�benöausgabe Nr. 479 ♦ 43. Jahrgang Ausgabe B Nr. 237 S»,ug,btdiusiins«l imd Anz«iz«u>reil« kno iu d«r Morginiusgabe angeaebe» «edaNion: Sw. SS. Lindeaftrohe 3 Zernsprecher: VSnhoff 202— 201 ZcU-Vteeff e SojUxlöetnoftot Berlin Verlinev Volkrsblstt (10 Pfennla) Montag 11. Oktober 1�26 Verla« nitb«nzeisenabteilun«: Geschästszcit SM: bis S Uhr Verleger: Vorn»ark»-Verlag GmbH. Berlin SW. 68, cwdenslrahe 3 Zernsprecher: VSnhoft 202— 202 Zcntralorgan der Sozialdemokrat! fd�en parte! Deutfcblanda General Epp bekennt fich zum MorüWem Die Feme ausdrücklich zugestanden.— Offiziersfrechheiten vor dem Ausschuß. Mänchea. 11. Oktober.(Eigener Drohtbericht.) Die Montags- sitzung des Femeausschusses begann mit der Feststellung des Ein- laufen? eines Brieses des im Zuchthaus zu Straubing sitzenden P o p p, der am 17. September an den Eingabenausschutz des Reichs- tags das Ersuchen stellte, vor dem Femeausschuh in Sachen S ch w e n- g a u e r gehört zu werden. Der Brief ist bis zum 6. Oktober vom Borstand der Strafanstalt Straubing zurückbehalten worden und ist erst heute beim Femeausschutz eingelaufen. Der Vorstand der Straf- anstalt bemerkt dazu in einem beiliegenden Schreiben, datz der Ge- fnngene Popp nur Aussagen machen könne, die er von dritter Seite erfahren haben kann. Der Ausschuß beschließt, den Popp zu- nächst vor dem Amtsgericht Straubing vernehmen zu lassen, behält sich aber weitere Entscheidungen in dieser Richtung vor. Der Vorführungsbefehl Stempfle konnte nicht aus- geführt werden, weil die Kriminalpolizei den Stempfle nicht in seiner Wohnung antraf und er auch sonst nicht aus- findig gemacht werden konnte. Er ist nach Aussage seiner Schwester in den letzten Nächten nicht nach Hause gekommen. Hierauf wird der General Epp als Zeuge vernommen. Er tritt, mit beiden Händen in den Hosentaschen, vor den Ausschuß. Vors.: Nehmen Sie die Hände aus den Taschen. Epp: Ich bin nicht gewöhnt, über Umgangsformen mich be- lehren zu lassen. Ich weiß selbst, wie man sich benimmt. Vors.: Ich bitte nochmals, die Hände aus den Taschen zu nehmen. Sie stehen hier vor einer staatlichen Behörde. Epp: Das weiß ich. Vors.: Es ist nicht üblich, daß ein Zeuge, der hier unter Eid auszusagen hat, die Hände in der Tasche behält. Epp: Das hat mit meinem Eid nichts zu tun, das ist eine Kleiderfrage. Vors.: Ich brauche mich von Ihnen darüber nicht belehren zu lassen. Epp: Es scheint aber wirklich notwendig zu sein. Sprechen wir picht länger über dies« nebensächlichen Fragen. Vors.: Ich setz« die Dernetpnung aus. Der Ausschuß wird In geheimer Sitzung beraten.(Epp verläßt hierauf den Saal.) Nach einer halbstündiger Beratung verkündet der Vorsitzend« folgenden Beschluß des Ausschusses: Der Ausschutz mißbilligt einstimmig bei Stimmenthaltung der Abgg. Grotzmann(Bayr. vp.) und Schefser(Dnat.)— die übrigen deutschnatioualen und völkischen Abgeordneten erNärlen sich an der geheimen Beratung desinteressiert— mit aller Schärfe das ungebührliche Verhalten des Zeugen Epp. Hierauf sollte der Zeug« Epp zunächst vereidigt werden: er weigert sich aber und muß belehrt werden, kraft welcher gesetzlichen Grundlage die Vereidigung erfolgen muß. Hieraus leistet der Zeug« Epp dann den Eid. Er soll vernommen werden über die Einstellung der vaterländischen kreise zu den Mordtaten an Wassenverrätern. Bei dieser Fragestellung beträgt sich der Zeug« weiterhin sehr provozierend, während der Vorsitzende ihm außerordenllich loyal entgegentritt. Abg. Mittelmann(D. Vp.) serregts: In welcher Schule haben Sie, Herr Zeuge, gelernt, sich so flegelhaft zu benehmen? Hier steht ein Vertreter der Deutschen Volts- parte!. Es ist geradezu unverschämt, sich so zu benehmen. Abg. Gras: Ich möchte auf diese Entgleisung des Abg. Mittel- mann hinweifen. Abg. kempke: Wenn eine Kritik eines Mitgliedes des Aus- schusses zu erfolgen hat, das in begreiflicher Erregung nach Ansicht einiger Mitglieder vielleicht zu weit gegangen ist, so kann das selbst- verständlich nur in nichtöffentlicher Sitzung geschehen. Es wird dann auf diese Angelegenheit nicht weiter ein- gegangen und zur Vernehmung des Zeugen geschritten. Nunmehr erklärt Epp: Ich bin persönlich beleidigt. Ich frage den Abg. Mittelmann, ob er mir außerhalb des Saales Genugtuung geben und die Sache so bereinigen will, wie es unter gebildeten Männern üblich ist. Auf Zureden des Vorsitzenden wird endlich zur Vernehmung des Zeugen geschritten. Er erklärt, er könne hier nur Eindrücke und Meinungen bekunden, die er gewonnen hat. Aus diesem Grunde habe er Bedenken wegen des Eides vorgebracht. Es werden ihm dann seine protokollierten Aussagen im Prozeß Neunzert in derselben Angelegenheit vorgehalten, in der Epp erklärt hatte, nach seiner Meinung seien die wasfcnverräter geschützt worden. Er halle es aber für ein sittliches Recht, gegenüber den Ver- rätern vorzugehen. Von ihm und von den vaterländischen Kreisen wurde gebilligt, daß Selbsthilfe am Platze sei. Es fei hierbei kein Unterschied zu machen, wenn Waffen an die Entente oder linksradikale Kreise oder an die staatlichen Entwasfnungs- kommissare verraten wären, weil im letzten Fall die Verröter doch nicht wützlen, ob die Waffen dem Vaterlande erhallen blieben. Epp: Das ist auch heutemeineMeinung. Ich kann sie nur wiederholen. Er verbreitete sich dann auf die Frage des Vor- sitzenden über den Begriff der Feme und erklärt es dabei für richtig, wenn sie in jener Zeit, wie im Mittelalter, ordnungsgemäß anerkannt gewesen war. vors.:. War nach jener Auffassung der M o r d an dem Dienst» mädchen Sandmeier erlaubt? Epp besinnt sich einige Zeit und erklärt dann, daß das a u ß e r- halb des Themas stände. Die Frage des Vorsitzenden, ob er den S ch w e i g h a r t kenne, bejaht« der Zeuge und erklärte, daß dieser ihm von Hauptmann R ö h m als ein unterstützungsbedürftiger nationaler Mann empfohlen worden sei, der wegen einer nationalen Angelegenheit verfolgt werde. Wir veranstalteten, so erklärte der Zeuge weiter, eine Sammlung, um dem Schweighart das Fortkommen zu er- möglichen. Und ich Habs später dem Schweighart noch Hilfe geleistet mit Ausstafsicrung von Nahrungsmitteln. Durch meine Vermittlung bei der Gräfin T ö r r i n g kam er auf das Gut des Herzogs Ludwig. Hierauf beginnt der Abg. Levi mit seiner Fragestellung. Darauf erklärte der Zeuge unter anderem mit Hinweis auf die Tat Adlers gegen Stürgh: Mord i st nicht gleichMord. In allen natio- nalen Kreisen setzt man das nicht gleich einem gewöhnlichen Mord zur Beraubung oder eine solche Mystifizierung aus patriotischen Be- strcbungen. Rationale Rläuner habe« deswegen auch die Pflicht, sich solcher Leute, die Mörder aus patriotischen Gründen sind, anzunehmen. Das ist auch meine heutige Meinung. Bei der weiteren Fragestellung erfaßte der Zeuge, wer sein Frager ist, und erklärte dann, daß er als besonderer politischer Gegner des Herrn Levi diesem keine Antwort mehr geben werde. Abg. Londsberg zur Geschäftsordnung: Zch lasse es mir nicht mehr gefallen, datz ein Zeuge im Einverständnis mit einem Teil des Ausschusses und einem Teil des Auditoriums einen Teil der Mitglieder dieses Ausschusses lächerlich macht. Zch würde zu meinem Bedauern erklären müssen, datz ich an den Beratungen dieses Ausschusses unter diesen Umständen teilzunehmen, nicht weiter in der Lage wäre. Vors.: Ich habe nicht den Eindruck, daß ein Teil des Ausschusses lächerlich gemacht worden ist.. Abg. Levi: Daraus muß ich den Schluß ziehen, daß es fich bei dieser Weigerung des Zeugen um einen vorbedachten Plan handelt, und wenn der Vorsitzende Worte durchgehen läßt, wie z. B.: „Mir eine Falle stellen", so bin ich der Meinung, daß ein solches Verhalten den Rechten der Abgeord- n e t e n, die sie in Anspruch zu nehmen haben, nicht gerecht wird. Es mag einer Reihe von Zeugen unangenehm sein, sich von mir Fragen stellen lassen zu müssen. Ich versichere aber, daß auch mir das gar kein Vergnügen macht. Auch hierauf sträubt sich der Zeuge immer noch. Antwort zu geben, mit dem Hinweis, daß er hier nicht vor einem ordentlichen Gericht, sondern vor politischen Parteien stehe. Schließ- lich aber bequemt er sich doch auf die Frage Levis, was ihn be- wogen habe, einen wegen Mordverdachtes Verfolgten zu unterstützen und ihm eine Stelle zu verschaffen, zu antworten: Ich weiß die Details nicht mehr, wie Schweighart mir empfohlen worden ist. Sodann folgte die Vernehmung des Hauptmanns Röhm, der als Teilnehmer des Hitler-Putsches bekannt ist. Auch Gemeinöewahlen in öelgien. Nur geringe Verschiebungen. Brüssel, 11. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Die am gestrigen Sonntag in ganz Belgien vorgenommenen Gemeindewahlen sind ohne Zwischenfall verlausen. Ueberall herrschte reges Leben, da Wahlzwang für Männer und Frauen besteht. In einem Wahl- lokal Brüssels sah man auch die Königin ihre Stimm« abgeben. Das Endresultat dürfte erst am Donnerstag feststehen, da Proporz und Listenverbindung die Zählung stark komplizieren. Die Wahlagitation der Sozialisten war ungemein lebhaft, in der Sozialistischen Partei herrscht Optimismus. Die Sozialisten kämpften in etwa 2000 Gemeinden, die Kommunisten dagegen nur in 60 Gemeinden. Die bis Mitternacht bekanntgewordenen Wahlergebnisse weisen wesentliche Verschiebungen der Kräfte nicht auf. Die S o z i a l i>'t e n behaupten im allgemeinen ihre Stellung. In einigen Städten haben sie, wie vorauszusehen war, unbedeutende Verluste an die Kvmmunisten, namentlich in einigen Groß-Brüsseler Gemein- den, Lüttich und Gent. Aber im ganzen genommen sind die k o m- munistischen Anstrengungen durchaus f e h l g e s ch l a. gen. In denz großen Kohlengebiet des Borinagc erhallen die Kommuni st en kein einziges Mandat, während die S o- zialisten Sll neue gewinnen. Das gleiche gilt für das große Industriegebiet La Louviäre. wo die Sozialisten in etwa IlZO Gemeinden die Mehrheit erhalten werden. Ein starker sozialistischer Erfolg ist im Gebiet von Beroiers zu ver- zeichnen. In Malmedy eroberten die Sozialisten die Mehrheit. Dagegen verlieren sie in Antwerpen zwei bis drei Sitze zugunsten der Liberalen. Im allgemeinen haben die Liberalen, die bei den Wahlen 1321 eine katastrophal«'Niederlage erlitten hatten, jetzt eine kleine Erholung zu verzeichnen, im rvescntlichen auf Kosten der Katholiken. Soweit bis jetzt zu übersehen ist, dürfte vom Ausfall der Gemeindewahlen eine starke Rückwirkung auf die Staatspolitik nicht zu erwarten sein. dieser Zeuge weigert sich zunächst, einen Eid zu leisten und benimmt sich überhaupt gegen den Ausschuß äußer st provozierend. Der Vorsitzende stellt das unter großer Erregung fest, klärt aber schließlich den Zeugen auf, daß aus Grund des Artikels 38 der Reichsverfassung und demzufolge aus Grund der Strasprozeßord- nung der Eid zu leisten ist. Dem kommt dann der Zeuge nach. Er soll darüber aussagen, welche Umstände ihn veranlaht haben. den Schweighard an den General Epp zu empfehlen. Er erklärt: Der Schwcighart sei ihm als Flüchtling, der lange Zeit im Gefäng- nis gesessen habe und dem es schlecht gehe, empfohlen worden. Es sei ihm bekannt gewesen, daß sich Schwcighart bei vaterländischen Be- tätigungen hervorgetan habe. Er meinte damit Wafsenschiebungcn. Er habe den Schweighart vorher nicht gekannt, habe sich aber später mit ihm freundschaftlich gestellt. Da der Zeuge sich wiederholt u n- gebührlich über den gegenwärtigen Staqt ausspricht, unterbricht ihn der Vorsitzende mehrmals und erteilt ihm schließlich einen Ordnungsruf. Abg. Landsberg: Hat der Schweighart Ihnen jemals erzählt, daß er an der Ermordung der Sandmeier oder anderer Mordtaten beteiligt war?— Röhm: Nein. Bei der Fragestellung durch den Abg. Levi weigert sich der Zeuge, Antwort zu geben. Er sei nicht bereit, sich mit diesem Herrn zu unterhalten. Dabei verlangte er einen Aue- schußbeschluß darüber, ob er antworten müsse. Der V0rsitzendc ver- sucht, ihm hierbei Vernunft beizubringen. Er erklärt, daß die Frage- stellung jedes Mitgliedes des Ausschusses ein gesetzliches Recht sei und daß darüber, im ganzen Ausschuß keine Meinungsoerschiedcn- heit herrsche. Der Zeuge hält aber seine Meinung aufrecht, so daß der Ausschuß sich zur Beratung zurückzieht. Nach cinhalb- stündiger Beratung verkündet der Vorsitzende folgenden Beschluß: Nachdem der Zeug« Röhm aus die Frage des Abg. Levi er- klärte, datz er auf Fragen dieses Ausschuhmilgliedes grundsätzlich nicht antworte, wird er in eine Ordnungsstrafe von 300 Mark, im Richleinbringungssalle für je 30 Mark 1 Tag Haft genommen. Damit war die Vernehmung dieses Zeugen am heutigen Tage abgeschlossen. Es folgte sodann noch die Vernehmung einiger Reich swehroffizicrc. tzinöenburg hat nichts gewußt. Nochmals der Kronprinzensoh» und die Reichswehr. Amtlich wird mitgeteilt: �u der Meldung einer Berliner Korrespondenz, der Herr Reichspräsident habe um die Teil- nähme des Prinzen Wilhelm von Hohenzollern an Reichswehr- Übungen gewußt und habe sie vorher gebilligt, teilt das Bureau des Reichspräsidenten mit, daß diese Meldung falsch ist. Der Herr Reichspräsident hat erst durch die Presse von der Teilnahme des Prinzen an Reichswebrübungcn Kenntnis erhalten. Die Be- hauptung. daß derartige Gerüchte von„höchsten Stellen im Reich und in Preußen weitergegeben" worden seien, entbehrt ebenlalls jeder Grundlage. „Nein mnerüeutsche Angelegenheit". Amtlich wird mitgeteilt: Entgegen der insbesondere in Meldungen der Auslandspresse häufig vertretenen Auffassung, als ob das Ausscheiden des General- obersten v. Geeckt aus Forderungen ausländischer Regierungen aus dem Gebiet der Militärkontrolle zurückzuführen sei, wird a m t- l i ch e r s e i t s erneut festgestellt, daß diese Gerüchte jeglicher Grundlage entbehren. Die Verabschiedung des Generalobersten v. Seeckt ist eine rein Innerdeulsche Angelegenheit, die mit der Außenpolitik nichts zu tun hat. Die Behauptung, daß Sseckts Rücktritt auf das Drängen der Militärkontrollkommission zurückzuführen sei, ist z u e r st in der Hugenbergschen„Nachtausgabe" aufgestellt worden, und zwar zu einer Zeit, in der das Ausland von der ganzen Angelegenheit überhaupt noch nichts wußte. Ueber- Haupt ist es insbesondere die deutschnationale und nicht die Auslandspresse, die diese Behauptung tagelang wiederholt hat. Wie die„Montagspost" erfährt, ist diese amtliche Er- klärung auf die Forderung des„Vorwärts" zurück- zuführen, daß die amtlichen Stellen endlich und unzweideutig von der„Täglichen Rundschau" abrücken. Reichskanzlerreüe in Eßen. Für Gemeinschaft aller staatsbejahendcn Parteien. Essen. 11. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Im Rahmen einer staatspolitischen Vortragsreihe der Reichszentrale für Heimatsdienst ergriff am Sonntag abend auch Reichskanzler Dr. Marx das Wort zu längeren Ausführungen. Er bekannte sich zur Volks- gemeinschaft aller staatsbejahenden Parteien: „Wenn auch eine Regierung der Volksgemeinschaft, in der all« staatsbejahenden Parteien zu gemeinsamer vaterländischer Arbeit sich die Häiche reichen, vielleicht noch in weiter Ferne liegt— an der Arbeit im Sinn« dieser Volksgemeinschaft soll und wird es, so- lang« ich an der verantwortlichen Stell« stehe, nicht fehlen. Mit besonderer Freude habe Ich die von hohem Verantwortungsbewußi. sein zeugenden Worte vernommen, die Dr. S i l v e r b e r g auf der Dresdener Tagung des Reichsverbandes der Deutschen Industrie und später auch in Düsseldorf an die Arbeitgeber und Arbeitnehmer so- wie an die politischen Parteien richtete. Und wenn Dr. Siloerberg auch nicht jene allgemeine Zustimmung fand, wie ich sie im Interesse von Staat, Volk und Wirtschaft gewünscht hätte— es hat sich doch gezeigt, daß in immer weiteren Kreisen der Arbeitgeber Gedanken, wie Silverberg sie äußerte, Anklang, bisweilen sogar freudigen An- klang gefunden haben. Der Regierung— das möchte ich auch gerade in diesem Kreise hier betonen— ist die Mitarbeit jeder Partei willkommen, die die mühsam ausgebaute staat- liche Ordnung anerkennt und sich schützend vor sie st e l l t. Ich habe es tief bedauert, daß kürzlich wiederum das Wort gefallen ist, es könne in Deutschland nur ohne, nur gegen die Sozialdemokratie regiert werden. Das wäre eine Politik, zu der ich mich niemals bekannt habe und n i e m�i l s bekennen werde. Eine Politik, die unterscheidet zwischen Parteien, die regierungsfähig und solchen, die von vorn- herein als regierungsunfähig bezeichnet werden, obschon sie zur Mitarbeit bereit sind, halte ich für ein Unglück für unser deutsches Vaterland. Wir brauchen alle Kräfte, die gewillt find zur positiven Mitarbeit. Nur so werden wir die schwierigen Aufgaben lösen können, vor die wir im kommenden Winter gestellt sind. Wir können uns nicht den Luxus gestatten, große Parteien von vorn- herein mit dem Stigma der Regierungsunfähigkeit zu brandmarken." Auf wi r t s ch a f t l i ch e m G eb i e t e warnte der Neichskanz- ler vor allzu großem Optimismus. Abschlüsse, wie der des Stahl- Paktes, seien gewiß geeignet, auch auf politischem Gebiete eine weitere Verstärkung der in Gang befindlichen internationalen Ent- spannung eintreten zu lassen, selbst über die am Pakt beteiligten Länder hinaus. Die von Dr. Wirth im Jahre 1321 begonnene Er- füllungs- und Verständigungspolitik hätte Deutschland die Aera der Diktate und der Ultimate ein für allemal überwinden lassen. Die Be sprechungen von Thoiry bezeichnete Dr. Marx als eine Selbstverständlichkeit zwischen Angehörigen des Völkerbundes. Es seien noch große Schwierigkeiten zu überwinden, aber eine Lösung würde gefunden werden, weil hüben und drüben der ernste Wille dazu vorhanden sei. Oer tzohenzollernvergleich. Ter Eventualfall einer Rückkehr Wilhelms II. Der Hohenzollern-Vergleich, der dem Landtag zur Be- schlußfassung vorgelegt ist, enthält die Bestimmung, daß Wil- Helm II. das Recht eingeräumt ist, für den Fall einer Rück- kehr nach Deutschland im Schlosse Homburg v. d. H., das dem Staate gehört, zu wohnen. Der preußische Finanzmini st er schreibt über diese Bestimmung in einem Artikel im„Berliner Tage- blatt": „In einigen Zeitungen nimmt man Anstoß daran, daß dem letzten Könige und seiner Gemahlin— übrigens schon durch den Vergleich vom 12. Oktober 192Z— das Recht eingeräumt ist, in dem dem Staate zufallenden Schlosse Homburg v. d. H. Woh- nung zu nehmen. Dieses Wohnungsrecht bedeutet für den Staat keine finanzielle Belastung, es ist auch ohne politische Bedeutung, da polittsche Gründe, deren Entscheidung bei dem Reiche liegt, eine Rückkehr des letzten Königs unmög- l i ch machen, das Wohnungsrecht also höchstens einmal seiner Gemahlin zugute kommen kann." Das„Berliner Tageblatt" stellt seine eigene a b- weichende Meinung in folgender Vorbemerkung fest: „Indem wir den nachstehenden Artikel des preußischen Finanzministers oerösfentlichen, müssen wir betonen, daß wir den mit dem früheren Königshause jetzt vereinbarten Vergleich anders als der von uns hochgeschätzte Minister beurteilen. Unseres Erachtens mußte vor Eintritt in die Verhandlungen festgestellt werden, daß die in dem letzten Entwürfe der Reichsregierung vor- gesehene Regelung das Mindestmaß der staatlichen Zugeständnisse bedeutete, natürlich aber der Verbesserung bedürftig sei. Ausdrück- „Die Liebe zu öen örei Orangen" (Erstaufführung in der Staats-Oper.) Serge Prokofieff, der Dichterkomponist dieser nach Gozzi gearbeiteten Oper, ist uns durch Klavierstücke, Virtuosenkonzerte und Kammermusik bekannt geworden. Russe von Geburt und Erziehung, nahm er in seine musikalische Begabung Keime aus Deutschland und Frankreich auf. Kein Ur-Russ«, kein nationales Talent, dennoch im Kosmopolitischen leine bunte oder gar durch Einflüsse blaß ge- wordene Figur. Formal ein Meister der kleinen Form, der er nun auch im leidenschaftlichsten Ausdruck des Theaters huldigt. Ohne Pathos, ohne die große Gebärde des Opern-Mannes, mit einem ge- sunden Haß gegen Liebliches, Inniges, Romantisches schreibt er den Text und die Musik zugleich als ein« bedenkenlos« Unterhaltung, der weder groß« Tiefe noch strahlender Geist ooranleuchtet. Ein Märchen, zauberisch, gespenstisch, unwirklich, mit Handlung als Notbclielf, ja, geradezu logische Handlung ironisierend. Di« aktuellen Späß« Gozzi's werden in groteske Bewegung unidekliniert. Das Lachen wird wich- tiger als die Schwere des Einfalls, das Tempo entscheidender als die Wahl des Ausdrucks, die Stimmung des lustigen Augenblicks dehnt sich zu einer Generalstimmung des künstlerisch nivellierten Ulks. Es wird Menschen geben, die solche Oper ob ihrer Leichtheit schelten, oder weil ihr des» Gedankens Blässe nicht angekränkelt ist. Andere vermissen vielleicht ein« Steigerung innerhalb der Szenen oder finden die burleske Manier, mir Liebe und Königsallüren, Heldenmut und Weibestragik, Tod cmd Teufel umzuspringen, nicht ausreichend für Sein, Gestalt und Gehalt einer Oper. Diese Menschen von Bildung kommen nicht mehr von, Ideal deutscher Heldenopser fort, sie sind lahmgelegt durch das Bleigewicht dessen, was man Leitmotiv, endlos« Melodie, dramatischen Bau, Idee, Ethos aus der Bühne nennt. Gegen all das rennt Prokofieff ibie ein unwissender oder schon wissend gewordener Parsifal an. Es ist ein einziges Kichern in feiner Musik, und die tonmalerisch« Freude spricht aus jedem Schrei der Trompeten, jedem Brummer der Baßposaun«. Es trippelt und tanzt und marschiert eine Musik, die nie langweilt und die selbst dann, wenn ihr« Thematik dürftig wird, durch ihr Brio und die Keckheit ihrer Bewegung interessiert, fesselt. Welch«in Staub wirbelt da aus! Das Publikum, in die Parteien der Kmnischen, Tragischen, der Sonderlinge, den Lyrischen geteilt, spielt mit, greift in die Handlung ein: Schicksalhaftes wird aufgelöst in Geisterei aus Kinderstuben: ein« in Liebe girrende Köchin öffnet ihren Mund zu Basses Grundgewalt: ein König schlottert bei der Drohung seines eisernen Willens: ein Prinz, der zu viel sentimentale Vers« gelesen hat, kriegt ewiges Bauchgrimmen: Prinzessinnen verwandeln sich in Ratten, in Mohren- gesichler, bös« und gute Geister sind versinnbildlicht in Märchen- figuren, in Menschen aus dem Reich der Spielkart«. Nehmt alles nicht zu ernst! Ein heiteres Spiel will nicht durch Inhalt beschwert sein: es hätte wohl auch«in Ballett werden können, und ein Stück Revue ist sicher drin enthalten. Der Erfolg solcher opernparodistischer Laune eines gesunden, frischfröhlichen Draufgängers ist das, was NiC.'che in hem Wort zusammenfaßte: Lernt lachen! Wen die Hypochondrie der heutigen Oper anwidert, wird diesem Lachen e> liegen. Wer beim Heute steht, wie ein Fels, wich durch Prokofieff lich war damals im Reichstagsausschuß hervorgehoben worden, daß auf Grund des Entwurfes beispielsweise das Palais Wil- Helms I. selbstverständlich an den Staat zu fallen habe. Der Auffassung, daß die Ueberlassung dieses im Mittelpunkt der Reichs- Hauptstadt gelegenen Palais und des Schlosses in Homburg „ohne politische Bedeutung" sei, vermögen wir uns nicht anzuschließen, und nicht ganz verständlich ist uns, wie die Rückkehr Wilhelm II. für um.röglich erklärt werden kann, wenn man ihm im gleichen Augenblick durch eine besonder« Ver- tragsbestimmung ein Schloß in Deutschland„als Wohnsitz für ihn und seine Gemahlin auf Lebenszeit weiter zur Verfügung" stellt." Die Rechtslage für eine Rückkehr Wilhelms II. nach Deutschland ergibt sich aus dem Republikschutzgesetz. Paragraph 23 besagt: „Mitgliedern solcher Familien, von denen ein Angehöriger bis November 1918 in einem ehemaligen deutschen Bundesstaate regiert hat, kann, wenn sie ihren Wohnsitz oder dauernden Aufenthalt im Auslande haben, von der Reichsregie. r u n g 1>as Betreten des Reichsgebietes untersagt oder derAusent- halt auf bestimmte Teile oder Orte des Reichs be- schränkt werden, falls die Besorgnis gerechtfertigt ist, daß andernfalls das Wohl der Republik gefährdet wird. Im Falle der Zuwiderhandlung können sie durch Beschluß der Rcichsregicrung aus dem Reichsgebiet ausgewiesen werden. Jede der vorbezeichncten Anordnungen ist mit schriftlichen Gründen zu versehen und den Betroffenen zuzustellen. Binnen zwei Wochen nach Zustellung kann der Betroffene die Entscheidung des Staatsgerichtshoses zum Schutze der Republik anrufen. Das Verfahren regelt der R e i ch s m i n i st e r des Innern mit Zu- ftimmung des R e i ch s r a t e s." Nach Lage der Gesetzgebung hat die Entscheidung über die Zulassung einer Rückkehr Wilhelms II. die Reichs- regierung. Die Rückkehr Wilhelms in die Republik ist selbst- verständlich eine politische Unmöglichkeit. Kommunistische Jälschungen. Ter Brief eines„Ausgetretenen". Die Kommunistische Partei hat die größte Mühe, ihre Mit- gliedsverzeichnisse in Ordnung zu halten. Die dutzendweise er- folgenden Ausschlüsse und die fluchtartigen Austritte bringen auch die sauberste Bureauarbeit durcheinander. In solcher Stimmung ist es begreiflich, wenn diese innerlich zerrüttete Organisation nach Schicksalsgefährten sucht. Deshalb ver- öffentlichen die beiden kommunistischen Blätter den angeblichen Brief eines angeblichen Sozialdemokraten, der sich Konrad Kratz nennt und in der Anklamer Str. 35 wohnt. Der Brief soll an den'„Vorwärts" gerichtet fein— ist an uns aber gar nicht abgeschickt worden, infolgedessen auch nicht eingetroffen. In ihm teilt Herr Kratz mit, daß er und„seine ganzen Verwandten und Bekannten" ihren Austritt aus der Sozialdemokratie anzeigen wegen der Haltung der Partei zum neuesten Hohenzollern- Kompromiß. Die„Rote Fahne" versieht die Geschichte gleich mit der doppelspaltigen Ueberschrift:„Die Antwort der sozialdemokratischen Arbeiter. Bruch mit den Fürstenlakaicn!" Man merkt, woher des Wegs und wohin! Aber die beiden moskaubegnadeten Blätter sind hereingefallen: besagter Kratz ist 1. nicht„Arbeiter" im kommunistischen Sinne, sondern Inhaber eines Vervielfältigungsbureaus: 2. ist er überhaupt nicht Mitglied der Sozialdemokratischen Partei, kann also seinen„Austritt" nicht erklären! Die Kommunisten müssen sich danach schon mit ihren eigenen Austrittsschmerzen befassen. Wir wollen ihnen gern dabei behilf- lich sein, wenn sie es wünschen. Spihelpolizei. Der Warschauer Polizelaspirant(Offizier) P a w l o w s k i soll die wirklichen Namen und Adressen der Spitzel gegen Bezahlung den Kommunisten übergeben haben. Er wurde zu einem Jahre Gefängnis verurteilt: diese Mild« ver- dankt er wahrscheinlich seiner sonstigen Tätigkeit, die den Kommu- nisten schon viel Ungemach eingebracht hat. zum Hypochonder oder zum Heuchler. Auch er wird allerdings fühlen, daß hier ein Meister der kleinen Form mosaikartig einen Teppich schöner Bilder wirkte, daß er einfach wurde, wo seil« Meister noch konipliziert sind, daß er den letzten Rest von Sentimentalität in dem köstlichen Marsch der falschen Töne fortjagte. Ein Neues im Stil, vielleicht in einer farbfrohen Mischung von Stilen, und ein Stoß gegen den Stillstand. Ein Anfang in der Entwicklung eines kullivierten Musikers, der uns noch viel wird zu sagen haben, und der dann erst sein Letztes geben wird, wenn er wieder ganz russisch geworden, die Fesseln seiner persönlichen Sprache gelockert hat. Diesem heiteren Spiel der Ungezogenheiten gab A r a v a n- t i n o s einen ungewöhnlichen, unwirklichen Nahmen, K o l z eine Beschwingtheit aus der Bühne, die er bisher selten so sicher be- herrschte. Blech deutete eine nur scheinbar bequeme Partitur mit vollendeter Spiellaune aus. Das Orchester freute sich seiner Arbeit. und klang blühend. Auch die auf und seitlich der Szene spielten lachend. Ich nenn« Helgers, Hütt(besser als in den letzten drei Jahren, doch noch nicht mühelos genug). Henke, Schützen- darf, als die lustigen Braun. List, die K o e t t r i ck, Binder- nagel, K n e p e l, Afra als die ernsten Gestalten. Und andere mehr, denen Terpis, Kreutzberg, Grub« Wesen und Sinn, Glätte und Gespreizheit des ganzen Stückes in genialer Tanzkunst vor dem magischen Vorhang demonstrierten. _ Dr. Kurt Singer. Sternheimfthe Spießertomöüie. Die Theaterkult Urgemeinschaft hatte gestern zu einer Matinee im Neuen Theater am Zoo eingeladen. Ernst K a m n i tz e r s schon 1914 erschienenes Spiel„Die Nadel" er- lebte jetzt seine Uraufführung. Zunächst besprach Arnold Zweig „Die dramatische Situation der Stunde", nicht sehr originell, aber klug und fesselnd. Er bekennt sich zum Theater, das ewig leben wird, weil es die Lebensprobleme greifbar anschaulich anpackt, und bricht eine Lanze für das wesentliche Drama. Im Programmheft las man aus der Feder Karl Sternheims die flammende Anklage:„14 Jahre lang hörte ich nicht auf,„Die Nadel" als ein seltenes, rundes, zeitgenössisches Lustspiel aller Welt zu emp- fehlen. Aber besonders die Direktoren der Theater unserer famosen Reichshauptstadt sind mit der Aufführung englischer und französischer Bcttschwänke geistig so überanstrengt, daß für wesentliche, besonders deutsche Kunst kein Geld und Platz da ist." Da steht wieder das verheißende Wort„wesentlich". Wir waren also sehr gespannt und spitzten uns auf eine dramatische Offenbarung. Zu unserem Er- staunen entwickelte sich auf der Bühne eine quicklebendige, lustige Satire gegen bürgerliche Spießerei, die Handlung Thomas, der Stil Sternheim. Die Nadel in Kamnitzers Komödie ist eine Haarnadel, die der Zimmerwirt Höllriegel im Bett des möblierten Herrn und zukünftigen Schwiegersohnes, des Postassistenten Schatte, entdeckt. Welche moderne Dame trägt heute noch eine Haarnadel?) Den dis- treten Fund plustert Herr Höllrisgel zu einer Haupt- und Staats- akcion auf. Cr stempelt seine Tochter auf Grund der Haarnadel zur Dirne, jagt den armen lebensfremden Postassistenten von Gewissens- qual zu Gewissensqual und stiftet überhaupt xin« heillose Verwirrung Richtertag in Coffel. Der Vorstand desavouiert— Erfolg republikanischerNritik Cassel, 19. Oktober.(Eigener Drahtbericht. Am Sonntag- morgen trat in Cassel die Hauptversammlung des 5. Preußischen Richtertages zusammen. Ueber die Verhandlungen am Sonnabend erfahren wir, daß mit einer großen Mehrheit eine Entschließung an- genommen wurde, in der der Ausschluß des Senatspräsidenten Großmann aus dem Preußischen Richteroerein als eine vor- eilige Maßnahme des Vorstandes bezeichnet und verlangt wurde, eine Basis zu schaffen, auf der mit dem Ausgeschlosse- ncn verhandelt werden sollte. Die Versammlung faßte folgende Entschließung: „Die im Preußischen Richterverein vereinigten Richter und Staatsanwälte erblicken in der Weimarer Verfassung die Grundlage des Rechtes und die Gewähr für den Bestand des Vaterlandes und bekunden ihre unerschütterliche Ver- sassungstreue. Die Richter sind Diener des im Gesetz nieder- gelegten Willens des deutschen Volkes, nicht Diener Irgend einer Partei. Sie erblicken es daher als ihre Pflicht, die Verfassung der Republik als das oberste Gesetz des deutschen Volksstaates zu stärken." In einer anderen Entschließung wurde dringend der Ausbau der Fortbildungsmöglichkeiten der Richter gefordert. Eine dritte Resolution befaßt sich mit den Steuerhinterziehungen hoher richter- sicher Beamter. Die Londoner Konferenz der industriellen. Gründung eines ständigen Ausschusses. London, 11. Oktober.(WTB.) Die Blätter veröffentlichen eine „offizielle D a r st e l l u n g" über die gestern abend abae- schlossene Konferenz der Vertreter der deutschen und englischen Finanz- und Wirtschaftswelt. In dieser Darstellung heißt es: Die Teilnehmer an den Erörterungen waren lediglich in privater Eigenschaft erschienen: sie hatten keine Vollmacht, Verhand- lungen anzuknüpfen oder Beschlüsse zu fassen. Die Erörterungen über die gegenwärsigcn wirtschaftlichen Zustände in beiden Ländern haben einen beträchc ichcn Teil der Zeit der Konferenz in Anspruch genommen. Die p r a c t« s ch e n Schwierigkeiten, mit denen d'e produzierenden Unternehmungen zu kämpfen haben, wurden von den Vcrtreicrn der einzelnen Industrien vollständig und freimütiz dargelegt. Die bisher bestehenden Vereinbarungen über eine internationale Zusammenarbeit in den verschiedenen Industrien wurden systematisch durchberaten. Da es das Hauptziel der Konferenz war, die Aussicht auf eine gegenseitige Unterstützung bei der H-rstellun� gedeihlicher industrieller Zustände in Europa und bei der Vcrn.>.br.irg gewinnbringender Beschäftigungsmöglich- keucn z- prüfen, nahm dieser Teil der Erörterungen die Aufme'ck- iumkeii der Berfn>««ung besonders in Anspruch. Nachdruck wurde auk des Mißverhältnis zi i'schen der produktiven Fähigkeit mdustrielicr Slatirnrn im Anschluß an den Krieg und die ver- minderte Kaufkraft fast in der ganzen Welt gelegt. Die aesamicn BefprcchungtN>rurde» in einer Atmosphäre gegenseitigen Vertrauen? und ginen W'llens geführt und alle, die daran teil- nahmen, haben einhellig den Eindruck gewonnen, daß tatsächlich ein Schritt in der Richtung auf eine bessere und gesundere Ver- ständigung in Handel und Industrie zwischen den europäischen Nationen getan worden ist. Die Konferenz beschloß, einen ständigen, gemeinsamen, von Vertretern der beiden Länder paritätisch gebildeten Ausschuß ins Leben zu rufen, der die Untersuchung der verschiedensten zur Erörterung gelangten Fragen fortsetzen soll. Weitere Zusammen-: künfte der Konferenz sind in Aussicht genommen. Zum Vorsitzenden des britischen Komitees wurde Sir Robert Hörne, zum Vorsitzen- den des deutschen Komitees Herr D u i s b e r g bestimmt. Als Generalsekretäre werden Kastl, Mr. Nugent und Mr. Hannon fungieren. Dumini verurleill. Der aus dem Matteotti-Prozcß bekannt« D u m i n i, der angeklagt war, Mussolini beleidigt und widerrechtlich einen Revolver gehabt zu haben, wurde zu 1 4 M o- natenGesängnis verurteilt. Duinini bestritt jede Beleidigung. in seiner Umgebung. Dieser Höllriegel ist ein ständig auf den Fuß getretener Wichtigtuer, ein bramarbasierender Maulheld, ein körper- gewordener Schwulst, ein« köstliche Lichtspielfigur. Daß die Haar- nadel seine eigene Frau bei einem sonntäglich gewohnten Seiten- sprung verloren hat, erhöht den Spaß und gibt der Komödie«inen pikanten Reiz. Das belanglose Familienoorkommnis ist mit seltenem Schwung zu einem grandiosen Ulk aufgebauscht. Wenn der Autor sein Stück auf zwei Drittel zusammenzestrichen hätte, und wenn wir Sternheims Spießerkomödien nicht längst kennten, hätten wir zwei Stunden herzlich gelacht und würden Kamnitzer als hoffnungsvolle Lustspielbegabung buchen. Seine amüsante Satire ist fünfzehn Jahre alt. Jetzt sucht der Dichter seine dramattschen Lorbeeren aus anderen Gebieten. Unter der Regie von Alfred Wolf wurde erstaunlich gut gespielt. Besonders FranzScharwenkaals Höllriegel war eine sprudelnde Quelle ungetrübten Genusses: man sollte ihm Gelegenheit zu dauernderen Aufgaben bieten. Dieser pathetische Wortemacher Höllriegel legte seine geschwollenen Tiraden mit einer posierenden Würde und einem grämlichen Ernst hin. die an Komik ihresgleichen suchen. Die Zimmerwirtin. die ihre Borniertheit mit Grandezza zur Schau trögt und ihren Dummstolz schon durch die gurgelnde Stimme präsentiert, spielte Lotte Stein überaus lustig. __ CrnstDegner. Alfred Sukros Comedy„The laughing Lady", mit deren Neu- einstudierung das Englische Theater deutscher Schau- spieler im Schiller-Theater Charlottenburg diese Spielzeit begann, bietet dreierlei: einen wirklich netten, heiteren zweiten Akt, einen dritten, der es an Sentimentalität mit jedem modernen Kinoftuck aufnehmen kann, und die Möglichkeit, fast drei Stunden lang englische Konversation zu hören. Und dieser letzten Tatsache verdankt ja das Stück schließlich auch seine Ausführung— und seine geduldigen Zuschauer, die sogar den trostlos öden ersten Akt ohne merkbare Fluchtversuche über sich ergehen ließen. Man darf also nicht den kritische Maßstab an diese Ausführung legen, ob- gleich eine ganze Reihe der Darsteller ihn durchaus nicht zu scheuen brauchten. Festgestellt sei indessen nur, daß ein ausge- zeichnetes Englisch gesprochen wurde— und die Aufführung also damit ihren Zweck voll erfüllte. Immerhin wäre es trotzdem erfreu- lich. wenn dieses deutsch-englische Theater, dessen Lebensberechtigung schon der voll besetzte Zuschauerraum dokumentierte, nun das nächstemal durch ein gehaltvolleres Werk feine instruktive Aufgabe etwas weniger betonte. Tez. Vhilokophische vorleluupen. NZenosse Dr. A P e l beginnt Dienstag, L'i, Ulir abends, im Falk-Realgyinnaiium, üützowslr. Sick einen Kursus „Einfübnmg in die Philosodhie", und Donnerstag, abends S'/, Uhr, im Dorolbcensiadiischen R-alghmnailum, Dorotbeenslr.!2, eine Reihe„Die Weltanfchammgen aller großen Denker. Eine erste Einführung in die Grundfragen und Grundbegriffe der Philosophie." Plerre Vecovrcelle. der Dersaffer vielgelcsencr Romane und viel gespieller Theaterstücke, ist, 70 Jahre alt, in Paris gestorben. wieder eröffaung de» Slratzburzer ZNllvstrr». Am Sonnabend tomde baS«tratzburger Münster in Anwesenheit des sranzösischen Ministers der Künste. Leon, nach Wiederherstellung des TurmsundamentS feierlich ivieder. erögnet. Der Kongreß für Sexualforschung. Eröffnungssitzung im Reichstag. Im Plenarsitzunqssaal des Reichstages fand gestern die Eröffnungsfeier des Internationalen Kongresses für Cexualforschung statt. Nach einer kurzen musikalischen Ein- fiihrung unter Leitung Kurt Singers richtete Geheimrat Dr. Moll Worte der Begrüßung an die Erschienenen. Er legte die Ent- Wicklung der Internationalen Gesellschaft für Sexualsorschung dar, schilderte die Vorarbeiten zum Internationalen Kongreß, der für das Jahr 19ii bestimmt war, jedoch wegen des Krieges nicht statt- finden konnte, und sprach den Behörden Dank dasür aus, daß sie das Zustandekommen dieses Kongresses ermöglicht haben. Cr unterstrich besonders, daß der Kongreß im Gegensaß zu anderen allein der sexuellen Forschung gewidmet sein soll. Allerdings würde es nicht zu vermeiden sein, daß bei Erörterung praktischer Probleme verschiedene Richtungen zu Worte kämen. Seiner Gedenkrede, die eine Reihe dahingegangener Mitglieder der Internationalen Gesellschaft für Sexualforschung gewidmet war, schloß sich ein musikalischer Äesangvortrag an. Im Namen der Reichsregierung ergriff darauf Reichsinnenminister Dr. Külz das Wort. Er betonte die Bedeutung der Sexualforschung für die ver- schiedenen Gebiete des Lebens und gab der chossnung Ausdruck, daß die Erörterung des Kongresses dazu beitragen würde, Licht hinein- zubringen in das Dunkel, das noch über so viele mit dem Sexual- leben in Zusammenhang stehenden Problemen liege und daß die Verhandlungen den Völkern den Weg weisen und Möglichkeiten in die chand geben möge, in Sitte, Gesetz und Verwaltung die Ein- fkellung zu finden, die notwendig ist, um die Grundlagen jeder Kultur, die seelische und körperliche Vollkraft unversehrt zu erhalten. Zum Schluß begrüßte er die erschienenen ausländischen Gelehrten und sprach die Ilebcrzeugung aus, daß sie während ihrer Anwesen-. heit in Berlin finden werden, daß Deutschland, das im starken nationalen Wollen zur Höhe strebt, sich der Notwendigkeit der internationalen Gemeinschaftsarbeit bewußt ist. Darauf begrüßten den Kongreß eine Reihe ausländischer Vertreter, dar- unter unter anderem ein Vertreter Oesterreichs, Englands, Frank- rcichs, der Vereinigten Staaten, Italiens, Hollands, Norwegens, der Tschechoslowakei, Polens, Finnlands, Lettlands usw. Hervor- zuHeben sind die wenigen Worte des Grazer Iohan Ilde, der den Kongreß im Namen der Grazer Universität begrüßte und sich für «in Referat über die Beziehungen der Christkatholischen zur sexu- «llen Frage vorgesehen ist. Er meinte, man müsse den, Kongreß zum Motto den Ausspruch„Wissen ist Wollen" vorangehen lassen. Es sei nicht richtig, daß der Kongreß allein der wissenschaftlichen Erkenntnis diene. Die Erkenntnis greift überall ins Leben hinein. Im Namen der Universität Berlin sprach damt der Rektor P o m p« c k t. In einem kurzen Gesangsoortrag fand die Eröffnungs- seier ihren Abschluß. Heute begannen die allgemeinen Sitzungen. Aufklärung ües Frieüenauer?uwelencaubes Im Weinrausch aus der Schule geplaudert. Der Einbruch in das Friedenauer Juweliergeschäft in der Rhein- straße, der am Sonntag nachmittag vor 8 Tagen verübt wurde, konnte von Kriminalkommissar Trettin und seinen Beamten gestern völlig aufgeklärt werden. In einem Lokal am Strausbergs r Platz hatte ein junger Bursche Roman Trzadka ini Weinrausch von einem„großen Ding in Friedenau" geplauscht. Er wurde festgenommen und im Laufe der Untersuchung kam man auf einen fliegenden Händler B r a u n i s ch. bn dem tatsächlich ein Teil der in Friedenau ge- stohlenen Sachen gefunden wurde. Die Verhaftung berührte den Händler höchst unangenehm. Er gehörte früher zu der b e r ü ch- t igten Plettner- Bande, die vor ungesähr 2 Jahren bei Hebrondamnitz ein regelrechtes Feuergefecht mit Beamten und Land- bevölkexung hatte. Sie wurde damals gesprengt und ein großer Teil ihrer Mitglieder verhaftet. Braunisch wurde am linken Fuße so schwer oerletzt, daß er amputiert werden mußte. Zu 4 Jahren Zuchthaus verurteilt, erhiell er nach zweijähriger Derbüßung Strafaufschub, weil man ihn durch den körperlichen Schaden schwer genug gestraft glaubte. Noch größere Ueberraschungen bot die Wohnung eines gewissen Artisten G u lz k i in der Gotzkowskistraße. Man fand ausgezeichnetes Einbruchswerkzeug, Pistolen, eine schwarze Maske, eine Strickleiter und in dem mit Geheimfächern ausgc- statteten Schreibtisch, den Gulzki sich selbst gebaut hatte, abermals einen Teil der Frieden au er Beute. Der jetzige Artist hat wegen Raubes S Jahre Zuchthaus zu verbüßen, wurde aber be» urlaubt, weil seine Frau vor der Entbindung stand. Am ver- gangenen Sonntag war er, wie die Frau angibt, den ganzen Tag unterwegs, angeblich, um nach einer Hebamme zu suchen. Als er am späten Abend nach Hause kam, brachte er die weise Frau tat- sächlich mit. Natürlich hat er nicht den ganzen Tag zu suchen brauchen. Die Hälfte des Tages hatte er vielmehr darauf verwandt, den Einbruch in Friedenau auszuführen. Trzadka hat inzwischen auch eingeräumt, daß er bei dem Einbruch zugegen war. Ihn, war der Wein zu Kopf gestiegen und er hatte aas der Schule geschwatzt. Jedoch war zunächst nur die Hälfte der Beute gesunden worden. Den Beamten der Dienststelle C. 8 gelang es jedoch, einen Mann bei verdächtigen Geschäften in der Münzstraße zu beobachten und ihm schließlich nach einer längeren Verfolgung auf dem Untergrundbahnhof„Kaiserhos" eine Aktentasche ab- znjagen, die für 6 0 0 Ü Mark Schmucksachen aus dem Fnedcnauer Geschäft enthielt. Der Angehaltene ist ein 40 Jahre alter Buchdrucker Paul Gann, der ebenfalls einen Teil der Beute zum Vertrieb erhalten hatte. Trotzdem man an drei Stellen Diebesgut beschlagnahmen konnte, fehlt noch fast die Hälfte der Beute. Dachftuhlbrand in der Fricdenftraße. Ein großer Dachstuhlbrand kam heute morgen kurz vor %6 Uhr in dem Hause F r i e d e n st r a ß e S0 in Berlin O. zum Ausbruch. Drei Löschzüge der Feuerwehr eilten unter Leitung des Baurates M« y e r herbei. Das Feuer, das an Bodengerümpel und Holzverschlägen reiche Nahrung fand, hatte sich inzwischen a u f den g a n Z e n_ D a ch st u h l ausgebreitet. Von den Nachbar- dächern und über eine mechanische Leiter wurde zieinlich zwei Stunden lang aus mehreren Rohren Wasser gegeben. Die Auf- rüumungsarbsiten dauerten bis Uhr vormittags. Der Dachstuhl ist zum größten Teil vernichtet. Die Entstehungsursache ist vcrmut- lich auf fahrlässige Brandstistung zurückzuführen. Provokationen bei einer Roethe-Gedenkfeier. Der Deutsche Ostbund veranstaltete am Sonntag mittag in der neuen Aula der Universität eine Roeihe-Gedöchtnis- feier, die sich in mehr als einer Beziehung zu einer üblen Demon- ftration gegen den neuen Staat auswuchs. Was sich z. B. der Redner Pros. Petersen in Anwesenheit republikanischer Behörden- Vertreter an unmotivierten Ausfällen gegen die Republik und Lob- Hudeleien für das monarchistische System erlaubte, war selbst für den Kenner der nationalistischen Atmosphäre unserer Hochschulen ein ent- schieden starker Tobak. Verantwortlich für die rhetorischen Hebungen dieses Akademikers ist der einladende Deutschs Ostbund. Seine politi- sche Tendenz ist damit zur Genüge charakterisiert. Wie aber kommen die Vereinigten Verbände heimattreuer Oberschlcsier in diese zweisel- hafte Gesellschaft? Nachdem Petersen den„glühenden Patrioten". den„objektiven" Beurteiler, den„traditionsgetreuen" Germanen, den wissenschaftlichen„Atlas" etwas byzantinisch gefeiert und Roeths mit Fichte verglichen hatte, rief er:„Wie konnte dieser Mann dem Hause Hohenzollern die Treue brechen?" Cr, der durch und in der„preußischen Tradition" großgeworden war? Dann wurde es hochpolitisch. Petersen sprach vom„Jahre des Unheils 1918". wo»der Thron gestürzt, das Vaterland gedemütigt, das HerbMürme Ein Arbeitssonntag der Feu Berlin erlebt« gestern einen Sturmsonntag. In der Stadt und vornehmlich in den Vororten, in Laubenkolonien und Wäldern hat der orkanartige W« st st u r m, der zum Teil von wolkenbruchortigen Regengüssen und Hagelschauern begleitet war, viel Schaden angerichtet. Die Skurmnachk zum Sonnlag. Noch in den Sonnabendnachmittagstunden herrscht« ein außer- gewöhnlich warmes Oktoberwetter. Bei wechselnder Bewölkung zeigt« die Quecksilbersäule bis zu 20 Grad Wörme. Dos spätsommerliche Wetter sollt« schon am Sonnabend abend ein jähes— kühles Ende erfahren. Kurz nach 11 Uhr abends brach über Berlin ein Orkan von unerhörter Gewalt herein. Der Himmel öffnete zu gleicher Zeit seine Schleusen und wahr« Sturzbäche ergossen sich über Berlin. Bald darauf trafen bei der Feuerwehr die ersten Alarme ein. In Rummelsburg in unmittelbarer Näh« des Bahnhofs stürzle ein 20 Meter hohes Baugerüst unter großem Krochen ein. Die Aufräumungsarbeiten waren sehr gefähr- lich, da noch stehende Gerüstteile nachzustürzen drohten. Fast um die gleiche Zeit richtete der Sturm im Romanischen Case an der Gedacht. niekirche große Verwüstungen an. Von Dachziegeln wurde das Glasdach durchschlagen. Tisch« umgerissen. Glücklicherweis« ist niemand ernstlich zu Schaden gekommen. Im gleichen Maße kamen Hilferufe aus allen Stadtgegenden. Der Sonnkagmorgen. Während das Toben des Sturmes in der Nacht etwas nachließ und der Regen heftiger wurde, änderte sich das Bild in den Sonn- t a g s v o rm i t t a g sst u n d e n wieder, von Z Uhr an waren die Feuerwehren wieder unuulerbrochcn unterwegs. In der Baum- schulenstraße brach ein großer Ast ob und traf die 19jährige Anna Schäfer zu unglücklich, daß sie schwerverletzt zusammenbrach. Fräulein Sch. fand im Blickower Krankenhaus Aufnahme, wo ein doppelter Schädelbruch festgestellt wurde. Einer 2Zjährigen Konto- ristin Luise Sch., die durch die A n d r e a s st r a ß e lief, stürzte ein Firmenschild, das der Wind losgerissen hatte, auf den Kopf. Mit einer schweren Kopsverlegung wurde sie nach der nächsten Rettungsstelle geschafft. In der Bu dopest er Straße kam ein Motorradfahrer mit semcm Fahrzeug ins Schleudern und prallte gegen eine Autodroschke. Der Motorradfahrer und der Krofi- droschkcnführcr zogen sich Quetsch- und Schnittwunden zu und mußten zur naheliegenden Rettungsstelle gebracht werden. Ins- gesamt wurde die Feuerwehr allein am Sonntag über jünfzigmal alarmiert, um Verkehrshindernisse oder abgestürzte Hausteile zu beseitigen. Schwer betroffen sind auch diesmal wieder zahlreiche Laubenbesitzer. In einigen Kolonien sind viele der leichten Häuschen zusammengestürzt. Unfälle aus dem Waffer. Auch auf den Gewässern in der Umgebung Berlins kam es infolg« des starken Wellenschlages zu«inigen Unfällen, die aber glück- licherweis« nicht allzu schwer verliefen. OlPleich überall der Stur in ball gezogen war, wagten sich einige von denen, die immer dabei sein müssen, auf dos durch den Sturm aufgepeitschte Wasser hinaus. Auf dem Müggelsee kenterte«in mit zwei Damen und einem Herrn besetztes Segelboot. Die drei Insassen stürzten ins Wasser. Von einem patrouillierenden Boot des Reichs- Wrisserschutzes war der Borfall rechtzeitig bemerkt worden: sie eilten sofort herbei und unter großen Anstrengungen gelang es, die mit den Wellen Kämpfenden zu retten. Auch auf der Havel und bei Tegel auf dem Tegeler See kam es zu einigen Bootshavarien, ohne daß, soweit bisher bekannt, Menschen zu Schaden gekommen sind. Die Eiderdeiche gebrochen. Schleswig, II. Oktober.(TU.) Die schweren Nordweststürme haben in der Eiderniederung in Schleswig-Holstein vielfach schweren Schaden angerichtet. In der Nähe des Eiderschöpfwerkes ist der Eiderdeich auf der Schleswiger Seite, etwa auf zwanzig Reich der Führer beraubt und Ehre und Treue vernichtet wurden". Roethe wäre der„Herold seines bewunderten Königs- Hauses" gewesen.„König und Vaterland war er treu bis in den Tod". Zum Schluß verstieg sich der akademische Demagoge zu folgender Beschimpfung: Roethes heiliger Germanenzorn sei erwacht gegen die Würdelosigkeit, ein Schuldbekenntnis abzugeben, an das man selbst nicht geglaubt habe. Diese zynische Geschichtsklitterung erlaubte sich ein deutscher Universitätsprofessor in der Aula der Ber- liner Universität gegen die Männer, die Deutschlands Einheit nach dem Zusammenbruch unter Einsatz der ganzen Person gerettet haben! Den hetzerischen Erguß hörten sich Vertreter des Marine- sowie des Reichswehrministeriums an._ tzitlerleute in Potsdam. Tie Hakenkreuzler provozieren blutige Schlagereien, Die LZotsdamer Nationalsozialisten hasten für Sonnabeim und Sonntag eine große Parade ihrer Parteigänger aus der gesamten Mark Brandenburg einschließlich Berlin angekündigt. Alles, was die Hitlerleute an versprengten Häuflein in Berlin und der Mark aufweisen, war zum„Märker-Tag" in die schwarzweißrote Residenz befohlen worden. Trotz alledem wurde es eine Riesen- pleite. Nie ist die klägliche Bedeutungslosigkeit diese� Bewegung drastischer erwiesen worden, als bei diesem„zentralen" Potsdamer Treffen der Hakenkreuzler. Der Umzug der Jünglinge, die sich zum Teil im zartesten Alter befanden, war eine Katastrophe. Die Bevölkerung begegnete dem Theater mit größter Reserviertheit, zum Teil mit offenem Gelächter und empörten Zurusen. In ganz Potsdam hatte man zum Gruß 2(zwei) Fahnen herausgesteckt. Roch nicht annähernd tausend Mann mit einigen 20 Fahnen, einer Musik- kapelle und etwas Knüppelmusik hatte man zum„Märker"-Tag zu- sammentrommeln können. Der Hitlsrapostel Strasser, der aus dem Bassinplatz zu seiner mageren Kolonne sprach, erging sich über die Weimarer Verfassimg. die er die„Darmat- und Kutisker- vsrfassung" yannte. Der Geist von Potsdam müsse wiederkommen. Im übrigen versprachen die Männlein vom völkischen Märkertag, den „Marxismus zu zersch metter n". Das dreiste, provo- katarische Auftreten des Hakenkreuzgesindels führte an z w e i S t e l- len zu erheblichen Schlägereien, die mehrere Ver- letztczurFolgehatten. In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag kam es in der K a i s e r- W i l h e l m- S t r a ß e vor und in einem Arbeiterlokal zu einer blutigen Schlägerei. Ein Trupp von 20— 30 völkischen Rowdies stürmte in das Lokal und grisf die Gäste völlig grundlos mit Schlagringen und Knüppeln an. Es kam zu einem w ü st e n Tumult. Die Einrichtung des Lokals wurde bei dem mit Stuhlbeinen und Bierkrügen geführten Kampf völlig demoliert. Eine Anzahl Gäste des Lokals wurden verletzt. Das alarmierte Ueberfollkommando nahm die Mehrzahl der national- sozialistischen Banditen, die wie die Bandalen gehaust hatten, fest und brachte sie zur Wache. Sonntag nachmittag gegen 5 Uhr kam es auf dem Markt zwischen Publikum und Hakenkreuzlern zu einer schweren Schlägerei. Auch hier waren die Hitler- leute die Angreifer. Beritten« Polizei, die in die Menge hineinritt, mußte die Kämpfenden auseinanderbringen. Tin schwerer Sirahenunfall mil tödlichem Ausgang ereignete sich am Sonntag nachmittag an der Ecke Schulenburgring und Hohen- zollernkorso zu Tcmpelhof. Ein neunjähriges Schulmädchen, das den Fahrdamm überschreiten wollte, wurde von einem Kraftwagen erfaßt über Oerliti. rwehr.- Fünfzig Alarme. Meter durchbrochen worden. Große Wassermengeu strömen in den Osterkoog, die die Bahnstrecke Rendsburg— Husum gefährden. Weiter ist an dem Eiderkoog ein kleiner Bruch eingetreten, ebenso an dem Tielencr Deich bei Bargen. Dort ertranken mehrere Kinder. die von den Fluken überrascht wurden. Weiter sind größere Schäden bei der Hohner Fähre im Rendsburger Kreis zu melden. SturmmelSungen von Ser Küste. Hamburg. 11. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Ein schwerci Nordweststurm wütete Sonnabend abend und den ganzen Sonntag über an der N o r d s e e k ü st e und in Hamburg. Mit Windstärke 12 fegte der Sturm am Tage orkanartig durch die Stadt, riß an verschiedenen Stellen Bäume aus, wehte Gerüste um und schlenderte von einigen Häusern Dachteile herunter. Im Hasen- gebiet tobte der Sturm besonders heftig. Das Wasser der Elbe stieg rasch auf 8,08 Meter über Hamburger Null, d. h. auf 3 Meter über den normalen Wasserstand. Die niedriger gelegenen Löschplätze und Straßen des Hafens waren völlig überschwemmt und unpassier- bar. Mit Kähnen wurde der Verkehr vermittelt. Einige Straßen- bahnlinien mußten umgeleitet werden. Die Keller in der Hasen- gegend standen unter Wasser. Seit zehn Iahren hat Hamburg nicht eine solche Sturmflut erlebt. Der Dampfervertehr erlitt er- hebliche Störungen. Einige schon in See gegangene Dampfer mußten zurückkehren. Der heimkehrende Dampfer„Deutschland", der in Cuxhaven Kajütpassagiere landen wollte, konnte wegen des Sturmes nicht anlegen und setzte seine Reise nach Hamburg fort. Der im Hamburger Segelschifshasen liegende englische Dampfer„Lord Har- rington" riß sich von seiner Verkettung los und wurde gegen andere Dampfer getrieben. Hamburg, 11. Oktober. Aus Cuxhaven wird gemeldet: Der Segler Frieda aus Rhauderfehn(Ostfriesland) ist oberhalb von Cuxhaven an der Rordseite des Fahrwassers gesunken. Di- gesamte'Besatzung wurde durch die Cuxhavcner Rettungsmann- schuft gerettet. Wie weiter aus Cuxhaven gemeldet wird, bc- findet sich der englische Dampfer„A t h e n a" in Seenot. Bei ihni befindet sich der englische Dampfer„Port Wellington". Ein Schlepper konnte wegen des Sturmes nicht auslaufen. Weskerland auf Sylt, 11. Oktober. Der starke Sturni, der Sonnabend und Sonntag die Insel Sylt heimgesucht Hot, hat an der Stoecke Hörmim— Westerland erhebliche Zerstörungen angerichtet. Der Bahndamm ist auf einer Länge von 400 bis 500 Meter zerstört worden. An der Westküste trat ein erheblicher Landabbruch ein. Auch sind größere Verluste an Vieh, das auf dem überschwemmten Vorland untergebracht war, zu beklagen. Beschädigungen an dem Damm Sylt-FÄtland sind, soweit bisher bekannt, nicht eingetreten. Skeklin, 11. Oktober. In der Nacht zum Sonntag herrschte entlang der ganzen Ostseeküste«in heftiger Sturm. der zeitweise die Windstärke 10 erreichte. Es wurden in der Stadt und in der Umgebung Ziegel von den Dächern geworfen, Fenster- scheiden eingedrückt und Bäume entwurzelt, so daß die Feuerwehr vielfach zu Hilfe geholt werden mußte. Di« im Hafen liegend Schiffe konnten nicht auslaufen. Ein mit fünf Personen besetztes Boot kippte um, vier Mann der Besatzung konnten gerettet werden, der fünfte ertrank. London, 11. Oktober. Ueber einen großen Teil Englands ging am Sopnabend ein heftiger Sturni nieder, begleitet von eineni sintflutartigem Regen. In London ist das Gerüst eines Neubaues eingestürzt, wobei mehrere Männer und eine Frau schwer verletzt wurden. In den südenglischen Häfen waren die »leisten Schiffe am Auslausen verhindert. In Dover ist der Kai überschwemmt worden. Zwei Kohlenlager wurden fori- geschwemmt. Von verschiedenen Küstenpunkten wird gemeldet, daß sich Schiffe in Seenot befinden. Die zwei Ozeandampfer„Coli- d o n i a" und„A u r a n i a" sind zusammengestoßen und haben schwere Beschädigungen erlitten. und überfahren. Das Kind hatte so schwere Verletzungen erlitten, daß der Tod auf der Stelle eintrat. Die Schuldfrage ist bisher noch nicht einwandfrei geklärt. Durch notwendig gewordene Äbsperr- maßnahmen in Tempelhof wird bekanntlich der ganze Fuhrwerk- und Kraftwagenverkehr durch den Hohenzollcrnkorso ge- leitet, so daß hier zeitweise ein geradezu beängstigender Verkehr herrscht. Es ist geradezu als ein Wunder zu bezeichnen, daß hier bisher noch kein weiterer Unfall zu verzeichnen war. Dem Andenken Karl Alakfchkes. Einer unserer Besten ist jetzt auch in Karl Mntschke dahingegangen. Ueber 3 0 Jahre gehörte er der Partei an und immer sich man ihn in den vor- bersten Reihen für die Interessen des Proletariats kämpfen. Bis zur Eingemeindung in Groß-Berlin war er Genieindevertreter des Ortes Niederfchönhaufen. Auch seiner Gewerkschaft, dem Deutschen Metallarbeiterverband, gehörte er nahezu 30 Jahre in Treu« an. Die Mitglieder der Partei und seine Gewerkschafts kollegen werden ihm ein treues Andenken bewahren. Der Gattenmorüprozeß Soehme. Eine merkwürdige Postkarte aus dem Kjelde. Der Prozeß gegen Sanitätsrat Boehme bewegt die Dresdener Oeffentlichkeit in einem ungewöhnlichen Maße. Die Zuhörer sind fast alle scharf gegen den Angeklagten eingestellt. So- bald dieser den Saal in den Pausen verläßt, hört man Beschimpfun- gen und Verwünschungen gegen Sanitätsrat Dr. Boehme, und wiederholt fällt das Wort„Mörder". Während jedes Prozesses erhalten alle Beteiligten Zuschriften von außen her, aber im Falle Boehme ergießen sich wahre Briejlawinen über die, die mit dem Prozeß zusammenhangen. Der Obmann der Geschworenen wandte sich am Montag morgen — ein nicht alltäglicher Fall— in einer sehr deutlichen Ansprache an die Zuhörer. Die Geschworenen erhielten außer Drohbriefen auch täglich andere Schreiben, in denen den Laienrichtern Ratschlage ge- geben und Lorwürfe wegen ihres Verhaltens gemacht würden. Die Geschworenen ersuchten, daß man sie mit deranigen Zuschriften verschonen möge, denn diese Briefe könnten an der unbeirrbaren objektiven Einstellung des Gerichts nichts ändern. Die Staatsanwaltschaft hat auch unzählige Briefe erhalten, und der Vor- sitzend« stellt fest, daß auch«r Drohbrief« und anonyme Schreiben bekommen habe. Schließlich erhob sich auch der Ver- leidiger, Iustizrat Dr. Knoll, und machte Mitteilungen ähnlicher Art. Die gereizte Stimmung, die sich aus diesen verschiedenen Erklärungen erkennen ließ, erfuhr noch eine weitere Verschärfung, als eine Viertel- stunde nach Beginn der Verhandlung der Verteidiger feststellte, daß eine ganze Anzahl noch nicht vernommener Zeugen im Saale sitze und der Verhandlung folge. Der sodann vernommen« Verwaltungsinspekior Hülse- Schweidnitz. der mit der Toten befreundet war, hatte ihr einen Brief geschrieben, der als unbestellbar zurückkam. Darauf habe er sich an die Polizei gewandt und gehört, daß Frau Boehme tot sei.„Run schrieb ich an Dr. Boehme selbst, der damals im Felde war, und bekam von ihm«in« Postkort« folgenden Inhalts:„Frau Anna Boehme ist an Herzschlag gestorben."— Vors.: Herr Boehme, haben Sie dem Zeugen das wörtlich geschrieben?— Angekl.: Da- weiß ich nicht mehr, wenn er es sagt, wird es wohl stimmen.(Große Bewegung.)— Justizrat Dr. Knoll(auf- springend): Das ist doch unmöglich, daß Sie so etwas geschrieben haben, Sie hätten doch nur mitteilen können, daß Ihre Gattin das Opfer eines Jagd Unfalls geworden ist. Der englisthe Sergarbeiterkampf. Keine Einstellung der Sicherheitsarbeiten. Lenden, tt. Oktober.(Eigener Drahkbericht.) Der Bergbau. .ampf ist In seine 24. Woche getreten, die deshalb besonders kritisch ist. weil sie die Entscheidung der Distrikte über Zlnnahme oder Ab- lehnung der radikalen Resolution bringen wird, die die Rückziehung der mit Sicherheitsarbeiten beschäftigten Bergarbeiter fordert. Es scheint, dofj auch die Distriktsversmnmlungen die Verantwortung für diesen Schritt nicht zu übernehmen wünschen. Auch hat der Berg- arbeiterverband des Distrikts Rotlinghamshire in einer Distrikts- Versammlung am Sonntag beschlossen, die Resolution den Mitgliedern zur llrabslimmung weilerzuleiten. Großzügige Unkerstützungsaktion. London, 14. Oktober.(EP.) Acht verschiedene Gewerkschaften haben sich verpflichtet, den Grubenarbeitern beizustehen, indem sie wöchentlich von jedem Arbeiter ein bis vier Schilling erheben wollen. Sie hoffen, dadurch IZll 000 Pfund Sterling auszubringen. Eine Botschaft der Führer. London, 11. Oktober.(EP.) verschiedene Führer der Gruben- arbeiterföderation haben heute Votschaften an die streikenden Kohlen- arbeiter gerichtet. In der Botschaft des Sekretärs der Gruben- arbeitsrgewerkschaft, Cook, wird gesagt: Der Kampf, der schon vor 24 Wochen eröffnet wurde, darf nicht fehlschlagen. Eine Unter- werfung würde eine Knechtschaft auf Jahre hinaus be- deuten. Die Arbeiter hoben ein Recht auf anständige Löhne. Abbruch des Bergarbeiterstreiks in Leicester? London, 10. Oktober.(WTB.) Der R a t der Bergarbeiter in der Grafschaft Leicester beschloß, den Streik abzublasen und den Mitgliedern dringend zu empfehlen, sich sofort an die Arbeit zu bogeben. Nahezu 60 Proz. der Grubenarbeiter in der Grafschaft Leicester sind bereits bei der Arbeit, und alle Kohlengruben fördern kommunistische Wahlmache. Don, Syndikus des Zentraloerbandes der Maschinisten und cheizer sowie Berufsgenosien Deutschlands, Dr. chans Schlesinger, wird uns geschrieben: Di«„Rote Fahne" bringt in ihrer Nummer 224 einen Artikel, In wellbem den beiden Norßenden, Klebe und Schlich- ting, Unehrlichkeit nachgesagt wird. Auf mein Anraten sehen die Vorsitzenden davon ad, in der„Roten Fahne" zu dem Pamphlet Stellung zu nehmen. Der Artikel ist aus durchsichtigen Gründen jetzt geschrieben worden, um die Kandidatur des Vorsitzenden Schlich- ting zum besoldeten Magistratsmitglied zu hintertreiben und um das außerordentlich wichtige politische Amt im Berliner Magistrat der Kommunistischen Partei in die Hände zu spielen. Di« von der „Roten Fahne" angezogenen Borgänge sind sowohl mir als ollen Verbandsinstanzen in.allen Einzelheiten bekannt und dahin auf- geklärt, daß auch nicht die Spur des Verdachtes einer unehrlichen Handlung an den beiden Vorsitzenden Klebe und Schlich- ting hasten geblieben ist. Die entstandenen Gerüchte sind von den Urhebern einwandfrei widerrufen und ihre Unhalt- barkeit urkundlich nachgewiesen, und das Ergebnis ist der Oeffentlichkeit unterbreitet morden. Es erübrigt sich daher, auf derartig haltlose Verdächtigungen zurückzukommen. was erforüert öer Seruf eines Irrenpflegers! Sind Bäckergesellen besonders geeignet dazu? So selbstverständlich es ist, daß in diesem Beruf« wie in jedem anderem«in« längere Berufsausbildung stattfinden müßt«, so gibt «s doch sogenannte berufene Berater, die einen entgegengesetzten Standpunkt einnehmen. So hält Herr Dr. Erich Friedländer In Brak««inen fachlich nicht vorgebildeten Ersatz ohne weitereg gerechtfertigt. Herr Dr. Rein-Landsberg a d. W. erblickt«inen vollwertigen Ersatz nur in den Militär- entlassenen aus der alten kaiserlichen Zeit. Der Direktor der Landesirrenanstalt in Teupitz, Herr Sanitätsrat Dr. W ö r n l« i n, aber hat«ine ganz besonder« Auffassung von dem Ersatz zun, Pflegeberuf. Dr. Wörnlein hat sich in letzter Zeit bereits durch sein sogenanntes Hausrecht an den Krieger- Mtilill. Vetklelis- li. MntMssMM! Am Montag, den 11. Oktober 1926. abend» 7 Ahr, la den.MusikersSlen", Kaiser-wilhelm-Slrafze 31: Konferenz aller SpD.-Velriebs- und GewerkschaftsfunkllouSre Tagesordnung: 1..Genf. Silverberg und Sozialdemokratie". Referent: Genosse Wilhelm Vlltmao«, M. d. R. 2 Aussprache.— 3. Die»Rote Woche". wir ersuchen alle Funktionäre, an dieser Sonferenz teilzn- nehmen. Funktionärousweis der parle! ist mllzubringeo. Da» Betriebsfekrekariat. gräbern in Teupitz bemerkbar gemacht. Männliches Pflege- rrsonal sucht Dr. Wörnlein in dem Organ des Bäcker- nnungs-Zweckverbandes„Germania", und die An- forderungen, die er stellt, sind so groß, daß ihm der genügende Ersatz wohl nicht recht zuströmt: denn wiederholte Inserate zeugen davon, daß Personen, die allen seinen Anforderungen entsprechen, sich schwerlich finden. Das Inserat in der„Bäcker- undKonditor- Tageszeitung" dieses Innungsverbandes hat folgenden Wortlaut: Gesucht: Zunge Bäckergesellen ledig, kinderlos, unbestraft, im Aller von 21 bis 28 Iahren, a l s Pfleger. Größe nicht unter 173 Zentimeter, ohne Schuhe gemessen, Körpergewicht entsprechend. Religion evan- gelisch. Lebenslauf erbeten mit genauen Angaben über vor- stehende Fragen, Herkunft, Berufsausbildung, überstanden« Krank- heilen, ob Eltern und Geschwister leben und gesund sind, oder woran leidend«vll gestorben sind: beizufügen beglaubigte Zeugnis- abschriften über alle bisher innegehabten Stellungen. Der Direktor der Landssirrenanstcllt Teupitz l. M. Kreis Teltow. Warum nun ausgerechnet Bäckergesellen als Pfleger gesucht werden, ist unverständlich. Sollten sie in der A n st a l t s b ä ck« r« i Verwendung finden, dann müßten sie doch als Bäckergesellen angefordert werden. Oder sollen die Bäckergesellen nebenbei Pflege- dienst tun und anstatt alz Bäcker, als Pfleger bezahlt werden. Oder sollen die Pfleger nebenbei unentgeltlich backen? Man wird aus dem Inserat darüber nicht recht klug. Katholische oder gar kon- sessionslose Bäckergesellen sind in der Irrenanstalt offenbar verpönt. Sind die Insassen in Teupitz allesamt evangelische Irr«? Daß ledige Personen gesucht werden, die kinderlos sind, zeugt von besonderer Vorsicht. Nach allem halten wir es für zweckmäßig, daß der Provinziol- ausschuß bzw. der Provinziallandtag darauf achtet, daß fachlich vor- gebildetes personal in den brandenburgischen Anstalten Verwendung findet, was zweifellos weit notwendiger ist als«in bestimmtes Religionsbekenntnis. Körpermaß mit Schuhen und dergleichen. CrfoZgreicheLohnbewegung in Serkonfektionsflickeroi 10 Prozent Lohnerhöhung. Der Deutsch« Textilarbeiterverband forderte bekanntlich ein« Erhöhung der äußerst niedrigen Tariflöhn« in der Konsektions- stickerei. In der Verhandlung mit den Unternehmern wurde«in« Einigung erzielt. Die Tariflöhn« werden um 10 Proz. erhöht. Weitere Auskünste und die neuen Tarife sind in der Geschäftsstelle des Verbandes, Andreasstraße 17, zu haben. Die Werkmeister des graphischen Gewerbes. Die Berliner Geschäftsstelle des Werkmeifterverbandes, der den Monat Oktober für das ganze Reich als Werbemonat ausgeschrieben hat, hatte zu Freitag abend nach dem„Klubhaus" in der Ohm- straße eine öffentliche Versammlung für olle Werkmeister, Faktoren und Direktricen der graphischen und Papierindu- st r i e einberufen. Genosse Roth, der das Referat hielt, zeigte in anschaulicher Weise, wie durch die Rationalisierung, die noch lange nicht abge- schloffen ffk. der Werkmeister im Setrieb« immer mehr degradiert wird. Man mißt dem Urteil des Werkmeisters, der gerade wegen seiner Stellung am besten die Betriebsführung auf ihre Richtigkeit erkennen kann, meist gar keinen oder nur wenig Wert bei. Di« Werkmeister, die sich keinesfalls gegen die unbedingt notwendige technische Umstellung der Produklionsstätten wenden, sehen klar. daß die unter dem Schlagwort„Rationalisierung" durchgeführte Um- stellung grundfalsch ist. Mit dem nicht endenwollenden Abbau, be- sonders von älteren Angestellten, der Niedrighaltung und Herab. setzung der Löhne und Gehälter und damit der Drosselung der Kaufkraft wird der Zweck der Rationalisierung gerade ins Gegen- teil verkehrt. Die Werkmeister und Faktoren müssen aber aus dieser Erkennt- nis auch die Konsequenz ziehen, sich restlos zu organisieren, um durch die Organisation einen Einfluß zu gewinnen auf die Wirt- schaftsführung. Sie dürfen nicht die Zügel schleifen lassen, wie es jetzt leider im Gegensatz zu früher von vielen geschieht, sondern wieder mehr gewers chaftliche Aktivität entfalten. Vor allem muß endlich gegenüber den Unorganisierten ein Trennungsstrich gezogen werden. Die Gewerkschaften werden in Zukunft mehr als heute nicht nur Sozialpolitik, sondern auch Produktionspolitik treiben müssen. Damit diese aber auch Erfolg habe, gilt es, ihren Einfluß durch restlosen Beitritt zu vergrößern. Er richtete an alle Organisierten die Aufforderung, durch rege Ar- beit mit dazu beizutragen, daß der Werbemonat des Werkmeister, Verbandes mit einem vollen Erfolg abschließt. Eine Aussprache schloß sich dem beifällig aufgenommenen Doo, trag nicht an, es folgten lediglich geschäftliche Mitteilungen. Neueinstellungeu im Ruhrbergbau. Essen. 11. Ottober.(Eigener Drahtbericht. Wie in Kressen de« Ruhrbergbaues verlautet, ist in allernächster Zeit mit einer erheb- lichen Steigerung der Kohlenförderung zu rechnen. Voraussichtlich werden noch im Laufe der nächsten Woche mehrere 1000 Arbeiter im Rlchrbergabu angelegt werden. Das Kohlensyndikat hat in der letzten Zeit wiederum sehr umfangreiche langfristig« Auslands- abfchlüsse getätigt._ Sport. Reime« zu Sarlshorst am Sonnkag, de« 10. Ottober. t. R e n n e n. 1. Ludwig Thoma(Oerted), 2. Rücksicht, 3. Amarhlli». Toto: 31:10. Platz: 11, II, 11:10. Ferner Uesen: Athalberga, Fasnir, Gegenwart, Dau, Immer Vorwärts. 2. R c n n e n. 1. Wetterscheide(Lt. v. Götz), 2. Sambur, 3. Rosenkönig. Toto: 62: 10. Platz: 17, 18, 18- 10. Ferner Uesen: Mundschenk, Eentrifugah Lese, Marquis. 3 Rennen. 1. Lausjunge(KukuNeS), 2. Wezna. 3. Sucre, ia. Toto: 15: 10. Platz: 11, 11. 13: IV. Ferner Uesen: EScorial, Countriside, Alexander der Große. Firn.. � � �„ 4. R e n n c n. 1. Abenteurer(Bismarck), 2. Jmmelmaon, 3. Raubritter. Toto: 29:10. Platz: 15, 14, 19:10. Ferner Uesen: Lautaret, Banco, My Lord ll, Ponzalom. stummer Teufel, Mainberg. 5. Rennen. 1. Schneeball(M. Dreißig), 2. Feenkönigi», 3. Semreri». Toto: 355: 10. Platz: 42, 17, 57: 10. Ferner Uesen: Oftrau, SiegeSzug, Graue Theorie, Maisahrt. S. R e n n e n. 1. Niederwald(v. Herder), 2. Atlantic, S. Mellarosa. Toto: 31:10. Platz: 15, 13:10. Ferner Uesen: Valuta,«avohard, Lafette. 7. R e n n e n. 1. Partie(Mais), 2. Mirko. 3. Jilderrm. Toto: 68: 10. Platz: 23, 24, 26: 10. Ferner liefen: OsiriS, Oberjäger, Princeß Frohsinn, Rom, Campanula._ Sie am gestrigen Sonntag geplante» Rennen ans der Olympia. Radrennbahn wurden infolge der ungünstigen Witterung abgesagt und sollen am kommenden Sonntag mit der gleichen Besetzung zum Austrag kommen. Berantwortlich fixt Politik: Dr. Durt Geyer; Wirtschaft: Urtur Satermu; Seiverlschaftsbewegulia: 3. Steiaer: Feuilleton: Dr. 3oh» Schitow,«: Lokalen und Sonsii-,«! ffrifc Jtorllobt; An,cia«n: Th.«locke: sämtlich in Berlin. Berlaa: Vorwäris-Verlaq«. ni. b. S.. Berlin- Druck: Borwärts-Buchdruckerek und Berlaasanstalt Paul Tinaer u. To.. Berlin EW 68. Lindeustrabe 3. Mßmekr« feit 80 Jahren bekannt— feinste Mifchuvge« zu billigsten Preisen. »illdi tz» Charlottenbur« ?>/» Uhr: Fldeifo Abonn.-Turnus III OeatsdieiMer Norden 10J34— 38 8 Uhr; Peripherie v.F. Langer. Regie: Max Reinhardt Kammerspiele Norden 10334—38 8 Uhr: Androklut and der LAwe Von Bernard Shaw Regle; Erich Engel Die Komödie Bismarck 2414, 7516 8 Uhr: Die Gefangene Von Bourdet Regie M. Reinhardt rhesteri. Roflti.Tor Kotibnacr Str. 8. Zdgl. 8 Uhr u. Donntag nachin 8 UhrP??c»Ari5?lEL»Av� C MAßE LL REVUE kjonWAmd Täglich SV- Uhr Ende prüsise 11 Uhr Preise M. 1.00— 15.00. Sonntag nachm.SUhiungekttPzte Vorstellung zu crai&Bicrt. Preisen CASiNO«THEATER 8 Uhr: Gräfin Tippmamsell Gutschein 1—4 Pers. Bei Vorzelg. der Aeaonce laut, nur 1,00 Mb., Seesei 1,5! fiownisefke Cpex Direktion. Hanns Otto ßoyen Der gro/fe Operetlenerfog l Sf Jidvienne v" mit Strak, Wtutly, Vklrl, Blas» Boattebar, Ball Vorverkauf ununterbrochen t.JOU. an NN Neues Theater am Zoo« 8„Ich hab Dich lieb" 8 Pirk. 1-5 II Stsnl I II Vnntrk. nmnttrhr. Stpl. 5371 Relchshallen«Theater 8 Uhr u. Sonntag nachm. 3 Uhr Sielftner Sänge? Das entzückende Programm! Nachmltus halbe Preise, Tolles Programm! 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Täglicher Genuß frischer Früchte ist kein Luxus, sondern Notwendigkeit Frische Früchte gibt es zu jeder Jahreszeit 9