Nr. 473 ♦ 4Z. �ahrg. Ausgabe M Nr. 244 Bezugspreis. «Schentlich 70 Pf-nnia, monaili» L,— Reichsmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband kür Deutschland. Dctiaia. Soor- und Memelaediet. Oesterreich. Litauen. Lurcmbur» 4.50 Reichsmark, für das llbriae Ausland 5.50 Reichsmark pro Monat. »er..Vorwärts' mit der illustrierten Sonntagsbeilage.Boll und Zeit' loroic den Beilagen.Unterhaltung lind Wissen'.»Bus der Rlmwelt', .Frauenstimme"..Der Kinder- freund",„Jugend-Vorwärts" und .Blick in die Bischerwelt" erscheint tvochentäglich zweimal. Sonntag» und Montags einmal. Telogramm-Adresse: .Sozialdemotra» ZZcrlio" Sonntagsansgabe r H Devltnev Volksvlakt �15 Pfennigs ! Anzeigenpreise: Die einivaltia« Nonpareille. »eile 80 Pfennig. Reklame, eile 5.— Reichsmark,.«leine«n, eigen* das fettgedruckte Wort 25 Pfennig Omlilfsia ,wei fettgedruckte Worte). iede» weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte Uber 15 Buchstaben, üblen für ,wci Worte. «rbeitsmarkt Keile 00 Pfennig. gamilienan, eigen fllr Abonnenten Seile 40 Pfennig. An, eigen fllr die nächst« Rümmer Mllllen bis 4)4 Ubr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW 08. Linden- strastcZ. abgegeben werden. Geöffnet von 8)4 Uhr früh bis 5 Ubr nachm. Zcntralorgan der Soziatdemokratireben parte! Deutfchlands Redaktion und Verlag: S erlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 293—297. Sonntag, den 10. Oktober 1926 vorwärts-verlag G.m.b.H., Gerlin SW. 68, Linöenstr.Z Postscheckkonto: Berlin»7 50«- BanNont«!«a»r der«'bester,«»«-stellt-» und Beamten. Wallftr. 63: Diskonto-Gescllschast. DepoKtenka�e Liudenstr. a. Der Kampf Entscheidung auf dem radikal-sozi Paris, g. Okiober.(Von unserem Pariser Korrespondenten): Am 14. Oktober tritt die R a d i k a l s o z i a l i st i s ch e Partei in Bordeaux zu ihrem diesjährigen Jahres- kongreh zusammen. Die Wahl fiel vor Monaten auf Bordeaux, well man über den Rahmen des Kongresses hinaus«ine große Demonstration für das Linkskartell veranstalten wollt«. Die konserootiv-nationalistifchen Schichten hatten seit Jahrzehnten die Leitung der Gemeindeverwallung in Bordeaux in der Hand und erst bei den letzten Wahlen im Frühling 1S2S siel der sozialistischen Partei die Mehrheit der Sitze zu.. Der jung«, sehr begabt« Abgeordnete Andrä Marquet wurde damals zum Bürgermeister gewählt. Er gehört« innerhalb der sozialistischen Partei zu den entschiedensten Vertretern des Kartells und war ebenso Anhänger einer Be> t« i l i g u n g der Sozialisten an der Regierung. Aber auch er wird unter den gegenwärtigen Umständen nicht daran denken können, den Mann, der den radikalsozialistischcn Kongreß eröffnen wird und der so latige als Verkörperung des Kartellgedankens galt, nämlich ch e r r i o t, im Namen dieses einstweilen zerborstenen Kartell» zu begrüßen, da er in ihm gleichzeitig«inen Minister des Kabi- netts Poincarä begrüßen müßt«. So wenig man in dem Eintritt des ersten Vorsitzenden der radikalsozialistischen Partei cherriot in das Kabinett Poincarä etwa den Ausdruck von Strcberei zu sehen braucht und so sehr man der Versicherung des ersten Bürgermeisters von Lyon Glauben schenken darf, daß«r nach bestem Wissen und Gewissen überzeugt war, richtig zu handeln, so bleibt doch nichts anderes übrig als«in« maßlos« Verkvirrung festzustellen, die cherriot durch seinen Entschluß innerhalb seiner eigenen Partei anrichtet«, und den verhängvollen Schlag, den er nicht nur dem Rest des Kartells, sondern dem Kartellgedanken als solchem überhaupt versetzte, chatte er doch erst kurze Zeit vor seinem Eintritt in die Regierung in aller Oeffent- lichkeit die Möglichkeit eines Ministeriums der„cheiligen Einigkeit" proklamiert, und zwar, als es dem Franken schon sehr schlecht erging, so daß gerade bei den breiten Massen nicht das geringst« Ver- st ä n d n i s für seine überraschende Schwenkung vorhanden ist. Im Zusaminenhang mit diesen Dingen, die im Mittelpunkt der Verhandlungen des Kongresses von Bordeaux stehen dürsten, kann die gesamte innere und äußere Politik der radikal- sozialistischen Partei einer Prüfung unterzogen werden. Kommt es zu einer klaren, offenen Aussprache, so dürste sich wahrscheinlich herausstellen, daß innerhalb der größten französischen Partei sehr fiesgehende ZNeinungsoerschiedenheiken vorhanden sind. Die radikalsozialistischen Bezirkskongresse haben bereits gezeigt, daß es zwei Haupt st römungen gibt, von denen die eine der Verständigung mit den Parteien des Nationalen Blocks nicht abgeneigt ist. Die Vertreter dieser Richtting stützen ihre Begründung hauptsächlich auf die Weigerung der sozialistischen jPartei, an einer Linksrcgierung teilzunehmen. Die andere Richtung. Der Nachfolger Seeckts. Generalleutnant Wilhelm Heye. Der Reichspräsident hat den Generalleutnant Wil- Helm Heye, bisher Kommandeur der 1. Division in Königsberg, an» Sonnabend als Nachfolger des Generalobersten von Sceckt zum militärischen Berater des Reichswehrministers ernannt. Dieser Ernennung ging eine Besprechung Dr. Geßlers mitGeneralHeye vorauf, in der sich über dessen Stellung als militärischer Berater völlige Einmütigkeit ergab. Die Disziplinargewalt über die gesamte Reichswehr unterliegt ausschließlich dem Reichswehrminister. Hermersheim. Die Sühneverhandlung in Landau. Havas meldet: Leutnant Rouzier, der am 27. September In Gennersheßn, als er sich im Zustande der Notwehr glaubte, von seinem Revolver Gebrauch machte, hat zu seinem Verteidiger den Pariser Rechtsanwalt Jacques M 0 u r i e r gewählt, der ihn vor dem Kriegsgericht in Landau verteidigen wird, wo die Untersuchung schwebt.(Die Verhandlung vor dem französischen Kriegsgericht wird sich also um die Frage drehen, ob der französische Schießheld zu dem Glauben, daß er richtig handelte, berechtigt war, oder ob er sich damit nur herausreden will. Die Red.) Rückzug ües preußistden Richtervereins. Neviston des Ausschluffes von Grostmanv. Eassel, S. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Der Vorstand des Preußischen Richtervereins befaßte sich am Sonnabend mit der?:> rujung des Senatspräsidenten Großmann gegen seinen Ausschluß aus dem Richterbund, ohne zu einer Entscheidung zu kommen. Ks wurden verschiedene Ausgleichsmöglichkeite» an» UM herriot. »liftischen Parteitag in Bordeaux. die sich im allgemeinen als schwächer erwiesen hat, vertritt da- gegen nach wie vor den Gedanken einer Wiederherstellung des Kar- teils mit den Sozialisten. Herriot selbst dürfte in seiner Ver- teidigungsrede die Hauptverantwortung für die innerpolitische Ent- Wicklung Frankreichs ebenfalls der mehrfach erfolgten Ablehnung der sozialistischen Partei, an einer Kartellregierung teilzunehmen, zuschieben. Hoffentlich bringt er aber auch den Mut auf, die schweren Jehler seiner eigenen Partei aufzuzählen, an die erst kürzlich der Chefredakteur des„Ouotldien" vor aller Oeffentlichkeit erinnert«. In der Tot: Hätte die 138 Mann stark« radikalsozialistisch« Kommerfraktion die Beschlüsse des letztjährigen radikalsozialistischen Kongresses von Nizza verwirklicht, und wären nicht etwa drei Dutzend Abgeordnet« in dem entscheidenden Augenblick diesen Be- schlüssen untreu geworden, so hätte das Kartell trotz der fozialisti- schen Weigerung, in die Regierung einzutreten, noch nicht zu Ende sein brauchen. Damals unterlag Caillaux in Nizza gegen Herriot in der Debatte über die Finanzfrag«. Aber alles, was Herriot gegen ihn sagte, wird auf dem Kongreß in Bordeaux gegen den Poincart-Minister, insbesondere gegen die Art und Weise, n.4« das Kabinett Poincare mit der Zustimmung Herriots die Frankensanierung versteht, angeführt werden. Die fechte hofft unter diesen Umständen, daß der Kongreß von Bordeaux zum Grab nicht nur für das Kartell in der jetzigen Legislaturperiode wird, sondern für alle Zeiten das Links- kartell unmöglich macht. Diese Hoffnung ist angesichts der taktischen und sachlichen Gegensätze, die zwischen der radikalsozialistsschen Partei bestehen, und angesichts der erbitter- ten Stimmung zwischen den beiden ehemals parlamentarisch verbündeten Parteien nicht ganz unberechtigt. Immerhin hat keine der beiden Parteien weder im Land noch im Parlament eine Mehrheit. Das dürsten weder Herriot noch die beiden Anwärter auf die Präsidentschaft der radikalsozialistischen Partei Maurice Sarraut und M a l v y vergessen. Trotzdem wird es dem Kongreß von Bordeaux nicht leicht fallen, Beschlüsse zu sasscn, die einmal die Existenz des Kabinetts Poincare nicht ge- f ä h r d e n und letzten Endes den Weg zu einer späteren Wiederher st«llung des Linkskartellsmicht versperren. Herriot legt den Vorsitz nieder.— Sarraut sein Nachfolger? Paris, 9. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) In deft Kreisen der Radikalsozialen Partei wird nunmehr bestätigt, daß H e r r i 0 i tatsächlich beabsichtigt, den Vorsitz der Partei niederzulegen und eine Wiederwahl abzulehnen. Von den Bewerbern um seine Nachfolgerschaft, zu denen u. a. auch Caillaux und Malvy gehören, scheint der Senator Sarraut die meisten Aus- sichten zu haben. geregt, bei deren Diskussion sich ergab, daß der Vorstand des Richter- Vereins in seiner Mehrheit den Ausschluß Großmanns für u n b e- recht igt hält. Eine Entscheidung über die Berufung soll in kür- zester Frist gefällt werden. Genfer Rbrüstungsstuüien. Vom Militärausschuß der Vorbereitungskommission. Gens, 9. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Im Militärausschuß A der Vorbereitenden Abrüstungskommission sind nunmehr alle über- wiesencn Fragen in erster Lesung durchbcraten. Die letzte Frage, ob, wenn eine allgemeine Abrüstung nicht erreichbar sei. nicht zu regionalen Abrüstungsmaßnahmen gegriffen werden könne und unter welchen Bedingungen, hat den Ausschuß noch einige Tage beschäftigt. Man scheint dabei stark zu der Auffassung geneigt zu haben, daß die Frage wesentlich politischer Natur sei und vom rein militärisch-technischen Standpunkt aus dazu wenig gesagt werden könne. Regionalc Abvüstungsmöglichkeiten zu Lande werden jedoch unter einer Reihe koinplizierter Voraussetzungen nicht grund- sützlich abgelehnt. Ferner hat der Ausschuß am Freitag und am Sonnabend eine Art Geschäftsordnung sür die Vornahme der zweiten Lesung seines ganzen Werkes und die Abfassung des Schluß- beruhtes aufgestellt. Mit den Beratungen der zweiten Lesung wird am nächsten Mittwoch begonnen. Sichtung öer Sowjetöiplomatie. Linkskommunisten ranS! Der„Reichsdienst der deutschen Presse" meldet, daß das russische Volksaußenkommissariot Richtlinien für die diplomatischen Ver- tretungen der Sowjetregierung ausgearbeitet habe, die ihnen er- möglichen sollen, einflußreiche Beamte zu beseitigen, von denen bekannt ist, daß sie mit der kommunistischen Opposition sympathisieren und sich sogar dazu hergeben, zwischen den Opposttions- gruppen in Sowjetrußland und den deutschen und französtschen Linkstommumsten zu vermitteln. Machtkämpfe. Die Staatsvcrneiner und die Reichswehr.— DaS Angebot der Volkspnrtei in Preußen. Zum Nachfolger des Generalobersten v. Seeckt ist der Generalleutnant Heye in Königsberg ernannt worden. Be-- vor dieser General nach Königsberg ging, hat man ihm Ver-- ständnis für die Forderungen der neuen Zeit nachgesagt. Dann soll das konservative Milieu Ostpreußens. auch auf seinen Cha» rakter abgefärbt haben. In Berlin wird er hoffentlich Ge- legenheit finden, sich von diesen Einflüssen wieder zu erholen. Die grundsätzliche Bedeutung dieses Personenwechsels ist hier schon dargelegt worden. Sie wird aber von der anderen Seite her in sehr wirksamer Weise durch die„Deutsche Zeitung" beleuchtet, die den radikalen Flügel der Deutschnationalen ver- tritt. Die„Deutsche Zeitung", die das Heil für Deutschland erst gekommen sieht, wenn eine Militärdiktatur nach spani- schem Muster aufgerichtet sein wird, schreibt: Bielleicht wird dem abgedankten General jetzt, nachdem er die Macht, die ihm gegeben ward, in jahrelangem Zögern aus seinen Händen gleiten lieh, das Verständnis dafür aufgehen, warum wir diesen Staat verneinen und in seiner, Seeckts, Lebensarbeit— der Schaffung von Macht zur Bejahung dieses Staates, statt zur selbständigen nationalen Staatsbildung— eine untilgbare Sünde wider den Heiligen Geist der Nation sehenl Herr v. Seeckt hat die Wehrmacht zu einem passiven In st r ii in ent der Staatsantorität gemacht, statt sie— den veränderten Verhältnissen Rechnung tragend— zum attioiftischcn Stoßtrupp des nationalen Gedankens zu entwickeln. Damit hat er es versäumt, sich und der Wehrmacht, die für kriegerisch: Handlungen ja vorläufig gar nichl In Ircge kommt,«ine wirtliche Aus- gäbe zu stellen. Dieser Mangel eines wirklichen Zieles ist es letzten Endes, über den der Generaloberst jetzt zu Fall kommt. Wir wollen ihm und uns nicht wünschen, daß er mit ansehen muß. wie an dieser Ziellosigkeit auch sein Werk, die Wehrmacht, zugrunde geht und zum Büttel der Sozialdemokratie wird. Sondern wollen hoffen, daß der trotz allem verdienstvolle General es noch miterlebt, wenn eine zielbewußte, jüngere Generation die in der Wehrmacht schlummernden Kräfte noch rechtzeitig weckt und wieder gut macht, was Herr v. Seeckt in einer zwar begreiflichen, aber verhängnisvollen Verkennung seiner vaterländische Ausgaben versäumte. Die Armee— nicht eine Schutztruppe des Staates, sondern eine Kampftruppe gegen den Staat! Das ist ein klares Programm! Dank der„Deulschen Zeitung", daß sie es so offen enthüllt hat! Sa weiß man wenigstens genau, um was es geht. Weiß auch, zu welchen Zwecken die D e u t s ch na t i 0 n a l e n nach der' Macht drängen. Wölfe im Schafspelz! Aber das Geheul der„Deutschen Zeitung" verrät ihre wahre Natur. D'e„Deutsche Zeitung" spricht von Kräften der Staats- Verneinung und der Militärrevolte, die in der Reichswehr schlummern. Sie will sie wecken. Wir fordern ihre Aus- tilgung, und wevden in diesem Kampf nicht müde werden. * I n Preußen fordert die Volksparter ihren EintrittindieKoalition. Sie hat am Frei- tag diesen Wunsch dem Ministerpräsidenten Genossen Braun zur Kenntnis gebracht. Aber am Sonnabend tagte dos Ka- binctt. und der Ministerialdirektor A b e g g wurde zum Staatssekretär im Ministerium des Innern ernannt. Darüber* nun-großes Wehgeschrei in den der Volkspartei nahestehenden Zeitungen. So in der„Täglichen Rundschau": Die Ernennungen haben nicht nur vom Standpunkte der Personalpolitik aus Bedeutung. Sie sind auch insofern wichtig, als namentlich die Er nennung Abeggs zum Staatssekretär im Innenminsstcrium die Verhandlungen über eine Erweiterung der Koalition sehr ungünstig be- einflussen wird. In den Kreisen der Deutschen Volkspartei hat man den Eindruck, daß aus der Ernennung Abeggs zum Staatssekretär die Absicht spricht, die Verhandlungen durch einen Affront möglichst zu erschweren oder gar unmöglich zu machen. Unter diesen Umständen glaubt man von den Koalitlonsverhandiungen kaum noch etwas er- warten zu können. Abegg war als Anwärter längst genannt. Daß seine Er- nennung unmittelbar bevorstond, pfiffen die Soatzen von den Dächern. Da erfolgt der Schritt der Volkspartei, gleich darauf die Ernennung Abeggs— und auf einmal hat die Voltspartei an der Großen Koalition kein Interesse mehr. Das sieht doch wirklich ganz danach aus, als ob d:e Aktion der Bolkspartci keinen anderen Zweck gehabt hätte als den. die Ernennung eines zuverlässigen Republikaners zum Staats- sekretär im Ministerium des Innern zu verhindern. Nachdem dieses Manöver mißlungen ist, wird abgestoppt. Die„Germania", das Zentrumsblatt, steht dem plötzlichen Angebot der Volkspartei kühl bis ans Herz gegenüber. Sie betont, daß die in Preußen regierenden Parteien„sich außer- ordentlich stark fühlen", und daß sie zu einem„stalzei: Selbst- bewußtsein" berechtigt sind. Im Jahre 1L21 sei man auf die Hilfe der Volkspartei angewiesen gewesen, aber heute lagen die Dinge völlig anders. Zudem habe W Sie Lolksparlek mltllcnnetle— SurH die Oppoffkion, Sie fle gemeinsam mit der Rechten und den Kommunisten betrieb— zu einer Politik hinreißen lassen, die wohl heute mit Aus- nähme von ganz wenigen in der Partei keine Verteidiger mehr finde. Zwar sei noch immer Verhandlungsbereitschaft vorhanden, aber„unter teilweise wesentlich anders gearteten Bedingungen." Das Zentrumsblatt schließt: Die Isolierung der Voltspartei ist durch die ge- samte Situation erkennbar genug, und je mehr sie auf außen« politischem Gebiete den Anspruch auf Berücksichtigung ihrer Verdienste im Reich erhebt, desto sonderbarer wirkt die Tatsache, daß sie sich innenpolitisch im größten deutschen Freistaate in eine Sackgasse verrannt hat. Diese Position ist für sie nicht beneidenswert. Gewiß kann es einer wirklichen Staatspolitik niemals einfallen, Hindernisse aller Art aufzutürmen, um die Lage einer Partei, deren außenpolitische Verdienste gerne anerkannt werden, weiter zu erschweren. Aber man kann den Regierungsparteien in Preußen aus dieser Situation keinen Vor» wurf machen, und man kann nicht von ihnen verlangen, daß fle die Initiativ« ergreifen oder gor Forderungen an» nehmen, die Im Jahre 1S21 ebenso verständlich waren, wie sie heute zurückgewiesen werden müssen. Die Demokraten werden mit dieser Zurückweisung desto einverstandener sein, als die Forderungen der Volkspartei— nach dem Unterrichts- und dem Finanzministerium— ausschließlich auf ihre Kosten gehen. » Ganz anders nimmt sich die Aktion der Volkspartei natürlich für die Deutschnationalen aus. Diese befürchten von ihr eine Isolierung in Preußen und im Reiche und die Zer- störung aller ihrer Hoffnungen, wieder an die Macht zu ge- langen. Darum läßt sich die„Deutsche Tageszeitung" fol- gendermaßen vernehmen: Di« heute morgen veröffentlichte Erklärung der Landtags- fraktion der Deutschen Volkspartei, sie fei grundsätzlich zur Wiederherstellung der Großen Koalition in Preußen bereit, stellt einen be deutsamen Wendepunkt unserer ganzen inner- politischen Lag« dar: eine Wendung, die, wenn nicht noch un- erwartete Hindernisse«intreten, den Anfang einer unheil- vollen Entwicklung nicht nur In Preußen, sondern nach aller Voraussicht auch im Reiche bedeutet. Die„Deutsche Tageszeitung", das Agrarierorgan, wünscht die Herstellung des Bürgerblacks im Reich und in Preußen vor allem aus wirtschaftlichen Gründen. Die Her. stellung einer Einheitsfront des großagrarischen und groß- industriellen Unternehmertums und die maßgebende Beein- flusfung der ganzen Wirtschafts- und Sozialpolitik durch sie ist chr eigentliches Ziel. Dazu hat es aber gute Weile, auch wenn jetzt das Jnter- esse der Volkspartei an der Großen Koalition in Preußen wieder erlahmt. Es ist ja überhaupt ein Irrtum, anzunehmen, die ungünstige Lage der Rechtsparteien fei nur die Folge einer mehr oder weniger zufälligen Parteikonstellation, und es fei möglich, sie durch parlamentarische Schiebungen irgendwelcher Art zu verbessern. Sie ist eine Folge der gnindsätzlich falschen Politik, die die Deutschnationalen mit der Volkspartei gegen die Republik, die Deutschnationalen ohne die Volkspartei gegen die Verständigungepolitik getrieben haben. Infolge dieser falschen Politik sind die Grundlagen für eine Rechtsregierung im Volke verschwunden, und die Parteien haben sich mit dieser Tatsache abzufinden. * Die Republik und die Politik der Verständigung haben heute eine gewaltige Mehrheit des Volkes für sich. Den Kern dieser Mehrheit aber bildet die Sozialdemokratie. Sie hat als Regierungspartei in Preußen In zäher Arbeit die Grundlagen der Republik befestigt, sie hat im Reich erst als Regierungspartei für die Politik der Verständigung in schwer- sten Kämpfen die Dahn geöffnet und dann, außerhalb der Regierung stehend, diese Politik gestützt und gefördert. Auf diesen geschichtlichen Tatsachen und auf ihrer Stärke im Schupo und Kinderwagen. Draußen am Bahnhof Witzleben wirbt in den festlich hex- gerichteten Räumen der großen Ausstellungshallen unsere Polizei in eindruckstiefen wie in humorvollen Tönen um da» tameradschaft- liche Vertrauen des Publikums. Und die Prefle fast aller Richtungen hat auch manch lobendes Wort für dieses Bemühen gefunden. So fei es denn auch einer einfachen Frau und Mutter vergönnt, mit einer kleinen anspruchslosen Echilderung»in Weniges vom Ver- trauen dieser Polizei zu sagen. Zur Würdigung dieser kleinen Begebenheit, dl« sich gewiß fast täglich in den verschiedenen Stadtteilen Berlins wiederholen wird, sei für die älteren Herrschaften die Erinnerung gestattet, wie unter der früheren Polizeiobrigkeit die säbelumgürteten und Pickelhauben» bewehrten Organe der össentlichen Sicherheit unseren tinderwagen- schiebenden Großmüttern und Müttern das Leben sauer machten. So man nämlich die Absicht hatte, das pflichtgemäß dem Staat« geborene Söhnchen oder Töchterlein an die gute frische Luft zu fahren, mußte man sich.zuvörderst auf der Polizei einen Kinder- wagenfahrschein beschaffen. Dieser Schein war selbstverständlich sorg- fästig aufzubewahren. Sodann durfte man sich laut Verordnung mst seinem Kinderwagen beileibe nicht in einer ganzen Reihe von Berliner Straßen sehen lassen. Es gab auch Vorschriften, ob man auf dem Bllrgerstelg oder auf dem Fcchrdamm fahren durfte. Des Ferneren waren einige öffentliche Aulagen für Kinderwagen ge- sperrt. Verstieß mal eine Frau au» Bosheit oder Unverstand gegen diese geheiligten Vorschriften, na, dann konnte sie was erleben! Ob ihr bei mehrmaliger Uebertrewng der Vorschriften das Kind entzogen wurde, darüber bin ich allerdings nicht unterrichtet. Run aber zurück zur Gegenwart. Es war ein schöner Sommernachmittag. Der Kaiserdamm war voller Leben, und da im Grunewald Rennen stattgefunden hatten, zog sich die ganze endlose Straße ein breites Band von Autos und Wagen entlang. Ich näherte mich mit meinem Kinderwagen und einem vergnügt krähenden Jungen darin mutig dem Straßenüber- gang, bereit, mich zum gegebenen Zeitpunkt ins Gewühl zu stürzen. Es schien aber wohl doch nicht möglich zu sein, kein Chauffeur machte Miene, eine halbe Minute etwas langsamer zu fahren. Da, was geschieht? Der Schupomann in der Mitte des Dammes hatte mich erspäht. Gebieterisch erhob er die Hand. Wie durch Zaubcrschlag erstarrten rechts und links die Wogen des Verkehrsstromes. Freund- llch winkte der Gewaltige mir zu, und unter allgemeiner Aufmerk- samieit zog ich mit meinem Kinderwagen ruhig und sicher— so, wie damals Moses mit den Kindern Israels durch das Rote Meer-- durch das zurückgewichene Meer der Autos und Motorräder dem jenseitigen Ufer zu. Und als ich meinen Fuß auf das Land des Bürgersteiges gesetzt hatte, flehe, da schlugen die Wogen des Ver- kehrs wieder über dem Kaiserdamm zusammen und verschlangen alle», was darinnen war, dl« Autos und Autobufle, die Motorräder und Volke Berulfl itjre Mach?. Der Satz, Saß man nicht gegen die Sozialdemokratie regieren kann, ge- winnt immer mehr die Bedeutung, daß man nicht gegen die Vernunft und nicht gegen das Volk re- gieren kann. In der parlamentarischen Demokratie vollziehen sich Machtkämpfe nicht unter Trompetensignalen und Kanonengebrüll, aber sie sind darum nicht minder bedeutungs- voll/ Je besser die Massen die veränderten Bedingungen des Kampfe« begreifen und sich ihnen anzupassen verstehen, desto gewisser wird der Sieg. Die Demokraten an öie volkspartei. Abgekühlte Begeisterung für die Große Koalition. Aus führenden Kreisen der demokratischen Landtags» fraktion erhält der„Demokratische Zeitungsdienst" eine Er- klärung zu dem Angebot der Voltspartei, in die preußische Koalition mit einzutreten. Darin wird zunächst auf die Zusammenhänge zwischen Preußen und dem Reich hin- gewiesen und dann weiter ausgeführt: Etwaige Koalitionsverhandlungen in Preußen werden nicht dadurch erleichtert, wenn in Blättern, die der Deutschen Volkspartei nahestehen, allerlei Ministerlisten veröffentlicht werden und wenn behauptet wird, die Hauptschwiorigkeiten lägen bei den Demokraten, eine Behauptung, die um so merkwürdiger ist, well bisher mit der demokratlschen Landtags- fraktion überhaupt noch nicht verhandelt worden ist. Richtig ist, daß die demokratische Landtagsfraktion mit Rücksicht auf die Per- s ö n l i ch k e i t e n, die sie bisher zur Verfügung gestellt hat, mit Rücksicht auf die Leistungen dieser Persönlichkeiten und mit Rücksicht auf ihre schwere Aufgabe, Mittler zwischen den bürgerlichen und der Sozialdemokratischen Partei zu seip, s i ch n i ch t mit einer Aschenbrödelrolle begnügen kann. Die Demo- traten müssen Ellenbogenfreiheit und Wirkungemöglichkesten auch in einem veränderten Kabinett verlangen. Sollten in dieser Hinsicht auf diese selbstverständlichen Forderungen Schwierigkeiten entstehen. so werden die Demokraten es sich überlegen, ob sie bei jeder künftigen Regierungskoalitivn dabei sein müssen. Andererseits sind fle sich sehr wohl de- wüßt, daß es nicht angängig Ist, lelchtstnnlgerweise die Verant- wortung abzulehnen. Wenn jetzt in der Deutschen Volkspartei Ver- stimmungen über die Stellenbesetznngen entstanden sind, die mit dem Rücktritt Severings in Verbindung stehen, so mag die Volkspartei bedenken, daß sie in die jetzige Situation durch ihre eigene Schuld gekommen ist. Hoffentlich werden nun die Demokraten in Zukunft uns nicht mehr so böse sein, wenn auch w i r überlegen, ob wir— zumal im Reiche— bei jeder Regierung dabei fsin müssen. Hm üen Zemeausschuß in München. Fememorde amtlich zugegeben. Di« Verhandlung des F«meausschuss«s In München erbracht« bis- her zahlreiches und w«rkoll«s Material tm einzelnen, das für dl« Beurteilung der bayerischen Dunkelkammer sowohl für den Pollttker wie für den Historiker von größtem Interesse ist. Sachlich am wich- tigsten ist die Ansicht des bayerischen Iustizminlster» Gürtner, daß die Mord'fäll« Sandmeier«nd Har- tung und der Mordanschlag auf D obner drei zu- sammenge hö re nd« Verbrechen find, zusammengehörend durch die Täter und durch die Umstände der Tat. Di« Täter sind nach Gürtner die flüchtigen Braun und B e r ch t h o l d. In dieser offiziellen Verlautbarung des bayerischen Justiz» minister», dl« man als«in« Art Bekenntnis der maßgebenden Per- sönlichkeiten in Baiiern bezeichnen muß, ist zweifellos bisher de? größte Erfolg des Femeausschufles In München zu buchen. Jetzt endlich von authentischer Seite, die zudem deutsch» national abgestempelt ist, zugegeben, was bisher Jahr um Jahr von der bayerischen Reaktion immer abgeleugnet wurde, daß dl« Linie 75. Ich und da» Kind aber, wir waren gerettet und wir priesen laut den Schupomann. Habe ich nun nicht recht, wenn ich sage, daß man zu dieser neuen Polizei schon Vertrauen haben kann? Unter Wilhelm wäre mir das doch bestimmt nicht passtertl E l l i R.- W. Staaksoper.(„Die Lieb« zu den drei Orangen.") P r o k o f> e s f s komische Oper hatte bei Kroll einen respektablen Erfolg, der von einem Teil des Publikums auf Blech, den Diri» aenten, abgewälzt wurde. Mit Unrecht, der größere Anteil gebührt dem Dichterkomponisten, der ohne Prätention ein« durchweg witzige und spritzige Partitatur geschrieben hat, respektlos mit den abge- standcnen Dingen des Lebens, mit der Romantik unwahrer Overn umspringend. Ein ergötzlicher Ulk, ohne musikalische Tlefe, rhythmisch beschwingt, von künstlerischem Niveau in einer vorzüglich gelaunten Ausführung. K. S. Ein Vulkan, der Sold spelk. Die Einwohner des Dorfes Bugal- mak, das fünf Kilometer von Kertsch an der Südküste des Asowjchen Meeres liegt, sind durch ein ungewöhnliches Naturereignis in Auf- regung und Spannung versetzt worden. In unmittlebarer Nähe des Dorfes liegt ein Vulkan, der, nachdem er Jahrhunderte hindurch untätig geblieben war, vor kurzem durch einen neuen Ausbruch auch in der wissenschaftlichen Welt Nußlands viel von sich reden gemacht hat. Bereits im vergangenen April war er für die Dauer eines ganzes Tages in Tätigkeit getreten: Ohne Erschütterungen, ohne Ge- rausch, ohne Rauch, kurz: ohne die Begleiterscheinungen einer g«. wohnlichen Vulkaneruption, hatte der Krater einen merkwürdigen Schlamm ausgespien. In den letzten Tagen nun macht« sich der Vulkan von neuem, diesmal heftiger als zuvor, bemerkbar. Wiederum stieß er auf mehr als hundert Meter hin Schlamm aus, worauf Gase aufstiegen, die den Himmel röteten und ein ganz seli- sames Schauspiel boten: Flammen züngelten empor, und am Himmel erschienen Negenbogenfarben, ein Anblick, der an allen Küstenorten des Asowschen Meeres beobachtet werden konnte. Nach diesem Au»- bruch trat wieder vollkommene Ruhe ein.— Der Schlamm, der den Krater verlassen hatte, besaß, wie die nähere Untersuchung ergab, besondere Eigenschaften. Nach Farbe und Aussehen glich er dem Fluhschlamm, unterschied sich jedoch von diesem durch einen schwefel. und erdpechartigen Geruch. Die Ausscheidung de» Vulkans hat sich unter den: Einfluß des Windes abgekühlt und Ist getrocknet: seit mehreren Tagen bildet sie Staubwolken, die vom Wind ausgewirbelt werden, die Luft erfüllen und über weite Entfernungen geweht werden, um dann wie eln feiner Puder den Boden zu bedecken. Man hat nun diesen Staub genau untersucht und gefunden, daß ei stark goldhaltig ist. Die Nachricht von dieser Entdeckung hat unter den Einwohnern der ganzen Gegend eine gewaltige Auf- regung verursacht. Die Bauern, die noch kurz vorher den Himmel bestürmt hatten, als der Vulkan zu grollen und die Ernte zu ge. fäyrdcn begann, und die unruhig wurden, als die Staubwolken die Luft zu verpesten drohten, wünschen jetzt das Gegenteil, daß der Krater von neuem in Tätigkeit treten möge und ganze Sturzbäche mit ihrem kostbaren Inhalt über die Gefilde ergießen lasse, lieber Nacht hat sich der Vulkan in einen wahren Ameisenhaufen verwan- delt: es herrscht eine Völkerwanderung van Bauern nach den Stellen, «» v�nlich in Bayern iatflchoch Femenlörl« gegeben yeck unk Mörder höchsten bayerischen R« g ler un g s st e ll e n nabe, standen. Amtliche Zerstörung einer Ausrede der Feme. Alünchen, S. Oktober.(WTB.) Amtlich wird gemeldet: Der Femeuntersuchungsausschuß de» Reichstages ist bei der Behandlung des Falles des Kellners Hortung auf einen Brief des früheren stellvertretenden Landeshauptmanns der Einwohnerwehr, Kanzler. hingewiesen worden, in dem Dr. Heim aufgefordert wurde, seine Be> mühungen in dem F a l l e Z. fortzusetzen, da es sonst einen S k a n- dal von europäischem Ausmaß gebe. Kanzler erklärte, daß mit dem Falle Z. nicht der Fall Zusam, sondern der Fall des Mwisterialrates Z« t l m e i e r vom Swatsminlsteriwn des Innern gemeint fei, denn es fei ihm, Kanzler, mitgeteilt worden, daß von Beamten des Zetlmeier 6000 M. für dl« Mörder des pflälzischen Separatistensührers Heinz Orbis zur Verfügung gestellt worden seien. Hierzu wird von amtlicher Seit« festgestellt, daß«»«inen Fall Zetlmeier überhaupt nicht gibt. Weder der Ge- nannte noch die ihm zur Verfügung stehenden Beamten haben in der erwähnten Angelegenheit Gelder gegeben oder sind In die Angelegen- heit mittelbar oder unmittelbar vor oder nach der Ermordung ver- wickelt gewesen. Was in München erlaubt ist. Wir lesen im bayerischen„G e b i r g s b o t« n" vom 8. Ok» tober 1926? �, „Eines Tages wird so ein miese» Mannsbild Ab- geordneter, läßt sich Visitkorten drucken von wegen dem M. d. R. und reist bald darauf zur ersten Sitzung In der 1. Klasse eines Schnellzuges nach Berlin. Von diesem Tag an ist das Männchen unfehlbar. Von diesen 493 Unfehlbaren find Sl in den Femeausschuh gewählt worden. Diese 21 hatman inBerlin verlad- n, nach Bayern transportiert, und jetzt sitzen sie im „bayerischen Verkehrsministerium", das wir un, für die Berliner gebaut haben, und sie halten Gericht. Warum? Antwort: Weil wlr Bayern niemand mehr haben. der sich diese Unverschämtheit der größennsahnsinnig gc- wordenen Berliner Parlamentarier energisch ver- bietet. So ein Kerl wie L-vi hat das Recht, anständig« Menschen über Ding- auszufragen, die er nie verstehen wird, der Levi. Nicht verstehen will. Daß auf Landesverrat Tod«» st ras« steht lnam» lich bei der Einwohnerwehrfeme, nicht nach dem Gesetz. Red. d.„V."). das braucht das Ekel nicht zu wissen: vielleicht will er es auch deshalb nicht wissen, well sonst, wenn man über seinesgleichen alles wüßte, seinesgleichen schon längst ver- scharrt und oerfault wäre(echte Einwohnerwehrmord- Mentalität. N«d. d,„V."). Einmal, in der Revolution, brachte man Wafsenverräter um. Nicht nur in Bayern. Schufte hasten Waffenlager der Einwohner- wehr an Frankreich gegen Bezahlung oerraten, Ein bekannter Major der Ententekommission erklärte- damals:„Solche Lumpen würden in seinem Staat sofort erschlagen." Dieser Waffenverrat war syhifl nicht? andere» al? glatter Landesverrat. Hätte man gewartet, bis die Richter zulangten, wäre man oft geworden. Das gesunde deutsch« Aolksempfinden wehrte sich gegen solche Schandtaten, und das Resultat war dg», wo» man heut» Fememorde nennt. Da», weis das Balk schon immer machte, wenn di« Staais- bureaukrast« auf dem Richterlock«! versagte, das nannte man schon früher Feme, und sn dieser Zeit kam«s wieder zum Durchbruch. Natürlich mischte sich der Surist ein. Mst tollpatschigen Händen und verstaubtem Hirn. Da» wäre ober noch gegangen. Jetzt aber, nach vier Jahren, wirst sich dieser Reichstag zum Richter auf-« und die Herren, die nichts tun als reden und reden, die wollen auf einmal richten über deutsche Männer. die au« vaterländischen Gründen Lande« v« röter über den Haufen schössen. Solche» Kasperltheater ist nur in Deutschland möglich. Und da nur in Bayern, wo der A... mit Gründet» geht." wo sich trockener Schlamm befindet, den der Wind noch nicht per- weht Hot- Ein« wissenschaftliche Kommisston hat sich von Sewastopol aus nach Bugalmak begeben, um die seltsame Erscheinung an Ort und Stelle zu studieren. herculanum soll ausgegraben werden. Nach einer Mitteilung des„Lavoro d'Italia" hat Mussolini beschlossen, die Stadt Her- culanum, die bekanntlich gleichzeitig mit Pompeji verschüttet wurde. ausgraben zu lassen. Zu diesem Zweck müßte da» Dorf Resina. da» jetzt aus d«m alten Platz von Herculanum steht, beseitigt werden. Mussolini hat bereits Anweisung gegeben, di« nötigen Beträge für die Umsiedlung der Bewohner dieses Dorfes zu berechnen und bereit- zustellen. Ein Denkmal für einen Daum. Ein eigenartige« Denkmal ist jetzt zu Central City in dem amerikanischen Staate Nebraska ein- geweiht worden. Es ist eine mächtige, roh behauene Marmorsäule m Gestalt eines Baum«» mst einer Inschrift, und sie erhebt sich an der Stelle, wo einstmals der berühmte„einsame Baum" stand, der den Pionieren und Goldsuchern des alten Kaliforniens den Weg durch die weite Wüst« wie». Dieser weithin sichtbar» mächtige Stamm war den Karawanen, die damals da» Land besiedelten, das tröstliche Zeichen, daß si» Schatten und Wasser in diesen trockenen sonnenglühenden Ebenen finden würden. Hier log die „Station am einsamen Baum", aus der dann Central City sich entwickelt hat. E» war ein riesiger Baumwollenbaum, und zur Erinnerung an diese» geschichtliche Wahrzeichen ist nun da« Denkmal errichtet worden. Die menschenfreundliche Henkerin. Die Wiederherstellung der . Todesstrafe in Italien durch Mussolini hat im Lande großes Auf- sehen erregt. Das zeigte sich auch in den verschiedenen Gesuchen um Uebertragung der Henkerwürd«, die an die Regierung gerichtet worden sind. Fünfzehn Italiener haben sich bereits um den Posten des Henkers beworben, und außerdem auch eine Frau. In ihrem Bewerbungsschreiben erklärt diese angenehme Dame, sie sei eine Georgierin, die bereit» in ihrer Heimat die Dienst« de» Henkers ausgeübt habe: ll? habe nicht die geringste Furcht vor Blut und fühle sich allen Anforderungen gewachsen. Als weitere Empfehlung für ihre Anstellung fügt sie menschenfreundlich hinzu, daß sie glaube, e» müsse„für einen Mann angenehmer sein, von der Hand einer Frau zu sterben".____ vi« lanjnnjppc de» INünslerschen»ladlthe-l-r» mite»«et Z»oh wird in der zweiten Tanzmatinee der Volksbühne am 17. Oktober. vorm. 11'/, Uhr, im Theater am Bülowplatz zum erstenmal In Berlin austreten, nachdem sie bei ibrcn Vorfübrnnaen in Hamburg, Düsicl- dors usw. ungewöhnliche Elsolge erzielt hat. Die Volksbühne hält Karten zum Preise von 1,30 R- noch in beschränkter Zahl in ihren jkartenverkauss- stellen oersügbar. vi« vildnisausstellung der Veutschev«unslgemelnschaft im Schlage bleibt nach bi« Ende Oktober täglich von g bit 7 libr bei freiem Eintritt geöffnet. Neuausgenommen wurde ,ln, Kollektion der«reSlaurr Künstler: Prosesfor Tb. v. Gosen, Georg P, Hehduck, Käthe Ephraim- RareuS und Georg Neriich. vr. Adois Bchr.e beginnt am IB., abend« H'L Uhr, eine vorlesunas. reibe„tl e u g e r c L c b« i> S g e st o I t u n g"(Luch--»ild— Film— Wohnraum— Haut— Ktadt) mst Lichtbildern, Torolheenstr. XX Neue Mftlarungen im Zemeaussthuß. Glaser und Frick im Verhör.- Völkische Frechheiten gegen den Ausschuß. Der Femcausschuß in München perhörte gestern weiter den Kriminalinspektor Glaser. Der Zeuge sagt aus, die Einwohner- wehr habe damals als Organisalion des Staates mit der Re- gierung in enger Verbindung gestanden, und so sei es nicht ausfällig gewesen, daß die Herren von der Leitung der Einwohnerwehr Fühlung mit dem Polizeipräsidenten P ö h n e r unterhielten. Einmal kam Präsident P ö h n e r mit Böhm aus seinem Arbeitszimmer und sagte mir, ich könnte mich in allen Cnt» wasfnungsfragep einfach an Böhm wenden. Ueber hie Ausstellung eines falschen Passes für Schweighart sagt der Zeuge: Die Weisung des Polizeipräsidenten P ö h n e r ging dahin, daß man die Ersuchen von sämtlichen Or» ganen der Reichswehr bzw. der Einwohnerwehr zu berücksichtigen habe. Vors.: Sind auch Pässe auf falsche Namen ausgestellt worden? Zeuge Glaser: Das ist auf Veranlassung des Polizeipräsidenten Pöhner in etwa zwanzig bis fünfundzwanzig ASUen in der Zeit vyn ISIS bis Ende 1021 geschehen, besonders während der Zeit der Auslieferungsbegehren der Entente wurden falsche Pässe an promi» nente Persönlichkeiten, Parlamentarier und Offiziere gegeben. Die Frage des Berichterstatters Dr. Levi, warum hei Pässen für Reichswehr und Einwohnerwehr her Umweg über die politische Abteilung der Polizeidirektion und nicht der direkte Weg an die Paßabteilung gewählt wurde, beant- wartet der Zeuge Glaser damit, haß in der damaligen erregten Zeit engster Kontakt zwischen politischer Abteilung des Polizei- Präsidiums, dem Gruppenkommando der Reichswehr und den leitenden Persönlichkeiten der Einwohnerwehr bestanden habe, und daß darum dieser Weg der ganz natürliche gewesen sei. Die Vernehmung Glasers wandte sich dann dem Fall Dobner zu. Das Telephongespräch Pracher-Glaser. Der Vorsitzende hält dem Zeugen vor. daß es sich hierbei um ein etwas mysteriöses Telephongespräch handle, das im Oktober. 1920 zwischen ihm und dem bekannten P r a ch e r geführt worden ist. Glaser bekundet darüber folgendes: Dieser Pracher wurde seinerzeit unter dem Namen Brachere festgenommen, später aber wieder auf freien Fuß gesetzt. Damat, hat er der Polizei angeboten, Nachrichten aus der Ententekommission zu vermitteln. Er sollte besonders über Waffenlager berichten, die dort verraten worden sind. In der damaligen Zeit spielte auch' schon der Fall E a n d m a i e r, und es wav davon die Rede, daß ein Reichswehr» soldat als Täter in Frage komme. Pracher hat damals den R a m e n des Dobner im Zusammenhang mit einem Wafspnverrat genannt. Später machte Pracher die Mitteilung, das; ein neues Waffenlager verrat en worden sei bei Frei sing, und er bezeichnete wieder den Dobner als Verräter. Ich hgoe auf Grund der Weisung des Polizeipräsidenten die Angelegenheit an einen Oberleutnant weitergegeben, der die Wafsenheseitignng vornehmen sollte, Am 20. Oktober sollte durch eine Autofahrt dieses Waffenlager ge» borgen werden. Wir haben uns gesagt: Wir lassen den Dobner an diesem Tage noch mitfahren und nehmen ihn dann am nächsten Tage fest. Dies« gohrl nahm d an n«inen Ausgang, der nichb unseren Intentionen antßprach. Es ist klar, daß, wenn wir es auf eine Beseitigung des Dobner abgesehen gehabt Hütten, nicht die ganze Angelegenheit im Beisein mehrerer Beamter besprochen und nicht die Fahrt auf offener Straße an- getreten worden wäre. Am nächsten Tage kam Pracher, um seine Belohnung zu holen. Später rief»r mich noch einmal an und teilte wir mit, daß neues Material da fei von einem Waffenverrat. Auch in diesem Zusammenhang hat er den Name» Dobner genannt. Pracher hatte außerordentlich« Angst vor Dobner. Er lebte in der ständigen Angst, daß ihm etwas passieren könnte. Deshalb Hab« ich ihm bei diesem Telephongespräch gesagt, ich hätte ihm bewiesen, daß«r unseren Schutz genieße. Vors.: Es wird aber so dargestellt, als ob damal» schon von dex Belseiteschaffung Dobners die Rede gewesen wäre. Pracher soll in dem Telephongespräch, dem ja drei Zeugen l>«t- wohnten, gesagt haben: Sie wissen, ich Hab« ihn beiseite schaffen lassen, worauf S>e erwiderten: Sie können ganz b«. ruhigt sein, Sie haben unseren Schutz! Zeuge Glaser: Ich habe schon ermähnt, daß Pracher in einer ständigen Furcht vor einem Ueberfall oder Angrifsen lebte, und deshalb Hab« ich ihm gesagt, daß er volle Sicherheit habe. Pracher hat übrigens nur schlecht deutsch gesprochen, so daß die Derständi» gung mit ihm sehr schwer war. Der Jesuitenpater als Protestant. Die Vernehmung des Zeugen war damit vorerst abgeschlossen. Bors. Dr. Schekler gibt nunmehr bekannt, daß eine Reihe von Ladungen nicht zugestellt werden konnte, darunter die des Neun« z e r t und des Kanzler. Weiter verliest der Vorsitzende«in Schreiben de» Schriftstellers Stempfle, in dem zunächst darauf hingewiesen ist, daß der Borsitzende zu Beginn der Münchs» ner Verhandlungen des Ausschusses den politischen Charakter der Ausschußverhandlungen betont habe. In dem Schreiben heißt« dann, daß in Konsequenz seiner vaterländischen und volilischcn Einstellung der Zeuge nicht die Hand zu dieser polilischcn Aktion bieten könne, wie den Stgatsgerichtehos zum Schutze der Republik könne xr auch diesen Ausschuß nur al» ein politisches Znstrumenk für Parleipoliliker betrachten. Er lehne es ob, vor einem Ausschuß zu erscheinen, der«in Mitglied In sich schließe, dessen Strafakten beim Umsturz aus der Polizeidirektjon verschwunden seien. Di» Tätigkeit des Ausschusses sei ein illegalerEingriff in dURechts- v f l c g e und in die G e r i ch t s h o h e i t B a y e r n». Das Schreiben schließt mit der Erklärung der Bereitwilligkeit, sich dem recht- mäßigen bayerischen Richter zu stellen.(Zuruf des Abg. Slvhr (Volk.): Der Mann hat nicht ganz unrecht! Gegenruf des Abgeordneten Dr. Landsbcrg(Soz.): Es ist doch unglaublich, daß man sich immer wieder solches bieten lassen muß!) Der Ausschuß zieht sich dann zu geheimer Beratung dieses geschäftsordnungsmäßigen Stoffes zurück. Nach Wiederg.ufnahme der Sitzung teilt der Darsitzend« mit, daß in der geheimkn Beratung beschlossen worden sei, gegen Stempfle einen Borführuiigsbefehl zu erlassen, Völkische Frechheit vor dem Ausschuß. Es solgt dann die Vernehmung des Oberamlmanne» Dr. Arlck. Dieser Zeuge holt zunächst zu einer längeren persönlichen Erklärung aus und weist auf die von ihm verfaßten Artikel im„B ö l k i s ch e n Beobachter" hin, worin dem Abgeordneten L e v i schwere Bor- würfe des Landesverrats usw. gemacht werden. Dabei richtete Dr. Frick neuerdings schwere Beschimpfungen gegen das Ausfchußmit- glied Levi, so daß der B o r s i tz e n d e ihn mit Schärfe unter- bricht und Ihm weitere beleidigende Aouhcrungen untersagt. Trotz- d«m fährt Frick fort: Ein Man» von Ehre muß»s ablehnen, vor einem solchen Herrn(gemeint ist Levis zu erscheinen,(Unruhe und Zunise des Abg. Mittelmann: Die Minister G ü r t n e r und von Kohr? Sprechen Sie diesen Herren ouch die Ehre ob?) Vorsitzender(in großer Erregung): Sie stehen hier als Zeuge, habe» Ihre Zeugenpflicht zu erfüllen und keine politischen Reden zu halten. Ich iveise das als durchaus ungehörig zurück. �rtck(kleinlaut): Ich übergebe Ihnen hiermit da» Material, äu? dem Sie ersehen, welcher'Art meine Anschuldigungen gegen Levi sind.(Er übergibt etliche Nummern de»„Välkislyen Beobachters".) Dr. Ccol: Die Anwürfe in der völkischen Presse stnd in dem Augenblirk erschienen, als ich beim Studium der Akten an einem ge- wissen Punkte angelangt war und dies vielleicht etwas unvorsichtig in meinem Referat angedeutet hatte. Die Vorwürfe, die Frick gegen mich erhebt, sind diesem seit vielen Iahron bekannt, E» Ist bezeichnend, daß diese vorwllrf« in dem Augenblick erhoben wurden, in dem ich beim Studium der Akten an einen gewissen Punkt gekommen war. Ich kann Herrn Frick sagen, daß ich in dem Augenblick, als ich die Vorwürfe in der völkischen Presse zu Gesicht bekam, das tat, was ich in diesem Falle für angebracht hielt: Ich habe sosort Straf- antrag gestellt, und zwar in Berlin. Auf die Aufforderung des Vorsitzenden, sich über die Beziehun- zn den Im Mordsaue Härtung im >en zu den Im Mordsalle Härtung im Vordergrund stehenden Personen zu äußern, erklärt Zeug» Frick u. a.: die öffentliche Gewalt stand damals in engstem Einvernehmen mit den b e t d« n anderen Machtjaktoren: Der Reichswehr und der Einwohnerwehr.'' Vorsitzender: Was wissen Sie darüber, daß»in» Besprechung stattgefunden haben soll, in der erörtert wurde, wie man gegen Waffenverräter vorgehen könne? Zeuge Arlck: An«ine solche Besprechung kann ich mich nicht er- inner». Wir haben einmal amtlich Bericht an das Ministerium ,r- itattet, daß es ein unhaltbarer Zustand sei, daß Wafsenverrätereien tändlg stattfänden. Wirhabenan geregt, daßaufGrund iee Ausnahmezustandes Tode, lt rasen gegen Landesverräter festgesetzt werden sollen. Da» haben wir offiziell beantragt. Bei der schlaffen Haltung der Regiening ist dar- auf nicht reagiert worden. Alle Verbrechen sind nur aus das Versagen der öffentlichen Gesetzgebung zurückzuführen. Der nächste Zeuge ist Rechlsonwalt Alfred PZeroer-München. Er soll über has Telephongespräch Auskunft geben, das seinerzeit in der Mordafsqre Dobner ein gewisser Pracher mit der Polizeidirek- tlan geführt hat. Der Zeuge beruft sich auf d a» damalige Stenogramm, das er über das Telephongespräch aufgenommen hat. und bemerkt, daß er heute die Sache nicht mehr unmittelbar ln Erinnerung habe. Vorsitzender: In dem Telephongespräch ist nicht weniger al» viermal von Pracher der Ausdruck gebraucht worden„Beiseite. machen des Dobner". Was haben Sie sich d a r u n t« r v o r» gestellt? Zeuge Plerncr: Ich habe damals diese Worte als einen e u p h e- mistischen Ausdruck für getötet oder töten lassen vufgefaßt. Die deutsche Sprache des Pracher war nicht ein Rade- brechen, sondern nur sehr erregt. Seine deutschen Worte waren eigentlich deutlich und kiar. Um 1�3 Uhr nachmittags oertagt der Ausschuß die weitere Der- Handlung auf Montag vormittag K9 Uhr. »das Organ dr. Strefemanns.* Ein unhaltbarer Zustand. Indem die„Tägliche Rundschau" zur Nachfolgerin der eingegangenen.Zeit" wurde, erhielt sie im Inland und y o r a l l e m im Ausland den Ruf, das.Organ der Wilhelmstrahe" oder zu- mindest das.Spxgchrohrdes Außenministers" geworden zu sein. Anläßlich der zu Beginn dieses Jahres geführten Polemik um die angeblichen Bemühungen deutscher Parteion um die Genfer Völkerbundsposten ist Stresemann gezwungen worden, öffentlich von der„Täglichen Rundschau", die sich an diesem verlogenen Feld- zug führend beteiligt hatte, abzurücken. Er erklärte damals, daß zwar die„Tägliche Rundschau" mitunter seine Außenpolitik unter. stütze, daß sein Einfluß aus die Redaktion dieses Blattes im übrigen sehr gering und daß es daher y ö l l i g a b w e g i g sei, von ihr als einem„Organ des Außenministers" zu spreche». Dieses einmalige Abrücken scheint aber ganz wirkungs- l o s geblieben zu sein. Ganz besonders in Frankreich gilt die„Tägliche Rundschau" nach wie vor alz das.Sprachrohr Dr. Stresemanns". Es vergeht fast kein Tag, an dem nicht in der gesamten französischen Presse unter den Berliner Blätterstimmen ouch Aeuhcrunge» der„Täglichen Rundschau" mit der ausdxück« lichen Bemerkun g abgedruckt werden, daß sie das„Organ Dr. Stresemanns" sei,(Sonst würde ja die„T. R." über- Haupt nicht zitiert werden, ebenso wie die„Deutschnationale Tages, post" oder der„Reichsbote".) Diese Erscheinung kann dem Auswärtigen Amt und seinem Leiter unmöglich entgangen sein. Aber sie bildet süxdiedeutsche Außenpolitik und ganz besonders für ihre Beurteilung In Frankreich eine tatsächliche Gefahr. Denn manche Acuße» rung der„Täglichen Rundschau", die im Ausland als vom Reichs- oußenminister unmittelbar inspiriert angesehen wird, steht i n direktem Widerspruch zu der ossiziellen Politik des Reiches und zu der Uebcrzeugung Dr. Stresemanns. Sie bildet dann für die Anhänger Poincaräs eine» willkommenen Borwand zur Kritik an der Politik von Thoiry und versetzt zugleich die Anhänger Briands in Verlegenheit, Dabei ist es ein reines Glück, daß das Urteil der„Täglichen Rundschau" in rein i n n e r politischen Frage» fast gar nicht im Ausland zitiert wird, denn sonst würde der deutsche Außenminister auch noch für die«rtrem-reaktionären Anschauungen der Döhring-Clique verantwortlich gemacht werden. Di» Sonnabendabend-Ausgabe der„Täglichen Rundschau" ent- hält wieder ein klassisches Beispiel für die Zwitterstellung der„Täg, lichen Rundschau" und sür die Gefahr, die in dem nicht völlig ge- klärten Ve-rhältni» zwischen ihr und Stresemann liegt. In einer „Zeitungsschau" über den Rücktriatt de? Generals von Seeckt werden die republikanischen Parteien, die diese Entlassung erzwungen haben, ironisiert llnd mit gehässigen Bemerkungen folgender Art bedacht! „Daß Parts mit der Entlastung Seeckts sehr gedient ist, war ein« unbeabsichtigte Wirkung de» republikanischen Tugend» eifers" Hier muß die Frage aufgeworfen werden: Ist es wahr, sa oder nein, daß das Reichskabtnett sich einmütig mit dem Reichswehrmini st»r Gehler solidarisch erklärt hat, als dieser die Entlastung Seeckts forderte? Und was soll dann die Ironie der„Täglichen Rundschau" über dt»„republikanischen Tugendwächter" und über de»„Dienst", den sie damit Frankreich geleistet haben. Diese Gehässigkeiten treffen selbstverständlich auch i&r, Stikslemann, In diesem und in zahlreichen, sich sgst tag» ' lich wiederholenden Fällen wird der Anschein vor allem im Au»- land erweckt, daß Stresemann ein nichtswürdiges Doppelspiel treibe. So kann es nicht«eitergehen. Auf den Einwand, daß das Auswärtige Amt und insbesohnder« Dr. Stresemann«S nicht per, hindern könne, wenn im Auslande die„Tägliche Rundschau" irriger- weise als fein Organ betrachtet wird, ist zu erwidern- Das läßt sich im Gegenteil sehr wohl verhindern. Es genügt eine neue, diesmal ausdrückliche und unzweideutig« Erklärung Dr. Stresemanns. daß die„Tägliche Rundschau" in keiner Weise sein Organ sei und daß er jede direkte oder indirekte Berantwor- tung für ihre Aeußerungen sowohl Innenpolitischer, wie außen- politischer Art ablehne. Eine solch« abrückende Erklärung müßte insbesondere allen in Berlin lebenden französischen Zeitungskarre- spondenten, sowie der französischen Botschaft mit der Bitte um weitere Verbreitung übermittelt werden. Wir halten«in« solche Aktion für durchaus nötig, weil der Schaden, den die fortgesetzte Verquickung des Namens Dr. Stresemanns mit der zu 70 oder 80 Prozent deutschnationalen„Täglichen Rundschau" der deutschen Außenpolitk bereitet, immer größer wird. Profit und vaterlanü. TaS Ende einer Hetze. Bald nach Beendigung des Ruhrkampse» wurde dl« deutsche Presse mit sensationellen Mitteilungen über einen wirtschaftlichen Landesverrat überschüttet, den sich die Firma Gebrüder Himmel»- dach A.-G., Freiburg i. Br.. angeblich hat zuschulden kommen lasten. Die Beschuldigungen waren außerordentlich schwerer Natur. Hatte man doch der Firma vorgeworfen, daß sie aus Liebedienerei gegenüber der Entente auf das wildeste die deutschen Waldbestände im be- setzten Gebiet vernichtet und sich aus geschäftlichem Eigennutz die Lieferungen an die Desatzungsmächte zunutz« gemacht habe. Die Sache wäre einwandfrei gewesen, wenn sie nicht von vorn- herein von beteiligt txJS elte. also offenbar aus Konkurrenz- gründen eingeleitet word«n war« und wenn man nicht gewußt hätte. daß die eigentlichen Treiber, bekannt als Reaktionäre, ihre patriotisch- Gesinnung al» Vorwand zu dunklen polnischen Zielen benutzten. Es ist nämlich bekannt, daß der ehemalige Reichskanzler Dr. Wirth mit der Firma Gebrüder Himmelsbach oerwandt ist und für sie bei der Durchführung der russischen Mologakonzessionen tätig war. Man nannte Himmelsbach, eine an sich ganz gleichgültige Firma— man meinte aber Dr. Wirth, Mit allem Raffinement wurde die Hetze betrieben. Die Treiber bedienten sich journalistisch bekannter Mittelsmänner, die als angeblich Unparteiliche auftraten und den Zeitungsredaktionen die schmierige Jntereisentenmache auszuschwätzen suchten. So passierte es der Redaktion des„V o r w ä r t s", daß ein angeblich unbeteiligter Journalist einen offenbar von dieser Kliqu« inspirierten Artikel anbot: der Aufsatz wurde natürlich ab- gelehnt und erschien dann im deutsch-völkischen„F r i e d e r i c u s", der selbst an der semitischen Abstammung des Verfassers keinen An- stoß genommen hatte. Setzt ist der Urheber dieser ganzen Hetze, der Verleger und Redakteur Otto Fernbach von der Zeitschrift„Der Holzmarkt', in einem Prvzeß vor dem Landgericht I. Berlin, mit Anschuldigung und Beweisführung derartig zusammengebrochen, daß er sämtliche Anschuldigungen gegen die Firma Himmelsbach öffentlich zurücknehmen und in den meisten namhaften Tageszeitungen auf seine Kosten veröffentlichen muß. Selten ist ein Lügengewebe so radi kal durchrissen worden, wie in dem vorliegenden Falle. Dieser famose Verleger und Redakteur, der sich sonst auch als Scharfmacher der Arbeitgeber des Holzgewerbes ausgiebig betätigt, hätte demnach alle Veränlastung, von der journalistischen Bildsläche zu verschwinden. Aber wir glauben nicht, daß er das tut, denn für«inen guten Reaktionär gilt eben der schöne Satz: Geschäft bleibt Ge- s ch ä f t bis an das kühle Grab. Saut Arbeitsämter. Urantrag der sozialdemokratischen Landtagssraktion. Dl« gänzlich unzureichende Unterbringung der Arbeitsnachweis« hat in Berlin und anderwärts in den letzten Monaten zu s ch w e r e n Zusammenstößen geführt. Die sozialdemokratische Fraktion des Preußischen Landtags hat deshalb folgenden Urantrag gestellt: „Die öffentlichen Arbeitsämter stnd zum größten Teil in völlig unzureichenden Räumen untergebracht. Die Schalter und Aufent- Haltsräume der Beamten und Angestellten befinden sich oielsach in einem direkt menschenunwürdigen Zustande. Wir be- antragen daher, der Landtag wolle beschließen, das Stockt»- Ministerium zu ersuchen, sür eine würdige Unterbringung der Ar- beiteämter Sorge zu tragen, nötigenfalls durch Errichtung von Neubauten für diesen Zweck die bestehenden Mißstände zu be- fettigen und zu gleicher Zeit den Baumarkt zu beleben." Der Ausgang ües abejfinifchey Vorstoßes. Abefsinien von dem Ergebnis befriedigt. Genf, 9. Oktober.(TU.) Die abessinische Regierung hat dem Bölkerbundssekrelariat die während der Pölkerbundsversammlung in Aussicht gestellte weitere Note zum engltsch-italienischen Abessinien- Abkommen übergeben lassen. Die abessinische Regierung tetlt darin mit, die von der englischen und italienischen Regierung abgegebenen Erklärungen ergäben, daß sie keinerlei Eingriffe in die Souoeränitätsrechte Abestiniens beabsichtigten. * Damit hat der mit französischer Rückendeckung im Völkerbund unternommene Vorstoß Abesssinlene vollen diplomatischen Erfolg gehabt. England und Stallen hatten erklärt, daß ihr Ab- kommen über die Teilung Abesstniens in wirtschaftliche Interessen- sphären„mißverstanden" worden sei. Die Regierung von Abessinien erklärt sich jetzt von diesen Erläuterungen befriedigt. der �Neichsbote� blickt ins yerz. So siehst du aus! Wenn die Führer der Bolkspartei den Monarchismus in die Vergangenheit schreiben, bleiben immer noch die evangelischen Pastoren im„Reichsboten"—- ein letzter Hort und Zuflucht für un- entwegt monarchistisch« Gesinnung. Zornzitternd über den„schmäl- llchen Derrat" Stresemanns an der Monarchie malt Ihn der„Reichs- böte" ab, wie er ihn sieht: „Besonders ist die demokratische Presse erfreut, daß Strese- mann auch der Männer gedachte, die das„neue Deutschland" mit „Titanenstolz" geschaffen haben. Er zeigte damit, daß er seinen Iugendidealen treu geblieben ist, da er schon als Student einen Kranz mit schwarzrotgoldener S ch l e i s e auf den Gräbern der M ä r z g e f a l l e n e n im Fried- richshaine niederlegte, und daß er im Herzen immer demokratischer Republikaner gewesen ist." Im Herzen immer demokratischer Republikaner— bei allem Stolz aus den Umgang mit beinahe gekrönten Häuptern? So stehst du OKSl Sammelt für öie englisthen Bergarbeiter Gefahr in Verzug.- lOOOOl) Bergarbeiter hungern. In einem an das Sekretariat des Internationalen Ge- werkschaftsbundes gerichteten Schreiben des Sekretärs des britischen Gewerkschaftsbundes heißt es über die jetzige Lage in England und die Notwendigkeiten der nächsten Zu- kunft u. a.: „Wie Sie wahrscheinlich wissen, befindet sich der britische Berg- arbeiterverband in einer äußerst schwierigen Lage. Aus den am 21. und 28. September im Unterhaus geführten Debatten geht ein- wandfrei hervor, daß die gegenwärtige Regierung trotz der Opfer, die die Bergleute eventuell in bezug auf die Löhne zu bringen bereit sind, auf der Verlängerung der Arbeitszeit beharrt. Weiter zeigten die Besprechungen, daß die Regierung die Grubenbesitzer in ihrer Politik der Herbeiführung von Distriktsabkommen aus vollem Herzen unterstützt. Dies bedeutet, daß die Regierung einen direkten Angriff auf den Lebens st andard der britischen Bergleute plant und dabei offensichtlich auf die Zersetzung der britischen Bergarbeiterföderation ausgeht. Falls die Bergarbeiter zur Annahme der Bedingungen der Gruben- besitzer gezwungen werden, so ist damit eine Lage geschaffen, die Gefahren für die ganze britische Gewerkschafts- bcwegung in sich schließt. Im Hinblick auf diese ernste Situation wäre Ihnen der General- rat sehr dankbar, wenn Sie alles tun würden, um die bereits auf dem Kontinent eingeleiteten Anstrengungen zugunsten der finanziellen Unterstützung der Bergleute noch zu erhöhen. Der Generalrat weiß die bereits geleistete Hilfe natürlich voll zu schätzen. Da Hilfe nötiger ist al» je, ist er auch überzeugt, daß Sie keinen Schritt scheuen werden, wenn noch mehr für die Streikenden getan wer- den kann." Auch die Exekutive der Bergarbeiterinternationale hat in ihrer neuesten in Ostende abgehaltenen Sitzung erneut an die Hilfsbereit- schaft ihrer Mitglieder appelliert. Was die bis jetzt vom JGB. respektive von den ihm angeschlosse- nen Landeszentralen durchgeführten Sammlungen betrifft, so kann folgendes gesagt werden: Abgesehen von der allgemeinen Hilfs- .aktion für die britischen Gewerkschaften, die einen Betrag von zirka SM 000 Gulden aufbrachte, und der zugunsten und auf Wunsch der britischen Gewerkschaften aufgenommenen Anleihe im Betrage von zirka eine Million Gulden wurde den englischen Bergarbeitern auf Grund der Mitte August auf Wunsch der britischen Landeszentrale für die Bergleute eingeleiteten Aktion durch Vermittlung des JGB. bisher die Summe von rund SM SM holländischen Gulden überwiesen. Die der Bergarbeiterinternationale entrichteten Summen der ihr angeschlossenen Bergarbeiterorganisationen und die direkten Sendungen an die britische Bergarbeiterföderation sind in diesem Betrage nicht inbegriffen. Wenn man die schwierige Lage vieler Länder in Betracht zieht, ist das Resultat ein schönes. Demgegen- über steht aber die harte Tatsache, daß wöchentlich SMOM Mark nötig sind, damit jeder streikende Bergarbeiter nur eine Mark Unter- stützung erhält. Jeder Kommentar über die Wichtigkeit weiterer Sammlungen ist deshalb überflüssig. Voran üie Einigung scheiterte. ADV. und DBB. , Vom ADB. wird uns geschrieben: Der dem Bundestag des Deutschen Beamtenbundes vorgelegte Geschäftsbericht enthält eine irreführende Darstellung über die Haltung des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes während der Einigungsverhandlungen. Der Geschäftsbericht wirst dem Allgemeinen Deutschen Beamtenbund vor, er habe im G e- gensatz zu dem, was er in dem Organisationsvertrag mit dem ADGB. und dem AfA-Bund gefordert habe und was ihm von diesen beiden zugestanden sei, von dem Deutschen Beamtenbund etwas oer- langt, was Arbeiter- und Angeftelltenorganisationen nicht einmal von ihm verlangt haben: nämlich völlige Gleichberechtigung des Orga- nisationsprinzips der gemischten Gewerkschaften. Daran sei die Einigung gescheitert. Demgegenüber ist festzustellen, daß der ADV. in den Verhand- lungcn vorgeschlagen hat, genau den gleichen Wortlaut zugrunde zu legen, wie er im Organisationsabkommen zwischen ADGB., AfA-Bund und ADB. vorhanden ist. Darauf sind aber die Unterhändler des DBB. nicht eingegangen. Auf Grund der Satzung des ADB.(8 ä) können sich dem Allgemeinen Deutschen Bcamtenbund sowohl gemischte als auch reine Beamtenver- bände anschließen. Dieler Anschluß ist aber nicht so zu verstehen, als ob die gemischten Verbände mit ihren Arbeitern bzw. Ange- stellten dem ADB. beitreten; sie treten nur mit ihren Be- amtenabteilungen bzw. Beamtensektionen bei. Auf der Grundlage des Organisationsvertrages werden unter Beibehaltung und Anerkennung der Organisationsform der gemischten Verbände und ihrer Einrichtungen die Arbeiter dem ADGB., die Angestellten dem AfA-Bund und die Beamten dem ADB. angeschlossen. Dem ADB. fließen nur d i e Beiträge zu, die der Mitgliederzahl der Be- amten und Beamtenanwürter in den Beamtenabteilungen und Be- amtensektionen der gemischten Verbände entsprechen. Dazu kommen natürlich die Beiträge der reinen Beamtenverbände. Es handelt sich bei der Organisationsverfassung des ADB. um eine historisch gewordene Form, die sich aus der wirtschaftlichen Ent- Wicklung Deutschlands ergab. Da z. B. Eisenbahn und Post unter einheitlicher Verwaltung Arbeiter, Angestellte und Beamte be- schästigen und die dienstlichen Verrichtungen eng ineinander greisen, war es logisch und richtig, dem einheitlichen Willen der Verwaltung d?n einheitlichen Willen einer gemeinsamen gewerkschaftlichen Orga- nisation entgegenzusetzen. Das konnte geschehen unter völliger Wahrung der besonderen Notwendigkeiten, die sich für die Beamten auf dem Gebiete des Beamtenrechts, der Besoldung usw. ergaben. Der ADB. ist seiner ganzen Struktur nach genau so eine Zusammen- fassung von BeamtenmitgliedeM wie der Deutsche Beamtenbund auch. Es ist deshalb abwegig und irreführend, das Verhalten des Vor- standes des ADB. so hinzustellen, als habe dieser die gemischten Verbände einschließlich, ihrer Arbeiter und Angestellten dem neuen Beamtenbund zuführen wollen Was der Deutsche Beamten- bund bei den Einigungsverhandlungen wollte, das ist die Sprengung der fest gefügten gemischten Ver- bände. Das allerdings ist etwas, was niemals weder der ADGB. noch der AfA-Bund oder gar der ADB. gewollt haben. Sunüestag öes vöö. Am Sonnabend nahm der Bundestag des neuen Deutschen Be- amtenbundes sein Ende. Staatssekretär a. D. Dr. August Müller sprach über„Derufsbeamtentum und Wirtschaft". Er dl» Beamtenschaft und Ä Imere chrmdenhett zwisch«» trbelterschast s«< in erster »fsenoep Arbeit» eiterschast. Dt» Linie Vertreterin der Verbraucherschaft, das gleiche gelte auch von den Beamten. Das wichtigste Problem sei gegenwärtig die Ver- billigung des Konsums. Leider spreche das Wirtschaftsprogramm des Reichsverbandes der Deutschen Industrie nichts darüber. Der Besoldungsreferent des Bundes Lenz forderte ein einheitliches Be- amtenrecht, bessere Vertretung der Beamtenschaft im endgültigen Reichswirtschaftsrat und bei der Verwaltungsresorm, Erhaltung des Berufsbeamtentums, Bekämpfung aller Versuche, Hoheits- und Be- triebsbeamten zu trennen, Erhöhung der Besoldung und schließlich Revision des Londoner Abkommens zur Sicherstellung der Rechte der Reichsbahnbeamten. Verschiedene im Sinne der Ausführungen des Besoldungsreferenten gehaltene Resolutionen wurden einstimmig an- genommen._ verbanüstag öer Gastwlrtsgehttfen. Der Zentralverband der Hotel-, Restaurant- und Cafö-Ange st eilten hält vom 12. bis 15. Oktober feinen 5.(12) Verbandstag in Frankfurt a. M. ab. Der letzte Verbandstag fand 1924 in Kassel statt, so. daß die Zeit vom Mai 1924 bis jetzt Gegenstand der Berichterstattung und Diskussion sein wird. Wenn auch seit der letzten großen Aussprache und organisatorischen Umstellung durch die Kasseler Beschlüsse eine geraume Zeit verstrichen ist. so sind doch die Mitglieder nicht ohne Rechenschaft der Haupt- Verwaltung geblieben. Zwei stattliche Broschüren gaben Kunde von der Arbeit des Verbandes in den Jahren 1924 und 1925. Am Ende des Jahres 1925 betrug die Mitgliederzahl 34 734 und fteudig konnte die Verbandsleitung eine Zunahme um 1057 feststellen. Leider hat der schöne Ausschwung des Jahres 1925 nicht angehalten, denn die Mitgliederzahl hat infolge der schlechten Wirtschaftslage im ersten Halbjahr 1926 eine kleine Senkung erfahren. Eine Erscheinung, die auch bei anderen Berussorganifationen festzustellen ist. Prozentual drückt sich dieses Verhältnis auch in den Finanzen des Ver- b a n d e s aus, die aber trotzdem als sehr gut bezeichnet werden können. Die Agitation in diesem Beruf ist äußerst schwer, da noch viele Kellner in den„H a rm 0 n i e- V e rb ä nde n" sind und nur sehr langsam begreifen, daß ein Ausstieg nur möglich ist mit Hilfe einer Organisation, die aus freigewerkschaftlicher Grundlage steht. Die Trustbildung im Hotelgewerbe zwingt zu schnellem Handeln, wenn die Lohn- und Arbeitsbedingungen vernünftig geregelt werden sollen. Einen breiten Raum der Tagesordnung dos Frankfurter Verbandstages nehmen inner«, organisatorische Fragen des Verbandes ein, über die bei kameradschaftlicher Gesinnung eine Einigung unschwer zu erzielen sein wird. Neben diesen Fragen sind die Berichte der Verwaltung zu erwähnen, sowie der ganze aktuelle Komplex unserer sozialpolitischen Gesetzgebung: Arbeiterschutzgesetz. Arbeitsgerichtsgesetz, Arbcitslosenoersichcrungs- gesetz, Reichswirtschaftsrat und das viel umstritten« Schankstätten- gesetz. Für alle Punkte sind Referat« vorgesehen, und zahlreich: Anträge zeugen von dem regen geistigen Leben in der Mitgliedschaft. Eine groß« Anzahl Anträge befassen sich mit dem Statut und den Unter st ützungseinrichtungen. Verantwortlich fllr Politil: Dr. Curt Scq-r! Wirtschaft:«rwr Sat-rnu»! Dcwerkschaftsbcweauna: I. Steiner: sZeuillelon: Dr. John Schikowoli: Lolalcs und Conitiaes: tfri),«arstädt: Anzeio«»: Th. Sloikc: samtlich in Verl:». Verla«: Vorwärts-Verla« E. m. b. H.. Berlin- Druck: Vorwiirts-Buchdruckrrei und Verlaasanstalt Paul Sinacr u. Co.. Berlin EW 68. Lindenitralie 3. Sicrzn 3 Beilagen,„Unterhaltung und Wissen",„All» der Filmwelt" und„Blick in die Bücherwelt". iibergibt man nur dem Nachweis dcZ Deutsch-MusikerverbandeZ, Berlin 0 27, ilndreaSstr. 21 lKönigstadt 4310, 4018). GeschästSzeit 9 Bis 5. Sonntags 10 Bis 2 Uhr. Aus Wunsch Vertrctcrbciuch &*Sfkrae\ GeGFLieiy« berun o spa�oäue��r assb*<6�w5strasse Pamewwasefee Taghemd T»aa«fo— mit Stiekti 1»75 2.25 2.90 TaghetndAeliMluJiliiSm.Stick�AM. 1»95 2.75 3.40 Nachthemd nit 9tickeT«i-Aiuatz.. 2.45 2.90 3.75 Hemdhose MM lubigem Batüt..... 2.45 2.75 4.25 Seidene Hemdhose SHSpto�. S. 75 12.50 21.00 Tisch- und! Wa-swasglic Hemdhose au. MadapoUm 1 Stüfk mit Srickerei- Ansatz............ I Abb.Id. Nachthemd au. Madapolam mit Stickerei-Ansatz.......... PnnZC(koch au» Madapolam mit Einsatz und Ansatz........ M*n verlange den neuen HerbsJ- u. Winter kafialog Einzelne 1 ischtucher Halbleinen Damast- Muster I30x O QA I30x O VC IBOcm O.eJ w jzOcm-b'. I O Keinleinen Mittelst öck-Muster 130x£- QC 130x C QA 165cm D.OO 135cm O.tTV/ I60x«n*7C I6ftx Q AC 230cmiZ. 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Der kalte Norden hat ein« begreifliche Sehnsucht nach dem sonnigen Süden, und wie bei uns war früher die Italienreise der Gipfel des Vergnügens. Der Weg dahin führt über Berlin und München, zwei Sticht«, die den Dänen, für den das Wort Kultur «in auch in den weniger wohlhabenden Kreisen bekanntes Wort ist, manches zu bieten haben. Und da nicht jeder feine Reife bis nach Rom ausdehnen kann, fo war Verlin oft das Endziel, und bekannt ist, wie z. B. zu Ostern groß« Masten von Dänen unser« Stadt besuchten, die ja oft dann schon frühlingsmäßiges Aussehen zeigt. In neuerer Zeit, wo aus mannigfachen Gründen Italien nicht mehr lockt, ist Paris noch mehr als früher zum Reifeziel geworden. Di« kürzeste Verbindung ztnischen Dänemark und dem deutschen Fest. lande wäre die oft diskutierte� Linie Loland-Fehmarn: sollte sie dereinst zur Ausführung kommen, so würde Berlin mit einer scharfen Konkurrenz unseres landschaftlich so schönen Westens zu rechnen haben. Das jüngst infolge eines von„Politiken" ausgesetzten Preises von 1000 Kronen erfolgte Durchschwimmen des Fehnmrn-Veltes kann doch nicht gut als Vorbild einer regelrechten Personen- beförderung gelten. Sie Dänen kn Sedin. Die vielfachen politischen und kulturellen Beziehungen zwischen Deutschland und Dänemark haben in neuerer Zeit durch die wirt- schaftlichen Bindungen Verstärkung gefunden: So kommen in jeder Woche fünshunderttausend Kilogramm dänische Butter nach Deutschland. Konnte der Däne Bernstorff 1818 preußischer Minister der auswärtigen Angelegenheiten werden und durfte der aus Dithmarichen stammende Hebbel von seinem König-Herzog in Kopenhagen ein Reisestipendium erbitten, so stehen heute der Sausmann, der Fabrikant und der Tech- niker im Mittelpunkt des Interesses. Die Mehrzahl der in Berlin ansässigen Dänen gehört denn auch den genannten Kreisen an: nur das musikalische Berlin zieht die Jugend an, während der dänische Maler seine Ausbildung, wenn überhaupt im Auslande, in Paris sticht. Daß die deutsche Regierung Dänen, die sich hier selbst- ständig betätigen wollen, keine Schwierigkeiten in den Weg legt, wird dankbar anerkannt: nicht kapitalstarken Zuwandernden, also denen, die durch ihre Arbelt sich ihr Vrot verdienen wollen, ist je. doch die Betätigung als Arbeitnehmer untersagt. Die Folge ist, daß der Zustrom jüngerer Elemente im Handwerk usw. ausgehört hat. Auch hat die wirtschaftliche Depression der letzten Jahre manchen arbeitslos gewordenen Dänen wieder in die Heimat zurück- geführt, so daß die Zahl der Mitglieder der dänischen Kolonie ge- sunken ist. Man kann die Gesamtzahl auf 2000 schätzen, gegen etwa 3000 vor dem Kriege. Das offizielle Dänemark. Die dänische Gesandtschaft und das Konsulat befinden sich in der Alfen st ratze sNr. 4 resp. 3a), jener breiten Prunkstraß«, die vom Platz der Republik nach dem Westen führt. Gesandter ist seit 1924 Kammerherr Zahle, der auch Dänemarks Vertreter im Völker- bund ist. Sein Vorgänger, Graf Moltke, der in der Berliner Kolonie großer Wertschätzung sich erfreute, ist in dem sozialdemokrati- fchen Minstterimn Minister der auswärtigen Angelegenheiten geworden. Die Gesandtschaft hat seit 1919 einen Presicattnche in der Person des Herrn Larfsen, der der sozialdemokratischen Partei angehört. Generalkonsul ist Herr von Mcndelssohn-Barthoidy, besten Vater ebenfalls diese Stellung bekleidet hatte. Seine Wintenvohnung in der Alsenftraß« Nr. 3 ist ein modernes Palais mit„Ehrenhof" und zwei Flügeln, m deren linkem(von der Straß« aus gesehen) sich der als Nr. 3a bezeichnet«, etwas unterirdisch anmutende Zugang zum Konsulat befindet. Hot man diesen langen Korridor postiert, so gelangt man über einen kleinen Hof zu einem kleinen Nebenöau. in dem sich das Konsulat befindet, das die laufenden Angelegenheiten erledigt. Dies« Konsulatsunterbringung erinnert an die ofrikanrschen Behausungen: vorn an der Fassade eine afzetische Nüchternheit, hinten in den Räumen«in« glänzende Ausstattung. Nur ist letzteres hier nicht so wörtlich zu nehmen, aber der liebenswürdige Geist, der in den bescheidenen Räumen waltet, ist mehr wert als äußerlicher Prunk. Bizekonsul Anton Friis ist seit zwei Jahrzehnten an dieser Stell« tätig, daher mit allen Freuden und Leiden, die sich an den deutsch-dänischen und dänstch-deutschen Verkehr knüplen, auis beste vertraut. Daß d!« politischen Beziehunaen durchaus gute sind, weiß die ganz« Welt:«in« Reihe wichtiger Verträge, wie Schieds-, Hon- delsvertrag und der sehr bedeutungsvolle Schulvertrag, hat das Einvernehmen bestärkt. Die Hilfe, die das dänische Volk in den hinter uns liegenden schweren Iahren uns Deutschen, namentlich den deustchen Kindern geleistet hat, bleibt unvergessen. und»EnigheSen''. Zwei Vereine umfassen die VlitgUeder der dänischen Kolonie: beide unpolitisch, beide von dem Bestreben geleitet, den iüngeren Elementen und den Durchrestenden Anhalt zu gewähren.„Fre ia" ist der ältere Derein: er besteht schon seit 4ö Jahren. Seine Mit- glieder setzen sich aus allen Schichten der Kolonie zusammen: Hand- werker und Arbeiter lind zahlreich vertreten. Cr feiert offiziell nur den Verfassungstag(5. Juni), während„Enigheden" auch noch Königsgeburtstag l26. September) festlich begeht. Vorsitzender der „Freia" ist Herr Rasmussen: das Lokal, in dem die Mitglieder all« vierzehn Tag« gesellig zusammenkommen, ist der„Alexandriner". Di« hübsche Ausstattung des Saales macht dem Kunstsinn der Mit- glieder oll« Ehr«: das dänstche Rot wirkt ja auch recht dekorativ. Belehrend« Vorträge werden geboten: dem Tanz« ist weiter Spiel- ramn gegeben.„Freia" hm während der Kriegsjahre ein« große Mitgliederzahl(800) gehabt, da durch die Vermittlung dieses Vevein» die Verteilung der aus der Heimat gesandten Lebensmittelpakete ge- fchah. Der gegenwärtige Mitgliederstand stt über 200; zu beklagen ist, daß aus den bereits erwähnten Maßnahmen kein Zuwachs an jüngeren Elementen erfolgt. In„E n i g h e d e n" hat sich der mate- riell besser gestellte Teil der Kolonie einen Zusammenschluß gegeben, der zu wöchentlich einmaligem Beisammensein in dem Klublokal, Kursürstenstraße 124, führt. Daß der Verein, dessen Borsitzender der seit langem in Berlin ansässige Fabrikant Kruse-Madsen ist, keinen Geldprotzenstandpunkt kennt, beweist die Tatsache, daß der Ler- treter der KopenhaMner sozialdemokratischen Zeitung Oskar Iörgensen Mitglied des Vorstcmdes ist. Wie.ISozialdemok raten" hat auch„Poli- tiken" einen eigenen Vertreter(fserrn Steinthal), während Herr Bendz„Nationaltidende" vertritt. Für die religiösen Bedürfnisse der Kolonie sorgt ein Gottesdienst in der Kapelle Neuenburger Straße: man erstrebt jedoch den Bau einer eigenen Kirch« und er- hofft hierzu eine Staatsunterstützung. » Die Chauvinisten beider Länder haben in den Vorkriegsjahren die Beziehungen der Völker zu vergisten versucht— heute, wo in Dänemark ein sozialistisches Ministerium waltet und in Deutschland eine bürgerliche Regierung den Anschluß an den Völkerbund voll- zogen hat, stt die Rückkehr solcher gehässigen Methoden nicht meh» zu befürchten. Wenn Einzelfälle zu Erörterungen führen, so werden dies« stn Geiste der Verständigung geführt werden. Wir freuen uns über die fleißig arbeitende, an allen Kulturfragen eifrig teilnehmende dänische Kolonie, die sich in unserer Mitte befindet, und wünschen ihr«ine gedeihlich« Weiterentwicklung. Meldet Ausweriungsansprüche an! Die Frist für die An- Meldung des Anspruchs auf Anerkennung des Altbesitzes bei Anleihen der Länder, Gemeinden und Gemeindeverbände läuft Ende Oktober d. I. ab. Wird die Anmeldung nicht in der vorge- schriebenen Form bis Ende Oktober vorgenommen, so verliert der Gläubiger seine Ansprüche aus dem Altbesitz.' Nach den bisherigen Feststellungen hat nur ein Bruchteil der Altbesitzer seine Rechte an- gemeldet, Mit einer Verlängerung der Ausschlußfrist ist aber nach den Erfahrungen bei der Reichsanleiheablösung kaum zu rechnen. Es kann deshalb den Altbesitzern nur auf das dringendste empfohlen werden, die Anmeldung, soweit sie damit noch im Ruckstand sind, sofort zu bewerkstelligen. Der Weg des blinden Bruno. 20] Roman von Oskar Baum. Von der Freitreppe, die sich an den Bretterweg anschloß, trat er durch die offenstehende Tür in einen etwas vorzimmer- artigen Raum. Jemand trug Schüsseln mit warmen Speisen vorbei. Man hörte es an der Art des Gehens und roch es auch. Er fühlte, daß Blicke ihn musterten. „Gehen's nur in die Küche!" sagte das Mädchen und eilte vorbei. Hier werden Bettler jedenfalls nicht unfreundlich empfangen! Er folgte den Schritten, die zum Glück nicht weit führten. Die Tür schloß sich aber hinter dem Mädchen, als er sie fast erreicht hatte. Er trat zur Seite für den Fall, daß sie wieder geöffnet würde und wartete eine Weile, um sich zu sammeln. Drin wurde jetzt nicht musiziert, aber man setzte sich wohl eben erst zu Tisch,'es war noch allgemeines Sessel- rücken und unbeschäftigtes Plaudern. Das wird eine Ber- wunderung! Er lachte, aber ein wenig sank seine Sicherheit, die rätselhafte Ueberzeugung, daß ein unangenehmer Ausgang des Unternehmens nicht ausgeschlossen war. Die Tür öffnete sich nicht wieder. Wahrscheinlich blieb das Mädchen zur Bedienung drinnen. Plötzlich— er hörte vielleicht Schritte hinter sich und wollte tun. als sei er gerade erst zur Tür getreten— streckte er die Hand nach der Klinke, drückte nieder und stand im Salon. Eine Sekunde ging zu seiner Verwunderung das Stim- mengewirr und der fröhliche Lärm der Eßbestecke weiter. Man iah ihn vielleicht nicht gleich. Er wußte auch nicht, daß die Hausfrau dem Mädchen ein Zeichen gemacht hatte. Er hörte nur ziemlich nahe vor sich die etwas heisere Stimme auftauchen, die er wiedererkannte, ohne sie zu verstehen. Sie drückte ihm wohl ihr Befremden darüber aus, daß er nicht in die Küche gegangen war. „Sagen Sie dem Fräulein von Kröß," flüsterte er geheimnisvoll und reichte ihr feine größte Banknote,„ich habe einen wichtigen Auftrag an siel" Das Mädchen besichtigte eine Welle ihn und das Papier und ging. Ihn faßte eine peinigende.Unruhe: Was geschah jetzt? Er st�nd da, konnte es nicht erraten! Vielleicht sah ihn Fräulein von Kröß an, winkte ihm. näher zu kommen oder mit ihr ins Nebenzimmer zu treten, und alle wandten ver- wundert die Blicke nach ihm, weil er sich nicht vom Fleck rührte. Er fühlte sie brennen, stand schutzlos wie im Schaufenster, fühlte hundert feine Nadeln an allen Stellen des Körpers zugleich in die Haut stechen. Aber es war gar nicht so. Die Dame kam auf ihn zu: „Sie haben einen Auftrag an mich, junger Mann?" Er zuckte bei ihrem ersten Laut zusammen. Sie stutzte. „Ja, verzeihen Sie, es ist ein sonderbarer Auftrag. Ein Kunstjünger, ein hervorragendes Talent--" Er wollte von Alwin sprechen. „Hören Sie mal vorerst," die volle tiefe Stimme schallte, jedes Wort ein Befehl; aber ohne Schärfe.„Wer sind Sie denn? Sie sehen gar nicht wie ein Bote aus." Bruno zögerte.„Und warum haben Sie in dem Regen nicht einmal einen Hut?" „Ich komme nicht von weit her," begann er leise und wurde sehr blaß, als er den Klang seiner Stimme in dem nun fast ganz stillen Raum hörte. Er strich mit flachen Händen am kotbespritzten nassen Rock hinab. Das hatte er ja vergessen! Wie mußte er in solchem Aufzug hier wirken? Das Fräulein lachte aber so lustig, so gemütlich über seine Verlegenheit, daß ihm wieder alles fließend mit allen Einzel- heilen einfiel, was für diesen Augenblick zurechtgelegt war. „Mein Name ist Bruno Görnitz, ich bin Zögling der Blinden- anstalt gegenüber..." Die Dame unterbrach ihn nicht mehr, zog ihn nur an der Hand tiefer ins Zimmer. Alle kamen von ihren Plätzen, umdrängten ihn. Und als so die Tatsachen seine traumhafte spielerische Wunschphantasie wirtlich genau wiederholten, hob ihn eine Leichtigkeit, riß ihn mit dem Stückchen Boden unter seinen Füßen hoch hinauf in ein Reich herrlicher Frecheit ohne Leim und Nägel, ohne Erinerung und Voraussicht, wo erlöst vom Zusammenhang ein vollkommener Augenblick zum anderen wehte. Und er mußte immer weiterreden, die Stille um ihn her drängte, ein saugender leerer Raum. Jedes gesprochene Wort war versollen, versank in einen Abgrund, nicht mehr heraufzuholen. Er dachte nur immer an das eine, kommende, klammerte sich daran wie an ein Geländer; die weiteren würden dann schon dahinter aus seinem Innern heraufsteigen. Er erzählte von dem Abend, an dem ihm und seinem Freund zum erstenmal die Musik von hier wie ein Zaubertor in eine neue Welt aufgesprungen war,— daß sein Freund, der den Weg nickt wagte, ihn beauftragt hätte—* Das war «'n? Lüge; Alwin mußte nicht? von dem tollen Plan; er hätte gewiß mitkommen wollen und das wäre bei seiner Ungeschicklichkeit unmöglich gewesen! „Ja, wie kamen Sie denn aber herüber?" fragte plötzlich eine Mädchenstimme, und er hätte schwören mögen, es war die, die im Gesang so klein und rund klang, als hätte man einen Vogel im Konservatorium ausgebildet. Und damit war der Druck des undeutbaren schweren Schweigens gelöst. Er beschrieb alles. Besonders beim Klettern über das Gittertor unterbrach ihn Staunen, Rührung und, obwohl er ja wohl- behalten dastand. Spannung und Angst. Das vertrieb die letzte Spur des Gespenstischen einer unerreichbaren Welt der anderen, Fremden. Sie waren wieder ein wenig lächerlich: er mußte sie über das Selbstverständlichste belehren. Und als er übermütig die Entdeckung des Bretterwegs schilderte,„für ihn einer der Wege Gottes, der endlich nicht nur bildlich zu nehmen war", drückte ein schallendes Gelächter aller das Sentimentale der Sensation auch für die anderen bedeutend in den Hintergrund, und manches gute Herz fühlte sich von lastender Schwere befreit. „Das ist ein Publikum," meinte Fräulein von Kröß lachend,„das ist eine Begeisterungstemperatur!" „Ich weiß nicht, ob wir darüber lachen sollten," sagte jenes Mädchen nachdenklich„wer von uns wäre denn im- stände, auf's Unsichere hin für etwas Schönes geradcswegs und unbedenklich das Leben zu riskieren?" „Findet Ihr es nicht unmanierlich, ihn da so lange stehen und reden zu lassen?" fragte mit übertrieben kindlicher Ver- wunderung eine ewig lachende, ein wenig künstlich mous- sierendc Stimme, die man Fräulein Kritsch rief. Es war für Bruno peinlich, sich so schmutzig, naß und zerrissen zwischen die anderen zu setzen. Fräulein von Kröß merkte es.„Nein, er wird zuerst seine Gestalt wechseln." Und sie übergab ihn einem jungen Mann, den sie mit leisen Anordnungen bis ins Vorzimmer begleitete. Wortlos, seinen Arm ängstlich umklammernd, führte er Bruno über eine Treppe in ein kühles, weiches, von sanftem Zigarettenduft erfülltes Zimmerchen, wo selbst der Tisch, die Wand, auch die Luft gepolstert schien. Er legte zart nach Maiglöckchen duftende Kleider und Wäsche unter Brunos Hände auf einen Fauteuil.„Tante meint, wir hätten ungefähr die gleiche Gestalt— können Sie sich ollein umkleiden?" Es war ein reiner schlanker Tenor wie von Seide, kaum merklich vibrierend. Ein Dichter, dachte Bruno und war nachher sehr enttäuscht, als er hörte, daß es ein Ingenieur war, der nur von einer neuen Art praktischer einger chteter Häujer und Wohnungen träumte. (Fortsetzung folgt.) Der Prozeß gegen Sam'täLsrat Dr. Soehme. „Ter Reserveoffizier kam zu oft bei ihm durch." Dresden, S. Oktober. Gegen 3 Uhr nachmittags wurde die Oefscntlichkeit wieder hergestellt. Unter allgemeiner Spannung wurde dann die Schwägerin Dr. Boehmes, die Gattin deverstorbenen Justizrats Boehme, aufgerufen, die erklärte, von dem Recht der Zeugnisverweigerung keinen Gebrauch zu machen. Frau Boehmes Schwester war zudem die erste Gattin des Angeklagten. «Eine Woche nach dem Tods meiner Schwester hiell Boehme um mich an. Ich war jedoch mit seinem Bruder schon heimlich verlobt, und da versuchte er, die Verlobung zu- hintertreibend Die Zeugin bezeichnete die dritte Frau Boehmes als ungebil- det und launenhaft. Sie habe sich bei Boehme nie wohl ae- fühlt und oft zu ihm gesagt:„Ich schenke dir das ganze chaus(in Großröhrsdorf) und noch 50 003 M. dazu, wenn du mich freiläßt.* Die Streitigkeiten dauerten an, und acht Tage vor dem Tode der Gattin habe Boehme gesagt:„So kann es nicht weitergehen." Vors.: „Wie faßte denn Ihr Mann den Tod der Schwägerin auf?" Zeugin: „Er meinte:„Der Just hätte sich lieber auch gleich er- schießen solle n." Vors.:„Der Angeklagte hat nach dem Tode Ihres Gatten Sie für eine Bürgschaft des Toten in chöhe von 2S0 M. geschickt. Um des Geldes willen sei es stets zu Differenzen gekommen." Ein Geschworener:„Ist es richtig, daß Ihr Vater die Erbschaftsverhandlungen damit einleitete, daß er Sie ohrfeigte?" Zeugin:„Vater war leicht beleidigt. Der Reserveoffizier kam zu oft bei ihm durch." Vors.:„Es muß aber damals recht heftig gewesen sein, denn früher haben Sie gesagt, daß Ihr Vater Sie so durch das Zimmer ge- schleift habe, daß Sie um Hilfe riefen." Zeugin(sehr leise):„Es war auch so." Staatsanwalt:„Sie haben auch an eine Bekannte nach dem Unfall geschrieben:„Wie leicht hätte der Schuß auch mich treffen können." Zeugin:„Ja." Justizrat Knoll:„Hat Ihr Vater Sie denn als erwachsener Mensch öfter geschlagen?" Zeugin:„Ja." Fabrikbesitzer Gebler-Radebeul, der Bruder der ersten Frau Boehmes, bekundete, daß die erste Che offenbar gut gewesen sei. Sein Vater habe jedoch dem Schwager nicht mehr getraut, als er ihn bei der Erbschaftsregelung bei Kincr großen Lüge ertappte. Bei der tödlichen Erkrankung seiner Schwester habe sich Dr. Boehme äußerst gemütsroh gezeigt. So habe er die fiebernde Frau eine halbe Stunde im Schnee stürm laufen lassen, und habe es als zu teuer bezeichnet, einen Wagen zu nehmen. Seine verstorbene Schwester habe ihm kurz vor dem Tode gesagt:„Mein Mann gibt mir Medizin, von der ich weiß, daß ich sie nicht nehmen darf." Der Angeklagte habe wegen Verleumdung von feinem Bruder eine Pistolenforderung bekommen, die er freilich ablehnte. Dr. Boehme:„Mein Bruder hat mich gefordert, weil ich seine damalige Braut vor ihm warnte und ihr mitteille, daß mein Bruder an Syphilis litt." Vors.:„Das war dieselbe Dame, der Sie in Verbindung mit dieser Mitteilung einen Heiratsantrag gemacht haben." Zeuge:„Dr. Boehme hat feine Praxis in der gröbsten Weise vernachlässigt. Er ließ die Patienten stundenlang warten, ehe er aus der Wohnung ins Sprechzimmer ging." Das Gericht beschloß dann nach kurzer Beratung, die Zeugen Frau Vogt, Frau Boehme und Herrn Gebler nicht zu vereidigen, da sie Verwandte des Angeklagten ersten Grades sind. Sodann wurde die Verhandlung auf Montag früh 9 Uhr vertagt. Tapetenflunöern... Der Berliner weiß bekanntlich auch den unangenehmsten Dingen einen humorigen Beigeschmack abzugewinnen, also hat er die Wanze— Tapetenslur.der getauf:. Trotz dieses friedlich an- mutenden Namens läß: sich aber leider nicht ernsthaft leugnen, daß benannte Ftschan das grausamst« Raitdtier der Berliner Fauna darstellt. Eln ausgesprochenes Rachtwesen, ist die Wanze erfüllt von blutgierigsten Instinkten und überfällt harmlos Schlummernde, um sie aufs schmerzhafteste zu verletzen. Wohl ist der Mensch im Rah- kämpf dem einzelnen Tiere weit überlegen, das Entsetzliche aber ist, daß die Wanze in Nudeln auftritt und nach kaum verlöschtem Lichte zu immer erneuten Angriffen schreitet. Nach dem Tode strömen zudem die Tiere einen auf die Nerven gehenden Geruch aus. Scherz beiseite! Nach naturwissenschaftlichen und praktischen Er- fahrungen ist die Wanzenplage im Frühjahr und im Spät- j o m m e r am oerbreitetsten, und so ist es kein Wunder, daß gerade bei dem besonders warmen Oktober dieses Jahres sich das Un> geziefer ungemein peinlich bemerkbar macht. Immer wieder hört man die Klagen der Mieter und Untermieter! Berlin leidet unter dieser Seuche seit Jahrzehnten, und es ist dies beileibe nicht auf eine besondere Unsauberkeit oder Unachtsamkeit des Berliners zurück- zuführen. Die Verhältnisse sind, namentlich in den proletarischen Vierteln, wo die Wohnungen zumeist dicht aneinander gedrängt liegen, stärker als der gute Wille des einzelnen. Kleinliche Palliativ- mittelchen, wie Insektenpulver, führen fast nie zum Ziele, und selbst eine ausgeräucherte und gründlich und systematisch des- infizierte Wohnung wird durch eine Invasion aus der Nachbarschaft umsomehr bedroht, als die Wanzen sich außerordentlich vermehren. Wie dieser Plage im großen abzuhelfen ist, scheint zurzeit leider noch unklar. Soviel aber ist sicher: Die Wanze ist ein empfindlicher Feind der Nachtruhe, und gerade der Großstädter, desien Nerven schon an sich stärksten Anforderungen ausgesetzt sind, hat eine ge- sunde Nachtruhe doppelt nötig. Es wäre deshalb des Schweißes der Edlen wert, nach einem Mittel zu fahnden, durch das der zunehmenden Aerwanzung der Berliner Wohnungen wirksam zu begegnen ist. Zpantali im Sier. Seinen Freund aus Ulk vergiftet. Der an die Tat eines Geiüffskranken erinnernde frivole Scherz des Lagerange st elltenldung»au»slhuß Groß-Sertia. Sonntag, den 24. Oktober, nach- Wittags L Uhr, lin Theater der Volksbühne am Blllowplatz. Ausgeführt wird die Komödie.Lhsistrata' von Leo Vreiner(nach AristovhaneS). Preis ein- schließlich Kleiderablage und Tbeaterzettel 1,29 W. Karten sind in den bekannten Verkaufsstellen zu haben. Schwere Grubenexplosion in Südafrika. Nach Zeitungsmeldungen ereignete sich in einer Grube bei Durban eine schwere Explosion. Man glaubt, daß 4 weihe und 116 farbige Bergarbeiter getötet worden sind. Der Grubenschacht ist vollständig zerstört und die Bergleute sind ver- schüttet. Bis jetzt hoben die vorhandenen giftigen Gase jede Hilfe- leiswng unmöglich gemocht. . Bergunsall aus der Zeche„Prosper III". Das preußische Ober- bergamt Dortmund teilt mit: Ans der Zeche„Prosper III" in Bottropp hat sich morgens gegen 8,15 Uhr auf der ersten Sohle in einein Rutschenbetrieb im Flöz„Zollvereinigung VIII" ein schwerer Bruch ereignet. Bon den aus der Unfallstelle beschäs- tigten sieben Arbeitern sind sechs verschüttet worden. Zw� von ihpen konnten leicht verletzt geborgen werden. Die Auf- räumunasarbeiten sind in vollstem Gange, jedoch ist damit zu rech- neu, daß von den verschütteten Bergleuten nur einer lebend geborgen werden kann. Die Untersuchung der Bergbehörde ist im Gange. Boa der walze erfaßt. Am Sonnabend ging der Arbeiter Friedrich Schulz aus Essen, Marnungssignale gebend, vor einer Dampfwalze in der Königstraße her, als er plötzlich von der Walze erfaßt und völlig plattzewalzt wurde. ZOO Tote In Hannover. Di« Gesamtzahl der Typhustoten in Hannover belief sich am Schluß der vergangenen Woche auf 200. Amtlich wird erklärt, daß die Typhusepidemie dank der getroffenen umfangreichen Bekämpfungsmoßnahmen nunmehr ihren Höhepunkt überschritten habe: für Handel und Verkehr destehe keine Ge- fahr mehr.______ Delierberlcht der öffenklichev Illettcrd'.enklsteUe für Berlin. I?!aÄdr. oerb.) Windig, unbeiländia und Reyenichaucr. Lujllemveralureu elwaS niedriger.— Zür Deutschland: Ueberall frischer Wind und Abkühlung, zei'.weüe Ziegen. 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Es wurde dann eine Reihe von Anträgen zum Arbeits- beschaffungsprogramm angenommen, so insbesondere der Antrag des Ausschusses für Handel und Gewerbe auf Wiederinbetrieb- setzung der Zeche„V e r e i n i g t e M a r g a r e t e". Die Einsetzung eines besonderen Kanalausschusses wurde abgelehnt und das gesamte Arbeitsbeschaffungsprogramm dem Hauptausschuß überwiesen. Das Haus wandte sich dann den sozialdemokratischen und kommu- nistilchen Großen Anfragen und Anträgen über den M a g d e- burger Justizskandal zu. Kbg. kuttner(603.): Der Vorsitzende des Deutschen Iuristentages Prof. Kahl hat in Köln das Wort geprägt, daß es Feigheit wäre, die Vertrauens. k r i s e unserer Justiz zu leugnen. Diese Vertrauenskrise ist nicht erst durch den Magdeburger Justizskandal erzeugt worden, aber sie ist dadurch den weitesten Kreisen der Bevölkerung zum Bewußt- sein gebracht worden. Wir empfinden darüber weder Genugtuung noch Freude. Unsere ständige und oft strenge Kritik der Rccktspflege entspringt wirklicher Liebe zu Recht und Gerechtigkeit, und eben wegen dieser Liebe empfinden wir brennende Scham und liefe Trauer, daß ein solcher Fall wie der Fall Haas-Kölling möglich war, und daß er in Preußen möglich war.(Sehr wahr! bei den Soz.) Dieser Justizskandal war kein Zusall. und es war kein Zusall, daß er sich gerade in Magdeburg ereignete, im Milieu von Bewers- dorfs und des Ebert-Urteiles, in der Stadt, in der noch heute die gröblichsten und widerlichsten Beschimpfungen der Reichsslagge mit 100 M. Geldstrafe gesühnt werden. Der in der preußischen Richter- lchaft herrschende Geist muhte einmal zu einer solchen Justizkata- strophc führten, und zuerst in Magdeburg, wo eine fest zusammen- hallende reaktionäre Richtercltque, einer dem anderen den Nacken steift. Der Fall Haas ist nicht allein das Werk des unglückseligen und verrannten Untersuchungsrichters Kölling, sondern Ges amtarbeit des Magdeburger Richterkolle- giums.(Sehr wahr! bei den Soz.) Die Hauptoerhandlung im Prozeß Schröder hat volle Klarheit darüber gebracht, daß Schröder der allein schuldige Mörder des Helling ist und daß die ursprünglich Mitangeklagten Haas, Fischer und Reuter völlig unschuldig sind. Die Hauptoer- Handlung hat keine Klarheit darüber gebracht, wie es möglich war, daß das Lügengebäude gegen drei unschuldige Menschen errichtet werden und sie bis dicht ans Schafott heranbringen konnte. Für mich steht nach sorgsälligster Prüfung des gesamten Materials fest, daß nicht etwa der Verbrecher und Schwindler Schröder die Justiz auf falsche Fährte geleitet hat, sondern daß die Organe der Justiz Schröder angesetzt haben, um drei unschuldige Menschen zur Strecke zu bringen.(Hört! Hört!) Sämtliche Elemente des Schröderfchen Lügengebäudes gegen Haas waren bereits in den Akten verankert, ehe überhaupt Schröder verhaftet und eingeliefert wurde. Am 1». Juni 1925 hat Schröder an Helling den Raubmord wegen der SM M. Kaution verübt. In dieser Zeit lief bereits ein Feldzug, den die A n g e st e l l t e n- G. m. b. H. der FirmaHaas gegen ihren früheren Chef unter- nommen hatte. An dieser Vereinigung ehemaliger Angestellter der Firma Haas war in erster Linie beteiligt der abgebaute frühere Direktor Haasscher Zuckerfabriken, der volksparteiliche Abgeordnete Arndt-Kreuzburg(Hört! Hört!) und die Buchhalter Johannsen und Helling. Helling sollte Strafanzeige erstatten, Johannsen den ganzen Feldzug dirigieren und Herr Arndt in den Ministerien und Parlamenten den nötigen Dampf dahinter machen.(Lebh. Hört! Hört!) Ob Herr Arndt den Auftrag wirtlich übernommen hat, geht aus den Akten nicht hervor. Johannsen und Helling arbeiteten zu- sammen mit dem Steueroberinspektor Liebing, alle drei in der Hofs- nung auf eine Prämie, wenn es ihnen gelänge, der Firma Haas eine Steuerhinterziehung nachzuweisen. Nachdem Helling ver- schwunden war, wurde zuerst von dieser Seite der Glaube verbreitet, daß die Firma Haas ihn beseitigt haben müsse. Als besonders schweres Belastungsmoment gegen Haas hat Kölling auf- gefaßt, daß Helling an einem Tage verschwand, an dem er sich mit dem Steueroberinspektor Liebing treffen sollte. Nicht beachtet hat der Untersuchungsrichter, daß dies nicht die erste Besprechung der beiden Männer war, sondern daß Helling schon sechsmal vor- her von der Steuerbehörde vernommen worden war. Zu der neuen Besprechung hatte ihn Helling erst am Abend zuvor eingeladen. Es hätte ein Wunder geschehen sein müssen, damit noch in der- selben Nacht die Firma Haas von dieser Einladung hätte erfahren können und damit in eben dieser Nacht im tschechischen Konsulat die Beseitigung des Helling hätte beschlossen werden können. Denn so hat Schröder ausgesagt und Kölling es durchaus glaubhaft gefunden. Dieses tschechische Konsulat und die angebliche Mitbeteiligung des Konsuls Adam und feines Sekretärs Janda an der Beseitigung Hellings steht nämlich auch schon in den Akten, angegeben von Jo- hannsen, ehe Schröder verhaftet wurde. Es bleibt daher kein anderer Weg der Deutung möglich, als daß Schröder die Akten gekannt haben muß. ehe er fein Phantasie- gebäude erfand. (Lebh. Hört! Hört!) Aus den Akten hat man Schröder die Bausteine zu seinem Lügenbau in die Hand gedrückt. Schröder wurde ver- haftet, als er nach Verbrauch des Hellingschen Geldes die beiden Schecks auf Hellinas Scheckbuch ausgeben wollte. Aber die Ver- Haftung des Schröder paßte nicht in die bereits vorher fest- stehende Theorie der Tenholt und Kölling von der Schuld der Firma Haas. Man nahm bei ihm nur eine ganz oberflächliche Haussuchung durch einen Landgendarm vor und fand dabei den zur Tat benutzten Revolver und die Pfandscheine über die durch Schröders Braut Hilde Götze in Köln versetzten Uhren des Helling. Jeder wirkliche Kriminalist hätte nun in acht Tagen den Fall auf- klären können. Statt dessen enthalten die Akten zwei Monate lang überhaupt keine Eintragungen mehr. Trotzdem ist in dieser Zeit Schröder unzählige Male ver- nommen worden. Er behauptete, die Schecks gefunden zu haben. Man setzte ihm so lange zu, daß er sie von dritter Seite erhalten haben mühte, bis er Rudolf als Geber der Schecks angab. Diesen Rudolf beschrieb er als groß, schlank, dunkelblond und schnurrbärtig. Daraus wurde im Laufe der Vernehmungen Adolf Haas: klein, untersetzt, tiefschwarz, bartlos.(Große Heiterkeit.) Ebenso trieb man es mit den, Mitangeklagten Fischer. Man ließ seinen Vater ins Gefängnis kommen und ihn dem Sohn zum Geständnis zureden, worauf Fischer in den Ausruf ausbrach:„Man will durchaus, daß ich Rudolf Haas belasten soll und dabei kenne ich ihn doch gar nicht!"(Lebhaftes Hört, hört!) Seitdem wurde der Verkehr zwischen Fischer und seinen Ange- hörigen gesperrt. Auch verschiedene Zeugen hatten den bestimniten Eindruck, daß man eine Aussage gegen Haas aus ihnen herauspressen wollte. Als Schröder dem Untersuchungsrichter Kölling das Tschechoslowakische Konsulat beschreiben sollte, führte ihn tags zuvor Kommissar Tenholt in dessen Räume(!) und nahm dem Konsul Adam das Ehrenwort ab, mit niemandem'darüber zu sprechen. Das ganze Untersuchungsverfahren war ein Jngui- sitionsverfahren übelster Art und die Aktenführung grenzt dicht an Aktenfälschung. Cntlastungsbeweise sind während der ganzen Untersuchung nicht erhoben worden. So hat z. B. der Verteidiger des Haas angegeben, daß Schröder schon Wochen vor dem Mord in Groß- Rottmersleben den Plan besprochen hatte, durch Inserate Leute dorthin zu locken und dann zu berauben. Noch schlimmer als die Taten sind die Unterlassungen. Der Mordanzug, in dein Schröder verhaftet worden mar und der die Blutspuren aufwies, durfte mit Genehmigung des Untersuchungs- r i ch t c r s von ihm an seine Schwester zur Reinigung geschickt werden. Als der Landrat von Neuhaldensleben Kölling darauf aufmerksam machte, daß der bei Schröder gefundene Revolver seit vier Monaten im Landratsamt herumliege, antwortete Kölling: „Der Revolver ist für die Sache ohne Bedeutung."(Heiterkeit und Bewegung.) Helling war auf einem Fahrrad von Hause weg- gesahren. Nach diesem Fahrrad ist bis zum Eingreisen des Kri- minalkommissars Busdorf niemals gesucht worden. Wäh- rend der ganzen Unterredung ist niemals die Hilde Götze vernommen worden, die mit Schröder in der kritischen Zeit im Tathause gewohnt hat. Am 12. Juni berichtet Busdorf amilich, daß er im Haufe des Schröder nach der Leiche des ermordeten Helling graben werde. Am 13. Juni teilt das Hörsing dem Unter- fuchungsrichtsr Kölling mit. Am 11. Juni gesteht plötzlich Schröder, daß die Leiche in seinem Keller vergraben sei. und Kölling gräbt sie aus. Die Leiche weist zwei Schüsse auf. Kölling läßt die Ge- schösse nicht untersuchen, sondern erklärt, er sei selbst Sachverständi- ger genug, um zu sehen, daß diese Geschosie unmöglich aus Schröders Revolver stammen könnten. Die Schießsachoerständigen haben nachher das genaue Gegenteil festgestellt. Um eine Lüge des Schräder zu stützen, schreibt Tenholt in die Akten, es habe am Tage der Tat heftig geregnet. Kriminalkommissar Galzow stellt nachher durch amtliche Auskunst der Wetterkarte fest, daß damals in Magdeburg und Umgebung schönes Wetter gewesen ist.(Leb- Haftes Hört, hört!) Von der Auffindung der Leiche des Helling an ist das Verhalten des Untersuchungsrichters nicht mehr gutgläubig, von da an hat er nur für sich und seine amkliche Stellung gekämpft und das Recht ganz außer Acht gelassen. Beweis dafür: er hat auch nach der Auffindung der Leiche gegen Schröder nicht Anklage wegen Mordes erhoben und das erste volle Geständnis des Schröder ein- fach nicht protokolliert. Als Schröder am 5. August vor den Ber- liner Kriminalkommissaren RIcmann und Vaschwitz das Geständnis wiederholte, hat Kölling den Angeschuldigten sofort zurückverlangt und dadurch die Protokollierung des Geständnisses zu vereiteln ge- sucht. Hier hat er deutlich die Machtbefugnisse des Untersuchungs- richters mißbraucht, um ein Geständnis des Schröder zu verhindern. (Hört! Hört!) Angesichts solcher Tatsachen hat Hörsing einge- griffen. Die Leute, die ibm den Vorwurf machen, er habe das An- sehen der Rechtspflege herabgesetzt, scheinen zu glauben, daß ein Justizmord das Ansehen der Rechtspflege hebt.(Sehr gut!) Und wir haben hier dicht vor einem Justizmord gestanden: denn die Aussagen des Kriminalkommisiars und des Untersuchungsrichters hätten in der Hauptoerhandlung zur Verurteilung des Rudolf Haas geführt. Ich glaub« gern, daß unter dem alten System kein Oberpräsident gehandelt hätte wie Hörsing. Aber daß unter dem neuen System ein Oberpräsident Stellung und Ansehen riskiert hat, um einen Unschuldigen vor dem Schaffot zu retten, scheint mir ein glühendes Zeugnis für die Oberpräsidenten und das neue System. Hörsings Vorgehen muß von allen gebilligt werden, die den Triumph des Rechts über den Justizmord wollen und den Geist über den Buchstaben stellen.(Sehr wahr! links). Die Ober- staatsanwaltschaft in Magdeburg ist völlig passiv hinter Kölling her- gelaufen und das Justizministerium hat sich um die Sache überhaupt nicht gekümmert. Hingegen haben die Magdeburger Richter wie im Fall Bewersdorff formelle Sitzungen abgehalten, um Kölling in seinem Widerstand gegen das Recht zu bestärken. Trotz gller Nach- träglichen Ableugnungen haben diese Sitzungen stattgefunden, und über eine hat versehentlich die„Magdeburger Zeitung" vom 21. Juni berichtet. Schließlich hat der„Fürst" Landgerichtsdirektor Hofsmann, dem niemand zu widersprechen wagte, Kölling den famosen Brief diktiert, in dem er der Polizei Begünstigung des Mörders Haas vorwarf. Die Kölling und Hoffmann sind an der Begünstigung des wahren Mörders Schröder dicht daran. (Sehr wahrl links.) Das allerbetrüblichste an diesem Justizskandal aber ist, daß Kölling und Hofsmann nicht das Herz gesunden haben, schweigend den Richtertalar auszuziehen, den sie besudelt und be- fleckt haben.(Lebhaste Zustimmung.) Schließlich hat der Gedanke des Rechts doch, gesiegt. In der Vesricdigung darüber können wir keineswegs alles vergessen und vergeben, was vorher war. weder die seltsamen Kapriolen un- würdiger Richter, noch die schanilose Hetze.gegen Hörsing uyd die ganze Sozialdemokratie. Eine Hetze, die wir uns zugezogen haben aus keinem anderen Grunde, als weil wir die Mahnung des Schiller- Wvrtes'gehört haben:„Hilfe, wo die Unschuld weint!"(Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Abg. Grube(Komm.) polemisiert fast- ausschließlich gegen die Sozialdemokratie, die sich für keinen angstlagten Reichs- bannermaun oder Roten Frontkämpfer so eingesetzt habe wie für Haas. Wir lehnen es ab, für den Millionär Haas einzutreten, der nur ein Eroßschieber ist. Seine Rede geht dann über in eine Schimpferei auf Hörsing und Seoering, die angeblich ebenso wie Kölling und Tenholt die Arbeiter niederknüppeln. Slaatssekrelär Fritze beontwortet die Großen Anfragen: Er gibt eine chronologische D a r st e l l u n g der Entwicklung der ganzen Angelegenheit und stellt fest, warum gegen Kölling und Hofsmann das Disziplinarverfahren beschlossen worden ist. Für ein Skrafverfahren haben sich keine Ankerlagen ergeben. Eine Strafanzeige des Mitangeklagten Fischer wegen Frei- heitsberaubung sei als unbegründet abgelehnt worden, eine Strafanzeige der republikanischen Beschwerdestelle gegen Kölling wegen Rechtsbeugung werde von der Staatsanwaltschaft in Raum- bürg zurzeit bearbeitet. Es sei in hohem Maße wahrscheinlich, daß Schröder sein Lügengebäude auf Grund des Akteninhalts er- richtet habe, aber es sei Tenholt nicht nachzuweisen, daß er ihm absichtlich zu falschen Aussagen geholfen habe. Abg. Seelmann(Dtn.) empfiehlt bis zur Beendigung der Disziplinarverfahren äußerste Reserve. Eine Stellungnahme de? Landtages würde ein Mißbrauch des Parlaments bedeuten. Im übrigen habe sich die ganze Angelegenheit nur dadurch so ent- wickeln können, daß die Magdeburger Justizbehörden xrst durch ein anderes Verfahren auf die Mordangelegenheit Helling gekommen seien. Nur der Eingrisf des Obcrpräsidenten Hörfing habe die Un- ruhe im Volke hervorgerufen. Nach völliger Aufklärung des Falles habe Hörsing den Artikel„Justizskandal" verfaßt, in dem Ausdrücke wie„Jusiizschweinerei" und„Meineidsfabrik" vorkämen, und der schließt: Das Recht Ist verloren durch die Reaktion der deutschen Justiz. (Lebh. Zustimmung links.) Was sei mit Hörsing geschehen? Der Preußische Richterverein habe sich durchaus korrekt benommen, keine Gewerkschaft greife ein, wen» ihre Mitglieder in der Arbeit etwas falsch machten. Satalssekretär Friste: Durch schriftlichen Erlaß des Minister- Präsidenten und des Ministers des Innern ist das Vorgehen des Oberpräsidenten Hörsing in dem Artikel„Justizskandal" nachdrück- lich g e m i ß b i l l l g t worden. Abg. Schmidt- Lichkenberg(Z.): Als Berussrichter gehe ich an den Magdeburger Fall mit innerem Widerstreben und peinlichem Gefühl heran. Der verdacht politischer voreingenommenhoik und vcranlwor- tungrlosigkeit scheint mir hinreichend begründet. Hörsing muß man danken, daß er einen nahe bevorstehenden Justizmord verhindert hat. Di.e Unabhängigkeit der Richter ist nicht um ihrer selbst willen da, sondern um der Gerechtigkeit und des Volkes willen.(Beifall links.) Persönlich erklärt Abg. Arlt-Kreuzburg(DVP.), daß er mit der Steuerstrasanzeige gegen die Firma Haas nicht das Geringste zu tun hätte. Hierauf vertagt sich das Haus auf Montag 1 Uhr: Fort- setzung der Magdeburger Justizdebatte, Hohenzollernvergleich. I�an kann auch diese Peirle äußeHich nachahmen, nichi aber ihme inneren Werlo Schülzl Euch Raucher! Eorderl die richliqo Perle, die echle EINE ZIQAR.ETTE VON RANfc Mus See Partei. Internationales. ' V-"; Am 4. und 5. Dezember tagt im Volkshaus in Brüssel ein« Konferenz der Vertreterinnen der In den Parteien der SAJ. or- ganisierten Frauen. Die Konferenz hat sich vor allem mit dem Entwurf der Bestimmungen für das Internationale Fraucnkomitee, dessen Einsetzung der Marseiller Kongreß be> schlössen hat, zu befassen. Im übrigen wird die Tagung einer all- gemeinen Aussprache über die Entwicklung und die Tätigkeit der Frauenorganisationen seit dem Marseiller Kongreß gewidmet sein. Für die Zeit vom 20. bis 22. November d. I. wurde die zweite Konferenz der SAJ. für technische Zeitungsfragen nach Berlin in den Sitzungssaal des Partei- Vorstandes einberufen. Hierbei werden die einzelnen Länder durch ein oder zwei Genossen, die mit den technischen und a d m i n i- st r a t i v e n Agenden der Presse vertraut sind, vertreten sein. Die erste derartige Tagung fand 1923 in Verbindung mit dem Jnter- nationalen Kongreß in Marseille statt, woselbst ein Komitee ein- gesetzt wurde, das einen Fragebogen ausgearbeitet hat: er ist aus- sührlich beantwortet worden. Die Konferenz wird nunmehr auf Grund dieses Materials eine eingehende Besprechung der Probleme vornehmen._ Die Sozialistische Parket Argentiniens, die der Sozialistischen Arbeiter-Internationale angeschlossen ist, hat«inen schönen Sieg zu verzeichnen. Bei den Gemeinderatswahlen der Stadt General Pico in der Provinz La Pampa eroberte sie alle Mandate. Damit stehen nunmehr fünf Städte Argentiniens unter sozio- listischer Verwaltung, und zwar bauptsächlich neugegründete Städte, in denen die Pioniere der Zivilisation die Leitung der Gemeinde- angelegenheiten, die für sie wesentlicher ist als die politische Staats- Verwaltung, in die Hände der Sozialdemokratie legen. In General Pico entfielen auf die sozialistische Liste nahezu doppelt soviel Stimmen als auf die bürgerliche. Die Sozialistische Partei in Slowenien(dem norwestlichen Teil Südslawiens) hielt in Celje(Cilli) einen außerordentlichen Landes- Parteitag unter dem Vorsitz des Genossen Koren ab. Der lockere organisatorische Aufbau der Sozialdemokratie Südstawiens, der auf die Entstehung des Staates aus mehreren Provinzen zurück- zuführen ist, stellt die Zentralparteileitung in Beograd(Belgrad), als deren Pertreter Genosse T o p a l o w i t s ch am Landespartei- tag teilnahm, vor schwierige Probleme. Ein Großteil der Be- ratungen war diesen Fragen gewidmet. Eine Resolution auf organisatorische Zusammenfassung aller auf dem Boden des Partei- Programms stehenden Gruppen und organisatorische Gliederung der Partei, entsprechend dem staatlichen Aufbau nach Verwaltungs- einheilen, wurde angenommen. I Einsendungen fSr dies« Rubrik find Berlin SW 68, Lindenstraße 3, G Partemachrichten für Groß-Serlm flct» an da, Bezirkssekretariat, 2. Hos, 2 Trep. rechts, zu richten. Di« Abteilungen bzw. Kreisleitungen wollen die Bestellungen auf da» in der VotstFndekonferenz angeMndigte Liederbuch«insenden an den Obmann der geitungstommission, Genossen Paul Mehlberg, Neukölln, Kranoldplaß S/S. • 2. Kreis Tiergarten. Kreisausschuß fllr Arbeiterwohlfabrt: Anmeldungen fstr die Polizeiousstellung bei der Genossin Eisfelder, Lessingstr. 23, bis Diens- tag frül). 5, Kreis Fricdrichshain. Montag, 11. Oktober, 7>,b Ukir, in Schmidts Gesell- schaftshaus, Fruchtstr. SS», Kreisfunktioneirsitzung. Mitgliedsbuch und ssunk- tioniirdart« find mitzubringen. Alle Genossinnen und Genossen müssen UN- bedingt erscheinen. 12. Kreis Steglitz. Montag, 11. Oktober, TA Uhr, im Rathaus Steglitz wichtige ssraktionsfitzung. Eiimtlichc Stadt- und Bczirksverordneten sowie Bllrgcrdeputierte müssen unbedingt erscheinen. 13. Kreis Tcmpclhos, Mariendorf, Maricnselde, Lichtenrade. Dienstag, 12. Ok- tober, 8 Uhr, im Kommissions-Sitzungszimmer Tempelhof, Dvrfstr.«2, ssraktionssitzung. Ii. Kreis Neukölln. Gemeinsame Sitzung des erweiterten Kreisnorstonde» mit der graktion am Montag, 11. Oktober, 7'A Uhr, im Rathaus. 17.»reis Lichtenberg. Montag, 11. Oktober, 7 Uhr. wichtige ssunktionilrfitzung im Arbeitsamt, Schreiberhauer Straße. Alle Genossen und Genossinnen müssen erscheinen. heute, Sonntag. 10. Oktober: 10. Abt. Handzettel zur Versammlung am Donnerstag fReferent Kenoss» Kuttncr) find unigeliend oon Keufner, Hagelberger Str. 20», umgehend ab- zuholen. Morgen, Montag. 11. Oktober: 11. Abt. Die Funktionärsttzung am Montag fällt aus. Dafür beteiligen fich sämtliche Funktionäre an der Konferenz der Betriebsoertrauenslcute. Di« sSfäanidSßß 3&ch& Seeland Q&pfpaudlenafp. 20121 tober, et*, tchemo:.De» Sltochf. ifisterent vr. Alfred sfrsund. IS, Alt. 8 Uhr bei Lausch wichtig« Funktion ärfitzung. lt. Abt. 8 Uhr bei Lauritzen, Putbusser Str. 11, ssunktionSifttzung mit den Gewerkschaftsfunktionären. Die Bezirksführer laden zum gahlabend am Mittwoch, 13. Oktober,«in. 11. Abt. 7% Uhr pünktlich bei Oblglo, Strolsundrr Str. 11. Sitzung aller Parteifunktionäre mit den Betriebsoertrauensleuten. 17. Abt. Ti Uhr bei Dose, Nordhafen 6, wichtig« Funktionärfitzung. 18. Abt. 7'A Uhr Sitzung sämtlicher Funktionäre bei Millltr, Uferstr. 12. 21. Abt. 7lb Uhr bei Kroll. Utrechter Str. 21, wichtig« Funktionärfitzung. 27. Abt. 7'A Uhr bei Boudillier, Milasstr. 7. Funktionärsitzung. Dir Bezirks- fiihrer müsse» bestimmt erscheinen. IS. Abt. 7'A Uhr wichtige Funktionärfitzung be! Echrepel, Grünthaler Str. 13. 3». Abt. 7'A Uhr in der Juristischen Sprechstunde, Ltndenstr. 3, Funktionär- fitzung. Hauslisten find mitzubringen. 42. Abt. SA Uhr bei Wiersdorfs, Urbanftr. 8, wichtige Funktionärfitzung. 43. Abt. 7?� Uhr bei Fronkcnhauser. Iahnstr. 15, Fuirktionitrfitzung. Jeder Bezirk muß pertreten sein. Freie Sozialistische Hochschule Im Winterhalbjahr 1926/1927 werden folgende Seminare (Arbeitsgem einschaften) abgehalten: Professor Heinrich Cunow:„Der Staat und seine Eni- Wicklung". Beginn Freitag, 22. Oktober. Dr. Carl Herz:„Verfassungs- und Verwaltungs- künde". Beginn Donnerstag, 21. Oktober. Fritz Raphlali:„Grundfragen der Wirtschaftspolitik". Beginn Dienstag, 19. Oktober. Dr. Albert Solomon:„Grundlagen der Soziologie". Beginn Montag, 18. Oktober. A. Slein:„Sozialismus und Arbeiterbewegung". Beginn Mittwoch, 20. Oktober. Die Seminare finden allwöchentlich von 7—9 Uhr abends in den Räumen des Reichsausschusses für sozialistische Bildungsarbeit, Lindenstr. 3, 1. Hof links, 3 Tr., statt. Zur Aufnahme in die Seminare ist eine vorherige Anmeldung erforderlich, die an den Reichs- ausschuß zu richten ist. Letzter Termin der Anmeldung eine Woche vor Boginn eines jeden Seminars. Teilnehmergebühr für das ganze Winterhalbjahr(etwa 20 Abende) für jedes Seminar 10 M., die in zwei Raten zahlbar sind. Arbeitslosen wird die Hälfte der Teil- nehmergebühr erlassen. 43. Abt. TA Uhr bei Wienziers, Reichenbeeger Str. 104, Funktionärfitzung. Aeußebst wichtige Tagesordnung. Erscheinen unbedingt erforderlich. 48.«bt. 8 Uhr bei Lübke. Brandenburg. Ecke Gitschiner Straße. Funktionär- fitzung. Die Bezirksführer müssen die Hauslisten abliefern. 37. Abt. Eharlottenbnrg. 8 Uhr bei Gruner!, Wielandftr. 47, Funktionärfitzung. Vollzähliges Erscheinen wegen der wichtigen Tagesordnung unbedingt er- forderlich. 86. Abt. Mariendorf. 8 Uhr bei Niendorf, Ehausseeftr. Ig, wichtige Funktionär- fitzung. 123. Abt. Wcißensce. 7'A Uhr bei Gallas, Lchderstraße, wichtig« Funktionär- fitzung. Achtung! Mittwoch, 13. Oktober. 7'A Uhr, gahlabende in folgen- den Lokalen: 1. Bezirk: Nagel, Straßburgstr. 84. 2. Bezirk: Gallas. 3. Dezirk: Pohlmann. Lang« Str. 102. 4� Bezirk: Jäckel, Berliner Allee 228. 3. Bezirk: Krüner Baum, Berliner Allee 204. 137. Abt. Reinickendorf-West. TA Uhr im Volkshaus, Schornweberfir. 114, Funktionärfitzung. Erscheinen sämtlicher Funktionäre ist Psticht. Dienstag, 12. Oktober: 7. Abt. TA Uhr bei Köhler, Ticckstr. 24, Mitgliederversammlung. Vortrags „Die politische Lage". Referent Landtagsabgcordncter Hermann Lübemann. Alle Mitglieder müssen erscheine». 8. Abt. 7'A Uhr. bei Rickert. Stcinmctzstr. 30», wichtig« Funktionärfitzung. Alle Genossen müssen unbedingt erscheinen. 18. Abt. 7'A Uhr bei Döhling, Brunncnstr. 7g, Funktlonärsttzung. 22. Abt. 7!h Uhr bei Radzay wichtige Funktionärfitzung. 23. Abt. 7ZH Uhr bei Erunwalb, Kameruner Str. Ig, Funktionärfitzung. Sämt- liche Funktionäre müssen zur Stelle sein. 38. Abt. TA Uhr pünktlich bei Bartusch. Friedenstr. 88, Funktionärfitzung. Umfangreiche und wichtige Tagesordnung. Auch die zwei Bezirksführer �scheinen. 81. Abt. Friedenau. 8 Uhr im Restaurant Will, Martin-Luther-Straße sam Echäncber�er Rathaus) Beginn des Kursus:„Historifch-materialisttsche Ee- schichtsauffassung". Vortragender A. Stein. Neukölln. 8g. Abt. 7 Uhr bei Bros«, Sanderstr. 10, Vorstands- und Funktio- närsttzung. Wichtige Tagesordnung. Erscheinen ist Pflicht.—«3. Abt. TA Uhr hei Thormälen, Hcrtzbcrgstr. 22, Funktionärfitzung. Di« Bezirks- sührer laden hierzu ein.— S4. Abt. TA Uhr bei Schröder, Steinmetzstr. 52, Funktionärsitzung. Alle Funktionäre müssen erscheinen.— 95. Abt. TA Uhr bei Lausch, Hcrmannstr. Igg(Glashalle) Abteilungsvcrsammlung. Vortrag: „Kommunalpolitik". Referent Max Fechner. Diskussion. Abteilung s- ongelegenheiten. Alle Mitglieder müssen unbedingt erscheinen. >>! 4. Abt. Sonntag, 17. Oktober, bvjährigez Parteiiubiläuin unseres Genossen Adolf Hoffmann, verbunden mit Banncrweihe im Dewerkschastshaus, Engel- Ufer 24/25, nachmittags 5 Uhr. Mitwirkende: Erich Weincrt u. o. Festrede: Reichstagspräfident Paul Löhe. Karten einschließlich Tanz 75 Pf. Di» Genossinnen und Genossen find herzlichst eingeladen.(Wegen der Demon- stration des 1. Kreises am Sonnabend, 16. Oktober, findet unsere Demonstration am Sonntag, 17. Oktober, nicht statt. 8. Abt. Mittwoch, 13. Oktober, 8 Uhr, bei Büttner. Schwedter Str. 23, Bannerweihe der Abteilung. Es wird um oollzähliges Erscheinen aller Mitglieder gebeten. Gäste herzlich willkommen. 73.«bt. Schmargendorf. Mittwoch, 13. Oktober, 8 Uhr, wichtige Mitglieder- Versammlung im Lehrerzimmer der Gemeindeschule. Vorstand und sämtliche Funktionäre tagen ab 7 Uhr daselbst. Vollständiges Erscheinen wegen der Vorbereitungen zur Roten Woche Pflicht. Di« Bezirksführer werden dringend gebeten, ZU dieser Versammlung schriftlich einzuladen. 84. Abt. Lankwitz. Sonnabend, 16. Oktober, 8 Uhr, findet aus Anlaß des 20jähriaen Bestehens eins Feier bei Lehmann. Kaiser-Wilhelm-Str. 29/31, statt. Wir bitten, für guten Besuch zu sorgen. Kartenperteilung durch die Bezirksführer. »» WS MtMWMi irilini« M. WAitzf» MC«be. ftftiAWtz«! i'(■iIiiiim fang bei Sch�tner. F�rtckM.». fcertoae: Bezirk". Referent Bürgermeister Drnnow-Treptow. Alle Mitglieder müssen erscheinen. Arauenveranstalkungen am Montag, 11. Oktober: 87. Abt. Grunewald. 8 Uhr im Restaurant Würzbacher, am Bahnhof Grunewald. Vortrag:„Kultur und Sozialismus". Referentin Genossin Clara- Bohm-Schuch. 82.«bt. Steglitz. TA Uhr bei Thiel, Albrechtstr. 87, Bortragenden: Heint Borthel. Arauenveranstaltungen am Dienstag, 12. Oktober: 23. Abt. 7'A Uhr bei Tietze, Barfusstr.». Bortrag:„Wissenschaftlicher Eoiza- lismus". Referent Dr. Max Schütte. 33. Abt. 7'A Uhr in der Schule Hohenlohestr. 10, Vortrag:„Die Frau it» Eherecht"(Fortsetzung). Referentin Else Echeibenhuber. 123» Abt. Kaulsdorf-Süd. 8 Uhr im Jägerheim.„Unsere Winterarbeit". * Arbeitsgemeinschaft der Kindersreunde. Groß-Berltnl Donnerstag. 14. Ok- tober. 8 Uhr. beginnt der sozialpädagogische Kursus unserer Helferschul« in Neukölln, Nogatstr. 11/12, Ecke Ilsestraße. Freitag, 15. Oktober, wichtige Helserversammlung statt. Alle Helfer haben stch diesen... halten. Der Ort der Versammlung wird am Mittwoch bekanntgegel wird daran erinnert, daß die Sprechstunde nicht mehr Donnerstags, sondern Freitags stattfindet.— Neukölln. 91. Abt.: Die Kinder treffen sich zum Spiel und Basteln bei den Kinderfreunden Donnerstag, 14. Oktober. 5—7 Uhr, in den Schnlräumen Ecke Boddin» und Berliner Ettaße.— 92. Abt.: Di« Kinder treffen fich zmu Spiel und Basteln in der neugegründeten Kinderfteundcgrupps in der Schule Elbestraße am Donnerstag, 14. Oktober. 5—7 Uhr nachmittags.— 37. Abt.: In dem Jugendheim Ebertnstr. 12, Gartenhaus, Dienstags und Donnerstags von 5—7 Uhr, besteht eine Gruppe der Kinderfreunde. Partei- genossen, Porwärtsleser und Eympathisterend« werden gebeten, ihre Kinder dorthin zu senden. Zungsozialisten. Gruppe Tempelhof.Mariendarf. Dienstag. 12. Oktober- 8 Uhr, im Jugendheim Germaniastr. 4/6, Literarischer Abend. Referent Genosse Kirsch. Achtung! Untere Wcrbevevanstaltung im Rahmen der Roten Woche findet am Menstag, IS. Oktober, statt. Thema:„Partei und Jugend". Tis Parteigenossen sind der Wichtigkeit wegen verpflichtet, bestinnttt zu erscheinen. — Gruppe Roiden: Leider konn die geplant« Führung nicht stattfinden, da bi» jetzt kein genauer Descheid eingegangen ist. Der neue Termin wird schriftlich bekanntgegeben. Wcrbcausschnß der Post, und Telegraph« nbeatute» und Anwärter. Montag, 11. Oktober, 8 Uhr, findet in Saverlands Festsälen, Neu« Frtedrtchstraße, Ein- gang Rochsttaße,«ine öffentliche Veamtenversvmmlung statt. Tagesordnung: „Muß der Beamte Sozialist fein?" Referent Ministerialrat a. D. Albert Falten» berg. Um zahlreichen Besuch wird gebeten. Erscheint zahlreich zu dieser Ver- sammlung! Sterbetafel öer Sroß-öerltner Partei-Grganisation 26. Abt. Unser altbewährter langlährtger Genosse Bruno Huirtch. Ver- golder, Koloniestt. 43, ist am 6. Oktober nach kurzem Krankenlager peistorben. Einäscherung am Dienstag, 12. Oftober, nachmittag- 2 Uhr, im Krematorium Gcrichtsttaße. Um zahlreiche Beteiligung wird gebeten. Sozialistische �rbeiterjugenü Groß-Serlin. Unser Iugendchor soll wieder neu geschaffen werden, erste finsammenkunft aller musikalisch interessierter Genossinnen und Genossen am Montag, 11. Oktober, TA Uhr, im Jugendheim Lindenstr. 3. Instrument« mitbringen! Die Jugondgcnossen, welche am lg. September die„Ardeiter-Jugend" und den„Vorwärts" verkauft haben, werden gebeten, die Abrechnung umgehend vorzunehmen. heute, Sonntag, 1k>. Oktober: Schönhauser Borstadt I: Treffpunkt zur Werbebezirksveranstalwng'A7 Uhr Bahnhos Schönhauser Allee.— Südwest: Jugendheim Lindenstr. 3. Einsührungs. abend für Schulentlassene. 7 Uhr abends.— Welten: Beteiligung an der Flugblattoerbreitung der Partei. Treffpunkt'A9 Uhr vormittags Liitzow- Eck- Körnerftroße. Nachmittags Spaziergang durch den Grunewald. Treffpunkt 2 Uhr Bhf. Bülowstr.— Lichtenberg-Rord: Treffp. zur Konsumbeiichttgung g Uhr vor dem Jugendheim. Das Heim ist nachm. ab 5 Uhr geöfnfet.— Lichtenbcrg-West: Spaziergang: Rummelsburg. Treffpunkt nachmittags 3 Uhr Boxhagener Platz. — Pankow: Beginn der Werbewocheoeranstaltungen auf den einzelnen Plätzen. Vormittags g Uhr Generalprobe Schulaula Görfchstraß«.— Falkenbcrg: Besuch des Märkischen Museums. Treffpunkt Zhg Uhr Bahnhof Grünau. Werbebezirk Prenzlauer Berg: Heute nachmittag 5 Uhr Werbe. bezirksoorftandssstzung im Jugendheim Danziger Straße 62. Um 7 Uhr abends Werbebezirksdelegiertenpersammlung. Neuwahl des Werdebezirts- pcrsttzcndcn. Auf je 10 Mitglieder ein Delegierter. Abrechnung Monat August. Um 8 Uhr abends Werbebczirksmitgliederversammlung mit Bortrag:„Der Amsterdamer Ingendkonareß". Mitgliedsbuch mttbringen. Werbebzirk Reinickendorf: Sämtliche Gruppen beteiligen stch an der Werbe- feier der Gruppe Reinickendorf-Ost TA Uhr im Realgymnasium, Berncr Straße. Reinickendorf-Ost: Gr» einsam mit den Kinderfreunden Werbefeier im Realgymnasium Berner Sttaße. Beginn S'A Uhr.-Eltern und Parteigenossen find herzlichst eingeladen. Morgen. Montag, 11. Oktober, abends 7� Uhr: Stralauer Viertel: Jugendheim Goßlerstr. 61. Uebuna für die W-rbefci-r — Görlitz« Viertel: Jugendheim Reichenberger Stt. 6«. Einführungsabend— Friedenau: Schule Ofenbacher Str. 5». Vorttag:„Arbeiterjugend und Beruf" — Westen: Jugendheim Hauptstr. 15, dl-i-on ä- saotS(Rheinlandzimmer). Jean Iaurds-Abcnd. Arbeitsabend für Mädchenfrggen de, Werbebezirk»«renzbtrg: 8 Uhr in der Schule Kochstr. 13. Alle Mädchen des Wctbebezirks müssen erscheinen Werbebezirk Renkölln:'AS Uhr im Jugendheim Kann« Straße«sie Probe zum Eprcchchor für die Revolutionsfei« des Berlin« Bezirks. Beteiligt euch zahlreich daran. hervorragend bewährt bei: Gicht, Rheuma, Ischias, Erkältungskrankheiten. Togal stillt die Schmerzen und scheidet die Harnsäure aus. Keine schädlichen Nebenwirkungen.— Fragen Sie Ihren Arzt!— Zu allen Apotheken«hältltch. Lestanätsil«! 12,8 litb. 0,46 cbtn. 74,3 acid. acet sal. ad 100 arnyl Grippe, Nerven- und Kopfschmerzen, u IN DER WOCHE VOM 11.-18. OKT. Werden Tische Jetzt anders gedeckt? Meine Ausstellung die im vorigen Jahre großen Beifall fand, gibt Ihnen emeui mit SO verschiedenartig gedeckten Tischen Auskunft über diese Frage Grünfeld Gegründet 1862 Für Handarbeilen Cischdecken usw. in allen Größen; mit reizenden Aufzeichnungen für Kreuz-,; Stiel-, Strich- und PI a Us tidis üdcercien\ rund und eckig; GrSßet Größer 60 cm M. 1" 60 an M. I60\ SO cm M. 200 100 cm M. 3S0 130 COT M. 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Bezirksversammlung Dienstag, 12. Oktober, 8 Uhr. im Nationolhot, Bülowstr. 37. Referent Kamerad Griebel:„Erfahrungen im Versorgungstvesen" „Die Erziehung der Uran z» eigen geprägter Kulturlcistnng" ist Gegen- stand einer Vortragsreihe, die an den Montag Abenden der nächsten Wochen >mn der„Akademie für soziale und pädagogisch« Frauenarbeit" veranstaltet wird. Der erste Vortrag ist von Frau Dr. Marianne Webe"-Heidelberg und mird, Die Frau und die Kultur des Geschlechtslebens" behandeln. Ferner sprechen: Dr. Marie Offenberg-Aachen Uder„Das Persänlichc im heutigen (lcscllschaftslebcn", Ministerialrat Dr. Gertrud Bäumec über„Die Frau und d's geistige Schaffen", Mary Wigmvn-Dresden über..Tanzkunst und weib» stche Körperkultur", Ministerialrat Helene Wcber-Bcrlin über..Frau und Staat", und Fritt von Unruh-Frankfurt a. M. über„Die Frau und das Völkerlcben". Karten für die Vortragsreihe zum Preise von 12 M. tnumcriert) und zum Preis« von 8 M. sind durch die Geschäftsstelle der Akademie für s'-.iale und pädagogische Frauenarbeit, Berlin W. 30, Barbarossastr. KS, zu beziehen. Die Humboldt, Hoch schule eröffnet Montag, 11. Oftober, ihr neues Studien- lahr, das 43. In Uber 240 Kursen bietet sie dem bildungs- und anregungs- bedürftigen Publikum Ausführungen über alle Zweige der Wissenschaften und Künste. Das Programm ist in größeren Buchhandlungen und Kaufhäusern unentgeltlich erhältlich. Blumenfreunde und Iimmergärtner! Am Donnerstag. 14. Oktober. 7 Uhr. reraastaltet die Abteilung der Garten- und Pslanzenfreundo der Deutschen a ortcnbaugclcllschgft im Hörsaal 7 der Landwirtschaftlichen Hochschule, Berlin st? 4, Znvalidenstr. 42. einen Frageabend für alle Blumenfreund und strmmcrgärtncr. An diesem Abend werden alle Fragen über BehaHdsnng, stfflege und Krankheitserscheinungen von Pflanzen beantwortet. Alle Jirtcr- el'eMen haben freien Eintritt und können eigene Pflanzen zur Begutachtung mitbrincen. Arbciicr-Esperantobnnd. Monatsvorsammlung Dienstag. 12. Oktober, 7'b Uhr, Kipsstr. 23a. Gruppennerfainmlungen: 7sb— Sid Uhr. Montags: Wedding. Tiefenstr. 54. Reinickendorf, Schule Lettcallee. Mittwochs: Osten, Jugendheim am Ostbahnhaf 17. Norden. Schule Danzige: Etr 23. Freitags: Zentrum. Schule Eivsstr. 23a. Amika Rondo: Dienstag, 20. Oftober, 8 Uhr, Kastanicnwäldchcn. Kastanicnnllce 83. Arheiter-Radioklub Deutschlands e. V. Es tagen folgende Gruppen: Ehar- leiten bürg: Jeden Dienstag Wirlandstr. 4.— Friedrichshain: Jeden Montag Werschau-: Str. SS/M. Kottbusscr Tor: Jeden Donnerstag Adalberistr. 21. s'ichtenbe'g: Jeden Dienstag Kronprinzenstr. 47. Am Montag. 11. Oktober, Bastclabend. Dienstag, 10. Oktober, zweiter Bortrag:„Einführung in die Radiotechnik". Dienstag, 28. Oktober, Mitglledcrverfammluna. Lichterfelde. Ost: steden Freitag Lorenzstr. 58. Reukölln: Jeden Freitag Prinz-Handjery- Straße 70. Am 0. und 10. Oftober veranstaltet die Gruppe zwei öffentliche Bortraas- und Busstellungstage im Lokal„Gamdrinus". Neukölln, Kaiser- Tnedrtch-Str. 86. Am Freitag, 15. Oktober, fitnfter Vortrag:„Don der Elektro, bis zur Sochfreoucnzte'chnik" Im Grupvenlokal. Referent Ingenieur stnc-marek. Prenzlauer Berg: Jeden Donnerstag Schönhauser Allee I34b. S.rgncScrg: Jeden Donnerstag Sedanstr. 53. Am Donnerstag. 14. Oktober. 'HZ Udr, Lautfprechcrcmvfanq und Bastekabend. Südost: Jeden Donnersiag löoraucr Ecke Eörlißcr Straße. Am 27. und 28. November veranstaltet die Gruppe im..Reichenbcrget Hof" zwei öffentliche Bortraas- und Ausstellunos- tage. Wcdding: Jeden Donnerstag Pafewalker Str. 3. Am Donnerstag, 14. Oktober, veranstaltet die Gruppe einen öffentlichen Erverimentieradeiid ,'it dem Tbema:„Wie betreibe ich Fernempfang unten Ausschaltung des Ortsfcnders?" Referent Ingenieur Reiß. Wilmersdorf: Jeden Freitag Augustastr. 18. Gäste überall willkommen. Schuboerband der Schwerhörigen E. V. Donnerstag, 14. Oftober. 8 Uhr, Hanerlands Festkäle. Reue Friedrichftr. 35(Eingang Rochstraßc), Monats- r-rsommlung und Bortrag Rogierungsrat Dr. Stern:„Die allgemeine wirt- fthoftliche Laar". Gäste willkommen. Homöopathischer Bolksgesundheitsperei» H ahnemann. Dienstag. 12 Ok- tober, spricht Herr Zkichard Ponsong über Serualerkranftinoen. Göste� will- kommen. Deutscher«rbettrr-Mandalinistenbund(Bezirk Groß-Berlin). Montag, 11. Oktober. 8 Uhr. Delegicrtcnüßuna im„Sängerheim", Weddingstr. 0. An d'eser Sitzung müssen auch die Borstßenden der Berliner Maudolinenvereine teilnehmen. Eine Bereinigunq der«rbelte-.Photvggaphen gearü redet. Die rasch« Aus- beeitung der Arbeiter-Pho'ographenbeweaunq in Deuffchland hat zur Kon- stiwiernng eines propisorifchen Reichsaüslchusscs der Bereinigung der Ar- beiter-Photooraphen geführt, der am 18. September 1028 znsammenftat. Die Zusammenfassung der Ortsgruppen von Arbeiter-Photogravhen soll durch ein aemeinsamcs Miftcilungsoroan..Der Arbeitcr-Photoarovb" geschehen. Alle Arbeiter und Angestellte, die ans dem Boden der Olrbkitcrbcwcgnng stehen, lömien stch der Bereinigung der Arbciter-Photographcn anschließen. Gesthastliche NitteiluKASn. Der Verband Drntscher Waschageschäfte und WäschehcrsteNer e.V. Berlin r-�cf)t in der Woche vom 11.— Ib. Oktober 192« sein zehnjähriges Bestehen. Dl« Ministerien, staatliche und städtische Behörden, Erzengervcrbände der Wäschcbranche und der Reichsverband Deutscher Hausfrauenvereinc bekunden durch ihre Teilnahme an einzelnen Veranstaltungen dieses Verbandes ihr Interesse an seiner Tätigkeit in unserem Wirtschaftsleben. Fast alle führenden Wäschehäuser des deutschen Einzelhandels gehöre» diesem Reichsverband an, der unter den großen ffachorganisationen unserer Wirtschaft seit Iahren mit an erster Stelle steht. Seine Bestrebungen, den Qualitätsgedankcn in der Wäscheerzeugung und im Wäschevcrbrouch besonders zu fördern dürste» all- seitioe Anerkennung finde». „Oktober-Messc" des bekannten Warenhauses s. Joseph u. Co.. Nechköll». Es ist-ine bekannte Tatsache, daß dieser Verkauf alljährlich im Gründungs. Wcht r so wenig<§eld! �umWasofte/i: Dt*, fftompson's Seifenpulver....... 30� W/// fälciehcrf: /fix__...._______ 15 � �usommen: �5� Hermann Vahrs Lustspiel„Das Konzer t", das schon seit mehr als 16 Jahren seine Bühnenwirksamkeit bewährt hat, durfte nun auch auf der Sendebühne seinen Einzug halten. Man kann wohl sagen, daß dieses liebenswürdige und anspruchslose Werk besondere Eignung für die Verbreitung durch den Rundfunk besitzt: denn seine Wirkung stützt sich in der Hauptsache auf den Dialog, der leicht und femgeschlirfen hinüber und herüber geht. Das Gespräch zwischen Frau Marie und Dr. Jura im ersten Akt ist ein Kabinett- stück gescheit-gewandter Plauderkunst, das der sichtbaren Darsteller wirklich nicht bedarf. Die Sprecher fühlten sich auch in ihren Rollen sichtlich wohl. Alfred Braun als Dr. Jura brachte gut die weit- belächelnde Naivität dieses duldsamen Ehemannes, und Lina Lossen als die„gescheite" Frau Marie entwickelte in dieser Rolle alle frauliche Anmut, die sie darin so oft schon auf der Bühne zeigte. Renate Müller sprach die junge Frau Delphina backfischhnft und farblos, wie diese nun einmal sein muß, und auch der„Meister", Gustav Heink, der zum„Konzert" auf die entlegene Berghütte in Begleitung der kleinen Frau reist, hatte in Karl Eberl einen be- währten Vertreter gefunden. Elsa Wagner brachte die tränen- selige Verliebtheit des Hausfräuleins ausgezeichnet. Aber weshalb lieh man das Spiel so seltsam und unmotiviert abbrechen? Es lag doch kein ersichtlicher Grund dafür vor, den Schluß, den Bahr so hübsch rundete, den Funkhörern als Fragezeichen hinzustellen.— Fred Hildenbrand hatte als Einleitung zu dem Spiel in klugen Worten auf den Menschen Hermann Bahr hingewiesen. vss Rundfunkprogramm. Sonntag, den 10. Oktober. 9 Uhr vorm.: Morgenfeier. Jubiläumf feier(Zum Gediichtnis des 700jährigen Todestages des heiligen Franziskus von Assisi). 11.30 Uhr vorm.; Unterhaltungsmusik des Zoo-Orchesters. Leitung: Paul Donath. 1. Paul Donath: Frühlingsgruß, Marsch. 2. Wagner: Ouvertüre zu der Oper �Tonnhäuser". 3. Meyerbeer: Fackeltanz Nr. 1, B-Dur. 4. Beethoven: Andante aus der 5. Sinfonie(C-Moll). 5. Mascagni: Fantasie aus der Oper„Cavalleria rusticana". 12.20—12,50 Uhr nachm.: Max nnd Paul(Max Hansen und Paul Morgan) Ein Opti- und ein Pessimist. 1.10—2.10 Uhr nachm.: Die Stunde der Lebenden. 1. Einleitende Worte(Professor Adolf Weißmann). 2. Prokolieff: Suite aus der Oper„Die Liebe zu den drei Orangen"(Berliner Funkoichester. Dirigent: Bruno Seidler-Winkler). 3. Krenek: Lieder(Elisabeth' Klepner, Sopran. Am Flügel; Bruno Seidler- Winkler). 4. a) Kaun: Nooturno, b) Albumblatt, c) Intermezzo(Berl. Funkorchester). 3 Uhr nachm.: Hans-Bredow-Schule(Bildungskurse). Abteilung Landwirtschaft. Dr. med. vet. Fleischauor:.Was muß der Landwirt von den Tierkrankheiten wissen?" 8.30 Uhr abends: Funkheinzelmanns Schöpfungsgeschichte. Der zweite Tag:„Als Gott Himmel und Erde schuf" von Hans Bodenstedt. Erzählt vom Punkheinzelmann. 4.30—8 Uhr abends: NaohmlttagBlconzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Franz v. Szpanowski. Anschließend: Katsohläge fürs Hans, Theater- und Filmdienst. 6.30 Uhr abends: Forschungsreisender Dr. Ärtur Borger:„Das ÄtlantiSrätsol". 6.55 Uhr abends; G. Schwidetzky: Vortragsreihe: „Tiersprachen und Ursprachen". 7,25 Uhr abends: Kurt Mittelstadt:„Geflügelte Worte". 7,55 Uhr abends: Karl Brammer: .Die Donau als Sohioksalsstrom". 8 30 Uhr abends: Die deutsche Erzählung. 3. Abend. Hermann Stehr. 1. Einleitende Worte; Dr. C. F. W. Behl. 2. Die Großmutter, eine Novelle(Lucio Höflich, Rezitation). 9 Uhr abends: Heitere Stunde. Unter Mitwirkung von Edith Karin, Sommn; Fritz Berger, Tenor; Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzer raeister Franz v. Szpanowski. Anschließend: Bekanntgabe der neuesten Tagesnaonriohten, Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten. Theater und Filmdienst. 10.30—12.30 Uhr abends; Tanzmusik(Kapelle Kermhach.) Leitung: Kapollmeister Otto Kermhach). Königswusterhausen, Sonntag, den 10. Oktober. 9. 11.30, 1.10, 3.30, 4.30, 8.30, 9, 10,30 Uhr abends: Uebortragung aus Berlin. Montag, den 11. Oktober. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4 Uhr nachm.: Prauenfragen und Frauensorgen(Charlotte Mühsam- Wert her:„Der Wäscheeinkauf der Hausfrau"). 4.30 Uhr nachm.: Novellen. Ernst von Wildenbruch. Gelosen von Werner Schott. 5 Uhr nachm.: Klaviervorträge. 1. Schumann: Aus der. Fantasiestüoken: a) Grillen, b) Warum? c) Aufschwung. 2. Chopin: a) Polonäse Cis-Moll, b) Boiceuse. c) Grande valse, op. 42(Margarete Spangenberg). 5 30— 6Uhr abends: Lieder zur Laute. Anschließend: Ratschläge fürs Haus, Theater- und Filmdienst. 6.15 Uhr abends:„Obst- und Beerenwoinbereitnng im Haushalt" (Werbevortrap). 6.30 Uhr abends: Diplomingenieur Franz zur Nedden:„Die Weltkraftkonferenz in Basel". 7 Uhr abends: spricht über Bruckner. 8.30 Uhr abends: Bruckner-Feier.(Zum 30. Todestag des Komponisten). Dirigent: Dr. Felix M. Gatz. Mitwirkende: Emmy von Stetten. Sopran; Agnes Schulz-Lichterfeld. Alt; Karl Jöken, Tenor; Theodor Heß van der Wyk, Baßbariton; Ohor der Bruckner-Vereinigung. 1. VII. Sinfonie(E-Dur) Allegro moderato-- Adagio— Scherzo— Finale. 2. Credo aus der F-Moll-Messo(Berliner Punkorchester). Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. 10.30—12.30 Uhr abends: Tanzmusik(Tanzorchester EttÄ). Königswusterhausen, Montag, den 11. Oktober. 2.30— 3 Uhr nachm.: Hildo Weigel: Gärungslose Früohtever- wertung. 3— 3.30 Uhr nachm.: Stud.-Rat Priedel, Lektor Mann: Englisch für Anfänger. 3.30— 4 Uhr naohm.; Stud.-Rat Friebel, Lektor Mann: Englisch für Fortgeschrittene. 4—4.30 Uhr nachm.: Dr. Felix Bohrend: Die Durchführung des Arbeitsunterrichtes in den höheren Schulen. 4.30—5 Uhr nachm.: Dr. Klopfer u. Ruth Künkel: Dar sechsjährige Fritz will nicht in die Sehule gehen. 5—6 Uhr abends: E. Neberraana: Schach für Anfänger. S bis 6 30 Uhr abends: v. Schorlemer/Lieser: Weinlese. 6.30—7 Uhr abends; Diplom-Handelslehrer Wieg und Katthain: B-ckohführung für Kleingewerbetreibende. 7—7.30 Uhr abends: Dr. Heinitz: Die Musik der Inder. 7.30— 8 Uhr abends: Reg.-Rat Dr. Krammer: Die religiöse Wiedergeburt der Deutschen. Ab 8 Uhr abends: Uebertragung aus Berlin. monat dieser Firma stets«in« Sensation ersten Ranges ist, die immer ein volles Haus und viele neue Kunden gebracht hat. Alle 40 Abteilungen des Hauses stnb gerüstet, alle Neuheiten der Herbst, und Wintermode«ingetroffen, und niemals war die Auswahl schöner und größer. Durch die beispiellose Preiswürdigkeit der angebotenen Qualitätswaren, die jeden in Erstaunen sehen muß. erbringt die Firma H. Joseph u. Co., Neukölln, Beritner Etr. 51—65, den Beweis gzößter Leistungsfähigkeit. Ein Besuch in den dedeutend ver» «rößerten Geschästsräumen gibt schnell und sicher«inen Uederblick, wa» die Mode Neues bringt. Die altbekannte Pelzwarenfirma R. 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Bemerkenswert sind aber auch dich zahlreichen in aefchmackvollen Mustern und leichter Ausfübrbarkcit anslicgcndcn Handarbeiten in waschbarem Material, die stch heule oft dem Stil des gedeckten Tisches einfügen: so steht man Muster in Alt-Wic», Delft und phantastischer Ornamentik, die uns ans den Porzellan- formen der sehten Jahre vertraut sind. Sport. Rennen zu Grunewald am Sonnabend, den 9. Ottober. 1. R c Ii n e n. I. Sonnenwende(Zehmisch). 2. Prinz Christian(Höllein), 3. Rita(A. Torke). Toto: 70: 10. Piah: I». 13. 23: 10. Ferner liefen: TrieMrast, Ingo, Bordes Bruder. Heckcnstrauch. Leseila. 2. R e n n e n. 1. Orla(O. Schmidt). 2. Schmerzenskind(Klotz), 3. Reichstag(Jaekel). Toto: 125: 10. Platz: 29. 23. 41: 10. Ferner liesen: AcmSblume, Steinhäger, Efeu. Eastcr Lily, Der Racker, Bowlen- junge, Laurus, Delusion, Brünne, Leonarda. Ocker.! 3. R e n n c n. I. Rsvasia(Hahnes), 2. Borussia(M. Dreißig), 3. Grals- ritter(D. Schmidt). Toto: 40: 10. Plah: 17, 21, 20:10. Ferner licsen: Falsum. Lebenslauf, Gourmet, Pan Robert, Habicht. Le Marboree. Jlex. 4. Renne n. 1. Forno(Williams), 2. Märkcr(Torle), 3. Verona II (Bleuler). Tolo: 11: 10. Drei liesen. 5. R e n n e n. 1. Slolzcnsels(H. Blume), 2. Favor(O. Schmidt), 3. Capridi(Hahnes). Toto: 28:10. Platz: 11, 11, 14:10. Ferner liefen: Jdomeneus, Hermes, Impressionist. Panna. 6. Rennen 1. DianthuS(Jaekel), 2. Süd Cap(Bleuler), 8. Dom- Psaff(Schröder). Toto: 190: 10. Platz: 34, 25. 23: 10. Ferner liesen: PerseuS. Lpar, Farrcn, Maimorgen, MerkuriuS. San Marko: 7. Rennen, l. Ableilustg: 1. Schaumschläger(H. Blume), 2. Blau- selche(Drabsch), 3. Zia(Hugucnin). Toto: 40:10. Platz: 19, 24, 18: 10. Ferner licsen: Proklamation, Ausbau, Fechter, Paroid, Ouilon, Eichkatze.— 2. Abteilung: 1. Enlel(O.Schmidt), 2. Rose Marie(P.Ludwig), 3. MeneS (Vinzenz). Toto: 23: 10. Platz: 13, 25, 26 u 10. Ferner liesen: Veleda, Antiope, Mandarine, Rinaldo, Fürstcnbrauch, Oriola, Willa. Sriefkasten der Redaktion. K. As. 1. Ein Anspruch auf Ausstellung eines Krankenscheines besteht nicht. 2. Nein, weil zwecklos.— Hoppe. Nein. Es bestehen darüber, keine geschlichen Bestimmungen.— W.«. 28a. 1. Als Maßstab dient die Ein- kommenstcuer. 2. Nein. 3. Ja: mindestcns 2 M.— T. 18. Maßgebend ist das gemeinschaftliche Testament, das dem Gericht überreicht werden muß. Im Falle Ihrer Wiedcrvcrheiratung können Sie das Testament anfechten. Die ge» schlichen Bestimmungen kommen also nicht in Frage.— H. A. 72. 1. Bis 81. März 1828. 2. November und Dezember 1818. Viel besser als Natro« bei Verdauungsbeschwerde« Gewöhnen Sie sich nicht an doppelkohlensaureS Natron nach dem Essen. Natron mag Ihnen wohl zeitweise Erleichterung gewähren, aber denken Sie auch an die Folgen? Befragen Sie Ihren Arzt. Er wird Ihnen bestäiigen, daß Natron zwar die Säuren neutra- lisiert, aber absolut keine Heilwirkung auf die durch Säure ent- sim, denen Magcuwünde ausübt. Hier liegt der Gefabrenpunkt. Die entzündeten Magenwände sondern in verstärklem Maße Säure ab und wenn ein Heilmittel diese Grundursache des Hebels nicht berücksichtigt, so verschlimmert es den Zustand, anstatt ihn zu ver« bessern. Vermeiden Sie Natron und damit die Gefahr, sich Magen- entzündung und Magengeschwüre zuzuziehen. Gebrauchen Sie Viserirte Magnesia an seiner Statt, wie es alle die vielen tu», die seine rasche Wirkungsfähigleit und seine Schutz- und Heilwirkung' auf die zarten Magenwände erkannt haben. Viele Jahre schon ist es all den Tausenden, die eS in Gebrauch hatten, ein vollendetes Heilmittel für Blähungen, Sodbrennen, zu starke Säurebildung im Magen, Beklemmung und jegliche Verdauungsstörung gewesen. In allen Apotheken und Drogerien erhältlich. Wichtig! 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Von der Reise zurQdigekelirt habe ich meine Projts wieder aufgenommen Dr. Theodor Rachwalsky Siet* Uzer ffr. 20. A vfv,_.yr: f Ul kPISC B E R L I K SPAN»AU C R5T RASSE 10 Großes Gardiaien- u. Teppidi-Ängeboi Bettdedieo Ibeölg 4.75 350 2bettig 7�50 3 25 Hal&slores gewebter lall 3.10 t05 , Etamln m. gew. Eins. 3.20 2.°° , Etamln m. Filet-Fries 4.75 4 2-5 Madras Meterware dunkeigrundlg ____ Z.Z3 93 Vo|lc garantiert(ehlerfreL Schweizer Fabrikat, Mir. in indanihre gemusterten Mulls und Qroße Auswahl in Indanthren-farbigen volles SO Engl. lüll-Cantll., 3iis. 5.75 450 Erbstaii-fiantEfitr... 12.75 9®° fiHicnaiie ... s ch e n Wirtschaftssührung. Noch sind die Produktionsmittel, und gerade die höchstorganisierten Fabrikbetriebe und Trusts in den Händen privater Machthaber. Aber diese Machthaber tragen vor dem ganzen Volke die Verantwortung dafür, daß sie ihr Profitstreben nicht in der Weise überspannen, die eine Verewigung der herrschenden Arbeitslosigkeit bedeuten würde. Des- wegen kann die Arbeiterschaft verlangen, daß Reich, Staat und Gesellschaft alles tun, um der dringendsten Forderung Geltung zu verschaffen, nämlich durch eine planmäßige Wirtschaftsführung die Industrie zu einer vollen Beschäftigung der jetzt brach- liegenden Arbeitskräfte zu bringen. Die Ersparnisse bei der Rationalisierung. Aber mit programmatischen Erklärungen ist es nicht getan. Nicht nur Vögler. sondern auch der Schwerindustrielle K l ö ck n e r hat anerkannt, daß die Arbeitslei st ung gestiegen ist. Von einer Preissenkung in de» Rohstossindustrien, die diese beiden Mon- tanherrscher kontrollieren, kann jedoch ebensowenig die Rede sein, wie von einer Erhöhung der Löhne entsprechend der gestiegenen Leistung. Aber der Erfolg der Rationalisierung liegt nicht nur in der Leistungssteigerung als solcher, sondern auch in den Erspar- Nissen, die in der besseren Organisation der Betriebe begründet sind. Man muß hier daran erinnern, daß allein der Stahltrust in seiner Lagerhaltung 40 Millionen Mark einzusparen vermag. Dieser Betrag ist wesentlich höher als derjenige, den sämtliche Arbeiter des Stahltrusts an L o h nst e u e r zu zahlen haben. Ein solcherJÖergleich zeigt auch, wie verhältnismäßig gering die Rolle der Steuern in der Betriebskalkulation ist, wenn das Unter- nehmertum erst einmal die Rationalisierung energisch ansaßt und durch Erweiterung der Umsätze und bessere Betriebssiihrung die Wirkung der Steuerlasten auf die Produktionskosten abschwächt. Ratioaale und internationale Auswirkungen. Es ist ja nicht nur die Schwerindustrie, die diese umwälzende Erneuerung vom Verbands- zum Trustkapitalismus durchmacht. Die Chemie war ihr vorausgegangen. Große Gebiete der Eisen- und Stahlverarbeitung sind ihr gefolgt, Teile der elek- trotcchnischen Industrie sind untereinander und interna- tional durch Interessengemeinschaften trustartizi verkoppelt. Auch die Textilindustrie hat die Umorganisation durchgemacht. Die photographische Branche hat sich einheitlich organisiert und im Einzelhandel sehen wir, wie bei einer Rückbildung der kleineren und der Einzelbetriebe gleichzeitig die Grohkonzerne der Warenhäuser sich immer weiter ausdehnen. Fast überall geht mit der Bildung nationaler Trustorganisationen der Abschluß von Interessengemeinschaften oder Kartellabreden mit ausländischen Jnteressentengruppen parallel. Während die Politiker noch über das Problem Paneuropa dis- tutieren, sind die industriellen Herzogtümer, die die internationalen Zusammcnschlüsie einzelner Branchen in Händen weniger Kapitalisten darstellen, und die in dem kommenden über- staatlichen Gebilde ihren eigenen Rang beanspruchen, teils schon fertig, teils in kräftigem Wachstum. Waren es früher die Staatsmänner, die sich zuweilen an abgelegenen Orten trafen, um über die Befriedung Europas zu beraten, so veranstalten heute englische Bankiers und Industrielle mit Abgesandten der deutschen Finanz, und Industriegruppen ein offizielles Weekend-Treffen, bei dem man sich über die Grundlagen der kommenden Industriepolitik ausspricht. Diese Ten- denz zur I n t er n at i o n a l i s i e r u n g der Wirtschast ist der zweite hervorstechende Zug der modernen kapitalistischen Wirt- schaftsentwicklung. � Die Arbeiterschaft hat allen Anlaß, diesen Vorgängen größte Aufmerksamkeit zu widmen und sich auf sie einzu- stellen, wenn sie nicht zum Objekt der ganzen Bewegung werden will. Die Beherrscher der kapitalistischen Wirtschaft betreiben ja die neue Produktions- und Interessenpolitik nicht etwa aus alt- ruistischen Motiven. Sie tun es, weil sie daraus neue Antriebskräfte zur Sicherung und Steigerung des Prosit» erwarten. Mögen auch einzelne Jndustrieführer die Probleme klar erkennen, mag die ganze Entwicklung auch für eine Zeit lang in der Richtung verlaufen, die schließlich in einer Steigerung des Massenwohlstandes endet. Vorläufig merkt man noch nichts davon. Die Arbeiterschaft stcbt vor einem Wmtcr, der neue schwere Belastungsproben für den Arbeitsmarkt mit sich bringen und wahrscheinlich die Erwerbslosigkeit wieder steigern wird. Nicht zuletzt liegt das daran, daß die überwiegend« Mehrzahl der Unternehmer heute noch zwischen der richtigen Er- kenntriis von der Notwendigkeit einer Steigerung der Moffenkauf- kraft und dem Festhalten an den rückständigen Methoden der Oer- bandswi tscha't bin- und hcrpendelt. In derselben Zeit, wo Herr Vögler rom Preieabbau redet, beantragt man im Kohlensyndikat Preiserhöhungen, schließt man mit den Eisenverarbeitern einen i Vertrag, der auch der Schwereisenindustrie die Möglichkeit von JS-teissteigerungen offen läßt. Los sind Widersprüche, die zur Vorsicht gegenüber all diesen programmatischen Aeußerungen mahnen und die die Arbeiterschaft darin bestärken müssen, eine llederwachung der großen Irustorganisationcn durch die Gemeinschaft zu fordern und die Durchführung einer wirk- lichen Wirtschaftsdemokratie zu verlangen. Die Roiwendigkeit der Wirtschaftsdemokratie. Es ist ja auch ganz unverständlich, weshalb sich die tZÜHrer des kapitalistischen Unternehmertums gegen eine der- artige Wirtschaftsdemokratie sträuben, wenn es mit ihren programmatisch geäußerten Ansichten von der Notwendigkeit des Preisabbaues und der Kostenersparnis ernst ist. Solange die Kartelle die Hauptausgabe ihrer Tätigkeit darin sahen, den Markt durch Hochhaltung der Preise k l e i n z u h a l t c n und sich dabei noch durch'den Lohndruck der ihnen geistig und organisatorisch nahe- stehenden Arbeitgeberverbände unterstützen ließen, konnte der kapita. listisch« Unternehmer davon fürchten, daß in diese Praktiken hineingeleuchtet wurde. Die Preise wurden nach den Produktions- kosten des am schlechtesten arbeitenden Betriebes festgesetzt, die gut- arbeitenden Werke erzielten Sonderprofite auf Kosten des Markte». Bei der T r u st b i l d u n g liegen die Dinge wesentlich anders. Die zusammengeschlossenen Werke steifen ein E i n h c i r s U n t e r. nehmen dar: arbeitet eins von ihnen schlecht, so wird es still- gelegt und die Produktion auf die besser arbeitenden Unternehmungen übertragen. Die Periode rücksichtsloser Stillegungen, die die deutsche Wirtschaft hinter sich hat und die für die Arbeiterschaft von den Ichwersten sozialen Folgen begleitet war, beweist doch, daß das Unternehmertum diesen Weg"mit unerbittlicher Kons«. quen z beschritten hat; daß sie dabei sogar noch oftmals weir über das Ziel hinausschoß, ist ebenfalls bekannt. Dadurch, daß der Trust immer wieder die technisch vollkommensten Produkt ions- mittel einsetzen und veraltete Anlagen stillegen kann, während das Kartell seine Existenzberechtigung auf den Schutz der schlechtesten Unternehmungen ausbaute, darin liegt der organisatorische Fortschritt. Sollen nun innerhalb des Trustes alle Kräfte frei- gemacht werden zu einer Höchstleistung, so wird- man dabei aus die Mitwirkung der Arbeiterschaft nicht verzichten können. Ein. Blick in die einschlägige technische Literatur ergibt, daß die Techniker und Betriebsorganisatoren aller Richtungen immer wieder betonen, mit einer technischen Reorganisation allein sei es nir- gends getan. Der Arbeiter soll aus dem seelenlosen Lenker der Maschine zu ein�m bewußten Mitarbeiter am gesamten Werk werden. Man glaube doch nicht, daß eine derartige Entwick- lung den Werksgemcinschaftsgcdanken erzielen kann. Solange der Widerspruch zwischen dem kapitalistischen Profitstreben und einer planmäßigen Deckung des Masienbedcktfts bestehen wird— und dieser Widerspruch bleibt— solange werden gerade die besten Köplc in der Arbeiterschaft sich mit irgendwelchen Werksgemeinschasts- erperimenten nicht abspeisen lassen. Sie werden um die Auer- kennung als gleichberechtigte Faktoren in der Ge. samtwirtschaft, nicht nur im einzelnen Werk ringen und sie werden keineswegs in Werkssparkassen und ähnlichen scherzen die „Lösung der sozialen Frage" sehen, wie sie sich osscnbar noch einige Romantiker im chemischen Großtrust vorstellen. >» Wenn man also die geistige Umstellung des Unternehmertums an ihren Aeußerungen auch verzeichnen mag, die Tafen stehen noch aus. Die Arbeiterschaft wird erst dann Grund haben, von einer Besserung der wirtschafilichen Lage zu reden, wenn die Rationalisierung zu einer Beseitigung der Arbeitslosigkeit geführt hat, und auch dann wird der Widerspruch zwischen kapitalistischer und sozialistischer Wirtschaflsanfsassung bestehen bleiben. Di« schweren Gefahren, die aus der Monopolstellung der intcr- nationalen Konzerne und Trusts drohen, verlangen gebieterisch, daß die Arbeiterschaft rüstet, ihnen zu begegnen, und Daß sie sich durch Kräftigung ihrer gewerkschaftlichen und politischen Organisationen die notwendige Machtstellung dazu schassen. Ein Beispiel, wie weit noch Theorie und Praxis voneinander entfernt sind, sei noch er. wähnt. Um dieselbe Zeit, wo Generaldirektor T il v e r b e r g die Arbeiterschaft zur politischen Zusammenarbeit mir den Unternehmern einlud, um diese selbe Zeit entstand der internationale E i s e n p a k t. In seinen Satzungen findet sich das von uns bereits wiederholt ge- schilderte Umlagejystem, das prakiisch eine weitgehende V e r s i ch e- rnng der beteiligten schwerindustriellen Gruppen gegen einen etwaigen Streik in einem Lande darstellt. Diese Tat- fache zeigt, wie sehr man trotz aller freundschaftlichen Bekundungen im Unternehmerlager die Waffen des Klassenkampfes scharf hält. Daraus kann die Arbeiterschaft ihrerseits nur lernen._ Rückgang üer Arbeitsuchenden in verlia. Aber noch 242 824 Erwerbslose! Die Besserung auf dem A r b e i t s in a r k t hat sich, durch die verhältnismäßig gute Witterung begünstigt, in mäßigen Grenzen fortgesetzt, so daß ein weiterer Rückgang der Arbeitslosigkeit in der Berichtswoche um rund 5600 Personen eingetreten ist. Hieran sind die Metall- und Holzindustrie nicht unwesentlich beteiligt. In der Hauptsache dürste jedoch der Bedarf an Kräften für das Baugewerbe, die Landwirt- s ch a f t und nicht zuletzt für N o t st a n d s a r b e i t e n zur Ent- lastung beigetragen haben. Bemerkenswert ist ei» stärkerer Zugang zum Quartalsersten von kaufmännischen und Bureauangcstellten, darunter auch ein großer Teil praktischer Anfängerinnen, die soeben ihre theoretische Ausbildung beendet haben. E» waren 242 S24 Personen bei den Arbeitsnachweisen ein- getragen, gegen 248 464 der Vorwoche. Darunter befanden sich 155 834(159 838) männliche und 86 990(88 626) weibliche Personen. U n t e r st ü'tz u n g bezogen 112 897(116199) männliche und 58159(59 241) weibliche, insgesamt 171056(175 440) Personen. Außerdem wurden noch?6 413(36 568) Personen durch die Erwerbs- lofenhilfe der Stadtgemeinde Berlin unterstützt und 7746 Personen bei Notstandsarbeiten beschäftigt. Die Vermittlungstätigkeit in der Metallindustrie hielt sich auf der Höhe der Borwoche. Die Arbeitslosigkeit ist um über 1000 Personen zurückgegangen, jedoch beträgt sie zurzeit noch immer annähernd 48 000 Personen. Damit ist ohne weiteres dl« recht ungünstige Arbeitsmarktlage ge- kennzeichnet. vi« leichte vesserieng im Holz» und Schnitz st off- aewerbe hat angehaven. so daß dt« Arbeitslosigkeit eine weitere Abnahm« erfahren hat. Dies« fft aus eine Velebub» hauptsächlich bei den Ba--. B?ö' eltischiern, Miihclooliekern, MyschinenarbK:- tern und MuiikinsUumeiitenme.ck.srn zurückzuführen. Im Bekleidungsgewerbe blieb die Herren- und Damenkoufektiov gut die Sieölung im Gstea gerettet. Zur Sanierung der Sandbank. Der preußisch« Staat mußt« die L a n d b a n k A.- G. und damit die ostdeutsche» Siedlertnteressen retten, weil die Land» bant pleite war. Die Landbant war pleite, bevor die öffent- lich« Hand mit ihren Krediten zurückzuhalten begann und bevor der Staat und die Grenzmark Westpreußen die Majorität der Bant kauften. Die Majorität wurde gekauft, um das Siedlerwerk nicht zu- gründe gehen zu lasten. Ursache des Zusammenbruchs waren Kredit- operationen der alten Verwaltung, llnkoufmännische Bilanz- und Buchungsmethoden der alten Hugenberg-Derwaltung haben bis- her die Verluste verdeckt, nicht aber haben Fehlgeschäfte oder Gewinnabsichten der neuen Verwaltung die Verlufte erst erzeugt oder die Bilanz zuungunsten der Aktionäre frisiert. Erfolgt die Abwertung der Obligationen nicht, so ist die Bank bankerott: denn dann ist dos ganze Aktienkapital und mehr ver- loren. Aber auch wenn das Kapital von 1,3 Millionen wie be- antragt auf 65 000 Mark zusammengelegt wird, sind die Siedler- interessen Nur durch weitere große Zuschüste des prettßischen Staate» zu retten. Diese Tatsachen wurden in der außerordentlichen Ge.ntral- Versammlung der Landbank A.-G.. die Londeshauptmachj Dr. Caspani leitete, endlich festgestellt, und vom Direktorium kf* legt. Es war völlig vergeblich, daß die stimmenmäßig sehe schwache, aber gutgeführte und wohlvorbereitete Opposition gegen diese Tatsachen und die vollständig einwandfreie Verwaltung! anzurennen versuchte. Aeuherlich da» Bild einer Gruppe von Kleinaktionären im Kampf gegeü Grohaktiöriäre bietend, die diesmal den Staat selbst repräsentierten, kämpften im Wesen zwei Systeme gegeneinander. Im Verlaus der Generalversammlung wurde es klar, daß die Opposition die Sonienmg der Landb«k auch dann»och zu verhindern suchte, als die in manchen Punkten den uneingeweihten Aktionär überraschende, sehr schwierige Situation der Bank eine zwciselsfreie und durchaus befriedigende Aufklärung gefunden hatte. Derjenige Teil der freien Aktionäre, der wirktirii nur an dem investierten Gclde interejsiert war, hätte bedenkenlos der Förderung der Siedlertätigkeit, also dem einzigen Zweck der Gesellschaft, ihren Konkurs vorgezogen, weil die Liqui» d a t i o n der Landbänk möglicherweise etwas mehr einbringen konnte, als die Sanierung den Aktionären läßt.. Der andere Teil, hinter dem man in der Hauptsache Parteigänge? der alten Hugenberg-Berwaltung suchen darf, versucht« auch dann noch die Sanierung zu verhindern, als alle sachlichen und formalen Ein- wände für jeden objektiven Beurteiler als erledigt gelten mußten. Dis Opposition gab denn auch geschlossen gegen sämtliche Beschlüsse. in-t Ausnahme der Verwandlung der Vorzugsaktien mit Mehrstimm- recht in eiirfache Stammaktien, Protest zu Protokoll. Diese Vor-' gänge zeigen mit aller Deutlichkeit, daß es schon grundsätzlich gesährlich ist, gemeinnützige Ziele wie die Siedlung im Osten pri- vchen Erwerbsgesellschaften in die Hand zu geben, und daß Preußni und die Provinz Grenzmark auch dann bei dem Erwerb de? Sandbank richtig gehondhabt hätten, wenn durch die Unfähigkeit der Hugenberg-Vermaltung keine Zwangslage geschaffen worden wäre. So werden auch alle zukünftigen Klagen der Opposition, daß sie durch die Stimmenmacht der öffentlichen Hand„vergewaltigt" worden- sei, an der Sache vorbeigehen. Schließlich wurden mit emer Mehrheit von 51 700 gegen 1700 Stimmen sämtliche Anträge der Verwaltung genehmigt: zur Beseitigung der � Unter- bilonz wird das Kopital von 1,3 Millmnen auf 65 000 Mark zu- sammengclegt, die mehrstimmigen Vorzueeakticn werden in«in- fache Stammaktien verwandelt, dos Statut der Landbank wird auf die Gemeinnützigkeit de? Unternehmens umgearbeitet. Damit werden die Aktienbesitzer auf 5 Proz. Dividende und bei Liqui- dation yuf den Nennwert des Aktienkapitals beschränkt. Selbst- verständlich wird die Landbank ihre Siedlertätigkeit mit größtem Nachdruck in der Zukunft fortsetzen, wenn auch zunächst erst die noch vorhandenen 32 000 Morgen Land zu besiedeln sein werden. ckin erfolgreiches GenosienfÄoflsjadr. Umsaßfieigeruag bei der Konsumgenosfenschafl Berlin. Trotz der außerordentlich schweren Wirtschaftskrise, die natür- lich auch an den Verbrauchergenostenschaften nicht spurlos vorüber- gegangen ist, kann die K 0 n s u m g e n o s s e n s ch a s t Berlin n n d U m g e ge n d auf ein recht erfolgreiches Geschäfts- jähr zurückblicken. Der jetzt vorliegende Bericht über das Ende Juni abgelaufen- Geschäftsjahr ergibt, daß die U m s ä tz e auf 3 3 Millionen Mark gegenüber 29,9 Millionen Mark im Vor- jabr gestiegen sind. Auch die S p o r k a s s e der Konsumgenostcn- schast Berlin hat eine gut« Entwicklung zu verzeichnen. Die Ein- lagen sind im letzten Jahre um volle 76� Pro;., nämlich von 5,2 auf 10,1 Millionen Mark gestiegen. Im Geschäftserfolg wirkt sich der günstige Geschäftsgang folgendermaßen aus: Nachdem vorab 3 Proz. R ii ck p e r g ü t u n g mit insgesamt 923 682 M. abgebucht worden sind, bleibt ein reiner U e b e r s ch u ß v s n 179 403 M., von dem 60 000 M. zur Unterstützung an die erwerbslosen Mitglieder bereitge- stellt, das übrige zur Stärkung der Reserven oerwandt werden soll. Dabei ist die Bilanz außerordentlich flüssig. Die beiden ersten Monate des neuen Geschäftsjahres brockten ein z ii f r i e d e n st c l l e n d e s Ergebnis, so daß auch die Aus- sichten für das laufende Gefchöftsiahr erfolgversprechend sind. Wir kommen ans die Einzelheiten dieses für die Verbrr.'.'�'.e-'bcwegung sehr bedeulsainen Berichtes noch zurück. Eine Rekordernte an Baumwolle. Die neuesten Erntcjchützuiigen des amerikanischen Ackerbsvamt» lauten für 1926/2? auf 16 627 000 Ballen Baumwolle ldie Rekordernten waren bisber 1911/12— 16 043 000 Ballen und 1925/26- 15 603 000 Ballen)., Nach der„Textil-Wochc" ergab die neue Sckätzung in Nein Fark einen Preissturz von 50 Punkte n. Der Preis liegt in New Pork gegenwärtig um 10 Cents niedriger als im Vor- jähre und nur wenig höher als im Jahre 1913. Man nimmt aber an, daß sich dieser Nicdrigstpreis halten wird, da die in Amerika vor- genommene Vodenverdesterung eine Rentabilität des Baiimwoll- baue? auch bei äußerst niedrigen Preisen zuläßt. Di' 7Ue'a"ßal6zeugindustris im September. Der Zentrolverbond der deutschen Metallwalzwerks- und Hüttenindustrie e. V. berichtet: Der Auftragsbestand der Metalliralzwerke hat etwas z u g«» n o m m e n. Di« gering« Belebung dürfte hauptsächlich auf das Weihnachtsgeschäft zurückzuführen sein. Di« Beschäftigung ist ober immer noch unzureichend. Inwieweit die Ermäßigung de? Rohali-minn-impreises die Sog« der Aluminivmwolzv'erk« beeinflussen wirb- läßt sich neck nickt übersehen. Die Dreis« besserten sich nicht, d'e RchlungSM-ilsti-der Kundlchoft läßt zu mstns ülm'g. Neimens- wert« Vevluste durch Konkurs« und Teschäftsalssichten der Abnehmer sind nicht eingetreten. Zum Konflikt in öen wurflfabriken. Die Löhne müssen hinauf! Seit einiger Zeit schon werden Verhandlungen mit dem Ver- band Berliner Fleischwaren-, Wurst- und Konservenfabriken geführt. Während die Unternehmer einen fünfprozentigey Lohn- ab bau verlangen, geht die Forderung des Zentraloerbandes der Fleischer aus Erhöhung der bestehenden Löhne um 10 Pf. pro Stunde. Da sich die Parteien in freier Verhandlung nicht einig werden konnten, riefen die Unternehmer den S ch l t ch t u n g s- o u s s ch u h an. der am Freitag, den 8. Oktober, unter Vorsitz des Gewerberats Körner einen Schiedsspruch fällte, nach dem die Löhne bis 31. Dezember 1926 unverändert weiter gelten sollen. Wurstfabriken Beschäftigten werden am Dienstag zu dem«chiedsspruch Stellung nehmen. Da die Löhne trotz Steige- rung der Lebenshaltungskosten seit über ein Jahr nicht erhöht war- den sind, wird es. falls die Wurstfabrikantcn nicht doch noch zu der �wünschten Erhöhung bereit sind, wahrscheinlich zum Kampf Geschützte Tlere und schutzlose Menschen. Man schreibt uns! Die Freunde des Deutschen Dierschutzoereins 'chon. manchen Kutscher, der bei Glatteis oder aus lonstiqsn Zlnlassen mit seinem Gefährt nicht von der Stelle kam und den müden oder auch manchmal halsstarrigen Gäulen einen Peitschenhieb verletzte, zur Anzeige gebracht. Schützet die Tiere! liest man immer !5'i..r1. d"..Deutschen Tierschutz-Zeitung". Niemals aber: Schützet die Menschen. Menschenschutz und Arbeitsrecht scheinen dem Tierschutz- verein sremde Begriffe zu sein. Eine Betriebsoer. retu na, wie sie das Betriebsrätegesetz vorschreibt, existiert n, ch t. Versuche, eine solche zu wählen, wurden mit Maßregelungen beantwortet. Ganz besonders schutzlos stehen die F a n g b e a m t e n da. Es gibt für sie weder eine tarifliche Regelung ihres Ein» kommens noch der Arbeitszeit. Das Einkommen beruht auf einem V r a m i e n s y st em. Für jeden gefangenen Hund erhielten bis- her immer je zwei Fänger 2 Mark. Um aber soviel zu verdienen wie andere Arbeiter, müssen die Fangbeamten vom frühen Morgen bis zum späten Abend und auch des Sonntags ihrem von der Be- volkerung in, allgemeinen verachteten Beruf nachgehen Seit drei Wochen ist die F a n g p r ä in i e u in 3 0 P f e n n i g e e t ü r z t worden, trotzdem die Auslösung eines gefangenen undes nach wie vor 3 Mark kostet. Was den Fängern abgezogen wird, steckt also der Tierschutzverein ein. Eine Kündigungs- frist besteht nicht. Schutz- und rechtlos stehen die Fänger ihrem Abteilungsleiter, einem ehemaligen Major, der sich heute noch gern„Herr Major" betiteln läßt, gegenüber. Wem es nicht paßt, kann gehen. Eine Verhandlung mit der Organisation lehnt der Herr Major ab. Doch die Zeiten, in denen die Hundefänger die verächtlichsten Menschen waren und im allgemeinen mit dem Ausdruck„Schinder" von der Berliner Bevölkerung belegt wurden, hinter denen, wenn sie sich irgendwo blicken ließen, alles herlief und Gastwirte sich weigerten, ihnen ein Glas Bier zu verkaufen, um ihr Lokal nicht in Verruf zu bringen, sind vorbei. Auch die Hundefanger, heute Fangbeamte genannt, sind Menschen und erfüllen als solche ihre Pflicht zum Wohle der Menschheit. Sie sind heute organisiert und gewillt, sich mit Hilfe ihrer Organisation den ihnen vorenthalte- nen Menschenschutz selbst zu schaffen. Einstellungen beim Klöckner-Konzern. Dortmund. 9. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Der Klöckner- Konzern beabsichtigt, in nächster Zeit drei neue Schächte abzuteufen und zur Steigerung der Förderung in seinen ausschließlich hoch. werttz �---■~------ von o«* u�r ouiL'ciuny in jeinen l. yvtt)- tige Kohlensorten liefernden Zechen eine Belegschaftsvermehrung 2000 Mann vorzunehmen._ Konflikt in der Rheinschiffahrt. Duisburg, 9. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Das Rhein- schiffahrtspersonal Hot unter der Forderung einer zehnprozentigen Erhöhung seiner Bezüge den Gehalts, und Lohntarif gekündigt, Wir erfahren dazu, daß unter dem Personal eine starke Er- r e g u n g wegen wiederholter Versuche der Unternehmer, den be- stehenden Tarif zu brechen, besteht. Das Personal der Mannheimer Hasenbrote hatte bereits am 27. September die Arbeit einmal ein- gestellt, um die dortigen Bootsbesitzer zur Innehaltung des Tarif- Verhältnisses zu zwingen. Der Kampf endete in einem halben Tage mit einem vollen Erfolg der Arbeiter. Das Mainzer Boote- personal ist ebenfalls sehr erbittert, weil man bei der Fahrt in den Main ihm Fahrzeiten von 18 bis 20 Stunden zumutet. Die Kon- junttur der Rheinschiffahrt ist für die Arbeitnehmer äußerst günstig. In den Versammlungen erklärte sich das Personal bereit, für seine Forderungen mit allem Nachdruck einzutreten. Gesperrte Gaflwirtsbetriebe. Wie uns der Zenlralvcrband der Hotel-, Restaurant- und tlase. Angestellten mitteilt, sind folgende Gastwirtsbelricbe für seine Ml- gliedcr gesperrt:„D c ut s ch e r hos". 3nh. 21. kromrey, Luckaucr Straße 15;„k a m m e r f ä l e". Znh. A. Freyer. Teltower Straße 1 4; Cafe„Komet", 3nh. Harlmonn, Warschauer Straße 33: Klubhaus". Ohmstraße 2: Restaurant„Groß- Berlin", 3nh. Karl Keller am Alexanderplah. Die Sparkasse der Bank der Arbeiter. Angestellten und Beamten A.-flJ., Berlin, Wallslr. 65, ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend von 3— 3 Uhr und ö— 7 Uhr. Sonnabends von 9—1 Uhr geöffnet. elchtung, Sicmenz-Keuzenil Dienstag nachmittag 4W Uhr bei Seidel, Siemensstraße Ecke Miiriischer Steig. Versammlung aller SPD.- Arbeiter und-Angestellten. Es wird vallzLbliges Erscheinen erwartet. Der Fraktionsnorstand. Sattler-, Tape, lerer- und Portcseuiller-crband. Donnerstag, 14. Otiobcr. 7 Ubr, im wcwerlschaftobaus ordentliche Teneralversammluna. Vortrag de» Landgerichtsrats G-nossrn E. Ziudcn Uber:„Arbcitsgerichtszcseßbarkcit". 8u- tritt nur gegen Legitimation. Zugendgruppe de» tzdA. Bejirk Vörden: Morgen, Montag, TA Udr. im Zugendheim Schul« Daiuiiger Str. LZ Mitgliederbesprechung. Achtung, Betriebsrat» und Pasdelegierte des Deutschen Baugewerksbunbe», Bangewcrtschaft Berli»! Arn Mittwoch nachmittag 5 Uhr findet im Gewerk- schaftahaus. großer Saal, eine Baudelegiertcnnersammlung des Loch-, Tief- und Beionbaugewcrbcs mit äußerst wichtiger Tagesordnung statt. Die Betricbsräie sowie Boudelegirrten werden ersucht, bestimmt und pUnltlich au erscheinen. Mitgliedsbuch und Delegiertenkarle ist am Eaalcingana vorauzeigen: ohne sie kein Zutritt. Der Berciusporstand. Berliner Sewerlschaftsschule. Am Montag beginnen folgende lturse: Im Leibnia-Enmnallum, Mariannenplaß: SQL.„Kritisches Zeitungslescn". Leh- rer: Richard Linnecke.— S0 15.„Das Arbeitsverhältnis im Rahmen der Wirischoltsverfassuna". Lehrer: Professor Dr. Thal.— Im Sophien-Lyzenm, Welnmeistcrstr. 1K/17: CZ.„Slaotlrcke Wirtschafispolitik*. Lehrer i Dr. Otlo Suhl.— Am Dienstag, 12. Oktober: Im Leibttia-ibnmnosium, Mariannenplaß: SO 7.„Dcnossensckiaftswesen'. Lehre:: Simon Kaßenstein.— SOS. Arbeits- gruppe„Betriebslehre für fortgeschrittene". Lehrer: friß fricke.— SO 10. „Unternehmungsformen". Lehrer: Willi Kenae.— Im Eophien-Luzeum, Wein» meisterstr. 10/17: EZ.„Die fronen im Befreiungstampf des Proletariats". Lchrarin: Maria Sodann.— EIL. Arbeitsrechtliche Drupp« tllr Anfänger. Lehrer: Willi Weinbcrger.— E 10.„Dewertfchaftliche Zeit- und Streitfragen". Lehrer: Hau» Vottturcht. Nach langem schwcrenlreirlen verschied am 7. Oktober. nbenda'/»ti Ohr, teein lieber Mann, mein treuer Kamerad in„9j5hriger I-ebenspomeinschafc, der selbsloseste und best«\ ater nipiiiosirn Kriege gefallenen einzigen Sohnes, unser lieber Onkel, Bruder utid Freund Cari Maischke im 57. Lebensjahr. In tiefem Schmerz Anna Maischke. Berlin Niaderschönhausen, Ziotonstr. 6. Die Finäscheninp erfolgt am Dienstag, 12. Oktober, nachmittags 5 Unr, im Krematorium Gericbtstralla frür die vielen Beweise h-ralicher Teilnahme anläßlich de» Hinscheiden» meine» gellebten Manne» üldert l.kvszäo'M! sage ich hiermit im Damen aller H nterdliedenen meinen innigsten Danl. Llzv Lewandowski Meyerbeerilr. 7. Berlin IV 8 hat eine in jehiger Zeit doppelt a» begrüßend, Neuerung geschaffen. Er ha: besondere Dlitssstonsabende eingerichtet, welche allwächenilich in deffen Aefchäft«- räumen abgehalten werden Er gibt auf :cleph Anruf: Merkur 7ILg, 8,7.1 Stein- piatt 7359 ieberninnn kostenlos Auskunft Mmi �loilaibsitsr-Vgriiaaa Am 7 Oktober verschied unser :reues Mitglied, der Dreher KsrI nach langem, schwerem Leiden Wrr beirauerii da» Hinscheiden clnc» aulrn Kameraden, weicher jeit zirka 30 Iahren unserer Organifaiion an- gehörie und ftel» al« Funktionär d e Interessen unsere» Beroande» verlrar. Die Einäscherung erfolgt am Dien«- lag, den iL. Oitoler, nachm 5 Uhr, im Krematorium Berlin, Derichtsiraxe. Um rege Beieiligung ersucht Die Ortsaerwaltung. vsnltasgung für die vielen Beweile heraitcher! Tennahme anläßlich de, Hinscheidens meines itedrn Manne« Kiar! Bauer sage ich allen Freunden und Bekannten. tnedesondere der Gelchästsleilung und Kollegen de« Die»-Verlage«, dem Wahivereln und dem Perein der Freidenker meinen herzlichsten vanl. Vv. Martha Bauer nebst Tochter Perleib hocheleganter Desellschafts- Anallae. Leihhaus Lowlcki. Prinaen- ltraße 105. L'nnillliiii niiiil>!iuemcgr>!:iiiinililioni!!iihiiilUiliiiiui!iiiihilliilBstRO0iWihiWWlli0sihiahillllsliWsW0iiltihis HunäeZ'ttAusenäe von Lerlmen» geniessen noch nicht die zahlreichen Vorteile und Annehmlichkeiten, welche die Elektrizität als Licht-, Kraft- und Wärmequelle für Haushalt. Laden, Bureau und Betrieb bietet. Durch unser neues Teilzahlungssystem wollen wir innerhalb unsere« Versorgungsgcblets Jedem die Möglichkeit geben, sich zu bequemen Bedingungen eine elektrische Anlage installieren zu lassen und elektri8cheHeiz-,Koch-u.»0n.iigeHaushalt8appa- rate sowie Beleuchtungskörper und Motoren zu erwerben. Aufträge nehmen alle Installations- und Fachgeschäfte entgegen, die das Zeichen E1 führen. Wir bitten, sich dort nähere Informationen und fachmännischen Rat erteilen zu lassen. BerllDM SM HlriitliMie M-Bes. 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Ausgabe 1926 — tilgbar Innerhalb 20 Jahren, und zwar ausschließlich durch Auslosung zum Nennwert— .....—----*-----""—"----------—"------- chlossen— — verstärkte Tilgung und Oesamtkandlgung bis zum Jahre 1931 ausgesc SiiiiiiiiiiiiiiiiiiiöBSrnSHmSliÄ Der Stadt Berlin ist mit Ermächtizuni de» PreuBlschen Staatsminlsterlum» von den zustindlzen Herren Ministern des Innern und der Finanzen sowie von dem Herrn Oberpräsldenten von Berlin als Anfslchtsbehürde die Genchmizunx zur Ausgabe einer weiterea auf den Inhaber lautenden Anleihe bis zum Beträfe von RM 22 500000 als 2. Hillte einer Oesnmtanlelh« von RM 45 000 000 erteilt worden. Die Aut- nahme der Anleihe erlolzf auf Grund des Beschlusses der städtischen Körpcr- •cbaften vom 24. ,'30. März 1926 und 6. Oktober 1926. Der Erlös der Anleihe dient zur Förderung des Wohnungs- und Sicdlungs- baues, zum Bau von höheren Schulen, Berufs- und Fachschulen, von Kranken- und Badeanstalten, Burcaadienstgebäuden und Ticfbanten. IUr das Feuerlösch- und Gesundheitswesen und zur Zahlung weiterer Kaulgeldraten für den Dauerwald. Dlo Anleihe Ist ein« nnmlllelbare VerpMIchtnni der Stadt Berlin, die für Ihre Erlüllnnz mit Ihren gesamten gegenwärtigen und zukllnltlgen Vermögen und mit Ihrer gesamten Steuerkralt haltet. Die Anleihe wird nach dem festgesetzten Tilgungsplan mit Jährlich 214% der begebenen Anleihesumme zuzuglich der durch die fortschreitende Tilgung ersparten Zinsen getilgt. Die Tilgung erlolgt nur Im Wege der Auslosung zum Nennwert;- die Tilgung durch Ankeul von Tellschnldverschrelbungcn Ist aus- geschlossen. Die Auslosungen finden Im Jannar, die Rückzahlungen an dem darauf folgenden 1. Juni atatt, und zwar erstmalig am I. Juni 1927, letztmalig am I. Juni 1946. Für die Auslosung werden soviel Schuldverschreibungen eine» Nennbetrages in ein Los zusammengeiaßt, daB auf jedes Los nom. RM 10 000 Schuldverschreibungen entfallen. Die ausgelosten Schuldverschreibungen werden unter der Bezeichnuni Ihrer Buchstaben und Nummern sowie des Rückzahlungstermini öflentllch bekunntgemacht. Verstärkt« Tilgung oder Gesamtkiiudigung ist erstmalig zum 1. Juni 1931 zulässig, die Gesamt- kündigung sodann Jederzeit mit dreimonatiger Frist aal einen Monatsersten. Die Bekanntmachungen Ober die erfolgten Auslosungen oder eine Gesamt- ktlndlgnng erfolgen spätestens 3 Monate vor dem ROckzahlungstermin im Deutschen Reichs- und Preußischen Staatsanzeiger. Die Stückelung der Anleihe ist wie folgt vorgesehen: RM 10 000, RM 5000, RM 1000. RM 500 und RM 100. Die Verzinsung erfolgt mit 7% Jährlich In halbjährlichen Raten am I.Junl und 1. Dezember jeden Jahres; der erste Zinsschein trägt die Nummer 2 und ist am 1. Juni 1927 iillic. Kapital und Zinsen werden bei Fälllgkslt In gesetzlfcbsn Zahlungsmitteln gezahlt. Für leds geschuldete Reichsmark Ist der In Relchswährung ausge, drückt» Preis von'/irto kg Fsingold zu zahlen. Dieser Preis ist der auf Grund der Verordnung vom 29. Juni 1923(RGBL I. S. 482) Im Deutschen Retchf- und Preußischen Slaalsanzelger bekanntgegebene Londoner Goldpreis, umgerechnet nach dem Mfttslkurs der Berliner Börse aul Grund der amtlichen Nctlernng de» 10, Werktages vor dem Tage der Fälligkeit, Ergibt Sich aus dieser Umrechnung für das Kilogramm Feingold ein Preis von nicht mehr als RM 2800 und nicht weniger als RM 2780, so Ist für jede geschuldete Reichsmark eine Relcksmsrk In gsscizllchen Zuhlungsmitlcln zu zahlen. Die Zulassung der Anleihe zum Handel und Börse wird alsbald beantragt werden. zur Notiz an der Berliner Die unterzeichneten Banken und Banktirmen legen hiermit Im Aultrage und für Rechnung der Stadt Berlin die oben bezeichnete nom. RM 22 500 000 7% Anleihe der Sladt Berlin auf Fein- goldoasis/ 2. Ausgabe 1926 unter folgenden Bedingungen zur ölieotlichen Zeichnung auf: 1. Zeichnunsen uerden vom 11. bis 16. Oktober 1926 einschließlich während der üblichen Qeschältsstunden entgegengenommen. Anmeldescheine sind bei den Stellen kostenirei erhältlich. Früherer Schluß der Zeichnung bleibt vorbehalten. 2. Der Zeichnungspreis beträgt 907«% vom Nennbetrage ohne Verrechnung von Stückzinsen. 3. Der erstmalige Erwerb der Schuldverschreibungen dqrch den Anleihe� Zeichner ist börsenumsalzstenerlrei. 4. Die Zuteilung der Stücke auf Grund der Zeichnungen erfolgt sobald als möglich. Die Zeichnungsstellen behalten sich die Höhe der Zuteilung vor. Zeichnungen mit mindestens sechsmonatiger SperrverplUchtung werden vorzugsweise berücksichtigt. Die Bezahlung der zugeteilten Stücke hat am 22. Oktober 1926 zu erfolgen. Diy Aushändigung der Stücke erfolgt aisbuid nach Fertigstellung. Anmeldungen auf bestimmte Abschnitte können nur Insoweit berück- aichtigt werden, als dies nach dem Ermessen der Zeichnungsstollen mit den Interessen anderer Zeichner vereinbar ist. Berlin, 5. den 10. Oktober 1926. Denlsebe Bank Franklurt a. M, PreuDisehe Siaalsbank (Seehandlung) Berliner SUdlbank S. Bleichrßder Girauntrslä dir ilidt Betiis Brandenburgs: Commerz- und Privatbank Darmslkdter und Hationaiback Aktiengesellschaft Kommanditgesellschaft auf Aktien Delbr&ek Schiekler& Co. Deutsche Clrozenlrate Berliner Randels-Ceseilsehaft Erandßnburulsche Girozentrale Brandenburgische Kommunalbank Deutsche Kommunalbank Dresdner Bank J. Dreyfns ä Co. F. ff. Brause A Co. Bsnkgeschin Kommanditgesellschaft a, A. Kendelssabn A Co. Mllleldeutsche Credltbank Reiehs-Iredil-Cesellseban A.-C. Lazard Spcyer-Elilssen Dlreclion der Disconto-Gesellsehalt Hardy A Co. Jaeqaler A Securlus G. m. b. H. «Ichnrel Vogel, B.,!!., Fri.drich.tras, 43. Li n 0 1 6 U Kl, Te P f3 i C H 6, Lällf C FStof f e, S C H 1 8 f ij e C k e 11. und PotedamerStratze 14. Sonntag 10. Oktober 1026 Äus Öcc Republik und Zilm. Neben der Presse ist es die Großmacht des Films, die die Welt beherrscht. Die zappelnde Leinewand, die der Theater der Welt- städte. die mit dem rafsiniertesten Luxus ausgestattet sind, und die mehr primitive» Kinos, die heute fast jedes Dorf hat, vermitteln ollabendlich ungezählten Massen Unterhaltung, Bildung oder Schein- bildung und— manchmal grob, manchmal klug und listig versteckt und deshalb um so wirksamer— politische Tendenz. Der Film ist zu einem, ja vielleicht schon zu dem politischen Kampf- mittel geworden. Nichts täuscht darüber hinweg, daß die alten Agitattonsmethoden der Volksversammlungen und geschriebenen Aufrufe im Zeitalter des N.adio und des Flugzeuges, also einer Epoche, die sich anschickt, Raum und Zeit zu überbrücken, überholt sind. Namentlich durch den Film ist die Möglichkeit der Beeinflussung bis ins kleinste Dörfchen hinein gegeben. Bis jetzt ausgeschlossen von den Kultursegnungen des Theaters und anderer Bildungsanstalten, glaubt die ländliche Bevölkerung, und in den Großstädten das Proletariat der Vorstädte, im Kino mit seiner überspitzte». Dramatik Vorurteils- und kritiklos euien vollgültigen Ersatz gefunden zu haben. Weiten Kreisen der Bevölkerung sind— leider— die Namen der Filmstars geläufiger als die der Heroen der Menschheitsgeschichte. Kein objektiver Beobachter kann die Tatsache leugnen, daß die Zahl der sogenannten Lehr- und Aufklärungsfilme außerordent- ttch gering ist. Es ist richtig, daß nach solchen Vorführungen keine sehr große Nachfrage stattfindet. Aber diese Tatsache weist doch nur darauf hin, wie sehr durch die so„beliebten" verfilmten Stoff» be- rsits der öffentliche Geschmack verbildet und— beeinflußt ist. Die Ncrbildung durch oerfilmten Kitsch ist zu einer öffentlichen Gefahr geworden. Mindestens ebenso groß ist, wie bereits erwähnt, die Gefahr der politischen Beeinflussung. Ein Blick in das Repertoire der Kmotheater beweist ganz unzweifelhaft, nach welcher Richtung hin das deutsche Volk„politisch aufgeklärt" werden soll. Zweiunddreißig militaristische Filmstreifen mit offener oder versteckter monarchistischer Tendenz sind jetzt im Bau und zum Teil schon fertiggestellt. Eine marktschreierische Reklame, unterstützt von Pressenotizen, lockt die harmlosen, unpolitischen Zuschauer an und„weckt" in ihnen durch verlogene, süßliche Darstellungen, manchmal in künstlerischer Form und in guten Bildern, die Sehnsucht nach der guten, alten Zeit unserer herrlichen Armee, den gerechten und selbstverständlich leut- seligen Fürsten. Um es mit einem Satz zu sagen: Di« ganze r'rlut militari st ischer Filme mit monarchistischer Tendenz richtet sich ganz offen gegen die Re- publik! Man weiß nicht, ob man sich mehr wundern soll über die Lammesgeduld, mit der ein großer Teil der kritisch eingestellten -rheaterbesucher solche Geschichtsfälschungen hinnimmt, oder über tue geradezu unglaubliche Toleranz, mit der die Republik den Kampf gegen sich duldet. Wir schreien nicht nach der Zensur, die sich be- konntlich, wie im Falle des Potemkin-Filmes, nach der verkehrten Seite auswirkt. Der Fehler liegt in der geradezu bewundern»- tvürdigen Tatenlosigkeit, die die re p u b l i k a n i s ch e n O r g a n i- f a t i o n e n in dieser Hinsicht an den Tag legen. Auch keine repu- lilikanische Behörde kam bisher auf den Gedanken, den Gegnern des Staates die Leinewand nicht allein zu überlassen. Es gibt Rropagandafonds für diesen Zweck, die aber, so scheint es wenigstens, von besonders hartleibigen„Bekenner» der nun einmal durch die Tatsachen geschaffenen Staatsform" verwaltet werden. Die Schmutz- flai militaristischer Filme wächst sich zu einem politischen SkandoT misi eine indirekte Förderung aber erfährt die antirepublitanische Propaganda zweifellos auch durch die mangelnd« Initiative der Regierung. Wir hegen die begründete Befürchtung, daß bei der Einstellung maßgebender„republikanischer Beamter dieser Appell an das Staatsgewissen wirkungslos beiden wird. Leider überläßt ja die Madame Republik zum größten Teil die Verteidigung ihrer Person den republikanischen Organisationen allein. Bielleicht müssen die auch hier wieder helfen. Wo sind die demokratischen Kreise, die für den so notwendigen republikanischen Film die Mittel bereitstellen? Wo ist der Regisseur. der bereit ist, seine Kunst wie die der Darsteller in den Dienst dieser mahrhaft nationalen Sache zu stellen? Es gibt eine Mehrheit der Bevölkerung, die beispielsweise den Leidensweg und Sieg der beut- ichen Farben Schwarzrotgold im Film begeistert sehen würde. Vis jetzt ist viel Zeit auf diesem Gebiete versäumt worden. imbegreiflicherweise! Möge dieser Appell dazu beitragen, das Gewissen republikanischer Kreise wachzurufen, um den Film der R e p u b l i k zu schaffen. Es ist die höchste Zeit! Die Jilme öe? Woche.* »das fuße JUadcl/ (Alhambra.) 2Bicn ist sicherlich eine nette und angenehme Stadt, es ist aber Nicht notwendig, daß nun jeder zweite Film in Wien spielt und sich nicht genug tun kann mit süßen Mädels, Heurigem, Guglhupf und anderen Wiener Spezialitäten. Nachdem das süße Wiener Mädel endlich ausdem Kabarett verschwunden ist, bevölkott es jetzt unent- t�egs frentfurn. Man sehnt sich nach amerikanischen Grotesken oder Wild-West-Abenteuern. Der Ausgangspunkt des neuen Wien- fanatismus bildet Bergers„Walzertraum". Weil hier einmal ein hochbegabter Regisseur einen filmisch sehr gut auszuwertenden Stoff fand und tatsächlich ein künstlerisch bedeutendes Werk schuf, glaubt nun jeder Filmbearbeiter in jeder Operette oder Komödie, die zu- fällig in Wien spielt, den geeigneten Stoff zu finden, an dem sich sein Genie austoben kann. Auf„Försterchristel",„Familie Schimek" und„Hoheit tanzt Walzer folgt nun„Das süße Mädel". Die Musik schrieb Heinrich Reinhardt, das Libretto verfaßten Alexander Lands- berg und Leo Stein, und Herr Josef T h a n hielt es für eine drin- gende Notwendigkeil, aus dieser Operette ein Filmmanuskript zu fabrizieren. Das Suiet ist reichlich bekannt, Generattonen von Wiener Operetten zehren davon, daß eine Kabarettdame einen hohen Adligen heiratet. Der Inhalt deckt sich ungefähr mit dem der „Ezärdasfürstin". Trotz aller Intrigen der adligen Sippschaft wird am Schluß doch geheiratet. Bei ungeeigneter Regie wäre diese sacharinierte Limonade überhaupt nicht erträglich, aber der geistvolle Manfred N o a vermeidet es, im Kitsch herumzuwühlen. Die Rühr- seligkeit des Grundchemas bleibt, doch Noa sucht durch humoristische und groteske Einlagen zu dämpfen, und es gelingt ihm auch, die Sentimentalität auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Trotz aller Bemühungen jedoch vermag Noa nicht, diesem hergebrachten Sujet eine originelle Note zu geben, was nicht gegen den Regisseur, sondern gegen das Manustript spricht. Wäre Wien noch nie oder fetten ini Film behandelt worden, so könnte„Das süße Mädel" als gute Arbeit gelten, wie die Dinge aber liegen, bedeutet dieser Film nichts weiter als eine alte Melodie, die ohne Variationen gespielt wird. Auch Jinogene Robertson und Nils A st h e r in-den Hauptrollen vermögen nicht, icher diese Sterilität hinweg- zuläuschcn. Beide sind vornehme,' zurückhaltende Künstler, die strder- beloiiungeii scheuen. Die zarte Jmogene Robertson ist allerdings Zoeniger die große Kabarettdiva, als das sogenannte süße Mädel. Am besten gelingen ihr daher Szenen von intimer Wirkung, auch Asther zeigt sich al» Schauspieler von Kultur und Derinnerlichung. In Nebenrollen Heidemann, Burg und Bender als gut gezeichnete Typen. Ein Wunsch ist aber angebracht: Genug mit Wien, genug mit den süßen Mädels. Es gibt noch andere dankbare Sujets. Es ist nicht notwendig, daß sich die deutsche Filmproduktion auf diese einzig«, langweilige Note festlegt. F. S. »Die gesthkeöene Frau." (Primus-Palast.) BittorJanson zeigt tn dem neuen M a d y- E h r i st t a n s- Film„Die geschiedene Frau", wie man es machen muß, um eine wirkungsvolle Operette wirkungsvoll ins Filmische zu über- setzen. Er übernahm von Viktor Löons Operettentext eigentlich nur tn ganz großen Zügen die Idee, und langweilt« die ZufdMuer nicht mit fadem, abgeschmacktem Füllwerk und sentimentalem Kitsch, son- der» schuf ein« flotte, straff« Handlung. Da» junge Ehepaar auf der Hochzeitsreis«, das von der übermütigen Gonda van der Loo auseinander, und wieder zusammengebracht wird, spielten M a c« l l a Alban! und Walter Rilla nett, verliebt und eifersüchtig. Besonder» glücklich traf Rilla die Szene im Schlafwagen, in den er durch«Inen Zufall mit der reizenden Gonda zusammen eingesperrt wird. Hier ist ihm Gelegenheit geboten, mehr zu zeigen als billig« Verliebten-Sentimentalität, und er läßt sie sich nicht entgehen. Wie über sein Gesicht alle Phasen des Schreckens zucken, als er sich wirtlich tn«in so delikate» Abenteuer verwickelt sieht, mit dem er au» Zorn über sein« schmollende Frau nur leise-tokettiert hatte, wie er schließlich verzweifelt an der Tür tobt, al, sei sein« hübsch« Partnerin ein« scheußliche alt« Hex«— da» ist«in« Szene von ausgesuchter Komik. Das Milieu, in das Ianfon sie hineinversetzt, erhöht noch den Ein- druck; die aus dem nächtlichen Schlummer ausgeschreckten Mit- reisenden, die spinös« alt« Jungfer mit ihrem verzärtelten Schoßhund, der empörte Dicke und der nervös« Hager«, und zwischen allen die beruhigend«, besänftigende Gestalt des Schlafwogenschaffners Scrop, der eigentlich ein Or. pkil. ist, und den Viktor Ianfon als behäbig- schmunzelnden Menschenkenner verkörpert, wirken unwiderstehlich aus die Lachmuskoln. Und dazu Mady Ehristian» spitzbübisch«, anmutige Erscheinung, die immer dort«rstaucht, wo die jung« Frau und also auch der junge Ehemann sie am wenigsten wünschen. Als Gerichtsbeisitzer in der Scheidungsklage, in kleinen, aber durch ihre Träger wirkungsvoll gewordenen Rollen fungieren PaulMorgan und Wilhelm Bendow, und selbst Bruno Kastner»«dl« Männlichkeit Hot für die Sestatt de, Gerichtspräsidenten immerhin möglich« Verwendung gefunden— wenn man auch den Geschmack der flotten Gonda, die in diesen Hüter der Ordnung verliebt ist, nicht ganz verstehen kann. Jedenfalls zeigt dieser Film, der Carl D r« w» und Walter Tost sein« ausgezeichneten photographischen Aufnahmen verdankt, daß ein guter Unterhaltungsfilm auch mit einem Minimum von Gefühlsschmalz und Seelenvöllerei auskommen kann. Tes. ,vie Königin von Moulin ftonge.' (Marmorhaus.)-» Es ist schade um die Kraft, die an diesen Film gewendet wurde. Außer einigen glänzenden Szenen, die wirblig Im Pariser Moulin Rouge spielen, ist dem großen Können der Mady Christian» wenig Möglichkeit zur Entfaltung gegeben. Die Balkanprinzen. schon längst durch di« Operette abgespielt, sollten tn diesem Film ihre fröhliche Urständ erleben. Doch die Fabel ist zu abgegriffen und der schlecht dramatische Aufbau wird mutwillig durch Verschwörerparodien lwi« sich der kleine Moritz die Verschwörer vorstellt) wieder zerbrochen. Es läßt einem kalt, ob der Prinz zum«ndgüllig letzten Termin mittags 12 Uhr seine Krone kriegt oder ab er den zweifelhasten Reizen von Mady Christians Gegenspielerin unterliegt. Mady Christians, oeritable Herzogin und für eine Nacht wieder einmal wie in früheren Jahren, die angebetete Königin von Moulin Rouge, rettet ihm natürlich die Krone. Einige verwickelte Situationen, die ab und zu der Heiterkeit zu ihrem Recht verhelfen, können trotz des guten Zusammenspiels nichts daran ändern, daß dieses Lustspiel im großen ganzen ein Versager ist.. B. Sch. »vie kleine und ihr Kavalier/ (Ufa. Friedrichstraste.) Schon der Titel ruft einige Besorgnis hervor und man denkt, es wird vielleicht«w« kleine lustig« Nebensächlichkeit. Leider bleibt es dabei nicht. Aber es passiert-so viel und alles mit Virtuosität am falschen Platz und zur unrichtigen Zeit, daß man beim.Traurigen" lacht und beim„Lustigen" das Heulen kriegt. Jede Szene macht sich selbständig. Die Tragik ist vertreten durch unglücklich Liebende beiderlei Geschlechts und verschiedener Jahrgänge, durch«in« ledig« Mutter, die mit dem Kind aus dem Arm bis zu den Knöcheln den Gang ins Wasser riskiert, worauf sie von drei bereitstehenden Herren „gerettet" wird. Der Humor bewegt sich auf gleicher Höhe, in Form von antiken Mätzchen unter Zuhilfenahme des Berliner Jargons. Nur der trockenen Komik Hermann P i ch a s war es möglich, ein« Spur wirklicher Lustigkeit anzudeuten. Alle anderen Darsteller wurden Opfer des furchtbaren Unsinns, den zu spielen man ihnen zugemutet hatte. K. VOLKS-BILD11NOSAMT Bezirksamt Prenzlauer Berg Bezirksamt Friedrichshain Donnerstag, den 14. Oktober, abends ö Uhr im„Saalbau Friedrichshain'": 1. Sinfonie-Konzeil mit dem Berliner Sinfonie-Orchester Dlrig.: Jascha Horenstein. Solistin: Emmy v. Stetten. Einführender Vortrag: Rudolf Kastner PROGRAMM: Römischer Karneval........ Rektor Berlioz Lieder mit Orchesterbegleitung... Gustav Mahler Vierte Sinfonie(mit Sopransolo)... Gustav Mahler > Karlen Je 75 Pfennig(einschl. Garderobe und Liedertexte) bei beiden Voiksbildunvsämlem und deren Verhaüis- stellen, sowie an der Abendkasse; siehe Anschlagsäulen. I > Vellage öes vorwärts ,vas Nläüel auf öer Schaukel/ (Ufa, Kurfürstendamm.) Der Film ist gearbeitet worden nach einer Novelle von Werner Scheff. Entweder ist nun diese Novelle für den Film so ungeeignet. wie nur möglich, oder der Bearbeiter Hans Sturm hat nichts daraus zu machen verstanden. Jedenfalls zeigt dieser Film einen bedauerlichen Tiesstand des deutschen Filmlustspiels. Ein Gutsbesitzer ist Weiberfeind geworden, nachdem ihn feine Frau verlassen hat. Kein Weib darf auf fein Gut kommen, die Knechte verrichten die ganz« Arbeit. Doch die Kusine des Gutsbesitzers beschließt die Heilung. Als Diener oerkleidet geht sie aus das Gut, aber der Gutsbesitzer heilt sich selbst. Er bringt sich aus Wien ein süßes Mädel mit. das er als feine Kusine ausgibt. Nach einigen Komplikationen wird die jimge Dame wieder abgeschoben, und die Angelegenheit endet mit einer Verlobung zwischen Kusin und Kusine. Der Hauptfehler des Film, ist seine Läng«. Die dünnblütig« Handlung wird gezerrt und zerdehnt.. Intermezzi werden eingeschaltet, die seit Bestehen des Films reichlich bekannt find. Der Regisseur Felix Bäsch verfügt über wenig be- deutfam« Einfälle, und die Einfälle, die er hat, verlieren durch ihre Zerdehnung an Wirksamkeit. Nett ist di« Gegenüberstellung des Wiener Heurigen und eines hinterpommerfchen Erntefestes: dort sprühendes Temperament und hier öde Langeweile; doch Wien al» augenblicklicher Filmfavorit füllt Akt«. Warum?— Manche Szenen sind äußerst witzig: die Knecht« des Gutes, die sich nicht mit Frauen beschästigen dürfen, sitzen vor einem Domennachtl)«md, das auf der Leine trocknet und betrachten es mit philosophischem Tiessinn, doch das sind Rosinen m emem kitschigen, schlecht gezuckerten Kuchen. Dabei gibt Bäsch hübsche, bildwirksame Situationen; doch das Ganze zerflattert, es fehlt Tempo, Spannung und Temperament- Di« Dar- steller aber wie Ossi Oswalda, Lore Lorring und Harry Liedtk« verdienen, daß man sie vor andere Aufgaben stellt. Die letzten Oswalda-Filme hotten all« kein Niveau, wenn man st« mit den früheren vergleicht. Die Oswalda ist jedoch eine Schauspielerin. deren Darstellungssähigkeit besser ausgenutzt werden müßt«. F. S. 'Seine privatfekretärw.,, (Ufa-Palast am Zoo.) Im Ufa-Polast am Zoo beweist Normo Shearer als „Seine Privatsekretärin" die Wahrheit des Sprichworts„Kleider machen Leute". Man hätte diese Alltagsweisheit in einem Film voll grimmiger Satire zeigen oder aber sie voll lachender Lebens- Ironie darin oerspotten können, wenn man über die Kunst eines Ehapltn oerfügt hätte. Der Regisseur H. H e n l e y ober machte nichts al» einen anständigen leichten Gesellschaftsfilm daraus, der nur den wesentlichen Fehler hat, daß er zu lang geriet. Die ehrgeizige, altmodische Kontoristin, die in den jungen Chef verliebt ist, die aber erst von ihm beachtet, geliebt und sogar geheiratet wird, als sie sich mit Hilfe von Schönheitssalon und eleganter Kleidung in eine tipp- toppe Lady verwandelt hat, wäre Stoff für ein nettes, knappes Lustspiel gewesen. Da interessiert es auch nicht, wo die kleine Tipp- mamsell die 375 Dollar hernimmt, die ihre„Perschönerung" kostet, und woher da» übrig« Geld kommt, um diese nunmehr reizende junge Dame von ihren baumwollenen Strümpfen, ausgetretenen Schuhen und schlechtsttzenden Kleidern zu befreien. In diesem Film bleibt leider noch immer genug Zeit, um, wenn man will, sich über derlei Ungereimtheiten den Kopf zu zerbred)en. Und das ist schade, denn das reizende Spiel Normo Shearers und ihrer gegensätzlichen Partner» Lew Eodwv und Willard Louis verdient, daß man nur unbeschwert darüber lacht, ohne nach tieferer Bedeutung zu forschen. Und sicher würden einige nachträgliche Kürzungen H. Henleys saubere Regie, die alle manuskriptlichen Klippen so elegant zu nehmen weih, noch besser zur Geltung bringen. Vor diesem Film, der mtt freundlichem Beifall aufgenommen wurde, sah man in einigen schönen und eindrucksvollen Aufnahmen vom Sankt Bernhard das Wallen der Mönch« und ihrer Hunde, denen mancher in den Bergen Verirrte sein Leben verdankt. Sz.• ,ver Jelüherruhügel/ (Mozart-Saal.) Als jungem Soldaten ist dem Roda Roda, nach eigenen Angaben, gejagt werden, er würde dereinst als k. und k. General in Berlin einziehen. Damals hat er das so recht nicht glauben wollen und es ist doch Tatsache geworden, wie man es auf der Lein- wand sehen kann, denn Roda Roda spielt nämlich den General in seinem Schwank„Der Feldherrnhügel", den er 19K) gemeinsam mit Karl Rößler schrieb. Nach Meinung des einen Verfassers sollen beim Drehen dem Schwant die satirischen Spitzen genommen sein, dennoch ist er köstlich geblieben in seinem so berechtigten und so treffsicheren • Spott. Roda Roda, der neun Jahre selbst den Osfiziersrock trug, kennt sich aus in dem Milieu, tms er so keck und frech der Lächerlich- keit preiszugeben weiß. Sein Spott tötet und ist doch so unterhalt. sam, zumal der Regisseur Erich Schön selber alles äußerst ge- fällig ins Bildliche übersetzte. Mancher Filmmeter ist im Laufe der Zeit der österreichischen Schlamperei gewidmet worden, trotzdem sst dieser Film eine Sensation des Tages. Gespielt wurde tadellos; man sah Junkermann als zylindersllchtigen Oberst und Harry L i e d t k e als Windhund von Rittmeister. Beide Darsteller sind schon die Typen für diese Rollen geworden. Olga Tschechow a war eine so schöne Bildhauerin, daß man den Geschmack des Ritt- meisters und auch der kaiserlichen Hoheit verstand. Und Mutz Greenbaum xhotographierte mit all diesen ausgeklügelten Fein- heiten und Kleinigkeiten, die die einheitliche Linie des Films nie stören oder gar unterbrechen. Der„fesche" Film wurde außerordent- lich freundlich ausgenommen._ � e. b. ,vas Opfer der Stella Vallas/ (Capitol.) Da» Filmpubllkum sst kritisch geworden; dafür erbrachte diese Uraufführung«inen recht deutlichen Beweis. Das Opfer der Stella Dallas ist eine Angelegenheit, die der Regisseur Henry King, der bestimmt«in Könner ist, bitterernst nahm. Aber amerikanische Gründlichkeit und Tief« ist letzten Ende» nichts weiter als Centimen- talität. Der Sohn eines du'-ch Selbstmord geendeten Bankdirektoxs heiratet nicht seine Jugendliebe, sondern ein einfaches Mädchen, das in einer etwas verwilderten Familienumgebung groß geworden ist. Die Frau paßt wirklich nicht zu dem Mann, weder in ihren An- schauungen, noch in ihrem Benehmen. Die beiden leben sich aus- einander, damit aber ihre Tochter eine gesellschaftsfähige Mutter habe, willigt Stella Dallas in eine neue Ehe ihres Mannes mit dessen Jugendliebe. Für diesen Film war selbstredend die feinste Klein- malerei die einzig mögliche Form. Diese wählte auch Henry King, doch verstand er es nicht, Längen zu vermeiden. Hätte er sie über- wunden, würden bestimmt die vorzüglichen Schilderungen einer Ge- burtstagsseier, zu der trotz aller Vorbereitungen kein Gast kommt, und die unendlich komische Eisenbahnfahrt, bei der ein Mundpillen spuckender Stallmeister alle Fahrgäste in die tollste Aufregung ver- setzt, mehr Wirkungsmöglichkeiten gehabt haben. So sah man nur auf die langatmigen Szenen mtt den zerquälten Menschen, für die man kein Mitgefühl, sondern nur Ablehnung aufbrachte. Die Frau hätte sich ja nur vernünftig anziehen können und die ganze Sache wäre erledigt gewesen. In de» Hauptrolle!, wurden beschäftigt: Belle B e n e t t, Alice I o y e e, R o n w a l d E o l m a n, Louis Moran, Douglas Fairbanks jr. Es gab teil» echte. Schauspielkunst, teil» alberne» Getue,.«. b. i* J• t rvrrr*;nMnn-v�,9 Volks büh ne : Th. am Sdiiftarilanini Heute 3 und 8 Uhr: Tbeater am BOlowplah 2>/, Uhr; Faust 8 Uhr; Lysistrata Morgen 8 Uhr: Lysistrata Das GraDmal des urManntes Soldaten. Jiomistfke Cpec Direktion: Hanns Otto Boyen Der große Operettenerfog l Sr JSdvienwue mit Serak, Wessely, Wirt, ülass Uoettcber, Hell Vorverkauf ununterbrochen v. 10 U. an 8JS Uhr BIQlhner-Saal/ Heute 8 Uhr» Sonntags-SinfonieKonz. des Berliner Sinfonieorchesters Dirigent; EfflU LgllllZlS Solist: Max Strub(Violine) — Kart 75 Pf. bis 2 M.. Die neue HALLES-REVUE hyin unfiuw>r Theater /- Admiralspalast TigUth d'l4 Uhr Tätlich«S»/< Uhr S. Woc/)G Der rmübertreffbare Erfolg J Jede Vorstellung der prunkhaften, farbensprühenden Halter- Revue kommt einem teste gleich, (6 Uhrblatt) 400 Mitwirk./ 1SOO Koiläme| 2 Sonntags- vorst. 3 u. SV* Uhi i\chrTf. die ganze Vorstellung xu halben Preisen. Cte Busch Hunte Sonntag 2X3+ 7'/, I?7 ÄHallePfiKB� Artistisch• circ. 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CKTmt_ Micks Opel Charlottenburg VI, Uhr: Tiefland Maialda Salvatini Erik Etidcriein Abonn.-Turnus II Cestsdisi Dieater Norden 10334-38 S Uhr: Peripherie v.F. Langer. Regie: Max Reinhardt Katnmerspiele Norden 10334—38 8 Uhr; Androklnt und der Löwe Von Bernara Shaw Regie; Erich Engel Die Komödie BismarcK 2414, 7316 8 Uhr: Sie dejangene Von ßourdet Regie M. Reinhardt Siraowskt-.ilhiiD Theater aouiiggrBtuStr. 8 Uhr; Mrs. thsneys Ende fclisaücili burgner HomBdienhans 8 Uhr: Einbruch Hilth Ailbu Patch IL i. Killtsiloifplati d. Mos- Gastspiel d kauer Künstler. Theaters Habima 8 Uhr; Oybuh Kuriürst 6456 6 Uhr: Yaiiete- Neulielten Sflambenili». Sanolagi 2 Vorstellungen 3" und 8 Uhr, aM zu ermäßigt. Preisend, gapze Programm I Geulscbes Kiinstl.- Theater 8>/. Uhr; Ikaa gruBe Abenteuer Doruti, Palleihrg >1-1 8 Uhr: Meotth und Oehertnentdi IL a.KuiierstsmlaiMi 8 Uhr: Revue: Musik: R. Nelson Lnstspielhans uhf Kukuli 13. d. Mts VI, Uhr Premiere Die llenoain i Elba Ihoatrr a. loltb. Toi Kotibusrr ßtr, 6. WBHUhtu-Soim' tag nacbm 3 Uhr(zu ermatlgten Prellen) Eisie- §SzzKer ; ur.b das Rur». Camcn- öestflis- QuortcltFopoff Täglich der neue große Noufilm der S üd film A.-CL „Pas sRtze Mädel" noch der weltbekannten Operette gleichen Namens Regie: Manfred Noa mit ' n» ur f| rosse€ v f o gleichseitig in 14 Der 4 cl/ Kurfürstendamm S C'I IcilllyUT �/ Königgrätzer Straße j\l�GTCGClGS~'I� cllclSt/ Utrechter Straße „CLOU" Berliner Konzerthaus/**»<***■" WocfaeniagUch nadumitz�s Gr. Promenaden-Kaffee-Konzerte bei vollem Gi ehester und freiem Eintritt Täglich abends mitAusnahme von Montag u. Freitag Gr. 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Anfang 5 Uhr Eintritt 1\L � tefonders wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN in dcrGeiamt' auflagt des „Vorwärts" und trotzdem übiiildn ii Montag, den 11. Oktober nachmittags l1/. Uhr Rennen zu Karishorst Heute Sonntag, den 10. Oktober, nachm. lV, Uhr: Großer Preis von Karlshorst i 7500. lubiläumsrennen W" m-W-'m"iL' / bw sOsW°s'»"°°"°' �Sssf" toten werve» « F ($01*4444/ yfa$H4l££ ',\\ Wahlausschreiben für die Allgemeine Ortskrankenkasse Berlin-Norden. Mit dem Zt. Dezember ISA endet die DoWperiod« des«usfijtiff«» der Mlaemeinen OrtsfrcnlcntaiT« Berlin-Norden. Die Mitglieder des Ausschüsse» sind xemäss 8 g2 der Setzung neu zu wählen. Die W-Hlzeit dauert S Jahre und recknet vom 1. Januar ISN bis Zt. Dezember 1SS1. Es sind zu wählen: eo Vertreter und 120 Ersatzmänner, und zwar von den beteiligten volljährigen Ärbeilgcbcrn 20 Vertreter und 40 Srsatzniäuner und von deu volljähigen Ber- sicherten 4g Vertreter und 80 Ersatzmänner. Die Wahlen sinden statt am Sonntag, den 28. November 1S2« und zwar für die Arbeitgeber und Versicherten von 10 llhr vormittags bis 5 Uhr nachmittags in den Räume» der.ssweigssellen in: Verlin-OberschSneweid«. Eismensstr.». Kerlin-isriedrichshagen, ffriedrichstr. N,A. Berlin-ffriedrichs- seid«, Beriiner Str. 20, Berlin-Kaulzdorf, Dorsstr. 45, Berlin-Kohenschünhausen, Degenerstr. LI, Berlin-Buckiholz. Kauptstr. 4. Berlin-Niederschänhousrn, Linden» skratze 7. Verlin. Reinickendorf, Rcssdenzstr. 158, Berlin-Wittenau, Oranieu- burger Str. 70,71, Verlin-Tegel. Brunowstr. 28. flur Durchsilhinng der Wahl ist der Aassenbezirk ol» ein Wahlbezirk anzu- Zehen. Für die Stimmabgabe gelten die Bezirke der vorgenannten sswcig. stellen als örtlich« Stimmbezirke. Die Wahl ist geheim. Gewählt wird nach den Grundsätzen de: Verhältniswahl. Da» Wahlrecht ist in Person auszuüben nach näherer Bestimmung des 8 12 der Wahlordnung. Wählbar find nur volljährige Deutsche. Wahlberechtigt find alle volljährigen Versicherten beider- lei Geschlecht», welch« am Wahliage bei der Allgemeinen Ortskronkenkasse BerNn-Ro-dcn versichert sind. Jeder wahlberechtigte Versicherte hat«tn« Stimme. Wahlberechtigt sind die volljährigen Arbeitgeber beiderlei Geschlecht,, welche für die bei ihnen beschästigten Personen am Wahltage an die Allgemein» Ortskrankenkasse Berlin-Norden Beiträge, zu zahlen haben, vorausgesetzt, dafi sie nicht selbst zu den Versicherten zählen. Wahlberechtigt« Arbeitgeber filhren bis zu 50 rersicherungsvflichtig Beschäftigt« für j« angefanoene 10 und wegen der über 50 dinausgehenden Zahl für je angefangen« 20 Beschäftigte«ine Stimm«. Mehr al« 80 Stimmen kann kein Arbeitgeber führen. Besonder« Wohlerliften werden nicht aufgesiellt. Zur Prüfung der Wahl- und Stimm- berrchtiaung dienen dl« Arbeitgeber- und Mitgliederverzeichniss«. welch« in den zusiändiqen Zweigstellen während der Geschäftistunden eingesehen werde» lütuten. Etwaige Einsprüche sind bei Vermeidung des Ausschlusses spätestens 4 Wochen vor dem Wahltag« unter Beifügung von Beweismitteln bei dem Lassen. vorstand«inzulegen. Di« Wghlberechtigten werden hiermit aufgefordert, Wahlvorf chläg« gesondert für die beteiligten Arbeitgeber und die Per- sicherten gemäß 8 7 der Wahlordnung aufzustellen und dem unterzeichneten Kassenvorsiand bis spätestens 81. Oktober 1V?i einzureichen. Di« Stimmabgabe ist an die Wahlnorschläg« gebunden. Di« Wahlvorschläg« kännen nach ihrer Zulassung in der Sauptgeschäftsssell« der Lasse. Berlin NW 40. ssrledrich-Larl-Ufer 8, werktäglich in der Zeit von 8—1 Uhr eingesehen werden. Der Wahlausschuß ist hekvgt, die Wahl- und Stimmderechtigung jede« Wählers bei der Wahl zu prüfen. Es empfiehlt sich daher, einen Auswei« hierüber zur Wahl mitzubringen. Mr dt« in Arbeit stehenden versicherten Wahlberechtigten werden Wahlousweis« aus Antrag der Wahlberechtigten an den. dem' Wahltag« vorausgehenden 14 Tagen durch den Arbeitgeber aus- «««Ben. Di« freiwillig versicherten Wahlberechtigten erhalten auf Antrag Dahlaumveise In der für sie zuständigen Zweigstelle. Die wahlberechtigten Arbeitgeber erhallen ans Antrag in den Zweigstellen Bescheinigungen darüber, wieviel Stimmen ihnen hei der Wahl zustehen. Im übrigen wird aus die Wahlordnung verwiese», die von allen BetesNgte« in seder der obengenannttn Zweigsiellen während der Geschäftsstunden et». gesehen werden lann. Berlin, den 2. Oktober 1228. M MM Dkl MeMkN gMMkllW N!l«-Men. Neubecker. Vorsitzender. UfflcnzlSnSUMe Garantie leiste ich als Selbsthersteller»uf die bei mir gebaoften Trauringe Prelsllst» gratlsl Oes. geschützt su billigsten Prclsnn in M gedlepstei MQtimiip n Ständlr es..1080 St. auf Lager•: »mm Wiese, Berlin» 1 1» Dntw4 mriin tonn mir mkanlin Bin» innirkift ein« lehrei nm n'ln Piwt mcklnneniee. daur. lellm. gevss Str.,"00 An,, Ra- tenzahl.. Reff 6 Proz. zu o.rk Tuet Nalho. Aiesdorl-S., Straß» Eck- Straß« 20. Ein seines WM[Qr ihre Kinder niiiiniuiinH Dieses oben ebgebtidete relxende Spielseog ist 44 cm breit und 84 cm hooh, bat einen Ladentisch und Regale sowie 18 kleine Libby-Dosen in den schönstea färben. Mit diesem niedlioben Kanimann�laden werden Ihre Kinder sieb TW eilellos stnndenlaug gern beschärtigBn, und Bie braueben Ittr solch ein Spiel- seug niebt viel Geld aubzugeben, sonat'rn nur die Libby« Milch- BUketten sa sammeln« und awar bind hierzu erlordeiüob entweder 24 Krotze EfltteGen von libtiy's mim oder 48 kleine EGkeften von Liburs mim. 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Weisungen und Zusammenstellungen sind fertiggestillt und Vinnen von dem Finanzamt der Betriebsstätte unentgclt. Iich abgeholt werden. »erlin. den 8. Oktober 1228. Der Präsident de» Contiesfiaanzatnl« Berlin eeeeeeeeeeeoeeceeeeeeeeeeeeeee ee#»♦—•••eeeeeeeeeeeeoeeeoee« M Kölner Dombau» WLotterle 7168 Gewinne und 1 PriUnio» Mark ISOOOO 75000 SOOOO 25000 LoseM. S.-ISmÄ FristfrichMDiiar HOchll. eeulia Bonpl 8« Wim „HOFFNUNG" Bekleidungs-Industrie G. m. b. H. N 54, Brunnenstraße 188/90 Elegante 3ERI-IN SWta.Jerusaicmerstr-lS Poatsoheck-Konto; Berlin Jfr. 81158, Ferner empfehle noch fertig und nach Maß W.M! GoteHM loliiie Prelssl Loden- imd Gmnmi-Hanlei JCev&st~ und Wintev~(faleiots in großer Auswahl am Lager Windjadsen in allen Gröben und Formen Herren-Artikel; Oberhemden, Krawatten, Hüte, Stöcke, Schirme usw.zu billigsten Preisen Arbeiler-Berufskieidung für jeden Beruf! ■ MMMSMfMMMMMM— ai»i»MaMa>M>Mif SM»m55< Klassenbse 2.&EscH*rr; Srffirtmkfurivr-Sir. HS _'»ist AMOlUASSm. Inlerieren hrlnsrt ERPOLG! Befreien Sie ihre Angehörigen von allen Zukunftssorgen! Der Erd- und Feuerbcsiattungs-Verein Groß- Berlin Berlin W 35, StcgUtzer Strafe 60 der unter Staatsaufsicht steht, bietet seinen Mitgliedern gegen niedrigste monatliche Beiträge eine würdige Bestattung verbunden mit Bargeldtzuszahlung bugeuunl nach Wunsch von 200-1000 Hm Kala« Kluicnbclalhmg, sondern pietätvoll« Aattührang nach den Wünwhcn der Hinterbliebenen. Keine ärzUldte Ualeriadiang I Jede gesunde Person im Alter von 7 bis 75 Jahren kann Mitglied werden— Zebktcllen in eilen Sladlleilen. Sie Prospekt od.er unverbindlichen Vertreterb esuch 1«olide Oescbäfte gegen Provision ei« AnnabmesteNen genebt Krause- Pianos nüieie f v Sammlung für ew« welhnachtsunterfkühung oaserer arbeitslosen und erwerbs- unfähigen Mitglieder. Trotz der schweren Krise und der da- dnit verbundene» ungetzeuren Arbcils- losiakeit in der MewHinduserie wenden wir uns wieder an unsere in Aibcit / flehenden Aiiiglieder, um zu crmilnlichc». unseren arbeitslosen und erwerbs- /unfähiaen Alitgliedern tz» Weihnachten ' durch Gewähruiitz von«eidmitteln eine kleine ssrcude zu bereiten. Es durfte besannt sein, datz wir erst vor einiflei, Woche» ans Mitteln der Lokalkosse eine nennenswert« Unter- f stUtzn»,, an unsere ausgcs�ucrtcn Mit- alieber ausaewoifen haben, die«in« fiarke finanzielle Belastunli der Lokal- kltifc darstellte, und kilnnen weitere Bc- träae aus dieser Kasse nicht mehr gc- zk nommcn werden, damit uns bei spateren kommenden Lohnkiimpfcn. die bei bcsfc- /ret Beschäftiaunasmöglichkeit in der ! Metallinduitti« verstärkt einsetzen wer- den, und wo von seilen der Lokalkasse .Auschttsie zur ElreikunterstUtzun-t zu zah- reit sind, die dazu notwcndiacn Ecld. mittel zur V-rfilgun-, stehen. Wir mlls- len also eine Sammlunz auflegen, um unseren arbeitslosen und erwerbsunfähi- ' aen Miialiedcrn eine weitere Unter. l- ftiltzun» gewähren zu können.— Zu die- .-ein Zweck Und von feiten der Vcrwal- p'ltinct Ertramarkcn zu 50 Pf. und I M. ausgegeben worden, die im Verbands- Haus. Linienstragc tzZ/SZ, Portal III, Schalter t. gegen Vorlegung des Mit- slUedsbuch«» und der Funktionärkarte «rhältlich find. Zur Ausgabe und zur Abrechnung der Marken ist der betref- fende Schalter von setzt ab bis auf , weiteres Dienstags und Freitags bis ' Uhr und an den iibrigcn ' Stochenkagen bis 4 Uhr geöffnet. Die Marken zu!>0 Pts. sind silr .'unsere weiblichen und jugendlichen Kol- legen und die Marken zu l M. für /■uuscye männliche» Kollegen bestimmt.— Es ist Pflicht eines jeden Mitgliedes, »indesteno eine Marke zu kleben, doch ck? vorausgesetzt, dah diejenigen Kol- e legen, die einen höheren Verdienst haben, rnehrer« Marken entnehmen.— UuterftUsiunB sollen alle Kolleginnen vnd Kellego» erhalten, die mindestens »> Wochen Mitglied unserer' Organisation und in der Woche vom lZ.— 18. Dezem- rer arbeitslos sind. Desgleichen solche Kollegen, die während der gleichen . Invalide«rwcibsun fähig find aiud Beiträge der Invalidenkafse utzscrer f Organisation steuern.— ! Erwerbsiinsähis.« Mitglieder.Infolge - R anlhrit miissc» bei dieser Un-ersvitzung ausgeschaltet weiden.— Kolleginnen, Kollegen, Funktionäre .�unserer Organisalion, untcrstiitzt die ' Zrtsverwaltunn in dieser dankenswerten Arbeit»nd setzt euch niit aller Kraf, da- .NU. ein. dntz sich die proletarische Soli» /?Is4-t in vollstem Matze auswirtt. Wir wissen, datz an den Opferniut linierer Kollegen allzu oft appelliert wird, i-doch tzud wir der Auffassung, .oatz wir bei der augenblicklichen un- ./geheuren Krise olle Ursache haben, unsc- rer arbeiislosen Klassenacnossen zu qe- veu.en, und dcsbolb bitten wir, datz z unsere Kollegen selbst bei nach so schlech. lem Verdienst einen geringen Betrag «bstotzen, um de» arbeitslosen Mit- gliedern und deren Angehörigen«ine Wribnachtsfrcude bereiten zu können,— Wir erwarten datz sich hierbei kein - Mitglied ausschlietzt, da der gesamte Vc- trag, der aus dem Vertrieb der Marke» berr-orgeht, restlos uiiscren arbeitslosen , Mitgliedern zugute kommt.— Es wird autzerdem ersucht, datz unser- � Funktionäre unter allen Umstände» dar- «ns sehen, datz uns der Erlös der Mar- ken oder, qrötzere Teilbeträge sofort, bi� zum 10. Dezember lOM, libermlttelt werden, damit zu Uber- teben ist, in welcher Sähe einr Unter. tllltzuna gewahrt werde» kann, Auf zur prolelarischcn Solidaritätl Die Orksverrvakioag. 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Bewerbungen mit Angaben Ober Parteitätigkeit und Lebenslauk sind bts 20. Ohlober zu richten an; Hax Lenlerilz, Hamborg 36 Qr. Theaterstr. 44 I. SeldskükSlger Maniter, guter Dreher und selbst, aus Reparaturen, wird für Erzeug, u, Reparatur der Dental» Apparate gegen Kaution aufgenommen. Nach Bewährung leitende Stellung, A»«- sührliide Angeb, an loxenleue- Sebelc, Pen? XII, Budecsti» 3, Tschechoilowakei, Cskrling kür bletnllde-ücleeret gesucht Berliner Metall- und Allenlde- waren-Fabrik Carl Krall Q.m.b.H. Rlttersir. 46 47. Tüchtiger mit nachweislich mehrjähriger Fachtätigkeit von großer Werk- zeugmaschinenfabriKfürdasAus- land gesucht Bewerbungen mit Lebenslaut, Zeugnisabschriften u. Angabe der Gehaltsansprflche sowie des frühesten Eintrittstermins erbeten unter C. 29 an die Expedition dieses Blattes. tduntcO oder werüzengmacber für Drehstähle mit aufgeschweißten Schnellstahl-Plättchcn wollen sich mit Angabe bisheriger Tätigkeit melden unt J. C. 7 70 an Rudolf Mosse. Berlin SW 19. Musternäherinnen petteft auf bunte und weiße elegante Schürzen, lür unser Atelier g«,ucht Zcdtenkabrta A.-G. Köpenicker Straße 116 Der Heutigen Stabtanflage liegt ei» Prospekt der Firma Hermann Tie» betreff„Texlil-Meffe" und einem Teit der 7in>al,- rin Proipekt der Firma H. t-,' l> Ii«7 c.»". 0er iner r. i Not» e ff O.l:.er-Meff« de,, wvrauj sei unsere Liier besonder« iuweiseu. Sonntag 10. Oktober 1926 Unterhaltung und AVissen Vellage des vorwärts Capitain Noel. von Hermann Schühlager. Zwischen de» beiden Fronten, etwa fünfzig Meter rechts ober. halb der Straße, di« von den deutschen Gräben aus den„Col du Sas* überquert und schnurstracks in den Drahtverhau der Franzosen hinüberführt, liegt die Ferme»La Goutte", ein großes, weißes Ge. bäude mit einem kleinen Türmchen am Giebel und oergitterten, kleinen Fenstern in den starten Mauern. Die Ferme sieht eher wie ein von der Außenwelt verrammeltes Kloster aus oder wie der Gendarmerieposten an einem von Schmugglern und anderem Ge- sindel unsicher gemachten Paß. Beiderseits der Ferme dehnt sich der Bergstraße entlang ein mit Schindeldächern gedecktes, ärmliches Bergdorf, das auf der deutschen Poßseite die Bezeichnung Launois und auf dem den Franzosen zugekehrten Hang den stolzen Namen Battant de Lourras trägt. Diese Ferme La Goutte ist nahezu zwei Jahre lang der Schrecken meines Regiments gewesen. Sie lag so vertrackt zwischen den Fronten, so raffiniert zwischen unseren beiderseitigen Flankierungs- anlogen hineingepflanzt, so verteuseU durch Buschwerk und Gärten gedeckt, daß weder wir, noch der«Franzmann" damit etwas an. fangen konnte. So prallten in jeder Nacht im Schatten der Ferme die Patrouillen aufeinander und gaben sich vom Keller zum Dach. giebel ihr übliche», meist sehr verlustreiches Gefecht. Jede Nacht wurde ein Toter oder ein Schwerverletzter in der Zeltbahn au» der Ferme La Goutt« in unser« Gräben zurückgezogen. Kein Wunder, daß über das Cespensterhaus am«Col du Las" bald die wildesten Gerüchte in Umlauf waren» die vor allem durch eine Gefangenen. aussage Nahrung fanden. Ein schwer verwundeter französischer Piomer-Unteroffizier hatte nämlich berichtet, daß der französische Abschnittskommandeur, ein tollkühner, ganz wilder, von unten her» ausgedienter Kapitän und vorzüglicher Pistolenschütze, sich nahezu jede Nacht selbst in der Ferme aus die Lauer legt, um die.Boches" höchsteigenhändig abzuknallen. Seit diesem Tage hatte unseren Regimentskommandeur der Ehrgeiz gepackt, den berüchttgten Kapitän zur Strecke zu bringen. So jagte er eine Offizierspatrouille nach der anderen Nacht für Nacht in die Ferme La Goutte hinein. Fünf- undzwanzig Tote hatte es gekostet, bis man dahinter kam, daß der Kapitän mit seiner Pistole gefühlsmäßig«um die Ecke" schoß, das heißt sein Opfer aushorchte, die Pistolemnündung durch die Tür oder durchs Fenster schob und dann losdrückte, ohne das Zimmer betreten zu haben. In der darauffolgenden Nacht, als man seinen Trick heraus hatte, lag der Kapitän selbst, durch den Bauch geschossen. in der„guten Stube" der Ferme La Goutte und starb aus dem Transport zum Befehlsstab des Regimentskommandeurs. Es war gerade Weihnachten, und der Stabsarzt schlug eine schreckliche Lache auf, als er den Papieren entnahm, daß der fchießwütige Kapitän den verhängnisvollen Namen„Noel"(Weihnacht) besessen hat. Die Mannschaft aber stand mit neugierigen und doch so angstvollen Augen um die dürftige Pritsche im Schulhaus von Launois umher, auf der nichts wie der riesige schwarze Bart des Kapitäns, der aus der Zeltbahn herausragte, zu sehen war. � * Die Ferme La Goutte steht heute noch auf ihrem alten Platz: ich habe mir sie vor wenigen Wochen wieder einmal angesehen. Auch die beiden Dörfer Launoi» und Battant de Bourras Hai man wieder aufgeboitt: die Häuser sind zum Teil schöner und geräumter wie zuvor und ein respektables Paßwirtehaus mit Speisesaal und Garagen verdankt dem Schlachtfeld des«Ban de Sapt" seine Existenz. Der Autobus kommt täglich zweimal von St. Die und von Saales herüber: Diehmarlt wird auf der breiten Chaussee, die vier Jahre lang mit Schützengröten und Drahtböcken versperrt war, abgehalten und Reklar, eplakate'chreien von den frisch gekalkten Häuserwänden. Der Wmg hat Ii' Sorgen der Vergangenheit weggespül. und man sitzt zum Abendlact in der«salle ä manger" beisammen, wie wenn der Eol du Las. der Elimont und der Ormont nieinals einen Kanonenschuß gehört hätten! Man liest seine Zeitung und trinkt seinen Wein und sckout zufrieden in die heraufdämmernde Nacht hinaus. Plötzlich stammt in der Ferme La Goutte ein Lichtscheu auf. Der treib: mich hinaus. Wohl aus Gründen der Trodit-on hat die neue Forme ouf den allen Grundmauern so ziemlich d-c« selben Umrisse bekommen: die Fenster sind etwas größer, doch ebenso wie früher oergittert, und der Dachreiter leuchtet wie früher ge- spenstig im Mondlicht über den Paß hinweg. In der«guten Stube" sitzt ein alter Mann mit einem langen, schmalen Bart im Großvater- stuhl und neben ihm, unter der Tischlampe, ein Mädel, ein vielleicht ilöjähriges Kind. Mein Gott: selbst die Inneneinrichtung ist noch dieselbe: Das offene Jnnenfenfter zur Küche, neben der Tür der mächtige Schrank mit den beiden schwarzen Kreuzen in den Türen und im Schlafzimmer dieselbe dunkelrote Chaiselongue mit den gelben Tupfen, auf der unsere Leute, mit dem Pistolenschuß des Kapitän» im Kopf und im Bauch, gestorben sind! Irgendetwas reißt mich herum und treibt mich ins Hotel zurück. Ich ziehe mir di« Kleider ab und strecke mich in dem breiten Bett aus, den Kopf unverwandt zum Fenster gereckt. Dort leuchtet immer noch die gute Stube de» Kapitäns Noel mitten in der Sommernacht. Mit seinem mächtigen Schatten bewegt sich der Alte und sein Kind gespenstig im Zimmer umher und treibt mir den Schweiß in die Stirn. Es ist mir, wie wenn mich eine unsichtbare Hand am Genick hätte und mich mit ihrem Schraubstock zum Begaffen der Ferme La Goutte zwingt, ob ich will oder nicht. Bleischwer liegt die Müdig- keit über mir und zwingt mich in den Schlaf, da» heißt aus dem wachen Betrachten der gespenstigen Ferme wird ein traumhaftes Schauen, da» die innere Starre löst und den müden Körper mit einem Ruck in die«gute Stube" stößt. Die beiden schen es als selbstverständlich an, daß ich bei ihnen am Tisch sitze, und wortlos schenkt mir das Mädel das Glas voll roten Wein., „Tun Sie, wie wenn Sie bei uns zu Haufe wären!" sagt der Alte grinsend und schiebt mir den Teller mit. Brot und den Butter- napf zu. «Merkwürdig, wie Sie doch Ihre alten Sachen wiederbekommen haben," konstatiere ich, schon etwas weniger beklommen als zuvor. «Der wunderbare Schrank mit der eingelegten Tür, den habe ich doch schon vor einigen Jahren In tausend Fetzen gehen sehen!" „Den haben wir im.Louvre" in Nancy genau nach dem alten Modell bekommen," zwitschert di« Kleine. «Da- ist möglich," sage ich.«aber wie kommt es. daß Sie im Schlafzimmer genau dieselbe Chaiselongue mit den gelben Tupfen wieder haben! Da haben doch Monate lang unsere Schwerverwunde. ten gelegen und dos schöne Tuch versaut!" „Stimmt!" sagt der Alte. „Woher wollen denn Sie da» wissen?" frage ich erstaunt. „Ich? Ich hab' sie doch alle um di» Ecke gebracht!" französische Ränke»»« So isi's gewesen! Eines Tages brüteten die Franzosen eine« schwarzen Plan au» Sie gruben dem guten Seeckt eine Grube. Und daun. man deute, bemächtigten sie sich Seiner Sgl. Hoheit des Prinzen Wilhelm von Preußen und stellten ihn als Lockspeise auf. Und dann kam der ahnungslose Seeckt und sah bloß die schäne Uniform und wollte dem Prinzen um den hals fallen. Und dann trat das Unglück ein und man hat wieder ein- mal einen Beweis von der Niedertracht des Erbfeindes. „Sie? Ja, sind Sie denn der Eapitaine Noel?" «Natürlich bin ich der! Kennen Sie mich nicht? Ich hab' Sie dreimal vor der Mündung gehabt! Sie haben mich aber gedauert, weil Sie so ein junges Bürschel sind!" Mir steigt es eiskalt den Buckel herauf. «Aber Ich hab' Sie doch maustot am Schulhaus von Launois auf der Pritsche liegen sehen!" „Kann sein! Was geht das uns jetzt an? Alter Freund, trinken wir eins!" Ich schau ihm heimlich auf die Pfote, wie er den Wein ein- schenkt. Herrgott nochmal: dieses schmale, haarige Handgelenk gibt es doch nur einmal! Das kennst du doch! Zum Teufel nochmal: damit hat der Hauptmann Noel im Mcndlicht mit seiner Pistole um die Ecke gelangt! Und jedesmal lag ein blutender Mensch auf dem Bauch! Meine Hände legen sich wie Stahlklammern um den Sessel, und eine brennende Röte fliegt mir in den Kopf. Ich will ausspringen: kann aber nicht; irgendetwas hält mich fest und drückt mich in den Stuhl hinein. Der Alte und das Mädel sind wie ausgelöscht: ich sehe nur den Kapitän Noel, wie er durchs Küchenfenster mit seiner haarigen Faust auf den Leutnant vom Amberger Jnsanterie-Regi» mcnt schießt, den der Oberst ins„Gespensterhaus" kommandiert hat, um ihm wieder Mut„einzupumpen". Der war auf die Jammer- briefe der kleinen Frau Leutnant hin allmählich in die Binsen ge- gangen. Aber was ist denn das? Da schiebt sich ja wirklich wieder die haarige Faust mit dem Schießeisen in der Hand durchs Küchenfenster herein, krümmt den Abzugbügel und---. Ich schreie wie ein wildes Tier:«Achtung, der Kapitän!" Die Hand greift hastig nach dem Lichtschalter und macht hell; es ist der Gastwirt.„Aber mein Herr, Sie wecken mir ja mll Ihrem Geschrei Änd Gestöhn das ganze Haus!" „Seien Sie mir nicht böse! Der Krieg!" Er versteht und geht. Die Schule der Stierkämpfer. Sonderbericht für den„Vorwärts" von Richard Huelsenbeck. Barcelona. Wir bummelten über die sonnendurchglühte Hauptstraße Bar- celonas. Das Hupen der Autos, das Schreien der Zeitungsverkäufer und der wirre Lärm, der aus den Menschentnäueln ausstieg, be- täubte so sehr, als hätte man irgendwie und irgendwo einen schweren Schlag vor den Kopf bekommen. Die Fata Morgana eines kühlen, steinfliesenbelegten, wasserdurchrieselten, mit sanften Huris ver- sehenen Raumes stieg ouf. Mein Freund Raphael Apparicio y Sota ist als schöner Mann bekannt, er trägt eine Oxsordhose, die, aus einen größeren Lampen- schirm gespannt, eine fabelhafte Krinoline abgeben könnte, der Knauf seines Stöckchens ist eine Elfenbeinarbeit aus der Zeit der Königin Jfabella, sein seidenes Hemd glänzt in bunten maurischen Mustern — er ist fabelhaft, selbst die sprödeste Spanierin wagt wenigstens einen kleinen Seitenblick, Aber alle Freuden dieses Lebens(Raphael ist sehr wohlhabend) können ihm nicht den Jammer oertreiben, an dem er trankt wie an einer Geisteskrankhell— die schreckliche Langeweile. Raphael war einige Zeit in Paris, sein Vater war glücklich, sich seiner einige Monate entledigen zu können, nun geht das alte Lied wieder an, wenn er auch jetzt seine schrecklichen Flüche über die Schalheit, Ausgeleertheit und Plattheit dieser allzu irdischen Welt mll zierlichen französischen Redensarten zu durchsetzen versteht. Neuerdings findet er alles„stupide". Die entzückendsten Frauen sind stupide, die Cafäs und Theater sind das Stupideste, was man sich denken kann, ja— und das grenzt hier wirklich an einen Zu- stand geistiger Verwirrung... die Stierkämpfe sind stupide. Heute hat er einen Einsall, den er mir sogleich in freudigster Erregung mitteilt. „Kennst du die Schule der Stierkämpfer, Amigo mio?" Ich schüttele den Kopf. Er zerrt mich ohne weiter etwas zu sagen hinter sich her, wir biegen von den großen Straßen ab in ein Gewirr von Gassen, wir gehen über zerklüftete Bürgersteige an bröckelnden Hauswänden vorbei und sind schließlich in einem kleinen Easä. Ich sehe mich erstaunt um. mache eine fragende Bewegung. Raphael lächelt:„Hier treffen sich die jungen Leute, deren höchster Ehrgeiz es ist, einmal ein Gallo zu sein. Sind amüsante Burschen, ich werde dir einige vorstellen." Es erscheint aber niemand, wir sitzen an einem leeren, mit Weinslecken verschmierten Marmortischchcn. An den Wänden sind Photographien, die die Phasen des Stier- kampfes und die„Prominenten" darstellen. Hinter dem Büfett sitzt eine dicke Madame in einer roten Bluse und lutscht aus einem Strohhalm ein Eisgetränk. Es ist totenstill, man hört die Fliegen summen. Ich sehe Raphael an, er sagt:„Sie werden gleich kommen, es ist die Stunde des Coctatls..." Zwei Männer, groß, schlank, sehnig, mit dem üblichen schwarzen Strohhut, kommen hereingeschlendert, rufen eine Bestellung nach dem Büfett, setzen sich an den Tisch und fangen an zu reden. Raphael geht hin, sie lachen, ich werde geholt. Die Verständigung ist etwas schwierig, ich erfahre, daß es„Professionels" sind, die beide schon oft als Banderilleros in der Arena gestanden haben. „Die Banderilleros, die dem Stier die Feuerwerkskörper auf de» Nacken setzen, sind meistens Liebhaber, keine Professionels," erklärt Raphael.„Hier hast du zwei Ausnahmen. Prachtvolle Burschen, was?" Die Männer quittieren die Apostrophierung„prachtvolle Burschen" mit einem gewinnenden, aber selbstverständlichen Lächeln. Ich lächele auch, mit einer gewissen Ergebenheit und Hochachtung. Ich weih, was es bedeutet, dem wildanrasenden Stier in freier Arena entgegenzutreten, ihm seinen.Kopfschmuck" auszusetzen und beiseite zu springen. Im Lause einer Sekunde muß das gemacht fein. Jeder verfehlte Schritt, eine noch so unbedeutende falsche Be- wcgung endet mit zwei Hörnern im Leib. Diese Helden haben ihr Schicksal immer vor Augen, wenn sie die armen ausgerissenen Gäule sehen, die die Arena bedecken wie wabbernde kleine Hügel. Man gleitet in ein Gespräch über die Zukunft des Stierkampfes. Mächtig« Kreise sind an der Arbeit, ihn als grausam, unmoralisch mtb mittelalterNch abzuschaffen. Besonder« amertkanifch« Damen, die eine große Women Party gebildet haben, um Spanien zu „zivilisieren". Ich erfahre, daß in Madrid eine deutsch« Baronin Hauptförderin des Tierschutzvereins ist und daß das ein Grund war, während des Krieges Deutschland zu hassen. Welten trennen uns von der Seele dieser Menschen, die bei den Gedanken an Mut, Geld und Frauen nicht begreifen wollen, daß sich jemand ernstlich für einen Stier einsetzen könnte, eine wilde Bestie, ein Urachs, der„froh sein kann, wenn er von einem Mann, einem wahrhafte» Mann in ehrlichem Zweikampf um die Ecke gebracht wird"... Ich erfahre, daß der Hauptkonkurrent des Stierkampfes der Boxkampf geworden ist, den man vor zehn Jahren in Spanien über- Haupt noch nicht kannte. Jetzt beginnt der Ruhm Paolinos den des Gallo zu überscheinen. Wir reden mancherlei, der Krieg hat auch die Geldverhältnisse der Stierkämpfer nicht unbeeinflußt gelassen, das„Geschäft" geht nicht mehr so gut, es gibt sogar einen bekannten Matador, der heute in einem Luruslokal Barcelonas Zahlkellner ist. Sorgenfalten er- scheinen auf der Stirn unserer schlanken Freunde, aber bald kehrt die gelassene Freudigkeit zurück, die hier für den Menschen charakte- ristisch ist. Ein leicht-orientalisches Phlegma mischt sich in die ziel- bewußte Forschheit. Wir erheben uns und gehen. Ms wir allein sind, sagt Raphael:„Ganz nett, was? Endlich mal etwas anderes als Charleston und so... wie?" „Ich wundere, mich nur, daß diese Leute, die doch trotz des Ge- rekies von den miesen Zeiten noch gute Peseten verdienen, sich in ein so abgelegenes, schmutziges Lokal verziehen. Was heißt Schule der Stierkämpfer? Warum sitzen sie nicht im Jmperial-Hotel und trinken den Sekt, den sie gut bezahlen können?" Raphael schüttelt den Kopf: „Man merkt, daß du ein Deutscher bist, bei euch muß alles vor- nehm sein, wenn es etwas wert sein soll. Diese Banderilleros sind einfach, gutmütig, herzlich, sie passen in eine Luxusatmosphäre gar nicht hinein. Ich werde dir eine Geschichte von Gallo erzählen..." Während wir die Avenida hinaufgingen, erzählte er seine Ge- schichte von Gallo, wodurch ich begreifen lernte, daß große Leute im gewöhnlichen Leben die kleinsten Kinder sein können. Nächtliche Gaste in öen Tropen. Ueber den Teeplantagen und dem schwarzen Dickicht des javani- schen Urwaldes stehen unbeweglich die dicken Nebel des abendlichen Gewitters, die brennenden Wolkenberge verglimmen jäh in fahles Blau. Und während die tintige Finsternis der Tropennacht fast ohne Dämmerung einfällt, beginnt draußen schon das tausend- stimmige, ohrenbetäubende, schrille Konzert des Dschungels. Dicke Baumfrösche quaken im tiefsten Baß um die Wette, die großen Heuschrecken zirpen wie Mandolinen, Zikaden rollen, riesige Grillen surren wie metallene Spinnräder, dazwischen heisere Schreie der Nachtvögel, die sich aus dieser Fröhlichkeit ihren Fraß holen, mitunter das Gekläff eines geängstigten Affen, der wilde Wutschrei eines großen Tieres. Ab und zu verstummt der Lärm wie auf Verabredung— irgendwo wurden etliche Sänger verspeist—, dann setzen ein paar kräftige Stimmen wieder ein und der Chor der Hunderttausend be- singt weiter die Freude des Erlebens dieser Nacht. Aber auch in dem lustigen Zimmer wird es jetzt lebendig und zartnervige europäische Damen hätten Gelegenheit, sich die be- rühmte Mäusefurcht abzugewöhnen. An den Bastwänden und der Zimmerdecke ein Rascheln— die kleinen singerlangen, blitzschnellen Eidechsen verlassen ihre Tages- versteck« in den Palmblättern de. Dache» und stürzen sich ptevsend auf die durch das Lampenlicht angelockten Schwärme von Insekten und Schmetterlingen, auch größere Eidechsen tauchen auf— unter ihnen ein mächtiger Tokeh, der selbstbewußt mit seiner kräftigen Stimme, die dem Knurren eines Hunde» ähnelt, feine Ankunft ver- kündet, jedoch trotz seiner Reizbarkeit ein harmloses Tier ist. Eidechsen und ein Rudel nagender Mäuse sind nur der Bortrab dieser nächtlichen Invasion. Schon marschieren Termiten auf, die erbitterten Feinde aller Balken, Möbel und Bilderrahmen, mit ihnen Schwärme von win- zigen, grauen Ameisen, brummende Käfer aller Größen, darunter wahre Riesen der Jnsektenwelt, stoßen gegen das Licht, herrliche Exemplare tropischer Nachtschmetterlinge taumeln herum, stürzen sich mit Ameisen und Moskitos in die letzten Reste von Anis, Mermuth und Gin, füllen die Gläser in einer Viertelstunde. Kleine und große Wasserwanzen kriechen herein, Zimmerschwaben kommen aus ihren Löchern, und während die Eidechsen unter diesem Tierzeug wüten, kriecht eine riesige schwarze Spinne, deren Biß gefährlich werden kann, von der Wand herab und wird trotz erbitterter Gegenwehr, wobei sie regelrecht um sich pufst, aus dem Räuberleben befördert. Kleine Skorpione und flatternde Fledermäuse ergänzen die Me- nagerie und füllen unersättlich ihren Magen. Aber diese tolle Orgie des Fressens und Gefressenwerdens geht auch weiter, wenn das Licht verlöscht. Noch immer ist das leise Schmatzen der Eidechsen hörbar, die ihre fetten Schmetterlinge schlucken. Fledermäuse stoßen gegen das Moskitonetz und der Haus- kater„Jupo" sitzt lautlos auf der Lauer. Draußen wird das nächtliche Konzert des Urwaldes gegen Mitternacht stiller, aber auch dort wird weiter gemordet. Fern der Schrei eines Panthers— vor dem Fenster das kurze Quieken einer Ratte, die von der Rattenschlange gefaßt ist, Krachen von Aesten, der jämmerliche Schrei eines Vogels. Die Erinnerung an die klare Stille der deutschen Nacht ist hier wie ein Traum: Heiße Gerüche von Blüten, Moder und Verwesung strömen herein, in dem Dunkel ist etwas Fieberndes und Atemloses, die ungeheure, kraftüberladene Natur des Aequators kennt auch in der Nacht keine Ruhe. Sozialismus unü Mutterrecht. Von Dr. P. K ri sch e. Im Sozialismus hat von jeher die Gleichberechtigung der Frau eine große Rolle gespielt und bei der Vertretung dieser Forderung der Hinweis auf die kommunistische Urzeit, in der es weder eine Klassengesellschaft noch eine Unterdrückung der Frau gab. Bei diesen Erörterungen sprach man vom Mutterrecht, über das zuerst der Baseler Philosoph Bachofen 1861 ein epochemachendes Werk ver- öffentlichte. Seine Forschungen übernahm der Amerikaner Morgan in seinem bekannten Werk über die Urgesellschaft und Friedrich Engels in seiner oielverbreiteten Schrift über den Ursprung der Familie. Nach Bachofen, Engels und Morgan bestand ursprünglich in der menschlichen Gesellschaft eine regellose geschlechtliche Vermischung sPromuskuität). Ihr folgte in der Urgesellschaft, da zuerst die Mutterschaft erkannt wurde, dagegen der Zusammenhang von Zeu- gung und Vaterschaft zunächst dunkel war, die Muttergesellschaft, in welcher das Kind den Namen von der Mutter erhielt. Der Mutter- gesellschaft folgte dann später die Vatergesellschaft. Diese Bachofensche Theorie wurde allgemein von der Völkerkunde und der Naturwissen- schaft im vorigen Jahrhundert angenommen. Eine Kritik und Aende- rung brachten zuerst die Soziologen Mllller-Lyer und Heinrich Eunow, welche mit der Forschungsmethode des historischen Materia- lismus nachwiesen, daß das Mutterrecht nicht auf biologische, sondern auf soziologische Ursachen zurückzuführen ist, daß nämlich der Beginn der Seßhaftigkeit einherging mit der Leistung der maßgebenden Produktion von Ackerbau, Töpferei und Weberei durch die Frau, die dadurch au« ihrer untergeordneten Stellung sich erhob und tettmetfli maßgeoenden gesellschaftlichen Einfluß hatte. Neuerdings haben sich auch Frobenius in seiner Kulturtreislehr« und Dr. M. Vaerting in einer Schrift über Frauen- und Männer- staat mit dem Mutterrecht besaht. Während Frobenius gleichfalls das Mutterrecht in eine spätere Entwicklungszeit versetzt, vertritt Dr. Vaerting ein ständiges Pendeln des Vorherrschens des einen oder anderen Geschlechts in der Entwicklung der menschlichen Gesellschast mit der zwischenliegenden Episode der Gleichberechtigung der Ge- schlechter. Auf Grund einer ersten Sammlung und kritischen Bearbeitung der gesamten über das Mutterrechtsproblem gemachten Forschung seit Bachofen(Dr. P. Krische, Das Rätsel der Mutterrechtsgesellschaft, Verlag G. Mllller-München, Preis 7 M.) komme ich wie Heinrich Cunow und Müller-Lyer zu dem Ergebnis, daß es sich bei dem Mutterrecht um eine einmalige Erscheinung nicht der ursprünglichen Urgesellschaft, sondern einer späteren Entwicklung, nämlich der des beginnenden Ackerbaues, handelt, die tatsächlich eine Frühepoche der Leistung und Geltung der Frau bildet. Es gelingt allerdings nicht, nachzuweisen, daß jemals Frauenstaaten bestanden haben und daß wiederholt einer Männerherrschaft die Frauenherrschaft gefolgt ist. Es gibt aber eine Reihe tatsächlich beobachteter Zustände einer wesentlich gehobenen Stellung der Frau bei vielen Stämmen, ja auf bestimmten Gebieten ein Ueberwiegen des Fraueneinflusses. Für die Kulturgeschichte sind die Mutterrechtsreste besonders wichtig, die fast sämtliche Kulturvölker aufzuweisen haben. Besonderen Wert lege ich auf die Hervorhebung des Nachweises der psychologischen Schöpfung der Mutterrechtsgesellschaft, der bewußten Mutterschaft (Jdentitätsbewuhtsein von Mutter und Kind, Vorbild und Vorstufe des Jdenkitätsbewußtseins von Vater und Kind itz der späteren vatcrrechtlichen Gesellschaft). So gibt eine solche kritische Untersuchung des Mutterrechts- Problems wichtige Unterlagen für die Erörterung der Frauenfrage, in der heute ja noch die beiden Momente: Leistung der Frau und spezielle Ausgabe der Mutterschast im Vordergrund der Erörterung stehen._ Wie man in Dahome fischt. Die Eingeborenen von Dahome an der Westküste Afrikas leben hauptsächlich von Fischen, und sie haben zur Erlangung ihrer Beute eigenartige und merkwürdige Methoden ausgebildet. Ein Forschungsreisender, Sir Curtis Lamp- son, schildert in einer englischen Zeitschrist, wie man in Dahome fischt. „Vor dem Tage des großen Fischzuges rust das Tamtam die Männer zusammen, damit sie den Ahnengöttern opfern. Dabei wird viel getanzt und Bier getrunken, und erst am frühen Morgen des neuen Tages ruft die Fischer ein Signal auf den Marktplag, wo sie die Ankunft des Oberfischers, eines vornehmen Mannes, abw-arten. Jeder trägt einen kleinen Korb, einen dünnen Speer, eine Fackel und eine Holzkiste, die mit„Zaubersamen" gesüllt ist. Nach Sonnen. aufgang treten dann die Fächer, geführt von ihrem Häuptling, den Weg zum Fluß an. Dort wurden zwei weiße Hähne enthauptet, und die Samenkästen werden mit ihrem Blut besprengt. Dann wird der Samen in die Körbe getan. Auf ein Signal, das der Leiter gibt, entzünden die Fischer ihre Fackeln und stürzen sich mit durch- dringenden Schreien bis zur Taille in den Fluß: dort peitschen sie das Wasser mit ihren Körben und lassen aus diese Weise den Samen heraussallen, der auf den Boden des Flusses sinkt und dort von den Fischen gierig verzehrt wird. Ich war auf das Ergebnis gespannt. Nach etwa zehn Minuten erschienen die kleinen Fische, die etwa IS bis 20 Pfund wiegen, an der Oberfläche, taumelnd, wie wenn sie betäubt wären. Sie wurden sofort mit den Speeren erlegt: viele waren aber so matt, daß sie mit den Händen gefangen werden konnten. Dann kamen auch die großen Fische zum Vorschein, eben- falls betäubt, und wurden eingesammelt. Ein Viertel der Beute erhält der leitende Häuptling, das zweite Viertel wird unter die anderen Häuptlinge des Dorfes geteilt, das dritte Viertel erhalten die Fischer selbst und das legte Viertel wird oerkauft. Zweisellos hat der verwendete Samen eine betäubende Wirkung auf die Fische: ich glaube, daß Strophanthussamen benutzt wird." 140 cm breit, Iflr Röcke ww. Meter Strichloden i«o cm........... StOffS 140 cm breit IQr Anlöge... Meter Q*nHa Mr Winter-D jmeomintel. 140 cm breit, OlOliC gute Quilitit, moderne Ferben, Meter StOffe 140 cm breit, gute Qulitlt.... Ifotmire«ir Demen-Mlntel, 140 en breit. VBiOUlS vorrügl. Quelitlt.....Meter MtnHa NU Kostüme und Kleider. OIOIlc moderne Ferben. 140 cm breit.«•• Manches er gute onaiittt»»»-»-. Damen- Strickwesten-b« Aermd Damen-Slrickwesten Damen-Strickjacken Damen-Strickjacken t'Ä'Ä Strickwesten. 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