Ueberblick über die Beziehungen und Kompeten- zen zwischen Polizei und bürgerlichem Recht. Zunächst gab der Red- ner eine Definition der beiden Begriffe und legte dar, wie sich der Polizeibegrifs im Laufe der Zeiten von der Staatsallmacht bis zur Anerkennung der Natur- und allgemeinen Menschenrechte gewandelt habe. Abends fand in der neuen AutoHalle ein Begriißungsabend der Teilnehmer statt. Ein neuer Juwelenranb.' Ein Seitenstück zu dem großen Iuwelenraub in der Tauentzien- straße wurde, wenn auch in kleinerem Maßstabe, in dem Juwelengeschäft von Schmidt in der Rhcinstraße 12/13 zu Friedenau verübt. Die Verbrecher stemmten vom Keller aus ein großes Loch in die Deck«, krochen hindurch und räumten die ganze Auslage de» Schaufensters aus. In die Hände fielen ihnen Uhren und Schmucksachen im Werte von 28 löv M. Der Juwelier hat für die Ergreifung der Verbrecher und die Wiederbeschaffung der Wertsachen eine Belohnung von 3900 M. ausgesetzt. Gegen die arbeilerseindliche Kirche. Um der Bevölkerung Groß- Berlins zu zeigen, welchen gewaltigen Einfluß die Kirche ausübt und wie die Kirche im arbeiterfeindlichen Sinne wirkt und arbeitet, veranstaltet die Arbeitsgemeinschaft freigeistigcr Ver- bände Groß-Berlins am Dienstag, den 5. Oktober, abends 7 Uhr, 15 öffentliche Versammlungen mit dem Thema:„Gegen die orbeiterfeuldstche Kirche." Die Vernehmungen zu dem Iuwelenraub in der Tauentzien- straße nähern sich jetzt ihrem Ende. Der Bräutigam der Charlotte Spruch, der Schauspieler K., der von dem Raube' erst nach der Tat erfuhr, ist gestern nach kurzer Berhastung wieder entlassen worden. Auch Elisabeth Spruch wird voraussichtlich auf freien Fuß gesetzt werden. In Haft behalten werden lediglich Johannes und Charlotte Spruch.— Die wertvolle Beute, die Spruch gemacht hatte, wird in den nächsten Tagen in der Berliner Polizeiausstellung zu sehen sein, und zwar in der Vitrine, die bisher die erbeuteten Schätze des: Fassadenkletterers Wald enthielt. Gleichzeitig werden Bilder die Ausstellungsbesucher über den Gang der Ermittlung des kühnen Juwelenräubers aufklären. Eine weltliche Schule in Schöneberg. Die Freie Schul- gemeinde in S ch ö n e b« r g ist feit längerer Zeit bemüht, auch hier für die Kinder der Arbeitereltern eine weltliche Schule zu er- richten. Um über die Zwecke und Ziel« der weltlichen Schul« Auf- klärung zu geben, veranstaltet sie am Mittwoch, den 6. Oktober, abends 7 Vi Uhr, eine öffentliche Versammlung in der Aula der 6. Gemeindeschule am Warlburgplatz. Rektor M. Kreuziger wird über„Das wahre Gesicht der weltlichen Schule" sprechen. Eltern, es gilt der Sorge für Eure Kinder! Diesem Ruf sollten recht viele Arbeitereltern folgen und die öffentliche Versamm- lung besuchen. Anmeldungen von Kindern zur weltlichen Schule in Schöneberg werden entgegengenommen von Christlieb Rieth. Wartburgstr. 37, Frau Dr. Röder, Hauptstr. 97, Frau Dora E s ch b a ch, Torgauer Str. 19. Bei der Nachwahl zum Ellernbeirat, die an der Neuköllner 4. Gemeindeschule noch zu vollzieht war, erhielten die Liste „S ch u l a u s b a u" 42 Stimmen und 2 Mandate, die Liste der „Christlich-Unpolitischen" 157 Stimmen und 7 Mandate. Daß in einem Bezirk, wie Neukölln, die sich„christlich-unpolitisch" nennende Reaktion immer noch eine so hohe Stimmenzahl erlangen kann, ist beschämend. Gegenüber der Elternbeiratswahl von 1924 ist aller- dings ein Fortschritt für uns zu verzeichnen: denn damals erhielten an der 4. Schule die„Christlich-Unpolitischen" noch 8 Mandate und die Liste„Schulaufbau" 1 Mandat. Bei der diesjährigen Wahl wurde die für die 4. Schule ordnungsmäßig eingereichte Liste„Schul- aufbau" für ungültig erklärt, ober der Einspruch gegen diese g e s e tz- widrige Ablehnung hatte Erfolg. Die danach notwendig gewordene Nachwahl brachte das Ergebnis, daß den„Christlich- Unpolitischen" wenigstens noch ein Mandat abgenommen wurde. Wäre die Bevölkerung dieses Bezirks bei den Elternbeiratswahlen ebenso wie bei anderen Wahlen sich bewußt» wohin sie ge- Die„Stunde der Lebenden" verliert ihr« Daseinsberechttgung, wenn sie wie am letzten Sonntag mittag ein durchaus unzutreffendes Pild des Dichters resp. Musikers, der gerade behandest wird, ent- wirft. H e rm a n n Essig, der früh Verstorbene, lebt in seinen Werken heute noch, auch wenn die Theater aus unerkennbarem Grunde die Existenz seiner Komödien und Dramen einfach ableugnen, trotzdem sie sich nicht in Jammern genug tun können, es gäbe keine theaterwirksamen Stücke mehr. Aber Essig ist kein Blaublümchen- mann, sondern ein derbbesaiteter Ironiker und Realist, bissig, handfest, keine gesellschaftlichen Verschleierungen kennend, derb einschlagend und nur schwer verdaulich für sanfte Gemüter. Wenn nun dieser Hermann Essig dem Rundfunk zu ungebärdig ist, dann sollte er ihn nicht bringen, doch eine Entstellung erübrigt sich. Natürlich kann ein halbstündiger Vortrag aus den Werken irgendeines Schriftstellers kein vollständiges Bild geben, aber man müßte die Stücke aus- wählen, die für den Dichter am bezeichnendsten sind. Das tat man nun gar nicht. Was Wolfgang Z! l ze r und Franze R o l o ff übrigens ausgezeichnet lasen, zeigte kein charakteristisches Bild Essigs. Ebenso wenig oerstand es der einführende Redner trotz der Länge seines Vortrags, einen Umriß des Dichters zu zeichnen. Ganz anders' Ja nnings,der„ProblemederSchauspiel- tun st" behandelte. Er sagte nicht Bedeutendes, aber er sprach so anspruchslos, so packend und dabei so einfach, daß man großes Ver- gnügen daran fand. Der„Heitere Abend" erhielt feine Note durch ein gutes, russisches Balaleika-Orchester, das sich hauptsächlich in Melancholien gefiel. Wäre Franz von Assisi nichts weiter gewesen als irgendein deko- ratioer Heiliger, dann würde eine Franziskus-Fcier aus'Anlaß seines siebenhundertjährigen Todestages im Rundfunk überflüssig sein, doch dieser Heilige war daneben auch einer der gütigsten, reinsten uno edelsten Menschen, der Erweckcr eines neuen Lebens- und Natur- aefühls, dessen Einfluß weit in die Renaissance hineinreicht. Dr. Karl Sonnenschein umreißt das Bild dieses großen Menschen in feinen, kultivierten Worten, aber hinter der ruhigen Hol- tung verbirgt sich seine Liebe zu Franziskus. Dann spricht Karl E b e r t den Sonnengesang des Heiligen. Wie einfach sind diese Verse empfunden, so prunklos und so naturverbunden. Es folgest einige Legenden. Ebert liest sie vorbildlich ohne jedes Pathos, ruhig crferierend und doch durchglüht, er spricht sie für Kinder mit einer liebenswürdigen Herbheit, mit verhaltenem, gütigem Humoi/. Liszts Bergsinfonie und Wetzlers etwas sacharinierte Leaende für Orchester„Assisi" umrahmen die Feier. Michael von Z a d o r a spielt kalt und unberührt, doch Nar und mit technischer Virtuosität die„Vogelpredigt" von Liszt. Am Nachmittag singt Pente R o o s- Reuter Lieder von Wof und Mozart. Die Stimme klingt frisch und ausgeglichen. Käthe Heinemann spielt mit zartem Anschlag Chopin und Mozart. Das Rundfunkprogramm. Dienstag, den 5. Oktober. Außer dem üblichen Tasrosprogramm: 12.30 Uhr nachm.: Die Viertelstunde für den Landwirt. 4.30 bis 6 Uhr abends: Russisches. Anschließend: Ratschläge fürs Haus, Theater- und Filmdienst. 6.30 Uhr abends: Stunde mit Büchern. Karin Michaelis:„Die kleine Lügnerin". Heinrich Mann:„Liliane und Paul". Stefan Zweig:„Verwirrung der Gefühle". Hans Brandenburg:.Traumroman'. B.55 Uhr abends: Dr. Ernst Cohn-Wiener:„Eine Reise im Herzen Asiens".(2. Teil). 7 20 Uhr abends: Hans-Bredow-Schule fBildungskiirse). Abteilung Wirtschaftslehre. Dr. Oskar Stillich:„Einführung in die Nationalökonomie'(Privat- und Volkswirtschaft). 7.50 Uhr abends: Einführung zn dem Rendespiel„Euryanthe" am 6. Oktober. 8.15 Uhr abends: Alfred Schattmann: Einführung zu dem nachfelgenden Orchesterkonzert. 8.30 Uhr abends: 200 Jahre Orobestermusik. VI. Mendelssohn. Dirigent: Georg Szdll von der Berliner Staatsoper. Solist: Francis E. Aränyi, Violine. 1. Ouvertüre zu„Ein Sommemaohtstraum". 2. Konzert für Violine und Orchester op. 64, E-Moll, Allegro, molto appassionato— Andante— Allegretto non troppo— Allegro molto vivace(Francis Aränyi). 3. Sinfonie A-Dur(italienische Sinfonie) Nr. 4. Allegro vivace— Andante con moto— Con moto moderato— Presto(Berl. Funkorchester). Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. Königswusterhausen, Dienstag, den 5. Oktober. 3— 3.30 Uhr nachm.: C. M. Alfieri und v. Eyseren; Spanisch. 3.30— 4 Uhr nachm.: Prot Dr. Lewandowsky; Die akuten und ansteckenden Krankheiten des Schulalters. 4— 4.30 Uhr nachm.:■ Jugendsprechchor(Karl Hahn, Leiter der Jugendbühne, Nieder- schönhausen). 4.30—5 Uhr nachm.: Aus der pädagogischen Welt. 5— 6 Uhr nachm.; Prof. Dr. Gunkel: Die literarische Bedeutung des Alten Testaments. 6—6 30 Uhr abends: Prof. Matschoß: Große Männer der Technik 7—7.30 Uhr abends: Professor phil. Wegner: Niststätten für Freibrüter, Vogelfreistätten. 7.30—8 Uhr abends: Stunde mit Büchern. Dr Paul Fechter: Das Werk Georg Trakis 3—8.30 Uhr abends: v. Wilaraowitz-Möllendorff: Das griechische Drama ist Schauspiel. 8.30 Uhr: Uebertragung ans Berlin. hört, dann könnte es mit der Herrschaft der„Christlich- Unpolitischen" rasch vorbei sein. Die nächste Elternbeiratswahl muß uns diesem Ziel näher bringen. � Direkte Zugverbindung nach Tveslerland. Der Bau des 11 km langen Damines durch das Wattenmeer nach Sylt hat im Laufe des Sommers außerordentliche Fortschritte gemacht. Mit sechs Spül- baggern sind täglich etwa 29 999 Kubikmeter an dem Damm auf- gespült worden. Nunmehr werden von dem Festland und der Insel aus mit Trockenbaggern Erdmassen aus die Spülslächc gebracht. Das ist bereits über eine Strecke von neun Kilometern geschehen. Zu er- ledigen bleibt dann nur noch die Pflasterung der Dammfüße. Man rechnet damit, die Arbeiten in den nächsten Monaten so fördern zu können, daß am 1. Juni die direkte Eisenbahnverbindung nach Sylt in Betrieb genommen werden kann. Die Fahrt der„Barbara". Das Rotormotorschiff„Barbara" ist jetzt von seiner ersten Reise nach Spanien und Italien wieder im Hamburger Hafen eingetroffen. Die Reise ist vollständig normal verlaufen. In sämtlichen Anlaufbäfen in Spanien und Italien und an der spanischen Küste hat die Ankunft des Schiffes die größte Aufmerksamkeit sowohl der Regierungs- als auch der Fachkreise erregt. Ate!« Schulgemelnde Schöneberg. Leffentliche Veriammlung Mittwoch, 6. Oltobcr, 7Y, Uhr in der Aula der 6. Gemeindeschule am Wartburgplatz. Rektor Kreuziger spricht über„Das wahre Gesicht der wettlichen Schule." furchtbares Cxplosionsunglück in Hamburg. Vier Kinder von Handgranaten zerrissen. 3n einem an der Freihasenstraße in Hamburg gelegenen Schrebergarten erfolgte gestern in einer Laube eine heftige E x p l o. f i o v. herbeigeeilte Polizeibeamte fanden vier Kinder, zwei Knaben im Alter von 10 and 5 öahren und zwei Mädchen im gleichen Alter. mit zerrissenen Gliedmaßen in einer völlig zertrümmerten Laube vor. Drei Kinder waren bereits t o l, das vierte starb bald nach der Einlieferung ins Krankenhaus. Es stellte sich heraus, daß die Kinder In der Laube mit Hand- g r a n a t e n gespielt hatten, wobei eine der Granaten explodierte und die Kinder zerriß. Die Handgranaten stammten aus der Laube eines Schlächters Schnov, in dessen Laube noch weitere Waffen gefunden wurden. Schnov wurde festgenommen, bestritt jedoch jeden unrechtmäßigen Erwerb der Handgranaten und will auch von dem Vorhandensein der Waffen in seiner Laube nichts gewußt haben. Die Untersuchung ist eingeleitet. Gastoö im Eisenbahntunnel. Neun Eisenbahner erstickt.— Zug im Tunnel stecken geblieben. Infolge akmosphärifcher Einflüsse wurde, wie au, Peru ge- meldet wird, am Montag der Abzug des Bauches im Rlckenlunnel(Kanton St. Gallen) dermaßen gehemmt, daß das Personal des vor 12 Uhr die Station Sallbrunn in der Richtung nach Waltwil verlassenden Güterzuges durch die Sohlen- gas« betäubt wurde und der Zug im Tunnel stecken blieb. Die von der Station Waltwil mit Sauerstoffapparaten eingeleiteten Rettungsversuche mußten aufgegeben werden, weil das bei der Rettung beteiligte Personal der Gasvergiftung zu erliegen drohte. Immerhin gelang es. de« Heizer des Zuges in bewußtlosem Zustande nach Wotlwil zu bringen. Zurzeit werden vom Südportal her neue Rettungsversuche mit Gasmasten unternommen. Räch den neuesten Feststellungen sind neu« Mann des Im Tunnel befindlichen Zug- und Lotomotivpersonals den Vergiftungen erlegen. Sport. Longardl-Behrendl Sieger im.Z-Stunden-Rennea. Der letzte diesjährige Renntag der schmucken Rütt- Arena wies sehr guten Besuch auf. Das Abschiedsprogramm brachte«in 3-Stunden-Mannschaftsfahren. Zwölf Paare hatten hierzu gemeldet. Den ersten Vorstoß unternahm der Franzose Lacquehay, allerdings ohne Erfolg. Dann gelang es W a m b st- Lacquehay und Longardt-Behrendt, das Feld zu überrunden. Bei den Wertungen, die alle 15 Minuten ausgefahren wurden, hatten Longardt-Behrendt die meisten Punkte auf sich vereinigt, so daß sie schließlich die Führung neben Corry-Knavpe innehatten. Alle anderen Fahrer lagen eine bzw. mehrere Munden zurück. Beide Führungs- paare wußten geschickt ihren Vorsprung zu halten und zu ver- größern. Die letzt« Wertung brachte den Sieg der Mann- schaft Longardt-Behrendt. Sie holte sich zehn Punkte, zwei mehr als Corry-Knappe. Im Gesamtresultat hatten die Sieger 39 Punkte(122,759 Kilometer gefahren). Zweite Mannschaft wurde Corry-Knappe, 27 Punkte. Zwei Runden zurück: 3. Nebe-Passenheim, 49 Punkte. Abschlußrennen der Olympia-Radrennbahn. Der unwiderruflich letzte Renntag der Olympio-Rabr«nnbahn findet am 19. Oktober statt. Auch dieser Renntag hat wieder«in« aus- gezeichnete Besetzung gefunden. Im„Großen Steher- Kriterium", einem Stundenrennen, werden sich deutscherseits der Bahnmatador Walter S a w a l l, der Hannoveraner Erich Möller und der auf der Rütt-Ar«na bei seinen ersten Starts als Dauer- sahrer glänzend gefahrene Koch dem Starter stellen. Zu diesem* drei deutschen Fahrern kommen noch drei weitere Fahrer der inter- nattonalen Extraklasse, und zwar der Franzose Maronnier und die beiden Pelgier, der Sechstaqesieger A erts und der Exwelt- meister Vanderstuyft. Zwei kurze Dauerrennen über 19 und 29 Kilometer gehen dem Sttmoenrennen voraus. Rennbeginn 2>- Uhr. Rennen zu Mariendorf am Monkag. den 4. Ottober. I.Rennen. 1. Baron Silvester lA. Flnn), 2. Turiddu sRöhl). 3. Benedict(Jaug jr.). Toto: 39: 10. Platz: 16. 18, 25: 10. Ferner liefen: Punler, Leuchtturm, Jsarwelle, Kronsbeere, O'Capt. Leerberg, Lampe, Edelsteins Sohn, Kasimir. Holofernes, Wintermärchen, Dele Marion, Lucie Halle. Charade. Kinostern. Punier, Eosimo. 2. R e n n e n. 1. Wichtelmann(Grotzmann), 2. Jngelinde(B. Heckert), 3. Quintessenz(W. Freund). Toto: 25:10. Platz: 14, 16, 19:10. ferner Uesen: Alcibiades, MInni Halle, Farmer, Athener, Dikar, GlückSvogel, Karo Bube. Millionär. 3. R e n n e n. I. Ocean-Girl(I. MillS), 2. Heroftrat(B. Heckert), 3. Interessent(W. Lemzer). Toto: 132: 10. Platz: 20, 15, 25: 10. Ferner liefen: The Kitty, MrS. BoSworth, Königsadler, Jmportation, Dioisionär, Cotta. 4. R e n n e n. 1. LebenSkllnsUer(Ch. MillS), 2. Peiruschfa(I. Mills). 3. Manrico Hollesilorfplatz Gastspiel d. Moskauer klinstler. Theaters Habima 8 Uhr: Dybuk Volks büh ne FMr am BQlowpiatz 8 Uhr: Syeistrata Morgen 8 Uhr; Sysistrafa Tb. am Sdiiffbauerdamm Täglich 8 Uhr: Oas Grabmal des unbekannten Soldaten. Hctroaoi- Theai, läglich s Uhr: D'e grolle Revue WleilEf Metropol sesweni-Th. s>/, ÄtutEißenaattier Eintritt Jugendlichen verboten Thaila-TliealerC uhr: DeriiiMz Regie: Berth. Viertel Tbeitet des Westens g Der Zug nadbd. Westen Wallner-Th. Allabendlich 8 U der groCeErfolg d. Volksstückes „flasemanns TDditer" Park.2.-,II.Rang 1.- Vorverk.TheaL-K. u.bei A.Wertheim. KleinesTheater Täglich 8 Uhr: Mittw. nachm. 4Uhr Gr. Kindervorstellg. IdioeEwitldien | Tägl.8'/as jjpoBc Abenteuer Lessing-Thealer heute TV.Uhr: Premiere nensoi und teoermenuti Th. e.MrsMimii 8 Uhr: Revue: Es geht sdinnbesstf Luslspielhaus u�KukuK Circws eysen E3h?5r3l.fll(ti 4 Wallendas Turmseil-Akt Nach der Vorst; Ii, Rathausturm- höhe üh d.Clrcus- Kuppel u. d. Bbr. Cinc.• Attraki. Du'.nli;. iukdiilra da olles Papa Wränget u.a. H- Sdilol-Winfr-üt Sr Mutter, sieh mall Kostproben gratis!- Ausschank vom FaB! Hunderttausende von Litern arstklasalgar Weine salangen zum Verkauf I Telnster edSer Aplelwetn, ea. I4°|,.... Liter 7S Pf. Feinster außer Johannlebeerveln. an. 14 0J. Liter 95 Pf. Echter Tarragons, unverschnitten, sa. 18°la Liter 1,30 Sohler Malaga, nnverechnittoQ, es. 18»|,... Liter 1.60 Echter IlaL Wermnlfa............ Liter 1.75 Eohtar Insel Samoe, unverschnitten, CR. 17°/. 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Dem Abschluß des internationalen Eisenkartells gingen Ver> Handlungen voraus, in denen die Schwerindustrie sich die Zustimmung der Eisenverarbeiter zu dem Plan eines internationalen Kartells gesichert hat Die Rohstahlgemeinschast, Düsseldorf, und dieArbeitsgemcinschaftderEisenverarbeiten. den Industrie, deren Geschäftssührung sich in den Händen des Vereins Deutscher Maschinenbau-Anstalten besindet, veröffentlichen darüber folgende gemeinsame Erklärung: Di« Verhandlungen über eine internationale Eisenverständigung haben zu einem Abkommen zwischen den Eisen schaffenden In- dustrien Deutschlands, Frankreichs, des Saargebiets und Luxemburgs gesührt, das die Gründung einer internationalen Rohstahlgemein- schaft zum Gegenstand hat. Ferner ist mit den Eisenerzeugern Frankreichs, des Saargebiets und Luxemburgs ein Abkommen ge- schlössen worden, das die Einsuhr bestimmter Mengen von Roh- eisen, Stahl- und Walzwerkserzeugnissen aus diesen Ländern nach Deutschland vorsieht Ueber die Einzelheiten dieser Abkommen wird noch berichtet werden. An das Zustandekommen dieser Vereinbarungen wird die H o f f- n u n g geknüpft, daß der europäische Eisenmarkt, der in den letzten Jahren schweren Erschütterungen ausgesetzt war, im Interesse der europäischen Erzeuger und Verbraucher eine Beruhigung er- fährt. Ferner wird erwartet, daß die wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zwischen den beteiligten Ländern dadurch eine Besserung erfahren tr«rden. Da die deutsche Eisen verarbeitende Industrie be- f ü r ch t e t e, ein internationales Zusammenwirken der Eisen schassen- den Industrien könne als unbeabsichtigte Rückwirkung schwere Schädigungen für die deutsche Eisen verarbeitende Industrie im Ge- folge haben, ist vor dem Abschluß der internationalen Vereinbarun- gen in häufigen und eingehenden Besprechungen zwischen den Führern der deutschen Eisen schassenden und Eisen verarbeitenden Industrie eine Einigung über folgende Punkte erzielt worden, die den wirtschaftlichen Bedürfnissen beider Teile Rechnung tragen sollen: Der Inhalt der Vereinbarung. k. Das Ziel der internationalen Eisenvereinbarungen soll eine Angleichung der Erzeugung an den Verbrauch und eine Regelung der Auslandspreise für Eisen sein. Die Verein- barungen sollen sich keinesfalls nur auf eine Regelung der gegen- fsitigen Belieferung der Jnnenmärkte der am Eisenpatt beteiligten Länder beschränken, sondern vor allem die gegenseitige Unter- bietung auf den Ausfuhrmärkten für Eisen bejeiti- gen, die den verarbeitenden Industrien des Auslandes gegenüber den inländischen Eisenverbrauchern vielfach besondere Vorteile brachte. 2. Die Vereinbarungen sollen nicht dazu führen, auch die In- landspreise der deutschen Syndikate oder händlerverbände zu er- höhen, jedoch verzichtet die Eisen schaffende Industrie bei Einhaltung dieser Vereinbarung nicht darauf, ebenso wie die Eisen verarbeitende Industrie aus einer etwa eintretenden allgemeinen Konjunk- t u r einen angemessenen Nutzen zu ziehen. Im übrigen soll Hand in Hand mit der Hebung der Aussuhrpreise der Unterschied zwischen Auslands- und Jnlandseffektivpreisen verringert und möglichst bald ganz zum Verschwinden gebracht werden. Um den süddeutschen Verhältnissen besonders Rech» nung zu tragen, werden die von Deutschland aufzunehmenden Eisen- einsuhrkontingente aus Lothringen, Luxemburg und der Saar von den Produzenten den deutschen Verkausssyndikaten angedient, aber auf dem Wege über die bisherigen normalen Bezugskanäle verkauft werden; ferner soll die Preispolitik für Eisen in Süddeutsch- land so aehandhabt werden, daß etwa die Dorkricgsrelation zwischen den süddeutschen und norddeutschen Eisenpreisen, welche früher die Grundlage für den standortsmähigen Aufbau der Industrien ge- geben hat, eingehalten wird. Die Ausfuhr der deutschen Eisen verarbeitenden Industrie darf durch die internationalen Eifenabmachungen nicht beeinträchtigt werden. 3. Um die stets als notwendig erkannte Auswirkung der pri- vaten internatioizalen Eisenabmachungen auch auf die staatlichen Handelsverträge sicherzustellen, besteht Einverständnis zwischen beiden Industrien, daß die Genehmigung der privaten Eisenabmachungen durch die deutsche Reichsregierung davon abhangig zu machen ist, daß in dem deutsch-französischen staatlichen handets- verlrag in absehbarer Zeit so weitgehende Zugeständnisse von sran- zösischer Seile für die Aussuhr der deutschen Eisen verarbeitenden Industrie— darunter mindestens die de facto Meistbegünstlgung— gemacht werden, daß eine günstige Exportmöglichkeit nach Frankreich gesichert ist. Aus dem gleichen Grunde soll in den privaten Sonderocreinbarungcn mit der französischen bzw. der bei- gisch-luxemburgischen Industrie die Möglichkeit vorgesehen werden, diejenigen Abmachungen, welche die von der deutschen Eisen schaffen. den Industrie zu übernehmenden Eisenkontingente betresten, bei Ablauf oder außerfristlichem Außerkrafttreten des dcutsch-französi- schen bzw. deutsch-belgischcn staatlichen Handelsvertrages jederzeit zu kündigen. 4. Die Firma Vereinigte Stahlwerke A.- G. hat sich in der Erkenntnis, daß eine Beschränkung sowohl der Eisen schassen- den wie der Eisen verarbeitenden Industrien auf ihr eigenes Pro- duktionsgebiet ebensosehr im Interesse einer gesunden, Volkswirt- schastlichen Weiterentwicklung, wie einer wünschenswerten Zusammen- arbeit und Verständigung der beiden Jndustriegruppen liege, durch ein Sonderabkommen mit der Arbeitsgemeinschaft der Eisen verarbeitenden Industrie bereit erklärt, über ihren jetzigen Anteil an der oerarbeitenden Industrie nicht hinauszugehen. Da die verarbeitende Industrie ein stärkeres Eindringen der Eisen schaffenden Industrie in die Eisen verarbeitende Industrie als ein« Schädigung ihrer Interessen betrachtet, haben die Vertreter der Eisen verarbeitenden Industrie den Wunsch zum Ausdruck gebracht, daß auch die übrigen Konzerne der Eisen schaffenden Industrie sich der Erklärung der Vereinigten Stahlwerke A.-G. anschließen. 5. In Anbetracht der Wichtigkeit der internationalen Eisen- Verhandlungen für die Eisen schaffende Industrie erklärte sich die Eisen verarbeitende Industrie trotz der eingangs erwähn- ten Befürchtungen bereit, dieser internationalen Vereinbarung keine Schwierigkeiten in den Weg zu legen, solange nach den Bestimmungen und im Sinne des vorstehenden Ab- kommens sich Schädigungen für die Eisen verarbeitende Industrie nicht ergeben. Unter diesen Voraussetzungen besteht bei der Eisen verarbeitenden Industrie auch nicht die Absicht, von sich aus eine autonome Aenderung der gegenwärtigen deutschen E i s e n z 0 l l- s ä tz e zu fordern, solange diese Zollsätze für die Eisen schaffende Industrie als Grundlage ihrer internationalen Ver. Handlungen unentbehrlich sind. Bei Meinungsverschiedenheiten, die in der Wahrnehmung der beiderseitigen Belange austauchen, soll in Verhandlungen eine gegen- seilige Verständigung angestrebt werden. f Das Zusahabkommen. Diese Abrede ist ergänzt durch ein besonderes Abkommen zu dem obenerwähnten Punkt 4, das einen Gegenseitigteitsvertrag zwischen der Schwerindustrie und den Eisenoerarbeitern darstellt und den folgenden Wortlaut hat: Die Vertreter der Vereinigten Stahlwerke A.-G. und die Vertreter der Eisen oerarbeitenden Industrie sind sich darüber einig, daß die Aufgaben der Eisen schaffenden bzw. der Eisen oerarbeitenden Industrie je auf ihre eigenen Produk- tionsgebiete beschränkt bleiben sollen und daß ein Ueber- greifen einer der beiden Industrien auf das G:biet der anderen grundsätzlich vermieden werden soll. Eine Beschränkung jeder der beiden Industrien auf ihr eigenes Gebiet liegt ebensosehr im Interesse einer gefunden, oolkswirtschastlichen Weiterentwicklung, wie einer wünschenswerten Zusammenarbeit und Verständigung. Im Sinne dieser Uebereinstimmung haben die Gründergesell- schaften der Vereinigten Stahlwerke mit ihrem Zusammenschluß— wie bekannt— dem Gedanken der Rationalisierung der Schwer- industrie, das heißt des Steinkohlenbergbaues, der Eisen- und Stahlerzeugung sowie der Gewinnung von Nebenerzeugnissen dieser Industrien, Geltung verschaffen wollen. Ebensosehr wie die Ausnutzung aller wirtschaftlichen Mäg- lichkeiten im Rahmen dieses Zusammenschlusses und etwaiger künstiger Zusammenschlüsse mit industriellen Unternehmungen von wirtschaftlich wesensgleicher Struktur, liegt im Sinne dieses Grundgedankens auf der anderen Seit« die Ablehnung eines planmäßigen Eindringens in die Zweige der Eisen verarbeitenden Industrie (vertikal« Trustbildung). Ein über den bisherigen Rahmen hinaus- gehender Anschluß von Verfeinerungsbetrieben wird somit abgelehnt, unbeschadet des organischen Ausbaus der schon in den Vereinigten Stahlwerken vorhandenen Maschinenfabriken und dergl., wobei auch hier der Status quo des Anteils der Vereinigten Stahlwerke an der Gesamtproduktion der Eisen verarbeitenden Industrie nicht über- schritten werden' soll. Soweit die Vereinigten Stahlwerk« weiterver- arbeitende Werk« besitzen, werden die Unterzeichneten dahin wirken, daß diese Betriebe sich mit der verarbeitenden Industrie in den in Betracht kommenden Verbänden gleichberechtigt zusammen- schließen und für sich keine Ausnahmestellung beanspruchen. Bei Streitfällen werden die Parteien zunächst die Regelung der Ange- legenheit durch ein Schiedsgericht oersuchen. Sollten wesentliche Veränderungen der Wirtschaftsverhältnisi« eintreten, die die Grundlage dieser Erklärung wesentlich verschieben, so werden die Vereinigten Stahlwerk« A.-G. in jedem Falle zunächst durch Verhandlungen mit der Arbeitsgemeinschaft der Eisen verarbeitenden Industrie«inen Weg der Verständigung suchen. » Während der erste Teil des Vertrages schon seit längerem inhaltlich bekannt ist und heute nur noch programmatische Bedeutung hat, ist die Abrede zu Punkt 4 von größerem Allgemeininteresse. Sie bedeutet, daß die Schwerindustrie den Gedanken der Vertikal- konzentration vollständig aufgibt und der Ver- arbeitungsindustri« keine wesentliche Konkurrenz mehr zu machen verspricht. Noch vor drei Jahren war die herrschende Auffassung unserer Jndustrieführer f ü r den Vertikaltrust. Natürlich handelt es sich nur um«in Geschäft auf Gegenseitigkeit: die Ver- arbeitungsindustrie sollt« eben mit diesem Versprechen zur An- «rkennung des Eisenpaktes bewogen oder wenigstens dahin bestimmt werden, der Schwerindustrie in der Staatspolitik keine Schwierig- leiten zu machen. Trotzdem oerdient festgehalten zu werden, daß hier die Führer der Schwerindustrie, die sich sonst gern als die unfehlbaren Führer der Gesamtwirischast hinstellen, öffentlich den Bankrott ihrer früheren Wirtschaftspolitik erklären. Im übrigen haben sich beide Kontrahenten noch mancherlei Hintertüren vorbehalten, was man bei einer sorgfältigen Lektüre des Vertragswerkes leicht herausfindet. Insbesondere legt die verarbeitende Industrie darauf Gewicht, daß sie mit ihrer Zusage nur vorläufig auf eine Erhöhung der Eisenzöll« verzichtet, sich aber im übrigen handelspolitisch nach keiner Richtung gebunden fühlt._ Umgruppierungen in öer Stahlindustrie. Vor einem mitteldeutschen Slahltrust? Wir haben kürzlich mitgeteilt, daß die Eisengroßhandelssirma O. Mansseld u. Co., Berlin, ihr Aktienpaket an den Sächsischen Guß- stahlwerken Döhlen an ein dem S t a h l t r u st nahestehendes Bankenkonsortium oerkauft und die Gußstahlwerke Döhlen ihrerseits die Firma Mansseld u. Co. erworben habe. Jetzt wird gemeldet, daß die Bankengruppe unter Führung der Deutschen Bank das Paket vorläufig behalte und es auch nicht an den anderen Groß- aktionär der Gußstahlwerke Döhlen(Aquila A.-G. Frankfurt 3 Mil- lionen von 7 Millionen) verkaufen werde. Der Stahltrust seinerseits bestreitet ebenfalls den Erwerb. Das mag an sich richtig fein. Dennoch darf angenommen werden» daß der Stahltrust an dem Kauf durch das deutsche Bankkonsortium interessiert ist. Es ist näm- lich wahrscheinlich, daß unter Führung von Linke-Hofsmann es zur Bildung eines mitteldeutschen Stahltrusts kommen wird, in dem die Vereinigte Stahlwerke A.-G. das ihr gehörige Weber- werk- Brandenburg einbringen soll und der mit der Eisenhandels- firma Mansseld wohl seine Werkshandelsorganisation ausbauen wird. Der Hintergrund dieser Transaktion der Firma Mans- feld u. Co. erfährt übrigens eine interessante Beleuchtung durch eine andere Mitteilung. Danach hat der Inhaber Rohde der Firma Mansseld u. Co. den Erlös der Verkäufe dazu benutzt, vom Stumm-Konzern die Mehrheit der bisher von diesem beherrsch. ten Gelsentirchener Guß st ahlwerke zu erwerben, womit auch mehrere andere Werke und eine Anzahl Beteiligungen(Hage- ner und Annener Gußstahlwerke, Brenne, Haugarter u. Co., Preß- und Hammerwerke Dahlhausen) an den srüberen Eisengroßhändler Rohde kommen. Dieser scheint also vom Eisenhandel ganz auf die Stahlproduktion hinüberzuwechseln. Er folgt damit dem Beispiel Otto Wolfs, der bekanntlich sehr frühzeitig seine Betätigung im Eisengroßhandel mit der Rolle des Großaktionärs im PhäTUjionzern vertauscht hat. 5 Vroz. Dividende im klöckner-konzern. Der erste Geschäftsabschluß der großen Ruhrmontankonzerne zum 30. Juni wird dem- nächst der öffentlichen Kritik unterstehen. Aus der Aufsichtsratssitzung der Klöckncr-Werke A.-G. wird ein Betriebsüberschuß von 24,92 Millionen(im Vorjahr 19,57 Millionen) gemeldet, aus dem nach Absetzung der Steuern(5,58 gegen 7,52 Millionen�, sozialen Lasten mit 5,97 Millionen und Obligationszinsen mit 0,96 Millionen ein Roh gewinn von 12,41 Millionen und nach Ab- zug der Abschreibungen mit 7,07 Millionen ein Rein gewinn von 5,34 Millionen verbleibt(im Vorjahr 0,45 Millionen). Daraus werden 5 Proz. Dividende verteilt. Die Börse erwartet, daß auch der Ruhrmontantrust schon in diesem Jahr eine Dividende verteilen werde. Konkurse und Geschäflsaussichten im September. Nach Mit- teilung des Statistischen Reichsamts wurden im September d. I. durch den Reichsanzeiger 467 neue Konkurse— ohne die wegen Massemangels abgelehnten Anträge auf Kenkurseröffnung— und 147 angeordnete Geschästsaussichten bekanntgegeben. Die entsprechenden Zahlen für den Vormonat stellen sich auf 493 bzw. 228. Die Kohlenpreiserhöhung und ihre Genehmigung. Das Ruhr- kohlensyndikat hat bekanntlich eine beträchtliche Preiserhöhung für wichtige Kohlensorten beschlossen und ab 1. Oktober in Wirksamkeit treten lassen, nachdem der Reichswirtschastsminister die Erhöhung nicht beanstandet hat. Nach der Industrie- und Handelszeitung hat der Reichswirtschastsminister jedoch verlangt, daß die Aufrecht- e r h a l t u n g der Preiserhöhungen in den Ausschußsitzungen des Reichskohlenrats und des Reichskohlenoerbandes besprochen werden soll. Am 20. Oktober soll serner«in« gemeinsame Sitzung des Reichskohlenrats und des Reichskohlenverbandes stattfinden, auf der in erster Linie die Rücknahm« der den Syndikaten des be- setzten Gebietes übertragenen selbständigen Preisfestsetzung beschlossen werden soll. Die Festsetzung der Kohlenpreis« wird demnächst also wieder zentral erfolgen. Diese cpeAfi& wird stark begehrt! /Cv.-XrnÄni 44 Uhr. bei Ziosin, Gubener Etr, 19,'Kreisnorstandsflttung mit den Abteilungsleitern, Di« Mitglieder des Kreises werden aufgefordert, sich an dem Herbswergnügcn der SS. Abt,»u beteiligen. Tanz und humoristische Vorträge. Eintritt l M. Das Vergniigcn findet am Sonnabend, 9, Oktober, in der«Alten Taverno", Alt-Gtralau, statt. Anfang 8 Uhr. Ende??? 7. Krei» Sharlottenbnrg. Zsreie Schulgcmeindc, Elternbeiräte und deren Ersah versonen: Donnerstag, 7, Oktober, 7!4 Uhr, in der Aula der Kaiser ssriedrich-Echule, Knesebcckftr. 2-4, am Saoignnplas,, Versammlung aller Schulfreunde. Vortrog des Herrn Justus Popp über:«Charakterbildung und Willensstärke des Kindes". Alle Schul- und Erziehungsinteressierten sind hierzu eingeladen. IL Krej, schöneberg-Zriedenau. SPD.-Sportler.-Radfahrer.-Turner usw. werden gebeten,' am Dienstag, S. Oktober,«O Uhr, zu einer Besprechung bei König. Jeurtg- Ecke Prinz-Seorg-Strasie, zu erscheinen. Mitgliedsbuch legitimiert. 13. Krei» Tempclhof, Raricndorf, Marienselbt, Lichtenrade. Sonnabend, 9. Oktober. freihalten für dcn'KunstabcnIn Heitere Musik und Tanz im ffestsaal des Gymnasiums Maricndorf. Mitwirkende: Gertrud Wolf, Frie- del Vcier und Ruth Bolz von der Städtischen Oper(Tanz) u. a. Alle Genossinnen und ssienosien werden gebeten, zu erscheinen. Karten bei allen Funktionären und im Konsum erhältlich. 13. Krei» Pankow. Der Wohifahrtzbildungskursus der Genossin Minna Toben- Hagen beginnt am Mittwoch. 6. Oktober, TA Uhr, im Türkischen gelt, Pankow. Breite Str. 14. heule, Dienstag, 5. Oktober: 2. Abt. TA Uhr wichtige Funktiovärsistuna bei Ohngemach, Koimnandanten. strasie 88. Alle Funktionäre müssen erscheinen. 14. Abt. 8 Uhr bei Laurihcn, Putbusser Str. 11, Funktionärsibung. Eämt- liche Fahnen sind bis Sonnabend, 9. Oktober, an den Genossen Szumann, Rügener Str. 2, abzugeben. 38. Abt. Achtung, Bezirksführer! 8 Uhr von Bartusch, Friedenstr. 88, Hand- zcttcl zur Arbeitslosenversammlung am Freitag. 8. Oktober, bestimmt ab- holen. 33. Abt. Leih. Buckow.- 714 Uhr wichtige Sihung des Vorstandes und der Bezirksführer beim Genossen Schröder, im Rathaus. Jeder Bezirk muh unbedingt vertreten sein. Ist«. Abt. J»hanni»thal. 8 Uhr wichtige Sihung sämtlicher Funktionäre bei Gobin, Roonstr. 2. Morgen, Mittwoch. 6. Oktober: 12. Abt. 714 Uhr bei Schmidt, Wiclefskr. 17, Funktionärsthung. Erscheinen unbedingt erforderlich, da wichtige Tagesordnung. 24. Abt. I's Uhr Funktionärsistuna bei Scidler, Win»- Ecke Iablonskistroß«. Wegen der wichtigen Tagesordnung ist das Erscheinen aller Funktionär« unbedingt erforderlich. 28. Abt. 714 Uhr in allen Bezirken Extrazahlabend. Wichtige Besprechung für d�: Rote Woche. Keiner darf fehlen. Charlottenbnrg. 33. Abt. 8 Uhr bei Bohne, Schloststr. 4S. wichtig« Funktionär. sihung.— 38. Abt. 714 Uhr im Rankehaus, Rankestr. 4, wichtige Funk- tionärsihun». 72. Abt. Wilmersdorf. 8 Uhr bei Schäfer, Augustaskr. 32, Funktivnärsihung. 74. Abt. sixhlendorf. 8 Uhr bei Mickten, Potsdamer Str. 23, wichtig« Funk- tionärsitiung. Alle Funktionäre,' besonders die Bezirksführer, müssen un- bedingt erscheinen. 84. Abt. Lankwih. 8 Uhr bei Lehmann, Kaiser-Wilhelm-Str. 29/81, wichtig« Fuicktionärsihung. 92. Abt. R-Ukölln. Pünktlich 8 Uhr bei Wolfs, Koiser-Friedrich�Str. 173. Eck- Rosegqerstrasse, Eihimg des Vorstandes und der Bezirksführer, die bestimmt erscheinen müssen. Am Erscheinen Verhinderte müssen Vertretung stellen. Teilnahme der übrigen Funktionäre erwünscht. 194. Abt. Ricbcrschöncweid«. 8 Uhr bei Thiele. Berliner Str. 88, wichtige Funktionärsshmig. 198. Abt. Köpenick. 714 Uhr bei Stippekohl, Schönerlinder Str. 3, Funktionär- sihung.� Vortrag des Genossen Artur Crispren, M. d. R.. über:«Politische Arbeitsgemeinschaft mit den Unternehmern". Aussprach« über die Arbeit zzir Roten Woche. I28./130. Abt. Pankow. Die Genossen der 9. Gruppe treffen sich 714 Uhr bei Dohnkc, Wollankstrosie. 134. Abt. Luch. 8 Uhr im Lokal von GLpfert. am Bahnhof Buch. Sitzung des Abteilungsvorstandes mit den Funktionären. Arbeiter-Mtur-Karlell Gwß-Verlin Sonnabend, den S. Oktober, abends 7 Vz Uhr. im groben Saale der Philharmonie. Bernburger Strabe t. Arbeiter-Sinfonie-Konzert mit dem philharmonischen Orchester. Dirigent: Zoscha horeastein. Solist: Professor Arthur Schnabel, Klavier Gesang der Wolgaschiffer....... Strawinski lFItr Blasorchester) Erstoufsührung Fünftes Konzert.......... Beethoven Für Klavier und Orchester Sinfonie Nr. 1............ Mahler Eintritt 1,50 Marl Eintritt 1,50 Mark 141. Abt. Roscnthal und Rieberschönhausen-West. Die Mitglieder de- teiligcn sich geschloffen an der Republikanischen Kundgebung. Der Um- marsch vollzieht sich durch Riederschönhousen-West und Roscnthal I. Treffpunkt am Lokal von Ramlow, Schänholz. Punkt 7 Uhr Abmarsch. Anschliessend Kundgebung bei Manthey, Rosenthal, Wilhelmsruh, Haupt- strassc 1, abends 8 Uhr. Zungsozialisten, heule. Dienstag. 5. Oktober: Gruppe Lichtenberg:?l,4 Uhr im Jugendheim Parkoue Ist Ausspracheabend über Amerika.— Gruppe Dchöncbcrg: 8 Uhr im Jugendheim Houptstr. 13, Ost- markenzimmcr, Vortrag:„Gewerkschaften und Staat". Referent Genosse Eschbach. * Arbeitogemetnschaft her Kindersrenade.»rnppe Steglitz: Heute. Dienstag, von 4—3 Uhr, im Jugendheim Albrechistr. 47 Spielen. Arauenveranstaltungen am ZNittwoch, L. Oktober: v. Abt. 7*4 Uhr ftraucnabcnfc bei Hübnn, Wilsnacker Str. 34, Bericht der Genossin Gertrud Eisfelder über Jena. Gäste herzlich willkommen. Sterbetafel üer Groß-öerliner Partei-Grganifation 77. Abt. Gchoneberg. Am 1. Oktober verstarb unser langjähriger Genosse Karl Bauer. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Einäsckerung am Dienstag, 5. Oktober, nachmittags 5% Uhr, im Krematorium Wilmersdorf. Wir bitten um rege Beteiligung. Vorträge, vereine unü Versammlungen. Reichsbanner»Schwarz-Rot-Gold-. Sefchäftsstell«: Berlin S 14. Sebasiianstr. 37/38, Hof 2 Tr. Prenzlauer Berg: Meldungen zum Besuch der Polizeiausstcllung stnd sofort einzureichen. Eintritt IM.— Kreuzberg: Di., d. 5., 8 Uhr. Abt. 8 in der Echneekovpe. Noftizstr. 29. Vortrag des Bezirksverord- netcn Siebert. Mi., d. 8., Abt. 3 8 Uhr bei Braunsdorf, Grostbeerenstr. 23. Do., d. 7., Abt. 4 8 Uhr Versammlung im Restaurant Hallesches Ufer 14. Abt. 19 8 Uhr bei Mendler Vortrag des Kameraden Eenske. Pflichtbeteiligung am 19. Oktober zum Republikanischen Tag mit Sportfest in Spandau. Treff» punkt 12� Ubr am Bahnhof Spandau-West. Fährverbindung Strasse nbahn» linie 154 bis Spandau Hauptbahnhof.— Lankwiss: Di., d. 5., 8 Uhr, bei Lehmann, Kaifer-Wilhelm�Str. 31, Mitgl.-Vers. Vorhandene Liederbücher mit- bringen. Gleichzeitig Meldeschluss für die Luckenwalde-Fahrer. � Weissensee: Do., d. 7., 8 Uhr, Mitgl.-Vers. Vortrag. Mitgliedskarten sind mitzubringen. — Reinickendorf(Kreis): Mi., d. 8., 7 Uhr, Pflichtveranstaltung. Antreten bei Ramlow, Reinickendorf-Schönhol«. Alles pünktlich zur Stelle.— Kreuzberg: Di., d. 5., 8 Uhr, Versammlung der Abteilung 2 bei Böttcher. Hagelberger Strasse 9. Vortrag des Kameraden Faltenhayn. Mi., d. K., 8 Uhr. Bersamm» lung der Abteilung 5 bei Goedecke, Krausest?. 2. Vortrag dez Kameraden Salingrey._ Maudolinenklut.Souate 1907*. Dienstag 8�4 Uhr im Restaurant Rohrs» dorf. Äastamenallee 12. Damen und Herren als Mitspieler willkommen. Arbeiter-Gamariter-Kolonne Berlin e. V. Geschäftsstelle: Schröderstr. 9. Telephon: Norden 3349. Der Kursus der Abteilung Weissensee findet von jetzt ab jeden Dienstag im Realgymnasium Woelckpromenade statt. Beginn H8 Uhr. Sozkalististhe �rbeiterfugenö Groß-Serlkn. Erste Jusammenkunft de, Zugendchorö Montag. 11. Oktober, 714 Utzr. im Jugendheim Lindrnstr. 3, Alle musikalisch interessierten Genosstnne» nnv Genossen find hierzu herzlichst eingeladen. Instrumente mitbringen. Abteilungsmitgkiederoersammlungen: Dienstag. 7�4 Uhr: »esuaddrunnen: Schule Gotcnburger Str. 2.— Wedding-Rord: Schul« Müllcrsir. 48.— Scncscldcr. Viertel: Schule Eberswald er Str. 19.— Wilmer». dorf: Jugendheim Hildegardstr. 4.— Steglitz l: Jugendheim Albrechtstr. 47.— Fchlendorf: Sildschulc, Wilhelmstrasse.— Neukölln I: Jugendheim Sander» Ecke Sobrechlftrassc.— Reuiölla III: Schule Weiscstr. 19.— Neukölln V: Jugendheim Nogatslr. 53.— Neukölln VI: Jugendheim Kanncr Strassc.— Acrm»dors: Neue Bismorckstr. 42.— Reinickendorf. Oft:„Seebad", Residenzstrasse.— Balkan: 306. Eemeindcschule, Mandelftrassc. Vortrag:„Körverkultur".— Nordost II: Jugendheim Danzigcr Str. 62. Vortrag:«Was wir wollen".— Schönhauser Vorstadt I: Schule Dricscner Str. 22. Vortrog:„Sitten und Gebräuche der Völker".— Weissensee II: Schul- Börthstrasse. Vortrog:„Erste Hilfe bei Un» glücksfällen".— Hasenheide: Badeanstalt Bärwaldstr. 64. Mitgirdervcrsammlung und Vortrag:„Schundliterartur". » Charlottenburg: Jugendheim Rosinenstr. 4. U-bungsabend zur Schul- cntlosiungsfeicr.— Rariendorf: Alte Schule, Dorfstr. 7. Uebung zum Werbe- abend.— Riederschönhansen: Schule Blontcnburger Str. 69. Vortrag:„Die Kulturrcligionen" 2. Teil.— Pankow: Städtisches Jugendheim Kissingen. Ecke Granitzstrasse, Zimmer 3. llcbcn zum Wcrbeobcnd. * Berbebezirk Krenzberg: Die Gruppen unterstützen die Reugründung der Abt.„Mitte", Schule Stallschreiberstr. 34. Morgen, Mittwoch, Beteiligung der Gruppen am Werbcumzug Neukölln. Treffpunkt 147 Uhr Kottbusscr Tor. Nach. zügler 148 Uhr Schillerpromcnadc. Werbcbczirk Reukölln: Mittwoch, 6. Oktober, Werbedemonstration mit Fackelzug. Echlusskundgcbung auf dem Richardplass. Ansprache des Genossen Stelling, M. d. R. Treffpunkt aller Abteilungen 148 Uhr Schillcrpromcnad«, Ecke Steinmctzstrassc. Moabit II: Achtung, neues Jugendheim. Bvchumer Str. 8b!(Friedrich- Wcrderfchcs Gymnasium). Jeden Dienstag und Freilag 148 Uhr. Gefthästliches. Sempinski im Westen. Vor dem Kriege begann eine der vielen witzigen Zciiglossen von Rideamus: Hat der Berliner sechs Mark fünfzig, so geht er zu Kcmpinski hin. Das war der dichterische Ausdruck für die geläufige Tatsache, daß auch der gewöhnliche Ererb- liche sich im Ausnahmefall einmal den Besuch eines Weinhauses geftaiieii durfte, ohne sich gleich ein Zwanzigmarkstück ins Auge klemmen zu müssen. Dieses populäre Weinhaus in der Leipziger Straße mit seiner kunstgewerblich sehenswerten Innenausstattung hat nun auch den Weg nach dem Westen angetreten und soeben am Kurfürstendamm, Ecke Fasanenstraße, eine Filiale eröffnet. Im Erdgeschoß ein Speiseraum, warm, gedämpft und still-, im ersten Stock in grüngold ein festlich, froher, lheiter stimmender Raum. Da- zu Wirtschaftsräume mit allen technischen Finessen, auch Wasch- und Baderäumc für die Angestellten. Während die Räume in der Leip- ziger Straße 2500 Sitzplätze aufweisen, wird die Filiale im Westen 700 Personen unterbringen können. Das Unternehmen beschäftigt jetzt bereits über 1000 Personen. .Nahrhaft" und.wohlschmeckend" sind Eigenschaften, die von einer guten Suppe verlangt werden. Gesellt sich dazu noch rasche und bequeme Herstellung»- weise bei billigstem Preise, so sind sie das Ideal der wirtschaftlichen Haus» frau. Diele Eigenschaften besitzen Maggis Suppenwürfel, die in grosser Sortenauswahl im Handel sind. Es ist deshalb kein Wunder, dass sich Maggie Suppen seit Jahrzehnten allgemeiner Beliebtheit erfreuen. wefserberichk der öffenksschen wetlerdienslstell« für Bctfln. sNachdr. BerB.) Teils wolkig, teils heiter. Keine Niederschläge. Temperaturen wenig vir- ändert— Aür Deutschland: Meist bewölkt. Im Westen etwas wärmer als im Osten. Ueberall trocken. sM" Schokoladen-Koslproben BEI EINKAUF FOst-t-Mk (1UCKER AUSGESCHLOSSEN) nitmitm MittmimtiiiiiiiimiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiMiiiiniiiiiiiiiiiiiiimiiiifiiiiiiiiiiiiifiiiiiniiriiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiifi N. Badsir. 18 Bruaneattr. 76 Chaussaetir. 83 Danzlger Str. 20 Greifs walder Str. 1 Kaetanienaltee 96 a Landsberger Allee 29 MQIIerstr. 166 RelnlokendorferSlr.18 Schönhauser Allee 110 Tresokowstr. 18 o. Frankfurter Allee 00 Gr. Frankfurter Str. 71 Gubener Str. 51 Köpern ikusetr. 18 Krautetr. 48 b Paul-Singerstr. 40 Petersburger Str. 81 Straiauer Alle« 23 b so. Dr»«!»»»« Str. 118 Neanderstr. 87 Ora.l.natr. t R.loh.nberg.r Str. 128 Wrangdatr. 28 In unseren GroB-Berliner Filialen; s. Bergnaanctr. 83 Grlfestr. 25 sw. Friedrlehetr. 227 w. Culmetr. 1 Ganthiner Str. 26 Gleditsohstr. 45 LOtzowstr. 83 NW. Alt-Moablt 112 Beuseelstr. 29 Luisenstr. 48/44 Stephansir. 42 Turmstr. 47 a Wilsnacker Str. 80 c. Alt» Schtnhaunr StraQfl 30 Charlottenburg Augsburger Str. 54, Ecke Passauer Str. Berliner Str. 115 Danckelmannstr. 58 Grolmanetr. 14 Holtzendorffstr. 4 Kalser-Friedr.-Str. 55 Kantstr. 36 Klelststr. 10 Knobelsdorffstr. 8 Suarezstr. 16 Tauroggener Str. 12 Uhlagdstr. 32 Wilmersdorfer Str. 71 N 126 u. 148 Spandau Breite StraQe 48 Hamburger Str. 85 Jftgerstr. 1 Neuendorfer Str. 5 Potsdamer Str. 1a Schönwalder Str. 68 Berlin-Lichtenberg Boxhagener Str. 68 Frankfurter Allee 101 Frankfurter Allee 224 Wllhelmstr. 10 Berlln-Wllmersdorf Berliner Str. 131 Nürnberger Str. 33/34 Olivaer Platz 2 Prager Platz 1 Wexstr. 28 Neukölln Bergstr. 140 Hermannstr. 40 Hermannsir. 119 Kaiser*FrledHch- Straße 242 Berlin-Steglitz Rhalnttr. 42 Sohl.Ostr. BS Berlin- SchOneberg Koionnenstr. 66 Tempelhofer Str. 21 Weitere Filialen BeHin>Adiershof, Bismarckstr. 25 Baumschulenweg, Baumschulenst.19<20 Britz, Chausseestr. 47 Friodrichsfelde, Berliner Straße 40 Hermsdorf, Bahnhofstraße 17 Hohanschönhaoeem Berliner Straße 113 uchterfelde-W.HIndenburgdarora 55 Mariendorf, Chausseestr. 84 Obertchöneweide, Edisonsiraße 58 ■ Wilhelminenhof- •traße 41 Pankow, Sohönholzer Str. 1 Reinickendorf, Resldenzefr. 107 Rosenthai, Hauptsir. 10 Südende, Steglitzer Str. 25 Schmargendorf, Breite Str. 22 a Tegel, Berliner Sir. 9 Tempelhof, Berliner Str. 65 Weißensee, Berliner Allee 242 Dernau, BQrgermeistarstraße 223 Cöpenlck, Schloßstr. 1 Erkner, Frledrlchet. 61 Friedriohshagen, Friedrlehetr. 88 Fürstenwalde, lunkerstraße 29 Nauen, Mittelsir. 32 Nowawes, Friedrichstraße 20 Oranienburg, Bernauer Straße 11 Potsdam, Brandenburger Str. 20 »» Nauener Str. 38 Strausberg, Große Straße 59 Werder, Unter den Linden 6 Zossen, Berliner Str. 12 KdlSSrS Kdff60 ausgewählte Mischungen von M. 2.40 bis M. 4.40 6»» Pfund Sonderangebote: Harte„Kaffeekanne V�ÄI.ßS Peii-sorte„Ausnahme"Vt* 1.25 Kaiser's Kakao, Schokoladen, Pralinen in allen Preislagen. 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Bald ist sie gestorben und es ist dunkel und still hier. Man träumt von wunderbaren Dingen. Das Drama ist an- genommen, man geht zu den Proben.—.Quatsch, Sie,"— schreit man den Regisseur an,—.der Diener muß andauernd sterben, ver- zucken,— was, Phrase?— Herr, ich mache keine Phrasen, wenn man so gehungert hat wie ich, macht man keine Worte ohne Sinn,"— und man spielt vor, wie der Diener andauernd stirbt, weil er dumm ist und leidet, denn die größte Tragödie ist die des lächerlichen Menschen. Und dann die Aufführung. Ich überspringe die Akte, das Schreien und Weinen der Menge,— dann aber am Schluß, holen sie mich und sie danken mir und plötzlich ist die ganze Welt voll befriedigter Sehnsucht und Glück und ich sage leise, ganz leise, daß es nur die neben mir Stehenden hören,(aber die sagen es weiter und so wissen es nachher alle), ich sage:„Wartet nur, wartet, ich schreibe noch mehr, noch viel mehr, ihr!" Wunderbare schlanke Frauen mit Köpfen wie griechische Gemmen lächeln mir süß und vertraut tief in die Augen und ich werde in einem Hotel mit schnee- weißen Betten wohnen,— draußen sind Teppiche, daß ich endlich einmal lautlos ruhig bin, am Tage. Ja, das träume ich. Mein Herz quillt über, ich sage zu allen du und umarme meine Freunds und dem Intendanten schlage ich auf die Schulter. Ich bin ganz satt, mein Smoking ist mit Seide gefüttert, aber ich ziehe die Jacke aus, hoho,— seht, mein Hemd ist weiß, blütenweiß und nicht ge< flickt,— o nein, und wie der Smoking sitzt! Ja, so träume ich! Und dann erwache ich. Das Dienstmädchen ist von unten ge- kommen, sie ist im Hemd und ihre Kerze flackert in meiner Kammer. Sie bringt mir Kirschsuppc und dafür küsse ich sie; sie erzählt mir leise auf meinen Knien, was sie alles erduldet bei ihrer Herrschaft, — ich höre nur ihre Stimme, ihre müde, monotone,— sage: .Armes!" und streiche ihr über das Haar. Da geht sie,— die zitternde unglückliche Kerze schillert noch etwas durch die Ritzen der Bodentür. Ich höre die nackten Füße des Mädchens die Toeppe hinunterschleichen. Und denn ist es still. Ganz still.— Ich löffle die Kirschsuppe aus. Sie ist wohl rot, ich kann sie nicht sehen, die Kerze ist oerlöscht. Der Löffel klappert. Ich habe nur einen Tisch und einen Stuhl in der Kammer. Run lege ich mein Gesicht auf meine Hände und blicke seitwärts zur Luke hinaus. Man hat d»' Augen offen ohne rechtes Bewußtsein. Ich bin so müde. Langsam ist der Himniel fahl geworden, ich glaube, es ist jetzt kühl geworden draußen, die Traurigkeit der Sterne,— wie sie einsam sind!— verschwindet im Nebel. Der Mond wird schal und war doch auch einmal ein Mysterium. Jeden Morgen wird er schal. Der liebe Gott gibt uns Beispiele: Sei beständig! Ach, der liebe Go!t--—. Und so wird es denn Tag. Da bellen Hunde, Schritte auf der Straße von schweren Schuhen, langsam tappen wohl Arbeiter zur Fabrik, ein frühes Pferd rollt, ohne daß ich es sehe, einen klappernden Milchwogcn vorbei und das Geräusch verschwindet langsam in der Weite. Im Hause erwachen kleine dünne Schreie durch Tapeten, Türen werden geschlagen und dann fahren die ersten Elektrischen, rasselnd, klingelnd. los, der Friede und die Stille sind erledigt, der Verkehr beginnt zu toben, und so entsteht dann der Tag, während ich zur Luke hin- aussehe, den weißwehenden Wölkchen noch, die zerfetzt und angst. voll über den Horizont jagen: ich mit dem Kopf auf meinen Händen. Elisabeth Bcrgner hat mir ein in Lcder gebundenes Buch ge. schenkt. Es ist.Hunger" von Knut Hamsun und ich lese es manch. mal, ich habe es sorgfältig bewahrt. Darin steht sehr viel von einem Menschen, der Hunger hat. Es ist ein Bruder, der das ge- schrieben, und eine Schwester, die mir das geschenkt hat, aber das Hungern ist doch ganz anders. Ich bin nur müde und an mein«n Fingern sind die Nägel ab- gebrochen,— so scheint e aber sie sind noch da, die Finger fühlen sich nur so stumpf an. Ich spüre jede Erschütterung des Hauses und erwache. Es ist wie eine stille zerschlagene Geige, die nie mehr spielen kann, um mich. Ich bin müde und wenn ich an etwas denken will, etwas phantasieren will, kann ich es nicht. Welleicht kommt der Geldbriefträger. Dann springen Schritte empor in meine Kammer. Ich liege immer noch auf meinen Händen und rege mich nicht, denn ich träume ja wohl und will den Traum nicht zerstören. Ich höre die Tür aufgehen, denke: Still, still, sonst versliegt alles!— Und es ist wirklich das Mädchen, das sich über mich neigt, kalte Luft strömt herein. Sie hat wohl die Türe offen gelassen, sie neigt sich über mich und ihr Duft dehnt sich nach mir aus, dann geht sie auf den Zehenspitzen und denkt wohl, ich schlafe. Nun will ich aufstehen und ihr sagen, daß ich gar nicht schlafe. Aber ich verlier« alle Kraft, Blut tanzt vor meinen Augen, ich will die Hand heben, aber ich verliere das Bewußtsein. Und sie, aus die ich gewartet habe, Stunden, Stunden, unbeweglich, gelauscht auf jeden Schritt an der Treppe, mit Herzklopfen und entsetzlicher Sehnsucht, sie ist fort, fortgegangen. Ich erschrecke, erwache. Es ist Nachmittag, ich spüre es, denn die Sonne scheint mir ins Gesicht. Der Geldbri«fträger war wieder nicht da. Kein Mensch war da. Wieder eine Nacht wird sein. Und das erfasse ich wie ein kleines Kind und denk« an alles, an das Verlassensein und die Not und die freudlose, bittere Nacht und ich weine, ein Kind, in Mitleid mit mir selbst: ich schluchze, ich heule wie ein Tier, ich spreche mein zitterndes, unsagbares Leid aus mir heraus in Stößen, die mich erschüttern und hin und her werfen. Und dann schlafe ich ein mit meinen nassen Tränen. Als ich erwache, ist es dann wieder Nacht. Blau, tief, gut, der Horizont,— gelbe Sterne, die Welten sind, scheinen gelb und immer gelber auf mich zu springen. Meine Stirn schlage ich hohl an den Tisch, weil sie fiebrig ist und»ah, erwache wieder, sehe, daß ich aufrecht in der Kammer stehe und jage:„Mutter". Hundertmal. monoton. Dan erwache ich zum drittenmal durch einen dunklen Klang in der Still«, der wie auf Flügeln schwebt, und erschrecke. aber es ist ja meine eigen« Stimm«, die spricht. Nun schweige ich, aber das Schweigen ist noch schlimmer.- Jetzt habe ich Berzweiflung im Herzen. Wirklich: Verzweiflung. Ich kann nichts mehr tun, meine Finger sind weiß und hängen wie Beutel herunter. Ob ich wohl schlafe oder wache? Ich bin im Tanzlokal, froh und mein Herz ist überweit. Licht, Leiber, Lampen, Lächeln, Lärm! Alles für mich. Die Kapell«, pralle Weiber mit Schenkeln, rückt auf mich zu, mit Jazz:„Für dich, mein Schatz, Hab ich was mit- gebracht!" Und sie haben alle Tablette mit dampfenden, prallen Würsten, aus denen, sticht man hinein, Saft spritzen wird. Da fliege ich in den Himmel und Petrus sagt zu mir:„Du hast ausgelitten, alle deine Novellen sind gedruckt und du kannst nach Spanien reisen und dort endlich den Roman schreiben, den du schon immer schreiben wolltest!"— Vor Glück fange ich an zu weinen, da erwache ich in meiner Bodenkammer, weil die Tränen über die Runzeln meines Gesichtes laufen, als wäre ich ein Greis, und ich bin doch erst einundzwanzig Jahre alt. Es ist heller Tag, die Sirenen vom Hafen schreien zur Arbeit, Straßenbahnen klingeln, Autos brummen, Leute rufen und es kann ja sein, daß heute der Geldbriefträger kommt. Zwei Nächte und ein Tag sind vergangen, jetzt geht es weiter so, Tag, Nacht, Tag, Nacht, Tag, Nacht. Und irgendwann wird es dann doch wohl anders. Der„Mcmövergast* der Reichswehr. .Mal herhören, Ihr Kerls! vereidigt seid Ihr aus die Republik und gehorcht wird vsa jetzt ab Seiner Sgl. Hoheit. dem Prinzen Wilhelm!" Die Heilung der Welt. Eine Stunde bei Rabindranath Tagur. (Europa und Asien— die Universität der Mensch. heit— da s indische Volkstheater.) Don Armin T. Wegner. t B e r l i n, im Oktober. Die leeren Hotelgänge atmeten Ruhe. Tagur war soeben aus dem Krankenhause von einem Besuch seines Sohnes zurückgekehrt, der gezwungen war, sich in Berlin einer Blinddarmoperation zu unterziehen. Erst in der Nacht von München gekommen, machte der Dichter einen etwas erschöpften Eindruck, denn diese Reise, die er nach Europa unternahm, um für seine in Santiniketan bei Kalkutta neu gegründete Universität zu werben, hat ihn in wenigen Wochen durch zahlreiche ausländische und deutsche Städte geführt. Trotzdem sprach ich ungestört fast eine Stunde allein mit ihm. Der väterlich gütig«, beinahe zu weiche Ausdruck seiner Züge erschien diesmal etwas strenger, gestraffter, die Falten oertieft, fast sorgen- voll, und wie immer verfloß das silberne Grauweis seines Bartes mit dem Grau seines weiten, faltenreichen Gewandes zu einer er- habenen Einheit. Im Grunde schien er etwas enttäuscht(obwohl er es nicht aussprach), daß seine diesmalige Reise nach Deutschland nicht jenen gleich tiefen Widerhall gesunden hat, wie das erstemal, als sein Erscheinen noch für die Vielzuvielen eine Sensation war und Deutschland aus der Depression jener Jahr« heraus leichter empfänglich und vielleicht auch noch gläubiger war, aus seinem Munde die Stimme einer neuen Verheißung zu vernehmen. Wir gingen von einer„Botschaft an Asien" aus, die der Ver- fasser dieser Zeilen gegen Ende des Krieges als eine Antwort auf jene Rede Tagurs über den„Nationalismus" geschrieben hat, die der indische Dichter an Japan richtete und in der er den Osten davor warnt, mit den Tugenden Europas auch die Fehler seiner milita- ristischen Zivilisation zu übernehmen. Europa und Asien, ihre gegenseitige Durchdringung, die er sich zum Lebensziel setzte, das ist das Problem, das ihn auch heute leidenschaftlich erfüllt. Wieder betont er seine Bewunderung und Liebe für Europa, für seine Schassenskrast, seinen Willen zur Tat. Er sieht das Verdienst des Westens darin, daß er das Wissen und Können für die Bezwingung der irdischen Materie so gewaltig oermehrt hat: aber es verknüpft sich für Tagur der Wunsch damit. Europa möchte die Zeit seines großen Einflusses auf der Welt dazu benutzen, um ihr auch ein n, enschliches Ideal zu schenken.„Wissen allein ist kein Ideal. Die Maschine der Zivilisation allein wird nicht bleiben, wenn sich nicht eine Idee für die Menschheit damit verbindet! Die Schwäche Asiens aber ist seine Passivität, es hat wohl ein« fein- und vielgestaltete Seele, es besitzt zahllose reiche und tiefe Indi- viduen, aber wenn sie hinaus gehen, verlieren sie im Kampf mit der Aktivität Europas zu leicht sich selber und gehen zugrunde." Beide einander näherzubringen, die zähe, mitunter brutale Seele Europas mit dem feinen, beinahe schmerzlichen Atem des Ostens zu verfchwistern, das ist der fast sanatische Wunsch dieses Dichters, der ja für uns stets nicht nur einer der bedeutendsten indischen Schriftsteller der Gegenwart war, über dessen endliche Größe man streiten kann, sondern vor allem auch einer der wesent» lichsten Träger jenes Asien, das aus einer jahrhunderalten Lethargie zum erstenmal wieder aufsteht, um aktiv und verbindend in die volitischen und kulturellen Geschicke der Welt einzugreifen. Dieser Ausgabe soll auch die neue internationale Universität „Bisoa-Bharati" dienen, die er seiner Schule im Mangrovenhain von Santiniketan anzugliedern im Begriff ist, und auf der neben den großen orientalischen Sprachen auch Gelehrte aller großen Seilage Ses vorwärts europäischen Völker als Gastprofessoren zu Worte kommen sollen. Die Länder des Westens zur Mitwirkung an dieser Universität aus- zurufen, das ist, sehr im Gegensatz zu der öffentlichen Meinung, die in seinem Auftreten nur die Kunstreise eines Dichters sieht, der wesentlichste Zweck dieser Weltreise Tagurs. Auf dieser Uni- versität, zu der alle Studierenden der Erde ohne Unterschied des Geschlechtes und der Nation Zutritt haben, und die ihre erste« Kurse bereits abzuhalten begonnen hat, werden die Religionen, die Literaturen, die Geschichte, die Wissenschaften des Hinduismus, des Buddhismus, des Islam, des Christentums und anderer Zivili- sationen in gleicher Weise zur Darstellung kommen, frei von allen Vorurteilen gegen Rasse, Staat oder Glauben und sollen so diese Hochschule zu einer wahrhasten Universität der Mensch- heit machen. Ihr Zweck ist, den Westen von der Einheit alles Lebens und Denkens in ganz Asien zu überzeugen und eine wahre Bruderschaft aller hier Studierenden des Ostens und Westens zu bilden, um so endlich die Grundbedingungen für die H e i l u n g d e r Welt zu schassen durch die freie Vereinigung der Ideen beider Hälften unseres Erdballes. Die große in Indien einzig dastehende internationale Bibliothek,. die musikalischen und malerischen Kurse, die der Universität an- gegliedert sind, hatten uns bereits zu den Fragen der K u n st hinübergcführt. Tagur sprach longsam, zurückhaltend, in einer etwas meditierenden Art, die aus jeder Antwort säst den Satzteil einer Predigt macht und das Gespräch für europäische Ungeduld nur langsam vorwärts bringt. Er hatte noch nicht geendet, als er auf meinen Lippen schon eine neue Frage las, die Frage nach der Neubelebung des indischen Theaters. Bereits bei seinem vorigen Besuch hatte Tagur die Ausführung seines„Postamtes" in der Berliner Volksbühne gesehen, die einen großen Eindruck bei ihm hinterließ. Besonderes Interesse und hohe Bewunderung zeigt er für die Organisation der Volksbühnen in Deutschland überhaupt, deren weitverzweigtes Gewebe fester Mitglieder ihm bisher etwas noch Unbekanntes war. Die Theater in Indien kennen eine solche Einrichtung nicht, doch hat sich dort eine andere Art von Volksbühnen seit langem er- halten. Es gibt zwei verschiedene Formen von Theater in Indien, das aus Europa eingcsührt amerikanische Ausstattungsstück, das in den Städten des Landes gespielt wird, nicht selten mit einer antienglischcn Tendenz: es ist oberflächlich und unoriginell und kommt für eine Neubelebung des indischen Theaters nicht in Frage. Do- neben aber lebt das alte indische Dorsthcater fort, das an die Kultusspiele anknüpft, und das man über das ganze Land zerstreut, selbst in den kleinsten Dörfern findet. Es ist eine Laien- bühne, bei der Spieler und Zuschauer in gleicher Weise mitwirken, eine Bühne, die unter Verzicht fast jeglicher Dekoration mit den allereinfachsten Mitteln eine tiefe Macht aus die Seele des Volkes ausübt. Ihr Wesen ist Verzicht auf jede Aeußerlichkeit, völlige Beschränkung auf den einzelnen Menschen, und gerade um dieser Primitivität willen, die das Seclisch-Ursprüngliche stärker ausleuchten läßt, glaubt Tagur, daß man von ihr eine Weiterentwick- lung des indischen Theaters erwarten kann. Diese Ansicht hat sich für ihn auch durch den Eindruck bestätigt, den die europäische Bühne auf ihn ausübt. Das Theater des Impressionismus und Naturalismus sowie die Kunst Max Rein- Hardts blieben ihm im Grunde fremd. Die Kulissen lenken die Aus- merksamkeit des Hörers vom Menschen auf der Bühne ab: das Schauspiel soll nicht in erster Linie ein Schau spiel sein, sondern Tagur erwartet alles vom gesprochenen Wort, von der Geste des Schauspielers, der bewegten Gestalt des Menschen. Den größten Eindruck hat er in dieser Hinsicht bisher vom japanischen Schau- spieler empfangen: allerdings, fügt er hinzu, kenne er die Russe.: noch nicht. Die Ungekünsteltheit, das innere Wesen sollen cnt- scheidend sein, und Tagur sprach den Wünsch aus, daß die ursprüng- liche Einfachheit der indischen Volksbühne auch auf das europäische Theater wirken möchte, das noch zuviel Wert auf äußeren Glanz legt. So zeigt sich, wie in der Welt der politischen Tat auch auf dem Gebiet der Kunst bei ihm das gleiche Bestreben: Fort mit der Maschinerie! Nur durch unmittlebare Einfachheit bannt und er- schüttert uns menschliche Tat und Größe. Hier wie dort ist das Bindende allein die Seele. Nur auf diesem Wege wird sich auch jene Einigung zwischen Europa und Asien vollziehen, jene hohe Vermählung von Tat und Leiden, wie sie dieser Dichter in seinen Träumen erschaut. Und ist dies nicht im Grunde die uralte Sehnsucht der Menschheit, wie sie in Europäern wie Schopenhauer, Levcadio Hearn, in Asiaten wie Rabindranath Tagur immer wieder zum Ausdruck kommt? Ist es nicht die handelnde Seele des Mannes gegen die duldende der Frau gestellt? Werden sie einander je ganz durchdringen? Und doch, können sie aufhören, einander mit leidenschaftlicher Liebe zu suchen? Tagur fuhr sich mit der Hand über die Stirn. Weilten seine Gedanken am Krankenlager seines Sohnes? Oder bei jener noch immer unerfüllten Weltmission, an der sein Herz hängt, und deren Vollendung sein alterndes Leben in schmerzliche Ferne gerückt sieht? Sein Auge war bewegt und verloren ins Weite gerichtet. Erst als ich ausstand, kehrte er wieder in die Welt um sich zurück. „Also, ich hoffe, aus Wiedersehen in Santiniketan!" sagte er lächeln? zum Abschied._ was teurer ist als Diamanten und perlen. Man nimmt ge. wöhnlich an, daß die teuersten Dinge auf Erden die Juwelen, die Perlen, das Platin� usw. seien. Ein Mitarbeiter der„Stampa" be- streitet das und behauptet, daß, wenn es auf Preise ankommt, die Düfte und die Gifte mit jenen tostspieliaen Dingen gar sehr in Weit- bewerb treten könnten. Den Rekord schlägt gegenwärtig das Rosen- öl oder die Rosenölessenz. Dieses vel kostete vor dem Kriege 6S bis 70 Lire das Kilogramm: heute beträgt der Preis 2600 Goldlire (1 Geldlire— 0,80 M.) und darüber. An zweiter Preisstelle steht das Mandarinenöl, das aus der Schale der Mandarine gewonnen wird. Bor dem Kriege kostete es 35 bis 37 Lire, heute muß es mit 2100 Goldlire bezahlt werden. Es muß allerdings hervorgehoben werden, daß man die Schale von 1500 Früchten braucht, um ein ein- ziges Kilogramm dieses Oels zu erlangen, und außerdem muß gesagt werden, daß das Mandarinenöl nur selten rein in den Handel gelangt, da es verhältnismäßig leicht gefälscht werden kann. Das Oel, das durch Destillation der Blüten der bitteren Orange erzielt wird, hat einen Marktpreis von 1450 Goldlire. Auch hier ist der hohe Preis leicht zu erklären: man braucht einen ganzen Zentner Orangen- blüten, um 75 Gramm Oel oder Essenz zu erzielen. Noch teurer als alle diese dustigen Sachen aber sind die Gifte oder mindestens gewisse Gifte. Man denkt hier sofort an die phantastischen Preise, die sür Kokain gezahlt werden müssen: aber weit kostspieliger noch als Kokain ist kristallisiertes Digitalin, das mit 13 000 Goldlire pro Kilogramm verkaust wird. Heiße Quellen sür Slraßenreinigung. Die Hauptstadt des Staates Utah in der Union erfreut sich eines ganz besonderen Bor. zuges. Während andere Slädre nach einem ausgiebigen Schne-fall beträchtliche Summen ausgeben müssen, um ihre Straßen zu reini- gen, während die geplagten Fußgänger ausgleiten und die noch beklagenswerteren Pferde zu Boden stürzen, fährt in Salt Lake City kurzerhand die Feuerwehr auf, deren Schläuche aus unterirdischen Quellen heißes Wasser liefern. Diese Quellen haben eine so hohe Temperatur, daß das Wasser selbst im Winter beim Verlassen des Schlauches 44 Grad hat. Um zu vermeiden, daß an Stelle des Schnees, den eine Zauberhond verschwinden läßt, eine nicht weniger unangenehme Eisschicht erscheint, läßt man die Spritzen mehrmals spritzen und erreicht damit, daß die Dämme und Fußsteige so sauber aussehen wie im Sommer. t Sportplatz statt Krankenhaus. Eine von der preußischen Regierung veröffentlichte Statistik über die Entwicklung der Krankenhäuser und Heil- a n st a l t e n in Preußen zeigt den Tiefstand der allgemeinen Ge- sundheit und beweist außerdem, wie wenig bisher getan worden ist auf dem Gebiete der Vorbeugung durch Leibesübungen. Nach dem Jahresausweis standen in Preußen im Jahre 1923 2195 Krankenanstalten mit über 296 MX) Betten zur Verfügung: rn ganz Deutschland etwa 9090 Anstalten mit rund 839 900 Betten. Dieses Angebot wurde voll und ganz von der Nachfrage beansprucht. In Preußen waren in den 2195 Anstalten 49 Millionen Verpflegunge- tage zu verzeichnen. Auf das Reich umgerechnet, entspräche dos etwa 197 Millionen Derpflegungstagen. Daraus ergibt sich, daß burchfchjiiütlich febejr Deutsch« mchr.ots 3 Tage Im Jahre im Krankenhaus zubringt. Daraus erwachsen dem Volk selbstverständlich schwere Lasten. Mußte doch während der letzten 50 Jahre die Zahl der Krankenhaus- betten in Deutschland von 140 000 im Jahre 1876 auf 830 900 im Jahre 1925 erhöht werden, trotz der 1918 verlorenen Gebiete. Die Zahl der Krankenbetten ist also weit mehr gestiegen als die Gesamt- bevölkerung des Reiches. Gegen diese bedauerliche Erscheinung gibt es ein wirksames Mittel, das auch von ollen Aerzten klar erkannt worden ist und gefordert wird: die Schaffung von Turn- und Sportplätzen, von Spielwiesen. Plansch- decken und Schwimmanstalten für alt und jung. Die Spielwiese ist der beste Aufenthalt, wo die Jugend körperlich und seelisch gesund heranwachsen könnte. Für etwa 4090 Menschen der Stadt genügt ein Spielplatz von 1 Hektar, um jedem die Möglichkeit zu geben, mindestens 3 Stunden in der Woche Leibesübungen zu treiben. Aber von dieser Mindestforderung sind wir leider noch weit entfernt. In Deutschland gibt es gegenwärtig rund 2170 Hektar Freiflächen für Spiel, Sport und Turnen. Damit wäre nur etwa 8,5 Millionen Menschen die Möglichkeit gegeben, sich dreimal in der Woche(d. h. 156 Stunden im Jahre) zu tummeln und zu erholen. Da diese Spielplätze aber für insgesamt 60 Millionen Menschen ausreichen müssen, so entfällt auf jeden nur ein Zeitraum von etwa 22 Stunden im Jahre, d. h. er kann noch nicht einmal alle 14 Tag« den Spielplatz benutzen. Während also jeder Deutsche 120 Stunden im Jahre im Krankenhaus zubringen kann— und leider von dieser Möglichkeit auch ausgiebigen Gebrauch macht—, stehen ihm nur 22 Stunden auf einem Spiel- oder Sportplatz zur Verfügung. Daß dieses Mißoerhältins beseitigt werde, muß das Streben jedes Deutschen sein, der es mit dem Volke gut meint. Schafft Sport- und Spielplätze fürs Volk, und die Krankenhäuser werden sehr bald nicht mehr so in Anspruch genommen sein, wie das heute noch der Fall ist. Beugt der Krankheit vor durch Förderung des Sports! Damit betreibt der Staat aber auch die beste Sparsamkeits- Politik auf weite Sicht! Erste Reichsversammlung See Naturfreunöe. Der Touristenverein„Die Naturfreunde', Reichsgruppe Deutsch- land, hielt am 2. und 3. Oktober in der Mainstadt Würzburg sein« erste Reichsversammlung ab, die nach der ovganffatori- schen Regelung den Reichsgruppen Richtlinien für die weitere praktische Tätigkeit geben sollte. Am Nachmittag des Sonnabend um 3 Uhr eröffnet« Genosse Steinberger, Nürnberg, der Vorsitzende der Reichsgruppe Deutschland, die Tagung und begrüßt« die aus 17 Gauen erschienenen Delegierten— nur der Saargau blieb noch unvertveten— auf dos herzlichste, ebenso die zahlreich aus allen deutschen Gauen herbei- geeilten Gäste, darunter die besten Funktionär« der Bewegung, sowie die Vertreter der Stadt Würzburg, den Genossen W i l d u n g als Vertreter der„Zentralkommission für Sport und Körperpflege" und die Vertreter der befreundeten Organisationen, insbesondere aber auch die beiden Präsidenten des Gesamtvereins, die Genossen Voltert und H a p p i ch- Wien. Würzburg hatte Äadtrat H a u ck, die sozial- demokratische Stadtratsfrattion und die Sozialdemokratische Partei Stadtrat Genossen Freudenberger delegiert.— Zum G e- schäftsbericht gab Gen. Steinberger«inen Ueberblick über die Entwicklung der Organisation in den Iahren 1925 und 1926. Nach der Durchführung der Frankfurter Beschlüsse und der organisatorischen Maßnahmen, die durch die Wiener Hauptversammlung festgelegt waren, begann die eigentliche Aufbauarbeit der Reichsgruppe Deutsch- land. Die wirtschaftlich« Situation in Deutschland hat dabei außer- ordentlich stark die Arbeit gehemmt. Infolge der sozialen Notlag« war mit einem Mitgliederverlust von etwa 25 Proz. zu rechnen. Di« Reichsleitung hat alles versucht, um durch Werbearbeit, durch Heraus- gäbe von Werbematerial und auch durch die Herausgabe des Hütten- Verzeichnisses den Mitgliederrückgang wettzumachen. Jedoch hat bis- her auch das Jahr 1926 kein« Besserung gebrocht. Mit zum wichtigsten Teil der Arbeit gehört die Verbindung mit der Press«. Der Presse- dienst hat gut« Aufnahme gefunden, er soll künftig noch ausgebaut werden. Auch die Gaublätter zeigen ein hohes gesstiges Niveau. Das Nachrichtenblatt der Reichsleitung wurde in diesem Jahr« bedeutend besser ausgestaltet. Vorzüglich arbeiten in einzelnen Gauen— wie Rheinland und Thüringen— die Naturkundegruppen. Als Höhe- puntt dieser Arbeit darf der Reichsführertursus in Heilbronn ' angesehen werden. Die Zusammenarbeit in den Gauen war sehr gut. Desgleichen die Zusammenarbeit mit der„Zentralkommission" und dem„Hauptausschuß für Arbeiter-Wohlfahrt". Einig« Schwierig- leiten machen in der Arbeit immer noch die parteipolitischen Aus- einandersetzungen; im Rheinland und in Brandenburg herrscht jetzt Ruh«. Nur in Thüringen und Schwaben ist noch nicht alles so, wie es sein sollte. Gen. Georg«, Nürnberg, gab den Bericht über das Licht- d i l d w« s« n. Ungenügend ist dabei immer noch die Verbindung mit den Gauen. Nur in Baden und Mtttelrhein wird gut gearbeitet; von der Reichsleitung sind verschieden« neue Vorträg« in Bearbeitung. Es mangelt jedoch an dem genügenden Negativmaterial. Die Gau« müssen hierin die Lichtbildstell« der Reichsleitung bedeutend unter- stützen. Auch für die Ausstellungen sind gerade in der Photoarbeit besondere Maßnahmen vorzubereiten, damit«in guter Ausbau erfolgen kann. Di« Diskussion beschäftigte sich zum großen Teil wiederum noch mit der Frage der wegen parteipolitischer Arbeit innerhalb der Naturfreundebewegung ausgeschlossenen Gruppen. Nachdem die Genossen Schreck und V o l k e rt noch ausführlich zu den Konflikts- fragen in der Bewegung Stellung genommen haben, gelangte«in« Entschließung zur Annahme, die unter schärffter Zurückweisung aller parteipolitischen Treibereien die Haltung des Gaues Schwaben verurteilt«.. Im weiteren wurden«in« Reih« organisatorischer Anträge er- ledigt, nach denen der Ausbau der Pressestelle, der Ferienfahrten- pläne und guter Wanderauskunftsstellen in den Gauen verlangt wird. Ferner wird ein« bessere Verbindung mit der Einkaufsgenossenschaft wünscht. Auch der Photoarbeit soll übers Reich hin eine bessere usbreitung ermöglicht werden. Am Sonntag erstattete Genosse B u r g e r, Nürnberg, das Referat über.Lugend und Natur freun de bewegung". Di« vorgelegten Richtlinien fanden sodann einstimmig« Annahm«. — In den Reichsjugendausschuß werden außer dem Genossen Burger und drei Nürnberger Jugendgenossen die Genossen Seeling, Duisburg, Scheibengraber, München und Wittke, Halle delegiert.— Zur Frag« der Natursreundehäuser und Ferienheime spricht Georg«, Nürnberg. Er hob hervor, daß bisher beim Bau von Hütten ein« gewisse Ziellosigkeit geherrscht habe, daß man aber jetzt zu einem einheitlichen Reichsbebauungsplan kommen müsse. Deshalb ist auch der Reichsbaufond in die Tat umzusetzen. Die Wahlen ergaben die einstimmige Wiederwahl der bis- herigen ReichÄeitung und der Vertreter in der„Zentralkommission für Sport und Körperpflege". Die Kontroll« wird vom Reichsausschuß bestimmt. Die nächste Reichsversammlung soll 1928 in Zürich stattfinden._ Sftafjcntcnncn der Arbeiter-Radfahrer. Die Rennfahrer des ARB.„Solidarität" hielten kürzlich ein Straßenrennen auf der 49 Kilometer langen Strecke Marien- selbe— Großbeeren— Ahrensdorf— Ziethen— Geeshagen— Grohbeeren —Marienfelde ab. 39 Fahrer stellten sich dem Starter und wurden in Abständen von 1 Minute entlassen. Zuerst starteten die Jugend- lichen für die 2-Kilometer-Strecke, welche I e n t s ch, 2. Abteilung, vor Zuck, 1. Abteilung, gewinnen konnte. Die Altersfahrer starteten als zweite Gruppe, bei Ahrensdorf fiel Klick, 8. Abteilung, zurück, während Eichler und Chelminski sich einen Vorsprung verschafften. dem bei Großbeeren auch Lubasch zum Opfer fiel. Bei Ziethen hatte Mustroph Schlauchdefekt und mußte gleichfalls zurückbleiben. Die Hauptklasse verlor schon bei Großbeeren einige Fahrer wegen Rad- defekt, so daß 11 Fahrer geschlossen Ahrensdorf passierten. Auch in Ludwiasfelde waren noch alle Fahrer beisammen. In Geeshagen hatte Wittig den Anschluß verloren, den er aber vor Großbeeren wiederhergestellt hatte. Mittlerweile hatten sie die Altersfahrer er- reicht: sie lagen mit Eichler, Chelminski und Gruppe an der Spitze. und im Endspurt gelang es Chelminski, Eichler und Gruppe hinter sich zu lassen; dicht auf folgte die Hauptklasse. Nochstehend die Resultat«! Jugend: 2 Kilometer, WuIIIreifenfahrer. 1. Ientsch, 2. Abteilung. 3,20 Min. 2. Zuck, 1. Abteilung, 3,36 Min.— Alterafahrer: Drohtreifenfohrcr: I. Thclminski, 1. Abteilung, lM}k Min. 2.«Snipoe, 2. Abteilung, 1,14,45 Min. Schlouchreifenfahrer: 1. Hon, Eichler, 6. Abteilung, 1,14,30 Min. 2. Klick. 8. Abteilung tRaddefektl, 1,37 Min.— v. Klasse: Wulstrcifenfahrer: 1. Hoffmann, 2. Abt., 1.13,14 Min. Schlouchreifenfahrer: 1. Sögel, SchSnederg. 1,12,52 Min. 2. Maraun. 8. Abteilung. 142,53 Min._ Tennis. Dem wachsenden Interesse der schaffenden Bevölkerung Berlins an der Arbeiter-Tennis-Bewegung hat jetzt auch die Freie Turnerschaft Groß-Berlin Rechnung gettagen. Ihre neu- gegründete Tennis-Abteilung hat sich die Ausgabe gestellt, den Tennissport unter den Arbeitern Berlins so bekannt und beliebt zu machen, wie er es in bürgerlichen Kreisen schon längst ist. Das Tennisspiel darf nicht länger ein Privileg der besitzenden Klassen bleiben, seine erzieherischen und körperbildenden Werte müssen auch dem Arbeiter zugänglich gemacht werden. Die Tennis-Abteilung der Freien Turnerschaft Groß-Berlin wird ihren Spielbetrieb im kommenden Frühjahr auf den städtischen Spielplätzen an der Schön- hauser Allee eröffnen. Da der Andrang der Mitglieder Voraussicht- lich sehr stark sein wird, wollen sich interessierte Genossen und Ge- nossinnen schon jetzt schriftlich melden bei dem Genossen Walter Glau«, Berlln O. 34, Tilsiter Straße 13 I. Immer noch Königreich Preußen? Bon einem Wassersportler wird uns ein„Ausweis über bezahlt« Schiffvhtts- und Flößereiabgaben im Betrage von 19 Pfennigen" (also ein sogenannter Schleusenzettel!) zugestellt, der am Kopf stolz den Titel„Königreich Preußen" führt, und am 19. Sep- tember 1926 ausgestellt ist. Er rührt von der Schleuse Klein- Zerlang bei Rheinsberg her. Mr haben nichts dagegen, daß sich der diensthabende Beamte in Klein-Zerlang noch als königlich preußischer Beamter fühlt. Er soll dann aber schleunigst von seinem Posten in den Ruhestand ver- schwinden und einem republikanisch gesinnten Kollegen Platz machen, der für sachgemäß« Neuanfertigung von Schleusenzetteln orgt, mindestens aber das Wort„Königlich" durchstreicht. Man muß ich überhaupt darüber wundern, daß der Vorrat solcher Vordrucke «it 1918 immer noch nicht erschöpft ist. Genosse Gustav Dietrich, der Gründer der Arbeiter-Samariter- Kolonne Berlin, dankt allen herzlichst, die seiner an seinem 75. Geburtstage gedacht haben, besonders seinen Freunden vom ASB. Fußballresultake vom Z. Oktober. ©« Sonnt«« war wieder reich an Torerfolgen. Da- wichtigste Tressen im Norden, Adler 08 gegen Alemannia, konnten«rstere erst nach der Paufe<4: 4) mit dem Endresultat von 7:4 fitr sich entscheiden. Kegin unterlag gegen Spandau 25 mit 8: 6. Staaken gegen Rathenow 3: 1. Arminia gegen Britz 7: 3. Hertha aegen Nordiska 0: 3. Arbeiter. Turnverein Pankow gegen Adler 12 2: 5. ssichte-Gefundbrunnen gegen Teutonia Og 3: 0. Union-Pankow gegen Amateure 1: 8. Sowjet gegen.Bernau 2: 16! Borussia gegen Helvetia 10: 0. — Beflirk Osten: Ketschendorf bekam die erste Niederlage mit 1: 4 vom Treptower Ballsvieltlub. ziemlich hoch mit 7: 2 schlug Lichtenberg I die st« besuchenden Borwärt«.20.Leute. Da» Ortsderbg zwischen Askania und dem Berein für Bewegungsspiele sah in Köpenick die Bewezungsspieler mit 5: 2 siegreich. Stralau fuhr nach Wriezen und siegt« mit 10: 0. Lichtenberg II gewann gegen Berliner Sportverein 16 glatt mit 5: 1. Brandenburg 02 gegen Johannisthal Ö: L Lustig�idel gegen Deitzenfee 2: 1. Alt-Glienicke gegen Hertha 22 4: 2. Lichtender« HI geqen Berliner Sportverein 22 1: S. Frisch-�rer gegen Epffrta 3:9. Friedrichshagen fi-cgcn Komet 1:2. Adler-Mahlsdorf oegen Germania 3:2.— Bezirk Südwesten: Neuköllner Ballspielkwb gegen Luc�nwalde I 2:8. Eintracht 25 gegen Jüterbog 2: 2. Hertha-Luckenwalde ge�en Berlin XII 1: 1. Luckenwalde II gegen Bcrolina 4: 5. Kirchmöser gegen Viktoria 1: 4 dorfer Ballspieltlub gegen Brandenburg 0: 3. Neukölln-Britz gegen Teltow 0:0. Kreuzberq gegen Chärlottenburg 2: 1. Kolzenburger Sportverein gegen Frisch- Auf 1: 7. Luckenwalde III gegen Lankwitz 3: 4. ffußballnng gegen Rmtig« Vorwärts 0: 7. Woltersdorf gegen Luckenwalde V 2: 4. Fichte 21 gegen Bri- tannia-Neukölln 2: 1. Die»kraiulsche Futzballmanuschast. die am vergangenen Sonntag in Berlin verlor, konnte in Hamburg gegcn die dortige Städtemannschaft mit 2:1 gewinnen._ Turnspiele. Dtt Bezirk Süden der„Freien Turnerschaft Groß-Berlin" veranstaltete kürzlich einen Handballwerbctag. Am Vormittag wurden folgende Resultate erzielt: Männer: Wedding II gegen Sparta II 3: 2(2:2). Weddrng I gegen Sparta I 7:1(5:0). Süden II gegen Rosenthal 1:1(1:0).— fugend: Süden gegen Nowawes 5:0(3:0). Die Turnerinnenmannschasten Süden und Wedding, letztere nur mit 10 Spielerinnen, stellten sich dem Schiedsrichter. Wedding gelang es, kurz nach Anpfiff«in Tor zu erringen und konnte bis zur Halbzeit noch zwei Tare erringen, während Süden nur das Ehrentor er- daschte. In der zweiten Halbzeit eroberte Wedding nur noch ein Tor. Anschließend kämpften die Männermannschaften Süden und Nowawes. Süden hat Anwurf, aber Nowawes erhält sofort den Ball und kann zum ersten Tor einsenden, dem in kurzen Abständen das zweite und das erste Tor von Süden folgen. Beide Mannschaften können noch Zählbares erreichen und g,H8 Uhr, Lichtbildervortrag.— Abt. Prenzlauer Bcrg: Donnerstaa, 7. Oktober. 8 Uhr, Heim Danziger Str. 23. Geschäftliches.— Abt. Lichtenberg: Donnerstag. 7. Oktober, 8 Uhr, Heim Parkaue 10. Geschäftliche».— Abt. Friebrichsbagen: Donnerstag. 7. Oktober. 8 Uhr. bri Feen. Friedrichstr. 73, Monatsversamm- lung.— Abt. S-sundbrnnncn: Donnerstag. 7. Oftober, 8 Uhr, im Schiller. Lnzeum. Dank- Eck» Bottcherstratze. Geschäftliches.— Abt. Reinickendorf: Donnerstag, 7. Oktober. 8 Uhr, in Rcinickendorf-Weft, Seidelskratze. Monots. Versammlung.— Abt. Neukölln: Donnerstag, 7. Oktober, 8 Uhr, in der Turn. halle Britz. Werderstratze, Spielen und Turnen. Gäste willkommen.— Ort». grnppe Berlin: Mittwoch. 6. Oktober, 8 Uhr, im Sophien. Lnzeum. Weinmeistcr- strotze 16/17, Funktionärkonferenz. Naturfreund«, die an der Bildung einer Abteilung Pankow interessiert sind, werden gebeten, ihre Adresse beim De. Nossen Fritz Sinn, N20, Stettiner Str. 30, anzumelden. Turkiclc Dr. med. Edwin Picard Cblnirgie und Urologie KelthstraBe 2, 4— 6.— Nollendorf 4363. Der c 1 UtlUlUUUU qEiäiäfiin irtiililidi C. Röcker, Berlin* S Lichtenberger Straße 22, Kgst. 3861 Sole Kaplian- Ksuf dbält's' � wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN in der Gesamtauflage des„Vorwärts- nnd Gegr. 1891. Anter Sarnukte vi« fchänften tepp»«nk> Daunen-Decke» Bernluu-a struänteiude!, BerUn. lSallstratz« 72 tUntergrunddahn Jnselbrücke). Filiale: Sptttelmarft, Eck- Seydelltiatze. und w, Rikolsdurger Platz 2, Ecke Teaulenaustratze. i Reparat, jed. Art.— Jllustr. Preistatalog gratis, Verfangen Sie oonder-Angebot 1.2jflcnalsrafen RMDPÄTZSC® 6ep|ln Leipziger Str. 122-123