Nr. 474 ♦«A.�aheg. Ausgabe A Nr. 242 ««MgSprett. ö? sstonau»» vw-si»."«rtM B,— AeichsmarB ootuu* tahlBar. Hat« ftteiubani für Dnitschlaad. •Exauifl, Saar- und SKeroelaebitl, Oeltirrtich. Litauen. Luremtm» 4,50 Stidisinatl, für dos ttbttfl« ausländ 5L0 Reichsmark»r» Monat. »er.BorwSrts� mit der tvnftrtev. ten Sonntagsbeilasr.voll und Zeit' lowie den Beilagen.Unterhaltung uns Wissen',.Aus der Filmwelt', .Frauenstimme'..Der ilinder- freund',„Jugend-Vorwärts' und .Blick in die Bitcherwelt' erscheint mochentiizlich zweimal, Sonntag» und Montag» einmal. "Uidtll,.'; Telegramm-Adreffe: vSojialdemotcaf verltn"' Morgenausgabe Devlinev VolKslrlakt (iv Pfennig) > Anzeigenpreise: Di««insvaltig« Nonpareille. geil« 80 Pfennig. NeNam-ii-il- d,— Reichsmark..Kleine Anzeigen' da» fettgedruckt« Wort 25 Pfennig (zuliisssg zwei fettgedruckte Worte), jede» weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuch« da» rrss« Wort. 15 Pfennig, jede» weitere Wort 10 Pfennig. Worte Wer 15 Buch» ssaben zählen für zwei Worte. 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Der Donnerstag ist vergangen, der Reichskanzler ist zurückgekehrt, die Entscheidung ist noch nicht gefallen. Eine tiefe Veunr.uhigung aller politisch wachen Volks» kreise ist die Folge. Die Frage Seeckt-Geßler ist eine Frage des Prinzips und des Systems. Es handelt sich ganz einfach darum, ob in Deutschland das Parlament oder das Militär der ausschlaggebende Faktor sein soll. Es geht um Demokratie oder Militarismus. In der Demokratie ist die Armee«in Werkzeug in der chand der dem Volke verantwortlichen Regierung. Sie ist hier kein Staat im Staate, keine von der übrigen Bevölkerung ab- geschlossene Kaste, sondern ein Instrument der Volks» Herrschaft. Die Stellung des verantwortlichen Reichs- wehrministers kann darum nicht die eines bloßen„Har- lekins" fein. Seine Stimme muß in den Angelegenheiten der Armee entscheidend sein, denn e r ist es ja, der alles, was in der Armee vorgeht, vor dem Volk und feiner Vertretung zu verantworten hat. Jahrelang haben wir in der deutschen Republik einen unklaren Zwischenzustand ertragen müssen, der teils auf die Entwicklung der tatsächlichen Verhälmisse, teils auf die per- fonliche Eigenart des Reichswehrministers Dr. G e ß l e r zurückzuführen ist. In allen vepublikanifch gesinnten Kreisen hatte man den sicheren Eindruck, daß Herr Keßler vieles deckte, was schlechterdings nicht zu verantworten war. Die Mitte des Reichstags aber zeigte allem Militärischen gegen- über jenen schon aus der Vorkriegszeit übernommenen Schwächezustand, der nur gelegentlich, wenn es allzu dick kam — wie in der Zaberner Affäre— durch Anfälle von Energie unterbrochen wurde. Im Fall Zabern hatte der Reichstag dem verantwort- llchen Reichskanzler seine Mißbilligung offen zu erkennen ge- geben, der Reichskanzler v. Bsthmann Hollweg aber blieb. In keinem anderen Kulüirlande der Welt wäre etwas Aehnliches möglich gewesen. Deutschland deklarierte sich dadurch als ein von den anderen völlig verschiedenes Staatswesen. Die Offiziere hatten gegenüber dem Reichstag recht behalten. Das war der Sieg des Militarismus. Jetzt hat sich ein Fall ereignet, der so kraß liegt, daß ihn selbst der langmütige Herr Dr. Keßler nicht decken zu können glaubt. Er hat darüber dem General v. Geeckt mwerblvm! seine Meinung gesagt, und dieser hat daraufhin sein Rück- trittsgesuch gegeben. Wird dieses Gesuch nicht angenommen, bleibt Herr v. Seeckt im Dienst, dann hat der Militarismus— diesmal in der Republik— einen neuen entscheidenden Sieg davon- getragen. Die Wirkungen eines solchen Vorgangs nach außen und innen wären ganz unübersehbar. Jeder objektiv Denkende wird begreifen, daß dem Reichs- Präsidenten v. Hindenburg die Entscheidung nicht leicht fällt. Er ist ein General, der in den Traditionen der Treue zum Hohenzollernhause aufgewachsen ist, und der General v. Seeckt ist ihm„ein Kriegskamerad" aus vergangener Zeit. Aber es ist nun einmal— und dafür sollten auch politische Gegner Verständnis aufbringen— nicht die eigentliche Aufgabe des Präsidenten der deutschen Republik, monarchische Traditionen und militärische Kameradschaft zu pflegen. Darüber steht die politische Aufgabe, steht vor allem die Pflichh diegeltende Verfassung und ihren Geist zu wahren. Diese Ver- fassung aber und ihr Geist vertragen sich mit irgendeiner Art von Militarismus in keiner Weise. Bleibt Seeckt und geht Geßler, so bedeutet das nicht nur eine Regierungskrise, fondern eine Krise der Republik. Das weiß so ziemlich jedermann, und darum sind Kräfte am Werke, die ausi ein Kompromiß hinarbeiten: Sie sollen sich wieder vertragen! Seeckt soll bleiben und Geßler auch! Man kann sehr im Zweifel darüber sein, ob ein solches Kompromiß nicht noch schlimmer wäre als der offene Konflikt. Denn Herr Geßler bliebe dann nur als Gefangener und parlamentarischer Prügelknabe des militärischen Systems. Er wäre dann wirklich der Harlekin, der er nicht sein will— und ließe sich der Reichstag einen solchen Reichswehrminister samt seinen übrigen Regierungskollegen noch länger gefallen, dann wäre auch der ganze deutsche Parlamentarismus nur noch eine einzige große Harletinade. Herr Geßler und Herr Marx müssen wissen, was sie jetzt zu tun haben. Sie können durch Festigkeit alles gut machen, sie können durch Schwäche viel verlieren und zer- stören, mehr vielleicht, als sie heute noch ahnen! Wir sprechen im Sinne der Verfassung und einer er- drückenden Voltsmehrheit, wenn wir erklären: Wir wollen die parlamentarische Demokratie! Wir wollen keine Mi- litärdiktatur! pomcarS gegen Rheinlanöräumung! Behauptungen eines Pariser Nationalistenblattes. Paris. 7. Okiober. sEigener Drahkbericht.) Der nakio- nalisiische„Jntransigeanl" keilt mit. daß PoincarLs Um- fall hinsichtlich der Rakifizlerung des Washingtoner Schulden- abkommen« ausschließlich aus seine Gegnerschaft gegen die Politik von Thoiry zurückzuführen sei. Als Briand von Genf zurückgekommen sei, habe PoincarL mit Rücksicht aus die Existenz des Kabinetts nicht anders zu handeln gewußt, als seine prinzipielle Zustimmung zu der Politik der deutsch- französischen Verständigung seines Außenministers zu geben. Räch- dem aber inzwischen über die geradezu kläglichen Kompen- s a t i o n e n. die Deutschland für die Räumung des Rhcinlondcs und des Saargcbiete» zu bieten geneigt sei, Klarheit geschaffen worden sei, habe Poiucarä die Hände wieder frei bekommen. Da er nicht daran denke, die geringen Vorrechte, die Frankreich noch ans dem Friedensverträge besitze, gegen ein Linsengericht zu ver- taufen, habe er es vorgezogen, sich direkt an Amerika zn wenden, das ja auch nach den Plänen von Thoiry die Gelder für die vlobili- perung der Dawes-Obligakioaen aufbringen solle. Frankreich ge- «inne auf diese Weise für die Verhandlungen mit Deutschland seine volle VerHandlungsfreiheit zurück und Deutschland werde, wenn es französische Zugeständnisse wünsche, sich entschließen müssen, einen vollwertigen Saufpreis dasür zu bezahlen. * Die Bedeutung dieser Meldung darf nicht unterfchätzt werden, denn der„IntransigeanT ist ein gut informiertes Blatt, das den führenden Kreisen des Rationalen Blocks sehr nahe steht. Es ist allerdings unerfindlich, wie man heute schon, wo die finanzielle Seite des Verhandlungskomplexes, noch gar nicht eingehend und offiziell aufgeworfen worden ist. behaupten kann, die von Deutschland zu erwartenden Kompensationen seien„kläglich". Daß über den Wert dieser Kompensationen zwischen Deutschland und Frankreich Meinungsoerschieden- heiten auftauchen werden, ist selbstverständlich. Denn die Politik von Thoiry trägt nun einmal alle Merkmale eines „Geschäftes". Aber diese Bewertungsunterschiede werden sich mit beiderseitigem guten Willen schon überbrücken lassen. Nur ist es gefährlich, schon jetzt in zugespitzter Form diese Gegensätze als unüberbrückbar hinzustellen. Das ist aber die Tendenz bei den Nationalisten in b e i d e n Ländern. Und die Frage ist, inwieweit steht P o i n c a r 6 auch heute noch hinter dem französischen Nationalismus? Salüwin spricht. Locarno ein Trinmph Chamberlains.>— Schulbcn- abkommcn.— Aenderung des Gewerkschaftsgesehes? London, 7. Oktober.(WTB.) B a l d w i n hielt in einer Der- sammlung in Scarborough eine Rede, in der er sagte:„Der Ein- tritt Deutschlands in den Völkerbund und die Ratifizierung des Paktes von Locarno stellen einen bedeutenden Triumph der britischen Diplomatie und di« Krönung des großen Werkes des britischen Ministers des Aeußeren dar. Für die Bezahlung der italienischen und der französischen Schuld sind Abkommen ge- troffen worden, deren Bedingungen ich für gerecht Halle." Baldwin ließ ferner die Absicht der Regierung durchblicken, einen Abänderungsantrag zum Gesetz über die Sewerk- schaften einzubringen. Er erklärte:„Die jüngsten Ereig- nifse machen es notwendig, das Gesetz über die Gewerkschaften einer Rachprüsung zu unterziehen. Di« Schwieriglell besteht darin, die Frage der KoUcktwrechte und der individuelle« Recht« d« Arbeiter zu lösen." Kulissenspt'ele. Gonzagas Rürktritt.— Warum Rocea geopfert wirS. Duminis Kostenrechnung. Lugano, Anfang Oktober. Di« Amtsniederlegung des Generalissimus der faschistischen Miliz, des Generals Gonzaga, und'seine Ersetzung durch Mi..... Mussolini wird als ein Sieg des Vandenfafchismus über den �egalitären" Faschismus gedeutet und soll den Gegensatz zwischen dem Ministerpräsidenten und dem Minister des Innern, Federzoni, weiter verschärft haben. Gonzaga hatte sich in Redeweise und Phrasenschatz ganz dem Hyper- faschismu? angepaßt, aber es ist bekannt, daß er das Kom- mando der Miliz seinerzeit überhaupt nur mit der Einschrän- tung übernommen hatte, daß er sich als General des ttalieni- sehen Heeres fühle und durch den dem Könige geleisteten Treuschwur gebunden sei. Mit Gonzaga scheidet ein Mann aus dem Dienste des Faschismus, der diesem ein sehr dekora- tives Werkzeug war, aber ihm nie und nimmer auf dem Wege des Staatsstreichs, dem Wege zu Mussolini Imperator gefolgt wäre. Der Versuch, den Faschismus in legalitäre Bahnen zu lenken, der Versuch der sogenannten Normalisierung, ist eben völlig aufgegeben: es ist also inatürlich, daß man eine Perfön- lichkeit abbaut, die gleichzeitig Ausdruck und Werkzeug dieser Legalisierung sein sollte. Als nächster Schritt müßte der Rücktritt Federzoni s folgen, aber Mussolini ist trotz der äußeren Aufmachung kein Draufgänger, sondern wartet schlau und ruhig seine Gelegenheit ab; es liegt durch- aus in seinem Interesse, die Nationalisten innerhalb des Fchchismus nicht vor den Kopf zu stoßen. Gar zu banden- mäßig darf sich der Faschismus heute aus Rücksicht auf das Ausland nicht gebärden. Wenn Italien durch feine Annähe- rung an England der deutsch-franzöfifchen Annäherung ein Gegengewicht bilden will, so darf es in seiner Innenpolitik nicht allzu balkamnäßig zugehen. Es mag ohnehin schon dem englischen Außenminister einen merkwürdigen Eindruck ge- macht haben, daß die Zusammenkunft so heimlich zustande kam, gerade, als offizielle Kommuniques ihre Verschiebung meldeten. Das Organ der faschistischen Syndikate will in der englisch-italienischen Annnäherung gar ein Gegengewicht gegen das Eifenkartell sehen. Jedenfalls schlachtet die faschisti- sche Presse das Ereignis reichlich aus als einen Bewejs der Sympathien der englischen Regierung für den Faschismus. Als ob wir nicht wüßten, wie immun von Sym- pachten und Idealen Großbritannien vorgeht, wo es die Inter- essen feiner auswärtigen Politik zu wahren gilt! Wir haben längst die Illusion aufgegeben, daß das liberale und parla- mentarische England der reaktionären faschistischen Diktatur ge- wisse Grenzen vorzeichnen könnte. Aber der Kontakt mit der stärkeren Macht übt trotzdem eine gewisse Suggestion aus. Allzu bandenmäßig darf es also in Italien nicht werden, so- lange man noch Anschluß an europäische Mächte sucht. Die zweite Liste der ihrer italienischen Staats- büryerfchaft und ihres Besitzes entkleideten italienischen Bürger beleuchtet recht gut di« Stellung des Faschismus, der sich ebenso sehr durch seine untreu gewordenen Freunde als durch seine Feinde bedroht fühlt. Unter 15 Opfern des neuen Gesetzes befinden sich drei authentische Faschisten, Cesare Rossi, Fasciolo und Massimo Rocea, außerdem sin Faschistenfreund größten Kalibers, Carlo Bazzi. Man muß es als eine besondere Gemeinheit an- sehen, daß Männer, wie Saloemini, Francesco Frola und der Volksparteiler Giuseppe Donati gemein- sam mit solchen Leuten ausgewiesen werden. Soweit in einem Lande wie Italien das Strafverfahren überhaupt noch Beachtung verdient, ist zu beachten, daß R o c c a Mitglied des italienischen Parlaments ist. also durch die parlamentarische Immunität gedeckt sein sollte. Trotzdem ist gegen ihn vorgegangen worden, ohne daß man vorher die Ermächtigung der Kammer eingeholt hätte. Man nimmt allgemein an«, daß dieser Vertust der Staatsbürgerschaft Rocca trifft, damit der gegen ihn schwebend« Prozeß wegen Unterschleife und Bestechung im Amt nicht zur Verhandlung komme. Rocca war der erste Vertrauensmann des Faschismus in der Generaldirektion der staatlichen Lebensversicherung. Als solcher soll er große Summen von Konkurrenzgesell- schaften emkassiert haben, um denen Geschäfte des staat- lichen Instituts zuzuschieben! Wenn nicht sehr viel hoch- g e st e l l t e P e r s ö n l i ch k'e i t e n dabei mit kompromittiert werden könnten, wäre man wohl kaum mit so schwerem Geschütz vorgegangen. Uebrigens besteht in der faschistischen Presse eine Strö- mung, di« das ganze Gesetz über die Emigrierten, die„Fuoru- sciti" abschaffen und durch das neue Gesetz über die Todes- strafe ersetzen will. Man sagt, die Handlungen, die zum Verlust der Staatsbürgerschaft führen, sind ganz dieselben, für die man die Todesstrafe wieder einführen will, nämlich Ver- brechen gegen die Ration, will sagen: gegen den Faschismus. Vom juristischen Standpunkt— den das neue Italien(Golk fei Dank!) ganz überwunden hat ist das eine recht großi zügige Auffassung, denn das©eseH öfter die Sfmfgrietfen de» stimmt, daß auf Verlust der Staatsbürgerschaft auch erkannt werden kann für Handlungen, die nach dem geltenden Straf- gesetz nicht strafbar sind. So könnte man also künftighin an den Galgen kommen für Taten, die erst durch das Galgen- gesetz selbst zum Rang der Strafbarkeit avancieren! Daß der Faschismus zu seiner eigenen Erhaltung einen gewissenSpielraum in der Anwendung der Todesstrafe braucht, ersieht man übrigens aus der nachstehenden Mtteilung, die D u m i n i dem römischen Stadtrichter durch Amtsdiener am 1K. September d. I. hat zustellen lassen: „An die Kgl. Präfettur in Roro. Der Unterzeichnete erklärt, von dem Vorstand der nationalen faschistischen Partei die Summe von 66 000 Lire erhalten zn haben. Diese Summe wurde in folgenden Teilzahlungen ausgefolgt: 40 000 Lire, vom Rechtsanwalt Giovanni Vaselli, Vize- gouoerneur von Rom, im Auftrag des Verwaltungssekretariats der nationalen faschistischen Partei, mit dem Sitz auf dem Kapital: 26 000 Lire, die persönlich pom Herrn Giovanni M a r i n« l li, Verwaltungssekretär der faschistischen Partei, ausgezahlt wurden, in der Wohnung des Herrn S. Rarducci, Sekretär des Vizegouverneurs von Rom, Giovanni Vaselli. Diese Summe stellt ausschließlich den Preis der Wertgegenstände (Motorrad, Koffer, Anzüge, Wäsche, Schreibmaschine, Schmuck usw.) dar, die bei der Verhaftung des Unterzeichneten, am 12. Juni 1924, und während dessen Haft wegen der Affäre Matteotti b e s ch l a g» nahmt wurden. Der Unterzeichnete erklärt weiter, daß er au» Rechffchasfenheit und Selbstachtung auf das verzichtet, was ihm während der Vor- Untersuchung und während des Prozesses von seinen Verteidigern, den Rechtsanwälten Farinacci und Vaselli, und später von dem Verwaltungssekretär der faschistischen Partei, Giovanni Mari- nelli, versprochen worden ist. In die Liste der oben aufgeführten Summen sind die 32 764 Live und 60 Eentesimi nicht einbegriffen, die die Prozeßspesen für die Der- Handlung vor den Affffen von Chieti darstellen, laut Forderung Nr. 18 646 des Schwurgerichtshofes von Chieti. Der Unterzeichnete erklärt, daß diese Forderung ihn tu keiner Weis« angeht und überstellt sie aus Kompetenzgründen der nationalsafchistischen Partei und zwar ihrem Äerwaltungssekretoriat. gez.: Amerigo Dumini." Wir wollen dem Ehrenmann, der diese Zeilen geschrieben hat, seine Rechnungen nicht nachprüfen. Es ist jedenfalls ein Kunststück, von 65 000 Lire Schadensersatz als reicher Mann leben zu können, mit Auto, Sommerfrische in vornehmen Hotels und anderem Firiefcknz. Gar mancher würde Motor- rad, Koffer, Anzüge, Wäsche, Schreibmaschine, Schmuck usw. einbüßen, wenn er sich damit für sein Leben zum reichen Manne machen könnte. Aber es ist interessant, daß für diesen Schaden und die Prozeßkosten die faschistische Partei öffent- lich als einzig zuständiger Zahler bezeichnet wird.... � Gerade jetzt bemerkt der Faschismus, daß er eigentlich eine a n t i b o u r g e o i s e Bewegung ist. Er bemerkt das durch die Unbotmäßigteit der Industrie und Finanz in Sachen der Deflation. Die Börsen reagieren durch einen katastro- phalen Sturz der Aktien, die Industrie durch Betriebs- einstellung. Und so fällt es dem Faschismus, dessen geistiges Gewebe einleuchtungsweife gewoben wird, auf einmal ein, daß er eine Partei der Mittelklassen ist. Bisher hatten mir immer gedacht, daß die Mittelklassen zur Bourgeoisie gehören, und außerdem hat man uns eingebläut, daß der Faschismus die ganze Nation ist: außer ihm nur die A n t i n a ti o n. Sollte diese jetzt von Finanz und Industrie Verstärkung erholten? Vertagung des Auswärtigen Ausschusses. Nach mehrstündigem Beratungen, an denen sich die Vertreter aller Parteien beteiligten. vertagte sich der Auswärtig« Ausschuß des Reichstags auf Frei- «agmittag zur Besprechung der Germersheimer B or- gange. Karl Severins. Du gehst, zwar nicht zermürbt und nicht zerrieben, Doch müd' und abgekämpft nach hartem Streit. Dich hämisch zu verleumden weit und breit, Was hat man nicht geredet und geschrieben! Die aber, die da Recht und Freiheit lieben, Sie waren dir zu folgen treu bereit, Und deine Tat, Vollstrecker neuer Zeit, Ist, heiliges Vermächtnis, uns geblieben. So nimm denn deine wohlverdiente Ruh' Und heile deine ehrenvollen Wunden, O wackerster Soldat der Freiheit du! Doch läßt das Schicksal völlig dich gesunden, Dann kehr' zurück und schlage wieder zu, Mit unfern Reih'n zu frischem Kampf verbunden! Henning Duder st adt. Mus dem Leihamt. Skizze von Margreth Menget. Dos kleine Mädchen ging mit langsamen Trippelschritten durch die Straßen. Es dachte daran, daß es seine Geige fortbringen müsse aus das Leihamt, denn der Bater brauchte Geld. Das kleine Mädchen hatte keine Mutter, es hatte auch niemals daran gedacht, wie es fei, wenn es eine hätte. Die Geige füllte das Leben des kleinen Mädchens aus. Freilich, es ging nun auch schon in die Schule, aber dort war alles groß und fremd und laut, nur wenn die Glocke zum letzten Male ertönte, kam das Schöne: man durfte heimeilen zum Dater und die Geige nehmen, damit alles wieder gut wurde. Ein paarmal war Anette schon mit dem Vater auf dem Leihamt gewesen, denn seit der Vater trank war, ging es ihnen nicht mehr gut und Anette verstand völlig, daß man die Sache sotttragen müsse, damit man Geld bekam und wieder Brot kaufen konnte. Nun lag der Vater im Bett und Anette mußte allein gehen, und ach, diesmal war es die Geige, ihre Geige, die sie fortbringen sollte. Anttte spürte, wie kalt der Wind durch die Straßen ging, sie hörte von einem Kirchturm die Glocken schlagen und eilte schneller vorwärts. Ihre Arme hatte sie fest um den schwarzen Holztasten gelegt und immer wieder ging eine Melodie durch ihren Kopf, die sie vorhin noch gespielt hatte:... Sonne und Regen müssen ja sein, sollen zum Segen Saaten gedeihn.... so klang das Lied wieder durch das ganz« klein« Mädchen Hindus, als es di« Treppen pressepolitik öer Relchsregierung. Eigenmächtigkeit des Reichsernährnngsministeriums. Während die Reichsregierurvg im handelspoliti- schen Ausschuß des Reichstags es ausdrücklich abgelehnt hat, zu der strittigen Frage der Zuckerzollerhöhung Stellung zu nehmen, veröffentlicht heute die o f f i z i ö f e„I n d u st r i e- und Handelszeitung" die folgende Notiz: »Ueber die Erhöhung des Zolles für Rübenzucker hat der handelspolitische Ausschuß des Reichstags in seiner letzten Sitzung beraten. Der Antrag Stubbendors auf Erhöhung des zurzeit geltenden Zuckerzolles von 10 M. auf 20 M., lag wider Erwarten dem Ausschuß nicht vor. Es wurde daher beschlossen, der Regierung die Initiative in dieser Zollfrage zu überlassen. Wie wir an unter- ttchteter Stelle erfahren, sind die in Bettacht kommenden Reflotts der Reichsregierung der Ueberzeugung, daß eine Erhöhung des Z u ck e r z o l l e s sich im Interesse der deuffchen Zuckerindustrie und des Zuckerrübenanbaues als notwendig erweist. Jedoch ist man sich über die Höhe des neuen Zolles noch nicht schlüssig." Für den Kundigen ist klar, daß diese Notiz aus der Pressestelle der Reichsregierung stammt. Ein Ministerium dürfte die Notiz dorthin geleitet haben, die im Widerspruch zu der bishengen Zurückhaltung der Reichs- regierung steht. Die Pressepolitik des Reichsernährungs- Ministeriums ist von jeher unvorsichtig gewesen. Wir erinnern uns, daß in dee Frage des spanischen Han- delsvertrages seinerzeit ebenfalls eine Notiz des Reichsernährungsministeriums über die Gestaltung des beut- schen Außenhandels durch die gleiche Zeitung oerbreitet wurde, die inhaltlich völlig falsch war und von einem großen industriellen Verbände Satz für Satz widerlegt werden konnte. Bei diesem Verfahren handelt es sich offen- bar um ein auf die Dauer unerttägliches Intrigen- spiel. Es geht nicht an, daß ein einzelnes Ministerium, in dem ein einzelner Ministerialrat bereits feine selbstverständ- lich für ihn allein ausschlaggebende Entscheidung getroffen hat, den Versuch machen darf, in dieser Weise die Stellung- nähme der Reichsregierung zu wichtigen politischen Fragen vorweg festzulegen. Es ist nicht nur Sache der übrigen Ressorts der Reichsregierung, die zum Teil vielleicht noch gar nicht Stellung genommen haben, daß derartige offiziöse Meinungsäußerungen unterbleiben, sondern die gesamte Oeffentlichkeit hat ein Interesse daran, daß die seltsame Solopolitik, die das Reichsernährungs- Ministerium mit allen Mitteln der Intrige treibt, endlich einmal ein Ende findet. Es muß erwartet werden, daß der Reichskanzler feine Autorität mit Entschiedenheit auch in diesem Falle einsetzt und die Eigenmächtigkeit eines einzelnen Ressort endgültig unterbindet. Reform See Strafunterfttchung! Sozialdemvkratische Forderung im Landtag. Die sozialdemokratische Fraktion des Preußischen Land- tages hat zu dem Magdeburger Iustizskandal Kölling und Konsorten außer der bereits mitgeteilten Großen Anfrage noch folgenden U rp n t r a g eingebracht: Die Behandlung- deo Magdeburger Mordfalles HeMng durch die zuständigen Justizorgane hat in der Bevölkerung da» berechtigte Gefühl erweckt, daß bei der fast uneingeschränkten Macht- befugnis des Untersuchungsrichters und den geringen Rechten des Angeschuldigten eine große Rechtsunsicherheit für unschuldige Angeklagte besteht. Das Schicksal der Angeschuldigten Haas', Fischer, Reuter kann jederzeit auch jedem anderen un- schuldigen Staatsbürger widerfahren. Wtt beantragen daher: der Landtag wolle beschließen, da» Etoatsministertmn zu ersuchen: 1. seinen Einfluß dahin geltend zu machen, daß bei der gesetz- lichen Neuregelung des Strafprozesses über dieHaftbefchwerde eines in Untersuchungshaft genommenen Angeschuldigten in m ü n d- l i ch e r kontradiktorischer Verhandlung ein weitgehendes Recht auf Aktenein'ficht zuerkannt wird: des grauen Hauses emporschritt, und erfüllte sein Herzchen mit wunderlicher Traurigkeit.—„Zum Abschied, Papa," hatte es vorhin noch zu Haufe gesagt, während des Spielens und dabei tapfer ge- lächelt, aber ach, es war doch sehr schwer.— Auf dem Leihamt waren viele Leute, die alle warteten. Ein kleiner Hund schnuppette an Anetten» Geige herum, so daß sie ängstlich empor sah in das Gesicht der Frau, welcher er gehörte. Anette wundette sich, was sie wohl hier mache, denn sie hatte sicher keinen Hunger, weil sie so sein aussah und einen Pelz trug. Eine andere Frau hatte ein Paket Wäsche unter dem Arm und Anette spsitte plötzlich großes Mitleid mit ihr, weil sie vor sich hinstarrte und Tränen aus ihren weit offenen Augen liefen.„Sicher ist sie auch krank," dachte die klein« Anette betrübt. Männer waren da, die laut miteinander redeten und vor denen Anette sich fürchtete.„Du, Kleine, spiel eins," sagte plötzlich einer zu ihr und stellte sich dicht vor sie hin. Anette bekam Herzklopfen vor Schreck und Freude, sie wußte selbst nicht, was es war. „Darf ich denn?" flüstette sie zaghaft.„Aber ja," sagte der Mann und lachte. Alle schauten neugierig das Kind an. „Laß doch die Dummheiten," sagte ein allerer Mann zu dem ersten, aber das hörte Anette nicht. Sie nahm die Geige heraus, stand gerade und schmal in dem halbdämmerigen Raum zwischen den fremden Menschen und begann zu spielen. .... Sonne und Regen müssen ja sein, sollen zum Segen Saaten gedeihn..., ein dünnes Stimmchen fang diese Worte mit, darüber schwebte der Ton der alten Geige, ungeübt und kunstlos, aber leise und rein. Es ging«ine Tür auf, die in die leichte, halbhohe Wand ein- gelassen war, welche sich trennend zwischen Watteraum und Pfand- annahm« befand. Ein Mann in weißem Kittel kam hastig und ärgerlich heraus, das Gesicht in Strenge und Unmut gefaltet, doch. das spielende Kind erblickend, verhielt er jäh den Schritt, lauschte cknd lächelle.— Es war plötzlich etwas da, etwas Fremdes, Unbegreifliches. Von dem feierlichen Gestchtchen ging es aus und von dem Ton der Geige. Dieses Etwas schwebte durch den engen Raum und ergriff ein anderes Etwas in dem Haufen der wartenden, versorgten Men- schen und rührte ein Gleiches an in dem Taxator, dessen Augen alle Strenge vettoren hatten. Ahnung war es von weiten Feldern, über denen der Wind ging, von leisem gnädigen Regen, den das braune Land trank, Lächeln der Sonne war es. Wissen und Sehnsucht, Freude spielender Kinder, Dämmern der Feiertagsstunden, Lächeln, das Trost war, Weinen, das Freude war.... Als das Kind geendet hatte, verblaßte langsam dieses Etwas: dach nicht ganz: ein stiller Widers'�.ein lag plötzlich auf dem kargen Alltag, der mit nackten Augen und hatten Händen wieder aus den dämmernden Ecken kroch. Aas Kind lächelte noch, während der Taxator mit ihm sprach 2. eine Gefetzesvottoge dem Landtag vorznkegen, durch die d a« veraltete Disziplinargesetz für richterliche Beamte neu- gestaltet und namentlich die Oeffentlichkeit für die cnt- scheidende Verhandlung eingeführt wird: 3. die Tätigkeit der mit der Mordsache Helling befaßten Richter und Staatsanwälte einer disziplinaren Nach- p r ü f u ng auch unter dem Gesichtspunkte zu unterziehen, wie weit diese vorsätzlich oder fahrlässig die sachliche Aufklärung des Falles verzögert bzw. nicht genügend gefördert haben. Der Antrag dürfte mit der Großen Anfrage am morgigen Sonnabend zur Beratung kommen. Staatssekretär Neifter geht. Sein Abschiedsgesuch überreicht. Der Staatssekretär im preußischen Ministerium des Innern Dr. Meister hat dem neuen Innenminister am Donnerstag fein Abschiedsgesuch überreicht. Dr. Meister wird aus dem Amt scheiden, sobald das Kabinett seinen Nachfolger bestimmt hat. Als aussichtsreicher Kandidat für das Amt des Berliner Polizei- Präsidenten kommt der Kölner Polizeipräsident Zörrgiebel in Frage. Das Zentrum an Minister Severins. Anerkennung und Dank. Die Zenttumssraktion des Preußischen Landtags hat an den bishettgen preußischen Innenminister Severins das folgende Schrei- den gerichtet: „Sehr verehrter Herr Staatsminister! Mit schmerzlichem Bedauern hat die Zenttumssraktion des Preußischen Landtags sich davon überzeugen lassen müssen, daß Ihr schwer angegriffener Gesundheitszustand Ihnen die Weitersührung Ihres so dornenvollen Amtes nicht mehr gestattet. Sie haben sich in der Tat in hin- gebungsvollstem Dien st an Volk und Vaterland förmlich aufgerieben. Es ist uns«in tiefgefühltes Bedürfnis, Ihnen aufrichtig zu danken für Ihr selbstloses und uneigen. nütziges Wirken in schwerster Zeit, durch das Sie einen so unübettrefslichen Beweis von wahrhaft nationaler Dentungsart erbracht haben. Möge die Ihnen einstwesten auferlegte Zeit der Ruhe und Erholung Ihre Kräfte wieder zu voller Frische bringen, damit Sie Ihre reiche staatsmännische Begabung bald unserem Volke wieder zur Verfügung stellen können. In aus- richtiger Hochschätzung begrüße ich Sie, sehr verehrter Herr Staats- minister, namens der Zenttumssraktion als Ihr Ihnen sehr er. gebener_ gez. Dr. Porsch." ftue öer preußischen Lanötagsfraktion. Ertänzun« des Fr«kti»nsd»rK«ndes. Im Vorsitz der sozialdemokratischen Landtagsfraktion ist eine Aenderung dadurch eingetteten, daß der neue Innenminister �Grzesinski ausgeschieden ist. An seine Stelle ist Genosse Lein»rt getttten. Daneben bleiben, wie bisher, Vorsitzende die Genossen Heilmann, Haas-Köln und Leid. Der Genosse K ö n i g- Swinemünde wurde für den Genossen Leinert neu in den Fraktionsvorstand hineingewählt. Gegen üas bayerische potemkin-verbot. Eingreifen des Reichsinncnministcriums. Wie der Reichsdienst deutscher Presse hött, wird in der An- gelegenheit des Weiterverbots des Films„Panzertreuzer Potemkiu" in Bayern nach seiner Zulassung durch die Filmobcrprüsstelle die bayerische Regierung vom Reichsinnenministerium auf die hierin liegende Verletzung des Lichtspielgesetzes hingewiesen werden. Gleichzeitig wird sich der Rechtsvertreter der herstellenden bzw. der den Film vertteibenden Firma, Rechtsanwalt Paul L e o i, der sich zurzeit wegen der Tagung des Femeausschusses in München aufhält, beschwerdeführend an die zuständige bayerische Stelle wenden. „Packe deine Geige wieder ein," sagte er,„der Vater muß selbst kommen, morgen früh soll er kommen, hörst du!" Cr sagte es gütig und hatte dabei ein bestimmtes Wollen, ein freundliches Planen im Gesicht. Betrübt ging die kleine Anette nach Hause, da sie dem Vater ja kein Geld mitbrachte. Aber unterwegs brach plötzlich ein Jubel durch ihr Kinderherz. Sie hielt die Geige im Arm wie einen kost» baren Schatz und lief mit kleinen Füßen eilig über das holprige Pflaster der Allstadt. Ach, wie würde sie nun noch einmal spielen können, den ganzen Abend über, ein Lied nach dem anderen.„Auch Papa wird sich freuen, wenn ich sie noch einmal wiederbringe," dachte die kleine Anette und lächelte zuversichtlich und zärtlich. Heber das kommende Reichsbühnengesch fand in Weimar eine Konferenz zwischen Vertretern der Reichsregierung und der Länderregierungen statt. Der Entwurf des Reichsinnenministeriums wird voraussichtlich noch im Oktober an den Reichsrat und von dort an den Reichstag gelangen. Es ist nicht gerade verttauenerweckend, daß man zu der Konferenz in Weimar keine Vertreter der Organi- sationcn der Bühnenkünstler, der Theaterdirektorcn und der dra» niatischen Autoren zugelassen Hot. Der Rundfunkzensor gegen Wilhelm Busch! Der bekannten Re> zitatorin Rest Langer wurden bei einem Vortrag am Berliner Sender von der Zensur(es wäre interessant zu erfahren, wer die eigentlich ausübt) zwei Verszeilen von Wilhelm Busch gestrichen, in denen das Wort„Busen" vorkam. Der gute, alte Wilhelm Busch würde sich wahrscheinlich im Grabe umdrehen, wenn er erführe, daß der Zensor ihn als anstößig betrachtet. Vielleicht wird ober das angekündigte famose„Schmutz, und Schundgesetz'' den Rundfunk- sittlichkeitsoposteln noch ganz andere Handhaben für ihr unsauberes Handwerk bieten. Slaluen für das Kapital des Skaakes in Havanna. Die Kuba- nifche Gesandtschaft sendet uns folgenden„Aufruf an die deutschen Künstler": Die Regierung von Kuba möchte sich darüber unterrichten, was ein deutscher Künstler für die Sfhafsung folgender Statuen, die im Kapital oder Kongreßgebäude des Staates Aufstellung finden werden, verlanaen würde: 1. Eine Statu« in Bronze gegossen, vierzehn Meter'hoch, Verkörperung der Justiz. 2. Sechs Statuen von Generälen aus dem kubanischen Befreiungs- kriege,- ebenfalls in Bronze. Di« Höhe dieser Statuen soll vier- einhalb Meter betragen. 3. Zwei Statuen, welche zu beiden Seiten des Hauptportals des Kapitals stehen sollen: Höhe 9 Meter, in Bronze gegossen. Verkörperung des Rechtes(Jus) und des Ge- setze»(Lex).— Der Künstler oder Erbauer muß der Regierung von Kuba vor der Auftragserteilung Sicherheiten geben.- INSrchenvorllellvngen. Di- Salteuburg. Bühnen vcrailfialicn im kommenden Winter Mittwochs, Sonnabend« und Sonn- tagS Märchenvorftellungen fürKinder. DI« Vorstellungen beginnen zunächst im Deutschen K ü n st l e r t h« a t e r mit der«»(- sübrung dcS Märchens.BSscS Prinz-stchen- von©obriclc R e u l e r, Musik von Mnx Marschalk. Im LustspielhnuS wird da« Märchen»Schneewittchen- vorbereitet und im Theater am Korsürstendamm eine Kinderrevue. 5all See�t und Zrankreich. Urteile der Pariser Presse. pariz, 7. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Der Rücktritt Secckis beschäftigt die öffentliche Meinung außergewöhnlich stark. So sehr die Urteile im einzelnen auseinandergehen, stimmen sie doch darin übcrein, daß der Rücktritt v. Secckts der politischen Annäherung zwischen Deutschland und Frankreich nur förderlich sein könne. Da man hier Geeckt als den Hauptschuldigen für alle deutschen Vcr- sehlungen gegen den Nersailler Abrüstungsparagraphen ansieht und ihm die Schuld an den Reibungen zwischen den deutschen Behörden und der Interalliierten Militärkontrollkommission zuschreibt, glaubt man jetzt, daß sein Verschwinden dazu beitragen werde, das Ent- waffnungsproblem im Sinne der letzten Forderungen der Bot- schafterkonferenz endgültig aus der Welt zu schaffen. In der Presse wird anerkannt, daß Seeckt durch seine loyale Haltung mehrmals in sehr schwierigen Situationen viel zur Rettung und Erhaltung der Republik beigetragen habe; dennoch sei er ein Repräsentant des militärischen Geistes der Vorkriegszeit. Der„Temps' schreibt, daß•einer der schwersten Fehler Deutschlands in der Nachkriegszeit gewesen sei, die ungemein schwierige Aufgabe des Aufbaues der republikanischen Staateform Männern anvertraut zu haben, die allzusehr vom Geiste des alten Regime durchdrungen gewesen sind. Dazu gehöre nicht nur der Fall Seeckt, sondern auch die Wahl Hindenburgs zum Reichspräsidenten. Denn ganz unabhängig von besten jetziger Haltung sei und bleibe er der deutsche oberste Heerführer im Weltkrieg, der sich unmöglich den neuen deutschen Geist zu eigen machen könne, ohne seine eigene Vergangenheit zu verleugnen. Ein Teil der Presse gibt der Vermutung Ausdruck, daß Seeckt demissioniert habe, weil er ein ausgesprochener Gegner der An- Näherungspolitik Stresemanns sei. Andere wieder glauben, daß der General sich geopfert habe, um Hindenburg zu decken, der von der Einstellung des Hohenzollernsprößlings gewußt habe. Die nationalistische Presse sucht natürlich aus dem Zwischenfall Kapital zu schlagen. Sie sieht in der Affäre des Kronprinzensohnes einen neuen Beweis dafür, daß die Reichswehr weiter- hin Zeitfreiwillige einstelle, um so eine möglichst große Zahl von jungen Leuten militärisch auszubilden. Nach einer bisher nicht bestätigten Meldung soll die Botschasterkonferenz mit dem Fall befaßt werden. Zirma ffugo Stwnes nach Amerika verlegt. Auflegung einer SS-Millionen-Dollar-Anleihe. Durch Wolffbureau wird mitgeteilt: Die zwischen der F a m i l i e Hugo Stinnes und einem amerikanischen Banken- k o n s o r t i u m schwebenden Anleiheverhandlungen sind zum Abschluß gekommen. Dem Konsortium gehören die be- kannten Bankfirmen Halsey, Stuart u. Co., New Aork. A. G. Becker u. Co., New Port, und N e w m a n Founders an. Es ist beabsichtigt, die gesamten Bestände der Familie Hugo Stinnes in zwei in Amerika zu bildende Holding- gesellschaften zusammenzufassen. Beide Gesell- fchaften werden an den amerikanischen Markt herantreten mit je einer 7 prozentigen Anleihe von zusammen 25 000 000 Dollar. In der ersten Gesellschaft werden diejenigen Interessen der Familie Hugo Stinnes zusammengefaßt, welche für Hugo Stinnes sen. die Grundlagen zum Aufbau seiner Finna gewesen sind. Es sind dies die Beteiligungen an den Kohlenbergwerken und der dazugehörigen weiter-. verarbeitenden Industrie, weiterhin dgs. Kohlen?. g« s ch ü f t mit seinen Umschlaganlagen!mt In- und Auslande sowie den Seeschiffen und Flußfahrzeugen. In der zweiten Gesellschaft werden diejenigen Jnter- essen der Familie Hugo Stinnes vereinigt, welche nicht zu dem industriellen Stammgeschäft gehören. Es ist beab- sichtigt, diese Interessen zum Teil im Laufe der Jahre a b z u- geben. Die zweite Gesellschaft wird sämtliche Anteile der ersten Gesellschaft besitzen. Die maßgebende Beteiligung an den Gesellschaften bleibt im Besitze der Familie Stinnes, die auch die freie Entscheidung in der Geschäftsführung hat. Die Anleihe beider Gesellschaften wird von dem ameri- konischen Bankenkonsortium übernommen. Den Verhandlungen sind eingehende Revisionen und Besichtigungen durch Sachverständige r orangegangen. Die Verpflichtungen, die seitens der Firma Hugo Stinnes gegenüber dem deutschen Banken- k o n s o r t i u m noch bestehen, werden in Durchführung dieser Transaktion abgegolten. Die überschüssigen Mittel aus der Anleihe verbleiben den beiden Gesellschaften als zusätzliches Betriebskapital. Zaschiftenbilanz. Ei« Jahr Schreckensherrschaft Mussolinis. Da« Internationale Komitee zur Verteidigung der Opfer de? weißen Schreckens veröffentlicht nachstehende Statistik des Grauen« über die Gewalttaten de» faschistischen Regimes in Italien innerhalb eines Jahres, vom 1. September 1S2ö bis zum 31. August 1928. Jahr und Monat 1925 Septbr.. Oltober. Novbr.. Dezbr.. 1926 Januar. Februar. März.- April.. Mai... Juni... Juli... August. Summe gr»»p« tx« 8 ML Jxitf«, ffr«!tag, 7% Uhr, f-lgende Abteilungen: vstrn: Jugendheim Große Frankfurter Etr. 1K, Zimmer 8.„Arbeiterdichiun- gen".— Spandau: Jugendheim Lindenufcr 1. Einfllhrungsnortrag:„Jugend- recht— Iugendschuh".— Tiibnxst: Jugendheim Belle-Miance-Etr. 7/1#.„An.- gestellten- und Iugendrecht". Freie S«wcrkschast«j»gend. Heute, Freiiag. 7Zh Uhr. tagen die Gruppen: Hermannplatz: Jugendheim Sanderstr. 11, Ecke Soülechtstraße. B«IlZli«der„ Bolkstänix.(Munlinftrumente mitbringen.)— Weddiaa: Jugendheim Gericht- ttrahe SS/Kg. Hosemanns Sang und Klang.— Oberschönewcide: Jugendheim Lauscner Str. 281 Roman von Oskar Baum. Bruno untersuchte, ob vielleicht eines der Fenster im Erdgeschoß offen geblieben war. Sa, baute man auf Kalks Schlamperei, verrechnete man sich nie! Er kletterte voraus und, einmal drin, zog«r, nicht leicht, den Freund an den hinaus gestreckten Händen nach. In den Tagen darauf schlich Alwin mit tonlos bewegten Lippen an den Wänden hin und stand in den Winkeln, alle Glieder wiegend in wechselnden Rhythmen. Lange Melodien- ketten, ganze Lieder und Satzstücke konnte er schon aneinander- reihen und unablässig weiter, weiter grub er in stinem Gedächtnis nach verschütteten Stellen, jeder kleine Fund ein Fest., Bruno ließ anderes keine Ruhe: Es hatte nicht immer dieselbe Person gespielt. Verschiedene waren es, und zwar meist Mädchen. Auch Alwin stimmte dem bei. Also eine große Gesellschaft! Aber ganz intim, denn es gab nie Applaus. Die vielen eingestreuten Lieder sangen teils Stimmen von blendender Bollendung und Freiheit, vielleicht große Kunst- lsrinnen, teils schöne, aber wohl nicht ausgebildete Stimmen, die sehr gegen jene abstachen. Und gerade von diesen hatte ihn eine ganz besonders gepackt. Er hatte sie immer, gleich wenn sie begann, wiedererkannt. Sang sie rasch, war es Voqelzwitschem, langsam, eine Flöte, nur vielleicht nicht so sicher und gleichmäßig. Der Ton war niedlich, ganz klein und rund, als läge es an der Mundform. Wie wobl ihr Wesen sein mochte? Lustig und laut oder zart und schwer- mütia?— Ob man auf irgendeine Weise erfahren könnte, wer drüben wohnte? Die Stadt hatte sich in den Jahren aedehnt, und die Anstalt lag längst mitten in einer langen Billenstraße. Im letzten Frühjahr wurde auch das Rüben- feld dem Hause gegenüber in eine Villa mit Garten ver- wandelt. Vielleicht ist ein Wirtshaus in der Nähe und es war eine"Bauernhochzeit, was euch so in Verzückung emporriß. sagt- Franzi, als Alwin ihr davon erzählte. Sie wollte'hn wohl nur wieder..auf die Erde stellen. wie sie sich ausdruckte. Er spielte ihr ja die langen ernsten Bruchstücke vor. „Das Eine bist du/ sagte er,„es geht auch in G-Dur. (Er behauptete, sie gehe in G-Dur.) Und drin kommt ein Gespräch zwischen uns beiden vor, aber daran gerade kann ich mich nicht und nicht erinnern. Die ganze Nacht habe ich darüber nachgedacht!" Und er beugte gequält den Kopf vor, lauschte, vor Spannung an allen Gliedern zitternd, als müsse er es doch noch von irgendwo herbeizwingen. Und diesmal stellte ihn Franzi nicht wieder„auf die Erde". „Das G-Dur-Stück war eine Sonate von Beethoven," erkannte Alex, den sein unerbittlicher Vater auch zum Klavier- spiel zwang, weil so ein Hungerleider von Lehrer einmal behauptet hatte, er habe ein ganz hübsches Talent. Franzi erfuhr auch von Alex, daß die Villa drüben einer ehemals berühmten Opernsängerin, Frl. v. Kröß, gehöre, die nur mehr unterrichtete und ihre Schüler öfters in kleinen Abendgesellschaften bei sich versammle. „Warum lernen wir nicht solche Stücke?" fragte Alwin traurig, hoffnungslos, ohne an Anklage zu denken.(Sie spielten immerfort Salonmusik: Thalberg, Smith. Für Opp> recht war nur die Orgel Musik. Klavier war etwas für die Leute: Effekt, Weltlichkeit.) „Weil ihr so was nicht zustandebringtl" fuhr Alex ihn an und lachte aufgebracht, als gelte der Vorwurf ihm. Ra, ob du es zustandebringst? dachte Alwin, aber er schwieg.-- Nach einigen, vergeblich nahe dem Vorgarten verwarteten Abenden holte einmal Alwin voll Aufregung Bruno herunter, da er allein den schwierigen Weg nicht wagte. Aber der Direktor überraschte sie und jagte sie zurück. Nicht unmöglich, daß Alex zu Hause etwas angedeutet hatte, denn Kapetan ließ in sein Donnern über das dreitausendmal verbotene Betreten dieser Wege einiges sonst nicht ganz Verständliche, vergnügt Er- bitterte einfließen über„kommende Vorschriften und Erlässe der Herren Zöglinge, den neuen Lehrplan, den sie hoffentlich bald ausgearbeitet haben würden, damit die Vorgesetzten sich von nun an danach richten könnten." Und Professor Görnitz unterzog tags darauf Bruno einem strengen Verhör: Wer ihm die hochmütigen Gedanken bei- gebracht habe? Ein Verbrechen gegen das Haus und sich selbst, nicht zu erkennen, daß man hier das Beste, Höchste aus ihm heraushole, alles, was nur in Menschenmacht stand! Wollte er vielleicht Virtuose werden, Komponist? Ja, auf ihn warte die Welt! Bruno wußte nichts zu sagen. Steif stand er zwischen den Bänken vor dem Mann, der auf einem der steifen Pulte saß. Mit jedem anderen hätte er aber reden können. Ja, aber war denn das nicht sein Vater? Er fühlte knirschend, daß er in seinem Alter schon Besseres wissen sollte, als wie -in der Schule aufgerufen, dastehen. Der Vater war ihm seit langem fremder als ein Un- bekannter, sprach bei seinen Besuchen im Hause meist gar nicht oder nur flüchtig mit ihm, aß zu Abend m der Direktorswoh- nung, Bruno unter seinen Kameraden im Speisesaal, als gehörten sie nicht zusammen. Im Sommer klang Vaters Lachen oft dem fröhlichen Lärm der Abendgesellschaften an den Tischen im Vorgärtchen zu den offenen Fenstern de? Arbeits- und Schlafsäle herauf. Bruno begriff nicht, daß viele Zöglinge glaubten, er könne stolz darauf sein und sei es auch.. „Ja, was hatte ich denn vor?" wollte Bruno erstaunt fragen,„ich wußte gar nicht so genau, daß mir hier ein, Unrecht geschah. Jetzt erst wird es mir klar und sicher." Abe? er sagte nur:„Wir dachten nicht an Beruf und dergleichen, Es machte uns nur Vergnügen." Und bitter entschlossen� nahm er sich vor, daß Kapetan und der Vater mit Sorgen um seine Zukunft nie etwas zu tun haben sollten. Dies war das letzte richtige Gespräch zwischen ihn«?. obwohl sie noch lange in derselben Stadt lebten. Man merkt? es dem Gespräch so gar nicht an: es hatte nichts Feierliches, nicht einmal etwas Wichtiges an sich. Professor Görnitz war ein richtiger Junggeselle geworden. Was irgendwie auf ihm lastete und nicht unmittelbar seine Person betraf, wurde ihm lästig. »• * Alwin hätte die Vereitelung des kaum entdeckten ersten großen Glücks wohl bis ins Tiefste getroffey, wenn nicht ein? sonderbare Erkrankung Franzis die Veränderung ihres ganzen Wesens, die sie mit sich brachte, immer mehr sein Denken, Wollen, alle seine Wünsche und Hoffnungen beansprucht hätten Einmal schleppte er Bruno, mit Tränen flüsternd, in das am Tage vcrschwicgendste Plätzchen, den Schlafsaal:„Du, sie spricht jetzt ganz anders mit mir! Du glaubst es nicht? Ich kann dir's beweisen! Gestern bat sie, ich möchte die G-Dur- Sonate aufschreiben, soweit ich sie im Kopf habe: du weißt ja, welche? Sie will sie lernen. Nun, was sagst du dazu?! — Und den Alex fertigt sie jetzt ab, daß du dich wunderst würdest! Sie hatten letzthin Streit, denke ich, denn, als er gegangen war, sagte st,» ganz erleichtert:„Nun wird er sich's vergehen lassen, immerfort da herauszukriechen." „Hast du sie gefragt, warum?"' „Bist du verrückt? So etwas werde ich mir doch nichl herausnehmen!"> „Ich weiß nicht, aber—" „Natürlich, du weißt immer was nicht!" Alwin ärgerte sich, pendelte sehr nach der Seite und ging gekränkt davon. „Nun, Krankheit verändert ja manche Menschen auch ohne besondere Ursache." Bruno wollte qs wieder gustuachen- Aber Alwin kam nicht zurück, er fand das vielleicht noch beleidigender- i (Fortsetzung folgtH j wurde, erscheint allerdings als der geelgnele Mann. Gewertschafis. Vertreter wegen ihres Eintretens für die Erwerbslosen zu schmähen. Der Tumult wird schließlich so stark, daß sich der Borstcherstellver- treter mit der Glocke nicht mehr durchsetzen kann. Er verläßt seinen Platz und unterbricht damit die Sitzung. Wenn je die Kommunisten den Beweis zu erbringen hatten, daß ihnen die Erwerbslosen- fragen nichts als Anlaß zur Agitation find, so haben sie es gestern im Stadtparlament getan. Erst die herausfordernde Rede des Herrn Roth, dann fein provozierendes Verhalten in der gestrigen Sitzting, seine fortgesetzten unmotivierten Ausfälle gegen Urich und unsere anderen Genossen, die schließlich zu dem aktiven Angriff des Holzfäller führten, das alles ist außerhalb des Saales festgelegte kommunistische Gemeinschaftsarbeit, ausschließlich zu dem Zwecke, die Sozialdemokraten unter allen Uinständen anzurempeln und sich an ihnen zu reiben. Was scheren diese..Erwerbslosenfreundc" Not und Elend der Bedauernswertesten der vestehenden Wirtschastsord- nung� Für die Kommunisten ist Agitation und die Beschimpfung der Sozialdemokratie alles So arbeiten sie in den Parlamenten, darauf ist auch ihr Verhalte» im Stadtparlament eingestellt. Schließlich beruhigten sich die Gemüter wieder und die Ver- Handlungen konnten fortgesetzt werdet,. Der kommunistische Redner brachte schließlich sein Manuskript zu Ende. Stadtverordneter Genosse Urich erklärte, daß er nicht die Ab- ficht habe, über die Erwerbslescnfragen so zu diskutieren, wie es in der Stadtverordnetenversammlung von gewisser Seite- beliebt wurde. Er möchte aber, um den Verleumdungen und Ver- drehungen ein fiir� allemal die Spitze abzubrechen/ feststellen, daß die Soiialdemokratie berests im Iahre 1392 unter der Leitung von Paul Singer zur Frage der Arbeitslosigkeit Stellung genommen hat und Anträge eingereicht habe, die sich in ihrer Grundsätzlichkeit mit unseren heutigen durchaus noch decken. Unsere Erwerbsloscnanträge, die in der Feriensitzung in diesem Sommer gestellt wurden, waren die Richtlinien für eine weitgehende Erwcrbsloscnfürsorge durch die Stadt. Wir müssen aber immer wieder feststellen, daß mit Unterstützungen und Notstandsnrbeiten den Berliner Erwerbslosen allein nicht geholfen ist, sondern daß sie Arbeit, und. zwar Dauerarbeit erhalten müssen. Deshalb auch unsere sortgesetzte Forderung aus Arbeitsbeschaffung. Wir wissen, daß die Arbeitskraft eines Erwerbslosen durch eine zu lange währende Ar- bcitslosigkeit zermürbt wird, so daß er später im Produktionsprozeß das nicht mehr leisten kann, was von ihm als vollwertiger Arbeiter verlangt wird. Die Leute, die uns noch bis vor kurzem als Lumpen, Strolche und Verräter beschimpft haban, sind von ihren eigenen Leuten jetzt so bezeichnet und in die Wüste geschickt worden. Urich ging dann noch einmal auf unsere Forderungen zur Be- Hebung der Erwerbslosigkeit ein. Nachdem der Volksparteiler Faltz l!nd der Zentrumsmann Schmidt gesprochen hatten, nahm der Vorsteher die Abstimmung vor Beschlossen wurde in der Hauptsache folgendes: Di« Ver- fammUing ersucht den Magistrat, bei den zuständigen Körperschaften dahin'worstellig zu werden, daß bei Berechnung des Existenzminimus der Verdienst Angehöriger nicht mehr angerechnet wird: als Stichtag zum Unterstützungsbczug nicht mehr den'l. Dezember 1925, sondern einen vom Magistrat noch zu bezeichnenden Tag zu nehmen: Hergäbe von Räumen für die erwerbslose Jugend in allen Verwaltungsbe- zirken anzuordnen: alle geplanten Arbeiten sofort zu beginnen, weitere Nvtstandsprojelte vorzulegen, besondere Arbeitsmöglichkeiten für n�eibliche Arbeitslose und für erwerbslose Angestellte zu erschließen: Mietebeihilse für Unterstützungsbedürftige zu geben: die Notakti�n des vorigen Winters verstärkt weiterzuführen: bei der Reichsrsgle- rung dahin vorstellig zu werden, daß sie ein« bOprozentige Erhöhung der Erwerbslosenunterstützung und die Unterstützung für die ganze Erwerbslosigkeitsdauer ohne jede Karenzzeit gesetzlich festlegt, die Be- dürstigkeitsklausel und die Pflichtarbeit beseitigt, durch Reichsgcsctz den Achtstundentag als tägliche Höchstleistung festsetzt, jede Ueberarbeit verbietet, in Betrieben mit einer durch Rationalisierung gesteigerten Arbeitsintensität iveitere Verkürzung der Arbeitszeit unter 8 Stunden bei gleichem Lahn zwingend vorsieht, den Gewerbcaufsichtsbehörden das Recht gibt, die Verkürzung der Arbeitszeit auf Antrag der Be- triebsrät« und Gewerkschaften anzuordnen, durch Verordnung Still- legungen und Entlassungen an die Zustimmung der Betriebsräte und Gewerkschaften bindet, weitere bei Rationalisierung geplante Still- legungen und Entlassungen verhindert. Schwerer SetriebsunfaU bei Schultheiß. Im Gärbottich erstickt.— Unfall der Rettungs- Feuerwchr. Eine folgenschwere kohlensäurevergistung, bei der ein Arbeiter durch die Einwirkung des nach kurzer Zeit tödlich wirkenden Gases c r st i ck t e und vier weitere Arbeiter bei der tzilfeteistung schwer betäubt wurden, trug sich gestern nachmittag im Gärraum der Schulthciß-Pahenhoser B r a u e re i A.G. im Südwesten Berlins in der Lichterselder Straße 11—17 zu. Die Feuer- wehr, die aus den Alarm„Menschenleben in Gefahr'" mit einem Fahrzeug der Zugwache 11 swilmsstraße) herbeieilte, kollidierte an der Straßenkreuzung Schleiermacher, und Blücherstraße mit einem Strahenbahnzug, wobei beide Fahrzeuge schwer beschädigt, drei Feuerwehrleute und ein Slrahenbahnfahrgast zum Teil erheblich verletzt wurden. In den, Gärraum der Brauerei besinden sich größere Behälter, sogenannte Anstellbottiche, in denen die zu Bier verarbeitende flüssige Mischung den ersten Gärprozeß durchmacht. Die Behälter haben eine Länge von 2 Uhr abends, nachdem das Potsdamer Schöffengericht, das sich merkwürdig verdis- poniert zu haben scheint, den ganzen Tag über drei andere Prozesse erledigt hatte, für die ursprünglich insgesamt drei Stunden vorge- sehen waren. Mehrfache Vertagungsanträge des Ersten Staatsan- walts Gerlach blieben erfolglos. Der Vorsitzende. Landgerichts- direktor Dr. Westerkamp, stellte sodann die Personalien der Ange- klagten als der verwitweten Frau Hossolde Schnabel geb. Gräfin von Leiningen-Westerburg fest. Die Angeklagte schildert dann mit kaum vernehmbarer Stimme, daß sie das Testament ihres Mannes gefälscht habe, umderMutterden-Pflichtteil zusichern. Sie schloß ihre kaum verständlichen Darlegungen mit dem Hinweis darauf, daß sie bei der Fälschung im Sinn« ihres Mannes zu handeln geglaubt habe. Der Vorsitzende schloß sodann nach etwa einviertel- stündiger Aussage die Beweisaufnahme der Verhandlung, zu der keine Zeugen geladen waren. Staatsanwalt Gerlach ergriff sodann das Wort zur Anklagerede und betonte, daß die Angeklagte durch ihr volles Geständnis sich schuldig bekannt habe und beantragte eine Gefängnisstrafe von 6 Monatem Das Urteil lautete auf 3 Monate Gefängnis unter Zubilli- gung mildernder Umstände. ALLEIN WIRD RETTER SEIN Niemand zählt gern zu denDummen. Nach Professor Heermann wird jährlich für 200 Mil« lionenGoldmarkWäscheallmählich abersicher durch vorzeitigen Verschleiß infolge Benüt« zung selbsttätiger pulvriger Waschmittel ver« wehtet. Soll Ihre Wäsche auch dabei sein?— Sagen Sie energisch nein und verwenden Sie die neue milde Erfindung Perflor, Flammer's D.R.P. Perflor wäscht durch nur viertelstündiges Kochen ohne lästiges Reiben blendend weih und nimmt jeden Fleck, es ist dabei ohne jede Schärfe wie mildeste Seife/ Paket 45 Pfg. Pcrflor ist die einzige selbsttätige Seifenfiocke und das einzige milde selbsttätige Waschmittel Perflor kalt oder handwarm, niemals heiß auflösen. fim den Bezirken. 5. Bezirk— Friedrichshain. Di« Bezirksversammlung Friedrichshain hatte am Mitt- mach wieder eine reichhaltig- Tagesordnung zu erledigen. Auf ein- Anfrage der kommunistischen Fraktion gab Genosse Stadtrat Brückner Kenntnis von einem weitgreifenden Programm zur Durchführung von Notstandsarbeiten im Bezirk, das d-m Landesarbeitsarbeit eingereicht ist und beweist, wie stark diese Frage und ihre praktische Lösung den maßgebenden Stellen im Be- .-irk zu schössen machte. Eine Borlage über dringende einmalige Anforderungen für den Haushalt 1927 wurde nach kurzer Debatte angenommen, während im übrigen die Bedarfsübcrsicht für 1927 an den Haushaltsausschuß durch lleberweisung gelangte. Bei der Flöge der Schaffung des neuen Sportplatzes an der Laskerstraße und der Verlegung der dort befindlichen Schulgärten setzte sich der deutschnational'e Bezirksoerordnetc T r e t t i n mit viel Stimmen- aufwand für die„Ertüchtigung der Jugend" ein. Er wollte aber dennoch dem Vorhaben des Bezirksamts keine Unterstützung ge- mähren. Genosse P o h l i n g entwirft an Hand reichhaltigen sta- tistischen Materials ein Bild von der Not der Jugend '■•Ab der Notwendigkeit, Spiel- und Sportplätze zu schassen. Die dahinzielendcn Borlagen fanden dann Annahme gegen die Stimmen der Dcutschnationalen. Gewünscht wurde dabei dringend. daß die geplanten Plätze und Schulgärten bis zum Frühjahr 1927 feiiiggestelll sein mögen. Die Vorschläge eines Ausschusses zur Be- rotung von Baufragen zur Durchführung des Krema- tori umbaues in der Diestelmeyerftraße und Er- sttzung des baufälligen Hauses Weberftr. 9 wurden angenommen. Der kommunistische'Demonstrationsantrag, zwei Delegierte zu dem mysteriösen„Kongreß der Werktätigen" zu entsenden, fand keine Gegenliebe. Eine Reihe von Anträgen zur Erwerbslosenfrage wurden dem hierfür eingesetzten Ausschuß überwiesen. Zur An- "->hme gelangte dagegen ein Antrag unserer Fraktion, der vom Magistrat eine beträchtliche Erweiterung der Schul- s p e i s u n g wünschte. Auch soll eine Erhebung über die materielle Notlage der G e m e i n d e s ch ü l e r und -schülerinnen stattfinden. Mit aller Entschiedenheit wandte sich schließlich die Bezirksverjammlung gegen die Erhöhung der Verkehrs, und Werkstarife in Berlin, nachdem Gc- nosse T h ee k dringend mehr Klarheit in den Bilanzen der städti- schen Werke und der Lerkehrsinstitute gefordert hatte. Die Vor- läge zur Schaffung neuer Schulspielplätze auf dem Sportplatz im Friedrichshain wurde angenommen. 9. Bezirk— Wilmersdorf. Nach langer Ferienpause nahm am 29. September die Be- zirksversammlüng in Wilmersdorf ihre Tätigkeit wieder auf. Unter den vielen geschäftlichen Mitteilungen des Bezirksverordnetenvor- stehers erregte unser lebhaftes Interesse ein von ihm namens der Bezirksoersammlung an den hiesigen Kriegeroerein gerichtetes Glückwunschschreiben zu dessen SO. Stiftungsfest. Es wurde unsererseits recht deutlich zum Ausdruck gebracht, daß wir an diesem Glückwunsch keinen Teil haben, zrimal ja eine Festeinladung des jubilierenden Kriegeroereins und des Reichsbanners hier eine recht verschiedenartige Behandlung durch die Geschäftsleitung der Bezirks- Versammlung erfahren zu haben scheint. Hierüber wird gegebenen- falls das Nötige noch zu sagen sein.— Den namens der Bezirks- Versammlung in den Ferien gefaßten Beschlüssen des Haushaltungs- ausschusses betreffend Ausführunug von Notstandsarbeiten wurde zugestimmt. Hierbei bot sich unseren Genossen Gelegenheit, die Trei- bereien zu beleuchten, die immer wieder auf eine Entfernung des Montessori- Kinderheimes— angeblich wegen „Raummangel"— hinzielen. Den Herrschaften ist wohl der soziale Kern, der in dieser Erziehungsidee steckt, ein Dorn im Auge.— Eine lebhafte Debatte entfesselte die vom Genossen Lüdemann an das Bezirksamt gerichtet« Anregung auf preisregulierende Maßnahmen gegen die in unserem Verwaltungsbezirk gegenüber anderen Be- zirken erheblich höheren Lebensmittelpreise. Von uns wurde vor allem Schutz und Ausbau der öffentlichen Märkte gefordert, die in erheblichem Maße preisvegulierend wirken. Die Deutfchnatio- nalen versuchten vergeblich, die angeführten statistischen Unterlagen zu erschüttern— sie entstammen den amtlichen Berliner Wirtschasts- berichten. Die Wirtschaftsparteilcr und die K o m in u- n i ft e n— schwiegen sich aus. Recht bezeichnend!— Zum Schluß mußten beim Bericht von der Besetzung des Bezirks unsere Genossen scharfe Kritik üben an der Ausschal- von Ehrenämtern innerhalb tungstaktik, die die Herren von der Rechten gegenüber den Ver- tretern der werktätigen Bevölkerung immer noch belieben. Da ihnen der Versuch, das Bezirksparlament vor der entscheidenden Abstim- mung beschlußunfähig zu machen, vorbeigelang, mußten sie diesmal wie die betrübten Lohgerber davonziehen. 10. Bezirk— Zehlendorf. Am 23. Juni war die letzte Vezirksversammlung: am 22. Sep- tember die erste, nach 13wöchiger Ruhe. Wollte man damit in diesem vornehmen Berliner Westen die Ueberflüssigkeit der Bezirke beweisen? Von den zehn Punkten der Tagesordnung nahm die Siedlung in der Spandaucr Straß« in Zehlendorf die meiste Zeit in Anspruch. Die dcutschnationalen Parteifreunde des Bürgermeisters wollten genaue Auskunft haben, wie man sich im Bezirksamt die Großsiedlung im schönsten Teile Zehlendorfs vor- stellt. Bürgermeister Dr. Schumacher erklärte, er wisse, daß es bei der herrschenden Wohnungsnot höchste Zeit sei, für den Bau von Kleinwohnungen einzutreten. Es sei nicht notwendig, für die viergeschossige Bauweise einzutreten: es passe nicht in den Rahmen des Grunewaldes, Mietkasernen zu bauen. Man sei nun in den Kommissionen und dem Magistrat zu einer Einigung gekommen: es wird dreigeschossig gebaut, das dritte Geschoß als Bodenraum vorgesehen, die Dächer werden flach geHallen. Wenn der Boden- vreis des Quadratmeters 10 M. beträgt, wird der Preis der Miete so hoch sein, daß von Arbeitern und Angestellten eine Wohnung kaum bezahlt werden kann. Unsere Genossen hatten sich zu diesem häuslichen Streit der Deutschnationalcn passiv verhalten. Die übrigen Punkte wurden dann in einem schnellen Tempo erledigt. 17. Bezirk— Lichtenberg. In der letzten Vezirksversammlung am 29. September gab der Vorsteher, Genosse G u st a v Tempel, bekannt, daß in den Außen- bezirken die so notwendigen Straßenschilder angebracht werden und daß die Mühlebrücke fertiggestellt werden soll: weiter werden sich in der nächsten Sitzung einige Bewerber um den Stadtbauratsposten vorstellen. Nach Erledigung verschiedener Wahlen gab es eins längere Debatte bei der Vorlage über die bewilligten Mittel für Not- standsarbeiten im Bezirk. Diese Mittel betragen für Siraßenbau- arbeiten 589 bot) M., für Stadtentwässerungsarbciten 2 SSO 909 M., für Volkspark- und»Gartenanlagen 16 000 M., für Spielplätze 30 415 M., für die Baveanftalt Rummelsburg 63 000 M. Gewünscht und allseitig befürwortet wurde eine Regelung des Blockdammweges. Bei der Beratung eincher Anträge, die die Reinigung der für die Abhaltung von Wochenmärkten bestimmten Straßen und Plätze und die bessere Bekämpfung der Staubplage forderten, wurde vom Bezirksamt darauf hingewiesen, daß in diesem Jahre schon 9000 Kubik- metcr Wasser mehr verbraucht wurden als im Vorjahr. Mehr zu tun, sei unmöglich, da die Mittel fehlten. Ebenso würde für Reini- gung alles getan, was mit den zur Verfügung stehenden VUtteln erreichbar ist. Ein Ucbclstand sei die Angewohnheit der Herings- Händler, nach Schluß des Verkaufs die Lake auf die Straße zu schütten. Einen schweren Reinfall erlebte die Ar» beitsgxmcinschaft der Rechten mit ihren Anfragen über angeblic.,« Mißgriffe im Krankenhaus in der Hubertusstraße. Vor- bereitet waren diese Anfragen durch eine umfangreiche Hetze in der rechtsstehenden Presse, z. B. der Artikel.Liebesgaben des sozialistischen Bürgermeisters" in der„Deutschen Zei- tung". Auch aus der Begründung durch Frau B u ch m a n n(Dnat.) ging klar hervor, daß es sich um einen Angriff gegen das in der Mehrheit sozialistische Bezirksamt handelt. Der Bürgermeister sollie gegen den Willen der Direktion zwei„junge, unerfahrene" Schwestern zu Oberschwestern ernannt haben, und weiter sollte derselbe Bürger- meister durch eine Verfügung die„Abhaltung von gemeinschaftlichen Morgenandachten während der Frühstückspause" erschwert haben. Das Ergebnis der zuweilen sehr lebhaften Aussprache, an der sich außer dem Bürgern, eister Genossen Dr. Siggel und den« Stadt- arzt Genossen Dr. L o e w e n st e i n auch die Genossen K ä m i n g» Masche, Schubart, Arndt beteiligten, war für die Anfrager recht unangenehm. Allseitig wurde festgestellt, daß nicht sozialistische Mißgriffe und Mißwirtschaft, sondern deutschnationale Cliquenwirt- schast vorliegt. Es sei die höchste Zeit, hier einmal gründlich aus- zuräumen"Bon der KPD. wurde� ein Antrag eingebracht, die gc- meinschaftlichen Andachten aufzuheben. In der nächsten Sitzung wird dieser Antrag zur Abstimmung gelangen. Von der KPD. waren noch die üblichen Massenanträge eingebracht. Sieben wurden ver- handelt, fünf zur nächsten Sitzung vertagt, da die rechte Seite bereits nach einem abgelehnten Bertagungsantrag fast restlos den Saal ver- lassen hatte. Kinder- Stiefel für Knaben and U&dcheD, kräftig«! 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Demnach soll der cheiligensce mit dem unbenutzten Devot der Straßenbahn für Sport- zwecke der Schulen verwandt werden, und am Ufer sollen Promenadenanlagen entstehen. Die Aussprache über den Grund- stücksaustauschverlrag mit der in Liquidation befindlichen Gemein- nlltzigcn Siedlungs- und Kriegerhcimstätten-Aktiengescllschaft brachte schwere Angriffe gegen die Firma Wasmuth und deren Hintermänner und den verantwortlichen Beamten der ehemaligen Gemeinde Waid- mannslust. Darauf erfolgte die Beratung der einmaligen Ausgaben des Bezirks für 1927. Die bürgerliche Fraktion dean- tragte die Streichung der 59090 M. für Ausbau und Einrichtung der Jugendheime, während die Kom- munisten eine Erhöhung um 5999 M. verlangten. Beides wurde ab- gelehnt, so daß die 59 999 M. stehenblieben. In der Aussprache wurde besonders darauf hingewiesen, daß der Schul bau in Hermsdorf sofort begonnen werden könnte, daß aber die Gs- nchmlgung vom Magistrat noch nicht eingegangen sei. Bürger- meister R e i ch h e l m wies darauf hin. daß alle Forderungen wohl begründe! sjjen. wenn auch wegen der gespannten Finanzlage Berlins nicht damit zu rechnen sich daß vom Magistrat alles genehmigt wer- den wird. Unser Genosse Stadtverordneter Schäfer benierlte, daß die Schulbauten im Bezirk natürlich wichtiger seien als die Neubauten für die Feuerwehr, und machte dann dem Bauamt den Vorwurf, daß es nicht rationell wirtschafte. Dadurch, daß beispicls- weise die Oranienburger Straße in Wittenau nur stückweise neu angelegt wird, dauert die Verbreiterung der Straße nicht nur sehr lange, sondern verursacht auch beträchtliche Mehrlosten. Stadtbaurat K recke oerteidigre das Bezirksamt und schob das Verschulden dem Magistrat zu, der ein städtisches Gelände, das zum Austausch not» wendig gebraucht wird, nicht zur Verfügung stellen wolle, weil das Berliner Gesundheitsamt ausgerechnet dort ein Ambulatorium er- richten wolle. Die Zusammensetzung üer Sezirksämter. Die Gemischte Deputation zur Vorbereitung von Organisation?» entwürfen verabschiedete das Ortsgesetz über die künftige Zusammensetzung der Bezirksämter. Die neu- beschlossene Fassung teilt die Bezirksämter in vier Gruppen: Gruppe I- Die Bezirksämter Charlottenburg, Neukölln. Gruppe II: Die Bezirksämter Spandau, Wilmersdorf, Schöne- berg. Steglitz. Lichtenberg. Gruppe III; Die Bezirksämter Zchlendorf, Weihensce. Gruppe IV: Alle übrigen Bezirksämter. Es werden besetzt die Bezirksämter der Gruppe 1 mit 7 besoldeten und 8 unbesoldeten Mitgliedern -> II„ 5„.-7„„ - III» 4„.5..„. « I �„5 ,,„6„„ Die nachfolgende Tabelle zeigt die augenblickliche Be- s c tz u n g der Bezirksämter und gibt Aufschluß über die nach dem abgeänderten Ortsgesetz vorzunehmenden Veränderungen der Zahl der Lezirksamtsmitglieder: 9tgtrf»im!er Mitte.... Tiergarten... Wedding... Prenzlauer Berg Friedrichehain. Kreuzberq... Eharloltevburg. Spandau... Wilmersdorf.. Zchlendorf... Scköneverg., Steglitz.... Tempechof... Neukölln... Treptow... Cöpenick... Lichtenberg., Wcißenfee... Vmikow... Reinickendorf.. Besoldet« Mitglieder 5— 6(1 zu viel) «(1 5 ß(1 7(2 8(1 7(1 5(l 4 5(1 5(1 5 7 5 5 5(1 4 4(1 5 „) wenig) .) .) ) Unbesoldete Mitglieder 5(1 zu wenig) 6— 6(1..) S(1..) 6— 6— 7(1..) 4(3,.) 6(1..) 3(2.) 6(1..) 4(2..) 7(1..) 4(2„.) 4(2..) 6(1.. 4(1..) 5(1..) 4(2 Soweit die Zahl der gegenwärtigen besoldeten Bezirksamts- Mitglieder die neu festgelegte Zahl übersteigt, sind sreiwerdcnde Stellen, mit Ausnahme des Vorsitzenden des Bezirksamtes und seines Stellvertreters, nicht wieder zu besetzen(Z 5 des Ortsgesetzes), das heißt eine Reduzierung der Zahl der besoldeten Bezirksamts- Mitglieder tritt in den einzelnen Bezirksämtern nicht sofort ein, sondern nach Freiwerden(durch Tod, Pensionierung usw.) einer Stelle. Eine Vermehrung der Zahl der unbesoldeten Stadträte in den Bezirken kann, da hierbei Verhältniswahlen stattfinden, erst nach allgemeinen Neuwahlen der Bezirksversammlungen vorgenom- men werden.(Aus den„Kommunalen Blättern".) Ein Werberuf für öle neue Schule. Eltern, beachtet den Umschulungstermin. Arbeitersport. Fußballspiele am 10. Oktober. Bezirk Nord««: Staaken s«oen Spandau!S in Staaken. Siem«n»stadt aegen «nritz IN Siemenistadt. Errrzierplaz, 9!au«n fltjen Äcfcln in Nauen. San sc gfgcn Mchto-Nord in Lohcnneue ndorf. Wittenau gezen Zkord.Qranienbnrz in Wittenau, Norddahn. Selten«: BallfpieMud«eoen Minerva in Velten. Eachsenhausen gegen Sonnärte-Lennigsdork in Sachsenhausen. Rordiska gegen Sanlom 08 aus dem Er-rzicrvlatz Schönhauser Allee. Adler 12 gegen Arbeiter- Epartverein 24 in der Thristianiasrrahe. Brih gegen Hertha in Brih bei Eberowaldc. eisenspalterei gegen Arminia in Eiscnspalterei. Siktoria gegen izickrte-Gesundbrunnen in Tberswalde. Tegel 24 gegen Blau.Weih In Borstg. maldc. Neue Ernst. Ecke Eonradstrafte. Adler 08 gegen Amateure in Pankow, Andreae-Hoscr-Platt. Union gegen Alemannia in Pankow, Morimilionstrahe. Irichte 24 gegen Wacker 24 in Niederschönhausen, ktaisermeg. Bernau gegen Wacker 20 in Bernau. Ioachimsthal gegen Helvetia in Zoachimslhah— Bezirk Osten! In Abteilung A gleich drei Spiele von großer Wichtigkeit: Askania gegen Ketschendorf in Köpenick. Srllne Trift! Borwört» 20 gegen Britannia. Lichtenberg in Hohenschönhausen. Sammer straße, und Stralau gegen Lichten- berg I am Bahnhof Stralau. Rummcleburg. Im litten treffen sich zwei alt« Rivalen und wird deshalb«in scharfes Sviel geboten werden. Der Treptower BallsvieMub spielt gegen Sadowa im Plönterwald. Richterswaldc gegen Verein sllr Bewegungssvicle in Richterswolde. Oberlprce gegen Berliner Svortvercin 18 in der Wuhlhcide. Hertha 22 gegen Zeuthen in Lichtenberg, Wagnerstraßc. Weihensce gegen Lichtenberg ll in Weihensce, Rennbahn. Tasdorf gegen Brandenburg V2 in Tasdorf. Zohonnisthal gegen Lustig. tziidel in Johannis- thnl. Woltersdorf gegen Alt-ffilienick« in Woltersdorf bei Erkner. Adlcrshof gegen Adler in Adlershof, Köpenlcker Thaussee. Komet gegen Berliner Sport» verein 22 in ffllrstenwaldc. ssichte-Siidost oegen Lichtenberg III in Treptow. sfichte-Turnplah. ffriodrichshagen gegen ffrlsch-ssrel in ssriedrichshrgen. De» mania gegen Neuenhaqen in Weihenlee. Rennbahn.— Bezirk Südwesten t Berlin XII gegen Illterhitg in Steglitz, Ring- Ecke Sitdendstrahe. Teltow gegen Bervlina in Teltow. Rowawez gegen Wannsee in Rowawe». Brlestcrftrahe. Seddin gegen ssortuna in Seddin. Brandenburg gegen Wilmersdorf in Brandenburg a. d. Havel. Schmargendorf gegen Zehlendorf in Schmargend»rf, Eichkamp. Viktoria gegen Beelitz in Tcprpelhof. verlöngerl« Kaiscrin-Augusla. Strahe. Vatsdom oegen Zossen In Potsdam. Bornstedter sseld. Pavvelallee. Wacker gegen Trisch-Anf In Lankwitz,«omeindepari. Kreuzberg gegen Neukölln- Britz auf dem Temvelhofer ffeld. Schönebera gegen Kolzenbnrger Sportverein in Echöneberg, Domwlcusvlatz. ikutzdallruig argen Luckenwalde w im Beussel- I Wir geben die nachfolgenden Ausführungen um ihre« grund- sätzlichen Teile» wieder. Ein« welstiche Schule soll hier für all« werben. Die 32. Gcmciudeschule in Neukölln, deren Charakter a!« well liche Bersuchsschule vielen Arbeitereltern Berlins immer noch ziem lich unbekannt ist, steht seit den sechs Jahren ihres Bestehens in einem schweren Kampfe— nicht um ihre Existenz, denn die Zahl der Schüler und Schülerinnen ist bereits auf 659 gestiegen—, f o n dern um ihre Grundsätze. Es ist an der Zeit, daß wir der Oeffentilchkeit— in erster Linie der proletarischen— von unserem Leben berichten. Wir möchten gern, daß die Eltern, die ihre Kinder letzt zum Herb st umschulungstermin zu uns schicken wollen, über die Grundsätze in unserer Schule besser unterrichtet sind und auch wissen, warum sie sie zu uns geben. Es genügt natürlich nicht für die Eltern, zu wissen, daß bei uns nicht geprügelt wird. Es ist zu selbstverständlich, daß eine modeme Schule, wenn sie die An- lagen des Kindes entwickeln will, die Persönlichkeit auch des sechsjährigen Kindes respektiert und die Menschenwürde nicht mit dem Bakel verletzt. Unsere Kinder müssen in ihrem Schuldasein froh und glücklich sein,- wie anders sollte der junge Menjch sonst wohl zu uns Vertrauen fassen und in seinen Arbeiten von seinen innerlichsten Gedanken und Hoffnungen zeugen. Hier ist der Punkt, um den es geht. Hier tritt das Kind in ein ganz ent- scheidendes Verhältnis zur„Kunst". Wegen dieser Bevorzugung der „künstlerischen Fächer"— unsere klugen Gegner sprechen gern von der neuen Schule als einer„ästhetischen", um uns in der Oeffentlich- keit die Etikette des„Unpraktischen" und der„brotlosen Künste" aufzukleben— ist es nötig, vor allen Dingen diese Frage den Ar- beitereltcrn ganz deutlich zu machen. Es läßt sich das Miß- trauen des Proletariers gegen eine Schule mit. Tanz, Theater und Gesang— mit Zeichnen als Hauptfach und mit dem Erlebnisaufsatz als Keimzelle der sprachlichen Entwicklung anders nicht beseitigen. kinö unö Kunst. Mit diesem Vorwurf, als ob wir lauter Künstler großpäppellen: Dichter, Schauspieler und Tänzer, Bildhauer und Redner, Maler und Sänger, zieht man gern über uns her. In Wirklichkeit liegt darin ein Ziolsci>rei. den die bürgerliche Schulwelt gegen sich selber richten sollt«. Sie ist es, die um der bürgerlichen Kulturtradition willen „Kunst" treiben möchte. S i e drängt— nickt wir— zur Kunst- acschichte; sie treibt mit ihrer Erziehung zur Kunst hin zum Bilder- ichmuck und zu Gemäldebcsprechungeu, sie führt hochtrabend in Opern und Dramen ein: sie besichligi auf ihre blasierte Art Galerien und Kunstausstellungen: sie treibt Formenlehre für Sonaten und Sinfonien: sie hebt ihre Jugend künstlich hinauf in die dünkelhasie Atmosphäre der sogenannten„Gebüldeten" und hat bereits den unausstehlichen Typus der höheren Tochter und des jungen Kasfee- hausästhetcn in die Welt gesetzt. Wenn wir von dem Verhällnis des Kindes zur Kunst sprechen, so rücken wir von diesen Irrtümern und Häßlichkeiten ganz energisch ab. Es muß endlich einmal ganz deutlich gesagt werden, daß unsere Schule, so sehr wir die söge nannten künstlerischen Fächer vflegen, mit diesem irreführenden Namen nichts zu tun hat. Die einsichtigen Eltern, die das be- griffen und an ihren Kindern bei uns erlebt haben, geben rasch das Vorurteil und damit ihr Mißtrauen auf und stehen darum auch bedingungslos hinter uns. Wir haben es in den Kindern mit z w ei verschiedenen Wesen zu tun. die mit der Well der Erwachse- nen verglichen und untereinander unerbört andersgeartet sind: das Kind der Grundschule(6- bis 19jährig) ist ein anderes wie das Kind der oberen Klassen, und beide wiederum erscheinen uns von depi 29- bis L9jährigsn Erwachsenen wie durch Abgründe getrennt. Wir haben es also mit einer seltsam anders gearteten Schicht des Geistigen zu tun, mit der Vorstufe des späteren Menschen: mit einem vor- künstlerischen Werden. Mit dieser Auffassung des Kindes rückt natürlich die Aufgabe einer Lebensgemeinschaft, die von diesem persönlichen Leben Kunde geben will, vollends aus dem Bereich des gewohnten Schulehaltens heraus. Wenn unsere Buben und Made! malen und schreiben, denken sie natürlich nicht daran,„Kunst" zu treiben. Aber sie beginnen, in ihren Arbeiten ein eigenes geistiges Daseinzu führen, das aber auf keinen Fall irgendeine Art Vorbereitung auf einen späteren künstlerischen Beruf sein will. Das Kind erbte vielleicht ein Malerauge oder«in feines Musi- kantenohr, einen Sinn für Technik und Maschinen, einen Blick für Zahltznzusannnenhänge, ein Gefühl für Plastik und Farbentlänge; es erbte Arbeitsenergien: Mit diesen Energien kommt es jeden Morgen zu uns und will eine Erfüllung dafür bei uns finden. Die Schulzeit ist der e t st e Akt des Lebens, wo das Kind mit diesen Empfindungen und Erlebnissen als seiner ureigenen geistigen Tätigkeit wirtschaften sollte. Ein Kinüerbrlef. Die alte Schule lehrte im ersten Jahre Lesen und Schreiben. und das siebenjährige Mädel üble im zweiten Schuljahr zu Hause dreimal: die Quelle, die Quelle, die Quelle, dreimal: der Frühling, der Frühling, der Frühling. Man spürt deutlich, daß das Kom- mando zur Hausarbeit vom Lehrer gegeben wurde. Wenn die Initiative ober im Kinde liegt, so schreibt es wie dieser siebenjährige Junge, der vom Harz her so schrieb: lieber onkel ad. hier ist es sehr schön, hier gibt es auch schlangen, blind- söhleichen und kreuzottern. vor ein paar tagen haben wir auf einer tur eine tote kreuzotter gesehen die ein mann vor kurzem tot geschlagen halt, die haben wir uns ganz genau begukkt und papa und ich haben sie noch mal feste mit uusern stökten gehauen. papa wollte nicht, das wir den stock am griff anfassen sollten weil wir die schlänge auf den Kops gehauen hatten und gist dran sein könnte, viele grüße dein hansi. Ist der Junge ein Künstler? Eine müßige Frage. Dieser Brief i st der ganze Junge. Aber er hat mit dem Künstler gemein- sam, daß er mit geschlossenen Augen etwas Erlebtes im Geiste ganz anschaulich vor sich sieht. Je älter er wird, desto sicherer wird er mit aller Bildkraft der Linie, der Schatten und Lichter, des Räum- lichen und Sttmmungsmäßigen sich in ein Geschautes oer- setzen. Er hat die Illusion der Wirtlichkeit! Ich weiß nicht, ob das nun eine Erziehung zum Ingenieur, zum Mathematiker, zum Kunstmaler oder Handwerker werden soll. Hier öffnet sich für uiis der Blick in die..künstlerischen Fächer", und das wird hoffentlich jedem deutlich, daß sie aus ihrer bisherigen Rolle von Nebenfächern in das Zentrum der Schule rücken müssen. Die natürliche Welt des Kindes wird den Wissenschaftler mit seinem abstrakten Denken zurück- drängen. Und doch steckt nicht so sehr der Künstler— so geschlossen auch das Motiv ist—, wie der Zoologe, der Schlangenbändiger in dem Brief. Bielleicht sind wir uns schon darüber einig, daß die eigenartige Vorstufe des Kinderlebens gor nichts mit dem Kunstbetrieb der Er- wachsenen zu tun hat. Sie bedeutet vielmehr die allgemeine Grund- läge für jedwede spätere Arbeit: sie wendet sich gleicherweise an die künstlerischen wie wissenschaftlichen»nd handwerklichen Seiten des lungen Menschen. Sie kann zum Geographen wie zum Historiler, zum Arzt wie zum Inaenieur führen, zum Skizzieren wie zum Briefschreiben, zur Realistik wie zur Phantastik: die Kraft des inneren Schauens ist ein Wert, der im Polizeibericht so notwendig ist wie bei der künstlerischen Konzeption, für den Blick des Seefahrers wie für die glücklichen Stunden des technischen Er- finders. Der neue Schü'er. Noch haben wir eine Welt gegen uns: aber schon erkennen die Kaufherren und Bureauchefs, die Industriellen und Fabrikanten, die Gelehrten der UjUversitäten und Professoren der Kunst- und Hand- werkerschulen, die unserer Schule nähergetreten sind, daß die Lehr- linge aus den Gemeinschaftsschulen einen besonderen Fonds haben. Sie sind selbständiger, geweckter, interessierter: sie strahlen ctwae aus, was unbedingt lynipathifch ist: sie sind nicht so scheu und stumpf und unbeholfen. Diese Wendung muß immer deutlicher sichi- bar werden, je weiter die„Schule überwunden" wird: sie kommt, wenn der Wechsel vom Buch zur Sache ernsthaft gemacht wird, vom Wortemachen zur Beschäftigung, von den aufgegebenen Schularbeiten zur selbstgewähltcn Lieblingearbeit. Da entsteht sofort ein böherer Schwung: da zündet etwas, wenn das Kind nicht mehr im Zcichensanl vor den langwelligen ausgestopften Tieren sitzt, son--c dern zu Hause vorm Spiegel, um ein Selbstporträt zu machen. Vermessen? Die Scheu vor dem Porträtmalen ist wiederum ein g Ergebnis der alten Schule: dt es am„Hohen" durfte sich so ein Durch- schnittsbeizgel nicht nahen, der noch mir und mich verwechselte. Man drang eben mit der ganzen Wucht der Methoden, wie wir sie alle doch selbst erlebt haben, dahin, daß der Schüler„Bescheidenheii" bewies: die Folge war. daß er in einer beklagenswerten Unreife ins Leben trat. Und nun kam er aus seiner Not und unbeschreib- lichen Sehnsucht nach etwas Höherem als Rechtschreibung und Rech- nen nie heraus. « Gerade dieser vernichtenden Niederläge der alten Schule gegen- über tritt die hohe Bedeutung der neuen Schule glänzend zutage, und die Arbeitereltern. die das begriffen haben und für ihre Kinder die neue Schule wollen, erwarten wir beim Schulanfang in der Rütlistraße in Neutölln. Wir sind bereit, alle rcchtgesonnenen Go- nassen als Gäste unter der neuen Jugend cm unserem Leben teil- nehmen zu lassen und in der Ausstellung unsere Kinderarbeiten zu zeigen. Adolf Jensen, Leiter der Versuchsschule. grnnt, Babnljof Beussclssrahe. RIIstig-Barwörts gegen Tharlottenburg in Neu- kölln, Innstrahe. Wülierudoif goren BrUannia-NculiMn in Woltersdorf tei Luckenwalde. Iranlenfclde acecn BallfrielNud Moabit in ffranlcnfelde. Ruhl», dorf gegen ssichte 21 Ul Rudlsdorf. Eiern gegen Marlendorfer Sportklub in Marienfclde. Dorfsttahe.— Beginn der Spiele: nachmittag« Übt(im Norden 8 Uhr). Vorder untere Mannschalten. Vormittag» auf fast allen Plötze» Jugend- und Echlllerspiele._ Touristenrcrel»„Die Naturfreund«-'(Zentrale Wien). Abt. Edarlottenlurg: ffceltog, 8. Oktober, 8 lldr. im Seim Berliner Str. 187(Krankenkassenhaus). weschäflUche» und Leiterer Abend im neuen Keim. Sonntag, 10. Sltobcr, Etrausberg. Sdlandsee.— Abt. SildoN: ssreitag, 8. Oktober, im Seim Reichen. berger Str. 00..Sozialismus und Kirche".— Abt. SLdmestr Freitag, 8. Ok- tober, 8 lldr. im Heim Vörwaldstrah«(Badeanstalt). Lichtbildervortrag: .Schwarzwald".— Abt. Neukölln: Freitag, 8. Oktober, im Seim Kovfstr. 55 Iugendgruppech,bagen: Sonntag, 10. Okiaber, Fllrstsnwalde— Rauener Berge.— Abt. Friedrlchshai»! Sonntag, 10. Oktober, Melchow— Ueder See. Treffpunkt H6 Uhr Stettiner Bahnhof.— Abt. Brenz- lauer Berg: Sonntag, 10. Oktober. Krumme Laake. Treffpunkt 7 Uhr Aleranbe-vlotz.— Abt. Lichtenberg: Sonntag. 10. Oktober, Besuch de, Zoo».— Abt. Wcdding: Sonntag. 10. Oktober, Ftnkenkruq— Krämer. Treffpunkt 7 Uhr Putlitzstrahe.— Vhotogemeinschaft: Montag. II. Oktober, im Heim Eberty- strahe 12. Retm-che(1. Abend).— Naturwissenschaftliche Abteilung: Montag, 11. Oktober, in? Heim Stralauer Str. 55. En'wicklung des Denken«. Sonntag, 10. Oktober. Pil, Wanderung nach Mclchow. Abfahrt 7 Uhr Stettiner Bahnhof. — Abt. Schöncberg: Montag. 11. Oktober. 8 Uhr, im Seim Sauvtstr. 16 (Thiiringenzimmer).— O-tsg-pPpe Berlin: Mittwoch, 18. Oktober, im Gesangs. saal de» Sophien-Lnzeums. Weimneistrrftr. 10 17, 8 Uhr.„Die Volkshsthne als Kulturfaktor". Referent Genosse Lau, Friedrichroda. Freitag. 15. Oktober, im Sitzungssaal der Bezirksverordneien. Parckstr. 11, Lichtbildervortrag:„Durch die Schweiz an die oberital'cnischen Seen". 100 farbig« Lichtbilder. Referent Genosse Krämer, Anfang 548 Uhr. Karten zu 40 Pf. an der Abendkasse.— Ab". Norden: Sonntag, 10. Oktober, Bernau. Abfahrt 7,16 Uhr Bahnhof Gesundbrunnen. Turnspiele. Raksball. Die Männerfpiele beginnen um 4 Uhr. und zwar hat Weihcnfee 1 auf dem Rennbahr.platz Schwante 1 zu Gaste, während 22 ll in Hohenschönhausen, Sommerstrahe, gegen Schwedt svielt. Bei den Turne- rinnen findet nur das Sviel Fichte g» gegen Weihensee um 8 Uhr auf dem Platz Reinickendorf. Echäfersee. statt, während die ssugendmonnschaf-en Fichte 9 und Fichte 7 um 2 Uhr auf demselben Platz beginnen. Fichte 22 spielt gegen Fichte 13 2>4 Uhr in Hohenschönhausen, Sommerstrahe. Am Montag. 11. Ok- tober, findet bei Wolter. Rungcstr. 17, um 7 Uhr der Turnspielerhörlentaa statt. — Handball: Die Bereinsmannschaf-en der Freien Turnerschaft Grah-Berlin spielen Sonntag. 10. Oktober, vormittags auf dem Platz.Am Urban". 9— 10 Uhr Turncrivnen gegen Neuköllns Bereinsmannlchaft: Männer 10—11 Uhr gegen Fichtc-Slld. Arbelter-Nablahrerbund-Solidarität". Touren filr Sonntag. 10. Oktober? Bezirk i, 2. Abt.: 6 Uhr Freienwalde. 1 Uhr Bernau. Start Dirffendach, itrahe 36.— Bezirk 2. Or*?r. Renkölln: Rundfahrt Teltow— Machnow— Zehlen» dorf«Strecke). Start 8 Uhr: 1. Abt. Se-ck-beraplad. 2. Abt. Bahnhof Hermann- strahe. Abt Matorfahrer: Rundfahrt Mittenwald«— Töpchln— Trebbin— Groß. beeren. Start S Uhr Bahnhof Neukölln.— Ortsgi. Schöneberg: Liepnitzsee. Start S Uhr Swhenrauchstr. 5-.— Ortigr. Treptow-Baumichnlenweg: Streif- zstge durch den Gruucwald. S!art 8 Uhr. 8'4 Uhr Treptow- Ortsgr. Ehar- lottenburg: Schnitzeljagd Iunofernheide. Start 9 Uhr Galvamslr.18.— Ottlar. Wilmersdorf: 7 Uhr Nauen. Start Aue.-»ezi?» 21, Ortrar Heiners. darf: 9 Uhr Birkenwerder(Japan). Start Kirch«.- vrtegr. Tegel: 1 Uhr Finkenkrug. Start Schliererstr. 64.— vrtigr. Pankow: Stolzenhagener See. Start m Uhr Granitz. Ecke«issingcnstrahe. Wassersportverein„Reeomania". Abrudern am Sonntag, 10. Oktober. Treffpunkt Bootshau, Köpenick mittag, 12 Uhr. Ziel:„MUggelschliihchen" am SDlüPflcTfßt Alt«r»riegentnrner uud Sportler, Freitag, 5. November, findet das Alters- rieaenturnen in der Turnhalle Prinzenstahe statt. Tagesordnung 1 Neu- mahl d«, Altersriegenvorstandes. 2. Kritik der Altersriegenpartie. 8. Alters. riegenschauturnen, evtl. mit den Frauen zusammen. 4. Festsetzung des Datums der nächsten Allersriegenpartie und Ortfestsetzun«. Arbeiter-Radfahrerverein Groh-Berlin. Sonntag, 10. Oktober, krilh 7 Uhr, Potsdam. Bellchtigung von Sanssouci. Nachmittags 1 Uhr Etreitziige durch den Grunewald. Endziel Zehlendorf, Karlstr. 12. Motorfahrcr«Ine Sturrde später am Start. Start Waldemarstrahe Ecke Marianncnplatz. Gäste will- kommen. Boranzeige: Sonnabend. 16. Oktober, 16. Stiftungsfest im Reichen. berget Hof. Reichenheroer Str. 147. Rodrennen Im Treptower Bark. Der ARB..Solidarität" veranstaltet Sonntag. 10. Oktober, 8 Ubr friih. einen Eportwerbelag im Treptower Park auf der grohen runden Stabionwiese mit Radrennen, Rrfenradball und Langsamfahren, 50»Rundcn-Mannschaftsfahren nach Sechstageart mit fllnf Wertungen. Die besten Fahrer de» Bundes, wie Mahlow. Eichser. Pinicke, Behrendt. Meske. Sögel usw.. haben gemeldet, so dah in allen Rennen spannend« Kämpse»u erwarten stnd. Zur Vezirfsmeisterschaft im Langsam- fahren auf der MO-Meter-Bahn liegen gleichfalls Meldungen vor.' Zm Rafen- rodballfpisl stehen ssch die gut« Berliner Mannschaft nnd die bekannte Mann- fchaft au» Reinickendorf gegenüber. Rennfahrer und WeltfahrcusfchuK müssen um 7 Uhr zur Stelle fein. Arbeiter.Tnru. und Sporthund, 1. kreis. Zu dem ölfenilichen Uebungs. abend der kreisschule Sonntag, 10. Oltober, 2>4 Uhr, in dar Turnhalle Elisabethftr. 57/58 ssnd Einladungskarten ar-sgeaeben. Fntercsscnten ohne Karte können nur zugelassen werden, soweit Platz in der Kalle vorhanden ist. Mauvschaftwwettkämpl« nnd Meisterturnier 19?»4«27 be, Berliner Arbeiter- Schachklubs. Sonntag. 10. Oktober, vormittag, 10 Uhr, findet die erst« Runde in der A. und k�Srupve statt. Die Borrunde für das Melstcrturnier beginnt Montag, 11. Oktober. 8 Uhr, im Kliibho?,«„Roter Stern". Drssauer Str. 2. Feder 2. Svleler muh«in Schachspiel mitbringen, desgleichen stnd all« vor. handenen Schachuhren mitzubringen. Evielreoeln werden an diesem Abend ausgeoeben. Schachwetlfämvic für Sonntag. 10. Oktober: A-Grirnpe: Lichten- bera 1 gegen Weddina 2 Scharntreber. Ecke Fungstrahe bei Krihn. Gesundbrunnen 1 aegen Roter S-ern 1 ko'oniesrr. 147. Westen 1(»Igen Eharlot-en- burg 1 Kaiser-Friebrich» Ecke Eulmstrahe bei Grimm. Osten 1 gegen Süd- we» 1 Weberstr. 8 bei voh. Weddina 1 spielfrei.— r-Gtupve: Reinickendorf- Ost I gegen Humholdthain 8 kastanienwäldchen. Restdenzstr. 10g. Welhensee 2 geaen Süden 8 Lehderstr. I?2 bei Galla». Friedrichshaln 2 geaen Osten 8 S-rahmann- Eck« WilhrIm»Stvlze.St-ahe. Ostkap 2 gegen Schlllerpark 2 Rigaer Str. g5. Königstadt 1 spielfrei. Waldlauf de» Schwimm»««!»»„Vo-wiirt," Berlin 1307 E». Der Schwimm- verein„Barwäris" veranstaltet am 10. Oktober. 3 Ubr, einen W-Idlauf für Schwimmvcreine. Start und Ziel bei Drcpers„Waldbiiiie" am Wassersport. platz Vlöi-ensee. Ausgeschrieben ssud Illr Frauen 500 Meter. Jugendliche (14—18 Jahre) 3900 Meter. Männer 3000 und 5060 Meter. Danach gemütliches Beisammensein mit Tanz. Nachmeldungen b!» F-citai. 8. Ot'aber. an E. Herden, N 20, Prinnenglle« 53 III.— Sonntag. 17. Oktober. 3 Ubr. per. anstaltet die Gruppe Süden«in internes Schwimmfest im Stadibad Kreuzberg, Därwald Kratze. Nr. 474 ♦ 43. Jahrgang 2. Heilage ües Vorwärts Freitag, S. Oktober?H2S Kommunistenlärm im Lanötag. Siedlmtgs- und Erwerbslosen fragen. In zweiter und dritter Beratung wird der Gesetzentwurf über Bereitstellung von weiteren Staatsmitteln zur Urbarmachung von staatlichen Mooren in den Provinzen Hannover und Schleswig. Holstein angenommen in der Ausschutzfasiung, wonach zunächst nur 2,3 Millionen bereitgestellt werden sollen. E? folgt die zweite Lesung der Vorlage betr. Bewilligung von 40 Millionen Mark Zwischenkrediten für Rentengutsgründungen bei der Preußischen Staatsbank. Nachdem Abg. weissermel(Dnat.) die Vorlage namens des Hauptausschusses zur Annahme empfohlen hat, befürwortet Ab- geordneter Schüling(Z.) die Annahme eines Antrages seiner Partei, wonach eine Million Mark Kredit für Zwecke der Niers-Gcnossen- schast bereitgestellt werden sollen. Abg. Boos(Dnat.) betont, daß die Siedlungsfrage nicht vom Parteist'andpunkt aus betrachtet werden dürfe. Abg. Mcineke(Dem.) erklärt die Zustimmung seiner Partei zur Borlaae. Abg. MSricke(Komm.) erklärt, die Kommunisten lehnten die Schaffung von Siedlungen zu dem Zwecke ab, daß die Großgrund- besitzer mindcrwertiaes Land los würden. Abg. Stendal(D. Vp.) stimmte namens seiner Partei dem Ge- setzentwurf zu. Abg. Schmelzer(Z.) weist darauf hin. daß auch das Reich für die Fluchtlingssiedlcr zuständig sei. Das Zentrum vertraue dem Landwirtschastsministerium, daß«s die richtige Siedlungspolitik treiben werde. Abg. Dr. kaufhold(Dnat.) führt aus, daß der Landtag in Sisdlungsfragen vielfach nur Papierkorbarbeit geleistet habe. Abg. Peters-Hochdonn(Soz.) hebt hervor, daß die Flüchtlings- fürsorge eigentlich R e i ch s s a ch e sei. Trotzdem müsse auch von Preußen aus alles geschehen, um dem Elend dieser Kreise abzu- helfen. Wenn sich hierfür aber besonders die Rechte einsetze, so müßte ste auch dafür sorgen, daß der preußische Finanzministcr das nötige Geld dafür bekommt. Die Finanzvorlageg würden aber gerade von der Rechten immer wieder abgelehnt. Der Redner wünscht, daß auf dem Anleihewege eine Milliarde Mark für eine großzügige Siedl ungspolitik in Verbindung mit der produktiven Erwcrbslosenfürsorge bereitgestellt werde und hebt hervor, daß man, nachdem nach dem Kriege überhaupt nur für die Landwirtschaft etwas getan sei, von einer Not der Landwirtschast heute nicht mehr sprechen könne. Abg. wachhorsl de vente(Dem.) tadelt, daß man Großgrund. bcsitzern eine Kultivierungsfrist von zehn Iahren setze. Abg. Dr. kaushold(Dnat.) weist die Vorwürfe des Vorredners gegen den Großgrundbesitz zurück. Die Vorlage wird angenommen und auch in dritter Lesung verabschiedet. Es schließt sich an die Besprechung eine große Reihe von An- trägen, die die Erwerbslosigkeit und ihre Ein- s ch r ä n k u n g zum Gegenstand haben. U. a. wird gefordert, daß in das Programm der Reichsregierung zur Ausgestaltung der pro- duktiven Erwerbslosensürsorge das Kanalprojekt Aachen- Rhein und die Regulierung der Niers aufgenommen, und daß für den Ausbau der L a h n k a n a l i si e r u n g 1,26 Millionen aus den Mitteln der produktiven Erwerbslosenfürsorge gewälrrt werden. Ferner fordert ein Antrag den Ausbau des Fischereischutzhasens in N e u k u h r e n.— Verbunden wird mit der Beratung die Große Anfrage der Sozialdemokratie über die Stillegung und den Abbruch der Zeche»vereinigte Margarete" in holde. die vom Abg. Otter(Soz.) begründet wurde. Die Stillegung er- folge aus rein spekulativen Gründen. Sie habe 866600 Mark Gewinn abgeworfen. Trotzdem sei der Abbruch der Zeche erfolgt. Unerhört sei dieses Verhalten des Stumm-Konzerns.' Das Rheinisch-Westfälische Kohlensyndi- kat Hab« ihm bereitwilligst Vorspann geleistet. Die Stillegung ge- schehe in der Zeit der größten Kohlenknappheit. Der Stumm- Konzern hätte ja die Zeche verkaufen können. Ein solches Angebot sei aber von ihm zurückgewiesen worden. Durch die Stillegung werde auch eine Nachbarzeche gefährdet, da das Wasstr hinüberziehen könne nach Zeche„Karoline". Die Belegschaft auf Zeche„Mar- garethe" sei aus das äußerste erbittert. Sie würde auch nicht an dem Abbruch mitarbeiten. Es müsse alles daran gesetzt werden, die Zeche in Gang zu setzen. Ein Regierungsvertreler erwidert, daß ein Sonderkomnusiar eine Prüfung veranstaltet habe, die ergeben hätte, daß die Angaben des Stumm-Konzerns zur Begründung der Stillegung nicht zu- träfen. Die Zechenverwaltung sei aber bei ihrer Haltung ver- blieben. Der Handelsminister habe schließlich noch einmal eine Durckprüfung veranlaßt. Man sei aber wiederum nicht zu einer Einigung gekoinmen. Die Regierung werde aber weiter alles tun, um eine befriedigende Lösung herbeizuführen. Als Abg. Ivicdemann(Dnat.) in längeren Ausführungen die Notwendigkeit der Einführung der A r b e i t s d i e n st v f l i ch t be- tont, um so Erwerbslofe dort einsetzen zu können, wo Arbeitskraste gebraucht werden, erhebt sich bei den Kommunisten ein großer und anhaltender Lärm, und es werden Schmährufe gegen den Redner laut. Mehrere kommunistische Abgeordnete werden vom Präsidenten Bart.cls zur Ordnung gerufen. Besonders der kommunistische Abg. Sobotlka. der immer wieder gegen den Redner vordringt, erhält einen zweiten Ordnung s- ruf und wird gleich daraus, als er dem Redner zuruft:„Ich bringe nächstens einen Knüppel mit und schmeiße ihn dir in die Fresse., von der Sitzung ausgeschlossen. Er verläßt unter an- haltendem Lärm der Kommunisten den Saal. Kommunisten und Deutfchnalionale bleiben erregt infs dos Rednerpult geschart, bis nach Uhr der Präsident Bartels die Weiterberatung auf Freitag 12 Uhr vertagt. Einwohnerwehrfthiebungen in Hapern Oberstleutnant Kriebel vor dem Reichstagsansschuß. Die Vernehmung Kriebels begann mit der Erklärung des Zeugen, daß auf seine Bitte E s ch e r i ch ihn von der Schweige- Pflicht entbunden habe, soweit nicht reine Reichs- und Landcsinteressen geschädigt würden. Der Zeuge soll.sich äußern über seine Stellung in der Einwohnerwehr und die per- sönlichen Verbindungen mit den angeschuldigten Leuten um Braun. kriebel gibt ein kurzes Bild über die innere Organi- sation der Einwohnerwehr und erklärt dabei unter anderem, daß die Wirtschoftsstelle unter Kern bzw. Braun voll- ständig von seinem Wirkungskreis losgetrennt war. Die Stellung G a d e m a n n s sei ursprünglich eine Entlastung für den Vorstand der Rechtsabteilung gewesen. Später habe sich aber Gademann zum Bearbeiter der juristischen Fragen wegen Auf- lösung der Einwohnerwehr mit der bayerischen Regierung und der Reichsregierung entwickelt. Er kam zu mir, so führte Kriebel weiter aus, stets zum Dortrag, wenn irgendetwas in seiner Abteilung vorlag, was ich wissen mußte. Auf di« Frage des Vorsitzenden, wie es mit der Autofahrt nach Augsburg sei, erklärte der Zeuge: Gademann kam zu mir und erklärte, er brauche ein Auto, um Kern aus Augsburg zu holen. Dabei sagte er mir, daß jetzt eine Der- folgung im Gange sei gegen bestimmte Leute, die damals an einer Waffenverräumung beteiligt waren. Wir gingen dann zusammen zum Zustizminister Roth, um ihn in dieser wassenangelegenheil. aus die durch Unvorsichtigkeit ein französischer Kontrollossizier auf. merksam geworden war. zu unterrichten, ver Iusiizmlnlster er. klärte, er könne da nichts machen, wir sollten zu einem Referenten gehen. Gademann tat dies auch. Bei dieser Unterredung war ich aber nicht zugegen. Dann fuhr er nach Augsburg. Vors.: Die Fahrt Gademanns nach Augsburg hängt also nach dieser Darstellung nur mit der Waffenverräumung zu- sammen. Das interessiert uns aber nicht. In Wirklichkeit holte Gademann, ja die Staatsanwälte, die in einer bestimmten Mordsach« tätig waren. Kriebel: Nach meiner Kenntnis war der Zweck nur, daß nicht durch die Durchführung der vkordunkersuchung die Entente aus die Spur der Waffen gebracht wurde. Vors. Ja, damit ist doch nicht gesagt, warum Gademann die Staatsanwälte holte. kriebel: Ja, das weiß ich auch nicht. Ich weiß auch nicht, wer dem Gademann den Auftrag gegeben hat, die Staats- anwälte zu holen. Abg. Levi: Am Z. und 4. März fuhren die Leute nach Ulm mit dem Lastwagen, kehrten am 4. zurück, fuhren am 7. wieder nach Ulm und diese Intervention, von der der Zeuge hier sprach, hat ja e r st am 14. März stattgefunden. Wie ist dieser Zeitunterschied zu erklären? kriebel: Vermutlich wird zu dem Termin vom Z.— 1k. März die Verräunrung de.' Waisen eingesetzt haben. Levi: Wie erklären Sie nun, daß die Staatsanwälte hier davon nichts gesagt haben, sondern mit Bestimmtheit erklären, sie hätten überhaupt keine Anweisung im Justizministerium bekommen? kriebel: Was die anderen gemacht haben, weiß ich nicht. Levi: Ist es nicht möglich, daß Gademann ihnen einen an- deren Zweck seines Besuches bei Roth oder bei dem Referenten angegeben hat? kriebel: Es ist möglich, daß Gademann seine Befugnisse überschritten hat. Ich bin ober noch heute der Ueberzeugung, daß es sich um diese Sache gehandelt hat. Abg. kempes(D. Vp.): Die Brück« ist vielleicht die, daß Gürtner bei dein Vortrag der Staatsanwälte das, was Gademann durch die Verröumung der Waffen befürchtete, nicht für gegeben erachtete, und daß er deshalb den Staatsanwälten kein« Weisung erteilt hat. Kriebel: Das scheint mir der Wahrheit am nächsten zu kommen. Levi: Sie sind während ihrer Anwesenheit in Landsberg im Jahre 1924 vom Untersuchungsrichter im Fall Sandmeier ver- nommen worden. Daraufhin schrieben Sie an demselben Tage eine offene Postkarte an Neunzert: Lieber NeunzertI Kommen Sie sofort. Ich habe wichtige Mitteilungen für Sie. Reisegeld werde ich bezahlen. Es ist von äußerster Wichtigkeit. 1926! kriebel erklärt, es habe sich dabei um ein ehrengericht- liches Verfahren aus der Zeit des Hitlerputsches gehandelt. Mit 1926 wollte er dem Reunzcrt Mitteilungen machen von seiner Vernehmung im Fall Sandnieier. Levi: Weshalb benachrichtigten Sie denn Neunzert von dieser Sache? kriebel: Weil ich glaubte, er sei in dieser Sache auch ver- nommen worden und weil ich mich über diese neuerliche Der- nehmung in dieser Sache scheußlich geärgert habe. Levi: Haben Sie nicht auch andere Mitteilungen aus der Festung hinausgehen lassen, die nicht kontrolliert worden sind? kriebel: In dieser Sache nicht. Levi: Ich bitte den Zeugen, sich genau daran zu erinnern. es ist das von besonderer Wichtigkeit. In der weiteren Vernehmung Kriebels stellte es sich heraus, daß er rechtzeitig auch noch eine Karte an den Einwohnerwehr- führer Zeller geschrieben hat, auf der er diesen ebenfalls auf. forderte, wegen der Vernehmung im Fall Sandmeier zu ihm nach Landsberg zu kommen. Kriebel gab dabei zu, daß er mit den beiden zu ihln Gebetenen über„den ganzen Komplex 192 6" reden wollte. Nach seiner Vereidigung wurde Zeuge Kriebel entlassen. 2lls nächster Zeuge wurde Amtsgerichtsdirektor Tröllsch ver- vernommen, der als Amtsnachfolger des ersten Staatsanwalts Krauß in Augsburg mit dem Falle Härtung weiter zu tun gehabt hat. Er bekundet: Daß ich den Fall Härtung mit aller Energie ver- folgte, ergab sich schon aus meiner ganze» Einstellung. Ich ver- urteile politische Morde nicht nur als Staatsanwalt, sondern auch als Mensch und Politiker aufs äußerste. Ich halte sie für die größte politische Torheit, die man sich denken kann. Ich habe die Akten genau studiert und kam zu der Ueberzeugung daß Berchlhold und B eurer sicher mit der Sache zu tuu haben. Ich sah auch, daß unter meinem Amtsvargänger Krauß der Fall sehr energisch verfolgt worden iK. Von.meinem Vorgesetzten ist in keiner Weise auf mich eingewirkt worden. Wenn der Iustizminister eine ganz energische Verfolgung der Täter im Falle Härtung wünschte, dann war es richtig, mich zum ersten Staatsanwalt in Augsburg zu machen, wie es geschehen ist. Ich muß im Ministerium bekannt gewesen fein aus meiner politischen Tätigkeit als Mitglied der Demokratischen Partei und als demokratischer Kandidat zur Nationaloersammlung und zum Bayerischen Landtag. Auf Fragen des Abg. Dr. Levi erklärt der Zeuge, das Verfahreu im Falle Härtung sei immer weiter verfolgt worden. Es sei auch nach der Herkunft der Pflastersteine geforscht worden, mit denen Hartungs Leiche beschwert war. Die Nachforschungen seien freilich erfolglos gewesen. Für die Abholung der beiden Staatsanwälte im Auto von Augsburg nach München hat auch dieser Zeuge die Erklärung, daß das Ministerium in jener kritischen Zeit ver hin- dern wollte, daß in der Oeffentlichkett etwas bekannt wurde von der Fahrt eines Einwohnerwehrautos nach Ulm zum Waffenholen. Auf eine Frage des Abg. Graef-Thüringen(Dnat.) erklärt der Zeuge zusammenfassend, nach seinen Ueberzeugungen hätten die Staatsanwälte Krieck und Krauß bei der Verfolgung der Sache Härtung nichts versäumt. Auf Fragen des Abg. Dr. Schaesfer(Dnat.) bestätigt der Zeuge, daß er den Fall nicht vor das Volksgericht gebracht habe, weil er bei de» unzureichenden Beweismitteln eine Freisprechung befürchten mußte, die bei der Rechtslage der Volksgerichtsbarkeit zur vollftändi- gen Erledigung des Falles geführt hätte. Abg. vasschl(Soz.): Bestand nicht eine zwingende Vor- s ch r i f t, die den Staatsanwälten verbot, aus Zweckmäßige keitsgründen eine Sache dem Volksgericht vorzuenthallen? Zeuge Trölksch: Hier lagen aber keine Zweckmähigkeitsgründ« vor, sondern di« pflichtgemäße Erwägung des Staatsanwalts, ob ein Fall nicht bei dem Stand der Beweismittel mit einem Fehl- schlag zu enden droht. Die Zeugen Tröltsch. krieck und krauß wurden dann v er-, eidigt. Der Arbeitsplan des Ansschnsses. Bei der nun folgenden Beratung des weiteren Arbeitsplans det Ausschusses betonte der Abg. Gracs-Thllringen(Dnat.), der Ausschuß sei es dem Ansehen der bayerischen Justiz schuldig, nach der Erledi- gung der Beweisaufnahme auch dieBeweiSwürdigungnoch in München zu erledigen, damit der zu Unrecht angegriffe- nen bayerischen Justiz an Ort und Stelle Genugwung gegeben wird. Am Freitag soll Justizminister Dr. Gürlner als Zeuge ver- noinmen werden, außerdem Regierungsrat v. Merz und weitere Be- amte der Polizeidirektion. In den folgenden Sitzungen des Aus- schusscs sollen nach Möglichkeit auch die der Täterschaft Beschuldig. ten, Schwelghart, Veunzert. Bally. außerdem Dobuer, vernommen werden. Weiter will der Ausschuß als Zeugen hören den ehemaligen Führer der Einwohnerwehr Kanzler, den General Epp, Pro- fessor Stempfle, Gräfin Törring und Herzog Ludwig von Bayern. Um 142 Uhr vertagte der Ausschuß die weiteren Verhandlungen auf Freitag vormittag 149 Uhr. Der Vorsitzende sprach die Hoffnung aus, daß die Münchener Arbeiten des Ausschusses am Dienstag nächster Woche erledigt sind. Z IränOn) ude Diose Perle bedeulef: * Entspannung der Nerven* Anregung, Steigerung der Arbeitsfreudigkeii Sie gibt Slirnmung! £lld& Ji&AÄ&XS» VON R A N Cr Jortsthreitenöe Vertrustung öse Eisenmöuftris» Ein mitteldeutscher Stuhltruft. Der Prozeß der vollständigen Vertrustung der deutschen Stahl Industrie geht seiner Vollendung entgegen. Nach dem oberschlesischen und dem Ruhrmontantrust ist nun ein m i t t e l d e u t s ch e r T r u st im Werden. Das Stahl- und Walzwerk Hennigsdorf(Gc- mcinjchastsbesitz von AEG. und Linkc-Hofmann-Lauchhamnixr), das Stahlwerk L a u ch h a in m e r(Alleinbesitz von Linke-Hofriiann) und das dem Ruhrmontantrust gehörende Weber-Werk in Brart- d c n b u r g sollen zu einer Unternehmung verschmolzen werden. Die Schätzung des Trustkapitals lautet auf M Millionen Mark. Den Mittelpunkt des werdenden Trusts bildet der cinke-Hofmann-cauchhammer-Konzern. der als letzter der großen Vertikalkonzerne(70 Millionen Aktien. kapita!) vor der Auflösung steht und durch die Trustbildung eine grundlegende Umstellung erfahren wird. Seine Maschinen-, Loko> motiven- und Waogonfabitcn finden nur ungenügend Aufträge. Seine Stahlwerk« Lauchhammer und Hennigsdorf sind durch die Lage der verarbeitenden Konzernwerke ungenügend be- schäftigt. Die Finanzlage des Konzerns war schon vor Monaten schwierig. Zeichen dafür waren die Zusammenlegung des Hennigedorf- kapitals auf ein Drittel und der Kuxenverkauf an die Stadt Bres- lau, die mit diesem Erwerb weitgehende Einschränkungen in der Vreslaner Werkzentrale� von Linkc-Hofmann zu verhindern gesucht hat/ die die schwierige Finanzloge sonst unvermeidlich gemacht hätte. Rohstossgrundlagc des Trusts ist bekanntlich der S ch r o t t a n f a l l von Verlin, wie überhaupt die Martinstahlproduktion für die zu vereinigenden Werke charakteristisch ist. Die Herauslösung der Stahlwerke aus dem Linke-Hofmann-Konzern und die Vereinigung mit deni abse'ts liegenden Brandenburger Weber-Werk des Ruhr- inontantrusts bedeutet nicht nur die Preisgabe des Vertikalcharakters für Linke-Hosmann, sondern das endgültige verschwinden des verlikalkonzerns aus der deutschen Stahlindustrie überhaupt. Mit diesen Umgruppierungen im Linkc-Hofniann-Konzern fällt auch auf andere wichtige Borgänge der letzten Zeit klares Licht, deren Hintergründe sich bisher nicht ohne weiteres erkennen liehen. So wird man die von Linke-Hofmann betriebene Bildung eines Waggontrusts mit van der Zypen-Charlicr, Talbot, Busch- Bautzen, Waggonlabrilcn Gotha und Uerdingen sowie der Eisen- bahnverkehrsmittel A.-G. als den Versuch betrachten dürsen. die rmvermeidiiche Konzentration der Waggonindustrie der U m- gruppier u ng und Sa n i e r u n g des Linke-Hofniann-Kon- zerns vorzuspannen. Die Verselbständig'ung der Linke-Hosmannschen Maschincnsabrikntion, die mit dem Bau von Raupenschleppern bereits begonnene Umstellung des Lokomotivbaues, würde als drittes Glied der horizontalen Anseinanderziehung und Ne�liede- riing des Konzerns sich zwanglos der allgemein gewordenen Ten- Venz sich einfügen, die verarbeitende Metallindustrie Deutschlands von der eiienerzeugenden Schwer- i n d u st r i e zu trennen. Die Linkc-Höfmann-Lauchhammer A.-G. wird sich dabei, allerdings unter Zusammenlegung ihres Kapitals, aus einem Werkskonzern in eine Holdinggcsell- s ch a f t verwandeln. Ob noch weitere Werke dem mitteldeutschen Siahltrust ein- gegliedert werden, ist bis heute wenigstens noch fraglich. Es scheint aber, daß das Eisenhüttenwerk Thale im Harz, das neben Martin- und Elektrostahlanlagen über Walzwerke und Verarbei- tungsbelricbe verfügt und ngch Lage und Technik organisch in den Trust hineinpatzt, ebenfalls einbezogen wird. Ebenso scheinen auch die Sächsischen Gußstahlwerke in Döhlen einbezogen zu werden, von denen der Beherrscher des Eisenhüttenwerks Thale, die Aquila» A-G.-Fronkfurt, ebenfalls ein Aktienpaket besitzt. Es ist durchaus möglich, daß das von der Deutschen Bank geführte Konsortium, das kürzlich von der Eisengroßhondelsfirma Otto Mansfeld ein be- deutendes Aktienpaket der Sächsischen Gußstahlwerke erworben hat, dieses gerade zum Zweck der Angliederung des Döhlener Werkes an den mitteldeutschen Slahstrust getan hat. Das ist um so wahrschein- licher, als die Sächsischen Gußstahlwerke die gesamte Handels- organisation der Firma Otto Mansfeld gekauft hat, die dem neuen Trust als eigene Werkshandelsgefellschaft durchaus willkommen sein müßte. « Die neue D a m a g- A.- G. in Duisburg, die infolge der Gründung des Stahltrusts ins Leben trat, wird nach einer Dar- ftellung der Firma folgende Betriebe umfassen: Die Werksanlagen in Duisburg, Benrath und Wetter sowie in Duisburg- M ei brich, die bisher der Deutschen Maschincnfabrik-A.-G., der Maschincnbau-A.-K. Tigler und der Maschinenbaufabrik Jäger G.m.b.H. gehörten: die Werksanlagen der Maschinenfabrik Thyssen u. Co. A.-G. in M ü l h e i m- R u h r sowie die dieser Firma gehörige Beteiligung an der Firma Weuste und Overbeck: die der Deutschen Maschinenfabrik-A.-G. gehörigen Betriebsstätten in Mährisch. O st rau und O t t w e i l e r- S a a r. Der Vorstand besteht unter Vorsitz des Generaldirektors Dr. Reuter aus fol- genden Mitgliedern: Otto Bamberger, Dr. Heinrich Bilger, Otto Blank, Gottlob Faßnacht, Dr. Karl Härle, Hermann Hintz, Rudolf Stahl und Hermann Tigler. Ein Eisentruft auch in Schweöen. Die Welteisenkrise, die hinter den deutschen Trustbildungen steht, hat sich auch in Schweden sehr stark fühlbar gemacht. Schweden hatte im Krieg eine glänzend« Konjunktur, die seine eisenerzeugenden und-verarbeitenden Werke stark entwickelten. Die Jnflationskonjunktur in Mitteleuropa, die Eisenarmut Deutschlands durch den Versailler Vertrag steigerten die Erzverschifsung und Eigenverhüttung Schwedens gewaltig. Die fortschreitende Ge- sundung Mitteleuropas, die starke preisunterbietende Konkurrenz der technisch überlegenen Ruhrindustrie führten zu doppelt wirksamen Rückschlägen. Der Vertrustungsgedanke in Schweden ist relativ alt. Schon i924 drängten die Banken, denen die Montanwerke ähnlich wie in Deutschland stark verschuldet waren, zur trustmäßigen Zu- sammenfassung. Für den Plan, der acht Werke umfaßte, war da- mals zwischen dem an mehreren Werken durch hohe Beteiligung interessierten Staat und den Gläubigerbanken eine Einigung aber nicht zu erzielen. Jetzt schreiten die Banken unter Führung von Svensko-Handelsbanten selbst zur Konzentration. Am 1. Ja- n u a r 1 9 2 7 soll ein Vertrag zwischen vier Werken in Kraft treten, der der zukünftigen Muttergesellschaft, dem Werk Fagersta, drei andere Werke durch langfristige Pachtverträge zur Betriebsgemein- schaft angliedert(Horndal-Gesellsäzaft, Aktiengesellschaft Kloster und Aktiengesellschaft Gimo-Oesterby). Aehnlich wie bei deutschen Trustgesellschaften sollen Verwaltung und Handelsorganisation bei der Muttergesellschast vereinigt werden. Außerhalb bleiben die Werte Forsbacke, Smeds.'backe, Kohlsva und Schebo. Beherrscher des Trusts werden die Gläubigerbanken sein, die zugleich auch über Majoritäten im Aktienbesitz verfügen. Eine be- sonders große Bedeutung kommt dieser Konzentration nicht zu, da sie zunächst als Versuch angesehen werden muß, den Banken zu ihrem Geld« zu verhelfen. Der westeuropäische S t a h l p a k t wird übrigens die gesamte schwedische Eisenindustrie vor neue Eni- scheidungen stellen. Einmal dürften die Austauschverträge zwischen Lothringen und Ruhr die schwedische Erzausfichr weiter drosseln, zum anderen wird die Marktposition der schwedischen Hütten- und Walzwerte zweifellos noch stärker gefährdet als bisher. vom brasilianischen liaffeehanüel. Ueberproduktion— aber hohe Preise. Von einer Kaffeeproduktion Brasiliens für den Weltmarkt kann erst seit etwa 1850 gesprochen werden. Wohl ist der Anbau nachweisbar feit dem Ende des 18. Jahrhunderts, doch war die Produktion derart geringfügig, daß sie gegenüber den damaligen Hauptproduktionsländern Java, Arabien usw. beinah« verschwand.— Der um die erwähnte Periode einsetzende verstärkt« Anbau erstreckte sich hauptsächlich auf das mehr und mehr erschlossen« Inner« der Provinzen Sao Paulo und Minas. Als Ausfuhrhäfen kamen an- fänglich Rio und Bahia, erst um 1810 Santos in Frag«. Di« 1864 zimi Kaffeetransport benützt« Dom-Pedro-Bahn, weiter die im Jahr« 1867 in Betrieb genommene Santos-Sao-Paulo-Jundiahy-Streck« reduzierte In sehr erheblichem Maß« die bis dahin beinahe 40 Proz. des Gesamterlöses verschlingenden Transportkosten. Ursprünglich wurde der Kaffeeanbau hauptsächlich mit Hilf« von Sklaven betrieben. 1850 wurden, vor Älavenhondelsverbot, noch etwa 60 000 Negersklaven nach Brasilien eingeführt; die Marktpreise für dies« schwankten zwischen 3000 und 5000 Mark. Im Jahr« 1888 hatte die Kaiserin ein allgemeines Sklavenhaltungsverbot ausgesprochen, das jedoch seinen Einfluß auf die Kaffeeproduktion aus noch zu erwähnenden Gründen nicht besonders bemerkbar machte. Schon vor dem Sturz« des Kaiserreiches im Jahre 1889 hatte die Regierung zur Zahlung von Unterstützungssummen an die Kaffee- plantagen lfllr freigegebene Sklaven usw.) massenhaft Papier- geld drucken lassen. Di« dadurch verursacht« Inflation des Milreis kam auf indirektem Wege wiederum den Pflanzern zugute, da der Wert des Milreis im Inland« immer noch etwa über dl« Hälfte größer war als der Auslandskurs. Weil für die ausgeführten Waren nur Valuten angenommen wurden, hatten die Pflanzer den Vorteil, die Differenz zwischen innerer und äußerer Kaufkraft des Milreis auf die Verbesserung ihrer Plantagen anlegen zu können. Neue Maschinen wurden angeschafft, Neuanpslanzungen vorgenommen, hundert« neuer Plantagen angelegt, kurz alles getan, um die Pro- duktion zu steigern. Das Resultat dieser Produktionsstcigerimg konnte erst nach 4 bis 6 Iahren sichtbar werden, da bis dahin die neuange- pflanzten Bäume nicht tragen würden. Um die Jahrhundertwende machte sich die oerstärkt« Produktion in solchem Maß« geltend, daß die Weltmarktkaffeepreise unaufhaltsam zu sinken begannen. Während Brasiliens Anteil an der Welt- markterzeirgung im Jahre 1890 noch 5 000 000 Sack(62 Proz.) betrug, schnellte die Ziffer im Jahre 1900 auf 72 Proz., 1901 aus 8 4 Proz. der Gesamtweltproduktion. Die dadurch verursacht« Kaffeekris« brachte Brasilien an den Rand des wirtschaftlichen Zu- sammenbruches, da der Kaffeeausfuhrzoll etwa 50 Proz. der gesamten Bundeseinnahmen und über 90 Proz. der Gesamteinnahmen des Staates Sao Paulo ausmacht. Die wirtschaftliche Katastrophe ließ die betroffenen Regierungen auf Wege sinnen, das Kasfeeangebot auf dem Weltmarkt« in ihrem Sinn« zu kontrollieren. Der erste V a l o r i- sationsversuch(Rationierung des Weltmarktes) wurde erfolg- reich 1906 durch den Staat Sao Paulo mit Unterstützung der Bundes- regierung unternommen. Die Ausfuhr des brasilianischen Kaffees sollte nur dergestalt stattfinden, daß das Angebot niemals die Nach- frage übersteigen soll«, so daß sich der Kaffeepreis auf dem Welt- markt« stets ziemlich in gleicher Höh« halten muß. Ist die Welternt« größer als die durchschnittlich« Iahresnachfrage, so sollten die über- schießenden Mengen unter Regierungslombard z u r ü ck g e- halten werden. Außerdem wurde vorläufig auf fünf Jahre Neu- anlegung von Kaffeeplantagen verboten. Di« Folge aller dieser Maßregeln war die zunehmende Monopolstellung Brasiliens auf dem Welttaffeemartt«. Die durch den Weltkrieg verursachte Stagnation am Weltmarkt hatte auch auf die Wirtschaftslag« Brasiliens seinen Einfluß aus- geübt. Dagegen war der Kafiee ve rb ra u ch nur in sehr geringem Maß« durch den Krieg beeinflußt, hauptsächlich durch die fehlende Abnahmemöglichkeit der Mittelmächte. Trotz alledem besteht heule aus dem Kaffeemorkt««ine s«hr fühlbare Untererzeugung, die auch durch die aufgestapelten Ausgleichsvorrät« der brasilianischen „Sociedaäe prornotora da delesa do cafe" nicht behoben ist. Die dadurch wieder höher gewordenen Marktpreis«, verbunden mit einer neuen Inflation in Brasilien(Parikurs 1 Milreis gleich 1,25 M., Kurs 1919 etwa 56 Pf.) haben ein« neue Scheinblüte der Kaffeeplantagen hervorgebracht, die seit 1923 wieder Neuan- Pflanzungen mit sich geführt hat. Nach 4—6 Iahren, also etwa 1930 dürfte wieder«in« Ueberproduktion der brasilianischen Plantagen sichtbar werden; ob die Regierung dann imstande sein wird, durch Balorisationslager den Ausgleich auf dem Weltmarkt zu beherrschen, ist zwtis«lhast. , Wenn auch an der Beibehaltung der Monopolstellung Brasiliens auf dem Kaffeemarkte nicht gezweifelt werden soll, so dürft« es sich doch für die brasilianische Regierung als unmöglich erweisen, den jetzigen hohen Weltmarktpreis des Kaffees beizirbeholten. Auch würde bei einem niedrigeren Preis der Verbrauch sicherlich be- deutend zunehmen, und die heute recht gefüllten Lagerhäuser der „Sociedade prornotora" rascher leeren, als bei einem künstlich hoch- gehaltenen Ueberpreis. Die allgemeinen Aussichben Brasiliens sind, was Kaffee anbetrifft, recht trüb«. Nachfolgend einig« vergleicheniX Daten über die zunehmende Bedeutung der brasilianischen Kaffee- ausfuhr: Wie aus vorstellenden Zahlen ersichtlich, betrug vor annähernd 100 Iahren der Anteil Brasiliens an der Gesanitweltproduktion des Kaffees etwa 21 Proz., während sein Anteil an der heutigen zehn- fach höheren Produktionsmenge des Wel.handels etwa 7 5 Proz. beträgt._ Stabilisiert Belgien endgültig? Der belgische Ministerrat hat offiziell mitgeteilt, daß zwischen Belgien und englischen, holländisdzen und schweizerischen Banken ein Abkommen über eine Stabilisierungsanleihe abge- sdsiosscn worden ist. Die Anleihe soll über 60 Millionen Dollar lauten(der Betrag scheint uns unwahrscheinlich hoch! D. R.) und soll möglichst bald zur Ausschreibung kommen. Die Stabilisierung des Franken soll unter 175 Franken für ein englisches Piund vor- genommen werden. Ferner hat der Ministerrat beschlossen, den, französischen Beispiel zu folgen und Gold- und Silber- m ü n z e n o u f z u k a ii s e n. Die Meldung wird ergänzt durch die Mitteilung, daß der Schatzminister nach seinen erfolgreichen Ber- Handlungen in London seine Mission a's beendet erklärt hat und daß die Stabilifiekunug der belgischen Währung nunmehr als ab- gemachte Sache gelte. Die Angabe, daß man bei 160 Franken für ein englisches Pfund zu stabilisieren hoffe, dürfte kaum zutrefsen, nachdem die letzten Kurse nicht unbeträchtlich über 170 Franken lagen und in den letzten Wochen bekanntlich niehrmals sogar 185 Franken überschritten haben._ Der Grosihandelsindcx. Die auf den Stichtag des 6. Oktober berechnete Großhandels- indexziffer des Statistischen Rcichsamts ist gegenüber dem 29. Sep- tember um 1 Proz. auf 128 gestiegen. Bon den Hauptgruppen haben die Agrorerzengnisse um 1,8 Proz. auf 130,3 angezogen, mährend die Industriestoffe um 0,5 Proz. auf 123,5 nachgaben. Im Durchschnitt September ist die Gesamiinderziffer gegenüber dem Durchschnitt August um 0,2 Proz. auf 126,8 zurückgegangen. Die Gruppenindexzisfer der Agrarerzeugnissc lag im Durchschnitt Sep- tember auf 127,9, die Gruppeninderziffer der Industriestoffe auf 124,7._ Die Genossenschaflsbewcgung im September. Die Genossen- schaftsbewegung zeigt im September seit langen Monaten wieder eine Zunahme an Genossenschaften. Es find 132 Ge- nossenschaften neu errichtet, 108 ausgelöst(einschließlich Nichtigkeils- erklärungen) und 7 Genossenschaften gingen in Konkurs. Sowohl Konkurse wie Nichtigkeitserklärungen und Auslösungen insgesamt haben erheblich nachgelassen.— Bei den K r e d i t g e n o s s e n- s ch a f t e n sind 14 Zugänge und 20 Abgänge zu verzeichnen.— Die städtischen gewerblichen Genossenschasien sind mit 9 Neuerlich- tungen vertreten.— Bei den Handwerkergenossenschaften gab es 13 Neugründungen und 12 Auflösungen, insgesamt waren unter den Neugründungen stark vertreten Bauhandwerker-Genossen- s ch a f t e n, um im Zusammengehen mit Bau- und Siedlungs- gcnosjenschaften der Wohnungsnot abzuhelfen und gleichzestig die Arbeitslosigkeit im Baugewerbe zu beseitigen.— Bei den Kon- sumoereinen, den Verbrauchergenossenschaften, gab es 4 neue Konsumvereine und 11 Liquidationen.— Die Micterbaugenossen- schaften gehen noch immer auswärts und haben von allen Gruppen. gcnosfenschaften als einzige eine st ä n d i g e Vermehrung aufzu- weisen.— Bei den landwirtschaftlichen Genossenschaften gab es im September 51 Ncugründungen, denen nur 36 Auflösungen gegen- überstehen. Es zeigte sich also eine Vermehrung des Be- st a n d e s. der in der Hauptsache aus die Elettrizitäts- und Mol- tereigenossenscl)aften entfällt. lleberzeichnung der Hamburger Elektrizilälsanleihe. Die Zeich- nungsiiste für 15 Millionen 7prozentiger Goldobligationen der Hain- burger Elektrizitäts-A.-G., die ursprünglich bis 11. Oktober zur Zeichnung ausliegen sollte, ist wegen lleberzeichnung geschlossen worden. Der deutsche Automobilkonzcrn ausgelöst. Wie gemeldet wird, haben die dem Deutschen Automobilkonzern angeschlossenen Firmen (Bux, Magiro, Presto, Vomag) die Auslösung des Konzerns be- schlössen. Di« Maßnahme ist w«nig«r bedeutungsvoll als sie scheint. denn der„Konzern" war nur eine Einrichtung zum gemeinsamen Vertrieb der erzeugten Autos und Lastwagen, keineswegs ein Konzern zu gemeinsamer Produktion. Die Firmen werden in der Zukunft ihre Produkte wieder durch die eigene Absatzorganisation auf den Markt bringen. Immerhin ist der' Vorgang für die Lage in der Autoindustrie charakteristisch. In der Vergangenheit wurde vielfach, wenn von der notwendigen Konzentration der Autoindustrie die Rede war, gerade auch auf den DAK.(wie auch auf die GDA.-G e m e i n- schaft Deutscher Automobilsabriken) als mögliche Ausgangspunkte hingewiesen. Bekanntlich ist vor Monaten schon durch den Austritt der Hansa-Lloydwerke die GDA. auf die Nationale Automobil-A.-G. und die Ärennaborwerke beschränkt worden, wobei die weitere Existenz der GDA. überhaupt fraglich erschien. Jetzt folgt die Auslösung des Deutschen Automobilkonzcrns. Die Konzentrationsmöglichkeitei� in der Automobilindustrie von ge- meinsamem Absatz htr scheinen also sehr gering zu sein, so daß zunächst wohl eine Verschärfung des Konkurrenzkampfes und die weitere Ausscheidung nichtkonkurrenzfähiger Werke wahrscheinlicher ist, verbunden mit Konzentrationen unier den Starken. Die intcrnalionale Schienenaussuhr. Das amerikanische Handels- departement veröffentlicht eine Aufstellung über den Wellschienen- export im Jahre 1925, nach der Amerika mit rund 152 000 Tonnen als Exporteur an fünfter Stelle steht. Den ersten Platz nimmt Deutschland mit 288 000 Tonnen ein. Ihm folgen Frankreich mit 237 000, England mit 217 000 und Belgien mit 168 000 Tonnen. Von dem deutschen Export gingen drei Achtel nach europäischen Ländern und fünf Achtel nach Uebcrsee, besonders nach Südamerika und Asien. Die Absatzländer Englands find Afrika und Australien, während Frankreich ungefähr zwei Drittel seiner Aussuhr in Europa absetzte. �®__ Die viele Reklame, die von öen Fabriken für Zahnpasten gemacht wirö, hat H H in 1 iF CJ �jSn mich seinerzeit veranlaßt, die am meisten geführten Sorten einmal auszu- 11 y �,1 8 1 1 a w �. 1 S probieren. So habe ich denn acht verschiedene Sorten in Gebrauch gehabt. wlL m m. a»"w wa Zuletzt bin ich jedoch zu öem Entschluß gekommen, öaß Chloroöont unbedingt (wie solche»ägiich unaufgefordert bei un» eingehen) bis beste ist. Zunächst ist sie bedeutend weicher und dann auch viel wohlschmeckender als die anderen. An Reinigungskraft ist sie den anderen bedeutend überlegen. Dann hat man auch bei Chloroöont nicht den ekelhaften Geschmack von hochprozentigem Wasserstoffsuperoxyd. Heinz Klingenberg, Beuel a. Rhein Chlbrobont-Zahnpaste in Vi und V» Tuben, Chlorodont-Munbwasser, Chloroöont-Zahnbürsten./ In allen einschlägigen Geschäften erhältlich!/ Leo-Werke A.-Q, Dresden f Hunöestag ües dZS. Die Verschmelzung beschlossen. In der Nachmittagssitzung des ersten Verhandlungstages refe> rlerts Bundesdirekter L o ck e n o i g über die Verschmelzung. Er er» innerte zunächst daran, daß im Laufe der Nachkricgsjahre die 1918 geschaffene einheitliche Beamtenorganisation sich in fünf Beamten- jpitzcnorganisationen zersplitterte, die sich teilweise scharf bekämpf» ten. Der DBB. sei stets bestrebt gewesen, alle Beamten wieder zu einer einheitlichen Beamtenorganisaiion zusammenzufassen und habe deshalb auch den festen Willen gehabt, die Verhandlungen mit dem AD B. zu einem gütlichen Abschluß zu bringen. Der Redner schilderte dann den Gang der Verhandlungen, die im wesent- lichen an der Organisationsfrage gescheitert seiep. Der DBB. habe sein Prinzip der reinen Bcamtenorganisation nicht ausgeben und zugestehen können, daß ihm gemischte O r g a n i- s a r i o n e n angehören. Die Verhandlungen seien nicht deswegen gescheitert, weil der DBV. angeblich Gegner der freien Gewerk- j.hasten' sei. Der DVB. sei ebensowenig Gegner der einen gewerk- schaftlichen Richtung wie der anderen und bereit, mit jeder Richtung zusammenzuarbeiten. Er könne sich aber bei seiner parteipolitischen Neutralität nicht einseitig an eine Richtung binden. Man habe gleichzeitig mit der anderen gewerkschaftlichen Richtung oerhandeln müssen, um nicht bei den Mitgliedern in Verdacht der einseitigen Nichtungsneigung zu kommen. Lockenvitz behauptete, daß nicht bei allen Berhandlungsführern der anderen Richtung(ADV.) der feste Wille zur Einigung vorhanden gewesen sei.(!) « Mit dem Reichsbund der höheren Beamten habe man ebenfalls Fühlung genommen, bis jetzt sei aber noch kein Ergebnis zu ver- zeichnen. Er berichtete dann über die Verhandlungen mit dem G D B., denen auch erst persönliche Besprechungen voraufge- gangen seien. Man habe diese Besprechungen solange fortgesührt, bis sie zu dem„glücklichen" Abschluß führten. Der Gesamtvorstand habe zu dem Ergebnis Stellung genoinmen und empfehle dem Bundestag die Annahme des vorliegenden Vertrags- wertes. Durch den Zusammenschluß mit dem GDB. werde an dem bisherigen Programm des DBB. und seiner parteipolitischen und religiösen Neutralität nichts geändert. Die Leitung des DBB. bürge dafür, daß er an seiner bisherigen Einstellung festhalte. Auch der Einzug eines Deutschnationalen in die Leitung dos DBB. würde an seiner bisherigen Haltung nicht das geringste ändern. Der Redner versuchte dann die Bedenken zu zer- streuen, die bei einzelnen Vertretern der angeschlossenen Organisa- tionen gegenüber dem Zusammenschluß bestehen. In der Aussprache gab zunächst Schneider- Berlin die Er- klürung ab, daß„die Säule 11"(Beamte der deutschen Reichs- p o st) einstimmig beschlossen habe, der Verschmelzung zuzustimmen. G u t s ch m i d t- Berlin stimmte der Berjchmelzung im Auftrage „der Säule V"(Beamte der Gemeindeverwaltungen und der sonsti- gen kommunalen Selbstverwaltungen) zu. Pvtzel als Vertreter der „Säule III"(Beamte der übrigen Reichsverwaltungen) gab eine ähnliche Erklärung ab, desgleichen Wolfs von der„Säule �VI" (Lehrer), der hoffte, daß der neue Beamtenbund die gradlinige Fort- führung des alten DBB. sein werde. Der Abstimmung über die An- träge auf Satzungsänderungen folgte die Gejamtabstimmung über die Bereinigung des DBB. mit dem DGB., die eine große Mehrheit jür die Verschmelzung ergab. Die Zahl der Stimmenthaltungen wurde nicht festgestellt, auch keine Gegenprobe vorgenommen. Die folgende Programmänderung des Bundes wurde j. och einstimmig unter ausdrücklicher Feststellung, daß keine Stimmenthaltung vorliegt, angenommen: „Der DBB. steht auf dem Boden der republikanischen Verfassung dos Reiches und der Länder. Er ist gewillt, im Geiste dieser Ver- fossung zu handeln und jeder Verletzung mit allen ihm zu Gebote stchenden Mitteln entgegenzutreten." Dem bisherigen Bundesvorstand wurde für seine Tätigkeit in den letzten beiden Jahren bei einigen Stimment- Haltungen E n t l a st u n g erteilt. In der dann folgenden Wahl wurde der bisherige Vorsitzende Flügel als erster Bundesvorsitzender mit 333 Stimmen bei 2 ungültigen und 22 unbeschriebenen Stimmzetteln gewählt. Flügel versicherte, den neuen„Deutschen Beamten- bund" in dem gleichen Geiste zu leiten, wie er es in dem jetzt auf- gelösten getan habe. Als stellvertretende Vorsitzende wurden gewählt: Kugle r, Schräder, Ehrmann und E y m a n n. Die Veamtenrätewahlen bei der Reichsbahn. Am 27. und 28. September fand die Neuwahl der Beamtenräte im ganzen Reichebahngcbiet statt. Das endgültige Wahlergebnis steht noch nicht fest. Nach den bisher vorliegenden Meldungen verteilen sich die Stimmen zum Hauptbeamtenrat aus die einzelnen Wirnis. öettiebs- h. SmnlWNmlllMe! Am Monkag, den N.Oktober 1926. abend» 7 Uhr. in den„MustkerfSlen", Saiser-wilhelm-Slraße 31: Konferenz aller Spv.-vckriebs- und Gewertschaflsfunktiouare Tagesordnung: 1..Genf, Silverberg und Sozialdemokratie". Referent: Genosse Wilhelm D.l t t m a n v. M. d. R. 2. Aussprache.— 3. Die.Rote Woche". Wir ersuchen alle Funktionäre, an dieser Konferenz teilzunehmen. Fuuktionärauswci» der Partei ist miizubrivgen. Da- Letriebsfekrelariat. Listen wie folgt: Einheitsverband(freigewerkschaft- l i ch) 6 5 3 9 0, Gewerkschaft Deutscher Eisenbahner(christlich! 74 211, Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer(Berufsorganisation) 46 810, Zentralgewerkschaftsbund der Reichsbahnbeamten(wirt- schaftsfriedlich) 90 679. In den Bezirken Köln, Schwerin und Würzburg find gemeinsame Listen aufgestellt worden, und zwar im Be- zirk Köln eine Liste der Gewerkschaft Deutscher Eisenbahner mit der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer, und in den Bezirken Schwerin und Würzburg gemeinsame Listen des Zentralgewerk- schaftsbundes mit der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer. Das Wahlergebnis zum Hauptbeamtenrat liegt aus diesen Bezirken noch nicht getrennt vor. Das Wahlergebnis zu den Bezirksbeamtenräten läßt sich auch noch nicht übersehen. Bis jetzt liegen bei dem Vorstand des Einheitsverbandes lediglich die endgültigen Wahlergebnisse für die Bezirke Dresden, Erfurt und Halle vor. Danach haben erhalten: Bezirk Dresden: Einheitsverband 14 836, Gewerk- schuft Deutscher Eisenbahner 4132, Gewerkschaft Deutscher Lokomotiv- führer 3418, Zentralgewerkschaftsbund der Reichsbahnbeamten 5949 Stimmen. Bezirk Erfurt: Einheitsverband 4164 Stimmen, Gewerkschaft Deutscher Eisenbahner 1773, Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer 1831, Zentralgewerkschaftsbund der Reichsbahnbeamten 2291. Bezirk Halle: Einheitsver- band 3170, Gewerkschaft Deutscher Eisenbahner 2496, Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer 2412, Zentralgewerkschaftsbund der Reichsbahnbeamten 3864. Unbezahlte Kellnerarbeit. Puharbeit und Karkenschreiben. In einer gutbefuchten Versammlung des Bezirks Osten dek Hotel-, Restaurant- und Cafc-Angestellten schilderte der Branchen- leiter der Restaurantkellner, Kohlus, die auf diesem Gebiete be- stehenden Zustände als für die Kellner unwürdig. Mit den Winkelvereinen hielt er«ine scharfe Abrechnung, da deren Mitglieder sämtliche Putzarbciten„freiwillig", d. h. unentgeltlich leisten und so die Schuld an den jetzigen Mißständen tragen. Red- ner fordert zu einxm festen Zusammenschluß im Zentralverband der Hotel-, Restaurant und Cafe-Angestellten aus, um die Forderungen auf Abstellung bei den Arbeitgebern durchzusetzen. Eine vom Rcfe- renten vorgelegte Entschließung, welche nach reger Diskussion ein- stimmig angenommen wurde, besagt: „Die Versammelten bedauern außerordentlich, daß der Mantel- tarif für das Gastwirtsgewerbe vom Januar 1924 in seinen proto- kollarischen Vereinbarungen cine R'eihe von unentgclt- lich zu lei st enden Putzarbeiten festlegt. Weit davon ent- fernt, den damaligen VerHändlern daraus einen Vorwurf machen zu wollen, erkennt die Versammlung an, daß diese Vereinbarungen nur mit Widerwillen der Vertreter der Arbeitnehmer unter dem Druck der schon 1924 einsetzenden Wirtschaftskrise zustandegekom- men ist. Die in Verfolg dieser Krise einsetzende große Arbeits- l o s i g k e i t im Gastwirtsgewerbe gab den Arbeitgebern ein nicht zu verkennendes Machtmittel in die Hand, um in der Frage der nichtbezahlten Putzarbeiten einen immer größeren Druck auf die Gehilfenschaft auszuüben. Die Perfammelten verurteilen aber auf das schärfste das be- schämende Verhalten vieler Kollegen, besonders der unorgani- fierten, welche freiwillig dem Arbeitgeber ihre Arbeitskrast unentgeltlich zur Verfügung stellen. Dadurch werden durch eine gewisse Gruppe von Kellnern die Zustände aus den neun- ziger Iahren wieder in die heutige Zeit verpflanzt zum Nutzen der Arbeitgeber, zum Schaden der aufrecht im Kampf um bcstcre Arbeitsbedingungen stehenden Kollegen. Die Versammelten geloben, unermüdlich weiterzuarbeiten an der Ausklärung der Unorganisierten, im: eine machtvolle, große Organi« sation im Gastwirtsgewerbe zu schaffen." Die Leitung der Branche 3 wurde beauftragt, bei der Orts- Verwaltung dafür einzutreten, daß bei den neuen Verhandlungen über einen Manteltarif die Putzarbeiten und das Kartenschreiben entweder besonders geregelt und bezahlt, oder aber von Hilfskräften verrichtet wird. Die Gefahr eines Hustens. Einfache Methode znr Nnschädlichmachnng der Hcrdsterkältung. Das beste Mittel, um die schlimmste Erkältung(und ebenso auch Husten) unschädlich zu mache», ist Gebrauch einer Flasche selbstbe- reiteten Sirups, der auf folgende Weile bcrgcstellt wird. Man be- reite einen gewöhnlichen Sirup aus Pfund reinem Streuzucker, der in V« Liter heißem Wasser zwei Minuten lang gut umzurühren ist, worauf 60 z Ansy(dreifach konzentriert) zugesetzt werden. Da- mit haben Sie für geringe Kosten einen Vorrat guten Hustensirups für eine Familie. Die lindernden Dämpfe des Anih dringen in alle Teile des LuströhrensystemS ein. lösen den Schleim und mache» die Brust in wunderbarer Weise frei. 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S'/jUhr H Theater im Admiraispalast Btesenerfol9 Kaller- Reuue Ann.ai9s Preise von 2-16 M 9 tervertaal aminttrbr. 0 Kuriürst 6456 8 Uhr: Variete- Keulielten lowidiafi d. Sonniagr 2 Vorstellungen •P0 und 8 Uhr, a50 zu ermäßigt. Preisend, ganze Programm I Volksbühne Tbotsr BD Bfiiorptti 8 Uhr: Sgsistrata Morgen 8 Uhr: Stssistrata Th. an UtttoHrinni Täglich 8 Uhr: de ffibekaiiirtai Saldaten. Jfcetmissfke Cper Direktion: Hanns Otto Boyen Der große Operettenerfog l Jldvienne � mit Serak, Wessely, Wirt, Bloss Boettcber, Hell Vorverkauf ununterbrochen v. 10 U. an Täglich SVz Uhr Ende prSzise 11 Uhr Preise M. 1.00— 15.00. Sonntag; nachra.3ührilii|:eliUpzte Vor- stollangzu crmüSiKt. Preisen Q Neues TUcaler am Zoo 8„Ich Hab Dkh Heb" M. t-B 1. Sani C H. Iimrt.■■W». UM- 5371 3 CASINO- THEATER s Uhr Gräfin Tippmamsell Gutschein 1—4 Pen. Bei Vorzeig, der Annonce Fant, nur 1,00 Mk., Sessel 1.50 Freitag, den 8. 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Varietä-Konzcrt-T6nz 0« Busch Tgl.?1/� Sonnabend u Sonnt 2X3+7'/, Morg.SoDnali.3nÄlialli.PiejjeD 2. Jerien-SöBder-Vorstellung Kinderbelust., Ponyreit.■ i. UgterrBditngn In sämtl. Vorstellungen das volle Circus-Programm und un- gekärzt das heitere Manegeschaustück Papa Wränge» Schluß d. Oastsp. unwiderrufi. 31. Okt Einlaß von Dienstag bis Freitag einschl. v.9U. vorm. bis 7 U. nachm. Hallenräumung: 8 Uhr. Einlaß anallenSonn- abend.. Sonn- .- tagen u. Mon- , w tagen von 9 ,. ,'L Uhr vorm. bis .LUfcG 9 Uhr abends: BERÜN 1926 räumungHOU. 2L SEPft.tätK BIS 17, OKTUaEE_ Preisabbau! Von Fakrlk direk) an Veriiraocker Geringe Anzahlung Wochenraie von 4 H. an ZIifa-Mmi«p.l-Badcr IncL I» Gtunmi von 60 55. an. Hlfa. R&der mit Torpedo- o. Ia Continentol-Barelfnng von 90 55. an. Honeate 3Iifn. Siege: Zttrlcb, IL n. 28. Kaufmann«dhlilgt i, Weltmelstennatch in allen 3 Läufen übrzlajcn Koesknp. Stattin, 3. 10. 28. I.orcnz Bieger Im Flieger-Hiupttahren. 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Oktober 1928 Äntechalwng unö ÄNissen Sekloge Ües vorwärts Ver einsame Vinter. Wir mScht-n dem nachstehenden feinen Stimmung«b!st> mit ein paar Borten den richtigen Rahmen geben: Eine tapfere Frau per- bringt mutterseelenallein einen Winter auf einsamer ffarm in den amerikanischen Bergen. Ihr« einzige Gesellschaft ist eine Herde Ehetland-Ponps, vier Pferde,«in« Kuh, ihr Hund und ihr ltater. Kür die muh ste Tag für Tag sorgen, auch als ste krank ist. Und zur Erholung schreibt sie ihr Tagebuch, schreibt«S mit herzerfrischen- dem Humor. Diesem Tagebuch, dos ganz Wirklichkeit, nicht Erfindung ist, ist die nachstehende Prob« entnommen. Das Buch er- scheint in diesen Tagen im Berlag von Dr. Werner Klink- Hardt« Leipzig, und kostet geheftet S M., gebunden 6 M. 1. November. Also gestern war ein Tag voll körperlicher Anstrengungen. Kindneß, unsere schwarze Ponystute aus Wales, brach aus. Nach langem Suchen, nach einem Dutzend Richtungen hin, fand ich sie endlich bei- D.s. eine Meile weit fort. Kindneß' lange Bcinchen können schon etwas schaffen, wenn sie wollen. Winkie war mit— die gute, folgsame Winkie, die von gleicher Farbe, aber nur halb so groß ist. Kindneß ist lang und schlank. Winkie kurz und dick. Ein zu drolliges Paar, wie sie so schuldbewußt durch die Waldwege jagten. Es war schon eine grobe Unart— so weit weg zu rennen — und beide wurden daraufhin ein paar Tage angepflockt. Tiere am Tüderstrick sind eine Last. Wenn sie sich nicht auf- wickeln oder verheddern in den Sträuchlein oder Stubben im Boden, so winzig, daß man sie nicht sieht und darum ganz sicher ist, dies- mal aus einem wirklich freien Fleck angepflockt zu haben(wir haben Ponys, die noch mit Erfolg ihr Seil an einem Grashälmchen auf- wickeln), nun dann sind sie hungrig oder durstig, und man muß sie an den Trog führen oder weiter pflöcken. Ein tüchtiges Pony frißt im Handumdrehen einen Umkreis von 20 Fuß ratzekahl. Vor allem lieben sie Wurzeln. Wenn sie auch noch so reichlich Gras zur Hand haben, so sah ich sie doch schon andauernd auf einem Fleck stehen und scharren—, bloß um mal ein bißchen was Neues zu haben, ein bißchen interessanter als nur Gras. Denn der kleine, lebhaste Geist eines Shetlands will auch Nahrung haben, so gut wie alles übrige. Im Winter langweilt sich die ganze Herde ent- schlich im Auslauf. Sie sind Haft und Beschränkung so satt, daß sie aus lauter Seelenmüdigkeit daraus verfallen, sich gegenseitig zu boxen. Ich dachte schon daran, ihnen mal einen Fußball zu schenken oder irgendein Spielzeug, um zu sehen, was sie wohl damit anfangen würden. Vermutlich fräßen sie's auf, aber vorher würden sie alle seine Möglichkeiten erschöpfen, geistig, moralisch und körperlich!... Angepflockt geraten Ponys bald in Verzweiflung, besonders wenn sie in einer abseits gelegenen Wiese sein müssen, ohne jede Gesellschaft, und es höchstens mal ein Vögelchen, das über sie hin- wegfliegt, zu beobachten gibt. Denn ich sah schon mal ein gelang- weiltes Pony einen Vogel betrachten. Es drehte den Kopf und rollte die Augen ganz tragisch, ihm sehnsüchtig nachschauend, wie er dahin flog, wo er nur wollte!„Oh! hätt' ich Flügel, die Flügel einer Taube—!" war sein deutlich sichtbarer Gedanke. Ein tiefer Seufzer entfloh seinen runden Flanken, nachdem das Vöglein ver- schwunden war... Und Mitleid— die störende Beigabe bei der Landwirtschaft— gewinnt die Ueberhand, und man verbringt seine Zeit damit, über die Felder zu staken, um die kleinen Gefangenen zu trösten. Arme Kerlchen! Wie leben sie auf, wenn man naht. Eifrig plaudernd pickt man ihnen eine Klette, oft einen ganzen Ball davon, aus Mähne und Schwanz und reibt die schnuppernde Gumminase mit der Innenfläche der Hand. Das scheint ein Pony ganz besonders zu amüsieren. Dann durchforscht man mal das Haar den Rücken entlang nach Lebewesen, flicht eine zerzauste Mähne, drückt einen Kuß auf das strahlend erhobene Köpfchen— und geht zum nächsten. Kim ist immer angetüdert, doch an einer Kette, denn Stricke frißt er auf. Er ist's gewohnt und oerlangt keine Besuche. Unter- Haltung verschafft ex sich durch Wiehern, denn wenn sich nur 9n der Ferne ein Pferdeohr blicken läßt, begrüßt er es mit einem Radau, wie zwanzig Kanonen gleichzeitig. So kommt's einem manchmal vor, wenn man übers Feld reitet. Doch richtig legt er erst los, wenn etwas in Ponygröße erscheint. Wenn ich einen Trupp Ponys an ihm vorbeitreibe, brüllt Kim nicht nur, sondern nimmt solch ernsthasten Anlauf zum Mitrennen, daß er ganz vergißt, daß die Kette auch mal ein Ende hat. Und wenn das erreicht ist, schlägt er einen Purzelbaum, von dem er sich jedesmal mit trockenen Gras- hälmchen in den Stirnhaaren und ganz verblüfftem Ausdruck wieder aufkrabbelt. Als ich Winkie und Kindneß nun hübsch untergebracht hatte, schellte am Nachmittag das Telephon.„Brau B. sagt, einige meiner kleinen Ponys wären auf ihrem frischgesäeten Feld, und ich möchte sie doch bitte wegholen. Ich gehorche. Polly und ich kommen atemlos um die Ecke! Fünfzehn zähle ich! alle eifrigst beschäftigt, das zarte, junge Gras herauszukratzen...„Hurra—!.Wu-wuuuu!" ... Goliath jagt sie um die Gebäude, während Polly und ich im vorderen Hof lauern, und Frau B. strahlend über unsere Anstren- gungen zur Türe hinausschaut. Ein wilder Strom ergießt sich auf den Weg.— und mit Wu-wuuuu! geht's ab nach Hause. Polly streckt sich vollständig flach, um ihnen folgen zu können. .. �cean Wave erschien heute wieder auf dem Hos. nach mehr- tagiger Abwesenheit Schon eine ganze Weile hatte ich mit einem kleinen Gedächtnisruck gesagt:„Ohl jetzt muß ich aber wirklich mal sehen, wo Ocean ist!" und so war ich entzückt, als ich um die Scheunenecke kam und sie freundlich lächelnd über den Zaun schauen sah. Ocean war mindestens ebenso glücklich, sie griente sicher zehn Minuten lang! Seit unserer Reittour diesen Herbst, wo sie unser Gepäckpony war, ist sie unsere ergebene Sklavin und kommt immer zur Begrüßung herangelaufen... Ich gab ihr Pfefferminz, sie schluckte gehorsam— und tauchte tief in den Wassertrogl Worauf sie sich ganz kläglich nach mit umsah.„Was in aller Welt— war denn das?� Einen entruftetnen Ausdruck sah ich kaum je. Meine Polly würde für ein PseffeNninzplätzchen sogar Treppen hinaus- klettern! Neigung gefaßt hat. Seit unserer Tour bevorzugt sie die Gesell� schaft großer Pferde—, ihre eigene Sippe verachtet sie richtig. Donlinna macht sich jetzt sehr nett. Sie läßt sich gut führen— wo sie hin will! Und die anderen Male zwinge ich sie durch Schmeicheln. Wie Kiplings Babu, ist sie eine„sehr schreckhafte Person", ist bange vor dem schmalen Weg an der Scheune(wo sie damals in den Rhabarber sprang), vor neuen Toren und Gattern und besonders vor allem, was über ihrem Kopf droht. Doch von Tag zu Tag wird sie zärtlicher, in einer scheuen, wilden Weise, die rührend ist. Gestern knibbelte sie an meinem Ohr. Ich stand mäuschenstill... Es gehören freilicb Nerven dazu, sich von einem Tier anknabbern zu lassen, doch in dieser Beziehung ist Donlinna absolut-------------- unter Mit T........._....W> Spaß ist jetzt/ zu Kim hinzuspazieren, der draußen angepflöckt ist, höchst zärtlich seine Nase zu beschnüffeln, sich dann umzudrehen und ihm einen mächtigen Hufschlag vor die Brust zu versetzen. Er sieht schon ganz unglücklich drein, wenn sie auf ihn zukommt. Die kleine Errands, eine hübsche dreijährige Braune— halb so groß wie Kim, ist augenblicklich dessen Sklavin. Fortwährend ist sie um ihn iinb heute fand ich sie vollständig in sein Tau verwickest. Ein Hinterfuß war ganz umdreht und umwirrt vom Strick, knapp zwei Fuß von seiner Nase. Kim, mit leicht verärgertem Ausdruck, graste friedlich. Errands ist ein scheues kleines Ding—, die einzigste in der ganzen Herde, die damit behaftet ist, höchstens hat's mal eins der Babys. So brauchte ich eine ganze Weile, bis ich sie los halle. Sie zappelte so, daß ich dachte, sie würde plötzlich ihr Bein zurücklassen, während sie Kims Kopf tiefer und tiefer zog. Ich be- wunderte seine Geduld... Er hat wirklich ein rührendes Tem- perament. Als ich Errands endlich befreit halle, umarmte ich ihn behutsam und flocht ihm seine silbernen Stirnhaare ein. Die liebe ich nämlich, auch seine flatternde, glänzende Mähne. Wenn ich im Dämmern den Weg zu ihm hinaufgehe— er bleibt über Nacht nie draußen—, so kann ich ihn oft kaum sehen. Aber an seinem Schopf finde ich ihn immer. Der leuchtet ordentlich aus dem Dunkel... Er steht dann stockstill am äußersten Ende seiner Fessel und guckt mich gespannt an. Aber dann geht er so schnell wie möglich mit mir ab, quirll in seine Box und rammt die Nase ins Futter! Das Die rujpsihe Opposition. �IßiOW.)� "rotzKi Wenn das Gejäh von Schlägen brennt, Ist keinem wohl zu ZNute; Doch doppelt schmerzt das Instrument, Das der Geschlagene erkennt Als selbstgevund'ne Rute! wartet schon aus ihn, denn ein paarmal schlug er mir in seinem Enthusiasmus das Hafermaß aus der Hand, so daß die Körner durch den ganzen Stall flogen. Gestern fuhr ich mit ihm im Ponywagen zum Dorf. Auf unserem schmalen Weldweg trafen wir die üblichen fünfzehn Ponys, ganz artig allein wieder nach Hause trottelnd, und in seiner Be- geisterung warf er mich beinahe um. Er sprang, wieherte, setzte mit dem Wagen zurück in den Busch. Doch schließlich zwang ich ihn vorbei— war selbst aber arg lahm hinterher. Zuguterletzt trafen wir noch einen Mann, der uns entsetzlich lange aufhielt mit seinem Gerede und dabei den einen Fuß aufs Rad stellte. Kim fuhr schließ. lich höchst taktvoll über Herrn M.'s dicken Zeh. Ich. hatte einen Mordsspaß innerlich! Der Wagen ist leicht. Aber Stiefel auf meinen Wagenrädern kann ich nicht ausstehen. 9. November. Mir scheint, ich vernachlässige mein Tagebuch! Es war aber auch solch vielseitige Woche! Daher bleibt mir nur noch Zeit für ein paar Hauptpunkte... Donnerstag fuhr ich zwanzig Meilen mit Dolly im Wagen(natürlich um nach einem Pony zu sehen!...). Freitag brachte Polly mit mir Duchcß ins Winterquartier, zwei- undzwanzig Meilen weit fort, über einen Gebirgspfad. Was für Berge! Und Ducheß ließ sich fast den ganzen Weg ziehen. Ein herrlicher Ritt— wildromantisch. In den verstecktesten Eckchen leuchteten noch die Farben, überall Immergrün, Felsen und Bäche... Ducheß bekam einen netten, geräumigen Stand neben der Kuh. Als ich ihr Lebewohl sagte, hatte sie es schon fertig gebracht, ihre Nase in deren Futtertrog zu stecken, und kaute mit vollen Backen. Schlanker wird Ducheß sicher nicht diesen Winter, sie ist jetzt schon eine kleine Butterkugel. Die Leute bestanden darauf, daß ich mitaß und waren riesig freundlich. Langsam zogen wir nach Hause. Als wir gerade zur Abendbrotzeit durchs Dorf kamen, hörten wir, daß die„Maschine" am nächsten Tag zu uns käme, um den Hafer aus- zudreschen, und daß ich diesmal selbst für Hilfskräfte sorgen müsse. Sechs Mann wären dazu nötig. Bisher brachten sie immer ihre eigenen Leute mit. Mit schwarzen Ahnungen und etwas beleidigtem Gefühl(beides ge- mischt) jagte ich nach Hause. Wir waren beide müde. Ich aß einen Happen,'wechselte das Pferd und ritt über die dunkelnden Hügel. Ich ritt und ritt. Am nächsten Morgen stand ich beim ersten Morgengrauen aus und ritt wieder herum, ohne Frühstück, bis ich schließlich fünf ziemlich widerwillige Männer beisammen hatte. Dreschen hassen sie— kein Wunder, solch schmutzige, stickige, blind machende Angelegenheit. Der sechste war nicht zu haben. Kein Telephon, keine Pferdebeine konnten ihn auftreiben, aber die ge- treuen fünf tauchten auf und bewälligten irgendwie doch den Aus- drufch. Wie sie flogen! Der Bursche an den Säcken, in die fort» während der Körnerstrom hineinschoß, der Eigentümer der Maschine über ihm, der die Garben in ihr hungriges Maul stopfte und sie wie verrückt stundenlang' in einer dicken Staubwolke fütterte und fütterte. Ein anderer reichte Ihm die Garben zu, zwischen Maschine und Haufen hin und her springend, während die beiden übrigen Helfer, Nachbarn, die nur aus Freundlichkeit herüber gekommen waren, verzweifelt das ausgedroschene Stroh wegrafften, das unauf- hörlich auf sie niederströmte, um es im Kuhstall zu verstauen. Wir waren alle herzlich froh, als wir fertig waren(schrecklichen Lärm machen doch so Dreschmaschinen!), der Staub sich gelegt hatte und der schöne dicke Hafer auf dem. Schüttboden geborgen war. Man kommt sich dann so reich vor! Liegt der Boden gut voll, so meint man, nun brauche man kaum noch etwas, um gut durch den Winter zu kommen. Doch etwas kläglich besah ich mir meinen Kuhstall, der bis zur Decke hinauf mit gelbem Stroh vollgestopft war. So hatten wir's noch nie gemacht! Aber in den Bansen ist kein Zoll Raum mehr, die Heuernte war dies Jahr über Erwarten fjut... Na, wenn's nicht anders ist, muß Crejsy später in den Pferdestall. �Das gibt aber ein Durcheinander. Ich hasse es, eine Kuh in einen Stand zu stellen! Und etliche Wochen wird's sicher dauern, bis ich einen Mann bekomme, der das Stroh unterbringt, nachdem das Heu herausgeschleppt ist, um Platz zu machen! Bloß ein Glück, daß das Dreschen geschafft ist. Ich würde deswegen sogar eine Kuh in meine Sommerküche stellen. Nachdem das große Ereignis vorüber und alle abends zu Bett waren, schlief ich in meinem Sessel ein, gerade lang genug, um halberstickt aufzuwachen mit der Entdeckung, daß die Lampe blakte und der ganze Raum verqualmt war, während dicke Rußflocken herniedersanken! So mußte ich mich am nächsten Morgen(natür- lich war's Sonntag), statt tüchtig auszuruhen, bequemen, den ganzen angeschwärzten Raum in Stücke zu zerlegen und alles wieder frisch und neu zusammenzusetzen... Dann, nach Stunden harter Arbeit, als ich mich gerade mit einem Seufzer der Erleichterung in meinem tadellosen Zimmer zum Essen niederließ, entdeckte ich draußen lang- sam fallende Schneeflocken. Was blieb mir übrig, als das ganze Essen wieder in den Ofen zu stopfen und zur Rettung des großen Haufens von gelbem Kaff hinauszurennen, der vor der Heuscheune lag und durchaus nicht naß werden sollte. Kaff ist ein kostbares Material. Dolly hereinzuholen und in den großen Wagen zu spannen, sie war irgendwo draußen, würde viel zu lange dauern. So ergriff ich die Schiebkarre und karrte Ladung für Ladung das ganze Zeugs unter Dach. Den Abend schlief wieder ein, fogar über dem Essen! und taumelte fast ins Bett.... Pspchoanalpfe unö Dichtung. Von Dr. Willy Blumenthal. Die psychoanalytische Methode, eine Entdeckung des Wiener Professors Sigmund Freud, diente zunächst nur zur Hei- lung gewisser seelischer und nervöser Erkrankungen. Sie bqsteht in einer Aufdeckung des Unbewußten, in der Wrederauffrischung ver- drängter, meist aus der Kindheit stammender Eindrücke, Wünsche und Begierden, die im Unterbewußtsein sich festsetzen und Seele und Geist des Patienten zu zerstören geeignet sind. Um die neue Lehre zu stützen, wurde bald das eigentliche Gebiet der Medizin erweitert und von Freud und seinen Schülern andere Kulturzweige heran- zezogen. Das Traumleben wurde durchforscht, geheimnisvolle Zu- ammenhänge im Seelenleben des Nervöjen mit Mythos und Mär- chen, ja, mit der Urgeschichte der Menschheit wurden aufgedeckt. Einen brellen Rauni nehmen in der neuen Wissenschaft auch di« Verknüpfungen zwischen Psychoanalyse und Dichtung ein, da man aus der tiefen Quelle der Literatur das reichhaltigste Material zui Auffindung und Deutung unbewußter seelischer Regungen schöpfen konnte. Da zeigte es sich, daß die Phantasie der Dichter schon immer in poetisch verklärter Darstellung die verdrängten Trieb« und seelischen Konflikte der Menschheit ans Licht zu ziehen verstand und daß in dieser geheimnisvollen Gabe der Poeten ein guter Teil des unvergänglichen Reizes der Dichtkunst auf alle Völker und Zeiten seine Erklärung findet. Dies soll an einigen Beispielen ge- zeigt werden. In der Psychoanalyse spielt der Begriff des„Oedipus- Kam- plexes" eine wichtige Rolle. Sophokles, der große griechisch« Tragiker, schildert bekanntlich in seinem„König Oedipus", wi> der Königssohn vom Schicksal dazu verdammt ist, seinen Vater zu ermorden und seine eigene Mutter zu heiraten, ohne daß er selbst eine Ahnung von den furchtbaren Zusammenhängen hat. Di« Psychoanalyse hat nun festgestellt, daß hier ein seelischer Konflikt vom Dichter behandelt wird, der bis zum heutigen Tage in vielen jungen Menschen schlummert: eine unbewußte Hinneigung des Sohnes zur Mutter, die sich in Hahgefühlen gegen den Vater als den erfolgreichen Nebenbuhler äußert. Gerade weil hier ein so all- gemeines Schicksal vom Dichter in unverhüllter Form gezeichnet wird, erklärt sich, so sagen die Psychoanalytiker, die ungeheurg jahrtausendelange Wirkung dieses Dramas auf die Zuschauer, di« in dem furchtbaren Geschehen ein« Ahnung ihres eigenen Geschickes erhaschen, das noch heute ihre Seele beunruhigt. Die Werke Shake- speares, die ungebändigten Dichtungen eines Bürger, Lenz und G r a b b e mit ihren oft blutrünstigen, schauerlichen Themen sind nach der Meinung der Psychoanalytiker Abreagicrungen, d. h. Be- freiungsversuche von den eigenen verborgenen und verbotenen Nei- gungen und Wünschen, die den Gestalten ihrer Dichtungen über- tragen werden, so daß es gelingt, sich selbst durch diese Dichtung zu reinigen und zu erheben. Bekannt ist auch der Ausspruch Goethes, es gäbe kein Verbrechen, das er im Geiste nicht einmal begangen Hab« oder begehen könnte. Auch der Briefwechsel und die Tagebücher großer Dichter mit der anschaulichen, ungeschminkten Darstellung ihres reichen Seelenlebens bieten eine unerschöpfliche Fundgrube für psychoanalytische Entdeckungen, die bereits das Cha- rakterbild und die Biographie mancher Dichter umgestaltet haben. Besonders sind hier die Tagebücher H e b b el s und P l a t e n s zu nennen, deren Triebleben erst seit der Kenntnis der psychoanaly- tischen Zusammenhänge recht gedeutet werden kann. Naturgemäß bieten di« Dichter der Gegenwart in ihrer schonungslosen Aufdeckung des Unbewußten in ihren Werken der Pfychoanlyse ein reiches Mo- terial, wie auch andererseits die Dichter sich bei der Zeichnung ihrer Charaktere die Entdeckungen der Psychoanalyse zunutze machen und in seelische Bezirke hinabsteigen können, die früheren Dichtern noch verschlossen waren. Werke wie etwa Strindbergs„Traumspiel" Wedekinds„Erdgeist" oder Thomas Manns„Der Tod in Be- nedig" und„Zauberberg" und viele andere sind ohne die Kenntnis der Psychoanalyse nicht zu verstehen, sei es, daß die Dichter sich ihrer bedienen oder daß wir erst durch unsere psychoanalytische Schulung den Gehalt der Dichtung richtig zu würdigen wissen. Es ist auch kein Zufall, daß in der Dichtung der Gegenwart so oft das Problem des Trieblebens, das Verhältnis der Generationen zu- einander(Hascncleversi„Sohn", Bronnens„Vatermord") in mannigfaltigster Gestalt dargestellt werden. Auch die vielen Werke, die sich mit dem Seelenleben des jugendlichen Menschen be- fassen, sind zum Teil auf Rechnung des psychoanalytischen Interesses zu setzen. So vermag die neue Lehre, deren Ergebnisse noch oft angefochten werden, deren Wirkung aber noch nicht abzusehen ist, auf jeden Fall die Dichtung außerordentlich zu befruchten, der Literatur- geschicht« neue Wege zu zeigen und damit zweifellos zu einer Be. reicherung und Vertiefung unseres Wissens um dichterische Vor- gänge beizutragen._ Hungerkünsller im Tierreich. Während fast alle Tiere ebenso wie der Mensch ihr ganzes Leben hindurch Nahrung zu sich nehnien, ibt es auch Tiere, die nur einmal im Leben satt werden oder über- aupt niemals fressen. Diese bescheidensten aller Lebewesen finden sich hauptsächlich im Reich der Insekten, unter denen es Formen gibt, die im ausgebildeten Zustande, wie z. B. manche Schmeiter- linge, überhaupt nichts verzehren, ferner blutsaugende Arten, die nur dann ihren Hunger stillen können, wenn sie gerade die eine Tierart antreffen, deren Blut sie als Nahrung brauchen. Da kommt es denn natürlich oft genug vor, daß sie in ihrem kurzen Dasein diesem Tiere nur einmal begegnen und somit nur cinnial im Leben satt werden können. Rückgang der amerikanischen Bücherproduklion. Der amerika- nische Verlegerbund teilt mit, daß nach seiner Statistik die Produktion neuer Bücher in den Vereinigten Staaten im Rückgang begriffen sei. Die Zahl der Neuerscheinungen im Jahre 192S betrug 6680, während im Jahre 1905 7514 neue Bücher erschienen. Am stärksten ist die Roinanliteratur an dem Rückgang beteiligt. Biographien sind die einzige Gruppe, die eine Zunahme zu verzeichnen hat. Die Anzahl der Exemplars ist allerdings gestiegen, und zwar in den legten zehn Iahren schätzungsweise um 50 Proz., während in der gleichen Zeit die Anzahl der neuen Bücher um etwa 20 Proz. zurückgegangen ist. •tafeatmnoai für diese Rubrik sind «erli» SV»», Lindenftraß« 3. parteknachrkchten für Groß-Serlin stet» an da» Beziriesekretariat, 2. Hos, S Trep. recht,, ,» richte». 1. 5tici< Mitte. Heute, Isreito«, 7� Uhr. bei Junik«,«rtilleriestr. u, Sitzung sämtlicher Elternbeiräte des Kreises. Dortrog über:.Die gesetz- lichcn Bestimmungen". Referent Retlor Rieck. Alle Genossinnen und Genossen müssen unbedingt vertreten sein. j t.''~------_----_ und __________________ Aus- spräche. Alle orbeitslosen Genossinnen und Genossen sind hierzu freund. lichs« eingeladen. Mitgliedsbuch und Arbcitslosenkorte sind als Legitimation a mitzubringe». i t. Ärtis itreuzbcrg. Arbeitcrwohlfahrt: Sonntag, 111. Oktober, Besichtigung der städtischen Mrsorgccrziehunasansialt für lklein- und SchuMnder in Tegel. Treffpunkt vormittags 9% Uhr in Tegel, Haupt sirchsse. Ströhen. i bah» 25. �l. ffah'zeit lVt Stunde. I. Kreis Spandau. Heute, Freitag, TA Uhr, im Neuen Ratskeller Bersinnm- lung sämtlicher Elt-rnbeirät- des Kreises. Dortrag:»Di« Aufgaben der � Elternbeiräte". Referent: Eduard Fächert, M. d. L. Wir bitten mn recht zahlreichen Besuch. 13. Kreis Tcmpelhof, Marlendorf, Marienfeld«, Lichtenrade. Alle Genossen hängen am Sonnabend, S. Oktober, ihr Radio an den Nagel und sehen sich lebendig« Kunst an im Fcstsaal des Gnmnasiums Mariendorf. Kaiser- strafte 2l. Beginn 7'� Uhr. Eintritt im Borverkauf 80 Pf. An der Kasse l M. Das Nähere ist zu ersehen aus den Plakaten an den Anfchlagssäulen. ' 17. Kreis Lichienberg. Heute. Freitag. 7 Uhr. in der Biblioihek Weichsel strafte 28 auftcrordentliche Sitzung des Bildungsausschusses. Alle Abtcilun- gen müssen unbedingt vertreten fein. heute. Freitag. S. Oktober: i 57. Abt. Schöaeberg. 7l4 Uhr wichtige Funktionärsitzuna bei Jürgen», Darbo» 'Z rossastr. 5». Alle Funktionäre müssen vollzählig erscheinen. 83. Abt. Lichtrrfeld«. Alle B-zirksführer und sonstigen tätigen Senossen treffen sich heute 8 Uhr beim Senossen Paul Kraft, Heinersdorser Str. 17, zu cj einet wichtigen Sitzung, bei welcher niemand fehlen darf im Hinblick auf i; die bevorstehende Werbewoche. Morgen, Sonnabeud. 9. Oktober: Abt. m Uhr bei Iunlke, Artilleriesir. 11, Sitzung fimtNcher Funktionäre. Niemand darf fehlen. Abt. l'A Uhr bei Schwarz, Blankenfelder Strafte, wichtige Funktionärsitzung. Abt. Herbftfcst in Eornis Festsälen, Gortenstr. S. Beginn 8 Uhr. Eintritt 75 Pf. inkl. Tanz. Säfte herzlichst willkommen. . Abt. 8 Uhr bei Kramer. Cotheniusstr. 3. Sitzung sämtlicher Funktionäre. Bdirksiührcr und Bciriebsvertroucnsleute. Kortothekk arten und Haus- listen sind fertig mitzubringen. Abt. Eharlottenburg. 8 Uhr bei Bad«, Kaiserin-Augusta-Allee 52, Funk- tionärsitzung. 'i 1- «9.«it Britz sälen. Britz, Rudower Alle Genossinnen und tritt einschl. Tan, 75 Pf. w. Achtungl Um 7 Uhr in Kodlschmidt Str. 58. Parteijubiläumsfeier ser Abt Genossen sind dazu herzlichst eingeladen. >midt» Fest. Abteilung. Sin» IIS. Abt. Lichtenberg. 7>4 Uhr bei Mey«, Möllen dors» Ecke Rittergirtstroft«, wichtige Funktionärsitzung. Es wird gebeten, daft oll« Funktionäre, auch gewerkschastlich« und konsumgenossenschaftlich«, sowie die Inhaber der Hauslistcn bestimmt erscheinen. Jungsozialisten, heute, Freitag. S. Oktober: Gruppe Mitte: 8 Uhr iu der Schule Gipsstr. 2ßs erster Abend der Arbeits. gemeinfchaft:..Bon Most bis zur Jetztzeit".— Gruppe Pankow: 8 Uhr im städtischen Jugendheim Kissingenstr. 18. Fimmer 5, Litevorischer Abend.„Gott- lose Lvrik". Bortragcnde: Eliire Meger-Lugou. Senossen und Arbeiterjugend sind herzlichst willkommen. Sterbetafel öer Groß-Oerllner partei'Grganisation 35. Abt. Am Sonnabend verstarb infolg««ine« Betriebsunfall, der Eisen. bahnschlosser Genosse Heinrich Richard. Petersburger Str. 25. Einäscherung am Eonnabend, S. Oktober, nachmittags 3 Uhr, im Krematorium Boumschulcnweg. Di- Abteilung trifft sich mit Danner nachmittags 2 Uhr auf dem Petersburger Platz. Wir erwarten reg« Beteiligung. Freie Sozialistische Hochschule Im Winterhalbjahr 1326/1027 werden folgend« Ceminat« (Arbeitsgemeinschaften) abgeholten: Professor Heinrich Eunow: ,/O« r Staat und sei»« Tot- Wicklung". Beginn Freitag, 22. Oktober. Dr. Carl herz:„Verfassung»- und Verwaltung»- künde". Beginn Donnerstag, 21. Oktober. Frih Naphlali:„Grundfragen der Wirtschaftspolitik". Beginn Donnerstag, 19. Oktober. Dr. Alberl Solomon:„Grundlagen der Soziologie". Beginn Montag, 18. Oktober. A. Stein:„Sozialismus und Ardetterdewegung". Beginn Mittwoch, 26. Oktober. Di« Seminare finden allwöchentlich von 7— 9 llhr abends in den Räumen des Reichsausfchuffes für sozialistische Bildungsarbeit, Lindenftr. 3, 1. Hof links, 3 Dr., statt. Zur Aufnahme in die Seminare ist eine vorherige Anmeldung erforderlich, die an den Reichs- ausfchuß zu richten ist. Letzter Termin der Anmeldung ein« Woche vor Beginn eines jeden Seminars. Teilnehmergebühr für das ganze Winterhalbjahr(etwa 20 Abende) für jedes Seminar 10 M., die in zwei Raten zahlbar sind. Arbeitslosen wich die Hälfte der Teil- nehmergebühr erlassen. Sozialistische �rbeiterjugenü Groß-Serlin. Achtung,»iteilungsk-ssierert Heut«, Freitag, vo» V— 7 Uhr. Abrechnung der Beitragsmarken, Ausgab« der Orwber-.Iugend v-ranl" und der„Arbeiter- Jugend".> 1. Arbeiter. Si nsou ie- Konzert(mit einer«rst-usführung) Senaabend,». Oktober."U Uhr, im groften Saal der PhUharnwnir, Bernburger Straße,«arte» ,»« ermäßigten Preis- find im z-g-ndsekret-riat erhältlich. Unser Iugendchor soll wieder neu geschaffen werden. Erste Fusammenkuuft aller musikalisch interessierten Genossinnen und Genossen am Montag, 11. Oktober, 7ih Uhr, im Jugendheim Lindenstr. z. Instrument« mitbrtngenl Die Znqendgenossen, welche am 1!>. September die„Arbeiter-Iugend" und den„Vorwärts" /verkauft haben, werden gebeten, die Abrechnung umgehend vorzunehmen oder die Zeitungen zurückzubringen. Die Bücherstube ist heute, Freitag, von 5—7 Uhr geöffnet. AbteilungsmilgKederversammlungev heule, Freitag, 7% llhr: Neinickendars-Wesi: Iugendhau» in der Seidelsiraß«.— Buchbolz: Lokal von Rossack, Hauptstr. 71. * Moabit I: Schule Waldens er sie. 20. Vortrage„Unsere Ziele".— Moabit N: Schule Bochumcr Str. 8». EinMhrungsobend.— Nordost N: Jugendheim Danziger Str. 52. Vortrag:„Jung und alt in der Arbeiterschaft".— Osten Fr.-B.': Jugendheim Rigaer Str. 103. Einführungsabend.— Osten Str.-B.: Jugendheim Softlerstr 51. Uebungsabend für die Werbefeier.— Schönebern Ii Jugendheim Maisov de«ante. Vortrag:„Was ist die SAI.7"— Eharlottcn. bürg: Jugendheim Rosinenstr. 1. Lichtbildervortrag:„Ouer durch hie Mar? Brandenburg".— Eharlottenburg. Nord: Jugendheim Rosinenstr. 4. Bortrog: „Mensch und Maschine".— Halens--: Schul« Joachim�friedrich-Str. 34/35. Zehn-Minuten-Neferate.— Britz: Rathaus. Chausseestr. 48. Aussprache:„Was will die SAI.?"— Neulolln II: Jugendheim Bergstr. 29. Werbeabend.— Neukölln III: Schule Weiseste. 12. Dichtcrabend:„Toller".— Baumschuleuweg: Jugendheim Ernststr. 15. Vortrag:„Bub und Mädel".— T-eptaw: Jugend- heim Elscnstr. 3. Uebungsabend.— Spandau: Jugendheim Lindenufer 1. Bor- trag:„SAI. und Groftstadtgefahrrn".— Weißensee: Jugendheim Roelicke- Eck« Ehärlotlenburger Straße. Aussprach«: Einser Berufsleben". Wcdding und Wedding-Nord: In der Aula der 301. Geueeindeschul«, Llltticher Str. 47/48, Jugendfeier. Gesang, Musik, Rezitatianen. Sprech. chor, Iugendspicl. Beginn 8 Uhr. Einlaß m Uhr. Eintritt 40 Pf. Vorträge, verekne ttnd Versammlungen. # Reichsbanner» S chwarz-Rot-Gold". »eschüftsstell«: Berlin E 14, Sebastianstr.»7/38. Hof ß Sie. Mitte: Sonntag, d. 10.. Besichtigung der Polizeiau-stellung. 1 Uhr Bhf. Witzleben. Eintrittspreis 1 M. Angehörige können teil- nehmen.— Weddiug: Sonntag, d. 10., Pflichtfahrt nach Spandau. Di« Ab» teilungen treten so zeitig an, daß sie um 12,25 llhr Dhf. Putlitzstraft« sind. Fahrlorten bis Epandau-West lösen.— zricdrichshaiu: Sonntag, d. 10„ vor» mittags 8>4 Uhr, Küstriner Platz. Desschtigung der Polizeiausstellunq. Ein- tritt IM.— Eharlottenburg: Sonmag, d. 10., treten die Kameradschaften und die Sportobteiliingen gegen 12 llhr am Bhf. Spandau-West mit Musik und Fahnen an.— Schäneberg-Friedenau: Sonntag, d. 10., vormittags 10% llhr, tritt der gesamt« Kreis zum Marsch nach Spandau am Wartburgplatz an. Kreis, sowie Kameradschastsfahncn sind zur Stelle. Fahrgelder für Lücken. wald« müssen bis Do„ d. 21., in dir Belziger Straße hinterlegt sein.— Reu- kigu-Britz: Sonntag, d. 10., Besuch der PoNzeiausstellung. Teilnehmerkarte 1 M. Treffpunkt Untergrundbahnhof Scrmannplatz 12% Uhr. Nachzügler Stadtbohnhof Witzleben 1% Uhr.— Oberschöneweibe, Niederschöueweide, Zo» hannisthal: So„ d. 9., 8 Uhr, Mcnatsvcrsammlung bei Räthel. Vortrag des Kameraden Martin Schneider:„Meine Reise durch Belgien und Frankreich". Vorstand und Gruppenführer 7 Uhr.— Treptow: Kameraden, die Sonntag zum Republikanischen Tag noch Spandau fahren, treffen sich mit der Sportabteilung 11% Uhr Bhf. Treptow lBahnstetg). Kameraden, die die Polizeiausstellung besuchen, treffen sich vormittags 10 Uhr Alte AutoHalle. Eingang 1.— Pankow (Kreis): Sonntag, d. 10., vormittags 9 Uhr, sämtliche Sportler Andreas- Lofer-Sportplotz. Erscheinen Pflicht.— Reinickendorf: Sonntag, d. 10.. An- treten der Kameradschaft in Spandau-West, Bahnhof, 12/4 Uhr. Alles pünkt- lich zur Stelle.— Krei» Ntederbarnim-Ost: Sonntag, d. 10.. Treffpunkt 1 Uhr Werlsce, Lokal Killer.— Reuenhagcn, Koppegartcn, Birken stein: Sonntag, d. 10., 10.09 Uhr. Bhf. Zieuenhagcn, 10,13 Uhr Bhf. Hoppegarten zur Fahrt uach Werls««. K»gs.Pm>ß.Gedä«htniss«ier. Die vom Reichsbanner veranstaltet« Hugo- Preuß-Gedächtnisfeier findet heute abend 8 Uhr in der Stadthalle Klosterstrafte statt. Nach Gefangsvorträgen de« DoppelqnartettS von Fichte-Georginia und Rezitationen wird der demokratisch« Landtagsabgeordnete Dr. Srzimek dl« Gedenkrede holten. Bund freier Mensche» im verband Bolksgesundheit. Frelwg, 8. Oktober, HS llhr, in der Ansiedlung Rordufer, Eingang Fehmarnstr. 12»(Bibliothek), Bartrag über Gymnastik. Gäste willkommen.— Ortsgruppe Berlin: Am Frei» tag in der Schule Goftlerstr. 51:„Das Mädel und ihr Kleid". Freie Aussprache. Gast« herzlich willkommen. Berliner Biochemischer Berel». Dienstag, 12. Oktober, 8 Uhr. in de» Mustkersälen, Kaiser-Wilhelm-Str. 31, Vortrag. Arbriter-Sanrariter-Kolonn« Berlin«.«. Geschäftsstelle: R 4, Schröder. straft« 9. Telephon Norden 3340. Monatsversammlungen haben folgende Ab- teilungen: Tempelhof: Montag, 11. Oktober, im Lokal von Lindisch, Marien- dors, König- Ecke Rathausstrafte. Weiftense«: Montag. 11. Oktober, im Lokal von Stärke, Charlottenburger Ecke Tassostrafte. Hormsdors: Dienstag, 12. Ok- tober, Turnhallengebäude Roonstrofts. Tiergarten: Donnerstag. 14. Oktober, Lokal von Lausch. Bredow- Eck« Wiclefstvafte. Lichtenberg: Donnerstag, 14. Ol- tober. Lokal von Itothorff, Rigaer Str. 95. Steglitz: Freitag. 8. Oktober. Schule Birkbuschstr. 90. Schöneberg: Freitag, 8. Oktober, Lokal von Rosenthal. Ebers- straft« 55. Witte: Freitag, 8. Oktober. Leibni>Gymnastum. Eharlottenburg: Montag, ll. Oktober, Jugendheim Rosinenstr. 4. Renkölln: Sonnabend, 9. Ok- tober. Lokal von Brokmann, Reuterstr. 47. Krenzberg: Montag. 18. Oktober. Schult, Maricndorfer Str. 5. Prenzlauer Berg: Sonnabend, 9. Oktober. Lokal von Zundel, Kastanienallee 29/30.— Beginn der Versammlungen 7% Uhr. Rege Beteiligung wird erwartet. In Anbetracht der vielen Dienstansorderungen bitten wir die Behörden, Verein«, Gewerkschaften und Parteien um rechtzeitig« Mitteilung an die Geschäftsstelle! nur dann kann ein« Gewähr übernommen werden. Kursus für Helfer in der Trinkerfürsorge(veranstaltet vom Hauptgesund- hettsamt der Stadt Berlin). Heute, Freitag, 8. Oktober, 7% Uhr, Dorothern- straft« 28, Bortrag:„Alkohol und Seelenleben". Referent Sanitätsrat Dr. Iuliusburger. Bolkschor Maukwlluata. Mitglied des DAMB. vi« Aebunqsabende finde» tags 8/4 Uhr im Eängerheim. Weddingstr. 8. statt. Noten kund ige Mundo- ■> und Gitarrespieler jederzeit willkommen. W westerb erschk der Sffenwche» Wetterdienststelle für verNn.(Nachdr. verd.) Bewölkungszunahme, Neigung zu Niederschlägen, etwaS wärmer.— Aür Deutschland: Meist bewölkt, mild und vielfach Regen. trooon BEI El NKAUF fOH 1-Mk ( ZUCKER AUSCrESCMLOSSEM)- nifiiiiiiniiiiiiiiiiiiiniiiiiiiifuiiniiiiiiiiimniiiiimiiiumiiiiiiimiiinnifiiiiiiiiiimiu- N. Badcir. 18 Brannenttr. 76 Chausseestr. 33 Danziger Str. 20 Grelfswalder Str. 1 Kasfanlenallee 36 a Landsberger Allee 29 Mülleratr. 166 Reinickendorfer Str.18 SohBnhauter Allee 110 Tresokowstr. 18 o. Frankfurier Allee 60 Gr. Frankfurier Str. 71 Gubener Str. 51 Kopernikosstr. 18 Krauistr. 48 b Paul-Slngersir. 40 Pstersburger Str. 81 Stralauer Allee 23 b so. Dreid.n.r Str. 116 Nundarstr. 37 Oranienitr. 1 R.ichinb«rg.r8