Abendausgabe Nr. 475 ❖ 43. Jahrgang Ausgabe B Nr. 235 B-zussbedingungen und Anz-Igenpriis« lind in der Morgenauszabe ongeaeben Nedattioa: Sw. SS, cindenstrnjje 3 Zernsprecher: Dönhoff 2S2— 2gr TeU-Adresse: Sozioldemokra« Serif» Devlinev VolKsblatt �10 pksnnig) ßreitag S. Oktober 1 �2H «eriaa und Snzelgenadteilun«: Geschäftszeit Lid bis S Uhr oerleger: Dorwörts-verlag GmbH. Derlin Sw. SS. Lindenflrahe 3 Zernsprecher: Dönhoff 202— 202 Zcntvalorgan der Sozialdemokrattfchen Partei Deutfchlands Generaloberst von Geeckt entlasten. Der Reichspräsident genehmigt das Abschiedsgesuch. Amtlich wird mitgeteilt: Der Herr Reichspräsident hat das Abschiedsgesuch des Generalobersten von S e e ck t unter wärmster Anerkennung der von dem General in Krieg und Frieden dem Dalerlonde und dem Heere geleisteten hervorragenden Dienste genehmigt. Der Herr Reichspräsident hat General- oberst von Seeckt heule erneut empfangen und ihm diese Anerkennung und seinen Dank persönlich zum Ausdruck gebracht. * Reichskanzler Dr. Marx halte heute vormittag 9 Vi Uhr eine Besprechung mit dem Reichspräsidenten, die sich bis nach 10 Uhr ausdehnte und die mit dem Rücklriltsgesuch des Generalobersien von Seeckt zusammenhängenden Angelegenheiten zum Gegenstand halte. Der Reichspräsident hat sich seine endgültige Entscheidung zu der Frage vorbehal ten: jedoch haben sich aus der Besprechung mit dem Reichskanzler dem Vernehmen nach keine neuen Momente ergeben. Räch einer Reihe von diplomatischen Empfängen empfing der Reichspräsident den Reichswehrminister Dr. Geßler. Räch dieser Besprechung hat der Herr Reichspräsident von hindenburg das Abschiedsgesuch des Generalobersten v. Seeckt genehmigt. Gegen öeutsthnationale Irreführung. Eine Erklärung der Zentrumsfraktion. Der Vorstand der Zentrumsfraktion des Deutschen Reichstags erläßt folgende Erklärung: Im Anschluß an die Sitzung des Auswärtigen Ausschusses vom 7. Oktober fand in Berlin, nachmittags 4 Uhr, eine schon vor über einer Woche anberaumte Sitzung des Vorstandes der Zen- trumsfraktion des Deutschen Reichstags— nicht des Reichs» Parteivorstandes— statt. Die Tagesordnung dieser Sitzung be- handelte die Verhandlungen von Genf und Thoiry und die Beschaffung eines neuen Fraktionszimmers. Andere Dinge find in der Fraktionsvorstandssitzung nicht besprochen worden. Insbesondere ist auch die Meldung einer Reihe Berliner rechts- gerichteter Blätter, daß diese Sitzung stch mit der Frage des Aus- scheidens des Generalobersten v. Seeckt befaßt habe, völlig frei erfunden. Dieser Frage ist in der Sitzung mit keinem Worte Erwähnung getan worden. Damit fallen auch alle Behaup- tungen, die diese Blätter über die Stellung der Zentrumsfraktion zu dieser Frag« aufftellen, in sich zusammen. « In der Rechtspresse war behauptet worden, der Reichs- parteioorstand des Zentrums habe sich mit dem Fall Seeckt beschäftigt. Es seien starke katholische Sympathien für den katholischen Generalobersten von Seeckt geltend ge- macht worden. Oer Prinzenleutnant. Hat er den Eid auf die Republik geschworen? Die„Frankfurter Zeitung" verösfentlicht folgende Zuschrift: „Darf ich Sie darauf aufmerksam machen, daß die beiliegende Nr. 70 des„Ober st dorfer Heimat- und Fremden- b l a t t e s" vom 1. September d. I. folgende Notiz enthält: „M ilitärischer Besuch.. Am Samstag, Sonntag weilte die zweite Kompagnie des preußischen I n f.- R e g t. 9, die sich zurzeit auf Wanderpatrouillen befindet, in unserem Kurort. Mit Leichtigkeit hat die Reichswehrtruppe die geplante Nebelhorntour in der vorgesehenen Zeit ausgeführt. Am Montag abend traf die 1. Kompagnie gleichen Regiments, bei der Prinz Wilhelm, der älteste Sohn des deutschen Kronprinzen, a l s Leutnant dient, zu gleichen Zwecken hier ein. Prinz Wilhelm hatte im Hotel Hirsch Quartier genommen." Es wäre interessant festzustellen, ob der Hohenzollernprinz von vornherein als Leutnant eingestellt worden ist, oder wie lange er zur Erreichung dieses Dienstgrades gebraucht hat. Bei der schwarzweißroten Gegendemonstration gegen die Ver- sassungsfeier des Reichsbanners hat in Nürnberg Prinz Oskar von Preußen in einer Ansprache den Angehörigen des alten Heeres zugerufen:„Ich bringe Ihnen die Grütze der kleinen R e- k r u t e n unserer Familie, die hoffen, in einer wiedererstan- denen deutschen Armee Dienst zu tun."— Lag in dieser Formu- lierung des Prinzen Oskar ein gewisses Bedauern mit dem Neffen Wilhelm, der in einer Armee der Republik dienen muh, die in manchen alten Offizierskreissn eben doch als minderwertig gilt? Und noch eine neugierige Frage: hat der Kronprinzensohn bei seinem Dienstantritt den Eid auf die Verfassung der Republik ablegen müssen?" Hausfriedensbruch im Ostausfchuß*. Eine grobe Verletzung von Abgeordnetenrechten. Unter der fetten Ueberschrift„Hausfriedensbruch im Ostaus- schütz" erhitzt sich Hilgenbergs Leibblatt nationalistisch. Es berichtet die unerhörte Geschichte, daß gestern nach der Plenarsitzung des Landtages der O st a u s s ch u tz unter Vorsitz des demokratischen Ab- geordneten Riedel zusammengetreten sei, um eine vertrauliche Mit- teilung der Regierung entgegenzunehmen. Auf Antrag des Volks- parteilers Dr. Kriege, der sein Völkerrecht besser als die Geschäfts- ordnung des Landtages zu kennen scheint, forderte der Ausschuß die dem Ausschuß nicht angehörenden Abgeordneten auf, sich zu ent- fernen. Der polnische Abgeordnete B a c z e w s k i jedoch blieb im Saale, worauf der Vorsitzende die Sitzung schloß. Der Vorfall beweist aber genau das Gegenteil von dem, was der„Lokal-Zlnzeiger" beweisen möchte. Es handelt sich nicht um einen Hausfriedensbruch des polnischen Abgeordneten, sondern um einen unberechtigten Uebergriff des Ausschusses. Wie im Reichs- tag hat nämlich auch im Landtag jeder Abgeordnete das Recht, als Zuhörer an allen Ausschußsitzungen teilzunehmen. Abg. Baczewski wahrte also nur sein gutes Recht als Volksvertreter, als er der Aufforderung des Ausschußvorsitzenden nicht folgte und durch sein Verhalten den Ausschuß zwang, die Sitzung aufzuheben. Aber neben dieser Parlament r e ch r li ch e n hat der Borfall auch eine politische Seite. Der betroffene Abgeordnete ist der einzige Vertreter einer Minderheit in Preußen. So muß der Eindruck entstehen, daß der Ostausschuß mit seinem Uebergriff die polnische Minderheit treffen und ihre wohlbegründeten Mindcrheitsrechte be- einträchtigen wollte. Dies ist um so bedenklicher, als Deutschland, aus internationlen und nationalen Gründen, um seiner eigenen Minderheiten im Auslande willen, das stärkste Interesse daran hat, daß die Rechte der Minderheiten in Deutschland peinlich gewahrt werden. * Die Sozialdemokratie gegen die Rechtsverletzung. Die sozialdemokratische Fraktion des Landtags steht auf dem Standpunkt, datz ein Ausschutzvorsitzender nicht das Recht hat. Abge- ordnete von der Teilnahme an irgendwelchen Verhandlungen aus- zuschließen. Sie wird deshalb auch an einer Sitzung im Mini- fterium des Innern, in der Ministerialrat Rathenau die gestern nicht abgegebenen Mitteilungen machen wollte und zu der der Ausschußvorsitzende die Mitglieder des Ausschusses persönlich eingeladen hat, nicht teilzunehmen. preußischer Nichtertag. Grosimanns Berufung abgesetzt? Kastel, 8. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Am Freitag vor- mittag stand Kassel wieder im Zeichen der preußischen Richter, nachdem am Donnerstag der Bund Preußischer Assessoren mit einer Entschließung für Republik und Weimarer Verfassung sein« Tagung beendet hatte. Zunächst trat heute im Hotel„Nordischer Hof" der weitere Vor st and des Preußischen Nichtervereins zusammen. Aber hier ist im Gegensatz zu den jüngeren Juristen der Kreis schon enger. Hier herrschen die Amtsgerichtsräte und Land- gerichtsdirektoren. Typisch ist schon die erste Erscheinung, daß eine Mitteilung über dies« Sitzung an andere Pressevertreter abgelehnt wird, da wie vom Vorstand erklärt wurde, diese Berichte nur dem eigens b« st eilten Vertreter der Telunion ge- geben werden. Die Ausbeute dieser Vorstandssitzung wird, wie wir jetzt schon feststellen können, nur noch gering sind. Man hat nämlich, wie jetzt schon verlautet, den interessantesten Punkt der Tagesordnung, das B« r u f u ng s ve r fa h r« n des Se n a t s p r ä s i d e n te n Großmann abgesetzt. Tagung des Bundes Preußischer Gerichtsassesforen. Kassel. 8. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Der Bund preu- bischer Gerichtsassessoren trat gestern im Hotel Schirmer zu Kassel zu seiner Jahresversammlung zusammen. Diese Assessoien- tagung gilt als Einleitung des Preußischen Richter- t a g e s, der neben der Tagung der preußischen Staatsanwälte, die am Freitag in Kassel stattfindet, am Sonnabend und Sonntag eben- falls hier stattfindet. Die preußischen Gerichtsassessorcn beschäftigten sich auf ihrer Tagung vor allem mit der Vertrauenskrise in der deutschen Rechtsprechung. Zur Frage der Stellung der Richterschaft zur Republik nahmen sie nach ausgedehnter De- batte einstimmig folgende Entschließung an: 1. Die Mitgliederversammlung des Bundes Preußischer Ge- rjchtsassessoren bekennt sich offen und uneingeschränkt zur h e u t I- gen Staatsform und ihrer Verfassung, die das oberste Gesetz jedes Richters ist. 2. Der Bund verwirft das Hineintragen von Po- l i t i k, welcher Richtung sie auch sei, in die Rechtsprechung. Positive politische Mitarbeit außerhalb der richterlichen Tätigkeit ist durchaus zu begrüßen. In seinen weiteren Debatten wandt« sich der Bundestag der Assessoren wiederum gegen den zurzeit herrschenden Brauch, richter- liche Posten von Hilfsrichtern besetzen zu lassen. Bei diesen Debatten kam man allgemein zu der Auffassung, daß der heutige Brauch, fast ein Drittel der richterlichen Posten von abhängigen Hilfsrich- tern ausüben zu lassen, eine Gefährdung der Unabhängigkeit der Rechtspflege bedeute. Zu dieser Frage wurden ebenfalls in einer Entschließung an das Justizministerium volle Besetzung der Etats- stellen bei der preußischen Justizverwaltung gefordert. Der Auswärilge Ausschuß des Reichstags trat heute um 12 Uhr mittags zusammen, um den Bericht des Ministers der besetzten Ge- biete Dr. Bell über die Zwischenfälle von Germers- heim entgegenzunehmen. Keine Abberufung de Rlargerles. In Paris werden die Mel- düngen dementiert, daß der Berliner Botschafter de Margeriä durch den Botschafter in Tokio Bendel ersetzt werden soll. Doppewerdiener. Ein Beitrag zur Sozialpolitik des Reichöarbeits- Ministeriums. Der Reichsarbeitsminister hat vor einigen Tagen einen Brief an die Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände gerichtet. Die Schlußfolgerung gipfelt in der Forderung, daß— soweit nicht im Einzelfalle dadurch besondere Härten entstehen— bei notwendig werdenden Entlassungen in erster Linie die sogenannten Doppelverdiener ausscheiden, und daß für die Dauer der gegenwärtigen Depression des Arbeits- Marktes keine Doppelverdiener neu einge- stellt werden, solange unter den zahlreichen Erwerbslosen geeignete Kräfte zur Verfügung stehen. Ein erstaunlicher Appell an die soziale Einsicht der deut- schen Unternehmer. Vielleicht aber auch nicht erstaunlich. Denn das Schreiben des Reichsarbeitsministers enthält auch diesen Hinweis: „Wiederholt und von den verschiedensten Seiten ist in letzter Zeit der Wunsch an mich herangetragen worden, durch gesetzliche Maßnahmen diesem Zustand ein Ende zu bereiten. Vor diese Frage schon im Jahre 1923 gestellt, bin ich im Einvernehmen mit den beteiligten Verbänden zu der Auffassung gekommen, daß ge- setzliche Maßnahmen kaum tunlich seien. Doch habe ich in einem Schreiben vom 18. November 1923— X 7807/23— Sie und alle sonst in Frage kommenden Stellen dringend gebeten, der Frage der Doppelverdiener Ihre Aufmerksamkeit zu widmen, um mich dadurch der Notwendigkeit gesetzlicher Maßnahmen, deren Erfolg ich heute noch als zweifelhaft ansehe, zu entheben." So läuft die Aktion des Reichsarbeitsministeriums auf die berühmte 2lufforderung hinaus: Hannemann, geh du voran. Ein bequemer Ausweg, der für das Reichsarbeits- Ministerium den Vorzug hat, die Slufmerksamkeit von den entscheidenden Punkten abzulenken. Es ist richtig, daß diese Frage schon im Jahre 1923 eine Rolle spielte. Damals hatte der Deutsche Städtetag den Erlaß eines Notgesetzes zur Entlassung der sogenannten Doppelverdiener angeregt. Also eine Neuauslage der alten Demobilmachungoverordnung über die Freimachung von Arbeitsstellen. Dagegen hatten sich auch die Gewerkschaften auf Grund ihrer praktischen Erfahrungen mit dieser Ver- ordnung gewandt. F a l s ch ist es jedoch, wenn der Eindruck erweckt werden sollte, daß überhaupt auf alle gesetzlichen Schutz- maßnahmen zu verzichten ist. Die Forderungen der Gewerkschaften beweisen das Gegenteil. Sie gehen auf den Kern der Dings und verzichten darauf, durch ein inhalts- loses Schlagwort das eigentliche Problem zu verwirren. Alle Versuche, durch Beschäftigungs- und Ein- stellungsverbot den sogenannten Doppelverdienern die Er- werbsmöglichkeit zu nehmen, führen indic Irre. Man scheitert bereits bei dem Versuch, in einem Gesetz genau zu umschreiben, wer denn eigentlich Doppelver- d i e n e r i st. Wenn heute die Familienangehörigen in so großem Umfange erwerbstätig sind, dann zwingt sie die bitterste Not dazu. Nach der Denkschrift des Statistischen Reichsamtes von Anfang 1923, die dem Dawes-Komitee vor- gelegt wurde, waren in Deutschland insgesamt 5% Millionen neu in d i e Berufsarbeit gerückt. Wenn aus dieser Vermehnmg der Erwerbsfähigen ein Schluß zu ziehen wäre, dann doch nur der, daß eine Verkürzung der Arbeitszeit notwendig ist. Hier aber ver- sagt das Reichsarbeits mini st erium gesetz- gcberisch und tarifpolitisch vollständig. Die Folge davon ist die Verschärfung der Arbeitslosigkeit. Diesen Zusammenhang sieht das Reichsarbeitsministerium nicht oder will ihn nicht sehen: es klagt lieber wehleidig über die angeblich schlimmen Folgen des Doppelerwerbs. Und was versteht das Reichsarbeitsministerium unter„Doppelver- diener"? Es gibt folgende salomonische Erläuterung. „Als„Doppelverdiener" sind insbesondere Personen anzusehen, die sich im Genuß einer auskömmlichen Pension oder Rente be- finden und trotzdem einer bezahlten Beschäftigung nachgehen, sowie andere Personen, die an sich nicht auf Erwerb angewiesen sind." Was ist eine auskömmliche Pension oder Rente; wann ist man nicht auf Erwerb angewiesen? Das Reichsarbeits- Ministerium umgeht es geschickt, darauf einzugehen, obwohl doch eine genaue Auslassung darüber notwendig ist, wenn bei der praktischen Llnwendung etwas herauskommen soll. Und es wäre in dem Spezialfall der Belastung des Arbeits- Marktes durch pensionierte oder auf Wartegeld gesetzte Be- amte und Offiziere so einfach gewesen, wirklich etwas Konkretes zu sagen. Das Reichsarbeitsministerium hätte sich nur die Leitsätze des AfA-Bundes ansehen brauchen. Da- gegen ist es unmöglich, durch Gesetz oder sonstige Vorschriften zu bestimmen, wer nicht auf Erwerb angewiesen ist. Bei solchen Versuchen kommt der lächerliche Hinweis auf die Töchter der bessergestellten Eltern heraus, die arbeiten, um sich ein Taschengeld zu verdienen und dadurch einem Familienvater Brot und Lebenshosfnung nehmen. Worauf es ankommt, ist dieses: Dem Unter- n e h m e r muß die Freiheit genommen werden, nach seinem Ermessen die Auswahl der zur Entlassung kommenden Arbeitnehmer zu treffen. Dieser sozial zu- treffende Grundgedanke befindet sich bereits im Be- triebsräteaesetz. Es fehlen nur die ausreichenden Sicherungen, die Ausdehnung auf alle Betriebe und die Mitwirkung der Gewerkschaften. Also: gesetzlicher Ausbau des Entlassungsschutzes. Die wirksame und unentbehrlici)e Ergänzung dazu ist auf dem Gebiete der Arbeitsvermittlung zu treffen. Auch hier enthält das Arbeitsnachweis- g e s e tz bereits den sozial zutreffenden Grundgedanken: es fehlen ebenfalls nur die ausreichenden Sicherungen, daß Arbeitsvermittlung, nach solchen sozialen Gesichtspunkten getrieben werden muß. Deshalb gebrauchen wir den Meldezwang aller freien Arbeits stellen und die Verpflichtung, alle SKrbeitskräfte durch den öffentlichen Arbeitsnachweis zu bezie- h e n, soweit dieser geeignete Arbeitskräfte nachweist. Nur auf diesem Wege ist es möglich, daß den sozialen Erfordernissen bei Entlassungen und Neueinstellungen Rech- nung getragen wird. Dieser Zwang zur sozialen Logik ist unentbehrlich, weil alle Erfahrung lehrt, daß ein Appell an die soziale Einsicht der deutschen Unternehmer zwecklos ist. Will das Reichsarbeitsministerium ernsthaft das Mögliche zur Beseitigung der beklagten Mißstände tun, dann muß es den hier gezeigten Weg beschreiten. Kommunistische Prügeltaktik. Ablenkung vom eigenen Parteizwist. Es geht drunter und drüber im kommunistischen Lager. Die Heroen der Weltrcvolution, Männer wie S i n o w j e w und T r o tz k i, wissen heute nicht mehr, ob sie morgen nicht verhaftet oder zur Illegalität verurteilt sind. Eine Größe nach der andern sinkt dahin. Fast täglich wird in Petitdruck in der kommunistischen Presse der Ausschluß irgendeines neuen„Verräters" mitgeteilt, der gestern noch ein Held und ein Revolutionär war. Die deutsche Partei steht vor ihrem Parteitag, der mit dem Hinauswurf von Hunderten aus der alten kommunistischen Stammgarde oder mit der Verewigung des Parteikrakeels enden muß. Das muß man wissen, um die Vorgänge zu verstehen, die sich in allen Parlamenten mit bemerkenswerter Gleich- förmigkeit abspielen. Ueberall wird die Schimpfkano- n a d e gegen die Sozialdemokratie in verstärktem Maße auf- genommen. Im Landtag haben die kommunistischen Radau- brüder den neuen Innenminister G r z e s i n iE i mit den gemeinsten Beschimpfungen empfangen, die„Rote Fahne" überstürzt sich förmlich in pöbelhaften Angriffen. In der Berliner Stadtverordnetenversammlung werden Subjekte wie Herr Roth losgelassen, um Prügelszenen zu provozie- ren. Es muß Radau gemacht werden, damit die Außenwelt nichts von der eigenen Hoffnungslosigkeit der kommunistischen Parteibewegung merkt. In widerlichem Krakeel wollen die verzweifelten Parteibonzen ihren eignen Zusammenbruch übertönen. Sie werden die Antwort'erbalten, die sie verdienen. Das neue Zolltarifgesetz. Verschleppung bis 1S28.— Die Novelle soll ver- lungert werden. Es gilt jetzt als völlig ausgeschlossen, daß der neue Zolltarif bis zum Juli 1927 abgeschlossen sein wird, oder gar daß er bis zu diesem Zeitpunkt in Kraft treten kann. Es muß vielmehr damit gerechnet werden, daß die 1925 beschlossene Novelle, deren Geltungsdauer am 31. Juli 1927 abläuft, verlängert werden muß. Die Vorarbeiten zum Zolltarif werden inzwischen in den beteiligten Ressorts eifrig betrieben. Daneben arbeitet der Enquete- Ausschuß unter Vorsitz des Abg. Lammers, dessen Aufgabe es ist, die inneren Bedürfnisse der Wirtschaft, die beim neuen Zolltarif zu berücksichtigen sind, zu ergründen. Viel hängt auch von den Beschlüssen der Welt- wirtschaftskonferenz ab: falls dort Beschlüsse über eine Acndcrung des Zollschemas und des Zolltarifsystems gefaßt werden sollten, so würden sich gewisse Rückwirkungen auf die Aufstellung des neuen Zolltarifs nicht umgehen lassen. Der neue Zolltarif wird jedenfalls, wie das Nachrichtenbureau des Vereins Deutscher Zeitungsverleger erfährt, bedeutend mehr Positionen enthalten, als das letzte Gesetz, das rund 23 Jahre zurückliegt. Während zum Beispiel im alten Zolltarif die chemische Industrie nur mit wenigen Positionen erschien, dürfte sie in dem neuen Gesetz mehrere Dutzend Positionen aufweisen. Die Ressorts und der Enquete-Ausschuß dürften ihre Arbeiten im Frühjahr 1927 beendet haben. Dann ist eine Beratung des umfangreichen Gesetzeswerkes im Kabinett erforderlich, worauf der R e i ch s w i r t s ch a f t s r a t sich gutachtlich zu äußern hätte. Dann erst könnte der Gesetzentwurf seine endgültige Fassung er- halten. Berücksichtigt man die dann nochmals notwendig« Kabinetts- beratung und die gewiß langwierigen Verhandlungen im Reichsrat, so darf kaum damit ge rechnet werden, daß der neue Zolltarif vor 1928 an den Reichstag gelangt. Das Reichsschulgesetz. Ein Rahmengesetz.— Im November vor tiem Neichsrat. Das neue Reichsschulgesetz soll, wie das Nachrichten- bureau des VDZ. hört, wahrscheinlich schon im November vor den Reichsrat kommen. Im Laufe des Sommers hat wieder- holt eine Fühlungnahme mit den Führern der großen Parteien stattgefunden. Erst kürzlich haben die Parteitage der Deutschnatio- nalen Volkspartei und der Deutschen Volkspartei schleunigste Vor- läge verlangt. In politischen Kreisen verlautet, daß nur noch ein Rahmengesetz in Frage kommt, das der Verschieden- heit der Schulgestaltung in den einzelnen Ländern Rechnung trägt. Die meist umstrittenen Fragen sollen in dem neuen Grundgesetz überhaupt nicht berührt werden. So soll die Bestimmung herausgelassen werden, ob der Gesamt- Unterricht im Sinne des Bekenntnisses erteilt werden soll: ferner hat man auch auf eine Auslegung des Begriffes„geordneter Schul- betrieb" verzichtet und will vielmehr diese Frage nach örtlichen Be- dürfnissen regeln. Falls— was in politischen Kreisen nicht er- wartet wird— auch dieser Entwurf scheitert, so trägt man sich an preußischen Stellen mit dem Gedanken, beim Reich die Beseitigung der Sperrrcrschriften des Artikels 174 der Reichsvcrjassung durch ein Notgesetz anzuregen. Der Artikel 174 bestimmt, daß es bis zum Erlaß des in Artikel 146,2(ausnahmsweise Einrichtung von Volksschulen als Bekenntnis- oder bskenntnisfreie Schulen auf An- trag von Erziehungsberechtigten) vorgesehenen Reichsgesetzes bei der bestehenden Rechtslage bleibt. Ferner wird darin bestimmt, daß dieses Reichsgesetz Gebiete des Reiches, in denen eine nach Bekennt- nissen nicht getrennte Schule gesetzlich besteht, besonders zu berück- sichtigen hat._ Die Gpposttion im �ungüo. Eine Beleidigungsklage gegen Mahrann. Vor einiger Zeit war der Freiherr v. Tfchammer und Osten aus der sächsischen Landesleitung des Jungdeutschen Ordens ausgetreten, weil er mit der von dem Hochmeister Mahraun«inge- haltenen politischen Richtung nicht einverstanden war. Im Anschluß an diesen Austritt hatte Mahraun gegen v. Tschammer Angriffe ge- richtet, die diesen nunmehr veranlaßt haben, durch Rechtsanwalt P. Bloch-Berlin«ine Beleidigungsklage gegen den Hoch- meister des Jungdeutschen Ordens anzustrengen. In dem kommenden Prozeß dürften die Streitigkeiten im Jungdo«ingehend erörtert werden. Das Stresemann-Mentat. Die Gerichtsverhandlung vertagt. Heute morgen sollte vor dem Landgericht III die Verhandlung gegen die Stresemann-„Attentäter" stattfinden. Um 16 Uhr wurde die Sitzung vom Landgerichtsdirektor Dr. Bombe eröffnet. Als Anklagevertreter war Dr. Sehte erschienen. Die Verteidigung lag in den Händen der Rechtsanwälte Dr. Mayer und Dr. Kurtzig. Der Gerichtssaal wies kaum Merkmale eines Sensationsprozesses auf. Beide Angeklagten K a l t d o r f und Lorenz wurden aus der Untersuchungshaft vorgeführt. Sie erschienen ausgerüstet mit Akten- bündeln. Der erste Eindruck von ihnen ist der von Psychopathen. Kaltdorf sieht man sein Heruntergekommensein an, er mimt Wichtig- keit und Würde, sitzt da mit hochgezogenem Kinn und fest zuge- kniffcnen Lippen. Seine Nase zeugt von Alkoholmißbrauch. Beim Lächeln verzieht er sein Gesicht zu einer krankhaft süßlichen Grimasse. Ebenso Stupides wie Arrogantes strömt aus seinem Benehmen. Lorenz hat regelmäßigere Züge. Sein Gesicht ist ohne Blutstropsen, sein Blick unstet und stechend, seine Bewegungen sind fahrig. Als Zeugen sind u. a. erschienen der Schlosser Grauslich, den sie als Komplizen anzuwerben gehofjt haben, und der Mllnchencr Rechtsanwalt Götz, dem Kaltdorf seinen bekannten Brief„Strefe- mann-Verweseman" geschrieben hat. Nicht anwesend ist der Zeuge Funke, dem Kaltdorf seinerzeit Andeutungen über seine Mord- pläne gemacht hat. Aus dem Untersuchungsgefängnis ist auch der Zeuge Brandt vorgeführt. Auch diesem gegenüber hat Kaltdorf Aeuherungen gemacht, die ihn schwer belasten sollen. Das Fehlen des Zeugen Funke veranlaßt den Staatsanwalt, Vertagung der Ver- Handlung zu beantragen. Dem Gericht bleibt nichts anderes üorig, demgemäß zu beschließen. Die Verhandlung wird für den 2 2. Oktober anberaumt. Um den Zeugen Götz nicht noch einmal aus München kommen zu lassen, soll er heute kommissarisch ver- nommen werden. Deutsche ßrieöenstagung. 12. Pazifistcnkongveß.— Gegen die Todesstrafe. Heidelberg, 8. Oktober.(Eigerter Drahtbericht.) Der 12. Pazi- fistenkongreß wurde am Mittwoch mit einem Bcgrüßungs- abend in der Stadthalle eröffnet. Führende deutsche Pazifisten sowie Marc, Sagnier und Smith hielten Ansprachen, ferner Ver- treter der badischen Regierung und der Stadtoerwal- tung und befreundeter Organisationen. Zum Vorsitzenden des Kongresses am Donnerstag wurde Pro- fessor Quidde einstimmig gewählt. Oberlandesgerichtsrat Dosen- h e i m e r erstattete das erste Referat über„Gegen die Todes- straf e". In der Diskussion gab Professor R a d b r u ch einen hi- storlschen Ueberblick über die Todesstrafe, die ein U e b e r b l e i b s e l des mittelalterlichen Strafsystems darstelle. Einstimmig wurde eine von Professor Radbruch eingebrachte Entschließung an- genommen: „Der 12. deutsche Pazifistenkongreß verlangt mit Entschiedenheit. daß das neu- Strafgesetzbuch dem barbarischen Anachronis- mus der Todesstrafe ein Ende setzt." Die Nachmiltagssitzung war dem Hauptgegenstand der Be- ratungen, dem Vortrag von Oberregierungsrat Dr. Simons über Völkerbund und deutsche Friedenspolitik gewidmet. Der Redner bezeichnete als wesentliche Aufgabe der Völkerbunds- organisationen die Friedenssicherung. Es handle sich jetzt vor allem um das Problem der A b r ü st u n g, der Kolonial- frage und das Minderheitenproblem. Kolonialpolitik würde uns völkerbundspolitisch keinen Nutzen bringen, sondern uns nur die Verantwortung für die Kolonialpolitik der anderen Mächte mitauf- laden. Der Mentatsplan gegen König Alfons. Zwei spanische Anarchisten zu Gefängnisstrafen verurteilt. Paris. 8. Oktober.(MTB.) Die Strafkammer in Paris ver- handelle heute nachmittag gegen die am 23. Juni, am Tage vor der Ankunft des Königs Alfons von Spanien, in Haft ge- nommcnen spanischen Anarchisten Bonaventura D u r u t t i.zijzj und Francisco A s c a s o. Die Angeklagten hatten im Laufe der Untersuchung zugegeben, daß sie ein Attentat gegen den König von Spanien geplant hätten. D u r u t t i erklärte sogar, er habe König Alfons nicht töten, sondern ihn nur in die Gegend von Jrun(Bilboa) entführen und ihn dort versteckt halten wollen, um aus diese Weise eine revolutionäre Bewegung hervor- zurufen dadurch, daß alle, die dem König den Treueid geleistet hätten, davon entbunden würden. Durutti wurde zu drei Mo- n a t e n, Ascaso zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt und zwar lediglich wegen verbotenen Waffentragens und Be- Nutzung falscher Pässe. Der starke Mann. Von Hans Bauer. Es hat sich herumgesprochen. Wir brauchen den starken Mann. den deutschen Siegfried. Wie muß er sein? Ja, da gehen nun die Meinungen auseinander. Manche legen auf den trotzigen Blick, die stechenden Augen, den federnden Gang, den Schneid der Bewegun- gen den Nachdruck, anderen schwebt seine Jdealgestalt vor, die Züge von Peltzer, Vierkötter und dem Eisenkönig Breitbart aufweist, in der Regel dürfte aber doch an Figuren aus der deutschen Vergangen- heit gedacht werden, an Bismarck und Fridericus hauptsächlich. Einer baltischen Baronin, die kürzlich in einer deutschen Hafen>- stadt ein Kino besuchte, in dem Otto Gebühr als„Alter Fritz" per- sönlich auf der Bühne erschien, scheint die Lösung der deutschen Frage im letztgenannten Sinne am sympathischsten gewesen zu sein. Sie trat an den Schauspieler heran, schüttelte ihm die Hand und sagte unter Tränen, daß sie von diesem Augenblick an an eine Seelen- Wanderung glaube. Wenn überhaupt jemand Deutschland retten könne, dann sei er es, der Otto Gebühr. Und damit dürfte die wunderliche Dame nun freilich Hundert- taufenden aus der Seele gesprochen haben. Ja, der Otto Gebühr, das ist einer! Zu Hause, über dem Vertiko, hat man einen Oeldruck vom„Alten Fritz" hängen. Täuschend, die Aehnlichkeit, die er mit dem Gebühr ausweist.... Der Krückstock von Otto Gebühr, sein gekrümmter Gang, der Spitzhut, das scharfe Profil: alles wie im Original. Hier schlummern Kräfte. Hier ruht deutsches Schicksal. Hier wird Zukunft geboren. Man vergleiche damit etwa die neu- deutschen Minister. Wer unter ihnen könnte sich als imposante Er- scheinung bezeichnen, als Anklang an geschichtliche Reminiszenzen im Sinne Eebührs? Da plätschern sie in Konferenzzimmern herum und tun so, als täten sie. Aber wie sie sich auch bemühen, die Geste eines Gebühr gelingt ihnen nun doch nicht. Jene bleiben Zufalls- crstheinungen, die mit den äußerlichen Mitteln politischer Worte und politischer Taten wirken. Der Gebühr indessen, das ist eine Persönlichkeit, der stellt sich nur hin, sagt überhaupt nichts und schleudert den großen Original-Fridericus-Rex-Blick, der die Musik unwillkürlich zur Intonation allbekannter Militärweisen und schnei- diger Märsche elektrisiert. Wie sollen wir denn auch an die hohen Butterpreise, an die sittliche Entartung und an den Versailler Ver- trag herankommen, wenn nicht durch die vaterländischen Stimmung-- Momente, die von bedeutenden Masken ausgehen. Vielleicht werfen hier einige ein, daß, bei aller Ehrerbietung, die man dem Preußenkönig entgegenbringe, dieser doch wohl nicht mehr so recht den geistigen Anforderungen der modernen Zeit genüge. Aber das ist mit Nichten ein Einwand gegen Otto Gebühr, der in seiner xeuesten Schöpfung den Beweis erbringt, daß er auch als Kommandant eines Schlachtschiffes seinen preußisch-deutschcn Schlepp- säbelmann steht, der der Entgegennahme jeder Quantität Hacken- zusammenriß in Treue stark, im Geiste schwach gewachsen ist. Man sollte diesen nicht aus den Augen lassen. Keinem steht die Uniform so wie ihm. Keiner fühlt sich in ihr so wohl wie er. Keiner hält den majestätisch-leutseligen Guck lo lange durch wie er. Hier ist, was wir brauchen. Man wird sich diesen Mann in einer heldenlosen Zeit merken müssen. Vielleicht würde sich sogar heraus- stellen, daß der politische Jntelligenzüberschuß, den der Durch- schnittsmime gegenüber einem Erneuerer Deutschlands unvermeid- licherweise haben müßte, in diesem Falle nicht so groß ist, daß das von der baltischen Baronin herbeigesehnte Rettertum an dieser Frage scheitern müßte. Internationaler Iilmkongreß. Auf dem 1. Internationalen Filmkongreß in Paris waren 65 Länder durch 165 Organisattonen verträten. Neben zahlreichen Teilnehmern aus Deutschland und Frankreich waren Delegierte aus allen übrigen europäischen Ländern, serner den Vereinigten Staaten, Argentinien, Brasilien, Chile, China und Japan erschienen. Im Bureau des Kongresses, das aus 23 Sitzen bestand, war der Völker- bund mit 4 und Deutschland mit 5 Sitzen vertreten. Der Vorsitz lag abwechselnd in den Händen eines Deutschen, eines Franzosen und eines Amerikaners. Die Arbeit selbst ging in 8 Ausschüssen vor sich. Ueberaus stark war die Teilnahme der französischen Regie- rung. Der Direktor des Internationalen Arbeitsamts, Albert Thomas, betonte in einer Ansprache, daß der Film wie kein zweiter Faktor dazu berufen sei, völkeroersöhnend zu wirken. Die starke Vertretung Deutschlands auf dem Kongreß hat auch in der französischen Presse, die der Tagung große Leitartikel widmete, leb- hafte Sympathie gefunden. Der wichtigste Antrag ging vom Zcntralverband der deutschen Filmoerleiher aus, der die Schaffung eines großen inter- nationalen Filmbureaus anregte, in dem eine statistische Abteilung alles für die Filmindustrie wichtige Material sanimeln und unter die einzelnen Länder austauschen soll. Dieser Antrag fand Annahme. Unter den übrigen Arbeiten ist besonders der Bericht der ersten Kommission hervorzuheben, der sich gegen politische Hetzfilme jeder Art und damit gegen jegliche Bökkerverhetzung wendet. Für historische Filme wird die Heranziehung von Spezia- listen aus den einzelnen Ländern empfohlen. Der darauf hinzielende Antrag wird noch besonders formuliert und im Laufe der nächsten Zeit durch den Völkerbund den einzelnen Regierungen zugestellt werden. Die zweite Kommission befaßte sich u. a. mit Anträgen auf völlige Aufhebung der Zensur, denen aber von deutscher Seite widersprochen wurde. Auf jeden Fall sind ledoch bestimmte Aenderungen der Zensur zu erwarten, die aber voraussichtlich erst dem Völkerbunds zur vermittelnden Prüfung vorgelegt werden. Eine Reihe weiterer Anträge für medizinisch- hygienische Filme wurde angenommen und die Gründung eines internationalen Filmpresseverbandes nach lebhafter Diskussion einstimmig beschlossen. Der Vorschlag, das Jugendschvtzalter auf 15 Jahre herabzusetzen, wurde dem Internationalen Arbeitsamte zur weiteren Bearbeitung überwiesen. H. O. B. „Das Tier in den Religionen der INenschheit" hieß«in Vor- trag, den in der Urania Herr Heinrich Zimmermann hielt. Als Tierschützer hat er gewiß seine trüben Erfahrungen, doch veranlaßten diese ihn leider dazu, seinen Vortrag falsch anzulegen. Er sprach nämlich so, als ob es überhaupt kein« Tierfreund« gäbe. Unterstützt durch gutes Lichtbildmaterial wurde zuerst das System der heiligen Tiere in Aegypten erläutert. Dann wurde die baby- lonisch-assyrische Religion� erwähnt, die den Tieren prophetische Ga- ben beimaß und deren Spuren man noch im Aberglauben unserer Tage findet. Sobald der Redner aber auf Indien zu sprechen kam, vermißte man jede Straffheit in seinem Vortrage. Die Stellung de- Tieres in den einzelnen Religionen zu erschöpfen, ist in einem Abendoortrag gewiß unmöglich, doch hätten die Einzelheiten ganz anders herausgearbeitet werden müssen. Es war tatsächlich ein biß- chen zu kunterbunt, Buddhismus und Berliner Hundesteuer in eine», Atemzuge zu nennen. Nachdem dann Allbekanntes aus den verfchie- densten Religionen aneinandergereiht und durcheinander gemengl worden war, kam der Vortragende auf die eigenartige Schlangen- Verehrung der Mystiker zu sprechen. Dabei geriet er in einen der- ort helligen Eifer, als ob es gälte, die guten Berliner zu Schlangen- anbetern zu erziehen. c. b. Geheimral Dr. Emil Kraepclin gestorben. Im Alter von 70 Jahren ist gestern der Altmeister der deutschen Psychiatrie, Ge- heimrat Professor Dr. med. Emil Kraepelin, gestorben, der Jahc- zehnte hindurch an der Münchener Universität gewirkt hat. Die Deutsche Forschungsanstalt für Psychiatrie widmet dem Verstorbe- nen einen Nachruf, worin sie ihn ihren großen und ruhmreichen Führer nennt, dem ein wahrhast tragisches Geschick versagt habe, sein Werk zu vollenden. Ehinesische Sullurpropaganda. Nachdem in Prag vor kurzem ein chinesisches Seminar geschaffen worden ist. hat China jetzt der Universität Belgrad durch die jugoslawische Regierung den Wunsch übermitteln lassen, es möchte auch dort ein Seminar für chinesische Sprache und Kultur errichtet werden. Ein ähnliches Ersuchen ist den Regierungen Frankreichs, Großbritanniens, Griechenlands und Rumäniens zugegangen. China will diese Einrichtungen auf eigene Kosten erhalten. In Deutschland besteht, wie bekannt, seit dem vorigen Jahre unter Leitung Professor Wilhelms ein Chinesisches Institut in Frankfurt a. M.: außerdem besitzt Hamburg ein Seminar für Sprache und Kultur Chinas, dessen Direktor Professor Forke ist, Berlin neben dem Sinologischen Seminar, dem Professor Franke vorsteht, am Orientalischen Seminar mehrere Lehrkräfte für Chinesisch. Ulox Verl über ARchelangelo Der erste Lichtbilderboriraz, den Dr. Max Deri aus Einladung der Volksbühne in seinem Zyklus über„Die Krohmeister der Vergangenheit in der bildenden Kunst" hält, wird Michel» angclo behandeln. Er findet am Sonnabend, den g. Oktober, abds. 8 Uhr, im Hörsaal des KunstgewerbemuseumZ, Prinz-Albrecht-Str. 7a, statt. Einlaßkarten 70 Pf. Die Lach- und Nleber-Aueslcllung der Preußischen Staatsbibliothek kann nur noch bis einschließlich Montag, den lt.. täglich, also auch Sonntag, zwischen 11 und 3 Uhr jür jedermann unentgeltlich geöffnet sein. Geffentlichtek bei Disziplinarverfahren. Eine Forderung des Republikanischen Richterbundes Den Fraktionen der Regierungsparteien im Landtag ist ein ausführlich begründeter Gesetzentwurf des Republi- kanifchen Richterbundes betreffend Einführung der öffent- lichen Verhandlung im preußischen Diszipli- narverfahren— durch Aenderung der ZA 30, 35 der veralteten Gesetze von 1851 und 1852— zugegangen. In der Begründung ist auf das gleichmäßig starke Interesse hin- gewiesen, das sowohl die öffentliche Meinung wie die Be- amtenschaft an der Oeffentlichkeit der Diszizlinarverhandlungen nicht nur wegen der Aufsehen erregenden Fälle der letzten Zeit hat, sondern auch künftig und im allgemeinen haben wird. In der Tat gebührt dem Disziplinarverfahren, als einer Kehrseite des dienstlichen Lebens der Beamten, welche Diener der Gesamtheit sind, die rege und ständige Anteilnahme der Volksgesamtheit. Diese Anteilnahme ist denn auch r e ich s- rechtlich für das Disziplinarverfahren gegen Reichs- beamteschonlängst durch die gesetzliche Anordnung der Verhandlungsöffentlichkeit gewährleistet. Es ist nicht einzu- sehen, weshalb in Preußen das entgegengesetzte Prinzip der Heimlichkeit der Disziplinarverhandlungen bestehen bleiben soll, und es ist allerdings zu fordern, daß sich die preußische Gesetzgebung in dieser Hinsicht dem Reichsrecht mit größter Beschleunigung angleicht. Kundgebung der Seamten. Ansprache des Reichskanzlers Dr. Marx. Heute vormittag fand in den überfüllten Kammersälen eine Kundgebung des Deutschen Beamtenbundes anläßlich des Zusammen- schlussec, in Anwesenheit des Reichskanzlers Dr. M a r r, der Reichsminister S t i n g l und Dr. Külz, des preußischen Minister. Präsidenten Braun und anderer preußischer Minister, sowie einer großen Reihe von Abgeordneten statt. In seiner Begrüßungs- anspräche wies der Bundesvorsitzende Flügel auf die Bedeutung der Beamteneinigung hin. Der deutsche Staat sei mit seiner Beamten- schast untrennbar verbunden und es sei die Ausgabe des Berufs- beamtentums, die Weimarer Dersasiung der deutschen Republik zu schützen und ihr unter Hingabe der ganzen Persönlichkeit zu dienen. Die deutsche Beamtenschast würde keine Bestrebungen dulden, die auf eine Verneinung des Staatsgedankenc hinausgehen. Der Deutsche Bcamtenbund lege ausdrücklich Wert darauf, zu betonen, daß er unvoreingenommen und sachlich mit den Spitzcnverbänden aller Angestellten und Arbeiter zusammenzugehen bereit sei. Zum Schluß seiner programmatischen Erklärung richtete der Redner eine Aufforderung an alle noch außenstehenden Organisationen von Beamten, das Einigungswerk durch Zutritt zu dem neuen Bunde zu vollenden. Die formelle Abstimmung über den Zusammenschluß» antrag der beiden Spitzenoerbände ergab die einstimmige Annahme. Das Resultat der Abstimmung wurde mit lebhaftem lang- andauerndem Beifall begrüßt. Bei den Begrüßungen der Vertreter der Behörden und der Abgeordneten des Reichs- und Landtages kam es zu einem Zwischenruf aus der Versammlung„Wo ist die Reichsbahngesell schaf t?", der von den Vertretern der Bahnbeamten durch Beifall unterstützt wurde. NeichskanZler Marx bgrüßte den erfolgten Zuasmmenschluß und betonte, daß er nicht nur eine private Angelegenheit der Beamten- schast, sondern eine besonders bedeutungsvolle Staats- aktion sei. Die Reichsregierung begrüßt den Zusammenschluß, da es sich viel besser mit einer einzigen Stelle verhandeln lasse als mit zwölf verschiedenen, wo immer einer den anderen zu übervor- teilen suche. Bei dem gesunden Sinn der Deutschen sei er überzeugt, daß die Beschlüsse der Beamten so gefaßt würden, daß sie von keiner Regierung, der es Ernst um das Wohl für den deutschen Staat sei, abgelehnt werden könnten. Politisch„neutral" bedeute: zum Wohle aller das Gute wollen und die Wohlfahrt des gesamten deutschen Volkes im Auge behalten. Auf der Tagung sei aber noch ein anderes werlvollcs unübertreffliches Wort gefallen, nämlich st a a t s- politisch einig sein zu wollen. Es darf für den deutschen Beamten keine Frage der Staatsform mehr geben, sagte der Reichskanzler unter ungeheurem Beifall der Versammlung. Die Staatsform ist da: die Bersassunq hochzuhalten, zu ehren und zu schützen ist die Hauptaufgabe des Beamtentums. Auch dem Aus- lande gegenüber müsse die Achtung der bestehenden Ver- f a s s u n g als ein Beweis des Deutschtums gelten. Ich stehe auf dem Standpunkt, daß die Verfassung gefestigt ist, eins fehlt ihr aber, das ist die Achtung, die sie zu beanspruchen hat. Ihr diese Achtung zu verschaffen, ist die Sacht des Beamten. Reichskanzler Marx betonte dann noch, daß auch die Staatsregierung und die Länder bei den bevorstehenden gesetzgeberischen Arbeiten, dem Be- amtengesetz usw., den Wünschen der Beamten noch Möglichkeit Entgegenkommen zeigen müßten. Mit dem Wunsche, daß aus dem Zusammenschluß reicher Segen für die Beamten, den Staat und das gesamte deutsche Vaterland ersprießen möge, schloß der Reichskanzler unter brausendem Beifall der Versammlung, die sich spontan von ihren Plätzen erhoben hatte, seine Ansprache. Der Vorsitzende Flügel dankte dem Reichskanzler und brachte dann ein Hoch auf den deutschen Bolksstaat, die deutsche Republik, aus, in das die Versammelten begeistert einstimmten. Sodann überbrachte der preußische Minifterpräfiöent Scann ebenfalls stürmisch begrüßt, die Glückwünsche der preußischen Staats- rcgierung. Auch er betonte den Fortschritt, der in dem Zusammen- schsuß der beiden Organisationen auch für die Regierung als Ver- Handlungskontrahent liege. Die Stärke der Organisation müsse so das Verantwortungsgefühl der Führer der Organisation auch er- höhen, und so zur Stärkung dieses staatsbürgerlichen Begriffs überhaupt führen. Ministerpräsident Braun hob her- vor, daß der Beamte sich mit seiner ganzen Persönlichkeit dem Staat gegenüber verpslichte, während ein anderer Arbeitnehmer nur seine Arbeitskrast und Leistung zu verkaufen brauche. Die Arbeit des Beamten werde aus einem kategorischen Imperativ heraus diktiert, nämlich aus dem sittlichen Pflichtgefühl, seine Arbeitskraft dem Wohl der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Der Staat habe seiner- seinerseits die Pflicht, die Beamten materiell so zu stellen, daß sie auch nach außen als autoritäre Organe des Staates zu erkennen feien. Während der Beamte im früheren Obrigkeitsstaat im Treu- Verhältnis zu seinem Monarchen gestanden habe, stehe jetzt der Beamte im freien Dolksstaat in einem Treuverhältnis direkt zum Volte. Die Beamtenschaft dürfe nicht über und nicht unter, sondern inmitten des Volkes als ein Teil von ihm stehen. Mit dem Wunsche, daß die Einheit unter den Beamten dazu bei- tragen möge, das deutsche Volk zu einer lichteren, helleren Zukunft zu führen, schloß der Ministerpräsident unter stürmischem Beifall. Küstrin in Es klingt so nacsi„national-kommunistischen Haufen"... Paris, 8. Oktober.(WTB.) Nach den heute früh aus Athen eingetroffenen Nachrichten soll dort in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch eine richtige Panik geherrscht haben. Um VA Uhr morgens hätten starke Truppenverbände an den Haupt- verkehrspunkten der Stadt Aufstellung genommen und auch das Kriegsministerium und andere öffentliche Gebäude seien von Truppen umgeben worden. Verdächtige Strömungen bei den Offizieren und Zivilpersonen in der Umgebung der" Stadt würd-n gemeldet. Trotzdem erklärte die Regierung, daß sie Herr der La«« jej. Dr. Hürtner unö Dr. Roth als Zeugen. Dr. Roth kann sich nicht erinnern.— Antisemitische Pöbeleien. München. 8. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Die Frestags- sitzung des Femeausschusses beginnt mit der Aufrufung des Zeugen Regierungsrat o. M e r z, der in der Zeit des Hartungmordes Leiter des Kriminal- und Erkennungsdienstes in der Polizeidirektion Mün- chen gewesen ist. Der Brrsitzende verliest dem Zeugen ein ausführ- liches Protokoll, das die Aussagen vor dem Untersuchungsrichter enthält. Nach diesen Aussagen ist Regierungsrat v. Merz durch eine mündliche Verfügung des Polizeipräsidenten P o e h n e r am 3. März mit der Aufklärung des Falles Härtung betraut worden, und zwar durch eine mündliche Mitteilung des Oberamtmanns Dr. F r i ck. Danach hate vorher bereits die Abteilung 6(politische Abteilung der Polizeidirektion) Erhebungen gepflogen. Herr v. Merz Halle sofort den Eindruck, daß es sich um eine Mordlat mit politischem Charakter Handel!. Ich fuhr, so berichtet der Zeuge, zum Oberstaatsanwalt Kraus nach Augsburg, wo die kriminalistische Verfolgung der Mordtat bisher geführt worden war. Um ein e i n- heitliches Arbeiten zu ermöglichen, erbat ich mir den zu- ständigen Staatsanwalt K r i e ck zur Zusammenarbeit. K r i e ck kam am 11. März nach München und wir arbeiteten in den nächsten Tagen in einem gemeinsamen Zimmer, führten gemeinsam die Vernehmungen und die übrigen Erhebungen durch. Ich gewann sofort den Eindruck, daß der Word von rechts ausgehe und bekam den ersten großen Eindruck davon. Brandl war bei seiner Vernehmung in einer gewissen Seelenangst, denn er bekannte mir, daß er keine Ahnung von der Tragweite seiner Bereitwilligkeit hatte, an Stelle von B.erchthold als Fahrtteilneh- mer genannt zu werden. Daraufhin bekannte auch der ver- haftete V e u r e r, daß die Hereinnahme von Brandl eine Lüge war, die deshalb gebraucht wurde, weil Verchthold durch eine Be- teiligung an der Dobner-Affäre belastet war. Damit war für mich der Zusammenhang der Dobner-Sandmeier-Hartung-Afsäre ziemlich klargestellt. Ich hatte keinen Zweifel mehr an der Täterschaft des Berchthold. Auf Grund dieser Erkenntnis erließen wir am 13. März die bekannten Haftbefehle. Es konnte aber nur B e u r e r in Haft genommen werden. So stand die Sache noch, als Krieck am 14. März vor» mittags nach Augsburg zurückfuhr, um dem Staatsanwalt Kraus Bericht zu erstatten. Am Nachmittag desselben Tages kehrte Krieck von Augsburg zurück, schrieb in unserem Zimmer die Verfügung über die Aufhebung der Haftbefehle. Diese Verfügung habe ich nicht verstanden, da Staatsanwalt krieck jede sachliche Aufklärung über die Ursachen seines Entschlusses verweigerte. Ich verhehlte keineswegs meine Auffassung, daß für mich die Sache so gut wie geklärt sei und daß die Zurücknahme der Haftbefehle lediglich eine Verwirrung der Angelegenheit herbeiführen könne. Auf Grund dieses Vorganges kam ich zu der Ueberzeugung, daß ich auch von jetzt ab nicht mehr die Verantwortung für die Sache tragen müßte und machte in einer schriftlichen Mitteilung meinem direkten Vorgesetzten R a m e r Mitteilung. Am 16. März wurde ich dann zu Ramer gerufen, bei�dem Oberstaatsanwalt Kraus anwesend war. Auch hier wurde mir in keiner We ff e eine sachliche Aufklärung über die Zurücknahme der Haftbefehle zuteil. Kraus erklärte mir lediglich, ich hätte eine falsche Auffassung über meine AufgabAi. Ich sei nur dienstliches Hilfsorgan der Staatsanwaltschaft und hätte ihre Anweisung zu befolgen. Auch R a m e r sagte mir, ich solle doch keine Dummheiten machen. Darauf erklärte ich, ich sehe die erhaltenen Lehren als dienstliche Befehle an, denen ich mich zu fügen habe.' Von diesem Zeitpunkt an fiel mir die Bcschäfti- gung mit der ganzen Angelegenheit überaus schwer. Sie war es im übrigen auch schon vorher, weil ich gesellschaftlich und politisch mit den beschuldigten jungen Leuten in gewisser Beziehung sympathisierte. Vors.: Stand der Staatsanwalt Krieck bei Erlaß der Haft- befehle genau auf demselben Standpunkt wie Sie, daßdicSache so gut wie geklärt sei? Merz: Nach meiner Auffassung ja, denn wir haben überaus einträchtig zusammengearbeitet, vor seiner Wegfahrt nach Augsburg war krieck ja noch völlig meiner Meinung. Die Sufpen- dierung der Haftbefehle durch Krieck geschah in ziemlicher Hast, wobei ich die Meinung hatte, daß Krieck eine B e- sprechung im Landtag gehabt hatte. Daß das Justiz- m i n i ft e r i u m in Frage kam, weiß ich erst seit wenigen Wochen. Bis zum Nachmittag des 14. März waren Krieck und ich in der ganzen Angelegenheit ein Herz und eine Seele und Plötz- lich gab es dann nur Achselzucken. Vorsitzender: Haben Sie auch heute noch den Eindruck, daß bereits am 13. März die Sache so gut wie geklärt war? Zeuge: Ja. Vernehmung ües �uftizmmifters Gürtner. Hierauf wird Dr. G 2 r t n e r vernommen, insbesondere über den Verlauf der Berichterstattung der beiden Staatsan- wälte am 14. März., Gärtner erklärt: Ich war Referent im Begnadigungswesen und damals für kurze Zeit auch Strafrechtsreferent in Vertretung. Am 14. März nachmittags wurde ich aus dem Vorzimmer des Ministers Dr. Roth telephonisch angerufen und es wurde mir gesagt, die beiden Staatsanwälte von Augsburg seien gekommen, um über de»n Fall Härtung Bericht zu er- statten. Ich wollte die Herren empfangen und danach dem Minister selbst einen Bericht geben. Di« beiden Herren, von denen ich den Staatsanwatt Kraus kannte, kamen dann zu mir und Staatsanwalt Krieck als Referent berichtete dann an Hand der Akten über die Sache Härtung. Mir selbst war der Fall insoweit bekannt, wie er es auch in der Oeffent- lichkeit war. Dann nahm Kraus das Wort und äußerte sich über seine Absichten der weiteren Behandlung des Falles, wobei er u. a. erklärte, daß er die Haftbefehle zwar nicht außer Kraft setzen, aber zunächst suspendieren wolle. Ich hatte den Eindruck, daß Kraus mit dieser Absicht schon zu mir ins Zimmer gekommen war. Kraus beauftragte dann auch den Krieck, sogleich auf die Polizeidirektion zu gehen, um die Susxendierung der Haft- befehle zu vollziehen. Krieck ging weg und Kraus blieb noch wegen einer anderen Angelegenheit kurze Zeit bei mir. Am selben Tage berichtete ich dann dem Minister Dr. Roth über die Berichterstattung der beiden Staatsanwälte, wobei ich ihm in keiner Weis« irgend einen Vorschlag machte und der M i n i st e r selbst auch keinen Wunsch nach dieser Richtung hin äußerte. Meine dienstliche Berührung mit dem Fall Hortung war damit zu Ende. � Erst im September 1922 als Minister ließ ich mir über den Fall Härtung Bericht erstatten, weil ich ihn ebenso wie die Fäll« D o b u e r und L a r e i s— Erbschaften der Regierung I Lerchenfeld— bereinigen lassen wollte. Es wurden mir damals die Bedenken der Staatsanwaltschaft vorgetragen, die e.iner solchen Bereinigung vor den Volkgcrichten keine großen Chanen gaben. Diesen Bedenken konnte ich mich nicht verschließen. Im übrigen handelte es sich ja schon damals um die Diskussion der Aufhebung der Volksgerichte. Im Herbst 1924 wurde dann der Aufenthalt des Braun bekannt. Er war in Ungarn. Deshalb kam die Sache wieder st» Gang. Es wurde von der ungarischen Regierung die Ausliefe» rung des Braun verlangt. Dieses Verfahren zog sich bis zum Februar 1925 hin. Braun wurde von der ungarischen Regle- rund auch verhaftet und vernommen. Im Februar ei- klärte die ungarische Regierung, die Auslieferung von Braun lehne sie ab. Eine besondere Erklärung für diese Weigerung gab sie nicht an. Von gut unterrichteter Seite aber hörten wir, daß sich die ungarische Regierung auf denselben Standpunkt wie die deutsche in einem anderen Fall« stelle. Ich versuchte dann, wenigsten das Vernehmungsproto» koll der ungarischen Staatsanwaltschaft in der Sache Braun zu bekommen. Aber auch das wurde abgelehnt. In jener Zeit hörten wir, daß auch Berchthold in Ungarn sei. Auch seine Aus- lieferung wurde verlangt. Allein es wurde uns von der ungarischen Rcgierung mitgeteilt, daß Berchthold nicht in Ungarn sei. Zurzeit schwebt eine Auslieferungssache mit einem anderen Land, über die hier zu sprechen ich mir zu erlassen bitte. Dieses Sluslieferungsverfahren bezieht sich aus einen der zuletzt genannten Beschuldigten.(Braun oder Berchthold.) Vors.: Kennen Sie Gademann? Gürlner: Ja, ich kannte ihn vor der Berichterstattung der beiden Staatsanwälte. Ich wußte aber nichts da- von, daß die beiden Staatsanwälte mit Gademann etwas zu tun hatten und daß sie von ihm nach München zu mir gebracht worden sind. Das erfuhr ich zwar noch am selben Tage, und zwar nach meiner Berichlcrslatlung beim Zuslizminisler durch seinen persönlichen Referenlen. Regierungsrat Stanffer. Gademann war in der Woche vor dem 14. März noch bei mir, und zwar wegen des in Erwartung stehenden sogenannten Entwaff- nungsgesetzes, mit dem ich mich zu befassen hatte. Bei dieser Be- sprechung mit Gademann war auch von dem Z u s a m- M o r d die Rede, insofern, als Gademann den Zweck der Autofahrt der fünf jetzt Beschuldigten mit vaterländischen Interessen in Ver- bindung brachte. Er sagte mir aber nichts Näheres darüber, aber ich konnte mir denken, daß es sich um Waffentransporte handelte. An diese Unterredung mußte ich auch denken, als mir die Staatsanwälte Bericht erstatteten. Gademann sagte ich damals, daß diese Dinge wenigstens bei der Voruntersuchung keine Rolle spielen und unter Umständen auch nicht beim Hauptverfahren, weil man ja dort die Oeffentlichkeit ausschließen könne. Das mir von den Staats- anwälten aufgerollte Bild des Hartung-Falles gab mir auch keine Veranlassung, mich von den Bedenken des Gademann beeinflussen zu lassen. Levi: Eine Unterredung Gademanns mit Ihnen an diesem Tage(14. März) hat nicht stattgefunden, wie man aus der Aussage von K r i c b e l hier schließen könnte? Gärtner: Nein. Levi: Warum wünschte der Minister einen besonderen Bericht? Gärtner: Das weiß ich nicht. Jedenfalls hat der Minister nicht Wert auf die Möglichkeit eines Abbiegens der Erhebungen wegen eventueller Bedenken über Waffentransporte gelegt. Levi: War vielleicht dem Minister bekannt, daß die Staats- anwälle von Gademann herübergeholt worden sind. Gürlner: Das möchte ich nicht bejahen. Ich glaube nicht, daß der Minister es wußte. Von der Unterredung Krie- bel-Roth-Gademann habe ich erstmals vor einem Monat anläßlich einer Unterredung eines Untersuchungsrichters, der Gademann vernommen hat, Kenntnis bekommen. Levi: Warum ist der gesamte Komplex der in der Ausführung und in der Tendenz doch verwandten Angelegenheiten Sand- meyer-Hartung und D o b n e r nicht von der Justizverwal- tung einheitlich behandelt worden? Gärtner: Die gemeinsame Note in diesem Ver- fahren war eben damals noch nicht klar. Ich per- söniich habe allerdings auch den Eindruck, daß von den vier genann- ten Prozessen drei zusammengehören, während der vierte(Garcis) nicht aus dem Personenkreis der drei anderen Beschuldigten stammen konnte. Es war auch beabsichtigt, die Fälle Sandmeier und G a r e i s gemeinsam durchzuführen, inzwischen kam aber die Einstellung des Verfahrens Sandmeier. Auf eine weiter« Frage erklärte G ü r t n e r, daß nach der Be- sprechung Gademann-Roth-Kriebel, Gademann wohl den PersonalreferentendesMinistersausgesuchthabe, Oberregierungsrat Stauffer, der inzwischen verstorben ist. Bestimmtes weiß der Zeuge aber nicht. Nach weiteren Fragen, die nichts Wesentliches mehr ergaben, wurde der Minister nach Vereidigung entlassen. Es folg! die Vernehmung des jetzigen Ministerialrats Dr. Roth, der in der fraglickzen Zeit bayerischer Iustizminister war. Der Zeuge sollte im wesentlichen Auskunft geben über die Unterredung Kriebel-Gademann im Bayerischen Landtag und weiterhin über das Zustandekommen der Autofahrt des Gademann und der Ueberbringung der Staatsanwälte. Eine zusammenhängende Darstellung konnte der Zeuge nicht geben. Er stützte sich im wesent- lichen auf die Aussagen des Kriebel, wobei er auf die Fragen des Abg. Levi durchaus unklare Antworten gab, so daß schließlich Levi erklärte: Da ich den Eindruck habe, daß ich den Zeugen nicht zu sachgemäßen Aussagen vermögen kann... völkische Rüpeleien. Nach diesen Worten entstand auf der rechten Seite unter Führung des völkischen Abg. Stöhr erhebliche Aufregung und Lärm, wobei der Zwischenruf fiel:„Jüdisch« Frech- h e i t". Aufgemuntert durch Stöhr kam auch Zeuge Dr. Roth in Erregung und erklärte:„Ich stehe hier als ehemaliger Chef der bayerischen Justizverwaltung unter Eid und verlange, daß meinen Worten geglaubt wird. Ich lasse mir das von Ihnen, Herr Levi, nicht gefallen und bitte, daß man mich gegen solche Angriffe in Schutz nimmt." Der Vorsitzende wies auch den Angriff Dr. Levis zurück, fügte aber hinzu: Auch ich habe den persönlichen Eindruck, daß dem Zeugen die Erinnerung durch die Vorgänge selbst geschwunden sind, so daß der Eindruck entstehen konnte, als ob seine Darstellung ver- wischt ist. Abg. Dr. Landsberg(zur Geschäftsordnung): Von rechts fielen vorhin die Worte: Jüdische Frechheit. Das ist dem Vorsitzenden offenbar entgangen. Ich bitte ihn, seines Amtes zu walten. Der Vorsitzende rief darauf den Zwischeurufer zur Ordnung. Der tzhlzarbeiterverbanü 1�25. Aufstieg und Krise. Der Jahresbericht 1S2S des Deutschen Holzarbeiterverbandes zeugt von einer beachtlichen inneren F e st i g u n g der Organi» sation. Es kann schon vorweg bemerkt werden, daß der Aufschwung der Organisation wahrscheinlich ein beispielloser geworden wäre, wenn nicht die ungeheure Krise ihn geradezu gewaltsam zum Still- stand gebracht hätte. Das Jahr 1S2S begann mit einer guten Konjunktur, die sich im Laufe der ersten fünf Monate zur Hochkonjunktur steigerte. Zu Beginn des Jahres waren 17 421— 6,23 Proz. der Mitglieder arbeitslos und 8855— 3,13 Proz. Kurzarbeiter. Ende Mai waren nur noch 8708— 2,88 Proz. arbeitslos und 3289— 1,09 Proz. Kurzarbeiter. Dieser Rückgang der Arbeitslosigkeit und die schon im Jahre 1924 erfolgte finanzielle Festigung des Verbandes gestattete es, die in der Inflation außer Kraft ge- setzten Unter st ützungseinrichtungen wieder einzu» führen, und zwar ab 1. Januuar die Arbeitslosen-, Reise-, Um- zugs-, Sterbe- und Notfallunterstützung und ab 1. April die Krankenunterstützung. Im Laufe des Jahres wurden diese Unter- stützungen noch weiter ausgebaut und auch die Bildungsmög- l i ch k e i t e n neu aufgebaut. Konform mit diesem Auf. und Ausbau ging auch die Mit- gli-derbewegung. Ende 1924 zählte die Organisation 284 742 Mit- glieder, am Schluß des ersten Quartals 301474, am Schluß des zweiten Quartale 308 435 Mitglieder. Dann aber setzte mit un- erwarteter Schärfe die Wirtschaftskrise ein. die den oer- heißungsoollen Aufstieg während des ersten Halbjahres zunächst zum Stillstand, dann sogar zum Rückgang brachte. Die Zahl der ar- beitslosen Mitglieder stieg auf 73 933— 25,07 Proz. bis Ende Dezember, die der Kurzarbeiter auf 65 330— 22,17 Proz. Tausends von Berufsangehörigen verließen den Beruf und versuchten ander- weitig Beschäftigung zu finden, so daß am Jahresschluß nur noch 297 511 Mitglieder vorhanden waren. Immerhin bedeutet dies noch gegenüber Ende 1924 ein Mehr an Mitgliedern von 12 769. Daß die Holzindustrie von der Wirtschaftskrise bedeutend schwerer getroffen wird als Im Durchschnitt alle anderen Jndu- strien, zeigt eine Tabelle des Berichts, die den Zahlen der Arbeits- losen im Holzarbeiterverband die der gesamten übrigen deutschen Gewerkschaften gegenüberstellt. Nach dieser Statistik meldeten die übrigen Gcwerlschaften am Jahresschluß 19,4 Proz. ihrer Mitglieder als erwerbslos, der Holzarbciterverband dagegen 25,1 Proz. Wie schon eingangs erwähnt, war das verflossene Jahr ein ausgesprochenes K a m p f j a h r. Die Bestrebungen der Unter- nehmcr gingen dahin, die Tarifverträge durch Wsrksvcreln- barungcn zu ersetzen. Die„Holzindustrie", das Organ des Ar- beitgeberverbandes der deutschen Holzindustrie, bezeichnete den Ab- schluß von Reichs- und Landestarifoerträgen als„W a h n s> n n". Doch trotz aller Widerstände, Generalausspermngen und rücksichts- loser Ausnutzung der Konjunktur gelangten die Unternehmer nicht zum Ziel. Der Organisation war es zwar nicht möglich, die im Herbst 1924 abgelehnte Erneuerung des Reichsmantelvertrages zu erzwingen: sie konnte aber in die dafür abgeschlossenen Landes- vertrage die normativen Vertragsbestimmungen der von den Unternehmern abgelehnten Vorlag« zum Reichsmanteltarif hinein- bringen. Am Schluß des Berichtsjahres bestanden im Reich« ins- gesamt 250 Tarifverträge für 21854 Betriebe mit 313 495 Ar- beitern(wobei im Vertragsgebiet etwa 100 000 Arbeitslose mit- gezählt sind). Im Vorjahre waren es zwar fünf Verträge mehr, die sich aber nur auf 18 012 Betriebe mit 283 355 Beschäftigten erstreckten. Durch die Einführung der Landestarifverträge erfuhr auch die Lohnregclung eine grundsätzliche Aenderung, da die Mithilfe der Zentralvorstände ausgeschaltet wurde. Die Generalaussperrung zeigte aber den Unternehmern sehr deutlich, daß die zentrale Lohn- regelung der bezirklichen vorzuziehen ist, was dann auch zur Schaffung des zentralen Lohnamtes und des Haupt- t a r i f a m t e s führte. Da infolge der nicht sonderlich günstigen Konjunktur im ersten Jahr nach der Inflation und wegen des relativ noch ungünstigen Standes der Finanzen der Organisation der Reallohn sehr niedrig geblieben war, war das Jahr 1925 reich an Bewegungen zur Erhöhung der Löhne. Bewegungen ohne Arbeitseinstellung wurden insgesamt 1608 mit 366 212 Personen geführt. An 405 Streiks waren 85 442 Personen beteiligt. Insgesamt wurden für die Lohnkämpfe einschließlich 71 289,80 M. Verhandlungskosten 2 975 371,04 M. ausgegeben. Dieses ist eine ganz gewaltig« Leistung des Verbandes, besonders, wenn man berücksichtigt, daß die In- flation die Verbandskassen geleert hatte und schon das erste Jahr der Stabilisierung ziemlich erhebliche Summen für Lohnkämpfe er- fordert hatte. Die Kassenverhältnisse verdienen ebenfalls Beachtung. Di« reinen Einnahmen der Verbandskasse betrugen 9 480 266 M. gegen 5 573 807 M. im Vorjahr«, die Ausgaben 8 333 138 M. gegen 4 357 410 M. An Unterstützungen bei Streiks und Aus- sperrungen wurden gezahlt 2 515 088,68 M., an Arbeitslosenuuter- stützung 1 553 260.58 M. und an Krankenunterstützung 506 540,95 M. Diese imponierenden Leistungen des Verbandes haben ohne Zweifel mit dazu beigetragen, daß trotz der Krise der Mitglieder- bestand so st a b i l geblieben ist. Zusammenfassend kann jedenfalls gesagt werden, daß der Holzarbeitervcrband im vergangenen Jahre Erstaunliches geleistet hat und daß man wohl annehmen kann, daß er das Jahr 1926 ohne innere Schwächung überstehen wird. Die Kpd. für die Gewerkschastsspalter. Auf Wunsch von zwei Betriebsratsmitgliedern hatte die Ber- liner Ortsverwaltung des Deutschen Textilarbeiterverbandes am 29. September eine Versammlung der Arbeiterschaft der Firma F a i b i s ch einberufen. Bei Faibisch dominierte bisher die so- genannte„Opposition" unter Führung eines gewissen Forst- reut er, der einen eigenen Laden aufgemacht hat, aber damit längst bankrott ist. Ueber diese Versammlung, in der die„Oppo- sttion" samt dem von der Zentrale der KPD. geschickten Reichstags- abgeordneten Schlecht eine gründliche Abfuhr erhielten, ver- öffentlicht die KPD. einen von Anfang bis Ende verlogenen Bericht, um auch jetzt noch ihre schützende Hand über die Gewerkschaftsspalter zu halten. Sie erzählt unter anderem den haarsträubenden Unsinn, G r u h l hätte erklärt, daß jeder, der Zwischenrufe in einer Ver- sommlung mache, ausgeschlossen würde. Ueber die Versammlung erhielten wir folgenden Bericht: Jung behandelte in einstündigen Ausführungen das Thema: „Brauchen wir Gewerkschaften?" An Hand von drastischen Bei- spielen zeigte er den Anwesenden, daß dem heutigen restlos organi- sierten Unternehmertum nur eine einige, geschlossene und starke Arbeitnehmeroraanisation entgegentreten könne. Diese Organisation sei der Deutsche Textilarbeiterverband und es liege im Interesse eines jeden Kollegen, durch Eintritt dafür Sorge zu tragen, daß die Lebenshaltung des Textilarbeiters in Zukunft eine bessere werde. Seine sachlichen Ausführungen fanden den ungeteilten Beifall der Versammlung. In der freien Aussprache nahm als erster F o r st r e u t e r, der Leiter der dortigen„Textilopposition", das Wort. Er erkannte die Ausführungen des Referenten als vollkommen richtig an, betonte gleichfalls die Notwendigkeit starker Organisationen, um dann aber anschließend in der gehässigsten Weise gegen diese und ihre Ber- treter Stellung zu nehmen. Man merkte es ihm so recht an, daß er mit der Gründung einer sogenannten Industriegruppe kläglich Fiasko erlitten hat, darum zum Schluß seiner Ausführun- gen auch die Bitte, die übriggebliebenen Reste seines Grüppchsns geschlossen dem Deutschen Tcxtilarbeiterverband zuzuführen. Als nächsten Redner hatte man sich den Reichstagsabgeordneten Schlecht verschrieben, der ebenfalls die Ausführungen des Refe- renken als durchaus richtig bezeichnen mußte, um darauf, genau wie sein Vorredner, die Gewerkichasten in der unflätigsten Weise zu beschimpfen. Er erntete bei dem größten Teil der Versammlung aber nur ein mitleidiges Lächeln. In seinem Schlußwort ging Jung auf die Ausführungen der einzelnen Redner ein, bewies ihnen die Haltloswkeit ihrer An- griffe auf die Gewerkschaften, und forderte zum Schluß nochmals auf, alles Persönliche beiseite zu lassen, restlos sich dem Deut- schen Textilarbeiterverband anzuschließen. Um die Verbindlichkeit deS Banken-TchicdSspruchs. Wie der Allgemeine Verband der deutschen Bankangestellten mitteilt, findet am Dienstag, den 12. Oktober, vormittags 10 Uhr, im Reichsarbeitsministerium eine Besprechung über die vom Reichs- verband der Bankleitungen beantragte Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches vom 27. September 1926 statt. Der Schiedsspruch wurde bekanntlich von den Arbeitnehmeroerbänden abgelehnt. Die österreichischen Staatsbeamten vor dem Streik. Wien, 8. Oktober.(TU.) Die Morgenblätter stellen fest, daß fast gar keine Aussicht mehr bestehe, den Streik der Bundesbcamtcn zu vermeiden. Die Streikmäßnahmen werden morgen mittag zwölf Uhr beginnen. Der Streit wird sich zunächst nur im Fernsprech-, Telegraphen- und Po st dien st sowie im Zolldienst bemerkbar machen. Am Montag wird der Streik auch dann in den übrigen staatlichen Dienststellen in Erscheinung treten. Die englische Regierung gegen öle Sergarbeiter. London, 8. Ottober.(TU.) Die Regierung ist der Ausfassung. daß die Entschlüsse der Delegiertenkonferenz eine Verlängerung des Kohlenkonfliktes um zwei Monate bedeuten und hat sofort nach dem Beschluß die notwendigen neuen Vorkehrungen eingeleitet. In Uebereinstimmung mit der neuen Entwicklung wird die Regierung besondere Schutzmaßnahmen für die Gruben und für die bereits an der Arbeit befindlichen Bergarbeiter und schließlich f ü r alle Arbeitswilligen treffen. Da die Bergarbeitergewerk- fchaft etwa 65 Proz., in einigen Bezirken sogar 80 Proz., der gegen- wärtig in den Gruben tätigen Notstandsarbeiter kontrolliert, müßte ihre Zurückziehung zu einem Ersaufen der Gruben führen. Deshalb wird die Gegenaktion unter der Verantwortlichkeit der Re- gierung zum Schutze der Industrieanlagen, vor allem in den meist gefährdeten Bezirken in Südwales, Lancashire und Porkshire dringend. Die praktische Auswirkung der Beschlüsse der Delegiertenkonfe- renz läßt sich naturgemäß noch nicht übersehen, da sowohl der Präsi- denk Herbert Smith und Cook sich gegen die Zurück- Ziehung aller Notstandsarbeiter ausgesprochen hatten. Der Generalsekretär der Gewerkschaft der technischen Arbeiter der Notstandsorganisationen in Glasgow betonte gestern abend, daß die Entscheidung der Delegiertenkonferenz für seine Gewerkschaft keine große praktische Bedeutung habe, da die Mit- glieder der Gewerkschaft auch nach dem Beschluß an ihrer Arbeits- stelle verblieben. Die Entscheidung der Delegiertenkonferenz wurde dem Ministerpräsidenten gestern abend nach Scarborough übermittelt, und der A r b e i t s m i n i st e r Sir Artur Steel Maitland befaßte sich bis in die späte Nacht mit der neuen Lage. Wie verlautet, wird als Folge des gestrigen Beschlusses auch eine Sicherstellung großer Kohlenmengen in Amerika und auf dem Konti- nent geplant bei gleichzeitiger Rationierung des englischen Ver- brauchcs. .?charfma6ierei der Konservaliven. London, 8. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Der gestern in Scarborough zusammengetretene Parteitag der Kon- scroatioen Partei steht im Zeichen des Angriffes auf die Gewerkschaften. Nicht weniger als 12 der eingereichten Resolutionen beschäftigen sich mit der E i n s ch r ä n t u n g d e r bisherigen rechtlichen Stellung der Gewerkschaften. Der Kongreß nahm in seiner ersten Sitzung eine Resolution an, in der es heißt, daß der gegenwärtige Stand der Gewerkschaftsbcwe- gung„eine Bedrohung der Sicherheit der Nation" dar- stellt. Weiter wird die Regierung aufgefordert, alle Streiks für ungesetzlich zu erklären, die ohne eine geheime Ur- abstimmung begonnen werden. Der einzelne Arbeiter soll nach dieser Entschließung gegen jegliche Maßregelung und Einschüchterung von den Gewerkschaften wegen seiner politischen Ueberzeugung ge- setzlich geschützt werden. Die dritte Forderung geht dahin, daß S t r e i'k p o st e n in größeren Gruppen nicht austreten dürfen und die Bücher der Gewerkschaften einer öffentlichen Kontrolle unterworfen werden. Baldwin ist mik dabei. London. 8. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) In einer Rede, die Ministerpräsident Baldwin in Scarborough hielt. kündigte er die Absicht der Regierung an, einen Abänd rungsantrag zum Gesetz über die Gewerkschaften einzubringen. D■ jüngsten Ereignisse würden es, wie er erklärt«, notwendig mach., das Gesetz über die Gewerkschaften zu überprüfen. Gehen die Sicherheitsleuke aus den Gruben? London, 8. Oktober.(MTB.) Den Blättern zufolge ist es nicl wahrscheinlich, daß der gestrige Beschluß der Bergarbeiterdelegierte■ betreffend Zurückziehung der Sicherheitsleute auf den Bergwerke.! tatsächlich durchgeführt werden wird, da die Gewerkschaft de Sicherheitsleute dem Bergarbeiteroerband nicht angehör und schon früher den Beschluß gefaßt hat, ohne Rücksicht auf Be- schlüsse des Bergarbeiterverbandes auf dem Posten zu bleiben. Die kohlenpreise in England. London. 8. Oktober.(EP.) Der Kohlenpreis in London ist auf 85 Schilling pro Tonne erhöht worden gegen 4 5 Schil- ling vor dem Streik. Es besteht in der Bevölkerung eine starke Bewegung zugunsten einer behördlichen Festsetzung von Höchst- preisen. Eine TU.-Meldung zufolge lehnt die Regierung es ab, Höchst- preise für Kohle festzusetzen. Verla«: Borwitrls-Veria« D. m. b. L.. Berti». Druck: Vorwärts-Buckidruckerel und Verlagsanslalt Paul Sinacr u. Co. Berlin<3W 68, Lindcnsiraße 3, Sirrzu 1 Beilage. ,»-• 4-' llt•' Teppislie GroSsa Lager In Gelesenheitskäufen in allen GrfiDen Sonder'Ableilang »Or Tapeten 4-�/ z. B. 200X300\ AGr0Dti Jute Boucio...... ue.oo\ Auswahl Ay/ 67 ir. 2.S5 Axmlnaler-Teppleh...BS.Oo\ in Zelt-/ �/ 90 br. 3.50 Marken. Wollol.. Teppich 87.00\ genläaen /�/ HO br. 4.45 Hochweitiger Kammgarn-\« Plüsch-Teppich..... i34.oo\ Mustern Linoleum für Treppen u. ZimmerbeiSge eigenes geschultes Legepersonal LiDOIenm-Teppidie Linoleum- L&oier M-nndKokos- LSoIer 1*/ 133 br. 5.40 Untergrundbahn Rathaus. Neukölln Karl Schuldt, Neukölln, Berliner Str. 82 Ecke Welehselstr Tel. Neukölln zeaa 11,— 24.— 41.— 03. 10.— IS.— 32.— 43. 4.— 7.- 12.— 19.- 13.- IS.— 18.- 20. 48.— 60.— 86.— 98.- Metnllbetten.... IS.— 18— 21.— 27.- 3tlg. Matr, n. Keilk. 15.— IS— 24— 28. Deckbetten... Unterbetten... 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Unter großem Andrang der ersten Dres- bener Gesellschaftskreise begann heute morgen vor dem Schwur- gericht des Dresdener Landgerichts der Prozeß gegen den Sanitätsrat Dr. Justus Boehme, der des Mordes an seiner Ehe- frau beschuldigt ist. Der langgestreckte, nüchterne Verhandlungssaal war schon eine Stunde vor Beginn der Verhandlung überfüllt. Vor dem Tisch des Anwaltes, Justizrat Dr. Knoll, sitzt der A n g e k l a g t e, Sanitätsrat Dr. Boehme, ein kleiner, schmächtiger Mann mit weißem Haar und grauem Bart. Boehme ist von der Haft sichtlich mitgenommen und biegt sich weit vor, um besser zu hören, was am Gerichtstisch gesprochen wird. Auf Antrag seines Verteidigers nimmt er schließlich unmittelbar vor dem Richtertisch Platz. Nicht nur der Angeklagte ist jedoch leidend, fondern auch der Staatsanwalt C a n z- l e r, der sich kurz vor dem Prozeß einer schweren Operation unter- ziehen mußt«, und dem deshalb zur Unterstützung Staatsanwalt- fchaftsrat Hartmann beigegeben ist. Der Vorsitzende, Landgerichtsrat Dr. Kurth, stellte einleitend fest, daß Dr. Boehme im S2. Lebensjahr« steht, dreimalverhei- ratet war und jetzt, nachdem er die Praxis aufgegeben, als Rentier in Großröhrsdorf lebt. Der Vorsitzende stellt fest, daß Boehme in Dresden mehrere werwolle Grundstücke und Häuser besitzt. Seit Mai ist der Angeklagte in Untersuchungshast unter dem Verdacht, am 22. September 1916 feine Gattin vorsätzlich getötet zu haben. Der Vorsitzende geht gleich in die Ding« hinein und fragt, ob Boehme zugebe, seine Frau getötet zu haben. »Ich bin vollkommen unschuldig'", erklärt der Angeklagte. Dr. Boehme schildert« dann seinen Lebenslauf. Als ältester von vier Söhnen habe er die Realschule besucht, dann in Leipzig swdiert und 1896 sein Staatsexamen gemacht. Im Gegensatz zu seiner ersten Ehe sei die zweite sehr unglücklich gewesen, sodaß er herzleidend wurde. Diese Krankheit habe sich im Felde dann verschlimmert, wo er beim Großenhainer Husarenregiment Dienst tat. Er wurde schließ- lich in die Heimat zurückgeschickt und beurlaubt. Der Vorsitzende hielt dem Zlngeklagten Dr. Boehme hierzu vor, daß er trotzdem eifrig auf die Jagd gegangen sei. Auf Befragen des Vorsitzenden schilderte Dr. Boehme seine e r st e Ehe, die er mit der Tochter eines Fabrikanten aus Pirna geschlossen hatte. Sein Schwiegervater habe ihn mit sürstlichen Geschenken überschüttet und bei seinen Besuchen ihm stets Beträge von S66— 1000 Mark geschenkt. Er selbst habe gar nicht gewußt, was er mit dem vielen Geld machen sollte. Seine erste Ehe dauerte von 1892— 1896. Seine Frau sei 1896 an Lungenentzündung g«< starben und hinterließ dem Angeklagten und seiner kleinen Tochter Irene 27 000 Mr., von denen er 20 000 Mt. der Tochter bei erreich- ter Mündigkeit zahlen mußte. Boehme weigerte sich aber, dem Vormundschastsgericht die verlangte Sicherheit zu geben, da Boehme wie er erklärte, bei der Erbschaftsregelung betrogen worden fei. Im Mai 1898 heiratete Dr. Boehme wieder, und zwar ein Fräulein Clara Cubich aus Forst. Auch wie bei der ersten Frau habe sich Liebe auf den ersten Blick eingestellt. Er habe das Mädchen gesehen und sich sofort verlobt, nachdem der Schwiegervater ihm 2000 Mk. Jahresrente zugesichert hatte. Nach der Geburt von Zwillingen wurde seine Gattin von Krämpfen befallen. Als ein Kind starb, seien bei seiner Frau Degenerationserscheinungen aus- getreten, und die Ehe sei stark getrübt worden, um so mehr, als die Frau dem Kinde aus erster Ehe sehr stiefmütterlich ent- gegengetreten sei. Der Vorsitzende hielt Dr. Boehme vor, daß er von seinem zweiten Schwiegervater 20 000 Mk. als Darlehen erhalten habe. Boehme begründete dies damit, das er ein Röm- genlaboratorium einrichten wollte. Seine Frau habe ihm a conto ihrer Erbschaft die 20 000 Mt. aber geschenkt. Davon habe er seiner Tochter aus erster Ehe, Irene, 10 000 Mk. sichergestelll. Der Vorsitzende stellte dann fest, daß die zweite Ehe völlig in die Brüche gegangen sei, als das Testament des Schwiegervaters bekannt wurde, nach dem Boehme nichts erhalten sollte, während seine Frau allein erbte. In dem Ehescheidungsprozeh spielten neben sexuellen vornehmlich die finanziellen Dinge die Hauptrolle. So hatte Boehme z. B. versucht, von seiner Frau die schriftliche Bestäti- gung zu erhalten, daß sie ihm den Zinsgenuß ihrer zu erwartenden Erbschaft notariell übertrage. Landgerichtsdirektor Kurtz hielt dem Beschuldigten vor, daß er den Ehescheidungsprozeh sowie einen Ent- mündigungsprozeß gegen seine Frau mit einer solchen Schärfe und Gehässigkeit geführt habe, daß Boehmes gewinnsüchtige Absichten deutlich hervorgingen. So habe Boehme z. B. die Entmündigung seiner Gattin beantragt mit der Behauptung, seine Frau sei„moralisch minderwertig", da sie ihren Vater nicht veranlaßt habe, das Boehme unangenehme Testament umzustoßen. Die„geistige Minderwertigkeit' der Frau suchte Dr. Boehme damit zu begründen, daß seine Frau„Fremd- Wörter falsch angewendet" habe. Der Angeklagte suchte trotz aller Vorhalte die Verantwortung für diese Handlung auf seinen damaligen Rechtsanwalt abzuschieben. Dr. Boehme ging schsießlich so weit, seine Frau zu verklagen, 700 M. Beitrag zu den ehelich en Kostenz» zahlen, sich an den Steuern zu be- teiligen usw. Boehme, der sonst einen sehr klugen Eindruck macht, erklärte, auch das sei das Werk seines Rechtsanwalts gewesen. Er selbst„habe nichts davon verstanden". Staatsanwalt Canzler bean- tragte, den Ehescheidungsantrag Boehmes zu verlesen, sowie das Tagebuch, das er über seine Frau geführt hatte. Der Vorsitzende teilte mit, daß dies in nichtöffentlicher Sitzung geschehen werde. §reibaö Müggelsee. Es ist still geworden an den Ufern des Müggelsees. Am 1. Oktober hat das Freibad seinen Bade betrieb ein- gestellt. Aber die Pforten sind noch geöffnet und werden es während des ganzen Herbstes und Winters bleiben. Wer bei seinen Spaziergängen das Gebiet der Müggel bevorzugt, kann liier verweilen, ohne Eintiitt zahlen zu müssen. Der schone, tausend Meter lange Strand steht jedem zur Verfügung. Unter Laubbäumen mit freiem Ausblick auf den See kann der Erholungsbedürftige hier noch manchen Herbsttag im Freien verbringen. Im Restaurant können Familien Kassec kochen, und in der Verkaufsstelle gibt es Lebensmittel, Fleisch und Backwaren, die zum Teil noch billiger als in der Stadt sind. Die Einrichtungen werden besonders im Winter, wenn sich auf der Eisbahn flinke Läufer tummeln, zur Geltung kommen. In der Zeltstadt denkt man überhaupt noch nicht an einen„Abbau". Hier sind zum Teil recht schöne wasserfeste Häuschen erstanden, die auch an kälteren Tagen Schutz bieten. Die Verwaltung des Freibades ist bemüht, durch weiteren Ausbau eine Stätte zu schaffen, die den Bedürfnissen der Be- völkerung, die sich hier, im Gegensatz zum Freibad Wannse«, nur aus der Arbeiterbevölkerung des Berliner Ostens zu- sammensetzt, in jeder Weise gerecht wird. Der Badestrand soll verlängert und ein Sportplatz errichtet werden. Leider stehen diesem städtischen Unternehmen nur sehr beschränkte Mittel zur Verfügung. Während den Badeanstalten Gelder aus dem Schuletat zur Verfügung gestellt werden, ist es bei den Fxeibädern nicht der Fall, obwohl sie den Kindern die gleichen Ver- gänstigungcn bieten. Zudem sind die Freibäder mit allen erdenk- lichen Abgaben und Steuern wie: Pacht an die Forstverwaltung, Abgaben an den Wasserfiskus und die Fischcrinnungen, Gewerbe- steuer, Umsatzsteuer, Hauszinssteuer und Grundvermögenssteuer be- lastet. Das Freibad Müggelsee hatte in diesem Sommer die hohe Besucherzahl von 170 000 und eine Einnahme von zirka 20 000 M. zu verzeichnen. Dem umfangreichen, gut organi- s i e r t e n Rettungsdienst ist es in erster Linie zu verdanken, daß seit langem kein Unglücksfall vorgekommen ist. Es will schon etwas heißen, wenn man bedenkt, was für ein Masse n- andrang an einigen schönen Sonntagen herrschte. Wenn erst die Straßenbahn dazu übergegangen sein wird, ihren Betrieb bis zum Freibad auszudehnen, wird es auch kindcr- reichen Familien mehr wie bisher möglich sein, alle Annehmlich- leiten des Freibades zu genießen. Raubüberfall iu einem Schwesternheim. Ein frecher Raubüberfall wurde gestern in einem Schwestern- heim in der Kessel st raße verübt. Als am Donnerstagmorgen eine der Pflegerinnen vom Nachtdienst heimkehrte und in das Speisezimmer gchen wollte, trat ihr in der Tür ein Mann entgegen, der die Erschrockene mit einem peitschenartigen Gegenstand ii b e r den Kops schlug, so daß sie besinnungslos zu Boden siel. Der Uebettäter flüchtete dann und entkam. Wie die Ermittlungen der Kriminalpolizei ergaben, war am Mittwochabend in dem Heim ein Mann erschienen und hatte eine der Schwestern zur Pslege seiner erkrankten Frau nach der Cbausseestraße bestellt. Dort wohnt aber niemand, der der Pflege bedürftig gewesen wäre. Ohne Zweifel ist die Bestellung des Mannes nur ein Vorwand gewesen, um sich über die Gepflogenheiten der Insassinnen des Heims zu unterrichten. Cr ist durch ein« Hintertür eingedrungen und hat aus einem Schrank im Speisezimmer 18 7 M. g e st o h l e n. Als die Schwester ihn überraschte, schlug er sie kurzerhand nieder. Mitteilungen zur Ergreifung des Räubers nehmen das 4. Polizeirevier und das Raubdezernät im Zimmer 80 des Polizeipräsidiums entgegen. Abonnentenversicherung. In der Abendausgabe vom 22. September 1926 brachten wir unter obiger Ueberschrift einen größere» Artikel, der die Schäden und Gefahren dieser Versicherungsart beleuchtete. Wir möchten nicht verabsäumen, unsere Leser darauf aufmerksam zu machen, daß in allen Versicherungsangelegenheiten, besonders bei Abschlüssen von Lebens- oder Todesfallversicherungen, für die Arbeiterschaft nur ihr eigenes Unternehmen, die gewerkschaftlich-genossenfchastliche Versicherungsgesellschaft Bolkssürsorge in Frage kommen kann. Dieses Unternehmen, das feit 1913 besteht, gibt die Lebensversiche- rung zum Selbstkostenpreis und werden die Ueberschüsse aus« schließlich den Versicherten gutgebracht. Dieses ist dadurch nwg- lich, daß keine Gewinne an Aktionäre, Aussichts.atspersonen oder Direktoren gegeben werden. Die Werbetätigkeit wird ehrenamtlich von den Gewerkschafts- und Gcnossenschaftsfunktionärcn aur�.übs, Die bisherigen Leistungen der letzten Jahre an die Versicherten (1924 10 Proz., 1925 20 Proz. Gewinnanteile für Volks'.'crsiche- rungen) geben den besten Beweis für die außerordentliche Stabil!- tät dieses Unternehmens. Außerdem sind besondere Vorkehrungen getroffen, daß durch Arbeitslosigkeit oder Krankheit ein Versall der Versicherung nicht eintreten kann. Die Prämien sind äußerst nie- drig, im Gegensatz zu den meisten privatkapitalistischen Gesellschaften. Die eingehenden Gelder werden ausschließlich für Arbeiterunter- nehmungcn verwendet. Außerdem können alle Sachversicherungen wie Feuer- und Einbruch-, Diebstahl- und Gebäudeversicherung dort für die in diesem Jahre gegründete„Eigenhilfe" abgeschlossen werden. Nähere Auskünfte erteilen alle Gewerkschastsbureaus, alle Verkaufsstellen der Konsumgenossenschaft sowie deren Funktionäre. Jeder Arbeiter sollte dieses Institut propa» ieren und sich als Mitarbeiter der Berliner echnungsstelle, Ritter st raße 12 6, zur Verfügung stellen._ So ehren sie Sie Toten. Völkischer Krakeel auf einem Friedhof. Daß Hakenkreuzlersrechheit selbst vor den Stätten der Toten keinen Respekt hat, kann bei der erschreckenden Verrohung der völ- tischen Kreise kaum noch Wunder nehmen. Von einem empören- den Vorfall, der sich am Montag nachmittag im Krematorium Wilmersdorf ereignete, wird uns folgendes berichtet: Der 2. Kreis der SPD. hatte sich mit Parteifahnen zur Ein- äscherung eines verstorbenen Genossen im Vorgarten des Krema- toriums aufgestellt, als eine etwa 80 Mann starke Hitler- Abteilung mit mehreren Hakenkreuzfahnen unter dem üblichen Gelärm der Hitler-Rowdys vor das Krematorium rückte, um einen ihrer Gesinnungsfreunde zu bestatten. Sogleich kam es zu schnoddrigen, beleidigenden Bemerkungen der Haken- kreuzflegel, die anscheinend schamlos genug waren, eine Schlägerei an diesem Orte provozieren zu wollen. Polizeibcamte griffen so- fort ein und bedeuteten den nationalsozialistischen Krakeelern, daß sie den Friedhof verlassen müßten, wenn sie weiter hier Händel suchen wollten. Zu einer tollen Geschmacklosigkeit kam es bei der Beerdigung des Völkischen. Eine Gruppe von zirka zehn Hitler-Leuten mit Hakcnkreuzbinden hatte— man denke auf einem Friedhos— geladen« Gewehre bei sich. Auf ein scharfes militärisches Kommando legten die Leute an und gaben drei „Ehrensalven" ab. Die Empörung des Publikums über diese Aus- schreitung der Hitler-Leute war allgemein. Es muß die Frage auf- geworfen werden, ob die K r e m a t o r i u m s v e r w n l t u n g zu diesem Mißbrauch eines Friedhofs ihre Zustimmung gegeben hat. Denn der Gedanke ist unerträglich, daß es auch in Zukunft möglich sein könnte, daß Trauernde und Leidtragende durch derartige Roheiten um die letzten Minuten stillen Beisammenseins mit einem lieben Toten gebracht werden. Rcveullow redet beim Reichsbanner. Nachdem am Dienstag die Hakenkreuzler in Potsdam sich gestllen lassen mußten, daß in einer ihrer Versammlungen republikanische Redner in der Diskussion das Wort ergriffen, hat das Reichsbanner zu heute abend in das Kaiserkaffee eine ossentliche Versammlung einberufen, und den Grasen Reventlow aufgefordert, in der Diskussion zu sprechen. Reventlow hat den Mannesmut gehabt, zuzusagen. Flugzeugabsturz bei Skaaken. Ein folgenschwerer Flugzeug- a b st u r z ereignete sich gestern aus dem Flugplatz in Staaken. Der Flugzeugführer Wahrlich von der Fliegerschule Bornemann war zu einem Flug gestartet. In etwa 50 Meier Höhe senlte sich die Spitze des Apparates plötzlich, der im selben Augenblick in die Ties« sauste und mit großer Wucht auf den Erdboden prallte. W. mußte aus den Trümmern des abgestürzten Apparates geborgen werden. Er hatte schwere Beinverletzun- gen und eine Gehirnerschütterung erlitten. Der Verunglückte wurde in das Spandaucr Krankenhaus geschafft, wo er heute morgen v e r st a r b. Die 5pur durch» wciße Lend. Dieser Film wurde gestern lDomicrs- tag) von der Deulschen Hochlchule für Lcibckübimgen sVollShochichulkurse) der Berliner Presse und getndcncn Wäslen im VercinSbauZ deutscher In- genieurc»orgesühtt Er enlbält cim.clnc sctjr gut gclunzenc Landlchasts- bildcr, aber sie geben nur den Nahmen ab. um die Technik des Skil ausenS vorzufübren. Man kann hier der Ansicht seni. dasz dcZ (guten etwas jn viel getan wild, wenn in einem Film die liciusten Bewegungen und die kicinsicn Einzelbmen der Kumt deZ SkilausenS den Beschauern vorgcsührt werden. EtwaS weniger wäre hier mehr gewesen, da der Film iasatgc der zu reichlichen Details stark ermüdet. Vielleicht ist es möglich, ibn clwaS zusammcnzndrängcn. dann ist er sicherlich ein sehr wertvolles Belehrung»- und Werbemittel sür den Lport. Pflege nnd Ernährung de» SäugNng». Am Donnerstag, 4. November, beginnt im Kaiscrin-Angusic-Vicloria-HanS, Ehariostenburn, Frankslrako 3 lStrnßcnbadnboi Westend), ein Kursus sür Mütter und Mädchen, in dem alles da» vraktiich und ihcorctisch gclchit wird, was eine Frau von der Pslege und Ernährmig des Säuglings wissen mnsj. Der Knrsu» mnsasit vier Doppelstunden, jeweils DonnerSlngS von 3— S Uhr. Die Einschreibe« gebühr von 8 M. ist im Ausnahmeburcau der Anstalt zu entrichten. and CRal&taiS z�Cch. fbWißJMi(uo. aileri flctrfcxera cu-tcL Qjo-c-nae-n, in. unf&cen. autten* QxmMfaten Herren-Ulster dunkelgrauer, haltb. Cbev. IL H erre n- U Ister reinwollener kräftiger Ma- rengo-Cheviot....... M. Herren-Ulster reinwoll. karierter Cheviot in dunkelbraun u. blaugrün U. Herren- U Ister reinw. dunkelbraun n. braun- meliert Cbev. m. Überkaro iL Herren- Ulster Uarengo- Cheviot schwere beeond. dauerhafte QuaJit M. 47.- 57.- 59.- 89.- 97.- H erre n- U Ister modern gemusterter Cheviot�jfJC mit eleganter Abseite.. M. IUO.'" 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Nm Montag und Dienstag fand im Lehrervereinshause der Lertretertag der Vereinigung der höheren Kriminal- beamten Preitbens statt. Anwesend waren u. a. auch der Regierungsdirektor D. Weiß, Polizeioizepräsident Dr. Friedens- bürg und Regierungsrat Gräser vom Preußischen Ministerium des Innern. Nachdem Kriminalkommissar Linnemann über Standes- und Besoldungsfragcn referiert und dabei die Forderung ausgestellt hatte, daß die höheren Kriminalbeamten in ihrer Besoldung und auch in sonstiger Hinsicht den Beamten der Schutzpolizei gleichgestellt tmirden, nahm derselbe Referent zu der augenblicklich so aktuellen Frage Stellung:„Inwieweit ist der Magdeburger Fall für die Be- rufsorganisation der Kriminalpolizei von Wichtigkeit?" Er unter- strich, daß gerade dieser Fall klar erwiesen habe, daß Justiz und Polizei verschiedener Ansicht über die Zuständigkeit der Kriminalpolizei seien. Nur aus dieser Verschiedenartigkeit der Beurteilung der Rechte und der Pflichten der Kriminalpolizei sei die große Unruhe zu erklären, die der Magdeburger Fall in der Oeffentlichkeit verursacht habe. So entstehe die Notwendigkeit, die Stellung der Polizei gegenüber den Gerichtsbehörden klarzustellen. Nach der bisherigen Praxis können sich der Staatsanwalt und der Untersuchungsrichter im Ermittlungsverfahren einen ihnen genehmen Kriminalbeamten auswählen. Dieser Zustand sei unhalt bar. Richtig wäre es, daß entsprechend des Erlasses des Justiz- Ministers aus dem Jahre 1883 der Kriminalbeamte für das Er- mittlungsverfahren von seiner vorgesetzten Behörde dem Unter- suchungsrichter zur Verfügung gestellt werde. Andererseits wird den Polizeibeamten die Befugnis abgesprochen, aus eigener Macht- Vollkommenheit Straftaten weiter zu verfolgen, wenn diese bereits eine Gerichtsstelle beschäftigen. Nach den geltenden Gesetzes- bsstimmungen bestehe aber für die Polizeibeamten nicht allein das Recht, sondern auch die Pflicht zu solchen Maßnahmen. In An- betracht all dieser Uuklarheiten schlug der Referent die An- nähme eines Antrages vor, der an die Parlamenten und Regierungen die Bitte richtet, durch neue Gesetze und Bestimmungen die Unklar- heiten, die im Verkehr der Polizei mit den Gerichtsstellen_bestehen, zu beheben und die Stellung der Polizei im Strafermittelungsver- fahren in einer Weise neu zu regeln, die den Leistungen der mo- dernen Polizei gerecht wird. Ministerialrat H e r f u r t h vom Preu- ßischen Justizministerium, wie auch Regierungsdirektor Dr. Weiß, erklärten sich auch ihrerseits für die Notwendigkeit solch eines Ge- jetzes. Der Antrag fand einstimmige Annahme. Von nicht geringem Interesse war der Vortrag des Leiters der Berliner Kriminalpolizei, des Regierungsdirektors Dr. Weiß, über.Kriminalpolizei und politisch« Polizei". Zwar bediene sich die politisch« Polizei bei ihrer Tätigkeit der Kriminal- Polizei. Während aber letztere im großen und ganzen den Schutz des einzelnen im Aug« habe, fei die Aufgab« der ersteren der Schutz der Gesamtheit. So müsse der Beamte der polittschen Polizei neben der Schlagsertigkeit ihrer Tatkraft noch über ein gewisses politisches Fingerspitzengefühl und über eine U n- empfindlichkeit gegenüber Angriffen der Geg- ner besitzen. Es sei nicht richtig, daß sich die politische Polizei in ihren Maßnahmen von parteipolitischen Gesichtspunklen leiten lasse. Richtig sei allerdings, daß in der politischen Polizei zum Teil die gleichen Beamten tätig seien wie vor der Staatsumwälzung. Sie seien aber nach Ansicht des Regierungsdirektors Weiß von absoluter Objektivität erfüllt(?) Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen erwähnte der Referent den Typus des gemeinen Verbrechers, der sich mit einem politischen Mäntelchen umkleidet: er betonte ferner, daß das Lockspitzeltum durchaus abzulehnen sei, des- gleichen auch die unsauberen und ungesetzlichen Handhabungen, der sich die politische Polizei früher bediente. Kriminalpolizei und poli- tische Polizei hätten trotz ihrer verschiedenen Arbeitsgebiete das gleiche Ziel, die Bekämpfung der Unsicherheit und Schutz der All- gemeinheit. Es sprachen noch Oberreichsanwalt a. D. Dr. Ebermeyer über die Strafrechtsform, Dr. Drews-Berlin über verfassungsmäßige Grundrechte und Polizeigewalt und Geheimrat Dr. jur. Robert Heindl über internationale Bekämpfung des Verbrechertums. Kriminalrat Boese schloß die Tagung mit einem Bekenntnis zur weiteren Pflichterfüllung der Beamtenschaft. Bei der Kundgebung zu Ehren Severings konnte durch die Kürze der zur Vorbereitung verfügbaren Zeit ein großer Teil der Reichsbannerkameraden nicht in der Reichsbannerkleidung er- scheinen. Zudem war es natürlich auch einem erheblichen Teil Gc- nassen und Genossinnen, die nicht direkt im Reichsbanner Mitglied sind, Bedürfnis, sich der Ehrung des scheidenden Severins anzu- schließen. Ganz besonders unangenehm fiel nun auf, daß plötzlich in der Wilhelmstraße versucht wurde, diese in Zivilkeidung besind- lichen Demonstranten abzudrängen. Selbstverständl.ich wurde aus begreiflichen Gründen von den Abgedrängten versucht, trotz dieser Anordnung ihrem Zuge zu folgen. Statt nun aber bei der Aus- führung dieses Befehls die bei dieser Art Kundgebung ganz be- sonders erforderliche Rücksicht zu nehmen, wie uns aus den Kreisen unserer Leser mitgeteilt wird, gefielen sich ein Teil der Beamten darin, mit Boxhieben, Jiu-Jitsu-Grisfen gegen die widerstrebenden Abgedrängten vorzugehen. Ganz besonders taten sich hier A n g e- hörige der 4. Bereitschaft, Mannschaftsauto 25 904, hervor. Begreiflicherweise bemächtigte sich der derartig Behandelten eine berechtigte Empörung, die nur geschwächt werden konnte durch die beruhigende Haltung einiger Beamter, die mtt scharf« Worten das Verhalten ihrer Kameraden mißbilligten. Hier mutz energisch und sofort Abhilfe geschaffen werden. Einmal, datz derartig unan- gebrachte Befehle erst gar nicht gegeben, und, wenn schon einmal gegeben, in etwas liebenswürdigerer Form ausgeführt werden. Ehrung des verstorbenen Genossen Mehlich. Im Preußischen Staatsrat, der am Dienstag eine Sitzung abhielt, wurde das An- denken des bei dem Eisenbahnunglück von Leiferde verunglückten Staatskommissars, Genossen Mehlich, durch eine Ansprache des Prä. fidenten Adenauer geehrt. An Stelle Mehlichs tritt Genosie Prof. Dr. Karl Vorländer, der bekannt« Kant- und Marx-Forfcher an der Universität Münster, in den Staatsrat ein. Die Eröffnung der 1. Internationalen Kongresses für Sexual- forfchung findet am Sonntag, den 10. Oktober, vormittags 11 Uhr, im Plcnarfitzungssaal des Reichstages statt. Die Er- öffnungsfeier wird gleichzeitig eine Gedenkfeier für die Verstorbenen sein. Beteiligen werden sich hierbei u. a. Prof. Siegfried Ochs, der Berliner Aerztechor unter Leitung von Dr. Kurt Singer, die Solistin Fräulein Paula Lindberg und ein Quintett von Berliner Aerzten. In der Eröffnungssitzung werden u. a. sprechen der Reichsminister des Innern Dr. Külz, der Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung Dr. Becker, der Rektor der Universität Prof. Dr. Pompecki. Die wissenschaftlichen Verhandlungen beginnen am 11. Oktober. Die Vorträge werden zum Teil in allgemeinen Sitzungen stattfinden, zum Teil in Sektionen. Es sind folgende Sektionen in Aussicht genommen: Biologie und Physiologie, Psychologie und Pädagogik, soziale Hygiene und Eugenik, Soziologie und Kultur, Kriminologie und Familienrecht, Bevölkerungswissen- schaft. Die Geschäftsstelle bei Herrn Geh. San.-Rat Dr. Albert Moll, Berlin W 15, Kurfürstendamm 45, ist bis Freitag mittag geöffnet. .........." st. Hier findet auch die Ausgabe von Kongreßkarten statt. Der verein zum Schuhe der Kinder vor Ausbeutung und Miß- Handlung, Berlin C., Poststraße 13, verfolgt sofort alle ihm ge- meldeten Fälle und bringt im Notfall die Kinder ohne Zeitverlust in seinem eigenen Heim unter. Fälle, wie der in der Sonntags- nummer des„Vorwärts" behandelte, würden von dem genannten Verein sofort im Uebereinkommen mit den vorgesetzten Behörden erledigt werden. 2000 Kronen im Kinderballon entflogen. Eine Landfrau hotte für Waren am Markte in Pifet in Böhmen 2000 Kronen Bargeld gelöst und wickelte, wie es die Landfrauen tun, das viel« Geld in ihr Taschentuch. Daran band sie später auch zwei Kinderluft- ballons für ihre Kleinen. Als ihr unterwegs die Schuhe auf- gingen, legte sie das Taschentuch achtlos auf den Weg, um die Bänder zu knüpfen. Im nächsten Augenblick aber stiegen die Ballons auf und mtt ihnen die 2000 Kronen(250 M.). QiddWaref •FVc&cf* Kleiderstoffe niiiiiiiiiiiiiniiuiiniiiiitiniuiiiiiiiiiiiHiiuiiiiiiumuiiimniiiraiiiiuuiiiiiiiiiiiimniuimm •• vnllgemiieht, für Biotin und KHiier................ M,t„ 2SÄ Pf- Anscwgstoffe gminiiimmniiiiiiiiimiiiimiiiiiiiinnnnwraiimmiiiiiiinnmswmiuniiiiiiimnmnnmiuraiiiiiiuiimmiiimmiunmiiiiiiiiinimniiiiiiiiiraniiiiiini� Wäschestoffe Seidenstoffe iniiitniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiinnunniniinmiiitiiiiiiiiiinuinnmmiiii ca. 140 em breit, ran gemustert, für las Nessel Zibetinetueh�B nahen Meter br., neu. Färb, vor- ca. 80 cm breit, gute Qualität............ Meter 38 Renforce ca. 80 cm breit, 'Pf. gutes Wlacbetucli....... Meter 55 Schotten pf.= Wi fesners. et«.»»<«»>■««, für & l* Co/Cm I» Kostüm- und Mantelfutter, Meter STä ifcfe WW fär Mänt'1* reine Wolle, ea, ISOem 3 A A r breit, moderne Farben..... 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